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Digimon Adventure Ω

von

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Prolog

In der Ferne waren Rufe zu hören, nein, eher ein Heulen. Dies veranlasste die beiden kleinen Wesen, ihr Tempo zu erhöhen. Ihnen war klar, dass ihnen die Zeit ausging und sich das Tor bald schließen würde. So war es immer, die Tore öffneten sich immer nur wenige Minuten. Würden sie diese Gelegenheit verstreichen lassen, so würde es unangenehme Konsequenzen für sie haben. Nein, nicht nur für sie, sicher für die gesamte DigiWelt.

Eines der beiden Wesen, ein bläulicher Drache, übertrieb es nun und verlor das Gleichgewicht. Es stolperte und fiel unsanft auf die Schnauze. Sein Gefährte, ein weißes, glitzerndes Wesen, drehte sich abrupt um und eilte zu seinem Freund. Er half ihm auf und erhielt sofort einen Dank. Der bläuliche Drache überprüfte die kleine Tasche, die es mit sich führte. Es kontrollierte den Inhalt und war erleichtert, dass dieser unbeschädigt war. Es würde den Gegenstand in der anderen Welt noch dringend brauchen. Sofort vernahmen sie, wie der Feind sich ihnen näherte. Sie hatten etwas von ihrem Vorsprung eingebüßt, den sie dringend wiederherstellen mussten. Sie rannten los und erkannten in wenigen Metern vor ihnen das Tor. Es schimmerte grünlich und wirkte lediglich wie eine Lichtbrechung. Doch die beiden Wesen wussten, was es damit auf sich hatte. Sie sahen einander noch einmal an und nickten sich dann zu. Sie waren bereit, in das Tor zu springen, da tauchte der Feind hinter ihnen auf.

Zu spät war ihnen bewusst geworden, dass der Feind sich die letzten Meter unterirdisch fortbewegt hatte. Er preschte nun hervor und griff die Wesen an. Es handelte sich um eine riesige Maschine mit einem gewaltigen Maul. Es besaß die Schnauze eines Krokodils und gewaltige Kanonen auf seinem Rücken. Es schnappte nach dem blauen Drachen, doch sein Freund schoss einen weißen Blitz gegen das Maul des Ungetüms. Dies ließ den Feind nur kurz zurückschrecken, doch die Gelegenheit reichte. Das weiße Wesen griff die Hand des blauen und zog es mit sich Richtung Tor. Sie standen direkt vor ihm, da preschte der Feind erneut vor und drehte die beiden mit einem Angriff. Ihre Hände lösten sich voneinander, doch sie hatten es geschafft. Sie flogen durch das Tor, zumindest sah es für das weiße Wesen so aus. Es hatte seinen Freund aus den Augen verloren und hoffte, dass sich dieser in Sicherheit befand. Bei ihm selbst fing sich alles an zu drehen, und bald landete er an einem seltsamen Ort. Hohe Bauten zierten die Umgebung, und Lärm war zu vernehmen. Um sich herum erkannte es Lebewesen, die nicht seiner Art entsprachen. Sie gingen auf zwei Beinen und hatten Haare auf dem Kopf.

Folge 1 - Partner

Takeshi machte sich bereit, schlafen zu gehen. Er wollte heute nicht zu lange wach bleiben, denn morgen stand ein wichtiger Tag bevor – ein Ereignis, das sich nie wieder in seinem Leben wiederholen würde. Denn morgen würde er seinen ersten Tag als Mittelschüler erleben. Es war ein völlig neuer Abschnitt in seinem Leben, der alles verändern würde. Auf der anderen Seite war es etwas entmutigend, da er außerhalb der Schule nicht viel unternahm. Er hatte seine Hobbys, wie etwa die Spielhalle, die er mit seinem besten Freund Shun besuchte, oder seine Lieblingsserie Kamen Yusha, der er regelmäßig folgte. Und natürlich den Ramen-Laden um die Ecke. Dort gab es tatsächlich die besten Ramen, die er jemals genießen durfte. Schon mehrmals hatte er den Besitzer oder dessen Lehrling nach dem Rezept gefragt, war jedoch immer nur auf Schweigen gestoßen. Er konnte es verstehen, doch allein bei dem Gedanken lief ihm das Wasser im Mund zusammen.

Gerade als Takeshi seinen PC ausschalten wollte, an dem er alles für morgen vorbereitet hatte, erhielt er noch eine Mail. Er beschloss, diese noch schnell zu überprüfen, und hielt inne. Hatte er sich verlesen? Als Absender erkannte er den Namen 'Tsubasa'. Aber konnte das sein? Zuerst glaubte er nicht so recht daran, dann öffnete er die Mail und las mit Spannung. Sofort verbesserte sich seine Stimmung zusehends. Diese Person wollte sich morgen mit ihm treffen. Sie hatte Ort und Zeitpunkt genannt und fragte, ob dies für Takeshi in Ordnung sei. Dieser bejahte sofort, indem er eine ausführliche Mail zurückschrieb. Dann fuhr er seinen PC herunter und legte sich schlafen. Er konnte es kaum noch abwarten.

Sein fester Vorsatz, am nächsten Tag nicht zu verschlafen, löste sich in Luft auf, als er erwachte und auf seinen Wecker starrte. Er schimpfte teilweise mit sich selbst und zog sich schnell an. Er würde die Bahn verpassen, was ihn dazu veranlassen würde, das Fahrrad zu nehmen. Da seine Eltern oft früh zur Arbeit mussten, hatte ihn auch keiner frühzeitig geweckt. Schnell trank er in der Küche einen Schluck Wasser, nahm dann seine Schulsachen und machte sich auf den Weg. Als er mit seinem Fahrrad vor dem Schulgebäude zum Stehen kam, wurde ihm bewusst, dass er an seiner Kondition arbeiten musste. Er stellte es an der dafür vorbereiteten Stelle ab und schloss sich dann den Erstklässlern an, welche in das Gebäude strömten. Wie üblich fanden sie sich in der Sporthalle ein, in welcher bereits breitflächig Stühle aufgestellt worden waren. Als sich alle setzten, ließ Takeshi seinen Blick schweifen. Schnell hastete er zu einem Stuhl, bevor ihm dieser weggenommen werden konnte.

"Geschafft", stöhnte er erleichtert.

Der Junge neben ihm verschränkte die Arme und seufzte.

"Wie ich sehe, setzt du deine Einstellung vom letzten Jahr fort. Wir sind jetzt Mittelschüler, es wird mehr von uns erwartet", führte er Takeshi vor Augen.

Dieser rollte mit den Augen.

"Ja ja, ich weiß doch. Aber das ist unser erster Tag, überfordert mich nicht gleich", bat er.

Der Junge neben ihm lehnte sich in den Stuhl zurück und richtete seine Brille zurecht.

"Du kannst nur hoffen, dass wir wieder in derselben Klasse sind. Einer muss immerhin auf dich aufpassen."

Takeshi hasste es, wenn sein bester Freund Shun den Erwachsenen spielte, immerhin waren sie gleich alt. Doch es stimmte, dass sich Shun wesentlich mehr für die Schule anstrengte und sie allgemein ernster nahm als er selbst. Er mochte es nicht, wenn Shun ihn daran erinnerte, doch Takeshi kannte auch dessen Eltern, die manchmal ziemlich streng sein konnten.

Wenig später trat der Direktor der Schule vor das Mikro und gratulierte den Schülern zum neuen Schuljahr. Er erinnerte sie daran, ihre Pflichten ernst zu nehmen, aber auch Spaß am Alltagsleben zu haben. Danach wurde allen ein Zettel mit ihren Klassen überreicht, und Takeshi stellte erleichtert fest, dass er tatsächlich wieder mit seinem Freund vereint sein würde.

Der Klassenraum selbst wirkte nicht besonders. Takeshi entschied sich für den Platz hinten links, Shun einen weiter vorne, näher an der Tafel. Er ließ seinen Blick schweifen, doch er kannte kaum jemanden aus seiner alten Schule. Und zu den wenigen, die er erkannte, hatte er keinen großen Bezug. Er würde wohl größtenteils mit Shun abhängen. Gleichzeitig überlegte er, ob er vielleicht einem Club beitreten sollte, verspürte dann aber doch keine große Lust darauf. Der Kitakubu reizte ihn dann doch. Besonders wenn er direkt nach der Schule seinen Lieblings-Ramenladen aufsuchte. Seine Mutter kam erst spät abends nach Hause und konnte deshalb nicht für ihn kochen. Zwar bemängelte sie oft, dass Takeshi sich zu einseitig ernährte, auf der anderen Seite hatte sie auch noch keine der Ramen dort probiert. Der Unterricht begann, und Takeshi hörte mit halbem Ohr zu. Heute konnte er sich dies erlauben, doch morgen würde der wirkliche Unterricht beginnen. In der Pause schlenderte Shun zu ihm und reichte ihm etwas zu trinken. Takeshi nahm es gerne entgegen.

"Wollen wir heute etwas unternehmen? Die Spielhalle vielleicht? Heute geht das noch klar, aber die nächsten Tage müssen wir uns dem neuen Stoff widmen", meinte er.

Takeshi musste ihn jedoch enttäuschen.

"Geht nicht, ich treffe mich heute schon mit jemandem", verkündete er.

Shun musterte ihn skeptisch.

"Takeshi... sag bloß nicht... ein Date?"

Der Junge fuhr herum und hob abwehrend die Hände.

"Nein, nein! So ist das nicht. Ich habe gestern nur eine Mail von Tsubasa erhalten. Ich treffe mich heute mit ihm", erklärte er, bis er erkannte, dass Shun das wohl nichts sagen würde. Also verlieh er seinem Gesagten mehr Kontext.

"Ach, du wirst Tsubasa sicher nicht mehr kennen. Er ist weggezogen, als du gerade hergezogen bist. Wir haben immer im Garten gespielt und so. Kamen Yusha, um genau zu sein."

Shun runzelte die Stirn.

"Kamen Yusha? War das nicht deine Lieblingsserie?"

Takeshi brummte unzufrieden.

"Na klar! Ich war der rote Kamen Yusha und Tsubasa war der Gelbe. Wir haben immer den Yusha-Gruß gemacht!", sagte er und hielt sich zwei Finger vor das rechte Auge und zwei Finger über die Stirn.

Shun resignierte.
 

„Entschuldige, ich altere wohl schneller als andere Gleichaltrige“, korrigierte Takeshi sich selbst. Er ignorierte die Stichelei und dachte an Tsubasa zurück. Es fühlte sich wirklich nostalgisch an. Die beiden hatten fast jeden Tag miteinander verbracht. Tsubasa war sein bester Freund gewesen, bis er wegziehen musste. Danach war Takeshi traurig gewesen, doch Shun hatte ihn aufgebaut. Er fragte sich, ob Tsubasa immer noch Kamen Yusha verfolgte oder wie Shun sich entwickelt hatte.

„Jedenfalls wird er auf unsere Schule gehen. Heute müssen noch die Formalitäten erfolgen, aber morgen ist es soweit. Ich hoffe, er kommt auch in unsere Klasse. Mann, es gibt wirklich eine Menge, die ich ihm erzählen will“, sagte Takeshi zu Shun.

Shun nickte mehrmals. „Ja, ich wäre dankbar, wenn mir noch jemand etwas Arbeit abnimmt. Vor allem jemand, der versteht, wovon du manchmal redest“, stimmte er zu.

Takeshi seufzte und starrte aus dem Fenster. Vielleicht würde sein Schultag doch interessanter werden.

Als der Unterricht endete, verabschiedete er sich von Shun und studierte sein Handy. Er überprüfte noch einmal Zeit und Treffpunkt, die er mit Tsubasa ausgemacht hatte. Das war erst in zwei Stunden, und er überlegte, was er in dieser Zeit anstellen sollte. Zurück nach Hause? Hausaufgaben hatte er noch nicht auf. Vielleicht doch nochmal Shun anrufen und vorschlagen, zu den Spielhallen zu gehen? Nein, wie er sich und ihn kannte, würden sie dabei die Zeit vergessen, und er würde somit auch seinen alten Kumpel vergessen. Als er so überlegte, kam er zu einem logischen Schluss.

Er schnappte sich sein Fahrrad und raste los. Wenig später kam er an seinem Zielort an. Sein Paradies. Sein Shangri-La. Er stand vor seinem geliebten Ramen-Laden und trat ein. Erleichtert stellte er fest, dass außer ihm kaum Gäste da waren. Also setzte er sich wie so oft an den Tresen und wartete. Der Lehrling des Betreibers kam aus dem hinteren Bereich hervor und seufzte. Er trat auf Takeshi zu und grüßte ihn.

„Na, wen haben wir denn da? Wenn das nicht unser Stammkunde ist. Du hast unsere Ramen wirklich noch nicht satt, was?“, fragte der Lehrling.

Takeshi verneinte unverzüglich. „Nein, die werde ich nie satt sein. Und ich komme so oft wie ich kann, um eines Tages der 1-Millionste Kunde zu sein und ein Jahr kostenlos Ramen essen zu dürfen.“

Dafür erhielt er einen leichten Klapps auf den Kopf. „Träum weiter, solche Events wären geschäftsschädigend. Egal, dasselbe wie immer?“, fragte der Lehrling.

Eigentlich hätte er nicht fragen müssen, Takeshi bejahte augenblicklich, und der Lehrling gab die Bestellung nach hinten durch. Diese wurde mit einem „Sofort“ zur Kenntnis genommen. Takeshi kannte den Koch nicht, der seine Ramen für gewöhnlich zubereitete. Dessen Stimme klang immer recht hoch, wie von einem Kind. Doch sicher bildete er sich das nur ein.

„Ist der Inhaber heute nicht da?“, hakte Takeshi nach, während er wartete.

Der junge Mann vor ihm schüttelte den Kopf. „In letzter Zeit kümmert er sich lieber um seine Familie.“

Takeshi nickte. „Dann kannst du den Laden ja vielleicht bald übernehmen, Motomiya-sensei.“

Dessen Miene verfinsterte sich. „Nein... ich... habe noch einen langen Weg vor mir. Noch... sind meine Ramen noch nicht gut genug, um einen eigenen Laden zu rechtfertigen. Doch eines Tages... ja... eines Tages“, sagte der Lehrling und reckte seinen Kopf zur Decke, während er an seinen Traum dachte.

Dann waren auch bereits Takeshis Ramen fertig, und er ließ sie sich schmecken. Er wurde wie so oft nicht enttäuscht. Er zahlte und bedankte sich für das leckere Menü. Dann verließ er den Laden und ließ den Ramen-Spezialisten zurück.

Dieser sammelte die Schüsseln ein und brachte sie nach hinten. „Gönn dir eine Pause, im Moment haben wir sonst keine Kunden“, sagte er seinem Partner, der Ramen inzwischen bereits so gut zubereiten konnte wie er selbst. Dieser, ein recht kleiner Koch mit blauem Fell, schüttelte den Kopf. „Nein, ich koche schon mal vor. Man weiß nie, ob nicht eine Familie oder Arbeitskollegen kommen“, stand für ihn fest.

Sein Partner zweifelte aber daran. Er bezweifelte, dass sich heute noch viel tat. Er sollte sich irren. Kurz darauf erhielt er einen Anruf von jemandem, von dem er bereits länger nichts mehr gehört hatte. Besorgnis schwang nun in seinem Gesicht mit, und sein Partner wartete auf eine Erklärung.

„Veemon, eventuell müssen wir den Laden früher schließen. Es könnte ein Problem geben“, sagte dieser dann.

Takeshi sah noch einmal auf die Uhr. Er wollte unter keinen Umständen zu spät kommen. Er wollte einen schlechten Eindruck vermeiden, immerhin hatten er und Tsubasa sich seit fast sieben Jahren nicht mehr gesehen. Wie er heute wohl aussah? Doch er zweifelte nicht daran, ihn sofort wiederzuerkennen. Den blonden Schopf und die lebhafte Natur waren ihm noch gut im Gedächtnis geblieben. Er hatte sich auf dem Rathausplatz, direkt vor der U-Bahnstation, begeben und ließ seinen Blick schweifen. Über seinem und den Köpfen der anderen Passanten schwirrte nun eine Art Drohne. Takeshi fragte sich, wem sie wohl gehörte und was ihr Zweck war. Sie wirkte etwas ziellos. War sie am Ende defekt? Naja, ihm konnte es egal sein. Er trat näher an die Straße, um gut sichtbar zu sein. Von wo kam Tsubasa eigentlich? Mit der U-Bahn? Oder kam er mit dem Fahrrad?

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er seinen eigenen Namen hinter sich vernahm. Sofort drehte er sich um und sah jemanden auf sich zukommen. Zuerst dachte er an Tsubasa, wurde aber enttäuscht. Es handelte sich nämlich um ein blondes Mädchen mit sportlicher Kleidung.

Nun gut, sein Vorname war sehr geläufig, warum wand er dem Ruf keine große Bedeutung zu. Er wollte sich gerade wieder wenden, da kam das Mädchen vor ihm zum Stehen.

„Tut... tut mir leid! Bin ich zu spät? Dabei habe ich mich so gefreut, dich wiederzusehen!“, sagte sie etwas außer Atem.

Takeshi runzelte die Stirn. „Ähm... meinst du mich? Kann es sein, dass du mich verwechselst?“, hakte er nach.

Doch das Mädchen sah ihn nur besorgt an. „Du... bist doch Takeshi, oder?“, schien sie sich nun selbst nicht mehr sicher.

Der Junge nickte. „Ja, aber ich warte hier auf jemanden namens Tsubasa. Ich glaube nicht, dass wir uns kennen, oder?“

Das blonde Mädchen neigte den Kopf leicht nach rechts. „Ähm..., ja das bin ich. Tsubasa“, erklärte sie.

Takeshi neigte den Kopf nach links. „Wie? Du meinst, du bist eine Freundin von Tsubasa und kommst an seiner Stelle, weil er verhindert ist?“, versuchte er sich einen Reim zu machen.

Das Mädchen wirkte zunehmend verwirrt, bis ihr etwas einfiel. Sie hielt sich eine Hand vor das Auge und zwei der anderen Hand über die Stirn. „Kämpfer der Gerechtigkeit! Kamen Yusha Gelb!“

Takeshi ließ diese Geste auf sich einwirken. Dann erschien ein riesiges Fragezeichen über seinen Kopf.

Im selben Moment brach das Chaos los. Die Erde bebte unter den Füßen der beiden. Beide verloren den Halt und stürzten auf den Hintern. Wilde Rufe und fliehende Personen überall.

Takeshi kämpfte sich auf und reichte dem Mädchen die Hand. „Was? Ein Erdbeben? Jetzt? Und wieso wurden wir nicht gewarnt?“, verstand er nun gar nichts mehr.

Das Mädchen wandte ihren Blick in alle Richtungen. „Nein... nur die Umgebung um uns herum wackelt!“, vermeldete sie.

Das ergab nun gar keinen Sinn. Doch es blieb auch kaum Zeit darüber nachzudenken.

Ganz in ihrer Nähe brach die Straße ein, und ein großes Loch entstand. Menschen riefen um Hilfe.

„Nein! Karen! Yuta! So helft uns doch!“, rief ein Mann, und Takeshi rannte los.

Das Mädchen wollte ihn zurückhalten, doch ohne Erfolg.

Dieser war bei dem Mann angekommen und erkannte die Katastrophe. Eine Frau und ein Kind, augenscheinlich dessen Frau und Sohn, waren in ein Erdloch versunken. Ob sie verletzt waren, konnte er nicht beurteilen. Der Mann hielt seine Hand hinunter, doch der Spalt schien zu tief zu sein.

Also beschloss Takeshi, seinen Instinkten zu folgen und rutschte hinunter.

„Geben Sie mir den Jungen“, bat er, und die Frau folgte sofort.

Er nahm das Kind entgegen und reichte es dem Mann hoch. Dieser ergriff es und setzte es unverletzt ab. Als nächstes bot Takeshi der Frau an, auf seine Schultern zu steigen. Der Versuch endete erst etwas unbeholfen, dann konnte aber auch sie sich auf festen Grund retten.

Doch Takeshi stand nun vor demselben Problem wie die Eingebrochenen vorhin. Er schaffte es ohne Hilfe kaum wieder hoch. Allerdings war er agiler, und er hoffte, mit einem gezielten Sprung hochzukommen. Er unternahm einen Versuch, scheiterte aber. Der Mann reichte ihm schon die Hand, bis der Grund noch weiter einbrach und Takeshi ins schwarze Nichts fiel.

Der Mann wich erschrocken zurück, und auch Tsubasa war nun bewusst geworden, was geschehen war.

„Takeshi! Kannst du mich hören?“, rief sie nach unten.

Die weitere Person, die nun zu ihnen stieß, erkannte sie erst gar nicht. Es handelte sich um einen Jungen mit Brille, der sehr erschrocken aussah.

„Warte! Hast du gerade Takeshi gesagt?“
 

Besagter Takeshi wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob er sich etwas gebrochen hatte. Er tastete seine Beine und Arme ab, konnte es dann aber verneinen. Er nutzte die Taschenlampe seines Handys, um sich im Dunklen zurechtzufinden. Es dauerte eine Weile, bis er realisierte, wo er sich befand: in einem U-Bahnschacht. Gut, das ergab Sinn, denn der Eingang zur U-Bahn befand sich direkt am Platz.

Erleichtert atmete er auf. Das bedeutete nämlich, dass er hier nicht festsaß, sondern einfach nur ein paar Schritte zur Station gehen musste und schon konnte er mittels Treppe wieder an die Oberfläche. Das hieß, sofern diese nicht auch eingestürzt war. Doch er wollte im Moment nicht das Schlimmste hoffen.

Also schritt er voran und erkannte schwere Geräusche aus dem Gang vor ihm. Verdammt! Würde etwa ausgerechnet jetzt eine Bahn kommen? Konnte er wirklich so viel Pech haben? Aber nein, zu seinen Füßen erstarrte er; er befand sich nicht auf den Gleisen. Somit war er erst einmal sicher. Zumindest dachte er sich das so.

Er leuchtete nach vorne und konnte nicht glauben, was da auf ihn zukam. Es war langsamer als eine Bahn, wirkte im ersten Blick aber genauso. Es sah aus wie eine Maschine, aber auch tierrartig. Schließlich musste er sich eingestehen, dass nur 20 Meter von ihm entfernt ein riesiges Krokodil, völlig aus Metall, zum Stehen gekommen war.

War er eingeschlafen und versehentlich in einer Folge von "Kamen Yusha" gelandet? Nein, solche Kreaturen kamen dort nicht vor. Solche hatte er höchstens einmal im Fernsehen gesehen, als er noch klein war. Aber... konnte das wirklich sein? War das da vor ihm wirklich eines dieser Digimon, von denen er schon so viel gehört hatte?

Aber nein, das war nicht möglich. Diese Wesen lebten in ihrer eigenen Welt und nicht in der der Menschen. Allerdings schien die Kreatur vor ihm nichts davon zu wissen. So schwer sie war, war sie eindeutig für die Einstürze verantwortlich. Doch wozu war sie außerdem noch im Stande? Er würde es gleich am eigenen Leib erfahren. Etwas auf dem Rücken der Kreatur setzte sich in Bewegung und löste sich. Es raste direkt auf Takeshi zu.

Zum Glück wurde er von etwas Kleinem gepackt und in den nächsten Schacht gezogen. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm realisierte er, dass das Krokodil Geschosse auf ihn abgefeuert hatte. Er war gerade noch so gerettet worden. Er landete unsanft auf dem Boden, sein Retter auf ihm.

Verdutzt musterte er diesen. Es handelte sich ebenfalls um keine*n Menschen, sondern um eine Kreatur, wesentlich kleiner. Sie wirkte gläsern, mit weißer Haut, sofern man das Haut nennen konnte. Auf ihrem Kopf prangten bunte Kristalle.

„Was soll das? Willst du sterben, Mensch?“, fragte die Kreatur.

Takeshi kämpfte sich frei und trat einen Schritt zurück.

„Nein, natürlich nicht! Was war das für ein Monster? Und wer bist du überhaupt?“

Das Wesen bedachte ihn keines Blickes.

„Ich bin Prismamon! Der Feind hat mich also doch verfolgt. Gut... besser mich als ihn. Aber wir müssen ihn jetzt und hier unschädlich machen. Stehst du mir zur Seite?“

Takeshi verstand nur noch Bahnhof. Was angesichts seiner Umgebung auch nicht verwunderlich war. Doch das Wesen vor ihm... Prismamon? Es handelte sich also tatsächlich um ein Digimon. Takeshi hätte nie erwartet, mal eines mit eigenen Augen zu sehen. Und heute waren es sogar zwei auf einmal. Eines wollte ihn umbringen und das andere... wollte ihn dazu bringen, mit ihm zu kämpfen? War es verrückt?

„Was redest du da? Wir müssen hier weg! Das Ding schießt Kanonen ab, wir haben keine Chance!“, redete er auf Prismamon ein.

Das Digimon knurrte nur verächtlich.

„Dann waren die Gerüchte wohl falsch. Ich habe gehört, dass Menschen starke Kämpfer seien, durch die auch wir Digimon stärker werden. Aber das waren wohl nur Märchen.“

Das Krokodil bewegte sich nur behäbig und bog erst jetzt in ihren Schacht ein. Doch es gab kein Entrinnen mehr. Takeshi erkannte, dass sie sich in einer Sackgasse befanden. Doch was jetzt? Kämpfen? Nein, dieses kleine Ding war chancenlos gegen das Metallmonster. Dennoch ließ es sich davon nicht abhalten. Es schien einen Grund zum Kämpfen zu haben. Es stürmte auf den Feind los und schoss eine Art Blitz ab. Doch scheinbar ohne große Wirkung. Es wurde von einer Pfote weggeschleudert.

„Wo... Ort... Buch...“, grölte das Krokodil, doch Prismamon ballte nur die Fäuste.

„Vergiss es! Du kriegst meinen Freund nicht! Ich beschütze die, die mir wichtig sind!“, setzte es dem Feind entgegen.

Es setzte erneut zum Angriff an, aber mit demselben Effekt. Takeshi wurde klar, dass das Krokodil eine Frage beantwortet haben wollte, ansonsten hätte es das kleine Ding längst zerquetscht. Was sollte er unternehmen? Die Chance zur Flucht nutzen, während sich das Ungeheuer auf Prismamon konzentrierte? Nein, das konnte er nicht. Und Kamen Yusha hätte genauso wenig jemanden im Stich gelassen, der Hilfe benötigte. Doch Takeshi wusste, dass auch er nichts ausrichten konnte.

„Wenn... ich doch nur stärker wäre...“, krächzte er.

Nun nahm er eine Bewegung über sich wahr. War das... die Drohne von vorhin? Takeshi musterte sie und erkannte eine Art Kugel, die nun vor ihm zum Stehen kam. Eine Luke an der Oberseite öffnete sich und ließ eine Art Monitor aus Licht erscheinen. Ungläubig starrte er auf ein Gesicht, das sich darauf zeigte. Es war ein jüngerer Mann mit braunen Haaren und einem Pferdeschwanz.

„Wer... sind Sie denn jetzt?“, fragte Takeshi den Mann.

Der Mann brauchte etwas Zeit, um die Situation zu verstehen.

„Prismamon ist bei dir, richtig? Und er ist in Gefahr, so ist es doch?“, fragte der Mann.

Takeshi konnte nichts anderes als es zu bestätigen.

„Mein Name ist Gennai, ich überwache die Übergänge zu deiner Welt bereits eine Weile. Ich kenne dich zwar nicht, aber ich muss dich um einen Gefallen bitten. Bitte kämpfe zusammen mit Prismamon, um den Feind zu besiegen“, sagte der Mann.

Takeshi starrte ihn verständnislos an. Was genau verlangte der Typ da von ihm?

„Hallo? Haben Sie das Ungeheuer mit Ihrer Drohne nicht gesehen? Das Ding ist riesig!“, wandte sich Takeshi an Gennai.

Gennai nickte.

„Ja, Deckerdramon ist gefährlich, aber nicht unbesiegbar. Mit vereinten Kräften sollte es euch beiden möglich sein, den Feind zu besiegen“, sagte Gennai überzeugt.

Takeshi wollte gegen diese Behauptung argumentieren, doch Gennai schien bereits irgendwas einzutippen, und eine andere Luke an der Drohne öffnete sich. Ein Lichtblitz schoss heraus und traf Takeshis linken Unterarm. Doch er verspürte keinen Schmerz. Es fühlte sich warm an, und als er auf die Stelle blickte, starrte er verblüfft auf ein Gerät. Es war weißlich und dreieckig. Kurz erinnerte es ihn an das Verwandlungsgerät, das Kamen Yusha immer verwendete.

„Was... ist das?“, stotterte er.

Gennai ließ mit seiner Antwort nicht lange auf sich warten.

„Das ist ein DX-Ω. Ein DigiVice der neuesten Generation. Es erlaubt dir, zusammen mit Prismamon zu kämpfen. Ich bitte dich... steh ihm bei. Als Partner“, sagte Gennai.

Takeshi begutachtete das Gerät und zog es dann um ein Handgelenk weiter. Dann stand er auf und schritt näher zu dem Kampfgeschehen. Er verspürte Furcht, doch das Digimon vor ihm geriet immer weiter in Bedrängnis. Er durfte nicht länger handlungsunfähig bleiben. Auch wusste er nicht genau, wie er in das Kampfgeschehen eingreifen sollte, doch das DigiVice, wie es der Mann nannte, würde ihm schon dabei helfen.

„Prismamon! Bist du bereit?“, rief er dem Digimon zu.

Dieses machte einen Sprung nach hinten, direkt vor seine Beine.

„Hast du es dir anders überlegt?“, fragte Takeshi.

Takeshi nickte.

„Zeigen wir diesem Kerl, dass er hier nicht einfach so solchen Schaden anrichten darf!“, rief Takeshi.

Prismamon stimmte ihm zu und sprang auf den Feind zu.

Takeshi dachte nun nur noch daran, dem Kleinen helfen zu wollen, und sofort spürte er, wie das Gerät an seinem Arm wärmer wurde. Es begann zu leuchten, doch es war nicht das Einzige. Auch Prismamon begann nun zu glühen.

„Prismamon digitiert zu PrismKnightmon!“, hallte es plötzlich.

Das Digimon begann sich nun ganz von allein zu transformieren. Es war nun viel größer und menschenähnlicher. Es trug eine Art Helm, während sein linker Arm ein Schild war und über seinem rechten ein Schwert. Es wirkte beinahe wie ein Ritter auf Takeshi.

Nur leider ließ sich Deckerdramon von der Verwandlung nicht beeindrucken. Erneut aktivierte es seine Kanonen und schoss Raketen auf das nun transformierte Prismamon.

„Pass auf!“, warnte Takeshi.

Zum Glück unnötigerweise. PrismKnightmon hob sein Schild und wehrte das erste Geschoss ab. Dann sprang es hoch und zerschnitt das zweite mit seinem Schwert in Stücke. Noch bevor der Feind weitere abfeuern konnte, sprang es hoch, und sein Schild begann zu leuchten.

„Schimmerndes Inferno!“, rief es aus, und ein Schwall aus purem Licht verließ das Schild und strömte auf Deckerdramon zu. Dieser war natürlich so behäbig, dass er nicht mehr ausweichen konnte und direkt getroffen wurde. Eine Explosion folgte, von der selbst Takeshi sich schützend die Arme vor das Gesicht halten musste. Als er sich senkte, zerbrach das Krokodil in Stücke, welche sich einer nach dem anderen auflösten.

Der Junge rannte zu Prismamon, welches erneut leuchtete und seine ursprüngliche Gestalt annahm.

„Ist... ist es besiegt?“, fragte Takeshi, konnte sich diese aber selbst beantworten. Das Ungeheuer war bezwungen und verschwunden. Staub rieselte von der Decke, und Takeshi entschied, dass es hier dennoch nicht sicher war. Er lief zurück und erkannte, dass die Drohne wohl von etwas getroffen worden war. Er schüttelte sie etwas, doch der Mann, der darüber Verbindung aufgenommen hatte, meldete sich nicht mehr. Er beschloss, sie einzustecken und mitzunehmen.

Zurück bei Prismamon suchte er nach dem Ausgang. Doch es war das Digimon, das Rat wusste. Scheinbar war es ihm möglich, mit den Kristallen an seinem Kopf Licht zu generieren. Wie eine Taschenlampe leuchtete es nach vorne und spendete so Licht. So war es ein Leichtes, die Station zu finden und die Treppe, die nach oben führte. Diese war tatsächlich leicht eingestürzt, aber nicht so, dass große Brocken den Ausgang versperrten. Takeshi half Prismamon als erstes hoch, danach zwang er sich selbst an die Oberfläche.

Feuerwehr und Krankenwagen waren bereits eingetroffen und versorgten die Verletzten. Takeshi keuchte und überlegte, ob er auch einen Arzt brauchte. Als er sich selbst abtastete, stellte er aber fest, dass er nichts abbekommen hatte. Nach einigen Sekunden erkannte er zwei bekannte Gesichter in der Nähe. Eines davon gehörte dem Mädchen, das sich ihm als Tsubasa vorgestellt hatte. Das andere Shun. Wo kam der denn plötzlich her? Sie winkten ihm zu und wollten bereits auf ihn zustürmen. Doch jemand schien andere Pläne zu haben. Mehrere schwarze SUVs bogen um die Ecke und blockierten alle Zugänge. Mehrere Männer und Frauen in Anzügen stiegen aus und traten auf Takeshi und Prismamon zu. Einer von ihnen holte einen Ausweis hervor und hielt ihn dem Jungen hin.

„Verzeihung, aber wir müssen dich bitten, mitzukommen“, klang es jedoch mehr wie eine Forderung als eine Bitte.

Takeshi und Prismamon sahen einander an. Ihnen war klar, dass dieser Tag noch lange nicht zu Ende sein würde.

In einiger Entfernung, auf dem Dach eines Hauses, beobachtete ein weiteres Digimon das Geschehen. Es war fast gänzlich schwarz und wirkte wie ein Ninja aus alten Zeiten. Was gerade geschah, würde seinen Meister bestimmt enorm interessieren.

Folge 2 - Die neuen DigiRitter

Nervös sah Takeshi immer wieder von einem seiner Begleiter zum anderen. Unsicher spielte er mit seinen Fingern herum, während sein Blick immer wieder zu dem Wesen vor ihm wanderte. Nein, kein Wesen, ein Digimon. Er war gerade einmal ein Baby gewesen, als bösartige Digimon das erste Mal in die Welt der Menschen eintraten und diese als Geiseln nahmen. Zumindest hatte er es so im Geschichtsunterricht erfahren. Dadurch wusste er auch, dass nicht alle Digimon gefährlich waren oder böse Absichten besaßen. Nicht, dass er Prismamon solche angedichtet hätte. Am liebsten hätte er den Kleinen gefragt, was es in seiner Welt suchte, doch nun war nicht die Zeit. Vermutlich würden sie ohnehin bald eingehend befragt werden. Wohl in einem gemeinen Regierungsgebäude, tief im Keller, wo niemand wusste, wo er sich aufhielt. Wie lange würden sie ihn dort verwahren? Sicher nicht lange. Vermutlich würden sie sein Gedächtnis löschen. Bestimmt besaßen sie eine derartige Technologie. Bei Prismamon sah es da schon anders aus. Sie würden den armen in eine Art Energiekäfig sperren und nie wieder rauslassen. Das konnte Takeshi einfach nicht zulassen. Sie mussten fliehen. Aber wie? Die einzige Methode wäre Gewalt, aber gegen Menschen? Und was dann? Sich ewig verstecken? Ein Leben auf der Flucht? Würde er für seinen neuen Freund wirklich soweit gehen?

Der Wagen kam nun zum Halten, und die Tür ging auf. Ein Mann und eine Frau machten eine ausschwenkende Bewegung.

„Die Fahrt ist vorüber. Hier ist Endstadium.“, sagte die Frau.

Takeshi war verwundert. Die Fahrt hatte sich für ihn gar nicht so lange angefühlt. Egal, jetzt gab es kein Zurück mehr. Nun musste er sich dem stellen. Er und Prismamon verließen das Innere und traten auf die Straße. Takeshi erwartete einen riesigen Regierungskomplex oder eine große Halle, von einem Elektrozaun umgeben. Nichts davon war der Fall.

„Ähm... ist das nicht...“, stammelte er, doch die Frau nickte nur.

Sie wies auf den Eingang und schloss die Tür wieder. Takeshi bekam kaum mit, dass die SUVs wieder losfuhren und die beiden stehenließen.

„Hey, was ist das für ein Ort?“, fragte Prismamon und deutete auf das Gebäude vor ihm.

Takeshi schluckte.

„Das... ist der beste Ramen-Laden der Stadt.“

Zum zweiten Mal an diesem Tag betrat er das Geschäft und sah sich um. Erneut war keiner außer ihm anwesend. Prismamon durchkämmte den Raum, als erwartete es eine anbahnende Gefahr.

Als jemand von hinten an die Theke trat, ging er in Verteidigungshaltung.

„Ah gut, ihr seid hier. Moment, ich hänge das Geschlossen-Schild nach draußen, dann bin ich für euch da.“, sagte er und eilte zur Tür.

Takeshi sah zu Prismamon und zuckte mit den Schultern. Auch er verstand nicht, was hier vor sich ging. Also setzte er sich an einen freien Platz und wartete. Bald war der Ramen-Meister auch schon zurück.

„Ähm... Motomiya-sensei... kannst du mir sagen, was...“, begann er, wurde aber schnell unterbrochen.

„Ich habe dir doch x-mal gesagt, dass Davis reicht. Eure Portion ist schon in Arbeit. Keine Sorge, geht aufs Haus.“, entgegnete er.

Takeshi hatte Probleme, alles zu verarbeiten, aber die Aussicht auf kostenlose Ramen konnte sein Gehirn wesentlich schneller aufnehmen. Aber warum euch? Aßen Digimon etwa auch Ramen?

Plötzlich sprang etwas Kleines, Blaues auf den Tresen und stellte ihnen zwei Schüsseln hin.

„Hier einmal! Einmal Ramen wie üblich und einmal Spezial mit viel Fleisch!“

Takeshi musste aufpassen, nicht vom Stuhl zu fallen.

„Was? Noch ein Digimon? Wo kommt das denn her?“, fragte er verblüfft.

Davis rieb sich verlegen am Kopf.

„Ach stimmt ja, ich hatte nie die Gelegenheit euch einander vorzustellen. Das ist Veemon, mein Partner.“, erklärte er.

Takeshi nickte zögerlich.

„Partner? Du meinst im Ramen-Laden?“

Davis lächelte.

„Ja, das auch. Aber du hast jetzt ebenfalls einen Partner, richtig? Wie ist denn sein Name?“, deutete er auf das Digimon neben ihm, das sich jetzt der Ramenschüssel widmete, aber schnell zurückzog, da sie doch noch recht heiß war.

„Pri... Prismamon! Mann, ist das heiß!“

Takeshi räusperte sich.

„Ramen muss man möglichst heiß essen!“, belehrte er es.

Veemon musterte Prismamon eingehend.

„Also? Willst du uns deine Geschichte erzählen? Du hast für ziemlichen Wirbel in dieser Welt gesorgt.“, sagte es kritisch.

Prismamon wechselte sofort in eine Abwehrhaltung. Es wirkte verschlossen und wollte nicht ganz mit der Sprache rausrücken. Takeshi legte ihm eine Hand auf den Kopf und tätschelte ihn.

„Keine Sorge, ich kenne Moto... äh Davis. Jemand, der Ramen so zubereiten kann wie er, kann unmöglich eine schlechte Person sein. Du kannst dich ihm anvertrauen.“, versicherte er.

Prismamon nickte und wollte etwas erwidern. Dann ging unerwartet die Tür auf, und zwei Gestalten traten ein. Das Geschlossen-Schild ignorierend, stapften sie ins Innere und sahen sich um.

Takeshi sprang sofort auf.

„Shun? Äh... die verdächtige Person, die sich als Tsubasa ausgibt? Was macht ihr denn hier?“, hakte er nach.

Das Mädchen spähte sofort zu ihm und gab ihm einen Klaps auf den Kopf.

„Hallo? So sehr freust du dich also deine Kindheitsfreundin wiederzusehen? Und ich hatte mir unser Wiedersehen so schön vorgestellt.“

„Veemon, mach noch zwei Schüsseln fertig.“, trug Davis seinem Partner auf.

Dieser nickte und begab sich nach hinten.

Shun packte Takeshi an den Schultern. Er erkundigte sich, ob es diesem auch ja gut gehe. Doch dieser konnte seinen Freund beruhigen. Bis auf ein paar Schrammen war er in Ordnung. Natürlich fragten sie, was vorgefallen war, und auch Davis wollte einen ausführlichen Bericht. Jedoch wartete er noch gänzlicherweise, bis die anderen Schüsseln Ramen fertig waren und Shun und Tsubasa sich gesetzt hatten.

Takeshi ließ sich Zeit, die Ramen zu verschlingen, auch wenn die anderen ihn erwartend anstarrten. Schließlich begann er mit seinem Bericht. Wie er dem bösartigen Digimon gegenüberstand und wie er von dem Mann namens Gennai gebeten wurde, Prismamons Partner zu werden. Dann fischte er die Drohne aus der Hosentasche und überreichte sie Davis.

„Ich fürchte, sie ist kaputt gegangen. Keine Ahnung, ob man zu diesem Gennai noch Kontakt aufnehmen kann. Kennst du den?“, reichte er das Gerät weiter.

Der Ramen-Koch nickte.

„Wir hatten schon miteinander zu tun. Ist eine lange Geschichte. Ich werde das einem Freund bringen. Wenn es jemand wieder zum Laufen bringen kann, dann er. Ich bin echt auf seine Erklärung gespannt, wieso wieder irgendwelche Digimon in unsere Welt eindringen. Eigentlich sollten die Tore momentan geschlossen sein.“, meinte er und sah dann zu Prismamon.

Es war ersichtlich, dass er eine Antwort erwartete. Doch erst nach Takeshis Zutun, ließ sich dieses dazu herab.

„Nö, in letzter Zeit tun sich oft Tore in der DigiWelt auf. Aber nur kurz, und sie sollen sehr instabil sein. Ich und Ruri sind durch eines gesprungen. Doch leider ist uns Deckerdramon gefolgt.“, erzählte es.

„Ruri?“, hakte Tsubasa nach.

Das Digimon bejahte.

„Ruri ist mein bester Freund. Deckerdramon und seine Kumpane sind hinter ihm her. Darum wollte ich ihn in Sicherheit bringen.“, sagte es.

„Hinter ihm her? Warum das denn?“, hakte Shun nach.

Prismamon zuckte mit den Schultern, wich aber gleichzeitig seinem Blick aus.

Takeshi hatte das Gefühl, dass es mehr wusste, wollte es im Moment aber nicht drängen.

„Kannst du uns wenigstens sagen, wer hinter ihm her ist? Du hast Kumpane erwähnt.“, kam es nun von Veemon.

Prismamon hielt einen Moment inne.

„Deckerdramon und seine Kumpane... sie hassen Menschen sehr. Aber ich weiß nicht warum. Das ist schon so, seit der König im Amt ist.“, erzählte es.

Takeshi und die anderen tauschten Blicke aus.

„König? Was denn für ein König?“

Prismamon schlürfte weiter seine Ramen.

„Na der König der Digimon natürlich! Er hat sich eine ganze Armee aufgebaut.“ Takeshi sah zu Davis. „Sagt dir das was?“ Doch der Ramen-Meister verneinte. „Ich kenne einen Digimon-Kaiser, aber das meint es sicher nicht. Jedenfalls ist es besorgniserregend, wenn es wirklich jemanden gibt, der in der DigiWelt die Macht ergriffen hat. Das ist in der Vergangenheit noch nie gut gegangen.“ Takeshi erhob sich nun. „Also gut! Ich habe mich entschieden! Ich werde Prismamon helfen, seinen Freund wiederzufinden.“ Während sich Shun an die Stirn klatschte, kam Beifall von Tsubasa. „So kenne ich meinen Takeshi! Kamen Yusha hätte sich genauso für jemanden in Not eingesetzt!“ Takeshi war zwar nicht auf Bewunderung aus, wurde aber trotzdem verlegen. „Danke. Hey, du bist tatsächlich Tsubasa, oder?“ Eine weitere, diesmal aber leichtere Kopfnuss folgte. „Hey, kannst du uns sagen, wie dein Freund aussieht?“, bat Veemon um eine Beschreibung dieses 'Ruri's. Davis hatte eine Idee und brachte Prismamon einen Zeichenblock. Sofort machte sich dieses an die Arbeit. Mit einem mäßigen Ergebnis. Zeichnen war nicht seine Stärke, es glich eher einer ausgemalten Skizze. Dennoch meinten sie eine Art blauen, kleinen Drachen erkennen zu können. „Das ist Ruri!“, sagte Prismamon stolz. Takeshi sah sich das Werk genauer an. „Du hast ihn ja mit einer Tasche gezeichnet. Trägt er diese bei sich?“ Prismamon reagierte ausweichend. „Ja... manchmal. Jedenfalls ist er irgendwo in dieser Welt. Wir müssen ihn finden, bevor es die Schergen des Königs tun!“, stand für es fest. Tsubasa erhob sich. „Alles klar! Du kannst nicht nur auf Takeshi zählen, ich und Shun helfen dir ebenso!“, stand für sie fest. Der Junge mit der Brille neben ihr räusperte sich. „Ähem, könntest du bitte nicht für andere entscheiden?“ Als er dann aber die Rehaugen seines besten Freundes erblickte, ließ er sich breitschlagen. Jemandes Handy klingelte, und Davis ging ran. „Hey, sie sind gerade bei mir. Ich erzähle euch alles ausführlich, aber erst mal möchte ich eine Drohne oder was das darstellen soll, an Koshiro-san schicken lassen. Ich würde sie ja selbst reparieren, aber Gott hat mir lediglich Talent über Ramen verliehen, nicht über Technik.“, erklärte er. Dann wirkte er beunruhigter. „Was? Seid ihr sicher? Das Einkaufszentrum? Aber das ist ja gleich um die Ecke!“ Takeshi und die anderen sahen sich an. Was genau hatte Davis erfahren? Dieser beendete das Gespräch schnell und berichtete dann. „Scheinbar gab es seltsame Sichtungen im Miura-Einkaufszentrum. Die U-Bahnstation scheint nicht der einzige Ort zu sein, an dem Digimon aufgetaucht sind.“ Prismamon sprang sofort auf den Tresen. „Das... das muss Ruri sein! Bestimmt!“ Auch die anderen hielten das für möglich. Vermutlich war es in der Nähe durch das Portal gekommen. „Alles klar! Davis-sensei! Bitte bring das Gerät zu deinem Freund. Wir kümmern uns inzwischen um das Problem.“, entschied Takeshi.

Dieser hatte seine Zweifel. „Soll ich nicht lieber mitkommen?“ Doch Takeshi schüttelte den Kopf. „Ach was. Prismamons Freund ist immerhin nicht gefährlich, richtig?“ Das kristallene Digimon bejahte. „Genau! Ruri ist sogar jemand, auf den man sich total verlassen kann!“ Davis gab nach. „Also gut. Ihr sammelt das Digimon ein, und wir treffen uns danach wieder hier.“ Alle waren mit dem Plan einverstanden. Takeshi leerte seinen Rucksack und verstaut Prismamon im Inneren. Nach den Ereignissen in der U-Bahn wäre es nicht gut, wenn jemand ein Digimon zu Gesicht bekäme. Takeshi, Shun und Tsubasa beschlossen zu laufen, das Einkaufszentrum war gerade mal eine Meile entfernt. Davis und Veemon machten sich ihrerseits auf, um die Drohne reparieren zu lassen. Umso schneller Gennai ihnen Antworten liefern konnte, desto besser.

Das Schreien der Menschen ließ sie selbst verunsichern. Nichts, aber auch absolut nichts in dieser Welt war so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Es gab so viel Neues, dass sie nicht wussten, was sie sich zuwenden sollten. Noch dazu schienen die Leute hier nicht zu sehr mit Digimon vertraut zu sein. Sie wurden ständig als 'Schlange' oder 'Affe' beschimpft. Schließlich zogen sie sich in einen dunklen Schacht zurück. „Nicht gut, nicht gut. Unsere Mission läuft total schief.“, sagte die Schlange. Der Affe kratzte sich am Kopf. „Schon ja. Wir sollten dieses Buch finden, aber diese Welt hier ist riesig. Wir haben sogar die Bewohner hier gefragt, ob sie das betreffende Digimon gesehen haben, aber alle rennen nur vor uns weg.“ „Das muss an deinem furchteinflößenden Äußeren liegen.“, meinte die Schlange. Der Affe fiel aus allen Wolken. „Wieso das denn? Ich bin doch total unscheinbar!“, rechtfertigte er sich. Die Schlange verneinte. „Nein, warum laufen die Menschen dann vor dir weg? Ich hingegen bin total süß“, stand für sie fest. Der Affe brummte hörbar, scheinbar war er völlig anderer Meinung. „Egal, wir müssen hier weg. Suchen wir woanders, vielleicht sind die Menschen an einem anderen Ort hilfsbereiter.“, sagte er hoffnungsvoll. Die Schlange musste ihm rechtgeben. Hier kamen sie nicht weiter. Sie wanderten den Schacht entlang, um nach dem Ausgang zu suchen.

Takeshi und die anderen waren nun vor dem Einkaufszentrum angekommen. Die Leute waren bereits ins Freie gestürmt, sie hingegen mussten ins Innere eindringen. Besser gesagt als getan. Zwei Sicherheitsangestellte stellten sich ihnen in den Weg, sie waren wohl damit beauftragt, das Gebäude zu evakuieren. Takeshi erklärte ihnen, dass sie dort drinnen mit jemandem verabredet waren, doch die Männer versicherten ihnen, dass das ganze Gebäude bereits leer sei. Da eine zweite Erklärung unglaubwürdig gewesen wäre, suchten sie nach einem anderen Einstiegspunkt in das Einkaufszentrum. Schließlich wurden sie auf der Rückseite fündig, dort wo die Waren mittels Transporter eingeladen wurden. Takeshi kletterte sofort nach oben und ins Innere. Er half Tsubasa hoch, sodass nur noch Shun übrig blieb. „Muss... das wirklich sein?“ Takeshi bat seinen Freund, sich nicht so anzustellen, und half auch ihm hoch. Im Inneren suchten sie vergebens nach einem Lichtschalter. Wieder erwies sich Prismamons Fähigkeit als nützlich. Sie schlichen durch den Gang, und Takeshi erinnerte sich immer wieder an die Zeichnung, die sein neuer Partner angefertigt hatte. Etwas, das einem blauen Drachen ähnelte, konnten sie nun wirklich nicht erblicken. „Ruri!“, rief Tsubasa als Erste nach dem Digimon. Ohne Erfolg. Takeshi tat es ihr gleich, und auch Shun ließ sich herab. Sie waren gerade in den Verkaufsbereich getreten, scheinbar befanden sie sich in der Abteilung für Kuscheltiere. „Da! Ich hab euren Drachen.“, sagte Shun nun und hielt ein grünes Plüschtier hoch. Takeshi erinnerte ihn daran, dass der Drache, den sie suchten, blau war. Er selbst hielt einen Dinosaurier hoch. „Hm. Kommt einem Drachen doch am nächsten.“ Tsubasa seufzte. „So kommen wir nicht weiter. Die hier sind doch allesamt nicht echt“, stutzte sie die beiden zurecht und hob selbst ein Plüschtier in Form einer Schlange hoch. „Hey, das hier fühlt sich aber echt komisch an“, murmelte sie und starrte die Schlange an. Die Augen der beiden trafen sich, und schließlich entfuhr der Schlange die Zunge, welche Tsubasa entgegenzischte. „Kyaaa!“ Kreischend ließ sie die Schlange los, welche das Weite suchte. Takeshi rannte ihr vergebens nach. „Hey, Prismamon! Das war nicht dein Kumpel, oder?“, wollte er auf Nummer sicher gehen. „So schlecht kann ich jetzt auch wieder nicht zeichnen, oder?“, rechtfertigte sich sein Partner. Schließlich war ein Drache doch recht leicht von einer Schlange zu unterscheiden. „Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Shun. „Wir wissen nun, dass die gesichteten Digimon hier nicht Prismamons Freund sind. Sollen wir uns zurückziehen und den Profis das Feld überlassen?“ Takeshi schien sich aber bereits entschieden zu haben. „Keine Sorge! Prismamon und ich sind Profis!“ Shun wollte anmerken, dass die beiden sich gerade mal vor ein paar Stunden kennengelernt hatten, ließ es dann aber bleiben. Auch Prismamon schien motiviert zu sein. Und die Gegner waren kein Vergleich zu dem monströsen Deckerdramon, das sie in der U-Bahn angegriffen hatte. Also nahmen sie die Verfolgung auf und registrierten jede Bewegung in ihrer Umgebung. Tsubasa hielt sich an Shun, der Junge fragte sich, ob sie nicht sonderlich gut mit Schlangen war. Takeshi und Prismamon waren bis in den Küchenbereich vorgedrungen und entdeckten die Schäden, welche die Digimon angerichtet hatten. Hier waren sie definitiv richtig. Sie schritten voran, bis sein Partner etwas zwischen den Tischen wahrnahm. Etwas sprang hervor und schien etwas in der Hand zu halten. Es war grün und nicht sonderlich groß. „Vorsicht!“, warnte Takeshi. Er hatte zuerst bemerkt, dass der Gegner eine Waffe besaß. Es handelte sich um eine Steinschleuder, welche er nun einsetzte. Er konnte nicht erkennen, was als Geschoss benutzt wurde, nur dass es hart einschlug. Der Gegner, eine Art Affe, stand nun auf dem Tisch und bereitete sein nächstes Geschoss vor. Doch Prismamon war schneller. „Weißer Blitz!“, feuerte es seine Attacke ab, welche den Affen nur knapp verfehlte. Dafür wurde der Tisch in seine Einzelteile zerlegt. Der Affe sprang wieder davon, und Takeshi sah, wie er mit der Schlange wiedervereint wurde. Die beiden arbeiteten also zusammen. Auch Shun und Tsubasa waren nun zu ihm aufgeschlossen, letztere hielt eine Pfanne in der Hand, um sich zu verteidigen. Nun übernahm die Schlange und startete einen Angriff. „Lilane Säure!“, spuckte sie einen Klumpen auf Prismamon. Dieses konterte, indem es den Angriff mit seinem weißen Blitz abwehrte.
 

„"Hey, das ist nicht das Digimon mit dem Buch, oder?“, raunte der Affe ihr zu. Die Schlange verneinte. „Nein. Vermutlich gehören sie zum Dunklen König. Damit sind sie so oder so unsere Feinde.“ Prismamon hielt inne. „Moment! Ich dachte, ihr würdet zum Dunklen König gehören?“ Die Schlange und der Affe sahen einander an. „Als ob! Wir gehören zum Widerstand. Ist doch so, oder?“ Der Affe stimmte zu. „Ja! Darum müssen wir auch dringend das Buch finden.“ Prismamon reagierte angespannt. „Keine Chance! Das Buch gehört Ruri! Niemand nimmt es ihm weg!“, stand für es fest. Dies schien nicht die Reaktion zu sein, mit denen die beiden Digimon gerechnet hatten. Sofort gingen sie wieder in Angriffsstellung. Bis sich Tsubasa einmischte und dazwischen ging. „Jetzt wartet doch mal! Ich habe den Eindruck, dass keiner hier wirklich kämpfen will! Können wir das nicht anders klären?“, fragte sie hoffnungsvoll. Takeshi betrachtete Prismamon. Es wirkte ernst. Er wollte nachfragen, von welchem Buch die Rede sei, doch jetzt war nicht die Zeit. Es schien wichtig zu sein, sonst hätte es sein Partner bisher nicht verschwiegen. Die Schlange blieb weiter misstrauisch und erwartete sogar einen Angriff seitens des blonden Mädchens. Shun trat nun an ihre Seite und wiederholte das Gesagte. „Wir wollen niemandem schaden. Und ihr bestimmt auch nicht, oder? Wenn ihr von einem Widerstand redet, bedeutet das doch, dass ihr euch für das Gute einsetzt, richtig?“ Es war der Affe, der antwortete. „Ja. Natürlich sind wir auf der Seite derjenigen, die sich nicht selbst beschützen können.“ Shun atmete erleichtert aus. „Dann gibt es keinen Grund, dass wir uns bekämpfen. Ich bin Shun. Das sind meine Freunde Tsubasa und Takeshi.“, reichte er dem Affen schließlich die Hand. Nach einigem Zögern ergriff dieser sie. „Ich bin Koemon. Und das da ist Hebimon. Tut mir leid, das war ihre Idee. Sie hat manchmal keine Manieren.“ Sofort zog er den Zorn des Digimon auf sich, das ihn erbost anzischte. „Wer hat denn seine Steinschleuder eingesetzt?“, hackte es nach. Koemon nickte und entschuldigte sich. „Wir haben es wohl übertrieben. Wir wollten nur das Digimon mit dem Buch finden. So hat es uns der Mann namens Gennai aufgetragen.“, erklärte es. Takeshis Miene erhellte sich. „Ach, so ist das also. Gennai hat auch mich und Prismamon unterstützt, als wir von einem Schergen dieses Königs angegriffen wurden.“ Auch Hebimon schien nun zu verstehen. „Ist das so? Hm, dann stehen wir wohl wirklich auf derselben Seite.“ Shun sah aus dem Fenster. „Da das geklärt wäre... sollten wir von hier verschwinden. Die Polizei rückt bereits an, die würden uns sicher nicht so einfach mit den Digimon ziehen lassen.“, sprach er. Seine Freunde konnten nicht umhin, ihm recht zu geben. Sie überredeten Koemon und Hebimon, mit ihnen zu kommen. Diese besaßen keinerlei Einwände. Sie wussten ohnehin nicht, wo sie sonst hin sollten. Nur Prismamon blieb gegenüber den neuen Verbündeten skeptisch. Die Gruppe verließ das Gebäude wieder durch den Lieferanteneingang und hielt sich von der Straße fern. Im Gegensatz zu Takeshi hatten Tsubasa und Shun keine Rucksäcke oder Ähnliches dabei, in denen sie die Digimon hätten verbergen können. Als sie nicht mehr weit vom Ramen-Laden entfernt waren, in dem Davis arbeitete, drückten sie die beiden fester an sich, damit sie wie Stofftiere wirkten. Dann huschten sie ins Innere und hofften, dass Davis inzwischen zurückgekehrt war. Im Inneren des Ladens erwartete sie dann aber eine Überraschung.
 

Koemon und Hebimon sprangen sofort los und erkundeten die neue Umgebung. Shun und Tsubasa ermahnten sie, doch eigentlich sollten sie hier sicher sein.

Davis kam gerade in den Kundenbereich und erkannte das Durcheinander als Erstes. „Also... ich schätze, du hast deinen Freund nicht gefunden.“

Prismamon krabbelte aus Takeshis Rucksack und wirkte betrübt. Er hatte wohl fest damit gerechnet, diesen wiederzusehen.

„Das da sind...“, begann Takeshi, hatte aber Probleme, sich die Namen der beiden zu merken, weshalb sie sich nochmals vorstellten.

„Gennai hat uns geschickt. Die da meinten, wir könnten mit ihm sprechen“, zischte Hebimon schließlich.

Auch Veemon staunte.

„Ihr kennt Gennai? Könnt ihr uns genauer erklären, wieso ihr hier seid?“

Doch seiner Frage folgte gleich die nächste.

„Uns würde das ebenfalls sehr interessieren“, sagte eine Stimme.

Eine weitere Person, nein, es waren sogar zwei, betraten den Raum. Ein Blondschopf und eine junge Frau mit längeren Haaren.

Shun und Takeshi machten noch Versuche, sich vor die beiden Digimon zu stellen und die Sicht darauf zu verdecken, doch Davis wehrte ab.

„Keine Sorge, das sind keine normalen Gäste. Ihr könnt euch ihnen ruhig anvertrauen“, versicherte er.

Dies bestätigte sich, als kurz darauf die nächsten Gäste eintrafen. Ein orangenes Etwas schwirrte durch die Luft, während eine Katze, die seltsamerweise Handschuhe trug, auf den Tisch sprang.

Hebimon und Koemon wichen sofort skeptisch zurück.

„Wo kommen die denn jetzt auf einmal her? Ich wusste nicht, dass sich Digimon so schnell vermehren!“, schlug Tsubasa die Hände über den Kopf.

Die beiden Digimon stellten sich als Patamon und Gatomon vor.

Bei Takeshi fiel der Groschen.

„Davis-sensei. Wenn du sagst, das sind Freunde von dir, meinst du...“

Dieser nickte kräftig.

„Ja, ihr habt vielleicht schon einmal von den DigiRittern gehört. Mich und Veemon kennt ihr ja bereits. Die wunderschöne Frau hier gehört ebenfalls dazu. Ihr Partner ist Gatomon.“

Die Frau trat vor und begann Tsubasa eingehend zu mustern. Von allen Seiten verschaffte sie sich einen Eindruck, dann fuhr sie mit Shun fort. Mit Takeshi endete sie.

„Das sind also die Neuen, äußerst interessant. Ich bin Hikari Yagami, aber ihr dürft Kari zu mir sagen“, schien sie sich ein Bild gemacht zu haben.

„Ähm... auf gute Zusammenarbeit!“, meinte Tsubasa sagen zu müssen.

Davis räusperte sich.

„Und der hier gehört auch irgendwie zu uns, sein Partner ist Patamon“, verwies er auf den Blondschopf.

„Takeru Takaishi, sehr erfreut euch kennenzulernen. Alle nennen mich nur T.K.“

Takeshi trat vor.

„Verzeihung, aber gehen wir recht in der Annahme, dass ihr diejenigen seid, die die Welt gerettet haben?“

Shun und Tsubasa zuckten zusammen.

T.K. kratzte sich verlegen an der Wange.

„Kann schon sein, dass dies ein oder zwei Mal vorgekommen ist. Auch wenn wir heute nur zur Unterstützung da sind.“

Shun hakte nach, was er damit meinte. Davis schien wieder etwas einzufallen. Er griff in seine Tasche und holte etwas hervor. Es handelte sich um die Drohne, welche Takeshi zuvor eingesammelt hatte und die scheinbar kaputt gegangen war.

„Wir waren bei einem Freund, der sich mit so etwas auskennt. Er konnte uns zwar helfen, aber die Reparatur war nicht das Problem“, erklärte er.

Er legte die Drohne auf den Tisch und berührte eine Stelle oberhalb des Geräts. Sofort setzte sie sich in Bewegung und schwirrte ein paar Mal durch den Raum. Dann kam sie zum Stehen, und wieder zeigte sich der Bildschirm, der Takeshi bereits in der U-Bahn überrascht hatte. Der Mann mit dem Pferdeschwanz schien sich einen Überblick zu verschaffen, wer alles versammelt war. Zuerst kam die Drohne vor Takeshi zu stehen.

„Ach, du bist das. Ich hoffe, es hat alles funktioniert?“

Takeshi bejahte.

„Ja, Prismamon geht es gut“, bestätigte er.

Er blickte zu seinem Partner, dieser wirkte immer noch missmutig. Nun ja, zumindest körperlich schien es ihm gut zu gehen.

„Das ist gut. Leider bleibt mir nicht viel Zeit, die Verbindung ist immer nur stabil, solange sich ein offenes Tor zur DigiWelt in der Nähe befindet. Das, durch das Hebimon und Koemon gekommen sind, dürfte sich bald schließen. Danach herrscht erst einmal Funkstille. Ich bitte dies zu entschuldigen.“

T.K. trat nun vor den Monitor.

„Aber Ihnen bleibt sicher doch noch die Zeit zu erklären, was hier gerade passiert, oder?“

Gennai bestätigte es.

„Vielleicht hat euch Prismamon bereits erzählt, dass es momentan bedenkliche Veränderungen innerhalb der DigiWelt gibt. Es existiert eine neue Fraktion, die Menschen gegenüber nicht gerade positiv eingestellt ist.“

Kari richtete eine Frage an Übertragenden.

„Inwiefern? Haben sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht?“

Gennai ließ sich mit der Antwort etwas Zeit.

„Nun ja, es sind wohl mehrere Ereignisse, welche diese Gruppe erzürnt haben. Sie verurteilen das konstante Eingreifen der Menschen in ihre Welt.“

Davis trat vor.

„Dann sollten wir das Gespräch mit ihnen suchen und uns erklären. Schließlich ist es unsere Intention, die Digimon lediglich zu schützen!“

Veemon legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Leider interpretiert jeder Erfahrungen anders. Wir können erst einmal nichts dagegen tun, wenn sie uns die Verantwortung für diese negativen Erfahrungen anlasten.“

T.K. wandte sich wieder an Gennai.

„Aber was genau ist ihr Ziel? Einfach nur die Menschen anzugreifen?“

Doch scheinbar war das Ganze noch viel komplexer.

„Im Moment suchen sie nach einem gewissen Gegenstand. Es handelt sich um ein Buch, das angeblich die größten Geheimnisse der DigiWelt beinhalten soll.“

Takeshi wandte sich an Prismamon.

„Hey! Das Buch, das sie erwähnten! Dein Freund besitzt es, stimmt doch, oder?“

Prismamon zögerte immer noch, erinnerte sich dann aber daran, wie sie gemeinsam gekämpft hatten. Es hatte hier definitiv Verbündete gefunden.

„Ja, das stimmt. Die Feinde haben uns verfolgt. Aber nur Ruri kennt sich wirklich mit dem Buch aus.“

Davis murmelte nachdenklich.

„Das hört sich ganz danach an, als würden sie sich von dem Buch viel Macht versprechen. Wir dürfen also definitiv nicht zulassen, dass sie es in die Hände bekommen.“

Auch T.K. und Kari stimmten ihm in dieser Angelegenheit zu.

„Darum habe ich Koemon und Hebimon auf diese Mission geschickt. Sie sollten das Digimon namens Rurimon finden und es zusammen mit dem Buch zu mir bringen“, erzählte Gennai.

Takeshi stutzte.

„Also ist Prismamon nicht Teil Ihres Plans?“, wollte er wissen.

Gennai verneinte.

„Nein, ich stieß zufällig auf dich und Prismamon. Darum klingt es vermutlich vermessen, wenn ich euch bitte, mir zu helfen.“

Prismamon sprang auf ihn.

„Nein! Ruri ist mein Freund! Mich muss niemand bitten oder sonst etwas! Ich werde ihn finden und ihm zur Seite stehen!“, stand für es fest.

Und somit praktisch auch für Takeshi. Immerhin waren sie nun Partner.

„Auch auf mich könnt ihr zählen.“

Gennai's Blick schwenkte zu Shun und Tsubasa.

„Und diese beiden gehören ebenfalls zu euch?“, hakte er nach.

Die beiden wirkten nun etwas verlegen.

„Eigentlich... sind wir nur zufällig in die Sache hineingeraten“, erwiderte Shun.

Gennai nickte immer wieder.

„Dann ist es wohl wirklich zu viel verlangt. Allerdings sind Koemon und Hebimon in dieser Welt immer noch fremd. Würdet ihr euch vielleicht ihrer annehmen? Ich weiß, es ist viel verlangt.“

Shun zögerte, während Tsubasa die beiden Digimon musterte. Hebimon zischte ihr wieder mit seiner Zunge entgegen, doch das ließ das Mädchen nicht zurückschrecken.

„Also gut, ich nehme das Kleine hier“, stand für sie fest.

Gennai's Mine hellte sich auf. Die Drohne öffnete sich an einer anderen Stelle, und ein Lichtstrahl traf die Unterarme von Tsubasa und Shun.

Diese wichen zurück und staunten dann über die Geräte, die nun an ihnen hafteten.

„Könnten das...“, murmelte Kari, und Gennai bestätigte es.

„Ja, das sind DigiVices. Der neusten Generation um genau zu sein.“

Takeshi warf noch einmal einen Blick auf seines.
 

"Stimmt, sie sehen genau gleich aus. Nur die Farben sind anders", bemerkte Shun, und Tsubasa stimmte zu. Während Shuns Gerät grün war, war Tsubasas lila.

"Und... was genau sollen wir jetzt damit machen?" fragte der Junge mit der Brille.

T.K. trat vor sie. "Das bedeutet, dass ihr jetzt ebenfalls DigiRitter seid. Ein DigiVice dient dazu, eurem Partner bei der Digitation zu helfen. Natürlich hat es auch noch andere Funktionen", erklärte er.

"Partner..." murmelte Tsubasa und starrte weiter auf Hebimon.

Dieses zischte noch einmal und sprang dann auf das Mädchen zu. Es landete auf ihrer Schulter und schlängelte sich um ihren Hals. "Also gut, einverstanden! Wenn der Boss das am besten findet, dann sind wir ab jetzt Partner!"

Shun und Koemon hingegen sahen sich noch etwas unschlüssig an. Schließlich trat der Junge vor und reichte dem grünen Digimon die Hand. "Also... wenn es für dich okay ist..." Koemon ergriff die Hand und schüttelte sie. "Auf eine gute Partnerschaft."

"Sehr gut! Jetzt, wo das geklärt ist, könnten wir... könnten wir..." Die Übertragung erlosch, und der Bildschirm verschwand. Die Drohne krachte zu Boden, und Patamon sammelte sie auf. "Tja, das Tor ist jetzt wohl geschlossen."

Die anderen stimmten zu. Vorläufig würden sie wohl kaum mehr Informationen von ihm erhalten.

"Ich bringe das Ding wieder zu Izzy. Wenn die Verbindung wieder besteht, kann er die Informationen am besten an uns weiterleiten", schlug er vor.

Es gab keine Einwände.

"Und... was machen wir jetzt mit den Digimon?" fragte Shun.

"Am besten nehmt ihr sie erst einmal mit nach Hause", sagte Davis.

Die Mittelschüler hielten inne.

"Sicher? Aber... was ist mit unseren Eltern?" wandte Takeshi ein.

Tsubasa stimmte ihm zu.

"Wäre es nicht besser, sie hier zu lassen?"

Davis verneinte sofort. "Keine Chance! Der Betreiber hat diesbezüglich strenge Regeln. Bei Veemon ist es etwas anderes, da er hier arbeitet. Aber der Hygiene wegen würde er das niemals erlauben", stand für ihn fest.

"Und wir haben leider auch keinen zusätzlichen Platz. Unsere Partner beanspruchen uns bereits vollständig", sagte Kari und begann, Gatomon sanft über den Kopf zu streicheln.

Takeshi und die anderen beratschlagten sich. Es blieb ihnen wohl nichts anderes übrig. Im Notfall konnten sie die Digimon immer noch als Stofftiere ausgeben. Besonders Hebimon etablierte sich langsam als nützlicher Schal, so wie es sich an Tsubasas Hals schmiegte.

Sie tauschten Nummern aus, um sich im Notfall schnell kontaktieren zu können. Dann verabschiedeten sie sich und gingen getrennter Wege.

Folge 3 - Shun

Das Einkaufszentrum war inzwischen komplett evakuiert worden. Die Einsatzkräfte durchkämmten bereits jede einzelne Abteilung. Jedoch ohne großen Erfolg. Hatte sich die Sichtung am Ende nur als Scherz herausgestellt? Wenn man aber die Ereignisse in der U-Bahn bedachte, die inzwischen in aller Munde waren, durfte man hier kein Risiko eingehen.

Ein Feuerwehrmann schritt gerade durch das Lager und leuchtete mit seiner Taschenlampe die Umgebung ab. Er richtete sie auf ein flackerndes Licht. Irgendwie erinnerte es an ein Tor, das irgendwohin zu führen schien. Es wurde immer kleiner, doch dann sprang unerwartet etwas durch.

Der Mann fiel rückwärts, und seine Taschenlampe zersprang. Das Tor war inzwischen verschwunden, doch es war etwas durchgekommen. Auch wenn das Licht ausgegangen war, leuchtete das Wesen von sich aus. Es war oval und schien in gelbe Flammen gehüllt.

"Hey... magst du Feuer?" fragte es den Mann, und dieser rief nach Hilfe.

Shun war klar, dass es ordentlich Ärger geben würde, wenn seine Eltern von Koemon Wind bekämen. Wie sollte er auch bitte erklären, dass er nun ein Digimon besaß? Sie würden ihm ja nicht einmal einen Hund erlauben. Zugegeben, von einem Affen war nie die Rede, aber dennoch erwartete er kaum Zuspruch. Koemon selbst schien es sich bereits bei ihm gemütlich gemacht zu haben. Er hatte das untere Ende seines Bettes in Beschlag genommen und ruhte sich erst einmal aus.

Shun betrachtete das Gerät an seinem Arm. Warum hatte gerade er es erhalten? Und was genau war ein DigiRitter überhaupt? Takeshi hatte ihm erzählt, wie er mit Prismamon gegen ein feindliches Digimon gekämpft hatte. Würde ihn das ebenfalls erwarten? Er hielt sich den Kopf und spürte, wie wieder einmal seine Kopfschmerzen eintraten. Er fluchte innerlich. Eigentlich wollte er sich dieses Schuljahr ganz auf das Lernen konzentrieren. Und stattdessen wohnte jetzt ein Wesen aus einer anderen Welt bei ihm. Nun denn, es war nun mal, wie es war. Er löschte das Licht und ging wenig später zu Bett.

"Hey, Koemon... du hattest es sicher auch nicht leicht, oder?", flüsterte er, doch das Digimon schlief bereits. Am nächsten Morgen bestand Koemon darauf, mit ihm zu kommen. Shun musste ihm erklären, dass es zu problematisch wäre. Es wäre zu offensichtlich, wenn es in der Schule gesehen würde. Es wäre sicherer, wenn Koemon hier auf ihn wartete. Dem Digimon war anzusehen, dass es nicht der größte Fan dieser Idee war. Allerdings akzeptierte es schließlich.

Shun packte seine Sachen und nahm dann im Untergeschoss sein Frühstück ein. Seine Eltern hatten bereits begonnen. „Morgen. Ist Kazuki schon weg?“, fragte er. Seine Mutter bestätigte es ihm. Sein Bruder war bereits früh zur Uni gegangen. Shun konnte es nachempfinden, er hatte sicher viel zu lernen. Sein Vater wandte sich nun von seiner Zeitung ab. „Du solltest dir ein Beispiel an deinem Bruder nehmen. Nimm das Schuljahr ernst und versuche viel zu lernen. Gerade mit deiner... Schwäche solltest du dir keine Fehlzeiten erlauben.“ Shun nickte und brach das Frühstück vorzeitig ab. Er schmuggelte noch zwei Brötchen auf sein Zimmer und verfütterte sie an Koemon. Dann musste er auch schon los.

In der Schule war er froh, Takeshi zu sehen. Er musste wirklich mit jemandem reden, der ihn verstand. Der Junge kannte ihn immerhin schon seit seiner Kindheit. Und er machte im Moment dasselbe durch wie er. Auch er war plötzlich ein DigiRitter geworden. Vermutlich verstand er genauso wenig wie Shun selbst, was das genau bedeutete.

Er wünschte ihm einen guten Morgen, und Takeshi erwiderte den Gruß. „Wie hat sich dein Digi... äh, Prismamon, richtig? Wie hat es sich geschlagen?“, wollte er wissen. Takeshi lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Es wollte sofort wieder los und seinen Freund suchen. Ich habe ihm erklärt, dass das nichts bringt, solange uns Hinweise fehlen. Die Stadt ist groß, es hätte sich lediglich verlaufen“, berichtete er. Das war nur logisch. Sie brauchten einen Plan, um den Besitzer des Buches ausfindig zu machen. „Ich nehme an, du hast deinen Eltern nichts gesagt?“, meinte Shun sagen zu müssen. Takeshi wehrte sofort ab. „Nein, lass mal. Das hätte alles nur verkompliziert. Du deinen doch bestimmt auch nicht, oder?“ Shun schüttelte sofort den Kopf. „Natürlich nicht. Ich bereite ihnen schon genug Probleme“, erwiderte er. Takeshi musterte ihn kurz und überlegte, ob er etwas sagen sollte. Doch dann begann bereits der Unterricht. Der Lehrer kündigte an, dass es noch eine zusätzliche Schülerin in die Klasse geschafft hatte. Takeshi erhob sich sofort, als ein blondes Mädchen die Klasse betrat, das ihm nicht unbekannt war. Tsubasa stellte sich der Klasse vor. Sie wirkte recht nervös, aber am Ende ging alles gut. Der Lehrer wies ihr einen Platz zu, der zum Glück nahe bei Takeshis lag. In der Pause öffnete sie dann vorsichtig ihren Rucksack.

„Hey, was machen wir denn jetzt mit denen?“, hakte sie nach. Takeshi sah sie zweifelnd an. Auch Shun, der nun dazu kam. Hebimon starrte ihnen erfreut entgegen und zischte mit seiner Zunge. „Hey! Du hast doch nicht ernsthaft dein Digimon mitgebracht, oder?“, fragte er skeptisch. Tsubasa wirkte überrumpelt. „Äh... habt ihr das etwa nicht? Hebimon meinte, dass es unbedingt mitkommen will“, erklärte sie. Shun verdrehte die Augen.

„Du solltest nicht alles machen, was es von dir verlangt. Digimon sind im Prinzip nichts anderes als Haustiere. Man muss sie erziehen“, sagte er streng. Dafür erntete er ein heftiges Zischen seitens Hebimons. Aber auch Takeshi war anderer Meinung. „Nein, ich denke, dass wir sie wie Partner behandeln sollten. Sie haben genauso Wünsche und Erwartungen wie wir. Das sollten wir respektieren“, stand für ihn fest. Shun zuckte nur mit den Schultern. Er trug Tsubasa auf, gut auf die kleine Schlange aufzupassen. Erst nach der Schule kamen sie dazu, sich wieder zu unterhalten. Sie hatten es sich vor dem Gebäude bequem gemacht und beratschlagten, was zu tun sei. „Ich würde sagen, wir sollten uns aufteilen. Es ist wichtig, Prismamons Freund zu finden, bevor es die feindlichen Digimon tun. Dieses Metallkrokodil hat ohne Rücksicht auf Verluste um sich geschossen.“ Seine Freunde gaben Takeshi recht, aber hatten sie wirklich eine Ahnung, wo sie suchen sollten? „Jemand muss diesen Ruri gesehen haben, oder? Wieso befragen wir nicht einfach Leute? Prismamon hat doch eine Skizze angefertigt, oder?“, schlug Tsubasa vor. Takeshi nickte halbherzig. Die hatten sie in der Tat, aber Prismamons Zeichenkünste waren nicht gerade ausgeprägt. „Na gut, ich werde noch einmal mit ihm sprechen. Vielleicht fallen ihm Orte ein, die sein Freund gerne aufsucht“, brachte Takeshi ein. Tsubasa stimmte ihm zu. „Gut, dann werde ich das Internet durchforsten. Vielleicht gab es ja dort Sichtungen. Wir suchen nach einem kleinen, blauen Drachen, oder?“ Shun lehnte sich zurück. „Gut, dann werde ich noch einmal die Orte von gestern aufsuchen. Dort, wo sich die Tore geöffnet haben. Vielleicht ist dieses Digimon ja doch durchgekommen“, kam ihm die Idee. Seine Freunde waren dafür, jedoch sollte Shun unbedingt Koemon mitnehmen, um sich im Notfall zu schützen. Sie versprachen einander, auf dem Laufenden zu bleiben, und trennten sich schließlich.

Zu Hause stärkte sich Shun erst einmal und brachte etwas hoch in sein Zimmer. Seine Eltern oder sein Bruder hätten nie so einfach sein Zimmer betreten, und er hoffte, dass auch Koemon nicht einfach auf Wanderschaft gegangen war. Seine Befürchtung trat nicht ein, dafür aber etwas anderes: Chaos. Shuns Zimmer wirkte so unordentlich wie schon lange nicht mehr.

„Koemon! Was soll das hier? Ich wäre dir dankbar, wenn du mein Zimmer nicht in ein Schlachtfeld verwandeln würdest“, bat er. Der grüne Affe warf sich aufs Bett. „Ich habe lediglich meine Attacken trainiert. Wenn der Feind das nächste Mal zuschlägt, muss ich doch vorbereitet sein“, rechtfertigte er sich. Sein Partner seufzte. Dann unterrichtete er ihn von seinem Vorhaben. Koemon war sofort Feuer und Flamme, schließlich war es der Hauptbestandteil seiner Mission, Rurimon und das Buch sicherzustellen. Er vollzog bereits seine Übungen, da setzte sich Shun an seinen Schreibtisch und öffnete ein Buch.
 

„Wollen wir nicht los? Ich bin bereit zuzuschlagen!“ Shun seufzte und schüttelte den Kopf. „Ich aber nicht. Ich muss noch Hausaufgaben machen und etwas lernen“, erklärte er. Koemon wirkte enttäuscht. „Hey, das kannst du doch später noch! Die Mission hat immerhin...“, begann er, wurde aber wüst unterbrochen. „Ich habe aber keine Ahnung von eurer Mission! Ich wurde in die Sache hineingezogen, verstehst du?“ Koemon wirkte nun wesentlich kleinlauter.

„Tut... mir leid. Ich habe nicht bedacht, dass dir auch Dinge wichtig sind“, sagte er. Shun seufzte und entschuldigte sich seinerseits.

„Eigentlich... ist es meinen Eltern wichtiger als mir. Aber naja... mein Bruder studiert Medizin, während ich auf eine öffentliche Schule gehe. Ich sehe meinen Vater ja jeden Morgen, wenn ich dorthin aufbreche.“ Koemon konnte ihm nicht ganz folgen. „Ist... das denn etwas Schlimmes?“ Shun lehnte sich zurück. „Leider hat man bei mir etwas festgestellt, das man Lernbehinderung nennt. Das wird dir sicher nichts sagen, aber es bereitet echt Probleme. Besonders weil ich wohl wie mein Bruder eher nicht eine Universität besuchen werde“, gestand er. Koemon verstand die ganze Angelegenheit tatsächlich nicht so recht. Doch es spürte, dass Shun die Situation sehr mitnahm. Also blieb es völlig still, während sich der Junge seinen Hausaufgaben widmete. Immer wieder fuhr er sich an den Kopf und wirkte recht frustriert. Schließlich war er erleichtert, als er fertig war und erhob sich.

„Stärken wir uns noch etwas und machen uns dann auf den Weg“, schlug er vor. Koemon war allzeit bereit, und nachdem sie etwas getrunken hatten, packte er Koemon in einen Rucksack und verließ das Haus.
 

„Vermutlich handelt es sich nur um eine Art Scherz, aber... uns wurden Sichtungen beschrieben, nachdem ein Digimon in dem Gebäude erschienen ist. Allerdings ist diese Information unbestätigt. Nur für den Fall, solltest du etwas Verdächtiges bemerken, melde es bitte.“

Shun versprach es und nahm wieder Abstand.

„Hey, Koemon“, raunte er seinem Digimon-Partner zu.

„Kann es sein, dass neben euch noch ein Digimon durch das Tor gekommen ist?“

Das Äffchen überlegte eine Weile.

„Wenn, dann muss das nach uns passiert sein. Sonst hätten wir es mitbekommen. Doch es ist möglich, dass der Digimon-König von unseren Aktionen Wind bekommen und jemanden geschickt hat“, überlegte Koemon laut.

Shun brummte unzufrieden.

„Das ist nicht gut. Erst dieses Rurimon, das in der Gegend umherirren soll, und jetzt vielleicht noch ein bösartiges Digimon.“

Doch Koemon schien das nicht so eng zu sehen.

„Kein Problem! Ich bin immerhin stark, weißt du?“

Shun hätte seine Aussage gerne bekräftigt, doch er erinnerte sich an das große Digimon, gegen das Takeshi und Prismamon am gestrigen Tag gekämpft hatten. Diese Feinde waren definitiv nicht zu unterschätzen.

Dann schien Koemon etwas einzufallen.

„Hey, benutz doch einfach dein DigiVice. Meister Gennai meinte, dass wir den Feind im Notfall damit aufspüren könnten.“

Shun griff sich an sein Handgelenk. Das Gerät befand sich immer noch daran. Kaum hatte er es berührt, schien ein Teil nach vorne aufzuklappen und legte ein Display frei. Darauf waren seltsame Schriftzeichen zu sehen. Ob es sich dabei wohl um die Sprache der Digimon handelte?

„Mal sehen...“, murmelte er und tippte etwas herum. Als er nicht weiterkam, versuchte Koemon sein Glück. Dieser brauchte zwar etwas länger, kam aber zu einem Ergebnis.

„Hier steht, dass sich nördlich von hier ein Digimon befindet“, gab er an.

Shun dachte angestrengt nach. Was sollten sie jetzt unternehmen? Es konnte gut das feindliche Digimon sein. In diesem Fall wäre es klug, Takeshi und Tsubasa zu verständigen. Nein, noch besser die erfahrenen DigiRitter, es gab keinen Grund, sich oder seine Freunde in Gefahr zu bringen. Doch dieser Gennai hatte gestern auch klar gemacht, wie wichtig es war, Rurimon vor dem Feind zu finden. Schließlich beschloss er, die Lage immerhin erst einmal zu sondieren.

„Koemon, los geht’s!“, hatte er sich entschieden und sprintete Richtung Norden los.

Er bog in eine Seitenstraße ein, in der sich mehrere Wohnhäuser befanden. Eine Gruppe an Leuten war versammelt.

„Wie seltsam. Was kann das nur gewesen sein?“, fragte eine ältere Frau.

„Da ist wohl der Blitz eingeschlagen“, sagte ein Mann und deutete auf einen verkohlten Schuppen.

Die Frau machte sich über ihn lustig.

„Ohne Gewitter? Du machst wohl Scherze!“
 

Shun hatte schon eine gewisse Idee, was so eine Zerstörung hatte anrichten können. Er drängte sich an der Gruppe vorbei, diese schien ohnehin beschäftigt zu sein.

Er folgte der Spur der Verwüstung und kam in einer Sackgasse an. Wobei nein, nach links führte ihn ein Weg, der scheinbar an einem Industriegelände endete. Wenn sich Shun recht erinnerte, befand sich dort das alte Elektrizitätswerk. Er erhöhte sein Tempo und kam vor dem Werk zum Stehen. Nun war es an der Zeit, Verstärkung zu rufen. Er kramte nach seinem Handy, überlegte aber noch, wen er anrufen sollte. Es wäre vernünftiger gewesen, eine Chatgruppe einzurichten. Er beschloss, dies während ihres nächsten Treffens vorzuschlagen. Er wollte gerade Takeshis Nummer wählen, als von oben eine Art Blitz herabfuhr.

Erschrocken ließ er sein Handy fallen und hielt sich die rechte Hand.

„Shun, pass auf!“, hob Koemon aus dem Rucksack.

Er starrte nach oben und erkannte die Gefahr. Shun folgte seinem Blick und konnte es bestätigen. Über ihren Köpfen, auf der Spitze eines Strommasts, schien etwas zu sitzen.

Es handelte sich um eine orangene, ovale Gestalt, die lediglich aus einem Gesicht zu bestehen schien.

„Ihr seid... derjenigen, die ich ausschalten soll? Nicht wahr?“, rief es nun auf die beiden Neuankömmlinge herab.

Koemon stellte sich schützend vor seinen Partner.

„Shun, das da ist Kaminarimon. Es greift mit Blitzen und Feuer an. Überlass ihn bitte mir, ich habe für diesen Moment trainiert!“, versicherte er.

Immer noch zögernd, wagte sich Shun ein paar Schritte zurück. Koemon ergriff seine Schleuder und feuerte das erste Geschoss ab. Es ging daneben, Kaminarimon war einfach zu hoch. Doch es gab diesen Vorteil auf, indem es nun hinabschwebte.

„Kaminari-okoshi!“, rief es nun, und ein rötlicher Blitz erschien, der Koemon unvorbereitet traf.

Dieser fiel zu Boden, und Shun überlegte fieberhaft, was zu tun sei. Sollte er seinem Partner zu Hilfe kommen? Aber was konnte er schon ausrichten? Koemon sagte selbst, dass er sich vorbereitet hatte, auch wenn es im Moment nicht danach aussah. Er feuerte ein weiteres Geschoss ab, doch Kaminarimon war einfach viel zu schnell für es. Jetzt feuerte es sogar mehrere rote Blitze ab, die sich aufspalteten. Ungläubig musste Shun zusehen, wie sie einen Kreis aus Feuer um Koemon herum bildeten.

„Mist! Wir müssen hier weg, Koemon!“, rief er ihm zu, doch dieser schien gar nicht daran zu denken.

„Nein! Ich bin in diese Welt gekommen, um zu kämpfen! Um die Schwachen zu verteidigen! Shun, du musst mir mehr Kraft geben! Zusammen können wir es schaffen, das weiß ich!“

Der Junge konnte erst gar nichts erwidern. Wie zum Teufel sollte er das bitte anstellen? Koemon schien ihn für eine Art Experten oder Alleskönner zu halten. Dabei war er lediglich ein Mittelschüler, der nicht einmal sonderlich begabt war. Im Gegenteil.

„Shun! Du kannst über dich hinauswachsen! Wir beide können das!“, startete Koemon einen erneuten Versuch.

Und es hatte recht. Shun wusste, dass sie gemeinsam diese Sache begonnen hatten. Doch alles, was er tun konnte, war seinen neuen Freund anzufeuern.

„Koemon, gib alles! Du bist stärker, ich weiß es!“
 

Doch nicht nur sein Partner schien auf diese neu gefundene Stärke zu reagieren, Shun verspürte auch ein warmes Gefühl an seinem Handgelenk.

Das Resultat konnte er wenig später mit eigenen Augen betrachten. Koemon begann zu glühen und seine Form zu ändern.

"Koemon digitiert zuuuuuuuu... Lianpumon!" Takeshi hatte bereits von diesem Phänomen berichtet, doch Shun erlag seinem Staunen, als er selbst Zeuge davon wurde. Koemon hatte sich transformiert. Er war nun wesentlich größer, sein Fell nicht mehr grün, sondern weiß. Außerdem schien er einen Umhang wie ein Superheld zu tragen. Shun konnte sein Gesicht nicht erkennen, da es außerdem eine Maske trug. Und... er konnte nun fliegen. Lianpumon schwebte in die Lüfte und war dem Feuerkreis im Nu entkommen. Kaminarimon war flink, doch es konnte nicht schweben. Nun war Shuns Partner derjenige mit dem Vorteil.

Der Feind feuerte erneut rote Blitze. Shun fürchtete bereits, dass sie Lianpumon treffen würden, da nahm dieser eine weitere Maske aus seinem Mantel hervor und hielt sie dem Angriff entgegen. Dieser wurde sofort absorbiert. Nun wechselte es die Maske und startete von sich aus einen Angriff. Eine Energiewelle strömte in Kaminarimons Richtung, welche das Digimon direkt traf. Nun wurde es selbst geröstet und löste sich nur kurz später in Daten auf.

Als Shun sich vergewissert hatte, dass es weg war, eilte er zu Lianpumon, das gerade gelandet war. Er umarmte es sofort und lobte es. Es fühlte sich in dieser Form flauschig an, doch dies hielt nicht lange an. Es digitierte zurück, und bald stand wieder Koemon vor ihm.

„Du hattest recht! Du bist wirklich stark!“, meinte Shun, seinen Partner lobend.

Koemon wirkte etwas verlegen, versicherte aber noch einmal, dass er es ohne seinen Partner nicht geschafft hätte. Dann wandte er sich um und zeigte hinter Shun.

„Hey... ist das nicht...“

Shun folgte seinem Blick und erkannte einen jungen Mann, der auf sie zulief. Doch er war nicht allein. Über ihm schwebte ein orangenes Digimon. Patamon, wenn er sich richtig an den Namen erinnerte.

Etwas außer Puste kam T.K. vor ihnen zum Stehen.

„Mist. Da komme ich wohl doch nicht rechtzeitig“, klang er entschuldigend.

Shun schüttelte den Kopf.

„Schon gut, wir sind auch so zurechtgekommen. Koemon hat sich verwandelt, und wir haben das feindliche Digimon besiegt“, berichtete er.

Überrascht betrachtete T.K. seinen Partner.

„Nun, das nennt man eine Digitation. Das bedeutet, dass ihr gemeinsam stärker geworden seid“, erklärte er.

Shun beäugte Koemon eingehend. Gestern noch war es ein Wesen aus einer anderen Welt gewesen, vor dem er sich erst gefürchtet hatte. Und heute?

T.K. schien nun auf eine Idee zu kommen.

„Komm, ich lade dich auf einen leckeren Kuchen ein. Euch beide natürlich“, schlug er vor.

Koemon war sofort dafür, doch Shun merkte an, ob sie dafür wirklich Zeit hätten. T.K. überredete ihn schließlich, dass man sich manchmal durchaus etwas gönnen musste. Also verließen sie das Areal, bevor sie noch unnötig Aufmerksamkeit erregten.

Jedoch entging ihnen, dass sie die ganze Zeit beobachtet worden waren. Auf dem Dach des Elektrizitätswerks stand das ninjaartige Digimon und hatte den Kampf analysiert. Er konnte den Gegner nun besser einschätzen, das würde in Zukunft wichtig werden. Als nächstes würde es seinem Meister Bericht erstatten.

Folge 4 - Tsubasa

Langsam und behutsam schlängelte sich das Wesen durch den dunklen Schacht. Es war fremd in dieser Welt, doch in einer Hinsicht war es sich sicher. Es würde seine Mission erfüllen. Immerhin hatte ihm der König höchstpersönlich diesen Auftrag erteilt. Es würde also den Teufel tun und diesen enttäuschen. Auf der anderen Seite hatte es noch keine Ahnung, wie es die Sache angehen sollte. Diese Welt schien riesig zu sein, hier einfach das gesuchte Digimon zu finden war definitiv eine Herausforderung. Doch hier existierte etwas, das es in seiner Welt auch gab. Etwas, das sich sehr gut zur Suche nutzen ließ. Nämlich Daten. Es fleuchte in den nächsten Raum, der sich kühl anfühlte. Es mochte Kälte nicht, doch hier war es genau richtig. Menschen schienen diesen Ort einen 'Serverfarm' zu nennen. Seltsam, er trug denselben Namen wie der größte Kontinent der DigiWelt. Jedenfalls befanden sich hier Daten mit denen es ein leichtes sein würde diese Mission zu erfüllen. Es verband sich mit den Servern und legte aus.
 

Hebimon machte einen missmutigen Eindruck. Tsubasa war gerade aus der Schule zurückgekommen, während sich das Digimon ziemlich gelangweilt hatte. Der erste Tag in der Schule war noch recht spannend gewesen, doch nun schien sich seine Partnerin zu weigern, ihn mitzunehmen. Angeblich hatten Takeshi und Shun ihr davon abgeraten. Als ob Hebimon etwas falsch gemacht hätte. Es hatte sich stets sicher in ihrem Rucksack befunden und keine Aufmerksamkeit erregt. Hebimon war inzwischen klar, dass einige Menschen noch nie ein Digimon zu Gesicht bekommen und deshalb entsprechend reagierten.

„Tsubasa! Hier gibt es nichts zu tun. Lass mich doch wenigstens nach Rurimon suchen, während du in der Schule bist“, bat es nun.

Tsubasa wehrte sofort ab.

„Keine Chance! Du kennst dich hier doch überhaupt nicht aus! Es kann sonst was passieren, wenn du alleine losziehst“, führte sie ihm vor Augen.

Hebimon schlängelte sich zu ihr hoch und ließ sich auf ihrer Schulter nieder.

„Dann suchen wir eben gemeinsam. Wir machen kaum Fortschritte“, bemängelte es.

Das Mädchen nickte und widmete sich ihrem Laptop.

„Ich habe bereits eine Suche durchführen lassen. Über Sichtungen eines blauen, drachenähnlichen Wesens. Wenn wir Glück haben, hat es sich jemandem gezeigt, und dieser hat es gepostet. Eventuell mit Foto, wenn wir sehr viel Glück haben.“

Sie überprüfte die Ergebnisse der Suche. Erst schien sie keinen Erfolg zu haben, doch dann gab es tatsächlich ein halbes Dutzend Einträge über Sichtungen in Shibuya.

„Da! Mehrere Personen berichten von einem Drachen, andere von einem Saurier.“

Hebimon wurde aufgeregter.

„Toll! Dann haben wir ihn also gefunden!“

Tsubasa murrte.

„Naja, Shibuya ist recht groß. Auch wenn wir den Ort eingrenzen konnten, ist dieser ziemlich groß. Wir bräuchten schon Hilfe beim Suchen, allein schaffen wir das nicht.“

Hebimon schien kein Problem darin zu sehen.

„Dann ruf doch einen der anderen an. Ihr habt doch Nummern ausgetauscht, oder?“

Tsubasa stimmte ihrem Partner zu. Immerhin waren sie alle DigiRitter und somit ein Team. Sie nahm ihr Smartphone zur Hand und klickte auf einen der Einträge. Die Verbindung wurde hergestellt, und eine weibliche Stimme meldete sich.

„Hier Yagami.“

Tsubasa zuckte zusammen. Sie hatte die falsche Nummer gewählt. Eigentlich wollte sie Takeshis Nummer wählen, doch die vielen neuen Nummern waren noch nicht geordnet.

„Hallo?“, fragte die Frau am anderen Ende.

Tsubasa überlegte fieberhaft, was zu tun sei. Konnte sie sich wirklich an sie wenden?

„Ja...! Hier ist Tsubasa. Also die aus dem Ramen-Laden! Ähm... Yagami-san? Hätten Sie kurz Zeit?“

Die Frau am anderen Ende lachte.

„Klar. Aber ich sagte doch, ihr müsst nicht so formell sein. Kari ist völlig in Ordnung.“

Tsubasa war es nicht gewöhnt, gleich so vertraut mit jemandem zu sein. Doch schließlich berichtete sie von der Sichtung in Shibuya. Kari erzählte, dass sowohl Davis als auch T.K. heute arbeiten müssten, doch sie war gerne bereit, sie bei der Suche zu unterstützen. Also verabredeten sie sich in zwei Stunden in Shibuya, direkt an der Bahnstation. Dann legte Tsubasa auf und atmete schwer aus.

„Na toll. Dann haben wir jemanden, der uns bei der Suche hilft“, freute sich Hebimon.

Tsubasa brummte.

„Aber Yagami-san... also Kari ist eine erfahrene DigiRitterin. Was, wenn ich etwas falsch mache? Ich bin erst seit ein paar Tagen im Digimon-Business. Sie wird mich bestimmt nicht ernst nehmen.“

Hebimon rückte näher an ihr linkes Ohr und zischte mit seiner Zunge hinein. Sofort fuhr Tsubasa herum und beschwerte sich.

„Hey, du hast immerhin mich! Zusammen kriegen wir das locker hin“, war es zuversichtlich.

Das ermutigte das Mädchen durchaus etwas, und es bereitete sich auf den heutigen Tag vor. Hebimon wanderte wieder in ihren Rucksack, und ein paar Snacks durften auch nicht fehlen. Auch wenn sie die Vermutung hatte, dass diese innerhalb des Rucksacks auf mysteriöse Weise nach und nach verschwinden würden. Getränke beschloss sie unterwegs zu kaufen. Sie war fast abfahrbereit, da eilte sie noch einmal zu ihrem Schreibtisch und nahm ein Tabletten-Döschen heraus, aus dem sie schnell zwei Tabletten schluckte. Dann verließ sie ihr Zimmer und eilte nach unten. Ihre Mutter war in der Küche, und Tsubasa stattete ihr einen kurzen Besuch ab.

„Hey, gehst du aus?“, wollte diese wissen.

Tsubasa nickte.

„Ja, ich treffe mich nur mit Takeshi und noch einem Freund.“

Dass sie nach Shibuya wollte, verschwieg sie lieber. Immerhin konnte sie das unmöglich erklären. Und ihre Mutter kannte den Jungen von früher, sie würde sich also nichts dabei denken.

„Schön, dass ihr immer noch so gute Freunde seid, obwohl ihr euch lange nicht gesehen habt“, meinte die Frau.

Tsubasa stimmte ihr zu. Takeshi war ihr erster richtiger Freund gewesen. Und jetzt waren sie gemeinsam sogar DigiRitter.

„Ach... hat sich Papa eigentlich mal gemeldet?“, hakte sie nach.

Ihre Mutter zögerte. Seit der Trennung waren immerhin schon zwei Jahre vergangen. Sie schüttelte den Kopf, meinte aber, dass er dies sicher bald tun würde. Soweit sie wusste, arbeitete er neuerdings in Shibuya.

Tsubasa hatte die Bahn betreten und hoffte, Hebimon würde die vielen Schwankungen nicht zu sehr zusetzen. Die Fahrt dauerte kaum 20 Minuten, dann stieg sie aus und orientierte sich. Es dauerte nicht lange, bis sie Kari auf dem Bahnsteig erblicken konnte. Sie winkte ihr zu und war froh, ein vertrautes Gesicht zu sehen.

„Tut mir leid... dass du wegen mir extra deine Pläne ändern musstest“, sagte Tsubasa etwas kleinlaut.

Doch die junge Frau verneinte augenblicklich.

„Ach Unsinn. Ich hatte ohnehin nichts geplant. Und wir sind ja auch nicht zum Vergnügen hier, richtig? Wir müssen dieses Digimon ausfindig machen, bevor es diese unbekannte Gruppe tut“, erinnerte sie.

Tsubasa nickte und erkannte einen weißen Schwanz, der aus Karis Tasche hervorlugte. Gatomon schien also ebenfalls mitgekommen zu sein. Sie fragte sich, ob Digimon die Anwesenheit ihrer Artgenossen spüren konnten. Das würde die Sache sicher einfacher machen. Jedenfalls war sie nun motiviert.

Zehn Minuten später saßen sie in einem Café und genehmigten sich ein Eis.

„Also... Kari-san? Sollten wir nicht eher mit der Suche beginnen?“, hakte das Mädchen nach. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie erst mit einer Pause beginnen würden.

Die junge Frau ihr gegenüber ließ sich aber erst mal das Eis schmecken, während die Digimon sich scheinbar die dazu gehörigen Waffeln schmecken ließen.

„Wenn wir nicht gestärkt an die Sache rangehen, bringt das auch nichts. Außerdem sollten wir erst einmal einen Plan machen“, erklärte sie.

Tsubasa nickte und begann, ihr die Orte, an denen die Sichtungen stattgefunden hatten, auf ihr Handy zu schicken.

„Ich würde vorschlagen, dass wir uns aufteilen und jeweils einen der Orte genauer untersuchen. Wahrscheinlich befindet sich das Digimon nicht mehr dort, aber irgendwo müssen wir ja anfangen.“

Kari stimmte ihr zu. Wenn Rurimon auf der Flucht war, würde es bestimmt nie lange an einem Ort bleiben. Nachdem sie ihr Eis verspeist hatten, trennten sie sich, verabredeten aber stets in Kontakt zu bleiben, um die Fortschritte auszutauschen.

Tsubasa war froh, die Sache nicht ganz allein angehen zu müssen. Sie und Kari tauschten über LINE Informationen aus. Sie hatte den ersten Ort aufgesucht, doch es handelte sich um ein Geschäft. Dieses hatte das Digimon bestimmt längst verlassen. Dennoch unternahm sie den Versuch, die Verkäuferin zu befragen. Sie hielt ihr das Handy hin, auf dem sie die von Prismamon gezeichnete Skizze geladen hatte.

„Also... ich habe mein Stofftier neulich verloren. Haben Sie vielleicht einen blauen Drachen gesehen?“, wollte sie wissen.

Doch die Verkäuferin musste sie enttäuschen.

Sie verließ das Geschäft wieder und untersuchte als nächstes die Kreuzung, an der Rurimon ebenfalls gesichtet worden war.

„Verzeihung. Haben Sie vielleicht meinen Hund gesehen? Er sieht etwa so aus!“, befragte sie die ersten Passanten, erntete aber nur skeptische Blicke. Und natürlich hatte sie keinen Erfolg.

„Tsubasa, ich denke nicht, dass wir mit dieser Strategie weiterkommen“, meinte Hebimon.

Nach einer Weile musste ihm das Mädchen notgedrungen zustimmen. Sie wollte gerade ihr Handy zücken und Kari nach ihrem Fortschritt kontaktieren, da hielt sie perplex inne.

Sie starrte auf die andere Straßenseite. Dort befand sich ein hoher Bürokomplex. Die Glastür schob sich nach außen auf, und ein Mann im Anzug trat nach draußen. Er wirkte sehr beschäftigt, doch Tsubasa setzte sich sofort in Bewegung. Sie sah schnell nach links und rechts und überquerte die Straße.

„Papa!“, rief sie dem Mann zu, der seinerseits ebenfalls perplex reagierte. Tsubasa kam vor ihm zum Stehen und keuchte etwas.

„Tsubasa? Wie kommst du denn hierher?“, fragte er.

Diese kratzte sich verlegen am Kopf.

„Ich war nur zufällig in Shibuya“, berichtete sie.

Der Mann nickte.

„Gut, du weißt, ich habe dir verboten, mich bei der Arbeit zu besuchen.“

Tsubasa erinnerte sich daran. Allerdings kannte sie die Arbeitsstelle ihres Vaters nicht einmal, ein Besuch hätte sich so oder so schwierig gestaltet. Dieser musterte sie nun von oben bis unten.

„Du kannst es nicht lassen, oder? Immer noch dieser alberne Aufzug. Ich hatte gehofft, diese Phase von dir wäre endlich vorbei“, sagte er streng.

Tsubasas Lächeln verschwand augenblicklich.

„Ich habe dir das doch erklärt. Das ist nun mal, wer ich bin…“, erwiderte sie kleinlaut.

Ihr Vater schien davon aber nichts wissen zu wollen.

„So ein Unsinn! Wenn meine Kollegen mein Kind so sehen würden… Ich wäre das Gespött der Firma“, stand für ihn fest.

Tsubasa ließ den Kopf hängen.

„Gut... dann werde ich wieder gehen. Verzeih mir bitte die Störung. Kommt nicht wieder vor“, murmelte sie und trat den Rückzug an.

Ihr Vater überlegte noch etwas zu sagen, wurde aber von einem Kollegen unterbrochen.

„Herr Abteilungsleiter! Das Problem hat sich sogar noch verschlimmert. Alle Systeme scheinen ein Eigenleben entwickelt zu haben.“
 

Tsubasas Vater sah ihn unwirsch an.

„Was könnt ihr IT-Typen eigentlich? Wurden wir gehackt?“

Der Angestellte nickte.

„So macht es den Anschein. Die System scheinen nur noch eine Funktion auszuführen. Eine Suchanfrage.“

„Suchanfrage? Wonach denn?“

Der IT-Fachmann tat sich mit der Antwort schwer.

„Na ja... das System sucht überall im Internet nach blauen Drachen“, verkündete er.

Sein Vorgesetzter sah ihn an, als hätte er gerade Scherze gemacht.

„Ich sehe mir das persönlich an“, entschied er und betrat erneut die Firma.

Tsubasa stand noch immer davor und hatte den Ausführungen gelauscht.

„Hat er... Blauer Drache gesagt?“

Hebimon reckte seinen Kopf aus dem Rucksack.

„Tsubasa! Das klingt, als würde der Feind dahinterstecken!“

Das Mädchen musste ihm rechtgeben. Wer außer ihnen sollte sonst so eine Suchanfrage durchführen? Tsubasa wollte ins Innere des Gebäudes, hielt dann aber inne.

„Ich... kann nicht. Ich würde meinem Vater nur wieder Schwierigkeiten bereiten.“

Hebimon sah sie betrübt an.

„Verstehst du... dich nicht mit deinem Vater?“, hakte es nach.

Tsubasa überlegte, wie sie antworten sollte. Doch Hebimon würde das Ganze sicher nicht verstehen.

„Er will nur nicht akzeptieren, dass ich so bin, wie ich bin“, meinte sie nur und wollte kehrtmachen.

Hebimon wollte es aber nicht dabei bewenden lassen.

„Dann sag ihm doch, dass er das gefälligst zu tun hat! Würde ich auch machen!“

Seine Partnerin seufzte. Wenn es doch nur so einfach wäre, wie es das Digimon darstellte.

„Jedenfalls müssen wir in das Gebäude! Ich bin mir sicher, dass ein Digimon dahintersteckt“, wiederholte Hebimon.

Tsubasa blieb weiter unsicher. Im Grunde hatte ihr Partner recht, aber was sollte sie ihrem Vater sagen? Sie wusste nicht, ob er sich überhaupt je mit Digimon beschäftigt hatte, geschweige denn einem begegnet war. Fest stand, dass wenn der Feind Rurimon zuerst fand, sie ein echtes Problem hatten. Sie haderte weiter mit sich und gab schließlich Kari Bescheid, dass sie eine Spur hatte. Dann betrat sie das Gebäude.

Darin waren sämtliche Mitarbeiter sehr aufgeregt und so beschäftigt, dass sie niemand ansprach.

„Hebimon, hast du eine Ahnung, wo es sich aufhalten könnte?“

Das Digimon überlegte kurz.

„Es benötigt viele Daten für seine Suche. Es muss also ein Ort sein, wo viele Daten gespeichert sind.“

Tsubasa nickte, und ihr kam sofort eine Idee.

„Der Keller! So eine große Firma muss dort massenhaft Server rumstehen haben!“, stand für sie fest.

Sie fand den Fahrstuhl und ließ sich direkt ins untere Geschoss bringen. Als sie ausstieg, erkannte sie bereits mehrere Personen am Boden. Sie trugen blaue Overalls, es schien sich um Techniker zu handeln. Offenbar waren sie angegriffen worden. Hebimon hobste aus dem Rucksack und erkundete die Umgebung.

„Hier sind wir richtig. Kein Zweifel.“

Tsubasa überlegte, ob sie auf Kari warten sollte. Sie checkte den Verlauf ihres LINE-Gesprächs. Die junge Frau würde noch eine Weile brauchen. Wenn der Feind noch mehr Menschen angriff, konnte sie nicht länger warten. Sie eilte Hebimon nach, und zusammen liefen sie den Gang entlang. Bald waren sie bei der Serverfarm angekommen. Es war kühl und blinkte überall. Sie schritten zwischen den hohen Geräten hin und her, bis sie im hinteren Abteil zum Stehen kamen.

„Tsubasa!“, warnte Hebimon und sprang vor das Mädchen.

Gerade noch rechtzeitig. Es schien eine Art Ball abzuwehren, welcher die Richtung änderte und die Wand traf. Sofort ätzte sich Säure hinein und hinterließ ein kleines Loch.

Tsubasa zuckte zusammen.

„Na wen haben wir denn da“, erklang eine Stimme von oben.

Beide blickten hinauf und erkannten den Angreifer. Es handelte sich wie Hebimon um eine Schlange. Sie besaß ein bräunliches Muster und trug eine Brille.

„Achtung! Das ist Hubmon! Er besitzt die Fähigkeit, Daten zu beeinflussen!“, warnte ihr Partner.

Tsubasa verstand. An der Zunge des schlangenartigen Digimon prangte etwas, das wie ein USB-Stick aussah.

„Ich habe das Ziel noch nicht gefunden. Aber kein Problem, dann werdet ihr mir einfach sagen, wo ich es finden kann.“

Hebimon zischte ihm entgegen.

„Nein! Selbst wenn wir es wüssten, würden wir dir nichts sagen!“

Hubmon lachte aber nur.

„Zu dumm für euch! Hier drin sind genug Daten, die ich essen kann. Und Daten machen mich stärker!“

Nun steckte es seine Zunge in einen der Server, und wenig später erlosch das Blinken im großen Raum.

„Oh nein! Sie hat sämtliche Daten hier absorbiert!“, schien Hebimon zu befürchten.

Tsubasa begriff nun, was es meinte. Hebimon begann zu leuchten und seine Form zu verändern. Es wurde wesentlich größer und... bedrohlicher.

„Mist! Es ist digitiert!“, war Hebimons Sorge eingetreten.

„Digitiert? Wie bei Prismamon und Koemon? Heißt das, es ist jetzt stärker?“, fragte Tsubasa.

Hebimon nickte.

„Leider sehr viel mehr.“

„Aber... du kannst es doch besiegen, oder?“

Leider blieb die Antwort ihres Partners aus. Der Feind besaß nun zwei große Krallen, die es den beiden entgegenrichtete.

„Haha! Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Nun bin ich Grimmon und euch weit überlegen. Na? Wollt ihr euch nicht ergeben und mir alles sagen, was ihr wisst? Mir ist es egal, woher ich meine Daten bekomme, hauptsache, ich habe sie.“

Hebimon zischte wütend zurück.

„Keine Chance! Wir haben von Gennai eine Mission erhalten! Wir werden euch nicht gewähren lassen! Säurezahn!“

Es begann Grimmon anzugreifen, wurde aber direkt zurückgeschleudert. Tsubasa fing es auf, ihr Partner hatte wohl einiges abbekommen.

„Ziehen wir uns erstmal zurück. Kari weiß immerhin, wer wir sind“, schlug sie vor.

Doch diese Idee wurde zunichte gemacht, als Grimmon über sie sprang und sich direkt vor dem Eingang bzw. Ausgang platzierte.
 

„Nein, so einfach entkommt ihr nicht. Vielleicht, wenn ich habe, was ich will.“

Doch Tsubasa und Hebimon konnten ihm gar nicht weiterhelfen. Hebimon kämpfte sich wieder auf und stellte sich dem Feind entgegen. Es führte dieselbe Attacke erneut aus, wurde aber wieder weggeschlagen.

„Lass das, Hebimon! Du bist ihm nicht gewachsen!“, redete sie auf ihren Partner ein.

Doch das Digimon erhob sich erneut.

„Ich dachte wirklich... dass ich stark bin. Dabei habe ich trainiert und mich vorbereitet. Aber... ich schaffe es wohl nicht allein“, zischte es, brach dann aber zusammen.

„Hebimon!“, rief Tsubasa seinen Namen.

Was sollte sie nun nur unternehmen? Sie konnten gegen den Feind nichts ausrichten. Wenn doch nur Kari hier wäre. Doch sie war nicht wie Kari, das musste sie einsehen. Hebimon hatte in der Tat eine stärkere Partnerin verdient.

Grimmon näherte sich nun dem auf dem Boden liegenden Digimon. Es nahm es zwischen seinen Krallen auf und schien ihm etwas antun zu wollen. Das konnte Tsubasa nicht zulassen. Es stimmte, sie war nicht Kari. Und auch nicht einer der anderen DigiRitter. Somit blieb ihr nur eine Chance. Sie musste zu einer neuen Person werden. Jemand, der stark genug war, um Hebimon ein würdiger Partner zu sein.

Im selben Moment spürte sie, wie das DigiVice an ihrem Handgelenk zu leuchten begann. Dasselbe geschah nun auch mit Hebimon.

Tsubasa sah zu, wie es sich wie zuvor Hebimon nun zu transformieren begann.

„Hebimon digitiert zu... Julungumon!“

Ihr Partner war nun genauso groß wie Grimmon. Allerdings viel farbenprächtiger. Es besaß Muster, die wie die Farben des Regenbogens wirkten. Auf seiner Schwanzspitze prangte eine Art Sense.

„Hebimon... du bist... digitiert?“

Julungumon ließ keine Zeit vergehen und attackierte den Gegner sofort.

„Toxische Sichel!“

Grimmon wurde hart getroffen, gab aber nicht auf. Sein nächster Angriff folgte seines Schweifs. Darauf war Julungumon nicht vorbereitet gewesen. Es torkelte zurück und erlitt Schaden.

„Nein! Kommt, du schaffst das!“, feuerte Tsubasa ihren Partner an.

Doch dieser hatte Schwierigkeiten sich aufzuraffen. Grimmon setzte zu einem erneuten Angriff an, wurde aber von anderer Seite gestoppt.

„Blitzklaue!“, griff es etwas von der Seite an.

Es handelte sich um eine weiße Katze, deren Pfoten Grimmon zurückdrängte.

„Tsubasa-chan! Alles in Ordnung?“, rief Kari besorgt.

Das Mädchen nickte.

„Der Gegner ist gerade abgelenkt, schlag jetzt zu!“, rief die DigiRitterin.

Julungumon ließ sich dies nicht zweimal sagen. Erneut griff es Grimmon mit seiner Lanze an und teilte es mit ihr in zwei. Grimmon löste sich in Daten auf, und die Gefahr war vorbei.

Es digitierte zurück, und Tsubasa nahm es in die Arme. Hebimon wirkte sehr erschöpft, der Kampf war wohl sehr hart gewesen.

„Halte durch, Hebimon. Jetzt ist alles gut.“

Sie dankte Kari für die Hilfe, die vorschlug, schnell von hier zu verschwinden. Das ließ sich das Mädchen nicht zweimal sagen.

Sie eilte in die obere Etage, wurden aber bereits von Sicherheitskräften erwartet. Kari stellte sich vor das Mädchen, doch bevor sie etwas sagen konnte, wurde Tsubasas Name genannt. Ein Mann mit Anzug trat durch die Gruppe.

„Kannst du mir bitte mal erklären, was hier vor sich geht?“, war er recht ungehalten.

Dann fiel sein Blick auf die beiden Digimon.

„Sind das etwa...“

Tsubasa hielt ihm Hebimon hin.

„Das ist Hebimon. Er ist mein Digimon-Partner. Er hat verhindert, dass ein böses Digimon eure Daten übernimmt. Du solltest ihm dankbar sein.“

Ihr Vater verdrehte die Augen.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein. Du findest echt immer neue Wege, mir Ärger zu bereiten, oder? Jetzt kommst du auch noch mit Digimon an. Hast du keine Ahnung, wie gefährlich diese Dinger sein können? Und außerdem, wisst ihr, welchen Schaden ihr da unten angerichtet habt?“, schnauzte er sie an.

Kari räusperte sich.

„Keine Sorge, es wird bald jemand von der Regierung eintreffen und den Schaden bewerten. Auch um den finanziellen Schaden werden sie sich kümmern. Sie müssen sich also keine Gedanken machen.“

Das schien der Geschäftsmann anders zu sehen.

„Keine Sorgen machen? Hören Sie mal, Lady! Sie wollen meinen... Tsubasa doch wohl nicht noch unterstützen? Diese Phase ist eine Sache, aber ihr diese Digimon zu geben? Bin ich nur von Verrückten umgeben?“

Kari, immer noch lächelnd, trat vor und kniff ihm in die Wange.

„Jetzt hören Sie mal, ja? Sie können echt froh sein, so eine mutige Tochter zu besitzen. Sie hat Ihnen nämlich den Arsch gerettet“, trichterte sie ihm ein.

Dann wand sie sich Tsubasa zu und gab ihr ein Zeichen zum Gehen. Die Sicherheitsleute zögerten noch, doch dann gab ihnen Tsubasas Vater die Erlaubnis.

Draußen atmete das Mädchen erstmal tief durch.

„Tut mir leid, ich hätte warten sollen“, sagte sie kleinlaut.

Kari schien das aber nicht so zu sehen.

„Mach dir deinen Kopf. Sofortiges Handeln gehört wohl auch zu einem DigiRitter. Ich war früher nicht anders.“

Das Mädchen nickte.

„Tut mir leid wegen meinem Vater. Er findet einfach nicht gut, wie ich jetzt bin.“

Kari musterte sie kurz.

„Schon gut. Dafür finde ich dich jetzt gut. Und Hebimon bestimmt sowieso, nicht wahr?“

Die kleine Schlange kam wieder zu Kräften.

„Ja! Ich würde niemand anderen zum Partner wollen als dich!“, bestätigte es.

Tsubasa rutschte beinahe eine Träne herunter. Sie beschlossen, die Suche für heute aufzugeben. Auch Kari war nicht weitergekommen. Es war unwahrscheinlich, dass sich Rurimon weiterhin in Shibuya aufhielt. Es war bestimmt schon weitergezogen. Also suchten die beiden das Weite und schritten Richtung Bahnhof.

Das Digimon ganz auf dem Dach des Firmengebäudes nahmen sie nicht wahr. Dieses verstand sich nämlich darauf, sich vor dem Feind verborgen zu bleiben, wie es ein Ninja nun mal tat. Hebimon hatte also ebenfalls versagt, wie es feststellen musste. Zu dumm, dann musste eben ein stärkerer Gegner her.

Folge 5 - Wiedersehen

Inzwischen war Rurimon wesentlich vorsichtiger und bewegte sich zwischen Gebäuden und Büschen. Es hatte beschlossen, den Straßen fernzubleiben, da die Menschen äußerst negativ auf es reagierten. Rurimon hätte verstanden, wenn sie erst etwas skeptisch auf ihn reagiert hätten, denn immerhin stammte es aus einer anderen Welt. Aber nein, die Menschen schienen regelrecht Angst vor ihm zu haben. Das verunsicherte den Reisenden zunehmend. Nichts lief so, wie sie es geplant hatten. Prismamon hatte versprochen, dass alles besser werden würde. Dass sie in die Menschenwelt reisen und dort Hilfe bekommen würden. Das mit der Menschenwelt war eingetreten, doch Prismamon war weg. Es hatte Rurimon im Stich gelassen. Nein, so durfte es nicht denken. Sein Freund war bestimmt schon auf der Suche nach ihm. Sollte Rurimon etwas unternehmen, um auf sich aufmerksam zu machen? Vielleicht einen großen Tumult? Nein, wenn es sich noch mehr Menschen zeigte, könnten sie versuchen, es zu fangen. Oder Schlimmeres. Es war unklug, dass die beiden zuvor keinen Treffpunkt ausgemacht hatten.

Aber wohin war Rurimon eigentlich unterwegs? Das Seltsame war, dass es spürte, nicht blind unterwegs zu sein. Es wurde von etwas angezogen. Es war ein Gefühl, das sich schwer beschreiben ließ. Es hatte etwas mit Vertrautheit zu tun. Ein vertrautes Gefühl. Aber hier in der Menschenwelt? Wo es sich noch nie aufgehalten hatte? Das war eigentlich nicht möglich. Dennoch wurde das Gefühl stärker, je näher es der Quelle kam. Rurimon erreichte nun eine Siedlung mit mehreren Häusern. Es sprang über einen Zaun, direkt in einen Garten. Es sah einige Kinder spielen und versteckte sich deshalb. Als der Vater der Kinder aus einer Tür trat, war erst nicht sein Gesicht zu erkennen. Er sprach mit seinen Sprösslingen und wandte sich dann wieder um. Als Rurimon sein Gesicht erblickte, zuckte es zusammen. Jetzt verstand es dieses Gefühl von Vertrautheit.

Takeshi hatte seinen Rucksack gepackt und auch alles andere vorbereitet. Er spürte, dass Prismamon war, was auch ihn anspornte. Es war Wochenende, und somit hatten Takeshi und seine Freunde jede Menge Zeit. Sie hatten beschlossen, die Suche nach Prismamons Freund zu intensivieren. Tsubasa hatte neue Sichtungen im Internet recherchiert und gesammelt. Sie wollten sich aufteilen und die Gegenden um diese herum absuchen. In den letzten Tagen waren sowohl Shun als auch Tsubasa von feindlichen Digimon angegriffen worden. Diese waren auch erpicht darauf, Rurimon zu finden. Sie durften nicht zulassen, dass ihnen dies gelang.

Also verließen sie das Haus und steuerten in Richtung des Treffpunkts zu. Dabei handelte es sich natürlich um den Ramen-Laden, der inzwischen zu einer Art Hauptquartier geworden war. Tsubasa und Shun waren bereits vor Ort. Als Takeshi erkannte, dass Davis sie bereits mit einer Schüssel Ramen versorgt hatte, spürte auch er seinen Magen knurren. Schnell setzte er sich zu ihnen und bestellte eine Portion. Davis erfüllte ihm den Wunsch und gab die Bestellung an Veemon weiter. Dieser kannte Takeshis Vorlieben inzwischen ganz gut und beschloss, die besten Ramen vorzubereiten, die den DigiRitter für den heutigen Tag stärken sollten.
 

„Die sind endlos lecker! Ich glaube, ich habe ein neues Stammlokal gefunden“, schwärmte das Mädchen.

Takeshi, immer noch wartend, verdrehte die Augen.

„Hey, ich habe es zuerst entdeckt“, erinnerte er, war sich aber sicher, dass der Betreiber sich sicher über mehr Stammkundschaft freuen würde. Shun ließ sich wie immer nicht anmerken, ob es ihm schmeckte oder nicht. Dann zog er sein Handy heraus.

„Ich habe die Orte der Sichtungen zusammengefasst und aufgeteilt. Ich habe euch alles geschickt, geographisch, so dass ihr einen nach dem anderen abgrasen könnt“, erklärte er.

Takeshi klopfte seinem Freund auf die Schulter. Auf ihn war wirklich immer Verlass. Die Eingangstür des Lokals ging auf, und ein weiterer Gast trat ein. Es war ein junger Mann im Anzug und mit einem Koffer. Er war eindeutig ein Geschäftsmann, wohl von irgendeinem Büro. Die DigiRitter sahen unsicher zu ihren Partnern. Eigentlich hätte Davis das Schild "Privatgesellschaft" außen anbringen müssen. Jetzt könnte es Ärger geben, wenn sich ihre Digimon nicht wie Stofftiere verhielten.

Der Mann kam vor ihnen zum Stehen und verneigte sich kurz.

„Ah, ihr müsst die Neuen sein. Schön, euch kennenzulernen. Bitte habt mit Davis etwas Geduld, er tut sein Bestes.“

Die drei nickten langsam.

„Hey, hey, was soll das denn heißen? Ich kann sie genauso gut unterstützen wie jeder andere“, trat Davis aus der Küche und belehrte den Neuankömmling.

Zu seinen Füßen erkannten sie ein weiteres Digimon. Es ähnelte einer grünen Raupe, die nun vergnügt zu sein schien, den Mann zu sehen. Sie robbte auf ihn zu und fiel ihm in den Arm.

„Ken! Ich habe Veemon und Davis geholfen, Ramen zu machen. Das ist echt anstrengend, weißt du?“, sagte sie.

Der Mann zeigte ein Lächeln und hob die Raupe hoch. Er sah zu Davis, der nur die Arme hob.

„Er hat es zumindest versucht. Aber wie sich herausstellte, braucht man Arme, um Ramen zuzubereiten.“

Das demotivierte die Raupe nun etwas.

„Wormmon wird wohl nie ein begabter Ramen-Koch“, ließ sie ihre Fühler hängen.

Der Mann namens Ken lächelte mild.

„Keine Sorge, Wormmon, dafür hast du andere Qualitäten“, versicherte er.

Dann übernahm Davis die Vorstellung seines Freundes. Es handelte sich um Ken Ichijouji ebenfalls ein Mitglied des Teams.

„Kari und TK sind heute verhindert. Sie meinten, ich solle ihren Platz einnehmen und euch bei der Suche unterstützen“, sagte er nun.

Davis hob eine Augenbraue.

„Was? Du mal nicht arbeiten? Wie kommt's?“

Ken seufzte.

„Seit meiner Beförderung kann ich einige meiner Pflichten abgeben. Jetzt, wo die Hochzeit näher rückt, trete ich erst mal etwas kürzer. Du hast ja keine Ahnung, wie viel Planung so etwas beansprucht.“

Tsubasa sprang sofort auf.

„Hochzeit? Sie planen zu heiraten?“

Takeshi überraschte es wenig, dass das Mädchen am meisten an dieser Neuigkeit interessiert war.

Ken bestätigte es ihr.

„In wenigen Wochen. Meine Verlobte... es klingt immer noch seltsam. Jedenfalls ist sie ganz aus dem Häuschen. Jeden Tag kommt ihr eine neue Idee, ich komme gar nicht mehr mit. Aber ich versuche, ihr natürlich so viele Wünsche zu erfüllen wie möglich. Auch wenn mir das mehr Energie raubt als ein Tag mit Überstunden.“

Davis schmunzelte.

„Das hätte dir doch vorher klar sein müssen, als du Yolei einen Antrag gemacht hast.“

Ken erhielt sich abrupt.

„Ich bereue es nicht! Das werde ich auch nicht, bis zum Ende meines Lebens!“

Tsubasa klatschte euphorisch.

Davis ballte eine Faust.

„Das ist der Spirit! So wird es mir ergehen, wenn ich Kari zur Frau nehme!“, sagte er entschieden.

Tsubasa legte einen Finger auf die Lippen.

„Ach, Sie und Yagami-san sind ein Paar? Das habe ich gar nicht wahrgenommen. Ich hatte eher den Eindruck, dass sie und Takaishi-san ein Paar wären.“

Davis ließ die Schultern hängen und lehnte den Kopf gegen die Wand.

„Er meinte eher in seinen Wunschvorstellungen“, klärte Ken auf.

Tsubasa verstand und tätschelte Davis die Schulter.

„Keine Sorge. Die Liebe wird auch Sie noch erreichen“, sagte sie zuversichtlich.

Der Ramen-Spezialist bedankte sich, und sein Gesichtsausdruck wurde schon wieder zuversichtlicher.

„Danke. Ich wünschte, ich könnte noch so viel Hoffnung und Glauben an die Liebe haben wie ihr in eurem Alter.“

Takeshi und Shun tauschten Blicke. Sie waren hier definitiv fehl am Platz. Während Shun den neuen Helfer in den Plan einweihte, erhielt Takeshi endlich seine Ramenschüssel.

Wenig später waren sie gestärkt und beschlossen aufzubrechen. Davis bildete wie immer die Schnittstelle. Prismamon war der erste, der Richtung Tür schritt. Es war fest entschlossen, seinen Freund diesmal zu finden.

Takeshis erstes Ziel war ein Spielplatz, an dem einige Kinder einen kleinen, blauen Drachen gesehen haben wollten. Dabei konnte es sich genauso gut um ein Spielzeug handeln. In der Beschreibung stand kein Wort darüber, ob sich der Drache bewegt hatte. Trotzdem hatte Shun ihn in die Suche aufgenommen; sein Freund war überaus sorgfältig.

Takeshi wandte seinen Blick in alle Richtungen, auch Prismamon lugte aus der Tasche. Der Junge wusste nicht, ob Digimon bessere Augen besaßen als Menschen. Bei Tieren war dies oft der Fall, aber bei digitalen Wesen? Bald hatten sie den Spielplatz erreicht, doch keine Hinweise. Auch spielten gerade keine Kinder. Da es Wochenende war, unternahmen sie vermutlich gerade etwas mit ihren Eltern. Takeshi seufzte. Auch hier würden sie nichts erreichen. Also setzte er seinen Weg fort und studierte Shuns Plan, wo er als nächstes suchen sollte.

Es war schon einige Schritte gegangen, als doch zwei Kinder den Spielplatz stürmten und als erstes die Schaukel in Beschlag nahmen. Takeshi machte Halt und versuchte so freundlich wie möglich zu wirken. Er wollte sie nicht gleich verschrecken.

„Hey, Kinder! Na, wie geht’s? Ich bin auf der Suche nach etwas, vielleicht könnt ihr mir helfen. Wart ihr auch die letzten Tage hier?“

Die Kinder zögerten etwas, schüttelten dann aber den Kopf. Allerdings hatte Takeshi auch nicht mehr gehofft. Trotzdem wollte er nicht aufgeben und fragte, ob sie nicht doch einen blauen Drachen gesehen hätten.

Der eine Junge sah seine Schwester an.

„Das ist doch der Drache von Papa, oder?“

Das Mädchen nickte.

„Ja, hört sich ganz nach dem von Papa an.“

Damit hatte Takeshi volle Aufmerksamkeit.

„Euer Papa? Könnt ihr mir sagen, wo ihr wohnt?“

Damit war er wohl etwas zu direkt gewesen. Natürlich wurde den Kindern eingeschärft, so etwas nicht preiszugeben. Als er ihre unsicheren Blicke erkannte, holte er prompt Prismamon aus dem Rucksack.

„Seht doch! Ich habe auch so eines. Sie nennen sich Digimon und sind ganz zahm.“

Überrascht musterten die Kleinen das kristalline Digimon. Takeshi flüsterte ihm zu, zu lächeln. Sofort waren die Kinder begeistert und wollten mit Takeshis Partner spielen. Dieser tat ihnen den Gefallen, auch wenn es Prismamon missfiel, dass sie an seinen Ohren zogen. Dann übernahm es die Initiative.

„Es heißt Rurimon, nicht wahr? Ruri ist mein Freund, ich möchte ihn unbedingt sehen!“, sagte es dann.

Die Kinder sahen einander an und nickten dann. Sie waren bereit, Takeshi zu sich mitzunehmen.

Ken studierte den Plan, den ihm der Junge namens Shun geschickt hatte. Er war sehr detailliert und ausgearbeitet. Der Junge erinnerte ihn etwas an einen anderen DigiRitter, der inzwischen als Arzt tätig war. Er war sicher, dass er eine gute Ergänzung für dieses neue Team war. Ein Team, das seine eigenen Erfahrungen machen würde; so viel stand fest. Die meisten davon würden sie nicht abnehmen können. Auch Ken war zeitlich sehr eingeschränkt. Doch er war sicher, dass sie mit Davis, TK und Kari die besten Mentoren gefunden hatten. Es war immer noch ein seltsames Gefühl, nun selbst erwachsen zu sein. Dass er in Kürze heiraten würde, fühlte sich immer noch surreal an. Dass Yolei die Richtige war, hingegen nicht. Auch wenn die Vorbereitungen puren Stress für ihn bedeuteten. Auf eine gute alte Digimon-Mission zu gehen, fühlte sich dagegen erholsam an. Darum hatte er sich schnell bereit erklärt, den neuen DigiRittern zu helfen.

„Wormmon, wenn du neu in der Menschenwelt wärst, würdest du dich verstecken?“, fragte er an seinen Partner gewandt, den er in einer breiten Tasche mit sich trug.

Dieser konnte ihm die Frage aber nicht beantworten.

„Keine Ahnung. Ich musste mich nie allein zurechtfinden, du hast mir alles gezeigt und erklärt“, sagte Wormmon.

Ken musste ihm recht geben. Rurimon wäre eher menschenscheu und würde sich nicht so einfach zeigen. Vermutlich würde seine Suche ins Leere laufen, und der heutige Tag würde nicht ergiebig sein.
 

Er sollte falsch liegen. Als die erste Person an ihm vorbeilief, nahm Ken noch an, dass sie es einfach nur eilig hatte. Immerhin war der Bahnhof in der Nähe. Beim zweiten Mal dachte er sich bereits mehr. Doch als eine ganze Gruppe eiligst an ihm vorbeilief, wusste er, dass etwas nicht stimmte.

„Wormmon“, raunte er seinem Partner zu.

Dieses nickte und machte sich bereit. Ken setzte sich in Bewegung und folgte der Richtung, aus der die Menschen flohen. Bald war er an einer Kreuzung angekommen und erkannte die Quelle des Aufruhrs.

Ein Digimon stand in der Mitte und hatte bereits einiges an Zerstörung angerichtet. Ken kam davor zum Stehen und musterte es. Es trug eine Rüstung, und nicht zuletzt das Schwert an seiner Hüfte war unverkennbar. Es war löwenartig und besaß blaues Fell mit einer weißen Mähne.

„Leo...mon?“, stammelte der DigiRitter.

Der Feind wandte sich ihm zu und pustete aus seinen Nasenlöchern.

„Vergleiche mich nicht mit dieser schwachen Sub-Spezies. Ich bin LeoHeartmon, der tapfere Krieger! Der König selbst hat mich angeworben, weil er in meine Fähigkeiten vertraut!“, erklärte es.

Ken ließ sich davon nicht verunsichern.

„Erzähl uns doch von diesem König. Warum habt ihr es auf Rurimon und sein Buch abgesehen? Was genau ist euer Ziel?“, hakte er nach.

LeoHeartmon griff nach seinem Schwert.

„Unser Ziel ist es, die Menschen loszuwerden! Immer wieder stört ihr den Frieden der DigiWelt!“, rechtfertigte es sich.

Ken ballte die Fäuste.

„Weißt du, wie oft wir euch schon gerettet haben? Es waren böse Digimon, die euch versklaven wollten. Gegen die sind wir in den Kampf gezogen!“, hielt er ihm vor Augen.

Dass er selbst der Digimon-Kaiser war und somit LeoHeartmons Kritik bestätigt hätte, ließ er absichtlich weg. Das würde im Moment alles nur verkomplizieren.

„Und habt dabei eine Spur der Verwüstung hinterlassen! Ihr habt euch eingemischt, anstatt uns Bewohnern die Lösung unserer Probleme anzuvertrauen. Ihr habt euch dieses Recht herausgenommen und euch über uns gestellt!“

Nun sprang Wormmon aus der Tasche.

„Das ist nicht wahr! Ihr konntet euch selbst nicht schützen, also mussten wir das übernehmen. Wir haben die Schwachen beschützt, weil das nun mal die Aufgabe von jedem ist, nicht nur Einwohnern der DigiWelt!“

Doch dies war nicht das, was LeoHeartmon hören wollte.

„Ihr sagt also, ich wäre ohnehin zu schwach gewesen?“

Wormmon bestätigte es ihm, während Ken nicht wusste, ob dies die richtige Strategie war.

„Klar! Du hast nichts unternommen, oder? Das ist nun mal die Realität. Mach uns nicht die Passivität von dir und deinen Kameraden verantwortlich!“

Es war nicht die richtige Vorgehensweise. Das Digimon wurde immer erboster und zog sein Schwert. Es ging auf Wormmon los, dieses konnte gerade noch so ausweichen.

Ken zog sein DigiVice und machte sich bereit.

„Wormmon digitiert zu... Stingmon!“

Sofort war es in der Lage, den Angriff zu kontern. Doch LeoHeartmons Schwert zerschnitt ganze Straßenlaternen und Autos mit nur einem Hieb.

„Stingmon! Der Feind ist stark, du darfst ihn nicht unterschätzen!“, warnte Ken.

Das Insekten-Digimon war dies bewusst und blieb deshalb auf Distanz. Doch es musste nicht alleine kämpfen. Angelockt von dem Trubel waren auch Shun und Tsubasa endlich aufgetaucht.

„Wir werden mit dir kämpfen!“, entschied das Mädchen.

Ken nickte.

„Gut, aber geht behutsam vor. Eure Digimon haben noch nicht so viel Erfahrung. LeoHeartmon hingegen scheint ein erfahrener Kämpfer zu sein“, warnte er.

Die beiden jungen DigiRitter versprachen es und aktivierten dann die DigiVices an ihren Handgelenken. Sofort begannen Hebimon und Koemon zu leuchten.

„Hebimon digitiert zu... Julungumon!“

„Koemon digitiert zu... Lianpumon!“

Der Kampf begann, und LeoHeartmon erwies sich als harter Gegner. Das Ninja-artige Digimon auf einem der Hausdächer registrierte dies zufrieden. Es war richtig, ein unkontrollierbares Digimon wie LeoHeartmon zu rekrutieren. Es war durchaus im Stande, die Feinde auszulöschen.

Die Kinder hatten Takeshi eine Straße entlang geführt, die direkt zu einem Wohnviertel führte. Sie wohnten zum Glück nicht weit entfernt, sonst hätten die Eltern sie auch kaum alleine zum Spielplatz gelassen. Bald standen sie vor einem Haus, und Takeshi fragte sich, ob Rurimon wirklich drin war. Sie führten ihn und seinen Partner in den Garten. Die Terrassentür stand offen, und sie begaben sich ins Innere. Takeshi machte sich bemerkbar, als er das Haus betrat. Er kam sich etwas unbehaglich vor, einfach so ein fremdes Haus zu betreten.

Ein Mann kam aus dem Gang und begrüßte seine Kinder zurück. Gerade als er fragen wollte, warum diese so schnell zurück waren, fiel sein Blick auf den DigiRitter.
 

Dieser verbeugte sich sofort leicht und stellte sich vor.

„Verzeihen Sie bitte, aber Ihre Kinder haben mir erzählt, dass Sie ein Digimon bei sich hätten?“

Der Familienvater zögerte.

"Du... weißt von Digimon?", hakte er nach.

Bevor Takeshi etwas erwidern konnte, sprang Prismamon aus dem Rucksack und baute sich vor ihm auf.

"Ich will Rurimon sprechen! Es ist doch hier, oder?"

Erstaunt betrachtete der Mann den Neuankömmling. Es dauerte nicht lange, bis Rurimon von der Stimme angelockt wurde. Er eilte ins Zimmer, und er und sein Freund standen sich gegenüber. Sie fielen sich in die Arme und waren froh, sich endlich gefunden zu haben. Die Miene des Mannes erhellte sich.

"Jetzt verstehe ich. Junger Mann, kann es sein, dass du auch ein DigiRitter bist?", hakte er nach. Takeshi stutzte. "Auch? Heißt das... Sie sind ebenfalls einer?"

Nur 10 Minuten später waren die Kinder beschäftigt, und der Mann hatte Tee zubereitet. Für Prismamon und Rurimon gab es Reste eines Kuchens. Takeshi hatte sich gesetzt und den blauen Drachen gemustert. Das war also Prismamons bester Freund. Dieser trug immer noch eine Tasche. Befand sich darin das Buch, das Koemon und Hebimon erwähnt hatten? Der Mann, der sich inzwischen als Saito vorgestellt hatte, setzte sich ihm gegenüber.

"Ich habe schon von neuen DigiRittern gehört, aber dass es eine ganze neue Generation gibt, ist mir neu."

Takeshi erzählte, wie er und Prismamon sich kennengelernt hatten und wie Gennai ihnen den Auftrag erteilt hatte. Saito war dieser Name alles andere als fremd.

"Das ist schon 20 Jahre her, seit ich und meine Freunde damals in die DigiWelt transportiert wurden. Dort bin ich Rurimon das erste Mal begegnet", begann er dann zu erzählen. Takeshi staunte, dass der Mann tatsächlich ein DigiRitter war.

Rurimon war also ebenfalls ein Digimon-Partner.

"Wir... haben uns solange nicht mehr gesehen. Damals, als wir gegen die Meister der Dunkelheit gekämpft haben", berichtete Rurimon. Prismamon nickte.

"Stimmt. Davon hast du mir ja erzählt. Ich konnte erst nicht glauben, dass du so ein Held warst und die DigiWelt gerettet hast."

Sein Freund fühlte sich sichtlich geschmeichelt.

"Das war alles nur Dank Saito möglich."

Dieser senkte den Kopf etwas.

"Würden nicht immer noch Digimon in unsere Welt eindringen... würde ich mich heute fragen, ob das wirklich alles real war. Damals fühlte es sich wie eine Fantasie an. Klar, es war gefährlich, aber es ist inzwischen solange her. So lange seit dem Abschied von Rurimon. Und die anderen von damals... Maki, Daigo... auch sie habe ich seit damals nicht mehr gesehen", schwelgte er in Erinnerungen. Takeshi legte seine Hände auf den Tisch.

"Leider scheint Rurimons Welt wieder in Gefahr zu sein. Es scheint eine Art König zu geben, der die Menschen für die ganze Verwüstung verantwortlich macht. Darum ist er hinter deinem Partner her."

Saito sah erschrocken zu dem Drachen.

"Aber warum? Was will er von dir?"

Rurimon zögerte etwas und zog seine Tasche enger zu sich.

"Es ist... ein Buch, das ich gefunden habe. Es ist sehr mächtig", verriet er.

Saito verstand.

"Also wollen sie dich fangen, um damit ihre Macht zu vergrößern. Es scheint sich nicht viel verändert zu haben. Tut mir leid, dass ich damals einfach so gegangen bin."

Rurimon schüttelte sofort den Kopf.

"Nein, nicht doch. Wir hatten den letzten Kampf gewonnen, und du und die anderen hatten verdient, in eure Welt zurückzukehren. Außerdem hatte ich ja Freunde. Prismamon zum Beispiel! Er hat mich immer unterstützt, und zusammen sind wir in diese Welt gekommen."

Saito streichelte seinem Partner den Kopf.

Nun meldete sich Takeshis Handy, und er sah nach. Mit Besorgnis las er Shuns Text.

"Mist! Scheinbar gibt es einen neuen Digimon-Angriff. Prismamon, wir müssen schnell los!", informierte er seinen Partner.

Dieser erhob sich sofort, und auch Rurimon tat es ihm gleich.

"Ja! Saito! Bist du bereit?"

Doch der Mann wirkte nicht gerade euphorisch.

"Ich... kann nicht weg. Meine Kinder, verstehst du?"

Takeshi erkannte das Problem.

"Rurimon, du bleibst am besten auch hier. Der Feind hat es immerhin auf dich abgesehen. Es wäre schlecht, wenn du ihm jetzt direkt in die Arme rennst."

Der kleine Drache wollte erst protestieren, dann sah er es aber ein.

"Wir kommen danach sofort wieder hierher", versprach Prismamon, und Rurimon wünschte ihm viel Glück. Dann zogen die beiden los und ließen Saito und Rurimon zurück.

LeoHeartmon war es inzwischen gelungen, noch mehr Verwüstung anzurichten. Sämtliche Fenster lagen in Scherben. Gerade bog ein Polizeiauto in die Straße ein, dem Digimon entging es nicht. Ken gab Stingmon den Befehl, den Wagen zu verscheuchen, bevor der Feind ernsthaften Schaden anrichten konnte. Das Rieseninsekt landete auf der Motorhaube, was die Polizisten umgehend zur Flucht bewegte. Julungumons Giftsichel kreuzte sich mit LeoHeartmons Schwert, doch Tsubasas Partner wurde von der Klinge umgehend zurückgeworfen. Lipanpumon testete eine neue Maske, welche ihm ermöglichte, Ranken aus dem Boden wachsen zu lassen, die den Gegner erst einmal fesselten. Doch sie wussten, dass ihn das nicht lange aufhalten würde. Ken überlegte umgehend ihre Optionen. Eine Möglichkeit wäre, auf ein neues Level zu digitierten. Dazu fehlte ihm allerdings Davis. Er wünschte, dass er sie begleitet hätte, doch da war eben nichts zu machen. Stingmon griff erneut an, doch LeoHeartmon löste sich von seinen Fesseln und verpasste dem Digimon einen Hieb. Dieser reichte aus, damit Stingmon seine Haltung verlor und zu Wormmon zurückdigitieren musste. Schnell eilte er zu seinem Freund und fing ihn auf.

"Tut... mir leid", keuchte das Raupen-Digimon.

Ken versicherte ihm jedoch, dass es alles richtig gemacht hatte. Julungumon und Lianpumon stellten sich dem Gegner erneut, doch sie waren ihm nicht gewachsen. Doch dann traf Verstärkung ein.

"Hey! Sorry, dass ihr warten musstet!", kam Takeshi um die Ecke.

LeoHeartmon wandte sich von seinen Gegnern ab, um den Neuankömmling zu mustern.

"Hmpf! Einer mehr oder weniger macht keinen Unterschied. Euch fehlt der Wille, das wird euer Untergang", knurrte der König. Takeshi und Prismamon bauten sich vor ihm auf, und der DigiRitter aktivierte sein DigiVice.

"Unseren Willen wirst du gleich kennenlernen!", rief Takeshi entschlossen. Prismamon begann zu glühen.

"Prismamon digitiert zu... PrismKnightmon!"

Ein neuer Gegner stellte sich LeoHeartmon entgegen. Dieser zeigte sich unbeeindruckt.

"Ein Ritter, ja? Dann zeig mal, was du drauf hast!", forderte der König.

Takeshis Partner zog sein Schwert und preschte auf den Feind los. Ihre Klingen trafen aufeinander.

"Achtung! Der Gegner ist stark!", warnte Shun.

Das war Takeshi auch klar gewesen. LeoHeartmon strahlte eine andere Aura aus. Es fühlte sich nicht einfach nur wie ein rasendes Digimon an. Zudem war es ihm gelungen, PrismKnightmon zurückzudrängen. Es griff mit seinem Schwert an, doch der Ritter sprang einfach über es. Takeshi erkannte, dass sein Freund wesentlich wendiger war. Das mochte daran liegen, dass es aus Kristallen bestand, während LeoHeartmon eine schwere Rüstung trug. Das mussten sie zu ihrem Vorteil nutzen.

"OK! Bleib immer in Bewegung, OK? Greif ihn nur an, wenn er nicht direkt vor dir ist!", rief ihm Takeshi zu.

Gesagt, getan. LeoHeartmon musste sich erst einmal wenden, doch da war PrismKnightmon schon wieder gegen eine Hauswand gesprungen und über den Gegner. Mit einem Schwerthieb beschädigte es dessen Rückenpanzerung. Ein Fluchen seitens des Feindes. Ein schwerer Hieb nach hinten, doch Takeshis Partner parierte mit seinem Schild. Nun folgte eine Lichtklingen-Attacke gegen die Brust des Gegners, welche Erfolg zu haben schien. Die Rüstung brach aus, und LeoHeartmon prallte zu Boden. Sofort wollte es sich wieder erheben, doch ihm wurde die Spitze des Schwerts entgegengestreckt. Eine Geste, die LeoHeartmon zum Aufgeben bewegen sollte. Erst wollte dieser nicht daran denken, dann erkannte die Entschlossenheit in den Augen seines Herausforderers. Schließlich steckte er sein Schwert wieder in dessen Scheide. Die anderen waren noch nicht so überzeugt von LeoHeartmons Resignation und blieben in Bereitschaft, besonders als sich der Gegner wieder erhob. Doch Takeshi schien keine Bedenken zu haben und gesellte sich zu seinem Partner.
 

„Hm. Ich wurde also vom Gegenteil überzeugt.“

„Gegenteil?“, fragte Takeshi.

Das Digimon nickte.

„Der König hat mir erzählt, dass Menschen schwach seien und Digimon lediglich ausnutzen. Darum wollte ich es selbst überprüfen, ob dies der Wahrheit entspricht. Nun weiß ich, dass es sich um eine Lüge handelte. Ich konnte mitansehen, wie ihr euch gegenseitig respektiert und gemeinsam kämpft.“

„Warte mal! Soll das heißen, dass du nicht länger unser Feind bist?“, hakte Tsubasa nach.

LeoHeartmon verneinte.

„Nein, denn ich nenne nur bösartige Krieger meine Feinde. Die Annahme, dass ihr ebenfalls welche wärt, war falsch. Darum beende ich unseren Zwist. Und auch die Armee des Königs verlasse ich wieder.“

Alle schienen froh, dies gehört zu haben.

„Kannst du... uns etwas über den Feind erzählen? Also diesen König und seine Armee?“, unternahm Ken einen Versuch.

LeoHeartmon musterte ihn.

„Ich kann euch nur warnen. Ihr habt euch einen mächtigen Feind gemacht. Ihr mögt noble Absichten haben, doch der König scheint euch zu verabscheuen. Nun, das ist seine Auffassung, ich habe kein Problem mit euch. Ich kann euch nur raten zu trainieren und euch vorzubereiten. Wenn ich meinen Job nämlich nicht beende, wird es jemand anderes tun.“

Er schritt in eines der zerstörten Geschäfte, in dem sich ein immer noch offenes Portal zu befinden schien. Bald war er darin verschwunden.

„Hey, wir sollten auch hier abhauen“, schlug Shun vor.

Keiner seiner Freunde hatte Einwände. Takeshi hatte auch schon den perfekten Rückzugsort. Also verließen sie das Kampffeld so schnell wie möglich. Bevor die Rettungskräfte eintrafen, befand sich nur noch das ninja-artige Digimon vor Ort. Es war enttäuscht, besonders weil es gleich Bericht erstatten musste. Es huschte durch das offene Portal.

Rurimon war froh, dass seinem Freund nichts zugestoßen war. Vor allem, da der Gegner diesmal etwas stärker war. Ken reichte Saito die Hand, während Tsubasa sich und Shun den Kindern vorstellte. Natürlich waren diese ganz aus dem Häuschen, die neuen Digimon kennenzulernen. Das kleine Mädchen begann Hebimon an beiden Enden zu ziehen, welches sich lauthals beschwerte. Der Junge war ganz beeindruckt von Koemons Steinschleuder. Jedoch wurde ihm nicht erlaubt, diese einmal auszuprobieren.

Während sie Tsubasa und Hebimon die Kinder überließen, setzten sich die anderen in die Küche und tauschten Informationen aus.

„Echt schlimm, dass nun wieder Digimon unsere Welt angreifen“, sagte Saito.

Ken gab ihm Recht.

„Wir tun unser Möglichstes, um baldmöglichst eine Lösung herbeizuführen“, versicherte er.

„Hey“, kam es von Shun. „Könnte uns das Buch dabei helfen, das Rurimon mit sich trägt?“

Der kleine Drache klammerte sich wieder an seine Tasche. Doch Prismamon beruhigte es.

„Keine Sorge, sie sind auf unserer Seite. Wenn wir jemandem vertrauen können, dann ihnen.“

Rurimon nickte. Wenn sein bester Freund ihm das sagte, dann musste es stimmen.

„Wenn sie hinter dem Buch her sind, wieso zerstören wir es nicht einfach? Dann wäre auch Rurimon außer Gefahr“, kam es Takeshi in den Sinn.

Shun schlug ihm auf den Hinterkopf.

„Dann finden diese Kerle eine andere Möglichkeit, um ihre Macht zu steigern. Ihr Ziel ist es immerhin, gegen uns Menschen vorzugehen, richtig?“

Ken stimmte zu.

„Ja, in der DigiWelt gibt es viele Möglichkeiten, um stärker zu werden.“

Nach einer Weile meldete sich Saito zu Wort.

„Dann... könntet ihr bitte Rurimon mit euch nehmen und gut auf ihn aufpassen?“

Sein Partner konnte nicht glauben, was er da hörte.

„Was? Aber... ich würde lieber hier bei dir bleiben. Wir haben uns solange nicht mehr gesehen!“, erinnerte er.

Saito schien mit sich zu kämpfen.

„Aber das geht nicht. Meine Kinder sind in diesem Haus. Ich darf... sie keiner Gefahr aussetzen“, stand für ihn seine Priorität fest.

Rurimon starrte ihn an, dann sprang es auf und lief los.

Takeshi nickte Prismamon zu, und dieses nahm die Verfolgung auf. Im Hausflur hatte es seinen Freund eingeholt.

„Ich... bin ihm völlig egal geworden“, rutschte ihm eine Träne übers Gesicht.

Prismamon schritt auf es zu.

„Was redest du da für einen Unsinn! Natürlich bist du Saito nicht egal. Freunde sind sich nämlich nicht egal! Saito ist jetzt einfach ein Familienvater und muss auch noch an andere denken. Das bedeutet nicht, dass du ihm nicht auch wichtig bist!“

Rurimon warf einen Blick in das Zimmer, in dem Tsubasa immer noch mit den Kindern spielte. Saito schloss zu ihnen auf und wirkte betrübt.

„Rurimon...“

Der kleine Drache fiel Saito in die Arme.

„Tut mir leid. Ich wollte deine Familie nicht in Gefahr bringen.“

Saito schüttelte den Kopf.

„Aber nein. Du gehörst auch zu meiner Familie. Das hast du schon immer“, versicherte er.

Rurimon wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.

„Aber... du kannst trotzdem nicht hier bleiben.“

Sein Partner verstand.

„Ja, ich möchte deine Kinder nicht in Gefahr bringen. Darum bleibe ich bei Prismamon und den anderen.“

Saito war froh, dass sie das geklärt hatten. Er versprach aber, dass Rurimon ihn gerne besuchen konnte, wenn es Lust hatte.

Er und Ken tauschten Kontaktdaten aus, und bald darauf verabschiedeten sie sich. Saito umarmte Rurimon noch einmal, dann widmete er sich wieder seinen Kindern. Diese würde bestimmt noch lange an diesen Tag zurückdenken.

Sie beschlossen, zurück zum Ramen-Laden zu gehen und eine Lagebesprechung abzuhalten. Immerhin hatten sie das Ziel erreicht, das Gennai ihnen aufgetragen hatte. Rurimon und sein Buch waren gesichert. Doch wie sollten sie weiter vorgehen?

Der Ninja-Digimon verspürte ein mulmiges Gefühl, als es den Thronsaal betrat. Es hatte sich dafür eingesetzt, LeoHeartmon zu rekrutieren. Es wusste, dass dieses nur seinem eigenen Kodex folgte. Es war nicht verlässlich, doch der Ninja hielt es dennoch für eine gute Idee. Jetzt musste es sich rechtfertigen.

Der König stand an einem Fenster, von dem aus es tief in die DigiWelt hinabsah. Sein Reich. Er drehte sich nun um, und sein Diener verbeugte sich augenblicklich.

„Fumamon, du bist zurück. Aber ohne das Buch. Demnach hat sich LeoHeartmon als untreu erwiesen.“

Das Digimon entschuldigte sich.

„Es tut mir leid, verehrter Takutoumon-sama. Scheinbar wurde ich von den Menschen überzeugt, dass ich nicht ihr Feind war.“

Der König trat vor es, seine Miene sprach Bände.

„Nein! Menschen sind für die Katastrophen in der DigiWelt verantwortlich. Wir dürfen sie nicht davonkommen lassen.“

Er trug eine Rüstung wie LeoHeartmon, aber mit mehr Farben und auch sein Schwert wirkte wesentlich eindrucksvoller.

Fumamon stimmte ihm zu.

„Ja, Eure Hoheit. Ich werde sofort einen neuen Krieger als Ersatz finden.“

Doch darauf schien Takutoumon nicht hinauszuwollen.

„Nein, du wirst deinen Fehler eigenhändig wieder gutmachen und das Buch selbst holen. Und dabei natürlich unsere Feinde vernichten.“

Fumamon glaubte nicht richtig zu hören.

„Aber... Eure Hoheit! Ich alleine habe doch gar keine Chance!“

Dem König schien dies durchaus bewusst zu sein. Deshalb griff er in seinen Mantel und holte einen Gegenstand hervor. Es handelte sich um eine blaue, ovale Kugel, die er seinem Diener nun reichte.

„Dies ist eine der fünf Kugeln, die ich in der DigiWelt sammeln konnte. Nimm sie, sie wird dich im Kampf stärker machen.“

Fumamon nahm die Kugel zögerlich entgegen und verstaute sie in seiner Kleidung.

„Eure Hoheit, ich danke Euch, dass Ihr mir so etwas Wichtiges anvertraut.“

Der König nickte und schritt zum Fenster zurück.

„Bald... sehr bald werden wir die Menschen erledigt haben und dann wird unsere Welt endlich wieder uns gehören“, sagte er zuversichtlich.

Dann machte sich Fumamon auf dem Weg, um das Buch zu beschaffen, das den Ausgang in diesem Krieg bedeuten würde.

Folge 6 - Das Buch

Fumamon war es gelungen, in die Menschenwelt zurückzukehren. Doch diesmal war alles anders. Diesmal hatte sich seine Mission geändert. Der König traute ihm wesentlich mehr zu. Zugegeben, diesmal wurde ihm eine zusätzliche Waffe mitgegeben. Doch Fumamon würde sie nicht sofort einsetzen, erst wenn es nötig war. Doch wie sollte er vorgehen? Spionage war seine Spezialität. Sollte es ins Territorium des Feindes schleichen und das Buch heimlich stehlen? Normalerweise wäre das eine Option, doch diesmal nicht. Der König hatte ihm zusätzlich den Befehl erteilt, den Feind auszuschalten. Ein verdecktes Vorgehen war also nicht möglich. Nur die Konfrontation blieb. Fumamon hatte entschieden, den Gegner zu sich zu locken. Dann würde es vortäuschen, in der Defensive zu sein und bis zuletzt warten, das Hilfsmittel einzusetzen, das ihm der König anvertraut hatte. Wenn die Stärksten der Gegner ausgeschaltet waren, war es ein Leichtes, sich das Buch zu holen. Und so suchte es einen geeigneten Ort aus, um loszuschlagen.

Die DigiRitter hatten Rurimon erst in den Ramen-Laden gebracht. Doch als Davis sich das Buch genauer ansehen wollte, reagierte das Digimon verschlossen. Prismamon hatte darum gebeten, seinem Freund etwas Zeit zu geben, und alle hatten zugestimmt. Takeshi hatte Rurimon zu sich nach Hause genommen. Ein Digimon mehr oder weniger hätte auch keinen Unterschied gemacht. Während Prismamon ihm die Hausregeln erklärte, chattete Takeshi noch mindestens eine Stunde mit Shun und Tsubasa. Der letzte Kampf war wirklich hart gewesen, sie wussten nun, wie sich ein Konflikt mit Digimon wirklich anfühlte. Dennoch hatten sie gemeinschaftlich beschlossen, Rurimon zu beschützen. Jetzt, wo sie schon so weit gekommen waren und Rurimon gefunden hatten, würden sie keinen Rückzieher mehr machen.

Also hatten sie sich auf den nächsten Tag verabredet. Takeshis Mutter fiel zum Glück nicht auf, dass ihr Sohn diesmal extra bepackt das Haus verließ. Ohne große Umwege suchte er den Laden auf und erkannte, dass er dort nicht allein war. Nicht nur Shun und Tsubasa warteten bereits auf ihn, auch die bekannten Gesichter von T.K. und Kari lächelten ihn an.

Veemon versorgte seine Digimon-Kameraden mit Futter, während Davis mit der Reinigung des Tresens beschäftigt war. T.K. räusperte sich nun.

„Hallo, Takeshi. Hast du Rurimon mitgebracht?“, fragte er nach.

Der Junge nickte und verwies auf seine Tasche.

„Sehr gut, dann sind wir ja vollzählig und können aufbrechen“, fuhr T.K. fort.

Die neuen DigiRitter sahen ihn aber nur fragend an. Es war Kari, die ihnen auf die Sprünge half.

„Wir erwähnten doch unseren Freund, der die Drohne untersucht hat. Er hat inzwischen eine Energiequelle gebaut, die uns helfen soll, auch ohne offenes Portal in der Nähe Kontakt zu Gennai aufzunehmen.“

Koemon sprang nun vom Tisch.

„Das ist auch dringend nötig. Wir haben die Mission abgeschlossen und Rurimon gefunden. Jetzt brauchen wir dringend neue Befehle“, sagte es bestimmt.

Rurimon sprang aus der Tasche und meldete sich empört.

„Er will doch auch nur mein Buch! Aber das kriegt er nicht!“, sagte es entschieden.

Hebimon zischte das Drachen-Digimon an.

„Na hör mal! Wenn jemand verantwortlich mit dem Buch umgehen kann, dann Meister Gennai!“

Rurimon dachte aber gar nicht daran.

„Ich kenne diesen Gennai aber nicht! Das Buch bleibt erst einmal bei mir!“

Shun und Takeshi versuchten zwischen den Digimon zu vermitteln.

„Na na! Du kannst ihn ja erst einmal kennenlernen, und dann sehen wir weiter“, schlugen sie vor.

Doch Rurimon war nicht überzeugt. Nach einer Stärkung brachen sie auf, und die neuen DigiRitter begleiteten Kari und T.K. zu dem Freund, der den Kontakt herstellen sollte.

Sie staunten nicht schlecht, als sie am Ziel vor einem großen Bürogebäude ankamen. Sogar einen Sicherheitsmann gab es hier. Kari wechselte schnell ein paar Worte mit ihm, und sie wurden ohne Kontrolle eingelassen. Im Inneren sah es nobel und professionell aus.

„Sicher... dass wir hier richtig sind?“, hakte Tsubasa nach.

T.K. bestätigte es hier.

„Ja, die Firma gehört unserem Freund Izzy. Er ist hier der Chef, wir werden also keine Probleme haben“, beruhigte er sie.
 

Die Gruppe nahm den Fahrstuhl in einen der obersten Stockwerk und stiegen dort aus. Eine nette Frau im Anzug, scheinbar eine Sekretärin wies ihnen den Weg. Am Ende des Gangs befand sich eine breite Holztür mit der Aufschrift 'Izumi'.

TK klopfte kurz, dann wurden sie bereits hineingebeten. Drinnen erwartete sie eine angenehme Atmosphäre. Ein Mann kam auf sie zu und umarmte erst TK, dann Kari.

„Hey, danke, dass du Zeit für uns findest.“, begrüßte ihn Kari, doch der Mann winkte ab.

"Ach was. Für euch nehme ich mir doch immer Zeit. Und ihr müsst die Neuen sein. Ich bin Izzy.", begrüßte er die drei.

Diese stellten sich ordentlich vor und dankten ihm für seine Hilfe.

"Gehen wir jetzt in meine Werkstatt.", schlug Izzy vor und öffnete eine Seitentür.

Dahinter befand sich ein Raum, der von Computern gerade überquoll.

"Ihr könnt eure Digimon ruhig rauslassen. Ich habe hier auch Futter für sie.", schlug ihnen der Firmenchef vor.

Das ließen sich Prismamon und die anderen nicht zweimal sagen. Sofort verließen sie ihre unbequemen Transportmittel. Doch sie waren nicht die einzigen. Ein weiteres Digimon flog nun auf sie zu und beäugte sie neugierig. Es schien sich um eine Art Fliege oder Mücke zu handeln. Einem nach dem anderen schüttelte es die Hände.

"Guten Tag, ich bin Tentomon. Ich bin Izzys unersetzbarer Assistent.", stellte es sich vor.

Damit war bestätigt, dass auch Izzy selbst ein DigiRitter war. Jedoch wirkte er älter als TK und Kari. Er machte nun erst einmal Platz und legte eine vergrabene Tastatur frei.

"Habt ihr die Drohne mitgebracht?", wollte er wissen.

TK bejahte und holte das Gerät hervor. Er legte es auf den Tisch und Izzy begutachtete es eingehend. Er erkundigte sich, ob es sich seit dem letzten Mal nochmal gerührt hatte, doch die anderen verneinten.

"Hey, wer genau ist dieser Gennai eigentlich?", wollte Shun wissen.

TK und Kari sahen einander an. Sie hatten keine Ahnung, wie sie das in Kürze erklären sollten.

"Wisst ihr... in der DigiWelt existieren nicht nur Digimon. Es gibt auch andere digitale Wesen. Und Gennai ist jemand, der dort für Frieden sorgen will.", meinte Patamon schließlich.

Tsubasa nickte.

"Er ist also selbst kein Digimon, richtig? Jedenfalls sah er das letzte Mal ziemlich menschlich aus."

Izzy hatte die Drohne inzwischen angeschlossen.

"Er kann es euch ja selbst erklären. Ich bin soweit."

Takeshi machte einen Schritt nach vorne.

"Wir können wieder mit ihm reden?"

Izzy bestätigte es ihm.

"Ich habe mit einem speziellen Programm ein kleines Tor in die DigiWelt geöffnet. Das reicht aus, um die Verbindung aufrecht zu erhalten."

Weitere Erklärungen erübrigten sich, denn die Drohne setzte sich wieder in Bewegung und schwebte einige Zentimeter über dem Tisch. Erneut öffnete sich der Monitor, und das Gesicht Gennais wurde erkennbar.

"Meister Gennai!", stürmten Hebimon und Koemon darauf los.

"Guten Tag! Wie es scheint, geht es allen gut. Das freut mich."

Hebimon gab sofort an und berichtete, dass sie Rurimon und das Buch gefunden hatten. Daraufhin wurde das Gesicht des Mannes wesentlich ernster. Er bat darum, Rurimon zu sehen. Dieses zögerte erst, trat dann aber vor. Jedoch holte es sein Buch nicht aus der Tasche, so sehr vertraute es Gennai dann doch nicht.

"Gut, dem Feind ist es also nicht gelungen, dich zu bekommen. Damit ist schon viel gewonnen. Ich würde dich bitten, mich in meinem Hauptquartier zu besuchen. Die DigiRitter sind natürlich ebenfalls höflichst gebeten zu erscheinen.", sagte er dann.

TK erinnerte sich an das kleine Häuschen mit Teich, an dem sie dem alten Gennai damals das erste Mal begegnet waren. Inzwischen dürfte er seine Basis ausgeweitet haben.

Izzy wandte sich an den Hüter der DigiWelt.

"Ich kann sie mittels des Tors zu Ihnen schicken, kein Problem.", sprach er.

Gennai nickte.

"Gut. Aber ich befinde mich derzeit nicht in der DigiWelt, sondern in einer Zwischenwelt. Ich schicke dir die Spezifikationen."

Gesagt, getan, tippte Izzy schon auf seiner Tastatur herum und hatte die Änderungen vorgenommen.

Kari wandte sich an die Gruppe.

"Ach ja, das wird eure erste Reise, nicht wahr?"

Tsubasa schüttelte den Kopf.

"Reise? Wollt ihr sagen... wir sollen wirklich in die Welt von Hebimon und den anderen?", hakte sie nach.

Izzy schüttelte den Kopf.

"Die Zwischenwelt, in der sich Gennai momentan aufhält, ist zwar auch digital, aber noch nicht die DigiWelt. Trotzdem werdet ihr bei der Reise digitalisiert werden."

Shun sah zwischen den anderen hin und her.

"Keine Sorge, kitzelt nur ein wenig", beruhigte sie TK.

"Ist das wie durch ein Tor zu springen?", fragte Prismamon sicherheitshalber.

Izzy bestätigte es ihm. Für die Digimon würde es keine Veränderung darstellen. Dann bat er alle, die gehen wollten, ihr DigiVice auf einen Monitor zu richten. Dann konnte es auch schon losgehen. Kari und TK schienen daran gewohnt zu sein, Takeshi und Co zögerten noch etwas, bevor sie ihren Arm hoben und das DigiVice vor den Monitor hielten. Dann begannen sie bereits zu leuchten, und sie konnten gar nicht so schnell reagieren, wie sie bereits in den Monitor und somit in eine andere Welt hineingezogen wurden.

Izzy lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

"So, die werden eine Weile brauchen. Holen wir uns etwas aus der Kantine?", schlug er vor.

Tentomon hob seinen Daumen.

Davis hatte gerade den letzten Gast im Laden bedient, welcher das Mahl besonders lobte und dann seine Rechnung bezahlte. Kaum war er weg, rief er Veemon, der das Geschirr abräumen sollte. In diesem Moment ging die Tür auf, und ein bekanntes Gesicht trat ein. Ken wirkte etwas erschöpfter als sonst und setzte sich an den ersten freien Tresensessel, den er erreichen konnte.

"Einmal wie üblich", bestellte er, und Davis gab die Bestellung weiter. Der Angestellte sah sich um.

"Nanu? Wollten TK und Kari heute nicht auch kommen?", fragte er.

Sein Freund bestätigte es ihm.

"Sie waren da. Sie sind vorhin zu Izzy gegangen. Er wollte den Kontakt zu Gennai herstellen. Die Kids sind ebenfalls dabei", informierte er.

Ken nickte, während sich Wormmon aus seiner Tasche befreite und Veemon bittend nach etwas Essbarem ansah.

Davis bemerkte, dass sein Freund heute etwas bedrückter wirkte als sonst.

"Alles ok? Hat sich Yolei wieder etwas völlig Absurdes einfallen lassen? Das mit der Kostüm-Hochzeit konntest du ihr doch hoffentlich wieder ausreden, oder?", fragte er.

Ken konnte ihn da beruhigen.

"Ja, die Idee hat sie längst durch eine neue ersetzt. Aber darum geht es nicht. Ich habe jetzt eine Führungsposition und heirate demnächst. Das fühlt sich alles so nach einem neuen Lebensabschnitt an. Ich habe automatisch angenommen, dass die Kämpfe jetzt Geschichte wären. Aber erst die Sache mit Ukkomon und dann Stingmons Niederlage vor einigen Tagen", sprach er sich von der Seele.

Wormmon, der dies gehört hatte, fühlte sich etwas schuldig. War es zu sehr außer Form geraten? Eigentlich hätte es den Gegner stämmen müssen. Es hoffte, sein Partner war nicht zu enttäuscht von ihm.

Davis verzog die Lippen.

„Ja, verstehe schon. Du trägst jetzt mehr Verantwortung wie früher. Keine Sorge, wir kriegen das auch ohne dich hin. Wir ziehen dich nicht mehr in irgendwelche Kämpfe hinein“, versicherte er.

Im nächsten Moment meldete sich sein Handy, und Davis ging ran. Es war Izzy.

„Hey, kannst du auf Kanal 3 schalten? Ich fürchte, wir haben ein Problem“, sagte Izzy.

Davis drückte auf den Knopf des Fernsehers, der meistens nur für Übertragungen von Baseballspielen gedacht war, und schaltete ihn ein. Auch Ken erhob sich, als er die Berichterstattung mit ansah. Der Sprecher berichtete vom Angriff eines Digimon in Chiba, das bereits einiges an Verwüstung angerichtet hatte.

„Wir sehen es gerade. Kannst du Takeshi und die anderen nach Chiba schicken?“, fragte er.

Doch er wurde enttäuscht.

„Geht nicht. Die sind gerade bei Gennai. Kari und TK sind auch bei ihnen. Ich selbst kann auch nicht weg, da ich sie wieder zurückholen muss“, erklärte Izzy.

Davis sah Ken an, und Ken Davis.

„Wormmon, Überstunden“, sagte er seinem Partner Bescheid.

„OK, wir kümmern uns darum“, sagte er Izzy Bescheid und legte dann auf.

„Sollen wir vielleicht Cody und Yolei noch als Verstärkung dazuholen?“, schlug Veemon vor.

Ken war jedoch dagegen.

„Nein, lieber nicht. Cody steckt doch mitten in seinen Staatsprüfungen. Und ich will Yolei nicht noch mehr Stress machen als jetzt schon. Diesmal sind wir ja zu zweit und schaffen das“, sagte er.

Wormmon, der seinen Partner diesmal nicht enttäuschen wollte, war zu allem bereit.

Davis schloss den Laden ab und gab Ken ein Zeichen, ihm zu folgen. Sie begaben sich nach hinten, wo eine Tür in die Garage führte.

„Wir nehmen den Wagen des Betreibers, der hat sicher Verständnis dafür“, meinte Davis und stieg ein. Ken nahm den Beifahrersitz, während die Digimon hinten Platz nahmen. Dann ging die Fahrt bereits los.
 

Takeshi sah immer wieder zwischen Bildschirm und Rurimon hin und her. Die Ähnlichkeit war inzwischen Unverkennbar.

„Soll das heißen... Rurimon ist Azulongmon?“, hakte er nach.

Gennai bestätigte seine Theorie.

„Ja, auch Azulongmon wurde rebootet. Doch bevor das geschah, gelang es ihm, seine magischen Kugeln, welche alle Souveränen umgaben, loszuschicken. Einige verteilten sich in der DigiWelt, einige in der Menschenwelt und drei von ihnen blieben hier. Mit diesen dreien konstruierte ich die neuen DigiVices.“

Kari klatschte in die Hände.

„Verstehe! Rurimon ist also das Rookie-Level von Azulongmon. Es schlüpfte aus dem Ei, und wegen des Reboots hat es seine Erinnerungen nicht mehr.“

Gennai bejahte.

„So ist es. Danach brachte ich Rurimon in die DigiWelt, doch wir wurden von Schergen des Königs angegriffen. Wir, genauso wie sie, waren hinter dem Buch her.“

„Was genau hat es mit diesem Buch auf sich?“, wollte Shun nun wissen.

Gennai änderte das Visual auf dem Bildschirm, und das Buch, das Rurimon in seiner Tasche trug, wurde sichtbar.

„Das ist ein uraltes Artefakt, das einst von Quantumon entwickelt wurde. Es ist in der Lage, die Orbs zu erschaffen und wieder zu speichern, welche den Souveränen ihre Kraft geben“, erklärte Gennai.

Kari erinnerte sich daran, welche Macht diese Kugeln in sich hatten. Sie besaßen noch mehr Kraft als ihre Wappen und hatten Agumon und Gabumon im Nu zu ihrem Mega-Level verholfen. Wenn der Feind einen solchen Boost erhalten würde, wären sie eine ernsthafte Bedrohung.

Rurimon betrachtete das Bild von sich in seiner alten Form.

„Ja... ich erinnere mich dunkel. Ich habe das Buch an mich genommen und seitdem führt es mich zu den Kugeln. In der DigiWelt habe ich schon 4 davon gefunden. Aber ich habe auch gesehen, dass der Feind bereits 5 hat“, berichtete es.

Für Takeshi war die Situation klar.

„Dann müssen wir dringend auf das Buch aufpassen. Der Feind darf nicht noch stärker werden“, stimmte er zu.

Die anderen nickten zustimmend.

„Wer genau ist dieser Feind? Und wer ist dieser König?“, wollte Kari wissen.

Gennai setzte dazu an zu erklären.

In der Zwischenzeit war es Izzy noch nicht möglich gewesen, TK und die anderen über die Situation zu informieren. Davis und Ken waren auf dem Weg, doch würden sie ausreichen? Er hatte keine Informationen über den Feind und zapfte deshalb die Überwachungskameras an. Bald hatte er ein gutes Bild von dem Digimon und benutzte den Analyzer. Fumamon, ein Ninja-Digimon, auf Ultra-Level. Er lehnte sich zurück und war sich sicher, dass Davis und Ken mit diesem Gegner fertig werden konnten.

Die Beamten für öffentliche Sicherheit hatten bereits eine Großzahl an Zivilisten in Sicherheit gebracht. Sie begannen bereits das Gebiet weiträumig abzusperren, konnten aber nicht ausschließen, dass sich immer noch Menschen im Gebiet befanden. Der Wagen mit Davis und Ken blieb zum Stehen, und zuerst wurden sie aufgehalten. Erst als ein höherrangiger Beamter sie überprüfte, durften sie durch die Absperrung.

„Hat durchaus Vorteile, die Stadt so oft gerettet zu haben“, murmelte Davis.

Während Veemon noch mit ihm Schritt halten konnte, hielt Ken Wormmon an sich, bis sie den Gefahrenbereich erreicht hatten.

„Also gut! Sind alle bereit?“, fragte er, auch wenn sich die Frage erübrigte.

Beide DigiRitter hielten ihre DigiVices in die Höhe, welche ihren Partnern Kraft verliehen.

„Veemon digitiert zu... ExVeemon!“

„Wormmon digitiert zu... Stingmon!“

Beide preschten nun voran, bis sie den Feind erreichten. Es war ein schwarzes Digimon, das scheinbar bereits auf sie gewartet hatte. Stoisch musterte es sie und schien zufrieden über ihr Erscheinen. Es trat ihnen entgegen und bereitete sich vor.

„Ich nehme an, ihr habt das Buch nicht mitgebracht? Das macht nichts, ich hole es mir, nachdem ich euch besiegt habe“, kündigte es an.

ExVeemon griff mit Vee-Laser an, während Stingmon mit Letzter Stich versuchte. Beide Angriffe verliefen ins Leere, da Fumamon unglaublich wendig war. Es griff in seinen Mantel und holte Wurfsterne heraus, die es auf den Gegner abfeuerte. Beide trafen und ließen die Digimon auf die Knie sinken.

„Davis, der Gegner ist stark“, warnte Ken. Sein Freund stimmte ihm zu. Sie mussten sich ihm anpassen.

Also synchronisierten sie und vereinten ihre Partner.

„ExVeemon.... Stingmon.... DNA-Digitation!“

Sofort erschien Paildramon in einem weißen Licht und flog in die Höhe, was es ihm erlaubte, den Wurfsternen leicht auszuweichen.

„Los, mit dem wirst du doch spielend fertig!“, feuerte ihn Davis an.

Paildramon feuerte seine Desperatorraketen ab, versuchte aber, keines der Gebäude zu treffen. Fumamon nutzte diesen Umstand um hinter genau diesen in Deckung zu gehen.

Es hatte ja gewusst, dass der Feind stark war, doch genau zu diesem Zweck hatte ihm der König eine Geheimwaffe mitgegeben. Diese holte es nun hervor. Eine blaue, leuchtende Kugel, die es definitiv stärker machen würde. Der König hatte sie ihm anvertraut, es musste sie weise nutzen. Also begann es diese zu schlucken und spürte die Kraft in sich aufkommen.

Paildramon hatte es inzwischen eingeholt und feuerte erneut Raketen ab. Diese trafen Fumamon und eine Menge Rauch entstand.

„Haben... wir es geschafft?“, fragte Ken.

Seine Frage wurde sofort beantwortet. Ein riesiger Datenstrom erklomm aus dem Rauch und eine riesige Gestalt bildete sich.

"Verdammt! Ist es... ist es etwa digitert?" schrie Davis erschrocken.

Fumamon spürte, wie sich seine Form veränderte, und es fühlte sich noch mächtiger an als bei seiner letzten Digitation. Nun trug es eine schwere Rüstung und einen stabilen Helm. Außerdem spürte es ein Schwert an seiner Seite, mit dem es seine Feinde in Stücke schneiden konnte.

Davis' Handy meldete sich, doch er konnte erst gar nicht reagieren. Dann hielt er es sich ans Ohr und vernahm Izzys Stimme.

„Ich verfolge die Situation. Es ist zu Tactimon digitiert, ein Mega-Level Digimon. In diesem Zustand kann es verheerende Zerstörung anrichten. Ihr müsst unbedingt aufpassen!“, warnte er seine Freunde.

Diese Warnung erübrigte sich, als die beiden zu dem hohen Digimon hinaufstarrten, das einem alten Samurai ähnelte. Tactimon zog nun sein Schwert, welches durchaus beeindruckend wirkte. Paildramon feuerte Raketen ab, doch diese prallten ohne große Wirkung an ihm ab.

Tactimon setzte zu einem Hieb an, und Paildramon wies die beiden an, Deckung zu suchen. Der Angriff, den das Schwert verursachte, war verheerend.

„Mist, wir hätten doch Verstärkung gebraucht“, sagte Ken.

Sein Freund war jedoch gegenteiliger Meinung.

„Ach was, so einen schaffen wir doch alleine. Aber wir müssen uns beeilen, das Ding kann eine Menge Zerstörung anrichten. Und es könnten sich noch Menschen hier aufhalten“, führte er ihm vor Augen.

Ken nickte, und gemeinsam beschlossen sie, Paildramon auf die nächste Stufe zu digitieren.

Gerade noch rechtzeitig, bevor Tactimon einen verheerenden Angriff auf es loslassen konnte.

„Paildramon, Mega-Digimon zu... Imperialdramon!“

Da wenig Platz vorhanden war, wechselte dieses sofort in seinen Fighter-Modus, was sich bei dem humanoiden Digimon ohnehin anbot. Durch die Distanz war es ihm erlaubt, das Schwert erst einmal mit seiner Kanone auf dem Handrücken zu blockieren.

Doch Tactimon führte einen gezielten Tritt aus, der Imperialdramon nach hinten beförderte. Er krachte direkt in ein Gebäude, und die DigiRitter hofften inständig, dass dieses bereits evakuiert war. Der Feind schwang erneut sein Schwert, doch Imperialdramon konnte gerade noch so ausweichen.

Ken wandte sich an Davis.

„Hey, wenn es auf einen Schwertkampf aus ist, sollten wir ihm den Gefallen tun, oder was meinst du?“

Davis verstand, worauf sein Freund hinauswollte. Erneut schickten sie ihren Partnern Kraft durch das DigiVice.

Imperialdramon begann weißlich zu schimmern und wechselte nach kurzer Zeit in seinen Paladin-Modus. Nun formte sich auch ein Schwert, mit welchem er Tactimon etwas entgegenzusetzen hatte.

Beide Schwerter kreuzten sich, und der Klang dröhnte in den Ohren der DigiRitter. Sie feuerten Imperialdramon weiter an, welchem es tatsächlich gelang, den Gegner zurückzudrängen. Die Augen unter Tactimons Helm funkelten rot und erbost.

„Der König selbst hat mir den Auftrag erteilt, alle Menschen zu vernichten. Wenn du Verräter mir in die Quere kommst, wirst auch du den Preis dafür zahlen!“, warnte es.

Doch davon ließ sich der Drachenkrieger nicht beeindrucken.

„Dein König liegt falsch! Menschen tun alles, um uns Digimon zu schützen.“

Tactimon zischte nur.

„Lügen! Ich lasse nicht zu, dass du der DigiWelt schadest!“

Jetzt drängte es Imperialdramon zurück.

„Gut, dann lässt du mir keine Wahl. Vielleicht wirst du irgendwann zur Einsicht kommen. Aber hier und heute... muss ich dich besiegen! Omega-Schwert!“

Sein Schwert preschte nun nach vorne und zerbrach das von Tactimon. Als nächstes folgte seine Rüstung, und das Schwert zerteilte den Gegner in zwei Hälften. Dieser schrie auf, als er sich langsam in Daten auflöste.

Davis und Ken wagten es, sich wieder zu nähern, während sich Imperialdramon aufteilte und wieder zu Veemon und Wormmon wurde. Sie erkundigten sich nach dem Zustand ihrer Partner, doch diese brauchten lediglich eine Verschnaufpause.

Davis rief Izzy an und gab Entwarnung.

"Sag den Behörden, sie können jetzt die Rettungskräfte schicken. Es sieht nicht danach aus, als ob hier noch jemand wäre, aber sicher ist sicher", gab er durch.

Izzy versprach alles weitere zu unternehmen. Ken ging zu der Stelle, wo sich Tactimon befunden hatte.

„Irgendwie... verstehe ich den Feind. Er scheint genauso auf eine Sichtweise versteift zu sein wie ich damals.“

Davis hob die Augenbrauen.

„Du meinst... als DigimonKaiser? Das war doch etwas anderes. Das war wegen der Dunklen Saat. Dieser selbsternannte König weiß, was er tut. Er wird ja nicht beeinflusst oder so.“

Ken zuckte mit den Schultern. War dem wirklich so? Im Moment wussten sie praktisch nichts über ihn.
 

Izzy hatte alles für die Rückkehr vorbereitet. Zuerst kehrten die jungen DigiRitter zurück. Tsubasa tastete sich erneut ab, ob alles wieder an seinem Platz war. Kari und TK waren die letzten. Izzy stellte fest, dass auch Rurimon zurückgekehrt war. Zusammen mit seinem Buch. Natürlich war er gespannt, was seine Freunde besprochen hatten. Es war TK, der alles im Detail berichtete.

Izzy nickte immer wieder.

„Verstehe, das ergibt Sinn. Ja, jetzt sehe ich eine gewisse Ähnlichkeit zu Azulongmon. Und seine Kugeln sind in der Tat unglaublich mächtig. Ohne hätten wir vermutlich Gegner wie BlackWarGreymon oder Armagemon damals nicht besiegen können. Wir müssen verhindern, dass sie dem Feind in die Hände fallen.“

Gatomon nickte.

„Darum haben wir das Buch wieder zurückgebracht. Bei Gennai wäre es nicht geschützt genug.“

Seine Partnerin stimmte ihm zu.

„Ja, Gennai hat zwar Hackmon, der den Dome beschützt, doch das ist der einzige Verteidigungsmechanismus. Wenn der Feind einen ernsthaften Angriff durchführen würde, hätte er keine Chance. Also bleibt Rurimon erst einmal bei uns“, berichtete sie, was sie gemeinsam mit Gennai entschieden hatten.

„Außerdem scheint der Feind 5 dieser Kugeln zu haben. Wir müssen uns auf einen ernsten Angriff einstellen“, fügte TK hinzu.

Erst jetzt kam Izzy dazu, ihnen zu erzählen, was sich in ihrer Abwesenheit zugetragen hatte. Takeshi fühlte sich schäbig, dass er nicht hatte helfen können. Shun hingegen beruhigte ihn diesbezüglich, da erfahrenere Leute sich um das Problem gekümmert hatten. Sie beschlossen, dass Rurimon vorerst bei Takeshi bleiben sollte, da es sich ohnehin nur ungern von seinem Freund Prismamon trennen würde.

„Also gut, die neue Mission lautet, die Kugeln zu finden, die Azulongmon in die Menschenwelt geschickt hat, bevor der Feind es tut“, fasste Koemon zusammen.

Die anderen stimmten ihm zu. Izzy bat nun darum, dass sie ihn alleine ließen, da er noch einiges mit den Behörden zu klären hatte. Also verabschiedeten sie sich vorerst, vereinbarten jedoch bereits einen neuen Termin, an dem sie mit Gennai sprechen konnten, nachdem sie Fortschritte erzielt hatten. Draußen versorgte sie Izzys Sekretärin mit Getränken, bevor sie das Gebäude schließlich verließen. Da Kari und TK noch zu tun hatten, verabschiedeten sie sich schon dort und gingen getrennt nach Hause.

Auf dem Nachhauseweg wandte sich Takeshi an seinen Partner.

„Prismamon, der Feind wird wohl keine Ruhe geben.“

Dieser stimmte zu.

„Ja, dann werden wir eben noch stärker. Zuerst wollte ich nur für Ruri stärker werden, aber jetzt auch für dich.“

Takeshi lächelte und war froh, einen Freund wie Prismamon gefunden zu haben.

Takutoumon hatte die Niederlage seines Dieners gespürt. Nein, eigentlich hatte es gar nicht erwartet, dass dieser mit einem Sieg davonziehen würde. Er war lediglich dazu gut, die Stärke des Gegners zu testen. Die Schlacht war vielleicht verloren, doch nur das Ergebnis des Krieges war wichtig.

Es stapfte in eine große Halle, wo sich bereits 100 seiner Untergebenen versammelt hatten. Er hatte die stärksten von ihnen zu sich gerufen. Er baute sich vor ihnen auf und erhob seine Arme.

„Hört mir zu, ihr tapferen Krieger! Ich werde die Menschen auslöschen und die DigiWelt befreien! Aber dazu brauche ich Generäle! Darum habe ich euch hergerufen. Ich möchte, dass ihr gegeneinander kämpft und mir beweist, wer von euch wirklich zum Soldaten taugt. Die vier von euch, die überleben, werden meine Generäle sein. Und die anderen... werden wiedergeboren. In einer Welt, die nicht mehr von Menschen behelligt wird. Los! Zeigt mir, zu was ihr im Stande seid!“, gab er den Befehl.

Und sofort begannen seine Untergebenen sich im wahrsten Sinne des Wortes zu zerfleischen. Ein blutiger Kampf entbrach, bei dem am Ende nur vier Digimon übrig bleiben sollten. Diese würden dann Takutoumons Generäle werden und zu unaufhaltsamen Gegnern für die Menschen.

Folge 7 – Die Bande

Der König beobachtete zufrieden das Geschehen. Eine Vielzahl nutzloser Digimon wurde bereits aussortiert. Datenströme durchfluteten das Schloss, und bald blieben nur noch vier Schatten in der Halle übrig. Das waren sie also, Takutoumons vier Generäle, die ihn zum Sieg führen sollten.

„Nun denn! Ihr vier werdet direkt unter mir dienen. Ich werde euch allen einen magischen Orb geben, der eure Kräfte maximiert. Wer von euch wird den Anfang machen und mir seine Nützlichkeit beweisen?“

Eine der Schatten trat ins Licht. Es handelte sich um ein großes Digimon, das einem Golem ähnelte.

„Euer Hoheit! Ich bin Gogmamon und stehe zu Euren Diensten! Überlasst mir die Aufgabe, den Feind zu besiegen und das Buch zu beschaffen!“

Takutoumon war zufrieden. Sein neuer General wirkte stark und würde definitiv Ergebnisse liefern.

„Dann auf geht's! Reist in die Menschenwelt und zeigt diesen Kreaturen, dass sie sich besser nicht mit uns anlegen sollten!“, befahl er.

Gogmamon folgte dem Befehl und versprach, ihn nicht zu enttäuschen.

Kyotaro Yamada mochte es nicht, anzustehen. Eigentlich hätte er schon längst im Büro sein müssen. Zugegeben, er war der Chef der Abteilung, aber er konnte sich nicht endlos fernhalten. Doch er hatte einen sehr guten Grund. Nun ja, zumindest seiner Meinung nach. In der Nähe seines Büros hatte ein neues Restaurant eröffnet. In New York war es schwierig, gutes japanisches Essen zu finden. Hier hatte er jedoch definitiv ein neues Lieblingsrestaurant gefunden. Vor allem, weil es Essen zum Mitnehmen anbot und er so keine Zeit verlieren würde.

Er bestellte eine Handvoll Takoyaki und ließ sie einpacken. Als er draußen seinen knurrenden Magen hörte, beschloss er jedoch, sich trotzdem hinzusetzen und gleich hier zu essen. Also nahm er an einem der Tische im Freien Platz und packte sein Essen aus. Gerade als er zugreifen wollte, setzte sich jemand neben ihn.

Yamada sah auf und erkannte, dass derjenige wie er Japaner war.

„Yamada-san! Das ist ja schon eine Weile her, nicht wahr? Was für ein Zufall, dass wir uns hier treffen.“, sagte dieser.

Yamada bezweifelte stark, dass es sich um einen Zufall handelte. Nein, definitiv nicht.

„Mr. Yagami. Auch schön, Sie wiederzusehen. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte er.

Tai lehnte sich vor und verschränkte die Hände.

„Ich wollte mich nur erkundigen, wie es so beim FBI läuft. Oh nein, Moment! Ich hörte, Sie wären gar nicht mehr beim FBI, sondern leiten inzwischen die Behörde für digitale Bedrohungen. Ein ziemlicher Karrieresprung, oder?“

Yamada nickte.

„Ja, ich kann mich nicht beklagen. Es ist nicht ganz so aufregend wie eure Arbeit, aber das ist mir recht.“, erwiderte er.

Tai versuchte zu lächeln.

„Das passt dann ja ganz gut, dass ich Sie hier erwische. Ich hätte da nämlich ein paar Fragen. Sie haben doch überall Überwachungsstationen in der DigiWelt installiert, nicht wahr?“

Yamada seufzte.

„Es tut mir leid, aber sämtliche Informationen sind geheim. Ich darf keine davon weitergeben, nicht einmal an Sie.“, blieb er hart.

Tai nickte immer wieder.

„Ja, das verstehe ich natürlich. Aber bitte versuchen Sie auch, mich zu verstehen. Die Sache verhält sich nämlich so... aus unerfindlichen Gründen habe ich vergessen, meiner kleinen Schwester ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Ich weiß selbst nicht, wie das passieren konnte. Aber naja... sehen Sie... jetzt muss ich ihr irgendwas geben.“

Yamada beäugte seinen Gegenüber skeptisch.

„Tja... trotzdem... da kann ich nicht helfen.“, musste er ihn enttäuschen.

Tai atmete tief ein.

„Ja, das ist echt schlimm. Übrigens, ich wusste nicht, dass sie hier Takoyaki verkaufen.“, meinte er und griff sich eines von Yamadas.

Dieser wollte erst protestieren.

„Ja... aber auch nur hier. Es war ein Glücksfall, dass dieser Laden hier aufgemacht hat.“

Tai kaute vergnügt und griff sich gleich das nächste.

„Also... könnten Sie sich bitte selbst welche kaufen?“, fand er Tais Verhalten etwas frech.

Dieser sah zu ihm auf.

„Oh, das geht nicht. Wissen Sie, das Restaurant hat vorhin zugemacht.“

Yamada erinnerte sich an die Zeit. Tatsächlich war er einer der letzten Kunden gewesen. Er wollte die Tüte schnappen, doch da hatte Tai sie schon an sich genommen.

„Mr. Yamada, ich werde Ihnen erklären, wie das hier funktioniert. Ich werde eines Ihrer Takoyaki nach dem anderen essen, bis Sie mir etwas geben. Und ich warne Sie, ich hatte noch nichts zu Mittag.“

Yamada konnte es nicht glauben. Würde der DigiRitter wirklich so weit gehen?

„Aber... ich darf nicht!“, erinnerte er ihn nochmals.

Tai nahm ein weiteres Takoyaki und ließ es in seinem Mund verschwinden. Erst als er das nächste griff, gab Yamada nach.

„Also gut! Sie haben gewonnen! Aber bitte lassen Sie mir noch etwas übrig!“, knickte er ein.

Tai reichte ihm die Tüte, und der Agent zog sie fest an sich.

„Sie... hätten nicht so weit gehen müssen...“

Tai sah das anders.

"Es gibt eine neue Fraktion in der DigiWelt. Japan wurde in der letzten Woche fünfmal Opfer von Angriffen."

Yamada sah ein, dass eine Zusammenarbeit notwendig war.

„Gut, diese Informationen sind vertraulich. Bitte geben Sie sie nicht an Unbefugte weiter. Nach dem Reboot fehlte es an Struktur in der DigiWelt. Die Souveränen waren verschwunden, und auch die Präsenz der DigiRitter war nur noch sporadisch. Und dann erschien eine neue Figur auf dem Spielfeld. Ein äußerst starkes Digimon namens Takutoumon, das die DigiWelt im Sturm eroberte. Und damit meine ich nicht gewaltsam. Es überzeugte seinesgleichen und sammelte Anhänger um sich.“

„Und nun hat es sich zum König aufgeschwungen. Ein König, der alles andere als ein Fan von Digimon ist“, fuhr Tai fort.

Yamada bestätigte es ihm.

„Scheinbar sind sie hinter einer Art Buch her. Sie wissen bestimmt davon.“

Tai nickte.

„Ja, wir beschützen es, keine Sorge. Aber wir sollten das Problem klären, bevor Takutoumons Einflussbereich sich noch erweitert.“

Yamada wusste, was der junge Mann ihm gegenüber meinte. Dieses Digimon stellte eine Gefahr dar, die beseitigt werden musste. Die Behörde für digitale Bedrohungen war dazu nicht im Stande, die DigiRitter jedoch schon.

„Gut, wir werden versuchen, den Standort dieser Bedrohung herauszufinden. Wir setzen uns dann mit Ihnen in Verbindung“, versprach er.

Mehr wollte Tai nicht hören. Er dankte dem Agenten und reichte ihm die Hand. Dann verabschiedete er sich und zog sein Handy. Er aktivierte FaceTime, und wenig später erschien das Gesicht seiner Schwester auf dem Display. Er berichtete, was er herausgefunden hatte, und versprach, weiterhin Informationen zu sammeln. Dann legte er auf.

Er war sich sicher, dass Davis und die anderen mit dieser neuen Bedrohung klarkommen würden. Allerdings sollte es auch schon wieder eine neue Generation von DigiRittern geben. Ob diese auch wirklich bereit war? Er hoffte es inständig.
 

Prismamon sowie Rurimon gewöhnten sich langsam an diese neue Welt. Besonders letzteres war bisher nur auf der Flucht gewesen. Ständig von ängstlichen Menschen umgeben zu sein und in Verstecken zu schlafen, hatte das Kleine recht mitgenommen. In Takeshis Bett sah jedoch alles schon ganz anders aus.

Es studierte gerade sein Buch, und der Junge erkannte unbekannte Zeichen. Ob es sich dabei um die Sprache der DigiWelt handelte? Schließlich kam er zu dem Schluss, dass er es ohnehin nicht lesen konnte. Er machte sich gerade für die Schule fertig und wandte sich an seinen Partner.

„Prismamon, pass gut auf deinen Freund auf, wenn ich weg bin, ja?“

Für das Digimon schien dies selbstverständlich zu sein. Vor allem, da es sich schuldig fühlte, da es Rurimon lange allein gelassen hatte, wo es ihm doch versprochen hatte, ihm beizustehen.

Takeshi verließ das Haus und schritt Richtung Schule. In der Klasse erkannte er, wie Shun schon über seinen Büchern saß. Er nahm dieses Schuljahr besonders ernst und wollte seine Eltern nicht enttäuschen. Tsubasa unterhielt sich gerade mit einer Gruppe Mädchen. Es freute ihn, dass sie scheinbar bereits Freundinnen gefunden hatte. Erst in der Pause fanden sie Zeit, um sich zu besprechen.

„Hat sich Rurimon gut eingelebt? Hebimon bestand darauf, es bewachen zu wollen.“, sagte Tsubasa.

Shun konnte ein Lied davon singen.

„Koemon ist nicht anders. Na ja, sie haben auch einen Auftrag erhalten. Auch wenn ich mir dessen nicht sicher bin. Was haltet ihr von diesem Gennai?“

Takeshi überlegte kurz.

„Hm. Ich denke nicht, dass er eine schlechte Person ist. Mensch wäre wohl nicht der richtige Ausdruck. Wir sollten uns mehr Sorgen um die Digimon machen, die uns angreifen. Während wir weg waren, haben es Davis-sensei und Co mit einem Gegner zu tun gehabt, gegen den wir keine Chance gehabt hätten. Ich fürchte im Moment sind wir noch zu schwach um Rurimon effektiv zu beschützen.“, sprach er.

Das entmutigte vor allem Tsubasa.

„Sollten wir das Digimon dann wirklich bei dir lassen? Vielleicht wäre es bei TK, Kari oder auch in der Firma von Izumi-san besser aufgehoben.“, überlegte sie.

Shun sah darin keinen Unterschied.

„Niemand außer uns weiß, dass es sich in Takeshis Haus aufhält. Darum würde ich sagen, dass es dort erstmal sicher ist.“

„Trotzdem. Ich denke... wir müssen dennoch stärker werden. Wir dürfen nicht hinter den anderen zurückstehen“, war sich Takeshi sicher.

Tsubasa hob abwehrend die Hände.

„Hey, die haben einfach viel mehr Erfahrung als wir. Da können wir nichts machen“, wand sie ein.

Doch so einfach wollte ihr Freund die Sache nicht abtun.

„Prismamon möchte seinen Freund beschützen. Und ich als sein Partner muss ihn dabei unterstützen.“

Shun lehnte sich gegen die Mauer.

„Ich habe die letzten Tage darüber nachgedacht, was es bedeutet, der Partner eines Digimon zu sein. In erster Linie wohl, mit ihm zu kämpfen.“

Tsubasa sah das nicht unbedingt so.

„Nicht nur! Hebimon und ich haben viel Spaß zusammen. Es schlängelt sich zum Beispiel ständig um Körperteile von mir und ist auch sonst recht verspielt.“

Die Jungs mussten ihr rechtgeben. Sie mochten zwar Kampfgefährten sein, aber sie waren inzwischen auch Freunde geworden.

Erst wollten sie sich im Rahmen-Laden treffen, doch Takeshi erinnerte sich, dass heute dort eine Feier stattfand. Davis und Veemon würden also rundum beschäftigt sein. Also gingen sie nach der Schule getrennte Wege, und Takeshi marschierte schnurstracks nach Hause.

Wie sich herausstellte, war dies die beste Idee. Als er sein Zimmer betrat, zankten sich Prismamon und Rurimon bereits.

„Hey, macht ja nichts in seinem Zimmer kaputt, ok?“, schärfte er ihnen ein.

Rurimon sprang auf das Bett.

„Prismamon hört mir nicht zu! Ich spüre es ganz deutlich! In der Nähe befindet sich eine Kugel, das sagt mir das Buch!“

Takeshi horchte auf.

„Ruri wollte die ganze Zeit abhauen, doch ich habe ihm erklärt, dass wir warten sollten“, fügte Prismamon hinzu.

Der DigiRitter überlegte kurz.

„Bist du dir wirklich sicher?“, wollte er wissen.

Doch bei Rurimon schienen keine Zweifel zu bestehen.

Also kam er zu einem Entschluss.

„Gut, dann gehe ich jetzt erst mal essen. Ich bringe euch dann etwas rauf. Danach können wir gestärkt nach der Kugel suchen“, machte er den Vorschlag.

Rurimon gefiel es offensichtlich nicht, solange zu warten, doch schließlich war er einverstanden.

Gesagt, getan, verließen die drei kaum eine Stunde später das Haus. Rurimon konnte ihm lediglich die Richtung nennen, in der es die Präsenz der Kraft spürte, die einst Teil von ihm war.

Takeshi wanderte Richtung Norden und gab per Handy den anderen Bescheid, was sie vorhatten. Bald waren sie in einer Sackgasse angekommen, doch Rurimon bestand darauf, die Richtung beizubehalten. Also kletterte der Junge über einen Zaun und fand sich auf dem Gelände dahinter wieder. In einiger Entfernung erkannte er ein heruntergekommenes Gebäude.

„Das ist die alte Spielzeugfabrik. An die erinnere ich mich, wir haben auf dem Gelände früher oft Kamen Yusha gespielt“, sagte er.

„Die Energie kommt aus diesem Gebäude, ich spüre es!“, meinte Rurimon, und Takeshi wagte sich weiter vorwärts.

Vor dem Gebäude angekommen, musste er erst einmal einen Einstiegspunkt suchen. Schließlich fand er ein kaputtes Fenster und betrat das Innere. Er musste sich in einem dieser 'Lost Places' befinden, wie es die Leute nannten. Im Inneren gab es natürlich keinen Strom mehr; er musste sich also auf das Sonnenlicht verlassen. Falls er tiefer eindringen musste, konnte er sich auch auf Prismamons besondere Fähigkeit verlassen, die Umgebung zu erhellen.

Die beiden Digimon hatten den Rucksack inzwischen verlassen, um effektiver suchen zu können. Rurimon lief nach vorne, auch wenn Takeshi und Prismamon ihm auftrugen, sich nicht zu weit von ihnen zu entfernen. Schließlich lief es in einen dunklen Gang, und die beiden hatten Schwierigkeiten, ihm zu folgen. Dann fanden sie sich in einer schlecht beleuchteten Halle wieder.

„Hier ist es!“, verkündete der kleine Drache aufgeregt.

Dann hörten sie donnende Geräusche. Takeshi erinnerten sie an eine Gerölllawine. Waren einige Metallrohre umgefallen und kullerten jetzt herum? Nein, als er nach oben sah, erkannte er die Quelle.

Jemand stand über ihnen, und er war groß. Er wirkte wie ein großer Steinhaufen, oder eher ein Golem.

„Achtung! Das ist ein Digimon!“, warnte Prismamon.

Takeshi schnellte nach vorne und ergriff Rurimon. Gerade noch rechtzeitig, denn der Golem sprang herunter und hinterließ einen großen Abdruck im Boden.

„Du... du gehörst zum Digimon König! Stimmt doch, oder?“, schrie ihn Prismamon an.

Der Golem lachte.

„Und ob! Ich bin sogar einer seiner Generäle. Und somit ist es meine Aufgabe, das Buch zu ihm zu bringen. Seht mal, was ich hier habe“, grölte er und holte einen Gegenstand hervor.

Es handelte sich um eine der Kugeln, nach denen sie suchten. Nun verstand Takeshi langsam. Hierbei hatte es sich um eine Falle gehandelt. Die Kugel war hier nicht gelandet, sondern hergebracht worden. Und zwar von diesem Digimon.

Alles diente nur dazu, Rurimon und somit das Buch an einen abgelegenen Ort zu locken. Takeshi hätte sich am liebsten selbst eine Ohrfeige gegeben; diese Möglichkeit hatte er nicht bedacht. Vorsichtig, während der Golem noch mit Prismamon zu kämpfen hatte, schickte er einen Hilferuf an seine Freunde. Denn dieses Digimon wirkte nicht, als wäre mit ihm gut Kirschen essen.

„Rurimon! Versteck dich, bis wir das hier erledigt haben. Es darf nicht bekommen, wofür es gekommen ist“, raunte er dem kleinen Drachen zu.

Dieser nickte, und Takeshi kam zu einem Entschluss.
 

Prismamon ächzte nur.

„Verstehe. Dieser König hat dich und deine Kameraden also bereits gehirngewaschen. Als ob die Menschen irgendein Interesse hätten, dich aus deinem Lebensraum zu vertreiben.“ Gogmamon zerstörte aus Wut eine der Maschinen.

„Als ob ich auf deine Lügen hören würde! Einzig der König allein weiß, was gut für uns Digimon ist!“

Takeshi rannte auf Prismamon zu. „Er will nicht hören, wir müssen es auf die harte Methode versuchen.“ Sein Partner schien die Sache ähnlich zu sehen. Sofort aktivierte Takeshi sein DigiVice und half Prismamon zu digitiert.

„Prismamon digitiert zu... PrismKnightmon!“ Sein Partner war bereit für den Kampf, doch der Gegner wirkte gigantisch. Takeshi hoffte inständig, dass er ihm gewachsen war. Er selbst brachte Abstand zwischen sich und dem Kampffeld. Gogmamon schlug mit seinem steinernen Arm zu, doch sein Partner barrierte mit seinem Schild. Dann setzte es sein Schwert ein, doch es konnte Gogmamons steinernen Körper nicht durchdringen. Dieses holte wieder zum Schlag aus, doch PrismKnightmon sprang über es und wich aus. Takeshi stellte fest, dass sein Partner schneller war. Klar, Gogmamon war auch nur eine wandelnde Gerölllawine. Aber würde dieser Vorteil wirklich etwas nützen, wenn das Schwert nicht seinen Körper durchdringen konnte? Auf jeden Fall könnte es den Kampf in die Länge ziehen, bis die anderen hier waren. Aber... sollte Takeshi wirklich auf Zeit spielen? Er hatte sich doch geschworen, stärker zu werden. Wenn er und Prismamon also nicht einmal einen Gegner alleine bekämpfen konnten, wozu dann das Ganze?

„OK! Versuche seine Schwachstelle zu finden!“, rief er seinem Digimon zu. PrismKnightmon wollte es versuchen, doch egal welche Stelle es traf, sein Schwert konnte das Gestein nicht durchdringen. Nun war Gogmamon an der Reihe und preschte nach vorne. Takeshis Partner konnte sich gerade noch verteidigen, doch sein Schild bekam einen Sprung. Als nächstes packte Gogmamon das Schwert und brach es in zwei. Das war nun gar nicht gut. Sein Partner hatte seine aktive Waffe verloren, und auch seine defensive war in keinem guten Zustand. Gogmamon ließ nun spitze Steine aus seinem Körper hageln, welche PrismKnightmon kalt erwischten. Es wurde zurückgeschleudert und unter einigen Brettern vergraben. Takeshi fluchte angesichts der Tatsache, dass sein Partner nicht die geringste Chance hatte. Gogmamon setzte sich wieder in Bewegung und stapfte auf die Paletten zu, hinter denen sich Rurimon versteckt hatte. Takeshi wollte loslaufen, um Rurimon beizustehen, doch... er bewegte sich nicht vom Fleck. Was genau hatte er denn vorgehabt? Gogmamon würde ihn nicht einmal beachten, es würde ihn lediglich unter seinen Geröllfüßen begraben. Nein, er konnte Rurimon nicht helfen, er war nur ein Mensch. Das Digimon hatte das Versteck beinahe erreicht. Takeshi sah immer wieder zu der Stelle, wo Prismamon unter die Bretter geraten war. Er rührte sich nicht, er schien vollkommen besiegt worden zu sein. Es war aus. Sie hatten verloren, das war eine Tatsache, die er sich stellen musste. Aber was würde jetzt passieren? Der Feind würde Rurimon und das Buch mit sich nehmen. Vielleicht ignorierte er ihn und... nein, diese Fraktion der Digimon hasste ja Menschen. Gogmamon würde ihn genauso erledigen wie seinen Partner zuvor. Und da wurde Takeshi etwas bewusst. Wenn dem so war... war es ja eigentlich egal. Er rannte los und stellte sich Gogmamon entgegen. Er breitete seine Hände aus und versperrte ihm den Weg. „Keinen Schritt weiter! Ich werde nicht zulassen, dass du dir Rurimon holst! Prismamon hat versprochen, es zu beschützen. Und da ich sein Partner bin, gilt dieses Versprechen auch für mich!“ Der Feind konnte nicht anders, als zu lachen. „Partner? Dein Partner liegt dort hinten! Du bist nur ein schwacher Mensch, was glaubst du schon ausrichten zu können?“ Takeshi musste sich eingestehen, dass es recht hatte. Aber dennoch... welchen Unterschied machte das jetzt? „Na und wenn schon! Natürlich habe ich keine Chance gegen dich, aber ich muss dich trotzdem aufhalten!“, beharrte er darauf. Gogmamon gröllte und hob seinen Arm. Gerade als er ihn nach unten sausen lassen wollte, schloss Takeshi die Augen. Er bereitete sich schon darauf vor, dass dies das Ende seines Abenteuers sein würde. Der Schlag traf nicht ein. Langsam öffnete er sie wieder und erkannte, dass sich jemand zwischen ihn und dem Feind gedrängt hatte. PrismKnightmon hatte sein Schild erhoben und beschützte den DigiRitter. „Achtung! Er ist viel zu stark! Du wirst noch verlieren!“, warnte Takeshi. Doch sein Partner dachte nicht einmal daran. „Und dich im Stich lassen? Ich glaube nicht, dass Partner so handeln. Takeshi! Ich möchte wirklich stärker werden, so wie du gesagt hast. Tun wir es gemeinsam!“, rief das Digimon. Takeshi fasste nun neuen Mut.

„Ja! So schnell geben wir nicht auf. Zeigen wir diesem Kerl, was Menschen und Digimon zusammen wirklich ausrichten können!“, sagte er und spürte zugleich wie sein DigiVice glühte.

Sein Partner tat es ihm gleich und sofort spürten beide eine neuen Kraft in sich aufkommen.

„PrismKnightmon Ultra-Digitation zuuuu..... PrismDukemon!“

Takeshi sah zu, wie sein Partner noch größer und erhabener wurde. Er besaß nun einen Umhang, ähnlich dem von Kamen Yusha. Und in seiner Hand prangte eine mächtige Lanze.

Sie hatten es geschafft. Sie waren gemeinsam stärker geworden.

„Na schön! Jetzt zeigen wir es ihm aber!“, feuerte er seinen Partner an.

PrismDukemon gging in Stellung, dich Gogmamon ließ sich nicht beeindrucken. Erneut hob es seine Pranke und ließ sie herabschnellen. Doch Takeshis Partner blockierte sie einfach mit dem Rücken seiner Lanze. Dann ging es zum Angriff über und bohrte die Spitze in Gogmamons Brust. Dieses torkelte zurück und fluchte. Es setzte erneut mit seinem Felsarm an, doch die Lanze brach durch ihn ließ nur noch Kieselsteine zurück.

Gogmamon fehlte nun ein Arm und er war in seinem Kampfstil eingeschränkt.

„Gib auf. Du kannst nicht gegen uns gewinnen!“, rief ihm Takeshi zu.

Doch der Gegner schien noch nicht am Ende zu sein. „Hehe, ich denke, da irrt ihr euch. Ich habe immer noch einen Trumpf, oder habt ihr das hier schon vergessen?“, sagte er und holte erneut die blaue Kugel hervor. Takeshi und sein Partner mussten mitansehen, wie er diese schluckte und sie ebenfalls zu glühen begann. Dem DigiRitter kam ein übler Verdacht. Auch Gogmamon digitierte nun, und sein steinerner Körper verwandelte sich in Diamanten. Am Ende trug er nicht nur wie sein Partner ein Cape, sondern auch auf seinem Kopf prangten allerlei Edelsteine. Wieder grölte er. „Hahaha! Nun bin ich Blastmon, das ist meine ultimative Form! Sie wurde mir vom einzig wahren Digimon-König geschenkt!“ PrismDukemon konnte gar nicht so schnell reagieren, da traf ihn bereits Blastmons Faust und stieß ihn nach hinten. Takeshi konnte es nicht glauben. Es hatte doch alles so gut ausgesehen. Sie waren am Gewinnen gewesen. „Gib nicht auf! Wir haben immer noch eine Chance!“, rief er seinem Partner zu. PrismDukemon erhob sich und konzentrierte seine ganze Kraft auf seine Lanze. Erneut preschte er nach vorne, doch Blastmon packte sie einfach. Er griff einmal fest zu und ließ sie in tausend Teile zerschmettern. Ungläubig sahen beide zu, wie das Digimon entwaffnet wurde. Ein weiterer Faustschlag sorgte dafür, dass PrismDukemon besiegt wurde und zu Prismamon zurückdigitierte. Dann trat Blastmon das kleine Digimon einfach zur Seite und räumte die Palette aus dem Weg. Rurimon hockte in einer Nische und beschützte seine Tasche. „Da bist du ja. Du kommst jetzt mit mir. Der König wird mir eine schöne Belohnung geben.“ Er streckte seine Hand nach dem Drachen aus, da traf ihn ein Rohr am Kopf. Er drehte sich um und erkannte Takeshi. Dieser kümmerte sich um Prismamon und begann gleichzeitig damit, Dinge nach Blastmon zu werfen. Dieser lachte nur. Was glaubte dieses Kind damit zu erreichen? Aber ihm sollte es recht sein. Es würde zuerst diese Störenfriede vernichten, danach war immer noch Zeit für das Buch. Er schritt auf die erschöpften Feinde zu und bereitete seinen Angriff vor, bis er plötzlich selbst angegriffen wurde. „Desperato-Raketen!“, rief jemand, und schon flogen Geschosse auf ihn zu. Vor Takeshi und Prismamon landete ein Digimon mit Flügeln, das halb nach einem Drachen, halb nach einem Insekt aussah. „Takeshi!“, hörte der Junge seine Stimme und sah zum Eingang. Er erkannte, wie Davis und Ken angelaufen kamen. Sie kamen vor ihm zu stehen und analysierten die Situation.

„Prismamon... hat verloren. Obwohl es digitiert ist“, beklagte er. Ken nickte. „Es scheint auf sein Mega-Level digitiert zu sein. Natürlich hattest du da keine Chance. Bring dich in Sicherheit, Davis und ich erledigen den Rest.“

Takeshi wollte bereits folgen, da fiel ihm etwas Wichtiges ein.

„Rurimon! Es befindet sich da hinten, wir dürfen es nicht im Stich lassen.“ Die beiden älteren DigiRitter verstanden.

„Paildramon, lenk das Ding für uns ab!“, rief Davis und setzte sich dann in Bewegung. Dieses schwirrte um Blastmon herum, während Davis Rurimon packte und damit davonrannte. Zusammen entkamen alle durch den Eingang ins Freie. Im Inneren waren mehrere Explosionen zu hören, dann wurde Paildramon durch eines der Fenster befördert. Blastmon folgte und hinterließ einen tiefen Krater, wo es landete. Aus seiner Faust schossen Edelsteine, die Paildramon trafen. „Ken, wir müssen bei diesem Gegner ernst machen“, meinte Davis, und sein Freund nickte. Sie hielten ihre DigiVices in die Höhe, was Paildramon mehr Kraft verlieh. Sofort leuchtete es, und Takeshi sah zu, wie es immens größer wurde. Es war nun ein riesiger Drache, der Blastmon gegenüberstand. Dieser packte den nun kleineren Gegner und flog mit ihm in die Lüfte. Weit oben angekommen, ließ er ihn fallen, und Blastmon krachte unsanft auf dem Boden auf. Dann wechselte Imperialdramon seine Form und richtete eine gewaltige Kanone auf den Feind.

„Laserfinger!“, schoss es einen breiten Strahl ab, der Blastmon kalt erwischte. Es löste sich in Daten auf, und die Gefahr war gebannt. Imperialdramon landete wieder und spaltete sich in Veemon und Wormmon auf. Rurimon sprang von Davis' Rücken herab und wandte sich Prismamon zu. Dieses wirkte sehr lädiert und hatte es schwer, bei Bewusstsein zu bleiben. „Wir müssen Prismamon helfen! Es geht ihm nicht gut!“, sagte es. Takeshi stimmte ihm zu und wandte sich an die älteren DigiRitter. Diese nickten einander zu. „Wir sollten es sicherheitshalber zu Izzy bringen“, entschied er. Niemand hatte Widerspruch.

Eine Stunde später saßen sie in Izzys Werkstatt, wie er sie nannte. Da es sich um einen Notfall handelte, hatte er sich extra Zeit genommen. Mit einem Laptop analysierte er gerade Prismamon, das inzwischen vor Erschöpfung eingeschlafen war. Takeshi wanderte nervös hin und her. Ken hatte vorgeschlagen, dass er sich setzen sollte, doch das war ihm im Moment nicht möglich. Endlich war Izzy fertig und wandte sich dem Jungen zu. „Prismamon geht es soweit gut. Die Struktur seiner Daten scheint intakt zu sein. Ich denke, der Kampf hat es einfach zu sehr beansprucht. Gib ihm etwas Ruhe, und es wird sich vollständig erholen“, schlug er vor. Takeshi dankte ihm, und wenig später verließen sie ihn wieder. Während Ken sich gleich verabschiedete, begleitete Davis den Jungen nach Hause. Als sie dort ankamen, wandte sich Takeshi an ihn. „Danke. Ohne euch hätten wir es diesmal nicht geschafft. Dabei sind ich und Prismamon sogar stärker geworden. Und dennoch... hat es nicht gereicht.“ Davis betrachtete ihn einen Moment. Dann folgte ein Klapps auf den Kopf.

„Ach, mach dir nichts draus. Weißt du es denn nicht?“

Takeshi wirkte verwirrt.

„Was denn?“

Davis grinste.
 

"Ich war auch einmal der Underdog. Das liegt daran, dass DigiRitter und Digimon konstant stärker werden. Du und Prismamon werdet beim nächsten Mal merken, dass ihr schon stärker geworden seid. Es ist eine Entwicklung, sowohl für den Menschen als auch für das Digimon. Deshalb müsst ihr weiterhin zusammenhalten, versteht ihr?"

Takeshi beschloss, über die Worte nachzudenken, und verabschiedete sich. In seinem Zimmer legte er Prismamon behutsam ins Bett und ließ es erst einmal schlafen. Rurimon wich nicht von seiner Seite. Ihm wurde bewusst, dass er noch zu wenig über Digimon wusste. Also beschloss er, erst einmal zu recherchieren, um seine Lücken zu schließen. Nächstes Mal wollte er Prismamon unbedingt besser unterstützen als dieses Mal.
 

Nach dem Schreck lud Davis ihn zuerst einmal auf eine Runde Ramen im Restaurant ein. Izzy machte gerade eine Analyse, doch Prismamon würde sich schnell erholen. Takeshi war froh, dass sein Partner so taff war.

„Ach, stimmt ja. Ich wollte dir noch etwas geben“, sagte Davis nun.

Takeshi horchte auf.

„Nachtisch?“, fragte er hoffnungsvoll.

Der Ramenkoch schmunzelte, schüttelte dann aber den Kopf. Er ging nach hinten, kehrte aber nach wenigen Minuten zurück. In den Händen hielt er eine graue Box, die er jetzt auf den Tresen stellte.

„Hier, das möchte ich dir schenken“, sagte er schließlich und schob sie dem Jungen zu.

Takeshi musste sich eingestehen, dass er doch recht neugierig war. Er schob seine Schüssel zur Seite und öffnete den Behälter. Er griff nach dem Gegenstand darin und holte ihn heraus.

„Ist das... eine Fliegerbrille?“, hakte er nach.

Davis nickte.

„Ja, und ab heute gehört sie dir“, sagte er mit Stolz in seiner Stimme.

Takeshi verstand aber immer noch nicht.

„Ja, aber... was genau soll ich damit?“

Davis knurrte und klopfte seine Hände auf das Holz.

„Na hör mal! Die wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben! Und jetzt bist du an der Reihe!“, sagte er scharf.

Takeshi wusste nicht ganz, wie er dies einschätzen sollte. Meinte Davis mit Generationen seinen Großvater? Die Fliegerbrille wirkte alt und bereits leicht abgenutzt. Dennoch spürte er, dass sie für ihn einen emotionalen Wert haben musste.

Er setzte sie einen Moment auf, nahm sie aber wieder ab.

„Äh, danke. Vielleicht trage ich sie mal.“

Davis seufzte und resignierte.

„Einen Versuch war's wert. Eure Generation ist echt für nichts mehr dankbar.“

Takeshi entschuldigte sich und steckte die Brille ein.

Nach dem Essen verabschiedete er sich. Zuhause konnte er aber nicht umhin, sich die Fliegerbrille noch einmal anzusehen. Irgendwie... strahlte sie tatsächlich etwas aus.

Folge 8 - Entscheidung

Yasui wusste, dass er nachts eigentlich sein Zimmer nicht mehr verlassen sollte. Doch die Schlaflosigkeit plagte ihn, und außer ihm waren ohnehin keine anderen Patienten mehr unterwegs. Nur noch wenige Tage würde er im Krankenhaus verweilen, dann konnte er endlich wieder nach Hause. Er konnte es gar nicht mehr abwarten. Die ganzen Untersuchungen hatten ihn viel Kraft gekostet. Er wollte sich noch ein Getränk besorgen, fand den Automaten aber nicht mehr. Er beschloss einfach in die Lobby zu gehen und dort eines zu holen. Er bestieg den Fahrstuhl und drückte den Knopf für das Erdgeschoss. Dann ging die Fahrt los, doch etwas stimmte nicht. Der Lift hielt nicht im Erdgeschoss, sondern fuhr weiter. Yasui drückte den Knopf noch weitere Male, doch ohne Erfolg. Bald war er im untersten Geschoss angekommen und fluchte. Warum musste das Ding ausgerechnet bei ihm defekt sein? Zumindest war er nicht stecken geblieben. Er betätigte den Notschalter, doch dieser reagierte nicht. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als auszusteigen und jemanden zu fragen. Er fand sich in einem dunklen Gang wieder, er schien sich im untersten Kellerabteil zu befinden. Am Ende des Ganges erkannte er ein Licht und war froh, jemanden gefunden zu haben. Er erreichte eine Halle mit seltsamer Ausstattung. Sie war leer, und Yasui wunderte sich, was das hier sollte. Dann vernahm er ein Geräusch über sich. Er sah nach oben und erkannte Dinge, die von der Decke herabhingen. Yasui erinnerten sie irgendwie... an Kokons? Aber konnte das sein? Dann preschte etwas von oben auf ihn herab, und er verlor das Bewusstsein.

Als Shun nach Hause kam, war er erleichtert, dass seine Eltern immer noch nichts von Koemon mitbekommen hatten. Sie hätten ihm bestimmt nicht erlaubt, das Digimon im Haus zu behalten. Nein, sie hätten ihm nicht einmal erlaubt, ein DigiRitter zu sein. Aber hatten sie damit im Grunde nicht recht? War Shun den anderen wirklich eine Hilfe? Er und die anderen waren abwesend, als die Stadt angegriffen wurde. Und letztens, als Takeshi Hilfe brauchte, saß er in der Nachhilfe und konnte ihm auch nicht beistehen. War es dann nicht besser, wenn er Koemon und sein DigiVice an jemand anderen weitergab? Jemanden, der wusste, was er tat?

"Shun, wollen wir heute auf die Suche nach den Kugeln gehen?", wollte Koemon wissen.

Dieser musste aber verneinen.

"Nein, ich habe heute Nachhilfe. Zwar erst später, aber ich sollte mich vorbereiten."

Koemon war anzusehen, dass ihn das nicht gerade erfreute. Es stand zu 100% hinter der Sache, während Shun sich ihr nur hin und wieder widmen konnte.

Sein Handy klingelte, und er fischte es aus seiner Tasche. Es war eine Nummer, die er erst nicht erkannte. Dennoch ging er ran und meldete sich.

"Hallo, hier ist TK. Ich hoffe, ich habe die richtige Nummer erwischt. Spreche ich mit Shun?", wollte er wissen.

"Ja, am Apparat. Was gibt es?"

T.K ließ ihn nicht lange warten.

"Ich hatte mich gefragt, ob du dich heute mit mir treffen könntest. So in einer halben Stunde? Ich bin nicht weit von dir weg."

Dies überraschte den Jungen sichtlich. Erst wollte er ablehnen, immerhin hatte er heute noch Nachhilfe. Allerdings würde diese erst in ein paar Stunden stattfinden, also wäre gegen ein Treffen nichts zu sagen. Besonders wenn man bedachte, wie sehr sich die Älteren um ihn und die anderen bemühten, wäre es unfreundlich gewesen abzusagen. Also erklärte er sich einverstanden und sagte zu.

Als er auflegte, fragte Koemon, ob es mitkommen dürfte. Shun überlegte kurz. Er hätte T.K fragen können, ob er sein Digimon mitnehmen sollte. Also nahm er das erst mal an und packte Koemon in seinen Rucksack. Er machte sich fertig und schlenderte dann zur Haustür. Seine Mutter erinnerte ihn noch einmal daran, pünktlich zum Nachhilfeunterricht zu erscheinen, immerhin hätte er es nötig.

Shun versprach es ihr und verließ das Haus. Er hatte sich mit T.K in der Nähe des Parks verabredet. Kaum war er dort angekommen, ließ er seinen Blick schweifen. Er erkannte den älteren DigiRitter auf einer Parkbank sitzen und machte auf sich aufmerksam. Dieser erhob sich und schritt lächelnd auf Shun zu.

"Hey, danke, dass du die Zeit gefunden hast."

Shun meinte, dass es kein Problem sei. Allerdings erwähnte er auch seine Nachhilfe.

"Keine Sorge, ich habe so etwa zwei Stunden eingeplant", meinte T.K und gab Shun ein Zeichen, ihm zu folgen.

Erst zögerte Shun damit zu fragen, was genau dieser plante. Als sie jedoch vor einem hohen Gebäude ankamen, konnte er nicht anders.

"Ein Krankenhaus? Was wollen wir denn da?", fragte Shun.

T.K rieb sich verlegen am Kopf.

"Naja, du hast doch letztens von deiner Lernbehinderung erzählt. Und zufällig habe ich einen Freund, der Arzt ist. Ich dachte mir, dass eine zweite Meinung sicher nicht schlecht wäre."

Shun fiel aus allen Wolken. Meinte er das ernst?

"Moment mal! Ist ja nett, dass du dir solche Gedanken um mich machst. Aber das geht doch nicht so einfach. Und bezahlen könnte ich so jemanden auch nicht!", wand er ein.

Doch T.K winkte ab.

"Ach Unsinn, um Geld geht es doch gar nicht. Er ist sehr interessiert daran, dich zu sehen. Und ich versichere dir, dass er sehr gut in seinem Job ist. Sonst würde ich dir das hier nicht vorschlagen."

Shun nickte und folgte T.K in das Krankenhaus. Ihm war etwas mulmig zumute. Er stand nicht gerne im Mittelpunkt, auch wenn es schmeichelhaft war, dass T.K sich so viele Gedanken um ihn machte.

Dieser hatte sich gerade am Empfang angemeldet. Die Frau am Schalter teilte ihnen mit, dass sie gleich abgeholt werden würden. Dies war auch der Fall, und eine Krankenschwester brachte die beiden in ein Wartezimmer. Koemon beschwerte sich über die speziellen Gerüche an diesem Ort.

Es dauerte nur einige Minuten, dann trat ein Arzt in weißem Kittel in den Raum. Er und T.K schüttelten sich sofort die Hände.

"Vielen Dank, dass du dir extra Zeit nimmst. Ich schulde dir was."

Doch der Arzt winkte ab.

"Ach Quatsch. Ich bin inzwischen stellvertretender Chefarzt, ich darf so ziemlich machen, was ich will", schmunzelte er.

"Das ist Dr. Kido. Er ist der Freund, von dem ich gesprochen habe. Und außerdem der beste Arzt, den ich kenne", stellte T.K vor.

Dr. Kido legte ihm eine Hand auf die Schulter.

"Ich bin wahrscheinlich auch der Einzige, den du kennst, oder?"

T.K wand ein, dass es da noch seinen Zahnarzt gab, worauf beide lachen mussten.

Shun räusperte sich.

"Also... Kido-sensei? Ich weiß nicht, was Ihnen T.K erzählt hat, aber..."

Der Arzt griff in seinen Mantel und holte eine Akte hervor.

„Nur von deinem Problem. Ich habe mir deine Akte ausgedruckt und studiert. Da gibt es durchaus einige Dinge, die ich nachprüfen möchte.“

Shun staunte.

„Ähm... das haben Sie bereits? Wie sind Sie denn da rangekommen?“

Dr. Kido winkte mit der Akte.
 

„Ach, heutzutage sind wir in der Medizin super vernetzt. Ich musste nur angeben, dass ich dein behandelnder Arzt bin. Zugegeben, ich habe dich noch nicht um dein Einverständnis gebeten und muss dies nun nachholen. Du hast doch kein Problem mit mir?“, fragte er.

Shun schüttelte den Kopf. Was sollte er sonst tun? Er kannte den Arzt nicht, doch wenn er T.K Glauben schenken konnte, war er hier an der richtigen Adresse.

„Gut, dann lasse ich euch beide alleine. Ich muss noch arbeiten, aber du kannst dich ganz auf Joe, also Dr. Kido, verlassen“, sagte T.K noch einmal und verabschiedete sich.

Shun bedankte sich noch einmal, bevor der Arzt ihn bat, ihn zu begleiten. Die beiden suchten als nächstes sein Büro auf, wo sich der Junge setzte.

Zu seiner Überraschung waren sie nicht allein. Shun hatte es erst für ein Stofftier gehalten, doch dann schlich sich ein weißes, geflecktes Wesen an seinen Rucksack und untersuchte diesen genau. Koemon konnte nicht länger stillhalten und befreite sich. Gegenseitig musterten sich die beiden skeptisch.

„Sensei... Sie haben... auch ein Digimon?“, staunte Shun.

Joe lächelte mild. „Ja, auch wenn Gomamon stets Unsinn anstellt, wenn ich ihn mit ins Krankenhaus nehme.“

Das Digimon reagierte empört. „Na und? Wenn ich zu Hause bleibe, beschwerst du dich immer, dass ich zu viel fernsehe!“, rechtfertigte es sich.

Joe hielt ihm vor, dass dies immerhin die Wahrheit sei. Während die Digimon miteinander spielten, beantwortete Shun dem Arzt einige Fragen. Danach wollte er bei ihm ein EKG durchführen, und Shun begleitete Joe in einen der Behandlungsräume. Der Arzt schärfte den Digimon noch einmal ein, sich ruhig zu verhalten, was diese kleinlaut versprachen.

Shun kannte diese Prozedur bereits und verhielt sich währenddessen ganz still. 20 Minuten später saßen sie wieder im Büro, und Joe überprüfte die Ergebnisse. Shun wagte es nicht, ihn währenddessen zu unterbrechen.

Schließlich sah Joe zu dem Jungen auf. „Ah ja, das habe ich mir gedacht. Ich denke, dein Arzt hat das falsche Medikament empfohlen. Für Personen jüngeren Alters ist es in Ordnung, aber bist du inzwischen bereits Mittelschüler, richtig? Ich würde deinem Hausarzt gerne ein anderes vorschlagen.“

Shun nickte. „Wenn Sie das für richtig halten“, fiel ihm nichts Besseres ein.

Joe war von seinem Vorschlag jedoch überzeugt und reichte dem Jungen seine Visitenkarte. Sie machten aus, dass sich der Junge in einigen Wochen noch einmal melden sollte, nachdem das Medikament erste Wirkungen zeigte.

Shun dankte Joe vielmals, und mit Koemon im Gepäck verließ er das Büro wieder. Draußen, als er sich gerade verabschieden wollte, wurde Joe von einer Schwester angesprochen.

„Was? Sind Sie ganz sicher? Ein weiterer Patient ist verschwunden?“, flüsterte sie ihm zu.

Die Frau nickte. „Ja, ich glaube auch nicht, dass sie einfach gegangen sind, ohne sich abzumelden. Vor allem, weil ihre Kleidung noch in ihren Zimmern ist. Sollten wir die Polizei nochmal herholen?“

Joe überlegte angestrengt. „Uns wird wohl nichts übrig bleiben. Bitte kümmern Sie sich darum.“

Der Arzt wandte sich an Shun und entschuldigte sich. „Wie du siehst, haben wir hier immer eine Menge zu tun. Wir haben ja alles Nötige vereinbart. Du findest allein raus, ja?“, sagte er noch und machte sich dann auf zu gehen.

Shun hatte Verständnis dafür und schritt zur Treppe. Während er noch über alles nachdachte, steuerte er auf den Ausgang zu und trat ins Freie. Dort wurde er jedoch von einem bekannten Gesicht überrascht. Es war jemand, den er bereits seit Jahren kannte. Nein, mit dem er sogar in eine Klasse ging.

„Shun? Was machst du denn hier?“, fragte Takeshi überrascht. Der Junge war selbst daran gewesen, diese Frage zu stellen.

„Im Krankenhaus? Lange Geschichte. Aber was willst du hier?“

Takeshi druckste etwas herum. Dann deutete er auf seinen Rucksack. „Rurimon hat eine neue Kugel geortet. Sie ist ganz in der Nähe, er vermutet sie im Krankenhaus.“

Shun verstand. Scheinbar würde er hier erstmal doch noch bleiben. Dann fiel ihm jedoch etwas Wichtiges ein.

„Ok, kannst du alleine übernehmen? Ich habe gleich Nachhilfe, meine Eltern ticken aus, wenn ich da nicht aufkreuze.“

Takeshi kannte seinen Freund und hatte deswegen Verständnis dafür.

„Klar, Prismamon geht es schon viel besser. Wir kriegen das hin“, versicherte er.

Die beiden verabredeten sich später zu telefonieren, dann huschte sein Freund bereits an ihm vorbei.

Shun beschleunigte seinen Schritt. Er war bereits einige Meter gegangen, da meldete sich Koemon in einem Rucksack.

„Hey, ist das wirklich in Ordnung? Es ist unsere Mission, die Kugeln einzusammeln. Sollten wir Takeshi und Prismamon da nicht unterstützen?“

Sein Partner knirschte mit den Zähnen. „Ich habe eben keine Zeit! Verstehst du das nicht? Ich kann mich nicht immer um eure Probleme kümmern!“, schnauzte er ihn an und beschleunigte sein Tempo.

Koemon wagte es nicht, ihm zu widersprechen. Es stimmte, es forderte zu viel von dem Menschen. Shun wurde in diesen Konflikt hineingezogen. Er half nur aus Freundschaft.

Takeshi versuchte sich zu orientieren. Ein Krankenhaus beinhaltete eine Menge Räume; sie konnten sie unmöglich alle absuchen.

„Hey, kannst du sagen, wo genau sich die Kugel befindet?“, raunte er nach hinten.

Rurimon und Prismamon, die sich in seinem Rucksack aneinander schmiegten, hatten es alles andere als bequem.

„Ich spüre.... die Kraft unter uns!“, sagte es dann.

Unter uns bedeutete also im Keller. Takeshi suchte eine Treppe oder einen Fahrstuhl. Letzteren hatte er schnell gefunden und betrat ihn. Er betätigte den untersten Knopf, auch wenn es Besuchern sicher nicht erlaubt war, dieses Stockwerk zu betreten. Doch dies war ein Ausnahmefall; sie mussten einen wichtigen Gegenstand sicherstellen.

Bald waren sie unten angekommen und stiegen aus. Doch der Gang, in dem sie landeten, war nach wenigen Metern zu Ende. Hier schienen nur Gerätschaften gelagert zu werden. Doch Rurimon strampelte in seinem Rucksack, woraufhin er es zusammen mit Prismamons ins Freie ließ.

„Ich spüre hier eine Barriere! Erschaffen von einem Digimon!“, sprach der kleine Drache dann.

Takeshi staunte.

„Eine Barriere? Also so etwas wie ein Schutzschild?“

„Kannst du sie aufbrechen?“, wollte Prismamon wissen.

Rurimon öffnete seine Tasche und holte sein Buch heraus. Er blätterte durch die Seiten, bis er scheinbar an der richtigen Stelle angekommen war. Er hob den Finger seiner Klaue hoch, an welchem sich eine kleine Flamme zeigte. Er hielt sie gegen die Wand, welche auf wundersame Weise verschwand. Dahinter wurde ein weiterer Gang sichtbar.

Alle nickten einander zu und wagten sich dann voran. Bald waren sie in einer Halle angekommen, die zumindest auf den ersten Blick leer wirkte. Prismamon war der erste, der ihn darauf aufmerksam machte und nach oben zeigte.

Takeshi erkannte mehrere Kokons von der Decke herab hängen. Dann ging alles sehr schnell. Eine Art Netz wurde auf Prismamon und Rurimon geworfen, das sie einhüllte und nach oben zog.

Takeshi wollte reagieren und sein DigiVice benutzen. Doch er war nicht schnell genug. Fäden trafen seinen Arm und wickelten sich dann um den Rest seines Körpers. Bald war er komplett eingehüllt und ebenfalls in einen Kokon gewickelt. Er zappelte und versuchte sich zu wehren, doch da wurde er bereits nach oben gezogen.
 

Shun studierte die Uhrzeit auf seinem Handy und stellte fest, dass er sich beeilen musste, wenn er nicht zu spät zur Nachhilfe kommen wollte. Da er sich doch etwas schäbig fühlte, Takeshi allein mit der Sache gelassen zu haben, beschloss er, diesen im Gehen noch einmal anzurufen und sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen.

Es klingelte, doch sein Freund ging nicht ran. Shun wartete und wartete, dann legte er auf. Es war sicher nichts, Takeshi war sicher nur beschäftigt. Aber wenn er doch nur nach dieser Kugel suchte, hätte er dann nicht Zeit, ans Handy zu gehen?

Shun wurde mulmig zumute. Was, wenn etwas passiert war? Letztes Mal war Takeshi in eine Falle gelaufen, als er nach einer dieser Kugeln gesucht hatte. Es war unwahrscheinlich, dass sich dies einfach so wiederholte. Doch konnte man auch nie sicher sein. Was sollte Shun also unternehmen? Er musste zur Nachhilfe. Sollte er Tsubasa verständigen? Oder einen der älteren DigiRitter? Aber diese würden ewig brauchen, um das Krankenhaus zu erreichen. Shun hingegen musste einfach nur zurücklaufen. Doch dann konnte er seinen Nachhilfeunterricht vergessen. Seine Eltern wären alles andere als begeistert.

Wenn es jedoch um die Sicherheit seines Freundes ging, konnte die Entscheidung nur wie folgt lauten.

"Koemon, wir gehen zurück. Mach dich bereit, falls wir wieder auf ein Digimon treffen", sagte er seinem Freund.

Dieser verstand und holte seine Steinschleuder hervor. Shun rannte los und brauchte nur wenige Minuten, bis er wieder vor dem Krankenhaus stand. Er trat ein und erkundigte sich beim Empfang, ob dieses vielleicht seinen Freund gesehen hatte. Dies war zum Glück tatsächlich der Fall. Ein Junge, auf den Takeshis Beschreibung passte, war in den Fahrstuhl gestiegen. Shun bedankte sich und trat ebenfalls in den Lift. Doch wohin hatte es seinen Freund verschlagen?

"Shun, wenn ich ein Digimon wäre, würde ich mich im Keller verstecken. So würde ich den vielen Menschen hier entgehen", kam es von Koemon.

Der Junge hielt den Vorschlag für sinnvoll und betätigte den Knopf für das unterste Geschoss. Schon ging die Fahrt los und es ging nach unten. Als die Tür aufging, schlug ihnen Dunkelheit entgegen. Shun ließ Koemon heraus und gemeinsam wagten sie die ersten Schritte.

"Shun! Sieh mal da vorne!", machte ihn das Digimon auf etwas aufmerksam. Sie erkannten ein großes Loch in der Wand, das definitiv nicht natürlich war. Sie zwängten sich durch und erreichten am Ende eine geräumige Halle. Sie hatten gerade die Mitte erreicht, als eine Warnung seitens Koemon erfolgte.

"Shun, zur Seite!", rief es, doch der Junge konnte kaum reagieren.

Koemon ergriff seine Steinschleuder und feuerte ein Geschoss ab. Shun sah nach oben und beobachtete, wie ein Konstrukt aus Fäden in Flammen aufging. Schnell ging er in Deckung und versuchte, sich der Situation bewusst zu werden. Über ihm an der Decke hingen mehrere Kokons, als hätten sich mehrere Raupen verpuppt und seien dabei, sich in Schmetterlinge zu verwandeln.

"He he hehe. Schon verrückt, wie viele von euch Menschen sich inzwischen zu mir hinunter verirren. Und Digimon sind sogar auch einige dabei", erklang eine Stimme von oben.

Shun versuchte, die Quelle der Stimme ausfindig zu machen. Sie kam ebenfalls von oben. Dort löste sich nun ein Schatten, und etwas schwang nach unten. Der DigiRitter erkannte einen großen, roten Tausendfüßler. Das Beängstigende war, dass seine Füße Klingen waren.

"Bist du hierfür verantwortlich? Und was ist mit meinem Freund?", warf Shun ihm entgegen.

Der Tausendfüßler lachte.

"Ich bin Katabiramon, ein treuer Diener des Digimon-Königs. Und dein Freund schlummert hier oben bei mir. Eigentlich sollte ich nur diese Kugel zu meinem Meister bringen. Aber ich nutze die Chance, um noch ein paar Menschen zu verschlingen."

Shun ballte die Fäuste.

"Du glaubst ernsthaft, dass ich das zulasse? Koemon, bist du bereit?"

Der kleine Affe nickte und wartete darauf, dass sein Partner das DigiVice aktivierte.

"Koemon digitiert zuuuu.... Lianpumon!"

In dieser Form war es ihm möglich zu schweben. Es nahm diese Chance wahr und war bald auf Augenhöhe mit Katabiramon.

"Lass alle Menschen frei, oder trage den Preis!", warnte Lianpumon ihn.

Doch der Gegner schien nicht daran zu denken. Er griff mit seinen Klingen an, doch Lianpumon wich geschickt aus. Es wechselte nun die Maske, was ihm erlaubte, Wind-Attacken einzusetzen. Es wehte die Kokons durcheinander, welche den Halt verloren. Bevor sie zu Boden stürzen konnten, fing es jeden davon auf und platzierte sie langsam auf dem Untergrund.

Katabiramon nutzte den Moment der Ablenkung und schoss seine Fäden auf den Eidringling, erwischte Lianpumon voll. Dieser war von klebrigen Fäden umgeben, aus denen es sich nicht allein befreien konnte. Katabiramon zog es hoch und wetzte seine Klingen.

Shun konnte nur hilflos zusehen.

"Du musst dich befreien! Komm schon!", rief er.

Doch der Erfolg blieb aus. Der Tausendfüßler lachte und wollte Lianpumon bereits verschlingen.

"Harpune!", erklang plötzlich ein Geschoss, das Katabiramon traf und nach hinten warf. Jedoch ließ es den Kokon mit Lianpumon dabei nicht los. Shun drehte sich um und erkannte... ein großes Wahlross? Zuerst dachte er an einen weiteren Gegner, dann erkannte er Dr. Kido dahinter hervorkommen.

"Dachte ich es mir! Ein Digimon steckt also dahinter", kommentierte er.

Shun nickte.

"Ja, er hat Lianpumon in seinem Kokon gefangen! Es kann sich nicht befreien!", beklagte er.

Der Arzt wirkte ernst.

"Nein, ich bin sicher, dass dein Partner dazu im Stande ist. Du musst nur an ihn glauben."

Shun sah zur Seite. Das war leichter gesagt als getan. Klar, sein Partner war stark, aber was konnte er selbst dazu beitragen? Er war es immerhin nicht. Er war weder gut im Lernen, noch im Kämpfen. Das war die traurige Realität.

Katabiramon näherte sich nun mit seinen Klingen dem Gefangenen, der immer noch hilflos strampelte.

Shun hätte sich ohrfeigen können. Wieso dachte er in dieser Situation wieder nur an sich? Sein Partner war derjenige, der gerade Hilfe brauchte.

"Hey, Kumpel! Ich glaube an dich, hörst du? Mach ihn gefälligst fertig, ja?", feuerte er seinen Freund an.

Das Digimon schien neue Kraft zu schöpfen. Und es begann plötzlich zu leuchten. Shun und Joe sahen zu, wie es sich zu verformen begann.

"Lianpumon Ultra-Digitation zuuuu.... Xingtianmon!"

Wie aus dem Nichts erschien eine große Axt in der Hand des Digimon, mit der es den Kokon in zwei teilte und sich davon befreite. Seine Masken hatte es verloren, dafür schien sein gesamter Oberkörper aus einer grausigen Maske zu bestehen. Auch die Fähigkeit zu schweben hatte es verloren, was jedoch kein Problem darstellte. Es konnte sich leicht an den Wänden abstützen und war immer noch so wendig wie zuvor.

Katabiramon nahm die Verfolgung auf und kreuzte die Klingen mit Xingtianmon. Dessen Axt war jedoch wesentlich größer und ähnelte dem Gesicht eines Onis. Es schleuderte den Tausendfüßler zurück. Dieser sprühte erneut seine Fäden, war aber zu langsam.

"Donnergebrüll!", ließ es einen Blitzschwall aus seinem Maul schießen, der Katabiramon traf und eine Explosion verursachte. Das feindliche Digimon löste sich in Daten auf, und die Gefahr war gebannt. Shuns Partner landete auf dem Boden, während sich Joe um die Kokons kümmerte.

"Wir müssen sie unbedingt davon befreien!", sagte er, und Shun nickte seinem Partner zu.

Mit dessen Axt konnte er, zum Glück behutsam, alle Kokons aufschneiden und die Menschen darin befreien. Takeshi, Prismamon und Rurimon waren die letzten. Joe wies Shun an, Hilfe zu holen. Dieser wandte ein, dass es schwierig war, die Situation hier unten zu erklären, doch davon wollte der Arzt nichts wissen. Für ihn hatten die Patienten eindeutig Vorrang.

Eine Stunde später saß Takeshi in einem Behandlungsraum, was dieser jedoch völlig übertrieben fand. Er war nicht verletzt und wollte Joe nicht länger in Beschlag nehmen. Dieser versicherte jedoch, dass seine Kollegen sich um die Patienten kümmerten, die sie von unten nach oben transportiert hatten. Einige von ihnen waren etwas dehydriert, aber ansonsten würden sie sich wieder erholen.

Koemon und Gomamon saßen daneben, aneinandergekuschelt. Shun versorgte sie gerade mit Leckerlis. Besonders Koemon hatte sie sich verdient. Seine Entwicklung wirkte wirklich angsteinflößend, aber auch sehr cool. Sie hatten sie zusammen durchgemacht, und Shun schätzte seinen Freund inzwischen als Partner nur umso mehr.

Rurimon hatte inzwischen die blaue Kugel an sich genommen, die sie in einem der Kokons sichergestellt hatten. Er öffnete sein Buch, welches die Kugel sofort absorbierte und in sich aufnahm. Shun vermutete, dass sie damit erstmal in Sicherheit war.

"Ich bin euch zu Dank verpflichtet. Ohne euch hätte dieses Digimon bestimmt noch mehr Menschen entführt", kam es von Joe.

Shon wehrte ab.

"Nein, ich bin sicher, Sie hätten es auch ohne uns geschafft."

Takeshi musste ihm innerlich rechtgeben. Wenn er daran dachte, wie kompetent Davis und Ken an den letzten Kampf herangegangen waren, war er sich sicher, dass Joe den Feind auch selbst erledigt hätte.

"Danke, aber meine Aufgabe ist es inzwischen, mich um Verletzte und Kranke zu kümmern. Darum bin ich Arzt geworden", sagte er zuversichtlich.

Wenig später verabschiedeten sich Takeshi und Shun und traten den Heimweg an.

"Hey, du hast deine Nachhilfe verpasst, oder? Soll ich dich nach Hause begleiten, damit deine Eltern nicht so ausrasten?", schlug der Junge vor.

Shun schüttelte den Kopf. Er war zwar dankbar für den Vorschlag, doch er wollte Takeshi nicht in seine Angelegenheiten hineinziehen. Sie verabredeten sich auf morgen in der Schule, dann trennten sie sich.

Shun war etwas mulmig zumute, als er sein Haus betrat. Zu seinem Leidwesen waren nicht nur seine Mutter, sondern auch sein Vater anwesend. Er beschloss, die Belehrung schnell hinter sich zu bringen und suchte sie direkt auf.

"Ah, Shun, wir haben bereits davon erfahren", sagte sein Vater.

Der Junge wirkte etwas verdutzt.

"Erfahren? Was denn?"

Seine Mutter bereitete gerade das Essen zu.

"Dr. Kido hat angerufen. Er hat sich entschuldigt, dass du wegen ihm die Nachhilfe verpasst hast. Aber er klang sehr zuversichtlich bezüglich der neuen Medikamente. Wenn sie wirklich helfen, werden sich deine Noten bestimmt verbessern."

Sein Vater stimmte ihr zu.

"Du hättest uns gleich Bescheid sagen können. Wir hoffen natürlich das Beste. Schließlich denken wir nur an deine Zukunft."

Shun nickte nun verstehend. Joe hatte sich also für ihn eingesetzt. Der Junge verspürte eine tiefe Dankbarkeit.

Beim Essen wich er allen Fragen aus, die verraten hätten, warum er die Nachhilfe wirklich hatte ausfallen lassen müssen. Danach zog er sich in sein Zimmer zurück und streichelte Koemon über den Kopf.

"Sag mal... was hältst du davon, wenn wir morgen etwas Spaßiges unternehmen? Wir könnten ein Spiel spielen", schlug er vor.

Koemon wunderte sich etwas, dann grinste es.

„Ja, ich möchte noch eine Menge mit dir zusammen unternehmen!“, stand für es fest.

Folge 9 – Liebe

Im bequemen Sitz des Flugzeugs saß sie und betrachtete durch das kleine Fenster die Lichter der Stadt unter sich. Sie spürte die Aufregung in der Luft, als das Flugzeug langsam zur Landung ansetzte. Es war eine Reise voller Erwartungen und Vorfreude gewesen, und jetzt war der Moment gekommen, an dem sie endlich ihr Ziel erreichen würde. Schließlich hatte sie hier eine wichtige Aufgabe.

Das Summen der Triebwerke wurde lauter, als das Flugzeug tiefer nach unten glitt. Sie spürte, wie sich ihr Herz schneller schlug, als sie sich dem Boden näherte. Als das Flugzeug schließlich die Landebahn berührte, spürte sie einen leichten Ruck. Vor ihr erstreckte sich das Flughafengelände mit seinen beleuchteten Landebahnen und geschäftigen Terminals. Das Surren der Triebwerke verebbte langsam, während das Flugzeug zum Stillstand kam.

Mit einem erleichterten Seufzer löste sie ihren Sicherheitsgurt und erhob sich aus ihrem Sitz. Sie griff nach ihrem Handgepäck und machte sich bereit, das Flugzeug zu verlassen. Es war noch früh am Morgen, als das Flugzeug auf dem Flughafen Haneda landete. Die Passagiere stiegen aus, darunter auch die stilvoll gekleidete Frau mit breitem Sommerhut und rosafarbenem Kleid. In ihrer Begleitung befand sich ein Kind – oder so würden es die anderen Fluggäste zumindest wahrnehmen. Es war recht klein und trug ebenfalls einen Hut und eine Sonnenbrille, sowie ein Rüschenkleid, das kaum einen Blick auf das darunterliegende grünliche Hautmuster zuließ. Die Frau trat euphorisch in das Terminal und starrte hinaus. Endlich hatte Japan sie wieder.

Tsubasa gab zu, etwas enttäuscht zu sein. Takeshi und Shun hatten die letzten Tage ein Abenteuer ohne sie erlebt. Und nicht nur das, es war ihnen außerdem gelungen, eine der Kugeln sicherzustellen, nach denen Rurimon auf der Suche war. Sie hatten sie nicht einmal eingeladen oder um Hilfe gebeten. Zugegeben, dafür bestand sicher keine Zeit, aber das Mädchen hätte dennoch gerne etwas dazu beigetragen.

Da heute keine Schule war, beschloss sie, ebenfalls etwas zu unternehmen. Hebimon schlängelte sich auf ihrem Bett und verschlang einige Chipreste. Es erschrak, als Tsubasa plötzlich aufstand.

"Hebimon, ich habe mich entschieden! Wir werden auch auf die Suche gehen. Das ist doch deine Mission, oder?", fragte sie. Die Schlange bestätigte es. "Gern, aber wir brauchen Rurimon, sonst haben wir keine Chance, sie aufzuspüren", erinnerte es sie. Tsubasa verstand und schickte Takeshi eine Nachricht. Sie verabredeten sich für später in einem Ramen-Laden, und der Junge sollte Rurimon mitbringen. Nachdem er zugesagt hatte, packte das Mädchen ihren Rucksack, in den Hebimon problemlos passte. Sie hätte das Digimon auch wie immer um den Hals tragen und als Schal ausgeben können – es wäre niemandem aufgefallen. Wenig später verließ sie das Haus und steuerte auf das Restaurant zu. Takeshi wartete bereits und verschlang eine Schüssel Ramen, die ihm Davis hingestellt hatte. Tsubasa hatte zwar schon einige Snacks gegessen, verspürte aber dennoch Lust auf etwas Richtiges. Also bestellte sie ebenfalls, nachdem sie sich von Davis beraten ließ. Dann fiel ihr jedoch etwas auf. Sie konnte weder Rurimon noch Prismamon entdecken.

"Ach ja", schlürfte Takeshi. "Prismamon hat sich den Magen verdorben. Ich habe ihm erklärt, wie man die extra scharfen Ramen essen muss, aber er wollte nicht hören. Und Rurimon weigert sich, seine Seite zu verlassen." Tsubasa ließ die Schultern hängen. „Mist! Dabei wollte ich auch etwas beitragen und eine der Kugeln finden.“, beklagte sie. Takeshi wand sich an Davis. „Hey, kann Izumi-sensei nicht irgendein Gerät bauen, das dabei hilft. Er ist doch ein Genie, oder nicht?“ Der Ramen-Laden Angestellte überlegte kurz.

„Das ist er in der Tat. Ich würde es ihm auch zutrauen. Am besten frage ich ihn bei nächster Gelegenheit.“ Tsubasa war sich jedoch sicher, dass dies einige Zeit beanspruchen würde. Ihren Plan musste sie jedenfalls aufgeben. Also beschloss sie das Beste daraus zu machen und aß ihre Ramen. Dann wurde unerwartet die Tür aufgeschlagen und ein neuer Gast schien einzutreten. Es war eine Frau Mitte 20, die aufgewühlt wirkte. Sie hatte lilane Haare und eine Brille. Sofort hatte sie Davis ins Auge gefasst. Sie schritt auf ihn zu, ihr Blick hätte töten können.

"Wo ist er?", wollte sie wissen. Davis hatte aber keinen Schimmer, was sie meinte. Die Frau sah sich im ganzen Raum um und setzte sich dann. "Ich weiß genau, dass du mit ihm unter einer Decke steckst! Er hat angegeben, noch bei der Arbeit zu sein, doch ich habe angerufen! Er ist nicht dort! Das kann nur bedeuten, dass er mich betrügt!", rief sie aus. Davis seufzte und reinigte eine Schüssel. "Wenn wir von derselben Person reden, halte ich das für ausgeschlossen. Sonst würde er dich nicht in zwei Wochen heiraten wollen. Bestimmt hat er nur einen Außentermin und ist deswegen nicht in der Firma," versuchte er zu beruhigen. Die Frau presste die Lippen zusammen. Sie schien nicht daran gedacht zu haben. "Und wenn schon! Er hat mir versprochen, mir heute bei den Vorbereitungen zu helfen. Ich muss noch die ganze Sitzordnung planen und jemand muss mir bei den Stühlen helfen!" Davis wand den Blick ab. "Ich muss noch arbeiten, sorry," sagte er, falls seine Freundin dabei an ihn gedacht hatte. Die Frau wandte nun ihren Blick an die beiden Gäste neben ihr. Dann sprang sie auf und schien einen Geistesblitz zu haben. "Ach, ihr seid doch die DigiRitter, von denen mein Verlobter gesprochen hat!" Tsubasa und Takeshi sahen einander an. Natürlich handelte es sich bei der Frau um jemanden, der über Digimon Bescheid wusste. Sie erwarteten gar nicht mehr, in diesem Laden auf jemanden zu treffen, bei dem dies nicht der Fall war. "Ihr Verlobter?", hakte Takeshi nach.

Dann erinnerte er sich daran, dass letztens doch jemand von einer Hochzeit gesprochen hatte. "Das ist Yolei, sie ist ebenfalls eine DigiRitterin. Und die unglückselige... äh fromme Person, die sie bald heiraten wird, ist Ken. Übernächste Woche soll es soweit sein," erklärte er. Die Frau schlug mit den Händen auf den Tisch. "Von wegen! Das wird sich niemals ausgehen! Hast du eine Ahnung, was noch alles zu tun ist? Wenn mir jemand zuvor gesagt hätte, wie viel Arbeit eine Hochzeit ist, hätte ich es sein lassen!" Davis schmunzelte. Er bezweifelte, dass dies der Fall gewesen wäre. Yolei wandte sich an die beiden Jüngeren. "Sagt mal... hättet ihr nicht vielleicht Zeit, mir etwas zur Hand zu gehen?", änderte sich ihre Miene und ihr Ton unverzüglich. Sie brauchte wohl dringend Helfer. Dennoch musste Takeshi sie enttäuschen. "Verzeihung, aber das geht nicht. Meinem Digimon-Partner geht es nicht gut. Ich muss gleich zurück und nach ihm sehen," entschuldigte er sich. Auch Tsubasa hob abwehrend die Hände. "Und ich... äh... habe noch Hausaufgaben," sagte sie schnell. Takeshi machte ein überraschtes Geräusch. "Aber sagtest du nicht, dass du heute nichts zu tun hättest? Und dass du deshalb heute nach den Kugeln suchen wolltest, woraus aber nichts geworden ist?" Tsubasa hätte ihrem Freund am liebsten auf den Fuß getreten. Wie konnte er sie nur so verkaufen? Doch da hatte Yolei bereits ihren Arm gepackt. "Sehr gut! Vielen Dank für deine Hilfe. Du bist genau die Person, die ich gesucht habe!", sagte sie erleichtert.

Hilfesuchend sah Tsubasa zu Takeshi und Davis, doch diese waren einfach nur froh, selbst nicht verpflichtet worden zu sein.

Dann wurde sie schon nach draußen geführt, wo Yoleis Auto bereitstand. Als sie einstieg, war sie sich nicht mehr sicher, ob dies wirklich so eine gute Idee war.

20 Minuten später waren sie vor einem breiten Gebäude angekommen.

"Ähm... ist es hier?", wollte sie wissen.

Yolei nickte.

"Das Community-Center gehört meiner Familie. Deswegen können wir es auch kostenlos nutzen, weshalb ich sehr dankbar bin. Und es passen eine Menge Leute hinein, das ist das Wichtigste."

Tsubasa verstand.

"Wird es denn eine große Hochzeit?"

Yolei schnallte sich ab.

"Na ja, meine Familie, die ist schon groß genug, Kens natürlich und dann noch unsere ganzen Freunde und Bekannten. Es kommt schon einiges zusammen. Oh, du bist natürlich auch eingeladen."

Tsubasa fühlte sich geschmeichelt, vor allem da sie noch nie bei einer Hochzeit war. Sie versprach zu kommen, falls ihre Eltern dies erlaubten. Dann stiegen sie aus und betraten das Community-Center. Dort erwartete sie bereits jemand.

Tsubasa erkannte einen Vogel, der auf sie zueilte.

"Yolei! Yolei! Ein Notfall!", rief er.

Die junge Frau fasste sich mit beiden Händen an den Kopf.

"Was denn jetzt schon wieder?"

Erst dann kam der Vogel zum Stehen und sah fragend zu Tsubasa.

"Ach, das ist mein Partner Hawkmon. Ich wünschte, er wäre auch bei den Vorbereitungen ein wirklicher Partner."

Hawkmon stemmte die Flügel in die Hüfte.

"Also wirklich! Ich gebe hier mein Bestes, ja?", rechtfertigte er sich.

Tsubasa fiel etwas ein und stellte ihren Rucksack auf den Boden. Hebimon befreite sich daraus und kroch auf Hawkmon zu.

"Hallo, ich bin Hebimon," stellte es sich vor.

Hawkmon tat es ihm gleich und streckte seinen Flügel zur Begrüßung aus. Dann fiel ihm aber auf, dass Hebimon gar keine Hände besaß und zog ihn wieder zurück.

"Tsubasa hilft uns heute etwas. Du hast ja leider keine Hände und kannst keine Stühle tragen," beschwerte sie sich.

Hawkmon wollte schon wieder Einwand erheben, beließ es dann aber dabei. Dafür fiel ihm wieder ein, wieso er so aufgewühlt war.

"Ach richtig, wir haben Besuch. Und ich fürchte, dass es dadurch noch mehr Arbeit gibt," sagte er schließlich.

Yolei hakte nach, was er meinte, doch Hawkmon bat die drei ihm zu folgen. Er führte sie durch die bereits offene Tür zum hinteren Bereich des Centers, wo bereits eine weitere Person auf sie wartete. Yolei seufzte.

"Verzeihung, das hier ist eine private Veranstaltung. Kann ich Ihnen irgendwie..."

Sie wurde sofort unterbrochen. Die Frau vor ihr drehte sich um und entfernte die Sonnenbrille.

"Helfen? Nein, meine Liebe, ich bin gekommen, um dir zu helfen. Ich habe nämlich gespürt, dass du ohne mich hoffnungslos verloren bist!"

Yolei brauchte einen Moment, um ihre Überraschung zu verarbeiten. Dann fiel sie der Frau mit dem Sonnenhut in die Arme.

"Ich wusste, dass Gott mich nicht im Stich lässt! Ich wusste, dass er mir einen Engel schickt, der mich rettet!", sagte sie den Tränen nahe.

Die Frau streichelte ihr sanft den Rücken.

"Na na. Jetzt bin ich ja hier, um dir Erleuchtung zu bringen."

Tsubasa und Hebimon sahen einander immer wieder an. Sie hatten keine Ahnung, was hier vor sich ging. Eine kleinere Person kam hinter der Sonnenhut-Frau hervor und nahm nun ihre Kostümierung ab. Dass es sich ebenfalls um ein Digimon handelte, war inzwischen weniger erstaunlich. Es war grün und wirkte wie eine Efeuranke.

"Verzeihung, Mimi war nur so überschwänglich, als sie erfahren hat, dass der Hochzeitstermin nun feststeht."

Yolei und Mimi konnten sich nun endlich voneinander lösen.

"Ja! Er ist schon übernächste Woche? Wann wolltest du mir Bescheid sagen?"

Yolei ließ den Kopf hängen.

"Wir werden ihn ohnehin nach hinten verschieben müssen. Es ist einfach noch zu viel zu tun und zu viel zu planen", erklärte sie.

Mimi ergriff ihre Wangen und sah ihr tief in die Augen.

"Das kannst du vergessen. Du heiratest in zwei Wochen, hast du mich verstanden?"

Yolei nickte artig.

"Also gut. Hilfst du mir?", bat sie flehend.

Mimi bejahte.

"Natürlich. Ich bin doch dein Engel."

Sofort fiel ihr Yolei wieder in die Arme. Tsubasa tat ein paar Schritte rückwärts.

"Also gut, da du bereits jemand anderen gefunden hast, der dir hilft, gehe ich mal wieder."

Sie wollte sich bereits umdrehen, da hatten Mimi und Yolei sie schon an den Armen gepackt und zogen sie mit sich. Sie hatte sich zu früh gefreut.

Chaperomon hatte große Schwierigkeiten, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Ihr Meister hatte die Menschen viel furchterregender beschrieben, als sie eigentlich waren. Sie waren recht klein und schwach. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie wirklich eine ernsthafte Gefahr darstellten. Aber nein, so durfte sie nicht denken. Menschen waren dafür bekannt, dass sie Digimon versklavten und gegen ihre eigene Art in den Kampf schickten. Menschen mussten unbedingt ausgelöscht werden; der Frieden der gesamten DigiWelt hing davon ab. Doch dafür musste sie erst ihre Mission erfüllen. Der König war auf der Suche nach dem Digimon mit dem Buch, aber auch nach den Kugeln, die einst dem Souveränen gehört haben sollten. Chaperomon hatte das Glück, Energiewellen wie diejenigen, die von den Kugeln ausgingen, spüren zu können, ähnlich wie Rurimon selbst. Deshalb wurde sie für diese Mission ausgewählt, und sie würde Takutoumon nicht enttäuschen, besonders da sie sich eine Belohnung erhoffte. Jetzt, da Gogmamon besiegt worden war, war eine Stelle als General frei, und Chaperomon hatte fest vor, diese Rolle einzunehmen. Aber dafür durfte sie nicht versagen. Und so hüpfte sie über die Dächer, sich der Energie immer nähernd, die sie bereits aus der Ferne gespürt hatte. Bald war sie auf dem Dach eines breiten Gebäudes und verschaffte sich Zugang. Durch ein Fenster gelangte sie ins Innere und tat alles Mögliche, um nicht entdeckt zu werden. Sie vernahm Stimmen; es befanden sich also Menschen hier. Sie hielt sich so gut wie möglich versteckt und beobachtete das Treiben. Dann wurde sie noch behutsamer. Sie erkannte nicht nur Menschen, sondern auch Digimon. Zwei ähnelten Tieren, das andere einer Pflanze. Waren das Diener des Digimon-Königs? Nein, dafür wirkten sie viel zu vertraut mit den Menschen. Das mussten Sklaven sein, die sich mit den Menschen zusammengetan hatten.

Doch Chaperomon hatte keine Zweifel. Die Energie der Kugel musste sich hier befinden. Eigentlich war es ein Glücksfall. Sie würde ihre Mission erfüllen und gleichzeitig ein paar der widerwärtigen Menschen loswerden.

Am Nachmittag hatte ein Transporter mehrere Stühle gebracht, die sie nun ins Innere des Gebäudes schafften. Zwar besaß das Community-Center bereits welche, aber diese waren der werdenden Braut nicht bequem genug. Ihre Gäste sollten sich schließlich wohl fühlen. Nachdem Tsubasa die ersten Stühle noch alleine tragen konnte, brauchte sie bald schon Hilfe, vor allem Hebimon und die anderen konnten nicht viel dazu beitragen. Hawkmon koordinierte zwar alles, doch das war eigentlich nicht nötig.

„Können wir unsere Digimon nicht einfach digitieren? Dann hätten sie die Arbeit im Nu erledigt“, bemängelte sie.

Yolei und Mimi sahen sie milde an.

„Hawkmon hat leider immer noch nur Flügel, wenn es digitert.“

„Und Palmon hat Boxhandschuhe anstatt Hände. Wie du siehst, wären sie uns keine Hilfe.“

Tsubasa erinnerte sich, dass Hebimon nach seiner Verwandlung ebenfalls keine Hände besaß, wie es bei Schlangen meistens der Fall war.

Nach einer Stunde war aber auch dies endlich geschafft, und sie gönnten sich erst einmal eine Pause. Yolei ließ sich erschöpft auf die Couch fallen.

„Oh Mann, wieso müssen wir das Ganze hier stemmen? Es kann doch nicht sein, dass kein einziger der Jungs zur Verfügung steht.“

Tsubasa setzte sich ebenfalls.

„Ich bin sicher, Ken-san würde gerne helfen, wenn er könnte.“

Yolei schien sich dessen aber nicht mehr so sicher zu sein.

„Oder er hat einfach genug von mir und traut sich nicht, aufrichtig zu sein“, murmelte sie.

Mimi stemmte ihre Hände auf Yoleis Schultern und begann, diese zu massieren.

„Liebes, du weißt genau, dass das nicht stimmt. Ken ist überglücklich, dass er dich heiraten darf, das ist dir hoffentlich klar.“

Yolei seufzte.
 

"Ich will ihn aber auch nicht enttäuschen. Die Hochzeit soll für ihn genauso schön werden wie für mich", sagte Yolei seufzend.

Tsubasa rang sich ein Lächeln ab. "Das wird es definitiv. Denn das Wichtigste ist, dass ihr diesen Tag gemeinsam erlebt. Liebe ist schließlich das, worum es geht; alles andere ist nur Beiwerk."

Mimi sah Tsubasa interessiert an. "Sag mal... gibt es zufällig jemanden, den du magst?", wollte sie wissen.

Tsubasa fühlte sich von dieser Frage überrumpelt. "Stimmt ja, da war dieser Junge mit den weißen Haaren. Den habe ich schon öfter in Davis' Laden gesehen", stimmte Yolei darauf ein.

Tsubasa hob sofort abwehrend die Hände. "Was? Takeshi? Nein, so ist das nicht. Wir sind lediglich Kindheitsfreunde!", stellte sie schnell klar.

Doch Yoleis und Mimis Gesichtern war abzusehen, dass sie mehr hineininterpretierten.

Allerdings war es Hawkmon, der das Thema wechselte. "Nanu? Wo kommt denn die Verpflegung her?"

Die Mädchen standen auf und warfen einen Blick zum Tisch. Tatsächlich, dort war ein Korb aufgestellt, aus dem Hawkmon gerade einen Apfel nahm. Daneben stand eine Flasche Wein.

"Mimi-san, das wäre doch nicht notwendig gewesen!", schielte Yolei bereits auf die Flasche.

Ihre Freundin schüttelte aber den Kopf. "Nein, die kommen nicht von mir. Hat die etwa ein Lieferant gebracht?"

Yolei klatschte in die Hände. "Ich weiß! Das ist bestimmt eine Überraschung von meinem Verlobten. Es tut ihm sicher leid, dass er nicht mithelfen kann, also hat er uns etwas zukommen lassen", fand sie schnell eine Erklärung.

Mimi ergriff die Flasche und suchte nach Gläsern. "Dann wollen wir den Tropfen mal nicht verkommen lassen und gönnen uns ein oder zwei Schlucke. Ach Tsubasa, du darfst ja leider noch nicht trinken. Ich werde dir ein Wasser holen."

Das Mädchen nickte. Sie wollte vor allem nicht, dass die zwei Ärger mit ihrer Mutter bekamen. Außerdem wusste sie nicht, wie sich Alkohol auf ihre Tabletten auswirkten. Doch auch so verspürte sie kein großes Interesse, Wein einmal auszuprobieren. Sie öffnete den Korb, aus dem Hawkmon bereits einen Apfel genommen hatte und diesen verspeiste.

Tsubasa nahm zwei weitere und reichte sie Palmon und Hebimon. Das Efeu-Digimon griff sofort zu und biss ein Stück davon ab. Hebimon umschlängelte den Apfel zögerlich, ließ dann aber davon ab.

"Oh, magst du keine Äpfel?", hakte seine Partnerin nach.

Das Digimon schüttelte den Kopf. "Nein, das da riecht nicht gut."

Tsubasa nickte und legte den Apfel zurück. "Dann schaue ich mal, ob ich etwas anderes für dich finde."

Wenige Minuten später hatte sie eine Tafel Schokolade organisiert, die sie mit ihrem Digimon teilte. Mimi und Yolei hatten inzwischen die Weinflasche geöffnet und sich beide ein Glas eingeschenkt.

"Wir müssen nachher noch mit dem Tortenlieferanten telefonieren. Also schenk mir bitte bis zum Rand ein," wollte sich Yolei damit vorbereiten.

Mimi tat ihr den Gefallen, und sie genossen den ersten Schluck. "Hm, der schmeckt speziell. Was das wohl für einer ist?"

Yolei ließ sich nicht vom Geschmack irritieren. Bald war ihr ganzes Glas leer. "Sicher nur ein Werbegeschenk, Ken erhält ständig solche Sachen."

Tsubasa trank ein Glas Wasser, während Palmon und Hawkmon weiter munter Äpfel verdrückten. Sie verließ den Raum einen Moment, um das Glas in der Küche abzustellen. Hebimon begleitete sie und reckte dabei immer wieder den Kopf in die Höhe. Das Mädchen fragte sich, ob mit ihrem Digimon alles in Ordnung war.

Als sie zurück waren, hatten Mimi und Yolei eine seltsame Haltung angenommen. Sie hatten Arme und Köpfe gesenkt, und ihre Haare verbargen ihre Gesichter.

"Ist... alles in Ordnung?", fragte Tsubasa unsicher. Sie warf einen Blick auf die Digimon der beiden. Sowohl Palmon als auch Hawkmon lagen auf dem Tisch neben dem Korb und schliefen. Was war hier los?

Hebimon schlängelte sich zu einem der Äpfel, die auf den Boden gefallen waren. Es schnüffelte noch einmal daran und sah dann zu seiner Partnerin. "Ich wusste es doch! Die sind vergiftet!"

Tsubasa zuckte zusammen. "Vergiftet? Bist du dir sicher?" Ihr Partner bestätigte es. "Ja, mit Giften kenne ich mich aus. Allerdings verursacht das hier nur Schlaf, darum sind meine Instinkte nicht direkt darauf angesprungen," erklärte es.

Tsubasa war erleichtert, dass die beiden Digimon lediglich in einen tiefen Schlaf verfallen waren, doch das löste natürlich das Problem nicht. Was war hier los?

Ein heiseres Lachen drang durch den Raum. Tsubasa sah unwirklich dabei zu, wie der Korb, in dem sich die Äpfel befunden hatten, nun Hände sprossen und wenig später auch eine Zunge.

"Der Korb... lebt?", schauderte das Mädchen.

"Na klar, ohne meinen treuen Korb gehe ich nirgendwohin!" erklang eine weitere Stimme.

Tsubasa sah zur Decke hinauf, wo eine weitere Gestalt hockte. Zuerst wirkte sie wie ein kleines Mädchen. Sie trug ein rotes Cape, märchenhafte Kleidung und Schuhe, die an Wolfsköpfe erinnerten.

Hebimon stellte sich vor seine Partnerin. "Wusste ich es doch! Das da ist Chaperomon! Sie ist für ihre faulen Tricks bekannt!" warnte es.

Das feindliche Digimon sprang zu Boden und nahm ihren lebendigen Korb wieder in Empfang. "Faule Tricks? Wisst ihr nicht, dass im Kampf und in der Liebe alles erlaubt ist? Aber ja, ich nahm an, schwerere Geschütze gegen euch auffahren zu müssen. Dass ihr euch durch ein paar meiner Äpfel und dem Wein schon ausknocken lasst, damit habe ich nicht gerechnet. Ich dachte nicht, dass Menschen solche Schwächlinge sind. Der König hat wohl übertrieben."

Tsubasa hatte bereits geahnt, dass diese Fraktion um diesen Digimon-König wieder dahintersteckte. "Und jetzt rückt Azulongmons Kugel heraus, dann beende ich euer jämmerliches Leben schnell," forderte die Gegnerin.

Tsubasa verstand sie nicht recht. "Kugel? Wie kommst du darauf, dass wir welche hätten?"

Die Augen Chaperomons waren durch ihr Cape verdeckt, doch die Wut war ihr dennoch anzusehen. "Ich spüre ganz genau, dass hier eine sein muss! Aber wer nicht hören will, muss fühlen. Los, schnappt sie euch!" schrie sie hinter Tsubasa.

Diese verstand erst nicht, auf wen sich das Digimon bezog. Dann wurde es ihr umso klarer.

Mimi und Yolei reckten nun die Köpfe in die Höhe. Doch sie wirkten nicht wie sonst, ganz im Gegenteil. Ihre Augen waren geweitet, und sie fletschten die Zähne. Spitze Eckzähne hatten sich gebildet, und sie sabberten, als sie Tsubasa anstarrten. Wie zwei hungrige Wölfe. Das war also der Effekt des Weins gewesen.

Sofort stürmten sie auf das Mädchen los. Dieses packte Hebimon einfach am Schwanz und zog es mit sich. Sie verriegelte die Tür hinter sich, doch das würde die beiden besessenen Frauen wohl nicht lange aufhalten.

Hebimon beschwerte sich über die rüde Behandlung, doch seine Partnerin konnte gerade keine Rücksicht darauf nehmen. Sie rannte den Gang entlang und erreichte die Halle mit den Stühlen. Auch hier wollte sie hinter sich abschließen, besaß aber keinen Schlüssel für diese Tür.

"Was machst du denn, Tsubasa? Wir müssen kämpfen!" beharrte Hebimon. Das Mädchen hatte aber keinen Schimmer, wie sich das Digimon dies vorstellte.

"Wir können nicht einfach Mimi und Yolei angreifen! Wir könnten sie ernsthaft verletzen!" führte sie Hebimon vor Augen. Dieses konnte ihr natürlich folgen. "Dann... müssen wir Chaperomon direkt angreifen. Ist sie besiegt, wird auch jeder Bann gelöst, den sie ausgesprochen hat."

Tsubasa horchte auf. Es gab also eine Chance, dass Mimi und Yolei wieder normal wurden? Und dass Palmon und Hawkmon aus ihrem Schlaf erwachten? Aber wie sollte sie das anstellen?

Mimi und Yolei hatten sich inzwischen befreit und liefen auf die Halle zu. Da kam Tsubasa eine Idee. Sie rannte hinaus in den Garten und blockierte die Tür mit mehreren Stühlen. Die beiden Wölfinnen würden also etwas brauchen, um da durch zu kommen. Dann holte sie tief Luft und rief zu den Fenstern hinauf.

"Hey, Digimon! Also gut, du hast gewonnen! Ich gebe dir die Kugel, aber schon mein Leben, ja?"

Die Strategie schien aufzugehen, als Chaperomon in einem der Fenster erschien und schließlich nach draußen sprang. Sie landete einige Meter vor Tsubasa, die ihrem Partner nun ein Zeichen gab. Hebimon nickte. Es war bereit.

"Hebimon digitiert zuuuu..... Julungumon!"

Die Regenbogenschlange stand dem Rotkäppchen-Verschnitt nun gegenüber und war bereit für den Kampf. "Du hast ja gelogen! Das wirst du bereuen!" warnte Chaperomon und griff in ihren Korb. Erneut holte sie eine Weinflasche heraus und warf sie auf Julungumon. Sofort wurde klar, dass diese wohl mehrere Effekte zu haben schienen. Dieses wurde nämlich durch eine Explosion zurückgeschleudert.

"Hebimon!" rief Tsubasa besorgt nach ihrem Partner. Dieser hatte einiges abbekommen, wich aber nicht zurück. "Halte Abstand, Tsubasa! Der Gegner ist trickreich!" warnte es.

Das hatte die DigiRitterin bereits selbst festgestellt. "Kannst du... sie dennoch besiegen?" fragte sie hoffnungsvoll.

Julungumon bäumte sich auf. "Das sehen wir gleich! Gift-Sichel!" schnellte es nach vorne, doch Chaperomon sprang in die Lüfte und wich dem Angriff leicht aus. Dafür holte sie erneut eine Weinflasche aus ihrem Korb und warf sie gegen den Angreifer. Erneut wurde dieser hart getroffen. Es war eindeutig, dass Chaperomon überlegen war.

Nun holte es mehrere Messer aus ihrem Korb und warf sie in die Lüfte. Diese schienen ihr Ziel selbstständig zu erkennen, denn sie schossen auf Julungumon zu. Dieses wich aus, doch die Messer verfolgten es wie Drohnen. Schließlich wurde das Digimon Opfer mehrerer Schnitte. Tsubasa wäre ihrem Partner am liebsten zur Hilfe gekommen, aber was hätte sie schon ausrichten können? Hebimon war in der Lage, sich weiterzuentwickeln, aber sie doch nicht. Oder?

Jeglicher Angriff des Digimon ging daneben, Chaperomon war einfach zu flink. Zusätzlich schien sich ein unendlicher Vorrat an Waffen in ihrem Korb zu befinden. Eine weitere Explosion ließ Julungumon beinahe zu Boden sinken.

"Wir haben keine Chance! Ziehen wir uns erst einmal zurück!" versuchte das Mädchen die Strategie zu ändern. Doch ihr Partner schien dagegen zu sein.

"Unmöglich! Chaperomon würde uns verfolgen, und ich könnte dich nicht beschützen. Und was ist mit den anderen? Wir können sie nicht im Stich lassen, sie sind unsere Kameraden!" erinnerte das Digimon.

Tsubasa machte einen Schritt vorwärts. Wie konnte ihr Partner so etwas sagen? Es hatte Palmon und Hawkmon doch erst heute kennengelernt. Und trotzdem betrachtete es sie bereits als Kameraden? Aber war es bei Tsubasa denn anders? Auch wenn Yolei sie regelrecht überfallen hatte, hatte sie diese und schließlich auch Mimi sofort ins Herz geschlossen. Was hatte sie sich dabei nur gedacht? Natürlich konnte sie nicht so einfach fliehen und die beiden so wie ihre Digimon im Stich lassen. Sie waren im Moment nicht in der Lage, selbst zu kämpfen, also mussten sie und Hebimon das für sie übernehmen.

"Es tut mir leid! Ich weiß, dass du geschwächt bist, aber wir müssen weiterkämpfen! Für die anderen!" rief sie ihrem Partner zu. Dieser stimmte ihr zu. "Meine Rede! Keine Sorge, ich werde definitiv gewinnen! Und zwar, wenn du mir deine Kraft gibst, Tsubasa!" versprach Julungumon. Die DigiRitterin nickte und spürte gleichzeitig ihr DigiVice glühen. "Ja, die bekommst du auf jeden Fall! Mach dieses Biest fertig!" feuerte sie ihren Partner an.

Dieser begann nun zu leuchten und sich erneut zu verformen. Tsubasas Kraft hatte es erreicht. "Julungumon Ultra-Digitation zuuuu..... Sandiramon!"

Tsubasa sah zu, wie ihr Partner sich erneut entwickelt hatte. Es besaß nun weniger Farben, dafür war es jetzt eine große Kobra mit scharfen Zähnen. "Tz! Wer ist jetzt derjenige mit den fiesen Tricks?" warf ihm Chaperomon vor. Sandiramon bäumte sich auf und machte sich bereit. "Das sind keine Tricks! Das ist die gemeinsame Stärke von mir und Tsubasa!" zischte es und preschte nach vorne.

Chaperomon konnte gerade noch so ausweichen und schwebte in die Lüfte. Doch dies half ihr nichts. Sandiramon nutzte die Hauswand, um weiter nach oben zu gelangen. Es sprang in die Luft und schlug seine Zähne in den Gegner. Allerdings konnte dieser mit dem Korb abblocken. Dieser wurde zerstört, es war ihr also nicht mehr möglich, auf ihr Arsenal zuzugreifen.

Doch Chaperomon schien sich zu weigern aufzugeben. Es schien noch Waffen zu besitzen. Als sie versuchte, es mit einem Messer anzugreifen, gelang es Sandiramon, diesem Angriff auszuweichen.

"Blumenkanone!", rief jemand und gleich darauf wurde Chaperomon von einer Attacke getroffen. Sie wurde zu Boden geschleudert, und Tsubasa entdeckte eine wunderschöne Elfe am Himmel. Doch sie war nicht allein. Neben ihr tauchte ein grauer Vogel auf.

"Schnitterschlag!", feuerte dieser einen Strahl aus einem langen Gewehr ab. Dieser traf Chaperomon und verletzte sie zusehends.

"Na schön! Na schön! Ich gebe auf!", rief sie, doch scheinbar umsonst. Tsubasa sah nun zu, wie zwei äußerst aufgebrachte Frauen aus dem Gebäude stürmten.

"Glaubst du, ich habe nicht schon genug Stress? Ich werde nicht zulassen, dass irgendwer meine Hochzeit ruiniert! Vulturemon, nimm Rache für mich!", rief sie ihrem Digimon zu.

"Du auch, Lillymon, die Liebe darf nicht verlieren!", stimmte Mimi darauf ein. Beide Digimon feuerten eine erneute Attacke ab, welche Chaperomon den Rest gab. Diese löste sich in Daten auf, und der Kampf war vorüber.

Mimis und Yoleis Partner nahmen wieder ihre ursprüngliche Form an und kippten müde zu Boden. Der Einfluss des Banns war wohl doch noch nicht ganz ausgeklungen. Yolei betrachtete ungläubig den Schaden.

"Was machen wir nur? Das alles wieder in Ordnung zu bringen wird ewig dauern!", murmelte sie.

Tsubasa streichelte Sandiramon, welcher sich langsam erholte. Sie digitierte zu Hebimon zurück und schlängelte sich um ihren Hals, wo es ein Nickerchen einlegte.

Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie die Aufräumarbeiten Profis überlassen würden und sich selbst erstmal Feierabend gönnten. Diesmal verzehrten sie bestelltes Essen und keine vergifteten Gegenstände.

"Ich denke, der Bann wurde gebrochen, als Chaperomons Korb zerstört wurde", vermutete Hawkmon. Den anderen war dies ziemlich egal, hauptsache der Spuk hatte ein Ende gefunden. Doch dann fiel Tsubasa etwas ein.

"Seltsam ist nur, wieso es dachte, dass wir eine Kugel bei uns hätten." Mimi sprang nun auf und kramte etwas aus ihrer Tasche. Es war ein rundliches Gerät, ihr DigiVice, wie sie kurz darauf erklärte.

Tsubasa fiel auf, dass sich dieses von ihrem und Yoleis unterschied. Es gab wohl verschiedene Modelle. Mimi tippte darauf herum und eine blaue Kugel erschien. Die DigiRitterin fiel fast aus allen Wolken. Das feindliche Digimon hatte also die ganze Zeit recht?

"Das ist der Grund, wieso ich eigentlich nach Japan gekommen bin. Gennai-san hat mich informiert, dass sich eine Kugel in Amerika befindet. Also habe ich sie gesucht. Und nachdem Izzy mich gebeten hatte, sie schnellst möglich zu liefern, bin ich sofort ins Flugzeug gestiegen", berichtete sie.

Sie übergab sie Tsubasa, welche die Kugel vorsichtig in ihrem Rucksack verstaute. Später würde sie noch einmal bei Takeshi vorbeischauen und Rurimon diese überreichen. Sie konnte es gar nicht abwarten, die Gesichter ihrer Freunde zu sehen. Sie hätten bestimmt nicht damit gerechnet, dass das Mädchen wirklich noch eine Kugel finden würde.

Der Tag hatte sich also im großen und ganzen doch gelohnt. Auch wenn Yolei etwas demotiviert wirkte. Doch Mimi nahm sie in den Arm und tröstete sie.

"Keine Sorge. Ich bleibe bis zur Hochzeit in Japan. Gemeinsam schaffen wir das schon rechtzeitig", sagte sie zuversichtlich.

Yolei dankte ihr und natürlich auch Tsubasa für die heutige Hilfe. Ohne sie wäre sie verloren gewesen, in doppelter Hinsicht. Wenig später verabschiedete sich die DigiRitterin von den beiden Frauen und sagte noch einmal zu, zur Hochzeit zu kommen. Auch Takeshi und Shun waren herzlich eingeladen.

Auf dem Nachhauseweg bemerkte Tsubasa, dass Hebimon immer noch um ihren Hals schlummerte. Doch zum Glück schien niemandem etwas aufzufallen. Sie streichelte Hebimons Kopf und dankte ihm für den heutigen Einsatz. Dank ihrem Partner war auch sie stärker geworden.

Folge 10 – Rache

Es war offensichtlich, dass Takutoumon innerlich brodelte. Ein wütender König war gleichzeitig ein unberechenbarer König. Er betrat den großen Saal, wo bereits drei seiner Generäle auf ihn warteten. Zuvor hatte er vier Digimon ausgewählt, aber Gogmamon war besiegt worden. Dies geschah, obwohl er seinem Diener zusätzlich eine der Kugeln von Azulongmon gegeben hatte. Er hatte sie im Kampf eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. Der Feind war stärker, als er vermutet hatte. Aber eigentlich hätte er damit rechnen müssen. Diese Menschen waren zuvor in der Lage gewesen, die Meister der Dunkelheit zu besiegen; das allein sprach für ihre Stärke.

Er trat vor seine Mitstreiter und sprach mit erhobener Stimme:

"Hört, meine Kameraden! Ich dulde keine weiteren Niederlagen! Ich benötige jemanden, der diese Menschen ernst nimmt und nicht zögert, sie auszulöschen! Wer von euch ist bereit, als Nächstes in den Kampf zu ziehen?" Die drei Schatten am Ende der Halle sahen einander an. Dann trat der kleinste von ihnen vor und verbeugte sich leicht.

"Werter Digimon-König! Bitte erlaubt mir, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich brenne darauf, das Blut unserer Feinde zu kosten."

Takutoumon sah zu seinem zweiten General hinab. Er ähnelte durchaus dem Aussehen ihrer Feinde, doch das musste nichts heißen. Er war fein gekleidet, trug einen Umhang und eine Maske, dazu zwei spitze Zähne, die in seinem Mund aufblitzten.

"Also gut, erledige die Menschen und bring mir das Buch. Ich verlasse mich auf dich." Schließlich überreichte der König dem General noch eine der Kugeln, die ihm im Kampf sicher nützlich werden würden.

Dann machte sich der Kämpfer auf den Weg in die Menschenwelt.
 

Kari kam mit ihrem Terminkalender nicht hinterher. Yoleis Hochzeit war natürlich besonders dick mit rotem Stift eingekreist worden. So hatte sie ihre Prioritäten gesetzt.

Besonders Gatomon freute sich auf diesen Tag, vor allem da es sich nicht wie meistens verstecken musste. Die meisten Gäste würden über Digimon Bescheid wissen, es würde also ganz zwanglos werden. Ihr Digimon sah dem Sofa und verschlang einen Pudding, den Kari am Vortag gekauft hatte. Sie selbst setzte sich an ihren Schreibtisch und arbeitete noch ein paar Sachen an ihrem Laptop ab. Für ihre Ausbildung als Erzieherin hatte sie verschiedene Werke gelesen und sollte deren Inhalte zusammenfassen. Sie war so darauf fokusiert, dass sie aufschreckte, als plötzlich ein lautes Geräusch hörbar wurde.

Auch Gatomon sprang auf und versuchte die Quelle des Geräusches auszumachen. Es lief zur Balkontür, dessen Klinke es jedoch nicht erreichte. Kari stand auf und begab sich zu ihm. Sie öffnete die Tür und trat auf den Balkon. Missmutig stellte sie fest, dass eine Vase umgefallen war und nun in Scherben auf dem Boden lag. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Aber merkwürdig, die Vase war an einem Rand gestanden und es war recht schwer. Wie hatte es der Wind geschafft sie umzustoßen? Oder war es womöglich ein Vogel? Das hätte schon ein ziemlich großer sein müssen. Jedenfalls blieb ihr nichts anderes übrig als eine Kehrschaufel zu holen und die Scherben aufzufegen. Als sie die Tür wieder schließen wollte, stand Gatomon immer noch auf dem Balkon und starrte in die Nacht.

„Was ist? Kommst du?“, wollte sie dieses aufrütteln. Die kleine Katze bewegte sich, wenn auch nur langsam.

„Irgendwie... habe ich ein seltsames Gefühl.“ Kari hakte nach, was ihr Partner damit meinte, doch dieser konnte ihr es nicht beantworten. Also zogen sie sich wieder in die Wohnung zurück und widmeten sich wieder anderem.

„Sag mal, Kari, du hast doch morgen frei, oder? Was unternehmen wir da?“, fragte Gatomon schließlich. Die junge Frau lächelte. „Ich hatte mir tatsächlich schon etwas vorgenommen. Aber es kommt darauf an, ob die Person, mit der ich etwas unternehmen will Zeit hat.“, sagte sie verschwörerisch.

Es war noch früher Morgen als es an der Tür klingelte und Tsubasa aufhorchte. Sie eilte die Treppe hinunter, doch ihre Mutter war schneller als sie gewesen. Wie verabredet stand Takeshi vor der Tür und unterhielt sich gerade mit eben jener. Ihre Mutter hatte den Jungen ebenfalls seit ihrem Umzug nicht mehr gesehen und staunte, wie groß dieser geworden war. Zum Glück gelang es dem Mädchen diese schnell dazu zu bewegen sich anderem zu widmen, damit sie Takeshi allein sprechen konnte. Dieser nahm seinen Rucksack ab und reichte ihn seiner Freundin.

„OK, alles wie abgemacht. Sollte irgendwas passieren, kannst du mich jederzeit erreichen. Ich bin die nächsten Tage bei meinen Großeltern, ich werde dich also nicht physisch unterstützen können.“

Tsubasa nickte und dankte ihm für das Vertrauen. Dann verabschiedete sie ihn bereits und verschwand mit dem Rucksack auf ihr Zimmer. Dabei immer achtend, dass ihre Mutter keine seltsamen Fragen stellte. Dort angekommen kam sie sich fast schon wie jemand vor, der illegale Substanzen gekauft hatte. Doch als sie den Rucksack abstellte und Rurimon befreite, fühlte sie sich schon besser. Hebimon kam angekrochen und begrüßte den Kameraden.

„Also, bist du bereit?“, fragte es den kleinen Drachen. Dieser bestätigte es. „Ja, ich habe extra mein Buch dabei. Falls es uns gelingt eine neue Kugel zu finden, kann ich sie sofort darin aufnehmen.“ Tsubasa wollte anmerken, dass das Digimon sein Buch stets dabei hatte, ließ es dann aber. Sie hatte einen Plan gemacht an Orten, welche sie abgrasen konnten. Doch sie sollte bald feststellen, dass dieser Plan über den Haufen geworfen werden würde. Ihr Handy klingelte und sie war erstaunt Karis Nummer zu sehen. Sie war sich so unsicher, dass sie es dreimal klingen ließ, bevor sie ranging.

„Yagami... Kari, was für eine Überraschung. Was kann ich für dich tun?“

Die junge Frau am anderen Ende kam schnell zum Punkt. „Hey, hättest du heute zufällig Zeit?“, hakte sie nach. Tsubasa hätte ihr gerne etwas anderes gesagt, doch sie verriet ihren Plan, Rurimon zu benutzen um die verbleibenden Kugeln zu finden. Allerdings schien dies für Kari kein Hindernis zu sein. „Ich wollte ohnehin vorschlagen, dass wir gemeinsam auf die Suche gehen. Was sagst du, wäre es ok für dich, wenn du mich dabei hättest?“ Für Tsubasa kam das unerwartet, doch es sprach nichts dagegen. Schließlich akzeptierte sie die Bitte und die beiden verabredeten sich. „Ich schätze je mehr wir sind, umso erfolgreicher.“, murmelte das Mädchen und trug Rurimon und Hebimon auf, sich für den Ausflug bereit zu machen.
 

20 Minuten später meldete sie sich bei ihrer Mutter ab und verließ das Haus. Mit der Bahn hatte sie bald ihr Ziel erreicht und traf sich mit Kari wie letztens bei ihrem Ausflug nach Shibuya am Bahnsteg. Sie wurde überschwänglich umarmt und Tsubasa erkannte einen Schwanz aus Karis Tasche herausschauen. Kari erkundigte sich bezüglich Rurimon und Tsubasa verwies auf ihren Rucksack.

"Aber wo hast du denn Hebimon gelassen?", wunderte sie sich dann. Tsubasa grinste und streckte ihren Arm aus. Aus ihrem Ärmel lugte schließlich ein Kopf und es wurde ersichtlich, dass sich Hebimon um ihren Arm geschlungen hatte. "Praktisch, oder? Ich kann Hebimon überall an mir verstecken.", sagte Tsubasa. Kari lachte. "Du bist ja eine richtige Medusa.", sagte sie. So hätte sich Tsubasa selbst zwar nicht bezeichnet, aber etwas von einer Schlangenbeschwörerin hatte sie inzwischen schon. Dann begann sie von ihrem Plan zu reden, doch ihre Begleiterin unterbrach sie sofort. "Ich habe eine bessere Idee. Komm einfach mit.", meinte sie und die DigiRitterin nickte langsam. Sie staunte nicht schlecht, als sie sich wenig später in einem Einkaufszentrum wiederfanden. "Also, wohin möchtest du als erstes? Die haben hier ein tolles Café mit Konditorei. Oder sollen wir in den ersten Stock zu den Kleidern?", fragte Kari. Tsubasa stammelte etwas. "

Äh... wir gehen shoppen? Wollten wir nicht die Kugeln suchen?", hakte sie nach. Kari neigte den Kopf nach rechts. "Aber klar. Aber Rurimon spürt die Nähe der Kugeln doch automatisch, richtig? Es spricht also nichts dagegen, wenn wir währenddessen anderen Tätigkeiten nachgehen.", sagte sie. Tsubasa war sich nicht sicher, ob sie dieser Logik folgen konnte. Konnte es sein, dass Kari ihre Suche nur als Vorwand nutzte, um einen gemeinsamen, spaßigen Tag zu haben? Nein, Tsubasa wehrte sich gegen diesen Gedanken. Kari war eine Vorbildsperson, jemand auf den man sich zweifellos verlassen konnte. Sie würde ihre Mission wenn dann noch ernster nehmen, als das Mädchen selbst. Nun ergriff sie einfach Tsubasas Hand und zog sie mit sich. Sie nahmen die Rolltreppe nach oben und sahen sich im ersten Bekleidungsgeschäft um. Nachdem das Mädchen sich die Auswahl eher halbherzig ansah, begann Kari ein paar Sachen für sie auszusuchen.

"Das hier musst du unbedingt mal anziehen, Ich finde es passt zu deinen Augen.", reichte sie dem Mädchen ein Kleid. Dabei war sie so überschwänglich, dass Tsubasa es nicht wagte abzulehnen. Also zog sie sich in eine der Kabinen zurück und probierte es an. "Hey, Tsubasa. Was machen wir hier eigentlich?", wollte Hebimon wissen. Die DigiRitterin bat ihren Partner um Nachsicht. Kari würde sich bestimmt etwas dabei denken. Draußen hingegen war diese dennoch nicht so überzeugt und wollte, dass Tsubasa noch weiteres anprobierte. Am Ende hatten sie etwas gefunden, was auch dem Mädchen recht gut gefiel. Sie klapperten noch zwei weitere Geschäfte ab, bevor sie sich im Restaurant niederließen. Rurimon selbst war inzwischen eingeschlafen, Tsubasa rechnete nicht damit, dass es heute noch groß zum Einsatz kommen würde. Sie studierte die Karte und entschied sich für eine Variante mit viel Sahne. Kari wollte den Erdbeerkuchen. Sie wurden bald bedient und ließen es sich schmecken.

"Schmeckt der Kuchen? Ich kann dieses Café hier nur empfehlen.", sagte Kari. Tsubasa nickte. "Schon. Nur... habe ich irgendwie den Eindruck, dass wir heute nicht viel erreicht haben.", sagte sie kleinlaut. Kari ließ eine Erdbeere in ihrem Mund verschwinden. "Ach. Findest du?", fragte sie. Tsubasa nickte. "Wir haben keine einzige Kugel gefunden. Irgendwie war der Tag... naja...", sagte sie. Kari legte ihre Gabel beiseite. "Verschwendet? Tja, das sehe ich nicht so. Du hattest doch Spaß, oder?", fragte sie. Tsubasa dachte kurz darüber nach und bestätigte es ihr dann. "Na also. Dann haben wir den Tag nicht verschwendet. Du musst dich auch manchmal um dich selbst kümmern, die Suche nach den Kugeln läuft uns ja nicht weg.", sagte Kari. Das Mädchen ließ sich dies durch den Kopf gehen. "Mag sein. Nur weiß ich nicht, wie ich das Takeshi und Shun erklären soll.", lenkte sie ein. Kari zuckte mit den Schultern. "Musst du doch auch gar nicht. Und selbst wenn das Digimon da in deinem Rucksack petzt, die beiden werden dir sicher nicht böse sein, wenn du einen Tag für dich beanspruchst. Schließlich sind sie deine Freunde und wollen nur das Beste für dich.", führte sie ihr vor Augen. Dann nahm sie eine Erdbeere mit der Gabel auf und hielt sie Tsubasa hin. Hebimon wagte sich aus ihrem Ärmel hervor und schnappte sie sich. "Sie hat recht, Tsubasa!", erwiderte das Digimon kauend. Zwar war dies Bestechung, doch Tsubasa gab ihrem Partner dennoch recht. Also begann sie die Sache lockerer zu sehen und dankte Kari, dass sie ihre Zeit für sie opferte. Nachdem sie aufgegessen hatten, verließen sie mit zwei vollen Taschen das Gebäude. Jedoch mussten sie bald eine Pause machen, da ihr Gepäck zusammen mit den Digimon etwas zu schwer war. Schließlich kam Kari eine Idee.

"Hey, unternehmen wir doch einen Abstecher zu mir. Ich wohne nicht weit weg. Warten wir bis es später wird, dann musst du die Digimon auch nicht versteckt mit dir tragen.", schlug sie vor. Tsubasa fand die Idee gut, weshalb sie sich zu dem Wohnhaus begaben, in dem die junge Frau lebte. Allerdings sprang Gatomon schon aus seinem Versteck, bevor sie vor der Tür angekommen waren. "Hey, Gatomon, so geht das nicht. Du wirst noch gesehen.", wand Kari ein. Die Katze hatte ihren Kopf in die Höhe gerichtet und reagierte nicht. "Ist... alles in Ordnung?", hakte Tsubasa nach. Erst nach einer Weile wand sich Gatomon ihnen wieder zu. "Ja nur... das seltsame Gefühl von gestern. Egal, vergesst es einfach.", sagte es. Die beiden beschlossen nicht nachzuhaken und Kari schloss die Tür auf. Wenig später befanden sie sich in ihrer Wohnung und tranken einen Kaffee. Sie plauderten noch eine Weile, bis es dunkel wurde und es für Tsubasa Zeit wurde zu gehen. Sie verabschiedete sich und bedankte sich noch einmal vielmals für den heutigen Tag. Sie musste Kari versprechen, diesen bald mal zu wiederholen. Draußen ließ sie Rurimon aus dem Rucksack, welcher selbstständig neben ihr herging. In der aufkommenden Nacht würde er vermutlich ohnehin für eine Katze gehalten werden. Hebimon war Tsubasas Oberarm hochgekrochen und zischte ihr ins Ohr. "Diese Kari und Gatomon sind echt nett. Findest du nicht?", fragte es. Seine Partnerin bestätigte es ihm.

"Ja, ich hoffe bald mal wieder etwas mit ihr zu unternehmen.", stand für sie fest. Kari streckte bereits beide Arme in die Höhe und beschloss heute zeitig ins Bett zu gehen. Der Ausflug mit Tsubasa hatte Spaß gemacht. Es war besser, wenn diese ihre Aufgabe als DigiRitterin nicht zu ernst nahm. Die Zeit mit einem Digimon-Partner bestand nicht nur aus Kampf, viele hatten länger gebraucht um diesen Umstand zu verstehen. Sie streichelte Gatomon, das immer noch etwas abwesend wirkte.

"Soll ich heute mal wieder dein Fell ordentlich bürsten? Du hast den ganzen Tag in dieser engen Tasche verbracht.", fragte sie. Doch die Katze wehrte ab. "Lass mal. Hast du etwas dagegen, wenn ich raus gehe und frische Luft schnappe?", fragte Gatomon. Kari wunderte sich zwar etwas, hatte aber nichts einzuwenden.

„Solange du von niemandem gesehen wirst, sicher.“

Allerdings hielten die Leute Gatomon meistens ohnehin für eine echte Katze, wenn man es versehentlich erblickte. Zugegeben, die wenigsten Katzen gingen auf zwei Beinen, doch zumindest das Mauzen hatte ihr Partner inzwischen recht gut drauf.

„Ich gehe nur etwas hinauf aufs Dach, keine Sorge.“, meinte es und Kari gab ihr OK. Als es hinaus auf den Gang gelaufen war, begann sie doch etwas sich Sorgen um ihren Partner zu machen. Es verhielt sich seit gestern schon so. Irgendein Gefühl hatte Gatomon beschlossen, doch es konnte dieses nicht wirklich benennen. Kari beschloss, dass sich schon alles in Wohlgefallen auflösen würde und schritt ins Bad um eine Dusche zu nehmen. Sie warf ihre Klamotten in einen Korb und griff nach dem Shampoo. Wenig später ließ sie bereits den angenehmen Wasserstrahl über sich fließen, welcher ihr unverzüglich half, sich von dem anstrengenden Shoppingtag zu erholen. Sie stellte das Wasser ab und griff nach dem Handtuch um sich abzutrocknen. Sie stieg aus der Dusche und sah sich nach ihrem Fön an. Dieser lag einfach im Waschbecken und Kari kümmerte sich um ihre Haare. Seit sie sich diese etwas länger wachsen ließ, war auch der Aufwand etwas größer. Allerdings beklagte sie sich nicht, etwas Veränderung konnte ja nie schaden. Kari hielt kurz inne, als ein Schatten im Spiegel zu sehen war. Allerdings tat sie diesen als Spiegelung ab. Als nächstes beschlich sie das Gefühl, dass es im Badezimmer kälter wurde. War dies ebenfalls nur Einbildung? Im nächsten Moment musste sie feststellen, dass sie auf ihren Instinkt hätte hören sollen. Nein, sie hätte bereits Gatomons Gefühl ernster nehmen sollen. Sie erschrak, als sich plötzlich von hinten eine Hand auf ihren Mund legte. Sie ließ den Fön fallen, welcher zu Boden fiel und den Betrieb einstellte. „Keinen Mucks, Menschlein. Hast du verstanden?“, flüsterte ihr eine tiefe, fast schon düstere Stimme ins Ohr. Kari überlegte, ob sie sich wehren sollte, doch etwas bereitete ihr große Angst. Sie hatte das Gefühl, dass der Eindringling kein Mensch war. Denn immer noch starrte sie in den Spiegel vor sich. Eigentlich hätte sie darin die Spiegelung des Angreifers hinter ihr entdecken müssen. Aber... er besaß keine.

Gatomon hatte inzwischen die Tür zum Dach betreten. Erneut beschlich es das selbe Gefühl wie gestern Abend. Irgendetwas war hier oben gewesen. Gatomon konnte immer noch seine Aura spüren. Sie war ihm vertraut und löste Traurigkeit in ihm aus. Das letzte Mal, dass es so etwas gefühlt hatte war... aber nein, das konnte immerhin nicht sein. Seine größte Sorge wurde aber kurz darauf zur Wahrheit. Von oben flatterten schwarze Wesen herab und Gatomon konnte gerade noch so zur Seite springen. Es erkannte nun mehrere Fledermäuse, die es auf es abgesehen hatten. Es riss die Augen weit auf. Nein, das hier konnte nicht echt sein. Sie hatten denjenigen, an den Gatomon im Moment dachte vor 10 Jahren besiegt. Und trotzdem... waren diese Fledermäuse nicht aus Fleisch und Blut.

Als Tsubasa auf die Uhr ihres Handys sah, merkte sie, dass sie sich doch recht viel Zeit gelassen hatte. Sie hoffte, dass ihre Mutter nicht zu sauer war. Morgen war zwar keine Schule, doch Tsubasa hatte versprochen eigentlich viel früher wieder zurück zu sein. Doch wie hätte sie ahnen sollen, dass sie auf ihrem Ausflug so die Zeit vergessen würde? Im Nachhinein war sie froh nicht einfach ihrem Plan gefolgt zu sein. Auch wenn Rurimon sicher etwas sauer war, dass es quasi missbraucht worden war. Tsubasa beschloss sich bei dem Digimon zu entschuldigen. Sie wollte gerade dazu ansetzen, da hatte der kleine Drache innegehalten. Es reckte seinen Kopf in die Höhe und wand sich dann um. „Wir müssen zurück!“, sagte es dann. Tsubasa runzelte die Stirn.

„Wieso? Hast du etwas vergessen?“ Rurimon verneinte. „Nein, ich orte eine Kugel. Die Energie kommt aus der Richtung, aus der wir kommen!“ Hebimon betrachtete es skeptisch. „Bist du sicher? Vielleicht irrst du dich. Und wieso sollte sie ausgerechnet jetzt zu spüren sein und nicht schon vorher?“

Das konnte Rurimon jedoch nicht beantworten. Aber fest stand, dass es sich absolut sicher war. Tsubasa überlegte kurz was sie unternehmen sollte. Würde sie jetzt zurückgehen, würde sie definitiv erst spät nachts zu Hause ankommen. Der Ärger war vorprogrammiert. Schließlich zückte sie ihr Handy und wollte Kari bitten sich der Sache anzunehmen. Sie ließ es mehrfach klingeln, doch sie ging nicht ran. Stand sie gerade unter der Dusche und hörte es nicht? Es blieb nichts anderes übrig. Tsubasa beschloss umzukehren und Rurimon lief schon mal voraus. Nach einigen Minuten waren sie völlig außer Atem als sie beim Wohnhaus ankamen. Eine ältere Frau verließ es gerade, was es Tsubasa erlaubte, einfach ins Innere zu gelangen. Auch dass diese Rurimon zu Gesicht bekam, kümmerte sie im Moment nicht. Sie fuhr hoch zu Karis Wohnung und klingelte. Ebenfalls ohne Erfolg. So langsam begann sie, sich Sorgen zu machen.

„Tsubasa!“, zischte Hebimon und machte auf etwas aufmerksam. Das Mädchen wand sich zur Treppe und erkannte Gatomon herabsteigen. Zu ihrem Entsetzen, schien dieses verletzt zu sein. „Was ist passiert?“, wollte das Mädchen sofort wissen.

Gatomon keuchte.

„Er... er ist zurück. Ich weiß nicht wie, aber er ist wieder da.“

Tsubasa hingegen verstand kein Wort. „Zurück? Wer denn?“ Gatomon riss sich zusammen.

„Myotismon! Er ist hinter Kari her! Aus dem Weg!“ Die kleine Katze versuchte die Tür zu öffnen. Als dies nicht gelang, übte es eine Attacke aus, um diese aufzubrechen. Seine Partnerin würde es ihm später sicher vergeben. Die Gruppe drang ins Innere der Wohnung ein. Sie war leer, von Kari keine Spur. Sie durchkämmten die ganze Wohnung und fanden im Bad dann Spuren eines Kampfes. Es war Tsubasa, die schließlich einen Hinweis entdeckte. Auf dem Bett lag eine blutrote Karte, auf der etwas geschrieben war. „Ich habe den DigiRitter. Wenn ihr sie lebend wiederhaben wollt, bringt Azulongmons Wiedergeburt so wie dessen Buch in die Parkgarage 300 Schritte östlich von hier.“, las sie vor. Gatomon schlug gegen den Pfosten des Bettes.

„Das ist alles meine Schuld. Ich habe Kari im Stich gelassen und er konnte sie sich holen!“ Tsubasa konnte nicht glauben, dass diese tatsächlich entführt worden war. Aber hätte es nicht jeden von ihnen treffen können, wenn der Feind hinter Rurimon her war. Gatomon wand sich nun an diesen. „Du musst uns begleiten.“ Der kleine Drache wich unsicher zurück. „Keine Sorge, natürlich liefern wir dich nicht aus. Aber wir müssen so tun, damit Kari-san nichts zustößt.“, versuchte ihm Tsubasa klarzumachen. Rurimon nickte. „Ja, ihr habt recht. Wenn der Feind eine der Kugeln besitzt, müssen wir ohnehin versuchen diese zurückzuholen.“, stand für es fest. „Aber... sollten wir zuerst nicht Verstärkung besorgen?“, wand Hebimon ein. Seine Partnerin stimmte ihm zu. Aber wen sollte sie informieren? Takeshi war bei seinen Großeltern, er schied aus. Shun hatte heute Nachhilfe, müsste inzwischen aber schon zu Hause sein. Doch seine Eltern waren derart streng, dass sie ihm nicht erlauben würden, nachts nochmal aufzubrechen. Besonders nicht ohne plausiblen Grund. „Informiere T.K.“, sagte Gatomon schließlich und Tsubasa nickte. Sie rief diesen an und informierte ihn über die Lage. Er versprach so schnell wie möglich zu ihnen aufzuschließen. Dennoch war ihnen klar, dass sie nicht den Luxus besaßen auf ihn zu warten. Der Gegner hatte Kari in seiner Gewalt und wenn sie sich nicht beeilten, könnte es für sie ganz schön ungemütlich werden. Allerdings würden sie ihm direkt in die Arme laufen.

„Hey, Rurimon! Du kannst die Energie der Kugeln doch spüren, oder?“, fragte Tsubasa, obwohl sich das inzwischen erübrigt hatte. Hebimon spürte aber, dass sie auf etwas hinauswollte. „Wir nähern uns einfach aus einer anderen Richtung. Wir überraschen den Feind. Aber.. wir brauchen jemanden, der ihn ablenkt.“, murmelte sie und sah zu Gatomon. Der Feind wusste von Karis Partner und von logischerweise von Rurimon. Doch er konnte nicht sicher sein, wie viele Personen wirklich auftauchen würden. Doch Gatomon zeigte sich schnell einverstanden.

„Kein Problem, überlass das ruhig mir! Ich werde Kari definitiv retten!“, stand für es fest. Als alles abgemacht war, machten sie sich auf den Weg und trennten sich auf der Hälfte der Strecke. Rurimon konnte sofort feststellen, wo sich Myotismon und Kari aufhielten. Sie konnten sich ihm also von hinten aus nähern. Dennoch würde es nicht einfach werden.

Kari war kalt und es gelang ihr mehr schlecht als recht innerhalb der dunklen Tiefgarage zu sehen. Myotismon hatte ihre Hände gefesselt, aber nicht ihre Beine. Dennoch war an Flucht nicht zu denken, das Digimon hätte sie sofort wieder eingefangen. Sein Ziel war klar, auch ohne, dass er es aussprach. Er konnte es nur auf Rurimon abgesehen haben.

„Es wundert mich, dass du für jemand anderen arbeitest als für dich. Und dann noch für jemanden, der sich König nennt. Das hättest du früher nicht.“, versuchte sie ihn zu provozieren. Myotismon beäugte sie nur prüfend.

„Früher? Sind wir uns denn schon mal begegnet?“, hakte es skeptisch nach.

Kari stutzte. Dann keimte eine Vermutung in ihr auf. Diese konnte sie aber nicht überprüfen und es hätte ihr auch nichts genutzt. Die anderen würden bald da sein um sie zu retten. Vermutlich würden sie Verstärkung angefordert haben, doch alle die in Frage kamen, wohnten nicht unbedingt um die Ecke. Der einzige DigiRitter, der noch in der Gegend war, war Tsubasa. Kari hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. Sie wollte dem Mädchen einen schönen Tag bescheren und jetzt brachte sie es stattdessen in Gefahr. Dabei hatte sie Tsubasa einfach nur unterstützen wollen. Aber ein Digimon-Angriff konnte ständig passieren, das war nunmal die traurige Realität.

Myotismon horchte nun auf und Schritte waren zu vernehmen. Eine kleine Gestalt hatte die Tiefgarage betreten. „Gatomon!“, rief Kari aufgeregt. Es war tatsächlich ihr Partner, der es in die Höhle des Löwen gewagt hatte. Myotismon grinste nur.

„Wehe du hast Kari etwas angetan! Dann wirst du es bereuen!“, schrie es den Gegner wüst an. Der Vampir streckte seine Hand aus. „Das kommt ganz auf dich an. Wie ich sehe hast du das Buch nicht dabei. Muss ich davon ausgehen, dass du nichts von unserem Deal hältst und ich das Menschlein hier aussaugen darf?“ Die Provokation wirkte und Gatomon preschte nach vorne. Myotismon wich mühelos aus und stieß die Katze gegen einen Betonpfeiler. Dieses hielt sich schmerzend die Pfote.

„Gatomon, in dieser Form hast du keine Chance gegen es!“, warnte seine Partnerin. Doch das Digimon wollte nicht hören. „Das weiß ich doch! Aber... in dieser Form... hat es mich stets misshandelt. Ich bin es also gewöhnt.“ Myotismon hob aber nur eine Augenbraue.

„Misshandelt? Was redest du da? Sind wir uns schon mal begegnet?“, wollte es wissen. Gatomon starrte den Feind unwirsch an. „Was faselst du da? Du hast mich jahrelang misshandelt und mich dann zu deinem Sklaven gemacht! Das werde ich dir niemals verzeihen! Und das mit Wizardmon schon gar nicht.“ Doch noch immer erfolgte seitens Myotismons keine Reaktion. Damit bestätigte sich Karis Vermutung von vorhin.

„Gatomon, er erinnert sich nicht!“, rief sie ihrem Partner zu. Das Katzen-Digimon sah sie perplex an. „Verstehst du nicht? Das hat mit dem Reboot zu tun. Darum ist Myotismon auch wieder zurück. Seine Daten wurden zurückgesetzt und diese Version hatte nie das Vorhaben, die Menschenwelt anzugreifen!“ Es dauerte eine Weile bis Gatomon sich einen Reim darauf machen konnte. „Nach dem Reboot haben wir dich gefunden, bevor Myotismon es tun konnte. Darum ist er dir aus seiner Perspektive niemals begegnet. Er erinnert sich nicht an das, was er dir oder den anderen angetan hat.“, vollführte die DigiRitterin ihre Schlussfolgerung. Myotismon selbst wirkte unbeteiligt, er hatte keinen Schimmer wovon sie sprach. Gatomon torkelte hin und her.

„Ver...gessen. Er hat es... vergessen?“ Sofort drängten sich dem Digimon wieder die Erinnerungen auf, wie Myotismon es geschlagen und gequält hatte. Und wie es Wizardmon in Stücke gerissen hatte. Das alles... sollte Myotismon schlichtweg vergessen haben? Wenn diese Erinnerungen es selbst auf ewig verfolgen würden? „Wie kannst du... so etwas vergessen?“, ging es erneut wütend auf den Gegner los. Dieser schlug Gatomon erneut weg, doch dieses sprang von einem Pfeiler ab und griff Myotismon erneut mit einer Blitzpfote an. Damit verursachte es tatsächlich einen Kratzer an seiner Wange. Doch damit machte es den Gegner nur noch wütender. Es packte Gatomon und drückte seinen Hals zu.

„Gatomon!“, schrie Kari verzweifelt. Ihrem Partner war es unmöglich sich selbst zu befreien. Doch das musste er zum Glück auch nicht. „Giftaxt!“, wurde Myotismon von hinten getroffen. Es wurde weggeschleudert und Gatomon von seiner Umklammerung befreit. Aus der Dunkelheit tauchte eine furchteinflößende Kobra auf. Hinter ihr kamen ein blondes Mädchen und ein kleiner Drache zum Vorschein.

„Tsubasa! Ihr dürft ihn nicht unterschätzen!“, warnte Kari. Zu deutlich waren die Erinnerungen, dass Myotismon selbst mit Ultra-Digimon spielend fertig wurde. Dieses öffnete nun seinen Mantel und ließ seine Fledermäuse auf Sandiramon los. Diese umschwirrten es und setzten ihm mit ihren Bissen stark zu. Tsubasa eilte zu Kari und befreite sie von ihren Fesseln. Sie kramte nun in ihrer Hosentasche und hielt plötzlich etwas in der Hand. „Hier, das habe ich mitgebracht.“, reichte sie es Kari. Diese nahm es entgegen und erkannte, dass es sich um ihr Digivice handelte. Sofort hellte sich ihre Stimmung auf. Sie erhob sich und überprüfte Gatomons Zustand. „Hey, alles in Ordnung? Kannst du... kämpfen?“ Doch für ihren Partner schien dies eine Selbstverständlichkeit zu sein. Es erhob sich und stellte sich dem Feind entgegen. „Kari... bitte... gib mir deine Kraft.“ Die DigiRitterin nickte und hob ihr Digivice.

„Gatomon Ultra-Digitation zuuuu.... Angewomon!“ Tsubasa fiel aus allen Wolken als aus der kleinen Katze plötzlich ein wunderschöner Engel wurde. Während die Fledermäuse immer noch an Sandiramon nagten, spannte Angewomon einen Bogen aus dem Nichts. „Pfeil des Lichts!“, feuerte es ihren Angriff ab und der Pfeil traf Myotismon direkt in die Schulter. Dieser fluchte und er kochte vor Wut. Er überlegte einen Moment, dann trat es den Rückzug an. Es floh aus der Tiefgarage und auch seine Fledermäuse lösten sich auf.

„Wir dürfen es nicht entkommen lassen, Kari!“, sagte Angewomon deutlich. Ihrer Partnerin war dies bewusst und sie folgte Angewomon, die nach draußen flog. Nachdem sich Tsubasa über Sandiramons Unversehrtheit überzeugt hatte, folgten auch die beiden. Draußen angekommen hatte Myotismon inzwischen gestoppt. Er war wohl doch stärker verwundet als erwartet. Angewomon wollte erneut angreifen, doch der Vampir schien noch einen Trumpf im Ärmel zu haben. Es holte eine blaue Kugel aus seinem Mantel hervor und grinste dabei. Rurimon war der erste, der das Unglück erkannte.

„Oh nein! Er will die Kraft nutzen um sich selber stärker zu machen!“, warnte es. Myotismon biss in die Kugel und verschlang sie wie einen Happen. Es begann zu glühen und sich zu verformen. „Verdammt, wir konnten es nicht verhindern! Wird es jetzt zu VenomMyotismon? Oder gar MaloMyotismon?“, befürchtete Kari. Der Gegner lachte nur und wurde immer größer. Bald stand ein haushoher, lilafarbener Koloss vor ihnen. „Nicht ganz, aber ihr dürft mich gerne NeoMyotismon nennen.“

Sogar Sandiramon ließ nun etwas den Kopf hängen.

„Tsubasa... ist das jetzt das Karma dafür, dass wir einen schönen Tag hatten?“ Seine Partnerin ballte die Fäuste. „Jetzt lass dich nicht unterkriegen! Es ist nur ein bisschen größer geworden!“, wollte sie nicht so schnell aufgeben. NeoMyotismon fuhr seine Kralle aus und ließ sie auf seine Gegner hinabfahren. Sandiramon konnte Tsubasa gerade noch so wegstoßen und Angewomon schützte Kari mit ihrem Körper. Danach flog sie hoch und schoss einen Pfeil auf das Monster. Dieser verpuffte aber sofort. Myotismon war zu mächtig geworden. Es fuhr erneut seine Kralle aus, welche Kari packten. „Ich werde dem König beweisen, dass ich sein stärkster General bin. Dafür werde ich euch alle zerquetschen!“, drohte er an. Sandiramon setzte seine Gift-Axt gegen eines seiner Beine ein, doch das verursachte leider so gut wie keinen Schaden.

NeoMyotismon packte nun fester zu und Angewomon stieß Schmerzensschreie aus. Es schien eine Drohung wahrzumachen und das Digimon zu zerquetschen. Zumindest bis es von einem weiteren Angriff getroffen wurde. Ein Lichtstrahl traf es und es torkelte zurück. Dabei ließ es Angewomon los, welche zu Boden fiel. Tsubasa sah hoch und erkannte einen weiteren Engel. Doch dieser wirkte eher männlicher und hielt den Gegner erst einmal in Schach.

„Kari! Alles in Ordnung?“, erklang eine Stimme aus der näheren Entfernung. Jemand kam angeflogen und Tsubasa erkannte in der Dunkelheit erst beim zweiten Blick, dass es sich um T.K. handelte. Er hatte es also rechtzeitig geschafft. „Ja, ich bin unverletzt. Aber wir stecken ziemlich in der Klemme.“, erwiderte sie. T.K. schien das aber nicht so zu sehen. „Nein, Myotismon ist wie immer alleine. Darum wird er auch verlieren wie immer. Angemon lenkt ihn ab und du und Gatomon gebt ihm den Rest. Klar?“ Er reichte Kari die Hand und half ihr auf. Auch Angewomon schien wieder fit zu sein und bereit für den Kampf. Kari hob ihr Digivice und verhalf ihrem Partner zur nächsten Stufe. „Angewomon Mega-Digitation zuuu.... Magnadramon!“ Tsubasa staunte nicht schlecht, als der ohnehin schon wunderschöne Engel sich in einen noch schöneren Drachen verwandelte. Dieser flog nun in die Lüfte. Diesmal war es Magnadramon, der Angemon vor einem vernichtenden Hieb seitens NeoMyotismons rettete.

„Fall zurück, ich übernehme ihn jetzt!“, wies es den Engel an. Der kolossale Gegner lachte aber nur. „Habt ihr es immer noch nicht verstanden! Ich bin nun unbesiegbar!“ Das schien Magnadramon anders zu sehen und flog direkt auf seinen Kopf zu. Es öffnete sein Maul und schoss eine Lichtwelle daraus. Der große Vampir wurde getroffen und fiel nach hinten. Die Stelle an seinem Kopf rauchte und er schien Teile seiner Sicht eingebüßt zu haben. „Myotismon, du plagst die DigiWelt bereits viel zu lange. Diesmal wirst du ein für alle Mal für deine Taten bestraft werden. Feuerwind!“ Ein weiterer Strahl verließ sein Maul, diesmal gezackter und er schien den Gegner an mehreren Stellen des Körpers gleichzeitig zu treffen. Als sich NeoMyotismon in Daten auflöste, lachte es nicht mehr. Bald war nichts mehr von ihm übrig und der Sieg ging an die DigiRitter. Magnadramon landete wieder und verwandelte sich in Gatomon zurück. Angemon und Sandiramon taten es ihm wenig später gleich.

„Kari... ich bin... erschöpft...“, ließ sich das Katzendigimon vor ihr nieder. Kari streichelte es sanft über den Kopf. Es hatte wirklich alles gegeben. „Ich fahre euch jetzt nach Hause. Deine Mutter wird sich schreckliche Sorgen machen.“, wandte T.K. sich auch an Tsubasa. Diese verzog die Lippen.

„Keine Ahnung was ich ihr sagen soll. Sie wird sicher ausrasten.“, fürchtete sie. T.K. versicherte ihr jedoch, dass sie schon eine geeignete Ausrede finden würden. Kari war die erste die zu Hause abgeliefert wurde. Ihr Freund half ihr sogar dabei, die Tür notdürftig zu reparieren, die Gatomon zuvor ramponiert hatte. Dieses wollte sich entschuldigen, doch Kari legte ihm einen Finger auf den Mund. Das war überhaupt nicht nötig. Gatomon hatte nicht gezögert ihr sofort zur Hilfe zu kommen. Doch jetzt war der Alptraum vorbei. Myotismon war ein für alle Mal besiegt. Das einzige, was ihr noch Sorgen bereitete, war, dass sein Boss nicht so einfach aufhören würde. Doch das war ein Problem für einen anderen Tag. Sie verabschiedete sich von Tsubasa und nahm sie noch einmal in den Arm. Das Mädchen selbst ließ sich von T.K nach Hause bringen und täuschte gegenüber ihrer Mutter eine Autopanne vor. Danach fiel sie komplett erledigt ins Bett. Auch Rurimon und Hebimon kauerten zusammen auf einer Schlafstelle. Bevor sie einschlief, fragte sie sich, wie lange es noch dauern würde, bis sie und Hebimon wohl so stark werden würden wie T.K. oder Kari.

Folge 11 - Hochzeit

Takutoumon schäumte vor Wut, als seine Diener etwas in seinen Thronsaal transportierten.

„Das... ist alles, was von Myotismon übrig geblieben ist?“, starrte er auf eine rote Maske.

Seine Diener bestätigten es ihm.

Mit der Faust schlug er auf seinen Thron. Ein weiterer seiner Generäle hatte ihn enttäuscht. Hatte er einen Fehler gemacht, indem er sie auf diese Weise ausgewählt hatte?

Ein weiterer seiner Generäle trat nun vor und bat um das Wort. Der König gewährte es ihm.

„Myotismons Untergang hat er seinem Ego zu verdanken. Er hat sich für unangreifbar gehalten.“

Der König war geneigt, ihm zuzustimmen.

„Und das ist bei dir anders, Mephismon?“, wollte er wissen.

Der General, der wie ein Dämon mit Schafskopf aussah, bejahte.

„Das Problem ist einfach, dass zu viele von diesen Menschen und diesen DigiRittern existieren. Wir müssten sie alle zusammen erwischen, um das Problem ein für alle Mal zu lösen.“

Takutoumon überlegte einen Moment.

„Das ist gar keine so schlechte Idee. Wie es der Zufall will, haben mir meine Spione mitgeteilt, dass die DigiRitter in wenigen Tagen eine Art Fest abhalten. Nahezu alle sollen dort versammelt sein. Das wäre in der Tat eine gute Gelegenheit zuzuschlagen.“

Mephismon horchte auf.

„Ein Fest? Was haben diese Menschen schon zu feiern? Glauben sie etwa, sie hätten uns schon besiegt?“

Takutoumon faltete die Hände.

„Dann geh und erteile ihnen eine Lehre. Zeig ihnen, dass wir Digimon die überlegenere Spezies sind!“, trug er seinem Diener auf.

Mephismon versprach, siegreich zurückzukehren und machte sich dann auf den Weg.
 

Ken war heute früher aufgestanden als sonst. Aufgrund seiner inzwischen leitenden Position war er stets früh morgens auf, doch heute war alles anders. Einzig allein Wormmon schlief in seinem Korb und wirkte, als könnte die Welt ihm nichts anhaben. Ken wurde neidisch, er hätte gerne mit seinem Digimon getauscht.

Er probierte gerade seinen Anzug an, dieser wirkte noch feiner als der, welchen er bei der Arbeit trug. Im selben Moment fragte er sich, wie Yolei aussehen würde. Er hatte das Kleid bereits gesehen, das diese gemeinsam mit Mimi ausgesucht hatte. Allerdings sahen Kleider an jemandem noch einmal anders aus als am Ständer.

Als er fertig war, ging er das Wagnis ein, Wormmon zu wecken.

„Hm? Was? Wie spät ist es? Habe ich es verpasst?“, wollte es wissen.

Ken konnte seinen Partner beruhigen. Es war noch jede Menge Zeit bis zur Hochzeit. Auch wenn das die Nervosität nicht kleiner machte. Yolei wartete bereits, Mimi und Kari halfen ihr bei den Vorbereitungen. Schließlich sammelte er Wormmon auf und machte sich auf den Weg zum wichtigsten Tag in seinem Leben.
 

Takeshi hatte heute nicht gefrühstückt, da er sich sicher war, bei der Hochzeit so oder so genug Torte zu verschlingen. Er sah zu Prismamon, sparte sich aber die Frage, ob dieser Torte mochte. Bisher hatte er die Erfahrung gemacht, dass sein Partner alles mögliche in sich hineinschlang. Rurimon würde er ebenfalls mitnehmen. Da alle DigiRitter, die er bisher kennengelernt hatte, anwesend sein würden, gäbe es niemanden, der den kleinen Drachen im Notfall beschützen könnte. Es war also sicherer, wenn er mit ihm kam.

Seine Mutter klopfte und fragte, ob er heute zu Hause sei. Takeshi verneinte, er hatte noch gar nicht Bescheid gesagt, dass er heute schon etwas vorhatte. Als er erwähnte, dass er zu einer Hochzeit eingeladen worden war, hätte er eigentlich damit rechnen müssen, dass seine Mutter ihn so nicht gehen lassen wollte. Sie suchte die besten Klamotten für ihn heraus und verpasste ihm eine neue Frisur.

„Du musst schon nach etwas aussehen, wenn du eine Hochzeit besuchst.“, hatte sie gesagt.

Nachdem Takeshi ihrer Meinung nach endlich bereit war, hatte es dieser gar nicht eilig genug, zusammen mit dem Digimon das Haus zu verlassen. Er hatte sich mit Shun und Takeshi an der nächsten Kreuzung verabredet, wo diese bereits auf ihn warteten.

Tsubasa hatte sich ein weißes Sommerkleid angezogen, während Shun mit seiner Schuluniform vorlieb nahm. Dessen Mutter hatte ihm noch ein Geschenk mitgegeben und Takeshi überlegte, ob er auch schnell etwas kaufen sollte. Aber was schenkte man bei so einer Hochzeit? Einen Reiskocher eventuell? Nein, das hätte sein Taschengeld gesprengt. Tsubasa tat die Sache aber ab. Auch sie hatte gefragt, doch Yolei hatte ihr versichert, dass sie von Kindern ohnehin nichts annehmen würde.

Sie ließen sich von Tsubasa leiten, welche die Location bereits kannte, da sie neulich ausgeholfen hatte. Dort hatten sich bereits mehrere Gäste eingefunden und die drei mischten sich einfach unter sie. Davis hatte ihnen erklärt, dass ihre Familien alle über Digimon Bescheid wussten, aber dennoch zögerten sie noch, ihre Partner herauszuholen.

In der Halle erkannten sie Davis und Ken, Veemon und Wormmon standen ebenfalls bei ihnen. Keiner der Gäste schien sich noch groß über die Wesen zu wundern.

„Ah, gut ihr seid schon da. Ich weise euch die Plätze zu. Falls... ich mich noch daran erinnere, welche eure waren.“, begrüßte sie der Bräutigam.

Davis legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ganz ruhig, es wird schon alles klappen. Ihr habt immerhin jedes Detail geplant.“

T.K. trat an die Gruppe heran und räusperte sich.

„Und was ist mit dir, Davis? Sicher, dass du an den Ring gedacht hast? Du bist immerhin der Trauzeuge.“

Dieser reagierte empört.

„Na hör mal! Für wen hältst du mich? Als ob ich so etwas Wichtiges vergessen könnte! Ich habe ihn gleich hier in meiner...“

Davis kramte in seinen Taschen, wurde aber nicht fündig.

„Oh, du hast recht. Ich habe ihn im Wagen gelassen.“

Ken warf den Kopf zurück.

„Davis! Ich muss mich heute auf dich verlassen können!“

Sein Freund beruhigte ihn so gut es ging.

„Kannst du ja auch! Ich werde ihn dir schon im richtigen Moment überreichen. Ich hole ihn gleich.“, versicherte er und lief los.

Dafür trat ein anderer Mann zu ihnen.

„Davis wie er leibt und lebt. Das hättest du einplanen müssen indem du ihn zum Trauzeugen machst.“

Er war fein gekleidet, trug eine Aktentasche bei sich und hinter ihm schielte ein Digimon hervor. Es war gelblich und gut gepanzert. Shun erinnerte es an ein Gürteltier. „Cody, du hast es geschafft. Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“, grüßte Ken seinen Freund. Dieser lächelte. „Als ob ich deine und Yoleis Hochzeit verpasse. Dafür stelle ich auch gern das Lernen zurück.“ Ken und T.K. stellten den Kindern ihren Freund Cody vor, der momentan sein Staatsexamen ablegte. „Wenn eure Digimon mal Schäden verursachen, wendet euch einfach an mich.“, sagte der zukünftige Anwalt spaßhaft. Auf jeden Fall hätte er ein Monopol für diesen Geschäftsbereich, dachte Takeshi. Nun konnten auch Prismamon und die anderen nicht mehr an sich halten und kletterten aus ihren Verstecken. Interessiert an dem neuen Digimon begrüßten sie Armadillomon. In einiger Entfernung kamen Hawkmon und Gatomon angelaufen. „Ein Notfall! Es gibt ein Problem.“, verkündete der kleine Falke lautstark. Ken seufzte. „Was ist denn jetzt schon wieder?“

„Das Kleid hat einen Riss.“, berichtete Gatomon. Das war zwar kein Weltuntergang, doch Ken war sich da bei Yolei nicht sicher. Tsubasa meldete sich schließlich freiwillig, um zu helfen. Sie suchte den Raum auf, der für die Umkleide genutzt wurde, wo sie bereits Yolei, Mimi und Kari vorfand. Diese hatten Mühe, ihre Freundin zu beruhigen. Yolei lief auf Tsubasa zu und packte sie an den Schultern. „Es ist eine Katastrophe! Die zwei wollen mir ernsthaft vorschlagen, es zu nähen! Aber das sieht man doch!“, wandte sie ein. Tsubasa zweifelte daran, dass die meisten Gäste dem wirklich Aufmerksamkeit schenken würden, verstand aber Yoleis Drang zur Perfektion.

„Ähm... und wenn wir die genähte Stelle verdecken? Indem wir den Schleier zum Beispiel anders positionieren, oder so?“ Sie nahm an, dass man ihre Idee schnell abtat, doch Yolei war tatsächlich überzeugt. Sie überließen die Arbeit Kari, welche noch am ausgeglichensten wirkte. Bald war die Stelle genäht und Mimi werkelte daran, diese so gut wie möglich zu verbergen. Tsubasa musste zugeben, dass das Kleid wirklich beeindruckend aussah.

„Yolei-san... sieht wirklich wunderschön aus.“, konnte sie mit diesem Kompliment nicht an sich halten. Kari musste ihr zustimmen. Dabei hatte sich ihre Freundin bisher noch nicht einmal geschminkt. „Keine Sorge, du wirst auch einmal ein so schönes Kleid tragen.“, versicherte sie dem Mädchen. Diese errötete und ruderte mit den Händen. „Wie? Ach Quatsch! Was für eine Vorstellung! Ich werde noch lange nicht daran denken. Vielleicht wenn ihr alle schon lang verheiratet seid oder so.“, wehrte sie sich gegen den Gedanken. Kari rang sich ein Lächeln ab. „Ach Unsinn. Ich bin doch das Paradebeispiel für unerwiderte Liebe.“

„Äh...“, bekam Tsubasa nur heraus und wusste nicht, was sie sonst erwidern sollte. Mimi streckte die Hände wie zum Sieg in die Höhe. Yolei tat die ersten Schritte, um sich an das Kleid zu gewöhnen. Sie war zufrieden und die nächste Etappe konnte folgen. Mimi begann, sie zu schminken, Tsubasa hingegen traute sich nicht, etwas beizutragen. Sie hätte bestimmt etwas falsch gemacht. „So, fertig! Ken wird begeistert sein.“

Yolei hoffte, dass sie recht behalten würde. Immerhin war es nicht einmal mehr eine Stunde bis zur Trauung.

Davis war endlich zurückgekehrt und zeigte den Ring vor. Die Blicke der anderen sprachen Bände, dass sie ihm auch durchaus zugetraut hätten, diesen zu Hause vergessen zu haben. Gatomon entging nicht, dass sowohl Hawkmon als auch Wormmon einen missmutigen Eindruck machten. Es scherte zu ihnen und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei. Wormmon sah es mit seinen Glubschaugen an. „Es ist nur... der Ring sieht so schön aus. Ich würde auch gerne so etwas tragen. Immerhin bin ich Kens Partner.“ Gatomon konnte sich ein Lachen nicht unterdrücken.

„Ja, aber der Ring ist eher für den Partner fürs Leben. Also... nicht dass du das nicht für Ken wärst, aber... du weißt schon, was ich meine.“ Hawkmon räusperte sich. „Das ist auch nicht direkt das Problem. Wormmon war unglücklich darüber, dass es generell keinen Ring tragen kann. Es hat nämlich keine Finger.“, klärte dieses auf. Wormmon starrte auf seine Füßchen und ließ seine Fühler hängen. „Stimmt. Ich werde nie sowas tragen können.“ Hawkmon tätschelte ihm den Kopf.

„Tja, ich würde nicht mit dir tauschen wollen.“

Gatomon verengte die Augen. „Ähm... dir ist klar, dass auch du keinen Ring tragen kannst? Du hast Flügel statt Hände, falls dir das noch nicht aufgefallen ist.“, holte es Hawkmon zurück auf den Boden der Tatsachen. Dieser betrachtete seine Flügel und ließ sich dann neben Wormmon sinken. „Gatomon hat recht. Wir sind Ausgestoßene.“, jammerte es nun auch. Gatomon seufzte und wandte sich an Kari, die gerade wieder zurückgekommen war. Es flüsterte seiner Partnerin etwas zu und diese nickte. Kaum 10 Minuten später kehrte Gatomon zu den beiden entmutigten Digimon zurück und holte etwas hervor. Hawkmon sprang als erstes auf.

„Das sind ja...“, starrte es auf die Gegenstände in der Pfote des Digimon.

„Bedankt euch bei Kari, sie hat euch diese Ringe aus dem Kaugummiautomaten um die Ecke gezogen.“, erklärte es und brachte erst einen Ring an Wormmons linken Fühler und den anderen an Hawkmons rechten Bein an. Kari hatte ihr erzählt, dass man das auch bei echten Falken machte, um daran Botschaften anzubringen. Wormmon und Hawkmon betrachteten ihre neuen Ringe und fielen Gatomon in die Arme. Sie waren unendlich dankbar. Tsubasa war inzwischen zurück und gemeinsam mit Takeshi und Shun wurden ihnen Plätze zugewiesen. Sie waren weiter hinten, doch das war in Ordnung. Die Sicht nach vorne war gut genug. Ken hatte gerade seine Eltern zu ihren Plätzen geführt. „Ich kann es gar nicht glauben, dass unser Ken tatsächlich heiratet.“, kam es von seiner Mutter. Der Bräutigam verzog die Lippen.

„Hey, das klingt fast so, als wäre das für mich aussichtslos gewesen.“ Sein Vater lachte.

„Das hat deine Mutter natürlich nicht gemeint. Wir sind einfach glücklich, Yolei als unsere Schwiegertochter zu bekommen. Sie ist wirklich gut für dich.“, meinte er. Ken nickte. Dem konnte er nichts entgegensetzen. Er wurde gerufen und ließ seine Eltern fürs erste allein. Als er einige Schritte gegangen war, sah er noch einmal zurück. Er hielt inne. Für einen Moment hatte er Sammy auf dem Stuhl neben ihnen gesehen. Zu gern hätte Ken diesem gesagt, wie glücklich er am heutigen Tag war. Aber wer weiß... vielleicht wusste es dieser ja auch. Dann traf schließlich der Priester ein und die Zeremonie schien langsam zu beginnen. T.K. und Kari waren die letzten, die sich setzten, während Davis vorne in Position ging. Schließlich betrat Yolei in Begleitung von Mimi die Halle und Ken stockte der Atem. Yolei wirkte wunderschön in ihrem Kleid und er konnte es immer noch nicht glauben, dass er kurz vor der Trauung stand. Beide standen sich nun gegenüber und der Priester begann zu sprechen. Doch die Aufmerksamkeit war natürlich an das junge Brautpaar gerichtet. Ken hielt Yoleis zarte Hand in seiner und blickte tief in ihre strahlenden Augen. Sein Herz pochte vor Aufregung, als er begann, sein Gelübde der Liebe und Treue zu sprechen.

"Yolei, seit dem Tag, an dem ich dich zum ersten Mal sah, wusste ich, dass du die Frau meines Lebens bist. Du hast mein Herz im Sturm erobert und mein Leben mit Freude und Liebe erfüllt. Ich verspreche dir, immer an deiner Seite zu stehen, in guten wie in schlechten Zeiten. Ich werde dich lieben, achten und respektieren, solange ich lebe. Mit diesem Ring verspreche ich dir meine unendliche Liebe und Hingabe." Er musste sich erst leise räuspern, um Davis ein Zeichen zu geben. Dieser reichte ihm schließlich den Ring und Ken steckte ihn Yolei an. Yoleis Augen glänzten. Sie ergriff seine Hand fester und begann, ebenfalls ihr Gelübde zu sprechen. "Ken, du bist meine große Liebe, mein bester Freund und mein Partner fürs Leben. Du hast mein Leben mit Licht und Liebe erfüllt, und ich bin unendlich dankbar, dass ich dich gefunden habe. Ich verspreche dir, dich zu lieben, zu unterstützen und zu schätzen, in allen Höhen und Tiefen. Ich werde immer an deiner Seite sein und dich durch das Leben begleiten. Ich verspreche dir meine ewige Liebe und Treue." Ein Lächeln breitete sich auf Kens Gesicht aus, als er die Worte seiner geliebten Yolei hörte. Die beiden tauschten liebevolle Blicke aus und wandten sich dann dem Priester zu, um das Ja-Wort zu sprechen. "Und nun", sagte der Priester feierlich, "aufgrund eurer Liebe und eurer Versprechen, erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau. Ihr dürft euch jetzt küssen." Ken und Yolei lächelten sich an, bevor sie sich zärtlich umarmten und sich einen liebevollen Kuss gaben.

Während der ganzen Zeremonie war es jedoch niemandem aufgefallen, dass diese einen Gast hatte, den niemanden hatte wahrnehmen können. Eine Kreatur mit dämonischen Kopf hatte sich die ganze Zeit im Schatten versteckt gehalten. Wortwörtlich, denn Mephismon besaß die Fähigkeit, diese zu seinem Reich zu machen. Besonders an einem Ort wie diesen, wo sich möglichst viele Personen aufhielten, gab es logischerweise auch viele Schatten. Jedoch hatte es beschlossen, noch nicht zuzuschlagen. Gogmamon und Myotismon – es war nicht zu glauben, dass sie vom ehrwürdigen König den Titel General erhalten hatten – hatten den Fehler gemacht und den Feind direkt angegriffen. Zwar hatte Mephismon dies auch vor, hatte jedoch die Möglichkeit, all ihre Feinde auf einmal auszulöschen. Und dafür hatte es einen Plan entwickelt. Es hatte inzwischen herausgefunden, dass die Digimon ihre Kraft von ihren menschlichen Meistern erhielten. Und dazu verwendeten diese Geräte, um ihre Digimon zur Digitation zu zwingen. Alles, was Mephismon tun musste, war also, diese an sich zu nehmen. Und genau dafür eignete sich seine Schattentechnik am besten. Die Aufmerksamkeit aller Menschen war auf ihre Zeremonie gerichtet, niemand hätte auch nur die Idee gekommen, dass sie einem unsichtbaren Angriff ausgesetzt waren. Die Schatten schlichen sich nun in die Taschen und anderen Behälter, welche die DigiRitter mit sich führten, und zogen ihre DigiVices mit sich. Es hatte bereits drei an sich genommen. Es überlegte, ob es erst die nächsten drei von den Gästen ganz hinten holen sollte. Das Problem war, diese ihre Geräte um das Armgelenk trugen. Das würde es schweren, diese unbemerkt an sich zu nehmen. Sollte es sich erst diese der DigiRitter vorne am Altar holen? Es beschloss, dass dies die sicherste Vorgehensweise war. Kaum bewegte es sich nach vorne, hielt es jedoch inne. Eines der Digimon starrte ihn an. Das war eigentlich nicht möglich, da er im Schatten völlig unsichtbar sein sollte. Dann verstand er, warum.

Takeshi war überrascht, als Rurimon plötzlich von seinem Stuhl sprang und auf den Gang zwischen den Stuhlreihen zulief. „Hey, du kannst nicht einfach...“, wollte der Junge es davon abhalten. Doch er erwischte den Drachen nicht mehr. Prismamon überblickte die Situation als erstes. „Takeshi! Ruri muss eine der Kugeln gerochen haben!“, erklärte es das Verhalten seines Freundes. Shun beäugte ihn skeptisch. „Was? Hier drin? Und wieso nicht schon vorher?“
 

Sie erhielten die Antwort auf diese Frage schneller als erwartet. Rurimon streckte seine Hand aus und ein blaues Licht erfüllte den Bereich der Halle. Es war das Licht der Kugel. Diese zwang Mephismon nun auch, aus seinem Schatten zu kommen. Aus seiner Deckung gedrängt stand es nun direkt zwischen den Gästen. Einige sprangen auf, andere stießen Schreie aus. Das Digimon fluchte angesichts, dass es seinen Überraschungsvorteil verloren hatte. Es beschloss schnell zu reagieren und eilte nach vorne.

Davis sollte sein erstes Opfer sein. Mit seiner Technik zog es dessen DigiVice aus seiner Tasche und machte es sich zu eigen. Weiter kam es jedoch nicht. Gatomon reagierte schnell und verpasste ihm einen Hieb mit seiner Blitzpfote. Wormmon und Hawkmon stellten sich schützend vor ihre Partner. Während Veemon und Palmon immer die Situation analysierten, reagierte T.K. sofort.

„Alle herhören! Bitte verlasst jetzt alle die Halle, wir kümmern uns darum!“

Das musste er den Gästen nicht zwei Mal sagen. Während sich diese erhoben, positionierten sich Patamon und Armadillomon vor ihnen, um zu verhindern, dass Mephismon einen Angriff in die Menge starten würde.

Mimi beschloss die Initiative zu übernehmen. Sie nickte Palmon zu und gemeinsam koordinierten sie die Menge.

„Gut, ihr folgt mir jetzt alle nach draußen! Wir suchen einen sicheren Bereich!“, kündigte sie an.

Alle waren froh, ihr diese Angelegenheit überlassen zu können. Takeshi und seine Freunde hatten es schwer, sich in die entgegengesetzte Richtung durchzuschlagen.

Die Rookie-Digimon begannen Mephismon anzugreifen, doch dieser wich ihnen spielend aus. Kari war inzwischen aufgefallen, dass ihr DigiVice verschwunden war. Auch T.K und Cody mussten feststellen, dass es bei ihnen ebenso war. Es setzte nun eine Attacke ein, welche Gatomon, Patamon, Armadillomon und Veemon fortschleuderte.

Takeshi nickte Shun und Tsubasa zu. Sie hatten ihre DigiVices noch, es lag also an ihnen, sich um den Gegner zu kümmern.

Zum Glück waren ihre Partner bereit für den Kampf und gingen in Position. Danach ging die Transformation bereits los.

„Prismamon digitiert zuuuuu.... PrismKnightmon!“

„Hebimon digitiert zuuuu.... Julungumon!“

„Koemon digitiert zu...... Lianpumon!“

Mephismon ging in Verteidigungsposition.

Allerdings hatte es seine Ausaufgaben gemacht. Diese drei waren noch nicht lange DigiRitter. Es war sich sicher, ihre fehlende Erfahrung auszunutzen und einen Sieg zu erringen.

Es attackierte sie mit seinem Schattenangriff. PrismKnightmon brachte sein Schild in Position, um die anderen beiden zu schützen.

Ken wandte sich mittlerweile an Yolei.

„Yolei, bring dich in Sicherheit. Ich werde sie unterstützen.“

Doch seine Frau dachte nicht daran.

„Soll das ein Scherz sein? Ich habe mein DigiVice auch noch, ich kann euch also zur Hand gehen.“

Ihr Mann war überrascht von ihrem Elan.

„Aber... das hier sollte doch der schönste Tag für uns werden. Du musst nicht...“, doch Yolei schien sich entschieden zu haben.

„Ja, das sollte der schönste Tag unseres Lebens werden. Darum werde ich diesem Digimon niemals verzeihen! Du hoffentlich auch nicht. Hawkmon!“

Der kleine Falke schien genauso motiviert zu sein.

Der letzte Gast schien nun evakuiert worden zu sein, es gab keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten. Yolei und Ken nutzten ihre DigiVices, um die jüngeren DigiRitter zu unterstützen.

„Wormmon digitiert zuuuu.... Stingmon!“

„Hawkmon digitiert zu..... Aquilamon!“

Mephismon wich zurück.

„Nun gut, mein Plan hat nicht so funktioniert wie erhofft. Dann gebe ich eben mit weniger zufrieden.“

Nun verschwand es im Boden, ein Schatten bewegte sich im Flur entlang, unter den DigiRittern hindurch.

Takeshi wandte sich um und erkannte das Unglück sofort. Mephismon tauchte wieder auf und ergriff Rurimon.

„Hab ich dich. Du wirst meine Trophäe, die ich dem König überreiche.“

Es machte sich daran, aus der Halle zu verschwinden, doch das durften sie natürlich nicht zulassen.

„Lasst es nicht entkommen!“, meinte Davis noch sagen zu müssen.

Aquilamon und Stingmon, welche in der Lage waren zu fliegen, reagierten als erstes. Sie waren am schnellsten und konnten Mephismon einholen, als dieser gerade ins Freie gestürmt war.

Sie attackierten den Gegner, welcher nach hinten geschleudert wurde. Scheinbar wagte es nicht, seine ganze Kraft einzusetzen, da es das Buch hätte beschädigen können.

Takeshi und die anderen waren draußen angekommen und wiesen ihre Partner an, die bereits kämpfenden Digimon zu unterstützen. Die Gäste schienen bereits in Sicherheit gebracht worden zu sein, sie mussten sich nicht mehr zurückhalten. Zumindest was die Umgebung betraf, denn Mephismon hatte immer noch Rurimon in seiner Gewalt. Doch es war Lianpumon, das den Tag rettete. Es setzte sich nun eine schwarze Maske auf, was ihm erlaubte, Mephismons Technik zu kopieren und ebenfalls in den Schatten zu verschwinden. Es tauchte direkt neben ihm wieder auf und griff sich den kleinen Drachen.

Kaum war es damit wieder abgehauen, verlor dieser seine Geisel. Der Feind kochte natürlich vor Wut.

"Schwarzer Sabbath!" Schwarze Blitze schossen nun von oben herab und fügten den Digimon auf der Seite der DigiRitter erhebliche Schäden zu. "Ken, lassen wir es nicht damit durchkommen!" Ihr Mann stimmte ihr zu und ihre Partner gingen in Position. "Aquilamon Ultra-Digitation zuuu.... Vulturemon!" "Stingmon Ultra-Digitation zuu.... Jewelbeemon!" Nun noch einmal stärker griffen sie Mephismon an, welches Probleme im Nahkampf zu haben schien. Beide Attacken erreichten ihr Ziel und der Gegner wurde zurückgeschleudert. Veemon und die anderen feuerten die beiden an. Davis hatte immer noch nicht überwunden, dass er sich so einfach sein DigiVice hatte abnehmen lassen. Imperialdramon hätte die Angelegenheit im Nu erledigt. So riskierten sie, dass noch jemand verletzt wurde. Er war wirklich ein erbärmlicher Trauzeuge. Aber nein, noch war die Hoffnung nicht verloren. Nicht nur Ken und Yolei gaben ihr Bestes, auch die neuen DigiRitter schienen alles zu geben. PrismKnightmon blockte einen weiteren Angriff des Gegners ab, während Lianpumon mit seiner roten Maske einen Feuerkreis um den Feind herumzog. Dieser sah nun ein, dass er im Nachteil war. Verloren hatte es hingegen noch lange nicht. Es griff nun erneut in seinen Schatten und holte etwas hervor. Wie befürchtet handelte es sich um eine der blauen Kugeln. Sie konnte es nicht verhindern, dass es diese nun verschlang. Die DigiRitter hatten inzwischen eine ziemlich gute Vorstellung davon, was als nächstes geschah. Mephismon begann zu glühen und zu enormer Größe anzuwachsen. Bald darauf stand es auf vier Beinen und seine Hände hatten sich in Klauen verwandelt. Es war nun Gulfmon und konnte wesentlich mehr Verwüstung anrichten. Es brüllte in die Luft, um seine Gegner zu verunsichern. Das gelang ihm auch. "Todesschrei!", führte es eine Attacke aus und schoss schwarze Blitze aus seinem Maul. PrismKnightmon erhob wieder sein Schild, doch es reichte diesmal nicht mehr aus, um die Attacke effektiv abzublocken. Die DigiRitter hinter ihm wurden zur Seite geschleudert. Yolei war eine von ihnen und Ken eilte zu ihr. Sie schien nicht verletzt zu sein, war aber unsanft gelandet. "Sorry... die Hochzeit ist nicht ganz nach Plan verlaufen.", entschuldigte sie sich. Ken fasste ihr liebevoll an die Wange. "Du Dummerchen. Wir haben noch genug Zeit, um schöne Erinnerungen zu schaffen.", sagte er zuversichtlich. Yolei versuchte zu lächeln. "Naja... nicht wenn wir hier verlieren.", klang sie etwas entmutigt. Doch davon wollte ihr Mann nichts hören. Er stand wieder auf und schritt auf Gulfmon zu. Seine Miene verriet, dass er wirklich sehr sauer war. "Ken! Geh nicht zu nahe ran!", warnte Davis. Doch sein Freund hörte ihn nicht. Er platzierte sich vor dem riesigen Gegner und reckte seinen Kopf nach oben. "Was fällt dir eigentlich ein? Wie kannst du nur meinen schönsten Tag ruinieren? Und noch dazu meine Frau verletzen? Das... werde ich dir niemals vergeben!", rief er ihm entgegen. Gulfmon ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Erneut wollte es eine Attacke ausführen, doch Jewelbeemon führte eine Schnittattacke durch, welche diese erstmal unterbrach. Wenn auch nicht lange. Das Digimon landete neben seinem Partner. "Ken! Du kannst jederzeit auf mich zählen! Es gibt jetzt umso mehr zu beschützen und ich werde dafür sorgen." Sein Partner nickte ihm dankend zu. "Gut! Dann zeigen wir es diesem Ungeheuer jetzt!", entschied er und hielt sein DigiVice in die Höhe. Jewelbeemon flog wieder in die Höhe und Gulfmon bereitete einen Angriff vor. Bevor er diesen ausführen konnte, begann Kens Digimon zu leuchten. "Jewelbeemon Mega-Digitation zuuuu.... BanchoStingmon!" Das Digimon war nun pechschwarz und trug ein rotes Cape. Ken sah zu ihm auf. Sein Partner hatte seinen Ruf erhört, die zu beschützen, die ihm wichtig waren. "Zeig es diesem Mistkerl!", feuerte er es an. BanchoStingmon fuhr einen Stachel aus, der mehr an ein Schwert erinnerte, und flog auf den Gegner zu. Dieser hob seine Klaue und ließ sie auf den Angreifer hinabsausen. Doch Kens Partner zerschnitt diese mühelos. "Ihr Narren! Ich werde euch alle vernichten!", kündigte er an. Doch das ließ BanchoStingmon nicht zu. Es erhöhte sein Tempo und stieß seinen Stachel tief in die Brust des Gegners. Dies schien der entscheidende Schlag gewesen zu sein. Gulfmon heulte auf und begann sich in reine Daten zu verwandeln. Die Gefahr schien vorerst gebannt zu sein. BanchoStingmon landete und verwandelte sich aufgrund der Anstrengung zu Minomon zurück. Ken sammelte es ein und kehrte dann zu Yolei zurück. Diese hatte sich wieder aufgerichtet. T.K kümmerte sich darum, die DigiVices wieder einzusammeln, die nun auf dem Boden herumlagen. Kari eilte zu Mimi, um sich nach dem Zustand der Gäste zu versichern. Diese hatte sie in den Park gleich nebenan geführt. Als Kari berichtete, dass es wieder sicher war, beratschlagten diese. Die meisten bereiteten sich schließlich einverstanden zur Location zurückzukehren. Einige wenige – darunter auch der Priester, doch dieser hatte seine Aufgabe ja erfüllt – beschlossen lieber zu gehen.

Und so kam es, dass es wenig später doch noch zu Festlichkeiten kam. Immerhin war die Torte noch nicht einmal angeschnitten worden, ein Unding, das schnell nachgeholt werden musste. Cody übernahm die Ehre und teilte jedem einen Teller aus.

„Gib mir lieber noch ein zusätzliches Stück für Veemon. Du weißt ja, wie viel er verputzen kann.“, bat Davis.

Cody nickte.

„Ah ja, für Veemon. Natürlich.“, meinte er, erfüllte den Wunsch seines Freundes aber.

Mimi FaceTimete mit Izzy und berichtete ihm von dem Zwischenfall.

„Die Angriffe der Feinde werden tatsächlich mehr. Besonders bei so einer Veranstaltung ist das inakzeptabel. Wir sollten ein Meeting abhalten und besprechen, wie wir weiter vorgehen.“, schlug er vor.

Mimi verkniff sich ein Statement zu Izzys Wortwahl, der seiner Rolle als Firmenchef vollends gerecht wurde. Dennoch musste sie ihm zustimmen. Sie hatten so viel in diese Feier investiert und dann wurde sie doch von einem Digimon unterbrochen. Nicht nur das, der Gegner war diesmal schlauer vorgegangen und ohne die Aufmerksamkeit Rurimons wäre es für sie schlimm ausgegangen. Izzy versprach sich einen Schlachtplan zu überlegen. Doch das hatte Zeit bis morgen.

T.K trat nun aufs Podium und räusperte sich. Auch wenn die Halle recht groß war, benötigte er kein Mikrofon, eine erhöhte Stimmlage reichte.

„Ich wollte dem Paar nur noch mal alles Gute wünschen. Ich weiß, der heutige Tag war nicht nur schön für euch. Aber ab heute wird sich alles ändern. Ihr habt euch als Kinder kennengelernt und euch sofort ineinander verliebt. Ihr wusstet, dass ihr füreinander bestimmt seid und immer füreinander da sein werdet. Das macht die Liebe zwischen euch aus. Aber jetzt genug über Ken und Yolei geredet, ich möchte auch noch ein paar Worte über Davis verlieren.“

Der gesamte Saal brach in Gelächter aus. Auch die beiden DigiRitter versuchten ein Lächeln aufzusetzen. Dann hielt T.K noch eine ernstere Rede für das frisch gebackene Ehepaar und mischte sich wieder unter die Gäste. Am Ende wurde die Feier doch noch schön und die ersten Gäste verabschiedeten sich.

Takeshi, Shun und Tsubasa hatten sich bereit erklärt, noch beim Aufräumen zu helfen. Die Stühle wurden aneinander gereiht und das Geschirr in die Küche gebracht. Prismamon mampfte das letzte Stück Torte. Tsubasa murrte, dass sie nicht rechtzeitig daran gedacht hatte, sich noch ein Stück einpacken zu lassen. Doch Yolei fiel ein, dass es noch einen Kuchen im Kühlschrank gab für den Fall, dass es mehr Gäste als Tortenstücke gegeben hätte. Sie eilte los, stoppte aber nach einigen Metern.

„Seltsam. Wieso... dreht sich denn alles hier?“, fragte sie.

Bevor jemand etwas erwidern konnte, verlor sie den Halt und fiel zu Boden.

„Yolei!“, rief Ken und eilte zu ihr.

Er versuchte sie wachzurütteln, doch es gelang nicht. Kari wies die anderen an, einen Krankenwagen zu rufen. Cody war der erste, der sein Handy zückte.

Es dauerte noch quälend lange Minuten, bis Hilfe eintraf. Ken und Davis hatten die Braut inzwischen auf einen weichen Untergrund gelegt. Die Sanitäter untersuchten sie, konnten aber nicht feststellen, was ihr fehlte. Also verfrachteten sie sie erst einmal in den Krankenwagen. Ken wurde erlaubt mitzufahren, die anderen mussten selbst für die Fahrt sorgen.

„Können... wir etwas tun?“, wollte Takeshi wissen.

T.K winkte aber ab.

„Nein, im Moment könnt ihr nichts tun. Es wird außerdem spät. Fahrt schon mal nach Hause, wir werden euch über alle Neuigkeiten unterrichten.“, versprach er.

Die drei nickten und machten sich dann daran aufzubrechen. Der Tag war nicht verlaufen wie sie erwartet hatten. Und geendet schon gar nicht. Sie hofften, dass mit Yolei alles wieder in Ordnung kam.

Folge 12 – In die DigiWelt – Teil 1

Ken spürte, dass er noch nie so nervös in seinem Leben war. Er war bereits das dritte Mal zum Kaffeeautomaten gewandert. Alle drei Male hatte er einen beliebigen Knopf gedrückt, das Ergebnis aber dennoch getrunken. Als er zu den anderen zurückkehrte, wirkten diese nicht weniger nervös. Cody war gegen die Wand gelehnt und sah immer wieder zur Uhr. Davis saß neben T.K und tippte mit den Füßen. Kari tippte auf ihrem Handy herum, um die anderen auf dem Laufenden zu halten.

„Ihr müsst nicht hier sein. Es reicht, wenn ich solange bleibe, bis wir Antworten erhalten. Geht ruhig nach Hause.“, bot Ken an.

Doch keiner seiner Freunde wollte davon wissen. Für sie stand fest, dass sie bleiben würden, bis es Yolei wieder besser ging oder zumindest Neuigkeiten von einem Arzt erfahren hatten.

„Vielleicht hat ihr Sturz während dem Kampf doch mehr zugesetzt als wir dachten.“, überlegte Davis laut.

„Aber... danach schien es ihr doch gut zu gehen, oder?“, wandte T.K ein.

Kari gab ihm recht.

„Hoffen wir, dass es nur Überanstrengung ist. Nicht nur der Kampf, auch die Vorbereitung und die Aufregung haben Yolei sicher einiges an Energie abverlangt.“

Cody brummte nun hörbar und alle wandten ihm den Blick zu.

„Oder...“, murmelte er mehr zu sich selbst?

„Oder was?“, drängte Ken.

Cody überlegte kurz, wie er antworten sollte.

„Einer Kommilitonin ist letztes Jahr dasselbe passiert. Sie ist kollabiert und musste ins Krankenhaus. Aber es war nichts Schlimmes, sie hatte nur nicht bemerkt, dass sie schwanger war. Und der Stress der Uni war natürlich nicht gut für das Baby.“

Alle ließen sich die Möglichkeit durch den Kopf gehen.

Ken schluckte.

„Schwa... schwanger? Aber... das kann doch nicht sein, oder? Yolei kann doch nicht schwanger sein?“, hatte er Davis an den Schultern gepackt und schüttelte ihn.

Dieser verneinte die Augen.

„Wie sollen WIR das bitteschön wissen?“

Ken musste sich ebenfalls setzen. Falls Cody recht hatte, wie sollte er das auffassen? War das gut oder schlecht? Diese Vorstellung fühlte sich wirr in seinem Kopf an.

Schließlich trat ein Arzt mit blauen Haaren und Brille aus einer Tür und Ken war sofort wieder auf den Beinen. Er stolzierte zu ihm, seine Freunde dicht hinter ihm.

Doch bevor er etwas sagen konnte, hob Joe eine Hand.

„Wir haben die Untersuchung abgeschlossen, aber die Ergebnisse noch nicht ausgewertet. Wir können nicht beantworten, was Yolei genau hat.“, stellte er schnell klar.

Auch Davis' Bitte nach einer Vermutung tat er ab, da so etwas nichts brachte. Yolei schlief im Moment und er empfahl, morgen früh wiederzukommen. Mehr konnten sie im Moment nicht ausrichten. T.K dankte Joe, dass er sich persönlich um ihre Behandlung kümmerte, doch für ihn schien das selbstverständlich zu sein. Er versprach noch einmal, regelmäßig nach ihr zu sehen, dann musste er sich bereits um seinen nächsten Patienten kümmern.

Davis klopfte seinem Freund auf die Schulter.

„Wenn sie jetzt schläft und nicht mehr bewusstlos ist, ist das doch gut! Sie ist hier in den besten Händen.“

Ken wusste, dass sein Freund recht hatte, aber dennoch plagte ihn die Ungewissheit. Sie verließen das Krankenhaus, ihre Digimon demolierten im Auto wahrscheinlich schon die ganze Einrichtung so ungeduldig mussten sie sein.

Hawkmon war der erste, der sich nach Yolei erkundigte. Erst mal konnten sie Entwarnung geben, aber morgen würden sie mehr wissen. Cody fuhr jeden einzeln nach Hause, wofür sie ihm sehr dankbar waren.

„Izzy hat mir geschrieben. Er meint, er hat Neuigkeiten, die wir wissen sollten. Er fragt, ob wir morgen zu ihm in die Firma kommen könnten.“, sah Kari von ihrem Handy auf.

Davis knurrte.

„Ist das denn jetzt so wichtig? Interessiert es ihn gar nicht, wie es Yolei geht?“

Kari seufzte.

„Beruhige dich. Ich halte ihn doch ständig auf dem Laufenden. Aber er schrieb, es sei wichtig.“

Ken wandte sich ihr zu.

„Also gut. Morgen früh? Schreib ihm, ich werde kommen.“

Davis stutzte.

„Aber... was ist mit Yolei?“

Doch Ken hatte sich entschieden.

„Ich fahre gleich danach zu ihr. Es ist ohnehin besser, wenn ich sie ausschlafen lasse. Ich will unbedingt wissen, wer für diese Angriffe verantwortlich ist. Wer meiner Frau... das angetan hat.“

Alle konnten ihn verstehen. Schließlich teilte Kari Izzy mit, dass sie morgen früh erscheinen würden. Da er auch gebeten hatte, dass die neuen DigiRitter dabei sein sollten, schrieb sie auch Tsubasa. Diese versprach, sich mit ihren Freunden kurzzuschließen. Da sie aber ohnehin eine Woche Ferien hatten, würde dem Meeting wohl nichts entgegenstehen.

Dann wurden sie einer nach dem anderen bei ihren Wohnungen abgeliefert. Ken war der letzte. Er dankte Cody und versprach sofort anzurufen, sollte er etwas aus dem Krankenhaus hören. Hawkmon verbrachte die Nacht bei ihm und Wormmon. Sie schafften es beide nicht, diese Nacht zu schlafen. Nur Minomon, das inzwischen wieder zu Wormmon digitiert war, schlummerte friedlich dahin. Manchmal beneidete Ken seinen Partner um diese Eigenschaft. Besonders jetzt.

Er legte sich auf sein Bett und starrte zur Decke. Würde so ihre gemeinsame Zukunft aussehen? Dass Digimon immer ein Teil ihres Lebens sein würden, war ihnen klar. Aber dieser Konflikt musste einfach enden. Das stand für ihn fest.
 

Als Takeshi diesen Morgen sein Haus verließ, stand ihm ein Geist gegenüber. Dabei strahlte bereits die Sonne.

Tsubasa sah übernächtigt und zerzaust aus.

„Hey... toll siehst du heute aus.“, versuchte es Takeshi, doch seine Freundin sah ihn nur böse an.

„Von wegen? Ich konnte mich nicht einmal schminken und frisieren. Ich bin erst spät eingepennt und gerade noch so aus den Federn gekommen.“, beschwerte sie sich.

Shun räusperte sich.

„Sei doch froh, dass sie uns zu diesem Treffen eingeladen haben. Das bedeutet, dass sie uns ernst nehmen und nicht nur für irgendwelche Kinder halten, die zufällig an ein DigiVice geraten sind.“

Takeshi verstand, was er meinte.

Es war nicht geplant gewesen, dass er sich in die U-Bahn-Station verirrte. Gennai hätte das DigiVice genauso jemand anderem überreichen können. Und während Shun und Tsubasa nicht seine Freunde gewesen wären, hätten sie sich auch nicht als Koemon und Hebimons Partner angeboten. Es war eine riesige Verantwortung, welche sie ernst nehmen mussten.

Sie kannten den Weg zu Izzys Firma ja bereits und waren bald vor dem Eingang angelangt. Sie mussten nur ihre Namen nennen und wurden eingelassen. Mit dem Lift fuhren sie nach oben und wurden zu Izzys Büro geführt.

Drinnen erwarteten sie bereits Davis, Kari, T.K und überraschenderweise auch Ken.

„Also... wie geht es Yolei denn?“, fragte Tsubasa sofort.

Ken holte tief Luft.

„Nichts Neues, sonst hätte Joe mich schon angerufen. Ich fahre gleich nachher ins Krankenhaus.“

Die Mittelschüler verstanden. Die Situation musste quälend für ihn sein.

Izzy trat ins Zimmer und bat ihnen, ihm zu folgen. Er bat alle, Platz zu nehmen, und setzte sich selbst an seinen Computer. Tentomon begrüßte die anderen Digimon. Patamon befand sich wie immer in T.Ks Armen, während Veemon und Gatomon auf ein Sofa hüpften. Wormmon war noch bei Ken zu Hause und kümmerte sich um den endlich schlummernden Hawkmon.

"Also, was hast du für Neuigkeiten?", wollte Ken wissen. Anstatt sofort zu antworten, tippte Izzy auf seine Tastatur herum und ein Videofenster öffnete sich. "Das soll euch der hier sagen.", kündigte er an und im Fenster wurde ein bekanntes Gesicht erkennbar. Er trug seine Haare nun kürzer und auch der Anzug wirkte etwas fremdartig an ihm.

"Onii-chan!", sagte Kari als erstes. Tai hob seine Hand zum Gruß. Zuerst drückte er sein Mitgefühl aus und wünschte Yolei alles Gute. Dann kam er zum Punkt. "Ich habe mich noch einmal mit Yamada-san getroffen. Erst war es schwierig, ihm Informationen zu entlocken. Doch schließlich hat es geklappt." Ken trat vor und schob Izzy teilweise zur Seite.

"Raus mit der Sprache! Wer genau ist unser Feind?" Izzy bat ihn, sich zu beruhigen, aber mit mäßigem Erfolg. Zum Glück antwortete ihm Tai ohne Umschweife. "Sein Name lautet Takutoumon. Er hat sich selbst zum König der DigiWelt gekrönt. Und er hat eine große Gefolgschaft hinter sich. Er hat ihnen eingeredet, dass Menschen ihre Welt zerstören wollen und sie diese loswerden müssten." T.K nickte. "Also so eine Art Sektenführer?" Tai fand diesen Begriff passend. "Jedoch sind nicht alle Digimon auf seiner Seite. Die meisten kaufen ihm seine Geschichten zum Glück nicht ab. Doch Takutoumon hat damit begonnen, gegen sie vorzugehen. Dieser Widerstand kostet ihn natürlich Ressourcen. Das wissen wir, weil Yamada-sans Behörde Spyware in die DigiWelt transportiert hat. Dadurch wissen wir nun auch, wo sich die Burg befindet, in der sich Takutoumon aufhält." "Mit anderen Worten, wir kennen die Position des Feindes.", wiederholte Izzy. Tai nickte.

"Gut! Dann holen wir uns diesen Mistkerl und erledigen ihn!", sagte Ken bestimmt. Davis legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Immer ganz langsam. WIR kümmern uns um ihn. Du wirst hier gebraucht, bei Yolei." Ken wollte einhaken, erkannte dann aber, dass sein Freund recht hatte. Niemals hätte er Yoleis Seite verlassen können. Immerhin war sie jetzt seine Frau. "Versprecht mir, dass ihr ihn besiegt.", rang er seinem Kumpel ab. Dieser zwinkerte ihm zu. "Kinderspiel! Wir haben schon härtere Brocken erledigt." Kari zweifelte daran, ob dies wirklich der Fall war. Takutoumon hatte einen nicht unerheblichen Teil der DigiWelt unter sich vereint. Trotzdem mussten sie es versuchen. "Also gut, ich bin dabei. Und versuche mich nicht davon abzuhalten, Bruderherz!", sagte sie bestimmt. Tai seufzte.

"Ja, da würde ich mir die Zähne ausbeißen." Auch T.K und Davis traten vor. Natürlich waren sie ebenfalls mit von der Partie. Angespornt meldete sich auch Takeshi freiwillig. "Natürlich könnt ihr auch auf uns zählen! Wir unterstützen euch!", rief er aus. Tsubasa zögerte etwas. "Heißt das... wir gehen in die Welt von Hebimon? Sieht sie denn genauso aus, wie der Ort, wo wir Gennai getroffen haben?", fragte sie unsicher. Davis protestierte jedoch. "Nein, ihr kommt natürlich nicht mit. Wir haben die Verantwortung über euch! Wie sollten wir es euren Eltern gegenüber rechtfertigen, wenn euch etwas passiert.", wandte er ein. Shun konnte die Einstellung nachempfinden. Besonders seine Eltern würden protestieren. Trotzdem war er niemand, der tatenlos zusehen konnte. "Wir haben euch doch bisher unterstützt, so gut wie konnten, oder? Und bis dato war es auch nicht gerade ungefährlich. Bitte lasst uns auch etwas beitragen.", bat er. Davis wollte etwas erwidern, doch Kari kam ihm zuvor. "Ich finde, sie haben einen guten Punkt. Auch sie sind DigiRitter und haben Partner. Und vergiss nicht, dass wir damals auch nicht älter waren.", wandte sie ein. Izzy räusperte sich. "Dem kann ich nur zustimmen. Ihr musstet eure eigenen Erfahrungen machen. Wir haben euch damals auch nicht dreingeredet und nur eingegriffen, wenn ihr Hilfe brauchtet.", erinnerte er. Davis konnte dem Argument zwar folgen, doch es brauchte noch Tai, um ihn vollends zu überzeugen. "Wisst ihr, wieso wir euch meistens alleine haben gehen lassen? Wegen euren Digimon. Ihr könnt ihnen bedingungslos vertrauen, richtig? Das ist bei den neuen DigiRittern nicht anders. Ihr nehmt nicht nur drei Mittelschüler mit euch, sondern welche mit starken Partnern, die ihnen zur Seite stehen.", erklärte er. Damit war Davis vollends überstimmt und es war beschlossene Sache, dass Takeshi und die anderen sie begleiten würden. Da immer noch Ferien waren, war Zeit auch kein Problem.

"Aber... was ist mit unseren Eltern? Wir werden vermutlich einige Tage weg sein.", wand Tsubasa ein. Ein legitimes Argument, wofür Izzy jedoch eine Lösung parat hatte. "Ihr werdet an einem Sommercamp teilnehmen. Es wird von meiner Firma gesponsert und dort wird auch zusätzliches Wissen vermittelt. Leider mussten drei Bewerber ausscheiden, weshalb ihr nun mitdürft. Einziger Knackpunkt an der Sache ist, dass es schon morgen losgeht.", erklärte er. Tsubasa engte die Augen. "Gibt es so ein Sommercamp wirklich?", fragte sie misstrauisch. Izzy zuckte mit den Schultern.

"Jetzt schon. Eure Eltern können mich jederzeit anrufen, wenn es Probleme gibt. Vor allem, da Smartphones dort verboten sind und sie euch in der Zeit nicht kontaktieren können.", fügte er hinzu. Der Firmenchef schien wahrlich an alles gedacht zu haben. Besonders der Lehrinhalt machte es Shun einfach, die Reise seinen Eltern zu verkaufen. Sie beratschlagten noch, was sie alles brauchen würden, dann verabredeten sie sich auf morgen wieder hier. Izzy würde ein Tor in die DigiWelt öffnen und sie konnten sich dem Problem endlich annehmen. Ken verabschiedete sich nun und machte sich auf ins Krankenhaus. Er versprach, die anderen sofort zu benachrichtigen. Er wünschte seinen Freunden alles Gute und zog dann von dannen. Er konnte es gar nicht abwarten, seine Frau zu sehen.

Takutoumon stützte seinen Kopf mit seiner Hand ab und starrte ins Leere. Drei seiner Generäle hatten sich als Fehlschlag erwiesen. Seine Feinde waren also wirklich stärker als er erwartet hatte. Er hatte keine andere Wahl, als sich selbst um das Problem zu kümmern. Lediglich ein General war ihm geblieben, der nun gespannt auf Befehle wartete. Es handelte sich um eine Kreatur mit mehreren Schlangenköpfen.

„Mein König! Anders als die anderen werde ich Euch nicht enttäuschen. Schickt mich los, diese Menschen zu beseitigen.“

Takutoumon dachte aber nicht daran. Er hatte seine Entscheidung bereits gefällt.

„Nein, das wäre vergebene Mühe. Ich habe eine andere Aufgabe für dich. Kümmere dich um den Widerstand. Dafür bist du gerade noch so gut genug. Ich werde dir auch eine Kugel mitgeben, nur für den Fall.“ befahl er. Der General, dessen Name Orochimon lautete, wagte es nicht zu widersprechen. Es würde den Befehl ausführen. Dieser war ohnehin einfacher als der Kampf gegen die Menschen. Es nahm die Kugel entgegen und machte sich dann auf den Weg. Nach einiger Zeit erhob sich der König und beschloss, sich für die Schlacht vorzubereiten.

Ken war ohne Umschweife zum Krankenhaus gefahren, selbst auf Frühstück hatte er verzichtet. Er parkte und suchte das Stockwerk auf, auf dem Yolei lag. Zuvor erkundigte er sich natürlich bei der Schwester, ob seine Frau bereits wach war. Zum Glück schien dies der Fall zu sein. Also klopfte er und wurde wenig später hereingebeten. Yolei saß auf dem Bett und blätterte in einer Zeitschrift. „Krankenhäuser sind so rückständig, man muss sich die News aus Zeitungen und so weiter holen, anstatt einfach sein Handy zu nutzen.“ Ken spürte Erleichterung in sich aufkommen. „Ich bin sicher, die haben gute Gründe, warum Handys hier verboten sind.“ Er organisierte sich einen Stuhl und setzte sich zu ihr. „Gibt es... schon Neuigkeiten wegen der Untersuchung?“, hakte er dann nach. Yolei wich seinem Blick aus.

„Schon, aber... ich will nicht darüber reden.“ erwiderte sie. Ken wurde blass. War es etwa so schlimm? Er griff die Hände seiner Frau und sah sie bittend an. „Yolei, wir sind jetzt Mann und Frau! Du kannst mir alles sagen!“ Diese schluckte und nickte dann. „Die Ärzte nennen es Fruktoseintoleranz. Scheinbar hat der Bäcker, welcher die Torte gemacht hat, zu viel von dem Zeug reingemacht.“ Ken fiel aus allen Wolken.

„Warte... es war nur eine Lebensmittelvergiftung?“ Yolei wurde sauer. „Was heißt hier bitte nur? Ich werde nie mehr Torte essen können. Schon bei dem Gedanken daran muss ich mich jetzt übergeben!“ Ken lehnte sich zurück und spürte die Erleichterung. „Ja, sicher. Aber es hätte auch etwas Ernsteres sein können.“ wand er ein. Yolei nickte. „Ja, aber ist es ja nicht. Tut mir leid... dass ich dir Sorgen bereitet habe.“ Ken schüttelte den Kopf.

„Mach dir keine Gedanken um mich. Komm erst einmal wieder auf die Beine. Wir haben schon sonst welche Befürchtungen, was mit dir los sein könnte. Du wirst es nicht glauben, Cody hatte sogar die Überlegung, dass du schwanger sein könntest.“ lachte er. Yolei stimmte darauf jedoch nicht ein. „Ach so... das dachtest du also. Nein, bin ich nicht. Tut mir leid.“ Ken verstummte. „Also... nein, es gibt doch keinen Grund, sich zu entschuldigen. Wie gesagt, das war nur eine Vermutung.“ sagte er schnell. Seine Frau senkte den Kopf. „Wäre es dir denn lieber gewesen... wenn es keine gewesen wäre?“ Ken überlegte kurz. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Und ich habe mir auch nicht wirklich Gedanken über diese Möglichkeit gemacht. Es ist ja ohnehin zu früh, um darüber nachzudenken. Wir haben gestern erst geheiratet.“

Yolei brummte. „Schon, aber... ich will nicht, dass wir zu so einem Ehepaar werden, das nur Katzen hat, anstatt Kinder. Oder in unserem Fall Falken und Raupen.“ Ken schmunzelte. „Du redest, als wärst du schon eine alte Oma. Wir haben ja Zeit, alles genau zu besprechen. Die anderen werden sich freuen, dass es dir wieder gut geht.“

Yolei erkundigte sich nun nach dem Stand der Dinge und Ken verriet, dass Davis und die anderen morgen in die DigiWelt aufbrechen würden. „Verstehe, morgen also schon. Du musst sie begleiten.“ Dieser Reaktion überraschte Ken merklich. „Nein! Ich bleibe natürlich hier bei dir!“ Doch davon wollte Yolei nichts wissen.

„Ich bin nicht schwer krank! Ich werde sowieso die Tage wieder entlassen und du könntest hier nichts tun, als mit mir Zeitschriften zu lesen. Ja, es wäre schön, wenn du hier wärst, aber... Davis braucht dich eben mehr. Du weißt, er ist verloren ohne dich.“ Ken nickte. „Ja, stimmt. Das habe ich nicht bedacht. Er braucht ständig jemanden, der auf ihn aufpasst.“ Beide verfielen in Gelächter. Dann ergriff Ken erneut Yoleis Hand. „Ich werde so schnell zurück sein wie möglich. Versprochen. Und dann beginnen wir unser gemeinsames Leben.“ Yolei lächelte. Das war ein schöner Gedanke.
 

Takeshi war wirklich froh gewesen, dass seine Eltern nicht allzu viele Fragen gestellt hatten. Eigentlich waren sie sogar froh gewesen, dass er in den Ferien nicht einfach nur herumlungerte. Da Shun und Tsubasa dabei waren, von denen sie wussten, dass sie einen guten Einfluss auf ihren Sohn hatten, war alles geregelt gewesen.

Als der Junge sich an diesem Morgen mit eben diesen vor Izzys Firma traf, stellte er erleichtert fest, dass es bei ihnen ähnlich verlaufen war.

„Izumi-sans Firma scheint recht bekannt zu sein. Meine Eltern halten das Ganze wohl für eine Art Stipendium und waren froh, dass ich in den Ferien lernen will.“, berichtete Shun.

„Und meine Mutter hatte auch keine Probleme, sie hat mir nur eingeschärft, meine Hormone regelmäßig zu nehmen.“, fügte Tsubasa hinzu.

Sie traten ein und fuhren erneut hoch zu Izzys Büro. Dort fanden sie bereits Davis und T.K vor. Ihre Digimon schienen irgendwelche Übungen zu vollziehen, wohl um sich aufzuwärmen. Prismamon und die anderen warteten gespannt, es war inzwischen eine Weile her, seit sie die DigiWelt verlassen hatten. Zumindest Koemon und Hebimon mit der Aufgabe, Rurimon und dessen Buch zu finden. Diese Mission hatten sie erfüllt. Der kleine Drache hatte inzwischen Tentomon begrüßt, welches Süßigkeiten mit ihm teilte.

Die Tür schwang erneut auf und eine junge Frau trat ein. Davis wollte sie bereits begrüßen, fiel aber aus allen Wolken. Nein, das wäre untertrieben gewesen. Er stand nahezu unter Schock, als er einen Blick auf Kari warf.

„Kari! Was ist denn mit deinen Haaren passiert?“

T.K war nicht minder überrascht.

„Ja, du wolltest sie doch zur Abwechslung mal lang haben.“

Kari schien noch einen Besuch beim Friseur eingeschoben und sich eine Kurzhaarfrisur verpasst zu haben.

„Ja, aber die wären in der DigiWelt sicher störend gewesen. Vielleicht passt diese Frisur einfach doch besser zu mir.“ erwiderte sie.

Davis stotterte herum.

„Aber... musstest du dafür wirklich so weit gehen? Das erscheint mir etwas extrem.“ machte er keinen Hehl daraus, dass er sich inzwischen an Karis längere Haare gewöhnt hatte.

„Also ich finde, es steht dir, Kari-san. Du siehst sehr hübsch aus.“ komplimentierte Tsubasa.

Die junge Frau lächelte und Izzy kam zu ihnen.

„So, es ist soweit alles vorbereitet. Ich werde euch direkt an den Rand des Gebietes bringen, das Tai mir genannt hat. Von da aus müsst ihr euch dem Feind alleine nähern.“

Die DigiRitter nickten entschlossen.

Die Tür wurde erneut geöffnet und ein weiteres, bekanntes Gesicht trat ein.

„Ich hoffe, ich bin noch nicht zu spät?“ fragte Ken etwas gehetzt.

Scheinbar hatte niemand mit seinem Erscheinen gerechnet.

„Was machst du denn hier? Du solltest bei Yolei sein!“ warf ihm Davis vor.

Ken wehrte aber ab.

„Das wollte sie nicht. Ich bin nützlicher, wenn ich euch begleite.“

Davis wirkte unsicher.

„Aber...“

„Davis, wir brauchen bestimmt Imperialdramon. Also lass uns nicht halbherzig an die Sache herangehen.“ blieb Ken hart.

Schließlich lenkte sein Freund ein und hieß ihn im Team willkommen.

Dann waren auch bereits alle Vorbereitungen getroffen und wie letztens hielten sie ihre DigiVices vor einen breiten Monitor. Sie wurden ins Innere gezogen und bald blieben nur noch Izzy, Tentomon und Rurimon im Raum übrig. Ersterer rieb sich die Hände.

„Also gut, wer hat Bock auf Kartenspielen?“
 

Takeshi und die anderen beschlich dasselbe Gefühl wie letztens bei ihrem Besuch in Gennais Taschendimension. Sie hatten sich also erneut in Daten verwandelt, spürten allerdings nicht wirklich einen Unterschied.

Sie befanden sich auf einem Waldweg, er wirkte etwas abgeschieden.

„Ist eine Weile her, seit wir das letzte Mal hier waren.“ merkte T.K an.

Tsubasa sah sich aufgeregt um. Es wirkte nicht anders als in ihrer Welt, aber dennoch irgendwie anders.

„Stimmt ja, für euch ist das der erste Besuch in der DigiWelt. Das wird bestimmt eine interessante Erfahrung.“ meinte Patamon sagen zu müssen.

Shun hatte sich noch keine Meinung gebildet.

„Bisher wirkt alles recht normal. Wie war es denn bei euch?“

Die älteren DigiRitter überlegten kurz.

„Nunja, ich war damals tatsächlich in einem Sommercamp als ich hier gelandet bin. Danach habe ich Tokomon getroffen und wir sind vor einem riesigen Hirschkäfer weggelaufen.“ erinnerte er sich zurück.

„Und ich wurde von den Meistern der Dunkelheit angegriffen und wir haben nur gerade mal so überlebt. Ja, das waren noch Zeiten.“ versuchte Kari zu lächeln.

Davis blickte zu seinem Partner.

„Und ich habe Veemon getroffen und wenig später sind wir auf das DigiArmor-Ei des Mutes gestoßen. Da ging für mich alles los.“

Ken streichelte Wormmon den Kopf.

„Und ich kam direkt nach dem Tod meines Bruders her. Zusammen mit einem anderen DigiRitter haben wir Milleniumon besiegt. Leider hat damals Deemon die Lage ausgenutzt, um mir die Saat der Finsternis einzusetzen, was mich zum Digimon-Kaiser hat werden lassen und ich viele unschuldige Digimon versklavt hatte. Und Wormmons Tod hatte ich dann leider auch verursacht.“

Dafür erntete er mitleidige Blicke. Davis fiel ihm in die Arme.

„Keine Sorge, jetzt hast du ja eine Familie! Du hast alles Glück der Welt verdient!“ sagte er emotional.

Ken räusperte sich.

„Danke, ich komme zurecht. Du musst dir echt keine Sorgen machen.“

Im nächsten Moment würde er feststellen, wie falsch er mit dieser Aussage war.

Zwischen den Bäumen drängten sich nun dunkle Gestalten hervor. Sie waren zwar recht klein, trugen aber eine Art Gasmaske und Schusswaffen.

Schneller als erwartet hatten sie die DigiRitter eingekreist und machten sich bereit für den Angriff.

Diese rückten näher aneinander.

„Wir müssen kämpfen.“ stand für Gatomon fest.

Auch hier sollten sie sich erneut irren.

Ein Schatten fiel von oben herab und bevor sie es sich versehen konnten, waren zwei der Gegner bereits zerstört worden. Ein blaues Wesen hielt ein Schwert in der Hand und attackierte die kleineren Gegner. Bald war der letzte getroffen und löste sich in Daten auf. Der Neuankömmling stellte sich den DigiRittern nun entgegen. „Stopp! Wer bist du? Bist du Freund oder Feind?“, stellte ihm Veemon die Frage. Takeshi erkannte ihn als erstes. Er rannte nach vorne, zwischen sie und dem Kämpfer.

„LeoHeartmon! Wir sind es! Erinnerst du dich an uns?“, begrüßte er das Digimon, gegen das er vor einiger Zeit gekämpft hatte. Der blaue Löwe steckte sein Schwert weg und nickte. „Natürlich tue ich das. Ich habe euch sofort erkannt, Menschen. Darum habe ich auch eingegriffen. Wisst ihr denn nicht, dass ihr euch direkt an der Grenze zu Takutoumons Reich befindet? Seine Troopmon patrouillieren hier stündlich.“

Davis ballte die Fäuste.

„Genau dahinter sind wir ja her! Wenn sein Territorium hier beginnt, sind wir genau auf dem richtigen Weg!“, prahlte er. LeoHeartmon knurrte grimmig.

„Ihr Narren! Ihr hattet Glück, dass die Troopmon keinen Bericht mehr erstatten konnten! Das hier ist nur die Vorhut! Wenn ihr die Grenze überquert, werdet ihr sofort entdeckt werden! In der Luft befinden sich überall Jazamon, die mit ihren Kameras jede Bewegung einfangen! Ein Schritt und ihr verratet eure Position. So einfach kann man das Gebiet nicht betreten!“ Davis knickte ein. Sie hatten wohl wirklich recht töricht gehandelt. T.K trat nun vor. „Gut, du hast uns überzeugt. Der Überraschungseffekt wäre uns tatsächlich lieber. Du kennst doch bestimmt einen Weg um unbemerkt zu Takutoumons Burg zu bringen, oder?“ Der ehemalige Feind taxierte die Menschen.

„Möglich, dass ich einen Weg kenne. Aber warum sollte ich euch diesen verraten? Wollt ihr mir weismachen, dass ihr im Stande seid den falschen König zu besiegen?“ Ken trat ihm gegenüber. „Das können wir. Wir sind stärker als du vielleicht denkst. Euer toller König hat uns einmal zu oft angegriffen. Wir können das nicht mehr dulden.“

Scheinbar überzeugte LeoHeartmon die Ernsthaftigkeit in dessen Worten. „Einverstanden. Es gibt jemandem, der mir noch etwas schuldet. Er kann euch nahe in die Burg des Königs heranbringen. Dieser vertraut ihm und wird keinen Verdacht schöpfen.“ T.K überlegte. „Aber können wir IHM auch vertrauen?“

LeoHeartmon verstand seine Bedenken. „Ich denke schon. Nicht alle Digimon befürworten das Vorgehen des Königs. Darum möchte ich euch einen Vorschlag machen. Ich bin gerade auf dem Weg zum Widerstand. Zusammen mit ihm dürften wir noch eine viel größere Chance haben, den König zu stürzen.“ Die Möglichkeit hörte sich für alle gut an.

„Na schön, dann folgen wir deinem Urteil. Wo sollen wir zuerst hin?“, wollte Takeshi wissen. Doch LeoHeartmon schüttelte den Kopf.

„Nein, dafür fehlt uns die Zeit. Wir müssen uns aufspalten, sonst kommt Takutoumon hinter unseren Plan. Eine Hälfte muss die Vorbereitungen für die Infiltration treffen, während die andere die Mitglieder des Widerstandes trifft.“ Den DigiRittern war anzusehen, dass sie nicht gerade begeistert von diesem Plan waren. „Was haltet ihr davon?“, wollte Kari wissen. Es war Takeshi, der sich für den Plan einsetzte. „Wir können LeoHeartmon vertrauen!“ Komplett überzeugen konnte er damit aber nicht. „Bist du sicher? Er war zuerst unser Feind.“, wand Shun ein. Doch sein Freund schüttelte den Kopf.

„Er hatte nie die Absicht uns etwas anzutun. Er ist nur auf der Suche nach starken Gegnern. Und dass er uns jetzt hilft bedeutet, dass er unsere Stärke respektiert. Wir sollten auf uns hören, wenn wir vorankommen wollen.“ Schließlich einigten sie sich auf LeoHeartmon zu hören und seinem Plan zu folgen. Kari, T.K, Tsubasa, Shun sowie deren Digimon ließen sich den Ort nennen wo sie die Kontaktperson treffen sollten. Davis, Ken, Takeshi und deren Digimon sollten LeoHeartmon zum Versteck des Widerstandes begleiten um sich mit diesem zu beraten. Sie beschlossen sich in 5 Stunden wieder zu treffen, dann trennten sie sich. Ken hoffte, dass sich dies nicht als Fehler herausstellte.

Die Gruppe bewegte sich in gegensätzlicher Richtung fort, das war eigentlich nicht der Plan gewesen. Doch es war sicher klug, nicht direkt in die Arme des Feindes zu laufen. LeoHeartmon ging voraus und Takeshi folgte ihm in einigem Abstand. Ken und Davis bildeten den Schluss.

„Hey, ich bin immer noch nicht von dem Typen überzeugt.“, flüsterte Davis seinem Freund zu. Ken zuckte mit den Schultern. „Takeshi vertraut ihm, das reicht mir eigentlich.“ Davis seufzte und legte an Tempo zu. Kaum 10 Minuten später waren sie am Eingang einer Höhle angekommen.
 

"Die Mitglieder des Widerstands verstecken sich darin. Verlieren wir keine Zeit.", sagte ihr Führer und trat ins Dunkle. Wieder einmal wurde Prismamons Fähigkeit, die Umgebung zu beleuchten, mehr als nützlich. Sie waren einige Meter gegangen, da stolperte Veemon und schlug mit dem Kopf auf. Davis erkundigte sich, ob es seinem Partner gut ginge, doch dieser gab Entwarnung. Als sie aber nach vorne blickten, zeichnete sich schon das nächste Problem ab. LeoHeartmon war verschwunden. Sie riefen nach ihm, doch keine Reaktion.

„Kann er so weit voraus gegangen sein?“, fragte Davis skeptisch. Sie wussten es nicht, ihnen blieb nichts übrig, als schnell zu gehen und es einzuholen. Das taten sie schließlich auch und kamen in der größeren Grotte an. „Seht mal! Hier liegen überall Essenreste herum. Und Töpfe. Alle total zerstreut.“, wies Veemon auf den Boden. Die DigiRitter stimmten zu. Hier schien etwas vorgefallen zu sein. Prismamon schritt durch die Unordnung und ließ den Kopf sinken.

„Hier... wurden Digimon zerstört. Eine große Menge sogar.“ Die DigiRitter schluckten. Dass es hier einen Kampf gegeben hatte, war eindeutig. Doch wie viele Digimon hatten hier ihr Leben verloren? Der gesamte Widerstand? Wusste LeoHeartmon davon? Ein heiseres Lachen erklang von hinten aus der Grotte. Die Gruppe wandte sich um, als ein großes Digimon auf sie zuschlich. Es wirkte wie ein Bündel Fell, das mehrere Schlangenköpfe besaß. Davis fluchte. „Verdammt! Es war doch eine Falle! LeoHeartmon hat uns reingelegt!“ Takeshi konnte es nicht glauben.

„Nein... das kann nicht wahr sein. Es muss eine Erklärung geben.“ Doch Orochimons erster Angriff ließ ihnen keine Zeit zum Denken. „Macht euch bereit!“, warnte Ken. Die DigiVices kamen zum Einsatz und der Kampf begann.

„Veemon digitiert zuuuuu..... ExVeemon!“

„Wormmon digitiert zuuuu.... Stingmon!“

„Prismamon digitiert zuuuu.... PrismKnightmon!“

Alle drei Digimon gingen nun in Stellung, doch Orochimon drohte eine Energiewelle aus seinem Maul zu schießen. Doch da sprang ein Schatten von oben und zerschnitt jenen Kopf. LeoHeartmon landete neben den DigiRittern, das Schwert im Anschlag. „Tut mir leid, dass ich vorausgegangen bin, doch ich habe den Feind gespürt. Er hat tatsächlich den gesamten Widerstand ausgelöscht.“ Takeshi verstand. Ihr Verbündeter wollte den Feind aus einer anderen Position aus angreifen. „Ich wusste, dass du auf unserer Seite bist! Kämpfen wir gemeinsam!“ LeoHeartmon nickte und machte den Anfang. Doch Orochimon preschte schon nach vorne und schnappte nach dem Löwen. Dieser konnte gerade noch sein Schwert nutzen und es zwischen die Zähne des Ungetüms stecken, um nicht verschlungen zu werden. ExVeemon führte einen Vee-Laser gegen einen anderen Kopf aus und konnte diesen zurückdrängen. PrismKnightmon blockte einen der Köpfe mit seinem Schild, wurde aber ebenfalls einige Zentimeter zurückgeschoben. Stingmon versuchte einen Letzten Stich, doch Orochimon war schneller. Es schnappte nach dem Digimon und fing es in einem Maul.

„Stingmon! Du musst dich befreien!“, brüllte Ken geschockt. Doch dies gelang seinem Partner nicht. Orochimon biss zu und die Digitation löste sich. Es wurde wieder zu Wormmon und es war ein Glücksfall, dass es nicht im Maul landete, sondern auf dem Boden. Ken sammelte es auf, während ExVeemon es schilderte. Wormmon war eindeutig verletzt, aber bei Bewusstsein. „Tut mir leid Ken. Ich war zu schwach.“, wimmerte es. Sein Partner schüttelte den Kopf. „Nein, du warst toll wie immer.“ Er konnte nicht glauben, dass er zuerst Yolei und jetzt Wormmon in Gefahr gebracht hatte. Davis erkundigte sich nach dessen Zustand, doch Ken schüttelte den Kopf. Sein Digimon würde erstmal nicht in der Lage sein zu kämpfen. „Mist, dabei hätten wir Paildramon echt gut brauchen können.“, jammerte er. Doch es war nichts zu machen. Sie hatten Glück, dass LeoHEartmon hartnäckig war und den Feind beschäftigte. Doch sie konnten ihm den ganzen Kampf nicht alleine überlassen. Takeshi griff an sein DigiVice, um seinem Partner zu neuer Stärke zu verhelfen.

„PrismKnightmon Ultra-Digitation zuuuu.... PrismDukemon!“

Jetzt sah die Lage schon anders aus und PrismDukemon eilte LeoHEartmon zu Hilfe. Mit seiner Lanze stieß es in die Brust des Gegners, was sichtlichen Schaden verursachte. Als nächstes führten sie einen gemeinsamen Angriff aus, mit Lanze und Schwert. Das Ergebnis war, dass ein Loch in Orochimons Oberkörper klaffte. Verletzt robbte es zurück. „Glaubt bloß nicht, dass ihr stärker seid! Ich hatte mich nur schon verausgabt, als ich diese lästigen Digimon des Widerstands verschlungen habe! Aber zu eurem Pech hat mir der gütige König noch eine Trumpfkarte mitgegeben.“ Ken erkannte zuerst, dass Orochimon nun eine von Azulongmons Kugeln hervorholte und einer der Köpfe sie einfach verschlang. „Achtung! Es wird gleich noch viel stärker werden!“, warnte er. Und er sollte recht behalten. Orochimon begann zu glühen und seine Köpfe miteinander zu verschmelzen. Es wurde zu einem riesigen, schwarzen Ungetüm mit mehreren Augen. Sein König hatte ihm die Kraft verliehen, zu Nidhoggmon zu digiteren, seine stärkste Stufe. Und er würde sie nutzen, um ihm die DigiRitter zum Geschenk zu machen.

„Wir... wir sollten uns erst einmal zurückziehen!“, schlug Ken vor. Davis war geneigt, ihm zuzustimmen. Nidhoggmon hatte aber andere Pläne. Dunkle Schlangen entfleuchten seinem Körper und krochen über den Boden. Allerdings war ihr Ziel nicht die Digimon, sondern die Ausgänge der Grotte. Sie waren gefangen. Ein Kampf war nun unausweichlich. Die nächsten Schlangen krochen auf PrismDukemon zu. Dieser griff mit seiner Lanze an, bekam sie aber nicht zu fassen. Sie erreichten nun seinen Körper und drohten ihn einzunehmen. Hinter ihm kam unerwartet ExVeemon zum Vorschein und setzte seinen Vee-Laser gegen die Attacke ein. Sie traf, doch die Explosion schleuderte Takeshis Partner zurück. Als sich dieser erst freute, sein Digimon wäre in Sicherheit, wurde ihm schnell bewusst, dass dieser nun keine Deckung mehr hatte. Nidhoggmon startete einen erneuten Angriff, diesmal aus seinem Maul. Ein gewaltiger schwarzer Ball steuerte auf PrismDukemon zu, der auf dem Boden lag und nicht mehr ausweichen konnte. Er würde jeden Moment getroffen werden, wenn nicht ein Wunder geschah.

Dieses trat dann auch ein. Doch das Digimon hätte sich später gewünscht, dass es anders ausgegangen wäre. LeoHeartmon warf sich in die Attacke, um seinen Kameraden zu schützen. Kaum wurde es getroffen, stieß es einen Schmerzensschrei aus.

„LeoHeartmon!“, rief Takeshi geschockt.

„Wa... warum?“, wollte PrismDukemon von ihm wissen.

Das Digimon warf den Kopf nach hinten und lächelte.

„Du hast mich besiegt und verschont, schon vergessen? Das hier ist das Mindeste.“

Die DigiRitter mussten ungläubig dabei zusehen, wie der Angriff zwar gestoppt wurde, LeoHeartmon sich dafür aber komplett in Daten auflöste.

Takeshi stockte.

Er hatte schon mitansehen müssen, wie Digimon zerstört wurden. Doch diese waren ihre Feinde gewesen. LeoHeartmon hingegen hatte alles getan, um sie zu unterstützen. Und jetzt waren sie für seinen Tod verantwortlich.

Auch PrismDukemon war außer sich und völlig in Rage. Es griff erneut mit seiner Lanze an und landete sogar einen Treffer. Doch nur kurz, Nidhoggmon griff mit seinen Schlangen an und traf. Takeshis Partner verlor seinen Fokus und digitierte zu Prismamon zurück. ExVeemon war schnell zur Stelle, um einen weiteren Treffer zu verhindern. Doch auch es wurde getroffen und wurde wieder zu Veemon.

„Veemon! Gib nicht auf! Wir brauchen dich!“, feuerte Davis es an.

Doch ihm war gleichzeitig klar, dass ihre Digimon kaum Kraft mehr hatten. Wenn nicht ein Wunder geschah... würden sie hier ihr Ende finden.

Folge 13 – In die DigiWelt – Teil 2

Die DigiRitter waren immer noch in der Grotte gefangen und Nidhoggmon war ein Gegner, dem sie nichts entgegenzusetzen hatten. LeoHeartmon musste bereits sein Leben lassen, um einen Angriff abzuwehren. Den nächsten... würden sie nicht überleben.

Wormmon war verletzt, es war keine Hilfe mehr. Prismamon und Veemon hatten kaum noch Energie übrig, es war unwahrscheinlich, dass sie sich noch einmal aufraffen konnten. Eine Flucht schied ebenfalls aus, da der Gegner die Ausgänge blockiert hatte.

Takeshi wurde bewusst, dass es ein großer Fehler war, dass sie sich getrennt hatten. Verstärkung war ebenfalls nicht mehr möglich, da die anderen bereits zu weit weg waren. Doch das konnten sie dem armen LeoHeartmon nicht vorhalten, er konnte ja nicht ahnen, dass der Feind genau zu dieser Zeit den Widerstand angreifen würde.

„Lebt wohl Menschen! Gleich werdet ihr von mir verschlungen!“, grölte Nidhoggmon und wollte sich auf die Wehrlosen stürzen. Prismamon erhob sich und schleuderte eine Lichtkugel auf den Gegner. Diese verpuffte aber natürlich.

Davis richtete sein DigiVice auf Veemon, doch dieser schien zu erschöpft zu sein.

„Verdammt! Irgendwas müssen wir doch machen können! Veemon und ich haben es bisher immer geschafft, weil wir zusammengehalten haben! Warum sollte es diesmal anders sein?“, fragte er verzweifelt.

Und tatsächlich begann sein DigiVice zu leuchten. Ein Lichtstrahl kam heraus und etwas bildete sich vor ihnen. Es war ein golden leuchtender Gegenstand.

„Davis! Ist es das, was ich denke?“, schöpfte Veemon neue Kraft.

Davis nickte schwach. Es wurde noch verrückter, als sich der Gegenstand plötzlich teilte und zwei davon vor ihnen schwebten.

„Takeshi! Sprich mir jetzt einfach nach, ok?“, rief er dem Jungen zu.

Dieser nickte, auch wenn er die Situation nicht überschauen konnte.

„Jetzt wirst du für deine Taten büßen, hörst du? Goldenes DigiArmorEi erstrahle!“

Tatsächlich hatte es eine Wirkung auf Veemon und es verschmolz mit ihm.

„Veemon Goldene Armor-Digitation zuuuu.... Magnamon!“

Davis' Partner besaß auf einmal eine goldene Rüstung und strahlte in wunderschönem Licht.

Takeshi wiederholte die Worte und das zweite Ei übte seinen Effekt auf Prismamon aus.

„Prismamon Goldene Armor-Digitation zuuuuu.... MagnaPrismamon!“

Auch es trug nun eine goldene Rüstung und sie waren wieder im Kampfgeschehen.

Davis hatte um ein Wunder gebeten und genau im richtigen Moment schien er erhört worden zu sein. Magnamon, das sich einst gebildet hatte um das vom DigimonKaiser erschaffene Kimeramon bezwingen zu können, hatte sich einmal erneut gezeigt. Ähnlich wie in den Kämpfen gegen Cherubimon oder Parallelmon war dieses besondere und vermutlich mächtigste DigiArmorEi erschienen um Veemon die ultimative Kraft zu verleihen.

Nidhoggmon ließ seine schwarzen Schlangen auf sie los, doch das Licht der beiden ließ diese verpuffen.

„Bringen wir es zu Ende! Bist du bereit?“, rief Magnamon seinem Kameraden zu.

Dieser war natürlich bereit, LeoHeartmon zu rächen. Beide flogen vor die grausige Fratze der Schlange und schossen Lichtwellen auf sie ab.

Nidhoggmon wurde getroffen und das Licht sorgte dafür, dass sich das dunkle Ungetüm auflöste. Takutoumons letzter General war gefallen.

Bevor Magnamon sich zurückverwandelte, landete es vor Wormmon und spendete diesem etwas von seinem Licht. Dieses erholte sich wieder und sprang bereits munter herum.

Ihre Partner wurden wieder zu Veemon und Prismamon und sie fielen den beiden ungestüm in die Arme.

„Auf dich kann man sich eben immer verlassen, Veemon!“

Dieser schüttelte den Kopf.

„Nein, ohne dich wäre das nicht möglich gewesen.“

Auch Takeshi gratulierte seinem Partner zum Sieg. Dieser war an die Stelle getreten, an der LeoHeartmon gestanden hatte.

„Er... hat sich für mich geopfert.“, klang es traurig.

Ken überprüfte die Ausgänge, diese waren nicht weiter blockiert.

„Wir dürfen sein Opfer nicht umsonst sein lassen. Wir sollten schnell zu T.K und den anderen aufschließen. Sie werden auf uns warten.“

Die anderen gaben ihm recht und gemeinsam verließen sie erst die Grotte und wenig später die Höhle. Die Situation war gerade noch einmal gut ausgegangen, auch wenn es extrem knapp gewesen war. Sie hofften, dass ihre Freunde weniger Schwierigkeiten hatten.
 

Kari und der Rest waren der Beschreibung gefolgt, welche LeoHeartmon ihnen gegeben hatte. Diese hatte die DigiRitter und ihre Partner immer weiter von den anderen weggeführt. Aber sicher würde ihnen nichts passieren. Vermutlich würden sie sogar mit Verstärkung zurückkehren. Sie hatten eine andere Aufgabe, nämlich einen sicheren Weg ins Territorium des Digimon Königs zu finden.

Patamon war schon eine Weile herausgeflogen, um als Späher zu fungieren. Er flatterte zurück, um zu berichten, was er entdeckt hatte.

„Dort vorne ist eine Lichtung. Es ist so wie LeoHeartmon gesagt hat.“

Shun war froh, dass Takeshis Vertrauen berechtigt gewesen war.

„Dann finden wir dort den Verbündeten, der uns weiterhelfen kann.“, stellte er fest.

Die Gruppe beschleunigte ihre Schritte und war bald an der Lichtung angekommen. Es standen mehrere Container herum und eine Bühne wurde abgebaut. Mehrere Gazimon trugen Kisten und Gerätschaften umher. Als sie die Menschen erblickten, wurden sie skeptisch. Patamon und Gatomon beschlossen, das Reden zu übernehmen. Immer wieder nickten sie und kehrten dann zu den anderen zurück.

„Und? Was sagen sie?“, hakte Kari nach.

„Sie meinen, sie würden zur Band des Goldenen Phönix gehören.“, sagte Patamon.

Als ihre Partner nur die Stirn runzelten, fuhr Gatomon fort.

„Offenbar handelt es sich dabei um einen wirklich bekannten Sänger in der DigiWelt. Unter anderem spielt er auch für die Untertanen des Königs. Dieser selbst scheint weniger begeistert zu sein, aber dennoch ist es mit ihm möglich, in die Nähe seiner Burg zu kommen.“

Tsubasa verstand.

„Verstehe, also sollen wir uns als Mitarbeiter der Band ausgeben und so in sein Territorium vordringen?“

Shun gab zu, dass dieser Plan durchaus sinnvoll war. Sie schritten durch das Camp und beobachteten das Treiben.

„Sagt mal, was für ein Typ ist dieser Sänger wohl?“, wollte T.K wissen.

Er ahnte nicht, dass er schon kurz später eine Antwort darauf erhalten sollte. Einige Gazimon liefen wild durcheinander und beschwerten sich, dass Golden Phönix jetzt noch eine Probe abhalten wollte. Darum bereiteten sie die Bühne vor und die DigiRitter beschlossen, ihnen nicht im Weg zu stehen.

Dann begann laute Musik zu spielen. Es war mehr ein Gegröll und nicht gerade ihr Geschmack. Doch wer weiß, vielleicht hatten Digimon einen anderen Musikgeschmack.

„Hm, ich weiß nicht. Mir kommt diese Musik irgendwie bekannt vor.“, murmelte T.K.

„Ja? Vielleicht hat dein Bruder mal etwas ähnliches gespielt?“, schlug Kari vor.

Ihr Freund schüttelte aber den Kopf. Das war es nicht. Als der bekannte Sänger dann die Bühne betrat, schienen sich seine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.

Es handelte sich um ein Affen-ähnliches Digimon, das einen mit Sternen verzierten Anzug trug. Sofort griff es sich das Mikro und begann zu singen.

Es traf die Töne so wenig, dass sich Tsubasa sogar die Ohren zuhalten musste.

„Hey, meine Fans! Euer Star ist zurück! Das talentierte und beliebte Etemon! Wuh!“

Patamon flatterte zu T.Ks Ohr.

„Hey... kannst du mir das erklären?“

Der Junge brummte.

„Ich nehme an... nach dem Reboot war Etemon ebenfalls wieder da und wurde zu einem berühmten Sänger.“

Kari stutzte.

„Stimmt, Agumon hat mir mal von ihm erzählt. War er nicht eigentlich ein Schurke?“

„Das hoffe ich nicht, wir brauchen ihn nämlich.“, wand Gatomon ein.

Die anderen gaben ihm recht und warteten ab, bis Etemon seinen Song beendet hatte. Danach schien dieser festzustellen, dass er Besucher hatte. Er sprang von der Bühne und überließ die Gazimon wieder ihrer Arbeit.

„Ah, wie schön! Es sind extra Fans gekommen um mich zu bewundern! Na? Wie hat euch meine Darbietung gefallen?“

Tsubasa räusperte sich.

„Naja, es war schon recht...

„Zauberhaft!“, fiel ihr Kari ins Wort.

T.K stimmte ihr sofort zu.

"Ja, wir können es immer noch nicht glauben, dass wir eine solche Berühmtheit treffen!" Tsubasa beschloss, den Mund zu halten und zu lächeln.

Etemon lachte.

"Ja, so eine Ehre hat man nicht jeden Tag. Aber ich wusste nicht, dass selbst Menschen zu meinen Fans zählen."

Shun entschied, dass dies der richtige Moment war, den Grund ihres Erscheinens anzusprechen.

"LeoHeartmon hat uns geschickt. Er meinte, du könntest uns bei unserem Problem helfen."

Nun änderte sich Etemons Miene schlagartig.

"Folgt mir ins Zelt. Dort besprechen wir alles Weitere.", sagte er ernst.

Die DigiRitter stimmten zu und folgten dem Sänger in sein Gemach.

Dort nahmen sie Platz und Etemon sah noch einmal nach draußen, bevor er den Vorhang schloss.

Dann setzte er sich ihnen gegenüber, mit den Beinen auf dem Tisch.

"Na rückt schon raus. Was will der Alte von mir?"

Die DigiRitter sahen einander an und beschlossen dann, gleich zum Punkt zu kommen. Sie verrieten den Grund ihres Aufenthalts in der DigiWelt und dass LeoHeartmon einen Gefallen einforderte.

Etemon dachte einen Moment nach.

"Ich wusste ja, dass er mich nicht so einfach vom Haken lässt. Das ist eine enorme Bitte, denn es handelt sich praktisch um Verrat, ist euch das klar?"

Das hatten sie befürchtet, es war wohl doch nicht so leicht, Etemon zu überzeugen. Zumindest dachten sie das erst.

"Aber gut, ich werde euch helfen. Dieser knausrige Takutoumon zahlt nämlich nicht. Er meint, ich solle mich geehrt fühlen, dass ich überhaupt auftreten darf. Es soll mir nur recht sein, wenn er verschwindet."

Erleichterung machte sich in der Gruppe breit.

"Du hilfst uns also?", fragte Tsubasa hoffnungsvoll.

Etemon bestätigte es ihr. Er würde sie als Mitarbeiter seiner Band ausgeben und in einem Waldstück nahe der Burg absetzen. Sie bedankten sich vielmals. Auch, dass noch weitere zu ihnen stoßen würden, fand Etemon nicht problematisch.

Auch seiner Bitte, die Gazimon zu unterstützen, kamen sie nach. Immerhin würde es so schneller gehen.

"Ich schätze, jeder kann sich ändern.", murmelte Patamon, als es an Etemon dachte.

T.K stimmte ihm zu. Es war definitiv nicht mehr dasselbe Digimon wie damals.
 

In seinem Thronsaal überprüfte Takutoumon die Uhrzeit. Sein General hätte längst zurück sein müssen. War etwas schiefgelaufen? Nein, die Mitglieder des sogenannten Widerstands waren schwach. Es war auszuschließen, dass Orochimon von ihnen besiegt worden war. Dies ließ nur einen Rückschluss zu: Sein Diener war noch auf weitere Feinde gestoßen, die eine größere Herausforderung für ihn dargestellt hatten. Und er konnte sich nur eine Fraktion vorstellen, die in der Lage war, seinen General zu besiegen: die Menschen hatten also die DigiWelt betreten, einmal erneut, bestimmt, um sie ein weiteres Mal zu verwüsten. Das durfte er nicht zulassen. Er rief einen seiner Diener zu sich: "Du! Bring mir die beiden Kugeln, die ihr inzwischen gesammelt habt! Sofort!" Dieser reagierte unverzüglich und kehrte wenig später mit einer Truhe zurück, die er vor dem König abstellte. Takutoumon öffnete sie und betrachtete die beiden blauen Kugeln, die einst einem mächtigen Digimon gehört hatten. Er nahm sie heraus und schritt damit zum Balkon der Burg. Er trat hinaus und überblickte sein Reich. Niemals würde er zulassen, dass die Menschen sie ihm wegnahmen. Er presste sich die beiden Kugeln in die Brust und spürte, wie eine ungeheure Kraft in seinen Körper drang. Takutoumon brüllte und spürte, wie es sich veränderte. Sein Körper breitete sich aus und wurde muskulöser. Die zusätzliche Kraft hatte ihm erlaubt, in seinen Wrath-Modus zu wechseln. Nun war er bereit für den alles entscheidenden Kampf. Und er wusste, dass sein Feind zu ihm kommen würde. Er würde sie bereits erwarten.
 

Das Camp war inzwischen aufgelöst und alles in Kutschen verfrachtet worden. Etemon wollte los, doch Shun bat ihn, noch etwas zu warten. Davis und die anderen hätten längst zurück sein müssen, etwas, das die DigiRitter beunruhigte. Schließlich schlichen mehrere Gestalten durch die Bäume auf die Lichtung zu.

Die waren erleichtert, als sie erkannten, dass es sich um ihre Freunde handelte. Shun und Tsubasa liefen zu Takeshi, doch an seinem Gesicht erkannten sie, dass etwas nicht stimmte. Sie wirkten generell verschmutzter und erschöpfter als sie losgezogen waren. Und eine weitere Person fehlte...

Takeshi berichtete stockend, was in der Grotte vorgefallen war.

"Verstehe. LeoHeartmon hat sich also geopfert.", sagte Tsubasa bedrückt.

Davis nickte.

"Es wollte uns helfen. Und ich habe ihm auch noch misstraut, ich fühle mich so..."

Ken legte ihm eine Hand auf die Schulter.

"Schuldzuweisungen bringen jetzt nichts. Wir dürfen sein Opfer nicht vergebens sein lassen. Der König ist jetzt bestimmt vorgewarnt, wir sollten so schnell wie möglich zuschlagen."

T.K erzählte von ihrer Übereinkunft. Etemon war ihre beste Chance, den Plan doch noch umzusetzen.

Wenig später saßen die DigiRitter in einem der Wagen und die Fahrt ging los. Der Sänger hatte ihnen eingeschärft, nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen. Am ersten Kontrollpunkt befürchteten sie bereits Schlimmes, doch die Wachen schienen so große Fans von Golden Phoenix zu sein, dass sie nicht einmal auf die Idee kamen, ihn zu verdächtigen.

Bald waren sie tief in das Territorium des vermeintlichen Königs vorgedrungen und näherten sich seinem Hauptquartier. In einem Waldstück hielt die Bagage an und ließ die DigiRitter hinaus.

"Hier heißt es Abschied nehmen. Ich trete im Dorf dort drüben auf, damit verschaffe ich mir ein Alibi, falls etwas schiefgeht. Also, man sieht sich!", winkte er noch, bevor es weiterging.

"Der hat ja Vertrauen in uns...", murmelte Davis.

"Wir schaffen das schon! Da sind wir LeoHeartmon schuldig! Es darf nicht umsonst gestorben sein!", stand für Takeshi fest.

Die anderen stimmten ihm zu. Sie beschlossen, nicht den direkten Weg zu nehmen, sondern durch den Wald zu streifen. Bald waren sie an einer Klippe angekommen, von der es zu Fuß kein Vorankommen mehr gab. Dafür konnten sie in einiger Entfernung die Burg erkennen, in der sich der König aufhalten musste. "Gut, ab hier wird es ernst. Seid ihr bereit?", wollte Davis wissen. Alle nickten. Sie wussten, dass es kein Zurück mehr gab. Sie schritten zur Seite, um Veemon und Wormmon Platz zu machen. Diese fusionierten einmal erneut miteinander und wurden zu Imperialdramon. Die DigiRitter bestiegen seinen Rücken, und der antike Drache hob ab. Ken trug ihnen auf, sich festzuhalten. Ein Rat, den sie natürlich herzlich befolgten. Der Wind war recht stark, und als Shun nach unten blickte, wurde ihm beinahe übel. Ein schlechter Zeitpunkt, seine Höhenangst zu entdecken. Doch Imperialdramon glitt schnell durch die Lüfte und war bereits an der Burg angekommen. Ken trug ihm auf, direkt auf dem Dach zu landen. Die DigiRitter stiegen ab und sahen sich um. Sie hatten erwartet, dass sie bereits ein Empfangskomitee erwarten würde. Schließlich musste Takutoumon inzwischen von ihrem Eintreffen in der DigiWelt erfahren haben. Doch auf dem Dach befand sich keine einzige Wache. "Hey, spürt ihr das auch?", fragte Tsubasa und blickte hinunter. Der Boden unter ihnen bebte, und Davis wies sie an, zurückzuweichen. Keine Sekunde zu spät, denn das Dach bröckelte, und ein riesiges Loch entstand. Eine große Gestalt sprang daraus hervor und landete vor ihnen. Es war ein Digimon mit einer faszinierenden blauen Rüstung, das von einem Lichtring umgeben war. Dazu schwang es ein blaues Lichtschwert. Ihr Feind war also erschienen. "Ich nehme an, du bist Takutoumon? Wir sind hier, um dich fertigzumachen!", keifte ihm Takeshi entgegen. Der selbsternannte König lachte. "Ja, darin seid ihr gut. Wollt ihr die DigiWelt noch mehr zu Grunde richten? Das werde ich nicht zulassen." Das wollte Kari wiederum nicht gefallen lassen. "Was fällt dir ein? Wir haben stets nur versucht, die DigiWelt zu schützen! Ja, manchmal ist es zu Schäden und auch zu Verlusten gekommen, das ließ sich nicht vermeiden. Aber was du tust, ist Irrsinn! Du brichst einfach einen Krieg vom Zaun, der noch mehr Zerstörung und Leid anrichten kann!" Damit schien sie einen Nerv getroffen zu haben. "Ihr wagt es? Ich bin der Retter der DigiWelt!", schrie er und schwang sein Schwert. Imperialdramon schützte die DigiRitter, indem er es mit seinen Klauen stoppte. "Takeshi! Shun! Tsubasa! Ihr bleibt erst mal zurück und bildet die zweite Linie.", trug Ken den Jüngeren auf. Diese nickten und taten einige Schritte zurück. Ihre Partner stellten sich vor sie und machten sich bereit.

"Prismamon digitiert zuuuu.... PrismKnightmon!

PrismKnight Ultra-Digitation zuuu.... PrismDukemon!"

"Hebimon digiteirrz zu..... Julungumon!

Julungumon Ultra-Digitation zuuuu.... Sandiramon!"

"Koemon digitiert zuuu.... Lianpumon!

Lianpumon Ultra-Digitation zuuuu.... Xintiangmon!"

Während sich Imperialdramon auf den Gegner stürzte, nutzten T.K und Kari ihre Chance.

"Patamon digitiert zuuuu.... Angemon! Angemon Ultra-Digitation zuuuu.... MagnaAngemon!"

"Gatomon Ultra-Digitation zuuuu.... Angewomon!"

Imperialdramon hielt Takutomon zu Boden, während die beiden Engel ihre Attacken ausführen konnten. Doch dieser ließ keinen Moment der Schwäche zu. Es verpasste dem Drachen einen Tritt und beförderte ihn nach oben. Dann sprang es zur Seite und ließ die Attacken ins Leere laufen. Mit erhobenem Schwert sprang es auf Angewomon zu. Diesem gelang es kaum, den Hieb abzublocken. MagnaAngemon öffnete sein Himmelstor, und ein gewaltiger Sog entstand. Takutoumon schien aber auch dagegen gewappnet zu sein. Er streckte seine Hand gegen das Tor und stoppte den Sog. "Wie hat es das gemacht?", wunderte sich T.K. Der König schmunzelte. "Ich gebe euch gerne eine Demonstration." Es erhob sich in die Lüfte und war bald über den DigiRittern. Dann streckte es erneut seine Hand aus, und ein gewaltiger Druck entstand. Erst wurden die Digimon, dann die DigiRitter zu Boden gedrückt. "Verdammt, es kann die Gravitation manipulieren!", stellte Ken fest. Tatsächlich fühlte es sich so an, als würden sie vom Himmel selbst niedergedrückt werden. "Wir müssen es davon abhalten!", rief T.K seinem Partner zu. Dieser reagierte, zusammen mit Kari's Partner.

„MagnaAngemon Mega-Digitation zuuu.... Seraphimon!“

„Angewomon Mega-Digitation zuuu.... Magnadramon!“

Beide Digimon erhoben sich nun in die Lüfte und attackierten Takutoumon von zwei Seiten. Dieser hielt jedoch stand. Mit seinem Schwert griff er zuerst Seraphimon an und streckte es nieder. Magnadramon begab sich hinter ihn, doch der König streckte seine Hand nach unten und schickte eine Gravitationswelle auf den Gegner los. Der rosane Drache wurde weit weg geschleudert. Dann konzentrierte er sich wieder auf die Menschen.

Die DigiRitter hatten sich inzwischen unter Imperialdramon begeben, um nicht von der Druckwelle zerquetscht zu werden.

"Takeshi!", rief PrismDukemon gequält.

Er lag flach am Boden, bei den anderen war es nicht anders. Jeder Versuch, sich aufzurichten, schlug fehl. Die DigiRitter spürten nun auch, wie Imperialdramon trotz seiner Masse bald nicht mehr konnte. Sie würden von ihm erdrückt werden, würde nicht etwas passieren.

"Das... kann einfach nicht wahr sein. Wie soll ich mich LeoHeartmon gegenüber rechtfertigen, wenn wir uns das nächste Mal sehen?", brüllte Takeshi frustriert.

Sein Partner konnte ihn nur zu gut verstehen. Es unternahm einen erneuten Versuch, sich aufzurichten.

"LeoHeartmon mag fort sein, aber ich werde den Kampf fortführen. Bitte glaub an mich, Takeshi!", bat der Ritter.

Der Junge nickte.

"Das tue ich immer! Ich werde immer an dich glauben!"

Im selben Moment erschien sein Digivice und sein Partner ebenfalls.

"PrismDukemon Mega-Digitation zuuuu.... Clearmon!"

Aus dem Ritter war nun ein großes Kristallwesen geworden. Es schimmerte in vielen Farben und erhob sich ohne Probleme.

"Es ist digitiert! Takeshis Digimon ist nun wieder stärker geworden!", vermeldete Tsubasa.

Davis und Ken bezweifelten, dass dies ausreicht, sprachen es aber nicht aus. Zu ihrer Überraschung schien der Kampf dann aber doch anders zu verlaufen.

Clearmon stieg in die Lüfte und näherte sich dem Angreifer.

Dieser reagierte recht verdutzt. Er nahm noch seine zweite Hand zum Einsatz, um die Gravitation zu verstärken. Doch ohne Effekt.

"Wie.... wie machst du das? Du solltest meiner Macht überlegen sein!"

Statt zu antworten, feuerte Clearmon einen regenbogenfarbenen Strahl auf Takutoumon, welcher verwundet wurde.

Durch die aufgelöste Gravitation konnten sich die DigiRitter wieder aufrichten.

"Ich denke, ich verstehe.", kam es von Shun.

"Clearmon scheint in dieser Form keine Masse zu haben. Seht mal, sein gesamter Körper besteht nur aus einem Spektrum von Lichtern."

Takeshi konnte ihm folgen. Sein Partner war zur idealen Form digitiert, um einen Konter zu Takutoumons Attacken zu bilden.

Dieses zog nun sein Schwert.

"Wenn das eine nicht funktioniert, ändere ich eben meine Taktik!", warnte er voraus.

Der physische Angriff schien Clearmon schon mehr Probleme zu bereiten, doch er konnte ausweichen.

"Imperialdramon, du musst ihm helfen!", rief Davis.

Das musste ihm der DigiRitter nicht zweimal sagen. Der antike Drache wechselte in seinen Fighter-Modus und flog empor. Kaum war er angekommen, wollte Takutoumon erneut seinen Gravitationsangriff starten. Doch Clearmon schob sich vor ihn und negierte diesen.

Der König fluchte, doch da war es schon zu spät. Seraphimon und Magnadramon waren hinter ihm auftaucht und hatten zwei parallele Attacken abgefeuert.

Schwer verwundet taumelte der König in der Luft.

Imperialdramon richtete nun seine Kanone auf es und Clearmon machte den Weg frei.

"Takutoumon! Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Laserfinger!"

Der Angriff des Digimon traf Takutoumon volle Breitseite und dieses stürzte in hohem Tempo auf den Boden. Die vier Digimon kehrten zu ihren Partnern zurück.

"Ist... ist es erledigt? Haben wir gewonnen?", wollte Tsubasa wissen.

Keiner konnte ihr diese Frage wirklich beantworten.

"Wir müssen hinunter und nachsehen.", entschied Ken.

Die anderen stimmten ihm zu.

Seraphimon, Magnadramon und Clearmon flogen voraus, während sich die anderen auf Imperialdramons Rücken begaben, der sie zum Fuße der Burg bringen sollte.

Kaum waren sie gelandet, hatten die drei den Gegner bereits gesichert. Takutoumon war in einem bemitleidenswerten Zustand. Es war ohne Zweifel besiegt, er konnte sich nicht einmal mehr rühren.

Takeshi näherte sich ihm, auch wenn Davis ihn bat, vorsichtig zu sein.

"Werdet ihr die DigiWelt jetzt übernehmen? Niemand kann euch mehr aufhalten.", keuchte der besiegte Gegner.

Takeshi beschloss, seine Wut aufzugeben.

"Wie lustig. Ständig beschuldigst du uns, und dabei sind dir deine Untergebenen völlig egal. Du schickst sie in sinnlose Kämpfe und interessierst dich keinen Deut für sie. Weder bei LeoHeartmon, noch bei deinen tollen Generälen. Wem hier sind die Digimon in Wirklichkeit egal?", warf er ihm vor.

Takutoumon sah ihn ungläubig an.

"Was bildest du dir eigentlich ein? Alles, was ihr könnt, ist zu verraten. Und wir Digimon müssen deswegen leiden!"

Takeshi sah ihn fragend an.

"Verraten? Wurdest du das? Von wem denn?", konnte er ihm nicht folgen.

Die DigiRitter waren bisher so auf den am Boden liegenden Gegner fokussiert, dass sie die Umgebung vernachlässigt hatten. T.K. erkannte es erst, als er angerempelt wurde. Perplex sah er zu seiner Linken und sah eine Person an ihnen vorbeigehen.

"Wer...", bekam er gerade noch so heraus.

Takeshi erkannte ihn nun auch. Es handelte sich scheinbar um einen Mann, schätzungsweise 40 oder 50. Seine Haare wirkten zerzaust, und sein Gesicht generell müde. Sein Vollbart wirkte recht ungepflegt, wie auch sein Mantel, der von mehreren Flecken gezeichnet war.

Er war nun vor Takutoumon angekommen, und dieses riss die Augen auf.

"Du... du bist hier?", fragte es.

Es war ihm anzusehen, dass er nicht damit gerechnet hatte.

Der Mann nickte.

"Ja. Du hast verloren. Was sollte ich sonst machen?"

Takeshi sah zwischen den beiden hin und her.

"Verzeihung, wer sind Sie?", fragte er höflich.

Bei dem Mann handelte es sich zweifelsfrei um einen Menschen. Doch wie kam dieser einfach so in die DigiWelt?

Erst jetzt schien er Takeshis Anwesenheit überhaupt wahrzunehmen.

"Ich... ach, ich bin niemand Besonderes.", erwiderte er.

Takutoumon streckte nun einen Arm nach ihm aus.

"Du... hast mich verlassen! Darum... wollte ich eine DigiWelt ohne Menschen aufbauen. Dass wir nicht länger... auf Partner angewiesen sind."

Takeshi runzelte die Stirn.

"Moment! Takutoumon war Ihr Partner?", fragte er, ob er richtig verstanden hätte.

Der bärtige Mann kratzte sich am Kopf.

"Ja. Schon. Irgendwie denk' ich."

Auch die anderen DigiRitter konnten sich keinen Reim darauf machen. Takutoumon hasste doch angeblich Menschen. Und dennoch war es ein Partner-Digimon? Wie war es dazu gekommen?

Takutoumon unternahm einen Versuch, sich aufzuraffen, welcher aber misslang. Es war zu schwer verletzt.

"Egal, was du mir zu sagen hast. Ich werde dir nicht vergeben.", stand für es fest.

Zumindest anhand seiner Miene war keine Reaktion an dem Mann festzustellen.

"Wie dem auch sei. Ich bin auch nur gekommen, um dich auszulöschen.", sagte er mit monotoner Stimme.

Der gefallene König riss die Augen auf.

"Was? Aber warum? Aus Rache?"
 

Der Mann neigte seinen Kopf leicht nach rechts.

"Hm? Nein, du hast einfach verloren, das ist alles. Ich habe dich auch nur gebraucht, um die da hinten etwas zu beschäftigen.", erklärte er.

Takutoumon ballte die Fäuste.

"Du wolltest das? Dann... hast du mich nur benutzt. Verflucht seist du! Ich dachte einst, wir wären Freunde! Also gut, dann wirst du der erste Mensch sein, den ich vernichte."

Die Wut verlieh ihm dann doch noch genug Kraft, um sich aufzubäumen und sich dem Mann zuzuwenden. Dieser streckte ihm nun seine flache Hand entgegen. Takutoumon war auf einmal wie erstarrt.

"Nein... bitte nicht! Warum tust du das?", hatte es wohl schon eine Ahnung, was kommen sollte.

Der Mann atmete genervt aus.

"Das sagte ich schon. Du hast verloren. Und jetzt gib schon Ruhe.", sagte er, und Takutoumon löste sich vor ihm in Daten auf.

Nicht nur Takeshi erschreckte, auch alle anderen DigiRitter. Wie hatte er das gemacht? Er schien keine Waffe zu besitzen, nicht einmal ein DigiVice.

"Hey! Was tun Sie da? War Takutoumon nicht Ihr Partner?", fragte Takeshi empört.

Der Mann wandte sich ihm zu.

"Partner? Hm? Wieso?", schien er ihm nicht folgen zu können.

Davis und die anderen waren inzwischen aufgeschlossen.

"Könnten Sie uns jetzt bitte endlich verraten, wer Sie sind und was hier los ist?", bat Davis höflich.

Der Mann brummte unzufrieden und strich sich dann durchs Haar.

"Nein. Das wäre zu aufwendig. Mir ist nicht danach.", erwiderte er kurz angebunden.

Davis wollte sich mit dieser Antwort aber nicht zufriedengeben. Er wollte auf ihn zulaufen, doch da hatte der Mann erneut seine Hand gehoben und hielt sie vor sich. Ein Licht tat sich auf, und sie stellten fest, dass es sich um ein Tor handelte. Der Mann trat hindurch, und es schloss sich hinter ihm.

"Was... war das denn?", fragte Tsubasa verwirrt.

Keiner hatte eine passende Antwort darauf. Nicht einmal die älteren DigiRitter, die doch so viel Erfahrung hatten, konnten mit einer Idee aufwarten.

Takeshi starrte zu der Stelle, an der Takutoumon zerstört worden war. Klar, er war ihr Feind gewesen, aber hatte er das wirklich verdient? War der Mann wirklich sein Partner? Wie konnte er ihn dann einfach so vernichten?

"Äh... was wird jetzt passieren, da ihr König besiegt ist?", stellte Shun eine wichtige Frage.

Keiner konnte sie ihm so wirklich beantworten.

"Für einige könnte er als Märtyrer gelten. Andere wiederum, wie Etemon, sind sicher froh, dass er fort ist. Jedenfalls sollten wir nicht lange genug bleiben, um es herauszufinden", sagte T.K schließlich.

"Kannst du Izzy kontaktieren? Irgendwie müssen wir ja wieder zurück", wandte Kari ein.

T.K musste nur sein DigiVice nutzen, um mit Izzy zu sprechen. Dieser gab ihnen eine Position durch, an welcher er in der Lage wäre, ein Tor zur realen Welt zu öffnen. Mit Imperialdramon flogen sie zu dieser Position, wo bereits ein Portal auf sie wartete. Alle Digimon digitierten auf ihre kleinstmögliche Form, dann traten sie bereits durch das Tor.

Sie fanden sich in Izzys Büro wieder. Rurimon, das gerade mit Tentomon Karten spielte, fiel Prismamon in die Arme.

Während der Nachbesprechung berichteten sie alles haargenau. Sie hatten gehofft, dass zumindest Izzy etwas dazu beitragen könnte. Doch auch ihm war der Mann ein Rätsel.

"Ich werde Tai kontaktieren. Und falls der keine Idee hat, dann bestimmt Yamada-san. Immerhin überwacht seine Behörde die DigiWelt", kündigte er dann an.

Damit gaben sie sich erst einmal zufrieden. Ken war der erste, der sich von der Gruppe absetzte. Er wollte direkt zu Yolei ins Krankenhaus fahren. Auch Takeshi und die anderen machten sich daran aufzubrechen. Sie waren etwas früher aus der DigiWelt zurückgekehrt als erwartet, aber die Erklärungen überließen sie Izzy.

Als sie weg waren, wandte sich Kari an die verbliebenen DigiRitter.

"Ich mache mir etwas Sorgen wegen diesem Typen", gestand sie.

T.K nickte.

"Denkt ihr, er könnte noch zum Problem werden?"

"Takutoumon war mächtig, und er hat ihn wie aus dem Nichts einfach beseitigt", erinnerte Davis.

Alle waren sich einig, dass sie mehr über ihn herausfinden mussten. Und ob er eine Bedrohung für die DigiWelt war, oder für die reale. Oder auch für beides.

Folge 14 – Schöpfer

Tai hat nun schon fast ein Jahr in den Staaten gelebt, seitdem er die Universität abgeschlossen und vom Büro für öffentliche Sicherheit rekrutiert worden war. Das Büro versuchte auch, die anderen DigiRitter für sich zu gewinnen, aber Matt hatte am wenigsten Interesse gezeigt, Joe konzentrierte sich auf die Medizin und Mimi war zu freiheitsliebend. Von Sora wusste er nicht genau Bescheid, da er sie schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Izzy war jedoch bereit, als privater Partner zu fungieren, da seine Firma ein großer Verbündeter der Behörde war.

Tai hatte jedoch keinen guten Einstand gehabt, da Maki Himekawa die Behörde hintergangen hatte, was dazu führte, dass das bösartige Digimon Ordinemon in Tokio wüten konnte. Auch Daigo Nishijima galt als verschollen, vermutlich tot. Trotzdem wurde Tai als Verbindungsoffizier für die USA ausgewählt, nicht zuletzt wegen seiner Beziehungen zu Leuten wie Yamada-san oder Michael Barton, die beide in amerikanischen Behörden arbeiteten. Tai musste jedoch schnell feststellen, dass Verbindungen allein nicht ausreichten und er sich mit Politik und dem Prinzip von Geben und Nehmen auseinandersetzen musste.
 

Das Krawattenbinden hatte er zum Glück bereits in der Mittelschule gelernt, sodass er sich schnell ankleiden konnte. Als er jedoch ins Wohnzimmer trat, schlief Agumon immer noch, da er sich spätnachts amerikanische Cartoons angesehen hatte, die Tai nicht besonders gut fand.

Tai war jedoch glücklich, Agumon zurückzuhaben, was einem DigiRitter aus einer anderen Welt zu verdanken war, der Izzy das Programm zur Datenwiederherstellung zur Verfügung gestellt hatte. Ohne Agumon hätte Tai den Job wahrscheinlich nicht angenommen, aber nun hatte er sich entschlossen, die reale Welt und die DigiWelt zu vereinen, zumindest im partnerschaftlichen Sinne.
 

Takeshi fühlte sich etwas komisch dabei, niemandem von seinen Erfahrungen in der DigiWelt erzählen zu können. Er hatte zwar Shun und Tsubasa, die ihn begleitet hatten, aber er konnte sich niemanden vorstellen, dem er anvertrauen würde, dass er ein DigiRitter war. Vor allem, da er sich gewünscht hätte, mit jemandem über den Tod von LeoHeartmon sprechen zu können und ob Digimon wirklich wiedergeboren werden und die gleiche Verbundenheit haben würden.

Die drei Freunde trafen sich nach dem Unterricht, um zu beraten, ob Izumi-san bereits herausgefunden hatte, um wen es sich bei dem Mann handelte, dem sie in der DigiWelt begegnet waren. Sie beschlossen, den Ramen-Laden aufzusuchen, um mehr zu erfahren.

Als sie gegen 16 Uhr vor Takeshis Stammlokal eintrafen, erkannten sie am Tresen T.K. und Kari, aber sonst war niemand unbeteiligtes anwesend. Davis kam gerade von hinten und nickte, als er sie sah. Er hängte das Schild für die Mittagspause nach außen, damit sie in Ruhe reden konnten. Die Digimon befreiten sich und hüpften herum.

Shun fragte nach einer Weile, ob Izumi-san eine Ahnung hatte, wer der Mann sein könnte. T.K. verneinte und erwähnte, dass sie zwar schon früher Menschen in der DigiWelt getroffen hatten, diese sich aber meist als DigiRitter herausgestellt hätten. Kari erinnerte daran, dass es auch Digimon gab, die sich als Menschen tarnen konnten, wie zum Beispiel Mummymon und Arukenimon. Der Mann, der Takutoumon einfach auslöschen konnte, schien jedoch über unerklärliche Kräfte zu verfügen und benutzte kein DigiVice oder Ähnliches.

Davis reichte den Neuankömmlingen ihre Ramen-Schüsseln und wandte ein, dass es auch Fälle geben könnte, in denen ein Digimon als Mensch wiedergeboren wurde, wie zum Beispiel Bagramon, der selbst als Mensch noch über viele seiner Kräfte verfügte. Sie kamen zu dem Schluss, dass sie noch viele Theorien aufstellen könnten, aber ohne weitere Hinweise würde dies nicht viel bringen.
 

Schließlich ging die Tür auf und die Glöckchen darüber läuteten. Ein Mann mit Vollbart und langem Mantel trat ein und musterte die Ramen-Schüsseln. Davis wollte ihn abwimmeln, da sie gerade geschlossen hatten, aber T.K. lud ihn ein, sich zu ihnen zu setzen. Der Mann setzte sich, ohne seinen Mantel aufzuhängen und bestellte die Spezialität des Hauses, was Davis etwas nervös machte, da er sich an den zwanglosen Auftritt des Mannes in der DigiWelt erinnerte.

Das schien ein Fehler gewesen zu sein. Ein älterer Mann war von hinten nach vorne getreten. Takeshi erkannte ihn als den Besitzer des Ramen-Restaurants. Dieser bedachte Davis mit einem warnenden Blick. Er musste kein Wort sagen, Davis' Einstellung änderte sich sofort.

„Ich meine... tut mir leid. In diesem Laden bedienen wir natürlich jeden, der Ramen liebt!“, sagte er schnell.

Der Besitzer nickte zufrieden und begab sich wieder nach hinten.

Takeshi wusste, wie viel Respekt Davis vor seinem Ausbilder hatte.

„Bestellung angenommen, Veemon wird sie Ihnen sofort zubereiten.“, versicherte Davis.

Der Mann nickte und nahm schon mal ein Paar Stäbchen aus dem Behälter vor ihm.

Takeshi wollte sich äußern, doch Kari legte ihm eine Hand auf die Schulter.

"Da Sie extra den Weg hierher gemacht haben, könnten Sie uns nicht Ihren Namen verraten?", bat sie.

Der Mann schenkte ihr keinen Blick, sondern betrachtete nur seine Stäbchen.

"Ah... Nishi, mein Name. Angenehm."

Die DigiRitter tauschten Blicke aus. Nun gut, da war immerhin ein Anfang. T.K wagte einen weiteren Vorstoß.

"Nishi-san, wenn Sie extra gekommen sind, nehme ich an, dass Sie mit uns sprechen wollten?"

Wieder vermied er Blickkontakt, nickte aber.

"Ja, ich wollte um etwas bitten.", verriet er.

Nun erhob sich auch Takeshi.

"Und worum? Lassen Sie sich nicht alles aus der Nase ziehen."

Ihn sah Nishi dafür an.

"Ich möchte... dass ihr die DigiWelt nicht mehr betretet. Es ist störend... wenn ihr euch weiter einmischt. Das mit Takutoumon war nachvollziehbar. Aber... jetzt gibt es keinen Grund mehr."

Das reichte Takeshi natürlich nicht.

"Wobei sollen wir denn stören? Was haben Sie in der DigiWelt vor?"

Nishi spielte mit seinen Stäbchen herum.

"Das... würdet ihr nicht verstehen. Ist zu kompliziert."

"Dann versuchen Sie es doch!", konnte auch Shun nicht mehr an sich halten.

Nishi lehnte aber ab.

"Nein... das wäre zu anstrengend. Und würde zu nichts führen."

Schließlich schritt Veemon herein und überreichte Davis die Bestellung. Dieser nahm sie an und stellte die Schüssel extra laut vor den Gast.

"Na schön! Dann erklären Sie wenigstens, wer Sie sind und warum Sie diese Kräfte haben."

Nishis Blick verriet eindeutig, wie genervt er von der Bitte war.

Tsubasa versuchte zu vermitteln.

"Na ja... wenn Sie möchten, dass wir Sie in Ruhe lassen, müssen Sie uns schon erklären, was hier vor sich geht!"

Nishis Miene entspannte sich und er rührte in der Schüssel herum.

"Das macht Sinn. Ihr würdet euch sonst ohnehin nicht zufrieden geben."

Damit hatte er natürlich recht.

"Na also. Während Ihre Ramen abkühlen, können Sie uns erzählen, wie Sie überhaupt in die DigiWelt gekommen sind. Sie sind kein DigiRitter, oder?"

Nishi schüttelte leicht den Kopf.

"Nein. Es war nie geplant... dass Menschen meine Welt betreten würden."

Takashi stutzte.

"Ihre Welt? Wie kommen Sie dazu, sich die DigiWelt zu eigen zu machen?"

Nishi fischte eine Nudel heraus, verschlang sie, stellte aber fest, dass sein Mahl noch zu heiß war.

"Die DigiWelt... die hab ich gemacht."

Verwirrte und ungläubige Blicke folgten. Doch zum ersten Mal mussten sie nicht nachfragen, denn Nishi begann von alleine, seine Geschichte zu erzählen.
 

Nishi brummte immer noch der Kopf. Sein Abteilungsleiter hatte ihn heute zweimal angeschnauzt. Er empfand dieses Verhalten einfach nur als ermüdend. Ständig bestand er darauf, dass Nishi sich mit seinen Kollegen abspreche. Auf der anderen Seite bestand er auf einem schnellen Tempo. Der Angestellte hatte keine Ahnung, wie sich beides vereinbaren ließ. Würde er seine Arbeit jedes Mal unterbrechen, würde die Wiederaufnahme ewig dauern.

Er überlegte zu kündigen, er wäre beileibe nicht der erste gewesen. Aber was sollte er sonst machen? Er hatte bereits seit längerem überlegt, in die Spielebranche einzusteigen. Er mochte es, seine eigenen Geschichten zu schreiben. Doch was, wenn er wieder so einen problematischen Vorgesetzten hatte? Das demotivierte Nishi unverzüglich.

Er beschloss, in seinen Stammlokal zu gehen und sich dort mit Ramen aufzumuntern. Kaum hatte er es betreten, stellte er fest, dass es überfüllt war. Er seufzte. Menschenmengen raubten ihm die letzte Kraft. Dennoch hängte er seinen Mantel auf und begab sich zum Tresen. Er bestellte das Übliche und suchte nach einem Platz. Am Tresen war alles voll, also musste er mit einem Tisch vorlieb nehmen. Er war beim vorletzten angenommen, als jemand seinen Namen rief.

"Nishi-kun! Bist du das?"

Nishi brauchte etwas, um ihn zu erkennen. Dann hellte sich sein Gesicht tatsächlich ein wenig auf.

"Hida-kun! Das ist ja ewig her!"

Er schlenderte zum Tisch, an dem Hida ihm sofort einen Platz anbot. Er setzte sich und begrüßte seinen Gegenüber.

"Das ist echt lange her! Arbeitest du immer noch bei der gleichen Firma?"

Nishi nickte.

"Ich kann nicht glauben, dass du es dort immer noch aushältst."

Nishi kratzte sich am Kopf.

"Ich... habe mir überlegt zu kündigen."

Sein Gegenüber runzelte mit der Stirn.

"Wolltest du das... nicht schon als ich gegangen bin? Das ist über ein Jahr her."

Nishi antwortete nicht, sondern sah zum Tresen. Bei dem Betrieb würde seine Bestellung aber eine Weile dauern.

"Nishi-kun, ich weiß, welches unglaubliches Talent du besitzt. Du vergeudest es in dieser Firma doch nur."

Nishi selbst zuckte mit den Schultern.

"Vielleicht. Sind die einzigen, die mich eingestellt haben. Also was solls."

Hida konnte es aber nicht nachempfinden. Sie unterhielten sich noch eine Weile über die gute alte Zeit, bis Nishis Bestellung eintraf. Er stürzte sich sofort darauf, verbrannte sich aber die Zunge.

Hida lachte auf.

"Du hast dich echt nicht verändert. Total ungeduldig."

Er hatte seine Ramen beinahe aufgegessen, verlangsamte sein Tempo aber, um auf Nishi zu warten.

Wenig später waren beide Schüsseln leer und Nishi wollte sich verabschieden. Hida schien aber noch etwas auf dem Herzen zu haben.

"Ach, könntest du noch kurz warten?"

Er griff in seine Tasche und holte mehrere Disketten heraus.

"Du erinnerst dich noch an Yukio-kun, oder?"

Nishi brauchte etwas, bis er sich erinnerte.

"Ach der! Der hatte echt großes Talent. Aber er wirkte immer so blass und einzelgängerisch."

Hida räusperte sich, er beschloss nichts auf die Beschreibung zu erwidern.

"Jedenfalls... wir arbeiten seit längerem an einem Projekt und könnten die Meinung eines Experten wie dir brauchen."

Nishi nickte und überlegte. Es kam nicht oft vor, dass ein Bekannter ihn um etwas bat. Für gewöhnlich, war er dem aber abgeneigt. Es war sehr aufwendig und unnötig Kräfte raubend. Er beschloss, Hidas Bitte abzulehnen, konnte es aber nicht in Worte fassen.

"Woran arbeitet er denn?"

Hida schien sich zu freuen, dass er scheinbar sein Interesse geweckt hatte.

"Leben."

Als Nishi aber nur verständnislos dreinblickte, fuhr er fort.

"Digitales Leben um genau zu sein. Künstliche Intelligenz, die von sich aus denken und entscheiden kann. Und die wachsen, bzw. sich weiterentwickeln kann."

Nishi wurde missmutig und strich sich durch das wuschige Haar.

"Das... klingt nach einem riesigen Projekt."

Hida nickte.

"Ja. Ich habe Yukio-kun erklärt, dass wir das zu unserer Lebzeit unmöglich alles schaffen können. Aber... dass ich gerade heute dem weltbesten Programmierer begegne, muss ein Wink des Schicksals sein."

Nishi war das unangenehm und er wand den Blick ab.

"Jetzt schmeichle mir nicht so. Es gibt bessere als mich."

Hida wurde ernst.

"Nein, den gibt es nicht. Ich habe gesehen, wozu du im Stande bist. Wenn du nicht weiter deine Zeit verschwenden würdest, könntest du Großes erreichen."

Nishi seufzte.

"Großes erreichen. Das klingt... anstrengend. Das wäre... so viel Arbeit."

Hida schob ihm die Disketten zu.

"Das wäre es, aber die erfordert der Fortschritt nun mal. Bitte sieh sie dir einfach mal an, ja? Yukio-kun und ich haben schon einiges erreicht. Wir konnten mit den programmierten Wesen kommunizieren. Aber... sie halten sich nicht. Und zwar, weil wir sie nicht wie einfache Programme speichern können. Sie setzen sich immer wieder zurück. Es bräuchte... einen Ort, an dem wir sie ansiedeln könnten und an dem sie sich entwickeln. Aber auf einer einfachen Festplatte scheint das unmöglich zu sein."

Nach einer Weile nahm Nishi die Disketten entgegen. Er versprach sich die Sache mal anzusehen. Dieser reichte ihm noch seine Visitenkarte, auf der seine Nummer zu finden war.

Dann bezahlte er und verabschiedete sich. Versprechen wollte er nicht machen.
 

Zu Hause ließ er sich erst einmal auf sein Bett fallen und ruhte sich einige Minuten aus. Das Gespräch mit seinem alten Kollegen war anstrengend gewesen, besonders nach dem langen Arbeitstag. Schließlich beschloss er sich die Disketten anzusehen, für den Fall, dass er Hida die nächsten Tage noch einmal über den Weg laufen würde. Dieser würde ihn ansprechen, und Nishi könnte dann nicht erklären, wieso er sie sich noch nicht angesehen hatte.

Er setzte sich an seinen Computer und fuhr diesen hoch. Er schob die Disketten ein und überflog die Daten. Die programmierten digitalen Wesen waren so, wie Hida sie ihm beschrieben hatte. Er konnte sogar mit ihnen reden und sie schienen zu lernen. Nishi gestand, dass er davon faszinierter war, als er dachte. Er machte sich sogar daran, selbst so ein Wesen zu erstellen. Neben ihm auf dem Tisch stand eine alte PVC-Figur, die einen Samurai mit grüner Rüstung darstellte. Er programmierte das digitale Wesen und gab ihm den Namen 'Takutoumon'.

Es machte Spaß, mit dem selbst erschaffenen Wesen zu sprechen. Als er das Fenster jedoch schloss, stellte er fest, dass auch Takutoumon verschwunden war. Nun verstand er, was sein Ex-Kollege gemeint hatte. Was für eine Verschwendung. Sein eigenes erschaffenes Wesen war verschwunden. Aber so war das Leben vermutlich. Alles fand ein Ende, es spielte keine Rolle, ob es existierte, oder nicht. Das deprimierte Nishi und er schloss die Augen.

Nach einigen Minuten öffnete er ein Programm und legte seine Finger auf die Tastatur. Hida hatte erwähnt, dass sie einen Ort bräuchten, an dem sie die Wesen speichern könnten. Da sie sich jedoch stets weiterentwickelten, wäre ein Speichermedium wie eine Festplatte unmöglich. Nishi kannte die Lösung für dieses Problem. Ein physisches Speichermedium würde nicht funktionieren, da es stets an seine Grenzen stoßen würde. Ein virtuelles musste her, sonst hatte das Projekt keine Chance.

Er hatte eine Idee, wie er an die Sache rangehen sollte. Dann ließ er aber von den Tasten ab. Es würde sich um immer wiederholende Datenabfolgen handeln, die er eingeben musste. Es würde Jahre dauern. Das kam für ihn absolut nicht in Frage. Schon mehr als einen Tag an das Projekt zu verschwenden, würde ihn auspowern.

Jedoch... gestand er sich ein, an dem Ergebnis interessiert zu sein. Also fasste er einen Plan. Er würde einfach einen Bot programmieren, der die Codeabfolgen für ihn schreiben würde. Also machte er sich an die Arbeit.

Nach einer Woche war er endlich fertig. Alles, was fehlte, war noch ein passender Name. Nishi war bei solchen Dingen jedoch schrecklich unkreativ. Er ließ sich in seinem Stuhl nach hinten fallen und starrte auf die Rückwand seines Zimmers. Dort hing ein altes Bild, das ihm mal geschenkt wurde. Es zeigte einen Baum, dessen Äste sich unendlich in den Himmel verzweigten.

Yggdrasil. Der Weltenbaum. Ein Ort, an dem sich die Wesen frei entfalten könnten.

Nishi wählte diesen Namen und der Bot begann, die ersten Zeilen zu schreiben.

"Eine eigene Welt... eine neue Welt...", murmelte er, während der Bot seine Arbeit verrichtete.
 

Er hatte seinen PC einen Monat lang laufen lassen. Das war zwar nicht gut für die Stromrechnung, aber Nishi war zum ersten Mal wieder etwas wichtig. Als er an dem Tag wieder in seine Wohnung kam, schaltete er sofort den Monitor an. Zu seiner Überraschung war Yggdrasil fertig. Die virtuelle Festplatte war geschrieben. Aber... wo genau befand sie sich?

Nishi hatte keine Ahnung, wo er nachsehen sollte. Offensichtlich nicht auf seinem eigenen PC, denn dieser war physisch. Am Ende des Codes befand sich eine Zeile:

"Hallo! Bist du... da?", schrieb jemand.

Nishi setzte sich und tippte etwas ein:

"Ja. Wer bist du?"

Einige freudige Smileys erschienen:

"Ich bin es, Takutoumon. Dein Digimon Partner."

Nishi runzelte die Stirn:

"Digimon? Was ist das?"

Natürlich erinnerte er sich an Takutoumon, es war das Digimon, das er selbst erschaffen hatte.

"Das sind wir! Du hast uns erschaffen. Und wir leben hier, in der DigiWelt!", erklärte Takutoumon.

"DigiWelt...", brummte Nishi und wiederholte den Begriff.

"Wie... komme ich auch dorthin?", schrieb er.

Es dauerte nicht lange und ein Lichtstrahl schoss durch seinen Monitor. Vor ihm landete ein eigenartiger Gegenstand. Er erinnerte an einen Tamagotchi.

Nishi hob ihn auf und betrachtete ihn von allen Seiten. Takutoumon trug ihm auf, den Gegenstand gegen den Monitor zu halten. Er folgte der Anweisung und wenig später hüllte ihn ein Licht ein.

Der Programmierer war vollends verwirrt, als er sich nicht mehr in seiner Wohnung, sondern auf einer Wiese wiederfand. War er... teleportiert worden? Wo auf der Welt befand er sich? Oder... befand er sich überhaupt noch in seiner Welt?

Ein Blick in den Himmel verhalf ihm zu mehr Aufschluss. Dort war ein Netz aus Datensträngen zu erkennen. Wurde er... in seinen Computer hineingezogen? Nein, wenn dann in die digitale Welt, die Yggdrasil geschaffen hatte.

Nishi trat einen Schritt nach dem anderen. Er fühlte sich nicht anders. War er hier noch aus Fleisch und Blut? Oder bestand er selbst aus Daten? Er hielt inne, als vor ihm einige unbekannte Wesen vorbeihuschten. Sie sahen aus wie Schuhe, aus denen ein Stofftier lugte.

"Links von ihm sprangen gelbe Digimon mit Ranken statt Armen umher und spielten vergnügt. Dann wurden sie von einem anderen gelben Digimon angegriffen. Auf dessen Rücken hockte eine Maus und als Geschoss... war es Kot, welches das Wesen da als Waffe einsetzte.

Wie verrückt war das denn?

"Das sind alles Digimon.", sagte eine Stimme hinter ihm.

Nishi drehte sich um und erkannte eine Gestalt, die nur aus Licht bestand. War das ebenfalls ein Digimon? Er konnte es ausschließen. Und wie Takutoumon wirkte es ebenfalls nicht.

"Du... musst Yggdrasil sein.", schlussfolgerte er.

Doch die Gestalt schüttelte den Kopf:

"Nein, das bin ich nicht. Auch wenn sich Yggdrasil ebenfalls irgendwo hier aufhält. Er bildet den Host-Computer der DigiWelt. Ich bin die Homeostasis, ich sorge für die Ordnung."

Nishi schnippste mit dem Finger:

"Ah, verstehe! Du musst so etwas wie das Betriebssystem sein, richtig?"

Das leuchtende Wesen breitete seine Arme aus:

"Wir haben dir unsere Existenz zu verdanken. Darum sind wir dir dankbar."

Nishi ließ erneut seinen Blick schweifen und erkannte noch viele Wesen, die ihm fremd waren, aber auch faszinierend auf ihn wirkten.

"Diese Welt... ist wunderschön. Vielleicht... könnte ich ja hier bleiben...."

"Das ist unmöglich.", sagte die Homeostasis sofort.

Nishi betrachtete sie perplex:

"Diese Welt ist nur für digitale Wesen. Du gehörst in die Menschenwelt."

Nishi hob abwehrend die Arme:

"Aber... dort fühle ich mich nicht zu Hause! Dieser Ort hier erscheint mir viel angenehmer!"

Doch das Wesen schüttelte den Kopf:

"Das würde der Ordnung widersprechen. Leb wohl, Nishi. Aber wir werden wir auf ewig dankbar sein."

Der Erschaffer der Welt wollte noch etwas erwidern, doch da erfasste ihn erneut das Licht und er fand sich in seinem Stuhl wieder. War er... gerade aus dem System geworfen worden? Er kramte herum, doch das Gerät, mit dem er eingesogen worden war, schien verschwunden zu sein. Man hatte es ihm einfach wieder abgenommen.

Er tippte auf der Tastatur herum und verlangte sofort wieder in die DigiWelt gelassen zu werden. Takutoumon meldete sich und entschuldigte sich für die Entscheidung der Homeostasis. Doch er hatte nicht genug Einfluss, um dagegen einzuwirken. Darum verabschiedete er sich von seinem Partner und wünschte ihm alles Gute.

Nishi spürte die Wut in sich aufkommen. Wie undankbar konnte man sein? Er würde es nicht auf sich beruhen lassen und einen Weg in die DigiWelt finden. Aber wie konnte er das bewerkstelligen? Vielleicht wusste Hida ja einen Weg.

Er kramte nach der Visitenkarte und wählte schließlich die Nummer darauf:

"Ja, hallo. Ich würde gerne mit Hida-kun sprechen."

Die Frau am anderen Ende schluckte schwer. Dann erklärte sie ihm, warum dies nicht möglich sei:

"Hida-kun ist leider vor einiger Zeit verstorben."

"Ah, verstehe. Hida-kun ist also gestorben. Das ist ja traurig.", meinte er und legte auf.

Auch sein ehemaliger Kollege würde ihm keine Hilfe sein. Er musste es also wieder mal ganz alleine schaffen. So wie immer.
 

Nishi schlürfte die ersten Ramen und schlang sie hinunter.

"Mh! Lecker!", stieß er aus und machte sich sofort an die nächsten.

Es schien ihm auch nicht wichtig zu sein, dass man ihn mit kritischen Blicken beäugte.

"Damit wir das richtig verstehen, Sie haben Yggdrasil programmiert, der dann die DigiWelt erschaffen hat, ja?", hakte T.K noch einmal nach.

Nishi nickte.

"Ja. Ich hätte es ja selbst getan... aber das hätte ewig gedauert."

Gatomon sprang vor ihm auf den Tresen.

"Offenbar haben Sie es geschafft, die DigiWelt erneut zu betreten. Und Sie haben besondere Kräfte bekommen."

Anstatt zu antworten, aß Nishi gemütlich seine Ramen auf. Als er fertig war, legte er die Stäbchen in die Schüssel und erhob sich.

"Die Ramen waren köstlich. Bitte richten Sie dem Koch meine Komplimente aus.", legte er einen Schein auf den Tresen und wandte sich der Tür zu.

Davis hielt ihn davon ab.

"Hey! Sie können jetzt nicht einfach so gehen! Sie haben uns immer noch nicht erklärt, was Sie vorhaben!", erinnerte er.

Nishi wirkte müde von der Erzählung.

"Zu kompliziert. Sagte ich doch. Aber... ich werde mich um alles zukünftige kümmern. Also betretet die DigiWelt ab jetzt nicht mehr und haltet mich davon ab, ja?"

Doch das ließ sich der Ramen-Koch nicht gefallen. Davis stapfte auf ihn zu, doch da hob Nishi einen Finger und wie aus dem Nichts hatten sich Ketten um ihn gelegt.

Prismamon reagierte sofort und griff den Mann an. Doch dieser war wesentlich schneller. Mit einer Bewegung sorgte er dafür, dass sich Takeshis Partner in einen kleinen Kristall zurückverwandelte.

Auch die restlichen DigiRitter gingen nun in Position.

"Wie... machen Sie das?", wollte Kari wissen.

Nishi seufzte und neigte den Kopf etwas nach rechts.

"Tja, also... Atome sind nichts weiter als Daten. Und Daten sind nichts weiter als Atome. Beides ist untereinander austauschbar, versteht ihr?"

Als er nur verwirrte Blicke erhaschte, fühlte er sich bestätigt, dass er hier nur seine Zeit verschwendete.

"Bitte denkt an meine Worte. Es wäre lästig, mich um euch alle zu kümmern. Ihr seid so... unnötig hartnäckig.", sagte er und verließ dann das Lokal.

Takeshi eilte zu dem Kristall, Prismamon war scheinbar unter Zwang zurückdigitiert worden. Das kleine Wesen in seinen Händen krächzte eine Entschuldigung. Während T.K und Kari Davis von seinen Ketten befreiten, war auch Veemon zur Hilfe gekommen.

"Davis! Alles okay? Sollen wir ihn verfolgen?", fragte er.

Die DigiRitter entschieden sich dagegen. Das hätte zu nichts geführt. Nishi war zu mächtig für sie. Er hatte sich in der DigiWelt auf irgendeine Weise Superkräfte angeeignet. Wenn er wirklich für die Erschaffung der DigiWelt verantwortlich war, war das sicher kein großes Hindernis für ihn.

Takeshi machte sich Sorgen um seinen Partner, doch Patamon beruhigte ihn und versicherte, dass dieser sich nach etwas Futter bald wieder zu Prismamon entwickeln würde.

Kari zog ihr Handy heraus.

"Wir müssen die anderen informieren und sie vor diesem Nishi warnen.", entschied sie.

T.K stimmte ihr zu.

"Wir kennen jetzt zumindest seinen Namen. Izzy sollte es möglich sein, mehr Informationen über ihn zu beschaffen."

Und so entschieden sie sich dazu, sich erst einmal zu trennen und über alles nachzudenken.

Takeshi besprach das Geschehene noch eine Weile mit Shun und Tsubasa im Park. Sein Partner war im Moment so klein, dass er sich leicht in der Hand umhertragen ließ und auch niemandem auffiel.

"Wir haben gegen Digimon gekämpft, okay. Aber jetzt gegen Menschen? Der dazu noch Superkräfte hat?", sprach Shun das Offensichtliche an.

"Wie Kamen Yusha", murmelte Tsubasa.

Takeshi verneinte augenblicklich.

"Nein, ganz sicher nicht wie Kamen Yusha. Dieser Nishi hat seinen eigenen Partner erledigt. Und er hat Prismamon wehgetan. Und wir haben keine Ahnung... was genau er in der DigiWelt plant."

Shun beschloss, eine Internet-Recherche durchzuführen. Wenn Nishi wirklich so ein begabter Programmierer war, kannte man ihn vielleicht in diesen Kreisen. Seine Freunde hielten das für eine gute Idee und sie trennten sich für heute.

Zu Hause war Rurimon ganz geschockt über den Zustand seines besten Freundes. Behutsam kümmerte er sich um den kleinen Kristall, während Takeshi Futter besorgte. Es schien unmöglich zu sein, gegen Nishi zu kämpfen? Sollte er das Prismamon... wirklich ein zweites Mal zumuten?

Folge 15 – Kampfeswillen

Kari hatte mit Ken, Yolei und Cody telefoniert, während T.K mit seinem Bruder beratschlagte. Dieser hielt sich im Moment nicht in Tokio auf, versprach aber, zu ihm zu kommen. Er bat jedoch darum, Sora und Joe außen vor zu lassen. Diese hatten derzeit ihre eigenen Probleme und solange sich die Situation nicht zuspitzte, sollten sie diese nicht hinzuziehen. Vor Mimi wäre es ohnehin unmöglich, es zu verheimlichen, Yolei chattete beinahe täglich mit ihr.

T.K verriet ihm, dass sie heute ein Meeting mit Izzy hatten. Matt würde da aber noch unterwegs sein und konnte vermutlich nicht zugeschaltet werden. Für seinen kleinen Bruder war dies in Ordnung, er konnte ihn ja im Nachhinein über alles informieren.

Er holte Kari mit dem Wagen ab und gemeinsam fuhren sie zu dessen Firma. Inzwischen war es auch kein Problem mehr, ihre Digimon mit sich zu führen, die Angestellten der Firma waren daran gewohnt. Als sie den Gang zu dem Büro betraten, begegneten ihnen schon Ken und Davis.

"Izzy hat noch ein Gespräch mit dem Büro für öffentliche Sicherheit. Wir warten solange", informierte sie Ken, während Wormmon auf seine Schulter kroch.

"Die müssten doch eigentlich was über diesen Kerl wissen, oder?", wandte Kari ein.

Davis zuckte mit den Schultern.

"Wenn sie ihren Job machen, vermutlich. Aber ich würde mich nicht darauf verlassen, die Typen sind ziemlich lahm."

Karis Blick wurde böse.

"Hey, vergiss nicht, dass mein Bruder auch dazu gehört."

Davis wich zurück.

"Äh... den natürlich ausgeschlossen! Versteht sich doch von selbst!"

Schließlich wurde die Tür geöffnet und ein etwas gepflegterer Izzy stand ihnen gegenüber. Hatte er sich die Nacht um die Ohren geschlagen?

„Hey, Leute. Kommt rein.“, gähnte er und ließ die DigiRitter in sein Büro.

Diese folgten, ihre Digimon krabbelten ihnen nach. Izzy schloss die Tür wieder und ließ sie in seinen persönlichen Bereich. Zu ihrer Überraschung hockte dort schon jemand auf einem gemütlichen Drehsessel.

"Hallo Leute! Lange nicht gesehen.", begrüßte sie ein weiterer DigiRitter.

"Onii-chan!", war Kari überrascht.

Auch Agumon sprang auf und begrüßte seine Digimon-Kameraden überschwänglich.

Patamon schmiegte sich an den kleinen Dino.

"Hey, Kumpel! Wie war es so in der Fragment-Welt?", hakte er nach.

Agumon ließ die Schultern sinken.

"Es war erträglich. Auch wenn ich auf das Wiedersehen mit Apocalymon hätte verzichten können.", erwiderte er.

Besonders Patamon, Gatomon und Tentomon konnten das nachempfinden.

"Tai, was machst du denn hier?", fragte Davis nun.

Der DigiRitter legte ein Lächeln auf.

"Was ist das denn für eine Frage. Wenn meine Freunde in Gefahr sind, steige ich natürlich sofort in das nächste Flugzeug und komme!"

T.K schmunzelte.

"Du meinst, du bist in das nächste Tor gehüpft und hast über die DigiWelt eine Abkürzung genommen.", korrigierte er.

Tai zeigte sich ertappt.

"Na ja, besser als Steuergelder zu verschwenden. Das Büro für öffentliche Sicherheit befürwortet es, wenn ich auf diese Weise reise. Die Abteilung für Digitale Gefahrenabwehr hat nicht das größte Budget."

Izzy setzte sich nun.

"Das sollte sie aber. Ich empfehle ihnen ständig, ihr Etat zu erhöhen. Stattdessen lasten sie die meisten Kosten mir auf. Du musst mal mit ihnen reden."

Tai zeigte sich eher passiv. Da er noch jung war, wagte er es nicht, sich in solche Themen einzumischen.

Ken wagte sich nun zu Wort.

"Du hast doch mit Yamada-san gesprochen, nicht wahr? Hat er Neuigkeiten?"

Tais Gesicht wurde ernster.

"Ja, ich habe mit der Behörde für Digitale Bedrohungen gesprochen. Es war recht schwer, aber schließlich haben sie begriffen, dass sie uns irgendetwas geben müssen.", verriet er.

Er griff in sein Jackett und holte etwas hervor. Es handelte sich um ein Foto. Es zeigte drei Personen, Männer.

Die anderen nahmen es entgegen und erkannten zuerst zwei von ihnen wieder. Der rechte war Nishi, damals noch ohne Bart. Und der in der Mitte...

"Oikawa!", platzte es aus Ken heraus.

Seine Freunde nickten. Der blasse Mann in der Mitte war der Mann, der Mummyon und Arukenimon geschaffen hatte.

Izzy bestätigte es.

"Ja, Yukio Oikawa. Und der Mann links ist Hiroki Hida."

Davis schluckte.

"Du meinst, das ist Codys Vater?"

Es schien kein Zweifel daran zu bestehen.

"Hida, Oikawa und Nishi haben in derselben Firma gearbeitet. Sie verließen sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aber wir gehen davon aus, dass sie auch danach noch Kontakt hatten.", sprach Tai.

Kari verstand.

"Das dürfte die Geschichte von Nishi beweisen. Er hat auf das Drängen von Codys Vater damit begonnen, einen Ort zu erschaffen, an dem die Digimon leben konnten."

Izzy murrte.

"Dieser Nishi muss einer der intelligentesten Personen auf unserem Planeten sein. Ein Programm zu schreiben, das sich physischen Grenzen hinter sich lässt und zu einer eigenen Dimension wächst."

T.K fasste sich ans Kinn.

"Was sagte er noch gleich? Atome sind Daten und Daten sind zugleich Atome."

Izzy verschränkte die Arme.

"Im Grunde ist das korrekt. Aber Nishi scheint in der Lage zu sein, die Realität auf Quantenebene zu manipulieren. Sei es Materie oder einfache Daten."

Tentomon schlug sich die Hände über den Kopf.

"Das ist ja schrecklich! Was kann er bloß mit all dem anrichten?"

Keiner konnte ihm eine Antwort darauf liefern.

"Er wollte, dass wir die DigiWelt nicht mehr betreten. Er meinte, er hätte dort zu tun und will nicht gestört werden.", erinnerte Davis.

Gatomon ballte die Pfoten zu Fäusten.

"Wir haben bereits Bösewichte erlebt, welche die DigiWelt so umgestalten wollten, damit sie ihnen passt. Und wir haben sie alle aufgehalten."

Veemon stimmte dem zu.

"Ja! Wir müssen ihn aufhalten, bevor er wieder Unverzeihliches tut!"

Izzy seufzte und sah dann zu einem Freund.

"Tai. Willst du es ihnen erzählen?"

Alle sahen zu ihm, doch diesem war es sichtlich unangenehm.

"Nein, das geht leider nicht. Ich wurde zum Schweigen verdonnert.", gestand er.

Davis verstand nicht ganz.

"Schweigen? Wovon redest du? Wenn du mehr über Nishi weißt, dann raus mit der Sprache."

Sowohl T.K als auch Kari nannten laut seinen Namen, was ihn verstummen ließ.

Tai entschuldigte sich augenblicklich.

"Ich arbeite jetzt für das Büro für öffentliche Sicherheit. Ich bin gewissen Spielregeln unterworfen. Ich darf Zivilisten also keine Informationen mitteilen."

Ken legte Wormmon beiseite und wand sich ihm zu.

"Zivilisten? Das sind wir für dich?"

Tai seufzte.

"Nein, das ist die offizielle Definition. Ihr habt nun mal keine Freigabe. Außer mir darf nur mein direkter Vorgesetzter diese Information erhalten, die mir Yamada gegeben hat. Da kann man nichts machen."

Davis murrte.

"Und dein neuer, toller Job ist dir also wichtiger als unsere Sicherheit?"

Erneut wurde er ermahnt.

"Glaubt mir, ich rede mit meinem Vorgesetzten. Ich werde ihn schon überzeugen, dass ihr die Info wissen müsst. Das Gespräch findet in einigen Tagen statt."

Kari wirkte überrascht.

"Dann bleibst du also eine Weile?"

Tai bestätigte es ihr.

"Mindestens eine Woche. Eventuell länger, falls sich Nishi wirklich als Bedrohung herausstellt."

T.K schien zufrieden zu sein.

"Das ist gut. Mein Bruder ist ebenfalls auf dem Weg. Ihr beide seid nach wie vor unsere stärkste Kampfkraft.", erinnerte er.

Die anderen stimmten ihm zu, auch wenn sie ungern gegen einen Menschen in den Kampf ziehen wollten.

Tai erhob sich und schritt auf die Tür zu.

"Dann plündere ich erst mal Izzys Kantine. In New York haben ich und Agumon ja nur Burger mampfen können.", verabschiedete er sich.

Agumon torkelte ihm hinterher und er verließ das Büro.

"Ich versuche ihn nochmal weich zu kochen.", versicherte Kari.

Die anderen hofften, dass ihr dies gelang. Sie mussten so viel wie möglich über ihren neuen Gegner wissen. Das konnte entscheidend sein.
 

Tsubasa war das erste Mal bei Shun zu Hause. Takeshis Haus kannte sie von früher, doch Shuns Familie schien etwas vermögender zu sein. Er hatte erwähnt, dass sein Vater Arzt und seine Mutter Anwältin sei. Und sein Bruder studierte, doch sie hatte vergessen, was. Auf dem Jungen musste ein ungeheurer Druck lasten. Er musste den Erwartungen seiner Familie gerecht werden. Tsubasa kannte dieses Gefühl nur zu gut. Seit den Ereignissen in seiner Firma hatte sie nicht mehr mit ihrem Vater gesprochen. Am liebsten wünschte sie sich, seinen Erwartungen gerecht zu werden, doch das war nun mal nicht möglich.

Shun hatte sie in sein Zimmer geführt, wo Koemon bereits wartete. Es schien sich um seine Steinschleuder zu kümmern, scheinbar erwartete es einen baldigen Einsatz.

Shun bat sie, Platz zu nehmen, während er Getränke für sie holte. Takeshi hielt immer noch den kleinen Kristall in Händen, der immer noch eingeschnappt war, dass er nichts gegen Nishi hatte ausrichten können.

"Als Clearmon hätte ich es ihm sowas von gezeigt!", sagte es in zittriger Stimme.

Sein Partner selbst war sich da nicht sicher. Es war die Aura, die dieser Nishi ausstrahlte. Er schien sich seiner Fähigkeiten vollkommen sicher zu sein. Und er schien keine Schwachstelle zu besitzen.

Shun kehrte zurück und stellte die Getränke ab.

"Danke, dass ihr gekommen seid. Ich komme gleich zum Punkt. Ich habe etwas recherchiert und tatsächlich etwas über diesen Nishi erfahren."

Seine Freunde hörten gespannt zu.

"In Programmiererkreisen ist er eine Legende. Niemand kann es mit seinen Codes aufnehmen."

Tsubasa brummte.

"Er hat eine eigene parallele Dimension programmiert, da glaube ich das gerne."

Takeshi betrachtete seinen Partner.

"Und wer hat die Digimon erschaffen, wenn auch indirekt. Das kommt einem Gott schon nahe."

Shun lachte auf.

"Ein Gott wohl kaum. Der würde sich für seine erschaffenen Wesen interessieren. Aber ihr habt doch gesehen, was er mit Takutoumon gemacht hat."

Takeshi und Tsubasa stimmten ihm zu.

"Und? Hast du sonst etwas erfahren?"

Shun nickte.

"Die meisten kennen ihn nur aus dem Netz. Er scheint keine Conventions oder Tagungen zu besuchen. Ich habe nur eine Person gefunden, die sich schon direkt mit ihm unterhalten hat."

Tsubasa sah erwartend zu ihm.

„Und? Was konnte er sagen?“

Shun verzog die Lippen.

„Dieser Nishi soll nicht so umgänglich sein. Aber diese Erfahrung haben wir ja selbst gemacht. Er hat dasselbe Stammlokal und angeblich soll Nishi mindestens jeden zweiten Tag dort auftauchen und zu Mittag essen.“

Takeshi erhob sich und ballte die Fäuste.

„Sehr gut! Damit hätten wir einen Anhaltspunkt. Wir sollten zu diesem Lokal aufbrechen. Selbst wenn wir Nishi dort nicht vorfinden, können uns die Angestellten oder Gäste dort vielleicht Hinweise zu ihm geben.“, schlug er vor.

Seine Freunde zögerten jedoch.

„Dann sollten wir auch T.K und die anderen informieren. Wenn er uns angreifen sollte, hätten wir keine Chance.“

Takeshi verstand ihn, wollte die älteren DigiRitter aber noch nicht einschalten. Noch war es nur eine vage Vermutung, sie hatten keine Bestätigung, ob Nishi dort sein würde, oder die Information überhaupt korrekt war.

„Wir können sie immer noch verständigen, wenn wir auf etwas stoßen.“

Seine Freunde waren einverstanden und machten sich bereit aufzubrechen.
 

Shun war der einzige, der mit einem Rucksack unterwegs war. Hebimon hatte sich wie immer um Tsubasas Handgelenk geschlängelt und Prismamon war momentan so klein, dass man es mit sich herumtragen konnte.

Das besagte Lokal lag in Ginza, keiner der drei war bisher hier gewesen, höchstens auf Durchfahrt. Es dauerte also etwas, sich zurecht zu finden. Schließlich hatten sie das Lokal entdeckt und betraten das Innere. Es war nicht sonderlich gefüllt und sich eine Übersicht zu verschaffen war einfach. Nishi befand sich nicht hier, doch mit so viel Glück hatten sie nicht gerechnet. Sie beschlossen die Angestellten nach ihm zu fragen und gaben sich deshalb als seine Neffen bzw. Nichten aus.

Diese waren sich aber nicht sicher, ob sie Nishi kannten. Wenn, hatte dieser bisher keinen Eindruck auf sie hinterlassen. Schließlich mussten die drei aufgeben und verließen das Lokal wieder. Sie hatten gerade die Straße betreten, als jemand den Zebrastreifen überquerte und auf das Gebäude zukam. Kaum war er auf der anderen Seite angekommen, starrte er die DigiRitter an.

Tsubasa zeigte sofort auf ihn.

„Da ist er ja!“

Tatsächlich war Nishi vor ihnen aufgetaucht. Er besuchte das Lokal also immer noch. Seinem Gesicht war anzusehen, was er von dem Hinterhalt hielt. Sofort machte er kehrt und schlenderte die Straße entlang.

Takeshi und die anderen wollten ihn aber nicht entkommen lassen. Sie schlossen zu ihm auf, doch Nishi erhöhte einfach sein Tempo.

„Jetzt warten Sie mal! Sie sind uns noch Antworten schuldig.“, beharrte Shun.

Takeshi hielt das Kristall-Digimon in die Höhe.

„Und verwandeln Sie Prismamon zurück!“

Nishi seufzte.

„Das macht es schon von alleine. Und jetzt lasst mich in Ruhe.“

Die drei hatten jedoch keine Absicht, dies zu tun. Erst als sie einen Hof erreicht hatten und Nishi keinen Ausweg mehr sah, drehte er sich um.

„Ihr habt also nicht vor, mich in Ruhe zu lassen?“

Die Mittelschüler tauschten Blicke aus.

„Wir wissen doch nicht einmal, worum es geht! Erklären Sie uns, was Sie mit der DigiWelt vorhaben!“, verlangte Shun.

Nishi ließ den Kopf hängen.

„Oh Mann. Na gut, wenn ihr mich dafür in Ruhe lasst, tue ich euch den Gefallen.“

Die DigiRitter hörten gespannt zu. Auch wenn jetzt Passanten vorbeigekommen wären, hätten sie nichts unternommen.

Nishi fuhr sich noch einmal durchs Haar und setzte dann an.

„Es ist nicht nur die DigiWelt. Ich habe auch vor, diese Welt hier loszuwerden.“, offenbarte er.

Unsichere Blicke folgten.

„Diese Welt hier... was soll das heißen?“, forderte Tsubasa zu wissen.

Nishis Augen wirkten müde und sein Gesicht träge.

„Diese Welt ist genauso kaputt wie die DigiWelt. Egal, ob Atome oder Daten, die Abfolge der Ereignisse ist immer vorprogrammiert. Das... kotzt mich an.“

Takeshi hob eine Augenbraue.

„Was soll das heißen? Man kann doch machen, was man will!“

Nishi bohrte sich im Ohr und brummte unzufrieden.

„Nein, offensichtlich nicht. In beiden Welten existieren Beutetiere und Raubtiere. Die Beutetiere können nichts weiter machen als in ihrem Käfig herumzutollen und nach Nahrung zu suchen. Und darauf zu warten, gefressen zu werden. Und die Raubtiere können nichts anderes machen als diese ständig zu jagen und dann zu fressen. Und alles wiederholt sich endlos.“

Takeshi baute sich vor ihm auf.

„Wir sind keine Beute oder Raubtiere. Wir sind Menschen!“

Nishi zuckte mit den Schultern.

„Es ist dasselbe. Ihr kämpft gegen böse Digimon und irgendwann werdet ihr selbst von ihnen besiegt. Das ist der Kreislauf. Und die normalen Menschen arbeiten, essen, schlafen und können nichts machen als zu warten, bis sie ihr Ende finden. Darum sind Menschen und Digimon gleich. Ich... bin gescheitert. Als ich die DigiWelt erschuf... bin ich gescheitert. Sie sollte die perfekte Welt werden, doch ich scheiterte.“

Shun runzelte die Stirn.

„Sie sind gescheitert? Was war denn eigentlich Ihr Ziel?“, wollte er wissen.

Nishi blickte drein, als sollte dies ohnehin offensichtlich sein.

„Ich plante eine Welt ohne Kreislauf zu erschaffen. Wo alles bleibt, wie es ist. Eine Welt voller absoluter Ruhe. Selbst meine Versuche, die DigiWelt zu verändern... sind gescheitert. Yggdrasil, die Homeostasis... selbst mein Partner wollten mich daran hindern.“

Takeshi schluckte.

„Wenn sie Sie aufhalten wollten... bedeutet das, dass Sie etwas Schlimmes damit vorhatten, oder?“

Nishi zuckte mit den Schultern.

„Ich sagte es doch. Beide Welten sind zu beschädigt, um sie zu reparieren. Darum muss ich sie auslöschen und völlig neu anfangen.“

Tsubasa riss die Augen auf.

„Neu anfangen? Sie meinen... Gott spielen?“

Nishi reagierte nicht auf den Vergleich.

„Wären Sie... tatsächlich dazu imstande?“, wollte Shun wissen.

Nishi schloss kurz die Augen.

„Noch nicht. Ich kann Atome und Daten inzwischen nach Belieben kontrollieren. Aber noch nicht auf einem zellularen Level. Ich benötige noch etwas, damit es möglich ist, eine perfekte Welt zu erschaffen.“

Takeshi überlegte, was er tun konnte.

„Und diese Welt... eine Welt ohne Kreislauf? Also komplette Stagnation? Das wünschen Sie sich?“

Nishi schüttelte den Kopf.

„Nein, das Gegenteil von Stagnation. Stagnation ist die Plage der Menschen und der DigiWelt. Ich rede von unendlichem Potential. Stellt euch ein Buch mit unendlichen Seiten vor. Eine Geschichte, die so spannend ist, dass ihr sie ewig verfolgen könnt. Das wird die Welt, die ich erschaffen werde.“

Nun wagte sich auch Shun näher.

„Und... was wird mit den Menschen? Den Digimon? Und allen anderen Lebewesen?“, stellte er eine berechtigte Frage.

Nishi wich seinem Blick aus.

„Die... müssen weichen.“

Takeshi konnte es nicht glauben.

„Weichen... Sie meinen, Sie wollen alle umbringen? Das bedeutet es doch, beide Welten auszulöschen!“

Nishi holte tief Luft.

„Es geht nicht anders. Altes stirbt und Neues wird erschaffen. Das ist der Kreislauf, von dem ich gesprochen habe. Aber keine Angst. In der neuen Welt, die ich anstrebe, wird dieser Kreislauf endlich enden.“

In Takeshi stieg die Wut auf.

„Glauben Sie ernsthaft, wir würden das zulassen? Dass Sie alles zerstören? Denken Sie, dass wir Sie nicht aufhalten würden?“

Nishi bedachte ihn eines mitleidigen Blickes.

„Nein, dazu seid ihr nicht imstande. Ihr seid Beutetiere und könnt nichts tun als abzuwarten. Das ist die traurige Realität.“

Das wollte sich der Junge natürlich nicht gefallen lassen. Er stürmte nach vorne, um Nishi eine zu verpassen, doch dieser hob nur einen Finger.

Sofort konnte sich Takeshi nicht mehr rühren. Er verharrte in seiner Position, als wäre er komplett paralysiert.

„Ver...dammt...“, bekam er gerade noch so heraus.

Nishi wandte sich nun Shun und Tsubasa zu.

„Euer Freund versteht es nicht. Ich bin in der Lage, unendlich Potential zu erschaffen. Ich werde es euch zeigen.“

Er streckte seine Hand nach Shun aus, doch bevor dieser reagieren konnte, hatte dieser seinen Finger bereits an seiner Stirn angesetzt.

„Dein Gehirn hat eine Beeinträchtigung, richtig? In meiner Welt wird es keine Sklaverei durch die Natur mehr geben.“

Shun spürte einen Stich im Kopf und wich zurück. Koemon musste ihn stützen. Dann stand Nishi plötzlich vor Tsubasa.

„Du leidest darunter, dass du nicht den Körper besitzt, den du gerne hättest, richtig? In meiner Welt wird sich jeder wohlfühlen können.“

Hebimon schnellte nach vorne, doch der Mann schlug die Schlange einfach weg. Dafür setzte er seine Fähigkeiten bei dem Mädchen ein und diese spürte, dass es für einen Moment glühte. Dann verlor auch sie kurz den Halt.

Nishi kehrte zu Takeshi zurück und legte auch ihm einen Finger auf die Stirn.

„Und du? Wie lautet dein Wunsch? Ich kann ihn dir erfüllen.“

Doch davon schien Takeshi nichts hören zu wollen.

„Von dir... will ich nichts!“, knurrte er.

Nishi nickte und verstand. Er machte kehrt und ging direkt auf eine Mauer zu. Die DigiRitter sahen zu, wie er sie direkt durchquerte, als sei sie lediglich Luft. Kaum war er verschwunden, schien sich Takeshis Zustand zu normalisieren und er kippte nach vorne.

Shun und Tsubasa waren schnell bei ihm und halfen ihm auf.

„Dieser Mistkerl! Das wird er bereuen!“

Nun begann der Kristall zu leuchten und wurde zu Prismamon.

„Takeshi! Lassen wir den Kerl nicht entkommen!“, entschied es.

Der DigiRitter war froh, seinen Partner wieder in alter Form zu haben.

„Gut! Er kann noch nicht weit sein, wir sollten ihn kriegen können!“

Doch die Blicke seiner Freunde sprachen Bände.

„Takeshi... ich weiß nicht. Ich spüre, wie ich mir auf einmal viel mehr Dinge merken kann.“, verriet er.

Der Junge sah zu seiner Freundin.

„Und ich... spüre gewisse Dinge nicht mehr, wenn ihr versteht, was ich meine.“, versuchte sie zu lächeln.“

Takeshi ballte die Fäuste.

„Ja und? Habt ihr euch jetzt einspannen lassen? Nur weil er etwas für euch getan hat? Ihr habt doch gehört, was er vorhat? Er will unsere und die DigiWelt vernichten! Da spielt das absolut keine Rolle!“

Seine Argumentation war zwar stichhaltig, doch am Gesicht seiner Freunde erkannte er, dass es Nishi gelungen war, Sympathie für sich zu erwecken. Das war wohl ebenfalls eine Möglichkeit, den Feind zu besiegen.

„Wisst ihr was? Vergesst es einfach. Prismamon und ich kümmern uns selbst darum. Ihr kehrt zu Davis und den anderen zurück und berichtet ihnen. Einverstanden?“

Shun und Tsubasa nickten zögerlich.

Takeshi fluchte und rannte zusammen mit seinem Partner los.

„Shun... was sollen wir jetzt unternehmen?“

Der Junge mit der Brille ließ den Kopf hängen.

„Takeshi hat ja recht! Nishi will unsere Welt opfern, um seine eigene zu erschaffen. Damit können wir ihn nicht durchkommen lassen.“

Das Mädchen nickte bedächtig.

„Ich weiß ja. Aber obwohl er uns geholfen hat?“

Shun wehrte ab.

„Takeshi liegt schon ganz richtig. Das diente nur dazu, um uns einzulullen. Und es spielt auch keine Rolle, falls unsere Welt wirklich zerstört wird. Denk doch an all die anderen.“

Tsubasa stimmte ihm zu. Hebimon, das nun wieder an ihr hochkroch, meldete sich zu Wort.

„Tsubasa, bitte! Nicht nur die Menschenwelt, auch die DigiWelt ist in Gefahr. Wir müssen uns beeilen und ihn aufhalten!“

Die Worte ihres Partners überzeugten sie schließlich. Sie beschlossen sich aufzuteilen und nach Nishi zu suchen. Sie schlugen eine andere Richtung als Takeshi ein, dies erhöhte ihre Chancen.

Tsubasa nahm den Weg dem Fluss entlang.

„Tsubasa, du musst schon schneller laufen, wenn du ihn einholen willst!“, drängte Hebimon.

Das Mädchen entschuldigte sich und legte an Tempo zu. Doch ihr Partner ahnte bereits, dass sie der Sache nicht mehr sicher war. Schließlich hielt sie ganz an.

„Das bringt nichts. Er ist sicher schon über alle Berge. Was sollte er außerdem am Fluss wollen? Sicher nicht schwimmen.“

Hebimon richtete plötzlich den Kopf in die Höhe und zischte.

„Tsubasa! Dort vorne!“

Diese blickte zu einer Bank am Fluss und konnte es nicht glauben. Dort saß tatsächlich Nishi, als wäre nichts geschehen.

Sie machte einen Schritt nach vorne, stoppte dann aber.

„Vielleicht... sollten wir die anderen holen.“

Hebimon sah sie flehend an.

„Tsubasa! Wir haben keine Zeit! Du kannst sie verständigen, aber wir müssen handeln, bevor er wieder verschwindet! Tsubasa, glaub mir, er ist nicht unser Freund! Ganz im Gegenteil.“

Die DigiRitterin wusste, dass ihr Partner vollkommen recht hatte. Nishi wollte sie und Shun lediglich manipulieren, das durfte sie nicht zulassen. Die beiden liefen auf den Mann zu, der sie schließlich bemerkte. Er erhob sich und seufzte.

„Ich hatte gehofft, euch überzeugt zu haben.“

Tsubasa zeigte in seine Richtung.

„Was heißt hier überzeugt! Sie wollen immer noch unsere Welt opfern, richtig?“

Nishi nickte.

„Es geht leider nicht anders.“

Tsubasa rang mit sich.

„Meine Familie... meine Freunde... denken Sie ernsthaft, die sind mir wichtiger als ich?“

Sie hielt ihr DigiVice hoch und Hebimon machte sich bereit.

„Hebimon digitiert zu... Julungumon!“

Nishi zeigte keinerlei Reaktion. Die große Schlange vor ihm schien er nicht als Bedrohung anzusehen. Erst als diese angriff, schwenkte er seinen Finger nach rechts und schleuderte Julungumon in den Fluss.

Das musste Tsubasa nun richtig wütend machen.

„Lassen Sie gefälligst meinen Partner in Ruhe!“

Dieser war zurück an Land und bereit für eine zweite Runde.

„Julungumon Ultra-Digitation zu... Sandiramon!“

Sandiramon griff mit einem Säureangriff an, doch Nishi teleportierte sich einfach einige Meter zurück.

„Wenn du das große Ganze nicht verstehen kannst, kann ich nichts daran ändern. Ich werde gehen, wir werden uns vermutlich nicht wiedersehen.“

Doch so einfach wollte Tsubasa ihn nicht ziehen lassen.

„Keine Chance! Wir lassen Sie nicht gehen!“

Nishi brummte unzufrieden. Also hob er eine Hand und zeigte auf eine Brücke über ihm. Tsubasa musste nun zusehen, wie sich diese verformte und in der Luft baumelte. Zum Glück befanden sich gerade keine Fußgänger darauf.

„Was... was hat er vor?“

Die Antwort erhielt sie schneller als ihr lieb war. Die Brücke nahm eine neue Gestalt an und zwar die einer riesigen, schwarzen Schlange. Diese platschte nun in den Fluss und gab ein lautes Gebrüll von sich.

„Tsubasa! Er hat die Brücke in ein Digimon verwandelt!“

Das Mädchen konnte es nicht glauben. Zu so etwas war der Kerl im Stande.

„Ich bin dann mal weg. ChaosSeadramon hier wird dich etwas beschäftigen.“

Ihm zu folgen war ausgeschlossen. Die Seeschlange stürzte sich sofort auf den Feind vor ihr. Sandiramon konnte gerade noch so ausweichen. Das Wasser spritzte über das gesamte Ufer und ließ Tsubasa in nassen Klamotten zurück.

Was sollten sie jetzt unternehmen? Auf Takeshi und Shun warten? Die beiden mussten das Gebrüll sicher gehört haben, so weit konnten sie sich noch nicht entfernt haben. Doch das Problem war, dass nicht unweit des Ufers Wohnhäuser standen. Das künstlich erschaffene Digimon schien ein Berserker zu sein, der keinen einzigen Gedanken besaß. Nur den einen, den Nishi ihm wohl eingepflanzt hatte. Nämlich sich um seine Verfolger zu kümmern.

Sandiramon startete einen Angriff gegen ChaosSeadramon, doch dieses wand sich nun um und beförderte den Gegner mit seinem Schwanz in den Fluss.

„Sandiramon! Du musst aufpassen, im Fluss bist du ihm nicht gewachsen!“

Ihr Partner war zwar in der Lage zu schwimmen, musste der DigiRitterin aber recht geben. Der Feind war unglaublich wendig im Wasser. Es tauchte unter und schwamm unter Sandiramon hindurch. Dann tauchte es auf und schnappte nach der Beute.

Tsubasa musste hilflos dabei zusehen, wie ihr Partner in das Maul geriet und drohte, verschlungen zu werden. Sandiramon kämpfte gegen das stabile Gebiss der Seeschlange an. Es setzte einen Giftangriff ein, was etwas an Schaden verursachte. Doch das half nur temporär.

„Tsubasa... bitte... ich brauche mehr Kraft!“

Das Mädchen stockte. Mehr Kraft? Etwa von ihr? Was sollte sie denn hier ausrichten? Sie zögerte ja sogar, obwohl Nishi deutlich der Feind war. Wie sollte sie ihren Partner unterstützen, wenn sie nicht einmal an sich selbst glauben konnte?

„Tsubasa!“

Sandiramon rief sie erneut.

„Wen... möchtest du beschützen?“

Die DigiRitterin hielt inne.

Sie sah zu, wie sich ihr Partner weiterhin gegen den Biss ChaosSeadramons wehrte. Sehr viel länger würde es dies nicht aushalten. Das durfte einfach nicht wahr sein. Es war völlig egal, ob Nishi ihr geholfen hatte oder nicht. Im Moment war nur ihr Digimon wichtig.

„Hebimon! Ich möchte... ich möchte dich nicht verlieren!“

Ihr DigiVice leuchtete erneut und genau im richtigen Moment begann Sandiramon sich zu verformen.

„Sandiramon Mega-Digitation zu... Mervamon!“

Ihr Partner war nun wesentlich kleiner, doch genau das erlaubte es aus dem Maul zu flüchten. ChaosSeadramon biss sich selbst auf die Zunge und wich zurück.

Tsubasa staunte, als sie Mervamon erblickte.

Dieses hatte nun Menschengestalt angenommen. Es war eine wunderschöne Frau mit einem Knochenhelm. Während ihr einer Arm nun eine Schlange war, hielt sie in der anderen ein prächtiges, rotes Schwert. Tsubasa konnte nicht anders als sie zu bewundern.

Doch der Gegner ließ ihnen keine Pause. ChaosSeadramons Maul war wieder bereit zuzubeißen, doch auch Mervamon streckte ihren Schlangenarm aus, mit dem sie den Angriff blockte.

„Zeit dich, Ungeheuer, zu erledigen!“

Mervamon nahm nun ihr Schwert zur Hand.

„Letzter Schlagwurf!“

Sie attackierte den Hals der Seeschlange und durchtrennte diesen mit einem Hieb.

ChaosSeadramon brüllte auf, bevor es begann sich in Daten zu verwandeln.

Tsubasa hätte beinahe gejubelt. Mervamon landete nun vor ihr und ihre Partnerin fiel ihr um den Hals. Jedoch entging ihr nicht, dass Mervamon auch im Brustbereich eine Entwicklung vollzogen hatte.

„Ähm... Tsubasa?“

Diese löste sich wieder von ihr.

„Super Job!“

Mervamon lächelte, bevor sie zu Hebimon zurückdigitierte.

Sie schlängelte sich an ihrer Partnerin hinauf, während diese zwei Gestalten in einiger Entfernung erkannte.

Takeshi und Shun kamen angerannt und erkundigten sich, ob alles in Ordnung sei. Tsubasa war zum Glück nur etwas durchnässt.

„Tut mir leid, ich habe ihn entkommen lassen. Dafür ist Hebimon digitiert und hat mich beschützt.“

Shun brummte.

„Schon gut. Wir hätten ihn vermutlich ohnehin nicht stoppen können. Nicht einmal zu dritt.“

Takeshi sah nach oben.

„Hey... habe ich dort vorhin nicht noch eine Brücke gesehen?“

Tsubasa versuchte ein Lächeln aufzusetzen. Sie fragte sich, was sich die Anwohner wohl denken mochten. Aber das war kein Problem, um das sie sich auch noch kümmern konnten.

Shun schlug vor, in sein Haus zurückzukehren. Unterwegs besorgten sie noch trockene Klamotten für Tsubasa, damit sie sich nicht erkältete.

Als sie in der Bahn saßen, starrte sie aus dem Fenster.

„Wir werden Nishi aufhalten, nicht wahr?“

Ihre Freunde nickten ernst.

„Ja. Zusammen mit den anderen DigiRittern. Denn außer uns ist sonst niemand dazu im Stande. Ich schätze... das bedeutet es nun mal, ein DigiRitter zu sein.“

Folge 16 – Erwartungen

Es war bereits Abend, als Matts Zug eintraf. T.K erwartete ihn bereits am Bahnsteig, Patamon ruhte sich in seiner Tasche aus. Er fragte sich, wie sein Bruder wohl Gabumon transportieren wollte. Die Antwort sollte er wenig später erhalten. Matt kam nämlich ohne seinen Partner an.

Sie umarmten sich kurz und T.K erkundigte sich nach dem Digimon.

„Ich habe Gabumon in die Sphäre geschickt, wo sich Gennai aufhielt. Es war Izzys Idee, wir wissen nicht, ob dieser Ort ein Ziel für diesen mysteriösen Nishi sein könnte, oder nicht.“

T.K verstand, für ihn klang die Idee vernünftig. Jedoch konnten sie Nishis Pläne nur erahnen. Takutoumon hatte die Absicht gehabt, an Rurimon und dessen Buch ranzukommen. Allerdings hatte es sich zuvor von seinem Partner abgekapselt und verfolgte seine eigenen Ziele. Sie konnten also nicht sagen, ob es Nishi ebenfalls auf den Drachen abgesehen hatte.

Takeshi und die anderen hatten berichtet, dass Nishi vorhatte, sowohl die reale als auch die DigiWelt für seine eigenen Ziele zu opfern. Sie mussten alles Nötige unternehmen, um dies zu verhindern. Allerdings erwähnten sie noch etwas Interessantes. Und zwar, dass Nishi noch etwas brauchte, um seine Pläne umzusetzen. War damit Rurimon gemeint? Oder etwas anderes? Nishi war ohnehin bereits ziemlich mächtig. Schwer zu glauben, dass er dann noch extra Azulongmons Kugeln benötigte. Doch worauf hatte er es dann abgesehen?

„Jedenfalls freue ich mich schon bei dir unterzukommen, während ich hier bin.“, unterbrach Matt seine Gedanken.

Sein kleiner Bruder stutzte.

„Äh... ich dachte du wolltest bei Papa wohnen?“, hakte er nach.

Matt runzelte die Stirn.

„Ach, der hat genug zu tun. Ich wollte mir schon immer eine Wohnung mit dir teilen.“, klopfte er T.K auf den Rücken.

Dieser versuchte sein Lächeln beizuhalten. Das konnte ja was werden.
 

Shun hatte diese Nacht wenig geschlafen. Dies lag jedoch nicht daran, dass er lange fernsehen geschaut hatte, oder ihn die gestrigen Ereignisse beschäftigten. Er hatte gelernt. Er war den ganzen Stoff des Schuljahrs durchgegangen und hatte richtig geackert.

Er staunte über sich selbst, wie gut er sich die Dinge inzwischen merken konnte. Und innerlich hasste er sich dafür. Demjenigen, dem er dieses Upgrade zu verdanken hatte, war Nishi gewesen. Ein Mann, der seinen Glauben an die Menschheit lange verloren und nun ihren Untergang einleiten wollte.

Shun wehrte sich gegen jeden Funken an Dankbarkeit, den er ihm gegenüber verspürte. Er war ihr Feind, das hatte er selbst deutlich erklärt. Aber... was wenn es eine Möglichkeit die Angelegenheit friedlich zu lösen? Wenn sie Nishi doch überzeugen konnten nicht so radikal vorzugehen? Noch hatte er niemanden verletzt, nicht soweit sie wussten. Ein Kampf könnte womöglich vermieden werden und Shun müsste dann keine Schuldgefühle mehr haben, ihm dankbar zu sein.

War das illusorisch? Nein, er hatte es ja nicht einmal versucht. In einer Stunde sollte er sich mit seinen Freunden treffen. Dort würde er es dann vorschlagen.

Als er die Treppe hinunterging, wurde er von seinen Eltern aufgehalten.

„Ich treffe mich nur mit Takeshi zum Lernen.“, sagte er schnell.

Das half im Prinzip immer, damit sie ihn gehen ließen. Doch darauf schienen sie nicht hinaus zu wollen.

„Sehr schön, aber hättest du am Nachmittag Zeit? Kazuki kommt nach Hause, du könntest ihn abholen.“, schlug seine Mutter vor.

Shun hätte sich in den Hintern beißen können. Ausgerechnet das hatte er vergessen, jetzt wo seine Gehirnwindungen wieder liefen.

„Klar, das liegt ohnehin auf dem Weg zwischen hier und Takeshis Haus. Ich bringe ihn dann mit.“, versprach er.

Seine Mutter dankte ihm und wollte sich dann wieder dem Haushalt zuwenden. Bevor Shun jedoch ging, wand er sich noch einmal an seine Eltern.

„Ach ja... ich habe das Gefühl, dass die neuen Tabletten, die Kido-sensei mir empfohlen hat, wirklich funktionieren. Das Lernen ist mir gestern Abend echt leicht gefallen.“

Sein Vater sah von seiner Zeitung auf und wirkte überrascht. Aber zugleich auch erfreut.

„Ja? Es wäre schön wenn wir dieses Problem tatsächlich beseitigen könnten. Aber mal abwarten wie sich deine Noten entwickelt?“, wollte er nicht zu viel hineininterpredieren.

Shun nickte und verließ dann das Haus. Er musste wohl zuerst etwas leisten, bevor seine Eltern wirklich an ihn glaubten.
 

Takeshi hatte heute freie Bude, da seine Eltern ihren Hochzeitstag feierten. Prismamon, Rurimon und Hebimon tollten bereits im Wohnzimmer herum und ruinierten die Polster. Koemon gesellte sich zu ihnen, spielte sich aber als der Vernünftige auf.

Sie hatten Davis und den anderen Bescheid gegeben, dass sie Nishi begegnet waren. Und, dass dieser von seinen wahren Absichten berichtet hatte. Natürlich wurden sie belehrt, dass es viel zu gefährlich gewesen war. Besonders Tsubasa war klar gewesen, dass Nishi sie einfach wegschnipsen hätte können. Stattdessen hatte er einfach ein Digimon erschaffen, dass sie etwas beschäftigte. Shun nutzte diesen Umstand für einen Einwand.

„Sind wir sicher... dass Nishi-san wirklich böse ist?“

Seine Freunde musterten ihn.

„Hallo? Er will zwei Welten einfach auslöschen!“, erinnerte Takeshi.

Shun nickte immer wieder.

„Ja, aber nicht weil er explizieht auf Zerstörung aus ist. Was, wenn wir ihn überzeugen können, seine Kräfte auf andere Weise einzusetzen? Indem er die Welt besser macht? Dass es gar nicht nötig ist, alte zu zerstören.“

Seine Freunde ließen sich diese Idee durch den Kopf gehen. Das wäre natürlich das ideale Szenario. Doch war es aussichtsreich?

„Warum sollte der Typ auf ein paar Kids wie uns hören?“, sah Takeshi die Sache eher pessimistisch.

Shun konnte es nicht glauben?

„Aber warum? Wir haben es noch nicht einmal versucht? Er könnte noch vielen weiteren Menschen helfen, so wie er es bei uns getan hat!“

Tsubasa knurrte unzufrieden.

„Ich mag diesem Nishi zwar dankbar sein, doch... er hat etwas unverzeihliches getan!“

Die Jungs sahen sie fragend an.

„Was denn? Noch hat er doch keine der Welten zerstört.“, wand Shun ein.

Tsubasa schüttelte den Kopf.

„Das meine ich nicht! Wenn er schon meinen Körper verändert... hätte er mir auch größere Brüste geben können!“, beschwerte sie sich.

Die Jungs fielen aus allen Latschen. Hebimon ließ seinen Kopf sinken.

„Tsubasa! Wir haben größere Probleme als deine Komplexe!“, wand es ein.

Das Mädchen hielt seinen Partner am Schwanz hoch.

„Ach ja? Wer hat denn Riesenbrüste wenn er auf sein Mega-Level digitiert, hm?“

Shun fasste sich an die Stirn. Er konnte nicht glauben, dass seine Freunde die Situation nicht ernst nahmen.

„Können wir jetzt besprechen wie wir bei Nishi weiter vorgehen?“, wollte er wissen.

Takehsi verschränkte die Arme.

„Ich fürchte nicht. Zumindest nicht solange wir nicht mehr über ihn wissen. Wir kennen ihn ja eigentlich gar nicht. Seine Vergangenheit, seine Beweggründe. Nur, dass er beide Welten nicht mehr als Wert erachtet weiter zu existieren.“

Tsubasa sprang auf.

„Also müssen wir ihm das Gegenteil beweisen!“, schien für sie festzustehen.

Auf die Fragem ob sie denn eine Idee hätte wie man das anstellen sollte, verneinte sie.

„Sagt mal... T.K hat doch erwähnt, dass diese eine Freund von Nishi-san der Vater von Cody war, richtig?“, erinnerte sich Takeshi.

Shun nickte.

„Ja, Hida-san. Aber der ist verstorben, wir können ihn nicht weiter zu Nishi befragen.“, enttäuschte er ihn.

Tsubasa erinnerte sich an den anderen Mann, den die älteren DigiRitter erwähnt hatten.

„Und dieser Ori... Orisawa...“

„Orikawa.“, verbesserte Shun. „Der ist ebenfalls verstorben und kann uns nicht helfen.“

Takeshi ließ sich entmutigt wieder auf die Couch fallen.

„Na großartig! Dann haben wir also keinen einzigen Anhaltspunkt. Niemand, der uns etwas zu Nishi sagen könnte.“

Shun verneinte jedoch.

„Nicht unbedingt. Ich habe nochmal mit dem Typen gechattet, der uns den Hinweis mit Nishi-sans Stammlokal gegeben hat.“, offenbarte er.

Sofort hatte er Takeshis Aufmerksamkeit.

„Und? Kennt ihr Nishi näher?“

Shun zuckte mit den Schultern.

„Es klang nicht so als wären sie befreundet. Doch er war einverstanden sich mit uns treffen.“

Takeshi brummte nachdenklich.

„Klingt nach einem Strohhalm. Es ist schwer zu sagen, ob Nishi ihm etwas aus seiner Vergangenheit erzählt hat. Aber vermutlich ist es einen Versuch wert. Wir sollten hingehen, wann soll das Treffen stattfinden?“

Shun beantwortete es ihm ohne Umschweife.

„Heute Nachmittag, diese verbringt er meistens im erwähnten Lokal. Aber ich kann euch nicht begleiten, ich habe meinen Eltern versprochen meinen Bruder abzuholen, er kommt um 16 Uhr mit dem Bus an.“, offenbarte er.

Takeshi sah zu Tsubasa, doch die schüttelte den Kopf.

„Ich kann leider auch nicht, ich habe Miki und Serena versprochen mit ihnen shoppen zu gehen.“, gestand sie.

Takeshi verengte die Augen.

„Dein Ernst? Das ist doch nicht so wichtig!“, wand er ein.

Seine Freundin schien dies aber anders zu sehen.

„Deine Meinung! Ich hatte in meiner alten Schule nicht wirklich Freundinnen. Darum will ich sie nicht vergraulen. Außerdem würde ich gerne sehen, ob sie bemerken, dass sich an irgendwas verändert hat.“, sprach sie und hastete ihren Oberkörper ab.

„Da hat sich rein gar nichts verändert.“, setzte Hebimon noch eins drauf und seine Partnerin begann wieder ihn an beiden Enden auseinanderzuziehen.

Während das Digimon noch um Hilfe rief, war Takeshi schon aufgestanden.

„Also gut, es reicht wenn einer von uns den Typen befragt. Prismamon und ich kümmern uns darum.“

Shun nickte.

„Gut, dann besprechen wir morgen, ob das irgendwas gebracht hat. Und wer weiß, vielleicht konnten unsere Senpais inzwischen auch schon Informationen sammeln.“

Sie verspeisten noch einige Sandwiches, die Takeshi vorbereitet hatte und waren wenig später gestärkt genug. Sie verabschiedeten sich und Shun verließ mit Koemon im Gepäck das Haus.
 

Tai machte schmatzende Geräusche, als er den gebratenen Reis in sich hineinstopfte. Sowohl Kari, als auch seine Mutter seufzten.

„Ohje, er hat in Amerika all seine Manieren verloren.“, beklagte die Köchin.

Kari konnte sie beruhigen.

„Ach was, so war er doch immer schon. Das schlimme ist nur, dass Agumon sein Verhalten kopiert.“

In der Tat erkannte der orangene Dino die Existenz von Besteck nicht einmal an, sondern mümmelte den ganzen Reis auf seinem Teller in sein Maul.

Nach dem nächsten Bissen meinte Tai sich rechtfertigen zu müssen.

„Das ist eben die beste Hausmannskost! In Amerika musste ich mir alles aufwärmen. Versteht mich nicht falsch, ständig Pizza und Burger sind zwar ultra lecker, aber auf Dauer eintönig.“

Die beiden Yagami-Frauen sahen einander an und rollten mit den Augen.

„Du könntest auch mal selbst kochen lernen, schon einmal daran gedacht?“, schlug seine Mutter vor.

Tai versuchte zu lächeln.

„Dafür bin ich ja viel zu beschäftigt.“

„Ich wollte es ja versuchen, aber das hat nicht so gut geklappt.“, erzählte Agumon nun.

Tai seufzte.

„Ich habe dir erklärt, dass du dafür nicht deine eigenen Flammen benutzen kannst. Wir mussten die Feuerwehr rufen und die Küche war ruiniert.“, warf er ihm vor.

Agumon ließ schuldbewusst den Kopf sinken.

Als sie fertig waren, dankte er seiner Mutter noch einmal für das Essen und kehrte mit Agumon auf sein Zimmer zurück. Dort checkte er seine Nachrichten. Er hatte sowohl Izzy, als auch Matt kontaktiert, doch keiner von beiden schien es für nötig befunden zu haben, ihm bisher zurückzuschreiben.

Während Agumon noch das Essen verdaute, beschloss Tai ein Bad zu nehmen. Vielleicht hatten ihm die anderen dann schon zurückgeschrieben. Auf der anderen Seite wusste er, wie sehr Izzy mit seiner Firma beschäftigt war. Und Matt hatte seinen kleinen Bruder länger nicht mehr gesehen und wollte sicher Zeit mit ihm verbringen. Das konnte er ihm unmöglich vorhalten. Im Bad ließ er sich Wasser ein und rasierte sich solange. Sein Aussehen war ebenfalls etwas, worauf er inzwischen bei seiner Arbeit achten musste. Das Wasser war noch etwas hieß, aber er wagte es dennoch hineinzusteigen. Auch etwas, das er schon länger nicht mehr genossen hatte. In seiner Wohnung gab es lediglich eine alte Dusche, die ewig brauchte um warmes Wasser zu spenden. Ein richtiges, japanisches Bad war noch einmal etwas ganz anderes. Er ließ das Wasser auf sich einwirken und streckte seine Beine aus. Ja, er war froh sich endlich wieder mal ein Aufenthalt in Japan gegönnt zu haben.

Schließlich klopfte es an der Holztür und seine Schwester meldete sich.

„Ach Onii-chan, nimmst du schon ein Bad?“, wollte sie wissen.

Tai bestätigte es ihr.

„Ja, ist schön entspannend, habe ich echt vermisst. Diese Ruhe und Wohltat.“

Auf Ruhe musste er allerdings verzichten, denn Kari trat ein und schenkte ihm ein Lächeln.

„Sehr schön, dann brauche ich mir keines einlassen. Ist das Wasser schon angenehm?“, wollte sie wissen.

Tai sah sie verdutzt an.

„Ja, aber du kannst die Wanne nach mir benutzen.“, bot er an.

Kari tat die Sache aber ab und machte sich fertig zum Baden.

„Ach was, dann ist das Wasser längst kalt. Außerdem ist doch genug Platz.“

Tai wirkte missmutig. Eigentlich hatte er sich gefreut, das Bad alleine zu genießen.

Doch Kari hatte bereits ein Bein ins Wasser gesetzt und bat darum, dass ihr Bruder platz machte.

Unwillig zog dieser die Beine ein, während sich Kari niederließ.

„Ja, das Bad tut echt gut. Wir haben ja ewig nicht mehr zusammen gebadet, oder?“

Tai murrte nur.

„Ja, aber da warst du auch noch kleiner. Jetzt nimmst du ziemlich viel Raum ein.“, bemängelte er.

Kari spitzte die Ohren.

„Wie? Willst du etwa sagen, ich hätte zugenommen?“

Tai schüttelte den Kopf.

Technisch gesehen hatte sie das, doch er würde sich hüten, einen Spruch zu bringen, der ihr Gewichtszunahme unterstellte. Kari machte es sich gemütlich und streckte sich immer weiter aus, was Tai veranlasste, sich noch mehr auf seine Seite zurückzuziehen.

„Ach, da fällt mir ein... nochmal wegen der Sache bei Izzy. Was war das nochmal, was du uns nicht mitteilen konntest?“, sagte Kari nun.

Tai räusperte sich.

„Ach das? Ich hatte dir doch erklärt, dass ich euch das nicht verraten darf.“, erinnerte er.

Kari machte daraufhin ein missmutiges Gesicht. Sie bewegte ihre Beine auf und ab und spritzte so immer mehr Wasser auf Tai.

„Hey, ich würde gerne noch was von meinem Bad haben!“, bat er.

Kari tat aber gänzlich unschuldig.

„Hm... vielleicht sollte ich dich dann alleine lassen?“, schlug sie vor.

Tai nickte.

„Ja, das wäre wirklich nett von dir.“

Seine Schwester überlegte kurz, entschied sich dann aber dagegen.

„Ach, du kommst mir ja auch nicht entgegen, also wozu.“, entschied sie.

Tai knurrte innerlich. Gegen ein böses Digimon kämpfen? Damit kam er klar. Aber wenn jemand sein verdientes Bad zunichtemachte? Kari wandte sich jetzt der Tür zu.

„Ihr könnt jetzt reinkommen!“, rief sie.

Tai verstand nicht ganz, dann schoben sich Agumon und Gabomon durch die Verbindungstür.

„Juhu! Endlich mal richtig baden!“, jubelte Agumon.

Noch bevor sein Partner etwas sagen konnte, waren der Dino und die Katze schon ins Bad gesprungen und ein Schwall Wasser ergoss sich über Tais Gesicht.

Er hustete und sah Agumon scharf an.

„Darf ich fragen, was du hier machst?“

Agumon schien aber nicht zu glauben, etwas falsch gemacht zu haben.

„Hä, wieso? Kari meinte, dass wir alle zusammen baden könnten.“

Tai sah zu seiner Schwester, doch diese grinste nur, während sie sanft Gatomons Fell wusch.

„Wir verschwinden sofort wieder und lassen dir noch den Rest deines Bades. Sofern du uns verrätst, was dir die Amerikaner anvertraut haben.“

Tai ließ seinen Kopf nach hinten fallen. Seine Schwester hatte sich eindeutig zu viele Foltermethoden von ihm abgeguckt. Trotzdem nahm er seinen Beruf ernst und konnte nicht einfach vertrauliche Informationen weitergeben, nicht einmal an seine Schwester oder seine Freunde. Am Ende gab er sich doch einen Ruck.

„Also gut. Sollte dich jemand fragen, hast du die Info von Gennai, in Ordnung?“

Kari schien mit dieser Lösung durchaus zufrieden zu sein. Schließlich zog sie ihr Bruder ins Vertrauen und ihre Miene änderte sich schlagartig. Schließlich stieg sie aus der Wanne und zog Gatomon mit sich.

„Du auch, Agumon. Wir lassen Tai in Ruhe sein Bad genießen.“

Der kleine Dino zierte sich erst. Erst als sie versprach, dass sie den beiden danach nochmal ein Bad einließen, krabbelte er aus der Wanne und ließ Tai sein Bad genießen.

Als Kari und die Digimon das Badezimmer verlassen hatten, fragte sich Tai, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war. Nein, im Grunde wusste er, dass sie es wissen mussten. Wie sollten sie sonst aufhalten, was sich langsam anbahnte?
 

Shun konnte sich Zeit lassen, bis er am Busbahnhof angekommen war. Er kannte die Strecke gut und wusste als Japaner nur zu gut, dass sich der Fahrer genau an den Plan halten würde. Sein Bruder würde um Punkt 16 Uhr eintreffen.

„Hey, Shun. Wie genau ist dein Bruder so?“, fragte Koemon im Rucksack.

„Hmm...“, überlegte der DigiRitter einen Moment.

„Im Grunde ist er eine sehr ernste Person. Aber trotzdem wirkt er, als würde ihm alles zufliegen. Vielleicht ist das auch nur eine subjektive Meinung. Er schrieb ständig die Einsen, während ich... naja, du weißt ja.“

Koemon klopfte ihm auf die Schulter.

„Aber jetzt schreibst du doch auch nur noch Einsen, oder?“

Shun rang sich ein Lächeln ab.

„Vielleicht, ja. Dank Nishi-san kann ich...“

Er hielt inne. Eigentlich hatte er ihn nicht erwähnen wollen. Also beschloss er einfach das Thema zu wechseln, bis sie am Ziel angekommen waren. Dort setzte er sich auf eine Bank und wartete auf die Busse.

Um Punkt 16 Uhr traf dieser wie erwartet ein und Shun erhob sich. Die ersten Passagiere verließen das Fahrzeug und der Junge reagierte, als er das bekannte Gesicht erblickte.

Kazuki kämpfte sich durch die Passagiere und begrüßte seinen jüngeren Bruder.

„Hey! Wenn das nicht der Erstklässler ist! Wie läuft es so in der Mittelschule?“

Shun konnte bisher nicht klagen. Sie verließen den Busbahnhof und schritten den Gehsteig entlang. Schließlich schlug Kazuki vor, doch ein Café zu besuchen.

„Sicher? Mutter und Vater warten sicher auf uns.“, wandte Shun ein.

Kazuki tat die Sache aber ab.

„Ach was, ich schreib ihnen schnell, dass wir noch etwas trinken gehen.“, erwiderte er.

Schließlich kehrten sie in ein kleines Café ein und legten ihre Sachen ab. Kazuki blickte überrascht zu seinem Rucksack, als ein Geräusch daraus erklang.

„Äh... das war ein Handy. Sicher nur eine SMS.“, reagierte der DigiRitter sofort.

Kazuki gab sich damit zufrieden und Shun hoffte inständig, dass Koemon die Füße stillhielt. Auf der anderen Seite überlegte er, ob er seinem Bruder von seinem Digimon erzählen konnte. Es wäre definitiv leichter als seinen Eltern. Kazuki war auch niemand, der Dinge einfach ausplauderte.

Dennoch beschloss er, damit erst einmal zu warten. Er wechselte das Thema und erzählte von Kido-sensei. Die Ereignisse im Krankenhaus sparte er sich natürlich aus.

„Diese neuen Medikamente klingen echt toll. Zeigen sie denn schon Fortschritte?“, wollte sein Bruder wissen.

Shun war froh, ihm dies bestätigen zu können. Eigentlich war der wahre Grund, warum es ihm besser ging, ein anderer. Doch das war unmöglich zu erklären. Außerdem würde er noch mit Joe abklären müssen, ob er diese Medikamente überhaupt noch weiter nehmen sollte. Der Arzt kannte sich zum Glück mit Ereignissen digitaler Natur aus. Oder war Izzy bei so etwas vielleicht doch der bessere Ansprechpartner?

Schließlich erzählte Kazuki von der Uni und dass er einem neuen Club beigetreten war. Shun kam nicht umher zu schmunzeln.

„Erzähl Vater bloß nichts davon. Er wird dich wieder belehren, dass du deine Zeit verschwendest.“, warnte er.

Kazuki hob abwehrend die Hände.

„Ich bin ja nicht lebensmüde. Aber mal ehrlich. Auch du solltest dir nicht alles von unseren Eltern verbieten lassen. Lernbenachteiligung hin oder her. Genieß deine Jugend ja? Bist du noch mit Takeshi befreundet?“

Shun bestätigte es ihm. Und er erwähnte auch Tsubasa, mit der er sich inzwischen angefreundet hatte. Kazuki schien erleichtert zu sein.

„Das freut mich wirklich. Ich hatte Angst, du würdest dich komplett auf die Schule konzentrieren und alles andere vernachlässigen.“

In dieser Hinsicht konnte ihn sein jüngerer Bruder beruhigen. Es gab einige Nebentätigkeiten, die ihn momentan beschäftigten. Dann spürte er, wie ihn etwas streifte. Er sah nach links und erkannte, dass ein Gast des Cafés gerade an ihm vorbeigegangen war. Langsam weiteten sich seine Augen, als er diesen erkannte.

Es handelte sich um einen bärtigen Mann mit teils schmutzigen Mantel. Sofort erhob er sich und packte ihn an der Schulter.

Nishi wandte sich um und brauchte einen Moment, um den Jungen zu erkennen.

„Ah, du bist es.“, sagte er schließlich.

Shuns Miene verdunkelte sich.

„Ja, ich bin es! Und was machen Sie hier?“, verlangte er zu wissen.

Nishi verzog die Lippen.

„Ich... wollte den Ananaskuchen hier probieren. Ich liebe Ananas wirklich sehr, musst du wissen.“

Shun verstand. Es war also ein Zufall gewesen, dass sie sich hier begegneten. Oder spielte ihm Nishi etwas vor und hatte es auf ihn abgesehen?

Aber nein, warum denn? Er hatte doch darauf bestanden, dass die DigiRitter ihn in Ruhe ließen. Das widersprach seiner Theorie. Nishi riss sich nun los und stolzierte auf den Eingang zu.

„Moment! Warten Sie!“, rief Shun noch hinterher, doch der Mann ignorierte ihn.

Auch Kazuki war inzwischen aufgestanden.

„Was ist los? Wer ist der Mann? So habe ich dich ja noch nie gesehen.“, sprach er.

Shun überlegte fieberhaft, was er seinem Bruder alles erzählen konnte.

„Hör mal... das ist eine echt lange Geschichte. Aber der Typ ist gefährlich, ich muss ihm hinterher.“

Kazuki verstand die Ernsthaftigkeit und nickte ihm zu.

„Gut, dann rufen wir jetzt die Polizei. Die Details kannst du mir ja später erklären.“

Shun rang mit sich, doch er sah keine Alternative.

„Nein, die Polizei könnte nicht helfen. Koemon! Komm raus!“, rief er zu seinem Rucksack.

Kazuki staunte nicht schlecht, als der grünliche Affe aus seinem Versteck kroch.

Erst wich er etwas zurück, dann betrachtete er diesen interessiert.

„Ist das etwa... ein Digimon?“

Shun war bewusst, dass sein Bruder etwas älter war als er selbst und die Angriffe der Digimon auf die Stadt noch besser in Erinnerung hatte als er.

„Ich bin Koemon! Ich bin Shuns Digimon-Partner.“, stellte es sich vor.

Kazuki seufzte.

„Du hast mir wirklich einiges zu erklären, was? Aber gut, du sagtest wir müssen dem Kerl nach? Dann nichts wie los!“, setzte er sich in Bewegung.

Shun versuchte ihm zu erklären, dass eigentlich nur ER los müsste. Kazuki würde sich in Gefahr befinden, wenn er ohne eigenes Digimon etwas versuchte. Jedoch wollte dieser nicht hören.

Sie waren gerade am Ausgang angekommen, stellten jedoch fest, dass der Türgriff verschwunden war.

„Der Typ... hat besondere Kräfte.“, erklärte Shun.

Näher darauf eingehen konnte er nicht. Die anderen Gäste waren nun ebenfalls aufgestanden und wollten eine Erklärung, was denn los sei. Shun konnte aber nicht noch mehr Zeit verschwenden. Er trug Koemon auf, die Tür aufzubrechen, welches sofort folgte. Während dieses loslegte, nutzte Shun die Chance, um Takeshi und Tsubasa zu informieren. Wenn er Glück hatte, waren diese noch nicht zu weit entfernt.

Mit einem Angriff seiner Steinschleuder war schnell ein Ausgang geschaffen und sie konnten die Verfolgung wieder aufnehmen. Es war Kazuki, der die Zielperson als erstes erblickte.

„Dort! Auf dieser Kreuzung!“, zeigte er nach vorne.

Shun nickte und ließ mit erhobenem DigiVice auf ihn zu.

Kazuki wich erst zurück, als Koemon seine Form änderte.

„Koemon digitiert zuuuuu..... Lianpumon!“

Der nun größere Affe mit den Masken schwebte in der Luft umher und befand sich schon bald über Nishi.

Dieser war alles andere als erfreut über den lästigen Verfolger.

„Ich sage es nur einmal. Geht nach Hause und stört mich nicht weiter.“, drohte er.

Doch weder Shun noch Lianpumon ließen sich etwas sagen.

„Das geht nicht! Sie haben schreckliches vor, darum können wir Sie nicht gehen lassen!“, beharrte der Junge.

Nishi stieß einen tiefen Seufzer aus.

„Oh Mann. Ihr bereitet mir echt nur Ärger.“, sagte er und streckte seinen Finger in Richtung eines Supermarkts aus.

Shun und Kazuki sahen ungläubig mit an, wie sich das Mauerwerk auflöste und in die Luft flog. Die Menschen im Inneren standen urplötzlich im Freien und wussten nicht, was um sie herum geschah. Die Masse, die sich über ihnen gebildet hatte, begann sich zu verformen und erst waren mit Fell bedeckte Beine zu erkennen, dann ein Oberkörper mit haarigen Armen und schließlich ein pelziger Kopf.

Niemand konnte verstehen, was vor sich ging, als plötzlich ein riesiger violetter Bär mitten auf einer Kreuzung auftauchte.

„Was jetzt geschieht, habt ihr euch selbst zuzuschreiben. Sollte Callismon hier jemanden verletzen, ist das nicht meine Schuld.“, stellte Nishi klar und machte sich daran zu gehen.

Lianpumon unternahm einen Versuch, ihn aufzuhalten, doch Callismon erwischte ihn mit seiner riesigen Pranke.

„Achtung! Der Gegner ist stark!“, warnte Shun und hielt ihm sein DigiVice entgegen.

Sofort schöpfte sein Partner neue Kraft.

„Lianpumon Ultra-Digitation zuuu.... Xingtianmon!“

Angesichts der beiden monströsen Ungeheuer brach verständlicherweise Panik aus.

Menschen versuchten sich in Sicherheit zu bringen, wodurch es natürlich zu einigem Chaos kam.

„Kazuki! Ich verlange vielleicht viel von dir, aber kannst du den Leuten hier helfen?“, bat sein Bruder.

Dieser nickte.

„Ja, aber... kann ich dich einfach so alleine lassen?“, fragte er skeptisch.

Shun hob nur einen Daumen hoch.

„Na klar! Mein Partner ist superstark, musst du wissen. Wir kriegen das hin!“

Kazuki klopfte ihm noch einmal auf die Schulter, dann begann er dabei zu helfen, die Menschen aus der Gefahrenzone zu evakuieren.

Xingtianmon hatte inzwischen begonnen, den Feind mit seiner Axt anzugreifen. Dieser konnte sie aber mit einer Kanone abwehren, welche an seinem Arm befestigt war.

Diese nutzte er nun auch, um eine Salve auf den Oni abzufeuern.

Dieser besaß zum Glück kein eigenes Schild, mit dem es die Geschosse abwehrte. Jedoch musste Shun mitansehen, wie das Schild doch einiges an Schaden davontrug. Immer mehr kamen ihm Zweifel, dass sie den Gegner alleine bezwingen konnten. Würden Takeshi und Tsubasa rechtzeitig kommen? Unwahrscheinlich, diese mussten diesen Ort erst suchen. Und selbst dann mussten sie sich durch die fliegenden Passanten kämpfen. Wenn bis dahin der Bereich nicht längst abgesperrt war. Nein, es lag an ihm und seinem Partner.

Callismon feuerte weitere Geschosse ab, doch Xingtianmon konnte sich gerade noch so in Sicherheit bringen. Dafür trafen diese ein Hochhaus gegenüber der Kreuzung.

Trümmerteile fielen herab, was katastrophal war, da sich noch nicht alle Passanten hatten retten können. Shun blickte nach hinten und erstarrte.

Eine der Personen, die von den Trümmern getroffen wurden, war Kazuki. Er rief seinem Partner zu, dass er kurz alleine klarkommen musste und eilte zu seinem Bruder.

Dieser lag in einer Staubwolke und blutete am Kopf.

„Aniki! Ist alles in Ordnung?“, fragte er panisch.

Kazuki fasste sich an den Kopf.

„Au. Hast du dir die Nummer von dem Kerl gemerkt? Mein Schädel brummt.“

Shun war erleichtert. Sein Bruder war ansprechbar, das war ein gutes Zeichen. Anhand seiner Verletzung musste ihn auch nur ein kleineres Trümmerteil erwischt haben. Trotzdem sollte sich das ganze ein Arzt ansehen.

„Hey, alles ok?“, fragte ein Mann hinter ihnen.

Shun erkannte, dass er eine Uniform trug. Er wirkte nicht wie ein Polizist, eher ein Sicherheitsmann.

„Ja! Aber mein Bruder ist verletzt. Können Sie ihn aus dem Gefahrenbereich tragen? Jemand muss ohnehin schon die Rettungskräfte informiert haben.“, bat er den Mann.

Dieser bereitete sich natürlich sofort einverstanden und gemeinsam hoben sie Kazuki hoch.

Dieser bestand zwar erst darauf, hier zu bleiben und seinen Bruder zu unterstützen, wurde aber überstimmt. Er brauchte inzwischen selbst Hilfe. Nachdem sich Shun überzeugt hatte, dass sein Bruder aus dem Gefahrenbereich war, kehrte er zu Xingtianmon zurück.

Wie er feststellte, hatte sich dessen Situation nicht wirklich verbessert. Sein Schild war so gut wie zerbrochen. Auch an seiner Axt schien ein Teil zu fehlen. Callismon hingegen hatte kaum Schaden genommen.

„Hey, Kumpel! Kannst du noch? Wir dürfen das Digimon hier nicht wüten lassen! Wenn es von hier entkommt, kommen viele Menschen zu Schaden!“

Diesem waren die Umstände durchaus bewusst, doch Callismons roher Gewalt war kaum beizukommen. Shun spürte Wut in sich aufkommen. Allerdings nicht direkt auf Nishi. Er war es, der seinen Bruder in Gefahr gebracht hatte. Er hätte Nishi einfach ziehen lassen können, dann wäre niemand zu Schaden gekommen. Dieser hatte ihn sogar noch gewarnt, doch der Junge hatte ihn blindlings ignoriert.

Er hatte sich geirrt. Er war nicht schlauer geworden. Nishi hatte nur seine Lernbehinderung behoben, aber mehr auch nicht. Er besaß weder die Weitsicht noch die Erfahrung der älteren DigiRitter. Wie kam er also überhaupt auf die Idee, sich jemandem wie Nishi zu stellen? Und das auch noch allein?

Callismon schleuderte seinen Partner nun durch die Luft, welcher seine Waffe verlor.

Shun schluckte und rannte auf ihn zu.

„Kumpel, lass uns abhauen!“, riet er ihm.

Doch Xingtianmon wollte nichts davon hören.

„Was redest du da, Shun? Du hast doch selbst gesagt, dass wir dieses Ungetüm nicht frei herumlaufen lassen dürfen. Wir haben keine Wahl als zu kämpfen!“

Der DigiRitter schluckte.

„Aber... du bist zu schwach! Du kannst nicht gegen ihn gewinnen!“, wand er ein.

Doch davon schien sein Partner nichts wissen zu wollen.

„Doch, Shun! Das kann ich! Ich habe nämlich noch einen Trumpf.“, verriet er.

Der Junge runzelte die Stirn.

„Von was für einem Trumpf redest du?“

Xingtianmon grinste.

„Dich! Solange du hier bist, werde ich stärker und stärker. Und zwar... weil ich dich beschützen möchte.“, offenbarte er und attackierte Callismon erneut.

Shun schloss kurz die Augen. Wieder hatte er nur an sich und seine Befindlichkeiten gedacht. Sein Digimon wollte sich genauso weiterentwickeln wie er selbst. Und als sein Partner... war es seine Pflicht, ihn dabei zu unterstützen.

Der Junge nahm war, wie sein Digivice glühte und hielt es in Richtung des Kämpfenden. Dieser drohte gerade von Callismons Pranke verletzt zu werden. Doch gerade noch rechtzeitig begann er zu leuchten und sich zu verwandeln.

„Xingtianmon Mega-Digitation zuuuu....Dijiangmon!“

Shuns Partner hatte sich nun völlig verändert. Er glich keinem Affen mehr, sondern mehr einem Teufel, der überall mit Lederbändern bedeckt war. Scharfe Krallen zierten seine Hände und prächtige Flügel sprossten aus seinem Rücken. Sofort erhob er sich in die Lüfte, was es ihm erlaubte, Callismons Angriffen mühelos auszuweichen. Er landete auf den Schultern des Gegners und stieß seine Krallen hinein.

Callismon schrie auf und versuchte den Angreifer abzuschütteln. Dieser erhob sich erneut in die Lüfte und nahm Abstand. Dann formte er seine Hände zu einem Kreis und bereitete seine nächste Attacke vor. Ein schwarzer Kreis bildete sich, der immer größer wurde.

„Böse Spirale!“, schoss Dijiangmon eine schwarze Spirale auf den Gegner ab.

Diese durchbohrte die Brust des Ungetüms, welches sofort begann, sich in Daten aufzulösen. Als es komplett verschwunden war, digitierte Dijiangmon zurück und Shun drückte Koemon fest an sich.

„Du hast es geschafft! Du bist der Beste!“

Koemon gestand sich ein, dass er es mochte, gelobt zu werden.

Im nächsten Moment trafen die ersten Polizeiautos ein. Shun stellte sich vor seinen Partner, aus Angst, die Beamten würden ihn als Bedrohung ansehen. Diese sprachen den Jungen zuerst aber nicht an, sondern schienen zu beraten. Im selben Moment kam ein schwarzer SUV zum Stehen und Personen in Anzügen stiegen aus. Einer wandte sich an die Polizisten, der andere kam auf Shun zu.

Er zeigte einen Ausweis und stellte sich vor.

„Büro für öffentliche Sicherheit. Wir werden dich und dein Digimon hier fortbringen. Aber du wirst uns Bericht erstatten müssen.“

Der Junge nickte und war bereit, den Beamten zu folgen.

„Gut, aber zuerst muss ich nach meinem Bruder sehen. Er wurde verletzt.“, erklärte er.

Die Beamten sahen sich kurz an und nickten dann. Shun und Koemon stiegen in den SUV, der sie zum Krankenhaus bringen sollte.

Koemon legte eine Hand auf den Oberarm seines Partners.

„Kazuki wird sich sicher schnell erholen.“, versuchte er ihn aufzumuntern.

Shun nickte und dankte seinem Freund.

Er hoffte es.

Folge 17 – Royal Knights

Es waren nur wenige Minuten gewesen, bevor die Sirenen losgingen. Takeshi hatte eigentlich geplant, nach Ginza zu fahren, um mit dem Mann zu sprechen, mit dem sich Nishi des Öfteren unterhielt. Er selbst versprach sich nicht viel davon. Nishi machte bisher den Eindruck, als wäre es mehr eine Qual für ihn, sich mit anderen zu unterhalten.

Es war der Anruf seiner Mutter, der ihn dazu brachte, noch etwas im Stadtteil zu bleiben. Er sollte noch ein Kleid aus einer Schneiderei abholen. Da er sich in der Nähe befand, fand er keine Ausrede, um ihr diese Bitte abzuschlagen. So kam es, dass Shuns Nachricht nur wenig später eintraf.

„Nishi an der Kreuzung Wakasa gesichtet.“, las er vor.

Prismamon reckte seinen Kopf aus dem Rucksack und blickte ernst.

„Takeshi! Wir müssen ihm schnell zur Hilfe kommen. Der Kerl ist gefährlich!“

Diese Anmerkung erübrigte sich, Takeshi hatte das inzwischen mehr als mitbekommen. Also nahm er seine Beine in die Hände und rannte los. Er war fast an der Kreuzung angekommen, als ein Mann um die Ecke bog. Takeshi hielt sofort inne.

„Was ist los?“, hakte Prismamon ungeduldig nach.

Der DigiRitter verharrte in seiner Position.

„Nishi... er ist gleich dort vorne.“, verriet er.

Tatsächlich war der Mann mit dem weiten Mantel nur etwa 50 Meter vor ihm. Noch schien er Takeshi nicht bemerkt zu haben. Aber was jetzt? Sollten sie ihn angreifen? Aber wo war Shun? Hatte er etwas mit seinem Freund gemacht? Musste er sich Sorgen machen? Nein, Nishi hatte seinem Freund letztens geholfen, er würde ihm also diesmal nichts antun. Trotzdem war die Situation ungewiss. Sollte er weiter zur Kreuzung laufen? Oder Nishi ansprechen?

Seine Entscheidung wurde getriggert, als Nishi plötzlich ein Tor öffnete. Er schritt hindurch und Takeshi lief los.

„Er will in die DigiWelt! Wir müssen ihm folgen!“, sagte er Prismamon Bescheid.

„Wie? Aber sollten wir nicht nachsehen, wie es Shun geht?“, wandte dieses ein.

Takeshi widersprach aber.

„Ach, der kommt klar. Er ist mein Freund und ich vertraue ihm. Aber wer weiß, was Nishi in der DigiWelt anstellen will!“

Prismamon stimmte seinem Partner schließlich zu. Jetzt falsch zu handeln konnte gefährlich sein. Takeshi sprintete los und sprang durch das geöffnete Tor.
 

Diesmal hatten sich die DigiRitter nicht bei Izzy verabredet, sondern in dem Ramen-Laden, in dem Davis arbeitete.

T.K. und Patamon waren die letzten, die dort eintrafen. Sein Bruder hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht und schien keinen Schimmer vom Aufräumen zu haben. T.K. hätte sich beinahe an einer Flasche Bier verletzt, welche er dann mit dem anderen Müll entsorgen musste. Er machte sich Sorgen, wie Matts Haushalt wohl aussehen mochte.

Als er eintrat, erkannte er Davis, wie so häufig, hinter dem Tresen. Auch Veemon stand ihm zur Seite. Kari und Gatomon unterhielten sich mit Ken und Wormmon, von Yolei war keine Spur zu sehen. T.K. begrüßte sie alle und erkundigte sich nach dem Zustand seiner Freundin. Ken erzählte, dass Yolei inzwischen wieder zu Hause sei, aber nach der Hochzeit noch einige Dinge zu erledigen seien. Inklusive der Hochzeitsreise, welche die beiden aber noch nicht antreten wollten, solange die Dinge hier nicht geregelt waren. Dann wandte er sich an Kari.

„Vielleicht ist es am besten, wenn du nochmal alles wiederholst, was du uns berichtet hast.“

Die junge Frau nickte.

"Ich konnte Tai noch einige Infos entlocken. Auch wenn diese Besorgniserregend sein könnten."

T.K runzelte die Stirn.

"Inwiefern? Geht es um diesen Nishi?"

Seine Freundin nickte.

"Die Behörde der Digitalen Bedrohungen wurde vor etwa einem Jahr gehackt. Dabei wurden Informationen entwendet, die der Geheimhaltung unterliegen."

T.K verstand.

"Und diesen Angriff schreiben sie Nishi zu?"

Kari bestätigte es ihm.

"Ja und zwar, weil es keinerlei Spuren eines Eindringens gab. Es war so, als wären die Daten auf magische Weise gestohlen worden. Kein Programm oder die Firewall hat etwas gemeldet."

Davis verschränkte die Arme.

"Das klingt ganz nach den Fähigkeiten dieses Typs.", erkannte er richtig.

"Um welche Daten handelt es sich genau?", wollte T.K wissen.

Kari zögerte nun etwas, bevor sie fortfuhr.

"Es geht um alles, was die Behörde über Yggdrasil und die Homeostasis gesammelt hat."

Das klang in der Tat nicht gut. Beides Kräfte, welche die DigiWelt im wahrsten Sinne des Wortes zusammenhielten.

"Hey, haben Takeshi und die anderen nicht erzählt, dass dieser Nishi noch etwas braucht um seine Pläne zu verwirklichen?", sagte Veemon nun.

Ken bejahte.

"Ja, Nishi bezeichnete sich selbst als noch nicht mächtig genug. Wir sind bisher davon ausgegangen, dass er es ebenfalls auf das Buch mit Azulongmons Kugeln abgesehen haben könnte."

Auch Gatomon wurde nachdenklich.

"Wir haben zu klein gedacht. Die Kugeln sind mächtig, aber kein Vergleich zu Nishis momentanen Kräften. Er ist nach etwas viel Mächtigerem her."

Patamon landete neben dem Digimon.

"Er hat es also auf Yggdrasil und die Homeostasis abgesehen? Wenn er die Kontrolle über beide erlangt, könnte er vermutlich anstellen, was er will."

Keiner widersprach ihm bei dieser Erkenntnis.

"Aber ist Yggdrasil überhaupt noch aktiv? Als Yolei und ich seinen Knotenpunkt in unserer Welt zerstörten, sollte er doch eigentlich offline gegangen sein, oder", erinnerte sich Ken an Yggdrasils Versuch sich mit seinen Varianten verschiedener parallelen Welten zu Verbindungen um zum ultimativen Netzwerk zu werden. Eine Organisation namens DigiPolice hatte ihn und Yolei darum gebeten, da sie am nähesten dran waren. Zufälligerweise war es natürlich genau der Abend gewesen, an dem Ken seiner Frau den Antrag gemacht hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass der Dunkle Gennai dahintersteckte, der sich mit ChaosPiedmon zusammengetan hatte, den er aus der Zwischenwelt befreit hatte, in welche MagnaAngemon ihn damals verbannt hatte.

T.K verneinte seine Augen.

"Das wissen wir nicht genau. Selbst wenn er offline sein sollte, Nishi könnte es immer noch auf seine Daten abgesehen haben. So oder so, dürfte es nicht leicht für ihn sein, an beide ranzukommen."

Gatomon stimmte zu.

"Sowohl Yggdrasil, als auch die Homeostasis befinden sich in Bereichen, die von der DigiWelt getrennt sind. Vermutlich noch weiter als die Welt der Gennais."

Ken nickte.

"Wenn es ihm möglich gewesen wäre, in diese Sphären zu gelangen, hätte er es sicher schon getan. Das bedeutet, dass er immer noch nach einem Weg sucht, dorthin zu kommen."

Das klang logisch. Nishi war also noch nicht an seinem Ziel angekommen. Jetzt hieß es dafür zu sorgen, dass er dazu auch nicht in der Lage war.
 

Takeshi landete mit dem Kopf auf hartem Untergrund. Prismamon war bestens geschützt, da sein Rucksack schön gepolstert war. Dennoch rieb er sich schmerzend den Kopf. Er bemerkte Blut an seiner Hand, stellte aber erleichtert fest, dass es wohl nur eine Schramme war.

Leider hatte er auch kein Pflaster oder ähnliches eingepackt. Prismamon reichte ihm schließlich ein Taschentuch und sprang dann aus dem Rucksack. Er sah sich um und Takeshi folgte seinem Blick, während er sich sauber machte. Es war schnell zu erkennen, dass sie sich nicht am selben Punkt befanden wie letztes Mal. Keine Wälder, sondern nur Felsen.

Er hörte das Rieseln von kleinen Steinen und wand sich um. In einiger Entfernung stand Nishi, der auf ihn herabblickte. Seiner Miene war zu entnehmen, dass er sich keineswegs über die Ankunft des Jungen freute. Sofort gingen dieser und sein Partner in Angriffsstellung.

„Was haben Sie hier vor? Was wollen Sie in der DigiWelt?“, forderte er zu wissen.

Nishi seufzte schwer und rieb sich über den Scheitel.

„Ihr macht es mir echt nicht einfacher, was? Mir einfach so zu folgen, was soll ich jetzt bitte mit euch machen?“

Takeshi war bewusst, wie gefährlich der Mann war. Er könnte ihn und Prismamon vermutlich in Frösche, Kaninchen oder sonst etwas verwandeln. Allerdings hatte er es noch nicht getan. Und zurückschicken hätte er die beiden vermutlich ebenfalls ohne große Mühe können.

„Was glauben Sie denn? Sie haben uns anvertraut, dass Sie beide Welten zerstören wollen! Erwarten Sie wirklich, dass wir da still halten?“

Nishi brummte unzufrieden.

„Nicht zerstören. Ich beende sie nur etwas früher. Beide hätten ohnehin ihr Ende gefunden, und ich hätte keine Gelegenheit mehr gehabt meine eigene Welt zu kreieren.“

Takeshi zischte.

„Was genau soll der Unterschied sein? So oder so würde es das Ende der Welt bedeuten. Tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber niemand wird Ihren Plan unterstützen!“

Nishi schien aber mit so einer Antwort gerechnet zu haben.

„Natürlich nicht. Darum muss ich wieder alles allein erledigen. Ist zwar anstrengend... aber in der neuen Welt werde ich endlich meine Ruhe haben.“

Takeshi spürte, wie er wütender wurde. Dann sah er sich noch etwas genauer um. Hier in der Gegend gab es gar nichts. Was wollte Nishi hier?

„Sie haben erwähnt, dass Sie nach etwas suchen. Befindet es sich hier?“

Der Mann erwiderte nichts, was für den Jungen aber als Bestätigung galt.

„Gut, ich würde das auch gerne sehen. Ich werde Sie begleiten.“

Nishi schüttelte den Kopf.

„Nein, davon hätte ich nichts. Und du würdest dich unterhalten wollen, das wäre zu nervig.“

Takeshi ballte die Fäuste.

„Gut, ich verspreche keine Unterhaltung zu beginnen. Und wenn Sie mich trotzdem abhalten wollen, müssen Sie mich eben in einen Frosch verwandeln um mich loszuwerden!“

Nishi runzelte die Stirn.

„Hä? Wieso ein Frosch?“

Doch Takeshi erwiderte nichts darauf. Schließlich gab Nishi nach und setzte sich in Bewegung. Takeshi hielt mit ihm Schritt und Prismamon trottete den beiden hinterher.

Zwar keimte in dem Jungen immer wieder der Wunsch auf, Nishi etwas zu fragen, doch er wollte nicht riskieren, dass ihn dieser zurückließ. Er hatte nur eine Chance. Die Sache, auf die es der Mann abgesehen hatte zuerst an sich zu nehmen. Diesen dann in Sicherheit zu bringen und im Vorteil zu sein. Natürlich wusste er, dass dies nicht gerade einfach sein würde.

Sie schlenderten nun einen Steinweg entlang und standen dann vor einer Brücke. Diese sah nicht gerade sicher aus, doch Nishi betrat sie ohne Bedenken. Takeshi und Prismamon folgten ihm, doch ihnen wurde schwindelig, als sie in die Tiefe starrten. Eine tiefe Schlucht, in welcher nur entfernt Wasser zu erkennen war. Sicher würde Nishi sie nicht retten, sollten sie abstürzen. Doch der Übergang funktionierte problemlos und sie setzten ihren Weg fort.

Von der anderen Seite aus ging es abwärts, besonders Prismamon wäre einmal beinahe abgerutscht. Takeshis selbst verspürte bald den Drang nach einer Pause, oder zumindest nach etwas zu trinken. Nishis Ausdauer schien nicht beeinträchtigt zu sein. Wie viele Stunden waren sie bereits unterwegs? Müsste es nicht auch schon längst dunkel sein? Vermutlich funktionierte Zeit in der DigiWelt aber generell anders.

Endlich waren sie vom Berg runter und in einem prächtigen Tal angekommen. Die Flora überzog sich über weite Felder, doch nirgendwo schienen sich Digimon aufzuhalten. Oben auf dem Berg hatte Takeshi noch einige vogelartige gesehen, doch hier unten herrschte Stille. Auch Nishi hielt jetzt an.

„Sind... sind wir hier?“, wollte Prismamon wissen.

Nishi verzichtete darauf es zu bestätigen oder zu verneinen. Sein Blick war gen den Himmel gerichtet.

Takeshi folgte diesem, doch er konnte nichts ungewöhnliches erkennen.

„Warum genau sind wir hier? Hier gibt es doch rein gar nichts.“, wand er ein.

Nishi schien aber anderer Meinung zu sein.

„Doch, gleich dort oben. Eine Tür, doch sie ist verborgen.“, informierte er ihn.

Der Junge durchkämmte weiter den Himmel, doch kein Anzeichen. Doch wenn Nishi dies behauptet, würde es schon richtig sein. Befand sich hinter dieser Tür... das wonach er suchte?

„Und... gehen wir da jetzt durch?“, hakte er nach.

Nishi fuhr sich mit der Hand durch den Nacken.

„Ja. Aber zuvor muss ich mich um die Störenfriede kümmern.“, erklärte er.

Takeshi fragte sich kurz, ob damit er und sein Partner gemeint sein, wurde dann aber eines besseren belehrt. Ein Teil des Himmels begann nun sich zu verformen und schließlich entstand ein Loch. Es wirkte wie eines der Portale, die Nishi öffnen konnte, jedoch andersfarbig. Und es schien etwas daraus zu kommen.

Zuerst war es eine große, schwarze Gestalt mit Umhang. Ihm folgten eine rosane Gestalt und eine silberne. Doch es folgten noch eine vierte und fünfte. Ein weiterer Ankömmling mit lilaner Montur und ein fünfter, der etwas schmaler als der Rest wirkte.

Takeshi erkannte, dass es alles Rüstungen waren, welche die fünf trugen.

Das breite Schwarze, welcher der Anführer zu sein schien, tat sich hervor, während seine Kameraden zurückhielten. Er näherte sich Takeshi und den anderen und musterte diese prüfend.

„Wie war es euch möglich diesen Ort zu finden?“, verlangte er zu wissen.

Nishi sah zu ihm auf.

„Tja... weiß ich selbst nicht so genau. Aber hat mich einige Monate gekostet. Das war ziemlich mühsam.“

Sein teilnahmslose Tonfall schien den Anführer aber nur zu provozieren.

„Ich bin Alphamon! Anführer der Königlichen Ritter! Hinter diesem Tor befindet sich das Reich unseres Gottes, Yggdrasil. Wie kann eine Kreatur wie du es wagen, auch nur daran zu denken es betreten zu wollen?“

Nishi seufzte.

„Ich brauche einfach nur die Daten eures Gotts, weiter nichts. Also wenn ihr jetzt aus dem Weg gehen könntet, würdet ihr mir einiges erleichtern.“

Die Mienen der Königlichen Ritter verfinsterten sich. Prismamon zog an Takeshis Hose.

„Treten wir etwas zurück. Den Typen wird es gar nicht gefallen, wenn jemand ihren König beleidigt.“

Sein Partner verstand und trat zurück.

„Wer genau sind die Kerle? Und wer ist dieser Gott?“

Prismaon verzog die Lippen.

„Ich habe nur Geschichten gehört. Man sagt, dass Yggdrasil der Erschaffer und Gott der DigiWelt ist. Die Königlichen Ritter sind mächtige Digimon, die seinen Willen ausführen.“

Takeshi verstand. Es würden also mächtige Gegner sein. Wollte Nishi wirklich gegen so jemanden antreten? Wie stellte er sich das vor? Ja, er hatte Kräfte, doch diese Ritter sahen beängstigend aus.

Nun flog der Ritter mit der lilanen Rüstung auf den Eindringling zu und landete direkt vor ihm. Sein Kopf war mehr ein Totenschädel und in der Hand hielt er eine furcheinflößende Axt.

„Du Narr! Wir werden dich vernichten und du wirst bereuen, dass du dich gegen Yggdrasil auflehnen wolltest! Alphamon! Erlaube mir die Ehre!“, rief er zu seinem Anführer zurück.

Dieser nickte ihm zu.

„Einverstanden, Craniummon. Ich überlasse ihn dir.“

Takeshi musste mitansehen wie der Ritter seine riesige Axt hob und auf Nishi herabsausen ließ. Dieser jedoch hob nur einen Finger um diese zu stoppen. Craniummon stockte.

Er versuchte den Schlag zu vollenden, doch der Finger reichte scheinbar aus um einen Widerstand zu bilden. Dann nutzte er seine andere Hand um den Ritter zurückzuschlagen. Die Axt verweilte auf ihrer Position. Dann ging alles recht schnell. Nishi beförderte die Axt nach vorne, welche Craniummon zerteilte. Nicht nur Takeshi und Prismamon, sondern auch seine Kameraden sahen erschrocken dabei zu, wie er sich in Daten auflöste.

Alphamon ballte seine Fäuste.

„Dynasmon! LordKnightmon! Duftmon! Schnappt ihn euch!“

Die drei Ritter flogen auf Nishi zu, doch kaum hatten sie diesen erreicht, verschwand er. Er schien sich hinter den Ritter namens Duftmon teleportiert zu haben, der über eine prächtige Leopardenrüstung zu verfügen schien. Nishi durchstieß diese Rüstung nun mit einem Arm. Seine Hand prangte aus dem Oberkörper des Digimon, welches an Struktur verlor und sich in Daten auflöste.

Dynasmon und LordKnightmon ließen dies nicht auf sich beruhen und griffen erneut an. Sie schienen ein eingespieltes Duo zu sein, aber doch Nishi war schneller. Takeshi war es fast unmöglich seinen Bewegungen zu folgen.

Schließlich war er mit dem Rücken hinter den beiden Rittern und streckte seine Hände zurück. Diese erreichten deren Rücken und schossen eine Art Energie aus. Beide Ritter wurden durchlöchert und lösten sich in Daten auf.

Takeshi war ganz perplex von dem Ganzen.

„Wie kann er... so mächtig sein?“

Auch Prismamon brach beinahe der Schweiß aus.

Die beiden Ritter hatten sich kaum aufgelöst, da war Alphamon bereits über dem Angreifer aufgetaucht. Scheinbar wollte er diesen unvorbereitet treffen. Doch Nishi stoppte dessen Faust mühelos. Dann warf er ihn in weitem Bogen nach unten. Alphamon prallte gegen die Felswand und stürzte verletzt zu Boden. Nishi überzeugte sich, dass er nicht wieder aufstehen konnte, dann wand er sich dem Portal zu.

Takeshi sah zwischen den beiden hin und her. Sollte er Alphamon unterstützen? Nein, Prismamon würde nicht die geringste Chance haben.

„Das hättet ihr euch ersparen können. Ich hole mir jetzt euren Gott.“, sprach der übermächtige Mensch.

Doch zu seiner Überraschung begann Alphamon nun zu lachen. Das verdutzte sogar Takeshi und seinen Partner.

„Ha! Du Narr! Ja, du hast uns besiegt, aber glaube nicht, dass du dein Ziel erreichen kannst! Indem du uns besiegt hast, hast du deinen eigenen Untergang besiegelt! Jetzt wird nämlich Yggdrasils ultimative Waffe aktiviert! Die letzte Bastion zu seinem Schutz! Sieh nur!“, rief der Ritter und zeigte auf das Tor.

Tatsächlich. Es begann nun sich selbst zu vergrößern. Schließlich schnellten zwei rote Pranken hindurch und ergreifen jeweils zwei Seiten des Portals. Mit einem Kraftakt schien etwas dieses weiter aufzuziehen. Bald war es so riesig, dass es bis zum Boden reichte.

Ungläubig sahen Takeshi und Prismamon mit an, wie sich etwas gigantisches durch das Tor zwang. Die beiden roten Pranken waren nur der Anfang. Dann folgte ein mit Schuppen bedeckte Körper und eine Schnauze mit spitzen Zähnen. Große Hörner zierten seinen Schädel. Takeshi hatte keine Ahnung, was für Digimon es gab, die so eine Größe erreichen konnten.

Alphamon lachte weiter.

„Sieh deinem Untergang entgegen! Das ist Examon, es wird nicht umsonst als Monster bezeichnet! Es könnte sogar eine ganze Welt in nur wenigen Tagen zerstören. Dich verspeist er zum Frühstück!“

Daran hatte der DigiRitter keinen Zweifel. Examon war ein gigantischer Drache, schon allein sein Gebrüll ließ jemanden versteinern. Nun senkte der Drache seinen Kopf und erblickte den Feind. Nishi stand mit dem Rücken zu ihm, also konnte Takeshi nicht sagen, ob dieser beeindruckt von dem Ungetüm war.

Examon streckte nun einen Arm aus, doch Nishi teleportierte sich fort. Es war kaum ersichtlich, doch scheinbar landete er auf der riesigen Schnauze des Giganten. Dann streckte er seine Hand aus und formte seine Finger zu einer Pistole.

„Peng.“, sagte er nur und sofort schoss eine unsichtbare Kugel durch die Stirn des Monsters.

Examon schrie auf. Es war ein Schrei, der durch Mark und Bein ging. Ungläubig sahen sie dabei zu, wie sich das riesige Digimon in Daten auflöste. Yggdrasils ultimativer Verteidiger war geschlagen worden. Einfach so.

Nishi teleportierte zu den anderen zurück und schien nicht gerade erfreut über die Anstrengung.

Doch sie war noch nicht vorbei. Alphamon hatte sich erholt und schien zu einem verzweifelten Angriff anzusetzen. Es flog auf Nishi zu, doch was sollte es ausrichten? Dieser hatte gerade das vermutlich größte Digimon zerstört, das existierte. Er musste nur eine Hand ausstrecken was Alphamon zum Stoppen brachte. Er legte ihm eine Hand auf die Brust und Takeshi sah dabei zu, wie der Ritter immer mehr versteinerte. Kurz darauf war er nichts mehr als eine Statue.

Dem DigiRitter war nun klar, dass niemand diesen Typen mehr besiegen konnte. Nishi machte jetzt kehrt und schritt auf das Portal zu.

„Prismamon!“, rief Takeshi seinen Partner.

Beide rannten los um nicht zurückzubleiben. Nishi hatte das Portal bereits durchschritten und der Junge und sein Digimon setzten zum Sprung an. Sie landeten auf der anderen Seite.
 

Diesmal war Takeshi zum Glück nicht auf seinem Kopf gelandet, sondern seinem Hintern. Er versuchte sich zu orientieren und sah sich um. Er schien sich in einer gläsernen Halle zu befinden. Kein Laut war zu vernehmen, doch es glitzerte und funkelte überall. Er versuchte Nishi zu entdecken und machte ihn in einigen Metern Entfernung aus. Er rappte sich auf und lief auf ihn zu. Dieser erhöhte sein Schrittempo zum Glück nicht.

Bald hatten sie den einzigen Gegenstand in der Halle erreicht. Es handelte sich um ein Podest, auf dem eine Glaskugel angebracht war.

„Das ist also Yggdrasil. Sieht nicht gerade so aus, wie ich ihn programmiert habe.“, murmelte Nishi.

Takeshi verengte die Augen. Diese Glaskugel da sollte ein Gott sein? Außerdem schien sie einen Sprung zu besitzen.

Nishi betastete sie und brummte.

"Er scheint beschäftigt zu sein. Eine Art Kurzschluss oder Störung." Nun rang sich der DigiRitter ein Schmunzeln ab. "Tatsächlich? Dann schätze ich, müssen Sie Ihren Plan wohl aufgeben." Doch er hatte sich zu früh gefreut. Nishi zerbrach die Kugeln, in welchen sich verschiedene Datenstränge zu befinden schienen. Seine Hand absorbierte diese Daten und ließ nichts zurück.

"So, das wäre erledigt." Takeshi und Prismamon schraken zurück.

"Heißt das... Sie haben jetzt alles um die reale und die DigiWelt zu zerstören?" Es war Nishi anzusehen, wie sehr ihn dieser Ausdruck missfiel.

"Nein, eine Sache fehlt mir noch. Wenn ich sie absorbiere, habe ich alles Nötige.", verriet er. Dann schritt er wieder Richtung Portal. Takeshi war klar, dass er ihn nicht aufhalten konnte. Für einen Moment überlegte er, ob es möglich war, sich und ihn in dieser Sphäre einzuschließen. Immerhin war Nishi darauf angewiesen gewesen, diese erst zu suchen. Doch diese Idee gab er schnell wieder auf. Das Tor konnte er nicht zerstören und wenn er die Decke zum Einsturz brachte, würde das Nishi erst recht nicht aufhalten. Beide durchschritten wieder das Tor und fanden sich in dem Tal wieder.

"Also dann. Ich verabschiede mich dann mal. Ich habe deinen Wunsch erfüllt, auch wenn es mir nichts gebracht hat.", sagte Nishi und wollte gehen. Takeshi hielt ihn jedoch an der Schulter zurück.

"Moment! Ich kann Sie nicht gehen lassen. Dann würde ich es Ihnen erlauben unsere Welten zu zerstören!" Nishi seufzte erneut.

"Ich habe dir doch erklärt, dass ihr es nicht als Zerstörung sehen sollt." Auch Prismamon ging nun auf Konfrontation.

"Aber wir verschwinden dann alle, richtig? Ich, Takeshi, Ruri, unsere Freunde..."

Nishi nickte. "Ja, aber das wärt ihr ohnehin irgendwann. Ich nehme es nur etwas vorweg. Dafür werden die Bewohner meiner eigenen Welt nicht mehr unter diesem sinnlosen Verfall leiden."

Takeshi packte den Mann nun am Kragen und zog daran.

"Und was hilft das bitte uns? Wir leben im hier und jetzt und das müssen wir verteidigen!" Nishi schien zu verstehen, dass er den Jungen nicht umstimmen konnte. Eine Druckwelle erfasste Takeshi und warf ihn einige Meter zurück. Prismamon rannte zu ihm, um zu überprüfen, ob sein Partner verletzt war. Nishi selbst schritt nach vorne, bis er die Statue erreicht hatte, die einst Alphamon war. Er legte seine Hand auf und der Anführer der Königlichen Ritter wurde nach und nach entsteinert. Jedoch ließ er ihm keine Gelegenheit für einen weiteren Angriff. Ein Blitz durchzuckte Alphamon und seine Augen färbten sich rot. "Sei so nett und kümmere dich um die beiden dort, ja?", trug er ihm auf. Alphamon machte keine Geste, doch er schien den Befehl angenommen zu haben. Während er auf die beiden am Boden zustapfte, öffnete Nishi ein Tor, vermutlich in die reale Welt und durchschritt es.

"Takeshi! Wir müssen etwas unternehmen!" Der Junge wusste das nur zu gut und aktivierte sein DigiVice.

"Prismamon digitiert zuuuuu.... PrismKnightmon!"

Es zog sein Schwert und attackierte Alphamon. Dieses konnte es jedoch ohne Mühe wegschleudern. Takeshi kämpfte sich wieder auf, um seinen Partner besser unterstützen zu können. Und um ihm mehr Kraft zu verleihen.

"PrismKnightmon Ultra-Digitation zuuuu.... PrismDukemon!"

Mit seiner Lanze gelang es ihm nun, den Gegner zur Seite zu schleudern. Dennoch schien die Rüstung des Ritters äußerst stabil.

"Takeshi! Wir müssen noch mehr raushauen!", rief der Lanzenträger seinem Partner zu. Takeshi zögerte aber etwas.
 

"Ja, aber... das Digimon scheint kontrolliert zu werden. Es greift nicht aus freiem Willen an.", merkte er an. Damit hatte er zwar recht, doch Alphamons nächster Hieb fügte PrismDukemon erheblichen Schaden zu. Wieder rief der Lanzenträger nach seinem Partner.

Takeshi ballte die Fäuste. Das hatte er nur Nishi zu verdanken. Und er hasste ihn dafür. Er konnte gar nicht anders. Er war jemand, der dringend gestoppt werden musste. Es tat ihm innerlich Leid, doch Alphamon war der Leidtragende.

„Also schön! Besiege es unter allen Umständen!“, schrie er und verlieh seinem Partner zusätzliche Kraft.

„PrismDukemon digitiert zuuu.... Clearmon!“

Den nächsten Schlag konnte es abwehren, indem es seine Konsistenz änderte. Alphamons Hieb führte ins Leere und Clearmon ging zum Gegenangriff über. Mit beiden Händen beförderte es den Ritter in die Luft. Dann schoss es einen regenbogenfarbenen Strahl nach oben.

Dieser traf Alphamon schutzlos und richtete verheerenden Schaden an. Das Digimon löste sich in Daten auf und die Gefahr war gebannt.

Clearmon digitierte zurück und ruhte sich erst einmal aus.

„Wir... haben versagt, oder?“

Takeshi blickte missmutig drein. Es war ihnen in der Tat nicht gelungen, Nishi aufzuhalten. Dieser war nun im Besitz von Yggdrasils Daten. Laut seiner Aussage brauchte er nun nur noch eine Sache um seine Pläne zu verwirklichen.

Nach einer Weile stellten sie fest, dass sie keine Ahnung hatten, wie sie wieder in die reale Welt kommen sollten. Nishi hatte das Tor hinter sich geschlossen. Sicher um zu verhindern, dass Takeshi ihm noch einmal folgte.

Und so verging eine Stunde, die er mit nachdenken verbrachte. Er spielte die ganze Zeit mit seinem DigiVice herum, verstand die Technologie dahinter aber immer noch nicht. Nach einer weiteren Stunde meldete sich eine ihm bekannte Stimme.

„Hallo? Takeshi, kannst du mich hören?“

Es war die von Izzy. Der Junge meldete sich aufgeregt und schilderte, was alles vorgefallen war. Izzy bestimmte in der Zeit seine Position und konnte ihm einen Ort nennen, an dem es möglich war, ein Tor zur realen Welt zu öffnen.

Takeshi und Prismamon machten sich auf den Weg und fanden die Stelle endlich. Sie traten durch die Öffnung und fanden sich im Büro des Firmenpräsidenten wieder.

Auch Davis, T.K und Kari erwarteten ihn.

„Endlich! Als du einfach verschwunden bist und wir auch dein DigiVice nicht orten konnten, haben wir uns Sorgen gemacht.“, klopfte Davis dem Jungen auf die Schulter.

Dieser ließ sich auf einen Stuhl sinken und hauchte eine Entschuldigung.

„Sorry, Leute. Ich habe mein Bestes gegeben, doch gegen Nishi ist einfach kein Kraut gewachsen. Wegen mir ist er jetzt im Besitz dieses Yggdrasils.“

T.K schüttelte augenblicklich den Kopf.

„Ach Unsinn. Du bist ihm nur durch Zufall gefolgt, oder? Er hätte sich die Daten so oder so geholt. Aber so konntest du uns wenigstens Bericht erstatten, das ist doch super.“

Damit schaffte er es tatsächlich den Jungen ein wenig aufzumuntern. Bei den anderen war dies aber weniger der Fall.

„Er hat also Yggdrasil. Bleibt nur noch die Homeostasis. Wenn er die auch absorbiert, ist es um unsere Welten geschehen“, kombinierte Izzy.

Tentomon konnte nur zustimmen.

„Ja, aber vergesst nicht, Yggdrasil war der Gott der DigiWelt. Wenn jemand weiß, wie man an die Homeostasis gelangt, dann er.“

Davis verstand. Und Nishi war nun im Besitz seiner Daten und dazu all das Wissen, das er besaß.

„Er kennt somit einen Weg diese zu erreichen. Wir müssen uns beeilen, damit er uns nicht zuvorkommt! Dann ist nämlich alles vorbei!“

Die anderen pflichteten ihm zu.

„Kari, wenn jemand mit ihr sprechen kann, dann doch du, oder?“, wand sich Davis an seine Freundin.

Diese senkte ihren Blick.

„Bisher hat sie mich aber nur als Sprachrohr benutzt. Ich denke nicht, dass eine Kommunikation auf beide Wege funktioniert. Ich habe keine Möglichkeit sie zu warnen.“

Dieser Plan fiel also schon mal aus.

„Ich kontaktiere Gennai, vielleicht kennt er einen Weg, wie wir mit der Homeostasis Kontakt aufnehmen können.“

Eine Idee, die alle befürworteten. Gennai war von der Homeostasis programmiert worden und selbst Hackmon diente ihr als Bote. Wenn jemand Kontakt aufbauen konnten, dann doch wohl die beiden.

Jedoch gelang es Izzy auf Anhieb nicht und es blieb nichts übrig, als es auf später zu verschieben. Dann trat Kari einen Schritt vor.

„Selbst wenn Gennai uns nicht helfen kann... es gibt noch einen Ort, an dem sich ein Zutrittspunkt befindet“, sagte sie nun.

Die anderen waren überrascht und wussten erst nicht, worauf sie hinauswollte.

Bei T.K machte es zuerst Klick.

„Du meinst... dieser düstere Ort, an den du nie mehr hinwolltest?“

Seine Freundin nickte besorgt.

„Ja. Das Meer... der Dunkelheit.“

Folge 18 - Illusionen

Takeshi sah sich immer wieder den Inhalt des Buches an, wurde aber nicht schlau daraus. Rurimon war entweder klüger als er oder kannte sich mit den Symbolen darin einfach besser aus.

„Bist du dir sicher?“, wollte Prismamon von seinem Freund wissen. Dieser nickte.

„Ja, denke, in dieser Welt sind keine Kugeln mehr zu finden. Mit denen, die ich in der DigiWelt gefunden habe, dürfte ich alle haben. Natürlich gibt es noch jene, welche der Digimon-König und seine Schergen aufgebraucht haben. Aber die bereits vorhandenen sollten genügen, um meine alte Form wieder annehmen zu können.“ Prismamon wirkte etwas betrübt.

„Aber... das heißt doch nicht, dass es ein Abschied wird, oder?“ Rurimon tätschelte seinem Freund den Kopf.

„Ach was. Du wärst ohne mich doch ohnehin komplett verloren!“ Während sich die Digimon neckten, verschränkte Takeshi die Arme. Nishi war nahe daran, sein Ziel zu erreichen. Wenn es ihnen nicht gelang, ihn aufzuhalten, würde es in der Tat ein Abschied werden, ein tragischer vielleicht.

„Also gut. Wir sind heute ohnehin bei Izumi-san verabredet. Ich schlage vor, dass wir mit Gennai sprechen. Er dürfte außer dir am meisten über das Buch wissen“, schlug er vor. Die Digimon waren einverstanden und machten sich bereit zum Aufbruch.

Takeshi verließ das Haus und verspürte ein wenig Wehmut. Er hatte Nishi nicht dazu bringen können, von seinem Plan abzurücken. Wenn es ihm wirklich gelang, seine und Prismamons Welt zu zerstören, dann würde er sein Haus das letzte Mal verlassen haben. Nein, so durfte er nicht denken. Davis-sensei und die anderen waren sehr kompetent. Sie würden sich bestimmt etwas einfallen lassen. Sie hatten in der Vergangenheit zahlreiche Bösewichte bezwungen, wieso sollte es bei Nishi anders sein? Nur weil er ein Mensch war?

Shun und Tsubasa warteten vor dem Gebäude auf ihren Freund.

Er hatte sich einen genaueren Bericht ausgespart, wie Nishi die Königlichen Ritter einem nach dem anderen auseinander genommen hatte. Er wollte sie nicht demotivieren. Er erkundigte sich bei Shun wie es seinem Bruder ginge. Zum Glück schien sich dieser nur zwei angeknackste Rippen zugezogen zu haben. Seine Eltern waren momentan bei ihm im Krankenhaus. Takeshi spürte, dass Shun dies ebenfalls gerne gewesen wäre, dieses Treffen aber auch für wichtig empfand.

Sie traten ein und wurden direkt ins obere Stockwerk gelassen. Sie mussten nur kurz anklopfen und wurden in Izzys Kommandozentrale eingelassen.

Sie erblickten T.K, Kari, Davis, Ken sowie Izzy und einen weiteren Mann. T.K stellte ihn als seinen großen Bruder Matt vor.

„Trotz seines rebellischen Aussehens kann man sich wirklich auf ihn verlassen.“, hatte er lchelend auf ihn verwiesen.

Matt drückte ihm seinen Hut ins Gesicht und räusperte sich.

„Freut mich euch kennenzulernen. Ihr seht wie jemand aus, auf den man sich eingeschränkt verlassen kann. Anders als zu meiner Zeit.“

Izzy wand sich ihnen zu.

„Apropos Tai. Er schließt sich uns gleich an. Er hatte noch ein Gespräch mit dem Büro für öffentliche Sicherheit. Die sind ebenfalls äußerst besorgt und haben sich sogar mit den Amerikanern kurzgeschlossen. Sie haben angeboten uns Wallace und Michael zu schicken, falls wir Verstärkung brauchen.“

Rurimon schlüpfte nun aus dem Rücksack und machte sich bemerkbar.

„Kann ich mit Gennai sprechen? Ich muss ihn etwas fragen.“

Izzy nickte.

„Ich habe ihn bereits kontaktiert. Aber ich habe auf euch gewartet, bis ich ihn hinzuziehe.“, erllärte er.

Dann tippte er auf seiner tastatur herum und ein Fenster öffnete sich. Das Gesicht des Mannes mit dem Pferdeschwanz wurde erkennbar.

„Es freut mich euch wiederzusehen. Leider wäre es wünschenswert, wenn die Umstände andere wären.“

Die DigiRitter konnten ihm da nur zustimmen.

„Ist es Ihnen inzwischen gelungen, die Homeostasis zu warnen? Nishi will versuchen sie zu absorbieren.“, warnte Ken.

Gennai bestätigte es ihm.

„Ja, sie hat inzwischen Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Doch sollte Nishi wirklich so mächtig sein, wie ihr berichtet, wird das nicht viel helfen. Zumindest ist es ihm noch nicht gelungen die Sphäre zu betreten, in der die Homeostasis existiert.“

Das sorgte zumindest für ein wenig Erleichterung.

„Wir nehmen an, dass es möglich ist, über das Meer der Dunkelheit dorthin zu gelangen.“, erwähnte Kari.

Gennai nickte.

„Ja, das Meer der Dunkelheit ist wie mit dem Bereich für tote Sektoren eines Computers vergleichbar. Es gelten andere Regeln und um es zu kontrollieren hat die Homeostasis auch einen Zugang dorthin geschaffen. Aber es gibt auch noch einen regulären Zugang, den ich von hier aus öffnen kann.“

Sofort stieg Freude innerhalb der Gruppe auf.

„Sehr gut! Dann sind wir Nishi also einen Schritt voraus.“, stellte Shun fest.

Als sich Gennais Miene jedoch änderte, merkten sie, dass etwas nicht stimmte.

„Nun... auch wenn ich das gesagt habe, ist es 3doch nicht ganz so einfach. Hier gibt es zwar ein Tor zur Homeostasis, jedoch wird ein Schlüssel benötigt, um dieses zu durchschreiten.“

Izzy verstand.

„Wenn Sie das nun extra erwähnen, soll das bedeuten, dass sich dieser nicht in Ihrem Besitz befindet?“, hakte er nach.

Der Mann mit dem Pferdeschwanz nickte.

„Ja, das ist korrekt. Der Träger dieses Schlüssels war Hackmon. Er erhielt ihn im Falle eines Notfalls, damit er diese erreichen konnte.“

Davis schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Das hier ist definitiv ein Notfall! Es soll den Schlüssel rausrücken!“, drängte er.

Seine Freunde mussten ihn erst beruhigen.

„Leider... hat Hackmon den Schlüssel während seines Gefechts mit Alphamon verloren. Wir vermuten, dass er irgendwo in der DigiWelt gelandet ist.“

Es tat ihm sichtlich leid, dass er die DigiRitter damit entmutigte.

„Wir müssne also erst diesen Schlüssel finden, um in die Homeostasis zu gelangen. Dann sollten wir das schnell in Angriff nehmen.“, stellte T.K noch einmal fest.

Izzy verschränkte die Arme.

„Haben Sie denn eine Idee, wo wir die Suche beginnen könnten, Gennai-san?“, wand er sich an ihren Verbündeten.

Dieser wusste zum Glück tatsächlich Rat.

„Ich kenne die Signatur des Schlüssels. Nur leider fehlen mir die Kapazitäten, um in der gesamten DigiWelt Scans durchzuführen. Ich weiß nicht, wie es auf eurer Seite aussieht.“

Izzy rang sich nun ein Lächeln ab.

„Da kann ich Sie und euch anderen beruhigen. Meine Firma verfügt über die nötige Rechenkapazität. Bitte senden Sie mir die Spezifikationen, damit ich nach dem Schlüssel suchen kann.“

Gennai machte sich sofort daran. Auch alle anderen schienen beruhigt zu sein, dass es wohl keine Suche nach einer Nadel im Heuhaufen sein würde.

„Ich habe sie erhalten. Aber ich benötige noch die Freigabe des Büros der öffentlichen Sicherheit, um die Drohnen in der DigiWelt nutzen zu können“, meinte der Experte und tippte auf seinem Computer herum.

Dann wartete er einen Moment und ein Fenster öffnete sich. Mehrere Personen in Anzügen, die um einen breiten Tisch herum saßen, wurden sichtbar. Kari erkannte in dem Mann ganz links ihren Bruder.

Er wirkte ein wenig fremdartig, aber Besprechungen gehörten nun wohl auch zu seinen neuen Aufgaben.

Izzy erklärte die Lage und zum Glück erhielt er möglichst schnell eine Freigabe. Nun ließ er ein Programm laufen und nach nur wenigen Minuten hatte er ein Ergebnis erzielt.

„Bingo! Ich habe die Koordinaten. Nun müssen wir ihn uns nur noch holen“, sagte er zuversichtlich.

Ein Räuspern innerhalb der Konferenz folgte.

„Das würde ich gerne unternehmen. Wir können euch ja nicht alles überlassen, wie würden wir da vor den Bürgern dastehen“, sagte Tai nun.

Kari wirkte überrascht.

„Ich bin sicher, das wird eine leichte Aufgabe. Das können auch wir übernehmen. Dich erwarten sicher dringlichere Aufgaben.“

Doch Tai winkte ab.

„Nein, konzentriert ihr euch ganz auf den Gegner. Es ist immerhin unsere Aufgabe, euch so gut zu unterstützen, wie wir können.“

Die DigiRitter gaben ihm recht, den Fokus auf Nishi zu legen hatte im Moment sicher Priorität.

„Gut, dann sende ich dir die Koordinaten. Ihr habt ja selbst die Möglichkeit, Tore in die DigiWelt zu öffnen.“

Tai nickte.

„Ja. Und... könntest du mir vielleicht noch eine Sache mitgeben?“, bat er dann.

Izzy stutzte, als sein Freund auf einen Punkt hinter ihm zeigte. Er drehte seinen Stuhl und blickte in das Gesicht Matts.

Dieser runzelte die Stirn.

„Klar, ich kann dich gern begleiten“, sagte er sofort zu.

Izzy wandte sich wieder der Konferenz zu.

„Gut, dann öffne ich hier ein Tor und schicke Matt zur Verstärkung. Wenn ihr den Schlüssel gefunden habt, schickt ihn gleich zu uns.“

Tai sowie seine Vorgesetzten waren einverstanden und beendeten das Gespräch.

Davis trat vor.

„Dann möchte ich einen Vorschlag machen. Wir teilen uns in Teams auf. Eines geht schon einmal vor und sucht Gennais Hauptquartier auf. Dann können sie sofort loslegen, wenn Tai und Matt den Schlüssel senden. Das andere reist zum Meer der Dunkelheit und versucht, den Zugang zu zerstören, damit Nishi erst gar nicht dorthin gelangt. Sollten wir scheitern, haben wir immer noch Team B!“

Die anderen waren überrascht über diesen vernünftigen Vorschlag.

Ken trat nun ebenfalls vor.

„Ich bin ebenfalls dafür. Allerdings sollte Team A nur aus mir und Davis bestehen. Für die Zerstörung des Zugangs benötigen wir wenn nur Imperialdramon. Mit ihm sind wir schneller und halten uns weniger auf.“

Die anderen hatten keine Einwände.

„Dann bilden die anderen Team B. Ich habe bereits Sora, Joe und Mimi kontaktiert. Sie sind bereit, sich uns im Kampf anzuschließen“, berichtete Matt.

Izzy brummte.

„Geht das in Ordnung? Ich weiß, sie wollten sich eher zurückhalten.“

Matt aber schüttelte den Kopf.

„Sie wissen, was auf dem Spiel steht. Da ist eine Ausnahme selbstverständlich.“

Alle waren dankbar für die zusätzliche Hilfe.

„Meine Frau ist auf dem Weg zu Cody, sie holt ihn von der Universität ab, danach stoßen sie direkt zu euch.“

Tsubasa hob eine Hand.

„Ähm... und in welchem Team sind wir?“, fragte sie zögerlich.

Die älteren DigiRitter musterten die drei.

„Seid... ihr sicher, dass ihr mitmachen wollt? Es könnte ziemlich gefährlich werden“, wand Matt ein.

Doch für Takeshi und die anderen war die Antwort klar.

„Jede zusätzliche Hilfe ist doch von Vorteil, oder? Wir können unmöglich nur dasitzen und warten, dass Nishi unsere Welt zerstört!“

Gegen dieses Argument konnte natürlich niemand Einwände erheben.

„Gut, aber ihr bildet die hintere Reihe. Wobei wir hoffen, dass Nishi nicht so weit vordringen kann“, bestimmte Izzy.

Rurimon kletterte auf den Tisch und winkte Gennai zu.

„Ah, Rurimon! Gut, ich wollte dich ohnehin sprechen. Wäre es möglich, dass ihr mir den Kleinen schickt?“, bat Gennai.

Matt trat vor den Monitor.

„Klar. Bekomme ich dafür Gabumon zurück? Ich könnte ihn in der DigiWelt gut gebrauchen“, fragte er.

Gennai nickte.

„Natürlich. Aber am besten schicke ich ihn direkt in die DigiWelt, er wartet dann dort auf dich. Tai und Agumon haben mir eine Nachricht geschickt, dass sie direkt von der Behörde aus dorthin kommen werden.“

Matt nickte.

Damit war alles Nötige geklärt. Izzy bereitete alles Nötige vor, um Ken und Davis an einen Punkt zu schicken, an dem sie das Meer der Dunkelheit erreichen konnten. Den Rest würde er zu Gennai schicken, wo diese dann auf den Schlüssel warten konnten.

Matt konnte er alleine losschicken, weshalb dieser als erstes folgte. Er zog sein DigiVice, welches seit einiger Zeit die Form eines Smartphones besaß. Er musste es nur vor einen Monitor halten, um digitalisiert zu werden.
 

Es war eine Weile her, seit er die DigiWelt zuletzt betreten hatte. Er fand sich an einem weiten Strand wieder und vernahm das Rauschen des Meeres. Er hatte vergessen, wie schön es hier sein konnte. Und dieser Nishi wollte diesen Ort einfach so zerstören?

Matt wusste, dass es an ihm lag, dies zu verhindern. In wenigen Metern Entfernung tat sich ein neues Tor auf und ein bekanntes Gesicht zeigte sich. Tai trat heraus, neben ihm sein Partner. Sofort ließen es sich die beiden nicht nehmen, ein High-Five auszutauschen.

„Na? Hast es wohl nicht ausgehalten in deinem Bürojob.“

Damit hatte er seinen Freund offensichtlich durchschaut.

„Tja, was soll ich sagen? Diese Besprechungen sind ultra langweilig. Ich habe kaum was beizutragen, da sind solche Missionen deutlich angenehmer. Gib’s zu, du hast es doch auch vermisst.“

Matt zuckte mit den Schultern und blieb ihm eine Antwort schuldig.

Kurz darauf wurde ein weiteres Tor geöffnet, diesmal aber kleiner. Ein felliges Etwas sprang heraus und orientierte sich sogleich. Als es Matt erblickte, lief es ihm entgegen.

„Gabumon, da bist du ja! Ich hatte schon befürchtet, ich müsste ohne dich los“, tätschelte er seinem Partner den Kopf.

„Ach was, ohne mich wärst du doch in der DigiWelt verloren“, behauptete das Digimon.

Auch seitens Agumon folgte eine Umarmung. Genau wie Tai und Matt hatten es und Gabumon am häufigsten zusammen gekämpft. Nicht zuletzt, weil sie auf ihrem Mega-Level bereits ein eingespieltes Duo waren, sie konnten auch fusionieren und verstanden einander deswegen noch besser.

„Also, was genau haben wir zu tun?“, erkundigte sich Gabumon.

Matt nahm sein DigiVice zur Hand und folgte Izzys Anweisungen. Der Scan deutete auf eine nördliche Richtung hin. Matt drehte sich, doch vor ihm tat sich nur das Meer auf. Nein, das stimmte nicht ganz. Er musste seine Augen anstrengen, doch er erkannte in weiter Entfernung eine Insel.

„Dort drüben! Ich denke, der Schlüssel müsste sich auf dieser Insel befinden.“

Tai kratzte sich am Kopf.

„Und wie kommen wir da rüber? Das hat sich Izzy ja fein gedacht.“

Sofort nahm er Kontakt zu seinem Freund auf und schilderte ihm die Situation.

„Kannst du uns nicht direkt zur Insel teleportieren oder so?“, bat er.

Dieser musste ihn aber enttäuschen.

„Sorry, aber da ist nichts zu machen. Auf der Insel befindet sich kein Punkt, an dem sich ein Tor öffnen lassen würde. Ihr müsst den Rest der Strecke wohl oder übel alleine bewältigen“, erklärte er und beendete das Gespräch.

Tai knurrte.

„Das hätte er ruhig vorher erwähnen können. Ist ja nicht so, als hätten wir ein Boot oder so.“

Matt rang sich ein Schmunzeln ab.

„Ach komm. Solche Herausforderungen mussten wir damals doch dauernd bewältigen, als wir das erste Mal in die DigiWelt kamen. Da haben wir sowas auch hinbekommen“, klang er optimistischer.

Tai verzog die Lippen.

„Dann hätten wir Joe diese Mission aufbrummen sollen. Mit Ikkakumon wäre er im Handumdrehen dort drüben. Ich denke nicht, dass Greymon gut schwimmen kann.“

Agumon schlug sich die Hände über den Kopf zusammen.

„Das schaff ich nicht, da gehe ich eher unter.“

Auch Gabumon wirkte nicht sehr zuversichtlich.

„Als Garurumon schaffe ich sicher ein paar Meter, aber keine so weite Strecke.“

Matt verschränkte die Arme.

„Dann wird uns nichts übrig bleiben, als sie auf das Mega-Level digitieren zu lassen und hinüber zu fliegen. Obwohl ich lieber Energie gespart hätte, es kann sehr gut zum Kampf mit diesem Nishi kommen.“

Tai gab ihm recht, doch so wie es aussah, blieb ihnen nicht viel übrig. Er griff bereits nach seinem DigiVice, da reckte Agumon seinen Kopf in die Höhe. Er tapste ein paar Schritte Richtung Meer.

„Hey, da kommt etwas!“, machte er auf etwas aufmerksam.

Tatsächlich bewegte sich eine Gestalt durch die Wellen. Sie stand aufrecht und wirkte, als würde sie einfach darüber gleiten. Es dauerte etwas, bis sie auf die Gruppe am Strand aufmerksam wurde. Schließlich steuerte sie auf diese zu.

Kaum war sie nahe genug, sprang sie in die Höhe und landete in weitem Bogen im Sand. Ihre Landung wirkte äußerst elegant und stilvoll.

Tai und Matt musterten sie nun eingehend. Es handelte sich um ein Digimon, größtenteils blau und humanoid. In dessen rechter Hand erkannten sie ein Surfboard.

Gabumon lief nun auf es zu.

„Hey, dich kenne ich doch! Du bist Surfimon, nicht wahr? Ich habe schon eine Menge über dich gehört.“

Das schien das Digimon sehr zu freuen.

„Oh, ein Fan? Das ist aber echt zu viel der Ehre. Wenn du jemanden respektieren solltest... sind es die Wellen. Sie sind der wahre Star“, blickte es auf das Meer hinaus.

Tai und Matt tauschten unauffällig Blicke aus.

Nun schien auch bei Agumon der Groschen zu fallen.

„Ja, stimmt! Surfimon ist dafür bekannt, sämtliche Wellen erklimmen zu können. Es surft durch die DigiWelt, um die größte von ihnen zu finden und zu bezwingen.“

Das Digimon nickte.

„Ja. Aber ohne mein treues Surfboard wäre ich natürlich nichts.“

Tai seufzte.

„Ist ja schön und gut, aber du hast nicht zufällig ein Ersatz-Surfboard? Wir müssen nämlich zur Insel dort drüben. Und schwimmen käme nicht in Frage.“

Surfimon sah zur Insel und überlegte.

„Kein Problem, ich kann euch locker rüberbringen.“

Gabumon sah zu ihm hoch.

„Wirklich? Das wäre fantastisch!“

Surfimon machte einen Daumen nach oben.

„Klar! Besorgt euch einfach einen robusten Baumstamm und ich zieh euch rüber!“

Agumon und Gabumon waren sofort fasziniert, während Tai und Matt zögerlich waren.

„Wieso glaube ich, dass das keine ruhige Reise wird?“

Matt gab ihm recht, aber er wollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen.

„Gehen wir das Risiko ein. So sind wir am schnellsten und ohne großen Aufwand drüben.“

Tai ließ sich schließlich überzeugen. Während sich Agumon und Gabumon um die Beschaffung eines Baumstammes kümmerten, sprachen sie gegenüber Surfimon noch einmal ihren Dank aus.

Wenig später war alles vorbereitet und Surfimon band sich ein Seil um die Hüfte. Das andere Ende befestigten die DigiRitter um den Baumstamm.

„Gut festhalten!“, riet ihnen das Digimon.

Die Warnung war nicht umsonst. Sofort preschte Surfimon los und sie preschten über das Meer.

„Bist du sicher... dass wir ihm trauen können?“, fragte Tai, als Surfimon immer wieder Bögen vollzog, anstatt direkt in nördlicher Richtung zu surfen.

„Keine Sorge, Tai! Surfimon ist bekannt für seinen coolen Surfstil!“, sagte Agumon vor ihm.

Dieser bezweifelte jedoch, dass dieses bisher so etwas wie Passagiere mitnehmen musste. Doch schließlich war die Tortur endlich geschafft und sie waren an der Küste der Insel angekommen.

Surfimon band sich los und hob zur Verabschiedung die Hand.

„War mir eine Freude. Das nächste Mal, wenn ihr aufs Meer hinausschaut, denkt an mich!“

Agumon und Gabumon versprachen es.

Surfimon wollte schon wieder los, da drehte es sich noch einmal um.

„Ach ja, ich habe hier vorhin einige Fenrismon gesehen, vor denen solltet ihr euch in Acht nehmen. Die gelten ja allgemein als sehr angriffslustig. Wollt’ ich nur gesagt haben. Also, macht’s gut!“

Tai und Matt ließen sich auf den Boden fallen.

„Wir hätten doch die Jüngeren gehen lassen sollen“, keuchte Ersterer.

Matt legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ich weiß, was du meinst, Opa.“

Erst nach strengen Blicken seitens ihrer Partner erhoben sie sich wieder.

Tai nutzte sein DigiVice, um die Position des Schlüssels festzustellen.

„Wir müssen in diese Richtung“, zeigte er auf den Eingang einer Schlucht.

Matt nickte ihm zu und schritt voran. Sie durften keine Zeit mehr vergeuden, die anderen warteten bereits auf sie. Tai wollte ihm in nichts nachstehen und folgte ihm. Ihre Partner direkt hinterher.

Kaum hatten sie die Schlucht betreten, wurde es wesentlich dunkler. Tai sah nach oben, doch von der Sonne war nicht mehr viel zu sehen. Wieso musste sich der Schlüssel nur an einem so düsteren Ort befinden?

„Weißt du was? Immer noch besser als an Präsentationen teilzunehmen“, meinte Tai.

Matt schmunzelte.

„Ja, du warst eben schon immer ein Abenteurer. Darum hat es mich gewundert, dass du die Stelle bei der Regierung angenommen hast.“

Sein Freund brummte kurz.

„Das habe ich gemacht, weil ich auf diese Weise am meisten erreichen kann. Ich möchte mich für die Digimon einsetzen, doch durch Kämpfe kann das nicht langfristig gewährleistet werden. Ich möchte die Zusammenarbeit unserer beiden Welten fördern und als offizieller Vertreter ist mir das viel besser möglich. Dafür nehme ich die Politik und die Bürokratie gerne in Kauf.“

Matt lächelte.

„Und trotzdem nimmst du jede Gelegenheit wahr, um mal rauszukommen.“

Tai fand jedoch nichts Schlimmes daran.

„Durch meinen Stand kann ich es mir zum Glück erlauben. Natürlich muss ich dennoch um Erlaubnis bitten, anders als ein gewisser Arbeitsloser, der tun kann, was er will.“, stichelte er.

Ein scharfer Blick folgte.

„Hey, ich bin nicht arbeitslos. Ich... bin nur gerade nicht fest angestellt. Auch wenn ich zugeben muss, dass es als Freelancer recht angenehm ist.“

Tai konnte das gut nachvollziehen.

„Die NASA hat sonst ja auch kaum Versuchskaninchen zur Verfügung. Die sind auf dich angewiesen.“

Matt gefiel die abwertende Bezeichnung nicht wirklich.

„Ihre Forschung ist aber verdammt wichtig. Die DigiWelt als ein Werkzeug für dimensionale Reisen zu nutzen, kann uns die Zukunft sichern. Stell dir vor, das Experiment gelingt und wir können ein Tor direkt zum Mond öffnen. Was uns das alles ermöglichen würde.“

Tai lachte.

„Was, willst du der erste DigiRitter auf dem Mond werden? Ein kleiner Schritt für Gabumon, aber ein großer Schritt für die Menschheit.“

Matt hasste es, wenn ihn sein Freund nicht ernst nahm.

„Ja, vielleicht sage ich dann sowas in der Art. Außerdem wäre das nur der Anfang. Vielleicht ermöglicht uns die DigiWelt auch, auf andere Planeten zu reisen, die wir irgendwann kolonialisieren. Auch... wenn ich das sicher nicht mehr miterlebe. Aber die Digimon sind definitiv unsere Zukunft.“

Zumindest in dieser Hinsicht stimmte Tai komplett mit ihm überein.

„Was... denkt eigentlich Sora darüber, dass du so viel unterwegs bist?“

Matt hielt einen Moment inne.

„Naja... im Moment kann ich noch größtenteils von Japan aus arbeiten. Irgendwann müsste ich wohl komplett zu dir ziehen. Auch wenn Sora das eher nicht will. Ihr Lebensmittelpunkt ist immer noch hier.“

Tai konnte ihn verstehen. Er hätte sich gefreut, wenn er in den Staaten einen Freund wie Matt hätte. Er hätte ihm eine Menge Restaurants empfehlen können und wir würden dann abends um die Häuser ziehen.

„Vermassel das mit Sora nur nicht wie ich damals.“, riet er ihm.

Matt schüttelte sofort den Kopf.

„Ach Quatsch. Du hast nichts falsch gemacht. Sie hat sich nur für mich entschieden, weil ich besser aussehe. Dafür konntest du nun echt nichts.“

Tai schlug ihm gespielt gegen den Oberarm.

„Keine Sorge, ich trage dir nichts nach. Ich wünsche euch beiden wirklich nur das Beste. Wenn jemand alles durchsteht, dann ihr beide.“

Matt antwortete nicht sofort.

„Und was ist mit dir? Du hast es ebenfalls verdient, glücklich zu sein. Du... solltest ihr deine Gefühle gestehen.“, sagte er, ohne seinen Freund direkt anzusehen.

Tais Augen weiteten sich.

„Was redest du da? Ich sagte doch, dass du und Sora zusammengehören!“

Matt bedachte ihn eines bösen Blickes.

„Ich habe natürlich nicht von Sora gesprochen, du Idiot.“

Tai schluckte und wich seinem Blick aus.

„Das... ist etwas anderes. Ich kann das nicht.“

Matt zuckte mit den Schultern.

„Wie du meinst. Ist ja deine Sache, ich mische mich da nicht ein. Es ist deine Zukunft, denk daran. Du bist für sie verantwortlich.“

Sein Freund schwieg und erwiderte nichts darauf.

Erst als Agumon und Gabumon die beiden überholten, merkten sie, dass etwas nicht stimmte.

Die Dunkelheit der Schlucht hatte die Feinde bisher verborgen, doch die Instinkte ihrer Partner waren zum Glück ungetrübt.

Aus mehreren Höhlen in den Felswänden traten nun mehrere Gegner heraus. Es handelte sich um Wölfe mit rot-weißem Fell. An ihren Beinen waren Ketten befestigt.

„Achtung! Das müssen die Fenrismon sein, vor denen uns Surfimon gewarnt hat!“, rief Gabumon.

Die DigiRitter nickten einander zu. Sie beobachteten die Situation noch etwas, bis die Gegner von ihren Vorsprüngen sprangen und auf sie zumarschierten. Dann realisierten sie, dass sie keine Wahl hatten. Sie hoben ihr DigiVice in die Höhe und ihre Partner machten sich bereit.

„Agumon digitiert zuuu.... Greymon!“

„Gabumon digitiert zuuuu.... Garurumon!“

Die Gegner hatten offenkundig nicht damit gerechnet, dass ihre Beute einfach so digitieren konnte. Verunsichert berieten sie sich, schienen aber nicht an Rückzug zu denken. Einige preschten nach vorne, was Tais und Matts Partner zum Angriff zwang.

Greymon feuerte seine Flamme ab, während Garurumons Maul blaues Feuer verließ.

Die ersten Gegner wurden getroffen und zogen sich zurück. Sie nahmen bereits an, die Situation wäre überstanden, doch dann schlichen sich auch von hinten einige Fenrismon an sie heran.

„Mist, sie wollen uns in die Zange nehmen!“, warnte Matt.

Tai erkannte weitere Gegner auf den Vorsprüngen.

„Es sind zu viele. Wenn wir hier kämpfen, wären wir nur im Nachteil.“, erkannte er richtig.

„Tai! Wir sollten aus dieser Schlucht. Hier können wir nicht frei kämpfen und sind von überall angreifbar!“, sagte Greymon.

Sein Partner stimmte ihm zu. Garurumon ließ die beiden auf seinen Rücken steigen und gemeinsam nahmen sie an Tempo auf.

Die Fenrismon verfolgten sie zwar, doch Greymon schützte ihre Flanke. Seine große Flamme verursachte einen Brand, was die Feinde nicht näherkommen ließ. Endlich hatten sie es dann aus der Schlucht geschafft. Matt machte sie auf etwas aufmerksam.

„Dort vorne! Das sieht aus wie eine eingefallene Ruine!“

Sein Freund gab ihm recht. Dort würden sie Schutz finden.

Kaum waren sie beim Eingang, digitierten Greymon und Garurumon zurück, um durch den Eingang zu passen.

Sie suchten Schutz im Inneren, doch dort war es zum Teil noch düsterer als in der Schlucht. Sie mussten ihre DigiVices nutzen, die ihnen Licht spendeten.

„Hier drin dürften wir erstmal sicher sein.“

Agumon pflichtete ihm bei.

„Trotzdem möchte ich nicht länger hier sein als nötig.“

Sein Partner konnte ihm aber Entwarnung geben.

„Keine Sorge, ich empfange, dass sich der Schlüssel in unmittelbarer Nähe befindet.“, verriet er.

Erleichterung kam in allen auf. Schließlich waren sie vor einem Gang angekommen. Tai trat als erstes hinein, Matt folgte ihm.

Es war schwer, sich zu orientieren, aber dennoch beeilten sie sich.

„Izzys Programm meldet, dass er sich dort vorne befindet. Wir sollten diese Mission gleich abgeschlossen haben.“

Als sich Matt hinter ihm aber nicht meldete, drehte sich Tai um. Er stutzte, als er seinen Freund nirgends mehr sehen konnte. Mit seinem DigiVice leuchtete er die Umgebung ab.

„Agumon, hast du gesehen, wohin Matt und Gabumon sind?“, erkundigte er sich bei seinem Partner.

Dieser musste ihn enttäuschen. Auch ihm war nicht aufgefallen, wie sich die beiden von ihnen entfernt hatten.

„Es muss wohl irgendwo eine Abzweigung gegeben haben, die sie genommen haben.“

Tai seufzte. Er rief nach seinem Freund, doch es erfolgte keine Antwort.

Ihnen blieb nichts übrig als zurückzugehen. Zumindest hatte er dies vor. Doch bereits nach wenigen Metern stieß er gegen eine feste Mauer.

Er fluchte und würde bestimmt eine Beule davontragen.

Agumon tastete sie ab und zuckte dann mit den Schultern.

„Was ist hier los? Wir sind doch geradeaus zurückgegangen, oder?“

Eigentlich war es nicht möglich, dass sie sich nun auch verlaufen hatten. Doch selbst links und rechts war kein Gang mehr auszumachen. Ihnen blieb nichts übrig als ihren Weg nach vorne fortzusetzen.

Dieser schien sie immerhin irgendwohin zu führen, denn sie erreichten eine Halle. Sie wirkte irgendwie wie ein Thronsaal eines alten Schlosses. Tai sah auf sein DigiVice, welches anzeigte, dass sich der Schlüssel genau hier befand. Aber wo genau? Würde er hier alles genau absuchen müssen?

„Hey, Agumon. Der Schlüssel befindet sich hier. Du bist klein genug. Kannst du in allen Nischen...“

Er brach ab, als er sich umdrehte, sein Partner aber nirgendwo zu sehen war. Das war wohl ein schlechter Scherz, oder? Er rief nach ihm, doch niemand meldete sich.

Tai unternahm einen Versuch, in den Gang zurückzulaufen, aus dem er gekommen war. Doch wieder fand er nur eine massive Wand vor. Er klopfte dagegen, doch die Erkenntnis kam schnell. Hier stimmte etwas definitiv nicht.

Er kehrte in den Thronsaal zurück und leuchtete alles so gut ab, wie er konnte. Dann atmete er erleichtert auf, als er den Rücken des kleinen Dinosauriers erkannte.

„Na endlich! Wo hast du gesteckt?“, trat er zu ihm.

„Komm, wir müssen weiter“, drängte er.

Doch Agumon unternahm keine Anstalten, ihm zu folgen.

„Nein, ich will nicht“, schlug er nun die Hand seines Partners weg.

Tai stutzte.

„Was soll das denn heißen? Wir müssen den Schlüssel finden. Und Matt und Gabumon sowieso. Jetzt komm, stell dich nicht so an.“

Doch Agumon schwang nur seine Klaue und hinterließ einen tiefen Schnitt in Tais Hand.

Schmerzend zog dieser sie zurück. Was stimmte nur nicht mit seinem Partner? So etwas hatte er noch nie getan. Agumon hatte ihn noch nie absichtlich verletzt.

„Kumpel... was ist denn los?“, verstand er ihn einfach nicht mehr.

Agumon fauchte ihn nun regelrecht an.

„Was nicht stimmt? Ich habe es satt, dein Partner zu sein!“

Tai erschrak.

„Aber... wieso denn? Habe ich etwas falsch gemacht?“, hakte er nach.

Agumon knurrte.

„Ob du etwas falsch gemacht hast? Du hast mich im Stich gelassen! Du hast mich einfach geopfert! Ich war nur eine Waffe für dich, du hast genau gewusst, dass wir uns trennen müssen, wenn du mich in den Kampf schickst!“

Irritiert trat Tai einen Schritt zurück.

„Ja, aber... wir hatten doch keine Wahl. Es hat weh getan, aber... wir haben dich und die anderen doch wieder zurückgeholt.“

Agumon lachte auf.

„Lüge! Du hast es nicht einmal versucht, andere haben dir das Programm gebracht, das mich aus der Fragmentwelt zurückgebracht hat. Du hattest keinen Anteil daran!“

Tai schüttelte wild den Kopf.

„Das... stimmt doch nicht...“, brachte er heraus, obwohl er wusste, dass sein Partner eigentlich recht hatte.

Er war nicht daran beteiligt gewesen, er hatte nichts getan, um Agumon zu helfen.

„Es war so ein düsterer und beängstigender Ort. Und du... hast mich dort einfach versauern lassen!“, warf ihm dieser vor.

Tai schlug die Hände über den Kopf zusammen.

„Es... es tut mir leid! Ich hatte doch keine Ahnung, was ich tun soll!“, jammerte er.

Eine weitere Stimme erklang hinter ihm.

„Das hast du nie, oder?“

Tai drehte sich um und erkannte zwei Gestalten. Beide waren Frauen, doch er brauchte etwas, bis er sie identifizierte.

Eine trug orange Haare, während die andere brünette, kurze Haare besaß. Tai konnte seinen Augen nicht glauben.

„Sora? Kari? Ihr seid hier? Aber... wie?“

Sora zuckte nur mit den Schultern.

„Ich bin nur hier, um Matt beizustehen. Ich bin sofort gekommen, als ich hörte, dass ihr zu zweit los seid. Mir war klar, dass er in Schwierigkeiten wäre, wenn er mit dir unterwegs ist. Du bist nun mal zu nichts zu gebrauchen und hältst alle zurück.“

Geschockt sah er zu der jungen Frau.

„Nein... ich versuche... doch immer nur alle zu beschützen. Kari... du verstehst das doch, oder?“, fragte er an seine Schwester gewandt.

Diese blickte ihm aber nur skeptisch entgegen.

„Soll das ein Witz sein? Du bist das Gegenteil von verantwortungsvoll. Du hast mich einfach in die ganze Sache verstrickt. Dabei war ich nur ein kleines Kind. Dir war egal, in welche Gefahren du mich hineingezogen hast!“

Ihr Bruder schluckte.

„Aber... du wolltest uns damals doch begleiten. Du warst wie wir ein DigiRitter und wolltest Gatomon auch nicht im Stich lassen.“, wandte er ein.

Kari blickte ihn angewidert an.

„Ja und? Mir hätte trotzdem etwas zustoßen können. Aber das war dir egal, dir waren deine Abenteuer stets wichtiger. Du solltest der tolle Beschützer sein.“

Sora pflichtete ihr bei.

„Ja und du wunderst dich auch noch, dass sich alle von dir entfernen. Natürlich wollte ich lieber jemand Vernünftigen wie Matt. Wer will schon ins Unglück gestürzt werden? Sieh dir doch nur das arme Agumon an, du hast es im Stich gelassen und bezeichnest dich immer noch als sein Partner. Wie impertinent kann man eigentlich sein?“

Tai sah zu dem Dino, der immer noch eine Abwehrhaltung eingenommen hatte.

Dann ein helles Licht hinter diesem. Eine Gestalt bildete sich. Sie schwebte in der Luft und besaß quadratische Flügel.

Tai geriet in Panik.

„Das ist Eosmon! Agumon, schnell, du musst digitieren!“, trug er diesem auf.

Agumon jedoch weigerte sich.

„Nein, du hast mir gar nichts mehr zu befehlen! Du bist es nicht wert, mein Partner zu sein!“

Tai verstand die Welt nicht mehr. Als Eosmon jedoch Anstalten machte anzugreifen, preschte er nach vorne und zog Agumon aus dem Weg. Dieser war aber alles andere als begeistert davon. Er kämpfte sich frei und setzte seine Kleine Flamme ein. Diese zog nur wenige Zentimeter an Tais Kopf vorbei. Doch sie hätte ihn genauso gut ernsthaft verletzen können.

„Du kannst doch gar nichts ohne mich! Ich bin es leid, nur dein Werkzeug zu sein.“

Sora und Kari traten ebenfalls näher.

„Ja, das sind wir nun mal alle für ihn. Nur Mittel zum Zweck. Die Gefühle anderer sind ihm nun völlig gleich.“

Tai wurde zunehmend verzweifelter.

„Nein, ich... ich wollte euch immer nur beschützen! Ich... werde es euch beweisen!“

Er lief los, direkt auf Eosmon zu. Mit geballter Faust sprang er auf den Gegner los, egal wie aussichtslos es war. Als Mensch hatte er keine Chance gegen so einen Gegner. Zwar kam ihm der Gedanke, wie Masaru als bloßer Mensch VenomMyotismon mit einer Faust niedergestreckt hatte, doch das war dennoch etwas anderes gewesen. Er besaß kein DigiSoul, ja nicht einmal mehr einen Partner. Er war nur ein schwacher Mensch. Doch er musste etwas unternehmen.

Er sprang auf Eosmon zu und tatsächlich gelang es ihm, den Feind niederzuringen. Er lag nun auf dem Angreifer und schlug mit seiner Faust immer wieder auf ihn ein.

Entfernt vernahm er eine bekannte Stimme, doch er ignorierte sie. Agumon tauchte neben ihm auf und feuerte ihn an.

„Ja, los! Beweise mir, dass auch ohne mich zu etwas Nutze bist!“

Tai beschloss, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Er prügelte weiterhin auf Eosmon ein, als gäbe es kein Ende. Doch dann tauchte hinter Agumon ein weiteres Digimon auf, das es angriff.

Tai erkannte, dass es ein zweites Agumon war. Was war hier los? Mit einer Kleinen Flamme vernichtete es das Erste.

„Tai! Hör nicht auf ihn!“

Nun war der DigiRitter komplett verwirrt. Doch Eosmon begann nun, sich zu wehren. Tai spürte einen Schlag in seinem Gesicht und torkelte zurück. Doch nur kurz, so leicht wollte er nicht aufgeben. Erneut stürzte er sich auf den Feind und schlug ihn. Doch auch dieser hielt sich nun nicht mehr zurück.

„Tai, verdammt! Ich will dir nicht wehtun!“, brüllte Eosmon.

Doch warum kam ihm die Stimme so bekannt vor. Schließlich verstand er es. Es war diejenige von Matt. Aber... warum? Konnte es etwa sein...

Gerade als er den Bogen raus hatte, erfolgte ein weiterer Schlag, der ihn scheinbar aus seiner Trance riss.

Tai landete hart auf dem Boden und sah hoch. Matt stand über ihm gebeugt, sein Gesicht wies Blessuren auf.

„Matt? Bist das wirklich du?“, stammelte er.

Sein Freund atmete erleichtert aus.

„Gott sei Dank. Du bist wieder bei Sinnen.“

Tai sah sich um. Er befand sich immer noch im Thronsaal. Kari, Sora und das falsche Agumon waren verschwunden. Ein wahrer Partner torkelte nun zu ihm und erkundigte sich, ob es ihm gut ging.

Dieser konnte ihm die Frage aber nicht wirklich beantworten.

„Das.. war alles nicht echt? Aber wie...?“

Ein Geräusch drang an seine Ohren und er und Matt wandten sich diesem zu.

Es schien vom Thron zu stammen, wo nun jemand aufgetaucht war. Eine Figur saß auf dem Thron. Sie besaß ein grünes Gewand und hatte lässig darauf Platz genommen. In einer Hand hielt sie einen goldenen Stab, welcher an der Spitze leuchtete.

„Matt! Ich denke... diese Ruine hier ist doch nicht so verlassen.“, meinte Gabumon sagen zu müssen.

Die anderen gaben ihm zweifelsfrei recht.

„Du bist für diese Spielchen hier verantwortlich! Nicht wahr?“, warf ihm Matt vor.

Die Gestalt lachte.

„Was erwartet ihr denn bitte, wenn ihr einfach so in mein Schloss eindringt? Mein Name ist Lokimon, ich bin der Herr der Illusionen. Ihr seid ja recht bereitwillig in meine Falle getappt.“

Tai kämpfte sich auf und stellte sich ihm entgegen.

„Du Arsch! Ist das alles nur ein Spiel für dich?“

Lokimon ließ sich nicht beeindrucken.

„Was denn? Alles, was dir widerfahren ist, sind Ausdrücke deines Geistes. Ich habe nichts erfunden und mir deshalb nichts vorzuwerfen.“

Das schien Tai aber anders zu sehen.

„Du weißt doch gar nichts über uns! Und du hast kein Recht, Spielchen mit uns zu spielen!“

Der Illusionist grinste nur. Er senkte seinen Stab, und die DigiRitter erkannten, warum dieser so leuchtete. Ein Datenball prangte an dessen Spitze. Tai, dem ein Verdacht kam, nutzte sein DigiVice, um Aufschluss zu bekommen.

„Das... ist er! Der Schlüssel!“, rief er erstaunt.

Matt schien sich das bereits gedacht zu haben.

„Dann holen wir ihn uns! Deswegen sind wir immerhin hier. Fühlst du dich dazu bereit?“, wandte er sich an seinen Freund.

Tai nickte.

„Ja. Immerhin habe ich eine Rechnung offen.“

Lokimon schmunzelte nur.

„Ich konnte in deinem Geist sehen, wie wertvoll mein Fundstück ist. Ein Schlüssel, ja? Ich bin bereits davon ausgegangen, dass er von jemandem hergestellt wurde, der über unglaubliche Macht verfügt. Wenn ihr ihn wollt... dann holt ihn euch.“, sagte er provokativ.

Tai wandte sich an Agumon.

„Tut mir leid, dass du wieder für mich kämpfen musst. Besonders wenn man bedenkt, was das letzte Mal passiert ist.“

Sein Partner schüttelte aber nur den Kopf.

„Nein, ich freue mich, mit dir zu kämpfen. Wir sind ein Team, und das werden wir immer sein!“, stand für ihn fest.

Tai nickte erleichtert und hob sein DigiVice. Matt tat es ihm nach. Dann stellten sich ihre Partner dem Feind entgegen.

„Agumon Warp-Digitation zuuuu.... WarGreymon!“

„Gabumon Warp-Digitation zuuuu.... MetalGarurumon!“

Doch genau darauf schien Lokimon gewartet zu haben. Er löste sich in Luft auf und tauchte direkt über den beiden wieder auf. Mit seinem Stab ließ er Lichtblitze auf sie herabsinken.

Doch die beiden Digimon waren flink und konnten geschickt ausweichen. Matt zog Tai weiter zurück, damit dieser nicht getroffen wurde.

WarGreymon ließ eine Planetenkraft auf Lokimon los. Dieser wich aus, und die Attacke erreichte die Decke. Diese brach nun ein, und ein Bruchstück traf den Illusionisten.

MetalGarurumon nutzte diesen Umstand und setzte seine Geschosse gegen den Gegner ein.

Lokimon konnte gerade noch seinen Stab einsetzen, um diese zu verkleinern.

„Ihr müsst euch auf seinen Stab konzentrieren! Hört ihr?“, rief Matt nun nach oben.

MetalGarurumon verstand und öffnete erneut die Öffnungen seiner Geschosse. Lokimon bereitete sich vor, diese erneut abzuwehren, doch darauf schien er gar nicht abgezielt zu haben. Es war eine Finte, denn MetalGarurumon öffnete nun sein Maul und griff mit seinem eisigen Atem an.

Sofort wurde der Gegner mit einem dichten Frost überdeckt. Dieser wollte seinen Stab einsetzen, doch seine Finger funktionierten nicht mehr, wie er wollte.

WarGreymon nutzte diese Gelegenheit, um ihm diesen aus der Hand zu schlagen. Er landete auf dem Boden, und Tai hechtete zu ihm.

Er sicherte den Stab und somit auch den Schlüssel.

Gerade noch rechtzeitig, denn Lokimon hatte sich von dem Frost befreit. Zu ihrer Überraschung griff er jedoch nicht erneut an.

Ganz lässig schwebte er zu Boden und streckte seine Hand aus. Der Stab flog Tai aus der Hand, auch Telekinese schien im Repertoire des Illusionisten zu sein.

Sie erwarteten bereits, dass der Feind diesen wieder gegen sie einsetzte, doch nichts dergleichen geschah. Lokimon kehrte seelenruhig zu seinem Thron zurück und setzte sich.

„Was soll das? Gibst du auf?“, fauchte ihn MetalGarurumon an.

Zu ihrer Überraschung bejahte Lokimon sogar.

„Ja, langfristig wärt ihr mir überlegen. Von eurem Kampfeswillen gar nicht zu sprechen. Ich hingegen finde kämpfen lästig. Regieren liegt mir mehr. Eigentlich hatte ich geplant, die DigiWelt an mich zu reißen. Ihr habt vermutlich bereits davon gehört, dass Takutoumon gefallen ist. Ein neuer Herausforderer könnte das Chaos für sich nutzen und sich zum neuen König emporschwingen.“, verriet er.

Matt ballte die Fäuste.

„Du denkst, wir würden das zulassen?“

Lokimon schien mit so einer Reaktion gerechnet zu haben.

„Wohl nicht. Allerdings konnte ich, wie vorhin erwähnt, einen Blick in euren Geist werfen. Dadurch konnte ich erfahren, wie wichtig dieser Schlüssel hier ist. Dieser Mensch, der auch Takutoumon erschaffen hat... hat wirklich vor, diese Welt zum Einsturz zu bringen, nicht wahr?“

Die DigiRitter bestätigten es ihm. Nishi wollte sowohl diese als auch die reale Welt zerstören.

Lokimon seufzte daraufhin. Er streckte seinen Stab aus, und der Schlüssel an der Spitze flog auf sie zu.

„Hier, ich überlasse ihn euch. Ich hätte ihn behalten, doch wenn die DigiWelt zerstört ist, gibt es auch nichts mehr zu regieren. Ihr könnt ihn wesentlich besser brauchen als ich.“, gab er zu.

Tai ließ sich das nicht zweimal sagen und hielt sein DigiVice an den Schlüssel. Dieser wurde von dem Gerät absorbiert.

„Ich weiß, du bist Opportunist, aber danke.“, meinte Matt.

WarGreymon stellte sich vor das Digimon.

„Wenn du der Gefahr durch Nishi gewahr bist, dann schließe dich uns an. Wir könnten jeden weiteren Verbündeten gebrauchen.“

Lokimon lehnte aber unverzüglich ab.

„Ich verzichte. Wie schon gesagt, finde ich kämpfen eher langweilig. Das überlasse ich dann doch den Experten. Ich wünsche euch aber viel Glück, da ich bezweifle, dass ihr die Schlacht trotz eurer Stärke überstehen werdet.“

Tai und Matt hofften natürlich inständig, dass er sich damit irrte.

WarGreymon beäugte diesen noch einmal abschätzig.

„Dann trennen wir uns heute noch einmal nicht als Feinde. Aber ich werde nicht vergessen, wie sehr du Tai zugesetzt hast. Solltest du uns noch einmal in die Quere kommen oder ein Problem für die DigiWelt darstellen, werden wir aktiv werden.“, warnte er ihn.

Lokimon reagierte aber nur mit einem Gähnen.

„Wie ihr meint. Falls die DigiWelt bestehen bleibt, werde ich mir deine Warnung zu Herzen nehmen. Doch jetzt wird es Zeit für meinen Mittagsschlaf.“, sagte er und verschwand wieder komplett.

Den DigiRittern konnte es aber nur recht sein.

Tai kontaktierte Izzy und gewährte ihm Zugriff auf sein DigiVice.

„Perfekt. Am besten, ich schicke euch direkt in Gennais Sphäre. Die anderen warten dort bereits.“

Matt trat näher an das Gerät.

„Kannst du das so einfach? Ich dachte, auf der Insel hier gibt es kein Tor.“

Izzy konnte sie aber beruhigen.

„Mit dem Schlüssel, zu dem ihr mir Zugriff gewährt habt, scheint das alles andere als ein Problem zu sein. Die Möglichkeiten, die dieses Programm bietet, sind unglaublich. Kein Wunder, dass es nur Hackmon anvertraut worden ist.“

Wie versprochen, öffnete sich ein Tor im Thronsaal. Matt legte noch einmal eine Hand auf Tais Schulter.

„Sicher, dass alles ok ist? Uns wird keine Pause gegönnt, der nächste Kampf wartet schon auf uns.“

Tai legte ein Lächeln auf.

„Ja, alles in Ordnung. Immerhin habe ich Agumon.“, meinte er und sah zu seinem Partner.

Dieser nickte ihm unterstützend zu.

Dann waren sie bereit, das Tor zu durchqueren und zu den anderen aufzuschließen. Es war noch nicht zu Ende.
 

Nishi war dort angekommen, wo er es beabsichtigt hatte. Er schritt durch ein Feld Wildblumen und erkundete die Umgebung. Als er zuletzt in dieser Gegend war, lagen überall Trümmer von Schwarzen Türmen herum, wie er sich erinnerte. Davon war nun nichts mehr zu sehen. Nishi schob es auf den Reboot, der eine Menge verändert hatte.

Doch das änderte nichts daran, dass er sich am richtigen Ort befand. Die Daten, die er durch die Absorption Yggdrasils erhalten hatte, waren eindeutig. Er streckte seine Hand nach vorne aus, und die Atmosphäre begann sich zu verändern. Die Farben änderten sich und nahmen ein düsteres Grau an. Dahinter waren die Geräusche von Wellen zu vernehmen. Nishi hatte den Zugang zum Meer der Dunkelheit gefunden. Jedoch sollte dieses nur eine Zwischenstation darstellen. Er war seinem Ziel sehr nahe und würde sich durch nichts mehr aufhalten lassen.

Folge 19 – Das Meer der Dunkelheit

Als Nishi durch das Tor trat, eröffnete sich ihm eine völlig andere Atmosphäre als in der DigiWelt. Alles war wesentlich düsterer und durch den Nebel schwer zu erkennen. Es roch stickig, und alles wirkte grau. War dies hier überhaupt noch ein Teil der DigiWelt? Was hatte Yggdrasil noch alles erschaffen? Oder war es am Ende das Werk der Homeostasis?

Nishi setzte seinen Weg fort und kam an einer Klippe an. Vor ihm erstreckte sich ein weites Meer. Weit draußen vernahm er ein Grölen und eine Gestalt mit einer Art Dreizack. Unter sich erkannte er mehrere Schatten, die die Küste entlang krochen. Es schien hier zumindest Digimon zu geben. Zudem spürte er, dass er sich noch in einer digitalen Umgebung aufhielt.

Er schlenderte den Strand entlang und ließ seinen Blick immer weiter schweifen. Er hatte keine Ahnung, wo er hier nach dem Zugang suchen sollte. Es hatte ihn Monate gekostet, ein Portal zu finden, das ihn in Yggdrasils Sphäre bringen würde. Gut, diese Welt hier schien wesentlich kleiner als die DigiWelt zu sein, aber dennoch wollte er nicht noch mehr Zeit verschwenden. Er hatte ein bestimmtes Ziel, das er schnellstmöglich erreichen wollte.

Er war nun an einer Sackgasse angekommen. Die Wellen preschten immer wieder in seine Richtung. Dann nahm er etwas hinter sich wahr. Er drehte sich um und erkannte einen runden Schatten im Sand. Er räusperte sich.

„Ähm, kann ich was für dich tun?“, wollte er wissen. Der Schatten bewegte sich nun, und aus ihm kam eine Gestalt mit roter Kutte. Sie wirkte humanoid, besonders mit der Kette, die sie trug.

„Interessant. Obwohl du nur ein Mensch bist, konntest du meine Präsenz spüren. Und scheinbar auch meine Absichten“, sprach die Gestalt. Für Nishi bestand kein Zweifel, dass es sich ebenfalls um ein Digimon handelte.

„Gut, ich bräuchte tatsächlich jemanden, der mich hier herumführen kann. Ich bin nämlich auf der Suche nach etwas. Du bist doch ein Einheimischer, oder?“ Die Kuttengestalt senkte den Kopf.

„Das bin ich ganz sicher nicht. Ich wurde hierher verbannt, von Menschen wie dir. Und glaube mir, sollte ich ihnen wieder begegnen, werde ich Rache nehmen.“

Nishis Augen weiteten sich etwas, und dann zeigte er auf sein Gegenüber.

„Verstehe! Du bist so ein richtiger Bösewicht!“ Die Gestalt reagierte nur mit einem Knurren.

„Nenne mich, wie du willst, Mensch. Aber wenn du im Stande bist, ein Portal nach draußen zu öffnen, dann wirst du das jetzt für mich tun. Andernfalls werde ich ungemütlich“, drohte sie und stürmte auf Nishi zu. Dieser hatte seinen Finger bereits erhoben und senkte ihn nur etwas, um den Angreifer am Boden zu halten. Damit schien dieser nicht gerechnet zu haben.

„Also... gut. Scheinbar bist du stärker, als ich geschätzt habe. Vielleicht... können wir uns gegenseitig helfen...“ Nishi hatte zwar keinerlei Lust auf Verhandlung, wollte aber auch nicht mehr Zeit vergeuden.

„Schön, ich öffne dir gern ein Portal. Aber erst, wenn ich gefunden habe, wonach ich suche“, bot er an. Sein Gegenüber war einverstanden. Schließlich erzählte Nishi von der Homeostasis, und die Kuttenmann überlegte einen Moment. Dann kam er mit einer Idee an, wo Nishi fündig werden könnte. Als dieser einen Schritt machte, stoppte er noch einmal.

„Ach, da fällt mir etwas ein. Bis ich zurück bin, hätte ich noch einen Job für dich.“ Der Kuttenmann spitzte die Ohren.

„Sehr wahrscheinlich werden mir die Menschen folgen, die du vorhin erwähnt hast. Es wäre nett, wenn du dich um sie kümmern könntest.“

Ein Vorschlag, auf den der Kuttenmann gerne einging. Rache war immerhin das Einzige, was ihn die letzten Jahre beschäftigt hatte.
 

Als Tai und Matt die Sphäre von Gennai betraten, warteten die anderen bereits auf sie. Auch Gennai selbst schien froh, dass sie endlich angekommen waren. Tai überreichte ihm sein DigiVice, damit ihr Verbündeter den Zugang zur Homeostasis öffnen konnte. Über dessen Hauptquartier öffnete sich tatsächlich ein weites Portal.

„Seid ihr soweit? Die Homeostasis ist auf euch vorbereitet, ich denke, sie erwartet eure Hilfe sogar.“

Matt nickte.

„Gut, dann bilden Tai und ich die vorderste Frontlinie. Wir positionieren uns direkt vor dem Eingang zur Homeostasis und werden Nishi dort aufhalten.“, schlug er vor.

Die anderen fanden es ebenfalls eine gute Idee.

Besonders Davis und Ken war klar, dass Agumon und Gabumon neben Imperialdramon immer noch ihre stärkste Kampfkraft darstellten. Am liebsten hätten sie auch gerne Amateramon zur Verfügung gehabt, doch dieses war damals nur dank eines Digi-Xros geformt worden. Doch auch so sollten sie ziemlich gut aufgestellt sein. Mit den Digi-Rittern und ihren Partnern würden sie die Anzahl der Königlichen Ritter übersteigen und zahlenmäßig im Vorteil sein. Selbst jemand wie Nishi sollte es mit einem Team wie diesem nicht leicht haben.

Izzy meldete sich über T.K.s DigiVice zu Wort.

„Alles klar. Ich werde hier in meinem Büro bleiben und alles koordinieren. Aber keine Sorge, ich schicke euch Tentomon mit. Er mag zwar in den letzten Jahren eingerostet sein, weil er sich nur Knabberzeug reinzieht, aber eine Hilfe sollte er schon sein.“

„Hey, was soll denn das heißen?“, regte sich das Insekten-Digimon auf.

Gennai meldete sich wieder zu Wort.

„Gut, dann hole ich Rurimon zu mir herüber. Dann öffne ich ein Tor zum Meer der Dunkelheit. Haltet dort nach einem Leuchtturm Ausschau. Dieser stellt den Zutrittspunkt dar. Die anderen begeben sich dann direkt zur Homeostasis. Macht euch bereit.“, trug er den Digi-Rittern auf.

Diese waren bereits bereit für den alles entscheidenden Kampf.

Rurimon erreichte nun die Sphäre. Hackmon hatte schon auf es gewartet und gab ihm ein Zeichen, ihm zu folgen.

Dann öffnete Gennai eine Pforte zum Meer der Dunkelheit. Er erkundigte sich noch einmal bei Ken und Davis, ob sie ihren Plan auch wirklich durchziehen wollten. Diese waren aber fest entschlossen. Wenn es eine Möglichkeit gab, zu verhindern, dass Nishi die Homeostasis überhaupt erst erreichte, dann mussten sie diese nutzen.

Die anderen wünschten den beiden noch einmal Glück, bevor diese durch das Tor traten.

Takeshi, Shun und Tsubasa nickten einander zu. Auch ihre Digimon waren soweit. In den letzten Kämpfen waren sie stärker geworden und würden diesen Umstand nutzen.

Lediglich Izzy war in seinem Büro zurückgeblieben. Er knetete seine Finger und legte dann los. Am liebsten hätte er mit seinen Freunden gekämpft, doch er vertraute Tentomon vollkommen.
 

Sofort als Davis und Ken die neue Welt betraten, wurde ihnen klar, dass dies nicht die Digi-Welt sein konnte. Sie wirkte düsterer, alles war voller Nebel und selbst die Luft roch stickig, ähnlich einem Fabrikgelände.

Es fehlte an Farben, alles wirkte grau und tonlos.

„Das ist also das Meer der Dunkelheit.“, murmelte Davis.

Er erinnerte sich schämend wie Kari diesen Ort beschrieben hatte. Sie war die einzige, welche ihn bisher betreten hatte. Gennai hatte diesen Ort einen Bereich für tote Sektoren beschrieben, es musste sich also ähnlich wie die Fragment-Welt verhalten. So wie Apocalymon für diesen Ort verantwortlich war, schien hier Dragomon über diese Welt zu wachen. In einiger Ferne erkannten sie eine große Gestalt mit Dreizack im Meer. Er würde aber keine Gefahr für sie darstellen.

Sie aktivierten ihre Digi-Vices und stiegen wenig später auf den Rücken Imperialdramons. Gennai hatte einen Leuchtturm erwähnt, diesen mussten sie ausfindig machen. Die Frage war, ob Nishi darüber Bescheid wusste, oder er noch suchte. Falls ja, hatten sie ihm gegenüber einen zeitlichen Vorteil.

Davis beobachtete nun, wie Ken sich den Kopf hielt.

„Alles in Ordnung?“, fragte er seinen Freund.

Dieser nickte.

„Ja, nur... Kopfschmerzen.“, gab dieser an.

„Das ist jetzt echt nicht die Zeit dafür. Konzentrier dich bitte.“, bat er.

Das musste er Ken nicht sagen, er nahm diese Mission so ernst wie jeder andere auch. Wenn nicht sogar mehr, schließlich war er nun verheiratet und dachte daran eine Familie zu gründen. Schon allein die Tatsache, dass er Yolei in die Sache mit hineinzog, belastete ihn. Nein, sie mussten Nishi auf dieser Seite aufhalten, er wollte seiner Frau unbedingt diesen Kampf ersparen.

Aber... was war das nur in seinem Kopf? Es fühlte sich nicht wie normale Kopfschmerzen an. Eine Düsternis und Betrübtheit hatte ihn beschlichen. Das letzte Mal als er so gefühlt hatte... war als er die Saat der Finsternis in sich getragen hatte. Vermutlich bildete er sich dies nur ein. Als Davis ihn nun auf etwas aufmerksam machte, wurde er konzentrierter.

In einiger Entfernung war ein Leuchtturm zu erkennen. Imperialdramon landete auf dem Tal darunter und die beiden Digi-Ritter stiegen ab.

„Dort oben scheinen wir richtig zu sein. Ich kann nicht erkennen, ob sich dort bereits jemand befindet. Jedenfalls sollten wir uns beeilen.“, meinte Davis.

Ken gab ihm recht, doch bereits nach den ersten Schritten hielt er inne. Erneut griff er sich an den Kopf.

„Hey, was ist denn los? Wieder Kopfschmerzen?“, wollte Davis wissen.

Ken presste sich die Hände gegen die Ohren.

„Dieses Lachen! Hörst du es nicht! Ich kann dieses Lachen nicht mehr ertragen!“

Sein Freund musterte ihn perplex. Von welchem Lachen sprach er?

„Nein, ich höre nichts. Was ist denn mit dir los?“

Kens Kopf drohte zu explodieren.

„Das Lachen! Es will nicht stoppen!“

Davis wollte versuchen seinen Freund wachzurütteln, doch dann hörte er es auch.

„Hahahaha. Welch Überraschung, nicht wahr?“, ertönte eine Stimme in kurzer Entfernung.

Davis wandte sich um und erkannte wie direkt aus dem Boden eine Gestalt emporstieg. Es erinnerte ihn an Mephismon, der sich in Schatten verstecken konnte. Diese Gestalt wirkte aber humanoider und trug sogar Kleidung. Es war eine rote Kutte mit einer ebenso roten Kapuze.

Sowohl Davis als auch Ken rissen die Augen auf.

„Das... ist das er, an den ich denke?“, staunte nun auch Imperialdramon.

„Hahahaha.“, lachte die Gestalt weiter.

Davis ballte die Fäuste.

„Deemon. Ich kann nicht glauben, dass wir ausgerechnet auf den stoßen.“, knurrte er.

Dabei war es nicht sonderlich verwunderlich. Sie hatten den Anführer des Saat-Kults damals lediglich verbannt. Und zwar hierher, in das Meer Dragomons.

Der Kuttenmann beendete sein Lachen.

„Ich habe es euch doch gesagt, oder? Dass wir uns eines Tages wiedersehen werden.“

Das Digimon hatte recht behalten. Davis und Ken waren nicht auf den Gegner vorbereitet gewesen.

„Ah, der Digimon-Kaiser selbst hat sich die Ehre gegeben. Auf dich war ich immer besonders stolz, du warst mein Meisterstück. Niemand konnte Digimon so gut versklaven wie du“, sprach Deemon.

Ken riss die Augen auf. Es war Wut und Hass darin zu erkennen.

„Halt die Klappe! Der bin ich inzwischen nicht mehr!“

Deemon lachte wieder.

„Ja, leider. Du bist ja so eine Enttäuschung. Aus dir hätte ja so viel werden können.“

Nun mischte sich auch Davis ein.

„Und das war dann auch so! Ken wurde zu dem besten Freund, den man haben kann. Und er wird auch der tollste Ehemann, den es gibt. Er hat Freunde und eine Familie, etwas wovon du höchstens träumen könntest. Er mag zwar nicht mehr der Digimon-Kaiser sein... aber zumindest ist er nicht so erbärmlich wie du!“ Damit schien er Deemon noch wütender gemacht zu haben, als ohnehin schon.

„Wie ihr meint. Ich werde euch vernichten und damit Rache nehmen. Dann wird mir der Mensch endlich dazu verhelfen diesen tristen Ort zu verlassen. Ich kann es kaum erwarten in die Digi-Welt zurückzukehren und meine Forschungen weiterzubetreiben.“

Davis stockte.

„Den Menschen? Du meinst Nishi? Wo ist er? Und was hat er dir versprochen?“, forderte er zu wissen.

Deemon wies auf den Leuchtturm über ihnen.

„Genau weiß ich es nicht. Aber ich spürte sofort, dass er jemand ist, der Großes vorhat. Und als meine Belohnung wird er mich hier rausbringen.“

Ken stellte sich ihm nun entgegen.

„Vergiss es! Nishi hat vor die Digi-Welt und auch unsere Welt zu zerstören. Er wird sein Wort nicht halten!“

Doch Deemon zeigte sich davon wenig beeindruckt.

„Netter Versuch. Aber niemand ist im Stande ganze Welten zu zerstören. Eure Täuschung hat keinen Erfolg.“

Davis legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter.

„Vergiss es, verschwenden wir keine weitere Zeit mehr mit ihm. Lass ihn uns erledigen und dann zum Leuchtturm aufbrechen. Wenn Nishi wirklich bereits dort ist, müssen wir uns sputen!“

Ken wusste, dass sein Freund recht hatte.

Sie machten Imperialdramon Platz, während dieser in den Fighter-Modus wechselte.

Deemon machte sich ebenfalls bereit.

„Ich erinnere mich an dich. Du konntest mir bereits letztes Mal nichts entgegensetzen. Und diesmal werde ich dich vernichten!“

Er schleuderte eine rote Energiekugel auf den antiken Drachen, welcher zurückgeworfen wurde.

„Mist! Ich hatte vergessen, wie mächtig Deemon ist“, knurrte Davis.

„Ja, aber... er stellt keinen Vergleich zu Nishi dar. Wenn wir Deemon nicht besiegen, sehen wir gegen ihn schlecht aus“, wandte Ken ein.

Davis legte ein Lächeln auf.

„Na also! So will ich dich sehen. Deine Frau wäre stolz auf dich.“

Ken seufzte, konzentrierte sich aber dennoch auf den Kampf vor ihnen.

„Imperialdramon! Wir sind inzwischen stärker als damals. Das wirst du ihm beweisen!“ rief er zu dem Drachen hoch.

Dieser nickte und Ken und Davis verstärkten ihn noch einmal mit Hilfe ihrer Digi-Vices. Eine weiße Legierung überzog Imperialdramon und ein Schwert bildete sich. Er hatte in seinen Paladin-Modus gewechselt, was ihm den Nahkampf erleichterte. Deemon, der eher aus der Ferne angriff, sollte so im Nachteil sein. Dieser startete zwar einen erneuten Angriff, der den Drachen auch traf, doch seine Verteidigung war nun so gestärkt, dass dieser an ihm abprallte. Mit gezücktem Schwert attackierte er den Gegner nun.

Deemon wich aus und schien nicht glücklich über die veränderte Form zu sein. Er schoss eine erneute Kugel ab, doch Imperialdramon zerteilte sie mit seinem Schwert. Als der Feind bemerkte, dass er so nichts ausrichten konnte, begann er zu grinsen.

„Also gut. Wenn ich dich nicht besiegen kann, dann zerstöre ich die Quelle deiner Kraft!“, kündigte er an und verschwand im Boden.

Die DigiRitter reagierte zu spät. Er tauchte hinter Ken und Davis wieder auf und war bereit zuzuschlagen.

„Verdammt!“, rief Imperialdramon und stürmte zu seinen Partnern.

Doch Deemon hatte bereits eine Kralle ausgestreckt und wollte nach Ken greifen. Doch dieser reagierte schnell und hielt ihm sein DigiVice entgegen. Dieses erstrahlte und das Licht warf Deemon einen Moment zurück.

„Vergiss es! Ich lasse nicht zu, dass du mich weiterhin für deine Zwecke benutzt!“

Das Licht warf Deemons Kapuze zurück und darunter kam eine grausige Fratze zum Vorschein. Sie war derer eines Dämons durchaus würdig. Davis zog seinen Freund nun zur Seite.

Imperialdramon griff gerade rechtzeitig an und attackierte den zurückgeschreckten Feind. Sein Schwert bohrte sich direkt in Deemon, welcher aufschrie.

Die DigiRitter beobachteten, wie sich der Gegner in Daten auflöste. Der Schrecken war damit vorüber. Davis schlang einen Arm um die Schulter seines Freundes.

„Sind wir die besten, oder was?“

Ken stimmte ihm zu, doch dann fiel ihm ein, dass keine Zeit zum Feiern blieb.

„Beeilen wir uns! Wir wissen nicht, ob Nishi schon ein Tor geöffnet hat.“, erinnerte er.

Sein Freund stimmte ihm zu und Imperialdramon ließ sie auf seine Hand steigen. Sie flogen zum Hang mit dem Leuchtturm empor und kamen davor zum Stehen.

Vor dem Gebäude stand bereits ein Mann mit langem Mantel, der ihnen den Rücken zugewandt hatte.

„Nishi-san!“, riefen Ken und Davis, um auf sich aufmerksam zu machen.

Dieser drehte sich nur widerwillig um.

„Den Jungen verstehe ich. Aber dass selbst ihr mich stört...“

Sein Verhalten machte die beiden sichtlich zornig.

„Was soll das denn heißen? Wir sind hier, um zu verhindern, dass unsere beiden Welten zerstört werden! Was fällt Ihnen bloß ein?“, brüllte Davis.

Nishi wirkte müde und brummte unzufrieden.

„Ich habe mich euch gegenüber bereits erklärt. Wenn ihr mit meiner neuen Welt nicht einverstanden seid, ist das allein euer Problem.“, stellte er klar.

Ken ballte die Fäuste.

„Ja, Sie haben recht! Das ist unser Problem und deshalb werden wir es bereinigen. Imperialdramon!“, gab er seinem Partner den Befehl.

Dieser stürmte mit gezogenem Schwert los, doch Nishi teleportierte sich mühelos in Sicherheit.

„Jetzt!“, rief Davis und Nishi erkannte zu spät, was der Drachenpaladin vorhatte.

Mit seinem Schwert schlug er den Leuchtturm in zwei Hälften. Nun beschloss Nishi, die Initiative zu übernehmen. Er landete auf Imperialdramons Schulter und berührte dessen Kopf. Dieser schrie auf, als er plötzlich zu glühen begann. Wenige Sekunden später löste sich die Digitation auf und DemiVeemon und Minomon fielen zu Boden. Davis und Ken fingen sie auf, bevor sie sich verletzten.

„Mist! Er hat Imperialdramon mit nur einer Berührung ausgeschaltet!“, fluchte Davis.

Ken sah zu dem Gegner hoch.

„Ja, aber... Imperialdramon konnte zuvor noch den Leuchtturm zerstören. Den Zugang zur Homeostasis kann er vergessen!“

Nishi schwebte wieder zu Boden und trat auf die Ruine zu. Mit erhobener Hand ließ er die Trümmer zur Seite fliegen, bis das, was darunter begraben lag, zum Vorschein kam. Es handelte sich um die Xenon-Lampe, mit der Schiffe in der Ferne gewarnt wurden. Diese ging nun an und das Licht strahlte in den Himmel. An dieser Stelle öffnete sich ein Tor.

Den DigiRittern wurde bewusst, dass sie es doch nicht geschafft hatten. Nishi hatte das Tor trotz allem öffnen können. Verzweifelt stürmten sie auf ihn zu, doch dieser schwebte bereits in den Himmel und durchschritt das Tor. Direkt hinter ihm schloss es sich wieder und ließ die beiden zurück.

Davis schlug mit der Faust in den Boden.

„Verdammt! Wir haben versagt.“

Ken legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ja, aber wir haben den anderen immerhin etwas Zeit verschafft. Vielleicht nicht viel, aber sie sollten sich inzwischen vorbereitet haben.“

Sein Freund stimmte ihm zu. Sie konnten nur hoffen, dass ihre Kameraden ab diesem Punkt übernahmen.

Es war bereits das vierte Mal für Takeshi, dass er digitalisiert und in eine andere Welt transportiert wurde. Für Shun und Tsubasa war es das dritte Mal. Jedoch landeten sie diesmal an einem anderen Ort. Dieser ähnelte Gennais Zwischenwelt oder der DigiWelt in keinster Weise.

Sie standen auf einem kristallinen Boden, alles um sie herum wirkte wie der Weltraum. Mit der Ausnahme, dass sie hier atmen konnten. Überall in der Leere schwebten Kristalle herum und wirkten wie kleine Sterne. Auch Pilze wucherten überall, die selbst wie Kristalle glitzerten.

Sie befanden sich hier also innerhalb der Homeostasis. Es war ein faszinierender Ort, der aber bald Schauplatz eines Kampfes werden würde. In einiger Entfernung erkannten sie bereits eine andere Gruppe. Kari sah, wie ihr Bruder ihnen zuwinkte. Neben ihm befand sich noch eine Frau mit orangenen Haaren, ein Mann mit blauen Haaren und Brille, sowie eine Frau mit brünetten langen Haaren. Dahinter ihre Digimon-Partner.

Während Tai bereits bekannt war, stellte er Takeshi und Co. Sora und Joe vor. Zweiteren hatte inzwischen nur Shun kennengelernt. Mimi hatte Tsubasa gleich umarmt. Palmon, Gomamon und Biyomon waren natürlich auch zur Stelle. Auch natürlich Gabumon, welchen Matt gegenüber den Neuen besonders hervorhob.

Yolei und Cody waren die letzten, die eintrafen. Izzy hielt währenddessen die Kommunikation aufrecht.

„OK, ich schicke euch die Koordinaten des Eingangs. Ihr befindet euch im Moment in der Nähe des Kerns der Homeostasis. Darum empfehle ich euch nicht gerade dort zu kämpfen. Wir dürfen nicht riskieren, dass dieses beschädigt wird.“, gab er durch.

Matt gab ihm recht.

„Also gut. Tai und ich gehen voraus. Wir werden Nishi direkt am Eingang abpassen. Sora, Joe und Mimi bilden den Support. Der Rest bleibt hier und bildet eine Verteidigungslinie, falls wir versagen sollten.“

Tai legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Hey, jetzt nicht so pessimistisch! Wir kriegen das schon hin. Nicht wahr, Agumon?“

Der kleine Dino erhob siegessicher einen Arm in die Luft.

Die ältesten Digimon digitierten ihre Partner auf deren höchstes Level und flogen dann los. Tentomon, den Izzy aus der Ferne dirigierte, begleitete sie.

Takeshi erkannte auf der Plattform ihnen gegenüber ein gigantisches Kristallgebilde.

„Hey, ich sehe mich mal da drüben um, ok?“, sagte er, ohne wirklich um Erlaubnis zu fragen.

T.K. wollte ihn erst zurückhalten.

„Vielleicht ist es besser, wenn wir zusammenbleiben. Wir kennen uns hier nicht aus.“, wandte er ein.

Doch Takeshi verspürte den Drang, ihm zu widersprechen.

„Ich weiß nicht warum... aber ich habe das Gefühl, dass ich zu diesem Kristall dort gehen sollte.“

Natürlich erntete er dafür skeptische Blicke.

„Ja, ich habe ein ähnliches Gefühl. Ich fühle mich... als wäre ich hier schon einmal gewesen.“, kam es von Prismamon.

T.K. wollte etwas einwenden, doch Kari unterbrach ihn.

„Wir wissen doch, dass die Homeostasis eine gewisse Verbindung zu DigiRittern hat. Wir sollten sie gehen lassen.“

Ihr Freund stimmte schließlich zu.

Als Takeshi und Prismamon sich auf dem Weg machten, tauschten Tsubasa und Shun Blicke aus.

„Und wir?“, fragte das Mädchen unsicher.

Für Shun schien die Antwort klar zu sein. Er ließ seinen Freund nicht mehr im Stich. Er folgte Takeshi und so auch Tsubasa.

„Und... was tun wir jetzt?“, wollte Yolei wissen.

Cody, der gerade Armadillomon streichelte, holte sein DigiVice hervor.

„Ich mache uns natürlich ebenfalls bereit. Ich will zwar nicht glauben, dass Tai-san und die anderen verlieren könnten, aber nur für den Fall sollten wir konzentriert bleiben.“

Die anderen gaben ihm recht.

Takeshi war inzwischen von Plattform zu Plattform gehüpft. Tsubasa wäre beinahe in die Tiefe gestürzt, doch Shun hatte sie noch rechtzeitig festhalten können.

„Takehsi, jetzt warte doch einen Moment!“, rief er nach seinem Freund.

Doch dieser hörte nicht. Er war von dem Kristallgebilde der letzten Plattform angezogen worden. Schließlich hatte er und Prismamon sie erreicht. Es war eine riesige Kuppel, eine Konstruktion ähnlich aus Ästen, nur statt Holz eben aus Kristallen.

„Ah, du bist zurück.“, erklang eine Stimme.

Während sich Shun und Tsubasa noch umsahen, erkannte Takeshi sofort, dass sie aus dem Inneren des Kristalls kam. Dieser verformte sich nun an einer Stelle und etwas löste sich. Vor den DigiRittern stand nun eine menschenähnliche Gestalt, jedoch nicht aus Fleisch, sondern aus glitzernden Kristallen bestehend. Tsubasa war die erste, welcher auffiel, dass die Form sie an jemand Bekanntes erinnerte. Das Wesen aus Kristall hatte die Form von Kari angenommen. Als diese zu sprechen begann, erkannten sie, dass es sich außerdem um dieselbe Stimme handelte.

„Prismamon. Takeshi. Ich habe auf euch gewartet.“

Prismamon tat einen Schritt nach vorne.

„Du bist... die Homeostasis, richtig?“

Die kristallene Kari nickte.

„Warte! Was meinst du mit gewartet? Kennst du Prismamon etwa?“, wollte Takeshi wissen.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Kristalle am Körper seines Partners denen dieser Dimension wirklich sehr glichen.

Die Homeostasis nickte erneut.

„Ja, ich beobachte den Menschen namens Nishi bereits seit geraumer Zeit. Ich habe ihm verboten, die DigiWelt je wieder zu betreten, doch er hat sich dessen widersetzt. Seither habe ich berechnet, wie seine nächsten Schritte aussehen werden. Aus diesem Grund habe ich ein Digimon erschaffen, dessen Eigenschaften am besten geeignet sind, um bis zu diesem Punkt zu kommen.“

Tsubasa schluckte.

„Das ist also der Ort... an dem Prismamon geboren wurde?“

Das kleine Digimon betrachtete seine Erschafferin.

„Ich wurde also nicht in der DigiWelt geboren? Aber... dort habe ich Ruri getroffen.“

Die Homeostasis stimmte ihm zu.

„Ja, es war kein Zufall, dass du die neue Form Azulongmons getroffen hast. Genauso wenig war es ein Zufall, dass du und Takeshi euch begegnet seid.“, offenbarte sie.

Der Junge sah abwesend von ihr zu seinem Partner.

Die ganze Zeit hatte er angenommen, dass sein und Prismamons Treffen in der U-Bahn nur Zufall war. Doch scheinbar war alles genau geplant gewesen.

„Du hast das also alles vorhergesehen? Dass ich und Prismamon soweit kommen? All die Kämpfe und Gefahren?“

Das Wesen vor ihnen bejahte.

„Bis zu diesem Punkt, ja. Doch ich weiß nicht, was ab jetzt geschehen wird. Ob ihr siegreich sein werdet, oder ob dies mein Ende sein wird. Es ist völlig offen.“

Shun baute sich nun vor ihr auf.

„Aber... dein Ende würde doch auf das der DigiWelt und unserer bedeuten, richtig?“

Die Homeostasis antwortete nicht darauf, was einer Bestätigung gleichkam.

„Dann werden wir dich beschützen! Weil wir damit auch unsere Welt schützen!“, stand für Takeshi fest.

Die Miene des Wesens veränderte sich nicht, weshalb es schwer war, dessen Emotionen zu lesen.

„In diesem Fall bleibt mir nur, euch viel Glück zu wünschen. Nein... uns allen besser gesagt.“

Takeshi legte seinem Partner eine Hand auf den Kopf.

„Hast du gehört? Unser Treffen war Schicksal. Das bedeutet, dass es uns auch bestimmt ist, gemeinsam zu kämpfen und zu siegen!“

Prismamon nickte ernst. Für ihn hatte sich viel verändert. Erst war Ruri der einzige Freund gewesen, den es gehabt hatte. Doch jetzt gab es da noch Takeshi. Außerdem Shun, Tsubasa, Hebimon, Koemon und all die anderen. Es hatte inzwischen so viel... dass es unbedingt beschützen wollte.

Folge 20 - Hoffnung

Nishi fand sich erneut an einem völlig anderen Ort wieder. Er war völlig anders als das Meer der Dunkelheit. Dieser hier steckte voller Leben, prächtige Kristalle zierten den Hintergrund. Das war also die Homeostasis, das Betriebssystem der DigiWelt. Er hatte bereits Yggdrasil, den Host-Computer absorbiert. Wenn er hier fertig war, konnte er ein Ziel endlich erreichen. Das erste Mal seit langer Zeit spürte er wieder Euphorie in sich aufkommen. Er würde all seine verbliebene Kraft einsetzen, um seinen Traum zu verwirklichen. Es tat ihm nur leid, dass die anderen Menschen ihn nicht verstanden. Das hatten sie noch nie getan. Also blieb ihm nichts übrig, als sich ihnen hinwegzusetzen.

Natürlich, auch sie besaßen Träume und Hoffnungen. Doch es war nicht er, der diese zerstören würde. Diese würden ihnen so oder so entrissen werden, auch ohne sein Zutun. Er beschleunigte die Sache nur ein wenig. Er war hier nicht der Bösewicht, sondern derjenige, der eine Welt erschaffen würde, die völlig auf Frieden und unendlichem Potential aufbauen würde.

Er war wenige Meter geflogen, da baute sich ihm bereits der erste Widerstand auf. Vor ihm schwebten zwei riesige Gestalten. Eines ähnelte einem menschlichen Drachen, das andere einem menschlichen Wolf. Auf den Schultern der beiden Giganten erkannte er zwei der DigiRitter.

Vor den beiden kam er zum Stehen.

„Ah, ihr zwei seid das. Ich habe schon viel über euch gehört. Ihr seid die OG's, nicht wahr?“

Tai und Matt beäugten ihn ernst.

„Das hier ist die letzte Chance eine friedliche Lösung zu finden. Ein Kampf bringt doch niemanden was!“, beharrte Tai.

Nishi ließ die Schultern sinken.

„Das ist richtig. Ein Kampf bringt niemandem etwas. Ich werde siegreich sein, ihr verzögert mein Vorhaben nur unnötig.“

Matt ballte die Fäuste.

„Na hören Sie mal! Versuchen Sie doch mal sich in uns hineinzuversetzen! Wir kämpfen um die Zukunft unserer Welt! Wir können nicht akzeptieren, dass diese einfach aufhören soll zu existieren.“
 

Nishi nickte ihm zu.

„Ja, das verstehe ich. Ich würde genauso fühlen.“, gab er zu.

Tai schöpfte ein wenig Hoffnung.

„Dann... lassen Sie uns das hier beenden. Unsere Welt mag nicht perfekt sein, doch sie existiert. Und wir existieren in ihr.“

Nishi wich seinem Blick aus.

„Richtig, sie existiert. Und sie wird untergehen. Wie alle anderen Welten auch. Mir bleibt nichts übrig als dieses Leid zu beenden und dafür eine Welt zu errichten, die sinnvollen Regeln folgt.“

Tai und Matt schüttelten den Kopf. Sie hatten versagt, Nishi würde sich keinesfalls überzeugen lassen.

„Gut, dann lassen Sie uns keine Wahl!“, warnte Matt vor.

Beide Digimon streckten nun ihre Hände aus und ließen Energiestrahlen auf Nishi losprassen. Dieser bewegte sich blitzschnell und wich beiden Attacken aus. Die Digimon ließen Tai und Matt nun absteigen, welche sich auf kleinen Plattformen in der Luft niederließen.

Agumons und Gabumons finale Formen konnten sich nun freier bewegen und passten sich Nishis Tempo an. Gabumon trat nach dem Gegner, doch dieser nutzte einfach seine Teleportation. An seinem Ausgangspunkt erwartete ihn aber bereits Agumon und schoss eine Attacke ab. Nishi wurde getroffen, schien aber keinen Schaden davonzutragen.

Beide Digimon attackierten nun zusammen und schossen eine gemeinsame Energiekugel ab. Sie hatte Nishi fast erreicht, da streckte dieser eine Hand aus und fror die Zeit vor sich ein. Dann spaltete er die Kugel in zwei Hälften und feuerte sie zurück. Beide Hälften trafen Tais und Matts Partner und diese trugen enormen Schaden davon. Sie verloren ihren Fokus und digitierten zu ihren Rookie-Formen zurück. Bewusstlos schwebten sie im leeren Raum umher.

„Oh nein! Sie haben tatsächlich verloren!“, rief Tai entsetzt.

Matt musste ihm rechtgeben.

„Dabei... waren sie unsere stärkste Kraft.“

Nishi beachtete die beiden nicht länger, sondern flog einfach an ihnen vorbei. Matt wandte sich zu der Plattform hinter ihnen.

„Leute! Jetzt seid ihr dran!“, rief er seinen Freunden zu.

Nishi hatte inzwischen auch erkannt, dass die restlichen DigiRitter schon auf ihn warteten. Vier mächtige Digimon flogen auf ihn zu. Er selbst seufzte nur.

„Muss das denn sein?“, sprach er mehr zu sich selbst.

Zwar konnte er die Position seiner Gegner verstehen, aber Widerstand war einfach sinnlos. Für sie ging es zu Ende, egal ob sie ihn stoppten oder nicht. HerculesKabuterimon wollte nun mit seiner riesigen Zange zugreifen. Nishi stoppte sie mühelos und packte den riesigen Käfer. Gerade rechtzeitig als Phoenixmon auf ihn zuflog, schleuderte er diesen auf den Vogel. So hatte er Zeit, sich um Rosemon und Vikemon zu kümmern. Letzterer wollte gerade seinen Hammer schwingen, da streckte Nishi seine Hand aus und stahl dem Digimon seine primäre Waffe. Dieser war so perplex, dass er erst nicht reagieren konnte.

Nishi ließ den Hammer in Rosemons Richtung preschen, welcher diese mit voller Wucht traf. Als Rosemon zurückdigitierte, war das erste ausgeschaltet. Doch der Hammer änderte die Richtung und landete nun in Vikemons Magen. Getroffen torkelte er nach hinten und verwandelte sich in Gomamon zurück.

Doch Phoenixmon und HerculesKabuterimon hatten sich wieder erholt. Sie griffen mit Fernangriffen an, doch Nishi bildete eine Art Schutzschild um sich herum, welches die Angriffe verpuffen ließen. Dann tauchte er ohne Vorwarnung vor dem goldenen Käfer auf. Mit einer Handbewegung entfernte er all die Elektrizität aus dessen Körper und katapultierte diese auf Phoenixmon. Paralysiert sank dieses zu Boden und wurde wieder zu Biyomon. Nishi selbst setzte nun Telekinese gegen Izzy's Partner ein und schleuderte ihn gegen mehrere Plattformen. Als er den Schaden nicht mehr einstecken konnte, verwandelte es sich zurück zu Tentomon.

Ihre DigiRitter hatten die ganze Zeit nur hilflos zusehen können.

„Sie... wurden alle besiegt. Ausnahmslos.“, stellte Joe fest.

Mimi wandte sich an Izzy und erkundigte sich, was sie nun unternehmen sollten. Dieser fand jedoch kaum ermutigende Worte. Alles was sie tun konnten, war den anderen DigiRittern zu vertrauen, dass sie den Gegner stoppen konnten. Doch er hatte keine Idee... wie sie das anstellen sollten.
 

Nicht nur Izzy hatte die Vorgänge mitverfolgt, auch Gennai studierte das Geschehen auf seinem Monitor. Er war sehr besorgt und wusste, dass Izzy und dessen Freunde noch viel angespannter sein mussten. Hinter ihm hockten Rurimon und Hackmon. Die beiden Drachen hatten die Kämpfe ebenfalls verfolgt. Rurimon nahm nun sein Buch und schlug es auf. Nachdem es eine Seite studiert hatte, wandte es sich an Gennai.

„Bitte öffne ein Tor zur DigiWelt. Ich kann nicht weiter nur herumsitzen!“, bat es dann.

Gennai musterte es skeptisch.

„Bist du sicher? Es gibt keine Garantie, dass du deine alte Form wieder annehmen kannst.“, wandte er ein.

Doch das schien Rurimon nicht zu beeinflussen.

„Wenn ich nichts unternehme... wird er Prismamon vielleicht zerstören. Das darf ich nicht zulassen.“, stand für es fest.

Gennai verstand und öffnete ein Tor. Rurimon sprang hindurch und es schloss sich wieder. Dafür meldete sich nun Hackmon zu Wort.

„Ich werde auch gehen. Schicke mich bitte in die Homeostasis.“

Diesmal zögerte der Mann etwas.

„Ich weiß, wie du dich fühlst. Aber ob du jetzt selbst eingreifst, oder nicht macht sicher keinen Unterschied.“

Hackmon schien das innerlich zu wissen, rückte aber nicht von seinem Vorhaben ab.

„Mag sein. Aber die Homeostasis hat mich als ihren Boten auserwählt. Jetzt gibt es nichts mehr zu berichten, es bleibt nur noch, sie zu beschützen. Egal ob ich verliere oder nicht, ich werde für sie kämpfen.“

Gennai nickte und tat dem Digimon den Gefallen. Er öffnete ein weiteres Tor und ließ Hackmon hindurch. Die DigiRitter konnten sicher jede Verstärkung brauchen, die sie kriegen konnten.
 

Rurimon war inzwischen in der DigiWelt angekommen. Ihm war bewusst, dass seine Freunde hoffnungslos unterlegen waren. Sie würden Verstärkung benötigen und das war die Aufgabe desjenigen, der im Besitz des Buches war. Rurimon schlug es sofort auf und mehrere Kugeln wirbelten herum. Der kleine Drache öffnete nun sein Maul und schluckte alle, die er bekommen konnte.

Es dauerte nicht lange, bis es die Macht in sich spürte. Es begann zu leuchten und sich zu verformen. Es vollzog eine Warp-Digitation und stieg in den Himmel auf. Es wurde zu einem prächtigen, chinesischen Drachen, der von Blitzen umgeben war. Es erinnerte sich an damals, als BlackWarGreymon die Steine zerstört hatte, welche ihn und die anderen Souveränen versiegelt hielten. Es war den DigiRittern zu großem Dank verpflichtet. Doch nicht nur ihnen. Auch Saito und dessen Freunde, die damals gemeinsame Abenteuer bestritten hatten. Sowohl die Menschenwelt, als auch die DigiWelt war es wert beschützt zu werden.

Rund um seinen Körper hatten sich erneut Kugeln gebildet, es war nun wieder Azulongmon und besaß all seine Kräfte. Und diese würde es auch einsetzen. Es schickte seine Kugeln los, auf dass sie ihr Ziel erreichen würden. Denn das war alles, was es von hier aus ausrichten konnte.

Izzy hatte sie über die Niederlage der anderen informiert.

„Ich... kann nicht glauben, dass selbst Matt und Tai verloren haben.“, murmelte T.K.

Kari gab ihm recht. Ihre Partner waren die stärksten von ihnen gewesen. Noch dazu schien auch bereits Imperialdramon gegen diesen mysteriösen Nishi verloren zu haben. Was sollten sie da noch ausrichten? Nein, so durften sie natürlich nicht denken. Sie waren die letzte Bastion zwischen Nishi und der Homeostasis.

Viel Zeit zum Überlegen hatten sie nicht, denn Nishi war bereits auf dem Weg. Sie nickten einander zu und aktivierten dann ihre Digivices. Ihre Partner digitierten und flogen empor.

Nishi wirkte alles andere als erfreut über die zusätzlichen Gegner. Seraphimon baute sich vor ihm auf.

„Dies ist die letzte Warnung! Lass uns nach einer friedlichen Lösung suchen. Ich spreche nicht nur für die Menschen, sondern auch die DigiWelt. Auch unsere Art will nur in Frieden leben.“

Der Mann nickte langsam.

„Das werdet ihr. Doch das wird erst in der neuen Welt möglich sein. Tut mir leid.“

Damit ließ er den Digimon keine Wahl. Der Engel griff mit einem Lichtstrahl an, doch Nishi aktivierte wieder sein Schutzschild. Dafür tauchte Magnadramon direkt hinter ihm auf und ließ ein Gebrüll aus Lichtsperren niederregnen. Leider konnten sie dem Schild nichts anhaben. Von links erschien nun Digmon und versuchte dieses aufzubohren. Auch ohne Erfolg. Vulturemon kam von rechts und ballerte mit einem Gewehr drauf los.
 

Nishi schien genug zu haben, er breitete nun sein Schild aus, welches Digmon und Vulturemon erfasste. Die Wucht schien so stark zu sein, dass sie zuruckdigitierten. Seraphimon fing seine Kameraden auf und brachte sie in Sicherheit, während Magnadramon die Chance nutzte und seinen Körper um den von Nishi wickelte. Dieser konnte seine Hände nun nicht mehr benutzen.

„Das ward für dich! Gib nun am besten auf.“, warnte der rosane Drache.

Doch zu ihren Entsetzen merkten sie, dass der Gegner seine Hände gar nicht einsetzen musste. Um den Mann herum bildete sich plötzlich Eis, das auch auf Magnadramon übergriff. Dieses wurde eingefroren und in einem Eisblock zurückgelassen. Nishi stürzte sich nun auf Seraphimon, den letzten verbliebenen Gegner. Er legte ihm eine Hand auf die Brust und schleuderte ihn auf die Plattform unter ihnen. Allein von dem Aufprall alleine, digitierte es zu Patamon zurück.

T.K. eilte sofort zu ihm. Nishi wollte bereits weiter, da machte ein junger Mann unter ihm auf sich aufmerksam.

„Ich erkenne Sie! Sie waren auf einem Foto, das meinem Vater gehörte!“

Zum ersten Mal hielt Nishi nun inne und musterte Cody. In seiner Miene war tatsächlich eine Veränderung zu erkennen. Er landete auf der Plattform und stand dem DigiRitter gegenüber.

„Du bist... Hida-kuns Sohn.“, stellte er fest.

Cody nickte.

„Ja. Mein Vater scheint viel von Ihnen gehalten zu haben. Denken Sie, er wollte dass Sie das hier tun?“

Nishi schien einen Augenblick lang nachzudenken.

„Es war wohl Vorhersehung. Ich bin mir sicher, dass er dies hier nicht gutgeheißen hätte. Aber... ohne ihn wäre all das nicht möglich gewesen. Im Grunde war er es, der mir das Tor zur DigiWelt gezeigt hat. Ohne deinen Vater... wäre es mir nie möglich gewesen die neue Welt zu kreieren.“

Cody trat einen Schritt vor und packte ihn am Hemd.

„Wagen Sie es nicht meinen Vater da hineinzuziehen! Er wollte die Digimon erschaffen um der Welt etwas Gutes zu tun!“

Nishi wehrte sich nicht groß gegen die Behandlung.

„Und am Ende hat er denselben Fehler begangen wie so viele vor ihm. Es ist sinnlos immer neue Lebewesen zu erschaffen, wenn sie dennoch nur leiden und langsam verenden. In meiner neuen Welt werden andere Regeln herrschen.“

Cody ließ von ihm ab.

„Dann gehen Sie. Wir können Sie eh nicht aufhalten. Aber... nehmen Sie nie mehr den Namen meines Vaters in den Mund.“

Nishi nickte und erhob sich wieder in die Lüfte. Er wollte bereits weiter, da schien etwas um sie herum zu passieren. Mehrere Lichter taten sich auf. Selbst Nishi erkannte zuerst nicht, dass es sich um Portale handelte. Mehrere Digimon betraten nun die Sphäre.
 

Zuerst eine große Seeschlange, dann ein rötlicher Drache und dann ein gestreifte Katze. Es folgten eine Art Roboter, ein engelhaftes Wesen und ein Meermann mit einem Dreizack.

„Was zum...“, staunte er und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen.

Yolei hatte sich inzwischen an Izzy gewandt.

„Hey, wo kommen all die Digimon her? Weißt du mehr?“
 

Izzy hatte selbst Mühe sich zu konzentrieren, geschweige denn, seiner Freundin zu antworten. In den letzten Minuten hatte er eine Vielzahl von Gesprächsanfragen hereinbekommen. Da es unmöglich war, jede einzeln zu beantworten, schob er alle von ihnen in einen großen Bildschirm und meldete sich bei allen gleichzeitig.

„Hey, hier ist Michael. Ich habe GigaSeadramon losgeschickt um euch zu unterstützen. Ich hoffe, Mimi und den anderen geht es gut.“, meldete sich der blonde Mann, der in derselben Behörde wie Yamada-san arbeitete.

Izzy bekam keine Gelegenheit zur Reaktion.

„Und hier ist Wallace! Ich weiß, es ist eine Weile her, seit wir gesprochen haben, doch Terriermon und Lopmon konnten es gar nicht erwarten, ebenfalls zu helfen. SaintGargomon und Cherubimon haben zusammen trainiert, sie werden im Kampf also hilfreich sein.“

Der Firmenpräsident zweifelte nicht daran. Dann erkannte eine Frau mit schwarzen Haaren und Brille im Fenster neben an.

„Rasielmon hat zwar schon länger nicht mehr gekämpft, aber es möchte genauso helfen!“, sprach Meiko.

Izzy nickte.

„Ja, wir können wirklich jede Hilfe gebrauchen.“

Auch zwei Mädchen darunter boten ihre Hilfe an.

„Dorbickmon ist stark, es kann bestimmt etwas ausrichten!“, versicherte Chichos.

„Und Lotusmon hat eines dieser Eosmon damals erledigt. Ich vertraue ihr voll und ganz!“, sagte Catherine.

Daneben erkannte die Izzy die Hoi-Brüder, die versprachen, dass ihre Neptunemon, ebenfalls stark seien. Maria darüber berichtete, dass ihr Zanbamon ein Experte im Schwertkampf sei. Eine weitere blonde Frau, Izzy erinnerte sich an den Namen Anna, verriet, dass ihr AncientTrojamon über eine der besten Verteidigungen aller Digimon verfügte. Ihr Freund Yuri, der im selben Fenster war, meinte, dass sein GranKuwagamon für das besiegte HerculesKabuterimon einspringen würde.

„Jo, Alter, verlass dich einfach auf uns! Wir kriegen den Typen schon klein!“, sagte ein Junge mit Kappe und Rapper-Kleidung.

Izzy atmete erleichtert aus.

„Danke, ihr kommt gerade noch zum rechten Zeitpunkt. Ähm... wer warst du noch gleich?“

Alle sprachen wild durcheinander, so dass es Izzy unmöglich war, alle zu korrigieren. Insgesamt waren es zwei Dutzend DigiRitter, welche ihre Partner in die Homeostasis geschickt hatten. Es dauerte eine Weile, dann verstand er. Es musste Azulongmon gewesen sein, der seine Kugeln eingesetzt hatte, um jedem der Digimon zur Mega-Digitation zu verhelfen.

Der Souveräne musste in der Tat all seine Kraft eingesetzt haben um für dieses Wunder zu sorgen.
 

Nishi starrte inzwischen auf zwei Dutzend neue Gegner, die sich ihm entgegenstellten.

„Wollt ihr... mich verarschen?“, konnte er bloß sagen.

Hinter ihm tauchte Lotusmon auf und wickelte ihn in eine Dornenranke ein.

Erst reagierte er nicht, dann wurde er aber deutlich wütend.

„Ihr... wollt mich also nicht verstehen. Na schön, dann wie ihr wollt.“

Er setzte die Ranke in Brand und somit auch Lotusmon. Dieses Problem war beseitigt und er kümmerte sich um die nächsten. Ähnlich wie Magnadramon vorhin, verwandelte er nun auch Zanbamon und Dorbickmon in Eisblöcke. Von oben attackierten ihn die drei Neptunemon mit ihren Dreizäcken. Nishi verbog jeden einzelnen von ihnen und wickelte sie wie eine Kette um die drei Meeres-Digimon.

GranKuwagamon klammerte ihm mit seiner Zange ein, doch Nishi erledigte es wie zuvor bereits Izzys Partner. Er wollte sich um den Rest kümmern, doch AncientTrojamon schob sich vor ihm. Es war wie eine solide Wand, die sich vor den Gegner schob.

Nishi zeigte sich aber weiter unbeeindruckt. Er war nun bereits so weit gekommen, da würde er sich jetzt nicht aufhalten lassen. Eine Handbewegung reichte aus, um das Holz, aus dem das Digimon bestand verrotten zu lassen. Er zog weiter, wurde aber von elektrischen Ketten gefesselt.

„Ich werde Meiko nicht enttäuschen. Ich beschütze die Welt, in der sie lebt!“, warnte ihn Rasielmon.

Nishi musste nur seine Muskeln anstrengen um die Kette zu sprengen.

„Eure Welt ist es nicht wert!“, brüllte er und und fesselte die gelbe Katze mit ihrer eigenen Kette. Von links kamen nun grüne Raketen angeschossen. Nishi konnte sein Schild gerade noch so hochfahren.

SaintGargomon und Cherubimon griffen ihn von zwei Seiten an, doch Nishi streckte lediglich seine Arme aus und ließ die beiden miteinander kollidieren. Der Aufprall war so stark, dass sie ohnmächtig zu Boden fielen. Nun war nur noch eine handvoll Gegner übrig und Nishi beeilte sich, diese ebenfalls zu erledigen.

Bei Izzy redeten die DigiRitter immer noch wild durcheinander.

„Verdammt, er hat Boltmon besiegt!“, jammerte Mina.

„Und Xuanwumon ist ebenfalls am Boden!“, schloss sich ihr Lou an.

Izzy verfolgte das Geschehen natürlich genauestens. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Nishi für jeden nur einen Schlag brauchte. Er war inzwischen einfach zu mächtig. Er war inzwischen bei Gankoomon angekommen, dem Partner von Yuehon. Dieses schlug sich noch am besten, mit seinen Schlägen konnte es sogar Löcher im Raum kreieren. Doch ein Schlag seitens Nishis reichte aus, um es niederzustrecken.

Keines der Digimon war nun noch im Stande einen Angriff auszuführen. Nishi selbst bereitete sich wieder und setzte seinen Weg fort. Izzy schlug mit beiden Fäusten auf die Tastatur. Wozu das alles? Azulongmon hatte alles gegeben, um ihnen noch eine Chance zu verschaffen. Und selbst diese konnten sie nicht nutzen. Wer sollte Nishi jetzt noch stoppen?
 

Takeshi und die anderen hatten die Kämpfe von der Ferne aus mitverfolgt. Das ganze Spektakel ähnelte einem Krieg.

„Es ist wie ich befürchtet habe. Kein normales Digimon kann Nishi etwas anhaben.“, kam es von der Homeostasis.

Tsubasa war so nervös, dass sie wieder mal Hebimon an beiden Enden auseinanderzog.

„Aber wieso? Ist er nicht nur ein Mensch?“, hakte sie nach.

Shun seufzte.

„Er hat es uns doch erklärt. Ich nehme an, dass Nishi-san einfach Programmcodes manipulieren kann. Egal wie stark der Gegner ist, solange man die Spielregeln neu schreiben kann, bringt der stärkste Kämpfer nichts.“, überlegte er laut.

Die Homeostasis pflichtete ihm bei.

„Ja, da hast du recht. Ich wollte Nishi aus dem System aussperren, doch er hat einfach meinen Code geknackt. So wohl in der realen Welt, als auch in der DigiWelt kann er nun agieren wie er will.“

Takeshi schlug gegen einen der Kristalle.

„Soll das bedeuten... dass wir sowieso keine Chance mehr haben?“

Das Wesen vor ihm zögerte.

„Vielleicht ist das der Wille des Universums. Vielleicht sollen unsere Welten sterben, damit eine Erneuerung erfolgt.“

Takeshi wollte das nicht wahrhaben.

„Ich... will das nicht akzeptieren. Ich werde mir von Nishi nichts vorschreiben lassen.“, entschied er und wand sich an Prismamon. Ein Nicken reichte.

„Warte, wo willst du hin?“, fragte Shun, als die beiden an ihm vorbeischritten.

Takeshi sah nach vorne.

„Nishi aufhalten, was sonst. Kommt ihr nicht mit?“

Seine Freunde tauschten Blicke aus.

„Aber... wir haben keine Chance gegen ihn!“, wand Tsubasa ein.

Takeshi schien das zu wissen. Aber was blieb ihm sonst übrig als zu kämpfen? Auch Prismamon schien es ernst zu sein.

Hebimon kroch nun zu Tsubasa hoch.

„Tsubasa, lass es uns wenigstens versuchen.“, bat die lilane Schlange.

Auch Koemon spannte seine Steinschleuder.

„Shun! Wir waren bis jetzt Partner! Lass uns nicht einfach aufhören!“

Die beiden DigiRitter nickten. Sie waren es ihren Partnern schuldig, bis zuletzt zu kämpfen.

Sie aktivierten ihre DigiVices und ließen diese digitieren.

Gerade rechtzeitig, denn Nishi landete am Ende der Plattform und kam auf sie zu.

Dijiangmon und Mervamon machten den Anfang. Ersterer griff mit seiner Bösen Spirale an, während Zweitere ihr Schwert schwang.

Nishi wich mühelos aus und wickelte Shuns Partner in zusätzliches Leder ein. Dann kontrollierte er Mervamons Schlangenarm und fesselte diese damit. Er ging einfach an dem Jungen und dem Mädchen vorbei, als sei nichts gewesen. Vor ihm standen nur noch Takeshi und Clearmon.

„Nishi-san. Für Ihren Wunsch opfern Sie alle anderen, Sie gehen Ihnen einfach am Allerwertesten vorbei. Dafür... lasse ich Sie nicht davonkommen!“, brüllte er.

Clearmon schoss mehrere Lichtstrahlen auf den Gegner ab, der jedoch nur sein Schild hochfahren musste. Er attackierte Clearmon, welcher aber seine Konsistenz änderte. Das erlaubte ihm, den Angriff ins Leere laufen zu lassen und mit einem weiteren Schlag Nishi mehrere Meter nach hinten zu katapultieren.

„Gut so, Clearmon! Weiter so!“, feuerte Takeshi seinen Partner an.

Mehrere regenbogenfarbige Strahlen schossen auf Nishi zu. Dieser stand nun auf und schnippte mit dem Finger. Von einem Moment auf den anderen war die ganze Umgebung um die DigiRitter herum in Dunkelheit gehüllt.

„Was... ist hier los?“, rief Tsubasa stockend.

Auch Takeshi konnte nun weder seine Freunde, noch seinen Partner erkennen. Nach einer Minute ging das Licht wieder an und... Clearmon war am Boden. Alle Lichter an seinem Körper waren erloschen und es digitierte zu Prismamon zurück.

„Oh Mann. Das hier war noch anstrengendsten.“, murmelte Nishi und setzte seinen Weg fort.

Takeshi breitete seine Arme aus und wollte ihn am Durchgehen hindern.

Dafür erntete er aber nur mitleidige Blicke.

„Geh aus dem Weg, Junge.“, machte er sich dennoch die Mühe mit ihm zu sprechen.

Takeshi hörte nicht, also teleportierte er sich einfach hinter ihn. Es trennten ihn nur noch wenige Meter von der Homeostasis.

Nun öffnete sich über ihm ein Portal und ein Digimon mit Schwert griff an.

Nishi wich elegant aus und der neue Gegner platzierte sich vor ihm. Auch die Homeostasis war überrascht über dessen Auftauchen.

„Jesmon! Du musst das hier nicht tun. Es gibt hier nichts für dich zu tun.“

Doch das digitierte Hackmon dachte nicht einmal daran, einfach so aufzugeben. Die DigiWelt war die Welt, in der es geboren worden war. Dafür würde es kämpfen. Es griff erneut mit seinem schwertförmigen Schwanz an, doch Nishi verlor die Geduld und durchtrennte diesen mit einem Handschlag. Ein weiterer reichte aus, um Jesmon in Dutzende Datenfragmente zu zerteilen.

Nun war auch der letzte Verteidiger der Homeostasis gefallen. Nishi stapfte nun auf das Wesen zu und kam vor ihm zum Stehen.

„Hey. Bist du überrascht mich wiederzusehen?“, begrüßte er, was teilweise seine Schöpfung war.

Die Homeostasis in der Gestalt von Karis stand ihm nun gegenüber.

„Und du meinst, du hast das Recht uns zu zerstören, weil du zugleich unser Erschaffer warst?“, fragte sie.

Nishi kratzte sich am Kopf.

„Das... war ein Fehler. Ich wollte eine perfekte Welt erschaffen, doch ihr bekriegt und zerstört euch gegenseitig, genau wie wir. Ich werde es das nächste Mal besser machen. Die nächste Version von dir wird besser.“, versicherte er und streckte seine Hand in die Brust des Wesens.

Die Homeostasis schrie weder auf, noch machte sie sich sonst irgendwie bemerkbar. Es war nicht zu erkennen, ob sie Schmerzen verspürte, oder ähnliches, während Nishi ihre Daten absorbierte.

Als er fertig war, zog er seine Hand wieder heraus. Sie bestand nun ebenfalls nur aus Kristall.

„Endlich. Endlich bin ich soweit.“, murmelte der Mann und wollte nach vorne schreiten. Doch er wurde zurückgehalten. Jemand hatte seine Schulter ergriffen. Er reckte seinen Kopf nach hinten und erkannte... Takeshi.

„Ich... kann Sie nicht gewähren lassen.“, sagte er erschöpft.

Der Mann seufzte.

„Lass es gut sein, ja? Es bringt nichts mehr.“

Als der Junge nicht losließ, stieß Nishi ihm den Ellbogen in den Magen und der DigiRitter brach zusammen. Ein mitleidiger Blick folgte, dann sollte es weitergehen. Nishi wollte einen Fuß nach vorne setzen, wurde aber erneut zurückgehalten. Takeshi hatte nun sein Bein gepackt.

Der Mann trat nun auf das Handgelenk des Jungen um sich zu befreien. Als er ihn endlich los war, streckte er seine Hand nach vorne aus und ein weißes Tor erschien. Das Tor in seine Welt. Das Licht begann ihn nun einzuhüllen. Dabei realisierte er aber nicht, wie Takeshi erneut nach seinem Bein griff.

Folge 21 - Zukunft

Verschiedene Bilder schossen dem Jungen durch den Kopf. Es war Prismamon. Der Moment, an dem er ihm das erste Mal begegnet war. Dann der Moment, an dem er Shun traf und die beiden Freunde wurden. Und wie er mit Tsubasa immer Kamen Yusha gespielt hatte. Der Moment, als er in Davis' Laden zum ersten Mal Ramen probiert hatte. All diese Momente... drohten zu verschwinden.

Er schlug die Augen auf und versuchte sich zu orientieren. Alles um ihn herum war nur weiß. Wände, eine Decke, ein Boden... das alles fehlte. Alles war nur unendlich weiß. Eine unendliche Leere soweit das Auge reichte.

Takeshi sah sich um und erkannte außer sich noch jemanden in einigen Metern Entfernung. Es war Nishi. Er rappelte sich auf und stapfte auf ihn zu. Der Mann saß im Schneidersitz da und starrte ins Nichts. Der Junge stellte sich vor ihn und starrte auf ihn hinab.

„Hey. Was ist passiert?“, wollte er wissen.

Nishi machte aber keine Anstalten zu antworten. Erst als Takeshi seine Worte wiederholte, regte er sich langsam.

„Es... war nicht geplant, dass du mitkommst. Ich weiß nicht, was ich jetzt mit dir machen soll.“, murmelte er.

Takeshi setzte sich ihm gegenüber.

„Und was machen wir jetzt hier? Ist das Ihre tolle neue Welt?“

Nishi schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Nein, ich habe noch nicht angefangen sie zu entwickeln. Ich muss mich erst ausruhen. Die Daten von Yggdrasil und die Homeostasis zu verarbeiten haben mich viel Kraft gekostet. Ich brauche eine Pause.“, erklärte er.

Takeshi sah zu Boden.

„Und die alte Welt? Die der Menschen und die der Digimon? Sind sie... fort?“, fragte er zitternd.

Dass Nishi nicht sofort antwortete, ließ Schlimmes vermuten.

„Nein. Noch nicht. Sie existieren nach wie vor und warten darauf überschrieben zu werden.“, verriet er dann.

Takeshi spürte Erleichterung in sich aufkommen. Aber nur kurz.

„Dann ist es also noch nicht zu spät.“

Nishi sah ihn an.

„Zu spät wofür?“, hakte er nach.

Für den Jungen vor ihm schien dies offensichtlich zu sein.

„Um zu kämpfen. Ich kann immer noch gegen Sie kämpfen.“

Nishi runzelte die Stirn.

„Nein. Es ist vorbei. Das siehst du doch. Du hast nicht einmal ein Digimon.“

Takeshi zuckte mit den Schultern.

„Stimmt, Prismamon ist nicht bei mir. Aber ich kann Ihnen auch ohne ihn eine verpassen.“

Nishi musterte ihn skeptisch.

„Mir eine verpassen? Was soll der Unsinn? Was würde das ändern?“

Erneut zuckte Takeshi mit den Schultern.

„Vielleicht nichts. Aber irgendwas muss ich unternehmen. Prismamon würde es von mir erwarten. Wenn es wüsste, dass ich am Ende nichts mehr unternommen hätte... wie könnte ich meinem Partner dann je in die Augen sehen?“

Nishi ließ die Schultern hängen.

„Das musst du nicht. Dein Partner wird ausgelöscht, in dem Moment, in dem seine Welt endet.“

Takeshi schloss für einen Moment die Augen.

„Aber... ist das nicht traurig? Ich will Prismamon nicht verlieren.“, erwiderte er.

Sein Gegenüber schien anderer Ansicht zu sein.

„Nein. Alles wird enden. Dadurch wird auch keine Trauer mehr existieren. Kein Leid mehr.“

Takeshi nickte.

„Richtig, hatte ich vergessen. Sie wollten ja eine Welt aufbauen, in der das alles nicht mehr existiert. Ich habe keine Ahnung, ob das möglich ist, dafür bin ich echt nicht schlau genug. Vielleicht, wenn Shun hier wäre. Bei Tsubasa bin ich mir nicht sicher, aber wahrscheinlich ist sie auch klüger als ich. Und Sie sind so intelligent, dass Sie sich bestimmt alles zurechtgelegt haben. Vielleicht wird Ihre neue Welt funktionieren, vielleicht auch nicht. Wer bin ich schon, um das zu beurteilen? Ich werde doch wieso genauso ausgelöscht, oder?“

Nishi wich seinem Blick aus.

„Ja, aber vergiss bitte eines nicht. Auch ohne mein Zutun würdest du das eines Tages. Und alle die du kennst ebenfalls. Das ist die Natur der Dinge.“

Takeshi knurrte missmutig.

„Und... können wir ihr nicht einfach ihren Lauf lassen? Würde es Sie so stören, Ihre neue Welt zu erschaffen, während die alte noch läuft?“

Nishi wirkte wenig von dieser Idee angetan.

„Das habe ich doch schon so lange. Ich habe dabei zugesehen, wie immer mehr Leid entsteht. Und du verlangst von mir, es weiter zuzulassen, obwohl ich die Möglichkeit hätte, es zu beenden?“

Takeshi nickte.

„Ja, darum bitte ich Sie.“, wurde er konkret.

Nishi runzelte die Stirn.

„Wie... kannst du das sagen? Warum sollte ich das einfach akzeptieren?“

Der Junge suchte nun Blickkontakt.

„Weil Sie kein Recht dazu haben. Ja, Menschen leiden und beten dafür, dass es endlich aufhört. Aber das gibt Ihnen nicht das Recht, Gott zu spielen.“

Nishi verneinte die Augen.

„Ich soll es also einfach akzeptieren, dass Menschen leiden und getötet werden? Dass Digimon leiden und zerstört werden?“, hakte er nach.

Takeshi bejahte.

„Ja, so ungefähr meine ich das so.“

Nishi deutete ein leichtes Lächeln an.

„Bist du sicher, dass ich hier der Bösewicht sein soll und nicht du?“

Darauf wusste der Junge erst keine Antwort.

„Nein, bin ich nicht. Wahrscheinlich haben Sie mit all dem Recht, was Sie sagen. Ich erwähnte bereits, dass ich das alles nicht beurteilen kann. Mir fehlen die Erfahrungen und vor allem Ihr Intellekt. Ich tue das hier nur aus Eigennutz. Ich möchte mit meinen Freunden Spaß haben. Ich will mit Prismamon gemeinsam Dinge unternehmen. Ich weiß, dass das nicht ewig der Fall sein wird. Aber ich solange es möglich ist, will ich es einfach tun. Darum bitte ich Sie, unsere Welten bestehen zu lassen.“

Nishi kratzte sich am Kopf.

„Obwohl du weißt, dass alles enden wird? Du wirst eines Tages sterben und Prismamon wird ganz alleine sein. Oder dein Partner wird zerstört und du wirst traurig sein.“

Der Junge nickte.

„Ja, so wird das dann wohl sein. Aber trotzdem fehlt Ihnen das Recht, uns das alles zu nehmen. Wir akzeptieren die Konsequenzen. Und da es unsere Leben sind, haben Sie kein Recht für uns zu entscheiden.“

Nishi atmete tief ein.

„Sprichst du etwa für die gesamte Menschheit?“

Das war Takeshi natürlich nicht möglich.

„Nein, natürlich nicht. Sie haben recht, viele Menschen leiden und wünschen sich Erlösung. Ich könnte niemals in ihrem Namen sprechen. Und vermutlich würden sie mich hassen, weil sie Ihrer Idee mehr zugeneigt sind als ich. Ich vertrete ja nur diejenigen, die mehr Zeit mit ihren Freunden und ihrer Familie verbringen möchten. Ich bitte Sie nur, zu bedenken, dass diese ebenfalls eine Stimme besitzen.“

Nishi blickte wieder ins Leere.

„Und diese soll ich deiner Meinung nach bevorzugen? Ich denke nicht... dass ich das machen kann.“, gestand er.

Doch Takeshi war noch nicht bereit aufzugeben.

„Dann beantworten Sie mir noch eine Frage.“, verlangte er.

Sein Gegenüber horchte auf.

„Vorhin. Warum haben Sie vorhin gelogen?“, wollte er wissen.

Nishi schien aber nicht zu verstehen.

„Als Sie sagten, Sie würden eine Pause brauchen. Ich habe gesehen, wozu Sie im Stande sind. Ich kaufe Ihnen keine Sekunde ab, dass Sie so etwas benötigen. Dafür sind Sie inzwischen zu mächtig.“

Der Mann schien nun interessiert zu sein.

„Und warum habe ich dann nicht gleich mit meinem Vorhaben begonnen?“, hakte er nach.

Takeshi antwortete ohne Umschweife.

„Weil ich ebenfalls hier gelandet bin. Ich denke... Sie waren sich selbst nicht vollkommen sicher. Darum... wollten Sie noch mit jemandem reden.“, tat er seine Vermutung kund.

Anhand von Nishis Reaktion konnte er nicht ablesen, ob er damit richtig lag.

„Ich... konnte nie mit jemandem darüber sprechen. Ich wusste nur, dass ich richtig lag. Wozu dann eine andere Perspektive?“, stellte er in Frage.

Takeshi zuckte mit den Schultern.

„Ich habe doch erklärt, dass es nicht um richtig und falsch geht. Ich habe Sie lediglich gebeten, sich nicht einzumischen. Natürlich haben Sie recht. Alles endet eines Tages. Also... lassen Sie es einfach enden. Menschen sind töricht. Sie werden so oder so für ihr eigenes Leid sorgen. Sie wollen Ihnen das nehmen. Aber daran ist weder etwas richtig noch falsch. Es... geht Sie schlichtweg nichts an. Mit den Kräften eines Gottes, oder ohne.“

Nishi schien nicht allzu glücklich zu sein.

„Einfach neu anfangen, mit dem Wissen, dass ich etwas hätte tun können? Das Leid weiterhin hinnehmen?“

Takeshi nickte.

„Ja, denn das wäre wiederrum Ihr Leid. Damit sind Sie genauso ein Mensch wie wir. Ich hatte früher eine Freundin, mit der ich herumgetollt bin. Wir haben Superhelden gespielt. Und seither habe ich neue Freunde gewonnen. Wir lieben es, zusammen Ramen zu essen.“

Nishis Augen weiteten sich.

„Ja. Ich habe Ramen immer geliebt. Es ist schade, dass sie in der neuen Welt nicht mehr benötigt werden.“

Takeshi sah ihn eindringlich an.

„Dann lassen Sie ihnen diese doch bitte. Und wenn Sie Ihre Welt erbaut haben... können Sie die alte doch immer noch besuchen kommen und dort mit uns Ramen essen.“, schlug er vor.

Nishi lachte nun unerwartet.

„Ja. Ramen wären in der Tat ein Grund, sie noch eine Weile bestehen zu lassen. Aber leider rechtfertigt am Ende nichts, was du gesagt hast, das Weiterbestehen dieser Welten. Die Belange der Leidenden wiegen am Ende mehr als die derer, die einfach nur ihren Tag genießen.“

Takeshi seufzte.

„Ich habe es immerhin versucht, oder?“

Nishi nickte.

„Ja, das hast du. Und ich kann deine Seite auch vollkommen verstehen. Ich weiß, dass dir meine Entschuldigung nichts bedeuten würde. Vor allem, da du auch meine Perspektive verstehst.“

Dann erhob er sich. Er erhob wieder eine Hand, doch Takeshi unterbrach ihn. Auch er erhob sich nun und kramte in seiner Tasche herum.

Er holte nun etwas hervor und reichte es dem Mann.

„Bevor Sie gehen... möchte ich Ihnen das hier noch mitgeben.“, sagte er und überreichte den Gegenstand.

Nishi nahm ihn entgegen und identifizierte ihn als Fliegerbrille.

„Was... soll ich damit?“, verstand er nicht ganz.

Takeshi zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß nicht. Ich dachte nur, es könnte nicht schaden, wenn Sie zumindest einen Gegenstand aus der alten Welt mitnehmen.“

Nishi taxierte ihn prüfend.

„Aber... warum so ein altes Ding? Es erfüllt keinerlei Nutzen.“, wandte er ein.

Wieder zuckte der Junge nur mit den Schultern.

„Ja, kann sein. Ich weiß auch nicht.“

Nishi betrachtete weiterhin die Fliegerbrille.

„Ach ja. Ich hatte damals auch einen Freund. Wir haben so getan, als wären wir Sentais. Ich war der Rote, mein Freund der Blaue. Wir haben uns so komische Masken gemacht.“, erinnerte er sich.

Takeshi rang sich ein Lächeln ab.

„Das kann ich mir bei Ihnen gar nicht vorstellen. Sie müssen bestimmt lustig ausgesehen haben.“

Nishi wirkte nun tatsächlich ein wenig verärgert.

„Hey, was soll das denn heißen? Wir waren total cool.“, versicherte er.

Takeshi schmunzelte.

„Ja, klar. Wenn Sie das sagen.“

Nishi verfiel unerwartet in ein Gelächter. Takeshi stimmte darauf ein. Nach einem Moment wurde es wieder ruhig.

„Gut, ich mache mich dann mal auf den Weg.“, meinte der Mann und steckte die Fliegerbrille ein.

Takeshi nickte. Er hatte alles getan, was in seiner Macht stand. Nishi streckte eine Hand aus und im nächsten Moment wurde es um Takeshi herum dunkel.
 

Seine Mutter klopfte um etwa 10 Minuten nach 7 Uhr an seiner Tür. Er war ganz verschlafen, als er aus dem Bett kroch und ihr öffnete.

„Hat dein Wecker versagt? Du verschläfst ansonsten nie. Heute ist Schule, ich hoffe, das hast du nicht vergessen?“, ermahnte sie.

Takeshi entschuldigte sich. Er versprach sich schnell anzuziehen und dann zum Frühstück zu kommen. Er schloss die Tür wieder und schlüpfte in seine Klamotten. Zufrieden stellte er fest, dass sein Schulranzen bereits gepackt war. Ansonsten hätte er noch mehr Zeit verschwendet.

Bevor er sein Zimmer verließ, hatte er das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Er griff sich an die Schläfe, doch es wollte ihm nicht mehr einfallen. Er sah zu einem Korb, in dem eine Schlafstelle hergerichtet worden war.

Der Junge stutzte. Wer hatte diesen dort hingestellt? Und warum? Sie besaßen keine Katze, aber dennoch stand er dort. Während dem Frühstück fragte er seine Mutter, doch diese hatte keine Ahnung. Takeshi hatte diesen Korb vor einigen Wochen besorgt, aber nie erklärt, warum. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass es wohl für ein Schulprojekt war und er es schlichtweg vergessen hatte.

Dann brach er zur Schule auf und kam dort trotz des Verschlafens pünktlich an.

Takeshi war mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Schule. Er trat kräftig in die Pedale und spürte die kühle Morgenluft auf seinem Gesicht. Die Straße, die er entlangfuhr, war von Bäumen gesäumt, deren Blätter im leichten Wind raschelten. Vögel zwitscherten in den Zweigen, und die ersten Sonnenstrahlen des Tages tauchten die Umgebung in ein goldenes Licht. Takeshi liebte diese ruhigen Momente am Morgen, bevor der Alltag begann. Er genoss die Freiheit, die ihm sein Fahrrad gab, und die Möglichkeit, den Tag auf eine entspannte Weise zu beginnen. Während er weiterfuhr, dachte er an den Schultag, der vor ihm lag, und freute sich auf die Freunde, die er bald treffen würde. Schließlich bog er um die letzte Ecke und sah das große Schulgebäude vor sich auftauchen. Nachdem er sein Fahrrad abgestellt hatte, trat er ins Innere.

Shun und Tsubasa befanden sich bereits im Klassenzimmer und unterhielten sich. Takeshi wünschte ihnen einen guten Morgen.

„Hey, was gibt es bei euch Neues?“, wollte er wissen?

Tsubasa, die ein Halstuch trug, löste es langsam.

„Sieh dir das an! Das hat Hebimon getan!“, beschwerte sie sich und offenbarte einen roten Fleck.

Tatsächlich kam darunter eine rote Druckstelle zum Vorschein. Takeshi runzelte aber nur die Stirn.

„Was ist ein Hebimon?“, hakte er nach.

Seine Freunde musterten ihn skeptisch.

„Na, was wohl? Genauso ein Störenfried wie Koemon. Er hat schon wieder in meinem Zimmer mit seiner Steinschleuder geübt. Ich habe keine Ahnung, wie ich das meinen Eltern erklären soll.“, sagte Shun.

Als Takeshi immer noch nicht mitkam, machten sich seine Freunde langsam Sorgen.

„Hey, du hast doch wohl nicht unsere Digimon vergessen? Besonders nicht Prismamon, oder?“

Doch ihr Freund schien genau dies getan zu haben.

„Prisma... warte, Digimon? Sind das nicht diese Wesen aus dem Internet? Die vor ein paar Jahren für Unruhe gesorgt haben?“

Tsubasa geriet nun doch leicht in Panik und zog ihr Handy. Sie schien Kari anzurufen und das Problem zu schildern.

„Takeshi, fühlst du dich nicht gut? Willst du vielleicht auf die Krankenstation?“, fragte Shun nach.

Der Junge bedachte ihn aber nur eines skeptischen Blickes.

„Mir geht es gut. Erzählt mir lieber mal, wovon ihr redet.“

Tsubasa legte auf.

„Ich habe vereinbart, dass wir uns heute Nachmittag im Ramen-Laden treffen. Izumi-san kommt auch und will dich untersuchen.“

Shun überlegte, ob sie nicht eher Dr. Kido hätten benachrichtigen sollen.

Takeshi wollte schon weiter einhaken, doch das Einsetzen des Unterrichts beendete die Diskussion erst einmal.

Direkt nach der Schule wollten seine Freunde darauf bestehen, dass er mit ihnen kam. Takeshi wehrte sich erst, erklärte sich dann aber einverstanden.

Izzy, Davis, sowie T.K. und Kari warteten dort bereits auf ihn. Aber erst als Veemon und Tentomon vor ihm auf den Tisch sprangen, wich er panisch zurück.

„Wa... wa... sind das diese Digimon, die ihr erwähnt habt?“, starrte er geschockt auf die Wesen.

Die DigiRitter sahen einander beunruhigt an und Davis bat den Jungen, sich zu setzen. Izzy packte inzwischen ein Gerät aus, es schien sich um eine Art Scanner zu handeln.

Takeshi ließ die Prozedur über sich ergehen. Nach einer Weile war Izzy fertig und packte das Gerät wieder ein.

„Und? Hast du eine Ahnung, was mit ihm nicht stimmt?“, wollte T.K. wissen.

Sein Freund nickte schließlich.

„Ja, meine Theorie hat sich bestätigt. Ich konnte die digitalen Rückstände analysieren. Seine digitalen Erinnerungen passen keineswegs zu seinen physischen.“

Doch nicht nur Takeshi konnte nicht viel mit dieser Antwort anfangen, sondern auch die anderen. Also holte Izzy weiter aus:

„Also, wenn wir digitalisiert sind, funktioniert unser Körper eher wie ein Computer. Darum werden auch Erinnerungen anders gespeichert. Wenn wir dann zurück in die reale Welt kommen, schreiben sich diese ganz normal in unsere Zellen ein. Aber laut dem Scan verhält es sich bei dir anders. Demnach sind deine Erinnerungen beeinträchtigt, das geht scheinbar auf Wochen zurück.“

Davis wand sich den Experten.

„Aber scheinbar hat er nur Dinge vergessen, welche mit Digimon und der DigiWelt zu tun haben.“

Izzy stimmte ihm zu.

„Das ist in der Tat merkwürdig. Vielleicht hat es mit der Dimension zu tun, die Takeshi zusammen mit Nishi betreten hat. Sie war weder digital, noch physisch. Es ist also nicht verwunderlich, dass sein Gehirn die Informationen nicht richtig verarbeiten konnte.“

Takeshi sah von einem zum anderen. Er wollte sich melden, ließ es dann aber bleiben.

„Schön und gut, aber haben wir eine Idee, wie wir dieses Problem lösen können?“, mischte sich Kari ein.

Izzy überlegte einen Moment. Dann schlug er sich mit der Faust auf die Handfläche.

„Ja! Ich denke, ich kenne eine Methode das Problem zu beheben. Bei jedem Eintritt in die DigiWelt wird man digitalisiert. Wir können dies als Backup benutzen. Wenn ich dieselben Konfigurationen wie letztens benutze, müssten sich Takeshis Erinnerungen an denen angleichen, die er zuletzt hatte.“

Shun brummte.

„Aber er hat die DigiWelt oder die Homeostasis nicht wie wir verlassen, richtig? Er tauchte einfach so in der realen Welt auf, richtig?“

Izzy bestätigte es ihm.

„Ja, das Backup würde lediglich bis zu dem Moment reichen, als ihr die Homeostasis betreten habt. Den Kampf mit Nishi-san würde es nicht mehr miteinbeziehen.“

Takeshi räusperte sich nun.

„OK. Ich verstehe kein Wort. Nur, dass ich mich scheinbar an einige Dinge nicht mehr erinnere. Können wir das irgendwie lösen?“

Zu seinem Glück konnte ihn Izzy da ganz beruhigen. Er bestellte einen Wagen, der sie in seine Firma bringen sollte. Shun und Tsubasa bestanden darauf, ihn zu begleiten.

Gesagt, getan, waren sie wenig später auf dem Weg zu dessen Firmengebäude. Sie fuhren ins oberste Stockwerk und betraten dort Izzys Büro.

„Wir werden dich jetzt digitalisieren und für einen Moment in die DigiWelt bringen. Dadurch können wir das Backup aufschalten und du solltest deine Erinnerungen zurückerhalten. Bitte halte den DigiVice gegen den Monitor.“

Seine Freunde mussten ihn erst auf das Gerät an seinem Handgelenk aufmerksam machen.

„Ach stimmt. Ich habe mich schon gefragt, was genau das ist.“, murmelte er verwirrt.

Er folgte den Instruktionen und ließ sich in die DigiWelt schicken. Nur eine Minute darauf kehrte er auch schon wieder zurück.

„Takeshi? Geht es... dir besser?“, wollte Tsubasa wissen.

Auch Shun erkundigte sich nach dessen Zustand, doch sein Freund reagierte nicht. Erst nach einem Moment schreckte er auf.

„Pri... Prismamon! Wo ist er? Wie konnte ich ihn vergessen?“, sah er sich schockiert um.

Sein Partner war heute Morgen nicht in seinem Zimmer gewesen, darum hatte er die Schlafstelle also aufgestellt.

Izzy bat den Jungen, sich zu beruhigen.

„Wir konnten deine Erinnerungen lediglich bis vor den Kampf mit Nishi wiederherstellen, darum weißt du es sicher nicht. Die Homeostasis wurde von diesem schwer beschädigt. Prismamon hat sich als eine Schöpfung von ihr herausgestellt. Darum hat es sich bereit erklärt, eine Weile bei ihr zu bleiben, um ihr bei der Regeneration zu helfen.“, setzte er den Jungen ins Bild.

Takeshi bestand jedoch darauf, sofort mit seinem Partner zu sprechen. Izzy kontaktierte Gennai und nach einer Weile ließ sich dieser breitschlagen, den Kontakt herzustellen. Er schickte eine seiner Drohnen in die Sphäre der Homeostasis und wartete, bis diese Prismamon erreicht hatte.

Takeshi spürte die Erleichterung, als sein Partner ins Bild kam.

„Hey, Kumpel! Ist alles in Ordnung?“

Doch Prismamon schien es gut zu gehen.

„Aber klar! Ruri ist auch hier, wir wollen gemeinsam versuchen, die Homeostasis zu reparieren. Ich... hatte echt Sorge, als du mit Nishi in diesem Licht verschwunden bist. Aber die anderen meinten, dass du unverletzt wieder zurück seist.“

Takeshi wollte erklären, dass er seinen Partner vergessen hatte, aber... wie würde dieser das auffassen? Also beschloss er, dies erst einmal auszusparen. Er war einfach nur froh, Prismamon in Sicherheit zu wissen.

„Hey, wie lange wirst du noch dort bleiben?“, erkundigte er sich schließlich.

Da Prismamon das nicht wirklich beantworten konnte, mischte sich Gennai ein.

„Wir hatten mit einer Woche gerechnet. Das heißt, übermorgen sollten wir es in eure Welt zurückschicken können.“, erklärte er.

Eine Woche? Takeshi wurde bewusst, dass ihm immer noch Erinnerungen fehlten. Prismamon erwähnte, dass er gemeinsam mit Nishi in eine Art Licht getreten war. Doch... was war danach passiert?

Schließlich verabredeten sich die beiden auf übermorgen und Izzy beendete die Verbindung.

„Vielleicht solltest du dich heute noch etwas ausruhen. Dein Gehirn braucht Zeit, um die Anpassung zu verarbeiten.“, schlug er dann vor.

Seine Freunde waren ebenfalls dafür. Etwas Ruhe würde bestimmt helfen.

Wenig später verließen sie das Gebäude. Sie schlugen Izzys Angebot aus, sie zurückzufahren. Etwas Sonne würde im Moment nicht schaden.

„Was... ist passiert, nachdem ich angeblich in dieses Licht getreten bin?“, wollte Takeshi wissen, während sie die Straße entlang marschierten.

Shun und Tsubasa sahen einander an.

„Das wissen wir nicht genau. Wir dachten, unser letztes Stündlein hätte geschlagen. Wir dachten, Nishi würde alles auslöschen. Aber... nichts geschah. Wir haben Stunden gewartet und unsere Wunden geleckt, aber ihr wart einfach verschwunden. Gennai kam und gemeinsam mit Prismamon hat er sich um die Homeostasis gekümmert. Dieses wollte ohnehin nicht gehen, bevor du nicht zurück wärst. Izzy hat alles koordiniert, während wir in die reale Welt zurückgekehrt sind.“, berichtete Shun.

„Äh, also nicht, dass wir dich im Stich lassen wollten! Wir waren dort einfach nur keine Hilfe!“, lenkte Tsubasa schnell ein.

Takeshi nickte. Er hätte ihnen das ohnehin nie unterstellt.

„Jedenfalls warst du tagelang verschwunden. Als du unverletzt zurück warst, waren wir beruhigt. Wer hätte ahnen können, dass du Teile deines Gedächtnisses verlierst.“, fügte sie schnell hinzu.

Der Junge war sich immer noch sicher, dass es da etwas Wichtiges gab, das er nicht greifen konnte. Etwas, das er erlebt hatte, an das er sich erinnern sollte. So oder so befolgte er den Rat seiner Freunde und ruhte sich erst einmal aus. Auch am darauffolgenden Tag, an dem er eine Erkältung vorschob.

Den Tag darauf war er dafür umso motivierter. Heute würde er endlich Prismamon wiedersehen. Direkt nach der Schule ließ er sogar Shun und Tsubasa stehen und schwang sich auf sein Fahrrad. Sein Ziel war der Ramen-Laden. Dort befanden sich bereits Gäste, also wartete der Junge geduldig bis zur Pause.

Davis erkundigte sich nach seinem Wohlbefinden. Takeshi war sich sicher, dass es ihm zumindest physisch soweit wieder gut ging. Doch eines beschäftigte ihn noch.

„Hey, wieso hat Nishi seinen Plan aufgegeben? Weil das muss er ja, sonst wären wir heute nicht hier.“, sagte er.

Davis musste ihm zustimmen.

„Du hast recht. Auf mich machte er auch den Eindruck, als wäre seine Einstellung definitiv. Eigentlich müsstest du uns Aufschluss darüber geben, immerhin bist du ihm durch dieses Licht gefolgt.“

Takeshi zuckte mit den Schultern.

„Ja, das sagt mir jeder. Doch meine Erinnerungen reichen nur bis zu unserem Treffen, bevor wir die Homeostasis betreten haben. Danach ist Sense. Aber wenn ich mit Nishi dort war, muss das auch bedeuten, dass er es war, der mich zurückgeschickt hat. Warum soll er das getan haben?“

Das konnte ihm Davis nicht beantworten. Nishi war ihr Feind gewesen, es gab für ihn eigentlich keinen Grund, dem Jungen zu helfen. Und warum er seinen ursprünglichen Plan geändert hatte und sie alle noch existierten, war das größte Rätsel.

Takeshi schien nun etwas einzufallen.

„Also... es ist sicher nicht wichtig, aber... dein Geschenk ist weg.“

Davis konnte ihm erst gar nicht folgen.

„Ach, du meinst die Brille? Hast du sie verloren?“

Takeshi schüttelte den Kopf.

„Nein, ich bin mir sicher, dass ich sie dabei hatte, als wir die Homeostasis betreten haben. Demnach auch, als ich Nishi gefolgt bin.“

Davis runzelte die Stirn.

„Verstehe ich schon, aber... was sollte Tais alte Fliegerbrille daran geändert haben, dass Nishi von seinem Plan abrückt. Das macht doch gar keinen Sinn.“

Takeshi stimmte ihm zu. Es ergab keinen Sinn. Und es gab keine vernünftige Erklärung dafür. Und da er sich nicht erinnern konnte, würde es die wahrscheinlich auch nie geben.

Sie kamen zu dem Schluss, dass es nichts brachte, sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen. Vor allem da es heute Wichtigeres gab. Davis wollte ihn später noch zu Izzy fahren, wo er endlich Prismamon wiedersehen würde. Seinen Partner.

Er zog sich noch eine Portion Ramen rein und dann ging die Fahrt auch schon los. Izzy hatte zum Glück schon alles vorbereitet. Prismamons Gesicht tauchte auf dem Monitor auf und er begrüßte den Menschen überschwänglich. Danach wurde das Tor geöffnet und das kleine Digimon sprang Takeshi in die Arme. Dieser drückte es an sich.

„Ich bin wieder da, Takeshi!“

Der Junge wollte es am liebsten gar nicht mehr loslassen.

„Ja. Du bist wieder da.“
 

ENDE

Bonus Kapitel

Yurie war bewusst, dass es eine schlechte Idee war. Nicht nur, dass sie sich zuvor keine Erlaubnis eingeholt hatte, auch fand sie sich in den dunklen Gängen kaum zurecht. Die Schule wirkte anders als am Tage. Sie hatte aber auch wirklich Pech gehabt. Einfach das Geschenk für ihren Bruder im Schulgebäude zu vergessen. Sie hätte bis morgen warten können und es ihm verspätet überreichen können. Doch wie hätte das bitte ausgesehen? Nein, das hätte sie niemals bringen können. Also blieb ihr im Grunde nichts übrig, als nachts noch einmal zur Schule zu fahren und das Geschenk zu holen. Als sie jetzt jedoch durch die Gänge streifte, fühlte sie sich mulmig zumute. Es war so seltsam still, ganz anders als bei Tag, wo die Schüler noch herumtollten.
 

Schließlich hatte sie ihr Klassenzimmer erreicht. Zum Glück war es nicht abgeschlossen und sie stolzierte zu ihrem Tisch. Als sie die Tasche mit dem Geschenk hatte, beschleunigte sie ihren Schritt und verließ den Raum wieder. Als sie wieder auf den Gang trat, vernahm sie ein seltsames Geräusch. War da jemand? Nein, das war nicht möglich. Sicher gab es einen Hausmeister, doch auch dieser würde jetzt nicht mehr arbeiten. Sie schritt voran, doch das Geräusch wirkte, als würde es näher kommen. Sie bog jetzt um eine Ecke, stellte aber fest, dass sie falsch abgebogen war. Sie war in der Umkleide gelandet, hier hatte sie eigentlich nichts zu suchen. Sie machte kehrt und nutzte ihr Smartphone, das etwas Licht spendete. Sie hielt es sich vor das Gesicht, als sie wieder auf den Gang trat. Das Geräusch war nun ganz nah. Yurie glaubte, es hinter einem Treppenabsatz zu vernehmen. Sie wusste nicht, wieso, doch sie näherte sich ihm. Sie hatte Angst und es machte eigentlich keinen Sinn. Sie sollte längst aus dem Gebäude verschwunden sein. Trotzdem war sie schon immer recht neugierig gewesen. Sie war der dunklen Ecke nun ganz nahe. Sie leuchtete nach vorne... und erstarrte. Ein panischer Schrei folgte, und sie rannte um ihr Leben.

Takeshi musterte seinen Freund skeptisch.

„Was? Du willst die Schule verlassen?“, konnte er es nicht glauben.

Shun seufzte.

„Mal nicht gleich den Teufel an die Wand. Ich habe nur gesagt, dass sich meine Noten verbessert haben. Meine Eltern KÖNNTEN darüber nachdenken, mich auf eine Privatschule zu schicken. Aber das ist nur Spekulation.“

Takeshi beruhigte sich aber nur langsam. Er wollte nicht, dass sein Freund die Schule wechselte. Er hatte hier sonst kaum jemanden, mit dem er reden konnte. Das mochte daran liegen, dass er immer noch Teil des Kitakubu war und es vorzog, seine Freizeit mit Prismamon zu verbringen. Er sah nach vorne, wo sich Tsubasa mit ihren Freundinnen Erika und Sachi unterhielt. Er freute sich für sie, dass sie Anschluss gefunden hatte, kam inzwischen aber nur noch zu ihnen rüber, wenn es Dinge zu besprechen gab, welche ihre Partner betrafen. Würde Shun die Schule wirklich verlassen, würde sie sich mehr auf ihn konzentrieren. Das wollte ihr Takeshi natürlich nicht antun.

In der Pause trafen sie sich hinter dem Schulgebäude.

„Hä? Geister?“, hakte Shun nach.

Das blonde Mädchen bestätigte es.

„Ihr kennt doch Yurie aus der Parallelklasse? Sie war neulich nachts noch einmal in der Schule und hat einen Geist, oder besser gesagt, ein Monster gesehen“, berichtete sie.

Shun seufzte.

„Besser gesagt, sie hat sich das eingebildet.“

Tsubasa schüttelte den Kopf.

„Erika und Sachi waren ganz aufgeregt, als sie es mir erzählt haben. Yurie schien sehr verängstigt zu sein, ich denke nicht, dass sie es sich bloß eingebildet hat.“

Takeshi verzog die Lippen.

„Geister gibt es nicht. Es war sicher nur eine Krähe oder ein im Wind fliegendes Laken.“

„Ach, was wisst ihr schon! Übernatürliches existiert, ihr werdet schon sehen!“

Sie ließ die beiden einfach stehen, welche nur mit den Schultern zuckten.

Tsubasa wollte das Gelände bereits verlassen, als ihr drei Mädchen auffielen. Zwei davon waren ihre Freundinnen Erika und Sachi. Bei der dritten musste es sich um Yurie handeln. Sie stieß zu ihnen und klinkte sich in das Gespräch ein.

„Yurie, kannst du noch einmal erzählen, was gestern passiert ist?“, schlug Sachi vor.

Das Mädchen folgte, und Tsubasa bekam Gänsehaut, als sie von der Begegnung mit dem Ungeheuer berichtete.

Als sie gegangen war, begann Sachi zu schmunzeln.

„Gut, es ist entschieden! Wir werden diesen Geist schnappen!“

Tsubasa fiel beinahe die Kinnlade herunter.

„Wie sollen wir das anstellen? Bist du ein Medium, oder so?“

Ihre Freundin schüttelte den Kopf.

„Erikas Familie besitzt einen Tempel. Sie kann Ofuda besorgen, welche Geister, Dämonen und ähnliches abhalten. Damit kann uns nichts passieren!“

Tsubasa musste aber gestehen, dass sie weniger an diese Dinge glaubte.

„Dann ist es entschieden! Wir treffen uns heute Nacht vor der Schule und gehen dem Spuk auf die Spur!“, meinte Erika euphorisch.

Tsubasa wehrte aber ab.

„Ähm... ich weiß nicht, ob ich da kann“, sagte sie schnell.

Die beiden Mädchen musterten sie.

„Tsubasa, bitte! Wir brauchen dich, du bist doch die Mutigste von uns!“

War sie das? Sie hatte den Verdacht, dass die beiden sie nur bequatschen wollten. Schließlich ließ sie sich überreden. Vermutlich würde sie es bereuen, doch sie konnte ihnen eben nichts abschlagen.

Sie verabredeten sich auf Punkt 21 Uhr und trennten sich dann. Tsubasas Mutter war auf einer Arbeitsreise, weshalb sie heute wohl eher nicht bekocht werden würde. Doch dafür hatte sie eine gute Freundin eingeladen, und Tsubasa hatte nicht nein gesagt.

Eine halbe Stunde später traf sie im Café ein und suchte den richtigen Tisch. Die junge Frau am letzten links winkte ihr zu. Tsubasa eilte hin und verbeugte sich leicht.

„Kari-san, danke für die Einladung.“

Kari winkte ab.

„Nein, ich konnte mich noch nicht für eure Hilfe letztens bedanken. Darum ist das selbstverständlich. Davis hat Takeshi ja auch eine Mahlzeit spendiert. Aber ich dachte mir, dass dir die Ramen inzwischen doch etwas zum Hals raushängen.“

Tsubasa stimmte zu und setzte sich.

Sie und die anderen konnten in letzter Zeit eine Menge kostenloser Ramen abstauben. Gut, sie hatten es sich auch verdient, doch der einzige, der ohne Pause Ramen schlürfen konnte, war Takeshi. Es gab Karnivoren, die sich von Fleisch ernährten, dann Herbivoren, die sich von Pflanzlichem ernährten und dann gab es Takeshi, der sicher sein Leben lang nur mit Ramen auskam.

Sie bestellten Getränke, was es ihnen erlaubte, die Karte eingehend zu studieren. Schließlich entschied sich Tsubasa für Udon, sie wollte Karis Brieftasche auch nicht zu sehr überanstrengen.

Das Essen wurde bald serviert und sie ließen es sich schmecken.

„Alles in Ordnung? Dich scheint etwas zu beschäftigen?“, sagte Kari dann.

Tsubasa sah sie mit vollem Mund an. Tatsächlich hatte sie gerade an das Treffen mit ihren Freundinnen gedacht. Sie schluckte herunter und begann von der angeblichen Geistererscheinung zu erzählen.

„Jedenfalls darf ich jetzt nachts in der Schule aufschlagen und einen Geist fangen.“

Kari konnte aber nur lachen.

„So etwas Ähnliches haben wir früher auch gemacht. Keine Sorge, echte Geister gibt es zum Glück nicht. Bakemon mal ausgenommen. Wenn du dich trotzdem nicht wohl fühlst, sag ihnen doch einfach ab.“

Tsubasa schüttelte sofort den Kopf.

„Nein, das könnte ich nicht. Erika und Sachi haben mich sofort herzlich in der Klasse aufgenommen. In meiner alten wollte niemand etwas von mir wissen.“

Kari verstand.

„Und deswegen möchtest du jetzt deine Dankbarkeit ausdrücken. Das bedeutet aber nicht, dass du es allen recht machen musst.“, erklärte sie.

Tsubasa zuckte mit den Schultern.

„Sie halten mich aus irgendeinem Grund für mutig. Na ja, in einem Paralleluniversum vielleicht. Dort existiert bestimmt die ideale Tsubasa.“

Kari seufzte.

„Die ideale Tsubasa sitzt gerade vor mir. Eine andere würde ich gar nicht wollen. Und deine Freunde bestimmt auch nicht.“

Sie musste daran denken, dass es durchaus eine weitere Tsubasa geben konnte. Es existierten durchaus Doppelgänger in anderen Welten. Sie musste daran denken, wie Davis auf eine jüngere Version ihres Bruders gestoßen war. Und von Taruki und seinem Partner Flashmon wussten sie, dass zumindest Doppelgänger von ihr und T.K in seiner Welt existierten. Vermutlich existierte sogar irgendwo eine Welt, in der sie immer noch durch die DigiWelt zogen und Abenteuer erlebten.

Zumindest schien sie Tsubasa etwas aufgemuntert zu haben. Diese dankte ihr und ließ sich sogar auf einen Nachtisch überreden. Danach wurde die Rechnung beglichen und sie verließen das Café.

„Das mit der Geisterjagd wird schon. Du hast gegen die schlimmsten Digimon gekämpft, was soll dir da ein Geist schon anhaben?“, argumentierte sie.

Tsubasa nickte.

„Ja, nur Geister kann man nicht einmal anfassen. Am liebsten hätte ich dich auch noch dabei.“, gestand sie.

Doch ihre Freundin musste sie enttäuschen.

„Da kann ich leider nicht helfen. Ich habe heute noch ein Date.“, gestand sie.

Tsubasa spitzte die Ohren.

„Ach.....“

Jedoch tat ihr die Frau nicht den Gefallen, näher darauf einzugehen. Vor allem, weil sie langsam los musste. Kari ließ es sich nicht nehmen, das Mädchen noch einmal zu umarmen, bevor sie sich verabschiedeten.

Tsubasa begab sich direkt nach Hause, wo Hebimon sie bereits erwartete.

„Ich rieche essen!“, hatte es sofort den Kopf in die Höhe gereckt.

Das Mädchen stieß einen Seufzer aus.

„Sorry, ich habe total vergessen dir etwas mitzubringen.“, gestand sie.

Hebimon zischte beleidigt und verkroch sich unter das Bett. Tsubasa ging auf die Knie und hielt nach ihrem Partner Ausschau.

„Es tut mir wirklich leid! Ich werde dir sofort was zubereiten, wir haben ja noch was im Kühlschrank. Aber hey, dafür habe ich eine andere Idee! Was hältst du davon, an einer Geisterjagd teilzunehmen?“

Damit schien sie die Aufmerksamkeit der kleinen Schlange geweckt zu haben. Sie kroch wieder hervor und sah sie erwartend an.

„Geister... was ist das?“

Tsubasa schmunzelte innerlich. Ganz alleine wäre ihr mulmig zumute gewesen. Sollte es sich tatsächlich um einen echten Geist handeln, hätte sie alleine niemals etwas ausrichten können. Mit Hebimon im Schlepptau sah das Ganze schon anders aus.

„Weißt du das nicht? Das ist total beliebt in dieser Welt! Ich wurde heute eingeladen, einen solchen Geist zu jagen!“

Damit hatte sie Hebimon an der Angel.

„Ich will mitkommen! Bitte Tsubasa!“

Diese verschränkte die Arme und tat so, als müsse sie kurz überlegen.

„Na schön, aber du bleibst schön versteckt, ja? Wenn Erika und Sachi dich sehen, erschrecken sie bestimmt mehr als vor dem Geist.“

Hebimon versprach es und so brachen sie gegen Abend auf. Kurz vor 21 Uhr trafen sie vor dem Schulgebäude ein. Erika und Sachi waren bereits vor Ort. Sachi hatte eine Taschenlampe dabei, während Erika Ofudas aus ihrem Tempel mitgebracht hatte.

Tsubasa erkundigte sich noch einmal, ob sie das wirklich tun sollten, wurde aber überstimmt. Sie betraten die Schule, welche bei Nacht einen völlig anderen Vibe besaß. Alles war ruhig und das Echo ihrer Schritte hallte in den Gängen wider. Sachi erinnerte sich, wo Yurie dem Geist begegnet war. Mit ausreichend Licht schlenderten sie in Richtung Umkleide. Dort leuchteten sie jeden Winkel ab, doch ohne Ergebnisse. Danach folgte der Treppenabsatz, wo Yurie die grausige Fratze begegnet war. Auch Fehlanzeige.

„Seht ihr? Ich habe es euch doch gleich gesagt. Geister existieren nicht. Yurie hat sich alles nur eingebildet.“, spielte Tsubasa die Angelegenheit herunter.

Kaum hatte sie ihren Satz beendet, erklang ein lautes Heulen durch die Gänge. Erika und Sachi klammerten sich an sich, während Hebimon durch Tsubasas Ärmel den Kopf ins Freie reckte. Dann geschah es. Etwas krachte zu Boden und Sachi leuchtete auf die Stelle. Es schien sich um die Halterung eines Lüftungsschachtes zu handeln. Im selben Augenblick griffen zwei Arme nach Erika und zogen sie hoch. Diese kreischte wie am Spieß. Sachi leuchtete nach oben, doch sie konnten nur noch feststellen, wie zwei verrottete Arme sie in den Schacht zogen.

„Es... es hat Erika!“, schrie Sachi panisch.

Tsubasa sah sich den Schacht an, doch er war zu hoch.

„Wo führt dieser Schacht hin? Du bist länger an der Schule, du musst eine Idee haben!“

Doch Sachi war zu geschockt um zu reagieren. Tsubasa musste sie erst an den Schultern rütteln, damit sie zu sich kam.

„Ähm... wenn ich raten müsste, dann in den Raum für Naturwissenschaften.“

Tsubasa verstand und eilte los. Sachi war gleich hinter ihr, auch sie hatte Angst um ihre Freundin. Bald waren sie vor dem Raum angekommen, doch die Tür war verschlossen. Tsubasa sah keine andere Möglichkeit.

„Hebimon, mach uns mit deiner Säure ein Loch!“

Sofort kam die kleine Schlange hervor und setzte die nötige Attacke ein. Sofort war die Klinke der Tür verschwunden und damit auch das Schloss. Sachi, die nun direkt auf Hebimon leuchtete, kreischte auf.

„Alles in Ordnung! Das ist nur Hebimon, es ist ganz harmlos!“

Ihr Partner hüpfte nun zu Boden und kroch zuerst in den Unterrichtsraum. Tsubasa folgte dem Digimon und schaltete das Licht an. Es war nun wesentlich leichter sich zu orientieren. Die beiden Mädchen liefen zur Mitte des Raumes und ihre Augen blieben an einer Ecke hängen.

Erika lag dort, eng gegen die Wand gekauert. Sie musste Todesangst haben. Vor ihr stand jemand. Von der Statur her musste es ein Mensch sein. Erst als dieser sich umdrehte, wurden Tsubasa und Sachi bleich.

Das Fleisch im Gesicht der Kreatur war halb verrottet. Das galt auch für einen linken Arm und Bein. Sein rechter Arm sowieso Bein bestand nur noch aus Knochen. In seinem Schädel klaffte ein Loch, als dem ein Stein mit merkwürdigen Symbolen daran ragte.

„Es... es ist wirklich ein Geist! Oder ein Dämon!“, stotterte Sachi.

Hebimon baute sich vor dem Ungetüm auf.

„Nein, ganz sicher nicht. Das ist Zombiemon! Normalerweise hält es sich an Friedhöfen auf und schläft die meiste Zeit unter der Erde. Es wacht höchstens auf, wenn Bakemon sie ärgern.“, verriet das Digimon.

Tsubasa schluckte. Selbst wenn ihr Partner den Namen nicht genannt hätte, wäre sie alleine auf den Begriff eines Zombies gekommen.

„Hu... Hunger!“, brachte Zombiemon nun hervor.

Sachi schlotterte.

„Will... will das Ding Erika etwa fressen?“

Tsubasa legte ihrer Freundin beruhigend eine Hand auf die Schulter. Sie würde das natürlich niemals zulassen.

„Keine Sorge! Überlass das mir und Hebimon. Wir sind nämlich ein Team!“

Sie trat nach vorne und hielt ihr DigiVice hoch.

„Hebimon, bist du bereit? Wir müssen Erika unbedingt beschützen!“, stand für sie fest.

Ihr Partner nickte ihr zu und war natürlich an ihrer Seite.

„Hebimon digitiert zuuuuu.... Julungumon!“

Tsubasa war sich nicht sicher, wie ihre Freundinnen aufgrund der großen Schlange im Raum reagieren mochten. Würden sie diese noch furchteinflößender finden als das Zombie-Digimon? Um darüber nachzudenken, blieb jedoch keine Zeit.

Zombiemon torkelte auf ihren Partner zu, mit öffneten Maul. Julungumon reagierte und begann Zombiemon zu umwickeln. Dieses wirkte erst außer Gefecht, schlug dann aber seine Zähne in seinen Gegner.

Julungumon verlor die Haltung und fiel zu Boden. Danach torkelte Zombiemon auf Tsubasa zu. Diese schluckte und stellte sich schützend vor Sachi.

„Julungumon! Gib nicht auf!“, feuerte sie ihren Partner an.

Dieses riss sich nun zusammen und erhob sich erneut. Es griff mit der Sichel an seinem Schwanz an und zerteilte Zombiemon in zwei Stücke. Kurz darauf begann dieses sich in Daten aufzulösen.

Die Gefahr schien fürs Erste gebannt zu sein. Doch Tsubasa entging nicht, dass sowohl Sachi, als auch Erika die große Schlange unsicher anstarrten. Auch, dass diese zu Hebimon zurück digitierte, half erst einmal nicht viel. Diese kroch wieder an Tsubasa hoch und schlängelte sich um deren Hals.

Erst nach einer Weile wagten sich die Mädchen näher.

„Ich... glaube, ich muss euch einiges beichten.“, sagte Tsubasa schließlich.

Ihre Freundinnen stimmten ihr zu. Das musste in der Tat.
 

Eine Stunde später saßen sie bei Tsubasa zu Hause und tranken einen Tee. Hebimon ruhte sich ebenfalls auf dem Tisch aus und verschlang einige Kekse, die ihm Tsubasa hingestellt hatte. Sachi war die erste gewesen, die sich getraut hatte, das Digimon am Kopf zu kraulen. Erika zögerte noch, war aber nach einer Weile näher herangerückt.

„Du bist also eine dieser Digimon Trainerinnen?“, wollte sie wissen.

Tsubasa schüttelte den Kopf.

„Der Fachbegriff ist DigiRitter. Fragt mich aber nicht wieso.“

Sachi fütterte Hebimon nun mit einem Keks.

„Wie cool! Dass wir ausgerechnet jemanden kennen, der mit Digimon zu tun hat.“

Tsubasa wehrte ab.

„Tut mir leid, dass ich euch erst jetzt davon erzähle. Das hätte ich schon früher tun sollen.“

Erika schüttelte den Kopf.

„Ist schon gut. Ich kann verstehen, dass man so etwas nicht einfach so kundtut. Aber du kannst uns vertrauen, wir plaudern es schon nicht aus.“

Sachi stimmte ihr zu.

„Besonders Hebimon ist so süß, da wollen wir ja nicht riskieren, dass es in ein Labor gesteckt und seziert wird.“

Das Digimon schluckte den Keks runter.

„Was ist sezieren?“, wollte es wissen.

Das wollte ihm Tsubasa nun nicht aufbröseln, sondern wechselte lieber das Thema.

„Benimm dich ab jetzt in Sachis und Erikas Nähe, ja? Dann füttern sie dich auch weiterhin.“, schärfte sie ihm ein.

Ihr Partner versprach es.

Dann wurde es bereits Zeit für den Abschied. Es war wirklich spät geworden und ihre Freundinnen mussten nun wirklich nach Hause. Sie vereinbarten morgen genauer darüber zu reden und Tsubasa schloss dann die Tür hinter ihnen.

Sie räumte noch etwas auf und warf sich dann in ihrem Zimmer auf das Bett. Hebimon kroch zu ihr und sie packte es und hielt es hoch.

„Weißt du was, Hebimon? Jetzt wo sie Bescheid wissen... haben wir zusammen bestimmt noch mehr Spaß!“

Ihr Partner lächelte und stimmte ihr zu.

Dann schliefen sie aneinandergekuschelt ein.

Epilog

Epilog
 

„Du scheinst ja echt gut zu verdienen.“, konnte sich Matt den Kommentar nicht verkneifen, als er den neuen Laptop seines kleinen Bruders begutachtete.

Dieser schmunzelte.

„Ja, ich gehe während meiner Unizeit eben einer geregelten Arbeit nach, anstatt mit einer Indie-Band umherzutouren.“

Matt nahm die kleine Stichelei einfach so hin, besonders weil er morgen wieder abreisen und T.K eine Weile nicht mehr sehen würde.

„Brauchst du den denn für die Uni? Dein Alter hätte es doch auch noch getan.“, sagte er stattdessen.

Sein Bruder wehrte ab.

„Nein, der da ist nur für den privaten Gebrauch. Ich erzähle dir ein anderes Mal, was ich damit vorhabe. Dann, wenn es fertig ist.“, sagte er.

Matt hakte zwar nach, was dieser mit 'es' denn meinte, doch das wollte ihm sein kleiner Bruder nicht verraten. Also gab er auf, vor allem da er sich noch mit den anderen zu einer kleinen Feier treffen wollte. T.K wollte ebenfalls dazustoßen, aber erst später.

Als Matt gegangen war, trank er etwas und setzte sich dann an seinen Schreibtisch. Er öffnete den Laptop und las die Titel des Dokuments, das noch immer geöffnet war.

'Unsere Reise'.

Dann gab er sich einen Ruck und begann das erste Kapitel zu schreiben.
 

ENDE
 


 

Episode 1: Takeshi ist neu an der Mittelschule und weiß nichts mit seiner Zeit anzufangen. Während eines Zwischenfalls in der U-Bahn gerät er in Gefahr und wird von einer unheimlichen Kreatur angegriffen. Jedoch eilt ihm das Digimon Prismamon zur Seite und die beiden werden Partner.
 

Episode 2: Takeshi wurde gerettet und zu Davis gebracht, der ihn über die DigiRitter aufklärt. Auch seine Freunde Shun und Tsubasa werden in die Sache verwickelt und treffen auf Koemon und Hebimon.
 

Episode 3: Shun freundet sich langsam mit seinem neuen Partner Koemon an und gemeinsam gehen sie auf ihre erste Mission. Doch auch das bösartige Kaminarimon taucht auf und stellt ihre erste Hürde dar.
 

Episode 4: Tsubasa und Hebimon nehmen die Hilfe von Kari in Anspruch, um Rurimon zu finden. Dabei müssen sie in eine gesicherte Firma eindringen, wo sie jedoch auf das hinterlistige Hubmon treffen.
 

Episode 5: Takeshi und die anderen treffen auf Ken, der sie auf ihrer Suche begleitet. Schließlich wird Rurimon gefunden und es stellt sich heraus, dass es sich ebenfalls um einen Digimon-Partner handelt. Doch was ist damals geschehen?
 

Episode 6: Takeshi und die anderen werden zu Gennai gebracht, der ihnen erklärt, was es mit Rurimon auf sich hat. Währenddessen taucht ein neuer Gegner in der Stadt auf und Davis und Ken müssen die Sache selbst übernehmen.
 

Episode 7: Auf der Suche nach Azulongmons Kugeln geraten Takeshi und Prismamon in eine Falle. Schnell merken sie, dass sie noch nicht bereit für stärkere Gegner sind.
 

Episode 8: Shun trifft sich mit T.K., der ihm bei einem Problem helfen möchte. Gemeinsam suchen sie die Klinik auf, in der Joe arbeitet. Jedoch kommt es dort zu merkwürdigen Vorkommnissen. Steckt ein Digimon dahinter?
 

Episode 9: Ken und Yolei wollen heiraten. Dafür wird ausgerechnet Tsubasa als Helferin verpflichtet. Jedoch werden die Vorbereitungen gestört und ausgerechnet Tsubasa muss die Situation retten.
 

Episode 10: Takutoumon schickt seinen nächsten General los, welcher ausgerechnet ein alter Bekannter ist. Schließlich wird Kari entführt und die anderen müssen sie retten.
 

Episode 11: Ken und Yoleis Hochzeit steht an. Doch da viele Gäste eingeladen sind, kommt es zu einem Großangriff der Feinde. Kann dieser wichtige Tag dennoch gerettet werden?
 

Episode 12: Die DigiRitter beschließen, in die DigiWelt zu reisen, um Takutoumon Einhalt zu gebieten. Dort angekommen treffen sie auf LeoHeartmon. Jedoch scheint Takeshi der einzige zu sein, welcher diesem vertraut.
 

Episode 13: Mit Etemons Hilfe gelangen sie in das Gebiet von Takutoumon, werden dort aber sofort angegriffen. Jedoch erhalten sie Hilfe von unerwarteter Seite.
 

Episode 14: Ein seltsamer Mann taucht in Davis' Nudelladen auf und behauptet, für die Entstehung der DigiWelt verantwortlich zu sein. Die Kids lauschen seiner Geschichte und erfahren Unglaubliches.
 

Episode 15: Takeshi und Shun sehen Nishi als Feind, doch Tsubasa hat ihre Zweifel. Als es jedoch zu einem Konflikt mit ChaosSeadramon kommt, muss sie sich entscheiden.
 

Episode 16: Shun trifft sich nach langer Zeit wieder mit seinem Bruder. Jedoch findet dieser die Wahrheit heraus. Gerade rechtzeitig, denn Nishi erscheint und erschafft ein neues, böses Digimon.
 

Episode 17: Takeshi folgt Nishi in die DigiWelt und versucht, seine Pläne zu erfahren. Dort werden sie von den Royal Knights angegriffen und Takeshi merkt, wie mächtig Nishi wirklich ist.
 

Episode 18: Die DigiRitter versuchen, den Schlüssel zur Homeostasis zu finden und überlassen diese Aufgabe Tai und Matt. Jedoch geraten diese in eine Falle Lokimons.
 

Episode 19: Nishi will über das Meer der Dunkelheit die Homeostasis erreichen. Davis und Ken versuchen, ihn aufzuhalten, werden dort aber von einem alten Feind erwartet.
 

Episode 20: In der Homeostasis kommt es zum Kampf zwischen den DigiRittern und Nishi. Trotz einer halben Armee scheint dieser aber übermächtig zu sein.
 

Episode 21: Takeshi will Nishi alleine konfrontieren. Gemeinsam geraten sie in eine Zwischenwelt und der Junge versucht, Nishi zu überzeugen, seinen Plan nicht umzusetzen. Hat er eine Chance?
 

Bonus Episode: In Tsubasas Schule spukt es! Sie will nicht nur den Geist identifizieren, sie muss auch verhindern, dass ihre Freundinnen von Hebimon erfahren.



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Kommentare zu dieser Fanfic (1)

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Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Nobuko
2025-02-14T02:13:05+00:00 14.02.2025 03:13
Interessanter Anfang ^^
Der blaue Drache ist bestimmt Veemon und das weiße Digimon das Prismamon.
Ich bin ehrlich verblüfft das diese FF, nicht mal ein Kommi hat o.o
So hoffe ich das dir dieser kleine Kommi Freude bringt :)


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