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Liebe auf Distanz

von

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Märchenwelt: Internet

Das Klassenzimmer in Tokio füllte sich langsam mit Leben. Die Sonne warf schräg goldenes Licht über die Pultreihen, während Schüler in Gruppen lachend oder gähnend eintraten. Die Luft roch nach Kreide und frischem Papier und wirkte vertraut. Aoko Nakamori saß bereits an ihrem Platz und kritzelte gedankenverloren Herzchen in die Ecke ihres Notizhefts. Ran Mori neben ihr stützte das Kinn in die Hand und beobachtete durch das Fenster den Schulhof, auf dem noch vereinzelt Schüler in die Klasse drängten. Die Tür öffnete sich leise und Kazuha Toyama trat ein. Sie schob sich eine braune Strähne hinters Ohr, als ihr Blick auf die beiden Mädchen fiel. Sofort erhellte sich ihr Gesicht. Sie hob die Hand zum Gruß und ging auf ihre Freundinnen zu, ihr Schritt ruhig und selbstsicher.

"Morgen, ihr zwei,“ sagte sie mit einem Lächeln. Ran drehte sich um, grinste.

"Kazuha! Du bist ja heute sogar pünktlich.“

"Wunder geschehen,“ ergänzte Aoko trocken und klappte ihr Heft zu.

"Oder hast du heute ein Date mit deinem Mathebuch?“ Kazuha lachte leise.

"Nicht mal im Traum.“ Während sie sich setzte, drang aus einer Gruppe von Mädchen weiter hinten leises Kichern und aufgeregtes Geflüster zu ihnen herüber. Ganz automatisch horchten die drei hin.

"…und dann hat er geschrieben, dass er sich in mich verliebt hat!“

"Oh mein Gott, wie süß! Ihr kennt euch nur online, oder?“

"Ja! Er ist so süß und sieht so gut auf seinen Fotos aus!“ Kazuha verzog das Gesicht.

"Als wäre das Internet eine Märchenwelt...“ Ran verzog ebenfalls die Lippen.

"Ich verstehe das auch nicht. Wie kann man denn Gefühle für jemanden entwickeln, den man nicht mal wirklich kennt?“ Aoko schnaubte.

"Das ist wie.. ich liebe deine Tippfehler, lass uns heiraten!’“ Die drei sahen sich an und lachten.

"Also echt,“ sagte Kazuha und stützte sich mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab.

"Ich meine, wie will man sich verlieben, wenn man nicht mal weiß, wie jemand sich verhält? Ob er beim Reden nervt oder beim Essen schmatzt?“

"Oder ob er wirklich der ist, der er vorgibt zu sein,“ warf Ran ein und verdrehte die Augen.

"Vielleicht ist der romantische Chatboy in Wahrheit fünfzig und wohnt im Keller seiner Mutter.“ Aoko prustete los.

"Oder er hat eine Glatze und hat ein komplett verstörtes Hobby!“ Die drei Mädchen lachten herzhaft, die letzte Skepsis in ihren Stimmen verschwunden. Für sie war Liebe etwas, das man wirklich erleben musste und nicht durch einem Smartphone.

"Tja,“ murmelte Kazuha schließlich mit einem Grinsen,

"sollen sie ruhig träumen. Ich bleibe bei der echten Welt.“ Und während die Glocke zum Unterricht läutete, ahnte sie nicht, wie schnell die virtuelle Welt manchmal die echte einholen kann.
 

Der Unterricht zog sich heute wie Kaugummi an einem heißen Sommertag. Das Mädels- Trio saß nebeneinander in der Klasse, die Stifte klapperten leise auf den Tischen, während sie sich durch die Mathe-Klassenarbeit quälten. Zwischendurch warf Kazuha immer wieder einen Blick zur Uhr, als würde sie versuchen, die Zeit zu überlisten.

"Ich verstehe nicht mal die Hälfte von der Aufgabe,“ murmelte Aoko plötzlich und ließ ihren Stift mit einem kleinen Seufzer auf den Tisch fallen. Ran lächelte leicht und legte ihr eine Hand auf Aoko ihre Schulter.

"Komm, wir schaffen das schon irgendwie. Wenn nicht, ist es eben Kunst,“ witzelte sie. Kazuha schüttelte den Kopf und grinste.

"Ich glaube, bei mir wird es eher ein Totalausfall.“ Als die Mathearbeit vorbei war, folgte ein unangekündigter Vokabeltest in Englisch, der die Stimmung nicht besser machte. Ran warf einen enttäuschten Blick auf ihr Heft.

"Das kann doch nicht dein Ernst sein,“ flüsterte sie zu den beiden.

"Ich bin froh, wenn ich überhaupt irgendwas verstanden habe,“ sagte Aoko und schaute ein wenig entmutigt. Kazuha seufzte und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

"Na ja, wenigstens sind wir jetzt fast frei.“ Und endlich erklang die letzte Glocke und ein kollektives Aufatmen ging durch die Klasse.

"Ich brauche dringend Zucker!“ rief Ran und streckte sich.

"Ich habe so Lust auf Eis und danach vielleicht ein bisschen shoppen,“ fügte Aoko hinzu.

"Klingt perfekt,“ stimmte Kazuha zu und warf ihre Tasche über die Schulter. Sie verabredeten sich für den Nachmittag in der Innenstadt.

"Bis später, ihr beiden!“ rief Kazuha fröhlich, als sie sich trennten. Auf dem Heimweg zog Kazuha ihr Handy aus der Tasche und begann ganz entspannt durch ihren Feed zu scrollen. Memes, lustige Sprüche, Fotos von Freunden, Bekannten, Promis und auch fremden Profilen flogen an ihrem Blick vorbei.

"Das Katzenvideo ist echt süß", dachte sie und ein amüsiertes Lächeln erschien in ihrem Gesicht. An einer roten Ampel blieb sie stehen, während sie weiterwischte. Ein inspirierendes Zitat brachte sie zum Nachdenken, doch sie schüttelte leicht den Kopf und lächelte. Sie sah sich um, die Menschen hasteten vorbei, die Stadt summte um sie herum. Doch Kazuha war für einen Moment in ihrer eigenen kleinen Welt. Mit einem leisen Seufzer steckte sie das Handy weg und machte sich wieder auf den Weg nach Hause.
 

Als Kazuha die Wohnungstür hinter sich schloss, war es still, wie immer. Kein Geruch nach frisch gekochtem Essen, keine Stimmen. Ihre Eltern waren beide beruflich eingespannt und selten vor dem Abend zu Hause. Es war längst Alltag für sie geworden. Sie zog ihre Schuhe aus und rief halbherzig.

"Ich bin zu Hause.“ Keine Antwort wie erwartet. Mit einem müden Seufzer schlurfte sie in ihr Zimmer, warf ihre Schultasche achtlos in die Ecke und ließ sich rücklings auf ihrem Bett fallen. Die Matratze gab leise nach, während sie die Augen für einen Moment schloss. Der Tag hatte sich gezogen wie Kaugummi und ihre Gedanken hingen noch irgendwo zwischen Matheformeln und Ran ihrem Kommentar über Zuckerentzug. Die Stille in ihrem Zimmer wirkte überraschend beruhigend. Kein Lärm, keine Vokabeln, keine Tests und nur der sanfte Wind, der durch das gekippte Fenster zog und ihre Vorhänge leicht tanzen ließ. Sie streckte sich genüsslich und setzte sich dann mit einem entschlossenen Ruck auf. Sie ging zum Kleiderschrank, öffnete ihn und ließ ihren Blick über die Kleider wandern. Ihr Finger glitt über ein helles Top, dann über ein schlichtes Sommerkleid. Schließlich zog sie eine Kombination aus Jeansrock und einem lockeren, weißen Oberteil heraus und warf beides auf ihr Bett.

"Nicht zu schick, aber auch nicht total langweilig,“ sagte sie zu sich selbst und nickte zufrieden. Bevor sie sich umzog, verschwand sie im Badezimmer, stellte das Wasser auf eine angenehme warm und ließ die Dusche rauschen. Der Dampf legte sich schnell auf den Spiegel und der Stress des Schultages begann langsam von ihr abzufallen. Während sie unter dem Wasser stand, dachte sie noch einmal kurz an ihre Mitschülerin, die über ihre Online- Bekanntschaft schwärmte. Sie konnte sich das einfach nicht vorstellen. Wie sollte man sich in jemanden verlieben, den man nie berührt oder gesehen hat, außer auf Fotos? Sie schüttelte leicht den Kopf. Das war definitiv nichts für sie. Als sie schließlich frisch geduscht wieder in ihr Zimmer zurückkam, fühlte sie sich wie neu. Sie zog sich um, trocknete sich die Haare grob mit einem Handtuch und griff schließlich nach ihrem Handy, das sie vorher achtlos auf ihr Bett gelegt hatte. Der Bildschirm leuchtete auf. Kazuha lächelte kurz, scrollte erneut durch ihren Feed, während sie sich auf die Bettkante setzte. Noch ein paar Memes, ein Bild einer ehemaligen Klassenkameradin in einem Café, ein Reel von einem berühmten Schauspieler, der durch Tokio lief.

"Schon verrückt, was manche Leute alles posten…“ murmelte sie, während sie weiterwischte.
 

Der Nachmittag war wie im Flug vergangen. Mit Einkaufstüten in der einen Hand und lachenden Gesichtern hatten sich die Freundinnen durch die Läden Tokios gewühlt. Kleider anprobiert, Accessoires begutachtet, in Spiegeln posiert und sich gegenseitig beraten. Ihre Füße waren müde, ihre Geldbeutel etwas leichter, aber ihre Laune auf dem Höhepunkt. Jetzt saßen sie in einer kleinen, hübschen Eisdiele an einem Fensterplatz. Die Sonne war bereits etwas tiefer gesunken und tauchte den Raum in warmes Licht.

"Ich liebe Erdbeeren im Sommer,“ meinte Ran, während sie verträumt aus dem Fenster blickte. Aoko nickte.

"Und ich könnte in Schokolade baden, ehrlich. Wenn das nicht so kleben würde…“

"Zu spät, du hast schon einen Schokofleck am Kinn,“ sagte Kazuha lachend und deutete auf sie. Aoko quietschte leise, griff sofort zur Serviette und wischte sich über das Gesicht.

"Sag das doch früher!“ Kazuha grinste, nahm einen Löffel von ihrem Passionsfruchtbecher und lehnte sich zufrieden zurück.

"Ich hätte nie gedacht, dass diese Kombi so gut schmeckt.“

"Sauer macht fröhlich,“ meinte Ran mit einem Augenzwinkern. Die Stimmung war perfekt. Leicht, ausgelassen, voller typischer Mädchengespräche über Mode, Schule, neue Serien und Unsinn. Doch das wurde gestört, als sich eine Gruppe Jungs näherte. Vier an der Zahl, alle etwa in ihrem Alter, laut, selbstbewusst und eindeutig auf der Suche nach Aufmerksamkeit.

"Na, Mädels? Seid ihr öfter hier?“ fragte einer, der eine übertrieben große Sonnenbrille im Haar trug und sich viel zu lässig an den Nachbartisch lehnte. Ran verzog leicht das Gesicht.

"Nur wenn es Eis gibt und keine Showeinlage.“ Aoko unterdrückte ein Lachen, während Kazuha demonstrativ weiter aß. Ein anderer Junge mit aufgeknöpftem Hemd und gegeltem Haar zeigte auf Kazuha ihr Eis.

"Passionsfrucht, huh? Schmeckt bestimmt genauso süß wie du, oder?“ Kazuha erstarrte kurz, hob dann langsam den Blick und musterte ihn.

"Wow. Hast du den aus dem Internet oder selbst ausgedacht?“

"Ey, ich geb mir wenigstens Mühe!“ sagte er mit einem gespielten Lächeln.

"Dann versuche es bitte nochmal… aber bei anderen.“ meinte Kazuha trocken. Die Jungs lachten etwas unsicher, schoben sich untereinander an, als wäre das alles nur ein Spiel. Ran zog demonstrativ ihr Handy hervor und tippte etwas.

"Wir wollen hier in Ruhe unser Eis essen.“ sagte sie dann in einem Ton, der höflich, aber unmissverständlich war.

"Kein Problem, wir können auch warten…“

"Nein, ihr versteht mich falsch. Ihr sollt uns in Ruhe lassen." Einer der Jungs wollte noch etwas sagen, doch die eisigen Blicke von drei nicht beeindruckten Mädchen taten ihre Wirkung. Mit einem letzten

"Tzzz, zickig!“ zogen sie sich zurück. Kaum waren sie außer Hörweite, schnaubte Aoko.

"Zickig. Klassische Erklärung, wenn man ignoriert wird.“

"Ich war kurz davor, mein Eis auf ihn zu werfen,“ murmelte Kazuha.

"Das wäre Verschwendung,“ meinte Ran.

"Aber ganz ehrlich.. wie kommen die darauf, dass sowas funktioniert?“

"Mangel an Gehirnzellen vermutlich,“ fügte Kazuha trocken hinzu und die drei mussten laut lachen. Die Harmonie war wiederhergestellt.
 

Die Nacht hatte sich sanft über Tokio gelegt, als Kazuha endlich in ihrem Zimmer ankam. Sie trat ein, schloss die Tür hinter sich und atmete einmal tief durch. Die Einkaufstüten vom Tag standen ordentlich neben dem Schrank und ihre Schulmappe lag bereits offen auf dem Schreibtisch. Noch ehe sie sich setzte, klopfte es leise.

"Komm rein,“ sagte sie etwas müde. Ihre Mutter schob die Tür auf und trat mit einem Teller in der Hand ein.

"Ich habe dir was Kleines gemacht. Du warst doch den ganzen Tag unterwegs.“

"Danke, Mama,“ erwiderte Kazuha mit einem ehrlichen Lächeln. Die Reisbällchen dufteten herrlich und daneben lagen Apfelscheiben, hübsch angerichtet.

"Ich liebe dich, mein Schatz. Gute Nacht.

"Ich dich auch. Gute Nacht." Als die Tür sich wieder schloss, ließ sich Kazuha an den Schreibtisch sinken und aß in Ruhe, während sie die letzten Matheaufgaben notierte. Es war nichts Kompliziertes, eher eine kleine Pflichtroutine, bevor sie für den Tag abschließen konnte. Wenig später stand sie auf, schaltete das Licht im Bad an, putzte sich die Zähne, wusch ihr Gesicht und schlüpfte in ihren hellen Schlafanzug und ein weiches Shirt mit einer kleinen Kirschblütenstickerei und eine bequeme Shorts. Zurück in ihrem Zimmer schaltete sie das Deckenlicht aus, ließ nur ihre kleine Lampe an und ließ sich mit einem leisen Seufzen auf ihr Bett fallen.

"Was für ein Tag…“ murmelte sie, während sie zur Fernbedienung griff und den Fernseher einschaltete. Eine Highschool-Komödie flackerte über den Bildschirm. Nichts, was sie ernsthaft verfolgte, aber irgendwie beruhigend fand. Nebenbei nahm sie ihr Handy zur Hand und begann durch ihren Instagram-Feed zu scrollen. Es war wie immer, stylische Outfits, Urlaubsbilder, ein paar lustige Videos, Zitate in hübschen Schriftarten. Ihr Daumen glitt langsam weiter. Dann erschien eine Benachrichtigung. Ran Mori hat dich in ihrer Story markiert. Ein Lächeln stahl sich auf Kazuha ihreLippen, als sie auf die Story ihrer besten Freundin tippte. Das Bild zeigte sie, Ran und Aoko im Modegeschäft. Ein Spiegel-Selfie, das Ran spontan geschossen hatte. Aoko grinste breit, Kazuha blickte leicht seitlich in die Kamera, während Ran den Arm ausgestreckt hielt. Die Bildunterschrift lautete, Shopping mit meinen Lieblingsmädels #GirlsDay Kazuha schickte ein Herz und sah sich das Bild noch einmal genauer an. Sie scrollte weiter durch ihren Feed und neue Posts von Freunden, Storys von Leuten aus der Schule, kurze Reels erschienen. Hier ein Konzertmitschnitt, dort ein Sonnenuntergang, ein Meme dazwischen. Es war nichts, worüber sie länger nachdachte. Sie legte das Handy beiseite, zog sich die Decke bis zur Brust und sah kurz auf den Fernseher, wo zwei Figuren gerade in Zeitlupe aufeinander zuliefen.

"Viel zu dramatisch…“ flüsterte sie lachend. Dann griff sie doch wieder zum Handy, einfach aus Gewohnheit und nicht, weil sie etwas Bestimmtes erwartete. Sie scrollte noch eine Weile, bis ihre Augen langsam schwerer wurden.
 

Der neue Schultag hatte begonnen, doch statt müder Gesichter und Unterrichtsstress lag eine ungewohnt entspannte Stimmung in der Luft. Die Lehrerin war erkrankt und die erste Stunde offiziell ausgefallen.

"Endlich mal Glück!“ meinte Aoko erleichtert, während sie mit Ran und Kazuha an ihrem üblichen Platz am Fenster saß. Die drei hatten sich ihre Stühle enger zusammengeschoben, ihre Taschen halbherzig neben sich auf dem Boden geworfen. Kazuha hatte gerade ein Meme auf ihrem Handy geöffnet und hielt es den anderen unter die Nase.

"Guckt euch das an. So fühlt sich Mathe jede Woche an.“ Ran lachte auf.

"Das bin sowas von ich.“ Aoko schüttelte den Kopf.

"Wenn ich es nochmal sehe, kann ich die Formel vielleicht irgendwann… ignorieren.“ Die Mädchen kicherten, während ringsum ein kleines Klassenzimmer-Chaos herrschte. Im hinteren Bereich der Klasse saßen zwei Jungs namens Takuya und Jinpei. Sie bastelten eifrig Papierflieger.

"Wetten, meiner fliegt bis zur Tafel?“

"Nur, wenn der Wind durch das Fenster mithilft.“ Jinpei warf. Der Flieger segelte in einer eleganten Kurve und landete direkt auf dem Kopf eines ahnungslosen Mitschülers.

"Ey!“ rief dieser empört. Lachen brach aus. Andere warfen zerknüllte Papierkugeln in Richtung Mülleimer. Einer traf die Wand, prallte ab und traf einen Mitschüler am Rücken.

"Volltreffer!“ rief jemand. Yuna, eine der beliebtesten Schülerinnen der Klasse, stand währenddessen vorne an der Tafel. Sie hatte ihr Handy gezückt, hielt es mit ausgestrecktem Arm vor sich und überprüfte den Winkel.

"Okay, Leute.. einmal schön chaotisch für den Boomerang!“

"Waaas? Echt jetzt?“ fragte ein Mitschüler von der Seite.

"Gleich bin ich ein Instagram-Star!“ rief ein anderer und posierte dramatisch. Yuna grinste.

"So, auf drei.. eins… zwei…“ Das Video lief. Sie drehte kurz den Kopf, lächelte in die Kamera, während hinter ihr Ran mit einer Handbewegung etwas erklärte, Kazuha laut lachte, Aoko mit einem Stift auf Kazuha ihren Arm tippte. Jinpei warf gerade einen weiteren Flieger, ein Mädchen am Fenster zeigte ein Peace-Zeichen. Sie stoppte die Aufnahme zufrieden.

"Perfekt!“ Schon begann sie, den Clip zu bearbeiten. Sie fügte einen leicht beschleunigten Beat hinzu, passte die Helligkeit an und schrieb dann unter zu dem Video. So sieht Freistunde aus bei uns #classvibes #chaoscrew Dann begann sie, jeden ihrer Mitschüler zu markieren. Einige Handys vibrierten sofort. Ran hob den Kopf.

"Yuna hat uns markiert.“

"Wie sie immer alles sofort posten muss,“ murmelte Aoko amüsiert, während sie ihr Handy entsperrte.

"Oh, guckt euch das an!“ sagte Kazuha, die das Video geöffnet hatte.

Sie tippte auf Yuna ihre Story und das kurze Boomerang-Video spielte in Endlosschleife. Kazuha sah sich selbst lachen, wie Aoko sie spielerisch mit dem Stift piekte, Ran in einer erklärenden Geste. Und die Klasse drumherum so wild, lebendig und laut.

"Das ist irgendwie… witzig getroffen,“ meinte Ran.

"Wir sehen aus, als wäre es ein Werbespot für eine Highschool-Serie,“ lachte Aoko.

"Oder wie die perfekte Szene vor dem Drama in Folge zwei,“ schmunzelte Kazuha. Sie tippte ein Herz und lehnte sich leicht zurück. Ihr Blick fiel aus dem Fenster und das Sonnenlicht flackerte auf den Blättern der Bäume, draußen lief eine andere Klasse zum Sportplatz. Für einen Moment schien alles leicht, fast perfekt.
 

Die Pause hatte begonnen und die Cafeteria war erfüllt vom Stimmengewirr der Schüler, dem Klirren von Tabletts und dem Summen des Getränkeautomaten. Das Mädels- Trio hatte sich einen Platz in der Ecke gesichert, etwas abseits vom größten Trubel. Die drei saßen nebeneinander an einem kleinen runden Tisch, ihre Bentoboxen geöffnet vor sich, daneben jeweils ein Getränk Maracujaschorle, Eistee und ein Melonensoda.

"Ich schwöre, der Lehrer heute hat selbst nicht gewusst, was er uns erklären wollte,“ sagte Aoko kauend, während sie mit den Stäbchen ein Stück Omelett anvisierte.

"Das war dieses.. Ich lese das Skript zum ersten Mal- Gesicht,“ ergänzte Ran grinsend.

"Oder er hat es einfach vergessen. Wäre auch nicht das erste Mal,“ meinte Kazuha und schob sich ein Stück gebratenes Gemüse in den Mund. Zwischen ihnen lagen ihre Handys, entsperrt, aber unbeachtet bis plötzlich Kazuha ihr Handy leise vibrierte. Noch während sie lachte, hob sie es automatisch an, sah auf ihr Display und runzelte leicht die Stirn.

"Was ist?“ fragte Ran neugierig, als sie Kazuha ihr zögernden Gesichtsausdruck bemerkte.

"Ich habe eine Followeranfrage. Von jemandem namens… JustHeiji?“ Kazuha legte leicht den Kopf schief.

"Klingt irgendwie… gewollt cool?“ mutmaßte Aoko.

"Oder nach einem Gamername,“ warf Ran ein. Kazuha tippte auf das Profil.

"Sein Profil ist Privat gestellt. Sein Profilbild ist… ein Drache. So ein animierter, leicht verpixelt.“ Sie drehte das Handy leicht, sodass Ran und Aoko einen Blick erhaschen konnten.

"Wow, sehr geheimnisvoll,“ murmelte Aoko mit einem theatralischen Tonfall.

"Steht da sonst was?“ fragte Ran. Kazuha schüttelte ihren Kopf.

"Nur die Stadt. Vermutlich lebt er in Osaka.“

"Meint ihr, er ist ein Fake?“ überlegte Aoko.

"Naja, er hat über 2.000 Follower und folgt der Hälfte zurück… sieht irgendwie… echt aus?“ Sie zuckte mit den Schultern. Ohne groß weiter zu überlegen, tippte sie auf Anfrage akzeptieren, ein automatischer Reflex fast. Kurz darauf stellte sie ihm ebenfalls eine Anfrage zurück.

"Wird wahrscheinlich irgendein Bekannter von einem Bekannten sein,“ sagte sie beiläufig, während sie wieder zu ihrer Bentobox griff.

"Oooder jemand, der einfach wahllos hübsche Mädels durchklickt,“ sagte Ran trocken.

"Ach, wer weiß,“ antwortete Kazuha mit einem leichten Schmunzeln, doch innerlich fragte sie sich schon, wer dahinter stecken könnte.
 

Der Pausenhof war erfüllt vom Klang ausgelassener Stimmen, das Rauschen des Windes mischte sich mit dem dumpfen Aufprall eines Fußballs. Heiji Hattori saß lässig auf einer niedrigen Mauer unter einem Baum, das Handy locker in der Hand. Neben ihm hockte Kaito Kuroba, der ungeniert jeder zweiten vorbeigehenden Schülerin hinterhersah, während Shinichi Kudo ein paar Meter entfernt stand und mühelos einen Fußball mit dem Fuß jonglierte, so konzentriert, fast gelangweilt.

"Neunundzwanzig… dreißig… einunddreißig…“ murmelte Shinichi leise vor sich hin, den Blick starr auf den Ball gerichtet.

"Sag mal, bist du ein Mensch oder ein Roboter?“ fragte Kaito und schielte zu ihm rüber.

"Nur jemand mit Koordination,“ kam es trocken zurück. Heiji bekam von dem Geplänkel kaum etwas mit. Er hatte den Blick auf sein Handy gerichtet. Genauer gesagt auf ein kurzes Boomerang-Video auf Instagram. Gepostet von einer gewissen Yuna aus Tokio, der er irgendwann mal beiläufig gefolgt war. Normalerweise klickte er durch solche Storys gedankenlos durch. Aber diesmal war es anders. In dem Clip war eine typische chaotische Klassenszene zu sehen, wo Schüler lachten, jemand stand an der Tafel, andere warfen Papierflieger. Doch sein Blick war sofort an einem bestimmten Mädchen hängen geblieben. Sie saß zwischen zwei Freundinnen und lachte mit einem dieser offenen, ehrlichen Lächeln, das in Erinnerung blieb. Neugierig hatte er die Markierungen des Beitrags durchforstet, bis er sie gefunden hatte. Ihr Profil war privat. Aber sie wirkte.. anders. Er hatte ihr vor ein paar Minuten eine Followeranfrage geschickt, einfach aus dem Bauch heraus, ohne viel nachzudenken. Eine neue Benachrichtigung ließ das Handy leicht in seiner Hand vibrieren. Kazuha.t hat deine Anfrage angenommen. Er regte sich kaum, doch innerlich machte sich ein stilles, intensives Hochgefühl breit. Es war kein lauter Jubel, eher ein warmes, zufriedenes Kribbeln in der Brust. Fast automatisch tippte er auf ihr Profil, was für ihn endlich sichtbar wurde. Ein paar Selfies. Mal mit Freundinnen, mal allein. Ein Bild vor einem Café, eines vor dem Spiegel in einem Laden. Ihre Ausstrahlung war ruhig, natürlich und nichts Aufgesetztes. Kein übertriebener Filter. Keine inszenierte Pose. Sie war genau wie in dem Video. Vollkommen authentisch. Heiji betrachtete eines der Fotos etwas länger. Das Licht fiel auf ihr Gesicht, der Schatten eines Baumes lag auf ihrer Schulter. Sie sah nicht in die Kamera, sondern zur Seite und wirkte darauf verträumt. Ohne Lächeln. Und genau das machte das Bild für ihn so faszinierend. Eine weitere Benachrichtigung erschien auf dem Display. Kazuha.t möchte dir folgen. Diesmal hob er leicht die Brauen. Überraschung flackerte in seinem Blick auf, aber er zögerte keine Sekunde, tippte auf Anfrage bestätigen. Kaito bemerkte die Bewegung und lehnte sich interessiert rüber.

"Na? Tinder, Insta oder plötzlich verliebt?“ Heiji sein Blick blieb noch einen Moment auf dem Display und sperrte dann den Bildschirm und sagte nur knapp.

"Nichts für dich.“ Er steckte sein Handy ohne ein weiteres Wort in seiner Hosentasche. Und obwohl er sie sich nicht kannte, ahnte er.. Das war nicht das letzte Mal, dass er an sie denken würde.
 

Die Pause war noch nicht vorbei, als Kazuha ihr Handy erneut vibrierte. Sie hatte es achtlos neben ihrer Bentobox liegen gelassen, während sie mit Ran und Aoko lachte. Ohne viel Erwartung griff sie danach, entsperrte es und blinzelte gegen das Licht des Displays. JustHeiji hat deine Anfrage angenommen.

"Oh“, entfuhr es ihr überrascht.

"Was denn?“ fragte Ran sofort, ihre Stäbchen mit einem Stück Obst aus ihrer Bentobox blieb halb in der Luft stehen.

"Er hat meine Anfrage angenommen… dieser JustHeiji-Typ von vorhin“, erklärte Kazuha und zeigte den beiden die Benachrichtigung. Aoko beugte sich über den Tisch.

"Lass sehen!“

"Warte, ich öffne es.“ Kazuha klickte auf das Profil, das nun nicht mehr privat war. Gemeinsam mit ihren Freundinnen scrollte sie durch seinen Feed. Er hatte einige Selfies hochgeladen mal allein, mal mit Freunden. Auf einem saß er mit verschränkten Armen auf einem Moped, die Kappe nach hinten auf dem Kopf, leicht schiefes Grinsen. Auf einem anderen stand er neben einem Typen mit schwarzen Haaren, beide in Schuluniform. Der dritte Typ, groß und mit auffälligem Grinsen, war auf fast jedem zweiten Foto dabei.

"Nicht schlecht…“ murmelte Aoko anerkennend.

"Sieht sportlich aus.“

"Und er hat scheinbar Humor, schau mal den Kommentar hier“, meinte Ran und las laut vor.

"Wenn du denkst, du hast schlimme Freunde.. ich habe Kaito." Kazuha lachte leise. Dann entdeckte sie oben im Profil eine aktive Story. Ein roter Kreis leuchtete um das Profilbild.

"Er hat eine Story“, meinte Kazuha neugierig und tippte auf den roten Kreis um sein Profilbild. Das Video startete sofort. Es zeigte zuerst ihn selbst mit der Frontkamera und ein kurzer, selbstsicherer Blick in die Linse, gefolgt von einem schiefen Grinsen, ehe er die Kamera drehte. Nun war der Schulhof zu sehen. Er schwenkte locker rüber zu zwei Jungs. Der eine saß mit konzentrierter Miene auf einer Bank, völlig vertieft in seinem Handy, als würde er nicht mal merken, dass er gerade gefilmt wird. Der andere lag fast ausgestreckt daneben, halb verschlafen, mit einem Grinsen auf den Lippen, als hätte er gerade irgendeinen lockeren Spruch gemacht oder würde jeden Moment einen bringen.

"Okaaay… seine Freunde sind auch nicht ohne“, kommentierte Aoko mit einem leisen Pfeifen.

"Der mit dem Handy sieht ja mal richtig gut aus“, fügte Ran hinzu.

"Und der andere sieht aus, als würde er den Unterricht nur zur Deko besuchen“, kicherte Aoko. Die drei lachten gemeinsam, während das Video endete und die Story automatisch verschwand. Kazuha ließ ihr Handy sinken, lehnte sich etwas zurück und kaute nachdenklich auf ihrem Essstäbchen.

"Weißt du inzwischen, wie er richtig heißt?“ fragte Aoko. Kazuha schüttelte den Kopf.

"Ich denke aufgrund vom Profilnamen, Heiji.“ Ran grinste. .

"Trotzdem mutig, einfach so eine Anfrage anzunehmen.“ Kazuha zuckte mit den Schultern.

"Sein Profil sah echt aus und ist es offensichtlich auch. Keine komischen Sprüche, kein Prollkram. Und die Bilder sind okay.“

"Wirst du ihm schreiben?“ hakte Aoko neugierig nach. Kazuha winkte direkt ab.

"Sehr wahrscheinlich nicht. Ist ja nur ein Instagram-Klick. Ich kenne ihn ja nicht.“ Doch trotz ihrer Worte wanderte ihr Blick noch einmal kurz auf das Display, dorthin, wo das Story-Icon nun grau geworden war.
 

Die Schule war längst vorbei, die Sonne senkte sich langsam hinter die Dächer und das Licht im Zimmer von Heiji war warm und gedämpft. Leise Musik ertönte aus den Lautsprechern und ein entspannter Beat, der kaum auffiel, aber die Atmosphäre füllte. Shinichi und Kaito saßen auf dem Boden vor der Konsole und lieferten sich ein erbittertes FIFA-Duell. Lautes Tastendrücken, gefolgt von Kaito, der fluchte, als Shinichi ihm ein sauberes Tor einschenkte.

"Das war Abseits!“ meckerte Kaito, obwohl es eindeutig keins gewesen war.

"Lern erstmal die Regeln, dann reden wir“, konterte Shinichi trocken, ohne vom Bildschirm weg zu sehen. Heiji saß etwas abseits auf einem dicken Sitzkissen neben seinem Bücherregal, ein Bein angezogen, das Handy locker in der Hand. Während seine Freunde sich lautstark duellierten, scrollte er gedankenverloren durch seinen Instagram-Feed. Memes. Sport- Videos. Irgendein Burger- Rezept. Und dann, wieder ihr Profil. Sein Daumen stoppte automatisch, als das Bild erschien, das ihn heute schon einmal länger hatte verweilen lassen. Kazuha in einem schlichten Hoodie, ein Selfie im Spiegel. Keine aufgesetzte Pose. Kein Kussmund. Nur sie, mit einem schmalen Lächeln und diesem Blick, der irgendwo zwischen Gelassenheit und Neugier lag.

"Ey“, sagte Kaito plötzlich hinter ihm. Heiji hob nicht einmal den Kopf.

"Hm?“

"Du sabberst gleich auf dein Display, Alter.“

"Halt die Klappe, Kuroba.“, murmelte Heiji, aber man hörte das leichte Grinsen in seiner Stimme. Kaito drehte sich halb zu ihm um, während Shinichi die nächste Partie startete.

"Ernsthaft, du starrst das Bild jetzt zum dritten Mal an. Schreib ihr halt, bevor du noch ein Poster daraus machst.“

"Ich schreibe ihr nicht einfach so“, erwiderte Heiji leise und wischte weiter, doch stoppte wieder an einem anderen Bild von ihr, dieses Mal mit Freundinnen vor einem Café.

"Warum nicht? Du bist sonst auch nicht auf den Mund gefallen“, grinste Kaito.

"Oder wirst du plötzlich schüchtern?“ Heiji warf ihm einen flüchtigen Blick zu.

"Vielleicht will ich nicht wie einer von den Idioten wirken, die nur wegen dem Aussehen schreiben.“ Kaito hob die Brauen.

"Also bist du ein Idiot, der lieber heimlich guckt und hofft, dass sie zuerst schreibt? Klingt... super männlich.“ Shinichi warf ohne vom Spiel abzusehen ein trockenes

"Er hat nicht ganz unrecht“ ein. Heiji sah wieder auf sein Handy, dann atmete er durch. Seine Finger schwebten kurz über dem Nachrichtenfeld. Nur ein kleine Nachricht. Keine große Sache. Er musste ja nicht gleich flirten. Nur... einen Anfang machen. Er tippte. Er starrte auf die Nachricht. Dann schickte er sie ab. Kaito grinste siegessicher.

"Na endlich.“ Heiji lehnte sich zurück, ließ das Handy auf das Kissen neben sich fallen und sah an die Decke. Jetzt lag es nicht mehr bei ihm.
 

Kaito hatte erneut verloren. Und nochmal. Und nochmal.

"Das Spiel ist verflucht“, murrte er theatralisch, ließ den Controller fallen und warf sich rücklings auf das Bett.

"Irgendwas stimmt mit meinem Team nicht. Oder mit der Schwerkraft. Oder mit Shinichi seiner Aura.“ Shinichi lehnte sich grinsend zurück, die Arme verschränkt.

"Oder vielleicht liegt es daran, dass du einfach schlecht bist.“

"Sag das nochmal und ich beiße in deinen Controller“, drohte Kaito dramatisch, während er mit einem Kissen warf, das Shinichi problemlos auffing.

"Okay, genug FIFA“, meinte Shinichi trocken.

"Bevor du noch anfängst, Gedichte über sein verlorenes Talent zu schreiben.“

"Oder eine Trauerrede“, ergänzte Heiji. Sie lachten, während Kaito maulend das Spiel wechselte.

"Dann halt was mit Autos. Da kann ich wenigstens mit Vollgas in Wände fahren." Ein Autorennspiel wurde eingelegt, das Licht im Zimmer war inzwischen leicht gedimmt, der Himmel draußen färbte sich langsam orange. Motorengeräusche ertönten und das erste Rennen begann. Doch Heiji war gedanklich längst nicht mehr bei schnellen Kurven oder Highscores. Er saß noch immer auf seinem Sitzkissen, die Arme locker auf den Knien, das Handy in Griffweite und seine Gedanken ganz woanders. Alle paar Minuten griff er unauffällig danach, entsperrte es, sah auf sein Display. Nichts. Keine neue Nachricht. Keine Reaktion von ihr. Er schaltete das Display wieder aus. Lehnte sich zurück und wartete. Tat so, als würde er sich auf das Rennen konzentrieren. Keine zwei Minuten später, wieder der Griff zum Handy. Shinichi warf ihm einen Seitenblick zu.

"Immer noch keine Antwort von ihr?“ Heiji sah kurz zu ihm, dann wieder auf sein Display.

"Nein.“

"Vielleicht hat sie es einfach noch nicht gesehen“, meinte Shinichi ruhig.

"Oder sie überlegt sich erst mal, ob du creepy bist“, warf Kaito ein, der mit übertriebener Lenkbewegung in eine Mauer raste.

"Ich meine, du hast ihr Hey geschrieben. Das ist wie.. Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll, aber ich will nicht wie ein Depp wirken.'“ Heiji funkelte ihn kurz an.

"Soll ich dir erklären, wie das Leben ohne Zähne aussieht?“

"Oho, da ist jemand nervös“, neckte Kaito grinsend. Shinichi sagte nichts, musterte seinen Freund nur. Heiji hatte die Augen wieder auf sein Handy gerichtet, obwohl da nichts Neues war. Keine Antwort. Keine Aktivität. Er seufzte leise und legte das Handy wieder zur Seite, diesmal etwas energischer.

"Vielleicht war's ein Fehler“, murmelte er.

"Oder du bist einfach zu ungeduldig“, meinte Shinichi. Heiji nickte nur langsam. Doch in seinem Kopf ratterte es bereits. Was, wenn sie keine Lust hatte zu antworten? Was, wenn sie ihn nur akzeptiert hatte, weil er wie ein ganz normaler Follower wirkte, aber kein Interesse an mehr hatte? Kaito schielte zu ihm rüber und sagte mit einem Grinsen.

"Wenn du bis morgen früh keine Antwort hast, backe ich dir Trost-Muffins in Herzform.“

"Dann bete ich jetzt, dass sie antwortet“, konterte Heiji trocken. Doch innerlich… hatte er es längst aufgegeben, cool zu wirken.
 

Es war bereits spät am Abend, fast Mitternacht, als Kazuha endlich ihr Zimmer betrat. Ihre Schultern schmerzten ein wenig vom vielen Herumtragen, Herumtoben und Mitspielen. Ihre Tante war mit den beiden kleinen Wirbelwinden zu Besuch gewesen. Zwei lebhafte Kinder im Grundschulalter, die Kazuha stundenlang auf Trab gehalten hatten. Jetzt war das Haus wieder ruhig. Ihre Mutter war noch unten, vermutlich bei der letzten Runde Abwasch, während Kazuha mit einem tiefen Seufzen die Tür hinter sich schloss und direkt Richtung Bett schlurfte. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, als sie sich auf die Matratze plumpsen ließ, die Decke halb über sich ziehend. Einen Moment lang lag sie einfach nur da. Dann wanderte ihr Blick zu ihrem Handy, das den halben Tag über stumm auf dem Nachttisch gelegen hatte. Sie griff danach, entsperrte es. Vier neue WhatsApp-Nachrichten in der Gruppe mit Ran und Aoko.

●Ran: Ich sage es euch, der Mathetest morgen wird unser Untergang

Aoko: Ich habe nicht mal die Aufgaben verstanden, die wir üben sollten

Ran: Ich bringe morgen Nervennahrung mit.

Aoko: Nur, wenn es Schokolade ist●

Kazuha schmunzelte leise und antwortete kurz darauf mit einem Daumen-hoch-Emoji. Dann wechselte sie zu Instagram, einfach aus Gewohnheit. Und da war es. Eine neue Nachricht. Ihr Herz machte einen kleinen, unerklärlich schnellen Schlag, als sie den Absender sah. Sie tippte darauf.

●JustHeiji: Hey :)●

Einfach und kurz, aber irgendwie ausreichend. Kazuha setzte sich im Bett auf, die Decke über den Beinen, das Handy in beiden Händen haltend. Sie starrte eine Weile auf die Nachricht. Nicht nervös, aber nachdenklich. Er hatte wirklich geschrieben. Was soll sie antworten? Sollte sie überhaupt? Es war nur ein Wort mit einem Smiley, aber plötzlich fühlte es sich an wie eine kleine Entscheidung. Sie biss sich kurz auf die Unterlippe, dann zuckte sie mit den Schultern. Warum eigentlich nicht? Ihre Finger glitten über die Tastatur. Sie überlegte noch kurz, ob sie ein Emoji anhängen sollte, entschied sich aber dagegen und schickte es einfach so ab. Das Handy legte sie danach neben sich auf ihr Bett. Ohne viel nachzudenken, schaltete sie den Fernseher stumm ein und ließ die Bilder im Hintergrund laufen. Aber ihr Blick wanderte immer wieder zum Bildschirm, als würde sie auf ein kleines Leuchten warten. Nur aus Neugier, natürlich. Nicht, weil es ihr irgendwie wichtig war. Nicht, weil sie mehr über ihn wissen wollte.

Ganz bestimmt nicht.
 

Die Musik war längst verstummt. Die Konsole war ausgeschaltet, das Zimmer still. Shinichi und Kaito hatten sich verabschiedet, nicht ohne noch ein paar letzte, neckende Sprüche in den Raum zu werfen, auf die Heiji nur müde mit den Augen gerollt hatte. Jetzt lag er in seinem dunklen Zimmer, nur das schwache Licht der Straßenlaterne draußen fiel durch die halbgeschlossenen Vorhänge. Er lag auf dem Rücken, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und starrte an die Decke. Sein Handy lag neben ihm auf dem Bett, das Display schwarz. Er hatte schon längst aufgehört zu hoffen. Wenn sie nicht antwortete, war es halt so. War ja nur Instagram. Vielleicht hatte sie seine Nachricht gar nicht gelesen. Oder einfach kein Interesse. Oder… was auch immer.

Heiji schnaubte leise, griff seufzend zum Handy, nur um es ein letztes Mal zu checken. Nichts. Er sperrte es wieder und ließ es zur Seite gleiten. Dann drehte er sich auf die Seite, von seinem Handy weg, die Stirn leicht in die Kissen gedrückt. In seinem Kopf ratterten Gedanken, die er eigentlich nicht zulassen wollte. Was hatte er sich eigentlich gedacht? Dass sie sofort antwortet? Dass sie neugierig ist? Vielleicht hatte sie schon tausend solcher Nachrichten bekommen. Vielleicht war er nur einer von vielen. Gerade, als er den Gedanken abschütteln wollte, fiel ein schwacher Lichtschein hinter ihm auf das Zimmer. Heiji zuckte zusammen. Einen Moment lang war er sich nicht sicher, ob er es sich eingebildet hatte. Er drehte sich blitzschnell um, riss das Handy an sich und entsperrte es. Eine neue Nachricht auf Instagram. Seine Augen flogen über das Display.

●Kazuha.t: Hallo●

Zwei einfache Silben. Aber sie trafen ihn wie ein Stromschlag im besten Sinne. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, unwillkürlich, nicht zu stoppen. Er richtete sich halb auf, stützte sich mit dem Ellbogen ab und starrte auf den Bildschirm, als hätte er gerade eine Goldmedaille gewonnen.

"Na also…“ murmelte er leise und fuhr sich durch sein Haar. Er war nicht der Typ, der lang an einem Text herumfeilte, aber jetzt… Jetzt wollte er nichts Dummes schreiben. Er starrte ein paar Sekunden auf das leere Textfeld, überlegte, löschte, tippte wieder, schickte seine Nachricht ab. Dann ließ er das Handy auf seine Brust sinken und starrte an die Decke. Dieses Mal mit einem kleinen, triumphierenden Lächeln. Er hatte eine Antwort und das Gespräch zwischen ihnen konnte beginnen.
 

●JustHeiji: Du liest gern?●

Heiji lag ausgestreckt auf dem Bett, eine Hand unter dem Kopf, das Handy über seinem Gesicht. Als er auf Senden tippte, wartete er gespannt und lächelte unwillkürlich, als das kleine Gesehen erschien.

●Kazuha.t: Ja, ziemlich oft eigentlich. Beruhigt mich irgendwie. Du?●

Heiji grinste. Irgendwie mochte er ihren ruhigen Schreibstil. Er tippte direkt zurück.

●JustHeiji: Selten. Höchstens bei Mangas oder wenn es um alte Kriminalfälle geht. Klingt nerdig, ich weiß.●

Kazuha musste leise lachen, als sie das las. Sie lag ebenfalls im Bett, das Handy auf der Brust abgestützt, die Decke bis zum Kinn gezogen. Seine Antwort war ehrlich und irgendwie niedlich.

●Kazuha.t: Gar nicht so nerdig. Finde ich interessanter als Leute, die gar nichts lesen.

JustHeiji: Dann habe ich Glück gehabt. Was guckst du so für Serien?●

Die Nachricht kam schnell und als Kazuha das sah, schmunzelte sie. Sie mochte es, dass er so präsent im Gespräch war.

●Kazuha.t: So alles mögliche. Drama, Mystery, manchmal Comedy. Je nach Stimmung. Du?

JustHeiji: Viel Anime, bisschen Action. Und Fußball. Shinichi zwingt mich auch manchmal zu Krimi-Dokus●

Kazuha lächelte bei der Vorstellung. Shinichi kannte sie natürlich nicht, aber dass Heiji jemanden so beiläufig erwähnte, wirkte vertraut.

●Kazuha.t: Klingt nach einem ziemlich entspannten Abend bei euch.

JustHeiji: Manchmal. Heute war es auch eher ruhig. Jetzt nur noch ich, Bett, Handy. Und du?●

Sie tippte sofort zurück.

●Kazuha.t: Ziemlich genauso. Ich bin auch gerade einfach froh, dass es still ist.●

Als die Nachricht ankam, lächelte Heiji erneut. Er mochte die Art, wie sie schrieb.. direkt, aber nicht kühl. Ganz anders als die Gespräche, die er sonst so führte. Beide lagen nun still in zwei verschiedenen Städten, in ihren Zimmern. Nur das leise Tippen und Vibrieren des Handys durchbrach nicht nur die Ruhe, sondern auch die Distanz.

Instagram- Storys

Der Gong zur Pause hallte durch das Klassenzimmer. Sofort wurden Stühle zurückgeschoben, Stimmen erhoben sich, und die Klasse begann sich aufzulösen außer Heiji. Der hatte seinen Kopf auf den verschränkten Armen über sein aufgeschlagenes Lehrbuch gelegt und rührte sich nicht. Shinichi sah zu ihm rüber und stupste ihn mit dem Ellenbogen an.

"Heiji. Pause.“ Keine Reaktion.

"Hattori“, sagte er lauter. Langsam hob Heiji den Kopf, blinzelte schläfrig, seine Haare lagen zerdrückt zur Seite.

"Was…? Schon Pause?“ murmelte er heiser.

"Ja“, grinste Shinichi.

"Komm, bevor die Pause wieder vorbei ist.“ Heiji streckte sich stöhnend, während sie sich aus dem Klassenraum schoben. Im Flur wartete Kaito bereits mit verschränkten Armen an der Wand und musterte seinen schlaftrunkenen Freund.

"Alter, du siehst aus, als wärst du von einem Bus überfahren worden“, stellte er trocken fest.

"Ich fühle mich auch so…“, murmelte Heiji und rieb sich die Augen.

"Was war los?“ fragte Shinichi neugierig.

"Du hast die komplette Stunde verpennt.“

"Ich habe bis fast vier Uhr früh mit jemandem geschrieben“, sagte Heiji ehrlich, gähnte, als würde er den Beweis gleich mitliefern. Kaito stutzte.

"Bis vier?“ Heiji nickte.

"Mit jemandem...“, wiederholte Kaito langsam, dann weiteten sich seine Augen dramatisch.

"Oh nein. Sag nicht, was ich denke, was du sagen willst. Das ist der Anfang vom Ende!“

"Kaito, hör auf…“, seufzte Heiji. Doch der ließ nicht locker.

"Erst textest du mit irgendwem bis tief in die Nacht und ehe du dich versiehst, malst du kleine Herzchen in dein Matheheft!“ Heiji schnaubte.

"Du spinnst komplett.“

"Warte, warte“, rief Kaito theatralisch aus, hob den Zeigefinger.

"Man bleibt nur aus drei Gründen so lange wach. Wenn man verliebt ist, wenn man gelangweilt ist oder wenn man beides gleichzeitig ist.“

"Ich bin weder verliebt noch gelangweilt gewesen.“, sagte Heiji trocken.

"Wir haben einfach geredet und die Zeit vergessen. Punkt.“

"Aha“, machte Kaito, zog eine Braue hoch.

"Und worüber redet man so die halbe Nacht lang mit einem völlig unbedeutenden Menschen?“ Shinichi verfolgte die Diskussion still, schlürfte seelenruhig seinen Coffee-to-go und versuchte gar nicht erst, ein Grinsen zu verbergen.

"Ich sage es dir, Shinichi“, begann Kaito, der nun dramatisch auf einen Cafeteria- Stuhl kletterte,

"unsereins sucht nach dem nächsten Snack, aber Hattori hier hat sich einen Mitternachtstextbuddy geangelt. Bald schreibt er Gedichte!“

"Komm da runter, du Idiot“, murmelte Heiji, ließ sich auf den Stuhl plumpsen. Kaum saß er, zog er plötzlich sein Handy hervor. Er entsperrte es schnell. Sein Blick huschte über den Bildschirm, doch sein Gesicht blieb ausdruckslos. Keine neue Nachricht. Ein kurzer Moment der Enttäuschung zog über ihn, aber er verdrängte es sofort, öffnete den Chat und tippte eine Nachricht.

●JustHeiji: Guten Morgen●

Laut Instagram war sie diesen Morgen noch nicht online gewesen. Nach kurzem Zögern sendete er die Nachricht ab. Kaito, der alles beobachtet hatte, grinste erneut breit.

"Jetzt ist es offiziell. Er ist verloren“, verkündete Kaito mit einem breiten Grinsen. Heiji steckte sein Handy wortlos zurück in die Hosentasche, lehnte sich zurück und funkelte Kaito genervt an.

"Halt einfach die Klappe, Kuroba.“ Doch das war der Startschuss. Kaito legte dramatisch eine Hand auf die Brust, hob die andere und begann in gespielt tragischer Stimme.

"Er schreibt ihr Guten Morgen, heute. Morgen ist es ein Wie war dein Tag?… und übermorgen? Da beginnt das Elend!“ Heiji verdrehte die Augen.

"Kaito…"

"Nein, lass mich ausreden!“ fuhr Kaito fort, nun mitten im Auftritt.

"Du wirst auf Nachrichten warten wie ein verdurstender Mann auf Regen! Jedes Mal, wenn dein Handy vibriert, wirst du mit leuchtenden Augen aufspringen, nur um enttäuscht festzustellen, dass es nicht sie ist!“ Shinichi schüttelte nur leicht den Kopf, während er weiter seinen Kaffee trank.

"Du wirst anfangen, ständig auf ihr Profil zu tippen, nur um zu sehen, ob sie vielleicht was Neues gepostet hat. Und dann… dann, Hattori…“ Kaito senkte die Stimme theatralisch,

"begibst du dich auf den Pfad der Verlorenen. Du entwickelst… Stalkerzüge! Du merkst dir Storyzeiten, klickst auf jeden Kommentar und scrollst durch jeden Post!“

"Du bist nicht ganz dicht“, knurrte Heiji, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte zur Seite.

"Doch, bin ich!“, rief Kaito entrüstet.

"Du wirst zum hoffnungslos verliebten Trottel! Dein IQ halbiert sich, dein Herz übernimmt das Kommando, und die nächste Katastrophe ist vorprogrammiert.“ Shinichi stieß ein kurzes Lachen aus.

"Du hast zu viele Dramen gesehen.“

"Ich habe das Leben gesehen“, erwiderte Kaito bedeutungsschwer, dann zeigte er auf Heiji.

"Und ich sehe.. Das hier ist erst der Anfang.“ Heiji schloss die Augen und murmelte.

"Ich schwöre, wenn du nicht gleich still bist, träumst du heute Nacht von einem gesunden Arm.“ Kaito legte sich übertrieben theatralisch über die Bank.

"Sogar Albträume wären erträglicher als dieser Liebeswahn, der dich bald überrollen wird…“ Shinichi lachte wieder und Heiji? Der starrte schweigend auf den Tisch. So viel Schwachsinn. Kaito war noch lange nicht fertig. Rr breitete die Arme aus wie ein Berschwörungstheoretiker auf Sendung.

"Aber stell dir mal vor, Heiji… was, wenn sie gar nicht die ist, für die du sie hältst? Vielleicht ist sie… eine 63-jährige Katzenlady mit Überbiss und Strickleid, die in Wahrheit nur dein Herz will, um es auf ihren Kissenbezügen zu sticken!“ Heiji sah ihn ausdruckslos an.

"Du brauchst Hilfe.“

"Ich meine es ernst!“, fuhr Kaito unbeirrt fort, völlig in Fahrt.

"Oder sie ist so ein Fake-Account. Hinter dem am Ende so ein schmieriger Typ steckt! Oder... oder sie existiert gar nicht!“ Er japste übertrieben.

"Sie ist ein Bot! Du bist auf einen Bot reingefallen, Heiji!“ Heiji stöhnte leise auf, stützte den Kopf auf die Hand und zog wortlos sein Handy erneut aus der Tasche.

"Ha!“ rief Kaito triumphierend, deutete dramatisch auf ihn.

"Da! Siehst du?! Besessen! Du bist vom Liebesteufel befallen!“

"Es ist meine Mutter,“ murrte Heiji und verzog das Gesicht, während er tippte.

"Klassische Ausrede“, winkte Kaito ab.

"Das sagen sie alle, kurz bevor sie anfangen, Liebeslieder zu schreiben.“ Heiji hielt ihm genervt das Display unter die Nase.

"Siehst du.. meine Mutter.“ Kaito schnappte sich das Handy grinsend.

"Na gut, mal sehen… Heiji, denk bitte daran. Oma hat heute ihren Arzttermin, vergiss nicht, den Kuchen abzuholen… ja ja, klingt nach...“ Gerade als Kaito die Nachricht von Heiji seiner Mutter gelesen hatte, ploppte eine neue Benachrichtigung direkt auf dem Display auf.

●Kazuha.t: Guten Morgen●

Ein fieses, breites Grinsen zog sich sofort über Kaito seinem Gesicht.

"Ohhh Heiji! Dein Mitternachtsgirl hat geschrieben.“ Heiji hob sofort den Kopf.

"Was?! Gib her!“ Doch Kaito sprang blitzschnell auf, das Handy in der Hand hoch über seinen Kopf haltend.

"Nein, nein! Warte.. ich überlege nur gerade, was du ihr antworten solltest. Vielleicht.. Ich habe die ganze Nacht von dir geträumt? Oder lieber was mit Herzchen?“

"Kaito, ich schwöre…“ Heiji stand jetzt ebenfalls auf, umrundete den Tisch und ging auf seinen Freund zu, der geschickt zurückwich.

"Komm schon, ein.. wie hast du geschlafen, mein Sonnenschein?, wäre doch auch süß, oder?!“, rief Kaito kichernd, während er sich rückwärts um den Tisch bewegte und dabei das Handy weiterhin außer Reichweite hielt.

"Du bist so ein Idiot! Gib mir mein Handy!“

"Sag erst, dass du verliebt bist! Dann gebe ich es dir!“

"Ich werde dir gleich zeigen, wie verliebt ich bin in dem ich dir den Hals umdrehe!“ Shinichi lehnte sich mit seinem Kaffee zurück, kaum in der Lage, das Grinsen zu unterdrücken, während vor ihm das Chaos seinen Lauf nahm. Als Heiji erneut versuchte, Kaito das Handy zu entreißen, zog Shinichi seelenruhig sein eigenes Smartphone aus der Tasche um zu Filmen. Ohne viel Aufhebens öffnete er Instagram, tippte auf Story und hielt direkt auf das Spektakel. Kaito sprang lachend um den Tisch, das Handy über den Kopf gehalten wie einen Schatz.

"Ich bringe dich um, Kuroba! Ich schwöre, wenn ich dich erwische, war es das mit deinem Leben!“ rief Heiji, während er mit grimmigem Blick hinterherjagte.

"Ui, da hat es aber jemand eilig zu antworten.", kommentierte Kaito amüsiert. Shinichi konnte sich nicht mehr halten. Ein schallendes Lachen brach aus ihm heraus, er filmte trotzdem weiter, sein Handy wackelte leicht, als er sich halb über den Tisch beugte.

Heiji bemerkte die Kamera und rief zwischen zwei Schritten

"Kudo! Hör auf zu filmen, verdammt nochmal!“

"Keine Chance“, japste Shinichi, immer noch lachend.

"Ich schwöre, Kuroba, ich erwürge dich gleich! Gib das Handy her, bevor du es bereust!“, rief Heiji und sprintete um den Tisch, die Arme ausgestreckt.

"Oooh, so leidenschaftlich! Willst du etwa, dass ich dir helfe, ihr zu schreiben? Ich kann auch romantisch sein!“, konterte Kaito lachend, das Handy über dem Kopf schwenkend. Heiji verdrehte nur die Augen, obwohl ein Schmunzeln seine Lippen zuckte.

"Du bist so tot, Kuroba! Schreib deine Grabrede!“

"Sag wenigstens vorher Ich liebe dich zu mir, bevor du mich erwürgst!“, rief Kaito dramatisch und beschleunigte das Tempo. Shinichi, der nach wie vor alles mitfilmte, hatte inzwischen einen heftigen Lachflash bekommen. Sein Handy hielt dieses Szenario perfekt fest. Doch nach ein paar schnellen Runden um den Tisch hatte Heiji genug. Mit einem plötzlichen Satz nach vorne erwischte er Kaito am Kragen und zog ihn grinsend zu sich.

"Letzte Chance, du Spinner! Her damit!“ Kaito lachte keuchend, hob ergeben die Hände und das Handy fest in der einen.

"Okay, okay! Ich gebe auf, aber nur, weil ich deine Liebe nicht im Weg stehen will!“
 

Noch immer leicht atemlos vom kleinen Chaos auf dem Pausenhof ließ sich Heiji den Stuhl im Klassenzimmer fallen. Neben ihm warf Kaito sich grinsend auf seinen Platz, während Shinichi wortlos auf seinem Stuhl Platz nahm und dabei auf seinem Handy herumtippte. Ein kurzes Tippen, ein Wischen und dann ein zufriedigtes Nicken. Keine zehn Sekunden später ploppte auf Heiji seinem Handy eine neue Benachrichtigung auf. ShinichiKudoOfficial hat dich in seiner Story markiert. Heiji zog skeptisch die Augenbrauen hoch, tippte auf die Nachricht und öffnete die Story. Das Video startete. Kaito rannte theatralisch um den Tisch, das Handy von Heiji in der Hand, während Heiji ihm mit einem drohenden Grinsen hinterherjagte. Und Kaito amüsiert seine Sprüche klopfte. Im Hintergrund hörte man Shinichi sein lautes Lachen. Heiji stöhnte erst, musste dann aber selbst grinsen. Er zögerte einen Moment, drückte dann einfach auf in deiner Story teilen. Keine Sekunde später vibrierte auch Kaito sein Handy, als er das Video aufrief. Ohne ein Wort grinste er breit, tippte ebenfalls auf Teilen und postete es stumm in seiner Story unter dem Namen Magical_KaitoKid, ganz ohne Kommentar. Nur das Video sprach für sich.
 

Kazuha zog sich gerade ihre weißen Sneakers an, während sie mit der Schulter ihre Tasche zurechtrückte. In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Einkaufszettel, auf den sie hastig drei Dinge gekritzelt hatte: Lachs, Avocado und Mango. Die wichtigsten Zutaten für ihren geplanten Mädels-Tag. Ran hatte ihr am Abend zuvor geschrieben, dass sie den Sushireis übernehmen würde, also war es an Kazuha, ein paar frische Zutaten zu besorgen. Sie trat aus dem Haus, schob sich die Sonnenbrille ins Haar und machte sich auf den Weg zum kleinen Supermarkt um die Ecke. Dort angekommen, wanderte ihr Blick zielsicher zur Frischetheke. Der Lachs sah gut aus, glänzend, fest, wie ihre Freundinnen es mögen würde. Die Avocados mussten vorsichtig gedrückt werden, bis sie die richtige Reife erwischt hatte und die Mango schnappte sie sich spontan aus dem Korb neben der Kasse. Zufrieden steckte sie den Zettel ein, bezahlte und machte sich mit einer kleinen Tüte auf den Weg zu Ran ihrer Wohnung. Dort angekommen, klopfte sie zweimal locker gegen die Tür, bevor sie eintrat, so wie es bei ihnen üblich war.

"Ich bin daaa! Und ich bringe köstliche Schätze mit!“ rief sie grinsend in den Flur.

"Wir sind in der Küche!“ hörte sie Ran ihre Stimme aus dem Inneren. Als Kazuha die Küche betrat, sah sie Aoko am Esstisch sitzen, ein Glas Eistee in der Hand, während Ran konzentriert Noriblätter in gleichmäßige Rechtecke schnitt.

"Na endlich“, sagte Aoko und grinste.

"Wir haben schon überlegt, ob du auf dem Schwarzmarkt nach der perfekten Avocado suchst.“

"Witzig“, entgegnete Kazuha trocken, stellte die Tüte auf die Anrichte und holte die Zutaten hervor.

"Ich habe alles gefunden und ja, die Avocados sind perfekt. Versprochen.“ Ran warf einen kurzen Blick hinein und nickte zufrieden.

"Nice. Der Reis ist auch schon fertig. Wir können gleich loslegen.“

"Dann wird jetzt gezaubert, Ladies!“ meinte Aoko und rollte sich die Ärmel hoch. Kazuha lachte, band sich die Haare mit einer Schleife zu einem lockeren Zopf zusammen und wusch sich die Hände. Gemeinsam versammelten sie sich um den Küchentisch, auf dem alle Utensilien schon bereitstanden. Bambusmatten, Messer, kleine Schälchen mit Sesam, Gurke, Frischkäse und Sojasauce. Kazuha schnappte sich ihr Handy, bevor sie sich die Bambusmatte griff. Dann entsperrte sie das Gerät und öffnete Instagram.

"Wartet kurz, bevor wir loslegen“, sagte sie grinsend, während sie einen Schritt zurückging, sodass sie alle drei samt dem hübsch angerichteten Tisch ins Bild bekam.

"Eine Story?“ fragte Ran, während sie sich rasch das Haar aus dem Gesicht strich.

"Natürlich. Das hier muss festgehalten werden.“ Kazuha hielt das Handy hoch, aktivierte die Frontkamera und positionierte sich leicht vor ihren besten Freundinnen. Der Tisch vor ihnen war ordentlich gedeckt mit Avocadohälften, glänzender Lachs, Mangostreifen, der Sushireis in einer großen Schale und die dunklen Noriblätter auf einem Bambusbrett. Alles war perfekt für das Foto.

"Bereit?“ fragte sie und zählte leise.

"Drei… zwei… eins…“ Während die Aufnahme lief, lächelte Kazuha erst sanft, wechselte dann zu einem Kussmund und zwinkerte verspielt mit einem Auge. Hinter ihr hoben Ran und Aoko jeweils eine Hand und bildeten gemeinsam ein Herz mit den Fingern. Die Szene wiederholte sich in Dauerschleife. Ihr Zwinkern, das Herz ihrer Freundinnen, das Sushi drumherum. Ein süßer, stimmungsvoller Moment. Kazuha nickte zufrieden, als sie sich das Boomerang-Video ansah. Dann tippte sie schnell auf die Markierungsfunktion und markierte Ran und Aoko stumm in der Story, ohne eine Bildunterschrift hinzuzufügen. Alles wirkte für sich.

"Okay, jetzt können wir loslegen“, meinte Kazuha gerade, als ihr Blick auf die obere Feedleiste ihres Handys fiel. Dort leuchtete das Profilbild von JustHeiji, offensichtlich ein neuer Story-Beitrag. Sie zögerte einen Moment, dann tippte sie darauf. Die Story öffnete sich und zeigte ein repostetes Video aus einem anderen Account von ShinichiKudoOfficial. Sie ließ die Story stumm laufen, während sie mit einem leichten Schmunzeln auf das Display blickte.

"Was schaust du da?“ fragte Aoko neugierig, die sich gerade die Hände gewaschen hatte und wieder zum Tisch trat. Kazuha zuckte beiläufig mit den Schultern, drehte aber das Handy so, dass ihre Freundinnen mitsehen konnten. Das Video zeigte Heiji, wie er versuchte, Kaito einzufangen.

"Ist das ohne Ton?“ hakte Ran nach und rückte näher.

"Moment…“, sagte Kazuha leise und schaltete den Ton an. Sofort erklangen Heiji seine gespielte Drohungen.

"Ich bringe dich um, Kuroba...“ gefolgt von Kaito, der mit lachender Stimme rief.

"Ui, da hat es aber jemand eilig zu antworten..." Dann fiel Heiji sein Blick direkt in die Richtung von der Person, die dieses Spektakel filmte.

"Kudo, hör auf zu filmen!..."

"Keine Chance." Shinichi sein Lachen war im Hintergrund zu hören, aber zu sehen war er nicht. Alle drei Mädchen mussten bei der Szene laut lachen. Ran hielt sich grinsend die Hand vor den Mund, Aoko schüttelte amüsiert den Kopf.

"Was sind das bitte für Chaoten?“ fragte Ran kichernd.

"Definitiv mehr Action als bei uns gerade“, grinste Aoko, während sie sich wieder dem Tisch zuwandte. Kazuha grinste kurz über das Video, dann tippte sie auf das kleine Papierflieger-Symbol unter der Story und schrieb ihm eine knappe, trockene Nachricht.

●Kazuha.t: Ich hoffe, du hast dein Handy mittlerweile zurück.●

Mit einem leichten Schmunzeln schickte sie die Nachricht ab, sperrte ihr Handy wieder und legte es kommentarlos zur Seite, ehe sie sich zu Ran und Aoko beugte, um mit dem Sushi zu beginnen.
 

Kazuha saß im Schneidersitz auf dem weichen Teppich vor dem Couchtisch, ihre langen Haare hatte sie zu einem lockeren Zopf zusammengebunden. Der Switch-Controller lag fest in ihren Händen, während ihre Augen gebannt auf den Bildschirm gerichtet waren. Dort bewegte sich gerade ihre Spielfigur Luigi langsam über das Spielbrett.

"Wenn dieser Geist jetzt meinen Stern klaut, Aoko, dann…“ begann sie mit drohender Stimme, ihre Augen verengten sich theatralisch, während sie Aoko schräg von der Seite anschaute. Aoko saß daneben auf einem großen Bodenkissen, lehnte sich entspannt zurück und hob beide Hände grinsend.

"Hey, es war taktisch klug! Du hattest die meisten Sterne, ich musste dich nehmen!“

"Du hättest auch Ran nehmen können!“ empörte sich Kazuha und schnappte sich ein kleines Sofakissen, das sie mit einem gezielten Wurf gegen Aoko ihren Arm schleuderte. Ran, die mit angezogenen Beinen auf der Couch saß und ein Glas Litschi-Sekt in der Hand hielt, lachte leise.

"Ich habe nur einen Stern! Kazuha du bist die größte Bedrohung, ist halt so,“ sagte sie schuldbewusst grinsend. Kazuha verzog beleidigt ihre Mundwinkel, doch das Lächeln, das sich gleich darauf auf ihre Lippen schlich, verriet, dass sie es nicht ernst meinte.

"Toll, verbündet euch ruhig gegen mich,“ murmelte sie gespielt eingeschnappt, während sie sich wieder dem Spiel zuwandte. Inzwischen war Aoko wieder am Zug. Ihre Figur, Yoshi, hüpfte über das Spielfeld und blieb auf einem blauen Feld stehen. Aoko seufzte erleichtert, ließ sich noch etwas tiefer in ihr Kissen sinken.

"Na toll, wenigstens kein Minispiel…“

"Moment, es kommt gleich eins.. ist doch nach jeder Runde, so“ warf Ran ein, während sie einen letzten Schluck aus ihrem Glas trank und es dann auf den Tisch stellte. Der Ladebildschirm für das nächste Minispiel erschien.

"Bitte nicht dieses mit der Seifenrutsche… ich hasse das,“ murmelte Kazuha, ihre Stirn runzelnd. Doch genau in dem Moment wurde das Seifenrutsch-Spiel geladen.

"Yes!“ rief Aoko triumphierend, rutschte vor Vorfreude näher an den Fernseher.

"Ich liebe das!“

"Ich schwöre, wenn ich wieder gegen eine Seifenwand fliege…“ grummelte Kazuha, zog die Knie an und beugte sich leicht nach vorne, hochkonzentriert. Ihre Hände umklammerten den Controller fester. Der Couchtisch vor ihnen war noch mit halbleeren Gläsern und den Resten des Sushis gedeckt. Ein paar Lachsstücke lagen noch auf einem Teller, daneben feine Streifen Mango und ein Rest Avocado. Stäbchen, Servietten, Sojaschälchen und alles war leicht durcheinander, doch genau das verlieh dem Nachmittag eine warme, gemütliche Stimmung. Während das Spiel lief, wurde gelacht, geflucht und sich gegenseitig geneckt. Ran stieß einen Jubelschrei aus, als sie als Erste durch das Ziel rutschte. Kazuha quietschte, als ihre Figur wie erwartet gegen eine Wand flog. Aoko schüttelte nur lachend den Kopf.

"Ich war so nah dran!“ rief Kazuha frustriert, klatschte sich mit einer Hand gegen die Stirn und konnte aber selbst nicht aufhören zu lachen. Es war einer dieser Nachmittage, an denen die Zeit unbemerkt verflog, begleitet von unbeschwertem Lachen, freundschaftlichem Chaos und der wohligen Leichtigkeit eines Tages ohne Verpflichtungen.
 

Heiji lehnte mit verschränkten Armen entspannt an einem der Bäume am Rand des Schulhofs. Die Sonne stand angenehm über dem Gelände, warf lange Schatten und ließ die Mittagspause ruhig und schläfrig wirken. In seiner Hand hielt Heiji sein Handy, auf dem gerade ein anspruchsvolles Logik-Spiel lief und genau die Art von Herausforderung, die er gern nutzte, um sich gedanklich wach zu halten. Shinichi war währenddessen auf dem freien Betonplatz damit beschäftigt, sich den Ball von einem Fuß zum anderen zu jonglieren, konzentriert, aber mit jener lässigen Routine, die ihn immer wie ein Profi wirken ließ.

"Und wieder nicht runtergefallen,“ murmelte Kaito anerkennend, während sein Blick dabei wie üblich über den Schulhof wanderte. Suchend, musternd. Ein Lächeln zuckte über sein Gesicht, sobald sich eine Schülerin seinem Beuteschema näherte. Plötzlich vibrierte Heiji sein Handy kurz. Eine Nachricht auf Instagram von ihr. Ohne zu zögern, schloss Heiji sein Spiel, das Level war fast geschafft, doch das interessierte ihn gerade kein Stück mehr. Seine Finger flogen über das Display, als er direkt tippte.

●JustHeiji: Natürlich.. ich muss dir schließlich antworten können●

Kaum abgeschickt, fiel ihm auf, dass oben im Feed ihr Profilbild einen neuen Ring hatte. Sie hatte eine Story gepostet. Neugierig tippte er darauf. Der Bildschirm füllte sich mit ihrer Momentaufnahme. Kazuha stand etwas vor ihren zwei Freundinnen, zwinkerte der Kamera zu, formte einen süßen Kussmund und lächelte. Ein unbeschwerter Ausdruck, der ihn für einen Moment länger hinschauen ließ, als er selbst erwartet hatte. Im Hintergrund bildeten ihre Freundinnen ein Herz mit ihren Händen. Alles umrahmt von liebevoll angerichteten Sushi-Zutaten auf einem Tisch. Heiji blinzelte leicht, dann schlich sich ein kleines, kaum merkliches Lächeln auf seine Lippen. Er hatte sich dabei ertappt, wie er ihre Story mehrfach ansah.

"Oooh… was sehe ich denn da?“ ertönte plötzlich Kaito seine Stimme direkt neben ihm. Heiji hob kaum den Blick, schloss aber die Story.

"Guck lieber weiter nach Mädchen.“ meinte er knapp, versuchte, sich seine Reaktion nicht anmerken zu lassen. Doch Kaito ließ nicht locker. Er trat einen Schritt näher, legte den Kopf leicht schief und grinste frech.

"Ich habe dein Gesicht gesehen. Dieses Lächeln… Das ist nicht das Ich-hab-ein-Level-geschafft- Lächeln.“

"Halt die Klappe, Kaito,“ murmelte Heiji, obwohl ein leichtes Glucksen in seiner Stimme lag. Kaito deutete mit einem Finger auf ihn, als hätte er ihn gerade bei einem Verbrechen erwischt.

"Du bist so geliefert, mein Freund.“ Heiji schnaubte, drehte sich leicht weg, aber der Tonfall war nicht genervt, mehr belustigt.

"Du brauchst echt ein neues Hobby.“ Shinichi kam nun näher, den Fußball zwischen den Füßen stoppend. Er musterte seinen besten Freund einen Moment, bevor er beiläufig meinte.

"Man sieht es dir an, Heiji.“ Heiji riss den Blick vom Bildschirm los, verzog den Mund und winkte ab.

"Ich habe mir nur eine Story von ihr angesehen. Gibt keinen Grund, da gleich so ein riesen Ding draus zu machen.“ Kaito, der ein paar Meter weiter stand und sich auf eine Bank hatte fallen lassen, drehte sich nun grinsend zu ihnen um.

"Dann erklär dein Lächeln vorhin“, warf er sofort ein, während er mit dem Finger in Heiji seine Richtung deutete.

"Das war eindeutig nicht neutral, mein Freund.“ Heiji schüttelte den Kopf, seufzte kurz und fuhr sich durch die Haare.

"Okay. Ja, ich finde sie hübsch. Aber das war es auch schon. Keine große Sache.“ Shinichi hob eine Augenbraue, schmunzelte bloß und trank einen Schluck Wasser. Heiji öffnete währenddessen wieder sein Handy, wechselte aus der Instagram-App zurück zu dem Logikspiel, das er vorher offen hatte. Als er mit dem Daumen über den Bildschirm wischte, um die Story zu verlassen, stoppte er kurz. Sein Blick glitt noch einmal über das Bild von Kazuha, ihr Lächeln eingefroren in der Endlosschleife des Boomerangs. Wieder hob sich ein kleines, kaum merkliches Lächeln auf seinen Lippen. Kaito beobachtete das Ganze ganz genau, beugte sich leicht vor und sagte grinsend mit einem sarkastischen Unterton.

"Und da ist es wieder.“ Heiji ließ ein leises, genervtes Schnauben hören, aber dieses Mal ohne echten Widerstand. Heiji fixierte den Bildschirm seines Handys, auf dem das Logikspiel lief, als hinge sein Leben davon ab. Jeder Zug, jede Bewegung durchdacht zumindest versuchte er es. In Wahrheit war sein Blick zwar auf das Spiel gerichtet, aber sein Kopf ganz woanders. Er wollte Kaito keinen Grund mehr liefern, weiter Öl ins Feuer zu gießen. Der hatte ihn vorhin schon genug aufgezogen, nur weil Heiji kurz gelächelt hatte, während er eine Story ansah. Eine Story, in der zufällig ein Mädchen zu sehen war, das er eben… interessant fand. Und hübsch. Nicht mehr. Nicht weniger. Doch dann vibrierte sein Handy leicht. Oben am Rand erschien die kleine Vorschau der Nachricht.

●Kazuha.t: Oh, dann fühle ich mich ja fast geehrt und sollte die Unterhaltung nicht abbrechen lassen.●

Heiji blinzelte kurz, bevor er den Blick vom Bildschirm abwandte. Er versuchte, seine Konzentration zurück auf das Logikspiel zu lenken. Seine Finger lagen regungslos auf dem Handy, aber das Kribbeln breitete sich aus, als würde jeder Muskel in seinem Daumen nur darauf warten, die Nachricht anzutippen und zu antworten. Er runzelte die Stirn, schob das Handy ein Stück von sich weg. Er sollte nicht sofort reagieren. Trotzdem war da dieses vertraute Ziehen. Der Drang, nicht unhöflich zu wirken. Der Impuls, das Gespräch nicht abbrechen zu lassen. Er atmete durch, hob das Handy wieder an und zwang sich, es nur auf dem Startbildschirm zu lassen. Noch nicht in den Chat gehen. Aber das Kribbeln blieb. Heiji saß noch immer an den Baum gelehnt, sein Handy locker in der Hand, der Daumen regungslos über dem Display. Die Nachricht von Kazuha schwebte wie ein Magnet über allem, so greifbar, aber er zwang sich, ihr keine Beachtung zu schenken. Zumindest versuchte er es. Er hob den Blick. Shinichi stand ein paar Meter entfernt, wie so oft ganz in sich versunken. Mit beinahe erschreckender Präzision kickte er den Ball immer wieder mit dem Knie in die Luft, als sei es das Einfachste der Welt. Weiter rechts, am Rand des Pausenhofs, entdeckte er Kaito. Wie aus dem Bilderbuch stand er da, das Gewicht lässig auf einem Bein, während drei Schülerinnen ihm die volle Aufmerksamkeit schenkten. Kaito redete mit diesem gewohnten Charme, die Hände gestikulierend, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Heiji schnaubte leise, aber ohne Missgunst. Sein Blick wanderte zurück auf das Handy. Die Nachricht von Kazuha war immer noch da. Ein kleines Zucken ging durch seine Hand, als er den Sperrbildschirm entsperrte.

"Scheiß drauf.“, dachte er. Er tippte in den Chat, seine Finger bewegten sich fast automatisch.

●JustHeiji: Dann solltest du das besser nicht riskieren.●

Kaum abgeschickt, lehnte er sich zurück gegen den Baum, ein kaum sichtbares, aber ehrliches Grinsen zog sich über seine Lippen. Er hatte nachgegeben. Und fühlte sich dabei kein Stück schlecht.
 

Die Sonne schien golden über den Schulhof und warf lange Schatten über die Pflastersteine. Ein angenehmes, spätsommerliches Lüftchen wehte durch das Laub der Bäume. Kaito stand locker an die niedrige Mauer gelehnt, die Arme verschränkt, das typische selbstsichere Grinsen im Gesicht. Vor ihm drei Mädels namens Akako, Momiji und Shiho. Drei Schülerinnen, die Kaito längst kannte und deren Aufmerksamkeit ihm nicht entgangen war. Sein Blick lag nur auf einer, Akako.

"Also, Akako,“ begann er mit seiner gewohnt lässigen Stimme und hob leicht die Augenbrauen,

"was hältst du von Freitag? Nur du und ich. Ein Date.“ Akako lächelte leicht, legte den Kopf schief und trat einen Schritt näher. Ihre langen Haare fielen über ihre Schulter, als sie ihn aufmerksam musterte.

"Nur du und ich?“, wiederholte sie und zog dabei die Augenbrauen hoch.

"Du gehst aber ganz schön ran.“ Kaito schmunzelte, schob die Hände in die Hosentaschen und beugte sich leicht zu ihr.

"Ich nenne das nicht ran gehen.. ich nenne das zielstrebig.“ Akako verschränkte nun die Arme und sah ihn mit funkelnden Augen an.

"Ich nenne es charmant dreist.“ Ein spielerisches Funkeln blitzte in ihrem Blick. Die Spannung zwischen ihnen war spürbar, aber auf die angenehm neckende Weise.

"Na gut“, sagte sie schließlich.

"Aber was, wenn ich noch nicht überzeugt bin?“ Kaito richtete sich auf und zuckte die Schultern, bevor er mit dem Daumen über seine Schulter zeigte in Richtung des Rasens.

"Dann überzeuge ich dich eben mit Verstärkung. Dreier-Date. Du bringst deine Mädels mit, ich bring meine Jungs.“ Die drei Mädchen blickten automatisch in die angegebene Richtung. Shiho beobachtete Shinichi, der gerade konzentriert den Fußball mit dem Knie jonglierte. Kein Blick zu ihnen, wie immer in sich gekehrt. Momiji hingegen ließ ihre Augen kurz zu Heiji schweifen, der unter einem Baum saß und auf sein Handy starrte, völlig vertieft. Es war nur ein kurzer Moment, ein kaum merklicher Blickaustausch zwischen den drei Freundinnen, doch Kaito entging nichts. Er grinste wissend. Akako schnaubte amüsiert, blickte dann wieder zu ihm.

"Du bist gut darin, Leute zu überzeugen."

"Nur, wenn ich weiß, worauf ich achten muss.“

"Und wenn du kriegst, was du willst?“ Sie legte nun den Kopf ein Stück zur Seite, ihr Ton blieb spielerisch, doch ihre Stimme wurde etwas leiser.

"Dann nenne ich es Schicksal.“ Er zwinkerte. Akako lachte leise, warf ihm einen letzten Blick zu, bevor sie sich mit ihren Freundinnen umdrehte.

"Freitag, nach der Schule. Aber wehe, es wird langweilig.“

"Das wird alles, nur das nicht.“ Shiho und Momiji warfen ihm im Vorbeigehen noch ein flüchtiges Lächeln zu, während Akako ihm zum Abschied über die Schulter einen amüsierten Blick zuwarf. Kaito lehnte sich zurück an die Mauer, sah den drei Mädchen nach und zog zufrieden die Schultern hoch. Die letzten Sekunden der Pause verstrichen, als der vertraute Klang der Schulglocke über den Hof hallte. Schüler machten sich langsam auf den Weg ins Schulgebäude zurück, Stimmen verebbten, Schritte wurden zielgerichteter. Shinichi kickte den Ball mit einem letzten, sauberen Schuss gegen die Mauer, fing ihn mühelos wieder auf und drehte sich dann in Richtung des Gebäudes. Heiji erhob sich von seinem Platz unter dem Baum, streckte sich kurz und steckte sein Handy in die Hosentasche. Sein Blick war ruhig, fast gelangweilt bis Kaito, mit einem Grinsen wieder zu ihnen stieß.

"Na, meine Helden“, rief Kaito übertrieben selbstbewusst, während er sich zwischen die beiden schob.

"Große Neuigkeiten.. Freitagabend.. wir drei und drei Mädels.“ Heiji runzelte die Stirn.

"Was?“

"Dreier-Date.“ Kaito verneigte sich leicht, als hätte er ihnen gerade das beste Geschenk überreicht.

"Ich bin raus“, kam es knapp von Heiji, der gleich weitergehen wollte.

"Ich auch“, sagte Shinichi gelassen und dribbelte den Ball mit dem Fuß weiter. Kaito blieb wie angewurzelt stehen.

"Wie jetzt? Ihr... ihr lasst mich hängen!“ Kaito riss dramatisch die Arme hoch.

"Ich habe mich ins Zeug gelegt, Leute! Ich habe charmant gegrinst, gescherzt, geflirtet wie ein Profi.. das war Arbeit!“

"Und wozu?“ Heiji verschränkte die Arme.

"Damit du uns verkuppelst, obwohl du weißt, dass wir da keinen Bock drauf haben?“

"Weil es Spaß machen könnte!“ Kaito seufzte. Heiji schnaubte, blickte zu Boden und dann wieder zu Kaito.

"Du bist nerviger als eine Grippe, weißt du das?“

"Ist das ein Ja?“ Kaito strahlte bereits. Heiji seufzte.

"Meinetwegen.“ Shinichi nickte. Kaito riss die Arme hoch, als hätte er gerade das Spiel seines Lebens gewonnen.

"Yes! Das wird episch!“ Er klatschte beide an den Schultern ab und marschierte siegessicher Richtung Klassenzimmer.
 

Heiji saß mit seinem Kinn in die Hand gestützt am Tisch, während die monotone Stimme ihres Geschichtslehrers sich durch den Raum zog. Das Thema war eine politische Entwicklung aus dem vorigen Jahrhundert, die er schon beim ersten Mal langweilig fand. Sein Blick glitt zur Uhr. Noch knapp vierzig Minuten. Er atmete leise durch die Nase aus, ließ sich ein Stück in seinem Stuhl zurücksinken und schob unauffällig seine Hand in die Hosentasche, zog sein Handy heraus und hielt es knapp unter dem Tisch. Mit geübtem Daumenwisch öffnete er Instagram. Kaum geladen, fiel sein Blick sofort auf die Feedleiste. Kazuha hatte eine neue Story gepostet, vor einer knappen Stunde. Ohne groß zu überlegen, tippte er darauf. Die Story öffnete sich und zusehen war eine Couch, ein halbleerer Couchtisch, Controller, Snacks und auf dem Fernseher Mario Party. Ein kleines, trockenes Schnauben entwich ihm. Ohne lange zu zögern, reagierte er auf die Story.

●JustHeiji: Sieht deutlich besser aus als der aktuelle Geschichtsunterricht über die politische Entwicklung●

Er tippte auf Senden, lehnte sich etwas zurück und ließ das Handy noch einen Moment in seiner Hand, statt es sofort wegzustecken. Irgendwas ließ ihn zögern. Mit einem Wisch nach links öffnete er die vorherige Story von Kazuha, das sie mit ihren Freundinnen aufgenommen hatte. Heiji beobachtete die kurze Sequenz, die sich in Dauerschleife wiederholte. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem minimalen, kaum merklichen Lächeln. Er wusste selbst nicht, warum er sich das schon zum dritten Mal anschaute. Es war nichts Weltbewegendes. Nur ein Boomerang. Drei Mädchen. Ein Küchentisch. Und trotzdem… Irgendetwas hatte sie an sich. Etwas, das still und leise in seinem Kopf herumschlich und sich dort festsetzte, ohne dass er es bewusst zugelassen hatte. Heiji spürte das dezente Vibrieren seines Handys in der Hosentasche und hatte es schneller wieder in der Hand, als er es selbst realisierte. Mit einem flüchtigen Blick zum Lehrer, der noch immer monoton über irgendein antikes Handelsabkommen sprach, senkte Heiji den Kopf über sein Handy und entsperrte es.

●Kazuha.t: Dann lieber langweiligen Geschichtsunterricht statt gegen Ran und Aoko bei Mario Party zu verlieren●

Ein leises Schnauben entwich ihm, kaum hörbar. Seine Mundwinkel zuckten leicht, während er antwortete.

●JustHeiji: Ich bezweifle, dass du da mithalten kannst. Gegen mich würdest du definitiv verlieren●

Kazuha, die noch immer mit Aoko und Ran im Wohnzimmer saß, jetzt etwas träge vom Sushi und Litschi-Sekt, grinste beim Lesen der Nachricht. Sie legte ihr Handy kurz auf dem Schoß ab, bevor sie tippte.

●Kazuha.t: Große Töne für jemanden, der gerade über Papyrus und Handel gähnen muss.●

Heiji schmunzelte breit, senkte den Kopf noch ein Stück mehr, um sich vor dem Lehrer zu verstecken und tippte schnell zurück.

●JustHeiji: Ich bin multitaskingfähig. Geschichte überleben & gleichzeitig Konversation mit dir führen = Talent.●

Kazuha hob eine Augenbraue. Ihr Finger schwebte kurz über dem Display, dann schrieb sie.

●Kazuha.t: Konversation mit mir? Klingt ja fast so, als wäre ich wichtig●

Heiji starrte auf das Display, schüttelte leicht den Kopf, während ihm erneut dieses Lächeln über die Lippen huschte, das er längst nicht mehr verhindern konnte.

●JustHeiji: Ich habe nie behauptet, du wärst unwichtig.●

Kazuha starrte auf die Antwort. Ihre Finger hielten einen Moment inne, bevor sie leise durch die Nase ausatmete, überrascht von der Antwort, aber nicht unangenehm berührt. Sie antwortete nicht sofort. Heiji bemerkte das und sah erneut auf den Bildschirm, wo nur das kleine Gesehen stand.

●Kazuha.t: Na gut… dann fühle ich mich jetzt mal geschmeichelt. Kommt nicht oft vor, dass mir sowas jemand sagt●

Heiji lehnte sich in seinem Stuhl etwas zurück, das Handy auf seinem Oberschenkel versteckt. Seine Mundwinkel hoben sich unwillkürlich.

Sie reagierte spielerisch, genau die Art von Reaktion, die ihm gefiel.

●JustHeiji: Dann solltest du vielleicht öfter mit Leuten schreiben, die ein Auge für sowas haben.●

Kazuha las die Nachricht, ein kleines schmunzeln in ihrem Gesicht. Aoko neben ihr bemerkte es, doch sagte nichts, sie war zu sehr in ihr eigenes Handy vertieft. Kazuha tippte langsam, bewusst.

●Kazuha.t: Achso… und du behauptest jetzt, du hast ein Auge dafür?

JustHeiji: Nicht nur das. Ich bin da ziemlich treffsicher. Zum Beispiel, dass du gar nicht so cool tust, wie du eigentlich bist●

Kazuha verdrehte beim Lesen halb amüsiert die Augen, konnte sich das Lächeln aber nicht verkneifen.

●Kazuha.t: Oder du redest einfach gern Blödsinn, weil du weißt, dass ich nicht widersprechen kann

JustHeiji: Ich rede nur Blödsinn, wenn es gut ankommt. Und bisher läuft es ganz gut, oder?●

Kazuha tippte, hielt kurz inne… löschte wieder. Dann doch ein anderer Ton.

●Kazuha.t: Kommt drauf an. Ich warte immer noch auf den ersten wirklich charmanten Satz.●

Heiji hob eine Augenbraue. Herausforderung angenommen.

●JustHeiji: Willst du einen klassischen oder einen, der dich wirklich zum Lächeln bringt?●

Kazuha starrte auf die Nachricht und schüttelte mit einem Grinsen den Kopf. Sie tippte zügig zurück.

●Kazuha.t: Versuch dein Glück. Aber ich bin schwer zu beeindrucken.●

Heiji grinste schief, während der Lehrer etwas erklärte, das kein bisschen interessanter war als die Frage, wie er Kazuha ihr Herz kurz aus dem Takt bringen konnte, selbst wenn nur über Text.

●JustHeiji: Dann fange ich mal klein an.. ich finde es schön, dass wir schreiben. Du bringst etwas Interessantes in den Geschichtsunterricht●

Kazuha las es und obwohl sie sich einreden wollte, dass es nur Worte waren, bemerkte sie doch das leichte Kribbeln in der Brust. Sie tippte.

●Kazuha.t: Dann ist es ab jetzt mein Job, dich regelmäßig vom Unterricht abzuhalten?

JustHeiji: Wenn du das übernimmst, sag ich garantiert nicht nein.

Kazuha.t: Na gut, aber wenn du wegen mir im Unterricht durchfällst, trag ich keine Schuld●

Heiji schmunzelte leise, ließ den Blick durch die Klasse schweifen, als würde jemand sein Grinsen bemerken können. Er tippte zurück, während der Lehrer weiterhin monoton über geschichtliche Ereignisse dozierte.

●JustHeiji: Das Risiko gehe ich ein. Wenn ich in Geschichte schlecht bin, liegt es halt daran, dass ich mit einer interessanten Person geschrieben habe●

Kazuha lehnte sich auf dem Sofa bei Ran nach hinten, die gerade nebenbei durch Netflix scrollte. Aoko unterhielt sich mit Ran über einen Film, doch Kazuha war abgelenkt. Ihre Finger flogen über das Display.

●Kazuha.t: Du weißt schon, dass du gerade ganz schön aufdrehen musst, oder?

JustHeiji: Warte mal ab. Ich hab gerade erst angefangen.●

Kazuha.t: Und was kommt als Nächstes? Noch ein Kompliment? Oder willst du mich komplett aus der Bahn werfen?●

Heiji beugte sich nach vorn, die Ellenbogen auf die Knie gestützt, während sein Handy fast in der Handfläche verschwand. Sein Blick war auf das Display gerichtet, konzentriert, aber mit diesem kleinen, verräterischen Lächeln.

●JustHeiji: Wenn ich dir sage, dass ich dein Boomerang-Video heute süß fand, ist das dann ein Punkt für mich oder schon zu viel?●

Kazuha ihr Herz machte für einen kurzen Moment einen kleinen Sprung. Sie war es gewohnt, als hübsch oder attraktiv betitelt zu werden, aber süß war irgendwie... weicher. Nahbarer. Unerwartet. Sie tippte.

●Kazuha.t: Kommt drauf an… hast du es mehrmals angeschaut?

JustHeiji: Einmal zum Schauen, zweimal aus Versehen. Und einmal, weil du in dem Video ehrlich gesagt ganz schön aussiehst.●

Kazuha konnte nicht anders. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe, bevor sie antwortete:

●Kazuha.t: Dann gebe ich dir wohl den Punkt. Aber wenn du jetzt noch einen draufsetzt, könnte es gefährlich werden

JustHeiji: Keine Sorge. Ich kann charmant sein ohne aufdringlich zu werden. Live- Test bei dir●

Sie lachte laut. Aoko drehte sich zu ihr um.

"Was ist so lustig?“, fragte sie neugierig.

"Nichts. Nur ein Gespräch“, sagte Kazuha und schüttelte leicht den Kopf, aber das Grinsen aber blieb. Sie tippte.

●Kazuha.t: Dann mal weiter mit deinem Test, Mr. Charming. Mal sehen, wie weit du kommst.●

Heiji tippte schnell zurück, ohne Zögern.

●JustHeiji: Challenge accepted. Beim nächsten süßen Boomerang geht meine Studie dann weiter●

Kazuha las die Nachricht und hielt inne. Ihre Finger ruhten kurz über der Tastatur. Ein leichtes, weiches Lächeln legte sich auf ihre Lippen nicht gespielt, sondern ehrlich. Statt zu tippen, wechselte sie spontan zur Kamera. Sie nahm einen kurzen Boomerang direkt in ihrem Chat mit Heiji auf. Erst war nur sie zu sehen, wie sie ihm mit einem kleinen, schelmischen Lächeln zuzwinkerte. Dann schwenkte sie mit der Kamera nach rechts, zu Ran und Aoko, die nebeneinander auf dem Sofa saßen, beide mit ihren Handys beschäftigt und gleichzeitig lachend über ein Meme, das Ran gerade zeigte. Kazuha sendete das Video ohne Kommentar. Nur das Bild sollte sprechen. Bei Heiji vibrierte das Handy. Er zog es sofort zu sich, unauffällig unter der Tischkante. Als er auf den Chat klickte und der Boomerang geladen wurde, musste er unweigerlich wieder schmunzeln. Dieses Mal deutlicher als zuvor. Das kurze Zwinkern von ihr war fast so, als würde sie ihn genau in diesem Moment direkt ansehen und ließ seine Mundwinkel erneut zucken. Als Heiji Kazuha ihren Boomerang erneut abspielte, ließ er das Video nicht einfach durchlaufen. Stattdessen legte er zu Beginn seinen Daumen auf das Display und hielt ihn dort. Der Boomerang stoppte, fror zu einem klaren Standbild ein. Seine dunklen Augen wanderten langsam über das eingefrorene Bild. Über ihr leicht geneigtes Gesicht, den spielerischen Ausdruck, das feine Zwinkern, bis sein Blick schließlich an ihren Augen hängen blieb. Diese smaragdgrünen Augen. Er konnte nicht genau sagen, was es war, aber irgendetwas an diesem Bild hatte ihn völlig eingenommen. Ihr Lächeln, offen und zugleich sanft, schien ihm direkt entgegenzukommen. Er runzelte leicht die Stirn, blinzelte. Aber der Eindruck blieb.

"Verdammt …“, murmelte er kaum hörbar vor sich hin. Nicht negativ, eher überrascht von sich selbst. Dann löste er den Daumen vom Display, tippte mit den Daumen leise über das Display und schrieb.

●JustHeiji: Okay… ich muss zugeben.. deine Augen sind gefährlich. Und dieses Lächeln könnte glatt jemanden aus der Bahn werfen.●

Er starrte noch kurz auf seine Nachricht, bevor er seufzend das Handy sinken ließ, aber das Bild brannte sich längst in seinen Kopf.
 

Heiji ließ das Handy für einen Moment auf seinem Oberschenkel ruhen, doch seine Gedanken kreisten weiter um das, was er gerade geschrieben hatte. Es war kein typisches Kompliment von ihm, nicht so direkt. Er schnaubte leise, schüttelte kaum merklich den Kopf über sich selbst und schob das Handy schließlich doch wieder in die Innenseite seines Hoodies.

"Reiß dich zusammen, Hattori.., dachte er. Nur wenige Minuten später spürte er das vertraute Vibrieren erneut. Sein Blick huschte zur Lehrkraft, die noch immer monoton über historische Entwicklungen sprach. Niemand achtete auf ihn. Er zog sein Handy ein Stück hervor, so dass das Display aus dem Stoff ragte. Eine neue Nachricht von Kazuha.

●Kazuha.t: Oh… gefährlich? Das klingt ja fast so, als müsste ich jetzt vorsichtig mit dir umgehen. Oder ist es eher so, dass du dich vor mir retten solltest?●

Heiji konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie stieg darauf ein. Locker, spielerisch, aber da war ein Ton darin, der ihn noch ein kleines Stück mehr aus der Bahn brachte. Er beugte sich etwas nach vorne, sodass sein Körper den Blick auf sein Handy schützte, tippte zurück:

●JustHeiji: Also wenn du weiterhin so lächelst, könntest du mich am Ende wirklich aus dem Konzept bringen…●

Er starrte die Nachricht kurz an, biss sich auf die Unterlippe und schickte sie dann doch ab. Kaito klopfte Heiji grinsend auf die Schulter.

"Was grinst du denn schon wieder so, Loverboy? Hast du etwa Nachhilfe in Geschichte gefunden oder chattest du gerade mit deinem Insta- Girl?“ Normalerweise hätte Heiji ihn mit einem bissigen Kommentar abgewehrt, aber diesmal reagierte er überraschend entspannt. Ohne ein Wort zu sagen, hob er sein Handy leicht an, schirmte es geschickt mit der Hand ab und zeigte Kaito kurz den Boomerang, den Kazuha ihm geschickt hatte, genau in dem Moment, als der Lehrer sich zur Tafel drehte. Kaito beugte sich etwas vor, sah auf das kurze Video und grinste sofort breit.

"Na hallo“, murmelte er leise, sichtlich beeindruckt. Shinichi, der direkt daneben saß, lehnte sich ein wenig rüber und warf ebenfalls einen kurzen Blick auf das Display. Seine Augenbraue hob sich leicht, nicht unbedingt wegen Kazuha ihrem Aussehen, sondern vielmehr wegen der Tatsache, dass Heiji das Video überhaupt zeigte.

"Also… das überrascht mich jetzt. Du bist sonst nicht gerade der Typ, der sowas offen rumzeigt“, flüsterte Shinichi mit einem schiefen Lächeln. Heiji zuckte mit einem Schulterzucken.

"Ich weiß auch nicht. Ist halt… cool, oder?“ Kaito verschränkte die Arme und raunte.

"Das ist mehr als cool, das ist deine private Schatzkarte, Heiji.“ Der Lehrer sprach weiter über historische Daten, aber Heiji seine Aufmerksamkeit war woanders. Als sein Handy erneut leicht vibrierte, glitt sein Blick sofort darauf und eine neue Nachricht auf Instagram.

●Kazuha.t: Du bist schon ziemlich gut darin, weißt du das?

JustHeiji: Gut in was genau?●

Kaito, der hinter ihnen saß, beugte sich mit einem süffisanten Grinsen etwas vor. Heiji ignorierte ihn diesmal komplett, ungewöhnlich ruhig, was sowohl Shinichi als auch Kaito auffiel.

●Kazuha.t: Mit Komplimenten. Ich habe dich unterschätzt.●

Seine Mundwinkel zuckten erneut leicht, während er die Nachricht las.

●JustHeiji: Dann sollten wir uns vielleicht besser kennenlernen, bevor zu früh geurteilt wird.

Kazuha.t: Na dann... wie viel willst du von mir wissen?●

Heiji hob leicht eine Augenbraue. Seine Finger bewegten sich ruhig über das Display.

●JustHeiji: Alles. Aber fang mit deinem Lieblingsessen an.●

Kaito stöhnte hinter ihm leise auf.

"Ich kann es nicht lesen und weiß trotzdem, dass du gerade was Kitschiges geschrieben hast!“ Heiji erwiderte nichts. Stattdessen wartete er ruhig, das Handy locker in der Hand, während auf seinem Gesicht erneut dieses kaum sichtbare Lächeln aufblitzte.

Er war präsent. Und er war gespannt.
 

Die Schulglocke schrillte durch den Raum und beendete den letzten Unterricht für heute. Die Klasse kam in Bewegung, Stühle rückten, Taschen wurden gepackt, doch Heiji hatte den Blick weiterhin auf seinem Handy. Mit der linken Hand schob er sein Heft achtlos in den Rucksack, während die rechte wie automatisch weiter über das Display glitt.

●Kazuha.t: Lieblingsessen? Ganz klar – Udon mit Tempura. Und du?●

Heiji schmunzelte leise und tippte sofort zurück, während er sich vom Stuhl erhob.

●JustHeiji: Ramen. Scharf. Und mit viel Knoblauch. Würde dich vermutlich umbringen.●

Neben ihm schulterte Shinichi ebenfalls seinen Rucksack und beobachtete seinen besten Freund mit einem kurzen Kopfschütteln. Heiji sah nicht einmal hoch, während er durch die Stuhlreihen in Richtung Tür lief. Kaito schloss von hinten auf, lehnte sich grinsend zu ihm.

"Hoffentlich läufst du nicht noch gegen eine Wand, Loverboy.“ Heiji reagierte nicht. Stattdessen vibrierte das Handy in seiner Hand erneut.

●Kazuha.t: Ich würde es zumindest probieren. Wenn du neben mir sitzt, würde ich den Knoblauch vielleicht gar nicht merken.●

Heiji seine Schritte verlangsamten sich kurz, als er die Nachricht las. Ein leiser Ton von Belustigung, kaum ein Lachen, kam über seine Lippen.

●JustHeiji: Das war das charmanteste Fast-Kompliment, das ich seit langem bekommen habe●

Die Jungs waren inzwischen auf dem Flur unterwegs. Schüler strömten an ihnen vorbei, Stimmen hallten durch die Gänge. Doch für Heiji existierte gerade nur der kleine Bildschirm in seiner Hand.

●Kazuha.t: Ich gebe mir Mühe. Scheinst das ja zu mögen.

JustHeiji: Kommt drauf an, von wem es kommt. In deinem Fall… definitiv.●

Kazuha, die gerade mit ihren Freundinnen zusammen saß, grinste in ihr Handy. Aoko warf ihr einen neugierigen Blick zu.

"Heiji?“ Kazuha zuckte mit einem leicht verlegenen Lächeln mit den Schultern.

"Er... ist unterhaltsam.“ Und während beide sich mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen schrieben, das mehr sagte, als es die Worte auf dem Display je könnten.

Dreier- Date

Heiji verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich wortlos gegen den kühlen Betonpfeiler vor dem Kinoeingang. Sein Blick schweifte über die Menschen, die an ihm vorbeiliefen, ohne sie wirklich wahrzunehmen. In seiner Hand hielt er sein Handy, entsperrt als würde er jeden Moment wieder eine neue Nachricht erwarten. Stattdessen tippte er im Sekundentakt auf den Bildschirm, öffnete und schloss den Chat mit Kazuha.t, nur um ihn dann erneut zu öffnen. Er war genervt. Nicht von der Welt. Nicht mal wirklich von Kaito. Sondern von sich selbst. Er wusste, dass er hier nicht stehen wollte. Seit Tagen schrieb er fast durchgängig mit Kazuha. Es war so natürlich geworden, wie das Atmen. Und jetzt stand er hier, wartete auf ein Date, das er nie wirklich zugesagt hatte.

"Du siehst aus, als würdest du gleich flüchten“, meinte Shinichi trocken neben ihm, ohne ihn anzusehen. Seine Hände in den Taschen, die Schultern locker, aber seine Augen scannten den Eingangsbereich des Kinos.

"Ich überlege noch“, erwiderte Heiji knapp, ohne den Blick vom Display zu heben.

"Reiß dich zusammen“, raunte Kaito ihm im nächsten Moment zu, während er auf seinen guten Freund zu ging.

"Du versaust mir sonst das perfekte Setup. Und wenn du wieder heimlich auf dein Handy starrst, nur weil du auf eine Nachricht von ihr wartest, dann bist du offiziell hoffnungslos verloren.“ Heiji warf ihm einen Seitenblick zu.

"Ich bin nicht verloren.“

"Oh doch, Bruder“, grinste Kaito.

"Du bist mittendrin in der Scheiße.“ Und obwohl Heiji es sich nicht anmerken ließ, irgendwo tief drin wusste er, dass Kaito recht hatte. Shinichi schwieg. Auch er war nicht ganz freiwillig hier. Es war Kaito gewesen, der mit einem Grinsen und einem perfekt durchdachten Plan dieses Dreier-Date eingefädelt hatte. Shiho war definitiv nicht uninteressant. Ruhig, scharfsinnig, ziemlich klug und das gefiel ihm. Kaito hingegen war das pure Gegenteil. Der stand einige Meter entfernt, aufrecht, mit einem charmanten Funkeln in den Augen und ständigem Blickwechsel zur Straße. Sobald die drei Mädchen auftauchten, richtete er sich noch etwas mehr auf, zupfte sich unauffällig am Kragen und fuhr sich durch das Haar.

"Da sind sie“, verkündete er, als hätte er den Auftritt selbst choreografiert. Akako, Shiho und Momiji kamen auf sie zu. Lächelnd, kichernd, leicht aufgeregt. Akako trug einen leichten Trenchcoat über einem schwarzen Kleid und sah wie immer aus, als hätte sie alles unter Kontrolle. Kaito trat sofort einen Schritt nach vorne.

"Wow, du bringst heute wirklich alles zum Strahlen“, sagte er an Akako gerichtet, die ihn mit einem schrägen Lächeln musterte. Shinichi nickte Shiho knapp zu.

"Hey“, sagte er ruhig.

"Hi“, erwiderte sie mit einem kleinen Lächeln. Ihre Haltung war entspannt, aber die Art, wie sie Shinichi ansah, verriet mehr Interesse, als sie zugeben würde. Momiji hingegen hatte nur Augen für Heiji, der sich nicht von der Stelle bewegt hatte. Als sie vor ihm stehen blieb, hob er langsam den Blick.

"Hey Heiji“, sagte sie sanft.

"Mhm. Hi“, entgegnete er knapp und steckte sein Handy schließlich widerwillig in die Jackentasche. Momiji ließ sich nicht beirren.

"Ich freu mich echt auf das Date. Kino mit euch klingt nach einem schönen Plan, oder?“ Heiji zuckte mit den Schultern.

"Ist ganz okay“, murmelte er und sah demonstrativ an ihr vorbei. Momiji war sichtlich verunsichert, trat dann aber einen Schritt zurück zu den anderen, während Kaito bereits euphorisch die Tickets zückte.

"Also Leute, ich habe die besten Plätze klar gemacht, letzte Reihe, Mitte. Besser geht nicht.“ Heiji rollte innerlich mit den Augen. Der süßliche Duft von frischem Popcorn hing in der Luft, während sich die drei Freunde gemeinsam durch die wartende Schlange vor dem Snackstand schoben. Die große digitale Menütafel leuchtete über ihnen, während Stimmengewirr und Kinowerbung aus den Lautsprechern klangen.

"Drei große Popcorn, Nachos mit Käsesoße und sechs Getränke.. zwei Cola, zwei Eistee, Wasser und Sprite“, zählte Kaito mit geübter Lässigkeit auf, während er sich leicht mit dem Ellbogen gegen Heiji lehnte.

"Wenn wir schon auf ein Dreier-Date sind, dann machen wir es wenigstens richtig.“ Heiji schnaubte leise und griff in seine Hosentasche, zog wortlos sein Portemonnaie hervor.

"Wir teilen, oder?“ fragte Shinichi sachlich, schon mit einem Schein in der Hand.

"Na klar“, murmelte Heiji und warf dem Kassierer einen kurzen, fast gleichgültigen Blick zu.

"Sonst sieht es aus, als würde Kaito uns einladen und das verkrafte ich nicht.“ Kaito lachte amüsiert und reichte dem Kassierer die letzten Münzen.

"Gentlemen durch und durch. Die Ladies sollen ja denken, wir hätten Manieren.“ Mit vollen Händen trugen die drei Jungs die warmen Snacks und sprudelnden Getränke durch den dunklen Gang zum Kinosaal. Das Licht war gedimmt, die Stufen leicht beleuchtet von kleinen LED-Streifen. Stimmengewirr hallte leise durch die Reihen, während der Vorspann bereits auf der Leinwand flackerte.

"Hinterste Reihe“, flüsterte Kaito und ging voraus, mit dem Nacho-Tablett vorsichtig balancierend. Heiji schritt als Erster die Reihe entlang, die Becher in einer Hand, das Popcorn in der anderen. Er ließ sich auf den Platz ganz links nieder, direkt an der Wand, stellte das Popcorn zwischen seine Knie und lehnte sich zurück, als wäre er allein dort. Momiji trat an ihn heran, zögerte einen Moment, bevor sie sich neben ihn setzte. Ihr Knie streifte leicht seins.

"Danke für das Popcorn“, sagte sie leise, ein kleines Lächeln auf den Lippen. Heiji nickte nur kurz. Akako folgte mit eleganter Haltung, ihre dunklen Haare glänzten im Licht des Saals. Sie setzte sich neben Momiji, drehte sich noch kurz um und flüsterte etwas zu Shiho, die gerade in der Reihe stand. Kaito ließ sich mit einem zufriedenen Seufzen neben Akako nieder. Er streifte mit der Schulter fast spielerisch ihre, reichte ihr eine Cola.

"Für dich.. perfekt gekühlt.“

"Danke“, antwortete Akako mit einem gehauchten Lächeln und nahm das Getränk entgegen, ohne ihm den Blick ganz abzuwenden. Shinichi nahm als Letzter Platz, ließ sich ruhig neben Shiho nieder, die ohne ein Wort den Nacho-Behälter zwischen sie stellte. Sie lächelten sich beide knapp zu. Die Lichter dimmten sich vollends. Trailer begannen über die Leinwand zu flimmern. Getränke wurden in die Halter gesteckt, Popcorn ging von Hand zu Hand.
 

Der Kinosaal lag im Dämmerlicht, nur die Leinwand war hell erleuchtet. Kaum hatte der Film begonnen, bewegte sich Kaito mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit. Wie automatisch hob er seinen Arm, legte ihn lässig über Akako ihre Schultern. Er sagte nichts, blickte einfach weiter zur Leinwand, als sei die Geste das Natürlichste der Welt. Akako jedoch schielte kurz zu ihm rüber, ihr Blick kurz herausfordernd, aber mit einem kaum merklichen, verspielten Lächeln. Dann ließ sie sich tiefer in seinen Arm sinken, ihren Kopf leicht gegen seine Schulter lehnend. Kaito grinste zufrieden und griff mit der freien Hand ins Popcorn, als hätte er den Hauptpreis gewonnen. Ein paar Sitze weiter hatte auch Shiho sich unauffällig näher an Shinichi gelehnt. Ihr Kopf ruhte schließlich an seiner Schulter, ruhig, beinahe selbstverständlich. Shinichi war zwar zunächst leicht überrumpelt, doch er war zu höflich, um sich wegzubewegen. Stattdessen ließ er es geschehen. Er sagte nichts, sein Blick blieb auf die Leinwand gerichtet, doch innerlich nahm er es durchaus wahr. Vielleicht sogar mit einem Anflug von Wärme. Momiji hatte das alles beobachtet, wie sich ihre Freundinnen an die Jungs lehnten, wie diese das zuließen, auf ihre Art sogar erwiderten. Ihr Blick glitt von Shiho und Shinichi zu Akako und Kaito und blieb schließlich an Heiji hängen. Er saß da, völlig versunken in den Film, als gäbe es nichts und niemanden sonst im Saal. Sein Blick starr geradeaus, die Mimik neutral, während er sich Popcorn in den Mund schob. Momiji räusperte sich leise, rutschte ein Stück näher, ließ ihre Hand aus Versehen an seinen Arm stoßen. Keine Reaktion. Er sah den Film, nicht sie. Entschlossen hob sie schließlich ihren Arm und hakte sich leise bei ihm ein. Ein weicher, zögernder Griff. Heiji zuckte leicht zusammen, als Momiji sich bei ihm einhakte. Für einen Moment hielt er den Atem an, sein Blick huschte zu ihrem Arm, der sich in seinen geschoben hatte. Es war keine große Geste, keine auffällige Bewegung, aber sie fühlte sich für ihn übertrieben an. Ihm war die Situation sichtlich unangenehm. Ein leises Unwohlsein spiegelte sich in seiner Mimik. Am liebsten hätte er seinen Arm sofort wieder befreit, sich zurückgelehnt, vielleicht sogar etwas Abstand zwischen sie gebracht. Doch als er einen flüchtigen Seitenblick auf Momiji warf, sah er ihr schüchternes Lächeln und wie sie sich sichtlich überwand, um ihm näherzukommen. Er schluckte den Impuls herunter. Er wollte sie nicht bloßstellen, schon gar nicht vor den anderen. Also blieb er ruhig, vergrub seine Hand stattdessen tiefer in das Popcorn und starrte weiter auf die Leinwand, als hätte er nichts gespürt. Innerlich jedoch seufzte er. Nicht aus Ablehnung gegen sie als Mensch. Sie war nett, hübsch und klug, aber das Gefühl, das gerade zwischen Shiho und Shinichi oder Akako und Kaito zu entstehen schien… war bei ihm schlicht nicht da. Doch er sagte nichts. Und Momiji lächelte still für sich, in der Hoffnung, dass es ein guter Anfang war.
 

Die Nachmittagssonne warf warme Streifen durch die Vorhänge im Wohnzimmer, während Kazuha mit Ran und Aoko auf dem Sofa saß. Der Fernseher lief, irgendeine Serie spielte im Hintergrund, doch Kazuha war kaum bei der Sache. Ihr Blick wanderte immer wieder zu ihrem Handy, das stumm auf dem Tisch vor ihr lag. Seit Tagen war es zur Gewohnheit geworden, dass Heiji ihr schrieb. Morgens, zwischendurch, abends. Immer war da eine Nachricht. Ein kurzer Spruch, eine Nachfrage, ein Bild. Und heute hatte sie ihm natürlich wieder geschrieben. Seine letzte Nachricht war vor gut einer Stunde gekommen:

●Just Heiji: Bin jetzt mit meinen Jungs im Kino. Melde mich danach●

Seither war es still. Kazuha stützte das Kinn auf ihren Knien ab, die Arme um ihre Beine geschlungen. Es war nicht so, dass sie nervös war… aber sie vermisste es, mit ihm zu schreiben. Mehr, als sie sich eingestehen wollte.

"Hey“, begann sie plötzlich, ohne den Blick vom Handy zu nehmen.

"Erinnert ihr euch an Haruna aus unserer Klasse?“

"Was ist mit ihr?“ fragte Aoko verwirrt.

"Also..“, antwortete Kazuha.

"Die meinte doch, sie hätte sich über Social Media in diesen Typen verguckt… aus Kyoto oder so.“ Ran hob leicht die Augenbraue.

"Ach stimmt.. Sie schwärmt ständig von ihm, obwohl sie ihn nur über Instagram kennt."

"Und sie ist voll überzeugt, dass das echte Gefühle sind“, fügte Aoko hinzu.

"Obwohl sie nicht mal wusste, wie er in Wirklichkeit tickt.“ Kazuha lächelte schief.

"Damals haben wir doch voll daüber gelacht…“

"Zu Recht“, meinte Ran trocken.

"Sie ist auch ein bisschen besessen, oder?“ Kazuha schwieg kurz, dann sagte sie leise.

"Aber irgendwie… kann ich es ein kleines bisschen nachvollziehen.“ Aoko warf ihr einen neugierigen Blick zu.

"Wie jetzt?“

"Naja… wenn du mit jemandem viel schreibst, lernst du ihn trotzdem irgendwie kennen. Und manchmal fühlt sich das näher an als manche Gespräche im echten Leben.“ Ran lehnte sich zur Seite und sah sie forschend an.

"Du meinst diesen Heiji, oder?“ Kazuha zuckte mit den Schultern.

"Ich sage ja nicht, dass ich verknallt bin oder so. Aber… ich mag es einfach.“ Aoko grinste.

"Deswegen checkst du gefühlt alle zwei Minuten die Uhrzeit, weil du auf seine Nachricht wartest.“ Kazuha griff gespielt genervt nach der Chipstüte.

"Oh bitte… ich habe besseres zu tun.“ Aber das Lächeln auf ihren Lippen verriet alles. Kazuha saß auf dem Sofa, die Chipstüte auf dem Schoß und starrte gedankenverloren auf den Bildschirm, ohne wirklich etwas von der Serie mitzubekommen. Sie kaute langsam, dann seufzte sie leise und warf einen flüchtigen Blick auf ihr Handy vor sich. Es war still.

"Irgendwie ist das komisch, wisst ihr?“ begann sie plötzlich, ohne die Augen vom Handy zu nehmen. Ran und Aoko sahen kurz zu ihr, aufmerksam, aber ohne zu unterbrechen.

"Heiji schreibt mir jetzt seit Tagen. Jeden Morgen… schickt er mir eine Guten-Morgen-Nachricht. Jeden Abend fragt er, wie mein Tag war und wünscht mir eine gute Nacht.“ Sie lächelte ein wenig in sich hinein.

"Und das ist nicht einfach nur Smalltalk. Er merkt sich, was ich erzählt habe, fragt nach, erzählt von seinem Tag…“ Aoko legte den Kopf leicht schief.

"Das klingt aber echt… süß.“

"Ja, ist es irgendwie auch“, gab Kazuha leise zu.

"Und wenn er mal länger nicht schreibt, entschuldigt er sich sogar. Einfach so. Weil er nicht sofort antworten konnte.“ Sie schüttelte den Kopf, fast ungläubig.

"Ich weiß nicht, wann mir zuletzt jemand so aufmerksam begegnet ist.“ Ran lächelte sanft.

"Du magst ihn, hm?“ Kazuha zögerte, nahm sich einen Chip, kaute langsam.

"Ich weiß es nicht. Es ist nicht so, dass ich gleich total verknallt wäre… aber ich mag es, wirklich. Es ist so leicht mit ihm zu reden." Aoko grinste.

"Klingt trotzdem ziemlich nach Verknallt sein.“

"Bin ich nicht!“ protestierte Kazuha sofort, aber ihre Wangen färbten sich leicht rosa. Ran lachte leise.

"Vielleicht noch nicht. Aber wer weiß, wohin das führt.“ Kazuha senkte den Blick, ließ sich leicht zurück in die Sofalehne sinken und sah wieder auf ihr Handy, das reglos vor ihr auf dem Couchtisch lag. Ihre Finger streiften fast unbewusst über das Display, ohne es zu entsperren. In ihrem Kopf hallten die Worte ihrer Freundinnen nach.

"Du magst ihn, hm?"

"Klingt trotzdem ziemlich nach Verknallt sein." Sie hatte es reflexartig verneint, doch jetzt war sie sich nicht mehr ganz so sicher. Ihre Lippen formten ein nachdenkliches Lächeln. Vielleicht war sie es doch.. ein kleines bisschen? Der Gedanke ließ ihr Herz für einen Moment schneller schlagen. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf über sich selbst, lächelte leise und fuhr dann mit dem Daumen über das Display, als würde sie damit die Sehnsucht vertreiben, die sich langsam aber leise in ihr ausbreitete.
 

Kaum waren sie aus dem dunklen Kinosaal getreten, wurden ihre Augen vom Licht des Foyers geblendet. Die Stimmen der drei Mädchen klangen hell und lebendig, während sie sich begeistert über ihre Lieblingsszenen unterhielten.

"Die Szene mit dem Motorrad war der Wahnsinn!“, schwärmte Akako.

"Und dieser Plottwist am Ende! Damit habe ich null gerechnet!“, fügte Shiho mit einem Grinsen hinzu. Momiji warf einen kurzen Blick über die Schulter zu Heiji, doch der schien sich kaum für das Gespräch zu interessieren. Heiji war damit beschäftigt, sein Handy aus der Hosentasche zu fischen. Sein Blick war konzentriert, seine Daumen bereit zum Tippen. Noch bevor der Bildschirm ganz aufleuchtete, schoss plötzlich Kaito von der Seite heran, schnappte sich das Gerät mit einem schnellen Griff und hielt es außer Reichweite.

"Hey!“, fuhr Heiji genervt auf. Kaito lachte.

"Sorry, Kumpel, aber bei einem Dreier-Date gibt es eine klare Regel, die beinhaltet Handyverbot! Sonst fühlen sich die Ladies vernachlässigt.“ Heiji verdrehte leicht die Augen und streckte die Hand aus.

"Gib es her. Ich wollte nur kurz..“

"Nein, nein“, unterbrach Kaito und tippte sich theatralisch an die Schläfe.

"Du brauchst Entzug. Eine kleine Pause von deinem Insta-Girl wird dich nicht umbringen.“ Shinichi trat neben sie, die Hände in den Taschen und hob eine Augenbraue.

"Du übertreibst mal wieder, Kaito.“

"Gar nicht“, konterte dieser, grinste breit und schob Heiji sein Handy in seine eigene Jackentasche.

"Ich rette gerade ein Date.“ Heiji seufzte leise, diesmal hörbar genervt. Eigentlich wollte er klar protestieren, Kaito das Handy entreißen und sich einfach bei Kazuha melden, so wie er es sich vorgenommen hatte. Doch Kaito blieb stur, seine Haltung eindeutig.

"Nur ein paar Stunden, Heiji“, sagte er mit erhobenem Zeigefinger, als wäre er die Vernunft in Person.

"Das wirst du überleben. Danach kannst du ihr wieder schreiben, was du willst.“ Widerwillig ließ Heiji die Hand sinken und biss sich auf die Innenseite seiner Wange. Sein Blick wanderte zu Momiji, die gerade mit Akako und Shiho lachte. Ihre Stimme war hell, ihr Lächeln sympathisch, sie war hübsch, keine Frage. Aber irgendetwas in ihm blieb einfach ungerührt.

"Wenn ich wenigstens wirklich Interesse hätte", dachte er und spürte, wie sich leichte Frustration in seiner Brust ausbreitete. Aber er hatte sich auf dieses Dreier-Date eingelassen. Aus Freundschaft zu Kaito. Also atmete er durch, steckte die Hände in die Taschen und gab innerlich nach.
 

Die Bar war in warmes, gedämpftes Licht getaucht, mit weichen Ledersitzen und Musik, die gerade laut genug war, um eine angenehme Stimmung zu erzeugen. Die Sechs hatten sich in eine der hinteren Ecken gesetzt in eine gemütliche Sitzecke mit halbhoher Lehne, die ihnen etwas Privatsphäre gab. Kaito saß locker neben Akako, sein Arm lässig über ihre Schultern gelegt, als wäre es das Natürlichste der Welt. Akako lehnte sich entspannt gegen ihn, ein Glas in der Hand, während sie ihm etwas ins Ohr sagte, das Kaito zum Grinsen brachte. Schräg gegenüber saßen Shiho und Shinichi. Auch dort war inzwischen eine gewisse Nähe entstanden. Shiho hatte sich leicht an Shinichi gelehnt und dieser, wenn auch etwas zurückhaltender als Kaito, hatte seinen Arm um sie gelegt. Sie sprachen leise miteinander, aber keine übertriebene Romantik, eher ein ruhiges Verstehen, das langsam wuchs. Heiji hingegen saß direkt gegenüber von Kaito und neben ihm Momiji. Sie hatte sich leicht in seine Richtung gedreht, suchte Blickkontakt, lächelte charmant. Doch Heiji blieb auf Abstand. Seine Hände lagen locker auf dem Tisch, das Glas vor ihm unangerührt. Er nickte gelegentlich, wenn Momiji etwas sagte, aber seine Augen wirkten abwesend. Keine Berührung, kein Flirt. Keine Intention. Er hatte sich zwar auf das Date eingelassen, aber Nähe vortäuschen konnte er einfach nicht. Und je mehr Momiji versuchte, eine Verbindung aufzubauen, desto klarer spürte er, wie sehr sein Herz... woanders war. Heiji starrte auf das halb volle Glas vor sich, während Momiji neben ihm munter weiterplauderte. Ihre Stimme war sanft, ein wenig zu nah an seinem Ohr, als sie ihm von irgendeiner Situation aus der Schule erzählte, die ihn eigentlich nicht sonderlich interessierte. Hin und wieder warf sie ihm dabei ein Lächeln zu, das offensichtlich flirtend gemeint war.

"Weißt du noch, als Herr Arai beinahe über den Projektor gestolpert ist?“ flüsterte sie ihm mit gespielter Geheimhaltung ins Ohr, während sie sich noch ein Stück näher an ihn heranlehnte. Heiji spürte ihren Atem an seinem Hals.

"Hm… ja“, murmelte er knapp, ohne sie anzusehen. Er hatte die Szene kaum in Erinnerung, aber sie erwartete ohnehin keine tiefere Reaktion. Momiji rückte weiter heran kaum merklich, aber bestimmt. Ihre Schulter streifte inzwischen leicht seinen Oberarm. Dann, ohne zu fragen, griff sie mit einem Lächeln nach seiner Kappe und zog sie ihm vom Kopf.

"Steht sie mir?“ fragte sie mit einem neckischen Grinsen, während sie sich die Kappe aufsetzte und ihren Kopf schräg hielt. Heiji sah sie einen Moment an und nickte nur halbherzig.

"Ja, passt schon.“ Doch innerlich war bei ihm längst eine Grenze erreicht. Er atmete einmal tief durch, schob seinen Stuhl zurück und erhob sich. Ohne ein weiteres Wort ließ er Momiji sitzen, ging quer um den Tisch zu Kaito, der gerade einen lockeren Spruch in Akako ihr Ohr flüsterte und dabei seinen Arm locker um sie gelegt hatte. Kaito hob den Blick, als Heiji sich von hinten über ihn beugte.

"Ich will mein Handy“, sagte Heiji leise, aber fest.

"Was?“ Kaito runzelte die Stirn.

"Alter, jetzt? Wir sitzen hier gerade mit drei Mädels, die..“

"Gib es mir einfach.“, wiederholte Heiji ruhiger, aber bestimmter. Sein Blick war klar. Keine Lust mehr auf Smalltalk, keine Lust mehr auf Spielchen. Kaito schnaubte genervt, zog schließlich mit einem dramatischen Augenrollen Heiji sein Handy aus der Jackentasche und drückte es ihm in die Hand.

"Ey, du versaust dir echt jeden Flirt. Aber gut.. schmachte halt weiter deinem Insta- Girl hinterher, bis du sabberst… meinetwegen“, murmelte er spöttisch. Doch Heiji reagierte nicht. Er nahm das Handy kommentarlos entgegen, schob es in seine Hosentasche, trat einen Schritt zurück und zog sich mit ruhigen, bestimmten Bewegungen seine Jacke über. Ohne Hast, aber mit einer Klarheit, die Kaito sofort stutzig machte. Dann trat Heiji einen Schritt auf Momiji zu, beugte sich leicht vor, nahm sich seine Kappe wieder von ihrem Kopf, setzte sie auf und sah sie dabei kurz an.

"Für mich ist das Date hier beendet“, sagte er fest und laut genug, dass die Gruppe am Tisch ihn hören konnte. Sein Blick ging zu Kaito und Shinichi.

"Ich wünsch euch noch viel Spaß.“ Momiji sah ihn überrascht an, sichtlich überrumpelt. Doch bevor sie etwas sagen konnte, fügte Heiji ruhiger, aber ehrlich hinzu.

"Du bist ein hübsches Mädchen, Momiji. Wirklich. Aber ich habe einfach kein Interesse.“ Einen Moment lang herrschte Stille. Akako und Shiho sahen ihn irritiert an, Kaito blickte unglaubwürdig zu ihm und Shinichi, der es wohl als Einziger kommen sah, sagte nichts. Heiji nickte ihnen zum Abschied knapp zu, drehte sich um und verließ die Bar. Die Tür fiel mit einem leichten Klirren hinter ihm zu. Draußen atmete er tief durch, während die kalte Abendluft ihn empfing.
 

Die drei Mädchen saßen noch auf ihren Plätzen am Tisch und Momiji war sichtlich verunsichert, enttäuscht und überfordert von Heiji seinem plötzlichem Abgang. Sie starrte noch immer auf die Tür, durch die er verschwunden war, während Akako eine Hand beruhigend auf ihr Bein legte. Shiho war es, die schließlich ruhig sagte.

"Ich denke, es ist besser, wenn wir auch gehen.“ Momiji nickte langsam, ihre Augen wirkten glasig, aber sie versuchte, Haltung zu bewahren.

"Er hätte es dir vorher sagen sollen, wenn er kein Interesse hatte“, sagte Akako leise, aber bestimmt.

"Das lag nicht an dir.“ Kaito war in dem Moment aufgestanden, ging rasch auf die drei zu und versuchte die Situation zu retten.

"Hey, wartet doch mal! Lasst euch doch nicht von Heiji seiner Laune den Abend verderben. Wir können trotzdem noch was trinken, bisschen reden, ich mein..“

"Danke, Kaito“, unterbrach ihn Akako freundlich, aber bestimmt.

"Aber ehrlich gesagt ist die Stimmung raus. Vielleicht ein anderes Mal.“ Ohne ein weiteres Wort verließen die drei Mädchen gemeinsam die Bar. Die Tür fiel leise hinter ihnen ins Schloss. Kaito blieb einen Moment stehen, seine Schultern leicht gesenkt, ehe er wortlos zurück zum Tisch ging. Er ließ sich seufzend auf den Stuhl fallen, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte auf die leeren Gläser.

"Super“, murmelte er.

"Das lief ja wie geplant.“ Shinichi hatte die Szene still beobachtet. Er trank den Rest seines Getränks aus und stellte das Glas ab.

"Das war abzusehen.“ Kaito blickte ihn entnervt an.

"Ach komm. Ein bisschen Unterstützung wäre auch mal nett. Ich habe das alles organisiert, damit wir mal einen chilligen Abend haben. Und was macht Heiji? Verzieht sich mitten drin, als wäre das hier ein Pflichttermin.“

"War es für ihn auch“, entgegnete Shinichi ruhig.

"Er war nie richtig bei der Sache. Hast du doch selbst gesehen.“

"Trotzdem. Hätte er nicht wenigstens bis zum Schluss höflich bleiben können? Das war schon... hart.“ Shinichi zuckte mit den Schultern.

"Er war ehrlich. Lieber so, als dass er weiter daneben sitzt und sich wünscht, woanders zu sein.“ Kaito stieß hörbar die Luft aus. Dann griff er sich sein Glas, jetzt leer und drehte es in der Hand.

"Tja, super Abend. Und ich dachte echt, Akako und ich… naja, egal.“ Shinichi lehnte sich zurück, sein Blick neutral.

"Du weißt, dass Heiji gerade nur an einer Person interessiert ist.“ Kaito schnaubte leise.

"Sein Insta-Girl.“ Shinichi nickte nur bestätigend. Kaito lehnte sich nach vorne, die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und fuhr sich mit der Hand genervt durch sein Haar.

"Und genau das nervt mich gerade am meisten an ihm. Wenn er so verschossen ist, dann soll er es doch einfach zugeben. Statt weiter so zu tun, als wäre da nichts.“ Shinichi hob eine Augenbraue.

"Vielleicht kann er es sich selbst noch nicht eingestehen.“

"Blödsinn“, murmelte Kaito.

"Der Typ schreibt ihr in jeder freien Sekunden, als wäre es ein verdammtes Ritual. Checkt ihr Storys, antwortet darauf, schmachtet sie an und tut dann so, als wäre das alles nur Zeitvertreib. Er verzieht sich lieber aus einem echten Date mit einem hübschen Mädchen, um… was? Heimlich Nachrichten zu lesen?“ Shinichi verschränkte ruhig die Arme.

"Vielleicht war es einfach nicht das richtige Mädchen.“ Kaito schüttelte den Kopf und sank in seinen Stuhl zurück.

"Sein Kopf wurde einfach komplett von seinem Insta- Girl verdreht. Wenn er wenigstens klar sagen würde, was Sache ist… dann hätten wir uns das alles hier sparen können.“ Kaito starrte noch zur Tür, durch die die Mädchen gerade verschwunden waren, als hätte er gehofft, sie würden jeden Moment wieder reinkommen. Doch es blieb ruhig. Die Musik aus den Lautsprechern lief weiter, Gläser klirrten in der Ferne und die beiden Jungs saßen nun allein an dem viel zu großen Tisch mitten in einer Bar, die plötzlich viel leerer wirkte als noch vor wenigen Minuten.

"Unglaublich. Wirklich. Der Typ hat uns das ganze Ding hier ruiniert!“, fauchte er.

"Einen einzigen Abend hätte er sich mal zusammenreißen können. Aber nein.. Heiji Hattori kriegt es natürlich nicht auf die Reihe, mal so zu tun, als hätte er Spaß.“ Shinichi nahm einen Schluck von seinem Getränk, lehnte sich locker zurück und sah Kaito ruhig an.

"Er hat von Anfang an gesagt, dass er keine Lust hat.“

"Ja, aber trotzdem. Man kann ja mal versuchen, sich reinzufinden.“ Shinichi zog leicht die Augenbrauen hoch, sein Blick war nüchtern.

"Es war dein Plan, nicht seiner. Und wenn du ehrlich bist, war es ziemlich offensichtlich, dass er nur dir zuliebe überhaupt mitgekommen ist.“ Kaito ballte die Hand zur Faust, doch die Spannung fiel langsam wieder von ihm ab. Er atmete hörbar aus, als würde er sich selbst zur Vernunft bringen wollen.

"Na super. Was jetzt? Nur du und ich? Romantischer Abend für zwei?“ Shinichi konnte sich ein trockenes Grinsen nicht verkneifen.

"Immerhin redest du mehr als Shiho.“ Kaito rollte mit den Augen, griff nach seinem Glas und hob es in die Luft.

"Na dann… auf gesprengte Dates und unserem Liebestrottel.“ Shinichi stieß leicht an.
 

Kazuha saß zusammengesunken auf dem Sofa, die Knie leicht angezogen, während sie mit dem Daumen nervös über den Rand ihres Handys fuhr. Die Chipstüte neben ihr war längst vergessen, der Fernseher dudelte im Hintergrund weiter, aber sie hatte den Anschluss an die Serie schon vor einer ganzen Weile verloren. Aoko saß quer auf dem Sessel und beobachtete Kazuha eine Weile schweigend. Auch Ran hatte längst gemerkt, dass sich etwas verändert hatte. Die lockere, entspannte Stimmung war verschwunden und Kazuha wirkte abwesend, in Gedanken versunken, die Stirn leicht gerunzelt, die Lippen aufeinander gepresst. Aoko tauschte mit Ran einen kurzen Blick, dann beugte sie sich etwas nach vorne.

"Er hat sich noch immer nicht gemeldet, oder?“ fragte sie vorsichtig, ihr Ton sanft und verständnisvoll. Sie bekam keine Antwort. Kazuha starrte weiter auf ihr Handy, als würde allein der Blick darauf eine Nachricht hervorrufen.

"Hey“, sagte Ran und rückte näher zu ihr,

"Du weißt doch, wie Jungs manchmal sind. Die merken gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht, wenn sie unter sich sind.“ Aoko nickte zustimmend.

"Wirklich. Vielleicht hängen sie einfach noch irgendwo rum oder haben spontan noch was unternommen. Das heißt nicht, dass er dich vergessen hat.“ Kazuha reagierte nicht. Kein Kommentar, kein Zucken. Nur das leise Ausatmen durch die Nase verriet, dass sie zugehört hatte. Ran versuchte es erneut, dieses Mal ein wenig aufmunternder.

"Vielleicht hat er einfach sein Handy auf lautlos und sieht die Nachricht später erst. Und wenn er dir jeden Morgen schreibt, dann wird er dich ganz sicher nicht einfach so ignorieren.“ Kazuha nickte ganz leicht. Nicht zustimmend. Nicht ablehnend. Einfach ein kurzes, leises Nicken, kaum mehr als eine Bewegung. Aoko lächelte schief.

"Er meldet sich bestimmt noch heute Abend, versprochen.“ Doch Kazuha saß noch immer regungslos auf dem Sofa, das Handy locker in ihrer Hand. Der Bildschirm war längst dunkel geworden, doch ihr Blick haftete daran, als würde sie etwas darin finden wollen, das sie selbst nicht benennen konnte. Ein stilles Seufzen hob ihre Schultern, bevor sie sich langsam zurücklehnte und den Kopf an die Sofalehne sinken ließ. Ihre Gedanken kreisten, wirr und unausgesprochen. Warum war sie so enttäuscht? Es ergab keinen Sinn. Heiji schuldete ihr nichts. Es war nichts zwischen ihnen, außer ein paar nette Nachrichten und belangloser Smalltalk. Kein Versprechen, keine Verpflichtung. Und doch fühlte es sich an, als hätte sie auf etwas gewartet, das still und heimlich wichtig geworden war. Etwas, das sie niemals laut ausgesprochen hatte. Sie schloss kurz die Augen, presste die Lippen zusammen. Es hätte ihr egal sein sollen. Aber irgendwie... war es das nicht.
 

Kazuha saß zusammengesunken auf dem Sofa, die Knie angezogen, die Chipstüte längst zur Seite gelegt. Der Fernseher flimmerte leise weiter, doch ihre Aufmerksamkeit war längst nicht mehr bei der Serie. Ihre Finger spielten nervös mit der Hülle ihres Handys, das regungslos auf ihrem Oberschenkel lag. Immer wieder wanderte ihr Blick darauf, nur um dann enttäuscht wieder wegzusehen. Sie hatte es inzwischen fast aufgegeben. Der Kinofilm war längst vorbei, das wusste sie. Und trotzdem... nichts. Keine Nachricht. Kein Lebenszeichen. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe, lehnte den Kopf gegen die Sofalehne und schloss kurz die Augen, während sie tief durchatmete. Genau in diesem Moment vibrierte ihr Handy. Es war nur ein leises, fast schon zaghaftes Brummen, aber Kazuha schoss sofort auf. Ihre Hand griff reflexartig nach dem Gerät, als hätte sie nur auf diesen Impuls gewartet. Sie schaltete ihr Display an und da war sie.

●JustHeiji: Sorry, dass ich mich jetzt erst melde. Wir waren noch was trinken und Kaito hatte mein Handy beschlagnahmt.●

Ein Lächeln breitete sich über Kazuha ihr Gesicht, ganz von allein, weich und hell. Ihre Schultern sanken leicht nach unten, als hätte diese eine Nachricht die angestaute Anspannung einfach von ihr genommen. Ihre Wangen färbten sich rosig, und ein leiser Atemzug entwich ihr, fast wie ein erleichtertes Auflachen. Aoko und Ran, die sich bisher in ihrer eigenen Unterhaltung verloren hatten, beobachteten den Wandel ihrer Freundin still. Sie sahen sich nur kurz an und ein stilles Einverständnis, ein kleines Nicken. Ohne ein Wort erhoben sie sich leise vom Sofa. Aoko zwinkerte Kazuha im Vorbeigehen zu, Ran schenkte ihr ein sanftes Lächeln und dann verschwanden beide still aus dem Wohnzimmer, ließen Kazuha in ihrem kleinen Glücksmoment ganz für sich. Kazuha bemerkte kaum, dass sie allein war. Ihr Blick hing immer noch an dem Display. Und ihr Lächeln blieb. Kazuha lehnte sich mit einem kleinen Lächeln zurück, tippte zügig mit den Daumen auf ihrem Handy. Die Enttäuschung war wie verflogen, stattdessen klopfte ihr Herz ein wenig schneller, als sie seine Nachricht noch einmal las.

●Kazuha.t: Ist okay. Ich hoffe, du hattest einen schönen Abend.●

Kaum abgeschickt, vibrierte ihr Handy wieder und seine Antwort kam schneller, als sie erwartet hatte. Sie setzte sich auf, ihre Augen glitten erneut über den Bildschirm.

●JustHeiji: War okay. Aber ehrlich? Es hat mich irre gemacht, dir nicht schreiben zu können.●

Ein kurzer, überraschter Laut entwich ihr.. nicht ganz ein Lachen, eher ein leiser Atemzug, den sie selbst nicht einordnen konnte. Sie starrte auf die Nachricht, während ihre Wangen sich langsam, aber spürbar erhitzten. Sie legte das Handy für einen Moment auf ihre Beine und fuhr sich durch ihr Haar, als wolle sie sich selbst zur Ordnung rufen. Was war das gerade? Warum fühlt sich das so echt an? Dann griff sie wieder zum Handy. Ihre Finger zögerten einen Moment über der Tastatur, bevor sie tippte.

●Kazuha.t: Wirklich? Das hätte ich nicht gedacht.●

Fast augenblicklich erschien JustHeiji schreibt… Kazuha hielt unbewusst den Atem an.

●JustHeiji: Doch. Ich habe ständig an dich gedacht, dass ich dir schreiben möchte. Total bescheuert, oder?●

Sie schüttelte schmunzelnd den Kopf. Und obwohl sie es sich nicht eingestehen wollte, fühlte sie sich gerade mehr gesehen als in den letzten Wochen von irgendjemandem.

●Kazuha.t: Ein bisschen vielleicht. Aber irgendwie… süß.●

Sie biss sich leicht auf die Lippe, während sie auf seine Reaktion wartete halb nervös, halb neugierig. Und kaum vibrierte das Handy erneut, konnte sie das Lächeln nicht mehr zurückhalten.
 

Kazuha lag mittlerweile gemütlich in der Sofaecke, ein Kissen im Arm, das Handy fest in den Händen. Ihre Augen leuchteten leicht im warmen Licht der Wohnzimmerlampe, während sie seine nächste Nachricht öffnete.

●JustHeiji: Der Film war eigentlich ziemlich witzig. Kaito hat die Hälfte über zu laut gelacht und ich habe das meiste mit Augenrollen kommentiert. Und wie war dein Tag?●

Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Sie konnte sich das Bild genau vorstellen, wie sein Kollege übertrieben lachte und Heiji daneben genervt das Gesicht verzog. Fast, als wäre sie selbst dabei gewesen.

●Kazuha.t: Klingt nach einem Abend mit Höhen und Tiefen. Mein Tag war nicht so spannend. Ich bin bei Ran mit Aoko, wir haben Serien geschaut und ungesund gegessen. Und wir haben über Internettypen gesprochen…●

Sie hielt kurz inne, ehe sie noch ergänzte.

●Kazuha.t: Also eher so Mädchensachen.●

Seine Antwort kam wie gewohnt schnell.

●JustHeiji: Internettypen, ja? Und dabei hast du mich hoffentlich positiv erwähnt●

Kazuha kicherte leise und verdrehte leicht die Augen, aber ihr Grinsen verriet, dass sie es mochte.

●Kazuha.t: Vielleicht. Aber nur ganz ganz kurz. Und vielleicht habe ich auch ein bisschen übertrieben●

Sie legte das Handy kurz auf ihren Bauch und atmete ruhig ein. Es fühlte sich so leicht an, mit ihm zu schreiben, wie eine kleine Blase, die nur den beiden gehörte. Doch dann vibrierte das Display erneut. Sie griff danach, entsperrte es und hielt inne.

●JustHeiji: Sag mal… hättest du vielleicht Lust, zu telefonieren?●

Ihr Herz setzte einen winzigen Schlag aus. Sie starrte auf die Nachricht, als hätte sie sich verlesen. Telefonieren? Jetzt? Ihr Blick huschte über die Uhrzeit. Spät war es. Doch plötzlich war sie hellwach. Ihre Finger zitterten leicht, als sie das Handy fester umschloss. Ein Teil in ihr wollte sofort Ja tippen und der andere zögerte. War das gerade der Moment, in dem es ernster wurde? Sie kaute kurz auf ihrer Unterlippe, das Herz klopfte schneller. Sie brauchte dringend Hilfe. Kazuha sprang regelrecht vom Sofa hoch, als hätte sie einen Stromschlag bekommen. Mit dem Handy fest in der Hand stürmte sie den Flur entlang, riss beinahe die Tür zum Zimmer auf, wo Ran und Aoko gerade saßen und leise Musik hörten.

"Er… Er will telefonieren!“ platzte sie heraus, ohne Begrüßung, ohne Einleitung. Ihre Stimme klang panisch und aufgeregt zugleich, während sie mit weit aufgerissenen Augen vor ihren Freundinnen stand. Ran blinzelte sie kurz an.

"Und? Was ist das Problem?“ fragte sie langsam, als würde sie etwas Grundlegendes nicht verstehen.

"Ich… ich kann das doch jetzt nicht! Und… ich weiß nicht mal, was ich sagen soll!“ Kazuha stand nun mitten im Raum, drehte sich einmal um sich selbst, als würde sie vor lauter Gedanken nicht wissen, wohin mit sich. Sie warf einen flüchtigen Blick auf ihr Handy, das noch immer in ihrer Hand vibrierte, als ob es sie daran erinnern wollte, dass eine Antwort aussteht. Aoko musste grinsen, während sie ihr ein Kissen zuwarf.

"Kazuha. Es ist nur Heiji.“

"Eben!“ rief Kazuha sofort zurück und ließ sich auf das Bett fallen.

"Es ist Heiji.“ Ran lachte leise, legte den Kopf schief.

"Du bist nervös, weil dir was an dem Typen liegt.“ Kazuha schwieg, ihre Wangen wurden leicht rot. Sie versuchte, es zu verbergen, doch ihre Körpersprache verriet sie längst. Sie drehte das Handy in ihrer Hand, biss sich auf die Unterlippe und sah schließlich zu ihren beiden Freundinnen.

"Was, wenn ich voll dumm rüberkomme?“ murmelte sie. Aoko kam zu ihr, setzte sich neben sie und schob ihr sanft das Handy zurück in die Hand.

"Du schreibst seit Tagen mit ihm. Wenn er dich nicht mögen würde, würde er jetzt nicht mit dir telefonieren wollen.“ Kazuha nickte langsam. Ihr Herz schlug wie wild. Doch inmitten ihrer Aufregung war da auch dieses warme Gefühl. Dieses Gefühl, dass es gerade irgendwie… richtig war. Und wieder ließen Ran und Aoko sie alleine, aber dieses Mal in Ran ihrem Zimmer, mit einem vielsagenden Lächeln und einem letzten aufmunternden Blick, bevor sie die Tür leise hinter sich schlossen. Kazuha stand mitten im Raum, hielt ihr Handy fest umklammert, als würde es ihr sonst gleich aus der Hand gleiten. Ihr Herz klopfte viel zu laut in ihrer Brust, ihre Gedanken rasten. Sie atmete tief durch, ließ sich auf das Bett sinken und öffnete langsam den Chat mit Heiji. Kazuha zögerte nur kurz, ihre Finger tippten schnell über das Display.

●Kazuha.t: Ja, habe ich●

Sie wartete. Sekunden vergingen. Ihr Daumen streichelte unbewusst über das Display. Doch es passierte nichts. Kein Anruf. Verwirrt sah sie auf ihr Handy und da war sie. Noch eine Nachricht.

●JustHeiji: Bekomme ich dafür auch deine Nummer?● Kazuha schlug sich mit der flachen Hand leicht gegen die Stirn. Natürlich! Wie sollte er sie denn sonst anrufen? Mit leicht zitternden Fingern tippte sie ihre Nummer ein und schickte sie ihm. Kaum war die Nachricht gesendet, vibrierte ihr Handy, diesmal wie erwartet. Der Bildschirm leuchtete. Eine für sie noch fremde Nummer rief an. Sie starrte auf die Nummer. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer, während sie die Vibration des Klingeltons spürte. Für einen Moment war sie wie gelähmt. Dann setzte sie sich aufrecht hin, holte tief Luft und ging schließlich ran.
 

Kazuha saß in Ran ihrem Zimmer auf dem Boden, den Rücken gegen das Bett gelehnt, ihre Beine angewinkelt, während sie das Handy fest in beiden Händen hielt. Ihre Finger waren leicht feucht vor Nervosität, und als der Anruf endlich durchging, spürte sie, wie sich ihr Magen zusammenzog. Dann hörte sie ihn.

"Hey“, kam es aus dem Lautsprecher und seine Stimme war tief, warm, fast ein bisschen müde. Doch genau dieser Ton ließ etwas in ihr aufblühen. Ihr Herz raste. Nicht unangenehm, sondern auf diese kribbelige, aufregende Art, wie man sie nur fühlt, wenn etwas sich irgendwie besonders anfühlt. Ihre Stimme zitterte minimal und sie schluckte unauffällig, während sie versuchte, sich zu entspannen. Sie zog die Knie näher an ihre Brust und legte das Kinn darauf, ihr Blick fiel auf das leicht geöffnete Fenster, durch das kühle Nachtluft hereinströmte. Doch selbst die konnte das warme Gefühl in ihrer Brust nicht dämpfen. Heiji lachte leise am anderen Ende.

"Du klingst genauso, wie ich es mir gedacht habe… vielleicht ein bisschen süßer.“ Kazuha drehte den Kopf zur Seite, biss sich auf die Lippe und schloss für einen Moment die Augen.

"Findest du?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

"Mhm. Ich liebe deine Stimme. Ehrlich.“ Ihr Atem stockte für einen Moment. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte. Also schwieg sie, aber nicht, weil es unangenehm war. Es fühlte sich einfach zu echt an. Und das verwirrte sie. Sie lachte leise, um das Zittern in ihrer Brust zu überspielen.

"Danke…“ Er fragte sie nach ihrem Tag, und sie erzählte nicht viel, aber genug, um ihn an ihren kleinen Momenten teilhaben zu lassen. Ihre Stimme wurde mit jeder Minute sicherer, vertrauter. Sie sprach über ihre Freundinnen, über die Serie, über die Chips, die nicht mehr richtig knusprig waren, weil sie so lange offen standen. Und Heiji lachte. Er reagierte. Er hörte zu. Während sie sprach, beobachtete sie sich selbst. Wie sie automatisch lächelte, sich eine Strähne hinters Ohr strich, obwohl sie alleine im Raum war. Wie ihr Brustkorb sich bei jedem seiner Kommentare leicht hob, als hätte sie vergessen, richtig zu atmen. Sie wusste nicht, was das hier war. Aber sie wusste.. Es fühlte sich leicht an. Natürlich. Und dieses Gefühl, das sie beim Klang seiner Stimme bekam dieses Herzrasen, das warme Kribbeln unter ihrer Haut, war nicht einfach nur für einen Moment da. Es blieb.
 

Heiji lag halb angelehnt in seinem Bett, das Handy hielt er an seinem Ohr. Seine Finger griffen gedankenverloren in die Decke, während Kazuha redete. Ihre Stimme war klar, angenehm und sie hatte diese ruhige, vertraute Art zu sprechen, die ihm ein merkwürdiges Gefühl von Zuhause gab, obwohl sie dutzende Kilometer entfernt war. Dann lachte sie. Nicht gekünstelt. Nicht verlegen. Sondern warm. Offen und echt. In seinem Brustkorb zog sich etwas zusammen, fast so, als hätte ihr Lachen ihn mitten ins Herz getroffen. Heiji blinzelte, sein Blick wanderte zur Zimmerdecke und für einen Moment hörte er kaum, was sie sagte. Sein Magen kribbelte. Nicht wie bei Nervosität vor einem Referat oder wie bei einer Achterbahnfahrt. Es war anders. Weich und Unkontrollierbar. Es brachte ihn durcheinander. Er richtete sich langsam im Bett auf, rieb sich über den Nacken, als könnte er damit das Gefühl loswerden, das sich hartnäckig in ihm festsetzte.

"Was zur Hölle machst du mit mir…?“, murmelte er leise in den Hörer, kaum hörbar für sie, vielleicht sogar unhörbar. Kazuha redete weiter, erzählte etwas völlig Alltägliches, aber er hing an jedem Wort. Ihre Stimme allein reichte, um seinen Atem einen Hauch schneller gehen zu lassen. Er spürte, wie sein Herz plötzlich nicht mehr nur schlug, sondern pochte. Rastlos und laut. Dann lachte sie erneut. Und in diesem Moment ließ er alles andere los. Jede Ausrede. Jedes Abwiegeln. Jedes Ich- bilde- mir- das- nur- ein. Heiji ließ sich gegen die Wand zurücksinken, schloss die Augen und hörte für einen Moment nur ihren Klang in seinem Ohr. Das Kribbeln in seiner Brust breitete sich aus, fast schon bittersüß.

"Kaito, du verdammter Idiot…“, dachte er, ohne Groll gegen seinen Freund.

"Du hattest recht.“ Er fühlte es jetzt. Nicht nur irgendwie oder irgendwo tief vergraben, sondern in jeder Faser seines Körpers. Es war, als hätte jemand eine Saite in ihm zum Schwingen gebracht, die er vorher nie bemerkt hatte. Dieses dumpfe Pochen in seiner Brust wurde zu einem gleichmäßigen, vibrierenden Takt, wie ein inneres Echo ihres Lachens. Warm, Unaufhaltsam und Echt. Sein Blick senkte sich, ein sanftes, fast ungläubiges Lächeln legte sich auf seine Lippen. Es war nicht dieses selbstsichere Grinsen, das er oft trug, sondern eines, das beinahe scheu wirkte. Eines, das sagte.. Das hier ist anders. Er ließ den Kopf gegen die Wand hinter sich sinken, sein Handy noch immer am Ohr. Ihr Lachen hallte leise darin nach und ihm wurde plötzlich bewusst, wie oft er sich dabei ertappte, auf ihre Nachrichten zu warten. Wie oft er ihre Stimme im Kopf hatte, obwohl er sie gerade zum ersten Mal hört. Seine Finger verkrampften sich leicht im Stoff seiner Decke und eine Art süßes Ziehen machte sich in seiner Brust breit so intensiv, dass er tief durchatmen musste, um sich zu sammeln. Das war kein harmloses Schwärmen mehr. Kein Ich- mag- sie- ganz- gern. Es war dieses leise, heftige Verlangen, mehr zu hören. Mehr zu wissen. Mehr von ihr zu haben. Nicht oberflächlich. Nicht zum Zeitvertreib. Sie. Heiji fuhr sich langsam durch sein Haar, seine Augen waren halb geschlossen. Und während sie weiterredete, mit dieser ungefilterten Natürlichkeit, wurde ihm alles klar. Nicht plötzlich, sondern wie ein Knoten, der sich endlich löste. Er war nicht dabei, sich in sie zu verlieben. Er war es längst. Und der Gedanke daran jagte ihm nicht Angst ein, sondern ein Grinsen.
 

Die Stunden waren längst vergangen. Es war weit nach Mitternacht und Kazuha lag noch immer auf dem Bett von Ran, das Handy am Ohr, während ihre Finger gedankenverloren über die Decke strichen. Ihr Blick war weich, fast verträumt, die Stimme ein wenig heiser vom vielen Reden, aber mit einem Lächeln, das sie nicht losließ.

"…und dann hat er wirklich gedacht, er könnte unbemerkt an der Kamera vorbeischleichen. Ich habe ihn sofort erwischt,“ erzählte Heiji gerade, leicht amüsiert. Kazuha kicherte leise. In diesem Moment öffnete sich die Tür leise und Ran steckte verschlafen den Kopf ins Zimmer, gefolgt von Aoko. Beide trugen Pyjamas, die Haare zerzaust, die Augen müde. Ran hob eine Augenbraue und schmunzelte, als sie Kazuha auf dem Bett sah, immer noch am Telefon. Kazuha erwiderte ihren Blick, verstand sofort. Sie musste für heute Schluss machen. Sie setzte sich langsam auf, strich sich verlegen eine Haarsträhne aus dem Gesicht und flüsterte dann leise ins Handy.

"Heiji… ich glaube, ich muss jetzt wirklich auflegen. Die Mädels wollen schlafen.“ Ein kurzes, fast bedauerndes Schweigen am anderen Ende. Dann sagte er.

"Klar, verstehe ich. War schön mit dir zu quatschen.“ Kazuha lächelte still und atmete einmal tief durch.

"Gute Nacht, Heiji und träum was Schönes.“ Seine Antwort kam nach einem winzigen Moment. Die Stimme weich, fast zärtlich.

"Wenn ich von dir träume, dann auf jeden Fall.“ Sie spürte, wie ihr Herz einen kleinen Sprung machte. Ihre Wangen wurden heiß, und sie biss sich kurz auf die Unterlippe, ehe sie leise flüsterte.

"Blödmann…“ Heiji lachte am anderen Ende.

"Schlaf gut, Kazuha.“

"Du auch.“ Ein kurzes Geräusch und die Leitung war tot. Kazuha sah noch einen Moment auf das Display, das jetzt schwarz war. Dann legte sie das Handy langsam zur Seite, atmete tief durch und schob sich unter die Decke. Ihr Herz klopfte immer noch viel zu laut. Ran warf ihr beim Zudecken ein wissendes Lächeln zu, während Aoko ihr stumm eine Decke reichte. Kazuha sagte nichts mehr. Sie konnte gar nicht. Das Lächeln auf ihren Lippen war nicht mehr zu unterdrücken, ihr Blick noch immer leicht verträumt, als sie das Handy neben sich auf das Kissen legte. Ran und Aoko hatten sich längst unter ihre Decken gekuschelt, doch ihre Blicke lagen wach und neugierig auf ihrer Freundin. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Ran leise flüsterte.

"Und?“ Aoko stimmte mit einem breiten Grinsen ein.

"Na los, wie war es?“ Kazuha sah zwischen den beiden hin und her, fuhr sich verlegen durch ihr Haar und versuchte, ihr Grinsen zu verbergen, doch vergeblich. Ihre Wangen waren leicht gerötet, als sie schließlich leise sagte.

"Er ist wirklich… toll. Wenn er hier wohnen würde… ich glaube, ich könnte mich echt in ihn verlieben.“ Die Worte kamen lockerer über ihre Lippen, als sie es erwartet hätte. Doch innerlich spürte sie ein leises Ziehen in der Brust, so ganz locker war das nämlich gar nicht mehr. Irgendetwas hatte sich verändert. Irgendetwas war weicher geworden in ihr. Und wenn sie ehrlich war… dann war sie vielleicht schon längst dabei, sich ein kleines bisschen in ihn zu vergucken. Ran und Aoko sahen sie mit einem wissenden Lächeln an, sagten aber nichts. Sie wussten es ohnehin.

Gedankenchaos

Die Luft war warm und träge an diesem Samstagvormittag, als Kaito und Shinichi vor dem traditionellen Anwesen der Familie Hattori standen. Der Sommer hatte Osaka fest im Griff und Kaito wedelte sich mit der flachen Hand etwas Luft zu, während er über das Klingelschild grinste.

"Wetten, der pennt noch wie ein Bär im Winterschlaf?“, meinte er mit einem schelmischen Funkeln in den Augen.

"So, wie du das jedes Mal sagst, müsstest du langsam anfangen, Geld draufzusetzen“, entgegnete Shinichi trocken, bevor er schließlich auf die Klingel drückte. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich die Haustür öffnete. Shizuka Hattori stand wie immer elegant und aufrecht da, in einer leichten Bluse und mit ihrer Handtasche über der Schulter. Ihr Blick hellte sich auf, als sie die Jungs sah.

"Ach, ihr zwei seid es. Guten Morgen.“

"Guten Morgen, Frau Hattori“, sagten sie fast gleichzeitig. Sie lächelte warm.

"Heiji schläft noch tief und fest. Ich habe ihn letzte Nacht noch telefonieren hören… bis weit nach Mitternacht. Und glaubt mir, so leise war er dabei nicht.“ Kaito hob überrascht die Augenbraue.

"Telefonieren? Heiji? Der Typ, der nie länger als zwei Minuten telefoniert, bevor er auflegt?“ Shinichi schnaubte amüsiert.

"Vielleicht hat er einen heimlichen Job als Hotlineberater angenommen.“ Shizuka lachte leise.

"Ich weiß nicht, mit wem er gesprochen hat, aber er klang… fast schon schüchtern. Ich will ja nichts unterstellen, aber…“ Sie zwinkerte, dann trat sie zur Seite.

"Na los, geht rein. Ich muss zur Arbeit. Versucht bitte nur nicht, das Haus in Schutt und Asche zu legen.“

"Wir geben unser Bestes“, sagte Kaito mit gespielt aufrichtiger Miene und verbeugte sich übertrieben, während Shinichi nur den Kopf schüttelte. Shizuka schloss die Tür hinter ihnen und kaum hörte man, wie sie das Grundstück verließ, schlug Kaito seinem besten Freund spielerisch auf den Arm.

"Also gut, wir haben einen schlafenden Heiji, ein verdächtiges Telefonat und keine elterliche Aufsicht. Das schreit doch geradezu nach einem würdigen Weckruf.“

"Kaito…“, begann Shinichi warnend, doch da hatte dieser bereits sein Handy aus der Hosentasche gezogen.

"Komm schon, das wird witzig.." Kaito drückte ihm das Handy in die Hand.

"Film das für die Nachwelt.“

"Ich mache es nur, damit ich Beweise habe, wenn du irgendwann Hausverbot kriegst“, murmelte Shinichi, schaltete aber grinsend die Kamera ein. Die beiden schlichen sich leise durch den Flur in Richtung Heiji seinem Zimmer. Kaito öffnete mit einem theatralischen Fingerschnippen die Tür. Drinnen herrschte angenehme Dunkelheit. Die Klimaanlage surrte leise, ein leichter Wind bewegte die Vorhänge. Und da lag er. Heiji, tief schlafend, auf dem Bauch, das Gesicht halb im Kissen vergraben. Sein Atem war ruhig, einer seiner Arme hing seitlich vom Bett, während der andere unter dem Kissen vergraben war. Kaito schlich sich mit funkelnden Augen näher ans Bett. Er beugte sich theatralisch über seinen schlafenden Freund, warf Shinichi kurz einen grinsenden Blick zu und dann machte er den Satz. Mit einem lauten, fast triumphierenden

"Steh auf, du verliebter Vogel!", sprang er regelrecht auf Heiji drauf, landete mit einem dumpfen Poltern quer über dessen Rücken. Heiji fuhr schockartig hoch, riss die Augen auf, das Herz schlug ihm bis zum Hals. Sein erster Reflex war ein wilder Ruck nach vorn, wodurch Kaito halb vom Bett geschleudert wurde.

"Bist du irre?!“ bellte Heiji, der vollkommen orientierungslos war, noch nicht mal richtig sehen konnte und versuchte, den Übeltäter von seinem Rücken zu bekommen. Kaito krallte sich vor Lachen an Heiji seiner Schulter, während er halb wegrutschte und sich schließlich rücklings vom Bett kullerte, direkt auf den Teppich. Heiji griff sich völlig überrumpelt ins Gesicht, fuhr sich durch die Haare und murmelte

"Ich bringe dich um, Kuroba… Ich bringe dich wirklich irgendwann um...“ Shinichi stand an der Tür, immer noch mit Kaito seinem Handy in der Hand, die Kamera zitterte leicht vor unterdrücktem Lachen.

"Ich habe alles drauf“, meinte er nüchtern.

"Lösch das“, knurrte Heiji, der sich langsam aufsetzte, während sein Blick noch müde flackerte, aber deutlich genervt war. Kaito richtete sich wieder.

"Ey, sag was du willst.. das war die beste Performance seit Monaten. Und ganz ehrlich.. So tief wie du gepennt hast, hätte dich selbst ein Erdbeben nicht geweckt.“

"Weil ich gestern bis spät..“ Heiji biss sich im letzten Moment auf die Zunge und verstummte. Er realisierte seinen Fehler und winkte schnell ab, als wäre es nicht der Rede wert.

"Also… es war nichts Besonderes. Ich habe halt nur ein bisschen gechillt.“ Shinichi hob eine Augenbraue.

"Du chillst nicht mal fünf Minuten ohne einzuschlafen.“ Kaito, bereits mit einem frechen Grinsen im Gesicht, ließ sich dramatisch auf die Matratze neben Heiji plumpsen und stützte den Kopf auf seine Hand, als würde er einer spannenden Romanze lauschen.

"Ahaaa…“, zog er genüsslich.

"Ein kleiner Versprecher also? Bis spät.. hm? Deine Anrufliste würde auch nichts verraten oder?" Heiji verzog kurz das Gesicht, als wolle er was sagen, sagte aber nichts.

"War es etwa die hübsche Stimme, die dich so lange wachgehalten hat?“ hakte Kaito nach, nun leise singend.

"Ka-zu-haaa…“ Shinichi schnaufte amüsiert, während er sich an die Konsole setzte.

"Ich gebe euch fünf Minuten, dann fang ich ohne euch an.“

"Heiji spielt eh nicht mit.. der ist geistig längst wieder in einem süßen Guten-Morgen-Chat“, neckte Kaito weiter, während Heiji sich durch die Haare fuhr und leise seufzte. Dann, nach einem kurzen Zögern, zuckte Heiji mit den Schultern und sagte betont locker.

"Ja, ich habe mit ihr telefoniert.“ Einen Moment lang war es still, doch Kaito brauchte nur ein paar Sekunden, um sich aufzurichten wie ein aufziehbarer Spielzeug-Amor.

"Ooooh, welch romantischer nächtlicher Austausch von tiefen Gedanken und zarten Gefühlen!“, rief er, während er imaginäre Herzchen in die Luft warf und so tat, als würde er mit einem unsichtbaren Bogen Liebespfeile auf Heiji schießen. Heiji verdrehte leicht die Augen, drehte sich halb weg, doch man sah das schiefe Lächeln auf seinen Lippen.

"Sag es ruhig, Heiji..“, sang Kaito neckend, legte dramatisch die Hand auf sein Herz.

"Du bist voll verknallt in sie, gib es doch zu!“ Heiji saß noch immer aufrecht im Bett, der Stoff seiner Decke lag locker über seinen Beinen. Sein Kissen war halb verrutscht, die Haare zerzaust vom Schlaf und der Überraschungsattacke zuvor. In seinem Blick lag etwas Nachdenkliches, fast Ungewohntes. Heiji schwieg kurz. Man hätte meinen können, er würde wieder versuchen, es wegzuwischen. Doch dieses Mal sagte er leise, aber ohne zögern.

"Ja.. Bin ich.“ Einen Moment lang herrschte Stille im Zimmer. Kaito, der eben noch wie ein aufgedrehter Wirbelwind durch das Zimmer gewirbelt war, erstarrte förmlich in der Bewegung. Sein Grinsen verschwand langsam von seinem Gesicht, als hätte ihn die Antwort aus dem Konzept gebracht. Er stand noch am Fußende des Bettes, die Schultern leicht angehoben, als würde er mit der nächsten Neckerei ansetzen, doch sie blieb aus. Langsam richtete er sich auf, trat einen Schritt näher an das Bett, seine Augen suchten ernst die seines Freundes.

"Wirklich?“ fragte er, beinahe vorsichtig.

"Also… das meinst du ernst?“ Heiji wich dem Blick nicht aus. Er schluckte, dann nickte er. Kaito blinzelte. Einen Moment lang stand er einfach nur da, wie eingefroren. Dann atmete er durch, ließ sich langsam an das Fußende des Bettes sinken, stützte die Arme auf die Knie. Sein Blick war nicht mehr spöttisch, nicht mehr schelmisch, sondern ehrlich interessiert.

"Was ist es bei ihr?“ fragte er nach einem Moment.

"Ich meine… du kennst sie eigentlich gar nicht, also was genau hat es dir so angetan?“ Heiji rieb sich mit der flachen Hand durch das Gesicht, als müsste er die Müdigkeit abschütteln oder den Mut für die nächsten Worte zusammensuchen.

"Sie ist… echt. Direkt. Und trotzdem irgendwie… süß.“ Sein Blick wanderte zur Seite, kurz schien ein gedankenverlorenes Lächeln über seine Lippen zu huschen.

"Und ihre Stimme, ihr Lachen… das kriege ich nicht mehr aus meinem Kopf.“ Kaito lehnte sich nicht wie gewohnt grinsend zurück, stattdessen blinzelte er ein paar Mal und blieb regungslos sitzen, als hätte Heiji ihm gerade die Sprache verschlagen. Seine Augen waren auf seinen besten Freund gerichtet, der da ganz ruhig und ernst auf dem Bett saß und für einen Moment wusste Kaito tatsächlich nichts zu sagen.

"Okay…“, murmelte er schließlich. Shinichi saß entspannt auf einem Sitzkissen, den Controller locker in der Hand, während auf dem Fernseher ein Spiel lief. Ohne den Blick davon abzuwenden, fragte er beiläufig, aber ernsthaft interessiert.

"Und… was hast du jetzt eigentlich vor?“ Heiji blinzelte, als hätte ihn jemand aus einem Traum gerissen. Die Frage traf ihn völlig unvorbereitet, fast so, als hätte er nicht einmal gewusst, dass so ein Gedanke überhaupt kommen könnte. Er öffnete kurz den Mund, schloss ihn wieder und runzelte dann leicht die Stirn.

"Ich… keine Ahnung.“ Seine Stimme klang ehrlich verwundert.

"Ich habe da echt noch nicht drüber nachgedacht.“ Kaito sah ihn ernst an, seine verspielte Art war einem aufrichtigen Interesse gewichen. Er hatte die Arme verschränkt und beobachtete Heiji genau.

"Aber willst du das überhaupt?“ fragte er ruhig.

"Ich meine, sie wohnt in Tokio. Und ihr kennt euch nur online. Das ist nicht gerade unkompliziert.“ Heiji wandte den Blick ab, starrte eine Weile an die Decke. Seine Finger spielten nervös an der Bettdecke herum.

"Ich weiß es nicht... Ich weiß nur, dass sie mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht. Und das macht es irgendwie noch schwieriger.“ Shinichi legte schließlich den Controller zur Seite, drehte sich halb zu ihm um.

"Willst du es ihr sagen?“ Heiji schaute zu ihm, sichtlich überrascht über die direkte Frage.

"Was sagen?“ Kaito lachte leicht, diesmal fast sanft.

"Dass du dich in sie verknallt hast.“ Heiji schwieg. Die Worte hingen kurz in der Luft. Und ihm wurde klar, dass es das erste Mal war, dass er überhaupt darüber nachdachte, es ihr zu sagen. Und wie schwer das eigentlich wirklich war.
 

Kaito hatte sich inzwischen entspannt neben Shinichi auf das große Sitzkissen geworfen. Der Controller lag fest in seinen Händen, seine Augen flackerten hektisch über den Bildschirm. Neben ihm saß Shinichi, aufrechter, konzentrierter und der Kontrast zwischen den beiden hätte kaum größer sein können. Doch sie waren mitten in ihrer gemeinsamen Flucht aus dem virtuellen Gefängnis in A Way Out und gerade wurde es ernst.

"Deck mich, Shinichi! Deck mich!!“ rief Kaito plötzlich panisch, sein Daumen hämmerte verzweifelt auf die Tasten. Shinichi verzog keine Miene.

"Ich bin schon da.“ Seine Stimme war ruhig, fast genervt, aber er war voll dabei.

"Was?! Du hast mich nicht Ge..." Kaito sprang halb vom Sitzkissen hoch, sein Spielcharakter wurde entdeckt.

"Jetzt bin ich tot! Großartig. Echt, mit dir entkommt man höchstens aus einem Fahrstuhl, aber nicht aus einem Knast!“ Shinichi hob eine Augenbraue, ohne ihn anzusehen.

"Du bist zu ungeduldig. Du wartest nie ab. Kein Wunder, dass du geschnappt wirst.“

"Ach, halt dein Maul...“ murmelte Kaito, warf ihm aber im nächsten Moment ein grinsendes

"Gleich fliegst du hinterher!" hinterher und versuchte, sich wieder in das Spiel einzufinden. Während die beiden im digitalen Chaos versanken, saß Heiji einige Meter entfernt auf seinem Schreibtischstuhl. Sein Körper war leicht nach vorne gebeugt, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Zwischen seiner Hand drehte er gedankenverloren sein Handy, der Blick war leer und nach innen gekehrt. Er hörte die Stimmen der anderen, doch sie drangen nicht zu ihm durch, wie ein Rauschen am Rand seines Bewusstseins.

"Willst du es ihr sagen?“ Shinichi seine Frage hallte immer noch in seinem Kopf nach. Direkt, klar und vollkommen unerwartet. Und sie hatte getroffen. Heiji hatte nicht damit gerechnet, hatte selbst noch keine Antwort darauf. Alles war so schnell passiert. Was sollte er denn sagen? Dass er sich Hals über Kopf in ein Mädchen verguckt hatte, das er noch nie im echten Leben gesehen hatte? Sein Daumen strich langsam über das dunkle Display seines Handys, als wäre allein ihre letzte Nachricht dort ein Ankerpunkt für seine Gedanken. Er atmete durch. Tief. Langsam. Ein leichtes, kaum merkliches Stirnrunzeln erschien auf seinem Gesicht, als sein Blick zur Seite schweifte, aber nichts wirklich ansah. Er sah Kazuha vor sich. Ihr Lachen. Ihre Stimme. Er runzelte die Stirn, dann entspannte sie sich wieder. Ein Lächeln stahl sich für einen Moment auf seine Lippen. Ein Seufzen verließ seine Brust leise, weich, beinahe tonlos.

"Shinichi, wir werden gleich entdeckt!“ rief Kaito plötzlich aufgebracht und riss Heiji zurück in die Realität.

"Dann streng dich halt mal an, statt zu kreischen!“ erwiderte Shinichi ruhig, ohne seinen Blick vom Fernseher abzuwenden. Heiji hob kurz den Kopf, blinzelte, als müsste er wieder landen. Seine Freunde in ihrem elementaren Chaos. Er lächelte schwach, sagte nichts. Er saß bei ihnen körperlich, aber innerlich war er ganz woanders.
 

Die Mittagssonne brannte auf den Garten von Kazuha nieder und ließ das Wasser im Pool glitzern wie tausend kleine Diamanten. Die Luft war extrem warm, das Summen der Bienen im Blumenbeet vermischte sich mit dem Plätschern des Wassers. Kazuha lag entspannt auf einem aufblasbaren Schwimmring in Donutform, der gemächlich auf der Wasseroberfläche schaukelte. Ihr Bikini war türkis mit einem dezenten Blumenmuster und ihre Haut glänzte vom Wasser. Die große Sonnenbrille auf ihrer Nase verdeckte ihre Augen, aber nicht das kleine, verträumte Lächeln, das sich auf ihren Lippen festgesetzt hatte. Ihr Zopf, mit einer weißen Schleife gebunden, hing leicht ins Wasser, während sie mit einer Hand träge kleine Kreise in die Oberfläche zeichnete. Ran lag bäuchlings auf einer Luftmatratze, die sich nur leicht bewegte. Sie hatte sich einen lockeren Messy Bun gemacht, der ein paar widerspenstige Strähnen verloren hatte und nuckelte an einem Strohhalm, der in einem eisgekühlten Softdrink steckte.

"Wenn es noch heißer wird, schmelzen wir hier“, murmelte sie schläfrig.

"Oder wir lösen uns einfach im Wasser auf“, konterte Aoko, die im Wasser saß und sich am Beckenrand festhielt. Ihr hellblauer Badeanzug klebte an ihrer Haut, während sie ihre Beine gemütlich im Wasser baumeln ließ. Ihr halb geöffnetes Haar hatte sich leicht gewellt, feuchte Strähnen klebten an ihrem Rücken. Sie griff nach der Sonnencreme und schmierte sich seufzend die Schultern ein.

"Ich sage es euch, ich brenne hier gleich durch.“

"Du hast dich doch gerade erst eingecremt“, lachte Ran und gähnte.

"Sicher ist sicher. Ich will nicht aussehen wie eine Tomate.“ Kazuha hörte die beiden nur halb. Ihre Gedanken schwebten ganz woanders. Immer wieder flackerten Szenen aus der letzten Nacht durch ihren Kopf, wie sie mit Heiji telefoniert hatte, wie sie sich die Decke über den Kopf gezogen hatte, damit ihre Freundinnen sie nicht hörten, wie ihr Herz raste bei jedem seiner Worte. Und vor allem, dieses eine Lachen von ihm. Rau, ehrlich und ein bisschen verschlafen. Es hatte sich eingebrannt. Sie drehte den Kopf und sah in den Himmel. Ihre Hand lag über ihrer Brust, wo ihr Herz noch immer einen Tick schneller schlug, wenn sie daran dachte. Aoko blinzelte sie an.

"Sag mal… bist du überhaupt noch bei uns?“

"Hm?“ Kazuha richtete sich leicht auf, wodurch der Schwimmring wackelte.

"Was meinst du?“

"Normalerweise kommentierst du alles, was wir sagen“, sagte Ran grinsend, ohne die Augen zu öffnen.

"Ich… bin einfach nur entspannt“, murmelte Kazuha ausweichend und schob ihre Sonnenbrille etwas höher. Aoko beobachtete sie kurz und grinste dann.

"Mhm. Entspannt also. Nicht… nachdenklich oder so?“

"Vielleicht ein bisschen“, gab Kazuha kleinlaut zu und ließ sich wieder zurück in den Schwimmring sinken.

"Nicht zu viel nachdenken“, meinte Ran mit einem wissenden Unterton und zog die Sonnenbrille ein Stück von ihrer Nase, um ihre Freundin direkt anzuschauen.

"Wir wissen alle, woran du denkst.“ Kazuha wollte protestieren, aber das leichte Grinsen, das sich auf Ran ihrem Gesicht schlich, ließ sie verstummen.

"Wisst ihr was?“, fuhr Ran fort und stützte sich nun auf die Ellbogen, ihr Blick wanderte zwischen den beiden Freundinnen hin und her.

"Dieser Moment gehört festgehalten. Sonnenbrille auf, Sommermodus an… Das ist doch Insta-Material!“

"Du meinst, so wie wir hier gerade aussehen?“, fragte Kazuha, die leicht errötete, sich aber nicht gegen die Idee wehrte.

"Genau so. Du auf deinem Donut, ich auf meiner Matte und Aoko wie eine Wassernixe… perfekter Summer Vibe“, sagte Ran kichernd. Aoko, die als einzige noch halb im Wasser trieb, drehte sich um und hob fragend eine Augenbraue.

"Und wer soll das Foto machen? Ich bin die Einzige, die nur im Wasser ist.“

"Deswegen du“, grinste Ran.

"Du bewegst dich eh kaum. Dein Handy liegt doch da am Beckenrand, oder?“

"Ugh… ihr seid unmöglich“, stöhnte Aoko, paddelte an den Rand, trocknete sich notdürftig die Hände an einem Handtuch und griff nach ihrem Handy. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche und das Lachen ihrer Freundinnen hallte leise durch den Garten. Ohne ein Wort zu sagen, öffnete sie Instagram, stellte auf Boomerang. Ihr Lächeln verriet bereits, was sie plante. Ran hatte sich gerade halb aufgerichtet auf ihrer Luftmatratze, ihre Beine leicht im Wasser baumelnd. In einer eleganten Bewegung hob sie ihr kühles Getränk, ließ die Eiswürfel klimpern und hielt es kurz in die Sonne, sodass es funkelte. Doch als sie sah, dass Kazuha sie direkt anschaute, legte sich ein breites Grinsen auf ihre Lippen, das sofort in ein glockenhelles Lachen überging. Kazuha, die auf ihrem Donut-Schwimmring lag, hatte gerade versucht, sich ihren Zopf mit der weißen Schleife zurechtzurücken, als sie Ran ihr Lächeln einfing. Ihre Hände stoppten in der Bewegung und sie konnte nicht anders. Ein echtes, weiches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, begleitet von einem fast schüchternen Kichern, das ihre Wangen leicht erröten ließ. Sie sah Ran an, beide trafen sich in einem Blick voller Leichtigkeit, zwei Freundinnen, die sich in diesem Sommermoment einfach verstanden. Aoko, die das alles beobachtet hatte, richtete sich etwas im Wasser auf, neigte süß den Kopf zur Seite und drückte in genau diesem Moment auf Aufnehmen. Ihre Lippen zogen sich zu einem verspielten Lächeln, während sie den Daumen auf dem Display hielt. Die Boomerang-Aufnahme fing exakt den Moment ein.. Ran mit dem Glas in der Luft und einem herzhaften Lachen, Kazuha mit beiden Händen an ihrer Schleife, ihr Zopf leicht verrutscht, wie sie lachte und Aoko, die seitlich ins Bild grinste. Alles wirkte spontan und doch war es genau das, was es so perfekt machte. Aoko tippte schnell den Text ins Story-Feld und las laut vor.

"Summer girls in love with the sun.. oder jemand anderem. “ Dann zwinkerte sie Kazuha auffällig zu, während sie auf Posten tippte.

"Aoko!“, stieß Kazuha empört aus, musste aber sofort lachen, als Ran prustete.

"Ach komm schon“, neckte Aoko.

"Wenn du so weitergrinst, brauchst du bald keinen Sonnenschein mehr. Dein Gesicht strahlt genug.“ Kazuha verdrehte die Augen, aber das Lächeln wollte einfach nicht verschwinden. Auch nicht, als sie sich wieder zurück in ihren Donut-Ring sinken ließ und ins Himmelblau starrte.
 

Die Terrassentür glitt lautlos zur Seite, als Sakura Toyama mit einem Lächeln auf den Lippen in den Garten trat. In ihren Händen balancierte sie ein großes Holztablett, liebevoll angerichtet mit eisgekühltem Eistee in hohen Gläsern und einer bunt gemischten Auswahl an Sommerrollen, manche herzhaft mit Garnelen, Avocado und frischem Gemüse, andere süß gefüllt mit Erdbeeren, Mango und Bananen, eingerollt in zartes Reispapier und garniert mit Minze oder Kokosraspeln.

"Erfrischungspause, meine Damen?“ rief sie mit fröhlichem Ton. Kazuha drehte sofort den Kopf und strahlte. Sie lag noch immer auf ihrem Donut-Schwimmring, richtete sich aber langsam auf, während kleine Wasserperlen von ihren Schultern tropften. Ran hob ihre Sonnenbrille an, blinzelte zur Terrasse und grinste. Aoko, die entspannt im Wasser trieb, paddelte langsam zum Beckenrand.

"Mama, du bist ein Engel!“ rief Kazuha und ließ sich elegant vom Schwimmring gleiten, wobei das Wasser leise plätscherte. Ran zog sich auf der Luftmatratze kniend zum Rand und stieg ebenfalls aus dem Pool, während Aoko ihre Haare aus dem Gesicht strich und über den Rasen lief. Alle drei griffen nach ihren Handtüchern, tupften sich grob trocken und gingen barfuß zu den Liegen neben dem Gartentisch, wo Sakura bereits alles abgestellt hatte.

"Die süßen haben Minze, die herzhaften Sesam“, erklärte Sakura und lächelte stolz.

"Lasst es euch schmecken, ich bin drinnen, falls ihr noch was braucht.“

"Danke, Frau Toyama!“ sagte Aoko herzlich, während sie sich einen der sommerlichen Rollen schnappte.

"Wirklich, danke Mama“, murmelte Kazuha und beugte sich über das Tablett, nahm ein Glas Eistee in die Hand, kühl und beschlagen von der Hitze und sog genüsslich an dem Strohhalm, während sie sich auf eine der Liegen sinken ließ. Ran nahm ebenfalls einen Sommerroll, biss hinein und stöhnte genießerisch.

"Boah, wie kann man sowas Leckeres zaubern?“

"Zauberkräfte“, witzelte Kazuha und lachte leise, dann griff sie automatisch nach ihrem Handy. Während sie es entsperrte, öffnete sie Instagram und sofort erschien der Boomerang von Aoko in der oberen Storyleiste. Sie lächelte, als sie sah, wie sie und Ran sich in dem kurzen Clip gegenseitig anlachten. Kazuha gerade dabei, sich den Zopf zu richten, Ran mit ihrem Glas in der Hand und einem süßen, unbedachten Lachen, das durch das Sonnenlicht noch lebendiger wirkte. Aoko hatte den perfekten Moment erwischt, während sie selbst mit einem kecken Lächeln leicht den Kopf zur Seite geneigt hatte. Alles wirkte leicht, strahlend, ein Stück Sommer in nur wenigen Sekunden festgehalten.

"Ich liebe es.“, sagte Kazuha, mehr zu sich selbst, und tippte auf In meiner Story teilen.

"Ich auch. Sieht aus, als wären wir Werbegesichter für Sommerdrinks“, grinste Ran und likte das Video, bevor sie es ebenfalls teilte. Dabei warf sie einen Seitenblick zu Kazuha, die noch immer leicht lächelte, ganz in Gedanken.

"Was denn?“ fragte Ran neugierig, ihr Ton spielerisch. Kazuha zuckte zusammen, als hätte sie ertappt etwas gedacht, dann schüttelte sie sanft den Kopf.

"Nichts… ich finde es einfach schön gerade.“ Aoko ließ sich neben ihnen auf eine der trockenen Poolliegen fallen, biss in eine süße Sommerroll und murmelte mit vollem Mund.

"So kann der Sommer bleiben.“ Kazuha nickte stumm, zog die Sonnenbrille wieder über ihre Augen und blickte gedankenverloren in den Himmel. Das Handy lag locker in ihrer Hand auf dem Bauch, während ihr Herz bei einem einzigen Gedanken unruhig zu klopfen begann.
 

Das Zimmer vibrierte förmlich vor digitalem Chaos. Auf dem Fernseher rannte die Spielfigur von Shinichi hektisch durch die engen Gänge des virtuellen Gefängnisses, während Kaito laut fluchend versuchte, ihm zu folgen, jedoch vergeblich. Sirenen schrillten, der Bildschirm flackerte rot und erneut wurde ihr Ausbruchsversuch vereitelt.

"Shinichi warum bist du schon wieder losgerannt?! Wir hatten einen Plan!“ rief Kaito empört, sprang halb vom Boden auf und warf sich dramatisch zurück in die Sitzkissen, als sein Charakter erneut geschnappt wurde. Shinichi stöhnte genervt auf, ohne vom Bildschirm aufzusehen.

"Du hast den Alarm ausgelöst, nicht ich! Du solltest den Wachmann ablenken, nicht umboxen.“

"Ich nenne das proaktives Handeln!“ konterte Kaito mit einem stolzen Grinsen.

"Ich nenne das hirnrissig“, murmelte Shinichi und tippte konzentriert auf seinem Controller herum. Ein paar Meter entfernt saß Heiji auf seinem Schreibtischstuhl, leicht zur Seite gelehnt, mit einem amüsierten Lächeln im Gesicht. Er hatte ein Bein lässig über das andere gelegt, während seine Ellenbogen auf den Lehnen ruhten. Das ganze Spektakel zwischen seinen Freunden erinnerte ihn eher an eine Comedy-Show als an ein Spiel. Er schüttelte grinsend den Kopf, wandte sich dann aber seinem Handy auf dem Tisch zu. Mit einer flüssigen Bewegung griff er danach, entsperrte es und öffnete Instagram aus reiner Gewohnheit. Als er jedoch ganz oben in der Leiste das Icon sah, unter dem stand Kazuha.t, spürte er, wie sein Herz einen Schlag aussetzte. Ein neuer Story-Beitrag. Er zögerte keine Sekunde und tippte darauf. Sein Blick blieb wie gebannt auf dem Bildschirm haften. Der Boomerang sprang ihn förmlich an. Heiji sah nichts anderes mehr. Nicht die flackernden Lichter des Spiels, nicht das Gezanke seiner Freunde, nicht das Geräusch der virtuellen Alarme. Nur sie. Kazuha. Im Bikini auf einem Donut- Schwimmring, das Gesicht zu ihrer Freundin gerichtet, ein Lachen auf den Lippen, das ihn mitten ins Herz traf. Sie hob die Hände, um sich den Zopf zurechtzulegen, der mit einer Schleife gebunden war. Ihr Lächeln… dieses ehrliche, leichte Lächeln… Die Wärme ihrer Augen. Wie sie ganz unbeschwert lachte, vielleicht über etwas, das ihre Freundin gesagt hatte, aber in diesem Moment, in seiner Wahrnehmung, lachte sie nur für ihn. Heiji spürte, wie ihm ein Kloß in den Hals stieg. Seine Finger hielten das Handy fester. Der Boomerang wiederholte sich erneut. Kazuha, ihr Lachen, das Glitzern in ihren Augen, das Spiel aus Licht und Wasser auf ihrer Haut. Sein Herz zog sich zusammen, ein bittersüßer Druck auf der Brust. Wie konnte jemand, den er nur online kannte, sich so tief in seinen Gedanken schleichen? Er starrte auf den Bildschirm, als würde er sich jedes einzelne Detail für immer einprägen wollen. Doch plötzlich..

"Na, was haben wir denn da?“ Kaito war wie aus dem Nichts neben ihm aufgetaucht, sein Gesicht direkt über Heiji seiner Schulter, viel zu nah am Display.

"Was...?!“ Heiji zuckte zusammen und sperrte reflexartig sein Handy, presste es fest an die Brust.

"Ey!“ Kaito riss die Augen auf und verzog beleidigt das Gesicht. Mit einem übertrieben enttäuschten Laut ließ er sich ein Stück zurückfallen, aber nur um sich gleich wieder wie ein trotziges Kind nach vorne zu beugen. Seine Hände in den Hosentaschen, sein Kopf schräg gelegt, ein gespieltes Winseln in der Stimme.

"Heeeiiiijiiiii… komm schon. Zeig doch mal, was du die ganze Zeit anstarrst! War das Kazuha? Sag schon!“ Heiji verzog das Gesicht, tat so, als würde er sich das Shirt glattstreichen.

"Das war nur irgendein Clip.“ Kaito ließ nicht locker. Er beugte sich noch ein Stück weiter, seine Augen groß und flehend.

"Ein Clip? Bruder. Ich habe das Sonnenlicht in deinen Pupillen gespiegelt gesehen. Zeig es mir.“ Heiji wich ihm ein Stück aus, hielt sein Handy fest wie einen Schatz.

"Nerv nicht.“ Shinichi, noch immer am Zocken, warf kurz einen amüsierten Blick zur Seite.

"Ihr seid wie im Kindergarten.“

"Er benimmt sich auch wie einer!“, konterte Heiji genervt, aber der verräterische rote Ton in seinem Gesicht verriet ihn. Kaito richtete sich langsam auf, verschränkte die Arme und schüttelte übertrieben enttäuscht den Kopf, als würde Heiji ihm gerade das Herz brechen.

"Na schön… wenn du mir nicht zeigen willst, wieso du so verliebt guckst…“, er zog plötzlich sein eigenes Handy aus der Hosentasche,

"…dann finde ich es eben selbst raus.“ Heiji runzelte die Stirn.

"Was meinst du jetzt wieder damit?“ Kaito grinste spitzbübisch, während sein Daumen bereits flink über den Bildschirm glitt.

"Sag mal… wie hieß sie nochmal? Kazuha.t, oder?“ Heiji fuhr abrupt hoch, die Augen geweitet.

"Kaito, denk nicht mal dran. Ich meine es ernst.“ Kaito blieb völlig unbeeindruckt. Im Gegenteil, sein Grinsen wurde nur noch frecher, während er sein Handy locker in der Hand drehte.

"Na, na, Hattori. Drohst du mir etwa?“ Heiji kniff die Augen leicht zusammen, sein Blick scharf.

"Ich sage es dir… Lass es einfach.“ Aber Kaito hob eine Augenbraue und hob dann demonstrativ sein Handy etwas höher.

"Okay, Deal.. Du hast zwei Möglichkeiten.“ Er trat einen Schritt näher an Heiji heran und beugte sich leicht zu ihm runter, den Blick spielerisch ernst.

"Entweder… du zeigst mir, was du da eben so verträumt angegafft hast…“, sein Finger zuckte theatralisch in Richtung von Heiji seinem Handy.

"…oder ich schicke deinem Insta- Girl hier und jetzt eine Anfrage. Und glaub mir, ich schreibe auch einen Kommentar dazu. Was Süßes. Vielleicht mit Herzchen.“ Heiji funkelte Kaito an, seine Kiefermuskeln angespannt. Er kannte seinen besten Freund in- und auswendig.

Normalerweise würde er sich von dessen kindischen Aktionen nicht aus der Ruhe bringen lassen, aber dieses Mal war es anders. Denn obwohl er wusste, dass Kaito selten etwas wirklich Ernst meinte, bohrte sich bei dem Gedanken, dass ausgerechnet er Kazuha eine Anfrage schicken könnte, ein stechendes Gefühl in seine Brust. Eifersucht. Unverkennbar und unangenehm echt. Kaito stand vor ihm, das Handy leicht erhoben, sein Daumen schwebte gefährlich nah über der Schaltfläche.

"Also..“, grinste er schelmisch,

"wenn du nicht willst, dass ich ihr eine Followeranfrage schicke, dann… zeig mir, was du so fasziniert angesehen hast. Ganz einfach.“ Heiji ballte unbewusst eine Faust auf seinem Oberschenkel. Kaito grinste breiter, senkte das Handy leicht.

"Ich gebe dir… sagen wir… drei Sekunden.“ Er hob theatralisch den Daumen, langsam, genüsslich.

"Drei…“ Der Daumen senkte sich ein winziges Stück.

"Zwei…“ Heiji sah, wie sich Kaito kaum das Lachen verkneifen konnte.

"Ei…“

"Okay!“, rief Heiji scharf und fuhr dabei abrupt auf seinem Schreibtischstuhl zurück. Kaito hielt in der Bewegung inne, sein Grinsen gefror zu einem selbstzufriedenen Lächeln.

"Geht doch“, meinte er mit einem süffisanten Funkeln in den Augen, während er das Handy sinken ließ. Heiji seufzte schwer, fuhr sich durch die Haare und schüttelte leicht den Kopf.

"Du bist so nervig…“

"Ich liebe dich auch.“, entgegnete Kaito mit übertriebenem Augenaufschlag, ehe er sich wie ein neugieriger Welpe auf die Armlehne von Heiji seinem Stuhl stützte, sein Gesicht gefährlich nah an seines gelehnt.

"Also… zeig schon.“ Heiji zögerte. Sein Blick senkte sich auf sein eigenes Handy, das noch immer neben der Tastatur lag. Er griff es, hielt es einen Moment fest umklammert, während sein Daumen über den Rand glitt. Shinichi saß derweil noch immer mit dem Controller in der Hand auf dem Sitzkissen, den Blick auf den Fernseher gerichtet, doch ein spöttisches Grinsen zuckte über seine Lippen.

"Drama pur… Ich brauche gleich Popcorn“, murmelte er, ohne sich umzudrehen. Kaito winkte unbeeindruckt ab.

"Pssst, Shinichi. Das ist gerade der Höhepunkt. Lass den Helden seinem Herzen folgen.“ Heiji verdrehte die Augen, doch da war ein leichtes, kaum zu unterdrückendes Lächeln an seinen Lippen. Langsam entriegelte er sein Handy.
 

Heiji hielt sein Handy in der Hand, den Blick fest auf das Display gerichtet, wo Kazuha ihr Boomerang lief. Ihre strahlenden Augen, das schüchterne Lachen und das unbeschwerte Sommerflair, es ließ sein Herz ein kleines bisschen schneller schlagen. Kaito, der die ganze Zeit versucht hatte, einen Blick zu erhaschen, beugte sich schließlich neben ihn, grinste und schnappte sich das Handy aus Heiji seiner Hand.

"Mal sehen, was den großen Hattori so aus der Bahn wirft.“ Er setzte sich direkt auf das Bett, nahm eine professionell übertriebene Haltung ein, wie ein Kunstkritiker bei dem ersten Blick auf ein Gemälde. Mit Daumen und Zeigefinger zoomte er langsam in den Boomerang hinein. Die drei Mädchen, der glitzernde Pool, die Sommerstimmung. Das perfekte Instagram-Bild.

"Okay, fangen wir an…“, murmelte er mehr zu sich selbst, während Heiji ihn nur stumm beobachtete. Er tippte mit zwei Fingern auf das Mädchen, das vorne im Pool saß, Aoko.

"Die hier… süßes Gesicht, keine Frage. Hat was Sanftes. Aber…“ Er zog die Lippen schief, neigte den Kopf.

"…definitiv zu viel Flachland. Da fehlen eindeutig die… sagen wir mal… weiblichen Argumente. Ist bestimmt ein Herzchen, aber rein optisch? Nichts für dich, Heiji. Oder irgendwem von uns.“ Er wischte mit dem Daumen zur Mitte des Bildes, wo Ran auf der Luftmatratze ihr Getränk hob.

"Die da… oh, die hat deutlich mehr zu bieten.“ Er zoomte näher ran.

"Schwarzer Bikini, Kurven, die man nicht übersieht. Selbstbewusste Ausstrahlung, entspannter Blick… das ist eher dein Stil. Oder warte…“ Er drehte sich halb zu Shinichi.

"…eigentlich passt sie besser zu dir, Kudo.“ Shinichi, der weiterhin zockte, warf nur einen kurzen Blick zur Seite, sah sich die Szene einen Moment lang an, dann zuckte er mit den Schultern.

"Hübsch ist sie, keine Frage.“ Kaito grinste zufrieden, als hätte er gerade einen Punkt im Detektivspiel gewonnen. Dann ließ er seinen Blick zum dritten Mädchen gleiten. Dem auf dem Donut-Ring. Mit der weißen Schleife im Haar. Kazuha. Doch anstatt wie zuvor auch sie direkt zu kommentieren, wanderte sein Blick gar nicht auf den Bildschirm, sondern ganz bewusst zu seinem Freund. Der saß auf seinem Schreibtischstuhl, die Ellbogen auf den Oberschenkeln abgestützt, leicht nach vorne gelehnt, als würde er jede Bewegung auf dem Display in sich aufsaugen. Seine Augen waren fest auf Kazuha ihr lachendes Gesicht gerichtet. Und es war nicht nur ein Blick, es war dieser Blick. Kaito beobachtete ihn genau. Wie Heiji seine Haltung sich ein wenig veränderte, unbewusst. Wie er das aufkommende Grinsen fast unterdrückte, aber an den zuckenden Mundwinkeln erkennbar war, dass es tief in ihm brodelte. Wie seine Augen dieses fast schon nervige Funkeln bekamen, das man nur bei Menschen sieht, die eigentlich längst verloren hatten, es nur selbst noch nicht ganz wussten. Und dann presste Heiji die Lippen zusammen, merklich. Kaito sagte kein Wort. Nicht sofort. Er ließ diese paar Sekunden wirken. Lange genug, um sich sicher zu sein. Dann, ohne Kazuha selbst auch nur wirklich angeschaut zu haben, schüttelte er mit übertrieben gespieltem Mitgefühl den Kopf, grinste breit,und warf Heiji sein Handy entgegen.

"Du bist sowas von verloren, Hattori.“ Heiji blinzelte, riss sich von dem Display los und fing das Handy gerade noch rechtzeitig auf.

"Was laberst du da…“, murmelte er, aber selbst seine Stimme klang nicht mehr ganz überzeugend. Shinichi hob kurz den Kopf vom Spiel, sah zu Kaito, dann zu Heiji und sagte nichts. Kaito stand auf, dehnte sich grinsend, als hätte er gerade ein langes Gespräch gewonnen.

"Sag mir einfach rechtzeitig Bescheid, wann ich den Strauß Blumen und das Herzkonfetti bestellen soll.“ Heiji schnaubte leise, aber er lächelte. Und diesmal versuchte er nicht mal, es zu verbergen.
 

Der Tag war wie im Flug vergangen. Die Sonne war bereits fast hinter den Dächern verschwunden und tauchte den Himmel in warme Orangetöne, während sich im Zimmer von Kazuha eine ganz andere, gemütliche Atmosphäre breitmachte. Die Deckenlampe war ausgeschaltet, stattdessen brannten ein paar kleine Lichterketten über dem Bett und eine Duftkerze auf dem Nachttisch verströmte ein zartes Vanillearoma. Aoko saß gemütlich in einem kleinen, flauschigen Sessel mit überkreuzten Beinen, während Ran direkt vor ihr auf einem flauschigen Teppich auf dem Boden saß. Aoko hatte bereits die Hälfte von Ran ihren Haaren zu einem geflochtenen Zopf verarbeitet, wobei ihre Finger flink und geübt zwischen den einzelnen Strähnen hin und her glitten.

"Du hast echt so wunderschöne Haare, Ran“, murmelte Aoko konzentriert, dabei biss sie sich leicht auf die Unterlippe, während sie die Strähnen weiter ordnete.

"Danke“, kicherte Ran leise und hielt sich dabei die kühle Gurkenscheibe auf ihrer Wangenmaske zurecht. Kazuha lag auf dem Bauch in ihrem Bett, das Kinn in beide Hände gestützt, während ihre Beine entspannt hin und her wippten. Ihre langen Haare hatte sie sich zu einem lockeren Zopf mit der gleichen weißen Schleife wie am Nachmittag gebunden. Die Atmosphäre in ihrem Zimmer war angenehm warm und das gedämpfte Licht der Lichterkette ließ alles weich und gemütlich wirken, während die Duftkerze auf ihrem Nachttisch leise flackerte und einen Hauch von Vanille in den Raum trug. Aoko war weiterhin mit Ran ihrem Zopf beschäftigt. Ihre Finger arbeiteten routiniert, während sie sich angeregt mit Ran über eine Situation aus der Schule unterhielten. Die beiden lachten leise, plauderten und schienen vollkommen in ihrer eigenen Welt versunken zu sein. Kazuha lächelte sanft bei dem Anblick. Dann griff sie unauffällig nach ihrem Handy, das neben ihr auf dem Bett lag. Sie drehte sich leicht zur Seite, richtete sich etwas auf und öffnete ihre Instagram-App. Ohne etwas zu sagen oder anzukündigen, stellte sie die Kamera auf Boomerang, wechselte auf die Frontkamera und richtete den Bildausschnitt vorsichtig so aus, dass sowohl Aoko als auch Ran mit im Hintergrund zu sehen waren. Die Kamera fing genau den Moment ein, in dem Aoko Ran etwas zuflüsterte und beide gleichzeitig ein ehrliches, warmes Lächeln auf den Lippen trugen, ganz natürlich, ganz unbeobachtet. Im Vordergrund zog Kazuha genau in diesem Moment eine süße, leicht verspielt und verträumte Grimasse. Sie schürzte die Lippen ganz leicht, schwenkte ihr Sektglas elegant mit zwei Fingern und zwinkerte beinahe unmerklich in die Kamera. Ihre Augen funkelten, ihre Wangen hatten einen zarten rosigen Schimmer vom warmen Licht und der kleine Clip wirkte wie ein eingefrorener, fast magischer Moment unter Freundinnen. Zufrieden betrachtete sie die Vorschau und es war perfekt. Ohne weiter darüber nachzudenken, postete sie den Boomerang in ihre Story. Dann sperrte sie ihr Handy wieder und ließ es neben sich fallen. Kazuha streckte sich leicht auf dem Bett, ihre Zehen wippten über dem Bettlaken in der Luft, während sie den Kopf auf ihren Armen abstützte. Der leichte Duft von Kokos, der von der Gesichtsmaske auf ihrer Haut stieg, vermischte sich mit dem frischen Aroma des Vanilleduftes der Kerze. Ihre Augen folgten Ran und Aoko, die inzwischen die Plätze getauscht hatten, nun saß Aoko auf einem Kissen vor dem Sessel, während Ran sanft Strähne für Strähne durch ihre Finger gleiten ließ. Aoko summte leise vor sich hin, doch ihr Blick wanderte irgendwann zu Kazuha, die in ihrer entspannten Haltung auffällig ruhig wirkte. Mit einem neckischen Grinsen warf Aoko ein Schokolade in den Mund, kaute und sagte schließlich mit süffisantem Unterton.

"Sag mal, Kazuha…“ Kazuha hob langsam den Blick von der Zeitschrift vor sich. Ihre Finger stoppten das rhythmische Kreisen über das Magazin und sie musterte Aoko ein wenig misstrauisch.

"Wie läuft es eigentlich mit deinem Typen da?“, setzte Aoko grinsend nach und zwinkerte. Ran, die gerade eine Haarsträhne fest zwischen den Fingern hielt, lachte leise auf.

"Oh, das wollte ich auch schon fragen.“ Kazuha blinzelte, dann hob sie die Augenbrauen, als wolle sie Zeit gewinnen. Sie griff geistesabwesend nach ihrem Sektglas und nippte daran, bevor sie trocken erwiderte.

"Was für ein Typ, bitte?“ Ran lehnte sich entspannt zurück, kreuzte die Beine auf dem Sessel und stützte ihr Kinn auf die Hand.

"Na, du weißt schon… der, mit dem du telefoniert hattest. Der, dessen Nachrichten dich so lächeln lassen.“ Kazuha verzog gespielt das Gesicht und schüttelte sachte den Kopf, während ihre Wangen sich jedoch ganz leicht röteten. Ihre Stimme war betont nüchtern, fast trotzig.

"Also erstens… Heiji ist nicht mein Typ.“ Sie nahm noch einen Schluck, stellte dann das Glas ab und versuchte sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Ihre Stimme wurde ruhiger, als sie fortfuhr.

"Und zweitens… wäre das alles sowieso kompliziert. Der wohnt in Osaka.“ Ran ließ sanft die Haarsträhne los, legte die Hände in den Schoß und rutschte auf dem Sessel etwas näher zu Aoko.

"Aber mal ganz ehrlich“, begann sie, ihre Stimme neugierig.

"Meint ihr überhaupt, dass sowas funktioniert? Also so auf Entfernung? Gerade wenn man sich nur online kennt?“ Kazuha atmete tief durch, ließ sich wieder auf das Bett sinken und drückte das Gesicht kurz ins Kissen, bevor sie leise erwiderte.

"Ich weiß nicht… Ich glaube, das ist superschwierig. Man kennt den anderen nur durch Nachrichten und Telefonate. Man weiß nie, wie jemand wirklich ist. Keine Körpersprache, keine echten Momente…“ Aoko nickte verständnisvoll und schnappte sich ein kleines Stück Schokolade vom Tablett.

"Ja, voll. Und selbst wenn man sich vertraut, fehlt halt das… das Reale. Man kann sich ewig was vorstellen, aber wenn man sich dann trifft und es passt nicht, ist alles umsonst.“ Ran hob eine Augenbraue und runzelte leicht die Stirn.

"Oder man ist total nervös“, warf sie ein,

"weil man plötzlich Erwartungen hat, die der andere vielleicht gar nicht erfüllen kann.“ Kazuha blickte auf ihre Fingernägel, dann auf das Fenster, hinter dem die Sonne mittlerweile tief am Horizont stand. Ein orangefarbenes Licht fiel in ihr Zimmer und schimmerte auf dem Glas in ihrer Hand.

"Ich glaube, es müsste schon was echt Starkes sein, damit so eine Fernbeziehung überhaupt funktioniert“, sagte sie schließlich leise, fast nachdenklich. Sie verdrehte eine Haarsträhne um den Finger und fügte hinzu

"Etwas, was man sonst nicht so leicht findet.“ Aoko sah sie mit einem weichen Lächeln an, ihre Stimme fast flüsternd.

"Oder jemand, der das Risiko wert ist.“ Kazuha antwortete nicht sofort. Ihr Blick war auf das halbvolle Sektglas in ihrer Hand gerichtet, das sie langsam und gedankenverloren kreisen ließ. Ihre Lippen waren zu einer schmalen Linie gepresst, während Ran und Aoko weiter über das Thema plauderten, ihre Stimmen beinahe wie ein ferner Klang, der an ihr vorbeizog. Sie spürte ein leises Ziehen in der Brust. Kein Schmerz, aber ein Druck weich, aber er war da. Ohne viel Aufhebens nahm sie ihr Handy vom Nachttisch, entsperrte es mit einem kurzen Wisch und öffnete Instagram. Ihre Finger bewegten sich wie von selbst. Schon erschien das Profil von JustHeiji. Sie tippte darauf, ihr Daumen zögerte nur kurz, bevor sie sich eines seiner Bilder ansah. Heiji trug auf dem Foto seine Kappe verkehrt herum. Sie saß locker auf seinem Kopf, so dass seine zerzausten Haare sichtbar blieben. Ein Hauch von Sommerlicht spiegelte sich in seinem Gesicht. Ein selbstsicheres Lächeln zierte seine Lippen, ganz natürlich, nicht überheblich, sondern warm. Ein wenig schelmisch vielleicht. Sein Kopf war leicht zur Seite geneigt, seine Augen sahen direkt in die Kamera und direkt zu ihr. Zumindest fühlte es sich so an. Kazuha zog die Beine näher an sich heran, das Kinn auf den Handrücken gestützt, und starrte das Bild an. Ihre Augen wurden weicher, ihre Miene ein wenig ernster.

"Was, wenn wir uns wirklich irgendwann treffen würden, Heiji?"

Der Gedanke formte sich in ihrem Inneren wie ein leiser Flüsterton.

"Würdest du mich dann noch mögen? Oder war es nur unsere Stimme im Dunkeln, dieses Gefühl, das leichter ist, wenn man sich nicht in die Augen sehen muss?" Ihre Finger strichen sanft über den Bildschirm, als wollte sie die Entfernung damit überbrücken.

"Bin ich das, was du erwartest? Oder ist da nur ein Bild von mir in deinem Kopf, das mit der Realität nichts zu tun hat?" Sie seufzte leise, kaum hörbar und senkte das Handy kurz auf ihren Schoß, während sie ihre Beine leicht anzog und das Kinn darauf abstützte. Ihre Augen wirkten glasig, nachdenklich und auch wenn sie es versuchte zu verbergen, lag ein Hauch von Bedrücktheit über ihr.

"Warum stelle ich mir überhaupt all diese Fragen…?" Ein leises Klirren ließ sie aufblicken. Ran hatte ihr Glas abgestellt und Aoko lachte über etwas, das sie gesagt hatte. Kazuha versuchte zu lächeln, leicht, fast schüchtern, dann hob sie das Handy wieder an, blickte noch ein letztes Mal auf das Bild von Heiji.

"Sag du es mir", dachte sie still.

"Sag mir, ob da mehr ist oder ob ich mir das nur einbilde." Dann sperrte sie das Handy, legte es zur Seite und schob sich langsam nach oben, als wollte sie das Gespräch wieder einholen, während ihr Herz einen Moment länger an ihm festhing.
 

Heiji lag ausgestreckt auf seinem Bett, das Kopfkissen halb unter seinem Nacken, während die schwachen Lichtblitze des laufenden Horrorfilms flackernd über Wände, Möbel und Gesichter tanzten. Auf dem Boden davor hatten es sich Kaito und Shinichi gemütlich gemacht mit Snacks zwischen sich. Ihre Augen klebten förmlich am Bildschirm, wo gerade eine Frau durch einen düsteren Flur schlich.

"Boah, das schreit so sehr nach, Gleich springt was aus dem Schrank!“, murmelte Kaito und biss in einen Chip.

"Und trotzdem gehenn sie immer weiter“, erwiderte Shinichi trocken, ohne den Blick abzuwenden. Heiji bekam davon kaum etwas mit. Er lag still, nur sein rechter Daumen bewegte sich gelegentlich leicht, während er sein Handy über sich hielt. Sein Blick war ganz auf das Bild gerichtet. Das Foto war schlicht, nichts Aufwendiges. Kazuha trug ein weißes T-Shirt und darüber eine blaue Latzhose. Ihr Haar hatte sie wie bei den meisten Fotos mit einer Schleife in rot zu einem Pferdeschwanz gebunden und einzelne Strähnen fielen in ihr Gesicht. Ihr Blick war sanft, ein Lächeln lag auf ihren Lippen, nicht inszeniert, sondern echt. So echt, dass es ihm einen leisen Stich im Brustkorb versetzte. Er beobachtete ihr Gesicht auf dem Display, als würde es sich bewegen. Als würde sie gleich blinzeln. Als könnte sie ihn wirklich ansehen.

"Sag mir, warum du so viel mit mir machst…“, dachte er leise. Er drehte das Handy etwas, betrachtete sie aus einem anderen Winkel.

"Warum bringt mich dein Lächeln um den Schlaf?“ Er drehte sich auf die Seite, das Kissen knautschte unter seiner Schulter. Sein Daumen verharrte, als er sich fragte.

"Sollte ich es dir sagen? Einfach so? Dir schreiben.. Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt?" Ein plötzlicher Schrei aus dem Fernseher ließ Kaito aufspringen.

"Alter! Das war mies!“ Heiji blinzelte nur langsam, der Ton erreichte ihn, aber nicht seine Gedanken.

"Würdest du mich auslachen? Denken, ich sei verrückt?“ Seine Augen wanderten langsam zurück zu ihrem Lächeln. Zu diesen weichen, geschwungenen Lippen, die selbst auf einem Foto Wärme ausstrahlten. Sein Herz schlug spürbar fester, als sich in seinem Kopf ganz unwillkürlich ein Gedanke formte.

"Wonach deine Lippen wohl schmecken?" Er schluckte. Ein winziges, atemloses Lächeln huschte über sein Gesicht, halb ungläubig, halb verloren. Er runzelte leicht die Stirn, als würde er sich selbst für diese Frage tadeln. Aber sein Blick blieb. Festgehalten an diesem Gesicht. An ihrem Ausdruck. An der Art, wie ihre Lippen sich im Lächeln hoben, wie ihre Augen dabei ganz leicht schmal wurden. Er spürte ein leises Ziehen in der Brust. Sein Daumen glitt unentschlossen über das Display, als könnte er über das Glas hinweg ihre Wange streicheln.

"Wie fühlt es sich an, dir wirklich nahe zu sein?" Ein weiterer Schrei aus dem Fernseher ließ das Zimmer erbeben. Kaito fluchte, Shinichi kommentierte irgendwas trocken. Heiji hörte es nicht mehr. Er war völlig versunken in den stillen Moment, der sich zwischen ihm und einem einfachen Foto auf seinem Display aufgebaut hatte. Ein einziger, tiefer Atemzug später senkte er langsam die Hand. Dann sperrte er das Handy. Der Bildschirm wurde dunkel. Seufzend ließ er es auf die Matratze neben sich sinken, schob es mit der Fingerspitze etwas weiter weg, als müsste er sich zwingen, loszulassen. Er drehte sich leicht auf den Rücken, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und zwang sich, auf den Fernseher zu schauen. Aber seine Gedanken hingen nicht an der Handlung. Sie hingen an ihr. An ihrem Lächeln. Und an der Frage, die ihn so sehr beschäftigte, dass sie langsam nicht mehr zu verdrängen war.

"Wenn ich es dir sagen würde… verliere ich dich dann, bevor ich dich überhaupt wirklich für mich gewinnen konnte?"

Schubsen mit Stil

Die Sonne hing hoch am Himmel und warf warme Strahlen auf den belebten Schulhof. Die letzte Schulwoche vor den Sommerferien schien sich zu dehnen, doch an diesem Tag lag eine gewisse Vorfreude in der Luft. Kazuha saß mit Ran und Aoko an einem der wettergegerbten Holztische am Rand des Hofes. Die Tischplatte war übersät mit eingeritzten Initialen, Herzen und Jahreszahlen. Der Schatten eines Baumes tanzte über die Oberfläche, als der Wind durch die Äste strich. Ran hatte sich seitlich auf die Bank gesetzt, ein Bein angezogen, während sie einen Apfel in der Hand hielt.

"Dieses Jahr will ich nicht wieder nur an irgendeinem überfüllten See landen. Ich brauch Salzwasser, Meeresrauschen, Sand zwischen den Zehen…“ Aoko, die sich lässig rücklings auf die Lehne gestützt hatte, nickte begeistert.

"Miyakojima wäre echt perfekt. Stell dir das mal vor.. weißer Sandstrand, türkisblaues Wasser, Cocktails mit kleinen Schirmchen…“ Sie breitete die Arme aus, als würde sie es schon sehen können.

"Und keine nervigen Insekten wie am See! Ich will ein Hotel mit Klimaanlage, Zimmerservice und einer Poolbar.“ Ran lachte und ließ sich zurückfallen, ihr Kopf lehnte sich an Aoko ihre Schulter.

"Und vielleicht ein kleiner Urlaubsflirt? Ich hätte echt nichts dagegen, mal von so einem gut aussehenden Typen angebaggert zu werden.“ Aoko kicherte leise.

"Solange er kein Sonnenbrand-Tourist mit Socken in Sandalen ist, bin ich dabei.“ Die beiden kicherten noch immer, als sie sich zu Kazuha wandten, die bislang eher ruhig dabeigesessen hatte. Sie saß aufrecht, die Hände locker im Schoß, der Blick schweifte immer wieder gedankenverloren in die Ferne. Ran stieß sie mit dem Ellbogen an.

"Was ist mit dir, Kazuha? Wäre ein Urlaubsflirt was für dich?“ Kazuha blinzelte, als wäre sie gerade aus einem Tagtraum gerissen worden, lächelte dann aber sanft.

"Kommt drauf an… ist er charmant, bringt mir Getränke am Pool und sieht zufällig aus wie mein Typ?“

"Was ist denn dein Typ?“, fragte Aoko neugierig mit einem Grinsen, während sie sich nach vorne lehnte. Kazuha öffnete gerade beiläufig eine ihrer Wasserflaschen, doch bei Aoko ihrer Frage glitt ihr Blick unbewusst auf ihr Handy. Der Bildschirm war schwarz, doch alleine der Anblick reichte. Sein Bild, sein Lächeln, seine Augen… Heiji schlich sich sofort in ihre Gedanken, so lebendig, dass ihr Herz einen kleinen Satz machte. Sie spürte es. Natürlich tat sie das. Aber es sich eingestehen? Noch nicht. Nicht jetzt. Nicht, solange sie es selbst nicht ganz verstand. Also verzog sie den Mund zu einem vagen Lächeln und lehnte sich etwas zurück, als würde sie überlegen.

"Hm… also… groß wäre nicht schlecht. Und dunkle, glatte Haare. Vielleicht ein bisschen geheimnisvoll, so mit Lederjacke oder Motorrad.. so ein bisschen Bad-Boy-Vibes, wisst ihr?“ Aoko zog belustigt die Augenbrauen hoch.

"Echt? Ich dachte, du stehst eher auf den sportlichen Typ mit Kappe?“ Kazuha lachte kurz, etwas gezwungen und winkte ab.

"Ach was, nein! Ich meine, das wäre ja viel zu langweilig. Ich brauche jemanden, der mich auch mal überrascht. So mit… Tattoos oder einem Ohrring.“ Ran sah sie skeptisch an, blinzelte dann aber und grinste.

"Klingt ziemlich nach einem Kerl aus einer K-Drama-Serie. Aber hey.. jedem das Seine.“ Kazuha nahm einen Schluck Wasser und versuchte nicht zu sehr zu zeigen, wie wenig ernst sie selbst ihre eigene Beschreibung nahm. In Wahrheit hatte ihr Typ ein schiefes Grinsen, leicht zersauste, dunkle Haare..
 

Kazuha saß mit Aoko und Ran noch immer auf dem Schulhof, doch ihre Gedanken waren schon längst nicht mehr bei dem Gespräch. Während ihre beiden Freundinnen über Sommerpläne sprachen und lachten, glitt ihr Blick über den belebten Hof bis er bei Haruna hängen blieb. Haruna, ihre Klassenkameradin, war bekannt dafür, dass sie eine Fernbeziehung führte mit jemandem aus dem Internet. Kazuha stand langsam auf, fast mechanisch und murmelte.

"Ich bin gleich wieder da, okay?“

"Wohin gehst du denn?“, fragte Ran, ohne wirklich aufzublicken.

"Ich muss nur kurz jemanden was fragen“, antwortete sie ausweichend und ging bereits los. Haruna saß etwas abseits unter einem Baum, kicherte gerade über etwas, das ihre Freundin ihr zeigte. Kazuha trat vorsichtig an sie heran.

"Haruna? Hast du kurz Zeit? Ich… wollte dich was fragen. Nur ganz kurz, wenn es geht.“ Haruna hob den Kopf, sah Kazuha mit einem freundlichen Lächeln an.

"Klar, was ist denn los?“

"Können wir kurz unter vier Augen sprechen?“ Ihre Stimme war leise, fast nervös.

"Na klar.“ Haruna stand auf, warf ihrer Freundin noch ein

"Bin gleich zurück“ zu, und folgte Kazuha ein paar Schritte zur Seite in den Schatten der großen Eiche. Sie standen einander gegenüber, Kazuha druckste kurz herum, rieb sich verlegen die Hände.

"Ich wollte… ich mein… deine Beziehung… also… die mit dem Typen aus dem Internet…“ Haruna legte den Kopf leicht schief, ihre Augen blitzten neugierig.

"Ja?“

"Wie… hat das bei euch angefangen? Also… du kennst ihn ja nicht persönlich, oder?“ Ein warmes Lächeln breitete sich auf Haruna ihrem Gesicht aus.

"Nein, wir haben uns online kennengelernt. In einem Forum eigentlich. Ganz zufällig. Wir haben ein paar Mal geschrieben, erst nur belanglos, aber dann… wurde es persönlicher. Wir haben irgendwann über alles geschrieben. Ich wusste irgendwann mehr über ihn als über jeden hier.“ Kazuha hörte ihr gebannt zu. Ihre Hände griffen nervös an die Träger ihrer Tasche.

"Aber war das nicht… komisch? Jemandem so viel zu geben, den man noch nie gesehen hat?“ Haruna lachte leise, beinahe verträumt.

"Am Anfang schon. Ich habe auch gedacht.. Was mache ich da eigentlich? Aber… es war so leicht mit ihm. Es hat sich so echt angefühlt. Ich habe mich gefreut, wenn er geschrieben hat. Er war der Erste, bei dem ich das Gefühl hatte, wirklich ich selbst sein zu können.“ Kazuha senkte den Blick. Ihre Gedanken rasten. Haruna bemerkte ihren Ausdruck und legte leicht den Kopf zur Seite.

"Warum fragst du das eigentlich, Kazuha?“, fragte sie freundlich. Kazuha suchte nach einer Ausrede, irgendeiner Erklärung, doch es kam nur ein stockendes.

"Ich… habe nur darüber nachgedacht… so allgemein…“ Haruna zog eine Augenbraue hoch und kicherte dann leise.

"Aha. Und wer ist er?“ Kazuha zuckte merklich zusammen, als wäre sie auf frischer Tat ertappt worden.

"W.. was meinst du?" Haruna trat einen Schritt näher, verschränkte spielerisch die Arme vor der Brust.

"Du bist wie ein offenes Buch. Ich habe mich am Anfang genauso verhalten. Verträumt, verunsichert… aber ganz ehrlich? Man merkt es dir an.“ Kazuha schluckte schwer. Ihre Gedanken wirbelten. Noch während sie Haruna gegenüberstand, glitten ihre Finger wie ferngesteuert zu ihrer Tasche, zogen das Handy heraus und entsperrten es, ganz automatisch, ohne es bewusst zu wollen. Der Bildschirm flackerte auf und das Bild erschien. Dieses eine Bild, das sie sich viel zu oft angesehen hatte. Seine verkehrt herum getragene Kappe, die dunklen Haare, die vorne leicht über die Stirn fielen. Dieses lässige, selbstsichere Lächeln. Und seine Augen… warm und irgendwie vertraut. Kazuha starrte auf das Display, so gedankenversunken, dass sie gar nicht bemerkte, dass Haruna einen kurzen Blick auf das Foto erhaschte. Erst als Haruna leise, beinahe neugierig murmelte.

"Oh… ist er das...?“ schrak Kazuha zusammen.

"A-Ah… nein, ich…“ stammelte sie, sperrte verlegen ihr Handy und steckte es hastig zurück in ihre Tasche. Sie räusperte sich, versuchte ihre Fassung zu wahren, doch es half nichts. Es war, als hätte Haruna eine Tür geöffnet, die Kazuha verzweifelt versuchte zuzuhalten, doch nun brach alles aus ihr heraus. Ihre Stimme zitterte leicht, nicht vor Nervosität, sondern vor dem emotionalen Knoten, der sich all die Zeit in ihr aufgestaut hatte.

"Ich weiß nicht, was mit mir los ist“, begann sie leise, ihre Augen auf den Boden gerichtet.

"Ich wollte das alles nie. Ich war immer überzeugt davon, dass sowas… dass das gar nicht funktionieren kann. Wie kann man jemanden wirklich mögen, den man nie getroffen hat?“ Sie hob langsam den Blick, sah Haruna direkt an. Ihre grünen Augen glänzten, nicht vor Tränen, sondern vor purer Überforderung mit dem, was da in ihr vorging.

"Und trotzdem… jedes Mal, wenn er schreibt, ist da dieses Gefühl. So ein Kribbeln. Mein Herz schlägt schneller. Ich ertappe mich beim Grinsen wie ein Idiot, nur weil er einen blöden Witz macht oder einfach nur einen Smiley schickt. Und wenn wir telefonieren…“ Sie brach kurz ab, atmete tief durch..

"Seine Stimme bringt mich zur Ruhe. Einfach so. Als würde er direkt in mein Innerstes sprechen.“ Kazuha fuhr sich über den Nacken, ein nervöses Lächeln auf den Lippen.

"Und dabei kenne ich ihn gar nicht richtig. Nicht wirklich. Nicht so, wie man jemanden kennen sollte, in den man sich…" Sie stockte. Das Wort kam ihr nicht über die Lippen. Sie konnte es nicht aussprechen. Nicht jetzt. Aber in ihrem Inneren war es längst da.

"Es ist so verwirrend. Ich dachte immer, Gefühle brauchen Nähe, echte Momente… Berührungen. Aber jetzt? Jetzt weiß ich nicht mal mehr, was echt ist und was nicht. Nur… dass es sich so real anfühlt, was mir echt angst macht.“ Haruna schwieg einen Moment, doch ein kleines, unterdrücktes Kichern entwich ihr dann doch. Sie hob die Schultern leicht, als würde sie sich selbst wiedererkennen.

"Weißt du… genauso war ich auch am Anfang.“ Ihr Lächeln wurde sanfter, fast schon wehmütig.

"Ich habe genauso geredet. Genauso gedacht. Ich habe alles hinterfragt. Ich habe mich selbst gefragt, ob ich komplett den Verstand verloren habe, weil ich angefangen habe, jemanden zu vermissen, den ich nie in echt gesehen hatte.“ Kazuha sah sie an, überrascht, aber auch… erleichtert. Haruna nickte leicht, als hätte sie Kazuha ihre unausgesprochene Gedanken gelesen.

"Ich erinnere mich noch, wie ich mein Handy angesehen habe wie ein Idiot und einfach nur gehofft habe, dass er schreibt. Und wenn er es getan hat, war der Tag gerettet.“ Sie lachte leise, spielte mit einer Haarsträhne.

"Und jedes Mal, wenn ich dachte.. das darf nicht so wichtig werden, wurde es nur noch schlimmer. Oder schöner, je nachdem.“ Kazuha lächelte nun ein wenig, ihr Blick wurde weicher. Für einen Moment war es gut zu wissen, dass sie mit all dem nicht alleine war.. mit dieser Unsicherheit, der Freude, dem Zweifel… und dieser einen Frage, die sie nicht laut aussprechen konnte, weil die Antwort zu viel verändern würde. Haruna schob sich eine Strähne hinter ihrem Ohr.

"Du denkst, es ist unmöglich, weil es nicht greifbar ist. Weil es nicht so passiert, wie man es gewohnt ist. Aber Gefühle…“ Sie zuckte mit den Schultern.

"Die halten sich nicht an Regeln. Die finden einfach ihren Weg. Und wenn es sich so anfühlt, wie du es gerade beschrieben hast, dann ist da schon längst mehr.“ Haruna beugte sich leicht zu Kazuha, ein verschwörerisches Lächeln auf den Lippen. Ihre Stimme wurde leiser, fast so, als würde sie ihr ein Geheimnis anvertrauen.

"Weißt du… als ich ihn das erste Mal getroffen habe… war es genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Nein, eigentlich sogar noch besser“, flüsterte sie, während ihre Augen für einen Moment in Erinnerungen schimmerten. Kazuha blinzelte überrascht.

"Wirklich? Kein awkward Moment? Kein.. Oh Gott, wie komme ich hier raus?“ Haruna lachte leise.

"Gar nicht. Er war so… wie ich ihn kennengelernt habe. Und das, obwohl wir uns vorher nie persönlich gesehen hatten. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Alles hat gepasst und es war einfach richtig.“ Kazuha sah sie nachdenklich an, als hätte jemand einen ganz neuen Raum in ihrem Inneren geöffnet, den sie bisher nicht betreten hatte. Haruna richtete sich wieder auf, legte sanft ihre Hand auf Kazuha ihren Arm.

"Lass dich darauf ein, Kazuha. Du kannst doch jederzeit entscheiden, ob es dir guttut oder nicht. Aber wenn du es gar nicht erst zulässt… verpasst du vielleicht was und wirst es bereuen.“ Mit einem warmen, aufmunternden Lächeln drehte sich Haruna um und ging zurück zu ihrer Freundin. Ihre Schritte waren leicht, ihr Gang ruhig, als würde sie wissen, dass sie gerade einen wichtigen Samen gepflanzt hatte. Kazuha sog leise Luft durch die Nase ein. Ihr Blick ruhte noch einen Moment auf dem Bildschirm, auf seinem Lächeln. Doch dann hob sie langsam den Kopf. Ein leiser Gedanke schlich sich klar in ihren Kopf. Und mit ihm breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus, diesmal nicht zaghaft oder unsicher, sondern weich und mit einem Hauch Entschlossenheit. Sie steckte das Handy ruhig in ihre Tasche zurück, richtete sich ein wenig auf und drehte sich um. Mit einem neuen Glanz in den Augen und einem ganz eigenen kleinen Geheimnis auf den Lippen ging sie mit ruhigem Schritt über den Schulhof zurück. Ran und Aoko saßen noch immer auf der Bank und kicherten über irgendetwas, das Ran auf ihrem Handy zeigte. Als Kazuha sich wieder zu ihnen setzte, schob Aoko ihr sofort eine Packung Gummibärchen entgegen, während Ran neugierig aufsah.

"Alles gut?“ fragte Ran beiläufig. Kazuha nickte, nahm sich ein Gummibärchen und warf es sich in den Mund.

"Ja. Alles bestens“, sagte sie mit einem sanften Lächeln. Und dieses Mal… meinte sie es.
 

Kazuha saß in der letzten Unterrichtsstunde des Tages und die Uhr schien kaum voranzugehen. Die Luft war warm, das Fenster stand leicht offen und ließ leise das Summen der Außenwelt herein. In ihrem Klassenraum war es ruhig, abgesehen vom monotonen Klang des Lehrers, der vorne an der Tafel etwas über Stressbewältigung im Fach Gesundheitslehre erklärte. Kazuha saß an ihrem Platz, den Kopf in ihre rechte Hand gestützt, den Ellbogen auf dem Tisch. Ihre Finger spielten gedankenverloren mit ihrem Stift auf dem Tisch, während ihr Blick langsam aus dem Fenster glitt. Die wenigen, weißen Wolken am Himmel zogen träge dahin. Sie hörte zwar den Lehrer, doch verstand kein Wort mehr. Alles klang dumpf, wie durch eine Wasserwand. Ihre Augen wurden etwas glasig, während ihre Gedanken sich lösten und vor ihrem inneren Auge veränderte sich die Szene.
 

Sie stand mitten in einem Park. Eine leichte Brise fuhr durch ihr Haar, während sie nervös ihre Finger um die Träger ihrer Tasche klammerte. Menschen liefen an ihr vorbei, doch sie nahm sie kaum wahr. Ihr Blick suchte nur einen. Und dann, sah sie ihn. Er stand ein paar Meter entfernt, in der Menge, aber sein Blick lag direkt auf ihr. Das selbstsichere, warme Lächeln auf seinen Lippen war exakt so, wie sie es von seinen Fotos kannte und vielleicht sogar noch schöner. Ihre Knie wurden weich. Langsam kam er auf sie zu, Schritt für Schritt. Kazuha spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Ihre Wangen röteten sich leicht, sie konnte kaum atmen, so nervös war sie. Heiji blieb vor ihr stehen, seine dunklen Augen sahen sie offen und direkt an. Dann hob er leicht eine Hand und legte sie ganz sanft an ihre Taille.

"Du bist wirklich hier“, flüsterte er. Kazuha nickte stumm, ihre Lippen zitterten leicht. Als er sich näher beugte, schloss sie instinktiv die Augen. Sie spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut, ganz nah an ihren Lippen..
 

Ein lauter Knall direkt vor ihr ließ sie ruckartig zusammenzucken. Das Lineal des Lehrers war auf ihren Tisch geknallt.

"Toyama..", sagte er streng, die Augen auf sie gerichtet.

"Wenn du hier träumen willst, dann wenigstens mit offenen Augen, verstanden?“ Kazuha richtete sich erschrocken auf, ihre Wangen brannten. Sie schaute den Lehrer mit großen Augen an, noch halb im Tagtraum.

"E-Entschuldigung… kommt nicht wieder vor“, stammelte sie leise, während die Klasse in ein leises Kichern verfiel. Ran beugte sich grinsend zu ihr rüber und stupste sie leicht mit dem Ellenbogen in die Seite.

"Na, woran hast du gedacht? Dein Blick war so verklärt.. da war jemand aber sehr weit weg von hier.“ Kazuha blinzelte ein paar Mal, um ganz zurück ins Hier und Jetzt zu kommen. Sie lächelte vage, wirkte dabei aber ein wenig verlegen.

"Ach… nichts Wichtiges“, murmelte sie und winkte mit der Hand ab. Ran zog skeptisch eine Augenbraue hoch.

"Komm schon, so siehst du nicht aus, wenn du an Hausaufgaben denkst.“

"Wirklich, es ist nichts“, sagte Kazuha schnell, ihr Blick glitt kurz zu ihrem Handy, das ruhig auf dem Tisch lag.

"Ich erzähle es euch später, versprochen.“ Ran warf ihr noch einen neugierigen Blick zu, sagte aber nichts weiter. Aoko, die weiter vorne saß, drehte sich kurz um, als wäre ihr das Gespräch nicht entgangen, doch der Lehrer fuhr bereits wieder mit seinem Vortrag fort und diesmal über Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen. Kazuha seufzte innerlich, stützte wieder den Kopf in die Hand und versuchte, sich zu konzentrieren. Doch ihre Gedanken waren längst wieder auf Reisen… dorthin, wo ihr Herz immer öfter hinwanderte.
 

Die Sonne stand tief über dem Schulhof, als die letzten Schüler das Gebäude verließen. Inmitten der Menge bewegten sich auch Heiji, Kaito und Shinichi langsam dem Schultor entgegen. Kaito hatte seine Schuljacke lässig über die Schulter geworfen und lief mit einer fast schon übertriebenen Energie voraus.

"Leute!“, rief er aus, während er rückwärts lief und dramatisch mit den Armen fuchtelte.

"Nur noch diese Woche! Und dann... beginnt der legendärste Sommer unseres Lebens!“ Heiji schob die Hände in die Taschen, seine Schritte gemächlich.

"Du sagst das so, als hättest du den ganzen Sommer schon durchgeplant.“

"Habe ich!“, entgegnete Kaito stolz und fischte mit einem theatralischen Grinsen ein zerknittertes Notizblatt aus der Hosentasche.

"Surfen, Zelten, Nachtwanderung, Straßenfest, Karaoke und hör zu.. Geistertempel-Tour bei Vollmond!“ Shinichi runzelte die Stirn, während er sich das Blatt ansah.

"Du hast da vier Dinge in drei Tagen gepackt. Hast du auch Zeit zum Schlafen eingeplant?“

"Schlaf wird überbewertet, Kudo. Wir leben nur einmal!“ Heiji konnte sich ein amüsiertes Schnauben nicht verkneifen, blieb aber hinter den beiden leicht zurück. Während sie sich über Kaito seine waghalsigen Pläne unterhielten, driftete sein Blick ab, genau wie seine Gedanken. Die Worte flogen an ihm vorbei. Stattdessen dachte er an die Stimme, die ihm abends immer durch den Hörer entgegenklang. An das leise Lachen. An ihre Nachrichten, die ihn oft mitten in der Nacht zum Grinsen brachten. Er sah Kazuha förmlich vor sich, mit ihrer Schleife und diesem leicht süßen Lächeln. Heiji blieb stehen, sein Blick ruhte auf einem Punkt in der Ferne. In seiner Hosentasche vibrierte sein Handy ganz leicht, doch er beachtete es nicht sofort.

"Heiji?“ Shinichi blieb stehen, als er merkte, dass sein Freund nicht mehr neben ihnen lief. Kaito hielt ebenfalls inne und drehte sich irritiert um. Heiji stand ein paar Schritte hinter ihnen, den Blick in die Ferne gerichtet, als würde er nicht mehr in der Realität, sondern irgendwo ganz anders sein. Kaito schnalzte mit der Zunge und ging ein paar Schritte zurück zu ihm. Dann schnippte er provokant vor Heiji seinem Gesicht.

"Alter, hier spielt die Musik!“ Heiji blinzelte, als wäre er gerade aus einem tiefen Traum gerissen worden, verzog das Gesicht leicht genervt und ging einfach an Kaito vorbei.

"Halt einfach die Klappe, Kuroba.“

"Ey!“, rief Kaito und sprang ihm mit einem theatralischen Seufzer hinterher. Mit einem Arm schlang er sich grinsend um Heiji seinen Schultern.

"Was ist los, Cowboy? Lass uns an deinen tiefsten Gedankengänge teilhaben!" Heiji atmete tief durch, schob Kaito seinen Arm etwas ruppig weg und blieb dann stehen.

"Ich… denke darüber nach, ob ich Kazuha fragen soll.“ Kaito runzelte die Stirn, seine Augen weiteten sich leicht.

"Fragen? Warte mal... Fragen fragen? Du meinst, du willst sie nach einer Beziehung fragen?! Heiji, du hast sie doch noch nie in echt gesehen! Das ist zu schnell, Mann. Du weißt doch gar nicht, ob sie.."

"Boah, du bist so ein Vollidiot.“ Heiji schüttelte genervt den Kopf und klatschte Kaito dessen Arm endgültig von sich.

"Ich will sie nicht fragen, ob sie meine Freundin wird. Ich will sie einfach nur nach einem Treffen in den Ferien fragen.“ Kaito sah Heiji einen Moment verdutzt an, dann wich die Verwirrung in sichtlicher Erleichterung. Laut lachte er auf und klopfte Heiji mit übertriebener Wucht auf den Rücken.

"Boah, du machst mich fertig! Ich dachte schon, du willst gleich mit einem Antrag um die Ecke kommen, du Romantiker!“ Heiji verzog leicht das Gesicht wegen der festen Klopfer, rückte sich genervt die Jacke zurecht. Shinichi trat nun ebenfalls näher, schob die Hände in die Hosentaschen.

"Aber ernsthaft… du meinst das mit dem Treffen wirklich, oder?“ Heiji nickte, der Blick wurde für einen Moment ruhiger.

"Wir schreiben täglich. Und die letzten paar Wochen telefonieren wir eigentlich jeden Abend. Ich kenne mittlerweile sogar ihre Stimme im Halbschlaf…“ Ein kurzes, schiefes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.

"Ich will sie einfach endlich mal sehen. Einfach nur schauen, ob sie wirklich so ist, wie ich sie mir vorstelle. Ob wir auch im echten Leben vielleicht eine Chance haben könnten.“ Shinichi wollte gerade etwas erwidern, als sich plötzlich ein langgezogenes Seufzen neben ihnen meldete. Kaito ließ die Schultern hängen, sein Blick wurde wehleidig.

"Mann… ich will das auch.“ Die beiden anderen schauten ihn irritiert an.

"Was?“, fragte Heiji skeptisch. Kaito seufzte erneut dramatisch und breitete die Arme aus, als würde er gleich eine Oscar-Rede halten.

"So ein Mädchen! Das mir ständig schreibt, mich zutextet, sich für mein Chaosleben interessiert, mich nachts anruft, weil sie meine Stimme hören will und mir Katzen-Memes schickt! Ist das zu viel verlangt?!“ Heiji und Shinichi tauschten einen vielsagenden Blick.

Dann sahen sie wieder zu Kaito, als würden sie prüfen wollen, ob er gerade komplett durchgedreht war.

"Du bist echt durch“, murmelte Heiji trocken. Shinichi nickte langsam.

"Aber sowas von.“ Kaito hingegen war tief in seinem eigenen Tagtraum versunken, die Arme dramatisch verschränkt und ein theatralischer Seufzer auf seinen Lippen, doch plötzlich veränderte sich etwas in seinem Gesichtsausdruck. Sein Blick glitt zur Seite, als gerade vier Schülerinnen kichernd an den Jungs vorbeigingen. Wie auf Knopfdruck war Kaito wieder ganz der Alte. Ein charmantes, fast schon schelmisches Grinsen zog sich über sein Gesicht, während er sich leicht aufrichtete und sich durch die Haare fuhr.

"Ladies…“, murmelte er mit einem Zwinkern, als die Mädchen an ihnen vorbei liefen. Eines der Mädchen warf einen Blick über die Schulter, was Kaito als Einladung deutete.

"Also wenn mich mal jemand zutexten will… ich bin bereit!“, rief er ihnen nach, bevor er sich mit einem Grinsen von seinen Freunden entfernte und den Mädels hinterherlief.

"Kaito…“, seufzte Shinichi kopfschüttelnd. Heiji sah ihm nach, schnaubte und schüttelte den Kopf.

"Der hat echt einen Knall.“ Shinichi nickte, dann grinsten beide und brachen in schallendes Gelächter aus.

"Hey Ladies…“, begann er mit einem Grinsen, das fast zu breit für sein Gesicht war.

"Ich konnte euch nicht einfach weitergehen lassen, ohne euch zu sagen, dass ihr ausseht, als wärt ihr direkt aus einem Werbespot für Sommerträume entsprungen.“ Die Mädchen hielten inne, leicht überrascht. Zwei sahen sich an, eine kicherte verlegen, die Vierte hob skeptisch eine Augenbraue. Kaito fuhr unbeirrt fort, schob sich eine Strähne aus der Stirn und fuhr sich theatralisch durch die Haare.

"Sagt mal… was haltet ihr von einem geheimen Spot mit Aussicht, Sonnenuntergang und jemandem, der exzellent Gitarre spielen kann?“

"Kannst du Gitarre spielen?“, fragte eine der Mädchen tatsächlich neugierig.

"Na ja… noch nicht. Aber ich sehe dabei verdammt gut aus“, sagte Kaito mit einem Zwinkern. In genau dem Moment gingen Shinichi und Heiji wortlos an der Szene vorbei. Shinichi warf Kaito nicht einmal einen Blick zu. Er streckte lediglich die Hand aus, packte seinen besten Freund stumm und zielgenau am Kragen und zog ihn ohne ein Wort mit sich, als würde er Müll vom Gehweg entfernen.

"Ey! Shinichi! Nicht jetzt! Ich war kurz vor der Nummer!“, protestierte Kaito und ruderte mit den Armen, während er halb hinterher geschleift wurde.

"Sicher, es war die Notrufnummer“, murmelte Shinichi trocken, ohne stehenzubleiben. Die Mädchen blieben verwirrt, aber auch leicht belustigt stehen und beobachteten die Szene. Heiji zog im Vorbeigehen die Schultern hoch, blickte die Gruppe entschuldigend an und meinte mit einem schiefen Grinsen.

"Tut mir leid. Der ist so.“ Dann holte er die anderen ein, während Kaito sich theatralisch befreite, seinen zerzausten Kragen zurechtrückte und empört schnaufte.

"Ey, das war eine goldene Gelegenheit! Ihr seid echt die Flügelklammern meines Liebeslebens!“

"Das war keine Gelegenheit, das war Fremdscham“, konterte Shinichi.

"Du bist einfach eifersüchtig, weil ich den Mut habe, Liebe zu leben!“, rief Kaito dramatisch.

"Du hast den Mut, Liebe zu leben?“ wiederholte Shinichi mit hochgezogener Braue und sah zu Kaito rüber, der mit lockerem Gang neben ihm lief.

"Du bist nicht Casanova, du bist ein wandelnder Cringe- Moment.“ Kaito hielt theatralisch inne, legte sich eine Hand auf die Brust und tat beleidigt. „Cringe? Ich? Mein Lieber, ich bin Charme, Stil und Emotion in einer perfekten Hülle. Ein Gesamtpaket. Du bist nur neidisch, weil du vor jedem Date eine Power- Point Präsentation benötigst!" Shinichi schnaubte belustigt.

"Besser als dein spontanes Impro- Theater mit null Substanz.“ Kaito schnappte gespielt empört nach Luft.

"Frechheit! Nur weil ich nicht so verklemmt bin wie du.“ Shinichi verschränkte die Arme und sah ihn trocken an.

"Und du denkst, ein schiefes Grinsen ersetzt Charakter.“ Kaito tippte sich auf die Schläfe.

"Nein, aber es ist ein verdammt guter Anfang.“ Hinter ihnen konnte Heiji sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Mit beiden Händen in den Hosentaschen sah er den beiden zu, wie sie sich gegenseitig aufzogen und durch die Straßen liefen, als wären sie wieder zehn Jahre alt.

"Ihr benehmt euch wie ein altes Ehepaar“, murmelte er grinsend und schüttelte den Kopf. Kaito, der das gehört hatte, drehte sich über die Schulter um, lief nun rückwärts und rief mit dramatischer Geste.

"Wenigstens hätte ich dann endlich jemanden!“ Shinichi warf ihm einen warnenden Blick zu.

"Lauf weiter so und du küsst gleich die Laterne.“ Kaito drehte sich gerade noch rechtzeitig um und wich knapp einem Laternenpfahl aus.

"Für die Liebe nehme ich alles in Kauf!“ Heiji lachte diesmal lauter.

"Du bist so ein Depp, Kaito.“Aber ein charmanter Depp!“ Kaito grinste und machte eine verlegene Verbeugung, als würden ihm gerade Fans zujubeln. Shinichi seufzte, doch auch er konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Die drei liefen nebeneinander weiter, während die Sonne langsam unterging.
 

Die letzten Aufgaben waren erledigt, die Stifte beiseitegelegt und Aoko ließ sich mit einem erleichterten Seufzen auf ihr Bett fallen.

"Endlich! Ich kann keine einzige Matheformel mehr sehen!“ Ran, die gerade ihren Block zuklappte, lachte.

"Ich auch nicht. Mein Kopf ist Matsche.“ Auf dem flauschigen Teppich saß Kazuha, den Rücken an die Bettkante gelehnt und ihre Finger glitten sanft durch das dichte, schneeweiße Fell von Akira, Aoko ihren Samojeden. Der Hund hatte es sich gemütlich gemacht, den Kopf entspannt auf Kazuha ihren Oberschenkeln abgelegt, während er ab und zu wohlig schnaufte.

"Du hast es echt gut, Aoko...“, murmelte Kazuha leise und lächelte, während sie Akira weiter streichelte.

"Ich bin ein kleines bisschen neidisch, ehrlich.“ Aoko richtete sich auf und schob sich in den Schneidersitz.

"Tauschen willst du trotzdem nicht. Der haart wie verrückt. Ich finde seine Haare sogar in meinen Socken.“

"Wenigstens sind es keine Krallen im Bein wie bei Goro“, warf Ran ein und grinste.

"Mein Kater hält sich für den König von Tokio. Letztens hat er meine Notizen zerkratzt. Ich glaube, er wollte mir sagen, dass ich mehr Pausen machen soll.“

"Vielleicht ist das seine Art, dich zu erziehen“, neckte Aoko.

"Erziehen? Ich bin froh, wenn ich morgens Kaffee machen kann, ohne dass er auf der Kaffeemaschine liegt.“ Alle drei lachten. Kazuha beugte sich ein wenig nach vorne und legte die Stirn ganz sacht gegen Akira seinen Kopf. Der Hund schloss genüsslich die Augen.

"Ich hätte auch so gern ein Haustier…“, murmelte sie mit leiser Stimme.

"Aber meine Eltern sind ständig unterwegs und allein kriege ich das nicht hin. Es wäre einfach nicht fair.“ Akira hob träge seinen Kopf, gähnte ausgiebig mit halb geschlossenen Augen, dann legte er sich wieder schwer in ihren Schoß und stieß einen tiefen Seufzer aus.

"Der hat dich echt ins Herz geschlossen“, sagte Aoko sanft.

"Er ist sonst viel zurückhaltender.“

"Weil Kazuha so eine ruhige Ausstrahlung hat“, meinte Ran.

"Goro haut vor fast jedem Besuch ab. Nur bei dir schnurrt er direkt.“ Kazuha lächelte verlegen, als ihre Hand weiter sanft durch das weiche Fell von Akira glitt.

"Vielleicht spürt er einfach, dass ich das gerade... irgendwie brauche“, murmelte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Ran und Aoko tauschten bei diesen Worten einen kurzen, fragenden Blick.

"Was meinst du damit?“, fragte Ran vorsichtig, während Aoko sich ebenfalls ein Stück näher beugte.

"Alles okay bei dir?“, hakte Aoko nach, diesmal sanfter als sonst, fast schon flüsternd. Kazuha biss sich auf die Unterlippe. Ihre Finger verharrten mitten in der Bewegung im weichen Fell des Hundes. Ein paar Sekunden herrschte Stille. Nur Akira sein leises Atmen war zu hören und draußen irgendwo das entfernte Zwitschern von Vögeln.

"Ich…“ Kazuha schluckte und wagte es kaum aufzusehen.

"Ich weiß nicht genau, wie ich es sagen soll.“ Ran legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

Du kannst es uns sagen, Kazuha." Sie bemerkten, wie Kazuha immer stiller geworden war bis sie schließlich leise sagte.

"Also… es geht um Heiji.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Aoko und Ran tauschten einen schnellen Blick, reagierten aber nicht sofort. Sie wollten sie nicht unterbrechen. Irgendetwas lag in Kazuha ihrer Stimme, das sie ernst nehmen mussten. Kazuha beugte sich ein wenig über Akira, streichelte ihn sanft hinter den Ohren, während ihr Blick weicher wurde.

"Ich weiß gar nicht, wann das so geworden ist… aber jedes Mal, wenn ich seinen Name sehe, wenn mein Handy vibriert… fühlt es sich so an, als würde mein Herz kurz stolpern. Und seine Stimme...“ Sie lächelte versonnen, fast verträumt, ohne von Akira aufzublicken.

"Die hat so eine tiefe Ruhe. Nicht dieses künstlich-coole wie bei vielen. Es ist, als würde sie mich irgendwo tief drinnen berühren. Und wenn er lacht, dann will ich einfach, dass es nie aufhört. Ich glaube, ich könnte stundenlang einfach nur zuhören.“ Aoko stützte ihr Kinn in die Hand und beobachtete Kazuha mit sanftem Lächeln. Ran nickte kaum merklich, sagte aber nichts. Sie wussten beide, dass das gerade ein ehrlicher Moment war. Kazuha streichelte weiter über Akira seinem Fell.

"Und sein Lächeln…“ Sie seufzte leise, fast so, als würde sie es gerade sehen.

"Es ist nicht perfekt, aber… für mich schon, irgendwie. Wenn er lächelt, dann fühlt es sich so an, als würde mein Magen sich drehen. Wie… so ein ganz warmes Kribbeln, das sich überall ausbreitet.“ Sie fuhr mit ihren Fingern sanft über Akira seinen Kopf und ein flüchtiges, schwaches Lächeln schlich sich auf ihre Lippen.

"Seine Augen… sie sind so geheimnisvoll und wirken trotzdem offen. Wenn er mich auf Fotos ansieht, habe ich manchmal das Gefühl, dass er mich direkt anschaut. Und… ich wünsche mir einfach so sehr, dass dieser Blick irgendwann wirklich nur für mich ist.“ Ihre Stimme senkte sich noch weiter, fast flüsternd, als würde sie es dem Hund anvertrauen und niemand anderem.

"Ich denke viel zu oft an ihn. Manchmal wach ich nachts auf und muss einfach schauen, ob er geschrieben hat. Und wenn nicht… vermisse ich ihn und schaue mir seine Fotos an.“ Sie schwieg kurz, dann wurde ihr plötzlich bewusst, wie still es im Raum war. Ihre Finger stoppten für einen Moment im Fell des Hundes. Als sie langsam aufsah, bemerkte sie die stillen, aber sanften Blicke ihrer Freundinnen. Ran lächelte weich, Aoko blinzelte ihr zu. Beide sagten kein Wort, aber ihre Mimik sprach Bände. Kazuha errötete leicht, hob schnell beide Hände und winkte verlegen ab.

"Also.. so schlimm ist das jetzt nicht! Ich meine… es ist jetzt nicht, dass ich verliebt bin oder so… Ich kenne ihn ja nicht mal persönlich.“ Sie sah kurz zu Seite, dann wieder auf Akira.

"Ich… ich mag ihn halt, wirklich sehr. Und wenn ich länger nichts von ihm höre, fehlt mir was. Es fühlt sich seltsam leer an.“ Akira hob kurz den Kopf, als spürte er die Wärme und Verwirrung in ihrer Stimme. Kazuha kraulte ihn automatisch weiter und ein kurzer Moment der Stille entstand. Dann fügte sie leise hinzu, als würde sie es kaum selbst aussprechen wollen.

"Und ich weiß auch nicht, wie Heiji das alles wahrnimmt…“ Sie seufzte leise. Ihre Finger ruhten nun auf Akira seinem Kopf, während sie gedankenverloren mit dem Daumen über das flauschige Fell strich. Aoko und Ran warfen sich bei diesen Worten einen schnellen Blick zu. Und bevor Kazuha sich versah, rutschte Ran mit einem breiten Lächeln zu ihr herüber und schlang die Arme um sie.

"Oh Kazuha…“ sagte sie weich und ein kleines Kichern lag in ihrer Stimme.

"Das ist so süß. Ehrlich.“ Aoko grinste ebenso, stützte den Kopf auf die Hände und nickte zustimmend.

"Ich liebe es, wenn du so bist. Ganz ehrlich.. du bist sonst so tough, aber gerade bist du einfach nur so niedlich.“ Kazuha errötete, lachte verlegen und ließ den Kopf leicht zur Seite sinken, während sie sich in Rans Umarmung zurücklehnte.

"Ich habe echt gedacht, ihr erklärt mich für verrückt…“

"Quatsch!“ kam es sofort von Ran.

'Nein, wirklich“, meinte Kazuha und sah von einer zur anderen.

"Ich meine… wer verliebt sich denn in jemanden, den man noch nie gesehen hat…?“ Kaum hatte Kazuha die Worte ausgesprochen, quietschte Ran plötzlich aufgeregt auf, rutschte ein Stück näher und warf sich ihr erneut um den Hals.

"Du bist verliebt! Oh mein Gott, Kazuha!“ Kazuha wollte noch widersprechen, doch stattdessen entwich ihr nur ein kleinlautes

"Oh nein…“ als sie realisierte, was sie da gerade gesagt hatte. Ihre Wangen färbten sich knallrot und sie senkte verlegen den Blick, während sie weiterhin mit den Fingern durch Akira seinem Fell strich.

"Tja, jetzt ist es raus,“ sagte Aoko mit einem sanften Grinsen, während sie sich gemütlich zurücklehnte und ihren Kopf auf ihre Hand stützte. Aoko beobachtete Kazuha mit einem weichen Blick, während sie wieder ein paar Strähnen aus ihrem Gesicht strich.

"Aber ganz ehrlich… das ist richtig süß.“ Sie warf Ran einen kurzen Blick zu, ein Grinsen zuckte über ihre Lippen.

"Eigentlich… wäre es doch eine Idee, in den Sommerferien ein Treffen zu organisieren. Du und Heiji.. warum eigentlich nicht?“

"Oh mein Gott, ja!“ platzte es aus Ran heraus, noch ehe Kazuha überhaupt reagieren konnte. Sie richtete sich auf, ihre Augen leuchteten.

"Das wäre so perfekt! Du musst ihn sehen, Kazuha! Und dann wissen wir, ob sowas wirklich möglich ist, sich so zu verlieben!“ Kazuha starrte die beiden an, überrumpelt und ihre Wangen wurden erneut rot.

"Ich weiß nicht… ich meine… das ist schon irgendwie… groß…“ Aoko grinste breit, während sie sich etwas nach vorn beugte und Kazuha direkt ansah.

"Aber so aufregend!“ sagte sie, fast schon schwärmerisch. Dann legte sie sanft eine Hand auf Kazuhas Knie.

"Und natürlich helfen wir dir dabei, Kazuha. Das ist doch klar!“ Kazuha hob überrascht den Blick und öffnete leicht den Mund, wollte gerade ansetzen, um etwas zu erwidern, vielleicht abwinken, vielleicht sich raus zu ziehen.. Doch sie kam nicht einmal dazu. Denn kaum hatte Aoko es ausgesprochen, war sie bereits aufgesprungen, schnappte sich ihr Handy vom Tisch und tippte wild darauf herum.

"Also, erstmal brauchen wir einen Plan! Wie viele Tage haben wir während der Ferien wirklich zur Verfügung?“ fragte sie, während sie hin und her lief und sich ihre Unterlippe nachdenklich zwischen die Zähne klemmte. Ran richtete sich ebenfalls auf, rutschte mit verschränkten Beinen näher zu Kazuha und klatschte sanft, aber aufgeregt in die Hände.

"Und wir müssen schauen, wie weit Osaka ist! Vielleicht könnten wir sogar mitkommen? Nur so als Begleitung… weißt du, falls du nervös bist!“ Aoko warf Ran einen verschwörerischen Blick zu und nickte zustimmend.

"Nur zur Tarnung natürlich“, fügte sie mit einem Zwinkern hinzu und setzte sich dann wieder neben Ran auf die Bettkante. Kazuha blickte zwischen den beiden hin und her, wie sie sich gegenseitig mit Ideen ansteckten, die Arme gestikulierend, während sie sich immer mehr in die Planung stürzten. Ein zögerndes, aber ehrliches Lächeln breitete sich langsam auf ihrem Gesicht aus. Vielleicht… war das alles gar nicht so verrückt, wie es sich angefühlt hatte.
 

Ran saß nun im Schneidersitz auf dem Bett, ihr Handy fest umklammert, während sie sich durch Hotels in Osaka scrollte. Ihre Augen blitzten vor Vorfreude.

"Also hier.. dieses Hostel in Namba sieht richtig schön aus! Modern, sauber, Frühstück mit drin… und guck mal, die haben sogar so eine kleine Dachterrasse!“

"Perfekt für romantische Abendmomente,“ warf Aoko mit einem neckischen Grinsen ein, während sie quer auf dem Boden lag und mit einem bunten Stift auf ihrem Planungszettel herum kritzelte. Sie hatte bereits einen groben Tagesablauf aufgemalt, mit Uhrzeiten, kleinen Herzchen und sogar einer Mini-Zeichnung von Osaka mit einem Zug, der von Tokio abfuhr. Kazuha saß auf dem Bett neben Ran, Akira den Kopf auf ihren Oberschenkeln. Ihre Finger glitten gedankenverloren durch das weiche Fell des Hundes.

"Ich weiß nicht… ich meine… ist das nicht alles ein bisschen überstürzt?“ murmelte sie, während sie das lebhafte Treiben der beiden beobachtete. Aoko hielt inne, drehte sich zu ihr um und richtete sich auf.

"Überstürzt? Kazuha, du hast eben noch von seinen Augen geschwärmt, als wären sie dein Lieblingsbuch in menschlicher Form! Natürlich willst du ihn sehen und du brauchst nur einen kleinen Schubs.“ Ran grinste breit und nickte energisch.

"Und wir schubsen dich mit ganz viel Stil, Verstand und einem verdammt guten Plan!“

"Was wir aber wissen müssen…“, Aoko beugte sich vor und sah Kazuha ernst an,

"…wie sehen eigentlich seine Pläne für die Ferien aus? Das musst du unbedingt rausfinden, am besten heute noch.“ Kazuha verzog den Mund und hob beschwichtigend die Hände.

"Aoko, bitte… ich kann das doch nicht einfach so fragen. Was, wenn er misstrauisch wird?“

"Dann improvisierst du halt. Sag, du bist einfach neugierig oder planst auch was mit deiner Familie… irgendwas wird dir schon einfallen,“ erwiderte Aoko, während sie sich wieder ihrem Zettel widmete. Ran schmunzelte und fügte leise hinzu.

"Und selbst wenn er was merkt, vielleicht freut er sich ja.“ Kazuha seufzte leise, schob sich eine Strähne hinters Ohr und öffnete leicht den Mund, als wollte sie noch etwas einwerfen. Vielleicht ein vorsichtiger Einwand oder ein letzter Versuch, ihre Freundinnen zu bremsen, doch dazu kam es nicht.

"Nein, stopp! Sag jetzt nichts, was diesen genialen Plan sabotieren könnte,“ unterbrach Aoko sie mit erhobenem Finger, fast schon feierlich und deutete entschlossen auf Kazuha ihr Handy.

"Du greifst jetzt zu deinem Telefon, schreibst ihm irgendwas völlig Unauffälliges und zwar genau jetzt.“ Ran nickte zustimmend, ohne vom Bildschirm ihres Handys aufzusehen.

"Irgendwas wie.. Und, hast du schon Pläne für die Ferien?.. Ganz locker, ganz harmlos. Du kannst das!“ Kazuha verzog den Mund, hob eine Augenbraue und sah ihre Freundinnen an. Aoko mit dem Stift wie ein General beim Schlachtplan, Ran mit dem Handy wie eine Taktikerin im Einsatz.

"Ihr meint das ernst, oder?“

"So ernst wie Akira, wenn er Wurst riecht,“ meinte Aoko grinsend und zeigte auf den Hund, der bei seinem Namen den Kopf hob. Kazuha schüttelte schmunzelnd den Kopf, nahm dann aber tatsächlich ihr Handy in die Hand. Ihre Finger zögerten kurz über dem Display, bevor sie das Chatsymbol antippte. Aoko lehnte sich zufrieden zurück.

"Genau so. Keine Sabotage.. wir sind mitten im Einsatz. Du bist unsere Hauptagentin. Und wir sind dein Team.“ Kazuha blickte von ihrem Handy zu ihren beiden Freundinnen. Sie hätte sich eigentlich kaum verrücktere Mitverschwörerinnen wünschen können.
 

Die sommerliche Nachmittagssonne stand schräg über dem Park, ließ die Blätter in warmem Goldgrün leuchten. Eine leichte Brise rauschte durch die Bäume, während auf dem weichen Rasen drei Jungs chillten. Shinichi hatte den Ball wie selbstverständlich unter Kontrolle. Mit ruhiger Miene jonglierte er ihn mit dem Fuß, ließ ihn dann über sein Knie springen und fing ihn geschmeidig mit der Schulter auf. Alles wirkte so lässig, so mühelos und dabei stand ein kleiner Trupp Mädchen am Rande des Parks und beobachtete ihn mit zunehmender Verzückung.

"Der ist echt krass… und sieht dabei auch noch so gut aus,“ flüsterte eines der Mädchen kichernd.

"Ich würde sterben, wenn der mich mal angucken würde,“ hauchte eine andere. Shinichi bemerkte die Blicke nicht oder tat zumindest so, als würde er sie nicht bemerken. Konzentriert trieb er den Ball weiter, ließ ihn über den Rücken rollen, drehte sich und fing ihn wieder auf. Kaito saß nur wenige Meter entfernt entspannt auf der Picknickdecke, die sie mitgebracht hatten, den Rücken gegen einen Baum gelehnt. In seiner linken Hand steckte ein quietschbunter Lutscher, den er mit sichtbarem Genuss im Mund drehte, während seine rechte locker eine Karte auf den Rasen warf.

"Zehn, Karo,“ sagte er gelangweilt, aber mit einem provozierenden Grinsen. Heiji, der ihm gegenüber hockte und die Karten auffächerte.

"Jetzt werd nicht übermütig, Kuroba.“

"Zu spät,“ erwiderte Kaito mit blitzendem Blick.

"Vier Zehnen. Ich glaub, ich habe gerade gewonnen.“ Heiji warf ihm einen misstrauischen Blick zu.

"Du hast geschummelt. Ich weiß genau, du hast irgendwo Karten versteckt.“

"Ich? Niemals!“ Kaito legte eine Hand dramatisch auf sein Herz, während er sich theatralisch zurücklehnte.

"Der ehrenwerte König des Asphalts spielt fair.“

"König des Aufblasens wär passender,“ knurrte Heiji, während er die Karten zusammenraffte. Plötzlich ertönte vom Rand des Parks ein kreischender Schrei.

"Shinichi! Ich will ein Kind von dir!!“ Kaito verschluckte sich fast an seinem Lutscher und fing schallend an zu lachen.

"Boah! Die hat Nerven, Alter!“ Shinichi war gerade dabei gewesen, den Ball mit dem Fuß wieder in die Luft zu kicken. Er erstarrte für einen Moment, hob dann langsam den Kopf und sah in Richtung der Mädchen. Seine Stirn kräuselte sich kurz verwundert, dann hob er die Augenbrauen, lächelte knapp und schüttelte den Kopf amüsiert, als könne er es selbst kaum glauben. Das Reagieren allein reichte aus. Die Mädchen kreischten erneut los, als hätte er ihnen ein Heiratsversprechen gemacht. Kaito lachte sich beinahe schief, als er rief.

"Du bist offiziell Vater geworden!“ Doch kaum war der Satz ausgesprochen, schoss Shinichi mit perfekter Präzision den Fußball in Kaito seine Richtung. Kaito duckte sich geistesgegenwärtig, doch der Ball traf ihn trotzdem leicht an der Schulter und prallte zurück. Shinichi bewegte sich keinen Schritt, stattdessen streckte er nur lässig den rechten Fuß zur Seite aus und fing den zurückfliegenden Ball gekonnt wieder ein, als wäre es das Normalste der Welt.

"Halt einfach den Mund, Kaito.“ Seine Stimme war ruhig, fast gelangweilt, aber seine Reaktion saß. Kaito starrte ihn an, dann begann er lauthals zu lachen.

"Ey! Das war fast Körperverletzung!“ Heiji, der sich den Bauch vor Lachen hielt, schüttelte nur den Kopf.

"Wenn du weiter so redest, hast du es auch verdient.“ Währenddessen waren die Mädchen, die noch immer nicht weit entfernt standen, völlig aus dem Häuschen. Als Shinichi sich leicht vorbeugte, den Saum seines Shirts mit einer Hand anhob und sich lässig den Schweiß von der Stirn wischte, ging ein lautes Kreischen durch die Gruppe.

"Oh mein Gott! Habt ihr seine Bauchmuskeln gesehen?!“ Shinichi verdrehte dezent die Augen, wobei sich trotzdem ein leicht genervtes, aber amüsiertes Lächeln auf seine Lippen stahl.

"Die übertreiben…“

"Die meinen es ernst, Shinichi,“ grinste Kaito.

"Du bist ihr wandelndes Sommermärchen.“ Heiji schnaubte.

"Wandelnde Reizfigur trifft es eher.“

"Sag das nicht, wenn er so cool aussieht, während er dir den Ball ins Gesicht schießt,“ konterte Kaito grinsend und fing an, die Karten neu zu mischen.

"Noch so ein Spruch und ich schieß dir auch eine rein,“ brummte Heiji, schnappte sich eine Coladose. Shinichi ließ sich wieder auf den Rasen fallen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, den Ball neben sich abgelegt.

"Ihr seid echt wie im Kindergarten."

"Immerhin habe ich Charme und Stil,“ meinte Kaito, den Lutscher zurück im Mund, mit einem zwinkernden Blick zu den kreischenden Fans in der Nähe.

"Du hast maximal Stilbruch, Alter,“ konterte Heiji trocken und nahm sich genüsslich einen Schluck aus seiner Coladose. Kaito lehnte sich grinsend zurück, den Lutscher lässig zwischen den Zähnen.

"Trotzdem habe ich mehr Fans als ihr."

"Nur weil du jeden Tag eine andere Masche abziehst,“ murmelte Shinichi und warf Kaito einen Blick zu.

"Gestern warst du noch der mysteriöse Poet im Kunstkurs, heute der coole Kartenhai im Park.“ Kaito lachte und schüttelte gespielt stolz den Kopf.

"Vielseitigkeit, mein Freund. Du solltest dir da mal eine Scheibe abschneiden. Die einzige Variation bei dir ist, ob du das Trikot mit oder ohne Schweiß trägst.“ Shinichi schnaubte, stand erneut auf und schnappte sich den Ball.

"Lieber konstant beliebt als ein wandelnder Identitätscrash.“ Kaito schnippte eine Karte gegen ihn.

"Ich bin wandelnde Unterhaltung, Kudo. Du bist maximal… die Tagesschau.“

"Stabil. Verlässlich. Seriös.“

"Langweilig!“

"Ehrlich gesagt,“ konterte Shinichi gelassen, während er den Ball gegen seinen Oberschenkel prallen ließ,

"ziehst du einfach jeden Tag eine andere Masche ab, weil du keine Ahnung hast, wer du bist.“

"Autsch! Das hat gesessen, du seelenloser Stratege!" Kaito hielt sich gespielt das Herz.

"Also ehrlich, Shinichi. Wenn ich auch nur halb so gutaussehend wäre wie du, ich wäre vergeben, Bruder!“

"Du wärst trotzdem du, Kaito,“ kam es trocken zurück.

"Boah, mies.“ Kaito schüttelte mit gespieltem Groll den Kopf und ließ sich dann zurück auf die Wiese fallen. Die beiden Jungs steigerten sich in ihr übliches Geplänkel, während Heiji längst schweigend neben ihnen saß. Er hatte kaum aufgeschaut, seit sein Handy vibriert hatte. Sein Blick klebte am Display. Die Nachricht war simpel. Harmlos. Aber sie brachte sein Herz trotzdem dazu, einen Takt auszusetzen.

●Kazuha.t: Hey Hast du eigentlich schon was für die Ferien geplant?●

Er fuhr sich durch die Haare, sein Blick wurde weicher. Ganz automatisch begann sein Daumen über die Tastatur zu gleiten, ohne dass er bewusst darüber nachdachte. Sein Gesicht war ausnahmsweise nicht von Sarkasmus oder seinem üblichen, schiefen Grinsen geprägt, sondern still. Fast nachdenklich.

"Und ich sage dir, wenn du das Shirt ausziehst, schreien sie noch mehr,“ hörte er Kaito sagen, begleitet von Shinichi seinem trockenem:

"Ich spiele Fußball, nicht bei einem Modelcontest.“ Heiji hörte sie reden. Doch die Stimmen verschwammen. Er tippte.

●JustHeiji: Noch nicht wirklich. Warum fragst du?●

Kaum war die Nachricht raus, atmete er leise durch. Er schob das Handy wieder ganz in die Tasche, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ließ sich ebenfalls auf den Rücken ins Gras sinken. Der Himmel war klar. Der Tag war warm. Und mit dem Gedanken an Kazuha ihrer Nachricht fühlte sich selbst die Hitze ein bisschen besser an.

"Idioten…“, murmelte er leise vor sich hin, während die beiden sich weiter kabbelten als hätte sich nichts geändert.
 

Kazuha saß mit angezogenen Beinen auf dem Teppich in Aoko ihrem Zimmer, während Akira sich zufrieden an sie schmiegte. Ihre Finger streichelten automatisch das weiche Fell des Samojeden, doch ihr Blick hing an dem vibrierenden Handy in ihrer Hand. Kurz hielt sie die Luft an, entsperrte das Display und las laut.

"Er schreibt.. Noch nicht wirklich. Warum fragst du?"

"Perfekt!“ rief Ran sofort vom Bett aus und richtete sich auf. Der Notizblock in ihrer Hand war bereits voller kleiner Kritzeleien und Pläne.

"Das ist unsere Chance!“ sagte Aoko begeistert, während sie sich ihren Kalender schnappte und energisch durch die Seiten blätterte.

"Ab Freitag sind Ferien… Wir nehmen direkt die erste Woche. Samstag bis nächsten Freitag.“

"Also diesen Samstag los?“ Ran war sofort dabei.

"Dann haben wir volle sieben Tage!“

"Genau!“ Aoko nickte entschlossen, sprang auf und lief zum Schreibtisch, wo sie ihr Tablet aufklappte.

"Ich checke gleich die Zugverbindungen. Wenn wir früh losfahren, sind wir mittags da.“ Ran notierte bereits.

"Ich schaue parallel nach einem Hotel oder Hostel. Am besten zentral, damit wir flexibel sind.“ Kazuha hingegen war wie eingefroren. Ihre Augen klebten noch immer auf dem Display. Der Gedanke, dass sie tatsächlich in wenigen Tagen Heiji gegenüberstehen würde… Er war wie ein Stromschlag überwältigend, aber nicht unangenehm.

"Kazuha!“ Aoko stupste sie mit dem Finger leicht gegen die Schulter, als sie wieder an ihr vorbeiging.

"Schreib ihm am besten jetzt direkt, dass er sich die Woche freihalten soll.“

"W.. Was?“ Kazuha blinzelte, als würde sie aus einem Traum erwachen.

"Ich... also... vielleicht sollten wir erst..“

"Nichts vielleicht!“ unterbrach Aoko sie bestimmt und zeigte auf ihr Handy.

"Du sabotierst dich selbst, wenn du jetzt zögerst. Komm schon, Mädel!“ Ran grinste.

"Wenn du es nicht schreibst, machen wir es.“ Kazuha seufzte leise, ließ sich etwas nach hinten sinken und sah ihre beiden Freundinnen an, die noch immer hochmotiviert über Zugverbindungen und Ausflugsziele diskutierten.

"Ja, aber… was soll ich denn bitte schreiben?“ murmelte sie schließlich, wobei sie ihr Handy zwischen den Fingern drehte.

"Ich meine… ich weiß doch noch nicht mal, ob er überhaupt Interesse hätte, mich zu treffen.“ Ran sah sofort zu ihr auf. Aoko, die gerade am Tablet getippt hatte, hielt inne. Kazuha senkte den Blick. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

"Was, wenn er das gar nicht will? Wenn er wirklich kein Interesse daran hat mich zu treffen?“ Üein unangenehmes Schweigen legte sich für einen Moment über den Raum. Dann verschränkte Aoko langsam die Arme und sah Kazuha mit ruhigem, aber bestimmtem Blick an.

"Dann fahren wir nicht,“ sagte sie schlicht. Kazuha sah sie überrascht an.

"Wenn er kein Interesse hätte, dann wäre das so und dann würden wir das akzeptieren. Aber...“ Aoko neigte leicht den Kopf und lächelte sanft,

"Ich glaube nicht, dass er abgeneigt wäre. Ganz ehrlich? Ich glaube, der würde dich sofort treffen wollen, wenn du es ihm vorschlägst." Ran nickte zustimmend, während sie mit dem Stift zwischen den Fingern spielte.

"Er schreibt dir jeden Tag. Er telefoniert mit dir. Er schickt dir Bilder. Und du sagst selbst, dass er total liebevoll ist. Wenn das kein Interesse ist, dann weiß ich auch nicht.“

"Du musst ihn ja nicht gleich heiraten,“ fügte Aoko mit einem Augenzwinkern hinzu.

"Es ist nur ein Treffen. Kein Antrag.“ Kazuha kaute nervös auf ihrer Unterlippe, das Handy locker in der Hand. Ihre Gedanken rasten, während sie stumm auf den leuchtenden Bildschirm starrte. Sie war so tief in sich gekehrt, dass sie kaum bemerkte, wie Ran sich langsam zu ihr auf den Boden setzte.

"Hey…“ sagte Ran leise und legte eine Hand auf Kazuha ihren Arm. Als Kazuha zu ihr sah, schenkte Ran ihr ein sanftes Lächeln.

"Ich weiß, dass du nervös bist. Das wäre ich auch. Aber du bist nicht alleine, Kazuha. Wir sind bei dir, okay?“ Kazuha schluckte. Ihre Augen flackerten kurz zwischen Ran und Aoko hin und her.

"Du musst ihm ja nicht gleich deine halbe Seele ausschütten“, fuhr Ran fort,

"schreib ihm einfach, dass du mit Aoko und mir in den Ferien nach Osaka kommen willst… und frag, ob er Lust hätte, sich zu treffen. Ganz locker.“

"Und ich bin mir ziemlich sicher,“ warf Aoko von der Seite her ein, während sie auf dem Boden saß und sich an ihren Laptop lehnte,

"dass seine Antwort positiv ausfallen wird. Wenn nicht sogar begeistert.“ Kazuha sah Ran noch einen Moment an. Diese ruhige Zuversicht in ihrem Blick… sie fühlte sich wie eine warme Umarmung an. Etwas in ihr entspannte sich. Ganz langsam.

"Meint ihr wirklich…?“ flüsterte sie schließlich. Ran nickte überzeugt.

"Ich kenne dich, Kazuha. Und ich sehe, was dieser Typ mit dir macht. Ich glaube nicht, dass er das alles nur aus Langeweile mit dir macht. Da ist bestimmt mehr.. Auch bei ihm." Aoko streckte die Hand in die Luft, ohne von ihrem Bildschirm aufzusehen.

"Und falls er doof reagiert, was er ganz sicher nicht tut, dann machen wir einfach einen Mädelsurlaub und genießen die Tage trotzdem.“ Ein kleines Lächeln stahl sich auf Kazuha ihren Lippen. Die Panik in ihrer Brust war nicht verschwunden, aber sie wurde überdeckt von etwas anderem.. einem leichten, kribbelnden Funken Hoffnung.

"Okay… ich schreibe ihm.“
 

Die Stimmung im kleinen Okonomiyaki-Restaurant war gemütlich, das leise Zischen der heißen Grillplatten vermischte sich mit Stimmengewirr und dem Klirren von Essstäbchen. Die drei Jungs saßen an einem Tisch in der hinteren Ecke, vor ihnen brutzelte ihr Essen, während die würzige Sauce den typischen Duft verströmte, der durch den ganzen Raum zog. Shinichi war leicht nach vorne gelehnt, die Stirn ein wenig gerunzelt, als er konzentriert mit den Stäbchen versuchte, das Okonomiyaki gleichmäßig zu teilen. Sein Blick war fokussiert, typisch für ihn, wie bei einem Pass im Fußball. Kaito saß ihm gegenüber, leicht zurückgelehnt. Mit einer Hand hielt er die Stäbchen, mit der anderen stützte er sich am Tisch ab, während er ein großes Stück Okonomiyaki in den Mund schob. Seine Haltung war gewohnt lässig, als würde ihn nichts in der Welt wirklich stressen. Heiji hingegen saß ruhig.. zumindest, bis sein Handy vibrierte. Er zuckte leicht zusammen, griff in die Tasche und zog das Gerät heraus. Als sein Blick auf den Absender fiel, hielt er für den Bruchteil einer Sekunde inne. Ein kurzes Wischen über den Bildschirm.

●Kazuha.t: Wir überlegen, in der ersten Ferienwoche nach Osaka zu kommen… Ran, Aoko und ich. Hättest du Lust, dich zu treffen?●

Für eine Sekunde saß er einfach nur da, stocksteif, als würde er nicht glauben, was er gerade gelesen hatte. Dann, wie aus dem Nichts, brach ein gewaltiges Grinsen über sein Gesicht herein. Seine Augen begannen zu leuchten, sein Blick wurde weich und gleichzeitig hellwach. Sein ganzer Körper spannte sich an, bevor er wie ein Feuerwerk vom Stuhl hochschoss. Der Stuhl rutschte scheppernd nach hinten, als Heiji laut rief.

"Wuuhuu!!*“ Sein Jubel durchbrach das Stimmengewirr des Restaurants wie ein Paukenschlag. Alle Gäste drehten sich erschrocken um. Eine Familie mit Kindern starrte verwundert. Zwei ältere Damen blickten empört über ihre Brillen. Selbst der Koch hinter dem Tresen hörte kurz auf zu wenden und linste neugierig herüber. Kaito und Shinichi erstarrten. Kaito, der gerade ein weiteres Stück Okonomiyaki auf dem Weg zum Mund hatte, öffnete wortlos den Mund und das Stück rutschte ihm in Zeitlupe vom Teller und landete auf dem Boden.

"Was…?!“ brachte er schließlich hervor, die Augen weit aufgerissen, als hätte er gerade einen Geist gesehen. Shinichi saß wie versteinert da, seine Stäbchen noch über dem Teller schwebend.

"Hast du… dich verbrannt?“ murmelte er ungläubig. Doch Heiji setzte sich nur langsam wieder hin, vollkommen unbeeindruckt von den Blicken um ihn herum. Er grinste einfach weiter wie ein Kind, das gerade erfahren hatte, dass es morgen in den Freizeitpark fahren würde. Seine Knie wippten, seine Hände zitterten leicht vor Aufregung, und das breite Grinsen wollte einfach nicht aus seinem Gesicht weichen. Kaito verzog das Gesicht.

"Ist er jetzt ganz durchgedreht?“ Shinichi, der Heiji beobachtete wie eine seltsame Tierart im Zoo, hob langsam eine Braue.

"Sie kommt nach Osaka…“ murmelte er halb zu sich selbst, dann sah er zu seinen Freunden hoch.

"Mit ihren Freundinnen. Und… sie will sich mit mir treffen!“ Kaito blinzelte.

"Bruder… Was?!“

"Sie will sich mit mir treffen!!“ wiederholte Heiji, während er mit zitternden Fingern eine Antwort tippte, so schnell, dass er sich mehrmals vertippte und leise vor sich hin fluchte, nur um dann noch breiter zu grinsen. Shinichi lehnte sich zurück, noch immer etwas sprachlos. Kaito bückte sich, um sein verlorenes Essen zu retten, schaute aber mit halb verzogenem Blick zu Heiji.

"Ich habe meinen Okonomiyaki geopfert für diesen Anfall…“ Heiji lachte leise auf, fast euphorisch.

"Verdammt, Jungs… sie kommt wirklich! Ich… ich werde sie sehen!“ Er wirkte wie jemand, der gerade Weihnachten, Geburtstag und sein Lieblingsspielzeug auf einmal bekommen hatte. Shinichi warf Kaito einen Seitenblick zu.

"Der ist durch." Kaito seufzte gespielt schwer, sah zu seinem Okonomiyaki auf dem Boden und murmelte.

"Und ich auch.“ Doch dann konnten sie nicht anders.. sie mussten lachen. Über Heiji. Über die Situation. Und über das Chaos, das so ein Mädchen auslösen konnte.
 

Die drei Freundinnen saßen noch immer im Zimmer, als plötzlich das vertraute Summen von Kazuha ihrem Handy ertönte. Das Vibrieren auf der Decke war kaum zu überhören, und Kazuha zuckte erschrocken zusammen, als hätte es sie völlig unvorbereitet getroffen.

"Er hat geantwortet…“ sagte sie leise und sah auf das Display. Heiji sein Name leuchtete darauf auf, aber in diesem Moment fühlte es sich an, als würde er heller strahlen. Sie hielt das Handy fest in der Hand, ihre Finger zitterten leicht. Ihre Freundinnen sahen sie neugierig an. Ran legte den Kopf ein wenig schief, rückte näher an sie heran.

"Na los, willst du es nicht lesen?“ fragte sie sanft, ihre Stimme vorsichtig, fast so, als wolle sie Kazuha nicht aufschrecken. Kazuha kaute auf ihrer Unterlippe und schüttelte leicht den Kopf.

"Doch… ich will. Aber… ich habe irgendwie Angst. Was, wenn er kein Interesse hat?“ Ihre Stimme klang unsicher, beinahe klein. Aoko sah sie direkt an und streckte die Hand aus.

"Dann gib es her. Ich kann es zuerst lesen, wenn du willst.“ Kazuha zögerte nur kurz, dann nickte sie langsam und reichte ihr das Handy.

"Okay.“ Aoko öffnete die Nachricht, ihr Daumen glitt ruhig über das Display. Ran lehnte sich vorsichtig über ihre Schulter, um mitzulesen. Beide sahen stumm auf den Text. Kazuha starrte die zwei an. Ihre Nervosität stieg mit jeder Sekunde, die verstrich. Die Miene der beiden war neutral, beinahe ausdruckslos. Kein Grinsen, kein Aufleuchten in den Augen, sondern einfach nur konzentriertes Schweigen.

"Ich wusste es…“ murmelte Kazuha leise und schlug die Hände vor ihrem Gesicht. Ihre Schultern sanken ein Stück ab.

"Ich habe es doch gesagt… er will sich nicht treffen.“ Doch genau in dem Moment hoben Aoko und Ran gleichzeitig die Köpfe und grinsten über beide Ohren.

"Lies es selbst“, sagte Aoko mit einem Zwinkern, während sie ihr das Handy zurückgab.

"Jetzt mach schon!“ Ran tippte sie leicht gegen die Schulter, ungeduldig, aber liebevoll. Verwirrt und gleichzeitig mit pochendem Herzen nahm Kazuha das Handy wieder in die Hand. Sie atmete tief durch, ehe sie auf das Display sah und dann las sie es.

●JustHeiji: Auf jeden Fall! Ehrlich gesagt, wollte ich dich auch nach einem Treffen in den Ferien fragen. Jetzt bist du mir zuvor gekommen.●

Ihre Augen wurden groß. Für einen Moment sagte sie gar nichts. Dann… brach ein warmes, überwältigtes Lächeln über ihr Gesicht. Ihre Wangen glühten, ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, und ein warmes Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus, als hätte jemand dort tausend kleine Sterne gezündet. Sie hielt das Handy noch immer in der Hand, starrte auf den Text und dann blickte sie langsam zu ihren beiden Freundinnen.

"Er… wollte mich auch fragen“, flüsterte sie fast ungläubig. Ran quietschte leise auf und fiel Kazuha um den Hals.

"Siehst du? Wir haben es dir doch gesagt!“ Aoko grinste und streichelte Kazuha kurz über den Rücken.

"Na dann, Schatz… wir fahren nach Osaka.“

Erstes Treffen

Die letzten Schulstunden vor den Sommerferien schleppten sich träge dahin, doch an Konzentration war nicht mehr zu denken. Die Sonne brannte durch die Fenster des Klassenzimmers, die Luft war schwer und die Stimmung in der Klasse war eher wie auf einem Kindergeburtstag als in einer Lehranstalt. Vorne lief auf dem alten Röhrenfernseher eine Komödie aus den 80ern, der Lehrer hatte sich bereits völlig aufgegeben, saß halb auf dem Tisch eines Schülers und lachte leise über die Witze des Films, während er mit verschränkten Armen döste. Niemand hörte hin und niemand musste es auch. Ganz hinten in der letzten Reihe hatten es sich Heiji, Kaito und Shinichi gemütlich gemacht. Ihre Rucksäcke waren strategisch vor ihnen gestapelt, um vor neugierigen Blicken zu schützen. Auf dem Tisch vor ihnen lag ein wild zusammengewürfeltes Kartenspiel.

"Zwei Siebener“, sagte Heiji ruhig, aber mit einem leichten Grinsen, während er zwei Karten verdeckt auf den Stapel legte. Seine Stimme klang gespielt beiläufig, aber seine Finger verrieten die Spannung. Kaito hob eine Augenbraue, lehnte sich zurück und kaute auf einem Kaugummi.

"Du ziehst diese Miene immer, wenn du bluffst.“

"Vielleicht ist das Teil meiner Taktik“, konterte Heiji und verschränkte lässig die Arme. Shinichi, der sich die ganze Zeit mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen zurückgehalten hatte, beobachtete die Karten, dann Heiji sein Gesicht.

"Ich glaube dir kein Wort.“ Er griff ohne Vorwarnung nach dem Stapel und drehte die Karten um. Eine Sieben und… eine Drei.

"Ich wusste es!“ Kaito brach in ein triumphierendes Lachen aus, beugte sich vor und zeigte mit dem Finger auf Heiji.

"Dein Bluff-Gesicht ist legendär schlecht!“

"Verdammt“, murmelte Heiji, während er die Strafkarten aufnahm.

"Ich komme mir vor wie beim Poker gegen zwei Detektive.“

"Du bist einfach zu durchschaubar“, meinte Shinichi und mischte seine Karten neu.

"Vielleicht solltest du beim nächsten Mal anfangen zu weinen, das würde ablenken.“

"Ha-ha“, machte Heiji trocken und schüttelte den Kopf. Kaito schnippte mit den Karten in der Hand.

"Okay, ich bin dran. Drei Achter.“

"Drei?“ fragte Shinichi misstrauisch und musterte ihn. Kaito grinste breit, lehnte sich zurück und klopfte sich selbst auf die Brust.

"Vertraut dem Meister. Ich bin der König dieses Spiels.“

"Du bist der König der Großmäuler“, murmelte Heiji. Shinichi überlegte kurz, dann griff zum Stapel.

"Bluff.“ Kaito schnalzte mit der Zunge und drehte die Karten um mit drei echte Achter.

"Boom. Nenn mich Kartengott.“ Heiji seufzte, während Shinichi ein kaum hörbares

"Verdammt“ flüsterte und die Karten aufnahm.

"Ich habe euch gesagt.. Ich spüre die Karten. Ich bin die Karten!“, rief Kaito dramatisch, während er sich übertrieben aufplusterte.

"Du bist auf jeden Fall was“, murmelte Heiji, grinste aber. In dem Moment flackerte der Fernseher vorne, ein schrilles Lachen erklang aus den Lautsprechern. Einige Schüler blickten kurz auf, andere warfen Papierkügelchen oder schliefen mit dem Kopf auf dem Tisch. Kaito ließ die Karten kurz tanzen, dann sah er schief zu Heiji.

"Sag mal... was machst du eigentlich, wenn sie morgen wirklich vor dir steht?“ Heiji hob den Blick.

"Was soll ich schon machen?“ Kaito war gerade dabei, die Karten mit schnellen, präzisen Bewegungen zu mischen und seine Finger glitten über das Kartendeck, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Dabei fixierte er Heiji mit einem breiten Grinsen, das bereits nichts Gutes verhieß.

"Na ja…“, begann er gedehnt und mit einem spitzbübischen Unterton, während er die Karten noch einmal auffächert und kunstvoll ineinander fallen ließ,

"du redest jetzt ganz cool, aber… die Röte in deinem Gesicht spricht eine ganz andere Sprache, Kumpel.“ Heiji, der gerade noch seine Arme locker vor der Brust verschränkt hatte, zuckte leicht zusammen.

"Tzz.. Halt die Klappe“, murmelte er mit einem angedeuteten Knurren, während er eine Hand hob, um sich scheinbar beiläufig über die Wange zu streichen, als könnte er damit das verräterische Glühen vertreiben. Shinichi, der bisher eher ruhig war, saß mit verschränkten Beinen auf seinem Stuhl, die Karten auf dem Tisch vor sich. Als er den Kommentar hörte, schüttelte er grinsend den Kopf.

"Ganz ehrlich, Hattori… du bist rot wie eine Tomate. Und dabei reden wir nur darüber.“

"Ich bin überhaupt nicht rot!“, verteidigte sich Heiji reflexartig, auch wenn selbst er wusste, dass der Versuch vergeblich war. Kaito lachte leise, sein Blick immer noch auf Heiji gerichtet, während er mit einem übertriebenen Schwung jedem die Karten zuteilte.

"Jaja, klar. Und ich bin der Kaiser von Japan.“

"Das wäre neu“, murmelte Shinichi trocken, nahm seine Karten entgegen und begann sie nach Farben zu sortieren. Heiji nahm seine Karten wortlos, zuckte leicht mit den Schultern und ordnete sie ruhig. Seine Stimme war leise, aber bestimmt.

"Ich lass es einfach auf mich zukommen. Wenn sie da ist… dann sehe ich weiter.“ Kaito grinste breit, während er die Karten mit einer unnötig eleganten Geste auffächerte, ganz der Showman. Seine Hände bewegten sich flink, fast schon übertrieben lässig, während seine Augen auf Heiji gerichtet blieben.

"Du meinst.. Wenn du nicht direkt bei ihrem Anblick in Ohnmacht kippst.“ Heiji verzog genervt das Gesicht, aber sagte nichts. Seine Hand wanderte zur Stirn, wo er sich einmal über die Schläfe strich, als wollte er den Spruch einfach wegreiben. Kaito hingegen lehnte sich ein Stück nach vorn, seine Stimme wurde einen Hauch theatralischer, die Augen leicht verengt vor Belustigung.

"Ich sehe es schon vor mir… du morgen am Bahnhof… wie ein Kleinkind, das auf Weihnachten wartet. Stehst da in der prallen Sonne, zappelst mit den Beinen, schaust alle fünf Sekunden auf die Uhr und dann.. Zug fährt ein, deine Augen funkeln, du vergisst zu atmen…“ Heiji schnaubte leise und warf wortlos eine Karte auf den Stapel. Sein Blick war knapp, aber sein leicht gerötetes Gesicht verriet mehr, als er sagen wollte. Kaito grinste nur noch breiter.

"Sie steigt aus, sieht dich, du willst cool gucken, aber zitterst wie ein frisch geschlüpftes Rehkitz… Dann, statt Hallo zu sagen, fällt dir dein Name nicht mehr ein.“ Er beugte sich über den Tisch.

"Heiji Hattori, die RomCom-Version.“ Shinichi, der sich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnte, ließ ein leises Lachen hören, während er eine Karte nachzog.

"Du solltest echt Drehbücher schreiben, Kuroba.“ Heiji presste die Lippen zusammen, dann zuckte er mit den Schultern.

"Wenn einer von euch morgen mit einer Kamera in der Nähe vom Bahnhof auftaucht, ich schwör, ich knall euch die Linse aus dem Gehäuse.“

"Bro, bitte. Cloud-Backup. Ich habe deine Peinlichkeit in 4K gespeichert, bevor du überhaupt reagieren kannst.“ Kaito lehnte sich selbstzufrieden zurück und tippte mit einer Karte auf den Tisch.

"Außerdem wirst du uns noch danken, wenn wir den magischen Moment einfangen.“ Heiji schnappte sich zwei Karten aus seiner Hand, warf eine davon mit Schwung in die Mitte.

"Wenn ich irgendjemanden von euch damit sehe, vergrab ich ihn neben dem Bahnsteig.“ Kaito lachte, doch als Heiji ihn finster ansah, hob er abwehrend die Hände.

"Schon gut, schon gut.“

"Besser ist es“, murmelte Heiji, konnte sich das leichte Grinsen aber nicht verkneifen. Shinichi spielte gelassen seine nächste Karte aus, blickte Heiji dann schmunzelnd an.

"Aber mal ehrlich.. freust du dich?" Heiji zögerte, dann lehnte er sich mit einem Seufzen zurück, hielt die Karten locker in den Händen. Sein Blick wanderte aus dem Fenster, wo die Sonne durch die Bäume strahlte.

"Mehr als ich gedacht hätte“, murmelte er leise. Dann drehte er sich wieder um, schnappte sich den nächsten Zug. Kaito blinzelte gespielt gerührt.

"Heiji Hattori, du Romantiker.“

"Kaito, wenn du noch einen Ton sagst, misch ich dich gleich unter die Karten.“ Shinichi lachte laut auf.
 

Die Tür zur Klasse schwang quietschend auf, aber der Lehrer, halb liegend auf einem Stuhl in der ersten Reihe, reagierte kein Stück. Mit einem breiten, entspannten Grinsen verfolgte er weiter den alten Film, der vorne auf dem klobigen Röhrenfernseher flimmerte. Es war klar.. Der Mann war gedanklich schon längst in den Sommerferien. Akako betrat zusammen mit Momiji und Shiho das Klassenzimmer. Alle drei waren perfekt zurechtgemacht, wie immer und bewegten sich mit der Selbstsicherheit, als gehörte ihnen der Raum. Zielgerichtet steuerten sie auf die letzte Reihe zu, wo Kaito, Shinichi und Heiji wie üblich saßen. Kaito sah sie als Erster. Sein Grinsen war sofort da und dieses typische, schiefe Grinsen, mit dem er regelmäßig Herzen brach.

"Na, was für ein seltener Glanz in diesen heiligen Hallen“, sagte er verspielt und ließ seinen Blick auffällig langsam über Akako gleiten. Shinichi hob den Kopf vom Kartenspiel und sah ebenfalls zu den dreien. Sein Blick blieb für einen Moment an Shiho hängen, ruhig und aufmerksam, ehe er leicht nickte.

"Hey.“ Heiji war der Einzige, der seine Aufmerksamkeit nicht hob. Ohne den Blick von seinen Karten zu nehmen, hob er kurz die Hand als stummen Gruß und ließ sie wieder sinken, als wäre das schon mehr, als nötig. Akako trat näher an den Tisch, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Die Arme hatte sie lässig vor der Brust verschränkt.

"Ich wollte euch was fragen. Ich schmeiß morgen Abend eine kleine Sommerparty. Nur im Garten, bisschen Musik, was zu essen, nichts Großes. Einfach um die Ferien richtig zu starten.“ Kaito öffnete gerade den Mund, um zu antworten, vermutlich enthusiastisch, doch Heiji kam ihm zuvor.

"Das wird nichts.“ Seine Stimme war knapp, aber nicht unfreundlich. Nur deutlich. Shinichi, der inzwischen eine Karte auf den Stapel legte, nickte zustimmend.

"Wir haben schon was geplant. Aber danke für die Einladung.“ Kaito blinzelte zwischen den beiden hin und her. Es war fast so, als wäre ihm gerade eine Verabredung mit einer Gruppe Models durch die Lappen gegangen. Dann atmete er tief durch, ließ sich theatralisch in seinen Stuhl fallen und zuckte mit den Schultern.

"Tja... ich muss diesmal wohl passen. Sorry.“ Akako sah für einen Moment wirklich überrascht aus. Sie hatte offenbar fest damit gerechnet, dass Kaito zustimmen und seine beiden Freunde mitziehen würde. Doch nun stand sie da, sah die drei an, dann wieder zurück zu ihren Freundinnen. Schließlich nickte sie leicht.

"Na gut. Wenn ihr es euch anders überlegt.. ihr seid trotzdem eingeladen.“

"Klar,“ erwiderte Shinichi ruhig, während er die Karten in der Hand sortierte.

"Danke,“ sagte Kaito mit einem entschuldigenden Lächeln. Ohne weiter etwas zu sagen, drehten sich Akako, Momiji und Shiho um und verließen die Klasse wieder. Ihre Schritte hallten leise über den Boden, das Summen des Fernsehers füllte die kurze Stille danach aus. Kaito beobachtete den Abgang der drei Mädchen noch einen Moment lang, doch seine Augen folgten vor allem Akako. Ihr Gang, ihr selbstsicheres Auftreten.. das alles ließ ihn für einen kurzen Moment schweigen. Dann seufzte er übertrieben theatralisch, ließ sich schwer in seinen Stuhl zurücksinken und rieb sich mit einer Hand durch die Haare.

"Wieder eine verpasste Chance… vielleicht hätte da endlich mal was mit Akako laufen können“, murmelte er dramatisch vor sich hin, als hätte er gerade einen bedeutenden Lebensmoment verpasst. Heiji, der bereits begonnen hatte, die Karten zu mischen, warf ihm einen kurzen, uninteressierten Blick zu, sagte aber nichts. Stattdessen klackerten die Karten ruhig in seinen Händen, gleichmäßig und routiniert. Für das gespielte Leiden seines besten Freundes hatte er gerade wenig übrig, denn dafür war ihm das bevorstehende Treffen zu wichtig.

"Man…“ Kaito seufzte erneut schwer, ließ die Schultern dramatisch hängen und drehte sich dann halb zu Heiji.

"Weißt du, das ist alles deine Schuld, Hattori“, begann er gespielt vorwurfsvoll, während er eine Karte aus seinem Stapel zog und sie auf den Tisch legte.

"Wegen deiner großen Lovestory mit Kazuha lasse ich mir die Nummer mit Akako entgehen. Und jetzt darf ich zusammen mit Shinichi den Unterhalter für ihre beiden Freundinnen spielen, während du am Bahnhof Herzklopfen bekommst.“ Heiji schüttelte nur leicht den Kopf, dabei wanderte sein Blick nicht mal zu Kaito, sondern blieb ruhig auf seinen Karten, die er gerade neu sortierte.

"Dann komm halt nicht mit und geh auf diese blöde Party“, meinte er betont gelassen, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Doch Kaito winkte sofort energisch ab und zog die Augenbrauen hoch.

"Kommt überhaupt nicht in Frage. Ich will das sehen, Mann! Das wird Kino und zwar live!“ Er grinste breit, lehnte sich zurück und tippte sich an die Schläfe.

"Ich bin quasi der Regisseur dieses Liebesdramas.“ Shinichi, der bislang eher schweigend mitgespielt hatte, verzog schmunzelnd den Mund.

"Eher der Typ mit der Nebenrolle, der ständig improvisiert und keiner versteht, warum er überhaupt im Skript steht.“

"Pff! Du bist doch nur eifersüchtig, weil du nicht der Hauptdarsteller bist“, konterte Kaito sofort und richtete sich demonstrativ stolz auf. Heiji warf grinsend eine Karte auf den Stapel.

"Wenn wir Glück haben, hältst du wenigstens still, wenn ich Kazuha seh.“

"Keine Garantie, Bro“, zwinkerte Kaito, während er sich die nächste Karte zurechtlegte.

"Das hier wird ganz großes Kino.“
 

Kazuha saß im Schneidersitz vor ihrem halb offenen Kleiderschrank, eine kleine Auswahl an Kleidungsstücken bereits auf dem Boden verteilt. Ihre Stirn war leicht gerunzelt, während sie ein Top nach dem anderen prüfend ansah und wieder zur Seite legte. Der letzte Schultag lag hinter ihnen, die Sonne schien warm durch das Fenster und morgen war es endlich so weit. Ran lag quer auf Kazuha ihrem Bett und wippte mit den Beinen in der Luft, während Aoko sich an Kazuha ihrer Kommode stützte und neugierig in den Kleiderschrank spähte.

"Das Kleid!“, rief Ran plötzlich, als ihr Blick auf ein zartes Sommerkleid fiel, das an einem Haken an der Seite hing. Sie sprang auf, griff danach und hielt es Kazuha strahlend hin.

"Das hier ist perfekt für morgen!“ Kazuha nahm es zögernd entgegen. Es war ein süßes, knielanges Sommerkleid in einem hellen Cremeton mit zarten Blumenmustern und leichtem, fließendem Stoff. Sie hielt es sich vor den Körper und trat zum Spiegel. Die Farbe passte perfekt zu ihrer Haut, der Schnitt schmeichelte ihrer Figur.

"Meint ihr... das ist nicht zu viel?“ fragte sie unsicher, drehte sich langsam von einer Seite zur anderen.

"Zu viel?“ Ran schnaubte fast empört und stemmte die Hände in die Hüften.

"Kazuha, du triffst morgen den Jungen, über den du seit Tagen... nein, Wochen, ständig redest. Das ist nicht zu viel, das ist genau richtig!“

"Ganz ehrlich“, ergänzte Aoko mit einem Grinsen und zog die passenden Schuhe unter dem Bett hervor,

"wenn Heiji dich in dem Outfit sieht, fällt er vom Glauben ab.“ Kazuha wurde leicht rot, warf einen scheuen Blick in den Spiegel, dann zu ihren Freundinnen.

"Also... wirklich das Kleid? Und die Jacke?“ fragte sie und nahm die Jeansjacke, die Aoko ihr reichte. Beide Freundinnen nickten gleichzeitig, fast schon synchron und riefen.

"Ja!“

"Okay, okay!“, lachte Kazuha verlegen und legte das Outfit behutsam auf ihr Bett. Ihre Hände strichen sanft über den Stoff, fast ehrfürchtig. Aoko ließ sich neben das ausgesuchte Kleid auf Kazuha ihr Bett fallen und fuhr mit den Fingern kurz über den weichen Stoff.

"Weißt du eigentlich schon, wann wir uns morgen mit ihm treffen?“ fragte sie neugierig und sah zu Kazuha hoch. Kazuha nickte langsam, während sie ein letztes T-Shirt ordentlich zusammenfaltete.

"Heiji meinte, er wartet mit seinen Freunden am Bahnhof auf uns.“

"Ooooh, also direkt Empfangskomitee“, grinste Ran breit und klatschte leise in die Hände.

"Ich bin echt gespannt, wie das morgen abläuft!“

"Ich auch“, stimmte Aoko zu, während sie sich auf dem Bett zurücklehnte und die Arme hinter dem Kopf verschränkte.

"Ich meine, wenn wir da ankommen und du Heiji nach all dem Schreiben wirklich zum ersten Mal siehst... das wird schon irgendwie besonders.“ Kazuha warf ein letztes Paar Socken in den halb gepackten Koffer, ehe sie das Kleid behutsam obenauf legte. Einen Moment betrachtete sie es still, als würde sie sich den morgigen Tag schon ausmalen und dann klappte sie den Koffer zu, zog mit einem leichten Ruck den Reißverschluss zu und ließ sich mit einem tiefen Ausatmen auf den Teppich neben das Bett sinken.

"Es fühlt sich plötzlich so echt an“, sagte sie leise, aber mit einem wachsenden Lächeln auf den Lippen.

"Ich glaube, ich begreife es erst jetzt so richtig... dass wir morgen wirklich nach Osaka fahren.“ Ran setzte sich im Schneidersitz auf das Bett und sah ihre Freundin an. Ihre Augen funkelten neugierig.

"Und du wirst Heiji gegenüberstehen.“

"Ja…“ Kazuha lehnte sich zurück und ließ den Kopf gegen die Bettkante fallen, ein leiser Seufzer entwich ihr, aber nicht vor Unsicherheit, sondern vor Vorfreude. Ihr Bauch kribbelte. Aoko setzte sich auf und schob den Koffer beiseite.

"Wollen wir heute Abend noch Snacks holen für die Zugfahrt?“

"Unbedingt“, grinste Ran. Kazuha konnte nur nicken, ihr Lächeln wurde immer größer. Alles war bereit. Morgen war der Tag und sie konnte es kaum erwarten.
 

Der späte Abend hatte sich über Tokio gelegt und Ran ihr Zimmer lag in sanftem Halbdunkel. Das Licht der Straßenlaternen drang durch die leicht geöffneten Vorhänge und malte zarte, flackernde Muster auf den Holzboden. Die Luft roch nach frischer Nacht, vermischt mit einem Hauch von Shampoo und dem sanften Duft nach Lavendel aus Ran ihrem kleinem Raumduftspender. Auf dem Fernseher flackerte mit gedämpfter Lautstärke irgendeine Serie dahin, doch der Ton war längst zu einem monotonen Hintergrundrauschen geworden. Die Bilder tanzten über den Bildschirm, spiegelten sich schwach in einem Bilderrahmen auf dem Regal. Kazuha lag auf einer ausgebreiteten Futonmatte neben Aoko, die ruhig schlief, die Decke bis zur Nase gezogen, während sich ihre Finger leicht an den Rand krallten. Ihre Atemzüge waren gleichmäßig, ruhig, fast meditativ. Gelegentlich zuckte sie leicht im Schlaf, als würde sie träumen. Ran ihr Bett stand schräg daneben und sie hatte sich im Schlaf leicht zur Seite gedreht, eine Hand unter das Kissen geschoben, die andere lag halb über der Bettdecke. Ihr Brustkorb hob und senkte sich langsam. Eine lose Haarsträhne hatte sich gelöst und kitzelte ihre Wange, doch sie rührte sich nicht. Goro, Ran ihr majestätischer, grauer Kater, hatte sich am Fußende der Futonmatte zusammengerollt, die Pfoten unter den Bauch gezogen, die Ohren zuckten leicht, als draußen ein Auto vorbeifuhr. Sein Bauch hob und senkte sich sanft, sein gleichmäßiges Schnurren mischte sich mit dem leisen Summen des langsam rotierenden Deckenventilators. Doch für Kazuha war an Schlaf nicht zu denken. Sie lag regungslos auf dem Rücken, die Arme über der Decke verschränkt, ihre Augen starrten an die weiße Decke, als würde sie dort eine Antwort finden. Der Ventilator warf bewegte Schatten über ihr Gesicht, während ihr Herz in einem unregelmäßigen, aufgeregten Takt schlug und viel zu schnell für diese stille Nacht. Sie atmete tief durch, ihr Brustkorb hob sich, senkte sich wieder. Ihre Finger begannen unbewusst zu spielen und zupften an der Decke, strichen über den Stoff, als könnte das etwas in ihr beruhigen. Jede Minute, die verstrich, fühlte sich wie ein kleiner Schritt auf einen gewaltigen Sprung auf dem morgigen Tag an. Dem Treffen mit ihm. Heiji. Allein der Gedanke an seinen Namen ließ ihren Brustkorb eng werden. Nicht unangenehm, sondern auf diese kribbelige, unkontrollierbare Art, die einem nur begegnet, wenn etwas Besonderes bevorsteht. Etwas, das einem den Atem raubt und zugleich ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Langsam schob sie ihre Hand unter die Decke, drückte die Finger leicht gegen die Stelle über ihrem Herzen, als könne sie den wilden Puls dämpfen. Wärme strömte durch ihre Brust. Sie hatte ihn noch nie persönlich gesehen. Und doch… fühlte es sich an, als würde sie jemandem begegnen, den sie schon ewig kannte. Jemand, der längst einen festen Platz in ihrem Alltag hatte. Ein leises, fast schüchternes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, während ihr Blick wieder zur Decke wanderte. Wie oft hatten sie geschrieben? Wie oft hatte sie im Bett gelegen, das Licht längst gelöscht, das Handy noch in der Hand, weil sie einfach noch nicht aufhören wollte zu tippen? Wie oft war sie nachts wach geblieben, hatte leise in ihr Kissen gelacht, weil er ihr irgendeinen Unsinn geschickt hatte? Wie oft hatte sie seine Stimme über das Handy gehört, sein Lachen, sein typisches Ey, Kazuha…? Und jetzt… war es nur noch eine Nacht. Sie drehte sich langsam auf die Seite, bettete den Kopf in ihre Armbeuge und blickte zu ihren Freundinnen. Aoko ihr Gesicht war halb vom Kissen verdeckt, eine Haarsträhne klebte ihr quer über die Stirn. Ran lag still, das Gesicht entspannt, als würde sie von etwas Schönem träumen. Ein Gefühl der Dankbarkeit durchströmte Kazuha. Sie war nicht allein in dieser Aufregung. Ihre Freundinnen waren da. Teilten diesen Moment mit ihr. Gaben ihr Halt, auch wenn sie schliefen. Sie atmete tief durch zitternd, aber ruhig und schloss dann langsam die Augen. Vielleicht… nur vielleicht… würde sie doch noch ein wenig Schlaf finden. Ehe das Herzklopfen sie wieder einholte.
 

Es war gerade einmal halb fünf morgens, als sich im Halbdunkel von Heiji seinem Zimmer ein kaum hörbares Knarzen über den Holzboden zog. Die Stadt draußen schlief noch, nur das matte Licht einer entfernten Straßenlaterne fiel durch einen Spalt zwischen den Vorhängen und zeichnete blasse Muster auf die Wände. Heiji hatte sich mit vorsichtigen Schritten aus seinem Bett geschlichen, dabei instinktiv die eine lockere Dielenstelle gemieden, die immer knackte. Seine Freunde lagen noch tief schlafend auf Futonmatten am Boden. Leise hatte er sich in das Bad geschlichen, die Tür nur angelehnt. Das Wasser rauschte nur kurz. Als er zurückkam, war sein Haar noch feucht und ein Hauch von Duschgel, kühl und herb, hing in der Luft. Jetzt saß er wieder auf seinem Bett, ein Bein angewinkelt, das andere locker baumelnd und scrollte auf seinem Handy durch ein Mobile Game. Das Display war leise gestellt, nur das sanfte Tippen seiner Daumen war zu hören. Er trug eine dunkelblaue Jeans, ein schlichtes weißes T-Shirt und darüber ein offenes Jeanshemd. Die Ärmel hatte er lässig bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt. Seine Kappe trug er wie immer nach hinten gedreht, einige Strähnen fielen ihm leicht ins Gesicht. Ein Grinsen hatte sich auf seine Lippen geschlichen.. unaufdringlich, aber konstant da. Ein echtes, fast scheues Lächeln, das sich immer dann zeigte, wenn er an sie dachte. Er atmete tief durch, warf einen kurzen Blick zur Uhrzeit oben rechts im Display. Noch knapp sieben Stunden, aber er konnte einfach nicht mehr schlafen. Ein Rascheln durchbrach die Stille. Kaito stöhnte leise, drehte sich in seinem Futon zur Seite, zog sich die Decke über die Nase und öffnete dann blinzelnd ein Auge. Sein Blick wanderte automatisch zu seinem Handy, das neben ihm lag. Er tippte blind darauf, die Anzeige leuchtete auf. 04:46 Uhr.

"Was zur Hölle…“ murmelte er krächzend, seine Stimme rau vom Schlaf. Er drehte sich leicht und sah dann zu Heiji, der hellwach auf dem Bett saß, frisch gestylt, als wäre es schon Vormittag. Kaito runzelte die Stirn, stützte sich auf einen Ellenbogen und beobachtete ihn kurz verwirrt, halb am Träumen.

"Du bist doch nicht ganz sauber“, brummte er schließlich, ließ sich wieder zurücksinken und zog sich die Decke halb über sein Gesicht. Heiji warf ihm nur einen kurzen Seitenblick zu, schnaubte leise und grinste noch breiter.

"Guten Morgen, Sonnenschein.“ Kaito hob kurz eine Hand aus der Decke, zeigte ihm wortlos den Mittelfinger und murmelte.

"Noch ein Wort und ich vergesse, dass du verliebt bist.“ Dann war wieder Ruhe. Nur das schwache Brummen von Heiji seinem Handy, das rhythmische Atmen der beiden anderen, irgendwo schnarchte Shinichi leise und draußen das ferne Summen einer Straßenbahn, die langsam erwachte. Heiji ließ den Kopf leicht gegen die Wand hinter ihm sinken, ein Arm hing locker über das angewinkelte Knie. Verliebt? Ja. Verdammt sogar. Nicht dieses oberflächliche, kurz aufflackernde Interesse, das verfliegt, wenn der Alltag zuschlägt. Nein. Er hatte es selbst nicht kommen sehen. Anfangs war es einfach nur angenehm gewesen, mit ihr zu schreiben und unkompliziert. Sie hatte ihn nicht mit Plattitüden zugeworfen, hatte kein falsches Lächeln aufgesetzt. Sie war einfach sie. Und genau das hatte ihn erwischt. Mit jeder Nachricht war es schlimmer geworden. Mit jedem Gute Nacht, Heiji, hatte sein Herz ein bisschen schneller geschlagen. Mit jedem geteilten Gedanken, jedem albernen Insider, den nur sie beide verstanden, hatte sie sich leise, aber hartnäckig in ihn eingebrannt. Er erinnerte sich an eine Nacht, in der sie ihm eine Sprachnachricht geschickt hatte, halb schlafend, aber mit diesem Lachen am Ende, das sich direkt unter seine Haut geschoben hatte. Er hatte sie sich mindestens zehnmal angehört. Vielleicht auch zwanzigmal. Und jedes Mal hatte er sich gefragt, wie es wäre, dieses Lachen live zu hören. Ohne Display. Ohne Distanz. Es hatte ihn erwischt. So sehr, dass er manchmal mitten in der Nacht aufgewacht war, einfach weil ihm ihr Name im Kopf herumspukte. So sehr, dass selbst das bloße Tippen ihres Namens ein Lächeln auf sein Gesicht zauberte. So sehr, dass er sich erwischte, wie er jedes verdammte Detail aus ihren Gesprächen abspeicherte, wie sie Tee lieber als Kaffee mochte, wie sie bei Gewitter nervös wurde, wie sie beim Schreiben manchmal ein Wort vergaß, weil sie zu schnell dachte. Jetzt war sie nur noch ein paar Stunden entfernt. Nicht mehr hinter einem Bildschirm. Nicht mehr in Worten und Emojis. Heiji schluckte, sein Grinsen wurde schwächer, aber nicht weniger ehrlich. Sein Herz hämmerte jetzt schon, als würde es die Zeit überbrücken wollen. Und trotzdem saß er da, ruhig, äußerlich gelassen, aber innen drin herrschte Vollchaos.
 

Der Bahnhof in Osaka war für diesen Vormittag gut gefüllt gewesen, da viele in die Ferien fuhren. Menschen eilten geschäftig aneinander vorbei, Koffer ratterten über den Boden und Durchsagen hallten in regelmäßigen Abständen durch die weite Halle. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee mischte sich mit der metallischen Kühle der Gleise. Heiji lief aufgeregt hin und her, die Hände immer wieder wechselnd in den Hosentaschen seiner dunklen Jeans oder fahrig in Bewegung. Mal fuhr er sich über das Gesicht, mal zog er die Ärmel seines offenen Jeanshemds höher, obwohl sie längst aufgekrempelt waren. Die Kappe trug er wie gewohnt nach hinten, doch sie verrutschte leicht, so oft, wie er sich über die Stirn strich. Sein Blick wanderte unruhig von der großen Anzeigetafel zum Gleis, dann zur Bahnhofsuhr. Kaito lehnte entspannt an einer Säule in der Nähe. Oder zumindest tat er so. Die Hände in den Taschen, das Gewicht locker auf ein Bein verlagert, sah er seinem besten Freund beim Herumtigern zu. Doch je länger Heiji lief, desto unruhiger wurde auch er. Schließlich rief er mit einem genervten Ton.

"Heiji, ehrlich jetzt. Wenn du so weitermachst, krieg ich einen Drehwurm. Setz dich hin, bevor du das Pflaster durchläufst.“ Heiji warf ihm einen gehetzten Blick zu, blieb stehen, atmete tief durch und ließ sich schließlich seufzend neben Shinichi auf die Bank fallen. Der saß bereits dort, mit einem fast ausgetrunkenen Coffee-to-go in der Hand, das Bein locker über das andere geschlagen. Kaum saß Heiji, begann sein linkes Knie wie von selbst wild zu wippen. Schnell, nervös, rastlos. Er rieb sich über die Handflächen, dann fuhr er sich wieder durch die Haare, während er auf seiner unteren Lippe kaute. Eine Angewohnheit, die ihm noch nie abgegangen war. Shinichi blickte kurz von seinem Becher auf, warf Heiji einen ruhigen Seitenblick zu.

"So nervös habe ich dich nicht mal bei deinem ersten Referat gesehen.“ Heiji presste ein kurzes Lachen hervor, das mehr nach Luftmangel klang.

"Das hier ist was anderes.“ Kaito trat nun von der Wand weg, ging ein paar Schritte näher. Dann ertöntr die Lautsprecheranlage des Bahnhofs.

"Der Shinkansen aus Tokio trifft jetzt auf Gleis 3 ein.“ Reflexartig sprang Heiji auf. Sein Körper reagierte schneller als sein Kopf. Er richtete sich sein Hemd, zupfte hektisch daran herum, dann nahm er die Kappe ab, fuhr sich hastig durch sein Haar, zweimal, bevor er sie wieder aufsetzte, diesmal fester. Seine Brust hob und senkte sich schnell. Die Nervosität stand ihm in seinem Gesicht geschrieben. Shinichi stand ebenfalls auf, schlenderte mit lässigen Schritten zum nächsten Mülleimer, um den leeren Becher zu entsorgen. Sein Blick blieb kurz auf dem Gleis hängen, während er ruhig wieder zu den anderen zurückkehrte. Kaito trat nun neben Heiji und legte ihm locker den Arm um die Schultern.

"Jetzt gibt es kein Zurück mehr, Kumpel. Showtime.“ Der Shinkansen fuhr ein. Das rhythmische Rauschen der Räder auf den Schienen wurde lauter, dann langsamer. Der silberne Zug glitt mit eleganter Präzision in den Bahnhof, die Scheiben spiegelten das Licht, während Silhouetten hinter den Fenstern vorbeihuschten. Menschen standen bereits in den Gängen, bereit zum Ausstieg. Heiji stand wie versteinert, nur sein Blick war in Bewegung. Seine Augen flogen von Tür zu Tür, von Fenster zu Fenster. Er trat einen kleinen Schritt nach vorn, atmete flach, als seine Hände sich an den Seiten zu Fäusten ballten. Die Türen öffneten sich. Menschen stiegen aus. Geschäftsleute mit Aktenkoffern, Jugendliche mit Kopfhörern, Familien mit Kindern, ältere Damen mit Rollkoffern. Ein bunter Strom, der sich langsam über den Bahnsteig verteilte. Heiji scannte die Menge, sein Blick suchte unentwegt. Jeder neue Kopf, jedes neue Gesicht wurde registriert und wieder verworfen. Aber sie war noch nicht in Sicht. Sein Herz schlug schneller. Seine Schultern spannten sich an. Der Moment war da und sie war noch nicht da.bDoch er wusste.. Es konnte nur noch Sekunden dauern.
 

Kazuha saß in einem Viererplatz des Shinkansen, das Gesicht zum Fenster gedreht, doch ihre Augen nahmen kaum wahr, was draußen vorbeizog. Die Häuser, Bäume und Straßen verschwammen zu einem einzigen, flüchtigen Streifen und sie konnte sich kaum darauf konzentrieren. Neben ihr herrschte reges Leben. Die Geräusche von rollenden Koffern, das Rascheln von Jacken und Taschen füllten den Wagen. Und dann erklang die Durchsage.

"Nächster Halt: Osaka.“ Sofort sprangen einige Reisende auf, griffen geübt nach ihrem Gepäck und drängten in Richtung Tür. Die Stimmung im Abteil veränderte sich und aus ruhigem Sitzen wurde geschäftige Erwartung. Kazuha zuckte leicht zusammen. Ihr Blick senkte sich auf ihren Schoß. Sie spürte, wie sich ihre Finger verkrampft um den Stoff ihres cremefarbenen Kleids mit zartem Blumenmuster legten. Ein Kleid, das Ran und Aoko für sie ausgesucht hatten.

"Das steht dir so gut, Kazuha!“, hatte Ran gesagt, während sie den Stoff zurechtrückte.

"Nicht zu viel, aber du wirst ihm den Atem rauben“, hatte Aoko grinsend hinzugefügt. Und jetzt saß sie hier, ihr Herz pochte so laut, dass sie es in ihren Ohren hören konnte. Ihre Handflächen waren feucht. Unbewusst wischte sie sie an der Seite ihres Kleides ab, ihr Atem ging flach. Ran, die ihr gegenüber saß, lehnte sich sanft nach vorne und legte ohne ein Wort ihre Hand beruhigend auf Kazuha ihre.

Ihr Lächeln war warm, bestärkend wie immer.

"Du siehst wunderschön aus“, sagte sie ruhig.

"Und du wirst das mit links meistern.“ Kazuha blickte auf, erwiderte das Lächeln, auch wenn es zitterte.

"Wenn ich nicht vorher umfalle.“ Aoko, die auf der anderen Seite saß, streckte sich und griff nach ihrer kleinen Tasche, die über ihr in der Gepäckablage lag.

"Dann fangen wir dich halt auf“, sagte sie locker, während sie sich setzte und eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Sie beugte sich etwas vor, ihre Augen funkelten.

"Aber ehrlich.. du bist nervös wie vor einer Abschlussprüfung. Und dabei wartet da nur dein zukünftiger Freund auf dich.“ Kazuha schnappte kurz nach Luft und boxte Aoko leicht gegen den Arm.

"Aoko!“ rief sie flüsternd entrüstet, doch sie konnte das Lächeln nicht mehr unterdrücken. Ihre Wangen glühten.

"Es ist… nur ein Treffen.“

"Klar“, murmelte Aoko, mit einem süffisanten Grinsen.

"Ein erstes Treffen, auf das du dich seit Tagen wie verrückt freust.“ Der Zug wurde langsamer. Die Bremsen quietschten leicht, der Ruck ging durch den Wagen, als der Shinkansen schließlich zum Stillstand kam. Die Menschen vor ihnen drängten sich in den Gang, einer nach dem anderen verschwand aus dem Sichtfeld. Koffer wurden gezogen, Jacken übergeworfen, es roch nach frischer Luft. Die drei Freundinnen standen nun auf. Kazuha nahm ihre Umhängetasche, klopfte sich unbewusst den Rock glatt, als müsste sie jedes Staubkorn beseitigen. Ran kontrollierte noch einmal flüchtig ihre eigene Tasche, während Aoko sich auf die Zehenspitzen stellte, um über die wartenden Leute hinwegzublicken. Kazuha schluckte hart. Sie stand in der Mitte ihrer beiden Freundinnen und obwohl sie nicht allein war, fühlte sich alles um sie herum plötzlich so still an. Die Stimmen und die Geräusche verschwammen. Ihr Herz raste. Noch zwei Minuten. Vielleicht weniger. Er war da draußen. Würde er sie sofort erkennen? Würde sie etwas sagen können, oder würde sie einfach nur stehen und ihn anstarren? Ihre Hände zitterten leicht, also verschränkte sie sie vor sich, um sie zu beruhigen. Der Gang leerte sich langsam. Die Menschen vor ihnen stiegen aus. Es war soweit. Ein letzter Blick zu Ran und Aoko und beide lächelten sie an. Und dann bewegten sich die drei Freundinnen langsam vorwärts.
 

Der Bahnsteig von Osaka war geschäftig wie immer. Stimmengewirr, das Rattern von Rollkoffern, der Geruch nach frischem Kaffee lag in der Luft. Doch für Heiji existierte in diesem Moment nichts davon. Er stand mit verschränkten Armen neben der Bank, sein Blick wie festgetackert auf eine der Türen des mittleren Waggons des einfahrenden Shinkansen. Sein Herz schlug unruhig. Zu schnell. Zu laut. Er versuchte, ruhig zu atmen, aber seine Hände zuckten leicht an den Seiten als müsste er sich zusammenreißen, nicht nervös an seinem Hemd zu zupfen. Und dann… da war sie. Zuerst Aoko, die mit aufrechter Haltung ausstieg und sofort aufmerksam in der Menge suchte. Kazuha folgte ihr, trat vorsichtig auf die Stufe. Sie schaute dabei nach unten, das Kleid mit zarten Blumenmustern hielt sie mit einer Hand leicht an der Seite fest, damit es nicht im Weg war. Auf ihren Lippen lag ein kleines, verträumtes Lächeln. Offenbar hatte Ran ihr gerade noch einen Scherz zugeworfen.

"Wenn du da jetzt stürzt, wirst du viral gehen“, hatte Ran leise gesagt.

"Dann fang mich wenigstens auf“, hatte Kazuha gekichert und trat auf den Bahnsteig. Kaum berührten ihre Füße festen Boden, hob sie den Blick. Und dann sah sie ihn. Er wirkte größer als auf den Bildern, aber gleichzeitig so… vertraut. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung und dann schlug es schneller, als sie erwartet hatte. Heiji stand noch einen Moment wie erstarrt. Dann löste er sich langsam von der Bank. Seine Beine bewegten sich fast automatisch. Neben ihm folgten Kaito und Shinichi, aber sie blieben absichtlich ein paar Schritte zurück.

"Das ist er, oder?“ flüsterte Aoko an Kazuha ihrer Seite. Kazuha nickte leicht.

"Ja… das ist Heiji.“

"Mutig von ihm, so aufzutauchen“, murmelte Ran, während sie mit leicht erhobenen Augenbrauen beobachtete, wie sich Kazuha und Heiji aufeinander zubewegten. Die Geräusche um sie herum verschwammen. Für einen Moment gab es nur sie. Heiji blieb einen halben Schritt vor ihr stehen. Seine Augen wanderten über ihr Gesicht, über die sanfte Welle ihrer Haare, das zarte Kleid und dann wieder zu ihren Augen. Kazuha erwiderte den Blick, warm, schüchtern, aber fest. Heiji fuhr sich nervös durch die Haare, zögerte und sagte dann leise.

"Hey.“ Ein leises, fast tonloses Wort, aber es trug alles, was er dachte. Kazuha antwortete sofort, ihre Stimme weich und zurückhaltend.

"Hey.“ Sie standen einen Moment einfach nur da, lächelten sich an. Keiner wusste, ob sie sich umarmen sollten, ob ein Händeschütteln zu albern war oder ob ein einfaches Lächeln genug war. Kaito hielt es keine Sekunde länger aus. Mit seinem gewohnt selbstsicheren Grinsen drängte er sich plötzlich an Heiji vorbei, warf ganz selbstverständlich den Arm um dessen Schultern und lehnte sich mit gespieltem Ernst zu ihm rüber.

"Im Ernst, Heiji? Das war alles? Ein Hey? Nach all dem monatelangen Hin und Her?“ Er schüttelte leicht den Kopf.

"Du romantischer Brocken, du.“ Heiji verzog das Gesicht, sichtlich genervt, aber gleichzeitig auch zu angespannt, um wirklich zu kontern.

"Kaito...“ murrte er warnend, versuchte ihn zur Seite zu schieben, doch Kaito ließ sich davon nicht beeindrucken. Mit einem charmanten Schritt stellte er sich nun vor die Mädchen und deutete eine elegante kleine Verbeugung an.

"Hey! Ich bin Kaito. Offizieller Stimmungsmacher dieses Treffens.“ Sein Grinsen wurde breiter, während er Aoko kurz zunickte und sich dann den anderen beiden zuwandte. Sein Blick blieb an Ran hängen. Sie stand ein wenig hinter Kazuha, ihre Hände hielten locker an der Träger ihrer Tasche. Ihr Lächeln war freundlich, aber ein wenig zögerlich. Ein Hauch von Unsicherheit lag in ihrer Körperhaltung, als wüsste sie nicht so recht, was sie mit den Blicken anfangen sollte, die Kaito ihr zuwarf.

"Und du...“ Kaito hob leicht die Braue, sein Ton plötzlich ein wenig weicher.

"...hast du auch einen Namen, oder soll ich dir einfach einen geben?“ Er lachte leicht, nicht arrogant, sondern mit dieser lockeren Selbstverständlichkeit, die viele sofort charmant fanden. Ran blinzelte leicht irritiert, aber lächelte schief zurück.

"Ran“, antwortete sie, die Stimme ein wenig unsicher, aber nicht unfreundlich.

"Ran..“, wiederholte Kaito, als würde er den Klang kosten.

"Passt zu dir.“ Ran senkte kurz verlegen den Blick, fuhr sich mit der Hand durch ihr Haar.

"Danke... denke ich?“ Aoko beobachtete das Ganze mit verschränkten Armen und einem belustigten Blick.

"Gibt es auch eine Version von dir mit weniger Flirtmodus?“, fragte sie trocken in Richtung Kaito. Kaito grinste nur.

"Ich habe viele Versionen. Aber die ist die unterhaltsamste.“ Bevor er weiter ansetzen konnte, trat Shinichi einen Schritt vor, schob seinen Freund mit einer Mischung aus Nachdruck und Gewohnheit ein Stück zurück.

"Okay, reicht jetzt, Romeo“, murmelte er und ließ die Hand kurz auf Kaito seiner Schulter liegen. Shinichi trat ruhig vor, nachdem er Kaito mit einem kurzen Griff zurückgehalten hatte. Sein Blick war klar, seine Haltung gelassen, aber höflich. Ohne große Worte richtete er seine Aufmerksamkeit auf die drei Mädchen vor ihm.

"Ich bin Shinichi,“ sagte er ruhig und reichte als Erstes Kazuha die Hand. Kazuha erwiderte seinen Händedruck mit einem freundlichen Lächeln und nickte leicht.

"Kazuha, hey.“ Shinichi schenkte ihr ein kurzes, respektvolles Nicken, bevor er sich Aoko zuwandte. Aoko trat einen Schritt nach vorn und schüttelte seine Hand etwas energischer, mit einem offenen Lächeln.

"Aoko. Freut mich.

"Mich auch.“ erwiderte er mit einem leichten Lächeln, bevor er sich schließlich Ran zuwandte. Langsam hob er die Hand und bot ihr ruhig seine an. Ran zögerte nur einen Moment, bevor sie zugriff. In dem Augenblick, in dem sich ihre Hände berührten, trafen sich ihre Blicke und tiefblaue Augen begegneten ihren. Shinichi lächelte sanft, nicht aufgesetzt, sondern ehrlich und fast ein wenig zurückhaltend. Ran ihr Herz machte einen kleinen Sprung. Sie blinzelte, etwas überrascht über die Wirkung dieses kurzen Moments und konnte nur stumm nicken. Shinichi ließ ihre Hand los, ohne den Blick sofort abzuwenden, dann trat er einen Schritt zurück.

"Wollen wir los?“ fragte er ruhig in die Runde.

"Gute Idee,“ meinte Aoko schnell, die die Stille überbrückte, während sie sich den Trageriemen ihrer Tasche zurechtrückte. Kaito grinste nur und lief nun rückwärts vor der Gruppe her, seine Hände hinter dem Kopf verschränkt.

"So viele hübsche Gesichter auf einem Fleck.. Osaka ist heute offiziell gerettet.“ Er zwinkerte Ran zu, bevor er sie leicht neckend anlächelte. Ran warf ihm einen kurzen, skeptischen Blick zu, musste sich aber ein Lächeln verkneifen. Aoko schüttelte kaum merklich den Kopf und flüsterte zu ihr.

"Der Typ ist wirklich was für sich.“ Heiji jedoch hatte in dem Moment bereits stumm gehandelt. Er trat neben Kazuha, sah kurz auf ihren Koffer und griff dann ohne ein Wort danach. Kazuha blinzelte überrascht, als sie spürte, wie das Gewicht plötzlich verschwand.

"Oh… danke,“ sagte sie leise. Heiji drehte leicht den Kopf zu ihr, zog mit einem schiefen Grinsen eine Schulter hoch.

"Ist doch klar.“ Ein kleines, echtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, während sie sich wieder neben ihn einreihte. Gemeinsam setzten sich die sechs nun in Bewegung, verließen den Bahnsteig, die ersten neugierigen Blicke, das erste vorsichtige Beschnuppern. Und obwohl noch kaum jemand etwas gesagt hatte, fühlte es sich für alle irgendwie... richtig an.

Karaoke

Nachdem Kazuha gemeinsam mit ihren Freundinnen Ran und Aoko von Heiji, Shinichi und Kaito zu ihrem gemieteten Hotel gebracht worden war, hatten sie zunächst ihr Gepäck in ihrem Hotelzimmer abgestellt. Kaum war die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, atmete Kazuha tief durch, als müsste sie sich selbst vergewissern, dass das alles wirklich geschah. Die drei Freundinnen aus Tokio standen kurz darauf dicht beieinander im Badezimmer ihres Zimmers. Der große Spiegel war leicht beschlagen vom warmen Wasser, während sie sich noch einmal ihr Make-up richteten, ihre Haare überprüften und frische Kleidung anzogen.

"Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir wirklich hier sind“, murmelte Ran und zupfte leicht an dem Saum ihres weißen Tops, das ihren Bauch dezent freiließ. Aoko lächelte, während sie das dezente Blumenmuster ihres Sommerkleids glattstrich.

"Osaka fühlt sich irgendwie… lebendiger an als Tokio.“ Kazuha sagte nichts. Sie betrachtete sich selbst im Spiegel. Sie trug einen beige-braunen Mini-Faltenrock und ein dunkelblaues Hemd, das sie vorne locker in den Rock gesteckt hatte. Ihre Haare saßen perfekt, doch ihr Blick wirkte unruhig. Trotz des Gesprächs mit Heiji auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel fühlte sich alles noch immer surreal an. Sie war wirklich hier. Bei ihm. In Osaka.

"Kazuha?“ Ran sah sie über den Spiegel hinweg an.

"Alles okay?“ Kazuha blinzelte kurz und zwang sich zu einem Lächeln.

"Ja… ich bin nur ein bisschen nervös.“

"Das sieht man dir an“, sagte Aoko sanft und grinste dann.

"Aber im positiven Sinne.“ Währenddessen saßen die Jungs unten in der Hotellobby. Kaito lehnte lässig in seinem Sessel und spielte gedankenverloren mit seinem Schlüsselanhänger, der leise klimperte. Shinichi war vollkommen auf sein Handy konzentriert und tippte etwas ein, ohne den Blick zu heben. Heiji hingegen trommelte mit den Fingern auf die Lehne seines Sessels und sah immer wieder Richtung Aufzug.

"Du bist unruhig“, stellte Kaito trocken fest. Heiji schnaubte.

"Quatsch.“

"Sicher“, meinte Shinichi, ohne aufzusehen. Nach knapp zehn Minuten öffneten sich die Aufzugtüren und die drei Frauen traten in die Lobby. Heiji richtete sich unwillkürlich ein wenig auf, als er Kazuha sah. Für einen Moment vergaß er sogar, weiter auf die Sessellehne zu tippen.

"Na, fertig?“ fragte Kaito grinsend.

"Dauert halt, gut auszusehen“, erwiderte Aoko schlagfertig. Gemeinsam verließen sie das Hotel und gingen die Straße entlang. Die sommerliche Abendluft war warm und überall waren Lichter, Stimmen und Musik zu hören. Kaito übernahm sofort die Rolle des Stadtführers.

"Und hier“, sagte er und zeigte auf ein Gebäude,

"das gibt es in Tokio so nicht. Osaka ist einfach… lauter.“

"Und direkter“, ergänzte Shinichi grinsend. Kazuha hörte nur halb zu. Sie ging neben Heiji her, ihre Hände nervös ineinander verschränkt und war sich jeder kleinen Bewegung bewusst. Schließlich erreichten sie die Karaokebar. Heiji öffnete die Tür und hielt sie für Kazuha auf.

"Bitte“, sagte er.

"Danke“, erwiderte sie leise und schenkte ihm ein kurzes Lächeln, das ihm einen Moment lang den Atem raubte. Kaum waren sie eingetreten, kam ein Mitarbeiter auf sie zu und führte sie in einen separaten Raum. Das Licht war gedimmt, die Atmosphäre gemütlich. Kazuha ließ sich auf das weiche Sofa nieder, Ran setzte sich direkt neben sie und Aoko daneben. Shinichi ließ sich entspannt in einen der Sessel fallen, während Kaito sich in den anderen warf und bereits die Liedliste durchblätterte.

"Oh, das hier ist perfekt“, sagte er begeistert. Heiji hatte sich noch um die Mikrofone gekümmert. Mit zwei davon in der Hand kam er zurück und ließ sich neben Kazuha auf das Sofa fallen. Sein Knie berührte dabei leicht ihres. Kazuha spürte, wie ihr sofort die Hitze ins Gesicht schoss. Ihr Herz schlug schneller und sie war dankbar für das gedimmte Licht, das ihre Röte verbarg. Heiji bemerkte nichts, da er sich bereits zu Kaito beugte.

"Komm schon, Hattori“, sagte Kaito breit grinsend.

"Ein Duett.“

"Träum weiter“, antwortete Heiji, während er die Mikrofone mit der Anlage verband. Die unteren Enden leuchteten auf. Er lehnte sich nach hinten und sein Arm streifte dabei Kazuha. Sie hielt unwillkürlich den Atem an. In diesem Moment betrat ein Mitarbeiter der Karaokebar den Raum.

"Herzlich Willkommen. Die Getränke und Speisen können Sie ganz bequem über das Tablett bestellen. Sollten Sie Fragen haben, stehem wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen viel Spaß.“ Shinichi nickte wortlos, nahm das Tablet an sich und bestellte ohne viel Aufhebens drei süßliche Cocktails, drei Bier sowie eine Sushiplatte, Edamame und verschiedene Snacks. Kaum war der Mitarbeiter gegangen, sprang Kaito voller Energie auf, schnappte sich ein Mikrofon und stellte sich nach vorne auf die kleine Erhöhung des Raumes, die als Bühne diente. Zwei Boxen befanden sich oben in den Ecken, hinter ihm hing eine Leinwand, auf der der Text für alle sichtbar sein würde. Vor ihm leuchtete ein kleiner Bildschirm mit dem Text für den Sänger auf.

"Okay“, sagte er breit grinsend,

"Lasst uns anfangen.“ Kaito stand mitten auf der kleinen Bühne, das Mikrofon locker in der Hand, während der Song seinem Höhepunkt entgegenlief. Seine Stimme war überraschend angenehm, sicher und voller Energie. Er bewegte sich im Takt, grinste zwischendurch frech in die Runde und spielte mit dem Publikum, als hätte er nie etwas anderes getan. Leise öffnete sich die Tür und eine Mitarbeiterin schob sich unauffällig in den Raum. Ohne den Gesang zu unterbrechen, stellte sie die bestellten Getränke und Speisen auf dem Tisch ab. Cocktails, Bier, Sushi, Edamame und Snacks und verschwand ebenso leise wieder, wie sie gekommen war. Als das Lied endete, ließ Kaito die letzte Note ausklingen und verbeugte sich übertrieben theatralisch.

"Danke, danke“, sagte er lachend. Die drei Freundinnen klatschten begeistert, Aoko pfiff sogar kurz anerkennend.

"Nicht schlecht, Kaito!“

"Nicht schlecht?“ Er legte sich eine Hand dramatisch auf sein Herz.

"Das war Kunst.“ Er ging zurück zum Sofa, griff sich sein Bier und hielt es hoch.

"Auf einen geilen Abend!“

"Auf einen geilen Abend!“ riefen alle durcheinander, als sie anstießen.

Kurz darauf sprangen die drei Mädels gemeinsam auf.

"Unser Turn!“ rief Aoko fröhlich, während sie Ran und Kazuha mit sich zog. Gemeinsam stellten sie sich auf die kleine Bühne. Kaum hatte die Musik begonnen, brach auch schon Gelächter aus, weil Ran den Einsatz verpasste.

"Ran!“ lachte Kazuha.

"Hey, das ist schwerer als es aussieht!“ Sie sangen zusammen, nicht perfekt, aber voller Freude. Ihre Stimmen mischten sich, sie lachten, vergaßen Textstellen, sangen extra schief und hielten sich dabei fest. Die Leichtigkeit der Situation ließ den Raum noch wärmer wirken. Heiji saß auf dem Sofa und beobachtete Kazuha. Ein leichtes Grinsen lag auf seinen Lippen, während sein Blick immer wieder zu ihr wanderte. Sie sah glücklich aus. Unbeschwert. Echt. Als sich ihre Blicke für einen kurzen Moment trafen, senkte er schnell den Blick auf sein Bier. Sein Herz raste. Verdammt… Seine Gedanken überschlugen sich. Würde er den Mut finden? Würde er ihr sagen können, dass er sich in sie verknallt hatte? Obwohl das hier erst ihr erstes richtiges Treffen war nach all den Telefonaten, all den Nachrichten? Er starrte auf die goldene Flüssigkeit in seinem Glas, als würde sie ihm eine Antwort geben. Erst als er spürte, wie die Couch neben ihm leicht einsank, kam er aus seinen Gedanken zurück.

"Du bist dran“, sagte Kaito grinsend und drückte ihm ein Mikrofon in die Hand. Heiji seufzte.

"Ihr wollt mich doch nur blamieren.“

"Jetzt stell dich nicht so an“, meinte Ran vom Sofa aus.

"Los!“ Er stand auf, stellte sich auf die Bühne und räusperte sich kurz. Seine Gesangsstimme war nicht besonders stark, aber angenehm, rau und ehrlich. Er sang ohne große Show, ohne Bewegungen, einfach nur den Text, so wie er ihn fühlte. Kazuha sah ihn an und lächelte leise. Als Shinichi nach ihm an der Reihe war, verzog Kaito schon vor dem ersten Ton das Gesicht. Kaum setzte Shinichi ein, war klar.. musikalisch war das eine Katastrophe.

"Das… das ist Folter“, murmelte Kaito lachend.

"Klappe!“ Shinichi grinste breit und sang trotzdem weiter, völlig schief, aber mit voller Überzeugung. Und genau das machte es so unterhaltsam. Alle lachten, klatschten und feuerten ihn an. Danach wechselten sich die Kombinationen ständig ab. Mal sangen nur Ran und Aoko, mal Kaito mit Shinichi, dann wieder Kaito mit den Mädels. Jedes Lied wurde absurder, kreativer und lauter. Je mehr Bier und Cocktails flossen, desto lockerer wurde die Stimmung. Texte wurden improvisiert, Tanzbewegungen eingebaut, falsche Einsätze gefeiert statt bemängelt. Heiji setzte das Bier an und trank es in einem Zug leer, als plötzlich ein Mikrofon direkt vor seiner Nase auftauchte. Er blinzelte überrascht und folgte dem Arm, der es hielt. Sein Blick traf auf Kazuha, die ihn anlächelte. Ruhig, weich, ohne ein Wort zu sagen. Doch ihr Blick sagte alles. Eine stille Aufforderung, mit ihr zu singen.

Für einen kurzen Moment zögerte er. Dann nickte er kaum merklich, nahm wortlos das Mikrofon entgegen und stand auf. Fast schon vorsichtig folgte er ihr nach vorne. Er stellte sich neben sie, ließ ein wenig Abstand, als hätte er Angst, diesen Moment zu zerbrechen. Kaito lehnte sich zurück, ein freches Grinsen auf den Lippen.

"Keine Sorge“, sagte er gedehnt,

"das nächste Lied passt perfekt zu euch.“ Die ersten Töne erklangen.

Endless Love. Heiji erstarrte. Sein schockierter Blick schoss sofort zu Kaito, der ihm nur amüsiert zuzwinkerte. Auch Ran und Aoko tauschten vielsagende Blicke, während Shinichi nur leicht die Augenbraue hob. Die Situation war offensichtlich und genau deshalb so spannend. Kazuha presste kurz die Lippen zu einer schmalen Linie. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Dann begann er zu singen. Leise zuerst, vorsichtig, doch klar. Kazuha setzte kurz darauf ein. Ihre Stimmen fanden sich schneller, als beide erwartet hatten. Sie sangen gemeinsam, harmonisch, ehrlich. Nicht perfekt, aber voller Gefühl. Ran hob unauffällig ihr Handy und begann, das Duett aufzunehmen. Niemand sagte etwas. Niemand lachte. Niemand unterbrach sie. Es war, als hätte der Raum den Atem angehalten, um diesen Moment zwischen den beiden nicht zu stören. Aoko lehnte sich gerührt an Ran, ihre Augen auf Kazuha gerichtet. Sie sah, wie ihr Gesicht gerötet war, wie sie leicht nervös neben Heiji stand, wie ihre Stimme bei manchen Zeilen kaum merklich zitterte. Kaito stopfte sich ein paar Snacks in den Mund und beobachtete die Szene zufrieden.

"Hat sich gelohnt“, murmelte er mit vollem Mund. Shinichi nahm einen Schluck von seinem Bier und sah ebenfalls nach vorne. Ein kleines, kaum sichtbares Lächeln huschte über sein Gesicht. Während das Lied weiterlief, wagte Heiji einen kurzen Blick zur Seite. Kazuha sang konzentriert, ihre Finger umklammerten das Mikrofon. Als sie seinen Blick bemerkte, sah sie zu ihm auf. Für einen Sekundenbruchteil trafen sich ihre Augen und beide verpassten beinahe ihren Einsatz. Doch sie sangen weiter. Und in diesem Moment war es egal, wer noch im Raum war. Die letzte Strophe des Liedes verklang langsam, die Melodie wurde leiser, bis sie schließlich ganz verstummte. Für einen Moment war es still. Heiji und Kazuha standen einander gegenüber, ihre Stimmen noch nachhallend in der Luft. Sie sahen sich an, ohne etwas zu sagen. Erst jetzt fiel ihnen auf, wie nah sie sich während des Liedes gekommen waren, fast wie von selbst. Bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, ertönte ein lauter, durchdringender Pfiff.

"Woooow!“, rief Kaito grinsend. Kazuha zuckte leicht zusammen, wandte sofort den Blick ab und lächelte verlegen. Ihre Wangen brannten. Ohne ein Wort zu sagen, drehte sie sich um und ging zurück zu ihrem Platz auf dem Sofa. Heiji blieb noch einen kurzen Augenblick stehen. Sein Blick folgte ihr, sein Herz pochte. Er wusste nicht, ob er gerade den richtigen Moment verpasst hatte. Ob er hätte etwas sagen sollen. Dann atmete er leise aus, drehte sich ebenfalls um und folgte ihr. Er setzte sich neben sie, etwas steifer als zuvor und starrte einen Moment lang geradeaus.

"War… war gut“, murmelte er schließlich. Kazuha nickte leicht.

"Ja… fand ich auch.“ Bevor die Stille unangenehm werden konnte, sprang Kaito erneut auf.

"Okay, okay! Für ein Lied haben wir noch Zeit!“ Er zog Shinichi mit sich nach vorne.

"Du kommst mit.“

"Ich habe doch schon bewiesen, dass ich nicht singen kann“, protestierte Shinichi.

"Genau deswegen.“ Die ersten Töne von Doh Wah Diddy erklangen und die beiden legten los. Shinichi sang schief wie eh und je, doch Kaito machte mit seiner Energie alles weg. Sie tanzten albern über die kleine Bühne, klatschten in die Hände und rissen alle mit. Das Gelächter war laut, die Stimmung wieder ganz oben. Als das Lied endete, blinkte die Anzeige auf, dass ihre Reservierung abgelaufen war. Langsam sammelten sie ihre Sachen zusammen und verließen gemeinsam die Karaokebar. Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Die Laternen entlang der Straße waren angesprungen, ihr warmes Licht spiegelte sich auf dem Asphalt, und die Sonne war längst untergegangen. Doch niemand hatte auch nur ansatzweise das Gefühl, dass der Abend vorbei sein sollte.

"Also“, begann Kaito und drehte sich zu den anderen um, während er rückwärts lief,

"eine Schulkameradin von uns schmeißt heute eine Gartenparty.“

"Jetzt?“ fragte Ran überrascht. Kaito nickte.

:Jap. Wir könnten da noch hin, wenn ihr Lust habt.“ Kazuha sah kurz zu Aoko und dann zu Ran. Beide grinsten.

"Klar“, sagte Aoko.

"Warum nicht?“

"Ich bin dabei“, ergänzte Ran.

"Dann los!“ rief Kaito begeistert und setzte sich sofort wieder in Bewegung. Er ging wie immer voraus und machte Stimmung, rief irgendetwas Unverständliches und lachte laut. Hinter ihm gingen Shinichi und Heiji, die sich gegenseitig anstupsten und alberten wie kleine Jungs.

"Ey, hör auf!“ lachte Shinichi.

"Du hast angefangen!“ Dicht dahinter gingen Kazuha, Aoko und Ran, die sich eingeharkt hatten. Kazuha fühlte sich leicht und ausgelassen, auch wenn ihr Herz bei jedem Gedanken an das Duett wieder schneller schlug. Ran beugte sich zu ihr und flüsterte.

"Ich habe euch aufgenommen.“ Kazuha blieb fast stehen.

"Was?!“ Ran grinste schuldig.

"Nur einen kleinen Abschnitt. Habe ich auf Instagram gepostet.“ Kazuha sah sie schockiert an, dann zu Aoko, die sich das Lachen kaum verkneifen konnte. Schließlich musste auch Kazuha lachen und schüttelte den Kopf.

"Du bist unmöglich“, sagte sie leise, immer noch grinsend. Während sie weitergingen und den Jungs folgten, verschwanden ihre Stimmen nach und nach im nächtlichen Osaka, bereit für alles, was der Abend noch bringen würde.
 

Sie bogen in eine schmalere Straße ein und schon aus der Ferne drang laute Musik zu ihnen herüber. Dumpfe Bässe lagen in der warmen Nachtluft, begleitet von Gelächter und Stimmengewirr. Je näher sie kamen, desto deutlicher wurden die flackernden Lichter, die hinter einem Haus aufleuchteten.

"Da sind wir“, sagte Kaito grinsend. Kurz darauf standen sie vor dem Haus von Akako. Im Garten flackerten bunte Lichterketten und die Musik dröhnte so laut, dass man sie selbst auf der Straße noch spürte. Auf dem Weg hierher hatte sich etwas verändert. Irgendwann hatte Heiji den Mut gefunden. Ohne ein Wort hatte er vorsichtig nach Kazuha gegriffen und ihre Hand genommen. Für einen kurzen Moment war sie überrascht gewesen, doch sie hatte nichts gesagt. Stattdessen hatte sie ihre Finger ganz selbstverständlich in seine geschoben. Jetzt standen sie noch immer Hand in Hand da. Kaito war der Erste, der durch das Gartentor trat.

"Partytime!“ rief er und verschwand sofort im Trubel. Die anderen folgten ihm kurz darauf. Kaum waren sie im Garten, kam Akako ihnen freudig entgegen.

"Kaito! Shinichi! Heiji!“ rief sie und breitete die Arme aus. Doch ihr Lächeln verblasste leicht, als ihr Blick auf die drei fremden Gesichter fiel, die hinter den Jungs standen.

"Oh“, machte sie überrascht. Shinichi trat einen Schritt vor.

"Das sind Ran, Aoko und Kazuha. Sie sind aus Tokio zu Besuch.“ Akako musterte die drei Mädels kurz, dann blieb ihr Blick an Heiji hängen. Genauer gesagt an seiner Hand, die immer noch die von Kazuha hielt. Langsam zog sie eine Augenbraue nach oben. Das wird Momiji gar nicht gefallen, dachte sie sich. Doch nach außen hin setzte sie ein süßes, höfliches Lächeln auf.

"Freut mich“, sagte sie freundlich.

"Willkommen auf meiner Party.“

"Danke“, sagte Ran höflich.

"Sieht richtig cool aus“, fügte Aoko hinzu. Kurz darauf griff Akako nach Kaito seiner Hand.

"Komm mal mit“, sagte sie schnell.

"Ich muss dich ein paar Leuten vorstellen.“

"Hä? Jetzt sofort?“ fragte Kaito, ließ sich aber bereits von ihr mitziehen.

"Ja, jetzt sofort“, erwiderte sie lachend. Shinichi schüttelte amüsiert den Kopf, während er ihnen hinterhersah. Dann deutete er mit dem Finger auf Heiji.

"Wir holen erstmal Getränke.“ Er sah zu den Mädels.

"Sucht euch schon mal einen Platz, wo ihr chillen wollt.“

"Alles klar“, sagte Ran und nickte. Heiji ließ Kazuha kurz los, um Shinichi durch die Menge zu folgen, warf ihr aber noch einen kurzen Blick zu. Kazuha erwiderte ihn mit einem kleinen Lächeln. Während die beiden Jungs im Gedränge verschwanden, standen die drei Mädels einen Moment lang etwas unbeholfen im Garten. Überall waren Menschen, Lachen, Musik und Lichterketten warfen tanzende Schatten.

"Okay“, sagte Aoko leise,

"wo setzen wir uns hin?“ Kazuha sah sich um, ihr Herz klopfte noch immer ein wenig schneller wegen der Party. Und wegen der Hand, die sie eben noch gehalten hatte. Kurz darauf fanden die drei einen schönen Platz etwas abseits im Garten. Zwischen Lichterketten und einem kleinen Tisch ließen sie sich nieder, das Gras unter ihnen weich, die Musik noch immer laut genug, um Gespräche zu übertönen, aber nicht so laut, dass man sich nicht unterhalten konnte.

"Okay“, begann Aoko leise und beugte sich ein wenig vor,

"Jetzt mal ehrlich.“ Ran nickte sofort zustimmend.

"Ja. Wie läuft das jetzt mit dir und Heiji?“ Kazuha zuckte nur mit den Schultern, auch wenn sie sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen konnte.

"Ich weiß es nicht“, sagte sie ehrlich.

"Wir lernen uns gerade erst richtig kennen.“

"Aber?“ hakte Ran grinsend nach. Kazuha sah kurz zur Seite, dorthin, wo sie Heiji zuletzt gesehen hatte und dann wieder zu ihren Freundinnen.

"Ich genieße die Zeit mit ihm. Mehr kann ich gerade nicht sagen.“

Aoko lächelte sanft.

"Das klingt doch gut.“

"Ja“, sagte Kazuha leise.

"Aber es ist noch viel zu früh, dem Ganzen irgendein Etikett zu geben.“ Während die drei leise weiterredeten, drängten sich Heiji und Shinichi durch die Menge. In ihren Händen hielten sie mehrere Becher mit Getränken, für die Mädels und für sich selbst. Sie wirkten leicht erschöpft vom Gedränge.

"Das war ein Kampf“, murmelte Shinichi und ließ sich seufzend neben Ran nieder. Heiji setzte sich neben Kazuha und reichte ihr wortlos einen Becher.

"Hier.“

"Danke“, sagte sie und lächelte ihn kurz an. Die beiden Jungs nahmen ebenfalls einen Schluck von ihren Getränken. Für einen Moment wirkte alles ruhig, fast selbstverständlich. Der Abend konnte weitergehen. Nach einer Weile tauchte Kaito wieder bei der Gruppe auf. In seiner Hand hielt er einen Becher, der deutlich stärker roch als alles andere.

"Also“, begann er, seine Stimme leicht lallend,

"Ich habe da jemanden mitgebracht.“ Hinter ihm kamen Akako, Shiho und Momiji dazu. Akako wirkte zufrieden, Shiho beobachtete die Gruppe ruhig, während Momiji bereits beim Näherkommen einen finsteren Blick aufsetzte. Heiji lachte gerade über einen Kommentar von Shinichi über Kaito, doch dann wanderte sein Blick zu Momiji. Ihr Blick traf ihn direkt voller Eifersucht. Heiji wusste genau, warum. Kazuha saß neben ihm, sprach gerade mit Ran und Aoko, doch ihre Hand lag ganz selbstverständlich in seiner. Seine Finger hatten sich um ihre geschlossen, ohne dass einer von beiden es bewusst wahrgenommen hatte. Kaito hob seinen Becher leicht.

"Wir machen jetzt ein Partyspiel“, verkündete er grinsend.

"Akako ihre Idee.“ Akako verschränkte die Arme zufrieden.

"Wird lustig.“ Die Aufmerksamkeit der Gruppe richtete sich langsam auf sie, während die Spannung in der warmen Sommernacht unmerklich weiter anstieg. Akako, Shiho und Momiji ließen sich ebenfalls bei der Gruppe nieder. Akako setzte sich dabei demonstrativ näher an Kaito, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Ihr Arm streifte seinen und sie rückte ein wenig näher, während ihr zuckersüßes Lächeln nicht von ihrem Gesicht wich.

"Also“, begann sie gut gelaunt und hob ihren Becher leicht an,

"wir spielen Ich habe noch nie.“

"Ein Klassiker“, murmelte Shinichi zustimmend. Akako nickte.

"Die Regeln sind simpel. Jemand sagt etwas und wer es schon mal getan hat, muss trinken.“

"Klingt fair“, meinte Ran lächelnd. Die erste Runde begann und schnell füllte sich der Platz mit Gelächter. Aussagen wurden gemacht, Blicke ausgetauscht, Becher gehoben. Nach und nach musste jeder trinken, mal widerwillig, mal lachend.

"Ich habe noch nie… auf einer Party getanzt, obwohl ich es eigentlich nicht wollte“, sagte Aoko. Mehrere Becher gingen hoch. Mit jeder Runde stieg der Spaßfaktor. Die Hemmungen fielen, Stimmen wurden lauter, Bewegungen entspannter. Der Alkohol tat sein Übriges. Gespräche wurden offener, Lacher herzlicher. Nach einer Weile standen die Jungs auf.

"Wir holen Nachschub“, sagte Kaito und deutete mit dem Becher Richtung Haus. Heiji und Shinichi schlossen sich an und kurz darauf verschwanden sie erneut in der Menge. Zurück blieben die Mädels. Der Alkohol entfaltete nun spürbar seine Wirkung. Momiji saß steif da, ihr Blick immer wieder auf Kazuha gerichtet. Ihre Eifersucht wuchs mit jeder Sekunde. Obwohl das Gespräch locker weiterlief, spannte sich etwas Unsichtbares an. Plötzlich knallte Momiji ihren Becher auf den Tisch.

"Findest du das eigentlich lustig?“ fuhr sie Kazuha scharf an. Die Worte trafen wie ein Schlag. Überrascht von dem abrupten Wandel der Stimmung zog Kazuha irritiert eine Augenbraue hoch.

"Bitte was?“ fragte sie ruhig, aber sichtlich verwirrt.

"Ich verstehe nicht, was du meinst.“ Momiji stand fast auf, ihre Stimme zitterte vor Wut.

"Du weißt genau, wovon ich rede!“ Ran und Aoko erstarrten.

"Du hast mir Heiji ausgespannt“, fuhr Momiji fort.

"Als würde er einfach… dir gehören!“ Kazuha blinzelte überrascht.

"Was? Das stimmt doch gar nicht.“

"Doch!“ Momiji ihre Stimme wurde lauter.

"Wärst du in Tokio geblieben, dann wäre mehr aus dem geworden, was ich mit ihm hatte!“ Dass es nur ein einziges Date gewesen war, erwähnte Momiji nicht. Akako sprang sofort auf.

"Okay, Momiji, das reicht jetzt.“ Shiho stand ebenfalls auf und legte Momiji eine Hand auf den Arm.

"Komm, wir gehen kurz rein und holen dir ein Glas Wasser.“

"Nein!“ Momiji riss sich los und zeigte mit dem Finger auf Kazuha.

"Die Schlampe macht hier auf unschuldig..“

"Schluss jetzt“, sagte Akako bestimmt.

"Du gehst gerade viel zu weit!" Gemeinsam schafften es Akako und Shiho schließlich ihre Freundin Richtung Haus zu bringen, während sie noch leise vor sich hin schimpfte. Zurück blieb Stille. Kazuha saß wie versteinert da. Ihr Herz schlug schnell, ihr Magen fühlte sich flau an. Ran und Aoko sahen sie schockiert an.

"Was war das denn?", begann Ran leise. Aoko schüttelte nur den Kopf.

"Manche Leute sollten besser keinen Alkohol trinken." Kazuha sagte nichts. Sie starrte auf ihren Becher, während die Musik im Hintergrund weiterlief, als wäre nichts passiert.
 

Die Stimmung zwischen den drei Freundinnen war vollkommen gekippt. Das Lachen war verstummt, die Leichtigkeit des Abends schien wie weggeblasen. Kazuha saß still da, den Blick gesenkt, ihre Gedanken wirr. Sie versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, doch egal wie sehr sie darüber nachdachte, sie fand keinen klaren Ansatzpunkt. Ran und Aoko sagten nichts. Sie beobachteten Kazuha nur, sahen, wie sie in sich gekehrt war, wie ihre Finger nervös den Rand ihres Bechers umklammerten. Kurz darauf tauchten die Jungs wieder auf. Mit Getränken in den Händen und guter Laune im Gesicht kamen Shinichi, Kaito und Heiji zurück zur Gruppe.

"Okay, Nachschub ist da!“ rief Kaito fröhlich. Doch kaum waren sie näher gekommen, merkten sie, dass etwas nicht stimmte. Die Atmosphäre war angespannt, ungewohnt still.

"Was ist los?“ fragte Shinichi leise. Ran tauschte einen Blick mit Aoko. Dann standen die beiden auf.

"Kommt mal kurz mit“, sagte Aoko ruhig zu Shinichi und Kaito.

"Wir lassen die beiden lieber mal allein.“

"Hä?“ Kaito runzelte die Stirn, ließ sich aber bereits wegziehen.

"Okay…?“ Irritiert entfernten sich die vier ein Stück, blieben jedoch in Sichtweite. Heiji blieb zurück und setzte sich langsam neben Kazuha. Er sah sie von der Seite an, sein Blick eine Mischung aus ernst und besorgnis.

"Was ist passiert?“ fragte er leise.

"Vorhin war doch noch alles okay.“ Kazuha antwortete nicht sofort. Sie schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch und sammelte sich. Dann öffnete sie sie wieder und sah ihn an.

"Momiji…“, begann sie ruhig, aber ihre Stimme war angespannt.

"Sie hat mich angefahren. Sie nannte mich Schlampe und meinte, ich hätte… dich ihr ausgespannt.“ Heiji zog scharf die Luft ein.

"Was?“

"Sie sagte, zwischen euch wäre etwas gewesen“, fuhr Kazuha fort.

"Und dass ich so tue, als wäre ich unschuldig.“ Heiji schüttelte sofort den Kopf.

"Nein. Das stimmt so nicht.“ Er lehnte sich leicht nach vorne, stützte die Ellbogen auf die Knie.

"Wir hatten ein einziges Date.“, erklärte er.

"Kaito hat damals ein Dreierdate arrangiert, weil er bei Akako landen wollte. Ich hatte da eigentlich gar keine Lust zu.“ Kazuha sah ihn aufmerksam an.

"Ich hatte keinerlei Interesse“, fuhr Heiji fort.

"Weder an dem Date, noch an Momiji. Ich habe ihr das auch an dem selbem Abend gesagt, dass es nichts werden wird.“

"Aber sie…“, setzte Kazuha an.

"Momiji verdreht gerne die Tatsachen“, unterbrach er sie ruhig.

"Warum, weiß ich nicht. Aber zwischen uns war nichts. Und sie weiß es auch.“ Kazuha ließ seine Worte sacken. Ihr Blick wurde weicher, aber auch nachdenklich.

"Ich wollte einfach verstehen, woher das kommt“, sagte sie leise.

"Es hat mich total überrumpelt.“

"Das versteh ich“, antwortete Heiji.

"Tut mir leid." Für einen Moment schwiegen sie, saßen einfach nebeneinander, während die Musik im Hintergrund weiterlief.
 

Nachdem Heiji und Kazuha über die ganze Thematik gesprochen hatten, kehrte die Leichtigkeit langsam zurück. Die Anspannung, die sich wie ein Schleier über den Abend gelegt hatte, löste sich nach und nach auf und die Nacht konnte wieder mit guter Laune weitergehen. Kurz darauf kamen auch Akako und Shiho wieder zurück in den Garten. Ihre Gesichter wirkten entschuldigend, beinahe ein wenig verlegen.

"Kazuha“, begann Akako und blieb vor ihr stehen,

"es tut uns leid wegen vorhin.“ Shiho nickte zustimmend.

"Ja. So ist Momiji normalerweise nicht.“

"Sie hatte einfach… Liebeskummer“, ergänzte Akako leise.

"Weil Heiji kein Interesse an ihr hatte.“ Shiho sah Kazuha ernst an.

"Es hatte nichts mit dir persönlich zu tun.“ Kazuha lächelte sanft und winkte ab.

"Schon okay. Wirklich.“ Sie meinte es ernst. Sie war keine Person, die nachtragend war, auch wenn sie innerlich erleichtert gewesen war, dass sich alles aufgeklärt hatte.

"Danke, wollt ihr euch wieder zu uns setzem?“, fügte sie noch hinzu. Akako lächelte erleichtert und Shiho nickte ihr dankbar zu, bevor die beiden sich wieder zu der Gruppe mischten. Kazuha ihr Blick glitt unbewusst zu Heiji. Er saß ein paar Meter entfernt mit Shinichi und Kaito auf dem Boden, Karten in der Hand. Sie spielten Feuer.

"Oh nein“, lachte Shinichi.

"Schon wieder du.“ Heiji verzog das Gesicht.

"Das ist doch Absicht.“

"Regeln sind Regeln“, grinste Kaito und nahm Heiji seinen Handrücken. Je nach gezogener Karte kniff, schlug oder streichelte er ihn demonstrativ.

"Junge..“, murmelte Heiji, hielt aber tapfer still. Bei dem letzten Mal kniff Kaito besonders fies zu. Heiji zog die Hand sofort zurück, schüttelte sie leicht. Sein Handrücken war deutlich gerötet.

"Spinnst du?“ knurrte er. Kaito lachte schallend.

"Selbst schuld.“ Shinichi schüttelte amüsiert den Kopf, während er die Karten neu mischte.

"Okay, nächste Runde.“

"Ich bin raus.", sagte Heiji trocken.

"Zu spät“, erwiderte Shinichi grinsend. Währenddessen vertieften sich die Frauen der Runde wieder in ein belangloses Gespräch. Sie tranken, lachten gemeinsam, tauschten kleine Kommentare über die Party, die Musik und die Leute aus.

"Also dafür, dass der Abend kurzzeitig so eskaliert ist, hat er sich gut gefangen“, meinte Ran lächelnd. Aoko nickte.

"Ja. Jetzt fühlt es sich wieder richtig gut an.“

Kazuha nahm einen Schluck von ihrem Getränk und sah noch einmal zu Heiji hinüber, der sich gerade mit gespielter Empörung über die Karten beschwerte. Ein kleines, ehrliches Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. Die Gartenparty von Akako neigte sich langsam dem Ende zu. Einige der Gäste waren bereits gegangen, verabschiedeten sich leise oder winkten noch einmal, bevor sie im Dunkel der Straße verschwanden. Akako und Shiho waren längst aufgestanden, um sich um die restlichen Gäste zu kümmern. Die Musik war inzwischen deutlich leiser gedreht worden, nur noch ein sanfter Beat lag in der Luft. Im Garten selbst saßen nur noch wenige Leute verstreut, Gespräche wurden ruhiger, das Lachen gedämpfter. Die Mädels saßen noch immer zusammen, eng beieinander, während die Jungs nun ebenfalls wieder näher bei ihnen Platz genommen hatten. Heiji hatte endgültig die Lust an Feuer verloren, nachdem Kaito ihn so stark in den Handrücken gekniffen hatte, dass die Stelle leicht aufgegangen war.

"Alter, das war echt zu viel“, hatte Heiji gemurrt und sich die Hand angesehen.

"Ups“, hatte Kaito grinsend gesagt.

"War aus Versehen.“

"Ja, klar.“ Jetzt saß Heiji wieder neben Kazuha. Shinichi hatte sich neben Ran gesetzt, während Kaito zwischen Heiji und Shinichi Platz genommen hatte, direkt gegenüber von Aoko. Die Jungs spielten nun Arschloch. Es ging darum, seine Karten möglichst schnell loszuwerden, um bloß nicht als Letzter übrig zu bleiben.

"Ich sage es euch“, meinte Kaito und legte eine Karte ab,

"Ich werde heute ganz sicher nicht das Arschloch.“ Shinichi schnaubte.

"Das hast du vorhin auch gesagt.“ Heiji warf seine Karten ab.

"Ihr zwei redet zu viel.“ Währenddessen zog Aoko ihr Handy aus der Tasche.

"Okay“, sagte sie fröhlich,

"Das muss ich festhalten.“ Sie hielt das Handy hoch und machte zuerst einen Boomerang. Aoko lächelte direkt in die Kamera, genauso wie Kazuha und Ran. Hinter ihnen waren die Jungs zu sehen, völlig vertieft in ihr Kartenspiel, Köpfe zusammengesteckt, Karten in den Händen.

"Perfekt“, murmelte Aoko zufrieden. Danach folgte ein klassisches Mädelsfoto. Die drei rückten enger zusammen, lächelten entspannt, müde, aber glücklich.

"Jetzt noch eins mit allen“, sagte Aoko und richtete die Kamera neu aus.

"Alle gucken her!“ Wie von selbst lehnte Heiji sich ein wenig zur Seite. Fast schon unbewusst legte er seinen Kopf leicht an Kazuha ihre Schulter. Sie zuckte kurz überrascht, hielt aber still. Ein leiser Atemzug entwich ihr, dann entspannte sie sich. Kaito bemerkte es sofort und hob im Hintergrund beide Hände zu einem Peacezeichen, sein Grinsen kaum zu übersehen. Shinichi rückte ebenfalls etwas näher an Ran heran, lehnte sich leicht zu ihr, während er in die Kamera sah.

"Okay… jetzt!“ sagte Aoko. Der Moment war eingefangen.
 

Die Jungs begleiteten die drei Mädels aus Tokio zurück zu ihrem Hotel. Die Nacht war inzwischen ruhig geworden, die Straßen nur noch spärlich beleuchtet. Kaito war sichtlich ordentlich beschwipst. Er lief in deutlichen Schlangenlinien über den Gehweg, sein Oberkörper schwankte leicht von links nach rechts.

"Ich lauf gaaaanz gerade“, murmelte er überzeugt. Shinichi, der selbst nicht mehr ganz nüchtern war, stützte ihn am Arm und lachte.

"Du läufst wie eine kaputte Schlange.“

"Du auch“, lallte Kaito, stolperte beinahe und wurde gerade noch rechtzeitig von Shinichi gehalten. Aoko lachte laut auf.

"Okay, das war knapp.“ Aoko griff kurz nach Kaito seinem Ärmel.

"Vielleicht ein bisschen weniger Selbstvertrauen und ein bisschen mehr Balance?“

"Ich helfe nur ungern“, grinste Ran,

"aber ich möchte nicht, dass ihr gegen eine Laterne lauft.“

Gemeinsam schafften sie es, die beiden Jungs halbwegs auf Kurs zu halten. Dicht dahinter liefen Heiji und Kazuha. Ohne groß darüber nachzudenken hatte Heiji wieder ihre Hand in seine genommen. Kazuha ließ es wortlos zu. Es störte sie kein bisschen. Sie spürte ihr Herz wild schlagen, die angenehme Hitze in ihrem Gesicht, doch es fühlte sich gut an. Warm. Vertraut. Auch wenn zwischen ihnen noch nichts offiziell war. Heiji grinste breit, während er seine besten Freunde beobachtete, die sich mit Mühe durch die Straße kämpften.

"Ry, Shinichi“, rief er grinsend,

"wenn du umfällst, zieh Kaito bitte mit.“

"Halt die Klappe“, lachte Shinichi und stolperte erneut. Heiji zog Kazuha ein paar Schritte schneller mit sich, um rechtzeitig einzugreifen und Shinichi am Stolpern zu hindern. Trotzdem ließ er ihre Hand nicht los.

"Voll gefährlich die Straße“, murmelte Shinichi.

"Ja, total“, antwortete Heiji trocken. Als sie schließlich am Hotel ankamen, ließen sich Kaito und Shinichi wie zwei sinkende Steine gegen die Wand fallen. Mit einem dumpfen Geräusch landeten sie auf dem Boden und brachen gleichzeitig in lautes Gelächter aus.

"Ich komm hier nie wieder hoch“, lachte Kaito.

"Ja“, meinte Shinichi und lachte ebenso,

"Irgendwann… vielleicht.“ Yas Gelächter steckte an. Ran, Aoko und Kazuha lachten mit.

"Ihr seid unmöglich“, sagte Ran kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln. Die Mädels verabschiedeten sich mit einer Umarmung.

"Danke für den Abend“, sagte Aoko.

"Es war richtig schön“, ergänzte Ran. Kazuha blieb einen Moment länger stehen. Sie sah Heiji an, der ihre Hand noch immer hielt.

"Gute Nacht“, sagte sie leise.

"Gute Nacht“, antwortete er ebenso leise und ließ ihre Hand nur widerwillig los. Die drei Mädels verschwanden im Hotel. Bei dem Reingehen drehten sie sich noch einmal um und sahen, wie Heiji mit einem breiten Grinsen versuchte, seine beiden Freunde wieder auf die Beine zu ziehen.

"Aufstehen, ihr Vollpfosten“, lachte er. Kaito winkte vom Boden aus.

"Beste Nacht.“ Kazuha lächelte noch einmal, bevor sie sich umdrehte und mit Ran und Aoko im Fahrstuhl verschwand. Die Türen schlossen sich langsam, während draußen das leise Lachen der Jungs in der Nacht erklang.
 

Zurück im Hotelzimmer machten sich die drei Freundinnen nacheinander bettfertig. Die Geräusche der Stadt waren durch das gekippte Fenster noch leise zu hören, vermischt mit dem entfernten Rauschen der Straße. Ran stand noch im Badezimmer, während Aoko sich auf dem Bett niedergelassen hatte und ihr nasses Haar sorgfältig zu einem lockeren Pflechtzopf flocht. Kazuha hingegen stand am Fenster. Ihre Hände lagen locker auf der Fensterbank und ein weiches Lächeln spielte um ihre Lippen. Draußen auf der Straße konnte man Heiji noch sehen. Er hatte offensichtlich große Schwierigkeiten, mit Shinichi und Kaito vorwärtszukommen. Die beiden schwankten, blieben stehen, lachten, während Heiji versuchte, sie weiterzuziehen. Kazuha schüttelte kaum merklich den Kopf, immer noch lächelnd. Ran kam aus dem Badezimmer, cremte sich die Hände mit Handlotion ein und trat neben Kazuha an das Fenster. Auch sie entdeckte die drei Jungs, die sich nur sehr langsam, fast schon quälend langsam, vom Hotel entfernten.

"Die kommen heute nirgendwo mehr an“, murmelte Ran kopfschüttelnd und schmunzelte. Sie sah zu Aoko.

"Die zwei sind wirklich hoffnungslos.“ Aoko blickte auf und lachte.

"Vor allem Kaito.“ Dann sah sie zu Kazuha, die noch immer am Fenster stand.

"Du weißt schon, dass er längst nicht mehr zu sehen ist, oder?“

Kazuha blinzelte, als würde sie es erst jetzt bemerken. Heiji war tatsächlich schon außer Sichtweite.

"Oh“, sagte sie leise und atmete tief durch. Sie zog den Vorhang zu und drehte sich zu ihren Freundinnen um. Ran und Aoko saßen beide auf dem Bett und grinsten sie an.

"Was?“ fragte Kazuha, leicht verlegen.

"Nichts“, sagte Ran unschuldig.

"Gar nichts.“ Aoko grinste breiter.

"Du bist total verknallt.“ Kazuha rollte leicht mit den Augen, musste aber selbst lächeln. Sie ging zu ihnen und setzte sich dazu. An Schlaf war nicht zu denken, obwohl es längst mitten in der Nacht war. Sie begannen, über ihren ersten Tag in Osaka zu sprechen.

Karaoke war aber richtig cool. Kaito klang überraschend gut.“, sagte Ran begeistert.

"Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet er die beste Gesangsstimme hat.“

"Und die Gartenparty von Akaki“, ergänzte Aoko,

"Am Ende war sie richtig schön, wenn man Momiji ihren Ausraster weglässt.“

"Ich finde, die Leute hier auch echt herzlich“, meinte Kazuha.

"Ganz anders wie beu uns. Keiner wirkt gestresst.“ Ran nickte.

"Osaka ist faszinierend.“ Natürlich kamen sie irgendwann auf die Jungs zu sprechen. Und wie nicht anders zu erwarten, drehte sich das Gespräch schnell um Heiji.

"Also“, begann Aoko neugierig,

"wie fühlt es sich an? Jetzt, wo ihr euch wirklich getroffen habt.“ Ran sah sie ebenfalls erwartungsvoll an.

"War es so, wie du es dir vorgestellt hast?“ Kazuha hielt kurz inne. Sie dachte an den Tag, an das Karaoke-Duett, an seine Hand in ihrer, an sein Lächeln. Dann schüttelte sie langsam den Kopf, aber sie lächelte dabei.

"Nein“, sagte sie leise. Die beiden sahen sie überrascht an.

"Es war besser“, fügte Kazuha hinzu. Ran und Aoko sahen sich an und grinsten gleichzeitig. Die Nacht lag still über Osaka, während im Hotelzimmer leise Stimmen, Lachen und ehrliche Gefühle den Tag ausklingen ließen.
 

Die Jungs waren noch immer auf dem Weg zu Heiji nach Hause. Normalerweise wäre es ein Fußweg von knapp zwanzig Minuten gewesen, wenn man einfach geradewegs durchgegangen wäre. Doch davon konnte heute keine Rede sein. Stattdessen saß Kaito nach vorne gekrümmt auf einer Parkbank. Sein Oberkörper hing schwer herab, die Arme baumelten locker zwischen seinen Knien. Er wirkte halb schlafend, halb bewusstlos. Ab und zu bewegten sich seine Lippen, doch das Nuscheln war so leise, dass es kaum mehr als ein Hauch war. Ein paar Schritte weiter lehnte Heiji entspannt an einer Laterne, die Arme vor der Brust verschränkt. Das warme Licht fiel auf sein Gesicht, auf dem ein breites, zufriedenes Grinsen lag. Kein Anzeichen von Stress, keine Spur von Genervtheit. Shinichi hingegen hing halb in einem Gebüsch. Eine Hand hielt sich am Stamm fest, während er sich nach vorne beugte, das Gesicht verzerrt. Ein deutliches Würgen war zu hören, als er sich den Alkohol geradewegs entledigte. Unter anderen Umständen wäre Heiji vermutlich vollkommen nervlich am Ende gewesen. Doch der Tag war so gut verlaufen, dass ihn absolut nichts aus der Fassung brachte. Weder sein bester Freund, der sich gerade über einem Busch quälte, noch Kaito, der wie ein nasser Sack auf der Bank hing.

"Ey Shinichi“, sagte Heiji trocken,

"das ist jetzt aber kein besonders eleganter Abgang.“ Shinichi wollte etwas erwidern, hob den Kopf leicht, doch das nächste Würgen ließ jedes Wort im Keim ersticken.

"Schon okay“, grinste Heiji.

"Heb dir die Konter für morgen auf.“ Kaito bewegte sich minimal.

"Ich… leb noch…“, nuschelte er kaum hörbar, bevor sein Kopf wieder tiefer sank. Heiji schüttelte den Kopf, immer noch grinsend und zog sein Handy aus der Tasche. Eine Nachricht von Kazuha war eingegangen.

●Gute Nacht. Ich freu mich auf morgen.●

Sein Grinsen wurde weicher. Er tippte schnell eine Antwort.

●Gute Nacht. Ich mich auch.●

Danach öffnete er Instagram. Er war im Status von Kazuha erwähnt worden, denn sie hatte Aoko ihre Story gerepostet. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick darauf hängen. Dann sah er die zwei neuen Followeranfragen von ihren Freundinnen.

"Geht voran.“, murmelte er amüsiert und nahm beide direkt an. Anschließend öffnete er die Kamera von Instagram. Er wechselte in den Selfiemodus, hielt das Handy leicht schräg und grinste in die Kamera.

"Also“, begann er leise lachend,

"kleines Update. Zwanzig Minuten Fußweg… wir sind seit gefühlt einer Stunde unterwegs.“ Er drehte die Kamera langsam zur Seite, filmte zuerst Kaito, der sich nun sogar ganz auf die Bank gelegt hatte.

"Und das hier“, kommentierte Heiji trocken,

"Ist einer der Gründe, warum es nicht vorwärts geht.“ Kaito nuschelte etwas Unverständliches. Dann schwenkte Heiji die Kamera weiter zu Shinichi.

"Und das… ist der zweite Grund..“

"Heiji…“, kam es halbherzig von Shinichi, der sich sichtbar darauf konzentrierte, es zurückzuhalten,

"mach das aus…“

"Zu spät“, grinste Heiji. In diesem Moment kam Shinichi langsam aus dem Gebüsch auf die Bank zu. Sein Gesicht war blass, seine Augen müde, sein Gang unsicher. Er ließ sich schwer neben Kaito fallen.

"Du bist tot“, murmelte er erschöpft.

"Aber… morgen.“ Heiji lachte.

"Ich freu mich drauf.“ Er hielt die Kamera noch einen Moment drauf, lachte leise, beendete die Aufnahme, markierte beide und postete die Story. Zufrieden steckte er sein Handy wieder weg.

Shinichi winkte nur ab. Heiji stieß sich schließlich lachend von der Laterne ab und streckte sich kurz.

"Okay“, sagte er entschlossen,

"Zeit weiterzugehen.“ Er sah auf seine beiden Freunde hinab.

"Ich habe echt kein Interesse daran, die Nacht hier draußen zu verbringen.“ Kaito rührte sich minimal.

"Bin… unterwegs…“

Heiji grinste.

"Klar bist du das.“ Langsam, viel zu langsam, setzten sie sich wieder in Bewegung, begleitet von leiser Nachtluft, flackernden Laternen und dem Gefühl, dass dieser Tag für Heiji kaum besser hätte laufen können.

Lasertag.

Am nächsten Morgen lehnte Heiji amüsiert an der kühlen Steinmauer gegenüber des Hotels. Die Straße war bereits von Sonnenlicht durchflutet, die Hitze des Tages kündigte sich langsam an. Neben ihm stand Shinichi, die Hände locker in den Hosentaschen vergraben, eine dunkle Sonnenbrille auf der Nase, weniger aus Stilgründen, sondern eindeutig, um seine müden, verkaterten Augen zu verbergen. Kaito hingegen wirkte, als hätte er die Nacht überhaupt nicht geschlafen. Er hielt eine geöffnete Dose Energy in der Hand, bereits seine vierte und nahm einen langen Schluck daraus.

"Ich sage es euch“, murmelte Kaito und ließ den Blick genervt über die Hotelfassade gleiten,

"das hier ist Folter. Warum stehen wir eigentlich jetzt schon hier? Die Mädels brauchen doch eh noch ewig.“ Heiji öffnete langsam die Augen, ließ sich die Sonne noch einen Moment ins Gesicht scheinen und grinste schief. Seine Kappe trug er wie immer nach hinten, die Haltung entspannt, als hätte er keine Sekunde Schlaf vermisst.

"Hättest halt gestern weniger gesoffen“, gab er trocken zurück.

"Dann hätten wir auch keine gefühlte Weltreise gebraucht, bis wir endlich bei mir angekommen sind.“ Kaito verzog das Gesicht.

"Das nennt man Charakterentwicklung.“

"Das nennt man Selbstzerstörung“, murmelte Shinichi und schob sich einen Kaugummi in den Mund. Seine Stimme klang müde, beinahe rau. Er hatte offensichtlich keinerlei Interesse an einem Gespräch, doch die frische Morgenluft schien ihm zumindest ein wenig gutzutun.

"Wenn ich den heutigen Tag überlebe“, fügte er hinzu,

"dann nur wegen Kaffee.“

"Du hast gestern noch gesagt, du brauchst keinen“, erinnerte Kaito ihn grinsend.

"Gestern war auch ein Fehler.“ Heiji lachte leise, stieß sich leicht von der Mauer ab und verschränkte kurz die Arme, während sein Blick zum Hoteleingang wanderte. Keine Spur von Ungeduld lag in seinem Gesicht. Nach wenigen Minuten öffnete sich schließlich die Glastür des Hotels und die drei Freundinnen traten hinaus. Frisch geduscht, gut gelaunt und deutlich fitter als die Jungs. Ran ging vorneweg. Sie trug ein zweiteiliges Outfit, ein bauchfreies Top und einen dazu passenden Minirock, beide gerafft und mit einem pinken Blumenmuster verziert. Ihr Haar fiel offen über ihre Schultern, nur die Seiten waren locker nach hinten gesteckt und gaben ihr Gesicht frei. Neben ihr lief Aoko in einem süßen, hellblauen Sommerkleid. Ihr Haar war noch leicht wellig vom geflochtenen Zopf der Nacht und schwang bei jedem Schritt sanft mit. Kazuha folgte ihnen, ein weiches Lächeln auf den Lippen. Sie hatte sich für ein lila kariertes Oversize-Hemd mit Kapuze entschieden, darunter ein schlichtes weißes Top und eine Jeansshorts. Ihr Haar war zu einem Zopf gebunden, zusammengehalten von einer lila Schleife, aus dem sich ein paar Strähnen gelöst hatten und ihr ins Gesicht fielen. Kaum hatte Kaito sie erblickt, verzog er den Mund zu einem schiefen Grinsen.

"Miau“, machte er anerkennend.

"Idiot!“ lachte Aoko sofort. Ran schüttelte grinsend den Kopf. Zur Begrüßung wurden Umarmungen ausgetauscht. Ran und Shinichi, Aoko und Kaito. Als Heiji und Kazuha an der Reihe waren, zögerten beide einen kurzen Moment. Die Umarmung fiel etwas vorsichtiger aus, fast schüchtern, doch keineswegs unangenehm. Heiji räusperte sich leicht, musterte sie kurz und meinte dann ehrlich.

"Steht dir echt gut.“ Kazuha lächelte und sah ihn an.

"Dir aber auch.“ Ihr Blick glitt über seine knielange Jeans in hellem Blauton, das dunkelbraune Shirt und die Kappe, aus der sich ein paar Haarsträhnen gelöst hatten.

"Danke“, murmelte er, sichtlich zufrieden. Ran klatschte leise in die Hände.

"Okay“, sagte sie neugierig,

"und wo geht es jetzt hin?“ Kaito ließ sofort seinen Arm locker um ihre Schulter fallen.

"Meine Damen“, begann er großspurig,

"Ich entführe euch jetzt zu einem Café, das offiziell als Frühstückslocation gilt, aber in Wahrheit ein Gourmettempel ist.“ Shinichi schnaubte.

"Wenn der Kaffee schlecht ist, verklag ich dich.“

"Unmöglich“, grinste Kaito.

"Vertrau mir.“ Heiji stieß sich endgültig von der Mauer ab und gemeinsam setzten sie sich in Bewegung, die Straße entlang, bereit für den nächsten Teil ihres Tages in Osaka.
 

Schon bei dem Eintreten in das Café wurde deutlich, dass Kaito dieses Mal wirklich nicht übertrieben hatte. Eine warme, gemütliche Atmosphäre empfing sie sofort. Helles Holz, weiche Sitzbänke mit Kissen und vereinzelte Pflanzen sorgten für eine angenehme Ruhe, während leise Musik durch den Raum schwebte. Präsent, aber nicht störend. Sonnenlicht fiel durch große Fenster und tauchte das Café in ein freundliches, fast heimeliges Licht. Es war genau der richtige Ort nach der langen Nacht.

"Okay“, murmelte Shinichi und sah sich um,

"das hier… ist tatsächlich gut.“ Kaito grinste breit.

"Ich sag doch, mein Geschmack ist makellos.“

"Das sagen alle, die zufällig einmal recht haben“, entgegnete Shinichi trocken, ließ sich aber dennoch entspannt auf seinen Platz sinken. Die Sitzordnung ergab sich fast wie von selbst. Heiji nahm auf einem Stuhl Platz, während Kazuha sich direkt neben ihn auf die Bank setzte. Neben ihr folgten Aoko und Ran. Gegenüber von Aoko saß Shinichi und Kaito ließ sich neben ihn fallen, den Blick bereits neugierig durch den Raum schweifend. Kurz darauf kam eine Kellnerin an ihren Tisch, begrüßte sie freundlich und wartete mit gezücktem Notizblock auf ihre Bestellungen.

"Ich nehme das gegrillte Toast mit Spiegelei und Bacon“, sagte Shinichi ohne zu zögern.

"Und einen Kaffee.“

"Natürlich“, antwortete die Kellnerin lächelnd.

"Pancakes mit Nutella und Erdbeeren“, meldete sich Kaito sofort.

"Auch einen Kaffee, bitte.“

"Ein Omelett für mich“, sagte Heiji.

"Das mit Tomaten, Salat und Gurken. Und eine Maracuja-Schorle.“ Kazuha lächelte leicht.

"Ich hätte gerne das Avocado-Toast mit Lachs und Spiegelei. Und einen frischen Pfefferminztee.“

"Für mich bitte das Frenchtoast mit Honig und Früchten und einem Latte Macchiato mit Vanillesirup.“, ergänzte Ran.

"Pochierte Eier auf gegrilltem Toast mit Avocado“, schloss Aoko ab, „und ebenfalls gerne den frischen Pfefferminztee.“ Die Kellnerin nickte zufrieden, bedankte sich und verschwand wieder zwischen den Tischen. Zurück blieb eine erwartungsvolle Stille, die jedoch schnell von leichten Gesprächen durchbrochen wurde.

"Ich bin wirklich froh, dass wir heute frühstücken gehen“, meinte Aoko.

"Das Hotelfrühstück war… interessant.“

"Das ist eine nette Umschreibung“, murmelte Kazuha mit einem eindeutigen Blick, der alles sagte. Keine zehn Minuten später kam das Essen. Die Teller wurden verteilt und schon bei dem ersten Blick darauf war klar, dass sich das Warten gelohnt hatte. Alles sah frisch, liebevoll angerichtet und vor allem unglaublich appetitlich aus. Shinichi und Kaito wirkten sichtlich erleichtert, als sie den ersten Bissen nahmen.

"Ich fühle mich wieder menschlich“, stellte Shinichi fest.

"Ich fühle mich gesegnet“, sagte Kaito feierlich und schnitt seine Pancakes an. Gelächter ging um den Tisch, während sie zu essen begannen. Die Gespräche entwickelten sich ganz natürlich, Stimmen überschnitten sich und die Stimmung wurde zunehmend lockerer. Die Mädels erzählten von Tokio, vom Alltag, vom Großstadtleben. Ran berichtete schließlich von ihrer Zeit im Karate-Team und Heiji hörte interessiert zu.

"Du warst in der Schulmannschaft?“ fragte er und sah sie überrascht an. Ran nickte.

"Ja. Ich habe sogar ein paar Turniere gewonnen.“

"Respekt“, meinte Kaito anerkennend. Ran lächelte leicht, wurde dann aber ernster.

"Irgendwann war es einfach zu viel. Der Unterricht, das Training und die Turniere. Es war zu wenig Freizeit, aber dafür zu viel Druck. Also habe ich aufgehört.“ Heiji nickte verständnisvoll und nahm einen Schluck von seiner Maracuja-Schorle. Genau in diesem Moment bemerkte er, dass Kazuha ihn von der Seite schmunzelnd beobachtete. Er stellte das Glas ab und sah sie an.

"Was ist?“ fragte er grinsend.

"Nichts“, sagte sie schnell und schüttelte den Kopf, ein Lächeln auf den Lippen.

"Doch“, meinte er.

"Du lachst mich aus.“

"Ich finde es einfach süß“, gab sie schließlich zu.

"Maracuja-Schorle. Das trinken doch nur Kinder.“

"Wie bitte?“ Er griff demonstrativ zu einer Gurke auf seinem Teller und steckte sie sich in den Mund.

"Das ist ein Getränk für Kenner.“ Kazuha konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

"Natürlich.“ Heiji hielt ihr sein Glas hin.

"Probier.“ Zögernd nahm sie einen Schluck und ihre Augen weiteten sich leicht.

"Okay… Wow.. das ist.. erschreckend gut.“ Heiji sein Grinsen wurde sofort breiter.

"Habe ich doch gesagt.“ Das Gespräch vertiefte sich wieder, alle redeten durcheinander, lachten und genossen das Frühstück. Die Zeit schien langsamer zu vergehen, während sie gemeinsam aßen, erzählten und einfach den Moment genossen, als wäre dieses Frühstück nicht nur ein Start in den Tag, sondern der Beginn von etwas ganz Besonderem.
 

Nachdem das Frühstück beendet war und die Teller leer auf dem Tisch standen, hatte keiner der Jungs auch nur eine Sekunde gezögert, als es ans Bezahlen ging. Ganz selbstverständlich hatten sie die Rechnung übernommen.

"Ihr seid wirklich Gentlemen“, meinte Ran lächelnd, während sie gemeinsam das Café verließen.

"Natürlich“, sagte Shinichi und schob sich seine Sonnenbrille etwas höher auf die Nase.

"Ihr seid schließlich zu Besuch.“ Draußen schlug ihnen wieder die warme Vormittagsluft entgegen. Die Straßen von Osaka waren bereits belebt, Menschen gingen an ihnen vorbei, Fahrräder klingelten, irgendwo rief ein Verkäufer laut seine Angebote aus. Kaum hatten sie ein paar Schritte gemacht, begann Kaito plötzlich langsamer zu laufen. Er legte eine Hand auf seinen Bauch und strich dramatisch darüber.

"Oh nein…“, murmelte er mit gespieltem Leiden. Aoko sah ihn irritiert an.

"Was hast du denn jetzt?“ Kaito seufzte tief und begann, während er weiterging, in einer improvisierten Melodie zu singen.

"Oh mein Foodbaby… so rund und so schwer… warum hab ich dich bestellt… ich weiß es nicht mehr…“ Ran prustete sofort los. Kazuha musste ebenfalls lachen und Shinichi schlug sich leicht die Hand gegen die Stirn.

"Sechs Pancakes pro Portion“, jammerte Kaito dramatisch und hielt sich weiter den Bauch.

"Sechs! Und ich hab noch eine zweite Portion genommen!“

"Niemand hat dich gezwungen“, meinte Shinichi trocken, während er stur geradeaus sah und so tat, als würde er den Gesang nicht hören.

Doch Kaito ließ sich nicht aufhalten. Er setzte sein Lied fort, diesmal mit noch mehr Pathos.

"Mein Foodbaby und ich… wir gehen jetzt spazieren… doch jeder Schritt fühlt sich an… als würd ich explodieren…“ Aoko lachte so sehr, dass sie kurz stehen bleiben musste.

"Ich kann nicht mehr!“ Heiji hingegen verzog das Gesicht, als hätte er gerade etwas sehr Fragwürdiges gehört.

"Ich schwöre“, murmelte er,

"ich kenn diesen Typen nicht.“

"Lüge!“ rief Kaito empört und zeigte auf ihn.

"Er ist mein bester Freund!“

"Leider“, antwortete Heiji trocken. Kaito klopfte sich wieder auf den Bauch und seufzte theatralisch.

"Ich bin stolzer Papi eines Babys.“

"Du hast einfach zu viel gegessen“, korrigierte Shinichi.

"Nein“, widersprach Kaito ernst.

"Das ist Liebe.“ Die drei Freundinnen lachten erneut, während sie gemeinsam die Straße entlanggingen.
 

Einige Zeit später erreichte die Gruppe schließlich ein großes Gebäude am Ende einer belebten Straße. Schon von außen konnte man erkennen, dass es kein gewöhnlicher Ort war. Über dem Eingang prangten mehrere große, bunte Schilder, die auf die verschiedenen Aktivitäten im Inneren hinwiesen. Durch die hohen Glasfronten sah man blinkende Lichter, Bewegungen und Menschen, die sich lachend zwischen verschiedenen Spielbereichen bewegten.

"Das sieht ja riesig aus“, sagte Aoko beeindruckt und blieb kurz stehen, um das Gebäude zu betrachten.

"Hier gibt es alles“, erklärte Kaito stolz und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

"Bowling, Minigolf, Lasertag…“ Als sie sich dem Eingang näherten, glitten die großen Glastüren automatisch zur Seite und ließen sie hinein. Sofort umfing sie eine ganz andere Atmosphäre. Stimmengewirr erfüllte den Raum. Gespräche, Lachen, das Rollen von Bowlingkugeln in der Ferne, das Klacken von Billardkugeln. Dazu lief ein leises Lied aus den Lautsprechern an der Decke, das sich mit den Geräuschen vermischte. Der Vorraum war groß und offen gestaltet. Rechts standen die Spielautomaten und Greifautomaten, vor denen mehrere Leute ihr Glück versuchten. Weiter hinten konnte man die Bowlingbahnen erkennen, während auf der anderen Seite ein Bereich für Minigolf aufgebaut war. Ein paar Gäste spielten Dart und irgendwo klackten Billardkugeln über einen Tisch.

"Das ist ja wie eine kleine Spielewelt“, meinte Ran begeistert.

"Genau deswegen sind wir hier“, sagte Heiji und ging zielstrebig weiter. Die Gruppe folgte ihm durch den Raum bis zur Kasse. Hinter dem Tresen stand ein junger Mitarbeiter, der sie sofort freundlich begrüßte.

"Hallo und willkommen“, sagte er mit einem höflichen Lächeln.

"Wie kann ich Ihnen helfen?“ Heiji trat einen Schritt nach vorne.

"Wir haben eine Reservierung für Lasertag.“ Der Mitarbeiter nickte und tippte kurz etwas in seinen Computer.

"Auf welchen Namen läuft die Reservierung?“

"Hattori“, antwortete Heiji. Der Mitarbeiter überprüfte die Liste, seine Augen glitten kurz über den Bildschirm, bevor er zufrieden nickte.

"Ah, da haben wir es. Sechs Spiele, jeweils zwanzig Minuten. Das macht dann 25.000Yen.“ Heiji zog seine Bankkarte heraus und reichte sie dem Mitarbeiter.
 

Nachdem Heiji bezahlt hatte, führte der Mitarbeiter die Gruppe durch einen kurzen Flur zu einer separaten Halle. Schon auf dem Weg dorthin wurde es merklich dunkler. Die Geräusche aus dem Eingangsbereich wurden immer leiser, bis schließlich nur noch ihre eigenen Schritte auf dem Boden zu hören waren. Der Mitarbeiter blieb vor einer breiten Tür stehen und öffnete sie.

"Hier ist der Ausrüstungsbereich“, erklärte er freundlich. Die Gruppe trat ein. Der Raum war größer als erwartet, aber deutlich schlichter eingerichtet. An den Wänden hingen mehrere Westen, ordentlich nach Farben sortiert. Es gab keine Fenster, nur ein paar gedämpfte Deckenlampen, die den Raum in ein leicht bläuliches Licht tauchten.

"Für das Spielerlebnis ist Dunkelheit wichtig“, erklärte der Mitarbeiter, während er begann, die Westen abzunehmen. Er reichte sie nacheinander weiter.

"Team Rot.“ Shinichi nahm eine davon und reichte die andere direkt an Ran weiter.

"Du kommst in mein Team." Ran lächelte kurz.

"Dann musst du mir zeigen, wie das geht.“

"Das kriegen wir hin.“ Der Mitarbeiter nickte kurz und griff nach den nächsten Westen.

"Team Blau“ Kaito schnappte sich sofort eine der Westen. Aoko nahm die andere und sah ihn skeptisch an.

"Ich hoffe, du nimmst das ernst.“

"Ich nehme alles ernst.“

"Das glaube ich dir nicht.“ Ein kurzes Lachen ging durch die Gruppe.

"Und zuletzt.. Team Grün" Heiji griff nach einer und Kazuha nahm die zweite Weste entgegen und lächelte leicht. Sie hatte gehofft, dass die Beiden im Team sein würden. Als alle ihre Westen angelegt hatten, klatschte der Mitarbeiter einmal in die Hände, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

"Ich erkläre kurz die Regeln.“ Er deutete auf die leuchtenden Sensorflächen an den Westen.

"Wenn Sie getroffen werden, hört Ihre Weste für genau zehn Sekunden auf zu leuchten. In dieser Zeit können Sie nicht erneut abgeschossen werden. Erst wenn die Weste wieder aktiv ist, können Punkte gesammelt werden.“ Die Gruppe nickte aufmerksam.

"Jede Runde dauert zwanzig Minuten“, fuhr er fort.

"Danach haben Sie zehn Minuten Pause. Getränke und Speisen sind in der Lasertaghalle selbst nicht erlaubt.“ Kaito hob eine Augenbraue.

"Also kein Bier beim Kämpfen.“

"Richtig“, antwortete der Mitarbeiter trocken.

"Schade." Der Mitarbeiter lächelte leicht.

"Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß.“ Damit öffnete er eine weitere Tür. Die Gruppe trat vollständig in die dunkle Halle, und kaum hatten sie den Raum betreten, schloss sich die Tür hinter ihnen mit einem leisen, dumpfen Geräusch. Nur das Neonlicht an Wänden, Boden und Decke durchzog den Raum in leuchtenden Mustern. Linien, Kreise und geometrische Formen schimmerten in grellen Farben und zeichneten gerade genug Konturen, um die Hindernisse zu erkennen: hohe Wände, gestapelte Kisten, schmale Gänge und Treppen, die auf eine zweite Ebene führte. Ein leises elektronisches Signal ertönte aus den Lautsprechern. Die Westen an ihren Körpern begannen schwach zu pulsieren und tauchten die drei Teams in ihre jeweiligen Farben. Keiner sagte etwas. Fast instinktiv verteilten sie sich im Raum, jeder suchte sich eine Position zwischen den Deckungen. Schritte hallten gedämpft über den Boden, während sie sich auf den Start vorbereiteten. Das elektronische Geräusch verstummte. Dann durchbrach ein lautes Signal die Dunkelheit. Das Spiel begann. Sofort setzte Bewegung ein. Laserstrahlen zuckten durch die Halle und überall versuchten die Spieler, ihre Gegner zu erwischen und Punkte für ihr Team zu sammeln. Kaito war von Anfang an vollkommen im Spiel aufgegangen. Mit übertriebener Begeisterung warf er sich sogar einmal auf den Boden und rollte sich zur nächsten Deckung.

"Achtung!“, rief er theatralisch, als würde er sich tatsächlich in einem Krieg befinden. Aoko schüttelte lachend den Kopf, während sie hinter einer Wand in Stellung ging. Ran hingegen erschrak jedes Mal ein wenig, wenn ihre Weste plötzlich aufleuchtete und ein kurzes Signal ertönte. Wenn sie getroffen wurde, erlosch das Licht für zehn Sekunden und jedes Mal zuckte sie kurz zusammen.

"Ach Leute.. kommt schon.“ murmelte sie frustriert. Shinichi bewegte sich währenddessen deutlich ruhiger durch das Spielfeld. Sein Blick wanderte ständig durch die Arena, immer auf der Suche nach neuen Positionen. Er wechselte häufig die Deckung und versuchte, den Überblick zu behalten. Seine Bewegungen waren bedacht und strategisch. Aoko hatte zwar noch nie zuvor Lasertag gespielt, doch erstaunlicherweise stellte sie sich ziemlich gut an. Sie reagierte schnell, duckte sich im richtigen Moment hinter Wände und traf sogar einige Male ihre Gegner.

"Okay… das macht wirklich Spaß“, sagte sie atemlos, nachdem sie gerade hinter einer Kiste hervorgekommen war. Kazuha spielte vorsichtiger. Sie versuchte vor allem, möglichst oft in Deckung zu bleiben und nur dann hervorzuschauen, wenn sich eine Gelegenheit bot. Ihr Herz klopfte jedes Mal schneller, wenn Laserstrahlen knapp an ihr vorbeischossen. Heiji dagegen war vollkommen in seinem Element. Für ihn fühlte sich das Spiel vertraut an, fast wie ein alter Wettbewerb mit seinen Freunden. Er bewegte sich sicher zwischen den Deckungen, wechselte schnell die Positionen und hatte die Arena ständig im Blick. Mehr als einmal entdeckte er eine der Mädchen aus dem gegnerischen Team, doch er drückte oft nicht sofort ab. Sie sollten schließlich erst einmal richtig ins Spiel finden. Auch Shinichi hielt sich mit seinen Treffern etwas zurück, wenn er Aoko oder Kazuha ins Visier bekam. Kaito hingegen kannte keinerlei Zurückhaltung.

"Alles, was nicht blau ist, ist ein Ziel!“, rief er begeistert und schoss auf alles, was sich bewegte.
 

Nach einiger Zeit waren die Mädchen vollständig im Spiel angekommen. Die anfängliche Unsicherheit war verschwunden und sie bewegten sich inzwischen deutlich sicherer durch die dunkle Halle. Zwei Runden lagen bereits hinter ihnen. Team Blau hatte die erste Runde gewonnen, während Team Grün sich die zweite knapp sichern konnte. Jetzt lief bereits die dritte Runde und die Halle war wieder erfüllt von dem leisen Surren der Blaster, kurzen Signaltönen der Westen und dem gedämpften Echo schneller Schritte auf dem Boden. Kaito war dabei, wie so oft, etwas zu enthusiastisch. Mehr als einmal war er schon hektisch von einer Deckung zur nächsten gerannt, hatte sich hinter Wänden geworfen oder sich halb über den Boden gerollt, um nicht getroffen zu werden. Dabei war es auch schon passiert, dass er mit seiner eigenen Teampartnerin zusammenstieß. Auch dieses Mal war es nicht anders. Kaito sprang hastig um eine Ecke, wollte sich hinter einer Wand in Deckung bringen und rannte direkt gegen Aoko.

"Ey!“ rief er sofort empört, als beide einen Schritt zurücktaumelten. Aoko lehnte sich wieder gegen die Wand, verschränkte die Arme und zog langsam eine Augenbraue hoch.

"Was denn?“

"Du stehst mir ständig im Weg!“ beschwerte sich Kaito und zeigte auf den Boden vor sich. Aoko blinzelte ihn ungläubig an.

"Ich stehe hier schon die ganze Zeit.“

"Ja, aber genau da wollte ich hin!“

"Dann guck vielleicht vorher, wo du hinläufst.“ Kaito schnaubte.

"Das ist Teamarbeit, weißt du? Man blockiert nicht seine eigenen Leute!“ Aoko stieß ein trockenes Lachen aus.

"Teamarbeit? Du bist einfach blind losgerannt!“

"Ich war taktisch unterwegs!“

"Du bist gegen mich gerannt!“

"Weil du im Weg standest!“

"Ich stand hier schon vorher!“ Die beiden funkelten sich an, während ihre Stimmen langsam lauter wurden. Das eigentliche Spiel schien für sie plötzlich völlig in den Hintergrund gerückt zu sein. Ein paar Meter entfernt schlichen sich währenddessen Ran und Shinichi vorsichtig durch die Halle. Sie bewegten sich leise zwischen den Deckungen hindurch, bis sie schließlich hinter einer großen Kiste in Stellung gingen. Ran spähte vorsichtig um die Ecke.

"Da sind sie“, flüsterte sie. Shinichi nickte knapp. Die beiden sahen sich kurz an und gaben sich ein stummes Zeichen. Dann traten sie gleichzeitig aus ihrer Deckung und richteten ihre Blaster auf Team Blau. Doch keiner von beiden drückte ab. Ran legte irritiert den Kopf schief. Shinichi zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Vor ihnen standen Kaito und Aoko, direkt gegenüber voneinander und diskutierten immer noch.

"Wenn du mir schon in die Quere kommst, kannst du wenigstens Deckung geben!“ sagte Kaito.

"Ich kann dir keine Deckung geben, wenn du mich umrennst!“ konterte Aoko.

"Ich hab dich nicht umgerannt!“

"Doch, hast du!“

"Das war nur ein kleiner Zusammenstoß!“ Die beiden hatten das gegnerische Team nicht einmal bemerkt. Aus einer anderen Ecke der Halle tauchte plötzlich Kazuha auf. Sie hatte gerade ihr Ziel ins Visier nehmen wollen, doch als sie die Szene bemerkte, blieb sie abrupt stehen. Statt zu schießen, beobachtete sie nur irritiert den Streit. Kurz darauf kam auch Heiji aus einer anderen Richtung dazu. Er blieb neben Kazuha stehen, die sich inzwischen näher zu Team Rot gestellt hatte. Alle sahen zu Team Blau hinüber. Einen Moment lang sagte niemand etwas. Kaito und Aoko diskutierten weiter, während die anderen sie einfach nur beobachteten. Heiji hörte sich das Ganze einige Sekunden lang an. Sein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her, während ihr Streit immer absurder wurde. Schließlich seufzte er leise.

"Das wird mir zu blöd.“ Er hob seinen Blaster, zielte direkt auf Kaito und drückte ab. Ein kurzer Laserstrahl zuckte durch die Halle. Kaitos Weste piepte laut auf und erlosch sofort. Der Streit verstummte abrupt. Kaito riss die Augen auf und hob fassungslos beide Hände. "Alter?!“ Aoko blinzelte überrascht. Heiji senkte seinen Blaster wieder und sah ihn völlig unbeeindruckt an.

"Hör auf zu diskutieren.“, sagte er trocken. Dann deutete er kurz mit dem Kopf Richtung Spielfeld.

„Und spiel weiter, du Vollidiot.“
 

Es dauerte nicht lange, da war der kleine Streit in Team Blau längst wieder vergessen. Das Spiel hatte sie schnell wieder vollkommen in seinen Bann gezogen. Kaito achtete nun deutlich mehr darauf, wo sich seine Teampartnerin aufhielt, bevor er sich in die nächste Deckung warf. Einmal blieb er sogar abrupt stehen, nur um sicherzugehen, dass Aoko nicht genau dort stand, wo er sich gerade hinrollen wollte. Aoko wiederum versuchte ihrerseits, ihm so gut wie möglich auszuweichen. Sie hatte schnell verstanden, dass Kaitos Spielstil… sagen wir mal unberechenbar war. Immer wieder sah sie ihn aus dem Augenwinkel über den Boden purzeln oder sich halb hinter eine Wand werfen, als würde er sich tatsächlich mitten auf einem Schlachtfeld befinden.

"Pass auf, wo du hinrollst!“ zischte sie einmal, als er knapp an ihr vorbeischlitterte.

"Das war taktisch!“ verteidigte sich Kaito und rappelte sich wieder auf. Während Team Blau eher chaotisch unterwegs war, wirkte Team Rot dagegen wie ein perfekt eingespieltes Team. Ran und Shinichi bewegten sich beinahe synchron durch die Halle. Sie wechselten gemeinsam die Positionen, hielten sich gegenseitig den Rücken frei und brauchten kaum Worte, um sich zu verständigen. Ein kurzer Blick, ein leichtes Nicken. Mehr war nicht nötig, damit der andere wusste, was als Nächstes zu tun war. Wenn einer von ihnen getroffen wurde, dauerte es selten lange, bis der andere den Treffer rächte. Ein stilles Abkommen zwischen ihnen. Heiji bewegte sich währenddessen vorsichtig durch einen der schmaleren Gänge der Arena. Das Neonlicht spiegelte sich auf den Wänden und tauchte alles in flackernde Farben, während er aufmerksam jede Bewegung beobachtete. Dann sah er Kazuha. Sie war ein paar Meter entfernt und bewegte sich vorsichtig zwischen zwei Deckungen hindurch, direkt auf Shinichi zu, der in der entgegengesetzten Richtung verdeckt stand. Heijis Herz setzte für einen Moment aus. Er dachte nicht nach. Sein Körper reagierte schneller als sein Kopf. Plötzlich setzte er sich in Bewegung und sprintete los. Mit schnellen Schritten erreichte er Kazuha, griff nach ihrem Arm und zog sie vorsichtig, aber bestimmt in eine dunklere Ecke zwischen zwei hohen Wänden. Ein Laserstrahl traf ihn noch während des Laufs. Seine Weste piepte laut auf und das grüne Licht erlosch sofort. Für zehn Sekunden war er eigentlich ausgeschaltet. Doch das kümmerte ihn in diesem Moment überhaupt nicht. Dort stellte er sich dicht vor sie. Sein Körper schirmte das Leuchten ihrer grünen Weste ab, sodass sie im Schatten verborgen blieb. Heijis Blick blieb aufmerksam auf dem Gang gerichtet, aus dem Shinichi jeden Moment auftauchen konnte.

Kazuha hingegen spürte etwas ganz anderes. Ihr Herz schlug plötzlich viel zu schnell. So schnell, dass sie für einen Moment glaubte, man müsste es hören können. Heiji stand direkt vor ihr. Viel zu nah. Seine Schulter berührte fast ihre und sie konnte die Wärme seines Körpers deutlich spüren. Der vertraute Duft von ihm lag in der Luft, eine Mischung aus etwas Frischem und etwas Warmem, das ihre Sinne vollkommen benebelte. Sie wagte kaum zu atmen. Wie von selbst schlossen sich ihre Augen für einen kurzen Moment. Heijis Blick blieb aufmerksam auf dem Gang gerichtet, aus dem Shinichi jeden Moment kommen konnte. Ein paar Sekunden später tauchte Shinichi tatsächlich auf. Er lief an der Ecke vorbei, ohne sie zu bemerken. Um sicherzugehen, lehnte sich Heiji noch ein Stück näher zu Kazuha. Für sie fühlte sich dieser Moment an, als würde die Zeit stehen bleiben. Sein Arm war neben ihrem Kopf an der Wand abgestützt, sein Körper schirmte sie vollständig ab. Sie konnte seinen Atem spüren. Und für einen winzigen Augenblick fragte sie sich, ob er ihr Herz genauso laut hören konnte wie sie selbst. Dann verschwand Shinichi aus ihrem Blickfeld. Im selben Moment begann Heijis Weste wieder zu leuchten. Das grüne Licht flackerte kurz auf, als sie wieder aktiviert wurde. Er atmete leise aus und drehte leicht den Kopf. Erst jetzt bemerkte er wirklich, wie nah sie einander standen.

Viel zu nah. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Kazuhas Augen öffneten sich langsam und trafen direkt auf seine. Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Sein Blick lag fest auf sie. Auf ihrem Gesicht. Auf den feinen Strähnen ihres Haares, die im Neonlicht leicht schimmerten. Auf ihren Lippen. Sein Herz schlug plötzlich genauso schnell wie ihres. Er fragte sich für einen flüchtigen Moment, ob sie diesen Herzschlag ebenfalls spürte. Ob sie genauso nervös war. Ob sie vielleicht… Doch genau in diesem Moment ertönte das laute Signal zum Ende der Runde. Das Geräusch hallte durch die gesamte Halle und riss beide abrupt aus dem Moment. Heiji blinzelte kurz, als wäre er aus einem Traum gerissen worden. Dann trat er schnell einen Schritt zurück und fuhr sich verlegen durch sein Haar. Ein leicht unsicheres Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

"Ähm… gute Runde“, murmelte er. Und obwohl er versuchte, es locker klingen zu lassen, schlug sein Herz noch immer viel zu schnell.
 

Als schließlich auch die sechste und letzte Runde beendet war, ertönte erneut das Signal, das durch die dunkle Halle hallte. Die Neonlichter flackerten ein letztes Mal über die Wände, während sich die Spieler langsam aus ihren Verstecken lösten und zum Ausgang bewegten. Gemeinsam verließen sie die Lasertaghalle und kehrten in den helleren Vorraum zurück. Nach der Dunkelheit der Arena wirkte das Licht dort fast blendend. Die Ergebnisse der Runden waren schnell klar: Team Blau hatte mit drei Siegen gewonnen. Team Rot hatte zwei Runden für sich entscheiden können, während Team Grün nur einmal gewonnen hatte.

"Wir haben gewonnen“, stellte Kaito mit einem breiten Grinsen fest und sah zu Aoko.

"Starkes Team.“ Aoko grinste ebenfalls.

"Vielleicht lag es daran, dass du diesmal nicht ständig gegen mich gerannt bist.“

"Das war taktische Anpassung.“ Shinichi schnaubte leise, kommentierte es aber nicht weiter. Heiji hingegen war auffallend still.

Seit dem Moment in der dunklen Ecke der Arena, seitdem er Kazuha so nah gewesen war, hatte er kaum noch einen klaren Gedanken fassen können. In den letzten drei Runden war seine Konzentration völlig dahin gewesen. Mehr als einmal war er direkt vor einem Gegner aufgetaucht, ohne es rechtzeitig zu merken. Ein anderes Mal war er über seine eigenen Füße gestolpert, als er zu schnell die Richtung wechseln wollte. Und einmal hatte er so spät reagiert, dass er gleich von zwei Seiten getroffen wurde. Kaito hatte ihn dafür sogar kurz irritiert angesehen. Doch Heiji hatte nichts dazu gesagt. Und Kazuha ging es kaum besser. Auch sie hatte den Moment nicht aus dem Kopf bekommen. Immer wieder musste sie daran denken, wie nah er plötzlich vor ihr gestanden hatte. Wie sein Arm neben ihrem Kopf an der Wand gewesen war. Wie sein Duft sie für einen Moment völlig aus dem Konzept gebracht hatte. Ab diesem Zeitpunkt war auch sie ein leichtes Ziel für die anderen geworden. Mehr als einmal hatte ihre Weste aufgeleuchtet, weil sie schlicht zu spät reagiert hatte. Nachdem sie ihre Westen abgegeben hatten, blieb die Gruppe noch kurz im Vorraum stehen. Neben der Ausrüstungstheke hing ein großer Bildschirm, auf dem die Ergebnisse der letzten Runde angezeigt wurden. Bunte Balken und Zahlen flackerten über den Bildschirm, während die einzelnen Teams aufgelistet waren. Kaito trat sofort näher heran und stemmte die Hände in die Hüften.

"Moment mal“, sagte er misstrauisch und beugte sich etwas vor.

"Wie kann das sein?“ Shinichi warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm und zog eine Augenbraue hoch.

"Was denn?“ Kaito zeigte mit dem Finger auf die Statistik.

"Du hast mehr Treffer als ich.“ Shinichi zuckte gleichgültig mit den Schultern.

"Ja.“ Kaito starrte ihn an, als hätte er gerade eine persönliche Beleidigung gehört.

"Das ist unmöglich.“

"Eigentlich nicht“, erwiderte Shinichi trocken.

"Ich bin nicht ständig in meine Teampartnerin gerannt.“

Aoko verschränkte sofort die Arme.

"Das ist was dran. Du bist immer gegen mich gerannt.“

"Weil du im Weg standest!“ Ran musste lachen, während sie ebenfalls einen Blick auf die Anzeige warf.

"Shinichi hat wirklich die meisten Treffer.“

"Das System ist manipuliert“, erklärte Kaito überzeugt. Heiji lehnte sich entspannt gegen die Wand neben dem Bildschirm und grinste schief.

"Oder du bist einfach schlechter, als du denkst.“ Kaito drehte sich sofort zu ihm um.

"Du hast doch selbst nur eine Runde gewonnen!“ Heiji zuckte mit den Schultern.

"Ich war auch ein wenig abgelenkt.“ Kazuha, die neben ihm stand, spürte sofort, wie sein Blick kurz zu ihr wanderte. Für einen Moment wurde sie leicht rot und sah schnell wieder auf den Bildschirm.

"Also ich finde“, sagte Ran lächelnd,

"wir haben uns alle ganz gut geschlagen.“ Kaito verschränkte die Arme und betrachtete die Statistik noch einen Moment, bevor er schließlich seufzte.

"Na gut. Vielleicht war Shinichi heute ausnahmsweise nicht komplett nutzlos.“ Shinichi schob seine Sonnenbrille wieder etwas höher auf die Nase.

"Großzügig von dir.“ Kaito klatschte plötzlich einmal in die Hände.

"Okay, genug analysiert. Nach so viel Action braucht man Zucker.“

Die Jungs ließen sich nicht lange bitten und spendierten schließlich Eis für alle. Kaito entschied sich für einen großen Schokoshake, den er zufrieden aus dem Becher trank. Shinichi hatte eine einfache Eiswaffel mit Zitroneneis gewählt. Ran hielt ein Erdbeereis in der Hand und betrachtete es kurz zufrieden. Aoko leckte an ihrem Vanilleeis, während sie neben Kaito herging. Kazuha hatte sich für Cookies entschieden. Und Heiji hielt eine Waffel mit Mangoeis in der Hand. Während sie ihr Eis genossen, schlenderten sie gemeinsam durch die Straßen von Osaka. Die Nachmittagssonne tauchte alles in warmes Licht und die Stadt wirkte lebendig und voller Bewegung. Immer wieder hörte man ihr Lachen zwischen den Gesprächen.

Nach kurzer Zeit hatten sie beschlossen, den restlichen Tag einfach entspannt zu verbringen.

"Gehen wir zu mir“, hatte Heiji schließlich vorgeschlagen. Und so machten sie sich gemeinsam auf den Weg zu seinem Zuhause, während sie weiter durch die Straßen schlenderten und ihr Eis langsam schmolz.
 

Als sie schließlich in eine ruhigere Wohngegend einbogen, wurde der Lärm der Stadt langsam leiser. Die Straßen waren hier schmaler, die Häuser standen etwas weiter auseinander und vor vielen von ihnen lagen kleine Vorgärten. Heiji blieb schließlich vor einem der Häuser stehen, zog den Schlüssel aus seiner Tasche und steckte ihn ins Schloss. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken. Einer nach dem anderen trat ein, und wie selbstverständlich zog sich jeder im Eingangsbereich die Schuhe aus. Der Flur war ruhig. Helles Holz, ein paar Regale und mehrere gerahmte Fotos an der Wand. Während die anderen bereits weitergingen, blieb Kazuha einen Moment zurück. Ohne ein Wort zu sagen, ließ sie ihren Blick über die Bilder schweifen.

Eines davon zeigte Heiji als kleines Kind. Vielleicht acht oder neun Jahre alt, mit zerzausten Haaren und einem breiten, frechen Grinsen.

Unwillkürlich musste sie lächeln. Er war schon als Kind süß, stellte sie für sich selbst fest.

"Ich hol nur schnell was zu trinken aus der Küche“, sagte Heiji und deutete die Treppe hinauf.

"Geht schon mal in mein Zimmer.“

"Ich komm mit“, meinte Shinichi und folgte ihm Richtung Küche. Kaito wartete dagegen keine Sekunde.

"Perfekt!“ Er stürmte sofort die Treppe hinauf.

"Folgt mir! Ich kenne den Weg!“

"Natürlich kennst du den“, murmelte Heiji noch aus der Küche. Die anderen folgten ihm nach oben. Als sie Heijis Zimmer betraten, ließ sich Kaito ohne jede Zurückhaltung auf das große Sitzkissen fallen. Er streckte sich zufrieden aus. Ran, Aoko und Kazuha setzten sich währenddessen auf das große Bett. Kazuha ließ ihren Blick langsam durch das Zimmer wandern. Ein Regal voller Bücher und Manga. Der Schreibtisch mit einigen Notizheften. Ein paar kleine Dinge, die ordentlich auf den Regalen standen. Einige davon kannte sie bereits. Sie hatte sie bei den vielen Videoanrufen mit ihm schon gesehen. Doch jetzt wirklich hier zu sitzen… in seinem Zimmer… war etwas völlig anderes. Der Raum war erfüllt von seinem vertrauten Duft, dieser Mischung aus etwas Frischem und etwas Warmem, den sie sofort wiedererkannte. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung vor Freude. Kurz darauf öffnete sich die Tür erneut. Heiji und Shinichi kamen zurück. Heiji trug mehrere Gläser, während Shinichi eine Flasche und ein paar Dosen in den Händen hielt. Sie stellten alles auf dem kleinen Nachttisch neben dem Bett ab. Shinichi setzte sich anschließend auf den Schreibtischstuhl und drehte ihn zu den anderen. Kaito richtete sich ein wenig auf.

"Ah, der Service funktioniert.“

"Du kannst auch selber laufen“, meinte Heiji.

"Ich bin Gast.“

"Du bist ein Parasit.“ Gelächter ging durch das Zimmer. Heiji setzte sich schließlich neben Kazuha auf das Bett. Es war groß genug, dass genügend Platz blieb, doch für einen kurzen Moment spürte sie trotzdem, wie nah er plötzlich wieder war. Er lehnte sich anschließend entspannt nach hinten gegen die Wand. Die Gespräche nahmen schnell wieder Fahrt auf. Kaito erzählte eine übertriebene Version seines angeblichen Lasertag-Sieges, während Aoko ihn immer wieder korrigierte. Ran und Shinichi mischten sich ein und bald redeten wieder alle durcheinander. Kazuha musste über eine von Kaitos Geschichten lachen. Heiji hörte dem Gespräch nur halb zu. Sein Blick wanderte kurz durch den Raum und blieb dann für einen Moment an ihr hängen. Sie saß neben ihm auf dem Bett, leicht nach vorne gelehnt, während sie lachte. Eine gelöste Haarsträhne war aus ihrem Zopf gerutscht und fiel ihr ins Gesicht. Das warme Licht des späten Nachmittags fiel durch das Fenster und ließ ihr Haar leicht schimmern. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick einfach dort. Als hätte sie es gespürt, drehte Kazuha den Kopf leicht zur Seite. Ihre Blicke trafen sich. Heiji lächelte. Es war kein großes, übertriebenes Grinsen, eher dieses ruhige, vertraute Lächeln, das nur ihr zu gelten schien. Dann streckte er ganz selbstverständlich eine Hand aus und nahm ihre. Kazuhas Herz machte einen kleinen Sprung, doch sie sagte nichts. Ihre Finger schlossen sich vorsichtig um seine. Kaito war gerade mitten in einer besonders dramatischen Beschreibung seines angeblichen Lasertag-Sieges. Ran lachte leise und Shinichi schüttelte nur amüsiert den Kopf von dem Schreibtischstuhl aus. Heiji mischte sich schließlich ebenfalls ein.

"Das war kein taktisches Manöver, Kaito“, meinte er trocken.

'Du bist einfach panisch gerannt.“ Gelächter ging durch das Zimmer.

Während das Gespräch weiterging und die Stimmen der anderen sich überschnitten, lehnte Heiji sich wieder etwas entspannter gegen die Wand zurück. Seine Hand lag noch immer in Kazuhas. Und er ließ sie auch nicht los. Das Lachen der anderen erfüllte sein Zimmer, während draußen langsam der Nachmittag über Osaka weiterzog.



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Kommentare zu dieser Fanfic (3)

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Von:  Mayachan_
2026-03-12T07:58:19+00:00 12.03.2026 08:58
Ich musste lachen als Aoko und Kaito am diskutieren waren und Heiji dann Kaito abgeschossen hat 🤣 ich könnte mir das richtig vorstellen wie entsetzt Kaito aussah als er getroffen wurde weil er nur am diskutieren war 🤣
Ich fand das sehr schön auch dieser kleine Moment zwischen Heiji und Kazuha 😁
Von:  Mayachan_
2025-10-05T21:32:57+00:00 05.10.2025 23:32
Sag mal wo kriegste die Sprüche von Kaito immer her ? Ich komme oft aus dem lachen oder grinsen nicht mehr heraus xD
Von:  Mayachan_
2025-09-21T19:02:12+00:00 21.09.2025 21:02
Ich finde es toll das die Story wieder geschrieben wird 🙂
Ich mag ja eh alle deine Geschichten und freue mich über jede 😉
Bin gespannt was als nächstes kommt und wie das erste Treffen laufen wird in Osaka ☺️


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