Auf den Hund gekommen
Auf den Hund gekommen
Koushi war über den Jahreswechsel zu seinen Eltern nach Miyagi gefahren. Tetsurou hingegen besuchte seine eigene Familie in Tokyo. Da sie noch nicht so lange zusammen waren, war noch keine Routine dabei, welche Familie sie jetzt besuchten, aber für das nächste Jahr hatten sie sich vorgenommen, dass sie den Jahreswechsel zusammen verbringen wollten. Immerhin waren sie ja inzwischen auch so etwas wie eine Familie.
Der Lehramtsstudent genoss es aber auch, dass er wieder in seine Heimat war. Er traf ein paar alte Freunde und tauschte sich mit ihnen aus, wie es ihnen so ergangen war. Ein wenig fühlte er sich dadurch in seine Schulzeit zurückversetzt. Es war eine schöne Zeit für ihn. Gleichzeitig verbrachte er auch viel Zeit mit seiner Familie und so nahm seine Mutter ihn mit zu einer Freundin, deren Hündin vor Kurzem Welpen bekommen hatte. Eine der kleinen Shiba Inu-Hündinnen hatte es Koushi dabei besonders angetan. Sie war die einzige mit schwarzen Fell aus dem Wurf.
„Die Kleine hat wirklich einen Narren an dir gefressen“, meinte Mei, die Freundin seiner Mutter zu ihm, als Koushi sie und die Hunde noch einmal besuchte, bevor er zurück nach Tokyo fahren würde. Besagte Hündin hatte es sich auf seinem Schoß bequem gemacht, während ihre Geschwister unter den wachsamen Augen ihrer Mutter miteinander spielten. Mit einem wehmütigen Lächeln sah er Mei an.
„Ganz ehrlich, ich würde sie liebend gerne mitnehmen“, gab er zu, auch wenn die Kleine dafür noch etwas jung war. Ein paar Wochen würden die Welpen noch bei ihrer Mutter bleiben müssen, bevor sich Mei nach zukünftigen Besitzer für sie umsehen würde.
„Sobald sie alt genug ist, würde ich sie dir gerne geben, Koushi. Ich wüsste ja, dass sie bei dir ein gutes Zuhause bekommt.“ Mei sah ihn abwartend an. Er unterdrückte einen Seufzer, da er zu gerne sofort ja gesagt hätte. Aber er konnte die Entscheidung nicht allein treffen.
„Ich würde dir liebend gerne sofort zusagen, Mei-san, aber ich muss erst einmal mit meinem Partner darüber sprechen. Immerhin wohnen wir zusammen, da muss er natürlich auch damit einverstanden sein.“ Wenn er wirklich einen Hund wollte, dann musste er vorerst mit Tetsurou darüber sprechen. Er konnte seinen Freund nicht vor vollendete Tatsache setzen. Auch wohnten sie nur in einer Wohnung – da mussten sie es sich doppelt gut überlegen, damit die Kleine auch genug Auslauf bekam.
„Dann rede mit ihm und gib mir dann Bescheid. Wie gesagt, ich würde mich sehr darüber freuen, wenn sie zu dir kommt. Sie fühlte sich ja jetzt schon so wohl bei dir.“ Mei lächelte ihn aufmunternd an. Koushi nickte und sah dann hinunter zu der kleinen Hündin auf seinem Schoß, die leise vor sich hin schnarchte. Er strich ihr sanft über den Kopf. Ja, wenn er wieder in Tokyo war, würde er ernsthaft mit Tetsurou über das Thema Hund sprechen.
~ ♡ ~
„Du, Tetsu?“ Der Angesprochene sah Koushi fragend an. Tetsurou hatte seinen Freund vom Bahnhof abgeholt und danach hatten sie etwas gegessen, ehe sie es sich im Wohnzimmer bequem gemacht hatten. Der Größere hatte einen Arm um ihn gelegt, sodass er bis eben seinen Kopf gegen seine Schulter gelehnt hatte. Jetzt hatte er ihn gehoben, um dem Jüngeren ins Gesicht zu sehen.
„Ja?“ Tetsurou schenkte ihm ein sanftes Lächeln. Er war sehr glücklich darüber, dass er nun wieder hier war. Er hatte ihn die Zeit über sehr vermisst.
„Ich möchte einen Hund.“ Der Managementstudent blinzelte schnell. Hatte er sich da gerade verhört? Das kam so aus dem Nichts.
„Ein Hund? Wie kommst du denn darauf?“
„Na ja, das ist eigentlich ganz einfach“, begann Koushi und richtete sich auf, womit Tetsurou nicht ganz einfach verstanden war, da er den Körperkontakt nicht verlieren wollte. Aber die Antwort machte ihn genauso neugierig.
„Als ich in Miyagi war, war ich öfters bei einer Freundin meiner Mutter, Mei-san. Ihre Hündin hat vor Kurzem Welpen bekommen und die waren schon ziemlich süß und-“
„Und du hast dich in einen von ihnen verliebt, richtig?“ Tetsurou konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es war schon niedlich, wie verlegen sein Freund wurde, während er weitererzählte, so als wäre es bei etwas ertappt wurden, was er nicht hätte tun sollen.
„Ja, aber total. Schau sie dir bitte einmal ein.“ Koushi holte sein Handy hervor und reichte es ihm mit der geöffneten Fotogalerie. Es waren sicher zehn bis fünfzehn Fotos von der schwarzen, kleinen Hündin. Einige von ihnen waren eindeutig auf dem Schoß seines Freundes entstanden. Tetsurou verstand schon, warum er sich in sie verliebt hatte, aber er hatte gleichzeitig auch noch andere Dinge im Hinterkopf, die sie beachten mussten. Immerhin hatte sein Vater früher auch Hunde gehabt, daher wusste er ein wenig über die Erziehung.
„Sie ist wirklich sehr süß. Aber dir ist schon klar, was es bedeutet, wenn wir sie zu uns holen, oder? Wir müssen regelmäßig mit ihr spaziergehen, uns um die Erziehung kümmern und einfach so wegfahren ist dann auch nicht mehr“, zählte er auf, was sie im Hinterkopf behalten mussten. Koushi nickte.
„Natürlich, das ist mir bewusst. Und ich habe auch nicht erwartet, dass du sofort Luftsprünge machst, wenn ich mit dieser Idee um die Ecke komme. Aber ich würde mich freuen, wenn du darüber nachdenkst.“ Tetsurou nahm seine Hand und drückte sie sanft.
„Ja, ich werde darüber nachdenken. Lass mich ein bisschen Zeit, okay? An sich finde ich die Idee auch wirklich schön, nur möchte ich nichts überstürzen“, gab er noch einmal seine Meinung dazu preis.
„Danke, Tetsu.“ Koushi lehnte sich nach vorne und küsste ihn. Sie würden schon eine Lösung dafür finden, dessen waren sie sich beide sicher.
~ ♡ ~
Aber Tetsurou blieb nicht die Zeit über die Sache mit dem Hund nachzudenken, die er sich gewünscht hätte. Ein anderes Problem trat auf, welches zuerst seine Aufmerksamkeit erforderte. Dabei würde er es nicht unbedingt als Problem bezeichnen, sondern mehr als Bokutos Vorstellung von Romantik, die mit der von Kenma kollidierte.
„Kubro, ich weiß einfach nicht, was ich noch machen soll! KenKen weist jeden meiner Vorschläge ab!“ Tetsurou seufzte. Er musste sich noch an den Spitznamen gewöhnen, den sein Bro seinem besten Freund gegeben hatte. Er war sich nach wie vor nicht sicher, was er von ihrer Beziehung halten sollte, aber er sah auch, wie glücklich Kenma war. Und das freute ihn sehr. Bokuto und er saßen im Zimmer der Eule, da Koushi in ihrer Wohnung in Ruhe für eine Klausur lernen wollte.
„Ich verstehe immer noch nicht so ganz, was dein Problem ist, Bro. Ich meine, Kenma und du verbringt doch sehr viel Zeit miteinander. Schläfst du nicht sogar fast jede Nacht bei ihm? Warum willst du dann um jeden Preis auf ein Date mit ihm gehen?“ Okay, irgendwo verstand er es schon, da so ein Date nun einmal mit Romantik verbunden war, aber wenn er ehrlich war, konnte er sich Kenma nicht auf einem Date vorstellen. Gleichzeitig biss sich Bokuto gerade an dieser Tatsache gerade die Zähne aus.
„Er schmettert jeden meiner Vorschläge ab, die ich ihm mache. Letztens wollte ich mit ihm essen gehen, aber er hat gemeint, dass wir doch lieber in Ruhe etwas bestellen können.“
„Das passt zu Kenma. Er ist früher auch nie gerne essengegangen. Ich glaube kaum, dass er etwas daran ändern würde, da ihr jetzt zusammenseid“, nahm Tetsurou ihm dort den Wind aus den Segeln. Bokuto wirkte nicht glücklich darüber.
„Okay, okay! Aber ins Kino wollte er auch nicht mit mir gehen! Er hat gesagt, dass wir uns doch lieber den Film zuhause ansehen können! Das wäre so viel bequemer!“ Er trieb sich damit richtig hoch und der Managementstudent musste ein Lachen unterdrücken. Das meinte er noch nicht einmal böse. Er sah es gerne, wie sehr sich der Sportstudent um Kenma bemühte. Vielleicht sollte er auch mal ein ernstes Wort mit seinem besten Freund wechseln, dass er auch mal aus Bokutos Bedürfnisse in diesem Punkt eingehen sollte.
„Vielleicht solltest du Kenma nach seinen Ideen für ein Date fragen“, mischte sich da eine weitere Stimme in ihr Gespräch ein. Tetsurou und Bokuto, die bis eben einander angesehen hatten, wandten sich zur offenstehenden Zimmertür, in der Konoha lehnte.
„Konoha! Erschrick uns doch nicht so!“, beschwerte sich Bokuto lautstark, der wohl doch sehr in seinen Gedanken gefangen gewesen war. Als Antwort streckte ihm sein Mitbewohner nur die Zunge raus.
„Jetzt beruhig dich mal, Bro“, sagte Tetsurou beschwichtigend zu ihm, ehe er zu Konoha sah, „Ich finde, dass er einen Punkt hat. Hast du schonmal mit Kenma nach seinen Ideen für ein Date gefragt?“ Anhand der Reaktion des Älteren bemerkte er, dass ins Schwarze getroffen hatte. Bokutos Haare sackten ein wenig in sich zusammen und er verschränkte trotzig die Arme vor seiner Brust.
„Konoha soll selbst erst einmal ein Date mit Akaashi haben! Dann darf er auch mitreden!“
„Vielleicht habe ich das ja gleich und will mich nur kurz von euch verabschieden.“ Tetsurou sah Konoha daraufhin erstaunt an. Er hatte zwar mitbekommen, dass sich seit der Weihnachtsfeier etwas zwischen ihm und Akaashi etwas verändert hatte, aber er hatte sich damit gerechnet, dass sie schon auf Dates gingen. Konoha war wohl doch ein ziemlich schlauer Fuchs, wenn er den hübschen Literaturstudenten so um den kleinen Finger gewickelt hatte.
„Was?!“, entfuhr es Bokuto, der wohl nicht minder erstaunt über diese Tatsache war.
„Bis später dann.“ Konoha winkte ihnen kurz noch, bevor er sie wieder allein ließ. Erstaunt und fassungslos sahen sie ihm nach. Kurze Zeit später hörten sie, wie die Wohnungstür geöffnet und dann wieder geschlossen wurde.
„Ich glaub es nicht…“ Der Sportstudent schüttelte den Kopf. Tetsurou zuckte nur mit den Schultern.
„Konoha macht wohl Nägeln mit Köpfen“, meinte er und wandte sich wieder seinem Kumpel zu, „Aber zurück zu dir: an deiner Stelle würde ich Kenma einfach mal darauf ansprechen, was er sich für ein Date vorstellen könnte.“
„Meinst du wirklich?“ Unsicher sah er ihn. Tetsurou nickte.
„Ja, meine ich wirklich. In einer Beziehung ist Kommunikation am wichtigsten. Und ich glaube, dass müssen Kenma und du noch ein bisschen lernen. Aber dass du dir schon einmal Gedanken machst, ist da der richtige Schritt.“ Er konnte Bokuto ja nicht nur die ganze Zeit kritisieren, zumal er seine Gedankengänge schon sehr lobenswert fand. Durch das Lob erhellte sich auch wieder der Blick seines Gegenübers.
„Ich werde dafür sorgen, dass KenKen und ich das beste Date haben, was die Welt jemals gesehen hat!“
~ ♡ ~
Kenma bemerkte sehr deutlich, dass seinen Freund etwas umtrieb. Das hatte er schon gemerkt, als er seine Wohnung betreten hatte. Wie immer war Bokuto zu ihm gekommen, um ihm beim Zocken zuzusehen. Vielleicht würden sie später auch noch zusammen etwas spielen, aber gerade gab sich Bokuto damit zufrieden, dass er seinen Kopf auf Kenmas Schoß legen durfte. Ihm war schnell bewusst geworden, dass sein Freund jemand war, der viel Körperkontakt einforderte. Daran musste er sich erst einmal gewöhnen.
„KenKen?“, durchbrach der Ältere irgendwann die Stille zwischen ihnen. Kenma hatte gerade einen Zwischenboss besiegt, daher konnte er das Spiel jetzt ohne Probleme pausieren. Ihm war jetzt schon öfters aufgefallen, dass Bokuto immer auf solche Momente wartete, wenn er ihn ansprach. Das wusste er sehr zu schätzen.
„Hm?“, machte er und sah zu seinem Freund hinunter, der sich aber jetzt aufsetzte. Ein klein wenig vermisste Kenma die Nähe jetzt schon.
„Gehen wir auf ein Date?“ Mit großen Augen sah Bokuto ihn an. Dieses Gespräch hatten sie in letzter Zeit schon öfters geführt. Er verstand nicht, warum er so heiß darauf war, auf ein Date zu gehen. Er verstand den Sinn dahinter nicht, wenn sie doch sowieso viel Zeit miteinander verbrachten.
„Du weißt, dass ich nicht so gerne in Restaurants gehe, und Kinos finde ich auch nicht so toll…außerdem verbringen wir doch hier viel Zeit zusammen. Das ist doch in Ordnung“, gab er seine Meinung preis. Bokutos Haar verlor etwas von seiner Standkraft – es war immer wieder erstaunlich für Kenma, wie er seine Gefühle nur anhand seiner Haare lesen konnte.
„Aber das machen wir immer! Ich will mit dir ausgehen und irgendwo Zeit verbringen. Ich schaue dir gerne beim Zocken zu und liebe es, wie wir hier zusammensitzen, aber ich möchte auch mal etwas anderes machen…Kubro hat zu mir gesagt, dass Kommunikation in einer Beziehung wichtig ist. Und daher kommuniziere ich jetzt mit dir.“ Der Gamer verzog das Gesicht. Er musste dringend ein ernstes Wort mit seinem besten Freund wechseln. Er wollte nicht, dass dieser sich in seine Beziehung einmischte. Leider musste er auch zugeben, dass er recht hatte. Er wusste ja, dass man mit den Menschen kommunizieren musste. Und da Bokuto ihm besonders am Herzen lag, wollte er das nicht in den Sand setzen.
„…Ist es dir denn so wichtig, dass wir auf ein Date gehen?“
„Sehr wichtig! Ich will dich einfach verwöhnen, KenKen. Ich will, dass wir einen tollen Tag verbringen, wo es nur uns beide gibt. Und ich will, dass wir beide ganz viel Spaß dabei haben.“ Die Eindringlichkeit in Bokutos Augen ließ Kenmas Herz einen kurzen Satz machen. Schnell wandte er den Blick ab, griff aber nach der großen Hand seines Freundes.
„…Wenn es dir wirklich so wichtig ist, dann gehe mit mir in die Arcade-Halle in der Stadt. Das würde mir sehr viel Spaß machen. Besonders mit dir zusammen.“ Er drückte die Hand seines Freundes, um ihn zu signalisieren, dass er verstanden hatte, warum es ihm so wichtig war.
„KenKen! Das macht mich so glücklich!“ Bokuto konnte sich nicht mehr zurückhalten und schlang die Arme um ihn. Kenma ließ es gerne geschehen und kuschelte sich an ihn. Ja, ein Date in der Arcade-Halle klang gar nicht schlecht.
~ ♡ ~
„Er hat es ja wirklich geschafft“, sagte Tetsurou zu sich selbst, als er durch sein Handy scrollte. Gerade hatte er Bokutos Post über sein Date mit Kenma gesehen. Die beiden waren heute in einer Arcade-Halle und er sah, dass die beiden eindeutig ihren Spaß hatten.
„Wer hat was geschafft?“, fragte Koushi, der gerade mit zwei Tassen Tee zurück ins Wohnzimmer kam. Er stellte die Tassen auf dem Wohnzimmertisch ab und ließ sich neben seinem Freund nieder. Automatisch legte der Größere einen Arm um ihn. Er zeigte ihm den Post.
„Bokuto. Er hat endlich sein Date mit Kenma, welches er unbedingt haben wollte. Ich freu mich für die beiden“, antwortete er ihm. Koushi betrachtete den Post und lächelte.
„Süß. Du hast den beiden ein bisschen geholfen, oder?“ Tetsurou schmunzelte.
„Du kennst mich zu gut, aber im Endeffekt habe ich eigentlich nur zur Bokuto gesagt, dass Kommunikation in einer Beziehung am wichtigsten ist. Er scheint meinen Rat beherzigt zu haben.“
„Hhm, das ist wohl war.“ Koushi bettete seinen Kopf an Tetsurous Schulter. Dieser strich ihm sanft über die Seite. Sie ließen den Abend entspannt ausklingen. Der Managementstudent genoss gerade auch ein wenig die Ruhe zwischen ihnen, aber es gab noch etwas, was ihn in den letzten Tagen umgetrieben hatte.
„Kou?“, durchbrach er die Stille.
„Ja?“ Er hob den Kopf ein wenig und sah zu ihm auf.
„Fahren wir nächstes Wochenende nach Miyagi. Ich möchte mir den Hund ansehen.“ Koushi rückte von ihm ab und sah ihm mit großen Augen an.
„Ist das dein Ernst, Tetsu?“
„Ansonsten würde ich es nicht sagen. Ich würde mich freuen, wenn unsere Familie wächst.“ Er lehnte sich nach vorne und küsste Koushi. Der Gedanke an Wachstum in ihrer kleiner Familie gefiel ihm sehr.
Zwei Wochen später zog die kleine Emi bei ihnen ein.
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Kleiner Fun-Fact: Emi existiert schon seit 2021 und hatte dort ihren ersten Auftritt in meinem damaligen Adventskalender und sollte eigentlich noch in einer Story auftauchen, die ich nie geschrieben habe.
So darf sie nun hier mitmischen ;)
Schokoherzen und Marzipanliebe
Schokoherzen und Marzipanliebe
Akinori konnte sich wirklich selbst auf die Schulter klopfen, wie das zwischen Akaashi und ihm lief. Der Jüngere hatte ihn darum gebeten, dass er auf ihn warten würde, und daran hielt er sich auch. Er drängte ihn zu nichts und dafür war er inzwischen auch belohnt wurden: Akaashi und er gingen regelmäßig miteinander aus.
Es hatte alles damit begonnen, dass der Literaturstudent ihn Mitte Januar gefragt hatte, ob sie abends etwas miteinander essen gehen wollten. Akinori hatte schneller ja gesagt, als Akaashi wohl damit gerechnet hatte. Es war ihm im Nachhinein auch etwas peinlich gewesen, dass er so schnell gewesen war, aber der Jüngere hatte darüber lachen können. Seitdem gingen sie mindestens einmal in der Woche miteinander aus. Mal war es ein Besuch im Kino, mal gingen sie essen, mal gingen sie einfach spazieren und sprachen über Gott und die Welt.
Es war wirklich schön und Akinori war an sich auch sehr zufrieden mit seiner Situation, dennoch…
Er wünschte sich mehr. So viel mehr.
Aber Akaashi blockte jedes Mal ab, wenn Akinori Anstalten machte bei ihren Spaziergängen nach seiner Hand zu greifen oder im Kino den Arm um ihn legen wollte. Immer wenn er einen dieser Versuche startete und abgewiesen wurde, unterließ er es, danach weitere zu starten. Er wollte, dass das mit Akaashi funktioniert und ihn zu nichts zwingen. Trotzdem konnte er nicht den Gedanken niederkämpfen, dass er mehr wollte. Dabei fand er schon, dass er fürs Erste glücklich damit werden könnte, einfach Zeit mit Akaashi zu verbringen. Aber sein Egoismus stellte ihm immer wieder ein Bein.
Darum wollte Akinori diese Energie für etwas Positives nutzen, um Akaashi deutlich zu machen, wie wichtig er ihm inzwischen geworden war. Und da bald Valentinstag vor der Tür stand, wollte er Pralinen für ihn machen. Da er dies aber zuvor noch nie gemacht hatte, gab es nur eine Person, die er um Hilfe bitten konnte.
„Tendou?“ Als er seinen Nachbar im Flur sah, ergriff Akinori die Chance gleich am Schopf. Der Angesprochene blieb stehen und legte den Kopf zur Seite, während ein Grinsen auf seinen Lippen erschien.
„Akinori~ Was kann ich für dich tun?“ Neugierig blickte er ihn an und ging die letzten Stufen der Treppe hinauf, um direkt vor ihm stehen zu bleiben.
„Kannst du mir zeigen, wie man Pralinen macht?“, fragte Akinori sofort, da er nicht lange um den heißen Brei herumreden wollte. Er wusste, das Tendou davon ebenfalls kein Fan war. Die Neugierde auf dem Gesicht des Älteren wurde größer.
„Oho? Du willst für Pralinen machen? Für Valentinstag, richtig? Aber für wen?“ Und schon prasselten die Fragen auf ihn nieder. Akinori musste ein Seufzen unterdrücken, aber da er sich gut überlegt hatte, Tendou um Hilfe zu bitten, hatte er mehr oder minder damit gerechnet. Vor allem konnte er sich auch vorstellen, dass sein Nachbar aus seinem Mund hören wollte, dass die Pralinen für Akaashi waren. Immerhin war es ein offenes Geheimnis im Haus, dass sie öfters miteinander ausgingen.
„Ja, für Valentinstag. Und sie sind für Akaashi. Ich will an Valentinstag etwas Besonderes für ihn machen. Ich will ihm zeigen, wie wichtig er mir inzwischen ist.“ Es fühlte sich gut an, diese Worte so direkt auszusprechen. Das war sein Ziel, Akaashi zu zeigen, dass er ihm wichtig war. Natürlich hatte er dabei auch immer im Hinterkopf, dass der Jüngere nach wie vor an seiner Trennung zu knabbern hatte, weshalb es ihm umso wichtiger war. Er wollte Akaashi auch dabei helfen, zu heilen. Tendou lachte verzückt.
„Du bist schon sehr süß, Akinori. Also gut, ich werde dir helfen. Wir treffen uns am dreizehnten bei mir oben in der Wohnung und dann zeige ich dir alle wichtigen Sachen. Außerdem können die Pralinen so einen Tag gut durchziehen und sind dann noch leckerer.“ Als er die Zustimmung bekam, erschien auch ein zufriedenes Lächeln auf Akinoris Lippen.
„Danke, Tendou. Wirklich!“ Sein Nachbar winkte ab und grinste bloß.
„Kein Problem. Junger Liebe helfe ich doch immer gerne~“
~ ♡ ~
Satori kicherte zufrieden vor sich hin, während er die Treppe hinauf zu seiner Wohnung ging. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er von Konoha gefragt werden würde, ob er ihm beim Pralinen machen helfen würde. Da Satori seine Leidenschaft gerne teilte, hatte er gerne zugestimmt. Außerdem war er gespannt darauf, was er Konoha noch über seine Beziehung zu Akaashi entlocken konnte. Er war wirklich investiert, was die beiden anging. Schon seit er ihrer Begegnung bei Akaashis Einzug beigewohnt hatte, hatte für ihn eins festgestanden: die beiden gehörten zusammen.
„Eita, ich bin wieder da!“, rief Satori, als er die Wohnung betrat. Er wusste, dass ein Mitbewohner längst zuhause sein musste.
„Ich bin in der Küche!“, kam die Antwort prompt und nachdem er seine Schuhe und Jacke ausgezogen hatte, ging er in die Wohnküche, wo Eita am Herd stand. In der Küche roch es sehr lecker.
„Oh, was machst du denn Schönes?“, fragte Satori und lehnte sich gegen die Küchenzeile. Eita blickte kurz von der Pfanne auf und lächelte ihn an.
„Eine Reispfanne mit dem restlichen Gemüse, was noch im Kühlschrank war. Willst du auch etwas?“
„Wenn du schon so fragst, sage ich natürlich nicht nein. Ich hatte übrigens gerade eine sehr interessante Begegnung auf dem Flur.“ Satori hielt natürlich nicht hinter dem Berg, was er gerade von Konoha gefragt worden war. Außerdem hatte ihm diese Begegnung auf eine Idee gebracht.
„Was für eine Begegnung denn?“, fragte Eita mit einer gewissen Neugierde in der Stimme.
„Konoha, der mich gefragt hat, ob ich ihm dabei helfe, Pralinen für Valentinstag zu machen“, erzählte er ihm und stützte sich mit dem Arme auf der Arbeitsplatte ab, während er seinen Ex-Freund fixierte, „Da habe ich mich gefragt, was sind eigentlich deine Pläne für den Tag der Liebenden? Oder hast du Shirabu noch gar nicht gefragt?“ Satori wackelte mit den Augenbrauen, während er auf die Antwort wartete. Eita sah ihn kurz skeptisch an, bevor er sich wieder der Pfanne zuwandte und sich räusperte.
„Natürlich habe ich ihn schon gefragt. Wir gehen auf ein Konzert“, begann er und stellte die Hitze am Herd runter, „Und danach…gehen wir zu ihm. Also brauchst du nicht mit mir zu rechnen.“ Satori lachte daraufhin und drückte sich von der Arbeitsfläche hoch.
„Oho~ Ihr habt also auch die Nacht zusammen geplant. Du bist mir vielleicht einer, Eita“, zog er ihn auf, wofür er einen finsteren wie peinlich berührten Blick erntete.
„Wir führen immerhin eine Beziehung miteinander, also ist das wohl normal…Was hast du eigentlich für Valentinstag geplant?“ Auch wenn Satori das Thema gerne noch vertieft hätte, ließ er den Themenwechsel doch gerne zu.
„Oh~ Wakatoshi und ich gehen essen, auch wenn er etwas erstaunt darüber ist, dass man diesen Tag so groß feiert. Zumindest als Paar. Von daher freue ich mich schon darauf, ihm den Zauber des Valentinstags näherzubringen.“ Und wie sehr sich Satori freute. Dies war auch ein weiterer Grund, warum er Konohas Bitte angenommen hatte, da er selbst Pralinen für seinen Liebsten machen wollte. Warum also nicht gemeinsam diesen Spaß genießen?
~ ♡ ~
Wie vereinbart, stand Akinori am dreizehnten Februar vor Tendous und Semis Wohnungstür und klopfte bei ihnen. Nicht eine Minute später wurde die Tür geöffnet und sein Nachbar strahlte ihn regelrecht an.
„Akinori~ Wie schön, dass du hier bist! Komm rein, komm rein“, lud er ihn ein und trat zur Seite, damit er in die Wohnung kommen konnte. Der Angesprochen musste schmunzeln. Er freute sich schon darauf, die Pralinen mit Tendou zu machen. Es würde sicher witzig werden und er konnte dabei noch etwas lernen.
„Danke nochmal, dass es geklappt hat, Tendou. Ich freue mich schon sehr auf heute.“ Er zog sich die Schuhe aus und folgte ihm in die Küche, wo er schon alles vorbereitet hatte. Interessierte beäugte Akinori die Zutaten, Schüssel und Utensilien, die Tendou hingestellt hatte. Er hatte ihm noch gefragt, was für Pralinen er machen wollte. Da es sein erstes Mal war, hatte Akinori damit geantwortet, dass er gerne etwas einfaches probieren wollte. Für ihn zählte mehr die Geste als der Aufwand.
„Gerne, gerne. Ich freue mich immer darüber, wenn ich das mit jemanden zusammenmachen kann. Eita wollte ja leider keine Pralinen für Shirabu machen. Ansonsten hätten wir es zu dritt gemacht.“ Tendou ging zur Spüle, um sich die Hände zu wachsen. Akinori tat es ihm nach.
„Es läuft ziemlich gut zwischen ihnen, oder?“ Er bekam zwar mit, dass die beiden immer wieder miteinander stritten, aber inzwischen da lag immer dieser flirtende Unterton darin.
„Sehr gut, würde ich sogar sagen. Ich freue mich darüber, dass Eita so glücklich mit ihm ist.“ Diese Aussage erstaunte den Jüngere dann doch, aber es sprach nur dafür, dass die beiden auch nach ihrer Trennung immer noch sehr gute Freunde waren.
„Und was genau machen wir jetzt?“, lenkte Akinori das Gespräch schließlich auf den Grund, warum er hier war. Als hätte er nur auf diese Frage gewartet, bereitete Tendou die Arme einladend aus.
„Für dich habe ich mir überlegt, dass wir Vollmilch- und Nougatpralinen machen. Die sind für den Anfang am einfachsten. Ich werde dich anleiten, während ich selbst ein paar Marzipanpralinen für meinen Valentinstag mache.“ Akinori wurde hellhörig, während Tendou damit begann, ihm zu zeigen, wie er die Schokolade am besten kleinschnitt und dann temperierte.
„Für deinen Valentinstag? Also machst du morgen etwas mit Ushijima?“ Im Gegensatz zu Tendou war er nicht so sehr in das Liebesleben anderer involviert, da er sich vollkommen auf Akaashi konzentrierte. Sein Nachbar nickte zufrieden, währen er das Marzipan mit seinen Hände bearbeitete.
„Ja, und ich freue mich schon sehr darauf. Aber sag mal, Akinori, wie gut läuft das jetzt zwischen Akaashi und dir? Ich bin da schon sehr interessiert“, machte Tendou keinen Hehl daraus, was er genau von ihm wissen wollte. Der Angesprochene sah auf die Schokolade, die er kleinschnitt.
„Ich würde sagen, dass es echt gut läuft. Besser, als ich am Anfang gedacht habe. Weißt du, er hat mich an Weihnachten gebeten, dass ich auf ihn warten soll. Und ich muss sagen, dass ich damals schon ein wenig Angst davor hatte, dass dies ewig dauern würde“, begann er zu erzählen.
„Ewig? Warum das denn?“
„Na ja, es klang so, als würde er noch einige Zeit brauchen, um sich wieder auf jemand einzulassen. Und ich glaube, dass er das immer noch braucht. Trotzdem war ich überglücklich, als er mich gefragt hat, ob wir nicht mal etwas essen gehen wollen. Weißt du, ich will einfach für ihn da sein und ihm zeigen, dass Liebe nicht wehtut.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, war es ihm gleich schon etwas peinlich. Er hatte bisher noch mit niemanden über diese Gedanken gesprochen. Tendou neben ihm kicherte und Akinori sah ihn an.
„Du bist wirklich sehr süß, Akinori. Akaashi kann sich sehr glücklich schätzen, dass er dich in seinem Leben hat. Ich wünsche euch beiden nur das Beste.“ Er klang aufrichtig, dass es dem Jüngeren das Herz erwärmte. Auch wenn er nicht so viel mit Tendou zu tun hatte, beschloss er in diesem Augenblick, dass er diese mögliche Freundschaft vertiefen wollte.
„Danke, Tendou. Ich wünsche dir und Ushijima auch nur das Beste.“ Er konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie glücklich die beiden auf ihrer Weihnachtsfeier gewirkt hatten. Sie wirkten wie ein Paar, welches Zukunft hatte. Tendou kicherte wieder.
„Auch dir danke, Akinori. Und jetzt lass uns die besten Pralinen machen, die unsere beiden Männern jemals probiert hatten.“ Akinori lachte.
„Aber natürlich!“
~ ♡ ~
Am Abend von Valentinstag stand Akinori vor Akaashis Wohnungstür und klopfte. In der anderen Hand hielt er die Schachtel mit den Pralinen in den Händen. Er war aufgeregt, wie der Jüngere darauf reagieren würde. Die Tür wurde geöffnet und der Bewohner sah ihn erstaunt an.
„Konoha-san? Was machst du denn hier? Waren wir verabredet?“ Er wirkte unsicher, ob er etwas vergessen hatte. Aber Akinori schüttelte den Kopf.
„Nein, waren wir nicht. Ich habe mir bloß gedacht, dass ich spontan vorbeikomme. Ich habe da etwas für dich. Darf ich reinkommen?“ Fragend sah er ihn an. Akaashi nickte und trat zur Seite. Nachdem er sich die Schuhe ausgezogen hatte, folgte der Ältere ihm ins Wohnzimmer.
„Alles Gute zum Valentinstag“, sagte Akinori da und überreichte Akaashi die Schachtel. Er besah sie mit großen Augen und schien nicht so recht zu wissen, was er sagen sollte.
„…Ich habe gar nicht daran gedacht, dass das heute ist…Ich habe nichts für dich, Konoha-san…“ Er wog die Schachtel ein paarmal in seinen Händen hin und her, wobei er ihn nicht ansehen wollte. Akinori lächelte. Er ging ein paar Schritte auf ihn zu und umfasste Akaashis Kinn, damit er ihn ansah.
„Du musst mir nichts besorgen, Akaashi. Ich wollte dir eine Freude machen, da ich dich gerne lächeln sehe.“ Verlegen wich der Jüngere seinem Blick aus, was Akinori zum Schmunzeln brachte. Er fand es süß, dass er ihn in Verlegenheit bringen konnte.
„Danke, Konoha-san. Sind sie selbstgemacht?“ Akaashi hob seinen Kopf wieder und ein kleines Lächeln erschien auf einen Lippen, welches das des Älteren nur größer werden ließ. Das fand er noch schöner.
„Ja, Tendou hat mir dabei geholfen. Ich fand es schöner, anstatt welche zu kaufen. Ich hoffe sehr, dass sie dir schmecken.“ Er ging wieder ein paar Schritte zurück, um ihm etwas Abstand zu gewähren.
„Das werden sie sicher. Ich weiß das sehr zu schätzen.“ Er legte die Schachtel auf dem Küchentresen ab und ging auf Akinori zu, der kurz irritiert war.
„Willst du sie nicht probieren?“ Er wollte sehen, wie gut sie Akaashi am Ende schmeckten. Er hatte beim Herstellen zwar probiert und sie hatten ihm geschmeckt, aber dies hatte ja nichts zu bedeuten. Für ihn war wichtig, dass sie seinem Date schmeckten.
„Gleich, erst einmal will ich mich richtig bei dir bedanken.“ Damit überbrückte Akaashi die letzten Zentimeter zwischen ihnen und küsste Akinori. Dieser hatte das Gefühl, dass sein Herz so schnell schlug, dass es ihm gleich aus der Brust springen musste. Er konnte nicht glauben, dass Akaashi ihn von sich aus küsste! Er hätte in diesem Augenblick nicht glücklicher sein können. Er legte die Arme um den Jüngeren und erwiderte den Kuss. Er hoffte, dass dieser Kuss niemals enden würde.
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Satori hatte den Abend mit Wakatoshi sehr genossen. Das Abendessen war in einen schönen kleinen Restaurant gewesen und sie hatten wieder einmal über Gott und die Welt gesprochen. Wobei Satori gesprochen hatte und Wakatoshi hatte zugehört, wobei er auch immer seine Meinung gesagt hatte, wenn er ihn danach gefragt hatte. Satori genoss seine Direktheit sehr und wusste, dass er immer ehrlich mit ihm sein würde.
Nach dem Essen hatten sie noch einen Spaziergang gemacht und waren jetzt in die Wohnung des Jüngeren gegangen. Dort hatte Satori Wakatoshi die Pralinen überreicht, die dieser sofort probiert hatte. Sie hatten ihm sehr gut geschmeckt, was den Hersteller sehr gefreut hatte.
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du zuvor die Bedeutung von Valentinstag gekannt hast. Auch wenn du noch nie ein Beziehung gehabt hast, finde ich es doch sehr erstaunlich“, sagte Satori ehrlich zu ihm, als er sich auf dem Sofa an ihn gekuschelt hatte. Neugierig sah er ihn an. Wakatoshi zuckte mit den Schultern.
„Ich hatte einfach kein Interesse daran. Aber mit dir diesen Tag zu verbringen, war wirklich sehr schön, Satori.“ Er küsste ihn kurz. Satori kicherte in den Kuss und kuschelte sich noch mehr an ihn.
„Ich fand ihn auch sehr schön, Wakatoshi. Lass uns öfters solche Date Nights machen, ja? Auch unabhängig vom Valentinstag“, schlug er vor. Sein Partner nickte zustimmend.
„Das ist eine gute Idee. Aber da gibt es noch eine andere Sache, die ich dich gerne fragen würde, Satori.“ Er strich ihm durch die Haare und sah ihn abwartend an. Satori legte den Kopf leicht schief und lehnte ihn gegen die große Hand seines Freundes.
„Frag mich ruhig~ Ich beantworte dir sie gerne~“
„Willst du zu mir ziehen?“ Satori blinzelte schnell, als hätte er sich verhört. Kurz dachte er auch, dass Wakatoshi ihn aufziehen wollte. Aber es war nun einmal Wakatoshi. Der tat so etwas nicht.
„…Wakatoshi…“
Umzugspläne
Umzugspläne
„Wakatoshi hat mich gefragt, ob ich zu ihm ziehen will“, berichtete Satori Eita einige Tage nach Valentinstag. Sie saßen gerade gemeinsam in der Wohnküche auf dem Sofa und wollten sich einen Film ansehen. Erstaunt sah der Musiker seinen Ex-Freund an.
„Wie bitte? Wann das denn?“ So wie er Satoris neuen Freund inzwischen gelernt hatte, machte er nicht den Eindruck auf ihn, dass er so etwas sagen würde. Aber es gab ja immer wieder Überraschungen.
„An Valentinstag, als wir abends bei ihm waren. Er hat mich einfach so gefragt, ohne dass wir vorher mal darüber gesprochen haben. Aber er hat dann gemeint, dass er gerne jeden Tag mit mir verbringen möchte, und das fand ich sehr süß.“ Mit einem zufriedenen Lächeln sah Satori ihn an und Eita ging durch den Kopf, wie glücklich er in diesem Moment aussah. Er setzte sich auf. Ein wenig hatte er Angst vor dem, was gleich kommen würde. Immerhin hatten sie ausgemacht, dass sie bis zu ihrem Abschluss zusammenwohnen würden. Das wirkte auf einmal so hinfällig.
„Und was hast du daraufhin geantwortet?“
„Dass ich noch etwas Zeit brauche, um ihm eine Antwort zu geben. Ich meine, so lange sind wir ja noch nicht zusammen. Dennoch…Mir gefällt der Gedanke, mit ihm zusammenzuleben.“ Das Lächeln wurde größer und an seinem Blick erkannte Eita, dass er es sich schon ausmalte. Er schluckte. So sehr er sich auch für ihn freute, so fühlte er sich gleichzeitig auch vor den Kopf gestoßen.
„Ich freue mich ja wirklich für euch, aber…was wird dann aus unserer Wohnung? Und alles?“, hakte er vorsichtig nach. Die kommende Antwort bereitete ihm ein jetzt schon Bauchschmerzen. Satori legte den Kopf schief und sah ihn recht lange an.
„Darüber habe ich auch schon gedacht, Eita, keine Sorge. Ich würde diese Entscheidung niemals treffen, ohne vorher mit dir darüber gesprochen zu haben. Und vielleicht ist es etwas früh, aber vielleicht könntest du Shirabu fragen, ob er zu dir ziehen will.“ Eita blinzelte schnell.
„Das kann nicht dein Ernst sein, Satori! Ich glaube kaum, dass er ja sagen würde! Das mit uns…Es ist noch nicht so fest, dass ich ihm diese Frage stellen könnte!“ Er schüttelte heftig den Kopf. Nein, das konnte er seinen Freund einfach nicht fragen. Shirabu würde an die Decke gehen und das wollte er sehr gerne verhindern. Zwar hatte er nicht mehr das Gefühl, dass er sich bei jedem Wort genau überlegen musste, was er zu ihm sagte, aber so eine Sache…Nein, das ging nicht. Satori lachte bloß.
„Denk doch einfach mal drüber nach. Ansonsten kannst du dir einen anderen Mitbewohner suchen, wenn ich mich dafür entscheiden sollte, zu Wakatoshi zu ziehen. Es ist ja noch nichts in Stein gemeißelt.“ Eita konnte nicht sagen, ob ihm diese Idee besser gefiel. Die ganze Sache musste er wohl noch einmal richtig durchdenken. Und dann noch einmal mit Satori darüber sprechen.
~ ♡ ~
Natürlich begleitete ihn die Worte von Satori in seinem Alltag. Immer wieder dachte Eita darüber nach, wie es sein würde, wenn er mit Shirabu zusammenleben würde. Ihm gefiel der Gedanke, dass er ihn jeden Morgen und jeden Abend sehen konnte und noch mehr, dass er jede Nacht im gleichen Bett mit ihm schlafen würde. Es war schon sehr verlockend.
Und so dachte er auch daran, als er mit Shirabu in dessen Wohnung auf dem Bett lag und den Abend ausklingen ließ. Sein Freund benutzte seinen Oberarm als Kopfkissen, während er in ein paar Unterlagen aus seiner Vorlesung las. Eita selbst scrollt hin und wieder durch sein Handy, aber sein Blick lag meistens auf seinem Freund. Er mochte es ihm beim Lernen zuzusehen.
„Shirabu?“, fragte er dennoch. Vielleicht sollte er das Thema mit dem Zusammenziehen einfach ansprechen. Über die Idee zu sprechen, sollte hoffentlich zu keinen großen Probleme führen.
„Hmh?“, machte der Jüngere und sah von seinen Unterlagen auf. Eita lächelte ihn an und legte sein Handy beiseite, um ihn eine verlorene Haarsträhne aus dem Gesicht zu schieben.
„Was würdest du davon halten, wenn wir zusammenziehen?“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, setzte sich Shirabu auch schon ruckartig auf und sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren.
„Zusammenziehen?! Wie kommst du denn auf so etwas?!“ Er wirkte auf einmal richtig aufgebracht, was diese Aussage anging. Das irritierte den Älteren und er setzte sich ebenfalls auf.
„Na ja, Satori hat mit Wakatoshi darüber gesprochen und will eventuell zu ihm ziehen. Und da ist bei uns das Thema aufgekommen, dass du ja dann zu mir ziehen könntest.“ Damit war die Katze aus dem Sack. Wenn Shirabu jetzt schon so an die Decke ging, konnte er ihm auch die Wahrheit sagen.
„Sag mal, spinnst du, Semi-san?! Wir sind noch nicht ganz drei Monate zusammen und du redest schon vom Zusammenziehen! Das geht doch nicht!“ Der Medizinstudent stand vom Bett auf und ging ein paar Schritte von ihm weg. An seinem Gesichtsausdruck konnte Eita sehr gut erkennen, wie sehr ihn die Sache aufregte. Klar, da sie beide recht hitzköpfig waren, gerieten sie öfters aneinander, was meistens dann im Bett endete. Dieses Mal hatte er das Gefühl, dass sie vor dem ersten richtigen Streit in ihrer Beziehung standen. So stand er ebenfalls vom Bett auf und hoffte, noch irgendwie Schadensbegrenzung zu betreiben.
„Shirabu, bitte. Es ist nur ein Gedankenspiel und nichts, was ich jetzt von dir verlange. Aber ich finde den Gedanken schön und möchte deshalb mit dir darüber sprechen. Ohne irgendwelche Verpflichtungen.“ Sein Freund blieb stur.
„Vergiss es! Drei Monate sind einfach zu früh! Wir wissen ja noch gar nicht, ob das mit uns überhaupt hält!? Immerhin hast du dich auch von Tendou getrennt, obwohl ihr zusammengewohnt habt. Das könnte uns genauso gut passieren!“ Diese Worte trafen Eita. Mehr, als er es wohl wahrhaben wollte. Natürlich war er trauriger darüber gewesen, als Satori und er sich getrennt hatten, obwohl sie gerade erst zusammengezogen waren, aber dass Shirabu auf die Idee kam, dass ihnen das ebenso treffen konnte…Das saß.
„Wow, echt super, was für Hoffnung du in unsere Beziehung setzt. Ich hätte echt gedacht, dass wir an diesem Punkt schon vorbei wären.“ Auch wenn er niemand war, der eine Konfrontation mied, wollte er gerade am liebsten gehen.
„Ich bin nur realistisch! Mehr nicht. Ich will nur alle Eventualitäten abwiegen, bevor wir irgendwie überstürzen. Wir können in…“, Shirabu hielt inne und überlegte, „in einem Jahr oder so wieder darüber sprechen.“ Hört er da raus, dass die Stimme des Jüngeren leicht zitterte? Nein, das musste er sich einbilden. Sein Blick war weiterhin fest und undurchdringlich. Eita schüttelte den Kopf. Enttäuschung bereitete sich in ihm aus.
„Ich glaube, es ist am besten, wenn ich jetzt gehe, bevor das hier noch eskaliert. Du weißt jetzt, wie du dazu stehst, und ich werde das Thema nicht wieder ansprechen. Melde dich einfach bei mir, wenn du dich wieder beruhigt hast.“ Er drehte sich um und steuerte die Wohnungstür an. Er hatte immer noch die leise Hoffnung, dass Shirabu nach seiner Hand griff und ihm sagte, dass er bei ihm bleiben sollte.
Tat er aber nicht.
~ ♡ ~
Akira war froh, als er von der Universität nach Hause kam. Er hatte das Gefühl, dass der Tag heute einfach nicht herumgehen wollte. Jetzt wollte er sich nur noch aufs Sofa werfen, etwas essen und mit Tobio kuscheln, während sie ihre Serie weiterschauten. Mehr wollte er von diesem Abend nicht. Bevor er hoch in die Wohnung ging, sah er noch nach, ob sich Post in ihrem Briefkasten befand, aber dieser schien schon geleert worden zu sein. Das hieß, dass Tobio schon zuhause war. Bequem stieg Akira die Treppen in den ersten Stock hinauf und schloss die Wohnungstür auf.
„Tobio, ich bin zuhause“, sagte er in normaler Lautstärke und zog seine Schuhe aus. Jacke und Tasche wurden achtlos in die Ecke gestellt, während er die Wohnküche ansteuerte. Dort fand er seinen Freund auf dem Sofa sitzend vor. Er hielt einen Zettel in der Hand, den er genau studierte. Tobio hob den Kopf, sein Blick war unlesbar.
„Hallo Akira“, begrüßte er ihn, während der Jüngere an dem Couchtisch vorbeiging und sich neben ihn setzte.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte er, kaum wie er es sich auf dem Polster bequem machte. Der Ältere drehte den Zettel in seinen Händen und reichte ihm ihn dann.
„Ich weiß nicht so ganz. Lies dir das erst einmal durch.“ Die Skepsis in Akira wuchs. So kannte er Tobio gar nicht. Wenn irgendetwas war, sagte er ihm eigentlich immer sofort. Also nahm er ihm den Zettel ab, der sich als Brief entpuppte. Er stammte von einem Volleyballverein aus Okinawa. Er las sich ihn durch und schluckte dann.
„Du bist für ein Testspiele eingeladen wurden…mit der Chance, dass sie dich übernehmen werden“, fasste er für sich selbst zusammen, was er dort gelesen. Er sah auf und Tobio nickte.
„Ja. Mein Trainer hat gemeint, dass er Anfragen an verschiedene Vereine schickt. Sie sind die ersten, die mir eine Rückmeldung geschickt haben. Ich meine, es ist schon eine große Chance, aber…“
„aber du müsstest dafür nach Okinawa ziehen, wenn du für sie spielen willst“, beendete Akira den Satz für ihn. Sein Gegenüber nickte und sie sahen sich für einen Augenblick lang nur an. Er wusste nicht so recht, was er von dieser Situation halten sollte. Natürlich war sich Akira bewusst, dass es für Tobio der größte Traum war, endlich professionell Volleyball zu spielen. Er freute sich ja auch für ihn, aber er würde lügen, wenn es ihm nicht lieber wäre, wenn ein Verein in Tokyo sich um ihn bemühen würde.
„Willst du es denn versuchen?“, fragte er vorsichtig. Er hatte Angst vor der Antwort. Wenn Tobio nach Okinawa ziehen würde, fragte er sich, was das mit ihrer Beziehung machen würde. Er nahm sich fest vor, dass er nachsehen würde, wie groß die Entfernung zwischen Tokyo und Okinawa war.
„Ja, würde schon gerne zu dem Testspiel fliegen, um es mir wenigstens mal anzusehen. Das wäre in drei Wochen.“ Ganz glücklich sah Tobio auch nicht aus. Wahrscheinlich war ihm genauso bewusst, was es für ihre Beziehung bedeuten würde, wenn er sich für Okinawa entschied.
„…Akira, wenn du es nicht willst, dann…“ Wieder beendete Tobio den Satz nicht, aber er schüttelte den Kopf.
„Lass mich noch ein bisschen darüber nachdenken, okay? Ich weiß gerade nicht, was ich überhaupt denken soll. Ich freue mich für dich, aber ja…unsere Beziehung…wir würden uns dann nicht mehr jeden Tag sehen können.“ Jetzt sprach er seine Bedenken doch aus. Tobio nickte.
„Ja, lass dir die Zeit. Ich muss selbst auch noch darüber nachdenken.“ Aber irgendwie überkam Akira das Gefühl, dass er seine Entscheidung längst getroffen hatte.
~ ♡ ~
„Ich kann einfach nicht fassen, dass er mich gefragt, ob wir zusammenziehen wollen. Dabei sind wir noch keine ganzen drei Monate zusammen! Ist das denn zufassen?!“, machte Kenjirou in der Mittagspause seiner Laune Luft bei seinen Freunden. Er saß mit vor der Brust verschränkten Armen da und grummelte vor sich hin. Dass Semi überhaupt der Gedanke gekommen war, mit ihm zusammenzuziehen…Das ging einfach nicht in seinen Kopf. Futakuchi, der mit ihm am Tisch saß, war ihm einem skeptischen Blick zu.
„Und das erzählst du uns, weil…?“
„Weil ihr meine Freunde seid! Darum! Und ihr müsst mir den Rücken freihalten!“, behauptete er lautstark, obwohl er das eigentlich gar nicht wollte. Er wollte nur gesagt bekommen, dass er nicht überreagierte. Es war doch vollkommen normal, dass man sich so darüber aufregte.
„Du hast einen tollen Freundeskreis, Shirabu. Zwei Typen, mit denen du mal etwas hattest, Kawanishi und Yahaba.“ Futakuchi warf einen Seitenblick zu seinem Sitznachbar, der bis eben mit seinem Handy beschäftigt gewesen war. Er sah von diesem auf und ihn genervt an.
„Fick dich, Futakuchi. Echt.“
„Jederzeit, wenn du nur willst.“ Futakuchi wackelte mit den Augenbrauen und streckte ihm die Zunge raus. Yahaba gab ein würgendes Geräusch von sich.
„Zu meinem Freundeskreis zählt auch noch Yachi!“, mischte sich da Kenjirou wieder ein. Ihm war bewusst, dass Futakuchi irgendwo recht hatte. Und es war wahrscheinlich nicht die beste Entscheidung, dass er sowohl mit Futakuchi wie auch Terushima befreundet geblieben war, nachdem da mal etwas gelaufen war. Aber irgendwie…er hätte sie wahrscheinlich vermisst, wenn er den Kontakt abgebrochen hätte.
„Yachi zählt nicht, da sie Kawanishis Freundin ist“, schmetterte Futakuchi das Gesagte rigoros ab. Die Augen des Medizinstudenten wurden zu Schlitzen. Ein provozierendes Grinsen erschien auf den Lippen seines Gegenübers, was er früher einmal sehr anziehend gefunden hatte. Inzwischen gab es nur noch Semi für ihn.
„Aber um auf das zurückzukommen, was du gesagt hast, Shirabu“, richtete Yahaba da das Wort an ihn. Kenjirou wandte sich von Futakuchi ab und sah zu seinem zweitältesten Freund nach Taichi an.
„Ich bin der Meinung, dass du ziemlich übertreibst. Ich meine, Kentarou und ich sind nach zwei Monaten Beziehung zusammengezogen und es funktioniert super. Ich glaube ja eher, dass du Angst davor hast, Semi näher an dich ranzulassen. Deshalb hast du auch das mit Futakuchi wie mit Terushima an die Wand gefahren.“ Mit einem wissenden Blick Yahaba ihn an. Kenjirou schluckte.
„Recht hat er. Das mit uns hätte funktionieren können, Babe, wenn du es nur zugelassen hättest“, ein weiterer Spruch, den sich Futakuchi nicht verkneifen konnte.
„Boar, jetzt halt mal den Mund! Ich habe keine Angst vor Nähe oder so etwas! Ich finde einfach, dass Semi-san mich viel zu früh gefragt hat und damit basta! Mit mehr hat das nichts zu tun!“ Der wissende Blick wurde nun mit Futakuchi ausgetauscht, der zustimmend nickte. Kenjirous Grummeln wurde lauter und verfluchte seine Freunde innerlich.
Gleichzeitig konnte er sich aber nicht gegen die Tatsache wehren, dass Yahabas Worte doch etwas in ihm auslösten.
~ ♡ ~
„Pah…Angst vor Nähe…Das ist doch lächerlich…“, murmelte Kenjirou vor sich hin, als er auf dem Heimweg war. Da es Anfang März war, war noch recht frisch und er hatte sich einen Schal umgewickelt. Einen von Semi. Er hatte ihm ihn im Januar gegeben, als es draußen besonders kalt gewesen war.
Semi.
Kenjirou wusste immer noch nicht, was er mit dieser gesamten Situation machen sollte. Er wollte gerne wieder normal mit ihm reden, aber er befürchtete, dass das Thema Zusammenziehen wieder aufkam und alles kaputtmachte. Vielleicht hatte er doch Angst vor Nähe.
„Hast du irgendwie ein Problem?“, wurde er da aus seinen Gedanken gerissen. Ruckartig blieb er stehen und drehte sich um. Dort stand Kunimi, einer seiner Nachbarn. Er war wohl auch auf dem Weg zurück. Kenjirou runzelte die Stirn. Eigentlich war er in letzter Zeit immer in Begleitung von Kageyama. Er hatte mitbekommen, dass sie ungefähr so lange ein Paar waren wie Semi und er.
„Interessiert dich das wirklich? Oder suchst du nur ein Gespräch?“, blockte er sofort ab. Kunimi war nicht unbedingt jemand, dem er nahestand. Zu den meisten seiner Nachbarn pflegte er ein normales, aber distanziertes Verhältnis. Der Jüngere zuckte mit den Schultern und ging auf ihn zu.
„Ja, ich denke schon. Du wirkst irgendwie so, als müsstest du mit jemanden reden.“ Kenjirou sah zur Seite.
„Meine Freunde sind nur der Meinung, dass ich Angst vor Nähe hätte, nur weil ich nicht juhu geschrien habe, als Semi-san mich gefragt hat, ob wir zusammenziehen wollen.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. Es wäre wahrscheinlich besser für ihn gewesen, wenn er dieses Gespräch einfach abgebrochen hätte. Er wollte sich nicht noch mehr mit dieser Situation beschäftigen.
„Und hast du Angst vor Nähe?“ Er sah wieder auf. In Kunimis Blick konnte nicht lesen, was ihm gerade durch den Kopf ging. So etwas mochte Kenjirou nicht. Es machte ihn nervös.
„Und wenn es so wäre?!“, fauchte er, um Abstand zu bekommen. Ihm überkam das Gefühl, dass ihn dieses Gespräch entglitt. Normalerweise wirkte die Taktik auch immer. Aber nicht bei seinem Nachbarn.
„Dann ist das sehr schade. Ich würde nämlich gern noch länger mit Tobio zusammenleben, aber wahrscheinlich geht er nach Okinawa und dann müssen wir eine Fernbeziehung führen. Das will ich eigentlich, aber gleichzeitig will ich ihm auch keine Steine in den Weg legen.“ Der Medizinstudent blinzelte schnell aufgrund dieses Ausbruches von Kunimi. Denn so konnte man das wohl bezeichnen; er hatte ihn noch nie so viel reden hören. Auch kam es so aus dem Nichts, dass er es nicht einordnen konnte.
„Warum geht er nach Okinawa?“, fragte er deshalb. Ein wenig neugierig war er ja schon.
„Es stehen noch nicht ganz fest, aber ich glaube, dass er es tun wird. Er hat dort ein Angebot bekommen, um endlich professionell Volleyball zu spielen. Das ist sein größter Traum und an sich möchte ich auch, dass dieser Traum erfüllt wird.“ Der Jüngere sah ihn nun nicht mehr an, sondern starrte zu Boden. Kenjirou biss sich auf die Unterlippe. Okay, das war wirklich hart. Er hätte auch nicht gewusst, wie er darauf reagieren würde, wenn Semi mit so einer Nachricht zu ihm kommen würde.
„Und jetzt hast du Angst vor einer Fernbeziehung?“, fragte er vorsichtig. Das Gespräch war in eine Richtung gegangen, die er nicht mehr kontrollieren konnte. Aber gleichzeitig konnte er ihn nicht einfach so stehen lassen. Das wäre mies gewesen.
„Ja, habe ich. Ich weiß nicht, was es mit uns machen wird. Okinawa ist über tausend Kilometer von Tokyo entfernt. Ein Flug dorthin dauert zweieinhalb Stunden. Also kann ich dann nicht einfach so zu ihm fahren.“ Kunimi hob den Kopf wieder und zum ersten Mal konnte Kenjirou eine Regung in seinem Blick erkennen. Es war so etwas wie Trauer und Angst.
„…Das ist verdammt scheiße. Hast du denn schon mit ihm darüber gesprochen?“
„Ich weiß nicht, was ich zu ihm sagen soll.“ Das verstand er sehr gut.
„…Genauso geht es mir mit Semi-san. Und ja, vielleicht habe ich Angst vor Nähe, aber ich will ihn auch nicht wegstoßen. Aber ich glaube, das tue ich gerade.“ Er schluckte mit dieser Erkenntnis. Hatte er Semi wirklich schon von sich gestoßen?
„…So ähnlich geht es mir auch. Es ist komisch zwischen Tobio und mir geworden, seitdem dieser Brief angekommen ist.“ Schweigend standen sie nun da. Beide ihren eigenen Gedanken nachhängend und gleichzeitig jeweils eine Entscheidung treffend.
~ ♡ ~
Eita war gerade damit beschäftigt, Noten auf das Blatt zu übertragen. So ganz zufrieden war er noch nicht mit Verlauf der Melodie. Irgendetwas fehlte ihm noch. Da klingelte es plötzlich an der Wohnungstür. Satori war nicht da, weshalb er sich wohl oder übel von der Arbeit losreißen musste.
„Hoffentlich ist es etwas Wichtiges“, murmelte er, als er die Tür ansteuerte. Er erwartete keinen Besuch und wusste auch nicht, ob Satori schon wieder irgendetwas bestellt hatte. Aber als die Tür öffnete, staunte er nicht schlecht.
„Shirabu…Was machst du denn hier?“ Sein Freund und er hatte in den letzten Tagen nicht miteinander gesprochen. Das Thema Zusammenziehen stand immer noch zwischen ihnen.
„Hey, kann ich reinkommen?“, fragte er und wirkte dabei etwas unsicher. Eita stutzte. So kannte er ihn gar nicht und gleichzeitig erfüllte es sein Herz auch mit Wärme, dass er sich traute, ihm das zu zeigen.
„Klar, komm rein.“ Er trat zur Seite, damit Shirabu in die Wohnung kam. Eita überlegte, ob sie in sein Zimmer gehen sollten, als sich auch schon die Arme seines Freundes um ihn legten.
„…Tut mir leid, dass ich so scheiße zu dir war…“, murmelte er gegen seine Brust. Der Musiker blinzelte schnell, ehe er die Arme auch um ihn legte. Er sagte vorerst nichts, da er spürte, dass Shirabu noch etwas auf der Seele lag.
„…Ich habe wohl ein wenig überreagiert…aber ich habe Angst davor, was es mit uns macht, wenn wir es überstürzen…Ich will mich nämlich nicht von dir trennen.“ Er sprach nur so laut, dass Eita ihn hörte. Er drückte ihn an sich. Das hier war eine neue Art von Nähe für ihn.
„Ich will mich auch nicht von dir trennen. Kenjirou“, zum ersten Mal sprach er ihn mit Vornamen an, „Und ich habe auch nachgedacht. Ich verstehe, dass du Angst hast, nachdem Satori und ich uns von kurz nach unser Zusammenzug getrennt haben. Aber das waren andere Umstände. Die auf uns hoffentlich niemals zutreffen werden.“ Shirabu hob den Kopf und sah ihm ins Gesicht. Eita strich ihm sanft über die Wange.
„Außerdem habe ich noch einmal mit Satori darüber gesprochen und er hat sich jetzt dafür entschieden, dass er für eine Woche zu Ushijima ziehen will. Um das Zusammenleben auszuprobieren. Wir könnten das auch machen und dabei genau darauf achten, was uns so wichtig ist, wenn wir zusammenleben wollen.“ Er spürte, wie die Anspannung in Shirabus Körper ein wenig nachließ. Eita war gleichzeitig froh, dass er sich nicht von ihm löste. Er wollte ihn noch länger halten.
„Meinst du, dass das funktioniert?“, fragte er mit einer gewissen Skepsis in der Stimme.
„Wir wissen es nur, wenn wir es auch ausprobieren.“ Eita zuckte mit den Schultern. Sein Freund überlegte kurz und nickte schließlich.
„Okay, probieren wir es aus.“ Wie, um es zu besiegeln, küsste Shirabu ihn nun und Eita erwiderte diesen Kuss sehr gerne. Er hoffte, dass das mit dem Zusammenziehen klappte, da er gerne jeden Tag so mit Kenjirou verbringen wollte.
~ ♡ ~
„Akira, ich bin zuhause.“ Der Angesprochene blickte auf, als er hörte, wie sein Freund nach ihm rief. Er atmete tief durch. Heute wollte er endlich das Gespräch mit Tobio suchen.
„Ich bin auf dem Sofa“, rief er zurück und zog seine Beine aufs Polster, um sich in einen Schneidersitz zu setzen. Er lauschte darauf, was sein Freund tat. Er brachte erst einmal seine Sportsachen in Badezimmer, wohl um sie später zu wachsen. Dann hörte er, wie seine Zimmertür geöffnet wurde, damit er sich wohl umziehen konnte. Tobio schlief nur noch selten in diesem Zimmer, da Akira das größere Bett besaß, wo sie zu zweit mehr Platz hatten. Schließlich kam er in die Wohnküche. Fragend sah er ihn an.
„Ist etwas?“ Akira atmete ein weiteres Mal durch.
„Ich möchte gerne mit dir reden. Wegen der Okinawa-Sache.“ Vorsichtig nickte der Ältere und kam zu ihm aufs Sofa. Der Jüngere griff nach seiner Hand und drückte sie.
„Willst du dich trennen?“, fragte Tobio vorsichtig, aber Akira schüttelte schnell den Kopf. Er tat sich sehr schwer damit, was ihm so durch den Kopf ging, auszusprechen.
„Nein, ich will nicht trennen. Ganz sicher nicht. Und ich will dich unterstützen, egal, ob du dich für Okinawa entscheidest oder nicht. Aber ich habe auch Angst davor. Wir werden dann eine Fernbeziehung führen müssen und ich weiß noch nicht so recht, wie das ablaufen wird…Okinawa ist so weit weg…“ Zum Ende hin war er immer leiser geworfen. Nun war es Tobio, der seine Hand drückte.
„Ich weiß. Ich habe auch schon nachgesehen, wie lange es dauern würde, bis du zu mir kommen kannst oder ich wieder zu dir…Gleichzeitig möchte ich es nach wie vor gerne versuchen, also mit dem Testspiel. Und ich bin froh, dass du mich dabei unterstützen willst. Das bedeutet mehr unglaublich viel, Akira.“ Tobio lächelte ihn an. Akira lehnte sich nach vorne und bettete seine Stirn auf seiner Schulter.
„Meinst du, dass wir es schaffen werden?“
„Probieren wir es.“ Tobio griff nach seinem Kinn, um seinen Kopf wieder anzuheben. Sie sahen einander an.
„Okay, probieren wir es.“ Er lehnte sich nach vorne und küsste ihn. Akira hoffte sehr, dass sie es schafften.
Mitbewohner gesucht
Mitbewohner gesucht
Tetsurou hasste Umzüge. Vor allem, wenn er sich dafür ausgesprochen hatte, zu helfen. Und noch mehr hasste er sie, wenn sie innerhalb seines Hauses passierten, aber als guter Vermieter half er nun einmal dort, wo er konnte. Im April wurde ihm dennoch zu viel umgezogen.
„Noch ein kleines Stück, dann schafft ihr die Kurve“, leitete Koushi ihn und Bokuto von oben an. Am anderen Ende halfen Semi und Ushijima Shirabus Schreibtisch in die Dachgeschosswohnung zu bringen. Aufgrund der Tatsache, dass die Treppe nach oben hin enger wurde, mussten sie das Möbelstück irgendwie zu viert nach oben schaffen.
„Ich glaube, ihr müsst die Füße noch ein bisschen anheben, um über das Geländer zu kommen“, mischte sich jetzt Shirabu von unten ein, wobei seine Worte eindeutig an Semi und Ushijima gerichtet waren. Er stand gemeinsam mit Tendou, der wie er eine Kiste trug, hinter ihnen. Der Ältere der beiden war am vergangenen Wochenende zu seinem Freund gezogen, weshalb jetzt Shirabus Umzug in die Dachgeschosswohnung und damit zu Semi anstand. Für Tetsurou bedeutete dies, dass er sich nach einem neuen Mieter für Shirabus Wohnung umsehen musste.
Und dies war nicht die einzige Baustelle, mit der sich gerade herumschlagen durfte. Heute war auch der Tag, wo Kageyama auszog. Er hatte den Vertrag bei der Mannschaft in Okinawa unterschrieben und würde im Mai offiziell sein Training dort beginnen. Aber da er zuvor noch einige Dinge klären musste, zog er schon Mitte April auf die Insel. Kunimi hatte seinen Freund zum Flughafen begleitet. Koushi hatte noch gefragt, ob sie noch jemanden dabei haben wollten, aber sie hatten abgelehnt. Sie brauchten diesen Moment wohl noch für sich. Tetsurou hatte auch Kunimi versprochen, dass er ihm dabei helfen würde, einen Mitbewohner für die WG zu finden. Für den Vermieter hieß es dies also, dass er in nächsten Zeit einige Bewerbungsgespräche führen würde.
„Gleich haben wir es“, kam es da von Semi und riss Tetsurou damit aus seinen Gedanken. Bokuto und er manövrierten den Tisch in die Wohnung, sodass Semi und Ushijima auch oben angekommen konnten. Mit einem zufriedenen Geräusch stellen sie den Schreibtisch ab.
„Shirbau, an welche Wand wolltest du den Schreibtisch haben?“, fragte der Musiker an seinen Freund gerichtet, der gemeinsam mit Tendou die Treppe hinaufkam.
„Ich wollte ihn direkt unter dem Fenster haben. Du hattest schon alles weggeräumt, oder?“ Abwartend sah der Jüngere ihn an. Tetursou sah zwischen dem Paar hin und her. Der heutige Umzugstag verlief echt gut, aber er hatte schon mitbekommen, dass er in den letzten Tagen öfters zwischen den beiden geknallt hatte. Ob sie sich das mit dem Zusammenziehen gut überlegt hatten?
„Aber natürlich. Ich habe gestern noch alles weggeräumt. Und nicht so wie ein bestimmter Jemand, der bis heute Morgen noch Kisten gepackt hat.“ Kaum hatte der Ältere diese Worte ausgesprochen, verzog Shirabu auch schon das Gesicht.
„Dafür habe ich nicht einen halben Tag gebraucht, um das neue Bett aufzubauen“, konterte er sofort.
„Weil ich es allein aufbauen musste! Darum habe ich so viel Zeit dafür gebraucht!“
„Aber, aber, Kinder, jetzt beruhigt euch doch. Ihr habt doch den Umzug fast geschafft, da solltet ihr jetzt nicht streiten, sondern euch darüber freuen, dass ihr jetzt endlich zusammenwohnt“, mischte sich da Tendou ein, wofür Tetsurou sehr dankbar war. Er hatte keine Lust, dass die Situation eskalierte. Semi und Shirabu tauschten einen kurzen Blick miteinander auf, bevor sich Ersterer wieder an die anderen wandte.
„Also, wir müssen in das linke Zimmer“, wies er sie an. Tetsurou war einfach nur froh, wenn er diesen Umzug hinter sich gebracht hatte.
„Bin ich froh, dass das geschafft ist“, sagte Tetsurou einige Zeit später zu Koushi und unterdrückte ein Gähnen. Er freute sich auf seine Couch. Sein Freund neben ihm schmunzelte.
„Und ich bin ganz froh über die Tatsache, dass Tendou auch geholfen hat. Ansonsten hätten Semi und Shirabu sicher noch mehr miteinander gestritten.“ Tatsächlich waren die beiden mehr als einmal einander geraten, und zwar wegen den unmöglichsten Kleinigkeiten, wie er fand. Das Lächerlichste war in seinen Augen gewesen, dass Shirabu sich darüber aufgeregt hatte, dass Semi die Kiste mit seinen Uni-Büchern in den falschen Raum geräumt hatte. Dies war auch für Koushi und ihn der Punkt gewesen, wo sie gegangen waren.
„Jetzt können die beiden das unter sich ausmachen. Wie auch immer das am Ende aussehen wird.“ Als er ihm ein eindeutiges Lächeln schenkte, verdrehte Koushi die Augen, konnte aber gleichzeitig sein Lachen nicht unterdrücken. Bevor er aber noch etwas darauf erwidern konnte, wurde die Tür unten geöffnet und ein Bellen ertönte.
„Na, habt ihr den Umzug gut überstanden?“, fragte Konoha und schloss die Tür hinter Akaashi, der Emi an der Leine hielt. Die Hündin bellte aufgeregt, als sie ihre Herrchen erkannte. Koushi stieg den Rest der Treppe hinab und ging vor ihr in die Hocke.
„Hast du einen schönen Tag gehabt?“, fragte er an die Hündin gerichtet und streichelte ihr zur Begrüßung über den Kopf. Wie zur Antwort bellte Emi erneut. Er stand wieder auf und blickte Akaashi an.
„War sie brav?“
„Der bravste Hunde im ganzen Hundepark“, antwortete der Jüngere mit einem Lächeln und übergab die Leine. Konoha und er hatte sich heute dazu bereit erklärt, dass sie auf Emi aufpassen würden, damit Koushi und Tetsurou in Ruhe beim Umzug helfen konnten.
„Der Umzug ist geschafft, das kann man so sagen. Wir sind gerade aber mehr oder weniger geflüchtet. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Paar wegen so vielen Kleinigkeiten streiten können.“ Der Vermieter war auch von der Treppe gestiegen und schüttelte den Kopf, während er Konoha antwortete. Dieser lachte nur.
„Ich glaube, dass macht die Beziehung der beiden aus. Ich bin so oft an Shirabus Wohnung vorbeigekommen und habe die beiden miteinander streiten hören. Sie scheinen eins dieser Paare zu sein.“ Er zuckte mit den Schultern und griff nach Akaashis Hand, der den Druck sanft erwiderte. Tetsurou lächelte zufrieden. Er freute sich darüber, dass die beiden zueinander gefunden hatten.
„Solange sie glücklich sind, ist das ja die Hauptsache“, meinte Koushi daraufhin und hob Emi von Boden auf. Sie liebte es nach wie vor mit ihm zu kuscheln. Mit einem Lächeln streichelte Tetsurou ihr über den Kopf, während er sich neben sein Freund stellte.
Bevor noch einer von ihnen etwas sagen konnte, wurde die Haustür ein weiteres Mal geöffnet. Kunimi trat in das Haus und sah sie alle fragend an, als er bemerkt, dass sie sich hier versammelt hatten.
„Habe ich etwas verpasst?“
„Nein, keine Sorge. Konoha und Akaashi sind nur gerade mit Emi wiedergekommen und wir sind mit dem Umzug fertig. Hat am Flughafen alles geklappt?“, fragte Koushi und schenkte dem Jüngeren ein Lächeln, der zunächst nur nickte.
„Ja. Tobio meldet sich, sobald er angekommen ist.“ Etwas in seinem Blick gefiel Tetsurou dabei nicht. Aber wie sollte es ihm schon gehen, nachdem er gerade seinen Freund zum Flughafen begleitet hatte und nun wusste, dass er ihn so schnell nicht wiedersehen würde. Er wäre wahrscheinlich am Boden zerstört, nur dass Kunimi es nicht so zeigte.
„Okay. Und wenn irgendetwas ist, weißt du ja, dass du jederzeit zu mir kommen kannst.“ Koushi hatte wohl das Gleiche gesehen wie sein Freund. Kunimi nickte wieder.
„Ich weiß, danke. Wir sehen uns dann.“ Damit verabschiedete er sich von ihnen und stieg die Treppe hinauf. Alle vier und Emi sahen ihm dabei nach.
Tetsurou wurde gerade noch einmal klar, was für Veränderung sich gerade in seinem Haus abspielten. Er war gespannt, wie sich alles entwickeln würde.
~ ♡ ~
Es war merkwürdig für Akira, dass er nun allein in der Wohnung war. Er hatte ja schon vor seiner Beziehung mit Tobio zusammengelebt und sich sehr daran gewöhnt. Jetzt kam er nach Hause und niemand war in der Wohnung. Ein Umstand, den er schon ändern wollte. Kuroo, immer der gute Vermieter, hatte seine Hilfe angeboten und gemeinsam hatten sie am schwarzen Brett der Universität einen Zettel ausgehangen. Ein paar Bewerber hatte sich auch schon bei Kuroo gemeldet und heute sollten ein paar Gespräche stattfinden. Akira war sehr gespannt, was für Leute seine potenziellen Mitbewohner waren.
„Bist du aufgeregt?“, fragte Kuroo ihn, als sie sich im Wohnzimmer eingerichtet hatten. Akira zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nicht. Ich glaube, das kommt auf die Leute an, die gleich so vorbeikommen. Es ist für mich halt merkwürdig, dass Tobio hier nicht mehr wohnt.“ Verständnisvoll nickte der Ältere.
„Kann ich mir vorstellen. Ihr seid ja gerade erst zusammengekommen, da will man so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen.“ Akira nickte wieder nur, anstatt ihm direkt zu antworten. Er war noch nicht bereit, über all das, was ihm durch den Kopf ging, zu sprechen. Er wusste es sehr zu schätzen, dass wohl Sugawara wie auch Kuroo ihm dieses Angebot machten. Vielleicht würde er später irgendwann darauf zurückgreifen. Er musste erst einmal selbst damit zurechtkommen.
Zu seinem Glück klingelte es in diesem Augenblick an der Wohnungstür und erspart ihn damit ein weiteres Gespräch mit Kuroo über dieses Thema.
„Dann wollen wir mal schauen, wie deine potenziellen Mitbewohner so drauf sind“, meinte er zu ihm und stand vom Sofa auf, um die Tür zu öffnen. Akira blieb noch kurz sitzen und atmete tief durch. Er würde das schon schaffen. Er brauchte einen Mitbewohner, um die Miete weiter bestreiten zu können.
„Die Türen hier sind schon ziemlich niedrig“, hörte er da den ersten Bewerber mit Kuroo sprechen. Sofort machte sich Skepsis bei ihm breit. Mit seinen eins dreiundachtzig war er selbst nicht gerade klein und Kuroo war noch einmal größer als er. Sie passten ohne Probleme durch die Türen. Was für ein Riese war das bitte schön?
An Kuroos Gesichtsausdruck erkannte er, dass er auch nicht glücklich über diesen Kommentar war. Dennoch bemühte er sich um ein Lächeln, als er sich zu dem großgewachsenen Bewerber mit den silbergrauen Haaren um. Er war wirklich ein ganzes Stück größer als Kuroo und er.
„Kunimi, das ist Haiba Lev. Lev, das ist Kunimi Akira, dein potenzieller Mitbewohner“, stellte der Vermieter die beiden einander vor. Akira nickte und ging ein Stück auf Lev zu.
„Hallo, freut mich“, begrüßte er ihn. Sein Gegenüber musterte ihn und dann die Wohnung.
„Die anderen Räume sind aber noch etwas größer als das hier, oder?“ Kuroo und Akira tauschten einen Blick miteinander auf. Der Typ wusste eindeutig nicht, wann es besser war, besser den Mund zu halten. Aber gut, eventuell war er aufgeregt und dachte daher nicht darüber nach, was er gerade sagte. Trotzdem fühlte es sich für Akira nicht richtig an, ihm gleich die Räume zu zeigen, die er mit Tobio zusammen bewohnt hatte.
„Du wirst sie ja gleich sehen. Wollen wir dann?“ Die Frage war an den Bewohner der Wohnung gerichtet. Akira nickte.
„Ja, ich zeig dir dann mal das Zimmer“, antwortete er und ging vor den beiden in Tobios altes Zimmer, welches inzwischen vollkommen leergeräumt war. Etwas, woran sich Akira nach wie vor nicht gewöhnt hatte.
Lev wurde nicht sein neuer Mitbewohner.
Auch nicht der überdrehte Bobata, der nach ihm folgte und dessen erste Frage es gleich war, wie viele Partys am Wochenende in dem Haus stattfanden.
Und auch die folgenden Bewerber sagten Akira alle nicht zu. Er hatte immer irgendetwas an ihnen auszusetzen. Wobei, es wahrscheinlich das nicht das Problem war. Ihm wurde bei jedem Bewerbungsgespräch immer mehr bewusst, dass er mit niemanden anderen als Tobio hier leben wollte. Die Wohnung gehörte zu Tobio und ihm und war der Beginn ihrer Beziehung gewesen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, dass er jetzt mit jemand anderes hier leben sollte.
„Puh…Das war vielleicht ein Tag…Und es war wirklich niemand dabei, der für dich in Frage kommt?“, fragte Kuroo, als er sich neben Akira auf dem Sofa niederließ. Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Mir ist klar geworden, dass ich mir nicht vorstellen kann, mit jemand Fremdes hier zu wohnen…Es ist Tobios und meine Wohnung…und ja…“ Er ließ den Satz ins Leere laufen und hoffte, dass der Ältere ihn verstand. Er wusste zwar noch nicht, wie er das mit der Wohnung lösen sollte, aber vielleicht wäre es eine Idee, wenn er sich dann nach etwas Kleinerem umsah. Er wollte zwar ungern aus dem Haus ausziehen, aber ihm blieb wohl jetzt keine andere Wahl.
Kuroo sah ihn lange an und nickte schließlich.
„Okay. Ich glaube, dass ich eine neue WG vielleicht etwas schneller finde als einen neuen Mitbewohner für dich. Und was willst du dann machen?“
„Mir etwas Kleineres suchen. Etwas anderes bleibt mir ja nicht übrig.“ Er zuckte mit den Schultern.
„Was ist mit Shirabus Wohnung? Die steht jetzt auch immer leer und dann müsstest du nicht aus dem Haus ausziehen. Ein einfacher Umzug wäre es auch. Die Wohnung ist ja gleich nebenan.“ Auf diesen Gedanken war Akira noch gar nicht gekommen.
„Und das wäre auch in Ordnung für dich?“, hakte er dennoch nach.
„Klar. Dann weiß ich wenigstens schon einmal, dass die Wohnung wieder vermietet ist, als wenn ich gleich zwei leer stehen habe. Du musst nur ja sagen und ich mache den Vertrag fertig.“ Da musste Akira nicht mehr lange überlegen. Wenn er heute Abend mit Tobio telefonierte, hatte er gleiche Neuigkeiten für ihn. Allein zu wohnen, wäre auch schöner, wenn er ihn besuchen kam.
„Einverstanden.“
~ ♡ ~
Mit dem neuen Semester gingen auch die neuen Kurse an der Universität los. Koushi hatte geschaut, dass er seinen Stundenplan dieses Semester nicht allzu sehr füllte, damit er mehr Zeit für Emi hatte. Außerdem hatte er Glück, dass er in seinem ersten beiden Semester ziemlich viele Module belegt hatte, dass er sich ein bisschen zurücklehnen konnte.
In einem dieser Kurse hatte Koushi gleich zu Anfang Komori kennengelernt. Er kannte sie zwar vom Sehen, da er ein Jahr unter ihm war, aber sie hatten zuvor noch nie miteinander gesprochen. Dies hatte sich ziemlich schnell geändert, nachdem sie nebeneinander gesessen hatten. Es war sehr schnell eine Freundschaft zwischen ihnen entstanden und Koushi lernte Komori sehr schnell zu schätzen. Er war immer fröhlich und verbreitete gute Laune.
Umso mehr verwunderte es ihn, als er seinen Freund mit einem niedergeschlagenen Gesichtsausdruck in der Cafeteria antraf. Das passte nicht zu ihm.
„Hey. Ist alles in Ordnung bei dir?“, fragte er ihn sofort, als er sich zu ihm setzte. Komori hob den Kopf und bemühte sich um ein Lächeln, was ihm nur halbwegs gelang.
„Hey und ja…wie man es nimmt. Ich hatte heute Morgen einen Brief von meinem Vermieter im Briefkasten. Er hat Eigenbedarf auf meine Wohnung angemeldet.“ Er stieß einen tiefen Seufzer aus und ließ den Kopf wieder sinken.
„Oh nein, und bis wann musst du jetzt raus?“ Koushi hatte sofort Mitleid mit ihm. Er fand es schrecklich, wenn Vermieter so etwas taten.
„Bis zum Ende des Monats…Ich könnte erst einmal wieder bei meinen Eltern unterkommen, aber das will ich irgendwie auch nicht…Ich schau schon überall nach Wohnungen oder wenigstens einem Zimmer, aber irgendwie…“ Der Jüngere zuckte mit den Schultern, nachdem er ihn wieder ansah. Für den Älteren stand fest, dass er ihn helfen musste.
„Bei uns im Haus ist eine Wohnung frei. Mein Freund Tetsurou ist ja der Vermieter. Bisher hat er noch nichts davon gesagt, dass er jemanden gefunden hat. Also, wenn du möchtest, kannst du später mitkommen und wir fragen ihn.“
„Das würdest du wirklich für mich tun?“ Komoris Augen wurden größer und ein Hoffnungsschimmer bildete sich auf seinem Gesicht. Das gefiel Koushi schon wieder mehr.
„Aber natürlich. Ich kann doch nicht mitansehen, wie du auf der Straße landest. Kommst du mit?“
„Natürlich!“ Jetzt war auch Komori Feuer und Flamme von der Idee und Koushi hoffte sehr für ihn, dass er die Wohnung bekam.
~ ♡ ~
„Tetsu, ich bin wieder zuhause! Und ich habe wen mitgebracht!“, rief Koushi, als er die Wohnung betrat. Tetsurou saß in seinem kleinen Büro, dessen Tür offenstand. Emi hatte unter seinem Schreibtisch geschlafen und sprang nun auf, um ihr anderes Herrchen zu begrüßen. Er hatte gerade den Vertrag für Kunimi fertiggestellt und wollte ich nachher noch nach oben bringen. Jetzt wollte er aber erst einmal seinen Freund begrüßen, während er sich fragte, wen er wohl mitgebracht hatte.
„Hallo Emi“, begrüßte Koushi gerade die Shiba-Hündin, die daraufhin sich noch ein paar Streicheleinheiten von seinem Begleiter abholten. Das Erste, was Tetsurou auffielen, waren seine Augenbrauen, die denen von Emi sehr ähnelten.
„Hallo Kou“, grüßte er zunächst einen Freund und küsste ihn kurz, bevor er sich dem Neuling zuwandte, „Wen hast du da mitgebracht?“
„Ich bin Komori Motoya und Sugawara hat gesagt, dass bei euch im Haus noch eine Wohnung frei ist“, stellte er sich gleich gemeinsam mit seinem Anliegen vor.
„Ja, Shirabus alte Wohnung steht doch immer noch leer, oder?“, fragte auch sein Freund, bevor Tetsurou ihnen antworten konnte. Er verzog leicht das Gesicht, als er das Hoffnungsvolle in Komoris Blick sah.
„Entschuldigung, aber ich muss euch da leider enttäuschen. Ich habe vorhin erst mit Kunimi abgemacht, dass er in die Wohnung zieht.“ Die Hoffnung wich aus Komoris Augen, was Tetsurou sehr leidtat. Koushi warf ihm einen fragenden Blick zu.
„Das heißt also, dass es mit den Bewerbern nicht gepasst hat und die WG jetzt leersteht?“, hakte er noch einmal nach, damit er wohl auch mitkam. Der Vermieter nickte.
„Ja“, antwortete er und sah wieder zu Komori, „Also, wenn du einen Mitbewohner hast, dann wäre das eine Möglichkeit.“ Er wollte ihm ja auch helfen, aber leider kamen sie etwas zu spät. Der Jüngste in der Runde schüttelte den Kopf.
„Nein, leider nicht.“ Emi sah zwischen ihnen hin und her und fragte sich wohl, was hier gerade passierte.
Bevor noch jemand etwas sagen konnte, klingelte es an der Wohnungstür. Ein weiterer fragender Blick von Koushi, aber Tetsurou schüttelte den Kopf. Er erwartete keinen Besuch mehr. Sein Freund öffnete die Tür und dort stand Kenma mit einer Begleitung.
„Fukunaga, was machst du denn hier?“ Erstaunt sah Tetsurou den Jüngeren an, den er durch Kenma gelernt hatte, da sie in der gleiche Klasse gewesen waren.
„Ich habe ihn mitgebracht, da er auf der Suche nach einer Wohnung ist. Und da habe ich gleich an die von Shirabu gedacht“, antwortete Kenma an seiner Stelle. Auf der einen Seite fand es Tetsurou wirklich großartig, dass sein Partner wie bester Freund sich solche Gedanken machten, was die Mietsituation anging, auf der anderen Seite musste er deswegen jetzt zwei Leute enttäuschten.
„Das tut mir echt leid, Fukunaga, aber ich musste gerade schon Komori eine Absage erteilen. Ich habe die Wohnung heute vergeben.“ Der Angesprochene nickte verstehend und ließ die Schultern hängen. Es war ihm sehr deutlich anzusehen, wie enttäuscht er war.
„Wir haben wohl beide gerade nicht so viel Glück, was?“, richtete Komori halb im Scherz, halb im Ernst das Wort an ihn und schenkte ihm ein schiefes Lächeln. Fukunaga nickte. Wie früher redete er auch heute nicht viel.
„Schade. Ich hatte echt gehofft, dass ich dir helfen kann“, meinte Kenma zu ihm und legte seinem Schulfreund eine Hand auf die Schultern.
„Mir tut es auch leid, dass es so gelaufen ist, Komori“, sagte Koushi zu seinem Kumpel, der mit den Schultern zuckte.
„Du kannst ja auch nichts dafür, dass wir etwas zu spät waren.“
Tetsurou sah zwischen Komori und Fukunaga hin und her. Er hatte nun leider keine Einzelwohnung mehr frei, aber es gab immer noch die WG.
„Na ja, auch wenn ihr zwei euch nicht wirklich kennt…Ich habe jetzt eine leerstehende WG. Zweieinhalb Zimmer im ersten Stock. Also, wenn ihr es euch vorstellen könnt, dann würde ich sie euch morgen zeigen“, warf er in den Raum. Vielleicht konnte er ihnen damit ein wenig helfen. Komori und Fukunaga tauschten einen Blick miteinander aus.
„…Versuchen könnten wir es ja mal. Ich muss halt bis zum Ende des Monats aus meiner Wohnung raus, da hätte ich schon gerne etwas. Ich weiß ja nicht, wie es bei dir aussieht.“ Abwartend sah Komori ihn an.
„Ich auch. Hab gestern einen Brief bekommen“, war Fukunagas Antwort.
„Gut, ich habe kein Problem damit. Wollen wir es dann versuchen?“
„Du wirkst nett, also ja.“ Um seine Worte noch einmal zu unterstreichen, nickte er. Komori lachte und sah zu Tetsurou.
„Du hast es gehört. Wir sehen uns die Wohnung an.“ Damit war Tetsurou sehr zufrieden. Wenn es jetzt passte, hatte er vielleicht zum Ende des Monats wieder alle Wohnung vermietet.
„Ich freue mich, dass das doch geklappt hat“, stimmte Kenma der Entscheidung zu und lächelte dabei.
„Das war eine gute Idee von dir“, beglückwünschte ihn auch Koushi und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Ja, Tetsurou war in diesem Augenblick sehr zufrieden mit sich.
Sei mir nah
Sei mir nah
Akinori schwebte auf Wolke sieben. Er war nun schon eine ganze Weile sehr offiziell mit Akaashi zusammen, den er in seinem Kopf schon immer Keiji nannte. Sie verbrachten so gut wie jeden Tag miteinander. Sei es nun, wenn Kuroo und Sugawara sie fragten, ob sie mit Emi gehen könnten, oder nach der Universität, wenn sie sich auf dem Heimweg noch etwas zu Essen holten. Akinori genoss jede Sekunde, die er mit Keiji verbringen konnte. Auch jetzt noch kribbelte es jedes Mal in seinem Bauch, wenn er nach der Hand seines Freundes griff oder mit ihm in seinem Bett kuschelte. Auch wenn er ungern davon sprechen wollte, dass es perfekt war, da er Angst hatte, dass er es ansonsten an die Wand fuhr, so fühlte es sich dennoch perfekt für ihn an.
Trotzdem gab es eine Sache, die Akinori nicht direkt störte, aber ihn an manchen Tagen doch herunterzog. Keiji und er hatte immer noch nicht miteinander geschlafen. Es war nicht so, als würde es für ihn ein Datum geben, wo das in einer Beziehung passieren musste, dennoch wünschte er sich diesen intime Nähe mit seinem Freund. Er hoffte sehr, dass es bald geschehen würde.
Es war wieder einmal ein Abend, den Akinori und Keiji im Zimmer des Älteren verbrachten. Sie hatten beide einen langen Tag an der Universität hinter sich und genossen nun die Nähe des jeweils anderen. Akinori war auf den Schoß seines Freundes geklettert und sie küssten einander immer wieder. Er besaß große Hoffnung, dass sie heute Abend endlich weitergehen würden. Das Küssen war schon ein großer Fortschritt in seinen Augen. Natürlich, küssten sie einander immer wieder, aber selten so intensiv wie jetzt. Keijis Augen waren nur halbgeöffnet, wodurch sein Blick leicht verklärt wirkte. Akinori gefiel dieser Anblick sehr, wenn er jedes Mal kurz beim Luft holen die Augen öffnete. Das ließ ihn mutig werden und er fuhr mit seinen Händen über diese Seiten seines Freundes, womit er ihm ein erstauntes Keuchen entlockte. Dieses Geräusch löste eine Gänsehaut bei Akinori auf. Er wollte mehr dieser Geräusche von ihm hören.
Sein Mut wurde größer und er traute sich, mit seinen Händen unter Keijis Oberteil zu tauchen. Er spürte, wie warm die Haut unter seinen Fingern war. Sein Freund zuckte leicht, aber deutlich zusammen.
„…Ich sollte nach Hause gehen…“, sagte er atemlos, als er den Kuss löste. Der verklärte Ausdruck in seinem Gesicht blieb noch für einen Augenblick. Akinori, dessen Hände immer noch unter seinem Oberteil waren, blinzelte schnell. Sagte Keiji das gerade wirklich zu ihm? Es war doch gerade so schön zwischen ihnen! Er hatte sich endlich mehr getraut und jetzt wollte er es abbrechen?
„Du kannst ruhig hier bleiben…also über Nacht.“ Er sah ihn lange an und hoffte, dass er ja sagen würde. Sie mussten ja nicht unbedingt miteinander schlafen. Es würde ihm schon reichen, wenn er ihn heute Nacht in seinen Armen halten durfte.
„Ich muss morgen früher aufstehen als du“, widersprach Keiji. Akinori biss sich auf die Innenseite seiner Wange. Seine Hände rutschten aus dem Shirt seines Freundes.
„Trotzdem…Ich habe kein Problem damit. Wirklich nicht!“ Es musste doch einen Weg geben, um ihm zu überzeugen, dass er blieb.
„Du weißt, dass es besser so ist, Konoha-san.“ Keiji lehnte sich nach vorne und küsste ihn auf die Nase. Akinoris Herz schmolz bei dieser sanften Berührung. Es war so unglaublich schwer für ihn, ihm irgendetwas abzuschlagen, auch wenn das hieß, dass er ihn jetzt ziehen lassen musste.
„…Okay. Ich bring dich noch zur Tür.“ Er stieg von Keijis Schoß, damit dieser auch aufstehen konnte. Akinori ahnte, dass ihm der Abschied dieses Mal schwerer als sonst fallen würde.
Mit einem tiefen Seufzer betrat Akinori die Küche, in der Bokuto gerade damit beschäftigt war, sich etwas zu Essen zu machen. Er blickte von seinem Sandwich auf.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sein Mitbewohner. Er schüttelte den Kopf.
„Nein…Akaashi ist wieder einmal nach Hause gegangen…Dabei hatte ich so sehr gehofft, dass er heute Nacht endlich bleibt.“ Er lehnte sich gegen die Küchenzeile, während Bokuto den Kopf zur Seite legte.
„Ich verstehe nicht so ganz, warum du dem Ganzen so viel Bedeutung gibst. Er wird doch schon irgendwann mal bei dir übernachten. Lass ihm doch einfach Zeit.“ Akinori wusste hinterher nicht mehr richtig warum, aber diese Worte brachten das Fass zum Überlaufen.
„Ich will nicht nur, dass er bei mir übernachtet, sondern ich will endlich mit ihm schlafen!“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, schlug er sich die Hände vor dem Mund und starrte Bokuto an. Das hatte er so wirklich nicht sagen wollen. Sein Mitbewohner blinzelte schnell.
„Wow…Ich hätte nicht gedacht, dass dir das ganze Thema so wichtig ist.“ Akinori fühlte sich ertappt und sah auf den Boden.
„…Wäre das so schlimm?“ Er wollte doch nur diese intime Nähe mit seiner Liebe genießen. Das konnte doch nicht verwerflich sein. Er bemerkte, wie Bokuto mit den Schultern zuckte.
„Keine Ahnung. Also Kenma und ich haben noch nicht miteinander geschlafen und mich stört es nicht.“ Akinori sah wieder auf. Das passte irgendwie zu Bokuto, dass ihn solche Kleinigkeiten nicht störten. Er schwebte sowieso durchgängig auf Wolke sieben, seitdem er mit Kenma zusammen war. Und an sich galt für Akinori dasselbe mit Keiji. Vielleicht maß er dem Ganze ja doch zu viel Bedeutung bei.
„Und wenn es dir wirklich so wichtig ist, solltest mit ihm reden. Kommunikation in Beziehung ist sehr wichtig.“ Der Jüngere der beiden sah wieder vom Boden auf. Skepsis mischte sich in seinen Blick.
„…Das hast du von Kuroo, oder?“ Irgendwie musste er grinsen. Das Gespräch mit Bokuto hatte ihn merkwürdigerweise aufgeheitert. Sein Mitbewohner blies die Wangen auf.
„Ja, und?! Ich finde, dass es ein sehr wichtiger Tipp ist, weshalb ich ihn mit dir teile!“ Er strahlte Selbstsicherheit dabei aus, was Akinoris Grinsen anwuchsen ließ.
„Ich weiß. Danke, dass du ihn mit mir geteilt hast, Bokuto. Und fürs Zuhören.“ So sehr er seinen Mitbewohner manchmal auch verfluchen konnte, so schätzte er auch diese Augenblicke zwischen ihnen. Er war nach wie vor sein bester Freund und er würde ihn niemals austauschen wollen.
„Gern geschehen!“ Bokuto griff nach seinem Sandwich und nahm einen großen Bissen. Akinori überlegte währenddessen, wie er das Gespräch mit Keiji angehen sollte.
~ ♡ ~
Kenma bemerkte schon, dass Bokuto etwas beschäftigte, als dieser seine Wohnung betrat. Es war inzwischen zu ihrem Abendritual geworden, dass sein Freund zu ihm hinunterkam und sie den Tag gemeinsam ausklingen ließen.
Sein Freund. An manchen Tagen war es für Kenma immer noch merkwürdig, Bokuto so zu bezeichnen. Er ahnte auch, dass sie sich von anderen Paaren unterschieden, aber dies störte ihn nicht. Bokuto schien das ebenfalls nicht zu stören. Für ihn konnte es immer so weitergehen.
„KenKen?“, riss ihn der Ältere aus seinem Spielfokus. Kenma pausierte das Spiel. Dies hatte er sich angewöhnt, seitdem sie zusammengekommen waren. Er hatte bemerkt, dass es Bokuto gefiel, wenn er ihm seinem gesamte Aufmerksamkeit schenkte. Gleichzeitig war ihm auch nicht entgangen, dass sein so sehr aufgedrehter Freund in seiner Nähe ruhiger war, da er die Lautstärke nicht so ertragen konnte. Kuro hatte mal davon gesprochen, dass sie einander immer besser kennenlernten und sich aufeinander abstimmten. So ließ das wohl in Beziehungen ab.
„Ja?“ Er drehte sich zu ihm, da Bokuto hinter ihm in eine Art Halbkreis lag.
„Wie stehst du eigentlich zu dem Thema Sex?“ Das Erwartungsvolle, was sich in seinem Blick ausbreitete, verstand Kenma nicht. Er verstand die gesamte Frage nicht. Warum wollte er jetzt über Sex sprechen? Das hatten sie zuvor noch nie getan und es wollte ihm nicht in den Kopf gehen, warum es jetzt auf einmal Thema sein sollte. Dass er ihn sehr skeptisch ansah, fiel natürlich auch Bokuto auf.
„Nicht gut, dass ich gefragt habe?“, hakte er nun etwas unsicherer nach. Kenma schüttelte den Kopf.
„Ich verstehe bloß nicht, warum du mich das fragst. Warum willst du über Sex sprechen?“ Bokuto richtete sich auf und rückte etwas an ihn heran.
„Ich habe da letztens mit Konoha darüber gesprochen. Er macht sich so viele Gedanken darüber und na ja, da ist mir aufgefallen, dass wir noch nie darüber gesprochen haben.“ Lange sah er ihn an und Kenma erwiderte den Blick, während hinter ihnen die Musik des Spieles bimmelte. Was sollte er ihm jetzt darauf antworten?
„Wegen der Kommunikation?“
„Ja, wegen unserer Kommunikation.“ Bokuto nickte eifrig. Kenma rutschte ein Stück an ihn heran. Er hatte ein Bedürfnis danach.
„Gut…also ich finde, dass Sex zu viel Bedeutung beigemessen wird. Das ist meine Meinung dazu.“ Er hoffte, dass es sich damit gegessen hatte und er weiterzocken konnte. Am liebsten, wenn Bokuto die Arme um ihn gelegt hatte. Der Ältere schien aber noch nicht ganz glücklich zu sein.
„Und was ist mit dir?“, fragte Kenma darum noch einmal nach.
„Also, ich mag Sex. Er kann echt Spaß machen, aber das Wichtigste ist er für mich in einer Beziehung nicht. Willst du Sex mit mir haben?“ Kenma zuckte leicht zusammen bei dieser Frage, schluckte und schüttelte den Kopf.
„Nein, will ich nicht. Also mit niemanden, nicht nur nicht mit dir.“ Er hatte nie das Bedürfnis danach gespürt und auch Bokuto konnte diese Gefühle nicht bei ihm auslösen. Dafür löste er so viele andere in ihm aus, die Kenma nicht in Worte fassen konnte, aber sie waren sicherlich tausendmal besser. Wieder ein langer Blick, den sie miteinander austauschten. Er überkam das Gefühl, dass er etwas sagen musste.
„Aber wenn du jemals-“
„Nicht!“, unterbrach Bokuto ihn und legte gleichzeitig die Arme um ihn, „Was auch immer du sagen wolltest, behalt es für dich. Ich habe dir ganz am Anfang versprochen, dass ich niemals etwas tun werde, was du nicht willst. Und daran werde ich mich auch immer halten.“ Die Erneuerung dieses Versprechen füllte Kenmas Herz mit einer wohligen Wärme.
„Solche Nähe ist sowieso viel schöner.“ Er hob den Kopf und küsste seinen Freund. Er kam Wolke sieben ein Stück näher, als Bokuto den Kuss erwiderte.
~ ♡ ~
Keiji wusste, dass er mit Konoha sprechen musste. Aber er hatte Angst vor diesem Gespräch. Er hatte Angst davor, dass er ihn enttäuschen würde.
Ihm war nicht entgangen, dass sich Konoha bei ihren Treffen mehr von ihm erhoffte. Besonders von den Treffen, die am Abend stattfanden. Und es war ja nicht so, als wolle er überhaupt nicht. Er wollte sogar sehr gerne. Gäbe es da nicht diese fiesen, kleinen Gedanken, die sich immer wieder in seinem Kopf ausbreiteten. Er hatte Angst davor, dass er nicht genug für Konoha sein könnte und dieser mehr von ihrer ersten gemeinsamen Nacht erwartet, als er ihm geben konnte. Keiji war aber ebenfalls bewusst, dass ihm all das Grübeln nicht weiterhelfen würde. Er musste mit Konoha darüber sprechen, weshalb er ihn gefragt hatte, ob er heute Abend zu ihm kommen würde.
„Da bin ich“, begrüßte sein Freund ihn fröhlich, als er ihm die Wohnungstür geöffnet hatte. Konoha küsste ihn kurz, ehe er sich die Schuhe auszog. Keiji wartete kurz ab, bis er so weit war und griff dann nach seiner Hand, um ihn ins Schlafzimmer zu führen. Dafür erntete er einen erstaunten Blick von ihm.
„Warum gehen wir denn nicht ins Wohnzimmer, wenn du mit mir sprechen willst?“
„Ich habe mir gedacht, dass es hier angebrachter ist, dieses Gespräch zu führen“, begann Keiji und setzte sich aufs Bett. Kurz sah Konoha ihn nach an, ehe er neben ihm Platz nahm.
„Also, über was willst du sprechen?“ Keiji musterte seinen Freund. Das Lächeln auf seinen Lippen gefiel ihm unglaublich gut. Er wollte gerne, dass es bei diesem Lächeln blieb. Er wandte den Blick ab und spielte mit seinen Händen. Ihm fehlten ein wenig die Worte und ein bisschen kam er sich auch lächerlich vor. Macht es sich vielleicht etwas zu viele Gedanken über das ganzen Thema?
„…Es tut mir leid, dass ich letztens einfach gegangen bin. Ich habe gemerkt, dass ich damit enttäuscht habe.“ Er fand, dass es ein guter Anfang war, um dieses Gespräch zu führen. Konoha neben ihm lachte leise und nahm eine seine Hände, um sie zu drücken.
„Das war schon in Ordnung. Und ja, ich war ein bisschen enttäuscht, aber ich will dich auch zu nichts drängen, Akaashi. Wenn du noch nicht bereit bist, dann lassen wir uns noch Zeit.“ Der Jüngere sah auf und in das lächelnde Gesicht seines Freundes. Er lehnte sich vor und küsste ihn kurz auf die Nase.
„Ich will mit dir schlafen. Aber ich habe Angst, dass ich dich enttäuschen könnte…“ Sein Herz machte einen Satz, nachdem er das ausgesprochen hatte. Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie er reagieren würde. Konoha blinzelte schnell.
„Warum denn enttäuschen?“ Kaum war ihm diese Frage gestellt hatte, fühlte sich Keiji noch lächerlicherer. Er hätte doch wissen müssen, dass Konoha da mit sich reden ließ. Aber er würde jetzt nicht mehr kneifen. Ausgesprochen wurden viele Sachen besser.
„…Weil Hajime die einzige Person ist, mit der ich jemals geschlafen habe…Ich habe also noch nicht so viele Erfahrungen gemacht…“ Er sah wieder auf dem Boden. Was dachte Konoha jetzt von ihm? War es angebracht, dass er es ansprach, oder hätte er es doch lieber für sich behalten sollen?
Da griff sein Freund aber schon nach seinem Kinn, damit er wieder ansehen musste. Der Ältere lächelte weiterhin.
„Keiji, mach dir bitte nicht so sehr einen Kopf darüber. Ich habe bisher auch nur mit zwei Personen vor dir geschlafen, also sind meine Erfahrung auch nicht allzu groß.“ Er küsste ihn und legte die Arme um seinen Hals. Keiji erwiderte den Kuss und schloss die Augen. Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Er hatte sich eindeutig viel zu viele Gedanken gemacht. Er spürte, wie Konoha sich mit ihm nach hinten sinken ließ und sich anschließend von ihm löste.
„Lass uns unsere eigenen Erfahrungen machen, Keiji? Ganz in unserem eigenem Tempo.“ Er strahlte ihn bei diesen Worten regelrecht an. Keiji ging durch den Kopf, dass Akinori der schönste Mann war, den er jemals gesehen hatte.
„Ja, machen wir unsere eigenen Erfahrungen, Akinori“, stimmte er ihm zu und küsste ihn wieder, während er ihn in die Kissen drückte.
Tanz mit mir
Tanz mit mir
„Kiyo, das kannst du mir jetzt nicht antun!“ Motoya nahm das Handy kurz von seinem Ohr, um es fassungslos anzusehen. Er wollte nicht glauben, was ihm sein Cousin gerade offenbart hatte.
„Ich habe mich so sehr auf diesen Abend gefreut und jetzt sagst du mir einfach ab!“, schob er noch hinterher, um zu zeigen, dass er wirklich verletzt war. Mit wem sollte er denn sonst dort hingehen?
„Toya, jetzt reg dich nicht auf. Ich habe dir doch gerade erklärt, warum ich nicht mitkann. Du findest sicher schon jemand anderes, der mit dir auf das Konzert geht.“
„Du sagst mir ab, weil du vögeln willst!“ Motoya musste zugeben, dass er wirklich verletzt davon war, dass Kiyoomi ihm so kurzfristig absagte. Er war und blieb einer seiner besten Freunde, weshalb er auch so offen mit ihm sprach.
„Ich will nicht mit ihm vögeln! Wie kommst du auf so etwas?!“ Er stellte sich bildlich vor, wie der Jüngere am anderen Ende der Leitung mit einem empörten Gesichtsausdruck dasaß. Aber Motoya konnte er nicht an der Nase herumführen. Immerhin hatte er hautnah mitbekommen, wie sein Cousin, der für sein Studium nach Osaka gezogen war, nach und nach in seinen Studienkollegen Atsumu verliebt hatte, auch wenn er das zunächst nicht hatte wahrhaben wollen.
„Weil du unser gemeinsames Wochenende absagst, damit du mit Atsumu ausgehen kannst! Du weißt, wie sehr ich mich auf das Konzert gefreut habe!“ Es passierte sehr selten, dass sie sich mal in den Haaren hatten, aber Motoya war so enttäuscht. Ihm war bewusst, dass gerade vor allem seine Verletztheit aus ihm sprach, aber er wollte sie auch nicht unterdrücken. Kiyoomi musste einiges tun, um das wieder gutzumachen.
„Toya, ich hol es nach, versprochen? Du kannst dir dann-“
„Benutzt Kondome, ja?“
„Toya-“ Bevor sein Cousin noch irgendetwas sagen konnte, legte Motoya auf und stieß einen tiefen Seufzer auf. Er ließ sich zurück in sein Bett fallen und starrte die Decke an. Er war enttäuscht, wütend und verletzt. Seit Monaten freute er sich auf das Konzert, für welches er die Tickets besorgt hatte. Natürlich, ihm war bewusst, dass er Kiyoomi ein bisschen überredet hatte, damit er ihn begleitet, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass er ihm abgesagt hatte. Und das für einen Typen. An sich freute sich Motoya ja wirklich für ihn, dass es mit Atsumu geklappt hatte, aber seine Enttäuschung verkleinerte dies nicht. Er seufzte erneut und setzte sich wieder auf. Jetzt musste er also wen anderes finden, der ihm zu dem Konzert begleitete. Aber wen sollte er da fragen? Er braucht etwas zum Essen, das half ihm beim Denken, also stand er von seinem Bett auf und verließ sein Zimmer.
In der Küche traf Motoya seinen Mitbewohner Fukunaga an. Seit gut einem Monat bestand ihre WG nun, die ja doch sehr spontan entstanden war. Dafür funktionierte sie ausgesprochen gut. Motoya hatte recht schnell gemerkt, dass er mit Fukunaga auf einer Wellenlänge war. Den ersten Abend, den sie gemeinsam in der Wohnung verbracht hatten, hatten sie über Harry Potter gesprochen, und den Abend darauf über Herr der Ringe. Sie hatten so viele Sachen, über die sie sprechen konnten, und er hatte das Gefühl, dass er längst noch nicht alles über ihn wusste. Er freute sich jetzt schon sehr darauf, ihn nach und nach immer besser kennenzulernen.
Sein Mitbewohner, der gerade damit beschäftigt war, etwas aufzuschreiben, hob seinen Kopf und sah ihn fragend an. Motoya hatte schnell gelernt, dass Fukunaga lieber mit Blicke und Gesten kommunizierte, weshalb er sofort antwortete.
„Mein Cousin hat mir das Konzert fürs Wochenende abgesagt, weil er auf ein Date geht. Dabei war es schon so lange geplant gewesen! Ich kann einfach nicht fassen, dass er das getan hat…“ Motoya ließ sich auf einen der vier Stühle, die bunt zusammengewürfelt waren, fallen und verschränkte die Arme vor der Brust. Fukunaga verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf als Zustimmung, dass er es nicht gut fand, dass Kiyoomi Motoya so kurzfristig abgesagt hatte. Er nahm das dankend an.
„Ja, das war echt schon gemein von ihm…Dabei weiß ich, dass er es ohne guten Grund nicht machen würde. Aber ich habe mich halt so sehr auf Ed Sheeran gefreut…“ Ein Seufzer entfloh ihm. Seit über einem Jahr freute er sich nun schon darauf, seinen Lieblingssänger endlich live zu sehen und dann passiert so etwas. Natürlich, er könnte auch allein gehen, aber es war für ihn viel schöner, wenn er diesen besonderen Augenblick mit jemanden teilen durfte.
„Ed Sheeran?“, fragte Fukunaga und Erstaunen war in seinen Augen zu lesen. Motoya nickte.
„Ja, er ist mein absoluter Lieblingssänger.“
„Ich finde ihn auch klasse. Mein Lieblingssong von ihm ist Photograph, aber Shape of you höre ich auch immer wieder gerne“, begann sein Mitbewohner zu erzählen und Motoyas Augen weiteten sich. Wieder einmal wurde er darin bestätigt, dass sie auf einer Wellenlängen befanden, und er hätte in diesem Augenblick nicht glücklicher darüber sein können, dass er sich auf diese Wohngemeinschaft eingelassen hatte.
„Willst du dann mit mir auf das Konzert gehen? Ich lade dich natürlich ein!“ Er war von seinem Platz aufgesprungen und sah seinen Mitbewohner erwartungsvoll an. Er malte sich jetzt schon aus, wie der Abend verlaufen würde. Fukunaga wirkte noch kurz unschlüssig.
„Wäre das auch für dich in Ordnung?“
„Aber natürlich! Ansonsten würde ich dich nicht fragen. Ich könnte mir keinen besseren Begleiter vorstellen“, unterstrich er seine Worte noch einmal und hoffte so sehr, dass er endlich ja sagte. Ein Lächeln erschien auf den Lippen seines Gegenübers.
„Dann komme ich sehr gerne mit.“
~ ♡ ~
Wakatoshi war ein aufmerksamer Zuhörer. Man mochte es ihm nicht auf den ersten Blick ansehen, aber er war seinem Umfeld gegenüber sehr aufmerksam. Und so bekam er auch mit, wie sein Freund Satori immer wieder die Songs eines bestimmten Sängers sang. Er hatte ihn nach dem Namen gefragt und wenige Tage später war Wakatoshi darüber gestolpert, dass jener Sänger bald in ihrer Nähe ein Konzert geben würde. Also hatte er Tickets für das Konzert besorgt.
„Wakatoshi, ich bin wieder zuhause!“, rief Satori, als er die Wohnung betrat. Wakatoshi, der an seinem Schreibtisch saß, musste unwillkürlich lächeln. So begrüßte ihn sein Freund immer, wenn er nach Hause kam. Er genoss es sehr, dass sie jetzt zusammenlebten. Er sah zu dem Umschlag, der neben ihm lag. Die Tickets waren heute angekommen. Wakatoshi nahm seine Arbeitsbrille ab, den Umschlag in die Hand und stand auf, um zu seinem Freund zu gehen. Satori war einkaufen gewesen und gerade damit beschäftigt, die Sachen zu verstauen.
„Willkommen zu Hause, Satori.“ Sein Freund legte die Sachen, die er eben noch in der Hand gehabt hatte, in den Schranken, um sich dann zu ihm umzudrehen. Er kam mit einem Lächeln auf ihn zu und legte ihm die Arme um den Hals, kaum als er vor ihm stand. Wakatoshi lehnte sich nach vorne und küsste ihn. So war ihr Begrüßungsritual immer, wenn einer von ihnen nach Hause kam.
„Hast du schön gearbeitet?“, fragte Satori und blieb ihm noch nah, was Wakatoshi genoss. Er war nie der Typ für körperliche Nähe gewesen und damit das vollkommene Gegenteil von seinem Freund, aber dieser hatte ihm gezeigt, wie schön es sein konnte.
„Ja, ich bin für heute auch fertig, also haben wir den ganzen Abend für uns. Und ich habe eine Überraschung für dich.“ Er hatte den Umschlag die ganze Zeit hinter seinem Rücken gehalten und holte ihn nun hervor. Satori ließ von ihm ab und sah den Umschlag zunächst interessiert an, bevor er ihn abnahm.
„Was ist denn darin?“, fragte er und schüttelte den Umschlag. Wakatoshi lehnte sich gegen die Küchenzeile und sah ihn auffordernd an.
„Öffne ihn.“ Er war sehr gespannt darauf, wie Satori auf die Konzertkarten reagierte. Er beobachtete ihn genau, wie den Umschlag vorsichtig aufriss und anschließend die Karten ein Stück hervorzog. Er sah zu Wakatoshi, wieder auf die Karten und wieder zu ihm.
„Wakatoshi…“ Ungläubig sah er ihn an. Das Lächeln auf den Lippen des Größeren wurde breiter.
„Du hast die letzten Wochen ständig seine Songs gesungen und als ich gesehen habe, dass in der Nähe ein Konzert von ihm stattfindet, habe ich uns die Karten besorgt“, war seine schlichte Antwort. Kurz darauf fiel ihm Satori wieder um den Hals und küsste ihn leidenschaftlich auf die Lippen. Wakatoshi legte die Hände um seine Taille und erwiderte den Kuss.
„Das ist wirklich die schönste Überraschung, die du mir machen konntest. Und noch schöner finde ich, dass du mitkommen willst. Ich weiß ja, dass es nicht unbedingt deine Musik ist“, meinte Satori zu ihm, als er sich von ihm löste. Die Freude über die Konzerttickets war ihm anzusehen, was dazu führte, dass Wakatoshis Herz ein bisschen schneller schlug.
„Es macht dich glücklich und ich sehe dich gerne glücklich. Von daher komme ich gerne mit.“ Für ihn wäre es am Ende auch ein weiterer schöner Abend, den er mit Satori verbringen durfte. Dieser küsste ihn wieder, aber nur ganz kurz.
„Du hast gesagt, dass wir den ganzen Abend für uns haben, ja?“, raunte er ihm gegen die Lippen. Wakatoshi verstand sofort, was er von ihm wollte.
„Ja, den haben wir“, antwortete er dennoch. Sie sahen einander tief in die Augen und Satori leckte sich über die Lippen.
„Dann will ich mich mal vernünftig bei dir bedanken“, hauchte er und zog ihn mit in ihr Schlafzimmer.
~ ♡ ~
Der Abend des Konzertes war gekommen und Motoya entsprechend aufgeregt. Fukunaga ging es da ähnlich zu gehen, denn er war morgens schon gleich in Redelaune, was er bisher von seinem Mitbewohner so noch nicht kennengelernt hatte. Es zeigte Motoya aber nur, dass er die richtige Entscheidung damit getroffen, ihn zu fragen. Der Abend konnte nicht schnell genug für die beiden kommen.
„Ich bin schon so aufgeregt“, sagte Motoya sicherlich schon zum hundertsten Mal, als sie vor der Halle standen, in der das Konzert stattfinden sollte. In wenigen Minuten sollte der Einlass beginnen und sie hatten Glück mit ihren Stehplätzen, da sie recht früh hingefahren waren. Zwar sicher nicht so früh wie so mancher Fan, aber es war trotzdem früh genug.
„Ich kann es auch kaum abwarten, dass es los geht. Ich bin so, so froh, dass du mich gefragt hast“, bestätigte Fukunaga seine Gedanken und Motoya schenkte sofort ein weiteres Lächeln. Er kam heute gar nicht mehr aus dem Lächeln heraus, so sehr freute er sich über diesen Abend. Kaum hatte Fukunaga das gesagt, gingen auch schon die Türen auf und die Leute begannen, die Halle zu betreten. Ganz automatisch griff Motoya nach Fukunagas Hand. Dieser warf ihm einen fragenden Blick zu.
„Damit wir uns nicht im Gedränge verlieren“, war seine Antwort darauf und sein Mitbewohner nickte. Gemeinsam betraten sie die Halle und der Abend konnte losgehen.
~ ♡ ~
Die Vorband war schon gut und brachte Motoya und Fukunaga sogleich in die richtige Stimmung für den Abend. Die beiden hatten sich etwas Zutrinken geholt und sich einen Platz gesucht, von dem sie die Bühne gut sehen konnte und genug Platz hatten, um zu tanzen. Dies war ihm ganz wichtig, da er auf Konzerten auch tanzen wollte. Fukunaga war zunächst erstaunt darüber, aber hatte sich ziemlich schnell darauf eingelassen. Er hatte Motoya inzwischen auch erzählt, dass er noch nicht auf vielen Konzerten gewesen war. Er hatte sich ganz schnell vorgenommen, dass er dies ändern wollte. Er würde Fukunaga demnächst fragen, was er noch für Musik hörte, und dann konnten sie sich gemeinsam nach Konzerten umsehen.
Gerade spielte Ed Sheeran Galway Girl und für Motoya fühlte es sich an, als würde die gesamte Halle mit ihnen tanzen. Aber er hatte sowieso nur Augen für Fukunaga und Ohren für die Musik.
„Komori“, sagte sein Mitbewohner da zu ihm, wobei er sich ein Stück nach vorne lehnte, damit sie einander auch verstehen konnten.
„Ja?“ Mit aufmerksamen Blick sah er ihn an. Zunächst griff Fukunaga aber nach seiner Hand und drückte diese. Motoya bemerkte in diesem Augenblick, wie glücklich er war. Er fühlte sich so wohl in der Nähe von Fukunaga, das wurde ihm soeben bewusst. Sie wohnten jetzt knapp einen Monat zusammen, aber zu keiner Person zuvor hatte er so eine Verbindung gespürt. Er wollte noch so viel über ihn erfahren und ihn noch so viel besser kennenlernen.
„Ich bin froh, dass wir hier sind“, fuhr Fukunaga fort und drückte seine Hand erneut. Motoya nickte schnell.
„Ich auch. Und ich bin froh, dass wir zusammenwohnen. Ich könnte mir keinen besseren Mitbewohner als dich vorstellen.“ Diese Aussage kam aus tiefsten Herzen. So unglücklich diese Situation mit ihnen auch gestartet war, desto glücklicher war Motoya jetzt. Fukunagas Augen weiteten sich leicht und jetzt war er derjenige, der schnell nickte.
„Mir geht es genauso. Ich bin so froh, dass wir zusammenwohnen.“ Er nahm Motoyas zweite Hand nun ebenfalls und gemeinsamen tanzten sie zu der Musik, die sie so liebten.
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Wakatoshi beobachtete jede Regung in Satoris Gesicht. Das Entzücken in seinen Augen, als sie die Halle betraten. Den ganzen Tag über hatte sein Freund schon die Lieder von Ed Sheeran – Wakatoshi hatte sich inzwischen gemerkt, wie der Sänger hieß – vor sich hingesungen. Er lauschte ihm gerne dabei. Bei der Vorband hatte Satori die ganze Zeit mit den Füßen gewippt und bei vielen Songs mitgesungen, obwohl er zuvor zu ihm gesagt hatte, dass er sie nicht kannte. Wakatoshi fand es bewundernswert, wie sehr er sich darauf einlassen konnte. Er selbst hatte kein Problem, dass er hier war, aber ohne Satori wäre er wahrscheinlich nie auf ein Konzert gegangen. Aber mit seinem Freund konnte er sich das durchaus öfters vorstellen.
Interessant wurde es für Wakatoshi so richtig, als Ed Sheeran auf die Bühne trat. Satori verwandelte sich zwar nicht in eins der kreischenden Mädchen, die sich überall in der Halle verteilt hatten, aber es war ihm eindeutig anzusehen, wie froh er darüber war. Er sang vom ersten Song an mit und tanzten fröhlich vor sich hin. Wakatoshi beobachtete ihn mit einem Lächeln und kam selbst dazu, dass er ein wenig mit den Füßen wippte. Er sah sich aber auch ein wenig um und blieb bei jemanden hängen, der ihn bekannt vorkam. Um sicherzugehen, dass er sich nicht irrte, zog er leicht an Satoris Ärmel. Sofort sah sein Freund ihn fragend an.
„Was ist denn, Wakatoshi?“, fragte er, wofür er sich zu ihm lehnten musste, damit sie einander auch richtig verstanden.
„Sind das dort nicht die beiden, die jetzt bei Kuroo und den anderen im Haus wohnen?“, stellte er seine Vermutung vor und deutete zu den beiden jungen Männern, die so wirkten, als seien sie ganz für sich da. Tatsächlich gingen Satori und Wakatoshi regelmäßig bei Kuroo ein und aus, was daran lag, dass Satori mit vielen dort gut befreundet war. Zwar wusste Wakatoshi bis heute nicht, was er davon halten sollte, dass sein Freund immer noch mit seinem Ex-Freund Semi befreundet war, aber da dieser ja auch in einer Beziehung war, musste er sich wahrscheinlich keine Gedanken darüber machen. Satori folgte von seinem Blick, musterte die beiden und nickte dann.
„Ja, das sind Komori und Fukunaga. Die beiden wohnen jetzt in der Wohnung, wo Kunimi und Kageyama zuvor gewohnt haben“, wusste Satori gleich zu berichteten. Wakatoshi wunderte es nicht, dass sein Freund die beiden inzwischen kannte. Er freundet sich schnell mit den Menschen in seinem Umfeld an.
„Wollen wir zu ihnen gehen?“, fragte er, da er sich vorstellen konnte, dass dieser Vorschlag gleich von seinem Freund kommen würde. Aber dieser schüttelte zu seinem Erstaunen den Kopf.
„Nein, lassen wir ihnen ihren Moment. Ich glaube, die beiden sind auf einen guten Weg, ein Paar zu werden“, prophezeite Satori. Wakatoshi legte den Kopf leicht schief und sah ihn irritiert an.
„Wie meinst du das?“ Er konnte sich nicht vorstellen, wie man sehen sollte, dass jemand ein Paar wurde. Das passiert doch mit der Zeit, oder? Satori richtete seine volle Aufmerksamkeit auf ihn und lächelte ihn an.
„Ich sehe einfach, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt.“
„Chemie, die stimmt?“ Wakatoshi verstand nicht, was Chemie jetzt damit zu tun hatte. Aber er hatte schon davon gehört, dass man davon sprach, dass bei bestimmten Menschen die Chemie stimmte, wenn sie sich gut verstanden. Satori strich ihm über den Oberarm und legte ihm anschließend die Arme um den Nacken.
„So wie bei uns, Wakatoshi. Wir haben uns ineinander verliebt, da die Chemie zwischen uns stimmt. Und so wird das auch zwischen den beiden sein. Da bin ich mir ganz sicher“, erklärte er ihm. Wakatoshi überlegte kurz und nickte schließlich.
„Ich glaube, ich weiß, was du meinst.“ Satori lächelte zufrieden.
„Sehr gut. Und jetzt tanz mit mir“, forderte er ihn auf. Wakatoshi war erstaunt aufgrund dieser Aufforderung, musste aber anschließend lächeln. Er fühlte sich an ihr zweites Date auf dem Weihnachtsmarkt zurückerinnert. Dort hatte Satori ihn auf dem Eis auch aufgefordert, mit ihm zu tanzen.
„Liebend gern“, antwortete er schließlich und ließ sich von seinem Freund führen.
Die Liebe der Sterne
Die Liebe der Sterne
Es war Dienstag, der zweite Juli, gegen vier am Nachmittag, als das Flugzeug zum Landeflug am Flughafen von Naha auf Okinawa ansetzte. Naha, die Stadt, in der Tobio jetzt lebte, ging es Akira durch den Kopf, während er den Landeflug beobachtete. Es war das erste Mal, dass er seinen Freund besuchte, seitdem dieser ausgezogen war. Das war jetzt schon drei Monate her. Normalerweise keine allzu lange Zeit, aber für Akira fühlte es sich so an. Wahrscheinlich lag es daran, dass ihre Beziehung noch so frisch war, als Tobio dieses Angebot angenommen hatte. Nicht ganz sieben Monate waren sie jetzt zusammen und fast die Hälfte davon hatten sie nun eine Fernbeziehung geführt. Da nun die Semesterferien angebrochen waren, hatte Akira die Chance genutzt, um zu Tobio zu fliegen. Zwei Wochen würden sie nun zusammen verbringen. Gemischte Gefühle bereiteten sich in ihm aus, als das Flugzeug auf den Rollfeld aufsetzte.
Tobio wartete in der Ankunftshalle auf ihn. Sein Freund hatte sein Handy in der Hand, da sie miteinander schrieben, wo jeder von ihnen sich gerade befand. So hatte Akira kurzzeitig die Chance, um ihn zu betrachten. Es kam ihm so vor, als wäre er ein wenig gewachsen. Oder war seine Körperhaltung einfach anders? Da hob Tobio auch schon den Kopf und erblickte ihn. Er lächelte ihn an und Akira erwiderte es. Er zog seinen Koffer weiter, während er auf seinen Freund zuging.
„Hallo Akira“, begrüßte Tobio ihn und zog ihn für eine kurze Umarmung an sich. Das überraschte Akira, da sein Liebster seine Gefühle selten offen zeigte. Da ergänzten sie sich sehr. Sie waren kein Paar, welches ihre Beziehung in der Öffentlichkeit zeigen musste. Aber in diesem Augenblick war es alles, was er sich wünschten konnte. Auch wenn sie ihre Fernbeziehung bisher gut gemanagt, aber er hatte Angst vor ihren Wiedersehen gehabt.
„Ich bin endlich da“, war dadurch das Erste, was er zu ihm sagte. Es rutschte ihm einfach heraus und der erstaunte Blick von Tobio war sehr eindeutig, bevor er wieder einem Lächeln wich.
„Ich bin auch froh, dass du hier bist“, antwortete er. Diese Worte machte Akira noch einmal ein Stück glücklicher. Tobio war auch niemand, der gut mit Worten umgehen konnte, aber gerade war dies alles, was er hören wollte.
„Wollen wir dann?“, fragte Tobio und Akira nickte zustimmend. Gemeinsam ging sie auf den Ausgang zu. Von hieraus würde es für Akira in Hotel gehen. Das war so eine Sache, die ihn ein wenig störte. Da sein Freund im Wohnheim seiner Mannschaft wohnte, konnte Akira nicht bei ihm unterkommen. Er hatte die Entscheidung damals gut verstanden, da es günstiger für ihn war, wenn dort unterkam und nicht erst nach einer Wohnung suchen musste. Jetzt störte es ihn aber sehr, da er auch gerne die Nächte mit ihm verbracht hätte. Aber vielleicht ergab es sich ja, dass Tobio in den zwei Wochen ab und an bei ihm übernachtete.
„Hast du nachgeschaut, welche Bahn wir nehmen müssen, um zu deinem Hotel zu kommen?“, fragte Tobio und Akira musste lachen. Sein Freund war noch nie gut mit der Orientierung gewesen. Wahrscheinlich hatte er alles getan, damit er pünktlich am Flughafen ankam.
„Klar, habe ich. Wir müssen zur Station gleich am Flughafen und dann die Nummer sechs nehmen“, antwortete er und schlug die Richtung ein, in der sich die U-Bahnstation befand. Zum Glück war alles gut ausgeschildert. Tobio folgte ihm.
„Was machen wir heute Abend noch?“, fragte Akira, während sie die Treppen zur U-Bahnstation hinunterstiegen. Tobio half ihm dabei, seinen Koffer sicher nach unten zu bekommen.
„Unser Captain hat mir erzählt, dass es ein ganz nettes Restaurant in der Nähe vom Hotel gibt. Dort würde ich gerne mit dir hingehen. Also, wenn du möchtest und nicht zu müde vom Flug bist.“ Er sah ihn unschlüssig an, aber Akira schüttelte den Kopf.
„Ich würde gerne mit dir essen gehen. Immerhin bin ich hier, um so viel Zeit wie möglich mit dir zu verbringen. Und hast du dir schon überlegt, was wir die anderen Tage machen?“ Für ihn war es schön zu hören, dass sein Freund sich Gedanken gemacht hatte, wie sie das Beste aus ihrer gemeinsamen Zeit machen konnten. Es zeigte ihm, dass Tobio ihn ebenfalls vermisst hatte. Auf seine Frage hin verzog sein Freund aber kurz das Gesicht.
„Ich habe bis Freitag immer noch Training. Ich habe nur heute freibekommen, bevor ich nächste Woche ganz frei habe“, gestand er ihn und blickte auf den Boden. Beide blieben stehen.
„Tobio…“ Akira konnte es nicht glauben. Immerhin hatten sie diese gemeinsame Zeit schon geplant, kaum war Tobio ausgezogen.
„Es ging nicht anders. Wir sind immerhin in der Vorbereitung für die nächste Saison und da nächste Woche sowieso Trainingsfrei ist, ging es vorher nicht. Aber ich werde abends zu dir kommen und dann haben wir wenigstens die Zeit zusammen.“ Tobio hob den Kopf wieder, während Akira einen Seufzer unterdrückte. Jetzt konnte er es ja auch nicht mehr ändern.
„…In Ordnung. Und die Woche darauf haben wir ganz für uns?“
„Ab Samstag, ja. Dann haben wir die ganze Zeit für uns“, versprach er.
„Gut.“ Damit ging Akira weiter und tat sein Bestes, um seine Enttäuschung zu unterdrücken.
~ ♡ ~
Akira ließ sich auf das Doppelbett in seinem Hotelzimmer fallen. Es war Freitagabend und Tobio hatte ihm geschrieben, dass er in einer halben Stunde bei ihm sein würde, damit sie Essen gehen konnten. Seitdem er hier war, hatte er seinen Freund immer nur abends gesehen. Auch hatte er keine einzige Nacht bei ihm verbracht, da er morgens immer beim Training sein musste. Akira hatte dementsprechend ausgeschlafen und den Tag damit verbracht, Naha zu erkunden. Es war eine schöne Stadt, aber es war ihm eindeutig zu warm hier. Wahrscheinlich lag das auch am Sommer, aber ewig konnte er nicht hierbleiben. An zwei Abenden waren Tobio und er essen gewesen und die anderen hatten sie im Hotelzimmer verbracht und gemeinsam einen Film geschaut. Alles in allem war es wirklich schön gewesen, aber trotzdem hatte sich Akira mehr von dieser Zeit gewünscht.
Es war zwar nicht, dass er deswegen an ihrer Beziehung zweifelte, da sie bisher so wenig Zeit zusammen gehabt hatten, dennoch war bei ihm immer wieder die Frage aufgekommen, in welche Richtung ihre Beziehung verlaufen sollte. Er zweifelte hierbei auch nicht daran, dass sich seine Gefühle auf längere Sicht ändern würden, trotzdem hatte er Sorgen davor, wie sich ihre Beziehung entwickeln würde. Tobios Vertrag lief für erst einmal zwei Jahre mit der Option, dass er danach verlängert werden konnte, wenn sich beide Parteien einig wurden. Zwei Jahre dauerte auch noch Akiras Studium. Es wäre also der perfekte Zeitpunkt, um sich gemeinsam darüber zu sprechen, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Akira hatte auch schon überlegt, ob er dieses Thema jetzt schon ansprechen sollte, aber es war wahrscheinlich einfach zu früh. Außerdem wollte Akira gerne eine Streit vermeiden, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass es so eskalieren könnte.
Er stieß einen Seufzer aus und drehte sich auf den Bauch. War es normal, dass er sich gerade so fühlt, als wüsste er nicht, in welche Richtung sich seine Beziehung entwickeln würde? Wahrscheinlich schon. Trotzdem war es ein ganz beschissenes Gefühl.
~ ♡ ~
„Heute Abend ist übrigens ein Tanabata-Fest im Senseki-Park. Meine Teamkameraden haben mir davon erzählt, dass es wohl immer sehr schön sein soll“, sagte Tobio am Sonntagmorgen zu Akira, als sie im Hotelzimmer saß und frühstückten. Das gesamte Wochenende hatte Tobio bei Akira verbracht, was diesen wieder etwas entspannt hatte. Da sein Freund jetzt auch frei hatte, würden sie hoffentlich auch viel Zeit miteinander verbringen.
„Stimmt, heute ist ja Tanabata. Ich vergesse das immer, da wir es ja in Sendai einen Monat später feiern. Möchtest du hingehen?“ Fragend sah Akira seinen Freund an. Noch bevor sie zusammengekommen waren, hatten sie während ihre Oberschulzeit jedes Jahr das Fest in ihrer Heimat besucht. Vielleicht wäre das etwas, was sie nächstes Jahr wieder tun sollten.
„Ja, ich glaube, dass ich gerne hingehen möchte. Es ist bestimmt schön, sich das Fest anzusehen und ein Feuerwerk soll es am Ende auch geben. Und es erinnert mich ein wenig an früher“, antwortete Tobio, was Akira ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Es freute ihn, dass sie den gleichen Gedanken hatten.
„Dann sollten wir hingehen. Wir haben ja sowieso noch nichts für den Abend geplant, da scheint es die perfekt Option zu sein“, stimmte er zu und freute sich auf den Abend.
Der Park, in dem das Tanabata-Fest stattfand, war sehr idyllisch und erhielt durch die Dekorationen und Stände des Festes noch einmal ein ganz besonderes Gefühl. Während die meisten Besucher in Yukata gekleidet waren, waren Tobio und Akria in normaler Freizeitkleidung unterwegs. Sie wollten sich ja an diesem Abend wohlfühlen. Gerüche von verschiedenen Essensständen umspielten ihre Nasen und irgendwoher kam die Musik einer Shamisen. Was natürlich auch gleich auffiel, waren die viele Paare, die unterwegs waren. Immerhin sprach die Geschichte der beiden Liebenden Orihime und Hikoboshi viele Paare an, die einander nur einmal im Jahr sehen konnten.
„Der Himmel ist heute Abend klar, also werden sie sich sehen“, sagte Akira mit einem Blick in den Sternenhimmel, der sich an diesem siebten Juli von seiner schönsten Seite zeigte. In der Legende hieß es, dass sich Hikoboshi und Orihime immer nur dann treffen konnten, wenn die Himmel klar war, da der Himmelfluss dann nicht zu breit war, um ihn zu überqueren. Tobio, der bis eben noch in Gedanken gewesen war, sah ihn kurzzeitig verwundert an. Es war eindeutig, dass er ihm nicht zugehört hatte.
„Ich habe gerade von der Legende über Hikoboshi und Orihime gesprochen“, schob Akira nach. Ein Stück Enttäuschung machte sich in ihm breit. Schließlich folgte er seinem Blick gen Himmel und nickte.
„Ja, das stimmt“, sagte er und wandte sich wieder seinem Freund zu, „Willst du etwas Essen?“ Er deutete zu den Ständen, aber Akira schüttelte den Kopf.
„Ich habe noch keinen Hunger. Wir können ja erst einmal über das Fest gehen und uns danach etwas holen. Wenn du aber schon willst, kannst du dir ruhig schon etwas holen.“ Er wusste nicht, wie er die Situation zwischen ihnen beschreiben sollte, aber es fühlte sich gerade sehr unangenehm für ihn an. Hatten sie sich vielleicht doch schon auseinandergelebt? In dieser kurzen Zeit? Dabei hatten sie doch so sehr darauf geachtet, dass sie fast jeden Abend miteinander telefonieren und den Tag über miteinander schrieben, auch wenn sie beide nicht der kommunikative Typ waren. Dass Tobio jemand anderes kennengelernt haben könnte, schloss Akira kategorisch aus. Dafür war er nicht der Typ und war wahrscheinlich viel zu sehr mit seinem Training beschäftigt.
„Gehen wir erst einmal über das Fest“, antwortete der Ältere und tat wieder etwas, womit er Akira erstaunte: er griff nach seiner Hand. Er nahm es gerne an und drückte die Hand als Erwiderung. Schweigend bahnte sie sich ihren Weg durch das Gedränge am Eingang, um einmal das gesamte Fest abzulaufen.
Akira gefiel das Fest ausgesprochen gut. Ein Hingucker waren dabei immer die geschmückten Bambusbäume. Da fiel ihm ein, dass sie später unbedingt noch Wunschzettel an einen Baum hängen mussten. Das war eine Tradition zwischen ihnen. Gerade war seine Aufmerksamkeit aber noch auf etwas anderes gelenkt. Er spürte, wie angespannt Tobio war. Als würde ihn irgendetwas stören, was sich Akira nicht erklären konnte. Und das hielt er nicht mehr aus.
„Tobio.“ Der Ältere blieb stehen und da er ein Stück vor ihm gegangen war, drehte er sich zu ihm um.
„Ja?“ Fragend sah er ihn an.
„Was ist los? Du bist die ganze Zeit schon so angespannt. Es war dein Vorschlag, dass wir herkommen, aber gerade habe ich das Gefühl, dass du gar nicht hier sein willst“, konfrontierte er ihn. Tobio wich seinem Blick aus, aber Akira war standhaft. Kurzzeitig überkam ihm die Angst, dass er sich von ihm trennen wollte. Dass er die Distanz nicht mehr aushielt und es deswegen lieber beenden wollte. Tobio biss sich auf die Unterlippe und hob wieder den Kopf, nachdem er auf seine Fußspitzen gestarrt hatte.
„…Ich tue mich schwer damit, mich einzuleben. In der Mannschaft sind zwar alle nett zu mir und das Training ist auch super, aber es nicht das Gleiche wie vorher…Naha fühlt sich nicht wie meine Heimat an.“ Akira blinzelte erstaunt. Er hätte niemals damit gerechnet, dass es Tobio so ergehen würde.
„Aber in Tokyo hast du dich doch auch gut eingelebt“, kam es ihm über die Lippen. Sie waren damals ja zusammen in die Hauptstadt gezogen, weshalb er alles mitbekommen hatte.
„Aber das warst du bei mir. Hier bin ich allein. Ohne dich.“ Akiras Augen weiteten sich. Mit so einem Geständnis hatte er nicht gerechnet. Nicht von Tobio, der so vieles immer mit sich selbst ausmachte. Wie lange das wohl schon in ihm brodelt? Akira machte ihm keine Vorwürfe, dass er nichts vorher gesagt hatte. Wahrscheinlich hatte er nichts gesagt, da er nicht wollte, dass er sich Sorgen um ihn machte.
„…Ich vermisse dich auch, Tobio. Auch wenn ich jetzt in der kleinere Wohnung wohne, fehlst du einfach…“ Er war ebenfalls ehrlich mit ihm. Er wollte zwar das Beste aus der Situation machen, aber gerade überkam ihm das Gefühl, dass alles über ihn hineinbrach. Über sie hineinbrach. Tobio drückte seine Hand und zog ihm kurz in seine Arme. Ein kurzes Berühren ihrer Lippen, aber es reichte Akira vollkommen aus. Tobio und er machten gerade ähnliches durch und sie sprachen darüber. Danach konnte es nur besser werden.
„Wir schaffen das, in Ordnung? Und in zwei Jahren, wenn wir beide fertig sind, schauen wir dann, wie es für uns weitergehen soll.“ Abwartend sah er Tobio an, der schnell nickte.
„Ja, in zwei Jahren suchen wir uns einen Ort, wo wir wieder zusammenleben werden“, wurde das Versprechen bestätigt. Sie lächelten einander an.
„Gehen wir uns Wunschzettel kaufen. Und danach hätte ich gerne Soumen-Nudeln.“
„Gerne“, stimmte Tobio zu und gemeinsam machten Akira und er sich auf den Weg zurück zu den Ständen. Akira wusste schon genau, was er auf seinen Wunschzettel schreiben würde.
Familienbesuch
Familienbesuch
Kenjirou war nervös, als er gemeinsam mit Semi im Shinkansen nach Sendai saß. Er würde heute offiziell die Eltern seines Freundes kennenlernen. Vor ein paar Wochen hatte ihn Semi, dass erste Mal gefragt, ob sie nicht gemeinsam nach Miyagi fahren wollten. Immerhin kamen sie beide aus der Präfektur und ihre Familien lebten dort. Kenjirou war seit dem Beginn seines Studiums nicht mehr zuhause gewesen und hatte es eigentlich auch nicht geplant, bis Semi mit dieser Idee um die Ecke gekommen war. Kenjirou war skeptisch gewesen, wie sein Freund auf diese Idee gekommen war, gleichzeitig wäre es vielleicht auch nicht schlecht, wenn sie zusammen wegfuhren. Ihr erster Urlaub als Paar oder so etwas in der Art.
Bis Semi ihm gesagt hatte, dass er ihm gerne seinen Eltern vorstellen wollte. Das Geschrei danach war groß geworden, da Kenjirou wieder einmal nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Noch nie hatte einer seiner Partner ihn seinen Eltern vorstellen wollen. Gut, keine dieser Beziehungen war so ernst wie mit Semi gewesen, trotzdem war Kenjirou von diesem Vorschlag überrumpelt. Da sie ja nun zusammenlebten, war es nicht möglich, sich wirklich aus dem Weg zu gehen. Also musste sich Kenjirou der Sache stellen und mit Semi darüber sprechen, was ihn so daran störte. Als er ihm erzählte, dass es das erste Mal für ihn war, hatte Semi ihn in seine Arme gezogen und zu ihm gesagt, dass seine Eltern ihn sicher mögen würden. Und nun saß mit Semi im Shinkansen nach Sendai.
„Bist du immer noch nervös?“, fragte Semi und legte ihm eine Hand aufs Knie. Sie saßen in einem Zweiersitz und Kenjirou hatte den Platz am Fenster vorgezogen. Der Großteil des Weges war schweigend verlaufen, da ihm nicht nach reden zu Mute war. Wahrscheinlich machte Semi daran auch fest, dass er nervös war. Auch wenn er es am Anfang noch versucht hatte, war Kenjirou ihm dankbar, dass er ihm kein Gespräch aufgedrängt hatte, dass seine Nervosität immer größer geworden war, je näher sie Sendai kamen.
„Natürlich bin ich nervös!“, antwortete er genervt, als er es gewollt hatte. Semi zog skeptisch die Augenbrauen in die Höhe und Kenjirou biss sich auf die Unterlippe.
„…Ich mache mir halt Gedanken darüber, ob deine Eltern mich mögen…oder mich akzeptieren…“, fügte er etwas kleinlauter hinzu und sah auf seine Handflächen. Er spürte, wie Semi seinen linken Arm um ihn legte und ihn ein Stück an sich zog. So gut wie das auf dem Zweiersitz ging.
„Sie werden dich sicher mögen. Und akzeptieren werden sie dich sowieso. Weißt du, als ich ihnen damals Satori vorgestellt habe, habe ich mir auch sehr viele Gedanken darüber gemacht, zumal ich ihnen erst kurz vorher gesagt habe, dass ich schwul bin. Sie haben es sehr gut aufgenommen.“ Etwas in Kenjirou zog sich zusammen, als sein Freund darüber sprach, wie gut seine Familie sein Outing aufgenommen hatte. Er verdrängte es wieder ganz schnell und lehnte sich an ihn.
„Aber Tendou und ich sind so unterschiedlich, wie kannst du dir da sicher sein, dass sie mich auch mögen?“ Auf die Frage hin lachte Semi.
„Weil sie meine Eltern sind und ich sie kenne. Und auch wenn ihr beiden total unterschiedlich, wissen sie, dass ich dich liebe, und allein deshalb werden sie dich mögen. Weil du mich glücklich machst. Auch wenn du manchmal echt anstrengend sein kannst.“
„Hey!“ Kenjirou sah in ein freches Grinsen, als er seinen Kopf hob. Sofort musste er auch grinsen und kuschelte sich an seinen Freund. Er musste zugeben, dass seine Nervosität etwas weniger geworden war.
„…Ich liebe dich auch“, flüsterte er anschließend und Semis Grinsen wandelte sich in sein unglaublich schönes Lächeln. Er küsste ihn auf die Stirn und gemeinsam genossen sie den Rest ihrer Reise, wo Kenjirou etwas schaffte, doch noch ein Stück zu entspannen.
~ ♡ ~
„Da wären wir“, sagte Semi zu Kenjirou, als sie vor dem Elternhaus des Älteren standen. Sie waren vom Bahnhof aus mit der U-Bahn in einen der äußeren Stadtteile gefahren, wo Semi aufgewachsen war und Tendou wohl auch, wie er ihm auf dem Rest ihrer Fahrt erzählt hatte. Sie waren also so etwas wie Kindheitsfreunde zu Liebenden gewesen. Nicht, dass Kenjirou sich deswegen verrückt machte, ganz sicher nicht. Es war nur so ein Gedanke, der ihm gekommen war.
„Dann wollen wir es mal hinter uns bringen“, antwortete der Jüngere und drückte die Hand seines Freundes. Dieser lächelte ihn noch einmal an, ehe er seinen Schlüsselbund hervorholte und die Haustür aufschloss.
„Hallo! Wir sind da!“, rief Semi, als sie in den Windfang traten. Sofort ließ Kenjirou seinen Blick über den angrenzenden Flur schweifen. Die Möbel waren in hellen Holzfarben und es gab eine Ablage, auf der man Taschen abstellen konnte. Eine Treppe, die nach ins Obergeschoss führte, sah er ebenfalls. Semi ließ seine Hand los, um ihm ein Paar Hausschuhe zugeben. Just in diesem Augenblick strecke eine Mittvierzigerin ihren Kopf aus einem der Räume, die an den Flur angrenzten.
„Oh, du bist also Shirabu-kun. Freut mich sehr, dich kennenzulernen. Ich bin Sakiko, Eitas Mutter.“ Sie wischte sich noch schnell ihre Hände an der Schürze ab, bevor sie sich leicht verbeugte. Kenjirou beeilte sich, ihr es gleich zu tun.
„Freut mich ebenfalls, Sie kennenzulernen, Semi-san“, sagte er und wartete darauf, dass die Dame des Hauses sich wieder aufrichtete. Als er wieder aufblickte, fing er einen warmen Blick von ihr auf und bemerkte sogleich die Ähnlichkeit zu ihrem Sohn; sie besaß die gleichen warmen Augen und hellen Haare. Semi, der inzwischen die Hausschuhe vor Kenjirou abgestellt hatte, umarmte seine Mutter zur Begrüßung.
„Es ist schön, wieder hier zu sein“, sagte er zu ihr und die beiden lächelten einander an. Kenjirou fühlte sich wie ein unwillkommener Gast bei dieser Szene, weshalb er schnell zur Seite sah.
„Ich bin auch froh, dass ihr jetzt hier seid. Geht doch schon einmal ins Esszimmer. Dein Vater und deine Schwester sollten dort schon den Tisch gedeckt haben. Wir können dann auch gleich essen“, wies Semis Mutter sie an und ging wieder in den Raum, wo Kenjirou inzwischen die Küche vermutete. Semi nickte und nahm die Hand seines Freundes. Bevor er ihn aber mit sich zog, bemerkte er seinen Blick und sah ihn fragend an.
„Ist alles in Ordnung? Bist du immer noch nervös?“ Die zweite Frage gab Kenjirou die Möglichkeit, sich keine Ausrede überlegen zu müssen.
„Natürlich. Ich habe dir doch gesagt, dass ich einen guten Eindruck bei den Eltern hinterlassen will“, antwortete er schnell und sein Freund küsste ihn kurz auf die Stirn.
„Und ich habe dir gesagt, dass du das sicher tun wirst. Komm.“ Sanft zog er ihn an der Küche vorbei in den danebengelegenen Raum. Dieser war durch Schiebetüren in zwei Abschnitte unterteilt. Durch die halbgeöffnete Schiebetür erkannte Kenjirou, dass sich im zweiten Teil das Wohnzimmer befand, während er sich vor ihnen das Esszimmer erstreckte. Hier stand ein heller Tisch mit sechs Stühlen und mehrere Familienfotos hingen an den Wänden, auf denen Semi und seine Schwester in unterschiedlichen Altern zu sehen war wie verschiedene Meilensteine im Leben ihrer Eltern.
„Eita! Da bist du ja endlich!“, rief da ein junges Mädchen, welches gerade aus dem Wohnzimmer kam. Sie eilte zu ihnen und Kenjirou konnte noch gerade rechtzeitig die Hand seines Freundes loslassen, bevor sie Semi um den Hals fiel. Dieser lachte ausgelassen und umarmte seine Schwester zur Begrüßung.
„Hallo Emiko, ich freue mich auch, dich wiederzusehen. Das ist übrigens Kenjirou, mein Freund.“ Er ließ seine Schwester los und stellte sich wieder neben den Jüngeren, dessen Hand er von neuem ergriff, als wolle er allen ganz deutlich zeigen, dass sie zusammengehörten. Für Kenjirou war es gleichzeitig merkwürdig, dass Semi ihn mit Vornamen vorstellte. Bisher war es immer noch eine Seltenheit, dass sie sich beim Vornamen nannten. Vielleicht wurde es langsam Zeit dafür.
„Freut mich“, sagte er zu der Schwester seines Freund und musterte das ungefähr fünfzehnjährige Mädchen kurz. Im Gegensatz zu ihrem Bruder hatte sie dunkelbraunes Haar, welches sie zu einem Zopf gebunden hatte. Die gleichen warmen Augen besaß aber auch sie so.
„Schön, dass du hier bist. Eita hat in letzter Zeit ständig von dir gesprochen, wenn wir miteinander telefoniert haben.“ Sie kicherte und schielte zu ihrem Bruder, der sich am Hinterkopf kratzte. Kenjirou folgte ihrem Blick.
„Ist das so?“, hakte er nach und musste nun grinsen, da er den peinlich-berührten Blick seines Freundes amüsant fand.
„Vielleicht habe ich das…ein wenig…“, nuschelte er.
„Emiko, bist du wieder ein wenig vorlaut?“ Ein Mann Ende vierzig mit kurzen, dunkelbraunen Haaren und einer Brille kam nun aus dem Wohnzimmer und sah seine Tochter mit einem tadelnd-liebevollen Blick an. Emiko hatte nun den gleichen Blick aufgesetzt wie ihr Bruder noch eben.
„Oto-san, hallo“, begrüßte Semi seinen Vater und umarmte auch ihn kurz. Kenjirou wurde immer bewusster, wie herzlich in dieser Familie miteinander umgegangen wurde. Noch wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte.
„Schön, dass ihr beiden hier seid“, sagte er zunächst zu seinem Sohn und wandte sich anschließend Kenjirou zu, „Ich bin übrigens Tatsuo, Eitas Vater. Freut mich, dich kennenzulernen.“ Er verbeugte sich leicht und wie eben schon auf dem Flur, beeilte sich der Jüngere der Geste nachzukommen.
„Freut mich ebenfalls. Ich bin Shirabu Kenjrou und danke, dass ich die nächsten Tag hierbleiben darf“, sprach er dem Hausherren seinen Dank auf, der daraufhin lachte.
„Selbstverständlich doch. Wir haben uns schon sehr darüber gefreut, als Eita angekündigt hat, dass er das nächste Mal seinen neuen Freund mitbringt.“ Der Vater seines Freundes lächelte ihn sanft an und Kenjirou nickte schnell.
„Emiko, kannst du mir kurz helfen?“, rief da Eitas Mutter aus der Küche.
„Natürlich, Kaa-san!“, antwortete die Tochter und eilte in die Küche, während sich Kenjirou gemeinsam mit seinem Freund und dessen Vater auf den Tisch setzte. Er spürte, wie seine Anspannung sich langsam legte. Es war wohl doch die richtige Idee gewesen, dass er mit ihm nach Miyagi gefahren war, ging ihm durch den Kopf.
Das Essen von Eitas Mutter schmeckte ihm sehr gut. Irgendwie hatte er sich im Laufe des Gespräches immer mehr angewöhnt, seinen Freund beim Vornamen zu nennen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er nicht gleich drei Leute mit „Semi-san“ ansprechen wollte. Gleichzeitig fand er es selbst auch schön, da er das Gefühl hatte, dass ihre Beziehung gerade eine neue Ebene erreicht hatte. Auch sein Freund sprach ihn durchgängig mit dem Vornamen an.
„Ich habe von Eita gehört, dass du Medizin studieren würdest, Shirabu-kun. Das Studium ist doch sicher sehr anspruchsvoll, oder?“, fragte Eitas Vater ihn, nachdem sie das Essen beendet hatten. Eita half seiner Mutter dabei, das Geschirr in die Küche zu bringen.
„Medizin hört sich auch richtig spannend als Studium an. Aber dafür braucht man richtig gute Noten, oder?“, stellte auch Emiko ihre neugierigen Nachfragen und schein hellhörig geworden zu sein. Kenjirou sah zwischen ihnen hin und her.
„Ja, es ist schon ziemlich anspruchsvoll und auch zeitintensiv, aber ich habe meinen Spaß daran und weiß ja auch, dass es sich am Ende auszahlen wird. Und was die Noten angeht…Ja, also, wenn du es studieren willst, musst du dich schon ziemlich reinhängen. Ich habe im meinen zweiten Jahr an der Oberschule die Entscheidung für das Studium getroffen und dort schon viel mit dem Lernen angefangen.“ Zum Schluss hatte er Eitas Schwester angesehen, die einen tiefen Seufzer ausstießen.
„Vielleicht sollte ich doch etwas anderes studieren…“, murmelte sie, woraufhin ihr Vater lachte und sanft ihren Arm tätschelte.
„Du wirst schon deinen richtigen Weg finden, Emiko. Deine Mutter und ich werden dich immer unterstützen.“ Diese liebevollen Worte führten dazu, dass Kenjirou schluckten musste. Sie trafen einen Nerv bei ihm. Zum Glück kamen das Eita und seine Mutter zurück.
„Na, über was habt ihr gesprochen?“, fragte sein Freund, während er sich neben ihn setzte. Eitas Mutter nahm wieder gegenüber von Kenjirou Platz.
„Über das Studium“, antwortete er und spürte, wie Eita unter dem Tisch nach seiner Hand griff und sie drückte. Es fühlte sich gut, dass er es tat.
„Shirabu-kun, Eita hat mir übrigens gerade erzählt, dass du auch aus Miyagi stammst. Werdet ihr deine Eltern auch besuchen?“ Diese unschuldige Frage von Eitas Mutter löste so vieles in ihm aus. Für einen Augenblick war er unfähig, sich auch nur ein wenig zu rühren.
„Ich…“, begann er und drückte unterbewusst die Hand seines Freundes fester.
„Sie sind aktuell verreist, weshalb wir sie dieses Mal nicht besuchen können. Dann beim nächsten Mal“, antwortete er an seiner Stelle und lächelte seine Mutter an.
„Das ist aber schade, aber dann sorge ich dafür, dass du dich doppelt wohl hier fühlst, Shirabu-kun.“ Sie sah nun zu dem Freund ihres Sohnes, wobei das Lächeln auf ihren Lippen verblieb.
„Vielen Dank, Semi-san“, bedankte er sich schnell. Er wusste, dass er um ein Gespräch mit Eita, was seine Eltern anging, nicht mehr drum herumkam.
~ ♡ ~
„Hach, ist das schön hier“, sagte Tetsurou Koushi, während sie gemeinsam mit Emi eine kleine, bewaldete Allee hinuntergingen, die sich in der Nähe von Koushis Elternhaus befand. Die beiden hatten sich dazu entschieden, für eine Woche zu den Eltern des Älteren zu fahren, zumal Koushi Tetsurou von dem Tanabata-Fest erzählt hatte, welches jedes Jahr Anfang August in Sendai stattfand. Außerdem hatte er gerne wieder die Familie seines Freunde sehen wollen.
„Ja, richtig idyllisch heute und die Hitze hat ja zum Glück auch ein bisschen abgenommen“, stimmte er ihm zu und lehnte sich beim Gehen leicht an ihn, während Emi ein Stück vor ihnen lief und dabei immer wieder stehen blieb, um zu schnüffeln. Um sie herum zirpten ein paar Zikaden.
„Das macht es nur noch besser.“ Tetsurou hauchte einen Kuss auf den grauen Schopf und genoss in vollen Zügen ihre Zweisamkeit. Emi blieb stehen und bellte ihn freudig zu, ehe sie zu ihnen zurücklief. Koushi lachte und löste sich von ihm, um die Hündin zu streicheln. Sie umlief beide einmal, als wolle sie sich vergewissern, dass noch alle da waren, und lief wieder vor.
„Du hast heute übrigens ziemlich lange mit meinem Vater gesprochen, meinte Kenta vorhin zu mir. Hatte das einen bestimmten Grund?“, gab Koushi da ganz unvermittelt preis, was er von seinem jüngeren Bruder erfahren hatte, als er vorhin mit seiner Mutter unterwegs gewesen war. Tetsurou kratzte sich am Hinterkopf und musste sich schnell etwas überlegen. Ja, es hatte natürlich einen Grund gegeben, warum er sich so lange mit dem Vater seines Freundes unterhalten hatte, aber den konnte er ihm noch nicht nennen.
„Wir haben uns nur ein wenig länger ausgetauscht. Wir haben uns ja auch eine Weile nicht mehr gesehen und er hat mich gefragt, wie es aktuell so in Tokyo mit dem Haus und allem läuft“, antwortete er ihm. Koushi sah ihn kurzzeitig skeptisch an, als durchschaue er diese Lüge. Wundern würde es Tetsurou nicht, da sie einander oft durchschauten. Aber Koushi schien sich damit zufriedenzugeben, da er sich wieder an ihn lehnte. Er legte einen Arm um ihn.
„Ich bin echt froh darüber, dass du dich so gut mit meinem Vater verstehst. Am Anfang war das ja sehr schwierig zwischen euch“, sagte er stattdessen und Tetsurou musste zustimmend nicken. Sehr schwierig war in seinen Augen schon fast untertrieben. Als Koushi ihn das erste Mal mit nach Hause gebracht hatte, war sein Vater nicht sonderlich begeistert gewesen. Koushis Mutter hatte ihn recht schnell in ihr Herz geschlossen und auch sein jüngerer Bruder Kenta war mit ihm warm geworden. Aber mit Koushis Vater hatte es anders ausgesehen und Tetsurou hatte recht schnell den Grund dafür herausgefunden: er hatte Koushis Ex-Freund sehr gemocht und nun nicht damit zurechtkam, dass es da jemand neues gab. Irgendwann hatte er aber gemerkt, dass Koushi Tetsurou aufrichtig liebte, und hatte sich langsam für ihn erwärmen können.
„Ja, ich bin auch froh darüber. Inzwischen verstehen wir uns ja wirklich gut und dafür bin ich auch sehr dankbar.“ Ansonsten hätte Tetsurou auch nicht gewusst, mit wem er über dieses Thema am besten sprechen sollte. Aber das war jetzt auch erledigt und er war frohen Mutes.
„Ansonsten hätte er sich auch einiges von mir anhören dürfen. Immerhin werde ich dich so schnell nicht mehr verlassen.“ Koushi zwinkerte ihm zu und Tetsurou musste lachen.
„Das will ich auch gehört haben.“ Er lehnte sich nach unten und küsste ihn. Er wollte den Rest seines Lebens mit ihm verbringen.
~ ♡ ~
„Willst du mir sagen, was es mit deinen Eltern auf sich hat?“, fragte Eita Kenjirou, als sie nach dem Essen einen Spaziergang durch die Nachbarschaft machten. Er hatte gemerkt, dass sein Freund nach dem Essen ein wenig Abstand brauchte. Ihm war vorhin natürlich nicht entgangen, wie angespannt Kenjirou gewesen war, als seine Mutter ihn auf seine Eltern angesprochen hatte, weshalb er sich schnell diese Lüge überlegt hatte. Schon damals, als er ihn gefragt hatte, ob sie zusammen nach Miyagi fahren wollte, hatte er gemerkt, dass dort irgendetwas sein musste.
Der Jüngere sah ihn jetzt auch nicht an, sondern direkt nach vorne. Eita beobachtete genau, wie es in ihm arbeitete. Er seufzte schließlich und wandte den Kopf zu ihm.
„Muss das sein?“, stellte er eine Gegenfrage und wirkte alles andere als glücklich, dass Eita ihn überhaupt gefragt hatte.
„Das musst du entscheiden, aber ich würde es schon gerne wissen. Weil es scheint dich doch zu beschäftigen, das merke ich doch.“ Abwartend blickte er ihn an. Kenjirou biss sich auf die Unterlippe und wandte sich wieder den Blick ab.
„Wenn du es wirklich wissen willst…Das Verhältnis zu meinen Eltern ist bei weitem nicht so gut wie das, welches du mit deinen Eltern hast. Es hat seine Gründe, warum ich seit meinem Umzug nach Tokyo nicht mehr zuhause gewesen bin.“ Eita war froh darüber, dass er sich ein wenig ihm gegenüber öffnete. Aber er ahnte, dass das längst noch nicht alles war.
„Und was sind diese Gründe? Ich möchte das gerne verstehen, Kenjirou. Weil ich dich verstehen will.“ Ihm war bewusst, dass er nicht zu forsch vorgehen würde, ansonsten würde Kenjirou sicherlich wieder an die Decke gehen und sich ihm ganz verschließen. Das wollte er auf keinen Fall riskieren. Sein Freund blieb stehen und Eita tat es ihm nach. Sie sahen einander an.
„Gut, wenn du es unbedingt wissen willst: meine Eltern akzeptieren nicht, dass ich schwul bin. Mein Vater hat mich mit einem anderen Jungen im Bett erwischt, weil ich nicht wusste, dass er an dem Tag früher nach Hause kommt. Wäre mein großer Bruder nicht gewesen, hätte er mich an dem Tag vor die Tür gesetzt.“ Eita konnte nicht anders, als Kenjirou in diesem Augenblick anzustarren. Es wollte nicht in seinen Kopf gehen, was er dort gerade von ihm hörte. Er verstand nicht, wie Eltern ihre Kinder so behandeln konnten.
„Kenjirou…“ Er streckte die Hand nach ihm aus, aber sein Freund ging ein Stück nach vorne, während er die Arme vor der Brust verschränkte.
„Und das ist noch nicht alles, okay? Mein ganzes Leben lang habe die beiden nur gestritten und ich verstehe bis heute nicht, warum sie noch verheiratet sind. Sie haben trotzdem sie vier Kinder in die Welt gesetzt und ich freue mich heute schon auf den Tag, wenn mein jüngster Bruder auszieht und die beiden nicht mehr so tun müssen, als wäre sie eine glückliche Familie! Als wären wir eine glückliche Familie!“ Er hörte genau, wie er sich Kenjirou in Rage reden. Eita schluckte. Gerade verstand er sehr gut, warum er in manchen Situation so reagierte, wie er es tat. Warum er so oft an die Decke ging, wenn er das Gefühl hatte, dass es gerade nicht angemessen war. Seine Kindheit war wahrscheinlich alles andere als einfach gewesen und es war ein Verteidigungsmodus von ihm geworden. Eita machte zwei Schritte nach vorne und umarmte ihn von hinten.
„Scheiß auf deine Eltern, Kenjirou. Es ist schrecklich, dass sie dich nicht akzeptieren, aber das zeigt nur, dass sie dich nicht verdient haben. Ich werde nicht zulassen, dass dir so etwas noch einmal passiert“, versprach er ihn und zog ihn noch mehr an sich. Er spürte, wie Kenjirou zusammenzuckte. Er sagte nichts, sondern ließ sich einfach von ihm halten.
„…Du hast aber noch Kontakt zu deinen Brüdern, oder? Ich würde sie nämlich kennenlernen wollen“, sprach er weiter. Kenjirou entspannte sich langsam und drehte sich in seinen Armen um, damit er ihn ansehen konnte.
„Ja, bei den beiden jüngeren rufe ich einmal in der Woche an, um sicherzustellen, ob auch alles in Ordnung bei ihnen ist. Mein älterer Bruder arbeitet derzeit in Kyoto, aber er will nächstes Jahr mit seiner Freundin nach Sendai ziehen, also wird er öfters nach ihnen schauen können“, erzählte er ihm und wirkte schon ein wenig entspannter. Eita lächelte und küsste ihn auf die Nase.
„Vielleicht können wir uns ja mit deinen jüngeren Brüdern treffen, während wir hier in Miyagi sind“, schlug er vor. Vorsichtig nickte der Jüngere und lehnte sich an ihn.
„…meinst du das mit deinem Versprechen ernst? Dass du nicht zulässt, dass mir so etwas noch einmal passiert?“ Die Unsicherheit ins einer Stimme war sehr deutlich herauszuhören. Eita drückte ihn wieder an sich.
„Ja, mehr als ernst. Ich werde nicht zulassen, dass dich noch einmal jemand so verletzt.“ Eita nahm sich fest vor, dass er alles tun würde, um dieses Versprechen aufzuhalten.
„Danke“, sagte Kenjirou lediglich und küsste ihn. Eita erwiderte den Kuss und hielt ihn einfach nur in diesem Augenblick, der ganz ihnen gehörte.
~ ♡ ~
Tetsurou ließ sein Blick über das Fest schweifen. Koushi und er war mit der Familie des Älteren hergekommen, aber ihre Wege hatten sich inzwischen getrennt, da Kenta auf Freude getroffen war und Koushis Eltern hatte sich mit ein paar Nachbarn unterhalten. Sie hatten aber abgemacht, dass zum Feuerwerk wiedertreffen würden. Emi war natürlich auch bei ihnen.
„Suga? Kuroo?“, hörte Tetsurou da jemand hinter ihnen sagen und beide drehten sich. Emi bellte sofort freudig, als sie die beiden Bewohner ihres eigentlichen Zuhauses erkannte.
„Semi, Shirabu, ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir uns hier sehen“, sagte Koushi zu den beiden, während sie auf sie zu kamen. Semi lachte.
„Wir haben uns heute mit Kenjirous Brüdern in der Stadt getroffen und sind dann auf die Idee gekommen, dass wir noch herkommen könnten. Und ihr seid mit deiner Familie hier, Suga?“, antwortete Semi und drückte die Hand seines Freundes, der zustimmend zu dem Gesagtem nickte.
„Ja, wir sind mit ihnen hier, aber treffen uns erst zum Feuerwerk wieder. Und wie schaut es bei euch aus? Bleibt ihr noch ein bisschen? Wir könnten zusammen über das Fest gehen“, schlug Koushi vor und Emi bellte, als wolle sie zustimmend. Shirabu und Semi tauschten einen kurzen Blick miteinander aus und Tetsurou war gespannt, wie die beiden antworten würden. Er wusste ja, dass Shirabu meistens lieber für sich blieb und das hatte sich auch nicht geändert, seitdem er mit Semi zusammengekommen war. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass er heute irgendetwas anders als sonst war.
„Warum nicht? Ich war schon lange nicht mehr hier und bin gespannt, was sich alles geändert hat“, antwortete der Jüngste in ihrer Runde, was Tetsurou positiv überraschte. Koushi neben ihm lächelte zufrieden und Semi drückte seinem Freund einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Das ist großartig. Dann wollen wir mal schauen, was es hier alles so gibt. Koushi hat mir das nämlich auch noch nicht verraten“, stimmte Tetsurou ebenfalls zu und die beiden Paare machten sich auf den Weg, wobei Semi und Shirabu vorweggingen, wodurch Koushi und Tetsurou sie genau beobachteten könnten. Dem Vermieter ihres Wohnhauses fiel sofort auf, dass die beiden irgendwie näher als sonst miteinander umgingen. Zuvor hätte er nie sagen können, ob die beiden ein Paar wären, wenn er es nicht gewusst hätte. Aber jetzt hatte Semi einen Arm um Shirabu gelegt, der sich leicht an ihn lehnte.
„Kann es sein, dass Shirabu irgendwie entspannter ist?“, raunte Koushi ihm zu und Tetsurou musste darüber lächeln, wie ähnlich sie wieder dachten.
„Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Ich glaube, dass die beiden hier in Miyagi nochmal anders miteinander umgegangen sind. Auf eine positivere Weise. Und das freut mich für sie“, gab er seine Meinung zu ihnen ab. Koushi nickte zustimmend und hakte sich bei ihm unter. Mit seiner anderen Hand hielt er Emi, die brav neben ihnen lief.
„Das tue ich auch. Und genauso bin ich froh darüber, dass wir gemeinsam hier sind, Tetsu. Ich liebe dich“, flüsterte er ihm zu und entlockte ihm ein kleines Lachen.
„Ich liebe dich auch, Kou.“ Er lehnte sich nach vorne und küsste ihn.
Ein unerwartetes Treffen
Ein unerwartetes Treffen
Es war ein schöner, sonniger Herbstnachmittag Ende September. Da die Sonne heute so schön schien, hatten sich Keiji und Akinori dafür entschieden, dass sie einen Spaziergang im Park machen wollten. Sie hatten kurz überlegt, ob sie Kuroo und Sugawara fragen sollten, ob sie Emi mitnehmen sollten, aber die beiden waren morgens zu Kuroos Großeltern gefahren und hatten ihre Hündin natürlich mitgenommen. So waren sie allein unterwegs.
Keiji musste in letzter Zeit immer wieder daran denken, wie gut ihre Beziehung inzwischen funktionierte. Seit über neun Monaten wohnte er nun schon in dem Wohnhaus, wo er ja auch Akinori kennengelernt hatte. Er hätte niemals damit gerechnet, dass er einen neuen Partner dort finden würde, aber inzwischen war er sehr glücklich darüber, dass es so gekommen war.
„An was denkst du gerade?“, fragte Akinori ihn da, während sie gerade den Park betraten. Schon bei ihrem Wohnhaus hatte der Ältere seine Hand ergriffen, was Keiji gerne zugelassen hatte. Er wollte voll und ganz zu seiner Beziehung stehen. Er lächelte seinen Freund an.
„Ich musste nur gerade daran denken, wie froh ich darüber bin, dass du damals versprochen hast, auf mich zu warten. Und du das auch getan hast“, sprach er glücklich über seine Gedanken. Sie hatten es nur so weit geschafft, da Akinori so hartnäckig geblieben war. Wenn er Keiji nicht immer wieder nach Dates gefragt hätte, wären sie heute wahrscheinlich kein Paar. Sein Freund sah ihn daraufhin erstaunt an.
„Natürlich habe ich auf dich gewartet. Das habe ich dir damals versprochen, als wir vor dem Haus standen und es angefangen hat, zu schneien. Ich habe dir damals schon gesagt, dass mir recht klar schnell war, dass ich dich besser kennenlernen wollte, als du in unser Haus eingezogen bist.“ Keiji sah in die klaren Augen seines Freundes und las die Aufrichtigkeit seiner Worte aus ihnen heraus.
„Trotzdem. In meinen Augen ist es nicht selbstverständlich, dass du gewartet hast. Ich meine, wenn du nicht so hartnäckig gewesen wärst, würden wir jetzt nicht hier stehen.“ Akinori drückte seine Hand und zog ihn ein Stück zu sicher heran, damit er ihn in eine Umarmung ziehen konnte. Keiji erwiderte sie sofort und lehnte sich an ihn.
„Ich würde immer auf dich warten, Keiji. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, wie ich dir gesagt habe. Und ich könnte nicht glücklicher darüber sein, dass du meine Gefühle inzwischen erwiderst.“ Er küsste ihn und der Jüngere erwiderte den Kuss sofort. Bisher hatte noch keiner von ihnen diese drei Worte ausgesprochen, aber Keiji wusste, dass er sie aussprechen wollte. Es fühlte sich richtig an, dass er es ihm endlich sagte. Sollte er es jetzt tun? Es würde ihre Beziehung auf eine ganz neue Ebene bringen. Keiji fühlte sich bereit dafür.
„Akinori-san, ich-“
„Keiji?“, wurden sie da angesprochen und sie lösten sich voneinander. Vor ihnen standen tatsächlich Hajime und sein Freund Oikawa. Keiji biss sich leicht auf die Unterlippe. Dort stand tatsächlich sein Ex-Freund mit seinem neuen Freund vor ihnen. Und das in dem Augenblick, wo Keiji diese drei besonderen Worten zu Akinori sagen wollte. Ein schlechteres Timing konnte es wohl nicht geben. Er spürte auch sofort, wie sich sein Freund neben ihm leicht verkrampfte. Verübeln konnte er es ihm nicht. Immerhin hatte er ihm erzählt, was damals zwischen ihnen vorgefallen war und was zu ihrer Trennung geführt hatte. Und dieser Grund stand neben Hajime.
„Hallo Hajime“, begrüßte Keiji ihn aber erst einmal und drückte gleichzeitig die Hand von Akinori, die er sofort wieder ergriffen hatte. Er wollte ihm damit zeigen, dass alles in Ordnung war. Er war mit ihm hier und nicht mit Hajime.
„Wie geht es dir?“, fragte sein Ex-Freund sofort und entlockte Keiji damit doch ein Lächeln. Das erinnerte ihn an den Mann, in den er sich damals verliebt hatte. Immer direkt und zuvorkommend, aber auch ehrlich. Das waren die Eigenschaften, die er so sehr an ihm geschätzt hatte, auch wenn sie die letzte am Ende ihre Beziehung gekostet hatte.
„Mir geht es so weit gut. Und dir?“, fragte er und sah dann zu Akinori, ehe er wieder Hajime den Blick zuwandte, „Das ist übrigens Konoha Akinori, mein Freund.“ Keiji benutzte bewusst „Freund“ und nicht „neuer Freund“ oder dergleichen. Dafür war seine Trennung von Hajime zu lange her und Akinori hatte längst diesen Platz in seinem Herzen eingenommen. Er bemerkte Hajimes musternden Blick Akinori gegenüber, weshalb sich Keiji gleich noch einmal gerader hinstellte. Sein Freund warf ihm einen kurzen Blick zu und lächelte, ehe er zu Hajime sah.
„Freut mich sehr dich kennenzulernen. Keiji hat einiges über dich erzählt“, begrüßte er ihn lediglich und lächelte ihn trotzdem an. Keiji bewunderte es, wie ruhig er blieb. Er sah auch, wie Hajimes Augenlied ganz kurz zuckte.
„Willst du mich nicht auch vorstellen?“, mischte sich da Oikawa ein, der sich bei Hajime untergehakt hatte. Er sah immer wieder zu Keiji und Akinori, aber für Ersteren war es schwer etwas in seinem Blick zu lesen. Er hatte ein verdammt gutes Pokerface, als wolle er sich rein gar nichts anmerken lassen. Und es war ja auch nicht so, dass Keiji mit seinem Namens nichts anfangen konnte. Trotzdem fand er es interessant, wie er darauf bestand, dass er auch vorgestellt wurde. Der leicht verwirrte Blick von Hajime unterstrich Keijis Vermutung noch einmal.
„Wenn du willst…Das ist Oikawa Tooru, mein Freund.“ Er nickte ihnen zu, während sich auf Oikawas Gesicht eine Regung in Form eines selbstzufriedenes Grinsen zeigte.
„Freut mich sehr, euch beide kennenzulernen. Ich war ja immer auf Hajimes Ex-Freund gespannt.“ Da war noch etwas Weiteres in Oikawas Blick, was Keiji nicht richtig zu ordnen konnte. Aber es gefiel ihm nicht. Innerlich atmete er einmal tief durch. Hajime und er hatte sich im letzten Jahr längst ausgesprochen und auch wenn sie sich seitdem nicht mehr gesehen hatten, war eigentlich nichts Feindliches mehr zwischen ihnen. Keiji war glücklich, wie sein Leben gerade verlief.
„Wollt ihr heute auch das gute Wetter für einen Spaziergang nutzen?“, fragte er tatsächlich vollkommen unbefangen. Hajime lächelte ihn daraufhin an.
„Ja, wollen wir. Und uns einen Kaffee bei Stand hier im Park holen. Der ist immer sehr gut. Wollt ihr vielleicht mitkommen?“ Der Vorschlag erstaunte ihn, aber da er nicht allein entscheiden wollte, sah erst einmal zu Akinori.
„Was hältst du davon? Hättest du Lust auf einen Kaffee?“
„Klar, warum nicht? Für Kaffee bin ich immer zu haben.“ Keiji war so glücklich darüber, dass er seinen Vorschlag so unkompliziert annahm. Er hätte sich auch immerhin weigern können, da sie ja allein Zeit verbringen wollten. Hajime warf Oikawa ebenfalls einen fragenden Blick zu. Dieser zuckte aber nur mit den Schultern.
„Es war immerhin mein Vorschlag mit dem Kaffee, also bin ich so oder so dabei“, meinte er lediglich. Hajime nickte zufrieden und wandte sich Keiji wieder zu.
„Dann gehen wir mal.“
~ ♡ ~
Die Situation war merkwürdig. Mehr als merkwürdig, wenn Akinori es ganz genau beschreiben wollte. Da waren sie einfach auf Keijis Ex-Freund mit dessen neuen Freund getroffen. Und als wäre das schon nicht merkwürdig genug, waren sie jetzt gemeinsam mit ihnen auf den Weg, um sich Kaffee zu holen. Auch wenn das Gespräch am Anfang noch holprig gewesen war, funktioniert es jetzt hervorragend. Zumindest zwischen Keiji und Iwaizumi. Die beiden unterhielten sich so, als wären sie alte Freunde, die sich lange nicht gesehen hatten. Sie sprachen über ihr Studium.
Und auch wenn er derjenige war, dessen Hand Keiji die ganze Zeit über hielt und immer wieder drückte, konnte Akinori nicht unterdrücken, dass dort doch ein kleines Gefühl der Eifersucht bei ihm aufkam. Immerhin fiel ihm wieder auf, wie gutaussehend Iwaizumi war. Er war zwar nicht größer als Akinori, aber viel sportlicher gebaut und es wirkte für ihn auch, als würde er öfters ins Fitnessstudio gesehen. Ob Keiji auf so etwas stand? Vielleicht sollte er das auch tun.
„Die Schlange ist ziemlich lang“, meinte Iwaizumi, als sie schließlich bei dem Kaffeestand ankamen. Er schien wohl wirklich beliebt zu sein oder mehr Leute, als er gedacht hatte, waren auf die Idee gekommen, bei diesem schönen Wetter in den Park zu gehen.
„Ja. Und ich glaube, es ist auch nicht besser, wenn wir uns alle anstellen. Hast du ein Problem damit, wenn Hajime und ich uns anstellen?“ Fragend sah Keiji ihn an. Akinori wusste, dass es hieß, dass er hier mit Oikawa warten sollte, der bisher noch kein einziges Wort zu ihm gesagt hatte. Generell war er ruhiger, als es Akinori sich vorgestellt hatte.
„Nein, ich habe damit kein Problem. Ich nehme dann das Übliche.“ Er würde sich jetzt nicht querstellen und darauf bestehen, dass er mit Keiji ging. Er vertraute seinem Freund, auch wenn er das Gefühl der Eifersucht nicht abschütteln konnte. Aber es war ja nur für einen Moment und hieß nicht, dass Keiji ihn für Iwaizumi verlassen würde.
„Alles klar, bis gleich.“ Keiji drückte ihm noch einen kurzen Kuss auf die Wange, bevor er sich mit Iwaizumi in die Schlange einreihte. Er sah ihm noch kurz nach, bevor er zu Oikawa sah.
Dieser stand mit vor der Brust verschränkten Armen da und sah den beiden nach. Sein Blick war wie schon den ganzen Weg über unleserlich und das mochte Akinori nicht. War Oikawa etwa so unsicher, weil er Iwaizumi mit Keiji zusammen sah? Wenn Akinori es damals richtig verstanden hatte, war er ja derjenige, für den Iwaizumi Keiji verlassen hatte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er ihn vorsichtig. So ganz wusste er noch nicht, wie er mit ihm umgehen sollte. Er hatte keine Verbindung zu ihm, außer dass ihre jetzigen Freunde mal ein Paar gewesen waren. Er drehte sich zu ihm um.
„Sag du es mir“, kam die Gegenfrage. Akinori sah ihn verwirrt an.
„Was genau meinst du damit?“
„Ist es für dich in Ordnung, dass die beiden dort allein hingehen? Ich meine, sie unterhalten sich die ganze Zeit über schon prächtig und sind noch nicht einmal auf die Idee gekommen, dass wir beide auch zum Stand gehen könnten.“ Akinori identifizierte das Problem von Oikawa in dieser Sekunde recht schnell: da sprach die Eifersucht auf ihm heraus. Aber woher kam das? Er konnte schon sagen, dass sein Gegenüber gutaussehend war, wenn auch nicht sein Typ war. Und das bisschen, was Keiji ihm erzählt hatte, zeigte, dass er und Iwaizumi sich auch schon ewig kannten.
„Warum sollte es nicht in Ordnung sein? Die beiden unterhalten sich ja ganz normal, da sie sich länger nicht gesehen haben.“ Er zuckte mit den Schultern. Oikawa hingegen schüttelte den Kopf.
„Das ändert nichts an der Tatsache, dass die beiden mal ein Paar waren. Und auch wenn Hajime derjenige war, der sich von Akaashi getrennt hat, geht dein Freund nicht so mit ihm um, wie man es bei einem Ex-Freund wohl erwarten könnte.“ Akinori musste zugeben, dass ihn die Richtung, in die ihr Gespräch ging, immer mehr verwirrte. Gleichzeitig war er sich fast sicher, dass Oikawa wahrscheinlich in seinem Leben schon einmal ein schlimmere Trennung durchgemacht haben musste, da anders konnte er sich diese Annahme nicht erklären.
„Also meines Wissens nach haben sich die beiden längst ausgesprochen und es herrscht kein böses Blut zwischen ihnen. Für mich spricht nichts dagegen, dass sie normal miteinander umgehen.“ Oikawa sah ihn für einen langen Augenblick nur an; das Gesicht wieder unleserlich. Für Akinori stand fest: sie würden wahrscheinlich keine Freunde mehr werden.
„Und du hast keine Angst, dass Akaashi Hajime immer noch lieben könnte?“, war die nächste Frage, die doch einen Nerv bei ihm traf. An sich war er sich Keijis Gefühlen für ihn ziemlich sicher, zumal sein Freund erst vorhin davon gesprochen hatte, wie glücklich er darüber war, dass Akinori so hartnäckig geblieben war. Aber konnte es vielleicht sein, dass er immer noch Gefühle für Iwaizumi hatte?
„Also ich habe Angst davor. Ich meine, sieh dir Akaashi an. Er ist hübsch, hat dieses Prozellangesicht und ist dazu noch nett. Ich kann schon verstehen, dass sich Hajime in ihn verliebt hat. Und trotzdem er ihn für mich verlassen.“ Akinori folgte Oikawas Blick, der zum Stand gewandert war, wo Iwaizumi und Keiji gerade ihre Bestellung entgegennahmen. Die beiden lachten miteinander. Er horchte in sich hinein und ihm gefiel nicht, was Oikawas Worte in ihm ausgelöst hatten.
„Da wären wir wieder“, begrüßte Keiji sie und ging sofort zu Akinori, „Medium mit Hafermilch und einen Schuss Karamellsirup, bitte schön.“ Er reichte ihm den Kaffeebecher. Akinoris Mundwinkel zuckten und seine Zweifel waren für diesen Moment wie weggefegt.
„Dank dir.“ Er küsste seinen Freund auf die Wange, während er ihm den Becher abnahm.
„Wollen wir noch eine Runde gehen?“, fragte da Iwaizumi und sah dabei vor allem Akinori an, was diesen verwunderte. Oikawa hatte sich zu seinem Freund gestellt, der sofort einen Arm um ihn legte. Er fragte sich, warum er sich solche Gedanken machte.
„Gerne. Das Wetter ist schön und das sollten wir ausnutzen“, antwortete Akinori mit einem Lächeln, woraufhin Keiji seine Hand drückte. Wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass er zufrieden war. Gemeinsam machten sich die beiden Paare auf den Weg.
~ ♡ ~
Nach einer Weile verabschiedeten sich die Paare voneinander und gingen wieder ihre eigenen Wege. Akinori hatte es geschafft, sich immer wieder in die Gespräch einzubringen, und an sich musste er sagen, dass Iwaizumi doch einen positiven Eindruck bei ihm hinterlassen hatte. Er verstand, warum Keiji sich damals in ihn verliebt hatte. Gleichzeitig hatte er aber dazu geführt, dass die Worte von Oikawa wieder durch seinen Kopf gewirbelt waren. Es brannte ihn auf der Seele, es bei Keiji anzusprechen, aber er wusste nicht so recht wie.
„Ist alles in Ordnung bei dir? Du bist auf einmal so still, Akinori-san“, nahm sein Freund ihm diese Aufgabe schließlich ab. Sie waren gerade dabei, den Park zu verlassen. Akinori blieb stehen und atmete tief durch. Jetzt oder nie.
„Liebst du Iwaizumi noch? Zumindest so ein kleines bisschen?“ Keijis Augen weiteten sich daraufhin. Schnell schüttelte er den Kopf.
„Nein! Also, ich mag ihn immer noch, aber wenn dann nur noch auf einer freundschaftlichen Ebene. Ich bin froh, dass ich mich mit ihm aussprechen konnte, aber mehr ist da nicht. Wie kommst du darauf?“
„…Ich habe vorhin mit seinem Freund darüber gesprochen. Beziehungsweise hat er mich gefragt, ob ich Angst davor hätte, dass du ihn noch liebst. Und als ich euch dann so beobachtet habe…Ich weiß auch nicht. Eigentlich ist es ziemlich dumm, nicht wahr?“ Er gab ein peinlich berührtes Lachen von sich, aber Keiji nickte verständnisvoll.
„Nein, nicht dumm. Ich meine, unsere Beziehung stand immerhin unter dem Stern, dass wir uns überhaupt wegen meiner Trennung kennengelernt haben. Ich kann dir aber nur versprechen, dass ich keine romantischen Gefühle mehr für ihn habe.“ Er hob die Hand und strich Akinori sanft über die Wange. Er lehnte sich gegen seine Hand und lächelte ihn.
„Mehr brauche ich nicht zu hören.“
„Außerdem…vorhin, kurz die beiden zu uns gekommen sind, wollte ich dir etwas Wichtiges sagen, da es sich in den Moment richtig angefühlt hat. Und weil ich es dir unbedingt sagen will, tue ich das jetzt: Ich liebe dich, Akinori. Du hast mein Herz geheilt. Und du bist die erste Person, zu der sich diese drei Worte sage.“ Nun waren es sich Akinoris Augen, die sich vor Erstaunen weiteten. All seine Zweifel waren wie weggefegt.
„Ich liebe dich auch, Keiji!“ Er fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Nie wieder würde er an seinen Gefühle für ihn zweifeln.
Happy Halloween
Happy Halloween
Koushi konnte nicht ganz benennen, woher dieses Gefühl kam, aber kaum hatte der Oktober begonnen, hatte er richtig Lust auf Halloween. Im letzten Jahr war das nicht so gewesen, aber er mochte das Gefühl. Dieses Jahr freute er sich auf die Geisternacht. Das merkte man auch recht schnell ans Tetsurous und seiner Wohnung, wo bald ganz viele kleine dekorative Kürbisse, kleine Hexen und Geister standen. Tetsurou hatte ihn schon gefragt, ob er etwas verpasst hatte. Koushi konnte ihm nur antworten, dass er dieses Jahr in Halloween-Stimmung war. Tetsurou meinte darauf scherzhaft, dass sie ja eine Halloween-Party veranstalten könnten. Und damit reifte in Koushi ein Plan.
Zum Glück war er nicht der Einzige, der in Halloween-Stimmung war. Sobald er das Thema Tendou gegenüber erwähnt, klinkte sich dieser mit in die Planung ein.
„Was brauchen wir denn jetzt alles für die Party?“, fragte Tendou Koushi, als sie Mitte Oktober zusammen in der Mensa der Universität saßen. Tetsurou hatte inzwischen auch zugestimmt, dass die Feier im Keller des Wohnhauses stattfinden konnte. Es waren natürlich wieder einmal die üblichen Verdächtigen eingeladen, auch wenn sie noch nichts von ihrem Glück wussten. Die Einladungen wollten Koushi und Tendou an diesem Nachmittag verteilen.
„Über was redet ihr gerade?“, mischte sich da eine weitere Stimme ein, bevor er Tendou antworten konnte. Komori gesellte sich zu ihnen und stellte sein Tablett neben dem von Koushi ab. Fragend sah er die beiden an.
„Ich hatte die Überlegung, dass wir dieses Jahr eine Halloween-Party im Haus machen. Letztes Jahr haben wir alle Weihnachten zusammengefeiert und nachdem ich dieses Jahr so in Halloween-Stimmung bin, habe ich das für eine weitere schöne Idee gehalten“, erklärte er ihn ihre Zusammenkunft.
„Und als Suga mir davon erzählt hat, war ich sofort Feuer und Flamme! Halloween ist sowieso das Beste am Jahr und umso mehr freut es mich, dass wir dieses Jahr feiern werden“, fuhr Tendou fort und legte seine Hände übereinander, um seinen Kopf auf diesen abzustützen. Neugierig beäugte er Komori, dessen Augen sich geweitet hatten.
„Das klingt ja toll! Braucht ihr dabei noch Hilfe? Ich liebe es, Feiern zu organisieren.“ Koushi und Tendou tauschten auf Komoris Frage einen kurzen Blick miteinander aus und nickten.
„Natürlich. Umso mehr wir sind, desto besser wird es werden“, stimmte Koushi zu und Komori freute sich.
„Und um auf deine Frage zurückzukommen, Suga: wir sollten uns als Erstes daran machen, was wir essen wollen. Ich kann gerne ein paar Snacks zubereiten, wobei mir Wakatoshi sicherlich hilft.“
„Sollten wir vielleicht eine Liste schreiben, um nichts zu vergessen?“, warf Komori da ein. Ein weiterer Blick wurde ausgetauscht. Koushi lächelte. Es war eine gute Idee gewesen, dass er ihnen half.
„Ja, sollten wir wirklich“, stimmte er zu und holte Block und Stift hervor, „Tetsu und ich können sicher auch noch etwas vorbereiten, damit wir genug haben. Wir werden auch sicher dekorieren wollen, oder?“
„Das kann ich sehr gerne übernehmen. Fukunaga lässt sich bestimmt dazu überreden, mir zu helfen“, schlug Komori vor. Koushi entging dabei nicht, dass Tendou ihm einen wissenden Blick zuwarf. Hatte er da etwas verpasst? Vielleicht sollte er Tendou darauf ansprechen, wenn sie allein waren.
„Das klingt nach einer guten Idee. Nun ist noch die Frage, ob wir Horrorfilme schauen wollen oder nicht? In meinen Augen gehören sie zu Halloween dazu, aber ich ahne, dass sie nicht für jeden etwas sind.“ Koushi war sich sicher, dass Tendou damit eine bestimmte Person meinte, die bei ihnen im Haus wohnte.
„Wir müssen ja nicht die krassesten herausholen. Wir können ja eine Auswahl erstellen und dann schauen wir am Abend, wer auf was Lust hat“, schlug er vor. Komori und Tendou nickten. Und so begannen sie damit, den Halloweenabend für ihr Wohnhaus zu planen.
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Akira musste zugeben, dass sich Sugawara, Tendou und Komori mit der Planung für die Halloweenfeier selbst übertroffen hatten. Alles war in Schwarz und Orange geschmückt und so wie das Licht gedämmt war, entstand genau die richtige Atmosphäre für die Geisternacht. Zwei alte Sofas, die hier herumstanden, wie einige Sitzkissen waren vor einer Leinwand verteilt war, auf die ein Beamer zeigte. Dieser war mit dem Laptop von Kenma verbunden, auf dem schon verschiedene Streamingdienste bereitgestellt waren. Sie wollten sich heute auch einige Horrorfilme ansehen, worauf sich Akira freute. Er mochte Horrorfilme.
Auch beim Essen hatten sich die drei sehr viel Mühe gegeben. Es gab verschiedene Speisen, die alle einen Horrorhintergrund hatte. Es gab aufspießte Männchen, Augen in Blut, abgetrennte Finger und allerlei andere Leckereien.
An sich war Akira auch froh, dass er diesen Abend nicht allein verbringen musste. Seine Fernbeziehung mit Tobio befand sich gerade in einer Art Tiefphase. Sugawara hatte ihn gefragt, ob Tobio die Möglichkeit hatte, um an Halloween zu ihnen zu kommen. Leider hatte Akira das Verneinen müssen, da sein Freund vollkommen ins Training eingebunden war. Die Saison hatte begonnen. Dies wirkte sich auf ihre Abende aus, die Akira nun selten damit verbracht, mit Tobio zu telefonieren. Er hoffte sehr, dass er sich irgendwann damit arrangieren würde. Und auch wenn er froh war, aus seiner Wohnung herauszukommen, war es doch merkwürdig, dass er so gut wie nur von Paaren umgeben war.
Die einzigen beiden Singles, die ebenfalls mit ihm hier unten waren, waren Komori und Fukunaga. Daher suchte er zunächst die Nähe der beiden. Er wusste zwar, dass er sich auch ganz normal mit dem Rest hier unterhalten konnte, dennoch würde er sich bei ihnen sicher weniger als das dritte Rad am Wagen fühlen. Nur leider war dies ganz und gar nicht der Fall: Komori und Fukunaga hatten eine Art miteinander umzugehen, die ihn sehr an ein Paar erinnerten, welches gerade frisch zusammengekommen war. Wüsste er es nicht besser, hätte er sie für ein Paar gehalten.
„Kunimi“, wurde Akira da von Ushijima angesprochen. Tendous Freund sah wie immer ein wenig fehl am Platz aus, aber das war wohl einfach seine Art. Damit erinnerte er ihn immer wieder an Tobio; der verstand viele soziale Zusammenhänge genauso wenig.
„Oh, hallo Ushijima-san. Ist alles in Ordnung?“ Er wunderte sich schon, warum er von ihm angesprochen wurde. Bisher hatten sie recht wenig Wörter miteinander gewechselt, auch wenn er wusste, dass Ushijima regelmäßig Kontakt mit Tobio hatte. Immerhin waren sie gemeinsam ins Fitnessstudio gegangen und hatten sich dabei angefreundet.
„Ich wollte dich fragen, wie es Kageyama geht. Hat er sich schon gut eingelebt?“ So monoton die Stimme seines Gegenübers auch klang, entging Akira das Interesse nicht. Irgendwie musste er lächeln. Auch wenn Tobio und er gerade keine schöne Phase durchmachten, war es schön, nach ihm gefragt zu werden.
„Ja, er hat sich so weit gut eingelebt. Das Training fordert ziemlich viel ihm, aber das ist, was er will. Ich freue mich für ihn, dass er seinen Traum endlich verfolgen kann.“ Auch damit war Akira ehrlich. Er war glücklich für seinen Freund, dass er seine Karriere ausbauen konnte, nachdem es direkt nach der Schule nicht geklappt hatte. Ushijima nickte verstehend.
„Ich freue mich auch für ihn. Das Volleyballspielen ist ihm ja immer wichtig gewesen. Auch wenn ich es schade finde, dass wir jetzt nicht mehr zusammenspielen können.“ Akira war erstaunt. Das hörte er zum ersten Mal.
„Ihr habt zusammengespielt?“
„Ja, vor meiner Knieverletzung, in der Universitätsmannschaft. Ich war schon in meinem letzten Jahr, als Kageyama dazugekommen ist. Leider habe ich mich während der Saison am Knie verletzt. Inzwischen spiele ich wieder in der Unternehmensmannschaft“, erzählte Ushijima aus dem Nähkästchen, was Akira noch mehr überraschte. Es war ein sehr angenehmes Gespräch, wie er fand, welches er gerne noch vertieft hätte. Aber für diesen Abend standen andere Ideen auf dem Plan.
„Kommt mal alle zusammen, damit wir uns den ersten Film aussuchen können“, rief Tendou ihnen dazu. Kenma hatte sich in der Ecke auf dem Sofa bequem gemacht, wo sein Laptop auf einem kleinen Tisch stand. Abwartend sah er in die Runde. Ushijima nickte Akira zu und ging zu den anderen. Akira folgte ihm. Mal schauen, welchen Film sie zuerst sehen würden.
~ ♡ ~
Der erste Horrorfilm lief und sie hatten sich für „The Conjuring“ entschieden. Bokuto hatte seinen Kopf inzwischen halb unter einer Wolldecke versteckt und spähte immer wieder sporadisch hervor. Kenma musste seine Hand halten, was er auch tat, während er gebannt dem Film folgte. Shohei saß neben ihnen und musste ein kleines Kichern unterdrücken. Es war ganz süß anzusehen, zumal man auf dem ersten Blick wohl vermutet hätte, dass Bokuto eher Kenma beschützen würde. Shohei mochte es, wenn Klischees nicht bestätigt wurden. Er hätte die beiden sicher noch einen Moment beobachtet, wenn seine Aufmerksamkeit nicht auf etwas anderes gelenkt worden wäre.
Komori, der wie immer neben ihm saß, zuckte zusammen, als der Geist der alten Frau auf dem Schrank der Kinder erschien. Shohei war erstaunt. Er hätte seinen Mitbewohner nicht als so schreckhaft eingeschätzt. Er warf ihm einen fragenden Blick zu. Komori rückte ein Stück an ihn heran und lehnte sich zu ihm.
„Da erschrecke ich mich immer wieder…es ist so gruselig, wie diese Frau dort auf einmal auftaucht“, flüsterte er ihm zu und lächelte ein wenig peinlich berührte.
„…Das ist doch in Ordnung“, flüsterte Shohei zurück, „Wenn es dir zu viel wird, beschütze ich dich.“ Er würde ihn immer beschützen, da Komori ihm in kurzer Zeit so wichtig geworden war. Sein Lächeln wurde ein Stück größer und er griff unter der Decke nach Shoheis Hand.
„Danke“, hauchte er und wandte sich wieder in dem Film zu. Shoheis Hand behielt er in seiner. Diesen störte dies überhaupt nicht, sondern fühlte sich ganz normal an. Und so blieb es auch, bis der Film vorbei war.
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Der erste Film für den Abend vorbei und Bokuto verkündete lautstark, dass er jetzt erst einmal eine Pause brauchte. Tetsurou musste sich ein gemeines Lachen unterdrücken. Sein bester Freund war manchmal so ein Schisser.
„Dann werden Kenma und ich nochmal eine Runde Getränke von oben holen“, meinte er aber, da er so eine gute Chance witterte, um mit seinem Kindheitsfreund über ein bestimmtes Thema zu sprechen.
„Warum soll ich denn jetzt mitkommen?“, beschwerte sich Kenma, woraufhin Tetsurou nach seinem Arm griff. Er sah kurz zu Koushi, aber dieser war in ein Gespräch mit Semi und Tendou vertieft.
„Weil ich etwas mit dir besprechen muss“, raunte Tetsurou Kenma zu, der ihm einem sehr skeptischen Blick zuwarf, aber wohl ahnte, dass Widerstand zwecklos war. Oder er wollte schlicht und ergreifend nicht die Energie dafür aufbringen, sich gegen ihn zu wehren. Gemeinsam verließen sie den Keller und stiegen die paar Treppenstufen zum Erdgeschoss hinauf.
„Also, über was willst du jetzt so dringend mit mir sprechen?“, fragte Kenma und lehnte sich gegen die Wand. Tetsurou blieb ihm gegenüberstehen und überlegte kurz, wie er dieses Thema beginnen sollte.
„Du weißt doch, dass Koushi und ich dieses Jahr im Sommer bei seiner Familie in Miyagi waren, richtig?“
„Ja, daran erinnere ich mich. Du hast zu mir gemeint, dass du sehr froh darüber bist, dass sein Vater dich inzwischen ein Stück mehr mag als seinen Ex-Freund.“ Tetsurou musste schmunzeln. Natürlich erinnerte sich Kenma wieder einmal an die Details, die ihm selbst am wichtigsten waren. Er wusste schon, warum sie so lange miteinander befreundet waren.
„Ja, das ist immer noch großartig. Und daher habe ich auch viel Zeit mit Koushis Vater verbracht. Dabei haben wir über ein bestimmtes Thema gesprochen. Kannst du dir denken, welches?“ Er wollte es doch ein bisschen spannend machen. Kenmas leicht genervter Blick verriet ihm aber, dass er es damit gerade übertrieb.
„Ich werde jetzt sicher nicht raten, Kuro.“ Er musste lachen.
„Na gut, dann sage ich es dir: ich will Koushi einen Antrag machen. Ich weiß, dass er derjenige ist, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will. Daher habe ich mit seinem Vater gesprochen und er ist einverstanden damit.“ Kenmas Augen weiteten sich vor Erstaunen.
„Wie? Du willst heiraten?“
„Ja, ich will Koushi heiraten. Und daher hätte ich gerne deine Hilfe, wenn es darum geht, den perfekten Ring für Koushi zu finden. Ich will das nicht allein machen und du kennst mich von allen am längsten“, bat er ihn nun. Das Erstaunen wollte nicht aus Kenmas Blick weichen, während er langsam nickte.
„Okay, ich werde dir helfen, dafür muss ich keine Rede bei deiner Hochzeit helfen.“ Tetsurou musste lachen.
„Keine Sorge, das wirst du nicht müssen. Und dank dir, Kenma. Das wird richtig gut werden.“ Tetsurou konnte es kaum abwarten, dass er Koushi endlich den Antrag machen konnte.
Die Suche
Die Suche
„Ich weiß nicht…es ist irgendwie merkwürdig, mit dir in ein Schmuckgeschäft zu gehen“, meinte Kenma zu Kuroo, als sie vor einem Juwelier in Ginza standen. Es fühlte sich nicht richtig an, dass er hier mit seinem besten Freund stand, um einen Verlobungsring zu kaufen. Auch wenn er wusste, dass dieser Ring für Sugawara gedacht war, konnte er ein merkwürdiges Gefühl nicht abschütteln.
„Warum denn merkwürdig? Ich meine, ich bin nicht hier, um dir einen Ring zu kaufen, sondern für Koushi. Daran ist überhaupt nichts merkwürdig.“ Mit einem belustigten Blick sah Kuroo ihn an, während er die Tür des Geschäfts aufdrückte.
„Außerdem hast du mir versprochen, dass du mir hilfst“, fügte Kuroo noch hinzu und zog Kenma am Handgelenk mit sich. Was man nicht alles dafür tat, um keine Rede auf der Hochzeit seines besten Freundes zu halten. Wobei er aber genau helfen sollte, war ihm auch noch nicht bewusst.
„Ich weiß, ich weiß…“, murmelte er und ließ seinen Blick durch den Juwelier schweifen. Er war hell eingerichtet und von drei Seiten mit gläsernen Auslagen ausgestattet, in denen sich Ketten, Armbänder, Ohrringe, Uhren und vor allem Ringe spiegelten. Eine Frau Mitte fünfzig, die mit einer goldenen Kette und ebenso goldenen Ringen geschmückt war, trat an den Verkaufstresen und setzte ein professionelles Lächeln auf.
„Herzlich Willkommen. Wie kann ich Ihnen helfen? Sind die Herren etwa auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für eine ganz besondere Dame?“ Sie zwinkerte ihnen zu und das Lächeln schien noch größer zu werden. Kenma musste sich zusammenreißen, um das Gesicht nicht zu verziehen. Ein Seitenblick auf Kuroo verriet ihm, dass er ebenfalls überrumpelt war. Aber schon erwiderte er das Lächeln und schüttelte den Kopf.
„Nein, nicht für die eine besondere Dame, sondern für einen besonderen Herren“, korrigierte er die Verkäuferin. Diese wirkte für einen Augenblick erstaunt, warf ihren Blick aber anschließend auf Kenma und nickte.
„Ich verstehe. Ich denke, da wird sich auch etwas finden. Wie wäre es mit einer Uhr aus unserer Winterkollektion?“ Abwartend sah sie die beiden auf. Kenma warf Kuroo sofort einen bitterbösen Blick zu, damit er diesen Irrtum aufklärte. Er wollte nicht für Kuroos Freund gehalten werden! Sein bester Freund schien für einen Augenblick auf dem Schlauch zu stehen, bevor er verstand, was die Dame gemeint hatte.
„Oh! Nein! Sie missverstehen das. Kenma ist nur hier, um mich ein wenig zu beraten. Ich möchte meinem Freund, der nicht dabei ist, einen Antrag machen. Daher bin ich auf der Suche nach einem passenden Ring für ihn“, klärte er den Irrtum schlussendlich auf. Die Verkäuferin betrachtete sie für einen Moment noch.
„Ein Verlobungsring also, dann wollen wir uns die Auswahl mal ansehen. Die Ringgröße kennen Sie? Wir haben aktuell ein paar besonders schöne Modelle, die unser Designer frisch auf den Markt gebracht hat“, erzählte sie und ging zu der Auslage mit den Ringen. Kuroo folgte ihr und ließ sich daraufhin die verschiedenen Modelle zeigen und erklären. Kenma hörte nur mit halben Ohr zu. Er ahnte, dass es hier länger dauern würde, als ihm lieb war. Er ließ seinen Blick über die unterschiedlichen Auslagen schweifen. Ob Bokuto eine dieser Uhren gefallen würde? Er musste sich immerhin mal Gedanken wegen einem Weihnachtsgeschenk für ihn machen. Aber für ihn war Bokuto niemand, der Uhren trug. Es passt in seinen Augen nicht wirklich zu ihm. Ob eine Kette dort die bessere Ideen wäre? Aber die Ketten hier waren ihm viel zu weiblich, ohne dass er ein Klischee bedienen wollte. Es gab sicher auch schöne Ketten für Männer, aber hier fand er keine. Vielleicht war das auch nicht der richtige Juwelier dafür, um ein Geschenk für Bokuto zu finden. Außerdem war es ja bis Weihnachten sowieso noch ein Stück hin. Bis dahin hätte er bestimmt eine viel bessere Idee.
„Können wir jetzt bitte nach Hause gehen? Mir tun die Füße weh.“ Kuroo hatte ihn bestimmt durch ganz Ginza geschleppt und sie waren sicher in jeden Juwelier gewesen, den sie hier gefunden hatten. Er konnte keine Ringe, Ketten, Armbänder und Uhren mehr sehen. Und Kuroo sich für keinen einzigen der Ringe entschieden. Am Ende hatte er immer etwas gehabt, was ihm nicht gefallen hatte.
„Ja, wir waren jetzt nach Hause. Das hat heute keinen Sinn mehr. Ich hatte mir echt mehr von den Juwelieren in Ginza erwartet. Aber da war nichts dabei, was zu Koushi gepasst hätte.“ Kuroo schüttelte enttäuscht den Kopf. Kenma überlegt, ob er etwas dazu sagen sollte oder doch lieber den Mund hielt. Ihm war ein bestimmte Sache nämlich aufgefallen.
„Meinst du nicht, dass du etwas zu perfekt haben willst, Kuro? Ich kann mir gut vorstellen, dass Suga mit vielen der Ringen, die wir gesehen haben, zufrieden gewesen wäre.“ Kuroo schnaubte.
„Es soll aber perfekt werden, Kenma! Ich will ihn immerhin heiraten und das soll der einzige Antrag werden, den er von mir bekommt. Darum will ich das perfekt haben“, antwortete er. Kenma musste zugeben, dass er mit so etwas schon gerechnet hatte. Er konnte nicht nachvollziehen, warum es so perfekt werden sollte. Es war ja schon klar, dass Kuroo nur einmal in seinem Leben heiraten wollte. Und bei Sugawara sah er das auch passieren. Die beiden passten einfach perfekt zusammen. Vielleicht wollte es Kuroo daher auch perfekt haben. Anstrengend, wenn man Kenma fragte.
„…Dann heißt es wohl, dass wir uns noch ein paar Juweliere ansehen werden, oder?“ Er wollte nicht ganz so ein Arschloch sein. Er hatte Kuroo immerhin versprochen, dass er ihm helfen würde. Kuroo lächelte ihn zufrieden an.
„Ja, das werden wir wohl. Und danke, dass du es mitmachst, Kenma. Das weiß ich sehr zu schätzen. Und jetzt lass uns erst einmal nach Hause fahren. Der Tag war lang genug. Und Koushi hat mich gefragt, ob du mit zum Abendessen kommst.“ Das ließ sich Kenma nicht zweimal sagen. Wenn er schon für seinen Aufwand bekocht wurde, nahm er das doch gerne an.
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Koutarou wusste, dass Kenma und Kuroo beste Freunde seit Kindheitstagen waren, weshalb es für ihn nicht verwunderlich war, dass die beiden viel Zeit miteinander verbrachten. Er war sich auch sehr sicher, dass Kuroo zu den wenigen Menschen gehörte, die Kenma dauerhaft in seiner näheren Umgebung tolerierte, ihn selbst eingeschlossen. Koutarou war sich auch sehr sicher, dass er bei Kenma an erster Stelle stand, da er sein fester Freund war. Also war ja nichts dabei, wenn Kenma und Kuroo viel Zeit miteinander verbrachten. Überhaupt nicht!
Und trotzdem…
Koutarou gefiel es nicht, wie oft Kenma und Kuroo in der letzten Zeit zusammen unterwegs waren. Kenma hat kaum noch Zeit für ihn und am Wochenende war er so müde, da er den ganzen Tag mit Kuroo unterwegs gewesen war, dass er sogar kaum noch zockte. Er schlief meistens sofort ein, auch wenn Koutarou sich noch mit ihm unterhalten wollte. Das frustrierte ihn dann doch schon sehr. Er wollte doch ganz viel Zeit mit Kenma verbringen! Aber das wollte er ihm so auch nicht sagen und sich damit in die Freundschaft der beiden einmischen.
Diesen Vorsatz warf er ganz schnell über Bord, als er sah, wie Kuroo und Kenma gemeinsam ein Juwelier betraten und sich dort Ringe ansahen. Es war nicht so, dass Koutarou ihnen gefolgt war, da es ein Zufall gewesen war, dass er sie gesehen hatte.
Er hatte etwas für seine Mutter in der Stadt besorgt und war schon auf dem Heimweg gewesen, als er seinen Freund und besten Bro bemerkt hatte. Bevor er aber etwas zu ihnen sagen konnte, waren sie in diesem Laden verschwunden, der sich als Juwelier herausstellte. Koutarou war nun einmal neugierig und sah in den Laden hinein und bekam so die Sache mit den Ringen mit.
Und an sich war Koutarou niemand, der sich schnell aus dem Konzept bringen ließ, wenn er sich einer Sache sicher war – und er war sich Kenmas Liebe für sich selbst sicher. Aber wie Kuroo Kenma diese Ringe zeigte…das löste etwas in ihm aus. Was war, wenn dort doch mehr zwischen ihnen lief? Was war, wenn die beiden zusammen abhauen wollte und heirateten?! Das wäre dann wie in einem dieser Filme, die sich seine Schwestern manchmal ansahen! Das musste er verhindern! Er wollte nicht von Kenma verlassen werden!
„KenKen, können wir über etwas reden?“, fragte Kotarou seinen Freund am Abend, als sie gemeinsam in der Wohnung von Kenma waren. Dieser hatte sich schon in die Decke gekuschelt und war auf sein Spiel konzentriert, obwohl er gesagt hatte, dass er doch recht müde vom Tag war. Kenma pausierte das Spiel und drehte sich so, dass er Koutarou ansehen konnte.
„Ja?“ Seine Stimme klang ebenfalls müde, dass Koutarou fast überlegte, ob er das Thema sein ließ. Aber es brannte ihm zu sehr auf das Seele.
„Ich habe dich heute mit Kubro gesehen…bei diesem Juwelier in der Stadt…und ich will euch ja nichts unterstellen, aber in letzter Zeit verbringt ihr beiden so viel Zeit miteinander! Bitte sag mir, dass ihr keine Affäre miteinander habt und nicht zusammen durchbrennen werdet! Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren! Bitte sag mir, dass ihr mir nur etwas einbilde!“ Die Worte kamen wie ein Wasserfall aus ihm heraus. Er hatte keine Kontrolle darüber. Kenma sah ihn mit großen Augen an, bevor sie sich wieder verkleinerten. Anschließend legte der den Kontroller beiseite, stand auf und verließ das Bett.
„KenKen?“, rief Koutarou ihm nach. Hatte er etwas Falsche gesagt? Kurz danach hörte er die Wohnungstür.
„KenKen?!“ Nun war er alarmiert. Hatte er gerade seine Beziehung auf Spiel gesetzt, indem er Kenma unterstellt hatte, eine Affäre mit Kuroo zu haben? Aber das hatte er doch gar nicht tun wollen!
Gut fünf Minuten später kam Kenma mit Kuroo zurück.
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Es war gar nicht so leicht, Koushi davon zu überzeugen, dass er jetzt mit Kenma in dessen Wohnung gehen musste, da er einen Notfall hatte. Natürlich hatte Koushi angeboten, dass er ihn helfen konnte, aber Tetsurou hatte ihn damit vertröstet, dass es sicher nicht lange dauern würden und er schon einmal alles für ihren Filmabend bereit machen sollte. Er mochte es überhaupt nicht, seinen Freund anzulügen, aber die Umstände verlangen es gerade von ihn. Er wollte nun einmal, dass alles perfekt war.
„Und jetzt erklärst du Bokuto bitte, dass wir beide keine Affäre miteinander haben und nicht zusammen durchbrennen werden!“ Kenma klang wirklich wütend. So hatte Tetsurou ihn noch nie erlebt. Sie stand nun in seinem Schlafzimmer, wo Bokuto auf dem Bett saß und regelrecht verzweifelt aussah.
„KenKen? Wirst du dich jetzt von mir trennen? Und Kubro, was ist mit Suga-Suga?! Du kannst ihn doch nicht verlassen! Tut mir das nicht an!“, flehte er die beiden an und Tetsurou war sich sicher, dass er jeden Minute einen Kniefall machen würde, wenn keiner von ihnen etwas sagte. Kenma warf Tetsurou einen weiteren bösen Blick zu.
„Bokuto, bitte beruhig dich. Kenma und ich haben keine Affäre miteinander und wir werden auch nicht miteinander durchbrennen. Ich liebe Koushi über alles und werde ihn nicht verlassen. Und Kenma wird dich nicht verlassen“, sprach er beruhigend auf ihn ein. Kenma schnaubt, ließ sich neben Bokuto nieder und nahm dessen Hand.
„…Du bist mir tausendmal lieber als Freund als Kuro…“, murmelte er. Bokuto sah zwischen ihnen hin und her und nickte schließlich.
„Aber warum wart ihr dann heute bei diesem Juwelier und habt euch Ringe angesehen?“ Und da war die Frage, die Tetsurou nicht beantworten wollte. So sehr auch Bokuto auch als Freund schätzte, wusste er, dass er Geheimnisse nur schlecht für sich behalten konnte. Die Chance, dass er sich vor Koushi verplapperte, war in seinen Augen viel zu groß.
„Sag es ihm, Kuro. Ich habe keine Lust, dass das hier wieder ausartet“, verlangte Kenma da von ihm. Tetsurou atmete tief durch. Jetzt hieß es wohl, Augen zu und durch.
„Bokuto, du musst mir schwören, dass du niemand etwas davon erzählst, ja?“ Eindringlich sah er seinen besten Bro an. Dieser warf Kenma einen Blick zu, der nickte und seine Hand drückte.
„Ich schwöre es! Hoch und heilig, auf alles, was mir lieb und wichtig ist!“ Das war mal ein Schwur und Tetsurou hoffte sehr, dass er sich auch daran halten würde. Er atmete noch einmal durch.
„Gut, also die Sache ist die: ich möchte Koushi einen Antrag machen. Ich weiß einfach, dass ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen will. Und da ich will, dass es eine Überraschung für ihn ist, habe ich Kenma um Hilfe gebeten. Daher waren wir auch beim Juwelier, wo du uns gesehen hast. Ich suche gerade nach dem perfekten Ring für Koushi. Aber bisher war der Richtige noch nicht dabei.“ Er musste ein Seufzer unterdrücken. Manchmal hatte er das Gefühl, dass er nach der Nadel im Heuhaufen suchte. Ob Kenma recht hatte und er es zu perfekt machen wollte?
„Das ist großartig, Kubro! Natürlich sage ich ihm nichts! Und wenn ich helfen kann, sag mir Bescheid. Ich werde alles dafür tun, damit du den perfekten Antrag für Suga-Suga machen kannst!“ Bokuto war von Bett aufgestanden und klopfte ihm auf die Schulter, während er aussah, wie Emi, wenn sie ihr Lieblingsleckerli bekam. Tetsurou schmunzelte.
„Danke, du weiß ich sehr zu schätzen, Bokuto. Mir wäre es einfach nur lieb, wenn ich endlich den passenden Ring gefunden hätte.“ Das bereitete ihm wirklich Kopfzerbrechen.
„Weißt du, Kurbro, eine Freundin von meiner Mutter ist Goldschmiedin. Vielleicht kann sie dir ja weiterhelfen“, meinte Bokuto da und Tetsurou wurde hellhörig. Das wäre die Möglichkeit, um einen Ringen zu finden.
Und eine Woche später hielt Tetsurou den perfekten Ring für Koushi in seinen Händen.