Zum Inhalt der Seite

50 Shades of Love

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Eigentlich wollte ich für den Valentinstag ja das dritte und letzte Kapitel zu meinem Halloween-TwoShot schreiben. Allerdings hab ich die Vibes das einfach nicht so richtig bekommen. Aber ich hab mich anderweitig inspirieren lassen und somit bekommt ihr heute eine weitere süße kleine Liebesgeschichte in dieser Sammlung, die mit auf ganz besondere Weise ans Herz gewachsen ist.

Für diesen OS kann ich euch auch gleich ne ganze Playlist empfehlen, die ich gefunden hab <3
Innocent Love Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Und es geht direkt weiter bei Johzenji! Wer hätte das gedacht? Aber es passt auch gerade gut.
Mit diesem OS habe ich auch gleich eine Filmempfehlung: Midnight Sun
Wer den Film kennt, ahnt, welche Thematik ich hier aufschnappe, wer den Film nicht kennt, weiß somit dann worum es in dem Film geht. Ich habe die Handlung natürlich nicht voll übernommen, nur ein bisschen was zur Inspiration.

Jetzt wünsche ich aber gute Unterhaltung mit einem Terushima, wie wir ihn vielleicht nicht erwarten ;) Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Weiter gehts mit: Izuru Nozawa

(Ach und, auch wenn es hier vielleicht nach Spoiler riecht, ich weiche aus! Keine Sorge) Komplett anzeigen

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Liebe, so fest wie Badeschaum (KuroKen)

Kenma hörte nur das Knistern des wohlduftenden Badeschaums an den Wänden seines Badezimmers wiederhallen. Fast schon stechend bohrte sich das ungleiche Geräusch in seine Ohren und erinnerte ihn daran, dass er sein Headset nicht trug. Es fühlte sich ungewohnt an. Auch das warme Wasser an seinem Körper fühlte sich ungewohnt und eigenartig an. Langsam zog er mit den Händen Linien durch das Wasser. Er durchdrang den Schaum, hob ihn hoch und umfasste ihn, um ihn unter Wasser zu drücken, doch er quetschte sich zu großen Teilen zwischen seinen Fingern hindurch und an der Hand vorbei.

Der Kopf lehnte am Wannenrand. Die Beine langten nicht einmal so lang, dass sie am anderen Ende ankamen.

Wie hypnotisiert hob er ein Bein an und beobachtete starr, wie der Schaum an der glatten Haut herunter glitt. Weich schmiegte er sich an und ließ ein zartes Glänzen auf der nassen Haut zurück. Schnell aber sank das Bein wieder ab. Es wurde kalt. Die Hitze des Wassers hat ihn schon vollkommen eingenommen und er wurde schwummrig, würde aber nicht einschlafen.
 

“Und? War es eine gute Idee?”, flüsterte Kuroo hauchzart neben ihm. Er saß am Boden neben der Badewanne auf dem weichen Teppich, der nach Dusche und Bad die zarten Füße stets umsäumte und für Trockenheit sorgte.

“Hmm”, machte Kenma, einer konkreten Antwort zu verlegen.
 

Kuroo war vor einer Stunde bei ihm aufgetaucht. Er wollte tolle Neuigkeiten mit ihm teilen und brachte Sushi von Kenmas Lieblingsladen mit. Als Kuroo aber angekommen war und am liebsten die Jacke gar nicht ausgezogen hätte, weil ihm fröstelte unter den Temperaturen, die Kenma hier walten ließ, war er mit den gefütterten Pantoffeln, die er einmal hier gelassen hat, durch das Haus gelaufen und hat im Wohnzimmer, im Badezimmer und auch in Kenmas Streamingraum die Fußbodenheizung aktiviert.

“Du holst dir den Tod unter deinem eigenen Dach”, hat er zu Kenma gesagt, der zu dem Zeitpunkt nur die linke Hörmuschel des Headsets etwas vom Ohr gezogen hatte, um seinem Gast zuzuhören. Die Kamera hat er ausgemacht, die Übertragung seines Zelda, Breath of the Wild 100% Speedrun lief weiter. Nur kurz hat er sich für die Unterbrechung entschuldigt und hat die Tempelmissionen wieder aufgenommen. Kuroo hat sich neben ihn gestellt und ihn an der Stirn, den Fingern und den Füßen, die er auf den Gaming Sessel hochgezogen hatte, berührt. “Du bist komplett durchgefroren, Kenma. Bitte heiz mehr ein, wenn es sich einer leisten kann, dann du”, hat er zu ihm gesagt. Sein Blick und auch der von Kenma fiel auf den dritten Bildschirm, auf dem rote und vorrangig grüne Zahlen auf schwarzem Hintergrund umher tanzten und Kursgewinne und -verluste darstellten. Rasch war Kenma Hand auf der abgelegenen Maus gelandet, ein paar Klicks später hat er einen Deal gemacht, der die Heiztkosten für die nächsten zwei Jahre aus dem Abwurf decken konnte.
 

“Du bist ein schrecklicher Angeber”, hat Kuroo gesagt und war verschwunden. Kenma hat sich nichts draus gemacht und hat vermutet, er würde sich Kaffee holen oder Teller für das Abendessen, das Kenma vorzugsweise beim Schreibtisch zu sich nehmen wollte.

Dass es länger dauerte, als einen Kaffee aus der Maschine zu drücken und zwei Teller, Stäbchen und Schälchen für die Sojasoße zu organisieren, war Kenma nicht aufgefallen. Irgendwann aber drang ein Geruch an seine Nase, den er nicht oft roch. Tatsächlich immer nur dann, wenn Kuroo da war und auch dann sehr selten. Aber er maß dem nicht viel Bedeutung zu.
 

Kenma hat mit Tagesbeginn, 00:00 den Speedrun gestartet und ist gegen sechs Uhr abends in die brenzlige Situation gekommen, den Weltrekord knacken zu können. Wäre da nicht Kuroo gewesen, der ihn andauernd unterbrochen hat. Mit seiner Ankunft, seinen Fragen und seiner Fürsorge.

“Gib mir noch 10 Minuten, dann mach ich alles, was du willst”, hat Kenma dann wieder vor laufender Kamera versprochen, weil das Publikum es gewünscht hat. Er hatte kein Problem damit. Kuroo war den Leuten im Stream kein Unbekannter. Er war manchmal sogar sowas wie ein Pausenclown, der nicht selten für mehr Klicks verantwortlich war. Dass Kuroo ein schmutziges Grinsen danach aufgesetzt hat, musste Kenma gar nicht sehen, er hat es an den Reaktionen und Kommentare der Zuseher erkannt, auch an den Transaktionen, die gemacht worden sind.

Und da war Kuroo wieder verschwunden und hat Kenma nicht bei seinem Erfolg beobachtet. Stattdessen hat er danach keine Widerrede akzeptiert und ihn aus dem gut eingesessenen Gamingsessel gezerrt und ins Badezimmer gedrängt.
 

“Ausziehen und in die Wanne”, hat er gesagt und hinter Kenma zugemacht. Kenma hat sich mürrisch ergeben, hat er ihm ja versprochen, zu machen, was er von ihm verlangte. Kenma hat die Wärme auf seinen Fußsohlen sofort gespürt und sogar ein wenig genossen. Aber der ganze Raum war unheimlich warm und hat ihn gezwungen, die Tür zu öffnen. “Ich ersticke sonst”, hat er zu seiner Verteidigung gesagt und hat ohne Rücksicht auf Kuroo seine Kleidung abgelegt und ist in die Wanne gestiegen. Kenma mochte Vollbäder nicht. Sie waren viel zu warm und machten etwas mit ihm, das ihm nicht gefiel.
 

So war es auch jetzt. Kenma vegetierte im heißen Wasser und hatte das Gefühl, als drücke ihm das Wasser die Luft aus dem Körper. Kenma mochte warmes Wasser, er duschte auch nur warm und fauchte regelrecht, wenn das Wasser kühler wurde. Das war bei seinen Eltern früher so, wenn jemand gleichzeitig die Toilette betätigte oder wo anders Wasser aus den Leitungen zog. Aber ein heißes Vollbad, das war eine andere Liga und deswegen war Kuroo bei ihm. Weil er ihn gebeten hat, bei ihm zu sein.

“Wegen dem Kreislauf”, hat Kenma seinen Wunsch begründet und Kuroo hat ihn gewährt. So saß er nun neben ihm am Boden auf dem weichen Teppich und lehnte mit dem Arm am Wannenrand. Den Kopf hat er seitlich geneigt und sah nun in Kenmas Augen.
 

“Und?” War es eine gute Idee?” die Frage hallte durch den warmen Raum. “Hmm”, war die erwartet undeutliche Antwort.

“Du hast wieder Farbe im Gesicht”, sagte Kuroo und lächelte ihn sanft an. Kenma seufzte. “Du musst dich nicht um mich sorgen”, sagte er. Kuroo strich ihm sachte die Haare auf einer Seite hinter das Ohr. “Ich tu es aber, ich werde es immer tun, ob du es willst oder nicht”, wurde abgelehnt, sich nicht zu scheren. Kenma schnaubte ergeben und fuhr die Stelle nach, wo Kuroo ihn bei der zarten Geste berührt hat. Er lockerte auch das Haar wieder, weil es ungewohnt war. So ungewohnt wie das Vollbad und das heiße Wasser überall auf seinem Körper und so ungewohnt, wie das eigentlich beruhigende Knistern des Schaumes, das Kenma aber unruhig machte.

Liebe, so laut wie ein stummes Lachen (Futamata X OC)

“Zuma kommt echt spät heute… ich wollte doch den neuen Triple Switcheru mit euch ausprobieren” Terushimas Skateboard rollte bewusst einsam auf Futamata zu, der sich bereits auf seinem niedergelassen hat und aus der Wasserflasche trank. Der Kapitän des Johzenji High Volleyballteams setzte sich trotzig auf sein Board. Futamata reichte ihm die Flasche, aber er lehnte ab. “Ich hab eh noch nicht ganz verstanden, wie du dir das genau vorstellst” Die Flasche wurde auf den Boden gestellt, der Blick wandte sich von Terushima auf den gut besuchten Skatepark. Die Jungs fuhren, sprangen und slideten hier von einem Obstacle zum nächsten.
 

“Na schau”, begann Terushima die Erklärungen von der großen Pause direkt noch einmal. “Ich komm von der Handrail, du vom Flatrail und beim Kreuzen spring ich auf dein Board und du auf meines. Dann fahr ich auf die Miniramp da und du machst nen Sprung am Kicker und da kommt Zuma dazu. Er hat von der Quarterpipe genug Schwung, dass ihr zwei auch switchen könnt. Du springst dann auf die Ledge und nutzt das zum Umdrehen. Ich hab derweil nen coolen Flick über den Gap gemacht und fahr die Kurve aus und dann treffen wir uns da in der Mitte, jeder springt auf sein Board und tadaaa Triple Switcheru” Terushima klatsche begeistert in die Hände. Futamata besah den Skatepark. Tatsächlich war es vor Ort schon viel anschaulicher, was sich der Kapitän da vorgestellt hat, aber Terushima versäumte es, ein wichtiges Detail zu berücksichtigen.

“Teru… Der Skatepark ist voll mit Leuten. Wie sollen wir die ganzen Obstacles fast gleichzeitig nutzen können?”, fragte er. Und da seufzte Terushima wieder. “Wenn Zuma pünktlich gewesen wäre, hätten wir das direkt nach der Schule schon machen können, wo kaum jemand hier war”, murrte er und ließ den Kopf hängen. “Das ist so lame. Heute ist der einzige freie Nachmittag… Wo ist er?”, stellte er die Ein Millionen Dollar-Frage. “Er wirds uns sicher sagen. Aber warum der einzige freie Nachmittag? Was ist übermorgen?”, fragte Futamata verunsichert.
 

Das Training im Volleyball Club wurde für den Vorentscheid zum Frühlingsturnier weiter rauf geschraubt. Aber montags und mittwochs hatten sie am Vormittag Training. Nicht so wie dienstags, donnerstags und freitags am Nachmittag. Die Nachmittagseinheiten waren länger und die Sonne war dann schon lange weg, wenn sie heimgingen. Lame, wie Terushima diesen Umstand gerne nannte. Er mochte die dunklen Jahreszeiten nicht. Für ihn wäre es am Besten immer Sommer. Wobei er auch im Schnee wahnsinnig viel Spaß hatte. Schneeballschlachten, Snowboarden und auch auf dem Eis war er gut und geschickt unterwegs. Etwas rau vielleicht, aber Terushima war mehr der Typ für Eishockey und nicht für den Eiskunstlauf. Sommer war dennoch besser. Man konnte gar nicht wenig genug anhaben, konnte lange draußen bleiben und das Leben in vollen Zügen genießen und schwimmen gehen und Party machen und bis spät im Skatepark rumhängen, aber auch lange Spaziergänge machen. Nun gut. Das Letzte war mehr so Futamatas geheimer kleiner Wunsch. Mit einem süßen Mädchen, das nicht von den anderen coolen Jungs im Team abgelenkt war und sich ganz auf ihn konzentrieren konnte. Ein Mädchen, das ihm an den Lippen hing und das auch mal seinen Geschichten lauschte und nicht nur den abenteuerlichen Erzählungen des Kapitäns, dem sowas viel leichter fiel. Terushima sprach Mädchen immer direkt an. Auch Jungs waren nicht sicher vor ihm.
 

“Übermorgen? Oh ähm… was mit der Familie”, sagte Terushima schnell und sprang verdächtig hoch und wieder auf sein Skateboard. “Wollen wir zur Halfpipe?”, lenkte er schnell ab und es klappte. Natürlich wollte Futamata zur Halfpipe.
 

“Aber ich will das trotzdem machen, nächste Woche sonst”, sagte Terushima bestimmend und Futamata nickte ihm mit einem begeisterten Lächeln zu. Er fand den Trick in seinem Kopf auch schon ganz große Klasse. Ahnte er ja nicht, dass sie dabei auch das Stürzen und Stolpern üben würden. Und dass Hana dann sicherlich mit ihnen schimpfen würde, weil sie so rücksichtslos waren und sie würden die Köpfe hängen lassen, weil man nun einmal nicht gerne geschimpft bekam.
 

-
 

“Hey! T’n’T!” Fast eine halbe Stunde später fand sich Bobata auch endlich am Skateplatz ein. Allerdings war er nicht alleine. Als er sich lässig neben der Halfpipe an die Wand lehnte, stand auch ein Mädchen direkt hinter ihm. Ihr Kopf lugte neben seinem Oberarm hervor. Das dunkle Haar rutschte ihr hinter dem Ohr nach vorne und umrundete ihr zartes Gesicht. Das Mädchen hatte hier eindeutig nichts zu suchen. Sie wirkte auf den ersten Blick schon schüchtern und verloren und machte diesen Eindruck gleich noch mehr, als Terushima und Futamata auf die beiden zu eilten.
 

“Hey, ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr”, sagte Terushima und schlug seinem Kumpel erstmal kräftig gegen den Oberarm. “Wer ist deine Freundin?”, fragte er gleich nachdem auch Futamata die Begrüßung mit einem coolen Handschlag unnötig lang gezogen hat - für andere natürlich. Die Jungs fanden es klasse.
 

“Das ist Risa, meine Cousine. Sie ist ne Woche hier, weil ihre Schule sowas wie Sonderferien hat und sie soll sich in die Aktivitäten ihrer Familie einbringen oder so, heute ist sie bei mir. Hab ich ja am Wochenende schon gesagt, also seid nett, ja?”, erklärte Bobata die Situation. Risa verneigte sich knapp, schenkte den Jungs ein sanftes Lächeln, aber Futamata konnte ihr schon ansehen, dass sie sich nicht ganz wohl fühlte. Er ahnte auch, dass Terushima es nur schlimmer machte. Das verrieten auch ihre grauen Augen, die sich immer mehr weiteten.
 

“Das ist ja richtig cool! Wir brauchen mehr coole Mädchen und Cousinen sind eindeutig cool. Meine ist super, aber die wohnt in Tokio. Viel zu weit weg. Von ihr hab ich das skaten gelernt. Kannst du skaten? Was machst du gerne? Wo gehst du auf die Schule und was sind das für Ferien?”, fragte Terushima ohne Luft zu holen und Risa machte einen Schritt zurück. Sie schüttelte den Kopf, aber hob die Hände und machte eine Geste, mit der jeder verstehen würde, dass sie gerne fotografierte.
 

“Lame… oder… magst du coole Fotos von uns machen? Das wäre ja mega!”, schlug Terushima vor. Risa tauschte einen kurzen Blick mit Bobata aus und nickte anschließend. Es stellte sich heraus, dass sie in ihrem Beutel eine Spiegelreflexkamera hatte. Und wie sie das Gerät kurz darauf in den Händen hielt, schien auch das Selbstbewusstsein in ihr aufzusteigen. Ihr Lächeln wurde warm und der Schein der Herbstsonne ließ ihre aschigen Haare gar nicht mehr so kühl wirken.
 

“Risa? Mit welchem Kanji schreibt man deinen Namen denn”, fragte Futamata. Flüchtig sah sie zu Bobata, dann ging eine ihrer Hände hoch, als hielte sie etwas darin. Mit einer knappen Geste signalisierte sie wohl das Abbeißen. “Birne”, sagte Bobata zur Aufklärung. Terushima zog die Augenbrauen skeptisch zusammen. “Du musst nicht so schüchtern sein, wir beißen nicht. Kannst ruhig was sagen” Mit einem Zwinkern wollte er sie aufmuntern. Die Skepsis war verflogen, dafür stöhnte Bobata genervt auf. “Alter, sie kann nicht reden”, sagte er und schenkte Terushima einen Blick, als hätte der ihm gerade gesagt, er wüsste nicht, was eine HiHat ist.
 

“Warum nicht? Hats ihr keiner beigebracht?”, fragte der Kapitän und starrte Risa an, als wäre sie das letzte Einhorn. Das Mädchen wiederum machte große Augen und klammerte sich an ihrer Kamera fest. “Sie ist stumm, das hab ich doch letztens gesagt." Bobata wusste um das zeitweise schwache Kurzzeitgedächtnis seines Kumpels Bescheid, aber das war doch was, was man sich merken konnte. Oder?

“Sorry… dachte, das heißt, sie kann nichts hören” Terushima lachte verhalten auf und legte sich die Hand verlegen auf den Hinterkopf. Bobata neigte den Kopf langsam schief und verzog das Gesicht immer mehr. “Und deswegen redest du die ganze Zeit auf sie ein? Du bist doch auch manchmal ein Trottel” Nun schüttelte er ungläubig den Kopf.

“Ja gut, ich versteh schon, dass das ein bisschen blöd kommt… aber… kann sie nicht Lippenlesen? Sowas können die doch, oder?", fragte Terushima und deutete für Risa auf seine Lippen. “Sie kann dich hören, wie schwer ist das zu verstehen? Manchmal glaub ich echt, du bist taub” Bald war es sogar mit Bobatas Geduld am Ende. Doch dann ging Terushima endlich ein Licht auf. “Oooh… sie kann nicht sprechen, sag das doch gleich”.
 

Bobata schlug sich mit der Hand auf die Stirn und ließ ein angestrengtes Seufzen tönen.

Futamata schämte sich für diese Unterhaltung in Grund und Boden. Aber huch! Was sah er da? Risas Gesicht wurde von einem Lachen in Beschlag genommen, das durch ihren ganzen Körper jagte, aber keinen einzigen Ton aus dem Mädchen dringen ließ. Nur das Reiben ihrer Jacke, weil sie sich die Hand vor den Mund hielt, war zu hören. Und Futamata hätte sie am liebsten wieder hinunter gedrückt, weil es das schönste Lachen war, das er in seinem ganzen zwar noch recht kurzen aber mit Terushima doch sehr amüsant begleiteten Leben je gesehen hat. Ein Glück wohl, dass Risa keine Stimme hatte, er wäre auf der Stelle ohnmächtig umgefallen, vor Entzücken.
 

“Dann wäre das Wichtigste ja geklärt, ich bin Terushima Yuuji, du kannst Yuuji sagen… äh… deuten? Wie spricht sie?”, stellte sich Terushima vor und richtete die Frage an Bobata. “Gebärdensprache”, sagte der und Risa machte den Mund auf. Sie hob ihre Zunge etwas, aber streckte sie nicht direkt heraus, dafür deutete sie mit zwei Fingern der rechten Hand darauf und bewegte die Hand so, dass sie nun mit einem Finger auf Terushima zeigte. Der wackelte sexy mit den Augenbrauen. “Oh, will sie nen Zungenkuss von mir?” Risa sah rasch zu ihrem Cousin und schüttelte den Kopf. Bobata lachte. “Nein, sie hat dir einen Spitznamen gegeben, das ist leichter für sie. Du heißt Zungenpiercing”, erklärte er. “Wie oberflächlich”, entkam es Terushima, aber es schien ihn nicht unbedingt zu stören. Seine beiden Freunde sahen ihn aber mit einem irritierten Blick an. Terushima verstand die Message sofort. “Hey! Nur weil ich auf Sommersprossen steh?”, fragte er. Beide nickten zustimmend, aber Risa deutete pünktchenweise auf ihre Wange und machte das Einhandzeichen für Liebe.

Bobata seufzte erleichtert. “Sie findet Sommersprossen auch süß. Also, go for it, oder so”, sagte er.

Risas Blick blieb dann auf Futamata hängen, der sich auch umgehend mit ganzem Namen vorstellte. Risa sah zu Bobata und deutete ein knappes Zeichen mit den Fingern. “Ne, das ist nicht eindeutig, wir skaten alle gerne.” Risa machte, weil ihr Cousin natürlich vom Club erzählt hatte, eine Bewegung, die einem Aufschlag beim Volleyball gleichkam. Darauf schüttelte er auch den Kopf. “Wobei, Takeharu ist unser Zuspieler”, sagte er und Risa machte die Bewegung, die Futamata in den Spielen wohl am meisten machte. Er wiederholte sie selbst und sagte bestätigend: “Zuspiel.”

Darauf wiederholte sie noch einmal das Zeichen für Zungenpiercing, verneigte sich knapp vor Terushima und machte dann noch einmal die Bewegung des Zuspiels. Der höflichen Verneigung ging ein sanftes Lächeln einher und dann hob sie die Kamera und deutete auf den Skatepark. Sie nahm den Deckel vom Objektiv und öffnete mit einem kleinen manuellen Hebel die Linse.
 

-
 

Der restliche Nachmittag verging für die Teenager viel zu schnell. Sie hatten alle vier wahnsinnigen Spaß, lachten, wenngleich man es bei Risa nur merkte, wenn man gerade zu ihr sah. Und Futamata sah oft zu ihr. Das sah man auch sehr gut auf den Fotos, die sie gemacht hat.
 

Bobata sprach sie aber erst darauf an, als sie alleine die letzten Meter zum Haus gingen. “Takeharu ist noch einer von den Vernünftigen”, sagte er zu ihr und deutete die Gebärde fürs Verliebt sein, aber Risa versteckte ihr Gesicht hinter ihren beiden Händen. “Ach, das muss dir nicht unangenehm sein. Mit Teru hätten wir ein Problem bekommen. Versteh mich nicht falsch, ich mag ihn wahnsinnig gerne und er ist echt in Ordnung, aber ich weiß nicht, ob er so korrekt bei Mädchen ist”, sagte er ehrlich. Der Punk war da schwer zu durchschauen, immerhin hielt er schon ein ziemliches Playboy-Image aufrecht.

Die Hände seiner Cousine senkten sich wieder und sie formte die Zeichen für: ”Zungenpiercing ist schon süß”. Bobata deutete umgehend ”Nein”, sagte es auch laut und schüttelte vehement den Kopf.

Risa zeigte ihm die Zunge. Stellte dann aber eine Frage, die ihm unangenehm war. Einerseits, weil sie in die Privatsphäre seines Kumpels eingriff, unlauteres Kopfkino anwerfen wollte, gegen das er sich gerade noch so verwehren konnte, aber die Tatsache, dass seine süße unschuldige Cousine danach fragte, war in Wirklichkeit das Schlimmste: “Glaubst du, er hat es für Sex?”

Manchmal hatte er das Gefühl, Risa würden gerade solche Themen besonders leicht fallen, weil sie es nicht laut aussprechen musste. Gut, sie konnte nicht, aber sie wurde nicht einmal rot dabei, während Bobata schon warme Wangen bekam, als ihm diese Frage nur gestellt wurde. “Frag ihn doch selbst”, nuschelte er und wandte dabei den Kopf ab. Unangenehm. So unangenehm.
 

-
 

Risa hat sich den Jungs auch am Mittwoch angeschlossen. Zwar zeigte sie sich etwas enttäuscht, dass Terushima nicht dabei war - diese Familienpläne, auf die er nie genauer eingegangen war - aber das Mädchen mit den schulterlangen dunklen aschbraunen Haaren und der Kamera hat sich auch sehr über Futamata gefreut. Mehr noch, als dieser ihr zeigte, dass er unterstützt durch ein paar Gebärden 4 Dummies-Videos schon das ein oder andere Zeichen deuten, aber auch verstehen konnte.
 

“Ich will noch viel mehr lernen”, sagte er und unterstrich das Wort ”lernen” bereits perfekt. Dass Risa sich darüber freute, verstand er ganz ohne Bobatas Unterstützung.
 

“Wenn du so weiter machst, kann ich dich sogar mal mit ihr alleine lassen”, sagte Bobata zu Futamata, als sie an der öffentlichen Toilette auf das Mädchen warteten. “Wa-wa-wa-was? Hat sie denn… also… würde sie? Hat sie was gesagt?”, fragte der Zuspieler aufgeregt. Bobata verfiel in lautes Gelächter. Er zuckte mit den Schultern. “Frag sie doch”, schlug er vor und zeigte ihr das Handzeichen für Date.
 

”Ist dir heiß?”, deutete Risa und Futamata legte sich die Hand mit einem verlegenen Lachen in den Nacken. “Ach… du bist doch selbst ziemlich… heiß”, sagte er. Bobata hob eine Augenbraue hoch und auch Risa legte den Kopf schief. Futamata hatte sofort das Gefühl, was Falsches gesagt zu haben. Viel mehr aber hatte er etwas falsch verstanden.
 

“Sie hat dich gefragt, ob dir heiß ist, weil du so rot im Gesicht bist und nicht gesagt, dass du heiß bist”, klärte Bobata auf und dann wurden auch Risas Wangen rot.

Futamata wäre am liebsten im Erdboden versunken. “Ja… irgendwie ist mir gerade so heiß, als würde sich die Hölle unter mir auftun” Er strich sich mit der Hand übers Gesicht. Das war so ein peinlicher Anfängerfehler. Er hatte die Frage übersehen und nur die Deutung auf sich und das Zeichen für Hitze erkannt. So dumm. Futamata fühlte sich so unbeschreiblich dumm. Da traute er sich gleich gar nicht, nach einem Date zu fragen und schwieg die paar Blöcke, bis sich ihre Wege trennten, lieber.
 

“Oh, Risa ist dann wieder bei ihren Eltern. Aber so weit sind sie nicht weg. Sie kommt sicher gerne wieder, oder? Und sie hat mir gestern verraten, dass sie zum Vorentscheid kommen will”, erzählte Bobata und Risa hob dafür ihren Beutel, die Kamera und damit Fotos zu signalisieren. Futamata war aber schon auf einer ganz anderen Welle.
 

“Oh und dann kannst du mich anfeuern! Also uns… Bobata, das Team und… naja, und mich”, sagte Futamata erst aufgeregt, wurde aber schüchterner, als er gemerkt hat, wie er sich in den Mittelpunkt gespielt hat. Risa legte ihre Hand unter ihr Schlüsselbein und zog sie mit einem Lächeln hinunter. Futamata lächelte ebenso, denn er hatte die Gebärde für ‘gern’ erkannt.

Liebe, so trüb wie der Mondschein (Terushima X OC)


 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

Yuuji Terushima fuhr jeden Tag dieselbe Strecke mit dem Skateboard und das, seit er zur Grundschule ging und Skateboard fahren konnte. Seit der Highschool musste er etwas weiter, aber das war kein Problem. Und er fuhr auch jeden Nachmittag wieder zurück und manchmal einen Teil der Strecke doppelt, weil er sich mit seinen Freunden traf. Aber er hat nie bemerkt, dass er an einem gewissen Haus immer und immer wieder vorbei kam, bis er eines Nachts von einer Party nach Hause fuhr.

Da hörte er das Klimpern einer Kettenschaukel. Direkt im Garten des Hauses, das er nie bemerkt hat. Terushima sah eine Person dort sitzen. Kleiner als er, zarter. Stumm hin und her wippend. Und er blieb stehen.

“Yo! Was machst du da?”, rief er in den fremden Garten und stieg vom Skateboard auf den Sockel des Zaunes, um besser sehen zu können. Doch anstatt eine Antwort zu geben sprang die Gestalt auf. Ein Mädchen, ungefähr Hanas Größe, lief aus seinem Blickfeld und eine Tür fiel kurz darauf ins Schloss. “Komisch”, seufzte Terushima und nahm den Weg nach Hause wieder auf.
 

Am nächsten Morgen erinnerte er sich an die unwirkliche Begegnung und fragte sich, ob er das Mädchen einfach wieder besuchen sollte. Dass er sich das Ganze einbildete war undenkbar für ihn. Auch nicht, als er am Samstagvormittag wieder am Sockel des Gartenzaunes stand und niemanden erblickte. Der Garten war verwachsen und wirkte verlassen, als würden dort keine Kinder spielen.

“Yo! Ist da jemand?”, rief er dennoch und lauschte. Es rührte sich nichts. Nur Terushima. Er sah zur Straße, wo er einen Wagen parken sah und somit Gewissheit hatte, dass jemand zuhause war. Im ersten Stock des Hauses waren Rollläden heruntergelassen, also schlief das Mädchen, das er gestern Nacht (nicht) getroffen hat, vielleicht noch. Terushima war kein Langschläfer, er nutzte den Tag gerne und war somit immer zeitig mit dem Skateboard unterwegs. Und Terushima schloss gerne von sich auf andere, weswegen er kurzerhand vor dem Gartentor stand und die Glocke betätigte.

Das Mädchen sollte rauskommen!

Einmal wurde geklingelt. Ein zweites Mal und dann ging der Sturm los. In zweierlei Belange, denn die Haustür wurde aufgerissen und ein wütender Mittvierziger brüllte Terushima entgegen, was ihm da einfiel und ob er jemals Manieren beigebracht bekommen hat.

“Ja schon, aber das ist langweilig”, war seine schlichte Antwort, ausschließlich auf die zweite Frage. Immerhin sollte doch klar sein, was ihm eingefallen war: Er wollte, dass ihm jemand öffnete. “Und? Kommt sie jetzt zum Spielen raus?”, fragte er und die Tür wurde wieder zugeknallt.

Just bevor er die Glocke ein weiteres Mal betätigen konnte, schlüpfte der Männerkopf wieder durch den Türspalt. “Wage es und ich ruf die Polizei!”

Gut, mit sowas konnte man Terushima vertreiben. Vorerst! Denn nach einem aktivitätenreichen Tag im Skatepark, in der Mall und am Fluss war Terushima mit der Dämmerung wieder an das Haus herangefahren und ließ neben dem Gartenzaun, an einer Stelle, wo er gut zu der Schaukel sehen konnte, das Skateboard ausrollen. Er hing sich wieder über besagten Zaun und wartete.

Terushima wartete nicht gerne, aber er ließ sich auch nicht gerne anschreien und die Polizei sollte man erst recht nicht rufen. Der Wagen stand auf der Straße und im Haus konnte er Stimmen hören. Erwachsene, die miteinander sprachen, aber den Inhalt bekam er nicht mit. Stattdessen war sein Blick fest auf den hinteren Teil des Hauses gerichtet.
 

Während er so dastand und die Zeit rumgehen ließ, traf er eine wichtige Entscheidung: Terushima Yuuji würde niemals nie Detektiv werden. Das war verflucht langweilig! Und so nickte er am Zaun hängend sogar ein und wurde erst durch das Licht der Straßenlaterne aus dem Schlummer gerissen und erkannte kurz darauf endlich wieder das Mädchen. Sie lief im sanften Licht, das vom Wohnzimmer nach draußen drang, über die Terrasse und direkt auf die Schaukel zu, die wieder knarrte.

Terushimas Herz machte einen Sprung, weil er sich freute, dass sie doch noch gekommen war. Ebenso schnell wie sein Herz sprang auch er hoch. “Yo!”, rief er wie in der Nacht zuvor und genauso lief sie auch wieder hinein, dass Terushima den Kopf frustriert in den Nacken riss und einen festen Seufzer ausstieß.

“Ey! Ich hab den ganzen Tag auf dich gewartet!” Er übertrieb maßlos, kam damit auch nicht weiter und gab sich nach weiteren Rufen geschlagen. Vorerst. “Ich komm morgen wieder!”
 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

Und er kam am nächsten Tag wieder. Am Vormittag diskutierte er, warum sie nicht rauskam. Doch der vermeintliche Vater hatte keine Erklärungen für ihn, sondern schickte ihn weg und sagte ihm nur, er wäre nicht gut für sie. “Sie kennen mich gar nicht!”, blaffte Terushima und streckte plump die Zunge raus. “Du zeigst genug, dass man dich nicht näher kennenlernen muss und jetzt geh nach Hause oder-” “-oder Sie rufen die Polizei, ja ja, schon klar”, murrte Terushima und rollte mit dem Skateboard davon. Er warf einen Blick über die Schultern und bemerkte, dass die Rollläden im ersten Stock in dünnen Schlitzen hochgezogen waren. Er erkannte auch, dass jemand dahinter stand und er meinte zu spüren, dass sich ihre Blicke trafen, auch wenn er sie gar nicht sah.
 

Zur Dämmerung lehnte er wieder am Gartenzaun und wippte nervös auf und ab, während er darauf wartete, dass die Sonne vollends unterging und die Straßenlaterne ansprang. Vergebens. Das fremde Mädchen, das sich durch ihre Abwesenheit nur noch interessanter machte, tauchte nicht im Garten auf. Auch die Rollläden blieben unten und Terushima wartete zwei weitere Stunden, in denen er mal lauter, mal in angebrachter Lautstärke Fakten gegen die Hauswand schleuderte. Dass er hier in der Nähe wohnte und dass das hier Teil seines Schulweges war. Außerdem, dass er sie gerne sehen mochte und dass er sie schon nicht beißen würde. Weiters erzählte er vom Skateboardfahren und vielen anderen coolen Dingen, die man draußen machen konnte, Volleyballspielen zum Beispiel, aber auch dass er einfach nur mit ihr schaukeln würde, wenn sie das wollte.
 

“Halt endlich die Klappe und geh nach Hause!”, drang es plötzlich energisch an seinen Hinterkopf. Die Nachbarn hatten auch schon genug. Terushima musste sich abermals geschlagen geben, denn er wollte nicht, dass man doch noch den Notruf wählte und er abgeführt wurde wie so ein Schwerverbrecher, nur weil er eine neue Freundin haben wollte. Also Freundin, ganz platonisch. Zumindest, wenn sie nicht cool war. Wenn sie das nämlich doch wäre, dann würde er sie als richtige Freundin haben wollen, so wie ein Junge ein Mädchen nunmal hatte. Zum Händchenhalten, verliebt kichern und den ersten richtigen Kuss zu teilen - die aus der Mittelschule zählten nicht, sonst würden auch die an seine Tanten zählen und das wollte er nicht - und dann nun ja, vielleicht irgendwann auch für mehr. Aber erst musste sie aus dem blöden Haus rauskommen!
 

Tat sie aber einfach nicht. Auch in der folgenden Woche bekam Terushima sie nicht zu Gesicht, dafür hörte er sie eines Abends. Nicht sie direkt, ihre Ocarina, die eine schwungvolle Melodie pfiff, mit der auch Terushima etwas anzufangen wusste. Und so hatte er eine Idee für Freitag.

Er opferte einen weiteren Abend für das unbekannte Mädchen und stand nun statt auf dem Wohnzimmertisch in Bobatas Haus mit seiner Gitarre direkt unter dem Fenster, wo die beflügelten Töne zu hören waren. Er hat das Instrument über den Zaun geworfen gehabt und war nachgesprungen, als niemand in Sichtweite war. Auch der Wagen stand gerade nicht vor der Tür, dass er sich in seinem Vorhaben umso bestätigter fühlte und diesmal sein Glück anders versuchte.

Rasch war er mit der Gitarre in die Melodie eingestiegen, sorgte damit aber leider für das Verstummen der Ocarina. Er ließ die Saiten ausschlagen und sah mit einer Schnute hoch zu dem Fenster, wo er wusste, dass das Mädchen saß oder stand und ihn zumindest hörte und wahrnahm.

Es dauerte nicht lange, da wurden die Rollläden endlich hochgezogen und die Schnute zog sich umgehend zu einem breiten, erfreuten Grinsen. “Yo!”, rief er. Stille kam ihm entgegen.

Dann ging doch das Fenster auf. “Hey!”, rief eine sanfte Stimme hinunter und endlich konnte Terushima die Unbekannte sehen. Spärlich durch das Licht aus dem Zimmer und die Finsternis der Nacht, aber er war der festen Überzeugung, dass sie hübsch war. Sie hatte lange Haare, die im Wind spielten, hell wohl und sie trug ein weites Shirt, was aus ihr jetzt schon ein tolles Skatergirl machte, dass Terushima sie unbedingt als Freundin haben wollte.
 

“Yo! Ich bin Yuuji, willst du meine Freundin sein?”, rief er hoch und sie lachte. “Ich bin Midori und ich hab schon einen Freund”, antwortete sie und brach Terushima rasch das kleine unerfahrene Herz. Die Gitarre sank und schlug unkoordiniert Töne. “So nen Richtigen? Zum Knutschen und so?”, fragte Terushima ob der Hoffnung, sie hätte ihn falsch verstanden. Ein verhaltenes Japsen folgte und Midori versteckte sich hinter ihren Händen. “Sag doch sowas nicht!”, forderte sie und Terushimas Grinsen wurde wieder breiter.

“Willst du mit mir singen?”, fragte er und hielt die Gitarre hoch. Midori sah zwischen ihren Fingern durch, senkte die Hände und sah zur Straße, wo das Auto ihrer Eltern nicht stand.

“Es ist schon dunkel. Du solltest heimgehen”, sagte sie, aber Terushima schüttelte den Kopf. “Ne, wir haben doch Freitag, da kann ich lange draußen bleiben, also komm”, forderte er und akzeptierte keine Widerrede. Midori legte es aber auch nicht auf eine lange Diskussion an.

So saßen sie kurz darauf im Garten. Midori auf der Schaukel, Terushima ihr zu Füßen im hohen Gras. Er schlug die Gitarrensaiten für Greendays Good Riddance an.

“Das kenn ich!”, freute sich Midori und klang in Terushimas Gesang ein.
 

“Warum bist du eigentlich immer drinnen?”, fragte Terushima irgendwann und legte die Gitarre weg. “Bist du ein Vampir oder so?” Midori kicherte, aber ihr Ausdruck schlug um, als sie darauf den Kopf schüttelte. “Nein… Ich hab eine Hautkrankheit, wegen der ich nicht an die Sonne darf”, sagte sie. “Ne Sonnenallergie? Is ja krass!” Aber Midori schüttelte auf die Vermutung wieder den Kopf. “Nein, es ist etwas kritischer. Xeroderma Pigmentosum heißt das und ich kann sterben, wenn mich die Sonne erwischt”, erklärte sie. Terushima legte den Kopf schief. "Opossums stellen sich aber nur tot”, berichtigte er sie, weil er den Begriff natürlich nicht verstanden hat und darauf musste sie lachen.
 

“Du bist lustig, Yuuji” Midori wippte mit der Schaukel, Terushimas Augen verfolgten jede ihrer Bewegungen. Ihre Haarfarbe konnte er immer noch nicht recht zuteilen. Sie waren hell, aber er wusste nicht, ob Midori eine Blondine oder ein Rotschopf war. Aber ihre Augen waren blau, so blau wie der Himmel, wenn die Sonne strahlte, die ihre Haut nicht berühren durfte.

“Aber eigentlich ist das gar nicht lustig”, sagte sie und holte aus, ihre Krankheit zu erklären. Midori hatte einen erblich bedingten Gendefekt, den auch beide ihrer Eltern hatten, aber dass ihre Eltern das Erbgut - oder Erbschlecht, wie Terushima es folglich nannte - nur an sie weitergegeben haben und die Krankheit bei ihr aktiv geworden ist. Schon kleinste Expositionen gegenüber UV-Licht würden ihre Haut irreversibel beschädigen.

“Man nennt es auch Mondscheinkrankheit” - “Weil du nur im Mondschein raus kannst. Das ist total kacke”, brummte Terushima und begutachtete den Arm, den ihm Midori hin hielt, um ihre Narben zu zeigen. Im Mondlicht fand er sie gar nicht schlimm. Vorsichtig fuhr er sie mit den Fingern nach und stoppte an ihrem Oberarm unter ihrem T-Shirt Ärmel. Er hob den Kopf und sah ihr direkt in die schönen blauen Augen. “Und du würdest wirklich sterben, wenn wir… sagen wir, einen Spaziergang in der Sonne machen würden?”, fragte er. Midori zog die Schultern hoch. “Ich würde jetzt nicht auf der Stelle tot umfallen, aber meine Haut würde wie verbrennen und die Folgen würden mich… naja…” - “Und im Wald? Können wir im Wald spazieren gehen?”, darauf schüttelte Midori den Kopf.

“Dann werd ich dich immer nur nachts besuchen”, sagte Terushima schnell und Midoris Lippen zogen sich zu einem glücklichen Lächeln.

“Und wie ist das jetzt mit deinem Freund?” Terushima wackelte mit den Augenbrauen, Midori sah verlegen zur Seite. “War erfunden oder?” Sie nickte zur Bestätigung. “Ich hab eigentlich gar keine Freunde”, seufzte sie, doch ehe sie näher darauf eingehen konnte, unterbrach sie eine tiefe Männerstimme und Terushima wurde vom Grundstück verwiesen.

Midoris Eltern waren heimgekommen. Der Motor war kaum zu hören gewesen, zumindest waren Midori und Terushima so auf sich fixiert, dass sie es nicht bemerkt hatten und dann stolperte der Junge unbeholfen davon, kletterte wieder über den Gartenzaun, aber winkte Midori zum Abschied und gab ihr das Versprechen, wiederzukommen. Immerhin lag seine Gitarre ja auch noch im Garten.
 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

Terushima hielt sein Versprechen, aber so auch Midoris Vater, der ihn von der Polizei vertreiben ließ.

Es war kein einfaches Unterfangen, aber der Skaterboy konnte die Eltern des Mädchens irgendwann überzeugen, dass er keine bösen Absichten hatte. Am überzeugendsten war Midoris Lächeln, dass ihre Mutter hervorhob, so strahlend noch nie gesehen zu haben.

“Was kann ein Freund schon schaden?”, hat sie den Herrn des Hauses gefragt. “Ich kann dir genau sagen, was ein pubertärer Junge schaden kann”, war die deutliche Antwort und der Beginn eines Streits, den Terushima mit weiteren Versprechen zu schlichten wusste.

Terushima würde sich nur im Garten aufhalten. Und er würde Midori weiterhin nur nachts treffen und natürlich durfte sie das Grundstück nie verlassen.

Und das reichte! Es reichte den Eltern mit den wachsamen Augen und es reichte Terushima, das schüchterne Mädchen, das gar nicht so schüchtern war, besser kennenzulernen. Midori war es nicht gewohnt, mit Gleichaltrigen zu interagieren. Sie war witzig und lachte so schön, wenn Terushima etwas Unangebrachtes sagte. Midori mochte dieselbe Musik und wollte so gerne einmal auf ein Konzert gehen, aber das durfte sie nicht. Ihre Eltern haben es verboten.

Dafür erlaubten sie eines Tages, dass sie auf der Terrasse gemeinsam Hausaufgaben machten, wobei Terushima schnell bemerkte, dass ihm Midori weit voraus war, obwohl sie in dieselbe Klasse gehen würden.

“Warum weißt du das alles?” - “Mein Papa ist ein guter Lehrer und meine Mama kann viele Sprachen”, erzählte Midori, weil sie nicht nur englisch konnte, sondern auch französisch und spanisch und sogar etwas russisch.

“Du weißt schon, wie es die Franzosen tun, oder?", fragte Terushima mit wackelnden Augenbrauen. Midori legte den Kopf schief. “Mit Zunge”, erklärte er, streckte besagte heraus und plauderte aus dem Nähkästchen, dass er sich, sobald er in ein paar Wochen sechzehn würde, ein Zungenpiercing stechen lassen wollte. “Ich will eins in der Nase haben. Aber ich kann nicht einfach zu einem Piercer gehen”, seufzte Midori, aber Terushima hatte die perfekte Lösung dafür. “Dann lass ich mich zum Piercer ausbilden und ich stech es dir einfach hier”, schlug er vor und verlangte dem Mädchen ein verliebtes Lächeln ab, das auch ihn etwas verlegen machte. Auf verhaltenes Lachen folgte die erste zärtliche Berührung ihrer Hände und ein regelrechter Stromschlag durch die jungen Körper. Terushimas Augen fixierten die blauen Seelenspiegel, während seine Finger sich um die kleineren Hände schlangen und er näher an Midori heran rückte, nur um dann ruckartig aufzuspringen, als er die Terrassentür geräuschvoll aufschieben hörte.

“Und dann hat Kazuma voll den guten Block gemacht!”, sagte er lauter, um ein ganz normales und harmloses Gespräch zu mimen.

Dass Midoris Mutter ihm mit einem Schmunzeln dahintergekommen war, hat er nicht gemerkt, durchaus aber, dass die Eltern ihnen ab da einen gewissen Abstand gaben.

“Sie soll auch ein bisschen was von einem normalen Leben haben”, hat Terushima einmal gehört und hat sich dabei ertappt, dass er Midori bemitleidete, weil sie eben genau das nie haben konnte: Ein normales Leben.
 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

“Und es gib nich’s, was du dagegen machen kanns? Eine OP oder Medikamende?”, fragte Terushima eines Abends lispelnd, weil Midori ihm traurig sagte, dass sie auch gerne mit ihm und den Jungs Volleyball spielen wollte. Lispelnd, weil er endlich sechzehn war.

Er stand hinter ihr, hielt die Ketten der Schaukel und schob seinen Kopf zwischen Midoris Gesicht und der Kette vorbei. “Nein”; seufzte sie. “Also, es wird schon geforscht und es gibt Studien, aber einerseits bin ich zu jung und andererseits ist das sehr experimentell. X.P. ist halt total selten. Mehr Forschung gibt es für häufigere Krankheiten, was ja auch gut ist. Da kann man mehr Menschen retten”, sagte sie und drehte sich mit einem milden Lächeln zur Seite. “Aber ich will, dass sie dich redden”, empörte sich Terushima und riss den Kopf wieder zurück. Er stapfte wütend um das Schaukelgestell herum und blieb direkt vor Midori stehen. “Wem muss ich sagn, dass die ma hinne machen solln?”, fragte er, aber Midori schüttelte den Kopf, sie musste lachen, weil er so witzig klang. “In einem halben Jahr werde ich sechzehn, dann hab ich bessere Chancen”, sagte sie und streckte ihre Hand nach Terushima, ihn zu sich zu ziehen.

Ihre Augen trafen mit einem intensiven Blick aufeinander. Terushima bereute sein Zungenpiercing auf der Stelle, weil er genau wusste, dass dies nun der Moment war. Jetzt, wenn er gekonnt hätte, er hätte seinen ersten richtigen Kuss gehabt, aber stattdessen berührten sich ihre Lippen nur hauchzart und Terushima behielt seine Zunge da, wo sie vorerst noch hingehörte. In seinem Mund. “Ich hab dich wirklich gern, Yuuji und würde gerne einen Spaziergang mit dir im Wald unternehmen. Bei Tag. Machen wir das, wenn sie eine Studie für mich haben und das erfolgreich ist?” Midoris Augen funkelten bei diesem Wunsch heller als jeder Stern, der gerade am Himmel über ihnen strahlte, heller als der Mond und schöner, als Terushima sich ein Mädchen jemals vorstellen könnte. “Ich würd dir jeden Wunssh erfüllen”, lispelte er und bekam dafür wieder dieses atemberaubende Lächeln, bevor sie sich voneinander verabschiedeten.
 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

Ein paar Wochen später, Terushimas Piercing war verheilt und fühlte sich bereit für jede Schandtat, hatte er für seine Freundin etwas ganz besonderes geplant. Sie sollte sich bereit machen, mit ihm auf ein Konzert zu gehen, und er hat auch mit ihren Eltern gesprochen und ihnen versichert, dass er sie nicht in Gefahr bringen würde.

Gemeinsam mit Midoris Vater hat er am Vormittag schon begonnen, einen kleinen Pavillon im Garten aufzubauen. Plastik und mit billigen Stangen, aber sie brauchten es nur für einmal. Vom Filmclub hat er sich einen Beamer geliehen und an einer Seitenwand des Pavillons hing noch ein extra Lacken als Leinwand. Den Beamer hatte er vor Einbruch der Dunkelheit an seinen Laptop gehängt und würde, so wie Midori in den Garten kam, die Aufzeichnungen seiner Band abspielen, die Futamatas Mutter gemacht hatte.
 

Als Terushima [url=https://at.pinterest.com/pin/AcYMp8WlZ1P88f1-Up3PXItUi3SIQ_Y0UkFvJ7JPObaprzB9WXw3p3z6GOX9gIS3IBk2q2G1-ZmGkCfWoREtQtc/]Midori[/url] aber hinter dem Glas der Terrassentür sah, klappte ihm erst der Mund auf und er konnte gar kein Wort sagen. Auch nicht, als sie wie beflügelt auf ihn zukam. Ihr hoch gebundener Pferdeschwanz wippte bei jedem Schritt, aber die Lederjacke, die sie aus dem Fundus ihrer Mutter gefischt hatte, machte dieses Mädchen noch mehr zur perfekten Konzertbegleitung, dass er es umso trauriger fand, nie… nein! noch nicht mit ihr auf ein echtes Konzert gehen zu können.
 

“Ich hab… also… wenn Erwachsene sagen, dass sie sich lieben, dann hab ich immer geglaubt, das sagen die, weil es so sein muss. Weil sie mal verknallt waren und weil man das dann halt sagt, sobald man geheiratet hat, aber… ich hab nicht gewusst, dass es ein Gefühl ist, das mehr als sieben mal verknallt sein ist und…. Ich weiß das jetzt”, versuchte Terushima diese Erkenntnis halbwegs verständlich rüberzubringen.

Midoris Augen weiteten sich und ließen ihre Iriden wie den Ozean unendlich wirken. “Yuuji!”, japste sie und sprang ihm in die Arme. Terushima fing sie auch, wie im Film. Anfänglich, denn er geriet ins Stolpern und stürzte unbeholfen über die zwei kleinen Treppen in den Garten zurück. Midori kniff die Augen zu und machte sie erst wieder auf, als sie im hohen Gras gelandet waren und sie Terushima näher war denn je. Mit ihrem ganzen Körper. So, dass sie seinen Herzschlag spüren konnte und sein Atem, der von frischer Mundhygiene zeugte, an ihre Nase drang. Auch ein wohlriechendes Deodorant hat er verwendet - Empfehlung seiner Freunde - aber am meisten nahm sie die Wärme auf, die von der plötzlichen Nähe ausging. Direkt darauf baute sich Nervosität auf, aber Terushimas geübte Hand an ihrem Nacken ließ alles weitere ganz natürlich passieren. Erst versank sie in seinem frechen Blick, dann kam sie ihm näher und schließlich klappten ihre Augen zu, wie Terushimas Lippen fordernd nach den ihren suchten und sie fanden.

Ein kleines Feuerwerk löste sich unter ihrer beider Brust aus und Terushima teilte seinen ersten richtigen Kuss mit dem Mädchen, in das er sich über beide Ohren verliebt hat und für das er empfand, was er gedachte, seine Mutter hat es mal für seinen Vater gefühlt und was er wusste, das Midoris Eltern immer noch füreinander fühlten und was er nie dachte, dass es jemals aufhören würde.
 

Nicht nach dieser Nacht mit dem verschobenen Live-Konzert. Nicht nach Midoris sechzehnten Geburtstag und auch nicht, als er am Abend zum Ferienbeginn freudiger denn je zum Haus seiner Freundin fuhr, nur um festzustellen, dass der Wagen nicht da stand und dass niemand auf der Schaukel saß und dass alles im Haus finster war.
 

[url=https://open.spotify.com/intl-de/track/1XGmzt0PVuFgQYYnV2It7A?si=eaae59bfcefc4abb]☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆[/url]
 

Terushima hat nie erfahren, was geschehen ist. Das Haus von Midoris Familie stand von einem Tag auf den anderen zum Verkauf und die Familie war wie vom Erdboden verschluckt. Er hoffte inständig, dass Midori einen Platz bei für eine Forschungsstudie bekommen hatte und er hoffte, sie würde irgendwann wieder kommen. Denn alle anderen Gedanken waren zu traurig, zu schmerzlich und er wollte sie gar nicht haben.
 

“Gut, dass sie weg ist, jetzt haben wir wieder mehr von dir”, sagte Bobata, zog bei Terushimas vernichtendem Blick, aber auch Futamatas tadelnder Geste sofort den Kopf ein und die Schultern hoch. “Sorry, kam anders rüber, als ich es gemeint hab… aber du hast uns halt schon ziemlich für ein Mädchen hängen lassen”, murrte der Mittelblocker.
 

“Sorry, Jungs, das wollte ich nicht”, sagte Terushima mit gesenktem Kopf. Futamata trat direkt neben ihn heran. “Kopf hoch, Yuuji, du findest n anderes tolles Mädchen”, sagte er aufmunternd, aber Terushima schüttelte den Kopf.
 

“Ich will kein anderes Mädchen”
 

☆ ☾ 𐩒 ☽ ☆
 

Vaterliebe (Sasaya)

Es war einer dieser Tage. Die, die so harmlos anfingen, mit einem Abschiedskuss am Morgen an seine Frau und dem Zurückbleiben mit den Kindern am Frühstückstisch.

Einer dieser Tage, die Potenzial hatten, ganz entspannt zu werden, aber dann vom Chaos überwältigt wurden und alles von einem forderten, was man fähig war zu gehen.
 

So einen Tag hatte Sasaya Takehito vor anderthalb Stunden begonnen. Seine kleine Prinzessin zerlegte am Tatami Tisch gerade einen Pfannkuchen, weil Takehito gedacht hatte, damit könnte er sie eher einen Augenblick alleine lassen, als mit einer Schüssel Reis, die sich nicht nur am gesamten Tisch verteilt hätte, sondern auch eine Grundreinigung des gesamten Essbereichs mit sich gezogen hätte. Vermutlich sogar bis ins Wohnzimmer und hinter die Couch.

Ach, wie falsch er lag. Ach, wo Pfannkuchen überall hin konnte. Ach, wie herrlich er an der Glasscheibe der Balkontür klebte.
 

Grund für den kurzen Moment, sein kleines Mädchen aus den Augen zu lassen, war sein noch kleinerer Bub, den der Bauch zu drücken schien.

Takehito blockte einer eisernen Mauer gleich jede noch so kleine Fekalattacke auf ihn ab. Erst gab es ein kleines Kötzerchen, weil sein kleiner Erbsenprinz, wie er ihn liebevoll nannte, einen ähnlich guten Zug am Fläschchen hatte, wie Takehito in seiner Jugend und schnelles Trinken nunmal Aufstoßen provozierte, dann gab es einen Pups mit Munition, der fatal hätte enden können, aber Takehito hatte genau zur rechten Zeit ein Tuch bei der Hand und konnte das Schlimmste verhindern.

Die Windel aber war nicht voll und von schlechter Verdauung konnte auch nicht die Rede sein. Schnell war der Sohnemann umgewickelt. Geweint wurde dennoch weiterhin ganz bitterlich und herzzerreißend.
 

Takehito fühlte die Temperatur. Normal. Er massierte vorsichtig das kleine Bäuchlein. Kein weiterer Unfall. Die Tränen wurden weggewischt, eine Decke umgelegt und Nähe geschenkt. Zum Trost. Es wurde gewippt, aber weiter geweint.
 

“Du hast gegessen, du hast gekackt und geschlafen auch erst… was ist denn nur los?”, fragte er den Säugling, der ihm zur Antwort nur weiteres unverständliches Gequengel entgegenbrachte. Vorsichtig legte er ihn um, dass er ihn über der Schulter halten konnte. Der Rücken wurde sanft getätschelt. “Bäuerchen? Ich mach auch eins, wenns dir unangenehm ist”, sagte er und ging mit gutem Vorbild voraus. Nichts.
 

Wippend und wohlwollend auf seinen Kleinsten einredend ging er aus dem Badezimmer und zurück ins Esszimmer, wo ihn förmlich der Schlag traf. “Ach du grüne Neune…”, kam es ihm über die Lippen, weil er vor den Kindern noch niemals nie geflucht hat. Das würde auch so ein Marmelade und Pfannkuchenmassakter im Großteil der Wohnung nicht ändern.

Er schluckte hart, aber fragte sich umgehend, wie es überhaupt möglich war, dass eine Vierjährige in so kurzer Zeit an so viele Stellen kam und wie ein Pfannkuchen und der Patzen Marmelade dazu so ergiebig waren, ihn im Grunde für zwei Stunden hätten beschäftigen zu können.

Rote Flecken im Gesicht seiner kleinen Prinzessin verrieten ihm außerdem, dass sie wohl grundsätzlich schon geplant hatte, zu essen, aber nun stand sie da und präsentierte stolz ihr Werk. Wie hätte er nicht auch stolz sein können? In der Grundschule hat er mal einen Farbeimer aus dem Kunstsaal geklaut und mit seinem Kumpel den Klassenraum umgestaltet. Das Ergebnis war nur ein bisschen ansehnlicher als das, was sich ihm gerade offenbart hatte.
 

Takehito seufzte. “Schön”, sagte er ergeben, weiterhin gequält vom Geschrei seines Sohnes, der von dem Saustall wohl nicht begeistert war. Nun ja, eigentlich war er ja mit der Gesamtsituation unzufrieden und daran konnte sein Vater noch nichts ändern. Er wusste nicht, an was es ihm fehlte. “Ach Erbschen”, sagte er und wippte ihn etwas mehr, mit dem Blick in das trübe Gesicht. Nur mühsam wurde die Missgunst besänftigt. Eindeutig war Wippen und Zureden nicht die Lösung. Aber ein Übergang, um sich dem Chaos zu widmen.
 

“Sag, Prinzesschen, magst du mir bitte Ka-sans Zaubertuch bringen?”, fragte er sein Mädchen und die Kleine lief mit einem raschen Nicken davon. Was konnte da nur schief gehen?

Nichts. Den Fetzen zu holen, war sicher. In der Zwischenzeit konnte er den Eimer in der Küche unters fließende Wasser stellen und mit dem immer wieder schluckenden und zum weinen ansetzenden Baby die Pfannkuchenstücke einsammeln.

Sicher. Es war eine ganz harmlose Aufgabe. Gleich würde er seinem Mädchen das Tuch abnehmen, damit und mit ihr und dem Sohn in die Küche gehen, die Essensreste entsorgen und etwas Reinigungsmittel in den Eimer schütten um dann damit das Chaos zu beseitigen.
 

Takehito hat zu einfach gedacht.
 

Ein Quietschen, ein Kreischen und ein weiteres Rumpeln ließen ihn so sehr aufschrecken, dass es für einen Moment ganz still im Haus war. Sogar das Weinen war verstummt und dann ging alles gleichzeitig los. An seinem Ohr schien eine Sirene zu hängen und im Badezimmer war ähnlich markerschütterndes Wimmern zu hören. Takehiro eilte zur Hilfe herbei und fand seine Tochter unversehrt, aber mit dem Groll tief ins Gesicht gezeichnet vor dem Handtucheizkörper stehend. Ihre Hand war ausgestreckt, sie deutete auf den grünen unerreichbaren Fetzen ober auf der ersten Strosse und vermutlich wollte man ihm mitteilen, dass es zu hoch war, aber stattdessen war unverständliches Geheule zu vernehmen. Um sie herum lagen ein Eimer, Klopapierrollen und der Wischmop, der eigentlich zum Eimer gehörte. Aus unerfindlichen Gründen war der Duschvorhang heruntergerissen und aus dem Regal neben dem Heizkörper waren sämtliche Inhalte gefallen und am Fliesenboden verteilt. Ein Glück, dass die Parfümflaschen der Frau des Hauses hinter den Türchen des Hochschrank standen und dass Takehitos After Shave in einer Dose kam, die zwar auch am Boden lag, aber keine Scherben und verschüttete Flüssigkeit mit sich brachte.
 

“Tooo-saaaaan!”; brüllte das Mädchen. Ihr Arm fuchtelte immer wieder zu dem in der Zwischenzeit verfluchten Fetzen. Warum noch mal hat er gedacht, dass das eine gute… eine sichere Idee war?
 

“Ach Prinzesschen, das tut mir leid. Dein To-san hat nicht mitgedacht, dass du dafür noch nicht groß genug bist”, sagte er natürlich exakt das Falsche. “Ich bin… ich will… ich bin schon so gooooß!” Der Widerspruch, dem Takehito nicht widersprechen wollte. “Natürlich bist du das”, sagte er und legte in gehockter Position tröstend den freien Arm um sein weinendes Mädchen. Stereo war das Ganze direkt ausgeglichen. Beide Ohren bekamen ihr Fett weg, am Abend würde ihm der Schädel brummen. Mit Sicherheit.
 

“Ganz ruhig”, sagte er mit sanfter Stimme und sein Tätscheln am Rücken wirkte besser als gedacht. An der rechten Seite wurde es somit leiser und bezüglich der linken führte er das Wippen so gut wie möglich fort. Ein Bein nutzte er im Moment der Ablenkung. um nach dem Wischmop auszufahren und diesen mit seinem väterlichen Geschick aufzurichten und… und… und wie ein absoluter Profi in die Richtung des Handtuchheizkörpers zu bewegen. Getroffen! Der Fetzen segelte auf den Boden hinab, Takehito ließ den Mop an die Wand gleiten und er schob sein kleines Mädchen vor sich. “Schau mal, das hast du wirklich gut gemacht", sagte er und deutete ihr beim Positionswechsel auf den anderen Fuß zurück auf das gewünschte Tuch.
 

“Ja! Gut gemach”, wiederholte sie und eilte das Reinigungstuch zu holen.

Nur noch die feuchten Tränen waren Zeugen der mittelschweren Vollkatastrophe, die sich eben noch im Gesicht des Mädchens abgespielt hatte. Jetzt strahlte sie über beide Ohren und freute sich, ihre Aufgabe mit solch großem Erfolg erledigt zu haben. Sie griff das Tuch und lief damit in die Küche, wo sie wusste, dass es weiterging. Takehito seufzte und richtete sich mit seinem mal mehr, mal weniger schluchzenden aber auch mal stillen Sohnemann auf.
 

Bereit für die nächste Katastrophe!

In der Küche lief das Wasser nämlich bereits über den Rand des Eimers hinweg und über den Küchenboden Takehito schon entgegen. Sein Töchterchen kniete schon im Wasser und wischte mit dem Fetzen auf. Alles war nass. Das Kleid des Mädchens, der Fetzen natürlich, der gesamte Boden und kurz darauf auch Takehitos Socken, weil er durch die lange Pfütze lief und endlich den Wasserhahn abdrehte.
 

“Das war dumm” sagte er und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Neben ihm drang ein erheitertes Kinderlachen an sein Ohr und kurz darauf wiederholte seine Tochter: “Das war dumm” - “Fuck!” - “Fak” Nicht das Beste, was die Kleine hätte wiederholen können. Eindeutig nicht das Beste.

“Sag… willst du das wieder vergessen? Bitte?”, fragte er sie und zupfte bereits nach dem ein oder anderen Geschirrtuch die kleine Flut zu besänftigen. “Fak?”, fragte das Mädchen, aber schüttelte behände den Kopf. “Nein! Fak fak fak fakf!”, rief sie und lief damit und dem nassen Fetzen ins Wohnzimmer.
 

“Das war dumm!”, hörte er sie wieder sagen, als er ihr ins Wohnzimmer folgte und sie dabei beobachtete, wie sie die Balkontür wischte. Die Marmelade wurde dadurch nur verschmiert und der widerliche Kombinationsschlatz lief die Scheibe hinunter. Aber das Prinzesschen hatte eine Freude daran, zu helfen. Er konnte ihr kein bisschen böse sein. Im Moment meinte sie es nur gut. Auf seiner Schulter wurde es auch wieder unruhig, aber es half ja alles nichts.

Takehito musste das Chaos nun wieder in den Griff bekommen.
 

So wickelte er sich sein Babytragetuch um, positionierte den Erbsenprinzen sicher darin, eng an sich gedrückt und machte sich an die Arbeit. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen, weil das das Weinen verstummte, holte sich Takehito den Eimer mit Wasser aus der Küche, den leeren aus dem Badezimmer, genauso wie den Mop und sorgte erst für die Beseitigung der kleinen Überschwemmung. Direkt danach wurden die restlichen Pfannkuchenüberbleibsel gesammelt und die Balkontür rein gewischt.
 

Eine gefühlte Ewigkeit später ließ er sich auf der Couch nieder. Die Augen waren geschlossen und der Kopf kippte zurück auf die Lehne. Neben sich spürte er den kleinen Körper hochklettern und half ihr mit einem gekonnten sanften Schubser.

Wäre da nicht immer noch das immer wiederkehrende Schluchzen an seiner Brust gewesen, er hätte für einen Moment komplett abgeschalten.

“Was ist nur los mit dir?”, fragte er seinen Sohn. Takehito hob den Kopf wieder und sah in die babyblauen Augen. Verzweifelt. Beide. Und dann eilte von links eine kleine Hand herbei und dem Säugling wurde der Schnuller in den Mund gesteckt.
 

Stille. Endlich Stille. Kein Trutzen, kein Rumdrücken, keine Tränen. Nur strahlende Augen und das aufgeregte Nuckeln am Nuckel.
 

“Ernsthaft? Der Binki?”, fragte er. “Mhm…fak Binki”

Takehito legte den Arm um sein Mädchen und musste sogar lachen. Es wäre so einfach gewesen.
 

Und er hätte schwören können, es würde nur noch einen Augenblick dauern, bis die Mutter seiner Kinder, die Liebe seines Lebens, endlich wieder bei der Wohnungstür hereinkam und ihn sowie seine kleine Prinzessin und den Erbsenprinzen mit ihrer Zuneigung zu überhäufen begann.

Der Blick auf die Uhr ließ ihn aber ergeben seufzen.
 

56 Minuten war er ohne seine Frau. Eine Stunde und die Wohnung war ein Paradies für Ameisen gewesen, geflutet worden und es waren mehr Tränen geflossen denn je zuvor. Außerdem war die Waschmaschine voll mit Fetzen, Tüchern, seinen Socken und einem gelben Kleidchen.
 

Den ersten Tag seines Papa-Monats hat er sich anders vorgestellt und dennoch liebte er jeden einzelnen Moment. Denn jeder hatte dazu geführt, dass sein Junior wohlig schmatzend in seinem Arm lag und schlief und sein Zuckerstück von einer Tochter sanfte Küsse auf seinem Arm verteilte und ihm sagte: “Ich hab dich so viel lieb, To-san, so viel wie Ka-san und Neko-chan und Ebbsi und Ojichan und Bachan zusamm!” - eine Lüge. Weil Takehito wusste, sobald die Großmutter mit einem Kuchen kam, dann wurde sie so viel geliebt, wie alle zusammen und wenn der Großvater ein neues Spielzeug brachte, dann war er der Favorit. Aber das war okay. Denn jetzt, für diesen Moment, da war er, Takehito Sasaya, der Held.

Liebe, so sprudelig wie Limo (Izuru X Miwa)


 


 

In der dritten Runde des Frühlingsturniers hat sich die Kamomedai High School souverän gegen die Takagiyama High School bewährt. Sauber gespielt. Zwei hervorragende Sätze haben sie 25 : 22 gewonnen.

So, wie Hoshiumi nach den durchtakteten Sätzen feierte, hätte man davon ausgehen können, dass er jeden einzelnen der insgesamt 50 Punkte geholt hatte. Hirugami war sich seiner Pflicht als bester Freund des Ausnahmetalents aber bewusst und bändigte die wilde Bestie.
 

Izuru hat sich unterdessen bereits mit Gao aus der Umkleide geschoben. Sie beiden waren als Außenangreifer auch für eine gute Hand voll Punkte verantwortlich gewesen. Auf sie war Verlass. So war das in einem gut zusammengestellten Team, das hervorragend zusammen spielte und das von seinem Zuspieler perfekt eingesetzt werden konnte.
 

“Korais Mutter ist auch hier, sie hat dir doch gefallen oder?”, fragte Gao und ertappte Izuru in einem gedanklich abschweifenden Moment. “Hai… also… ja, aber sowas macht man nicht”, antwortete der Drittklässler mit den blonden welligen Haaren. Als Hoshiumi nach einer Trainingseinheit im Gespräch mal ein Foto von seiner Mutter gezeigt hat - es ging um das dichte Haar des Jüngeren und dass er es geerbt hat - war Izuru direkt entzückt von der hübschen Frau. Er fragte sich seit jeher, wie solch zartes Wesen ein so krasses Monster zur Welt bringen und großziehen konnte.

Aber auch Hirugami hatte in seiner Familie eine wunderschöne ältere Frau, die Izuru zumindest auf einem Foto bereits zu Gesicht bekommen hat.
 

Durch diese Gespräche hat Izuru für sich erkannt, dass er auf ältere Frauen stand. Man hat ihm aber auch sehr deutlich gemacht, dass die Familien von Freunden tabu waren und irgendwie verstand er das auch. Da wollte er nicht gegen irgendeinen Kodex verstoßen. Izuru wollte ein guter Freund sein. Er wollte aber auch so gerne eine Freundin haben und ein guter fester Freund sein.
 

“Hey” Gao gab Izuru einen knappen aber wuchtigen Stoß mit dem Ellenbogen, dass dieser schmerzerfüllt hoch schreckte. “Mensch! Du solltest deine Kraft echt besser in den Griff bekommen”, murrte er und rieb sich die Stelle mit einem Zischen. “Und du sollst nicht immer abdriften. Was willst du jetzt holen?”, fragte Gao, weil sie auf dem Weg zur Bar waren. Izuru hatte das Wasser aus den Trinkflaschen bereits satt und wollte die Zeit nutzen, in der die anderen Spiele der dritten Runde zu Ende gingen, um noch eine spritzig frische Limo zu besorgen. Danach wollten sie den letzten Satz von Karasuno gegen Nekoma sehen. Wer auch immer ihn machte, wäre ihr nächster Gegner und da wollte er gerne sehen, wie die beiden Mannschaften heute drauf waren.
 

“Weiß noch nicht, lass mich gleich inspirieren”, sagte Izuru. “Gut, ich will ne Zitronenlimo, dass das mal klar ist”, war sich Gao sicher und bestellte diese auch kurz darauf. Izurus Augen überflogen das Angebot, bis er sich für eine Kirschlimonade entschied und just in dem Moment, als es um das Bezahlen der beiden Getränke ging, war sein Kollege verschwunden.

“Gao?”, fragte er und wandte sich nervös um. Wo war der Zweitklässler plötzlich hin abgehauen? Vor ihm tippte der Bursche auf der anderen Seite der Theke zwischen die beiden Getränke und wiederholte. “Da fehlen noch 100 Yen”

Izuru sah schlagartig zu ihm zurück. “Hm?”, machte er und sah hinunter, wo bereits 800 Yen lagen. “Dein Kumpel musste weg, aber er hat nicht den ganzen Betrag bezahlt”, wurde er hingewiesen. Izuru verstand nicht recht, packte aber rasch die fehlenden 100 Yen dazu und nahm die beiden Becher mit den Limonaden.

Dann stand er da. Wie im Regen stehen gelassen. Vermutlich hat Gao die Chance genutzt und die Toiletten aufgesucht. Das wäre später bestimmt eng geworden und so entschied Izuru, erstmal zu den Tribünen zu gehen. Sein Kollege würde ihn bestimmt finden.
 


 

Gao hat Izuru nicht gefunden. Vielleicht hat er ihn auch gar nicht gesucht. Aber nach ein paar Punkten in dem spannenden Spiel der potenziellen Gegner, auf die sein Team im Viertelfinale treffen würde, entschied Izuru, dass er genug gewartet hatte und suchte sich einen guten Platz.

Fast mitten in der Fangemeinde der Karasuno Oberschule. Naja, mehr am Rand, aber wenn Karasuno einen guten Zug spielte, wurde es so laut und aufregend, als stünde er mitten drinnen.

Dass Trinken in dieser Situation ein wohlüberlegter Zug wiederum für ihn sein musste, merkte er, als ihm beim Jubel der Leute vor ihm ein unangenehmes Malheur erübrigte.

“Verdammt!”, zischte er, weil er sich die quietschrote Limonade über sein weißes Trikot geschüttet hatte. Suwa würde ihm den Kopf abreißen! Gemeinsam mit dem Coach.
 

“Taschentuch?”, die Stimme eines Engels erreichte seine Ohren und Izuru drehte den Kopf sofort zur Quelle dieser Wohltat. Er erblickte eine junge Frau, ein paar Jahre älter als er. Sie hatte schulterlange schwarze Haare und Augen, wie der dämmernde Himmel am Abend, wo man in Träumereien verfallen könnte. Auch gerade in diesem Augenblick hätte Izuru sich beinahe einem Tagtraum hingegeben.

“Taschentuch?”, wiederholte die hübsche Frau. Ihr Blick war ernst, fast als hätte sie Izuru das angebotene Papiertuch gleich um die Ohren geworfen, hätte er es nicht angenommen. “Oh! Ja, danke”, sagte er rasch und haderte nun der Tatsache, dass er es gar nicht nehmen konnte, weil er noch beide Limonaden hielt. “Ähm… Zitronenlimo? Mein Kumpel hat mich versetzt”, sagte er und tauschte Gaos Becher gegen das Taschentuch.
 

“Und ich bin jetzt der Trostpreis”, folgte die skeptische Frage. Izuru schüttelte schnell den Kopf, während er sich unbeholfen die rote Flüssigkeit vom Trikot tupfte. Es wurde nicht besser. “Nein, gar nicht. Du wärst garantiert der Hauptpreis”, sagte er rasch. Seine Sitznachbarin hob die Augenbrauen. Da wurde Izuru schlagartig bewusst, dass sie vielleicht viel viel älter war als er und nur jung geblieben aussah und er sie gerade geduzt hatte. Wie unangenehm! “Bitte entschuldigen Sie”, sagte er und ihr Gesicht verzog sich weiter. Na toll, nun war sie angewidert von ihm. Izuru seufzte geknickt und sah hinunter auf sein Trikot. Unrettbar.
 

“Ich glaube, das wird nichts… trotzdem, danke für das Taschentuch”, sagte er und hielt es ihr wieder hin. “Gerne?”, kam es eher fragend zurück, aber sie nahm das Taschentuch. Izuru nahm einen Schluck von seiner Limonade - kein weiterer Jubelunfall, nur leckere sprudeliger Kirschgeschmack. “Du bist ziemlich komisch”, wurde er aufmerksam gemacht. Da sah er sie mit großen Augen wieder an. “Wie meinen?”, fragte er und sie schnaubte kurz amüsiert.

“Naja, du setzt dich hierher, an einen Platz, wo eigentlich mein Freund sitzen sollte, schüttest dich mit Limonade voll, gibst mir eine aus und du hast nicht mal den Anstand, dich vorzustellen. Stattdessen gibst du mir das eingesaute Taschentuch zurück”, erklärte sie und verpasste Izuru Schnappatmungen. “Entschuldigung!”, sagte er schnell und nahm ihr das grausige Taschentuch wieder ab. “Mein Name ist Izuru Nozawa und ich geh auch sofort wieder, dass Platz für den Freund ist” er verneigte sich schnell, ließ den Kopf auch etwas gesenkt, weil diese Situation einfach nur peinlich war. “Schon gut und ich hab keinen Freund, ich meinte nur, er sollte hier sitzen. Miwa Kageyama”, stellte sich die mysteriöse Frau endlich vor und Izuru hob den Kopf. “Miwa, das ist ein sehr hübscher Name”, sagte er. Dann fiel der Groschen.

“Kageyama? So wie… Kageyama?”, fragte er Miwa versuchte eindeutig ein Schmunzeln oder gar ein wunderschönes Lächeln zu überdrücken, sie zog stattdessen eine Schnute. “Ja, wie Kageyama”, sagte sie und deutete aufs Spielfeld, wo ihr Bruder gerade ein geniales Zuspiel auflegte. Dieser letzte Satz war so wahnsinnig spannend und dennoch hielten die beiden sich gerade mit der prickelnden Limo auf.
 

“Dann sind Sie die jung gebliebene Mutter?”, fragte Izuru und die Schnute wurde ernst. Miwas Augen verengten sich. Sie musste nicht aussprechen, dass sie nicht Kageyamas Mutter war. “Schwester! Natürlich Schwester! Ich mach doch nur Späße. Ich sollte gar nicht mit dir sprechen, du bist viel zu jung, wenn er dein älterer Bruder ist”, versuchte er sich aus der Atmosphäre zu ziehen. Wie sollte er denn ahnen, dass der Setter eine Schwester hatte, die auch noch so gut aussah.

“Jungs in deinem Alter sind doch alles Vollidioten… Tobio ist mein kleiner Bruder. Aber mit deiner Einschätzung liegst du schon richtig. Ich bin aufgrund meines Alters und auch sonst außerhalb deiner Liga”, sagte sie und nahm einen großen Schluck von Gaos Zitronenlimonade. Ihrem Gesichtsausdruck nach schmeckte sie, denn der war für einen Moment wieder ganz locker und entspannt.
 

“Ich bin kein Vollidiot! Ich… Moment… Lass uns nen Neuanfang machen, ja?” Izuru sah Miwa bittend an. “Lass uns normal kennenlernen, ohne Limo, lieber mit etwas zu Essen und Wein und ohne Vollidiot?”, schlug Izuru mit einem schier verzweifelten Lächeln vor. Miwa musterte ihn. “Du bist zu jung für Wein” - “Aber ich kann dir einen ausgeben” weiteres Mustern.
 

“Wenn wir gewinnen. Wenn Kamomedai gegen Karasuno gewinnt, dann darf ich dich zum Essen einladen”, war nun sein Ass im Ärmel und Miwa sah hinunter zum Punktestand. Es war knapp. Sehr knapp und noch konnten sowohl die Katzen als auch die Krähen gewinnen. “Was macht dich so sicher, dass das Team von meinem Bruder gewinnt?”, fragte sie, da legte Izuru sein charmantestes Lächeln auf, richtete sich gerade und unterstrich mit einer Handgeste folgendes: “Weil ich sonst keinen Einsatz hätte”
 

Stille trat ein. Spannung folgte auch am Spielfeld. Miwas Mundwinkel zuckte hoch.

“Und wenn ihr verliert?” - “Dann werd ich Trost brauchen” Miwa drehte das Gesicht weg, aber Izuru erkannte, dass sie lachen musste. Stand nur noch in Frage, ob sie herzlich amüsiert und entzückt war oder ob sie ihn auslachte.

Die Frage streifte ihn, ob er mit Miwa überhaupt ausgehen durfte. Aber Tobio Kageyama war nicht sein Freund. Er kannte Hoshiumi, der war sein Freund. Aber eines Freundes Freund… eher Bekannten, war dessen Familie auch tabu? Sicher nicht, oder? Außerdem… sollte das nicht eigentlich die Frau entscheiden? Liebe sollte man doch nicht aufhalten, wenn sie zu sprudeln begann.
 

“Einverstanden”, sagte Miwa schließlich mit einem entzückten Lächeln und die Halle tobte. Das Spiel war zu Ende.
 


 

Liebe zum Austausch (Bobata X OC)

Es war mal wieder einer dieser Tage. Die Jungs des zweites Jahrganges der Johzenji Oberschule hatten das Ergebnis eines Englischtests zurückbekommen und es sah für sie alle gelinde ausgedrückt bescheiden aus. Für alle, bis auf einen.
 

“Ich versteh das nicht! Wann hast du dafür gelernt?”, fragte Bobata außer sich. Er hatte Terushima den Test aus der Hand gerissen, in dem Moment, als dieser ihn mit einem überlegenen Grinsen entgegengenommen hatte. Das war die letzte Aktion im Unterricht und der Unmut hielt einzig die drei üblichen Verdächtigen vom Volleyballteam zurück.

Terushima ging zwar in die siebte Klasse, doch der Englischunterricht war wie bei den anderen Sprachen Kombinationsunterricht, in dem immer zwei oder gar drei Klassen zusammengelegt wurden. Bei Englisch waren es eins und sieben.
 

“Das ist reines Können, mein lieber Kazuma”, sagte Terushima. Er streckte die Arme und verschränkte sie mit einem kessen Grinsen hinter dem Kopf.

“Bei mir hat nicht mal Schummeln geholfen”, seufzte Futamata und zog sich über die Tischplatte lang.

“Weil du mit einem Taschenrechner schummeln wolltest”, hob Bobata umgehend den fatalen Fehler hervor. "Ja, der ist programmierbar und ich hab da alles reinbekommen”, murmelte Futamata gegen die Tischplatte. Er hob den Kopf nicht, musste nicht in die blöde grinsenden Gesichter der anderen beiden sehen, weil er die doofen Visagen auch so schon vor seinem geistigen Auge hatte.

“Das mag echt ne coole Sache sein, aber das bringt in einer Sprache nix” noch so eine Weisheit, die sich Bobata hätte sparen können. Futamata seufzte noch einmal.
 

“Aber nun zurück zu dir. Was soll das?”, Bobata deutete auf Terushimas A- auf dem Papier. Terushima zuckte mit den Schultern. “Weiß nicht… hatte einfach Glück. Lyrics und so”, meinte er wie nebenbei, da ging Bobata ein Licht auf. “Das hat aber nichts damit zu tun, dass du jeden Mittwoch schnell weg bist, als wenn man Klopapier in die Schüssel hängt und spült?” - “Was? Nein! Das hat gar nichts damit zu tun. Ich sagte doch, da mach ich was mit… der Familie” Terushima nahm seinen Test wieder und packte ihn in seine Sporttasche, die stets als Schultasche, Freizeittasche und Reisetasche diente. “Von wegen Familie! Du nimmst doch heimlich Nachhilfe”, warf ihm der Mittelblocker vor. Terushima stand schwunghaft auf. “Unterstell mir so ne Scheiße nicht! Ich bin doch kein Streber”, blaffte er los.

“Streber lernen alleine”, warf Futamata ein. “Und auch das tu ich nicht. Können wir bitte einfach gehen? Vielleicht geb ich euch ja Nachhilfe. Englisch ist total easy”, scherzte Terushima und lockte seine Freunde nach draußen, wo sie Numajiri über den Weg liefen.

“Mensch Jiri, du hast echt Glück, dass du in Klasse 3 bist”, sagte Futamata und gab dem Teamkollegen den üblichen Handshake, diesmal nur mit wenig Begeisterung.
 

Die Verabschiedung der Jungs ging in zweierlei Manier aus. Futamata schlug schnellstmöglich den Heimweg ein, mit seinem Testergebnis sollte er nicht lange warten, sich seine Rüge zu holen. Numajiri wollte heim, seine Hausaufgaben machen und dann mit Higashiyama in die Mall, neue Sportschuhe kaufen.
 

Terushima und Bobata machten sich auf den Weg zum Strand, ein paar Mädels zum Beachvolleyball zu überreden. “Wenn sie dir nicht den Kopf abreißen, komm halt nach”, hat Bobata zu Futamata gesagt. “Und wenn doch, dann auch, das will ich sehen”, hat Terushima gescherzt, seinem Kumpel aber dennoch viel Glück gewünscht. Die Überlebenschancen waren doch sehr hoch, denn Futamata hatte erst letzte Woche einen guten Mathetest heimgebracht, da musste doch drinnen sein, Englisch mal zu versauen.

Anders war das bei Bobata, der weder in Mathe noch in Englisch gut war, in Mathe aber zumindest besser abschreiben konnte. “Englisch ist total schwer”, murrte er. “Gar nicht, das ist eine der leichtesten Sprachen. Schon mal Russisch versucht?” Darauf konnte Bobata nur den Kopf schütteln. “Weder die Sprache, noch den Schenkelreiber”, sagte er und beide verfielen in dümmliches Gelächter.
 

- ♣ -
 

“Yo! Bock uns zum Schwitzen zu bringen?”, war der erste Spruch, der am Strand Terushimas Lippen verließ und für gedrehte Augen sorgte. “Pffft…”, kam es von Bobata, der schonmal Zeuge war, dass solche Worte zogen und überzeugten. “Eingebildete Hühner”, sagte er. Terushima aber hing bereits förmlich am nächsten Rockzipfel. Für Bobata war es immer wieder bemerkenswert, wie schnell sich der Kapitän von einer Abfuhr erholte. Es war, als würde er nur für den richtigen Moment üben, als wäre alles, was bis zu der einen sein Jagdrevier passierte nur Zielscheibenübungen, um dann, wenn es darauf ankam, den perfekten Treffer zu landen. Vorstellbar war auch, dass es für Terushima mal den einen geben würde, er flirtete immerhin mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

Dass sich in der Art des Flirten etwas verändert hat, hat Bobata nicht bemerkt. Auch nicht, dass Terushima immer nach ihm suchte, wenn er ein Mädchen ansprach.
 

“Wir sind nicht so krass bei Angriffen, das wird sicher lustig”, hörte er Terushima sagen, der seine Angriffe eigentlich immer als krass bezeichnete. Bobata hob die Augenbrauen als auf ihn gedeutet wurde aber drehte den Volleyball aus Terushimas Rumpeltasche mit allem drin mit seinen Fingern und balancierte ihn schließlich am Indexfinger, wie es die Basketball Boys auch oft taten. Eines der Mädchen beobachtete den Trick mit großen Augen und auch wenn die andere ihren zweifelnden Blick über die Jungs gleiten ließ, waren beide überzeugt für ein zwei gegen zwei.
 

Und dieses Spiel ging nicht so vonstatten, wie Bobata oder Terushima sich das vorgestellt hatten. Sie haben beide vor ihren inneren Augen gesehen, wie sie den Mädchen Punkte schenkten, um ein süßes Kichern zu erhalten. Terushima hätte Bobata gerne zum Zeigen der perfekten Bagger-Haltung auf die andere Seite geschickt, aber Maiko nahm die Angriffe von Terushima an, als wäre es nichts und Kanoka schmetterte den Ball mit einem Karacho zurück, dass Bobatas Annahme unsauber wurde und Terushima zuspielen musste um nun den Mittelblocker beim Angriff zu bedauern. Im Zweikampf in der Luft kam nichts über Bobata hinweg, aber wenn dieser selbst mal die Offensive innehatte, dann haperte es.
 

“Seh schon. Du bist eigentlich Mittelblocker und du Angreifer”, sagte Maiko und deutete zuerst auf Bobata, dann auf Terushima. “Ertappt”, lachte letzterer und legte sich die Hand in den Nacken. “Und ihr seid Libero und Angreifer, oder?”, erkannte Bobata ganz richtig.
 

“Lasst uns mal tauschen, hm? Libero-Mädchen, komm zu mir, ich schick den hier rüber”, rief Terushima und gab Bobata einen Rempler. Ein freches Zwinkern folgte und Maiko stand darauf mit folgenden Worten neben dem Kapitän: “Du hast mich nicht rumzuscheuchen, aber leider würde ich zu gerne sehen, wie deine Angriffe sind, wenn gut angenommen wird”, sagte sie und nickte Kanoka auf der anderen Seite zu, die nun Aug in Aug mit Bobata stand. “Auf ein gutes Zusammenspiel”, sagte sie und schlug mit dem Jungen ein. “Wenn wir zwei gewinnen, bekomm ich dann deine Nummer und wir schauen, wie kompatibel wir sonst so sind?”, fragte er, als Kanoka den Aufschlag machte, der just verzog und den Mittelblocker im Gesicht traf.
 

“Oh nein, das tut mir so leid”, rief sie schnell und sprang über den Sand zu ihm herbei. Ihr Kopf war geneigt, die ganze Haltung auf Zurückhaltung ausgelegt, aber Bobata winkte ab. “Alles halb so wild”, sagte er und neigte sich nach dem Ball. “Wir holen den nächsten Punkt und dann hol ich ein paar Aufschlagasse”, versprach er, warf den Ball zu Terushima und behielt leider nicht recht.

Die Aufschläge seines Kapitäns waren wuchtig und Bobata nicht wie durch ein Wunder besser bei Annahmen geworden.

“Lass mich den nächsten nehmen”, sagte Kanoka und atmete einmal ganz tief ein und schnaubte bestimmt aus. Ja, dieses Mädchen hatte nun Ehrgeiz getankt und Bobata wollte nicht enttäuschen. Die Annahme war astrein, Bobatas Angriff verbesserungswürdig, dafür Maikos Annahme wie aus dem Bilderbuch und Terushimas Angriff krass wie eh und je. Krasser aber war Bobatas Block, der nun auch endlich einen Punkt holte.
 

“Wow, das war wirklich gut”, sagte Kanoka und schlug sogar mit dem Johzenji-Spieler ein. Terushima lachte verhalten in Maikos Richtung, aber die verstand, was hier Sache war.

“Du wirst die beiden nicht verkuppeln, dass das klar ist, greif gefälligst richtig an oder du bekommst es mit mir zu tun! Kanoka ist für jemand anderes”, knurrte sie ihn an, dass sogar Bobata es mitbekam. Nur Kanoka nicht, die für den nächsten Ballwechsel bereits in Position stand.
 

- ♦ -
 

Ganz gleich, wie sehr sich beide Jungs bemühten. Terushima bekam seinen Willen nicht, Bobata und Kanoka gewinnen zu lassen und Bobata hat es mit dem großen Mädchen nicht geschafft, Maikos Annahmen oft genug zu durchbrechen.
 

“War ‘n gutes Spiel, soviel muss man euch lassen. Hoffentlich sieht man sich beim Frühlingsturnier”, sagte Maiko mit einem frechen Grinsen. Sie und Terushima reichten einander die Hände und schienen jeden Moment einen Handdrückwettkampf auszufechten. “Man könnte sich auch wöchentlich zum Beachvolleyball treffen”; zischte Terushima, der nicht aufgeben wollte. “Wer sagt dir, dass wir einmal in der Woche Zeit für euch haben?”, knurrte Maiko. “Ihr werdet doch wohl für n bisschen Spaß zu haben sein. Ich tu alles für Spaß”, gab Terushima zurück und Meiko antwortete provokant mit: “Ach wirklich Alles?”

Ihre Finger drückten immer fester zu und Terushima wurde im Ansatz in die Knie gezwungen, immer näher an Maiko heran.
 

“Ich kann das nicht mehr ansehen”, japste Kanoka und auch Bobata hatte ein ungutes Gefühl. “Also entweder knutschen die zwei jeden Moment heftig rum oder einer weint gleich”, sagte er und wusste genau, dass dieser jemand leider sein Kapitän sein würde.
 

Niemand hat geweint, und niemand hat rumgeknutscht. Man hat auch keine Nummern ausgetauscht.

“Lass es das Schicksal entscheiden, Undercut”, hat Maiko gesagt und Terushima hat sich über diese Reduktion auf seine Frisur beschwert. Kanoka hat sich entschuldigt, aber im Grunde sind die Mädchen mit einem Lächeln gegangen und die Jungs waren grinsend zurückgeblieben.
 

“Und jetzt?”, fragte Terushima und ließ sich an der kniehohen Mauer neben dem Strand nieder. Bobata setzte sich neben ihn und sie sahen aufs Meer. Der Sonnenuntergang wollte noch etwas auf sich warten lassen, man konnte also ohne Probleme noch etwas unternehmen. “Sollen wir auch in die Mall?”, fragte Terushima weiter. “So durchgeschwitzt? Lieber Skatepark”, schlug Bobata vor. Terushima überlegte.

Aber anstatt einer Antwort, drang etwas anderes an ihre Ohren. Erst hörte Terushima ein Geräusch, das er gar nicht mochte.

“Mann, ich hasse Longboards”, seufzte er und ließ in seiner Haltung alles hängen. Bobata stattdessen richtete sich auf und versuchte zu erlauschen, was er noch hörte. Und dann kam es näher.
 

[url=https://www.youtube.com/shorts/0a0d0i9_VJ0]Musik und ein rothaariges Mädchen auf einem Longboard[/url] passierten die beiden. So ein Mädchen hatten sie beide hier noch nie gesehen und wie sie sich zur Musik passend auf dem Board bewegte und ihr weißer Rock im Wind sein ganz eigenes Kunststück spielte, ließen Bobata erahnen, einen Engel zu sehen.

“Ich liebe Longboards”, hauchte er fast tonlos und bekam umgehend von Terushima eine verpasst. “Sowas liebt man nicht wegen hübschen Mädchen”, sagte er ernst und sprang von der Mauer auf. Der Rotschopf war sowieso schon weg. “Los, Skatepark”, schob Terushima nach, aber Bobata blickte immer noch starr in die Richtung, in die das Longboard mit dem Mädchen verschwunden war.

“Aber…” - “Nix aber!”
 

Tatsächlich gab es kein aber und Bobata war Terushima gefolgt. Der fahrbare Untersatz war bei ihnen ständig dabei. Ein richtiges Skateboard, wie Terushima immer hervorhob, denn er mochte den Trend des langen und breiteren Longboards nicht. Damit, so meinte er, würde Talent verloren gehen, weil diese Dinger leichter zu fahren waren und jeder Vollidiot damit umgehen konnte. Oder eben auch süße Mädchen, die lieber in den Ballettunterricht gehen sollten.
 

- ♠ -
 

Im Skatepark war Bobata nicht bei der Sache. Seine Kicks klappte nicht, er fuhr An der Rampe vorbei und die Halfpipe war uninteressanter denn je. Als wäre er mit dem Kopf ganz wo anders.

“Yo! Kazu! Konzentration!” wurde er von Terushima ermahnt. “Ich geh heim”, war seine Lösung, weil er in seinen Gedanken gar nicht hier war. Er war nicht mit Terushima und ein paar anderen bei den Hindernissn. Er war mit der rothaarigen Longboarderin an der Strandpromenade und bot ihr seine Hand zum Tanz. Nur dass er kein bisschen Rhythmus im Blut hatte.
 

Sein Abgang hätte nicht weniger elegant sein können, dass er entschied, den fahrbaren Untersatz nach Hause zu tragen. Den Kopf weiterhin in den Wolken bei einem Mädchen, das schier unerreichbar war.

Er lief ihr auch nicht zufällig über den weg.

Auch am nächsten Tag nicht und den übernächsten und den Tagen darauf.
 

Erst zum Wochenende hin nach dem Volleyballttraining hörte er das von Terushima so verhasste Rattern des Longboards seine Bluetooth Box übertönen.

Bobata drehte sich um und sah sie an ihm [url=https://youtube.com/shorts/MyLe3H2AhIU?si=e94UIKFY5Sydvb0q]vorbeitanzen[/url].
 

“Hey!”, rief er ihr umgehend nach. Abseits jeglicher Benimmregeln lief er dee Longboarderin hinterher und griff nach ihrem Handgelenk.

“Hey”, sagte er noch einmal als sie seinen Blick traf. “Hey!”, sagte auch sie und entriss ihm grob ihre Hand. Auch ihr Blick war grob sowie ihre Stimme, die kurz darauf in einer Sprache auf Bobata einhagelte, die er noch weniger verstand als englisch.

“Hey hey! Chill mal, Süße!”, versuchte er sie zusätzlich mit verteidigenden Händen zu besänftigen.

Sie war von ihrem Longboard und dafür auf die Barrikaden gestiegen. Ein wahnsinniges Temperament, wie Bobata fand. Und irgendwie wäre es auch ziemlich heiß gewesen, hätte er auch nur ein Wort verstanden und wüsste, wie er damit umgehen hätte sollen.
 

“Süße? Süße am Arsch!”, knurrte sie mit russischem Dialekt. Sie schnippte Bobata mit den Finger gegen die Stirn. Direkt zwischen die Augen und stemmte ihre Hände darauf in die Hüften. Ihr Blick war starr auf ihn gerichtet, dass er sich in seiner Würde, Größe und Männlichkeit untergraben fühlte. Er biss die Zähne zusammen, konnte sich aber nicht verwehren, die Art und Weise, wie dieser rothaarige Engel - oder war die ein Teufel? Der gefallene Engel Luzifer? - das Wort Arsch ausgesprochen hatte. Das gerollte ‘R’ war unheimlich sexy und er fand sich geistig bereits in einem der anzüglichen Streifen, die die Jungs mal in der Garage von Terushimas Onkel*) gefunden haben.
 

“Ehehe…”, kam es ihm da nur noch über die Lippen. Er war eingeschüchtert. In seine Schranken gewiesen. Seltsam erregt und hingerissen. Der Blick des Mädchens lockerte sich, wanderte auf Bobatas Skateboard und dann wieder zurück zu ihm. “Du fährst?”, fragte sie und er nickte rasch. “Longboard?”, wollte sie wissen, ob sie ihre Leidenschaft teilten, aber darauf schüttelte er den Kopf. “Kannst du auch reden?”, fragte sie und machte einen bedrohlichen Schritt auf ihn zu. “Ja, ja doch, klar kann ich reden”, antwortete er rasch unter nicken und sie machte den Schritt wieder zurück. “Aber du kannst gerne näher bleiben” Nun machte er den bedrohlichen Schritt auf sie zu, nur dass sie nicht wich. Ihr Ausdruck sprach von herausforderung. Bobata nahm sie an.
 

“Ich mag, wie du tanzt”, sagte er. “Ich mag deine Muzyka", sagte sie, weil Bobas Bluetooth Box noch immer tönte. “Ich mag deine Haare”, ging Bobata weiter und fasste mit den Fingern nach einer Strähne. Sie ließ ihn machen. “Ich mag dein Oblik… Anblick?”, sagte sie und umkreiste Bobatas Gesicht. “Ehrlich? Mein Gesicht?”, fragte er und grinste. “Ich mag dich küssen”, setzte er alles auf eine Karte, kam ihr näher und sie mochte ihn ganz eindeutig auch küssen. Mit geschlossenen Augen, festem Druck auf den Lippen und so umwerfend, dass Bobata sein Skateboard und die Sporttasche auf den Boden fielen.

Seine Hände legten sich um ihre Hüften und sie zog ihn an den Ohren weiter zu sich. Unerwartet, aber irgendwie reizvoll.
 

“Name?”, hauchte sie ihm gegen die Lippen. Ihr Blick war so durchbohrend wie zuvor. So viel Temperament. So ein starker Charakter. “Kazuma”, antwortete er. Sie lächelte. “Kate”, stellte sie sich vor. “K i K… K und K”, sagte sie. “Und K wie knutschen”, ergänzte Bobata und setzte nocheinmal an, sie erneut zu küssen, doch sie wich aus. “Nein, war gut, aber kennenlernen!”, wünschte sie sich. Bobata blinzelte verdattert.
 

Ja, die Russen waren eindeutig anders. Sie waren sehr direkt. Forsch gar und etwas unkonventioneller als andere. Aber Bobata wollte Kate gerne kennenlernen. Er hätte nur gerne nicht erfahren, dass sie nur ein Jahr in Japan war. Schüleraustausch. Ihre Liebe, die sich noch entwickeln wollte, hatte ein Ablaufdatum. Doch davon wollte er nichts wissen.
 

Kate war von da an bei jedem offiziellen Spiel dabei und Bobata lud sie zum Skatepark, wo sie auch mit dem Longboard den ein oder anderen Trick machen konnte. Am liebsten aber lief Bobata an der Strandpromenade neben ihr her und reichte ihr die Hände, wenn sie elegant auf dem Board tanzte. Laufen und halten, das konnte er. Sobald sie sich einen Tanzschritt von ihm wünschte, stolperte er entweder über seine eigenen Füße, über Kates Longboard oder über Kates Füße, die er auch anders wusste vom Boden fernzuhalten. Sie hochzuheben. Sich mit ihr im Kreis zu drehen und sie zu küssen, ehe sie im Rasen landeten und jegliche zwischenzeitliche sprachliche Barrieren keine Bedeutung mehr hatten.
 

Eine Liebe entwickelte sich, die beide nicht erwartet hatten. Die ihre Freunde nicht glauben konnten und die wie durch ein Wunder eine Chance haben sollte.
 

- ♥ -
 

Liebe als Gegenstück (Taro X Mai)

Wenn man im Team der eisernen Mauer spielen will und nicht besonders groß ist, dann ist es von Vorteil, wenn man gut angreifen kann. Taro Onagawa war ein eher durchschnittlicher Angreifer und mit seiner Größe von 1,75 nicht gerade groß. Sogar ein paar Mädchen überragten ihn. Im Team war einzig der Libero kleiner als er. Nicht viel, dass man ihn als Ersatz vermuten könnte. Warum also spielte Taro als Angreifer für die Date Tech High?

Ganz einfach: Als er sich in der ersten Schulwoche für das Team gemeldet hatte, war die Auswahl gering. Aus der Dritten waren zwei Spieler übrig und die Zweitklässler waren zu dritt auch nicht der Reißer.

Da kam es der Dateko ganz recht, dass sich vier Erstklässler vorgestellt hatten. Neben Taro waren da noch der heißblütige Kenji Futakuchi, Yukata Obara, der sehr entspannt wirkte und Takanobu Aone, von dessen eindringlichen Blick Taro eigentlich erwartet hatte, dass er bereits in die Dritte ging und sie alle zu verscheuchen versuchte, weil das ein Club mit geschlossener Gesellschaft war.

Aber dem war nicht so. Der Club war offen für alle und Aone war sogar ein Neuling wie Taro. Sehr sanft sogar, wie er über die Zeit bemerkte und sowas wie das Gegenstück zum vorlauten Futakuchi.

Gegenstücke hatte hier irgendwie jeder.

Die zwei Drittklässler waren ein eingespieltes Team in Angriff und Verteidigung.

Die Zweitklässler ergänzten sich im Trio. Zuspieler, Mittelblocker und Angreifer. Die drei hätten bei diesen “drei gegen drei” Turnieren jedes andere Team niedergestreckt. Bemerkenswert. Aber Moniwa war eindeutig Kamasakis Gegenstück, weil der gerne mit Futakuchi andockte und Moniwa ihm den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Manchmal reichten auch nur die kleinen Finger am Oberarm des Mitteblockers. Sasaya stand dafür gleich auf mit Obara daneben und Taro hatte ihnen in Gedanken mehrfach schon Popcorntüten in die Hände angedichtet.
 

Nur Taro hatte kein Gegenstück.

Er verstand sich mit jedem aus dem Team gut, aber mit niemandem außerordentlich. Auch in seiner Klasse war er bei Gruppenübungen die dritte Wahl und konnte nie so richtig aufblühen. Seine Themen interessierten die meisten nicht und so ließ er davon ab, Kiss als Band fürs Musikprojekt vorzuschlagen und schloss sich der Präsentation über U-Kiss an. Leider hatte die K-Pop Boyband wenig mit der Glamrock Gruppe zu tun, die Taro so gerne mochte.

In Erdkunde wollte er gerne über Norwegen sprechen, aber die anderen hatten sich bereits auf die USA eingestimmt. Er durfte dafür einen kurzen Beitrag über die Rock-Bewegung in den Staaten bringen. Allerdings interessierte sich niemand dafür.

Wenn sie bei einem Schulausflug ins Kunstmuseum ausgelassen wurde, stand Taro fast die ganze Zeit über vor abstrakten Werken, während seine Kollegen über Akt-Bilder kicherten und die Mädchen bei den schönen Seerosen Gemälden standen und darüber philosophierten, sich eines davon daheim aufzuhängen. Das stand natürlich außer Frage, denn niemand von ihnen konnte sich so ein Gemälde leisten. Nur den Druck und das fand er lahm.
 

Was er und das gesamte Volleyball Team auch noch lahm fanden, war die Tatsache, dass sie keine Managerin hatten. “Dabei könnten wir echt ein süßes Mädchen vertragen, dass uns auch mal lobt und anfeuert”, murmelte Sasaya als sie im Training mal wieder über den offenen Posten sprachen. Weil die Position durchaus auch ausgeschrieben war.
 

“Dann müsst ihr euch um eins bemühen”, sagte Oiwake und scheuchte die Jungs weiter in die Sporthalle. Aufwärmen war angesagt und das wurde mit Dehnübungen gestartet, ging über in ein paar Laufrunden und dann sollten sie sich gegenseitig zupritschen. Oiwake wollte die Fingerkoordination unter die Lupe nehmen.

Dafür ließ er Moniwa in der Mitte stehen und das restliche Team einen Kreis um ihn bilden. Moniwa fing an und spielte Kamasaki zu. Der retournierte und Moniwa ging damit reihum durch den Kreis. Mehrfach. Wenn es Fehler passierte, musste eine Strafrunde gelaufen werden.

Diesmal mussten viele Strafrunden gelaufen werden, denn die Jungs waren vereinzelt damit abgelenkt über Oiwakes Worte zu reden.
 

Sie sollten sich um ein Mädchen für den Club bemühen.
 

“Als könnte ich ein Mädchen ansprechen”, lachte Obara verlegen. “Dafür sollte Kenji keins ansprechen”, neckte Kamasaki und der Erstklässler schlug ihm einen Angriffsschlag ins Gesicht. Zwei Strafrunden für Futakuchi.

Der allgemeine Tenor war allerdings tatsächlich, dass sich niemand ein Mädchen ansprechen traute. Sasaya war bereits einmal kläglich gescheitert. Aone sprach grundsätzlich niemanden an und auch die anderen Jungs hatten alle so ihre Gründe, warum das irgendwie nicht möglich war. Ausreden. Alles faule Ausreden.

Auch Taro hatte eine Ausrede. Denn wenn er mit Mädchen sprach, dann waren sie schnell verstört. Das galt für seine männlichen Kollegen allerdings auch oft so. Nur im Volleyball Club gab es ein Thema, an das er anschließen konnte. Der Sport, der ihm Spaß machte.
 

Somit sprach keiner eines an. Ein Mädchen. Auch kein Mädchen sprach jemanden vom Team an.
 

Nur eines Tages als Taro zur Training ging und ein Mädchen aus der Parallelklasse dabei passierte, geschah es. Einer der Jungs sprach ein Mädchen an!
 

Taro bliebt stehen, weil er das einleitende Gitarrensolo von [url=https://open.spotify.com/intl-de/track/2xS1lC45sjj60M1eeRsOUp?si=040b2ebf94c34751]I’m the One[/url] hörte und drehte sich sofort zu der Mitschülerin mit den aschig braunen Haaren um. “Van Halen?”, fragte er überrascht, aber sie deutete ihm, leise zu sein, denn sie hatte gerade einen Anruf angenommen.

“Ja, ich bin gleich draußen, hab meine Englisch-Buch vergessen und ich muss dringend lernen übers Wochenende”, hörte er sie sagen. Taro bleib stehen. Aber auch das Mädchen blieb. Sie sah auch etwas irritiert über die Situation aus, aber wimmelte erst den Anruf ab. Ihre Freundinnen, die draußen auf sie warteten.

“Ja?”, fragte sie Taro und zuckte in seiner gesamten Darstellung zusammen. “Van Halen, dein Klingelton”, sagte er und das Mädchen, gut 15 Zentimeter kleiner als er, legte den Kopf schief. “Ja, korrekt. I’m the one”, nannte sie auch den Titel und Taro nickte schnell. “Ich liebe das Solo am Anfang”, sagte er begeistert. “Das hat noch nie jemand gesagt, die meisten hören nur K-Pop, J-Pop oder die amerikanischen Charts, die, seien wir uns ehrlich, seit das Zeitalter des Rocks vorbei ist, echt zum vergessen sind”

Für Taro machte es umgehend klick.

“Ja, Mann. Nur mein Onkel hört gute Musik”, sagte Taro und brachte sein Gegenüber zum lachen. “Also Ja Mann lass ich mir mal nicht sagen. Mein Name ist Mai Nametsu und weil du nen guten Musikgeschmack hast, darfst du Mai sagen. Wie heißt du?”, fragte sie. “Taro Onagawa, aber du darfst Taro sagen, wenn du Kiss magst”, erwiderte er und Mai grinste. “Dann freut es mich, dich kennenzulernen, Taro. Nur leider muss ich jetzt weg, meine Freundinnen warten und wollen noch was für den Tanzclub üben. Interessiert mich zwar nicht, aber was macht man nicht für ein gutes Zeugnis?”, erklärte Mai und wollte schon wieder Richtung raus gehen.

“Und dein Englisch Buch? Zum Lernen?”, fragte Taro verwundert. Ja, er hatte gelauscht. Nicht absichtlich und schon gar nicht böswillig! Aber Mai dachte auch gar nicht so: “Hach herrje, du hast recht! Danke dir!”, sagte sie rasch und lief schließlich wieder zurück und verschwand im nächsten Gang am Weg in ihre Klasse.

Taro ging zur Sporthalle.
 

“Und du hast sie nicht gleich gefragt, ob sie unsere Managerin werden will?”, schuldigte ihn Kamasaki der Unfähigkeit an. “Hey, hey, alles mit der Ruhe! Wir zwingen niemanden zum Scouting”, mischte sich Moniwa ein. “Sollten wir aber”, äffte Futakuchi, der wohl das erste mal mit Kamasaki auf einem gemeinsamen Nenner war.
 

Taro fragte Mai, ob sie ihre Managerin werden wollte. Aber nicht sofort, als er sie am nächsten Montag in der Cafeteria in der Warteschlange gesehen hat. Da hat er sie gefragt, welches ihr Lieblingsalbum aller Zeiten war und sie hat Lou Reeds ‘Transformer’ genannt, weil ihr Vater das auf und ab gehört hat, als sie noch klein war und ihr somit den Weg in die wundervolle Welt des Glam Rocks geebnet hatte.
 

Er hat sie auch nicht gefragt, als sie sich zwei Tage später nach den Club Aktivitäten verabredet hatten, um sein Lieblingsalbum ‘Hotter Than Hell’ von Kiss zu hören. Da haben sie im Park auf einer Bank gesessen und waren durch die Kabel von Taros In-Ear-Kopfhörer verbunden.

Am Donnerstag waren sie für einen kurzen Augenblick verbunden, als Mai Taros Finger streifte, weil sie ihm ihre Mathe Aufzeichnungen übergeben hat. Mit Zahlen war er nicht gut. Mai dafür und sie bot ihm ihre Mitschrift mit zusätzlichen Kommentaren an. “Vielleicht hilft dir das”, hoffte sie. Er auch.

“Wie war dein Englisch Vokabeltest?”, wollte er dafür wissen. Sie zuckte mit den Schultern. “Okay. Mit der Grammatik hab ich mehr Probleme”, gestand sie ein und so schlossen sie einen Pakt: Taro bekam Mais umfängliche Mitschriften und er übte mit ihr die englische Grammatik. Oder viel mehr den englischen Satzbau, indem er mit ihr die Lyrics ihrer Lieblingslieder durchging und Redewendungen übersetzte.
 

Erst am Freitag, als sie Abends ins Kino gingen um einen Film im englischen Originalton zu sehen, hat Taro gefragt. Zuerst: “Warum bist du im Tanzclub, wenn es dich nicht interessiert?” Mai musterte ihn. “Meine Freundinnen haben mich gefragt. Es ist auch manchmal ganz witzig”, gab sie zu und nahm das Popcorn vom Tresen. Taro trug dafür den Jumbo-Becher Cola und zwei Strohhalme. “Weißt du… Unser Club sucht noch eine Managerin und so wie du mit Zahlen umgehen kannst, wärst du perfekt dafür”, sagte er am Weg zum Kinosaal. “Ach wirklich?”, Mai sah ihn überrascht an. “Ich hab nicht den Dunst einer Ahnung vom Volleyball. Nur, ach. Der Ball darf nicht auf den Boden fallen”, sagte sie und Taro lachte. “Das ist auch eigentlich schon das Wichtigste” Mai stimmte in sein Lachen ein und versprach ihm, dass sie es sich übers Wochenende überlegen wollte.
 

Und am nächsten Montag hatte der Date Tech Tanz Club ein Mitglied weniger und der Volleyball Club endlich eine Managerin. Mit großen Augen wurde sie verfolgt, als sie den Weg zu Coach Oiwake machte und Taro mit anerkennendem Nicken belohnt.

“Klasse Aufriss”, kam vom Kamasaki. “Na, ob die nicht bald wieder wegläuft”, seufzte Sasaya und verwies dabei direkt auf Futakuchi und Kamasaki. “Ich werd mich benehmen, wenn er es tut!”, plaffte Futakuchi und streckte dem Älteren die Zunge raus. Moniwa fing sofort die Arme ab, die Futakuchi die Ohren lang ziehen wollten und Aone brummte einmal begeistert. Obara stieß Taro in die Seite und fragte: “Und? Bei euch läuft was?” Aber darauf schüttelte Taro nur den Kopf. “Nicht doch. Wir sind nur Freunde”, sagte er mit einem glücklichen Lächeln.
 

Genauso glücklich lächelte auch Mai, als die Aufnahme unter Dach und Fach war und dann wandte sich ihr Blick plötzlich. Sie wurde ernst und musterte die Jungs. “Gut, dann auf auf und aufwärmen!”; sagte sie laut und klatschte dabei in die Hände. Abrupt sprangen sie alle samt auf und startete mit dem Warmlaufen. Mai wandte sich Coach Oiwake zu. “Das wollte ich immer schonmal machen”, kicherte sie und er schmunzelte amüsiert.
 

Mai als Managerin zu haben war das Beste, was der Dateko hätte passieren können. Sie war zwar Erstklässlerin, hatte die Jungs aber so gut im Griff, als würde sie das bereits Jahre machen. Sie konnte sich schnell für den Mannschaftssport begeistern, nachdem sie die wichtigsten Regeln kannte und lobte auch sehr gerne, wenn Kamasaki mit Aone ein meisterhafter Block gelang oder wenn Moniwa ein perfektes Zuspiel machte. Obaras Angriffe wurden gelobt, aber auch die von Futakuchi, die von Lob zu Lob präziser wurden. Bei Taros dritten Aufschlag-Ass in Folge war sie hochgesprungen und applaudierte euphorisiert.
 

Am Nachhauseweg sprachen die beiden auch noch einmal über Taros Aufschläge, die dem Team sicher von Nutzen sein konnten. “Wenn ihr die Aufschläge perfektioniert, dann bringt ihr eure Gegner sicher mit der Verteidigung aus der Ruhe und dann sind die hohen Blocks noch viel niederschmetternder! Daran sollten wir arbeiten. Also ihr”, sagte Mai und wurde für einen kurzen Moment still und fast starr. “Willst du auch mal mit uns spielen?”, fragte Taro, aber sie schüttelte schnell den Kopf. “Nein, nein. Ich halt mich lieber mit den Regeln und der Organisation auf”, schlug sie umgehend ab.
 

Dennoch konnte Taro sie am Wochenende dazu zu überreden im Garten den Volleyball hin und her zu spielen.
 

“Das ist ganz schön anstrengend”, keuchte Mai nach einer Weile heraus. “Ja, nicht wahr?”, stimmte Taro zu, ließ sich aber nichts davon anmerken. Er war es ja gewohnt. Außerdem liebte er diesen Sport. “Ich habt echt alle meinen Respekt, dass ihr das so lange aushaltet”, mit diesen Worten fing Mai den Ball ein letzten Mal auf und setzte sich in die saftig grüne Wiese. Taro reichte ihr die Flasche Wasser, die sie parat stehen hatten und setzte sich neben sie.

“Und du hast unseren Respekt, also auf jeden Fall meinen, dass du es mit uns allen aushältst”, gestand er ihr zu. Mai schmunzelte. “Ach, ihr seid doch gar nicht so schlimm. Versuch mal nen Trupp pubertärer Mädchen in einem Tanzklub auszuhalten”, lachte sie. “Ich will gar nicht dran denken”, antwortete Taro. Er konnte sich nicht vorstellen, mit so vielen Mädchen in einem Raum zu sein und dann vielleicht auch noch etwas sagen zu müssen. In der Klasse war das okay. Da waren genug andere Jungs. Aber wenn es ein reiner Mädchenclub war? Gott bewahre, man hätte ihn auch nackt reinstellen können, das wäre genauso peinlich gewesen.
 

“Ich mag den Volleybal Club wirklich gerne”, seufzte Mai zufrieden und ließ sich im Gras zurückfallen. “Ich auch”, sagte Taro und tat es ihr gleich. “Und ich mag dich, Taro”, sprach Mai weiter und neigte den Kopf zu ihm. Auch das erwiderte Taro. “Ich mag dich auch. Du bist im Club mein Gegenstück”, sagte er. Mai lächelte ihn liebevoll an. “Ich glaub, du bist im Leben mein Gegenstück”

Liebe, die dem perfekten Augenblick entspringt (Ushijima X Eri)

Es war auf dem Nachhauseweg, kurz nachdem sich Eri von Gora verabschiedet hat. Etwas streifte ihre Wange und Eri hob im Gehen die Hand, ihre Finger über die zarte Haut zu führen. Feucht. Ein zweites Mal. Eri neigte den Kopf zum Himmel. Schon während dem Training haben sich die Wolken verdunkelt und auch die Luft hat sich statisch aufgeladen.

Die Luftfeuchtigkeit stieg an und die Haut fühlte sich klebrig an.
 

“Hoffentlich regnet es nicht”, hat Nanasawa gesagt und Yukawa hat geraten, dass sie alle schleunigst nach Hause gingen, ehe sie nass wurden. Auch Eri wurde unruhig und hat sich mit dem Kapitän auf den Weg gemacht. Gora wohnte nur ein paar Blöcke von der Schule entfernt, Eri viel weiter weg, aber in derselben Richtung.
 

“Sicher, dass du nicht hier warten willst? Es geht sicher gleich los?", hat Gora zum Abschied gesagt, aber Eri hat abgelehnt.

Sie wollte gerne die Übertragung vom Frühlingsturnier zuhause sehen, außerdem gab es da noch etwas, was sie mehr einnahm als den Weg des Balles zu verfolgen. Etwas, dessen Geräusch ihr Herz höher schlagen ließ, als der Aufprall von Leder auf Haut. Etwas, das sie stundenlang erleben konnte und wo sie am liebsten mittendrin war und nicht nur von der Seite zusah.
 

Ein Lächeln zierte unweigerlich ihre Lippen, als Eri bewusst wurde, dass es - wie Gora gesagt hat - gleich losging. Es begann zu regnen. Um sie herum beschleunigten die anderen Leute ihre Schritte, sie selbst wurde langsamer und blinzelte den Regentropfen entgegen. “Mädchen! Mach hinne, hier gibt's gleich ‘nen Wolkenbruch”, wurde sie gewarnt. Aber statt Tempo zu gewinnen blieb sie stehen und stellte ihre Sporttasche auf einem erhobenen Vorsprung ab. Eri zog ihre Jacke aus und legte sie so über Tasche, dass ihre Schuluniform, die sie darin hatte, nicht nass wurde, weil sie sich nach dem Training mit den Jungs nicht mehr umgezogen hat. Machten sie nie. Es ging dann ja eh nach Hause. Die Sportklamotten konnten sie dann den Eltern zum Waschen geben und nach einer erholsamen Dusche schlüpfte jeder in seine Freizeitkleidung und machte brav seine Hausaufgaben.
 

Normalerweise war Eri auch immer schnell nach Hause gelaufen um schleunigst zu erledigen, was auf ihrer To-Do-Liste stand, ehe sie mit ihrem Kopf in den Wolken verschwand. Egal, ob die Sonne schien, der Herbst mit seinen Gewittern einzog oder wie jetzt ein Frühlingsregen lospreschte, Eri liebte jedes Wetter. Sie liebte jeden Tag. Für sie gab es nie schlechtes Wetter. Alles war wunderbar und Eri hatte für jede Witterung eine perfekte Beschäftigung. Im Sommer war sie in ihrer Freizeit fast ausschließlich im städtischen Freibad anzutreffen, gemeinsam mit Freundinnen oder auch mal mit den Jungs vom Volleyballclub. Im Winter stapfte sie durch den Schnee und machte Schneeengel dann und wann oder lief Schlittschuh, wenn sie nicht gerade mit den Jungs in eine Schneeballschlacht verwickelt wurde.

Nur wenn Eri krank war, dann war alles schlecht. Das Wetter, die Luft, der Tag. Alles. Weil sie es hasste, ruhig herumzuliegen und nichts zu tun. Eri wollte etwas erleben. Immer!

Und am liebsten erlebte sie den Regen. Das tat sie sogar vorzugsweise alleine.
 

So spazierte sie nun mit offenen Armen nach Hause und spürte das angenehme Nass auf ihren Armen und im Gesicht. Mit jedem Meter durchtränkte der Regen ihre Haare mehr und die Jacke über ihrer Tasche wurde zwecklos. Je näher sie nach Hause kam, desto stärker wurde der Niederschlag auch. Ein Wolkenbruch, wie die Warnung des Mannes gelautet hatte. Aber für sie hatte es keiner solchen bedurft. Es war mehr das Prophezeien eines Geschenks. Für Eri war der Regen ein Geschenk.
 

In der Gasse vor dem Haus der Familie Miyanoshita blieb sie stehen und stellte ihre Tasche an der Treppe ab. Ihre Mutter würde bestimmt schimpfen, weil der Boden nass war, die Tasche nass wurde und somit auch die Schuluniform davon betroffen war. Aber soweit dachte Eri nicht. Sie lebte wie immer im Augenblick.

Augenblick. Gibt es denn ein schöneres Wort, um die Zeitspanne eines unmessbaren Moments zu bündeln? Augenblick, wie ein Wimpernschlag, nur länger. Wie ein Herzschlag, nur einprägsamer. Wie etwas, das man nicht fassen konnte, aber mit allen Sinnen erlebte.

Eri erinnerte sich an viele Augenblicke, die bedeutsam waren und sie wusste auch immer, wenn sie vor solch einem stand. Man sagte immer, die großen Momente, erkenne man erst später, wenn sie vorbei waren. Doch Eri war da anders. Für sie hatte jeder Moment, jeder Augenblick, jeder Tag die Chance, besonders zu sein.

So war es für sie auch besonders, genau zur rechten Zeit zu Hause zu sein, selbst wenn sie noch nicht sagen konnte, wofür genau.
 

Mit einem vergnügten Lachen setzte sie sich einfach mitten auf den Bordstein. Auf den nassen Boden. Sie streckte die Arme aus und ließ sich zurück auf den Asphalt fallen. Langsam, dass sie sich den Kopf nicht stieß, aber so rasch, dass sie für die Balance die Beine hob und erst ablegte, als sie vollends lag.

Mitten am Gehsteig. Nass. Im Regen, der gerade nachließ. So war das mit Wolkenbrüchen. Sie kamen ganz schnell, durchtränkten alles, was in Reichweite war und dann ließ es nach.
 

Eri atmete erhaben aus und seufzte zufrieden. Sie schloss die Augen und genoss die Regentropfen auf ihrer Haut. Ihr war es einerlei, dass ihre Haare nass waren und am schmutzigen Boden zerzaust wurden. Es juckte sie nicht, dass sie sich erkälten könnte, denn sie steckte im Moment, in ihrem perfekten Augenblick fest, der just wertvoller wurde, als sie die Augen öffnete, weil ihr Gesicht verschont vom Regen blieb, während ihre Arme noch weiter die sanften Küsse der Wolken erfuhren.
 

"Geht's dir gut?”, wurde sie gefragt und Eri nickte. Sie löste ihren Blick aber nicht von den sanften, gerade sehr neugierigen, braunen Augen. Wenn sie sich nicht täuschte, schimmerten sie etwas grün. Ähnlich wie das brünette kurze Haar, das auch ganz platt und nass herunterhing. Eris Lächeln wurde breiter.

“Mir geht's perfekt”, sagte sie und streckte ihre Gliedmaßen.
 

“Warum liegst du am Boden?”, fragte Ushijima. Eri fragte sich nicht, warum der Kapitän der Shiratorizawa hier in Kanagawa war, warum er in der Nähe von Yokohama in einer verlassenen Gasse im Regen stand und Fragen stellte. Sie nahm die Situation, wie sie war. Wie sie es immer tat. Und antwortete: “Weil es schön ist. Ich liebe es, wie der Regen meine Haut berührt”

Ushijima richtete sich auf. Er hob die Arme etwas an und neigte die Handflächen gen Himmel, den Regen aufzufangen. Er nickte.

“Darf ich mich zu dir legen?”, fragte er und statt zu antworten, rückte Eri ein kleines Stück zur Seite und machte Platz. Ushijima überlegte einen Moment, aber schien die Einladung zu verstehen. Erst zog er die Schuhe aus, stellte sie zur Seite und dann setzte er sich neben Eri auf den Boden. Zögerlich schätzte er ab, ob das eine kluge Idee war, aber Eri nahm ihm ab, sich umzuentscheiden. Die Managerin des Ubugawa Volleyballclubs griff nach Ushijimas Arm und zog ihn einfach neben sich auf den nassen Boden.

Starr blieb er neben ihr liegen.
 

“Mach die Augen zu”, sagte Eri und ließ von seinem Arm ab. Ushijima schloss die Augen und Eri tat es ihm gleich.

So blieben sie die letzten Minuten im Regen liegen, bis die Sonne hinter den Wolken hervor trat und das Gesicht wärmte. Auch die Arme und die nasse Kleidung bekam etwas von den wohlwollenden Sonnenstrahlen ab. Doch intensiver war das Strahlen in Eris Gesicht, als sie die Augen wieder aufschlug und zu Ushijima hinüber sah. “Und?”, fragte sie neugierig. Er neigte den Kopf zu ihr. Auf seinem Gesicht war noch Zweifel zu erkennen, aber nickte. Vielleicht nur aus Höflichkeit. “War’s das?”, fragte er und Eri setzte sich in einem Ruck auf.

Sie sah zu ihm zurück und zuckte mit den Schultern. “Nur, wenn du das willst”, antwortete sie. Ushijima verstand nicht. “Naja, du kannst erkennen, dass das gerade ein ganz toller Moment ist und ihn mit mir teilen, oder du stehst auf und gehst und ich bleib damit allein”, klärte sie ihn auf und Ushijima erhob sich ebenfalls. Aber er stand nicht auf und er ging nicht.
 

“Was ist so besonders an diesem Moment?”, fragte er. “Dass wir es wissen. Weißt du… die meisten sehnen sich nach sowas. Sie erkennen es nicht, wenn es soweit ist und sie trauern, wenn sie bemerken, dass sie so etwas hatten, aber nicht mehr haben. Viele leben nur für die Zukunft und vergessen, dass das hier und jetzt so wunderbar ist”, klärte sie weiter auf und Ushijima machte einen zustimmenden Brummton. Eri lachte.
 

“Mir hat mal jemand gesagt, die Gegenwart heißt auf englisch present, weil sie ein Present, also ein Geschenk ist”, zitierte Ushijima. Eri nickte schnell. “Genau das meine ich”, sagte sie und legte den Kopf schief. “Man hat uns gerade ein Geschenk gemacht”

“Wer?”, wollte Ushijima wissen. “Das Universum”, sagte Eri und beide blickten hoch in den Himmel, der sich gerade von allen Wolken löste und in der Ferne einen Regenbogen hervorbrachte.
 

🌦
 

Liebe, so einschlagend wie eine einzige Note (Fukugana X Komori)

[url=https://open.spotify.com/intl-de/track/5wQnmLuC1W7ATsArWACrgW?si=804a7a0aa6a14ceb]kling[/url]

Das hohe G.

kling

Eine Taste auf dem Klavier. Piano. Flügel.

kling
 

Ein gesamtes Genre einer Generation vermag dieser Ton zu aktivieren.

kling

Gänsehaut. Man schaut auf. Schwarze Stirnfransen hängen vor dem geistigen Auge im Gesicht. Die Augen selbst sind stark dunkel geschminkt. Trüber Blick, leicht labil vielleicht, auf jeden Fall apathisch.

kling

Schwarze Röhrenjeans. Lange Ärmel, Shirts mit Banddruck drauf. Schwarz. Alles schwarz. Alles trüb.

kling
 

Shohei Fukunaga gehörte nicht zur Generation Emo. Er war zu jung. Ältere Cousins aber haben Gruppen wie ‘My Chemical Romance’ gehört, also kannte er auch den Song mit der einschlagenden G-Note. Dem hohen G. Den Willkommensgruß zur schwarzen Parade.
 

Aber Fukunaga mochte schwarz nicht.

Er mochte es bunt und fröhlich und voller Lebensfreude.
 

So startete er jeden Tag mit einem Lächeln, summte am Schulweg eine fröhliche Melodie und klatschte vergnügt, wenn ihm etwas Schönes widerfuhr. Im faden Asphalt zum Beispiel, zu erkennen, wie sich eine Blume ihren Weg bahnt. Ein Schmetterling, der die düstere Industriestraße querte, um ein paar Luftmeter weiter im Sommerflieder Platz zu finden.

Ein Regenbogen, der die graue Großstadt umarmte.

Aber Tokio war eigentlich nicht grau. Es war bunt. Voller Reklame und Menschen. Voll mit Geschnatter und Bewegung. Doch es war geschäftig, gehetzt, gestresst. Die Reklame war aufdringlich, die Menschen auf der Durchreise, das Geschnatter durcheinander und die Bewegungen wie Flucht. Getrieben von einem Punkt zum anderen.
 

Fukunaga mochte die Metropole, weil man dort viel erleben konnte, aber er liebte sie nicht. Er liebte es, wenn er außerhalb mit seiner Familie einen Ausflug machte und sie keine besonderen Ziele hatten. Wenn der Weg das Abenteuer war und wenn er jeden Funken Schönheit dieser Welt aufnehmen konnte.

Und er liebte es, an einem freien Nachmittag einfach nur umher zu wandern. Ohne Ziel, einfach nur dorthin, wo ihn seine Nase hinführte. Oder seine Ohren oder einfach nur die Neugier, die über seine Augen an sein Hirn transportiert und signalisiert wurde.

Er lief erst einem Fluß entlang der Straße nach. Dann roch er einen süßlichen Duft, aber ehe er vielleicht einen versteckten Rosengarten entdeckte, erlauschten seine Ohren ein Stimme, die ihn so sehr ablenkte, dass er kollidierte.
 

kling

Fukunagas Blick traf dunkle Augen. Fast schwarz. So schwarz wie die weichen Locken, die seinem Gegenüber ins Gesicht hingen.

Die Aura, die ihn umspielte, war unheimlich. Kalt und abweisend. Fukunaga machte einen Schritt zurück, die Augen konnte er aber nicht abwenden, auch sagte er kein Wort, machte keinen Mucks.
 

“Kannst du nicht schauen?”, wurde er angefahren, worauf er die Schultern hochzog und sich selbst kleiner machte, als er es war. Der Blick wurde gesenkt. Ein Schnauben kam über die Reaktion. Fast als stünde der Frontmann von so einer Emocoreband vor ihm. Nur gab es da ein kleines, eigentlich ziemlich großes Detail, das dem ganz deutlich widersprach.

Der andere Junge schüttelte die Arme und streifte sich den grün-gelben Stoff seiner Trainingskleidung ab. Beinahe hätte Fukunaga einen weiteren Fauxpas begangen und die Hand ausgestreckt. Er wollte das Material fühlen. Er war in seiner Bewegung aber bereits unterbrochen, ehe er sie wirklich starten konnte.
 

“Kiyo!”
 

kling

Fukunaga eilte das Gesicht in die Richtung der Stimme von zuvor. Ein Schwall an ungeahnten nie da gewesenen Empfindungen überrumpelte ihn.
 

kling

Es war wie ein Reset. Just in eine Zeit, an die er sich nicht mehr erinnern konnte und dennoch fühlte es sich so an, als wüsste er gerade alles. Nur dass es eben nicht so war. Fukunaga wusste nichts. Er wusste nicht den Namen des Jungen, dessen Stimme ihn gerade mehr abholte als alles andere. Er wusste auch nicht, wie um sein Herz geschah, als das heitere Lachen, der liebliche Klang davon, ihn erreichte, und er wusste nicht, wie er dafür sorgen konnte, sich niemals nie davon abwenden zu müssen.
 

“Da bist du ja Kiyo. Warum hast du es denn so eilig?” Fukunaga hing förmlich an den Lippen, die diese Stimme freigaben. Er löste sich aber umgehend, als er merkte, dass er ertappt wurde. “Oh! Hast du einen neuen Freund?” Aber die Frage wurde mit einem scharfen Zischen abgeschmettert.

“Sicher nicht”, sagte der Junge mit den schwarzen Locken. “Er hat mich gerempelt. Keine Ahnung, wer das ist”, sagte er und maß Fukunaga mit dem harten Blick der Verachtung.
 

“Achso? Dann ist er vielleicht in sein Glück gestolpert”, kicherte der andere Junge. “Unglück”, wurde er ausgebessert, aber schob die Negativität umgehend weg. “Das heißt, wir wissen gar nicht, wie du heißt und du nicht, wie wir heißen. Ich bin Motoya! Motoya Komori und das ist Kiyoomi Sakusa, aber man kann Kiyo sagen”, plapperte er munter weiter. “Wehe, du sagst Kiyo”, mahnte Sakusa und Fukunaga nickte schnell. Seine Aufmerksamkeit haftete aber sofort wieder auf Komori, den er mit großen Augen betrachtete. Er verneigte sich rasch, vergaß aber etwas ganz Wesentliches.
 

“Und du? Wie heißt du? Oder. Oh nein, kannst du vielleicht nicht sprechen? Ich denk mir auch nen Namen für dich aus. Was sagst du zu… hmmm Lucky, weil du dich glücklich schätzen kannst, uns getroffen zu haben?”, schlug er vor. Sakusa verdrehte die Augen, Fukunaga konnte das Abrollen beinahe hören, aber er schüttelte schnell den Kopf.
 

“Doch ich kann reden. Aber… ich rede nicht so viel”, sagte er rasch, fast als wollte er es hinter sich haben. Seinen Namen aber sagte er so, dass Komori ihn deutlich verstand. “Darf ich dann Sho sagen?”, fragte er und Fukunaga nickte.

Er selbst wiederholte auch die Namen. “Kiyo?” er deutete auf Sakusa und dieser schüttelte den Kopf. Komori aber nickte. “Und Toyota? Wie das Auto? Meine Eltern haben einen Toyota, der ist toll”, sagte er und für einen Augenblick war es still. Sakusas Augenbrauen waren erhoben, der Mund aufgeklappt, aber kein Wort drang über seine Lippen, als sei ihm das gerade wirklich zu blöd und dann prustete Komori los.
 

“Toyota?! Ich liebe es!”, sagte er erfreut, wischte sich vom Lachen aber eine Träne weg, da wurde es Sakusa zu bunt. “Motoya! Sein Name ist Motoya und eigentlich solltest du Komori sagen. Du kennst ihn nicht und mein Name ist Sakusa und eigentlich ist das alles egal, weil Toya und ich jetzt gehen”, sagte der Lockenkopf und zupfte bedacht an der grün-gelben Trainingsjacke des anderen.

“Du bist so ein Spielverderber, Kiyo”, sagte Komori. Er folgte zwar dem Zupfen und somit Sakusa in die Richtung, von der Fukunaga kam, aber er griff auch nach dem Handgelenk, des Fremden. “Komm doch mit, dann lernen wir uns kennen und du kannst Kiyo und Toyota sagen”, schlug er vor.
 

kling

Wie eine einzige einschlagende Note traf ihn diese Berührung und Fukunaga wusste, dass er es wusste. Was auch immer es war.

Liebe, die auf der Waagschale liegt (AsaNoya)

“Asahi? Wie viel wiegt Liebe?”
 

Es war wieder einmal soweit. Nishinoya lag beim Lernen neben Asahi am Boden, der sich wiederum für seine Physikklausur vorbereitete. Nishinoya lernte durchs quizzen, sich gegenseitig Fragen zum Stoff zu stellen, aber gerade warf er mit Dingen um sich, die Asahi weder zu Lernen noch zu Beantworten vermochte.
 

“Ich glaube, du hast dich heute mehr angestrengt als ich”, lachte Asahi verhalten. Aber Nishinoya richtete sich auf und schüttelte den Kopf. “Ich meine die Frage ernst”, sagte er und Asahi drehte sich mit einem verwirrten Blick um. “Was wiegt Liebe?”, wiederholte er Nishinoyas Frage und der nickte.

Asahi überlegte.

Ob man das abwiegen konnte? Nicht auf einer Waage. Oder vielleicht war das mit der Waage gar nicht so verkehrt.
 

“250 bis 300 Gramm”, antwortete er deswegen ganz bewusst. Nishinoya legte den Kopf schief. “Wie kommst du auf das?”, fragte er und Asahi führte seine Überlegung aus: “Das menschliche Herz wiegt so viel und Liebe kommt vom Herzen. Das ist keine Kopfsache. Das Gehirn wiegt mehr, über einen Kilo.”

“Aber Liebe ist auch Bauchsache”, warf Nishinoya ein. Das brachte Asahi zum Grübeln. So sehr, dass er nicht mal merkt, dass sie von Physik auf Biologie umgeschwenkt waren. “Hmm, meinst du dann das ganze Verdauungssystem oder nur den Magen?”, ließ er sich auf das Gedankenexperiment ein und Nishinoyas Mundwinkel schoben weit nach oben. “Naja… bis wohin kribbelt es denn?”, stellte er die Gegenfrage mit dem schneidigen Grinsen, das Asahi gleich zeigte, wie weit es kribbelte. Das war im Grunde der ganze Körper.
 

“Dann wiegt die Liebe wohl 75 Kilo”, stieg er von einem viertel Kilo auf vielzählige um. “Warum 75?”, fragte Nishinoya dafür verblüfft. “Weil ich so viel wiege und weil ich dich mit jeder meiner Zelle liebe”, nuschelte Asahi und blinzelte etwas beschämt durch an seiner locker gewordenen Strähne vorbei. Nishinoya sprang vom Boden auf. “Ernsthaft? So viel wiegst du?”, fragte und Asahi duckte sich. Er wirkte dadurch so, als würde er eher die Hälfte wiegen und noch viel weniger heben und ertragen könnte. “Ich sollte vielleicht jetzt zur Weihnachtszeit mit den Süßigkeiten einschränken”, murmelte er, aber Nishinoya schüttelte den Kopf. “Nein! Ich finde das toll. Außerdem hast du Muskeln, die sind doch auch schwerer als Fett”, erklärte der Libero und drückte zur Untermalung an Asahis Bizepse, dem die Bestätigung, dass das Kribbeln durch den ganzen Körper ging, weiterhin vor Augen gehalten wurde.
 

“Wahrscheinlich ist es aber mehr, weil es gibt auch Geschenke und Gesten und… so viele Momente”, dachte Asahi weiter nach. Er genoss Nishinoyas Finger auf seiner Haut. “Momente wie dieser lassen mich wie schwerelos fühlen”, gestand er und lächelte peinlich berührt. Nishinoya grinst verschmitzt. “Dann ist die Liebe manchmal wie schwerelos?”, fragte er und Asahi nickte. “Vermutlich”
 

“Und Momente? Was wiegen die? Wie lang sind die eigentlich?” Das Fragespiel ging weiter und Asahi spielte mit. Es war spannend und interessant und Nishinoya war gerade so süß und es lenkte von dem vielen Lernen ab.
 

“Nun… ich schätze, dazu muss man erst wissen, wie lang ein Gedanke ist und dann muss man überlegen, wie viele Gedanken in einen Moment passen, wie lang ein Moment ist und man braucht auch eine Messmenge. Nicht jeder Moment ist gleich lang und somit gleich schwer", führte er aus. Asahi konnte regelrecht sehen, wie es in Nishinoyas Kopf zu rauchen begann. Das wollte er nicht. Wie kam er da nur wieder raus?

Die Überlegung erübrigte sich, denn Nishinoya fasste einen Gedanken: “Der Moment zum Beispiel, wo Shoyo fast in der Luft stand, da ist die Zeit still gestanden. Das war fast ewig. Shoyo hat aber sicher nichts bedacht außer Boooooaaaaaah. Wie lang ist das? Und was wiegt das? Er hat sich sicher schwerelos gefühlt.” Asahi nickte. Auch für ihn war das ein Moment, wo die Zeit stillgestanden hat. Und auch er hat nur Boooooaaaaah gedacht gehabt. Er fühlte sich augenblicklich beschränkt. Aber das war ein Ausnahmemoment. Da fiel ihm gleich noch einer ein: “Oder der Moment als du Ushiwakas Aufschlag angenommen hast” - “oh ja, der hat gebrannt und die Zeit ist fast stehen geblieben", sagte Nishinoya begeistert. Er mimte auch die Situation nach und strahlte über beide Ohren.

“Für mich auch. Ich glaub, mein Herz ist dabei stehen geblieben”, gestand Asahi. Nishinoya lehnte sich ihm umgehend wieder näher und stemmte die Hände an die Armlehnen von Asahis Schreibtischstuhl. “Wir lange kann ein Herz stehen bleiben?”, fragte er rasch. Er war in Sorge. Asahi erschrak.

“Du… du meinst, ohne, dass der Körper Schaden nimmt? Ich glaube, nach 5 Minuten wirds kritisch.”

Nishinoya richtete sich wieder auf überlegte. Er legte dazu auch die Hand ans Unterkiefer und tippte mit dem Finger an sein Kinn. “Dann sind 5 Minuten wohl ein langer Moment”

“Ansichtssache. Glaube, deine Prüfung vor dem Trainingscamp in Tokio war länger”, sagte er und Nishinoya gab sich theatralisch. “Das war eine Ansammlung an niederschmetternden Momenten”, seufzte er.

“Gefolgt von dem Siegesmoment, weil du es geschafft hast”, sagte Asahi stolz. “Besser war trotzdem der Ushiwaka-Moment und… naja… der Moment wo wir also wo du… wo du und ich, wo ich das erste Mal deine Hand genommen hab und du sie einfach gedrückt hast”, stammelte Nishinoya ungewohnt schüchtern hervor. Auch Asahi wurde wieder schüchterner und rote Farbe breitete sich in seinem Gesicht aus. Da fühlte er sich auch schwerelos. Als er losgelassen hatte, wurde alles wieder schwer.
 

Und dann wusste Asahi, ein Moment wog alles und nichts. Er war nicht zu fassen und nicht zu tragen. War so leicht, er hob ihn in die Wolken, so schwer, er würde ihn nie vergessen. Und die Gedanken sie sich darin tummelten waren unzählbar, geschweige denn aufzuwiegen.
 

“Aber… das hilft uns alles nicht dabei, auszurechnen, was die Liebe wiegt”, gab er sich seufzend geschlagen. Er wollte Nishinoya eine brauchbare Antwort geben, fand sich aber im Schwanken.
 

“Ich hab überlegt und ich glaube, die Liebe wirgt so ca 6 Tausend Trillionen Kilo”, sagte Nishinoya ganz bestimmt. Darauf lachte Asahi. “Und wie kommst du jetzt auf diese Zahl?”, fragte er und Nishinoya hing sich um Asahis Hals. “Weil die Welt so viel wiegt und du bist die ganze Welt für mich”

Liebe, so unschuldig, wie ein Vanillekipferl (Goshiki X Hinata)

Goshiki hatte sich nach dem Trainingscamp der Erstklässler auf der Shiratorizawa von allen Teilnehmenden die Kontaktdaten gesichert. Auch von Hinata, selbst wenn der nie offiziell eingeladen wurde. Selbst, wenn der dafür mitverantwortlich war, dass die Shiratorizawa nicht zum Frühlingsturnier fahren konnte. Selbst, wenn Hinata somit der Feind und die nächsten zwei Jahre sein Rivale sein sollte. Aber Hinata hatte etwas in Goshiki ausgelöst. Hinata war der Grund, warum er die Kontakte von allen haben wollte. Ein Vorwand, um an die Daten von Hinata heranzukommen, denn Hinata hatte Goshiki beeindruckt. Nicht nur mit seinem Talent. Auch mit seiner grenzenlosen Hoffnung und vielleicht gerade, weil Hinata sowas wie ein “From Zero to Hero” war.

Ein Hero für Goshiki. Der Eroberer seines Herzens, wie er es noch nie zuvor empfunden hatte. Denn selbst, wenn es nicht um Volleyball ging, da weitete er Goshikis Augen, brachte seinen Bauch zum Kribbeln und ließ sein Herz schneller schlagen.
 

Goshiki war noch nie verliebt gewesen, aber er erkannte es im ersten Augenblick und wurde dadurch noch viel hibbeliger und unruhiger.

Beim Training mit den anderen war das schon aufgefallen, doch niemand vermutete den wahren Grund dahinter.
 

“Du nervst in letzter Zeit mehr als sonst”, sagte Shirabu zu ihm. “Deine Energie ist kaum zu bündeln”, lobte Tendou und tätschelte ihm den Kopf. “Mein du nicht auch, Wakatoshi-kun?”, rief er noch zu Ushijima, der nur zustimmend nickte. Goshiki war es richtig unangenehm, als Yamagata ihn darauf ansprach. “Du wirst doch wohl nichts ausfressen, oder?”, fragte er, weil hibbelige Teenager seiner Meinung nach immer irgendwas im Schilde führten. Er sprach da vielleicht aus Erfahrung.

“Was? Ich? Nein. Ich fress nichts aus. Ich ess immer brav auf”, antwortete Goshiki und Yamagata suchte mit drehenden Augen weiter nach seinem Handy, das er wieder einmal verlegt hatte.

Semi stand mit verschränkten Armen neben ihnen und beobachtete Yamagata skeptisch. “Was suchst du schon wieder?”, fragte er und Yamagata steckte den Kopf wieder aus seiner Sporttasche. “Mein Handy”, murrte er. Nun verdrehte Semi die Augen. “Warum frag ich auch? Aber hast du das nicht eben noch Satori gegeben, weil du ihm was gezeigt hast”, löste er das Rätsel. Tendou aber schüttelte den Kopf. “Ich hab's nicht!”, sagte er. “Und wer hat’s dann?”, fragte Yamagata. Tendou riss die Arme hoch. “Ich weiß es nicht~”, sang er trat tanzend ab. Diese Leute waren ja alle nicht zu gebrauchen…

Yamagata sah zu Semi. Semi hob die Augenbrauen. “Frag doch Ushijima-san”, schlug Goshiki vor. Yamagata seufzte. “Warum sollte Wakatoshi es wissen?” - “Was weiß ich?”, fragte Ushijima. Ja… was wusste Ushijima eigentlich?

“Wo mein Handy ist”, sagte Yamagata, die Hoffnung hatte er schon weggeschmissen. Er sagte es rein aus Höflichkeit, weil er Ushijimas Frage nicht unbeantwortet stehen lassen wollte.

“Oh… hier”, sagte der Kapitän und reichte Yamagata das gesuchte Objekt. Nun waren sie alle etwas verwundert und hatten zu Goshikis Wohlwollen komplett vergessen, dass sie den Youngster gerade irgendwie in die Mangel nehmen wollten mit ihren Fragen. Da nutzte er die Chance und verzog sich in all seiner Aufregung, denn Hinata hatte tatsächlich gerade geschrieben. Er fragte, wie das Volleyballtraining war.

So unterhielten sie sich oft. Entweder fragte Goshiki oder Hinata, wie das Training war und dann tauschten sie sich über die Einheiten aus. So ging das den ganzen November und auch Anfang Dezember, bis Goshiki den nächsten Schritt wagen wollte.
 

Sich treffen.
 

In aller Öffentlichkeit.
 


 

“So ein Weihnachtsmarkt ist echt toll! Ich war in der Stadt noch nie auf einem”, sagte Hinata. Er lachte hell auf und strahlte aus beiden Augen. Goshiki konnte nur neben ihm stehen und ihn bestaunen. Hinata war immer zu bestaunen. Ob er nun zum Angriff ausholte und den Volleyball über das Netz schleuderte. Oder wie er im Trainingscamp auf der Shiratorizawa seine Annahmen verbessert hat. Wie er mit Inbrunst Trinkflaschen zur Verfügung gestellt hatte und eben jetzt, wie er von der Verzückung hingerissen im Moment versank. So versank auch Goshiki und beide lachten verlegen, als ihnen klar war, dass sie regelrecht outgespaced waren.
 

“Wollen wir einen Kinderpunsch trinken gehen?”, fragte Goshiki und Hinata nickte rasch. “Au ja! Und dann will ich Zuckerstangen haben und Schokolade und ich will zur Keksfabrik und da hinten haben die Gebäck mit Zimt”, sprudelte es nur so aus Hinata heraus und Goshiki wollte ihm am liebsten gleich jeden Wunsch auf einmal erfüllen. Doch eines nach dem anderen.

Erst gab es Punsch und dazu geröstete Maroni, bei denen sich Hinata richtig ungeschickt anstellte. “Hey, ich mach das für dich”, sagte Goshiki und nahm den kleinen Mittelblocker die Edelkastanie aus der Hand. Mit Bedacht fummelte er die Schale herunter und barg die heiße Frucht, die er Hinata auch gleich zurück in die Hand legte. “Danke Tsutomu”, sagte er und streifte beim Entgegennehmen Goshikis Finger. Goshiki schreckte hoch. Er stellte sich umgehend schnürdelgerade auf. “Bitte… Bitte gerne, Shoyo”, sagte er in anfänglichem Stotter. So war es immer, wenn er aufgeregt war und gerade war er sehr aufgeregt wegen Hinata. Hinata snackte die Maroni weg und legte seine Finger dann um die Tasse mit dem heißen Kinderpunsch, denn es war kalt geworden. Neugierig sah er sich in ihrer Umgebung um. Goshiki beobachtete ihn dabei und lächelte, weil es ihm Freude bereitete, zu sehen, wie glücklich Hinata gerade wirkte. Da trafen sich ihre Blicke. “Ist dir kalt?”, fragte Hinata und griff sogleich nach Goshikis Hände. Goshiki stockte, aber ließ sich von Hinata ziehen. Hinata platzierte Goshikis Hände um die Punschtasse, dann ließ er los und machte dasselbe. “So ist es besser, oder?”, fragte er und lachte vergnügt auf. Goshiki nickte schnell. Seine Wangen waren rot angelaufen und auch seine Nase hatte Farbe angenommen. Hier draußen konnte er es der Kälte anschulden, wenn ihn jemand darum fragen würde. Nur er wusste, dass Hinata der Grund dafür war.

Sponsor werden und Werbung komplett deaktivieren
 

Der Punsch war ausgesprochen süß, aber das war auch genau das Richtige für einen so kalten Dezembertag. Der Dampf stieg aus den Tassen und Goshiki bestaunte weiterhin alles, was Hinata machte. Wie er sich das Heißgetränk von den Lippen leckte, wie seine Augen von einer Attraktion zur nächsten hüpften und wie er schließlich begeistert zu den Zuckerstangen und Lebkuchenherzen und den Schokofrüchten deutete. “Das ist unser nächster Stopp”, sagte er erfreut, trank seinen Punsch aus und griff dann der Euphorie gedrungen nach Goshikis Hand. So konnten sie leichter durch die Menschenmassen gehen, ohne sich dabei zu verlieren. Goshiki hatte seinen letzten Schluck gerade noch so getrunken gehabt, blieb ihm bei der Berührung erstmal kurz das Herz stehen. “Komm”, sagte Hinata, weil Goshiki nicht gleich gefolgt war, da nickte er und ging ihm nach. Er drückte die kleine Hand auch etwas fester und spürte, wie ein aufregendes Kribbeln seinen ganzen Körper durchfuhr. Er lächelte so breit, dass er morgen bestimmt einen kleinen Muskelkater in den Wangen haben würde, aber er fühlte sich mit Hinata sofort wohl.
 

Das Sortiment an Leckereien überwältigte sie beide. “Da gibts jeden peinlichen Kosenamen für Pärchen”, kicherte Hinata. Goshiki sah von ‘Schatz’ zu ‘Schnuckel’ über ‘Baby’ und ‘Babe’ zu ‘Prinz’ und ‘Prinzessin’, ehe er wegen Hinatas nächstem Ausruf zusammen schreckte. “Das ist König! Soll ich das dem ollen Kageyama mitnehmen?”, fragte er und lachte. “Möchtest du Kageyama wirklich so ein schönes Herz schenken?”, fragte Goshiki etwas traurig. Hinata überlegte. “Hmm… ne… da kauf ich lieber das!”, rief er aus und deutete auf eines, auf dem ‘Ass’ stand. “Das kauf ich für dich”, sagte er, gab dem Verkäufer ein paar Scheine und hing Goshiki das Lebkuchenherz um den Hals.

Goshiki konnte kaum reagieren. Er ließ Hinata machen und starrte ihm nur in die strahlenden Augen. “Weil du das nächste Ass der Shiratorizawa wirst”, sagte Hinata und dann gingen sie noch mit Schokoerdbeeren weiter.
 

Die ganzen Attraktionen hier waren für Goshiki wirklich zweitrangig, so lange er neben Hinata hergehen konnte und dieser auch wieder nach seiner Hand griff, um ihn nicht zu verlieren. Sie hatten noch Zuckerstangen und den Baumkuchen der Familie Terushima. Und zu gut der Letzt kamen sie noch zur Keksfabrik. Goshikis Magen war schon gut voll und der zweite süße Kinderpunsch hatte eigentlich seinen Gusto auf Süßes vollends gestillt, doch als Hinata mit großen Augen auf die Vanillekipferl schaute, da wollte er sich für das Lebkuchenherz revanchieren und kaufte Hinata eine kleine Dose mit den mürben Kipferl.
 

“Wollen wir die gleich kosten?”, fragte Hinata. Goshiki überlegte. Er hatte wirklich den Magen voll, doch die Frage schien rein provisorisch gestellt worden zu sein, denn Hinata hatte die Dose gleich offen und hielt Goshiki einen der Leckerbissen hin. “Mund auf”, sagte er. Goshiki wollte gerade hingreifen, doch ob der Aufforderung hielt er inne und öffnete stattdessen den Mund. Hinata verfütterte das erste Vanillekipfer an Goshiki und genehmigte sich daraufhin selbst das zweite.

“Hmmm! Sie sind soooo gut”, summte er mit vollem Mund und gönnte sich gleich noch eines. “Die sind wirklich lecker”, sagte Goshiki, am schönsten aber war der Anblick Hinatas, der seine Vanillekipferl genoss. Der Staubzucker mit Vanillegeschmack war dabei auch nicht vollends hinter Hinatas Lippen verschwunden, so dass Goshiki ihn darauf hinweis, doch alles vergebene Versuchen führte nicht zum Erfolg. “Hilf mir”, murmelte Hinata mit einer Schnute, mit der er noch viel entzückender aussah. Goshikis Herz machte einen Sprung, doch er half natürlich und legte Hinata die kalte Hand ans Kinn um besser mit dem Daumen über Hinatas Lippenkuppe zu streichen und den Staubzucker wegzumachen.

Ihre Augen fingen den Blick des jeweils anderen und für Goshiki blieb die Zeit einen Moment lang stehen. Sein Puls nahm zu, das Kribbeln wurde wild und als Hinata nach oben deutete, zu einem Mistelzweig und die Augen schloss, war es gänzlich um ihn geschehen.
 

Goshiki teilte den süßesten Kuss mit Hinata, der unschuldig mürb war und herrlich nach Vanille schmeckte.

Liebe, wie eine Ahnung (TenKen)

Für Kenma war es unvorstellbar, wie es überhaupt erst soweit kommen konnte, obwohl er genau wusste, wie es passiert war. Es waren die Finger, die immer dann in seinem Sichtfeld aufgetaucht waren, wenn er gemeint hatte, sie bereits weg analysiert zu haben.

“Das kann man einfach nicht wissen!”, hatte er in sich hinein gegrummelt und kurz darauf diese stechend roten Augen auf sich gespürt, ohne hinsehen zu müssen. Ein schneidiger Spruch, wie leicht er zu durchschauen war, auf den Lippen des Anderen.

“Beruhig dich, Kenma”, hatte Kuroo gesagt und ihm die Hand auf die Schultern gelegt.

Dieses Turnier hatte ihm wirklich den letzten Nerv geraubt. Er hatte ihm den letzten Nerv geraubt. Und mehr.
 

Im Spielverlauf hatte sich Kenma als Zuspieler immer mehr herausgefordert gefühlt, seine Strategie anzupassen. Einen Weg zu finden, dem Guess Monster endlich einen Strich durch die Rechnung zu machen. Er konnte unmöglich alles erraten.

Doch Satori Tendou hatte in diesem Spiel bewiesen: Es war kein Ratespiel. Es war eine Vorahnung nach der anderen. Ein unbewusstes Wissen. Er erahnte auch Kenmas Träume: “Und dich werd ich bis spät in die Nacht verfolgen”, hatte er gesungen und Kenmas Schlaf ward heimgesucht von einem rothaarigen Dämon, der ihm das Leben schwer machte und gleichzeitig einen ganz besonderen Reiz loslöste. Satori Tendou war ein Rätsel, das Kenma keine Ruhe mehr gönnte.
 

-
 

“Kenma! Wo bist du mit den Gedanken schon wieder?”, holte Kuroo ihn zurück in die Sporthalle der Nekoma High. “Tendou”, antwortete er prompt, erstarrte dann aber ob seiner Ehrlichkeit. Verdammt! Er wollte sich diese Blöße nicht geben und er wollte nicht Kuroos süffisantes Grinsen sehen. Kenma riss sich weg, doch Kuroo war zu jeder blöden Schundfrage bereit.

“Lenkt dich ab, hm?”, fragte er zuerst. Kenma reagierte nicht. “Gefällt er dir?”, fragte Kuroo weiter. Kenma ignorierte ihn. “Er ist ein Rätsel, dabei sagt er immer alles gerade heraus", redete Kuroo weiter und traf einen Punkt. Tendou hatte um nichts ein Geheimnis gemacht. Und genau deswegen ärgerte es Kenma, dass er nicht schlau aus ihm wurde. Kenma hat bisher noch jeden Menschen analysiert. Was nicht hieß, dass er nicht von dem ein oder anderen überrascht wurde. Kuroo überraschte ihn immer mal wieder. Hinata sowieso. Aber die beiden waren auf ihre eigene Weise durchschaubar und machten deswegen Spaß.

Tendou machte keinen Spaß. Tendou war ihm ein Dorn im Auge und so die Niederlage, weil Kenma nicht wusste, was er falsch gemacht hatte.
 

“Ich kann einfach nicht daraus lernen. Das ist es”, murrte Kenma und hoffte, Kuroo damit abgeschüttelt zu haben. Dem debilen Grinsen nach, glückte es nicht. Kenma seufzte. Kuroo schüttelte den Kopf. “Nein, nein. Da ist etwas anderes. Du bist fasziniert, das ist es. Das seh’ ich in deinen Augen”, sagte er, sodass Kenma seinen Blick umgehend wieder abwandte. “Was soll in meinen Augen sein?”, fragte er. Kuroo lachte auf. “Na Faszination. Die funkeln, seit wir über ihn reden”, sagte er. “Blödsinn”, stritt Kenma es ab.
 

-
 

Nach dem Morgentraining wurde im Unterricht über Kappa gesprochen. Yokai, die dem Wasser zugeneigt waren. Kenma mochte die Legenden und Sagen über Yokai. Er liebte sie in Videospielen und las gerne von ihnen. Außerdem teilte er eine ganz eigene Sehnsucht zum Wasser. Im Wasser war alles leichter. Seine Arme wogen weniger und wenn er sich still hielt, konnte er auf der Oberfläche einfach treiben, ohne der Gravitation zu stark ausgeliefert zu sein.

Aber gerade trieb er nicht auf der Wasseroberfläche, sondern mit seinen Gedanken wieder Richtung Miyagi.

Tagträume von roten Augen, die ihm immer wieder einen eiskalten Schauer über den Rücken jagten, lenkten vom Unterricht ab, aber blieben beim Thema. Yokai. Kappa. Wasserdämon Tendou. Kenma schüttelte den Kopf und damit die heimsuchenden Gedanken ab.
 

“Hast du was dazu beizutragen, Kozume-kun?”, fragte der Lehrer an der Tafel. Kenmas Augen weiteten sich. Er erhob sich dem Anstand nach, senkte den Kopf und sagte ehrlich. “Nein, Kamamura-sensei.” Dann setzte er sich wieder, nachdem er dazu aufgefordert wurde. Das war wahnsinnig peinlich. Kenma war noch nie so vom Unterricht abgedriftet.
 

Als es zur Pause klingelte, vibrierte auch gleichzeitig sein Handy. Mit Erstaunen las er die folgenden Worte.
 

[style type="bold"]-unbekannt-[/style]

[style type="italic"]Hey Neko-chan~

Wakatoshi und ich kommen euch besuchen

XOXO[/style]
 

Kenmas Herz machte einen Aussetzer, seine Lungen stoppten für einen Moment ihren ganz natürlichen Reflex und kurz wurde ihm schwindelig.

“Kuro!”, knurrte er in sich hinein. Ihm war klar, wer da schrieb und er wusste auch, warum er das tat. Nur wofür stand dieses “XOXO”?

“Küsse und Umarmungen”, verriet ihm Fukunaga mit einem verschmitzten Grinsen. Ach, diese Leute konnten ihm doch alle gestohlen bleiben. Nun interpretierte auch noch ihr Komiker was in diese ganze Sache rein. Unangenehm!
 

-
 

Wie sich herausstellte, wusste Kenma aber doch nicht, wie es dazu gekommen war, dass Tendou seine Nummer hatte und ihm schrieb.
 

Kuroo hatte Ushijima geschrieben, er sollte Tendou schreiben, er solle wiederum Kuroo schreiben. Dann hatte Tendou Kuroo geschrieben und Kuroo hatte mit ihm ausgemacht, dass Tendou und Ushijima am darauffolgenden Wochenende einen Ausflug nach Tokio machten.
 

“Keine Lust”, hatte Kenma sofort gesagt, aber Kuroo hatte ihn ganz fies und hinterlistig mit einem Trip nach Namjatown gelockt.

Ein Videospiel-Indoor-Freizeitpark klang auf dem Papier nach einem guten Plan. Nach seinem Plan. Aber Kenma bereute es. Tief.

Namjatown war laut, bunt und voller Menschen.
 

“Juuuhuuu”, rief Tendou von hinter ihnen. Kenma schreckte auf. Natürlich wusste er, dass sie den rothaarigen Mittelblocker hier trafen, so auch Ushijima. Dennoch lief Kenma ein kalter Schauer über den Rücken, gleichzeitig ließ es aber auch ein seltsames kribbeliges Gefühl in seinem Bauch zurück.

Kuroo winkte die beiden zu ihnen. Kenma blieb ruhig und etwas geduckt stehen.

“Guten Tag Kuroo-san, Kozume-kun”, begrüßte Ushijima sie mit einer respektvollen Verneigung, so dass Kuroo schon lachte. “Immer so förmlich”, sagte er und schlug dem Kapitän der Shiratorizawa freundschaftlich auf den Oberarm.

Tendous Augen hatten sofort Kenma im Fokus. “Hey Neko-chan”, säuselte er. “Hey”, kam es leise von Kenma. Kuroo bekam nur einen leicht irren Blick von Tendou.

“Wo wollen wir hin?”, fragte er. Er streckte dabei den Arm aus und deutete auf all die Möglichkeiten, die sie hier hatten: Essen, Spielautomaten, Themengassen, unterschiedliche Aussteller, Shops, Attraktionen, für die man sich bewegen musste. Kenma war klar, was er wollte: Spielautomaten!

Aber Tendou machte den Vorschlag, den die Gruppe schließlich annahm: “Gehen wir los und bleiben, wo es uns hält!”
 

Gesagt, getan. Kuroo und Ushijima wurden fast sofort von einer Jahrmarkt-Attraktion abgelenkt, bei der man Bälle auf Ziele werfen musste. Kuroo behauptete, er könne Ushijima besiegen. (Spoiler: Er konnte es nicht.)
 

Kenma und Tendou blieben zurück. Aber nicht tatenlos. Zumindest Tendou nicht. Er legte seine langen dünnen Finger um Kenmas Oberarm und zog ihn in eine der Themengassen, die gerade voll mit Yokai und Geistern und Gruselstimmung war.

Zu Kenmas Überraschung war die Art der Führung gar nicht unangenehm, denn Tendou riss nicht an ihm und seine Finger gaben nach, als Kenma die Richtung mit ihm einschlug. Dann ließ der große Mittelblocker auch von ihm ab. Es war anders als früher, wo Kuroo ihn wohin gezerrt hatte. Das war unangenehm, reißend und allein vom Druck auf seinem Arm hatte Kenma schon mehr Widerstand aufgebaut, als er es verbal getan hätte. Tendou ging anders mit ihm um. Ungeahnt sanft.
 

Ein Mann in einem Yokai-Kostüm kam um eine Ecke geschlichen. Nicht sonderlich groß, zumindest im Vergleich zu Tendou. Auch war das Kostüm mit den Fetzen und den schlechten Nähten nicht sonderlich gruselig. Tendou stellte sich direkt vor den unechten Yokai. Er wippte auf den Zehenspitzen auf und ab, was ihn noch größer und auch irgendwie gruseliger machte.

Tendou schob sich näher an den Darsteller heran, legte den Kopf extrem schief und flüsterte, laut genug, dass Kenma es hören konnte: “Du bist nicht echt. Aber ich bin ein Monster. Wollen wir tauschen?”, fragte er, aber der Mime wich zurück. Ein fixierender Blick von Tendou ließ ihn schließlich rückwärts zurück stolpern und um die nächste Ecke fliehen.
 

Ein Geräusch entwich Kenma. Ein kurzes, trockenes Lachen. Dann ein zweites. Ein echtes, unkontrolliertes Lachen, das seinen ganzen Körper durchschüttelte, sodass er sich an der Wand abstützen musste. Er lachte so sehr, dass ihm die Tränen kamen und seine Bauchmuskeln schmerzten.

Tendou sank wieder auf seine Fersen zurück und sah sich überrascht zu Kenma um. “Das hab’ ich nicht erwartet”, gluckste er. Kenma schüttelte den Kopf. Er wandte sich ab und winkte Tendou weg. Er wollte nicht, dass ihn jemand so sah. So losgelöst lachend. So herzlich amüsiert. So fasziniert, als er Tendous Blick doch wieder aufnahm.
 

Er beruhigte sich und atmete tief ein. Es gab keine Möglichkeit mehr, eine Strategie zu entwickeln. Keine Analyse. Nur ein Gefühl.
 

“Ich mag dich…”, flüsterte Kenma kaum hörbar. Deutlich genug für Tendou, dessen Grinsen breit wurde.
 

“Ich weiß", erwiderte Tendou und stahl sich Kenmas zuckersüßen ersten Kuss.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Dieser OS hat schon genau das geschafft, was ich mir von dieser Reihe erwartet habe. Spaß an neuen Ideen, andere Charaktere ausprobieren und auch ein bisschen mit OCs experimentieren. Irgendwie hat er aber auch genau das geschafft, was ich befürchtet hab: Ich will mehr.

Und so stell ich mir übrigens Risa vor^^ Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Böse Zungen behaupten, Terushima hätte sich Midori nur eingebildet, weil er einen unwiderruflichen Korb von Hana bekommen hat und weil er den verarbeiten musste ;) Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Habt ihr vorher schon etwas über Izuru gelesen? Ich ja leider nicht und bei den Fanarts sieht es um ihn auch sehr mau aus, obwohl ich ihn gerade durch Haikyuu Bu so unheimlich witzig finde, aber auch süß, creepy süß vielleicht xD
Wusstet ihr Überhaupt, wer Izuru ist? Wie fandet ihr ihn dargestellt? Gerade bei so seltenen Charakteren ist es mega spannend, sie zu schreiben/lesen und da tausche ich mich wahnsinnig gerne aus <3 Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Kanoka und Maiko haben sich hier ganz selbstständig eingeladen mitzuspeilen und irgendwie hat sich eine gewisse Dynamik zwischen Maiko und Terushima aufgebaut, die ich so weder geplant noch erwartet habe. Ob da noch was kommt? Ich weiß es nicht ^^’

Zu diesem OS an sich hat mich aber tatsächlich der Short inspiriert. Wie es oft so ist, hat sich mein Kopf ganz selbstständig gemacht und dieser kurze Dialog “Ich hasse Longboards” - “Ich liebe Longboards”

*) ach, und ihr wollt mehr von Terushimas Onkel wissen? Die liebe Jo hat sich hier was einfallen lassen ;) Guckt doch mal bei ihr und dem Weihnachtsmann rein: Santa lives in Miyagi Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Wie steht ihr zu Eri? Habt ihr von ihr schon mal gelesen? Ich finde ja, sie ist auch so ein süßer Charakter, dem man gerne mehr Auftritte gönnen kann. Und sie wirkt mir wie so ein richtig lebensbejahender Mensch und gerade dieses “im Moment leben” habe ich aus Kapitel 13 von Haikyuu Bu!! heraus interpretiert. Komplett anzeigen

Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (11)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Tasha88
2024-12-26T22:28:47+00:00 26.12.2024 23:28
.... Mädel, du lässt mich hier mit offenem Mund und Kopf schüttelnd sitzen
wie war das mit überraschen?
du hast so viele, unterschiedliche GEschichten. wie war das? es ist wie eine Packung Pralinen - man weiß nie, was man bei dir bekommt
liebe das hier sehr :)
Antwort von: Hypsilon
27.12.2024 10:19
Whahahaha. Wieder zugeschlagen. Gefällt mir.
Aber ja, was soll ich sagen?
Ich hab hier echt noch ne volle Schachtel ganz neuer Pralinen mit ganz spannenden Geschmäckern und Füllungen ;)

Danke für deine Worte^^
Von:  Tasha88
2024-10-01T08:42:37+00:00 01.10.2024 10:42
uh, ist das mal wieder süß.
Also im Stiefkind-Projekt hast du mir schon ganz neue Seiten gezeigt :D
so viel fluff bin ich gar nicht gewohnt von dir XD

Antwort von: Hypsilon
01.10.2024 11:31
aw, freut mich, dass du es hier süß hattest^^
und ja... ja... ich kann auch fluff, so richtig. Allerdings bin ich gerade doch eher wieder an Drama dran xD
Aber in dieser Sammlung gehts halt vorrangig um Liebe, da wird schon noch oft genug Fluff von mir kommen.
Danke, dass du so viel mitgelesen hast auch bei Projekt <3
Von:  Tasha88
2024-09-21T06:11:53+00:00 21.09.2024 08:11
Und hier auch noch :)

Das war auch wirklich sehr süß. Und beim Lesen hat es sich richtig entschleunigend angefühlt. Eigentlich sollte man aß viel öfter machen 🤗
Eine meiner lieblingserinnerungen ist tatsächlich, wie ich in der Toskana einmal durch einen warmen Sommerregen gelaufen bin. Es war danach zwar alles klatschnass, aber es war schön 🥰

Ps eine Frage habe ich noch. Ist die Überschrift so richtig oder fehlt da noch ein Wort? Liest sich so unvollständig 😅
Antwort von: Hypsilon
21.09.2024 09:25
Hach ja, was soll ich sagen. Ich liebe den Regen und ich finde eben auch, dass man einfach mal stehen bleiben muss um zu sehen, was gerade ist. So ein warmer Frühlingsregen bietet sich da an. Im Sommer vermutlich noch etwas länger aushalten <3

Und ja... da fehlte ein "entspringt" ^^'
Von:  Tasha88
2024-09-21T06:02:48+00:00 21.09.2024 08:02
Ohhhh 😍😍😍
Wie schön und süß war das bitte? Ich glaube, das gehört zu meinen Lieblingen von dir 🥰 und das hat nichts mit het zu tun, sondern wie süß es sich aufbaut, die sache mit dem Gegenstück 🥰
Antwort von: Hypsilon
21.09.2024 09:23
Aww <3 Süß war hier ganz mein Plan^^
Schön, dass das auch so ankam.
Voll cool, dass du hier direkt nen Favoriten hast <3
Von:  Tasha88
2024-09-08T07:09:27+00:00 08.09.2024 09:09
Uh, wie toll. Das war mal wieder was Neues
Liebe das bei dir ja sehr :)

Antwort von: Hypsilon
08.09.2024 09:38
Danke ^^
Und so viel hetero ;)
Von:  Tasha88
2024-09-05T06:12:28+00:00 05.09.2024 08:12
🤣🤣 Okay, wieder mal etwas gaaanz anderes. Und gar nicht queer. Bin verwirrt 😜😜
Hat mir gut gefallen 🤗 für Miwa hatte ich tatsächlich auch mal einen Plan.. Ich hab ihn nur nicht umgesetzt. Wird vermutlich auch nicht mehr passieren. Schön, hier von ihr zu lesen 🤗
Antwort von: Hypsilon
05.09.2024 08:15
Lass mich dich gerne weiter verwirren. Es folgen noch 2 OS, die NICHT QUEER sind xD mal glaubt es kaum oder?
Freut mich natürlich, dass es gefallen hat <3
ach schade bezüglich Miwa, aber dann werde ich sie mir wohl öfter schnappen müssen hihi
Von:  Tasha88
2024-07-23T14:06:30+00:00 23.07.2024 16:06
Hey :)
oh, das war eine wunderschöne und gleichzeitig traurige Geschichte.
Schmunzeln musste ich, als Midori einmal plötzlich ein "er" war und man da merkt, was du sonst schreibst :D bist hetero wohl kaum gewohnt ;p

und sonst - dass ich erst jetzt hier zu der Story komme, zeigt sicher, dass ich gerade auch hinterher hänge.
Aber ich freue mich schon sehr auf How to save a live *-*
Antwort von: Hypsilon
23.07.2024 16:44
Whahaha wurde sie echt mal n er? Upsi, hast du die Stelle zufällig im Kopf? Sonst guck ich nachher nochmal drüber hihi

Ach, mach dir keinen Stress.
Wünsch dir dennoch schonmal gute Unterhaltung bei den Ärzten ^^

Danke für dein Kommi <3
Antwort von:  Tasha88
23.07.2024 17:16
hier :)

“In einem halben Jahr werde ich sechzehn, dann hab ich bessere Chancen”, sagte er und streckte ihre Hand nach Terushima, ihn zu sich zu ziehen.
Antwort von: Hypsilon
23.07.2024 18:16
ma supi, danke dir <3
Von:  Tasha88
2024-02-14T08:48:51+00:00 14.02.2024 09:48
Oh, das ist so süß. Und ich gestehe, hetero hatte ich null auf dem Schirm bei dir 😅😅 sorry 😂😂
Das hier was wirklich schön. Auch, weil es etwas anderes ist wie bei jos kaede. Liebe es 💖
Antwort von: Hypsilon
14.02.2024 10:44
Whahahaha! Ja dann würde ich sagen: Überraschung! Ich kann auch hetero ;)

Freut mich sehr, dass es gefällt ❤️ Danke^^
Von:  Tasha88
2023-12-31T07:53:18+00:00 31.12.2023 08:53
Hello 🤗
Weiß net, was der junge hat. Ich will auch gerne in die wanne liegen.. Leider nicht unbedingt (zeitlich) machbar 😅

So, ich versuche regelmäßig zu kommentieren, kann er dir aber nicht versprechen 🙈🙈

Liebe Grüße und schon mal einen guten Rutsch 💖
Antwort von: Hypsilon
31.12.2023 08:56
Hello^^

Also ich bin da ganz Kenma. Baden ist nicht so meins, aber manchmal braucht man halt ein Erkältungsbad im Winter hihi

Ach, du musst mir gar nichts versprechen ;)
Ich hab auch gar keine Ahnung, wann das nächste Kapitel kommen wird und wen es betrifft, aber ich freu mich über jedes Kommi^^

Danke. Ich wünsch dir auch nen guten Rutsch
Und ein wundervollen 2024

Liebe Grüße


Zurück