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Spiel mit dem Feuer

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

mal wieder hatte mich eine Idee nicht losgelassen und ich habe sie zu Papier gebracht.

Diese möchte ich nun mit euch teilen und hoffe, sie wird euch gefallen *smile*

Da ich etwas Neues probieren wollte, wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive stammen und zu 80 % von Marons Standpunkt aus gehen.
Doch keine Sorge... auch Chiaki darf sich mitteilen und seine Gedanken und Gefühle ausdrücken *kichert*

Nun aber genug von meiner Seite

ich wünsche euch viel Spaß mit dem ersten Kapitel *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen ^.^

heute kommt das nächste Kapitel und zeigt einmal mehr den Alltag von Maron, aber auch ihre Aufgaben als 'Jeanne' *grinst*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

heute lernt ihr zwei besondere Kundinnen oder auch Freunde von Maron/Jeanne kennen *kichert*

viel Spaß damit *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

entschuldigt die leichte Verspätung, aber mein Internet wollte gestern nicht so wie ich *Kekse und Kakao da lass*

wie der Kapitelname es sagt, werdet ihr einen kleinen Einblick in die Abende von Jeanne bekommen *kichert*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

diesmal habe ich euch was ganz besonderes mitgebracht...

mal sehen, ob die Vermutung des ein oder anderem stimmt *kichert*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

da ich das Wochenende über nicht zu Hause war, kommt das Kapitel leider erst heute online statt gestern.

hoffe ihr seid mir nicht zu böse deswegen *Kekse und Kakao reich*

wie der Titel es schon andeutet geht es diesmal um die Vorlieben der drei Damen...
um genauer zu sein, die sexuellen Vorlieben *kichert*

Viel Spaß beim Lesen *grinst und Kekse mit Kakao rüber schiebt* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Hallo zusammen ^-^

ein wenig spät heute, aber noch in der Zeit *kichert*

wie der Name des Kapitels verrät, wird Maron/Jeanne zum Maskenball aufbrechen
doch zuvor, wird sie ihr Kleid nun erwählen...

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

heute kommt das nächste Kapitel und der Maskenball geht weiter

ich dachte mir ich starte mal mit der Sicht des 'Unbekannten' *grinst*

viel Spaß euch beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

ich wünsche euch allen ein schönes neues Jahr und hoffe, ihr seid gut in 2024 angekommen

viel Spaß euch mit dem neuen Kap *zwinkert*

*viele Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Nachmittag zusammen,

hier kommt das nächste Kap, indem Maron mit ihren Freundinnen spricht *kichert*

aber auch beginne ich nun langsam etwas mehr von der Vergangenheit von Maron zu verraten

habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

heute geht es weiter, wie es Maron damals nach dieser Nachricht ergangen war.

*viele Taschentücher da lass*
auch wenn es traurig ist, hoffe ich, ihr habt Spaß beim Lesen
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt für die Verspätung, aber momentan rennt du die Zeit gefühlt an einem vorbei *Kekse und Kakao da lass*

daher halte ich euch nicht mehr von dem Kap ab und wünsche euch viel Spaß beim Lesen Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

heute kommt das nächste Kapitel aus der Vergangenheit
doch das wird erstmal das letzte sein, ehe wir in die Gegenwart zurück kehren

wie der Kapitelname es schon verrät, wird Maron nun ihren Vertrag mit Noyn erhalten. Wie dieser zu Stande kam, könnt ihr nun lesen

viel Spaß euch beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

da ich bis gestern noch unterwegs war, kam ich nicht mehr zum Hochladen
ich bitte um eure Nachsicht *smile und Kekse mit Kakao verteil*

Wir kehren zurück in die Gegenwart
ich hoffe, ich konnte euch soweit einen guten Einblick in die ersten schweren Tagen von Maron geben

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

da ich gestern noch arbeiten musste, kam ich leider nicht mehr dazu hoch zu laden *entschuldigend verbeugt*

doch heute geht es weiter

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

heute gibt es das nächste Kapitel von Maron/Jeanne *smile*

erst einmal erfahren wir etwas mehr über ihre Abschlussfeier *grinst*

danach wartet schon die ein oder andere Überraschung auf sie *kichert*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

entschuldigt den Tag Verspätung, ich habe gestern total die Zeit übersehen *sich tief verbeugt und viele Kekse da lass*

wie der Titel es sagt, wird der neue Kunde diesmal auftauchen
mal sehen, ob einige schon richtig annahmen *grinst*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt, dass ich verspätet zum Hochladen komme.
Ich war gestern den ganzen Tag unterwegs und war direkt ins Bett gekippt.
*Kekse und Kakao zur Entschädigung da lass*

weiter geht es bei Jeanne... Mal sehen, wie es ihm die letzten Tage erging *grinst*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

verzeiht das späte Hochladen, aber die Zeit läuft so schnell, dass ich übersehen hatte, dass schon Samstag war *Kekse und Kakao reich*

ich halte euch nicht mehr länger vom Kap ab
viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Morgen zusammen,

leider war ich gestern erst später zu Hause und habe das Hochladen vergessen
entschuldigt bitte dafür *Kekse und Kakao verteil*

wie der Kapitelname es verrät, startet in diesem Kap die Reise...
ich bin gespannt, was Maron / Jeanne alles erleben wird *grinst*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

bei diesem sonnigen Tag, dachte ich mir, ich lade das Kapitel hoch und genieße danach die Sonne *grinst*

*kühle Getränke für alle bereit stell*

in diesem Kapitel lernen wir Chiakis engsten Vertrauten kennen

viel Spaß beim Lesen *Kekse und kühlen Kakao und Eistee da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

das Wochenende war bei mir ein wenig turbulenter und ich entschuldige mich dafür, dass ich das Hochladen übersehen habe

*Viele Kekse, Kakao und Eistee da lass*

daher lasse ich euch auch gleich das Kap lesen, ohne große Worte *kichert* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Morgen zusammen,

entschuldigt, dass ich erst heute dazu komme hoch zu laden.
Gestern stand noch einiges bei mir an, weshalb ich es vergessen hatte *sich tief verbeugt*

Nun halte ich euch auch nicht mehr länger vom Kap auf
viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

da gestern das Wetter so schön war, habe ich das ausgenutzt und einen kleinen Ausflug mit meinem Mann gemacht.
entschuldigt, dass ihr deshalb bis heute warten musstet mit dem neuen Kap *verbeugt und Kekse mit Kakao reich*

halte euch nicht mehr weiter vom Lesen ab und wünsche euch viel Spaß dabei Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen

entschuldigt, dass ich erst heute zum Hochladen komme.
Habe das schöne Wetter mit einem Ausflug verbunden und bin erst heute zurück gekommen :)

hoffe ihr friert heute nicht zu sehr bei diesem nass/kaltem Wetter.

aber nun viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,
verzeiht, dass ich erst heute zum Hochladen komme.

leider war mein Wochenende wieder vollgepackt mit allem möglichen, dass ich doch tatsächlich das Hochladen vergessen habe *Entschuldigungskekse reich*

demnach werde ich euch auch nicht weiter auf die Folter spannen und wünsche euch viel Spaß bei dem Kap *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Hallo ihr lieben Nachteulen oder auch Morgenmäuse,

das neue Kap kommt etwas verspätet, aber doch noch am Samstag online *kichert*

war den Tag noch unterwegs und komme erst jetzt dazu *Entschuldigungskekse reich*

aber nun habt viel Spaß beim Lesen *grinst breit und Trinken bereit stellt* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

verzeiht die Verspätung beim Hochladen
Wochenende war mal wieder voll gepackt und die Zeit rennt nur so dahin *seufzt*
*viele Kekse und Kakao da lass*

Wie der Titel es bereits verrät, wird Maron/Jeanne fündig bei der Shoppingtour
wie diese genau abgelaufen war, könnt ihr nun lesen

viel Spaß dabei *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Tag zusammen,

ich weiß, ich bin wieder etwas spät dran, aber leider rennt die Zeit viel zu schnell und ehe man sich versieht, ist es schon Sonntag
*Entschuldigungskekse und Kakao da lass*

Aber nun halte ich euch nicht mehr weiter auf *kichert*
viel Spaß bei den Vorbereitungen der beiden Damen für die Gala *smile*

*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

*viele Kekse und warmen Kakao verteilt*
entschuldigt, dass ihr warten musstet, aber nun werdet ihr einen kleinen Einblick in den Abend bekommen *grinst*

ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Nachmittag zusammen,

bevor ich es vergesse, wollte ich euch schon jetzt informieren:

Da ich in der Arbeit sehr eingespannt bin und Weihnachten ebenso beinahe vor der Tür steht... werde ich im Dezember hier eine Hochladepause einlegen
demnach würde ich in 2 Wochen noch ein Kap hochladen und danach pausieren
am 11.01.2025 wird es hier wie gewohnt alle zwei Wochen weiter gehen *smile*

so... genug davon, viel Spaß beim Lesen *kichert* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

verzeiht das späte Hochladen, aber das erste Adventswochenende war stressiger als erwartet

ich hoffe, ihr hatte einen schönen ersten Advent *Kekse und Kakao da lass*

viel Spaß euch beim Lesen Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt das spätere Hochladen, aber das Wochenende war mal wieder viel zu schnell vorbei O.o
*Entschuldigungkekse und Kakao da lass*

wünsche euch allen ein frohes neues Jahr und hoffe ihr hattet einen guten Rutsch

da ich euch nicht weiter auf die Folter spannen will, wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen *Kekse mit Kakao, Tee und Kaffee da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Tag zusammen,

entschuldigt die leichte Verspätung *sich tief verneigt und viele Kekse da lass*

weiter geht es mit der Reise...
seid gespannt, was noch alles auf Jeanne / Maron zukommen könnte :D

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

*tief verbeugt*
entschuldigt, dass ich am Wochenende nicht zum Laden kam
da kam einiges dazwischen, aber heute bekommt ihr das nächste Kapitel :D

möchte euch demnach nicht länger aufhalten,
demnach: viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

weiter geht es hier mit der schönen Shoppingtour *grinst*

habt viel Spaß dabei *grinst*

*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt bitte die Verspätung beim Hochladen.
ich bin noch nicht ganz fit nach meiner Erkältung, weshalb ich es nicht früher geschafft hatte
*viele Kekse und Kakao da lass*

wie der Kapname es andeutet, geht die Shoppingtour weiter
hoffe ihr habt dabei genauso viel Spaß, wie ich beim Schreiben es hatte *kichert*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt bitte meine unangekündigtes verspätetes Hochladen.

durch eine kleine Grippewelle in der Familie war ich erst krank, danach mein Mann und meine Eltern...
dadurch kam ich leider nicht ganz so schnell hinterher mit dem Schreiben, wie ich es gerne hätte
zum Glück sind alle wieder gesund und munter

demnach sollte es jetzt wieder passen, dass ihr wie gewohnt neue Kapitel bekommt *smile*

nun aber genug von mir und habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

wünsche euch allen erst einmal frohe Ostern und hoffe, ihr habt einen schönen Tag
genießt den Tag mit der Familie und ich schicke euch so viel Sonnenstrahlen, wie möglich

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt, dass ihr so lange auf das Kapitel warten musstet
leider kam ich wegen Arbeitsstress nicht so schnell hinterher beim Schreiben

ich gelobe Besserung und hoffe, dass ich euch wieder wie gewohnt beliefern kann

nun aber genug von mir und habt viel Spaß beim Lesen
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

heute gibt es wieder ein neues Kapitel
ich hoffe, ihr seid mir wegen der Verspätungen nicht allzu böse
ich gelobe Besserung, sobald der Stress abgeklungen ist *smile*

aber nun habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

das Wochenende war leider viel zu kurz und zu sehr vollgepackt
daher komme ich erst heute das, das Kap für euch hoch zu laden

nun quatsche ich nicht mehr weiter
und wünsche euch viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend liebe Leser/innen,

vielen Dank für eure Geduld und euren lieben Zuspruch.
heute bekommt ihr das nächste Kapitel.

lasst es euch beim Lesen gut gehen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

das nächste Kapitel steht in den Startlöchern und ich hoffe, es gefällt euch

wie es der Name schon sagt, sind die beiden auf der Gala

habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Tag zusammen ^.^

das nächste Kap ist auch hier soweit, dass ihr es lesen könnt *kichert*

nach dem mehr als gemeinen Cut vom letzten Mal, geht es nun weiter
mal sehen was noch zwischen den beiden passieren wird *grinst*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

habe euch heute das nächste Kap mitgebracht...

habt ganz viel Spaß beim Lesen
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Mittag zusammen,

das neue Kapitel ist fertig :D

ich hoffe, es wird euch gefallen *smile*

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

leider war mir ein vorheriges Hochladen nicht möglich.
Die Grippe hatte mich voll erwischt und ich war fast zwei Wochen außer Gefecht

ich hoffe, ihr seid soweit gesund *Obstteller für Vitamine da lass*

nun lasse ich euch aber lesen, viel Spaß dabei *Kekse und Kakao dazu stell* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt die Verspätung für das Kapitel
leider hatte ich einiges an Stress letzte Woche und kam nicht dazu pünktlich zu liefern

doch nun halte ich euch nicht mehr vom Kap ab,
habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt die späte Stunde, doch früher hatte ich das Kap nicht zusammen

wie der Kapname es schon andeutet...
nimmt sich Jeanne / Maron dies zu Herzen *grinst*

aber nun habt Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Morgen zusammen,

ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und hattet ein schönes Weihnachtsfest mit euren Familien.

Es geht weiter bei Jeanne / Maron und Chiaki *grinst*
ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Morgen zusammen,

verzeiht die leichte Verspätung, aber ich hatte noch einiges zu tun,
dass ich vergessen hatte zu posten

doch das hole ich jetzt nach und spanne euch auch nicht länger auf die Folter

viel Spaß beim Kap *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

weiter geht es mit den Vieren :D

habt viel Spaß beim Lesen
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Morgen zusammen,

weiter geht es bei den Vieren :D

mir kam ein kleiner Gedanke, den ich hier umgesetzt habe
hoffe, es wird euch gefallen

nun aber viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

das nächste Kap steht an

wie es der Name sagt, geht es weiter zur Gala

habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

weiter geht es bei Jeanne/Maron und Chiaki

wie der Kapname verrät...
Chiaki hat sich etwas für Jeanne überlegt,
mal sehen was es ist und wie sie darauf reagiert :D

viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

willkommen beim neuen Kapitel *Kekse verteilt*

ich halte euch auch nicht länger davon ab,
habt viel Spaß beim Lesen *Kakao dazu stellt* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

entschuldigt, dass erst dieses Wochenende das Kapitel kommt.

Habe momentan leider viel auf der Arbeit zu tun
und komme deshalb nicht regelmäßig dazu zu schreiben
ich gelobe Besserung *smile*

ich hatte drei Varianten im Kopf, wie es weiter gehen würde...
viel Spaß bei dem Gewinner, welche Situation ich schreiben werde
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Guten Abend zusammen,

ich wünsche euch allen ein schönes Pfingstfest *smile*

verzeiht bitte, das unregelmäßige Hochladen
doch der Arbeitsstress ist leider noch da
ich bemühe mich, euch wieder alle zwei Wochen mit neuen Kaps zu versorgen

aber nun genug von mir,
habt viel Spaß beim Lesen *Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen

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Mehr Schein als Sein

Mal wieder war es soweit. Das elegante Abendkleid hing auf einem Bügel an meiner Schranktür, die passenden Schuhe dazu standen davor und etliche Accessoires lagen verstreut auf meinem Bett. Diese waren bereits nach Sets vor sortiert, damit ich mich einfacher entscheiden konnte, welche ich tragen wollen würde. Vor dem Schminktisch saß ich und trug mir einen sanften goldbraunen Lidschatten auf. Das Make-Up wählte ich bewusst mit einer gewissen Eleganz und schlicht aus. Schließlich sollte mein Outfit damit unterstrichen werden und nicht überschattet. Da mein Kleid einen wunderschönen Bordeauxton hatte, wählte ich dieselbe Farbe für meine Lippen. Diesen trug ich auf, als mir ein Seufzen entkam. Es war leider einer dieser Tage, an dem ich meine Jobwahl absolut bereute.
 

Jedoch brachte es mir gar nichts darüber nach zu denken. Ich hatte einen Job und den würde ich bravourös erledigen, wie die Male zuvor. Somit verwarf ich die negativen Gedanken und richtete meinen Blick zur Uhr. Meine Augen weiteten sich, da ich nicht mehr viel Zeit hatte, um mich fertig zu machen. Nun hieß es sich wirklich zu sputen. In einer knappen Stunde müsste ich draußen sein, damit ich abgeholt werden konnte. Ich sah an mir hinab und erschrak augenblicklich. Noch immer trug ich meinen Bademantel. “Ach du Schreck”, entkam es meinen Lippen und eilig legte ich den Lippenstift in die Handtasche. Für den Fall der Fälle bräuchte ich diesen, damit ich meine Lippen jederzeit nach zu ziehen.
 

Mit Sicherheit würde ich im Laufe des Abends mehrmals meine Lippen nachfahren müssen. Zum Glück hatte ich diesmal freie Wahl, welche Frisur ich mir machen würde. Daher beschloss ich diese einfach zu halten. Meine Haarspitzen hatte ich mit dem Lockenstab bearbeitet, damit sie leicht gelockt waren. Die blonden Haarsträhnen legte ich nach und nach hoch und fixierte diese mit einigen Klammern, die man in dem Haar nicht mehr sehen würde. Geschickt hatte ich meine Frisur fertig gestellt und steckte noch eine wunderschöne Haarbrosche hinein, die perfekt zu dem Blond passte, aber auch zu dem Rotton meines Kleides. Dadurch war meine elegante Hochsteckfrisur fertig gestellt.
 

Kaum war dies erledigt, schon schlüpfte ich in die Schuhe, welche einen angenehmen Absatz hatten. Schließlich musste ich darin mindestens fünf Stunden auf der Gala aushalten. Das Schnurgeflecht wickelte ich geschickt um meine Waden und verschloss diese. Vermutlich würde man das unter dem langen Kleid nicht sehen, doch die Schuhe erhöhten meine Selbstsicherheit und diese brauchte ich, sobald ich den Raum voller Menschen betreten würde. Zumal ich eigentlich nicht wirklich dort hinein passte, aber das war egal. Ich musste meine Rolle spielen und das würde ich tun. Sogleich zog ich mein Kleid an und strich es noch einmal glatt, ehe ich meine Aufmerksamkeit auf all die Sachen auf dem Bett lenkte.
 

Unbedingt wollte ich den perfekten Schmuck zum Kleid wählen, weshalb ich sorgfältig bei meiner Wahl war. Die klassischen und doch eleganten Stücke waren genau das richtige, um das Outfit ab zu runden. Binnen weniger Momenten hatte ich den Schmuck angelegt und lächelte in den Spiegel. Das Kleid hatte einen leichten Ausschnitt, aber er zeigte nicht zu viel, weshalb die Halskette diesem zusätzlich schmeichelte. Daran war ein wundervoller Rubin gefasst. Es war sogar ein echter, denn diese Halskette hatte meiner Mutter gehört. Einer der wenigen Stücke, die ich behalten hatte und mich niemals davon trennen würde. Ohrringen waren zum Glück schnell gefunden, da auch sie einen roten Stein hatten. Mein Aussehen war abgerundet und perfekt, so wie es von mir gewohnt war und erwartet wurde. Zufrieden lächelte ich und griff nach meinem Handy, um dieses ebenfalls in die Handtasche zu packen.
 

Noch einmal blickte ich zur Uhr und atmete tief durch. Es war tatsächlich so weit. Nun musste ich meine Rolle einnehmen, weshalb ich meine Tasche nahm, meine Schlüssel und einen leichten Bolero passend zum Kleid anzog. Kaum verließ ich meine Wohnung und hörte das Klackern meiner Absetzte, schon bereitete ich mich auf den Abend und die Gala vor. In meinen Gedanken ging ich alle Details durch und musste sofort lächeln. Denn heute würde ich den Abend mit Mister Smith verbringen. Er zauberte mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen und gab mir das Gefühl für einige Momente wenigstens ich selbst sein zu können.
 

Ja... bei ihm musste ich mich noch nie verstellen und er stellte mich stets als seine Enkelin vor. Anfangs war ich überrascht gewesen, dass er dies getan hatte. Aber nach all den Jahren, in denen ich ihn bereits sehr gut kennen gelernt habe, war das nicht verwunderlich. Er war ein großartiger Mann, zwar knallhart, wenn es um das Geschäft ging, doch im Privatleben war er zuckersüß. Leise kicherte ich, als ich das Wohngebäude verließ und die zwei Blocks weiter zu einem größeren Parkplatz ging. Niemals ließ ich mich direkt zu Hause abholen, wobei Mister Smith der Einzige war, der mich in der Nähe meines Wohnorts abholen durfte. Ihm vertraute ich wie keinem anderen. Ich mochte ihn sehr und war immer wieder erfreut, wenn er meine Gesellschaft wollte.
 

Am Parkplatz angekommen, sah ich schon die schwarze Limousine stehen, die bereits auf mich wartete. Der Chauffeur hielt die hintere Tür auf und lächelte mich sanft an. “Mademoiselle Jeanne”, wurde ich begrüßt.
 

“Guten Abend, John... ich hoffe, du wartest nicht zu lange auf mich”, sprach ich lächelnd aus und er winkte nur ab.
 

“Das Warten auf eine bezaubernde junge Lady lohnt sich immer”, zwinkerte er mir zu und leise kicherte ich.
 

John wusste genau, was er sagen musste. Er war stets charmant und immer für einen Scherz zu haben. Jedoch konnte er auch ernst sein und das mochte ich an ihm sehr. Er war großartig und schützte seinen Chef so gut er konnte. Anfangs hatte er mich so komisch beäugt. Doch nachdem ich ihm versichert hatte, dass ich nur für die Gesellschaft zuständig war, war John beruhigter gewesen. Sein Verhalten verstand ich nur zu gut. Immerhin hatten Escortdamen einen äußerst schlechten Ruf. Klar schliefen die ein oder anderen mit ihren Auftraggebern, aber ich gehörte nicht dazu. Das war meine Bedingung damals, als ich den Vertrag unterschrieben hatte.
 

“Danke für das Kompliment, John”, lächelte ich ihn an und stieg in den Wagen. Im Inneren saß bereits Mister Smith, den ich mit jeweils einem Küsschen links und rechts auf die Wange begrüßte. “Hallo, Mister Smith”, sagte ich und er schmunzelte leicht, ehe er mich tadelnd ansah.
 

“Nenn mich doch Großvater oder Opa”, meinte er und gab mir eine kleine Umarmung.
 

“Aber ein Großvater zahlt doch nicht für die Gesellschaft seiner Enkelin”, entgegnete ich direkt und ehrlich.
 

“Das denkst nur du, Jeanne”, grinste er mich an und erzählte davon, dass sogar Enkelkinder Geld erwarteten, sobald sie bei den Großeltern waren.
 

“Oh... wirklich?”, hakte ich nach und er nickte zustimmend.
 

“So sieht es in der Welt nun Mal aus... also nenn mich bitte so, denn für mich bist du meine Enkelin”, kam es ehrlich und voller großväterlicher Liebe über seine Lippen.
 

Bei ihm fühlte ich mich wirklich wie seine Enkelin. Das war auch kein Wunder, denn er war nun 63 Jahre alt. Vor fünf Jahren hatte er mich das erste Mal gebucht und ich war ziemlich nervös. Immerhin wusste ich nicht, was er eigentlich wirklich wollte. Viele der Kunden erwarten genau das, was das Klischee über diesen Beruf aussagte: Escortdamen waren Edelhuren. Doch niemand bedachte, dass es eigentlich nur ein Begleitservice handelte. Es ging nur um die Gesellschaft für den Zeitraum, der gebucht wurde. Dass manche Escorts mit den Kunden ins Bett gingen, war eher seltener der Fall. Wobei ich eine der wenigen bin, die das strikt ablehnte. Sex war für mich etwas sehr Intimes und das zu verkaufen, fühlte sich falsch an.
 

“Na schön”, gab ich nach, da er sehr eindringlich sein konnte, wenn er das wollte. “Wie ist es dir ergangen seit dem letzten Mal, grand-père?”, fragte ich und sah genau, wie seine Augen nun anfingen zu leuchten.
 

“Sehr gut, Jeanne”, lächelte er und begann zu erzählen, dass er einige Geschäfte getätigt hatte und mit seiner Frau für zwei Wochen eine Kreuzfahrt gemacht hatte.
 

Aufmerksam hörte ich ihm zu und fragte immer wieder etwas nach. Nicht nur, weil das zu meinem Job gehörte, sondern weil es mich sehr interessierte. Er war ein toller Mann, der schon so viel in seinem Leben erlebt hatte. Besonders die Liebesgeschichte von ihm und seiner Frau war unglaublich. Sie kannten sich aus der Schule, doch verloren sie sich aus den Augen, weil sie mit ihrer Familie umziehen musste. Dass sie sich Jahre danach wiedersahen, war ein Zufall oder eben Schicksal. Denn so sah ich dies. Es war kein Zufall... irgendetwas höheres hatte sie beide zusammen geführt, weil sie eben zueinander gehörten.
 

Ich war damals verzückt, als ich ihre Geschichte gehört hatte. Es war der Abend, an dem ich Misses Smith kennen lernte. Sie war genauso wie ihr Mann sie beschrieben hatte. Erst war ich sehr verunsichert sie ebenfalls zu sehen, aber sie nahm mir meine Angst sehr schnell und dankte mir, da ich ihrem Mann die langweiligen Galas versüßt hatte. Er mochte meine offene und ehrliche Art und auch die Tatsache, dass ich gut tanzen konnte. Seine Frau mochte die Galas noch weniger und Tanzen genauso wenig. Durch mich konnte er eben diese ‘Pflichtveranstaltungen’ mit einem Lächeln über die Bühne bringen und fühlte sich nicht allein unter diesen Menschen.
 

Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum ich Mister Smith so gern hatte. Er war offen, ehrlich und immer fair gewesen. Er hatte seiner Frau alles erzählt und sie hatte keine Vorurteile gehabt. Im Gegenteil, sie war genauso offen und ehrlich wie ihr Mann. Die Gespräche mit ihnen waren immer schön und ich fühlte mich immer wohl in ihrer Nähe. Die Tatsache, dass sie mit mir über vieles sprachen, zeigte mir, dass sie sich ebenfalls bei mir gut fühlten. Das war mir wichtig und es erfreute mich, dass sie mir für diese Zeit ein Gefühl der Normalität gaben. Während wir uns unterhielten, kamen wir langsam bei dem Veranstaltungsort an.
 

Der Wagen hielt und wir warteten, bis John die Tür öffnete. Zuerst stieg Mister Smith aus und danach ich, wobei er mir seine Hand hinhielt. Dankend nahm ich sie an und lächelte ihn an. Er zwinkerte mir zu und grinste, da er genau wusste, wie er mich beruhigen konnte. All diese Menschen bei den Galas waren alles hoch angesehene Leute. Reiche und wunderschöne Personen. Unter ihnen fühlte ich mich fast schon klein und unbedeutend. Doch mein Begleiter gab sich immer sehr überzeugend und stellte mich als seine Enkelin vor, auch wenn die meisten eher dachten, dass er mein Sugardaddy wäre. Allein wegen diesen Dingen, war es nicht einfach sich wohl zu fühlen. Aber Mister Smith war einfach unglaublich.
 

Die kühle Nachtluft hatte uns empfangen und für ein paar Sekunden genoss ich diese an meiner Haut. Es war angenehm und genau richtig, um sich zu entspannen, bevor wir die ‘Höhle der Löwen’ betreten würden. Mit jedem Schritt, mit denen wir dem Eingang näher kamen, wurde ich leicht nervös. Daher legte meine Begleitung meine Hand auf seinen Arm und lächelte mich sanft an. “Alles ist gut, Jeanne... genieße den Abend und vergiss eines nicht”, sprach er beruhigend aus. Fragend sah ich ihn an, da ich mir nicht sicher war, was er meinte. “Die da drinnen sind nur neidisch... die Frauen auf dich, weil du eine wunderschöne, junge und intelligente Frau bist... und die Männer auf mich, weil ich das Glück habe, dich heute begleiten zu können”, erklärte er und meine Mundwinkel zuckten.
 

“Stimmt... Neid gehört wohl dazu”, meinte ich und er nickte mir zu.
 

“So ist die Gesellschaft, deshalb machen wir das beste daraus und amüsieren uns”, grinste er und sah mich an. “Bereit?”, wollte er wissen.
 

Noch einmal atmete ich tiefer durch und nickte schließlich. Erst danach gingen wir hinein und ich ließ mein Bolero an der Garderobe zurück. Wobei Mister Smith seinen leichten Sommermantel ebenfalls abgab. Direkt hakte ich mich bei ihm unter und wir schritten zum Saal hinüber. Mögen... die Spiele beginnen., war mein Gedanke, als wir eintraten und gefühlt alle uns anstarrten. Doch das war mir wirklich egal, denn mit seinen Worten hatte er wirklich Recht. Der Neid war förmlich zu spüren, daher setzte ich mein schönstes Lächeln auf und wir holten uns an der Bar etwas zu trinken. Mit einem Glas Champagner begaben wir uns an unseren Tisch.
 

Diesmal war die Gala nicht nur ein Tanzfest, sondern vielmehr ein größeres Event mit einer Menüfolge, einigen Reden und erst danach würde der Tanzpart kommen. Genau diese Veranstaltungen waren meinem Begleiter zu eintönig, da die meisten Gespräche einfach nur oberflächlich waren. Er jedoch gerne auch tiefgründiger sich unterhalten wollte. Das war sein Beweggrund, warum er damals sich bei meinem Chef informiert hatte. Er wollte eine Begleitung haben, die sich eben nicht scheute zu zeigen und auch mal ihre Meinung zu sagen. Da ich mehrere Sprachen beherrsche, war ich glasklar die erste Wahl gewesen und er hatte es ausprobiert. Seitdem buchte mich Mister Smith jedes Mal, sobald es eine Veranstaltung gab. Er war eigentlich Engländer, doch lebte er seit über 10 Jahren nun schon in Frankreich.
 

Dieser Abend begann ziemlich langweilig, doch Mister Smith und ich konnten uns gut gegenseitig unterhalten. Vor allem dann, wenn wir unser kleines Spiel machten. Jedes Mal, sobald jemand auf uns zu kam, sagten wir mit einem Wort, was dieser wollte. Meist war ‘Schleimen’, ‘Schmeicheln’ und ‘Geschäft’ die Topantworten. Hin und wieder gab es auch Ausnahmen und einige Leute waren wirklich normal. Naja, zu mindestens so normal, wie wir eben waren. Sie waren eher bodenständiger und langweilten sich genauso mit dem Etepetetegehabe anderer Gäste. Öfters musste ich ein Lachen unterdrücken, denn sie trafen es genau richtig.
 

Erst spät in der Nacht kam ich in meiner Wohnung wieder an und fand den Abend zum Ende hin einfach toll. Das Tanzen machte immer Spaß, denn Mister Smith war ein verdammt guter Tänzer und führte mich perfekt über das Parket, auch wenn ich die Tänze nicht konnte. Er machte es mir sehr leicht zu lernen und sich einfach mal fallen zu lassen. Kaum war ich zu Hause, schrieb ich meinem Chef, dass der Abend gut gelaufen war und er mir die nächsten Wochenenden frei halten sollte. Denn Mister Smith hatte noch einige Einladungen, bei diesen wollte er mich dabei haben, jedoch hatte er die genauen Daten nicht mehr im Kopf.
 

Diese wollte er gleich am nächsten Tag heraus suchen und mit meinem Chef abklären, damit er mich direkt für diese Tage buchen konnte. Es klang verrückt und doch wurde ich eben von ihm bezahlt, obwohl ich diese Gesellschaft jederzeit genoss. Oftmals kam ich mir dabei schlecht vor, dass ich dafür Geld bekam, ihn zu solchen Events zu begleiten. Doch das war nun mal mein Job. Auch wenn Mister Smith mir gegenüber sich wie ein Großvater und Freund verhielt, so waren wir am Ende des Tages nichts weiter als Kunde und Ware. Seufzend zog ich mir im Flur meine Schuhe aus und stellte sie gleich in den Schrank zurück. Ich mochte die Ordnung und das sollte auch so bleiben, deshalb landete alles wieder an seinen Platz.
 

Mein Weg führte mich direkt ins Schlafzimmer. Dort legte ich den Schmuck ab und gab diesen zurück in die Schmuckschatulle, die auf meinem Schminktisch stand. Sogleich ging ich ins Bad, denn ich musste unbedingt aus den Sachen raus. Direkt entkleidete ich mich und fühlte mich mit jedem Moment wohler. Es war so, als würde ich mit jedem weiteren abgelegten Kleidungsstück meine Rolle als Jeanne ablegen und wieder zu Maron werden. Wobei ich das momentan nie vollständig werden konnte. Denn ich bin von Natur her braunhaarig und nicht blond. Die Haarfarbe war genau wie ein anderer Name notwendig, um meine eigentliche Privatsphäre zu schützen. Trotz meines Jobs wollte ich diese wahren.
 

Kaum war ich nackt, stieg ich unter die Dusche und wusch mir die Reste von meiner zweiten Identität ab. Nun wäre ich für einen Tag Maron und würde mich um meine Angelegenheiten kümmern. Auch ich musste einkaufen gehen und war mehr als erleichtert, dass es in Paris genug Supermärkte gab, die auch an einem Sonntag arbeiteten und ich dort alles besorgen konnte, was ich brauchte. Egal was ich noch tun müsste, es würde sicher ein langer und anstrengender Tag werden. Aus diesem Grund würde ich mich gleich für einige Stunden schlafen legen. So könnte ich neue Energie für den kommenden Tag tanken und würde alles in Ruhe durchgehen, was in der nächsten Woche anstehen würde.
 

Jedoch gönnte ich mir noch einige Momente unter dem Wasser und schloss meine Augen. Ein Seufzen entkam mir erneut und ich machte die Regendusche aus. Gleich griff ich nach meinem Handtuch und trocknete mich ab, ehe ich meine Haare in dieses wickelte und befestigte es. Nur mit dem Handtuch auf dem Kopf verließ ich mein Bad und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Da ich alleine lebte, konnte ich rumlaufen wie ich wollte. Das war wirklich praktisch, obwohl ich mich größtenteils einsam fühlte. Viele Freunde hatte ich nicht, denn dann müsste ich ihnen erzählen als was ich mein Geld seit Jahren verdiente. Genau das wollte ich sicher nicht.
 

Niemand würde das verstehen können. Höchstens nur dann, wenn sie damals in meiner Lage gesteckt hätten. Doch nun brachte es nichts mir darüber Gedanken zu machen. Der Vertrag lief noch bis Dezember nächstes Jahr und das würde ich auch durchziehen. Dahingehend war ich nun mal konsequent und lebte mit diesen. Erst danach würde ich voll und ganz zu Maron werden können. Eine junge Frau, die ihre Träume trotz zahlreicher Hindernisse erfüllen würde. Der erste Schritt dafür war gemacht, denn ich hatte mein Studium vor kurzem abgeschlossen. Nach meinem Bachelor als Architektin hatte ich gleich mein Masterstudium begonnen. Da ich finanziell durch meinen ‘Job’ gut aufgestellt war und genug Zeit hatte nebenher, wollte ich das Studium abschließen.
 

Erneut wanderten meine Gedanken hin und her, denn nicht alles war negativ an meinem Beruf. Es gab viele positive Aspekte. Tatsächlich hatte ich sehr viele Freiräume und konnte die Arbeitszeiten so einteilen, dass es mich in meiner Lernphase nicht beeinträchtigen konnte. Darauf legte ich immer großen Wert und war mehr als froh, dass mein Chef dies akzeptierte und mir freie Hand ließ. Schließlich brachte ich nicht nur mir Gewinne ein, sondern auch ihm. Zudem musste ich einige Extras in Kauf nehmen, denn eine gewisse Garderobe wurde von mir erwartet und diese hatte mir mein Chef vorgestreckt, damit deswegen nichts scheitern konnten.
 

Im Schlafzimmer schlüpfte ich in meinen Slip und in mein Nachthemd, ehe ich das Handtuch um meine Haare löste und diese noch einmal trocknete. Da sie nur leicht feucht waren, legte ich mich so ins Bett und schlief nach einigen Grübeleien schlussendlich ein.

Eine geplante Gala nach der anderen

Unbarmherzig klingelte am Morgen schon mein Handywecker und ich grummelte verschlafen vor mich hin. Dieses Ding hätte ruhig noch etwas länger stumm bleiben können. Eindeutig habe ich viel zu wenig Schlaf bekommen, aber da musste ich wohl durch. Ich musste noch meine Besorgungen erledigen und zu meinem Chef ins Büro fahren. Vielleicht hatte sich Mister Smith schon gemeldet wegen den kommenden Terminen. Somit könnte ich das für mich im Kalender notieren und durchgehen, ob ich noch andere Buchungen hatte. Wobei der März oftmals voll mit den Galas mit Mister Smith war.
 

Er war nahezu an allen Wochenenden irgendwo eingeladen und ich wusste genau, dass es ihn mehr als langweilte, da es einfach zu viele waren. Jedoch war das in gewisser Weise Teil seines Jobs. Denn als Geschäftsmann musste er sich zeigen und präsentieren. Dabei seine Kontakte pflegen und mit diesen auch ‘private’ Unterhaltungen führen. Obwohl man auf den Galas ganz sicher nicht privat war, so waren die Gäste durchaus unter sich. Immerhin gab es eine bestimmte Liste und wer darauf nicht stand, kam demnach nicht hinein. Während ich aufstand, musste ich direkt schmunzeln, da ich mich an den Abend erinnerte, an dem ich alleine zur Gala gefahren bin, da meine Begleitung wegen eines Meetings zu spät dran war.
 

Mein Grinsen wurde nur noch breiter, denn ich werde niemals vergessen, wie verdutzt die Security war, als ich meinen Namen nannte. In der Gästeliste war ich tatsächlich als Mister Smiths Enkelin eingetragen. Der wollte danach tatsächlich meinen Ausweis überprüfen und ich zog ihm direkt den Zahn. Schließlich konnte er mich nicht anders behandeln, nur weil er meinte, dass ich ihm einen falschen Namen genannt hätte. Bei niemandem sonst hatte er einen Nachweis sehen wollen und das brachte mich zur Weißglut und mein Temperament gewann die Oberhand. Seine Kollegen waren schon ihm zur Hilfe geeilte, weil er plötzlich ganz klein war und erstarrt, weil Mister Smith plötzlich neben mir stand. Knallhart hatte er nachgefragt, was denn das Problem sei und warum seine Enkelin – ergo ich – noch immer draußen war und nicht im Inneren.
 

Deren Gesichtsausdrücke waren einfach nur unbezahlbar und doch war ich danach etwas peinlich berührt, weil ich mich nicht zügeln konnte. Auf meine Entschuldigung bei Mister Smith, hatte er nur abgewunken. “Liebes... sie müssen sich niemals für die Wahrheit entschuldigen oder schämen... die wussten genau, wie sie aussahen und doch haben sie sich herausgenommen, sie so vor zu führen. Ihre Reaktion war genau richtig, um sie in die Schranken zu weisen. Schließlich sind sie meine Enkelin und das müssen sie sich eben nicht gefallen lassen.” Allein wegen dieser Worte hatte er sich einen besonderen Platz in meinem Herzen erschlichen.
 

Mit einem Lächeln ging ins Bad und machte mich einmal frisch, bevor ich mich für den Tag fertig machte. Eine einfache Jeans und eine gewöhnliche Bluse reichten völlig aus. Die Haare hatte ich ganz locker zu einem Zopf zusammen gebunden und mir meine Lippen mit einem Lipgloss nach gezogen. Danach nahm ich meine Handtasche und im Flur zog ich meine Sneakers an. Die Schlüssel schnappte ich mir beim Rausgehen und schloss die Wohnung nach mir ab. Ein Blick auf das Handy verriet mir, dass es bereits halb 11 war und ich demnach genug Zeit hatte, alle Besorgungen zu erledigen. Mein Chef war nicht vor 14 Uhr im Büro. Tatsächlich arbeitete er jeden Tag, da er viele Kunden hatte, die überall auf der Welt verstreut waren.
 

Diese Tatsache fand ich sehr faszinierend und es war sehr lohnenswert, aber auch lehrreich. Mittlerweile konnte ich dadurch meine Sprachkenntnisse vertiefen und sogar neue Sprachen dazu lernen. In der Agentur war ich das kleine Sprachwunder und war oftmals deswegen sehr beliebt. Jeder von uns hatte eine Besonderheit und unser Chef wusste genau, wie er das vermarkten konnte. Einige meiner Kolleginnen waren sehr gut in der Politik oder der Wissenschaft. Wir hatten sogar einige Kollegen, die sich in der Filmbranche und der Modewelt perfekt auskannten. Auf diese Weise wurden wir meist ausgewählt oder zugeteilt, wenn ein neuer Kunde kam.
 

Ein Seufzen verließ meine Lippen. Auch wenn mir das Gerede anderer nichts ausmachte, so war ich nicht glücklich, wie mein Leben momentan lief. Bestimmt würden meine Eltern sich für mich schämen, wenn sie dies miterleben würden. Schnell verwarf ich die trübenden Gedanken und machte mich daran eine kleine Shoppingtour zu machen. Neben Lebensmittel brauchte ich noch einige Hygieneartikel und einen neuen Termin, um meinen Haaransatz nachfärben zu lassen. Zudem wollte ich neue Unterwäsche, aber auch Hosen besorgen. Vor allem einen Hosenanzug, da ich vermutlich bei mindestens einer Gala kein Abendkleid tragen musste.
 

Erst lief ich die Kleidungsgeschäfte ab und fand sogar das ein oder andere Dessous Set, die ich von der Farbwahl her perfekt zu meinen vorhandenen Kleidungsstücken ergänzen konnte. Zudem entdeckte ich einen wunderschönen und locker gestrichenen Hosenanzug, der dunkelblau war und sich perfekt an meinen Körper anpasste. Daher fackelte ich nicht lange und kaufte die Dinge direkt, somit müsste ich das später nicht mehr machen. Meist holte ich mir eine ordentliche Auswahl, sodass ich problemlos eine Session lang kein Outfit doppelt trug und zum kommenden Jahr variierte ich die Schnitte, soweit es möglich war, und auch den Schmuck. Denn ich fand es verschwenderisch, wenn man jedes Mal ein neues Kleid hatte.
 

Zufrieden mit meiner Ausbeute, ging ich weiter in einen Drogeriemarkt und besorgte mir dort alltägliche Dinge, die eine Lady wie ich nun mal brauchte. Dazu hatte ich noch etwas Deo und neues Shampoo geholt, da meines langsam zu Ende ging. Solche Sachen musste ich ebenfalls besorgen, wie alle anderen. Zum Schluss war ich noch im Supermarkt und holte frisches Gemüse und Obst, zusätzlich noch Reis und Nudeln. An der Kühltheke nahm ich mir für den Abend Fisch mit und für die kommenden Tage etwas Fleisch. Tatsächlich kochte ich sehr gerne und probierte oft Neues aus, jedoch machte ich nur die Gerichte erneut, die auch mir schmeckten.
 

Vollbepackt mit den Einkäufen fuhr ich erst mit der Bahn nach Hause, um diese dort zurück zu lassen. Wobei ich die Lebensmittel noch in den Kühlschrank stellte, bevor ich die Wohnung nach einigen Minuten wieder verließ. Mein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mehr Zeit zum Einkaufen gebraucht hatte, als ich dachte, denn es war schon nach 15 Uhr. Daher beeilte ich mich, während ich über die Straßen lief zur Metro, um mit dieser zur Agentur zu fahren. Zwar hatte ich einen Führerschein und auch ein Auto, doch in Paris nutzte ich dieses nicht gerne. Der Verkehr war einfach nur miserabel und ich wollte mir diesen Stress einfach nicht antuen.
 

Exakt neun Stationen mit der Metro später stieg ich aus. Um genauer zu sein an der Gare Montparnasse. Denn von dieser Station aus war es nur noch ein Katzensprung bis zu dem Gebäude, in dem sich meine Arbeitsstelle – die Escorteagentur - befand. Doch für mich war es nach all den Jahren weit aus mehr als eine Arbeitsstelle. Obwohl mein Chef knallhart sein konnte, so kümmerte er sich stets um das Wohl seiner Angestellten. Anfangs dachte ich wirklich, er würde einen Puff betreiben, aber schon nach den ersten Wochen merkte ich den gewaltigen Unterschied. Jeder, der für ihn arbeitete, hatte freie Wahl über seine Arbeitszeiten und seinen Aufgabenbereich. Demnach wurde für jeden einzelnen ein individueller Vertrag ausgearbeitet und das fand ich großartig.
 

Klar mittlerweile würde ich vielleicht anders handeln, doch damals kurz vor meinem 18. Geburtstag hatte ich keine andere Wahl. Anders wäre ich vermutlich noch weiter abgestürzt, weshalb ich meinem Chef wahrlich dankbar war, dass er mir diese Alternative anbot. Da ich mittlerweile beim Gebäude angekommen war, ging ich direkt hinein und fuhr mit dem Aufzug in das letzte Stockwerk, wo die Meetingräume und die Büros der Verwaltung waren. Schließlich lernten wir den Kunden immer in diesen ‘heiligen Hallen’ kennen. So nannten wir die Kennenlernzimmer liebevoll untereinander. Dort war man im geschützten Bereich, denn unser Chef war immer mit dabei. Egal wie sehr die Kunden beharrten alleine mit uns zu sein, umso beharrlicher war er dabei zu bleiben.
 

Mit einem Lächeln trat ich aus dem Fahrstuhl, als ich oben war. Direkt führte mich mein Weg in das Büro meines Chefs. An der Tür stand groß sein Name drauf: Noyn. Lediglich nur vier Buchstaben, die seinen Vornamen bildeten. Ehrlich gesagt waren wir in der Arbeit alle per Du. Sogar mit dem Chef. Das war eines der ersten Dinge, die er uns beigebracht hatte. Unter den Kollegen hatte ich sogar einige gute Freunde gefunden und fand es super, dass wir uns gegenseitig austauschen konnten. Ich hatte sogar zwei sehr gute Freundinnen unter ihnen gefunden. Mit ihnen konnte ich offen über alles reden, weil sie mich weder verurteilten noch irgendwas einredeten. Beide fanden meine Einstellung lobenswert, aber sie schliefen mit ihren Kunden, da sie es brauchten.
 

An der Tür klopfte ich an und erhielt sofort ein ‘Herein’ von meinem Chef. Lächelnd drückte ich die Türklinge runter und trat ein. Er sah mich bereits an und deutete mit seinem undurchschaubaren Gesichtsausdruck auf den Stuhl. Daher setzte ich mich vor seinen Schreibtisch und holte mein Handy heraus, um alles gleich mit zu notieren. Wenn er mich so anblickte, war er meist in seinem ‘Geschäftsmodus’ und ich kannte ihn gut genug, um das zu erkennen und zu wissen. Gespannt sah ich ihn an. “Also... es freut mich, dass Mister Smith wieder sehr zufrieden war”, begann er und bei seiner Erwähnung lächelte ich schon automatisch. “Er hatte mir die Liste auch schon zu gemailt.”
 

Mit diesen Worten nannte Noyn mir die Tage, an denen die Abendveranstaltungen waren. Die meisten waren ab 20 Uhr und nur bei zweien war schon 18 Uhr angesetzt. Das wären dann wohl diejenigen mit dem größeren Taram, wie die Spendengala kommenden Freitag und die Operngala am 23. Alles notierte ich mir und fragte nach, welche Garderobe erforderlich war. Jeden einzelnen Tag gingen wir durch und ich machte mir Stichpunkte, was ich anziehen durfte bzw. sogar musste, da es die Kleiderordnung vorschrieb. Ebenso ging ich bei den Schuhen und den Accessoires auf Nummer sicher. Ich sollte standesgemäß aussehen, denn ich wollte meinen ‘Grand-pére’ nicht in Verlegenheit bringen. Auch wenn ich in ihm einen Freund sah, so war er ein Kunde und seine Zufriedenheit war nun mal mein Job.
 

“Danke dir... dann achte ich darauf, dass die Outfits zu den Anlässen passen werden”, lächelte ich ihn an und er nickte.
 

“Das wirst du sicher sehr gut hinbekommen, wie sonst auch, Maron”, sprach er mit einem leichten Mundwinkelzucken aus. Dahingehend hatte er Recht. Seit ich für ihn arbeitete, habe ich meinen Job sehr gut gemacht und war nicht umsonst sehr beliebt und sogar respektiert von einigen Stammkunden.
 

“Danke für deine Worte”, entgegnete ich daher erfreut und überlegte. “Wie kommen denn unsere beiden Neulinge klar?”, fragte ich nun neugierig, da wir seit zwei Wochen eine neue Dame und einen neuen Herrn in unserem Team hatten.
 

“Ehrlich gesagt... bisher gut... Réne ist noch etwas schüchtern, aber seine Kunden loben seine Initiative.”
 

“Das ist gut... er hatte bisher Susanne und Molly, oder?”, hakte ich nach und schmunzelnd nickte Noyn.
 

“Du bist wie immer gut informiert”, meinte er und ich erklärte ihm, dass ich ihn mit den beiden Damen vor zwei Wochen und letzte Woche gesehen hatte. Sie waren gerne unterwegs beim Shoppen und Molly auch bei der ein oder anderen Kunstgala. “Ich weiß... Mister Smith kennt Molly gut und ich denke, durch sie wird Réne auftauen können”, meinte er zwinkernd und überlegte. “Charleen ist noch etwas unerfahren mit ihrem Ausdruck... aber Mister Johnson war zufrieden mit ihr und half ihr sogar bei einigen Formulierungen. Ihr war es unangenehm, aber sie nahm es dankend an.”
 

“Das ist sehr gut... dies wird sie schnell lernen, da sie die Hilfe annimmt und das ist die halbe Miete”, sprach ich erleichtert aus. Ich kümmerte mich gerne um unsere Neulinge, da sie eben meist unerfahren und naiv waren. Wir mussten sie nun mal vorbereiten und sie bekamen deshalb unsere Stammkunden, die nicht viel Anspruch hatten, aber dennoch eine gute Unterhaltung bevorzugten.
 

“Korrekt... im Übrigen kommen Rosalie und Amélie morgen in zwei Wochen wieder”, merkte er an und augenblicklich strahlte ich. Die beiden waren meine besten Freundinnen, wenn man sie so nennen konnte. Mit ihnen konnte ich über alles sprechen und sie hatten mir vor knapp vier Jahren sehr geholfen, da ich da eine Seite an mir entdeckte, vor der ich mich ein wenig fürchtete.
 

“Oh ich freue mich... geht es ihnen so weit gut?”, fragte ich nach. Sie waren nämlich auf einer Kreuzfahrt mit ihren Kunden und konnten nur über Satellit Telefon uns kontaktieren. Noyn bestand immer bei solchen ‘Aufträgen’, dass wir uns alle zwei Tage kurz melden, wenn es neue Kunden waren. Ansonsten einmal die Woche genügte ihm, um zu wissen, dass es uns gut ging bei den Aufträgen.
 

“Ja, sie sind begeistert von der Atmosphäre und auch von der Freizügigkeit um sie herum”, umschrieb er es und ich musste sofort lachen. Ich wusste genau, was er meinte und nickte zufrieden. Es freute mich, dass es ihnen gut ging und besonders, dass wir uns sicher bald sehen würden und sie mir das Neuste erzählen würden.
 

“Prima... grüß sie von mir.”
 

“Das mache ich, Maron”, lächelte er und wir sprachen noch etwas von den kleineren Aufträgen, die ich noch die Woche erledigen müsste.
 

Da ich mit der Uni soweit fertig war, konnte ich wieder kleine ‘Brunchdates’ annehmen oder Begleitungen zu einem Einkaufsbummel. Ja sogar für solche Dinge wurden Escortedienste angenommen und das war für uns leicht verdientes Geld, wobei es mir auch Spaß machte, wenn ich mit Misses Smith unterwegs war oder mit Susanne und Molly. Die beiden letzteren Damen hatten keine Nachnamen, weil sie diese nicht mochten. Es waren zwei Freundinnen, die schon einige Jahre gemeinsam verbracht hatten und Noyn gerne unter die Armen halfen, wenn es um Ankleiden ging. Susanne hatte mir bei meiner ersten Garderobe geholfen und Molly hatte uns Damen immer mit Schmuck beraten.
 

An sich sind sie wundervolle Ladies, aber sie hatten einfach genug von ihren Exmännern, die ihnen etwas vorschreiben wollten. Also haben sie sich von ihnen scheiden lassen und um ihnen es zu zeigen, kamen sie auf die Idee sich eben ‘Liebhaber’ zu halten. Als ich davon hörte, musste ich so sehr lachen, dass Noyn mich nicht mehr beruhigen zu können. Danach mochten mich Molly und Susanne sehr, da ich eben mein Herz durchaus auf der Zunge trug. Deshalb halfen sie mir danach in gewissen Situationen erst zu denken, bevor ich etwas aussprechen würde, was nicht gut wäre. Wobei sie gleich sagten, dass man später sowieso ein Gefühl dafür bekommen würden, wo man ehrlich sein konnte und wo man es eben verschleiern musste. In diesem Punkt hatten sie recht. Mittlerweile konnte ich das sehr gut einschätzen und unterscheiden.
 

Nachdem alles besprochen war, verabschiedeten wir uns und ich machte mich auf den Heimweg. Später wollte ich noch ein kleines Wellnessprogramm machen und kochen. Natürlich würde ich mich auf die kommenden Jobs vorbereiten, denn ich musste drei Mal in der Woche raus und Freitag wäre wieder eine Gala mit Mister Smith. Um dort eine gute Figur machen zu können brauchte ich eine gute Recherche und das machte mich nun mal zu einer perfekten Begleitung. Auch wenn Eigenlob stank, doch darauf konnte ich mir was einbilden. Ich war immer professionell und las lieber ein dutzend Mal durch, mit wem ich unterwegs war, als nichts ahnend irgendwohin zu gehen.
 

Zu Hause zog ich mir erst einmal die Schuhe aus, ging in die Küche und holte alles für mein geplantes Abendessen heraus. Vermutlich würde das mir für den und den kommenden Tag ausreichen, weshalb ich schon eine Dose bereit stellte, um die überschüssige Portion in dieser zu verstauen. Da ich Hunger auf Fisch hatte, bereitete ich mir diesen vor und würzte ihn ordentlich, ehe ich ihn Ruhen ließ. Meine Hände wusch ich mir und notierte mir im Handy am kommenden Morgen direkt beim Friseur an zu rufen, um mir einen Termin geben zu lassen. Denn ich brauchte neben einer Auffrischung der blonden Haare auch noch einen kleinen Schnitt. Ein wenig die Spitzen und die Haare etwas in Stufen schneiden würde sicher gut zu den wärmeren Tagen passen.
 

Während der Fisch noch etwas in der Marinade zog, beschloss ich mir eine Gesichtsmaske fertig zu machen. Sie würde genauso lange einwirken, wie ich eben später zum Kochen brauchte. Das wäre optimale Zeitnutzung und daher machte ich mich gleich ans Werk. Schnell lief ins Bad, zog mir meine Sachen soweit aus und schlüpfte in meinen Morgenmantel. Erst danach wusch ich mein Gesicht, legte eine Peeling Maske auf und prüfte im Spiegel, ob alles richtig war und vor allem halten würde. Früher hätte ich sowas wohl kaum täglich gemacht, doch zurzeit war mein Aussehen mein Kapital und noch musste ich darauf extremer achten.
 

Kaum war dies alles erledigt, kümmerte ich mich um mein Abendessen. Geschickt hatte ich alles nach und nach fertig gemacht, denn neben dem gebratenen Fisch beschloss ich mir Reis mit Gemüse zu machen, wobei ich den gekochten Reis für einige Augenblicke in einem Wok anbriet. In solchen Momenten merkten viele, dass ich eigentlich in Japan geboren wurde und die japanische Küche war und würde immer meine liebsten Gerichte hervorbringen. Zumal meine Mutter mir damals das Kochen beigebracht hatte, als ich knapp 10 Jahre war, begannen wir zusammen mit der Zubereitung für das Frühstück, denn mein Vater liebte Tamagoyaki. Das japanische Omeletts unterschied sich durchaus von dem europäischen.
 

Damals verstand ich das nicht. Aus diesem Grund hatte sie mit mir zusammen das Frühstück für Papa gemacht. Erst dadurch begriff ich, dass es zwei verschiedene Gerichte waren, auch wenn beide als Grundkomponente Eier hatten. Seit dem freute ich mich jedes Wochenende darauf, mit meiner Mama das Essen zu kochen und mein Interesse an der japanischen Küche wuchs immer mehr. Klar aß ich auch französische Gerichte, aber nichts würde an die Fernöstlichen heran kommen. Jeder, der sich mehr damit befasst hatte, würde mir da sicher zustimmen. Bei dieser simplen Erinnerung lief mir eine kleine Träne die Wange hinunter und ich musste tief durchatmen, um diese wieder versiegeln zu lassen.
 

Obwohl es schon so verdammt lange her war, so vermisste ich sie unglaublich und es tat immer wieder weh zu wissen, dass ich sie nie wieder sehen würde. Denn sie starben leider vor einigen Jahren bei einem Autounfall. Dass ich noch lebte, war ein purer Zufall. Normalerweise wäre ich mit ihnen gefahren, doch ich hatte am Tag zuvor Fieber bekommen, weshalb sie mich zurück zu Hause ließen. Dieser Umstand rettete mir das Leben, denn die Stürme und die Regengüsse hatten die Straße in eine Rutschhöhle verwandelt und viele Opfer gefordert. Noch immer konnte ich nicht begreifen, dass sie nicht mehr da waren und ich nicht bei ihnen war.
 

Das Einzige, was mich seitdem trösten konnte, waren die Worte von Rosalie. ‘Egal was du tust oder wohin dich dein Weg führen würde, sie werden immer ein Teil von dir sein. Denn sie leben in deinem Herzen weiter, genau wie meine Eltern.’ Sie kannte meinen Schmerz, denn sie hatte ihre ebenfalls bei einem Unglück verloren. Jedoch war es ein Flugzeugunglück. Dank ihr hatte ich begonnen etwas mehr darüber zu sprechen. Es half uns beiden, denn wir hatten gleiche Fragen und Ängste. Das hatte uns noch mehr zusammen geschweißt.
 

Schnell hatte ich mein Essen vom Herd gestellt, um mir meine Maske zu entfernen. Danach holte ich mir einen Teller und machte es mir wie so oft vor dem Fernseher gemütlich, bevor ich die Küche aufräumte und schließlich schlafen ging.

Susanne und Molly

Die Woche verlief wirklich schleppend. Während ich am Montag mich in mein ‘Brunchdate’ einlas, welches ich am Dienstag haben würde, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Manche Leute hatten eigenartige Probleme. Mein Kunde wollte unbedingt seine Exfreundin zurück bekommen und wollte sich mit mir zeigen lassen, als sein ‘Date’. Mir persönlich war es egal, dass er wegen sowas mich engagierte, doch immer wieder fragte ich mich, warum man nicht einfach miteinander sprechen konnte, um die Ungereimtheiten zu klären. Schließlich konnten solche Dinge oft auch nach hinten los gehen. Aber das sollte mich nicht weiter kümmern. War im Endeffekt nicht mehr mein Problem, nachdem das ‘Date’ vorbei war.
 

Warum nur hatte ich mich bereit erklärt da mit zu machen?, fragte ich mich selbst, als es schon Dienstagmorgen 11 Uhr war und ich vor dem Café auf mein ‘Date’ traf. Ich habe den Job angenommen, also ziehe ich es durch., berief ich mich auf meinen eigenen Kodex. Denn aufgeben oder abbrechen war absolut nicht mein Ding. Mein Klient war ein junger Mann, der kurze braune Haare und braune Augen. Schon bei seinem Foto, welches ich von ihm bekommen hatte, hatte ich mich gefragt, warum wohl Schluss war. Da passte einfach etwas nicht, weshalb ich dem auf den Grund gehen wollte. Immerhin mussten wir fast zwei Stunden rum bringen, ehe seine Ex auftauchen sollte.
 

Daher gingen wir ins Café und bestellten uns erst einmal ein schönes Frühstück. Dazu nahm ich einen Cappuccino und merkte schon, dass er extrem nervös war. Irgendwie war das wirklich niedlich, wenn ich auf ihn als Typ stehen würde. Doch dem war nicht so... er wäre mir einfach viel zu brav. Bei dem Gedanken musste ich sogar grinsen und verwickelte ihn in ein Gespräch, um heraus zu finden, was er sich genau erhoffte. Definitiv wollte ich mehr erfahren und bekam nach und nach ein paar Infos von ihm. Damit konnte ich etwas arbeiten, damit unsere Situation nicht im Desaster enden würde. Denn wütende und eifersüchtige Frauen waren wahrlich unberechenbar.
 


 

Am späten Nachmittag streifte ich mir meine Schuhe ab und schloss die Haustür hinter mir. Endlich war ich wieder daheim. Das ‘Date’ war wahrlich komisch und doch musste ich grinsen, da die beiden wieder zueinander gefunden haben. Es war schön zu sehen, dass alles nur ein Missverständnis war. Natürlich hatte er seine Ex – ach nein seine neue Freundin erklärt, wer ich war. Er hatte es sogar nett beschrieben, dass er um meine Hilfe gebeten hatten und ich nur zu gerne ihm helfen wollte. Seine Worte fand ich großartig und dankte ihm leise dafür. Es war schön zu sehen, dass er genauso wenig von dem Klischee eines Escort ausging. Er war nicht voreingenommen gewesen und hatte mich trotz seiner Nervosität mit Respekt behandelt.
 

Das war leider selten in meinem beruflichen Umfeld. Erneut schlichen sich trübe Gedanken in meinen Kopf, welche ich sofort abschüttelte und in die Küche ging, um mir etwas zu trinken zu holen. Für den Tag war ich mit der ‘Arbeit’ fertig und würde es mir bequem auf dem Sofa machen. Schon länger hatte ich keine Zeit mehr, mir den ein oder anderen Film an zu sehen. Dabei entspannte ich mich mit am meisten und konnte mal wieder abschalten. Zudem musste ich am nächsten Tag nicht früh raus, weshalb ich definitiv einige Filme durchsuchen werde. Soviel stand für mich fest. Dazu machte ich mir natürlich Popcorn, Chips und Nachos mit einem Chillicheese-Dip. Das war mit den besten Naschereien zum Filmabend.
 

Erst dachte ich, es wäre toll, endlich wieder so viel Zeit zu haben und nicht zur Uni zu müssen. Jedoch hatte die viele Freizeit leider den Nachteil, dass ich viel zu viel grübelte. Ein gutes war, dass ich am Donnerstagnachmittag mit Susanne und Molly in die Einkaufsmeile wäre. Sie brauchten neue Kleider, Handtaschen und Schuhen. Da sie gerne auffielen, nahmen sie mich mit. Denn ich gab ihnen den jugendlichen Touch, wie sie es so schön nannten. Zudem wollten sie mir noch unbedingt Schuhe und neuen Schmuck besorgen. Egal wie oft ich ihnen sagte, dass sie das nicht machen müssten, aber sie meinten nur: “Papperlapapp, Kleines. Wir machen das gerne.”
 

Tatsächlich freute ich mich schon auf diese Ablenkung, denn die Damen hatten Geschichten drauf. Sie hatten schon so viel zusammen erlebt und waren wunderbare Frauen. Ehrlich gesagt waren sie so etwas wie Vorbilder für mich. Egal was das Leben für sie bereit gehalten hatte, sie hatten alles ertragen und waren stärker daraus hervor gekommen. Das bewunderte ich und hoffte, dass ich in diesen Dingen genauso sein könnte, wie die beiden. Schnell hatte ich mich für den Tag angezogen. Zuvor natürlich geduscht und mich leicht geschminkt. Immerhin würden wir Luxusboutiquen aufsuchen und da musste nun mal das Aussehen stimmen. Ich wollte die beiden nicht in Verlegenheit bringen.
 

Pünktlich um 10 Uhr war ich am Treffpunkt und hatte ein schlichtes Etuikleid an. Es war hellbraun, schmiegte sich perfekt an meinen Körper und brachte meine Brust und meine Hüften gut zur Geltung. Schlichte Eleganz stand mir sehr gut, weshalb ich diese jederzeit bevorzugen würde. Denn ich war eigentlich eine junge Frau, die zur Bescheidenheit erzogen wurde. All diesen Luxus brauchte ich nicht. Klar war es schön diesen zu haben, doch das war nicht das Wichtigste. Für mich waren Familie und Freunde immer an erster Stelle. Obwohl ich keine Blutsverwandte mehr hatte, so sah ich in meinen beiden Kolleginnen und Freundinnen eine Verbundenheit. Wir waren eindeutig Schwestern im Geiste.
 

Ebenso hatte ich das Gefühl, Mister und Misses Smith wären wie meine Großeltern und Susanne mit Molly waren meine verrückten Tanten, während Noyn für mich wie ein Onkel war. Der zwar knallhart sein konnte, aber im Endeffekt immer an mein Wohl dachte. Irgendwie sah in all diesen Personen so etwas wie Freunde, Vertraute und Familie. Es klang bestimmt für außenstehende verrückt, aber so empfand ich es und ich war sogar stolz darauf, dass ich sie bezeichnen konnte und sie an meiner Seite hatte. Mir war klar, dass mein Leben anders verlaufen wäre, wenn meine Eltern noch leben würden. Aber dem war nicht so und ich hatte das Beste aus der Situation gemacht. Mehr konnte ich nicht tun.
 

Ein Seufzen entkam meinen Lippen, doch weiter konnte ich mir keine Gedanken machen, denn ich hörte schon meinen Namen. “Jeanne!”, riefen beide älteren Damen, als sie in Sichtweite kamen. Schmunzelnd erhob ich leicht meine Hand, um sie zu begrüßen.
 

“Hallo Susanne und Molly”, grüßte ich die beiden und sprach dabei die Ältere von ihnen zuerst an. Es war irgendwie ein Tick von mir, immer diese zuerst anzusprechen, wenn mehrere Personen da waren.
 

“Schön, dass du die Zeit heute hattest”, lächelte Molly und hakte sich schon an meinem linken Arm ein.
 

“Wir haben uns sehr gefreut, dass der Tag bestätigt wurde”, fügte Susanne an und war an meinem rechten Arm.
 

“Euch beiden kann ich doch niemals absagen, wenn ich Zeit habe”, gestand ich ihnen, denn tatsächlich hatten sie und Mister Smith immer den Vorrang bei den Terminen.
 

“Gut zu wissen, Kleines... so komm... erst brauchen wir für die Galas neue Kleidung und danach kümmern wir uns um die Accessoires”, sprach Molly euphorisch aus und wir gingen zum Eingang und in das Gebäude. Dort wurden wir sofort begrüßt und uns wurde etwas zu trinken angeboten. Dankend nahmen wir jeweils einen Cappuccino, denn für einen Champagner war es einfach zu früh.
 

“Hast du schon deine Garderobe für die nächsten drei Tage?”, fragte Susanne neugierig nach und blickte mich an.
 

“Ja... ich habe für morgen das goldfarbene Abendkleid und für Samstag das dunkelgrüne. Für Sonntag schwanke ich noch zwischen dem hellblauen Kleid mit Spitzenoberteil oder einem Hosenanzug, denn ich mir diese Woche gekauft hatte”, erklärte ich und holte mein Handy heraus, um ihnen meine Auswahl zu zeigen. Genaustens sahen sie es sich an und ich wartete gespannt darauf, ihre Meinung dazu zu hören.
 

“Nun... ich denke... das goldene, elegante und schlichte Kleid wird morgen perfekt passen. Es ist eine Spendengala und da sollte man nicht viel zu viel auftragen”, meinte Molly und riet mir schlichten Schmuck zu tragen. Am besten einfache goldene Ohrringe, eine Halskette mit einem kleinen Stein oder ganz schlicht nur eine Kette und ein Armband zu tragen. “Dazu eine kleine Clutch, die groß genug für Handy und Make-Up ist.”
 

Es war unglaublich, wie schnell Molly alles auf den Punkt bringen konnte und ihre Tipps waren im wahrsten Sinne des Wortes Goldwert. Daher nickte ich zustimmend und blickte zu Susanne, die den Hosenanzug eher bestätigte. “Die Sonntagsgala ist einfach und da gehe ich ebenfalls mit einem Hosenanzug hin”, sprach sie und das klang einleuchtend für mich. “Dazu kannst du deinen Schmuck frei wählen und auch die Handtasche. Hauptsache es ist nicht zu überladen”, zwinkerte sie mir noch zu und ich musste kichern.
 

“Keine Sorge... ich achte darauf”, versprach ich ihnen beiden und wir tranken noch unseren Cappuccino, ehe die beiden mehrere Kleider anprobierten. Sie wollten für die Feierlichkeit am Samstag noch ein Kleid kaufen.
 

Mehrere Schnitte probierten die beiden nach einander an, um heraus zu finden, welcher Stil ihnen am besten passte. Erst danach kümmerten sie sich um die richtige Farbe der Kleider. Es dauerte einige Zeit, bis die beiden so weit waren und das perfekte Outfit für sich gefunden hatten. Schmunzelnd fragte ich sie, ob sie wirklich dieselbe Farbe tragen wollten. Direkt antworteten beide mit ‘Ja’ und wir wurde klar, dass sie sich einen Mörderspaß erlauben würden. Öfters hörte man das Gerücht, dass die beiden nicht nur Freundinnen waren, sondern auch so viel mehr. Aber das störte beide keineswegs. Sie meinten immer nur, Gerüchte entspringen nur dem Neid, weshalb man auf diese niemals hören sollte. Dahingehend hatten sie recht und ich konnte echt einiges von ihnen lernen.
 

Nachdem wir die Kleider hatten, ging es zum nächsten Laden, wo sie sich einige Handtaschen an sahen. Von Gucci, Prada bis hin zu Louis Vuitton war alles dabei. Jedes Mal schüttelte ich meinen Kopf bei diesen Preisen. Die Handtaschen waren meist kleiner und viermal so teuer wie andere, nur weil ein schicker Markenname drauf stand. Die Zahl auf den Schildern war schon fast utopisch. Doch ich verstand die Intension der Beiden dahinter. Wenn man solche Accessoires nicht hatte, hatte man in der gehobeneren Gesellschaft nichts zu suchen. “Wir wissen, wie du darüber denkst, Kleines... doch hin und wieder ist es notwendig”, meinte Molly lächelnd und sah zu einer Clutch.
 

“Ich weiß... und doch ist es so absurd”, kam es leise von meinen Lippen, damit nur die beiden mich hörten.
 

“Absolut... vor allem bei Spendengalas... da sollte es um den Zweck gehen und nicht um die Sachen, die jemand trägt”, pflichtete Susanne mir bei und ich war wirklich froh darüber, dass sie derselben Meinung waren.
 

“Deshalb spenden wir auch all unsere Sachen, wenn wir sie nicht mehr tragen”, lächelte Molly und zeigte mir die Clutch. “Die hier würde dein Outfit am Samstag perfekt abrunden”, fügte sie grinsend an und ihre Freundin nickte sofort.
 

“Oh... aber ich...”, stotterte ich und blinzelte mehrmals, während ich zu dieser blickte.
 

“Und wenn du sie nicht mehr brauchst... dann Spende sie... versetze sie und lass den Erlös dem guten Zweck zu kommen”, machte mir Susanne diese gleich schmackhaft. Einmal musste ich schwerer schlucken und blickte abwechselnd die Tasche und die beiden Frauen an.
 

“Ihr... wollt... sie mir... wirklich kaufen?”, wollte ich von ihnen wissen und beide nickten. Seufzend biss ich mir auf die Unterlippe und wog meine Möglichkeiten ab. Wobei ich leider nur die eine hatte: Das Geschenk von ihnen an zu nehmen und die Tasche später oder eben den Erlös vom Verkauf zu spenden. “Ihr lasst ja doch nicht locker, oder?” Auf diese Frage hin schüttelten beide den Kopf und erneut seufzte ich. “Na gut... aber nur die Tasche”, stimmte ich dem zu und versuchte so ihre künftigen Ideen, noch mehr für mich zu kaufen, schon jetzt ein zu dämmen.
 

“Wir werden sehen”, grinste Molly und legte noch eine Tasche, welche passend zu ihrem Outfit für den Samstagabend war, auf den Tresen dazu.
 

Bei dieser Aussage wusste ich genau, dass sich die Damen sicher nicht daran halten würden. Daher musste ich mich wohl meinem Schicksal ergeben und die beiden einfach gewähren lassen. Kaum hatten sie ihren Einkauf gezahlt, schon schleppten sie mich zum Café, wo wir gemeinsam gebruncht hatten. Langsam hatte ich das Gefühl, dass sie mich verwöhnen und mästen wollten. Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt. Sie waren nun mal so wie sie waren. Beim Essen quatschten sie über alles Mögliche und vor allem Alltägliches. Es war schon so natürlich mit ihnen, dass ich in dieser Zeit einfach vergaß meine Rolle zu spielen. Ganz normal sprach ich mit ihnen, ohne viel darüber nach zu denken, denn ich konnte ich selbst sein.
 

Lächelnd lehnte ich mich sogar in meinem Stuhl etwas zurück und beobachtete die zwei. Immer wieder nippte ich an meinem Kaffee und genoss die Zeit mit ihnen sehr. Zumal ich dank ihnen auf andere Gedanken kam und musste nur noch einen Tag rumbringen, ehe ich mit Mister Smith zur Gala verabredet war. Auf diese Abende freute ich mich schon jetzt und war mir sicher, dass es sehr amüsant werden würde. Zusätzlich würden Molly und Susanne diesmal ebenfalls dabei sein. Das würde ihnen noch mehr Gesprächsstoff geben, da sie sich alle sehr gut kannten.
 

“Das war wieder ein köstliches Essen”, schwärmte Molly und trank ihre Tasse leer.
 

“Absolut... so und nun organisieren wir uns noch Schmuck und Schuhe”, grinste Susanne und ich hielt mich extra aus dieser Unterhaltung heraus. Vielleicht würden sie vergessen, dass ich noch da war und demnach mir nichts mehr besorgen.
 

Jedoch hatte ich da die Rechnung ohne die beiden gemacht. Sie hatten auch bei den Schuhen und Schmuck etwas zu meinen Outfits gefunden. Widerwillig nahm ich die Geschenke an, denn auch hierbei hatten sie schlagende Argumente. Wenn ich mal keine Lust auf die Dinge hatte, konnte ich sie immer noch spenden oder eben Verkaufen. Doch das ausschlaggebendste war, dass sie es mochten mir eine Freude zu bereiten und Geld würde ich von ihnen sicher nicht annehmen. Das wussten sie beide. Sie wollten mich unterstützen, als sie erfuhren, dass ich noch studierte. Aber das wollte ich nicht, denn dies war meine Angelegenheit und ich würde selbst dafür aufkommen. Ich war selbstständig und würde dies auch bleiben. Egal was kommen möge. Es war mir wichtig und würde sich nicht schnell ändern.
 

Da wir noch so lange unterwegs waren, beschlossen die Beiden noch mit mir zu Abend zu essen. Obwohl ich mich schon davor verabschieden wollte, hatten sie darauf bestanden. Immerhin hätten wir uns schon länger nicht mehr gesehen und das stimmte, denn ich musste sie leider seit guten vier Wochen vertrösten, da ich so viel Stress mit den Abschlussprüfungen hatte. Aber nun war dies vorbei und ich wartete nur noch auf meine Ergebnisse. Diese sollten im Laufe kommender Woche online gehen. Der Termin für die Abschlussfeier stand ebenfalls schon fest und würde in einem knappen Monat stattfinden. Tatsächlich war ich etwas aufgeregt deswegen und würde mich mit den Galas sicher sehr gut ablenken können.
 

Kurz nach 21 Uhr kam ich schließlich mit drei Einkaufstüten zurück in meiner Wohnung an. Die Tür schloss ich hinter mir wieder zu und lehnte mich gegen diese, während mein Blick auf die Schuhtasche fiel. Susanne hatte mich wirklich dazu bekommen Louboutin Pumps mit zu nehmen. Sie waren aus schwarzem Leder gefertigt und hatten Goldkettchen als Verschluss um die Fußgelenke. Sogar ich musste zugeben, dass diese einfach perfekt waren zu dem goldenen Abendkleid und würden dieses sehr gut ergänzen. Seufzend stieß ich mich von der Tür und zog mir die Schuhe aus, ehe ich meine ‘Ausbeute’ auf dem Sofa ablegte und ins Bad ging.
 

Dort schlüpfte ich aus meinem Kleid und direkt aus meiner Unterwäsche. Schnell erfrischte ich meinen Körper, indem ich mich kurz abduschte und mir eine Gesichtsmaske auflegte. Nackt, wie ich war, begab ich mich ins Schlafzimmer und schlüpfte in meinen Slip und mein Nachthemd. Danach ging ich zurück ins Wohnzimmer und kramte mein Handy aus der Handtasche, um Noyn zu schreiben, dass ich nun daheim war. Das war einer der wenigen Dinge, die er immer von uns verlangte. Wir sollten schreiben, sobald wir zu unserem Job aufbrechen und sobald wir zu Hause wären. Sollten wir das mal vergessen, ruft er uns zwei Stunden nach dem vereinbarten Beendigungstermin an, um sicher zu gehen, dass alles gut war.
 

Vielleicht klang dies übertrieben, aber bislang war noch nie etwas passiert und ich denke, dass wir dies genau dieser Fürsorge zu verdanken haben. Es verstrichen nicht einmal zwei Minuten und ich bekam schon eine Antwort von ihm. Er wünschte mir noch einen schönen ‘Feierabend’ und ich solle daran denken, dass mich der Chauffeur von Mister Smith am kommenden Tag gegen 18 Uhr am Treffpunkt erwarten wurde. Meine Mundwinkel zuckten direkt bei dieser Erinnerung. ‘Ich werden da sein’, antwortete ich ihm und stellte mein Handy ein, damit ich gemütlich am nächsten Tag aufstehen konnte, um mich richtig auf die Gala vor zu bereiten.
 

Dazu gehörte es in meinen Augen auch, dass ich seelisch mich darauf gefasst mache, was mich mal wieder erwarten könnte und auch würde. Hinzu kam noch, dass ich einige Notizen durchgehen wollte, um bei den möglichen Gesprächen mit den anderen Leuten reden zu können. Es war notwendig, dass man als Begleitung von Mister Smith sich mit den Partnern und den Klienten auskannte. Vor allem da ich als seine Enkelin vorgestellt wurde, wollte ich sicher nicht, dass er schlecht dastehen würde. Daher las ich gerne noch die neusten Informationen durch, die ihn betrafen. Auch wenn er das niemals von mir verlangte, so wollte ich das tun. Es gab mir zusätzlich das Gefühl davon, dazu zu gehören und wirklich ein Teil von seinem Leben zu sein.
 

Für die Psyche war es durchaus wichtig dies zu wissen, denn es stärkte mich mental und gab mir den nötigen Halt, um möglichen Anfeindungen standhalten zu können. Die Jahre hatten mich gelehrt, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen und genau das tat ich. Jedes Mal auf das Neue. Egal ob im Beruf, in der Uni oder im Privatleben. Dies war nun mal Fakt, dass das Leben niemals ein Ponyhof war und bestimmt nie nach Plan verlaufen würde. Das beste Beispiel war mein eigenes Leben, welches von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt wurde. Einmal mehr ging ich mit dem Gedanken zu Bett, warum ausgerechnet mir sowas passieren musste. Warum starben meine Eltern in dieser einen verhängnisvollen und stürmischen Nacht.

Der Galamarathon

Aus meinem unruhigeren Schlaf schreckte ich hoch und saß kerzengerade in meinem Bett. Ich war klitschnass und atmete schneller, während ich langsam realisierte, dass ich tatsächlich im Bett war und nicht im Auto saß, in dem meine Eltern verunglückten. Schwerer schluckte ich und bemerkte meine staubtrockene Kehle. Jedes Mal suchte mich dieser Traum heim, wenn ich vor dem Schlaf mir viel zu viele Gedanken gemacht hatte. Mal wieder hatte ich davon geträumt, dass ich mit im Auto war und ebenfalls bei dem Unfall verunglückte. Erst als ich mich beruhigt hatte, schwang ich meine Beine aus dem Bett und stand auf. Direkt griff ich nach meiner Wasserflasche und trank sie fast in einem Zug aus.
 

Da sich mein Mund immer noch so trocken anfühlte, beschloss ich aus der Küche noch eine Flasche Wasser zu holen. Auch diese trank ich fast aus und lehnte mich mit den Händen an die Arbeitsplatte. Dass der Traum so real sich anfühlte, warf mich gerade aus der Bahn. Daher brauchte ich einige Momente, um wieder im Hier und Jetzt zu sein. Tiefer atmete ich durch und versuchte auf diese Weise meine Atmung zu regulieren. Zudem auch mein Herzschlag etwas beruhigen. Es war nicht so einfach, doch langsam war ich wieder da und konnte freier atmen und mein Herz schlug fast normal. Das Erste, was ich nun tat, war einen Blick auf die Uhr zu werfen.
 

Sofort stieß ich erleichtert die Luft aus meiner Lunge und war froh, dass ich noch mehr als genug Zeit hatte, mich für heute Abend zurecht zu machen. Vor allem müsste ich mein Gemüt entspannen, weshalb ich mir wohl ein Schaumbad einlassen würde. Umso erfreuter war ich, dass ich auch dafür Zeit hatte, denn es war erst 10 Uhr am Morgen und ich würde erst gegen 19 Uhr abgeholt werden. Deshalb ging ich direkt ins Bad und ließ mir Wasser in die Wanne ein. Zeitgleich würde ich mir noch einen Tee machen, um mich zusätzlich entspannen zu können. Gesagt, getan. Alles war vorbereitet, sodass ich eine Badekugel hinein warf und begann mich aus zu ziehen. Während der Schaum sich im Wasser bildete, warf ich meine Sachen in den Korb und bemerkte, wie voll langsam dieser wurde. Vermutlich würde ich am kommenden Tag eine Ladung machen müssen.
 

Kaum war die Badekugel aufgelöst, stieg ich in die Wanne, nahm meinen Tee und genoss einfach diese wollige Wärme um mich herum. Es tat wirklich gut diese zu spüren. Mein Körper konnte sich entspannen und ich vergaß nach und nach den Traum, der mich heim gesucht hatte. Mit jeder Minute, die verstrich, verblasste die Erinnerung daran und es blieb nur noch ein Gefühl der Unruhe zurück. Seit dem Unfalltod meiner Eltern war ich ruhelos und musste alleine zurecht kommen in der Weite des Lebens. Immer wieder nippte ich an meinem Tee und lehnte mich zurück. Meine Badewanne war perfekt und schön groß, denn das war mir wichtig. Meinen Kopf legte ich auf dem Nackenkissen ab und ließ mich einfach weiter vom Wasser entspannen.
 

Als das Badewasser begann kälter zu werden, beschloss ich raus zugehen. Ich duschte mich einmal ab und wusch meine Haare, welche ich gleich in ein Handtuch wickelte. Nachdem mein Körper trocken war, ging ich nackt, wie ich war, ins Schlafzimmer und suchte passende Dessous aus meiner Schublade heraus, die ich zu meinem goldenen Kleid tragen konnte. Ein Blick zur Uhr sagte mir, dass ich noch genug Zeit hätte. Daher schlüpfte ich in meinen goldfarbenen Slip und betrachtete mich kurz im Spiegel. Dabei drehte ich mich so hin, dass ich meinen Hintern sehen konnte. Darin kam dieser verdammt gut zur Geltung und ich war tatsächlich stolz darauf, dass dieser so gut geformt war. Es erforderte zwar hin und wieder etwas Training, doch dies zahlte sich aus, wie man sah.
 

Sofort musste ich schmunzeln, denn ich erinnerte mich nur zu gut an den Tag, an dem ich diesen gekauft hatte. Es war einer der Shoppingtouren mit Molly alleine. Da Susanne keine Zeit hatte, waren wir beide in einen Dessousladen gegangen. Mir war es anfangs unheimlich peinlich, dort hin zu gehen. Aber Molly sagte sofort: “Ach Kindchen... nur zwei Dinge sollten einem peinlich sein. In der Wildnis pinkeln zu müssen und sich dabei auch noch erwischen zu lassen.” Solche Sprüche hatte sie öfters auf Lager und mit dieser Art hatte sie mir oft gezeigt, dass es wirklich keinen Grund dazu gab. Dessous zu tragen, war etwas vollkommen Natürliches und genauso sollte ich mich fühlen. Das tat ich auch und zog gerne diese an.
 

Dank Molly hatte ich einiges an Selbstvertrauen gewonnen und war ihr unendlich dankbar, dass sie das auch bei allen anderen tat. Genau wie Susanne, die alle Mädels in der Agentur unterrichtet hatten, wie man sich benahm und diese Sicherheit ausstrahlten. Es war unglaublich, wie einfach die beiden Damen das Beste aus ihnen allen heraus holten. Damals war ich mir nicht sicher, wieso sie das taten, doch mittlerweile war mir klar geworden, dass sie einfach Langeweile hatten und Noyn gerne halfen, der ihnen demnach einige Dienste umsonst anboten. Denn beide Damen mochten es absolut nicht alleine zu Shoppen und zu Veranstaltungen zu gehen. Es war durch und durch eine Win-Win-Situation.
 

Nur im Slip bekleidet schritt ich zur Küche, um mir etwas zum Essen zu machen. Eine Kleinigkeit würde mir erst einmal genügen. Danach würde ich mich langsam fertig machen und später etwas mehr essen, da es peinlich wäre, wenn der Magen bei einer Gala plötzlich knurren würde. Bestimmt würde ich diese Schmach nicht mir und ebenso wenig Mister Smith geben. Sofort lächelte ich, als ich mir ein Brötchen mit Frischkäse und frischen Kräutern machte. Ich freute mich schon darauf, wieder mit Mister Smith zusammen unterwegs zu sein. Es würde sicher lustig werden und vermutlich auch wundervoll, denn er war ein großartiger Tänzer, obwohl er das nicht gerne tat.
 

Aber mit mir und seiner Frau tanzte es stets zwei Tänze und dabei gehörte die Tanzfläche immer ihm allein. Zu meinem Brötchen machte ich mir noch Kaffee und naschte an ein paar Snacktomaten. Gesättigt machte ich noch eine Tasse Kaffee und ging wieder ins Schlafzimmer. Da ich alleine lebte, war ich in meiner Wohnung öfters nackt oder in Unterwäsche unterwegs. Sowas störte mich nicht. Die einzigen Besucher, die ich bekam, waren meine Freundinnen Rosalie und Amélie. Wobei ich vor denen durchaus auch in Unterwäsche rumlaufen kann. Sogar oben ohne, da wir öfters in die Sauna zusammen gehen, wenn sie in Paris waren. Nur meine Intimzone sollte bedeckt sein. Alles andere war mir da meist Schnuppe.
 

Lächelnd stellte ich meine Tasse weg und suchte nach dem passenden BH zu dem Slip, den ich direkt anzog. Danach schlüpfte ich in meinen Morgenmantel, um die Unterwäsche nicht einzusauen, sobald ich mit dem Make-Up und dem Haarstyling anfangen würde. Erneut musste ich feststellen, wie toll der Slip war. Mein Morgenmantel war recht dünn und dieser schmiegte sich an meinen Körper an. Dabei bedeckte er alles und man konnte noch nicht mal den Slip darunter erkennen, da er keine Abdrücke auf dem seidenen Stoff machte. Definitiv würde ich davon noch ein paar holen müssen. Es war mehr als perfekt, da es echt schwer war, weil Unterwäsche oft unter den Seidenkleidern zu sehen waren und das war unschön.
 

Nach und nach machte ich mich fertig. Erst Haare föhnen, danach glätten und zurecht legen. Da es diesmal eine etwas andere Gala werden würde, hatte ich mich für eine schlichte Frisur entschieden. Offenes und geglättetes Haar, welches ich auf eine Seite fallen ließ und mit einfachen, goldenen Haarklammern befestigt. Es würde perfekt zu dem eleganten und goldenen Kleid aus Seide passen. Nebenbei hatte ich mir schnell ein paar Nudeln mit Butter und Käse gemacht und sie zwischendrin gegessen. Eine Frisur selbst zu machen, dauerte einiges an Zeit. Gesättigt kümmerte ich mich schließlich um mein Make-Up, welches meine Augen betonen sollte.
 

Smokey Eyes ging immer und in diesem Fall hatte ich bewusst Gold als Hauptton gewählt. Für die Lippen hatte ich einen dezenten rötlichen Ton gewählt, welcher fast als Nude durchgehen könnte. Aber auch nur fast. Lächelnd betrachtete ich mich im Spiegel und war mehr als zufrieden mit meinem Erscheinungsbild. Direkt packte ich meine Sachen zusammen, die ich mitnehmen würde und betrachtete meinen Schmuck. Mehrere Kollektionen hatte ich mittlerweile und konnte demnach frei wählen, welcher am besten zu meinem Outfit passen würde. Da mein Haar offen war, beschloss ich einfach Ohrstecker zu tragen. Diese waren schlicht golden mit einer weißen Perle dran. Als Halskette nahm ich ebenso Goldkette mit einer Perle und als Armband wählte ich ein goldenes Kettchen. Schlicht, einfach und elegant zu gleich.
 

Auch wenn manch einer dies als zu golden ansehen würde, so wäre es falsch Silberschmuck zu einem goldenen Seidenkleid zu tragen. Direkt schlüpfte ich aus dem Mantel und ging zu meinem Kleid, welches feinsäuberlich auf einem Bügel hing. Dieses zog ich gleich an und strich es behutsam mit meinen Händen glatt. Noch einmal warf ich einen Blick in den Spiegel und drehte mich langsam um meine eigene Achse. Alles saß perfekt und ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen, da man auf dem ersten Blick nach wie vor meine Unterwäsche nicht sehen konnte.
 

Zufrieden mit mir selbst, nahm ich die Handtasche, mein Handy und ging in den Flur, um meine Schuhe und ein Bolero an zu ziehen. Es dauerte nicht lange und ich hatte den Treffpunkt erreicht, nachdem ich die Wohnung verlassen und abgeschlossen hatte. Die Limousine hatte ich schon vom Weiten gesehen und konnte ebenso John’s Grinsen erahnen, da er mich bemerkt hatte. “Guten Abend, John”, grüßte ich ihn und er erwiderte den Gruß, bevor er mir die hintere Tür aufhielt.
 

Direkt stieg ich ein und begrüßte meinen ‘Opa’, der bereits drinnen saß, mit einer Umarmung und einem Kuss auf die Wange. Diesmal war er wohl von Anfang an mit dabei. Vermutlich konnte er sich früher von der Arbeit loseisen.
 

“Guten Abend, Jeanne. Du siehst wieder unglaublich aus, Prinzessin”, meinte Mister Smith mit einem ehrlichen Lächeln und ich wurde tatsächlich rot um die Nase.
 

“Danke... ich freue mich, wenn meine Auswahl passt”, erklärte ich und lachte leise.
 

“Selbst in einem Kartoffelsack wärst du die Schönste auf der Veranstaltung”, sagte er ernst und ich wusste genau, dass er das genauso meinte. Er fand natürliche Schönheiten weitaus besser als diese gemachten Silikonbarbies.
 

Wahrscheinlich war deswegen an seiner Frau nichts gemacht. Lediglich nur ihre grauen Haare färbte sie Aschgrau, damit sie einen schöneren Glanz hatten. Das langweilige Grau wollte sie dadurch aufpeppen. Zumindest hatte sie mir das vor einigen Jahren so erklärt. Egal wie natürlich sie war, trotz allem war sie eine Frau, die auf ihr Äußeres achten. Genau das würde ich ihr niemals übel nehmen. Schließlich war, ist und würde dies das Einzige sein, was ich ebenfalls bei mir machen lassen würde. Für alles andere an meinem Körper bevorzugte ich Sport, um mich in Form zu halten. Auch wenn ich nicht oft Zeit dazu hatte, so war ich joggen und werde das wohl auch künftig wieder öfters tun. Denn das powerte mich aus und vielleicht würde ich dann auch besser schlafen können.
 

“Danke dir, grand-père”, lächelte ich ihn sanft an und das Strahlen in seinen Augen nahm zu.
 

“Endlich”, grinste er breiter und bot mir etwas zu trinken an. Ich konnte nicht anders als zu schmunzeln, denn ich wusste, wie wichtig ihm das war. Daher lenkte ich schließlich ein. Immerhin würden wir nun einige Galas gemeinsam besuchen. Da sollte er sich, aber ich mich ebenso, so wohl wie möglich fühlen. Ehrlich gesagt half mir dies ebenfalls.
 

“Nur ein Wasser bitte”, sprach ich aus und er nickte.
 

Kaum hatten wir etwas zu trinken, schon erzählten wir uns von den vergangenen Tagen. Wobei ich natürlich alles, was in meinem privatem Leben passiert war, außen vor ließ. Obwohl ich in ihm einen guten Freund und einen Opaersatz sah, war er dennoch mein Kunde und mein Privatleben ging ihn eben nichts an. Dahingehend hatte ich meine Regeln und hielt mich strickt daran. Es war mir egal, ob dies vielleicht komisch war, doch für mich war es wichtig und alle sollten es akzeptierten. Wer das nicht konnte, hatte eben Pech. Es war nach wie vor mein Leben und meine Entscheidungen und diese hatte ich kurz nach der Unterzeichnung des Vertrages so beschlossen.
 

“Ich soll dir im Übrigen liebe Grüße von Lilly ausrichten”, kam es von ihm und kurz war ich überrascht.
 

“Oh... geht es deiner Frau gut?”, fragte ich vorsichtig nach, denn es war eher seltener, dass sie mich grüßen ließ. Nicht weil sie mich nicht mochte, sondern einfach, weil sie es oftmals vergaß. Da er genau wusste, was in mir vorging, lachte er erneut auf und nickte.
 

“Natürlich... ihr geht es sogar sehr gut... sie hatte sich erinnert, dass sie dich schon länger nicht mehr gesehen hatte”, erklärte er schließlich und nun musste ich auch lachen. Sie war hin und wieder wahrlich verpeilt, doch das war wohl normal bei Künstlern, die oft tagelang an einem Kunstwerk saßen.
 

“Das freut mich zu hören... grüß sie bitte zurück”, lächelte ich ihn an und er nickte eifrig.
 

“Da wird sie sich freuen”, sprach er fröhlich aus und trank sein Glas leer, ehe der Wagen hielt. Ich hatte mal wieder nicht mitbekommen, dass wir schon am Ziel angekommen waren.
 

Zusammen stiegen wir aus und gingen zum Eingang, um dort die Einladung vor zu zeigen. Angemessen wurden wir begrüßt und sogar von einem Ordner hinein gebracht, der sich um unsere Garderobe kümmerte und Getränke besorgt hatte. Positiv überrascht nickte Mister Smith ihm zu und wir gingen weiter zum großen Saal, in dem die Gala stattfand. Dort trafen wir auf bekannte Gesichter und ließen es uns gut gehen, wie so oft auf solchen Versammlungen. Von der Organisation waren wir alle sehr erfreut gewesen, denn es war wahrlich eher ungezwungen und doch hatte man eine gewissen Ernsthaftigkeit mitbekommen. Das erfreute meinen Begleiter sehr, denn an solchen Events nahm er gerne Teil.
 

Denn hier lag definitiv das Anliegen im Fokus und nicht das Ansehen von irgendwelchen Möchtegern Promis. Aus diesem Grund war Mister Smith sehr gut drauf und tanzte sogar öfter mit mir als gewöhnlich. Mir machte es nichts aus, da ich mich gerne von ihm auf der Tanzfläche führen ließ. Wobei ich im Allgemeinen durchaus gern die Kontrolle anderen übergab. Solange dies in meinem Sinne war, war ich damit einverstanden und genoss für den Moment einfach ‘frei’ von Überlegungen zu sein. Es war gut hin und wieder den Kopf abschalten zu können und nur zu handeln. Das konnte ich nur bei wenigen Personen und Mister Smith gehörte definitiv dazu.
 

Der Abend ging sehr lange und wir hatten zwischen drin etwas zu essen bekommen und jede Menge zu trinken. Wobei wir nur zwei Gläser Champagner hatten und ansonsten auf alkoholfreie Getränke umgestiegen waren. Zwar war ich trinkfest, doch würde ich nie mehr als drei Gläser von dem Edelwasser trinken oder eben einem Glas härterem Schnaps. Ich hatte meine eigenen Limits, an die ich mich hielt, und auch mein ‘Opa’ schien dies zu haben. Noch nie hatte ich ihn betrunken erlebt und er hatte meist nur zwei oder drei Gläser, ehe er auf Wasser oder Säfte umstieg. Vermutlich passten wir deshalb so gut zusammen, weil wir uns sehr ähnlich waren.
 

Spät in der Nacht oder auch am frühen Morgen kam ich erst ins Bett. Denn es war bereits schon nach 4 Uhr morgens, als ich meine Wohnung betrat. Sofort hatte ich mich ausgezogen und war schlafen gegangen, um fit zu werden. Auch wenn ich eine Menge Spaß hatte, so war ich durch aus müde und erschöpft gewesen. Zum Glück konnte ich ausschlafen, denn für den nächsten Abend brauchte ich nicht lange, um mich fertig zu machen. Denn ich hatte alles schon soweit bereit gelegt, sodass ich nur duschen, Make-Up auflegen und meine Haare stylen müsste. Das war eben das Einfachste, da ich Mister Smith schon sehr gut kannte und wusste genau, was er von mir erwartete und genau das gab ich ihm.
 

Die nächsten beide Tage liefen ähnlich ab, denn gegen 19 Uhr wurde ich abgeholt und fuhr mit Mister Smith in der Limousine zu den Events. Es waren zwar andere Gäste, doch diesmal waren auch Molly und Susanne da. Sie waren mal wieder der Hingucker des Abends, denn sie sahen so majestätisch aus, dass selbst ich ein wenig neidisch war. Definitiv wollte ich in ihrem Alter genauso sein. Anmutig und voller Lebensfreude. Denn genau das strahlten sie für mich aus. Selbst Mister Smith sagte das jedes Mal, dass die beiden meist mehr Freude brachten als alle anderen zusammen. Das war ein unglaubliches Kompliment in meinen Augen. An diesen Abenden hatte er sogar auch mit ihnen getanzt und ich musste dabei immer wieder grinsen.
 

Es war einfach toll diese Dynamik der dreien. Sie wussten alle drei, wer ich genau war, und das machte ihnen absolut nichts aus. Im Gegenteil. Sie sprachen sich sogar meist an solchen Abenden ab, wie sie am besten die Zeit einteilen konnte, da ich nicht mit allen gleichzeitig unterwegs sein konnte. Sie waren so verständnisvoll, dass ich einmal mehr für den Augenblick vergaß, welchen Beruf ich eigentlich ausübte. Obwohl ich diesen nicht mehr lange machen würde. Denn sobald mein Vertrag zu Ende gehen würde, werde ich meinen Traumberuf ausüben und wer weiß, vielleicht kehre ich wieder zurück in mein Geburtsland. Aber noch war nichts spruchreif.
 

Schließlich hatte ich noch ein Jahr und neun Monate vor mir, die ich an die Agentur gebunden war. Doch mit solchen Kunden, die mehr wie Freunde wirkten, würde die Zeit sicher schnell vergehen. Vor allem dann, wenn meine Kolleginnen und Freundinnen endlich wieder da wären. Ich freute mich schon riesig darauf, sie beide wieder zu sehen und zu hören, was sie alles berichten würden. Bestimmt würde das eine Menge sein, da sie über zwei Monate unterwegs waren auf einer Kreuzfahrt quer über die Südsee. Mit Sicherheit würden sie braungebräunt wieder kommen und dieser Gedanke zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Aber nun konzentrierte ich mich wieder auf meinen Auftrag und leistete Mister Smith auch bei der dritten Gala Gesellschaft.
 

Nach dem Abend war ich mehr als froh, dass ich erst einmal nicht mehr unter all diese Menschen gehen musste. Erst am nächsten Wochenende wäre ich wieder mit meinem ‘Großvater’ bei dem nächsten Event. Dazwischen hatte ich nur einen Begleitjob. Zu einem 10-jährigen Klassentreffen nach der Abschlussklasse. Dies war für mich ein Kinderspiel, denn dabei musste man sich nicht allzu sehr verstellen, da ich fast in dem Alter war, wie all die Anwesenden. Aber erst einmal würde ich meinen freien Tag genießen. Denn diesen hatte ich nur für mich alleine und diesen würde ich nutzen, um mich endlich um den Haushalt zu kümmern. Allen voran zum Wäschewaschen und die Wohnung zu putzen. Da diese Dinge oftmals liegen blieben, wenn ich an mehreren Abenden arbeiten musste.

Das langersehnte Wiedersehen

Der freie Tag verflog schneller als ich dachte. Doch ich hatte auch einiges geschafft. Erst einmal schmiss ich meine Wäsche in die Waschmaschine. Während diese lief, verstaute ich meine Kleider in die Kleidersäcke und meine Seidenunterwäsche, sowie Nachthemden in einen Extrabeutel. Dies alles würde ich zur Reinigung bringen. Denn meine besonderen Dessous erforderten eine besondere Pflege, weshalb ich diese generell professionell waschen ließ. Immerhin konnten diese bei mir in der Waschmaschine leicht kaputt gehen oder eben fransig werden und das wollte ich definitiv nicht. Dazu waren sie einfach viel zu schön und zu teuer gewesen. Da ich all meine Kleider dort reinigen ließ, hatte ich ein gutes Abo bei ihnen, sodass die Kleinteile nahezu umsonst mit gemacht wurden.
 

Nach der Reinigung war ich einkaufen, um meinen Kühlschrank wieder auf zu füllen und ein paar Getränke zu besorgen. All dies neigte sich rasch dem Ende, wenn man sie nicht nachkaufte. Mit vollbeladenen Tüten kam ich daheim an und verstaute die Einkäufe direkt, ehe ich meine Wäsche aufhing und schließlich bei einem Film entspannte. Dabei naschte ich etwas von meinen Chips und trank Tee und Saft dazu. Das war eine meiner Lieblingsbeschäftigung. Als ich im Programm den Lieblingsfilm meiner Mutter entdeckte, konnte ich nicht widerstehen und blieb bei diesem hängen. Es war eine schöne Liebesgeschichte und ich konnte mich noch daran erinnern, dass Mama immer davon geschwärmt hatte.
 

“Eines Tages wirst du auch die Liebe erfahren... nur sei nicht so streng zu dem Mann deines Herzen... Männer sind oft schwach und laufen vor ihren Gefühlen davon”, sagte sie mir immer wieder und deutete dabei auf die ganzen Filme, die wir uns gemeinsam ansahen.
 

Schmunzelnd dachte ich an all diese Situationen zurück und wusste noch genau, dass ich so strikt dagegen war, eines Tages einen Mann neben mir zu haben. Schließlich hatte ich doch meinen Papa bei mir und er war immer mein Held gewesen. Leise seufzte ich und blickte zu dem Familienbild, welches an der Wand hing. Es war das letzte, welches wir gemacht hatten. Es war Weihnachten vor dem Unfall und wir waren alle vor dem Eifelturm, weil wir uns dort die Lichter angesehen hatten. Es war unglaublich schön und wir drei lachten darauf. Das war nach wie vor mein Lieblingsbild und würde es wohl bleiben. Zu mindestens neben dem Hochzeitsbild meiner Eltern und dem ersten Foto nach meiner Geburt.
 

“Koron... unsere kleine ist noch zu klein, um das zu verstehen”, hatte mein Vater gemeint und mich dabei immer hochgehoben. “Doch egal, ob du einen Mann finden wirst oder nicht möchtest, so wirst du immer meine Prinzessin bleiben, Maron.” Diese Worte ließen mich immer kichern, denn da hatte er Recht gehabt. Ich wäre immer Papas kleine Mädchen geblieben. Daher hatte ich den gleichen Berufswunsch gehabt wie meine Eltern. Ich wollte Architektin werden und mit meinen Eltern zusammen im Büro arbeiten.
 

“Sobald ich frei bin... werde ich genau das tun, das verspreche ich euch”, versprach ich ihnen und würde durch meine Arbeit die Ihrige ehren. Vielleicht würden sie mir meinen Fehler von damals verzeihen können, aber ich hatte kaum eine andere Wahl. Sogleich schüttelte ich den Gedanken ab und konzentrierte mich wieder auf den Film.
 


 

Die Tage vergingen und das Klassentreffen war wirklich ganz angenehm gewesen. Der Mann, den ich begleitet hatte, war vier Jahre älter und hatte mich als seine beste Freundin ausgegeben. Er wollte eigentlich mit seiner Verlobten kommen, aber sie konnte nicht und um die Gerüchte zu vermeiden, warum er alleine war, hatte er die Agentur gebeten. Tatsächlich sah ich der Frau ähnlich, die seine beste Freundin auch war. Für mich war es demnach leicht in die Rolle zu schlüpfen und es hatte auch viel Spaß gemacht. Er war sehr bodenständig, obwohl er ein Juniorpartner in einer Kanzlei war. Das hätte ich nicht gedacht, dass er so normal war. Dadurch hatte ich eine Willkommene Abwechslung.
 

Zum Wochenende hin hatte ich mich wieder für zwei Galas schick gemacht. Diesmal waren es wirklich spießige Veranstaltungen. Sogar Mister Smith blieb nur so lange, wie er eben von seinem Ansehen her musste. Er hatte sich sogar im Vorfeld bei mir entschuldigt, denn bei solchen Events war er recht mürrisch unterwegs. Doch das machte mir nicht viel aus, denn ich hatte ihn mittlerweile von vielen Seiten kennen gelernt und wusste, wie er tickte und wie ich ihm den Abend dennoch ein wenig verschönern könnte. Es störte mich demnach nicht, dass wir früher weg waren, denn bei all den Snobs konnte man nur mies drauf sein. Zusätzlich hatte es den Vorteil, dass ich zeitig zu Hause war, sodass ich um einiges ausgeruhter am nächsten Morgen war.
 


 

Am Montagmorgen erwachte ich vor meinem Wecker und streckte mich einmal. Nur noch ein Galawochenende, dann konnte ich meine Konzentration erst einmal auf die Abschlussfeier legen. Denn diese würde am 09. April stattfinden und dafür musste ich noch einiges erledigen. Daher würde ich mir eine Liste machen, damit ich ja nichts vergessen konnte. Nachdem ich aus dem Bett raus kam, machte ich mir erst einmal einen Kaffee und wollte dann unter die Dusche, als sich eine Nachricht auf meinem Handy ankündigte. Direkt ging ich zum Nachtkasten und sah nach. Überrascht blinzelte ich, denn ich hatte eine Benachrichtigung von Misses Smith. Sofort öffnete ich diese.
 

“Guten Morgen, Jeanne... ich hoffe, ich wecke dich nicht”, las ich und musste schmunzeln. “Mein Mann hatte gestern ganz vergessen zu sagen, dass wir für den Samstag umdisponiert haben. Wir gehen nicht zur Operngala, sondern zu einem Maskenball. Dieser wird von einer Organisation für Kinder ausgerichtet und sie verdienen etwas mehr Aufmerksamkeit. Deshalb werden wir dort sein und du daher ebenso. Ich werde Freitag mit John dich abholen, um für dich ein pompöses Abendkleid zu besorgen. Natürlich geht das auf unsere Kosten, da wir kurzfristig die Einladung erhalten haben. Rest besprechen wir die Tage, Gruß Lilly.”
 

Erneut überflog ich die Zeilen und blinzelte einmal. Das war untypisch, dass das Ehepaar Smith kurzfristig eine Änderung gemacht hatte. Doch für mich war es eigentlich egal, wohin ich die beiden begleiten würde. Ein Maskenball klang aufregend und ich war neugierig. Daher freute ich mich schon jetzt darauf. Schnell tippte ich ihr eine Antwort und sagte ihr, dass sie mir kein Kleid kaufen müssten und ich am Freitag bereit wäre, um mit ihr einkaufen zu gehen. Es dauerte nicht lange und ich erhielt direkt eine Reaktion von ihr. Sie bestand darauf, die Kosten zu übernehmen, und freute sich ebenfalls auf die Shoppingtour mit mir. Seufzend sah ich auf die Nachricht und lächelte sanft, während ich ein ‘Danke’ zurück schrieb.
 

Man konnte ihr einfach nichts abschlagen, genauso wenig wie ihrem Mann. Schon musste ich schmunzeln und würde ihnen die Freude machen. Ich war schon gespannt, welches Kleid ich anziehen müsste. Doch da ich zum Glück keine Abneigungen hatte, außer der Farbe Pink, wäre es wohl auch nicht allzu schlimm, wenn es irgendwas Verrücktes oder Übertriebenes wäre. Da ich keine weitere Nachricht mehr bekommen hatte, beschloss ich schnell unter die Dusche zu springen. Dabei würde ich überlegen, was ich zum Essen wollte. Generell nutzte ich die freien Tage, um meine Wohnung sauber zu halten. Daher wollte ich noch meine Küche sauber machen und beschloss aus diesem Grund mir später eine Pizza zu bestellen. Auf diese Weise könnte ich alles sauber bekommen.
 

Kaum strahlte die Küche, schon lag ich auf dem Sofa. Freie Tage waren meist nicht so spannend und doch war ich danach fix und fertig. Deshalb entspannte ich bei meiner Lieblingsserie. Meinen Entschluss Pizza zu bestellen hatte ich weise gewählt, denn es war schnell und unkompliziert. Aber vor allem musste ich dafür nichts tun, außer an zu rufen. Gerade griff ich nach meinem Handy, um die Nummer meiner Stammpizzeria zu wählen, als sich ein Anruf ankündigte. Ungläubig weiteten sich meine Augen, als ich den Namen darauf erblickte. Sofort ging ich ran: “Rose und Ami!”, grüßte ich freudig die beiden und hörte schon ihr Lachen.
 

“Hey, Maron... woher wusstest du denn, dass Ami auch bei mir ist”, merkte Rosalie an.
 

“Ich kenne euch lang genug und weiß, dass ihr noch zusammen seid, wenn ihr gemeinsam unterwegs wart”, entgegnete ich und wir drei mussten wieder lachen. So waren die beiden nun Mal und das mochte ich auch an ihnen.
 

“Wir wollten dir nur Bescheid geben, dass wir in zwei Stunden landen werden... magst du morgen zum Brunch zu mir kommen?”, fragte Amélie, denn ihre Wohnung war etwas größer als die von Rosalie und mir. Aber ebenso zentraler gelegen, weshalb wir uns meist bei ihr trafen.
 

“Klingt nach einem Plan... ich bringe Brötchen und Croissants mit”, stimmte ich gleich zu. Da ich die beiden schon lange nicht mehr gesehen hatte, freute ich mich umso mehr auf das gemeinsame Essen und unsere Gespräche.
 

“Und ich bringe einen Kuchen mit”, meinte Rosalie, da wir sicher nicht nur brunchen würden.
 

“Also um 10 bei mir?”, stellte Amélie den Zeitpunkt klar. Dem stimmten wir beide direkt zu und sprachen noch kurz, wie es ihnen ging.
 

Erst als die beiden in den Flugmodus mussten, legten wir auf und ich grinste vor mich hin. Endlich waren die beiden bald wieder da und wir konnten gemeinsam einiges unternehmen. Durch diesen Anruf war ich voller Vorfreude und konnte es kaum erwarten, dass es nächster Tag werden würde. Tatsächlich war ich nun etwas aufgekratzt, weshalb ich mich mit einem Film ablenkte und doch nebenbei mir Notizen machte, was ich am kommenden Tag mitnehmen wollte. Neben den Brötchen und Croissants würde ich sicher noch Schokolade und Marmelade mit nehmen. Vor allem diejenigen, die wir gerne naschten. Wir hatten da oftmals unterschiedliche Geschmäcker, jedoch bei Schokolade und Marmelade waren wir auf demselben Nenner.
 

Während ich den Film genoss, bestellte ich mir noch mein Essen und konnte in meine Pizza nach 30 Minuten herzhaft hineinbeißen. Genüsslich stöhnte ich auf und für einen Moment war ich wie in einer eigenen Welt. Die Pizza war einfach göttlich köstlich. Das war einer der Gründe, warum ich dort immer meine Pizzen bestellte. Klar müsste ich eine Runde mehr im Park einlegen, doch das war es mir wert. Da ich genau wusste, dass ich sowieso nicht lange schlafen könnte, beschloss ich am nächsten Morgen Joggen zu gehen und danach einen Halt beim Bäcker machen, um das Gebäck für unseren Brunch zu holen. Daher stellte ich meinen Wecker schon ein und aß weiter die Pizza, ehe der Abspann des Filmes schon kam.
 

Schnell räumte ich noch auf und machte den Fernseher aus, bevor ich mich noch kurz frisch machte. Danach begab ich mich gleich ins Bett und freute mich schon richtig darauf, wenn der Morgen endlich beginnen konnte. Wie schon gedacht, bekam ich nicht sonderlich viel Schlaf, doch interessanterweise war ich um einiges fitter als gedacht. Deshalb stand ich kurz nach dem Weckruf des Handys auf. Es dauerte nicht lange, bis ich mein Joggingoutfit an hatte. Es bestand aus einer enganliegenden Hose, einem Sport-BH und natürlich einem größeren Shirt, welches meine Kurven kaschierte. Zwar hatte ich keine Probleme damit, doch ich wollte beim Joggen nicht begafft werden. Da wollte ich nur für mich sein.
 

In die Hosentasche, die in die Hose mit eingenäht war, hatte ich mein Handy und den Schlüssel verstaut. Im Handy hatte ich immer ein paar Geldscheine, damit ich nicht jedes Mal einen Geldbeutel mitnehmen musste. Meine Sportschuhe zog ich mir noch an und nahm meinen I-Pod, um beim Laufen Musik zu hören. Damit bewaffnet verließ ich meine Wohnung. Sogleich begab ich mich mit der Bahn zwei Stationen weiter, um zum Park zu gelangen. Dort lief ich normalerweise zwei Runden, doch diesmal machte ich drei draus. Irgendwie musste ich die Zeit etwas strecken, denn mein Lieblingsbäcker war noch nicht offen. Dieser machte nun mal das beste Gebäck.
 

Kaum war ich mit meiner dritten Runde durch, schon eilte ich zum Ausgang des Parks. Dort war ein Kiosk, wo ich mir immer ein kühles Wasser holte. Die Verkäuferin kannte mich schon und hielt mir das Wasser entgegen. Dankend nahm ich es an und trank dieses fast schon einem Zug leer. Genüsslich seufzte ich und nahm mir noch eine Flasche für den Weg mit, bevor ich beide Flaschen zahlte und mich bis zum nächsten Mal verabschiedete. Direkt führte mich mein Weg zwei Blocks weiter zum Bäcker. Dort sah ich mich einmal um und grinste, als ich all die Leckereien schon entdeckte. Sofort bestellte ich ein paar Croissants und gemischte Brötchen. Wir drei liebten die Vielfalt, besonders bei Körnerbrötchen konnte keiner von uns widerstehen.
 

Vom Bäcker bekam ich noch einen Leinenbeutel, in dem ich die Gebäcke transportieren konnte. Mit einem Lächeln dankte ich diesem und machte mich auf dem Weg nach Hause. Dort angekommen, schloss ich die Tür zur Wohnung auf, hing den Leinenbeutel auf und zog meine Schuhe aus. Schlüssel und Handy landen auf der Kommode. Gleich eilte ich zum Badezimmer, zog mich aus und stieg gleich unter die Dusche. Wohlig seufzte ich auf und genoss das kühle Nass auf meinem Körper. Einen Moment gönnte ich mir, bevor ich damit anfing mich zu waschen und ebenso meine Haare. Sie waren so lang, dass sie nun mal einiges Pflege bedurften. Nachdem ich fertig war, wickelte ich die Haare in ein Handtuch und trocknete mich ab, ehe ich ins Schlafzimmer ging.
 

Aus dem Schrank holte ich meine Sachen heraus und zog mir zuerst meine Unterwäsche an. Ich wählte schlichte und schwarze, da sie nun mal bequem waren und ich an diesem Tag definitiv etwas Entspanntes machen würde. Darüber zog ich meine Lieblingsjeans an und ein einfaches, aber enganliegendes Shirt. Zufrieden grinste ich mein Spiegelbild an und lockerte nun das Handtuch um meine Haare. Sogleich föhnte ich diese leicht an, ehe ich mir einen lockeren Dutt machte. So konnte ich problemlos rüber fahren zu Amélie und bei ihr würden die Haare fertig trocknen. Denn eigentlich war ich gar kein Freund vom Föhnen, da dies mein Haar stark angriff. Lächelnd schnappte ich noch meine Handtasche und eilte in den Flur.
 

Definitiv konnte ich es nicht mehr erwarten, die beiden wieder zu sehen. Schnell schlüpfte ich in meine Ballerinas und nahm den Beutel, das Handy und die Schlüssel. Erst dann ging ich durch die Wohnungstür und schloss diese hinter mir ab, bevor ich runter ging und mich zu der Bahn begab. Nun müsste ich knapp 15 Minuten mit der Straßenbahn fahren, um zum Wohnblock von Amélie zu gelangen. Sie wohnte näher zum Zentrum hin, während ich eher abseits war, weil mir wichtig war in der Nähe vom Park zu sein. Ich liebte die Natur und brauchte diese Ruhe, die ich dort immer finden konnte, wenn ich sie mal brauchte. Mein Handy holte ich noch hervor und schrieb den beiden, dass ich auf dem Weg war und mich sehr auf sie schon freute.
 

Zur Antwort bekam ich einen Kussmund von Rosalie und von Amélie ein Smiley mit Herzchenaugen. Gott wie ich die beiden vermisst habe. Sie erhellten meinen Alltag immer mit solchen Aktionen. Meist kamen lustige Unterhaltungen bei herum, aber öfters waren es nur Smileys. Wir waren schon daran gewohnt zu wissen, was die andere damit sagen wollte. Ich gebe es zu, wir sind vielleicht eine komische Konstellation, aber genau das liebten wir aneinander. Grinsend stieg ich an der Station aus und lief die Straße weiter, ehe ich in eine Seitenstraße bog und direkt schon das Wohnhaus sehen konnte. Es war mal wieder belebter um mich herum, doch das beachtete ich nicht weiter, denn ich hatte nur mein Ziel vor Auge.
 

Nur wenig später stand ich schon beim Hauseingang und klingelte bei dem Namensschild von Amélie. Ein paar Sekunden später wurde mir schon geöffnet und ich betrat den Hausflur. Wie von selbst sah ich nach, ob in ihrem Briefkasten etwas wäre. Das war schon normal von uns, dass wir diese mit rauf nehmen, sollte etwas drin sein. Da nichts da war, begab ich mich zur Treppe und dann zum 3. Stockwerk. Dort lebte sie in einer Maisonettwohnung, die einfach nur unglaublich war. Sie liebte es extravagant und daher war auch ihre Wohnung genauso ausgewählt und eingerichtet. Mein Grinsen wurde noch breiter, als ich die letzten Stufen nahm.
 

Bestimmt machte ich der Grinsekatze aus Alice im Wunderland Konkurrenz, da ich gerade die Wohnungstür erreicht hatte. Noch bevor ich dort klingeln konnte, schon wurde die Tür aufgemacht. “Maron!”, rief Amélie freudig aus und sprang mich bereits regelrecht an. Lachend fing ich sie auf und drückte sie gleich an sich.
 

“Hey Ami”, grüßte ich und sie seufzte.
 

“Endlich haben wir dich auch wieder um uns herum”, sagte sie ehrlich und zog mich regelrecht in die Wohnung hinein.
 

“Langsam, Kleines”, meinte ich. Da sie ein wenig kleiner als ich war, durfte ich sie so nennen.
 

“Ach was... ich habe dich schon über zwei Monate nicht mehr gesehen!”, erklärte sie gleich fast schon entrüstet. Tatsächlich war das eine lange Zeit. Normal sahen wir uns nur maximal zwei Wochen nicht. Doch dieses Mal war alles ganz anders. Rosalie und Amélie waren beide bei ihren Aufträgen gewesen und das für diesen längeren Zeitraum.
 

“Ich weiß, Kleines”, grinste ich sie an und sah mich in ihrem großzügigen Wohnzimmer um. “Ist Rose noch nicht da?”, fragte ich nach.
 

“Sie ist aufgehalten worden”, kicherte Amélie und führte mich schon zum Esstisch, der komplett gedeckt war. Während sie in die Küche ging, um den Kaffee zu holen, hatte ich die Brötchen und die Croissants aus dem Beutel genommen. Ebenso die Marmelade und die Schokoladencreme.
 

“Aufgehalten?”, wollte ich wissen und sie kam lachend zurück zum Tisch, wo sie gleich die Kanne mit dem Kaffee hinstellte und noch eine Karaffe mit Orangensaft.
 

“Ja... ihr Lover”, erklärte sie und nun zuckten meine Mundwinkel. Rosalie hatte seit einiger Zeit einen Verehrer. Mit ihm war sie sogar die letzten zwei Monate unterwegs. Ich wollte noch etwas wissen, doch da klingelte es schon und Amélie lief zur Tür. Erst machte sie unten auf und grinste mich an. “Wenn man eben vom Teufel spricht”, lachte sie und ich musste ebenso lachen. Sie war schon eine Hausnummer für sich. Nur einen Moment später öffnete sie die Tür und Rosalie lag schon in ihren Armen.
 

“Na... auch endlich hier?”, grinste ich sie an und es dauerte nicht lange, bis sie mich ebenso ansprang.
 

Amüsiert lachte ich, als ich auch das Gewicht von Amélie spürte. Wir knuddelten zu dritt und ich freute mich riesig, die beiden wieder um mich zu haben. Nach einer Weile lösten wir uns und setzten uns an den Tisch, denn so langsam bekamen wir alle Hunger. Wir gossen uns Kaffee und Orangensaft ein und begannen schließlich mit dem Essen.

Außergewöhnliche Vorlieben

“Mmmmh... das ist so lecker”, stöhnte Amélie, nachdem sie einen Bissen von ihrem Croissant nahm.
 

“Oh ja... absolut!”, stimmte Rosalie ihr direkt zu und ich freute mich, dass das Gebäck bei ihnen ankam.
 

“Somit habe ich das richtige mitgebracht”, grinste ich beide abwechselnd an und sie nickten sofort.
 

“So ist es, Maron”, kam es von Amélie.
 

“Und nun erzählt, wie war es auf eurer Kreuzfahrt?”, fragte ich neugierig nach und betrachtete die beiden eingehend. Während Amélie knallrot wurde, grinste Rosalie.
 

Damit war es für mich klar, dass sie beide voll und ganz auf ihre Kosten gekommen waren. Sie sahen sich gegenseitig an und danach begann Amélie zu erzählen, dass es eigentlich erst locker in einem Hotel in Madrid startete. Dort waren sie zwei Tage mit den Männern, die sie gebucht hatten, und sahen, wie die Chemie funktionierte. Da Rosalie ihren Kunden bereits schon von einigen Begegnungen kannte, war es bei ihr klar gewesen, dass sie mit ihm gut harmonisierte. Er hatte sie einige Wochen vor dem Ausflug für drei Galen gebucht und schon da hatte es scheinbar gefunkt zwischen ihnen. Ich könnte glatt meinen, dass Rosalie sich sogar in ihn verguckt hatte.
 

“Am dritten Tag wechselten wir zur Yacht... was dort auf uns wartete, hätten wir niemals zuvor gedacht”, meinte Rosalie und wurde noch röter um die Nase.
 

“Du wirst es nicht glauben, Maron... beide waren einfach unglaublich. Sie wussten genau, was wir wahrlich wollten und tatsächlich brauchten”, kam Amélie auf den Punkt und schien zu schwärmen. Ihr konnte ich ebenso ansehen, dass es ihr sehr gefallen hatte, mit ihrem Kunden unterwegs zu sein.
 

“Du meinst in jeglichem Sinne?”, hakte ich nach und wackelte mit den Augenbrauen.
 

“Korrekt... in jeglichem Sinn”, entgegnete Rosalie und meine Mundwinkel zuckten verdächtig.
 

“Also... habt ihr mit ihnen gespielt?”, fragte ich nach und bezog mich dabei auf ihren speziellen Lebensstil.
 

Denn beide waren sehr gerne in der Szene unterwegs. So oft sie konnten, machten sie Sessionen mit einem Dom. Beide waren devote Frauen. Man sah es ihnen zwar nicht an, doch wenn es ums Spielen ging, waren sie sehr unterwürfig. Obwohl sie durchaus hin und wieder kleine Gören sein konnten. So bezeichnete man die Frauen, die trotz ihres Subdaseins auch Widerworte gaben und sie eben auch mal ‘bockig’ oder gar ‘zickig’ verhielten. Solch ein Verhalten zog immer eine Bestrafung mit sich mit. Oftmals machten dies die Frauen, um genau das zu erhalten, da sie darauf standen. Besonders Rosalie liebte diese besonders.
 

“Oh ja... das haben wir wirklich”, bestätigte diese und Amélie kicherte leise.
 

“Auch... zusammen?”, fragte ich nach und beide nickte. Sie hatten keinerlei Probleme damit mit mehreren eine Session zu machen. Dahingehend waren sie sehr offen und sprachen darüber, wenn ich nachfragte. Ich war zwar auch in der Szene, jedoch nicht so oft wie die beiden. Das lag aber eher daran, weil ich keinen festen Dom mit meinem momentanen Job vereinbaren könnte. Das wäre einfach viel zu komisch. Auch ein Grund, warum ich noch Single war und dies bleiben würde, bis ich den Vertrag erfüllt hätte.
 

“Zwei Mal in der Woche hatten wir eine Session gemeinsam... also zu viert. Es war wirklich aufregend und erregend”, lächelte Amélie und Rosalie nickte zustimmend. Scheinbar hatte es beiden sehr gefallen, mal wieder von zwei Doms verwöhnt zu werden.
 

“Habt ihr mit ihnen auch geschlafen?”, kam es neugierig über meine Lippen, da ich wusste, dass sie nur selten mit den Männern schliefen. Jedoch meist dann, wenn sie in ihrem Spiel waren. Daher wollte ich heraus finden, ob sie das taten.
 

“Nun... zu Beginn war das nicht geplant”, gestand Rosalie zuerst und spielte nervös mit einer ihrer roten Haarspitzen.
 

“Es war uns anfangs noch nicht einmal klar, dass wir zusammen auf diese Yacht gehen würden”, fügte Amélie an und nun wurde ich hellhörig. Unbedingt musste ich wissen, warum dies so war.
 

Nun erzählten die beiden mir alles. Von Beginn an. Dass die Wahl auf Amélie erst kurzfristig gefallen war. Eigentlich wollte Rosalies Kunde Raphael erst alleine mit ihr wegfahren, doch da sie ihm von uns, ihren Freundinnen, erzählt hatte, hatte er vermutlich seinen Freund ebenso davon berichtet. Dadurch wurde Alessandro auf Amélie aufmerksam und wollte sie unbedingt kennen lernen. So wurde der Stein ins Rollen gebracht. Nun verstand ich so langsam, wie das Ganze von statten ging. Tatsächlich konnte ich mir sehr gut vorstellen, warum er gefallen an Amélie gefunden hatte. Sie strahlte durch und durch diese Gören-Attitude aus. Vermutlich wollte er genau das und hatte es dementsprechend erhalten.
 

Dass sie beide umso überraschter waren, konnte ich mir denken und grinste sogar. Denn ich vermutete, dass ihr Kunde das wirklich mit Absicht gemacht hatte. Er wollte, dass sie sich wohl fühlte und damit hatte er es ganz leicht erreicht. Zudem kamen alle scheinbar auf ihre Kosten. “Und... seht ihr die beiden wieder?”, fragte ich nach und musste mir ein Lachen verkneifen, da beide eine Spur röter im Gesicht wurden.
 

“Ehrlich gesagt... würde ich das sehr gerne”, gestand Amélie und biss sich auf die Unterlippe.
 

“Also... Raphael wollte mich bald wieder sehen”, lächelte Rosalie und zeigte auf ihr Handy. “Er hatte mich vorhin angerufen, weshalb ich zu spät kam.”
 

“Zu einer weiteren Session?”, hakte Amélie nach und neugierig blickte ich zu Rosalie.
 

“Ich vermute... er hatte... nach einem Date gefragt”, kam es etwas zögernd von ihr.
 

“Nach... einem Date? Wirklich?”, musste ich sicher gehen, dass ich mich nicht verhört hatte. Rosalie nickte schüchtern und irgendwie kannte ich sie so gar nicht. Scheinbar hatte sie sich wirklich in den Mann verguckt. “Und... was spricht dagegen?”, fragte ich vorsichtig nach.
 

“Es ist schwer zu sagen... ob er eben wirklich mich will”, versuchte sie es zu erklären und ihren Zwiespalt konnten wir gut verstehen. Durch unseren Job war es wirklich schwer zu sagen, ob die Leute eher uns sehen wollten oder eben das, was wir verkörpern sollten.
 

“Hm”, überlegte ich und sah zu ihr. “Und wenn du es ausprobierst... sei du selbst bei dem ‘Date’ und dann wirst du sehen, wen er genau will”, schlug ich ihr vor, denn nur wenn sie selbst war, konnte sie es heraus finden. Schließlich hatte er sie als Sub nun zu genüge kennen gelernt, doch im Alltag war sie durchaus schlagfertig.
 

“Maron hat Recht. Probiere es aus und wenn er dich nur wegen der Sessionen mag, dann bleib nur dabei”, meinte Amélie lächelnd und damit brachten wir Rosalie zum Grübeln.
 

“Vermutlich... habt ihr Recht”, meinte sie und würde es wohl ausprobieren. “Ich werde mich mit ihm verabreden... außerhalb des Jobs und der Szene”, kam es entschlossen von ihr und sie holte ihr Handy heraus, um ihm eine Nachricht zu schreiben. “Danach sehe ich weiter... nun aber genug von mir... wie waren die letzten Wochen bei dir, Maron?”, lenkte sie vom Thema ab und ich blinzelte über diesen schnellen Wechsel.
 

Einen Moment brauchte ich und räusperte mich, ehe ich ihnen von meiner Zeit berichtete, seit sie weg waren. Sie lauschten mit und sahen neugierig zu mir. Lächelnd sprach ich von den Galas und wie viel Spaß ich schließlich Dank Mister Smith hatte. Danach erzählte ich ihnen, dass ich zu einem Maskenball gehen würde. “Oh wie aufregend”, lächelte Amélie und wollte wissen, ob ich schon wusste, welches Kleid und welche Maske ich tragen würde.
 

Diese Frage musste ich verneinen, denn das war noch alles ungewiss. Direkt plapperten sie drauf los, was sie sich gut bei mir vorstellen könnten. Schmunzelnd betrachtete ich die beiden und grinste immer wieder, denn genau deshalb mochte ich sie beide so sehr. Sie waren sofort da und gaben mir Tipps und Hilfestellungen. Dafür war ich ihnen sehr dankbar. Dadurch hatte ich eine kleine Vorstellung, wonach ich am Freitag beim Shoppen achten würde. “Sag mal, warst du auch wieder mal im Club?”, wollte Rosalie plötzlich wissen und ich bekam direkt große Augen. Die Frage kam unerwartet.
 

“Ähm”, begann ich und biss mir auf die Unterlippe. “Ehrlich gesagt... war ich das letzte Mal Mitte Januar dort”, erklärte ich ihnen. Ich mochte zwar auch die Art und Weise des BDSM-Lebens und hatte nichts gegen die Praktiken. Jedoch war es schwer für mich los zu lassen. Das tat ich nur sehr selten und der Dom musste verdammt gut sein, denn ich war so etwas wie ein kleines Chamäleon. Ich konnte mehrere Rollen erfüllen. Von Sub bis hin zur Sklavin, aber auch eine Domina konnte ich durchaus verkörpern. In den Kreisen nannte man Leute wie mich eben Switcher und damit konnten nicht viele umgehen.
 

“Und... wann hattest du das letzte Mal einen Mann in deinem Bett?”, fragte Amélie und nun musste ich schlucken.
 

“Öhm... wahrscheinlich kurz davor”, antwortete ich ihnen ehrlich und beiden klappte der Mund auf.
 

“Wie machst du das nur?”
 

“Ihr wisst doch, dass One-Night-Stands einfach nichts für mich sind und in der Session muss der Dom sehr gut sein, sonst kann ich mich nicht fallen lassen”, erklärte ich und schlief generell nicht mit allen, denen ich erlaubte mit mir zu spielen. Es gab für mich da eine Grenze. Sie durften mit mir spielen, ab und an bekamen sie einen Hand- oder eben einen Blowjob, aber nur mit Kondom. Mehr ließ ich nie zu, da ich dies nur bei einer festen Bindung tun konnte. So war ich nun mal.
 

“Ja, das wissen wir... aber war kein passender Dom dabei, der dich richtig gefordert hat?”, fragte Rosalie nach und ich schüttelte den Kopf. Den richtigen Partner dafür zu finden war schwer und lag nahezu bei Null Prozent. “Soll ich... Raphael fragen, ob er jemanden kennt?”
 

“Das ist lieb gemeint, Rose, aber momentan habe ich dafür keine Zeit... vielleicht nach meiner Abschlussfeier”, verschob ich das Angebot auf einen späteren Zeitpunkt.
 

Obwohl ich meinen Freundinnen genau ansehen konnte, dass sie sich deshalb sorgten, so wusste ich auch, dass sie meine Entscheidung respektierten und nichts hinter meinem Rücken tun würden. Das war das Gute an unserer Freundschaft, wir halfen einander und hielten die Grenzen der anderen ein. Damit war das Thema durch und wir sprachen über alles andere. Vor allem machten wir aus, dass wir uns wieder einmal die Woche zum Brunch treffen würden. Hin und wieder würden wir ebenso zusammen Shoppen gehen, doch das würden wir abhängig davon machen, wie wir Zeit hätten und welche Termine auf uns warten würden.
 

Leider verging der Tag viel zu schnell, aber wir mussten am nächsten Tag alle drei zur Agentur, um die zusätzlichen Aufträge durch zu gehen. Zudem hatte Rosalie eine Antwort von ihrem ‘Kunden’ erhalten, dass er sich freuen würde mit ihr privat aus zu gehen. Daher hatte sie sich zu einem einfachen Abendessen verabredet und ich war gespannt, wie dieser Abend bei ihr enden würde. Ich wünschte ihr, dass es klappen würde und sie in ihm ihr Gegenstück gefunden hatte. Denn im Spiel schienen sie auf einer Ebene zu sein und sich perfekt zu ergänzen, weshalb die Session eben um einiges intensiver war.
 


 

Die nächsten Tage vergingen recht schnell und ich hatte nur eine Buchung. Ein normales Abendessen mit einem älteren Mann, der zur Firmenfeier nicht alleine erscheinen wollte. Er war sehr nett und charmant und absolut nicht aufdringlich. Darüber war ich mehr als erleichtert, denn es gab durchaus auch penetrante Kerle, die dachten, nur weil sie Geld hätten, würde man mit sich alles machen lassen. Allen voran glauben sie mit den Geldscheinen zu wedeln, würde ihnen erlauben mit einem zu schlafen. Bei solchen Kunden war ich oftmals froh, dass ich Noyn jederzeit anrufen konnte, denn in meinem Vertrag steht das fest, dass ich mit keinem Kunden schlafe. Egal welcher Preis geboten wurde.
 

Der Freitag kam schneller, als ich dachte und ich machte mich gerade etwas schick, da ich schon bald von John abgeholt werden würde. Misses Smith hatte mir zugeschickt, wann ich am Parkplatz sein müsste. Ich war schon gespannt, wie dies verlaufen würde und welche Kleider wohl angemessen wären. Immerhin war ich noch nie bei einem Maskenball. Bälle oder Galas waren eben das eine, aber durch die Masken war man irgendwie anonym und man konnte eben man selbst sein. Ich freute mich schon sehr darauf diesen live zu erleben. Mit Sicherheit wäre es dort nicht so steif, wie sonst bei solchen Anlässen und Feiern.
 

Pünktlich um 10 Uhr morgens verließ ich meine Wohnung. Ich hatte eine schöne rötliche Bluse an und einen schwarzen Bleistiftrock, der bis zu meinen Knien reichte. Dazu trug ich schlichte schwarze Pumps mit einem knappen zehn Zentimeter Absatz, der meine Beine auf natürliche Weise länger wirken ließ. Mein Handy war in der schwarzen Handtasche, genau wie mein Portmonee und Lippenstift. Denn wenn wir länger unterwegs waren, bestand Misses Smith darauf mit mir auch essen zu gehen. Danach musste ich immer meine Lippen nach fahren, damit diese eben weiterhin zum Outfit passten. Am Parkplatz wartete bereits John mit dem schwarzen Mercedes. Dieser war nicht so auffällig wie die Limousine.
 

Sogleich begrüßten wir uns und er machte mir die hintere Tür auf. Die Scheiben waren dort abgedunkelt und ich lächelte direkt die ältere Dame auf dem Sitz an. “Hallo, Jeanne”, kam es mit einem sanften Lächeln von ihr.
 

“Schön Sie wieder zu sehen”, entgegnete ich.
 

“Aber nicht so förmlich”, kicherte sie leise und einmal mehr sah ich, wie gut sie mit ihrem Mann zusammen passte. Sie waren beide herzlich und kümmerten sich um andere.
 

Wenige Minuten später fuhr das Auto auf einen kleineren Parkplatz und John öffnete uns die Türen. Überrascht sah ich mich um und musste feststellen, dass wir nicht mitten in der Stadt waren, sondern eher in den mittleren Bezirken. “Ich wünsche euch viel Spaß und warte am Wagen”, meinte John und Misses Smith nickte ihm zu.
 

Zusammen mit ihr ging ich zum Gebäude und wir betraten dieses. Von außen war es ganz schlicht und eines der älteren Gemäuer in Paris, aber im Inneren war es modern und überall hingen prachtvolle Kleider. Einige waren sogar auf Schaufensterpuppen ausgestellt und für einen Moment war ich wirklich baff. Das waren wahre Ballkleider mit einer Menge Tüll und auch in allen möglichen Farben. “Erschlagend, nicht wahr?”, hörte ich neben mir und blinzelte leicht.
 

“Irgendwie ja”, entgegnete ich und blickte zu Misses Smith.
 

“Diese Art von Kleidern sieht man heutzutage nicht mehr so oft. So hatte ich mich damals ebenfalls gefühlt”, sprach sie lächelnd aus und führte mich weiter. “Komm... wir wollen in die obere Etage, denn dort sind die etwas moderneren Ballkleider. Dort werden wir das richtige für uns beide finden”, meinte sie und immer noch überwältigt nickte ich ihr zu.
 

Oben war es wirklich ganz anders und ich sah mich neugierig um. Man sah dies wirklich nicht oft, weshalb ich diese Eindrücke und die Farben bewunderte, die um mich herum waren. Eine Dame mittleren Alters kam zu uns und fragte nach unseren Wünschen. Direkt kam Misses Smith auf den Punkt und erzählte, dass sie für sich und mich nach einem Abendkleid für einen Maskenball suche. Dazu ebenso passende Masken. Man konnte gleich erkennen, dass die Augen der Verkäuferin aufleuchteten. Da wurde mir bewusst, wie teuer diese Kleider wohl sein müssten. Bestimmt würde sie eine dicke Provision bekommen, sobald sie welche verkaufen würde.
 

Aus diesem Grund wunderte mich die erste Auswahl von ihr nicht. Sie brachte nur überteuerte Kleider und wollte diese uns schmackhaft machen. Doch weder die Farbe noch der Schnitt sagten uns zu und das machte meine Begleiterin nur zu deutlich klar. “Schätzchen... weder meiner Nichte noch ich sind so veraltet, um so etwas zu tragen”, kam sie auf den Punkt und ich konnte nicht glauben, wie direkt sie war. Aber auch hier merkte man klar, dass sie wie ihr Mann ebenso hart sein konnte.
 

Stotternd versuchte sich die Verkäuferin aus der Affäre zu ziehen, von wegen sie müsse noch sehen, welche Farben zu uns passten. “Es ist ganz einfach”, begann ich. “Meine Oma möchte etwas stillvolles in einem schönen silbernen Farbverlauf”, erklärte ich weiter und sah leicht zu Misses Smith, die anerkennend mir zunickte. Scheinbar hatte ich genau das gesagt, was sie hören wollte.
 

Erneut kamen scheinheilige Ausreden und Miss Smith seufzte. “Wenn sie ihren Kunden nicht zuhören, werden sie nie etwas verkaufen... und nun schicken sie Cherry her, sonst vergesse ich die gute Kinderstube”, kam es von ihren Lippen, während sie ihre Arme vor ihrer Brust verschränkte und wirklich böse aussah.
 

Ein Erschaudern meines Körpers konnte ich nur mit Mühe unterdrücken. Tatsächlich konnte ich nachvollziehen, wieso sie auf einmal so ernst und auch irgendwie kalt war. Ihre Geduld war überstrapaziert geworden und das war niemals eine gute Idee. Besonders die verschränkten Arme waren niemals ein gutes Zeichen. Ich konnte nur hoffen, dass die Frau endlich eine gewisse Cherry holen würde, sonst würde es noch ungemütlich werden. “Ich... aber natürlich... einen Moment”, kam es stammelnd von ihr und sie eilte davon.
 

“Immer diese unfähigen Stümper”, grummelte Misses Smith und meine Mundwinkel zuckten. Ein Lachen konnte ich gerade so vermeiden. “Egal von welchem Stand man ist... niemals sollte man sich so eine Frechheit gefallen lassen, Jeanne”, zwinkerte sie mir zu und dem konnte ich nur zustimmen.
 

“Das stimmt... Frechheiten sollte man sich nie gefallen lassen”, lächelte ich sie an und sie grinste nun breiter. Wir mussten nicht lange warten und erhielten endlich eine kompetente Verkäuferin, die sofort wusste, was wir wollten.
 

“Soll das Ballkleid für deine Enkelin ebenso silbern sein?”, fragte Cherry schließlich und es war schön, wie vertraut Misses Smith mit ihr umging. Scheinbar war sie ansonsten Stammkundin in dem Laden.
 

“Ich denke... ein wenig Silber würde nicht schaden”, meinte sie und sah mich an. “Doch ich denke eine andere Hauptfarbe wäre nicht allzu verkehrt”, merkte sie an und Cherry nickte leicht, ehe sie zu mir sah und mit mir gemeinsam die Farbpaletten durch ging.
 

Bei all den Farbbezeichnungen schwirrte mir bereits der Kopf. Das waren eindeutig viel zu viele. Schließlich hatte Cherry vier Farben herausgefiltert und war davon geeilt, um die passenden Kleider zu suchen. “So... wir probieren nun eins nach dem anderen aus, denn es sollte perfekt zu dir passen”, erklärte die Verkäuferin mit einem Lächeln und unweigerlich schluckte ich, als ich die Kleidersäcke entdeckte.
 

Von jeder Farbe hatte Cherry drei Kleider in den unterschiedlichen Schnitten herbei geholt und nun stand ich in der Umkleide und sollte diese anprobieren. Definitiv war ich überfordert und wusste nicht so recht, wie ich in die Kleider kommen sollte. Daher hatte Misses Smith mit mir zusammen die Umkleide betreten. “Erst... ziehst du die Bluse und den Rock aus... diesen Reifrock an und dann helfen wir dir in die Kleider”, schlug sie fast schon mütterlich vor.
 

“Oh... und wie ziehe ich es zu Hause an?”, wollte ich wissen und sie schmunzelte leicht.
 

“John wird dich morgen Mittag zu uns bringen und wir kleiden uns gemeinsam an”, meinte sie direkt und ihre Stimme ließ keinerlei Widerworte zu.
 

“O... okay”, brachte ich hervor und ließ mir von beiden Frauen helfen in die Ballkleider zu gelangen.

Der Maskenball

Die Kleider zählte ich schon gar nicht mehr, die ich anprobierte, denn es waren einfach sehr viele. Oder es kam mir nur so vor, weil es lange dauerte, bis diese angezogen wurden. Ich war schon kurz davor aufzugeben, da das richtige Kleid für mich gar nicht dabei war. Jedoch hatte mich Misses Smith überzeugt ein letztes an zu probieren. Es war Dunkelblau und silbern. Mit den Worten, dass dies das letzte wäre, welches ich anzog, ließ ich mich überreden. Deshalb schlüpfte ich in das letzte Kleid, welches mir gebracht wurde. In der Umkleide selbst war der Spiegel nur für den Oberkörper ausgerichtet, um zu sehen, ob das Dekolleté gut saß oder nicht. Das war bei solchen Kleidern wichtig.
 

“Und was sagst du dazu?”, wollte meine ‘Oma’ wissen.
 

In der Tat hatte ich einige der Kleider wegen der Optik an meiner Oberweite schon ausgeschlossen gehabt. Daher war ich auch schon etwas genervt und wollte schon sagen, dass es nicht gut war, aber ich stockte. Mein Blick war auf den Spiegel gerichtet und meine Augen weiteten sich direkt. Der Stoff und die Farbe schmeichelten mir, weshalb ich mich einmal kurz seitlich drehte und die schönen Träger betrachtete. Sie waren etwas breiter und lagen lockerer an meiner Schulter. Dabei bedeckten sie den Oberarm ein wenig und machten ein wundervolles Dekolleté. Problemlos könnte ich dazu eine schlichte Silberkette tragen. Vielleicht mit einer Perle dran.
 

“Nun... ich muss zugeben... der Schnitt gefällt mir und die mit Spitze eingearbeiteten Blüten sind wunderschön”, gestand ich und hörte schon das erleichterte Durchatmen von beiden Damen. Scheinbar waren sie erfreut über meine Worte.
 

“Dann sehen wir uns den Rest noch an?”, fragte Cherry und ich nickte, denn nun wurde ich neugierig.
 

Die Spitze, die ich bereits im Spiegel an den Trägern sehen konnte, zog sich über das gesamte Oberteil. Mein Blick an mir herab verriet mir, dass dieses hinab bis zu dem Saum fortgesetzt wurde. Der Farbverlauf war ebenso wunderschön und sehr zart gewählt. Während der obere Teil des Kleides dunkelblau war, wurde er ab der Taille abwärts etwas heller zu einem Royalblau und schließlich mündete es in einem Silber mit blauen Stickereien. Zuerst dachte ich, dass das der Übergang zum silbernen Teil zu hart wäre, aber das wurde durch silberne Sprenkel aufgelockert. Es sah auf dem Royalblau so aus, als wären es Sterne, die den Nachthimmel erhellten. Gespannt, wie das Kleid an mir aussehen würde, verließ ich die Kabine und schritt an die Spiegelwand.
 

Dort konnte ich mich von allen Seiten sehr gut sehen und demnach das gesamte Kleid betrachten. Noch hatte ich nur meine Pumps an und blickte mein Spiegelbild an. Meine Augen wurden größer, denn es sah unglaublich und traumhaft aus. “Und... was sagst du, Jeanne?”, wurde meine Aufmerksamkeit abgelenkt und ich blickte zu Misses Smith.
 

“Ich glaube... das ist es... es ist so anders”, antwortete ich und sie nickte zustimmend.
 

“Genau... es ist besonders... genau wie du”, lächelte sie mich an und bat noch nach Schuhen in Silber und Royalblau. “Such dir passende dazu aus... danach sehen wir nach der Maske und möglichem Schmuck”, bat sie mich und seufzend nickte ich.
 

“Okay, Oma”, sagte ich und würde dies tun. Sie mochte keine Widerworte, weshalb ich ihr den Willen ließ.
 

Es dauerte nicht allzu lange, bis allerhand an Schuhen gebracht wurden. Tatsächlich waren nur silberne und royalblaue dabei. Jeden einzelnen betrachtete ich und sortierte die heraus, die zu hoch waren. Da das Kleid bis zum Boden reichte, wollte ich dies genauso belassen. Es würde um einiges schöner aussehen, wenn man dadurch denken könnte, dass ich über dem Boden schweben würde. Mir fielen bei der Sortierung bereits drei Paare auf, die den perfekten Absatz hätten. Der eine war neun Zentimeter und die beiden anderen knappe zehn. Daher zog ich diese aus der Menge heraus und stellte sie nebeneinander, um mich eben nur auf diese drei zu konzentrieren. Grübelnd kaute ich etwas auf der Unterlippe.
 

“Damit hast du wohl deine Favoriten”, lächelte mich Lilly an. “Vielleicht entscheidest du die Schuhe anhand des Schmuckes und der Maske?”, gab sie mir den Tipp, denn das brauchte ich auch noch.
 

“Oh... ähm... natürlich... das wäre perfekt”, antwortete ich und sogleich eilte Cherry davon.
 

Mit besagten Dingen kam sie zurück und breitete diese auf dem Tisch aus. Es waren alles nur Farben, die zu dem Kleid und eben auch den Schuhen passten. Cherry war wahrlich eine verdammt gute Verkäuferin. “Probiere ruhig die Sachen aus, eins nach dem anderen und sieh dich im Spiegel an”, schlug sie sogleich vor und das tat ich.
 

Eines nach dem anderen zog ich an und betrachtete mich immer wieder im Spiegel, bevor ich zum nächsten überging. Gefühlt eine Ewigkeit später waren wir endlich soweit durch, sodass wir an der Kasse standen und Misses Smith einfach ihre Kreditkarte an Cherry gab. Sie hatte noch nicht mal den Preis abgewartet. Das war schon irgendwie faszinierend, wie spendabel sie damit umging. Als ich die Summe hörte, klappte mir für einen Moment die Kinnlade herunter. Allein mein Kleid hatte satte 9.239 Euro gekostet. Mit dem Schmuck und den Schuhen, sowie Handtasche, Maske und Seidenhandschuhen war das Outfit fast 15.000 Euro wert. Ehrlich gesagt fand ich es übertrieben, da man solch ein Kleid nicht oft trug, doch das war kein Problem laut Lilly.
 

“Nach dem Ball können wir es an einen Secondhandhändler geben und bekommen einen Großteil wieder zurück”, erklärte sie, denn das tat sie scheinbar mit ihrer Garderobe ebenfalls.
 

Der Preis hatte mich noch immer sprachlos gemacht, weshalb ich nur nickte und ihr zum Wagen folgte. Nur nebenbei bekam ich mit, dass John unsere Einkäufe geholt hatte und diese sicher im Kofferraum verstaut hatte. Tatsächlich war es schon Abend und Lilly bestand darauf mit mir noch essen zu gehen. Daher hielten wir an einem Restaurant, welches ihr zusagte, und aßen gemeinsam. Dabei unterhielten wir uns und besprachen hauptsächlich den kommenden Tag. Denn sie bestand nach wie vor darauf, dass ich zu ihnen kommen sollte, um mich mit ihr gemeinsam zurecht zu machen. Da es wohl ratsam war, stimmte ich dem zu und war schon auf den Maskenball gespannt.
 

Nach dem Essen wurde ich noch zum Parkplatz gebracht und Misses Smith erinnerte mich daran, dass John mich genau dort am nächsten Tag gegen 15 Uhr holen würde. Erst war ich verwundert, denn das war wirklich früh, doch wenn man bedachte, wie lange man für die Haare, das Makeup und das Kleid brauchte, war das vollkommen richtig gewählt. Lächelnd verabschiedete ich mich und ging direkt nach Hause. Dort machte ich mich kurz frisch und legte für den nächsten Tag alles bereit und war recht bald schon im Bett. Doch schlafen konnte ich noch nicht, weshalb ich mit meinen Freundinnen etwas chattete. Es war toll, dass sie wieder im Lande waren, so konnten wir jederzeit miteinander schreiben.
 


 

Irgendwann in der Nacht war ich wohl eingeschlafen, da ich erst mit dem Wecker wach wurde. Müde blinzelte ich und brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass schon morgen war. Sofort sah ich auf mein Handy und wurde leicht rot vor Verlegenheit. Mitten in einer Unterhaltung eingeschlafen zu sein, war mir schon lange nicht mehr passiert. Deshalb schrieb ich schnell den beiden, dass ich wohl doch müder war, als ich dachte und erhielt nur lachende Smileys zurück. Zum Glück war mein Wecker auf 8 Uhr morgens gestellt, weshalb ich mehr als genug Zeit hatte, alles noch einmal durch zu gehen.
 

Vor allem die Dinge, die ich mitnehmen müsste. Das erledigte ich sofort und machte mir etwas zu essen. Danach räumte ich etwas auf und stieg unter die Dusche. Pünktlich um 15 Uhr war ich am Parkplatz und John wartete bereits lächelnd. Er nahm mir gleich meine kleine Reisetasche ab und öffnete die Tür, damit ich einsteigen konnte. Schmunzelnd saß ich wenig später im Auto und ließ mich zu dem Haus von Mister und Misses Smith bringen. Schon zwei Mal war ich dort und doch war ich jedes Mal auf das Neue von der Architektur begeistert. Da war ich durch und durch in meiner Leidenschaft, aber dafür hatte ich diesmal definitiv keine Zeit.
 

Kaum waren wir bei dem Haus angekommen, schon wurde ich empfangen und ins Innere geleitet. “Schön, dass du da bist... der Friseur ist schon da”, frohlockte Lilly und ehe ich mich versehen konnte, saß ich schon auf einem Stuhl und wurde von zwei Stylisten zurecht gemacht.
 

Geschlagene drei Stunden später waren wir fertig und mussten nur noch den Schmuck anlegen. Die Haare wurden erst mit einem Lockenstab bearbeitet und danach hochgesteckt, wobei es bei mir noch leicht von der Schulter hing. Beim Schmuck hatte ich mir etwas Einfaches, aber auch klassisches ausgesucht. Eine Silberkette mit einem schönen Blumenmuster und drei blauen Saphiren darin. Dass diese echt waren, zertifizierte ein Schreiben, welches dazu gelegt war. Noch einmal betrachtete ich mich im Spiegel und erst jetzt merkte ich, wie nervös ich plötzlich wurde. Deshalb zog ich mir die Seidenhandschuhe an und atmete einmal tiefer durch. Nur noch die Maske fehlte und das Outfit wäre perfekt.
 

Als ich Schritte hörte, blickte ich auf und lächelte, denn das Ehepaar Smith kam hinunter und sah unglaublich aus. Sie wirkten wie aus einem Märchen in ihrem silbernen Outfit. Es stand beiden sehr gut und einmal mehr musste ich schmunzeln, da ich genau wusste, dass Lilly ihr Kleid meinem angepasst hatte. So passten wir farblich halbwegs zusammen und das war vollkommen in Ordnung. Schließlich galt ich als die Enkelin der Beiden und so sollte es auch bleiben. Zu mindestens solange es die beiden wollten. “Du siehst umwerfend aus, Jeanne”, lächelte Mister Smith mich sanft an und gab mir einen väterlichen Kuss auf die Stirn, nachdem er vor mir stand.
 

“Danke, ihr seht auch unglaublich aus”, gab ich das Kompliment zurück.
 

“Danke dir, Liebes... kommt... die Limousine wartet”, grinste Lilly breiter und irgendwie musste ich direkt kichern.
 

In solchen Momenten benahm sie sich wie ein junges Mädchen, welches zum ersten Mal zu einer Party durfte. Das fand ich großartig und wollte in dem Alter genauso sein und mich noch immer so für diese Dinge begeistern können. Draußen war tatsächlich schon John vor einer Limousine, doch es war nicht die gewöhnliche, sondern ein Hummer. Er war um einiges größer und demnach geräumiger. Es war eine schlaue Idee, denn mit diesen Kleidern war es wahrlich schwer in ein normales Auto zu gelangen. Kaum waren wir drinnen schon fuhren wir los und es dauerte nicht mehr allzu lange, bis wir bei dem Veranstaltungsort ankamen. Dieser war inmitten von Paris an zu treffen.
 

Das Gebäude von außen war zwar modern, doch ich wusste sofort, dass hier der Schein nun mal trug. Im Inneren wurde ein Saal errichtet, der dem prachtvollen Festsaal vom Palast von Versailles nach empfunden war. Eigentlich wäre ich direkt ausgestiegen und hätte alles erkundet, doch ein Räuspern erinnerte mich daran, dass ich noch meine Maske anziehen müsste. Immerhin würden wir zu einem Maskenball gehen und so sollte man nun mal den Wagen auch verlassen. Daher zog ich mir meine dunkelblaue Maske auf und prüfte noch einmal, ob diese richtig saß und lächelte sanft meine ‘Großeltern’ an. Sie nickten zustimmend und wir stiegen gemeinsam aus. Für einen Moment war ich abgelenkt, da ich von der Dekoration fasziniert war, welche den Weg zum Eingang des Gebäudes schmückte. Es war wahrlich märchenhaft.
 

Staunend blickte ich noch etwas hin und her, bevor ich meine Großeltern neben mir bemerkte. Wie von selbst röteten sich meine Wangen, da ich sichtlich abgelenkt war. Doch beide winkten ab und lächelten mich an. Sogleich schritten wir weiter und meldeten uns schließlich an. Danach wurden wir zur Garderobe geführt, wo wir die Mäntel abgeben konnten. Es ging alles recht schnell und wir waren schon im Saal. Fasziniert weiteten sich meine Augen, denn mit diesem prunkvollen Anblick hätte ich absolut nicht gerechnet. Mit Sicherheit hatte man hier auf jedes kleine Detail geachtet und das nicht nur bei der Gestaltung des Raumes, sondern auch bei der Organisation und Schmückung dieser Feier.
 

“Wundervoll, nicht wahr?”, hörte ich Mister Smith neben mir und ich blickte nickend zu ihm.
 

“Es ist wie in einem Märchen”, entgegnete ich ihm.
 

“Wohl wahr... komm, wir möchten dort drüben ein Foto von uns Dreien machen... dieses wird als Gemälde auf einer Leinwand angefertigt”, lächelte Misses Smith und ich blinzelte leicht bei ihren Worten.
 

“Ich... soll mit rauf?”, fragte ich nach und beide nickten. Trotz der Masken erkannte ich ihre weichen Gesichtsausdrücke und ihre Entschlossenheit. Leicht wurden meine Wangen rot. “In Ordnung... dann möchte ich ebenfalls ein solches Gemälde”, lächelte ich und nun strahlte Lilly wahrlich.
 

Es dauerte einige Minuten, bis die Posen angenommen wurden und schließlich das Bild gemacht wurde. Selbst der Fotograph hatte einen Smoking und eine Maske auf. Er hatte uns so aufgestellt, dass Lilly in der Mitte saß. Ganz und gar majestätisch. Henry, also Mister Smith, stand rechts von ihr und ich links von ihr. Auch wenn viele es als normal ansehen würden, so bedeutete mir diese Geste so viel mehr. Denn die beiden sahen in mir nicht nur eine Escort, sondern eben eine richtige Person, die zu ihnen dazu gehörte. Das machte mich glücklich und stolz zu gleich, weshalb mein Lächeln auf dem Bild mit Sicherheit echt und natürlich war.
 

Nachdem dies erledigt war, bat Mister Smith noch eines nur von mir zu machen. Dazu wünschte sich Lilly den großen Blumentopf dazu. So wirkte es, als wäre ich in einem Garten. Erst war ich verunsichert, doch die Freude wollte ich den beiden machen und ließ es demnach zu. Die beiden waren für mich eindeutig mehr als nur Kunden. Obwohl viele vor solchen Beziehungen warnten, so war es mir egal. Ich konnte beides trennen und da ich nicht mehr allzu lange als Escort arbeiten würde, wäre es sicher nicht verkehrt, wenn ich auch anders mit ihnen umging. Natürlich log ich sie wegen meinem Namen an, wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass Henry und Lilly genau wussten, dass ich einen ‘Künstlernamen’ nutzte.
 

Da beide zufrieden mit dem Bild waren, machten wir uns auf den Weg zum Festsaal und wir Damen waren jeweils rechts und links von Mister Smith in der Armbeuge eingehakt. Bestimmt würden wir direkt die Blicke auf uns ziehen, denn es war untypisch, dass ein Mann mit zwei Frauen kam. Dieser Umstand ließ mich breit grinsen und ich war mir sicher, dass es den beiden genauso ging. Sie liebten die Aufmerksamkeit und gingen mit dieser perfekt um. Sie spielten damit und ließen die Leute in dem Glauben, was auch immer sich in ihrem Kopf zusammen setzte. Nur bei bestimmten Personen klärten sie diese auf, dass ich ihre Enkeltochter war und demnach war alles danach völlig anders, da die meisten mich ganz anders wahrnahmen. Das war äußerst interessant an zu sehen.
 

Im Ballsaal sah ich mich erst einmal um und staunte noch mehr. Dieser war wahrlich festlich eingerichtet, hatte eine Menge große, fast schon antikaussehende Kübel mit prachtvollen Blumen darin. Viele Rosen, aber auch Veilchen und Efeu, sowie grüne Blätterzweige, ähnlich wie Farn, waren arrangiert geworden. Verträumt blickte ich mich um, während Henry uns zu der Bar führte. Dort gab es die Getränke und er bestellte uns erst einmal jeweils ein Glas Champagner. Zwar wurden diese in moderneren Gläsern serviert, doch ehrlich gesagt fand ich dies nicht so schlimm. Es gab einen guten, aber auch eleganten Kontrast zu all dem Pompösen um uns herum. Definitiv war ich schon jetzt sehr begeistert von dieser Art von Gala und hätte nichts dagegen mehrere zu besuchen.
 

“Es sind schon so gut wie alle anwesend”, merkte Lilly zwischen zwei Schlucken an.
 

“Sieht so aus... ich denke... sie werden den Ball mit einem Tanz eröffnen”, fügte Henry hinzu und sah dabei mich an. Ich nippte gerade an meinem Glas, als er mir die Frage stellte: “Würdest du mit mir eine Runde über das Parket schweben?”
 

Blinzelnd hätte ich mich fast verschluckt, da ich annahm, dass er mit seiner Frau diesen Tanz machen wollte. “Oh... ich...”, begann ich und sah leicht zu Lilly, diese nickte lächelnd und in ihren Augen konnte ich die stumme Zustimmung sehen. “Also... wenn du möchtest, gerne Opa”, sagte ich daher schnell und zauberte beiden ein breites Grinsen auf das Gesicht.
 

“Das freut mich... trinken wir aus und dann sehen wir, ob sie die Musik einspielen würden”, grinste er daher und ich nickte, während wir ein wenig tranken und uns über Belangloses unterhielten. Wir warteten einfach ab, was passieren würde.
 

Einige Momente später traten eine Frau und ein Mann in die Mitte des Raumes, wo auch die Tanzfläche sein sollte. Auf der einen Seite waren die runden Tische so aufgestellt, dass immer zehn Personen an diesem Platz hatten. Es sah so aus, wie vermutlich damals die adeligen gefeiert hatten. Es war mehr als faszinierend für mich. “Guten Abend, verehrte Damen und Herren”, begann der Mann und drehte sich einmal um sich, damit er alle Gäste ansehen konnte bei seiner Ansprache.
 

“Wir freuen uns, euch alle so zahlreich zu begrüßen”, fügte die Dame in der Mitte an. Sie trug ein bordeaux rotes Ballkleid mit goldenen Stickereien am Saum und Oberteil.
 

“Lasst uns den Abend klassisch mit einem Tanz beginnen”, sprach der Mann und hatte seine Hand der Dame neben ihm gereicht. “Ich würde nun unsere ältesten Gäste in die Mitte bitten, um traditionell den Ball zu eröffnen. Die Herren dürfen ihre Tanzpartner frei wählen.”
 

Ein Lachen ertönte in der Menge, denn das war sowas von typisch. Man war durch den Ball wie in einer anderen Welt und einem anderen Zeitalter. Direkt spürte ich die große Hand von Mister Smith, die meine nahm und ich sah zu ihm auf. Lächelnd nickte ich und wir traten auf die Tanzfläche. Mehrere Paare fanden sich dort an und so würden wir diesen Abend und damit den Maskenball mit einem Klassiker beginnen. Die ersten Takte des Wiener Walzers ertönten und ich war in diesem Augenblick sehr nervös. Diese Tanzschritte hatte Henry mir sehr oft gezeigt und geübt, aber in diesem Kleid waren sie eine ganz andere Herausforderung. Sicher hielt er mich und lächelte mir aufmunternd zu.
 

“Denk nicht viel nach, Jeanne... lass mich dich wie immer leiten”, zwinkerte er mir zu und hatte meine Sorge sehr schnell erkannt. Das war so unglaublich an ihm.
 

“Sehr gerne, grand-père”, entgegnete ich und so begann unser Tanz.
 

Nichts um mich herum nahm ich wahr und hatte meinen Blick nur auf meinen Tanzpartner gerichtet. Noch nicht einmal bemerkte ich die Blicke eines jungen Mannes auf mir, der mich scheinbar zu mustern schien.

Ein besonderer Augenblick

Sichtwechsel zu Mister Unbekannt


 

Etwas gestresst kam ich schließlich am Gebäude an. Leider war ich einige Minuten zu spät dran. Es war nicht so einfach für mich aus dem Büro zu eisen, wenn viel anstand. Doch diesmal hatte ich einen guten Grund. Schnell richtete ich meine Maske, ehe ich aus dem Wagen stieg und die Schlüssel einem Parkservicemitarbeiter gab. “Pass gut auf mein Baby auf”, zwinkerte ich diesem zu und er nickte eifrig, da meine Stimmlage durchaus bedrohlich war.
 

“Natürlich, Sir... hier ihre Nummer”, sagte dieser schnell und dankend nahm ich den Zettel in die Hand.
 

Diesen steckte ich meine Jacketttasche und machte mich auf den Weg zum Eingang. Dort meldete ich mich an und schritt weiter in den Ballsaal. Für gewöhnlich hasste ich Bälle wie die Pest, doch der Anlass in diesem Fall war ehrenwert und nur zu gern würde ich dies unterstützen. Obwohl man es von mir nicht vermuten würde, so spendete ich gerne an Organisationen, die sich um Kinder kümmerten. Vor allem diese, die weder Eltern noch Familie hatten. Es war wichtig, dass sie versorgt waren und sie dennoch alles erreichen könnten, wenn sie es wollen würde. Dass nicht alles perfekt war, wusste ich nur zu genau. Daher half ich oftmals direkt vor Ort, wenn ich sowieso beruflich unterwegs war.
 

Je näher ich dem Saal kam, umso lauter hörte ich bereits die Musik. Es wurde der Wiener Walzer gespielt. Vermutlich war der Abend nun eröffnet. Mit schnellen Schritten betrat ich den Raum und steuerte direkt die Bar an. Dort bestellte ich mir einen Whiskey und würde nur diesen einen trinken, da ich mit dem Wagen da war. Nach einem kleinen Schluck widmete ich meine Aufmerksamkeit der Menge zu und allen voran der Tanzfläche. Es waren ungewöhnlich viele Paare darauf, doch das war wohl vollkommen normal auf solchen Bällen. Aber etwas war plötzlich anders. Eines der Paare stach enorm aus der Menge heraus. Eine unglaubliche fast schon majestätische Aura umgab sie beide.
 

Während ich noch einen Schluck zu mir nahm, lichtete sich die Tanzfläche und nur noch das eine Paar war darauf zu erkennen. Um mich herum nahm ich Raunen und Getuschel war, als sich das Lied leicht veränderte, tanze das Paar weiter und meine Augen weiteten sich, denn nun konnte ich die Frau in der Mitte des Saales besser mustern. Sie schien eine wahre Schönheit zu sein. Ihr blondes Haar war hoch drapiert und fiel auf einer Seite auf ihre Schulter. Das Kleid gab ein schönes Dekolleté frei. Plötzlich fühlte sich meine Kehle trocken an und ich nahm hastig einen Schluck zu mir. Innerlich verfluchte ich mich für diese Idee, denn ich hatte tatsächlich vergessen, dass ich Alkohol in meinem Glas hatte.
 

Der Whiskey brannte gefühlt alles durch. Schwerer schluckte ich und versuchte mir ein Wasser zu organisieren. Für gewöhnlich interessierte es mich herzlich wenig, wer tanzte oder wie die Personen aussahen. Jedoch bei ihr... war alles irgendwie anders. Meinen Blick konnte ich einfach nicht von ihr nehmen. Die Blondine schien förmlich über das Parket zu schweben und für einen Moment glaubte ich, dass sie ein Engel sei. Wie sie sich bewegte, war eindeutig nicht von dieser Welt. Denn sie war so leichtfüßig und anmutig unterwegs, obwohl ihr Kleid sicher einige Kilos mehr wog. Die kleinen Steinchen darauf glitzerten leicht und gaben ihr noch einen ganz besonderen Glanz.
 

Eindeutig... etwas stimmte nicht mit mir, da ich ihr schon jetzt eindeutig mehr Beachtung schenkte als allen anderen. Das Lied neigte sich dem Ende und einen Augenblick lang war ich traurig gestimmt, da ich sie nicht mehr tanzen sehen würde. Verwirrt über diesen Gedanken schüttelte ich meinen Kopf und blickte wieder auf die Tanzfläche. Mit geweiteten Augen und offenem Mund starrte ich sie an. Denn sie machte einen eleganten Knicks, sodass ihr Kleid bei der letzten Note des Songs auf dem Boden um sie herum lag. Wie von selbst formten meine Lippen ein ‘Wow’. Meine Neugier war geweckt und ich wollte unbedingt heraus finden, wer sie war.
 

Um mir etwas Mut zu machen, kippte ich schnell meinen Whiskey hinunter und ging zurück zur Bar, um mir ein Glas Wasser zu holen. Dieses leerte ich im Nu und machte mich auf den Weg zu der Unbekannten. Hoffentlich könnte ich sie in ein Gespräch verwickeln und mehr von ihr erfahren.
 


 

Sichtwechsel zu Maron / Jeanne


 


 

Bei den Klängen war mein Blick nur auf Henry gerichtet und als diese zu Ende gingen, nahm ich die typische Endpose der Damen ein. Meinen Kopf neigte ich leicht hinab und atmete einmal tiefer durch, da ich etwas aus der Puste war. Mister Smith reichte mir seine Hand und ich nahm sie entgegen, bevor ich mich erhob. Erst jetzt bemerkte ich den Applaus und blinzelte einmal, weil wir absolut alleine auf der Tanzfläche waren. “Wo sind denn alle hin?”, fragte ich leise.
 

“Sie haben uns Platz gemacht”, lachte Henry leise und führte mich zurück zu seiner Frau.
 

“Oh... das habe ich gar nicht mitbekommen”, gestand ich und lächelnd sah er zu mir.
 

“Das hatte ich bemerkt... es ist toll, wie du beim Tanzen dich führen lässt und alles andere vergisst”, meinte er und ich hörte darin ein Kompliment heraus.
 

“Das geht aber auch nur bei dir”, erklärte ich ihm, da ich ihm beim Tanzen vertraute.
 

“Es ehrt mich... ich bin mir sicher... irgendwann wirst du einem jungen Mann begegnen, der das ebenso bei dir bewirken kann”, kam es zuversichtlich von ihm und ich spürte, wie meine Wangen rot wurden.
 

“Nun... ich bezweifle, dass dem so sein wird... doch die Hoffnung darauf... ist etwas Schönes”, gab ich ehrlich zu. Denn mir war durchaus bewusst, dass ich in meiner jetzigen Situation sicher keinen Mann kennen lernen würde, der in mir etwas anderes als eine Escort sehen würde. Eine bezahlte Frau für einige Stunden.
 

“Du wirst schon sehen, Kleines”, munterte er mich gleich auf und wir kamen nun bei Lilly an.
 

“Oh ihr zwei... seid einfach so bezaubernd auf der Tanzfläche”, schwärmte sie sofort und gab mir einen Kuss auf die Wange, ehe sie ihrem Mann einen Kuss auf die Lippen gab. Ich fand es süß, dass die beiden noch immer so liebevoll und zärtlich mit einander umgingen. Definitiv wollte ich solch eine Beziehung ebenfalls haben. Einen Partner an meiner Seite, der mich so nahm, wie ich war, und mit dem ich alt und grau werden konnte.
 

“Beehrst du mich heute auch mit einem Tanz, Lilly?”, fragte er seine Frau und ich kicherte leise.
 

“Aber nur... wenn wir unsere Kleine nicht zu lange alleine lassen”, zwinkerte sie ihm zu und überrascht blickte ich zu ihr.
 

“Wieso? Ich komme gut klar”, meinte ich direkt.
 

“Vermutlich... doch du wurdest eben beim Tanzen beobachtet... und das nicht nur von einem jungen Mann”, merkte sie an und perplex blinzelte ich.
 

“Das musst du dir eingebildet haben”, winkte ich ab. “Ich hole etwas Wasser... für euch auch?”, lenkte ich vom Thema ab und Henry nickte.
 

Noch bevor Lilly etwas sagen konnte, drehte ich mich zur Bar um und ging dort hin. Ich war mir sicher, dass sie das nur so gesagt hatte. Niemand würde mich interessant finden und schon gar nicht, sobald derjenige erfährt, was mein Job war. Seufzend bahnte ich mir meinen Weg zur Bar, doch weit kam ich nicht. Beinahe wäre ich mit jemandem zusammen gestoßen, doch ich konnte gerade so ausweichen. Jedoch stolperte ich dadurch und spürte schon die Schwerkraft, die mich nach hinten zog. Instinktiv schloss ich meine Augen und erwartete den Aufprall, aber das passierte nicht. Im Gegenteil. Ich spürte eine Hand in meiner und eine an meinem Rücken. Jemand hatte mich aufgefangen und zog mich gerade wieder auf die Beine.
 

Augenblicklich schlug ich meine Augen auf und blickte auf. Sofort bemerkte ich die braunen Augen, die so klar waren. Er schien mich zu mustern und erst da bemerkte ich, dass er mich ganz dicht an sich gezogen hatte. Fast so als hätte er Angst, ich würde mich verletzten. Tatsächlich konnte ich Sorge in seinen Augen erkennen, aber auch etwas anderes. “Danke”, verließ es leise meine Lippen und ich sah erst jetzt, dass er die gleiche Maske trug wie ich. Diese war nur eben für Männer ausgelegt. Die Farbe war identisch und auch die Form.
 

“Jederzeit”, entgegnete er und ich konnte es nicht verhindern, dass mein Körper bei dem Klang seiner Stimme erschauderte. “Alles... in Ordnung?”, fragte er nach und hatte doch tatsächlich ein verschmitztes Grinsen auf den Lippen.
 

“Ähm... ja... natürlich... würdet ihr mich loslassen, Sir?”, bat ich ihn direkt. Es war mir irgendwie peinlich, dass er mich so vertraut in seinen starken Armen fest hielt. Aber... es fühlte sich auch wundervoll an, denn unter seinen Berührungen kribbelte es auf meiner Haut.
 

Dieser Umstand verwirrte mich enorm, weshalb es mich sehr nervös machte. Daher hatte ich ihn wohl mit Sir angesprochen. Normalweise nutzte ich dies nur in geschützten Räumen während einer Session. Innerlich verfluchte ich meinen Mund, weil er schneller sprach, als ich dachte. Das lag sicher daran, dass mein Herz sehr schnell schlug. Scheinbar war auch er verwundert über meine Wortwahl, da er für einen Moment seinen Griff lockerte. Dies nutzte ich direkt aus, um mich gänzlich von ihm zu lösen. Schnell entschlüpfte ich seinen Armen und dankte ihm noch einmal, bevor ich schon zur Bar eilte. Definitiv musste ich Abstand zu ihm gewinnen. Zudem konnte mir ein Drink gar nicht schaden, sogar einen ganz starken. Whiskey pur wäre mehr als perfekt.
 

Genau das bestellte ich mir an der Bar. Der Blick des Barkeepers war einfach unbezahlbar und brachte mich dazu zu schmunzeln. Dankend nahm ich das Glas entgegen und kippte es in einem Zug weg. Das Brennen kannte ich sehr gut und das lenkte mich echt gut ab. “Nun bitte zwei Gläser Wasser”, zwinkerte ich ihm zu und ich erahnte einen Hauch von einem Lächeln auf seinen Lippen.
 

Mit beiden Gläsern bahnte ich mir den Weg zurück zu dem Ehepaar Smith und reichte ihnen diese. Dankend nahmen sie es an und zum Glück hatten sie nichts mitbekommen. Ansonsten hätte Lilly mich sicher durchlöchert. Doch Antworten hätte ich ihr keine geben können, da ich selbst noch nicht einmal wusste, was das vorhin war. Den Kopf schüttelte ich leicht, um meine Gedanken zu ordnen. Der Kerl hatte mich wirklich aus der Bahn geworfen. Doch mit den Gesprächen konnte ich ihn für den Augenblick tatsächlich vergessen. Henry hatte uns noch Getränke bestellt und wir aßen ein paar Häppchen, während einige wieder das Tanzbein schwangen.
 

Tatsächlich war ich sehr gut abgelenkt worden, sodass ich mich einfach auf das Hier und Jetzt konzentrieren konnte. Mittlerweile amüsierten wir uns köstlich über die anderen Gäste, denn einige von ihnen hatten wahrlich komische Definitionen von Masken oder Frisuren. “Oh... wie mir scheint... werden wir gleich Besuch von deinem Verehrer bekommen, Jeanne”, kicherte Lilly plötzlich und verwirrt blinzelte ich sie an.
 

“Was... meinst du denn damit?”, fragte ich vollkommen überrumpelt und ungläubig. Nach wie vor verstand ich nicht, was sie mit einem Verehrer meinte, denn ich bezweifelte stark, dass sich irgendjemand für mich interessieren würde.
 

“Ich meine damit den jungen Mann, der dich seit eurem Eröffnungstanz beobachtet hatte”, erklärte sie direkt und nahm einen Schluck. Fragend blickte ich sie immer noch an und zu meinem Leidwesen hatte sie mich nun. Ich war neugierig.
 

“Wer sollte mich bitte beachtet haben?”, hakte ich daher nach und konnte nur zu deutlich ihr triumphierendes Lächeln sehen. Henry hielt sich heraus und bestellte lieber noch eine Runde Wasser für uns drei. Vorhin waren wir darauf umgestiegen, da wir uns auf der Feier nicht betrinken wollten.
 

“Na der Mann, der witzigerweise sogar einen dunkelblauen Anzug trägt”, erzählte sie weiter und noch mehr Fragezeichen tauchten vermutlich wie in einem Cartoon über meinem Kopf auf. “Sein Anzug hat die gleiche Farbe wie dein Kleid und es schimmert leicht silbern in dem Licht”, führte sie fort, fast so als hätte sie meine Frage erahnt. “Und er kommt nun sogar zu uns rüber”, kicherte sie und trank noch etwas aus ihrem Glas.
 

Wie von selbst weiteten sich meine Augen. Das konnte sie doch nicht ernsthaft meinen. Dieser ominöse Verehrer konnte wegbleiben, denn ich hatte kein Interesse daran ihm zu begegnen. Daher wollte ich mich retten, indem ich vorgab, dass ich auf die Toilette müsste. Aber ich war viel zu langsam. Im Augenwinkel hatte ich einen Teil seines Anzuges gesehen und musste wohl zugeben, dass die Farbe identisch zu meinem Blauton im Kleid war. Jedoch bezweifelte ich, dass er mich beobachtet hatte. “Guten Abend, Mister”, begrüßte Lilly ihn freundlich und lächelnd.
 

“Guten Abend”, sprach nun auch noch Henry. Innerlich verdrehte ich meine Augen und war mir sicher, dass Lilly etwas sah, wo nichts wahr. Daher bereitete ich mich schon darauf vor, den ‘jungen Mann’ gehörig die Meinung zu geigen. Aus diesem Grund drehte ich mich schon leicht zur Seite, wo er stand, und wollte schon anfangen, jedoch blieb mir das Wort wortwörtlich im Hals stecken.
 

“Guten Abend zusammen”, erklang seine Stimme und wie von selbst breitete sich eine angenehme Gänsehaut auf meiner Haut aus. Tatsächlich stand mein Mister Unbekannt, der mich vorhin vor einem Sturz gerettet hatte, direkt vor mir. Mir klappte der Mund leicht auf, da ich ihn als mein bezeichnet hatte. Jedoch fing ich mich schnell wieder und versuchte mich mit meinem Getränk ab zu lenken.
 

Heftig schlug mein Herz in meiner Brust und mein Blut rauschte förmlich in meinen Ohren. Schwerer schluckte ich, um dies in den Griff zu bekommen. Dennoch konnte ich der Unterhaltung nicht wirklich folgen. Zwar sah ich, wie Henry mit dem Unbekannten sprach, aber die Worte verstand ich nicht wirklich. Sogar seinen Namen hatte ich nicht mit bekommen. Ich hatte nur Mister N... verstanden und grübelte angestrengt, wie ich meinem Dilemma entgehen konnte. Es würde ein ganz falsches Bild auf mich abgeben, weil ich den Namen nicht gehört hatte. Man würde mir nachsagen, dass ich solch einfache Dinge nicht merken konnte.
 

“Dürfte ich die junge Dame zu einem Tanz entführen?”, vernahm ich plötzlich seine Stimme und blinzelte einmal.
 

“Sie... möchten mit mir tanzen?”, fragte ich fast schon ungläubig nach.
 

“So ist es... denn ihr tanz hervorragend”, antwortete er mir und wie von selbst hob ich meine Augenbraue an.
 

“Wie kommt ihr denn darauf?”, konterte ich und sah ihn direkt an. Irgendwas blitzte in seinen Augen auf, doch ich konnte das nicht betiteln.
 

“Nun... ich hatte euch zuvor tanzen sehen und war mehr als fasziniert davon”, erklärte er und meine Skepsis wuchs ein wenig mehr an.
 

“Ach ja? Hattet ihr uns so gut beobachten können?”, hakte ich nach und konnte dies einfach nicht lassen. Irgendwie wollte ich ihn provozieren. Einfach aus der Reserve locken, auch wenn mir in dem Moment nicht bewusst war, warum ich dies tat, so tat ich es.
 

“Oh ja... so gut sogar, dass mir eure Schuhe aufgefallen sind. Sie sind nicht zu hoch und auch nicht flach. Ein paar Steine sind daran, die im Licht leicht glitzern. Sie sind dunkelblau... genau wie euer Kleid oder auch mein Anzug”, zählte er die Fakten auf und gerade war ich mehr als überrascht, dass ihm das aufgefallen war. “Und... gewähren Sie mir nun einen Tanz?”, wollte er mit einem Grinsen von mir wissen.
 

Für einen Moment war ich wahrlich sprachlos. Dass er scheinbar genau wusste, wie meine Schuhe aussahen, hatte mich beeindruckt, aber es war auch beängstigend. Daher wog ich in meinem Inneren ab, ob es klug war mit ihm zu tanzen oder nicht. Entgegen meiner Vernunft nickte ich schließlich, was ihm ein ehrliches Lächeln auf die Lippen zauberte. Das überraschte mich erneut an diesem Abend und er bot mir seine Hand an. Leicht schluckte ich, aber legte meine eigene hinein und ließ mich von ihm auf die Tanzfläche führen. Mit jedem Schritt wurde ich nervöser und konnte nur hoffen, dass ich mich nicht allzu sehr blamieren würde.
 

“Keine Sorge... ich werde euch sicher fest halten”, sprach er aus, fast so als würde er meine Bedenken sehen.
 

“Oh... ich... hoffe doch”, entgegnete ich und versuchte nicht zu rot im Gesicht zu werden. Es war etwas peinlich, aber im Endeffekt doch recht schön, weil er eben meine Gefühle mit berücksichtigte. Viel konnte ich nicht mehr darüber nachdenken, denn wir waren inmitten der Tanzfläche und begannen nun uns zur Musik zu bewegen.
 

Erst war es etwas holprig, da wir noch den Rhythmus finden mussten, doch nach nur einigen Tankten waren wir recht synchron und ich konnte mich mit einem Mal fallen lassen. Genauso, als würde ich mit Mister Smith tanzen. Es war magisch und in einer gewissen Weise perfekt zwischen uns. Wir sahen uns tief in die Augen und ich könnte schwören, dass ich weit hinein sehen konnte. Bis hin zu seiner Seele, die so viel mehr Preis gab, als er dies wohl tun wollte. “Seht ihr... ihr tanzt perfekt”, raunte er und ließ mich dadurch blinzeln.
 

“Oh... ihr seid ein Schmeichler”, entgegnete ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
 

“Eigentlich nicht... aber bei euch... scheine ich nicht anders zu können”, sprach er aus und ich konnte ihm ansehen, dass er das absolut ernst meinte. Daher wurde ich verlegen und bestimmt wurde ich rot.
 

“Und... warum ist es bei mir so?”, wollte ich neugierig von ihm wissen, denn das war nun spannend.
 

“Hmmmm”, entkam es ihm von den Lippen. “Wenn ich ehrlich sein sollte... bei solch einem Engel... sollte man sich von der besten Seite zeigen”, antwortete er mir und bei diesen Worten weiteten sich meine Augen.
 

“Engel?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Mhm... denn so wie ihr über das Parket schwebt... könnt ihr nur ein Engel sein”, erklärte er und schwerer schluckte ich. Dies konnte er sicher nicht ernst meinem.
 

“Ich denke... ich bin Meilen weit von einem Engel entfernt”, schmunzelte ich schließlich und konnte seine Mundwinkel zucken sehen. Leicht beugte er sich zu mir runter.
 

“Für mich... bleibt ihr ein Engel, Jeanne”, raunte er an meinem Ohr und augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut vom Feinsten. Es war unglaublich, was seine Stimme mit meinem Körper machte.
 

“Ich bezweifle, dass ihr dies noch sagen werdet, wenn ihr mich besser kennen würdet”, forderte ich ihn erneut an diesem Abend heraus. Schon wieder blitzte etwas in seinen Augen auf und ehe ich mich versah, veränderte sich die Musik.
 

Sogleich schaltete er auf den neuen Klang um und führte mich souverän über die Fläche. Überrascht brauchte ich einen Moment, doch ich folgte seinen Bewegungen und genoss gerade seine Führung sehr. Er war unglaublich, wie schnell und einfach sich das alles bei ihm anfühlte. Gerade in dem Moment kamen mir die Worte von Henry in Sinn: “Eines Tages kommt ein junger Mann, der dich genauso gut führen kann, wie ich.” Einen Augenblick lang weiteten sich meine Augen, denn dies traf wohl gerade wirklich ein. Dass ich mit jemand anderem genauso gut harmonisieren würde, hätte ich niemals gedacht.

Das Ende eines tollen Abends

Für den Augenblick auf der Tanzfläche vergaß ich alles andere um mich herum. Es war so einfach und beschwert alles los zu lassen und sich führen zu lassen. Egal welcher Rhythmus gespielt wurde, ich konnte ihm irgendwie vertrauen. Wieso ich ihm mein Vertrauen schenkte, obwohl ich ihn gar nicht kannte, wusste ich nicht. Aber etwas in seinem Blick hatte mich überzeugt und so war ich mit ihm tanzen gegangen. Noch immer waren wir auf dem Parket und es fühlte sich unglaublich befreiend an. Erst als wir eine Pause brauchten, hielt er meine Hand und führte mich zurück zu Henry und Lilly. Beide lächelten und ich konnte schwören, dass Lilly mir zu gezwinkert hatte. Immerhin hatte sie recht gehabt mit meinem ‘Verehrer'.
 

“Ihr seid sicher durstig”, grinste der ältere Herr und reichte uns jeweils ein Glas mit Wasser.
 

“Danke”, lächelte ich ihn an und auch mein Mister N. hatte sich bedankt. In einem Zug hatte ich die Flüssigkeit getrunken und da merkte ich erst, wie trocken mein Hals wirklich war.
 

Daher beschloss ich noch ein Glas zu besorgen und war froh, dass Henry meinen Tanzpartner in ein Gespräch verwickelte. Auf diese Weise konnte ich kurz zur Bar rüber, um mir etwas zu trinken zu holen. Doch durch den kleinen Abstand zwischen uns, waren meine Gedanken wieder voll da. Ich verhielt mich so untypisch. Normalerweise würde ich niemals mit einem anderen Mann tanzen. Noch dazu mit einem Fremden. Definitiv war ich nicht ich selbst. Irgendetwas hatte der Kerl mit mir gemacht, aber was es war, konnte ich noch nicht sagen. Doch ich würde ihm sicher nicht erneut erlauben, mich so durch einander zu bringen. Vor allem weil ich genau wusste, wie er reagieren würde, wenn er die Wahrheit über meinen Job erfahren sollte.
 

Noch einmal atmete ich tiefer durch und holte noch ein Glas Wasser, bevor ich zurück zu den anderen ging. Es war gut, dass ich einen Moment für mich hatte, so war ich wieder gestärkt und würde den Abend bravourös über die Bühne bringen, ohne dass mich Mister N. aus dem Konzept bringen könnte. Zum Glück war es auch schon recht spät, weshalb Henry und Lilly nur noch eine knappe Stunde blieben, ehe sie sich verabschiedeten. “Es war ein wundervoller Abend”, schwärmte Lilly, während sie sich von dem jungen Mann verabschiedete und Henry ihm seine Hand gab.
 

“In der es war ein wunderbarer Abend”, stimmt der Unbekannte zu und hatte dabei mich im Auge. Ich musste aufpassen, um keine Miene zu verziehen. Tatsächlich fiel es mir schwer, doch ich schaffte es, nur minimal einen Mundwinkel nach oben zu ziehen.
 

“Vielen Dank für ihre Gesellschaft”, erklärte ich diplomatisch neutral. Da ich mich bei ihm bedanken wollte ich, war das der beste Weg.
 

“Es war mir eine Ehre”, konnte er sich den Kommentar nicht verkneifen, denn ich erkannte sein Grinsen allzu deutlich. Er nahm meine Hand in seine und führte sie zu seinen Lippen. “Sehen wir uns wieder, Jeanne?”, fragte er ungeniert direkt, nachdem er meinen Handrücken geküsst hatte.
 

“Wir werden sehen”, zwinkerte ich ihm herausfordernd zu und entzog ihm meine Hand.
 

Danach ging ich vor und wusste genau, dass Henry und Lilly mir folgen würden. Klar hätte ich ihm meine Nummer geben können, aber es gab einige Gründe, die dagegen sprachen. Erstens hatte er nicht danach gefragt, auch wenn ihm keine Wahl gelassen hatte. Zweitens konnte ihm diese nicht geben, da er sonst erfahren würde, dass Jeanne nicht mein wahrer Name war und drittens... ich wollte ihn nicht noch näher an mich heran lassen. Mein Kopf sperrte sich dagegen, obwohl mein Herz zu gerne ihn irgendwann wieder sehen wollen würde. Niemals hätte ich gedacht, dass jemand mich so aus der Bahn werfen konnte, doch er hatte es geschafft. Einfach so.
 

“Es ist schade, dass du ihn nicht nach seiner Nummer gefragt hast”, hörte ich Lilly und blinzelte, da ich nicht bemerkt hatte, dass wir schon unsere Mäntel geholt hatten und am Wagen standen.
 

“Oh... das schickt sich doch nicht für eine Lady”, ließ ich mir was einfallen und fand die Ausrede richtig gut. Augenblicklich lachte Henry und auch Lilly kicherte bei diesen Worten. Erleichtert lächelte ich die beiden an, während wie einstiegen und John die Autotür hinter uns schloss.
 

“Das stimmt... und wenn er Jeanne wieder sehen will, wird er einen Weg finden”, grinste Henry und verwirrt blinzelte ich, ehe ich meinen Blick zu ihm wand.
 

“Stimmt... schließlich hat er sie auch zum Tanzen gebracht”, kicherte Lilly und nun klappte mir der Mund auf. Dass die beiden gemerkt hatten, wie anders ich mich heute verhielt, war gar nicht gut. Schnell räusperte ich mich.
 

“Das war nur eine Ausnahme... ich war verwundert, dass er wusste, wie meine Schuhe aussehen... eigentlich sehen die Kerle nie auf die Schuhe”, versuchte ich zu erklären. Erneut lachte Henry und Lilly gluckste amüsiert.
 

“Absolut... das muss es gewesen sein”, meinte sie lachend und ich wusste nur zu gut, dass sie das ganz anders sah.
 

Jedoch war ich auch froh darum, dass beide nicht näher darauf eingingen. Schließlich war ihnen einer meiner Probleme sicher bekannt, warum ich nicht die Nähe zu einem Mann zu lassen könnte. Zumindest eben momentan nicht. Die Fahrt zurück zum Anwesen der Smiths verlief eher zwanglos. Wir sprachen über die Gala am nächsten Tag, zu der mich John wie gewohnt gegen 17 Uhr abholen würde. Diesmal würden wieder beide Ehepaare da sein, da es eines ihrer Lieblingsevents waren. Danach würde Henry zwei Wochen zu einer Geschäftsreise aufbrechen und Lilly würde ihn begleiten. Somit würde ich keinen Auftrag von den beiden erhalten in der Zeit.
 

Am Anwesen machte John die Tür wieder auf und wir stiegen aus. Ich würde mich oben umziehen und danach in normalen Klamotten nach Hause fahren. Wobei Henry darauf bestand, dass John mich fuhr. Es war seiner Meinung nach viel zu spät, als dass ich alleine mit dem Taxi fahren könnte. Nach all den Jahren achteten sie noch genauso auf mich wie am ersten Tag. Deshalb gab ich jeglichen Protest einfach auf und sagte John, dass ich mich beeilen würde. Doch er winkte wie immer ab und grinste mich an. “Auf eine solch bezaubernde Lady lohnt es sich zu warten”, kam es jedes Mal von seinen Lippen und ich lachte darüber. Er war wahrlich ein Charmeur und nicht nur ein Chauffeur.
 

Im Haus half mir Lilly aus dem Kleid und bedauerte, dass ich nicht über Nacht blieb. Aber das machte ich generell nicht. Niemals bei meinen Kunden zu Hause übernachten. Auch wenn ich die beiden als weitaus mehr sah als lediglich meine Kunden, so würde ich niemals diese eine Grenze überschreiten. Deshalb zog ich mich schnell um und packte meine Sachen zusammen, um mit meiner Tasche wieder nach unten zu kommen. Dort verabschiedete ich mich von dem älteren Ehepaar und wünschte ihnen eine ‘Gute Nacht’. Erst dann konnte ich beruhigt das Haus verlassen und ließ mir von John in den Wagen helfen, ehe er selbst einstieg und mich nach Hause brachte.
 

Lange dauerte es nicht und er ließ mich wieder am Parkplatz aussteigen, wo er mich zuvor schon abgeholt hatte. “Morgen 17 Uhr bin ich wieder hier... oder sollte ich heute sagen”, grinste er breiter, denn es war schon längst nach Mitternacht gewesen.
 

“Alles klar”, lachte ich leise und dankte ihm für seine Zeit. “Ich werde pünktlich hier sein”, versprach ich ihm.
 

Auf direktem Weg schritt ich mit meiner Tasche in der Hand zu meinem Wohnhaus. Schnell hatte ich die Eingangstür aufgeschlossen und nahm die Treppen nach oben, um zu meiner Wohnung zu kommen. Kaum war ich drinnen, streifte ich meine Sneakers ab und auch meine Jacke. Total geschafft ging ich ins Schlafzimmer und stellte die Tasche dort ab. Diese würde ich nach einigen Stunden Schlaf rausräumen. Gerade wollte ich nur noch duschen und ins Bett. Ich war wirklich fix und foxy von dem Tag an sich. Er war lang, aber auch überraschend schön gewesen. Schließlich war ein Maskenball nichts Alltägliches und ich habe diese Abwechslung genossen.
 

Im Bad zog ich mich aus und stieg in die Dusche. Das Wasser drehte ich auf und stellte die Temperatur direkt ein, ehe ich es über meinen Körper gleiten ließ. Mein Körper entspannte sich direkt und legte meinen Kopf etwas in den Nacken, um das Gefühl einfach zu genießen. Meine Augen schlossen sich und wie von selbst schlich sich das Gesicht meines Unbekannten vor meine geschlossenen Lider. “Was... zum”, begann ich und blinzelte mehrmals. Das war absolut unmöglich, dass ich ausgerechnet jetzt an ihn dachte.
 

Aber das tat ich. Noch einmal versuchte ich es, aber das klappte gar nicht. Im Gegenteil, meine Vorstellungskraft übermannte mich und ich sah ihn mit mir unter der Dusche. Wir beide trugen einzig nur unsere Masken, ansonsten nichts. Das war definitiv mehr als verrückt, weshalb ich schnell den Kopf schüttelte, um den Gedanken los zu werden. Zudem stellte ich das Wasser kälter, um runter zu kommen. Ich musste ihn vergessen, denn ich war mir sicher, dass ich ihn niemals wieder sehen würde. Mit diesem Gedanken stellte ich das Wasser ab, trocknete mich ab und ging wie gewohnt direkt ins Bett. Dass ich dabei nichts trug, störte mich nicht im Geringsten, denn ich mochte es ganz gerne so.
 

Sichtwechsel zu Mister Unbekannt / Mister N.


 

So schnell wie die Drei verschwanden, konnte ich gar nicht reagieren. Diese Frau war definitiv einmalig. Noch nie hatte jemand mein Interesse gleich beim ersten Anblick geweckt wie sie. Es war irgendwie schon magisch gewesen. Auch wenn ich nicht an solche Dinge glaubte, so musste ich zugeben, dass eine gewisse Anziehung vorhanden war. Nachdenklich nippte ich an meinem Wasser und seufzte. Das Glas leerte ich und brachte es zurück. Nur zu deutlich merkte ich die Blicke auf mir, doch diese interessieren mich nicht. Normalerweise würde ich jede Menge flirten und sehen, wohin es führen würde, aber gerade im Moment... hatte ich keinerlei Bedürfnis danach. Deshalb ging ich direkt nach der Bar aus dem Saal.
 

Dort konnte ich durchatmen und fühlte mich etwas besser. Noch immer verarbeitete mein Kopf, was in den letzten Stunden passiert war. Tatsächlich bekam ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit einen Korb. Es war mehr als ungewohnt, weshalb es mich irgendwie noch mehr reizte. Ich könnte sogar schwören, dass sie mich damit bewusst heraus gefordert hatte. Mein anfängliches Interesse erhöhte sich mit jeder Minute, während ich mit ihr sprach. Ihre wundervollen braunen Augen bemerkte ich sofort und war überrascht darüber, dass ich die Farbe bemerkte. Für gewöhnlich achtete ich nicht auf solche Details. Ich gebe zu... ich war wohl sonst ziemlich oberflächlich, deshalb hatte sie es geschafft in meinem Kopf zu bleiben.
 

Mittlerweile holte ich meinen Mantel ab und gab Bescheid, dass mein Wagen vorgefahren werden konnte. Einen Moment musste ich noch warten, ehe mein Baby kam. Genaustens inspizierte ich mein Auto, denn es war mein Heiligtum. Da nichts zu sehen war, gab ich dem Parkservice noch ein gutes Trinkgeld und nahm dankend meine Schlüssel entgegen. Sogleich stieg ich in meinen Wagen und ließ den Motor kurz auf heulen, ehe ich schließlich los fuhr. Der Weg zu meinem Hotel würde eine Weile dauern, da es etwas außerhalb lag. Dort hatte man Ruhe und konnte wirklich abschalten, da es ein Hotel für einen Wellnessurlaub war. Zwar machte ich so gesehen kein Urlaub, doch Paris war meine zweite Heimat.
 

Denn da war ich für gewöhnlich ein paar Wochen, ehe ich weiter zog, um die anderen Hotels von mir zu checken. Weltweit besaß ich mehrere davon und kontrollierte sie alle zwei Jahre, wobei ich bei der Masse es immer etwas aufteilte. So musste ich nicht zu viele auf einmal kontrollieren und meine Mitarbeiter hatten etwas mehr Ruhe vor mir. Außer eben hier in Paris, New York, Rio de Janeiro und Dubai. Da hatte ich in jedem Hotel eine eigene Suite, die wie ein kleines Apartment war. In den Städten blieb ich meist länger, weil ich mehrere Kunden dort hatte, die von meiner Firma sich ausstatten ließen. Zudem gab es dort jedes Jahr mehrere Messen, wo das Neuste vom Neusten vorgestellt wurde. Gerne blieb ich auf dem aktuellen Stand und das machte mich so erfolgreich.
 

An einer roten Ampel musste ich halten und stützte mich leicht meinen Ellbogen an meiner Autotür ab. Je länger ich warten musste, umso mehr tippte ich mit meinen Fingern auf dem Lenkrad herum. Unweigerlich wanderten meine Gedanken wieder zu dem Verlauf des Abends. Angestrengt überlegte ich, wann eine Frau mich das letzte Mal in ihren Bann gezogen hatte. “Ich glaube... noch nie”, sprach ich diese Erkenntnis laut aus und zuckte zusammen, als ich eine Autohupe hörte.
 

Schnell blinzelte ich und bekam große Augen, denn ich hatte verpasst, dass es schon längst grün war. Daher fuhr ich los und beschleunigte, sobald ich aus der Stadt raus war und nahm die Landstraße weiter. Mein Hotel war knapp drei Kilometer von Paris weg und lag mitten in einem großangelegten Park. Der Standort war bewusst gewählt worden, denn nur so konnte man eine Wohlfühloase erschaffen. Als ich beschloss in Paris ein Hotel zu bauen, war dies mein erstes Anliegen gewesen. Tatsächlich hatte ich nur mit der Firma in Tokio angefangen, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Doch mit der Zeit langweilte es mich und ich begann mit dem Bau der Hotels.
 

Wie von selbst wanderten meine Gedanken wieder zu dieser Frau. Sie hatte etwas an sich, als ich sie das erste Mal erblickt hatte. So wie sie über das Parket geschwebt war, hielt ich sie wahrlich für einen Engel. Das hatte ich ihr auch genauso gesagt und war nicht einmal gelogen. Sie wirkte so schwerelos und das war selten bei Frauen auf der Tanzfläche. Umso mehr war ich verwundert, dass diese Leichtigkeit verschwand, als sie nicht mehr auf dem Parket war. Ob es ihr selbst bewusst war oder nicht, konnte ich nicht sagen. Aus diesem Grund wollte ich mehr über sie erfahren und ich muss gestehen... ich will das immer noch. Sogar viel mehr möchte ich sie kennen lernen.
 

Mein kleiner Engel., schoss es mir durch den Kopf. Erneut blinzelte ich und schüttelte den Gedanken ab, da ich sie als ‘mein’ bezeichnet hatte. Ich bin wirklich durcheinander., gestand ich mir ein und parkte meinen Wagen auf meinem privaten Platz. Das war nun mal ein Luxus, wenn man der Besitzer des Hotels war, denn ich immer wahr nehmen würde. Schnell stieg ich aus, öffnete zwei Knöpfe an meinem Hemd und schloss mein Auto ab, ehe ich zum Eingang ging. Kurz grüßte ich mit einem Kopfnicken mein Rezeptionspersonal, bevor ich den Knopf für den Aufzug tätigte. Als dieser kam, stieg ich ein und fuhr direkt in die letzte Etage hinauf. Dabei lehnte ich mich mit dem Rücken an die Aufzugswand und verschränkte meine Arme vor meiner Brust. Es war wirklich verwunderlich, dass sie mich noch jetzt beschäftigte. Das war absolut nicht meine Art.
 

Erneut war ich in meinen Gedanken versunken, sodass ich das ‘Ping’ des Fahrstuhls gar nicht bemerkte. Irgendwann sah ich auf die offene Tür und erneut weiteten sich meine Augen vor Schock. So etwas war mir noch nie passiert. Leise lachte ich sogar über mich selbst und fuhr mir mit der Hand durch die Haare. Dieser Abend war so absolut anders, als ich jemals erwartet hätte. Aber ich musste gestehen, dass es mir sehr gefallen hatte. Noch besser hätte ich es gefunden, wenn ich weit mehr von ihr erfahren hätte, als ihren Namen und dass sie die Enkeltochter von dem netten Ehepaar Smith war. Seufzend ging ich zu meinem Zimmer und öffnete es.
 

Kaum schloss ich die Tür hinter mir, schon zog ich meinen Mantel aus, welchen ich auf hing. Ebenso streifte ich mir meine Schuhe ab und das Jackett, das ich über einen Stuhl beim Esstisch gehangen hatte. Die Tage würde ich diesen Anzug zur Reinigung bringen, doch jetzt wollte ich nur noch duschen und mich entspannen. Sogleich knöpfte ich mein Hemd ganz auf und begab mich ins Bad, wo ich mich ganz auszog und mich unter die Regendusche stellte. Diese machte ich an und legte den Kopf in den Nacken, während ich meine Augen schloss. Das Wasser tat verdammt gut und kühlte mich ein wenig ab. Doch ich konnte nichts dagegen tun, dass mir ein gewisser blonder Engel wieder vor meinem inneren Auge erschien.
 

Augenblicklich öffnete ich meine Augen und seufzte. “Fuck”, fluchte ich und musste definitiv aufhören an sie zu denken. Aber das war weitaus schwerer als ich dachte. In diesem Moment stand für mich fest, dass ich sie wieder finden musste. Egal wie lange es mich dauern würde. Ich würde sie wieder sehen und dann... wollte ich alles von ihr wissen.
 

Mit diesem Plan im Kopf duschte ich fertig, trocknete mich ab und schlug das Handtuch um meine Hüften. Danach holte ich mir noch ein Wasser aus dem Kühlschrank und prüfte, ob ich die Zimmertür verschlossen hatte. Ich legte viel Wert auf meine Privatsphäre, weshalb nur wenige Leute Zugriff auf mein Zimmer hatten. Die Reinigung erfolgt immer, nachdem ich aus checkte und kurz bevor ich wieder eincheckte, wurde frische Bettwäsche bezogen. Ein und derselbe Mitarbeiter war dafür verantwortlich. Für viele war das wohl unverständlich, doch für mich war es wichtig, denn es waren meine eigenen vier Wände und da sollte nicht jeder kommen und gehen können, wie derjenige wollte.
 

Bevor ich zu Bett ging, stellte ich noch mein Handywecker und schrieb meinem persönlichen Assistenten, dass wir gegen Mittag sprechen würden. Demnach konnte er, aber vor allem auch ich ausschlafen. Noch einen Schluck nahm ich von meinem Wasser, stellte die Flasche auf den Nachtkasten und legte das Handtuch beiseite, bevor ich ins Bett stieg und langsam einschlief. Noch einmal tauchte SIE vor mir auf. Ihre wundervollen braunen Augen hielten mich gefangen und ich konnte nicht anders, als darin mehr und mehr zu versinken. Die Müdigkeit schleuderte mich in einen sehr realistischen Traum, der ausschließlich von meinem Engel handelte.
 

Sichtwechsel zu Maron / Jeanne


 

Plötzlich schreckte ich aus meinem Traum auf und musste mehrfach blinzeln. Erst war ich verwirrt und verunsichert, da ich nicht wusste, wo ich mich befand. Als ich mein Schlafzimmer erkannte, atmete ich erleichtert auf und ließ mich wieder nach hinten fallen. “Es war nur ein Traum”, merkte ich an und legte den Arm auf meine Augen. Tatsächlich war es ein nahezu echter Traum. “Definitiv... ich bin verrückt”, seufzte ich und streckte mich, bevor ich aus dem Bett stieg. Da ich eh schon wach war, konnte ich auch aufstehen und mich für den Tag fertig machen.

Neugierde

Noch einmal streckte ich mich und blickte zur Uhr. Dabei stellte ich fest, dass ich nur einige Augenblicke vor meinem Wecker aufgewacht war. Daher machte ich meinen Weckruf aus und beschloss kurzerhand eine Runde Joggen zu gehen. Deshalb zog ich mich schnell an und schnappte mir mein Handy. Während ich in die Küche ging, schrieb ich in den Gruppenchat meinen beiden Freundinnen, dass ich nun Joggen wäre und mich später melden würde. Es war einfach toll, dass die beiden wieder da waren. Wir würden vermutlich zusammen telefonieren, weil sie mich wegen dem Maskenball ausfragen würden. Sie waren da einfach viel zu neugierig, aber das verstand ich zu gut. Mir würde es vermutlich genauso gehen.
 

In der Küche holte ich mir ein Glas Wasser, welches ich gleich austrank. Mit einem Lächeln ging ich in den Flur und zog mir meine Laufschuhe an, bevor ich mit dem Handy und den Hausschlüssel meine Wohnung verließ. Mein Weg führte mich direkt zum nahegelegenen Park, in dem ich immer meine Runden drehte. Es war gut, dass ich mich auspowerte. Denn so musste ich nicht mehr an meinen Traum denken und könnte diesen ganz weit nach hinten in meinen Gedanken schieben. Beim Laufen vergaß ich oft die Zeit, weshalb ich mich kurz erschrak, da mein Handy ein Telefonat ankündigte. Verwundert blickte ich darauf und blinzelte, da ich Rosalies Namen darauf erkenne. Direkt nahm ich den Anruf an.
 

“Hey, Rose”, kam es von mir schwer atmend, da ich mitten im Lauf ran ging.
 

“Wie lange willst du noch laufen?”, wollte Rosalie direkt wissen und mehrmals blinzelte ich.
 

“Was meinst du?”, entgegnete ich und hörte ein Schnauben, während ich schwören könnte Amélies Lachen im Hintergrund zu hören.
 

“Himmel, Maron... wir stehen vor deiner Tür und warten”, grummelte Rosalie vor sich hin.
 

“Aber...”, begann ich.
 

“Du bist schon fast drei Stunden Joggen”, warf Amelie ein und meine Augen weiteten sich.
 

“Ach du Schreck”, entkam es mir und dem stimmten meine Freundinnen gleich zu. “Ich beeile mich, Mädels”, schob ich schnell hinterher, beendete das Gespräch und eilte nach Hause.
 

Die Eingangstür zum Wohnhaus öffnete ich und nahm jede zweite Stufe, um zu meiner Wohnung zu kommen. Tatsächlich standen meine beiden Besties grinsend davor und ich lachte sofort los. Rosalie hatte zwei Brötchentaschen in den Händen und Amélie hatte einen Korb dabei. “Wir wollten mit dir Brunchen”, kicherten beide zeitgleich und ich freute mich riesig. So etwas machten wir eigentlich jeden Sonntag, aber die letzten Male ging es nicht, da sie nicht im Lande waren.
 

“Prima”, sprach ich freudig aus und öffnete die Tür. Ich ließ beide hinein und folgte ihnen. “Macht es euch bequem... Ich stelle Kaffee auf und bin fix unter der Dusche”, erklärte ich ihnen und sie winkten gleich ab.
 

“Geh duschen... wir machen alles fertig”, zwinkerte Rosalie und ehe ich mich versah, schob mich Amélie bereits ins Bad. Die beiden waren einfach unglaublich. Dankend nickte ich und hüpfte flott unter die Dusche.
 

Es dauerte einen Moment, bis ich fertig war und mir ein Handtuch um die Haare und eines um meinen Körper wickelte. Schnell war ich bei meinem Schrank und zog mir meine Unterwäsche an, ehe ich mir meine Schlabberhose und ein weites Shirt anzog. Meine Haare würde ich noch einige Zeit im Handtuch lassen, ehe ich sie öffnen würde und für später meine Frisur fertig stellen würde. Kaum verließ ich mein Zimmer, schon roch ich den Kaffee und lächelte, da meine Freundinnen alles bereits auf dem kleinen Tisch vor dem Sofa hingestellt hatten. Der Kaffee dampfte noch und mir lief wortwörtlich das Wasser im Mund zusammen. Definitiv sie waren die besten Freunde, die ich haben konnte.
 

Amélie saß auf dem Sessel und Rosalie auf dem Sofa. Letztere klopfte neben sich und ich kicherte leise, bevor ich mich auf diesen Platz plumpsen ließ. Beide lachten und Rosalie reichte mir meinen Kaffeebecher. Dankend nahm ich diesen an und nippte an diesem. Genüsslich seufzte ich und freute mich über die schwarze Brühe, die meine Kehle entlang lief. “Ahhh... das tut wirklich gut”, seufzte ich und blinzelte, da mir die Blicke von ihnen bewusst waren. Daher trank ich noch einen Schluck und zog alles ein wenig in die Länge.
 

“Man... Maron!”, grummelte Amélie.
 

“Nun sag schon... wie war es gestern?”, wollte Rosalie wissen und ich schmunzelte, während ich noch einen Schluck zu mir nahm.
 

“Es war unglaublich. All diese Kleider und die Leute waren eigenartig”, begann ich und neugierig lauschten die beiden.
 

“Hochnäsig sondergleichen?”, hakte Rosalie nach und ich nickte zustimmend.
 

“Absolut... ich war echt froh, dass diesmal Henry seine Frau mit genommen hatte”, führte ich fort und sprach darüber, wie der Abend verlaufen war. Ganz bewusst ließ ich den Unbekannten aus, um den beiden keinen Anlass zu geben, weiter nach zu haken.
 

“Das klingt nach einem perfekten Abend”, grinste Rosalie.
 

“Ja... das war es wirklich”, kam es verträumt von mir und ich trank ein wenig von meinem Becher.
 

“Und... wer hat es dir so angetan?”, fragte Amélie und prompt verschluckte ich mich.
 

“Was...”, begann ich und hustete. “Was meinst du damit?”, setzte ich fort und versuchte nicht zu schrill zu klingen.
 

“Ach komm schon, Maron... du willst uns doch nicht weiß machen, dass dein Strahlen nichts weiter zu bedeuten hatte”, erklärte Rosalie und direkt schluckte ich. Es war unglaublich, wie sie mich immer so schnell durch schauen konnten. Dabei hatte ich aufgepasst, mich nicht zu verraten.
 

“Hat es auch nicht. Das Kleid hatte mir sehr gut gefallen, auch wenn es übertrieben war und Henry ist ein großartiger Tänzer. Das zusammen hat mir sehr gefallen”, versuchte ich es erneut, doch als ich an die Tänze dachte, kam mir mein Mister N. wieder in den Sinn. Direkt spürte ich die Röte in mir aufsteigen und biss mir automatisch auf die Unterlippe.
 

“Ach ja... und mit wem hast du sonst getanzt?”, wollte Rosalie erfahren und nun war mir klar, dass ich mich verraten habe. Beide grinsten mich an und erneut musste ich schlucken.
 

“Mit... keinem?”, entgegnete ich mit einer Frage und beide zogen ihre Augenbrauen hoch. Tatsächlich verschränkten sie ihre Arme vor ihrer Brust und warteten darauf, dass ich weiter sprach. Seufzend lehnte ich mich nach hinten und legte meine Beine auf das Sofa. “Na gut... ein Unbekannter hatte mit mir getanzt”, gab ich schließlich zu.
 

“Nun wird es interessant”, grinste Rosalie und so ergab ich mich meinem Schicksal. Deshalb erklärte ich ihnen, was am Vorabend passiert war. Diesmal ließ ich keine Details aus und sie klebten wahrlich an meinen Lippen.
 

“Oh, Maron... er ist scheinbar der eine, der es mit dir aufnehmen kann”, fand Amélie zuerst ihre Sprache wieder.
 

“So ein Unsinn, Ami”, winkte ich ab, doch Rosalie sah mich ernst an. Das tat sie selten, weshalb es mich etwas verwirrte.
 

“Ami hat Recht, Maron... du tanzt sonst nur mit Henry und bist normalerweise nicht so vertrauensselig, doch bei ihm... schien es anders zu sein”, sprach sie und wieder seufzte ich.
 

“Genau das verwirrt mich... wieso habe ich bei ihm einfach ja zu einem Tanz gesagt”, teilte ich meinen Gedanken mit meinen besten Freundinnen.
 

“Hmmm... was hast du denn dabei gefühlt, als er dich gefragt hatte?”, fragte Amélie und leicht legte ich den Kopf schief, während meine Gedanken zurück zu dem Augenblick gingen. Für einen Moment wusste ich nicht, worauf meine Freundin hinaus wollte.
 

“Oh... ähm... wenn ich das wüsste”, gestand ich ehrlich nach einer Weile.
 

“Ist das nicht offensichtlich?”, merkte Rosalie an und ich blinzelte, ehe ich zu ihr sah.
 

“Wie meinst du das?”, hakte ich nach.
 

“Da du in dem Moment nicht wusstest, was du denken sollst... haben dein Herz und deine Intuition entschieden und nicht der Verstand”, erklärte sie mir und es dauerte, bis ihre Worte bei mir durchgesickert waren.
 

“Du meinst...”, fing ich an und sie nickte.
 

“Korrekt... aus dem Impuls heraus... hast du beschlossen, ihm zu vertrauen, obwohl du nichts von ihm kennst. Doch seine Augen schienen aus zu reichen, dass du dich entscheiden konntest”, lächelte Rosalie und ich konnte nicht glauben, was sie da sagte.
 

“Nein... ich... denke”, versuchte ich erneut zu erklären, aber weit kam ich nicht, als mich die Erkenntnis mit voller Wucht traf. “Fuck... du hast Recht... seine Augen hatten mich in ihren Bann gezogen und als er fragte... konnte ich es ihm nicht ausschlagen”, gestand ich und nun lächelten beide zufrieden.
 

“Denkst du... du siehst ihn wieder?”, fragte Amélie nach einigen Minuten.
 

“Hmmm”, machte ich und trank von meinem Kaffee. “Vielleicht... das wird wohl auf ihn ankommen”, grinste ich tatsächlich, denn er hatte es in der Hand. Zwar hatte ich ihm meine Nummer nicht gegeben, doch ich denke, dass er seine Mittel und Wege haben könnte, mich zu kontaktieren.
 

“Oh... da ist ja unsere ungezogene Maron wieder”, kicherte Rosalie und ich legte den Kopf schief. “Schau mich nicht so an”, grinste sie. “Du hast ihn sicher mit deinen Augen herausgefordert. So wie du es immer mit diesen unreifen Männern tust, wenn sie glauben, dich kleines Mädchen rum zu bekommen”, gluckste sie und meine Mundwinkel zuckten bei ihren Worten.
 

“Vielleicht”, zuckte ich mit meinen Schultern und beide prusteten sofort los, ehe wir direkt los lachten. Sie kannten mich nun mal und ich würde es keinem einfach machen. Wenn sie mich kennen lernen wollten, sollten sie sich anstrengen. Obwohl es mir ein wenig Angst machte, wenn ER es tun würde, denn bei ihm war ich anders. Woran das genau lag, wollte ich erst einmal sicher nicht erkunden.
 

Der Tag war noch wundervoll. Solch einen hatte ich schon länger nicht mehr und freute mich umso mehr diesen mit meinen Freundinnen teilen zu können. Rosalie machte mir sogar die Haare und Amélie mein Make-up. “Danke euch beiden... leider muss ich gleich schon los”, meinte ich traurig.
 

“Macht doch nichts”, lächelten sie mich beide an.
 

“Ihr seid die Tage unterwegs, oder?”, wollte ich noch wissen und beide nickten. Sie hatten einige Kundentermine, wobei Rosalie meinte, dass sie vielleicht ein Date hätte. Doch spruchreif war es noch nicht, da scheinbar Raphael kurzfristig zu einem Geschäftsmeeting ins Ausland musste. “Verstehe... passt gut auf euch auf”, lächelte ich sie an und sie nickten.
 

“Und du auf dich”, bat Rosalie und ich nickte nur, während wir uns noch zum Abschied umarmten. Kaum war ich alleine, bereitete ich mich fertig vor und kleidete mich in mein Kleid.
 

Danach schnappte ich mir meine Accessoires und legte mir diese um. In die kleine Handtasche packte ich noch meinen Lippenstift, mein Handy und meine Schlüssel ein, ehe ich meine Schuhe an zog und schon die Wohnung verließ. Natürlich nahm ich noch ein leichtes Jäckchen mit, da es am Abend doch noch frisch war. Wie gewohnt wartete John bei dem Parkplatz auf mich. Dankend sah ich ihn an und grinste breiter, bevor er auch schon los fuhr. Es war wie gewohnt und ich freute mich darauf Mister Smith wieder zu sehen. Er würde mich sicher an diesem Abend gut ablenken können, denn ehrlich gesagt wollte ich nicht mehr über Mister Unbekannt weiter nachdenken.
 


 

An diesem Abend musste ich mich auch von Henry erst einmal verabschieden. Die nächsten Tage würden sicher nicht mehr so spannend sein, da ich nur wenige Aufträge hatte. Von einfachen Shoppingdates bis hin zu Gesellschaftsspielen war alles dabei. Wobei letzteres mit drei netten älteren Damen war. Sie fühlten sich oftmals einsam, weshalb sie zusammen gelegt hatten, damit ich sie besuchen kam. Sie waren wirklich sehr lieb und erinnerten mich immer mehr an die klassischen Großmütter. Schließlich fragten sie mich jedes Mal, ob ich auch genügend aß, weil ich so dürr war. Wobei diesmal die Frage berechtigt war. Denn Mitte der Woche wurde mir bewusst, welches Datum mir bevor stand. Dieses schlug mir ziemlich auf mein Gemüt und ich hatte kaum Appetit.
 

Die Tage zogen sich wahrlich wie Kaugummi und ich stand andauernd unter Strom. Mental war ich noch lange nicht gefestigt, diesen Tag erneut zu erleben. Doch der Tag würde kommen und das große Tief würde wieder über mich herein brechen. Zwar versuchte ich mich so gut ich konnte ab zu lenken, aber wirklich helfen tat es mir nicht. Der 30. März rückte näher heran und ich begann schon zwei Tage vorher schlecht zu schlafen. Mein Hunger lief auf den Nullpunkt zu und ich zwang mich regelrecht dazu wenigstens genügend zu trinken. Mit meinen Freundinnen telefonierte ich täglich und war ihnen dankbar für diese Ablenkung. Sie brachten mich sogar teilweise zum Lachen und hoben meine Laune ein wenig.
 

Leider kam schon der 30. und es war nahezu unmöglich aus dem Bett zu steigen. Wehmut und Traurigkeit übermannten mich genauso wie die Jahre zuvor und besonders an diesem einen Tag, der erneut in meinen Gedanken ablief.
 


 

Rückblick vor 9 Jahren


 

So sehr hatte ich mich auf den Ausflug mit meinen Eltern gefreut. Ich hatte die Oberstufe abgeschlossen und würde schon bald mit meinem Studium beginnen. Seit ich denken konnte, wollte ich genau wie meine Eltern Architektin werden. Nur eben nicht für Freizeitparks, sondern für vieles mehr. Daher hatte ich mich für die Kurse eingetragen, sodass ich nach meinem Grundstudium und Masterstudium noch ein paar Jahre dran hängen müsste. Wenn alles perfekt laufen würde, wäre ich demnach in acht oder neun Jahren fertig. Würde davon abhängen, ob ich noch das Zusatzjahr wählen sollte, um später unterrichten zu können. Vermutlich würde ich das tun, doch darüber würde ich mir Sorgen machen, sobald es so weit wäre.
 

Doch wurde meine Freude sehr schnell betrübt, als ich ein paar Tage vor dem geplanten Ausflug krank wurde. Starkes Fieber und Hustenanfälle hatten mich an das Bett gefesselt. Ich fühlte mich wie von einem Lastwagen überrollt und hoffte jedes Mal, dass es mir besser gehen würde. Denn ich wollte unbedingt mit ihnen mit fahren. Leider war ich am Vorabend der Abfahrt immer noch nicht wirklich fit. Besorgt hatte meine Mutter mich angesehen. “Maron... sollen wir nicht lieber hier bleiben?”, wollte sie von mir wissen, denn ihr behagte es gar nicht mich alleine zu lassen.
 

“Mama... ihr müsst doch wegen eurem Kunden hin... Ich hätte gerne direkt vor Ort mit erlebt, wo und wie ihr euer nächstes Projekt machen würdet, aber... das kann ich beim nächsten Mal immer noch tun”, lächelte ich sie an und hustete zwischendrin. Es war nervig, dass mein Hals nach wie vor kratzte und schmerzte.
 

“Das ist so verzwickt... wenn es kein Kundentermin wäre, hätten wir ihn schon längst abgesagt”, grummelte sie.
 

“Noch können wir den Termin verschieben, Liebling”, erklärte mein Vater meiner Mutter. Sie überlegte, doch ich mischte mich ein.
 

“Wegen meiner Erkältung müsst ihr nicht bleiben... mein Fieber ist schon deutlich gesunken und der Husten wird bestimmt bald weg sein”, machte ich ihnen klar, dass sie fahren könnten, da ich klar kommen würde.
 

“Das wissen wir, Kleines”, meinte mein Vater.
 

“Trotzdem ist mir nicht wohl dabei, dich hier ganz alleine zu lassen”, sprach sie offen aus. Tatsächlich verstand ich ihre Sorge, aber diese müsste sie sich nicht machen. Schließlich war ich fast 18 Jahre alt und demnach bald volljährig.
 

“Mama... ich bin doch nicht alleine... Frau Michel kann nach mir sehen und zur Not mit der Zubereitung für eine Suppe helfen”, entgegnete ich ihr, da die liebe ältere Frau oft aushalf, wenn etwas war. Dies brachte meine Mutter zum Nachdenken. Genau konnte ich sehen, wie sie alles abwog und sich entschied. Eine Weile später nickte sie.
 

“Wenn Frau Michel Zeit hat, dann fahren wir zum Termin. Ansonsten bleiben wir hier bei dir”, stimmte sie zu und mein Vater schmunzelte.
 

“Gut... während deine Mutter telefoniert... isst du nun die Suppe... aber langsam, sie ist noch recht heiß”, sprach er grinsend und ich kicherte leise, wobei ein Husten direkt folgte.
 

“Danke... Papa”, lächelte ich ihn an und aß langsam und behutsam die Suppe. Es war eine schlichte Hühnerbrühe mit etwas Gemüse und Nudeln drin. Da das Schlucken einigermaßen ging, konnte ich eine halbe Portion essen. Das machte ich schon seit ich krank wurde, weil ich das Gefühl hatte, dass mir Übel wurde, wenn ich zu viel auf einmal aß. Deshalb würde ich später noch etwas essen. Am ersten Tag meiner Erkrankung war es mit dem Husten und dem Schüttelfrost so schlimm gewesen, dass meine Eltern mich zwischenzeitlich füttern mussten, damit ich etwas Brühe zu mir nehmen konnte. Vermutlich war meine Mutter deshalb noch besorgter als sonst.
 

Es dauerte, bis ich fertig war und mein Vater mit mir langsam wieder aufstand, um mir wieder in mein Zimmer zu helfen. Ich hatte dort alles, was ich brauchte und die Toilette war direkt daneben. Demnach müsste ich mich nicht wirklich viel bewegen. Kaum waren wir oben, schon kam Mama zurück zu uns. Sie meinte, dass es für unsere Nachbarin passen würde. Ich freute mich für meine Eltern, da sie dieses Projekt mit extra viel Herzblut vorbereitet hatten. Es war nicht nur ihr Job, sondern auch ihre Leidenschaft. Lächelnd schickte ich sie beide packen und war wohl eingeschlafen, denn als ich meine Augen aufschlug, war es draußen bereits dunkel.
 

Mein Zimmer war von meiner Nachttischlampe beleuchtet. Meine Eltern hatten diese wohl angemacht und runter gedimmt, damit sie mich beim Schlaf nicht stören würde. Einmal streckte ich mich und stand langsam auf, um kurz zur Toilette zu gelangen. Erst danach blickte ich auf die Uhr und gähnte einmal. Es war mitten in der Nacht, doch ein wenig Hunger hatte ich noch. Daher schlürfte ich langsam über den Flur unseres Hauses zu der Treppe, um nach unten in die Küche zu gelangen. Meine Orientierung war ohne Licht problemlos, da ich unser Eigenheim in und auswendig kannte. Im Kühlschrank fand ich schnell eine kleine Portion Suppe und schmunzelte, da Mama fünf solcher Portionen schön aufeinander gestapelt hatte. So musste ich nicht lange suchen.
 

Ein wenig machte ich es mir noch warm und aß diese langsam. Nebenbei kochte Wasser für meine Kanne Tee für die Nacht. Dann wäre ich versorgt und müsste wegen etwas Warmen zum Trinken nicht aufstehen. Obwohl es mich nervte im Bett zu bleiben, so hatte es auch etwas Gutes. Schlaf nach holen war enorm wichtig und würde mir bei der Genesung helfen. Schnell schrieb ich meinen Eltern noch eine Nachricht auf einen Zettel und legte diesen zu dem Autoschlüssel. Ich wünschte ihnen eine gute Fahrt und sie sollten sich später einfach melden. Kurz darauf kehrte ich mit meiner Kanne zurück in mein Zimmer und schlief prompt ein, sobald mein Kopf auf dem Kopfkissen lag.
 


 

Wie lange ich geschlafen hatte, konnte ich nicht sagen, denn ich wurde aus meinem Schlaf gerissen. Die Haustürklingel wurde immer wieder betätigt und der Klang von dieser hallte in meinem Kopf wider. Gequält schälte ich mich aus dem Bett und schlürfte nach unten, um die Tür auf zu machen. Im Halbschlaf gähnte ich noch einmal und öffnete meinem ‘Gast’. Dass ich dabei hustete und vermutlich komplett fertig aussah, war mir in dem Moment egal.
 

“Sind Sie, Maron Kusakabe?”, hörte ich die Dame vor mir sprechen. Kurz blinzelte ich und nickte, während ich sie genauer musterte. “Wir müssen Ihnen mitteilen, dass...”, sprach sie weiter und mit jedem weiteren Wort wurden meine Augen größer und ich sah alles nur noch durch einen Tränenschleier.

Schicksalsschlag

Mehrmals blinzelte ich meine aufkommenden Tränen weg und schüttelte wie in Zeitlupe meinen Kopf. Ich konnte nicht glauben, was mir die beiden Uniformierten mitteilten. Das war sicher irgendein schlecht gemeinter Scherz. Denn mein Vater konnte unmöglich einen Unfall gehabt haben. Er war jahrelang unfallfrei gefahren. Wieso sollte es ausgerechnet jetzt anders sein?, war die Frage die mir als erstes durch den Kopf geschossen kam. “Nein, das ist... nicht möglich”, brachte ich nach einer Weile heraus.
 

“Es tut uns leid, dass wir dies Ihnen auf diesem Weg mitteilen müssen, aber... sie sind die erste Kontaktperson, sollte etwas mit ihnen passieren”, sprach nun der ältere Mann vor mir und ich schluckte. Dieser bestätigte also die zuvor getätigte Aussage. Es gab diesen Unfall. Trotzdem klang es so unwirklich in meinen Ohren. Daher schüttelte ich erneut den Kopf und hustete, da mein Hals immer noch schmerzte.
 

“Es tut uns wirklich leid”, begann die junge Frau. “Aber es gab ein Unwetter heute morgen auf der Strecke, die ihre Eltern nahmen. Dadurch kamen sie von der Straße ab”, erklärte sie weiter und je mehr ich hörte, umso schwerer fiel es mir, meine Tränen zu verbergen. Unaufhörlich liefen diese über meine Wangen, als die Erkenntnis in meinem Kopf durch gesickert war. Meine Eltern waren verunglückt und kommen nicht mehr wieder zurück. “Sollen wir... noch jemanden benachrichtigen?”, fragte die Polizistin freundlich und ich schüttelte den Kopf.
 

“Danke... dass sie hier waren”, sprach ich schluchzend aus und musste mich erst einmal sammeln. Auch wenn die Worte zu mir ganz durchgedrungen waren, so konnte ich das immer noch nicht glauben. Schnell verabschiedete ich die beiden und schloss die Tür.
 

An dieser lehnte ich mit dem Rücken und ließ mich daran runter rutschen. Diese Nachricht war so schwer zu begreifen und zu verstehen, dass ich nicht wusste, wo oben und wo unten war. Meine Beine zog ich dicht an mich und legte meinen Kopf auf meine Knie. Die Tränen liefen einfach weiter und alles andere war in den Hintergrund gerückt. Während ich weinte, wusste ich nicht wie viel Zeit vergangen war, doch ich spürte einmal mehr die Kälte, die durch meinen Körper ging. Daher beschloss ich langsam auf zu stehen, aber meine Beine versagten öfters. Leise fluchte ich vor mich hin und war mir nicht sicher, was ich jetzt tun sollte. Ich war mehr als überfordert mit der Situation.
 

Mein erster Gedanke, als ich endlich wieder stand, war zu meinem Handy zu eilen und meine Eltern an zu rufen. Ich brauchte das gerade. Vielleicht könnte ich so heraus finden, ob das wirklich passiert war, oder es doch irgendwie ein mieser Scherz war. Eilig stolperte ich nach oben in mein Zimmer und zu meinem Handy. Schnell entsperrte ich es und bekam große Augen. Ich hatte einige Nachrichten von meiner Mama. Mit zittrigen Händen öffnete ich diese und schluchzte erneut. Sie schrieb seit sie los gefahren waren jede Stunde ein Update wie weit sie waren. Auch von einem Sturm berichtete sie und dass sie eine Pause machen würden. Doch zwei Stunden später fuhren sie weiter und seitdem kam keine Nachricht mehr.
 

“Nein... bitte nicht...”, sprach ich schon mit mir selbst. “Wieso seid ihr nur weiter gefahren”, schluchzte ich auf und konnte nicht anders als wieder zu weinen. Dieser Moment. Die Erkenntnis, dass sie seit über drei Stunden keine weitere Nachricht geschickt hatten, traf mich nun mit voller Wucht. Da merkte ich, dass sie nicht mehr zurück zu mir nach Hause kommen würden.
 

Dass ich mich auf mein Bett gesetzt hatte, merkte ich schon gar nicht. Die Zeit strich an mir vorbei und ich wusste nicht einmal, wie spät es war. Plötzlich klingelte mein Handy und ich zuckte zusammen. Ohne darauf zu achten, wer mich anrief, nahm ich ab. Die Hoffnung, dass es meine Mama oder mein Papa sein konnte, stieg in mir. “Mama? Papa?”, entkam es meiner Kehle.
 

“Oh, Maron”, hörte ich die vertraute Stimme von Sakura. Sie war die beste Freundin meiner Mama und für mich wie eine Tante. Nur leider lebte sie in Tokio und damit weit weg.
 

“Tante... Sakura”, schluchzte ich und meine Stimme brach augenblicklich ab. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte oder wie ich ihr erklären sollte, dass meine Eltern nicht mehr lebten und ich schon.
 

“Maron... Liebes... leg nicht auf”, sprach sie sanft und ruhig. Dennoch konnte ich ihre Traurigkeit in der Stimme erkennen. “Ich weiß... es ist schwer zu verstehen... aber du bist nicht alleine... ich bin in wenigen Stunden bei dir und solange telefonieren wir einfach”, hörte ich sie sagen. Immer wieder schluchzte ich und lauschte einfach ihrer Stimme. Sie erzählte mir alles möglich und das, obwohl ich schwieg und nichts dazu sagte. Meine eigene Stimme versagte. Nicht nur wegen meiner Erkältung, sondern auch wegen dem ganzen Weinen.
 


 

Durch die ruhige Stimme meiner Tante muss ich wohl eingeschlafen sein, denn ich spürte ein Rütteln an meiner Schulter. Sogleich sah ich verschlafen auf und fragte nach meinen Eltern. “Oh, Maron”, hauchte Sakura und zog mich direkt in ihre Arme. Sie war tatsächlich gekommen. Ich klammerte mich regelrecht an sie und wie beide weinten um die beiden Menschen, die wir sehr geliebt hatten.
 

Es dauerte einige Zeit, bis wir beide keine Tränen mehr hatten. Sie blieb an meiner Seite und wir redeten die ganze Nacht. Sie erklärte mir, dass sie den Anruf von einem Arzt erhielt, der ihren Tod leider bestätigt hatte. Ich wollte keine Einzelheiten wissen, nur ob sie lange gelitten hätten. Das verneinte Sakura und meinte, dass sie wohl direkt starben, denn jegliche Hilfe kam zu spät. Das Thema war für uns beide nicht einfach und doch mussten wir über die Beerdigung und den Nachlass sprechen. Sakura war froh darüber, dass ihre beste Freundin und ihr Mann vorgesorgt hatten. Es war ein Testament vorhanden und ich als Alleinerbin eingesetzt.
 

“Und... was passiert mit mir?”, fragte ich.
 

“Bis du 18 wirst... bin ich dein Vormund”, erklärte sie mir. “Damals... bei deiner Geburt haben wir das so abgesprochen, damit du nicht aus deinem Umfeld rausgerissen wirst. Bei meiner Tochter war deine Mutter eingetragen”, sprach sie weiter und kämpfte gegen ihre Tränen.
 

“Das... heißt, ich werde mit dir nach Tokio müssen?”, hakte ich nach und Sakura überlegte.
 

“Ehrlich gesagt... würde ich mich damit wohler fühlen”, begann sie. “Aber ich weiß, dass es dein Traum ist, wie deine Eltern, Architektur zu studieren.” Bei ihren Worten nickte ich und jetzt wollte ich das noch mehr als zuvor. “Deshalb... werden wir die verbliebenen zwei Monate hin bekommen, dass alles geregelt ist... mit 18 bekommst du dein Erbe und bis dahin werden wir sehen, in wie weit es ausreichen würde”, sprach sie weiter und ich war ihr gerade dankbar, dass sie mich so sehr unterstützte. Noch nie hatte ich mich dafür interessiert, wie viel Geld meine Eltern erhielten, welchen Ausgaben sie hatten oder gar welche Versicherungen bei ihnen liefen. Doch gerade wurde ich mit all dem konfrontiert.
 

Aber der erste Schritt war die Organisation der Beerdigung. Allein der Gedanke daran, ließ meinen Magen rebellieren. Das alles machte es nur noch realer und erneut war ich überfordert mit der Situation. Sakura holte mich wieder zurück und sprach mit mir, um mich wieder zu beruhigen. Einmal mehr fragte ich mich, wie sie das machte. Sie war wahrlich die Ruhe in Person. Seit ich sie kannte, habe ich sie noch nie anders erlebt. Im Unterbewusstsein war mir klar, dass sie sich gerade nur wegen mir zusammen riss. Ich hatte ihre Trauer in ihren Augen gesehen und auch ihre Tränen zuvor gehört, doch für mich blieb sie momentan stark. Gemeinsam gingen wir alles durch und den Großteil der Telefonate führte Sakura selbst.
 

“Ich weiß nicht... was ich ohne dich getan hätte, Tante”, sprach ich nach gefühlten Stunden, die nun hinter uns lagen.
 

“Deshalb bin ich hier, Maron”, lächelte sie und ich sah sie blinzeln, um nicht zu weinen. “Deine Mutter war meine beste Freundin... doch wir beide fühlten uns wie Schwestern... und deshalb mache ich das, weil sie genau dasselbe für mich getan hätte, wenn es anders rum gewesen wäre”, fügte sie an und wischte sich die Träne von der Wange, die ihren Weg schließlich gefunden hatten.
 

“Trotzdem... danke ich dir”, sprach ich erneut und nahm sie in den Arm, um ihr wenigstens etwas zurück zu geben.
 

Die nächsten Tage waren alles andere als angenehm für mich. Immer wieder verkrampfte sich mein Magen und es gab auch Momente, in denen ich mich sogar übergeben musste. Sakura schob dies auf den Stress der letzten Tage. Zudem war die Beerdigung bereits vor der Tür und ich wusste wirklich nicht, wie ich den Tag überstehen sollte. Diese Gewissheit, dass meine Eltern niemals wieder zu mir zurück kehren werden, war einfach unerträglich. Mittlerweile war ich nervlich am Boden, da mir noch bewusster wurde, dass ich ab sofort für mich alleine zuständig war. Sobald ich 18 war, war ich auf mich alleine gestellt. Alles müsste ich selbst organisieren und mein Leben alleine bestreiten.
 

“Komm, Maron... es wird Zeit für die Trauerfeier”, holte mich Sakura aus meinen Gedanken. Ihr Mann Himuro war ebenso eingeflogen. Wegen seinem Beruf konnte er nicht früher da sein, aber vor einem Tag war er dazu gekommen und war für uns beide eine wahre Stütze.
 

Dankbar nickte ich ihr zu und so fuhren wir zum Friedhof. Da meine Eltern mit der westlichen Religion nichts am Hut hatten, haben Sakura und ich uns um einen buddhistischen Mönch bemüht, der die Trauerfeier leiten würde. Es war etwas schwierig, aber wir hatten es hinbekommen. Meine Eltern wollten eine Feuerbestattung haben, weshalb wir dies in die Wege geleitet hatten und nun würden die Urnen auf einem kleinen Altar stehen. Dabei hatten wir ein schönes Foto von den Beiden gefunden, welches wir dazu gestellt hatten. Alles war traditionell gehalten, genauso wie die beiden es gewollt hatten. Mir war wichtig, ihren letzten Wunsch zu ehren und zu erfüllen. Auch Sakura stimmte dem zu, denn der letzte Wille war wichtig und ich hätte es sicher nicht anders gewollt.
 

Wir durften den Gemeinschaftsraum der Kirche umfunktionieren, um die Trauerfeier dort stattfinden zu lassen. Normalerweise wären die Urnen ebenso ‘beerdigt’ worden, aber in diesem Fall würde es nicht passieren. Ein sehr großer Wunsch meiner Mutter im Sterbefall war es, dass sie in Japan, genauer genommen in Tokio, beigesetzt werden wollte. Mein Vater hatte dies respektiert und wollte ihr folgen. Zwar hatten sie beide nie mit mir persönlich darüber gesprochen, doch bei dem Testament lagen diese Wünsche bei. Aus diesem Grund würde der Mönch die Urnen mitnehmen und in Tokio mit einer weiteren Trauerfeier beisetzen. Ganz so, wie es die Tradition verlangte, würden meine Eltern dort ein Grab erhalten.
 

Der Mönch bot uns noch an bei der Beisetzung bei zu wohnen, doch ich entschied mich dagegen. Definitiv würde ich diese Zeremonie kein zweites Mal durchstehen. Sakura jedoch würde bei dieser dabei sein. Sie versprach mir, dass sie darauf achten würde, dass alles genauso sein würde, wie es meine Eltern wollten. In diesem Moment war ich ihr sehr dankbar, denn sie nahm mir eine große Last von den Schultern und versicherte mir, dass ich nichts falsch machen würde. Sie es sogar verstand, weil ich kein zweites Mal all das durch leben wollte. Ihre Worte beruhigten mich. Vor allem als sie mir sagte, dass meine Eltern beide stolz auf mich wären und sich gewünscht hätten, dass ich meinen Weg finden und gehen würde. Egal wie verzweigt dieser wäre oder wohin er mich führen möge. Sie wären immer in meinem Herzen bei mir.
 

Bei diesen Worten fasste ich den Entschluss, alles zu tun, um meine Eltern noch stolzer zu machen. Beide freuten sich, als ich ihnen damals mit teilte, dass ich ebenfalls Architektur studieren wollte. Wobei ich mich nicht nur auf die Errichtung von Freizeitparks konzentrieren wollte. Tatsächlich wollte ich alle Bereiche abdecken, weshalb ein sehr langes Studium vor mir liegen würde. Doch eins stand für mich fest: Ich würde es durch ziehen, egal wie viel Kraft und Mühe es mich kosten könnte. Zudem wollte ich unabhängig sein. Zum einen um Sakura keine weiteren Probleme zu bereiten und zum anderen wäre es mein Leben. Daher sollte ich mich darum auch alleine kümmern können. Auch wenn es nicht einfach werden würde, ich würde es tun.
 

Die Trauerfeier war geschmackvoll gehalten und der Mönch achtete sehr darauf, dass die Wünsche der Verstorbenen, aber auch meine gewahrt blieben. Ich war dankbar für seine Worte. Obwohl es üblich war einige Lobgesänge, Niederwerfungen und Rezitationen von Mantren mit einfließen zu lassen, so hatte er es auf das Mindeste gekürzt, da die Zeit, in der wir den Raum nutzen konnten, stark begrenzt war. Sakura konnte drei Stunden aushandeln, doch selbst das war zu gering. Schließlich ging die Trauerfeier im Buddhismus oftmals mehrere Tage. Aber sie war sich sicher, dass sie dies in Tokio nachholen konnten, um den Verstorbenen die Feier zu geben, die sie verdienten. Tatsächlich sah man den Tod nicht als trauriges Ereignis, aber für mich... war es das und ich konnte nicht wie andere etwas Positives daraus gewinnen.
 

“Mach dir keine Gedanken, Maron... keiner wird dich verurteilen und ganz besonders nicht der Mönch selbst”, hatte mich Sakura immer wieder darauf hingewiesen, dass ich traurig sein sollte und vermutlich auch wütend. Sie hatte so viel Verständnis für mich gezeigt, dass ich mir zusätzlich vornahm, mein Leben selbst zu klären, um sie nicht damit auch zu belasten. Dass dies für Sakura keine Last war, wurde mir erst viele Jahre danach bewusst.
 


 

Die ersten Tage nach der Zeremonie war es eigenartig. Sakura und Himuro waren im Gästezimmer und das Zimmer meiner Eltern war menschenleer. Normalerweise waren sie da, sobald uns die beiden besuchten. Wir kochten zusammen und spielten oft Brettspiele oder Kartenspiele. Doch dieses Mal... war kein Lachen meiner Eltern zu hören und das schnürte mir wortwörtlich die Kehle zu. Es war schwer aus zu halten und ich zog mich immer mehr zurück in mein Zimmer. Dort ließ das Gefühl etwas nach, aber so richtig verschwand es nicht. “Maron?”, hörte ich an meiner Tür, nachdem geklopft wurde.
 

“Ja?”, entkam es mir wie von selbst.
 

“Darf ich rein kommen?”, fragte Sakura und ich bejahte dies erneut. Natürlich konnte sie hinein kommen. “Danke dir”, lächelte sie mich an und schloss die Tür hinter sich. “Himuro und mir ist aufgefallen... dass du in letzter Zeit nur noch im Zimmer bist”, begann sie. Wie von selbst wurden meine Augen größer und ich schluckte schwerer. Dass es ihnen auffallen könnte, war mir gar nicht in den Sinn gekommen.
 

“Oh... Ich”, begann ich und sie winkte gleich ab.
 

“Alles gut... wir können uns denken, was dich beschäftigt. Deshalb habe ich mir gedacht... du möchtest vielleicht darüber reden”, sprach sie sanft aus und setzte sich auf den Stuhl an meinem Schreibtisch. Einmal atmete ich durch und fand es faszinierend, aber auch beängstigend, dass sie mich so gut durchschauen konnte. Langsam begann ich zu erzählen. Erst nur, wie es mir ging und später von meinen bedrückenden Gefühlen, die einfach so auftauchten und es mir unmöglich machten, mich im Wohnzimmer oder gar dem Erdgeschoss auf halten zu können. Verstehend nickte sie und schien zu überlegen.
 

“Ich weiß... es klingt alles so absurd, aber...”
 

“Du fühlst dich unwohl... hast das Gefühl, dass alles über dir zusammen bricht”, vervollständigte sie meinen Satz und ich nickte fassungslos. Sie hatte auch das korrekt zusammen gefasst. Ich war mir sicher, dass sie Zauberkräfte hatte. “Und was meinst du... wird es besser oder möchtest du... etwas ändern?”, fragte sie behutsam nach. Tatsächlich musste ich bei diesen Worten blinzeln. Sie hatte Recht. Das war die Frage, die ich mir nun stellen müsste. Würde ich klar kommen oder sollte ich lieber...
 

“Ehrlich gesagt... ich weiß es nicht”, sprach ich aus und sie nickte leicht.
 

“Verständlich... in diesem Haus bist du aufgewachsen... hier bist du groß geworden... hier hast du alles Wichtige erlebt. Egal, ob nun gute oder schlechte Ereignisse”, redete sie mit mir und mir war klar geworden, wie Recht sie hatte. “Deshalb denk in Ruhe darüber nach... ich bin mir sicher... dass es deinen Eltern egal wäre, ob du hier lebst oder in einem anderen Haus oder einer Wohnung... solange es dir gut ginge... wäre es ihnen recht”, merkte sie an und schenkte mir ein sanftes Lächeln.
 

Es erinnerte mich an das meiner Mutter. Jedes Mal, wenn ich einen Rat bei ihr gesucht hatte, sprachen wir über alle Möglichkeiten und am Ende nahm sie mir die Angst mich falsch zu entscheiden. Denn in ihren Augen gäbe es niemals eine falsche Entscheidung, solange es mir gut ging. “Danke dir, Tante Sakura”, lächelte ich sie mit glasigen Augen an. Mein Dank war aufrichtig und ehrlich, denn ich war ihr so dankbar, dass diese Worte kaum ausreichten, dies zu beschreiben.
 

“Jederzeit, Maron... lass es uns wissen, sobald du entschieden hast”, sagte sie und erhob sich. Sie kam noch zu mir, um mich zu umarmen und sanft über den Rücken zu streicheln. Das war definitiv eine mütterliche Umarmung und für einen Moment lehnte ich mich an sie heran und genoss diese. Es würde dauern, bis ich mir klar werden würde, was ich tun sollte, doch bis dahin hatten wir genug anderes zu überdenken. Deshalb beschloss ich gegen das Gefühl an zu gehen und zu sehen, was passieren würde.
 

Zusammen mit ihr ging ich ins Wohnzimmer und wir sahen noch einmal alle Unterlagen durch. Himuro war eine wahre Hilfe für uns, denn er kannte sich sehr gut mit den Gesetzen aus. Schließlich war Polizeichef in seinem Revier in Tokio. Wir verschafften uns erst einmal einen Überblick über alles. Denn viele der Versicherungen musste ich schnell kündigen, damit diese nicht weiter mir zu Lasten fallen würden. Darum kümmerte sich mein ‘Onkel’ nur zu gerne. Er telefonierte mit einigen von ihnen und bis auf zwei konnten wir so problemlos auflösen. Es kostete mich viel Überwindung dort zu sein und so gesehen den Nachlas meiner Eltern zu klären, aber es half mir ebenso damit klar zu kommen.
 

Einige Tage hatten wir gebraucht, bis wir alles soweit erledigt hatten. Es war absolut nicht einfach da durch zu steigen. Da Mama und Papa Japaner waren, waren wir uns eben unsicher, ob die Erbschaftssteuer in beiden Ländern galt zu entrichten. Zum Glück hatte uns da der Anwalt meiner Eltern gut helfen können. Alles hatte er Himuro, Sakura und mir bis ins Kleinste Detail erklärt. Ebenso auch, wie es mit den Immobilien geklärt war, die meine Eltern besaßen. Die Wohnung, die sie noch in Tokio hatten, haben sie Sakura hinterlassen. Das Haus in Frankreich war zu meinem Besitz geworden, wobei ich da eine Gewisse Summe an das Steueramt zahlen müsste. Die beiden Autos wären ebenso meine, wobei ich gleich einen Verkauf in Betracht zog.
 

“Dem stimme ich ebenso zu... solltest du später ein Auto brauchen... kannst du es dir kaufen”, erklärte Sakura.
 

Zum Glück musste ich von dem Fond, welchen meine Eltern für mich zum 18. angelegt hatten, keine Steuern zahlen, denn der Fond lief auf meinem Namen. Also war es bereits mein Besitz. Ich müsste nur die Bearbeitungsgebühren zahlen, sobald dieser mir ausgehändigt werden würde. Der belief sich auf etwa ein Prozent von der Summe, die darin enthalten war. Klang vielleicht viel, doch das war noch nichts im Vergleich zu den Erbschaftssteuern, die auf mich wegen dem Haus und der Autos zu kommen würde. Abzüglich des Freibetrages, der einem immer zustand.

Gravierende Entscheidungen

Leider musste Himuro schon bald zurück nach Tokio fliegen, doch Sakura wollte noch bleiben. Es fehlte noch eine endgültige Entscheidung, damit ich ohne ihre Unterschrift alles weitere in Auftrag geben durfte. Daher beschloss ihr Mann ohne sie zurück zu fliegen, aber zuvor drückte er mich und sprach mir Mut zu. Er würde jederzeit zurück kommen, sollte ich seine Hilfe brauchen. Das war so lieb von ihm, weshalb ich ihm einen Kuss auf die Wange gab. “Ich danke dir, Onkel Himuro”, lächelte ich ihn an und er strahlte.
 

“Nicht dafür, Kleines”, entgegnete er mit einem sanften Lächeln auf seinen Lippen. “Pass gut auf deine Tante auf”, zwinkerte er mir noch zu und ich kicherte. Er war wirklich einmalig und wusste, wann er die Situation etwas auflockern konnte. Genau deshalb mochte ich die beiden auch so sehr.
 

Weitere Tage zogen an uns vorbei und ich hatte endlich die Bestätigung vom Gericht, dass ich ab sofort als Mündig und volljährig zähle. Es waren zwar nur noch eineinhalb Monate bis zu meinem 18. Geburtstag, doch so konnte Sakura beruhigt nach Hause fliegen. Zwar spürte ich allzu deutlich, dass sie das noch nicht wollte, aber so hart es auch klang... ich musste alleine damit klar kommen, mein Leben zu bestreiten. Aus diesem Grund beschloss ich schweren Herzens das Haus, in dem ich all die Jahre lebte, zu verkaufen. Es war wirklich schade, aber das beklemmende Gefühl blieb weiterhin und ich war mir sicher, dass sich das nicht wirklich ändern würde.
 

Sakura verstand mich sehr gut in diesem Punkt und half mir dabei eine Wohnung zu finden. Da ich nicht sicher war, ob ich nach dem Studium noch in Frankreich bleiben würde, beschloss ich mein neues Zuhause nur zu mieten und nicht zu kaufen. Meine Meinung teilte Sakura ebenso. Sie meinte sogar, dass ich später immer noch kaufen könnte, wenn ich es wollen würde. Zum Glück war eine passende Wohnung leichter gefunden, als wir dachten. Da ich nur mein Schlafzimmer aus dem Haus behalten wollte, war der Umzug schnell erledigt. Für die Kaution kam Sakura vorübergehend auf, bis das Haus verkauft wurde und ich demnach über das Bargeld verfügen würde.
 

Obwohl sie mir immer wieder sagte, dass ich ihnen das nicht zurück zahlen müsste, so war es für mich glasklar, dass ich dies tun würde. Schließlich hatte ich das Geld, nur eben nicht in dem Augenblick. Demnach genügte es mir, wenn Sakura mir die Summe vorstrecken würde. Alles war so weit in die Wege geleitet und meine neuen Möbeln für das Bad, das Wohnzimmer und die Küche waren ebenso bestellt. Am Abend saßen wir noch zusammen auf dem provisorischen Sofa, als Sakura einen Anruf von ihrem Mann erhielt. Nur zu deutlich konnte ich erkennen, dass ihre Augen sich geweitet hatten und sie schwerer schlucken musste. Ich verstand nur einen Bruchteil von dem, was Himuro am anderen Ende erzählte.
 

“Ist etwas passiert?”, fragte ich direkt nach, nachdem sie auf gelegt hatte. Leise seufzte sie und nickte.
 

“Subaru hatte einen Arbeitsunfall im Labor”, fing sie an und meine Augen wurden riesengroß. Subaru war ihr ältester Sohn, der in der Pharmaindustrie arbeitete. Genauer gesagt war er in der Abteilung der Entwicklung von Medizin tätig.
 

“Tante Sakura... du musst nicht hier bleiben... Subaru braucht dich jetzt mehr”, sprach ich sanft aus und ich konnte ihren Zwiespalt sehen.
 

“Maron.... ich will dich jetzt nicht alleine zurück lassen”, kam es von ihr, denn ihrer Meinung nach brauchte ich sie genauso dringend wie ihr Sohn. Doch das stimmte nicht.
 

“Ich komme klar... alles ist in die Wege geleitet und der Anwalt kümmert sich um die Abwicklung”, begann ich ihr zu erklären, dass ich trotz allem nicht alleine war. “Er kümmert sich darum, dass die Steuer bezahlt wird und auch das Geld an euch zurück kommt, was ihr mir geliehen habt”, fügte ich an und zählte alles weitere auf. Schließlich war ich schon an der Universität angemeldet. Die Gebühren dafür würden erst im Juni fällig, bis dahin hätte ich die Summe auf meinem Konto und würde alles direkt anlegen. Dabei half mir der Anwalt ebenso. Daher musste sich Sakura um mich keine Sorgen mehr machen und sie seufzte.
 

“Also gut... doch du rührst dich, sollte sich etwas verzögern... Himuro und ich helfen dir aus, solange bis alles geklärt ist”, wollte sie noch ein Versprechen von mir haben. Ich hatte das Gefühl, dass sie nur dann zurück fliegen würde.
 

“Ich verspreche es dir, Tante... ich melde mich auch sonst einmal die Woche bei euch... ob nun telefonisch oder per Mail, wie es sich eben ausgehen würde, sobald ich das Studium starte”, setzte ich noch dazu, um ihr deutlich zu machen, dass ich wirklich alleine zurecht kommen würde.
 

“Also gut... ich schaue, wann ich einen Flug zurück bekommen kann”, lenkte sie ein, da sie meine Sturheit wohl schon von meinen Eltern kannte. Tatsächlich war ich da ihnen sehr ähnlich. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, zog ich es bis zum Ende durch.
 

“Mach das”, lächelte ich und holte schon den Laptop, damit sie gleich nach den Flügen sehen konnte. Während sie das machte, kochte ich schnell Tee und Kaffee, aber auch eine Kleinigkeit zum Essen. Nudeln gingen immer, obwohl es für Sakura ungewohnt war, schmeckten sie ihr ebenso.
 

“Morgen Abend ist der früheste Flug zurück”, hörte ich Sakura, die nun in die Küche kam, um den Tisch zu decken. Das hatte sich irgendwie eingependelt bei uns, dass einer kochte und der andere den Tisch für das Essen fertig machte.
 

“Das ist gut... und es wird dann alles wieder gut”, sagte ich, um ihr Mut zu machen. Sie lächelte mich leicht an und nickte.
 

“Du bist deiner Mutter so ähnlich, Maron... verändere niemals deine Ansicht, egal wie schwer es sein... und wie dunkel die Welt manchmal erscheinen mag... wir werden hinter dir stehen und dich unterstützen”, kam es von ihren Lippen und ich spürte schon, wie die Tränen sich anbahnten.
 

“Genau wie ich für euch da bin, wenn ihr mich braucht”, entgegnete ich und blinzelte meine Tränen weg. “Wir können essen”, verkündete ich und wechselte damit das Thema. Denn Sakura sollte Mut fassen, dass es ihrem Sohn soweit ging. Natürlich hielt Himuro sie auf dem Laufenden und schrieb ihr jede Neuigkeit, die er von den Ärzten bekam. Trotz der Zeitverschiebung war Sakura dadurch auf dem neusten Stand.
 

Am frühen Morgen erhielt sie die Entwarnung, dass die OP gut gelaufen war, denn Subarus linker Arm und sein linker Oberkörper waren in Kontakt mit einer Chemikalie, die gefährlich für die Haut war. So ganz hatte ich nicht verstanden, welche das war, aber sie mussten die oberste Haut vorsichtig lösen und er würde wieder werden. Damit war er außer Lebensgefahr und das beruhigte nicht nur Sakura, sondern auch mich. Umso wichtiger war es, dass sie am Abend zurück flog, um bei ihrem Sohn sein zu können. Den Tag verbrachten wir noch damit, ihren Koffer zu packen, zusammen noch essen zu gehen und ich begleitete sie sogar noch zum Flughafen.
 

“Sag Subaru gute Besserung und grüß die anderen”, lächelte ich und nahm meine Tante noch zum Abschied in den Arm. Sie drückte mich sanft an sich und streichelte meinen Rücken. Genauso wie sie es immer getan hatte.
 

“Und du meldest dich regelmäßig bei uns”, wisperte sie und ich nickte an ihrer Schulter.
 

“Natürlich”, lächelte ich sie an und winkte ihr, ehe sie durch die Sicherheitskontrolle ging und ich wartete sogar, bis das Flugzeug abhob. Es klang komisch, aber ich wollte sicher gehen, dass sie wirklich nach Hause flog. Ihr Sohn brauchte sie jetzt mehr als ich.
 


 

Seit dem Abflug von Sakura waren ein paar Wochen vergangen. Sie hatte sich gemeldet, als sie gelandet war und mir sogar ein Bild von sich und Subaru geschickt. Ihn darauf lächelnd zu sehen, hatte mich wirklich beruhigt. Das zeigte mir, dass es bei ihm bergauf ging. Tatsächlich war er nun schon eine Woche daheim. Er musste noch aufpassen, dass er nicht zu viel Wasser auf seine Verletzungen geben sollte. Seine Haut heilte langsamer, aber dank der modernen Verbände ging das ganz gut und er würde nur ganz leichte Narben zurück behalten. Das waren sehr gute Nachrichten. Eine weitere gute Neuigkeit war, dass der Anwalt die Verkäufe abgewickelt hatte. Er hatte bereits alles mit den Steuern geklärt und Sakura ausbezahlt.
 

Den Restbetrag erhielt ich auf mein Konto, welches ich aufmachen musste. Denn ohne ein Konto würde gar nicht gehen. Überall brauchte man eines. Kaum hatte ich das Geld auf dem Konto, schon zahlte ich die Möbel, die geliefert und aufgebaut wurden. Zudem hatte ich bei der Uni alles geklärt, damit die Gebühren vom Konto abgehoben werden. Jedes Semester musste ich diese entrichten. Es kamen noch andere Dinge dazu, sobald ich anfangen würde, aber eins nach dem anderen. Daran hielt ich mich bislang immer. Ansonsten würde ich den Überblick verlieren und das wäre wohl fatal. Da ich meine Finanzen selbst im Blick haben musste. Früher hatten das meine Eltern für mich gemacht.
 

Jedoch war dies nicht mehr möglich. Deshalb musste ich das selber machen und war froh, dass mir Sakura einen guten Tipp gegeben hatte. Es war absolut nicht einfach alle Ausgaben auf einem Blick zu haben, weshalb ich mir Notizen gemacht hatte und alle Worstcase Szenarien ebenfalls notiert. Bei all den Zahlen schwirrte mir schon bald der Kopf. Das war schon unglaublich viel, woran man denken musste. Wie die Erwachsenen das alles machen konnten, war mir tatsächlich schleierhaft in diesem Moment. Mehrere Male ging ich alles durch und musste schnell feststellen, dass ich wohl nicht drum herum kommen würde, zusätzlich zu arbeiten. Das Geld, was ich erhalten habe und noch erhalten würde, würde gerade so knapp ausreichen für die nächsten Jahre.
 

Einige Überlegungen und einem Telefonat mit Sakura später war ich ein wenig schlauer. Indirekt hatte ich nachgefragt, wie ich am besten rechnen sollte, und sie meinte, ich solle auf alle Fälle 20 Prozent als Notfallreserve sehen, falls ich einen neuen Laptop oder eben ein neues Handy brauchen würde. In diesem Punkt hatte sie Recht und ich sprach an, dass ich gerne arbeiten würde neben dem Studium. Sie fand die Idee nicht verkehrt, solange ich etwas Passendes finden würde. Ansonsten würden Himuro und sie mir aushelfen, sollte der Fall eintreffen. Das würde auf alle Fälle mein Plan B sein, wenn ich in nächste Zeit keinen Job finden würde.
 

Ehrlich gesagt wäre es mir um einiges lieber, wenn ich selbst Geld verdienen könnte. Deshalb nutzte ich die nächsten Tage dazu, um alle möglichen Stellenanzeigen durch zu gehen. Bei den meisten musste ich erst einmal 18 werden, doch das war in knapp zwei Wochen soweit. Weshalb ich erst einmal die anderen Anzeigen durch telefonierte, um nach zu fragen und womöglich ein Probetag vereinbaren zu können. Definitiv hatte ich mir all das viel einfacher vorgestellt in einer Großstadt wie Paris. Aber überall war es irgendwie dasselbe. “Erst mit 18 können wir dich einstellen.” oder “Dazu musst du erst einmal 21 werden, da anders du nicht im Club arbeiten kannst.”
 

Natürlich verstand ich ihre Bedenken, doch in dem Moment war es mehr als scheiße das jedes Mal zu hören. Seufzend holte ich mir in einem kleinen Café einen Kaffee und überlegte, wo ich noch fragen könnte. Es würde anfangs sogar ein einfacher Aushilfsjob reichen. Damit könnte ich mir ein kleines Puffer erarbeiten, bis das Studium anfangen würde. Bis Anfang September hatte ich gute drei Monate, in denen ich problemlos arbeiten könnte. Danach wäre ich wohl wegen dem Studium etwas eingeschränkter in meiner Zeit. Einen Schluck nahm ich noch und grübelte etwas, ehe ich mich dazu entschloss, ebenso in den Cafés und Restaurants nach zu fragen. Kellner wurden schließlich immer gesucht.
 

Einige Gastwirtschaften klapperte ich noch ab, ehe ich mich niedergeschlagen auf den Weg nach Hause machte. Keiner benötigte für den Moment jemanden. Bei drei Stellen hatten sie sich zumindest meine Nummer notiert, um mich zu informieren, sollte es sich ändern. Die ganze Suche hatte mich ziemlich geschafft, denn kaum war ich daheim, schon kippte ich nahezu ins Bett und schlief sofort ein. Dass das alles so anstrengend und schwierig sein konnte, hatte ich nicht erwartet. Vielleicht fühlte ich mich auch deshalb nur noch geschlauchter. Der Morgen war ebenso ernüchternd, wie der Abend zu vor. Es war wahrlich zum Haare raufen. Ich begriff nicht, warum keiner eine Aushilfskraft brauchen konnte.
 

Langsam, aber sicher wurde ich verzweifelter, nahezu panisch. Ehrlich gesagt wollte ich meiner Tante und meinem Onkel nicht zur Last fallen, da ich so erzogen wurde. Meine Eltern waren immer für mich da, doch größtenteils hatte ich mein Taschengeld gespart, um mir was kaufen zu können. Diese Unabhängigkeit wollte ich mir unbedingt beibehalten. Deshalb fasste ich neue Kraft, stärkte mich mit Kaffee und einem gemütlichen Frühstück, ehe ich mich auf den Weg machte, die nächsten gastronomischen Läden auf zu suchen. Es lief genauso wie am Tag zuvor. Lauter Absagen und nur wenige hatten sich überhaupt meine Nummer notiert. Gegen Abend ließ ich meine Schultern sinken und schlenderte zur Metrostation, um mit der Metro nach Hause zu fahren.
 

Dabei begegnete ich mehreren Leuten, die mir entweder entgegen kamen oder in meine Richtung gingen. Unwillkürlich schnappte ich ein Gespräch zwischen zwei Frauen auf. Sie sprachen darüber, dass ein neuer Club aufgemacht hatte. Tagsüber war es wie ein Bistro und nachts eine Bar mit gesondertem Bereich im Keller. Das klang nach einem komischen Konzept, doch weiter dachte ich nicht darüber nach, denn ich sah darin eine erneute Möglichkeit eventuell doch noch einen Job zu bekommen. Daher suchte ich schnell nach dem Club, da ich glücklicherweise den Namen aufgeschnappt hatte. So schnell es mir möglich war fuhr ich dorthin, weil viel Zeit hatte ich nicht mehr, um frühzeitig Heim zu kommen.
 

Obwohl ich dank Sakura als mündig zählte, so durfte ich dennoch nicht länger als Mitternacht draußen unterwegs sein. Klar war es nicht immer sofort gegeben, dass man erwischt wurde, aber das Risiko bestand. Tatsächlich wollte ich das nicht eingehen, da ansonsten eben Sakura einen Anruf bekommen würde. Das wollte und würde ich definitiv vermeiden. Deshalb musste ich mich sputen und das tat ich auch. An der Adresse angekommen, sah ich mich kurz um. Die Gegend schien etwas nobler zu sein und es war weiter außerhalb vom Zentrum der Stadt. Es war sogar genau in der entgegengesetzten Richtung, wie meine Wohnung. Einmal atmete ich noch durch und betrat den Laden.
 

Drinnen sah es wirklich gemütlich aus und man konnte die unterschiedlichsten Leute an den Tischen erkennen. Es schien wirklich ein einfaches Restaurant zu sein, weshalb ich nach einem Moment den Tresen entdeckte, an denen die Kellner die Getränke zubereitetet. Direkt machte ich mich auf den Weg dorthin. Dabei schluckte ich einmal meinen Kloß herunter und fragte nach dem Chef, da ich einen Job suchen würde. Beide musterten mich einige Augenblicke, ehe sie leicht nickten. “Einen Moment”, sprach die Größere der Beiden und kam von dem Tresen hervor, bevor sie durch den Raum schritt.
 

Kurz sah ich ihr nach und überlegte, ob ich ihr folgen sollte. Doch ich entschied mich dagegen und wartete somit am Tresen. Es dauerte einige Zeit, weshalb ich mich erneut einmal im Raum umsah. Tatsächlich erschloss sich mir das Konzept noch nicht ganz, doch das würde ich sicher früher oder später schon noch erfahren. Je länger ich warten musste, umso nervöser wurde ich. Ich tippte mit den Fingern an dem Tresen und blickte öfters auf die Uhr. Wenn er bald nicht auftauchen würde, würde ich wohl unverrichteter Dinge gehen müssen, um rechtzeitig in meine eigenen vier Wände zu kommen. Eine viertel Stunde würde ich noch warten, ehe ich mich auf den Heimweg machen würde.
 

Als die Minuten verstrichen waren, wollte ich schon wieder gehen. Jedoch kam ich nicht weit, denn die Kellnerin kam mit einem Mann in Begleitung zurück. Dieser stellte sich mir als Chef vom Laden vor und bat mich ihm zu folgen. Erst war ich unsicher, doch da die Kellnerin ebenfalls mit ging, war ich erleichtert. Damit wäre ich nicht alleine mit ihm. Alle anderen Bedenken hatte ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm. In dem Büro setzten wir uns und er sah mich erst einmal an, ehe er eine kleine Fragerunde machte. Es überraschte mich, doch überwog die Freude mehr. Dadurch war ich einen Schritt weiter als bei den anderen Stellen. Er notierte sich einiges, doch meinen vollen Namen und meine Anschrift hatte ich ihm nicht genannt. Zwar wusste ich nicht wieso, aber etwas in meinem Inneren sperrte sich dagegen.
 

Das Gespräch war gut gelaufen und er versprach mir, sich zu melden. Wobei ich am Wochenende zum Probearbeiten kommen konnte. Erfreut verließ ich den Laden und wollte direkt zur Metrostation, jedoch wurde ich auf gehalten. “Entschuldigen sie, Mademoiselle”, hörte ich eine dunkle und doch freundliche Stimme.
 

“Ja?”, fragte ich wie von selbst und drehte mich zu der Person um. Vor mir stand ein Mann, der bestimmt über 30 Jahre alt war und schwarzes Haar besaß. Einen Moment blinzelte ich, da er irgendwie ebenso japanisch aussah.
 

“Hätten Sie einen Moment für mich?”, wollte er wissen. Erneut blinzelte ich und ich wusste nicht wieso, doch ich stimmte dem zu. Daher gingen wir ein paar Schritte zu zweit.
 

“Worum geht es?”, fragte ich nach einer Weile nach.
 

“Nun... ich hatte vorhin im Restaurant mitbekommen, dass sie dort arbeiten wollen”, kam er auf den Punkt und ich legte den Kopf schief. Dass dies andere mit bekommen würden, kam mir gar nicht in den Sinn.
 

“Oh... nun ja... dem ist so... ich werde am Wochenende zur Probe dort arbeiten”, erklärte ich und lächelte, da ich mich über diese Chance sehr freute.
 

“Das würde ich an ihrer Stelle nicht tun”, entgegnete er und wir setzten uns auf eine Bank bei der Metrostation.
 

“Wie meinen Sie das?”, hakte ich nach und er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Was er mir dann erzählte klang verrückt. Er meinte doch tatsächlich, dass der Clubbesitzer mehr als zwielichtig war und seine Angestellten nicht fair bezahlen würde. Leicht runzelte ich die Stirn. “Und woher wollen sie das wissen?”, musste ich einfach in Erfahrung bringen. Ein Seufzen entkam ihm.
 

“Weil viele nur einen Bruchteil von dem bekommen, was ausgemacht war... deshalb sucht er ständig neues Personal”, antwortete er und ich überlegte.
 

“Wieso sollte ich Ihnen glauben? Immerhin sind sie ein Fremder”, sprach ich meinen Gedanken aus.
 

“Stimmt... doch er ist es auch, oder etwa nicht?”, konterte er und grinste leicht. Kurz war ich sprachlos, da er mich mit meinen eigenen Worten geschlagen hatte.
 

“Stimmt”, lachte ich leise und seufzte. “Dann habe ich also wieder ein Problem”, verließ es leise meine Lippen.
 

“Nun... wenn es um einen Job geht... ich hätte da einen”, sprach er und ich starrte ihn nun an. “Wenn du möchtest... komm morgen doch vorbei und wir sprechen in Ruhe darüber”, schlug er vor und zog eine Visitenkarte heraus. “Mein Name ist Noyn Claude”, stellte er sich mir mit einem Lächeln vor.

Der Vertrag

Schwer atmend und mit stark klopfendem Herzen kam ich schließlich an meiner Wohnung an. Die letzten Meter waren wirklich anstrengend für mich und ich kam ganz schön ins Schwitzen. Doch zu meinem Glück war keine Polizei unterwegs und die anderen Passanten schienen nicht wirklich auf mich zu achten. Erleichtert atmete ich durch und blickte zur Uhr. Es war bereits halb 11 Uhr nachts, aber ich war nun zu Hause und konnte einmal richtig die letzten Stunden Revue passieren lassen. Wie von selbst griff ich nach der Visitenkarte, die ich in der Eile einfach in meine Hosentasche gesteckt hatte. Auf dieser stand der Name des Mannes darauf, der mich angesprochen hatte, nachdem ich das Gebäude verlassen hatte.
 

Langsam stieß ich mich von der Tür weg und zog mir meine Schuhe mit den Fußspitzen aus. Mit der Karte in der Hand ging ich ins Wohnzimmer und setzte mich auf das Sofa. War all das wirklich passiert?, überlegte ich und hielt den Beweis dafür eigentlich schon in der Hand. Jedoch musste das noch mein Kopf begreifen, dass der Abend genauso verlaufen war. Schwerer schluckte ich und biss mir leicht auf die Unterlippe, als mir alles wieder bewusst wurde. Meine Augen wurden größer, da ich tatsächlich zu diesem Restaurant, Club oder was immer es wirklich war, gegangen bin. “Das war mehr als unvorsichtig”, schüttelte ich über mich selbst den Kopf.
 

Normalerweise war ich nicht so, doch irgendwie hatten mich die letzten Tage geschlaucht, gefrustet und deprimiert. Weshalb ich unbedingt ein Erfolgserlebnis haben wollte. Aber wenn ich genauer darüber nachdachte... war es eine scheiß Idee zu diesem Club zu fahren. Erst jetzt war mir mein mieses Gefühl klar, welches ich schon die ganze Zeit hatte. Dass mich die beiden Kellerinnen so gemustert hatten, war auch komisch und verstärkte mein Unwohlsein. Aber ich hatte es geschickt verdrängt. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, während mir all das auf fiel. Definitiv sollte ich da künftig besser auf passen. Man sollte niemals seine Vorsicht über Bord werfen, egal weshalb. Das hatte Papa mir oft gesagt.
 

Innerlich versprach ich, in Zukunft nicht noch einmal so einen Fehler zu machen. Denn so langsam habe ich das Gefühl, dass der Club etwas vollkommen anderes war, als es den Anschein hatte. Unweigerlich wanderte mein Blick auf die Visitenkarte in meiner Hand. Vermutlich hatte der Kerl recht mit seinen Worten. Je mehr ich nun darüber nachdachte, umso wahrer erschienen sie mir. Auch wenn ich mir nicht erklären konnte, woher er all das wissen konnte, so traute ich ihm irgendwie mehr als dem Clubbesitzer. Daher wanderten meine Gedanken wieder zu seiner komischen Einladung. Sollte ich am nächsten Tag zu der Adresse auf der Karte fahren oder nicht. Seufzend erhob ich mich, legte die Karte auf dem Tisch ab und machte mich bettfertig, da der Tag ziemlich anstrengend war.
 


 

Der Morgen kam schneller als mir lieb war und schläfrig schälte ich mich aus dem Bett. Es war definitiv zu früh, doch es half alles nichts. Der Tag begann, ob ich wollte oder nicht. Einiges stand noch auf meiner Liste, denn ich sollte meinen Haushalt nicht zu lange schleifen lassen. Wäsche, Spülmaschine ausräumen, Küche säubern und natürlich das Bad machen. Nach einem gemütlichen Kaffee in der Küche fing ich schließlich an mit der Spülmaschine und machte danach die Wäscheladung fertig. Die Küche folgte als nächstes, wobei ich nebenbei noch etwas kochte. Denn Essen sollte ich auch noch etwas. Gestärkt und gesättigt verschwand ich ihm Bad, um dieses sauber zu machen. Kaum war das erledigt, machte ich mich frisch und zog mir eine Jeans und eine Bluse an.
 

Mit einem Handtuch in den Haaren ging ich ins Wohnzimmer und sah zu der Karte, die noch immer auf dem kleinen Tisch vor dem Sofa lag. Meine Füße trugen mich wie von selbst dorthin und ich nahm diese wieder in die Hand. Mehrmals las ich den Namen des Mannes. ‘Noyn Claude’ klang französisch in meinen Ohren. Doch ich könnte schwören, dass er etwas Japanisches an sich hatte. Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum und überlegte, ob ich dorthin gehen sollte. Immerhin sprach er von einem Job, den er hätte. Aber ich war unsicher. Vor allem nachdem mir bewusst wurde, was in diesem komischen Restaurant noch alles passiert wäre, wenn ich nicht weg gemusst hätte.
 

Schnell schüttelte ich den Kopf und fischte nach meinem Handy. Auf der Visitenkarte war auch eine Nummer darauf. Deshalb beschloss ich vorab an zu rufen und wenn der Mann rangehen würde, würde ich am Helligtentag dahin gehen. Das würde das Risiko für mich minimieren und ich könnte dennoch heraus finden, ob er wirklich einen Job für mich hätte. Kaum wählte ich die Nummer, schon hörte ich die Freizeichen und wenig später die tiefe männliche Stimme. Er hatte sich mit seinem Namen gemeldet und ich war unsicher, was ich sagen sollte. Doch schließlich fand ich meine Stimme wieder und fragte noch einmal nach, ob er seine Aussage ernst gemeint hatte. Er bejahte dies und lud mich in seine Agentur ein.
 

Das Telefonat war danach schon beendet. Nachdenklich sah ich auf mein Handy und ging noch einmal alles durch. Das Gespräch hat mich überrascht... positiv überrascht sogar. Er hatte erneut seinen Namen, sprach ruhig und freundlich und hatte mich erneut eingeladen. Einige Momente haderte ich mit mir selbst, ehe ich mich dazu entschloss meine Haare fertig zu machen und dorthin zu gehen. Theoretisch hatte ich nichts zu verlieren und würde mir anhören, welches Angebot er für mich hätte. Am Telefon klang das alles recht mysteriös. Es weckte regelrecht meine Neugier. Schnell hatte ich mir meine braunen Haare zusammen gebunden und meine Tasche gepackt.
 

Noch einmal atmete ich durch, zog mir meine Schuhe und Jacke an und verließ meine Wohnung. Diese schloss ich hinter mir ab und machte mich auf den Weg zu dem Ort, der auf der Visitenkarte angegeben war. Je näher ich der Straße kam, umso nervöser wurde ich. Vor dem Gebäude klappte mir der Mund auf, denn dieses war riesig. Es wirkte irgendwie einschüchternd auf mich. Schwer schluckte ich und holte noch einmal tief Luft, ehe ich zum Eingang und durch die große Türe ging. Direkt würde ich von dem großen Schild hinter dem Empfangstresen: ‘Solitary Rose’. Der Name der Agentur war auch geheimnisvoll, wie seine Erklärung am Telefon zu dem Jobangebot. Da musste ich wohl persönlich nach haken und das würde ich tun.
 

Erneut atmete ich tiefer durch, um meine Nervosität zu regulieren. Erst danach ging ich zu der Empfangsdame und sprach kurz mit ihr. Sie lächelte leicht und zeigte zum Aufzug mit der Aussage, dass ich bereits erwartet wurde, nachdem ich meinen Namen genannt hatte. Wobei ich nur meinen Vornamen nannte. Irgendwie wurde ich vorsichtiger bei der ganzen Sache. Dennoch machte ich mich auf den Weg zu dem Lift und fuhr mit diesem nach oben in die höchste Etage. Wie gebannt starrte ich auf die Anzeige, die mir verriet, auf welcher Höhe ich gerade war. Noch immer war ich nicht sicher, ob das eine gute Idee war, her zu kommen.
 

Jedoch war es nun zu spät, denn ich war oben angekommen. Das altbekannte ‘Pling’ kündigte es an. Direkt verließ ich die Kabine und sah mich kurz um. Der Flur war groß und es gab dort drei Türen, was mich sichtlich irritierte. Dadurch hatte ich die Orientierung verloren. Tatsächlich erinnerte ich mich nicht einmal daran, ob mir die Dame am Empfang gesagt hatte, durch welche Tür ich gehen sollte. Daher beschloss ich alle drei näher an zu sehen. Irgendwo musste doch stehen, wo der Chef des Ladens nun zu finden war. Zum Glück fand ich an der Tür den entsprechenden Hinweis und erleichtert atmete ich durch, ehe ich an der großen Tür klopfte und ein dumpfes ‘Herein’ hörte. Schluckend öffnete ich die Tür und war überrascht.
 

Der Raum war großzügig geschnitten, hatte eine moderne Einrichtung und besaß eine riesige Fensterfront. Von dieser aus konnte man sicher die gesamte Stadt überblicken. “Der Hauptgrund, warum ich damals dieses Gebäude wählte”, hörte ich die männliche Stimme und war mir erst jetzt bewusst, dass ich nicht alleine im Raum war.
 

“Verständlich”, entgegnete ich, schloss die Tür und trat näher an den Schreibtisch heran. Der ältere Mann hatte sich erhoben und kam um den Schreibtisch herum.
 

“Schön, dass du gekommen bist”, lächelte er und deutete mir an, mich bei der Sitzgruppe zu setzen. Erneut war ich überrascht, dass so etwas in seinem Büro stand. Doch vermutlich hatte alles seine Gründe.
 

“Ehrlich gesagt... bin ich nicht sicher, wieso ich gekommen bin”, sagte ich direkt, nachdem ich Platz auf dem Sofa genommen habe.
 

“Ich nehme an... du brauchst immer noch einen Job und ich vermute, du bist deutlich jünger als 21”, begann er und ich blinzelte bei seinen Worten.
 

“Nun... was das betrifft... stimmt es... ich werde in wenigen Tagen 18”, erklärte ich ihm und er nickte.
 

“Warum brauchst du einen Job?”, wollte er wissen. Einen Moment überlegte ich, ob ich mit ihm offen reden könnte oder nicht. Schließlich beschloss ich ihm die halbe Wahrheit zu nennen. Dass ich den Job wegen dem Studium brauchen würde und der Miete, war einer der Gründe. Dass ich keine Eltern mehr hatte und somit meinem ‘Vormund’ nicht auf der Tasche liegen wollte, ging ihn nichts an.
 

“Verstehe... welche Erfahrungen hast du?”, hakte er nach und ich erzählte ihm, dass ich die Zeitung schon mal ausgetragen hatte, genau wie einige Babysitterjobs hatte und für einige Wochen in einem Café tätig war als Kellnerin. “Vielseitig also”, merkte er an und notierte sich dies scheinbar in sein Handy.
 

“Was genau... wäre mein Job bei Ihnen?”, packte mich die Neugier und ich wollte erfahren, was mich erwarten würde.
 

“Eigentlich... wäre das so ähnlich wie Babysitten”, antwortete er direkt und ich legte den Kopf schief.
 

“Ähnlich?”, hakte ich nach und er nickte. Sogleich klärte er mich auf, dass er Damen und Herren unter Vertrag hat, die mit anderen Menschen die Tage verbringen.
 

“Hauptsächlich sind es Geschäftsessen, Galas oder auch Klassentreffen, zu denen meine Kunden nicht alleine hingehen wollen”, führte er seine Erzählung fort und ich hörte noch den Begriff ‘Escort’. Dabei weiteten sich meine Augen, denn ich wusste genau, was man sich über diese Personen sagte.
 

“Sie meinen... ich als Edelhure?”, brachte ich fassungslos heraus und starrte ihn regelrecht mit großen Augen an.
 

“Aber nein... viele sagen das über den Beruf, doch es stimmt nicht... es ist ein Begleitservice, den wir anbieten. Viele Menschen sind einsam und wollen gute Gesellschaft haben”, kam es gleich von seinen Lippen und ich kniff die Augen zusammen. Denn glauben konnte ich ihm das gar nicht.
 

“Sie wollen mich wohl verarschen”, sagte ich ehrlich und erhob mich, da ich definitiv nicht länger bleiben würde.
 

“Warten Sie, Maron... ich werde sie nicht belügen und auch nicht verarschen”, sprach er, holte einige Papiere hervor und reichte sie mir. “Das wäre ihr Vertrag... es geht wirklich nur um die Gesellschaft... natürlich gibt es Escorts, die auch gewisse Extras anbieten, doch das entscheiden meine Angestellten selber, ob sie es wollen und auch mit wem... niemand wird zu sexuellen Handlungen gezwungen... jeden Kunden prüfe ich vorher eingehend und diejenigen, die bei mir oder meinen Angestellten durchfallen, werden keinen Vertrag erhalten”, klärte er weiter auf und ich blinzelte verwundert. Seine Worte klangen ehrlich, deshalb setzte ich mich und las mir die Papiere aufmerksam durch.
 

Dass mein Gegenüber erleichtert zu sein schien, merkte ich gar nicht. Er gab mir die Zeit, alles durch zu lesen. Zwei Mal hatte ich die Seiten gelesen, um wirklich alles zu verstehen. “Verstehe ich das richtig... mein Grundgehalt wäre 1500 Euro brutto und je nach Buchungskondition kommen weitere Beträge hinzu?”, fragte ich nach und blickte zu ihm.
 

“Korrekt... alle meine Angestellten haben ihr Grundgehalt... sie haben alle eine Krankenversicherung und natürlich sind sie fest angestellt bei mir, damit es später keinerlei Probleme mit den Steuern geben kann”, antwortete er mir und erklärte noch einmal alle Punkte in Ruhe. Das Festgehalt sichert alle ab, dass sie genug verdienen, um ihre privaten Ausgaben irgendwie zu decken. Jede Buchung beinhaltet 200 Euro für die gebuchte Person und je nach Umfang der Begleitung gäbe es nach oben kaum Grenzen. Bei all dieser Aufzählung wurden meine Augen immer größer und mir klappte teilweise der Mund auf bei den Summen, die für eine Gala als Beispiel gezahlt wurde.
 

“Und das alles nur, damit man die Kunden begleitet?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Ich weiß... es klingt verrückt, aber das ist so... zudem werden die Kleider und Schmuckkosten von den Kunden übernommen, wenn eine spezielle Kleiderordnung gewünscht wird”, merkte er an und ich kaute auf meiner Unterlippe.
 

“Kann... ich darüber nachdenken?”, wollte ich wissen und er nickte erneut.
 

“Natürlich... ich biete auch darum... denn ich habe nur Langzeitverträge, sofern die Probezeit erfolgreich war”, kam es direkt von ihm und ich merkte an seiner Stimmlage, dass es ihm mit allem sehr ernst war.
 

“Von... welcher Zeitspanne reden wir hier?”
 

“Diese Frage hatte ich schon erwartet”, lächelte er und sah mich an. “Die meisten meiner Angestellten sind zwischen sieben und zehn Jahre bei mir unter Vertrag.” Bei seinen Worten klappte mir erneut mein Mund auf. Schwerer schluckte ich, da ich mit so vielen Jahren nicht gerechnet hatte. “Natürlich können Verträge verlängert werden nach Ablauf der Zeit... da müssen beide Parteien mit einverstanden sein.” In dem Moment konnte ich nur nicken. Er erinnerte mich daran, dass ich noch einmal alles durch lesen sollte und Punkte hinzu fügen könnte, falls etwas fehlen sollte. Er würde sich freuen, mich in seinem Team begrüßen zu können, doch die Entscheidung lag nur bei mir.
 

Erneut nickte ich, packte die Papiere ein und verließ sein Büro. Nachdenklich machte ich mich auf dem Weg nach Hause, um mir über dieses Jobangebot meine Gedanken zu machen. Es war eine weittragende Entscheidung, wenn ich mich dafür entschließen würde. Aber wollte ich das wirklich? Konnte ich das überhaupt tun? Eine Escort war bei vielen nur als eine Edelhure bekannt und ich würde sicher niemals für Geld meinen Körper verkaufen. Das würde ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können. All diese Gedanken geisterten mir im Kopf umher und kaum war ich zu Hause, schnappte ich mir mein Laptop und holte ein paar mehr Informationen zu der Agentur.
 

Tatsächlich gab es eine mehr als professionelle Seite, wo die Kunden lesen konnten, was angeboten wurde. Jedoch konnte man keine Namen oder Alter oder gar Fotos der Angestellten einsehen. Dazu musste man Kunde sein. Vermutlich bekam man erst nach der Überprüfung den Zugang zu diesen Daten. Jedoch konnte man öffentlich die Resonanzen lesen. Diese waren durchweg positiv und die Kunden schrieben von verschieden Veranstaltungen, die sie besucht hatten und eine sehr gute Gesellschaft durch die Damen und Herren genossen hatten. Dennoch blieb ich skeptisch, denn das klang genauso gut zweideutig. Obwohl der Job sehr gutes Geld einbringen würde, war ich mir nicht sicher, ob das richtig wäre.
 

Mehrere Nächte und Tage nahm ich mir Zeit, um gründlich über das Angebot nach zu denken. Definitiv war das kein 0815 Job, den ich annehmen würde. Niemals dürfte jemand etwas davon erfahren. Bestimmt würde mir Sakura eine Standpauke halten, dass sich so etwas nicht schickte, aber ehrlich gesagt... habe ich keine andere Wahl. Zumindest spielte Noyn Claude mit offenen Karten. Nicht so wie der Barbesitzer. Seufzend wählte ich die Nummer des Agenturbesitzers und kaute auf meiner Unterlippe herum, während ich die Freizeichen hörte. Noch einmal wollte ich mit ihm sprechen und mich richtig absichern. Begleiten war eine Sache, doch bezahlter Sex würde niemals für mich in Frage kommen. Zumal ich mit meinen fast 18 Jahren noch total unerfahren war.
 

“Solitary Rose, sie sprechen mit Noyn Claude”, meldete er sich am anderen Ende der Leitung und ich konnte nicht anders, als erneut schwerer zu schlucken.
 

“Maron hier”, meldete ich mich kurz und knapp.
 

“Maron... welch ein erfreulicher Anruf... wie kann ich helfen?”, kam er gleich auf den Punkt.
 

“Nun... ich habe noch einmal darüber nachgedacht... und da gäbe es tatsächlich ein paar Punkte, die ich noch gerne festhalten würde”, entgegnete ich direkt.
 

“Verstehe... dann lass mich hören, was dir durch den Kopf gegangen ist”, sprach er und seine Stimme klang recht dominant. Fast so, als wollte er mich unbedingt überzeugen, bei ihm zu arbeiten. Definitiv war er ein Mann, der genau wusste, was er wollte. Vermutlich auch, wie er es bekommen könnte.
 

Dadurch wurde mir bewusst, dass ich gerade die Oberhand hatte, weil er mich unbedingt in seinem Team haben wollte. Deshalb würde ich dies nutzen, um den Vertrag nach meinem Willen anzupassen. Alles würde ich wohl kaum ändern können, doch die wichtigste Tatsache könnte ich festhalten für die Dauer meiner Tätigkeit dort. Genau wie er, kam auch ich auf den Punkt und erklärte ihm, dass ich nicht meine private Handynummer rausgeben würde. Zudem würde ich nicht meinen wahren Namen nutzen und meine Privatadresse würde keiner meiner Kunden erhalten. Dies war einfach viel zu privat und ginge niemanden etwas an. Ebenso wollte ich mein Studium machen, was mir sehr wichtig war. Zusätzlich betonte ich, dass ich nie Sex mit den Kunden wünschen würde.
 

Während ich sprach, kam kein Laut von meinem Gegenüber und für einen Augenblick dachte ich, dass ich eventuell übertrieben hätte mit meinen Forderungen. Nachdem ich fertig war, hörte ich ihn atmen. “Waren das alle Punkte?”, fragte er nach und ich stimmte dem zu. “Gut... ich werde es so festhalten... komm doch morgen vorbei und wir besprechen den Namen, denn du nutzen wollen würdest, ehe du den Vertrag unterschreibst”, fügte er an und kurz keuchte ich.
 

“Wirklich? Sie sind mit allem einverstanden?”, hakte ich nach und diesmal war er es, der bejahte.
 

“Natürlich... denn du wärst eine Bereicherung für die Agentur”, erklärte er schlicht und so endete unser Telefonat.
 

Am nächsten Tag war ich recht früh unterwegs und sprach noch einmal mit Noyn, damit alles richtig festgehalten war. Wir überlegten sogar gemeinsam an einem Namen und ich wollte in der Zeit nicht Brünette sein, sondern würde mir die Haare blond färben, um später keinen Bezug mehr zu dieser Identität zu haben. Damit war er auch einverstanden und für einen Bruchteil der Sekunde konnte ich sehen, dass er unbedingt wollte, dass ich mich im Umfeld der Agentur wohl fühlte. Da fiel mir der Name ein, der gut zu meinem neuen Aussehen passen würde. “Jeanne”, schlug ich vor und kurz überlegte er, bevor er nickte.
 

“Ein guter Name... Französisch und passt zu einer Blondine... also... willkommen im Team, Jeanne”, sagte er, reichte mir die Hand und damit besiegelte ich meine berufliche Laufbahn für die nächsten 10 Jahre. Ich werde eine Escort.

Schlechte Erinnerungen abschütteln

Zurück in der Gegenwart


 

Genervt zog ich die Decke über meinen Kopf, da ich durch das Sturmklingeln an meiner Wohnungstür aus meinen Erinnerungen gerissen wurde. Es war wirklich unerträglich dieses Dauerklingeln. Dadurch dass dieses nicht weniger wurde, schälte ich mich aus dem Bett und schlürfte rüber zur Eingangstür. Je näher ich dieser kam, umso lauter wurde es natürlich. Tatsächlich war ich nun stinksauer auf die Person, die dahinter war. Mit einem Ruck riss ich die Tür auf. “Was zum Teufel...”, fing ich wütend an, doch wurde ich durch die Umarmung meines Gegenüber unterbrochen.
 

Meine Wut verpuffte bei dem vertrauten Geruch und ich ließ mich gegen seine Brust fallen. Sicher hielt er mich im Arm fest und hatte direkt die Tür hinter sich geschlossen. “Wir sind für dich da, Kleines”, vernahm ich seine tiefe Stimme.
 

“Noyn... wieso...”, begann ich und er drückte mich dichter an sich heran.
 

“Auch wenn du heute denkst, dass du vollkommen alleine bist... doch das bist du nicht... Mister Smith hat mich angerufen, weil er dich nicht erreichen konnte”, beantwortete er die Frage, die ich stellen wollte. Auch ohne Worte wusste er meist, was ich sagen wollte.
 

“Ich...”, versuchte ich erneut zu sprechen, doch meine Stimme versagte. Meine Unterlippe zitterte leicht und stumme Tränen liefen über meine Wangen.
 

“Leide nicht alleine, Maron... wir sind alle bei dir und helfen dir durch diesen Tag”, kam es beruhigend über seine Lippen. Er strich leicht über meinen Rücken, um mir den sicheren Halt zu geben, den ich in dem Moment brauchte. Dadurch konnte ich mich fallen lassen und ließ all meine Emotionen hinaus.
 

Anfangs dachte ich wirklich, dass Noyn mit seinen Angestellten spielen würde und ihnen unterschwellig doch die ‘Sexklausel’ andrehen würde. Jedoch hatte ich ihn vollkommen falsch eingeschätzt. Er war immer stets darauf bedacht, dass es uns allen gut ging. Schnell hatte er begriffen, weshalb ich schlussendlich einen Job brauchte, aber er hatte nie etwas dahingehend angesprochen. Geduldig hatte er gewartet, bis ich dazu bereit war, mich ihm an zu vertrauen. Dies tat ich tatsächlich nach knappen zwei Jahren. Er hörte aufmerksam zu und hatte es dadurch geschafft, dass ich ihn mit anderen Augen sah. Es war keine einfache Zeit, doch er half nicht nur mir durch diese hindurch.
 

Weinend klammerte ich mich an sein Hemd und ließ mich von seiner Gegenwart trösten. Seine leisen Worte halfen mir durch diesen Moment. Er hatte mit diesen Recht. Ich war nicht allein. Nie war ich allein gewesen. Immer hatte ich jemanden an meiner Seite, doch das schien ich viel zu leicht zu vergessen. Weshalb es gerade sehr gut tat, dies erneut zu hören. “Danke”, brachte ich flüsternd hervor.
 

“Nicht dafür, Kleines... und nun...”, sprach er und ich sah blinzelnd zu ihm auf. Fragend legte ich den Kopf schief. “Atme einmal tiefer durch und schreib Mister Smith, um seine Sorge zu mildern... danach machen wir es uns mit Pizza, Eiscreme und Wein gemütlich”, zwinkerte er mir zu und irgendwie musste ich schmunzeln. In diesem Augenblick war er alles, aber nur nicht mein Chef. “So ist es richtig”, sprach er erleichtert und ich nickte ihm zu.
 

Schnell wischte ich meine Tränen weg, eilte in mein Schlafzimmer, um mein Handy in die Hand zu nehmen. Dieses machte ich wieder an und starrte mit großen Augen auf das Display. Darauf waren über 50 verpasste Anrufe und mindestens genauso viele Nachrichten darauf. Diese kamen nicht nur von Mister Smith oder Noyn. Nein auch meine beiden Freundinnen hatten es bei mir versucht und tatsächlich Sakura hatte mir geschrieben. Erneut bildeten sich Tränen in meinen Augen. Noyn hatte absolut recht, denn ich war nicht allein. Sie waren alle für mich da. Tief atmete ich durch und schloss dabei die Augen. Damit sammelte ich mich und überlegte einige Momente, da ich Mister Smith beruhigen wollte und ebenso Sakura. Später würde ich sie anrufen.
 

Meine Finger flogen über die Tastatur des Handys: ‘Entschuldigt, dass ich mich erst jetzt melde... ich war mit meinen Freundinnen bei einem Spatag und mein Akku lief leer... kam erst jetzt heim und habe direkt dieses angeschlossen. Mir geht es sehr gut und ich melde mich morgen bei euch noch einmal.’ Zufrieden mit der Nachricht sendete ich diese an Mister Smith und eine ähnliche schrieb ich an Sakura. Wobei ich hinzu fügte, dass die beiden mich etwas ablenkten und ich meine Tante am frühen Abend ihrer Zeit anrufen würde.
 

Bevor ich zurück ins Wohnzimmer schritt, ging ich noch ins Bad und wusch mir einmal mein Gesicht. Ich sah wirklich fertig aus, denn diese Erinnerungen an damals zerrten noch heute an mir. Egal wie viele Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre vergingen, der Schmerz war nach wie vor da. Er würde niemals vergehen, aber er würde vermutlich mit der Zeit geringer und erträglicher werden. Das hatte zumindest Sakura immer wieder mir gesagt und genau heute verstand ich ihre Worte. Dank meiner Freunde wurde ich dieses Mal eher aus meinem Tief geholt und konnte sogar an diesem Schreckenstag zu lächeln. Noch einmal spritzte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht und verließ erst dann das Bad.
 

Überrascht weiteten sich meine Augen, als ich mein Wohnzimmer betrat. Das Bild, welches mir bot, war unglaublich. Auf dem kleinen Tisch waren vier Pizzakartons ausgebreitet. Diese waren bereits in Stücke geschnitten und auch vier Weingläser standen bereit, wobei Rosalie gerade das letzte auffüllte. “Aber... was macht ihr... denn hier?”, brachte ich stockend heraus.
 

“Na was wohl”, antwortete Amélie, die gerade noch Getränke brachte.
 

“Wir sind hier und du solltest dich doch eigentlich bei uns melden”, meinte Rosalie und ich biss mir unsicher auf die Unterlippe. Tatsächlich war dem so, aber ich wollte die beiden an diesem Tag nicht stören.
 

“Solltest du nicht bei einem Date sein?”, hakte ich nach.
 

“War ich auch... und er versteht, warum ich hier sein muss”, zwinkerte sie mir zu und ich seufzte.
 

“Es tut mir leid”, brachte ich nur hervor und beide nahmen mich gleich in den Arm.
 

“Muss es nicht... wir sind für dich da... immer”, merkte Amélie an und ich drückte beide an mich. Dass Noyn ebenso da war, wussten wir drei, doch war das nichts Schlimmes. Er hatte uns wahrlich in schlimmeren Situationen schon gesehen.
 

Die Umarmung tat mir sehr gut und wir lösten uns. Sogleich setzten wir uns und begannen damit die Pizzen zu vertilgen. Dabei sprachen wir sehr viel und ich konnte viele schöne Erinnerungen mit meinen Eltern mit meinen Freunden teilen. Ja... ich zählte mittlerweile auch Noyn dazu. Irgendwie war er wie der typische verrückte Onkel für uns. Der ebenso äußerst beschützend sein konnte. Dies zeigte er Tag ein Tag aus und besonders ich war ihm dankbar dafür. Es war uns oftmals ein Rätsel, warum er noch Single war, doch als er meinte, dass die meisten nicht damit klar kommen würden, welche Art von Agentur er besaß, verstanden wir dies schlussendlich. Denn es war nicht nur für uns ‘Escorts’ schwer einen Partner zu finden.
 

Dank ihrer Anwesenheit ging es mir mit jeder Minute besser. Es war unglaublich, wie viel sie mir halfen. Besonders nach vorne zu sehen, hatte ich mit ihrer Hilfe gelernt. Für diesen Abend war ich den dreien sehr dankbar und würde ihnen etwas leckeres Kochen, um mich richtig bei ihnen zu bedanken. Es war trotz allem ein guter Tag gewesen.
 


 

Wie versprochen meldete ich mich bei Sakura, sobald ich am kommenden Tag auf gewacht war. Durch die Zeitverschiebung war bei ihr schon später Nachmittag und wir hätten damit genug Zeit, um mit einander zu reden. Dank ihr fühlte ich mich meinen Eltern am nächsten. Jedes Mal, während wir zusammen sprachen, vergaßen wir schnell mal die Zeit. Stundenlang erzählten wir uns von meinen Eltern und auf diese Weise konnten meine Erinnerungen an sie niemals verblasen. Sakura stärkte mich mit jedem Gespräch mehr und mehr. “Maron... egal... wie aussichtslos etwas sein konnte, man findet immer einen Weg.”
 

“Stimmt, Tante Saku”, lächelte ich. “Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast.”
 

“Jederzeit, Maron... deine Eltern werden immer bei dir sein und ich bin mir sicher, dass sie sehr stolz auf dich sind... du hast schon bald deine Abschlussfeier, nicht wahr?”, wollte sie von mir wissen und lenkte damit das Thema auf ein positives Ereignis. Direkt stimmte ich dem zu, denn diese stand tatsächlich in sechs Tagen an.
 

“Korrekt... ich muss noch ein Kleid dafür suchen”, erklärte ich und so sprachen wir über die Länge oder gar die Farbe, die mir gefallen könnte. Doch sie gab mir ebenso Anregungen, was sie sich an mir vorstellen könnte.
 

Es tat mir gut, meinen Fokus auf etwas anderes zu legen. Erneut wusste Sakura genau, was ich brauchte, und lenkte mich genau darauf hin. Sie war wie ein guter Geist, der mir half den rechten Weg zu folgen, um wieder aus dem tiefen Loch der Traurigkeit zu kommen. Trotz der Entfernung kannte sie meine Gefühlslage und merkte stets an meiner Stimmlage, wie es mir ging und wie sie mir helfen konnte, hatte sie ebenfalls parat. In diesem Punkt war sie genauso wie meine Mutter, weil auch sie mich damals immer wieder aufgemuntert hatte, als ich am Boden war und nicht weiter wusste. Gestärkt durch dieses Gespräch konnte ich nach vorne sehen und nahm mir vor, bei der Abschlussfeier ein Kleid zu tragen, welches sowohl mir als auch Sakura gefallen würde.
 

Mir kam nämlich eine Idee, beides zu kombinieren. Diese setzte ich direkt am Montag in die Tat um. Amélie und Rosalie begleiteten mich, da sie mich bei der Suche unterstützen wollten. Diese kleine Shoppingtour tat mir sehr gut und stärkte mich erneut für die nächsten Tage. Ein Schritt nach dem anderen ging ich seit dem Schicksalstag und dies würde ich weiterhin tun. Soviel stand für mich fest. Wobei ich das Gefühl hatte, dass ich um einiges stärker war als die Jahre zuvor. Mit einem Lächeln sah ich in den Spiegel der Umkleide und mir war klar, dass dies das Kleid war, welches ich zu der Feier tragen würde. Selbst meine Freundinnen waren sprachlos, als sie mich darin erblickten.
 

“Wow... das ist es!”, meinten sie nach einigen Minuten und ich kicherte leise.
 

“Gut... dann haben wir das und die Feier kann kommen”, grinste ich und zog mich rasch um. Denn ich wollte das Kleid sorgfältig verpacken lassen und mit nach Hause nehmen.
 

“Wollen wir noch ins Café?”, wollte Amélie wissen und wir stimmten dem zu.
 

“Gerne”, meinte Rosalie und wir suchten ein nettes kleines Lokal, um dort einen Cappuccino zu trinken. Dazu nahmen wir uns ebenso ein Stück Kuchen, denn das brauchten wir nach diesem kleinen Marathon.
 

Genüsslich seufzten wir alle drei fast schon zeitgleich und das brachte uns direkt zum Lachen. “Jedes Mal dasselbe mit uns”, amüsierte ich mich und die beiden nickten.
 

“Korrekt”, grinste Rosalie breiter.
 

“Du sag mal, Rose”, begann ich und sie blinzelte leicht.
 

“Was denn, Maron?”, fragte sie nach.
 

“Wiederholt ihr euer Date?”, wollte ich neugierig wissen und Amélie war genauso wissbegierig wie ich.
 

“Oh... ähm ich...”, stammelte sie leicht und spielte nervös an ihren Haaren herum. Eindringlich sahen wir sie an. “Ehrlich gesagt... wollen wir das tun, sobald er zurück von seiner Geschäftsreise ist.”
 

“Er... musste weg?”, hakte ich nach und ein schlechtes Gewissen machte sich in mir breit.
 

“Denk nicht einmal daran, Maron”, sagte Rosalie direkt und ich blinzelte leicht. Ehe ich darauf reagieren konnte, setzte sie fort. “Raphael und ich hatten einen tollen Tag und ich bin nur zwei Stunden früher weg, als er wegfliegen musste”, erklärte sie und meine Augen weiteten sich.
 

“Ihr hattet wohl ein kurzes Zeitfenster”, überlegte Amélie und sie nickte.
 

“Mhm... eigentlich wollten wir nur den Vormittag und Mittag zusammen verbringen... doch... es war so schön, dass wir einfach noch im Park waren und vermutlich wohl seinen Flug vergessen hätten”, gestand sie mit roten Wangen. Sie brachte uns dadurch zum Lachen und tatsächlich atmete ich erleichtert durch. Denn ich begriff, dass sie trotzdem ein gutes Date hatte.
 

“Wie toll... also ist da mehr zwischen euch?”, wollte nun Amélie wissen und Rose bekam noch rötere Wange.
 

“Ich weiß nicht... aber... ich würde gerne mehr... doch... ich bin unsicher”, antwortete sie.
 

“Wegen dem Job?”, hakte ich nach und sie nickte.
 

“Auch... jedoch ist seine Arbeit nicht ohne. Er muss öfters auf Geschäftsreise und ich weiß nicht, ob ich ihn immer begleiten könnte oder gar dürfte”, sprach sie ihre Sorge aus und irgendwie verstand ich sie. Es wäre sicher nicht so leicht alles unter einen Hut zu bekommen.
 

“Hast du mit ihm schon darüber gesprochen?”, wollte ich wissen und sie schüttelte den Kopf.
 

“Soweit kamen wir noch nicht”, meinte sie schließlich. “Doch... ich denke, dass wir das tun sollten. Denn die Chemie zwischen uns stimmt. Sowohl bei unseren Gesprächen als auch eben im Bett.”
 

“Und... denkst du, dass du noch mit anderen schlafen könntest?”, sprach Amélie ein weiteres Problem an, welches Rosalie wohl haben könnte.
 

“Hmmm”, entkam es ihr und sie dachte wirklich darüber nach. “Wenn ich ehrlich sein soll... könnte ich vermutlich mit keinem anderen mehr schlafen als ihm”, bemerkte sie, denn so klang sie schon nach der Kreuzfahrt.
 

“Das verstehe ich”, lächelte Amélie und ich grinste leicht.
 

“Außer hin und wieder ein Dreier oder Vierer, nicht wahr, Rose?”, zwinkerte ich ihr zu und sie kicherte über diese Worte.
 

“Stimmt... Raphael ist dahingehend nicht abgeneigt, doch ständig braucht er es nicht, genau wie ich eben”, lächelte sie ehrlich und breiter grinsten wir. Wir kannten nur zu gut, welche Vorlieben sie hatte.
 

Nur zu gerne freute ich mich für meine Freundin. Scheinbar hatte sie ihren perfekten Partner gefunden, der ihr das geben konnte, was sie brauchte. Rosalie war selbstständig und würde wohl kaum auf ihren Job für einen Mann gänzlich verzichten. Aber ihre Arbeitseinstellung würde sie wie es aussah für ihn ändern. Ihre Sorge verstand ich sehr gut, weil ich genau die gleichen wohl haben würde. Jedoch hoffte ich sehr, dass sie darüber sprechen könnten, um all das aus der Welt zu schaffen. Tatsächlich war ich mehr als gespannt zu sehen, ob die beiden ein Paar werden würden und wie es bei ihnen ablaufen würde.
 

“Wann lerne ich ihn denn mal kennen?”, wollte ich von ihr wissen. Amélie hatte da einen Vorteil mir gegen über. Obwohl er so gut rüber kam von den Erzählungen, musste ich ihn sehen, um zu sehen, ob er es ernst meinte. Denn meine liebe Rose verdiente es, glücklich zu sein.
 

“Stimmt... wie wäre es, wenn wir ein gemeinsames Abendessen machen, sobald er Zeit hat?”, schlug sie vor und darüber musste ich schmunzeln.
 

“Klingt nach einem Plan”, grinste ich sie an und nippte an meinem Cappuccino.
 

Nachdem wir fertig waren, gingen wir alle drei unserer Wege, da wir in den kommenden Tagen durchaus einige Buchungen hatten. Wobei ich nur zwei hatte, während die beiden jeweils drei hatten. Dass ich weniger arbeiten musste, lag mit Sicherheit an meiner Abschlussfeier. Noyn wollte, dass ich mich voll und ganz darauf konzentrieren konnte. Daher hatte ich den Freitag davor frei, genau wie den Samstag selbst.
 


 

Die Woche verging schnell und ich hatte zwischendrin in Ruhe mit dem Ehepaar Smith telefoniert. Beide waren noch unterwegs, weshalb wir uns wohl erst in einer Woche wiedersehen würden. Doch sie dachten an mich und wünschten mir eine schöne Abschlussfeier. Es war wirklich süß von ihnen, dass sie sich so sehr um mich kümmerten. Immer mehr hatte ich das Gefühl, dass ich für sie wie eine Enkeltochter war. Sie meinten, dass sie etwas für mich zugeschickt hätten und Noyn würde es mir vermutlich am nächsten Tag überreichen können. Da sie meine Adresse nicht hatten, schickten sie die Pakete demnach zur Agentur und Noyn verteilte diese, sobald sie da waren. Mir war in dem Moment nicht klar, was sie geben wollten, aber ich würde das sicher schon bald erfahren.
 

Am Freitagabend kamen meine Freundinnen vorbei und wir machten noch ein klein wenig Wellness mit Gesichtsmaske, Maniküre und Pediküre, die wir uns gegenseitig machten. “Aaaah... das tut echt gut”, seufzte Amélie und ich schmunzelte. Sie schienen genauso angespannt zu sein wie ich.
 

“Absolut!”, merkte Rosalie an.
 

“Wie schaut es denn bei dir aus, Ami?”, wollte ich von ihr erfahren und sie schmunzelte leicht.
 

“Och wie immer... die Buchungen laufen sehr gut... und ob Alessandro mich noch einmal sehen will, weiß ich gar nicht”, meinte sie und wirkte ein wenig geknickt.
 

“Hattet ihr nicht noch einmal mit einander gesprochen?”, hakte ich bei ihr nach.
 

“Nach dem Yachtausflug haben wir nur einmal telefoniert”, berichtete sie ein wenig traurig, ehe sie seufzte.
 

“Reagiert er auf deine Nachrichten?”, interessierte ich mich und sie nickte leicht.
 

“Nur kurz... ich weiß, dass er momentan viel arbeitet, aber... irgendwie wirkt er darin ziemlich desinteressiert”, merkte sie an und man konnte ihr ansehen, dass es sie ziemlich mitnahm.
 

“Weißt du, Ami... warte, bis er wirklich da ist und nicht abgelenkt ist”, gab ich ihr den Rat. Denn ich konnte mir denken, dass es nicht seine Absicht war, kühl und distanziert zu wirken, aber wenn er ein Geschäftsmann war, dann war das sein Arbeitsmodus.
 

“Meinst du?”, fragte sie nach und ich nickte zustimmend.
 

“Weißt du... es klingt so, als hätte er eine wichtige Position inne. Von Mister Smith weiß ich, dass er bei der Arbeit ganz anders agiert als privat”, beantwortete ich ihr die Frage und lächelte sie zuversichtlich an. “Wenn Henry bei der Arbeit ist... erkenne ich ihn kaum wieder, deshalb warte auf seine Rückkehr und sprich noch einmal mit ihm.”
 

“Ich würde Marons Rat befolgen, Ami”, lächelte Rosalie und ich nickte noch einmal.
 

“Na gut... ich werde so lange warten”, meinte sie und zufrieden lehnte ich mich zurück.
 

“Würdest du denn mit anderen verkehren bis dahin?”, wollte Rosalie von ihr wissen und da wurde ich tatsächlich hellhörig.
 

“Oh... ich weiß ehrlich gesagt nicht”, überlegte Amélie und tippte sich nachdenklich auf den Wangenknochen. “Aber... vermutlich könnte ich das nicht... nach dem letzten Abend auf der Yacht will ich nur ihn...”, gestand sie und ich grinste einmal mehr. Meine beiden Freundinnen haben sich wohl verliebt, ohne dass sie es bemerkt hatten. Unweigerlich wanderten meine Gedanken zu meinem Unbekannten.
 

Doch schnell schüttelte ich diesen ab. Mir war unbegreiflich, warum er mir ausgerechnet jetzt in den Sinn kam, wo ich bei meinen Freundinnen und ihre Lover über Liebe nachdachte. Es wäre unmöglich, dass ich mich in einen Unbekannten verlieben würde. Auch wenn ich wusste, dass er Mister N. hieß und ich mich bei ihm sowohl auf bei dem möglichen Sturz sicher und beschützt fühlte als auch auf der Tanzfläche. Blind hatte ich ihm vertraut und noch heute war es mir unbegreiflich, wie es dazu kommen konnte, dass ich untypisch für mich agierte.

Der erste Schritt war geschafft

Nach wie vor war ich in meinen Gedanken bei meinem Unbekannten. Tatsächlich beherrschte er gerade all meine Sinne und ich war mir nicht einmal sicher, warum dies so war. Er verwirrte mich so sehr, dass ich immer wieder den Abend im Geiste durch ging. Während die Maske wirkte, schloss ich meine Augen und erblickte sein verschmitztes Lächeln, welches sich sofort in meinem Kopf eingebrannt hatte. Ich war mir nicht sicher, wie lange ich nicht im Hier und Jetzt anwesend war, doch plötzlich wurde ich angestupst. “Hm?”, entkam es mir und ich blinzelte träge, ehe ich zu Rosalie sah.
 

“Wo warst du denn gerade?“, fragte sie mich.
 

“Äh... ich weiß nicht, was du meinst”, entgegnete ich.
 

“Ist klar, Maron... du weißt nicht, was wir meinen... und warum wirst du nun ganz rot im Gesicht?”, hakte Amélie nach und ich spürte nur zu deutlich die Wärme an meinen Wangen.
 

“Das... bildet ihr euch nur ein”, beharrte ich felsenfest und trank schnell von meinem Getränk, um sie ab zu lenken. Jedoch machte ich die Rechnung ohne die Beiden.
 

“Hat das etwas mit dem Unbekannten zu tun?”, grinste Rosalie und prompt verschluckte ich mich. Hustend schüttelte ich hastig den Kopf. Sie sollten bloß nicht weiter in diese Richtung denken.
 

“Gib es auf, Maron... du hast dich, wie wir beide, verknallt ohne es selbst zu merken”, brachte es Amélie auf den Punkt.
 

“Niemals”, entkam es mir, nachdem ich meinen Hustanfall hinter mich gelassen hatte. “Das ist absolut unmöglich... zudem würde er nichts mit ihr anfangen, sobald er erfährt, welchen Beruf ich ausübe”, fügte ich an, denn ich war sicher nicht verknallt und er würde das Interesse verlieren, sobald er wusste, dass ich eine Escortdame war.
 

“Ach, Maron... ich bin mir sicher, dass er nicht so ist, wie du gerade denkst”, versuchte mich Rosalie auf zu muntern.
 

“Egal... ich weiß seinen Namen nicht, also werde ich ihn auch nicht so schnell wiedersehen und damit ist das Thema beendet”, erklärte ich so ernst wie möglich. Tatsächlich wollte ich mich mit ihm nicht mehr beschäftigen. Es wäre so oder so sinnlos gewesen, denn ohne seinen Namen hatte ich Null Chancen ihm erneut zu begegnen. Meine Freundinnen seufzten, ehe sie das Thema wechselten.
 

In diesem Augenblick war ich ihnen äußerst dankbar, da sie nicht weiter nach gehakt hatten. Ich ließ mich von ihnen ablenken und auch verwöhnen. Sie machten mir die Fingernägel und die Fußnägel. Da ich zu dem Kleid meiner Abschlussfeier offene High Heels tragen würde, würde die Farbe an meinen Zehen sicher einen zusätzlichen Hingucker ergeben. Bei der Erklärung meiner Freundinnen schmunzelte ich. Denn für gewöhnlich achtete niemand so genau auf die Füße. Unweigerlich wanderten meine Gedanken zu Mister N. Er hatte darauf geachtet, welche Schuhe ich unter dem pompösen Kleid trug. Es war mehr als ungewohnt, dass ein Mann so etwas tat.
 

Erneut schüttelte ich den Kopf, um ihn raus zu bekommen, aber das war leichter gesagt als getan. Er drang immer öfters in meinen Kopf ein und blieb teilweise länger als beabsichtigt darin. Es war wirklich zum Haare raufen. Ich gab alles, damit Rosalie und Amélie nichts mitbekamen. Doch an ihrem Schmunzeln konnte ich sehr wohl erkennen, dass sie bemerkt hatten, wie meine Gedanken abdrifteten und ein gewisser Mann meine Sinne für sich beanspruchte. Das alles obwohl er gar nicht da war. Irgendwie war es beängstigend und aufregend zu gleich. Innerlich betete ich dafür, dass es mir schon bald gelingen möge, ihn zu vergessen.
 


 

Meine Freundinnen blieben über Nacht und am Samstagmorgen machten wir gemeinsam Frühstück. Amélie holte in aller Früh beim Bäcker frische Brötchen und Croissants. Rosalie war noch kurz beim Supermarkt um die Ecke und ich hatte mich um den Kaffee, frischen Orangensaft und dem Eindecken des Tisches gekümmert. Kaum waren sie zurück in meiner Wohnung, schon frühstückten wir zusammen und alberten wie gewohnt herum. Bei ihnen war ich einfach ich selbst und das tat mir sehr gut. Schließlich würde ich am Abend als Maron Kusakabe mein Diplom in Empfang nehmen und meinen Studienabschluss mit meinen Kommilitonen feiern. Zu selten würde ich mit meinem richtigen Namen angesprochen. Dieser Abend war eine wahre Ausnahme.
 

Klar sprachen Noyn und meine Freundinnen mich mit Maron an, doch öfters mussten sie mich ‘Jeanne’ nennen, da wir nicht allein unter uns waren. Mittlerweile hatte ich mich schon daran gewöhnt, dass ich hin und wieder in der Uni bei meinem richtigen Namen nicht sofort reagiert hatte. Zum Glück konnte ich mich da gut raus reden und den Lernstress als Vorwand verwenden. Niemanden ging es etwas an, wie ich mein Geld verdiente. Das war einzig und allein meine Sache und so hatte ich meist die Frage geschickt umgangen, sobald ich gefragt wurde, welchen Job ich neben dem Studium ausübte.
 

“Es ist unglaublich, dass du heute endlich deinen Abschluss in der Hand haben wirst”, lächelte Rosalie mich an.
 

“Es kommt mir auch noch vor, wie ein Traum”, gestand ich den beiden und nippte an meinem Kaffee.
 

“Ein wahr gewordener Traum!”, merkte Amélie an und ich lachte leise.
 

“Stimmt... ich bin so froh, dass ich das geschafft habe”, lächelte ich und machte mir noch ein Marmeladenbrötchen. Etwas Süßes war genau das Richtige, um meine langsam wachsende Nervosität runter zu schlucken.
 

“Vor allem mit sehr guten Noten”, kam es stolz von Rosalie und Amélie nickte eifrig.
 

“Ich beneide dich darum, Maron... du bist so eine unglaubliche Person”, lächelte letztere und ich bekam rote Wangen. Schnell winkte ich ab.
 

“Aber nein... ich bin nicht so unglaublich”, spielte ich diese Tatsache herunter.
 

“Sei nicht so bescheiden, Girl”, grinste Rosalie und ich erhob meine Augenbraue, da sie ihre Stimme etwas mehr Attitüde verpasst hatte.
 

“Genau... sei stolz auf deine Leistung, denn du hast sehr hart dafür gelernt, gekämpft und gearbeitet!”, fügte Amélie an und schloss sich damit Rosalie an. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf und nahm noch einen Schluck Kaffee zu mir, ehe ich mein Brötchen fertig aufaß.
 

Eine Weile sprachen wir noch, bevor wir anfingen ab zu räumen. Als wir das taten, klingelte es bei mir an der Haustür. Verwundert sah ich zu meinen Freundinnen rüber. “Sieh uns nicht so an. Es ist deine Wohnung und wir wissen nicht, wer es ist”, meinte Rosalie amüsiert, weshalb Amélie sofort los lachte. Da hatte sie absolut recht, daher ging ich lachend rüber zur Tür, um diese auf zu machen.
 

“Noyn”, kam es überrascht von meinen Lippen, als ich meinen Besucher entdeckte.
 

“Guten Morgen... darf ich reinkommen?”, fragte er und ich trat zur Seite. Irritiert runzelte ich meine Stirn, denn er hatte eine größere Tasche in den Händen. Doch mehr Beachtung schenkte ich dieser nicht und folgte ihm ins Wohnzimmer. “Guten Morgen, Rose und Ami”, grüßte er die beiden Damen.
 

“Guten Morgen, Noyn”, kam es von beiden wie aus einem Mund und sie lächelten ihn an.
 

Nach wie vor fand ich das großartig, wie gut wir uns alle mit Noyn verstanden. Auch wenn ich anfangs ganz anders von ihm dachte. Doch ich wurde schon ein paar Wochen nach meiner Unterschrift eines Besseren belehrt. Da ich noch keine Kurse an der Uni hatte, lernte ich Susanne und Molly kennen. Die beiden hatten mich direkt unter ihre Fittiche genommen und mir einiges zu der Etikette erzählt. Aber ich bemerkte auch, wie ehrfürchtig sie von meinem ‘Boss’ sprachen. Schon immer war ich eine neugierige Person und hakte einfach mal nach. Lachend erzählten sie mir, wie sie ihn kennen gelernt hatten und was er mit seiner Agentur alles geleistet hatte.
 

Anfangs glaubte ich, dass er im Vertrag irgendeine Klausel mit reinschmuggeln würde, aber das tat er nicht. Je mehr ich die Stammkunden und meine ‘Kollegen’ kennenlernte umso mehr erfuhr ich von Noyn selbst. Er war ganz anders. Auch wenn er oft nach außen hin skrupellos und eiskalt wirken konnte, so war er eigentlich ein freundlicher und zuvorkommender Mann. Es überraschte mich jedes Mal, dass er mit seinen Angestellten freundschaftlich sprach und uns wirklich so viele Freiheiten gab, wie möglich. Natürlich beharrte er bei denen, die ‘Extras’ anboten, regelmäßige gesundheitliche Untersuchungen und ließ sie über Verhütungsmethoden aufklären. Dafür hatten wir sogar Privatärzte, die auch Hausbesuche machten, wenn nötig.
 

Schon nach nur einigen Monaten war mir klar, welch ein Glück ich mit meinem ‘Boss’ hatte. Er gab mir anfangs nur einfache Aufträge, von denen ich vorab Notizinformationen bekam und entscheiden konnte, ob ich diesen ‘Job’ annehmen wollte. Erst nach dem Go von Susanne und Molly, stieg ich in die Kategorie als Galabegleitung auf. Sie prüften alle ‘Neuen’ auf Verstand, Körper und natürlich eben Etikette. Das alles war wichtig für die Galas oder andere Veranstaltungen. Da ich durch mein Studium im Nebenfach einige Sprachen erlernt und weiter gebildet hatte, bekam ich sogar ausländische Kundschaft und diese waren mit ihren ‘Trinkgeldern’ sehr spendabel, da viele sich auf heimischen Veranstaltungen fehl am Platz fühlten und durch mich waren sie eingebunden.
 

Es machte mir immer sehr viel Spaß und Freude zugleich und ich merkte schnell, dass nicht alle ‘Reichen’ so geldgierig und machtbesessen waren, wie ich oftmals annahm. Viele waren normale Leute, die auch Gefühle und Sorgen hatten. Zwar waren es meist andere Sorgen als Leute ohne Geld, doch am Ende des Tages waren sie eben Menschen mit Fehlern und Unsicherheiten. Meine Fremdsprachenbegeisterung nutzte Noyn gerne und zahlte mir hin und wieder die Kurse, wenn diese nur kostenpflichtig angeboten wurden. Zudem ließ er mir sehr viel Freiraum für mein Studium und gerade das zeigte mir, welches Glück ich hatte, dass er damals mit mir geredet hatte. Ohne ihn wäre ich sicher nicht dort, wo ich gerade war.
 

Ehrlich gesagt hatte ich mich nach einem knappen Jahr über den Club informiert, in dem ich zuerst war. Es stellte sich wirklich heraus, dass der Chef dort nicht ganz sauber war. Er betrog nicht nur seine Angestellten bei dem Gehalt, sondern schickte einige der Kellner, sowohl weibliche als auch männliche, zum Aushelfen in Stripclubs und auch Bordelle. Da war es nicht fern, dass viele von ihnen noch mehr taten, um besseres Geld zu verdienen und ehe man sich versah, waren einige von ihnen noch tiefer in dem Milieu drin als man anfangs vermuten würde. Es lief mir damals eiskalt den Rücken herunter. Sogar noch heute war dies so. Um ein Haar wäre ich vermutlich komplett abgestürzt.
 

Oft fragte ich mich, ob Noyn das alles selbst wusste, oder es nur vermutete. Jedoch hatte ich ihn nie danach gefragt, denn die Angelegenheit war für mich vorbei, nachdem er mir den Ausweg anbot und ich unterschrieben hatte. Ich war nur neugierig gewesen und stillte diese mit den Informationen, obwohl sie mir nicht gefielen, konnte ich nicht viel tun, außer einen Tipp an die Behörden zu geben. Natürlich anonym, da mit den Leuten dort sicher nicht zu spaßen war. Dass es dort eine Razzia gab, konnte ich in der Zeitung lesen, doch wie es weiter lief, war mir nicht bekannt und tiefer nachforschen traute ich mich sicher nicht.
 

“Maron?”, hörte ich meinen Namen und blinzelte einmal.
 

“Äh... was ist?”, fragte ich total verwundert. Scheinbar war ich weit in meinen Gedanken versunken, dass ich nicht mehr viel mitbekommen hatte von den Gesprächen.
 

“Ich sagte: Hier wäre noch etwas für dich”, erklärte Noyn und hielt mir die mitgebrachte Tüte hin.
 

“Für mich? Aber wieso?”, hakte ich nach und legte den Kopf schief.
 

“Das Ehepaar Smith hat mit gebeten dies für dich weiter zu leiten. Da ich eh in der Gegend war, dachte ich, dass ich es dir persönlich reinbringe”, sprach er weiter und ich nahm noch etwas perplex die Tüte entgegen. Es wunderte mich, dass sie mir etwas zukommen ließen. Für gewöhnlich kauften wir gemeinsam ein oder sie schickten eben John nach mir.
 

“Hm... doch warum?”, überlegte ich und sprach meinen Gedanken laut aus.
 

“Vermutlich zu deinem Abschluss”, mutmaßte Rosalie und die anderen beiden stimmten dem sogar zu.
 

“Aber... warum sollten sie?”, wollte ich verwirrt wissen und öffnete die Tüte. Darin waren zwei Pakete und ein Umschlag.
 

“Mach doch den Umschlag auf... vielleicht klärt es sich dann auf”, schlug Amélie vor. Wie von selbst nickte ich und öffnete diesen. Tatsächlich befand sich darin ein handschriftlicher Brief für mich.
 

“Liebe Jeanne”, las ich laut vor und bekam immer größere Augen bei dem Inhalt. Sie hatten mir einige Dinge zu kommen lassen. Da es bei Lilly Brauch war, der Absolventin Schmuck zu schenken, hatte sie mir silbernen Haarschmuck mit weißen Perlen geschickt. Es waren filigrane Blüten darauf und die Perlen dienten als Blütenmitte. Bei Henry war es üblich, dass die Damen frische Blumen als Handschmuck erhielten. Er war Amerikaner und das machten sie immer bei einem Abschlussball. “Oh... das kann ich doch nicht annehmen”, kam es völlig überwältigt von mir.
 

“Natürlich kannst du das, Maron”, lächelte Noyn mich an. Obwohl er es nicht oft zeigte, so wusste ich, dass er es gut fand, wie sich das ältere Ehepaar um mich sorgte. Aus sicherer Quelle war mir bekannt, dass er in Susanne und Molly nicht nur Kundinnen sah, sondern ebenso sehr gute Freunde von ihm, aber auch uns ‘Angestellten’.
 

“Das ist doch viel zu viel”, meinte ich, da Lilly niemals unechten Schmuck verschenkte. Es war immer Stirling Silber und stets das Reinste.
 

“Mag sein... doch du kennst die Beiden”, zwinkerte Noyn und ich seufzte leise. Er hatte Recht mit seiner Aussage. Das Ehepaar kannte ich schon sehr gut. Sie waren nicht von ihrer Meinung ab zu bringen, wenn sie sich entschieden hatten.
 

“Na also... dann machen wir dein Styling und schicken ihnen ein Bild mit einem Dank vor dir”, schlug Rosalie lächelnd vor und ich blinzelte einen Moment, ehe ich nickte.
 

“Das ist ein sehr guter Plan”, pflichtete ich ihr bei und Noyn lächelte uns an.
 

“Prima... somit ist meine Pflicht getan und wir sehen uns am Montag, wie immer”, zwinkerte er uns Damen zu und wir lachten leise, während er schon meine Wohnung verließ.
 

“Er ist wirklich unmöglich”, amüsierte sich Amélie.
 

“Absolut... und deshalb mögen wir ihn ja”, lachte Rosalie und auch ich musste ihnen zustimmen.
 

“So ist es”, grinste ich und wir lachten ausgiebig, ehe wir fertig auf räumten.
 

Tatsächlich wollten sie mir dabei helfen, mich für den Abend fertig zu machen. Rosalie schickte mich zuerst duschen, um mich frisch zu machen. Amélie bereitete mir eine ihrer berühmten Haarmasken vor, um mein Haar frischer und glänzender zu machen. Sie war unglaublich geschickt dabei und wusste genau, was sie zusammen mischte. Es tat wirklich gut und ich schlüpfte in meine Unterwäsche, die ich passend zum Kleid gewählt hatte. Rosalie hielt mir den Mantel hin, damit ich diesen anzog, während sie beide mein Haar frisieren würden. Jedes Mal auf das Neue war ich fasziniert, wie geschickt sie dabei vor gingen. Mit wenigen Handgriffen hatten sie eine Hochsteckfrisur gezaubert.
 

“Nun noch den Haarschmuck”, lächelte Amélie mich an und nahm diesen ehrfürchtig aus der Schachtel. Kurz betrachtete sie meine Frisur, bevor sie den Schmuck in meinem Haar platzierte. “Perfekt”, freute sie sich und sah mich begeistert in dem Spiegel an.
 

“Wow”, entkam es meinen Lippen, als ich mein Spiegelbild erblickte. Sie hatten wahrlich ein Wunder verbracht. “Ihr seid unglaublich!”, lobte ich sie beide und dankte ihnen vielmals für ihre Arbeit.
 

“Das machen wir doch gerne, Maron”, lächelte Amélie.
 

“Das Make-up noch und du kannst in das Kleid schlüpfen”, fügte Rosalie an und suchte nach den richtigen Farben. Überrascht blinzelte ich und bevor ich etwas sagen konnte, hatte sie schon begonnen mit der Grundierung und den Lippenkonturen. Es war ungewohnt, dass jemand anderes mich schminkte als ich selbst. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig war. Zufrieden lächelte sie und deutete zum Spiegel, indem ich mich begutachten konnte.
 

Erneut staunte ich über ihre Fertigkeiten. Wenn ich es besser nicht wüsste, würde ich sie beide für Zauberinnen halten. “Ich danke euch beiden”, sprach ich mit leichten Tränen in den Augen. Beide lächelten und drückten mich.
 

“Ja nicht weinen... sonst wird das Make-up noch verschmieren und das wollen wir doch nicht”, zwinkerte mir Rosalie zu und Amélie lachte leise.
 

“Keine Sorge”, brachte ich kichernd hervor und blinzelte mehrmals, um nicht zu weinen.
 

Beide halfen mir noch mit dem Kleid und den richtigen Accessoires. Eine schlichte silberne Halskette und ebenso ein Armband rundeten mein Outfit perfekt ab. Zufrieden sahen sie zu ihm und grinsten einmal mehr, als sie auch noch den Blumenschmuck auf das andere Handgelenk anlegten. “Perfekt”, kam es von Amélie und Rosalie nickte zustimmend.
 

“Absolut... und nun ein Bild für Lilly und Henry”, zwinkerten meine Freundinnen und ich schmunzelte.
 

Sofort stimmte ich dem zu, denn die beiden hatten Recht. Das Ehepaar sollte ein Foto von mir erhalten. Daher nahm ich noch meine Handtasche, die ich auf mein Kleid abgepasst hatte, und ging rüber ins Wohnzimmer. Dort hatte ich einen perfekten Ort, um als Hintergrund zu dienen. In einer Ecke hatte ich eine schöne Zimmerpflanze, die sicher wundervoll auf dem Bild aus sehen würde. Ein weiterer Pluspunkt war, dass man keinen Hinweis auf meine wahre Identität finden würde. Aus diesem Grund posierte ich und meine Freundinnen machten einige Fotos von mir. “Diese hier würde ich wählen”, meinte ich nach einer Weile.
 

Wir hatten zusammen die Auswahl angesehen und zwei von ihnen gefielen mir sehr. Deshalb wählte ich diese und zeigte sie meinen Freundinnen. Beiden gefielen diese ebenso, weshalb ich sie gleich verschickte. Natürlich bedankte ich mich dabei für die Geschenke und freute mich sehr über ihre Reaktion darauf. Sie wünschten mir viel Spaß bei der Feier und ich würde wundervoll in dem Kleid aussehen. Ebenfalls waren sie der Meinung, dass mir das Kleid sehr gut stand. Dafür bedankte ich mich und versprach ihnen, mich zu amüsieren. Auch wenn ich mir sicher war, dass es nicht halb so viel Spaß machen würde wie mit ihnen oder meinen Freunden.
 

“Du solltest los und viel Spaß, Maron”, meinte Rosalie, die einen Blick auf die Uhr geworfen hatte. Tatsächlich war ich spät dran, obwohl ich eher los wollte.
 

“Ups... da habe ich wohl getrödelt”, amüsierte ich mich.
 

“Stimmt... doch das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen”, grinste Amélie und zustimmend nickte ich.
 

“Korrekt... noch einmal tausend dank für eure Hilfe”, sprach ich und wir verließen gemeinsam meine Wohnung, wobei ich noch die Haustürschlüssel in die Handtasche packte. Unten verabschiedete ich mich von meinen Freundinnen und sie wünschten mir erneut Spaß bei der Feier.
 

“Bis Montag, ihr Süßen”, kicherte Amélie und ich wusste genau, dass sie mich dennoch am nächsten Tag löchern würden, da sie verdammt neugierig sein konnten.

Überraschungen

Eine halbe Stunde später kam ich an meinem Zielort an und bezahlte das Taxi. Noch einmal atmete ich tiefer durch und ging auf das Gebäude zu, um hinein zu gehen. Es tummelten sich schon einige Leute davor. Absolventen und deren Familienmitglieder. Mit großer Wahrscheinlichkeit war ich eine der Wenigen, die ohne Begleitperson da war, aber das war für mich nicht allzu schlimm. Tatsächlich war ich es schon gewohnt als Einzelgängerin angesehen zu werden. Zwar hatte ich den einen oder anderen Lernpartner, doch viel hatten wir privat nicht unternommen. Schließlich musste ich darauf achten, dass keiner von meinem Job erfahren würde. Demnach würde ich sie ein letztes Mal sehen und danach nie wieder.
 

Mit einem Lächeln begrüßte ich meine Kollegen und nahm mir ein Wasser, um meine trockene Kehle zu benetzen. Meine Gedanken wanderten zu meinem Wunsch, der mit jedem Tag größer wurde und meinen Entschluss nur noch mehr bekräftigte. Denn in den letzten Jahren hatte es sich für mich klar herauskristallisiert: Sobald mein Vertrag bei Noyn endet, werde ich definitiv nach Japan gehen. Dorthin, wo alles begann. In Tokio hatten sich meine Eltern kennen gelernt und ihre Liebe begann. Anfangs etwas turbulenter, doch genau das brachten sie vermutlich. Sie heirateten dort vor einem Tempel und ich wurde in dieser Stadt geboren. Mein Ursprung und meine Wurzeln waren genau an diesen Ort. Dorthin wollte ich und werde zurück kehren.
 

“Maron, du bist auch schon da”, grüßte mich Marie. Sie war in meiner Lerngruppe mit dabei und wir verstanden uns gut.
 

“Natürlich... auch wenn ich etwas spät dran bin”, schmunzelte ich und trank mein Wasser aus.
 

“Ach was... die meisten trudeln erst jetzt richtig ein... war nur fünf Minuten vor dir da”, lächelte sie charmant.
 

“Sind die anderen auch schon da?”, wollte ich wissen.
 

“Hmmm... Claire und Pierre habe ich schon gesehen”, erklärte sie. Sie waren das typische Vorzeigepärchen in unserer kleinen Gruppe.
 

Kaum sprachen wir von ihnen, hörten wir sie schon. “Hallo ihr beiden... fehlt nur noch Pascal und Julie”, grinste Pierre uns an und wir mussten direkt lachen. Denn die beiden kamen immer zu unseren Treffen zu spät.
 

“Ob sie es diesmal rechtzeitig schaffen?”, amüsierte sich Marie und ich konnte den beiden nur wünschen. Es wäre denke ich nicht von Vorteil, wenn sie viel zu spät kommen würden und ihr Abschlussdiplom nicht direkt annehmen würden. So etwas wurde an der Uni sehr feierlich zelebriert.
 

“Das kann ich nur hoffen”, lachte Claire und holte ihr Handy, um vermutlich die beiden zu erreichen.
 

Gemeinsam tranken wir noch einen Drink, wobei ich bei Wasser blieb. Erst danach kamen sie dazu und entschuldigten sich mehrmals, weil sie so spät dran waren. Lachend gaben wir ihnen ebenso ein Glas zum Trinken. Irgendwie werde ich diese kleine Truppe vermissen, doch der Wunsch nach meinem eigenen Architekturbüro in Tokio zu haben, war um einiges größer als der mögliche Verlust meiner ‘Lerngruppe’. Zudem würden sie wohl ganz anders mich sehen, sobald sie mich besser kennen lernen würden. Denn das, was sie von mir kannten, war nur ein geringer Teil von mir, meiner Vorlieben und meiner Persönlichkeit. Daher war es mir lieber, wenn ich die Zeit mit ihnen so in Erinnerung hatte.
 

“Es geht gleich los”, kam es aufgeregt von Marie. Sie war irgendwie die quirligere von uns allen. Sie würde ich wohl am meisten missen. Aber ich war mir auch sicher, dass ich einen Weg finden würde, um sie zu kontaktieren, sollte der Fall eintreffen. Immerhin hatte sie meine private Handynummer, genau wie ich die ihrige hatte.
 

Kurz ertönte ein Mikrofon und die Aufmerksamkeit aller wurde auf die Bühne gezogen. “Willkommen bei der Abschlussfeier der Absolventen des Studienlehrganges Architektur mit mehreren Schwerpunkten”, begann die Rede unseres Direktors. Er sprach von all den Leistungen, die unser Jahrgang geschafft hatte und natürlich hob er all die Jahrgangsbesten hervor. So wie es sich für jede Abschlussfeier sich schon seit Jahrhunderten ziemte.
 

Es war eine großartige Ehrung und jeder einzelne Absolvent wurde auf die Bühne geholt, um ihr oder ihm das Zeugnis in die Hand zu drücken. Ein großer Stein fiel mir vom Herzen, als ich die Mappe mit meinem Zeugnis in den Händen hielt. Der erste Schritt in meine Zukunft war erfolgreich, der zweite würde schon bald folgen. Auch wenn ich bis Ende des Jahres warten müsste. Doch diese Zeit war absehbar und die Wartezeit war es mir allemal wert. Glücklich setzte ich mich zu meiner kleinen Gruppe und machte ein Foto von der Mappe, um dieses an Sakura zu schicken. Meine Tante wollte ich auf dem Laufenden halten, da sie eigentlich dabei sein wollte, aber leider kam kurzfristig etwas dazwischen.
 

Obwohl dem so war, fand ich es nicht schlecht. Auf diese Weise musste ich nicht zu Hause aufpassen, dass Sakura von meinem Job erfahren könnte. Sie wusste lediglich, dass ich an wichtigen Veranstaltungen kellnerte, weil es dort immer sehr viel Trinkgeld gab. In dieser Hinsicht war es nicht gelogen, denn ich bekam eine Menge als Zuschuss bei den Veranstaltungen. Alles andere war nicht notwendig ihr davon zu berichten. Sie hätte sich sicher nur zu viele Sorgen gemacht, oder mir das alles versucht aus zu reden. Jedoch war ich eine treue Seele und hielt definitiv mich an den Vertrag. Vielleicht würde ich ihr eines Tages von dieser Zeit erzähle, aber dies würde ich nicht allzu bald tun.
 

Kaum war die Rede vorbei, begann die Feier. Musik wurde gespielt und das Buffett war eröffnet worden. Es war eine schöne Feier, auch wenn ich mit Rosalie und Amélie vermutlich um einiges mehr Spaß gehabt hätte. Doch wie sagte man so schön: Nimm das, was du kriegen kannst und genieße den Moment. Genau das tat ich jedes Mal auf das Neue. Es hatte lange gedauert, bis ich so weit war, aber ich genoss das Leben in vollen Zügen. Egal, ob mich die Erinnerungen an vergangene Zeiten einholten und mir schwer zu schaffen machten, so wusste ich, dass meine Eltern das für mich wollten. Für einen kurzen Moment sammelten sich Tränen in meinen Augen, die ich schnell weg blinzeln konnte.
 

Definitiv wollte ich nicht, dass die anderen diese sehen könnten. Immerhin wusste keiner von ihnen etwas über mein Privatleben Bescheid und das sollte sich auf keinen Fall ändern. Natürlich kannte Sakura und ihre Familie mein Schicksal, da sie für mich ebenso wie eine Familie waren. Obwohl ich Sakuras Kinder kaum kannte, so hatte ich durchaus mit ihnen geschrieben oder auch mal telefoniert. Die Einzigen in Frankreich, die meine Lage kannten, waren Rosalie, Amélie und Noyn. Niemanden sonst würde ich mein Privatleben auf die Nase binden. Denn es ging keinen etwas an.
 

Bis spät in die Nacht feierten wir und tatsächlich tanzte ich mit den Mädchen der Gruppe. Besonders mit Marie. Sie konnte mich sehr gut ablenken und ich entspannte mich bei ihr. Aber auch nur bei ihr. Sobald die anderen da waren, war ich eher zurückhalten, jedoch ließ ich mir auch nichts gefallen. Denn ich hasste es, sobald speziell Männer dachten, einen einfach so anfassen zu dürfen. Je mehr Alkohol floss, umso aufdringlicher wurden die Leute. Aus diesem Grund beschloss ich kurz nach Mitternacht nach Hause zu fahren. Zwar hieß es somit Abschied zu nehmen, doch das war vollkommen in Ordnung für mich. Wer in Kontakt mit mir treten wollte, konnte das tun.
 


 

Von der Feier war ich so erschöpft, so dass ich sehr lange geschlafen hatte. Erst gegen Mittag wurde ich wach und war für einen Moment verwirrt. Die Uhrzeit erschreckte mich etwas, weshalb ich zum Handy griff und nach sah. Augenblicklich saß ich kerzengerade auf meinem Bett. “Mist... Akku ist leer gelaufen”, entkam es mir. Schnell stieg ich aus diesem, um mein Handy an zu schließen. Zwar wussten meine Freunde und Familie, dass ich sehr lange schlafen würde, so wollte ich sie nicht beunruhigen, wenn mein Handy aus war. Während die ersten Prozente luden, eilte ich ins Bad und erleichterte mich, ehe ich mir ein Bad einließ. Nach der Nacht brauchte ich diese Entspannung und das würde ich mir gönnen.
 

Das heiße Wasser lief und ich sah nach meinem Handy. Schnell war dieses angeschaltet und die Pinnummer meiner Simkarte ein gegeben. Lächelnd entdeckte ich mehrere Nachrichten von Sakura. Ich hatte ihr das Bild von mir in dem Kleid ebenso zugeschickt. Darauf hatte sie scheinbar reagiert, nachdem sie diese entdeckt hatte. Schmunzelnd schrieb ich ihr, dass ich wach war und bedankte mich für ihre Komplimente. Zwar hieß sie es nie gut, dass ich plötzlich blond wurde, aber trotz allem meinte sie, dass es mir stehen würde. Eines wusste ich genau, sobald mein Vertrag vorbei wäre, würde ich wieder meine Naturhaarfarbe annehmen. Auf blond hatte ich wirklich keine Lust mehr.
 

Eine Weile schrieb ich noch mit Sakura hin und her. Es war schön, dass sie und ich die Zeit dazu fanden. Allgemein würde ich den Tag wohl nutzen, um mich zu entspannen und auf die kommende Woche vor zu bereiten. Bislang wusste ich noch nicht einmal, ob ich Buchungen hatte. Doch schnell verdrängte ich den Gedanken, denn ich wollte etwas entspannen. Daher verabschiedete ich mich bei Sakura, da mein Bad vorbereitet war. Schnell machte ich das Wasser aus und gab etwas Badeschaum hinein, um einen schönen Duft zu erzeugen. Da ich Rosalies und Amélies Neugier stillen wollte, beschloss ich sie während meines Bades zu benachrichtigen. Da nichts Größeres passiert war, konnte ich das problemlos in kürzester Zeit schaffen.
 

Danach legte ich mein Handy beiseite und genoss das schöne und warme Wasser um meinen Körper. Es tat mir mehr als gut, mich zu entspannen und in dem Moment einfach nichts anderes zu denken. Tatsächlich schrieb ich meinen Freunden, dass ich nach meinem Bad noch ein oder zwei Filme ansehen würde. Dabei würde ich ein Glas Wein und eine schöne Pizza genießen. Ich denke, nach solch einer Feier brauchte ich einfach einen relaxten Tag für mich selbst. Diesen würde ich mir gönnen und noch mehr entspannen als bei dem Bad vorhin. Nach diesem schlüpfte ich in eine lockere Jogginghose und ein Shirt. Es war gemütlich und so machte ich mir einen schönen Resttag, auch wenn meine Gedanken wieder abschweiften.
 

Viel bekam ich vom Film nicht mit, doch das war nicht schlimm. Mein Kopf wanderte zu den kommenden Wochen, die ich noch vor mir hatte. Soweit ich wusste, hatte ich keine größeren Aufträge. Mehr als gespannt war ich, was Noyn mir berichten würde, sobald ich am Montagmorgen in seinem Büro sein würde. Die meisten Anfragen kamen oft kurzfristig. Nur Mister Smith regelte die wichtigsten Termine direkt zu Beginn des Jahres, damit ich definitiv Zeit an den Tagen hatte. Grübelnd nippte ich an meinem Wein und hatte die Pizza mit Extrakäse schon längst verputzt. Sowas blieb nicht lange bei mir stehen, denn ich liebte Pizza sehr. Da ich sowieso nichts anderes mitbekam, beschloss ich ins Bett zu gehen.
 


 

Der Montagmorgen kam schnell und ich hatte mich fertig gemacht, ehe ich die Wohnung verließ und mit der Metro zur Agentur fuhr. Tatsächlich war ich schon ziemlich gespannt darauf zu hören, welche Buchungen auf mich warten könnten. Lächelnd betrat ich das Gebäude und musste direkt lachen, da Rosalie und Amélie ebenso da waren. “Guten Morgen, ihr zwei”, grüßte ich sie und sie kicherten.
 

“Guten Morgen”, entgegneten beide zeitgleich und erneut lachten wir los.
 

“Seid ihr ebenso erst jetzt gekommen?”, fragte ich bei ihnen nach und sie nickten zustimmend.
 

“Ja... wir haben uns vor drei Minuten vor dem Eingang getroffen”, amüsierte sich Rosalie.
 

“Das bleibt wohl nach wir vor so”, lachte ich.
 

“Oh ja... wir kommen nahezu zusammen an”, grinste Amélie und sie hakten sich bei mir ein, während wir in den Aufzug stiegen. Gemeinsam fuhren wir hoch in Noyns Büro.
 

“Bekommt ihr auch erst heute eure nächsten Aufträge?”, fragte ich interessiert und sie nickten, als ich zu ihnen blickte.
 

“Ja... wir hatten nur bis Freitag unsere Jobs erhalten und heute wollte Noyn mit uns die nächsten Wochen durch sprechen”, lächelte Amélie und Rosalie nickte.
 

“Ich hoffe... ihr habt dennoch Zeit euch noch um eure Liebsten zu kümmern”, sprach ich, denn ich war mir sicher, dass sie sich um ihre Männer kümmern wollten. Vor allem in Bezug auf die Frage, ob sie ein Paar werden können.
 

“Das wird schon”, sprach Rosalie aufmunternd. Nicht nur in ihrem Namen, sondern auch für Amélie.
 

“Wir werden das schon hinbekommen”, grinste sie und ich war froh, dass sie positiv eingestimmt waren.
 

Oben angekommen, stiegen wir aus und gingen direkt weiter zum Büro. Die Tür war bereits offen, doch Rosalie klopfte an, ehe wir hinein gingen. “Guten Morgen, Boss”, grüßten wir.
 

“Ah... meine drei Engel”, lachte Noyn und wir konnten nur mit dem Kopf schütteln. Manchmal hatte er einen Clown gefrühstückt oder mal wieder zu viel ‘Drei Engel für Charly’ gesehen. Egal, was es war, es war schön zu sehen, wie er sich amüsierte und lachen konnte. “Kommt... setzt euch”, forderte er uns auf und zeigte zu dem gemütlichen Sofa.
 

Direkt nahmen wir darauf Platz und sahen zu ihm, der es sich auf dem Sessel bequem gemacht hatte. Er hatte, wie so oft, sein Tablet in der Hand und seine Beine überschlagen. Abwechselnd sah er zu uns dreien und schien zu überlegen. “Nun mach es nicht so spannend”, lachte Amélie und wir kicherten direkt.
 

“Wollt ihr einzeln darüber sprechen?”, fragte er nach, wie jedes Mal, wenn wir alle drei da waren.
 

“NEIN!”, antworteten wir wie aus einem Mund. Herzhaft lachte Noyn los und nickte. Mit der Antwort hatte er vermutlich gerechnet, weil wir das immer gemeinsam durch gingen, sofern wir alle drei im Lande waren.
 

“Spuck es schon aus”, grinste Rosalie.
 

“Hmmm”, kam es nachdenklich von ihm und wir legten alle drei unseren Kopf schief. “Es ist schon eigenartig... bei euch dreien sind die Buchungen immer so viele, dass es schwer ist sie durch zu gehen. Aber...”
 

“Aber?”, hakte ich nach.
 

“Dieses Mal hatte ich eigenartige Anfragen”, antwortete er und sah abwechselnd uns an.
 

“In wie fern?”, wollte nun Amélie wissen. Er lächelte und atmete einmal tiefer durch.
 

“Ich beginne einfach mit dir, Ami”, fing er an und tippte auf seinem Tablet. Er sah kurz auf und Amélie nickte zustimmend, damit er fortfuhr. “Ich habe eine Anfrage bekommen für eine Geschäftsreise”, sprach er fort.
 

“Wie lange und von wem?”, wollte sie wissen.
 

“Es würde am Samstag los gehen und es würde drei Monate dauern”, erklärte Noyn.
 

“Okay... das wäre an sich kein Problem... ich habe erst im August eine Begleitung für die Spendengala”, kam es gleich von ihr, denn der Termin stand schon seit einiger Zeit fest.
 

“Das stimmt... dahingehend wäre es kein Problem”, lächelte Noyn und überlegte. “Demnach wäre es dir recht, wie ich annehme”, sprach er weiter und bevor Amélie noch etwas sagen konnte, führte er fort. “Die Anfrage kam von Mister De Luca.”
 

“Alessandro?”, entkam es ihr mit großen Augen.
 

“Korrekt”, entgegnete Noyn und sie schluckte schwerer.
 

“Aber... er hatte mir nichts diesbezüglich gesagt”, überlegte sie und ich konnte genau sehen, dass es sie irritierte.
 

“Soll ich also absagen?”, fragte Noyn nach und schnell schüttelte Amélie den Kopf.
 

“Zusagen bitte”, meinte sie hastig mit roten Wangen und Rosalie und ich verkniffen uns ein Lachen. Im Augenwinkel konnte ich sogar sehen, dass Noyn schmunzelte.
 

“Okay... ich bestätige diese Anfrage... kommen wir zur nächsten”, sprach er und während er dies tat, bekam Amélie noch größere Augen.
 

“Warte... mal... willst du mir gerade sagen, dass er jeden verfügbaren Termin nun gebucht hat?”, hakte sie nach und Noyn nickte sofort.
 

“So sieht es aus... ich weiß zwar nicht, wieso er das tut... aber er scheint gefallen an dir zu haben”, zwinkerte er ihr zu und nun musste ich doch kichern, da Amélie überfordert schien.
 

“Das ist doch prima, Ami”, sagte Rosalie. “So habt ihr mehr als genug Zeit zusammen zu reden.”
 

“Da hat Rose absolut recht”, stimmte ich zu und sie bekam rote Wangen. Noyn schmunzelte und grinste leicht. Er schien zufrieden zu sein.
 

“Stimmt... da sollte ich die Chance nutzen und mit Alessandro reden”, lächelte sie verlegen.
 

“Gut... dies wäre geklärt... kommen wir zu, Rose”, kam es von Noyn und er tippte wieder an seinem Tablet herum, um wohl Einblick in ihre Buchungen zu erhalten.
 

“Ich bin ganz Ohr”, lächelte sie und er sah zu ihr.
 

“Erst einmal... deine beiden Galabuchungen Ende des Monats sind vom Kunden abgesagt worden”, begann er und ihre Augen weiteten sich. Dies war absolut unüblich bei ihr.
 

“War ein Grund angegeben?”, wollte sie von ihm wissen, denn sie hatte wahrlich Sorge, dass sie letztes Mal etwas falsch bei ihnen gemacht haben könnte.
 

“Der eine hat kurzfristig eine Geschäftsreise reinbekommen und der andere wurde vor drei Tagen versetzt, weshalb er die Gala nicht wahr nehmen kann”, antwortete er lächelnd und beruhigte damit Rosalie sichtlich.
 

“Das beruhigt mich wirklich”, atmete sie erleichtert durch.
 

“Entschuldige... ich hätte dich gleich beruhigen sollen”, kam es verlegen von Noyn. Schnell winkte Rosalie ab und sah ihn nun interessiert an. “Bei dir hatte mich die Anfrage zwar auch gewundert, aber nicht so sehr wie bei Ami”, meinte er und sah in seinen Unterlagen noch einmal nach. “Von Samstag an wärst du ebenso für drei Monate als Begleitung für eine Geschäftsreise gebucht.”
 

Überrascht blickte Rosalie zu ihm und dann zu uns. “Oh... und wer hat mich gebucht?”, fragte sie direkt nach und Noyn grinste breiter.
 

“Ein gewisser Mister Valentini”, kam es sichtlich amüsiert von ihm.
 

“Oh... Raphael”, hauchte sie und bekam eine süße Röte auf ihren Wangen.
 

“Er scheint ebenso einen Narren an dir gefressen zu haben, Rose”, lachte Noyn und sie wurde noch röter. “Bei ihm könnte sich die Reise verlängern, je nachdem wie die Verhandlungen verlaufen”, warnte er sie vor, doch man konnte ihr ansehen, dass es nicht so schlimm für sie wäre.
 

“Das bekomme ich schon geregelt”, meinte sie lächelnd und freute sich sichtlich, dass Raphael sie gebucht hatte. Damit hätten sie wohl ebenso ausreichend Zeit miteinander zu sprechen. Dies war ihr wichtig, denn sie wollte wissen, woran sie bei ihm war und ob es wirklich funktionieren könnte.
 

“Gut... ich werde bei euch beiden die darauffolgen Monate sperren, falls die Herren verlängern wollen würden”, zwinkerte Noyn ihnen zu und meine Freundinnen sahen ihn dankbar an. Leise kicherte ich und freute mich sehr für die beiden. Sie sollten mit ihren möglichen Liebsten in Ruhe reden können. “Damit kommen wir nun zu dir, Maron... diese Anfrage hat mich äußerst überrascht”, sprach er mich an und ich blinzelte.
 

“Was genau meinst du?”, hakte ich nach und er sah auf das Tablet. Als er wieder zu mir blickte, konnte ich direkt sehen, dass etwas nicht so war, wie gewohnt.
 

“Nun... zum einen ist es ein neuer Kunde, der eine Begleitung für seine Geschäftsreise sucht”, begann er und ich überlegte. Dies war normalerweise nichts Ungewöhnliches daran. Bevor ich nachfragen konnte, kam er mir zuvor: “Es ist eine Weltreise... die gut neun Monate dauern soll.”
 

“WAS?!”, rief ich aus und konnte durchaus die fragenden Blicke meiner Freundinnen auf mir spüren. Das war wahrlich nicht normal. Meist war ich nur eine oder maximal zwei Wochen weg, sofern ich Unifrei hatte. Mit solch einer Anfrage hatte wohl keiner gerechnet, am wenigsten ich selbst.

Neuer Kunde?!

“Ernsthaft, Boss? Eine Weltreise?”, stellte Rosalie die Frage vor mir und gerade war ich ihr dankbar dafür. Schließlich hatte ich gerade meine Stimme noch nicht wiedergefunden. Es war wirklich unglaublich, dass ich solch einen Job machen sollte.
 

“Ja... so wie ich das entnehme... hat der Kunde mehrere Hotels, die er alle paar Jahre überprüft und nach dem Rechten sieht und da möchte er dich mitnehmen”, antwortete er und lächelte mich an.
 

“Okay... Weltreise... und von wann bis wann?”, fand ich nun meine Stimme wieder.
 

“Am 19. April soll es losgehen und bis zum 11. Januar gehen”, erklärte Noyn und sah mich dabei direkt an. Einen Moment blinzelte ich. “Keine Sorge, Maron... ich habe bereits abgelehnt für den Zeitraum... aber auch wegen der Tatsache, dass ich ihn nicht kenne”, sprach er weiter noch bevor ich etwas dazu sagen konnte.
 

“Alles klar... vom Zeitraum wäre es für mich okay gewesen”, meinte ich noch zu Noyn. “Aber... er ist ein neuer Kunde und gleich so viele Monate mit ihm unterwegs zu sein, wäre mir unangenehm”, stimmte ich demnach seiner Entscheidung zu.
 

“Genau deshalb habe ich mir erlaubt, es ihm Vorfeld schon ab zu lehnen”, erklärte er mir und ich dankte ihm. Zwar war es schade, dass ich keine Weltreise machen konnte, aber mit einem Unbekannten mehrere Monate alleine zu sein, wäre eigenartig.
 

“Gut... was steht ansonsten an?”, fragte ich, da ich etwas zu tun haben wollte. Nichts tun war einfach nicht mein Ding.
 

“Mittwochabend wäre eine Feier in der Kanzlei. Mister Martin hatte gebeten, dass du ihn begleitest... es würden japanische Partner vor Ort sein und sie würden sich vermutlich wohler fühlen, wenn jemand ihnen mit dem Übersetzen helfen würde”, erklärte er mir und ich nickte.
 

“Also... als Dolmetscherin?”, wollte ich meine Rolle dabei wissen. Zustimmend nickte Noyn und nannte mir die Eckdaten, alles weitere würde ich per Mail erhalten und könnte mich in Ruhe einlesen. Da dies die einzige Anfrage blieb, die angenommen werden würde, lächelte ich. “Gut... ich werde mich darauf vorbereiten”, versprach ich ihm.
 

Wir verabschiedeten uns bereits von unserem Boss und erhoben uns, um zu gehen. Vermutlich würden wir noch zum Café gehen und etwas frühstücken, bevor wir uns trennen würden. Bestimmt müssten die beiden noch ihre Männer anrufen und checken, wieso sie ihnen nichts gesagt hatten. Ich grinste leicht und war schon gespannt, was die Jungs als Ausrede benutzen würden. Auch Noyn hatte sich erhoben und packte sein Tablet weg, als ein Handy im Raum eine Nachricht ankündigte. Blinzelnd sah ich mich kurz um, da ich verwirrt war, wessen Handy gerade geklingelt hatte.
 

“Oh... das ist mein Arbeitshandy”, lächelte Noyn. Während er sein Handy heraus holte, blieben wir kurz stehen. Doch schnell fingen wir uns und wollten raus gehen, aber da hörten wir schon seine Stimme. “Maron... warte einen Moment”, meinte er und ich sah ihn verwundert an.
 

“Okay... ich warte”, entkam es mir daher automatisch. Sogar meine Freundinnen blieben bei mir, weil sie vermutlich genauso verwirrt waren von der Bitte.
 

Es dauerte einige Momente bis Noyn wohl alles gelesen hatte, was er als Nachricht erhalten hatte. “Hm... das ist ungewohnt”, meinte er nachdenklich und blickte auf. “Oh... ihr seid alle drei noch da”, bemerkte er und leicht legte ich den Kopf schief.
 

“Ja, wir waren etwas verwundert”, erklärte ich wahrheitsgemäß und er deutete erneut auf das Sofa.
 

“Nicht nur ihr seid es”, begann er daher und blickte wieder zu mir, während er sich hin setzte. “Ich bin es auch”, gestand er und fing damit an mir von der Nachricht zu erzählen. “Mister Smith... bittet um einen Termin am Samstag... es hat wohl etwas mit deinem neuen Kunden zu tun.”
 

“Mit dem neuen Kunden?”, blinzelte ich verwundert.
 

“Ja... wie mir scheint... hat er wohl von Mister Smith den Kontakt hergestellt”, beantwortete er meine Frage und meine Augen wurden noch größer.
 

“Oh... aber... wieso haben sie das nicht eher gesagt”, überlegte ich.
 

“Vermutlich ging das unter... Mister Smith ist noch auf seiner Geschäftsreise, weil diese sich verzögert hatte”, merkte Noyn an.
 

“Das ergibt Sinn”, sprach Rosalie und ich nickte zustimmend. Meist vergaß Henry alles andere, wenn er auf Geschäftsreisen war. Außer die Geschäfte eben.
 

“Was meinst du... willst du dir anhören, was es sich mit dem neuen Kunden auf sich hat?”, ließ er mir die Wahl und einen Moment überlegte ich. Immerhin war es eine verdammt lange Zeit, die ich mit einem Fremden unterwegs sein würde. Doch eine Weltreise war ziemlich verlockend. Aber der Hauptpunkt war wohl, dass Henry ihn kannte.
 

“Ich würde sagen... man kann es sich anhören... und ich würde eine zweiwöchige Probephase in den Vertrag mit aufnehmen, sollte es zu einem kommen”, merkte ich meine Idee an und Noyns Mundwinkel zuckten.
 

“Das... ist ein fabelhafter Einfall, Maron”, lobte er mich und ich grinste breiter.
 

“Das finde ich auch... sollte der erste Eindruck gut sein... so habe ich mehr Zeit, um zu sehen, ob es schließlich passt”, erklärte ich ihm und kichernd nickten meine Freundinnen.
 

“Sehr gut... und die drei Wochen länger zu arbeiten, als der Vertrag vorsieht, wäre wirklich okay für dich?”, hakte er nach und ich wusste genau, das er einfach sicher gehen wollte.
 

“Ja... es wäre schließlich mein letzter Job dann als Jeanne”, lächelte ich und fand die Idee, dies mit einer Weltreise zu beenden, mehr als perfekt.
 

“Gut... dann würde ich sagen, wir hören uns an, was Mister Smith am Samstag zu berichten hat, und du entscheidest dementsprechend”, fasste Noyn unser Vorgehen zusammen und ich nickte zustimmend.
 

“Das klingt nach einem Plan”, lächelte ich sanft und damit war es beschlossene Sache.
 

Nachdem wir uns erneut bei ihm verabschiedet hatten, erhoben wir uns und ließen unseren Boss alleine. Ich wusste genau, dass er Mister Smith eine Antwort schreiben würde. Vermutlich nur eine Zusage zu einem Gespräch, um den potenziellen Kunden durch Henrys Aussagen kennen zu lernen. So machte Noyn das immer, wenn ein anderer Kunde uns weiter empfahl. Auf diese Weise bekam man einen ersten Eindruck und konnte danach immer noch entscheiden. Es war toll, dass Noyn sehr auf uns und unsere Wünsche achtete. Auch wenn manche das nicht sehen konnten oder gar wollten, unser Boss war ein wundervoller Mensch. Er hatte so viel Gutes bewirkt und einige von uns gerettet.
 

“Eine Weltreise”, kam es noch immer fassungslos von Amélie, als die Aufzugstür hinter uns zu ging.
 

“Naja... ich weiß noch nicht, ob diesen Job annehmen werde”, erinnerte ich sie.
 

“Egal... eine Weltreise ist wirklich unglaublich, Maron”, grinste Rosalie. Zwar konnte ich ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken, dennoch musste ich mit den Augen rollen. Die beiden waren einfach einzigartig in diesem Punkt. Sie sahen nur das Wesentliche, aber nicht das große Ganze. Klar war ein Jobangebot mit einer Weltreise unglaublich, doch ob ich diesen Job annehmen würde, könnte ich wohl erst am Samstag richtig entscheiden. Das Gespräch mit Henry würde wohl ausschlaggebend für meine Entscheidung sein. Denn ich vertraute ihm, ohne Wenn und Aber.
 

“Schieben wir das mal beiseite... sagt mal... was habt ihr mit den beiden Herren nur gemacht, dass sie eure freien Tage komplett ausbuchen wollen?”, fragte ich sie grinsend. Auf diese Weise lenkte ich von mir ab und betrachtete sie abwechselnd im Spiegel des Aufzuges. Beide wurden augenblicklich knallrot.
 

“Wir... ich... ähm”, stotterte Amélie und biss sich auf die Unterlippe. Ihr fehlten wohl noch immer die Worte. Rosalie schluckte leicht und spielte nervös an ihrer Haarspitze herum.
 

“Ehrlich gesagt... ich habe keine Ahnung”, gestand sie.
 

“Ach kommt schon... ich bin mir sicher, ihr wart die perfekten Subs”, grinste ich beide an und zog sie mit mir aus dem Fahrstuhl, nur um das Gebäude zu verlassen und rüber zum Café zu gehen. Dort konnten wir uns noch etwas unterhalten, ehe wir nach Hause gehen würden, um uns für die Woche vor zu bereiten.
 

Kaum waren wir drinnen, schon suchten wir uns einen freien Platz in einer ruhigen Ecke und bestellten bei dem Kellner das große Frühstück. Dieses konnte man frei wählen, welches man haben wollte. Da ich eher die Süßere war, nahm ich immer das süße Frühstück mit frischen Brötchen und Croissants, die mit Marmelade und Schokocreme angereicht wurden. Damit konnte ich sie mir belegen, wie ich wollte. Zudem war eine Kanne Kaffee mit inbegriffen. Diese umfasste zwei große Tassen, die ich definitiv nun gebrauchen konnte. Noch immer war ich baff gewesen von dem Jobangebot. Es war ungewohnt, dass mich jemand für solch einen Zeitraum buchen wollte. Vor allem, weil es eben jemand Neues war. Das passte absolut nicht zusammen.
 

Bis das Essen kam, waren wir recht still. Vermutlich hängten meine Freundinnen ebenso in ihren Gedanken fest und ich merkte deutlich, dass sie etwas zu zweifeln schienen. Weshalb das so war, würde ich noch heraus finden. Aber dazu hatte ich keine Zeit mehr, denn unser Essen kam endlich an den Tisch. Ich konnte nicht anders, schnappte mir ein Croissant und tunkte ihn in die Marmelade. Genüsslich biss ich hinein und seufzte zufrieden bei dem Geschmack auf meiner Zunge. “Mmmmh”, entkam es meinen Lippen und ich hörte das Lachen der beiden. “Was denn?”, fragte ich unschuldig und konnte ein Schmunzeln nicht verbergen. Das war irgendwie typisch für uns.
 

“Du bist unglaublich, Maron”, kicherte Rosalie und schnitt ihr Brötchen auf, um dieses sich mit Käse zu belegen. Sie liebte diesen zum Frühstück und zum Abschluss machte sie meist ein Marmeladenbrötchen. Da hatte wohl jeder so seine Vorlieben.
 

“Wieso? Nur weil ich mein Croissant genieße?”, entgegnete ich und biss erneut voller Genuss ab. Die Dinger waren einfach nur genial, besonders wenn sie frisch aus dem Ofen kamen.
 

“Nur? Da sagt sie doch gnadenlos ‘nur’ dazu”, lachte nun Amélie amüsiert. Tatsächlich war ich mir keiner Schuld bewusst, weshalb sie so reagieren könnten.
 

“Du stöhnst schon so als hättest du Sex”, sprach es Rosalie nun an und jetzt war ich es, die lachen musste.
 

“Ehrlich gesagt... das hier ist sogar genauso gut wie Sex”, grinste ich breiter und war froh, dass die Stimmung etwas lockerer wurde. Beide lachten los und mit jeder Sekunde wirkten sie wieder so, wie ich sie beide kannte und liebte.
 

“Stimmt... also sollte es mit den Männern nicht klappen... besorge ich mir einen sehr guten Koch”, kam Amélie auf die Idee und wir mussten noch mehr lachen. Doch hey... sie hatte Recht in dem Sinne.
 

“Oder eine Köchin”, zwinkerte ich ihr zu und sie nickte grinsend. Das war wohl in dem Sinne besser für sie, falls sie den Männern abschwören würde.
 

Durch dieses kleine hin und her waren wir ausgelassener und konnte miteinander sprechen. In der Tat hatten wir mehrere Themen, die uns beschäftigten. Angefangen bei den nächsten Tagen, bis hin zu unseren Jobs und das Angebot, welches bei mir in der Schwebe stand. Tatsächlich redeten wir über alles und blieben wage in den Bezeichnungen, denn wir waren in der Öffentlichkeit und niemanden ging es etwas an, dass wir im Escortbereich tätig waren und von jeweils von einem Mann gebucht waren, um die nächsten Wochen mit ihnen zu verbringen. Ich war neugierig geworden, da Noyn mir auch keinen Nachnamen genannt hatte. Das machte er meist nur dann, wenn wir Interesse zeigten und näher davon erfahren wollten. Doch in meinem Fall war die Absage klar gewesen.
 

“Aber ehrlich... ich bin echt gespannt, wer der neue Kunde ist”, gestand Rosalie und sprach sogar das aus, was ich dachte.
 

“Ich auch”, bemerkte ich und überlegte.
 

“Dann sollten wir vielleicht ihn vorher auf Herz und Nieren prüfen”, grinste Amélie und meine Augen weiteten sich. Das war doch wohl ein Scherz von ihr. Aber nicht mit mir.
 

“Ach... ist das so? Sollte ich das bei Alessandro auch machen?”, fragte ich sie grinsend und konnte genau sehen, wie sich ihr grinsen in ein unsicheres Lächeln verwandelte und sie mich entsetzt ansah.
 

“Bloß nicht... es ist ja nur ein Job”, entgegnete sie gleich und ich schmunzelte.
 

“Genau wie bei mir. Es wäre nur ein Job”, zwinkerte ich ihr zu und Rosalie kicherte.
 

“Als ob es bei dir ein Job wäre, Ami”, meinte sie und nippte an ihrem Kaffee. “Sie es als Chance mit ihm zu reden... und zwar wirklich zu reden”, sagte sie sanft und ich konnte an ihrer Stimmlage erkennen, dass sie es absolut ernst meinte. Sie würde das vermutlich ebenfalls nutzen.
 

“Wirst... du ihn fragen?”, wollte ich nun von Rosalie wissen und sie nickte.
 

“Ja... ich will wissen, was er sich erhofft... denn mich dauerhaft buchen ist ja keine Lösung”, antwortete sie und ich war überrascht von ihren Worten.
 

“Heißt das... du würdest aufhören zu arbeiten, wenn es ernster wird?”, hakte ich nach und ohne zu zögern nickte sie.
 

“Ja... seit dem Ausflug kann ich eh nicht mehr mit anderen... und ob ich auf Dauer... nun ihr wisst schon... wenn er... es ernst meint, überlege ich sogar den Job zu wechseln”, kam es von ihren Lippen und damit hatte sie uns sprachlos gemacht.
 

Genau in dem Moment wurde es mir bewusst, Rosalie war schon längst über den Punkt der Verliebtheit hinweg. Sie liebte diesen Raphael und würde alles für ihn tun. Das zu hören war wirklich unglaublich, denn noch vor einem Jahr klang das bei ihr noch ganz anders. Sie hatte immer gemeint, dass der Job ihre Angelegenheit wäre und keiner ihr das ausreden könnte. Doch jetzt scheint sie sich Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie tun könnte, sollte es ernster zwischen den beiden werden. “Ernsthaft?”, kam es überrascht von Amélie.
 

“Ja, Ami... gib es zu... du würdest das auch tun, wenn Alessandro dein fester Partner wäre”, konterte Rosalie und wir konnten genau sehen, wie Amélie ihren Mund öffnete, um etwas zu sagen, aber es dann ließ. Stattdessen wurde sie knallrot um die Nase und nickte. “Siehst du... es hängt alles von dem richtigen Partner ab... und bei ihm... hätte ich keine Probleme damit, aufzuhören und mir etwas anderes zu suchen.”
 

“Stimmt... so wie mit Alessandro habe ich mich noch nie gefühlt... aber ob er es genauso sieht... muss ich noch heraus finden”, sprach sie mit einem verlegenen Lächeln aus. Erfreut seufzte ich auf und erntete ihre Blicke.
 

“Was denn? Ich finde es romantisch”, lächelte ich sie beide an und trank von meinem Kaffee. “Ihr habt beide ohne es zu wollen, den perfekten Gegenpart für euch entdeckt”, fügte ich an und beide wurden verlegen. Das sah man wirklich nicht oft, weshalb ich genau wusste, wie wahr meine Worte waren. Sie fühlten es bereits. Jetzt lag alles in den Händen beider Italiener.
 

“Das ist es”, seufzte nun Rosalie entzückt. “Ich hoffe... sie sehen es genauso”, setzte sie dazu. Zustimmend nickte Amélie und ich nahm ihre beider Hand in jeweils von meiner.
 

“Ich drücke euch die Daumen und das Wichtigste nicht vergessen, Ladies!”, sprach ich ehrlich aus, denn ich gönnte den beiden ihr Glück aus tiefstem Herzen.
 

“Was denn?”, fragten beide zeitgleich, nachdem sie mehrmals geblinzelt hatten.
 

“Ich will auf dem Laufenden sein”, lachte ich leise und erlaubte mir diesen kleinen Scherz. Beide prusteten los und nickte, während sie meine Hand drückten.
 

“Natürlich werden wir dich informieren”, versprach Rosalie und Amélie stimmte dem direkt zu. Wir hatten keine Geheimnisse und daher war wohl mein Witz genauso angenommen worden.
 

“Ach Mädels... das war ein Scherz... ich meine... es ist wichtig, dass ihr immer ehrlich miteinander sprecht, denn nur so wird euch nichts aufhalten”, zwinkerte ich ihnen zu und sie grinsten wissend.
 

“Das werden wir... und auch das andere... egal, wo wir sein mögen... wir werden beste Freundinnen bleiben!”, kam es ernst von Amélie und ich nickte.
 

“Das werden wir... und wir können uns jederzeit besuchen, vor allem wenn ihr eine Yacht oder einen Privatjet zur Verfügung bekommt”, grinste ich breiter und amüsiert schüttelten sie den Kopf. Das musste ich einfach los werden, da die beiden für mich immer wichtig sein werden.
 

“Lasst und immer mindestens einmal im Jahr für eine Woche zusammen sein... und wir wechseln uns ab. Egal wo wir sind... einmal bei mir, einmal bei Ami und einmal bei dir, Maron”, schlug Rosalie vor und diese Idee fand ich großartig.
 

“So machen wir das... kleiner Fingerschwur?”, grinste ich und genau das taten wir. Damit war das beschlossene Sache und ich wusste genau, dass wir drei uns daran halten würden.
 


 

Nach unserem gemeinsamen Frühstück trennten sich unsere Wege und wir gingen unseren Vorbereitungen für die Jobs an. Wir waren shoppen, die beiden packten für ihre Reise und ich lernte mehr über die japanischen Partner der Kanzlei von Mister Martin. Er war ein netter älterer Herr. Sein französischer Charme war einfach wundervoll und man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Er meinte immer, ich wäre weitaus besser als alle anderen Dolmetscher mit denen er zu hatte. Damit hatte er mir durch die Blume gesagt, dass er mich einstellen würde, doch ich lehnte stets ab. Zum einen weil ich noch einen Vertrag hatte und zum anderen, weil ich meinen Traum verwirklichen würde. Davon würde mich keiner abhalten können.
 

Der Abend verlief wirklich angenehm und ich vergaß für diese Stunden, dass mein Job eigentlich ein ganz anderer war. Die beiden Herren und die Dame aus Japan fühlten sich gleich wohler, da mein japanisch sehr gut war. Sogar die kleinen Dialekte konnte ich verstehen und das vermittelte ihnen ein Gefühl von Heimat, auch wenn sie so weit weg von dieser waren. Geschickt unterhielt ich mich mit ihnen und half aus, falls sie nicht wussten, wie sie etwas bestellen konnten. Durch meine Erfahrung konnte ich meinen Gegenüber immer gut aussehen lassen, obwohl das eigentlich gar nicht der Fall war. Es war amüsant für mich und ich war froh, dass Mister Martin mit meiner Leistung äußerst zufrieden war.
 

Nichts anderes hatte er von mir erwartet. Solche Aussagen schmeichelten mir und meinem Ego sehr, weshalb ich recht entspannt war und die letzten Tage bis zum Treffen mit Mister Smith gut über die Bühne gebracht hatte. Ich nutzte die Zeit und brachte meine Wohnung auf Vordermann, regelte die Reinigung der Kleider und spürte erst am Samstagmorgen die Nervosität in mir. In der Zwischenzeit hatte sich Henry bei mir entschuldigt, dass er ganz vergessen hatte, dass er mich einem Geschäftspartner vorgeschlagen hatte und den Kontakt mit Noyn hergestellt hatte. Direkt teilte ich ihm mit, dass es nicht schlimm war, da man so etwas schnell vergessen konnte, wenn man so lange auf Reisen war wie er.
 

Überpünktlich kam ich bei Noyn im Büro an und begrüßte ihn mit einem Lächeln. Wir sprachen noch ein wenig mit einander und einen Moment war ich betrübt, dass Rosalie und Amélie bereits unterwegs zu den beiden Herren waren. Gerne hätte ich sie an dem Tag an meiner Seite gehabt, doch da musste ich wohl so durch. Zum Glück war Noyn bei mir und später wäre auch Henry da, weshalb ich mich innerlich beruhigen konnte. “Sie müssten gleich da sein”, merkte Noyn an und ich nickte, denn die Uhr zeigte deutlich 13 Uhr an.
 

Ehe ich etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür und wie von selbst erhoben wir uns beide. Noyn war zur Tür gegangen, um diese zu öffnen. Ich hörte die Stimme von Mister Smith und lächelte tatsächlich, als er herein kam und mich mit einer Umarmung begrüßte. Es tat gut ihn nach solch langer Zeit zu sehen. Noch wollte ich ihm danken, wegen der Geschenke, aber dazu kam ich nicht, da ich die Stimme von dem Unbekannten wahrnahm: “Endlich habe ich dich wiedergefunden!”
 

Wie erstarrt blickte ich zur Tür und war mir nicht sicher, ob ich die Stimme mir nur eingebildete hatte. Daher musterte ich den jungen Mann und meine Augen weiteten sich, als mich die pure Erkenntnis traf. ER war es. Mein Mister Unbekannt oder auch Mister N.

Das Angebot

“DU?!”, entkam es mir mehr als geschockt. Mit ihm hatte ich definitiv nicht gerechnet. Dies hatte man mir wohl angesehen, da seine Mundwinkel leicht zuckten und er das Büro betrat. Nach meinem nicht ladyliken Ausruf sah Noyn zwischen uns beiden hin und her.
 

“Ihr kennt euch bereits, Jeanne?”, fragte er mich und ich konnte nichts anderes tun als zu nicken. Noch brauchte ich einen Moment, um meine Sprache wieder zu finden.
 

“Wir”, begann ich und schluckte etwas, denn meine Kehle fühlte sich trocken an. “Wir haben uns auf dem Maskenball vor drei Wochen flüchtig kennen gelernt”, erklärte ich meinem Boss, ohne meinen Blick von Mister N. zu nehmen. Obwohl es sehr unhöflich war, dass ich ihn so anstarrte, doch ich konnte nicht anders. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben zu einem Grinsen und er nickte, weil er meine Worte bestätigte.
 

“So ist es... ich hatte die Ehre mit dieser Schönheit zu tanzen”, merkte er an und unweigerlich bildete sich ein Kloß in meiner Kehle. Wie konnte er nur so charmant und direkt zugleich sein. Erneut brachte er mich durch einander und ich schluckte einige Male. Mehr als deutlich konnte ich spüren, wie sich meine Wangen rot färbten.
 

“Verstehe”, begann Noyn und deutete in einer fließenden Bewegung zu den Sitzgelegenheiten, nachdem er die Tür geschlossen hatte und sich selbst zu diesen bewegte. Wobei er bei einem der Sessel stehen blieb. “Ich denke... wir sollten uns setzten, Mister Nagoya”, setzte er fort und diesmal hörte ich den vollständigen Nachnamen meines Unbekannten. Meine Augen weiteten sich überrascht, ehe ich mehrmals blinzelte.
 

“Du... bist Japaner?”, kam es unüberlegte und vermutlich ziemlich unhöflich über meine Lippen. Etwas lauter räusperte sich Noyn, sodass ich meine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte und deutlich sehen konnte, dass ich vollkommen die Etikette vergessen hatte. Daher sortierte ich mich schnell und atmete tiefer durch. “Entschuldigen Sie bitte, Mister Nagoya”, fand ich meine Professionalität wieder und deutete zum Sofa, damit er sich setzen konnte. Irgendwie war er der Bitte meines Bosses noch nicht gefolgt.
 

“Danke”, lächelte er und ging zu dem zugewiesenen Platz, doch er setzte sich erst nachdem ich auf dem Sessel ihm Gegenüber saß. Sein Verhalten war wirklich außergewöhnlich. Obwohl er genauso charmant war, wie auf dem Maskenball, so war noch etwas anderes an seiner Art. Nur kam ich nicht darauf, was es war. “Um auf die Frage zurück zu kommen”, begann er und kam damit uns anderen zuvor. “Ja... ich bin Japaner, Jeanne”, beantwortete er. Erneut überraschte er mich in diesem Moment. Er schien es gar nicht für unhöflich gehalten zu haben, als ich aussprach, was ich dachte. Es war schwer für mich, ihn richtig ein zu schätzen. Ich war mir echt nicht sicher, was in seinem Kopf vor sich gehen würde.
 


 

Sichtwechsel zu Mister N. / Mister Nagoya


 


 

Diese Frage musste ich einfach beantwortet. Auch wenn es recht forsch über ihre Lippen kam, so fand ich das eher niedlich als unhöflich. Sie hatte dem Impuls nachgegeben, ihre Neugier zu stillen und das machte sie nur noch interessanter. Dass ihr Boss scheinbar weniger begeistert war, ignorierte ich einfach gekonnt. “Schön, dass wir sie persönlich hier kennen lernen können”, kam es von dem Dunkelhaarigen.
 

“Da ihre Ablehnung recht rasch kam, war ich mir nicht sicher, ob sie einem Treffen mit mir alleine zugestimmt hätten”, erklärte ich offen und ehrlich zugleich, warum ich Henry, also Mister Smith darum bat, mit mir zum Termin zu kommen. Tatsächlich war ich ihm sehr dankbar dafür, dass er sich die Zeit genommen hatte.
 

“Bei Neukunden lehnen wir gewöhnlich die Anfragen über einen längeren Zeitraum direkt ab”, klärte Herr Claude mich auf und ich nickte etwas.
 

“Verständlich... und doch würde ich mich freuen, wenn ich euch beide umstimmen könnte”, entgegnete ich ihm. Immerhin verstand ich diesen Standpunkt gut und doch wollte ich Jeanne unbedingt an meiner Seite haben. Etwas war zwischen uns an dem Abend und ich wollte heraus finden, was es war. Denn sie ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf.
 

“Sie möchten also das Angebot beibehalten?”, hakte Mister Claude nach und nickte.
 

“Korrekt... ich besitze mehrere Hotels, Ferienwohnungen und Häuser. Einige von ihnen wollte ich bereisen, um nach dem Rechten zu sehen. Doch allein könnte ich einiges übersehen, was eventuell eine Unbeteiligte entdecken könnte”, begann ich und sah dabei zwischen Jeanne und ihrem Boss hin und her. In ihren Augen konnte ich durchaus Interesse erkennen. Das erleichterte mich ungemein und ich setzte fort. “Einige Geschäftspartner hatten mich zu ihren Galas ebenso eingeladen und das würde ich mit der Reise verbinden.”
 

“Das würde bedeuten, dass ihr von mir erwartet, ebenso die Räumlichkeiten an zu sehen und zu beurteilen?”, fragte Jeanne nach und einmal mehr merkte ich, dass sie ganz anders war, als alle anderen, denen ich zuvor begegnet war.
 

“Erst einmal... möchte ich per DU sprechen... Ich bin Chiaki”, entgegnete ich mit einem leichten Lächeln. Sie war eindeutig überrascht, denn sie blinzelte etwas und ich konnte sie schlucken sehen.
 

“Äh... wenn sie... natürlich du es möchtest”, sprach sie schließlich und atmete einmal durch. “Freut mich dich kennen zu lernen, Chiaki”, fügte sie an, ehe sie sich erneut vorstellte. Diesmal freundschaftlich und nicht so formell. Das gefiel mir um einiges mehr und nun verstand ich auch, was Henry meinte, als er mir sagte, dass sie besonders war. Unweigerlich erinnerte ich mich an unser Treffen, bei dem ich mich nach Jeanne erkundigte, denn er war das einzige Bindeglied zu ihr.
 


 

Rückblick vor 2 Wochen


 


 

Nach dem Maskenball konnte ich meine Tanzpartnerin einfach nicht vergessen. Erst dachte ich mir gar nichts dabei, aber je mehr Zeit verging, umso deutlich wurde es mir: Ich musste sie wiedersehen. Egal wie. Etwas hatte sie scheinbar in mir ausgelöst, doch was es war, konnte ich irgendwie nicht einordnen. Aus diesem Grund beschloss ich kurzerhand meinen Aufenthalt in Paris zu verlängern. Meinen Assistenten bat ich darum, all meine Termine erst einmal zu verschieben. Da ich selbstständig war, konnte ich zum Glück meine Arbeitszeiten anpassen, so wie ich es wollte und brauchte. Zwar wusste ich noch nicht, wann ich die Termine nach holen konnte, doch das war nicht relevant.
 

Denn meine oberste Priorität war einzig und allein SIE. Ich musste sie wieder sehen, doch wo ich meine Suche anfangen sollte, war mir erst nach einigen Tagen klar gewesen. Das Ehepaar Smith konnten mir bestimmt weiterhelfen. Da sie mit ihnen am Maskenball teilgenommen hatte, mussten sie wissen, wo sie war. Es hatte mich eine knappe Woche gekostet, um überhaupt einen Termin bei den beiden zu bekommen. Beide waren nämlich nicht im Lande und auf einer kleineren Geschäftsreise. Tatsächlich war ich ihnen hinterher gereist und war wahrlich erleichtert darüber, dass ich einen raschen Flug bekommen hatte, um nach London zu gelangen. Dort war das Ehepaar in einem ihrer kleineren Häuser.
 

Geschickt fuhr ich mit einem Mietwagen zu der Adresse, die sie mir beide genannt hatten. Das Haus war um einiges kleiner als die anderen, die ich von ihnen kannte. Tatsächlich kenne ich das Ehepaar fast über 10 Jahre und fand es eigenartig, dass sie mir nichts von ihrer Enkeltochter erzählt hatten. Das war ein weiterer Grund, warum ich mehr von ihr erfahren wollte. Es war fast schon zwanghaft, denn ich wollte meine erwachte Neugier stillen. Auf der Auffahrt konnte ich das Auto von Henry erkennen und parkte den Wagen am Straßenrand. Kaum war der Motor aus, schon stieg ich aus, nahm mein Handy mit und ging direkt zur Eingangstür. An dieser klingelte ich und wartete, bis sie geöffnet wurde.
 

“Chiaki!”, kam es freundlich von Henry und wir begrüßten einander mit einem Handschlag.
 

“Schön, dass ich herkommen durfte, Henry”, entgegnete ich ihm und er schmunzelte leicht, ehe er mich hinein bat und ich auch Lilly begrüßen konnte. Sie ließ es sich nicht nehmen, mich zu umarmen und an sich zu drücken.
 

“Schön dich wieder zu sehen”, kicherte sie doch tatsächlich und ich konnte nicht anders als zu schmunzeln.
 

“Ja... der Maskenball ist doch etwas länger her”, begann ich, während sie beide mir anboten mich zu setzen. Sie hatten bereits Tee und Kaffee, sowie Gebäck bereit gestellt.
 

“Wohl wahr... und was möchtest du nun wissen?”, fragte Lilly direkt, da sie es wohl aus meinem Mund hören wollte.
 

“Es hatte mich sehr überrascht... das erste Mal von eurer Enkeltochter zu erfahren”, kam ich gleich auf den Punkt. Durch meine Geschäfte hatte ich schnell gelernt, nicht um den heißen Brei zu sprechen. So auch hier.
 

Doch was sich vor mir abspielte, war eigenartig. Die beiden waren recht verschlossen und wollte mir zunächst nicht viel Preis geben. Aber ich kannte sie und wusste genau, dass ich einfach nur geduldig sein musste. “Versprich mir, dass du ein Gentleman bleibst, egal, was du gleich hören wirst”, kam es schließlich seufzend von Henry.
 

“Ich verspreche es!”, entgegnete ich, ohne darüber nach zu denken. In diesem Moment spürte ich, dass ich wohl nur so das erfahren könnte, was ich wissen wollte.
 

Es dauerte ein wenig, bis Lilly anfing zu erzählen. Dabei erfuhr ich, dass Jeanne für sie beide wie eine Enkeltochter war und nicht mit ihnen blutsverwand war. Verstehend nickte ich und so berichtete mit Henry, wie er SIE kennen gelernt hatte und je mehr sie sprachen, umso größer wurden meine Augen. Definitiv hatte ich damit nicht gerechnet. Dass mein kleiner blonder Engel in einem Begleitservice arbeitete. “Ihr wollt mir also sagen, dass man sie buchen kann, um Zeit mit ihr zu verbringen?”, fasste ich das Gehörte zusammen.
 

“So ist es... es klingt vielleicht komisch, aber Jeanne ist wirklich eine unglaubliche junge Frau”, lächelte Lilly und ich hörte nur zu deutlich den Stolz in ihrer Stimme. In mir erwachte eine Idee und leicht zuckte einer meiner Mundwinkel.
 

“Was geht dir durch den Kopf, Chiaki?”, wollte Henry wissen und ich blinzelte etwas.
 

“Nun... wenn ich sie buchen kann... dann sollte ich das tun”, antwortete ich und erntete gleich einen grimmigen Gesichtsausdruck. “Sieh mich nicht so an, Henry... du kennst mich... und seit dem Abend... geht sie mir nicht aus dem Kopf. Ich möchte sie kennen lernen und sehen, was das genau ist”, gestand ich ihm ehrlich und offen.
 

“Oh... ich wusste es... da war etwas zwischen euch”, strahlte Lilly und ich hob skeptisch eine Augenbraue.
 

“Ich würde lügen, aber ja... etwas war da... es war magisch auf der Tanzfläche und ich möchte sehen, ob es einzigartig war, oder eben nicht”, erklärte ich den beiden und Henry überlegte.
 

“Es könnte schwierig werde... aber... versprich mir, dass du in ihr den Menschen siehst und nicht ihren Beruf”, bat er mich und ich nickte zustimmend. Die Erleichterung konnte ich in seinem Gesicht ansehen. “Gut... ‘Solitary Rose’ ist die Agentur und diese ist in Paris ansässig. Noyn Claude ist der Chef... hier wären seine Kontaktdaten”, sprach Henry weiter und reichte mir die Karte. Der Name war eigenartig für einen Begleitservice, doch das sollte mich nicht stören.
 

“Ich danke dir, Henry”, lächelte ich ihn an und trank meinen Kaffee. Wir unterhielten uns noch ein wenig und ich würde später noch ihren Chef kontaktieren. Ich war froh, dass ich nun einen Schritt weiter war, um sie wieder zu finden.
 


 

Zurück zur Gegenwart


 


 

“Sie wollen also das Angebot für den Job aufrecht erhalten, Mister Nagoya?”, wurde ich von Noyn zurück aus meiner Erinnerung geholt.
 

“Bitte sagen Sie ebenso Chiaki... Mister Nagoya ist mein Vater”, meinte ich schmunzelnd, denn so alt war ich nicht. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass Jeanne sich die Hand vor den Mund hielt, um nicht zu lachen. Sie schien den gleichen Humor zu haben wie ich.
 

“Nun... es... ist ungewohnt”, kam es von Noyn und dem konnte ich zustimmen.
 

“Ich weiß... ein solcher Zeitraum ist lange... aber es würde mir helfen, einen neutralen Blick durch Jeanne zu haben”, merkte ich erneut an.
 

“Zudem verbürge ich mich für Chiaki”, ergriff nun Henry das Wort und es war für die beiden überraschend.
 

“Sie wollen das wirklich tun?”, hakte Noyn nach und Henry nickte sogleich.
 

“Natürlich... ich kenne Chiaki schon seit knapp 10 Jahren... er ein fleißiger junger Mann, der zwar gerne rebelliert, aber niemals etwas tut, was andere verletzt”, sprach er aus und meine Augen weiteten sich.
 

“Rebelliert?”, kam es flüsternd von Jeanne.
 

“Oh ja... genauso wie du gerne widersprichst”, amüsierte sich der Ältere und ich wandte meinen Blick zu ihr. Sie bekam rote Wangen und wirkte leicht verlegen.
 

“Verstehe”, räusperte sich Noyn und blickte zu seinem Tablet, ehe er zu ihr sah. “Was meinst du, Jeanne?”, wollte er von ihr wissen. Es überraschte mich, da es so aussah, als würde er sie entscheiden lassen.
 

“Hmmm, ich würde gerne mehr erfahren”, sprach sie aus und sah mich direkt an. Daher nickte ich leicht und begann sie über die Stopps auf zu klären, die ich unbedingt einlegen musste. Immerhin hatte ich einige Galaabende, die ich nicht so einfach verschieben konnte.
 

“Das wären die wichtigsten Reiseziele”, merkte ich noch an und sie nickte.
 

“Verstehe... es ist wirklich ein langer Zeitraum und wir kennen uns kaum”, hörte ich ihre Bedenken, denen ich durchaus zustimmen musste. “Wie wäre es... wenn wir eine Probephase einrichten... um zu sehen, ob wir miteinander auskommen”, schlug sie vor und ich blinzelte mehrmals.
 

“Probephase?”, hakte ich nach und war gerade verwundert, dass sie das von sich aus vorschlug. “Für wie lange hattest du diese Zeit angedacht, Jeanne?”
 

“Ich würde sagen... zwei Wochen wäre nicht verkehrt, damit wir uns etwas näher kennen lernen”, antwortete sie nach einigen Momenten und ich überlegte. Das klang nach einer vernünftigen Lösung, zwar müsste ich ein näheres Ziel als Start nehmen, aber das war halb so wild.
 

“Klingt gut für mich... also haben wir einen Deal für die Eingewöhnung und danach entscheidest du, ob du mich weiter begleitest?”, fragte ich sie und ließ sie dabei keine Sekunde aus den Augen. Sie war wirklich anders und besonders. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass sie mir eine Chance in dieser Form ein beräumen würde.
 

“So würde es laufen”, bestätigte sie meine Annahme und meine Mundwinkel zuckten.
 

“Einverstanden”, sagte ich und erhob mich, um dies mit einem Handschlag zu besiegeln. Zu meiner Überraschung zögerte sie nicht und schüttelte meine Hand.
 

“Gut, wenn ihr euch einig seid... ich werde den Vertrag nun ausdrucken mit der zweiwöchigen Klausel drin”, sprach Noyn und ich blickte zu ihm, ohne ihre Hand los zu lassen.
 

“In Ordnung”, entgegnete ich bestätigend. Normalerweise setzte ich die Verträge auf, doch in diesem Fall würde ich es definitiv ihm überlassen.
 

“Ich würde Sie, Chiaki, bitten, diesen gründlich durch zu lesen, zu unterschreiben und ihn so bald wie möglich an mich zurück schicken... immerhin wollten Sie bereits in einer Woche starten”, klärte er mich auf und ich musste zugeben, dass der Mann wirklich Stil hatte. Er kam meiner Bitte mit dem Vornamen nach, doch blieb nach wie vor beim Sie. Das musste ich vermutlich akzeptieren.
 

“Verstanden... ich werde diesen spätestens Montag früh bei ihnen vorbei bringen”, sprach ich aus und würde den Vertrag so schnell wie möglich lesen und unterzeichnen.
 

“Damit hätten wir das erst einmal besprochen... wobei eine Sache mir noch wichtig wäre”, kam es über seine Lippen. “Wir haben hier Prinzipien... sollte der Vertrag bis Mittwoch nicht unterschrieben bei mir sein, dann kommt dieser Deal nicht zu Stande!” Wie beiläufig er dies aussprach, ließ mich erkennen, dass er das vermutlich bei allen machte.
 

“Verstehe ich sehr gut... vielen Dank, Mister Claude und natürlich auch dir, Jeanne”, lächelte ich, als ich wieder zu ihr blickte. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich noch immer ihre Hand in meiner hielt und sie leicht schluckte. Noch einmal drückte ich diese und ließ sie los. Zwar widerwillig, doch ich musste sie wohl freigeben.
 

“Großartig”, bemerkte Henry und ich sah ihn dankend an. Ohne ihn wäre ich wohl nicht empfangen worden. Dessen war ich mir durchaus bewusst.
 

“Würdest... du mich noch darüber informieren, welchen Ort du zuerst besichtigen wollen würdest?”, hörte ich die bittende Stimme meines blonden Engels. Sogleich wandte ich mich ihr zu und nickte.
 

“Natürlich... sobald ich in meinem Appartement bin... würde ich dir die Informationen zuschicken... sofern ich deine Handynummer oder deine Mailadresse bekomme”, erklärte ich ihr und konnte nicht anders, als auf diese Weise nach ihren Kontaktdaten zu fragen.
 

“Sowas aber auch”, meinte sie und zog eine Augenbraue hoch. “Ist das die neue Art nach einer Nummer zu fragen?”, grinste sie mich leicht an und ich erkannte nur zu deutlich, dass sie sich darüber amüsierte.
 

“Vielleicht”, konterte ich und sah sie neugierig an. “Funktioniert es denn?”, hakte ich nach, doch sie schüttelte die den Kopf. “Ach komm... noch nicht mal ein bisschen?”, fügte ich mit Nachdruck an. Sogleich lachte sie und steckte damit nicht nur Henry an. Auch ich musste lachen und mir war sofort klar, dass wir beide sicher sehr gut miteinander aus kommen würden. Immerhin hatten wir noch eine Gemeinsamkeit und das war unser Humor und unsere Neckerei.
 

“Du bist echt unmöglich... aber ich will mal nicht so sein”, begann sie und einen Moment setzte mein Herz aus. Unbewusst hielt ich den Atem an, da ich wirklich dachte, ich würde nun ihre Nummer bekommen. “Gib mir deine Handynummer... und ich melde mich, sobald der Vertrag unterschrieben war”, setzte sie hinzu und wie von selbst entkam mir ein Seufzer.
 

“Das wäre wohl zu einfach gewesen”, schmunzelte ich und sie zwinkerte mir zu.
 

“Das wäre es... also...”, sprach sie aus und legte eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Einen Augenblick blinzelte ich und war unsicher, was sie wollte, ehe es mir wieder auf fiel.
 

“Natürlich... die Handynummer”, wiederholte ich meinen Gedanken und griff in meine Jackentasche, um eine Visitenkarte heraus zu holen. Diese reichte ich ihr und lächelte. “Melde dich, wann immer du willst”, musste ich einfach noch dazu sagen und erneut konnte ich sehen, wie ihre Wangen leicht rot wurden.
 

“Das werde ich...”, wisperte sie, bevor ein Räuspern unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
 

“Hier wäre der Vertrag”, kam es Noyn über die Lippen und er reichte mir die Papiere.
 

“Das ging schnell”, bemerkte ich und seine Mundwinkel zuckten leicht bei meinen Worten.
 

“So gehört es sich, wenn sie kommende Woche starten wollen”, entgegnete er und einmal mehr konnte man die Souveränität und Professionalität von ihm erkennen.
 

“Da haben Sie recht”, entgegnete ich und blickte zu dem mehrseitigen Vertrag. Es waren nicht nur zwei oder drei Seiten und das überraschte mich. Aber das ließ ich mir nicht anmerken und würde diesen in Ruhe durchgehen.
 

“Auf bald”, verabschiedete sich Jeanne von mir und wir schüttelten noch einmal die Hände, ehe sie Henry umarmte und ihn darum bat Lilly zu grüßen. Wie sie mit ihm umging war unglaublich und ich freute mich für das Ehepaar, dass sie in ihr so etwas wie eine Enkelin gefunden hatten.
 

“Bis bald”, zwinkerte ich ihr noch zu und verließ mit Henry schließlich das Büro und danach das Gebäude.

Ja oder Nein?

Sichtwechsel zu Maron / Jeanne


 


 

Kaum war Henry mit Chiaki aus der Tür getreten, starrte ich diese einen Moment an. Noch immer konnte ich nicht fassen, was so eben passiert war. Er hatte mich doch tatsächlich gefunden. Mein Mister Unbekannt. Schnell schüttelte ich meinen Kopf, um den Gedanken los zu werden. Denn er war ersten nicht mein, zweitens nicht mehr unbekannt und drittens nun mein nächster Kunde. Mit dem ich erst einmal für zwei Wochen unterwegs sein würde, sofern er den Vertrag unterschreibt. “Nun... das kam unerwartet”, holte mich Noyn zurück ins Hier und Jetzt.
 

“Absolut”, brachte ich nur hervor und atmete einmal tiefer durch. So langsam sickerten die Geschehnisse der letzten Minuten in mein Gehirn durch.
 

“Wie fühlst du dich?”, wollte er wissen, als ich zu ihm rüber gesehen hatte. Direkt konnte ich Besorgnis in seinen Augen sehen, aber auch noch etwas anderes.
 

“Ist es komisch, wenn ich sage, dass ich mich erleichtert und gut fühle?”, entgegnete ich mit einer Gegenfrage und seine Mundwinkel zuckten ein wenig dabei.
 

“Erklär es mir”, bat er mich, da er mal wieder sehr darauf bedacht war, dass ich mich mit dem Job jetzt schon wohl fühlen könnte.
 

“Nun... erleichtert, weil ich ihm schonmal begegnet war und dass Henry ihn gut zu kennen scheint”, begann ich und begriff gerade, dass er ihm wohl bewusst war, ich wäre nicht die Enkeltochter von dem Ehepaar Smith. Dieser Umstand verunsicherte mich ein wenig. “Dadurch fühl ich mich gut... und denke... es könnte funktionieren und es wäre eine große Chance für mich”, fügte ich ehrlich hinzu.
 

“Stimmt... es wäre eine sehr gute Chance für dich”, kam es nachdenklich von Noyn.
 

“Deshalb... würde ich es gerne versuchen. Wenn die zwei Wochen gut klappen, traue ich mir den Rest ebenso zu”, lächelte ich ihn nun zuversichtlicher an.
 

“Nichts anderes hätte ich von dir erwartet... du hast dein Wort für die zwei Wochen gegeben”, meinte er und tippte auf seinem Tablet, ehe er mich wieder ansah. “Versuche es... du kannst jederzeit anrufen, sollte er... aufdringlich oder komisch sein”, merkte er noch einmal an, wie sonst auch.
 

“Das weiß ich, Boss”, zwinkerte ich ihm zu und war froh, dass er mir die Chance nicht verwehrte. Vermutlich war er auch beruhigter durch Mister Smiths Aussage.
 

“Gut... dann warten wir auf die Unterschrift”, meinte er und erhob sich, um mich zur Tür zu begleiten. “Denkst du noch daran dich richtig vor zu bereiten, sollte es nächste Woche bei dir los gehen”, erinnerte er mich und ich verdrehte nur die Augen bei der Aussage.
 

“Wie immer... ich nehme meine Arbeit ernst”, konterte ich grinsend und verabschiedete mich von ihm, bevor ich das Büro verließ und wenig später das Gebäude.
 

Draußen wurde ich von der kühlen Aprilluft in Empfang genommen. Es tat mir sehr gut, um meine Gedanken zu klären. Geschickt hatte ich mein Handy heraus genommen und schrieb meinen Freundinnen eine Nachricht. Rosalie war die Erste, die darauf reagierte: ‘Was?! Dein Tanzpartner hat dich gebucht?’ Bei dieser Frage musste ich schmunzeln und lachte sofort los, da auch Amélie etwas Ähnliches geschrieben hatte.
 

‘Habt ihr Zeit später zu telefonieren?’, schrieb ich ihnen mit einem Schmunzeln, denn das würde die Sache etwas vereinfachen. Zwar waren beide bereits mit ihren ‘Kunden’ unterwegs, doch diesmal waren sie nicht auf hoher See. Demnach konnten wir jederzeit mit einander sprechen.
 

‘Klar, nach 18 Uhr könnte ich’, kam es von Amélie.
 

‘Bin bis 19 Uhr erreichbar... danach will Raphael mit mir essen gehen’, antwortete Rosalie. Damit war das klar.
 

‘Dann rufe ich nach 18 Uhr durch’, beschloss ich und war mir sicher, dass wir das Gespräch locker bis 19 Uhr durch hätten. So wie ich meine süße kleine Rose kannte, würde sie sich während des Telefonats anziehen und schminken. Sie war wahrlich ein Talent des Multitaskings.
 

Nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, steckte ich mein Handy weg und begab mich zur Metro, um mit dieser einige Stationen zu fahren. Eine Haltestelle früher stieg ich aus, um noch in einen Supermarkt zu gelangen. Dort nahm ich mir einen Einkaufkorb und ging durch die Regale. Etwas Obst und Gemüse nahm ich mir auf alle Fälle mit und eben einen Salatkopf. Gerne machte ich mir Salat, auch einen Obstsalat mit einigen Wallnüssen und etwas Honig darin. Das schmeckte, war mehr als nahrhaft und war ganz leicht. Natürlich packte ich noch meine Lieblingsschokolade und Chips ein, denn das war ein Muss für einen schönen Filmabend.
 

Während ich an der Kasse warten musste, wanderten meine Gedanken mal wieder hin und her und ich überlegte, wieso Mister Nagoya ausgerechnet mich für solch einen Zeitraum wollte. Wir kannten uns doch gar nicht. Irgendwas schien zwischen uns zu sein, denn in seiner Nähe vergaß ich jedes Mal alles andere. Das war schon mehr als eigenartig und absolut ungewohnt für mich. Weil ich vor allem das Gefühl habe, dass er mich Dinge tun lässt, die ich normalerweise nicht machen würde. Wie zum Beispiel solch ein Angebot an zu nehmen. Eigentlich hätte ich das streng ab gelehnt und hätte erst einige Buchungen mit ihm verbracht, ehe ich es ansatzweise in Betracht gezogen hätte für Monate mit ihm unterwegs zu sein.
 

Unsicherheit keimte in mir auf und wie von selbst biss ich mir auf die Unterlippe. Die Frage war also: Wieso hatte ich zugestimmt? Ehrlich gesagt konnte ich das nicht genau sagen. In dem Moment hatte ich nicht lange überlegt. Als mir Noyn sagte, dass Mister Smith ihn kannte, hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt die zwei Wochen ein zu räumen. Spätestens als ER mir gegenüberstand, war es beschlossene Sache gewesen. Doch einfach so nachgeben war nicht meine Art, weshalb ich mehr wissen wollte. Mit jedem Wort wurde mein Entschluss gefestigt und ich willigte unter dieser Bedingung ein. Nun war ich gespannt, ob er die Konditionen so annehmen würde.
 

Aber eines war mir klar. Meine besten Freundinnen würden mich sicher für verrückt halten, da ich meine Vorsicht über Bord geworfen hatte. Obwohl beide schon Fans von ihm waren. Wobei ein Abend mit jemanden zu verbringen war noch normal, doch es war eine ganz andere Hausnummer tagelang, gar monatelang mit demjenigen unterwegs zu sein. Es war wahrlich verwirrend für mich und ich hoffte sehr, dass Rosalie und Amélie mir helfen könnten, mein Wirrwarr zu ordnen und auch zu entschlüsseln. Darin waren sie wahre Meister mittlerweile. Sie kannten mich in und auswendig. Genauso wie ich sie. Wir konnten schon immer uns gegenseitig dabei helfen den Fokus auf das Wesentliche zu lenken.
 

Zeitgleich würde ich das Gespräch nutzen, um heraus zu finden, ob sie bei ihren Jungs schon einen Schritt weiter waren. Mit diesem Vorsatz bezahlte ich meine Einkäufe, räumte sie in zwei Tüten und verließ den Supermarkt. Drei Straßen weiter war bereits mein Wohnblock. Darin verschwand ich schnell und kam in meiner Wohnung an. Direkt stellte ich alles auf dem Küchentisch ab und eilte ins Schlafzimmer. Ich musste mir einfach etwas Bequemes anziehen. In einem weiten Shirt und einer Jogginghose kehrte ich zurück in die Küche. Als erstes ließ ich mir einen Kaffee durchlaufen, während ich die Einkäufe sortierte. Das was ich nicht gleich essen würde, landete im Kühlschrank oder Oberschrank.
 

Diesmal würde ich mir einen leckeren Obstsalat machen. Ehe ich damit anfing, blickte ich noch einmal zur Uhr und lächelte. Ich hatte noch knappe drei Stunden, bis ich meine Freundinnen anrufen würde. Genau richtig, um etwas zu essen und sogar einen Film zu sehen. Die Entspannung würde mir gut tun, damit ich nachher kein wirres Zeug reden würde. Wobei es sich für die beiden genauso anhören könnte. Immerhin hatte ich das Angebot eines Wildfremden angenommen. Na gut... er war nun nicht mehr fremd... aber wild ganz bestimmt. Das sagte mir mein Bauchgefühl und irgendwie wollte ich wissen, wie wild er sein könnte.
 

Noch bevor meine Gedanken ganz weit weg driften würden, nippte ich an meinem Kaffee und machte den Salat fertig. Mit beidem bewaffnet ging ich ins Wohnzimmer und machte es mir auf dem Sofa gemütlich. Dabei zappte ich etwas herum und blieb an einer Serie hängen. Schmunzelnd betrachtete ich die Szenen und musste sogar zwischen drin lachen. Es war eine typische Romantikkomödie, aber auch etwas Drama schien darin vorkommen. Daher sah ich nach dem Titel und lachte sofort los. ‘Braut Widerwillen’ hieß die Serie und passte perfekt auf das Gesehene. Schnell hatte ich im Handy nachgesehen und erfahren, dass es wohl mehrere Staffeln gab. Vermutlich würde ich mich später mehr darüber informieren, denn mein Interesse war geweckt.
 

Als es Zeit wurde zu telefonierte, stellte ich den Fernseher aus, ging in die Küche und machte mir noch einen Kaffee fertig. Während die schwarze Brühe durchlief, holte ich mein Handy heraus und rief meine Freundinnen an. Es dauerte ein paar Momente, bis beide rangingen. “Hallo, Maron”, erklang es im Chor von den beiden.
 

“Hallo ihr beiden... wo seid ihr denn momentan?”, fragte ich sie beide neugierig und wollte das Gespräch mit etwas Leichterem beginnen.
 

“Also ich bin in London”, sagte Amélie und ich hörte ihr Lächeln heraus.
 

“Und ich bin in Bordeaux, jedoch fliegen wir am Montag nach Rom”, kam es von Rosalie und lächelnd unterhielten wir uns über das Wetter.
 

“Prima... dann habt ihr mit euren Jungs schon was erlebt, oder?”, wollte ich wissen und beide lachten leise.
 

Beide bejahten dies und erzählten mir von ihren Tagen. Tatsächlich konnte Rosalie schon etwas mit Raphael sprechen, doch mehr Zeit würden sie in Rom haben. Denn er würde dort erst einmal mit ihr Urlaub machen, bevor seine Geschäftsreise weiter gehen würde. Bei Amélie war es wohl schwerer. Doch sie würde ihre Chance bekommen, sobald sie weiter reisen würden, denn da hätte ihr Begleiter drei Tage frei. Sie hoffte darauf, danach mit ihm in Ruhe sprechen zu können. “So und wie war das nun bei dir? Dein unbekannter Tanzpartner ist also der neue Kunde?”, kam sie nun auf den Punkt.
 

“Ja... so könnte man das sagen”, erzählte ich den beiden und wurde irgendwie verlegen dabei. Wir sprachen noch darüber, ob meine Entscheidung richtig wäre. Beide waren der Meinung, dass es genau richtig war.
 

“Du machst es genau richtig, Maron”, war Amélies Ansicht.
 

“Und es ist toll, dass er dir das Du angeboten hatte. Damit sieht er in dir eine Begleitung auf Augenhöhe... genau wie er es gesagt hatte, will er deine Meinung dazu hören. Das wäre definitiv gut für die Zukunft. Immerhin wäre es nicht verkehrt Erfahrungen zu sammeln, bevor du arbeitetest”, kam Rosalie auf den Punkt.
 

“Stimmt... von dem Standpunkt ausgesehen, ist es dir perfekte Chance. Also, wenn die zwei Wochen gut gehen, werde ich den Job auch durchziehen”, beschloss ich und war meinen Freundinnen sehr dankbar dafür, dass sie alles auf den Punkt gebracht hatten. Einmal mehr war mir bewusst, dass ich mich jederzeit auf sie verlassen konnte.
 

“Gute Idee”, sagten sie zeitgleich und wir quatschten noch ein wenig, ehe Rosalie auflegte, da sie los musste. Nur kurze Zeit später verabschiedete sich auch Amélie von mir und ich lächelte, als ich auflegte. Jetzt hieß es nur noch Abwarten und Tee trinken, bis mein möglicher Kunde den Vertrag unterschrieben an Noyn zukommen lassen würde.
 


 

Den Sonntag verbrachte ich gemütlich auf dem Sofa und machte einen Relaxtag. Erst am Montag kümmerte ich mich um meine Angelegenheiten. Zunächst räumte ich meine Wohnung auf und putzte die Küche, aber auch das Bad. Die Wäsche machte sich auch nicht von alleine, weshalb ich das auch gleich erledigte. Dabei kontrollierte ich meine Sachen und sortierte schonmal vor. Ich wollte sehen, ob ich noch etwas kaufen müsste. Für den Fall, dass ich mit ihm auf die ‘Weltreise’ gehen würde, wollte ich eben vorbereitet sein. Obwohl es sich unwirklich anfühlte, so freute ich mich darauf und hoffte sehr, dass er den Vertrag so akzeptieren würde, wie dieser war.
 

Je länger die Zeit verstrich, umso nervöser wurde ich. Noch hatte keine Nachricht von Noyn und demnach war ich etwas unkonzentriert. Meine Gedanken fuhren ein wenig Achterbahn und ich versuchte dennoch alles hin zu bekommen. Im Endeffekt war es egal, ob er mich unter den Bedingungen buchen würde oder nicht. Zumindest redete ich mir das alles so ein, denn die Wahrheit war: Ich wollte ihn kennen lernen. Denn ich erwischte mich immer wieder bei dem Gedanken, dass ich mehr erfahren wollte. Von den Objekten, die er besaß und die wir besichtigen würden. Das würde mir sicher in meinem späteren Beruf sehr zu Gute kommen. Aber ehrlich gesagt reizte es mich mehr, alles über ihn heraus zu finden.
 

Wie er die Welt bereiste, wie er schlussendlich lebte und wer er wirklich war. Ich wollte hinter seine Maskerade kommen, die ich bereits auf dem Ball erkennen konnte. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass alle Menschen eine Fassade nach außen hin trugen. Geschäftsmänner waren knallhart und wirkten in vielen Situationen skrupellos, aber in Wahrheit waren sie liebevoll und äußerst kluge Männer. Gleiches galt im Übrigen auch für Businessfrauen. Da waren die Geschlechterrollen fast identisch. Wobei die Damen deutlich kälter waren, sobald sie mit Herren zu tun hatte. Vermutlich um sich selbst zu schützen. All das konnte ich bereits auf den Veranstaltungen bemerkten und doch war ich jedes Mal auf das Neue fasziniert darüber.
 

Meine Neugier war durchaus geweckt und immens groß. Es war fast so wie ein Zwang. Definitiv wollte ich mehr von meinem Mister Unbekannt erfahren. Nein... er war nicht mehr unbekannt. Seinen Namen kannte ich nun: Chiaki Nagoya. Ich musste heraus finden wie er wirklich war, weshalb ich innigst hoffte, er würde sich auf den Deal einlassen. Nervös sah ich immer wieder zur Uhr und auf mein Handy. Die Hausarbeit war getan und nichts konnte mich gerade ablenken. Innerlich überlegte ich sogar, ihn zu kontaktieren und zu fragen, ob er den Vertrag unterschrieben hatte. Aber ich hielt mich davon ab. Immerhin würde ich damit eine meiner Regeln brechen. Der Kontakt mit dem Kunden direkt, erfolgte erst nach der Unterzeichnung des Vertrages.
 

Erneut wanderte mein Blick zur Uhr. Wieso ich mich gerade so fühlte, als würde ich auf heißen Kohlen sitzen, war mich nicht wirklich bewusst. Auch wenn eine kleine innere Stimme mir den Grund dafür immer wieder zuflüsterte. Aber auf sie hören würde ich sicher nicht. Es wäre viel zu früh, das alles auf diese Weise zu betrachten. Es war mehr als absurd, wenn man bedachte, dass er mein künftiger Kunde werden würde und ich niemals mit meinen Kunden etwas anfangen würde. Leise seufzte ich und knabberte an meiner Unterlippe. Was tue ich nur, wenn er nicht unterzeichnet? Schreibe ich ihn dennoch an? Will ich ihn privat kennen lernen? Auch auf die Gefahr hin mein Herz zu verlieren?
 

Fragen über Fragen hallten in meinem Kopf wider und schwerer entkam mir ein Seufzen. In dem Moment wusste ich gar keine passenden Antworten darauf. Vermutlich würde ich es wie sonst auch tun, es darauf ankommen lassen, wie ich agiere, sobald etwas passieren oder anstehen würde. Um mich irgendwie ab zu lenken, fing ich an mit Nudeln zu kochen. Dazu würde ich etwas Gemüse machen und eine leichte Soße. Gedankenverloren werkelte ich in meiner Küche und ließ wieder alle möglichen Situationen mir durch den Kopf gehen. Es war wie verhext, wie ich mich gerade benahm. Normalerweise wäre es mir egal, ob ich gebucht werden würde. Doch wegen IHM war alles anders. Warum zum Teufel interessierte ich mich so sehr für ihn?
 

Aber weitere Gedanken konnte ich mir nicht machen, denn mein Handy kündigte einen Anruf an. Schnell fischte ich dieses aus der Hosentasche und ging sofort ran, als ich sah, dass es Noyn war. “Hey, Boss”, grüßte ich ihn und schluckte einmal, da ich das Gefühl hatte, dass meine Kehle absolut trocken war.
 

“Hey, Maron... entschuldige, dass ich erst jetzt dazu komme, dich an zu rufen, aber wir hatten ein kleines Problem mit dem Server”, seufzte er und wie von selbst benetzte ich meine Lippen, während ich wartete, ob er weiter sprach. Jedoch tat er das nicht.
 

“Kein Problem... hast du Neuigkeiten für mich?”, fragte ich so normal wie möglich nach. Immerhin hämmerte ihr Herz so laut, dass sie sorge hatte, Noyn würde es über das Telefon hören können.
 

“In der Tat... Mister Nagoya hat den Vertrag unterschrieben und sogar persönlich vorbei gebracht. Eine Version für dich schicke ich dir gleich per Mail zu, nachdem es endlich funktioniert...”, antwortete er und sprach einfach weiter. Mein Gehirn nahm alles weitere nicht mehr auf, da ich begriff, dass Chiaki den Vertrag unterzeichnet hatte. Somit konnte ich ihn gleich problemlos kontaktieren und das freute mich ungemein. “Also werden wir alles weitere später bereden?”, hörte ich Noyn auf der anderen Leitung.
 

“Ähm...”, entkam es mir verwirrt, weil ich ihm nicht zu gehört hatte.
 

“Wo warst du schon wieder mit deinen Gedanken, Maron?”, tadelte er mich, aber irgendwie konnte ich ein Lachen in seiner Stimme heraus hören.
 

“Nun... ich hatte gerade überlegt, was ich noch in Erfahrung bringen müsste, ehe ich den Job antreten würde”, erklärte ich ihm. Dass dies nur zum Teil der Wahrheit entsprach, musste er nicht unbedingt wissen. Denn auf eine Predigt seinerseits hatte ich Absolut keine Lust. Ich war viel zu aufgeregt dazu.
 

“Scheinbar warst du doch noch nicht so weit weg mit deinen Gedanken”, lachte er und ich war mehr als froh darüber, dass er nicht sehen konnte, wie rot meine Wangen wurden.
 

“Ja... ähm... also”, stotterte ich und er erklärte mir noch einmal, dass er eine Liste mit Fragen mir per Mail zuschicken würde. Da auch er zu gerne wusste, wo wir uns während des Auftrages aufhalten würden. Das war eine Sache der Sicherheit, wie er es gerne nannte. Tatsächlich verstand ich ihn in diesem Punkt und versprach ihm, die Antworten so schnell wie möglich zu kommen zu lassen. Erst nachdem alles geklärt war, legte ich auf und freute mich sichtlich über diese positive Nachricht. Irgendwie fiel mir sogar ein Stein vom Herzen, denn nun konnte ich Chiaki kennen lernen und auch etwas über Inneneinrichtung und Standort der Objekte erfahren.
 

Nur wenig später erhielt ich die Mail mit den Fragen und im Anhang befand sich der unterschriebene Vertrag. Sogleich eilte ich zu meiner Tasche und holte die Visitenkarte von ihm heraus, um ihn an zu schreiben. Einen Moment überlegte ich, wie ich die Nachricht verfassen sollte, ehe meine Finger über die Tastaturfelder flogen. Jetzt würde ich mich darum kümmern, nähere Infos zu der geplanten Reise heraus zu finden und danach würde ich alles weitere mit Noyn klären. Allen voran das Packen würde meine oberste Priorität sein.

Der Start: Marseille

Während ich auf eine Antwort von Chiaki wartete, tippte ich mit dem Finger gegen den Bildschirm des Handys, damit dieser sich nicht aus machen konnte. Tatsächlich war ich sehr nervös, ob und vor allem wann er mir antworten würde. Plötzlich hörte ich etwas zischen und zuckte zusammen. “Fuck... meine Nudeln!”, entkam es mir und hastig packte ich mein Handy weg, ehe ich zur Küche lief, um den Topf mit dem Nudelwasser zur Seite zu schieben. Erleichtert atmete ich durch und wischte schnell das überkochende Wasser weg, damit es nicht weiter auf der Herdplatte einbrennen konnte.
 

Als mein Handy eine Nachricht ankündigte, erschrak ich kurz und fischte nach meinem Handy, welches in meiner Hosentasche war. Ein Lächeln huschte über meine Lippen, da ich eine Nachricht von Chiaki erhalten hatte. Direkt öffnete ich diese und überflog die Zeilen regelrecht: ‘Hey Jeanne... endlich habe ich deine Nummer... zu deiner Frage... wir starten in Marseille... der Flug würde am Samstagvormittag gehen... genaue Daten lasse ich dir gleich zu kommen. Alles weitere... würde ich gerne persönlich mit dir durchgehen... dafür eignen sich die zwei Wochen in Marseille perfekt. Ich habe dort zwei Ferienwohnungen und ein drei Sternehotel, welche ich gerne unter die Lupe nehmen wollte. Wollen wir das telefonisch besprechen, da es sonst zu viel Text wäre? Gruß Chiaki.’
 

Einige Augenblicke überlegte ich und ging noch einmal seine Worte durch. Tatsächlich hatte er recht mit seiner Annahme. Es wäre einfacher die Details persönlich zu klären. Weshalb ich kurzerhand ihm eine Antwort zukommen ließ: ‘Telefonieren hört sich richtig an... ich koche gerade, doch danach habe ich Zeit, wie sieht es bei dir aus?’
 

Es dauerte nicht lange, bis er zurück schrieb: ‘Ich bin noch knapp zwei Stunden mit der Arbeit beschäftig... also in knapp drei Stunden hätte ich Zeit.’
 

‘Perfekt... ruf an, sobald du Zeit hast’, entgegnete ich und war froh, dass ich in Ruhe mein Essen fertig machen konnte.
 

‘Das werde ich, Jeanne’, kam es noch von ihm und irgendwie trieb mir dieser eine Satz die Röte in mein Gesicht. Erschaudernd blinzelte ich und biss mir auf die Unterlippe. Dieser Satz klang wie ein Versprechen und das nicht nur auf den Anruf bezogen. Wie von selbst schluckte ich schwerer und schüttelte einmal meinen Gedanken ab.
 

Sogleich legte ich mein Handy weg und kümmerte mich darum, meine Nudeln fertig zu machen. Zum Glück waren sie nicht verkocht und ich konnte sie nutzen. Schnell hatte ich eine Soße fertig gemacht und ein wenig Gemüse in einem Topf angedünstet. Dabei lächelte ich immer wieder vor mich hin, denn ich freute mich darauf, seine tiefe Stimme später zu hören. Das könnte wahrlich noch interessant werden. Nachdem ich alles aus gemacht hatte, schrieb ich meinen Freundinnen, dass mein Mister Unbekannt den Vertrag unterschrieben hatte und wir später telefonieren würden. Beide wollten danach unbedingt ein Bericht von mir haben. Amüsiert lachte ich und stimmte dem direkt zu.
 

Doch ich würde eins nach dem anderen angehen. Erst das Essen genießen, danach etwas aufräumen und schlussendlich mit ihm telefonieren. Ich war sehr gespannt auf das Gespräch und beschloss Noyn eine kurze Nachricht zu schicken. Darin beschrieb ich ihm in kurzen Zügen, was ich bereits mit Mister Nagoya besprochen hatte. Genau wie bei den anderen Kunden, ließ ich meine privaten Angelegenheiten außen vor. Denn Noyn musste nicht alle Details wissen. Nur das Wichtigste teilte ich mit ihm und erwähnte, dass ich wie gewohnt alle drei Tage kurze Rückmeldungen geben würde und den Ablauf der nächsten Monate ihm zukommen lassen würde, sobald diese besprochen waren.
 

Zufrieden mit der Antwort meines Bosses grinste ich und füllte mir mein Essen auf, um dieses im Wohnzimmer zu genießen. Natürlich nahm ich mein Handy mit rüber und ebenso eine Flasche mit Apfelsaft. Da ich gerne zum Essen etwas süßes trank, war das absolut perfekt in meinen Augen. Das Handy legte ich auf dem Couchtisch ab und machte es mir auf dem Sofa bequem. Dabei zappte ich durch die Kanäle und blieb erneut bei der Serie vom letzten Mal hängen. Sie hatte mein Interesse geweckt und ich würde mir die vorherigen Staffeln ebenso ansehen. Soviel stand bereits fest. Lachend musste ich immer wieder meinen Kopf schütteln, denn das war wirklich zu komisch, wie blöd sie aneinander reden konnten, obwohl sie weit aus mehr für einander empfanden.
 

Noch bevor ich mich weiter in die Serie vertiefen konnte, klingelte mein Handy und ich blinzelte. Sogleich nahm ich es zur Hand und sah nach, wer es war. Meine Augen weiteten sich, da ich seinen Namen darauf erblickte. Einmal schluckte ich und benetzte meine Lippen wie von selbst. Danach ging ich ran. “So früh habe ich noch nicht mit dir gerechnet”, erklärte ich und hörte sofort sein tiefes Lachen.
 

“Das dachte ich mir, doch... ich hatte Hoffnung, dass du schon früher konntest”, kam es amüsiert über seine Lippen.
 

“Deine Hoffnung hat dich nicht getrübt... ich bin bereit”, entgegnete ich ihm und lehnte mich dabei zurück. Meine Füße hob ich auf das Sofa, um es mir bequem zu machen. Sogleich machte ich den Lautsprecher an und öffnete meine Notizapp, wo ich alles notierte, was notwendig war.
 

“Großartig... ich freue mich, dass es wirklich geklappt hat”, begann er schließlich und einmal mehr merkte ich, wie meine Wangen rot wurden. Er wusste wirklich, auf welche Weise er mich in Verlegenheit bringen konnte. Ob nun bewusst oder unbewusst, ist vollkommen egal in diesem Moment.
 

“Ich war mir nicht sicher, ob du unterschreiben würdest”, gestand ich und er lachte erneut.
 

“Wieso?”, wollte er amüsiert wissen.
 

“Der Vertrag ist nicht ohne mit den Extraklauseln... viele schreckt es ab”, antwortete ich ihm und ich konnte ein Schmunzeln aus seiner Stimme heraus hören.
 

“Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber mich schreckt sowas einfaches nicht ab. Es fordert mich eher heraus”, kam es vom anderen Ende der Leitung.
 

“Du magst wohl die Herausforderung?”, kicherte ich und er stimmte dem sofort zu.
 

“Oh ja... denn nur so konnte man dazu lernen”, erklärte er und so sprachen wir über die Zeit, die er sich für Marseille ausgedacht hatte. “Wir werden auch die Umgebung der Hotels und Ferienwohnungen unter die Lupe nehmen, da ich gerne auf dem neusten Stand bin, was man alles erleben könnte”, sprach er weiter und ich verstand durchaus, warum er das machte. Es war wichtig, damit man die Objekte richtig zuordnen und einschätzen konnte. Viele Faktoren erhöhten den Preis und auch den Wohlfühlfaktor.
 

“Verstehe... dann zeigst du mir in Marseille, worauf ich achten sollte bei den künftigen Zielen?”
 

“Korrekt... aber wir vergessen dabei nicht, dass wir uns trotz allem ebenso etwas Erholung gönnen sollten. Zudem wäre es gut, wenn du mir helfen kannst, heraus zu finden, ob es preiswerter gestaltet werden könnte. Sowohl bei dem Essen als auch der Einrichtung.”
 

“Du meinst... günstig genug, aber doch hoch qualitativ?”, wollte ich wissen und ein Pfeifen war zu hören.
 

“Ich sehe schon... ich habe die Richtige gefunden”, sprach er anerkennend aus und dieses Lob nahm ich nur zu gerne an.
 

“Gut... und die Veranstaltungen? Sind das eher Partys oder Charitys?”, hakte ich nach, da ich auf diese Weise erfahren wollte, was ich einpacken sollte.
 

“Sowohl als auch”, entgegnete er mir. “Aber mach dir keine Sorge um die Garderobe... die benötigten Abendkleider werden wir direkt vor Ort shoppen. Demnach pack nur Privatkleidung ein für den Alltag. Eventuell Badesachen, falls du an den Strand möchtest oder eben an den Pool”, erklärte er weiter und ich nickte verstehen.
 

“Alles klar... dann weiß ich das Wichtigste für den Moment und den Rest besprechen wir in Marseille?”, fragte ich nach.
 

“Genau... die genaue Reiseroute müsste ich noch erarbeiten, aber ich denke, das sollten wir in den ersten Tagen hinbekommen”, kam es von ihm und es gefiel mir tatsächlich, dass er so offen und direkt war. Ich war mir sicher, dass wir beide keinerlei Probleme gemeinsam haben würden.
 

“Sollte ich noch etwas wissen? Eventuelle Allergien?”
 

“Ähm... nein... keine Allergien bei mir... bei dir?”, stellte er die Gegenfrage. Sofort verneinte ich. “Gut... ach, bevor ich es doch noch vergesse. Mein persönlicher Assistent und seine Frau begleiten uns auf der Reise, da sie mir immer bei der Zusammenfassung und den Berichten helfen.”
 

“Oh... ich verstehe... und... wer bin ich für sie?”, musste ich meine hervor gesehene Rolle genauer definieren. Immerhin sollte er durch mich keinen Schaden erhalten. In der Geschäftswelt sah man Escort fast täglich, doch nicht bei allen war es gern gesehen.
 

“Mach dir um die beiden keine Sorgen. Sie sind meine besten Freunde seit Schulzeit... und wissen, dass ich dich für deine Zeit bezahle... alles andere kannst du ihnen erzählen, musst du aber nicht”, sprach er aus und ich blinzelte leicht. Dass er mir die Wahl ließ zu entscheiden, meinen Beruf den beiden zu offenbaren oder nicht, war ungewohnt.
 

“Verstehe... dann werde ich das spontan entscheiden”, beschloss ich und war mir noch nicht sicher, ob ich den beiden das offenbaren konnte oder nicht. Eins war klar, die Leute reagierten anders, sobald sie von meinem Beruf erfuhren. Daher wollte ich sie erst kennen lernen, um sie richtig ein schätzen zu können.
 

“Das ist ein guter Entschluss”, bestärkte er mich. “Sollen wir uns am Flughafen treffen, oder darf ich dich abholen?”, stellte er mir die entscheidende Frage. Meine Augen weiteten sich, ehe ich begriff, dass er wahrlich geschickt darin war, etwas heraus zu finden, was ich normalerweise nicht Preis geben würde.
 

“Das... entscheide ich am Freitag und lasse es dich wissen”, antwortete ich geschickt und hörte erneut sein Lachen. Es klang wundervoll tief und absolut ehrlich.
 

“Entschuldige... ich muss es einfach versuchen”, sagte er und nun war ich es, die lachte.
 

“Das war mir klar... also denk daran, mir die Daten für den Flug zu schicken und ich melde mich Freitag, wie wir es genau machen”, verabschiedete ich mich von ihm.
 

“So machen wir das... ich freu mich, Jeanne... bis Samstag”, sprach er, ehe ich dies erwiderte und wir auflegten.
 

Nur zwei Minuten später erhielt ich eine Nachricht mit den erforderlichen Daten und der genauen Uhrzeit. Während ich Noyn die Daten zuschickte und noch einmal die Bestätigung, dass wir zwei Wochen in der Stadt im Süden Frankreichs bleiben würden, überlegte ich, was schlauer wäre. Der Flug würde um 10:45 Uhr gehen. Bedeutet, ich müsste gegen 8 Uhr am Flughafen sein. Was wäre schlauer?, überlegte ich mir, da ich von mir aus etwa eine Stunde hin brauchen würde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber... könnte ich riskieren, dass er mich abholen würde?, kam mir der nächste Gedanke und ich gönnte mir noch einen Schluck von meinem Saft.
 

Da mir keine Antworten einfielen, beschloss ich erst einmal meine beste Freundinnen an zu schreiben und fragte sie direkt um Rat. Beide kannten mich sehr gut und konnten mir sicher helfen, einen klaren Gedanken zu fassen. Mein Handy legte ich auf den Tisch und brachte schnell mein Geschirr in die Küche, um dieses in den Geschirrspüler zu stellen. Gleich darauf machte ich mir noch einen Kaffee und nippte genüsslich an dem Becher. Die schwarze Brühe schaffte es immer wieder mir ein gutes Gefühl zu geben. Einen Moment lehnte ich mich an die Arbeitsplatte und trank ein wenig meinen Kaffee. Alles andere rückte für diese Minuten in den Hintergrund. Ich kam mir vor, wie in einer eigenen Welt.
 

Nur das Klingeln meines Handys schaffte es mich aus meiner kleinen Blase heraus zu holen. Mit dem Becher in der Hand begab ich mich ins Wohnzimmer und blickte nach, wer mir eine Nachricht geschickt hatte. Kaum hatte ich das getan, schon erhellte sich mein Gesicht. Rosalie reagierte als erste: ‘Lass dich an der Agentur abholen... damit gehst du kein Risiko ein und es ist nicht zu weit von dir weg.’
 

‘Oh... an die Möglichkeit hatte ich gar nicht gedacht... danke dir’, entgegnete ich ihr ehrlich, da ich das wirklich nicht in Betracht gezogen hatte.
 

‘Oder aber... er holt dich am Bahnhof ab’, kam der Vorschlag von Amélie und meine Mundwinkel zuckten verdächtig. Beide waren einfach unglaublich. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie mir zwei Auswege für mein Dilemma auf gezeigt. An beides dachte ich noch nicht einmal.
 

‘Auch eine sehr gute Idee... mal sehen, was es wird’, schrieb ich in unseren Chat und es kamen nur noch lachende Smileys. ‘Danke euch für eure Hilfe... bei euch alles klar?’, fragte ich nach und beide bejahten diese Frage. Wir tauschten uns noch ein wenig aus, ehe sie sich fertig machten, um ihren Kunden mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ich merkte, dass sie noch nicht mit ihnen gesprochen hatten, weshalb ich das nicht ansprach. Denn ich wollte ihre Stimmung nicht trüben.
 


 

Die Woche verlief schneller als ich dachte. Doch das war normal, wenn man viel zu tun hatte. Ich musste einiges Einkaufen, ebenso meine Wohnung sauber machen. Frische Lebensmittel kaufte ich nur wenige ein, damit ich sie aufaß, ehe ich aufbrechen würde. Meine Wäsche erledigte ich ebenfalls und kaufte ein paar neue Kleidungsstücke, da ich durch aus mit der Mode etwas mitgehen wollte. Das gehörte sich für einen guten Begleitservice. Zeitgleich hatte ich noch einmal mit Noyn gesprochen, um ihm erneut zu erklären, dass ich mich alle drei bis vier Tage melden würde und natürlich im Notfall sofort. Dies beruhigte ihn ungemein und ich konnte so ruhig meine Eingewöhnung in Marseille antreten.
 

Wie versprochen meldete ich mich am Freitag bei Chiaki. Ich teilte ihm mit, dass er mich am Bahnhof abholen konnte. Schließlich lag dieser auf dem Weg zum Flughafen und bot mir die Sicherheit, dass er meinen Wohnort nicht erfahren würde. Meine eigenen vier Wände waren und würden definitiv privat bleiben und keiner meiner Kunde würde davon erfahren. Das war mir wichtig und heilig zugleich. Wer damit nicht klar kam, blieb mir gestohlen. Auch wenn ich dadurch den ein oder anderen Kunden verlor, so war es nun mal. Da dies in meinem Vertrag festgehalten wurde, sorgte Noyn dafür, dass es eingehalten wurde. Nur auf diese Weise konnte unsere Zusammenarbeit funktionieren.
 

Natürlich war Chiaki mit dem Treffpunkt einverstanden und ich fragte erneut nach, was ich ein packen sollte. Weil ich nicht sicher war, ob sich etwas geändert haben könnte. ‘Pack das ein, worin du dich wohlfühlst... wir werden größtenteils in wärmeren Gegenden sein... aber dennoch könnte es abends kühler sein’, erklärte er mir und ich musste über seine Worte lächeln. Das zeigte mir einmal mehr, dass er sich um mein Wohlergehen sorgte, wie ich mich um seinen Ruf. Es war gut, weil wir dadurch eine richtige Basis für unsere Geschäftsbeziehung hatten.
 

Den Tag über war ich noch entspannt und packte meinen Koffer und mein Handgepäck. Doch je dichter die Nacht heran rückte, umso nervöser wurde ich. Zweifel überkamen mich, ob es richtig war, diesen Auftrag an zu nehmen. Aber mir war direkt bewusst, dass ich eigentlich noch nicht fest zu gesagt hatte. Die Zeit in Marseille diente dazu, mir an zu sehen, was mich erwarten würde und erst dann würde ich eine Zusage geben. Trotzdem musste ich meine besten Freundinnen noch einmal sprechen, um mich selbst zu beruhigen. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis eine Bestätigung von ihnen zu erhalten. Lange musste ich nicht warten, bis die beiden ähnliches schrieben.
 

‘Das ist eine sehr gute Chance, Maron... nutze es weise und schau, wohin es führt’, kam es von Rosalie.
 

‘Du machst genau das richtige... du musst dich mit keinen anderen Kunden herumschlagen und lernst sehr vieles Neues kennen... genieße es und wer weiß... was am Ende passieren könnte’, hatte Amélie geheimnisvoller verfasst. Beides führte auf dasselbe hinaus, weshalb ich ihnen dankte und versprach, Spaß zu haben und zu sehen, was noch kommen mag. Mit diesem Gedanken konnte ich nun beruhigter meine Serie genießen, ehe ich früher zu Bett gehen würde. Immerhin würde der Wecker sehr früh los gehen.
 

Der Morgen kam leider schneller als gehofft, weshalb ich noch etwas müde war. Jedoch ließ ich mir nichts anmerken und machte mich fertig, ehe ich meine Wohnung mit meinen Sachen verließ. Den Weg zum Bahnhof nutzte ich dazu, um Noyn zu schreiben, dass ich mich melde, sobald wir gelandet wären. Zudem bat ich ihn, nach meinen Pflanzen zu sehen. Er hatte seit einiger Zeit bereits einen Zweitschlüssel zu meiner Wohnung. Es war immer für den Notfall gedacht und das war in diesem Fall einer. Denn niemand sonst könnte darauf achten. Schließlich waren Rosalie und Amélie ebenso unterwegs und könnten sich nicht darum kümmern.
 

Noch einmal musste ich gähnen, bevor ich zum Bahnhofausgang im Süden ging. Die Metro hielt eine Etage tiefer und ich war die wenigen Stufen rauf gegangen. Einen Moment überlegte ich, ob ich mir noch einen Kaffee holen sollte, doch da hatte ich ihn bereits entdeckt. Überrascht weiteten sich meine Augen, denn er hatte eine einfache Jeans und ein hellblaues Hemd an. In seiner Hand hielt er einen Becher und hatte mich bereits entdeckt. Ich brauchte einen Augenblick, um mich zu fangen, ehe ich zu ihm schritt. Wobei er mir schon entgegen kam. “Darf ich?”, fragte er und deutete mit seiner Hand auf meinen Koffer.
 

Wieder war ich leicht verwundert, denn er benahm sich gerade wahrlich wie ein Getleman und so hatte ich ihn noch nicht erlebt. Aber wenn ich genauer darüber nachdachte... war er genauso auf dem Maskenball. “Wenn... du willst”, entgegnete ich daher etwas überrumpelt und seine Mundwinkel zuckten bei meinen Worten sichtlich.
 

“Ich habe dir einen Cappuccino organisiert”, fing er an und hielt mir den Becher entgegen.
 

“Woher wusstest du das?”, wollte ich wissen und nun lachte er. Lässig hatte er mit seinen Schultern gezuckt und deutete zum Ausgang. Vermutlich stand sein Wagen dort.
 

“Ich habe geraten... viele Damen mögen den Cappuccino lieber als einen Latte Macchiato”, erklärte er schließlich und führte mich zu den Parkplätzen. Ich war positiv überrascht von seinen Worten und nickte.
 

“Stimmt... aber ich mag auch einen schwarzen Kaffee mit etwas Zucker”, ließ ich ihn wissen.
 

“Wunderbar... dann werde ich mir das merken”, grinste er leicht und ich runzelte meine Stirn. Einmal mehr überraschte er mich und ich musste aufpassen, dass man mir das nicht ansehen könnte. Das wäre sicher nicht so gut, wenn man mich durchschauen könnte.
 

“Fahren wir direkt zum Flughafen?”, fragte ich zur Ablenkung und nahm einen kleinen Schluck aus dem Becher. Es war ein herrlicher Cappuccino und noch sehr frisch.
 

“Ich dachte... wir fahren direkt hin... checken soweit ein und Frühstücken im Wartebereich”, antwortete er und ich sah rüber zu ihm.
 

“Oh... sind dann... die anderen auch da?”, hakte ich nach und er schüttelte den Kopf.
 

“Sie sind bereits in Marseille und holen uns dort vom Flughafen ab”, erklärte er mir und wie von selbst schluckte ich schwerer. “Ich wollte in Ruhe Frühstücken und wir könnten dabei uns ein wenig kennen lernen, ehe wir vom Job eingespannt sind.”
 

Seine Ausdrucksweise verwunderte mich einen Moment. Für mich war der Job bereits begonnen, weshalb ich es nicht ganz verstand, was er meinte. Doch das sollte mir in dem Sinne egal sein, weil ich meine Rolle als Escort kannte und sie, so gut es mir möglich war, spielen würde.

Persönlicher Assistent

Nachdem er unsere Koffer im Wagen verstaut hatte, setzten wir uns hinein und nach dem Anschnallen fuhr er direkt los. Die Fahrt verlief eher schweigend, doch ungewöhnlicherweise störte es mich gar nicht. Es war sehr angenehm und ich genoss diese Stille tatsächlich. Vermutlich ging es ihm genauso, da er nicht daran dachte, etwas dagegen zu unternehmen. Am Flughafen angekommen, steuerte er direkt ein großes Parkhaus an. Auf einer der Etagen ließ er den Wagen auf einem Platz stehen. “Gut... wir können rein”, meinte er mit einem Lächeln und ich runzelte leicht meine Stirn.
 

“Du lässt das Auto hier?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Klar... ein Chauffeur vom Hotel in dieser Stadt holt es später am Abend ab, um meinen Wagen sicher in die Garage zu bringen”, erklärte er mir und ich legte den Kopf schief. Seine Mundwinkel zuckten ein wenig.
 

“Nun... um es genauer zu erklären: Ich liebe Autos... deshalb habe ich in jeder größeren Stadt eines stehen. Nur ich und die Chauffeure haben jeweils einen Schlüssel”, klärte er mich weiter auf. Sogleich wollte ich nach haken, doch er kam mir zuvor. Vermutlich ahnte er bereits, was ich wissen wollte. “Und ja... ich gehöre zu diesen Leuten, die ihre Babys nicht jedem anvertrauen”, zwinkerte er mir zu und ich musste kichern.
 

“Tatsächlich verstehe ich das sehr gut bei einem solchen Schmuckstück”, entgegnete ich ihm und erntete einen kleinen verwirrten Blick von ihm.
 

“Du kennst dich auch mit Autos aus?”, kam es überrascht von ihm und ich zuckte leicht mit den Schultern.
 

“Nicht mit allen... aber einige Marken sind mir sehr vertraut”, meinte ich und grinste ihn leicht an, während wir unsere Koffer heraus holten, um zum Check in zu gelangen. “Vor allem mit Jaguar, Ford Mustang und Yamaha.. mein Vater war ein großer Fan von den Marken und teilte seine Freude und sein Wissen gerne mit mir”, sprach ich weiter, ohne groß darüber nach zu denken.
 

“Ein Mann mit erlesenem Geschmack, wie mir scheint”, entgegnete er mir und ich blickte blinzelnd zu ihm.
 

“Oh ja... das stimmt wahrlich”, pflichtete ich ihm bei. Dass ich zum ersten Mal meinen Vater bei einem Kunden angesprochen hatte, fiel mir noch nicht einmal auf.
 

Dank dem Gespräch waren wir sehr schnell im Inneren und gingen weiter zu den Schaltern. Chiaki hatte anscheinend auch schon am richtigen Gate geparkt. Ein wenig nervös war ich, als wir dran waren. Mein Reisepass ist auf meine Rolle als Escort angepasst, dennoch steht mein richtiger Name ebenso drin. Denn es war anders nicht rechtens. Ich konnte nur hoffen, dass die Dame am Schalter mich nicht mit Maron Kusakabe ansprechen würde. Das würde alles andere zu Nichte machen, was ich so akribisch auf gebaut hatte. Es dauerte einige Momente, denn die Tickets waren im System hinterlegt und sie wurden gerade gedruckt. Unbewusst hatte ich den Atem angehalten, da sie gerade uns beide abwechselnd ansah.
 

“Eine angenehme Reise, Mrs. Jeanne und Mr. Nagoya”, lächelte die Dame vor uns und gab die Papiere samt dem Ticket zurück. Sie zwinkerte mir noch leicht zu und ich atmete einmal aus. Scheinbar hatte sie den Wink im Pass verstanden, dass es ein Künstlername war und sie diesen verwenden sollte.
 

“Vielen Dank”, kam es erleichtert über meine Lippen. Ein Glück hatte die Dame vor uns das begriffen. Auch Chiaki dankte ihr und führte mich weiter zu den Sicherheitskontrollen.
 

Dort gaben wir unser Gepäck auf, meldeten ein paar Wertgegenstände an und durchschritten zum Checkin Bereich. Im Inneren war schon einiges los, da nicht nur unser Flug starten würde. Einen Moment sah ich mich um und ehe ich etwas sagen konnte, hatte Chiaki bereits meine Hand auf seinen Arm gelegt. Überrascht blickte ich zu ihm und er lächelte. “Komm... im hinteren Wartebereich können wir Frühstücken und uns noch etwas unterhalten, bis das Flugzeug so weit ist”, erklärte er mir und meine Augen weiteten sich.
 

“Aber... ist dort nicht die 1. Klasse?”, fragte ich und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Korrekt... wenn wir schon reisen, dann immer mit dem größten Luxus”, antwortete er mir und wie von selbst schluckte ich schwerer. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. “Es ist mir wichtig, dass die Reise so angenehm wie möglich verläuft”, sprach er weiter.
 

“Also... immer in der 1. Klasse?”, hakte ich nach und er bestätigte dies. Zeitgleich führte er mich zum Wartebereich und zeigte beim Durchgang die Tickets.
 

“Natürlich... alle meine Angestellten reisen auf diese Weise. Zwar habe ich auch einen Privatjet, doch der wird nur im Notfall genutzt, wenn kein anderer Flug zur Verfügung steht”, erklärte er weiter und einmal mehr war ich überrascht. Er hatte eindeutig Wege und Mittel, doch nutzte er es ganz und gar nicht aus dem Vollen.
 

“Verständlich”, entgegnete ich ihm und wir nahmen Platz an einem freien Tisch.
 

Dort reichte er mir direkt die Karte. “Ein Kaffee für dich und was möchtest du essen?”, fragte er und ich schmunzelte. Dass er sich den Kaffee gemerkt hatte, fand ich gut.
 

“Hmmm... ich weiß nicht”, antwortete ich und überlegte. Es sprach mich so einiges an, aber entscheiden konnte ich mich gerade nicht.
 

“Wie wäre es...”, begann er und ich sah auf. “Teilen wir uns die Frühstücksplatte? Vielleicht ist darauf etwas dabei, was dich ansprechen würde.”
 

“Oh... das klingt nach einer guten Idee”, willigte ich ein und er grinste sichtlich erfreut.
 

Kaum war der Kellner da, schon bestellte er die Platte und für uns beide Kaffee. Dahingehend hatten wir schon mal den selben Geschmack. Die Wartezeit wurde uns mit dem Essen wahrlich versüßt, denn es war alles mit dabei. Von Wurst, Aufstrich und Käse, bis hin zu Marmelade, Honig und Nutella. Vor allem die frisch gebackenen Croissants und Brötchen waren ein Traum. Beim Essen unterhielten wir uns noch ein wenig über Belangloses, doch genau daran erkannte ich nur zu deutlich, dass wir zudem noch den gleichen Humor besaßen. Er war wahrlich eine gute Mischung aus Gentleman und Bad Boy zugleich. Mir war nicht klar, dass es möglich war.
 

“Möchtest du noch einen Kaffee?”, fragte er mich und einen Moment überlegte ich noch.
 

“Ich denke... es reicht für den Augenblick”, meinte ich, denn später am Tag würde ich sicher noch den ein oder anderen Kaffee zu mir nehmen.
 

“Gut... dann genehmigen wir uns einen im Flugzeug”, grinste er breiter und leise kicherte ich, während ich nickte. Es war wirklich irgendwie anders mit ihm. Schon bei dem Tanz fiel es mir auf, aber genau jetzt war es noch deutlicher.
 

“Einverstanden”, zwinkerte ich ihm zu und er beglich direkt die Rechnung, bevor er aufstand und mir seinen Arm anbot. Dies nahm ich gerne an und wir machten uns auf dem Weg zum Einchecken. Der Schalter wurde bereits geöffnet und wir konnten somit ins Flugzeug steigen.
 

Es dauerte einige Zeit, bis wir im Flugzeug waren. Bisher war ich nur drei Mal in einem gewesen, doch in der ersten Klasse noch nie. Daher kam ich fast nicht aus dem Staunen heraus, als wir zu unseren Sitzen begleitet wurden. Direkt wurden wir gefragt, ob wir etwas trinken wollen würden. All diese Aufmerksamkeit war mehr als verwirrend. Ob er das gemerkt hatte oder nicht, war nicht wichtig, denn ich war ihm mehr als dankbar, dass er die Stewardess mit folgenden Worten wegschickte: “Wir melden uns, sollten wir etwas wollen.”
 

“Natürlich”, entgegnete sie übertrieben freundlich und mich beschlich ein mulmiges Gefühl. Sie sah Chiaki an, als wollte sie ihn in eine Ecke zerren und vernaschen. Daher rollte ich nur mit den Augen und setzte mich auf meinen Sitz.
 

“Wie ich sowas hasse”, grummelte er tatsächlich los, nachdem er neben mir Platz nahm. Überrascht blinzelte ich und blickte zu ihm rüber.
 

“Was genau?”, hakte ich neugierig nach, da ich mir nicht sicher war, was er genau meinte.
 

“Die Leute sehen mich und gehen gleich davon aus, dass ich sie wollen würde”, erklärte er und überraschte mich erneut von seiner Direktheit. In seinen Augen konnte ich die Ehrlichkeit erkennen. Leicht schmunzelte ich und nickte.
 

“Ach das... sowas passiert öfter, als du denkst”, entgegnete ich ihm und seine Mundwinkel zuckten leicht.
 

“Wohl wahr... also ignoriere das bitte... das tue ich ebenso”, grinste er mich leicht an und amüsiert kicherte ich leise.
 

“Eine sehr gute Idee”, merkte ich an und genau das taten wir beide, sobald sie vorbei kam und ihm schöne Augen machte. Er jedoch sah nur mich an. Damit gab er mir das Gefühl, dass nur ich für ihn zählte. Es war schön, dies zu erleben, aber ich wahrte trotz allem eine gewisse Distanz. Denn ich konnte mir keinerlei Emotionen mit meinem Kunden erlauben.
 


 

Der Flug verlief ansonsten ohne weitere Probleme. Wobei wir auf den Kaffee verzichtet hatten. Es war uns beiden nicht Geheuer, da wir nicht wussten, ob diese komische Stewardess diesen für uns machen würde. Das Risiko war uns einfach zu groß, weshalb wir lieber einen beim Flughafen holen würden, sobald wir gelandet waren. Es war mehr als eigenartig, doch wir schienen auf einer Wellenlänge zu sein. Wir verstanden uns sehr gut, hatten sehr viel gelacht und konnten schon das ein oder andere ‘geschäftliche’ Gespräch führen. Er erzählte mir ein wenig von sich und seinen Objekten, die er besaß. Alle davon hatte er von Grund auf aufgebaut oder saniert.
 

Fasziniert hing ich an seinen Lippen und lauschte seinen Worten. Für seine 27 Jahre hatte er schon eine Menge geleistet. Sein Alter hatte er nur beiläufig genannt. Genauso wie seinen bevorstehenden Geburtstag im September. Den Tag merkte ich mir sogar und war mir sicher, dass ich bis dahin ein geeignetes Geschenk für ihn besorgen könnte. Zumindest nahm ich mir das fest vor. Ich wollte ihm einen besonderen Geburtstag bereiten, sollte ich diese Reise mit ihm gemeinsam antreten. Obwohl ich noch unsicher war, konnte ich es mir sehr gut vorstellen, ihn zu begleiten und mir all die Hotels und Ferienwohnungen an zu sehen.
 

Tatsächlich war ich auf den Stil in den jeweiligen Objekten gespannt. Allein deswegen war die Chance, dass ich das Angebot annehmen würde, bereits bei 75 Prozent. Jedoch würde ich das ihn sicher nicht wissen lassen. Erst am Vortag von der Ablauffrist würde ich ihm meine Entscheidung mitteilen. Bis dahin würde ich mit keinem sonst darüber sprechen, denn ich wollte mich sicher nicht beeinflussen lassen. Dennoch würde ich den Kontakt zu Noyn, Rosalie und Amélie einhalten, wie wir es besprochen hatten. Aber auch mit dem Ehepaar Smith würde ich weiterhin schreiben, da sie weit aus mehr für mich waren als einfache Kunden. Auch wenn es eben nicht gern gesehen war in meiner Berufsbranche, doch das war mir herzlich egal. Die beiden waren besonders.
 

Kaum waren wir aus dem Flugzeug draußen, schon führte mich Chiaki zum Gepäckband. Einen Moment brauchte ich, um mich überhaupt orientieren zu können, doch er kannte sich scheinbar sehr gut aus. Es erstaunte mich, dass er keinerlei Probleme damit hatte, sein Ziel zu erreichen. Während ich mich gerade so auf das Gepäckband konzentrieren konnte, hatte er schon längst einen kleinen Überblick. “Sobald wir die Koffer haben... brauchen wir nur aus der Tür zu gehen und da wäre schon eine Möglichkeit einen Kaffee zu holen”, sagte er mir und deutete auf die doppelseitige Tür, die undurchsichtig war.
 

“Du kennst dich hier schon aus?”, fragte ich wie von selbst nach und er nickte.
 

“Mhm... meistens fliege ich nach Marseille. Daher kenne ich den Flughafen in und auswendig”, antwortete er mir und schnappte sich problemlos meinen und seinen Koffer, welche gerade an uns vorbei kamen.
 

“Huch... beinahe hätte ich meinen nun verpasst”, kam es verlegen mir über die Lippen.
 

“Dafür hast du mich... schließlich habe ich dich gerade abgelenkt”, grinste er breiter und deutete zum Ausgang.
 

“Danke”, lächelte ich und wollte gerade meinen Koffer selbst nehmen, doch er winkte gleich ab.
 

“Ich mache das, Jeanne... du nimmst dafür den Kaffee”, zwinkerte er mir zu und blinzelnd sah ich zu ihm, ehe ich erneut ihm dankte.
 

Eigentlich war ich immer sehr selbstständig und ließ es kaum zu, dass ein Mann für mich meine Sachen trug. Aber bei ihm machte mir das nichts aus. Das war wirklich komisch. Er führte mich zu einem kleinen Café, wo wir uns den Kaffee besorgten. Sogleich schrieb ich Noyn und meinen besten Freundinnen, dass ich gut gelandet war und mich die Tage melden würde. An dem Tag war ich schon viel zu erschöpft, um länger mit ihnen zu sprechen. Beide Becher nahm ich mit, nachdem ich sie gezahlt hatte. Auch wenn ich sehen konnte, dass es ihm widerstrebte, so fügte er sich meiner Entscheidung.
 

“Danke dir”, lächelte er mich charmant an und nahm einen kleinen Schluck vom Kaffee. “Mato wartet bereits draußen auf uns”, merkte er noch an und ich nickte leicht.
 

“Dein Assistent?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Korrekt. Yamato Minazuki”, antwortete er mit einem Lächeln und ging selbstbewusst voran.
 

“Seine Frau ist auch da?”, wollte ich wissen.
 

“Sie wartet im Hotel auf uns. Sie hat bereits die Suite bezogen”, erklärte er mir und leicht nickte ich, obwohl ich nicht ganz verstand, was er mit der Suite meinte. Doch das würde ich sicher schon noch früh genug sehen.
 

Es dauerte nicht lange und wir befanden uns bereits draußen beim Terminaleingang. Erst musste ich kurz blinzeln, denn es war recht hell gewesen. Meine Augen hatten sich gerade an alles gewöhnt, als diese sich weiteten. Vor uns stand bereits ein Ford Mustang in einem edlen dunkelblau. An diesem lehnte ein Mann mit einer Sonnenbrille. Er hatte seine Arme vor der Brust verschränkt. Diese löste er, da er in unsere Richtung blickte. “Da seid ihr ja... willkommen in Marseille!”, grüßte er gleich freundlich und kam zu uns rüber.
 

“Hey, Mato”, grinste Chiaki und umarmte den jungen Mann freundschaftlich, ehe er sich löste und zu mir sah. Sofort stellte er uns einander vor und ehe ich etwas tun konnte, nahm mir Chiaki einen der Becher ab. Somit konnte ich Yamato mit einem Handschlag begrüßen.
 

“Es freut mich Sie kennen zu lernen, Mister Minazuki”, grüßte ich höflich, da dies die Etikette gebot.
 

“Freut mich ebenso... doch nenn mich bitte Yamato oder Mato”, bot er mir direkt an, während er meine Hand drückte und lächelte. Danach nahm er die beiden Koffer. “Setzt euch schon rein... ich verstaue sie”, meinte er und Chiaki dankte ihm mit einem Lächeln.
 

“Komm, Jeanne”, sprach er und öffnete die hintere Tür. “Nach dir”, deutete er mir an, zuerst ein zu steigen.
 

“Danke”, lächelte ich ihn an und folgte seiner Aufforderung im Auto Platz zu nehmen.
 

Direkt rutschte ich zur anderen Seite durch, damit Chiaki ebenso einsteigen konnte. Dabei bemerkte ich, dass er eigentlich meinen Becher vorhin genommen hatte und nicht seinen. Augenblicklich wandte ich mich zu ihm, um ihm das zu sagen. Aber da hatte er bereits einen Schluck davon zu sich genommen. Wie von selbst schluckte ich schwerer, da es gerade so wirkte, wie ein indirekter Kuss. Unweigerlich überschlugen sich meine Gedanken und einer davon schlich sich in meinen Kopf: Wie wohl seine Lippen schmecken würden. Schnell schüttelte ich dies ab und biss mir auf die Unterlippe. Tatsächlich hoffte ich, dass man mir diesen unanständigen Gedanken nicht ansehen konnte.
 

“Alles okay?”, hörte ich seine Stimme und ich glaubte, dass sie ein Tick rauer wirkte als sonst.
 

“Ähm... Ja... nur etwas erschöpft”, antwortete ich, obwohl ich exakt wusste, dass das nur die halbe Wahrheit war.
 

“Verständlich nach dem Flug”, meinte er und nippte wieder an dem Becher. “Wir werden im Hotel uns kurz ausruhen... und danach gemeinsam essen, damit du Mato und seine Frau Miya kennen lernen kannst”, erklärte er mir und nickte leicht, während ich dankbar war, dass er meine Ausrede abkaufte.
 

“Klingt nach einem Plan”, lächelte ich ihn an und nahm einen kräftigen Schluck vom Becher. Es war ein wundervolles Gefühl zu wissen, dass er zuvor daraus getrunken hatte. Fast automatisch leckte ich mir über die Lippen und lächelte vor mich hin. So etwas kannte ich von mir noch gar nicht, doch irgendwie gefiel es mir, dass ich bei ihm ganz anders agierte. Das zeigte mir nur zu deutlich, wie viel mehr in mir steckte.
 

“Heute machen wir nichts Größeres mehr... erst morgen fangen wir mit den Begehungen an”, sagte er, als ich ihm wieder meine Aufmerksamkeit schenkte.
 

Einen Moment war ich unsicher, ob ich es richtig gesehen hatte, dass er gerade geschluckt hatte. Kurz kam mir in den Sinn, dass er dies getan hatte, weil ich zuvor mir über die Lippen geleckt hatte. Jedoch wollte ich das nicht an mich heran lassen. Schon allein der Gedanke daran, war sowas von falsch, weshalb ich stark aufpassen musste. Er war mein Kunde und das hier war mein Job. Da hatten solche Vorstellungen nichts zu suchen. Tiefer atmete ich durch und versuchte mein verräterisches Herz zu beruhigen, welches um ein paar Takte schneller schlug. “Das ist gut... denn ich fürchte, dass ich heute nicht mehr allzu aufnahmefähig bin”, gestand ich ihm.
 

“Ich genauso wenig”, zwinkerte er mir zu und trank wieder von seinem Becher.
 

Mittlerweile war Yamato vorne eingestiegen und der Wagen setzte sich in Bewegung. Auf der Fahrt sprachen wir nicht viel miteinander. Irgendwie waren wir alle drei in ein für mich angenehmes Schweigen verfallen. Dies spielte mir gut in die Karte, da ich meine Neugier stillen konnte. Obwohl ich so viele Jahre schon in Frankreich lebte, so kannte ich nur Paris und einige kleinere Städte. In Marseille war ich noch nie, weshalb ich die Gunst der Stunde nutzte und neugierig aus dem Fenster blickte. Die vorbei streifende Stadt war unglaublich. Es faszinierte mich immer wieder auf das Neue unbekannte Orte kennen zu lernen. Meine ganze Aufmerksamkeit galt den Gebäuden, an denen wir vorbei fuhren.
 

Dadurch merkte ich gar nicht, dass sowohl Yamato als auch Chiaki mich scheinbar beobachteten. Wobei erster dies nur hin und wieder durch den Rückspiegel tat. Die Fahrt kam mir sehr kurz vor, als der Wagen in eine Tiefgarage fuhr. “Sind wir schon da?”, fragte ich blinzelnd nach und sah zu Chiaki rüber.
 

“Ja... wir sind angekommen. In den nächsten Tagen werden wir hier verweilen”, antwortete er und lächelte mich amüsiert an. Scheinbar war ich wirklich so vertieft in die Stadt, dass ich kein Zeitgefühl mehr hatte.
 

“Gut... müssen wir uns noch anmelden?”, wollte ich wissen, ob wir noch an die Rezeption müssten.
 

“Nein... das hat Miya schon gemacht”, antwortete Yamato, nachdem wir ausgestiegen waren und er unsere Koffer heraus geholt hatte. “Kommt... ich bringe euch ins Zimmer und dann sehen wir uns zum Essen”, lächelte er und ich war froh darüber, dass ich einen Moment für mich haben könnte, sobald wir auf dem Zimmer wären.

Die Eingewöhnung beginnt

Zusammen stiegen wir in den Aufzug und fuhren in die 7. Etage. Es war auch die letzte, die das Gebäude bot. Demnach war ich nun auf die Aussicht und die Ausstattung gespannt. Bekanntlich waren die Zimmer auf der höchsten Ebene die mit am teuersten und demnach sehr luxuriös. An dem Stockwerk angekommen, stiegen wir aus und Yamato brachte unsere Koffer noch zum Zimmer. Es waren Fünf Zimmertüren zu erkennen und sie waren von 701 bis 705 gekennzeichnet. Das war typisch für Hotels in dieser Größenordnung. Soviel hatte ich bereits durch mein Studium gelernt. Die erste Ziffer stand bei 99 Prozent der Hotels für die Etage. Damit konnten die Gäste sich um einiges besser zurecht finden.
 

“Hier wären wir... kommt erstmal an... Abendessen gegen 19 Uhr beim Restaurant unten”, lächelte Yamato und dankend sah ich zu ihm, als er sowohl mir als auch Chiaki die Schlüsselkarte gab. “Falls was sein sollte, Miya und ich sind in der 704”, merkte er an und ging bereits lächelnd zu der Tür.
 

Blinzelnd sah ich ihm nach und konnte nicht so schnell reagieren, da er bereits hinter der Tür verschwunden war. “Kommst du, Jeanne?”, hörte ich Chiaki sagen und wandte meinen Blick zu ihm. Er hatte die Tür bereits geöffnet und unsere Koffer hinein geschoben.
 

“Ähm...”, entkam es mir verwundert, als ich ihm folgte. Definitiv wollte ich das Gespräch nicht auf dem Flur führen. “Haben wir nur ein Zimmer?”, hakte ich nach, nachdem die Tür hinter mir ins Schloss fiel.
 

“Gewiss... es ist eine Suite mit zwei Zimmern und einem Wohnzimmerähnlichen Raum, der auch als Flur dient”, erklärte er mir und zeigte zu dem besagten Raum. Ein Schmunzeln war auf seinen Lippen zu erkennen, da er sich vermutlich schon denken konnte, dass es mich verwirren würde nur ein Zimmer zu haben. “Keine Sorge... jeder von uns hat seinen eigenen Bereich... Sieh es von der Seite, nur der Eingang ist derselbe.”
 

Verstehend nickte ich ihm zu und ließ mir alles zeigen. Es war ein wundervolles Zimmer in dem Sinne. Die Ausstattung war modern und auch die Anordnung. Das Badezimmer war angenehm und geschmackvoll mit den klassischen weiß und grau Farben. Wobei ein leichter Bronzeton das Gesamtbild abrundete. Davon war ich sichtlich beeindruckt. Dieser Job erschien mir wirklich sehr viele Vorteile für mich bereit zu halten. Lächelnd sah ich mir auch die beiden Zimmer an. Sie waren identisch nur spiegelverkehrt und das war praktisch. “Darf ich fragen, wer für gewöhnlich die Suite bucht?”, wollte ich wissen.
 

“Geschäftsmänner oder aber auch Familien, weil es insgesamt günstiger wäre als zwei Zweibettzimmer”, antwortete er mir und lächelte. “Die Preislisten gebe ich dir morgen nach dem Frühstück, dann können wir das gemeinsam durchgehen”, fügte er an und ich nickte lächelnd.
 

“Das ist gut”, stimmte ich ihm zu. “Ich werde kurz unter die Dusche und mich frisch machen”, sagte ich schließlich, denn ich musste mich etwas wacher machen. Immerhin war das Abendessen knapp drei Stunden entfernt und ich wollte sicher nicht müde oder erschöpft wirken.
 

“Eine gute Idee... das werde ich nach dir ebenso tun”, zwinkerte er mir noch zu und wie von selbst wurden meine Wangen knallrot.
 

Damit er das nicht mitbekommen konnte, lief ich eilig rüber zu meinem vorhergesehenen Zimmer und packte das Nötigste aus. Den Rest würde ich später nach dem Essen sorgfältig verstauen. Denn dazu würde ich mir die Schränke und die Schubladen gründlich ansehen. Das hatte noch genug Zeit, weshalb ich mir meine Unterwäsche, eine Jeans und eine einfache Bluse heraus nahm, um mit den Sachen zum Bad zu gehen. Als ich aus dem Raum trat, konnte ich Chiaki nicht sehen. Vermutlich war er ebenso in sein Zimmer gegangen, nachdem ich so schnell in meinem verschwand. Ich sollte mich wirklich zusammen reißen, denn so ein Verhalten geziemte sich nicht, da wir uns rund um die Uhr sahen.
 

Zielgenau ging ich weiter ins Bad und schloss hinter mir ab, da ich nicht genau sagen konnte, wo er sich gerade befand. Natürlich dachte ich nicht, dass er einfach so ins Bad platzen würde, doch ich ging dahingehend auf Nummer sicher. Das Sprichwort war bekanntlich: Sicher ist sicher. Daran hielt ich mich nur zu gerne. Besonders bei Personen, die mir noch ziemlich unbekannt waren. Unter der Dusche konnte ich einen Moment entspannen, aber meine Gedanken blieben bei ihm. Er war so absolut anders und das gefiel mir ziemlich gut. Leider war genau das das Problem. Nach wie vor war er mein Klient und würde dies vermutlich für die nächsten Monate bleiben.
 

Nun musste ich tatsächlich über mich selbst schmunzeln, denn ich hatte mich schon jetzt entschieden, den Job und damit die Reise mit ihm an zu treten. Sollte also in den nächsten Tagen nichts schlimmeres Vorfallen, würde es dabei bleiben. Zufrieden mit meinem Entschluss, duschte ich fertig und hatte meine Haare gewachsen. Diese wickelte ich in ein Handtuch und staunte direkt, weil diese so angenehm flauschig und wohlduftend waren. Darauf schienen sie ebenso wert zu legen. Meine Neugier war erwacht, denn ich wollte wissen, ob es in den anderen Zimmern auch so war oder eben nur in den Suites. Das wäre sicher ein interessanter Aspekt.
 

Automatisch hatte ich mir eine Liste in Gedanken gemacht, worauf ich bei meinen Besichtigungen besonders achten würde. Bestimmt wäre es wichtig auf jedes kleine Detail zu achten. Immerhin wollte Chiaki eine neutrale Bewertung haben und vermutlich auch Verbesserungsvorschläge. Während mir all das durch den Kopf ging, zog ich mich für das Abendessen an und zupfte meine Bluse zurecht. Erst danach machte ich meine Haare zurecht und steckte sie leicht hoch. Zwar waren sie noch etwas feucht, doch das war nicht allzu schlimm. Kurz sah ich noch in den Spiegel und legte leichten Lippenstift auf, um diese leicht zu betonen. Zufrieden mit meinem Aussehen verließ ich das Bad und traf Chiaki davor.
 

“Wie ich sehe, bist du schon fertig”, merkte er an und wie von selbst nickte ich.
 

“Jup... ich wäre startklar”, grinste ich und konnte erkennen, dass seine Mundwinkel bei dieser Bemerkung zuckten.
 

“Perfekt, gib mir eine halbe Stunde”, zwinkerte er und noch bevor ich reagieren konnte, verschwand er im Bad. Schmunzelnd sah ich ihm nach. Definitiv war er anders, als ich anfangs dachte, und das machte ihn irgendwie noch interessanter. Schnell schüttelte ich den Gedanken ab und ging in mein vorhergesehenes Zimmer. Dort schnappte ich meine Handtasche und mein Handy, da ich bereit sein wollte, sobald er ebenso fertig für das Abendessen war.
 

Dadurch, dass er noch nicht aus dem Bad draußen war, sah ich mich im Vorraum um und staunte einmal mehr. Es war eine kleine Küchenzeile eingerichtet und darin stand eine vollautomatische Kaffeemaschine. Da musste ich nicht lange darüber nachdenken, schnell hatte ich einen Kaffeebecher gefunden und machte mir einen. Der Duft ließ mich meine Augen schließen und versüßte mir die Wartezeit umso mehr. An der Arbeitsplatte lehnend trank ich die schwarze Brühe. Diese tat verdammt gut und ich seufzte genüsslich auf. Ein paar Minuten dauerte es noch, bis sich die Badezimmertür öffnete. Augenblicklich lagen meine Augen darauf und diese weiteten sich direkt, als er heraus kam.
 

Ach du... scheiße..., waren meine ersten Gedanken, denn Chiaki war nur mit einem Handtuch bekleidet. Wie von selbst betrachtete ich seinen Körper von oben nach unten und wieder hinauf. Er sah unglaublich heiß aus und einmal mehr bewunderte ich seine Muskulatur. Tatsächlich entdeckte ich einen Wassertropfen, der an seinem Oberkörper entlang lief. Diesem folgte ich automatisch und kam nicht umhin meine trockenen Lippen zu befeuchten. Verflucht... wie sexy kann ein Mann denn aussehen... und dann auch noch mein Kunde..., drehte sich der Gedanke in meinem Kopf umher.
 

Ein Räuspern lenkte meine Aufmerksamkeit wieder zurück in das Hier und Jetzt. Verwirrt blinzelte ich und blickte zu ihm auf. “Kann... ich auch noch einen Kaffee trinken?”, fragte er mit einem deutlichen Grinsen im Gesicht.
 

“Ähm... natürlich”, entgegnete ich und schluckte einmal schwerer, ehe ich einen Becher nahm und den Kaffee durchlaufen ließ.
 

“Danke dir”, hörte ich dicht hinter mir und konnte die Gänsehaut nicht unterdrücken, die sich bildete.
 

“Nicht doch... es ist so gesehen deine Kaffeemaschinen”, grinste ich und drehte mich um. Dass er so dicht hinter mir stand, war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, denn ich sah seinen Oberkörper. Schluckend blickte ich auf und war mir nicht sicher, was ihm gerade durch den Kopf ging.
 

“Stimmt... und ich hoffe, sie ist gut zu bedienen”, meinte er und ich nickte zustimmend. “Gut... das war das Wichtigste bei der Anschaffung”, merkte er an, griff an mir vorbei und führte den Becher an seine Lippen.
 

“Die Kaffeebohnen sind verdammt gut”, erklärte ich ihm und er grinste leicht.
 

“Perfekt... dann kann ich das weiterhin beibehalten”, lächelte er und trank noch einmal von seinem Kaffee.
 

“Eine sehr gute Idee... der Kaffee ist wirklich perfekt”, lächelte ich ihn an.
 

“Gut zu wissen”, zwinkerte er mir zu und ich war mir gerade nicht sicher, wie er das meinte. Doch noch bevor ich nach fragen konnte, trat er einen Schritt zurück. “Ich ziehe mich eben um”, lächelte er mich an und stellte den Becher beiseite.
 

“Gut... bis gleich”, kam es mir über die Lippen und ich atmete einmal tiefer durch, da ich erscheinend zuvor die Luft angehalten hatte.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Während ich zum Zimmer ging, trug ich ein Dauergrinsen auf den Lippen. Definitiv hatte Jeanne mich abgecheckt und ich würde lügen, wenn ich sagen sollte, dass es mir nicht gefiel. Es schmeichelte mir sehr und puschte natürlich mein Ego. Tatsächlich freute ich mich darüber, denn sie hatte gar nicht mitbekommen, wie viele Emotionen sie eigentlich Preis gegeben hatte. Die Zeit mit ihr wird sicher spannend werden und einmal mehr formte sich mein Gedanke, dass ich sehr viel mehr von ihr erfahren möchte. Sie war sehr vielseitig und nur zu gerne würde ich alles von ihr erforschen. Die Frage war nun nur, ob sie mir alles von sich zeigen würde.
 

Im Raum schloss ich die Tür hinter mir und ging zum Schrank. Ich hatte die Zeit sinnvoll genutzt und meinen Koffer aus gepackt. Jetzt konnte ich meine Kleidung heraus suchen. Als erstes holte ich eine enganliegende Boxershorts, ehe ich eine leichte Leinenhose und ein Seidenhemd heraus fischte. Ich mochte es auch mal alltäglicher unterwegs zu sein und irgendwie wollte ich sehen, wie sie auf dieses Outfit reagieren würde. Mit einem breiteren Grinsen zog ich mich an und rubbelte meine Haare ein wenig trocken, bevor ich das Zimmer wieder verließ. Zuvor hatte ich mir noch mein Portemonnaie eingesteckt, um die Schlüsselkarte hinein legen zu können. Denn ansonsten würde ich nur mein Handy mitnehmen.
 

Als ich den Vorraum wieder betrat, stand Jeanne am Spülbecken und schien die Becher abgespült zu haben. Sie ist wirklich anders..., war mein erster Gedanke. Wie von selbst ließ ich meinen Blick über sie gleiten und musste zugeben, dass sie wirklich alles tragen konnte. Sie sah umwerfend in der Jeans aus. Einen Moment gönnte ich mir diesen Anblick, ehe ich mich kurz räusperte, um auf meine Anwesenheit an zu deuten. Es dauerte nicht lange und sie hatte sich zu mir gedreht. Man konnte ihr ansehen, dass sie etwas sagen wollte, doch die Worte kamen nicht direkt aus ihrem Mund. Stattdessen wanderten ihre Augen meinen Körper entlang. Oh man... diese Anspannung... wird absolut nicht einfach sein zu ignorieren., kam mir in den Sinn.
 

“Hey, können wir gehen?”, kam es schließlich von ihr.
 

“Klar... komm... die beiden warten vermutlich schon auf uns”, entgegnete ich ihr.
 

“Dann sollten wir sie nicht warten lassen!”, lächelte sie und nahm ihre Handtasche. Zusammen mit ihr ging ich raus aus dem Zimmer und schloss es auf. Lächelnd sah sie zu mir, bevor wir weiter zum Fahrstuhl schritten. Es war still zwischen uns, doch das war irgendwie angenehm. Das hatte ich bislang noch nie in diesem Umfeld mit erlebt. “Sollte ich noch etwas wissen?”, fragte sie mich und ich schmunzelte leicht.
 

“Eigentlich nicht... beide sind wunderbare Freunde und Mato der beste Assistent, den ich je hatte”, grinste ich und sie nickte etwas.
 

“Verständlich... dann sehen wir mal, wie das Abendessen laufen wird”, sprach sie sichtlich nervös. Daher nahm ich ihre Hand, um diese zu drücken.
 

“Glaub mir... sie werden dich mögen... vor allem, weil Miya endlich weiblich Verstärkung hat”, musste ich sie beruhigen.
 

Eine leichte Röte zierte ihre Wangen, während sie nickte. Meine Worte schienen sie beruhigt zu haben, denn sie atmete einmal tiefer durch. Unten angekommen, führte unser Weg uns direkt zum Restaurant. Tatsächlich waren meine besten Freunde schon an einem Tisch. Lächelnd hob Miyako ihre Hand und signalisierte damit, dass sie uns gesehen hatte. Schmunzelnd nickte ich ihr zurück und führte Jeanne rüber zum Tisch. “Hey ihr zwei”, grüßte ich sie beide und Miyako nahm mich gleich in den Arm, als wir bei ihnen waren.
 

“Schön, dass ihr da seid”, lächelte sie und grüßte auch Jeanne mit einer Umarmung.
 

Perplex blinzelte mein blonder Engel, ehe sie diese Geste erwiderte. Es war schön zu sehen, dass Miyako so offen mit ihr umging. Auch wenn ich nicht sonderlich viel Wert auf andere Meinung nahm, war mir ihre und die von Yamato wichtig. Kaum saßen wir, schon bestellten wir. Obwohl sie sich nicht kannten, sprachen die Damen aufgeregt miteinander. Scheinbar hatten sie eine Wellenlänge für sich gefunden. Wie von selbst beobachtete ich die beiden und nippte dankend an dem Getränk, welches sie bekommen hatten. Mein Blick glitt zu Yamato, der leicht grinste und ebenso etwas trank. Genau deshalb mochte ich ihn, da wir uns blind verstanden.
 

“Ich freue mich, dass du uns auf die Reise begleitest”, hörte ich von Miyako und grinste leicht.
 

“Ich freue mich ebenso”, erklärte ich und Jeanne lächelte sichtlich verlegen.
 

“Ich hoffe, ich kann euch auch helfen”, meinte sie doch glatt und Miyako nickte sofort zustimmend.
 

“Mit Sicherheit... ein neutraler Blick auf das Ganze wird uns sehr helfen”, kam es gleich von Miyako und Jeanne lächelte. Durch diese Worte war das letzte bisschen Eis zwischen uns allen gebrochen. Die Unterhaltungen vertieften sich fast schon von allein. Einige von diesen waren ganz banal, andere auf ihre Weise ziemlich tiefgründig. Es war schon interessant zu sehen, wie gut mein kleiner blonder Engel zu uns passte.
 

Sie ist durch und durch perfekt., grinste ich leicht und genoss das Essen mit meinen Freunden und Jeanne sehr. Besonders ihr Lachen gefiel mir und steckte uns wahrlich mit ein. Es war ein wundervoller Abend mit ihnen gewesen und ich war schon gespannt, was Miyako zu Jeanne sagen würde. Erst nach dem Essen machten wir uns gemeinsam auf dem Weg nach oben in die Zimmer. Während Jeanne und ich in unsere Suite gingen, verabschiedeten sich Miyako und Yamato in ihre. Lächelnd betraten wir das Zimmer.
 

“Deine Freunde sind toll”, schwärmte Jeanne, nachdem ich die Tür hinter mir schloss.
 

“Die Besten”, bestätigte ich und sie lächelte.
 

“Dann... sehen wir uns morgen früh?”, fragte sie mich. Auch wenn ich noch zu gerne etwas mit ihr gesprochen hätte, beschloss ich für den Abend genug zu haben.
 

“Korrekt... gegen 8 Uhr morgens passt es für dich?”, wollte ich wissen, ob die Uhrzeit für sie passen würde.
 

“Klingt sehr gut”, entgegnete sie mir und lächelte mich an. Das erwiderte ich nur zu gerne und wir wünschten uns eine gute Nacht.
 

Sogleich ging sie zu ihrem Raum und ich sah ihr kurz nach, ehe ich in meinen schritt. Dabei musste ich den Drang unterdrücken, ihr nicht zu folgen. Einen Moment lehnte ich mich an die Tür und blinzelte, als mein Handy in meiner Hosentasche vibrierte. Dieses holte ich heraus und sah nach, wer mir geschrieben hatte. Schmunzelnd schüttelte ich leicht den Kopf, während ich die Nachricht von Miyako las. Ich wusste sofort, dass sie Jeanne lieben würde. Denn genau das teilte sie mir gerade mit. Jedoch weiteten sich meine Augen bei den Zeilen: ‘Lass sie ja nicht weg.’
 

Diese Worte überraschten mich. Denn das implizierte den Gedanken, dass ich mehr von ihr wollen würde als sie kennen zu lernen und ihre Meinung zu hören. Hmmm... könnte Miya recht haben... sollte ich sie nicht mehr weg lassen?, dachte ich mir und tippte ein wenig auf dem Bildschirm. Schnell schüttelte ich meinen Kopf, um meine Gedanken zu ordnen. Mir war Miyakos Meinung sehr wichtig und doch würde ich sie nicht einfach so annehmen. Denn ich wollte Jeanne erst einmal kennen lernen und heraus finden, was mich an ihr am meisten in den Bann zog. Das konnte ich definitiv nicht verleugnen. Mein blonder Engel hatte mich vom ersten Augenblick an gefesselt.
 

Egal, was am Ende heraus kommen würde, demnach würde ich handeln. Genauso, wie ich es all die Jahre zuvor tat. All meine Beweggründe und Handlungen waren Reaktionen auf mein Umfeld. Das war schon so und würde vermutlich so bleiben. Nicht immer konnten wir aus unserer Haut, aber Jeanne hat es irgendwie geschafft, meine Vorgehensweise ein wenig zu verändern. Wobei meine Freunde wohl sagen würden, dass ich absolut atypisch für mich agieren würde. Während meine Gedanken auf und ab glitten, machte ich mich fertig für die Nacht und ging schließlich zu Bett. Die nächsten Tage würden vermutlich anstrengend werden.
 


 

Sichtwechsel zu Miyako


 


 

Nachdenklich betrat ich mit meinem Mann Yamato unsere tolle Suite mit einem großen Doppelbett. Das Essen war schön und ehrlich gesagt mag ich Jeanne jetzt schon. Doch etwas an ihrer Art und ihrem Äußeren kam mir sehr vertraut vor. “Was ist los, Darling?”, hörte ich meinen Mann, nachdem er die Tür hinter uns schloss.
 

“Ich weiß auch nicht genau”, gab ich von mir und er umarmte mich von hinten. Liebevoll drückte er mich an sich und küsste meinen Nacken.
 

“Dann lass mich deinen Gedanken hören”, raunte er und küsste erneut meine Haut. Unter diesen Handlungen verwandelte ich mich jedes Mal in Wachs.
 

“Aber... du darfst Chiaki nichts sagen”, stellte ich gleich klar und sofort drehte er mich in seinen Armen um.
 

“Ich höre”, hatte ich nun seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Tatsächlich war es mir so lieber mit ihm zu reden, als wenn er mich dabei necken würde.
 

“Jeanne ist eine tolle junge Frau... aber... ich weiß nicht wieso, sie kommt mir so vertraut vor”, erklärte ich ihm und er betrachtete mich dabei eingehend.
 

“Vertraut im Sinne von gut oder schlecht?”, hakte er nach und ich schmunzelte direkt.
 

“Eher in dem Sinne, dass ich sie schon mal irgendwo gesehen habe... ihre Art und ihr Wesen kommen mir so vor, als würde ich sie kennen”, definierte ich mein Gefühl.
 

“Hmm... was glaubst du, warum du so fühlst?”, wollte er nun wissen und ich zuckte mit den Schultern.
 

“Genau das ist mir gerade noch unbegreiflich”, seufzte ich und lehnte mich leicht in seine Umarmung.
 

“Okay... dann finde das heraus, denn wir werden vielleicht genug Zeit dafür haben, sofern sie die Reise mit uns mit macht”, kam er auf den Punkt und damit zauberte er mir ein Lächeln auf die Lippen.
 

“So machen wir es... und sobald ich weiß, warum sie mir so vertraut ist... rede ich mit Chiaki, einverstanden?”, fragte ich nach seiner Zustimmend. Diese gab er mir mit einem Kopfnicken und senkte sein Haupt, nur um meine Lippen zu küssen. Wie von selbst erwiderte ich den Kuss und genoss diesen Moment sehr. Seufzend löste ich mich von ihm.
 

“Ich vertraue dir, Darling... und es ist richtig, ihm erst mal nichts zu sagen, sonst würde er anders agieren”, lächelte er und bestärkte mich in meinem Vorhaben, welches sich gerade in meinen Gedanken manifestierte: Ich würde heraus finden, warum ich das Gefühl habe, Jeanne zu kennen. Egal wie lange es dauern möge.

Arbeit sollte auch Spaß machen

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Die Nacht verlief etwas unruhig, da meine Träume durchaus um einiges heißer wurden als gewohnt. Mit geröteten Wangen wurde ich wach und musste mich erst einmal orientieren. Nach einigen Minuten bemerkte ich, dass ich im Hotelzimmer war. Besser gesagt in einem der Zimmer der Suite im Hotel in Marseille. Der Vorabend wanderte vor meinem inneren Auge noch einmal ab. Noch einmal streckte ich mich, ehe ich aus dem Bett stieg und einmal herzhaft gähnte. Wie von selbst wanderte mein Blick zu meinem Handy und ich prüfte nach der Uhrzeit. Trotz meines Traumes war ich vor dem Wecker aufgewacht. Lächelnd schaltete ich diesen aus und fischte nach frischen Sachen, um diese ins Bad mit zu nehmen. Eindeutig brauchte ich eine kühle Dusche, um richtig wach zu werden. Wobei ein Kaffee mir wohl am meisten dabei helfen würde.
 

Ohne wirklich auf mein Umfeld zu achten, verließ ich das Zimmer und bewegte mich weiter zum Bad. Dort schloss ich ab und schlüpfte aus meinen Klamotten, um unter die Dusche die steigen. Genüsslich stöhnte ich auf, als das kühle Nass meine Haut berührte. Es war wundervoll das Wasser auf meiner Haut zu spüren. Dadurch konnte ich ein wenig abschalten und erfrischte mich, ehe ich mich abtrocknete und für den Tag an zog. Schnell hatte ich meine Haare zusammen gebunden und mein Outfit geglättet. Erst nachdem ich zufrieden mit meinem Aussehen war, verließ ich das Bad und blinzelte mehrmals, da mir der Kaffeegeruch schon in die Nase kroch. Für einen Bruchteil der Sekunde weiteten sich meine Augen, denn mir kam der Gedanke: Fuck... war er vorhin auch schon hier? Schließlich hatte ich zuvor nur ein knappes Nachthemd an gehabt.
 

“Guten Morgen”, grüßte ich ihn und trat etwas mehr zu ihm an die Küchenzeile.
 

“Guten Morgen, Jeanne”, entgegnete er und stellte einen Becher unter die Kaffeemaschine, um für mich die schwarze Brühe durchlaufen zu lassen. “Gut geschlafen?”, fragte er und ich grübelte noch darüber, ob er mich zuvor gesehen hatte.
 

“Ja, danke... das Bett ist unglaublich bequem”, entgegnete ich und stellte mich zu ihm. Nur kurz darauf reichte er mir den Becher und ich blinzelte. “Oh was für ein Service... haben die anderen Hotelgäste ebenfalls solch einen Service?”, musste ich ihn fragen und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Tatsächlich ja... nur eben müssen sie dafür den Zimmerservice rufen”, antwortete er nun grinsend.
 

“Dann habe ich nur ich einen privaten Zimmerservice? Kostet dieser extra?”, amüsierte ich mich und er lachte jetzt.
 

“Ich denke, wir werden uns einig über die Bezahlung”, zwinkerte er mir zu und ich lachte leise. Definitiv hatten wir denselben Humor. Einen Moment war ich versucht, etwas darauf zu antworten, doch ich versteckte mich hinter meinem Kaffeebecher, an dem ich direkt etwas nippte.
 

“Frühstücken die beiden mit uns?”, fragte ich, um das Thema etwas ab zu lenken.
 

“Ja... wir treffen sie um halb 9 unten und gehen dabei den Tagesplan für die erste Woche durch”, erklärte er mir und kurz überlegte ich.
 

“Passt mein Outfit, oder sollte ich etwas anderes anziehen?”, fragte ich, da wir gemeinsam unterwegs sein würden und so wie es aussah, würde er heute vermutlich einen Anzug anziehen.
 

“Hmm... lass mich mal sehen”, kam es doch allen Ernstes von seinen Lippen. Blinzelnd legte ich den Kopf schief und richtete mich schließlich auf, damit er sehen konnte, was ich trug. So wie seine Augen meinen Körper entlang wanderten, bescherte mir eine Gänsehaut. Schluckend versuchte ich ruhig zu bleiben. Sein Blick war mehr als durchdringend. “Ein wundervolles Set”, merkte er an und grinste mich an.
 

“Ernsthaft?”, fragte ich ihn und er lachte erneut.
 

“Natürlich... du siehst super aus... zwar nicht so imposant wie auf dem Maskenball, aber das wäre mit Sicherheit overdressed”, amüsierte er sich und ich lachte jetzt auf.
 

“Stimmt... hast du an die Unterlagen gedacht?”, erinnerte ich mich an seine Worte vom Vorabend.
 

“Natürlich... alles Informative habe ich raus gesucht und auf das Tablet geladen. So kannst du es schnell nachschlagen, wenn etwas sein sollte”, antwortete er, obwohl er etwas überrascht schien. Vermutlich, weil ich das Thema nun gänzlich gewechselt hatte. Aber das musste sein, denn diese Spannung zwischen uns war wirklich eigenartig.
 

“Sehr gut... dann sollten wir gleich runter und den Ablauf durch gehen”, lächelte ich und trank den Kaffee aus, ehe ich den Becher abspülen würde.
 

“Lass mich das machen”, hörte ich seine Stimme direkt hinter mir und leicht erschauderte ich. Jedoch versuchte ich es mir so gut wie möglich, es mir nicht anmerken zu lassen.
 

“Kein... Problem... ich kann das machen”, meinte ich, da ich das schon noch hinbekommen würde.
 

“Dann lass es uns gemeinsam machen”, kam es von ihm. Etwas in seiner Stimme zeigte mir, dass er keinen Widerspruch dulden würde. Deshalb seufzte ich und nickte. Zusammen säuberten wir die Becher. Wobei ich abspülte und Chiaki abtrocknete. Es war irgendwie fast so, als hätten wir das schon immer gemacht.
 

Kaum war es erledigt, schon verließen wir das Zimmer mit unseren Sachen und gingen nach unten zum Restaurant. Dort trafen wir auf die beiden anderen und grüßten uns, ehe wir uns setzten und das Frühstück orderten. Dabei reichte mir Chiaki das Tablet und dankend nahm ich es an, bevor ich darauf herum tippte, um die gewünschten Dateien zu öffnen. Ich achtete nicht darauf, ob die anderen mich beachten oder nicht. Definitiv war ich schon in dem Modus, mir einen Überblick über meine Aufgabe zu verschaffen. “Bemerkenswert”, sprach Miyako und als ich sie ansah, lächelte sie mich an.
 

“Hm?”, entkam es mir und sie kicherte.
 

“Lass dich nicht stören... ich finde es klasse, dass du uns hilfst”, kam es von ihr und ich blinzelte etwas.
 

“Nun ja... wenn ich das so sehe... werde ich dafür bezahlt”, zwinkerte ich ihr zu und lachend lehnte sie sich zurück.
 

“Du bist echt perfekt”, gluckste sie und blinzelnd sah ich zu den Jungs, die beide schmunzelten.
 

“Absolut”, bestätigte Chiaki und grinste breiter, als er bemerkte, dass ich schon alle Informationen auf dem Tablet geöffnet hatte. “Also... Mato... wie sieht der Plan aus?”, fragte er weiter und lenkte so auf den eigentlichen Grund.
 

“Oh ja klar... Moment”, sprach Yamato, holte sein Tablet hervor. Vermutlich hatte er dort den Terminplaner drauf. “Also... in dieser Woche gehen wir das Hotel von oben nach unten durch... ich würde sagen, wir teilen uns die Aufgaben. Jeden Tag nehmen wir einen anderen Aufgabenbereich in Angriff”, fügte er an und das klang in meinen Ohren nach einem sehr guten Plan.
 

“Klingt super, Mato... dann lasst uns das zusammen durch gehen, wann wir was unter die Lupe nehmen sollen”, lächelte Chiaki und blickte zu uns Damen rüber.
 

“Sehr gut... so machen wir das”, stimmte ich ihm zu und auch Miyako fand die Idee perfekt.
 

Da das Essen gebracht wurde, legten wir unsere Sachen kurz beiseite. Während des Essens sprachen wir so noch ein wenig, wie man die einzelnen Bereiche einteilen konnte. Bei manchen kamen wir schnell auf einen Nenner. Wie zum Beispiel bei dem Restaurant bzw. das Essen an sich. Dazu gehörig war der Zimmerservice, der ebenso beurteilt werden sollte. “Dann würden nur noch die einzelnen Zimmer bleiben”, merkte Miyako an.
 

“Und wichtig bei diesen sind neben der Ausstattung und dem Preis, auch Gemeinsamkeiten oder Individualität je nachdem in welchem Zimmer”, merkte ich an, damit wir alle Aspekte betrachten würden und keinen vergessen.
 

“Stimmt... das sollten wir nicht außer Acht lassen”, kam es von Chiaki und er holte sein Handy. “Deshalb würde ich sagen, dass wir gleich die Liste der leerstehenden Zimmer nehmen und unabhängig zu zweit die Punkte durchgehen, ehe wir sie am Abend vor dem Essen besprechen können”, schlug er vor und ich tippte bereits eine Aufgabenliste zusammen. Dass Chiaki sich nun neugierig zu mir gelehnt hatte, hatte ich gar nicht mit bekommen. Erst als sein Duft meine Nase erfüllte, blickte ich rüber und auf.
 

“Ähm...”, entkam es mir, da er mir so nahe war, dass ich seinen Atem an meinen Lippen spüren konnte. Für eine Millisekunde schien alles andere vergessen zu sein, bevor er seinen Blick auf das Tablet vor mir lenkte. Schwer schluckend versuchte ich meinen schnellen Puls zu drosseln und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
 

“Du... hast schon alles notiert, worauf wir achten sollen?”, fragte er und nun standen auch Miyako und Yamato auf, um mir über die Schulter zu sehen.
 

“Wow... das ist ja unglaublich”, staunte sie.
 

“Das können wir perfekt als Vorlage nutzen... und unabhängig ausfüllen, bevor wir es vergleichen”, merkte Yamato an und deutete auf zwei Punkte, die er verbessern würde. Sogleich machte ich das und so hatten wir beide ein sehr gutes Bewertungssystem ausgearbeitet. “Perfekt, Jeanne”, lobte er mich gleich und verlegen lächelte ich.
 

Es war ungewohnt für mich, Lob an zu nehmen. Denn das war ja irgendwie mein Job, für den Chiaki mich gebucht hatte. Also gehörte das dazu, doch alle drei gaben mir nicht das Gefühl nur ‘angestellt’ zu sein. Es war schon eigenartig, dass ich mich in ihrer Nähe fast so wohl, wie bei dem Ehepaar Smith füllte. Ob das normal war oder nicht, war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar. Aber ich musste gestehen, dass ich dem keine weitere Beachtung schenkte. Unbewusst hatte ich mich dazu entschlossen, alles auf mich einfach zu kommen zu lassen und zu sehen, wohin das ganze hinführen würde.
 


 

Genau auf diese Weise hatten wir alles Tag für Tag erledigt. Nach den ersten beiden Tagen hatten wir einen Rhythmus für uns vier gefunden. Nach dem Aufstehen trank ich mit Chiaki einen Kaffee, wir wuschen die Becher ab und wechselten uns dabei tatsächlich ab. Das war mehr als verwundert für mich, dass er so etwas Banales tat. Zwar hatten wir eine kleine Spülmaschine im Zimmer, aber wir benutzten sie nicht. Es war irgendwie beruhigend zusammen mit ihm die Becher zu spülen. Für manche könnte das verrückt klingen, doch für uns war es ein kleiner Moment der Zweisamkeit. Obwohl ich mir durchaus mehr wünschen würde, aber den Gedanken schob ich immer so weit weg von mir, wie ich konnte.
 

Diese Gefühle sollten mich und meine Arbeit nicht behindern, weshalb ich mir erst nach dem Job und der Beendigung meines Vertrages bei Noyn werde ich mir weitere Gedanken dazu machen. Bis dahin werde ich meinen Job wie gewohnt professionell und souverän über die Bühne bringen. Ganz getreu meinem Motto: Was ich annehme, beende ich auch. Ebenso wie: Definitiv keine Liebelei mit einem Kunden eingehen. Nie und nimmer würde ich dies zulassen. Dies festigte sich in meinem Kopf und ich würde alles tun, um es ein zu halten. Daher kümmerte ich mich um die Beurteilungen, die wir nach und nach fertig machten.
 

Nach der ersten Woche machte ich eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Zettel, die wir alle ausgefüllt hatten. Alles war im Tablet nachlesbar und ich hatte schnell eine Tablette angelegt. Das hatte in meinem Studium erweitert, denn zuvor hatten es mir meine Eltern beigebracht. Lächelnd machte ich weiter und vergaß sehr schnell die Zeit. Erst als ich Kaffeegeruch wahr nahm, blickte ich auf. “Mach eine Pause, Jeanne”, sprach Chiaki und hielt mir den Becher entgegen.
 

“Ich mache das hier noch fertig”, entgegnete ich ihm, nahm aber die schwarze Brühe dankend entgegen.
 

“Hm”, kam es von ihm und er nahm einen Schluck von seinem Becher. Auch ich trank etwas und seufzte genüsslich auf, während die Flüssigkeit meine Kehle hinab floss. “Nein... wir machen nach dem Kaffee eine Pause und sehen uns Marseille an”, sprach er direkt aus.
 

“Gewiss nicht... erst muss das hier fertig werden”, beharrte ich, doch er nahm das Tablet, machte es aus und stellte es auf den Tisch. “Hey!”, entkam es mir automatisch etwas gereizter.
 

“Nichts da... wir gehen gleich durch die Stadt... es gibt nicht weit von hier einen Markt... ich würde gerne mit dir hingehen”, erklärte er mir und die Art und Weise gefiel mir nicht.
 

“Nein... ich habe noch Arbeit zu erledigen”, antwortete ich ihm und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Korrekt... das gehört dazu... es könnte eine Attraktion sein, die dem Hotel noch etwas mehr Aufsehen schenken könnte”, begann er logisch zu erklären. Tatsächlich dachte ich darüber nach und musste seiner Meinung dahingehend zustimmen. Es könnte einen weiteren Pluspunkt für das Hotel. “Zudem... bin ich der Meinung, dass Arbeit auch Spaß machen sollte”, grinste er breiter und ich kam nicht umhin meine Augen zu rollen. “Na also... jetzt sind wir auf einem Nenner”, lachte er und ich seufzte lauter, wobei sein Lachen noch lauter wurde.
 

“Man bist du doof”, sagte ich leise zwischen meinen Zähnen zusammengepresst. Schnell trank ich aus und erhob mich. “Also gut... ich ziehe mich eben um”, meinte ich, denn ich hatte mich noch nicht umgezogen gehabt. Wir waren diesmal im Zimmer geblieben, da eben Samstag war und Chiaki meinte, dass wir aus schlafen sollten.
 

“So mag ich das”, grinste er mich an und erneut rollte ich mit meinen Augen.
 

Er war durch und durch ein typischer Mann. Ein Alphamännchen, der genau wusste, was er wollte und vermutlich alles bekam, was er wollte. Irgendwie wusste er genau, wie er bei mir einen Nerv treffen konnte. Daher gab ich recht schnell nach und merkte einmal mehr, dass es nun das zweite Mal war. Er hatte mich erneut überlistet und das ließ mich schmunzeln. Es war interessant zu sehen, wie er mich dazu bekam, das zu tun, was er wollte. Aber nun hatte ich ein Problem. Was sollte ich nur anziehen, um mit ihm durch die Stadt zu gehen. Jetzt stand ich vor dem Kleiderschrank und überlegte gründlich. Definitiv wollte ich nichts an ziehen, was falsche Signale aus schicken könnte.
 

Mehrere Grübeleien später hatte ich ein längeres Sommerkleid an. Es war schlicht gehalten, wobei der Rock mit einigen Blumen verziert waren. Luftig und locker war genau das Richtige bei diesem Wetter. Meine Haare steckte ich locker hoch und legte ein leichtes Make-up auf. Zufrieden mit meinem Look nahm ich meine Tasche und steckte mein Handy ein, ehe ich raus aus dem Zimmer ging. Einmal sah ich mich um und hatte Chiaki noch gar nicht entdeckt. Scheinbar war er noch im Bad oder im Zimmer. Daher suchte ich mir noch passende Schuhe, die zu dem Kleid am besten passen würden. Es waren einige in der engeren Auswahl, daher beschloss ich meine einfachen Ballerinas an zu ziehen.
 

Kaum war ich in den Schuhen, hörte ich die Tür und drehte mich zum Bad um. “Hey!”, grüßte ich ihn und lächelte ihn an.
 

Es dauerte einige Zeit, bis er reagierte. “Hey... du sieht klasse aus”, meinte er und ich spürte, wie meine Wangen leicht rot wurden. Es war eindeutig ein Kompliment, welches mich ein wenig aus der Fassung gebracht hatte. Kurz räusperte ich mich.
 

“Danke... du ebenso”, entgegnete ich und er lächelte.
 

“Gut... lass uns los”, schlug er vor und öffnete die Tür, bevor er mir den Vortritt ließ. Dankend ging ich an ihm vorbei und er verschloss die Tür.
 

Gemeinsam begaben wir uns zum Fahrstuhl, demnach nach unten und verließen das Hotel. Wir schlenderten gemütlich die Straße entlang und neugierig sah ich mich um. Das Hotel war in einem großartigen Viertel an zu treffen. Das war mir zwar von dem Standort schon klar, doch erst jetzt erkannte ich wie wundervoll es war. Es war zwar in einem Außenbezirk, doch auch hier waren die Gebäude historisch und ebenso waren moderne Nuancen dabei. “Es sieht hier wirklich traumhaft aus, obwohl wir hier in der Stadt sind und einige Autos vorbei fahren”, teilte ich meinen Gedanken mit ihm.
 

“Diese Umgebung hat mich damals dazu bewogen das Gebäude zu kaufen und zu restaurieren”, erklärte er mir und lächelte mich von der Seite an.
 

“Verständlich”, entgegnete ich ihm und überlegte. “Magst du mir erzählen, warum du dich dazu entschlossen hast dies beruflich zu machen?”, fragte ich ihn und sah zu ihm rüber, während er meinen Blick erwiderte.
 

“Oh... das haben mich noch nicht viele gefragt”, antwortete er und ich legte den Kopf schief.
 

“Erzählst du es mir?”, hakte ich nach und war ziemlich neugierig zu hören, wie er dazu kam. Zumal es mich wunderte, dass er das mit solch jungen Jahren geschafft hatte. Er war nur ein Jahr älter als ich und vermutlich ein Millionär.
 

“Sagen wir es mal so... ich erzähle es dir”, sprach er und grinste leicht. “Irgendwann”, zwinkerte er mir zu und mein Mund klappte augenblicklich nach unten.
 

“Du... BAKA!”, schimpfte ich los und er lachte tatsächlich, nachdem er mir seine Zunge gezeigt hatte. Definitiv war er ein Spielkind und ich schüttelte nur den Kopf. “Das ist der Grund, warum keiner dich fragt!”, empörte ich mich und sein Lachen wurde noch lauter. Daher verschränkte ich meine Arme vor der Brust und spielte ein wenig beleidigt. Schnell wandte ich den Blick von ihm und ging ein wenig schneller den Weg entlang.
 

“Hey... warte doch!”, hörte ich hinter mir und musste aufpassen, dass er mein Grinsen nicht sehen konnte.
 

Denn dann würde diese Nummer auffliegen und das wollte ich nicht. Immerhin hatte ich mir da in den Kopf gesetzt, dass ich die Frage beantwortet haben wollte. Dies wäre etwas, was Chiaki wohl schnell begreifen müsste. Ich wusste auch, wie ich etwas bekommen konnte, was ich wollte. Darin war ich sogar sehr gut, da mich die letzten Jahre stark geprägt hatten. Deshalb tat ich so, als würde ich ihn gar nicht hören, und schritt einfach weiter. Da er mir zuvor verriet, dass er zum Jahrmarkt wollte, konnte ich mein Ziel gar nicht verfehlen. Das Riesenrad, welches dort aufgebaut war, wies mir sehr gut den Weg. Auf diese Weise konnte ich ihn noch eine Weile ignorieren.
 

“Jeanne... nun warte doch”, war seine Stimme etwas lauter zu hören als zuvor. Scheinbar hatte er mich fast eingeholt, was durch seine längeren Schritte kein Wunder war. “Bitte”, drang noch an mein Ohr, bevor ich eine Hand an meiner Schulter spürte. Kurz atmete ich durch und drehte mich zu ihm um.
 

“Was?!”, griff ich ihn schon etwas an und bemühte mich ernst dabei zu bleiben. Meine Mission sollte erfolgreich sein. Direkt in seine Augen blickte ich und konnte erkennen, dass sie leicht geweitet waren. Doch das war nur einen Moment so, ehe er etwas sanfter mich an.
 

“Das vorhin... es tut mir leid”, kam es von ihm und er fuhr sich durch seine Haare. “Pass auf... lass uns einen Deal machen”, schlug er mir schließlich vor und etwas an seiner Stimme und seinem Blick verriet mir, dass es ihm wichtig war.
 

“An was hast du gedacht?”, wollte ich wissen und sah ihm neugierig weiterhin in die Augen.
 

“Wir beide erkunden den Markt...”, begann er und seine Augen sahen mich eindringlich an, während seine Stimme etwas sicherer wurde. “Wir sehen, was es dort gibt... probieren vielleicht das ein oder andere aus... danach verrate ich dir den Hauptgrund für all diese Gebäude, die ich mir mit den Jahren zugelegt habe”, beendete er seine Idee.
 

Überrascht blinzelte ich und war meine Gedanken kreisten umher. So ganz begriff ich nicht, warum er diesen Deal anbot. Ein wenig überlegte ich und konnte daran nichts Falsches erkennen. “Also schön... ich willige dem Deal ein”, sprach ich aus und hielt ihm meine Hand hin, nachdem ich meine Arme gelöst hatte. Sofort nahm er meine Hand und drückte sie.
 

“Dann haben wir einen Deal”, grinste er und kurz hatte ich Sorge, dass ich irgendwie in eine Falle getappt war. Doch er lächelte sanft und nahm meine Hand, nur um diese auf seinen Arm zu legen. Blinzelnd sah ich ihn an und wollte schon etwas sagen, aber er kam mir zuvor: “Komm... lass uns endlich zum Markt und diesen auf uns winken.”
 

Erneut rollte ich mit den Augen bei seinen Worten und seufzte leicht. Da hatte er mich wohl doch überlistet, aber wenn er mir den Grund verrät, haben wir beide gewonnen. Schmunzelnd ging ich an seinem Arm eingehakt neben ihm her weiter zum Jahrmarkt. Es dauerte noch einige Momente, ehe wir diesen erreichten und es war nicht nur ein Rummel, sondern auch ein zusätzlicher Markt für die verschiedensten Händler. Der süße Duft von Popcorn und Zuckerwatte lag in der Luft und ich kam nicht umhin, meine Augen zu schließen.

Der Entschluss steht fest

Staunend betrachtete ich den Platz vor mir. Dieser war in drei Bereiche aufgeteilt: Die Spielbuden und Attraktionen, die verschiedenes Essensstände und Getränke und zu guter Letzt der Einkaufsbereich. Dort konnte man frisches Obst und Gemüse besorgen, aber auch Schmuck, Spielzeuge oder Kuscheltiere. Das war faszinierend, wie unterschiedlich die Dinge waren und doch gemeinsam alles harmonisierte. “Unglaublich”, entkam es mir und ich spürte durchaus seinen Blick auf mir.
 

“Ich wusste, dass es dir hier gefallen könnte”, hörte ich seine Stimme und schmunzelte, während ich zu ihm sah.
 

“Stimmt... ich finde es gut hier... also, welchen Bereich sollen wir unter die Lupe nehmen?”, fragte ich ihn.
 

“Wie wäre es mit allen?”, grinste er breiter und ich blinzelte. Vermutlich starrte ich ihn mehr als verwirrt an, denn er lachte leise und nickte noch einmal, um seine Worte zu bestätigen. “Wir gehen erst einmal durch die Obst- und Gemüseauswahl, um heraus zu finden, was es dort alles gibt”, schlug er vor und einen Moment überlegte ich, ehe ich dem zustimmte.
 

Da wir uns einig waren, nahm er wieder meine Hand und legte sich diese auf seinen Arm. Auf diese Weise gingen wir durch die Stände und neugierig blickte ich mich um. Tatsächlich gab es neben frischen Produkten auch getrocknete Früchte, Gewürze und ebenso einen Eisstand mit exotischeren Sorten. Staunend blinzelte ich mehrmals und lachte leise, bei diesen Kombinationsmöglichkeiten. Chiaki stimmte mit ein und wir amüsierten uns darüber, wie man nur auf solche Ideen kommen konnte. Mit ihm zu scherzen und zu lachen, fühlte sich so angenehm und frei an. Er schaffte es problemlos, mich davon ab zu lenken, dass das hier ein Job war. Es war eher so, als würde ich mit einem Freund unterwegs sein und die Stadt erkunden. So langsam beschlich mich das Gefühl, dass er genau das erreichen wollte.
 

Ein wenig probierten wir uns sogar durch, aber bei den ganz speziellen Sorten vom Eis waren wir uns beide einig, dass wir sie nicht testen würden. Viel mehr interessierten uns die Trockenfrüchte und das frische Obst. “Köstlich... und frisch”, schwärmte ich und er grinste breiter.
 

“Der Meinung bin ich auch... das muss definitiv mit angeführt werden, denn es ist ein Highlight, welches leicht zu Fuß erreichbar ist”, merkte er an und das stritt ich sicher nicht ab. Es war etwas Besonderes, wodurch die Objekte aufgewertet werden würden.
 

“Das werden wir gut unterbringen”, versprach ich ihm und er kaufte noch einige Proben von den Trockenfrüchten, die er noch seinen Freunden mitbringen wollte.
 

“Nun sehen wir uns den spaßigen teil an”, grinste er breiter und ich legte leicht den Kopf schief.
 

“Du meinst du willst zu den Spielständen und Fahrgeschäften?”, kam es ungläubig von meinen Lippen.
 

“Natürlich... komm”, grinste er breiter und reichte mir seine Hand. Einen Moment starrte ich diese an und schluckte etwas, ehe ich meine Hand in die Seine legte und wir zusammen zum anderen Abteil des Marktes gingen.
 

Je näher wir diesem kamen, umso lauter wurde die Musik und die verschiedensten Gerüche erfüllten die Luft. Allen voran Popcorn, kandierte Äpfel und Zuckerwatte. Musik kam von den verschiedensten Fahrgeschäften. Sogar eine Achterbahn war anzutreffen, von der lautes Geschrei zu hören war. Ein Kichern entkam mir und er lachte neben mir. “Das sieht nach Spaß aus”, meinte er ehrlich und ich nickte zustimmend. “Wollen wir ebenfalls eine Runde fahren?”, bot er an und meine Augen weiteten sich bei seinen Worten.
 

“Du... willst auf die Achterbahn?”, hakte ich nach und er nickte grinsend.
 

“Oh ja... kommst du mit?”, entgegnete er und sah mich heraus fordernd an. Leicht erhob ich eine Augenbraue und ließ meine Mundwinkel zucken.
 

“Na dann los”, lachte ich los und zog ihn mit zu dem Fahrgeschäft. Sein Lachen wurde lauter und mein Grinsen damit um einiges breiter.
 

Er war durch und durch unverbesserlich. Er schien genau zu wissen, wie er mich ködern konnte und diesmal machte es mir gar nichts aus. Zu gerne spielte ich mit und ließ mich von der guten Laune um uns herum mit treiben. Es machte eine Menge Spaß mit der Achterbahn zu fahren, ebenso hatte ich mich zum Dosenwerfen überreden lassen. Definitiv war ich eine miserable Werferin, doch es machte mir trotz allem Spaß. Sogar Chiaki warf ein paar Dosen um. Nur stellte er sich um einiges besser an als ich. “Ha! Der Wurf war doch Weltklasse!”, lobte er sich selbst und ich lachte nur amüsiert auf.
 

“Also eingebildet bist du gar nicht”, meinte ich und sein Lachen hallte in meinen Ohren.
 

“Absolut nicht... wie kommst du denn darauf, dass ich eingebildet wäre?”, kam es amüsiert von seinen Lippen.
 

“Tja... das wüsstest du wohl gerne”, scherzte ich und er lachte leise. Es schien ihm zu gefallen, dass ich ihn neckte. Er war einer der wenigen, der diese Art von Scherzen verstand.
 

“Ehrlich gesagt... würde ich das nur zu gern erfahren... vielleicht irgendwann”, zwinkerte er mir zu und ich lachte sofort über seine Worte. Er war definitiv anders und genau das mochte ich an ihm.
 

“Scherzkeks... mal sehen, ob ich dir das verraten werde”, erwiderte ich ihm und er überlegte, da er mit seinem Zeigefinger auf der Ablage tippte.
 

“Gäbe es eine Möglichkeit, deine Gunst zu gewinnen?”, fragte er direkt und ließ mich nicht aus den Augen.
 

“Hm... vielleicht”, antwortete ich ihm nur und konnte seine Mundwinkel zucken sehen.
 

“Gut... vielleicht schaffe ich das schon bald”, meinte er und wurde von dem Budenbetreiber angesprochen. Denn er konnte sich noch einen Preis aussuchen. Neugierig sah ich ihm dabei zu und war gespannt, was er aussuchen würde. Es dauerte eine Weile, bis er schließlich vier Schlüsselanhänger wählte. Wobei jeweils zwei irgendwie zusammen passten. “Die hier nehme ich, danke”, sprach er und verabschiedete sich von dem Betreiber.
 

“Eine interessante Wahl”, merkte ich an und er grinste.
 

“Mag sein... die beiden hier sind für Miya und Mato”, erklärte er mir und ich besah mir die Anhänger. Es waren je zwei Herzen. Sie waren so angeordnet, dass man sie gemeinsam halten konnte oder eben getrennt.
 

“Das ist richtig süß... ich denke, das könnte den beiden gefallen”, lächelte ich ihn an und er nickte, ehe er diese Ausführung in die Hosentasche packte. Danach nahm er die anderen beiden und reichte mir den rötlichen Anhänger.
 

“Der hier ist für dich... es ist genauso feurig wie du”, zwinkerte er und meine Augen weiteten sich, während ich es mir näher ansah. Tatsächlich war das Design sehr interessant, denn es sah aus wie eine Flamme im typischen Cartoonstil.
 

“Feurig?!”, hakte ich nach und er nickte, als ich meinen Blick hob und in seine Augen sah.
 

“Mhm... dein Temperament ist ziemlich heiß”, fügte er an und ich spürte nur zu deutlich, wie rot meine Wangen plötzlich wurden. Mit einem Mal fühlte es sich so an, als würde sich die Luft um uns herum elektrisch aufladen. Anders konnte ich mir die Stimmung zwischen uns nicht erklären. Schnell wandte ich den Blick von ihm und räusperte mich.
 

“Danke”, sagte ich nur und versuchte mich wieder zu besinnen. So unkontrolliert kannte ich mich absolut nicht.
 

“Gerne”, hörte ich ihn und wir setzten unsere Tour fort. Jede Spielbude probierten wir aus und ich war mehr als erleichtert, dass die Stimmung zwischen uns wieder ganz normal war. Dann lag es sicher an etwas anderem, dass es zuvor sich so elektrisierend anfühlte.
 

Ausgelassen lachten wir und amüsierten uns, ehe wir die ein oder andere Köstlichkeit testeten. Neben den kühlen Eisteesorten hatten wir ein paar verschiedene Crêpes zum Kosten. Von herzhaft bis hin zu schokoladiger Sünde war alles mit dabei. Am Ende konnte ich mich gar nicht entscheiden, welcher mein Favorit war, weshalb Chiaki lachend zustimmte. Ihm schien es genauso zu gehen. Es war wirklich ein schöner Abend mit ihm und ich bemerkte einmal mehr, dass Arbeit auch Spaß machen konnte. Vermutlich sollte es auch so sein, denn die Hotels waren darauf angewiesen, dass sich die Gäste rundum wohl fühlten. Dazu gehörte das Umfeld ebenfalls dazu wie das Ambiente im Zimmer oder der Lobby.
 

“Oh... es ist schon recht spät”, bemerkte ich, als eine Kirchglocke 23 Uhr signalisierte.
 

“Stimmt... ich habe gar nicht mitbekommen, dass es schon so spät ist”, kam es überrascht von seinen Lippen, als er einen Blick auf seine Handyuhr geworfen hatte.
 

“Und hier ist immer noch so viel los”, erstaunte mich.
 

“Soweit ich das verstanden habe... machen sie um Mitternacht ihre letzte Fahrt, ehe sie für die Nacht schließen”, sprach er und tippte auf seinem Handy herum. “Ah... hier ist es ja”, merkte er an und zeigte mir sein Display.
 

“Wow... sowas ist selten und ich bin nun wirklich beeindruckt”, kam es ehrlich von meinen Lippen und er stimmte dem zu. Solche Attraktionen waren oftmals eine Seltenheit und das machte es zusätzlich besonders. Die Stimmung ist oftmals ausgelassen und die Freude, die verbreitet wird, unbeschreiblich. “Danke... dass du mich hier her mitgenommen hast”, bedankte ich mich und sah zu ihm.
 

“Gerne... ich wusste, dass dir das gefallen könnte”, lächelte er und blickte sich noch einmal um. “Möchtest du noch etwas machen?”, fragte er mich schließlich.
 

“Ähm... ich denke nicht”, antwortete ich ihm, auch wenn ich zu gern noch eine Runde mit dem Riesenrad gefahren wäre. Bestimmt würde die Stadt von dort oben einen ganz anderen Anblick bieten.
 

“Hm... okay”, kam es von ihm und wir setzten uns in Bewegung. “Doch... bevor wir zurück zum Hotel gehen... sollten wir noch die Aussicht genießen”, meinte er nach einer Weile und überrascht wandte ich mich ihm zu.
 

“Was meinst du?”, fragte ich instinktiv nach und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Glaubst du... wir gehen auf den Rummel und verpassen es auf dem Riesenrad zu fahren?”, stellte er die Gegenfrage und meine Augen weiteten sich. Kurz kam mir in den Sinn, dass er womöglich meinen Blick darauf gesehen hatte, doch ich fasste mich schnell.
 

“Sowas... du fährst also immer mit dem Riesenrad?”, hakte ich nach und er lachte leise, ehe er nickte.
 

“Das tue ich in der Tat... und jetzt komm”, grinste er, schnappte sich meine Hand und zog mich sanft, aber bestimmt zu dem Fahrgeschäft. Erst stolperte ich ihm überrascht hinterher, bevor ich Fuß fasste und ihm normal folgen konnte.
 

Kaum waren wir beim Riesenrad angekommen, kaufte er gleich vier Chips und verwirrt sah ich zu ihm. Doch nachfragen konnte ich nicht, da wir bereits einsteigen konnten und das taten wir. “Vier?”, wollte ich nun doch wissen, nachdem wir in der Gondel uns gegenüber saßen.
 

“Natürlich... wir sind zu zweit und zwei Runden sollten drin sein”, zwinkerte er mir zu.
 

“Zwei Runden?”, wiederholte ich seine Worte und er nickte.
 

“Ich habe dir etwas versprochen... und da wird eine Runde nicht reichen”, antwortete er mir. Erst jetzt fiel es mir wieder ein. Er wollte mir erzählen, wie er auf die ganzen Hotels kam.
 

“Verstehe... da bin ich nun gespannt und danke... für diese Fahrt”, sprach ich mit leicht roten Wangen.
 

“Gerne”, lächelte er mich an und zeigte mir damit eine ganz neue Seite von sich.
 

Wenn ich ihn nicht schon eher getroffen hätte, hätte ich wohl vermutet, dass er ein absoluter Romantiker war mit einem sehr schönen Lächeln. Bei diesem Gedanken musste ich über mich selbst lachen. Das klang mehr als verrückt, daher schüttelte ich kurz den Kopf, um den Gedanken los zu werden. Meinen Blick wandte ich aus dem Fenster und merkte so nicht, wie er mit dem Betreiber sprach und er danach seine volle Aufmerksamkeit mir schenkte. Die Gondel setzte sich in Bewegung und ich blickte rüber zu ihm. Er saß gemütlich auf der Bank, wobei er seine Arme leicht vor seiner Brust verschränkt hatte und mich zu beobachten schien.
 

“Ähm... habe ich etwa beim Essen gekleckert?”, fragte ich unsicher, da mir der intensive Blick einige Schauer über den Rücken laufen ließ. Ohne ein Wort zu sagen, schüttelte er seinen Kopf. “Warum... siehst du mich so an, Chiaki?”, nahm ich meinen Mut zusammen.
 

“Ich bin fasziniert von dem Anblick, der sich mir bietet”, entgegnete er und erneut weiteten sich meine Augen.
 

Flirtet er etwa mit mir?, kam mir in den Sinn, aber weitere Gedanken konnte ich mir nicht machen, da er begann zu erzählen und damit sein Versprechen einlöste.
 

“Meine Eltern waren oft auf Reisen... bis zu meinem 9. Lebensjahr nahmen sie mich. Mama sprach immer davon, dass sie die Hotels immer auf eine Art und Weise aus wählten.” Bei dieser Erwähnung bildete sich ein Kloß in meinem Hals und ich dachte unweigerlich an meine Eltern. Leicht schluckte ich und lauschte gespannt weiter. In der Hoffnung, er würde mich etwas ablenken von der Erinnerung, die sich in mir versuchte auf zu bauen. “Nur in einem Hotel, wo man sich zu Hause fühlt, kommt man zur Ruhe”, führte er fort und ich verstand sofort. Das war also der Grund für seine Hotels.
 

“Deshalb... hast du so viele Objekte und möchtest sie so gut wie möglich gestalten”, schlussfolgerte ich und er nickte.
 

“Das ist der Hauptgrund... es fing eigentlich nur mit einem Hotel in London an... so lernte ich Henry kennen”, sprach er weiter und nun wurde ich neugierig. Er berichtete davon, dass er mit 16 von seinem Vater zum Schulabschluss eine ordentliche Summe erhielt. Auch wenn ich den leicht bitteren Beigeschmack in seiner Stimme hörte, fragte ich nicht weiter nach. Denn das stand mir nicht zu. “Ich beschloss damit ein Haus zu kaufen... es hatte gedauert, bis ich das richtige fand und wie es der Zufall wollte... war Henry der Verkäufer. Er wunderte sich, dass ich mit meinen fast 17 Jahren ein Haus kaufen wollte. Als ich ihm von meiner Idee erzählte, war er begeistert und so half er mir mit den weiteren Objekten. Wobei diese erst einige Jahre später dazu kamen.”
 

“Das ist toll”, lächelte ihn an. Einige Fragen brannten mir auf der Zunge, aber ich behielt sie für mich. “Bist du gleich in die Branche abgetaucht?”, wollte ich stattdessen wissen.
 

“Nein... das erste Hotel lief nebenbei und ein befreundeter Partner von Henry war als Manager tätig, während ich in Tokio mein Studium verfolgte. Erst sollte es ein Hotel bleiben, aber... mit der Zeit kamen weitere Objekte hinzu.”
 

“Hatte das Studium dich nicht genug gefördert?”
 

“Oh doch... das hatte es... Medizin ist keine leichte Kost”, lachte er leise und ich starrte ihn regelrecht an.
 

“Warte... du bist nicht nur ein Hotelbetreiber, sondern auch Arzt?”, entkam es mir mehr als überrascht.
 

“Nun... Arzt bin ich noch nicht ganz... ich müsste noch meine drei Jahre als Assistenzarzt absolvieren... aber das Studium habe ich und theoretisch kann ich jederzeit in einem Krankenhaus meine Assistenzzeit ablegen”, erklärte er mir und ich verstand nicht so recht, warum er das nicht schon getan hatte. “Ich hatte einfach keine Lust dazu”, beantwortete er mir meine unausgesprochene Frage.
 

“Oh... darf ich fragen, warum?”, konnte ich es mir nicht verkneifen. Ich wollte zu gerne erfahren, warum er nicht weiter gemacht hatte.
 

“Fragen... kannst du... aber antworten werde ich darauf nicht!”, bestimmte er eindringlich und seine Stimme wurde einen Hauch kälter.
 

Aus diesem Grund beließ ich es dabei und lenkte vom Thema ab, wie er auf all die Orte kam. Viele davon bereiste er selbst als Kind und hatte wohl sehr schöne Erinnerungen dort gesammelt. Er sprach liebevoll von den Reisen mit seinen Eltern. Sobald er seine Mutter erwähnte, leuchteten seine Augen wie Sterne, doch auch eine gewisse Traurigkeit konnte ich erkennen. Ob er sich bewusst war, dass er gerade einiges von sich Preis gab, war ich mir nicht sicher. Aber ich freute mich darüber, denn es zeigte mir, wie viel er mir bereits jetzt schon vertraute. Zwar blieb er in vielen Punkten eher oberflächlich, doch das war nicht so schlimm.
 

Die beiden Runden mit dem Riesenrad vergingen in meinen Augen viel zu schnell, weshalb ich leise seufzte, nachdem wir ausgestiegen waren. Leise lachte er neben mir. “Keine Sorge... wir wiederholen das schon sehr bald... sofern du mit mir auf Reisen gehst”, grinste er und ich legte meinen Kopf schief.
 

“Sind deine Hotels etwa alle in der Nähe eines Riesenrades?”, fragte ich grinsend und er lachte noch mehr.
 

“In den meisten Städten ja... ich weiß nicht... sie sind irgendwie beruhigend... findest du nicht auch?”, antwortete er und für einen kurzen Augenblick konnte ich schwören den kleinen Jungen aus seinen Erzählungen zu sehen.
 

“Stimmt... das sind sie wirklich”, bestätigte ich und dachte an dieses vertraute Gefühl, während der Fahrt. Meine Eltern waren so oft sie konnten mit mir auf einem Jahrmarkt und immer schlossen wir den Besuch mit dem Riesenrad ab.
 

“Komm... lass uns zurück gehen”, holte er mich zurück aus meiner Erinnerung, wobei ich leicht blinzelte und nickte.
 

Schweigend gingen wir den Weg zurück und ich war mir meiner Entscheidung zu hundert Prozent sicher. Ich würde mich auf diese Reise einlassen und sehen, wohin das Abenteuer uns führen mag. In diesem Moment konnte ich nicht leugnen, dass ich mehr von ihm erfahren wollte. Wer er war und wie er zu dem Mann wurde, der nun neben mir ging. Bei ihm fühlte ich mich wohl und ich freute mich sehr darauf, weitere Orte mit ihm zu sehen und zu verstehen, warum er die Hotels genau dort gekauft oder erbauen ließ. Zurück im Zimmer hatten wir uns noch eine Gute Nacht gewünscht und waren in unsere jeweiligen Räume verschwunden.
 


 

Die folgenden Tage waren etwas unbeschwerter, da ich nun nicht mehr so verbissen war, wie die Tage zuvor. Es war unglaublich, wie er es geschafft hatte mich mit diesem einen Abend auf zu lockern. Seine Divise war wahrlich Arbeit konnte auch Spaß machen. Das bestätigten mir Miyako und Yamato. Deshalb waren die beide oftmals mit ihm auf Reisen, um den Spaßfaktor niemals aus den Augen zu verlieren. Ich freute mich sehr, da sie mich genauso aufnahmen, wie ich war. Tatsächlich hatte ich Noyn schon vor drei Tagen Bescheid gegeben, dass ich das Angebot annehmen würde. Er sollte die Verträge demnach noch einmal bestätigen und mich auf ausgebucht setzten. Chiaki und seinen Freunden wollte ich dies erst am letzten Abend mitteilen.
 

Zum Abschluss in Marseille hatte Chiaki einen Tisch im besten Lokal der Stadt reserviert. Damit wir die letzten zwei Wochen gemeinsam feiern und abschließen konnten. Es war ein voller Erfolg gewesen und wir hatten zwei Probleme direkt beheben können. Die anderen zwei Punkte, die ihm am Herzen lagen, würde in den kommenden Wochen ausgeführt werden. Schließlich wollte er in allen Zimmern, egal welcher Preisklasse, die Bäder gleich “Luxuriös” gestalten. Zu diesem Anlass hatte ich ein schlichtes und doch elegantes Abendkleid angezogen. Während wir auf das Essen warteten, besprachen Yamato und Chiaki bereits die nächsten Zwei Städte. Kurz räusperte ich mich und zog damit die Aufmerksamkeit auf mich.
 

“Ich unterbreche euch nur ungern... aber ich wollte mich noch einmal bei euch für die schöne Zeit bedanken”, begann ich und die drei lächelten mich sanft an. Von einem zum anderen ließ ich meinen Blick schweifen. Durchaus konnte ich Hoffnung in den Augen des Ehepaares erkennen. In denen von Chiaki lag noch etwas andere, aber ich konnte das nicht definieren. Vielleicht würde ich das mit der Zeit noch heraus finden können.
 

“Die Freude lag ebenso auf unserer Seite”, ergriff Miyako das Wort und ich lächelte sie an.
 

“Hast du dich entschieden?”, fragte Yamato neugierig nach und ich nickte, während ich zu Chiaki sah. Sein Blick zeigte nur zu deutlich, dass er angespannt war.
 

“Ich werde... euch begleiten”, erlöste ich ihn schließlich und erkannte seine Erleichterung, als er meine Worte begriff.

Spanien

Nachdem ich meine Zusage gegeben hatte, wurde der Abend um einiges entspannter und wir unterhielten uns über die nächsten drei Ziele. Es würde nach Spanien und Portugal gehen. In Spanien hatte Chiaki ein kleineres Hotel in Barcelona und eines in Madrid. Es waren beides erneut drei Sterne Hotels, die dem Standard weitaus überlegen waren. Der Flug war mit knapp über einer Stunde sehr kurz und doch reichte mir die Zeit aus, um mir einen Überblick zu verschaffen. Das Exposee zum Barceloner Hotel hatte ich geschafft durch zu lesen. Demnach wusste ich nun im Vorfeld, wie viele Zimmer vorhanden waren und was es Interessantes in der Umgebung gab. Ebenso hatte ich die Websites angesehen. Es war modern und leicht einsehbar. Man konnte schnell alles finden.
 

Neben der herkömmlichen telefonischen Variante, wurde auch die Internetbuchung angeboten. Demnach gingen sie mit der Zeit und modernisierten die Systeme. Während wir aus dem Flugzeug ausstiegen, musste ich ihnen ein Kompliment aus sprechen, da alles sehr einladen aussah. Es war kinderleicht zu bedienen und alle notwendigen Daten schnell auffindbar. “Das ist gut... manche Seiten sind unübersichtlich und das wollten wir vermeiden”, erklärte Yamato, der scheinbar für das Layout zuständig war.
 

“Zum Glück ist die Firma für das Webdesign sehr gut”, lächelte Miyako. “Sie haben bisher unsere Wünsche sehr gut umgesetzt.” Das war wahrlich keine Selbstverständlichkeit.
 

“Machen sie alle eure Webseiten?”, fragte ich neugierig und wir gingen gemeinsam weiter zur Gepäckausgabe.
 

“Nein... wir haben für die europäischen Objekte eine Agentur... beim amerikanischen Markt eine andere und ebenso im asiatischen Raum”, klinkte sich nun Chiaki mit in die Unterhaltung ein. Verstehend nickte ich, denn es war durchaus von Vorteil für die jeweiligen Kontinenten einen anderen Webdesigner zu haben. Schließlich waren die Geschmäcker und Märkte durchaus unterschiedlich. Genauso wie die Anforderungen an die Zimmer selbst.
 

“Hattet ihr eine bestimmte Agentur im Blick oder wie habt ihr diese für euch ausgesucht?”, fragte ich weiter und sah dabei zu Chiaki. Vermutlich hatte er all das als Besitzer entschieden.
 

“Nun... die erste Agentur hatte mir Henry empfohlen... ich habe sie getestet und da sie das umgesetzt hatten, was ich wollte, bekamen sie den Zuschlag... bei den anderen hatte ich nach und nach Ausschreibungen gemacht und danach mit Mato, Miya und Henry unabhängig bewertet, wie uns die Testseite gefallen hatte”, antwortete er mir und wieder einmal war ich überrascht.
 

“Du hast nicht alles alleine entschieden?”
 

“Nein... ich lege viel Wert auf die Meinung meiner Freunde und auch Mitarbeiter... deshalb bereise ich alle zwei Jahre die Standorte, um zu sehen, ob man etwas verändern sollte”, erklärte er und ehe ich weiter darauf eingehen konnte, entdeckten wir unsere Koffer und nahmen diese vom Band, wobei die Jungs das für uns Damen übernahmen.
 

Danach machten wir uns auf den Weg nach draußen. Kaum waren wir draußen, sah ich mich neugierig um, denn ich war noch nie in Barcelona gewesen. Es war ein Unterschied zu den französischen Städten und doch waren sie sich ähnlich. Es herrschte eine Menge Trubel. Der Anblick lenkte mich einen Moment ab und verwirrt sah ich zu meiner rechten Seite. Miyako hatte mich gerade am Arm berührt. “Komm, Jeanne... dort ist der Chauffeur vom Hotel”, sagte sie lächelnd und verlegen nickte ich. “Mach dir keinen Kopf... ich war auch jedes Mal überwältigt bei all diesen Menschen und Eindrücken”, sprach sie wissend aus.
 

“Danke... dachte schon, es geht nur mir so”, gestand ich und sie lächelte, ehe wir zu dem Wagen gingen.
 

“Willkommen in Barcelona”, wurden wir begrüßt.
 

Sogleich stiegen wir gleich ins Auto, während der Chauffeur unsere Koffer verstaute. Es dauerte eine kleine Weile, bis er ebenso Platz nahm und direkt los fuhr. Dabei wollte Yamato wissen, ob alles vorbereitet war, und der Fahrer nickte zur Antwort. Es schienen zwei Autos bereit zu stehen, genau wie die Zimmer eingerichtet waren. Verwundert blinzelte ich zu und blickte zu Chiaki. Mir war nicht klar, warum sie Zwei brauchen würden. “Sowohl Mato als auch ich brauchen ein Fahrzeug”, beantwortete er meine unausgesprochene Frage. Noch bevor ich nach fragen konnte, wie er das wissen konnte, grinste er mich breiter an. “Die Frage konnte ich dir ansehen”, zwinkerte er mir zu und leise kicherte ich, denn es war schon lustig, dass er mich auch ohne Worte verstand.
 

“Vermutlich... also braucht ihr beide ein Auto?“, fragte ich nach und er grinste breiter.
 

“So ist es... ich wollte ein paar Sehenswürdigkeiten rund um Barcelona ansehen... immerhin könnten wir Touren anbieten”, begann er und verstehend nickte ich bei seinen Worten. Es war mehr als verständlich, dass er das vorher prüfen wollen würde, ehe er das anbieten wollte.
 

“Zudem wollten Miya und ich nach Madrid mit dem Auto fahren... ihr würdet mit dem Flug demnach nach kommen”, lächelte Yamato und ich sah zu Miyako, die leicht rot wurde um die Nase.
 

“Ist es denn nicht zu anstrengend?”, fragte ich nach, doch die beiden winkten ab.
 

Miyako erzählte mir, dass sie das schon öfters und besonders gerne machten. Es war ein ganz anderes Erlebnis das Land auf diese Weise kennen zu lernen. Diese Begeisterung in ihrer Stimme ließ mich noch mehr lächeln, denn es war wundervoll das zu hören. Die beiden waren ein wundervolles Paar und wirkten perfekt zusammen. Für einen Moment war ich irgendwie neidisch auf sie. Genauso eine Beziehung wollte ich ebenfalls haben. Doch momentan war ich sicher nicht in der Lage so etwas zu bekommen. Die meisten Männer hauten schon ab, sobald sie hörten, was ich beruflich machte. Es würde bestimmt in Zukunft schwer werden, sollte mein Künftiger von meiner Vergangenheit erfahren. Wie von selbst schweifte ich mal wieder mit meinen Gedanken ab.
 

Einige Erinnerungen kamen in mir hoch, in denen ich meine Eltern vor meinem inneren Auge sehen konnte. Sie waren genauso perfekt zueinander, wie Yamato und Miyako. Erst am Hotel bemerkte ich, dass wir bereits angekommen waren. Blinzelnd sah ich aus dem Fenster, ehe ich verlegen und entschuldigend zu den anderen blickte. Jedoch winkte Miyako direkt ab, als ich zu ihr sah. Sie schienen alle drei kein Problem damit zu haben, dass ich etwas abwesend war. “Wollen wir etwas essen gehen?”, fragte Yamato und lenkte damit von meiner gedanklichen Abwesenheit ab.
 

“Klingt... nach einer sehr guten Idee”, merkte Chiaki an und blickte uns Damen an. “Worauf habt ihr Hunger?”, fragte er uns und einen Moment blinzelte ich.
 

“Wie wäre es mit einem schönen traditionellen spanischen Lokal?”, warf Miyako in die Runde. Diese Idee fand ich großartig und teilte dies mit den anderen. Somit war es beschlossene Sache und Yamato suchte in seinem Handy nach einem Lokal in der Nähe des Hotels.
 

Es dauerte nicht lange, bis er ein Geeignetes fand. Direkt machten wir uns auf den Weg dahin und ließen uns an einen freien Platz führen. Das Essen war zwar ungewohnt und ich hätte niemals gedacht, dass es möglich war, aber es schmeckte unglaublich gut. Dazu genossen wir einen guten Wein und sprachen über die anliegenden Aufgaben. Erneut teilten wir diese auf und würden genauso vorgehen wie in Marseille. Jeder würde die Liste durchgehen und am Ende würden wir diese zusammen tragen, um den Überblick zu haben. Da es sich bewährt hatte, blieben wir bei diesem Konzept. Tatsächlich freute ich mich schon darauf zu sehen, ob es Unterschiede zu dem vorherigen Hotel geben würde.
 

“Haben alle Hotels integrierte Restaurants?”, fragte ich schließlich nach einer Weile.
 

“Ja... und je nach Buchung sind die Menüs inbegriffen oder für einen Aufpreis erschwinglich zu erwerben”, antwortete Chiaki, nachdem er die Rechnung beglich.
 

Gemeinsam gingen wir nach draußen. Einstimmig bestimmten wir, noch eine Runde spazieren zu gehen, da wir noch nicht ins Hotel wollten. Der Tag war ohnehin schon gelaufen. Obwohl der Flug kurz war, hatte dieser uns wirklich geschlaucht. Daher wollten wir den Tag entspannt ausklingen lassen. Dabei war es praktisch, dass sowohl das Restaurant als auch das Hotel nur wenige Minuten Fußweg vom Strand entfernt waren. Es war wunderschön und trotz der Wärme und der Hitze nicht überlaufen. Direkt kam bei mir die Frage auf, ob das Hotel von Chiaki einen privaten Abschnitt hatte. Davon hatte ich schon mehrmals gehört. Auf diese Fragen würde ich die nächsten Tage eine Antwort finden.
 

Den Abend genossen wir am Strand und sahen uns zu viert den Sonnenuntergang an. Während Miyako mit Yamato kuschelnd im Sand saß, hatte ich es mir auf der kleinen Anhöhe gemütlich gemacht. Verträumt sah ich zum Meer hinaus und vergaß für den Augenblick alles andere. Dieser Anblick gab mir Wärme und Geborgenheit zu gleich. Es war wundervoll das Farbenspiel zu beobachten und die frische Meeresbrise wehte leicht durch mein Haar. “Wunderschön”, hörte ich neben mir und nickte.
 

“Oh ja... das ist ein wundervoller Anblick”, bestätigte ich lächelnd und blickte zu Chiaki.
 

Kurz blinzelte ich, da er mich direkt angesehen hatte. Wie von selbst runzelte ich die Stirn und war mir nicht sicher, wovon er vorhin gesprochen hatte. Doch ich bemühte mich, es mir nicht anmerken zu lassen. Demnach beließ ich es dabei und wandte meinen Blick wieder zum Meer. Der Gedanke, dass er mich meinen könnte, war absolut absurd und ich musste aufpassen, dass ich mich nicht in etwas hinein steigern würde. Aus diesem Grund fasste ich den Entschluss, die Reise professionell über die Bühne zu bringen.
 


 

Genau das tat ich in den nächsten Tagen. Barcelona war wirklich eine wundervolle Stadt mit einer Menge Kultur und einigen Sehenswürdigkeiten. Diese hatten wir gemeinsam besucht und Kurzfassungen notiert, um künftig den Gästen etwas mehr bieten zu können. So wurden Tagesausflüge von dem Personal angeboten und einige waren richtig begeistert von der Idee, dass sie anboten diese auch durch zu führen und weitere zu planen. Diese Initiative gefiel nicht nur mir. Chiaki war sichtlich beeindruckt und stolz auf sein Team vor Ort. Wir arbeiteten dort Hand in Hand und man spürte formlich, wie sehr die Angestellten ihren Arbeitsplatz, aber auch Wohnort liebten. Das verbesserte in meinen Augen eindeutig das Klima.
 

Nach vier Tagen brachen Miyako und Yamato mit dem Wagen auf. Sie wollten die Strecke nach Madrid mit dem Wagen fahren. Dabei wollten sie sehen, ob unterwegs kleinere Hotels zu finden waren, in die Chiaki investieren könnte. Schnell merkte ich, dass er sehr daran interessiert ist all seine Kunden glücklich zu machen. Einmal mehr wurde mir bewusst, wie seine Mutter ihn geprägt hatte. Allein mit ihrer Aussage, hatte sie ihm den Grundstein für sein Imperium gelegt. Anders konnte ich seine Immobilien nicht mehr betrachten. Er hatte sich wahrlich etwas sehr Großes und vor allem Gutes aufgebaut. Bestimmt waren seine Eltern sehr stolz auf ihn. Doch weiter dachte ich nicht darüber nach, da wir einiges zu erledigen hatten, bevor wir nach Madrid fliegen würden.
 

Unsere Aufmerksamkeit lag auf dem Außenbereich des Hotels. Ihm war aufgefallen, dass es zu wenig Möglichkeiten neben der Poolanlage gab. Daher überlegten wir mit seinen Angestellten, was man tun könnte. Nach einigen Überlegungen kam die Idee auf, eine Bar in einem niedrigeren Pool zu bauen. Dazu noch die Idee mit Themenabend, die am Wochenende stattfinden würden, um noch mehr Leute an zu locken, die nicht Gäste zugleich waren. So wären Tanznächte, Discofieber oder 1001 Nacht hoch im Kurs. Dahingehend wollten die Angestellten etwas erarbeiten und würden Chiaki per Mail informieren, sobald sie alles zusammen hatten. Denn zwei Tage waren zu kurz, um alles für die besonderen Abenden zu klären.
 


 

Nach einem 90 minütigem Flug waren wir schon in Madrid. Tatsächlich war ich gespannt, was mich in den kommenden sieben Tagen dort erwarten würden. Bisher waren die Aufenthalte wirklich aufschlussreich. Einiges lernte ich dazu, was ich in meinem Architekturstudium nicht näher erklärt bekommen hatte. Es war viel zu spezifisch, weshalb das eine unglaubliche Chance für mich war. Chiaki war sehr professionell, aber auch freundlich und charmant zugleich. Vieles erklärte er mir wie von selbst und ein paar Dinge erst auf Nachfrage. Es schien so, als würde er mich testen. Naja nicht mich direkt, sondern eher mein Interesse an der Materie. Das störte mich gar nicht, denn es zeigte mir, dass er gerne sein Wissen teilte, wenn man es wollte.
 

Kaum waren wir ausgestiegen, schon holten wir unser Gepäck und verließen den Flughafen. Draußen wartete bereits Yamato auf uns und winkte, als er uns entdeckt hatte. “Hey ihr zwei... wie war der Flug?”, grüßte er und umarmte Chiaki freundschaftlich. Man merkte nur zu deutlich, wie tief ihre Freundschaft war.
 

“Ruhig und angenehm”, entgegnete ich lächelnd und er reichte mir seine Hand, die ich etwas drückte.
 

“Das freut mich... ich nehme eure Koffer und ihr setzt euch schon mal rein. Miya wartetet schon ungeduldig”, amüsierte er sich und brachte mich damit zum Lachen.
 

“Oh... hat sie uns etwa vermisst?”, grinste Chiaki und neckte ein wenig seinen Freund.
 

“Ich weiß nicht, ob sie dich vermisst hat, aber Jeanne auf alle Fälle”, konterte Yamato und wir amüsierten uns köstlich. Die drei waren genauso wie Rosalie und Amélie. Daher fiel es mir sehr leicht, mich wohl zu fühlen.
 

Sofort setzten wir uns in den Wagen und Yamato fuhr los. Er navigierte uns geschickt durch die Stadt zu einem äußeren Bezirk. Wenn ich das richtig verstanden hatte, war dort das Hotel mit einer angrenzenden Therme. Es war eher als Wellnesshotel an zu sehen, aber auch andere Gäste kamen dort auf ihre Kosten. Nur wenige Stationen mit der Metro war man im Zentrum und damit mitten in den belebten Zonen. Den Standort fand ich großartig gewählt, da man auf diese Weise eine größere Menge Gäste ansprach. Nun war ich natürlich gespannt, wie das zusammen passte und welche Angebote man dort hatte. Sowohl vor Ort als auch in der Umgebung. Denn das Meer fiel dort definitiv aus. Man war mitten in Spanien.
 

Neugierig sah ich aus dem Fenster, als wir auf eine Straße einbogen, die entlang eines Parks verlief. Erstaunt blinzelte ich, da ich damit nicht gerechnet hatte. “War dieser Park schon hier?”, fragte ich neugierig nach.
 

“Dieser Teil ja... wobei die Straße erneuert wurde, damit man zu den beiden Grundstücken gelangen kann”, erklärte Yamato und sah durch den Rückspiegel zu mir.
 

“Wow... das ist unglaublich und die Stadt hatte dem zugestimmt?”, hakte ich nach und hörte Chiakis Lachen neben mir. Wir beide saßen wie so oft auf der Rückbank. Fragend sah ich zu ihm rüber.
 

“Anfangs nicht... doch als wir unsere Idee mit dem Magistrat und dem Bauamt teilten, waren sie dafür. Denn die Therme ist nicht nur für Hotelgäste gedacht und so hat man ein Fleckchen Frieden mitten im Herzen Spaniens”, ging er nun auf das Thema näher ein und verstehend nickte ich.
 

“Das fördert nicht nur den Tourismus, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung”, schlussfolgerte ich.
 

“So ist es”, grinste Yamato und fuhr durch ein imposantes Tor, welches wahrlich einen bleibenden Eindruck hinter ließ.
 

“Wow!”, entkam es mir und meine Augen wurde erneut größer. “Das ist unglaublich...”, staunte ich und offiziell war ich mehr als beeindruckt von dem Projekt, welches ich nun kennen lernen würde.
 

“Das dachten wir auch, als uns die Idee kam... so wirkt es einladend, dass man auf dem Gelände willkommen war”, lächelte Chiaki mit einer Menge Stolz in seiner Stimme. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen und war umso gespannter, was mich erwarten würde.
 

Nur kurze Zeit später hielt Yamato an und ein Fahrer kam direkt zu ihm. Diese würde wohl den Wagen einparken, den Service fand ich gut. Hier war er angebracht, so könnten die Gäste gleich entspannt in ihren ‘Urlaub’ starten. “Endlich!”, hörte ich Miyakos Stimme und schaffte es gerade so nicht um zu fallen, da sie mich stürmisch begrüßt hatte.
 

“Hey, Miya”, grüßte ich sie lachend und sie gluckste amüsiert. Dass die beiden Jungs uns mit hoch gezogenen Augenbrauen ansahen, bemerkte ich erst später.
 

“Nun schaut doch nicht so”, kicherte Miyako, hakte sich bei mir ein und führte mich schon ins Hotel hinein.
 

“Du hast uns wirklich vermisst”, schmunzelte ich und sie nickte eifrig.
 

“Auf alle Fälle... ich liebe meinen Mann, aber mit euch ist es lustiger”, meinte sie glucksend und ich kam nicht umhin zu schmunzeln. Sie war wirklich eine verrückte Nudel. Genau deshalb fand ich sie unglaublich.
 

“Lass ihn das aber ja nicht hören”, kicherte ich und sie lachte sofort.
 

“Das weiß er doch”, meinte sie und ich sah leicht zu ihr.
 

“Ihr seid echt bekloppt”, entkam es mir und sie grinste breiter. Scheinbar war ihr das mehr als bewusst.
 

“Das ist uns klar... und ich verrate dir etwas”, entgegnete sie. Doch bevor sie weiter sprechen konnte, vervollständigte Yamato ihren Gedanken.
 

“Wir sind stolz darauf”, zwinkerte er und Miyako strahlte ihren Mann an. Blinzelnd sah ich zwischen den beiden hin und her, ehe ich zu Chiaki blickte.
 

“Absolut... übersteh ein Familienessen mit ihnen und du wirst niemals an dieser Aussage zweifeln”, erklärte er und man konnte ihm ansehen, dass er genau deshalb die beiden seine Freunde nannte.
 

“Verstehe”, lächelte ich und ließ mich von Miyako weiter führen durch das Hotel.
 

An der Rezeption checkten wir ein. Diesmal hatte ich ein Einzelzimmer, ebenso wie Chiaki. Miyako und Yamato hatten verständlicherweise ein Doppelzimmer. Die drei Zimmer waren auf der gleichen Etage, sodass wir jederzeit zu dem jeweils anderem gelangen konnten. “Wir dachten uns... ihr kommt erst einmal an, bevor wir zum Essen gehen und einmal das Gelände erkunden”, erklärte Yamato und erneut bewunderte ich seine Professionalität. Er switchte so einfach hin und her. Das war beeindruckend in meinen Augen.
 

“Perfekte Idee”, lächelte Chiaki. “Ich brauche dringend eine Dusche nach dem Flug”, merkte er an und dem konnte ich mich nur anschließen. Es war wirklich heiß gewesen und im Flugzeug hatte es gedauert, bis die Abkühlung da war.
 

“Super... dann sehen wir uns in zwei Stunden”, zwinkerte Miyako und ich nickte.
 

“Prima, denn eine Dusche ist genau das, was ich ebenso brauche”, sprach ich aus und war froh, dass wir den Tag entspannter angingen. Damit war unser Plan gesetzt.
 

Sogleich verabschiedeten wir uns und gingen in unsere jeweiligen Zimmer. Mein Koffer war bereits an der Tür und das fand ich gut. Ein Pluspunkt, da man sich darum nicht kümmern musste. Danach sah ich mir das Zimmer genauer an. Es war gemütlich und einige Details zierten den Raum. Verglichen zu den anderen Hotels waren mehr Pflanzen da und es war freundlicher. Dadurch wirkte es beruhigender und das passte perfekt zum Konzept. Anerkennend nickte ich und suchte das Badezimmer auf. Dort war es geräumig und sowohl eine Badewanne als auch eine Dusche waren vorhanden. Ebenso etwas, was selten in Hotels war. Ein weiterer Pluspunkt kam somit auf die Liste. Da ich eh schon im Bad war, beschloss ich gleich zu duschen. Unter dem fließenden Wasser entspannte sich mein Körper direkt und es war mehr als erfrischend.

Auf nach Portugal

Frisch geduscht und gestylt schnappte ich mir mein Handy und tippte meinen Freundinnen eine schnelle Nachricht: ‘Ich bin vor einer guten Stunde in Madrid angekommen. Bleibe hier etwa eine Woche und dann geht es nach Lissabon. Habe euch lieb und bis bald, ihr Süßen.’ Wir hatten einfach noch keine richtige Chance gehabt, miteinander zu telefonieren. Erst danach ging ich aus dem Zimmer, um zu anderen rüber zu gehen. Schließlich wollten wir gemeinsam Essen gehen. Wie schon in Barcelona beschlossen wir in ein Restaurant in der Nähe des Hotels zu gehen. Während des Essens erzählten uns Miyako und Yamato, was sie auf dem Weg alles entdeckt hatten. Neugierig hörte sowohl Chiaki als auch ich ihnen zu. Es gab ein paar kleine Pensionen laut Internetinserat.
 

“Gut zu wissen... damit gäbe es dort so etwas wie eine Lücke”, sprach er seinen Gedanken aus.
 

“Das denke ich auch”, lächelte Miyako. “Wir sind über die E-90 nach Madrid gefahren... das ist die Route quer durchs Land. Nicht weit von dem Weg waren sehr viele schöne historische Gebäude, die man sich ansehen kann.”
 

“Diese Sehenswürdigkeiten sind einfach unglaublich... trotz der Jahre so gut erhalten”, schwärmte Yamato, holte sein Handy und zeigte uns einige Bilder, die sie gemacht hatten.
 

“Wir hatten nur die größeren angesteuert und doch hatten wir locker fast drei Tage damit füllen können... wir kamen erst mitten in der Nacht im Hotel an”, merkte Miyako an.
 

“Verstehe... also seid ihr der Meinung, dass es sich lohnt, diese an zu sehen?”, fragte ich nach und das Paar nickte.
 

“Hm... ich denke... es wäre geradezu perfekt, wenn man etwas ähnliches wie eine Rundreise anbietet... mehrere Routen fest gelegt mit Übernachtungen”, reifte bei Chiaki die Idee heran und in meinem Kopf setzte sich einiges zusammen.
 

“Dazu noch interessante Restaurants und vielleicht spezielle Autos, die das Erlebnis noch mehr untermauern”, fügte ich an.
 

“Das ist es!”, rief Miyako begeistert aus. “Solche Reisen würden ein besonderes Abenteuer ermöglichen. Vor allem wenn wir Orte nehmen, die eher unbekannt sind und so etwas wie ein Geheimtipp darstellen”, schlug sie vor und Chiaki nickte sofort, während er alles auf seinem Tablet notierte.
 

“Das ist eine perfekte Idee, sobald wir zurück in Tokio sind, werden wir uns das genauer ansehen und im Frühjahr mehrere Routen heraus suchen und selber abfahren, um zu wissen, was wir anbieten können”, plante er bereits das nächste Projekt und ich fand es großartig, wie die drei miteinander agierten.
 

Obwohl Miyako eigentlich für die Buchhaltung zuständig war, hatte sie dennoch sehr gute Ideen und Argumente und brachte diese sehr gerne mit ein. Sie war besonders und vermutlich war das der Grund, warum die drei so gut harmonierten. Denn auch Yamato und Chiaki waren außergewöhnlich. Noch nie war ich solch jungen Menschen begegnet, die trotz ihres Erfolges und des Geldes, dennoch darauf achteten auf das Allgemeinwohl ein zu gehen und weiter arbeiteten, anstatt sich auf dem geleisteten aus zu ruhen. Es war bemerkenswert und ihre Einstellung bewunderte ich sehr. “Das wird sicher viel Spaß machen”, lächelte ich die drei an und sie nickten sofort.
 

“Auf alle Fälle... Wie wäre es... wenn du uns erneut begleitest, Jeanne”, schlug Yamato vor und meine Augen weiteten sich. Mit solch einem Vorschlag hatte ich gar nicht gerechnet. Zumal sie mich gerade mal knapp 3 Wochen kannten. Wobei sie mich eigentlich gar nicht kannte, nur meine Rolle, die ich bei ihnen vorgab zu sein.
 

“Nun... ich weiß noch nicht, was passieren mag... deshalb werden wir sehen, ob ich mitkommen kann”, erklärte ich ihnen diplomatisch. Es würde mir definitiv nicht in den Sinn kommen, ihnen davon zu erzählen, dass mein Vertrag mit der Escortfirma mit dem Auftrag für Chiaki enden würde. Demnach wäre ich in dem Sinne nicht mehr für ihn verfügbar, sollte er mich erneut buchen wollen für die Zeit. Ihre Blicke merkte ich allzu deutlich, doch ich ging nicht weiter darauf ein.
 

“Gut... dann entscheiden wir das, sobald es so weit ist”, kam es von Chiaki und ich war ihm dankbar, dass er dadurch das Thema gewechselt hatte.
 

Beim Nachtisch besprachen wir unser nächstes Vorgehen und Miyako schlug vor, dass wir beide die Thermenprogramme aus probieren würden. Die Männer würden in der Zeit die Gegend erkunden. Da das Hotel ein anderes Konzept hatte, war es wichtig, dass wir an die Sache anders herangehen sollten. Daher fand ich die Aufteilung nicht verkehrt. Zumal ein wenig Wellness echt toll wäre. “Prima... dann wäre das geklärt... Lass uns gleich für die morgige Massagestunde einschreiben”, schlug Miyako mir vor und so würden wir das machen.
 


 

Die Zeit in Madrid war verglichen mit den vorherigen Stationen ziemlich entspannt. Miyako wurde schon jetzt irgendwie zu einer Freundin. Wir machten sogar einmal ein Mädelsabend zusammen. Es war fast genauso wie mit Amélie und Rosalie. Ich vermisste die Zeit mit den beiden, doch Miyako gab mir das Gefühl, dass es in Ordnung war. Auch wenn ich ihr nicht so viel von mir persönlich Preis gab, so erzählte sie mir von der Schulzeit. In der Mittelschule hatte sie die beiden Jungs kennen gelernt und seitdem waren sie unzertrennlich. Zu hören, dass Chiaki ein ziemlicher Bad Boy war, war äußerst interessant. Wobei ich das schon geahnt hatte und zugeben musste, er hatte eine gewisse Art an sich, die genau das ausstrahlte.
 

“Also hat er problemlos jeden Tag eine andere?”, hakte ich nach und Miyako lachte sofort los.
 

“Theoretisch... ja... aber du wirst staunen”, begann sie und trank von ihrem Wein, den wir zuvor aufgemacht hatten, um es uns gemütlicher zu machen. “Er hatte deutlich weniger Mädels, als die meisten wohl vermuteten.”
 

“Wirklich?”, hakte ich neugierig nach.
 

“Ja... er war nur mit zweien in der Schulzeit zusammen”, erklärte sie und ich staunte nicht schlecht.
 

“Und während des Studiums?”, wollte ich wissen und versuchte nicht allzu neugierig zu wirken.
 

“Er... hat dir davon erzählt?”, stellte sie die Gegenfrage und scheinbar war sie überrascht darüber.
 

“Ist... das etwa ein Geheimnis?”, kam ich nicht umhin zu fragen, denn es klang wirklich danach.
 

“Nein... aber normalerweise sagt er das nicht einfach so”, sprach sie nachdenklich aus und nun war ich noch überraschter. “Aber scheinbar wollte er das mit dir teilen”, sagte sie lächelnd und freute sich tatsächlich.
 

Es irritierte mich noch mehr, doch weiter ging sie darauf nicht ein und ich überlegte, wie ich auf das eigentliche Thema zurück kommen konnte. Aber schlussendlich beließ ich es dabei, denn ich wollte nicht zu neugierig wirken. Stattdessen sprachen wir über andere Dinge und ich erfuhr, dass Miyako einen älteren Bruder hat, der Biologe war. Wegen seiner Arbeit sah sie ihn selten, aber auch ihre Reisen förderten nicht ihre Kommunikation. Wobei sie öfters zusammen schrieben und sich so auf den neusten Stand brachten. Da ich Einzelkind war, konnte ich das nicht nachvollziehen, aber es klang toll Geschwister zu haben. Kurz war ich neidisch auf den Zusammenhalt ihrer Familie. Doch dann kamen mir meine Tante und mein Onkel in den Sinn.
 


 

Sichtwechsel zu Miyako


 


 

Die Möglichkeit, alleine Zeit mit Jeanne zu verbringen, musste ich wahrnehmen. Das Gefühl blieb, dass ich sie kenne. Es verstärkte sich sogar und ich wollte dem nachgehen. Es wäre schwierig gewesen, dies in der Gegenwart von Chiaki zu tun. Er kannte mich einfach viel zu gut, weshalb er direkt merken würde, dass etwas nicht stimmen könnte. Natürlich hatte ich meinem Mann den Plan erläutert und er fand es gut, dass ich dem nach ging. Der Mädchenabend war für mich wichtig, denn da konnte man persönlicher und freier sprechen. Ich hoffte sehr, sie könnte heraus finden, woher ich sie kenne. Schon früh brachten mir meine Eltern bei, Menschen zu lesen und Anzeichen zu erkennen. Daher merkte ich, dass sie verschlossen war, sobald das Gespräch privater wurde. Nur bei Chiakis möglichen Frauen, zeigte sie deutliches Interesse.
 

Aber dass er ihr von seinem Studium erzählt hatte, hatte mich ziemlich verwirrt. Für gewöhnlich sprach er über diese Zeit nicht, doch bei ihr schien er eine Ausnahme gemacht zu haben. Warum das so war, würde ich ebenso auf den Grund gehen. Dass ich das mal erleben würde, hätte ich nie gedacht. Denn Chiaki schien ihr zu vertrauen. Wie weit das ging, fand ich im Laufe unseres Gespräches heraus. Zwar hatte er nur oberflächlich davon erzählt, aber selbst das tat er nicht bei jedem. Es war schon ziemlich interessant wie die beiden zusammen agierten und mehr von einander erfahren wollte, aber das nicht so offensichtlich zeigen wollten.
 

Als ich von meiner Familie gesprochen hatte, merkte ich die Traurigkeit in ihren Augen. Damit gab sie zumindest ihre Emotion Preis. Zu gern hätte ich nach gefragt, doch das könnte nach hinten losgehen. Deshalb beließ ich es dabei und sprach mit ihr über Alltägliches und lernte ihre lockere Seite kennen, denn sie scherzte etwas. Es war schon amüsant zu sehen, wie sie versuchte zu vermeiden, mehr von sich zu verraten. Es muss vermutlich sehr schwer für sie sein, darauf zu achten, wie viel sie wem verraten dürfte. Bei ihrem Job kann ich das durchaus verstehen. “Wir sollten solche Abende öfters machen”, meinte ich und Jeanne kicherte leise.
 

“Eine sehr gute Idee... lass uns das mindestens einmal bei unseren Aufenthalten tun”, schlug sie vor und ich fand die Idee großartig. Deshalb nickte ich eifrig und trank etwas vom Wein.
 

“Das klingt perfekt... es war wirklich ein toller Abend, Jeanne”, lächelte ich sie an und für einen Moment dachte ich, dass sie ihr Gesicht etwas verzogen hatte.
 

“Stimmt... das war es und ich freue mich schon auf den nächsten”, kam es von ihr und die Ehrlichkeit in der Stimme konnte ich deutlich heraus hören.
 

“Ich mich auch”, gluckste ich und würde sehen, was die nächsten Abende mit sich bringen würden.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Der Abend mit Miyako war wirklich toll, auch wenn ich nicht so offen mit ihr sprechen konnte, wie ich es mit meinen Freundinnen tun könnte. Mit ihr macht es wirklich Spaß und ich würde mich über weitere solche Abende freuen. Mir war bewusst, dass sie alles machte, damit ich mich um einiges wohler fühlte bei ihnen. Warum dem so war, war mir noch gar nicht bewusst, doch ich würde das sicher noch erfahren. Mit einem Lächeln hatten wir uns für den Tag verabschiedet und ich ging rüber in mein eigenes Zimmer. Dort machte ich mich für die Nacht fertig und schlief recht schnell ein. Fast traumlos verlief meine Nacht und ich war um einiges ausgeruhter als die Tage zuvor.
 

Es war unser letzter Tag in Madrid und den entspannten wir gemeinsam im Outdoorpool. Die Sonne war herrlich und das wollten wir noch ausnutzen. Im Bikini bekleidet war ich größtenteils auf der Liege und sonnte mich einige Zeit. Dass ich viele Blicke auf mich zog, war mir mehr als klar, doch ich ignorierte diese geschickt. Miyako kicherte auf der Liege neben meiner. “Diese sabbernden Männer sind wirklich viel zu komisch”, meinte sie glucksend und meine Mundwinkel zuckten nach oben.
 

“Absolut... vor allem, wenn sie mit ihren Anmachsprüchen daher kommen”, entgegnete ich ihr und sie lachte noch mehr.
 

“Oje... hörst du sowas denn oft?”, fragte sie mich.
 

“Du wärst überrascht... aber ja... verdammt oft”, antwortete ich ihr. “Wenn sie wenigstens originell wären”, amüsierte ich mich und neugierig wollte Miyako wissen, welche die dümmsten Sprüche waren. Dahingehend musste ich nicht lange überlegen und erzählte ihr von denen, die ich gewöhnlich zu hören bekam. Lachend schüttelte sie den Kopf und ich grinste. Es tat echt gut, diese Idiotie los zu werden.
 

“Unglaublich, dass die Männer denken, wir Frauen stehen darauf wie Tiere gesehen und behandelt zu werden”, merkte sie an, denn die meisten Anmachsprüche waren Tiervergleiche.
 

“Absolut... es ist nur akzeptabel, wenn man dreckige Tiernamen nutzt”, kicherte ich und Miyako blinzelte.
 

“Ernsthaft? Du stehst darauf?”, hakte sie nach und sah mich an. Grinsend zuckte ich mit den Schultern und zwinkerte.
 

“Oh... das würde ich nur zu gern nächstes Mal bei unserem Mädelsabend besprechen”, grinste sie breiter und dem konnte ich nur zustimmen. Damit hatten wir eine Menge Gesprächsstoff für die kommenden Abende.
 

“Was würdest du gerne besprechen?”, hörte ich plötzlich die Stimme von Chiaki und bekam große Augen. Ich war mir nicht sicher, ob er das mitbekommen hatte oder nicht.
 

“Das... Chiaki... bleibt unser Geheimnis”, kam mir Miyako kichernd zuvor und erleichtert atmete ich tiefer durch. Obwohl es mir egal war, was andere von mir dachten, so wollte ich nicht, dass er von meiner Vorliebe erfuhr. Das würde bestimmt das Bild von mir als Escortdame noch mehr ins Klischee verschärfen, auch wenn er mich nicht so sah. Dennoch war es nur eine Frage der Zeit, bis er in mir genau wie die meisten anderen nur eine bezahlte Begleitung erkannte.
 

“Genau... es bleibt unser Geheimnis”, pflichtete ich ihr bei und sah zuckersüß zu ihm auf. Seine Augenbraue schoss in die Höhe und ich konnte ihm ansehen, dass er noch etwas sagen wollte. Doch ich wollte ihn daran hindern. Daher sprach ich das erste aus, was mir in den Sinn kam: “Schon genug geplantscht?” Seine Augen weiteten sich und Yamato lachte sofort amüsiert los, während er sich zu seiner Frau auf die Liege setzte. Sie stimmte in seine Geste ein und lehnte sich an ihn.
 

“Ich mache vieles... aber sicher nicht plantschen”, entgegnete er und verschränkte seine Arme vor der Brust. Er wirkte wirklich angepisst, wobei ich etwas in seinen Augen aufblitzen sehen konnte.
 

“So?”, entgegnete ich und schob die Sonnenbrille leicht hinab, um über diese ihn an zu sehen. “Vieles also?”, setzte ich fort und legte leicht den Kopf schief. “Was denn genau?”, grinste ich ihn nun breiter an, denn seine Herausforderung würde ich immer annehmen und mit spielen. Das war schon seit unserer ersten Begegnung so gewesen. Sein Mundwinkel zuckte leicht nach oben.
 

“Oh ja... So einiges, wovon du noch gar nichts weißt”, merkte er an und zwinkerte mir zu. Amüsiert schmunzelte ich.
 

“Denkst du... ich werde das eines Tages noch in Erfahrung bringen?”, hakte ich nach und er grinste leicht.
 

“Ich bin mir sicher, dass du das sicher schon bald heraus finden wirst”, zwinkerte er mir zu und nun konnte ich nicht anders als zu lachen.
 

“Ich glaube nicht”, merkte ich an und verabschiedete mich von ihnen, um in mein Zimmer zu gehen und zu packen.
 

Innerlich hoffte ich, dass sie mich nicht durchschauen würden. Zwar war der Grund vorgeschoben, doch es entsprach trotzdem der Wahrheit. Denn ich musste noch meinen Koffer für den Flug nach Lissabon packen. Aber allen voran wollte ich aus der Situation entfliehen. Das ganze hin und her zwischen Chiaki und mir war mehr als angespannt. Reiß dich zusammen... er ist dein Kunde., sagte ich mir immer wieder vor wie ein Mantra. Mehr als sicher war ich mir, dass die Reise mir einiges abverlangen würde. Kaum war ich im Zimmer, schloss ich die Tür und lehnte mich dagegen. Tiefer atmete ich durch und beschloss ins Bad zu gehen, um kalt zu duschen. Nur so könnte ich diese aufsteigende Hitze in mir los werden.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Mit einem breiten Grinsen sah ich Jeanne nach und wie von selbst wanderten meine Augen über ihre Kehrseite. Sie war eine extrem heiße Frau und hatte einen Knackarsch. Automatisch leckte ich mir über die Lippen, da ich länger ihren Hintern betrachtet hatte als gewöhnlich. “Na... willst du noch einmal plantschen gehen?”, kam die Frage plötzlich von Yamato und verwirrt blickte ich zu ihm.
 

“Was?!”, entgegnete ich und er lachte sofort los.
 

“Willkommen zurück”, amüsierte er sich doch tatsächlich und ich brauchte einen Moment, ehe ich begriff, was er meinte.
 

“Mato... halt die Klappe!”, meinte ich und haute ihm freundschaftlich auf die Schulter. Augenblicklich lachte Miyako los und schüttelte nur den Kopf.
 

“Ihr Spielkinder”, grinste sie breiter uns an und sah dann zu mir. “Aber... ich schließe mich ihm an... willkommen zurück”, zwinkerte sie und ich seufzte.
 

“Lass das, Miya!”, meinte ich und wusste genau, was sie andeutete. Doch ich würde niemals das laut aussprechen.
 

“Schon gut, Großer... sollen wir noch eine Runde in den Pool, oder ebenfalls unsere Sachen packen?”, gab sie uns die Wahl und einen kurzen Moment überlegte ich.
 

“Ich denke... ich gehe ebenso packen”, antwortete ich ihr und sie grinste breiter.
 

“Ist gut... mach das”, grinste sie mich breiter an und schmunzelnd nickte ich.
 

“Miya und ich werden noch eine Runde schwimmen gehen”, meinte Yamato und ich sah blinzelnd zu ihm.
 

“Habt Spaß... wir sehen uns morgen dann in der Lobby, bevor wir zum Flughafen fahren, oder?”, wollte ich von ihnen wissen und beide nickten sofort. “Gut... habt eine tolle Nacht”, zwinkerte ich ihnen zu. Mir war direkt klar, was die beiden in ihrem Zimmer treiben würden, dennoch würde ich es sicher nicht aus sprechen.
 

Auf dem Weg in mein Zimmer hatte ich Jeanne im Kopf. Sie war wirklich bemerkenswert und dabei meinte ich nicht nur ihren Hammerkörper. Zwar fiel mir dieser als erstes auf bei dem Maskenball, doch kaum hatte ich sie getroffen und mit ihr gesprochen, schon war da so viel mehr, was mich anzog. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum ich ihr etwas von mir erzählt hatte. Mit diesen Gedanken stieg ich unter die Dusche und erfrischte mich, ehe ich meinen Koffer packte und zu Bett ging. Der Tag würde wieder früh beginnen, denn unsere Reise würde weiter gehen. Tatsächlich war ich schon sehr gespannt darauf, was ich noch alles mit ihr erleben würde.
 

Früh morgens klingelte der Wecker unbarmherzig und ich rieb mir über die Augen. Seufzend machte ich diesen aus und streckte mich, ehe ich auf stand. Zu gerne wäre ich noch in meinem Traum geblieben, jedoch war dies nicht möglich. Lange Zeit hätte ich nicht mehr, denn unser Flug würde bald gehen. Deshalb machte ich mich für den Tag fertig und verließ eine knappe Stunde später mein Zimmer. Unten in der Lobby entdeckte ich Jeanne schon von weitem. Wie von selbst scannte ich ihr Outfit. Sie trug eine knielange Leggings mit einem längeren Top, welches einer Tunika glich. Ein Gürtel war um ihre Taille gelegt und betonte damit ihren guten Körperbau. Sogleich benetzte ich meine Lippen, die sich plötzlich extrem trocken anfühlten. Schwerer schluckte ich und schüttelte sofort meinen Kopf, um den Gedanken los zu werden, der sich gerade manifestieren wollte.
 

Erleichtert entdeckte ich meine Freunde, die ebenso dazu kamen. Dadurch würde es mir leichter fallen an etwas anderes zu denken. “Guten Morgen”, grüßte ich die drei, nachdem ich bei ihnen war und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Ein Chauffeur würde uns dort hin bringen, damit wir uns keine Sorgen machen müssten.

Verwirrende Emotionen

Die Fahrt zum Flughafen und das Einchecken gingen so schnell an mir vorüber, dass ich irgendwie das Gefühl hatte nur ein stiller Beobachter zu sein. Im Flugzeug hatten wir unsere Plätze in der ersten Klasse, wie gewöhnlich, und die Sitze waren beieinander. So konnten wir zusammen reden, wenn wir das wollten. Tatsächlich nutzten Yamato und ich diese Zeit oft dazu, um den Ablauf grob durch zu gehen. Mit dem Tablet bewaffnet hatten wir nebeneinander Platz genommen und redeten über die Zeit, die wir jetzt in Lissabon und später in Miami verbringen würden. Diesmal hatten wir drei Galas, an denen ich teilnehmen müsste. An einer würde Yamato mich vertreten, da diese zeitgleich mit einer anderen war.
 

“Das würde bedeuten... in Lissabon sollten wir die Outfits abstimmen und später in Miami gehen wir den Ablauf durch”, merkte Yamato an und ich nickte ihm zustimmend.
 

“Genau... für die Spendengala werde ich noch die Checks ausstellen im Namen des Unternehmens”, sprach ich aus und notierte dies, damit ich es nicht aus den Augen verlieren würde.
 

“Perfekt... war bei den Veranstaltungen ein Motto oder eine Kleiderordnung?”, fragte mein bester Freund mich.
 

“Hm... ich muss nachsehen, was in der Einladung steht”, überlegte ich leicht und öffnete gleich die Mails, die ich vor einiger Zeit erhalten hatte. Schnell überflog ich die Zeilen. “Die nächste hat nur Abendkleidung... also freie Auswahl”, antwortete ich ihm und suchte nach der anderen Mail. “Hier wäre einmal Beach-Gala... und die andere hat das Thema ‘Rot und Weiß’... die letzte wäre wieder nur Abendgarderobe”, fügte ich an und er nickte leicht. Einige Momente überlegte ich, was schlauer für Jeanne und mich wäre. Es war schon schwer, sich zusammen zu reißen, da wäre es sicher keine gute Idee mit ihr zu einer Strandparty zu gehen.
 

“Ich vermute...”, begann er und lehnte sich etwas mehr zu mir, um mir zu zu flüstern. “Miya und ich sollen die Beach-Gala übernehmen, oder?”, fragte er mich wispernd und plötzlich grinsend. Meine Augen weiteten sich bei seinem Vorschlag, während ich schwerer schluckte.
 

“Ähm... ja... das wäre mehr als perfekt”, gestand ich ihm und war erleichtert, dass er das von sich anbot. Wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass er mir angesehen hatte, wie unangenehm es mir wäre.
 

“Dann werden wir das für euch übernehmen”, lächelte er mich an und schien sich darüber zu freuen. Das war typisch für ihn, denn er liebte es, seine Frau immer in knappen Sachen zu bestaunen. “So könnt ihr euch weiter beschnuppern”, fügte er amüsiert hinzu und erneut bekam ich große Augen. Ehe ich darauf reagieren konnte, hörte ich die Mädels neben uns. Überrascht zuckte ich etwas zusammen.
 

“Was habt ihr denn besprochen?”, hörte ich Miyako schon neugierig nach fragen.
 

“Ähm...”, begann ich und musste kurz überlegen, was ich antworten könnte, ohne dass sie Verdacht schöpfen.
 

“Wir sind die Galas durch gegangen, die anstehen”, erklärte Yamato rasch.
 

“Genau... es gibt da eine Überschneidung”, merkte ich an und sah deutlich, wie sich die beiden Frauen ansahen und kurz nickten, ehe sie zu uns sahen.
 

“Was kam denn dabei rum?”, fragte sie nach und Jeanne schmunzelte bei der Frage.
 

“In Lissabon bräuchten wir Abendkleider für euch beide und für uns Anzüge”, antwortete ich direkt.
 

“Und in Miami gehen wir zwei zu einer Strandparty... während Chiaki mit Jeanne sich in Rot und Weiß kleiden dürfen”, ergänzte Yamato und grinste seine Frau breiter an.
 

“Oh... ich liebe die Strandpartys”, freute sich Miyako sichtlich und ich schmunzelte bei ihrer Euphorie.
 

“Deshalb habe ich das für dich reserviert”, grinste Yamato und innerlich dankte ich ihm, da er erneut mir aus der Patsche half. Solch einen Freund zu finden, war mein wahres Glück.
 

“Da scheint Chiaki sehr großzügig zu sein”, kam es lächelnd von Jeanne und ich war erleichtert, dass sie das so sah.
 

“So bin ich nun mal”, entgegnete ich grinsend, um den Schein bei ihr zu wahren. Mir war klar, dass Miyako mich schon schnell durch schaut hatte, denn sie zwinkerte mir frech zu.
 

Mist... bestimmt wird sie mich nachher löchern, sobald sie die Gelegenheit erhält., kam mir in den Sinn und ich würde mich darauf vorbereiten müssen. Dahingehend war sie unbarmherzig. Doch anders kannte ich sie nun mal nicht.
 

“Gut... dann werde ich am besten mit Jeanne direkt zum Shoppen fahren”, holte Miyako mich aus meinen Gedanken heraus. Augenblicklich sah ich zu meinem blonden Engel und sie hatte größere Augen bei diesen Worten.
 

“Aber nur ein Kleid, oder?”, hakte sie gleich nach und schluckte schwerer.
 

“Nun... ihr braucht ein Kleid für die Gala in Lissabon, dazu Schuhe und Accessoires... das solltet ihr organisieren. Für Miami könnt ihr dann dort shoppen gehen”, lächelte ich und konnte sehen, dass Jeanne etwas ausatmete.
 

“Das klingt nach einem Plan”, sprach sie und Miyako grinste breiter, da sie sich schon sichtlich darauf freute.
 

“Aber nur das nötigste”, kam es leiser von Jeanne. Einmal mehr fragte ich mich, warum sie so genügsam in Bezug auf neue Kleidung war. Das werde ich früher oder später noch heraus finden, so viel stand es fest.
 

“Solange es dem Anlass angemessen ist, natürlich”, pflichtete ich ihr demnach bei und sie nickte mir leicht dankbar zu. Es war wirklich ungewohnt, wie sie reagierte.
 

“Mach dir keine Sorgen, Chiaki... ich werde darauf achten”, lächelte Miyako mich an und knuffte Jeanne von der Seite. Diese kicherte leise und ließ sich von ihr ablenken.
 

Damit verlief der Flug recht schnell und wir hatten das Wichtigste bereits besprochen. Somit könnten die Damen in Ruhe einkaufen gehen und ich konnte mit Yamato mich zurück ziehen. Ein einfacher entspannter Tag hätte schon etwas. Das hatten wir länger nicht mehr gehabt. Zwar hatten wir zuvor einige ruhige Stunden, aber hin und wieder ein Männertag war wahrlich etwas wertvolles für die Seele. Er grinste mich schon wissend an und ich nickte ihm leicht zu. Wir brauchten keine Worte, um uns zu verstehen. Es reichte oftmals nur ein Blick. So eine Freundschaft war wichtig und wertvoll in meinen Augen. Daher schätzte ich ihn sehr.
 

Als das Flugzeug zum Landeflug ansetzte, schnallten wir uns alle an und warteten, bis wir gelandet waren. Erst dann schnallten wir uns ab und stiegen aus. Den Damen ließen wir den Vortritt und führten sie zu dem Gepäckband. Yamato und ich kannten den Flughafen schon sehr gut. Wir waren fast jedes Jahr in Portugal und das kam uns immer wieder zugute. Mit unserem Gepäck gingen wir weiter nach draußen und würden dieses Mal ein Taxi zum Hotel nehmen. “Ich schlage vor... wir erfrischen uns und fahren dann in die Innenstadt”, meinte Miyako und sah dabei hauptsächlich zu Jeanne rüber.
 

“Ähm... das ist eine gute Idee”, entgegnete sie und überlegte. “Eine Dusche wäre sehr gut, ehe wir los ziehen.”
 

“Perfekt... reichen uns zwei Stunden?”, kam es von Miyako und Jeanne nickte zustimmend.
 

“Sollen wir uns danach zum Essen treffen?”, schlug Yamato vor und einen Moment blinzelte ich.
 

“Das wäre optimal”, merkte ich an und beide Damen pflichteten dem zu.
 

“Während Jeanne und ich einkaufen... sucht ihr ein Lokal aus und wir treffen uns dort”, sprach Miyako lächelnd aus und ich grinste. Das war mal wieder typisch für sie.
 

“Einverstanden... und ihr lasst euch ruhig Zeit und seht euch richtig um”, erinnerte ich meine beste Freundin und auch Jeanne daran, dass sie alle Zeit der Welt hatten.
 

“Ist gut, Chiaki”, grinste Miyako mich an und wir ließen uns zum Hotel fahren.
 

Dort checkten wir ein und bezogen diesmal die größte Suite, die dort war. Sie war wie eine größere Wohnung aufgebaut. Es waren drei Zimmer und zwei Bäder darin, die mit einer Art Wohnküche miteinander verbunden waren. Das war mein Meisterwerk diese Zimmer zu konzipieren. Wir hatten mehrere Anfragen von Familien, weshalb wir uns diese Räume einfallen lassen hatten. Jeder staunte, der diese zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatten. “Wow”, hörte ich hinter mir und grinste breiter.
 

“Sieh dich in Ruhe um, Jeanne”, lächelte ich sie an. “Das ist einer unserer Meisterwerke für die Familien, die hier her kommen”, erklärte ich.
 

“Verstehe... ich bin gespannt”, kam es von ihr und ich wusste genau, dass sie jedes Wort ernst meinte.
 

Sogleich sah sie sich neugierig um und ich konnte nicht anders. Ich musste sie einfach dabei beobachten. Wie von selbst verschränkte ich meine Arme vor meiner Brust. Sie zog mich magisch an. Für mich war sie so hell wie das Licht. Vermutlich war ich die Motte, die von ihr angezogen wurde. Bei meinen Gedankengängen schmunzelte ich und folgte weiterhin ihren Bewegungen mit den Augen. Sie war wahrlich anders und ich wollte nur zu gern mehr von ihr erfahren. Jedoch war ich mir nicht sicher, ob sie mir ihren wahren Charakter zeigen würde. “Sie ist einzigartig”, hörte ich leise neben mir und blickte blinzelnd rüber.
 

“Was?!”, entkam es mir wenig geistreich.
 

“Sie ist anders”, merkte sie an und ich schluckte schwerer.
 

“Stimmt... außergewöhnlich, das weiß ich”, erklärte ich ihr leise und richtete meinen Blick wieder zu Jeanne, die sich gerade in den Schlafzimmern um sah. “Aber... ich glaube nicht, dass sie mir alles von sich erzählen würde”, merkte ich an und schmunzelte einmal mehr über das Strahlen ihrer Augen.
 

“Versuche es... vertraue ihr... und sie wird dir vertrauen”, erklang Miyakos Stimme in meinem Ohr und ich atmete tiefer durch. Leicht nickte ich und überlegte.
 

“Mal sehen, was die Zeit bringt”, entgegnete ich ihr und sie kicherte leise.
 

“Eine gute Einstellung”, amüsierte sie sich und ich wusste genau, dass sie breiter grinste.
 

“Denke ich auch... hast du noch die Karte?”, fragte ich sie, ohne meinen Blick von meinem blonden Engel zu nehmen.
 

“Natürlich... habe ich die Karte dabei”, meinte sie. “Ich soll alles für sie organisieren, was ihr gefallen könnte?”
 

“Ja... Achte darauf, dass sie nicht wegen dem Preis wählt, sondern was angemessen ist”, antwortete ich ihr direkt.
 

“Geht klar, Großer”, pflichtete sie mir bei. “Ich werde eben duschen gehen und danach ziehen wir los”, sagte sie lächelnd und ich nickte leicht. Yamato schien ein Zimmer bezogen zu haben und Jeanne hatte wohl ebenso ihre Wahl getroffen.
 

Kurz sah ich meinen Freunden nach, bevor ich mich auf den Weg zu Jeanne ins Zimmer machte. “Gefällt dir dieses Zimmer?”, musste ich sie fragen, als ich den Raum betrat und sie mit ihrem Koffer vorfand. Sogleich drehte sie sich um und nickte auf meine Frage hin.
 

“Ja... es ist modern eingerichtet und doch märchenhaft”, antwortete sie mir und ich schmunzelte bei ihren Worten.
 

“Stimmt... wir wollten genau das ermitteln. In der modernen Welt braucht man trotz allem etwas zum Träumen”, erklärte ich ihr und sie nickte.
 

“Sehr gut umgesetzt... und es ist gut, dass hier zwei Bäder sind”, merkte sie an und lächelte.
 

“Danke für das Lob”, entgegnete ich und für einen Moment sahen wir uns in die Augen. Doch ich räusperte mich und unterbrach den Moment. “Miya ist gerade duschen... danach wollte sie los”, leitete ich die Worte meiner besten Freundin weiter an Jeanne.
 

“Oh... dann sollte ich mich beeilen”, sprach sie aus und einmal mehr schmunzelte ich.
 

“Nur kein Stress... Miya trödelt gerne”, erklärte ich ihr leicht grinsend und sofort lachte sie.
 

“Das kenne ich... würdest du... mich entschuldigen?”, bat sie mich und ich lächelte sie sanft an.
 

“Natürlich... nimm dir alle Zeit der Welt”, zwinkerte ich ihr zu und deutete eine kleine Verbeugung an, ehe ich aus dem Raum ging und ihr den Freiraum gab, den sie brauchte zum fertig werden.
 

In der kleinen Küchennische stand Yamato bereits und machte Kaffee, denn der Geruch erfüllte den Raum. “Auch einen?”, fragte er mich breit grinsend.
 

“Unbedingt”, entgegnete ich und ging zu ihm rüber. “Ich dachte schon, dass du mit Miya unter die Dusche bist”, neckte ich ihn und er lachte.
 

“Ich war auch versucht... doch sie hat mich gebeten zu warten”, antwortete er mir amüsiert und reichte mir die Tasse, die ich dankend annahm. “Gehen wir während dessen noch die restlichen Tage durch?”, wollte er wissen und ich nickte, nachdem ich einen Schluck vom Kaffee genommen hatte.
 

“Wäre nicht schlecht”, pflichtete ich ihm bei. “Danach würde es leichter werden. Vor allem den Ablauf der Gala und die Anzüge sollten wir auch organisieren”, überlegte ich und er nippte an seinem Becher.
 

“Klingt gut... oder wir lassen uns die Anzüge von daheim schicken”, zwinkerte er mir zu und meine Mundwinkel zuckten. Der Gedanke gefiel mir tatsächlich, da ich genauso viel Lust zum Shoppen hatte wie mein bester Freund.
 

“Das wäre perfekt... denkst du... die kommen rechtzeitig an?”, grübelte ich einen Moment, denn in zwei Tagen war bereits die Gala.
 

“Hmmm... ich denke, dass wir das hinbekommen werden”, zwinkerte er mir zu.
 

“Gut... dann sagen ich gleich Bescheid”, amüsierte ich mich und überlegte. “Welche Farbe sollten wir bei den Krawatten berücksichtigen?”, fragte ich ihn und er grinste leicht.
 

“Das wird schwierig werden... aber ich könnte Miya bitten uns Krawatten passend zu ihren Kleidern mit zu bringen”, schlug Yamato vor und nun war mein Grinsen umso breiter.
 

“Perfekt... dann werde ich die Anzüge organisiere und du das Zubehör”, zwinkerte ich ihm zu und lachend nickte er, bevor er weiter seinen Kaffee trank. Genau wie ich.
 

Diese schwarze Brühe werden wir noch genießen, ehe wir unseren Plan in die Tat umsetzen. Es dauerte nicht lange, bis wir leer getrunken hatten und ich meiner liebsten Nachbarin schrieb, dass sie für Yamato und mich zwei Anzüge schicken sollte. Einen nach Lissabon mit Eilexpress und einen nach Miami mit der Luftpost. Alles war möglich, sobald man das nötige Kleingeld verwenden konnte. Zurück erhielt ich nur ein lachendes Smiley mit dem Kommentar, dass wir mal wieder zu faul waren, um shoppen zu gehen. Das konnte ich tatsächlich nicht unbeantwortet lassen. ‘Natürlich... du kennst uns doch 😉 Tausend Dank und wir bringen dir was mit.’
 

“Und... geht es klar?”, hörte ich Yamatos Frage und als ich auf sah, grinste er mich bereits an.
 

“Oh ja... sie schickt es sofort los”, antwortete ich ihm, auch wenn er das schon gewusst hatte.
 

“Sehr gut... dann sehe ich mal nach meiner Frau”, grinste er mich an und ich nickte ihm zu. Einen Moment sah ich ihm nach und gönnte mir noch einen Kaffee.
 

Es dauerte nicht lange, bis Jeanne zu mir kam und ich ihr einen Kaffee anbot. Dankend nahm sie diesen an und trank gemütlich, während wir auf Miyako warteten. Sie kam mit Yamato einige Minuten später zu uns. “Na... bereit zum Shoppen?”, amüsierte ich mich und meine beste Freundin nickte zustimmend.
 

“Oh ja... ich bin bereit!”, erklärte sie und Jeanne kicherte leise neben mir. Ich konnte ihr durch aus ansehen, dass sie das wohl zu gerne hinter sich bringen würde.
 

“Wir sollten los”, meinte sie und meine Vermutung bestätigte sich damit.
 

“Lass uns gleich aufbrechen”, lächelte Miyako und ich stimmte diesem zu.
 

“Nehmt den Wagen oder einen Chauffeur... entscheidet selbst”, zwinkerte ich ihr zu und sie grinste breiter.
 

“Was meinst du, Jeanne... sollen wir selbst fahren?”, fragte sie meinen blonden Engel. Mein Blick glitt zu ihr und sie schien nach zu denken.
 

“Also... ich fahre nicht gerne in der Großstadt”, antwortete sie und wurde leicht rot um die Wange. Das war ein süßer Anblick für mich.
 

“Kein Problem... dann lassen wir uns fahren”, grinste Miyako und ich wusste, dass sie genauso ungern in den größeren Städten fuhr.
 

“Habt viel Spaß”, verabschiedete Yamato die beiden und ich wünschte ihnen ebenso einen schönen Nachmittag.
 

“Bis später”, kicherte sie und nahm Jeanne mit sich nach draußen. Damit ließ sie uns Männer zurück und schmunzelnd sahen wir uns an.
 

“Miya ist und bleibt ein Unikat”, bemerkte ich und er lachte sofort los.
 

“Oh ja... und wenn Jeanne danach nicht weg will, wird alles gut sein”, grinste er breiter. In diesem Punkt hatte er Recht, weshalb ich ihm zustimmend nickte. Wenn sie Miyakos Shoppingaktionen überstehen konnte, würde sie alles ertragen können. “Du magst sie sehr, oder?” Bei dieser Frage sah ich blinzelnd zu meinem besten Freund.
 

“Nun... sagen wir es mal so... sie hat etwas an sich, was mich fasziniert”, entgegnete ich ihm und er grinste leicht.
 

“Sie ist die erste seit Jahren, die deine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte”, sprach er das aus, was ich schon längst ebenso gemerkt hatte.
 

“Das stimmt... Auch wenn ich noch nicht weiß, wieso...”
 

“Deshalb hast du sie auf diese Reise eingeladen?”, wollte er von mir wissen und meine Mundwinkel zuckten.
 

“Korrekt... ich möchte sie kennen lernen... und erforschen, warum sie mich so fasziniert”, antwortete ich ihm ehrlich. Er ist mein ältester Freund und mit ihm teilte ich schon immer meine Gedanken, Ideen und ebenso meine Sorgen. Er hatte immer ein Rat für mich übrig, ebenfalls wie ich für ihn.
 

“Das ist eine sehr gute Idee, Chiaki... lerne sie ruhig kennen und sieh, wohin dich das führt”, zwinkerte er mir zu und ich schmunzelte bei seiner Direktheit.
 

“Das werde ich tun, Mato”, entgegnete ich und er nickte.
 

“Aber... zeig ihr auch dein wahres Ich... nur dann wird sie dir ihres zeigen”, fügte er an.
 

“Oh man... müssen Miya und du immer so gleich denken?”, lachte ich leise und er hob seine Augenbraue hoch, während er mich anblickte. Sogleich klärte ich ihn auf, denn Miyako hatte mir vorhin schon etwas ähnliches gesagt.
 

“Nun... dann bin ich froh, dass wir das tun”, grinste er mich an und ich rollte mit den Augen.
 

“Schon gut... ich verstehe das zu gut. Ich danke euch... sehr”, sprach ich ehrlich aus, denn unsere Freundschaft war mit das Beste in meinem Leben. “Aber... seid so gut... und passt auf, dass ihr nicht zu aufdringlich seid”, mahnte ich ihn und konnte ihm ansehen, dass er dies zwar zur Kenntnis nahm, doch ändern würde er sich vermutlich nicht.
 

“Wir dosieren es”, lachte er und ich schüttelte nur den Kopf bei seinen Worten. “Was denn?”, amüsierte er sich. “So kann sie sich an uns gewöhnen”, merkte er an und brachte mich damit zum Lachen. Er war unverbesserlich, genau wie seine Frau es war.
 

“Schon gut... nur... lasst meine privaten Dinge außen vor”, bat ich ihn, denn diese Angelegenheiten sollten sie beide nicht weiter tragen. Das oblag einzig und allein mir, sie davon zu unterrichten. Schließlich war es mein Leben und meine Vergangenheit, die ich ihr offenbaren müsste.
 

“Das ist uns klar, Chiaki”, kam es ruhig von ihm. “Nur du bestimmst, wann du soweit bist mit ihr darüber zu reden.”
 

“Danke dir... und nun lass uns noch etwas arbeiten, solange die Damen unterwegs sind und wir nicht abgelenkt werden”, beschloss ich und er lachte.
 

“Alles klar... ich mache Kaffee und du bereitest schon mal die Unterlagen vor”, zwinkerte er mir zu und kümmerte sich direkt um die schwarze Brühe, die wir haben definitiv brauchen würden. Ich hingegen organisierte unsere Zusammenfassungen. Wir würden für die letzten Stationen noch einmal alles besprechen und die betreffenden Änderungen an die jeweiligen Hotels weiter geben. Sie sollten so früh wie möglich mit den Anpassungen beginnen, damit diese in einigen Monaten umgesetzt werden würden.

Ein atemberaubendes Kleid

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie Miyako mich mit gezogen hatte. Zusammen fuhren wir nach unten und verließen das Hotel. Doch zuvor hatte sie an der Rezeption Bescheid gegeben, dass wir einen Chauffeur brauchten. Dieser würde in einigen Minuten vorfahren. Daher hatten wir einen Augenblick für uns. Dies nutzte sie natürlich aus und hakte sich bei mir unter. “Das wird gleich ein Spaß”, gluckste sie und ich war mir da absolut nicht sicher.
 

“Ganz bestimmt”, meinte ich mit einem leichten Lächeln.
 

Kaum fuhr das Auto vor, schon stiegen wir ein und es setzte sich wieder in Bewegung. Direkt hatte Miyako gesagt, wohin sie wollte, und dahin wurden wir nach einigen Minuten auch hin gebracht. An einem Parkplatz wurden wir raus gelassen und ehe ich begriff, wohin genau wir gingen, stand ich bereits vor einem der größten Modehäuser. Mit riesigen Augen starrte ich darauf. Das konnte sie doch niemals ernst meinen, dort hinein zu gehen. Daher blickte ich unsicher zur Seite. “Schau nicht so”, amüsierte sie sich und strahlte förmlich an.
 

“Nun...”, begann ich, doch sie zog mich schon mit sich ins Innere, um sich ins Getümmel zu stürzen. “Miya... nicht stürmisch”, lachte ich leise. Kichernd sah sie mich an, ehe sie über die Tafeln blickte.
 

“Also... ich würde sagen... erst das Kleid... danach die Schuhe und die Accessoires”, zählte sie die Dinge auf, die wir brauchten. Doch ich war ein wenig skeptisch.
 

“Brauchen wir das wirklich alles?”, fragte ich nach und sie erhob eine Augenbraue. Es war mir definitiv nicht wohl dabei, so vieles Neues zu besorgen.
 

“Aber ja... wir brauchen all das”, antwortete sie und ein Seufzen entwich meiner Kehle. Eindringlich sah sie mich an. “Magst du das Shoppen nicht?”, fragte sie frei heraus und für einen Moment war ich sprachlos. Solch eine Direktheit war mehr als selten.
 

“Nun”, begann ich und schluckte etwas. “Tatsächlich... mag ich es nicht”, sagte ich und blickte sie entschuldigend an.
 

“Auch nicht mit deinen Freundinnen?”, hakte sie nach und kurz musste ich überlegen.
 

“Da macht es Spaß, weil wir genau wissen, was wir wollen und das schnell hinter uns bringen”, antwortete ich ehrlich, denn ich wollte sie da wirklich nicht anlügen. Warum das so war, war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht bewusst.
 

“Gut... dann lass uns das genauso handhaben”, grinste sie und zog mich schon weiter zum Fahrstuhl. “Sobald wir das Kleid haben... wissen wir, welche Schuhe dazu passen und welcher Schmuck”, merkte sie an und blinzelnd sah ich zu ihr.
 

“So gesehen stimmt es... magst du denn einkaufen zu gehen?”, wollte ich nun neugierig wissen. Ihre Mundwinkel zuckten bei meiner Frage und wir stiegen in den Aufzug.
 

“Wenn ich genauer darüber nach denke”, fing sie an und grinste breiter. “Nur wenn es schnell geht und wir hinterher essen gehen”, merkte sie an. Augenblicklich weiteten sich meine Augen, denn damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. “Schau nicht so... auch wenn ich jederzeit und überall shoppen könnte, so kaufe ich nur das Nötigste”, zwinkerte sie sichtlich amüsiert und leise kicherte ich.
 

“Das verstehe ich sehr gut”, entgegnete ich ihr und sie nickte zustimmend. Das vertraute Pling kündigte das Stockwerk an, welches Miyako zuvor ausgewählt hatte.
 

“Komm... hier haben wir vier Läden, wo wir Abendkleider finden können”, meinte sie und zeigte zu den jeweiligen Eingängen. “Welchen sollen wir zuerst durch sehen, ob etwas passendes dabei ist?”, fragte sie mich und meine Augen weiteten sich bei den ganzen bekannten Modenamen.
 

“Ähm... ich weiß nicht... ist das nicht zu teuer?”, versuchte ich zu einem anderen Laden zu gelangen. Geld für Kleider so raus zu werfen, gefiel mir nach wie vor nicht.
 

“Ach nein... komm schon... wir haben die Karte und können ein schickes Kleid auswählen, welches wir öfters tragen würden”, zwinkerte sie mir zu und ich biss mir leicht auf die Unterlippe. Dieses Argument war gut, aber trotzdem war es einfach zu teuer in den Läden vor uns.
 

“Vielleicht... könnten wir einen etwas günstigeren Laden aufsuchen”, flüsterte ich meine Zweifel, da ich nicht wollte, dass die anderen um uns herum dies mit bekommen würden.
 

“Niemals, Jeanne... komm”, grinste sie und zog mich einfach so mit sich mit.
 

Seufzend folgte ich ihr und konnte nur hoffen, dass ich in diesen überteuerten Läden etwas ‘preiswerteres’ finden könnte, was dem Anlass entsprechen würde. Wir betraten den ersten Laden und wurden direkt von einer der Verkäuferin gemustert. Solche Blicke mochte ich absolut nicht, denn wir beide trugen nur einfach Kleidung. Nichts Extravagantes. Wozu auch? Wir wollten shoppen gehen und das sollte man bekanntlich in bequemer Kleidung tun. Miyako ließ sich davon absolut nicht beirren. Sie ignorierte die Blicke einfach und ich nahm mir ein Beispiel an ihr. Scheinbar war sie beim Shoppen genauso wie ich. Denn sie stöberte nicht durch die Gänge, wie viele andere Frauen, die das Geld dafür hätten. Sie hatte mich direkt zu dem richtigen Bereich gebracht.
 

“Weißt du schon, welches Kleid du möchtest?”, fragte ich sie und blickte in ihr breit grinsendes Gesicht.
 

“Oh ja... ich weiß genau, welches ich will... und ich hätte schon eine Idee, was dir stehen könnte”, antwortete sie mir und ich konnte nicht anders, als sie an zu starren.
 

“Wie?”, hakte ich nach und sie kicherte.
 

“Du hast so eine tolle Figur und es gibt so viele Kleider, die diese sehr gut unterstreichen können”, erklärte sie mir und lächelte mich an. “Hast du einen bestimmten Schnitt, den du gerne anziehst oder absolut nicht magst? Und wie ist es mit den Farben?”, wollte sie wissen.
 

Überrascht blinzelte ich und überlegte einen Moment. Ehrlich teilte ich ihr mit, dass ich mit dunkelbraunen Tönen nichts anfangen konnte, genauso mit Goldschmuck, da es nicht wirklich zu meinem Hauttyp passte. Da ich etwas blasser war, würde das zu eigenartig wirken. “Was die Schnitte betrifft... bin ich recht offen... es sollte nicht zu freizügig sein”, berichtete ich ihr und sie nickte leicht.
 

“Aber ein wenig Haut zeigen wäre okay?”, wollte sie definieren und kurz blinzelte ich, ehe ich ihr eine Antwort darauf gab.
 

“Solange es nicht vulgär rüber kommt, ja.”
 

“Sehr gut... damit kann ich arbeiten... lass uns mal drei unterschiedliche Schnitte nehmen und anprobieren”, meinte sie und lächelte mich an. Diese Geste wirkte sehr vertraut, weshalb ich mich bei ihr wohl fühlte.
 

“Du willst so viele anprobieren?”
 

“Natürlich... ich muss doch sehen, ob der Stoff mit dem Schnitt passt”, sagte sie modebewusst und ich schmunzelte.
 

“Du achtest wohl sehr auf die Mode, aber gehst nicht gerne shoppen?”, entgegnete ich kichernd und sie lachte.
 

“Korrekt... wenn man es richtig macht... kann man mit den Kleidern weit aus mehr machen und gut kombinieren”, zwinkerte sie mir zu und diese Denkweise gefiel mir. Aus diesem Grund konnte ich ihren Vorschlag nicht ablehnen.
 

“Gut... dann lass ich mich nun überraschen”, grinste ich und könnte schwören, dass ihre Augen noch mehr funkelten.
 

“Dir wird es sicher gefallen”, merkte sie noch an.
 

Sofort ging sie zu den Kleidern und griff erst einmal drei verschiedene heraus, die absolut unterschiedliche Styles hatten. Dies tat sie nicht nur mit meinen, sondern auch mit ihren. Sogar drei verschiedene Farben waren dabei. Sie wollte vermutlich genau sehen, was am besten zu uns passen könnte. Lächelnd nahm ich sie entgegen und wir schritten zu den Umkleiden, um das erste Kleid an zu ziehen. Kurz überlegte ich, wie dies alleine hin bekommen könnte. Zum Glück hatte Miyako die Wahl so getroffen, dass es problemlos war, in das erste Kleid zu kommen. Es war bodenlang und bestand aus einem leichten Chiffon. Jedoch war ich bei der Farbe unsicher. Doch das würde ich Miyako entscheiden lassen. Sie schien dafür ein sehr gutes Auge zu haben.
 

Neu angekleidet verließ ich die Kabine und sah mich kurz nach einem Spiegel um. Das Kleid wollte ich im Ganzen sehen, denn nur vom Oberteil her könnte ich es nicht gut genug beurteilen. Nachdem ich einen entdeckt hatte, blieb ich davor stehen und war mehr als unschlüssig. Ich starrte auf mein Spiegelbild und das dunklere Orange an. “Also... die Farbe passt nicht zu dir”, hörte ich hinter und drehte mich um. Vor mir stand Miyako in einem wundervollen One-Shoulder Kleid in einem zarten Türkis. Dieses lag fast wie eine zweite Haut an ihrem Körper.
 

“Wow... die Farbe sieht toll an dir aus”, brachte ich nur heraus und konnte sehen, wie sie rot um die Nase wurde.
 

“Danke... aber das dunkle Orange ist nicht schön... aber der Schnitt mit dem herzförmigen Dekolleté und dem fallenden Stoff wäre eine Option”, kam es lächelnd von ihr.
 

“Ich... danke dir”, entgegnete ich verlegen und schluckte leicht. “Mit der Farbe... könntest du recht haben... fühle mich nicht wohl darin”, gestand ich und sie lächelte mich sanft an.
 

“Probieren wir das nächste!”, forderte sie und wir verschwanden wieder in den Umkleiden.
 

Mehrere Male zogen wir uns um und testeten einige Kleider durch, bis Miyako schließlich überglücklich aus der Kabine kam. Sie trug ein bodenlanges und dunkelblaues Kleid. Es hatte an einer Seite einen Schlitz bis zum Oberschenkel und war schulterfrei. Damit war mir klar, dass sie ihr Kleid gefunden hatte. “Du siehst unglaublich aus”, sprach ich aus.
 

“Danke dir... das ist genau das Kleid, was ich wollte... einfach und elegant zu gleich”, lächelte sie und strahlte nur noch mehr.
 

“Und es betont deine Kurven”, zwinkerte ich ihr zu und sie kicherte leise, während sie nickte.
 

“Mhm... nun bei dir... das mattgrün gefällt mir mit deinem blonden Haar sehr... aber der Schnitt ist es noch nicht”, meinte sie und ich musste ihr da zustimmen.
 

“Also ein weiteres Kleid”, seufzte ich und sie gluckste.
 

“Keine Sorge... wir finden das richtige... ich ziehe mich um und suche nach dem perfekten Kleid für dich... nun weiß ich, was zu dir passt”, kam es euphorisch von ihr und noch bevor ich sie aufhalten konnte, huschte sie hinter den Vorhang und schien sich um zu kleiden. Schwerer seufzte ich und ging ebenso in die Umkleide. Gerade hatte ich den Reißverschluss geöffnet, hörte ich ein Rascheln. “Jeanne?”, folgte mein Name.
 

“Ja?”, entgegnete ich und steckte meinen Kopf heraus, wobei ich den Vorhang vor meinen Körper hielt. Auch wenn das Kleid diesen verdeckte, so könnte es rutschen und ich wollte sicher nicht entblößt im Laden stehen.
 

“Ich habe hier noch drei in mattgrün... und ich denke... wir haben hier sicher das passende dabei”, grinste mich Miyako schon an. Dass sie sich so schnell umgezogen hatte, ließ mich noch mehr staunen. Sie war wahrlich eine Frau voller Überraschungen und vermutlich mochte ich sie deshalb sehr.
 

“Na ich bin mir noch so sicher”, sagte ich skeptisch und sie grinste nur noch breiter.
 

“Du wirst schon sehen”, zwinkerte sie und hängte die Kleider auf den Hacken, den sie erreichen konnte. “Zieh dich um und ich warte auf dich”, lächelte sie mich an.
 

Erneut seufzte ich und hörte nur ihr lachen, während ich den Vorhang wieder zu zog und mich aus dem Kleid schälte. Erst dann betrachtete ich die Auswahl, die sie gebracht hatte. Ehrlich musste ich sagen, dass sie Geschmack hatte. Die Farbe gefiel mir immer mehr und mit den blonden Haaren sah es unglaublich aus. Eines griff ich heraus und zog es mir an. Blinzelnd stutzte ich, da dieses Teil am Rücken gar keinen Stoff hatte. An sich war das Kleid wunderschön. Es war aus Seide und schmiegte sich perfekt an meinen Körper an. Und doch blieb die Unsicherheit. Daher biss ich mir leicht auf die Unterlippe, da ich nicht genau wusste, wie das wohl wirkte.
 

“Hast du ein Kleid an?”, hörte ich die Frage und zog den Vorhang auf, statt zu antworten.
 

“Schon.... aber...”, begann ich und trat zu dem Spiegel, um mich ganz betrachten zu können. Wie von selbst drehte ich mich und sah über die Schulter. Die Rückenansicht war unglaublich, aber auch nur, weil mein Körper durchtrainiert war. Denn man konnte meinen kompletten Rücken sehen.
 

“Ein heißer Rücken kann auch entzücken”, erklang Miyakos Stimme und meinen Blick wandte ich direkt zu ihr.
 

“Schon, aber ist das nicht zu viel des Guten?”, fragte ich unsicher nach.
 

“Ach was... es ist perfekt!”, strahlte sie mich an und skeptisch schoss eine meiner Augenbraue in die Höhe.
 

“Ich denke, es ist viel zu freizügig”, meinte ich mehr als zweifelnd und sie schmunzelte nur nach meinen Worten.
 

“Quatsch... das ist ein wundervolles Kleid und du kannst es tragen... und es ist zwar freizügig, doch nicht vulgär”, erklärte sie und bevor ich wieder protestieren konnte, plapperte sie schon weiter drauf los und brachte so viele Argumente an, dass ich nichts mehr dagegen sagen konnte. Daher gab ich auf und seufzte auf.
 

“Na gut... du hast gewonnen”, sprach ich aus und sie jubelte sichtlich erfreut darüber.
 

“Zieh dich um, damit wir noch schnell die Schuhe besorgen können”, grinste sie mich an.
 

Ergeben nickte ich und kehrte zurück in die Umkleide. Schnell hatte ich mich umgezogen und schmunzelte bei dem Anblick der Kleider, die mir erspart blieben an zu ziehen. Einen Moment brauchte ich, ehe ich meine Leggings und das einfach längere Shirt wieder an hatte. Erst jetzt fiel mir auf, dass keine der Verkäuferinnen bei uns waren und das war mehr als eigenartig. Da müsste ich wohl Miyako fragen, warum dem so war. Mit diesem Gedanken verließ ich die Umkleide und hatte die nicht benötigten Kleider bereits auf die dafür vorgesehene Stange gehangen und das außerwählte Kleid blieb in meiner Hand. “Damit wären wir hier fertig, oder?”
 

“Mhm... komm... ich nehme das Kleid”, meinte sie direkt und hatte mir dieses schon abgenommen. Sogleich ging sie voraus und ich kam nicht mehr dazu, sie zu fragen, was mir vorhin in den Sinn kam.
 

An der Kasse angekommen, überreichte sie die beiden Kleider an die Verkäuferin, die skeptisch zwischen uns beiden hin und her sah. “Wäre dies alles?”, fragte sie daher fast schon unfreundlich und so ganz verstand ich das nicht.
 

“So ist es... nur die beiden Kleider, da sie keinen Finger bei der Beratung gerührt haben”, entgegnete Miyako mit einem Lächeln, doch an ihrer Körperspannung merkte ich, dass sie doch sehr angepisst war. Zwar wären wir ohne deren Beratung auch klar gekommen, doch scheinbar ging es ihr ums Prinzip.
 

“Wie bitte?”, entkam es der Kassiererin, sie sichtlich empört nach Luft schnappte.
 

“Sie haben mich richtig verstanden... ihr Kundenservice ist unter aller Sau und normal hätte ich hier nichts gekauft, aber da ich die Managerin kenne, bin ich so gnädig und kaufe wenigstens die beiden Kleider”, erklärte Miyako und ich staunte, wie ruhig sie dabei bleiben konnte.
 

“Was erlauben Sie sich? Sie können froh sein, dass wir sie beide nicht hochkant rausgeworfen haben, so wie sie aussehen”, wurde grimmig darauf geantwortet und ich schmunzelte leicht.
 

“Interessante Verkaufsstrategie”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen und Miyako grinste breiter.
 

“Absolut... ich werde mit Sicherheit Daisy informieren, dass ihre Angestelltinnen besser geschult werden sollten”, sagte sie zu mir gewandt und im Augenwinkel konnte ich sehen, dass die Kassiererin zusammen gezuckt war. Vermutlich war das wirklich der Name der Managerin des Ladens. “Nur so viel... nur weil jemand legerer gekleidet ist... heißt es noch lange nicht, dass die Person über keine Mittel der Zahlung verfügt“, fügte sie an und holte aus ihrer Tasche das Portmonee heraus.
 

Ein Kichern musste ich unterdrücken, da es den Damen sichtlich unangenehm war, doch sie sollten etwas an ihrem Benehmen ändern, ansonsten wird es schwer für sie werden. Jeder gute Verkäufer war professionell und das waren sie ganz sicher nicht. Schnell kassierte sie die Kleider und verpackten sie in die dazugehörigen Schachteln. Grinsend reichte Miyako eine goldene Karte an die Kassiererin und der fielen wortwörtlich die Augen aus. Das war wahrlich eine Genugtuung und dankend nahm Miyako die Karte zurück. Lächelnd reichte sie mir eine der Tüten und wir verließen den Laden. Kaum waren wir draußen, musste ich einfach loslachen. In das Lachen stimmte sie mit ein und führte mich zum Fahrstuhl.
 

“Kennst du echt die Managerin?”, musste ich einfach nach haken und sah zu ihr.
 

“Natürlich... Daisy ist eine unglaubliche Frau, die auf dem ersten Blick weiß, was ich mag und was zu mir passt”, antwortete sie nickend. “Ich werde sie definitiv informieren, denn solche Verkäuferinnen vertreiben die Kunden”, seufzte sie und dem konnte ich nur zustimmen.
 

“Das war echt unglaublich gefasst von dir”, lobte ich ihren Umgang mit der Situation.
 

“Tatsächlich... habe ich schon Übung darin... auch wenn es traurig ist, aber viele beurteilen einen nach dem Aussehen”, grummelte sie sichtlich unzufrieden damit.
 

“Deshalb hatten sie nicht angeboten uns zu helfen?”, überlegte ich laut und sie nickte. Somit war meine Frage auch erklärt, die mir in der Umkleide beim Umziehen kam.
 

“Eigentlich hätte ich sie schon da auf ihr Verhalten aufmerksam gemacht, doch ich wollte die perfekten Kleider finden. Das war wichtiger”, grinste sie mich an und das verstand ich vollkommen. “So... nun holen wir uns noch die passenden Schuhe... Ohrringe und Armbänder lasse ich den Verleihjuwelier ins Zimmer rufen.”
 

“Was? So etwas gibt es?”, fragte ich nach und sie nickte.
 

“Oh ja... sie machen Werbung dadurch, dass wir sie tragen, und es kostet uns nur 100 Euro bei den wertvolleren Stücken.”
 

“Ähm... möchte ich deren Preis wissen?”, entkam es mir unüberlegt und Miyako lachte los.
 

“Lieber nicht... da könnte man sonst nur mit dem Kopf schütteln”, amüsierte sie sich und zog mich in den Schuhladen.
 

Dort dauerte es gar nicht lange, bis wir fündig waren. Sie wählte einen schlichten High-Heel in silbriger Glitzeroptik. Es überraschte mich, denn diese waren nicht einmal annährend so teuer, wie ich vermutet hätte. Tatsächlich wurde ich auch rasch fündig. Ich entdeckte silberne High-Heels, die man schnüren müsste. Sie gingen mir damit über die Waden und würden meine Beine zusätzlich betonen. Durch den Schlitz war es fast schon Pflicht und es rundete mein Outfit ab. Auf dem Weg zurück zum Auto hielten wir noch beim Herrenausstatter und Miyako bat mich kurz zu warten. Obwohl ich das nicht ganz verstand, blieb ich davor stehen und nach wenigen Minuten kam sie schon grinsend heraus.
 

Noch bevor ich fragen konnte, was sie geholt hatte, hakte sie sich bei mir ein und wir setzten den Weg fort. Der Chauffeur entdeckte uns und nahm uns die Taschen direkt ab, um diese im Kofferraum zu verstauen. Kaum saßen wir, schon fuhr er los zum Hotel. Dabei schieb Miyako scheinbar ihrem Mann und nur wenige Augenblicke später erhielt sie eine Nachricht. “Die beiden haben ein Lokal gefunden... wir treffen sie dort”, berichtete sie und wies den Fahrer an die Adresse an zu fahren. Danach bat sie ihn die Einkäufe ins Hotel zu bringen.

Vorbereitungen für den Abend

Es dauerte nicht lange und wir kamen schon am Zielort an. Wir verabschiedeten uns von unserem Fahrer. Er versprach alles an der Rezeption für uns zu hinterlassen. Dankend nickten wir ihm zu und verließen den Wagen, nur um das kleine Stück zum Restaurant zu gehen. Direkt betraten wir dieses und sahen bereits schon die beiden Jungs. Yamato hatte uns zuerst entdeckt und winkte uns zu ihnen. Sofort näherten wir uns ihrem Tisch und beide Männer schoben den Stuhl für uns zurück. Dankend ließen wir uns darauf nieder und mir entkam ein wohliger Seufzer. Endlich sitzen, denn nach diesem Shoppingtripp tat das sehr gut.
 

“Na wie war es?”, wollte Yamato wissen.
 

“Wir haben Kleid und Schuhe... Schmuck leihen wir uns beim Juwelier”, erklärte Miyako für uns beide.
 

“Und... wie sehen eure Kleider aus?”, kam die neugierige Frage direkt von ihrem Mann. Aber ich konnte sehen, dass auch Chiaki das nur zu gerne wissen wollen würde.
 

“Nun”, begann ich und tauschte kurz einen Blick mit Miyako aus. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf, so als wollte sie sagen, dass ich nicht verraten sollte. “Das werdet ihr sehen, sobald die Gala ansteht”, setzte ich fort und sie grinste mich an.
 

“Wie jetzt? Ich will es aber jetzt wissen”, schmollte Yamato und schmunzelnd betrachtete ich das Ehepaar vor mir.
 

“Das sagen wir aber nicht... nur die Farbe können wir Preis geben”, sprach sie geheimnisvoll aus.
 

“Na wenigstens etwas”, mischte sich nun Chiaki in das Gespräch ein und ich hielt mir eine Hand vor den Mund, um nicht los zu lachen. Dass die beiden Männer so reagierten, fand ich äußerst lustig.
 

“Meines ist dunkelblau und das von Jeanne ist mattgrün”, sagte sie und grinste leicht. Denn mit dieser Aussage konnten sie sehr wenig anfangen. Auch wenn ihr Mann versuchte, mehr aus ihr heraus zu holen, so blieb sie eisern.
 

“Es sind doch nur noch zwei Tage”, meinte ich amüsiert und seufzend ergab sich Yamato. Miyako formte ein lautloses Danke mit ihren Lippen.
 

“Nun gut... was wollt ihr essen?”, wechselte Chiaki das Thema, da er wohl ebenso eingesehen hatte, dass wir nicht mehr verraten würden.
 

Kaum hatte er gefragt, reichte er uns die Karten und Yamato füllte Wasser in die Gläser. Sie hatten dies scheinbar schon zuvor geordert. Neugierig las ich die Gerichte durch und war fasziniert von der Vielfalt. Doch ich war gespannt, wie die portugiesische Küche war, und bestellte mir kurzerhand eine Francesinha. Das war eine Art Sandwich mit Brot und einem Steak, welches mit geschmolzenem Käse überbacken war. Zudem gab es eine würzige Soße dazu. Dies klang sehr lecker, weshalb ich das ausprobieren wollte. Zum Nachtisch konnte ich nicht widerstehen und orderte Pastéis de Nata. Diese Cremetörtchen sollen ein wahrer Hochgenuss sein. Daher war ich nun sehr gespannt darauf und freute mich schon.
 

Es überraschte mich, dass Chiaki sich meiner Wahl anschloss und sogar eine Flasche Wein zum Essen bestellte. Vermutlich hatte ich ihn ziemlich verdutzt angesehen, denn seine Mundwinkel zuckten verdächtig. “Was denn? Es schmeckt köstlich und der Rotwein passt perfekt... sowohl zum Fleisch als auch zu den Törtchen”, erklärte er mir und ich konnte nur verstehend nicken.
 

Der Abend verlief sehr angenehm. Wir haben viel gelacht, sehr gut gegessen und der Wein war wirklich perfekt. Es fühlte sich alles andere als ein Essen unter Arbeitskollegen an. Es war viel mehr ein Essen unter Freunden oder gar Familie. Das war für mich ein wenig irritierend, weshalb ich mich zur Toilette entschuldigte. Dringend brauchte ich einen Moment für mich. Dies nutzte ich, um mir etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen. Ich sollte mich schnell besinnen, denn es wäre unmöglich mit ihnen befreundet zu sein, da sie nicht mich, sondern nur meine Fassade kannten. Niemals würde dies gut gehen, wenn ich mehr sehen würde, denn wie die drei die Sache sahen, konnte ich nicht mit Sicherheit sagen.
 

Aus diesem Grund würde ich darauf achten, dass ich mich professioneller verhalten würde. Obwohl es durchaus schwer werden würde. Doch nur so könnte ich mich vor einer möglichen Enttäuschung schützen. Seufzend wusch ich mir noch einmal über das Gesicht, ehe ich mich wieder auf den Weg zurück zum Tisch zu den anderen machte. “Willkommen zurück”, lächelte mich Miyako an.
 

“Danke”, entgegnete ich ihr und setzte mich noch einmal.
 

“Sollen wir noch einen Wein trinken oder uns auf den Rückweg machen zum Hotel?”, fragte Yamato.
 

“Ich richte mich nach euch”, erklärte Chiaki lächelnd.
 

“Wegen mir können wir noch ein Gläschen trinken”, fügte ich an, da ich durchaus bemerkte, dass sie den Abend noch nicht beenden wollten.
 

Somit war die Sache geklärt und wir würden noch ein Glas Wein trinken, bevor wir zum Hotel gelangen würden. Der restliche Abend verlief wieder so frei und unbeschwert und ich hörte noch die ein oder andere Geschichte aus der Schulzeit von den Dreien. Diese innige Freundschaft erinnerte mich an Amélie und Rosalie. Später würde ich bei den beiden nach fragen, ob sie Zeit und Lust hätten mit mir zu telefonieren. Ich vermisste die beiden ziemlich und bei solchen Erzählungen merkte ich das umso mehr. Der Wein war wirklich köstlich und den Alkohol spürte ich gar nicht. Erst als wir draußen an der frischen Luft waren, machte dieser sich bemerkbar.
 

“Nur gut, dass das Hotel nicht so weit weg ist”, kicherte Miyako, die sich bei Yamato eingehakt hatte.
 

“Dennoch sollten wir ein Taxi nehmen”, schlug ihr Mann vor und Chiaki stimmte ihm zu, nachdem er neben mir zum Stehen kam.
 

“Wenn ihr das meint”, meinte ich nur glucksend und konnte sehen, wie Chiakis Mundwinkel verdächtig nach oben zuckte.
 

Ein Taxi war rasch organisiert und es brachte uns auf direktem Wege zum Hotel. Nachdem ich ausgestiegen war, wurde mir kurz schwummrig und automatisch griff ich neben mich, um Halt zu finden. Dass ich dabei Chiakis Arm erwischt hatte, kam mir erst in den Sinn, als ich die Haut unter meiner Hand wahr nahm. Sofort blickte ich rüber und auf zu ihm. Ein Lächeln umspielte seine Lippen und ich wusste genau, dass meine Wangen einen rötlichen Ton annahmen. “Bist es nicht gewohnt Wein zu trinken, oder?”, fragte er leise nach und beschämt nickte ich. Es war mir wirklich peinlich, denn normalerweise hielt ich einige Gläser Whiskey durch, aber Wein hatte eine ganz andere Wirkung auf mich.
 

“Kommt ihr?”, hörte ich noch von Miyako und wollte mich schon von ihm lösen, doch er dachte wohl nicht daran.
 

“Gleich”, entgegnete Chiaki für uns beide und legte meine Hand um seinen Arm. “Nächstes Mal nur ein Glas Wein bei dir”, zwinkerte er mir zu und meine Wangen wurden mit Sicherheit nur noch röter.
 

“Machst du dich über mich lustig?”, empörte ich mich und er lachte direkt los.
 

“Aber nein... es ist nur eine Feststellung”, meinte er ehrlich und an seinem schönen Lachen konnte ich das deutlich erkennen, denn es war ein ehrliches Lachen. Daher konnte ich ihm nicht böse sein.
 

“Da hast du dich gerade so gerettet”, entgegnete ich verzeihend und lächelte ihn leicht an. “Oder aber... ich bleibe beim Whiskey”, grinste ich ihn an und sein Blick landete direkt auf mir. Er hatte seine Augenbraue hochgezogen.
 

“Hmmm”, entkam es ihm gespielt nachdenklich, doch ich konnte ihm ansehen, dass er den Wink verstanden hatte. “Stimmt”, amüsierte er sich sichtlich. “Das hattest du besser vertragen”, setzte er fort und grinste mich an. “Also bei den Veranstaltungen trinken wir dasselbe”, zwinkerte er mir zu und nun huschte mir ein Lächeln über die Lippen.
 

“Sehr gerne”, entgegnete ich ihm und blinzelte, da er mich schon sicher zum Fahrstuhl gebracht hatte.
 

An diesem hatten Miyako und Yamato auf uns gewartet. Zusammen fuhren wir rauf und begaben uns ins Zimmer. Da wir zwei Bäder zur Verfügung hatten, konnten wir uns schnell fertig machen und waren direkt danach im Bett. Schließlich würde der nächste Tag einiges an Energie erfordern.
 


 

Den ganzen Freitag und den Vormittag am Samstag verbrachten wir damit, das aus zu arbeiten, was Chiaki und Yamato während unserem Shoppingtripp zusammen geschrieben hatten. Es waren viele Punkte darauf, doch wir hatten sie recht gut abgearbeitet und nur wenig gefunden, was nachgebessert werden müsste. Damit konnten wir uns voll und ganz auf die Gala konzentrieren. Miyako hatte tatsächlich für den Nachmittag eine Friseurin, eine Make-up Stylistin und den Juwelier ins Zimmer bestellt. Darüber konnte ich nur staunen. Während wir uns in der ‘Familiensuite’ fertig machten, waren die Männer in einem anderen Zimmer. Dass sie freiwillig gegangen waren, bezweifelte ich. Denn Miyako konnte sich sehr gut durchsetzen, wenn sie etwas wollte. So viel hatte ich schon von ihr erfahren.
 

Zuerst waren wir beide ausgiebig duschen und hatten ein kleines Pflegeprogramm durchgezogen. Kurz nach 14 Uhr kam die Friseurin zu uns ins Zimmer. Wir waren im Wohnbereich der Suite und hatten die Bademäntel an. So konnten die Stylisten arbeiten, ohne unsere Kleidung zu beschmutzen. Tatsächlich hatte ich den Bademantel enger um mich, da ich nur einen hauchdünnen Slip darunter trug. Diesen konnte man unter meinem Kleid nicht sehen, daher hatte ich den gewählt. Den BH ließ ich aus gutem Grund weg, denn der würde ansonsten die Optik zerstören. “Hallo, ihr beiden”, grüßte die Hairstylistin freundlich und lächelte uns beide an.
 

Kaum war sie im Raum, fragte sie professionell nach, ob wir schon eine Vorstellung hätten, welche Frisuren wir haben wollten. Noch war ich unschlüssig, denn sowohl eine Hochsteckfrisur als auch offenes Haar hätte seinen Reiz. Deshalb sprach ich offen darüber und Miyako überlegte, während ich erklärte, welches Kleid ich tragen würde. Die Friseurin nickte und verstand scheinbar mein Dilemma in diesem Punkt. Aus diesem Grund beschlossen sie, dass Miyakos Haare zuerst gemacht werden würden. Denn sie wollte eine Hochsteckfrisur. Zuvor würde sie leichte locken bekommen. So konnte ich mir überlegen, welche Frisur ich haben wollte.
 

Während wir warteten, klopfte es erneut an der Tür und ich ging diese öffnen. Eine Dame Ende 30 oder Anfang 40 stand davor. “Ja?”, fragte ich vermutlich verwirrt. Sie kicherte leise.
 

“Guten Mittag... sie hatten eine Make-up Stylistin bestellt”, erklärte sie und da machte es Klick.
 

“Stimmt... kommen sie herein”, ließ ich sie mit diesen Worten in den Raum und Miyako grüßte sie, genau wie die Friseurin. Diese verschaffte sich einen Überblick und wandte sich danach mir zu.
 

“Während sie warten... kann ich schon ihre Finger- und Fußnägel machen?”, bot sie mir an und ich blinzelte.
 

“Oh... würde das gehen?”, kam es sichtlich überrascht von mir und sie nickte mir zustimmend.
 

“Welche Farbe hat ihr Kleid?”, fragte sie nach und ich erzählte ihr, dass es mattgrün war.
 

Sie hatte zwei Vorschläge für mich. Einmal Metalicgrün, was durchaus mit dem Kleid harmonierte, aber auch ein Metalicsilber. Beides waren tolle Farben, doch mit dem Silber würde ich wohl auch in den nächsten Wochen gut klar kommen, da es eine Farbe war, die zu anderen sehr gut kombiniert werden konnte. Es war unglaublich für mich zu sehen, was alles möglich war, und so wurden mir erst die Fingernägel gemacht und danach die Fußnägel. In der Zwischenzeit erhielt Miyako ihre Frisur und ich staunte. Sie war kaum wieder zu erkennen, denn es wirkte so edel und elegant. “Wow”, kam es von mir und sie wurde leicht rot.
 

“Danke dir, Jeanne”, lächelte sie und so tauschten wir.
 

Nachdem ich Miyakos tolles Haar begutachten konnte, wusste ich, was ich wollte. Dies teilte ich der Friseurin mit und sie lächelte bei meinem Vorschlag. Erst machte sie mir Locken mit dem Lockenstab, bevor sie mir eine Strähne nach der anderen etwas hoch steckte. Jedoch tat sie dies nicht mit all meinem Haar, sondern nur mit einem Teil. Dadurch käme ich mir am Rücken nicht allzu nackt vor. Auch wenn ich keinerlei Probleme damit hatte rückenfrei zu tragen, so war das so etwas wie eine Absicherung für mich. Eben eine Art doppelter Boden. Es dauerte einige Zeit, bis die Frisur fertig war und ich mich im Spiegel betrachtete. Anerkennend nickte ich und war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
 

“Vielen Dank für diese Frisur”, lächelte ich und die Hairstylistin freute sich sichtlich über meine Worte.
 

“Das steht dir sehr gut, Jeanne”, kam mir Miyakos Stimme zu Ohren und ich blickte mit roten Wangen zu ihr.
 

“Danke dir, Miya”, kam es mir von den Lippen und ich bewunderte das Make-up, welches sie bereits trug. Es war schlicht gehalten und doch unterstrich es die Eleganz, die ihre Frisur und ebenso ihr Kleid hatte.
 

“Meine Arbeit ist damit getan”, lächelte die Friseurin und Miyako nickte ihr zu. Danach holte sie einen Umschlag und reichte ihr diesen.
 

“Wie vereinbart”, merkte sie an und die Friseurin bedankte sich, ehe sie ihre Sachen packte und sich verabschiedet hatte.
 

Zurück blieben also nur wir drei. Da Miyako bereits fertig war, bekam nun ich mein Make-Up und Miyako zog sich ihr Kleid an. Sie war sehr sorgfältig dabei, um weder ihre Frisur noch ihre Schminke zu versauen. Es war bewundernswert, wie sie alleine klar kam. Sie war definitiv eine starke, junge und unabhängige Frau. Für einen Moment erinnerte sie mich an die beste Freundin meiner Mutter. Meine Tante Sakura. Sie war und ist immer so unerschrocken und stark. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich sollte mich wohl wieder bei ihr melden. Denn mir wurde gerade bewusst, dass ich mich seit meiner Abschlussfeier nur einmal bei ihr durchgeklingelt hatte. Das würde ich mir für den kommenden Tag vornehmen.
 

Schließlich erforderte heute die Gala meine sämtliche Aufmerksamkeit. Kaum war die Stylistin fertig, bekam ich große Augen. Denn das im Spiegel konnte unmöglich ich sein. “Wow... du bist eine wahre Schönheit, Jeanne”, hörte ich Miyakos Stimme und blickte direkt zu ihr.
 

“Übertreibe nicht”, kam es mit roten Wangen von meinen Lippen, denn das war ein wenig peinlich.
 

“Das tue ich nicht”, lächelte sie mich ehrlich an und ich schluckte schwerer. “Du bist wirklich wunderschön.”
 

“Ähm... danke dir”, sagte ich ihr und erhob mich, ehe ich meinen Bademantel lockerte. Immerhin sollte ich noch in mein Kleid schlüpfen und ebenso in die Schuhe.
 

Während ich das tat, bezahlte Miyako wohl die Stylistin und hatte sie schon zur Tür gebracht. Doch diese wurde erst geöffnet, nachdem ich im Kleid und damit bedeckt war. Dankend lächelte ich sie an und sie zwinkerte leicht. “Das ist selbstverständlich... der Juwelier ist in 10 Minuten hier”, erklärte sie und kurz schmunzelte.
 

“Also haben wir genug Zeit für einen Kaffee”, grinste ich und sie grinste mich zustimmend an. Da hatten wir alle die gleiche Leidenschaft: Kaffee.
 

Kaum hatten wir diese geleert, schon klopfte es an der Tür und der Juwelier trat ein. Er hatte drei Koffer dabei und ich war mehr als erstaunt. Miyako erklärte, dass sie ihm im Vorfeld die Farben der Kleider genannt hatte und er daher eine Vorauswahl getroffen hatte. Dabei war wirklich alles dabei. Goldschmuck, Weißgold, Rose und natürlich Silber. Da ich mehr der Typ für Silber war, zeigte er mir die Stücke und ich konnte in Ruhe aus wählen. Sogar anprobieren war kein Problem. Unschlüssig betrachtete ich die Auslade und überlegte, was sowohl zu mir als auch zum Kleid passen würden. Plötzlich fielen mir eine Halskette und Ohrringe auf. Diese besah ich genauer.
 

Die Kette war filigran gearbeitet und sowohl eine silberne Blüte als auch ein goldenes Blütenblatt hingen daran. Wie von selbst griff ich danach und zog es an. Durch die Bearbeitung lenkten die beiden Symbole die Aufmerksamkeit auf meinen Ausschnitt und schwerer schluckte ich. Noch bevor ich es mir anders überlegen konnte, sah ich im Spiegel schon Miyakos Lächeln. “Die ist wie geschaffen für dich”, sprach sie direkt und der Juwelier nickte zustimmend.
 

“Der Meinung bin ich auch... die Ohrringe noch dazu und es ist perfekt”, erinnerte er mich daran, dass es ein Set gab.
 

“Meint ihr?”, musste ich einfach nach fragen.
 

“Natürlich... zieh noch die Ohrringe an und sieh dich im Spiegel an... dann wirst du sehen, wie perfekt du damit aussiehst”, erklärte sie lächelnd und ich tat genau das.
 

“Zudem passt es sehr gut zu dem Haarschmuck”, bemerkte der Juwelier und ich blinzelte leicht.
 

“Oh... das hatte ich noch gar nicht gesehen”, gestand ich verlegen und Miyako gluckste. Daher drehte ich mich etwas seitlich und erkannte das Schmuckstück. “Stimmt... es würde gut dazu passen”, lächelte ich ehrlich. Damit hatten sie mich überredet und ich zog die Ohrringe an.
 

“Perfekt... beide Schmucksets passen zu euch... ihr werdet auf der Gala strahlen”, kam es ehrlich von ihm.
 

“Dankeschön”, lächelte Miyako.
 

“Wie besprochen... ich hole die Schmuckstücke morgen gegen Mittag ab... entweder sie geben diese an der Rezeption ab, oder ich komme in ihrem Zimmer vorbei”, ließ er uns die Wahl und wir nickten ihm dankbar zu. Das war ein sehr guter Vorschlag, so müssten wir uns nicht stressen, falls die Gala länger gehen würde und wie mehr Schlaf brauchen würden. “Ich wünsche ihnen einen wunderbaren Abend”, sprach er zum Abschied und wir winkten ihm leicht nach. Noch einmal prüften wir unser Aussehen und packten unsere Lippenstifte ein, um im Laufe des Abends die Lippen nach zu ziehen.
 

“Fertig... die Jungs sind auch sicher gleich hier“, kicherte sie und ich schmunzelte etwas. Da könnte sie wahrlich recht haben. Ein Blick auf die Uhr genügte, um das zu bestätigen. Wir hatten ausgemacht, dass sie uns gegen 19:30 abholen sollten. Die Gala würde gegen 20 Uhr beginnen und mit dem Wagen würden wir nur 15 Minuten dort hin brauchen.
 

Kurz vor halb acht klopfte es an der Tür und wir sahen uns gegenseitig an. “Bereit?”, fragte ich zuerst und Miyako gluckste.
 

“Aber sowas von”, grinste sie breiter, wir griffen nach unseren Handys und verstauten diese in den kleinen Taschen. Erst danach traten wir zur Tür und Miyako machte auf.
 

Schwerer schluckte ich, denn Chiaki trug einen schwarzen Anzug. Dazu ein weißes Hemd und eine mattgrüne Krawatte, sowie ein mattgrünes Anstecktuch. Meine Augen weiteten sich bei dem Anblick. Er sah so unglaublich sexy in diesem Outfit aus. Tatsächlich konnte ich nicht anders und habe ihn von oben nach unten gemustert. Als sich unsere Augen trafen, biss ich mir auf die Unterlippe und schluckte schwerer. Dies tat er ebenso und formte ein wortloses ‘Wow’. Da hatte es ihm wohl die Sprache verschlagen, weshalb ich leicht schmunzelte. “Ihr seht atemberaubend aus”, hörte ich Yamato und unterbrach den Augenkontakt, ehe ich dankend den Kopf neigte.
 

“Da gebe ich Mato recht”, räusperte sich Chiaki und bot mir einen Arm an.
 

Dankend nahm ich diesen an und hakte mich bei ihm ein. Genau wie Miyako bei ihrem Mann. Gemeinsam begaben wir uns zum Aufzug und damit nach unten und verließen das Gebäude. Davor stand für uns eine Limousine bereit und der Chauffeur hielt die Tür schon auf. Nach und nach setzten wir uns hinein und der Fahrer schloss die Tür, ehe er sich nach vorne begab, um los zu fahren.

Der Galaabend

Es dauerte einige Minuten, bis die Limousine vor fuhr. Sie waren nicht die einzigen, die auf diese Weise dorthin gelangten. Deshalb mussten sie noch einen Moment warten, ehe sie vor dem Eingang ankamen und aussteigen konnten. “Das ist aber ein Andrang”, bemerkte Miyako und ihr Mann schmunzelte.
 

“Das ist doch kein Wunder... alle wollen direkt zu Beginn gesehen werden”, erklärte er ihr und ich blinzelte etwas.
 

“Oh... ist es denn ein wichtiger Anlass? Mit Presseandrang und allem Drum und Dran?”, fragte ich unsicher nach, da mich das durchaus irritierte.
 

“Presse wird sicher da sein. Mit dieser Gala werden die kommenden im Jahr begonnen. Man kann es als Auftakt der Saison sehen... eventuell werden einige Geschäftspartner von Chiaki da sein”, übernahm Yamato die Rolle als Erklärer. “Mit diesen solltest du ein wenig reden”, fügte er an Chiaki gewandt hinzu.
 

“Schon klar, Mato”, entgegnete dieser und sah zu mir. “Es wäre schön, wenn du an meiner Seite bleiben würdest, Jeanne”, meinte er und leicht nickte ich.
 

“Natürlich... als was?”, fragte ich nach, um mich darauf ein stellen zu können, welche Rolle ich verkörpern müsste.
 

“Nun... ich würde sagen als... eine Freundin, die sich ebenso für Hotels interessiert?”, kam es von ihm und ich konnte ihm tatsächlich ansehen, dass es ihm ein wenig unangenehm war.
 

“Verstehe... also eine Freundin aus ähnlichen Kreisen”, bestätigte ich ihm und er schien erleichtert durch zu atmen.
 

“Das wäre perfekt”, bestätigte er mir und beruhigend lächelte ich ihn an.
 

Denn das war ein leichtes für mich. Zumal ich das nicht wirklich spielen musste. Ausnahmsweise konnte ich, ich selbst sein. Wobei ich meinen richtigen Namen nicht nutzen konnte, sondern nur meinen ‘Künstlernamen’. Der Wagen fuhr weiter vor und kurz musste ich tief durch atmen. Es war nie einfach, sobald die Presse dabei war, doch bei den Dreien fühlte ich mich sehr wohl und würde den Abend sicher perfekt über die Bühne bringen. Als das Auto erneut stehen blieb sah Miyako zu mir. “Bereit?”, wollte sie wissen und leicht schluckte ich, ehe ich nickte.
 

“Bereit”, bestätigte ich erneut.
 

“Gut... ich steige zuerst aus... und helfe Miya”, bestimmte Yamato, da er als Assistent zuerst gehen sollte.
 

“Danach folgen wir beide... wobei ich dir hinaus helfe, Jeanne”, lächelte Chiaki und richtete seine Krawatte. Er schien nervös zu sein, aber warum er das war, konnte ich mir nicht wirklich erklären.
 

“Alles klar... dann Showtime”, zwinkerte ich und versuchte meine eigene Unsicherheit zu überspielen.
 

Die Tür des Autos wurde aufgemacht und Yamato stieg aus, richtete seine Anzugsjacke und hielt seine Hand seiner Frau hin. Diese legte ihre in seine und stieg geschickt aus. Es war nach wie vor erstaunlich, wie man mit solch langen Kleidern aussteigen konnte, ohne darauf zu treten. Innerlich betete ich, dass ich das genauso gut hinbekommen würde wie Miyako. Während Chiaki Miyako folgte, konnte ich noch einmal richtig durch atmen und blinzelte, weil er mir schon seine Hand anbot. Zaghaft legte ich meine in seine und verließ geschickt die Rückbank. Lächelnd sah er mich an und drückte meine Hand, ehe er diese auf seinen Arm legte, sodass ich bei ihm eingehakt war. Das war eine süße Geste von ihm. “Danke”, hauchte ich und er neigte leicht den Kopf zu mir.
 

“Jederzeit”, entgegnete er mir und wir gingen Seite an Seite über den roten Teppich, der bereits ausgerollt war.
 

Tatsächlich waren einige Fotografen vor Ort, die viele Bilder von den ganzen eintreffenden Gästen machten. Es fühlte sich fast so an, als wäre man auf einer Preisverleihung in Hollywood. Vermutlich war dies ein ähnliches Ereignis in Lissabon. Schwerer musste ich schlucken, da einige Leute von der Presse interviewt wurden. Mein Herz überschlug sich regelrecht in meiner Brust und wie von selbst benetzte ich meine Lippen. Ein einziger Gedanke herrschte in meinem Kopf: Hoffentlich werden uns keine Fragen gestellt. Es war eine Sache, wenn Fotos von einem gemacht wurden, doch eine ganz andere eine Fragerunde über sich ergehen zu lassen. Das würde ich sicher nicht so gut hinbekommen.
 

“Keine Sorge... wir bleiben nur ein paar Minuten vor den Kameras stehen”, hörte ich Chiaki neben mir und blickte zu ihm rüber. Es wirkte fast so, als hätte er meinen Gedanken gelesen und ich schenkte ihm ein kleines Lächeln.
 

“Woher?”, kam es mir überrascht über die Lippen.
 

“Ich konnte dir, diese Sorge ansehen”, antwortete er leise, sodass nur ich ihn hören konnte.
 

“Danke”, hauchte ich ehrlich zurück, denn so meinte ich es.
 

“Einfach lächeln... und drinnen können wir uns bei einem Glas Whiskey entspannen”, zwinkerte er mir zu und schmunzelnd nickte ich ihm zu. Dass er sich merken konnte, welches Getränk ich am liebsten trank, fand ich irgendwie süß von ihm.
 

“Eine sehr gute Idee, Chiaki”, grinste ich schließlich und wurde merklich entspannter dank seiner Worte.
 

Zum Glück konnte ich bei Miyako abschauen, denn sie war mit ihrem Mann voraus gegangen. Genaustens beobachtete ich, wie sie sich bewegte und vor allem ihre Hände platzierte. Oft sah dies einfach aus, jedoch war es alles andere als das. Deshalb nutzte ich jede Gelegenheit, um dazu zu lernen. Man konnte nie wissen, wann man das alles gebrauchen könnte. Kurz bevor Chiaki und ich dran waren, atmete ich noch einmal durch und blickte kurz zu ihm. Mit einem Lächeln nickte er, fast so als würde er mir damit signalisieren, dass wir nun dran waren. Gemeinsam schritten wir weiter und posierten für zwei oder drei Fotos. Dabei hatte ich mich etwas seitlich zu ihm gestellt und meine Hand leicht auf seine Brust gelegt.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Seit die Damen ihr Outfit präsentiert hatten, überkam mich eine innere Nervosität. In dem mattgrünen Kleid sah Jeanne wirklich rattenscharf aus und das hatte mich tatsächlich aus der Bahn geworfen. Der tief sitzende Ausschnitt an ihrem Dekolleté und dazu noch der Schlitz am Bein. Das Kleid war wahrlich schlicht gehalten, aber genau das mochte ich sehr. Besonders weil es ihr so gut stand. Tatsächlich musste ich echt aufpassen, dass ich mich nicht verführen lasse und anders handle, als ich es tun würde. Das klang mehr als verrückt. Daher versuchte ich im Auto mir andere Dinge vor zu stellen. Jedoch funktionierte das nicht so wie ich es gerne hätte. Das Gespräch wegen der Presse machte mir noch etwas Sorge.
 

Diese Aasgeier von den ganzen Schmierblättern waren die Schlimmsten von allen. Sie sogen sich sonst etwas aus den Fingern und schrieben, was immer sie wollten. Doch da musste ich leider durch. Schließlich war ich bekannt wie ein bunter Hund. Als Hotelkettenbetreiber in so vielen Ländern, konnte man nicht wirklich geheim bleiben. Zumal ich dieses Mal für Jeanne stark sein sollte. Denn sie war nur wegen mir jetzt in dem Auto in wenigen Minuten auf dem roten Teppich. Leicht schluckte ich, nachdem wir ausgestiegen waren und ich ihr hinaus geholfen hatte. Sofort legte ich ihre Hand auf meinen Unterarm und lächelte sie sanft an. Gerade gab sie mir Halt und ich wollte ihr genau diesen ebenso geben.
 

Eigentlich hasste ich es für diese Bilder zu posieren und wollte es einfach nur hinter mich bringen. Aber als Jeanne ihre Hand auf meine Brust legte und sich seitlich positionierte, blickte ich kurz zu ihr. Schüchtern hatte sie zu mir aufgesehen und ein leichtes Lächeln legte sich auf meine Lippen. Sie war unglaublich. Mit diesen natürlichen Gesten schaffte sie es, mich ab zu lenken und ich vergaß sogar diese Geier von Fotographen. Wie von selbst erwiderte ich ihr Lächeln und legte meine Hand auf ihren unteren Rückenbereich. Dass ich dabei direkt auf nackte Haut traf, überraschte mich sehr. Weshalb sich für einen Moment meine Augen weiteten und ich sie ansah. Frecherweise zwinkerte sie mir zu und ein kleines Grinsen legte sich auf meine Lippen.
 

So unbemerkt wie möglich schluckte ich, ehe ich wieder zu den Kameras blickte und mit ihr noch etwas posierte. Nach einigen Bildern hatte ich keine Lust mehr, weshalb ich mit Jeanne weiter ging zum Eingang. Sie war mir sofort gefolgt, sodass wir nebeneinander schritten. “Du hast dich echt gut geschlagen”, konnte ich nicht anders und musste sie loben.
 

“Genau wie du”, gluckste sie und schien sich gar nicht daran zu stören, dass meine Hand auf ihrem Rücken lag.
 

“Naja... nur dank dir”, lächelte ich sie an und diese Geste erwiderte sie direkt.
 

“Gut... dann schuldest du mir nun einen guten Drink”, meinte sie und zustimmend nickte ich.
 

“Absolut... aber nicht nur einen Drink”, zwinkerte ich und war erstaunt, wie einfach es war mit ihr zu reden. Dieses hin und her zwischen uns war genau das, was ich brauchte. Sie forderte mich mit ihren Worten und das kam selten vor. Jeden Tag auf das Neue sah ich sie mit anderem Licht und konnte nicht abstreiten, dass sie mich faszinierte.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Die Unterhaltungen mit Chiaki waren jedes Mal unglaublich. Es war fast so, als würden wir uns gegenseitig extra necken, um uns heraus zu fordern. Das machte mir ganz viel Spaß und wenn ich ehrlich sein sollte, möchte ich darauf niemals mehr verzichten müssen. Dennoch war da noch eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, dass ich höllisch aufpassen sollte. Diese Neckereien ließen mich momentan auf ganz dünnem Eis wandern. Jedoch verdrängte ich den Gedanken für diesen Abend und würde die Gala einfach mit den Dreien genießen. Das hatten sie nämlich ebenso vor, da unser erster Gang zur Bar führte. Dort bestellte Chiaki für mich und sich einen Whiskey und Yamato trank mit Miyako ein Glas Champagner. Sie waren überrascht, dass ich mit Chiaki eine Gemeinsamkeit hatte.
 

“Zu einem guten Whiskey werde ich niemals nein sagen”, zwinkerte ich dem Paar zu und Chiaki lachte leise bei meinen Worten. Von Yamato erhielt ich einen erstaunten Blick.
 

“Das ich das noch erleben kann”, kam es ihm über die Lippen. “Da sagt sie genau das, was er immer sagt”, amüsierte er sich und deutete zu seinem besten Freund.
 

“Tja... wir sind uns nun mal ähnlicher als gedacht”, lachte Chiaki und ich konnte nicht anders als mit zu lachen.
 

“Unglaublich... ihr seid mir welche”, kicherte Miyako und erhob ihr Glas. “Auf euch... auf uns und einen schönen gemeinsamen Abend”, prostete sie uns zu und wir stießen an.
 

“Auf uns”, bestärkte ich ihre Worte, genau wie die beiden Männer neben uns.
 

Nachdem wir den Drink gemütlich getrunken hatten, stiegen Chiaki und ich auf Wasser um. Wir waren da wohl derselben Meinung gewesen. Yamato und Miyako gönnten sich noch ein Glas Champagner und amüsierten sich teilweise köstlich über die Hochnäsigkeit, die sich im Raum vermehrte. Ungläubig schüttelte ich mehrmals mit dem Kopf, denn viele der Anwesenden waren so dermaßen arrogant. Aber ich bemerkte auch viele Blicke auf mir. Das war ich schon öfters gewohnt, wobei ich diese wohl bekam, weil ich an Chiakis Seite war. Ein leichtes Seufzen entkam mir und ich spürte eine Hand an meinem Rücken. Aufgrund der Wärme, die von dieser ausging, wusste ich genau, dass es seine war.
 

Direkt blickte ich zu ihm rüber und er erwiderte sofort meine Geste. “Wollen wir tanzen?”, fragte er und meine Augen weiteten sich schlagartig.
 

“Du... willst... tanzen?”, brachte ich stockend hervor und erkannte nur zu deutlich das Zucken seiner Mundwinkel.
 

“Oh ja... seit dem Maskenball will ich eine Wiederholung”, entgegnete er mir mit einem Zwinkern. Diese Aussage erstaunte mich noch mehr und etwas unsicher benetzte ich meine Lippen. Dass er meiner kleinen Bewegung gefolgt war, hatte ich durchaus bemerkt und schluckte.
 

“Okay... lass uns tanzen”, stimmte ich schließlich zu, da ich diesen einen magischen Moment noch einmal erleben wollte. Vor allem war ich neugierig, ob das genauso werden würde, wie damals auf dem Maskenball.
 

“Darf ich bitten”, grinste er und reichte mir seine Hand. Er war wahrlich manchmal ein kleiner Spinner.
 

Mein Spinner., schoss es mir unbewusst durch den Kopf, während ich meine Hand in seine legte.
 

Sofort zog er mich zu sich und führte mich rüber zur Tanzfläche. Alle anderen um mich herum hatte ich schon ganz vergessen, denn Chiaki hatte eine Art an sich, mich ab zu lenken. Am Ziel angekommen, nahmen wir unsere Position ein. Problemlos fanden wir unseren Rhythmus und wie von selbst hielten wir Augenkontakt. Der Bann und die Magie besagten Balles waren präsenter denn je. Es war unglaublich, wie einfach er mich führen konnte. Besonders weil ich das zuließ. Das kannte ich so gar nicht von mir. Leicht neigte er seinen Kopf und sein Atem streifte meine Wange: “Ich mag es... mit dir zu tanzen”, raunte er und ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken. Mir wurde gleichzeitig kalt und warm.
 

“Tatsächlich... mir geht es genauso”, entgegnete ich ihm und meinte das absolut ehrlich. Er war neben Henry wohl der einzige, dem ich erlauben würde mit mir zu tanzen. Das stand für mich schon fest.
 

Mehrere Lieder hatten wir durch getanzt und merkten dabei gar nicht, wie viele genau es waren. Für uns zählte in diesem Augenblick nur das Hier und Jetzt. Erst als wir Durst bekamen, führte er mich zurück zu dem Stehtisch, an dem wir zuvor waren. Miyako und Yamato waren noch immer dort und reichten uns frische Gläser mit Wasser. “Ihr seid sicher am Austrocknen”, schmunzelte sie.
 

“Danke dir”, lächelte ich und nahm es entgegen, um gleich einige Schlucke zu trinken. Es tat sehr gut, als das kühle Nass meine Kehle herunter lief. Genüsslich seufzte ich und stellte das halb leere Glas ab.
 

“Stimmt... wir waren am Verdursten”, amüsierte sich Chiaki und trank sein Glas direkt leer. Ihm schien es genauso zu gehen, wie mir.
 

“Wollt ihr nicht tanzen?”, fragte ich die beiden und Miyako schmunzelte leicht.
 

“Doch... aber es war gerade so schön euch dabei zu sehen”, kam es direkt über ihre Lippen. Definitiv musste ich mich noch daran gewöhnen, dass sie so offen alles ansprach. Klar nahm ich auch kein Blatt vor den Mund, aber bei Fremden achtete ich durch aus darauf, was ich Preis gab und was nicht. Klar kannte ich sie nun einige Wochen, trotzdem könnte ich bei ihnen nicht frei handeln wie bei meinen besten Freundinnen.
 

“Miya... musst du immer so direkt sein?”, meinte Chiaki sichtlich amüsiert.
 

“Du kennst mich doch”, lachte sie nur und nun musste ich doch schmunzeln. Man merkte ihnen direkt an, wie gut sie sich verstanden. Mit ihnen würde es sicher nicht langweilig werden. Daher freute ich mich umso mehr über die kommende gemeinsame Zeit mit ihnen.
 

Der Abend verlief noch sehr angenehm. Miyako und Yamato tanzten ebenfalls einige Songs, während Chiaki und ich am Tisch blieben und einige Unterhaltungen führten. Tatsächlich hatte er mich als eine gute Freundin vorgestellt, auch wenn ich bei einigen das Gefühl hatte, dass sie ihm das nicht abkauften. Doch mehr Beachtung schenkte ich dem nicht, da ich mehr darauf bedacht war, die Gespräche mitzuverfolgen und mich ebenso einzubringen. Es war wichtig für Chiaki, immerhin arbeitete er mit einigen von ihnen zusammen und andere wollte er wohl mit ins Boot holen. Man merkte deutlich seine Professionalität, sobald wir nicht alleine waren. Danach war er wie bereits gewohnt.
 

Es war faszinierend, wie er seine Fassade nahezu auf Knopfdruck wechseln konnte. Scheinbar hatten dies alle Geschäftsleute drauf. Diese Eigenschaft bewunderte ich jedes Mal auf das Neue. Wobei ich ebenso eine Fassade hatte. Auch wenn es bei mir eher eine Art Maske war, die ich mir zugelegt hatte. Anders hätte ich die letzten Jahre mit Sicherheit nicht überstanden. Vermutlich ging es Chiaki ähnlich, denn es kristallisierte sich klar heraus, dass er nicht jedem sein wahres Ich zeigte. Noch nicht mal mir hatte er alle Facetten seines Charakters gezeigt. Das verstand ich vollkommen, weil es mir genauso ging. Niemandem sonst außer meinen besten Freunden konnte ich selbst sein.
 

Die Zeit verging fast wie im Fluge und der Abend oder wohl eher die Galanacht neigte sich dem Ende zu. Weit nach 2 Uhr morgens verließen die Gastgeber die Party. Kurz nach ihnen meinte Miyako, dass wir ebenso gehen sollten. Sie wirkte nicht mehr als zu müde, weshalb wir sofort zustimmend. Ehrlich gesagt hätte ich ebenfalls nicht länger durch gehalten. Weshalb ich echt froh darüber war, dass wir zurück zum Hotel fuhren. Gemeinsam verließen wir den Saal, wobei Chiaki erneut seine Hand an meinem Rücken hatte. Erstaunlicherweise hatte er diese Geste ziemlich oft in den letzten Stunden getan. Fast so, als brauchte er den Kontakt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir diese Wärme nicht gefallen hätte.
 

Der Weg zurück zum Hotel verlief schneller als wir vermutet hatten. Ein leichtes Gähnen musste ich unterdrücken und spürte schon Chiakis mehr als amüsierten Blick auf mir. “Müde?”, kam die Frage und ich hörte zu deutlich seine Neckerei heraus.
 

“Aber nein... nur etwas erschöpft vom vielen Tanzen und Reden”, konterte ich und seine Mundwinkel zuckten direkt.
 

“Verstehe... dann solltest du dich ausruhen, denn morgen geht es schon weiter”, grinste er und ich wusste genau, was er meinte. Wir hatten noch einiges durch zu sprechen wegen dem Hotel, in dem wir momentan nächtigten. Zudem stand schon bald der Flug zu unserem nächsten Stopp an.
 

“Keine Sorge... ein paar Stunden Schlaf und ein Kaffee am Morgen und wir können problemlos starten”, entgegnete ich und zwinkerte ihm zu.
 

“Hmmm... du holst dir deinen Schlaf und ich bringe dir am Morgen den Kaffee”, kam es direkt von seinen Lippen und unweigerlich bekam ich rote Wange. Das würde mir in der Tat gefallen, wenn er mich mit dem Kaffee begrüßen würde.
 

“Einverstanden... ich erwarte meinen Becher”, kicherte ich und so stiegen wir aus, ehe wir zum Eingang gingen.
 

Durch unser kleines Geplänkel hatten wir gar nicht mit bekommen, wie Miyako und Yamato bereits ausgestiegen waren und ins Innere des Gebäudes verschwanden. Erst als wir ebenfalls drinnen waren, merkten wir, dass sie auf uns gewartet hatten. Es war gespenstisch ruhig in der Lobby. Nur ein Rezeptionist saß am Tresen, der uns kurz zu nickte, als wir zum Fahrstuhl gingen. Gemeinsam fuhren wir in unsere Etage und verschwanden nach nur wenigen Minuten in der Suite. Sofort schlüpfte Miyako aus ihren High Heels und ich tat es ihr gleich.
 

“Aaaah... so viel angenehmer”, kam es wohlig seufzend von ihren Lippen.
 

“Also echt... ich werde nie verstehen, wieso ihr in diesen Dingern herum lauft”, amüsierte sich Yamato, was mich doch zum Schmunzeln brachte.
 

“Ach Schatz... dadurch habe ich längere Beine und man geht ganz automatisch mit deutlich mehr Schwung”, grinste Miyako ihren Mann an und Chiaki lachte.
 

“Sowas... also zieht ihr diese Mörderschuhe nur an, um die Männer um den Finger zu wickeln?”, hakte er neckend nach und sofort nickte Miyako.
 

“Natürlich, Chiaki... was glaubst du, wie viele Drinks man so umsonst bekommt”, konterte sie und Yamato stand der Mund offen bei dem Kommentar. Das blieb ihr nicht verborgen. “Aber keine Sorge, Mato... du bist der Einzige, der mir Drinks ausgeben darf und mich bekommt”, beschwichtigte sie ihn und er grummelte leicht, ehe er sie einfach auf seine Schulter hievte.
 

“Ich glaube... ich muss dir mal eine Lektion erteilen!”, murrte er und verschwand hinter der Zimmertür, während Miyako vor sich hin kicherte.
 

Überrascht blinzelte ich und sah zu Chiaki. “Ähm... die werden doch wohl nicht...”, begann ich und er lachte.
 

“Oh doch... das könnte laut werden”, meinte er und ich bekam sehr große Augen. Das konnte wahrlich eine lange Nacht werden. “Sollen wir uns in dem Fall dann verziehen?”, schlug er mir vor und tatsächlich überlegte ich.
 

“Keine schlechte Idee... aber zuvor duschen und umziehen”, merkte ich an und in der Zwischenzeit werde ich sehen, ob es wirklich so schlimm werden würde, wie Chiaki es zuvor umschrieben hatte.

Umgestaltungsmöglichkeiten

Nach dem Duschen hatte ich mir etwas Bequemeres angezogen. Es fühlte sich gleich vertrauter und angenehmer an. Auch wenn ich Kleider sehr liebte, so fühlte ich mich in Hosen und Shirts doch wohler. Danach ging ich noch einmal in den gemeinsamen Raum zurück. Dort stand Chiaki an der Arbeitsplatte und hatte wohl Kaffee gemacht. Tatsächlich musste ich zu geben, dass er verboten gut aussah. Zwar trug er nur eine Jogginghose und ein einfaches Muskelshirt, doch beides saß perfekt an seinem Körper. Wie kann man nur so verboten gut aussehen?, fragte ich mich und bemerkte gar nicht, dass er sich bereits zu mir umgedreht hatte.
 

“Auch noch einen?”, hörte ich seine Frage und er deutete zu dem Kaffeebecher.
 

“Klar... Kaffee geht immer”, entgegnete ich ihm und er machte noch einen Becher fertig.
 

Mit den Bechern setzten wir uns auf das Sofa und nippten daran. Es tat sehr gut die schwarze Brühe zu trinken und genüsslich seufzte ich. Das war genau das richtige als ‘Abschluss’ für einen wundervollen Galaabend. Auch wenn wir anfangs nicht viel sprachen, so war das unglaublich. Es war so, als würden wir auch ohne Worte miteinander kommunizieren. Zudem hatten wir erneut eine Gemeinsamkeit entdeckt: Kaffee. Den konnten wir immer und überall trinken. Kaum zu glauben, aber ich hatte in ihm eine Art Seelenverwandten gefunden. Wir waren ziemlich vergleichbar und irgendwie war genau das, was ich mit jeder weiteren Ähnlichkeit mochte. Tatsächlich kamen wir recht rasch zu einem Gespräch. Mit ihm konnte ich so gut wie über alles reden und das erhöhte meinen Wohlfühlfaktor. Jedoch musste ich aufpassen, nicht zu persönlich zu werden.
 

Dennoch vergaß ich oftmals die Zeit, wenn ich mit ihm sprach. Erst in den frühen Morgenstunden stellten wir fest, dass Chiakis Befürchtung sich gar nicht bewahrheitet hatte. Denn wir hatten von den beiden nichts weiter gehört, auch wenn wir uns sicher waren, dass sie es sich sehr gut gehen ließen. “Oh... es ist ja schon fast sechs”, merkte er an und ich starrte ihn an.
 

“Was?!”, entkam es mir und er schmunzelte.
 

“Die Sonne geht gleich auf... doch wir sollten versuchen noch ein paar Stunden zu schlafen”, schlug er vor und wie von selbst nickte ich. Er hatte recht. Wir würden etwas Schlaf brauchen, denn der Tag war noch etwas vollgepackt, ehe wir es etwas ruhiger angehen könnten, bevor wir den nächsten Flug in Angriff nehmen würden.
 

“Du hast Recht... der erste Termin war gegen 13 Uhr oder?”, fragte ich nach, da ich demnach nicht verschlafen wollte.
 

“Mhm... also gegen halb eins sollten wir das Zimmer verlassen”, bestätigte er mir und erhob sich.
 

“Das sollten wir hinbekommen”, lächelte ich, nahm meinen Becher und stand ebenfalls auf. “Ich nehme deinen Becher mit”, bot ich an und konnte ihm ansehen, dass er wohl überlegte. Geduldig wartete ich und war gespannt auf seine Reaktion darauf.
 

“Lass uns das zusammen machen... dann sind wir schneller”, meinte er und dieses Vorhaben bestätigte ich mit einem Kopfnicken. Gemeinsam wuschen wir die Tassen ab und wünschten uns noch eine Gute Nacht, ehe wir in unsere jeweiligen Zimmer gingen.
 

Es dauerte nicht lange und ich schlief schnell ein. Kaum lag ich im Bett, schon überkam mich die Müdigkeit, die ich zuvor gar nicht gespürt hatte. Jedoch klingelte mein Wecker mich schon wenige Stunden später aus dem Bett. Grummelnd und gähnend zugleich tastete ich nach dem Handy. Verschlafen blinzelte ich mehrmals und klickte auf die Schlummertaste. Ein paar Minuten musste ich mir einfach noch gönnen, ehe ich aufstehen würde. Eines stand für mich schon jetzt fest: Nach den beiden Terminen würde ich ein Nickerchen machen. Erneut klingelte mein Handy und ich seufzte, bevor ich mich streckte und nach diesem griff. Sogleich machte ich den Wecker aus und stieg aus dem Bett.
 

Obwohl meine Lust sich gegen Null befand, denn die Nacht war anstrengend, musste ich aufstehen. Das Gespräch mit Chiaki fiel mir wieder ein und ich musste zugeben, dass ich dieses sehr genossen hatte. Die Erinnerung daran ließ mich lächeln. Gestärkt dadurch streckte ich noch einmal meine Glieder und atmete einmal durch. “Okay... reiß dich zusammen... du schaffst das und später ein kleines Schläfchen”, lächelte ich sanft und war mir sicher, dass ich eine Menge Make-Up brauchen würde, um meine Müdigkeit zu kaschieren.
 

Doch das war halb so wild. Daher ging ich ins Bad und trieb den letzten Schlaf aus meinen Knochen mit einer kalten Dusche. Schnell zog ich mich aus und stellte mich unter diese. Das Wasser lief über meinen Körper und genüsslich seufzte ich auf. Es fühlte sich verdammt gut an nach einer solch kurzen Nacht. Kurz darauf wusch ich meine Haare mit wärmerem Wasser und wickelte diese schließlich in ein Handtuch. Ebenso wie meinen Körper. Auf diese Weise konnte ich mich noch etwas freier bewegen. Zumal ich noch ein kleines Beautyprogramm machen wollte. Einmal eine Gesichtsmaske, um einen frischeren Eindruck zu erzielen. Zwar wäre es nicht zu hundert Prozent möglich, aber zu mindestens ansatzweise.
 

In der Zwischenzeit machte ich ein wenig Maniküre und pflegte meine Fingernägel. Danach kümmerte ich mich weiter um meine Gesichtspflege. Wobei es nur die Kurzfassung werden würde. Immerhin habe ich nicht allzu viel Zeit dafür. Jedoch würde ich das die Tage nach holen. Solche Dinge waren wichtig, denn noch hatte ich den Job und musste eben penibel auf mein Äußeres achten. Daher nutzte ich noch eine angenehme Aloe-Vera Gesichtscreme und wickelte meine Haare auf, um diese zu föhnen. Dabei checkte ich, ob der Haaransatz noch passte oder ob ich bald wieder zum Friseur zum Nachfärben müsste. Zum Glück passte es noch, aber ich musste mir dringend ein Memo hinterlassen, dass ich demnächst einen Termin dafür brauchen würde.
 

Pünktlich um 12 Uhr war ich fertig gestylt und verließ den Raum, um in das Gemeinschaftszimmer zu kommen. Direkt machte ich mir noch einen Kaffee fertig und überlegte, ob ich für Chiaki ebenso einen machen sollte. Doch weiter kam ich in meiner Überlegung nicht, denn ich hörte bereits seine Frage: “Machst du mir auch noch einen Kaffee?”
 

“Klar”, entgegnete ich ihm, nahm den fertigen Becher und stellte den leeren unter die Maschine, ehe ich einen weiteren Kaffee durchlaufen ließ. Sogleich drehte ich mich zu ihm um und merkte erst jetzt wie nah er hinter mir gestanden hatte. “Hier”, kam es fast schon flüsternd von meinen Lippen.
 

“Danke”, kam es von ihm, während er mir den Becher abnahm und daraus einen Schluck nahm. Fast schon wie gebannt sah ich ihn an, genau wie er mich. “Mmmh... sehr köstlich”, raunte er und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er damit nicht nur den Kaffee meinte. Denn seine Augen hatten mich definitiv abgecheckt.
 

Schwerer schluckte ich und wollte gerade etwas sagen, jedoch vernahm ich aus dem Zimmer des anderen Paares einige ziemlich eindeutige Geräusche. “Ähm... sie... werden doch wohl nicht...”, begann ich und unterbrach mich selbst.
 

“Oh... jaaaaa... gib mir meeeeeehr...”
 

“Ich... fürchte doch”, meinte Chiaki und glitt sich mit der freien Hand durch seine Haare. “Entschuldi...”, fing er an, doch weiter kam er nicht.
 

“Ich besorg es dir so richtig hart!”, hörten ich die tiefere Stimme von Yamato.
 

“Ach du...”, begann ich und konnte nicht anders als zu lachen. Das war wahrlich der Knaller.
 

“Lass uns mit den Bechern von hier verschwinden”, schlug er vor und ich nickte zustimmend.
 

“Eine gute Idee... bevor wir noch mehr hören”, kicherte ich und schnappte mir schnell meinen Becher.
 

Beim Vorbeigehen an der Theke nahm ich noch meine Handtasche mit meinen persönlichen Sachen, so wie dem Handy und dem Tablet, mit dem ich in den letzten Tagen gearbeitet hatte. Sogleich eilten wir schnellen Schrittes zur Zimmertür und hatten es fast geschafft raus zu kommen. “Oh jaaaa... gib es mir, du Hengst”, erklang das Stöhnen von Miyako und mit größeren Augen blickte ich zu Chiaki, der sich auf die Unterlippe biss. Man konnte ihm deutlich ansehen, dass er dagegen ankämpfte, um nicht los zu lachen.
 

Schnell schloss er die Tür hinter uns und wir liefen nahezu zu dem Fahrstuhl, um damit nach unten in die Lobby zu fahren. Kaum schlossen sich die Türen, schon fingen wir beide an zu lachen. Amüsiert blickte ich zu ihm und musste unbedingt die folgende Frage stellen: “Sie nennt ihn ernsthaft Hengst beim Sex?”
 

“Nun”, begann er und fuhr sich erneut durch die Haare. “Das war noch ziemlich harmlos... Hengst ist wirklich noch die ‘brave’ Aussage von ihr”, erklärte er sichtlich amüsiert. Verwundert blinzelte ich und legte den Kopf schief.
 

“Ernsthaft?”, kam es mit geweiteten Augen von mir. Für einen Moment war ich wirklich überrascht von seinen Worten. “Möchte ich denn wissen, wie sie ihn sonst nennt?”, fragte ich schmunzelnd und sah nur, wie er eine seiner Augenbraue hoch zog. Innerlich bereitete ich mich auf das Schlimmste vor.
 

“Glaub mir... das willst du nicht wissen... ich bekomme noch heute Albträume davon”, meinte er und schüttelte sich, als würde er sich davon ekeln. Damit untermalerte er seine Worte und machte mich zunehmend neugieriger darauf.
 

“Ach komm schon... ich will es nun wissen!”, beharrte ich und erkannte, wie seine Mundwinkel zuckten.
 

“Sorry... aber das werde ich dir nicht antun”, sprach er aus und sah mich eindringlich an. Definitiv wollte er mich etwas ärgern, aber ich vermute auch, dass er mich davor schützen wollte. Das konnte ich in seinen Augen erkennen.
 

“Komm schon... sag es mir!”, kam es erneut über meine Lippen. Schnell schüttelte er den Kopf und versteckte sein Grinsen hinter dem Becher, indem er einen Schluck nahm.
 

“Sicher nicht!”, sagte er direkt und bevor ich noch einmal darauf beharren konnte, setzte er gleich fort. “Miya würde mich sicher dafür killen... und wer weiß... vielleicht wirst du das früher oder später noch mitbekommen”, zwinkerte er mir zu und verließ schnell den Fahrstuhl, da wir angekommen waren.
 

Schmunzelnd musste ich wohl nachgeben und folgte ihm aus dem Lift. Tatsächlich war ich gespannt, ob er Recht behalten würde mit der Annahme, dass ich noch dahinter kommen würde, wie Miyako ihren Mann noch nannte. Eilig lief ich durch die Lobby zu der Sitzgruppe, die in einer Ecke stand. Dort saß Chiaki bereits und nippte noch an seinem Kaffee. Ich setzte mich ihm gegenüber und lehnte mich gemütlich zurück. Zum Glück hatte ich mich für eine Anzugshose entschieden. Dadurch konnte ich mich freier bewegen. Dennoch achtete ich darauf elegant und anmutig zu sitzen. Mein Blick lag auf ihm und er schmunzelte etwas, nachdem er seinen Becher abgestellt hatte. Vermutlich war er schon fertig.
 

“Du ziehst das wirklich durch und sagst mir nichts?”, musste ich einfach sicher gehen und er nickte.
 

“Absolut... Miya scheint ein wahrer Engel zu sein... doch glaube mir, sie kann auch ganz anders”, erklärte er und mir kam sofort die Szene im Bekleidungsladen in den Sinn.
 

“Hmmm... stimmt... jeder kann ein Teufel mit einem Engelslächeln sein”, grinste ich ihn an.
 

“Ist das so?”, kam es mit tieferer Stimme von ihm und ich könnte schwören, dass seine Augen dabei eine Spur dunkler wurden. Schwerer schluckte ich und nickte, bevor ich mich wieder gefangen hatte. Diese Situation war absolut nicht gut. Es fiel mir gerade ungemein schwer professionell zu bleiben. Daher räusperte ich mich und trank meinen Kaffee leer.
 

“Genug davon... auf zum Termin”, wechselte ich abrupt das Thema. Auch wenn es subtil war, so musste ich es tun.
 

“Stimmt... wir werden erwartet”, kam es von ihm und erleichtert atmete ich durch. Ich war mehr als froh darüber, dass er nicht weiter darauf eingehen würde.
 

Einige Sekunden später erhoben wir uns und gingen hinaus, um zum Termin zu gelangen. Chiaki wollte unbedingt durch einen großen Möbelladen stöbern. Er meinte, er wolle sich für eine mögliche Umgestaltung inspirieren lassen. Es war nicht verkehrt auf dem neusten Stand zu sein. Zudem war ich genauso neugierig darauf zu sehen, welche Möbel momentan designend wurden und wie sie womöglich wirken könnten. Aus diesem Grund hatte ich ein spezielles Programm auf das Tablet geladen und die Daten von einem Standartzimmer eingegeben. Somit konnten wir ein wenig herum experimentieren und direkt das Ergebnis sehen. Je nachdem, was er sich eben vorstellen würde. Noch hatte ich ihm davon nichts gesagt, doch das würde ich nach holen, sobald wir am Ziel wären.
 

Wenige Augenblicke später waren wir angekommen und Chiaki parkte den Wagen, ehe wir diesen verließen. Erneut gingen wir durch, in welche Richtung er sich informieren wollte und ich nickte bestätigend. Zuerst würden wir die Möbel uns ansehen, bevor wir zu den Wandfarben und Vorhängen übergehen würden. Bei diesem Gespräch bemerkte ich einmal mehr, wie vielseitig er seine Hotels zeigen wollte. Am liebsten schien er mehrmals im Jahr die Zimmer umgestalten zu wollen, aber das würde definitiv viel zu viel kosten. Wobei mir eine Idee kam, die ich kurz skizzierte, während wir das Gebäude betraten und nach und nach die Möbelbereiche abklapperten. Alles was interessant war, suchte ich online nach den wichtigen Daten, um diese zu speichern.
 

“Uff... das ist eine Menge”, meinte er nach einigen Stunden und dem konnte ich nur zustimmen.
 

“Vielleicht... sollten wir eine Pause machen, bevor wir weiter machen?”, schlug ich vor, denn mir rauchte schon der Kopf. Zudem bekam ich Hunger. Das war keine gute Kombination.
 

“Hmm... eine gute Idee... wollen wir essen gehen? Ich habe hier in der Nähe ein Restaurant gesehen”, fragte er und einmal mehr staunte ich. Er war wahrlich sehr aufmerksam und es fühlte sich fast so an, als würde er meine Gedanken lesen.
 

“Das wäre perfekt”, lächelte ich ihn an und er bot mir seinen Arm an. Direkt hakte ich mich bei ihm ein und wir verließen das Gebäude, um ein Restaurant auf zu suchen.
 

Das Essen verlief unspektakulär, obwohl ich es so nicht sehen würde. Wir sprachen zwar über alltägliches, doch ab und zu ließ er mich an seinen Gedanken teil haben. Ebenso an seiner Vergangenheit. Etwas erzählte er von seinen Eltern. Allen voran von seiner Mutter. Allein durch seine Worte konnte ich erkennen, wie sehr er sie liebte und vermisste. Auch wenn er nicht davon sprach, dass sie verstorben war, konnte ich es aufgrund seiner Erzählungen mir denken. Er klang teilweise traurig bei einigen Erinnerungen, dass ich ihn am liebsten in den Arm genommen hätte und ebenso von meinen verstorbenen Eltern berichten wollte. Doch ich hielt mich zurück und hörte ihm einfach zu. Gab ihm so das Gefühl, dass er nicht alleine war und mit mir sprechen konnte.
 

“Oh... nun hätten wir fast die Zeit vergessen”, kam es von ihm, nachdem wir schon aufgegessen und einige Zeit geplaudert hatten. Schmunzelnd sah ich zuerst zu ihm, ehe ich ein Blick auf mein Handy und damit zur Uhr blickte.
 

“Stimmt... ich denke wir sollten zurück zum Laden”, meinte ich und er stimmte dem zu.
 

“Dann lass uns los”, sprach er und orderte direkt die Rechnung. Diese beglich er ohne lange zu fackeln. In dieser Hinsicht war er unverbesserlich, einfach und unkompliziert. Dabei erhob ich mich und nahm meine Handtasche, um diese zu schultern. Er stand bereits neben mir und bot mir direkt seinen Arm an. Mit einem leichten Lächeln hakte ich mich bei ihm unter und wir verließen das Lokal, um wieder zurück zum Möbelgeschäft zu kommen.
 

“Möchtest du direkt zu den Wandfarben und den Vorhängen, oder vorher noch mal bei einem anderen Bereich vorbei?”, fragte ich ihn direkt.
 

“Ehrlich gesagt... lass uns die Wandfarben durchgehen, die wir nutzen könnten und dazu die Vorhänge. Die Kombination ist mit am Wichtigsten für das Richtige Ambiente. Die Möbel müssen einfach dazu passen”, kam es ernst und mit fester Stimme von ihm. Da schien er entschlossen zu sein und das war gut, denn so langsam merkte ich die Müdigkeit aufsteigen.
 

“Klingt nach einem sehr guten Plan”, lächelte ich ihn an und vermutlich hatte er an meinem Blick gesehen, wie erleichtert ich darüber war.
 

“Das wird denke ich schneller gehen”, meinte er und da war ich ihm wirklich dankbar.
 

“Ich denke auch... dass es flotter gehen wird”, grinste ich ihn leicht an.
 

Seine Mundwinkel zuckten dabei und so steuerten wir zu dem Bereich mit den Wandfarben und den Gardinen. Neugierig sah ich mich um und fand es wirklich inspirierend, was es für Möglichkeiten gab. Wie von selbst formten sich einige Kombinationen in meinem Kopf, die ich mit ihm besprach. Aufmerksam hörte er mir zu und zwischenzeitlich konnte ich sehen, dass seine Augen funkelten. “Das gefällt mir... also meinst du... alle paar Jahre frischer Wandanstrich und die Deko im Zimmer auf die entsprechende Jahreszeiten anpassen?”, fasste er zusammen und ich nickte.
 

“Mhm... damit wären die Hotels Up to Date und dennoch wäre es nicht zu kostspielig”, erklärte ich ihm.
 

“Klingt vielversprechend...”, überlegte er und kurz dachte ich nach.
 

“Wie wäre es... wenn du das in einem Hotel testest, um zu sehen, wie es ankommt und dann nach und nach nachrüstest”, schlug ich vor und seine Augen weiteten sich einen Moment.
 

“Das... ist eine verdammt gute Idee... Ich glaube am besten würde das in New York gehen, die beiden Hotels haben mit die meisten Gästebuchungen”, führte er die Idee weiter fort und leicht blinzelte ich.
 

“Alles klar... dann notiere ich das für New York... von den Möbeln und den Farben habe ich Bilder und Notizen gemacht... wir können darauf jederzeit zugreifen.”
 

“Echt?!”, entkam es ihm überrascht und leicht musste ich kichern. Er klang ein wenig ungläubig bei seinem Ausruf.
 

“Auch wenn... mein momentaner Beruf nichts mit Innenausstattung zu tun hat... so habe ich eine Menge Ahnung, wie du bereits gemerkt hast”, zwinkerte ich ihm frech zu und konnte ihm ansehen, dass er langsam begriff.
 

“Stimmt... sogar sehr viel Ahnung... ich bin mehr als froh darüber, dass du uns so unterstützt”, kam es ehrlich von ihm und ich lächelte ihn an.
 

“Das freut mich... komm... lass uns zurück zum Hotel”, meinte ich und musste aufpassen, nicht zu gähnen. Auch wenn es schwer war. Mittlerweile fühlte ich mich so, als hätte ich tagelang nicht geschlafen.
 

“Eine hervorragende Idee... das kommende Gespräch können wir auch telefonisch abklären”, grinste er leicht.
 

“Ähm... Stimmt... da war noch was”, kam es mir in den Sinn, während wir raus gingen und weiter zum Wagen.
 

Kaum saßen wir drinnen, schon fuhr Chiaki los und ich hielt mir eine Hand vor den Mund, um mein Gähnen ein wenig zu kaschieren. In dem Moment fühlte ich mich mehr als schläfrig. Angesträngt versuchte ich meine Augen zu halten, jedoch verlor ich irgendwann den Kampf und nickte scheinbar ein. Denn ich landete schnell im Traumland.

Die Reise geht weiter

Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf und saß senkrecht. Blinzelnd sah ich mich um und erkannte das Zimmer während meines Aufenthaltes wieder. Tatsächlich lag ich in dem Bett und fragte mich, wie ich wohl dahin gekommen bin. In meinem Kopf versuchte ich mich daran zu erinnern, dass ich überhaupt ins Bett gegangen war. Jedoch war das Letzte, was ich getan hatte, im Auto neben Chiaki zu sitzen. Augenblicklich wurden meine Augen größer. Bin ich etwa während der Fahrt eingeschlafen?, schoss es mir durch den Kopf. Wie von selbst sah ich an mir hinab und merkte, dass ich meine Sachen noch trug, wobei mein Blazer und meine Schuhe fehlten. Die Decke schlug ich auf und stieg aus dem Bett.
 

Sofort ging mein Blick zur Kommode, wo meine Tasche lag. Direkt sah ich hinein und zog mein Handy heraus. Erneut weiteten sich meine Augen, als ich die Uhrzeit darauf erblickte. “Fuck”, entkam es meinen Lippen, denn es war bereits 19 Uhr. Eilig schritt ich zur Tür und begab mich in den Gemeinschaftsraum. Es war verdächtig ruhig, weshalb ich etwas irritiert war. Wieder sah ich mich im Raum um und entdeckte an der Kaffeemaschine einen Zettel. Direkt ging ich rüber und nahm diesen in die Hand.
 

'Hey Jeanne, hoffe du konntest noch etwas schlafen... Miya und Mato sind zu einem Termin raus und ich bin nochmal unterwegs... sollte aber gegen 20 Uhr wieder zurück im Zimmer sein... Gruß Chiaki', las ich die Notiz und musste unweigerlich lächeln. Er war wahrlich sehr lieb und zuvorkommend. Dass ich eingeschlafen war, war mir etwas peinlich, aber er schien das nicht allzu schlimm gefunden zu haben. Dennoch war mir klar, dass ich mich bei ihm entschuldigen müsste.
 

So langsam wurde mir bewusst, dass er mich vermutlich aus dem Auto getragen hatte. Mir war vieles nicht unangenehm, aber das war wahrlich mehr als peinlich. “Oh man...”, seufzte ich leise und biss mir automatisch auf die Unterlippe. Mit Sicherheit dachte er sonst was von mir. Vor allem aber machte mein Gewicht sorgen, schließlich war ich nicht die Leichteste. Hoffentlich hatte er Hilfe dabei, mich nach oben zu bringen. Es fühlte sich komisch an zu erahnen, was passiert war, aber keine Gewissheit zu haben. Da musste ich ihn wohl später fragen. Mein Blick ging erneut zur Uhr.
 

Ein leichtes Seufzen verließ meine Lippen. Ich hatte noch mehr als eine halbe Stunde alleine und solange würden meine Gedanken wohl hin und her wandern. Definitiv müsste ich mir eine Beschäftigung suchen. Daher machte ich mir einen Kaffee und beschloss mich um zu ziehen. Denn ich hatte in den Sachen schon einige Stunden außerhalb verbracht und ebenso darin geschlafen. Wieder einmal seufzte ich und nippte an dem fertigen Kaffee. Diese köstliche braune Brühe lenkte mich von dem kleinen Gedankenkarussell ab. Mit der Tasse in der Hand schritt ich zurück in meinen Privatbereich und suchte mir einen knielangen Rock und eine schlichte weiße Bluse heraus. Beides zog ich mir an, sobald ich die Hose und die hellblaue Bluse aus hatte. Zwischendrin trank ich etwas vom Kaffee und checkte meine Nachrichten in den Chats.
 

So gut ich konnte, brachte ich die Zeit rum und hatte mir dabei die Tasse Kaffee gegönnt. Ich war froh zu lesen, dass es bei meinen besten Freundinnen sehr gut zu laufen schien. Für die beiden freute ich mich sehr und war schon gespannt auf ihre Erzählungen, sobald wir die Zeit dazu hatten, mit einander zu sprechen. Lächelnd schickte ich ihnen ein kurzes Update zu meinen letzten Tagen und war dabei so vertieft, dass ich gar nicht bemerkte, wie die Minuten an mir vorbei zog. Dabei hatte ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht und hatte meine Beine über einander geschlagen. Erst als ich die Tür hörte, blickte ich auf und entdeckte Chiaki in der Tür, der gerade irgendwie in seinem Handel inne hielt.
 

“Willkommen zurück”, grüßte ich ihn. Jedoch reagierte er nicht direkt auf meine Worte, was mich zum Stirnrunzel gebracht hatte. Ein wenig legte ich den Kopf schief und merkte einmal mehr, dass er mich wohl mit seinen Augen abcheckte. Ein Schmunzeln konnte ich mir demnach nicht verkneifen. Ein Räuspern entkam ihm, da er mir in die Augen blickte und ihm wohl bewusst wurde, dass ich das gemerkt hatte.
 

“Hey... hast du... schon was gegessen?”, kam es von ihm.
 

“Nein... du scheinbar auch nicht”, musste ich den Kommentar einfach bringen. Es tat gut ihn ein wenig aus dem Konzept zu bringen.
 

“Ähm...”, begann er und schluckte sichtlich, da sein Adamsapfel etwas hüpfte. Meine Reaktion hatte seine Wirkung absolut nicht verfehlt. “In der Tat... wollen wir eben zum Essen runter?”, fragte er nach, nachdem er sich gefasst hatte.
 

“Klar doch”, entgegnete ich ihm und löste langsam mein Bein, um so elegant wie möglich aufstehen zu können.
 

“Gut... ich bin nämlich schon am verhungern”, sprach er mit leicht rauer Stimme und erneut war mir bewusst, wie zweideutig sich das anhörte. Offenbar gefiel ich ihm und er schien nicht abgeneigt zu sein. Jedoch ging er nicht weiter als das, was wir gerade taten.
 

“Geht mir genauso”, erklärte ich ihm und nahm mein Handy und meine Handtasche, ehe ich zu ihm an die Tür trat. Seine Augen schienen meinen Bewegungen zu folgen und ich musste wohl ehrlich zu mir selbst sein, dass es mir äußerst gut gefiel und sehr schmeichelte. Bei ihm fühlte ich mich auf so vielen Ebenen geborgen und begehrt, dass es mir zum ersten Mal leid tat, nichts mit meinen Kunden an zu fangen. Aber den Gedanken verwarf ich und lächelte ihn an.
 

“Das Outfit steht dir sehr gut”, bemerkte er und bot mir gleich seinen Arm an, nachdem wir aus der Tür getreten waren und er diese nach uns abgeschlossen hatte.
 

“Danke für das Kompliment”, lächelte ich ihn an und legte meinen Arm unter seinen. “Und... entschuldige, dass ich vorhin eingeschlafen bin”, fügte ich verlegen hinzu.
 

“Das ist nicht schlimm... es war ein recht anstrengender Tag nach einer sehr kurzen Nacht... ich bin es bereits gewohnt, daher mach dir keinen Kopf”, entgegnete er mir und ich könnte schwören, dass er bei den Worten 'kurze Nacht' eine Spur mehr Sehnsucht und Sinnlichkeit in seine Stimme gelegt hatte.
 

“Verständlich”, kam es von mir, während meine Wangen mit Sicherheit rot leuchteten. Daher biss ich mir leicht auf die Unterlippe, um nicht weiter darüber nach zu denken. “Danke... auch fürs Hochtatragen”, lenkte ich mich selbst etwas ab.
 

“Sehr gerne... ich wollte dich einfach nicht wecken”, sprach er sanft aus und richtete von der Seite den Blick zu mir.
 

“Das hättest du aber tun können”, merkte ich an. “Schließlich bin ich nicht gerade leicht”, ergänzte ich meine Aussage mit roten Wangen hinzu und wandte leicht meine Augen von ihm ab. Es war mir einfach schlichtweg zu peinlich. Auch wenn ich mich mit meinen weiblichen Rundungen sehr wohl fühlte, war es für einige eben zu viel.
 

“Jeanne”, hörte ich meinen Namen und stutzte, da er mehr Nachdruck in seine Stimme gelegt hatte. Er war ebenso stehen geblieben und legte nun seine Finger unter mein Kinn, um mein Gesicht zu ihm zu drehen. Diese Berührung bescherte mir eine Gänsehaut über meinen gesamten Körper. Darüber war ich sichtlich überrascht und wie von selbst blickten wir uns direkt in die Augen. Leicht schluckte ich. “Du bist nicht schwer... eher ein Fliegengewicht für mich und damit... mehr als perfekt”, raunte er seine letzten Worte und löste seine Finger schließlich von meinem Kinn. Jedoch ließ er seine Hand nicht fallen. Im Gegenteil. Er legte mir eine verirrte Haarsträhne hinters Ohr.
 

“Meinst du... wirklich?”, fragte ich unsicher nach, weil es viele Momente in der Vergangenheit gab, bei denen mir das Gefühl gegeben wurde, dass es eben nicht passte.
 

“Absolut... lass dir niemals etwas anderes einreden!”, antwortete er etwas dominanter und ein kleines Schaudern erfasste meinen Körper.
 

“Okay... danke”, kam es mehr als verlegen und ergeben von meinen Lippen. Durch seine Eindringlichkeit verfiel ich für einen Augenblick in eine Unterwürfigkeit, die ich in den meisten Sessions hatte. Schnell fasste ich mich, da ich mir ins Gedächtnis rufen musste, dass er und ich niemals passieren würde. Immerhin war er nach wie vor mein Kunde.
 

“Gut”, grinste er etwas und in seinen Augen war so etwas wie Erkenntnis zu sehen, aber auch nur für einen Bruchteil der Sekunde. Weshalb ich dem keine weitere Beachtung geschenkt hatte. “Lass uns was essen und dabei besprechen wir die letzten Tage bis zu unserer Reise nach Miami”, schlug er vor und ich nickte nur zustimmend.
 

Einerseits war ich erleichtert, da er mir dadurch half wieder zur Normalität zurück zu kommen. Andererseits war ich wahrlich versucht heraus zu finden, ob er mit mir dahingehend ebenfalls umgehen könnte. Er ist mein Kunde!, sagte ich mir immer wieder vor und konnte nach einigen Minuten wieder klarer denken. Beim Hotelrestaurant angekommen, wurden wir zu einem Tisch geführt und Chiaki ließ es sich nicht nehmen, mir den Stuhl zurecht zu rücken. Schmunzelnd bedankte ich mich und nahm Platz, ehe er sich mir gegenüber nieder ließ. Es dauerte nicht lange, bis wir die Karte bekamen und sogleich etwas zu trinken und zu essen bestellten.
 

Während des Essens sprachen wir über den vergangenen Termin, den ich leider verschlafen hatte, und auch die letzten, die uns noch bevorstanden. Chiaki hatte eine Menge mit dem Team schon durch gesprochen, sodass wir nur noch zwei Besprechungen zu erledigen hatten. Dabei berichtete er mir, dass Miyako und Yamato noch mit zwei Organisationen gesprochen hatten, mit denen sie zusammenarbeiten wollten und man sich dadurch gemeinsam unterstützen konnte. Es war unglaublich, welches Netzwerk sie sich aufgebaut hatten. Sowohl Chiaki als auch Yamato konnten sehr gut Leute für ihre Sache gewinnen und das war bemerkenswert. Es faszinierte mich, wie einfach es bei ihnen schien, die Menschen für ihr Vorhaben zu begeistern.
 

“Gut... und während des Fluges nach Miami spiele ich etwas mit dem Programm herum”, beschloss ich und lächelte ihn an.
 

“Du meinst wirklich, dass es damit geht?”, wollte er skeptisch erfahren. Vermutlich hatte er noch nie mit solchen Gestaltungsmöglichkeiten zu tun gehabt, weshalb es ihm schwer fiel, sich das vor zu stellen.
 

“Natürlich... vertrau mir... ich werde dir einige Konzepte zusammen stellen”, zwinkerte ich und seine Mundwinkel zuckten leicht nach oben.
 

“Okay... ich bin gespannt”, meinte er und nippte an seinem Wein, den er sich zum Essen gegönnt hatte.
 

“Kannst du sein”, grinste ich ihn an und nahm einen Schluck von meinem Wasser, welches ich mir geordert hatte. Mein Durst auf Wein war gleich null, weshalb ich keinen bestellt hatte.
 

Es war ein schöner Abend, den wir miteinander verbracht hatten. Wir waren auf einer Wellenlänge und das gefiel mir. Gemütlich hatten wir noch ausgetrunken, ehe wir zurück zum Zimmer kehrten. Es verwunderte mich, doch sie hatten eine praktische Funktion, dass sie im Restaurant die Rechnung auf das Zimmer mit eintragen, damit man entspannt das Essen genießen konnte. “Im Übrigen... auf diese Idee kamen Miya und Mato”, merkte er an, während wir zum Fahrstuhl gingen.
 

“Echt? Wie kamen sie denn darauf?”, wollte ich wissen und war ziemlich neugierig.
 

“Nun... die zwei... haben es ab und an eben eilig nach dem Essen ins Zimmer zu kommen...”, begann er und meine Augen weiteten sich bei seinen Worten.
 

“Nein...”, entkam es mir ungläubig, da ich nicht dachte, dass er auf etwas Sexuelles anspielte.
 

“Oh doch... sie hatten sich mal während dessen so... naja ich sage es lieber mal jugendfrei: heiß gemacht. Danach hatten sie einfach ganz vergessen zu zahlen”, erklärte er und mir klappte der Mund für einige Augenblicke auf.
 

“Ach du...”, wollte ich schon ausrufen, doch ich senkte meine Stimme. “Was ist dann passiert?”, musste ich einfach wissen, denn es klang nach einer interessanten Geschichte.
 

“Der Kellner ist hinter her und hatte sie beim Rummachen im Aufzug erwischt”, amüsierte er sich und ehrlich gesagt, konnte ich mir das verdammt gut vorstellen. Deshalb prustete ich lachend los und auch er stimmte mit ein.
 

“Bestimmt hatten sie dennoch ihren Spaß”, lachte ich weiter und er nickte direkt.
 

“Aber sowas von... sie haben... sogar den Kellner gefragt, ob er zu sehen will”, kam es mehr als amüsiert von ihm.
 

“Nein... das können sie doch nicht bringen”, konnte ich nicht mehr aufhören zu lachen über die gesamte Situation.
 

“Doch... und ich sage dir... der arme Kellner wusste erst nicht, was er tun sollte”, erzählte er weiter und ich konnte mir das echt gut vorstellen. Die beiden wussten genau, wie sie jemanden aus dem Konzept bringen konnten.
 

“Das hätte ich nur allzu gern gesehen”, meinte ich ehrlich und er grinste breiter.
 

“Das glaube ich sofort... für mich war es sehr amüsant, das mit an zu sehen”, zwinkerte er und meine Augen wurden nur noch größer. Das konnte doch nicht sein Ernst sein.
 

“Du... warst live dabei?”, hakte ich nach.
 

“Jein... erst nachdem sie das Restaurant verlassen hatten... ich dachte mir nichts dabei, aber als sie in der Diskussion waren, war es eine geniale Situation”, merkte er an und ich konnte nur den Kopf schütteln.
 

“Aber es passt sowas von zu den beiden... sie sind durch und durch verrückt”, kicherte ich und er nickte zustimmend.
 

“Oh ja... das sind sie wirklich”, lachte er und ich musste wahrlich darüber schmunzeln. “Danach hatten sie mir mehrere Tage in den Ohren gelegen, im hoteleigenen Restaurant so eine Funktion an zu bieten.”
 

“Und du hast sie schmoren lassen?”, fragte ich nach und sein Grinsen verriet ihn definitiv. “Natürlich hast du das... wieso habe ich bloß gefragt”, gluckste ich und er zuckte so unschuldig wie möglich mit den Schultern. Als der Fahrstuhl anhielt, ließ er mir den Vortritt raus zu kommen.
 

“Diesen Spaß konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen”, meinte er knallhart und folgte mir zur Zimmertür, die er sogleich aufmachte, sobald er mich erreicht hatte. Wenn ich ehrlich sein sollte... so wäre es mir wohl auch gegangen.
 

“Das hätte ich ebenfalls getan”, sagte ich deshalb, nachdem ich im Raum war und die Tür hinter mir schloss.
 

“Gut zu wissen”, zwinkerte er mir grinsend zu und brachte mich damit zum Schmunzeln. Einmal mehr tickten wir gleich und dadurch gab er mir das Gefühl, ihm gleich gestellt zu sein.
 

Im Gemeinschaftsraum gönnten wir uns noch einen Kaffee, ehe wir uns für den Tag verabschiedeten. Meine Müdigkeit war zwar nicht mehr so groß, doch er war sicher ziemlich erschöpft. In meinem Zimmer nahm ich mein Handy zur Hand und schrieb erst einmal Noyn eine Zusammenfassung über die letzten Tage und die kommenden. Ich hatte mit ihm ausgemacht, dass ich mich einmal die Woche melden würde oder eben jedes Mal, bevor wir weiter reisen würden. Diesmal traf es auf beide Fälle zu. Kaum hatte er meine Nachricht gelesen, schon rief er mich wenige Minuten später direkt an. Das war typisch für ihn. Er machte sich zu viele Sorgen.
 

Zusammen telefonierten wir eine Weile und er erkundigte sich hauptsächlich über mein Wohlbefinden. Es war sehr lieb von ihm, doch ich beruhigte ihn sofort. Mit den Dreien hatte ich so gesehen einen Glücksgriff gehabt. Sie machten mir die Sache so viel angenehmer und die Arbeit war nicht wirklich schwer. Zudem lernte ich Dank ihnen eine Menge Neues, was mir später zu Gute kommen würde. Schließlich würde ich schon bald meinen Traumberuf ausführen. “Nun gut... ich merke, dass bei dir alles gut ist... ich freue mich wirklich”, hörte ich seine Erleichterung aus der Stimme.
 

“Keine Sorge, Noyn... ich melde mich, sollte etwas nicht passen”, versprach ich ihm und wir verabschiedeten uns. Kurz würde ich mich bei ihm melden, sobald wir in Miami wären.
 

Danach erfrischte ich mich und wusch meine Haare, nur um mir eine Haarmaske an zu bringen. Zusätzlich legte ich eine Gesichtsmaske auf und entspannte mich. Es tat gut, sich Zeit für sich zu nehmen. Obwohl es natürlich die Gedanken begünstigte, die immer wieder in meinem Kopf rauf und runter laufen konnten. Zu 90 Prozent beherrschte er diese und ließ mich innerlich mehrfach seufzen. Ich hatte gerade mal einen Monat mit ihm verbracht und hatte jetzt schon Probleme, nicht zu sehr auf die Flirterei ein zu gehen. Hin und wieder schlich sich der Wunsch ein, dem nach zu geben und zu sehen, wohin es hinführen würde. Jedoch hatte ich wohl weit aus mehr zu verlieren als er bei dieser Angelegenheit.
 

Nachdem die Einwirkungszeit vorbei war, legte ich die Gesichtsmaske ab, wusch mein Gesicht und ebenfalls die Haarmaske raus. Da dies erledigt war, föhnte ich etwas das Haar trocken und begab mich schließlich ins Bett. Doch an Schlaf war gar nicht zu denken, weil er mir wieder im Kopf herum geisterte. Es war wie verhext, aber ich kam nicht los von ihm. Sollte es weiterhin so gehen, würde er mich wahrlich in Versuchung führen und vermutlich es auch schaffen. Um ja nicht auf ganz dumme Gedanken zu kommen, beschloss ich gleich meine Augen fest zu schließen. Auch wenn ich zu gern noch mal nach ihm gesehen hätte.
 

Der Morgen kam rasch und glücklicherweise konnte ich meine Gedanken wieder ordnen. Es fiel mir in manchen Situationen schwer, doch ich hielt mich an mein eigenes Mantra. Die Tage bis zum nächsten Flug verging schneller als gedacht. Die Besprechungen verliefen hervorragend und ich konnte sogar schon etwas am Programm rum experimentieren. Wobei ich mich erst darauf konzentrierte die Wandfarben und die Möbel zu integrieren und ebenso zu modifizieren. Es machte echt Spaß und die Zeit verstrich nur noch mehr. Demnach war es schon bald soweit und wir packten unsere Koffer. Tatsächlich würde ich Lissabon vermissen.
 

“Bist du soweit?”, hörte ich Miyako, die an der Tür stand.
 

“Ja... ich gehe nur noch durch, ob ich alles eingepackt habe”, entgegnete ich ihr und sah im Bad nach. Oftmals war ich recht vergesslich, weshalb ich lieber drei oder sogar auch vier Mal alles durch sah.
 

“Verständlich”, bemerkte sie und schien ebenfalls einen Blick durch den Raum zu werfen.
 

Nachdem ich mir sicher war, dass ich alles verpackt hatte, nahm ich meinen Koffer und rollte mit diesem zur Tür. Meine Handtasche und das Handy hatte ich bereits im Gemeinschaftsraum hinterlegt. Diese nahm ich schließlich an mich und lächelte Miyako an. “Sind die Jungs schon unten?”, wollte ich wissen und sie nickte lächelnd.
 

“Mato holt bereits den Wagen und Chiaki checkt aus”, erklärte sie und diesmal nickte ich.
 

“Dann sollten wir sie nicht zu lange warten lassen”, meinte ich und steckte mein Handy in die Hosentasche meiner Hotpants. Miyako grinste mich an.
 

“Deine langen Beine sind schon unglaublich... da werde ich fast neidisch”, gluckste sie, während ich leicht rot um die Nase wurde. Solche Komplimente waren selten von Fremden oder eben Bekannte, worin ich Miyako im Moment einordnete.
 

“Ach was... du sieht ebenso Hammer aus, Miya”, lächelte ich und musste sagen, dass ihr die dreiviertel Leggings mit dem länglichen Shirt verdammt gut stand.
 

“Du Schmeichlerin, aber danke”, zwinkerte sie und kichernd stiegen wir in den Fahrstuhl, um in die Lobby zu fahren.
 

Es dauerte nicht lange und wir waren unten angekommen. Yamato sah uns zuerst, da er gleich zu uns kam, nur um meinen Koffer entgegen zu nehmen. “Den verstaue ich schon mal”, sprach er aus und ich nickte nur, ehe ich nach Chiaki Ausschau hielt. Er war gerade noch an der Rezeption und drehte sich um. Wie von selbst musterte ich ihn von unten nach oben. Er trug eine einfache Leinenhose, die ihm perfekt stand, und dazu ein schlichtes weißes Hemd. Dennoch sah er zum Anbeißen scharf aus und ich kam nicht umhin, mir leicht in die Unterlippe zu beißen. Schnell musste ich mich auf andere Gedanken bringen, bevor ich einen Schritt zu weit gehen würde und nicht mehr zurück kehren könnte.

Miami

Jedoch war es einfacher gesagt, als gedacht und vor allem als getan. Er zog mich fast schon wie das Licht die Motte an. Schwerer schluckte ich, da er mir direkt in die Augen blickte. Hoffentlich hatte er nicht bemerkt, wie ich ihn gemustert hatte. Definitiv färbten sich meine Wangen rot, denn es war mir doch etwas unangenehm. Schließlich hatte ich ihn, meinen Kunden, ungeniert gemustert. Doch er lächelte leicht, während er zu uns kam. “Habt ihr alles aus dem Zimmer?”, fragte er nach und ich nickte nur automatisch.
 

“Soweit ja”, antwortete Miyako und sah schon zu Yamato, der wieder zurück bei ihnen war.
 

“Wir können los”, verkündete er sogleich und Chiaki nickte.
 

“Sehr gut... dann lasst uns zum Flughafen... der Flug müsste in drei Stunden starten und wir sollten den Check-In noch in der Zeit hinbekommen”, meinte Chiaki direkt.
 

“Stimmt... das sollten wir nicht vergessen”, kicherte ich leise und Miyako fing an zu lachen.
 

“Das wäre absolut nicht gut... denn ich möchte sicher nicht das Flugzeug verpassen”, lachte sie und Yamato grinste breiter.
 

“Nein... das möchten wir nicht... also los”, zwinkerte Chiaki uns zu und wir gingen raus zum Auto. “Nach euch”, grinste er und hatte mir die Tür aufgemacht, genau wie Yamato für seine Frau. Die beiden waren wahrlich einmalig.
 

Lachend stieg ich ein und rutschte sogleich rüber, damit Chiaki ebenfalls Platz hatte. Er grinste etwas, nachdem er neben mir war und die Autotür geschlossen hatte. Yamato nahm hinter dem Steuer Platz und fuhr sofort los. Geschickt steuerte er den Wagen durch die Straßen und brachte sie sicher zum Flughafen. Dort parkte er das Auto im Parkhaus und wir holten die Koffer aus dem Kofferraum. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Gate und ich sah mich wie von selbst um. Tatsächlich versuchte ich mich etwas ab zu lenken, da ich ein wenig nervös wurde. So weit war ich bisher noch nie geflogen und ehrlich gesagt hatte ich großen Respekt vor dem Flug.
 

“Mach dir keine Sorgen... es wird alles gut”, hörte ich Miyako und blinzelte leicht, ehe ich zu ihr sah.
 

“Was meinst du?”
 

“Ich sehe es an deinem Blick... der Flug ist nur lästig, weil er lang ist... und es wird dir in der 1. Klasse noch mehr gefallen”, lächelte sie mich an und auch wenn ich etwas skeptisch war, so nickte ich. Vielleicht hatte sie Recht, denn sie wirkten mehr als normal und entspannt. Doch etwas an ihrer Aussage ließ mich stutzen und ich legte den Kopf schief.
 

“Erste Klasse ist doch überall gleich”, meinte ich direkt und blickte zu den Dreien, deren Mundwinkel zuckten.
 

“Stimmt... für gewöhnlich... aber diese Airline ist wahrlich ein Traum für diese langen Flüge”, erklärte Yamato und Miyako kicherte leise.
 

“So weiche Sitze... hast du noch nie erlebt”, fügte sie an und einen Moment grübelte ich darüber nach. Mit ihrer Annahme hatte sie höchstwahrscheinlich Recht, denn so etwas hatte ich sicher nicht gehabt. Nun war ich nicht mehr nervös wegen dem Flug, sondern eher neugierig auf die Ausstattung.
 

“Okay... dann bin ich mal gespannt”, entgegnete ich und Miyako schien zufrieden mit der Aussage zu sein.
 

“Kommt... wir sollten unsere Koffer abgeben und einchecken”, schlug Chiaki vor und genau das hatten wir getan.
 

Knapp zwei Stunden später saßen wir bereits im Flugzeug und ich kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die erste Klasse war so anders als ich es mir vorgestellt hätte. Mit großen Augen hatte ich den Sitz vor mir angestarrt, während Miyako leise kichernd an mir vorbei ging zu ihrem. Sie würde nämlich mit ihrem Mann zusammen eine Sitzreihe vor Chiaki und mir sitzen. Leicht schluckte ich und ließ mich schließlich auf den Sitz fallen. In dem Moment war ich nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Erst einmal musste ich diesen Eindruck auf mich wirken lassen. Wortlos hatte Chiaki neben mir Platz genommen. Das hatte ich noch im Augenwinkel mitbekommen, aber alles andere zog irgendwie an mir vorbei.
 

Als die Durchsage kam, dass wir uns anschnallen müssten, machte ich das fast schon automatisch und atmete einmal tiefer durch. Das Flugzeug rollte an und ich griff neben mich an die Armlehne. Jedoch hatte ich nicht die Lehne in der Hand, sondern etwas Warmes war zu spüren. Sofort glitt mein Blick zur Seite und ich sah in seine Augen. Erneut versank ich in diesen und konnte mich kaum von ihm los reißen. Auch wenn er kein Wort sprach, beruhigte es mich, ihn bei mir zu haben. Das war wirklich so untypisch, aber ich musste wohl zugeben, dass ich bei ihm absolut anders handelte als gewöhnlich. Definitiv würde ich darauf achten, es den anderen nicht zu zeigen. Immerhin war dies mein Job und den sollte ich professionell über die Bühne bringen.
 

“Entschuldige...”, wisperte ich, als ich mir die Gegebenheit wieder ins Gedächtnis gerufen hatte. Sogleich wollte ich meine Hand weg ziehen, doch er drehte seine um und verschränkte seine Finger mit meinen.
 

“Alles gut... Flugangst ist nicht so selten, wie man denkt”, sprach er und unsicher kaute ich auf meiner Unterlippe. “Vor allem bei solch langen Flügen”, bemerkte er, denn die kurzen Strecken hatten mir absolut nichts ausgemacht. Jedoch wenn ich jetzt an die nächsten neun Stunden im Flieger dachte, wurde mir ganz Bang ums Herz.
 

“Das... stimmt... neun Stunden sind nicht ohne”, entgegnete ich und er lächelte mich sanft an.
 

“Korrekt... aber wir lenken dich ab”, zwinkerte er und ich spürte, wie meine Wangen leicht brannten.
 

Dabei konnte ich nur hoffen, dass ich nicht allzu rot um die Nase wurde. Das war doch irgendwo unangenehm, aber er überspielte einfach so diese Situation souverän. Diese Geste war tatsächlich echt süß von ihm. Einmal mehr sah ich eine ganz andere Seite von ihm. Er war wahrlich etwas ganz Besonderes. Mir war durchaus bewusst, dass so etwas sonst kaum einer für mich tun würde. In Wahrheit würden dies wohl nur meine besten Freundinnen, meine Tante und mein Onkel für mich tun. “Danke dir”, kam es leise über meine Lippen und er lächelte mich sanft an.
 

Während der gesamten Abhebezeit hatte er meine Hand gar nicht los gelassen. Das bescherte mir eine wohlige Gänsehaut am ganzen Körper. Auch wenn ich es sicher bereuen würde, aber für diesen einen Augenblick ließ ich es zu und genoss seine Hand an meiner. Mit jeder weiteren Minute, die verging, entspannte ich immer mehr und lehnte mich richtig in den Sitz zurück. “Sehr gerne”, vernahm ich noch seine Stimme und spürte, wie er mit seinem Daumen über meinen Handrücken malte. Diese Berührung fühlte sich unglaublich an, weshalb ich mich gänzlich beruhigte und den Flugstart sogar irgendwie genießen konnte.
 

Erst einige Minuten danach ließ Chiaki meine Hand los und ich vermisste sofort diese wohlige Wärme, die von dieser ausging. Sofort musste ich mir wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich das hier nicht zu sehr auskosten sollte. Denn egal, wie sehr ich all das hier drehe und wende, er war und blieb mein Kunde. Daher machte ich das einzig logischste und holte das Tablet heraus, um etwas mit dem Programm zu arbeiten. Seinen neugierigen Blick spürte ich auf mir, doch das war mir in dem Moment egal. Ich musste etwas tun, bevor ich meinem Impuls nachgeben würde und das wäre sicher nicht professionell von mir. So gut es ging, lenkte ich mich ab, was mir durchaus erschwert wurde.
 

“Was ist denn?”, fragte ich und blickte leicht zu meiner rechten Seite, wo Chiaki saß.
 

“Es ist echt faszinierend”, antwortete er direkt und war auf das Tablet fokussiert.
 

“Oh... nun... es ist ein professionelleres Programm für Innenausstattung”, erklärte ich ihm und sein Blick wanderte zu mir, während ich dies sagte.
 

“Wow... du bist ja wirklich sehr gut vorbereitet”, kam es zum Teil lobend und neugierig, aber auch überrascht von ihm.
 

“Tja... jeder hat doch verborgene Talente”, zwinkerte ich ihm zu und konnte einfach nicht anders, als diese Worte über meine Lippen zu bringen. Wie zweideutig diese sein konnten, merkte ich erst nachdem sie ausgesprochen waren.
 

“Wie wahr... scheinbar ist dem so”, merkte er an und für einen kleinen Moment versank ich in seinen Augen, wie er wohl in meinen. Denn der Blickkontakt hielt eine Weile an. Nur ein Räuspern sorgte dafür, dass wir unsere Aufmerksamkeit nicht mehr auf einander richteten.
 

“Möchten Sie etwas trinken oder ein paar Snacks?”, fragte die Stewardess und innerlich rollte ich nur mit Augen.
 

“Nein danke”, entgegnete Chiaki direkt ohne die Dame wirklich eines Blickes zu würdigen.
 

“Sind sie sicher, dass sie nichts möchten?”, hakte sie nach und leicht seufzte ich. Die Frau begriff definitiv kein Nein.
 

“Definitiv möchten wir nichts, oder Schatz?”, kam es ihm über die Lippen und sofort blickte ich wieder zu ihm rüber. Er hatte diese leicht flehenden Augen, weshalb ich seine Hand nahm und ein zuckersüßes Lächeln auf den Lippen trug.
 

“Da hast du Recht... wir benötigen nichts von ihnen... schließlich brauchen wir nur einander”, antworte ich gespielt verliebt und richtete meine Augen zu der Dame, die uns zuvor unterbrochen hatte.
 

Man konnte ihr direkt ansehen, wie sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht gewichen war und sie schnappte sichtlich nach Luft. Es kostete mich jede Menge Überwindung, um nicht sofort los zu lachen. An meiner Hand spürte ich einen leichten Druck, jedoch konnte ich jetzt nicht zu ihm rüber sehen, sonst würde ich meine Beherrschung verlieren. So gut es ging, ließ ich mir nichts weiter anmerkten. Mit knallrotem Kopf murmelte sie irgendeine halbgare Entschuldigung vor sich hin und verschwand nach gefühlten Stunden aus unserem Blickfeld. Endlich konnte ich etwas entspannen und lachte augenblicklich los. Sein Lachen stimmte in meines mit ein und ich neigte den Kopf in seine Richtung. “Oh man”, entkam es ihm.
 

“So eine Begriffsstutzigkeit sollte echt weh tun”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
 

“Absolut... ich danke dir vielmals für deine Hilfe”, sprach er ehrlich aus und ich konnte seine Dankbarkeit und Erleichterung klar und deutlich heraus hören.
 

“Gerne... dafür schuldest du mir was”, zwinkerte ich ihm zu und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Lass es mich nur wissen, wie ich... diese Schuld begleichen kann”, kam es etwas ernster von ihm, weshalb ich eine Augenbraue hoch zog. Diese Worte ließen mich einen Moment grübeln, was er wohl meinen könnte. “Schließlich begleiche ich meine Schuld lieber gleich.”
 

“Keine Sorge... ich werde es dich wissen lassen, sobald mir etwas eingefallen ist”, meinte ich und verstand es nun. Er war dahingehend ähnlich wie ich. Ich wollte auch niemandem länger etwas schuldig sein als nötig. Da das Thema für mich erledigt war, widmete ich mich erneut meinem Tablet. Dass wir nach wie vor Händchen gehalten hatten, wurde mir in diesem Augenblick wieder bewusst. Umso dankbarer war ich darüber, dass ich nun etwas zu tun hatte.
 

Auf diese Weise kam ich nicht mehr dazu meine Gedanken und besonders meine Reaktion auf seine Nähe weiter schweifen zu lassen. Geschickt hatte ich alles im Programm fertig und konnte demnach anfangen mit den Farben zu spielen. Zudem die Möbel ein zu beziehen und die Anordnungen zu testen. Da ich jede Menge Zeit hatte, probierte ich mehrere Farbmöglichkeiten aus und fing schon an, die Möbel aus zu wählen und an zu ordnen. Nun war ich wahrlich in meinem Element und die Zeit verging schneller als ich für möglich gehalten hätte. Den gesamten Flug über hatte ich hin und her getestet und erschrak sogar, als Miyako plötzlich neben mir war und staunend meine Arbeit lobte. Blinzelnd hatte ich zu ihr gesehen und war kurz verwirrt.
 

“Mit dir haben wir wirklich ein wahres Genie an Bord”, freute sie sich und deutete zu dem Tablet.
 

“Also... soweit würde ich nicht gehen”, schmunzelte ich etwas bei ihrem Kompliment.
 

“Du bist wahrlich zu bescheiden”, lächelte sie und ich kam nicht umhin, rot um die Nase zu werden.
 

“Ach was... man muss kein Genie sein, um ein Programm zu bedienen”, winkte ich ab und sie schüttelte leicht den Kopf.
 

“Das nicht, aber alles so an zu ordnen, ist unglaublich”, hörte ich plötzlich Chiaki neben mir. “Definitiv bin ich dir für deine Hilfe sehr dankbar... und sehr begeistert von diesem Ergebnis hier”, fügte er hinzu und blinzelnd sah ich ihn an.
 

“Naja... es ist... eigentlich nur eine Spielerei”, entgegnete ich ihm und nun sah er zu mir.
 

“Nicht nur... auf diesen Blickwinkel wäre ich zum Beispiel gar nicht gekommen”, kam es direkt über seine Lippen.
 

“Stimmt... aber da hilft mir der neutrale Blick zu den Räumen... immerhin sehe ich alle Hotels zum ersten Mal, während ihr diese vermutlich auswendig kennt”, erklärte ich ihm und er nickte leicht.
 

“Stimmt... würdest du uns noch etwas mehr zeigen?”, fragte er und ich nickte.
 

“Und vielleicht etwas dazu sagen, wieso du gerade diese Anordnung gewählt hast?”, hakte Yamato nach, da er vermutlich nach vollziehen wollte, wie ich auf das Arrangement kam. Da ich ihn verstehen kann, nickte ich erneut und wir platzierten uns auf den Sitzen so, dass wir alle vier einen guten Blick auf das Tablett hatten.
 

Die restliche Zeit des Fluges verbrachten wir damit einige Probezimmer an zu fertigen. Jeden Schritt beschrieb ich den Dreien genau und zeigte mehrere Variationsmöglichkeiten. Hin und wieder fragte einer von ihnen nach und ich passte die Idee demnach an. Es machte wirklich Spaß gemeinsam daran zu arbeiten. Miyako kam darauf, dass sie die drei besten Anordnungen auf der Internetseite des Hotels ausstellen sollten, um zu sehen, welche von diesen bei den Kunden ankommen würden. “Das ist grandios, Liebling”, stimmte Yamato dem ganzen sofort zu.
 

“Ich muss sagen... das gefällt mir wirklich”, grinste Chiaki.
 

“Sobald wir gelandet sind... können wir nochmal alles durchgehen und ein Voting on stellen”, erklärte ich ihm und die drei nickten eifrig.
 

“Perfekt... so machen wir das, sobald wir im Hotel sind”, kicherte Miyako und Yamato schmunzelte.
 

“Du meinst eher, sobald wir eingecheckt haben”, amüsierte er sich und fragend sah ich zu dem Paar.
 

“In Miami haben wir ein kleineres Beachhotel... und dazu noch einige kleinere Bungalows, die direkt am Strand sind... für unseren Aufenthalt haben wir zwei Bungalows gewählt. Da wir die beiden im nächsten Jahr ein wenig auf Vordermann bringen wollen”, erklärte Chiaki mir. Vermutlich hatte er meine stille Frage erkannt und wollte mich aufklären.
 

“Oh... also nutzen wir es gleich dazu, um zu schauen, was gemacht werden müsste und ob neue Wandfarbe und Möbel dazu kommen sollten?”, hakte ich nach und er grinste mich nun an, ehe er nickte.
 

“Korrekt... deine Auffassungsgabe ist wahrlich unglaublich”, lobte er mich und seine Stimme klang sehr ehrlich.
 

Ebenso erkannte ich dies in seinen Augen, weshalb ich das Kompliment sehr gerne an nahm. Aber bevor ich etwas dazu sagen konnte, kam eine Durchsage, dass wir uns anschnallen sollten. Sichtlich überrascht blinzelte ich und sah zum ersten Mal seit dem Abflug auf die Uhr. Meine Augen wurden schlagartig riesengroß und Miyako schien dies amüsant zu finden. Denn ich hörte ihr Lachen neben mir, bevor sie auf ihrem Sitz Platz genommen hatte. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass die Zeit so schnell vergehen würden. Wir waren tatsächlich schon knapp 9 Stunden unterwegs und würde demnach jeden Moment in Miami landen. Schnell packte ich das Tablet ein und schnallte mich sofort an.
 

Als mir wieder bewusst wurde, dass wir landen würden, bekam ich ein leichtes Unwohlsein in meiner Bauchgegend. Sofort schluckte ich schwerer und spürte eine angenehme Wärme an meiner Hand. Mein Blick ging zu dieser und erstaunt weiteten sich meine Augen. Chiaki hatte ungefragt seine Hand auf meine gelegt. Ob er meine Unsicherheit gemerkt hatte oder nicht, war ich froh über diese Geste. Sogleich verschränkte ich meine Finger mit seinen und blickte zu ihm auf. Er lächelte leicht und drückte meine Hand, fast so als wollte er damit bestätigen, dass alles gut war. Dadurch fühlte ich mich um einiges ruhiger und entspannte mich sichtlich, während wir mal wieder intensiven Blickkontakt hatten.
 

Erst bei der erneuten Durchsage durchbrachen wir diesen und leicht blinzelte ich, ehe wir uns lösten und die Gurte aufmachten. Auch wenn ich den Moment noch etwas mehr genießen wollte, so musste ich mich wohl der Realität stellen. Er war mein Kunde und solche Gesten waren eigentlich fehl am Platz. Jedoch musste ich mir wohl eingestehen, dass es mir mehr als egal war. Ich würde es genießen, sollte er mir diese Berührungen weiterhin geben. Die Männer holten das Handgepäck von oben und dankend lächelten Miyako und ich die beiden an. Gemeinsam verließen wir das Flugzeug und staunend sah ich mich um, als wir an den großen Glasfenstern vorbei gingen. Der Ausblick war unglaublich schön.
 

Draußen konnte man doch tatsächlich Palmen sehen. Es war fast schon surreal, aber ich war wirklich in Miami. “Willkommen in den sonnigen Staaten”, kicherte Miyako plötzlich neben mir.
 

“Wow... diese Aussicht ist der Hammer”, brachte ich irgendwie mein Staunen in Worte.
 

“Warst du schonmal hier?”, wollte Yamato wissen und ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Das war das erste Mal, dass ich in den Staaten war.
 

“Wie toll... dann werden wir dir allzu gerne die Stadt zeigen”, meinte Miyako sofort und hakte sich bei mir ein.
 

So schnell konnte ich gar nicht sehen, wie sie mich zum Gepäckband mitnahm und wir auf unsere Koffer warteten. Lange mussten wir das nicht tun, denn nach knapp 20 Minuten hatten wir unser gesamtes Gepäck beisammen. Kaum hatten wir alles, schon eilten wir zum Ausgang. Wobei ich mich doch immer wieder mal umsah. Selbst der Flughafen war so anders als die in Europa. Es war ebenso um einiges größer. Vor dem Eingang sah sich Chiaki wohl einmal um und grinste leicht. “Kommt... da ist ein größeres Taxi frei”, meinte er und einen Augenblick war ich überrascht von dieser Aussage.
 

Immerhin waren wir sonst meist mit einem Chauffeur oder eben mit den eigenen Autos unterwegs. “Die Autos stehen bei den Bungalows bereit”, erklärte Miyako neben mir.
 

“Oh... verstehe”, entkam es mir und sie kicherte leise.
 

“Keine Sorge... so wie dir, erging es mir die ersten Male ebenfalls”, gluckste sie und irgendwie war ich ihr dankbar für diese Worte. Dadurch fühlte ich mich nicht ganz so dumm.
 

Am Taxi ließen uns die beiden Männer einsteigen, während sie mit dem Fahrer die Koffer verstauten. Danach stiegen sie zu uns ein und Chiaki nannte die Adresse. Sogleich setzte sich der Wagen in Bewegung und neugierig blickte ich aus dem Fenster, um die vorbeiziehende Stadt zu betrachten. Es war schon interessant zu sehen, wie die Menschen umher eilten und wie verrückt manche gekleidet waren. Die meisten hatten keinerlei Probleme mit Freizügigkeit, denn einige waren nur im Bikinioberteil und Hotpants unterwegs. Oft hörte man dies, aber das alles selbst mit an zu sehen, war eine ganz andere Sache. Ehrlich gesagt hatte ich das damals nicht geglaubt, aber jetzt tat ich es.
 

Wie hieß es so schön: “Welcome to Miami!” Definitiv war dies nun Programm für mich und ich freute mich sichtlich auf die kommenden Tage in dieser mehr als faszinierenden Stadt.

Die Ankunft

Am Hotel angekommen, stiegen wir aus und staunend weiteten sich meine Augen. Vor mir stand ein wundervolles Gebäude mit etwa vier Stockwerden. Es war nicht so groß, wie ich erwartet hätte, doch das passte perfekt in die Umgebung hinein. “War das Gebäude schon hier oder habt ihr es gebaut?”, fragte ich neugierig nach.
 

“Vor knapp drei Jahren haben wir es aufgebaut”, erklärte Chiaki neben mir. “Zuvor war hier nichts... aber da ich die umliegenden Bungalows gekauft hatte, wollte ich auch das Stückchen Land.”
 

“Verstehe, also habt ihr euch bewusst an die Architektur gehalten?”, wollte ich wissen und blickte zu ihm rüber.
 

“Das ist dir aufgefallen?”, stellte er die Gegenfrage und diesmal schien er etwas verblüfft zu sein. Schmunzelnd nickte ich und sah wieder zum Hotel.
 

“Es passt perfekt hier rein... auch wenn es höher ist, als die anderen Häuser”, merkte ich an und ging schließlich weiter zum Eingang. Als ich merkte, dass er mir nicht gefolgt war, drehte ich mich etwas um und sah zu ihm. Er schien wohl festgewurzelt zu sein und ich war mir nicht ganz sicher wieso. “Alles okay, Chiaki?”, musste ich deshalb einfach nach fragen.
 

Direkt sah ich, wie er kurz mit dem Kopf schüttelte, ehe er sich in Bewegung setzte. “Klar... alles gut... ich war nur in Gedanken”, antwortete er mir und lächelte etwas.
 

“Lässt du mich daran teilhaben?”, hakte ich nach und ließ ihn nicht aus den Augen. Für den Moment hatte er überlegte, denn das konnte ich an seiner kleinen Stirnfalte erkennen.
 

“Okay... ich hatte mich gerade gefragt, woher du dein Wissen hast”, begann er und blinzelnd richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn, während wir weiter zum Eingang gingen.
 

“Du weißt... viele verborgene Talente schlummern in einem Menschen, demnach auch in mir”, zwinkerte ich und merkte, wie seine Mundwinkel sich hoch zogen.
 

“Ich freue mich, all diese Talente von dir kennen zu lernen”, grinste er leichter und ließ mir den Vortritt ins Gebäude.
 

Mit seinen Worten hatte er es mal wieder geschafft, mich sprachlos zu machen. Schwerer schluckte ich und biss mir leicht auf die Unterlippe. Das klang irgendwie... ziemlich verrucht., kam es mir in den Sinn, jedoch schüttelte ich leicht den Gedanken ab und schritt dankend hinein. Zum Glück lenkte mich das Innere sehr gut ab. Staunend sah ich mich um und lächelte etwas vor mich hin. Es war perfekt mit der Außenfassade abgestimmt, sodass man das Gefühl hatte, es würde keinen Unterschied machen. Die Rezeption war modern und in warmen Tönen, genauso wie es von außen den Eindruck vermittelt hatte. “Wow”, hauchte ich.
 

“Beeindruckend, oder?”, sprach Miyako plötzlich neben mir und sofort sah ich zu ihr rüber.
 

“Ja... tatsächlich... damit hätte ich nicht gerechnet”, kam es ehrlich von mir.
 

“Das glaube ich... so ging es mir ebenfalls, als ich davor stand... komm lass uns einchecken und gleich zu den Bungalows weiter gehen”, schlug sie lächelnd vor und ich nickte zustimmend. Miyako hakte sich bei mir ein und zog mich gleich weiter zur Rezeption. Fast so als hätte sie Angst, dass ich noch weglaufen könnte. Amüsiert schritt ich neben ihr her.
 

Dennoch ließ ich meinen Blick umherschweifen, um zu sehen, welche Art von Gästen hier ein und aus gingen. Tatsächlich konnten sie unterschiedlicher nicht sein und das war faszinierend mit an zu sehen. Definitiv müsste ich nach fragen, ob es immer so war oder ob es doch saisonal bedingt war. Da ich etwas abgelenkt war, bekam ich nicht mit, wie die anderen bereits eingecheckt waren. Erst als Miyako mich wieder mit sich gezogen hatte, sah ich verwundert zu ihr und sie gluckste leise. “Wir können in die Bungalows gehen”, meinte sie nur mit einem Lächeln.
 

“Oh... ihr wart aber schnell”, kam es schneller über meine Lippen und Miyako lachte leise.
 

“Natürlich... wir sollten uns etwas ausruhen, bevor wir die Idee in die Tat umsetzen”, sprach sie sanft aus und ich nickte, während wir den beiden Männern folgten.
 

Sie hatten unsere Koffer gleich mit genommen und führten uns zu den beiden Häusern. Diese waren gemütliche 15 Minuten zu Fuß von der Rezeption entfernt. Es war eine wundervolle Gegend und da der Strand nicht weit entfernt war, konnte man das Meer hören. Eine wahre Idylle, die sich mir bot, je näher wir den Häusern kamen. Gute 200 Meter trennte die beiden Einfahrten und vor der Garage stand jeweils ein Auto davor. “Gehört das zum Service dazu?”, fragte ich direkt nach und sah zu Miyako.
 

“Natürlich... wobei die beiden Autos Mato und Chiaki gehören... doch wenn der Kunde das Haus bucht, kann er die Option jederzeit dazu buchen, dass ein Leihwagen vorhanden ist”, erklärte sie mir und Yamato grinste etwas.
 

“Es hatte sich tatsächlich bewährt, dass wir das mit anbieten... schließlich sind wir hier etwas außerhalb der Stadt und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist gut 20 Minuten mit dem Auto entfernt”, fügte er an und leicht nickte ich.
 

“Aber ist es dann nicht ungünstig, wenn ihr hier nichts in der Nähe habt?”, überlegte ich laut.
 

“Eigentlich nicht... die meisten kommen her, um abschalten zu können. Vor allem Familien buchen oft die Bungalows und dazu die Autos. So sind sie flexibler unterwegs und können selbst entscheiden, wann sie was machen”, nahm Chiaki nun ebenfalls an der Unterhaltung teil.
 

Verstehend nickte ich und hörte den Dreien zu, wie sie von den unterschiedlichen Ansätzen sprachen. Neugierig hörte ich ihnen zu und musste einmal mehr feststellen, dass alle drei für ihr alter durchaus einiges mit berücksichtigt und bedacht hatten. Staunend lauschte ich ihren Ausführungen und fand es großartig, dass sie scheinbar Hand in Hand alle Entscheidungen trafen. Wobei ich mich hin und wieder fragte, wie Chiaki all das unter einen Hut bekommen konnte. “Und jetzt möchtet ihr die Häuser nach und nach Neugestalten?“, fragte ich nach und er nickte zustimmend.
 

“Genau... deshalb machen wir die jährliche Tour”, antwortete er und das konnte ich sehr gut nach vollziehen. “Dabei sehen wir, welche wir nur zum Teil umgestalten oder komplett sanieren müssten”, merkte er an und da hatte er recht. Es war wichtig, dass man sich im Vorfeld einen Überblick verschaffen würde, bevor man eine Baustelle eröffnen würde.
 

“Aber ihr möchtet nicht alles auf einmal machen, oder?”, hakte ich nach, da mir die Frage auf der Seele brannte.
 

“Nun.... ich würde vorschlagen... wir erholen uns nun einen Moment und machen uns frisch”, schlug Chiaki vor ohne auf meine Frage ein zu gehen. “Dieses Haus wäre unsere Unterkunft”, erklärte er und deutete zu dem rechten Bungalow. Leicht nickte ich und wartete noch einen Augenblick, ob er noch auf meine Frage reagieren würde.
 

“Das klingt sehr gut”, grinste Miyako und blickte auf ihre Uhr. “Wie wäre es, wenn wir uns zum Abendessen treffen und da den Ablauf besprechen?”
 

“Ich wäre dafür”, meinte Yamato und sah zu Chiaki, der ebenso nickte.
 

“Einverstanden... also sehen wir uns in guten vier Stunden?”, fragte ich nach und diesmal nickte Yamato.
 

“Korrekt... durch die Zeitverschiebung wird es heute ein wenig durcheinander laufen”, schmunzelte er und da könnte er recht haben. Wir sind zwar in der Früh losgeflogen und hatten 9 Stunden, bis wir gelandet waren, aber zwischen Lissabon und Miami lagen 5 Stunden.
 

“Ohje... erinnere mich nicht daran”, lachte Miyako und kurz blinzelte ich, da ich noch nicht sicher war, wie sich der Jetlag bei mir auswirken würde. Immerhin war ich bislang nicht weiter weg als Europa und da gab es nur eine Stunde Unterschied.
 

“Ähm ja...”, begann ich und Chiaki lachte leise.
 

“Lasst uns etwas ausruhen... beim Essen spricht es sich einfacher”, merkte er an und gerade war ich ihm dankbar. Denn ich wüsste nicht, wie ich darauf reagieren sollte.
 

“Gut... bis später”, kicherte Miyako, gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange, was mich mehrmals blinzeln ließ. Dabei sah ich dem Paar nach und spürte Chiaki erst einige Augenblicke später neben mir.
 

“Das macht sie immer bei Freunden”, hörte ich ihn und sah leicht zu ihm.
 

“Sie... echt?”, hakte ich nach und er nickte schmunzelnd.
 

“Sie mag dich sehr... also nimm ihre herzliche Art an”, meinte er und lächelte mich sanft an. “Komm... lass uns ebenfalls hinein gehen... eine Erfrischung wird definitiv nicht schaden”, grinste er leicht und schaffte es damit, mich ab zu lenken. Es war für mich etwas schwer zu begreifen, dass Miyako in mir eine Freundin sah. Doch irgendwie... gefiel es mir durchaus, denn ich habe sie ebenso gern.
 

Kaum waren wir im Haus, spürte ich eine leichte Müdigkeit in meinen Knochen. Daher beschloss ich mich für eine Stunde hin zu legen, nachdem mir Chiaki mein Zimmer gezeigt hatte. Er schien es zu verstehen, weshalb ich froh darüber war, dass er es mir gleich tun würde. Den Rest des Hauses wollte er mir später zeigen. Denn für den Moment war für mich nur das Schlafzimmer und das Bad wichtig. Alles andere konnte ich mir auch in einer Stunde ansehen. “Danke dir... bis nachher”, lächelte ich ihn an und er nickte, ehe er mein vorübergehendes Zimmer verließ.
 

Aus meinem Koffer holte ich nur das Nötigste heraus. Diesen hatte Chiaki zuvor im Raum zurück gelassen. Mein Weg führte mich direkt ins angrenzende Bad und steckte meine Haare einmal hoch. Genüsslich nahm ich eine Dusche und ließ das warme Wasser über meinen Körper fließen. Es tat mir sehr gut und erfrischt trocknete ich mich ab. Es war praktisch, dass die Handtücher schon da waren. Das war ein Pluspunkt, den ich definitiv notieren müsste. Eindeutig sollten sie dies bei behalten. Auch wenn es für manche banal erscheinen mag, so war es purer Luxus, dass so etwas da war und man zuvor nicht im Koffer danach suchen müsste. Zufrieden verließ ich das Bad und fischte noch ein Shirt und eine kurze Shorts zwischen meinen Sachen heraus.
 

Nachdem ich angezogen war, stieg ich mit meinem Handy ins Bett. Schnell schrieb ich Noyn und meinen besten Freundinnen, dass wir sehr gut gelandet waren und schon in der Unterkunft waren. Ebenso berichtete ich ihnen von meinem geplanten Schläfchen, damit sie sich nicht wundern würden, sollte ich nicht direkt antworten. Zufrieden stellte ich noch den Wecker und kuschelte mich unter die Decke. Es war angenehm weich und erleichterte mir das Einschlafen umso mehr.
 


 

Ein Klingeln ließ mich grummelnd blinzeln. “Mmmh”, entkam es meinen Lippen und ich streckte mich einmal im Bett. Verschlafen schnappte ich mein Handy und blickte darauf. Augenblicklich saß ich senkrecht, da ich später wach wurde, als geplant. “Mist”, fluchte ich und stieg aus dem Bett, nur um das Zimmer zu verlassen.
 

Über den Flur ging ich in das Wohnzimmer, woran ich mich noch dunkel erinnerte. Auf dem Sofa saß bereits Chiaki und hatte eine Zeitung in der Hand, während in der anderen einen Becher hielt. Daran nippte er und sah zu mir auf, als ich näher trat. “Hey”, grüßte er und kurz schluckte ich, denn seine Augen schienen mich zu mustern.
 

“Hey... entschuldige... ich habe etwas länger geschlafen”, meinte ich ehrlich, doch er winkte ab.
 

“Halb so schlimm... wir haben noch Zeit für einen Kaffee”, antwortete er und sah erst danach wieder zu mir auf. Dabei hatte er die Zeitung beiseite gelegt und sich erhoben.
 

“Kaffee... klingt gut”, sprach ich aus und merkte, wie er mich mit seinen Blicken nervös gemacht hatte. Definitiv hatte er eine Wirkung auf mich, die ich nicht mehr länger leugnen konnte. Irgendwie war es auch nicht so leicht, es zu ignorieren, obwohl ich das eigentlich tun sollte.
 

“Ich mache dir einen Becher fertig”, schlug er vor und dankbar nickte ich ihm zu. Das würde mich sicher ablenken.
 

Es dauerte nicht lange, bis Chiaki mir einen Kaffee reichte und ich mich auf das Sofa setzte. Dankend lächelte ich ihn an und nippte daran. “Hmmm... der ist sehr gut”, meinte ich und er grinste etwas.
 

“Das freut mich zu hören... genieße ihn und danach machen wir uns für das Abendessen fertig”, erklärte er seinen Plan und ich war froh, dass ich noch genug Zeit hatte, um richtig wach zu werden.
 

Schweigend saßen wir beieinander und nippten an unseren jeweiligen Bechern. Es war trotzdem keine unangenehme Stille und das war durchaus besonderes. So etwas hatte ich nur mit wenigen Personen. Zwar merkte ich hin und wieder seine Blicke auf mir, doch sobald ich ihn ansah, lächelte er nur und reichte mir den Teil der Zeitung, die er durch hatte. Schmunzelnd nahm ich sie an und überflog ein wenig die Zeilen. Einmal mehr war ich froh darüber, dass ich mehrere Sprachen gelernt hatte und diese nahezu perfekt beherrschte. So konnte ich problemlos die Artikel lesen. Es war eine übliche Tageszeitung und einige interessante Events waren beschrieben. Darunter die beiden Galas, die am selben Abend stattfinden würden.
 

“Wie... war das nochmal mit den beiden Veranstaltungen?”, fragte ich nach und sah rüber zu ihm. Er nahm gerade einen Schluck vom Kaffee und schluckte schwerer.
 

“Einmal ist es eine Beachparty, bei der einige Investoren sein werden”, begann er zu erklären und nahm noch einen Schluck. Es wirkte fast so als wollte er sich Mut antrinken.
 

“Und die andere?”, fragte ich daher nach.
 

“Da geht es um eine Spendengala, die ich seit Jahren besuche... auch wenn man es mir nicht ansehen mag, so versuche ich zu helfen, wo es möglich ist”, antwortete er und ich merkte, dass er bei dem Thema etwas ruhiger war. Woran das genau lag, konnte ich nicht mit Sicherheit sagen.
 

“Deshalb übernehmen Mato und Miya die Beachparty?”, hakte ich nach und leicht nickte er. “Gut... denn eine Beachparty ist sicher nicht mein Ding”, fügte ich an und nahm einen Schluck von meinem Kaffee.
 

“Dann passt es gut”, meinte er hörbar erleichtert.
 

“Absolut”, lächelte ich und überlegte. “Oh... deshalb müssen Miya und ich wohl wieder einkaufen gehen, oder?”
 

“Jup... es ist Abendgarderobepflicht unter dem Thema Weiß und Rot”, antwortete er mir und einen Moment überlegte ich.
 

“Tragen die Herren demnach weiße oder rote Anzüge?”, teilte ich meinen Gedanken mit ihm.
 

“Wenn sie das wollen... hauptsächlich sind die Krawatten und die Anstecktücher in diesen Farben”, meinte er und neugierig sah ich ihn an.
 

“Was wirst du tragen?”, wollte ich wissen und er grinste leicht, ehe er seinen Becher leerte.
 

“Wieso willst du es wissen?”
 

“Damit ich mein Kleid darauf abstimmen kann”, entgegnete ich ihm und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Ehrlich gesagt... hatte ich vor einen weißen Anzug mit einer roten Krawatte zu tragen... aber ich glaube... ich werde mir einen roten Anzug besorgen mit einem weißen Hemd”, sprach er aus und für einige Sekunden überlegte ich.
 

“Hmmm... könnte gut aussehen... wollen wir gemeinsam nach dem passenden Outfit suchen?”, hakte ich nach.
 

“Nun... es wäre sicher interessant, deine Meinung zu hören”, entgegnete er mir und diesmal war ich es, die schmunzelte.
 

“Also... haben wir ein Shoppingdate?”, fragte ich schneller nach, noch bevor mein Kopf die Worte dahinter realisieren konnte. Wie von selbst weiteten sich meine Augen.
 

“Sieht so aus, Jeanne... ich würde sagen... wir erledigen das morgen direkt, denn die Gala ist in vier Tagen”, kam es ihm über die Lippen. Scheinbar hatte er das Wort ‘Date’ in meinem Satz überhört oder aber er ignorierte es gekonnt. In dem Moment war es mir nur recht, denn da war mein Mund schneller als mein Gehirn. So etwas durfte mir nicht passieren.
 

“Gute Idee... wir erledigen das gleich morgen”, stimmte ich ihm zu und er nickte mit einem leichten Lächeln. Aber da war noch etwas in seinen Augen, was ich nicht richtig deuten konnte. Um mich abzulenken, trank ich meinen Kaffee aus und erhob mich vom Sofa. “Ich mache mich mal fertig”, verkündete ich ihm und brachte den Becher weg, bevor ich mich auf den Weg zum Zimmer schritt.
 

Ein leichtes Seufzen entkam mir, nachdem die Tür ins Schloss fiel. Es wurde mir wieder bewusst, dass er wahrlich eine Wirkung auf mich hatte, die mir sehr gefährlich werden konnte. Jedoch schob ich den Gedanken beiseite und ging zum Koffer, um einen knielangen Rock und eine schlichte Bluse heraus zu holen. Dazu noch passende Unterwäsche. Kurz hatte ich mich im Bad frisch gemacht, mich angezogen und meine Haare locker zu einem Zopf zusammen gebunden. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich gut aussah. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Genau richtig, um Essen zu gehen. Rasch fand ich noch eine kleinere Handtasche, in der mein Portmonee und mein Handy Platz hatten. Ein schlichter Lippenstift wanderte ebenfalls hinein.
 

“Auf... in den Kampf”, sprach ich mir Mut zu und ging wieder ins Wohnzimmer.
 

Von Chiaki war noch nichts zu sehen, weshalb ich mich im Wohnzimmer einmal umsah. Doch weit kam ich nicht, da mein Blick bei dem riesigen Fenster kleben blieb. Wie ferngesteuert ging ich darauf zu und betrachtete den Ausblick, der sich mir bot. Es war einfach unglaublich. Man konnte das Meer klar und deutlich sehen. Ein magischer Anblick und ein Lächeln legte sich auf meine Lippen. Dabei vergaß ich alles weitere um mich herum und beobachtete fasziniert den Wellengang. “Wunderschön, oder?”, hörte ich plötzlich neben mir und zuckte kurz zusammen.
 

“Ähm... ja... eine wundervolle Aussicht”, antwortete ich ihm, nachdem ich mich gefangen hatte.
 

“Freut mich... können wir?”, wollte er wissen und ich nickte. Doch ich sah noch einmal aus dem Fenster, bevor ich mich gänzlich abwand und ihm zur Tür folgte. Dass er mich genau beobachtet hatte, bemerkte ich erst jetzt, weshalb ich eine leichte Röte um die Nase nicht verbergen konnte.
 

Zum Glück hatte er mich nicht darauf angesprochen und wir verließen das Haus, nur um Yamato und Miyako an zutreffen. Gemeinsam fuhren wir mit einem Auto zu einem Restaurant direkt am Meer. Wir bekamen sogar einen Platz auf der wundervollen Terrasse und hatten den Ausblick auf das weite Meer. Bestimmt war es deshalb besonders gut besucht. Es war ein perfekter Standort für ein Lokal dieser Art. Dort gab es nicht nur Essen, sondern auch Cocktails und wie ich einigen Anzeigen in der Karte entnehmen konnte, auch hin und wieder Eventabende. Die Idee war absolut nicht verkehrt. Mit Sicherheit hatten sie dadurch noch mehr Gäste. Schnell fanden wir etwas zum Essen und bestellten unsere Wahl, ehe wir über die kommenden Tage sprachen.
 

Dabei ließ Chiaki seine Freunde an der Idee teil haben, dass er mit mir das Kleid besorgen wollen würde. Immerhin wollte er sein Outfit ebenso organisieren und da er sich nicht sicher war, war es optimal, wenn er mit kommen würde. Auf diese Weise könnte er mehrere Varianten ausprobieren. Miyako grinste etwas und nickte zustimmend. Sie würde mit ihrem Mann ebenso einkaufen gehen, wobei es sich bei ihnen eher um Bademode handeln würde.

Ein Moment am Strand

Das Abendessen verlief noch sehr angenehm. Nachdem wir das Geschäftliche geklärt hatten, entspannten wir alle und beschlossen die nächsten zwei Tage ruhiger an zu gehen. Wobei ich am Programm noch etwas herum experimentieren würde. Erst am dritten Tag würden wir die Homepageumfrage starten und die beiden Bungalows näher unter die Lupe nehmen, um genau zu notieren, was gemacht werden müsste und vor allem womit sie anfangen sollten. Manche arbeiten waren besser, wenn man diese vorher machte, bevor man sich um Möbel oder Teppiche oder eben Vorhänge kümmerte. Aber das hatte erstmal keine Priorität, weshalb ich die Gedanken daran verschob und lächelnd am Wein nippte, welchen wir zum Essen dazu geordert hatten.
 

Zudem gönnten sich jeder von uns einen Nachtisch und genüsslich entkam mir ein leises Stöhnen, denn es war mehr als köstlich. Schokolade war eine meiner Schwächen und wenn es einen Kuchen mit flüssigem Kern gab, konnte ich einfach nicht anders als einen zu bestellen.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Schon seit Tagen musste ich aufpassen, dass ich in Jeannes Nähe mich zusammen reiße. Sie brachte mich mehrmals aus dem Konzept und manchmal war ich mir nicht sicher, wie ich mich verhalten sollte. Auf alle Fälle wollte ich mich nicht wie ein Idiot benehmen. Jedoch war das fast nicht zu vermeiden, denn jedes Mal, sobald ich sie sah, konnte ich nicht anders, als sie von unten nach oben ab zu checken. Sie war wahrlich eine heiße Frau. Tatsächlich wäre sie sogar voll nach meinem Geschmack. Außer vielleicht die blonden Haaren, aber ihr Körper war einfach nur Bombe. Mir war schon hin und wieder etwas an ihrer Art aufgefallen, was mich noch mehr anzog. Jetzt gerade im Moment wünschte ich mir, ich wäre mit ihr alleine. Sie konnte das doch unmöglich tun. Einfach so am Tisch beim Essen zu stöhnen.
 

Wie ferngesteuert starrte ich sie an und schluckte schwerer. Dass meine Hose etwas mehr spannte, versuchte ich so gut es ging zu ignorieren. Für diesen Moment vergaß ich sogar, dass wir nicht alleine waren. Aber ich konnte auch nicht anders, als sie die gesamte Zeit zu beobachten, während sie ihren Schokokuchen voller Genuss aß. Unweigerlich bekam ich ein Kopfkino vom Feinsten in meinem Kopf und schluckte mehrfach. Fuck... sie ist Sünde pur..., kam mir der Gedanke und für einen Bruchteil der Sekunde bereute ich es, mit ihr morgen shoppen zu gehen.
 

Doch auf der anderen Seite freute ich mich darauf. Definitiv wollte ich mehr über sie erfahren. Sie war ganz anders als all die Frauen, denen ich zuvor begegnet war. Einzigartig war wohl das richtige Wort, welches ich suchen würde. Seit langem war sie die erste Frau, die von der ersten Sekunde an mein Interesse geweckt hatte. Nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch wegen ihrer Ausstrahlung. Seit dem Maskenball hatte sie mich in ihren Bann gezogen und ließ mich wohl seitdem nicht mehr richtig los. Ihre Intelligenz hatte mich zusätzlich heraus gefordert, da sie mich vom ersten Moment an gereizt hatte. Vermutlich unbewusst, aber das war nicht allzu schlimm. Diese kleinen Wortgefechte zwischen uns mochte ich sehr.
 

Mittlerweile hatte ich ihr Aussehen zusätzlich begutachten können und dieses war bombastisch. Sie hatte genau die richtigen Proportionen die man(n) bei einer Frau haben wollte. Vor allem ihre Rundungen waren mehr als heiß. Ebenso hatte sie einen besonderen Charakter. Sie war weder hochnäsig, noch etepetete. Sie hielt alles eher schlicht und elegant. Eine verdammt gute Kombination in meinen Augen. Doch das Besondere an ihr waren ihre Augen, die so klar und wundervoll waren, die ich nur allzu gern noch mehr ergründen würde. Vor allem all ihre Emotion möchte ich kennen lernen und genießen. Denn dieses Strahlen in ihren Iriden war unglaublich, sobald sie sich über etwas freute oder etwas tat, was ihr Spaß machte.
 

Davon wollte ich weit aus mehr sehen. Zudem konnte ich gerade noch etwas anderes in ihren Augen erkennen und das machte mich neugierig. Eindeutig wollte ich heraus finden, was das war, und dieses weiter ergründen. Denn ich hatte das Gefühl, dass da noch weit mehr dahinter steckte und sie mir sehr viel mehr mit ihren Augen mitteilen könnte. Ein erneutes genüssliches Stöhnen riss mich aus den Gedanken und ich schluckte schwerer, während ich versuchte mich anders zu setzen. Um mich wenigstens etwas ab zu lenken, nahm ich mein Weinglas in die Hand und leerte es in einem Zug. Dabei bemerkte ich, dass Miyako mich direkt ansah und breiter grinste als ein Clown. Fuck... sie wird mir das sicher ewig vorhalten., war mir bereits jetzt klar.
 

“Dir scheint der Schokokuchen sehr zu schmecken”, grinste sie nun Jeanne an und diese nickte zustimmend, während sie den Bissen herunter schluckte.
 

“Und wie!”, antwortete sie und leckte sich die Schokolade von den Lippen. Es gibt definitiv nichts Heißeres, als genau das. Wobei... wenn sie ihre Lippen ganz woanders einsetzen würde.
 

“Das freut mich... sollen wir dir noch einen bestellen?”, fragte Miyako direkt und ich wusste genau, dass sie das tat, damit sie mich weiter damit aufziehen konnte.
 

“Aber nein... der genügt mir... sonst werde ich noch dick”, kicherte Jeanne. Bei dem Gesagten blickte ich sofort zu ihr.
 

“Du bist alles, aber sicher nicht dick!”, stellte ich klar und deutlich fest. Die Worte kamen einfach so über meine Lippen, aber sie waren deshalb nicht weniger ehrlich und allen voran ernst gemeint.
 

“Alles?!”, hakte mein blonder Engel nach und ohne groß zu überlegen nickte ich einfach.
 

“Natürlich... du bist eine starke, junge, kluge und schöne Frau”, antworte ich und prompt wurde sie rot um die Nase.
 

“Ähm... ich... danke”, stotterte sie ganz verlegen und irgendwie war das echt süß. Sie verkörperte so vieles und ich lächelte einfach nur.
 

“Gerne... noch einen Wein?”, schlug ich vor und leicht nickte sie, ehe ich ihr Glas füllte. Wir stießen gemeinsam an und für den Moment waren wir wie in einer kleinen Blase. Diese Wirkung hatte definitiv nur sie auf mich.
 

Die nächste halbe Stunde genossen wir gemeinsam den Wein und sprachen über normale Dinge, obwohl ich nur zu deutlich Miyakos Blick spürte. Doch ich ignorierte es gekonnt. Schließlich würde ich ihr nichts weiter dazu sagen können, da ich selbst das alles noch richtig ein ordnen müsste. Zusätzlich war es nicht wirklich hilfreich, dass ich sie eigentlich für ihre Zeit, die sie mit uns gemeinsam verbringt, bezahlte. Umso schwieriger war es für mich zu differenzieren, ob sie nur eine Rolle spielte oder ob alles echt bisher war. Aber das werde ich früher oder später noch heraus finden.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Eine weitere Flasche Wein leerte wir, wobei ich schwören könnte, dass eher Chiaki und ich diese ausgetrunken hatten. Danach zahlten wir und machten uns auf den Weg zurück zum Bungalow. Während der Fahrt sprachen wir nicht viel miteinander, aber das war auch nicht schlimm. Diese Stille zwischen uns war eher angenehm und hatte etwas Beruhigendes sogar. Mit einem Lächeln stieg ich aus und wir verabschiedeten uns von Miyako und Yamato, wobei beide mehr als gewöhnlich vor sich hin grinsten. Bevor ich sie jedoch fragen konnte, waren sie schon verschwunden. Einen Augenblick sah ich den beiden nach, ehe ich ein Räuspern wahr nahm. Direkt sah ich zur Seite und Chiaki lächelte mich leicht an.
 

“Denk dir nichts dabei... die beiden sind verrückt”, erklärte er mir und leicht zuckte ich mit den Schultern.
 

“Scheint so”, entgegnete ich und drehte mich um, damit wir zum Haus gehen konnten. Aber zu meiner Überraschung nahm er meine Hand und hielt mich davon ab.
 

“Lass uns noch ein wenig zum Strand”, bot er mir an und ich blinzelte leicht.
 

“Oh... zum Strand?”, überlegte ich und nickte etwas. “Können wir gerne machen. Es ist gerade angenehm warm”, lächelte ich ihn sanft an.
 

Somit gingen wir runter zum Ufer. Es war herrlich warm und durch die Kühle vom Meer war es mehr als angenehm. Schweigend schritten wir am Strand entlang und ich zog mir irgendwann die Schuhe aus, um den Sand zwischen meinen Zehen zu spüren. Es fühlte sich so gut an, weshalb mich sichtlich entspannte und erneut genüsslich seufzte. Für ein paar Sekunden schloss ich sogar die Augen und benetzte meine Lippen. “Angenehm?”, hörte ich plötzlich neben mir.
 

“Mhm... solltest du auch ausprobieren”, antwortete ich mit einem leichten Grinsen und öffnete meine Augen, um zu ihm blicken zu können.
 

“Meinst du?”, hakte er nach und zustimmend nickte ich. “Okay... mal sehen”, meinte er und schlüpfte aus seinen Turnschuhen und Socken. Letzteres steckte er in die Schuhe und hob sie hoch, um sie zu tragen. Zufrieden lächelte ich und konnte ihm ansehen, dass er nun ebenfalls entspannter war. “Mmmmh... tatsächlich... sehr angenehm”, kam es über seine Lippen. Dieses kleine Brummen ließ mich etwas erschaudern und automatisch schluckte ich schwerer. Noch bevor mein Kopf auf ganz dumme Gedanken kommen könnte, lenkte ich mich mit einem weiteren Gespräch ab.
 

“Habe ich doch gesagt... es ist herrlich”, schwärmte ich und mir kam eine Idee.
 

Meine Schuhe ließ ich im Sand fallen. Denn ich wollte unbedingt etwas ins Wasser gehen, um meine Füße ab zu kühlen. Das kalte Nass hatte mich sehr gut von meinen vorherigen Gedanken abgelenkt und ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Es war ein wundervolles Gefühl und mich überkam die Lust, ein wenig mit den Wellen zu spielen, die auf mich zu kamen. Diese Unbeschwertheit genoss ich sehr und ließ mich in diesem Augenblick einfach fallen. Dass ich dabei wie ein Kind wirken könnte, war mir egal. Schließlich waren Chiaki und ich alleine vor Ort und bei ihm hatte ich immer mehr das Gefühl, ich selbst sein zu können. Eben genauso wie ich tatsächlich war.
 

Nach einer Weile hörte ich ein lautes Lachen, was sich sogar ehrlich anhörte. Mein Blick schnellte zu der Quelle und noch breiter musste ich grinsen. Scheinbar amüsierte sich Chiaki genauso gut wie ich mich. Meine verspielte Ader kam nun gänzlich zum Vorschein. “Komm doch auch her... es ist schön kühl im Wasser”, lud ich ihn ein, ebenso seine Füße etwas zu benetzen. Doch in meinem Kopf hatte ich mir schon einen anderen Plan zurecht gelegt.
 

“Vermutlich hast du Recht... etwas abkühlen kann nicht schaden”, meinte er sichtlich amüsiert und kam tatsächlich dichter zum Wasser.
 

Dies spielte mir sehr gut in die Karten, sodass ich meinen kleinen Plan umsetzen könnte. Dass dies eventuell kindisch sein könnte, war mir sehr wohl bewusst und absolut egal. So war ich nun mal und genau deshalb wollte ich mich bei ihm nicht verbiegen. Je dichter er zum Wasser kam, umso tiefer ging ich hinein. Ich wartete einen günstigen Moment ab und schob meinen Rocksaum etwas nach oben, um etwas mehr Beinfreiheit zu haben. Geschickt nahm ich ein wenig Schwung und schaffte es eine gute Ladung Wasser rüber zu spritzen. Zielsicher traf ich Chiaki damit und lachte leise, während er fast schon ungläubig erst an sich herab blickte und danach zu mir.
 

“Na warte... das wirst du noch büßen!”, kam es von ihm.
 

Als mir bewusst wurde, was er mit seinen Worten meinte, weiteten sich meine Augen und ich nahm schnell die Beine in die Hand. Wobei schnell ein wenig übertrieben war. Denn es war gar nicht so einfach im Sand zu laufen, da dieser immer mehr unter meinen Füßen nach gab und ich Schwierigkeiten hatte wirklich rasch voran zu kommen. Eilig machte ich einige Schritte, doch mit einem Blick nach hinten konnte ich sehen, dass er mir dicht auf den Fersen war. Es war gar nicht einfach ihm zu entkommen, weil er nur wenige Meter hinter mir war. Jedoch war es ein Fehler mich um zu drehen. Deswegen kam ich ins Stolpern und wäre fast in den Sand gefallen. Dazu kam es nicht, denn Chiaki hatte sich mein Handgelenk geschnappt und mich an sich gezogen.
 

Durch diesen zusätzlichen Schwung verlor er das Gleichgewicht und wir kippten zusammen um. Wie von selbst schloss ich meine Augen und wartete auf den Schmerz, aber dieser blieb aus und ich landete sogar recht weich. Verwundert blinzelte ich mehrmals und blickte auf. Seine besorgten Augen sahen mich direkt an und er schien meinen Körper soweit er konnte ab zu scannen. “Hast... du dir weh getan?”, wollte er daher schnell wissen.
 

“Ähm... nein... alles gut”, stammelte ich vor mich hin und erleichtert atmete er durch.
 

“Das freut mich wirklich”, lächelte er und hielt mich weiterhin fest in seinem Griff. Es fühlte sich unglaublich an, weshalb ich ihn ebenso automatisch anlächelte.
 

“Danke... dass du mein Sturz abgefedert hast”, sprach ich ehrlich und er lächelte, während ich seine Hand spürte, die meinen Rücken entlang fuhr.
 

“Jederzeit, Jeanne”, entgegnete er und kurz zuckte ich zusammen. Da war es wieder. Der Moment war vorbei. “Alles okay?”, fragte er nach.
 

“Na... natürlich... hast... du dir wehgetan?”, stellte ich die Gegenfrage und löste mich aus seinem Griff.
 

“Nein... ich habe mich nicht verletzt”, entgegnete er sichtlich verwirrt, aber darauf ging ich nicht weiter ein.
 

Schnell rappelte ich mich auf und reichte ihm meine Hand, um ihm auf zu helfen. Diese nahm er an und stand auf, auch wenn er meine Hilfe nicht wirklich brauchte. Das wusste ich, dennoch wollte ich es tun. Der Augenblick war einfach vorbei, als er meinen Künstlernamen nannte. Obwohl ich diesen selbst gewählt hatte und schon daran gewöhnt war, so wünschte ich mir gerade nicht als ‘Jeanne’ unterwegs zu sein. Sondern als Maron. Allerdings war dies einfach nur ein Wunschdenken von mir. Niemals würde er sich mit mir abgeben, wenn er mich nicht als seine Begleitdame engagiert hätte. “Lass uns... lieber zurück und ich sehe mir deinen Arm an”, meinte ich, da ich bemerkte, dass er darauf gelandet war, da dort am meisten Sand sich befand.
 

“Das musst du nicht... es ist alles gut”, winkte er gleich ab und wischte sich den Sand von den Ellbogen ab. Tatsächlich war dort nichts zu sehen, weshalb ich erleichtert durch geatmet hatte. Ich hätte es mir nicht verziehen, falls ihm doch etwas passiert wäre. Das wäre nicht aus zu denken.
 

“Sicher?”, hakte ich nach und er nickte mit einem Lächeln.
 

“Natürlich”, versicherte er mir und führte mich zu unseren Schuhen, die wir hoch nahmen.
 

Sogleich machten wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft. Dort angekommen, schloss Chiaki auf und ließ mich hinein. Die Schuhe hatte ich gar nicht angezogen, denn der Weg war nicht sonderlich weit, damit sich dieses lohnen würde. Noch einmal prüfte ich nach, ob er sich wirklich nicht verletzt hatte. Erleichtert atmete ich durch und seine Mundwinkel zuckten verdächtig nach oben. Da es mittlerweile schon spät war und wir am kommenden Tag unsere Shoppingtour machen wollten, beschlossen wir direkt ins Bett zu gehen, um ausgeruht zu sein. Aber ans Einschlafen war gar nicht zu denken. Tatsächlich wälzte ich mich einige Male hin und her, ehe ich in den Schlaf gefunden hatte.
 


 

Unbarmherzig klingelte mein Wecker, welchen ich mit der Schlummertaste einige Minuten weiter gestellt hatte. Diese würde ich noch brauchen, um irgendwie wach zu werden. Allzu erholsam war meine Nacht nicht wirklich, weshalb ich etwas seufzte und schläfrig blinzelte. Sobald der Wecker sich noch einmal meldete, machte ich diesen aus und streckte mich im Bett. Es half nichts, ich musste aufstehen. Aus diesem Grund stieg ich aus dem Bett und streckte mich noch einmal, ehe ich den Wecker gänzlich ausmachte. Direkt ging ich zu meinem Koffer, um meine Unterwäsche heraus zu holen, die ich für den Tag tragen würde. Ein Glück hatte ich mehr als genug Klamotten dabei, wobei ich wohl die Tage eine Wäscheladung machen würde. Das war das praktische an einer Unterkunft, die kein Hotel war.
 

Eilig schlüpfte ich ins Bad und ließ mich von dem warmen Nass zusätzlich wecken. Mehrmals ließ ich das Wasser über mein Gesicht laufen und hatte die Augen dabei geschlossen. Es entspannte mich sehr und ein genüsslicher Seufzer verließ meine Lippen. Wie von selbst dachte ich an den Moment am Strand zurück und stellte mir unweigerlich vor, wie sich seine Lippen auf meinen wohl anfühlen würden. “Mmmmmh”, entkam es mir erneut und ich biss mir auf die Unterlippe. Sofort schüttelte ich den Kopf, um ihn aus meinen Gedanken zu verbannen, und mich fertig zu waschen.
 

Definitiv war ich untervögelt, wie ich gerade fest stellen musste. Doch sollte ich mir nicht auf ihn einen Höhepunkt bescheren. Vor allem nicht zu dieser Zeit. Dies war eher eine Sache für den Abend und die Bequemlichkeit einer Wanne oder einem Bett. Daher schob ich mein Vorhaben auf den späten Abend zurück und trocknete mich ab. Danach schlüpfte ich in meine Unterwäsche und föhnte meine Haare etwas durch, ehe ich diese locker hochsteckte. Diese Frisur war perfekt für einen Bummel durch die Läden, auch wenn ich nicht wirklich große Lust dazu hatte. Jedoch gehörte dies zu meinem Job und ich freute mich irgendwie darauf mit Chiaki dies zu tun. Bestimmt hatte er einen anderen Blickwinkel auf die Kleider, genau wie ich auf die Anzüge.
 

Damit das Umziehen in der Umkleide schneller gehen würde, wählte ich ein leichtes und schlichtes Sommerkleid. Es war nicht zu kurz aber auch nicht zu lang, denn der Saum hörte kurz über meinen Knien auf. Zudem war es in einem angenehmen hellblauen Farbton mit einigen Stickereien im Brustbereich, welche sich Hauptsächlich auf das Dekolleté konzentrierten. Dieses Kleid mochte ich sehr, denn es hatte keinen lästigen Reißverschluss am Rücken. Nur an der Seite war ein kleinerer, den ich problemlos selber erreichen konnte. Zufrieden mit meinem Outfit schminkte ich mich noch mit leichtem Make-up und packte meine Handtasche. Passende und schlichte Ballerinas hatte ich in meinem Koffer mit gebracht.
 

In diese war ich schnell geschlüpft und verließ meinen Raum, um in den Wohnbereich zu kommen. Erneut blickte ich aus dem Fenster und lächelte bei dem wundervollen Ausblick. Es war auch bei Tag unglaublich. “Eine perfekte Aussicht... egal ob bei Nacht oder bei Tag”, hörte ich neben mir und nickte gedankenverloren, bevor ich meinen Blick zu Chiaki richtete. Er jedoch hatte mich lächelnd angesehen.
 

“Absolut”, merkte ich an und schluckte leicht.
 

“Schön, dass wir uns da einig sind... Kaffee?”, fragte er wohlwissend, dass ich das bejahen würde, da er mir bereits den Becher mit der schwarzen Brühe entgegen hielt.
 

“Danke dir”, entgegnete ich ihm und lächelte ihn leicht an, während ich den Becher nahm und gleich daran nippte. “Mmmh... genau richtig”, schwärmte ich und er zwinkerte mir grinsend zu. Er war wahrlich sehr aufmerksam und das machte ihn durchaus einzigartig. Die meisten Männer interessierten sich dafür nicht.
 

“Gut... die Maschine hier ist genau die, die ich überall gerne einsetzen würde”, merkte er an und ich nickte ihm leicht zu.
 

“Wäre nicht verkehrt, denn für die Kaffeegenießer wäre es mehr als perfekt”, sprach ich sanft aus und trank genüsslich von der schwarzen Brühe.
 

“Möchtest du noch etwas essen, bevor wir losfahren, oder sollen wir bei einem Café in der Einkaufsmaile etwas zum Frühstücken organisieren?”, überlegte er und kurz überlegte ich, was wohl besser wäre.
 

“Ich würde sagen... unterwegs würde genügen”, antwortete ich, weil ich noch keinen allzu großen Hunger hatte.
 

“Alles klar... dann machen wir das so... und wir fahren am besten mit einem Auto, während Miya und Mato mit dem anderen fahren”, bemerkte er und wie von selbst fragte ich nach, wieso er das machen wollte. Doch er sah mich nur an und meinte: “Schon vergessen, wie die beiden sein können?”
 

“Oh”, begann ich und musste sogleich los lachen, weil er einfach recht hatte mit seiner Aussage.

Shoppingtour

Nachdem wir unsere Becher geleert hatten, schnappte sich Chiaki die Autoschlüssel, die bereit auf der Kommode im Flur lagen. Er zog seine Sneaker an und öffnete die Tür. “Dann lass uns los fahren”, grinste er und ich nickte beim Vorbeigehen.
 

“Je eher wir los kommen, umso eher sind wir durch”, meinte ich vollkommen ernst und erntete dafür einen fragenden Blick.
 

“Eine Frau, die nicht gerne shoppt?”, hakte er nach, nachdem er die Haustür abgeschlossen hatte. Schulterzuckend blickte ich zu ihm zur Seite und grinste ihn nur leicht an. “Das möchte ich genauer wissen!”, meinte er, schloss das Auto auf und öffnete mir die Beifahrertür. Amüsiert stieg ich ein und schnallte mich an. Kurz darauf saß er auf dem Fahrersitz und hatte sich ebenso angegurtet, bevor er los fuhr. “Ich höre”, kam es von ihm und ich schmunzelte etwas.
 

“Nicht jede Frau steht darauf zu viel Geld aus zu geben”, entgegnete ich ihm und er lachte leise.
 

“Stimmt... Miya ist auch nicht so... also nur das nötigste besorgen?”, fragte er grinsend und ich nickte zustimmend.
 

“Korrekt... ein Abendkleid bei mir und Schmuck nur wenn es unbedingt sein muss”, erklärte ich ihm klar und deutlich.
 

“Alles klar, aber soweit ich weiß werden Ohrringe wohl notwendig sein”, überlegte er und steuerte geschickt den Wagen durch den Verkehr zu einem größeren Parkhaus. Auch wenn ich wusste, dass er wohl Recht haben könnte, hoffte ich dennoch, dass ich keinen Schmuck kaufen müsste. Eigentlich hatte ich eine sehr gute und ausreichende Auswahl und war nicht wie die anderen Frauen, die nie genug Schmuck oder gar Schuhe haben konnte.
 

“Vermutlich, aber erst das Kleid, damit ich die anderen Sachen darauf abgestimmt kann”, erklärte ich ihm meine übliche Vorgehensweise, um ein wenig Zeit zu sparen.
 

“Alles klar... merke dir ebenso Ebene F 112”, meinte er beiläufig, nachdem er einen Parkplatz gefunden hatte. Zustimmend nickte ich und lächelte ihn leicht an, ehe ich ausstieg und die Autotür hinter mir schloss.
 

“Ebene F 112”, bestätigte ich ihm grinsend und schloss den Wagen ab.
 

“Sehr gut... Ich weiß auch schon, wo wir ein Kleid für dich finden können. Wir werden dort anfangen und danach etwas essen, bevor wir weiter shoppen”, schlug er vor und es war eine sehr gute Idee in meinen Augen.
 

“Alles klar... aber bitte nichts zu elitäres”, bat ich ihn und hörte ein leises Lachen.
 

“Nein... sowas Hochgestochenes brauchen wir nicht, aber dennoch sollte es ein Kleid mit Qualität sein”, bemerkte er und sah zu mir, während ich leicht den Kopf schief legte. Er schien meine stumme Frage bemerkt zu haben. “Natürlich... dann kannst du das Kleid auf einer anderen Gala noch einmal tragen”, zwinkerte er und automatisch nickte ich.
 

Es war gut, dass er sich über diesen Aspekt Gedanken gemacht hatte. Die meisten Kleider wählte ich genau dahingehend aus. Viele der Outfits waren viel zu schade, um sie nur einmal zu tragen. Wie selbstverständlich nahm er meine Hand in seine und führte mich zum Aufzug. Damit fuhren wir zum Erdgeschoss und gingen gleich über die Einkaufsstraße entlang. Trotz der frühen Morgenstunden war schon einiges los, weshalb ich sehr froh war, dass Chiaki meine Hand hielt und ich dadurch nicht verloren gehen konnte. “Danke”, meinte ich ehrlich und er lächelte mich an.
 

“Jederzeit... man verliert sich ganz schnell in diesen weiten Straßen”, sprach er und drückte leicht meine Hand.
 

“Das stimmt... zumal ich noch nie hier war”, erinnerte ich ihn daran.
 

“Oh... ich erinnere mich”, meinte er und sah leicht zu mir. “Wie wäre es... wenn wir nach dem Shoppen noch die Stadt etwas erkunden?”, fragte er mich und ich sah ihn mit geweiteten Augen an.
 

“Ernsthaft?”, entkam es mir blinzelnd.
 

“Na klar... wenn wir schnell sind... sind wir bis zum Mittag durch... denkst du... das bekommen wir hin?”, grinste er mich nahezu herausfordernd an.
 

“Ooooh... ein Kleid, Schuhe, Accessoires und für dich das ganze... das bekommen wir doch hin!”, entgegnete ich zwinkert und einmal mehr war froh, da ich mich schnell entscheiden konnte, wenn ich wusste, was ich brauchte.
 

“Deine Entschlossenheit gefällt mir”, zwinkerte er fast schon neckend und amüsiert kicherte ich.
 

“Gut... komm... lass uns keine Zeit verschwenden”, entgegnete ich ihm.
 

“Einverstanden... dort vorne ist eine Boutique, die mit Sicherheit Abendkleider haben”, erklärte er mir.
 

Sofort sah ich mich neugierig um. Tatsächlich schien es so zu sein, dass wir in dem Laden fündig werden könnten. Es dauerte nicht lange und er öffnete die Tür, damit wir eintreten konnten. Dankend blickte ich kurz zu ihm, bevor wir uns im Inneren kurz einen Überblick verschafft hatten. Einige Kleider fielen schon direkt raus, da sie zu kurz waren oder die falsche Farbe hatten. Erst als ich die längeren Abendkleider entdeckte, wollten wir direkt dorthin, denn für gewöhnlich brauchte ich keine Hilfe von irgendwelchen Verkäufern. Nur wenn ich mit Lilly unterwegs war, ließ ich eine Beratung zu, da sie gerne die Mitarbeiter testete und sie wirklich für ihr Geld arbeiten lässt.
 

“Ich denke...”, begann ich, doch wurde ich unterbrochen.
 

“Guten Tag... kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?”, wurde die Frage von einer der Verkäuferin gestellt. Aber die Dame sah dabei nicht mich an, sondern eher Chiaki. Daher konnte ich nicht anders als mit den Augen zu rollen.
 

“Nein danke... wir kommen klar”, entgegnete mein Begleiter und sah sie nur kurz an, bevor er wieder den Augenkontakt mit mir hielt. Eigentlich war das mehr als klar, dass er null Interesse hatte. Jedoch schien sie das wohl ganz anders zu sehen.
 

“Ich denke aber, ich kann ihnen behilflich sein”, säuselte sie und erneut verdrehte ich meine Augen. Solche Frauen waren schon wirklich viel zu billig.
 

“Definitiv nicht... Komm, Liebling... wir gehen in einen anderen Laden”, sprach er und hatte dabei mir direkt in die Augen gesehen. Seine Worte zu hören ließen mich leicht erschaudern, ehe ich mit den Mundwinkeln zuckte.
 

“Stimmt... wir sollten einen anderen Laden aufsuche”, entgegnete ich ihm mit einem strahlenden Lächeln. Um seine Worte zusätzlich zu untermauern, legte er meine Hand, die noch in seiner lag, deutlich sichtbar auf seinen Arm. Erst jetzt schien diese komische Frau mich bemerkt zu haben, denn ihr Blick schnellte zu mir rüber.
 

“Wie... was... ähm”, stotterte sie mehrfach und versuchte immer wieder von vorne an zu fangen, während sie zwischen uns beiden und meiner Hand hin und her blickte.
 

“Es ist eine Sache ignoriert zu werden” fing ich an und sah sie eindringlich an. “Aber, dass sie so dreist sind und ein Nein nicht verstehen... ist wahrlich die Höhe...”, setzte ich oben drauf und spürte einen leichten Druck auf meiner Hand. “Sie sollten aufhören Männer an zu baggern, besonders dann, wenn diese in Begleitung sind”, beendete ich meine Standpauke, die absolut notwendig war. Solche Frauen kotzten mich wahrlich an und das ließ ich sie dadurch nur zu gerne spüren. Chiaki hatte dazu nichts gesagt und führte mich schließlich zur Tür.
 

“Lass uns einen anderen Laden aufsuchen, Liebling”, meinte er schlicht und dem stimmte ich nur allzu gerne zu.
 

“Gute Idee... vielleicht haben wir da mehr Glück keine läufige Hündin vor zu finden”, sagte ich extra lauter und wir verließen den Laden.
 

Zusammen schritten wir weiter, um aus dem Sichtfeld zu kommen. Kaum waren wir einige Meter, schon lachte Chiaki los und ich blickte zu ihm rüber. “Läufige... Hündin... das muss ich mir merken”, amüsierte er deutlich über meine Wortwahl.
 

“Was denn... das ist doch so”, gab ich schulterzuckend zurück und grinste leicht.
 

“Stimmt... danke dafür... solch ein Verhalten ist einfach unmöglich”, merkte er an und ich nickte.
 

“Absolut... solche Frauen und auch Männer kann ich nicht leiden... daher werden ich bei solchen Leuten nicht schweigen”, zwinkerte ich ihm zu und er grinste.
 

“Oh... ich bitte darum, dass du sie zurecht weißt... das war wirklich unglaublich...”, entgegnete er und hatte mich bereits weiter geführt zur nächsten Boutique, die etwas kleiner wirkte. Doch das störte mich weniger. “Versuch Nummer zwei”, grinste er leicht und ich gluckste leise.
 

“Schlimmer kann es doch nicht werden, oder?”, schmunzelte ich leicht und zuckte leicht mit den Schultern.
 

“Wir werden sehen”, zwinkerte er mir zu und öffnete die Tür, damit wir rein gehen konnten.
 

Noch einmal atmete ich tiefer durch und trat mit ihm zusammen ein. Wie ich es schon vermutet hatte, war es ein kleinerer Laden. Mit einem geübten Blick sah ich mich um und konnte sagen, dass die Kleider eine ähnlich gute Qualität zu haben schienen. Wenn nicht sogar eine noch bessere, wie ich bemerkte, denn die meisten Kleider waren aus hochwertigen Stoffen. “Ich denke... ich habe etwas interessantes entdeckt”, verkündete ich und deutete zu der Kleiderreihe, die allesamt rot waren. In mehreren Farbtönen sogar.
 

“Hm... ein rotes Abendkleid also?”, hakte er nach und amüsiert nickte ich.
 

“Mhm... ein rotes Kleid für mich und ein weißer Anzug für dich”, zwinkerte ich ihm zu, denn ein rein weißes Kleid würde für mich niemals in Frage kommen.
 

“Scheinbar... hast du dir schon Gedanken gemacht”, schmunzelte er und grinsend nickte ich.
 

“Natürlich... es ist für dich eine wichtige Gala, also sollte es perfekt sein”, bemerkte ich und seine Mundwinkel zuckten verdächtig nach oben.
 

“Willkommen... kann ich euch behilflich sein?”, wurden wir angesprochen und somit bei unserem Gespräch unterbrochen.
 

Deshalb sahen wir beide fast schon zeitgleich rüber in die Richtung, aus der die Stimme kam. Schräg neben uns stand eine Dame mittleren Alters, die freundlich lächelte. Auf dem ersten Blick war sie das komplette Gegenteil von der Frau zuvor. Sie hatte zusammen gesteckte Haare, eine einfache, weiße Bluse und eine gut sitzende schwarze Anzugshose. Das war ein sehr professionelles Outfit und eine durchweg positive Erscheinung. “Nun...”, begann Chiaki und sah leicht zu mir.
 

“Ihre Begleitung sucht ein Kleid?”, beendete sie den Satz mit einer kleinen Frage.
 

“Korrekt... ein Abendkleid, um genau zu sein”, antwortete er mit einem ehrleichterten Lächeln.
 

“Dann sind sie hier richtig”, entgegnete sie mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.
 

“Das sehe ich”, merkte ich an.
 

“Haben Sie genaue Vorstellungen?”, fragte sie freundlich nach und schenkte tatsächlich mir die Aufmerksamkeit. Zum Glück sind wir an eine sehr gute Verkäuferin geraten sind.
 

“Tatsächlich habe ich etwas im Kopf”, gestand ich. Neugierig sah sie mich an und forderte mich so dazu auf, weiter zu sprechen. “Es soll ein rotes und langes Abendkleid werden. Vom Stoff her etwas Leichtes und doch Elegantes”, setzte ich fort und war bei allem weiteren eigentlich offen.
 

“Verstehe... ich würde sagen... der Herr nimmt auf dem Sofa Platz und wir beide sehen einmal bei den Kleidern durch, was Ihnen gefallen könnte”, entgegnete sie mir und lächelnd nickte ich, denn das wäre perfekt. Zufrieden grinste Chiaki und sah definitiv erleichtert aus.
 

“Das wäre ein Traum”, lächelte ich und sie führte erst Chiaki zum Sofa, bevor sie mich zu den beiden Ständerreihen führte.
 

“Schauen sie erst, welcher Rotton passen würde... ich versorge kurz ihre Begleitung”, meinte sie und leicht nickte ich.
 

Während ich mir die unterschiedlichen Rotfärbungen betrachtete, eilte die Verkäuferin davon. Im Augenwinkel hatte ich sie beobachtet, wie sie bei Chiaki war und mit ihm kurz gesprochen hatte. Sogleich ging sie fort und brachte ein Tablett mit Getränken. Darauf war eine Wasserflasche mit zwei Gläsern und zwei Kaffeetassen. Vermutlich hatte Chiaki ihr mitgeteilt, was wir trinken wollen würden. Eindeutig verstand die Dame ihren Job und das freute mich. Nun konnte ich auf die Kleider konzentrieren und hatte mir bereits zwei Kleider rausgefischt. Beide waren eher dunkelrot, da mir der Farbton deutlich mehr zusagte. Jedoch wollte ich es nicht zu dunkel wählen, weshalb Weinrot und Bordeaux nicht in Frage kamen. Gerade hatte ich noch ein drittes Kleid gewählt, als die Verkäuferin wieder bei mir war.
 

“Sie haben bereits etwas gefunden?”, fragte sie.
 

“Ich würde die drei anprobieren... von der Farbe her wären sie perfekt”, erklärte ich und sie nickte.
 

“Ein wundervolles Kaminrot... dunkel, aber auch nicht zu dunkel... perfekt bei ihrem Hautton”, lächelte sie mich an. Bei ihren Worten wurde ich sogar leicht rot um die Nase.
 

“Das dachte ich ebenfalls... nur bei dem Schnitt bin ich noch etwas unsicher”, entgegnete ich.
 

“Dafür die Anproben... kommen Sie... angezogen sehen die Kleider und die Stoffe ganz anders aus”, erklärte sie und nahm die Kleider in die Hand, um mich zu der Umkleide zu führen.
 

Diese war nicht allzu weit von dem Sofa entfernt, auf dem Chiaki es sich gemütlich gemacht hatte. Er sah mich lächelnd an, ehe er sich wieder seinem Handy widmete, da ich nun in die Kabine ging. Die Verkäuferin war freundlich und half mir die Kleider richtig auf zu hängen. Danach ließ sie mich alleine, bis ich das Kleid anhatte und ihre Hilfe beim Schließen brauchte. Erst dann kam sie rein und zog den Reißverschluss zu. Das erste Kleid war eher schlicht und mit einem V-Ausschnitt, wobei das Oberteil leicht mit Spitze verziert war. Im Spiegel sah es gut aus und es stand mir, aber etwas fehlte, wenn ich es genauer betrachtete. Jedoch wollte ich Chiakis Meinung dazu wissen, denn dafür war er doch mit gekommen.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Diese kleine und feine Boutique war genau richtig, um ein Kleid für Jeanne zu finden. Die Verkäuferin war professionell und das merkte man sofort. Ihr Blick war eher geschult und sie machte keine Anstalten zu flirten. Das kam mir sehr gelegen, denn so konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Das Kleid meines blonden Engels. Nachdem die Getränke vor mir standen, nahm ich mir einen Schluck vom Kaffee und seufzte genüsslich. Der war genau richtig. Ein weiterer Pluspunkt für den Laden. Da fühlte man sich direkt wohl, weshalb ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht hatte und gespannt war, welche Kleider Jeanne wohl im Sinn hatte. Es hatte mir sogar ziemlich gefallen, dass sie bestimmt hatte, dass sie ein rotes Kleid wollte und ich den weißen Anzug bekam.
 

So zielsicher und einen Hauch von Dominanz fand man selten bei einer Frau. Wobei ich mir das bei ihr schon sehr gut vorstellen konnte. Sie war nicht auf den Mund gefallen, teilte ihre Meinung mit und konnte sich auch durch setzten. Das war eine wichtige Eigenschaft meiner Ansicht nach. Während Jeanne noch bei den Kleidern war, ging ich im Handy meine kommenden Termine durch. Als sie an mir vorbei gingen, blickte ich auf und musste Jeanne anlächeln. Sie schien fündig geworden zu sein und ich musste zugeben, dass diese Farbe ihr wohl sehr gut stehen könnte. Nun war ich ziemlich gespannt darauf, sie in einem der Kleider zu sehen. Bestimmt würde es eine Zeitlang dauern, bis sie das richtige finden würde. Aber das störte mich heute komischerweise weniger als gewöhnlich.
 

Da sie in der Umkleide verschwunden war, sah ich wieder auf mein Handy und betrachtete die Nachricht von meinen Freunden. Sie waren ebenfalls aufgebrochen zum Shoppen und Yamato freute sich wie ein Kleinkind, dass er sich nun seine Frau in der Bademode begutachten konnte. Schmunzelnd antwortete ich, er solle Spaß dabei haben und sie sollen nicht allzu laut sein, wenn sie ihrem Verlangen nachgeben würden. Daraufhin hatte er mir lediglich nur folgendes geschrieben: ‘Wir werden sehen.’
 

‘Die Kaution stelle ich euch diesmal nicht’, konnte ich mir den Spruch nicht verkneifen. Denn darauf würde es früher oder später hinaus laufen. Ich kannte sie zu gut, um zu wissen, dass genau das passieren könnte, sollten sie es wirklich krachen lassen. Schließlich hatten wir das schon einige Male. Allein bei dem Gedanken daran musste ich grinsen. Solche Aktionen waren wahrlich ein Bild für die Götter, besonders die darauf folgende Standpauke von Sakura und Himuro waren unglaublich genial.
 

Weiter konnte ich meine Gedanken schweifen lassen, da ich die Tür der Kabine hörte und direkt aufsah. Kurz weiteten sich meine Augen bei dem Anblick. Fuck... wieso muss sie auch wie eine Göttin aussehen., schoss es mir durch den Kopf und ich starrte sie an, wobei ich sie eingehend musterte.
 

“Und? Wäre das Kleid gut?”, fragte sie mich und meine Augen schnellten sofort nach oben.
 

“Nun... es ist ein wundervolles Kleid...”, begann ich und versuchte die richtigen Worte zu finden.
 

“Aber es sieht scheiße an mir aus?”, kam es direkt von ihr und kurz war ich sprachlos, ehe ich anfing zu lachen.
 

“Korrekt... nur scheiße stimmt nicht ganz”, meinte ich und benetzte kurz meine Lippen. “Das Kleid steht dir... aber es fehlt etwas”, sagte ich ehrlich und sie lächelte mich an, weshalb ich mehrmals blinzelte.
 

“Das Gefühl hatte ich vorhin auch... also das nächste”, grinste sie und verschwand schon in der Umkleide. Fast schon perplex blickte ich ihr nach und musste schließlich doch schmunzeln. Definitiv war sie anders als die Frauen, denen ich sonst begegnet war. Aber es freute mich, dass sie scheinbar schonungslose Ehrlichkeit bei der Beratung wollte. Diese würde sie von mir bekommen. Aber bevor sie erneut rauskommen würde, brauchte ich dringend einen Schluck vom Wasser.
 

Es dauerte etwas, bis sie mir das nächste Kleid präsentierte. Dieses saß wundervoll an ihrem Körper, jedoch war es nicht das Richtige für die Gala. Genau das teilte ich ihr mit und konnte ihr genau sehen, dass sie genauso darüber dachte. Es war zwar überraschend, dass wir einer Meinung waren, doch es war auch interessant zu sehen. Daher blickte ich erst in ihr Gesicht, um ihre Mimik zu erkennen. Erst danach betrachtete ich das Kleid. Die Farbe war atemberaubend an ihrem Körper, aber die Schnitte waren alles andere als optimal für ihre Proportionen. Aus diesem Grund bat ich die Verkäuferin um einen kleinen Moment, ehe sie davon huschte, um weitere Kleider zu holen.
 

“Meine Frau... ist zart wie ein Engel mit dem Körper einer Göttin... genau das sollte das Kleid aussagen”, erklärte ich ihr, nachdem Jeanne wieder in der Kabine war.
 

“Da haben sie vermutlich recht”, kam es von ihr und sie überlegte. “Ich glaube... Ich hätte da etwas”, lächelte sie schließlich und eilte schon davon, noch bevor ich etwas dazu sagen konnte. Verwundert blinzelte ich mehrmals und setzte mich wieder hin, da ich gerade nichts anderes tun könnte.
 

Was genau sie nun vor hatte, war mir noch nicht klar, doch ich würde es vermutlich in wenigen Minuten sehen. Die Verkäuferin kam mit einem Kleidersack zurück und trat schnell in die Kabine ein. Neugierig starrte ich auf die Tür. So als ob ich versuchen würde, hindurch sehen zu können. Jedoch war dem nicht so. Diesmal dauerte es sogar länger, bis Jeanne das Kleid angezogen hatte. Gefühlt eine Ewigkeit wartete ich auf ihre Präsentation und schwenkte mein Handy etwas in meiner Hand hin und her. Es war mir in dem Moment unbegreiflich, warum das nun so lange dauerte. Ungeduldig erhob ich mich wieder und ging ein paar Schritte hin und her, bis ich im Augenwinkel die Verkäuferin aus der Kabine treten sah.
 

“Sind sie bereit?”, fragte sie mit einem breiteren Grinsen.
 

Wie von selbst nickte ich zustimmend und drehte mich gänzlich zur Umkleide. Einige Sekunden später öffnete sich die Tür und Jeanne kam heraus. Mit jedem Schritt, den sie auf mich zu kam, wurden meine Augen größer. Mein Herzschlag beschleunigte sich schlagartig und meine Kehle fühlte sich trocken an. Sprachlos starrte ich sie an und betrachtete sie in diesem eleganten Kleid mit einem herzförmigen Dekolleté. “WOW”, entkam es mir und blickte auf, direkt in ihre strahlenden Augen und ihrem strahlenden Lächeln.
 

“Soll ich mich mal drehen?”, fragte sie mit freudiger Stimme und leicht nickte ich. Ich war gerade wie hypnotisiert von ihrem Anblick. Die Verkäuferin hatte Recht behalten. Das war das Kleid, was ihrer würdig war.
 

“Wow... also das ist mehr als perfekt”, grinste ich sie an, nachdem sie sich komplett gedreht hatte und mich wieder anstrahlte. In diesem Kleid glich sie definitiv Aphrodite, der Göttin der Schönheit.

Shoppingtour 2.0

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Bei seinen Worten wurde ich leicht rot um die Nase und atmete tiefer durch, ehe ich mich gänzlich wieder zu ihm gedreht hatte. “Ist das Kleid nicht zu... auffällig?”, fragte ich etwas unsicher. Denn im Mittelpunkt zu stehen, gefiel mir nach wie vor nicht.
 

“Zu auffällig?”, hakte er blinzelnd nach und blickte mich direkt an, wobei ich merkte, dass er mich noch immer von Kopf bis Fuß bestaunte “Nein... ich denke nicht, dass dies der Fall wäre. Das Kleid ist genau perfekt für die Gala”, sprach er weiter und sah mir direkt in die Augen. Diesen Augenkontakt hielt ich stand, wobei mir die Kehle leicht trocken wurde und ich musste deshalb schwer schlucken.
 

“Perfekt? Meinst du?”, musste ich einfach wissen und sah an mir hinab. Das Kleid war sehr lang und betonte meine Figur mehr als gut. Das Herzförmige Dekolleté gefiel mir dabei besonders. Die Träger waren etwas breiter und einer ging quer über mein Brustbein. Wo beide aufeinander trafen war ein durchsichtiger Stoff angebracht. Der sich wahrlich wundervoll anfühlte und gab dem Ganzen etwas mehr Eleganz.
 

“Absolut perfekt... nur vielleicht etwas lang”, überlegte er und ich musste lachen.
 

“Stimmt... vielleicht helfen Schuhe”, schlug ich vor.
 

“Da habe ich genau die Richtigen hier”, wurden wir von der Verkäuferin unterbrochen. Direkt blickte ich zu ihr und entdeckte ein paar rote High Heels in ihren Händen.
 

“Sind sie nicht zu hoch?”, kam die Frage von Chiaki, bevor ich mir die Schuhe genauer ansehen konnte.
 

“Nun... es kommt drauf an, ob die Dame darin laufen kann”, antwortete die Verkäuferin geschickt so neutral wie möglich. Schmunzelnd blickte ich zwischen den beiden hin und her. Während sie versuchte, mich entschuldigend an zu sehen, schien Chiaki ernsthaft darüber nach zu denken.
 

“Die Höhe ist kein Problem für mich”, sagte ich, um ihm keinen Spielraum zu geben, dass er sich weitere Gedanken machen würde.
 

“Sicher?”, hakte er skeptisch nach, weshalb ich leicht eine Augenbraue hoch hob.
 

“Natürlich... ich ziehe sie mal an”, konterte ich zwinkernd und konnte im Augenwinkel sehen, dass die Verkäuferin sich ein Lachen verkneifen musste.
 

“Willst du dich beweisen?”, hakte er nach und ich grinste ihn direkt an. Er scheint wahrlich eine falsche Vorstellung zu haben, welche Schuhe ich tragen könnte.
 

“Das muss ich gar nicht”, entgegnete ich voller Selbstbewusstsein und hielt seinem Augenkontakt stand. Vermutlich wollte er mich auf diese Weise testen, doch da war er an die Falsche geraten. Ich wusste genau, was ich konnte und vor allem was ich wollte.
 

“Gut... ich helfe dir in die Schuhe und sehe, ob du mit der Größe klar kommst”, sagte er nach einer Weile. Für einen kurzen Moment war ich mir nicht sicher, ob er wirklich noch von den Schuhen sprach. Doch fing ich mich schnell und sah ihn diesmal herausfordernd an. Was er kann, konnte ich schon lange. So viel stand fest.
 

“Du wirst schon sehen”, meinte ich direkt und hob das Kleid etwas an, damit ich in die Schuhe steigen konnte.
 

Leicht zuckten seine Mundwinkel und er drehte sich zur Verkäuferin, um die Schuhe entgegen zu nehmen. Kaum hatte er diese in der Hand, drehte er sich wieder zu mir und kam zurück. Direkt vor mir kniete er sich hin und öffnete geschickt die kleine Schnalle. Die High Heels waren schlicht. Das Rot war perfekt zum Kleid abgestimmt. Die Verkäuferin wusste ganz genau, was sie tat. Die Schuhe waren im Sandalenschnitt und über dem Knöchel konnte man sie fest machen. Sie waren meiner Schätzung nach etwa 15 Zentimeter. Meine Höchsten waren bislang gute 20 Zentimeter, daher wären die Jetzigen keinerlei Probleme für mich. Ich hob den rechten Fuß an und stieg somit in den Heel, ehe er diesen schloss.
 

“Irgendwie ist die Szene gerade etwas schräg”, schmunzelte ich und blickte zu ihm hinab.
 

“Schräg? Inwiefern?”, hakte er neugierig und mit einem Schmunzeln auf den Lippen nach.
 

“Es fühlt sich grade an, als wäre ich Cinderella, die ihre verlorenen Schuhe zurück bekommt”, erklärte ich und hörte sofort sein Lachen. Es klang ehrlich und wundervoll.
 

“HAHAHAHAHA”, entkam es ihm und er hatte Mühe, um sich wieder zu fangen. “Sowas... als Prinz Charming wurde ich noch nicht angesehen”, grinste er leicht, nachdem er sich etwas beruhigen konnte. Sogleich öffnete er den zweiten Schuh, damit ich ihn anziehen konnte. “Jetzt aber schnell, Ella”, zwinkerte er mir zu und amüsiert schlüpfte ich in den zweiten Schuh.
 

“Zu gütig, Charming”, kicherte ich und er schloss den Schuh. Danach erhob er sich und ich ließ das Kleid los. Lächelnd sah ich an mir herunter und lächelte, da nun das Kleid nicht mehr so lange war wie zuvor. “Perfekt”, meinte ich und blickte zu ihm, der mich genauso zu mustern schien wie zuvor.
 

“Die Länge sieht nun gut aus”, stimmte er mir zu und ging einen Schritt zurück. “Aber kannst du wirklich darin gehen und tanzen?”, fragte er nach und ich hörte durchaus eine leichte Skepsis aus seiner Stimme.
 

“Sollen wir es probieren?”, stellte ich die Gegenfrage und etwas blitzte in seinen Augen.
 

“Nur zu gern”, meinte er, reichte mir seine Hand und machte einen kleinen Knicks.
 

“Ganz so wie Charming”, lachte ich und legte meine Hand in seine, während ich sicher auf ihn zu ging.
 

“Natürlich... ich sollte doch meine kleine Ella verwöhnen”, entgegnete er und zog mich an sich. Überrascht blinzelte ich, als ich so dicht an seiner Brust war. Sein herber Duft umspielte meine Nase und wie von selbst schluckte ich schwerer. Seine Worte waren wahrlich mehr als zweideutig, aber ich sollte auf passen nicht zu viel hinein zu interpretieren.
 

“Soso... ich bin also deine kleine Ella?”, fragte ich und sah auf. Trotz der High Heels war er nach wie vor größer als ich.
 

“Mhm... meine”, bestätigte er und begann die ersten Takte zu tanzen. Zwar war mir nicht klar, welches Lied er im Kopf hatte, doch ich passte mich einfach an und hielt Augenkontakt mit ihm. Es war mal wieder etwas magisches in der Luft. Einige Minuten verstrichen, bevor wir zum Stillstand kamen. Er sah mich mit einem Lächeln an.
 

“Überzeugt?”, grinste ich leicht und konnte mir diesen Kommentar einfach nicht verkneifen.
 

“Absolut... die Schuhe sind überraschend passend”, zwinkerte er und kurz musste ich mit den Augen rollen. Dies war so typisch für ihn.
 

“Gut... somit wäre mein Outfit nun fertig”, erklärte ich ihm und er legte leicht den Kopf schief.
 

“Bis auf den Schmuck”, entgegnete er und kurz blinzelte ich. Eigentlich hatte ich keine Lust auf aufwendigen Schmuck, zumal dieser vom Kleid ablenken würde.
 

“Also... eigentlich... braucht man bei diesem Kleid kein Schmuck”, versuchte ich mein Glück, ihn von der Idee ab zu bringen. Es wäre wirklich schade, wenn das Kleid untergehen würde, wenn man noch viel dazu tragen würde.
 

“Hm... Ohrringe solltest du brauchen”, meinte er nach einer Weile und bevor er noch etwas sagen konnte, mischte sich die Verkäuferin in das Gespräch ein.
 

“Eher schlichte... vielleicht leicht hängende in Silber, damit das Kleid zusätzlich betont wird”, schlug sie vor und dankbar blickte ich zu ihr.
 

“Das ist eine sehr gute Idee”, lächelte ich gleich.
 

“Nun... da sie schon mit dem Kleid und den Schuhen ins Schwarze getroffen haben, vertraue ich ihrem Urteil”, kam es von Chiaki und es erleichterte mich ungemein.
 

“Falls sie möchten... eine kleine Auswahl hätte ich hier... ansonsten wäre ein Juwelier am Ende der Straße genau das Richtige für sie”, lächelte die ältere Dame und ich nickte.
 

“Zeigen sie uns, was sie da haben”, meinte ich, denn bei der guten Beratung würde ich auch gerne alles bei ihr besorgen. Somit hätte sie ebenfalls etwas davon.
 

“Ich bin sofort zurück”, sprach sie und eilte davon, um die gewählten Schmuckstücke zu holen.
 

“Nur Ohrringe? Bist du dir sicher?”, hakte Chiaki nach, nachdem die Dame außerhalb der Hörweite war.
 

“Absolut sicher... dieses Kleid ist eine Augenweide und da würde alles andere davon ablenken. Das wollen wir doch nicht”, erklärte ich so logisch wie möglich und er schien zu überlegen. Die Zeit gab ich ihm und blickte auf, als die Verkäuferin zurück kam.
 

“Da wären fünf wunderbare Stücke, die das Kleid betonen würden... und falls sie doch zu etwas anderem ein Armband benötigen, wäre diese ergänzend perfekt dazu”, sprach sie lächelnd aus und ich musste sagen, dass es wundervoller Schmuck war. Schlicht und elegant zu gleich, genau das, was wichtig war, um als Accessoire zu fungieren.
 

“Eine gute Auswahl”, kam es von Chiaki mit einem Lob in der Stimme. Denn das war nicht einfach eine so gute Beratung zu bekommen. “Welches sagt dir zu?”, wollte er von mir wissen und schien mich zu beobachten.
 

“Hm... ich denke... dies hier oder dieses wäre optimal”, überlegte ich laut und deutete auf die beiden Sets. Das eine war mit kleinen Steinen versehen, während das andere schlicht zusammen geflochten war. Beides hätte Vor- und Nachteile.
 

“Ich denke... dieses hier würde zu dem Kleid passen und sogar das Armband würde gehen, wenn du es auf links trägst”, lächelte er mich an und überrascht sah ich zu ihm.
 

“Tatsächlich... du hast Recht... das würde sehr gut passen und nicht ablenken”, stimmte ich ihm zu und er grinste etwas.
 

“Gut... somit hätten wir alles beisammen”, merkte er an und zustimmend nickte ich.
 

“Korrekt... dann ziehe ich mich um und wir können deinen Anzug besorgen”, zwinkerte ich ihm zu und seine Mundwinkel zuckten verdächtig in die Höhe.
 

“Alles klar... so machen wir das”, merkte er an.
 

“Soll ich alles für sie verpacken und an eine Adresse zuschicken?”, fragte die Verkäuferin lächelnd nach und einmal mehr war deutlich, wie gut sie sich in ihrem Beruf machte.
 

“Sie verschicken die Kleider auch?”, hakte Chiaki überrascht nach, noch bevor ich es tun konnte. Das war wahrlich außergewöhnlich, da die meisten dies nicht anboten.
 

“Natürlich... ein Kurier holt alles hier ab und bringt es zur Adresse, sicher verpackt... schließlich kaufen die Kunden nicht nur in meinem Laden ein und so können sie sich freier bewegen”, erklärte sie direkt und das war mehr als einleuchtend für mich. Diese Frau war die geborene Verkäuferin.
 

“Ein wundervoller Service”, nickte er sichtlich beeindruckt darüber, wie viel sie sich über ihre Kunden Gedanken macht, um ihnen den Einkauf so angenehm wie möglich zu gestalten.
 

“Fand ich auch und es kommt immer sehr gut an, weshalb ich das allzu gerne anbiete”, lächelte sie und diese Geste konnte ich nur erwidern.
 

“Ich ziehe mich schnell um”, meinte ich, denn ich sollte aus dem Kleid raus, bevor wir weiter ziehen konnten.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Während Jeanne in der Umkleide verschwand, wandte ich mich kurz der Verkäuferin zu. “Würden Sie das zweite Set ebenfalls bitte einpacken?”, fragte ich sie mit meinem besten charismatischsten Lächeln auf den Lippen.
 

“Sie wollen ihre Freundin damit überraschen?”, hakte sie nach und für einen kurzen Moment blinzelte ich bei ihrer Wortwahl. Schnell fing ich mich und nickte.
 

“Korrekt... ich möchte sie damit überraschen”, entgegnete ich und sie schien mit meiner Antwort zufrieden zu sein.
 

“Eine schöne Idee... ich werde die Rechnung fertig machen”, zwinkerte sie mir verschwörerisch zu.
 

Bevor ich überhaupt dazu kam zu reagieren, schritt sie rüber zur Kasse und machte sich demnach an ihre Arbeit. Leicht schmunzelte ich über ihre Euphorie und sah automatisch rüber zur Kabine, in der Jeanne noch drin war. Einen Moment überlegte ich, ob ich ihr noch aus den Schuhen helfen sollte, und lächelte bei der Erinnerung, dass sie sich wie Cinderella vor kam. Diese Idee war ziemlich absurd., amüsierte ich mich noch darüber, da es zu mir gar nicht passte ein ‘Prinz’ zu sein. Für gewöhnlich war ich eher das Gegenteil. Daher schlich sich noch ein weiteres Schmunzeln auf meine Lippen. Einmal mehr bemerkte ich, dass Jeanne ganz anders war. Sie dachte nicht wie die meisten und das war äußerst Besonders.
 

“Entschuldigen Sie, Miss?”, hörte ich plötzlich ihre Stimme und blinzelte leicht. “Könnten Sie mir kurz bei dem Reißverschluss helfen?”
 

Bei dieser Frage klappte mir glatt der Mund auf und meine Augen weiteten sich von ganz alleine. Damit war das Kopfkino eindeutig vorprogrammiert. Sie konnte doch nicht einfach aus ihrer Kabine dies einfordern. Eigentlich sollte sie doch wissen, dass nicht nur die Verkäuferin davor stehen könnte. Oder..., kam es mir in den Sinn und schwerer schluckte ich. Die Erkenntnis, dass es Jeanne durchaus bewusst war, dass jemand anderes davor stehen konnte, ließ meine Kehle trocken werden. Deshalb räusperte ich mich kurz. “Ähm... Jeanne... die Dame ist bereits an der Kasse”, erklärte ich vor der verschlossenen Kabine und musste echt aufpassen, ‘brav’ zu sein und mich ausnahmsweise wie ‘Prinz Charming’ zu benehmen.
 

“Oh”, kam es von ihr und kurz darauf lugte sie heraus. “Ähm... könntest du mir kurz dabei helfen?”, fragte sie etwas zögernder und mit roten Wangen.
 

“Ich?”, hakte ich nach und sie biss sich tatsächlich auf die Unterlippe. Diese Geste hatte so vieles an sich.
 

“Wäre toll... sonst komme ich nicht aus dem Kleid”, erklärte sie und es war mehr als logisch, dass sie anders nicht aus der Kleidung kommen könnte. “Du könntest sie... auch kurz bitten”, meinte sie nach einigen Momenten und da fasste ich einen Entschluss.
 

Ach scheiß drauf... sie wird definitiv mein Untergang sein!, schoss es mir durch den Kopf. Zustimmend nickte ich und trat von ganz alleine zu ihr in die Kabine, um ihr aus dem Kleid zu helfen.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Normalerweise hätte ich niemals meinen Kunden gefragt, ob er mir beim Reißverschluss helfen würde. Aber es fühlte sich in diesem Moment genau richtig an. Denn ich wüsste sonst nicht, wie ich aus dem Kleid raus kommen sollte. Zudem gefiel es mir irgendwie, ihn mit dieser Sache etwas heraus zu fordern. Außerdem wollte ich sehen, wie er damit klar kommen würde. Er war für mich noch nicht so leicht zu durchschauen. Vor allem eben weil er definitiv anders war, als meine eigentlichen Kunden. Mehr darüber nach denken konnte ich nicht, da er die Umkleide betrat und mich kurz ansah. Ohne ein Wort drehte ich mich um und er kam näher. Es war so, als würden wir keine Worte brauchen, um uns zu verstehen.
 

Vielleicht hatten wir genau deshalb diesen guten Draht zu einander. Er war mir gerade so nah, dass ich unbewusst die Luft anhielt. Seine Hand war an meinem Rücken und ich spürte, wie er sich dabei einiges an Zeit nahm. Weswegen es so war, konnte ich nicht sagen, da ich ihm nicht ansehen konnte, was ihm durch den Kopf ging. Aber in dem Moment war es mir egal. Stück für sich glitt der Reißverschluss nach unten und erst da holte ich einmal kurz Luft. Über die Schulter sah ich zu ihm und lächelte leicht. “Danke dir... ich beeile mich”, versprach ich ihm und merkte, wie seine Augen noch einige Sekunden auf meinem Rücken verweilten.
 

“Nur... kein Stress”, räusperte er sich und blickte kurz in meine Augen. Etwas Verspieltes und Neckisches blitzte in seinen auf. “Brauchst du noch Hilfe bei den Schuhen, Ella?”, fragte er doch tatsächlich und sofort musste ich los lachen.
 

“Ich komme klar, Charming”, konterte ich mit einem Zwinkern, was ihn zum Lachen veranlasste.
 

Amüsiert nickte er und verließ danach die Kabine. Auch wenn ich ihm ansehen konnte, dass er wohl noch geblieben wäre, wenn ich ihn gefragt hätte, so ließ er mir dennoch den Raum. Es überraschte mich definitiv. Im positiven Sinne, denn viele andere würden die Situation ausnutzen, aber er blieb trotz allem der Gentleman, den ich kennen gelernt hatte. Obwohl er eben auch gerne mal Sprüche brachte, so waren diese insgesamt nicht abgedroschen oder eben unangebracht. Im Gegenteil. Ich mochte dieses kleine Spiel mit ihm, indem wir uns gegenseitig forderten. Diese Dynamik war in meinen Augen ziemlich besonders und die würde ich mir nicht nehmen lassen.
 

Da ich nun alleine war, konnte ich aus dem Kleid schlüpfen. Dabei achtete ich darauf, dass nichts kaputt gehen konnte und hing es fein säuberlich auf. Danach löste ich den Verschluss an den Schuhen und schlüpfte aus diesen. Schnell zog ich mich wieder an und stieg in meine Schuhe, ehe ich die Heels anhob und auch das Kleid in die Hand nahm. Damit verließ ich die Umkleide und sah mich kurz um. Chiaki war gerade mit dem Rücken zu mir gewandt, weshalb ich mich leise an ihn schlich. Kurz blickte ich von der Seite, was er tat, und schmunzelte. Er schien auf sein Handy konzentriert zu sein. “Etwas Wichtiges passiert?”, fragte ich einfach ins Blaue hinein.
 

Kurz zuckte er zusammen und sah zu mir. “Ähm... wichtig wohl nicht”, entgegnete er und hielt mir sein Handy hin. “Eine weitere Mailanfrage, ob ich in New York noch zu einer weiteren Gala könnte”, erklärte er und ich überflog schnell die Zeilen.
 

“Ist es normal, dass du kurzfristig angefragt wirst?”, musste ich fragen, denn normalweise waren die Einladungen schon vor Wochen raus.
 

“Wenn die Veranstalter erfahren, dass ich in dem Zeitraum in der Stadt bin, dann ja... also hat mal wieder einer gepetzt”, schmunzelte er und sah kurz auf das Datum, ehe er den Kalender öffnete. “Hmmm... das könnte ich sogar unterbringen... würdest du mich begleiten?”, fragte er mich geschickt und sah mir dabei tief in die Augen. Wie sollte ich da noch nein sagen. Das war ein sehr guter Schachzug von ihm.
 

“Wohin denn?”, hakte ich nach und er erklärte mir, dass es eine der wichtigsten Galas in New York. Da waren alle, die Rang und Name hatten, aber auch viele kleinere Unternehmen, die auf diese Weise neue Geschäfte gepflegte. Nebenbei wurden Spenden gesammelt für mehrere Organisationen, die direkt in New York agierten und anderen halfen. “Überzeugt... du spendest auch, oder?”, musste ich einfach wissen und er nickte.
 

“Natürlich... immer, denn es gibt mehrere Einrichtungen, die anderen helfen und sie brauchen viel Unterstützung”, erklärte er mir und ich verstand das sehr gut. In Großstädten war das meist noch schlimmer als in kleineren Dörfern.
 

“Gut... dann werde ich mich auch beteiligen”, entschied ich und er lächelte mich an. Erst da schien er zu bemerken, dass ich eigentlich schon fertig war.
 

“Danke dir... ich schreibe die Zusage, sobald wir hier raus sind”, grinste er und steckte sein Handy in die Hosentasche. Sogleich nahm er mir Kleid und Schuhe ab. “Das hier... nehme ich”, zwinkerte er und ging einfach voraus zur Kasse, um der Verkäuferin alles in die Hand zu drücken. Sie lächelte, verpackte rasch die Schuhe und grinste, als ich dazu kam.
 

“Wundervoll... das Kleid werde ich noch auffrischen und danach wie besprochen schicke ich es an ihre Unterbringung”, sprach sie und dankbar nickte ich ihr zu. Scheinbar hatte Chiaki alles geklärt und sogar schon gezahlt, denn er bot mir seine Hand an, welche ich zu gern annahm, und zusammen verließen wir den Laden. Nun fehlte nur noch sein Anzug und ich wusste genau, wie dieser sein sollte. Er würde sicher verdammt gut darin aussehen, sobald wir fündig wurden.

Shoppingtour 3.0

“Mal sehen, ob wir einen guten Herrenausstatter finden”, sprach ich nach einer Weile, während wir die Straße weiter runter gingen.
 

“Da bin ich mir sicher”, entgegnete er und hatte meine Hand noch nicht los gelassen. Es war komisch, aber es fühlte sich gut an, weshalb ich nichts dazu sagte.
 

“Weißt du etwas, was ich nicht weiß?”, hakte ich nach und er grinste mich verschmitzt an.
 

“Oh ja... die Verkäuferin... sie hatte mir einen Tipp geben, bevor sie die Rechnung fertig gemacht hatte”, erklärte er und schmunzelnd blickte ich zu ihm.
 

“Ein Insider also”, gluckste ich und fand es gut, dass er sich informiert hatte. Es war sicher nicht so einfach, einen guten Laden zu finden, wenn man sich nicht gut vor Ort aus kannte.
 

“Nachdem sie so gut war bei der Beratung... dachte ich, dass sie vielleicht einen Kollegen empfehlen konnte”, meinte er.
 

“Verständlich... ist es weit entfernt?”, wollte ich wissen und er schüttelte den Kopf.
 

“Am Ende der Straße soll er sein”, antwortete er mir und leicht nickte ich zustimmend. Zusammen gingen wir weiter und kurz überlegte ich.
 

“Bevorzugst du eine Farbe, oder ist dir das egal?”, wollte ich von ihm wissen.
 

“Also eigentlich bevorzuge ich schwarz... aber in diesem Fall war das nicht möglich”, kam es von ihm und darüber musste ich leise lachen. Es stimmte. Diesmal konnte er nichts Schwarzes tragen. Es war nur rot oder weiß möglich, um dem Motto gerecht zu werden.
 

“Vertraust du mir bei der Auswahl?”, musste ich einfach bei ihm fragen.
 

“Ich denke, du wirst überrascht sein, wenn ich sage, dass ich das wirklich tue... deshalb bin ich nun gespannt, was dir durch den Kopf geht. Dir war vorhin direkt klar, dass du ein rotes Kleid tragen wolltest”, sprach er offen diese Tatsache an.
 

“Oh ja... denn ich eine kleine Vision im Kopf”, zwinkerte ich ihm zu und er grinste verschmitzt.
 

“Nun bin ich neugierig”, meinte er sichtlich amüsiert.
 

“Kannst du gerne sein”, kam es geheimnisvoll von mir, denn ich werde es ihm sicher nicht verraten.
 

“Du gibst mir keinen Tipp?”, hakte er nach und ich schüttelte schnell mit meinem Kopf. Definitiv würde ich dies nicht tun. Ich wollte seinen Gesichtsausdruck sehen, sobald ich das gefunden hatte, was ich mir vorstellte. “Okay... dann sehen wir mal... da vorne soll es sein”, somit deutete er auf den Laden, der von außen genauso unscheinbar war, wie die niedliche Boutique zuvor.
 

“Lass uns reingehen”, beschloss ich und ging voraus.
 

Nur wenig später folgte er mir und wir sahen uns drinnen um. Es war ein kleiner und feiner Laden. Mehrere Anzüge, Hemden, Hosen und Westen waren fein säuberlich aufgereiht. Mir fiel sofort auf, dass es gemütlicher war. Bei den Umkleiden waren zwei Sessel und ein Sofa. Dazu ein kleiner Tisch, auf dem Zeitungen und Zeitschriften drauf lagen. Man konnte sich wirklich wohl fühlen und das ließ mich lächeln. Kein Wunder, dass die Dame uns diesen Laden empfohlen hatte. Sie hatte sofort gemerkt, was wir wollten und vor allem brauchten. Unglaublich, wie gut sie uns einschätzen konnte. Das lag mit Sicherheit an ihrem Beruf, den sie sichtlich mit viel Hingabe und Leidenschaft machte.
 

“Sieht schon mal gut aus mit der Auswahl”, holte mich Chiaki aus meiner Bewunderung heraus. Meinen Blick wandte ich zu ihm und lächelte leicht.
 

“Stimmt... ich bin mir sicher, dass ich hier genau das Richtige für dich finden würde”, zwinkerte ich ihm zu.
 

“Ich bin gespannt, was du dir für mich ausgedacht hast”, grinste er mich leicht verschmitzt an. Das hatte etwas Spielerisches an sich, aber es sah auch sexy aus. Dieser Mann war definitiv genau das, was ich normalerweise bevorzugte.
 

“Hmmm... sollen wir uns mal umsehen?”, fragte ich ihn und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Ich darf also mit dir herumstöbern?”, konterte er und ich konnte nicht anders als zu kichern.
 

“Klar... vielleicht fällt dir etwas ins Auge, was dir gefallen würde”, entgegnete ich geschickt. Er konnte ruhig denken, dass er da irgendwie eine Mitsprache hatte. Die Wahrheit kannte ich, denn ich allein würde sein Outfit wählen.
 

“Hm... lass uns mal sehen, was wir finden können”, beschloss er und ich nickte zustimmend.
 

Jedoch kamen wir nicht weit, denn ein Verkäufer wurde auf uns aufmerksam. Er kam mit einem Lächeln zu uns und stellte sich kurz vor, ehe er fragte, wonach wir suchten. Da ich schon etwas im Kopf hatte, sprach ich und es war deutlich zu sehen, dass er es amüsant fand, als ich ihn aufklärte. Leicht nickte er und sah kurz zu Chiaki. “Verstehe ich das Richtig... ein weißer Anzug mit einer roten Krawatte und einem Einstecktuch?”, hakte er nach und wie von selbst nickte Chiaki bestätigend. Ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen.
 

“Die Dame hat gesprochen”, pflichtete er demnach meiner Bestellung bei.
 

“Gut... wir hätten mehrere Ausführungen”, meinte der Verkäufer und deutete uns an, ihm zu folgen. Der Laden war wirklich sehr gut aufgebaut. Die Anzüge waren nach Farben sortiert, damit sich jeder schnell und einfach zurecht finden konnten. Schließlich konnten man nicht mehrere Kunden zeitgleich bedienen und auf diese Weise war gewährleistet, dass die Kunden schon einmal einen Blick auf die Auswahl hatten.
 

“Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele verschiedene weiße Anzüge gäbe”, gestand Chiaki, nachdem wir die fein säuberlich eingereihten Anfertigungen gesehen haben.
 

Einige waren sogar aus gestellt auf den Typischen Modepuppen. Dadurch bekam man einen sehr guten Eindruck, wie es wirken sollte. “Am besten... Sie ziehen einige Modelle an, denn angezogen sieht alles nochmal anders aus als auf den Bügeln”, sprach der Verkäufer und das war ein sehr guter Rat.
 

“Gute Idee... auf alle Fälle eine schlichte weiße Anzugshose... mit einem Stoff, in dem du dich wohl fühlst, Chiaki”, lächelte ich ihn an und sah kurz zu mir, ehe er sich an den Verkäufer wandte.
 

“Haben Sie eine entsprechende Hose da, die elegant und mit einer anderen Farbe kombinierbar wäre?”, fragte er nach.
 

“Ah... Sie denken gleich praktisch... vom Stoff her haben wir hochwertige Leinen, die mit Seide aufbereitet wurde. Ein wundervolles Tragegefühl, besonders im Sommer”, erklärte er und wandte sich zu den Hosen, wo er bereits mehrere heraus zog. Dabei waren drei unterschiedliche Weißtöne dabei. “Probieren Sie diese an. Falls eine ihnen gefällt, bringe ich ihnen das passende Hemd dazu und die Krawattenauswahl”, schlug er vor und Chiaki nickte.
 

“Die Wahl gefällt mir schonmal und der Stoff ebenfalls”, merkte er an und ich lächelte. Definitiv hatten wir hier ebenso einen großartigen Verkäufer, der genau wusste, was er tat.
 

“Das ist gut”, merkte ich an und er zwinkerte.
 

“Ich ziehe mich mal an”, sprach er aus und ging zu den Umkleiden, um sich an zu ziehen. Kurz sah ich ihm nach und lächelte etwas.
 

“Sie haben eine klare Vorstellung?”, wurde ich vom Verkäufer gefragt und zustimmend nickte ich.
 

“Korrekt... wir gehen zusammen aus... und mein Kleid ist in einem angenehmen dunkleren Rotton, aber nicht zu dunkel”, erklärte ich ihm und er überlegte einen Moment.
 

“Dann... hole ich die Krawatten mit dieser Farbpalette”, lächelte er zwinkernd und ging rüber zu diesem Bereich.
 

Der Verkäufer gefiel mir sehr gut. Das würde ich ihm auch später sagen. Es kam selten vor, dass man solch gute Leute fand. Einen Moment sah ich mir noch die Schnitte der Westen und Sakkos an. Dabei fiel mir einer besonders auf. War nur fraglich, ob es mit der Hose zusammen passen würde. Leicht blickte ich zu den roten Westen und überlegte. Es könnte durchaus gut zusammen passen, aber ich war mir nicht sicher. Vermutlich würde ich Chiaki bitten beides an zu ziehen, um es zu betrachten. Angezogen wirkte vieles so anders, weshalb er wohl nicht drum herum kommen würde, alles an zu probieren, was ich ihm geben würde. Einige Momente war ich noch auf die Kleidungsstücke konzentriert und blinzelte, als ich ein Räuspern hinter mir hörte.
 

Wie von selbst drehte ich mich zu dem Geräusch um und bekam riesige Augen. Da stand Chiaki doch tatsächlich vor mir und hatte nur die Hose an. Damit hatte ich freie Sicht auf seinen freien Oberkörper. Bei solch einem Anblick konnte man definitiv nicht wegsehen, weshalb ich ihn genaustens musterte. Natürlich hatte ich schon zuvor so gesehen, doch da hatte ich mir die Zeit nicht genommen, dies zu tun. Aber gerade wollte ich das unbedingt tun, auch wenn mir bewusst war, dass er das voll und ganz mit bekommen hatte. Die Bestätigung dazu bekam ich, als ich direkt in seine Augen blickte. Ein Grinsen lag auf seinen Lippen.
 

“Sieht es gut aus?”, fragte er wohlwissend, dass ich dies bejahen würde.
 

“Mehr als gut”, rutschte es mir heraus und sein Grinsen wurde eine Spur breiter.
 

“Dann ist gut... die Hosen sind perfekt im Schnitt”, berichtete er mir und leicht nickte ich nur, weil ich gerade nicht anders reagieren konnte. “Die hier wäre von der Farbe her mein Geschmack”, fügte er an und erst jetzt betrachtete ich die Hose näher als seinen Oberkörper.
 

Diese saß wahrlich perfekt an seinem Körper. Bei der Frage war ich mir nicht klar, wie man sie genau bezeichnete. Doch es war egal, wie die Farbe hieß. Sie stand ihm und das allein war das Wichtigste. “Stimmt... die Farbe passt zu dir”, stimmte ich ihm zu und überlegte. “Es ist nicht Weiß Weiß, oder?”, überlegte ich laut.
 

“Gut erkannt, junge Dame”, kam es von der Seite und ich blickte rüber. Der Verkäufer lächelte und hatte mehrere Krawatten in einem Behältnis bei sich. “Es ist Ivory... oder auch Elfenbein genannt”, erklärte er lächelnd.
 

“Ah... ist es demnach ein reineres Weiß?”, überlegte ich und er nickte.
 

“Genau... so könnte man das sehen”, sprach er aus und Chiaki grinste bei diesem Gespräch. “Die Hose sitzt sogar sehr gut”, bemerkte er.
 

“Ja... Sie haben meine Größe gut geschätzt”, merkte Chiaki an und ich musste zugeben, dass es stimmte.
 

“Mit den Jahren kann man das gut erkennen”, kam es von dem älteren Herrn, denn er war definitiv älter als wir. “Und die Farbe sagt Ihnen auch zu?”
 

“So ist es... es wäre also gut, wenn das Hemd und das Sakko darauf angepasst wären”, antwortete Chiaki direkt.
 

“Das Hemd werde ich gleich holen... Sie können schon bei den Krawatten schauen, ob der Farbton dabei ist”, lächelte er und zustimmend nickte ich.
 

“Das machen wir, danke”, lächelte ich und reichte mir die Schachtel. Danach ging er los, um das Hemd zu holen. “Also... wollen wir sehen, welche Krawatte zu meinem Kleid passen würde?”, fragte ich ihn und Chiaki nickte.
 

“Unbedingt”, antwortete er und trat dichter neben mich, um mit mir gemeinsam die Krawatten zu betrachten.
 

Unweigerlich spürte ich seine Wärme und sein männlicher Duft stieg mir in die Nase. Es war ein wenig ablenkend, weshalb ich mir auf die Unterlippe biss. Der Versuch tiefer durch zu atmen, erwies sich als kleiner Fehler, denn sein Geruch war umso stärker in meiner Nase. “Mmmh... was meinst du?”, brachte ich irgendwie hervor.
 

“Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke die drei hier wären ähnlich von der Farbe deines Kleides, oder?”, kam es ehrlich über seine Lippen und ich blickte erst zu ihm, ehe ich wieder zu dem Stoff vor uns sah.
 

“Stimmt... wobei diese beiden perfekt zum Kleid passen würden”, erklärte ich ihm. Der einzige Unterschied zwischen diesen war der Stoff.
 

“Gut... dann nehme ich am besten beide mit”, beschloss er und klang dabei sehr sicher.
 

“Wirklich beide?”, hakte ich nach.
 

“Klar... die würden sehr gut zu meinen schwarzen Anzügen passen... also kann ich sie auch künftig verwenden... genau wie die Hose”, erklärte er mir und seine Argumentation war einleuchtend für mich. Seine Ansicht gefiel mir, denn ich achtete ebenso darauf, dass ich die Sachen öfters tragen würde.
 

“Okay... dann nehme ich die beiden heraus und lassen sie zurück legen”, lächelte ich und blickte zu ihm. Sein Lächeln war unglaublich schön. Noch wollte ich etwas sagen, doch so weit kam ich nicht, da der Verkäufer zurück war.
 

“Wie ich sehe... sind Sie fündig geworden?”, fragte dieser und Chiaki erklärte ihm, dass er die beiden Krawatten nehmen würde. Zufrieden nickte der Verkäufer und reichte Chiaki ein Hemd. Es passte farblich sehr gut zur Hose. Das war wieder einmal sehr gut ausgesucht.
 

“Danke... mal sehen, ob das Hemd passt”, meinte er und zog es sich gleich über. Ganz automatisch beobachtete ich ihn dabei und benetzte meine Lippen. Es sollte definitiv verboten werde, so gut aus zu sehen. “Hmmm... sieht sehr gut aus... wobei ich mir nicht sicher bin... ob es hier zu sehr spannen könnte”, gab er zu und zeigte die Stellen.
 

“Das könnte vermutlich stimmen... eine kleine Nummer größer, müsste das Problem lösen”, sprach der Verkäufer und holte ein neues Hemd, damit Chiaki es wechseln konnte. Es dauerte nicht lange und zufrieden nickte Chiaki.
 

“Jetzt fühlt es sich besser an... was meinst du, Jeanne?”, fragte er mich.
 

“Es sieht absolut perfekt aus”, antwortete ich ihm und überlegte kurz. “Was meinst du... mit Weste oder ohne?”, fragte ich ihn, da ich diesbezüglich einfach nicht sicher war.
 

“Oh... darf ich das denn entscheiden?”, entgegnete er sichtlich amüsiert. Daher grinste ich ihn an und nickte leicht.
 

“Bei dieser Frage ja”, antwortete ich und er überlegte.
 

“Mit Weste wäre es eleganter... und im Notfall könnte ich das Sakko auslassen”, teilte er seine Überlegung mit mir und es klang sehr plausibel.
 

“Gut... nur die Frage wäre nun... ebenso in Ivory oder doch in Rot?”, grübelte ich und konnte ihm ansehen, dass er kurz überrascht war.
 

“Rot... das wäre gewagt...”, kam es von ihm.
 

“Doch es würde Ihnen stehen”, kam mir der Verkäufer zuvor, denn ich fand auch, dass es ihm durchaus stehen würde.
 

“Würde ich auch sagen, dass es dir stehen würde”, lächelte ich ihn an und er schien zu überlegen.
 

“Könnte ich beide Varianten anprobieren?”, fragte Chiaki und der Verkäufer nickte.
 

“Natürlich... ich hole Ihnen mehrere Westenausführungen in beiden Farben”, sprach er und eilte schon davon. Blinzelnd sah ich ihm nach, während er mehrere Sachen griff. Scheinbar hatte er meine Überlegungen mit auf genommen, da er auch etwas außergewöhnlicheres mit aus wählte.
 

“Du bist dir sicher, dass eine rote Weste passen würde?”, hörte ich plötzlich Chiaki neben mir.
 

“Ja... ich denke, es würde gut passen, wenn es mit der Krawatte abgestimmt ist”, erklärte ich ihm, wie ich zu der Annahme kam, dass eine rote Weste ebenso passen könnte wie eine Weiße.
 

“Solch eine Kombination hatte ich noch nie”, meinte er mit einem leicht schiefen Lächeln.
 

“Bist wohl kein Weißtyp oder?”, grinste ich etwas und amüsiert lachte er leise.
 

“Absolut... Blautöne, Rottöne, Schwarz und Grau sind eher die Farben, die meine Anzüge haben”, gestand er ehrlich und das kannte ich bereits von den anderen Männern. Das waren nun mal die gängigsten Farben.
 

“Nicht viele Männer können weiß tragen... aber dir steht das sehr gut... und die Kombination mit dem Dunkelrot wäre bei dir super”, sagte ich, griff nach eine der Krawatten, die wir zuvor ausgesucht hatten, und stellte mich vor ihn. Geschickt band ich diese und lächelte, als ich es enger zog. “Das sieht sehr gut aus”, lächelte ich und sah auf. Direkt in seine Augen.
 

“Danke dir”, raunte er und blickte mich so intensiv an, dass eine Gänsehaut überall auf meinem Körper entstand. Meinen Blick konnte ich einfach nicht abwenden. Es war mal wieder einer dieser Momente zwischen uns, die mehr als magisch waren. Wie von selbst hob er seine Hand und legte eine meiner Haarsträhne hinters Ohr.
 

“Jederzeit”, entgegnete ich ihm und lächelte. Ein paar Augenblicke verstrichen, ehe wir etwas Abstand zueinander nahmen. Schließlich waren wir nicht mehr alleine, denn kurz darauf war der Verkäufer wieder zurück.
 

“Hier wären drei Ausführungen... eine hochgeschlossene Weste, eine mittlere und eine tiefere”, erklärte dieser und ich betrachtete die drei Westen. Die Ausführungen hatte er sowohl in Ivory als auch in Rot dabei.
 

“Am besten... einmal alle anprobieren und im Spiegel ansehen”, schlug ich ihm vor und deutete zu den weißen. “Beginne damit”, meinte ich, denn er würde schnell merken, dass es nicht ganz passen würde.
 

“Okay... Ich traue dir mal mit der Reihenfolge”, antwortete er mir, nahm eine Weste und zog sie an. Er schloss diese und richtete sich dem Spiegel zu.
 

Tatsächlich würde ich ihm bei der Wahl der Weste nicht reinreden und war gespannt, für welche er sich entscheiden würde. Nach und nach zog er die Westen an und ich beobachtete ihn genau dabei. An seiner Mimik und Gestik konnte ich sehen, was ihm gefiel und zusagen würde. Bei der tief geschlossenen Weste betrachtete er sich länger im Spiegel. Es war gut, dass ich ihm die Krawatte gebunden hatte, denn dadurch hatte er das Gesamtbild vor sich. “Und... wie fühlt es sich an?”, wollte ich von ihm wissen und er drehte sich zu mir um, damit ich ebenso einen guten Blick auf ihn hatte.
 

“Was... meinst du?”, stellte er die Gegenfrage und einen Moment überlegte ich, während ich meinen Blick über seinen Körper gleiten ließ. Leicht nickte ich und blickte wieder auf.
 

“Die steht dir schon mal sehr gut... die anderen Westen sind eher... altmodischer und das passt nicht zu dir”, zwinkerte ich ihm zu.
 

“Gut... da sind wir einer Meinung”, grinste er, da ihm dieser Westenschnitt am besten gefiel. Kurz überlegte er und sah zum Verkäufer. “Die Rote probiere ich gleich in dem Schnitt”, entschied er gleich.
 

Seine Skepsis hörte ich doch noch aus seiner Stimme, aber ich war mir sicher, dass er sich überzeugen lassen würde, sobald er die rote Weste an hätte. Gespannt sah ich ihm zu, wie er sich die hellere Weste aus zog und diese auf einen Bügel zurück hing. Der Verkäufer hielt ihm die rote Weste hin, damit er hinein schlüpfen konnte. In dieser Kombination sah er wahrlich zum Anbeißen aus. Der Anblick war mehr als heiß und sexy und ich musste ziemlich aufpassen, nicht noch weiter mit meinen Gedanken ab zu driften. Das war alles andere als professionell von mir. Ich war so darin beschäftigt, dass ich nicht bemerkt hatte, dass Chiaki mich fragend anblickte.
 

“Jeanne?”, hörte ich meinen Namen und blinzelte leicht, während ich zu ihm blickte.
 

“Hm?”, kam es wahrlich geistreich mir über die Lippen.
 

“Was sagst du dazu?”, fragte er sichtlich amüsiert von meiner Reaktion. Durch seine Frage betrachtete ich ihn eingehender und schluckte leicht. Meine Kehle war bei dem Anblick wieder trocken.
 

“Mmmmh... das sieht heiß aus”, sagte ich das Erste, was mir durch den Kopf ging. Seine Mundwinkel zuckten, bevor er sich dem Verkäufer zuwandte.
 

“Ich denke... rot gewinnt”, meinte er lachend und der Verkäufer nickte zustimmend.
 

“Jedoch beim Sakko wäre ich wieder für Ivory”, grinste der ältere Herr und Chiaki nickte zustimmen.
 

“Da wäre ich auch dafür... was meinst du, Jeanne?”, richtete er die Frage an mich weiter.
 

“Oh ja... unbedingt Ivory”, bestätigte ich ihm und ich konnte ihm ansehen, dass er erleichtert durch geatmet hatte.
 

“Prima... damit hole ich das Sakko und das Anstecktuch passend zu der Krawatte und Weste?”, fragte dieser und ich nickte mechanisch. Chiakis Anblick in diesem eleganten Outfit hatte meinen Kopf gänzlich leergefegt. Nur noch heiß und sexy blieb darin hängen.

Miami erkunden

Während der Verkäufer die letzten beiden Sachen holte, um das Outfit perfekt zu machen, konnte ich nicht anders und bestaunte noch einmal Chiaki von oben nach unten. Dabei ging ich nicht sonderlich diskret um, denn ein Blick auf sein breites Lächeln zeigte mir, dass er durchaus diesen bemerkt hatte. Eindeutig... er wird mein Untergang sein..., schoss es mir durch den Kopf.
 

“Immer noch überzeugt, dass es die richtige Wahl ist?”, fragte er neckisch nach.
 

“Absolut!”, entgegnete ich ihm.
 

Dabei versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr er mich eigentlich aus der Bahn warf. Nicht nur sein Aussehen, sondern auch seine ganze Art und Weise. Er war genau mein Typ, aber das darf er niemals erfahren. Ansonsten würde dies vermutlich gegen mich verwendet werden. Auf der anderen Seite hatte es doch einen gewissen Reiz auf mich. Dadurch ritt ich mich wahrlich in eine verzwickte Lage. Innerlich musste ich stark dagegen ankämpfen, professionell zu bleiben. Trotz allem blieb dies mein Job und ich würde niemals etwas mit einem Kunden anfangen. Dringend musste eine Ablenkung her. Zum Glück kam der ältere Herr wieder und kleidete Chiaki fertig an. Diesen Umstand nutzte ich, um meine Gedanken besser ordnen und sortieren zu können.
 

Erleichtert darüber atmete ich durch und beobachtete die beiden Herren. Der Verkäufer war voll und ganz in seinem Element. Das freute mich sehr. Es war heutzutage wahrlich eine Seltenheit, so oft, wie ich es in letzter Zeit miterlebt hatte. Chiaki konnte ich deutlich ansehen, dass ihm der Anzug immer mehr zusagte. Wo zuvor noch Skepsis war, war nun etwas anderes in seinem Blick. Ehrlich gesagt war ich mir anfangs ebenso wenig sicher, ob er das tragen könnte. Das Gesamtpaket jetzt zu sehen, bestärkte mich, dass er alles tragen könnte und immer noch unverschämt heiß aus sehen würde. NEIN, NEIN, NEIN!, ermahnte ich mich sofort, als meine Gedanken wieder abdrifteten. Kurz schüttelte ich den Kopf und war froh, dass die beiden nichts mit bekommen hatten.
 

“Wäre es möglich, den Anzug liefern zu lassen?”, hörte ich Chiakis Stimme und war dadurch zurück in der Gegenwart.
 

“Natürlich... dafür brauche ich nur die Adresse”, antwortete der Verkäufer und erneut musste ich staunen, dass es diesen Service auch hier gab.
 

“Perfekt... ich ziehe mich schnell um und dann klären wir alles weitere”, sprach Chiaki lächelnd aus und der ältere Herr nickte zustimmend.
 

“Genauso machen wir das”, bestätigte dieser und leicht lächelte ich, da sie das sehr gut im Griff hatten.
 

“Bin gleich wieder da, Jeanne”, meinte Chiaki an mich gewandt und ich nickte.
 

“Keine Eile”, zwinkerte ich und sah ihm kurz nach, während er in die Umkleide zurück kehrte.
 

Danach sah ich zum Verkäufer, der die anderen Teile schon zusammen räumte, die nicht mehr benötigt wurden. Dabei half ich ihm und nutzte den Moment, denn ich wollte Chiaki etwas besorgen. Ich wusste, wie ungern er seine Anzüge trug, deshalb wollte ich ihm eine Alternative bieten. Durch meine Wahl für ihn, schien er darauf zu vertrauen, dass ich ein Auge dafür hatte. Schnell weihte ich ihn in meinen Plan ein und er grinste etwas, ehe er nickte und mir die Möglichkeiten zeigte. Sogleich wählte ich drei neue Hemden in unterschiedlichen Farben, sowie Westen. “Eine gute Wahl”, merkte er an, denn es war eine zeitlose Kombination, die ich gewählt hatte.
 

“Finde ich auch... können sie es ebenso an die Adresse liefern, nur die Zahlung übernehme ich”, erklärte ich ihm und er nickte leicht. “Danke... das soll eine Überraschung werden”, fügte ich an und entdeckte das Grinsen auf dem Gesicht des Verkäufers bei meinen Worten.
 

“Das ist schön, dass sie ihrem Freund eine Freude bereiten wollen”, kam es von ihm. Blinzelnd sah ich ihn an und wollte ihm soeben widersprechen, doch da verschwand er schon. Vermutlich um meine Extrabestellung zusammen zu stellen.
 

“Oh man”, seufzte ich sehr leise und war mir sicher, dass uns wahrscheinlich jeder als Paar an sahen. Damit musste ich wohl irgendwie umgehen. Es gab definitiv schlimmeres, jedoch musste ich das wohl Chiaki beichten, sobald er aus der Kabine raus wäre. Kaum hatte ich den Gedanken gefasst, schon hörte ich, wie er aus der Umkleide und somit zu mir kam.
 

“Erstaunlich, dass du es geschafft hast, mich von einem weißen Anzug zu überzeugen”, meinte er und ich schmunzelte etwas bei diesen Worten.
 

“Du kannst es eben tragen”, entgegnete ich ihm grinsend und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Zwar hätte ich das niemals gedacht, aber es scheint tatsächlich so zu sein”, kam es hörbar selbstbewusst von ihm. Eindeutig hatte dies sein Ego gepuscht und ich war mir sicher, dass er das in den nächsten Tagen uns spüren lassen würde. Aber ich gönnte ihm das. Es machte ihn ein wenig menschlicher, auch wenn es komisch klingen mag.
 

“Absolut... ich bin schon gespannt, was Mato und Miya dazu sagen werden”, grinste ich etwas und er lachte herzhaft.
 

“Die werden staunen... aber verrate ihnen nichts bis zur Gala”, bat er mich und diesmal musste ich lachen.
 

“Alles klar... und nun solltest du dein Outfit auch bezahlen”, zwinkerte ich ihm zu und er grinste.
 

“Stimmt... das sollte ich tun... magst du schon mal schauen, ob es in der Nähe ein Café gibt?”, bat er mich und sofort nickte ich zustimmend.
 

Somit war die Aufgabenteilung klar und er ging mit seinem Anzug zur Kasse. Der Verkäufer war nur wenige Minuten später bei ihm und kümmerte sich fachgerecht um die Verpackung der Kleidungsstücke. In der Zwischenzeit holte ich mein Handy heraus und suchte nach einem Café, welches nicht allzu weit von dem Herrenausstatter war. Kurz überblickte ich die Auswahl und schmunzelte. Drei würden in Frage kommen und das müsste ich mit Chiaki abklären, in welches er lieber gehen würde. Rasch hatte ich die Auswahl markiert und blickte kurz auf, um nach zu sehen, wie weit er war. Gerade schien er die Zahlung zu tätigen und leicht schmunzelte ich, da er definitiv nicht ahnte, dass ich ihn überraschen wollte. Das war sehr gut.
 

“Alles erledigt?”, fragte ich ihn, da er wieder bei mir war.
 

“Jup... der Anzug wird geliefert und wir haben doch tatsächlich die Outfits schon besorgt”, staunte er und ich schmunzelte leicht bei seiner Feststellung.
 

“So ist es... und es ist kurz nach Mittagszeit”, entgegnete ich ihm und zustimmend nickte er.
 

“Deshalb auch das Café”, zwinkerte er.
 

“Ah... dann ist es ja gut, dass wir drei zur Auswahl haben”, grinste ich ihn an und tippte auf dem Handy die drei Möglichkeiten ein, die wir hatten.
 

“Das ist sehr gut... kann man bei allen drei eine Kleinigkeit essen?”, wollte er wissen.
 

“Soweit ich gesehen habe, ja”, antwortete ich ihm und leicht nickte er zustimmend.
 

“Perfekt... lass uns gehen”, zwinkerte er direkt und wir verließen den Laden, nachdem wir uns verabschiedet hatten.
 


 

Eine halbe Stunde später saßen wir in einem kleinen Café direkt am Strand. Es war wundervoll und der Ausblick wahrlich ein Traum. Wie von selbst hatte Chiaki ein üppiges verspätetes Frühstück bestellt. Gerade erhielten wir unseren Kaffee und genüsslich nippte ich daran. “Mmmmh... das tut jetzt sehr gut”, kam es mir ehrlich über die Lippen und er lachte herzhaft auf.
 

“Du sprichst mir aus der Seele”, merkte er an und brachte mich zum Kichern.
 

Es dauerte nicht lange, bis wir unser Essen erhalten hatten. Die Portion war mehr als ausreichend für zwei Personen. Wie von selbst leckte ich mir bei dem Anblick über die Lippen. Definitiv lief mir gerade das Wasser im Mund zusammen. Es war alles dabei, was das Herz begehrte. Von herzhaft bis süß und die Wahl, was ich zuerst nehmen wollte, fiel mir absolut nicht einfach. “Hmmm... was nehme ich denn?”, überlegte ich lauter und blinzelte, als sich ein Croissant in meinem Blick auftauchte. Sogleich sah ich auf und bemerkte, dass Chiaki mich lächelnd anblickte.
 

“Wie wäre es damit?”, bot er mich an und schmunzelnd nahm ich das Gebäck entgegen.
 

“Danke... das ist genau das Richtige!”, strahlte ich ihn an und er zwinkerte mir zu.
 

“Das dachte ich... nach so einem Shoppingtag braucht man viel Zucker”, erklärte er und genüsslich biss ich in mein Croissant. Dahingehend konnte ich ihm nur zustimmen.
 

“Absolut... lass es dir ebenso munden”, lächelte ich leicht, nachdem ich meinen Biss runter geschluckt hatte.
 

“Das werde ich tun”, bestätigte er und nahm sich eines der Brötchen, um sich dieses zu belegen.
 

Beim Essen unterhielten wir uns erst über das Wetter, welches in den nächsten Tagen sein würde, danach über die Arbeit, was noch anstehen würde, und schließlich darüber, was wir mit dem abgebrochenen Tag tun würden. Dieser Smalltalk half mir ungemein, um mich ab zu lenken und meinen Kopf von dem Gedanken zu lösen, welche mir beim Einkaufen in den Sinn kamen. Zudem hatte Chiaki Miyako und Yamato kontaktiert, um heraus zu finden, wie weit sie wären. Abhängig davon würden wir den Abend später mit den Beiden oder alleine verbringen. Bis zu ihrer Antwort würden wir unser Essen beenden und ein wenig mehr die Gegend erkunden. Eine größere Sightseeingtour würden wir jedoch am nächsten Tag machen. Er war der Meinung, dass dies dazu gehörte, wenn ich noch nie in der Stadt war.
 

“Und wir haben sicher die Zeit dafür?”, hakte ich nach, da ich nicht zu meinem Vergnügen in Miami war.
 

“Natürlich... so schnell und effizient, wie wir schon in den letzten Wochen zusammen gearbeitet haben, haben wir mehr als genug Zeit”, zwinkerte er mir zu.
 

“Okay... aber erst die Arbeit”, bestand ich und seine Mundwinkel zuckten bei meinen Worten.
 

“Sicher doch”, grinste er mich an und einen kurzen Moment war mir nicht klar, was er genau damit meinte.
 

“Gut... das Essen war köstlich, auch wenn etwas zu viel”, merkte ich an und er schmunzelte leicht.
 

“Wohl wahr... aber wir können uns etwas für unterwegs mitnehmen”, überlegte er. “Ein kleiner Snack zwischendrin wäre absolut nicht verkehrt, oder?”
 

“Nun... da könntest du recht haben”, antwortete ich ihm und fand seine Idee gut. Besonders wenn ich bedachte, dass wir ein wenig die Gegend ansehen wollten.
 

“Dann machen wir das doch”, meinte er und machte sich bereits ein Brötchen fertig. Schmunzelnd nahm ich mir ein Croissant und schnitt es mir auf, um etwas von der Nutella auf zu streichen. Normal würde ich dieses Tunken, doch unterwegs war es mehr als schwer, dies zu tun.
 

Nachdem wir fertig waren, bat Chiaki um zwei Frühstücksbeutel, damit wir unser Essen einpacken könnten. Dabei beglich er die Rechnung sofort und wir verließen das kleine Café. Unseren kleinen Proviant hatte ich in meine größere Handtasche gepackt, die ich dabei hatte, sobald ich unterwegs war. Gemeinsam mit ihm ging ich die Straßen entlang und nach nur wenigen Schritten war unsere Unterhaltung locker und angenehm, wie die Male zuvor. Mit ihm war es absolut einfach sich zu unterhalten. Viele Themen interessierten uns beide, weshalb wir ziemlich schnell bei der Architektur im Allgemeinen landeten. Daher nutzte ich den Moment und wir besprachen die Restaurierungsmöglichkeiten.
 

Tatsächlich konnte ich da nicht aus meiner Haut und schwärmte von den neumodischen Variationen, aber auch von den alten und vor allem denkwürdigen Baumethoden. Es machte sehr viel Spaß mit ihm darüber zu reden und er brachte ebenso interessante Ideen mit ein. An seiner Seite war es unglaublich angenehm und die Gespräche brachten mich in Topform. Lächelnd hatten wir uns im Park an eine Bank gesetzt und verputzten unser Essen, als Chiaki eine Nachricht auf dem Handy erhielt. “Oh... scheinbar hat Mato meine Nachricht endlich gelesen”, lachte er amüsiert und kichernd biss ich in mein Croissant.
 

“Und... was schreibt er?”, fragte ich neugierig nach, als ich herunter geschluckt hatte.
 

“Sie sind erst jetzt fertig geworden mit dem Shoppen... jedoch sind sie weiter weg, daher werden sie nicht mit uns Abendessen können”, erklärte er mir.
 

“Oh... wo sind sie denn hingefahren?”, blinzelte ich sichtlich verwundert über die Worte.
 

“Eine gute Stunde von hier entfernt”, meinte er und leicht legte ich den Kopf schief, während ich mich an eine Sache erinnerte, die er mal davor erwähnt hatte.
 

“Warum denn? Weil sie hier überall Hausverbot haben?”, gluckste ich und kurz schien er verwirrt, doch dann lachte er augenblicklich los und grinste.
 

“Das nicht, aber in dem Laden, wo Miya gerne ihre Bikinis und Dessous kaufte... eben schon”, antwortete er mir zwinkernd und erneut klappte mir der Mund auf.
 

“Ernsthaft?”, musste ich einfach von ihm wissen.
 

“Tatsächlich... es war mehr als lustig”, merkte er an und neugierig sah ich ihn an.
 

“Erzähl!”, forderte ich ihn auf und er grinste leicht, ehe er anfing von dem Vorfall zu berichten. Dass das Ehepaar so auf einander fixiert war, hatte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Amüsiert lachte ich los. “Die Zwei sind regelrecht davon besessen überall Sex zu haben”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
 

“Oh wie zutreffend das ist”, entgegnete er lachend und tippte schnell Yamato eine Nachricht. “So... ich habe ihm nun geschrieben. Mal sehen, wann wir sie heute sehen”, grinste er leicht und kurz überlegte ich.
 

“Ich bezweifle, dass wir sie noch sehen werden”, amüsierte ich mich, denn so wie ich die beiden kennen gelernt habe, werden sie definitiv nicht mehr auf tauchen.
 

“Hmmm... das denke ich auch”, lachte er und steckte sein Handy weg, bevor er mich ansah. “Wie wäre es, wenn wir noch ein wenig Miami unsicher machen?”, schlug er mir vor und einen Augenblick war ich verwundert.
 

“Schlägst du mir etwa vor, einige Clubs auf zu mischen?”, entgegnete ich und er grinste.
 

“Wäre doch keine schlechte Idee”, zwinkerte er mir zu. Darauf antworten konnte ich jedoch nicht, da er mir zuvor kam. “Wie wäre es damit... wir gehen zuerst durch den Park rüber zum Restaurant, wo wir zu Abend essen können. Danach fahren wir zum Haus, machen uns frisch und sehen, worauf wir Lust haben”, schlug er vor.
 

Seine Worte ließ ich mir durch den Kopf gehen und überlegte. Es klang nach einer sehr guten Idee, obwohl ich aufpassen musste, mich nicht noch mehr hinein zu steigern. “Nun... das hört sich sehr gut an... also erst Spazieren gehen, danach essen und frisch machen, bevor wir sehen, was wir noch machen wollen”, fasste ich zusammen.
 

“Perfekt... dann lass uns los”, sprach er aus und erhob sich.
 

Sogleich reichte er mir seine Hand, um mir auf zu helfen. Lächelnd legte ich meine in seine und stand auf. Zustimmend nickte ich ihm zu. “Lass uns losgehen”, meinte ich und wir machten uns auf den Weg entlang des Parkweges.
 

Die Parkanlage war wunderschön und sehr gepflegt. Aber auch gut konzipiert. Neben der großzügigen Wiesenfläche gab es mehrere Wege und Pfade, die so gut es ging naturbelassen waren. Mehrere Bänke standen am Rand bereit, falls man sich hinsetzen und die Natur genießen wollte. Viele größere Bäume und kleinere Sträuche waren in Gruppen oder auch einzeln, ebenso waren Blumenbeete vorhanden und sogar ein paar Skulpturen. Es war einfach mehr als perfekt dort. Dabei hatte ich vergessen, dass meine Hand immer noch in Chiakis war. Diese Berührung war schon vollkommen normal geworden, weshalb mir das erst sehr spät auffiel. Verlegen biss ich mir auf die Unterlippe und überlegte, wie ich meine Hand zurück ziehen könnte ohne größeres Aufsehen zu erregen.
 

“Warst du schonmal in diesem Park?”, verwickelte ich ihn in ein Gespräch.
 

“In diesem Park ja, aber das ist der Vorteil hier. Sie haben jedes Mal etwas Neues. Die Blumenbeete wechseln sie alle drei Jahre aus oder machen neue dazu. Vor allem wenn ein besonderes Event ansteht”, antwortete er mir und interessiert fragte ich weiter nach.
 

Bei diesem Gespräch ließ er meine Hand von selbst los und kurz atmete ich durch, da ich das nicht machen musste. Aber schon einen Moment später vermisste ich die Berührung. Irgendetwas stimmte wirklich nicht mit mir. Ansonsten hatte mir das gar nichts aus gemacht, doch bei ihm schien alles ganz anders zu sein. Dennoch ließ ich mir nichts anmerken. Während wir unseren Weg zum Restaurant fort setzten, erklärte er mir, welche Events in dem Park aus gerichtet wurden. Es klang wahrlich vielfältig. Von Musikevents bis hin zu Food Street. “Ich könnte nach sehen, ob in den nächsten Tagen etwas Interessantes hier wäre und wir gehen gemeinsam wieder her”, schlug er vor und sofort nickte ich zustimmend.
 

“Das wäre echt cool”, entgegnete ich ihm und er grinste.
 

“Dann werde ich mich mal informieren”, lächelte er und deutete zu dem Weg, der raus aus dem Park führte. “Da müssen wir lang”, merkte er an.
 

Kaum verließen wir den Park, folgten wir der Straße weiter und kamen ein paar Minuten später an dem Restaurant an, welches Chiaki vorhin gemeint hatte. Es war keines dieser High Society, sondern eher einfach und gut bürgerlich wie man es so schön aus drückte. Tatsächlich war ich sehr froh darüber, dass es dort einen anständigen Burger und Pommes gab. Natürlich bestellte ich mir eine extra Portion und einen schönen kalten Milchshake. Den Blick von ihm bemerkte ich direkt, jedoch sagte er nichts dazu. Er bestellte sich dasselbe und blickte zu mir. Bevor er etwas sagen konnte, konnte ich es mir nicht verkneifen folgendes zu sagen: “Hey... es gibt nichts besseres.”
 

“Bist du dir da so sicher?”, grinste er mich leicht an und hatte die Bestellung abgegeben.
 

“Na klar... oder kennst du etwas Besseres?”, neckte ich ganz automatisch ihn und sein Grinsen wurde breiter.
 

“Oh ja... ich kenne vieles... aber wärst du auch bereit das aus zu probieren?”, stieg er voll mit ein und wie von selbst schluckte ich schwer.
 

Seine Worte klangen wie ein dunkles Versprechen, welches nur so von Versuchungen strotze. Für einen kurzen Augenblick wollte ich einfach meinem inneren Instinkt folgen und dem einfach nach geben. Schon öffnete ich meinen Mund, um darauf zu antworten, als wir von der Kellnerin unterbrochen wurden. Sie hatte soeben unsere Bestellung gebracht und fragte nach, ob wir noch etwas brauchen würden. Ganz automatisch atmete ich tiefer durch und ermahnte mich erneut. Denk an deine Regeln: Niemals etwas mit den Kunden anfangen. Das endet ansonsten nur im Chaos., wiederholte ich immer wieder im Kopf.
 

“Nein, danke... wir haben alles”, hörte ich seine Stimme und war wieder in der Gegenwart angekommen.
 

“Danke... wir sind versorgt”, bestätigte ich und schnappte mir eine Pommes, um sie in den Mund zu schieben.
 

Das Essen würde mich sicher gut ablenken, damit meine Gedanken ja nicht mehr zurück zu seinen vorherigen Worten wandern würden. Dass Chiaki mich ganz verwundernd ansah, ignorierte ich einfach, denn ansonsten würde ich noch schwach werden und das durfte auf gar keinen Fall passieren.

Versuchungen, wo man nur hinsieht

In der Tat war das Essen ein wahrer Genuss. Nicht nur weil es mich von meinen Gedanken abgelenkt hatte, sondern auch hatte ich gerade etwas verdammt Geiles zwischen die Zähne bekommen. Ich liebte Burger schon immer, obwohl das absolut nicht typisch für eine Japanerin war, die in Frankreich aufgewachsen war. Besonders konnte ich diesen nicht widerstehen, wenn sie so unglaublich köstlich waren wie diese hier. “Mmmmh... das ist wirklich mehr als lecker”, konnte ich mir mein Stöhnen nicht verkneifen.
 

“Ähm... ja... das sind mit die besten in der Stadt”, meinte er und ich konnte sehen, dass er schlucken musste. Doch warum er das tat, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt nicht ganz erklären. Jedoch hatte ich kaum darüber nachdenken können, denn das Gespräch wurde einfacher und dadurch war es wieder sorgloser. Die Spannung, die zuvor noch knisterte, war nicht mehr so stark präsent. Das war umso förderlicher, damit mein Kopf wieder klarer wurde.
 

“Wirklich?”, hakte ich nach und er nickte sofort. “Sollte ich mir also merken, falls ich noch einmal hier her kommen sollte”, fügte ich an und blickte zu ihm auf.
 

“Du... willst erneut nach Miami?”, kam es sichtlich erstaunt von ihm, weshalb ich schmunzeln musste.
 

“Na klar... die Stadt ist unglaublich”, lächelte ich ihn an.
 

“Obwohl du nur einen Teil davon kennst?”, lachte er leise und schien amüsiert zu sein.
 

“Klar... es ist so, als ob es ein Zeichen wäre... mehrere Besuche gewährleisten, dass ich alles von der Stadt kennen lerne”, zwinkerte ich ihm zu und sein Lachen wurde lauter.
 

“In der Tat”, merkte er an und aß weiter seinen Burger.
 

Genau wie ich. Natürlich aßen wir beide unser Essen auf die einzige mögliche Art und Weise: mit den Händen. Niemals würde ich verstehen können, wie man Burger mit Gabel und Messer essen konnte. Das war in meinen Augen eine Straftat. Daher war ich mehr als erleichtert, dass Chiaki das genauso sah wie ich. Genüsslich biss ich in den Burger und ignorierte gekonnt, dass ich mich dabei durch aus schmutzig machte. Gesicht und Finger konnte man schließlich problemlos waschen, ebenso wie die Kleidung. Daher kümmerte es mich recht wenig, wie sehr ich mich einsauen würde. Während ich kaute, hörte ich erneut sein Lachen und blickte leicht zu ihm. “Was ist?”, fragte ich direkt nach.
 

“Du bist wirklich anders”, lachte er und mehrmals musste ich blinzeln.
 

“In wie fern?”, hakte ich nach und er grinste nur als Antwort, was mich ehrlicherweise ziemlich wurmte.
 

“Ich kenne nur wenige Frauen, die einen Burger auf diese Weise verschlingen”, grinste er und ich zuckte nur mit den Schultern. Immerhin war es nicht mein Fehler, dass er nur wenige Damen kannte, die ‘normal’ waren. “Genau das meine ich”, grinste er mich an und ich konnte nicht anders als eine Augenbraue hoch zu ziehen. “Nun schau mich nicht so an... das war absolut positiv von mir gemeint”, kam es von ihm und ich konnte tatsächlich seine Ehrlichkeit in den Worten heraus hören. Obwohl ich etwas Negatives suchen wollte, so konnte ich nichts finden.
 

“Das will ich für dich hoffen”, beschloss ich ihm zu antworten und nahm den letzten Bissen. Ich musste mich etwas ablenken, bevor ich etwas Falsches sagen oder tun würde.
 

“Das kannst du!”, entgegnete er und aß seine Portion ebenso auf, bevor er seine Serviette nahm und seine Finger und den Mund etwas sauber machte.
 

Nachdem ich mein Essen ebenfalls fertig hatte, wischte ich mir über den Mund und die Finger. “Ich denke... Hände waschen müssten wir noch”, schmunzelte ich leicht.
 

“Wie wahr... das sollten wir”, grinste er leicht und überlegte. “Lass uns das gleich erledigen... dann kannst du überlegen, ob du noch einen Nachtisch möchtest”, schlug er vor und die Idee fand ich sehr gut.
 

“Alles klar... dann machen wir das so”, zwinkerte ich leicht und hatte wie von selbst mein Handy in die Tasche gepackt, um mit dieser zu den Toiletten zu gelangen. “Würdest... du mir zeigen, wohin ich muss?”
 

“Natürlich... ich bringe dich hin”, lächelte er, hatte sich ebenso erhoben und schritt voran, um mir die Räume zu zeigen, damit wir uns erfrischen könnten.
 

“Wie aufmerksam”, schmunzelte ich und er zwinkerte mir amüsiert zu.
 

“Bis gleich”, meinte er und verschwand hinter der Tür für die Herren.
 

Kurz wartete ich, bevor ich in die Damentoilette ging. Dort wusch ich natürlich zuerst meine Hände und meine Mundwinkel, da ich im Spiegel sehen konnte, dass da noch etwas von der Soße war. Ups... das sieht ja echt schlimmer aus als ein verschmierter Lippenstift., amüsierte ich mich leicht über mein Aussehen. Zum Glück war das kleine Problem schnell gelöst. Danach erfrischte ich mich und machte mein Make-Up neu, wobei es nur der Lippenstift war, den ich nachzog. Noch einmal prüfte ich mein Aussehen und verließ die Räume, um zurück zum Tisch zu kommen.
 

An diesem war Chiaki bereits da und irgendwie musste ich lächeln. “Entschuldige, falls du länger gewartet hast”, meinte ich, nachdem ich bei ihm war.
 

“Ach was... nur wenige Augenblicke”, grinste er und winkte gleich ab. Erleichtert lächelte ich und setzte mich wieder auf den Platz ihm gegenüber. “Also... Nachtisch?”, hakte er nach und leicht musste ich schmunzeln.
 

“Ehrlich gesagt bin ich mehr als satt und einen Nachtisch kann ich mir später immer noch holen”, antwortete ich ihm.
 

“Hmmm... gut... dann besorgen wir uns später etwas”, grinste er und erhob sich. “Sollen wir schon gehen, oder magst du noch etwas sitzen bleiben?”, überließ er mir die Wahl und das war ziemlich lieb von ihm.
 

“Von mir aus können wir schon zurück zum Wagen gehen”, lächelte ich ihn an und er nickte zustimmend.
 

“Alles klar... wir gehen über den Park zur anderen Seite und über die Nebenstraße zurück zum Parkhaus”, meinte er und schien kurz zu überlegen. “Weißt du noch, wo das Auto steht?”, wollte er von mir wissen.
 

“Hm”, grübelte ich kurz über seine Frage nach. “Nun... ich glaube Ebene F”, begann ich schmunzelnd.
 

“Gut... somit sollten wir das Auto schon noch finden”, grinste er und bei dieser Aussage rollte ich leicht mit den Augen. Er war definitiv unverbesserlich.
 

“Natürlich finden wir den Wagen”, meinte ich und überlegte kurz. “Wir sollten noch die Rechnung begleichen”, fügte ich an und er schmunzelte.
 

“Das habe ich bereits getan”, zwinkerte er und leicht blinzelte ich.
 

“Aber...”, begann ich.
 

“Kein aber... du bist eingeladen”, zwinkerte er, bot mir seinen Arm an und blickte mich eindringlich an.
 

Dieser Blick zeigte mir nur zu deutlich, dass er keinen Widerspruch gelten ließ. Daher hakte ich mich bei ihm ein und zusammen machten wir uns auf den Rückweg zum Parkhaus. Er führte mich über den anderen Weg und so konnte ich den Rest des Parkes sehen. Es war eine sehr gute Idee von ihm gewesen und ich freute mich darüber, dass ich durch diese Reise so viel mehr von der Welt sehen konnte. Diese Reise hatte sich schon jetzt absolut ausgezahlt, da ich bis jetzt einiges dazu lernen konnte. Vor allem die Abläufe, die sich einige Hotelbetreiber machten. Doch ich merkte auch, dass nicht alle sich so viele Gedanken darüber machten, wie etwas ankam wie Chiaki mit seinen Teams.
 

Er hatte das alles voll im Griff. Genau das war die Tatsache, was mich einfach so sehr an ihm faszinierte. Definitiv konnte ich nicht mehr leugnen, dass er ein äußerst interessanter Mann war. Seine Facetten reichten schon jetzt viel tiefer, als ich anfangs vermutet hatte. Doch genau das könnte für mich irgendwann zum Verhängnis werden. Jedoch schüttelte ich den Gedanken sofort ab und konzentrierte mich auf das Hier und Jetzt. An die Zukunft sollte ich noch lange nicht denken. Nach diesem Job hätte ich mehr als genug Zeit, um mir genau zu überlegen, was ich wie machen sollte. Auch wenn es mir bestimmt nicht leicht fallen würde, da ich mit einigen keinerlei Kontakt haben würde.
 

“Sollen wir noch irgendwo rein gehen?”, hörte ich plötzlich seine Worte und blinzelte leicht.
 

“Äh... ich glaube, wir haben alles”, entgegnete ich ihm.
 

“Sicher? Vielleicht doch noch mal beim Schmuck sehen?”, wollte er wissen und ich hob eine Augenbraue hoch.
 

“So ein Unsinn... ich habe ein sehr schönes Set zum Kleid... mehr benötigen wir nicht”, zwinkerte ich ihm zu.
 

“Alles klar... aber es bleibt dabei, dass wir uns im Haus erfrischen und ausgehen?”, fragte er mich und blinzelnd sah ich an, da er diesen Plan doch tatsächlich noch nicht verworfen hatte. Einen Moment überlegte ich, wie ich aus der Nummer raus kommen würde.
 

“Nun... ich weiß nicht...”
 

“Nichts da! Wir gehen, denn das Nachtleben von Miami ist einfach unglaublich”, erklärte er und mir entkam ein Seufzen.
 

“Du wirst nicht locker lassen, oder?”, hakte ich nach.
 

“Natürlich nicht... also los”, grinste er breiter und führte mich zurück zum Parkhaus. Ein Glück war ich nicht alleine in einer solch großen Stadt, doch mit etwas Hilfe hätte ich mich sicher auch gut zurecht gefunden.
 

“Na gut... aber wehe du meckerst”, meinte ich und hatte gehofft, dass er sich nicht über mein Outfit auf regen würde.
 

“Würde ich niemals wagen!”, kam es gleich abwehrend von ihm. Skeptisch betrachtete ich ihn von der Seite. “Ernsthaft... ich werde nichts Negatives sagen”, versprach er und leicht nickte ich.
 

“Na gut... aber nur ausnahmsweise... wir sollten normalweise ausgeschlafen sein und das könnte schwierig werden, wenn wir uns die Nächte um die Ohren schlagen!”, musste ich ihn daran erinnern, dass wir eigentlich zum Arbeiten da waren.
 

“Schon klar... doch hin und wieder benötigen auch wir Spaß... und morgen brauchen wir vor 12 nicht aus dem Bett kommen”, konterte er.
 

“Ach ist das so?”, fragte ich und wir stiegen in den Fahrstuhl, um zur Ebene F zu gelangen.
 

“Natürlich... es muss doch ein Vorteil sein, der eigene Boss zu sein”, zwinkerte er mir zu und leicht schmunzelte ich bei seinen Worten. Er war unverbesserlich.
 

“Du bist echt gerissen!”, meinte ich nur und er lachte leise. Als das Pling ertönte, stiegen wir aus und kurz mussten wir uns orientieren. “Da müssten wir lang”, lächelte ich und er nickte.
 

“Korrekt... ich sehe sogar den Wagen schon”, sprach er aus und wir gingen genau dorthin. Tatsächlich konnte ich es ebenso sehen und rollte leicht mit den Augen, da Chiaki mir die Tür auf gemacht hatte. “Nach dir, Ella”, grinste er breiter, weshalb ich los lachen musste.
 

“Du bist echt ein kleiner Charming”, amüsierte ich mich und stieg ein.
 

“Ich versuche eben mein Bestes”, stieg er mit ein in mein Lachen und schloss die Autotür, ehe er sich auf die andere Seite begab und sich ans Steuer setzte. Die Zeit nutzte ich, um mich an zu schnallen. Kaum saß er, tat er dies ebenso und fuhr schließlich los. Der Weg zurück fühlte sich schneller an als zuvor der Hinweg.
 

Am Haus angekommen, stiegen wir beide aus und er schloss den Wagen, bevor wir zum Haus gingen. Direkt öffnete er die Tür und lächelte. “Nach dir, Ella”, zwinkerte er und rollte mit den Augen.
 

“Machst du das nun jedes Mal, Charming?”, fragte ich ihn und trat ein.
 

“Natürlich... wie sagtest du so schön... du bist meine Ella und ich bin Charming”, zwinkerte er mir zu, nachdem ich über meine Schulter zu ihm geblickt hatte.
 

“Hast du da nicht etwas vergessen?”, wollte ich von ihm wissen und konnte förmlich sehen, wie viele Fragezeichen über seinem Kopf auftauchten.
 

“Habe ich das?”, überlegte er sichtlich angestrengt. Nun hatte ich leichte Schwierigkeiten nicht zu lachen. Daher atmete ich etwas durch und setzte ein Lächeln an.
 

“Natürlich... wenn ich dein bin... solltest du dann nicht mein sein?”, konnte ich es mir nicht verkneifen, ihm das zu sagen. Sein Mund klappte leicht auf, doch er schien sprachlos zu sein. Diesen Moment musste ich nutzen, um schnell in mein Zimmer zu kommen. Denn wenn ich das nicht tun würde, hatte ich etwas Sorge, dass er meinen Herzschlag hören könnte, welcher förmlich vor sich hin raste. Kaum war ich in meinem Raum, schloss ich schnell die Tür und lehnte mich dagegen.
 

Sichtwechsel zu Chiaki


 

Mit aufgeklapptem Mund starrte ich ihr hinterher, nachdem sie einfach so in ihrem Zimmer verschwand. Erst als die Tür ins Schloss fiel, kam ich einigermaßen wieder zu mir. Blinzelnd schluckte ich schwer und strich mir mit der Hand durch mein Haar. Hat... sie das... echt gesagt?, schoss es mir durch den Kopf und wie von selbst musste ich vor mich hin grinsen. “Scheinbar willst du spielen... ich denke... da sollten wir spielen”, wisperte ich breit grinsend und ging in mein Zimmer, um mich für das ‘Nachtleben’ frisch zu machen. Nun konnte ich es nicht mehr erwarten, zu sehen, wie der Abend und besonders die Nacht verlaufen würden.
 

Dabei nahm ich mir vor, für diesen einen Abend alles andere bei Seite zu schieben und zu sehen, was passieren würde. Vor allem aber wollte ich heraus finden, was Jeanne vorhin mit ihrer Aussage gemeint hatte. Dies würde ich unter allen Umständen erfahren. Mit einem Grinsen ging ich rüber in mein Bad und zog meine Sachen aus, nur um eine eiskalte Dusche zu nehmen. Unbedingt eiskalt... denn mein Kopfkino machte mich gerade richtig fertig, allein wegen ihrer vorherigen Aussage.
 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 

Tiefer atmete ich noch mehrmals durch, bevor ich mich von der Tür abstieß und zu meinem Koffer ging. Dort holte ich frische Unterwäsche heraus und machte mich damit auf den Weg ins Badezimmer. Direkt entkleidete ich mich und stellte mich unter die Dusche. Erleichtert seufzte ich, als das warme Wasser über meinen Körper lief. Schnell musste ich mich auf andere Gedanken bringen, denn meine Wortwahl war definitiv mehr als eindeutig. Doch ich musste wirklich aufpassen. Denn ich durfte niemals mehr zulassen, als ich es eh schon getan hatte. Ich musste vorsichtiger werden, da es mir später ziemlich um die Ohren fliegen könnte und mit Sicherheit auch würde. “Ich bin echt am Arsch”, war mein Fazit, weil ich genau wusste, dass er mich da rein reiten würde.
 

Seufzend lehnte ich mich an die kühlere Fliese und gönnte mir diesen Moment, ehe ich damit anfing, mich ein zu seifen und ebenso meine Haare zu waschen. Das tat wirklich verdammt gut und brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen. Er war nur mein Kunde und ich sollte das niemals vergessen. Einzig und allein der Job war wichtig und hin und wieder etwas Spaß, da dies dazu gehörte. Schnell machte ich das Wasser aus und schnappte mir ein Handtuch. Erst wickelte ich es mir um meine Haare, bevor ich meinen Körper abtrocknete und in meine Dessous schlüpfte. Kurz zupfte ich diese zurecht und ging genauso wieder zurück zum Koffer, um nach einem geeigneten Outfit zu suchen.
 

Mehrere suchte ich heraus, doch mit keinem war ich wirklich zufrieden. Grummelnd zog ich die nächsten heraus und biss mir auf die Unterlippe. “Mist... das passt doch alles nicht, oder?”, überlegte ich laut und entschied mich endlich für ein Outfit. Ein schwarzer Etuirock ging eigentlich immer. Dieser war etwas kürzer als Knielänge, doch das störte mich nicht. Immerhin waren meine Oberschenkel gut bedeckt. Ebenso fand ich ein schönes goldenes Top, welches mein Dekolleté und meine Taille betonte. Kurz überlegte ich, ob es wirklich passte. Daher machte ich ein Foto und schickte es an meine besten Freundinnen mit den Worten: ‘Kann man so Miamis Nachtleben auf den Kopf stellen?’
 

Das Handy legte ich beiseite und machte ein leichtes Make-Up. Nur ein wenig Rouge und Lidschatten. Denn mehr wollte ich nicht im Gesicht haben. Lippenstift fehlte noch, als mein Handy piepte. Kichernd wählte ich ein zartes Rot, welches ich mir auf die Lippen auf trug. Danach packte ich diesen in meine Handtasche und sah nach meinem Handy. Ein Grinsen legte sich auf meine Lippen, da beide schon geantwortet hatten. ‘Holla... damit kannst du so einiges aufreißen’, hatte mir Rosalie geschrieben. Das war typisch für sie.
 

‘Oh la la... wen willst du denn verführen?’, kam es von Amélie und leise lachte ich.
 

Kurz musste ich überlegen, was ich ihnen antworten könnte: ‘Naja... ich gehe mit Chiaki dahin... da werde ich doch sicher keinen verführen.’
 

Es dauerte nicht lange und die beiden schickten sofort mehrere Nachrichten, wobei die meisten Smileys waren. Amüsiert lachte ich über ihre Reaktionen. Die meisten Nachrichten waren eher in der Richtung: ‘Warte... warte... du willst ernsthaft mit deinem heißen Chef ausgehen?’ oder ‘Das glaub ich doch jetzt nicht... du gehst mit dem Hotti aus? Wie geil ist das denn?’ Kopfschüttelnd sah ich auf die Zeilen und antwortete nach dem ersten Impuls heraus mit einem Smiley. Dieser zeigte klar und deutlich die Zunge. Das konnten sie beide selbst interpretieren, wie sie wollten. Jetzt gerade musste ich mich etwas beeilen, denn ich sollte eigentlich schon fertig sein und im Wohnzimmer sein.
 

Aus diesem Grund schrieb ich nur schnell, dass ich mich am nächsten Mittag melden würde. Danach machte ich das Handy auf stumm und packte es in die Handtasche. Schnell war ich in den High Heels, die perfekt passen würden, und ging aus meinem Zimmer raus, um ins Wohnzimmer zu gehen. Direkt suchte ich den Raum nach ihm ab und schmunzelte, da er tatsächlich in der gemütlichen Wohnküche stand. Er sah wahrlich unglaublich aus in seiner schwarzen Jeans und dem weißen Hemd. Schlicht und einfach und doch verdammt sexy. Schnell schüttelte ich den Kopf und räusperte mich leicht. “Oh... du bist schon fertig”, meinte ich und er drehte sich zu mir um. Meine Augen weiteten sich sofort.
 

“Na klar... auch noch einen Kaffee?”, bot er mir an und ich nickte nur, weil ich nicht anders konnte. Sein Hemd war nämlich nur zur Hälfte geschlossen und solch ein Anblick war mehr als heiß. “Dann trinken wir den in Ruhe und ziehen los”, meinte er, nachdem ich den Becher erhielt.
 

“Danke”, lächelte ich und unsere Finger berührten sich leicht. Dabei schluckte ich schwerer und nahm einen Schluck Kaffee zu mir. Jedoch ließ ich ihn dabei nicht aus den Augen und merkte deutlich, dass er mich leicht abcheckte. Leicht musste ich grinsen und war froh, dass dieses hinter dem Becherrand verdeckt war.
 

“Gerne”, kam es noch von seinen Lippen.
 

“Gut zu wissen”, entgegnete ich und nahm noch einen Schluck, bevor ich den Becher etwas abstellte. “Wo führst du mich denn hin?”, fragte ich neugierig bei ihm nach und er grinste breiter.
 

“Tja... das verrate ich noch nicht... ich werde dich erst später einweihen”, antwortete er mir nur und so tranken wir den Kaffee aus. Natürlich fragte er mich noch, ob ich in den Schuhen ausgehen könnte. Dabei erinnerte ich ihn an das Gespräch im Laden und er lachte leise. “Nun gut... lass uns fahren... das Taxi wartet schon”, zwinkerte er und wir verließen das Haus, nur um in den Wagen zu steigen, der tatsächlich auf uns gewartet hatte. Nun war ich gespannt zu sehen, was mich erwarten würde.

Partynacht

Das Taxi fuhr sofort los, nachdem wir im Inneren waren. Tatsächlich war ich ziemlich neugierig darauf zu sehen, welchen Club Chiaki aus gewählt hatte. Einige hatte ich bereits online durch geklickt, da ich doch wissen wollte, was die Stadt zu bieten hatte. Dass es so viele und vor allem verschiedene waren, war mir zu Beginn gar nicht klar gewesen. Vermutlich war es genauso wie in vielen Großstädten. Viele Leute und demnach unterschiedliche Geschmäcker, die abgedeckt werden müssten. Es dauerte einige Zeit, bis der Wagen zum Stehen kam und mich damit aus meinen Gedankengängen heraus holte. Die Fahrt über hatte ich aus dem Fenster geblickt, um mir ein Bild der Umgebung zu machen und sich wenigstens ein wenig orientieren zu können, wo wir wären.
 

Allzu einfach war das nicht, da die Stadt für mich nach wie vor eine Unbekannte war. Überrascht blinzelte ich, denn der Eingang war wahrlich unglaublich. Eine lange Schlange war schon zu erkennen, weshalb ich schwerer schluckte. Demnach würde es drinnen vermutlich genauso aussehen wie davor. Ich merkte dabei gar nicht, dass Chiaki bereits ausgestiegen war. Erst als er die Tür öffnete und mir seine Hand anbot, wurde mir das so richtig bewusst. “Oh... danke”, sagte ich und nahm sein Angebot an.
 

“Jederzeit”, zwinkerte er mir zu und half mir hinaus. Die Tür schloss er hinter mir und ich hakte mich bei ihm wie von selbst ein. Es war eigenartig, wie es zur Gewohnheit wurde.
 

Sogleich führte er mich zum Eingang, doch zu meiner Überraschung nahmen wir einen, der eher seitlich war. Als ich fragend zu ihm blickte, deutete er zu dem Bereich, der sich vor uns erstreckte. Es war ganz anders als alles andere, was ich bisher gesehen hatte. Daher bekam ich noch mehr Fragezeichen über den Kopf. “VIP-Eingang”, erklärte er daher. Erneut staunte ich, denn für gewöhnlich musste man durch einen gemeinsamen Eingang hinein. “Dieser Club hat gesonderte Eingänge, damit man nicht an der Schlange vorbei muss”, fügte er lächelnd an und verstehend nickte ich.
 

“Verstehe... um den Unmut nicht ab zu bekommen?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Korrekt... dieser Club ist angesagt und relativ neu, da er erst vor einem knappen Jahr aufgemacht hat”, antwortete er.
 

“Und du möchtest den Club nun ausprobieren?”, musste ich einfach fragen und hatte eine Augenbraue erhoben.
 

“Korrekt... immerhin bieten wir den Gästen immer eine Liste mit den Aktivitäten an, die sie während des Aufenthalts machen können”, entgegnete er mir und das konnte ich sehr gut verstehen.
 

“Also testen wir das Preis-Leistungsverhältnis?”, musste ich nachfragen und er blinzelte mehrfach.
 

“Jein”, grinste er schließlich und fragend legte ich den Kopf schief. “Spaß haben sollte hier im Vordergrund bleiben. Tanzen und Cocktails sind bei den Damen eher im Vordergrund”, erklärte er mir direkt und schmunzelnd nickte ich.
 

“Ist das nicht eher ein Klischee?“, wollte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue wissen.
 

“Hm ich denke auch, aber leider bewahrheitet es sich des Öfteren”, rechtfertigte er sich.
 

“Ach ja... und was ist dann für die Männer wichtig in Clubs? Etwa Getränke und Sex auf der Toilette?”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen. Sofort lachte er los und schüttelte nur mit dem Kopf.
 

“Oh man”, lachte er weiter. “Bei einigen ist das wohl wirklich so... aber der Großteil möchte sich gut amüsieren”, meinte er und diesmal lachte ich leise.
 

“Gut umschrieben”, konterte ich und er grinste.
 

“Komm... lass uns sehen, wie die Bereiche sind”, zwinkerte er mir zu und leicht legte ich den Kopf schief.
 

“Gibt es denn mehrere?”, fragte ich nach, da ich den Club gar nicht kannte. Weder durch Chiaki noch durch einen Bericht. Demnach war es für mich schwer ein zu schätzen.
 

“Mhm... einmal wäre da der VIP-Bereich, danach der Tanzbereich, die Bar an sich und zudem noch ein Sitzbereich mit einer gesonderten Bar. Angeblich soll man dort einen gemütlichen Abend verbringen können, falls man nicht tanzen möchte”, klärte er mich schließlich auf und da verstand ich nun die Besonderheit dahinter.
 

“Verstehe... das wird sicher interessant”, meinte ich ehrlich und ließ mich von ihm führen.
 

“Das fand ich auch”, kam es von ihm und ich lachte leise. “Deshalb testen wir die Bereiche nacheinander aus”, zwinkerte er mir noch zu.
 

“Einverstanden... mit welchem willst du anfangen?”, packte mich die Neugier.
 

Sogleich erklärte er mir, wie er sich das alles vorgestellt hatte. Aufmerksam hörte ich ihm zu und nickte zustimmend. Es klang nach einer guten Reihenfolge, da wir mit dem ruhigen Bereich beginnen würden, ehe wir den VIP-Bereich testen und zum Tanzen übergehen. Zum Glück hatte er diese Abfolge gewählt, da ich noch lange nicht bereit war mit ihm das Tanzbein zu schwingen. Dafür brauchte ich dringend ein Glas mit Alkohol, wobei ich höllisch aufpassen müsste, nicht zu viel zu trinken. Das könnte sonst noch ganz falsch rüber kommen. Noch bevor ich weiter darüber nach denken konnte, führte er mich bereits über den Gang zum ‘Ruhebereich’. Es war wahrlich unglaublich, wie so etwas möglich wäre.
 

“Wie wäre es mit der kleinen Sitzgruppe dort drüben?”, hörte ich seine Stimme und folgte seinem Blick.
 

“Sieht gut aus”, stimmte ich dem zu und gemeinsam gingen wir rüber zu einem Sofa mit einem Sessel. Dazwischen stand ein kleinerer Tisch, wo die Getränke Platz hatten.
 

Kaum waren wir dort, schon kam ein Kellner und fragte nach unseren Wünschen. Dies überraschte nicht nur mich, da auch Chiaki kurz verwundert schien. “Nun... fürs erste bekommen wir zwei Mal Whiskey... pur”, erklärte er dem Kellner, der sofort große Augen bekam und nahe zu ungläubig zwischen uns beiden hin und her blickte.
 

“Sie haben richtig verstanden”, setzte ich hinzu und musste aufpassen nicht los zu lachen. Der Gesichtsausdruck, der sich uns bot, war einfach zum Weglachen.
 

“Vermutlich hatte er gedacht, dass du einen Cocktail wählst”, amüsierte sich Chiaki und ich sah zu ihm rüber.
 

“Scheinbar”, meinte ich und überlegte einen kurzen Moment. “Nur frage ich mich... ob er davon ausging, weil ich eine Frau bin oder eben blond”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen und blickte zu ihm. Wir sahen uns direkt in die Augen, ehe wir zeitgleich los lachten.
 

“Das sollten wir ihn wirklich fragen”, kam es nach einer Weile von Chiaki und leicht grinste ich.
 

“Das Gesicht dazu wäre bestimmt interessant”, konterte ich und war gespannt, ob er das tatsächlich ansprechen würde.
 

Noch bevor er dazu etwas sagen konnte, kam der Kellner wieder und stellte die Getränke auf den Tisch. Dieser schien noch etwas unsicher zu sein, doch da ich mich dankend an ihn gewandt hatte, nickte er leicht und verschwand schnell. Schmunzelnd sah ich ihm nach, bevor ich meine ganze Aufmerksamkeit wieder auf Chiaki richtete. Dabei nahm ich das Glas in die Hand und er tat es mir gleich. “Auf einen guten Abend”, zwinkerte er mir zu und dem stimmte ich sofort zu.
 

“Auf einen schönen Abend”, lächelte ich ihn an und wir stießen zusammen an.
 

Danach tranken wir jeweils einen Schluck und fingen an mit einander zu sprachen. Dabei hatten wir einige Themen. Nicht nur den allgemeinen Ablauf, sondern auch das Ambiente des Bereiches, in dem wir uns gerade befanden. Die Themen mit ihm waren erneut einfach und simpel gehalten. Daher war es fast schon ein Kinderspiel für uns von diesen hin und her zu springen. Wie von selbst tranken wir den Whiskey nebenbei und immer mehr entspannte ich mich. Dies merkte Chiaki und lehnte sich nun ebenso zurück. Wir hatten eine Menge Spaß beim Beobachten der Leute in dem Bereich. Besonders die Kellner verschafften uns einige Lacher. Definitiv waren alle mehr als überrascht, dass sowohl Chiaki als auch ich einen Whiskey tranken.
 

“Ich glaube... sie werden noch für den Rest des Abends ein Gesprächsthema haben”, amüsierte ich mich und Chiaki nickte zustimmend und grinsend.
 

“Absolut... und ich würde sagen... wir beide gehen zum VIP-Bereich und sehen uns dort um, bevor wir tanzen gehen”, meinte er und für einen Moment bekam ich einen trockenen Hals, weshalb ich schlucken musste.
 

“Hm”, überlegte ich und stellte das leere Glas ab. “Ob ich mit dir tanzen werde, weiß ich noch nicht”, meinte ich nach einer kurzen Überlegung.
 

“Ich denke, das wirst du”, meinte er selbstbewusst und erhob sich. Sogleich bot er mir seine Hand an, die ich schmunzelnd annahm und mit seiner Hilfe auf stand.
 

“Und wie willst du mich überzeugen?”, fragte ich ihn und er grinste breiter.
 

“Das wirst du drüben schon sehen”, sprach er ganz geheimnisvoll, weshalb ich mehrmals blinzelte. Er schaffte es mal wieder mich komplett zu überraschen. Diesen Moment nutzte er, um mich einfach sanft mit zu ziehen.
 

“Ähm... sollten wir nicht noch zahlen?”, fragte ich überrascht, da ich nicht mitbekommen hatte, dass er dies schon getan hatte.
 

“Keine Sorge... die Rechnung wird beim Verlassen des Clubs beglichen. Es genügt den Namen zu hinterlassen”, erklärte er mir und nickte leicht den Kellnern zu, bevor wir den Raum verließen und den Gang weiter gingen, um zu der VIP-Lounge zu gelangen.
 

“Oh... ist das ein Luxusgut für VIP’s?”, wollte ich wissen, da es durchaus daran gebunden sein könnte.
 

“Soweit ich gehört habe nicht nur... die einzige Bedingung ist, dass man öfters da ist oder eben den Namen und die Anschrift hinterlässt”, antwortete er mir.
 

“Verständlich... dadurch ist es möglich, eventuelle offene Rechnungen ein zu fordern”, überlegte ich laut und er nickte zustimmend. Damit war dies für mich klar und deutlich.
 

“Korrekt... als VIP muss man die Daten so oder so hinterlegen... daher gilt für uns heute Abend diese Abmachung ebenso”, lächelte er und es überraschte mich, dass er sich aufnehmen ließ.
 

“Du... hast so gesehen eine Mitgliedschaft gemacht?”, kam es vermutlich ziemlich überrascht über meine Lippen.
 

“So ist es”, bestätigte er mir. “Einige Geschäftstreffen lassen sich in einem Club besser bereden, besonders nach Vertragsabschlüssen”, fügte er an.
 

“Ah... da würde man also direkt den Erfolg feiern”, stellte ich nachdenklich fest und verstand die Idee dahinter.
 

“Stimmt... das ist dabei die Intension”, lächelte er und öffnete die Tür, die in die Bar führte.
 

Kaum war diese offen, schon hörte ich die Musik und spürte den Bass unter meinen Füßen. Sogleich war ich fasziniert davon, wie gut der Ruhebereich isoliert war. Erst jetzt war mir wieder bewusst geworden, dass wir in einem Club waren. Es war ziemlich laut, weshalb Chiaki mir nur deutete, wohin wir hin müssten. Er hatte mich durch das Drücken an meiner Hand signalisiert, dass er meine Aufmerksamkeit brauchte. Deshalb sah ich zu ihm und er zeigte mir zu einer Treppe. Da ich verstand, was er wollte, nickte ich ihm zu. Sogleich gingen wir zusammen dorthin. Am Ende der Treppe stand ein Mann, der nach sehen wollte, ob wir wirklich hinauf gehen durften.
 

Schnell hatte Chiaki auf seinem Handy eine Nummer gezeigt und wir wurden durch gelassen. Oben angekommen gab es mehrere Sitzbereich und die Musik war nicht mehr so laut wie unten. Dennoch konnte man sie gut hören. “Hier gefällt es mir auch”, merkte ich an und blickte zu ihm.
 

“Dem stimme ich zu”, lächelte er und führte mich zu einem zweier Sofa. “Also... tanzt du mit mir?”, fragte er direkt und perplext sah ich zu ihm, nachdem wir Platz genommen haben.
 

“Wieso sollte ich das tun?”, wollte ich wissen und entdeckte sein Schmunzeln direkt, auch wenn das Licht gedämmter war.
 

“Scheinbar wirst du das nicht tun, wenn ich dich bitten würde, oder?”, seufzte er leise und leicht nickte ich. Einen Moment schien er zu überlegen, ehe einer seiner Mundwinkel zuckte. “Okay... machen wir einen Deal”, schlug er vor.
 

“Ein Deal? In wie fern?”, hakte ich nach.
 

“Du sagtest mal... du trinkst eher seltener Cocktails... und ich denke... ich könnte erraten, welcher deinem Geschmack entsprechen könnte und zur Belohnung...”
 

“Bekommst du deinen Tanz”, unterbrach ich ihn und er nickte sofort bei meiner Aussage. Seine Idee war ziemlich interessant und ich war tatsächlich versucht den Deal ein zu gehen. Vor allem wollte ich heraus finden, ob er tatsächlich dies erraten würde.
 

“Was meinst du? Gibst du mir diese Chance?”, fragte er nach einer Weile. Vermutlich hatte ich zu lange gebraucht, um ihm direkt zu antworten, weshalb er es erneut ansprach.
 

“Ehrlich gesagt... kannst du doch gar nicht gewinnen”, meinte ich amüsiert. Immerhin war es nicht gerade leicht meinen Geschmack heraus zu finden.
 

“Damit hast du auch nichts zu verlieren... also darf ich?”, hakte er nach und einige Augenblicke überlegte ich, ehe ich leicht nickte.
 

“Dann versuch dein Glück”, fügte ich schmunzelnd hinzu und für einen Bruchteil der Sekunde sah ich ein aufblitzen in seinen Augen. Sogleich bat er mich zu warten und eilte rüber zu einem Kellner. Scheinbar sollte ich nicht wissen, was er bestellen würde. Schmunzelnd beobachtete ich ihn. Es dauerte einige Minuten, bis er wieder zurück kam. Neugierig sah ich zu ihm, als er sich grinsend neben mich setzte. “Und... denkst du, dass du das Richtige gefunden hast?”, wollte ich wissen, um irgendwie ein paar Infos heraus zu bekommen.
 

“Ich denke schon... bin also gespannt, was du gleich sagen wirst”, grinste er mich direkt an und es erschreckte mich, wie siegessicher er sich an hörte.
 

Eifrig nickte er und zwinkerte mir zu, bevor er mir erklärte, dass er seiner Meinung nach den perfekten Cocktail für mich gefunden hatte. Bei solchen Aussagen kam bei mir ein wenig der ‘Spieltrieb’ heraus. Daher kam mir in den Sinn, dass ich ihn einfach necken wollte. Nur agierte er ganz anders, als ich gedacht hätte. Er spielte einfach mit und das fühlte sich komplett normal und natürlich an. Es verwirrte mich und doch konnte ich nicht anders, als weiter zu machen. Es amüsierte mich in jeglicher Hinsicht und in dem Moment wollte ich sehen, wohin dies führen würde. Auch wenn mir mein gesunder Menschenverstand vermittelte, dass es eine miese Idee sei, so verschwand dieser Teil ganz weit nach hinten.
 

Viel mehr stand mir der Spaß an diesem Abend im Vordergrund. Definitiv würde ich nichts tun, um gegen meine eigenen Regeln zu verstoßen. Soweit war ich noch klar im Kopf, diese eine kleine Grenze würde ich nicht überschreiten. Noch bevor wir weiter sprechen konnten, kam ein Kellner zu uns. Dieser stellte zwei Cocktails auf den kleinen Tisch und ich blinzelte überrascht. Zum einen weil es zwei waren und zum anderen, weil es normale Wassergläser waren mit einer roten Flüssigkeit und einer Erdbeere als Dekor. Meine Verwunderung hatte Chiaki wohl mitbekommen. “Einer für dich und einer für mich”, zwinkerte er mir zu.
 

“Oh... Du opferst dich freiwillig und leistest mir Gesellschaft beim Trinken?“, fragte ich amüsiert.
 

“Korrekt”, grinste er und nahm eines der Getränke und reichte es mir.
 

Das wäre das erste Mal, dass ich ihn ebenso einen Cocktail trinken sehen würde. Daher blinzelte ich perplex und griff danach. Dabei berührten sich unsere Finger und eine wohlige Wärme breitete sich in meinem Inneren aus. Jedoch lenkte ich mich schnell ab und betrachtete die rötliche Flüssigkeit genauer. Diese war von der Farbe her sehr ansprechend, weshalb ich wie gewohnt leicht daran roch. Schließlich kannte ich diesen Cocktail noch gar nicht. Obwohl man mit Erdbeeren nie etwas verkehrt machen konnte, war ich dennoch etwas skeptisch. Doch der Geruch hatte mich überrascht. Es war leicht süßlich, aber auch herb. Meine Neugier war geweckt, deshalb nahm ich einen Schluck zu mir.
 

Augenblicklich weiteten sich meine Augen, als ich den Geschmack im Mund hatte und diesen verarbeitete. Kaum hatte ich alles hinunter geschluckt, staunte ich. “Oh... mit Bourbon?”, kam es von meinen Lippen.
 

“Gut erkannt... ich bin beeindruckt über deinen Gaumen”, meinte Chiaki mit einem frechen Grinsen.
 

“Nun... ich bin ein Genussmensch”, rechtfertigte ich mich und sein Grinsen wurde nur noch breiter. In dem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich nun verraten hatte.
 

“Also schmeckt es dir?”, hakte er nach mit einem siegessicheren Lächeln auf den Lippen.
 

“Nun... ähm... ja”, gab ich seufzend zu.
 

“Ich wusste es, dass es dir schmecken würde”, brachte er hervor und nippte an seinem Cocktail. “Das ist einer der wenigen süßlicheren Cocktails, die ich trinke... daher dachte ich... ich versuche es mal”, erklärte er und ich fand es interessant, dass er solche Details mit mir teilte.
 

“Ich muss sagen... damit hätte ich nun nicht gerechnet... wie heißt denn der Cocktail?”, fragte ich neugierig nach.
 

“Das ist ein ‘Bourbon Strawberry Iced Tea’... besonders mit frischen Erdbeeren schmeckt er ziemlich gut”, antwortete er mir lächelnd und nahm noch einen Schluck. Definitiv würde ich den Namen mir noch merken. Vielleicht würde der meinem eigenen Lieblingscocktail noch Konkurrenz machen, sobald ich ihn öfters kosten würde.
 

“Ich denke... mit deiner Wahl hast du dir wohl einen Tanz verdient”, schmunzelte ich.
 

“Nur einen?”, hakte er nach und kopfschüttelnd lachte ich über seine Unverfrorenheit. Irgendwie sah er mich so an, als würde er keinen größeren Widerspruch dulden.
 

“Wir werden sehen”, funkelte ich ihn leicht an und genoss das Getränk sehr. Es war absolut köstlich und der Bourbon war verdammt gut darin eingearbeitet.
 

Da ich generell meine Getränke unbeobachtet lasse, trank ich diesen langsam aus. Scheinbar ging es Chiaki genauso in diesem Punkt. Er verwickelte mich wieder in ein Gespräch und ließ mir und sich damit genug Zeit, um aus zu trinken. Erst danach stand er auf und reichte mir seine Hand. Ohne ein Wort zu sagen, sah er mich nur an. Wie von selbst klopfte mein Herz schneller in meiner Brust, ehe ich meine Hand in seine legte. Sofort zog er mich auf die Beine und führte meine Hand zu seinen Lippen. Sanft küsste er meinen Handrücken und ich schluckte schwerer bei dieser Geste. “Lass uns tanzen!”, forderte er und ich konnte nur nicken.
 

Es dauerte nicht mehr lange und wir befanden uns auf der Tanzfläche. Tatsächlich hatte ich alle anderen um mich herum ausgeblendet und mich nur noch auf ihn konzentriert. Wir tanzten komplett ausgelassen zu der Musik und ich muss zugeben, ich hatte jede Menge Spaß. Diesen ließ ich mir sicher nicht verderben, dennoch stieg ich auf Wasser um und war mehr als überrascht, dass er das ebenfalls tat. Zwischen den Tänzen hatten wir uns zwei Gläser Wasser an der unteren Bar gegönnt, um nicht aus zu trocknen. Wir hatten danach weiter getanzt und die ganze Nacht uns um die Ohren geschlagen. Es war einfach unglaublich angenehm und schön.
 

Selbst bei den ruhigeren Liedern ließ ich mich von ihm führen. Er hatte mich voll und ganz in seinen Bann gezogen. Ein wenig mehr hatte ich meinen Schutz herunter gefahren, aber gänzlich tat ich das nicht, da ich nur bis zu einem gewissen Grad an die Grenze heran treten würde und nicht drüber hinaus gehen würde.

Zeitablauf

Schläfrig tastete ich nach meinem Handy und tippte bei dem Wecker auf die Schlummertaste. Gähnend blinzelte ich mehrmals, ehe ich meine Augen öffnen konnte. Die Uhrzeit auf dem Display verriet mir, dass es schon 10 Uhr morgens war und mir entkam erneut ein Gähnen. Der Abend bzw. die Nacht war ziemlich lang und demnach der Schlaf viel zu kurz. Wir waren nämlich erst kurz nach 6 zurück im Haus. Tatsächlich haben wir sehr lange noch getanzt und nachdem wir nicht mehr konnten, uns im VIP-Bereich angeregt unterhalten. Allen voran über die momentane Lage der verschiedenen Ferienhäuser bzw. Hotels, die sich in seinem Besitz befanden. Ein Lächeln huschte mir über die Lippen, als ich zurück an das Gespräch dachte.
 

Er hatte mir mehr davon erzählt, wie schnell er die Gebäude erhielt und aufbaute. Einmal mehr beeindruckte er mich, denn er war nur ein Jahr älter als ich und schon äußerst erfolgreich. Darüber konnte ich nur staunen und fand es mehr als interessant. Weshalb ich mehr erfahren wollte und wir dadurch viel zu spät die Uhrzeit bemerkten. Der erneute Wecker holte mich wieder zurück in die Realität und kurz streckte ich mich. Jedoch beschloss ich den Wecker noch weiter zu stellen, um noch etwas versuchen zu schlafen und mich damit etwas länger zu erholen von dem Vortag. Dies konnte ich mir problemlos leisten, da Chiaki meinte, dass wir vor 13 Uhr nichts machen würden. Er selbst brauchte ebenso seinen Schlaf.
 

Schmunzelnd schlummerte ich erneut ein und landetet im Land der Träume. Doch dass diese mehr als zweideutig werden würden, hätte ich niemals gedacht. Dementsprechend wachte ich keuchend auf und sah mich verwirrt um. Es dauerte eine Weile, bis ich realisiert hatte, dass ich nur geträumt hatte. Sowas Verrücktes war mir schon lange nicht mehr passiert. Eindeutig brauchte ich guten Sex oder eben eine Session mit einem Dom. Denn ich war wahrlich untervögelt. Seufzend glitt ich mit meiner Hand durch meine Haare und schloss kurz meine Augen, um etwas runter zu kommen. Solch ‘schmutzige’ Gedanken wären nicht hilfreich für den Rest des Tages. Daher streckte ich mich und beschloss duschen zu gehen.
 

Aus diesem Grund stieg ich aus dem Bett und zog mich noch einmal in die Länge. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich trotz dem längeren Schläfchen noch gut in der Zeit lag. Eine ausgiebige Dusche würde mich etwas mehr wecken, damit ich den Tag überstehen würde. Schnell kramte ich aus meiner Tasche Unterwäsche und verschwand damit im Bad. Nach einer längeren Erfrischung machte ich das Wasser aus, griff nach dem Handtuch und trocknete mich ordentlich ab. Erst danach zog ich mich an und hatte meine Haare etwas trocken gerubbelt. Nach einer Tasse Kaffee würde ich sie mir trocken föhnen und frisieren. Definitiv fühlte ich mich fitter als zuvor.
 

Bevor ich mein Zimmer verließ, zog ich mir eine kurze Hose und eine Bluse über. In der Küche sollte ich nicht unbedingt nur mit Unterwäsche auftauchen. Auch wenn ich nur zu gerne sein Gesicht dabei sehen würde. Schnell schüttelte ich den Gedanken ab und atmete tiefer durch. Nein, nein, nein... er ist mein Kunde und ich sollte professionell bleiben!, mahnte ich mich dabei und verließ erst danach meinen Raum.
 

Auf dem Weg zur Küchenzeile merkte ich, dass ich wohl vor ihm wach war, da ich ihn weder hören noch sehen konnte. Bei der Kaffeemaschine suchte ich alles zusammen, um die magische schwarze Brühe durch laufen zu lassen. Davon würde ich im Laufe des Tages einiges brauchen. Egal wie schön der Abend und die Nacht waren, auf Dauer war das für mich absolut nichts. Aber hin und wieder wäre das wundervoll, besonders mit ihm gemeinsam. Das werde ich ihm nicht auf die Nase binden, so viel stand für mich fest. Denn sein Ego sollte ich nicht unbedingt puschen.
 

Der Duft des frisch aufgebrühten Kaffees erfüllte den Raum und diesen genoss ich sehr. Lächelnd holte ich gleich zwei Tasse hervor, um diese füllen zu können. “Oh... guten Mittag... machst du Kaffee auch für mich?”, hörte ich plötzlich und erschrak mich minimal.
 

“Musst du mich so erschrecken?”, schimpfte ich etwas und drehte mich um.
 

“Entschuldige... ich hätte mich ankündigen sollen”, schmunzelte er und rubbelte mit dem Handtuch durch seine Haare. Da wurde mir bewusst, dass er gerade aus der Dusche kam. Wie von selbst blickte ich an ihm herab und schluckte schwerer, denn er trug nur ein Handtuch um seine Hüfte. Er konnte das doch nicht ernst meinen. “Und... noch Kaffee für mich da?”, holte er mich aus meinem Starren und meinen Gedanken heraus.
 

“Ähm... ja klar... gleich ist er durch”, meinte ich und musste noch einmal schlucken. Der Anblick, der sich mir bot, war mehr als nur verführerisch.
 

“Prima... dann bin ich sicher auch fitter”, meinte er und ließ das Handtuch, womit er zuvor seine Haare getrocknet hatte, locker über seine Schultern hängen.
 

“Wieso? Du wirkst nicht müde”, amüsierte ich mich leicht.
 

“Das täuscht nur... wegen der Dusche”, antwortete er schmunzelnd und kam näher.
 

“Vermutlich wie bei mir”, sprach ich meinen Gedanken laut aus und hörte sofort sein Lachen.
 

“Es scheint so”, merkte er amüsiert lachend an.
 

Zum Glück war der Kaffee durch gelaufen, weshalb ich mich zur Maschine umdrehte und mich damit beschäftigte die schwarze Brühe in die Becher zu füllen. “Schwarz?”, fragte ich vorsichtshalber mal nach.
 

“Unbedingt... schön stark”, entgegnete er mir und ich grinste leicht bei seinen Worten.
 

“Ganz meine Meinung”, pflichtete ich ihm bei und atmete einmal tiefer durch, bevor ich mich umdrehte und ihm einen Becher reichte.
 

“Vielen Dank, Jeanne”, lächelte er und nahm diesen an und nippte daran. “Mmmh, der tut gut”, fügte er an und lehnte sich leicht an die Arbeitsplatte.
 

Für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, ob er das wohl mit Absicht macht. Jedoch nippte er einfach weiter an seinem Kaffee und verhielt sich absolut normal. Deshalb hatte ich den Gedanken wieder verworfen. Viel lieber widmete ich mich meinem Becher und trank vom Kaffee. Es tat wirklich gut und dadurch mussten wir uns nicht unbedingt unterhalten. Dennoch war diese Stille zwischen uns gar nicht unangenehm. Eher das Gegenteil. So wohl hatte ich mich schon lange nicht mehr in der Nähe eines fast nackten Mannes gefüllt. Schwerer schluckte ich, während ich mich hinter der Tasse verstecken konnte. Der Gedanke, dass er unter dem Handtuch nichts an hatte, machte mich glatt verrückt.
 

Zur Ablenkung konzentrierte ich mich etwas mehr auf meinen Kaffee und fragte ihn, was er für den Tag geplant hätte. Schließlich war es bald schon Mittag. “Nun... ich würde sagen... wir trinken aus, gehen etwas essen und treffen uns mit Miya und Mato”, meinte er und nippte von seinem Becher.
 

“Klingt nach einem Plan”, lächelte ich leicht und nahm noch einen Schluck zu mir.
 

“Ich schreibe mal Mato, ob sie schon wach sind... vielleicht wollen sie mit zum Essen”, überlegte er und dem stimmte ich gleich zu. Es wäre sicher gut, wenn das andere Paar mit dabei wäre. So würde ich weniger auf dumme Gedanken kommen.
 

“Mach das... ich föhne mir eben meine Haare”, meinte ich und trank die schwarze Brühe aus meinem Becher leer.
 

“Lass den in der Spüle... ich wasche ihn gleich ab, sobald ich meinen Kaffee getrunken habe”, bot er mir an und das nahm ich dankend an.
 

Daher stellte ich den Becher in die Spüle und schritt zu meinem Raum, um mich dort für den Tag fertig zu machen. Wir war schon jetzt klar, dass ich mich ziemlich zusammen nehmen musste. Oder aber ich brauchte einfach wieder eine verdammt gute Nacht, die heiß enden würde. Seufzend nahm ich den Föhn und steckte ihn in die Steckdose. Das Handtuch löste ich von meinem Haar und begann dieses zu föhnen, ehe ich es durch kämmte und weiter trocknete. Es dauerte einige Minuten, bis ich soweit fertig war und mein Haar zusammen steckte. Dabei fiel mir auf, dass ich die Blondierung erneuern müsste. Es wäre nicht so hilfreich, wenn meine Naturfarbe zu sehr durchscheinen würde.
 

Womöglich könnte mir Miyako helfen einen Frisör in der Nähe zu finden. Klar könnte ich nach einigen im Internet recherchieren. Jedoch hätte ich dabei keinerlei Erfahrungswerte, die auch irgendwie der Wahrheit entsprechen würde. Klar gab es online Einträge, aber denen blind zu vertrauen war nicht mein Ding. Vieles hing vom persönlichen Geschmack ab, ebenso wie von der Tagesform jeglicher Beteiligten. Daher war meine Entscheidung schnell getroffen, Miyako zuerst zu fragen. Das würde ich gleich als erstes machen, sobald ich sie sehen würde. Mit einem Lächeln legte ich noch kurz einfaches Make-Up auf. Damit kaschierte ich meine Müdigkeit und es wirkte nicht zu aufdringlich.
 

Nachdem ich fertig war, stellte ich alles aus und steckte den Föhn aus. Auch wenn es vielleicht paradox klang, so war das eine kleine Angewohnheit von mir. Danach schnappte ich mein Handy und die Handtasche, ehe ich das Zimmer verließ. Da ich Chiaki noch nicht sah, checkte ich noch einmal mein Handy und musste über die Nachrichten meiner besten Freundinnen schmunzeln. Schnell überflog ich diese und antwortete ihnen nur ganz kurz. Sie waren unverbesserlich und wollten wissen, ob und wen ich abgeschleppt hätte. Aber ich werde ihnen sicher nichts auf die Nase binden. Zumal es dahingehend nichts zu berichten gab. Streng genommen habe ich ihn nicht abgeschleppt, sondern nur mich mit ihm gut unterhalten.
 

Daher schrieb ich ihnen nur, dass der Abend und die Nacht wundervoll waren und ich es keine Sekunde bereuen würde. Tatsächlich tat ich das nicht, obwohl ich mich ermahnen musste, ihn nur als meinen Kunden an zu sehen. Meine Professionalität werde ich nicht verlieren. So viel stand für mich fest. Schließlich konnte ich das bei dem Ehepaar Smith auch sein. Auch wenn unser Verhältnis eher freundschaftlich oder gar familiär war. Dennoch war mir klar, dass sie meine Kunden waren und es noch bleiben würden. Zumindest so lange wie mein Vertrag bei Noyn noch laufen würde. Was nach dieser Zeit sein wird, konnte ich natürlich noch nicht sagen. Aber wünschen würde ich mir, wenn der Kontakt bleiben würde.
 

“Du bist ja schon fertig”, hörte ich die sichtlich erstaunte Stimme von ihm. Sogleich blickte ich zu ihm und bekam große Augen. Er sah mal wieder viel zu gut aus.
 

“Na... Natürlich... ich hatte doch nur die Haare zu machen”, erklärte ich ihm und versuchte das anfängliche Stottern in den Griff zu bekommen.
 

“Stimmt... du warst schon angezogen”, kam es so ziemlich beiläufig von ihm und dennoch spürte ich seine Blicke auf mir.
 

“Genau... Also... sind die beiden schon wach?”, lenkte ich ihn auf ein ganz anderes Thema.
 

“Tatsächlich sind sie das... wir sollen sie zum Essen abholen”, erklärte er mir mit einem Lächeln.
 

“Gut... dann lass uns das machen”, grinste ich ihn leicht an.
 

“Das machen wir”, entgegnete er.
 

Schlussendlich verließen wir den Gemeinschaftsbereich und zogen uns die Schuhe an. Er schnappte sich die Schlüssel und wir verließen das Haus. Gemeinsam gingen wir zum Nebenhaus, um das andere Paar ab zu holen. Jedoch war es nicht notwendig zu klingen, da Miyako schon die Tür auf gemacht hatte und raus kam. “Guten Mittag, ihr beide”, grüßte sie und umarmte sowohl Chiaki als auch mich.
 

“Du bist aber fröhlich”, bemerkte ich und sie gluckste leise.
 

“Klaro... nach solch einer Nacht”, schwärmte sie und leicht legte ich den Kopf schief.
 

“Wie meinst du das denn?“, fragte ich, ohne zu überlegen nach. Miyako wollte schon antworten, doch Chiaki hielt sie vorher noch ab.
 

“Keine Details, Miya... es reicht schon, wenn ich euch hin und wieder höre”, erklärte er gleich und dankend sah ich zu ihm rüber. Ich hatte absolut nicht daran gedacht, dass sie aus schweifend sein könnte.
 

“Och man... du vermiest mir den gesamten Tag”, lachte sie und hakte sich wie selbstverständlich bei mir ein.
 

“Das mache ich gewiss nicht”, zwinkerte er seiner besten Freundin zu und sie lachte augenblicklich los.
 

“Da könntest du Recht haben”, entgegnete sie und streckte ihm die Zunge aus. “Von dir lasse ich mir den Tag nicht verderben”, setzte sie frech fort. Amüsiert lachte ich über die beiden und konnte nur den Kopf schütteln. Sie waren unverbesserlich in dieser Hinsicht.
 

“Da lasse ich euch ein paar Minuten allein und ihr zankt wieder”, hörte ich nur Yamato und musste nur noch mehr lachen. Die drei waren unglaublich miteinander. Man konnte genau sehen, wie stark ihre Freundschaft war.
 

“Na kommt... lasst uns was essen”, lenkte ich ihre Aufmerksamkeit auf das Wesentliche.
 

“Dann mal los”, grinste Yamato und ging mit Chiaki voran, während ich mit Miyako ihnen folgte.
 


 

Die Fahrt zum Café dauerte nicht allzu lange. Schnell hatten wir entschieden, wo wir essen wollen würde. Auf dem Parkplatz hielt Chiaki an und wir stiegen alle vier aus, ehe wir zu dem netten kleinen Café gingen. Im Inneren hatten wir schnell einen Tisch für uns gefunden und Platz genommen. Nur wenige Minuten später war schon ein Kellner da und nahm unsere Bestellung entgegen. Zuerst kamen unsere Getränke und wir besprachen unsere nächste Planung für die nächsten Tage. Wobei der momentane Tag nicht mehr so viel hergeben würde. Daher konzentrierten wir uns darauf die Tage etwas mehr zu strukturieren, damit die bevorstehenden Arbeiten gut durch plant werden könnten.
 

Die restlichen Tage würden etwas voller gespickt sein als sonst, doch wir teilten die Aufgaben sehr gut auf. Zudem hatten wir bei den Möbeln schon einige Ideen, ebenso wie bei den Farben, die sie nutzen wollten. Ihnen hatte ich bei der Auswahl geholfen, welche Kombinationen zusammen passen würden. Dadurch konnte einiges an Zeit gespart werden. Es war unglaublich wie schnell wir uns einig wurden und vor allem wie sehr wir harmonierten. Wobei die Männer uns Damen die Farben überließen und sie selbst kümmerten sich eher um das Technische. Es schien so zu sein, dass wir einander ergänzten und ich konnte sogar ein paar Beispiele auf dem Tablet zusammen stellen, um es ihnen zu zeigen.
 

“Somit machen wir die Details übermorgen, damit wir heute und morgen alles für die beiden Veranstaltung vorbereiten können”, beschloss Miyako nach einiger Zeit und überrascht blinzelte ich. Wie von selbst ging mein Blick zur Uhr und meine Augen weiteten sich. Wir waren ziemlich lange im Café, was mich doch etwas erstaunte. Wobei wenn man die Menge an Kaffeetassen zählen würden, wäre es ersichtlich, dass die Zeit schnell voran geschritten war.
 

“Haben wir noch so viel zu erledigen dafür?”, fragte ich verwundert, während Miyako zu mir sah.
 

“Mhm... wir brauchen noch ein wenig Pediküre, Maniküre und einen Frisörtermin”, zählte sie auf.
 

“Oh stimmt... aber muss bei dir auch viel gemacht werden?”, überlegte ich und eifrig nickte sie.
 

“Oh ja... auch Mato und Chiaki bekommen das Wellnessprogramm ab”, grinste sie und blickte zu den beiden Männern. Leicht legte ich den Kopf schief.
 

“Muss das sein, Miya?”, fragte Chiaki gleich nach.
 

“Na klar... wofür haben wir den Wellnessbereich drüben im Hotel”, zwinkerte sie ihm zu und ich merkte ihm an, dass er nicht wirklich begeistert von der Idee schien.
 

“Habt dich nicht so... Miya weiß genau, was wir brauchen”, meinte Yamato und legte freundschaftlich den Arm um Chiakis Schulter. Damit rückte er dichter zu ihm. “Komm schon... etwas Entspannung wird selbst dir gut tun”, fügte er an und seufzend sah Chiaki zu Miyako.
 

“Müssen wir wirklich?”, hakte er nach.
 

“Natürlich... komm schon... lasst euch auch verwöhnen. So eine Maske und ein Peeling werden euch auch gut tun”, grinste sie und leise musste ich kichern. Sie hatte die Männer wahrlich fest im Griff.
 

“Na gut... aber dann lässt du mich für die nächsten Monate damit in Ruhe”, willigte Chiaki schließlich ein und eifrig nickte Miyako. Sie kostete ihren kleinen Sieg voll aus.
 

“Dann buche ich für uns beide das volle Programm und ihr zwei bekommt das nötigste... mit Saunagang?”, machte sie gleich weiter.
 

“Natürlich... wenn ich mich schon so schikanieren lasse, dann wenigstens mit Saunabesuch”, entschied er sofort und Yamato nickte eifrig.
 

“Ja... mit Sauna gemeinsam, Schatz”, fügte Yamato an und Miyako nickte, ehe sie ihr Handy griff und aufstand, um zu telefonieren und das Wellnessprogramm zu buchen.
 

“Sie scheint genau zu wissen, wie sie euch überzeugen kann”, merkte ich an.
 

“Irgendwie schon”, seufzte Chiaki und Yamato lachte leise.
 

“Hin und wieder tut das aber auch gut... gib es ruhig zu”, grinste letzterer und gab Chiaki einen freundschaftlichen Klaps auf das Schulterblatt.
 

Leicht grummelte Chiaki und ich konnte nicht anders und lachte leise über seine Reaktion. Es war mehr als deutlich, dass es ihm immer noch nicht schmeckte, doch er fügte sich. Schließlich war ihm genauso klar wie mir, dass man ihr einfach nichts ausschlagen könnte. Es dauerte nicht lange, bis sie wieder zurück kam und strahlte. “Alles gebucht und geplant”, kicherte sie und setzte sich gleich wieder zu uns.
 

“Möchte ich wissen, was genau du gebucht hast?”, fragte Chiaki sichtlich skeptisch nach.
 

“Jeanne und ich bekommen morgen früh Wellness pur und ihr zwei könnt in die Sauna gehen. Hinterher bekommt ihr Maniküre und Pediküre mit einer ausgiebigen Massage”, antwortete sie ihm und seufzend lehnte er sich zurück.
 

“Aber danach ist sicher Schluss”, erhob er seine Augenbraue und sah sie eindringlich an.
 

“Ja... für euch danach nichts mehr geplant”, versicherte sie ihm, denn auch sie kannte ihn gut genug.
 

“Und für Jeanne und mich steht danach ein Frisörtermin an, um für den Abend perfekt aus zu sehen”, grinste sie und kurz überlegte ich.
 

“Wäre es möglich, dass wir schon heute einen bekommen können?”, fragte ich sie.
 

“Kommt drauf an, für was genau”, entgegnete sie und ich erklärte ihr, dass ich gerne das Blond auffrischen wollen würde. Verstehend nickte sie und zückte ihr Handy. “Ein wenig Farbe kann nicht schaden”, grinste sie und organisierte nur zu gerne einen Termin. Sogar auch für sie. Überrascht blinzelte ich sie an und sie zwinkerte leicht.
 

“Möchtest du etwa eine neue Haarfarbe?”, musste ich wissen und konnte im Augenwinkel sehen, dass Yamato genauso neugierig war.
 

“Ja... ich habe da schon länger etwas im Sinn”, meinte sie ganz geheimnisvoll und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Mehr Informationen wollte sie mit uns scheinbar noch nicht teilen. Schnell hatte sie noch zwei Termine für den Abend klar gemacht und blickte auf die Uhr. “So... wir haben noch eine Stunde, dann sollten wir zum Frisör”, grinste sie mich an.
 

“Dann wäre die Rechnung jetzt genau richtig”, meinte Yamato und winkte den Kellner zu ihnen, um dies gleich zu erledigen. Danach räumten wir unsere Unterlagen zusammen und verließen das Lokal. Gemeinsam fuhren wir zurück und beschlossen noch gemütlich zu plauschen.

Das rote Outfit

Die Zeit bis zum Frisörtermin verlief sehr schnell. Miyako hatte mit mir das Haus schließlich verlassen, um zum Termin zu gelangen. Tatsächlich bewunderte ich sie dafür, wie selbstverständlich sie sich bewegte. Denn sie hatte so viel Selbstbewusstsein. Irgendwann wollte ich auch so sein. Daher würde ich von ihr so gut, es ging von ihr lernen. Bestimmt wäre dies sehr hilfreich. Hin und wieder war ich verunsichert und das sollte ich künftig ändern, sobald ich in meinem richtigen Beruf durch starten wollte. Überraschend war es beim Frisör, dass Miyako und ich alleine waren. Zwei Mitarbeiter hatten uns in Empfang genommen und uns direkt versorgt mit Kaffee und Wasser. Das war sehr zuvorkommend.
 

“Also... was habt ihr euch vorgestellt?”, wurden wir gefragt und ich begann meine Vorstellung zu erklären.
 

“Ich würde gerne meine Blondierung auffrischen lassen”, sprach ich aus und schmunzelnd blickte Miyako zu mir.
 

“Möchtest du nichts ausgefalleneres und neueres probieren?”, fragte sie mich, doch da musste ich passen. Blond war das Markenzeichen als ‘Jeanne’.
 

“Vielleicht nächstes Mal”, verschob ich ihre Idee.
 

“Schade... ich bin mir sicher, dir hätte eine andere Farbe sehr gut gestanden”, lächelte Miyako.
 

“Wie gesagt... vielleicht nächstes Mal, wenn es so weit ist”, merkte ich an und lenkte ab, indem ich sie fragte, was sie sich machen lassen wollte. Denn sie hatte selbst mir nichts verraten.
 

“Oh... ich will Mato überraschen”, grinste sie und fing an, der Frisörin zu erklären, was sie sich vorgestellt hatte.
 

Bei ihrer Ausführung bekam ich riesengroße Augen. Mit Sicherheit klappte mir auch der Mund auf, denn als ich die Farbe ‘lila’ hörte, konnte ich mir absolut nicht vorstellen, wie das gut aussehen sollte. “Bist du dir denn sicher, Miya?”, fragte ich nach und hob skeptisch eine Augenbraue hoch.
 

“Aber ja... das wird sicher genial aussehen”, grinste sie und die Frisörin nickte leicht, ehe sie mit Miyako das weitere Vorgehen besprach.
 

Derweil wurde ich von der anderen Mitarbeiterin bereits vorbereitet für mein bevorstehendes Programm. Geschickt hatte sie alles an gemischt und sogar die Haarfarbe mit meiner abgeglichen. Sie war äußerst professionell dabei und dafür war ich wirklich dankbar. Während sie mir die Farbe auftrug, bemerkte ich, dass auch schon Miyako so weit war. Dass sie das durchzog, hätte ich niemals gedacht. Doch ich war gespannt, das Ergebnis zu sehen. Es war keine alltägliche Farbe, soviel stand fest. “Möchtet ihr noch etwas trinken? Die Farbe wird eine halbe Stunde bis Stunde dauern, bis sie angenommen wurde”, erklärte uns die Mitarbeiterin.
 

“Ein Wasser bitte”, bat ich und Miyako stimmte dem zu.
 

Kaum hatten wir unser Wasser bekommen, schon ließen die beiden Damen uns alleine. Diesen Moment nutzte Miyako direkt aus und fragte mich aus, wie das Shopping wirklich war. Daher berichtete ich, dass es Spaß gemacht hatte, vor allem für Chiaki einen Anzug aus zu suchen. Überrascht sah sie mich an. “Ernsthaft? Er hat dir das erlaubt?”, entkam es ihr und leicht legte ich den Kopf schief, während ich zu ihr sah.
 

“Ehrlich gesagt... habe ich ihm da keine Wahl gelassen”, meinte ich gleich. Dahingehend gab es kein wenn und aber. Auch wenn er es versucht hatte.
 

“Wie geil... das hätte ich gerne gesehen”, lachte sie los und hinterließ bei mir einige Fragezeichen im Kopf.
 

“Wieso sagst du das so?”, hakte ich nach und sie lächelte mich sanft an.
 

“Weil er da... eben eigen ist... bisher durfte nur meine Mutter ihm beim Aussuchen helfen”, erklärte sie.
 

“Oh... dann... sollte ich mich geehrt fühlen”, entgegnete ich.
 

“Das stimmt... das ist wirklich eine Seltenheit”, begann sie und schien zu überlegen. “Chiaki... entscheidet für gewöhnlich immer alles alleine... hin und wieder gibt er da die Kontrolle ab, aber eigentlich nur bei Personen, die er lange kennt”, umschrieb sie den Umstand, wie ihr Freund eigentlich tickte.
 

“Verstehe... umso mehr freut es mich, dass er meine Wahl akzeptiert hatte”, lächelte ich leicht und fühlte mich tatsächlich geehrt, dass er mir so viel vertraute.
 

“Und ich bin noch neugieriger darauf zu sehen, was du gewählt hast”, meinte sie und verwundert runzelte ich die Stirn. “Er hatte mir nicht verraten, was er genau tragen wird... er meinte nur, dass es ein Anzug sein würde”, erklärte sie mir und schien meine stumme Frage erahnt zu haben.
 

“Oh... er scheint wohl gerne... ein Geheimnis darum zu machen”, schmunzelte ich und sie nickte eifrig.
 

“Das hatte er schon immer gerne getan”, entgegnete sie mir und seufzte leicht. “Liegt wohl daran, dass er nicht gerne viel von sich Preis gibt”, fügte sie vorsichtig hinzu.
 

“Hmmm... das verstehe ich irgendwie sogar”, sprach ich aus und konnte mir diesen Kommentar nicht verkneifen. Denn das konnte ich gut nach voll ziehen. Schließlich gab ich auch nicht gerne etwas von mir Preis. Wenn man bedachte, dass ich momentan eine zweite Identität lebte.
 

“Vielleicht... versteht ihr euch auch deshalb so gut”, lächelte Miyako und sah mich mit einem Blick an, den ich nicht direkt zu ordnen konnte.
 

Aber weiter darüber nach denken konnte ich nicht mehr, da eine der Frisörin zurück kam und prüfte, wie weit die Farbe eingewirkt war. Sogleich teilte sie uns mit, dass ich in einigen Minuten zum Auswaschen konnte. Jedoch müsste Miyako noch länger warten. Bei ihr auf dem Kopf waren mehrere Folien, wobei ich nur eine Haube hatte, weil meine Haare komplett die gleiche Farbe bekamen. Bei Miyako hingegen waren wohl zwei Farben eingearbeitet, weshalb ich nur noch neugieriger war, wie das Endergebnis wohl aussehen würde. Um die Wartezeit noch ein wenig zu überbrücken, sprachen wir noch etwas über die beiden Galas, die zeitgleich stattfanden und wir sie eben nicht beide besuchen konnten.
 

“Also ich freue mich schon auf die Beachparty”, gluckste Miyako und leise musste ich lachen.
 

“Das glaube ich dir... doch ich bin froh, dass ich da nicht hin muss”, gestand ich, denn ein ganzer Abend im Badeanzug oder Bikini wäre mir etwas unangenehm gewesen.
 

“Dann ist ja gut, dass wir das aufteilen konnten”, lächelte sie ehrlich und ich nickte zustimmend.
 

Schon kam die Frisörin wieder und nahm mich mit, um meine Haare aus zu waschen. Kurz verabschiedete ich mich von Miyako und ging mit der Mitarbeiterin mit. Diese kümmerte sich direkt um mein langes Haar. Dabei konnte ich sogar ein wenig abschalten, da die zusätzliche Kopfmassage mir wirklich gut tat. Es entspannte mich sichtlich und für einen Moment vergaß ich alles weitere um mich herum. Keine Gedanken herrschten in meinem Kopf und demnach keine Zweifel oder auch Sorgen. Nur leider endete dieser Augenblick viel zu schnell, da die Dame fertig mit dem Waschen war. “Sollen wir noch einen Schnitt hinein bringen?”, fragte sie nach, während sie meine Haare mit einem Conditioner bearbeitete.
 

“Hmm... Spitzen nach schneiden wird gut sein”, lächelte ich etwas und überlegte. “Ebenso einen schönen Stufenschnitt wieder reinbringen”, teilte ich ihr meine Antwort mit und sie nickte verstehend.
 

“Eine sehr gute Idee... bei ihrer Länge wird das sicher wundervoll aussehen”, sprach sie und massierte noch einmal die Haarpflege hinein.
 

Nach und nach machte sie ihre Arbeit und ich war davon so abgelenkt, dass ich nicht mit bekommen hatte, dass Miyako ebenso dabei war einen frischen Haarschnitt zu bekommen. Das bemerkte ich erst, nachdem die Frisörin mit mir fertig war. Überrascht sah ich in den Spiegel, denn die frische Farbe und die Frisur machten mich doch glatt ein paar Jahre jünger. Dankend lächelte ich die Mitarbeiterin an und richtete erst dann meinen Blick auf die Suche nach Miyako. Mehrmals musste ich blinzeln, als ich sie entdeckte. Sie sah so verändert aus, aber ich musste zugeben, dass es ihr sehr gut stand. “Wow... du siehst unglaublich aus, Miya”, lächelte ich bei meiner Aussage.
 

“Danke dir”, grinste sie und drehte sich noch einmal.
 

In ihrem dunklen und schwarzem Haar hatte sie lila Strähnen eingearbeitet. Manche waren dunkler, andere heller. Es wirkte auf mich wie ein Edelstein. Daher staunte ich umso mehr und sie strahlte wahrlich dabei. Der Schnitt passte sehr gut zu ihr, denn sie hatte einen sehr feinen Stufenschnitt drinnen. Ihr Haar war zwar kürzer als meines, doch es fiel ihr über die Schultern und passte perfekt zu ihr. Sie sah wunderschön aus und ich war mir sicher, dass Yamato sich über ihre neue Frisur freuen würde. So wie ich ihn kennen gelernt hatte, mochte er das Neue und Aufregende sehr. Mit dieser Farbe hatte sie beide vereinigt.
 

“Mato wird es sicher lieben”, meinte ich und sie kicherte.
 

“Das will ich doch hoffen”, entgegnete sie und zahlte direkt unsere beiden Frisuren. Perplex hatte ich geblinzelt und würde ihr das Geld später zurück geben. Denn das waren Ausgaben, die ich doch selber tragen würde.
 

“Ich... zahle meinen Anteil”, sprach ich aus, nachdem wir den Laden verlassen hatten.
 

“So ein Unsinn... das zahlt Chiaki sicher gerne”, zwinkerte sie mir gleich zu und seufzend akzeptierte ich das.
 

“Na gut... wir sollten langsam zurück”, sagte ich und sie nickte zustimmend, bevor sie das Taxi organisierte und wir zurück zu den beiden Häusern fuhren.
 


 

Der Morgen war früher da, als ich es erwartet hätte. Beim Zurückkehren ins Haus war Chiaki bereits in seinem Zimmer. Daher zog ich mich ebenfalls zurück und betrachtete noch einmal mein aufgefrischtes Haar. Es sah wirklich toll aus und ich war sichtlich erleichtert, dass man meine Naturhaarfarbe nicht mehr sehen konnte. Obwohl ich diese doch sehr gerne mochte, so passte es einfach nicht zu meinem zweiten ‘Ich’ als Jeanne. Jedoch fiel mir das Einschlafen ein wenig schwerer als gewöhnlich, denn er war in meinem Kopf präsenter den je. Definitiv musste ich mehr darauf achten, dass ich ihn so langsam aus dem System streichen. Er war mein Kunde und würde das in den nächsten Wochen noch so bleiben.
 

Meine Morgenroutine erledigte ich wie von selbst. Erst duschen und rasieren, danach etwas Pflegeprogramm für das Gesicht und natürlich nutzte ich eine Bodylotion. Es war nötig, um meinem Körper die notwendige Zuwendung zu kommen zu lassen. Schließlich musste ich am Abend im wahrsten Sinne des Wortes glänzen. Schnell hatte ich meine Sachen soweit an, um den Tag bis dahin hinter mich bringen zu können. Meine Entscheidung fiel auf eine einfache kurze Jeans und einem leichten Shirt. Da wir nicht groß raus gehen würde, würde das vollkommen ausreichen. Wir wollten gemeinsam die Ideen besprechen, die wir während des Shoppen hatten. Es waren einige Überlegungen dabei, die Chiaki eventuell in den beiden Häusern durchführen wollte.
 

Kaum war ich angezogen, verließ ich den Raum und hatte mein Tablet dabei, auf dem ich auf die Dateien und vor allem auf das Programm zugreifen konnte. Meine Haare hatte ich zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammen gebunden. Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich faul. Aber das war halb so schlimm. Als ich das geräumige Wohnzimmer betrat, roch ich bereits die schwarze Brühe und lächelte leicht. Das zeigte mir, dass Chiaki schon wach war. “Guten Morgen”, sagte ich, nachdem ich die angrenzende Küche betreten hatte.
 

“Guten Morgen”, kam es von ihm und er drehte sich mit zwei Bechern in der Hand um.
 

Bei seinem Anblick musste ich leicht schlucken, da er eine kurze Hose und ein weißes Hemd an hatte, welches offen war. Seine Brustmuskulatur konnte ich dadurch sehr gut erkennen, was meine Fantasy nur noch mehr anregte. Fuck... wie soll ich mich dabei nur beherrschen?, biss ich mir auf die Unterlippe.
 

“Wow... die frischere Haarfarbe steht dir verdammt gut”, hörte ich seine Stimme und konnte mich demnach von meinem Gedanken los reißen.
 

“Ähm... nun, danke”, entgegnete ich und trat näher. Dabei reichte er mir einen der Becher, den ich dankbar an nahm. “Genau das Richtige jetzt”, lächelte ich ihn an und trank einen Schluck davon.
 

“Miya und Mato sind auch gleich da”, meinte er und kaum hatte er dies aus gesprochen, schon klingelte es an der Haustür.
 

“Ich mache auf”, lächelte ich ihn an und ging zur Tür, um das Paar hinein zu lassen.
 

Beide strahlten mich an und ich konnte direkt sehen, wie gern Yamato die neue Haarfarbe seiner Frau hatte. Wir gingen zur Wohnlandschaft und Chiaki hatte bereits die Becher für die beiden hingestellt. “Oh wow... Miya... das sieht hammer aus”, staunte er nicht schlecht, als er sie nun richtig sehen konnte.
 

“Danke... ich denke... das wird in den nächsten Woche die perfekte Farbe sein”, grinste sie und setzte sich neben Yamato, ehe sie beide nach dem Kaffee griffen und daran nippten.
 

“Damit hast du eine sehr gute Wahl getroffen”, kam es lächelnd von Yamato und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Schläfe. Die beiden waren einfach nur süß.
 

“Da beide Damen glücklich sind, können wir kurz die Renovierung für diese beiden Häuser besprechen”, meinte Chiaki ganz professionell und so sprachen wir die Ideen und Möglichkeiten. Wir hatten noch einige Stunden, ehe wir zur Wellness übergehen würden und uns schließlich für den Abend fertig machen würden.
 


 

Die Zeit mit den dreien verlief immer so schnell, selbst beim Wellness war dies so. Auch wenn die Jungs hin und wieder gemurrt hatten, so haben sie das Programm artig mit gemacht. Vor allem Yamato und Miyako tat das sehr gut. Immerhin würden sie beide am Abend zu einer Beachparty gehen. Demnach würde man doch mehr Haut sehen als gewöhnlich. Ich ließ mir sogar die Nägel lackieren, damit diese zum späteren Outfit passen würden. Rot mit weißer Frenchline und bei zwei von den fünf Nägeln einer Hand wurden kleine Blüten aufgemalt. Es sah mehr als perfekt aus und ich freute mich schon sehr auf den Abend. Wobei ich doch ein wenig unsicher und nervös war. Diese Gala hörte sich nach einer größeren Veranstaltung an.
 

“Ich hoffe, ich bekomme das heute hin”, seufzte ich leise, nachdem ich aus der Dusche stieg.
 

Kaum hatte ich das Handtuch um meinen Körper geschlungen, hörte ich die Klingel und verließ das Bad. So wie ich war ging ich zu dieser und öffnete. Da ich genau wusste, dass es nur Miyako sein konnte, war es nicht schlimm, dass ich nur im Handtuch war. Chiaki war bereits drüben bei Yamato, um sich fertig zu machen. Auf diese Idee kam Miyako, da sie unbedingt die Männer überraschen wollte. Wieso sie das wollte, war mir nicht direkt klar. Aber weiter darüber nach denken konnte ich nicht, weil sie pfeifend herein kam. “Also das wäre auch ein geniales Outfit für heute”, lachte sie und ich schüttelte amüsiert meinen Kopf.
 

“Du bist unmöglich, Miya”, meinte ich und schloss die Tür, nachdem sie ins Wohnzimmer gegangen war.
 

“Ach komm schon... das Handtuch ist weiß”, grinste sie und ich lachte laut.
 

“Okay... also Unterwäsche anziehen und Bademantel an”, lenkte ich ab und sie nickte zustimmend.
 

“Jaja... schon gut... ich gehe auch fix duschen... die Frisörin kommt in knapp 30 Minuten, dann macht sie Haare und Make-up bei dir”, stieg sie auf den Themawechsel mit ein und ich lächelte erleichtert und nickte.
 

So wie es Miyako gesagt hatte, kam die Frisörin mit ihren Arbeitskoffern nach nur 30 Minuten. Diese ließ ich hinein und bot ihr gleich einen Kaffee an. Das nahm sie gerne an und ich ließ die schwarze Brühe für uns durch laufen. In der Zwischenzeit kam Miyako im Bademantel und begrüßte die Frisörin. Sie schien ebenso schon bereit zu sein, weshalb ich den Kaffee verteilte und mich setzte. Denn zuerst sollten bei mir die Haare gemacht werden, da Miyako später los müsste. Das hatte sie direkt zu beginn besprochen, damit alles reibungslos ablaufen würde. Definitiv war sie eine verdammt gute Organisatorin und das fand ich toll.
 

Es dauerte nicht lange und die Frisörin hatte meine Haare gebändigt. Im Vorfeld hatten wir darüber gesprochen leichte Locken rein zu machen und das Haar hoch zu stecken. Als Schmuck wählte ich rote Haarnadeln, die einer Blüte glichen. Zudem arbeitete die Dame ein rotes Band hinein, welches perfekt zum Kleid überleiten sollte. Das Make-up wollte ich natürlich belassen, wobei der rote Lippenstift kräftiger gewählt wurde. Ebenso der Lidschatten war Braunrötlich angehaucht, um das Thema Rot wieder mit auf zu greifen. “Das passt perfekt zu dir, Jeanne”, lächelte Miyako mich an und ich wurde leicht rot um die Nase.
 

“Danke... ich denke auch, dass es perfekt zum Kleid passen wird”, entgegnete ich und sie nickte.
 

“Absolut... zieh schon mal die Schuhe an... sobald meine Haare fertig sind, helfen wir dir mit dem Kleid, welches einfach schon so traumhaft wirkt”, meinte sie und dem stimmte ich zu. Dahingehend hatte sie recht. Das Kleid war wirklich ein Traum und alleine anziehen war nicht möglich. Daher holte ich meine Schuhe für den Abend und setzte mich auf das Sofa, um diese an zu ziehen.
 

Es dauerte einige Momente, bis auch Miyako frisiert und geschminkt war. Sie grinste leicht, als sie meine Schuhe betrachtete. “Man bin ich froh, dass ich heute keine Heels tragen muss”, lachte sie und leicht schmunzelte ich bei ihren Worten. Den Punkt würde ich wohl auch als Vorteil sehen, wenn es zu einer Beachparty ging. Aber auch der einzige.
 

“Wohl wahr... doch zu dem Kleid passen nun mal nur Heels”, grinste ich und sie nickte amüsiert.
 

“Aus dem Grund sollten wir dir noch hinein helfen... sonst schaffen wir es nicht, bis dich Chiaki abholt”, zwinkerte Miyako mir zu. Wie von selbst blickte ich zur Uhr und bekam sehr große Augen.
 

“Ach du Schreck... er kommt ja schon in knapp 30 Minuten”, entkam es mir und sie lachte leise, während sie zu dem Kleidersack ging. Tatsächlich wurde dieses geliefert kurz nach unserer gemeinsamen Shoppingtour. Das war wirklich mehr als beeindruckend, wie schnell und vor allem einfach das ging. Kaum war das Kleid heraus, quietschte Miyako.
 

“Das ist einfach ein Traum”, schwärmte sie begeistert.
 

Schmunzelnd ließ ich mir beim Ankleiden helfen. Es fühlte sich unglaublich an, den Stoff wieder zu fühlen. Wie von selbst erinnerte ich mich an den Moment, als er mir das Kleid schloss. Kurz schloss ich meine Augen und atmete einmal tiefer durch. Diesen Gedanken musste ich dringend los werden, sonst würde es mich später wieder einholen und das wäre mehr als verkehrt. Solche Überlegungen und Emotionen sollte ich nicht haben, aber scheinbar war es bei ihm ganz anders. Innerlich seufzte ich, da ich vermutlich machtlos sein könnte gegen meinen eigenen Kopf. Definitiv müsste ich später mit meinen Mädels sprechen, wie ich ihn aus meinem System bekommen könnte.
 

Auch wenn ich mir noch nicht sicher war, wie ich das ihnen erklären sollte. Schließlich war es das erste Mal, dass es mir sau schwer fiel zu zu geben, dass ich es schade fand, dass er mein Kunde war.

Die rot-weiß Gala

Beim Schmuck Anlegen half mir Miyako ebenso und einmal mehr war ich froh darüber, dass ich schlichteren gewählt hatte. Das Outfit wurde damit abgerundet und war mehr als perfekt. “Danke euch beiden... ihr habt wahrlich gezaubert”, lächelte ich, aber Miyako winkte gleich ab.
 

“Unsinn... du bist einfach eine Naturschönheit”, zwinkerte sie mir zu und ich wurde knallrot bei ihren Worten. Solche Komplimente waren eher schwer für mich zu akzeptieren.
 

Zum Glück brauchte ich darauf nicht mehr eingehen, da es an der Tür klingelte. Etwas überrascht blinzelte ich und sah zu dieser. Miyako war bereits dort hin gegangen, um auf zu machen. Leicht nervös schluckte ich und nahm die Handtasche, in die ich noch schnell den roten Lippenstift und das Handy hinein packte. Alles andere hatte ich schon darin. “Hey, Miya... wie weit seid ihr denn?”, hörte ich Chiakis Stimme und atmete wie von selbst noch einmal durch.
 

Jedoch schien sie nicht näher darauf eingehen zu wollen, denn ich hörte ihr Grinsen bei den nächsten Worten: “Oha... das ist definitiv etwas Neues, Chiaki.” So wie ich ihn kennen gelernt hatte, war ein weißer Anzug etwas ganz was anderes, als er sonst trug. “Aber... du siehst unglaublich darin aus”, setzte sie fort. Vermutlich hatte sie ihn eingehender ansehen können.
 

“Danke dir... mir gefällt es auch erstaunlicherweise sehr”, gestand er und das freute mich zu hören.
 

“Doch um auf deine ursprüngliche Frage zurück zu kommen... ich weiß nicht, ob wir soweit sind... das musst du nun selbst entscheiden”, gluckste sie bei ihren Worten und dabei schüttelte ich schmunzelnd den Kopf. Sie war wahrlich eine Hausnummer für sich.
 

“Dann solltest du mich hinein lassen”, meinte er und Miyako trat beiseite, um in rein zu lassen.
 

“Nur zu”, kicherte sie.
 

Die kurze Zeit, die mir noch blieb, nutzte ich, um noch einmal durch zu atmen. Denn jeden Moment würde Chiaki vor mir stehen und mich zur Gala abholen. Tatsächlich war ich ein wenig nervös, ob er mit meinem Gesamtoutfit zufrieden wäre. Zwar erleichterte es mir zu hören, dass er sich mit dem weißen Anzug angefreundet hatte, so blieb dennoch ein gewisser Restzweifel zurück. Erneut atmete ich durch und checkte schnell mein Make-up, aber mein Handtäschchen. Ein Glück war es klein, aber geräumig genug für die notwendigen Damenutensilien. Als ich Schritte hörte, sah ich automatisch auf und hatte damit den perfekten Blick auf sein heutiges Äußeres. Zu dem Anzug trug er weiße Anzugsschuhe, die das Gesamtbild abrundeten.
 

Wie von selbst musterte ich ihn von unten nach oben und staunte einmal mehr, wie gut ihm die Farbkombination stand. Vielleicht könnte ich ihn davon überzeugen, öfters etwas Neues zu wagen. Verlegen lächelte ich ihn an, nachdem wir uns direkt in die Augen blickten. “Also... jetzt sieht der Anzug noch besser aus”, zwinkerte ich ihm zu und seine Mundwinkel zuckten sichtlich amüsiert.
 

“Dem kann ich nur zustimmen... überraschenderweise steht es mir sehr gut”, entgegnete er und ein Blitzen erschien in seinen Augen, weshalb ich meinen Kopf leicht schief legte. Das konnte ich nicht so ganz zuordnen, aber darum würde ich mich später kümmern.
 

“Dieses Kleid steht dir, Jeanne”, meinte er und bot mir seine Hand an.
 

“Danke dir”, lächelte ich und legte meine in seine.
 

“Gut... wir sind dann mal weg... und dir später viel Spaß mit Mato”, zwinkerte er und dem konnte ich mich nur anschließen.
 

“Werden wir haben... ihr habt auch viel Spaß”, rief sie uns hinterher, während Chiaki mich nach draußen führte.
 

“Hoffentlich machen die beiden keinen Unsinn”, wisperte er mir zu und ich sah zu ihm rüber. Leise kicherte ich bei seinen Worten, denn das war wirklich wünschenswert.
 

“Das hoffe ich auch”, gluckste ich zustimmend und blickte nach vorne. Augenblicklich bekam ich große Augen. “Was... ist das denn?”, fragte ich stockend.
 

“Nun... ich dachte, wenn wir schon Abendgarderobe tragen... dann sollten wir auch mit einer Limousine fahren”, erklärte er, während ich noch verkraftete, dass vor uns eine schwarze stand. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet.
 

“Wow... okay... das hat definitiv Still”, brachte ich langsam über die Lippen.
 

“Finde ich auch”, meinte er und öffnete mir die Tür, nur um mir beim Einsteigen zu helfen.
 

“Danke dir”, sagte ich und setzte mich hinein.
 

Sogleich folgt er mir und schloss die Autotür. Sein Blick wanderte zu mir und automatisch erwiderte ich diesen. Es war fast so, als würden wir uns magisch anziehen. In seinen Augen könnte ich versinken und konnte nicht anders, als etwas vor mich hin zu träumen. Dass mir dabei eine kleine Haarsträhne ins Gesicht fiel, merkte ich nicht sofort. Aber er durchaus und legte diese hinter mein Ohr. “Die Frisur und das Make-up stehen dir”, sagte er dabei und verlegen lächelte ich.
 

“Danke... wir haben es extra so gewählt, dass es zum Kleid passt, aber eben nicht... zu viel wäre”, erklärte ich ihm, um mich etwas ab zu lenken.
 

Diese Nähe zu ihm bescherte mir eine Gänsehaut. Keine beunruhigende, eher eine wohlige. Aber das musste ich beiseite schieben, denn mittlerweile hielten wir an. Scheinbar waren wir angekommen, daher blinzelte ich leicht und unterbrach den Blickkontakt. “Ich denke... wir sind da”, sprach er seufzend aus. Vermutlich hatte er wie ich gehofft, dass die Fahrt länger dauern würde.
 

“Scheint so”, meinte ich und sah aus dem Fenster des Autos. Als ich die vielen Leute entdeckte, bekam ich große Augen. “Ähm... das sind aber ganz schön viele”, brachte ich schluckend heraus und sah zu ihm.
 

“Stimmt... die Gala ist eine der größten, die in Miami statt findet”, erläuterte er und ich wurde von einigen Blitzen von draußen abgelenkt.
 

“Mit... Reportern?”, hakte ich überrascht nach und entdeckte im Augenwinkel ein Nicken von ihm.
 

“Keine Sorge... es werden zwei drei Bilder gemacht und wir gehen hinein... Fragen beantworte ich generell nicht und demnach musst du das auch nicht”, antwortete er mir und fast schon dankbar richtete ich meine Aufmerksamkeit zu ihm.
 

“Okay... also lächeln und rein gehen”, kam es erleichtert von mir und er grinste leicht.
 

“Korrekt... mehr werden wir nicht tun”, meinte er und sah hinaus, um zu prüfen, ob wir raus gehen könnten. “Okay... wir können... also einmal tief durch atmen”, fügte er an.
 

“Alles klar... wir bekommen das hin”, lächelte ich ihm zuversichtlich zu und er nickte zustimmend.
 

Noch einmal atmete er durch und öffnete schließlich die Autotür. Sogleich stieg er aus und richtete sein Jackett, ehe er seine Hand mir anbot. Dankbar nahm ich seine Hilfe an und folgte ihm aus dem Wagen. In der anderen Hand hatte ich meine Tasche und war froh, dass ich mich sowohl an ihm als auch an dieser fest halten konnte. Wie von selbst hatte er die Tür zugemacht und meine Hand auf seinen Unterarm gelegt, sodass ich mich bei ihm unterhaken konnte. Er wusste genau, was er tat und das war unglaublich. Auch wenn er oft meinte, wie sehr all das hasste, so merkte ich, wie gern er manche Sachen tat. Allen voran wenn es um wohltätige Projekte ging.
 

Gemeinsam gingen wir zum Eingang und mussten dabei über den ausgelegten Teppich. Vor der aufgestellten Leinwand blieben sie stehen und ließen ein paar Fotos machen. Natürlich kamen einige Fragen von den Reportern, jedoch lächelte Chiaki einfach und ich tat es ihm gleich. Als schon die nächsten Gäste näher kamen, zog er mich leicht weiter zum Eingang und ich folgte ihm. Somit entschwanden wir vom Radar und konnten dem Ganzen entkommen. “Sehr gut gemacht, Jeanne”, vernahm ich seine leise Stimme.
 

“Danke... aber neben dir fällt es mir leicht”, lächelte ich ihn sanft an und hatte leicht zu ihm gesehen.
 

“Echt?”, fragte er nach und sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Schmunzelnd nickte ich. “So locker bin ich aber nur dank dir”, fügte er an und blinzelnd legte ich den Kopf schief.
 

“Veralbern brauchst du mich nun auch nicht”, amüsierte ich mich und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Das mache ich gar nicht... Irgendwie... fühle ich mich in deiner Nähe ruhiger”, gestand er und deswegen weiteten sich meine Augen. Das konnte ich nur schwer nach voll ziehen.
 

“Du übertreibst”, entgegnete ich, doch er lächelte mich an.
 

“Nein tue ich nicht... da kannst du Miya fragen”, zwinkerte er mir zu und leise lachte ich.
 

“Das werde ich tun”, entgegnete ich ihm und er führte mich durch den Flur zum Saal. “Doch jetzt sollten wir uns um die Gala kümmern”, fügte ich an und er nickte zustimmend.
 

“Gut... das machen wir”, lächelte er und führte mich zur Bar. “Zum Einstieg einen Champagner oder lieber einen Whiskey?”, fragte er mich direkt und ich schmunzelte leicht.
 

“Bleiben wir doch bei unserem beider Lieblingsgetränk”, antwortete ich ihm grinsend.
 

“In Ordnung”, zwinkerte er und wandte sich an den Barkeeper. “Zwei Mal Whiskey... für die Dame und mich”, orderte er und zufrieden lächelte ich.
 

Wenn ich schon die Wahl hatte, dann einen guten Tropfen, ehe ich auf nicht alkoholische Getränke zurück greifen würde. Nur einige Momente später bekamen wir die Getränke, wobei der Barkeeper mich durchaus skeptisch an geschaut hatte. An diese Blicke hatte ich mich schon längst gewöhnt, weshalb ich das Glas nahm und mit Chiaki anstieß. Ihm konnte ich ansehen, dass er das genauso amüsant fand wie ich. Daher grinste ich leicht. “Auf einen schönen Abend”, meinte ich und er entgegnete dies, bevor wir anstießen und jeweils einen Schluck zu uns nahmen. Wir hatten uns danach an einen Tisch gestellt und genossen den edlen Tropfen. Dabei beobachtete ich die Menge im Saal. Einen Moment überlegte ich und nahm noch einen Schluck von meinem Glas. “Auf welche Gespräche sollte ich mich einstellen?”, fragte ich bei ihm nach.
 

“Hmmm.... die meisten sind Immobilienmakler und Hotelier”, entgegnete er nachdenklich. “Ein paar Models oder Schauspieler könnten noch dazu kommen”, fügte er an und leicht nickte ich.
 

“Alles klar... wäre gut, wenn du mir einen kleinen Hinweis gibst, damit ich die Themen anpassen kann”, meinte ich, da es doch unterschiedliche Gesprächsstoffe waren.
 

“Sofern ich die Personen kenne... werde ich das tun”, versprach er mir und schmunzelnd sah ich zu ihm.
 

“Wie... du kennst nicht alle?”, hakte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue nach.
 

“Definitiv nein... die meisten quatschen immer einen wahllos an”, zuckte er mit seinen Schultern.
 

“Sowas aber auch... vermutlich eher Damen?”
 

“Kann schon sein”, entgegnete er eher gleichgültig.
 

“Keine Sorge... heute passe ich auf dich auf”, grinste ich ihn an und konnte ihm nur zu deutlich ansehen, dass ihm diese Idee durchaus gefiel.
 

“Dafür wäre ich dir dankbar”, kam es ehrlich von seinen Lippen und er trank weiter. Genau das tat ich auch und nach und nach leerten sich unsere Gläser und der Saal füllte sich.
 

Geschickt hatte uns Chiaki Wasser mit etwas Traubensaft organisiert. Es war im Weinglas serviert, damit keiner merken würde, dass wie keinen Alkohol tranken. Das fand ich echt lustig, aber auch unheimlich nett von ihm. Bei Galas war es oft schwer ohne ein Glas zu sein., weshalb er sich darum kümmern würde, dass wir beide dem Anschein nach versorgt wären. Diese Eigenschaft war etwas äußerst Positives, da er keinen drängte. “Danke dir”, lächelte ich ihn an, nachdem er mir ein weiteres Glas brachte.
 

“Das ist das mindeste”, zwinkerte er mir zu und schmunzelnd nippte ich an dem Glas. Ganz genauso als würde ich einen Wein trinken.
 

“Ach was... du bist mir nichts schuldig”, winkte ich gleich ab und er grinste etwas. Jedoch kamen wir in unserem Gespräch nicht weiter, da zwei Paare zu uns kamen und mit Chiaki sprechen wollten.
 

Mit dem kleinen Hinweis, ob die Hotels genauso gut laufen würden wie seine eigenen, wusste ich genau, dass es sich um Hoteliers handelte. Die Andeutung war so gut gewählt, dass es keinem Auffiel. Genau diese Feinfühligkeit mochte ich an ihm sehr. Er hatte mich als seine Kollegin und Freundin vorgestellt, was mich tatsächlich wunderte, aber ziemlich freute. Das Gespräch war zunächst eher oberflächlich, wie gut die Hotels und damit die Geschäfte liefen. Nach einer Weile kristallisierte sich heraus, dass die beiden Hoteliers Renovierungsarbeiten vornehmen mussten. Allerdings hatten sie nicht so viele Erfahrungen mit den Abläufen. Das hatte mich nicht sonderlich verwundert, denn beide waren dem Anschein nach recht jung.
 

Zudem konnte ich aus dem Gespräch entnehmen, besaßen sie jeweils zwei kleinere Hotels mit knapp 40 Zimmern am Stadtrand von Miami. Beide hatten eine angenehme Koexistenz und das fand ich großartig. Weshalb ich verstand, dass sie nicht sicher waren, wie sie das am besten bewerkstelligen sollten. “Wichtig dabei ist die Planung... um den Ablauf geregelt zu halten und trotzdem Erneuerungen vor zu nehmen”, sagte Chiaki und beide nickten verstehend.
 

“Das alles unter einen Hut zu bekommen ist nicht leicht”, merkte eine der Damen an. Dahingehend hatte sie Recht.
 

“Arbeitet ihr ebenfalls in den Hotels?”, fragte ich neugierig nach und die Dame nickte, während die andere dies verneinte. “Meist haben die Damen den größeren Überblick”, setzte ich fort, was Chiaki leise lachen ließ und seine beiden Kollegen stiegen mit ein.
 

“Tatsächlich ist das so”, kam es von einem von ihnen und seine Partnerin kicherte leise.
 

“Deshalb... macht eine Liste... was dringend erledigt werden muss und wie lange man dafür brauchen würde... so könnt ihr einen Zeitplan und eine Kostenaufstellung der ‘Verlustzeit’ berechnen”, erklärte ich das Vorgehen, welches ihnen helfen könnte, die Renovierung zu planen.
 

“Eine Dame vom Fach, das gefällt mir”, bekam ich das Kompliment und wurde leicht verlegen dabei.
 

“Mir auch... sie ist wahrlich eine Bereicherung”, bestätigte Chiaki und lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich.
 

Mit einem sanften Lächeln dankte ich ihm stumm für seine Worte. Dass er dabei meine Hand in seine nahm, freute mich sehr und mein Herz schlug etwas schneller. Um mich ein wenig ab zu lenken, sprachen wir weiter mit den beiden Paaren und Chiaki half ihnen so gut es möglich war. Es fand sich eine gute Lösung für sie und das freute mich, da sie dadurch enger mit Chiaki zusammen arbeiten wollten. Das wäre auch für ihn lukrativ. Deshalb würde er sich in Zukunft mit ihnen mehr austauschen und sehen, welche Angebote sie für ihre Gästen noch erweitern würden. Vieles konnte man verbinden und das würde sich für alle Parteien positiv auswirken.
 

“Aber nun sollten wir den Abend genießen”, lächelte Chiaki. Damit hatte er das Geschäftliche abgeschlossen und wir genossen den Abend in vollen Zügen.
 

Tatsächlich versuchten einige Damen bei Chiaki zu landen, doch ihn interessierte es gar nicht. Viel mehr achtete er auf Bekannte und vor allem mich. Dies ließ mich immer wieder schmunzeln, doch ich half ihm so gut es ging, falls mal doch jemand zu aufdringlich wurde. Geschickt lockte ich ihn mit einfachen, aber effektiven Mitteln weg. Die meisten bemerkten das gar nicht, doch er umso mehr, weshalb er mir stumm dankte und seine Finger mit meinen verschränkte. Dadurch setzte er ein deutliches Zeichen den anderen gegenüber. Was die Leute womöglich dachten, war mir vollkommen egal. Denn das war nicht wichtig, da ich diese sanfte aber deutliche Nähe zu ihm genoss.
 

“Nicht nur du hast zu danken”, kicherte ich leise nach einer Weile und blickte dabei zu ihm.
 

“Du dankst mir auch?”, hakte er bemüht skeptisch nach. Doch ich sah deutlich seine Mundwinkel zucken.
 

“Natürlich... die meisten Männer hier sind echt unheimlich“, merkte ich an und ein schiefes Grinsen erschien auf seinen Lippen, was ihn nur noch spitzbubischer machte.
 

“Und ich bin es nicht?”, fragte er nach. Wie von selbst stupste ich spielerisch seinen Arm an.
 

“Natürlich nicht... du bist etwas besonderes”, zwinkerte ich ihm zu und er schmunzelte.
 

“Besonders? In wie fern?”, wollte er wissen.
 

“Na klar... du bist mein Held”, antwortete ich ihm.
 

“Wie kommst du denn darauf?”
 

“Weil du mich nun auf die Tanzfläche entführst, wir etwas tanzen und danach von hier verschwinden”, antwortete ich und zog ihn leicht zum besagten Bereich.
 

“Hm... wenn das die Definition eines Helden ist... dann werde ich gerne dein Held sein”, lachte er leise und erleichtert atmete ich durch, dass er dem zustimmte. Denn noch länger unter diesen Leuten würde ich nicht durchstehen.
 

“Danke”, grinste ich ihn an, nachdem wir auf der Tanzfläche ankamen und begannen uns zur Musik zu bewegen.
 

Mehrere Lieder tanzten wir durch und er machte es äußerst gut. Jegliche Versuche, mich oder ihn als Tanzpartner zu tauschen, schmetterten wir ab und blieben für uns. In einem günstigen Moment schlüpften wir über die Terassentür hinaus in den Garten. Von dort aus konnten wir unbemerkt von der Gala verschwinden. Die Straße war nur ein kleiner Katzensprung entfernt und er hatte sein Handy bereits in der Hand, um uns ein Taxi zu holen. Doch ich hielt ihn auf und deutete zu dem Park, der auf der gegenüberliegenden Seite war. “Verstehe... du willst weiter weg sein, ehe wir ein Taxi holen?”, fragte er und ich nickte zustimmend.
 

“Genau... es sind sicher noch ein paar Reporter hier und wir wollen denen doch kein weiteres Bild geben”, entgegnete ich ernst und er grinste leicht, während er meine Hand drückte und wir gemeinsam zum Park gingen.
 

“Hmmm... die hätte ich fast vergessen”, kam es von ihm und darüber musste ich tatsächlich schmunzeln.
 

“Gut, dass wenigstens ich mitdenke”, kicherte ich leise und er stieg mit ein.
 

“Wohl war... danke dir dafür”, lächelte er mich an und wir schritten den Weg weiter.
 

Es fühlte sich gut an, an der frischen Nachtluft zu sein. Tiefer atmete ich durch und schmunzelte, da er bereits das Navi auf dem Handy geöffnet hatte. Für die Orientierung war es gar nicht so verkehrt, doch ich war mir sicher, dass wir das auch so hinbekommen hätten auf die andere Seite des Parks zu kommen. “Es ist wirklich eine schöne Nacht”, merkte ich an und er nickte.
 

“Das stimmt... sollen wir noch etwas spazieren gehen?”, schlug er mir vor und blinzelnd blickte ich zu ihm.
 

“Also... in dem Outfit... werden wir für Aufsehen sorgen”, grinste ich leicht und er zuckte leicht mit den Schultern.
 

“Hmmm wenn ich so recht darüber nach denke... wäre es nicht so gut... aber wir können noch das kleine Stück weiter gehen und uns ein Taxi dort hin bestellen”, meinte er sichtlich grübelnd und kurz runzelte ich meine Stirn.
 

Warum er plötzlich umdisponiert hatte, war mir nicht ersichtlich, doch darum würde ich mich später kümmern. Nach ein paar Minuten kamen wir sogar an einem Taxistand vorbei. Diesen Umstand nutzten wir und nahmen eines, um damit zurück zum Haus zu fahren. Die Fahrt verlief schnell und unkompliziert. Kaum waren wir da, stieg er aus und bevor ich das tun konnte, hatte er mir erneut seine Hand angeboten. Schmunzelnd nahm ich diese an und verließ mit seiner Hilfe den Wagen. Danach zahlte Chiaki das Taxi und es fuhr weg. Ich hatte derweil mein Kleid leicht gerichtet. Es war ein schöner Abend und dafür würde ich ihm gleich noch danken, sobald wir drinnen wären.
 

Nur einige Momente später gingen wir zusammen hinein, nachdem er auf geschlossen hatte. Dankend nickte ich ihm zu, als ich eintrat, da er mal wieder mir den Vortritt ließ. Dahingehend war er ein wahrer Gentleman. “Ein Glück ist die Gala durch”, hörte ich sein leises Lachen.
 

“Stimmt... und es war ein schöner Abend”, meinte ich, nachdem wir im Wohnzimmer standen.
 

Sogleich drehte ich mich zu ihm um und trat etwas ungeschickt auf, sodass ich mit dem Heel leicht weg knickte und drohte zu fallen. Automatisch schloss ich die Augen, doch den Aufprall spürte ich nicht. Stattdessen roch ich ein herbes Männerparfüm und spürte pure Wärme. Vorsichtig öffnete ich meine Augen und sah in die schönten Iriden überhaupt. “Du solltest... vorsichtiger sein”, raunte er und hielt mich sicher in seinen Armen fest, während ich mich wieder hin stellte.
 

“Stimmt... sollte ich wohl sein”, hauchte ich und schluckte leicht. Wie von selbst blickte ich zu seinen Lippen und biss mir leicht auf die Unterlippe.
 

“Das... solltest du... nicht tun”, knurrte er leicht.
 

“Was denn?”, kam es so unschuldig wie möglich von mir und erneut biss ich mir auf die Unterlippe.
 

“Genau das hier”, grummelte er und legte seine Finger unter mein Kinn, nur um dieses an zu heben.
 

Wie von selbst hielt ich den Atem an und spürte schon im nächsten Moment seine Lippen auf meinen. Überrascht weiteten sich erst meine Augen, ehe ich sie schloss und diesen Augenblick einfach alles andere vergaß. Der Kuss war erst leicht und vorsichtig, doch schnell wurde er fordernder und ich erwiderte diesen, ohne an irgendwelche Konsequenzen zu denken. Gerade wollte ich nichts mehr, als seine Lippen zu spüren und zu schmecken.

Ein Vorschlag

Automatisch hatte ich meine Arme um seinen Nacken gelegt und genoss den Kuss sichtlich. Es war mehr als unglaublich, wie weich und sinnlich seine Lippen waren, aber auch die freche und forsche Zunge gefielen mir. Er hatte sich geschickt einen Weg zwischen meine Lippen gebannt und neckte nun meine Zunge mit seiner. Es überraschte und erfreute mich gleichermaßen, weshalb ich ihm sicher nicht kampflos die Oberhand überlassen würde. Gerade gab ich mich dem Gefühl hin und ‘kämpfte’ gegen seine Dominanz, die ich nun umso mehr spürte. Dass ich mich wehrte, ließ ihn in den Kuss knurren und mein Körper reagierte selbstverständlich darauf. Ein Stöhnen entkam mir und ich neckte seine Zunge mit den Zähnen, da ich mir von ihm nichts gefallen lassen wollte.
 

Dies schien ihn noch mehr an zu spornen, weshalb ich nur eine Sekunde später seine Hände an meiner Hüfte spürte. Sofort drückte er mich noch enger an seinen muskulösen Körper. Augenblicklich erschauderte ich unter dieser Nähe und keuchte, während er mich stärker in sein Zungenspiel einband. Er war verdammt gut darin und das heizte mich nicht nur an, sondern weckte auch meinen inneren Spieltrieb. Definitiv weckte er in mir Seiten, die ich für gewöhnlich nicht in solchen Situationen aus lebte. Doch durch ihn... war es anders. Eindeutig... ich war sowas von am Arsch. So viel wurde mir klar, als ein Klingeln ertönte und uns aus unserer ‘Blase’ riss. Keuchend lösten wir den Kuss und blickten beide zur Tür.
 

Schneller ging unser beider Atem, da ich spürte, wie sich seine Brust dabei bewegte. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich auf die Tür, während es erneut klingelte. “Ähm”, begann ich und traute mich nicht, Chiaki an zu sehen.
 

“Ich... mach mal auf”, kam es rauer über seine Lippen und er löste sich von mir. Schwer schluckend sah ich ihm nach und versuchte meinen Atem zu kontrollieren.
 

Fuck... wie konnte mir das passieren?, rauschte es mir durch den Kopf. Ich sollte mehr auf meinen Verstand hören als mich dem Gefühl hin zu geben. Auch wenn dieser Kuss bei weitem mehr in mir ausgelöst hatte, als all die Zärtlichkeiten und Intimitäten, die ich bis dato mit anderen Männern geteilt hatte. Erneut musste ich schwer schlucken und verbannte schnell die Emotionen, denn das war absolut fehl am Platz. Die Stimmen von Miyako und Yamato bestärkten mich darin, dass ich mich zusammen reißen müsste. Obwohl es mir gerade sehr schwer fiel, zu bestreiten, dass etwas zwischen Chiaki und mir war, so wäre es falsch. Er war nach wie vor mein Kunde und ich sollte wieder professioneller mit der Situation umgehen.
 

“Ihr seid ja wirklich beide noch wach”, meinte Miyako, nachdem sie mit ihrem Mann ebenso im Wohnzimmer stand. Genau dort, wo Chiaki und ich noch zuvor waren.
 

“Ja... nun... wir sind erst vor ein paar Minuten zur Tür rein”, erklärte ich sachlich und lächelte leicht sie an.
 

“Achso... und Mato meinte, dass ihr sicher schon schläft”, machte sie weiter und leicht schmunzelte ich. Dabei sah ich etwas zu Chiaki, der zwar etwas angespannt aussah, aber auch ruhiger wirkte.
 

“Wolltest du denn etwas wichtiges von uns?”, fragte ich vorsichtig nach, warum sie zu solch einer späten Stunde zu uns wollten. Sofort kicherte Miyako leise.
 

“Sicher doch... ich wollte dir aus dem Kleid helfen... oder wolltest du so schlafen?”, wollte sie amüsiert von mir wissen.
 

“Ähm”, kam es nicht sonderlich geistreich von mir, während ich an mir herab sah und nur kurz darauf wieder zu Miyako, wobei ich auch Chiaki im Augenwinkel sehen konnte. Seine Mundwinkel zuckten verdächtig und seine Gedanken konnte ich mir auch so denken, ohne dass er diese aus sprechen würde. Tatsächlich hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht. “Eigentlich nicht... doch im Notfall wäre es ja gegangen”, rettete ich mich aus der Situation heraus.
 

Direkt lachte Miyako und auch Yamato stieg mit ein. Vermutlich kauften sie mir das gerade voll ab und ehrlich gesagt war ich froh darüber, dass es so war. Dadurch konnte ich jetzt einfach mit Miyako in mein Zimmer verschwinden und demnach etwas Abstand zu Chiaki gewinnen. Obwohl mir bewusst war, dass es nicht sonderlich viel bringen würde. Schließlich schlief er ebenso im Haus und das brachte jetzt umso mehr Versuchungen mit sich als mir lieb war. “Dann komm... sorgen wir dafür, dass du angenehm schlafen kannst”, gluckste Miyako und ich nickte nur.
 

“Du bist ein Engel”, lächelte ich sie an, da sie mir wahrlich mit diesem Angebot half. “Gute Nacht, Jungs”, verabschiedete ich mich von den beiden und konnte nur hoffen, dass Chiaki seinem Freund nichts von dem Kuss erzählen würde. Das alles war mir im Nachhinein nämlich ziemlich peinlich, denn ich war alles andere als professionell. Definitiv wollte ich die weiteren Wochen gut über die Bühne bringen und es sollte zwischen uns nicht unangenehm werden. Doch wie sollte ich das nur schaffen?, geisterte es mir im Kopf umher, während ich mit Miyako in meine Räume ging.
 

Kaum war die Tür hinter uns zu, atmete ich einmal durch und ging weiter rein, ehe ich mich mit dem Rücken zu ihr drehte. Kichernd hatte sie den Reißverschluss geöffnet. “Du hast echt vergessen, dass du noch aus dem Kleid musst?”, fragte sie mich und ich schmunzelte leicht.
 

“Nun... irgendwie schon”, meinte ich und zuckte kurz mit den Schultern, ehe ich aus dem Kleid stieg.
 

“Oh man... du bist mir eine... was hättest du denn ohne mich gemacht?”, hakte sie nach.
 

“Hm... da hätte ich wohl Chiaki fragen müssen”, kam es schneller aus meinem Mund heraus, als ich es eigentlich wollte.
 

“Stimmt... du hättest ihn fragen können”, fiel bei ihr der Groschen, dass ich nicht so verloren wäre, wie sie dachte.
 

“Aber trotzdem danke, dass du an mich gedacht hast”, lächelte ich sie sanft an und sie kicherte.
 

“Wie war es denn auf dem Ball?”, wollte sie wissen, während ich ins Bad ging, um meine Unterwäsche gegen das Nachthemd zu wechseln.
 

Die Tür hatte ich leicht offen gelassen, damit wir uns noch unterhalten konnten. Ihre Frage beantwortete ich und erzählte von unserem lustigen, aber auch arbeitsreichen Gesprächen. Zudem berichtete ich von unseren Tänzen und dass wir früher abgehauen waren, da es einfach zu nervig zum Schluss wurde. Miyako lachte und hatte schnell kombiniert, dass Chiaki wohl öfters angemacht wurde. Das bestätigte ich sofort und lachte sofort mit, denn sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Doch als ich ihr sagte, ich wäre auch hin und wieder angemacht worden, lachte sie nur noch mehr und ich kam wieder aus dem Bad raus. “Das ist nicht lustig, Miya”, meinte ich so ernst wie möglich, denn das war es wirklich nicht für uns.
 

“Echt nicht? Ich finde das mehr als lustig... ihr beide scheint ein Magnet für Möchtegerns zu sein”, amüsierte sie sich weiter und hatte es geschafft mich zum Schmunzeln zu bringen.
 

“Scheint wirklich so... laut Chiaki passiert ihm das andauernd... wie schafft er es dabei noch nett zu bleiben”, sprach ich meinen Gedanken laut aus.
 

“Oh ja... er hat da teilweise eine Engelsgeduld... aber künftig hätte ich eine Idee”, grinste sie breiter und blinzelnd sah ich sie fragend an. Dabei legte ich den Kopf schief und sie nahm es als Anlass weiter zu sprechen. “Ihr könnt euch bei solchen Galas in nächster Zeit einfach als Paar ausgeben... dann habt ihr beide Ruhe vor solchen Idioten”, erklärte sie mir und augenblicklich wurden meine Augen groß.
 

“Das meinst du doch nicht ernsthaft, oder?”, hakte ich nach und sie nickte eifrig.
 

“Natürlich.... es wäre die perfekte Lösung”, grinste sie mich doch glatt an und ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Das war sicher ein Scherz von ihr.
 

“Ich glaube nicht, dass es klappen würde”, kam es ehrlich von mir, denn es war nicht einfach anderen weiß zu machen, dass man zusammen wäre.
 

“Oh... ich bin mir sicher, dass Chiaki die Idee gut findet, wenn er sich damit diese aufdringlichen Damen vom Leib halten könnte”, erklärte sie und tatsächlich konnte ich mir vorstellen, dass er es für einen guten Plan halten könnte.
 

“Naja... ich denke nicht... dass er das machen wollen würde”, meinte ich etwas zweifelnd. Denn er wusste, was ich war. Eine Escort-Dame eben.
 

Leider konnte ich ihn nicht gut einschätzen, da er in diesem Punkt einfach undurchschaubar für mich war. Was genau er darüber dachte, konnte ich nicht mit Sicherheit wissen. Ob er mich für eine hielt, die mit den Kunden mehr tat als sie nur zu begleiten oder nicht, verunsicherte mich. Noch bevor ich mehr dazu sagen konnte, schnappte Miyako meine Hand. Sie wäre eben nicht sie, wenn sie meine Worte nicht gleich abwinken würde und mich mit aus dem Zimmer zerrte. Blinzelnd stolperte ich ihr nach und befand mich nur wenige Sekunden später im Wohnzimmer, wo noch immer die beiden Männer waren. Wobei Chiaki sich die Krawatte, die Weste und die Schuhe aus gezogen hatte. Sein Hemd war an den oberen Knöpfen offen, weshalb ich bei dem Anblick schwer schluckte.
 

Dass ich gerade nicht sonderlich weniger Haut zeigte, geriet in den Hintergrund. Mein Nachthemd bedeckte nur ganz knapp meinen Hintern und für diesen Moment hatte ich das komplett vergessen. Mit ihrer Aktion hatte sie mich einfach überrumpelt, da ich damit gar nicht gerechnet hatte, dass sie mich wieder aus dem Zimmer scheuchen würde. Auch wenn sie in diesem Fall mich mit gezerrt hatte, ohne dass ich etwas dagegen tun könnte. Sie hatte mich Sie hatte mich schlichtweg überrumpelt mit ihrem Vorhaben. Kaum waren wir im Wohnzimmer richtete sich die Aufmerksamkeit der Beiden auf uns und erneut schluckte ich. “Schon fertig?”, fragte Yamato verwundert, da wir scheinbar schneller waren, als sie dachten.
 

“Natürlich... wir brauchen nie lange”, gluckste Miyako und ließ jetzt meine Hand los, nur um zu ihrem Mann zu gehen.
 

“So kenne ich dich”, lachte er und legte den Arm um sie, damit er sie an sich ziehen konnte.
 

“Was verschafft uns die Ehre eurer Anwesenheit?”, hörte ich Chiakis Stimme und spürte seinen Blick auf mir.
 

“Also... eigentlich wollte...”, begann ich, doch Miyako unterbrach mich direkt.
 

“Wir haben uns über den Abend unterhalten... da meinte Jeanne, dass du wieder fast dauerhaft an geflirtet wurdest... aber auch sie”, berichtete sie und kurz kaute ich auf meiner Unterlippe, da mir sein fragender Blick doch Sorge bereitete.
 

“Was ist damit?”, hakte er nach und hatte eine Augenbraue hoch gezogen. Scheinbar wäre er auf ihren Gedankengang nicht so einfach gekommen wie sie vorhin.
 

“Da kam mir eine sehr gute Idee, wie ihr das künftig vermeiden könnt”, antwortete sie.
 

“Weiter!”, forderte er sie auf und ich spürte, wie mein Herzschlag sich gerade beschleunigte.
 

Definitiv war ich mir nicht sicher, ob er den Vorschlag gut heißen würde oder ob ich es überhaupt wollen würde. Doch genau jetzt schlich sich der Kuss von vorhin in meinen Kopf hinein. Ich glaube... ich sollte auf hören daran zu denken..., mahnte ich mich selbst, denn das würde mich sicher in Teufelsküche bringen, wenn ich mich immer wieder daran erinnern würde. Das würde ich unwiderruflich tun, wenn er diesen Vorschlag annehmen würde. Soviel stand schon eindeutig fest, wobei ich genau wusste, dass es egal wäre, wie er sich entscheiden würde. Solch einen Kuss würde ich nicht einfach so vergessen können. Vielleicht könnten mir da Amy und Rose helfen. Ich sollte sie am nächsten Tag fragen.
 

Meine Gedanken schweiften gänzlich ab, weshalb ich nicht mit bekam, wie Chiaki auf die Idee reagiert hatte. Aber ehrlich gesagt, war es mir gerade um einiges lieber, es nicht zu wissen. Jedoch sahen mich die drei plötzlich an und um mir nicht die Blöße zu geben, dass ich nicht aufgepasst hatte, nickte ich leicht mit dem Zusatz, es sei spät und ich würde mich lieber ins Bett verziehen. Schließlich wollten wir am nächsten Tag noch einiges abarbeiten. “Stimmt... wir sollten echt ins Bett”, meinte Miyako zustimmend.
 

“Das sollten wir... komm Miya... lass uns rüber gehen”, lächelte Yamato und ich war ihm echt dankbar, dass er das ein wenig beschleunigte.
 

“Schlaft gut, ihr beiden”, pflichtete Chiaki den beiden bei und auch ich schloss mich an, um mich von ihnen für diesen Tag zu verabschiedete.
 

Kaum war das andere Paar aus der Tür, drehte ich mich zu meinem Zimmer um und dorthin. Dabei löste ich die einzelnen Haarnadeln aus meinem Haar und war froh, dass es wieder etwas lockerer herunter fiel. Ich war so erschöpft, dass mir egal war, dass bei der Geste mein Nachthemd womöglich hoch gerutscht war. Nur ein Ziel war für mich gerade wichtig: Ins Bett zu kommen und ein wenig zu schlafen.
 


 

Einige Stunden später klingelte mich mein Handywecker aus dem Schlaf. Wirklich einen Ruhigen hatte ich nicht. Mich beschäftigten so viele Dinge zur gleichen Zeit, weshalb ich schwer einschlafen konnte, auch wenn ich müde war. Viel zu viele Szenarien schossen mir durch den Kopf, bis ich in den Schlaf fand und mich von einer Seite zur anderen wälzen ließ. Irgendwann war ich endlich eingeschlafen und mein lieber Scholli... so einen Traum hatte ich schon lange nicht mehr. Verflucht noch eins, warum bekomme ich IHN nicht aus dem Kopf. Seufzend nahm ich mein Handy und machte den Wecker aus. Das Bimmeln war auf Dauer doch etwas lästig. Dabei fielen mir ein paar Nachrichten auf.
 

Neugierig klickte ich diese an und schmunzelte sofort, da die meisten in unserem Gruppenchat waren. Aber auch zwei von Noyn. Schnell klickte ich diese an und las sie mir durch. Ups... da habe ich doch glatt vergessen mich bei ihm zu melden., überlegte ich und musste gestehen, dass es mir schon lange nicht mehr passiert war. Deshalb setzte ich zu einer Antwort an und entschuldigte mich bei ihm, da ich in den letzten Tagen nicht mehr daran gedacht hatte, mich bei ihm zu melden. Zeitgleich schrieb ich, dass bei mir alles in Ordnung war, und er sich keine Sorgen machen müsste. ‘Mach dir keine Gedanken um mich, Noyn... die Drei sind super nett und ich bin mehr eingebunden, als ich zu Beginn gedacht habe... werde dich bei Gelegenheit anrufen und alles berichten, Gruß M.’
 

Dies sollte ausreichen, um ihn für die nächsten Tage zu besänftigen. Da wir noch ein paar Tage in Miami sein würden, beschloss ich ihn an zu rufen, sobald wir in New York wären. Dort würde ich sicher mehr als genug Zeit finden, mich bei ihm zu melden, damit er an meiner Stimme erkennen würde, dass wirklich alles in Ordnung war. Amüsiert über seine Reaktion schmunzelte ich und versprach in einer knappen Woche bei ihm durch zu klingeln. Sogleich machte ich unseren Gruppenchat auf und lachte leise, bei ihren witzigen und lustigen Kommentaren. Da viel mir ein, dass ich sie dringend noch etwas fragen wollte. Daher schrieb ich sie an. Sie würden zwar nicht direkt antworten, doch das wäre nicht schlimm.
 

‘Hey Mädels... danke für eure Komplimente... das Kleid liebe ich einfach, seit ich es zum ersten Mal gesehen habe’, antwortete ich vorerst auf ihre Kommentare zu meinem gestrigen Outfit. 'Eine Frage hätte ich aber noch... was kann man tun, um einen Kerl aus dem Kopf zu bekommen?’ Kurz überlegte ich, ob ich es so abschicken könnte oder ob ich es ändern sollte. Denn das wäre ziemlich eindeutig, wobei mir schon längst bewusst war, dass die beiden dachten, ich würde auf Chiaki stehen. Dahingehend hatten sie Recht. Irgendwie stand ich auf ihn, doch sollte ich das nicht weiter zulassen. Da mir keine andere Formulierung einfiel, schickte ich es genauso ab und legte das Handy zur Seite. Jetzt würde ich mich für den Tag fertig machen.
 

Eine eiskalte Dusche wäre genau das richtige, um wach zu werden, aber auch um den heißen Traum ab zu waschen. Das war definitiv ein Nogo, dass ich von meinem Kunden träumte, wie er und ich weit aus mehr austauschten als nur leidenschaftliche Küsse. Allein der Gedanke daran, ließ mich erschaudern und hinterließ eine wohlige Gänsehaut. Schnell schüttelte ich den Kopf, um mich wieder zu besinnen, und ging zum Koffer, um mir frische Unterwäsche raus zu holen. Dabei fiel mir auf, dass ich wohl eine Wäscheladung fertig machen sollte, sonst würde ich kaum noch saubere Kleidungsstücke haben. Dies war kein Problem, denn in jedem Bad stand eine kleine Waschmaschine, in der man locker zwei bis drei Outfits waschen konnte.
 

Bevor ich unter die Dusche stieg, schlüpfte ich aus meinen Sachen und würde sie gleich mit waschen. Es passten einiges an Unterwäsche und ein paar Nachthemden hinein und würde erst einmal reichen. Für morgen würde ich mir meine Shirts, Hosen und Blusen vornehmen. Die Abendkleider müssten wohl bis New York warten. Denn diese sollten definitiv zur Reinigung. Nachdem die Waschmaschine an war, ging ich in die Dusche und ließ das Wasser über meinen Körper laufen. Es tat gut und ich genoss es, das kühle Nass auf meinem Körper zu spüren. Sogleich griff ich nach meinem Duschgel und seifte mich ein. Gerade hatte ich keinerlei Gedanken in meinem Kopf. Dies war eines der Vorteile an einer Dusche. Dadurch konnte ich durch atmen und etwas entspannen, bevor mein Gedankenkarussell wieder gestartet wird.
 

Kaum war ich fertig, stieg ich aus der Dusche und trocknete mich gleich ab. Ein Handtuch schlang ich um meine Haare und ein weiteres um meinen Körper. Erst danach verließ ich das Bad und überlegte, was ich für den Tag tragen sollte. Doch fürs Erste sollte ich mir Unterwäsche anziehen. Dazu eine kurze Hose und schlichtes Shirt würde vollkommen reichen. Wir würden den Tag vermutlich nicht draußen verbringen, weshalb das ausreichend werden würde. Da ich soweit zufrieden war mit dem Outfit, beschloss ich in die Küche zu gehen, um Kaffee zu machen. Obwohl ich etwas bammel davor hatte auf Chiaki zu treffen, musste ich mein Zimmer früher oder später verlassen.
 

An der Tür atmete ich noch einmal durch und verließ den Raum, nur um meinen Weg fort zu setzen. Noch hatte ich ihn nicht gesehen, weshalb ich die Kaffeemaschine an machte und bereits zwei Tassen heraus holte. Angriff war bekanntlich die beste Taktik. “Guten Morgen”, hörte ich nur wenige Momente hinter mir seine tiefe Stimme und schluckte schwerer.
 

“Guten Morgen”, entgegnete ich ihm und drehte mich zu ihm um. Ich versuchte mich an einem harmlosen Lächeln, welches er erwiderte.
 

“Gut... du hast schon Kaffee angemacht”, meinte er beiläufig und kam näher.
 

“Natürlich... ohne können wir doch gar nicht in den Tag starten, oder?”, zwinkerte ich ihm zu und seine Mundwinkel zuckten verdächtig.
 

“Absolut richtig”, grinste er.
 

Auch wenn die Spannung zwischen uns noch greifbar war und knisterte, so hatte ich das Gefühl, dass er mit mir normal umging. Eben genauso wie vor dem Kuss. Das war gut, sehr gut sogar. Denn das machte es mir leichter, diesen in meinem Herzen zu verbergen und nicht mehr an ihn zu denken.

Trotz Arbeit, niemals Spaß vergessen

Kaffeegeruch erfüllte den Raum und ein kurzes Piepen kündigte an, dass die schwarze Brühe fertig war. Daher griff Chiaki an mir vorbei, um die Kanne zu nehmen. Nun hatte ich die Möglichkeit ihn verstohlen zu betrachten. Er hatte eine Art Jogginghose aus Leinenstoff an, die sehr tief saß. Wieso ich das sehen konnte, war ganz einfach, denn sein Hemd war offen. Dadurch hatte ich einen sehr guten Ausblick auf sein perfekt sitzendes ‘V’. Wie von selbst starrte ich darauf und musste an mich halten, um mich davon zu reißen. Dass er noch nichts gesagt hatte, wunderte mich ein wenig. Deshalb sah ich leicht auf, um ihn direkt an zu sehen. Er hatte scheinbar wortlos einen der Becher auf gefüllt und reichte diesen mir. Blinzelnd bemerkte ich sein Lächeln und nahm es dankend an.
 

“Jederzeit”, zwinkerte er mir zu und füllte für sich selbst ebenso auf. Für einen kurzen Moment dachte ich, er würde es flirtend meinen. Aber so schnell wie der Gedanke kam, war dieser genauso schnell weg.
 

“Dennoch... danke dafür”, lächelte ich leicht und nippte an meinem Becher, während er es bei seinem machte.
 

“Würde sagen... lass uns in Ruhe austrinken... etwas recherchieren und danach zum Brunch”, schlug er vor und kurz überlegte ich, ehe ich nickte.
 

“Klingt nach einem guten Plan”, stimmte ich ihm zu. “Was genau willst du nach forschen?”, fragte ich, da ich wissen wollte, in welche Richtung ich denken müsste.
 

“Ich dachte... wir nehmen uns die Websites der beiden Hotels vor, um zu sehen, was genau dort angeboten wird und welcher Standard vorherrscht”, erklärte er und kurz legte ich den Kopf schief. “Da können wir schauen, wie wir Dylan und Oliver helfen können”, setzte er fort und einige Momente musste ich grübeln, woher ich die Namen kannte. Dann dämmerte es mir schließlich, dass so die beiden Herren vom Vortag hießen.
 

“Verstehe... wir checken also, wie sie aufgestellt sind und prüfen, wie man die Modernisierung voran treiben kann. Vor allem ohne größere Verluste für sie beide”, setzte ich seinen Gedanken fort und er nickte zustimmend.
 

“Genau... ich will sie anrufen und nach dem neusten Stand fragen, besonders wann die letzten Arbeiten durch geführt wurden”, meinte er und trank von seinem Kaffee.
 

“Gut... gut”, nickte ich zustimmend und überlegte einen kleinen Moment. Es fiel mir nicht so einfach dies zu tun, doch ich musste wirklich darauf aufpassen, nicht zu sehr seine entblößte Haut an zu starren. “Während du telefonierst, werde ich die Website von ihnen unter die Lupe nehmen und eine grobe Aufstellung machen, um den Überblick zu bewahren” schlug ich vor und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Unglaublich deine Auffassungsgabe”, grinste er und ich hörte einen Funken Bewunderung heraus, weshalb ich leicht rot um die Nase wurde.
 

“Danke”, hauchte ich verlegen und versteckte meine roten Wangen hinter meinem Kaffeebecher, während ich so tat, als würde ich etwas daraus trinken.
 

“Ich mag deine Denkweise bezüglich der Arbeitsteilung... sobald ich fertig bin mit dem Telefonat, helfe ich dir”, lächelte er und trank seinen Kaffee aus. “Ich stelle gleich noch weiteren Kaffee auf... den werden wir sicher brauchen”, setzte er fort und machte alles soweit fertig, damit erneut die schwarze Brühe durch laufen konnte. “Im Übrigen... sollen wir zum Brunchen raus gehen oder uns etwas liefern lassen?”, überlegte er und einen Moment grübelte ich darüber nach.
 

“Beides hätte Vor- und Nachteile”, begann ich diplomatisch. Denn es war nicht einfach zu entscheiden, was besser wäre. Über meine Worte lachte er leise und ich schmunzelte etwas.
 

“Wohl wahr”, pflichtete er mir bei und schien ebenso darüber nach zu denken. “Lass uns spontan entscheiden... je nachdem wie weit wir kommen würden” beschloss er sichtlich amüsiert und dem stimmte ich sogleich zu, denn das war der richtige Ansatz.
 

“Gut... so machen wir das”, lächelte ich ihn an und leerte meinen Becher. “Was machen heute Miya und Mato?”, fragte ich nach, da ich deren Termine nicht im Kopf hatte.
 

“Die Beiden?”, hakte er nach und ich nickte. “Nun... sie haben heute zwei Besprechungen”, erklärte er und stellte seinen Becher an die Kaffeemaschine. “Sie werden wohl erst morgen helfen können, wenn es länger dauert”, meinte er und ich nickte verstehend. Man konnte nie sagen, wie lange man brauchen würde für die Aufgaben, die man hatte.
 

Daher würden Chiaki und ich den Anfang machen. Genau das taten wir auch. Während weiterer Kaffee durch lief, ging er telefonieren und ich holte mein Handy aus dem Zimmer. Dabei bemerkte ich, dass ich ein paar Nachrichten hatte. Aus diesem Grund sah ich nach, wer mir geschrieben hatte. Alle befanden sich in dem Gruppenchat mit meinen besten Freundinnen. Schmunzelnd klickte ich diesen an und bekam riesengroße Augen, als ich die Zeilen las. Die ersten waren von beiden schlicht und einfach: ‘Vögel ihn dir aus dem System.’ Mehrmals musste ich blinzeln, um sicher zu gehen, dass ich das richtig gelesen hatte. Die beiden haben genau das geschrieben. Das kann doch nicht deren ernst sein.
 

Sogleich las ich weiter und konnte nur den Kopf über die Beiden schütteln. Sie schrieben in der letzten halben Stunde hin und her, dass es eben nur drei Möglichkeiten gab, einen Mann aus dem Kopf zu bekommen. Die erste wäre mit ihm zu schlafen und ihn so aus dem Gedächtnis zu bekommen. Die zweite wäre Verdrängung, wobei das auf Dauer nie gut gehen würde. Die dritte und damit letzte wäre, es so weit wie es nur ging Abstand zu nehmen. Jedoch war das mehr als unmöglich. Fuck... die beiden haben Recht... ich habe nur die drei Varianten zur Auswahl... Fuck... ich bin definitiv am Arsch... denn alle drei waren einfach nur Mist., stellte ich fest.
 

Den Kopf schüttelte ich und verwarf jeglichen Gedanken dadurch. Denn es war weder der richtige Ort noch die richtige Zeit mir weiter den Kopf zu zerbrechen. Eilig antwortete ich ihnen, dass sie mir gerade wahrlich keine Hilfe waren. Zurück bekam ich nur lachende Smileys. Die beiden waren einfach eine Hausnummer für sich. Das nächste Mal, sobald wir uns begegnen, würde ich sie dafür hauen. So viel stand für mich fest. Sie konnten mir doch nicht so einen ‘Tipp’ geben und dann los lachen. Grummelnd stellte ich das Handy stumm, da ich mich in den nächsten Stunden auf meine Aufgabe konzentrieren wollte. Dabei wäre es eine wahre Ablenkung für mich, sollte eine Nachricht oder ein Anruf rein kommen.
 

Dennoch nahm ich mein Handy mit ins Wohnzimmer. Dort stand schon der Laptop, den für gewöhnlich eher Chiaki benutzte. Für meinen heutigen Auftrag würde ich wohl den Laptop bevorzugen. Um sich durch mehrere Websites zu stöbern, war ein Laptop um einiges einfacher zu handhaben. Kurz überlegte ich, ob ich diesen so nutzen durfte. Doch ich beschloss kurz bei Chiaki nach zu fragen. Daher ging ich zu seiner Zimmertür, um an zu klopfen. Von Innen hörte ich ihn sprechen, daher lugte ich kurz hinein und erspähte ihn, wie er im Raum auf und ab ging und dabei an seinem Handy hing. Er schien mich erst nicht zu bemerken, weil er sehr vertieft in dem Gespräch war.
 

Innerlich musste ich schmunzeln und als er mich bemerkte, blinzelte er leicht und bat seinen Gegenüber kurz zu warten. Sogleich entschuldigte ich mich für die Störung und bat um Erlaubnis wegen des Laptops. Er lachte leise und meinte, ich solle mich ruhig bedienen bei allem, was ich wollen würde. Diese Wortwahl hallte noch eine Weile nach, aber weiter schenkte ich diesen keine weitere Beachtung. Da ich den Laptop nutzen durfte, machte ich mich gleich an die Arbeit und vertiefte mich in die Recherche und die Notizen. Es dauerte seine Zeit, bis er dazu kam und staunte, wie viel Papier sich um mich häufte. All meine Erkenntnisse hatte ich auf diese drauf geschrieben, damit wir sie gleich griffbereit hatten.
 

Danach brachte er mich auf den neusten Stand in wie weit die Hotels schon mal renoviert waren und was noch gemacht werden müsste. Zusammen notierten wir diese und machten eine Prioritätenliste. Es dauerte mehrere Stunden, bis wir auf einem Nenner waren. Unsere Mägen hatten uns unterbrochen, weshalb wir beschlossen zu bestellen und weiter zu arbeiten. Immerhin war das eine schlichte Sache: je eher wir fertig wurden, umso eher hätten ‘Freizeit’. Denn für Chiakis Vorhaben hatten wir alles bereits geregelt. Den Feinschliff machten nun Miyako und Yamato mit dem Hotelteam aus, da die Umgestaltung überwacht werden sollte und vor allem dokumentiert, um es für künftige Male leichter zu machen.
 

Tatsächlich hatten wir zwei Tage daran gearbeitet, ehe Chiaki unsere Ergebnisse weiter geschickt hatte. Es war anstrengend – keine Frage – doch es hatte mir eine Menge Spaß gemacht, daran zu tüfteln, um den besten Weg für beide Hotelier zu finden. Nun hieß es abwarten, bis sie sich melden würden. Diese Zeit nutzen wir, indem wir Miami ein wenig unsicher gemacht hatten. Wir waren zu viert unterwegs und es war wirklich lustig und sehr angenehm, mit ihnen unterwegs zu sein. Daran merkte ich einmal mehr, dass Chiaki sich mir gegenüber nicht anders verhielt als zuvor. Das beruhigte mich auf der einen Seite und doch war da ein kleiner Funke in mehr, der gehofft hatte, dass wir darüber reden würden.
 

Ein wenig wurmte es mich eben nicht zu wissen, ob er den Kuss bereute oder ihn einfach nur verdrängte, so wie ich. Wobei mir der Momente immer wieder in den Sinn kam, sobald wir uns etwas näher kamen. Dabei reichte es völlig aus, dass wir dicht beieinander saßen oder eben standen. Jedes Mal reagierte mein Körper von alleine. So auch letztens, als er den Arm um mich legte und in eine Richtung deutete, während wir eine Tour mit dem Bus machten. Dabei hatten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sehen können. Er war mir dabei so nah, dass ich seinen Geruch in der Nase hatte. Dieser bescherte mir eine wohlige Gänsehaut und meine Gedanken wanderten wie von selbst zu dem Kuss zurück.
 

Auch wenn ich seine Stimme hörte, so kamen seine Worte nicht bei mir an. Es war mehr als eigenartig, dass ich mich jetzt gar nicht darauf konzentrieren konnte. Daher musste ich mich zusammen reißen. Wegen des Kusses fuhren meine Gedanken Achterbahn, ebenso wie meine Emotionen. Dies war absolut nicht professionell von mir. Demnach leider nicht förderlich. Ein Glück machten wir eine stinknormale Touristentour. Dabei fiel es nicht so auf, dass ich nicht bei der Sache war. Die Aussicht konnte ich dennoch genießen, denn es war traumhaft schön. Die Stadt und vor allem den Strand mit dem Meer zu sehen. “Wunderschön, oder?”, nahm ich plötzlich wahr und blickte zur Seite, von der die Stimme kam.
 

“Stimmt... es ist ein Traum”, entgegnete ich so gelassen wie möglich, denn Chiaki war mir verdammt nah.
 

“Bei Nacht ist die Stadt noch schöner”, merkte er an und kurz blinzelte ich, ehe meine Mundwinkel zuckten.
 

“Ist das eine Einladung erneut bei Nacht hier her zu kommen?”, fragte ich ihn, weil dies genauso klang.
 

“Eindeutig... ja... Lust heute Abend den Sonnenuntergang am Strand zu beobachten und dann hier her zu kommen?”, wollte er wissen und erneut blinzelte ich mehrmals. Dass er dies so offen ansprach, war ungewohnt und doch war es eben er. So hatte ich ihn kennen gelernt. Offen und direkt, wenn es eben sein musste.
 

“Hm... das klingt nach einer wundervollen Idee”, meinte ich ehrlich, da ich diesen Anblick gerne auch bei Nacht genießen wollen würde.
 

“Gut... dann werden wir heute Abend am Strand essen”, grinste er und Miyako kicherte leise.
 

“Die Idee ist großartig... nur Mato und ich werden keine Zeit haben”, sprach sie und zog damit unsere Aufmerksamkeit auf sich. Alleine mit Chiaki zu sein, machte mir gerade ein wenig Sorge. Vermutlich würde uns das zu dem Moment zurück führen, bei dem wir nach der Gala waren.
 

“Nicht? Was habt ihr denn vor?”, hakte Chiaki nach.
 

“Och... wir haben eine Einladung zu einer Beachparty vorhin bekommen”, erklärte Yamato und Chiaki zog eine Augenbraue hoch.
 

“Noch eine? Ihr steht wohl echt drauf”, kam es von seinen Lippen und eifrig nickte sein bester Freund.
 

“Natürlich! Meine Frau in knappen Bikinis zu sehen, ist doch das Schönste für mich!”, strahlte er sofort und Miyako wurde leicht rot.
 

Das Ehepaar war wirklich unglaublich zusammen. Eigentlich war sie immer souverän und hatte eine große Klappe, doch Yamato schien sie hin und wieder aus dem Konzept zu bringen. Das war interessant für mich zu beobachten. Vor allem wenn er es schaffte, sie verlegen zu machen. Dies war ein Anblick, der sich nicht oft bot. Dabei sah ich amüsiert ihnen zu, wie sie ihrem Freund erklärten, dass sie immer - egal, wie verlockend ein anderes Angebot sei - sich für eine Beachparty entscheiden würden. Sogar für mich war das etwas unverständlich. Klar liebte ich den Sand und das Meer, aber gefühlt dauernd in knapper Badebekleidung rum zu laufen war definitiv nichts für mich. Das war es noch nie.
 

“Ihr seid echt unmöglich”, kam es kopfschüttelnd von Chiaki. Vermutlich ahnte er, was die beiden noch alles treiben würden. Danach sah er zu mir und legte leicht den Kopf schief: “Somit wären wir zu zweit... immer noch interessiert?”
 

Scheinbar wollte er sicher gehen, dass ich nichts dagegen hätte, wenn er nur mit mir alleine wäre. Für einen Bruchteil der Sekunde beschleunigte sich mein Herzschlag und ich schluckte leicht, weil sich meine Kehle mit einem Mal trocken an fühlte. “Nun... ich nehme an... den Anblick kann man doch nicht verpassen, wenn ich schon in Miami bin, sollte ich es mir nicht entgehen lassen, oder?”, reagierte ich auf seine Nachfrage.
 

“Absolut richtig erkannt”, grinste er und schien mit meiner Antwort zufrieden zu sein, was mich wiederum ein wenig schmunzeln ließ.
 

“Prima... somit sind wir heute alle beschäftigt und morgen entspannen wir noch, bis wir übermorgen weiter ziehen, oder?", wollte Miyako wissen, da es schon wieder so weit war, unser nächstes Ziel an zu steuern.
 

“Hm”, überlegte Chiaki und ich konnte ihm ansehen, dass er in Gedanken alle Punkte auf seiner Liste durch ging, was er noch auf dem Plan hatte. “Ich denke, dies sollte sich ausgehen... wenn das Wetter morgen schön ist, können wir die Zeit am Strand oder dem Hotelpool verbringen”, schlug er seinerseits vor. “Immerhin haben wir hier alles erledigt... die Arbeiten beginnen, sobald die Hochsaison vorbei ist und sollten fertig bis zur nächsten werden”, fügte er mehr als zufrieden hinzu.
 

“So wollten wir es doch haben, oder?”, gluckste Miyako, weil genau das war ihre gemeinsame Vorgehensweise. Zumindest konnte ich dies heraus kristallisieren.
 

“Schon, aber nicht immer läuft es, wie man will”, zwinkerte Chiaki und amüsiert lachten wir darüber. Schließlich war es eher seltener der Fall, dass alles nahtlos wie am Schnürchen lief.
 

“Sehr schön... so gefällt es einem doch”, grinste Yamato und seine Frau nickte zustimmend. “Lasst uns zum Haus... wir sollten uns bald fertig machen”, fügte er an und dem schlossen sich Chiaki und ich uns an. Zusammen machten wir uns auf den Weg zurück. Es dauerte einige Zeit, doch es gab genug zu sehen, weshalb es einem nicht solange vor kam.
 

Nach einigen Momenten waren wir am Zielort angekommen und das Ehepaar verabschiedete sich von uns, ehe sie in ihr Häuschen gingen. Definitiv würden sie schon bald ab hauen, um zu ihrer Party zu kommen. Chiaki selbst meinte, wir hätten mehr als genug Zeit, um uns frisch zu machen, bevor wir zum Restaurant auf brechen würden. Daher beschloss ich mich ab zu duschen und frische Kleidung an zu ziehen. Sicher wäre ein Sommerkleid dem Anlass angemessen. Dazu passende Unterwäsche, um das Outfit ab zu runden. Wegen der späteren Stunde nahm ich vorsichtshalber noch ein Jäckchen mit, um es notfalls über zu ziehen, falls es doch kühler werden sollte als angenommen. Bei den Schuhen nahm ich meine Ballerinas. Diese waren geschlossen, aber auch fühlten sie sich angenehm leicht an.
 

Fertig angezogen, begab ich mich zurück ins Wohnzimmer, wo bereits Chiaki auf mich wartete. Sein Blick war auf sein Handy gerichtet und er hatte mich wohl noch nicht bemerkt. Kurz überlegte ich, ob ich mich bemerkbar machen sollte. Doch die Entscheidung nahm er mir ab, als er auf sah und mich direkt entdeckte. Wie von selbst erschauderte ich leicht und eine wohlige Gänsehaut bildete sich auf meinem Körper. Denn ich war mir bewusst, dass er mich mehr als eindeutig musterte. “Hey... fertig?”, fragte er und leise kicherte ich.
 

“Natürlich... oder sehe ich unfertig aus?”, entgegnete ich ihm und erkannte, wie seine Mundwinkel zuckten. Wir beide schienen eine ganz besondere Ebene der Kommunikation gefunden zu haben.
 

“Also... eigentlich nein”, grinste er etwas und steckte sein Handy in die Hose. “Ein Tisch steht für uns auf der Terrasse bereit”, erklärte er und leicht nickte ich.
 

“Ich freue mich schon”, lächelte ich.
 

Zusammen gingen wir los, um am Strand entlang zum besagten Restaurant zu kommen. Es war ein perfekter Tisch, sodass wir beim Essen das Meer rauschen hören konnten und die letzten Sonnenstrahlen genießen konnten. Es war mehr als erstaunlich, dass es gemütlich war mit ihm zu zweit zu essen. Unsere Gespräche waren eher alltäglich gehalten, doch nach wie vor locker und ungezwungen. Ehrlich gesagt hätte ich das gar nicht gedacht. Umso mehr gefiel es mir und ich konnte diesen kleinen schwachen Moment zwischen uns weiter verdrängen. Obwohl es mir klar war, dass ich das wohl nicht ewig könnte, wollte ich diese ‘heile Blase’ behalten so lange wie es eben möglich war.
 

Nur auf diese Weise konnte ich diese sexuelle Spannung zwischen uns ignorieren und so tun, als wäre alles genauso wie zuvor und vor allem wie es sein sollte: Escort und Kunde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nach dem Essen spazierten wir noch über den Strand und ich genoss den Sonnenuntergang sehr. Es war ein perfekter und nahezu magischer Augenblick diese Farben zu sehen. Staunend betrachtete ich das Geschehen und war fasziniert, wie anders sich das hier an fühlte als gewöhnlich. Vermutlich lag es an der Umgebung. Normal sah man so etwas hin und wieder im Alltag, aber es wirklich wahr nehmen tat man es eben nicht. Nicht so wie gerade eben.
 

“Wunderschön”, hauchte ich und seufzte genüsslich. Dabei vergaß ich sogar für den Moment, dass ich nicht allein an dem Ort war. Jedoch war er schweigend und lenkte mich damit nicht ab. Erst als es vorbei war, blickte ich zu ihm und er lächelte. “Oh... entschuldige... ich war wohl...”
 

“Wie weg getreten?”, vervollständigte er meinen Satz und mit roten Wangen nickte ich.
 

“Ja, so... würde ich das wohl nennen”, antwortete ich und er stimmte dem zu.
 

“Gut... denn es ist etwas Einzigartiges”, raunte er und sah mir intensiv in die Augen, was mir erneut eine Gänsehaut bescherte. Es war unglaublich, was er nur mit einem Blick mit mir tun konnte.
 

“Stimmt... wollen wir uns noch die Skyline der Stadt an sehen?”, hakte ich nach, um aus der Situation einen Ausweg zu machen. Denn ich fürchtete etwas Dummes zu tun.
 

“Natürlich... lass uns gehen”, lächelte er mich an und bot mir seinen Arm an, damit er mich zum Wagen führen konnte.

Den letzten Tag nutzen

Der Weg zur Aussichtsplattform, die wir am Nachmittag besucht hatten, erreichten wir still. Es war keine unangenehme Stille, sondern wieder diejenige, die ich zwischen uns sehr mochte. Es war fast schon so, als würden wir auch ohne Worte uns verständigen können. Leicht blickte ich zu ihm und konnte sehen, dass es ihm wohl genauso ging wie mir. Deshalb musste ich leicht lächeln und sah wieder aus dem Fenster, die Stadt mit all ihren Lichtern war einfach magisch. Die Aussicht ließ ich auf mich wirken und war umso gespannter auf den Anblick von der Plattform. “Wir sind gleich da”, hörte ich seine Stimme nach einigen Momenten und nickte leicht.
 

“Ich bin schon gespannt“, kam es ehrlich von mir und er lachte leise.
 

“Glaube mir... das ist es allemal wert, mitten in der Nacht dort zu sein“, merkte er an und sorgte dafür, meine Neugier noch mehr zu steigern.
 

Nur wenige Minuten später kamen wir auf dem Parkplatz an und er parkte den Wagen, ehe wir beide ausstiegen. Noch bevor ich los gehen konnte, war er bereits an meiner Seite und bot mir seine Hand an, um mich zu unserem Ziel zu führen. Mit einem Schmunzeln legte ich meine Hand in seine und er drückte sie. Wie von selbst sah ich zu ihm und er lächelte, ehe er mir zu nickte und zusammen mit mir zur Plattform ging. Meinen Blick richtete ich nach vorne und bekam große Augen, je mehr ich erhaschen konnte. “WOW”, hauchte ich deutlich überwältigt und konnte nicht anders, als seine Hand los zu lassen und dichter an das Geländer zu gehen.
 

“Habe also nicht zu viel versprochen, oder?”, sprach er und ich schüttelte den Kopf.
 

Eindeutig fand ich gerade keine Worte dafür, was ich soeben sehe und was ich dabei fühlte. Alles klang so belanglos und wäre absolut nicht angemessen als Antwort für seine Frage. Bei meiner Reaktion lachte er leise und ich bemerkte, dass er sich neben mich stellte. Doch das interessierte mich gerade nicht. Viel lieber ließ ich meinen Blick schweifen und sog diese wunderschönen Lichter der Stadt in mich ein. Das war definitiv mit der schönste Augenblick, denn ich bis dato erleben durfte. Jedes noch so kleine Detail versuchte ich ab zu speichern und lächelte glücklich. Genau jetzt fühlte ich mich frei wie schon lange nicht mehr. Für diese Zeit würde ich mir diese Freiheit nehmen, um an nichts anderes mehr zu denken.
 

Den Moment wollte ich voll und ganz auskosten und das tat ich auch. Der Ausblick war wunderschön. Zwar war es in Paris bei Nacht ebenso voller Beleuchtung und demnach ähnlich. Aber ich denke nicht, dass man dies miteinander vergleichen konnte. Schließlich sah man hier das Meer klar und deutlich, genau wie die Stadt. Das Funkeln war wundervoll und mehr als unglaublich. Zusätzlich konnte ich jetzt einige Sterne erkennen, die normalerweise wegen der Stadtlichter oft verschluckt wurden. Hier schien es aufgrund des Meeres anders zu sein. Genau das faszinierte mich an der Aussicht, die sich mir bot, wohl am meisten. Dabei konnte man sehr leicht die Zeit außer Acht lassen und dies passierte mir wahrscheinlich.
 

Plötzlich spürte ich einen Stoff auf meinen Schultern und blinzelte, ehe ich nach hinten blickte. Chiaki lächelte leicht. “Du zitterst etwas”, bemerkte er und kurz wollte ich widersprechen.
 

Jedoch hatte er recht. Ich war so versunken in der atemberaubenden Skyline, dass ich nicht bemerkt hatte, wie kühl es mittlerweile wurde. “Oh... danke dir”, lächelte ich verlegen und er nickte leicht.
 

“Bei dem Anblick vergisst man schnell alles andere... es ist genauso, wenn man mit dem Riesenrad am höchsten Punkt ist und dort verweilt”, sprach er aus und ich verstand seine Worte nur zu gut.
 

“Das stimmt... es ist einfach unglaublich schön... Danke, dass du mit mir hier her gekommen bist”, kam es ehrlich von mir und er lächelte.
 

“Das habe ich sehr gerne gemacht... solche Aussichten gibt es nicht oft und man sollte sie eben gesehen haben”, merkte er noch an und diesmal war ich es, die nickte.
 

Eine gute halbe Stunde blieben wir noch oben, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Auto machten. Ich ließ es mir nicht nehmen, noch ein paar Bilder zu machen, damit ich immer wieder die Möglichkeit haben würde, dies zu sehen. Obwohl die Temperaturen eigentlich recht mild waren, so war der Wind auf der höheren Aussichtsplattform recht stürmisch und kühlte die Umgebung deutlich ab. Daher wäre es viel zu kalt gewesen, noch viel länger oben zu verweilen. Am Auto hatte Chiaki mir erneut die Tür geöffnet, was ich mit einem Schmunzeln quittiert hatte. Diese Seite an ihm mochte ich tatsächlich sehr.
 

Für einen kleinen Moment dachte ich darüber nach, wie ich mich für diesen mehr als perfekten Abend erkenntlich zeigen könnte. Jedoch fiel mir nichts ein. Wäre es ein Date gewesen, wäre die Sachlage klar und deutlich gewesen. Aber dies hier war kein Date. Auch wenn ich zugeben musste, dass es mir gefallen hätte, wenn dem so wäre. Oh man... ich bin definitiv geliefert... wieso schafft er es in mir so viel aus zu lösen., grübelte ich tief in meinen Gedanken versunken, nachdem ich eingestiegen bin und angeschnallt war. Dadurch bekam ich ebenso nicht mit, dass sich das Auto bereits in Bewegung gesetzt hatte.
 

Erst als dieses zum Stehen kam, blinzelte ich leicht und orientierte mich an der Umgebung. Leicht schluckte ich, da wir schon zurück am Haus waren. Daher schnallte ich mich ab und wollte die Tür öffnen, aber Chiaki kam mir mal wieder zu vor. Kichernd legte ich meine Hand in seine und blickte zu ihm auf, während ich aus stieg. “Man könnte fast meinen, dass du mein Chauffeur bist”, meinte ich leicht neckend und seine Mundwinkel zuckten sichtlich verdächtig.
 

“Das bin ich sogar sehr gerne”, grinste er mich verschmitzt an und unweigerlich wurde ich rot um die Nase. Sein intensiver Blick und dieses schiefe Lächeln machten mich einfach ein wenig nervös. “Lass uns rein gehen... es ist doch recht frisch geworden... vor allem aber spät”, meinte er, schloss die Autotür und verriegelte den Wagen, ehe wir zum Haus gingen und dieses betraten.
 

Schnell zog ich die Schuhe aus und überlegte einen Moment, bevor wir ins Wohnzimmer gingen. “Danke... nochmal für diesen wundervollen Abend... aber auch die Zeit mit euch... es ist wirklich schön eine Stadt auf diese Weise zu erleben”, versuchte ich meinen Dank erneut klar zu machen und er lächelte mich leicht an.
 

“Es freut mich... dass wir dir damit eine Freude machen können... schließlich sind wir nicht nur zum Arbeiten unterwegs”, erklärte er und verstehend nickte ich. Oft genug hatte er mir gesagt, dass man auch Spaß haben sollte. “Vor allem sind wir dank dir deutlich schneller... deine Ideen und Einfälle erleichtern uns so einiges”, merkte er noch an und erneut bekam ich rote Wangen. Solche Komplimente war ich nicht gewohnt und doch freute ich mich, diese zu hören.
 

“Das mache ich doch sehr gerne”, entgegnete ich und handelte impulsiv, als ich ihn umarmte und einen kleinen Kuss auf die Wange gab. “Gute Nacht”, hauchte ich und löste mich, nur um schnell in mein Zimmer zu verschwinden.
 

Dadurch gab ich ihm keine Chance zu reagieren. Was auch gut war, denn ich wollte nicht riskieren, dass er mein rasendes Herz hören könnte und meine bestimmt knallroten Wangen bemerken würde. Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, lehnte ich mich an diese und versuchte mich zu beruhigen. Eindeutig konnte ich nicht mehr leugnen, dass etwas zwischen uns war, aber ich war noch lange nicht dazu bereit, dies zu zu lassen. Das könnte nur in einer Katastrophe enden, weshalb Verdrängung wohl nach wie vor die beste Taktik für mich bleiben würde. Egal wie schwer es sein mag, ich müsste mich wieder zusammen reißen und professioneller denken.
 

Doch werde ich das noch können, nach all den Tagen, die ich bereits mit ihnen verbracht habe? Mit dieser Frage und weiteren machte ich mich bettfertig und schlummerte schließlich irgendwann ein.
 


 

Da wir schon vorher geklärt hatten, dass wir den letzten Tag in Miami entspannter angehen würden, machte ich mir ausnahmsweise keinen Wecker an. Dennoch war ich gegen 8 Uhr morgens wach. Gemütlicher erledigte ich meine Morgenroutine und ging in die Küche, um Kaffee bereits auf zu stellen. Gerade als der Geruch der schwarzen Flüssigkeit den Raum erfüllte, gesellte sich Chiaki zu mir und holte direkt zwei Becher heraus. “Guten Morgen... ich wollte auch gerade Kaffee aufstellen”, meinte er und leise kicherte ich.
 

“Wie sagt man so schön... zwei Dumme, ein Gedanke, oder?”, lachte ich und er nickte zustimmend.
 

“Sieht wirklich so aus”, amüsierte er sich und holte sein Handy aus der Hose. Dadurch bemerkte ich, dass er eine schlichte Hose an hatte und ein Hemd, welches noch offen war. “Miya und Mato holen etwas zum Frühstück und würde dann vorbei kommen”, erklärte er und scrollte auf dem Display. “Würde das bei dir auch passen?”, fragte er und sah auf, nur um mich an zu blicken.
 

“Klar... so können wir schauen, was wir heute noch machen wollen”, grinste ich.
 

Denn ich hatte nichts dagegen, wenn das Paar zu uns kommen würde. Im Gegenteil. Dadurch würde ich auf andere Gedanken kommen und deutlich weniger über die Sache zwischen mir und Chiaki grübeln. Reichte schon aus, dass ich die halbe Nacht alle möglichen Fragen und Szenarien im Kopf durch gegangen bin. Wobei das meiste eher wohl geträumt war. Dennoch ging es mir eben nicht so leicht aus dem Sinn. “Stimmt... wir sollten heute noch entspannen, solange es geht”, meinte er amüsiert und goss schon den Kaffee in die Becher.
 

“Oh ja... ich könnte mir vorstellen, dass es in New York viel hektischer ist als hier”, überlegte ich und nahm dankend den Becher entgegen.
 

“Das auf alle Fälle... besonders in den Hotspots”, antwortete er und das konnte ich mir sehr gut vorstellen. “Aber man gewöhnt sich daran, jedoch sollte man stets achtsam sein”, fügte er hinzu und kurz blinzelte ich.
 

“In wie fern?”, hakte ich nach und er erklärte mir, dass es dort doch gefährlich sein könnte. Besonders in den U-Bahnen sollte man wohl mehr aufpassen. Verstehend nickte ich und nippte an dem Becher. “Verstanden... niemals alleine unterwegs sein und vor allem bei den öffentlichen Verkehrsmitteln”, fasste ich zusammen und mit meinen Worten schien er zufrieden zu sein, da er nickte.
 

“Perfekt”, meinte er und ehe er weiter sprechen konnte, klingelte es an der Haustür.
 

Lächelnd begrüßte ich Miyako und Yamato, die nun ebenso zur Küchenzeile kamen. “Kaffee ist bereits durch”, verkündete ich und Miyako lachte leise.
 

“Sehr gutes Timing”, grinste sie und so deckten wir den Tisch. Zudem füllte ich für die Beiden Kaffee ein und stellte sie zu ihren Plätzen. Die Jungs hatten bereits die Brötchen und etwas Aufschnitt auf den Tisch gestellte. Staunend blickte ich auf die Auswahl.
 

“Wow... wo habt ihr das denn so schnell auf getrieben?”, fragte ich das Paar und Yamato grinste.
 

“Es ist praktisch, wenn das Hotel nicht so weit ist... dort kann man alles für das Frühstück besorgen, oder eben Gerichte zum Mitnehmen bestellen”, erklärte er und lächelnd verstand ich, denn das war wirklich praktisch.
 

“Das ist großartig”, meinte ich, da mir das sehr gut gefiel. Sie hatten das Konzept sehr gut ausgearbeitet und sogar erweitert.
 

“Das war uns sogar wichtig, da viele nicht dazu kommen, immer wieder einkaufen zu gehen”, merkte Chiaki an, während wir uns an den Tisch setzten.
 

“Lasst es euch schmecken”, lächelte Miyako und wir erwiderten ihre Worte.
 

Gemeinsam aßen wir und unterhielten uns ein wenig. Wir gingen unsere Möglichkeiten für den Tag durch. Wir hätten knappe 24 Stunden noch in Miami und diese Zeit wollten wir gemütlich ausklingen lassen. Jedoch waren die Meinungen ein wenig unterschiedlich. Die Jungs wollten einfach nur am Pool oder am Strand chillen, wobei letzteres eindeutig überwog. Denn in der Nähe von New York einen guten Strand zu finden, war absolut nicht einfach. Hingegen wollte Miyako noch ein wenig Wellness machen und sich massieren lassen, während sie noch die ein oder andere Erfrischungsmaske sich auflegen lassen würde. Demnach war es nicht so einfach zu entscheiden, was wir nun machen sollten. Dass nun alle drei mich ansahen, ließ mich schwerer schlucken.
 

“Was denn?”, fragte ich mit leicht roten Wangen nach, da es mir unangenehm war, direkt von ihnen angesehen zu werden.
 

“Was möchtest du machen?”, wollte Yamato wissen und blinzelnd sah ich zwischen den dreien hin und her.
 

“Alles ist toll... wie wäre es, wenn wir bis zum Mittag gleich zum Strand gehen und danach ein wenig Wellness machen... ich habe gehört im Whirlpool kann man sehr gut entspannen”, überlegte ich lauter und konnte bei ihnen ein Lächeln sehen.
 

“Das klingt nach einer guten Idee”, meinte er und Miyako nickte zustimmend.
 

“Auch wenn ich Wellness nicht mag... so ist ein Whirlpool doch was feines”, grinste Chiaki und brachte uns damit zum Lachen. Es war unglaublich, wie leicht und unbeschwert man sich bei ihnen fühlte.
 

“Dann machen wir das so”, gluckste Miyako und war mit meiner Aussage sichtlich erfreut und zufrieden.
 

“Perfekt... also essen wir nun auf und dann ab an den Strand”, grinste Yamato und wir stimmten ihm zu.
 

Gesagt, getan. Wir aßen auf, räumten den Tisch ab, stellen das Geschirr in die kleine Spülmaschine und ließen diese durchlaufen. Erst danach zogen Chiaki und ich uns die Schwimmsachen an. Wobei Miyako mich ins Zimmer begleitet hatte, um meine Auswahl zu betrachten. Was Kleidung betraf war sie äußerst neugierig und staunte nichte schlecht, als sie meine Sachen erblickte. Meine Bandbreite war von verschlossen, bis hin zu niedlich, aber auch anzüglich und sexy. Alles war irgendwie mit dabei, da ich mich oft nicht nach der Mode richtete, sondern viel mehr an meine eigenen Emotionen. In denen ich mich in dem Moment wohl fühlte, zog ich mich an und konnte den Tag demnach genießen.
 

“Wow... Jeanne... ich bin gerade etwas neidisch bei deinen Bikinis und Tankinis”, hörte ich ihre Stimme und bekam rote Wangen bei ihren Worten.
 

“Ach was... du hast ebenfalls tolle”, entgegnete ich ihr und sie kicherte leise.
 

“Schon... aber deine sind unglaublich... wo hast du die denn her?”, fragte sie und kurz musste ich darüber nachdenken.
 

“Öhm... die da habe ich in Paris geholt... und die da haben mir meine Freundinnen mitgebracht... sie reisen oft und viel und bringen mir immer was mit”, erklärte ich ihr und deutete dabei auf die Stücke.
 

“Wow... wie cool”, lächelte sie und hielt kurz inne. “Dadurch seht ihr euch wohl weniger, oder?”, hakte sie nach und überraschte mich mit ihren Worten.
 

“Oh... nun... ja... wir schreiben so oft es geht und versuchen eben einmal im Monat etwas zusammen zu machen”, antwortete ich und sah zu den Bikinis, da ich an diesem Tag Lust dazu hatte, einen zu tragen.
 

“Das ist toll... Freunde sind wichtig... besonders wahre Freundschaft ist selten”, sprach sie und griff nach einem meiner Bikinis. “Den hier... solltest du heute tragen”, schlug sie vor und meine Augen weiteten sich schlagartig.
 

“Meinst... du echt?”, fragte ich direkt nach, denn das war eigentlich ein Kleidungsstück, welches ich eher nicht so ofen tragen würde.
 

“Na klar... das sieht bestimmt heiß an dir aus”, grinste sie zur Antwort und leicht shcluckte ich.
 

“Das schon... aber am Strand?”, teilte ich ihr meine Bedenken mit und sie winkte ab.
 

“Logisch... bitte tu mir den Gefallen”, strahlte sie mich an und irgendwie konnte ich ihr den Wunsch nicht abschlagen.
 

“Na gut... aber nur ausnahmsweise... normal würde ich sie nur im privaten Pool tragen”, erklärte ich und sie nickte eifrig.
 

“Alles klar... so machen wir das... künftig”, gluckste sie und ich schüttelte nur den Kopf, nahm den Bikini und ging ins Bad, um mich um zu ziehen.
 

Schmunzelnd schüttelte ich über Miyakos Worte den Kopf. Sie war wirklich unverbesserlich und erinnerte mich immer mehr an Amy und Rose. Bestimmt würden sich die drei sehr gut verstehen. Bei der Vorstellung lächelte ich innerlich und atmete noch einmal tiefer durch. Meinen Bikini richtete ich noch und biss mir unsicher auf die Unterlippe, während ich mich im Spiegel betrachtete. Alles war bedeckt, doch viel Spielraum hätte ich da nicht wirklich. Ein Glück hatte ich nicht zugenommen, seit ich ihn das letzte Mal trug. Der silberne Stoff funkelte leicht im Licht und das war genau das, was mich daran damals fasziniert hatte, als Rose ihn mir geschenkt hatte.
 

Nachdem ich zufrieden mit meinem Aussehen war, ging ich wieder raus zu Miyako. Diese starrte mich an und es verunsicherte mich etwas. “Doch... lieber einen anderen anziehen?”, kam es von meinen Lippen.
 

“Wow... nein... der ist perfekt!”, entgegnete sie mir und reichte mir ein Sommerkleid, welches himmelblau war. “Das passt perfekt darüber”, erklärte sie mir und dankend nahm ich es an, nur um es an zu ziehen.
 

“Dann los”, lächelte ich und schnappte mir noch eine Strandtasche, in die ich ein größeres und ein kleines Handtuch hinein packte. Zusammen verließen wir mein Zimmer und gingen mit den beiden Jungs hinaus, um zum Strand zu gelangen. Wir hatten gute drei Stunden, bis die Mittagssonne viel zu heiß werden würde und wir vor dieser flüchten sollten.
 

Am Strand dauerte es nicht lange, bis Miyako und ich unsere Kleider ausgezogen hatten. Sie hatte direkt meine Hand genommen und zog mich mit ins Wasser. Lachend folgte ich ihr und war froh über das kühle Nass an meiner Haut. “So lässt es sich leben”, seufzte ich und dem stimmte Miyako zu.
 

Dadurch blendete ich alles andere für den Augenblick aus und schwamm etwas umher, ehe sie mich anspritzte und mich dazu brachte, dies zu erwidern. Lachend spielten wir noch mit dem Wasser und bemerkten damit nicht, dass die Jungs ebenfalls bei uns waren. Blinzelnd blickte ich rüber und schluckte direkt, denn an den Anblick von Chiakis Oberkörper hatte ich mich noch lange nicht gewöhnt und würde es wohl auch nicht so schnell. Er war eindeutig viel zu heiß, um sich daran gewöhnen zu können. “Hab ich dich!”, hörte ich und blickte zur Seite, wo die Person stand zu der diese gehörte.
 

Yamato hatte Miyako von hinten umarmt und sie damit ‘gefangen’ genommen. Sie kicherte leise und versuchte sich zu lösen. Doch sie hatte keinerlei Chance gegen ihren Mann. Amüsiert lachte Chiaki neben mir und steckte mich damit an. “Die beiden sind wirklich unikate”, bemerkte ich und er nickte.
 

“Absolut... und das tolle ist... sie benehmen sich genauso wie damals, als sie sich kennen gelernt haben”, meinte er und staunend sah ich ihn an.
 

“Ehrlich?”, kam es von mir und er nickte.
 

Jedoch bevor ich weiter fragen konnte, kam eine Welle, die mich dichter an Chiaki trieb und ich leicht den Halt verlor. Sofort spürte ich seinen Arm an meinem unteren Rückenbereich. “Aufpassen”, raunte er und sah auf mich hinab, während ich zu ihm aufsah.
 

“Ähm... ja... die Wellen... sind etwas stärker als vermutet”, entgegnete ich verlegen, da mir seine Nähe gerade viel zu viel wurde. Tiefer atmete ich durch und fragte ihn, ob er mich los lassen würde, denn ich wollte zurück zum Strand und mich etwas sonnen.
 

“Ich komme... besser mit”, grinste er leicht und zwinkerte mir zu. Sofort wurde ich rot um die Nase und dankte ihm lächelnd, weil er mich sicher zurück zum Ufer brachte. Auch wenn er dies nicht tun müsste.

Auf nach New York

Es war mir unbegreiflich, warum ich vorhin so leicht den Halt verloren hatte. Zum Glück änderte sich dies, als ich festeren Sand unter meinen Füßen hatte. Erleichtert atmete ich durch und blinzelte mehrmals, während ich seine Hand an meinem unteren Rücken spürte. Leicht blickte ich zu ihm rüber und seine Mundwinkel waren etwas nach oben gezogen. Jedoch sagte er nichts zu mir und auch ich tat es nicht. Denn ich bemerkte die Blicke der anderen Männer durchaus und fand es irgendwie niedlich von Chiaki, dass er auf diese Weise auf mich achtete. Aber ich sollte ihm sicher nicht sagen, dass ich sein Verhalten süße und niedlich fand. Das wollte bestimmt kein Mann hören.
 

Zusammen setzten wir uns auf die Strandtücher und ich lehnte mich leicht nach hinten, um die Sonne genießen zu können. “Es ist unglaublich schön hier... das hätte ich zuvor nicht gedacht”, sprach ich mit geschlossenen Augen aus.
 

“Stimmt... hier ist es mit am schönsten”, bestätigte er meine Aussage und ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen.
 

So ließ es sich tatsächlich echt gut leben. Diesen Augenblick der Ruhe und Entspannung genoss ich in vollen Zügen aus und ließ mich von der Sonne wärmen. Dabei verlor man schnell die Zeit aus dem Sinn, denn ich war mir nicht sicher, wie lange ich so saß. Erst als einen Schatten über mir spürte, öffnete ich meine Augen und legte den Kopf schief. “Ein Handtuch?”, kam es überrascht über meine Lippen.
 

“Na klar... du hast eine leichte Gänsehaut”, meinte Chiaki und irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das wirklich der Grund war. Doch ich sagte nichts dazu und dankte ihm, während ich mir dieses über den Körper legte.
 

“Danke dir”, lächelte ich leicht und verschwieg meinen Gedanken von zuvor, da er es sicher abstreiten würde.
 

Zwar wollte ich noch etwas sagen, aber dazu kam ich nicht, denn Miyako und Yamato kamen zu uns. Sie legten ihre Handtücher um den Rücken und setzten sich neben uns auf ihre Stranddecke. Sofort plapperte Miyako drauf los und immer wieder musste ich schmunzeln. Ihre Art war so ansteckend und zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen, da sie einfach fröhlich und direkt war. Genau das, was ich an ihr sehr mochte. Sie war eine unglaubliche Frau und ein wenig beneidete ich sie darum, dass sie gerade sie selbst sein konnte. Innerlich atmete ich durch und wusste genau, dass es nur noch wenige Monate dauern würde, bis ich wieder ich sein konnte und keine Rolle mehr erfüllen müsste. Außer eben die Rolle meines eigenen Lebens.
 

Wir nutzten die Zeit in vollen Zügen aus. Auch wenn Miyako es nicht lassen konnte, ihren besten Freund zu necken. Ihr war nämlich nicht entgangen, dass mein Oberkörper mit einem Handtuch bedeckt war. Die Ausrede zog also bei ihr absolut nicht. Schmunzelnd beobachtete ich ihre Unterhaltung und konnte nicht anders als zu lachen. Die Zwei hatten eine Dynamik, die einfach unglaublich war. Das war wahre Freundschaft in meinen Augen. Man hielt zusammen, obwohl man sich auch mal necken möge. “Das solltest du öfters tun”, kicherte Miyako.
 

“Was genau? Euch auslachen?”, entgegnete ich und sofort prustete Yamato los.
 

“HEY!”, schimpfte sie, doch das war eher halbherzig, da sie genauso über meine Worte lachte.
 

“Doch... doch... genau das meint Miya, absolutes... ehrliches und offenes Lachen”, zwinkerte schließlich Chiaki sichtlich amüsiert über meine Wortwahl.
 

Anscheinend störte es keinen von ihnen, dass ich es so ausdrückte. Denn im ersten Moment hatte ich nicht wirklich darüber nach gedacht, was ich sagte. Eindeutig vergaß ich bei ihnen, dass ich eigentlich einen Auftrag hatte. Vielleicht verlor ich deshalb ein wenig meinen Fokus und erlaubte mir die ein oder andere Schwäche. Lachend nickte ich ihnen zu und würde dahingehend versuchen ‘ehrlicher’ meine Emotionen zu öffnen, obwohl ich es gänzlich wohl nie tun könnte, ohne ihnen die absolute Wahrheit über mich zu offenbaren. Für einen kleinen Augenblick war ich wehmütig, da ich das bei ihnen nicht tun könnte, aber Miyako schaffte es erneut mich ab zu lenken und auf diese Weise war unser Tag einfach nur noch ein perfekter Abschluss für eine wundervolle Zeit in Miami.
 


 

Den Vortag hatten wir zuvor gemütlich ausklingen lassen. Sogar zur Massage waren wir zu viert gegangen. Nach dem Strandbesuch hatten wir uns kurz erfrischt und waren zum Hotel rüber. Die Massage tat mehr als gut und das Essen dort war einfach nur köstlich. Danach entspannten wir ein wenig am Pool und diesmal konnten wir das wirklich alle. Denn ich hatte mir einen ‘normalen’ Bikini mit genommen, um im Pool etwas zu schwimmen und zu sonnen. Doch leider ging der Abend einfach viel zu schnell vorbei, weshalb wir wieder zurück kehrten und jeder für sich die Koffer packte. Mit diesen standen wir nun pünktlich um 12 Uhr am Gate und warteten darauf, dass der Flug auf gerufen wurde.
 

Es würde ein paar Momente noch dauern, doch die Koffer hatten wir schon abgegeben, sodass wir diesen Stress nicht mehr haben würden. Um die Zeit rum zu bringen, hatten wir uns Kaffee und jeweils ein Brötchen geholt. Denn zum Frühstücken waren wir einfach viel zu faul oder aber auch zu aufgeregt. Letzteres traf definitiv auf mich zu. Erst am Flughafen war ich entspannter und konnte eine Kleinigkeit essen. Das tat sehr gut, da es mich ebenso etwas ablenkte. Vor der bevorstehenden Stadt hatte ich ein wenig Angst. New York war eine verdammt große Stadt und es war definitiv etwas Beängstigendes daran.
 

“Welches Hotel hattest du ihm Sinn für den Aufenthalt, Chiaki?”, wollte Yamato wissen.
 

“Für die lange Dauer kämen nur zwei in Betracht... Oder wollt ihr bei der Konkurrenz unterkommen?”, hakte er direkt grinsend nach und Miyako kicherte, während ich ein wenig verwirrt war über ihre kleine Diskussion.
 

“Hmm... hätte auch mal wieder was”, überlegte Yamato. “Nur kennen sie uns mittlerweile...”
 

“Wobei... mit meiner neuen Haarfarbe noch nicht”, grinste Miyako und sah zu mir. “Und Jeanne ebenso wenig”, fügte sie an, weshalb ich erneut blinzelte.
 

“Was genau habt ihr denn nun wieder im Sinn?”, kam es mir über meine Lippen.
 

“Hin und wieder nach sehen, was die Konkurrenz so treibt... ist nie verkehrt”, zwinkerte Chiaki und nahm einen Schluck vom Kaffee.
 

“Oh... Spionage”, nickte ich verstehend und Yamato lachte lauter los.
 

“So könnte man das sagen”, merkte er an.
 

“Nur können wir das nicht zu lange machen... maximal zwei oder drei Tage”, bemerkte Miyako.
 

“Das stimmt”, pflichtete ich ihr bei, denn es war absolut nicht einfach, sich zu verstellen. Auch wenn das bei mir wahrscheinlich leicht aus sehen mag.
 

“Also... wenn... sollten wir direkt nach dem Flug eines wählen”, überlegte Miyako und tippte sich dabei auf ihr Kinn.
 

“Das könnte vielleicht etwas kurzfristig sein”, fügte ich an, da es schwer war nun inkognito zu reisen.
 

“Das ist ein guter Einwand... vielleicht... machen wir das bei unserem nächsten Besuch”, zwinkerte Chiaki in die Runde.
 

Tatsächlich fiel mir gerade ein Stein vom Herzen, als ich seine Worte realisierte. Auf die Schnelle zu improvisieren war zwar ein Teil meiner Arbeit, aber dahingehend wäre es nicht gut geworden. Schließlich sollte man für ein solches Vorhaben, etwas mehr überlegen, was man alles in kürzester Zeit in Erfahrung bringen wollen würde. Es war wichtig, dass man dennoch eben das heraus bekommen sollte, was man wissen wollte. Deshalb gingen wir vorsichtshalber noch einmal durch, was interessant wäre zu wissen, um das eigene Angebot verbessern zu können. Ihre Ideen waren echt außergewöhnlich und darin unterschieden sie sich bereits von den anderen.
 

“Beim nächsten Mal... könnt ihr nach dem Schema vorgehen”, lächelte ich und hatte die Datei abgespeichert. Somit konnten sie immer wieder darauf zu greifen, sobald sie es brauchen würden.
 

Nur kurz darauf wurde unser Flug angesagt und wir brachten noch das leere Geschirr weg, ehe wir mit dem Handgepäck eincheckten. Es ging zügig voran und wir konnten gleich weiter ins Flugzeug einsteigen. Dort hatten wir die Sitze wieder so, dass wir in einer Reihe sitzen konnten. Miyako und Yamato saßen in der Mitte, während Chiaki und ich am Fenster unseren Platz hatten. “Die knappen drei Stunden werden schnell vorbei ziehen”, grinste sie leicht. “Und doch versuche ich etwas zu schlafen”, merkte sie an und Yamato schmunzelte.
 

“Mach das... ich schaue mal, wo wir die 4 Wochen unter kommen können”, meinte Chiaki und hatte das Tablet heraus geholt. Es war praktisch, dass man das ganz flexibel sehen konnte, ob was passen würde.
 

“Seid ihr in New York immer so lange?”, fragte ich, nachdem der Flieger gestartet war.
 

“Nicht jedes Mal... aber wenn, dann meistens zwei Wochen. Die meisten Galas und Charité Projekte finden dort statt und ich möchte so vielen wie möglich helfen”, antwortete er mir und leicht schmunzelte ich.
 

“Da kommt wohl der Arzt bei dir durch”, merkte ich an und überrascht blickte er zu mir.
 

“Oh... nun... ja... das könnte man so meinen”, kam es von ihm und ich konnte die leichte Verlegenheit aus seiner Stimme heraus hören.
 

Scheinbar wollte er den Vergleich nicht hören, warum auch immer. Es war für mich schleierhaft, wieso dem so war. Ich war mir sicher, dass er als Medizinier mindestens genauso talentiert war wie als Hotelier. Meine Neugier war definitiv geweckt und ich würde heraus finden, warum er diese Seite von sich lieber verschwieg. Von meinen Eltern hatte ich gelernt, dass alles einen Grund hatte. Obwohl es mich in manchen Situationen viel Zeit gekostet hatte, um den Sinn dahinter zu finden. Bestimmt war etwas vorgefallen und ich war hoch motiviert raus zu bekommen, was der Grund für seine Ablehnung gegen seine mögliche Karriere als Arzt war.
 

Der Flug ging schneller vorbei, als ich es für möglich gehalten hatte. Doch die knappen drei Stunden waren eine kurze Zeitspanne, wenn man etwas zu tun hatte. Den gesamten Flug über hatte Chiaki und ich nach dem passenden Hotel gesucht. Dadurch das mehrere Galas anstanden und sie an unterschiedlichen Orten statt fanden, hatten wir dabei die Reisezeit dorthin im Auge behalten und demnach ein Hotel gewählt, welches gleichweit von allen Veranstaltungsorten war. Zufrieden damit notierte er alles und würde nach dem Landen im Hotel anrufen, um alles klar zu machen. Er wusste genau, wie viele Zimmer sie überall noch zur Verfügung hatten, doch für die vollen 4 Wochen musste er etwas splitten.
 

“Also... zwei Wochen können wir im ‘Ares’ absteigen... sie haben zwei Suiten frei. Danach müssten wir entweder alle vier zum ‘Atem’ oder nur zwei von uns... da eine der Suite benötigt wird”, erklärte er, nachdem Miyako und Yamato bei uns auf das Gepäck warteten.
 

“Hm... also uns würd es nichts ausmachen, auch alleine im anderen Hotel zu sein”, meinte Yamato als erstes.
 

“Mhm... solange wir uns für die gemeinsamen Galas zusammen einkleiden oder Jeanne mit mir Shoppen geht, ist mir alles recht”, grinste Miyako breiter. Bei ihrer Erwähnung vom Shoppen rollte ich mit den Augen und seufzte leise, denn das würde definitiv keine meiner Lieblingsbeschäftigungen werden. “Das muss aber sein, Jeanne”, meinte sie fast so, als hätte sie meine Reaktion mitbekommen.
 

“Jaja... Schon gut, Miya”, lenkte ich ein und versuchte sie so zu besänftigen. Denn ich traute ihr durchaus zu, dass sie sich noch was anderes einfallen lassen würde.
 

“Alles klar... kümmert ihr euch um die Koffer und ich telefoniere”, grinste Chiaki und Yamato nickte zustimmend.
 

Während Letzterer sich darum kümmerte, dass die Koffer von der Bahn kommen, achteten Miyako und ich darauf, dass wir keinen von ihnen verpassen. Danach begaben wir uns Richtung Ausgang und hatten Chiaki schon vom Weiten gesehen. Daher führte uns unser Weg genau zu ihm, wobei Yamato seinen Koffer mit geschoben hatte. “Alles geklärt?”, fragte Miyako ihn und er drehte sich zu uns.
 

“Jup... wir sind zwei Wochen im ‘Ares’ und ihr danach zwei Wochen im ‘Atem’ in der Suite. Also Komfort sollte demnach bleiben und es ist mehr als geräumig”, antwortete Chiaki grinsend und zustimmend nickte sie.
 

“Perfekt... genug Platz für die Kleider”, meinte sie erfreut und ich ahnte bereits, dass sie mich zu einigen Shoppingtouren mitnehmen wollen würde.
 

“Nun aber los... es ist doch schon spät und wir sollten uns heute ausruhen, ehe wir morgen die Galas durchsprechen. Denn heute habe ich keinen Kopf mehr dafür”, erklärte Chiaki ehrlich und tatsächlich konnte ich ihn dahingehend verstehend. Bestimmt rauchte sein Kopf schon nach dem Ganzen hin und her grübeln im Flieger.
 

“Gut... dann ab zum Hotel”, grinste Yamato und nahm Chiaki weiterhin den Koffer ab. Dies quittierte er nur mit einem Kopf schütteln und Miyako lachte leise. Das schien ein Ding zwischen den beiden zu sein.
 

Schnell hatten wir ein Taxi gefunden, welches uns ins Hotel gebracht hatte. Es war ein etwas längerer Weg, doch das war nicht so schlimm. Das gab mir genug Zeit, die Umgebung zu bestaunen. Definitiv war New York ziemlich imposant. Leicht schluckte ich bei dem Anblick der Hochhäuser. Dadurch konnte man sich schnell mal klein fühlen. “Wow... ich dachte, in Paris wären die Gebäude hoch...”, brachte ich hervor und hörte das Kichern der anderen.
 

“So ging es uns auch. Wir sind zwar in Tokyo aufgewachsen, doch die Hochhäuser hier sind um einiges höher”, grinste Miyako und konnte mich wohl sehr gut verstehen, weil ich gerade auf Grund der imposanten Größe nur noch staunte.
 

“Es ist absolut normal, dass dies einen umhaut”, merkte Yamato an und Chiaki nickte zustimmend.
 

“Wir machen noch eine richtige Tour... und zeigen dir die Stadt... solche Reisen sind immer perfekt dafür, um sich seinen eigenen Eindruck zu machen”, merkte Chiaki an und blinzelnd sah ich zu ihm rüber.
 

“Haben wir den so viel Zeit?”, fragte ich verwundernd.
 

“Natürlich... Beide Hotels in New York sind top ausgestattet und brauchen demnach keine Sanierungen höchstens beim Tagesangebot könnte man sehen, was wir da noch machen können”, lächelte Miyako.
 

Verstehend nickte ich und konnte es nicht wahr haben, dass dem wirklich so war. Das wäre eine andere Arbeitsspanne, als die in Europa. Es wäre eine kleine Umstellung, aber wäre leicht machbar, wenn dem wirklich so war. Jedoch sollte ich dennoch nicht das große Ganze dabei übersehen. Mein Job ist es nach wie vor, Chiaki zu begleiten. Die Drei erzählten, welche Anforderungen sie bereits in beiden Hotels voran gebracht hatten. Erstaunt hörte ich ihnen zu und war einmal mehr davon überrascht, wie gut sie sich in ihre Gäste hinein versetzen konnten. Allgemein mochte ich das Konzept, welches Chiaki in all seinen Hotels verfolgte. Das machte ihn einmal mehr sympathischer und ich begriff, dass ich nicht mehr viel dagegen finden könnte, ihn nicht zu mögen.
 

“Ich würde sagen... wir bringen die Koffer hoch, machen uns frisch und gehen etwas essen?”, schlug Miyako vor, als wir am Hotel angekommen waren und bereits ausgestiegen sind.
 

“Die beste Idee ever”, grinste ich, denn eine Dusche war genau das, was ich nach dem Flug und der Fahrt dort hin definitiv brauchte.
 

“Hm... also treffen wir uns am besten in zwei Stunden wieder hier in der Lobby”, überlegte Chiaki und wir nickten.
 

Dies würde uns mehr als genug Zeit einräumen, um etwas aus zu packen und uns zu erfrischen. Da es geklärt war, begaben wir uns zur Rezeption, wo tatsächlich schon unsere Ankunft erwartet wurde. Sogleich bekamen wir für die Zimmer die Schlüsselkarten. Dankend nahmen wir sie entgegen und gingen weiter zum Aufzug, um nach oben zu den Suiten zu gelangen. Dabei erzählten sie mir noch, dass diese für alle buchbar wären und man auch so etwas wie Familienzimmer bekommen konnte. Genau wie in den 50 Prozent der anderen Hotels. Dass sie nun nach und nach das überall einführen wollten, fand ich großartig und würde sehen, wie ich ihnen dabei helfen könnte, dies so bald wie möglich um zu setzen.
 

Oben verteilten wir uns auf die Suiten und ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Ein großer offener Raum erstreckte sich nach einem kleinen Flur. Von dem Zimmer ausgehend gingen mehrere Türen weg, die ich blinzelnd nach einander an sah. Doch am meisten zog das Fenster meine Aufmerksamkeit auf sich. “Wow... das nenne ich eine Aussicht”, entkam es mir und hörte Chiaki hinter mir lachen.
 

“Auch wenn es schwer war, haben wir versucht überall den bestmöglichen Ausblick aus zu wählen”, erklärte er und lächelte mich an, nachdem er neben mir stand.
 

“Verstehe ich gut... wobei es mit den anderen großen Häusern drum herum bestimmt schwer ist”, überlegte ich.
 

“Mhm... doch die Skyline ist unschlagbar, besonders in den oberen Stockwerken oder der Dachterrasse”, sagte er und das konnte ich nach vollziehen. Manchmal war die Skyline einer Stadt unglaublich und hatte ihren ganz bestimmten Charme. Doch da realisierte ich seine Worte gänzlich.
 

“Moment... Dachterrasse?”, hakte ich nach und blickte zu ihm. Sofort nickte er.
 

“Jup... wir haben oben auf dem Dach ein Lokal, in dem man gemütlich essen und trinken kann. Mit Happy Hour bei Cocktails und alkoholfreien Getränken”, antwortete er direkt und blinzelnd begriff ich, dass er es ernst meinte.
 

“Das ist cool... wie seid ihr auf die Idee gekommen?”, fragte ich neugierig nach.
 

“Viele sind in New York zum Feiern... aber nicht alle mögen es, in einem überfüllten Club zu sein. Viel lieber ist den meisten gemütliches Trinken, Essen und vielleicht etwas tanzen... genau das haben wir dort realisiert und bisher kam das sehr gut an”, lächelte er.
 

“Das glaube ich sofort... muss im Sommer sehr gut besucht sein”, merkte ich an.
 

“Oh ja... da müssen wir aufpassen, dass nicht zu viele oben sind... aber dafür haben wir die Security dort, die unauffällig darauf achten”, stimmte er zu und das verstand ich sehr gut. Oft konnte man den Überblick verlieren und da war es gut, wenn jemand darauf ein Auge hatte.
 

“Verstehe es sehr gut... wenn es dort oben so ist, wie es sich anhört... will jeder dort sein”, grinste ich und er lachte leise.
 

“Nun sollten wir uns aber fertig machen... sonst wird Miya ungemütlich”, erinnerte er mich und eilig nickte ich.
 

“Stimmt... nun aber schnell... ähm... haben wir nur ein Bad?”, fragte ich, da ich gerade nur eines erahnen konnte.
 

“Ja... aber nicht so schlimm... du kannst zuerst, nachdem du dir ein Zimmer gewählt hast”, meinte er und kürz überlegte ich, ehe ich zu dem Zimmer rechts vom Eingang deutete. “Gut... dann nehme ich das andere... sagst du mir bescheid, sobald du im Bad fertig bist?”, bat er mich und ich nickte zustimmend.
 

Schnell schob ich meinen Koffer in das ausgewählte Zimmer und lächelte bei dem wundervollen Raum. Es war modern und liebevoll eingerichtet. Das gefiel mir sehr gut und ich stellte den Koffer ab und fischte nur meine Kulturtasche heraus, ehe ich ins Bad ging. Nur kurz darauf schloss ich die Tür hinter mir und hatte mich entkleidet, ehe ich unter die Dusche stieg. Das Wasser tat wahrlich gut und ich entspannte ein wenig unter dem warmen Strahl. Die Haare hatte ich nur kurz hochgesteckt, da ich sie nicht waschen würde. Das würde zu viel Zeit brauchen.

Die Stadt, die nie schläft

Frisch geduscht trocknete ich mich ab und streckte einmal mehr meine Glieder. Ganz automatisch ging mein Blick zur Badewanne. Hmm... ich könnte mir später ein Bad einlassen, um meine Muskeln etwas zu entspannen., überlegte ich und grinste leicht. Die Idee gefiel mir und ich würde dies nach dem Abendessen in die Tat umsetzen. Schon viel zu lange hatte ich keine richtige Entspannung, doch diese war notwendig, damit ich wieder gänzlich auf dem Damm war. Kurz blinzelte ich und biss mir auf die Unterlippe, denn mir fiel gerade auf, dass ich ganz vergessen hatte Wechselsachen mit zu nehmen. Schmunzelnd über mich selbst wickelte ich ein Handtuch um meinen Körper und verließ danach das Bad, wobei ich meine vorherigen Sachen mit genommen hatte.
 

“Bist du schon fertig?”, hörte ich seine Stimme und blickte automatisch in die Richtung aus der diese kam.
 

Ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, da Chiaki in der kleinen Küchenzeile stand. Diese bestand aus einem kleinen Kühlschrank, drei Arbeitsplatten und hatte einen Toaster, einen Wasserkocher und eine moderne Kaffeemaschine. Das war mehr als genug, um sich etwas zum Frühstück oder zum Abendbrot fertig zu machen. Momentan schien er die Bohnen aufgefüllt zu haben. Er war genauso ein Kaffeejunkie wie ich und das war sehr gut. “Na klar... die Haare konnte ich heute sparen zu machen... um diese kümmere ich mich morgen”, antwortete ich ihm leicht grinsend.
 

“Also stimmt es, dass ihr Mädels immer wegen der Haare so lange braucht”, lachte er auf meine Worte hin und drehte sich in dem Moment um. Sofort konnte ich sehen, dass sich seine Augen weiteten und ihm leicht der Mund aufklappte. Mit meinem ‘Outfit’ hatte er vermutlich nicht gerechnet.
 

“Korrekt... besonders bei langen Haaren dauert es lange... sehr lange, bis man sie frisiert bekommt”, stieg ich auf seine Aussage ein und er benetzte seine Lippen, während er mich durchaus abcheckte. Dies bemerkte ich sehr wohl und wurde deshalb leicht rot um die Nase.
 

“Verstehe”, kam es fast schon geistesabwesend von ihm.
 

“Du kannst... im Übrigen ins Bad”, merkte ich schmunzelnd an und ging in meine vier Wände.
 

Dabei hatte ich nicht auf eine Reaktion von ihm gewartet. Mir war sogar bewusst, dass er mir mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nach sah. Mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen hatte ich die Tür hinter mir geschlossen und atmete einmal tiefer durch. Wenn ich ehrlich war, gefiel es mir, dass ich ihn wohl sprachlos gemacht hatte. Irgendwie fühlte ich mich dadurch um einiges wohler und überlegte, was ich anziehen könnte. Es weckte eindeutig meinen inneren Spieltrieb und ich wollte nun heraus finden, wie weit ich gehen könnte. Eine Idee zeichnete sich in meinem Kopf ab und mein Grinsen wurde nur noch breiter. Schnell hatte ich ein Outfit gewählt und löste meine Haare, um sie zu einem hohen Zopf zu binden. Noch einmal betrachtete ich mich im Spiegel und nickte zufrieden.
 

Erst danach verließ ich den Raum und sah mich direkt um. Enttäuscht musste ich fest stellen, dass Chiaki nicht mehr da war. Daher glitt mein Blick zur Kaffeemaschine. Schmunzelnd stellte ich fest, er hatte bereits zwei Becher dazu gestellt und alles aufgefüllt. Nun sollte ich nicht so sein und mir, aber auch ihm einen machen, ehe er aus dem Bad kommen würde. Dass er dort war, konnte ich durch das Wasserrauschen hören. Ein wenig musste ich in mich hinein grinsen, da ich ziemlich gespannt auf seine Reaktion auf mein Outfit war. Ich konnte einfach nicht anders und hatte mir eine Hotpants angezogen. Dazu ein enganliegendes Top, welches durchaus meine Figur unterstrich. Denn auf meine Kurven war ich ziemlich stolz.
 

Um die Zeit etwas rum zu bringen, ging ich zur Küchenzeile an die Kaffeemaschine. Kurz überblickte ich die Funktionen, die es gab, und war froh, wie einfach die Bedienung war. Das richtige Programm konnte ich problemlos finden und stellte die Becher darunter, um die schwarze Brühe durchlaufen zu lassen. Der Geruch erfüllte nur wenig später den Raum und für einen kleinen Moment schloss ich die Augen. Es fühlte sich irgendwie gut an zu wissen, dass er jeden Moment fertig sein und hinaus treten würde. Tatsächlich grinste ich leicht vor mich hin und konnte es nicht verhindern, dass mein Herzschlag sich um einiges beschleunigte, als das Wasserrauschen aufhörte. Nun wäre es jeden Moment soweit.
 

Wie von selbst hielt ich die Luft an und schlug meine Augen auf. Beide Becher waren voll mit dem köstlichen Kaffee. Die Bohnen hatten eine höhere Qualität, denn deren Duft war ziemlich intensiv. Jedoch konnte ich mir keine weiteren Gedanken dazu machen, da ich die Badezimmertür hörte, die aufgesperrt wurde. Daher atmete ich einmal tiefer durch, nahm die Becher und drehte mich um, damit ich ihm seinen Kaffee geben konnte. Aber mit dem Anblick hatte ich genauso wenig gerechnet wie er. Denn wir beide sahen uns mit großen Augen an. Er hatte gerade seine Haare trocken gerubbelt, während er zu mir blickte und inne hielt.
 

Schwerer schluckte ich, denn er hatte lediglich nur ein Handtuch um seine Hüften. Auf seinem Oberkörper waren einige Wassertropfen zu sehen, die sich ihren Weg langsam hinab bahnten. “Du... bist schon angezogen”, räusperte er sich und augenblicklich sah ich ihn an.
 

“Natürlich... und Kaffee ist nun auch schon fertig”, entgegnete ich, nachdem ich mich etwas gefangen hatte. Definitiv hatten wir wohl beide eine gewisse Anziehungskraft auf einander.
 

“Kaffee... sehr gut... den kann ich gebrauchen”, meinte er, ließ das Handtuch um seine Schultern hängen und kam näher.
 

“Das dachte ich mir schon”, zwinkerte ich ihm zu und kam nicht umhin, seinen Oberkörper zu bestaunen. Dass er so gut durch trainiert war, war wirklich unglaublich. Wie von selbst fragte ich mich, wie er das wohl schaffte. Schließlich hatte ich ihn in den letzten Wochen nicht viel Sport machen sehen.
 

“Danke”, hörte ich seine Stimme und sah blinzelnd auf.
 

Ein verschmitztes Grinsen lag auf seinen Lippen, als er einen der beiden Becher mir abnahm und direkt daran nippte. Dabei behielt er mich im Auge und erneut musste ich schlucken. Dieser Blick war schwer zu deuten, aber fragen wollte ich gerade nicht. Das würde doch sicher blöd kommen. Daher trank ich von meinem Becher und versuchte mir nichts weiter anmerken zu lassen. “Also... wenn ich das richtig sehe... haben wir noch eine gute halbe Stunde, bis wir verabredet sind... schaffst du das in der Zeit?”, fragte ich ihn stattdessen und neckte ihn damit ein wenig.
 

“Klar schaffe ich das”, kam es amüsiert lachend von ihm. Er hatte noch einen Schluck zu sich genommen und griff an mir vorbei, um den Becher ab zu stellen. Dadurch war er mir sehr nahe und ich konnte sein Duschgel riechen. Es war ein herber und männlicher Duft, der einem eine wohlige Gänsehaut bescheren konnte. “Ich werde mich mal anziehen... bis gleich”, wisperte er dicht an meinem Ohr und ließ mich schließlich alleine zurück.
 

Tatsächlich erwischte ich mich nun dabei, wie ich ihm hinter her starrte und seine Rückseite genauer betrachtete. Er war definitiv kräftig gebaut und das Handtuch saß richtig tief. Es fehlte nicht mehr viel und dieses würde alles von ihm enthüllen. Oh man... er ist wahrlich die Versuchung pur..., schoss es mir durch den Kopf, während ich meinen Kaffee weiter trank. Lange musste ich nicht auf ihn warten, da er knapp 10 Minuten später wieder zu mir kam. Er trug eine schwarze Jeans und ein dunkelblaues Hemd mit längeren Ärmeln. Überrascht blinzelte ich, da er doch so verschlossen wirkte, dennoch sah er verdammt heiß darin aus. “Wird dir nicht warm?”, fragte ich nach ohne darüber länger nach zu denken.
 

“Hm... es kann später noch kühler werden... vielleicht solltest du dir auch etwas längeres anziehen”, antwortete er mir und kurz blinzelte ich, ehe ich an mir herunter sah.
 

“So kalt kann es gar nicht werden”, meinte ich und musste schmunzeln. Er konnte doch nicht ernsthaft dies als Grund angeben, damit ich mich umziehen würde.
 

“Doch... doch... glaub mir... es kann so kalt werden... also sei so gut und zieh dich noch fix um”, bat er mich und leicht legte ich den Kopf schief.
 

“Hm... na gut... aber wenn es nicht so kalt wird... dann habe ich einen Wunsch frei”, entgegnete ich und sah ihm dabei tief in die Augen. Etwas darin blitzte für einen Bruchteil der Sekunde auf und er nickte.
 

“Einverstanden”, entgegnete er mit einem schiefen Grinsen.
 

“Gut... bin gleich wieder da”, sagte ich noch und drehte mich um, nur um wieder in meinen Raum zu gehen.
 

Dabei griff ich schon nach dem Saum meines Shirts und zog es mir aus. Dass er dadurch einen Blick auf meinen Rücken und demnach ein Teil meines BHs sehen konnte, war pure Absicht. Ein leises Fluchen konnte ich sogar vernehmen und grinste breiter, bevor ich die Tür hinter mir schloss und aus meinen Hotpants schlüpfte. Mir war glasklar, dass er mich umziehen schickte, weil meine Sachen sehr kurz und figurbetont waren. Aber er wird sich noch umsehen, so viel stand für mich fest. Schnell zog ich mir meine Skinny Jeans an. Diese saß perfekt an meinem Körper und betonte meinen Hintern. Breiter grinste ich, als ich mir meinen leichten Pullover nahm. Dieser hatte dreiviertel Ärmel und lag eng an meinem Oberkörper.
 

“Möge das Spiel beginnen”, sagte ich zu mir selbst.
 

Sogleich schnappte ich mir noch meine Handtasche, in die ich mein Handy packen würde. Er dachte sicher, dass ich weite Kleidung anziehen würde, doch diesen Gefallen habe ich für ihn nicht erfüllt und dachte auch niemals daran, dies zu tun. Die Tür machte ich auf und schritt wieder zurück zu ihm. Er war bei der Küchenzeile an der Arbeitsplatte gelehnt und trank von seinem Becher. Dabei blickte er auf sein Handy. Daher beschloss ich mich leicht zu räuspern, damit er auf mich aufmerksam wurde. Kaum tat ich dies, sah er auf und seine Augen weiteten sich augenblicklich. Dies ließ mich zufrieden grinsen, da er damit wohl genauso wenig gerechnet hatte.
 

“Nun bin ich wärmer angezogen... wir können los“, grinste ich ihn an und konnte sehen, dass er sich einen Kommentar verkneifen musste.
 

“Okay”, begann er und schien kurz zu überlegen. “Dann los”, fügte er an, da ihm vermutlich nichts mehr einfiel, um mir das Outfit aus zu reden. Gelassen warf ich meine Tasche über die Schulter und lächelte in mich hinein. Das würde sicher noch ein interessanter Abend werden.
 


 

Nach einer guten Stunde waren wir im nahe gelegenen Restaurant angekommen. Einen Tisch bekamen wir in einer gemütlichen Ecke, sodass wir uns problemlos unterhalten konnten. Schon seit wir in der Lobby auf Miyako und Yamato getroffen sind, hatte ich eine kleine Bestätigung für meine Annahme, dass Chiaki mich nicht wegen der Kälte zum Umziehen schickte. Schmunzelnd beobachtete ich Miyako und ihn dabei, wie sie es nicht lassen konnte ihn zu necken. Der Abend war angenehm warm und mehr als perfekt gewesen für mein vorheriges Outfit. Doch auch Chiaki schien für ihn etwas untypisches an zu haben. Das war der Grund, warum sie ihn nicht verstand, bei solch einem Wetter ein langärmliches Hemd an zu haben.
 

Dieser Unterhaltung folgte ich aufmerksam und grinste in mich hinein. Unauffällig sah ich zu Yamato, der versuchte, sich das Lachen zu verkneifen. Scheinbar hatte er daran genauso viel Spaß wie ich. Es war durchaus amüsant, den Beiden zu zu hören und sie dabei zu sehen. Miyako war wahrlich ein kleiner Orkan, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Gerade hatte sie es sich vermutlich zur Aufgabe gemacht zu haben, ihren besten Freund auf die Palme zu bringen. “Lass es gut sein, Miyako!”, grummelte er und nun lachte Yamato los.
 

“Ihr beiden wieder... das erinnert mich an unsere Schulzeit”, kam es amüsiert und lachend von ihm.
 

Kurz sahen sie zu ihm und danach einander an, als sie ebenfalls anfingen zu lachen. Das machte mich doch ein wenig neugierig. Zwar hatte ich einige Geschichten bereits gehört, doch scheinbar waren das noch lange nicht alle. Zu gerne hätte ich da näher nachgefragt, aber irgendwie traute ich mich nicht. Wenn sie es erzählen wollen würden, werden sie dies sicher tun. Soweit hatte ich die drei schon kennen gelernt. Lächelnd sahen wir uns gegenseitig an, ehe der Kellner an unseren Tisch kam und die Bestellung aufnehmen wollte. Da ich zum Essen gerne Wasser trank, bestellte ich mir eine ganze Flasche. Die anderen hatten dadurch Zeit, ihren Lachflash zu beenden und sich ebenso ihre Getränke zu ordern.
 

Während wir auf diese warteten, durch suchten wir gemeinsam die Speisekarte. “Oh... das gibt es aber einige leckere Gerichte hier”, merkte ich an und leckte mir leicht über die Lippen, denn alle hörten sich köstlich an.
 

“Oh ja... ich liebe dieses Lokal”, schwärmte Miyako und überlegte. “Nehmen wir wieder drei Gerichte, Schatz?”, fragte sie ihren Mann, der von seiner Karte aufsah und kurz überlegte. Sogleich nickte er grinsend.
 

“Na Logo”, meinte er noch und ich fand es unglaublich, wie die beiden mit einander agierten.
 

“Warum denn drei Gerichte?”, musste ich nach haken, da mir gerade klar wurde, dass sie drei und nicht zwei gesagt hatte. So wie die meisten dies taten, um zwei Speisen zu verköstigen.
 

“Weil Miya immer zwischen Gerichten schwankt... genau wie ich”, erklärte Yamato lächelnd.
 

“Ah verstehe... also esst ihr jeweils ein Gericht und das dritte teilt ihr euch?”, fasste ich zusammen und das Paar nickte.
 

“Korrekt... damit können wir unsere Lieblingsgerichte verspeisen, ohne verzichten zu müssen”, grinste Miyako und leise lachte ich, ehe ich zu Chiaki sah.
 

“Und du musstest dich immer für eines entscheiden?”, wollte ich meine Neugier stillen.
 

“Mhm... das ist die Strafe, wenn man mit den beiden essen geht”, antwortete er lachend.
 

“HEY!”, kam es von dem Paar wie aus einem Mund.
 

“Was denn? Ihr denkt gar nicht dabei an mich”, fing er an.
 

Dabei musste ich mich etwas zusammen reißen, um nicht laut los zu lachen. Die drei Freunde waren direkt voll drin im ‘Schauspiel’. Dadurch hatte ich keine Chance und begann doch noch zu lachen. Es war einfach nur zu witzig und bestimmt würde ich sie nicht unterbrechen. Man konnte dadurch sehr viel von ihnen kennen lernen. Tatsächlich konnten sie ihr Essen zwischendurch ebenfalls bestellen, ebenso wie eine weitere Runde zu trinken. Einige Minuten später war ich Tisch so gut wie voll gestellt mit den Speisen und den Getränken. Sogleich fingen wir an zu essen und sogar Chiaki konnte sich diesmal zwei Gerichte aussuchen, da mich auch zwei direkt ansprachen.
 

“Lasst es euch schmecken”, lächelte ich in die Runde und die drei erwiderten dies sofort.
 

Beim Essen scherzten wir miteinander, aber besprachen auch die kommenden Tage. Einmal mehr wurde mir bewusste, dass wir wirklich fast einen Monat in der Stadt sein werden. Das war eine lange Zeit und neben den Galas und einigen Einladunden, die die drei erhielten, wäre eine Menge Freizeit dazwischen. Klar würden wir einige Kleider und Schuhe besorgen müssen, denn es ziemte sich nun mal nicht mit einem Kleid auf zwei Galas zu erscheinen. Besonders dann nicht, wenn diese mit einem roten Teppich verknüpft waren. Schwerer schluckte ich, da mir nun richtig klar war, dass sie in New York sehr viel Kontaktpflege betrieben. Ebenso zeigten sie ihre Präsenz und unterstützten einige Projekte.
 

“Das könnte anstrengender werden als die Renovierungen”, schmunzelte Miyako und leise seufzte ich.
 

“Besonders die Shoppingtouren”, merkte ich an und brachte die anderen gleich zum Lachen.
 

“Oh... auf diese freue ich mich sehr”, kicherte sie doch glatt und am liebsten würde ich mich weigern. Jedoch war es nötig, das wusste ich sehr wohl.
 

“Aber bitte so wenig wie möglich”, meinte ich schließlich und sie grinste breiter.
 

“Genauso machen wir das... wir zwei gehen erst einmal morgen einkaufen für die nächsten vier Galas... dann müssen wir erst in 12 Tagen neue Kleider besorgen”, zwinkerte sie mir zu und kurz überlegte ich.
 

“Nun... das klingt nach einem Plan”, stimmte ich ihr zu. Denn so müssten wir nur zweimal los ziehen. Einen Moment grübelte ich und blickte zu Yamato und Chiaki. “Wie schaut es denn bei euch aus, Jungs? Müsst ihr auch noch Anzüge oder so besorgen?”, fragte ich die beiden. Augenblicklich wechselten sie den Blick mit einander.
 

“Ähm... Wir werden eher ein oder zwei Anzüge brauchen...”, meinte Yamato lächelnd.
 

“Wobei sogar nur ein paar neue Hemden oder Krawatten aus reichen würden”, merkte Chiaki an und kurz blinzelte ich.
 

“Oh... ihr mögt wohl genauso gern ein zu kaufen wie ich”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
 

“Absolut... besonders diese... formellen Kleidungsstücke”, pflichtete Yamato mir bei. Sofort prusteten wir los, denn da waren wir uns mehr als einig.
 

“Wie wäre es, wenn wir morgen alle vier shoppen gehen die Outfits aufeinander anpassen?”, schlug ich vor, damit die Männer nicht alleine los mussten.
 

“Das ist eine sehr gute Idee...”, lächelte Miyako und grinste die Jungs an. “Vor allem könnt ihr uns bei der Auswahl helfen”, fügte sie an.
 

“Stimmt... vor allem können wir euch davon abhalten zu knallige Farben zu wählen”, grinste Yamato und Chiaki nickte zustimmend. In diesem Punkt waren sie sich einig und wenn ich ehrlich war, würden weder Miyako noch ich eine solche Farbwahl treffen. Wir beide waren nicht der Typ dafür.
 

“Wie jetzt? Kein Pink oder Neongelb für uns?”, kam es gespielt von ihr.
 

“Miya... vergiss Babyblau nicht”, fügte ich an und beide Männer sahen uns mit hochgezogenen Augenbrauen an.
 

“Stimmt... danke, Jeanne. Das hätte ich glatt vergessen”, nickte sie eifrig.
 

Obwohl wir versuchten es so ernst wie möglich rüber zu bringen, konnten wir nicht dabei bleiben. Wir lachten los und konnten nur zu deutlich erkennen, dass beide Männer erleichtert durch atmeten und schließlich in unser Lachen ein stimmten. Fast hätten sie uns die Empörung über das Verbot der knalligen Farben abgekauft. “Jungs... solche Farben sind sicher nicht unser Ding und eures genauso wenig”, zwinkerte ich ihnen zu.
 

Zusammen verbrachten wir noch einen gemütlichen Abend, ehe wir uns auf den Rückweg ins Hotel machten. Darüber war ich sehr froh, denn mittlerweile spürte ich die Müdigkeit in meinem Körper. Jeder von uns war mehr als erledigt von dem Tag, weshalb der nächste einfach ruhiger beginnen könnte. Ein Glück waren wir uns einig, dass wir erst aus schlafen würden, bevor wir unsere Shoppingtour starten würden. An den Zimmern verabschieden wir uns für die Nacht und ein Gähnen war schwer zu unterdrücken. “Schlaft gut... wir sehen uns morgen zum Brunch”, zwinkerte Miyako und damit war auch klar, wie lange wir schlafen konnten.

Zappeln lassen schadet nicht

Wie so oft benahm sich Chiaki wie ein Gentleman und hatte unsere Tür zur Suite aufgemacht. Diese hatte er mir auf gehalten und ich trat ein. Kaum hörte ich, wie er die Tür hinter sich schloss, musste ich einfach kichern und stieg dabei aus meinen Schuhen. Ein Seufzen vernahm ich, welches definitiv von ihm kam. Scheinbar hatte er nun ebenso realisiert, dass er verloren hatte. Es war definitiv nicht zu kalt gewesen, weshalb ich mich eigentlich umsonst umgezogen hatte. “Dir ist klar, dass du mir nun etwas schuldest?”, fragte ich ihn und blickte über die Schulter, als ich dies sagte.
 

“Vermutlich hättest du dich vorhin nicht umziehen müssen... dennoch kann es am Abend kalt werden”, entgegnete er mir und ich konnte ihm ansehen, wie er mit seinen Augen rollte. Daher hob ich eine meiner Augenbrauen hoch.
 

“Nur vermutlich?”, hakte ich nach.
 

“Na gut... du hast Recht... es war überzogen”, grummelte er leicht vor sich hin und ich lachte leise.
 

“Na immerhin bist du nun einsichtig”, grinste ich und neckte ihn damit. Erneut seufzte er und dies klang fast so, als würde er gerade resignieren.
 

“Schon gut... Schon gut”, meinte er und hob seine Hände kapitulierend hoch. Diese Geste ließ mich lachen. Aus tiefstem Herzen amüsierte ich mich darüber. Er war definitiv eine Hausmarke für sich. In das Lachen stieg er sogar mit ein und das war schön, denn es war ehrlich.
 

“Dennoch war der Abend wundervoll”, kicherte ich und er schmunzelte leicht.
 

“Das stimmt... auch wenn Miya und Mato zusammen auf Dauer einfach... nun wie sage ich es”, entgegnete er.
 

“Eine Spur drüber sind?”, hakte ich nach und er nickte. “Doch genau deshalb sind sie deine besten Freunde, oder?”, fügte ich an und erneut neigte er zustimmend den Kopf.
 

“Auch wieder wahr”, zwinkerte er mir zu und ich grinste breiter, denn nun hatte ich gänzlich begriffen, dass er mir zustimmte. “Ich habe somit einen Wunsch bei dir frei”, bemerkte ich und er seufzte, ehe er sich mit der Hand durch die Haare glitt.
 

“Ich fürchte, ich werde es bereuen... also sag, was du willst”, forderte er und kurz war ich versucht, ihm gleich zu sagen, was ich wollen würde. Jedoch hielt ich inne und grinste ihn nur noch mehr an.
 

“Das mein lieber... wirst du früh genug erfahren”, zwinkerte ich und begab mich in meine Räumlichkeiten. Damit ließ ich ihn mit meinen Worten und seinen eigenen Gedanken stehen.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Blinzelnd sah ich ihr nach, nachdem sie sich wieder umgedreht hatte und in ihr vorüber gehendes Zimmer verschwand. Das... kann sie doch nicht machen..., schoss es mir dabei durch den Kopf. Frustriert raufte ich mir die Haare und entließ die Luft aus meinen Lungen, die ich vermutlich vorhin angehalten hatte. Doch... sie macht es echt... sie will mich zappeln lassen. Bei diesem Gedanken schüttelte ich nur den Kopf und meine Mundwinkel zuckten. Sie war eindeutig anders als andere Frauen. So viel stand schon einmal fest. Grinsend fuhr ich noch einmal durch mein Haar und ging ebenso in mein Zimmer. Für heute würde ich wohl keine Antwort bekommen. Aber ich war gespannt, was sie sich wünschen würde.
 

Irgendwie konnte ich sie dabei nicht einschätzen. Genauso wenig wie in der Wahl ihrer Kleidung. Sie war einfach keine typische Frau. Shoppen war eindeutig nicht ihr Ding. Nur, wenn sie es musste oder vermutlich dann, wenn sie Spaß haben konnte. So wie bei unserer kleinen Shoppingtour. Als ich daran zurück dachte, erschauderte mein Körper wie von selbst. Die Tour war ein voller Erfolg. Nicht nur wegen unserer Ausbeute, sondern auch wegen der Nähe, die wir zwischendrin hatten. Es war eigenartig und die Luft knisterte seitdem gefühlt immer. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so Recht, was das zwischen uns war. Vor allem aber war ich hin und her gerissen, ob es so schlau war, das heraus finden zu wollen.
 

Unweigerlich wanderten meine Gedanken zu unserem Kuss nach der rot-weiß Gala. Es fühlte sich absolut richtig an, doch auch verboten. Wobei letzteres eher ein Beigeschmack davon war. Seit her hatte ich öfter überlegt, ob wir weiter gegangen wären, wenn Miyako und Yamato uns nicht unterbrochen hätten. Aber im nach hinein konnte man das nicht genau sagen. Dieses ‘was wäre, wenn...’ ist ein mehr als beschissener Gedankenkreislauf, der auf alle erdenklich mögliche Art und Weisen ablief, welche man sich vorstellen könnte. Schnell schüttelte ich den Kopf und atmete einmal tiefer durch. Vermutlich würde ich erneut davon träumen, wie es mit ihr wohl nach dem Kuss weiter gegangen wäre.
 

“Was machst du nur mit mir”, verließ es leise meine Lippen und ich machte mich Bett fertig, um meinen Schlafmangel auf zu holen.
 

Denn durch den Jetlag fiel mir das Denken verdammt schwer, besonders klare und rationale Gedankengänge waren gar nicht mehr möglich. Eigentlich war ich nun mal diese eher gewohnt als das Durcheinander, welches immer wieder in meinem Kopf herrschte. Zumindest wenn Jeanne in meiner Nähe war. Definitiv brachte sie mich aus dem Konzept und ich fürchte... sie durch schaute mich weit aus schneller, als ich es für möglich gehalten hätte. Seufzend begab ich mich nur in Boxershorts bekleidet ins Bett, da es mir einfach viel zu warm war. Erneut musste ich schmunzeln, weil ich mir zuvor wohl ein Eigentor geschossen hatte. Einmal mehr überlegte ich, was sich wohl mein kleiner blonder Engel wünschen würde.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Der Morgen kam schneller als erwartet. Mein Handy klingelte mich gegen 10 Uhr aus dem Bett und gähnend machte ich diesen aus. Einen Moment gönnte ich mir in den weichen Lacken noch. Dabei blickte ich auf mein Handy und schrieb Noyn eine Nachricht: ‘Bin sicher in New York angekommen. Ich melde mich, sobald ich den Plan der Veranstaltungen hier habe. Danach kann ich abschätzen, wann ich Zeit hätte. Schöne Grüße.’ An einem ruhigeren Tag würde ich mit ihm telefonieren, um ihm zu sagen, dass er sich keine Sorgen machen musste. Bei den Dreien war ich sehr gut aufgehoben und vor allem machte es mir sehr viel Spaß, aber auch konnte ich einiges dazu lernen.
 

Es war vielleicht für andere komisch, doch ich sah in Noyn eher so etwas wie einen großen Bruder. Mit einem Lächeln erhob ich mich aus dem Bett und überlegte, während ich nach draußen blickte. Es würde ein schöner Tag werden, weshalb ich schon wieder leicht grinsen musste. In meinem Kopf schmiedet sich ein kleiner Plan, denn ich wollte Chiaki ein wenig ärgern. Ich war mir sicher, dass er wegen des ‘Wunsches’ mehr nach dachte, als er zugeben würde. Aber auch hatte ich das Gefühl, dass er auf meine knappe Kleidung extremer reagiert als gewöhnlich. Um das noch einmal bestätigt zu bekommen, beschloss ich meine Hotpants mit einem Shirt an zu ziehen.
 

Schnell hatte ich meine Klamotten genommen und würde eben fix duschen gehen. Danach sollte ich wohl noch eine Ladung Wäsche erledigen, damit mein Kofferinhalt gänzlich durch gewaschen war. Mit meiner Kleidung für den Tag verließ ich das Zimmer und horchte einmal nach. Es war nichts von Chiaki zu hören, weshalb ich weiter zum Bad ging, um mich frisch zu machen. Es dauerte nicht lange, bis ich mein Nachshirt ausgezogen hatte und den Slip, den ich dazu trug. Kurz darauf war ich schon unter der Dusche und ließ das lauwarme Wasser über meinen Körper gleiten. Wohlig seufzte ich auf und legte kurz den Kopf in den Nacken. Das tat sehr gut nach der angenehmen Nacht.
 

Nachdem ich wieder sauber war und den Schaum von meinem Körper gewaschen hatte, stieg ich aus der Dusche und schnappte mir ein Handtuch. Mit diesem rubbelte ich etwas mein Haar trocken, bevor ich es darin einwickelte. Darin würden diese bleiben, bis ich mit der Wäsche durch wäre. Danach trocknete ich mich selbst ab und schlüpfte in meine Unterwäsche. Kurz darauf hatte ich die Hotpants und ein schlichtes Shirt an. Zufrieden lächelte ich und verließ das Bad, um meine Schmutzwäsche zu holen. Den Moment sollte ich nutzen, dass das Bad noch frei war. Es war wirklich praktisch, dass sie diese Funktionen direkt in den Suiten mit anboten. Denn ich gab ehrlich gesagt ungern meine Unterwäsche in fremde Hände zum Waschen.
 

Jedoch kam ich nicht weit, weil ich gegen eine Männerbrust stieß. Da nur Chiaki mit in der Suite war, konnte es demnach nur er sein. Ich hatte mehr Schwung beim Gehen, weshalb ich leicht schwankte, doch er hatte sofort einen Arm um meinen unteren Rückenbereich gelegt und mich an sich gezogen. “Oh”, entkam es mir und ich blickte über seinen nackten Oberkörper hinauf in seine Augen.
 

“Entschuldige”, raunte er mir entgegen und wir sahen uns in die Iriden. Es war fast so, als könnte er mir bis tief in meine Seele blicken.
 

“Macht... nichts”, hauchte ich und schluckte schwerer.
 

Unter meiner Hand konnte ich deutlich seine Muskeln spüren, daher bis ich mir leicht auf die Unterlippe. Er war wahrlich eine Augenweide. Sein Blick glitt zu meinen Lippen und seine Iriden wurden eine Spur dunkler. “Das... solltest du nicht tun”, kam es rauer von ihm.
 

“Was denn?”, fragte ich leicht unschuldig und benetzte meine mittlerweile etwas trockene Lippen.
 

“Genau... das hier”, antwortete er und erneut musste ich schlucken. Das war wahrlich ein mehr als heißer Augenblick, doch es wäre nicht richtig. Auch wenn sich mein Herz und mein Verlangen danach sehnte, so war mein Kopf dagegen. Letzteres gewann die Oberhand.
 

“Okay...”, verließ es meinen Mund, um die Situation zu entschärfen. “Du... willst sicher duschen”, merkte ich an und einen Moment runzelte er die Stirn, ehe er nickte. “Dann... viel Spaß... ich werde danach meine Wäsche waschen... soll ich deine mit machen?”, wollte ich von ihm wissen.
 

“Hm”, schien er zu überlegen und ließ mich los. “Brauchst du nicht... ich kümmere mich danach selbst darum”, lächelte er leicht und trat beiseite, damit ich gänzlich aus dem Bad treten konnte. Dabei konnte ich sehen, dass er nur eine Boxershorts trug. Bei dem Anblick musste ich hart schlucken, denn diese ließ so einiges mehr erahnen, was mich definitiv an meiner vorherigen Entscheidung zweifeln ließ.
 

“Alles klar... ich mache schon mal Kaffee”, lenkte ich mich schnell ab, um nicht doch noch weiter zu gehen.
 

“Danke dir”, zwinkerte er mir zu und ging ins Bad. Er schloss die Tür, doch das Klicken des Schlosses blieb aus. Blinzend sah ich darauf und biss mir auf die Unterlippe.
 

Hat... er etwa nicht abgeschlossen?, kam es mir in den Sinn, während ich das Rauschen des Wassers wahr nahm. Hat... er das nun mit Absicht gemacht? Will er mich testen? Oder will er, dass ich ihm folge?, schossen mir weitere Fragen in den Kopf. Aber Antworten darauf konnte ich keine finden. Da müsste ich ihn wohl fragen. Jedoch würde ich das sicher nicht tun. Sogleich ging ich zu der Kaffeemaschine, um diese an zu machen. Zwei Becher waren schnell gefunden und ich ließ die schwarze Brühe durchlaufen. Während dessen schritt ich bereits in mein Zimmer zum Koffer, um meine Sachen vor zu sortieren. Somit würde ich diese schneller in die Waschmaschine bekommen und es lenkte mich perfekt ab.
 

Als der Kaffeegeruch bis hin zu meinem Zimmer reichte, lächelte ich und ging wieder zur Maschine, um beide Becher zur Seite zu stellen. Der Vollautomat gefiel mir jetzt schon, denn er war schnell und unkompliziert. Lächelnd nahm ich einen Becher in die Hand und trank davon. Ein unglaublich wohliges Gefühl erfüllte mich und ein Seufzer entkam mir. “Scheinbar haben wir hier sehr guten Kaffee”, hörte ich hinter mir und zuckte leicht zusammen.
 

“Mhm... der Kaffee ist sehr gut hier... mein Kompliment”, sprach ich und drehte mich zu ihm um.
 

Wie so oft trug er sein Handtuch tiefsitzendes an seiner Hüfte und ein kleineres um seinen Nacken. Scheinbar mochte er es mich ebenso zu necken, wie ich ihn. Etwas schluckte ich und biss mir auf die Unterlippe. Musste er so aus sehen, wie die Versuchung selbst? Das war mehr als unfair, da man dabei nie vermeiden konnte, ihn genauer zu mustern. Jeder einzelne Muskel war definiert. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Eigentlich genau perfekt. Plötzlich fühlten sich meine Lippen ziemlich trocken an, weshalb ich diese mit der Zunge benetzte. “Freut mich... dass es dir gefällt”, kam es sichtlich zweideutig von ihm.
 

“Mhm”, bestätigte ich automatisch und bekam große Augen, da er mir meinen Becher einfach ab nahm und davon trank.
 

“Nur die besten Bohnen eben”, zwinkerte er und trank noch einen Schluck, bevor er mir den Becher zurück gab und sich umdrehte, um in seinen Raum zu gelangen.
 

Total perplex starrte ich ihm nach und versuchte zu begreifen, was das gerade war. Eindeutig... er macht das mit Absicht., schlussfolgerte ich sein Verhalten und trank gedankenverloren aus dem Becher. Danach schüttelte ich meinen Kopf und stellte diesen ab, ehe ich meine Schmutzwäsche aus dem Zimmer holte. Diese wollte ich schließlich einmal durch waschen. Damit beladen machte ich mich auf den Weg ins Bad. Nur kurz darauf hatte ich die dunkle Wäsche in der Trommel und warf einen Tab hinein, welche netterweise zur Verfügung gestellt wurden. Das war ein weiterer positiver Pluspunkt, welchen ich mir im Hinterkopf notierte. Die meisten vergaßen solch alltägliche Dinge in den Urlaub mit zu nehmen. Da war es praktisch, dass dies gestellt wurde.
 

Für diese Ablenkung war ich äußerst dankbar, weil ich nicht mehr über ihn nach denken musste. Demnach konnte ich das Passierte weit nach hinten in meinem Gedächtnis einsperren. Nachdem ich alles eingestellt hatte, machte ich die Maschine an, die etwa drei Stunden laufen würde. Es würde sich zeitlich sehr gut aus gehen mit dem Brunch. Lächelnd ging ich aus dem Bad und wollte meinen Kaffee aus trinken. Blinzelnd hielt ich inne, da Chiaki an der Arbeitsplatte gelehnt war und auf sein Handy sah, während er ebenso vom Becher trank. Ein Bruchteil der Sekunde flackerte das Geschehen vor meinem Auge auf, doch ich schüttelte es genauso schnell wieder ab. Das konnte ich nicht gebrauchen.
 

“Hmhm”, räusperte ich mich und er sah auf. “Die Wäsche ist einmal an”, meinte ich.
 

“Sehr gut... Miya und Mato sind auch schon wach... sie gehen eben duschen und wir können zum Brunchen”, erklärte er und kurz überlegte ich.
 

“Also haben wir mindestens noch eine Stunde?”, fragte ich schmunzelnd nach und Chiaki lachte sofort los.
 

“Könnte tatsächlich passieren”, antwortete er amüsiert, weshalb ich ebenso lachte. Dabei hatten wir beide denselben Gedanken. Denn wenn das Paar sich zusammen erfrischen würde, würden sie definitiv weit aus mehr tun, als nur zu duschen. “Wir lassen uns einfach überraschen, ob sie brav waren”, merkte er noch an und ich nickte zustimmend.
 

“Uns bleibt da nichts anderes übrig”, kicherte ich und ging zur Küchenzeile, um den Kaffeebecher zu nehmen. “Also... der Plan bleibt dabei, dass wir hier eher öffentliche Auftritte haben?”, fragte ich nach, um zu erfahren, worauf ich mich einstellen müsste.
 

“Korrekt... Donnerstag haben wir eine kleine Spendengala für die Kinderheime... Samstag ist die Gala im Theater, bei der Spenden für die Obdachlosenunterkünfte gesammelt wurden”, zählte er schon auf und schien auf seinem Handy etwas zu tippen. “Ich teile mit dir meinen Terminplan... dann haben wir das auf einem Blick”, meinte er und ich hörte schon den Ton meiner ankommenden Nachricht.
 

“Super... Wie ist die Kleiderordnung bei den Galas?”, fragte ich nach und sah auf mein Handy den Plan.
 

Die erste Woche war wirklich human. Doch die nächste war schon irgendwie härter. Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag waren jeweils Veranstaltungen. Einmal roter Teppich wegen einer Filmpremiere, einmal eine Einladung eines Modedesigners und zwei waren größere Hotelgruppen, die mit einander eine Synergie eingegangen waren. Es überraschte mich ein wenig, wie viel Präsenz Chiaki zeigen musste. “Eigentlich Abendgarderobe... es muss nichts Extravagantes sein. Vielleicht bei der Filmpremiere ein wenig mehr Glanz und Glamour, aber sonst...”, holte er mich zurück aus meinen Überlegungen.
 

“Verstehe... also besorgen wir am besten für die nächsten zwei Wochen unsere Kleidung auf einmal”, merkte ich an und er nickte.
 

“Würde ich sagen... dann hätten wir etwas mehr Zeit, um einige Einrichtungen so zu besichtigen”, entgegnete er und neugierig hakte ich nach, was er damit meinen würde.
 

Sogleich berichtete er mir davon, dass er ein paar Kinderheime, sowie Unterkünfte für Mutter-Kind und eben einige für Obdachlose besuchen wollte, um zu sehen, was sie brauchen würden und wie viel von den Geldern ankamen. Obwohl es ein wenig nach einem Kontrollbesuch klang, verstand ich ihn sehr gut in diesem Punkt. Schließlich hörte man so einiges und mit den Spenden sollten die Einrichtungen unterstützt werden. Deshalb sagte ich ihm zu, dass ich ihn gerne dahin begleiten würde. Zum einen war ich neugierig und zum anderen wollte ich heraus finden, wie man zusätzlich noch helfen konnte. Bestimmt gäbe es noch andere Wege die Leute dort zu unterstützen.
 

“Es würde mich sehr freuen”, lächelte er und blinzelte, da sein Handy vibrierte. “Oh... die beiden sind schon fertig.”
 

“Scheinbar war es nur ein Quicki”, lachte ich leise und auch er stimmte in dieses mit ein.
 

Schnell tranken wir unseren Kaffee aus, stellten die Becher in die Spüle und begaben uns auf den Weg hinaus in den Flur. Natürlich hatte ich noch meine Handtasche mitgenommen und Chiaki hatte die Zimmerkarte eingesteckt. Während wir zu dem Zimmer des Paares gingen, spürte ich seinen Blick auf mir. Leicht schmunzelte ich und wandte mich zu ihm. “Was denn?”, fragte er, da er wohl bemerkt hatte, dass ich ihn ein wenig musterte. Ich konnte einfach nicht anders.
 

“Kein Kommentar heute wegen meinem Outfit?”, grinste ich und konnte deutlich sehen, dass er mit den Augen rollte.
 

“Ich lerne eben dazu... wenn du dich später beschwerst, weil es zu kalt ist...”
 

“Wirst du mir um die Ohren hauen, dass du Recht hattest?”, fiel ich ihm ins Wort und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Korrekt...”, zwinkerte er und diesmal schmunzelte ich etwas. Er war definitiv nicht leicht zu durch schauen, doch ich war mir sicher, dass ich das irgendwann hin bekommen würde.
 

Kaum hatten wir uns mit Miyako und Yamato getroffen, schon gingen wir nach unten zum Hotelrestaurant. Dort konnten wir gemütlich essen und entspannen. Dabei überlegten wir bereits, was wir für die Veranstaltungen tragen könnten. Nur bei den Männern waren wir uns einig, dass sie nur einen Anzug besorgen müssten. Bei ihnen war es um einiges leichter, da man mit unterschiedlichen Hemden und Krawatten einen ganz anderen Look kreieren konnte. Bei uns Damen war es doch etwas komplizierter. Wobei Miyako und ich uns schnell einig waren, eine Boutique auf zu suchen, wo verschiedene Abendkleider zu finden waren. Somit könnten wir dort schnell die sechs Kleider finden.
 

“Also... nach dem Essen könnten wir gleich los, oder?”, überlegte Yamato und dem stimmten wir gleich zu. Natürlich erwähnte ich, dass ich noch die Wäsche aufhängen wollte und Chiaki eine Ladung an machen müsste. Doch das wäre in einer halben Stunde locker machbar gewesen. Weshalb auch Miyako beschloss noch eine Waschladung zu erledigen. Dahingehend waren wir wohl alle gleich und schoben es etwas vor uns her, wenn man kaum Zeit zur Verfügung hatte. Das fand ich äußerst interessant und spannend zu gleich, wie ähnlich wir uns waren, aber auch Grund verschieden.

Einkaufen mal anders

Nachdem Miyako und ich alles erledigt hatten, trafen wir uns wieder alle in der Lobby. Chiaki hatte ebenfalls seine Wäsche in die Trommel gepackt und diese angemacht. Leicht schmunzelte ich, da es so ungewohnt war, dass ein Mann solche Dinge ganz alleine machte. “So... die Wäsche braucht gute drei Stunden... so lange können wir shoppen gehen”, grinste Miyako.
 

“Oh... wir haben also ein ‘Verfallsdatum’ für die Tour”, lachte ich und die Jungs stiegen mit ein.
 

“Absolut... in spätestens vier Stunden sollten wir zurück sein, sonst können wir die Wäsche noch einmal machen”, zwinkerte sie uns zu.
 

Sogleich schritten wir aus dem Hotel, um uns ein Taxi zu organisieren. Da Miyako und ich beschlossen hatten einen Laden an zu steuern, hatte sie schnell den richtigen gefunden. Dort schien sie öfters schon mal gewesen zu sein. In einem großen Taxi hatten wir genug Platz und konnten uns entspannt dort hin bringen lassen. Mit einem Lächeln sah ich aus dem Fenster und staunte bei dem regen Treiben. In Miami dachte ich schon, dass viel los war, aber New York übertraf es um Welten. Es war interessant zu sehen, wie geschäftig die Stadt war. Leute eilten von A nach B, nahmen U-Bahnen oder Taxen. Das waren absolut nicht wenige.
 

“Beeindruckend, oder?”, hörte ich und sah zur Seite.
 

“Absolut... es ist jetzt schon so viel los”, stimmte ich ihr zu, denn Miyako traf es genau auf den Punkt.
 

“Es sind immer so viele Leute unterwegs und ziemlich schwer zu unterscheiden, bis auf die Geschäftsleute... die tragen immer Anzüge”, amüsierte sie sich und sah dabei auch zu den Jungs, die etwas grinsten.
 

“Ach was... wir tragen nur Anzüge, wenn wir zum Meeting aufbrechen”, meinte Chiaki wissend und zwinkerte seiner besten Freundin zu.
 

“Genau... und da tragt man es nur, um die Autorität zu zeigen”, pflichtete Yamato seinem Freund zu.
 

“Das ist echt amüsant zu hören”, kicherte ich und beide blinzelten, ehe sie zu mir sahen.
 

“Wie meinst du das?”, hakte Chiaki nach.
 

“Viele... haben diese Ausstrahlung von alleine... egal, was sie tragen”, grinste ich und er schmunzelte.
 

“Stimmt... nur wenige schaffen es”, nickte er. “Und doch versuchen viele es dadurch zu bestärken”, erklärte er und leise lachte ich.
 

“Stimmt... es ist schon interessant zu sehen, wer es schafft und wer nicht”, sagte ich ehrlich und Chiakis Mundwinkel zuckten bei der Erwähnung. Sogar Miyako kicherte.
 

“Ich mag deine Ansichten, Jeanne”, gluckste sie und grinste. “Wir sollten gleich da sein”, merkte sie an und wie von selbst blickte ich aus dem Fenster. Staunend betrachtete ich das große Gebäude, als wir zum Stehen kamen.
 

“Ein Kaufhaus?”, kombinierte ich scheinbar richtig, da Miyako zustimmte.
 

“Mhm... auf mehreren Etagen sollten wir alles finden, was wir brauchen”, meinte sie und das erleichterte mich tatsächlich. Damit waren die Chancen sehr groß, alles Notwendige schnell zu finden.
 

“Das klingt mehr als perfekt”, grinste ich sie an.
 

Kaum blieb das Taxi stehen, schon stiegen wir aus und unser Weg führte weiter zum Eingang. Dabei gingen wir noch einmal durch, was wir alles brauchten. Beim Schmuck waren wir uns einig etwas Schlichtes zu holen, damit dieser für alle Varianten von Kleidung passte. Schließlich sollte er ein Outfit nur unterstreichen und nicht überladen. In dem Punkt waren Miyako und ich uns sehr ähnlich, weshalb ich da weniger das Problem sah. Da würden wir sehr schnell das passende finden und untereinander teilen. Den Meisten würde das sowieso nicht auf fallen. Dazu waren viele der Personen einfach nur noch zu oberflächig, um die Details zu erkennen.
 

“Am besten fangen wir mit den Damen an”, meinte Yamato grinsend. “Immerhin sollten wir uns farblich euch etwas anpassen”, merkte er noch an.
 

“Stimmt, Liebling... also Neongelb”, grinste Miyako und brachte uns zum Lachen bei der Erwähnung der Farbe.
 

Gemeinsam gingen wir hinein und betrachteten kurz die Etagenbeschreibungen. Es dauerte nicht lange, bis wir die richtige für uns fanden. Da wir für die Anlässe eher Abendgarderobe wollten, konnten wir uns die Stockwerke mit Partykleidern so gesehen sparen. Mit dem Aufzug fuhren wir hinauf in die 5. Etage und orientierten uns kurz. Die Anordnung der Kleider war farblich, weshalb es uns leichter fiel, die richtigen zu finden. “Welche Richtung?”, fragte Chiaki neben mir und ich blickte zu ihm.
 

“Ich würde sagen... wir beginnen mit klassisch schwarz und wandern reihum weiter”, teilte ich meine Überlegung mit den anderen und Miyako nickte begeistert.
 

“Sehr gute Idee”, stimmte sie zu und wir zogen los.
 

Während die Jungs es sich auf dem Sofa bequem gemacht hatten, betrachteten wir die Auswahl und zogen jeweils drei Kleider heraus, die uns auf dem ersten Blick gefielen. Mit diesen gingen wir zu den Umkleiden und probierten sie an. Jedes einzelne Kleid zogen wir an und wussten direkt, welche wir haben wollten. Wo wir unsicher waren, halfen wir uns gegenseitig oder fragten die beiden, die artig auf dem Sofa warteten. Tatsächlich waren wir schnell fündig und hatten neben schlichten Abendkleidern, welche mit viel Ausschnitt und besonders figurbetonend. Am liebsten hatte ich das goldene Satinkleid, welches vorne geschlossen war, jedoch den Rücken komplett frei legte.
 

“Ulala... diese Auswahl ist unglaublich, Jeanne”, grinste Miyako mich an und verlegen lächelte ich.
 

“Deine aber auch... da werden die Jungs aber staunen”, zwinkerte ich und sie kicherte. Drei der Kleider hatten wir unter Verschluss gehalten, um die beiden zu überraschen.
 

Dadurch, dass wir beide genau wussten, was wir wollten, ging unsere Suche sehr schnell von statten. Wir waren innerhalb von zwei Stunden damit durch, die sechs Kleider für die nächsten zwei Wochen zu finden. Farblich blieben wir ähnlich, wobei es nur minimale Nuancen gab. Während Miyako ein kräftiges helles rot wählte, bevorzugte ich eher bordeauxrot. Sie mochte königsblau, ich hingegen eben Marineblau. So hatten wir eben unsere kleinen Eigenheiten. Der Vorteil daran war durch aus, dass wir Schuhe und Accessoires perfekt tauschen konnten. Zudem konnten die Jungs ihre Krawatten tauschen, wenn es notwendig wäre, wobei ich mir sicher war, dass sie sich diese auch doppelt und dreifach besorgen würden.
 

“Ihr seid wirklich schon fertig?”, fragte uns Chiaki gefühlt zum hundertsten Mal.
 

“Natürlich... nur noch sechs paar Schuhe und vier Schmucksets... aber die holen wir nach euren Sachen”, grinste Miyako die beiden an.
 

“Na gut... also ein Anzug jeweils für uns, unterschiedliche Hemden und Krawatten?”, fragte Yamato nach und zustimmend nickte ich ihm zu.
 

“Und eventuell zwei Westen, die man statt einem Jackett an ziehen kann”, fügte ich noch hinzu und zwinkerte.
 

“Nun gut... dann müssen wir zwei Stockwerke höher... und zum Schluss in den ersten”, lächelte Chiaki und gemeinsam gingen wir zu den Kassen, um die Kleider zu bezahlen. Die Verkäuferin war so freundlich und würde diese nach unten schicken, damit wir sie beim Verlassen mit nehmen konnten.
 

“Dieser Service ist wirklich vorteilhaft”, musste ich einfach anmerken, da es nicht selbst verständlich war.
 

“Stimmt... praktisch, wenn man mehrere Sachen kauft”, lächelte Miyako. “Daher bin ich gerne hier, wenn ich Outfits brauche”, fügte sie an.
 

“Verstehe ich voll und ganz... würde ich auch tun”, grinste ich und sie kicherte.
 

Derweil waren wir bei der Herrenabteilung an gekommen. Diesmal ließen wir die beiden entscheiden, wo lang sie wollten. Es war mir klar, dass sie es eher schlicht hielten. “Also... ich könnte einen neuen schwarzen Anzug gebrauchen”, meinte Yamato und seine Frau schmunzelte.
 

“Dann sollten wir dir einen neuen besorgen und den alten entsorgen”, zwinkerte sie ihm zu. “Wie sieht es bei dir aus, Chiaki?”, fragte sie ihn.
 

“Hmmm... ich habe hier den weißen Anzug... und meinen schwarzen... vielleicht ein neuer in Dunkelblau”, überlegte er, da sein anderer, der noch bei ihm zu Hause hing, eben nicht mehr der Jüngste war.
 

“Perfekt... dann können wir eure alten noch Spenden, sobald wir wieder zu Hause sind”, freute sich Miyako und ich schmunzelte. Sie schienen es wohl genauso Hand zu haben wie ich. Nichts umsonst zu holen und noch anderen helfen, wenn es möglich war.
 

“Zu deinem weißen Anzug, kannst du ein rotes Hemd oder ein navyblaues holen und wenn die Veranstaltung lockerer ist... sollte es genügen darin zu gehen”, meinte ich an Chiaki gewandt und er blickte zu mir, während ich sehen konnte, dass er nach dachte und leicht nickte.
 

“Sehr gute Idee... Hemden kann man nie genug haben... und die Weste passt ebenso sehr gut, um sie zu kombinieren”, stimmte er mir zu und ich lächelte sanft bei seinen Worten.
 

Erfreut neigte ich meinen Kopf zustimmend und ich begleitete ihn zu den dunkelblauen Anzügen, während Miyako mit ihrem Mann zu den schwarzen rüber ging. Auf diese Weise konnten sie zeitgleich nach den Anzügen schauen. Es gab so einige interessante dabei, aber nicht alle standen Chiaki, weshalb wir drei heraus nahmen, damit er diese anprobieren konnte. Falls man noch eine Anpassung machen müsste, könnte man das noch in Auftrag geben, ehe der Anzug in wenigen Tagen zum Einsatz kommen würde. Geduldig wartete ich vor den Umkleiden und war gespannt, ob er mir alle Outfits zeigen würde oder nicht, war ich mir nicht sicher. Doch ich würde mir alles an schauen, was er mir zeigen wollte.
 

“Und? Sitzen die Anzüge gut?”, fragte ich nach einer Weile, weil er einfach viel zu ruhig war.
 

“Hm... eine Hose ist perfekt... die anderen zwei können wir gleich weg hängen”, sagte er durch die Kabinentür, ehe er heraus kam und meine Augen sich weiteten.
 

Das Hemd hatte er noch nicht ganz zu geschlossen und die drei Jacketts hingen am Kleiderbügel am Haken. Wie von selbst schluckte ich, da sein Oberkörper mal wieder sehr gut zu sehen war. Ob er das absichtlich gemacht hatte oder nicht, konnte ich nicht genau sagen. Aber der Anblick gefiel mir durch aus. Mit meiner Zunge benetzte ich meine Lippen und nahm die zwei Hosen, die an einem anderen Haken hingen heraus. “Alles klar... die zwei also zurück”, kam es von mir, um mich ein wenig ab zu lenken von seinem heißen Body.
 

“Genau... aber kannst du mir vorher helfen mit dem Hemd?”, meinte er und blinzelnd schnellte mein Kopf zu ihm.
 

“Mit dem Hemd?”, hakte ich nach und hing die Hosen erst mal wieder auf den Haken.
 

“Ja... es pickst am Kragen”, antwortete er direkt und leicht nickte ich verstehend.
 

Daher wehte also der Wind. Deshalb trat ich an ihn heran und er beugte sich etwas hinab, damit ich an den Kragen des Hemdes ran konnte. Unweigerlich stieg mir sein herber Geruch in die Nase. Es war ein Gemisch aus Zedernholz und Aftershave. Erneut schluckte ich. Dieses Mal stärker, während ich mir etwas auf die Unterlippe biss. Irgendwie musste ich mich dadurch ablenken, sonst würde ich etwas tun, was ich vermutlich bereuen könnte. Geschickt tastete ich den Kragen ab und fand eine Kante, die womöglich das Unwohlsein hervor gerufen hatte. Diese entfernte ich und blickte leicht zur Seite. “Besser?”, hakte ich nach.
 

“Mhm... viel besser”, raunte er und seine Stimme bescherte mir eine wohlige Gänsehaut.
 

“Gut... dann... kannst du... das Hemd zu knöpfen”, hauchte ich und spürte seinen Atem an meiner Halsbeuge. Zu gern würde ich ihn jetzt küssen, jedoch riss ich mich gerade so zusammen, es nicht geschehen zu lassen.
 

“Soll ich wirklich?”, kam es rauer von seinen Lippen.
 

“Ja... solltest du”, entgegnete ich und trat einen Schritt nach hinten, da ich den Abstand brauchte.
 

“Hm... nun gut... dann mache ich das mal”, zwinkerte er mir leicht verschmitzt zu und schloss nach und nach das Hemd.
 

Fast wie in Zeitlupe lief dies ab und ich war mir dadurch absolut sicher, dass er das absichtlich tat. Vermutlich will er ein Spiel spielen und dies ließ mich schmunzeln. Dies konnte ich ebenfalls, weshalb sich ein kleiner Plan in meinem Kopf manifestierte. Schließlich hatte ich noch einen Wunsch bei ihm frei, jedoch würde ich ihn noch etwas schmoren lassen. Ein Glück war ich durch meine Gedanken etwas abgelenkt, denn mittlerweile hatte er das Hemd geschlossen und testete die Jacketts aus. Erleichtert atmete ich durch und beschloss mich mehr zurück zu halten. Es würde sicher nicht leicht werden, aber wenn er spielen will, dann sollte er sich darauf gefasst machen, dass ich das auch tun werde.
 

“Wie fühlt es sich an?”, fragte ich ihn, nachdem er eine Weile hin und her gewechselt hatte.
 

“Also... das erste sitzt an mir nicht gut... also das zweite oder doch eher das dritte... was meinst du dazu?”, stellte er die Gegenfrage und einen Moment überlegte ich.
 

Beide sahen an ihm gut aus, doch das eine war eher klassisch und das andere moderner. “Ich würde das klassische Model wählen... das kannst du überall tragen... und beim weißen Anzug hast du ein moderneres”, erklärte ich ihm zwinkernd.
 

“Stimmt... du bist sehr aufmerksam”, grinste er und leicht rollte ich mit den Augen, denn seinen Unterton hatte ich durchaus heraus gehört.
 

“Natürlich bin ich das... ich bemerke alles”, entgegnete ich ihm zwinkernd und seine Mundwinkel zuckten mal wieder verdächtig. Definitiv waren wir auf einer Wellenlänge.
 

“Gut... dann ziehe ich mich um und wir schauen bei den Hemden”, meinte er und ich nahm die Hosen und Jacketts, die er nicht nehmen würde mit, um sie zurück zu hängen.
 

Dafür gab es eine Extrastange, wo man die anprobierten Sachen zurück lassen konnte. Noch einmal atmete ich durch und sammelte mich. Es würde mich einiges kosten, ihn heute weitestgehend zu ignorieren und ihm nicht nach zu geben. Das Spiel würde ich einfach wenden. Breiter grinsend kehrte ich zu den Umkleiden zurück und er kam heraus. “Weiter geht es!”, grinste ich ihn an und er nickte.
 

“Besorgen wir noch drei Hemden und ich bin durch”, meinte er und leicht nickte ich, wobei ich noch zwei Krawatten und Seidentücher dazu holen würde. So wäre er wirklich für die nächsten Veranstaltungen aus gestattet.
 

Die Abteilung war direkt neben an und Chiaki fand genau die, die er haben wollte und fragte nur nach den Farben, damit diese zu den ausgewählten Kleidern passten. Zeitgleich sah ich zwei Krawatten, die perfekt passen würden und reichte ihm diese noch mit einem Zwinkern. Schmunzelnd nahm er sie dazu und sagte nichts weiter. Wir sahen uns kurz nach den anderen beiden um und fanden sie nicht direkt. “Ähm... sind sie vielleicht...”, begann ich und blickte zu ihm rüber.
 

“Oh, oh... das könnte sein... magst du mit den Sachen vorgehen... ich klopfe mal an der Umkleide an”, verstand er sofort, worauf ich hinaus wollte.
 

“Okay... falls... sie dabei...”, fing ich an.
 

“Werden wir so schnell wie möglich von hier verschwinden”, lachte er und da musste ich mit ein stimmen. Den beiden würde ich so einiges zutrauen. Seine Sachen nahm ich entgegen und eilte rüber zu den Kassen. Dort würde ich auf Chiaki warten.
 

Es dauerte eine Weile und so langsam wurde ich ungeduldig. Einige Momente überlegte ich und sah mich einmal um. Ein Glück entdeckte ich noch eine Auslage, die mich anzog. Es waren Manschettenknöpfe, die man nicht überall finden konnte. Vor allem aber auch keine 0815 Model. “Hmmm”, überlegte ich laut und sah mich kurz nach Chiaki um. Da er noch nicht da war, beschloss ich ihm welche als Überraschung mit zu nehmen. Ein Paar fiel mir direkt ins Auge. Diese waren silbern und ein dunkelblauer Stein war darin eingefasst. Sogleich beschloss ich diese zu kaufen und bat den Verkäufer, sie extra zu verpacken. Dies machte er gleich und reichte sie mir samt der Rechnung, nachdem ich bezahlt hatte.
 

Gerade als ich das Schmuckkästchen in meiner Handtasche verschwinden ließ, wurde ich schon angesprochen: “Verzeih, dass du warten musstest.”
 

“Nicht schlimm”, lächelte ich und drehte mich zu Chiaki um, der etwas außer Atem wirkte. Scheinbar hatte er sich tatsächlich beeilt zu mir zu kommen. “Hast du...”, fing ich an und er nickte kurz.
 

“Lass uns zahlen und ich erzähle dir es”, zwinkerte er mir zu und ich schmunzelte etwas.
 

Dass er so schnell weg wollte, ließ mich schon erahnen, wohin seine Erzählung gehen würde. Eilig zahlte er und bat die Sachen nach unten zu schicken, wo schon die Kleider waren. “Das machen wir sehr gerne... haben sie noch einen schönen Tag”, lächelte der Verkäufer und wir nickten ihm zu, ehe wir zum Aufzug gingen.
 

Kaum waren wir im Inneren und fuhren hinab, erzählte Chiaki mir, dass er die beiden tatsächlich in der Umkleide gefunden hatte. Sie waren kurz davor, weshalb er schnell verschwinden wollte. “Ach du... scheiße”, entkam es mir und er nickte eifrig.
 

“Es macht mir zwar nichts aus... andere dabei zu hören oder zu sehen, aber meine besten Freunde... dann doch lieber nicht”, lachte er und einen kurzen Augenblick dachte ich, ich hätte mich verhört, aber das hatte ich nicht.
 

“Irgendwo... gibt es immer eine Grenze”, merkte ich amüsant an und beobachtete ihn, um seine Reaktion zu sehen.
 

“Oh ja... manche Grenzen sind dehnbar, aber das... Nenenene”, lachte er einfach und es klang absolut ehrlich.
 

Sogleich kam mir der Gedanke, er könnte eventuell sogar in der Szene unterwegs sein. Wobei ich das natürlich in den letzten Wochen nicht mit bekommen hatte, was meine Überlegung bestätigen könnte. Direkt in darauf ansprechen wäre keine Option. Also müsste ich wohl ‘Beweise’ finden, ehe ich ihn in diesem Punkt fragen könnte. Das weckte mein Interesse an ihm nur noch mehr. Verdammt... ich glaube... ich könnte bei ihm meine Prinzipien glatt vergessen., schoss es mir durch den Kopf, als der Ping mich wieder zurück in die Gegenwart brachte. “Sollen wir... ohne die beiden fertig shoppen?”, fragte ich ihn.
 

“Gute Idee... denn ich will nicht da sein, falls sie erwischt werden”, pflichtete er mir bei. Nun konnte ich nicht mehr und musste los lachen. “Also beeilen wir uns”, bemerkte er lachend.
 

“Gut, dass es schnell gehen wird”, zwinkerte ich ihm zu und nahm seine Hand, um ihn zu der richtigen Abteilung zu ziehen.
 

Es fühlte sich so richtig an, weshalb ich den Moment genoss und mit ihm zusammen durch die Schuhregale schlenderte. Gemeinsam suchten wir vier Paare aus und ich war erstaunt, dass wir bei dreien von ihnen uns einig waren. Beim letzten hatte ich die kurze Diskussion gewonnen. “Na gut... aber wenn dir die Füße weh tun...”, begann er.
 

“Keine Sorge... ich werde mich nicht beschweren”, grinste ich ihn an und er seufzte.
 

Die Schuhkartone nahm er direkt und ging zu den Kassen. Breiter grinsend folgte ich ihm und fand es lustig, dass er nach gegeben hatte. Ohne Weiteres zahlte er die Schuhe und ließ sie zu den anderen Sachen bringen. Danach nahm er wie von selbst meine Hand und führte mich weiter. “Nun der Schmuck”, merkte er noch an und leicht nickte ich, während ich genau spürte, wie rot meine Wangen wurden. Diese einfache und simple Geste ließ mein Herz um einiges höher schlagen.

Die Gegend erkunden

Beim Schmuck brauchten wir ein wenig mehr Zeit, doch es blieb im Rahmen. “Du bist sicher, dass es reicht?”, fragte Chiaki zum wiederholten Mal.
 

“Natürlich... die vier Sets reichen... ich schicke Miyako unsere Ausbeute und sie kann sehen, ob sie noch welchen braucht”, erklärte ich ihm, weil es für mich absolut ausreichend war, um die nächsten Galas in mehr als perfekten Outfits zu meistern und über die Bühne zu bringen.
 

“Das ist eine sehr gute Idee”, kam es von ihm und damit hatte ich ihn besänftigt, weil ich ‘nur’ vier Sets geholt hatte.
 

Zusammen gingen wir zu den Kassen und ich machte dort direkt die Fotos von dem Schmuck. Diese leitete ich an Miyako weiter und Chiaki zahlte einfach mit seiner Karte. Bei dem Preis zuckte er nicht mal mit einer Wimper. Jedoch würde ich sicher nicht nach fragen, ob ihm die Summe generell egal war. Sorgfältig wurden die Ketten und Ohrringe in Schachteln verpackt und diese in eine praktische Tragetasche. Dankend nahm ich diese entgegen, da Chiaki meinte, dass er die anderen Sachen tragen würde. Bei seinen Worten schmunzelte ich und rollte spielerisch mit den Augen. Er war ein wahrer Gentleman und das machte ihn nur noch sympathischer.
 

Es dauerte nicht lange, bis wir unsere Einkäufe ab geholt hatten. Dort gab Chiaki an, dass die anderen Tüten später mit genommen werden. Dies wurde vermerkt und zeitgleich hatte ich Miyako noch eine Nachricht geschickt, dass wir unsere Sachen geholt hatten und nun gemeinsam unterwegs wären. Mir war klar, sie würde erst später antworten, da sie gerade mehr als beschäftigt war, aber das war nicht schlimm. Wichtig war nur, dass die beiden wussten, wo wir uns auf hielten. Damit sie sich einfach keine Sorgen um uns machen sollten. “Also... bringen wir alles ins Hotel, hängen deine Wäsche auf und was dann?”, überlegte ich und sah zu Chiaki, während wir das Kaufhaus verlassen hatten.
 

“Hm”, grübelte er kurz. “Wie wäre es, wenn wir die Stadt etwas erkunden... ich zeige dir, was in der Nähe vom Hotel ist und später gehen wir zum Essen aus”, schlug er vor und kurz blinzelte ich.
 

“Klingt interessant... bin schon gespannt zu sehen, warum du dich für die Lage des Gebäudes entschieden hast”, grinste ich und er nickte.
 

“Rufst du ein Taxi herbei?”, bat er mich und das tat ich.
 

Es war gar nicht so einfach, denn es waren viele Menschen in der Straße. Doch so schnell ließ ich mich davon nicht unter kriegen. Lauter Pfiff ich und nur wenige Momente später hielt ein Wagen vor uns. Direkt ging ich zum Kofferraum, um diesen auf zu machen. Nun konnte Chiaki unsere Einkäufe dort hinein legen und er grinste mich danach an. Verwundert blinzelte ich, nachdem ich den Kofferraum wieder zu gemacht hatte und zu ihm gesehen hatte. “Was ist?”, fragte ich ihn.
 

“Nichts... finde es nur überraschend”, meinte er und ging zur rechten Seite des Wagens, um mir die hintere Tür auf zu machen. Verwirrt folgte ich ihm.
 

“Überraschend? In wie fern?”, hakte ich nach und stieg ein. Sogleich rutschte ich durch, damit er ebenso Platz hatte. In einer Großstadt sollte man immer vom Gehweg aus einsteigen und deshalb machten wir das genauso.
 

“Dass du laut Pfeifen kannst, war für mich nicht zu erkennen”, antwortete er, als er neben mir Platz nahm.
 

“Ist das... nicht eine Grundvoraussetzung, wenn man in einer Großstadt lebt?”, kam es schulterzuckend von mir, da es nichts Besonderes war.
 

“Stimmt auch wieder”, lachte er und es klang ehrlich und schön zugleich.
 

Die Fahrt dauerte einige Minuten. Kaum standen wir, zahlte Chiaki das Taxi und wir stiegen aus. Den Einkauf hatte er wieder aus dem Kofferraum geholt und ich schloss diesen. Schmunzelnd folgte ich ihm zum Hoteleingang und durch die Lobby zum Aufzug. Den Etagenknopf betätigte ich, da er alle Hände voll zu tun hatte. Oben an gekommen, schritten wir zu unserer Suite und dabei meinte Chiaki, dass die Schlüsselkarte in seiner hinteren Hosentasche war. Leise lachte ich und hätte das für eine schlechte Anmache gehalten, wenn ich ihn nicht besser kennen würde. “So so... also in deiner hinteren Tasche”, entgegnete ich grinsend.
 

“Klar doch... oder wäre dir vorne lieber gewesen”, konterte er verschmitzt und für einen Bruchteil der Sekunde weiteten sich meine Augen.
 

Das hat er jetzt nicht gesagt, oder?, schoss es mir durch den Kopf. Während ich das verarbeitete, fing ich mich wieder und wusste genau, dass es unpassend werden könnte, aber er will anscheinend mit mir spielen. Daher zog ich geschickt die Karte von seiner Gesäßtasche heraus. “Tja... das werden wir wohl nicht mehr erfahren”, antwortete ich ihm zwinkernd und öffnete die Tür.
 

Als ich mich wieder zu ihm gedreht hatte, sah ich seinen geschockten Gesichtsausdruck und das war eine wahre Genugtuung für seinen Konter. Mehrmals blinzelte er, bevor er lachend an mir vorbei ging. “Stimmt... diesmal nicht”, hörte ich ihn noch und musste leicht schlucken.
 

Es war eindeutig. Mit ihm würde es niemals langweilig werden. Soviel konnte ich schon sagen. Schmunzelnd folgte ich ihm und schloss die Tür hinter mir. Schnell war ich aus den Schuhen draußen und legte den Kopf schief, da Chiaki die Sachen bereits hingelegt bzw. hin gehangen hatte. Dass er dies so fix erledigt hatte, ließ mich leicht grinsen. “Ähm... soll ich dir mit der Wäsche helfen?”, bot ich ihm meine Hilfe an.
 

“Ach was... ich bin schon groß”, grinste er mich an und brachte mich damit zum Lachen.
 

“Nun... dann glaube ich dir das mal”, entgegnete ich und konnte erneut einen geschockten Ausdruck auf seinem Gesicht erkennen. Es war herrlich, wie ich ihn aus der Fassung bringen konnte. Tatsächlich machte es mir eine Menge Spaß.
 

“Na warte”, meinte er nach einer Weile etwas murmelnd und verschwand im Bad.
 

Amüsiert sah ich ihm nach und gluckste leise. Irgendwie war ich nun gespannt, was er machen würde. Dabei ging ich rüber zu meinem Raum und fischte mir frische Sachen heraus. Wenn wir nochmal los wollten, wollte ich etwas gemütlicheres tragen. Deshalb zog ich mir meine Jeans an und dazu eine weite Tunika, die locker über meine Schultern hing. Grinsend kehrte ich wieder zurück zum Gemeinschaftsraum und sah schon, wie Chiaki mit einigen Shirts zu kämpfen schien. Der Anblick ließ mich nur noch mehr grinsen. Er war definitiv bemüht, doch es schien nicht direkt so zu klappen, wie er wollte. Es wirkte niedlich, wie unbeholfen er gerade war.
 

Aus diesem Grund fasste ich mir ein Herz und trat dichter zu ihm. “Warte... ich helfe dir”, sprach ich und nahm am anderen Ende des Gemisches den Saum. “Da haben sich wohl drei Shirts verheddert”, sagte ich weiter und sah nur kurz auf.
 

“Oh... echt?”, hakte er nach und staunte etwas. “Tatsächlich... und ich habe mich gewundert, warum das Shirt plötzlich so dick ist”, meinte er.
 

“Passiert schon mal... daher ist es nicht schlimm die Wäsche auch mal zu zweit zu machen”, erklärte ich ihm lächelnd und er nickte leicht.
 

“Verständlich”, stimmte er mir zu und ich schmunzelte.
 

“Sag mal ehrlich... wie oft machst du selbst die Wäsche?”, fragte ich ihn und fast wie in Zeitlupe blickte er zu mir.
 

“Hm... ehrlich gesagt einmal die Woche... aber das meiste geht bei mir in die Reinigung”, zuckte er mit den Schultern, weshalb ich los lachen musste.
 

“Also eher nur Kleinteile?”, amüsierte ich mich und neckte ihn mit meiner Wortwahl.
 

“Klein?”, kam es mit einer hochgezogenen Augenbraue. “Ich bezweifle, dass bei mir irgendwas klein wäre”, setzte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.
 

“Ähm”, kam es nicht sonderlich geistreich von meinen Lippen, da ich mit seinen Worten absolut nicht gerechnet hatte. Seine Mundwinkel zuckten verdächtigt nach oben. “Socken... sind nun mal kleiner als Shirts oder Hosen”, erklärte ich ihm schließlich und nun war er es, der lachen musste.
 

“Stimmt... dennoch... ist klein das falsche Wort”, zwinkerte er mir zu und unweigerlich schluckte ich leicht. Es war unglaublich, wie einfach er es schaffte, mich aus der Fassung zu bekommen. Jedoch hatte ich eine ähnliche Wirkung auf ihn. “Du... hast dich umgezogen?”, bemerkte er.
 

“Mhm... wenn wir die Gegend erkunden wollen... sind diese Sachen doch etwas bequemer”, entgegnete ich ihm und er grinste leicht, während sein Blick an mir hinab glitt.
 

“Hm”, entkam es ihm und kurz überlegte ich, ob ich das Richtige an gezogen hatte. “Stimmt, sieht schon viel bequemer aus”, sagte er nach einer kleinen Weile und erst da merkte ich, dass ich meine Luft an gehalten hatte.
 

“Ist... es auch”, bestätigte ich und benetzte etwas meine Lippen, die gerade ziemlich trocken wirkten.
 

“Gut... ich ziehe mich auch eben um”, grinste er mich an.
 

“Ähm... okay, ich warte”, sprach ich schmunzelnd aus und sah ihm kurz nach, als er in seine Räume ging.
 

Kurz überlegte ich und beschloss uns Kaffee zu machen. Das würde sicher gut tun, bevor wir los ziehen würden. Zwei kleinere Tassen holte ich heraus und stellte sie unter die Kaffeemaschine. Mit einem Knopf betätigte ich die Funktion und ließ zwei Mal die schwarze Brühe durch laufen. Es war mehr als praktisch, dass wir beide in dem Punkt den gleichen Geschmack hatten. So würde ich das niemals vergessen können. War durchaus ein Vorteil für mich. Nachdem unsere Getränke fertig waren, nahm ich die Tassen und hörte schon die Tür. “Mmmh... rieche ich da Kaffee?”, kam seine Stimme nur wenige Momente danach.
 

“Na klar... wir brauchen doch eine Stärkung”, grinste ich und drehte mich mit den Tassen in den Händen um.
 

Augenblicklich weiteten sich meine Augen, denn Chiaki trug eine lockere Jeans und ein schwarzes Hemd, welches nur zur Hälfte zu geknöpft war. Leicht schluckte ich und biss mir auf die Unterlippe, da er näher kam und mir eine Tasse abnahm. Unsere Finger berührten sich dadurch und eine wohlige Gänsehaut breitete sich über meinen Körper aus. Dieses Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr gespürt. Es fühlte sich einfach wundervoll an, weshalb ich zu ihm aufsah und sich unsere Augen trafen. Ein Lächeln konnte ich darin erkennen. “Eine sehr gute Idee gewesen”, grinste er und nahm einen Schluck. “Danke dafür”, merkte er an.
 

“Jederzeit”, lächelte ich ihn etwas verlegen an, denn ich hatte noch mit meinen aufsteigenden Emotionen zu kämpfen. Das alles war so intensiv und nicht so leicht zu verarbeiten.
 

“Mmmmh... also kann ich dich um 3 Uhr morgens anrufen und einen Kaffee bestellen?”, neckte er mich und kurz blinzelte ich, ehe ich leicht grinste.
 

“Kannst du versuchen... aber ob du einen bekommst... hängt von dir ab”, zwinkerte ich und konnte sehen, dass ihm unsere kleinen Wortgefechte gefielen.
 

“Das werde ich tatsächlich aus probieren”, entgegnete er und nahm noch einen Schluck zu sich. Leise kicherte ich und war gespannt, ob er das wirklich machen würde.
 

In angenehmer Ruhe leerten wir unsere Tassen und stellten sie in die Spülmaschine. Das war wahrlich praktisch. Es war eine kleine, genau ausreichend für zwei bis vier Personen. Diese würde ich wohl am nächsten Tag oder den darauf folgenden an machen, um das Geschirr zu säubern. Mit ihm zusammen Kaffee zu trinken wurde langsam aber sicher zu einem kleinen Ritual. Dabei ließ ich noch einmal meinen Blick über sein Outfit gleiten. Sein Hemd hatte fast die gleiche Farbnuance wie meine Tunika. Bei dieser Erkenntnis musste ich etwas vor mich hin schmunzeln. Es wirkte fast so, als hätte er dies mit Absicht getan, um sich mir an zu passen. Ein wenig war ich verwundert über diese Geste, doch es gefiel mir recht gut.
 

“Also... dann wollen wir mal los”, grinste er leicht und sah auf sein Handy. “Mato hat sich noch nicht gemeldet... also haben wir sicher noch zwei oder drei Stunden”, überlegte er laut und etwas nickte ich.
 

“Gut... also zeig mir, was die Gegend zu bieten hat, und danach sehen wir mal, ob wir zusammen irgendwo zum Abend essen”, lächelte ich ihn an und diesmal neigte er zustimmend seinen Kopf.
 

“Perfekte Idee”, zwinkerte er mir zu und nahm meine Hand. “Dann los”, grinste er und kichernd zog ich ihn etwas zurück.
 

“Warte... meine Tasche und mein Handy”, erklärte ich ihm, nachdem er mich verwirrt an gesehen hatte.
 

“Oh.... ähm... ja”, stammelte er leicht und erneut musste ich kichern bei seiner Reaktion.
 

Danach verließen wir Hand in Hand die Suite und er steckte sich die Schlüsselkarte diesmal in die vordere Hosentasche, was mich breiter grinsen ließ. Er will mich scheinbar testen und irgendwie gefiel es mir. Es würde sicher noch amüsant später werden. Gemeinsam schritten wir wieder zum Aufzug und fuhren hinab zur Lobby. Es dauerte nicht lange und wir waren wieder draußen auf der Straße. Direkt führte mich Chiaki rechts entlang, um mir dort zu zeigen, was es dort gab. Während wir uns die Gegend ansahen, erzählte er mir ein wenig über das Hotel und ich hörte heraus, dass er es so gesehen von klein auf hoch gezogen hatte. Das Gebäude musste komplett saniert werden und so hatten sie einiges umbauen lassen.
 

Neugierig fragte ich nach, wie lange es gedauert hatte. Er mich aufgeklärt, dass es fast ein Jahr gedauert hatte, bis alles so war, wie er es sich vorgestellt hatte. Mit einem Lächeln lauschte ich ihm und erfuhr so einiges mehr. Zum Einen, dass er öfters in New York mit seinen Eltern war. Als Kind hatte er es geliebt, besonders zu der Weihnachtszeit. Auch wenn sie das Fest nicht typisch westlich kannten, so lernten sie das anders kennen und er war fasziniert von den Lichtern und dem Baum. Dies ließ mich schmunzeln. “Wie war das denn bei dir?”, fragte er und ich blinzelte etwas.
 

“Oh... ich bin zwar in Tokio geboren, aber meine Eltern zogen mit mir nach Frankreich als ich drei war”, begann ich ihm zu erklären. Dahingehend konnte ich bei der Wahrheit bleiben. “Demnach lernte ich die westlichen Feste schneller kennen... wobei meine Eltern natürlich versuchten, mir die japanischen Traditionen mit bei zu bringen.”
 

“Verstehe... und darf ich fragen, warum ihr nach Frankreich gezogen seid?”, wollte er wissen.
 

“Sie waren wegen ihrer Arbeit umgezogen... sie hatten ein Angebot bekommen und das nahmen sie wahr”, erklärte ich und überlegte. “Sie waren beide Architekten... Mama war für Gebäude zuständen und Papa hatte Jahrmärkte und große Freizeitparks entworfen”, teilte ich mit ihm und lächelte etwas zu ihm rüber.
 

“Oh wow... das war sicher als Kind interessant für dich, oder?”, fragte er nach.
 

“Mhm... es war toll... ich durfte vieles ausprobieren”, antwortete ich kichernd und es war einfach unglaublich, dass ich das tun durfte.
 

“Das glaube ich sofort... das sind sicher sehr schöne Erinnerung”, lächelte er leicht.
 

“Absolut... mit die besten”, erklärte ich und lächelte sanft. Tatsächlich vermisste ich diese Zeit sehr, weshalb mir leicht die Augen anfingen glasig zu werden. Aber ich blinzelte mehrmals, um die aufkommenden Tränen los zu werden.
 

“Da scheinen wir... beide eine große Faszination für Freizeitparks zu haben”, lenkte er mich etwas ab. Ob er dies mit Absicht gemacht hatte oder nicht, war mir nicht ganz klar.
 

“Stimmt... gibt es hier denn auch welche?”, fragte ich, um mich auf etwas anderes zu konzentrieren.
 

“Tatsächlich so einige”, grinste er und erzählte mir von den Parks, die es in der Nähe gab.
 

Aufmerksam hörte ich ihm zu und es faszinierte mich, dass es wirklich so viele gab. Daher fragte ich nach, ob wir eventuell Zeit hätten den ein oder anderen zu besuchen. Breiter grinsend nickte er und so nahmen wir uns vor an einem freien Tag, einen oder auch zwei unsicher zu machen. Natürlich würden wir die anderen beiden ebenso fragen, ob sie mit kommen wollen würden. Weiter schlenderten wir die Straße entlang und ich war begeistert von der Vielfalt, die es da gab. Neben den gängigen Geschäften, gab es ein paar Restaurants, einige Cafés, wobei es mehrere kleinere waren. Diese wirkten niedlich und gemütlich. Diese waren mir sogar viel lieber, als die großen Läden.
 

Irgendwann piepste Chiakis Handy und er zog es heraus, um nach zu sehen. “Oh... ein Lebenszeichen”, lachte er und ich stieg mit ein.
 

“Wow... das wir das heute noch erleben”, amüsierte ich mich und er grinste breiter.
 

“Die beiden würden gerne mit uns essen gehen... dann würde Miya dir zeigen, was sie noch besorgt hatte”, meinte er nach einer Weile.
 

“Sehr gut... haben sie auch gesagt, wohin sie gehen wollen würden?”, fragte ich nach und er legte leicht den Kopf schief.
 

“Nö... aber ich frage sie mal”, entgegnete er und schon tippte er eine Nachricht an das andere Paar. Es dauerte nicht mal zwei Minuten, bis eine Antwort kam. “Also sie wären für Italienisch oder ein typisches Diner”, grinste er und sah zu mir.
 

“Oh... hmmm... gibt es hier denn welche in der Nähe?”, überlegte ich.
 

“Pizzarien sind hier einige... das Diner wäre knapp 20 Minuten mit dem Auto entfernt”, antwortete er mir und ich beschloss auf mein Bauchgefühl zu hören.
 

“Also ich würde das Diner favorisieren”, meinte ich.
 

“Ich auch”, grinste er breiter und antwortete den beiden.
 

Schnell waren wir uns über einen Treffpunkt einig und wir eilten dort hin. Yamato und Miyako warteten bereits auf uns und ich konnte sehen, dass sie sich ebenfalls umgezogen hatten. Schmunzelnd blickte sie uns an, aber sagte nichts dazu. Tatsächlich konnte ich mir denken, was ihr auf der Zunge lag. Jedoch würde ich dazu nichts von mir aus sagen. Scheinbar ging es Chiaki genauso dabei und er organisierte ein Taxi für uns. Mit diesem fuhren wir etwas außerhalb von New York und ich staunte nicht schlecht, als wir vor gefahren waren. Von außen sah es genauso aus, wie man es von all den Filmen kannte. Eben ein typisches Diner im 50ger Jahre Look.
 

“Wie cool”, entkam es mir euphorisch und die anderen grinsten mich an. “Was denn?”, hakte ich nach, nachdem wir ausgestiegen waren.
 

“Es ist niedlich, wie du reagierst”, meinte Miyako und hakte sich bei mir ein, um mich ins Innere zu führen.
 

Verwundert blinzelte ich und ließ mich von ihr mit ziehen. Die Jungs folgten uns lachend und ich konnte mir ein Kichern nicht vermeiden. Die drei waren richtig verrückt und genau das gefiel mir an ihnen mit am meisten. Im Diner blieb Miyako kurz stehen, bevor sie mit mir zu einem Tisch ging. Es war eher in einer der Ecken und demnach etwas abseits von dem meisten Geschehen. Ein wenig war schon los, was wohl bei der Uhrzeit normal schien. Immerhin war es schon nach 19 Uhr und die meisten Leute bekamen nun mal Hunger. Wir beide rutschten jeweils ans Fenster und die Jungs nahmen neben uns Platz.
 

“Wisst ihr schon, was ihr wollt?”, fragte Yamato grinsend und kurz überlegte ich.
 

“Ihr seid bestimmt ausgehungert”, hörte ich Chiaki neben mir und mein Blick glitt leicht zwischen den dreien.
 

“Absolut... nach solch einer heißen Nummer”, zwinkerte Miyako frech und meine Augen weiteten sich.
 

“Miya... du kannst doch nicht so direkt sein”, schimpfte Chiaki mit ihr, was mich leicht schmunzeln ließ.
 

“Und warum nicht?”, fragte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue und er meinte nur, dass sie mich damit doch nur in Verlegenheit bringen würde.
 

Irgendwie war es niedlich, wie er versuchte mich vor solch einer Situation zu schützen, aber das musste er nicht tun. Deshalb konnte ich nicht anders als folgendes zwinkernd zu sagen: “Chiaki... lass sie doch erzählen... ich bin sehr gespannt zu hören, ob sie wahrlich auf ihre Kosten kam, oder ob Mato später nochmal ran muss.”
 

Augenblicklich sahen mich alle drei mit offenem Mund und weiten Augen an. Vermutlich hatten sie damit nicht gerechnet und ich grinste etwas breiter, während ich erwartungsvoll zu ihnen sah, um Miyakos Ausführung zu hören.

Kleine Gesten zeigen weitaus mehr...

“Moment mal...”, begann Yamato, nachdem er wohl meine Aussage richtig verarbeitet hatte. “Natürlich kam mein Schatz auf ihre Kosten”, versicherte er direkt, während seine Frau kurz blinzelte. Sie schien wohl zu überlegen und Chiaki blickte immer noch verwundert drein.
 

“Na ich weiß nicht... sie sieht nicht so aus”, grinste ich leicht neckend Yamato an.
 

Augenblicklich lachte Miyako los und Yamatos Augen weiteten sich nur noch mehr. Fast so als würde er nicht glauben, dass ich das wirklich gesagt hatte. Chiaki hingegen hielt sich eine Hand vor den Mund, doch ich konnte erkennen, dass er sich ein Lachen verkneifen musste. Scheinbar wollte er seinen Freund nicht zusätzlich ärgern. “Du... bist... echt genial”, brachte Miyako zwischen ihrem Lachanfall heraus.
 

“Miya!”, kam es schon fassungslos von Yamato und ein wenig, aber auch nur ein klitzekleines bisschen, tat er mir gerade leid. Doch ich konnte nicht anders, als ihn zu veräppeln.
 

“Aber ist doch wahr... das war einfach nur zu lustig, Liebling”, gluckste sie und lehnte sich an ihren Mann, wobei sie ihn liebevoll anblickte, um ihn etwas zu besänftigen.
 

“Hm”, entkam es ihm etwas sanfter, dennoch merkte ich seinen Unmut.
 

“Also? Ich höre”, meinte ich nach einer Weile und erntete erneut ungläubige Blicke. Warum das so war, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt nicht erklären.
 

“Warte... du willst es echt wissen?”, wollte sie wissen und blinzelte mehrfach.
 

“Natürlich will ich es wissen, ob es dich befriedigt hatte”, zwinkerte ich ihr zu.
 

“Ähm... das schon und auch ausreichend”, entgegnete sie und bekam tatsächlich leicht rote Wangen. Das sah schon etwas niedlich aus.
 

“Das ist gut... doch erzählt mal... wieso muss es unbedingt eine Umkleide sein... die ist doch viel zu eng”, fragte ich mehr als interessiert nach, da es mich wirklich wunderte, warum sie so darauf standen. Mir persönlich wäre es dort viel zu wenig Platz, um vernünftig Spaß zu haben. Sich gegenseitig heiß zu machen, hätte ich noch verstanden.
 

“Ach das... wir stehen halt auf den Kick erwischt zu werden, oder eben... Zuschauer zu haben”, sprach Miyako, wobei sie die letzten Worte er leiser über die Lippen gebracht hatte.
 

“Verstehe... aber ist es der Aufwand wert?”, hakte ich nach und konnte ihr ansehen, dass sie noch röter wurde.
 

“Es ist heiß und macht echt Spaß, aber dass man da so wenig Platz hat, ist etwas schwerer, was man eben in Kauf nimmt”, erklärte sie schließlich und hatte eine Hand auf Yamatos Oberschenkel.
 

“Und das reicht euch beiden?”, überlegte ich laut und sah zwischen ihnen hin und her.
 

“Der Kick... ist halt um einiges größer, als sonst wo. Schließlich sind die Geschäfte meist voll mit Leuten”, antwortete diesmal Yamato auf meine Frage.
 

“Hmm... habt ihr es schon mal in Clubs aus probiert?”, musste ich heraus finden, denn es gab durchaus auch Discos, die dieses besondere Extra mit anbieten.
 

“Du meinst die Nachtbars und Tanzclubs?”, entgegnete Yamato etwas grübelnd.
 

“Auch... aber ich dachte eher an Clubs mit gewissen Extras”, teilte ich meinen Gedanken mit dem anderen Paar.
 

“Du meinst... BDSM-Clubs?”, blinzelte Miyako und ich konnte sehen, dass sie nicht komplett zu Ende gedacht hatte, aber auch nicht abgeneigt wirkte.
 

“Auch... aber es gibt einige Discos, die solch ein ‘Erlebnis’ anbieten... also zumindest in Paris gibt es drei, von denen ich es kenne”, meinte ich. “Aber natürlich auch in der BDSM-Szene gibt es Möglichkeiten für eure besonderen Bedürfnisse”, setzte ich noch dazu, weil es der Wahrheit entsprach.
 

“Echt? Hast du das schon getestet?”, fragte sie mich sichtlich verwundert und irgendwie musste ich leicht kichern.
 

“Wäre es denn schlimm, wenn dem so wäre?”, stellte ich die Gegenfrage und lehnte mich leicht nach hinten, um die Reaktionen von allen drein besser sehen zu können.
 

“Ähm... Also... nein... ich meine”, begann sie zu stammeln und blickte leicht zu Chiaki.
 

“Was... Miya wohl sagen will”, räusperte sich Yamato und hatte damit meine Aufmerksamkeit auf sich. “BDSM an sich wäre nichts für uns... wir mögen zwar den Kick... und auch mal Handschellen oder Augenbinde, doch mehr... ist nicht unser Ding”, erklärte er ruhig und Miyako nickte zustimmend.
 

“Hmm... euch ist aber klar... dass es nicht immer so hardcore zugeht, wie die meisten denken?”, musste ich einfach nach haken, denn der Irrglaube, es würde immer um Fesselspielchen mit Schmerz und Blut zu tun haben, war durchaus verbreitet.
 

“Ja doch schon irgendwie...”, gestand Miyako und ich musste leicht schmunzeln.
 

“Also habt ihr es nie probiert... es euch einfach mal an gesehen”, schlussfolgerte ich von ihren Aussagen aus.
 

“Korrekt... sie haben keinen Club von Innen gesehen”, sagte Chiaki, der zum ersten Mal seit meiner Einmischung, sie solle davon erzählen, gesprochen hatte. Daher sah ich neben mich, um ihn direkt meine Aufmerksamkeit zu widmen. “Woher... weißt du von solchen Details?”, fragte er seinerseits und umschrieb es ein wenig.
 

“Nun... Freunde von mir haben es getestet... und sie waren positiv überrascht, was und vor allem wo möglich war”, entschied ich mich zumindest da die Wahrheit zusagen, weil ich selbst dies noch nicht probiert hatte. Dass ich anderes getestet hatte, mussten sie gerade nicht wissen.
 

“Seht ihr... ihr müsst es nur euch mal selbst ansehen”, meinte er an seine Freunde gewandt und leicht zuckte mein Mundwinkel. Es wirkte gerade so, als wüsste Chiaki wirklich mehr von der Szene als ich anfangs annahm.
 

“Jajaja... vielleicht irgendwann”, meinte Miyako Schulter zuckend. Irgendwas schien sie davon ab zu halten, doch was es war, konnte ich noch nicht sagen.
 

“Ich nehme dich beim Wort, Miya”, zwinkerte Chiaki ihr zu und damit war das Thema erst einmal vom Tisch. Innerlich haute ich mir auf die Stirn, da ich meine Chance verpasst hatte, zu erfahren, ob Chiaki ebenso in der Szene unterwegs war. Das wäre eine sehr gute Möglichkeit gewesen.
 

Der Kellner hatte unsere Bestellung aufgenommen und nur wenige Momente später bekamen wir unsere Getränke. Auf mein Essen freute ich mich besonders, denn ich liebte Burger. Besonders wenn dieser gut gemacht war. Unsere Unterhaltung wurde wieder lockerer und fast schon belangloser ohne die kleinen pikanten Andeutungen, die ich durch aus wissen wollte. Beide hatten einen leichten Drang in die Szene, aber eben nur die softe Variante. Dies war etwas, was ebenso praktiziert und geschätzt wurde. In einer ruhigeren Minute würde ich Miyako fragen, warum sie sich solch einen Club nicht mal ansehen wollen würden. Bekanntlich war dort einiges erlaubt ohne eben ein Muss zu sein. Man konnte sich ausprobieren, wenn man es wollen würde.
 

Kaum war das Essen vor uns, schon verstummten unsere Gespräche und wir widmeten uns unseren Tellern zu. Es war mehr als köstlich, weshalb ich mir ein genüssliches Stöhnen nicht verkneifen konnte. Gutes Essen war nach wie vor ein wahrer Genuss und fast so gut wie Sex. Da ich letzteres eben schon eine Weile nicht mehr hatte, kostete ich eben ersteres umso mehr aus. Dass ich dadurch die Aufmerksamkeit von allen drei wieder auf mir hatte, nahm ich in Kauf. “Mmmh... der Burger ist echt der Wahnsinn”, sagte ich ehrlich und grinste die drei etwas an.
 

“Stimmt”, kam es von Chiaki, der zuerst seine Stimme wieder fand. “Das Diner hat mit die besten Burger in der Nähe von New York”, meinte er und konnte ihm ansehen, dass er mehrmals schlucken musste.
 

Diese Reaktion gefiel mir sehr und deshalb konnte ich nicht mehr widerstehen. Während ich ihn ansah, leckte ich mir automatisch über meine Lippen. Es war eine Geste, die verdeutlichen sollte, wie köstlich ich es fand. Seine Augen wanderten zwischen den meinen und meinen Lippen hin und her. Ich konnte ihm ansehen, dass er zu überlegen schien, und ich musste mir ein Kichern verkneifen. Weshalb ich mir leicht auf die Unterlippe biss. Seine Iriden wurden kurz schwarz, ehe er zu mir rückte und ich wie von selbst den Atem anhielt. Er hob seine Hand und strich mit seinem Daumen etwas über meine Lippen und den Mundwinkel. “Da... war ein wenig Soße”, erklärte er und führte seinen Daumen zu seinem Mund, um diese ab zu lecken.
 

Diese Geste ließ mich erschaudern und ein Stöhnen musste ich sogar unterdrücken. Auch wenn ich das nur zu gerne getan hätte. [style type="italic"]Verdammt... damit hat er mich.[/style], schoss es mir durch den Kopf und meine Kehle fühlte sich plötzlich staubtrocken an, weshalb ich mehrmals schwerer schluckte. Seine Mundwinkel zuckten direkt nach oben und da wurde mir bewusst, dass er meine Reaktion genauso gesehen hatte, wie ich seine zuvor. “Danke”, brachte ich hervor und hoffte, dass meine Stimme fest genug rüber kommen würde.
 

“Jederzeit”, zwinkerte er sehr selbstbewusst und ich musste mich gerade wirklich ablenken, bevor ich mich zu ihm beugen würde und einen Kuss von ihm stehlen wollte.
 

Daher widmete ich mich meinem Essen wieder und aß meinen Burger und die dazugehörigen Pommes. Dass Miyako und Yamato uns dabei beobachtet hatten, blendete ich einfach mal aus. Darüber nachdenken und mich damit aus einander setzten wollte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Denn sobald ich dies tun würde, wäre ich absolut verloren in meinen Emotionen und das konnte ich nicht gebrauchen. Zu gern würde ich erforschen, was das eigentlich zwischen uns war, doch konnte ich dem nicht nach geben, oder vielleicht doch? Schnell schüttelte ich den Kopf, um den Gedanken wieder los zu werden. Diesen schob ich weit nach hinten und würde es auf später verschieben.
 

Nach dem Essen entschuldigte ich mich für einen Moment, da ich mir meine Hände waschen wollte. Ebenso wäre es nicht verkehrt sich zu erleichtern. Sogar Miyako kam mit mir mit und ein wenig war ich erleichtert, weil ich dadurch etwas Abstand zu ihm gewinnen konnte. Glücklicherweise sprach sie mich nicht auf die vorherige Situation an und entspannt kehrten ich nach einigen Minuten zurück an den Tisch. “Wir waren mal so frei und haben noch Milchshakes geordert”, meinte Yamato.
 

“Oh... welche Geschmacksrichtung habt ihr denn genommen?”, hakte ich nach, während ich zum Fester wieder durch rutschte.
 

“Mit Vanille kann man doch nichts verkehrt machen”, antwortete er und kurz nickte ich.
 

“Stimmt... und wenn wir doch einen anderen wollen würden?”, hakte ich nach.
 

“Dann bestellt ihr euch eben einen weiteren”, grinste er breiter und leise lachte ich.
 

“Das scheint wohl eure Lösung zu sein”, amüsierte ich mich darüber, wie die Männer mit solch einer Situation umgingen.
 

“Das meiste kann man damit klären”, zwinkerte er und das brachte mich noch mehr zum Lachen.
 

“Unschlagbare Logik, oder?”, gluckste Miyako und dem stimmte ich sofort zu.
 

Sogleich erhielten wir unsere Shakes und wir unterhielten uns noch etwas entspannt über die nächsten Tage. Wir hatten zwei volle Tage und einen halben, ehe die erste Gala anstand. Zusammen überlegten wir, was man machen könnte. Es war einfach viel geboten in der großen Stadt, weshalb wir uns nicht einig waren, was wir wann machen sollten. Schließlich hatten wir unterschiedliche Interessen. Doch einiges war ähnlich. Daher hatten wir für die zwei Tage etwas gewählt, was uns allen vieren gefallen würde. Anderes würden wir getrennt machen, oder aber ich würde alleine los ziehen. Dies würde mir nicht viel aus machen, etwas ohne die Drei zu machen.
 

“Gut... dann steht unser Plan und am Donnerstag machen wir uns gemeinsam fertig”, lächelte Miyako mich an und ich nickte leicht, da es vom Vorteil wäre.
 

“Möchtet ihr noch etwas?”, fragte Chiaki nach und ich verneinte, während Miyako kurz überlegte, aber dann doch den Kopf schüttelte.
 

“Ich bin gesättigt”, grinste sie demnach und Yamato schmunzelte etwas.
 

“Ich rufe ein Taxi”, meinte er und holte schon sein Handy hervor, um eines zu ordern.
 

“Und ich werde die Rechnung begleichen”, merkte Chiaki an und ging zu der Kasse. Blinzelnd sah ich ihm nach. Er machte alles mit einer Selbstverständlichkeit, die in mir ein paar Fragen auf kommen ließ.
 

“Denk dir nichts... seine Eltern haben das auch schon immer gemacht, weshalb er es sich angewöhnt hat”, hörte ich Miyako und blickte zu ihr.
 

“Oh... also hat er es sich ab geschaut”, überlegte ich.
 

“Mhm... das hat er.... wir versuchen ihn, etwas um zu erziehen”, kicherte sie und mehrmals blinzelte ich, während mir wohl noch mehr Fragezeichen über den Kopf erschienen.
 

Sogleich erzählte sie mir, dass sie nach und nach ebenso einige Einkäufe zahlten, damit Chiaki nicht immer alles begleichen würde. Es erleichterte mich, dies zu hören, und ließ mich sogar schmunzeln, da sie das nebenbei mit machten und er es scheinbar zu ließ. “Das ist gut... er braucht nicht jedes Mal zu zahlen”, kam es ehrlich von mir, denn ich würde durchaus ebenso mit zahlen, wenn sie mich machen lassen würden.
 

“Komm... lass uns rüber... ich denke, das Taxi ist bald da”, grinste sie und leise lachend nickte ich, bevor wir zu den Männern gingen, die aufsahen, als wir bei ihnen waren.
 

“Bereit?”, fragte Chiaki und zustimmend nickten wir.
 

Direkt gingen wir hinaus und stiegen ins Taxi, welches bereits auf uns gewartet hatte. Dieses fuhr gleich los und ich nutzte die Zeit, um aus dem Fenster zu sehen. Die Stadt war einfach unglaublich und absolut lebendig. Jedoch wäre es mir viel zu turbulent. Zwar lebte ich so lang ich denken konnte in Paris, aber auch eher in einem ruhigeren Viertel. Solche schien es in New York nicht wirklich zu geben. Immer war irgendwo was los und das faszinierte mich gleichermaßen wie es mich beängstigte. Es schien wirklich zu stimmen, dass diese Stadt niemals schlief. Selbst zu dieser späten Stunde war genauso viel Trubel wie zur Mittagszeit.
 

Am Hotel angekommen, beschlossen Miyako und Yamato noch in die Bar zu gehen. Sie fragten uns, ob wir auch mit wollten, doch ich verneinte. Ich war noch etwas erschöpft vom Flug ebenso von dem Tag an sich. Selbst wenn ich wollte, würde ich wohl nach dem ersten Drink meine Augen nicht mehr auf halten können. Sogar Chiaki verneinte, was mich für einen Moment verwirrte. Weitere Gedanken machte ich mir dazu nicht, da wir das andere Paar verabschiedeten und zu unserer Suite hoch fuhren. “Du... hättest ruhig mit ihnen gehen können, Chiaki”, meinte ich nach einer Weile.
 

“Ich weiß... aber heute will ich nicht in eine Bar”, erklärte er Schulter zuckend und blinzelnd blickte ich zu ihm rüber.
 

“Verstehe... und warum willst du nicht?”, konnte ich mir die Frage nicht erklären.
 

“Wer weiß”, grinste er und erwiderte meinen Blick, während wir an unserer Suite ankamen.
 

Diese schloss er auf und ließ mich zuerst hinein. Schmunzelnd betrat ich den Raum und schlüpfte aus den Schuhen, ehe ich weiter ging und mich zu ihm drehte. Die Neckereien zwischen uns hingen wie eine unsichtbare Spannung zwischen uns und ich konnte nicht genau zu ordnen, wie er seine Worte meinte. Vieles war so zweideutig und doch am Ende eindeutig. “Nun... ich werde mich für die Nacht verabschieden”, kam es von mir.
 

“Schlaf gut, Jeanne... Träum etwas schönes”, zwinkerte er mir zu und sofort hatte ich gewisse Szenen im Kopf, die ich vermutlich nicht haben sollte.
 

“Schlaf... auch gut”, entgegnete ich mit geröteten Wangen und eilte so schnell ich konnte in meinen Privatbereich, um der Situation zu entkommen.
 


 

Die nächsten zwei Tage waren voll gepackt mit einer Stadtrundfahrt, einem Besuch einer Kunstgalerie und nicht zu vergessen hatten wir eines der Kinderheime besucht, die Chiaki seit einigen Monaten unterstützte. Es war unglaublich, wie selbstverständlich er es machte und ich nahm mir nur zu gerne die Zeit, mit den Kleinen zu spielen. Traurig stimmte es mich durchaus, da viele Kinder ohne Eltern oder eben einer Familie aufwuchsen. Jedoch konnte ich mich sehr gut in die Kleinen hinein versetzen. Meine Eltern starben ebenso viel zu früh und ohne meiner Tante wäre ich vermutlich auch in einem Heim gelandet. Denn bis zum 18. Lebensjahr sollten Kinder eben beaufsichtigt werden.
 

Es war schön zu sehen, dass es noch Heime gab, wo man sich wahrlich um das Wohl der Kinder bemühte. Sowohl die Leitung und die Angestellten waren freundlich und hilfsbereit. So etwas hatte ich selten erlebt, aber umso wundervoller war es, dass nicht alles verkam und alle Spenden dort ankamen, wo sie hin gehörten. Genau das förderte nur noch mehr Gelder und es war unglaublich, was sie alles machten und vor allem planten. Sie sorgten nicht nur für ein gutes Umfeld und gutes und gesundes Essen, sondern auch für viele Ausflüge. Besonders an den Wochenende waren sie oft unterwegs und davon hingen viele Erinnerungsstücke in den Aufenthaltsräumen.
 

Mittlerweile war es Zeit zum Abendessen, weshalb wir uns schon von den Kinder verabschiedet hatten und sahen uns noch ein wenig um. “Es ist so toll, dass sie so viel mit den Kindern machen”, lächelte Miyako und ich nickte.
 

“Das stimmt... es ist wundervoll hier”, stimmte ich ihr zu und betrachtete die Fotos, die an den Wänden hingen. “Man spürt die Wärme und Herzlichkeit”, bemerkte ich noch.
 

“Deshalb unterstützen wir dieses Kinderheim zusätzlich... die Leitung achtet sehr darauf, dass die Kinder sich einigermaßen wie zu Hause fühlen, bis sie eine Familie finden würden”, sprach Miyako aus und Yamato legte einen Arm um seine Frau.
 

“Verstehe ich voll und ganz”, lächelte ich das Paar an und sah mich kurz nach Chiaki um, da er vorhin noch mit seinem besten Freund unterwegs war.
 

“Er kommt gleich”, sagte Yamato, der wohl meinen suchenden Blick richtig interpretiert hatte.
 

“Oh... Gut...”, nickte ich leicht und überlegte. “Wisst ihr schon, wo ihr essen wollt?”, fragte ich das Paar, um mich etwas ab zu lenken. Vor allem aber nicht zu zeigen, dass ich noch immer nach Chiaki Ausschau hielt.
 

“Vielleicht sollten wir in eines der Restaurants in der Nähe gehen und danach zurück zum Hotel fahren”, antwortete Yamato und Miyako nickte etwas.
 

“Hört sich nach einem Plan an”, lächelte ich das Paar an.
 

“Und morgen gegen 15 Uhr fangen wir damit an, uns fertig zu machen für die Gala”, grinste sie mich an und leicht seufzte ich nach ihren Worten.
 

“Wenn es sein muss”, schmunzelte ich schließlich und sie kicherte direkt.
 

“Ich hoffe, ihr wartet nicht zu lange auf mich”, ertönte Chiakis Stimme plötzlich hinter uns. Sogleich wandten wir uns an ihn und grinsten.
 

“Vielleicht 10 Minuten”, antwortete Miyako ihm.
 

“Oh... war doch länger als gedacht... aber es ist alles besprochen”, grinste er leicht und fragten blickte ich ihn an.
 

“Was meinst du?”
 

“Die Heimleitung sucht nach einem größerem Gebäude und da wir genug Kontakte haben, habe ich sie weiter geleitet und auch unsere Unterstützung angeboten”, erklärte Chiaki und man konnte spüren, wie wichtig ihm dieses Projekt war. Seine Augen leuchteten regelrecht und da war es wieder.
 

“Wie schön”, hauchte ich erfreut und wusste genau, dass er mich nun vollkommen in seinem Bann hatte.

... als tausend Worte

Die Wahl des Restaurants fiel uns leicht, nachdem wir gesehen hatten, dass es einen Italiener nicht weit weg vom Kinderheim gab. Ein Tisch war zum Glück noch frei, weshalb wir uns direkt setzten und für uns Getränke bestellt hatten. Da keiner von uns fahren musste, beschlossen wir ein Glas Wein zum Essen dazu zu besorgen. “Hm... wie wäre es, wenn wir eine schöne Vorspeisenvariation bestellen. So kann jeder davon naschen”, schlug Miyako vor, nachdem wir die Karte erhielten.
 

“Das sagst du doch nur, weil du wieder alles kosten willst”, grinste Chiaki leicht und ich schmunzelte, während ich die Karte überflog.
 

“Natürlich... du weißt doch, dass es mit das Beste ist, wenn man die Gerichte eben teilen kann”, erklärte Miyako direkt und Yamato lachte leise. Schmunzelnd besah ich mir die Vorspeisen und grinste etwas.
 

“Also... ich würde am liebsten Carpaccio nehmen... nur bin ich jetzt in der Zwickmühle”, meinte ich und sah in die Runde.
 

“Weil es den hier sowohl klassisch mit Rind gibt, aber auch mit Lachs?”, fragte Chiaki und traf es direkt auf den Punkt.
 

“Korrekt”, stimmte ich ihm zu, denn er hatte absolut Recht damit. Beides wäre ein Genuss.
 

“Und wenn wir beides bestellen? Dazu noch Bruschetta und Burrata mit Tomaten, Zucchini und Auberginen?”, überlegte Miyako und leise musste ich lachen. Damit hätte sie wohl eine perfekte Vorspeisenplatte.
 

“Klingt nach einem Plan”, gluckste ich und Chiaki lachte sichtlich amüsiert darüber.
 

“Dann machen wir das so... und als Hauptgang?”, fragte er uns und da waren wir uns schnell einig, dass wir Pizza wollten.
 

Kaum hatte der Kellner uns unsere Getränke gebracht, schon bestellten wir unser Essen. Die Vorspeise und natürlich unsere Pizzen. Es war interessant zu sehen, dass wir alle jeweils eine unterschiedliche wollten. Miyako wollte eine mit Schinken, Salami und Pilzen, Yamato hingegen wollte eine Diavolo, da er diesmal was scharfes wollte. Ein dummer Spruch lag mir auf den Lippen, doch ich verkniff mir diesen. Chiaki wählte eine mit Schinken, Pilzen, Mais und Zwiebeln. Kurz überlegte ich und wählte eine ähnlich, nur dass ich noch Rucola und Parmesan dazu wollte. Beim Nachtisch würden wir später entscheiden, ob und was wir wählen würden. Erstmal wollten wir das bestellte Essen verputzen.
 

Mit einem Lächeln notierte der Kellner alle Wünsche und bot uns noch einen Wein zur Pizza an, da wir vermutlich den jetzigen mit der Vorspeise austrinken würden. Kurz besah Chiaki seine Freunde und mich und mit einem Nicken bestätigten wir ihm, eine weitere Flasche zum Essen zu brauchen. Was waren schon zwei Flaschen auf vier Personen verteilt. Korrekt, eigentlich gar nichts. Da wären wir bei dem Punkt: eigentlich. Der Abend wurde sehr locker und aus den zwei Flaschen wurden locker mal drei und fast eine vierte. Aber das fühlte sich zu dem Zeitpunkt genau richtig an. Wir ließen den Abend entspannt ausklingen und orderten durchaus noch etwas Süßen, um den perfekten Abschluss zu haben.
 

“Auf einen schönen Abend und ein gelungenes Projekt”, grinste Miyako, als wir mit dem Wein zum Dessert anstießen.
 

“Auf jedes künftige Projekt”, erwiderte Chiaki und dem konnte ich nur zustimmen. Genau wie Yamato. Wir stießen an und naschten von dem Tiramisu, der Pana Cotta und dem Tartufo. Da wir uns nicht entscheiden konnten, wählten wir die drei Gerichte und teilten diese mit einander. Es war mehr als köstlich und es verführte nur noch mehr dazu, den Genuss sich auf der Zunge wortwörtlich zergehen zu lassen.
 

“Ui... ich glaube... wir sollten ein Taxi bestellen”, merkte Yamato an, nachdem er auf die Uhr blickte.
 

“Aber es ist gerade so schön entspannt”, meinte Miyako leicht grummelnd.
 

“Das schon... aber das Restaurant schließt bald”, erinnerte er seine Frau daran, dass die Angestellten wohl genauso gerne ihren Abend entspannter verbringen wollten als bei der Arbeit.
 

“Huch... ist es schon so spät?”, blinzelte sie mehrmals und ich lachte los. Scheinbar war sie ziemlich verpeilt gewesen.
 

“Oh Miya... so viel hattest du doch auch nicht getrunken”, amüsierte sich Chiaki über seine beste Freundin.
 

“Und doch genug”, lachte Yamato und erhob sich. “Komm, Schatz”, grinste er und bot ihr seine Hand an, um ihr auf zu helfen. Dankend nahm sie es an und schwankte tatsächlich ein wenig, als sie sich erhob.
 

Leise kicherte ich und sah den beiden nach, während ich ebenso mich erhob. Den Alkohol merkte ich deutlich, aber es war noch nicht so, dass ich ins Schwanken kam. “Ich glaube... Miya hat heimlich mehr getrunken”, schmunzelte Chiaki.
 

“Oder den Wein nicht ganz vertragen”, grinste ich ihn an und er nickte leicht.
 

“Ebenfalls möglich... komm lass uns sehen, dass wir die Rechnung bezahlen und raus kommen, oder brauchst du noch einen Moment?”, fragte er mich und ich schmunzelte. Es war ungewohnt, dass ein Mann so aufmerksam war und Dinge an sprach, ohne sie genau zu betiteln. Daher schüttelte ich leicht den Kopf, denn bis zum Hotel würde es problemlos noch gehen. “Gut... dann los”, grinste er und bot mir seinen Arm an, um mich im Notfall zu stützen.
 

“Danke”, zwinkerte ich und wir gingen neben einander her zum Ausgang.
 

Bei der Kasse wollte er die Rechnung begleichen, doch die Dame am Tresen meinte, es sei bereits geschehen. Leicht blinzelte er und nickte, ehe wir hinaus traten. Draußen wartete Yamato auf uns, während Miyako schon im Taxi saß. Er winkte uns zu und wir eilten zum Wagen. “Du hast gezahlt, oder Mato?”, fragte Chiaki direkt.
 

“Ich doch nicht”, grinste Yamato und ich kicherte leise, bevor Chiaki mit dem Kopf schüttelte und los lachte.
 

Eindeutig hatten sie einen leichten, oder auch einen großen Schaden, aber genau das machte sie so sympathisch und vermutlich fühlte ich mich deshalb so wohl bei ihnen. Die drei waren genauso verspielt und neckend unterwegs wie Rosalie, Amelie und ich. Ein wenig wurde ich wehmütig, weil ich die beiden einfach sehr vermisste. Klar schrieben wir mal, doch das war etwas ganz anderes als beisammen zu sitzen und ein Glas Wein zu trinken. Oder schlicht weg einen Kaffee gemeinsam zu teilen. Unweigerlich musste ich grinsen und nahm mir vor, dass ich ihnen nachher schreiben sollte. Vielleicht könnten wir mal eine Videokonferenz machen, um wenigstens ein bisschen das Feeling zu bekommen, wie es sein sollte.
 

Allen voran war ich ziemlich neugierig darauf zu hören, wie es bei ihnen momentan lief. Ob sie mit ihren Männern gut klar kamen, oder ob sie womöglich ihre Entscheidung bereuen würden, mit ihren ehemaligen Kunden so etwas wie eine Beziehung zu führen. Für mich klang es nach wie vor so unreal, dass sie dazu entschlossen hatten. Doch wenn ich ehrlich war... konnte ich sie zu dem Zeitpunkt umso mehr verstehen. Vermutlich konnten sie der Versuchung nicht widerstehen. Wie von selbst wanderte mein Blick zu Chiaki, der mit seinem besten Freund ein wenig herum scherzte. Sie wirkten so leicht und locker, dass man niemals denken könnte, sie seien normal knallharte Geschäftsmänner.
 

Beide Seiten von Chiaki waren unglaublich und zogen mich gleichermaßen in den Bann. Etwas kaute ich auf meiner Unterlippe, während ich ihn von der Seite musterte. Wie konnte er nur so unverschämt gut aussehen. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Alles an ihm war mehr als perfekt. Wenn sich meine Annahme noch bestätigen würde, wäre er genau mein perfektes Gegenstück. Aber konnte ich das wirklich tun? All meine Prinzipien über Bord werfen? Dem Gefühl und seiner Nähe nach geben? Meine Gedanken wanderten ein wenig weiter, jedoch riss ich mich wieder zusammen und schüttelte leicht den Kopf, ehe ich aus dem Fenster blickte, um mich wieder ab zu lenken.
 

Den Rest der Fahrt hatte ich nicht aktiv mit bekommen. Nur nebenbei hörte ich ihre Stimmen, aber der Unterhaltung folgte ich nicht wirklich. Viel zu sehr war ich damit beschäftigt, mich selbst an meine eigenen Regeln zu erinnern. Als wir ankamen, blinzelte ich verwundert, da ich angestupst wurde. “Huch... sind wir schon da?”, fragte ich verwirrt darüber, weil es mir gar nicht aufgefallen war, dass wir so schnell waren.
 

“Mhm... Komm, Kleines”, grinste Chiaki und hielt mir seine Hand hin. Bei dem Spitznamen zog ich eine Augenbraue hoch.
 

“Kleines?”, hakte ich nach und sein grinsen wurde noch breiter dabei. Wie von selbst legte ich meine Hand in seine und er half mir aus dem Taxi.
 

“Natürlich...du bist kleiner als ich und verdammt niedlich, wenn du in Gedanken bist”, erklärte er und zwinkerte mir zu. Meine Augen weiteten sich schlagartig, als ich seine Worte begriff. Wobei meine Wundwinkel wohl verdächtigt zuckten. “Dieser Blick ist einfach unbezahlbar, Kleines... lass uns ins Zimmer verschwinden”, amüsierte er sich und ich konnte nicht anders als leise zu lachen.
 

“Du bist unmöglich”, schüttelte ich meinen Kopf und ging neben ihm zum Aufzug.
 

Erst da bemerkte ich, dass das andere Paar nicht mehr zu sehen war. Wahrscheinlich hatte Yamato seine Frau bereits nach oben ins Zimmer gebracht. Das war gut, damit sie sich aus ruhen konnte. “Glaub mir... du würdest es vermissen, wenn ich nicht mehr so wäre”, kam es selbstbewusst von ihm und irgendwie hatte er in diesem Punkt recht. Ich würde etwas missen, jedoch sollte ich ihm das nicht so direkt sagen. Schließlich sollte er nicht noch überheblicher werden.
 

“Da wäre ich mir nicht so sicher”, zwinkerte ich, als wir vor der Tür unserer Suite angekommen waren.
 

Leise lachte Chiaki und zog die Schlüsselkarte hervor, um die Tür zu öffnen. Wie gewohnt ließ er mich zuerst hinein und ich dankte ihm artig, ehe ich meine Schuhe auszog und weiter hinein trat. Er war nur wenige Meter hinter mir und hatte die Tür geschlossen. “Also... da wären wir wieder”, meinte er ruhig und etwas schluckte ich, da seine Stimmlage für mich nicht ganz definierbar war.
 

“Stimmt... also morgen ausschlafen, entspannt frühstücken und fertig machen für die Spendengala?”, fragte ich nach und lenkte seine Aufmerksamkeit auf den folgenden Tag.
 

“Korrekt... um 18 Uhr werden wir von einer Limousine abgeholt und zum Veranstaltungsort gebracht”, antwortete er direkt und ich hakte nach, wo es wäre. “In einem der Stadtsäle hier im Bezirk”, setzte er unbeirrt fort.
 

“Alles klar”, nickte ich verstehend. “Gute Nacht und bis morgen”, sagte ich und begab mich zu meinem Raum.
 

“Gute Nacht, Kleines”, meinte er doch tatsächlich und auf eine gewisse Art und Weise gefiel es mir, dass er einen kleinen Unterton drauf hatte, der so vieles versprach. Eindeutig würde ich eine mehr als intensive Nacht vor mir haben. Denn mein Kopfkino war nun aktiv und so einfach zu stoppen wäre es gerade absolut nicht.
 


 

Mit einem Mal saß ich schwer atmend im Bett und keuchte automatisch auf. Mehrmals musste ich blinzeln, ehe mein Blick klarer wurde. Diesen ließ ich träge durch den Raum wandern und atmete erleichtert auf, da ich alleine war. Um absolut sicher zu sein, tastete ich links und rechts, ebenso über mir und hinter mir. Etwas nickte ich, fast so als wollte ich es mir noch einmal bestätigen, dass nur ich im Zimmer war. Sogleich ließ ich mich zurück in die Federn fallen und rieb mir mit beiden Händen über das Gesicht. “Definitiv bin ich am Arsch”, murmelte ich vor mich hin und seufzte, wobei ich noch etwas mit dem Nachbeben meines Traumes zu kämpfen hatte.
 

Da hatte ich doch glatt einen Sextraum mit Chiaki. Kopfschüttelnd erhob ich mich aus dem Bett und suchte frische Unterwäsche. Aber auch ein Shirt und eine schlichte Jeans. Wobei beides figurbetont war. Leicht musste ich grinsen und erwischte mich dabei, wie ich mir aus malte, wie er wohl darauf reagieren würde. Eindeutig... ich bin ihm verfallen., musste ich mir nun doch selbst eingestehen. Unsere Neckereien waren einfach unglaublich toll und fühlten sich absolut richtig an. Somit konnte es nichts Schlimmes sein. Unweigerlich erinnerte ich mich an meinen Raum und biss mir leicht in die Unterlippe, um nicht auf zu stöhnen. Es war einfach viel zu heiß und wenn die Realität nur halb so gut wäre.
 

“Nein... Nein... nein”, mahnte ich mich und ging ins Bad, um mich eiskalt ab zu duschen.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 

Noch vor dem eigentlich Weckton war ich schon wach und seufzte, da es viel zu früh war. Aber weiter schlafen war nicht mehr möglich. Ein wenig musste ich sogar schmunzeln, denn irgendwie hatte sie es geschafft all meine Gedanken zu beherrschen. Es machte mich kirre, aber auch glücklich und genau das irritierte mich enorm. Noch nie hatte es eine Frau geschafft, mich so aus dem Konzept zu bringen wie meine Kleine. Breiter grinste ich und beschloss mich für den Tag fertig zu machen. Auch wenn ich noch ein wenig müde war, so brachte es nichts mehr, mich wieder hin zu legen. Sobald ich wach war, konnte ich nicht mehr einschlafen.

Man könnte fast meinen es wäre ein Segen. Jedoch wussten die meisten, dass dies ebenso ein Fluch war. Schon früh hatte ich gelernt damit zu leben. Weshalb ich mich auf raffte und ins Bad ging, um mich ab zu duschen. Es war recht warm über Nacht gewesen und meine Träume machten es definitiv nicht kälter. Erneut huschte mir ein Grinsen über die Lippen, während ich mich entkleidete und unter die Dusche stieg. Das kühle Wasser tat wirklich gut und es belebte mich eine Spur mehr. Den Rest würde ein Kaffee erledigen. So wie jeden Morgen, wenn ich vor der geplanten Zeit wach wurde.

Während das Wasser über meinen Körper lief, stützte ich mich mit einer Hand an der Fliese ab und ließ meinen Kopf leicht hängen. Es fühlte sich sehr gut an und meine Gedanken wanderten ganz alleine zurück zu dem Traum, den ich hatte. Dass ich einen Sextraum hatte, war schon verdammt lange her. Da war ich noch ein Teenager. Schmunzelnd darüber schüttelte ich den Kopf. Jedoch kam ich nicht gegen die Erinnerung an meinen Traum an, weshalb sich meine freie Hand verselbstständigte und über meinen Oberkörper glitt. Tatsächlich hätte ich nichts dagegen, diese Fantasie auch aus zu leben. Schließlich war ich auch nur ein Mann und hatte gewisse Bedürfnisse, die gestillt werden sollten.

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

Die Tür zum Bad machte ich auf und blinzelte leicht, da mir leichter Dampf entgegen kam. Erst jetzt bemerkte ich die Wassergeräusche und war mehr als verwundert, dass ich dies zuvor nicht mit bekommen hatte. Scheinbar war ich viel zu sehr in meinen Gedanken, als dass ich das Wasser hörte. Wie von selbst sah ich zur Duschkabine und riss meine Augen auf, als ich freie Sicht auf einen männlichen Rücken hatte. Das nicht nur auf irgendeinen, sondern direkt auf den von Chiaki. Zwar ahnte ich bereits, dass er muskulös war. Doch dies raubte mir nahezu meinen Atem. Ganz automatisch kam mir mein mehr als schmutziger Traum in den Sinn und ich war wie fest gewachsen an Ort und Stelle.
 

“Mmmmh”, entkam es ihm und ich konnte sehen, dass er schwerer atmete. Seine ganze Haltung war angespannt und das konnte ich in jedem seiner Muskel erkennen. Leicht benetzte ich meine Lippen, die sich ziemlich rau an fühlten. “Fu...ck”, keuchte es plötzlich im Raum und ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass es von Chiaki selbst kam.
 

Erneut weiteten sich meine Augen, während mein Kopf auf Hochtouren arbeitete. Wobei es eher auf Sparflamme war, weil mich dieser Mann vollkommen aus dem Konzept gebracht hatte. Doch nach einigen Momenten begriff ich, was gerade vor mir ablief. Fuck... er wird doch nicht... oder... Noch bevor ich meinen Gedanken beenden konnte, vernahm ich sein Stöhnen und schluckte schwerer. Dieser Laut verursachte bei mir eine wahre Gänsehaut und katapultierte mich zurück in meinen Traum. Bestimmt waren meine Wangen knallrot, denn ich spürte die Wärme dort extrem. Als er kurzatmiger wurde und ich die Vermutung hatte, dass er nun so weit war, musste ich nun schnell sein.
 

Eilig ging ich aus dem Bad und schloss die Tür. Gerade noch rechtzeitig. Mich erwischen lassen wollte ich sicher nicht. Das war mehr als peinlich, aber auch absolut heiß. Mmmh... es hat nicht mehr viel gefällt und ich wäre zu ihm in die Dusche gegangen. Dieser Gedanke erschreckte mich ein wenig, obwohl es mir deutlich zeigte, wie sehr ich ihn eigentlich wollte. Schnellen Schrittes begab ich mich zur Küchenzeile und machte die Kaffeemaschine an, um die schwarze Brühe durch laufen zu lassen. Dabei versuchte ich die Röte in meinen Wangen weg zu bekommen. Doch das war nicht so einfach, wie sich die meisten das vorstellten.
 

Ein Korb voller Welpen... ein Korb voller Welpen..., sagte ich mir immer wieder und war froh, als der Kaffee fertig wurde. So konnte ich mich hinter der Tasse verstecken und meine Gedanken viel besser sortieren.
 

“Guten Morgen”, hörte ich seine raue Stimme hinter mir.
 

“Guten... Morgen”, kam es etwas nervös über meine Lippen und ich hoffte sehr, dass er das nicht mit bekommen würde. “Habe dir... schon einen Kaffee gemacht”, setzte ich fort und drehte mich mit den beiden Tassen um, nur um ihm eine davon zu reichen.
 

“Mmmh... du kannst meine Gedanken lesen”, grinste er und nahm es entgegen, ehe er daran nippte. “Mmmh... das tut gut”, sprach er ehrlich aus und mein Körper erschauderte leicht.
 

Sein Stöhnen ließ mich an den vorherigen Moment denken und das war absolut nicht gut. Das war gar nicht gut. Das war eindeutig kontraproduktiv. “Stimmt... das tut gut”, pflichtete ich ihm bei und kam nicht umhin, ihn zu mustern.
 

Dass dies ein Fehler war, bemerkte ich sofort. Ein paar einzelne Wasserperlen liefen über seinen Oberkörper hinab zu seinen Hüften, wo er das tiefsitzende Handtuch um hatte. Natürlich hatte er einen gut gebauten Sixpack und ein perfektes V, welches meine Phantasie nur noch mehr anregte. Fuck... er ist Sünde pur... wie kann man nur so perfekt aussehen?, kam mir der Gedanke und meine Zunge glitt über meine trockenen Lippen. Es war eine Geste, die ganz automatisch von statten ging.
 

“Du bist auch früh wach”, merkte er an und blinzelnd richtete ich meinen Blick nach oben. Direkt fühlte ich mich ertappt, weil einer seiner Mundwinkel nach oben gezogen war.
 

“Nun... ich ähm.... ja... konnte nicht mehr schlafen”, stotterte ich und versuchte mich wieder zu konzentrieren.
 

“Hm... und warum?”, fragte er beiläufig, bevor er vom Kaffee trank. Seine Augen blieben jedoch auf mir und für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass er den Grund für mein abruptes Aufwachen vermutete.
 

“Ich... hatte ausgeschlafen... also bin ich auf”, erklärte ich ihm so glaubhaft wie möglich und versuchte ihn ab zu lenken, indem ich nach fragte, wann wir zum Frühstück gehen sollten. Ein Glück ließ er sich darauf ein, doch dass er dabei nur im Handtuch bekleidet blieb, hatte meine Aufmerksamkeit öfters auf seine Brust gezogen als mir lieb war.


 

Die Spendengala

Nachdenklich stand ich knapp 10 Minuten später unter der Dusche. Der Moment in der Küche lief noch einige Male vor meinem inneren Auge ab. Sein Oberkörper prägte sich in meinem Kopf ein. Wie konnte man nur so perfekt aussehen. Leise seufzte ich und ließ das kühle Nass über meinen Körper laufen. Es war alles andere als förderlich, dass er so aussah und sich immer wieder halb nackt vor mir präsentierte. Da konnte ich nicht anders, als ihn eingehend zu mustern. Zudem bestärkte dies meine Fantasien nur noch mehr. Das kleine Teufelchen auf meiner Schulter wurde lauter: “Gib nach... es hat keinen Sinn, länger zu widerstehen... es wird die beste Nacht deines Lebens werden!”
 

“Vergiss deine eigenen Regeln nicht... du wolltest nie mit deinen Kunden schlafen”, kam es vom Engelchen.
 

“Das stimmt schon... doch genau genommen ist dies der letzte Kunde... und wenn du das nur bei ihm machst... ist das vollkommen in Ordnung”, setzte das Teufelchen nach und schnell schüttelte ich meinen Kopf.
 

Eindeutig... ich musste etwas ändern! So viel stand für mich fest. Kaum war ich fertig, trocknete ich mich schnell ab und schlüpfte in meine Unterwäsche, aber auch ein leichtes Shirt und eine dreiviertel Jeans. Das wäre perfekt für das gemeinsame Frühstück. Meine Haare hatte ich zu einem lockeren Zopf gebunden und verließ das Bad wieder. Sofort hatte ich Kaffeegeruch in der Nase und musste gleich lächeln, als ich zur Anrichte blickte. Chiaki stand dort mit dem Rücken zu mir gewandt und hatte scheinbar noch einen Kaffee aufgesetzt. Er schien sich in der Zeit angezogen zu haben und darüber war ich echt froh und dankbar. Sonst hätte ich womöglich genauso gestarrt wie zuvor.
 

Wobei ich natürlich jetzt auch seine Kehrseite bewundern konnte. Er hatte mal wieder eine Jeans an, die seine Knackarsch hervor hob. Wieso musste er auch nur so gut aus sehen. “Hey”, sagte ich, um auf mich aufmerksam zu machen.
 

“Schon fertig?”, fragte er und hatte beide Becher in seiner Hand. Bei seiner Frage blinzelte ich mehrmals und legte den Kopf schief.
 

“Klar... so lange brauche ich auch wieder nicht”, entgegnete ich und nahm ihm einen Becher ab.
 

“Hm... stimmt... du bist da recht flott, wenn ich das mit Miya vergleiche”, meinte er und nippte an seinem Becher, wobei er Augenkontakt hielt. Schlagartig wurde ich nervös und kam mir irgendwie nackt vor.
 

“Wohl wahr... man sollte sich eben auf das Wesentliche konzentrieren”, erklärte ich ihm und trank demonstrativ einen Schluck von meinen Kaffee.
 

“Das ist korrekt... Kaffee trinken ist viel wichtiger als zu lange im Bad zu brauchen”, grinste er mich direkt an und tatsächlich musste ich kichern bei seiner Aussage.
 

“Kaffee ist eben mein Lebenselixier... also ja”, zwinkerte ich ihm zu und er nickte zustimmend. Bei ihm war es vermutlich ähnlich in dieser Hinsicht. Gemütlich tranken wir noch unsere Becher leer, bevor wir uns fertig machten, um mit Miyako und Yamato zum Frühstück zu gehen.
 

Zusammen hatten wir entspannt gegessen und sprachen über den Ablauf. Immerhin hatten wir am Abend eine kleine Gala und am Samstag die nächste. Dazwischen hätten wir einen Tag frei und da hatten wir beschlossen diesen entspannt zu verbringen. Wahrscheinlich würde Miyako mit Yamato ihr Zimmer nicht verlassen, was ich verstehen konnte. Hingegen bot mir Chiaki an mit mir ein paar ‘geheime’ Orte zu besuchen. Schließlich hatte eine Stadt weit aus mehr zu bieten als die üblichen Sehenswürdigkeiten. Das nahm ich zu gern an, da ich noch nie in New York war und ich mir nicht sicher war, wann ich noch einmal solch eine Gelegenheit bekommen würde.
 

Jedoch war die Gala am Abend in unserem Fokus. Diese war nun mal wichtig, da es um Spenden für das Kinderheim ging. Es war den Dreien mit am wichtigsten und das konnte ich absolut nach voll ziehen. Es war einfach ein Herzensprojekt und das spürte man mit jeder Faser. Daher war es mir ebenso wichtig, sie so gut es ging darin zu unterstützen. Aus diesem Grund beschlossen wir Damen uns frühzeitig fertig zu machen. Immerhin dauerte es seine Zeit, eine gute Frisur ohne professionelle Hilfe hin zu bekommen. Diese Zeit mussten wir uns in diesem Moment einfach nehmen. Denn ein Stylist wäre einfach übertrieben für die Spendengala.
 

“Und ihr wollt wirklich, dass wir uns drüben fertig machen?”, fragte Yamato zum wiederholten Male. Schmunzelnd hatte ich die Unterhaltung verfolgt und war schon versucht mir Popcorn zu besorgen.
 

“Ja... sonst kommen wir heute sicher nicht mehr los”, kam es erneut von Chiaki, der seinen besten Freund schon regelrecht mit sich schob in das Zimmer des Paares.
 

Amüsiert sah ich ihnen nach, ehe ich mich an Miyako wandte, die minimal besser aussah als Yamato. Daher hatte ich sie mit mir ins Bad gezogen. “Nun komm schon, Miya... wir haben nicht mehr viel Zeit”, meinte ich und sie grummelte vor sich hin. “Später wirst du mehr als genug Zeit mit ihm haben”, gluckste ich und machte mich daran meinte Haare wieder zu öffnen und sie durch zu kämen.
 

“Ist ja gut... lass uns fertig machen”, grinste sie mich nun an und ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Sie war einfach unverbesserlich in diesem Punkt.
 

Aber genau deshalb mochte sie einfach. Sie war so direkt, so leicht und angenehm im Umgang, wenn sie nicht gerade zu sehr Lust auf ihren Mann hatte. Gemeinsam hatten wir uns schließlich fertig gemacht. Ich half ihr mit den Haaren und sie mir. Sie hatte eine schicke Hochsteckfrisur mit weißen Perlen im Haar und ich habe meine nur halb hoch gesteckt. Der Großteil blieb offen und fiel locker über meine Schultern, während wir unser Makeup auftrugen. Smokey Eyes gingen immer, weshalb dies unsere Wahl war. Miyako trug ein dunkelblaues Kleid, welches bis zu ihrem Knöchel reichte und auf einer Seite einen Schlitz hatte. Ich hingegen wählte ein bronzefarbenes Seidenkleid, welches bis zu meinen Knien ging.
 

“Du siehst echt heiß aus”, meinte Miyako und blinzelnd sah ich zu ihr.
 

“Ach was... es ist doch ein schlichtes Kleid”, meinte ich.
 

“Und doch bist du unglaublich sexy”, zwinkerte sie mir zu.
 

“Wenn du meinst”, entgegnete ich ihr und nahm die Handtasche zur Hand. “Dann können wir los”, merkte ich an, da wir beide fertig waren und nur noch die Jungs abholen müssten, um zur Gala zu gelangen.
 

“Sobald Mato und Chiaki da sind, ja”, kicherte sie und blinzelnd sah ich zu ihr.
 

“Sind sie etwa auch schon fertig?”, hakte ich nach und sie nickte zustimmend, denn ihr Mann hatte ihr bereits geschrieben, dass sie nun zu ihnen kommen würden.
 

“Mhm... sollten eigentlich jeden Moment hier sein”, antwortete sie und schon klopfte es an der Tür.
 

Schmunzelnd blickte ich zu dieser und nahm mein Handy, um es in der Handtasche zu verstauen. Miyako ging voran und ich folgte ihr in den kleinen Flurbereich, um den beiden die Tür auf zu machen. “Endlich”, kam es gleich von Yamato, als Miyako die Tür öffnete. Er wirkte etwas ungeduldig und trat zu ihr, ehe er ihr Gesicht mit beiden Händen nahm und seine Lippen auf ihre legte. Ein inniger und feuriger Kuss entstand.
 

“Wie ein Kleinkind, welches seinen Schnuller verloren hat”, amüsierte sich Chiaki und dem konnte ich sofort zustimmen. Genau so schien es in meinen Augen. Keuchend lehnte sich Miyako an ihren Mann und schlang ihre Arme um seinen Nacken, um den Kuss zu vertiefen.
 

“Gut getroffen”, sagte ich noch dazu und blickte zu ihm, während ich näher an ihn heran trat. Nun konnte ich ihn näher betrachten. Er hatte eine dunkle Anzugshose an. Dazu eine gleichfarbige Weste und darunter ein weißes Hemd. In seiner Brusttasche war ein bronzefarbenes Seidentuch zu erkennen. Es passte mehr als perfekt zu meinem Kleid. Scheinbar hatte Miyako ihm die Farbe verraten, die ich am Abend tragen würde. “Gut siehst du aus”, meinte ich ehrlich und lächelte ihn an.
 

“Danke dir... das Kompliment kann ich nur zurück geben”, kam es von ihm, nachdem er mich gemustert hatte. Seine Blicke schickten mir mal wieder tausende Schauer über den Körper.
 

“Danke... lass uns schon mal vor gehen... die Beiden brauchen noch eine Weile”, schmunzelte ich, da es gerade nicht so aus sah, dass das andere Paar bald fertig sein würde.
 

“Gute Idee... lass uns runter gehen”, stimmte er mir zu und bot mir direkt seinen Arm an. Diesen nahm ich sofort an und wir sahen zu, dass wir so schnell wie möglich von ihnen weg kamen. Die beiden waren einfach nur unmöglich, wobei ich sie doch ganz gut verstehen konnte.
 

In der Lobby organisierte Chiaki erst einmal ein Taxi, welches uns rüber zur Halle bringen würde, wo die Spendengala statt finden würde. Man sagte uns, dass es etwa 10 Minuten dauern würde, weshalb er seinen Freunden schrieb, wann sie da sein sollten. “Und wenn sie bis dahin nicht hier unten sind?”, fragte ich nachdenklich nach.
 

“Dann haben sie eben Pech gehabt und wir fahren alleine”, zuckte er unbeeindruckt mit den Schultern.
 

“Du bist unmöglich, Chiaki”, lachte ich und er grinste mich leicht an.
 

“Was denn? Es ist doch so”, entgegnete er und lachte nun ebenso darüber.
 

“Stimmt auch wieder”, schmunzelte ich und so stand für uns zumindest der Plan fest, wie wir weiter verfahren, sollten sie eben nicht in der Zeit zu uns stoßen.
 

Tatsächlich kamen sie einige Minuten später zu uns, wobei sie nur einen Moment vor dem Taxi an kamen. Natürlich hatte Chiaki beide ein wenig zurecht gestutzt, obwohl es sich bei ihm eher amüsiert anhörte. Man merkte, dass er den beiden nicht wirklich böse sein konnte. So war das bei besten Freunden, denn das hatte ich mit meinen zwei Freundinnen auch. Egal welchen Mist wir machten, wir verziehen uns sehr schnell. Das machte doch eine Freundschaft aus. Zumindest war dies in meinen Augen der Fall. So wie es eben wirkte, bei den Dreien ebenfalls. Mit einem Lächeln verfolgte ich ihre Unterhaltung und hielt mich da außen vor.
 

Am Ziel angekommen, stiegen sie aus dem Wagen und fanden direkt ihren Weg zur Halle. Dort wurden sie begrüßt und einige bekannten Gesichter waren zu sehen. Es war jedes Mal interessant, wie klein die Welt zu sein schien. Doch war es wundervoll zu sehen, wie viele anwesend waren und sogar spendeten. Auch ich hatte mich dazu entschlossen etwas zu geben. Kinderheime waren wichtig, denn wo sollten die Kleinen hin, wenn sie keine Eltern und keine Familie mehr hatten. Sie sollten es so gut wie möglich haben, bis sie ein neues Zuhause finden würden. Es sollte ihnen an nichts fehlen und dafür wurde einiges an Geld benötigt. Leider waren die grundlegendsten Gegenstände nicht sonderlich günstig.
 

Zuerst begaben wir uns zu den Tischen, wo man die Spenden hinterlassen konnte. Schnell waren die Schecks ausgefüllt und ich hatte ebenso einen an gefertigt. “Du... hättest das nicht machen müssen”, meinte Chiaki leise, als er bemerkte, dass ich ebenfalls einen Beitrag dazu leistete.
 

“Ich weiß... doch wollte ich es tun... Kinder sind doch die Zukunft der Welt”, entgegnete ich ihm und leicht nickte er.
 

“Das stimmt... danke dir dafür”, kam es von ihm und seine Stimmlage war eine Spur weicher.
 

“Nicht dafür... man sollte immer denen helfen, die nicht viel oder gar nichts haben”, meinte ich, denn das war einfach meine Meinung dazu und ich würde es immer wieder tun, sobald ich die Gelegenheit dazu haben würde.
 

“Lasst uns an der Bar etwas holen und danach den Abend genießen”, schlug Miyako vor.
 

“Vielleicht können wir noch den ein oder anderen davon überzeugen, die Heime direkt zu besuchen, damit sie wussten, wohin das Geld fließen würde und wie viel Bedarf eigentlich bestand”, überlegte Yamato.
 

“Eine sehr gute Idee... teilen wir uns auf und sprechen mit Bekannten?”, fragte Chiaki und seine Freunde stimmte dem zu.
 

Somit war für uns klar, was zu tun war. Gemeinsam hatten wir uns noch etwas zu trinken geholt. Während Miyako und ihr Mann einen Rotwein nahmen, hatten Chiaki und ich uns für einen Whiskey entschieden. Wir stießen auf einen schönen Abend an und blieben noch etwas beisammen, bevor wir uns auf teilten. Wobei Yamato mit seiner Frau ging und Chiaki mit mir los zog. Den ein oder anderen hatte ich ebenfalls schon einmal gesehen. Dass sich so viele wohlhabende und einflussreiche Personen die Zeit nahmen, fand ich großartig. Bestimmt konnte sie somit eine gute Reichweite bekommen und demnach gute Summe erzielen. Jedenfalls drückte ich ihnen die Daumen.
 

Vom vielen Reden brauchten wir schon bald etwas Neues zu trinken. Das gönnten wir uns auch, wobei wir beide bei alkoholfreiem blieben. Saft und Wasser waren unsere Wahl dabei. Danach entspannten wir ein wenig am Rand der Gesellschaft, die sich unterhielten, tranken oder auch tanzten. Überrascht blinzelte ich, als Chiaki noch mit mir unbedingt tanzen wollte. Es war etwas amüsant für mich, dass er das an diesem Abend wollte. Denn Miyako hatte mir mal verraten, dass er das eigentlich nicht so gerne tat. Tatsächlich glauben würde ich diese Aussage nicht, wenn ich bedachte, wie ich ihn beim Tanzen erleben konnte. Er war mit Herz und Seele dabei und wirkte absolut nicht so, als müsse er sich nun durchringen.
 

Deshalb beschloss ich ihn zu fragen, ob es denn stimmen würde, dass er normalerweise nicht gerne tanzte. Gestärkt tat ich ihm den Gefallen und wir gingen auf das Parket. Für einige Lieder blieben wir auf der Tanzfläche. Mal war ein schnelleres dabei, mal ein langsameres. Zu keiner Zeit ließ er meine Hand los und durch seine Führung hatte ich das Gefühl, dass ich schwebte. Es war genauso wie bei unserem ersten Tanz damals auf dem Maskenball. Gezielt setzte er seine Schritte und ich passte mich automatisch an. Sicher hielt er mich, nachdem er eine Drehung vollführte. Schneller atmend kamen wir wieder bei der Bar an und bestellten erst einmal ein Wasser.
 

“Das war unglaublich, Chiaki”, sagte ich und nahm einen Schluck zu mir. Dies tat sehr gut nach solch einer Anstrengung. Obwohl ich sagen musste, dass es mir äußerst viel Spaß gemacht hat, mit ihm zusammen über das Parket zu schweben.
 

“Ach was... es fühlt sich nur so an, weil wir uns sehr gut ergänzen”, winkte er ab, doch ich schüttelte den Kopf.
 

“Nicht nur... du kannst das sehr gut”, lobte ich ihn und er schien verlegen zu sein, da er sich durch die Haare fuhr.
 

“Du aber auch”, lächelte er mich an und trank von seinem Glas. Ebenso musste ich noch etwas Flüssigkeit zu mir nehmen, da ich mich etwas ausgetrocknet fühlte.
 

“Sag mal.... ich habe da etwas gehört und muss nun einfach fragen”, begann ich nach einer Weile und interessiert schoss sein Blick zu mir.
 

“Was hast du denn gehört?”, wollte er wissen und etwas blitzte in seinen Augen auf, was mir einen deutlichen Schauer über den Rücken bescherte.
 

“Nun... man sagte mir, dass du nicht gerne das Tanzbein schwingst und ehrlich gesagt... glaube ich das nicht”, antwortete ich ihm und kurz blinzelte er.
 

“Oh... Miya hat wohl gepetzt”, stellte er fest. Er musste nicht einmal nach fragen, wer es mir gesagt hatte. Dennoch nickte ich zur Bestätigung. “Tatsächlich... habe ich das früher gerne gemacht... danach kam eine Zeit, wo ich es nicht mehr wollte und... seit kurzem mag ich es wieder”, kam es über seine Lippen. Diesmal musste ich mehrmals blinzeln, während ich seine Worte verarbeitete.
 

“Seit kurzem?”, hakte ich nach und schmunzelnd nickte er. “Seit wann denn?”, wollte ich einfach erfahren.
 

“Hm”, fing er an und blickte mir tief in die Augen. Diese Intensität ließ mich schwerer schlucken. “Nun... ich würde sagen... seit dem Maskenball”, setzte er fort und meine Augen weiteten sich schlagartig.
 

“Oh... und warum?”, platzte es aus mir heraus und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Was soll ich denn sagen?”, grinste er leicht und ließ mir keine Zeit zum Antworten. “Ein wunderschöner kleiner Engel hatte mich daran erinnert, wie schön es war zu tanzen”, erklärte er und mit jedem Wort, welches seine Lippen verließ, spürte ich die Röte auf meine Wangen steigen.
 

“Du meinst damit mich?”, fragte ich nach.
 

“Natürlich meine ich dich... wie du über das Parket geglitten bist... war einfach unglaublich und ich wollte dieses Erlebnis ebenso haben”, erklärte er schulterzuckend. Für ihn schien es kein großer Akt zu sein, aber für mich war es das. Wegen mir hatte er damals wieder angefangen zu tanzen. Irgendwie ehrte es mich und doch machte es mir ein wenig Angst.
 

“Hörst du damit wieder auf?”, wollte ich in Erfahrung bringen, denn das könnte durchaus passieren.
 

“Ich denke... nicht... nur werde ich eben nicht mit jeder tanzen”, zwinkerte er mir kokett zu und meine Wangen glühten regelrecht. Vermutlich könnte ich nun einer Tomate Konkurrenz machen. Es war eigenartig, wie einfach er mich aus dem Konzept bringen könnte. Es war echt schwer zu erkennen, ob er mit mir flirtete oder schlichtweg nett war.
 

“Gut... das ist nichts Schlechtes”, meinte ich und trank etwas von meinem Wasser, um wieder runter zu kommen und meine Röte wieder zu regulieren.
 

“Da gebe ich dir Recht... nur ausgewählte Personen”, pflichtete er mir bei. “Und damit meine ich sicher nicht Mato”, grinste er etwas und brachte mich damit zum Schmunzeln.
 

“Du Spinner”, lachte ich leise und er zwinkerte, ehe er sein Glas leerte.
 

“Das bin ich tatsächlich gerne”, meinte er unbeeindruckt von meiner Neckerei und überlegte. “Trinken wir noch was, ehe wir zurück zum Hotel fahren?”, fragte er.
 

Überrascht blinzelte ich und merkte erst da, wie spät es eigentlich war. “Oh... gute Idee”, entgegnete ich und lächelte. “Lass uns noch einen Whiskey nehmen, wenn wir danach uns auf den Rückweg machen”, schlug ich vor und ein Grinsen erschien auf seinen Lippen.
 

“So machen wir das”, stimmte er zu und nahm mir mein Glas ab, nur um rüber zur Bar zu gehen und unseren Wunsch zu ordern.
 

In der Zwischenzeit hielt ich Ausschau nach Miyakao und Yamato, da ich sie schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatte. Zwar würden wir noch einen Moment haben, ehe wir los wollten, doch wäre es mir lieber, wenn wir dem anderen Paar Bescheid geben könnten. Immerhin waren wir zusammen gekommen und die Höflichkeit gebot, ihnen zu sagen, dass wir los ziehen würden. Während ich nach ihnen suchte, tauchte vor mir ein Glas auf. “Oh”, entkam es mir und Chiaki grinste.
 

“Träumst du etwa von mir?”, fragte er mich direkt und für einen Moment war ich unsicher, ob ich das richtig verstanden hatte. Daher schluckte ich leicht und nahm das Glas.
 

“Eher suchte ich nach Miya und Mato”, meinte ich und versuchte mir meine Unsicherheit nicht an zu merken. Er schaffte es erneut mich in eine Lage zu bringen, in der ich nicht genau wusste, wie ich darauf reagieren sollte oder gar durfte.
 

“Ach die beiden... sie schwirren sicher auf der Tanzfläche umher, warum?”, fragte er nach und nippte an seinem Getränk.
 

“Naja... ich wollte ihnen nur sagen, dass wir nach dem Drink gehen”, antwortete ich ehrlich und trank ebenso ein wenig.
 

“Am besten wir schreiben ihnen... in der Menge werden wir sie nicht so schnell finden”, meinte er und zog sein Handy hervor, um den beiden zu schreiben.
 

“Das wäre auch eine Möglichkeit”, lächelte ich ihn an und genoss die bräunliche Flüssigkeit. Es war ein sehr guter Tropfen, weshalb wir uns etwas Zeit dabei ließen. Dabei warteten wir auf eine Reaktion von dem anderen Paar. Kurz bevor wir ausgetrunken hatten, kam diese.
 

“Beide bleiben noch ein wenig. Sie sind noch in einer Unterhaltung mit Freunden”, erklärte er mir und verstehend neigte ich den Kopf.
 

“Passt... dann können wir gleich los”, lächelte ich und ließ den letzten Schluck auf meiner Zunge zergehen.

Überraschender Ausflug

Mit dem Taxi fuhren Chiaki und ich wieder zurück zum Hotel. Unser Weg führte direkt hinauf in die Suite, denn es war schon weit nach Mitternacht und die Müdigkeit konnte man uns anmerken. Zudem machte der Alkohol wohl den Rest. Doch es war nicht schlimm, da ich sowieso direkt ins Bett wollte, sobald ich wieder in meinen Räumen wäre. Ohne Umschweife öffnete Chiaki die Tür und ließ mich hinein gehen. Er war direkt hinter mir und schloss die Tür, nachdem er ebenso drinnen war. Sofort streifte ich mir die Schuhe ab und seufzte erleichtert. Heels waren für mich kein Problem. Aber nach fast acht Stunden darin, war ich mehr als froh aus diesen raus zu kommen.
 

“Das war ein schöner und guter Abend”, meinte Chiaki.
 

“Das stimmt... vielen Dank dafür”, lächelte ich.
 

“Nicht dafür... ich mag Galas an sich nicht, aber solche sind besonders und die Gesellschaft macht eine Menge aus”, zwinkerte er mir zu und erneut musste ich blinzeln.
 

“Da gebe ich dir Recht”, bestätigte ich, denn je nach Anlass und der Personen, die da waren, war es ein schöner Abend oder eben nicht.
 

“Möchtest du noch einen Wein oder Kaffee?”, fragte er und kurz musste ich überlegen. Es war eine Versuchung, der ich nur zu gerne nachgab.
 

“Ein Kaffee wird noch gehen”, beschloss ich und er grinste.
 

“Gut... dann noch ein Kaffee... wann sollen wir später los?”, wollte er wissen.
 

“Hmmm... ich würde sagen... gegen 11 können wir los und essen unterwegs etwas”, teilte ich ihm meine Idee mit, wie ich es mir vorstellen würde.
 

“Perfekt... dann können wir noch gemütlich duschen und einen Kaffee trinken”, nickte er zustimmend.
 

“Genau das war meine Idee dahinter”, zwinkerte ich leicht und folgte ihm zur Kaffeemaschine, denn er war voraus gegangen und hatte schon zwei Becher hervor geholt.
 

“Zucker?”, fragte ich ihn und er nickte.
 

“Für dich Cappuccino oder nur Kaffee?”, hakte er nach und blickte zu mir.
 

“Ich glaube ich nehme nur Kaffee mit etwas Zucker”, antwortete ich ihm und leise lachte er.
 

“Du magst wohl auch nach dem ganzen Alkohol lieber den Kaffee pur?”, hakte er nach und ich blinzelte etwas.
 

“Oh... du etwa auch?”, stellte ich die Gegenfrage und er nickte direkt und ließ zwei starke Kaffees durch.
 

“Mhm... so kann ich dem Alkohol etwas gegenwirken”, grinste er und ich holte den Zucker.
 

“Und vermutlich, weil du recht bald zu Bett gehst mit etwas Zucker und eben gestreckt”, gab ich meine Vermutung ab und er wandte sich wieder zu mir.
 

“Scheinbar... sind wir uns da sehr ähnlich... Espresso wäre zwar wegen dem Alkohol besser, doch zu stark vor dem Schlafen”, bestätigte er meine Aussage und leise kicherte ich.
 

“Ganz meine Rede”, pflichtete ich ihm bei, denn so war es auch meiner Meinung nach. Wäre noch früher Abend, hätte ich ein Espresso getrunken, um dem Alkohol entgegen zu wirken.
 

Nachdem der Kaffee durch war, tat ich etwas Zucker in meinen und Chiaki in seinen. Es war schon lustig, wie ähnlich wir uns eigentlich waren. Langsam schlich sich immer mehr der Gedanke in mein Kopf: Wir könnten eigentlich ein verdammt gutes Paar sein. Die Tragweite dieser Erkenntnis ließ mich blinzeln. Fuck... soweit ist es nun wirklich gekommen... aber... es ist doch so... unsere Neckereien, unsere Vorlieben und sogar unsere Abneigungen übereinstimmten zu 90 Prozent. Zumindest von den Dingen, die ich über ihn erfahren hatte. Unter anderen Umständen hätte ich vermutlich dem Ganzen viel schneller eine Chance gegeben, doch in der jetzigen Situation musste ich mehrere Dinge bedenken. Nicht nur meine und seine Gefühle.
 

Eine leichte Berührung an meinem unteren Rückenbereich ließ mich leicht zusammen zucken. Blinzelnd sah ich rüber und blickte in überraschte, aber auch besorgte Augen. “Verzeih... ich wollte dich nicht erschrecken... aber du hast nicht reagiert”, meinte er und legte meinen Kopf leicht schief.
 

“Oh... Entschuldige... ich war wohl in Gedanken”, kam es von mir, doch er winkte ab.
 

“Nicht schlimm...”
 

“Was wolltest du?”, hakte ich nach und war mir sicher, dass ich rot wurde. Es war mir ein wenig peinlich, weil ich viel sehr über alles gegrübelt hatte.
 

“Ich wollte wissen, ob wir uns noch setzen wollen, oder ob du lieber ins Bett willst”, erklärte er mir und kurz biss ich mir auf die Unterlippe. Es war eine Geste, die ganz von alleine passierte, wenn ich nach dachte.
 

“Hmm”, entkam es mir. “Einen Moment können wir uns noch setzten”, schlug ich ihm vor.
 

“Gut... dann komm”, lächelte er und behielt seine Hand an meinem Rücken. Von ihr ging so eine unglaubliche Wärme aus, die ich nur zu gerne spürte.
 

Aus diesem Grund musste ich einfach dies aus nutzen. Beim Sofa ließ er mich los und wir setzten uns neben einander. Dabei sprachen wir noch etwas über die Gala, das Kinderheim und die kommende Gala, die im Theater statt finden würde. Diese war eher dazu gedacht, um Kontakte zu knüpfen. Er verriet mir, dass neben Hotelbesitzer auch Investoren, Immobilienmakler und einige Bauunternehmer aus aller Welt waren. Verstehend nickte ich, denn das ergab Sinn. Vor allem für jemanden, der überall bauen wollte, war dies eines der wichtigsten Treffen. “Deshalb bist du jedes Jahr bei dem Treffen?”, hakte ich nach.
 

“Genau... es hatte mir damals geholfen, als ich nur mit drei Hotels startete... mittlerweile sind es knapp 50 und ich will noch weiter ausbauen, wobei mein Fokus nicht auf Geld liegt, sondern eben den Wohlfühlfaktor”, berichtete er und meine Mundwinkel zuckten dabei.
 

Das war mit ein Grund, warum ich nur zu gerne ihm half, wo ich konnte. Er war absolut anders als die meisten in seiner Branche. Man könnte fast meinen, er war ein wahres Juwel unter tausenden. Bei diesem Gedanken musste ich einfach schmunzeln. “Stimmt... und da gibt es sicher das ein oder andere, was man bei den anderen erfragen kann”, überlegte ich, da man eben die Erfahrungen austauschen konnte.
 

“So ist es... doch zuvor genießen wir später den Tag”, meinte er und sofort nickte ich.
 

“So machen wir das”, grinste ich und trank schließlich den Kaffee aus. “Dann... sage ich mal gute Nacht”, meinte ich und erhob mich.
 

“Schlaf schön”, entgegnete er. “Gib mir den Becher... ich räume auf”, bot er an und dankend nahm ich es an.
 

“Okay... bis später”, sagte ich und überließ ihm das Aufräumen. Noch einmal wünschte ich ihm eine gute Nacht und begab mich in meinen Räum. Dort ging ich recht zügig zu Bett, denn ich war wirklich müde und hoffte, dass ich am nächsten Morgen etwas klarer wäre.
 


 

Obwohl ich erst so spät ins Bett kam und noch etwas länger grübelte, wachte ich trotz allem vor dem Wecker auf. Seufzend richtete ich mich auf und tastete nach meinem Handy. Es war kurz vor 10 Uhr morgens, weshalb ich beschloss auf zu stehen. Schmunzelnd sah ich auf das Nachrichtensymbol. Mehrere hatte ich scheinbar in den letzten Stunden bekommen. Schnell überflog ich die Absender und lächelte, als ich eine von Henry und Lilly erhalten hatte. Es war süß, dass die beiden an mich dachten. Daher antwortete ich ihnen direkt und schrieb, dass es mir sehr gut ging und berichtete von den letzten Tagen. Schickte aber auch Fotos, damit sie sahen, dass wirklich alles gut war und ich sie nicht anschwindelte.
 

Zudem hatten mir Rosalie und Amélie geschrieben. Beide waren so gar nicht neugierig, wie ich mal wieder fest gestellt habe. “Solche Hühner”, schüttelte ich nur mit dem Kopf und schnappte mir meine Klamotten, die ich für den Tag anziehen wollte. Dennoch brauchte ich noch dringend eine Dusche, um gänzlich wach zu werden. Noch immer konnte ich den späten Abend in meinen Knochen spüren. Da die Badtür offen war, konnte ich davon ausgehen, dass es frei war. Daher ging ich hinein und schloss die Tür hinter. Tatsächlich war ich froh darüber, dass ich zuerst duschen könnte. Damit müsste ich mich nicht stressen und würde mich etwas entspannen unter dem kühlen Nass.
 

Meine Haare machte ich zu einem lässigen Dutt zusammen, damit sie mich beim Duschen nicht stören würden, zog mir meine Sachen aus und stieg unter die Dusche. Wie gewohnt machte ich erst kühleres Wasser, ehe ich die Temperatur höher schalten würde. Es war genau richtig zum Wach werden. Einen Moment gönnte ich mir noch, ehe ich mich fertig machte und schließlich abtrocknete. Das Anziehen war ebenso erledigt und kurz überlegte ich, wie ich meine Haare am besten tragen sollte. Da wir größtenteils unterwegs sein wären, wäre ein schlichter Pferdeschwanz die beste Wahl. Somit würde mein Haar mich nicht in der Bewegung einschränken.
 

Danach verließ ich das Bad und blinzelte mehrmals, als der Geruch von Kaffee mir in die Nase stieg. Sofort musste ich breiter grinsen, da ich genau wusste, dass Chiaki ebenso wach war. “Guten Morgen”, sagte ich, nachdem ich den Gemeinschaftsraum betrat.
 

“Guten Morgen”, brachte er hervor und gähnte leicht. Er hielt eine Hand vor den Mund und sofort musste ich lachen.
 

“Wohl noch nicht ganz wach”, amüsierte ich mich.
 

“Dazu fehlt mir die Dusche”, zwinkerte er mir zu und reichte mit einen mit Becher mit der schwarzen Brühe.
 

“Oh... habe ich zu lange gebraucht?”, gluckste ich leise und nahm den Becher entgegen, nur um daran zu nippen.
 

“Mhm”, bestätigte er und brachte mich nur noch mehr zum Schmunzeln. Wie gewohnt lehnte er an der Anrichte und grinste mich etwas an. “Eindeutig zu lang”, zwinkerte er mir zu und kopfschüttelnd nahm ich noch einen Schluck zu mir, während er schon Richtung Bad ging.
 

“Nächstes Mal beschränke ich mich auf ein paar Minuten”, rief ich ihm nach und widmete mich meinem Kaffee. Das tat mir unendlich gut und ich freute mich schon auf den Tag. Auch wenn ich unsicher war, was mich erwarten würde.
 

Erneut war ich in Gedanken und trank dabei meinen Kaffee aus. Dass dieser eigentlich schon lange leer war, merkte ich erst, als ich erneut einen Schluck wollte. Überrascht blinzelte ich und drehte mich zur Kaffeemaschine, um mir noch einen zu machen. Einen sollte ich noch trinken, bevor ich fit genug für den Tag werden würde. “Bekomme ich auch noch einen”, hörte ich hinter mir und sah mit großen Augen zu ihm.
 

“Schon fertig?”
 

“Aber sicher doch... ich bin schnell, wenn es sein muss”, neckte er mich sichtlich und schmunzelnd betrachtete ich ihn.
 

“Scheint so... Kaffee kommt gleich”, entgegnete ich ihm amüsiert und ließ ihm ebenso einen durch, nachdem meiner fertig war.
 

“Danke dir... hier nach können wir von mir aus auf brechen”, meinte er und dem konnte ich zustimmen.
 

Als ich ihm seinen Becher wieder reichte, bemerkte ich, dass er eine knielange Hose trug und dazu ein Hemd, welches nicht ganz geschlossen war. Selbst diese leichte Andeutung ließ meine Fantasie weiter wandern. Mit einem Mal fühlte sich mein Mund trocken an, doch besann ich mich rasch, um nicht weiter zu starren. Das wäre absolut nicht gut, denn ich wollte nicht weiter über seine mehr als perfekte Brust nach denken. Verflucht... wieso ist er nur so perfekt?, grummelte ich innerlich. Daher lenkte ich mich damit ab, meinen Kaffee aus zu trinken und hoffte sehr, dass er meinen Blick nicht mit bekommen hatte.
 

“Erzählst du mir... was du mir alles zeigen willst?”, versuchte ich ein Gespräch, um meine Gedanken auf etwas anderes lenken zu können.
 

“Hmm... das könnte ich”, begann er und blickte mich dabei an. “Aber wo bliebe da der Spaß?”, setzte er fragend fort und ich öffnete schon den Mund, um zu sprechen. Jedoch grinste er und zwinkerte mir zu. “Genau... ich will deine Reaktion unverblümt haben”, meinte er und wie von selbst schluckte ich schwerer bei seinen Worten.
 

Wieso klang dies bei ihm gerade mehr als zweideutig?, biss ich mir auf die Unterlippe und versteckte mich einen kleinen Moment hinter meinem Becher, da ich meine schwarze Brühe langsam aus trank. “Du... bist gemein”, entgegnete ich schließlich, da er mich nach wie vor direkt ansah. Fast so als könnte er meine Gedanken lesen. Doch ich werde mir nichts an merken lassen.
 

“Vielleicht... vielleicht aber auch nicht”, grinste er leicht und leerte seinen Becher. “Wollen wir?”, zwinkerte er mir zu und leicht schmunzelte ich. Ein Glück ging er auf meine Ablenkung ein und zustimmend nickte ich ihm zu.
 

“Klar... nur sag mir... ob ich dafür passend gekleidet bin”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
 

“Hmmm... lass mal sehen”, grinste er und ging langsam um mich herum. Nur zu deutlich spürte ich seinen Blick auf meinem Körper und hatte Mühe zu verbergen, wie sehr ich darunter erschauderte.
 

Fuck... damit habe ich mir wohl ein Eigentor verpasst..., war mein einziger Gedanke dabei.
 

“Tatsächlich... könnte es passen, aber ich empfehle ein leichtes Jäckchen... denn es könnte etwas kühler werden später”, zwinkerte er und blinzelnd sah ich zu ihm auf, ehe ich anfing zu kichern.
 

“Schon wieder wird es kühler?”, hakte ich nach und er lachte so offen und ehrlich, dass mein Herz begann zu flattern.
 

“Mhm... sobald die Sonne untergeht, kann es kühler werden, besonders wenn wir am Wasser sein sollten”, antwortete er geheimnisvoll und leicht nickte ich.
 

“Okay... ich werde mir eine leichte Jacke überziehen”, besänftigte ich ihn und er nickte zufrieden.
 

“Gut... und ich nehme auch ein Sweatshirt mit”, grinste er mich an und diesmal nickte ich.
 

Es war gut, dass er seine Ratschläge auch selbst beherzigte. Daher schritt ich in meine Räume, um meine Sachen zu holen. In eine kleine Umhängetasche packte ich mein Geldbeutel, mein Handy und auch das leichte Jäckchen. Alles hatte Platz und mir wäre nicht viel zu warm, solange eben noch die Sonne schien. Bei diesem Gedanken schmunzelte ich leicht und trat wieder hinaus, um zurück zu ihm zu kommen. Tatsächlich hatte er ebenfalls ein Sweatshirt in der Hand. “Ich wäre bereit”, grinste ich und er lachte sichtlich amüsiert.
 

“Dann los”, zwinkerte er und wir zogen los.
 

Neugierig musterte ich ihn im Augenwinkel und versuchte ein Anzeichen für unser Ziel zu finden. Doch zeigte er keine Regung. “Fahren wir mit dem Taxi oder der Bahn?”, fragte ich, nachdem wir aus dem Hotel gingen.
 

“Wir werden die Bahn nehmen und ein Taxi auf dem Rückweg”, erklärte er und führte mich geschickt durch die Straßen zur nächsten Station.
 

Dort besorgte er uns Tagestickets, damit wir und freier bewegen konnten. Gespannt verfolgte ich welche Bahn wir nehmen würden und versuchte anhand der möglichen Stopps heraus finden, was er mir zeigen wollen würde. Es gab jedoch viel zu viele Varianten und es war nicht klar, in welche Richtung es gehen würde. Es war mir ein Rätsel und machte mir Spaß zu vermuten, was sich Chiaki aus gedacht hatte. Natürlich gab er mir keinen Tipp, egal wie oft ich ihn fragte. Er machte sich sogar einen Spaß daraus und neckte mich sichtlich dabei. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf und seufzte theatralisch, während er lachte. Scheinbar amüsierte er sich köstlich.
 

In der Tat zeigte er mir viele Orte überall in New York verstreut. Zuerst waren wir in einem Café, welches im Look der 20ger Jahre war. Das war mehr als faszinierend, denn nicht nur die Dekoration, die Musik im Hintergrund und auch die Möbel waren in diesem Stil. Ebenso auch die Kellner. Alle hatten passende Kleidung und Frisuren. Staunend sah ich um und fand das mehr als eine geniale Idee. So etwas könnte man ebenfalls für ein paar Zimmer überlegen, was ich mir direkt im Hinterkopf notierte. Später würde ich es den dreien vorstellen und sehen, was sie davon hielten. Nach dem Frühstück fuhren wir weiter zu einem Atelier, wo Kunstwerke ausgestellt waren.
 

Nicht nur Bilder, Fotos und Skulpturen, sondern auch Schriftstücke. Dass er sich dafür interessierte, kam für mich überraschend. Doch er erklärte mir, dass seine Mutter diesen Ort geliebt hatte und mit ihm dort war, wenn sie in New York waren. Dass er dies mit mir teilte, zeigte mir, wie viel er mir bereits vertraute, weshalb ich beschloss, ihm ebenso ein wenig Vertrauen zu geben. Meinerseits berichtete ich ihm von meinem Vater, der gerne alte Schriften las und sogar einige Erstausgaben in seiner Sammlung hatte. Interessiert lauschte er und fragte nur hin und wieder nach. Diese Unterhaltung war sehr angenehm und wurde nicht zu persönlich, aber doch gaben wir etwas von uns beiden Preis.
 

Am Nachmittag gönnen wir uns etwas Süßen und aßen je einen Eisbecher. Die Vielfalt, die einem geboten wurde, war einfach unglaublich. Wenn man dachte, dass es schon alles war, übertraf alles hier in New York. Da waren es locker 10x so viel Auswahl. Daher testete ich mich durch die neusten Kreationen durch und musste zugeben, dass die ein oder andere einfach nur göttlich war, weshalb mir wohl hier und da ein Stöhnen von den Lippen kam. Dass mir dabei auch einige Blicke zuwarfen, war mir herzlich egal. Denn das köstliche Essen musste gewürdigt werden. Aus diesem Grund war mir die Meinung der anderen egal. Eine Sache gefiel mir sogar ziemlich gut, Chiaki ließ mich dadurch kaum aus den Augen.
 

Wegen diesem Umstand konnte ich mir sogar einen größeren Spaß erlauben und neckte ihn so oft ich konnte. Sein glühender Blick auf mir war mehr als heiß und ließ meinen Körper immer wieder erschaudern. Mein innerer Wunsch nach einer ganz besonderen Session wuchs in mir und spätestens jetzt war mir klar, dass meine Selbstbeherrschung so langsam gegen Null lief. Eindeutig... ich bin am Arsch... doch dieses Spiel mag ich einfach viel zu sehr, um es auf zu geben. Unbewusst hatte ich mir bei diesen Leckereien öfters über die Lippen geleckt als gewöhnt. Vermutlich weil mich das alles weit mehr anturnte, als ich es je für möglich gehalten hätte.
 

“Bereit für den letzten Halt für heute?”, wollte er wissen und ich hatte das Gefühl, dass seine Stimme eine Spur rauer war.
 

“Noch ein Ort, den du mir zeigen willst?”, stellte ich die Gegenfrage und er nickte. “Okay... ich bin bereit”, meinte ich mit einem ehrlichen Grinsen.
 

Wie selbstverständlich hatte er meine Hand genommen, um mich wieder zur Bahn zu führen. Sichtlich überrumpelt und überrascht stolperte ich ihm nach. Auf jede Frage bekam ich keine konkrete Antwort darauf. Er wollte mir einfach nicht verraten, wohin es gehen sollte. Daher sah ich mich neugierig um und blinzelte, weil wir Richtung Außenbezirke fuhren. Gedanklich überlegte ich, was mich wohl erwarten würde. Aber als wir am Ziel angekommen waren, konnte ich nicht glauben, was ich da sah. Mir klappte regelrecht der Mund auf. “Hast du Angst?”, fragte er mich neckend und augenblicklich sah ich zu ihm rüber.
 

“Niemals... ich bin überrascht und aufgeregt”, gab ich zu, denn so etwas war mit Sicherheit keine alltägliche Situation.
 

“Prima... dann würde ich empfehlen... jetzt das Jäckchen an zu ziehen”, zwinkerte er mir zu und ich nickte leicht.
 

Erst nachdem wir uns ‘wärmer’ angekleidet hatten, nahm er wieder meine Hand und zog mich mit sich zum Hubschrauber. Niemals hätte ich gedacht, dass er solch eine Aktivität machen würde. Aber scheinbar hatte ich ihn noch lange nicht gut genug kennen gelernt, um zu wissen, wie er agierte. Darüber könnte ich mir später noch Gedanken machen, denn jetzt wollte ich den Flug genießen. Chiaki verriet mir nun, dass wir einen Rundflug über New York machen würden und das war eindeutig ein Highlight für mich.

Ein überraschendes Wiedersehen

“Du verarscht mich gerade, oder?”, hakte ich nach und musste etwas lauter reden, da der Hubschrauber schon gestartet war, um los zu fliegen.
 

“Aber nein... wenn man in New York ist, dann sollte man einen Rundflug machen. Denn die Aussicht ist einfach unglaublich von dort oben”, entgegnete er mir grinsend.
 

“Du bist doch verrückt”, schüttelte ich nur mit dem Kopf, doch ich konnte nicht anders als zu grinsen.
 

“Schon möglich”, sagte er und nahm meine Hand, um mich mit sich zum Hubschrauber zu ziehen.
 

Nur zu gerne folgte ich ihm und staunend, aber ebenso ehrfürchtig blickte ich zu dem fliegenden Gefährt vor uns. Nach wie vor versuchte ich zu verstehen, dass wir tatsächlich damit fliegen würden. Wie von selbst betrachtete ich dieses Ungetüm genauer und blinzelte, als ich angestupst wurde. “Hm?”, entkam es mir und meine Augen wurden größer.
 

“Helm anziehen und rein mit dir”, kam es lauter von ihm und ich nahm diesen entgegen, während ich nickte und den Helm an zog. Sogleich hörte ich nicht mehr viel von den Rotorblättern des Hubschraubers. Durch den Helm wurden die Geräusche extrem gut gedämpft, was mich sehr beeindruckte. Erneut spürte ich etwas an meinem Oberarm und sehe dorthin. Chiaki hatte ebenso den Helm aufgesetzt und spricht nun in das vorhandene Mikrofon: “Damit können wir uns verständigen... und jetzt lass uns rein und anschnallen nicht vergessen!”
 

“Ai, ai”, antwortete ich und kletterte in den Hubschrauber.
 

Nur kurz nach mir nahm Chiaki neben mir Platz und zeigte mir den Gurt, den ich noch gar nicht bemerkt hatte. Verwundert sah ich an und er grinste nur kurz, ehe er mich anschnallte und danach sich selbst. Mit einem Lächeln bedankte ich mich bei ihm und er zwinkerte zurück. “Wir starten in wenigen Minuten... bitte nicht abschnallen”, hörte ich den Piloten über das Headset am Helm.
 

“Verstanden”, kam es zeitgleich von Chiaki und mir.
 

Genauso wie der Pilot es angekündigt hatte, startete dieser den Countdown und hob schließlich ab. Für einen Moment beschleunigte sich mein Herzschlag und ich griff von ganz alleine nach Chiakis Hand. “Ganz ruhig... es passiert dir nichts”, sagte er und drückte meine Hand.
 

“Ich weiß... danke für den Zuspruch”, lächelte ich ihn an und er erwiderte diese Geste, während wir an Höhe gewannen.
 

Kaum hatten wir diese erreicht, steuerte der Pilot die Route an, die er vermutlich schon etliche Male geflogen war. Zumindest konnte ich mir dies denken, da er sehr souverän die Maschine flog. Somit konnte ich mich nun voll und ganz auf die Aussicht konzentrieren. Mein Blick schweifte über die offenen Seiten und staunend betrachtete ich die Gebäude, die von unserer Position aus gesehen so viel kleiner wirkten. Es war mehr als unglaublich. So langsam begriff ich, dass mir Chiaki ein solches Erlebnis ermöglichte. Eigentlich hätte er dies gar nicht machen müssen und doch tat er dies für mich. Eindeutig sollte ich ihm dafür danken und gerade in dem Moment kam mir die richtige Idee dafür.
 

Aber zuvor würde ich diesen Flug voll auskosten. Ich war mir sicher, dass ich ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Dieser Augenblick war etwas ganz Besonderes für mich. Vor allem zusammen mit ihm hier zu sein. Die gesamte Zeit über sah ich auf die Stadt hinab und merkte gar nicht, wie leicht sich unsere Finger mit einander verbanden. Dadurch gab er mir so viel, was er mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht merkte. Nicht nur seine Wärme tat mir gut, sondern seine gesamte Präsens. Ich erwischte mich dabei, wie ich öfters mal ebenso zu ihm sah und hin und wieder hatten wir sogar Augenkontakt. In seinen Iriden konnte man einfach versinken, was mich noch mehr zum Lächeln brachte.
 

Das Zeitgefühl ging bei mir verloren, weshalb ich mehrmals blinzeln musste, als der Hubschrauber wieder zur Landung setzte. Es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass wir eine knappe halbe Stunde in der Luft waren. “Wow... das fühlte sich wie Stunden an”, entkam es mir und leise lachte Chiaki.
 

“Oh ja... so geht es mir jedes Mal, wenn ich den Rundflug mache”, grinste er und überrascht weiteten sich meine Augen.
 

“Machst... du das öfters?”, hakte ich nach und er nickte.
 

“Mhm... tatsächlich jedes zweite Mal, sobald ich hier verweile”, erklärte er mir und leicht legte ich den Kopf schief. “Man sieht von dort oben sehr viel und kann schnell erkennen, wo ein gutes Gebäude sein könnte, um dort zu investieren”, zwinkerte er mir zu, so als hätte er meine Fragezeichen über dem Kopf gesehen hatte.
 

“Ah... das ergibt durchaus Sinn”, merkte ich an und lächelte ihn an, denn es war logisch, dass man da oben einen besseren Überblick hatte.
 

Jedoch war mir unbegreiflich, wie er sich darauf konzentrieren konnte. Ich selbst war dort oben mit all den Eindrücken ziemlich überfordert und konnte nur die Aussicht auf mich wirken lassen. Erst danach schnallten wir uns ab und stiegen aus dem Helikopter aus. Die Helme folgten als nächstes und wir gaben sie dem Piloten zurück. Sogleich verabschiedete er sich von uns und wünschte uns noch einen schönen Abend. Diese Geste erwiderten wir und ich musste einfach ihm noch danken. Er hatte einen verdammt guten Job gemacht und das musste man ihm einfach sagen. So fand ich das und Chiaki schmunzelte etwas, während der Pilot lachte und sich für meine Worte bedankte.
 

Mittlerweile wurde es langsam dunkler und man konnte sehen, wie die Sonne unterging. Wie von selbst bot mir Chiaki wieder seinen Arm an und führte mich schlussendlich wieder zurück in den ‘Stadttrubel’. Wobei einem das nicht mehr so vorkam. Der Stadtlärm war um einiges leiser, als ich es in Erinnerung hatte. Oder aber es lang schlichtweg daran, dass die Rotorblätter einen enormen Lärm gemacht hatten. Dieser wurde mit jedem Schritt, den wir gemacht hatten, weniger. “Man fühlt sich nun um einiges entspannter, nicht wahr?”, hörte ich neben mir und blickte schmunzelnd zu ihm rüber.
 

“Eine äußerst interessante Wortwahl”, schmunzelte ich.
 

“Meinst du damit etwa das Wort ‘entspannter’?”, wollte er grinsend wissen.
 

“Mhm”, bestätigte ich.
 

“Es ist doch so... von dort oben ist alles hier unten so viel kleiner und es kommt einem unbedeutender vor, oder?”, entgegnete er mir und blinzelnd runzelte ich meine Stirn.
 

“Hm”, kam es nachdenklich von mir. Von dieser Seite hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Daher nahm ich mir gerade die Zeit, um dies zu tun. Tatsächlich musste ich dem zustimmen, denn von dort oben kommt einem alles deutlich kleiner vor. “Stimmt... dadurch könnte man entspannter werden und die möglichen Probleme erscheinen weniger schlimm”, nickte ich etwas und er grinste.
 

“Genau so sehe ich das auch... wollen wir noch etwas essen, bevor wir zurück zum Hotel fahren?”, schlug er vor.
 

“Eine sehr gute Idee... doch wo?”, überlegte ich und für einen Augenblick sahen wir uns gegenseitig an.
 

“Burger!”, beschlossen wir zeitgleich, was wir essen wollten.
 

“Perfekt... lass uns zum Dinner mit der Metro”, zwinkerte er und dem stimmte ich nur zu gerne zu.
 

“Sehr gern”, grinste ich und er führte mich an seinem Arm zurück zur Station.
 

Mit zwei Bahnlinien und einigen Stationen später gelangten wir zu dem kleinen Dinner zu gelangen, den wir ein paar Tage zuvor schon besucht hatten. Mir wurde bewusst, dass dies einer der Lieblingsrestaurants von Chiaki war. Ebenso würde dies meiner werden. Das Essen war ein Gedicht und die Shakes waren mehr als köstlich. Solch gute hatte ich schon sehr lange nicht mehr, weshalb ich mir definitiv einen gönnen werde. Aber davor wollte ich einen schönen fetten Burger und eine oder gar zwei Portionen Pommes. Genau das richtige nach einem solch langen und ereignisvollen Tag. Zwar sah mich Chiaki ganz verwundert an, doch ich zuckte nur mit den Schultern und meinte, dass ich Hunger hätte.
 

Amüsiert lachte er und bestellte dasselbe wie ich, woraufhin ich nun lachen musste. Denn er benutzte genau die gleichen Worte wie ich. Eindeutig waren wir uns verdammt ähnlich und das war echt lustig für mich. Lachend sprachen wir über alles mögliche, bis das bestellte Essen kam. Danach genossen wir die Speisen schweigend. Selbst das war mit ihm wundervoll. Absolut nicht komisch, sondern eher angenehm. Mit einem Lächeln blickte ich zu ihm und seine Mundwinkel zuckten verdächtig. Fast so, als würden wir auf diese Art und Weise kommunizieren. Mit großer Sicherheit verwirrte es mich und zugleich war es irgendwie schön.
 

Letzteres sollte ich vermutlich noch ergründen, doch war ich mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Während ich meine Mahlzeit genoss, überlegte ich, wie das überhaupt gehen sollte, ohne ihm von meiner wahren Persönlichkeit zu erzählen. Eines wurde mir dabei allzu deutlich klar, ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen, heraus zu finden, was das zwischen uns war oder besser gesagt noch ist. “Noch einen Nachtisch?”, schmunzelte er und holte mich zurück ins Hier und Jetzt und damit aus meinen Gedanken.
 

“Ähm...”, begann ich und verarbeitete dabei seine Worte. “Na klar... Vanillemilchshake”, grinste ich ihn an und er lachte.
 

“Kommt sofort”, zwinkerte er und erhob sich, um an der Theke zwei davon zu bestellen.
 

Es dauerte nicht lange, bis er wieder bei mir war und sich setzte. Die Shakes würden in einigen Minuten serviert, weshalb wir noch unsere Pommes aufaßen und uns zurück lehnten. Es war wirklich sau lecker und wir unterhielten uns noch über seine Projekte, die er geplant hatte. Es wollte noch nach zwei Gebäuden kommende Woche sehen, ob sie als Kinderheim oder Obdachlosen Unterkunft geeignet wären. Schnell merkte ich, dass ihm dies wirklich am Herzen lag und er etwas tun wollte. Er müsste es nicht, da er so schon einige Organisationen unterstützte, doch er wollte auch aktiv helfen. Das war in meinen Augen bewundernswert und ich bot ihm an, ihn dabei zu begleiten. Schließlich sahen vier Augen bekanntlich mehr.
 

Das Angebot nahm er gerne an und wir sprachen noch weiter über alles Mögliche. Mehrere Shakes später waren wir zum einem mehr als gesättigt und zum anderen wurde es ziemlich spät. Daher beschlossen wir zurück zum Hotel zu fahren. Seinen Freunden hatte Chiaki bereits Bescheid gegeben, als wir auf unser Essen gewartet hatten. Schnell hatte er bezahlt, was mich erneut schmunzeln ließ. Denn ich war durchaus in der Lage, selbst für mein Menü zu zahlen. Aber da sprach ich wohl gegen eine Wand. Mit einem Lächeln verließen wir das Dinner und zogen weiter zur Metro, da wir damit ins Hotel fahren würden.
 

Dort angekommen, verabschiedeten wir uns recht schnell für die Nacht, da wir beide müde vom Tag waren. Wobei ich nicht so einfach einschlafen konnte. Noch immer hatte ich die Ereignisse des Tages im Kopf. Es war einer der besten Tage in meinem Leben, so viel konnte ich sagen. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich sah auf mein Handy. Ein Impuls in mir sagte mir, dass ich meinen Freundinnen eine Nachricht zu schicken sollte. Dies tat ich auch gleich: ‘Hey Mädels... wart ihr schon mal in einem Hubschrauber in einer Großstadt?’ Breiter grinste ich, nachdem ich es abgeschickt hatte und atmete einmal tiefer durch. Es war kurz nach Mitternacht und ich sollte versuchen zu schlafen.
 


 

Gerädert erwachte ich beim Klingeln meines Weckers. Gähnend tastete ich danach und tippte die Schlummertaste, um in dreißig Minuten erneut zu läuten. Auch wenn es nicht nach viel klang, so brauchte ich diese Momente, da mir das Einschlafen zuvor nicht sonderlich leicht fiel. Erst als meine Müdigkeit mich übermannte, konnte ich ins Traumland abdriften. Aber der Schlaf war etwas kurz. Im Halbschlaf streckte ich mich und gähnte noch mehrmals, bevor mein Handy erneut piepte. Ein Glück konnte ich einigermaßen entspannter in den Tag starten. Da wir am Abend eine Gala hatten, hatten wir nichts weiter auf der Agenda. Lediglich Frühstücken und schick machen waren auf unserer Liste.
 

Einige Minuten gönnte ich mir, bevor ich mich erhob. Eindeutig würde ich einiges an Kaffee brauchen, um wach bleiben zu können. Die tägliche Routine half mir schon immer an solchen Tagen. Für die Gala bereitete ich bereits das Kleid vor, damit es später schneller gehen würde. Passende Schuhe waren ebenso leicht gefunden. Nur beim Schmuck müsste ich noch etwas überlegen und mich mit Miyako absprechen. Es sollte nicht dasselbe oder ein ähnliches Set werden. Zufrieden mit meiner Wahl lächelte ich und nahm frische Sachen mit, um ins Bad zu kommen. Es war noch ziemlich ruhig in unserer Suite, was mich ein wenig wunderte.
 

Eigentlich waren wir in den letzten Wochen fast zeitgleich wach. Doch ob er noch schlief oder nicht, konnte ich nicht genau sagen. Ich konnte nur davon ausgehen, dass er in seinem Zimmer war. Doch für den Augenblick war das irrelevant. Dusche und Kaffee hatten eindeutig eine höhere Priorität. Vielleicht würde ich ihn in dieser Zeit zu Gesicht bekommen. Ein wenig schmunzelte ich und begab mich unter den Wasserstrahl. Das kühle Nass ließ ich über meinen Körper laufen und entspannte mich ein wenig. Ebenso kümmerte ich mich um mein langes Haar. Die ein oder andere Haarpflege konnte nicht schaden, denn durch die unterschiedlichen Wetterbedienungen litten meine Haare.
 

Nachdem alles drauf war, steckte ich es locker hoch. Es müsste eine Weile ein wirken, ehe ich es raus waschen könnte. Sogleich trocknete ich meinen Körper ab und zog mir einen Slip und ein leichtes Strickkleid an. Mehr müsste ich nicht tragen, weil ich mich in wenigen Stunden für die Gala fertig machen würde. Gähnend öffnete ich die Badtür und merkte einmal mehr den kurzen Schlaf in der Nacht. Diesen sollte ich bald möglichst nach holen. Spätestens sobald wir zurück wären. Mein Weg führte mich direkt zur Kaffeemaschine, die ich gleich an machte und zwei Becher bereit stellte. Die schwarze Brühe würde uns beiden sicher sehr gut tun.
 

“Mmmh... rieche ich da Kaffee?”, kam es von der Seite und ich schmunzelte.
 

“Natürlich”, meinte ich und drehte mich zu ihm um.
 

“Das ist gut”, gähnte er, was mich schmunzeln ließ.
 

“Gut geschlafen?”, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen und er nickte.
 

“Nur eben zu kurz”, fügte er an und leise kicherte ich über seine Wortwahl.
 

“Ich fühle mit dir”, kam es ehrlich von mir und er grinste.
 

“Nur gut, dass wir morgen aus schlafen können”, pflichtete er mir bei und dem konnte ich sofort zustimmen.
 

Kaum war der Kaffee durch, schon reichte ich ihm einen Becher und nahm den anderen. Die Stärkung brauchten wir und ich hatte die Gelegenheit ihn etwas zu mustern. Er hatte ein schlichtes Shirt und eine Jogginghose an. Vermutlich dachte er genau wie ich, dass man sich lieber bequemer kleiden sollte, wenn man sich später noch einmal fertig machen müsste. Während wir tranken, sprachen wir über den groben Ablauf. Später würde das andere Paar zu uns in die Suite kommen, um sich um zu ziehen. Dabei fragte ich nach, wann sie rüber kommen würden. “So wie ich es aus sieht, sind sie gegen 11 mit etwas zu essen und ihren Sachen hier”, meinte er.
 

“Wann sollen wir fertig sein?”, hakte ich nach und kurz überlegte er.
 

“Halb sechs kommt eine Limousine”, antwortete er und trank von seinem Becher.
 

“Oh... wieder Eine? Dann sollte ich nichts Kurzes tragen”, konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
 

“Stimmt... das wäre wirklich nicht vorteilhaft”, schmunzelte er und schien sichtlich amüsiert über meine Worte zu sein.
 

“Gut... somit könnten wir gemütlich essen, bevor wir uns schick machen würden”, überlegte ich, denn vier Stunden wären mehr als genug Zeit gewesen.
 

“Korrekt”, grinste er und deutete auf meine Haare. “Wie mir scheint, hast du dir ein Haarpflegeprodukt ein massiert”, bemerkte er und ich legte den Kopf schief. Vermutlich hatte er mein fragendes Gesicht erkannt, da er fortsetzte: “Miya macht das gewöhnlich einmal die Woche.”
 

Schmunzelnd sah ich bei seiner Ausführung zu ihm und kicherte. Verstehend nickte ich, da er es daher kannte. Direkt bot er mir an, noch einen Kaffee zu machen. Gerne nahm ich dies an, da ich nicht nur einen weiteren brauchen würde, um den Tag durch zu halten. Es war allemal praktisch, dass ich sehr gut darin geübt war, mit dem schwarzen Elixier lange wach bleiben zu können. Kaum war die Brühe durch, schon klopfte es an der Tür und ich öffnete diese. Das andere Paar kam hinein und Miyako nahm mich in den Arm. Sie war so fröhlich und deutlich aus geruhter als ich oder Chiaki. Das würde noch anstrengend für uns werden, aber da mussten wir wohl durch.
 

Da meine Haarmaske genug eingewirkt war, konnte ich sie nun raus waschen. Dies teilte ich den anderen mit und machte mich auf den Weg ins Bad. Miyako war mir gefolgt, nachdem sie ihre Sachen in mein Zimmer gebracht hatte. Sie half mir mit meinen langen Haaren und ich war froh darüber. Zeitgleich hatten wir über mögliche Frisuren für die Gala gesprochen. Gemeinsam kehrten wir zu den Jungs zurück. Sie hatten bereits den Tisch gedeckt und die belegten Brötchen in die Mitte gepackt, damit sich jeder bedienen konnte. Die Auswahl war unglaublich und ich dankte den beiden, ehe ich ein Ei-Käse-Brötchen nahm und herzhaft hinein biss.
 

Alle Drei lachten leise und taten es mir gleich, wobei sie andere Belege wählten. Für jeden war etwas dabei. Schnell fanden wir ein gemeinsames Thema. Dieses entspannte Beisammen sein tat uns allen sehr gut und wir tankten neue Energie für den Tag und vor allem den Abend. Die Gala würde wahrscheinlich bis Mitternacht oder gar drüber hinaus gehen. “Wir Damen machen nun unsere Frisuren und das Make-Up... danach könnt ihr euch fertig machen”, grinste Miyako in die Runde und ein Kichern konnte ich nicht verkneifen.
 

“Oh man.... du bist wirklich unmöglich, Miya”, schimpfte Chiaki amüsiert seine beste Freundin, was uns alle zum Lachen brachte. Danach machten wir uns an die Arbeit.
 


 

Kurz nach 17 Uhr waren wir schließlich fertig. Miyako trug ein dunkelrotes Abendkleid in Seide, welches ihrer Figur sehr schmeichelte. Mein Kleid hingegen war dunkelgrün mit einem Spitzenoberteil, welches wie eine Korsage geschnürrt wurde. Es hatte mir sehr gefallen, als ich es bei unserem Einkaufbummeln gesehen hatte. Die Männer trugen dunkle Anzüge, wobei sie kein Jackett wählten. Ihre Hemden hatten die Farben unserer Kleider und eine Weste darüber. Zudem hatten sie jeweils ein Seidentuch in der Brusttasche. Sie sahen wirklich sehr gut aus. “Alles dabei?”, fragte Miyako und wir nickten synchron.
 

“Gut... lasst uns los”, meinte Chiaki und so verließen wir die Suite und begaben uns nach unten in die Lobby. Kurz darauf verließen wir das Gebäude und ließen uns von der Limousine zum Theater fahren.
 

Davor war schon einiges los, was mich durchaus überraschte. Denn mit so vielen hatte ich zu dieser Zeit nicht gerechnet. Deshalb blickte ich zu den anderen. “Zügig rein und zusammen bleiben?”, wollte Miyako wissen und Chiaki verdrehte seine Augen dabei.
 

“Geht vor... wir folgen”, sagte er.
 

Kurz wollte sie widersprechen, doch nickte sie und verließ mit Yamato zuerst den Wagen. Erst danach folgte Chiaki und half mir hinaus. So elegant wie möglich stieg ich aus und hakte mich bei seinem Arm unter, da er mir diesen wie üblich anbot. Dadurch fühlte ich mich jedes Mal absolut sicher und geborgen. Gemeinsam gingen wir weiter und er führte mich gleich ins Innere an den vielen Menschen vorbei. Scheinbar wollte er sich nicht zu lange außerhalb auf halten. Seine Meinung vertrat ich in diesem Punkt. Es war einfach viel zu durcheinander, weshalb er im Inneren durch atmete. Dies ließ mich ein wenig schmunzeln, weil wir uns ähnlich waren.
 

“Mehr los, als wir dachten”, hörte ich ihn und kicherte leise, ehe ich ihm zustimmte.
 

“Korrekt... also... holen wir uns erst etwas zu trinken?”, fragte ich nach.
 

“So sollten wir dies machen”, pflichtete er mir bei. “Wein, Whisky oder erstmal ein Wasser?”
 

“Hmmm ich glaube ein Wasser für den Anfang wäre gut”, schmunzelte ich über die Auswahl. Es war in meinen Augen noch zu früh für Alkohol.
 

“Gut... Am besten... hole ich uns etwas... es ist gerade ein wenig zu viel los an der Bar”, überlegte er.
 

“Hmmm okay... ich warte hier”, amüsierte ich mich über seine Worte. Er nickte und ging los.
 

Mehrere Augenblicke sah ich ihm nach und dachte über seinen Beschützerinstinkt nach. Dies war einfach interessant und unglaublich zugleich. Ich konnte nicht anders als zu lächeln. Es gefiel mir, dass er sich mir gegenüber so verhielt. “Jeanne?”, kam es plötzlich hinter mir von einer mir bekannten Stimme. Aus diesem Grund wirbelte ich verwundert herum und bekam große Augen, als ich erkannte, wer nun vor mir stand.

Eine interessante Runde

Der Schock stand mir mit großer Wahrscheinlichkeit im Gesicht geschrieben, nachdem ich die Person erkannt hatte. Dies durfte doch nicht wahr sein. Von all den Leuten, mit denen ich zu tun hatte, musste ausgerechnet er hier ebenfalls rum geistern. Wie von selbst schluckte ich und seine Mundwinkel zogen sich zu einem breiten Grinsen hinauf. Vermutlich hatte er bemerkt, dass ich ihn erkannte. “Dich hier zu sehen, überrascht mich”, meinte er und ich hasste diese überhebliche und arrogante Stimmlage. Schon damals war er schlichtweg ein Ekelpaket gewesen, der dachte etwas Besseres zu sein.
 

“Das gleiche könnte ich auch sagen”, entgegnete ich kühl, denn für gewöhnlich waren solche Veranstaltungen eher nichts für ihn. Viel lieber hielt er sich dort auf, wo er angeben konnte und viele Frauen zum Abschleppen finden konnte. Eindeutig mochte ich ihn nicht und brach sogar den ‘Job’ ab, ihn zu begleiten. “Und nun sollte ich gehen”, setzte ich fort und wollte mich von ihm abwenden, um von ihm weg zu kommen. Ich hatte keinerlei Lust auf eine weitere Konversation mit diesem Idioten, denn das brachte nichts weiter. Selbst die anderen Kolleginnen von mir lehnten ihn jedes Mal ab, sobald er eine Begleitung wollte. Von ein paar wusste ich, dass er sie belästigt hatte und Noyn hatte ihn danach gesperrt.
 

“Moment”, hörte ich noch seine Stimme und spürte eine Hand um mein Handgelenk. “Wir sollten noch reden, findest du nicht?”, grinste er, während ich auf seine Hand sah.
 

“Lass los... wir haben nichts mehr zu bereden!”, kam es bestimmt von meinen Lippen, denn das war wirklich so.
 

“Oh doch... sogar so einiges”, grinste er mal wieder mich herablassend an. “Oder willst du, dass alle hier erfahren, was du bist?”, setzte er fort und war sehr siegessicher dabei.
 

“Lass los!”, zischte ich und wollte meine Hand weg ziehen, doch er verstärkte nur den Griff, was mich sogar schmerzte.
 

“Na... na... na... komm mit...”, begann er und wollte mich schon mit sich ziehen.
 

“NEIN!”, kam es bestimmend von meinen Lippen und ich hielt so gut es ging dagegen. Aber er hatte mehr Kraft als ich, weshalb es mir noch mehr weh tat, wie er mein Handgelenk fest gehalten hatte.
 

“Zier dich doch nicht... du willst es doch auch”, grinste er breiter und sofort schüttelte ich den Kopf.
 

“Niemals! Lass endlich los... oder...”
 

“Oder was? Willst du mir drohen?”, unterbrach er mich sofort mit einem selbstgefälligen Grinsen.
 

“Sie nicht... aber ich!”, kam es plötzlich von einer Person neben mir und ich blickte zu dieser. Es war Chiaki, was mich ein wenig beruhigte und doch hatte ich etwas Sorge. “Und nun lass sie los”, forderte er augenblicklich.
 

“Sie will doch mit mir kommen”, meinte der Idiot doch tatsächlich. Noch bevor ich etwas sagen konnte, trat Chiaki näher an ihn heran und packte nun seinerseits seine Hand, die mein Handgelenk umgriffen hatte.
 

“Lass sie augenblicklich los oder ich werde dir weh tun”, sagte Chiaki ruhig und doch konnte man den bedrohlichen Unterton heraus hören.
 

Im Augenwinkel entdeckte ich das hinterlistige Grinsen wieder und schlagartig wurde ich los gelassen. Dadurch kam ich ins Straucheln und war mir schon sicher, dass ich fallen würde. Jedoch spürte ich im nächsten Moment einen Arm um mich und Chiaki zog mich an seine Seite. Es war kein großer Akt für ihn. Wie von selbst sah ich ihn an und war froh über seine Reflexe. “Du wirst doch auch nur von ihr geblendet... sie ist nichts weiter als ein Flittchen”, hörte ich die herablassenden Worte, die mich leicht zusammen zucken ließen.
 

“Beleidigend werden einer Dame gegenüber, werde ich nicht tolerieren”, sagte Chiaki und ich spürte seine Hand beruhigend auf meinem unteren Rückenbereich.
 

“Eine Dame... das ich nicht lache”, amüsierte sich der Idiot doch tatsächlich und wollte wieder ansetzen, aber Chiaki schnitt ihm zuvor das Wort ab.
 

“Ich weiß, wer sie ist, und ich lasse keine Beleidigungen mehr zu”, war sein Standpunkt. Noch bevor das Ekelpaket erneut sprechen konnte, zog mich Chiaki sanft an sich und setzte gleich fort. “Würden die Herren bitte den Abschaum hier beseitigen”, bat er und deutete den beiden Männern von der Security zu. Blinzelnd blickte ich zu ihnen, da ich sie gar nicht bemerkt hatte.
 

Wann hat er die denn geholt?, schoss es mir durch den Kopf und ich glaube, dies konnte man mir an sehen. Aber niemand sagte etwas dazu, stattdessen stellten sich die beiden Securitymänner jeweils neben Mister Ekelpaket. Er hat zwar einen Namen, aber der fällt mir nicht mehr ein, weshalb ihn nur noch so nenne.
 

“Warum werde ich hier so angegangen... Schlampen haben hier nichts zu suchen”, protestierte er lautstark und am liebsten hätte ich ihm das Maul gestopft, aber das wäre nicht schlau vor so vielen Zeugen.
 

“Mund halten... sonst wird es ungemütlich”, meinte einer von den beiden.
 

“Als ob”, meinte der doch ernsthaft und ich blinzelte, da Chiaki sich neben mir anspannte.
 

“Bringt ihn raus... und sollte ich dich noch einmal hier sehen oder hören, wie du eine Dame in den Dreck ziehst...”, begann Chiaki zu sprechen.
 

“Sie ist keine Dame, sondern eine...”, unterbrach er ihn, aber Chiaki schnitt ihm das Wort ab.
 

“Ich kenne ihren Beruf... und genau deshalb sollte man sie respektiert”, kam es eindringlich von Chiaki. Überrascht blickte ich zu ihm rüber und konnte ihm ansehen, dass er es absolut ernst meinte.
 

“Aber...”, begann unser gegenüber, doch Chiaki blickte ihn scharf an.
 

“Kein aber... Respekt ist das A und O, genauso im Geschäft... also warne ich nur einmal... sollte ich etwas Negatives hören, werde ich dafür sorgen, dass du ruiniert wirst”, sagte er deutlich und ließ keinerlei Zweifel zu, dass er nicht Wort halten würde.
 

“Das kannst du nicht...”, fing der Idiot wieder an.
 

“Und ob er das kann”, meinte der Security, der bisher geschwiegen hatte. Er packte demnach den Arm des Idioten. “Er wird sie und ihre reizende Begleitung nicht mehr belästigen, Mister Nagoya”, sprach er fort und nickte lächelnd respektvoll mir zu danach Chiaki, ehe er mit seinem Kollegen den Idioten fort führte.
 

Erleichtert atmete ich durch, nachdem er endlich außer Sichtweite war. Wie von selbst blickte ich zur Seite und somit direkt in die Augen von Chiaki. Was ich daran sah, verwunderte mich einmal mehr. Die Besorgnis stand darin ganz groß geschrieben. “Danke”, sagte ich daher und er nickte leicht, ehe er mich etwas abseits brachte.
 

“Geht es dir wirklich gut?”, fragte er nach, als wir mehr oder weniger unter uns waren.
 

“Ja... ich hatte nur nicht erwartet ihn hier zu sehen”, gab ich ehrlich zu.
 

“Er hatte dich mal gebucht”, sagte er ruhig und ich nickte. “Aber du hast es abgebrochen.” Überrascht sah ich ihn an.
 

“Woher?”, kam es von mir, weil ich nicht dachte, dass er dies vermuten würde.
 

“Es war nicht schwer zu erkennen”, meinte er und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. “Ich rate mal... er wollte mehr, aber du nicht... deshalb hast du die ‘Begleitung’ unterbrochen und nie wieder auf sein Angebot reagiert.”
 

“Nicht nur das”, merkte ich an und atmete einmal durch, ehe ich Chiaki die ganze Geschichte zu dem Idioten erzählte. Natürlich keine Details, aber soviel, dass er eins und eins zusammen zählen konnte.
 

“Also ist er noch schlimmer, als ich es vermutet habe”, reagierte er auf meine Worte und ich konnte nur nicken.
 

“Aber... bekommst du nun keine Probleme?”, frage ich besorgt nach.
 

“Hmm... nein... bekomme ich nicht”, lächelte er leicht und blickte zu meinem Handgelenk. “Tut es weh?”, fragte er nach, ohne auf zu sehen. Sachte streichelte er mit dem Daumen darüber. Fast so als wollte er seine Spuren verwischen und mit den eigenen ersetzen.
 

“Nein... nicht mehr”, hauchte ich und genoss diese zarte Berührung. “Danke noch einmal”, sagte ich mit roten Wangen.
 

“Jederzeit... niemand sollte wegen seinem Beruf so behandelt werden”, kam es ruhig von ihm, während er meine Hand anhob und sanft meinen Handrücken berührte.
 

“Naja... in dem Beruf... sollte man damit eben rechnen”, stockte ich leicht und mein Herzschlag beschleunigte sich.
 

“Dennoch... ein Beruf macht eine Person nicht aus... und lass dich niemals darauf reduzieren. Vor allem nicht, wenn du nicht den vollen Service bedienst”, zwinkerte er mir zu und leicht schmunzelte ich über seine Worte.
 

“So nennt man das also?”, entgegnete ich ihm und er lachte leise, bevor er nickte.
 

“Wie würdest du es denn betiteln?”, fragte er sichtlich amüsiert nach.
 

“Hm... damit könntest du recht haben”, antwortete ich ihm und war tatsächlich erleichtert darüber, dass er diese Ansicht hatte. Es zeigte einmal mehr, wie anders er war und er war absolut nicht dumm. “Danke für deine Worte”, lächelte ich und streckte mich leicht, um seine Wange zu küssen.
 

“Wie gesagt... jederzeit”, sagte er und ich konnte schwören, dass mein kleiner Kuss ihn zum Erröten brachte. “Wollen wir... nun einen schönen Abend verbringen?”, wollte er wissen und ich konnte sehen, dass er mir die Wahl überließ.
 

“Ja... von ihm lassen wir uns den Abend doch nicht verderben”, zwinkerte ich ihm zu und wusste, dass ich dank Chiaki mich gestärkt fühlte, den Abend wie geplant zu verbringen und die Zeit zu nutzen, damit er Kontakte knüpfen konnte. Ich hoffte nur, dass er keine Probleme wegen der vorherigen Szene bekommen würde.
 

“Ich hatte gehofft, dass du das sagst... denn ich würde dir gerne zwei Freunde vorstellen... ich hatte sie vorhin entdeckt”, berichtete er und legte meine Hand sicher auf seinen Arm. Es erstaunte mich sehr, dass er in der Situation so ruhig geblieben war, aber auch wie er jetzt damit um ging. Dies machte es mir leichter, es wirklich zu vergessen und den Abend nun doch zu genießen. Einmal mehr zeigte sich seine Souveränität.
 

“Freunde?”, hakte ich nach.
 

“Ja... wir sehen uns zwar nicht oft, aber zweimal im Jahr treffen wir uns... einmal in New York und eine Woche zur Entspannung, sobald wir alle die Zeit dazu haben”, erklärte er mir und es klang fast so, als wäre das letzte Mal einfach zu lange her, als er sie gesehen hatte.
 

“Verstehe... also gute Freunde”, fasste ich zusammen.
 

“Korrekt... auch wenn es absurd klingen mag... obwohl wir uns länger mal nicht schreiben oder sehen, sind wir doch auf einer Wellenlänge”, setzte er fort und führte mich erst zur Bar, um die Getränke zu holen. Vermutlich hatte er sie dort zurück stellen lassen, als er bemerkte, dass ich bedrängt wurde.
 

“Ich finde nicht, dass es komisch klingt”, meinte ich und nahm das Wasserglas dankend an. Er wollte klein anfangen, denn der Abend könnte lang werden. Sein Blick schnellte zu mir, als ich dies sagte. “Ich habe zwei beste Freundinnen, die ich zwei Mal im Jahr länger sehe als eine Woche... und doch haben wir Kontakt und sind auf einer Wellenlänge”, erklärte ich ihm weiter und seine Mundwinkel zuckten.
 

“Freut mich... dass du mich da verstehen kannst”, lächelte er mich an und es stimmte. Es war leichter, wenn einer genauso tickte, wie man selbst.
 

“Du hast sie hier wieder gesehen?”, fragte ich nach und er nicke zustimmend. “Warum stehen wir dann hier noch?”, wollte ich wissen und er lachte leise.
 

“Weil sie wieder aus dem Saal sind... sobald sie wieder da sind, stelle ich euch vor”, meinte er und blinzelnd legte ich den Kopf schief.
 

“Es ist dir wichtig... warum?”, musste ich einfach in Erfahrung bringen.
 

“Auch wenn... das hier so eine Art Job ist... so denke ich, dass wir Freunde sind... und es wäre schön, wenn ihr euch versteht”, antwortete er und in seinen Augen erkannte ich die Wahrheit, doch da war ebenfalls etwas anderes. Genau das machte mich ein wenig neugierig.
 

“Ich bin gespannt”, grinste ich ihn an und er erwiderte dies, ehe er sich im Raum um sah und mehrmals blinzelte. Noch bevor ich ihn fragen konnte, was los war, gab er mir die Antwort, was mich etwas schmunzeln ließ.
 

“Oh... scheint so als wären sie nicht alleine hier”, meinte er und nahm meine Hand, um mich mit sich zu ziehen.
 

Überrascht folgte ich ihm und hatte nicht gesehen, wen von all den Personen er meinen könnte. Genauso wenig konnte ich nach fragen, wie seine Freunde heißen würden, oder was er damit aus sagen wollte, dass sie nicht alleine da wären. Daher würde ich mich nun einfach überraschen lassen, zu wem er mich bringen würde. Schnell hatte ich meine Schritte den seinen angepasst und er lächelte mich leicht an, bevor er seine Aufmerksamkeit nach vorne richtete, und zusammen gingen wir weiter. Wir mussten an einigen Personen und kleineren Gruppen vorbei schreiten, bevor wir schließlich zum Stillstand kamen. Blinzelnd sah ich zwischen den vier Personen hin und her, ehe meine Augen sich weiteten.
 

“Rose... Amy... aber... wie?”, stammelte ich mehr als überrascht. Bei meiner Stimme blickten mich die Beiden an und waren ebenso verwirrt.
 

“Ma...”, begannen sie fast zeitgleich und besannen sich gleich. “Man... Jeanne...”, setzten sie fort.
 

“Wo kommst du denn her?”, kam es von Rose, die genauso überrascht war wie Amy und ich.
 

“Du kennst die Damen?”, fragte Chiaki nach und ich blickte zu ihm rüber.
 

“Ähm... ja... natürlich”, antwortete ich ihm und wandte mich an Rose und Amy, die leicht nickte. “Die beiden sind... meine besten Freundinnen”, fügte ich hinzu und besagte traten zu mir, um mich zu umarmen. Das war wirklich eine erfreuliche Wendung des Abends. Niemals hätte ich mit den beiden in der Stadt, die nie schläft, gerechnet.
 

“Wow... was für ein Zufall”, meinte Chiaki und sah die Damen an. “Ich bin Chiaki... schön euch heute kennen zu lernen”, stellte er sich ihnen vor.
 

“Ich bin Rosalie... oder Rose”, lächelte sie ihn an und reichte ihm die Hand. “Freut mich ebenfalls.”
 

“Ich bin Amélie, auch Amy genannt”, stellte sich meine zweite Freundin vor und reichte ihm auch die Hand. “Es freut mich ebenso... eine wahre Freude.”
 

Beiden hatte er die Hand geschüttelt und lächelte sie an. “Und ihr habt mir nicht gesagt, dass ich solch reizende Damen an eurer Seite habt”, grinste er seine Freunde an.
 

“Tja... wir wollten dich eben überraschen”, grinste der eine, der sich zu Rose stellte.
 

“Du hast uns auch nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass jemand an deiner Seite ist”, amüsierte sich der andere Mann. Beide trugen einen Anzug, wobei sie kein Sakko an hatten, sondern eine Weste.
 

“Stimmt... ich hatte viel zu tun in den letzten Tagen”, grinste Chiaki und trat an meine Seite. “Jeanne... das sind meine sehr guten Freunde... Raphael und Alessandro”, sagte er und beide nickte mir leicht zu.
 

“Rapha ist völlig ausreichend”, zwinkerte mir der Mann neben Rose zu.
 

“Alex wäre es bei mir”, grinste der andere, der neben Amy stand und den Arm um ihre Hüfte legte.
 

“Freut mich... euch kennen zu lernen”, entgegnete ich lächelnd und musste zugeben, dass meine Besties eine sehr gute Wahl getroffen hatten. Sie passten sehr gut zusammen.
 

“Die Freude ist unsererseits”, lächelte Raphael und hatte Rose ebenso den Arm um den unteren Rückenbereich gelegt. Beiden konnte ich ansehen, dass sie ihre Jungs sehr mochten und sie sogar an himmelten.
 

“Wie wäre es... wenn wir es uns gemütlich machen... sie haben drüben ein paar Sitzmöglichkeiten mit auf gebaut”, meinte Alessandro und dem stimmten wir nur zu gerne zu.
 

Noch immer konnte ich es nicht glauben, dass die beiden ebenfalls auf der Gala waren. Es kam so selten vor, dass wir drei auf einer Veranstaltung waren. Gemeinsam gingen wir zu zwei größeren Sofas und setzten uns darauf. Unsere Getränke hatten wir mit rüber genommen und würden neue besorgen, sobald wir dies brauchen würden. Es war schön zusammen zu sitzen und einfach quatschen zu können. Zuerst hatten wir uns in Bezug auf die letzten Wochen aus getauscht. Wer eben wo war und welche Projekte voran gebracht wurden. Beide Männer waren genauso wie Chiaki im Immobiliengeschäft tätig. Sie halfen sogar Chiaki dabei die richtigen Gebäude zu finden, sobald er wieder auf der Suche war.
 

“Ich bin neugierig... woher kennt ihr euch?”, fragte dieser schließlich und sah seine beiden Freunde an.
 

“Du meinst... woher wir Rose und Amy kennen?”, fragte Raphael nach und nahm einen Schluck von seinem Wein.
 

“Genau... das habe ich noch gar nicht heraus gefunden”, grinste Chiaki und Alessandro lachte.
 

“Wir haben auch noch nichts davon erzählt”, erklärte er breiter grinsend und nippte an seinem Whiskyglas.
 

Die beiden waren genauso verspielt wie meine Freundinnen. Vermutlich waren sie deshalb so perfekt für die Beiden. Kichernd hielt ich eine Hand vor den Mund, denn ich wusste durch aus, wie sie sich kennen gelernt hatten. Dadurch zog ich natürlich Chiakis Aufmerksamkeit auf mich. “Findest du es etwa amüsant?”, fragte er mich.
 

“Aber klar doch... mehr als amüsant, Chiaki”, gluckste ich und er legte den Kopf schief.
 

“Warum denn?”, wollte er wissen.
 

“Weil sie vermutlich weiß, wie wir unsere Damen kennen gelernt haben”, traf Raphael ganz genau den Punkt.
 

“Ernsthaft?!”, entkam es ihm und ich nickte zustimmend.
 

“Mhm... diese Begegnung kenne ich gut”, merkte ich an, was beide Männer zum Grinsen brachte.
 

“Erzählt doch mal”, forderte Chiaki seine Freunde auf.
 

“Nun... erinnerst du dich an den Yachtausflug, den wir unternommen hatten?”, begann Alessandro.
 

“Ja schon, aber was hat es damit zu tun?”, stellte Chiaki die Gegenfrage und kurz überlegte ich, ob er auf den Trichter kommen würde.
 

“Damit wir nicht so einsam wären... haben wir uns Begleitung organisiert”, grinste Raphael und Rose lachte nun.
 

“Ihr seid echt gemein”, merkte sie an und blickte zu Chiaki. “Sie haben uns gebucht und naja... wir sind dann eben geblieben”, klärte sie die Situation auf.
 

“Gebucht?”, hakte Chiaki nach und man konnte ihm ansehen, dass sich das Puzzle jetzt zusammen setzte. “Oh... ihr drei seid auch Kolleginnen?”, kam er darauf und ich nickte ihm zustimmend zu.
 

“Ganz genau... wir arbeiten zusammen, sind aber auch beste Freundinnen geworden”, lächelte Amy und trank von ihrem Cocktail. Rose grinste und lehnte sich dabei an ihren Liebsten.
 

“Das ist wirklich interessant”, meinte Chiaki und seine Freunde nickten zeitgleich. “Aber nun erzählt mir alles”, merkte er noch an, da er die ganze Geschichte wissen wollte.
 

Abwechselnd erzählten nun die vier von der ersten Begegnung. Rapha und Alex hatten bei Noyn zwei Damen angefragt, die nicht Prüde wären und kein Problem auf See hätten. Damit war der erste Kontakt gemacht. Das erste Treffen war so gesehen am Café beim Hafen, um zu sehen, ob die Chemie passen würde. Schließlich wären sie einige Wochen auf der Yacht unterwegs. “Was soll ich sagen... es hat direkt gefunkt”, meinte Alessandro abschließend und gab Amy einen Kuss auf die Schläfe.
 

“Und... ihr seid jetzt zusammen?”, hakte Chiaki nach und Raphael nickte.
 

“Mhm... tatsächlich schon knapp 2 Monate”, stimmte er dem zu und sah liebevoll zu Rose.
 

Diese zärtlichen Gesten zu sehen, war einfach unglaublich. Sie passten verdammt gut zusammen und schienen sich wirklich zu lieben. Ich freute mich für meine Freundinnen sehr und hatte bei den Erzählungen Chiaki beobachtet. Er war zu Beginn sehr verwundert und überrascht, aber lächelte öfters bei den Worten, dass sie sich bei ihren Spielen ineinander verliebt hatten. Es schien ihn mehr als zu verwirren. Vermutlich hatte er nicht damit gerechnet, dass sich seine zwei Freunde, die eigentlich Singles waren und nur hin und wieder mit Damen spielten, direkt verlieben würden.

Eine sichtbare Veränderung

Die Unterhaltung wurde lockerer und fließender. Es war schon interessant zu sehen, wie die drei Männer mit einander sprachen. Doch spürte ich immer wieder den Blick meiner Freundinnen auf mir. Sie waren schon immer sehr aufmerksam gewesen. Wahrscheinlich haben sie eins und eins zusammen gezählt. Aber sie würden das wohl kaum hier offen an sprechen. Dahingehend waren sie wahrlich sehr verschwiegen, weshalb ich ihnen dankbar war. “Und ihr seid noch auf der Kontrollreise der Hotels?”, fragte Alessandro nach einer Weile.
 

“Klar... dieses Jahr waren einige Renovierungen auf der Liste”, lächelte Chiaki und blickte leicht zu mir. “Und dank Jeanne war es sogar ein Kinderspiel”, sprach er weiter und damit schaffte er es, mich erneut erröten zu lassen.
 

“In wie fern?”, hakte Raphael nach.
 

“Sie ist ein Naturtalent in Sachen Farben und Form”, antwortete er und blickte zu seinem Freund. “Sie hat so gute Ideen, dass ich mir sicher bin, in den nächsten Jahren werden die Räume der Renner.”
 

“Nun hör aber auf... du übertreibst”, meinte ich verlegen.
 

“Stimmt doch gar nicht”, entgegnete er und nahm sein Handy, worauf er tippte und schließlich den anderen dieses reichte. “Scrollt auf der Homepage durch... das sind die neuen Varianten für die Zimmer und es wird gerade abgestimmt, welche wir umsetzten in welchem Hotel”, erklärte er und seine Freunde blickten neugierig in das Handy.
 

Etwas unsicher biss ich mir auf die Unterlippe, ehe ich eine Hand an meinem Rücken spürte. Sogleich entspannte ich mich und sah zu Chiaki, der mich an lächelte. Es war unglaublich, wie einfach er mich wieder beruhigen konnte. Eindeutig hatte er eine Wirkung auf mich. Ein leichtes Zwinkern ließ mich grinsen und mit dem Kopfschütteln, wobei er noch breiter grinste. Definitiv hatten wir beide einen an der Klatsche, aber genau das gefiel mir verdammt gut. Allein sein Blick zeigte mir deutlich, wie viel er von mir hielt. Dies machte seine Aussage von vorhin um einiges glaubwürdiger.
 

“Wow... das sind wirklich interessante Ansätze”, sagte Alessandro und zog damit meine Aufmerksamkeit auf sich.
 

“Ähm... danke, Alex”, kam es verlegen von mir und Amélie lächelte sanft.
 

“Du bist noch besser geworden, Jeanne”, zwinkerte sie und Rose nickte zustimmend, wobei ich noch röter wurde.
 

“Dem kann ich nur zustimmen... diese Motive sind originell und doch einzigartig”, meinte Raphael und sah neugierig zu mir. “Hast du das gelernt, oder so?”, fragte er nach.
 

“Tatsächlich ja”, antwortete ich vage und würde bestimmt nichts von einem Studium erwähnen. Dies ging niemanden etwas an.
 

“Respekt... das wird deinen Hotels noch den letzten Schliff geben, Chiaki”, sprach er wieder mit seinem Freund.
 

Erleichtert lächelte ich, da ich nicht weiter darauf ein gehen müsste. Kurz wandte ich mich meinen Freundinnen zu, die mich wissend an lächelten, weshalb ich nur leicht mit den Schultern zuckte und sie grinsten noch breiter. Die Männer waren wieder in ihrem Gespräch vertieft, ehe sich Rosalie räusperte. “Wir Mädels gehen uns kurz frisch machen”, meinte sie und hatte damit Amélie und mich ebenfalls impliziert.
 

“Macht das... sollen wir euch einen Drink besorgen, Amore?”, fragte Raphael seine Freundin.
 

“Sehr gerne, Amore mio... ich hätte gern das Übliche”, bat Rosalie ihn darum und seine Mundwinkel zuckten leicht dabei, während er nickte und ihr zu zwinkerte.
 

“Für dich ebenfalls, Cherie?”, wollte Alessandro von seiner Liebsten wissen.
 

“Unbedingt, Tesoro”, entgegnete Amélie ihm.
 

“Was ist mit dir, Jeanne... ein Drink?”, fragte Chiaki mich.
 

“Ein Drink ist eine gute Idee”, zwinkerte ich ihm zu.
 

“Perfekt... wie immer?”, wollte er wissen und direkt nickte ich, denn er kannte mich in diesem Punkt verdammt gut.
 

“Bis gleich”, sagte ich noch in die Runde, bevor ich mich erhob und mit meinen Freundinnen zu den Toiletten ging.
 


 

Kaum schloss sich die Tür hinter uns, nachdem wir den Vorraum betreten hatten, schon umarmten wir drei uns. “Wie schön dich wieder live zu sehen”, lächelte Amy.
 

“Finde ich auch... es ist echt lange her”, gluckste ich.
 

“Absolut... aber wie verrückt ist das denn?”, hakte Rose nach, dass sie sich auf dieser Gala trafen.
 

“Das ist es... wer hätte gedacht, dass die drei Männer sich kennen”, meinte ich ehrlich, weil ich damit gar nicht gerechnet hatte. Das war absolut surreal.
 

“Stimmt... und ich muss sagen... jetzt verstehen wir deine Worte”, grinste Amy mich an und ich blinzelte leicht.
 

“Welche genau meint ihr?”, wollte ich von den beiden wissen. Schon beim Aussprechen erkannte ich ihr breites Grinsen auf ihren Lippen.
 

“Maron... du weißt genau, was wir meinen”, grinste Rose und ich seufzte leise.
 

“Könntet ihr diese nicht einfach vergessen?”, fragte ich nach und beide schüttelten den Kopf.
 

“Niemals, Süße!”, lachte Amy und ich seufzte schon wieder.
 

“Trotzdem... sagt bitte nichts euren Schätzen”, meinte ich ehrlich, da ich nicht wollte, dass Chiaki davon etwas mit bekommen würde.
 

“Maron... das ist deine Sache, was du ihnen erzählst, nicht unsere”, lächelte Rose und sah mich an. “Aber wir verstehen nun, warum du zögerst”, merkte sie noch an.
 

“Mädels... bitte... sagt nichts dazu... mir ist das schon peinlich genug, dass ich schlaflose Nächte wegen ihm habe”, bat ich sie beide und meine Augen weiteten sich augenblicklich, weil ich mich gerade verplappert hatte.
 

“Oh.... nun wird es schmutzig... doch zuerst schnell frisch machen... dann wollen wir die dreckigen Details haben”, meinte Amy breit grinsend.
 

“Man... Mädels... lasst den Mist... da gibt es keine Details zum Tratschen!”, sagte ich so klar wie möglich und schlüpfte in eine der Kabinen.
 

Fast so als könnte ich mich dort verstecken. Obwohl ich es besser wusste, weil ich die beiden nicht so leicht ab wimmeln könnte. Sie kannten mich viel zu gut, weshalb sie das natürlich erläutern wollen würden. Fieberhaft suchte ich nach einer Möglichkeit, wie ich aus der Nummer wieder raus kommen könnte. Jedoch fiel mir nichts ein. Deshalb müsste ich wohl oder übel mit ihnen darüber reden. Nach einigen Momenten spülte ich, ging aus der Kabine und weiter zum Waschbecken. Dort wusch ich meine Hände und prüfte mein Make-Up im Spiegel. Dabei entdeckte ich meine Freundinnen und mir war klar, dass sie auf Antworteten beharren würden.
 

“Warte... lass dir helfen”, lächelte Rose und nahm mir das Rouge ab, um es mir auf zu tragen.
 

“Genau... und nun kannst du uns von deinen Träumen erzählen”, kicherte Amy und kümmerte sich um meine Haare.
 

“Ihr beiden seid unverbesserlich”, rollte ich mit den Augen.
 

“Dann wären wir nicht wir... also?”, wollte Rose wissen und sah mich grinsend an.
 

Seufzend erwiderte ich ihren Blick und begann zu erzählen, was sich seit einigen Wochen in meinen Träumen ab spielte. Beide hörten mir einfach geduldig zu und unterbrachen mich nicht. “Und das miese daran ist... ich weiß nicht, ob er flirtet oder eben nicht”, meinte ich abschließend.
 

“Im Traum oder in der Realität?”, hakte Rose nach und Amy kicherte leise hinter mir.
 

“Was?”, entkam es blinzelnd meinen Lippen.
 

“Berechtigte Frage”, warf Amy ein und steckte eine Haarnadel neu fest.
 

“Wie kommt ihr darauf, dass er außerhalb meiner Träume mit mir flirten würde?”, fragte ich nach und beide lachten leise, während Amy nach vorne trat.
 

“Ach, Süße”, schmunzelte Amy und Rose grinste leicht.
 

“Er ist ein Zuckerstück... also teste es aus”, zwinkerte letztere und mir klappte der Mund auf.
 

“Moment... wollt ihr mir ernsthaft sagen, dass ich das tun soll, was ich im Traum tue?”, musste ich sicher gehen, dass ich es richtig verstanden habe.
 

“Aber sowas von!”, pflichteten beide mir zeitgleich zu.
 

“Und was war mit eurer Skepsis?”
 

“Da haben wir dich nicht mit ihm gesehen”, gestand Rose und Amy nickte.
 

“Diese Spannung zwischen euch... ist mehr als greifbar... das haben wir sofort gespürt”, meinte Amy ehrlich.
 

“Ihr Spinner... das bildet ihr euch nur ein”, winkte ich ab und versuchte es mir ebenso ein zu reden, dass da nichts war.
 

“Du kannst das nicht leugnen, Süße.”
 

“Schon gar nicht, wenn du uns so etwas schreibst...”
 

“Mädels... ihr seid doch verrückt”, meinte ich und beide schüttelten den Kopf.
 

“Absolut nicht... du stehst auf ihn”, stellte Amy fest.
 

“Und wenn er nicht dein Kunde wäre... wärst du sicher mit ihm im Bett und würdest es genießen”, setzte Rose fort.
 

“Seid nicht so laut...” sagte ich ernst genug, denn es sollte eindeutig keiner mit bekommen.
 

“Süße... das hier... ist dein letzter Job... genieße es und schnapp ihn dir”, zwinkerte Amy.
 

“Oh ja... und wer weiß... vielleicht ist er ebenfalls ein Dom, wie unsere Jungs”, grinste Rose.
 

“Glaubst du?”, hakte ich nach und sie nickte eifrig.
 

“Es könnte sein... er strahlt so etwas aus... also finde es heraus... und dann vögele ihn dir aus dem System”, lachte sie und Amy stimmte dem zu. Seufzend schüttelte ich den Kopf über die Beiden. Sie waren einfach immer so direkt.
 

“Ihr seid schlimm, wisst ihr das?”, musste ich klar und deutlich ihnen sagen.
 

“Logo... und du hast es vermisst”, entgegnete Amy, nachdem sie ihren Lippenstift nach gezogen hatte. Augenrollend blickte ich zu ihr und Rose lachte.
 

“Und wie sie uns vermisst hat”, merkte sie noch an und grinste. “Lasst uns langsam zurück... nicht, dass sie sich noch Sorgen machen werden”, lachte sie leise.
 

“Stimmt... das wäre nicht gut”, grinste ich sie an und gemeinsam verließen wir die Räumlichkeit, ehe wir wieder zurück den Männern gingen.
 

So verrückt wie die beiden waren, so lieb hatte ich sie gewonnen. Tatsächlich hatten sie in einigen Punkten Recht. Wenn er nicht mein Kunde wäre, hätte ich schon längst mit ihm diese angestaute Spannung weg gebracht. Wohl oder übel musste ich zugeben, dass diese zum Greifen war. Das konnte ich nicht so einfach verleugnen. Ebenso stimmte es, dass dies hier mein letzter Job war. Demnach könnte ich eventuell meine Regeln ein wenig an passen, sodass es trotz allem für mich und meine Ansichten vereinbart wäre. Ein wenig grübelte ich, während wir uns einen Weg zu den anderen bannten. Es wurde ein wenig voller als zuvor, oder ich hatte nur das Gefühl, dass dem so war.
 


 

Sichtwechsel zu Chiaki


 


 

Nachdem die Damen los gezogen waren, um sich frisch zu machen, hatte ich ihnen einen Moment nach gesehen. Die Drei waren so unterschiedlich und doch so ähnlich. Dies ließ mich etwas schmunzeln. “Eine Blondine also?”, hörte ich plötzlich neben mir und zuckte leicht zusammen.
 

“Was?”, entkam es mir verwirrt.
 

“Seit wann ist blond dein Beuteschema?“, zwinkerte Alessandro mir zu und nun begriff ich, was er meinte.
 

“Oh... naja es ist nicht so, wie ihr denkt”, antwortete ich und beide zogen ihre Augenbraue hoch.
 

“Ach ja... du willst uns weis machen, dass du nicht scharf auf sie bist?”, grinste Raphael und ich seufzte.
 

“Ihr seid echt schlimm”, sagte ich nur dazu und erhob mich. Schließlich hatten wir den Damen etwas zu trinken versprochen und das sollten wir holen, bevor die Bar überrannt wäre.
 

“Und doch sagen wir die Wahrheit”, zwinkerte Alessandro.
 

“Leider ja”, seufzte ich ehrlich und beide legten einen Arm um mich.
 

“Wussten wir es... aber blond?”, wollte Raphael wissen und ich zuckte mit den Schultern.
 

“Das war nicht geplant... und doch... sie ist einfach perfekt”, kam von meinen Lippen und für einen Moment war ich ganz weit weg.
 

“Wir haben es gemerkt... und warum ist da so eine Spannung zwischen euch?”, hakte Alessandro nach.
 

“Oh... nun... weil wir uns vermutlich gegenseitig scharf machen, aber über einen Kuss nicht hinaus gingen?”, beschrieb ich die Situation und beide stoppten kurz.
 

“War das gerade eine Frage?”, kam es von beiden und ich bemerkte einmal mehr, wie aufmerksam sie waren.
 

“Jein”, antwortete ich daher und beide blinzelten mehrmals, ehe sie grinsten. Scheinbar wussten sie genau, worauf ich hinaus wollte. Beide konnten mich lesen wie ein offenes Buch.
 

“Wer hat denn den Kuss unterbrochen?”, hakte Raphael nach und kurz musste ich überlegen.
 

“Hm... wie soll ich sagen”, sprach ich mehr zu mir selbst. “Den ersten haben irgendwie wir beide unterbrochen... wir waren halt etwas angetrunken und es fühlte sich nicht so an, als wäre es richtig”, entgegnete ich und merkte schon da, wie beide noch mehr grinsten. Erst da bemerkte ich, dass ich mich verplappert hatte, dass es mehr als nur einen gab.
 

“Und der nächste?”, kam sogleich die Frage auf.
 

“Da...”, begann ich und fuhr mir mit der Hand durch die Haare, weil ich dieses Detail verraten hatte. “Nun... da kam Miya dazwischen...”, vollendete ich den Satz.
 

“Oh... das ist natürlich ein mieses Timing”, meinte Alessandro und konnte sich wohl gut vorstellen, wie ich mich dabei gefühlt hatte. “Wärst du denn weiter gegangen?”, hakte er neugierig nach.
 

Einen Augenblick zögerte ich, ehe ich leicht nickte. “Vermutlich schon”, verdeutlichte ich somit meine Geste.
 

“Und wollte sie es auch?”, überlegte Raphael.
 

Meine Gedanken ließ ich die Szene erneut in meinem Kopf ablaufen, während ich mit den Schultern zuckte. Tatsächlich war ich mir in Bezug darauf nicht sicher, ob sie damals weiter gegangen wäre. “Ehrlich gesagt... ist es schwer zu deuten”, sagte ich wahrheitsgemäß und biss mir leicht auf die Unterlippe. “In einer Sekunde ist sie offen und frei und in der nächsten eben professionell”, meinte ich seufzend. “Wobei sie letztens erst... mich unter der Dusche erwischt hatte”, grinste ich etwas bei der Erinnerung an den Augenblick.
 

“Ernsthaft?”, entkam es Alessandro, während Raphael leicht pfiff. “Da hast du deine Antwort... lad sie das nächste Mal mit ein und du siehst, ob sie interessiert wäre”, zwinkerte ersterer.
 

“Was?!”, entkam es mir und beide lachten. Vermutlich weil ich sie mit riesengroßen Augen abwechselnd anstarrte.
 

“Chiaki... du bist doch wie wir”, meinte Raphael zwinkernd zu mir, weshalb ich mehrmals blinzelte.
 

“Also zeig es ihr und ich bin mir sicher... sie wird dir folgen”, stimmte Alessandro der Idee zu.
 

“Hm... mal sehen”, meinte ich und überlegte einige Zeit. “Denkt ihr wirklich... sie würde damit klar kommen?”, zweifelte ich kurz.
 

“Hm”, grinste Raphael breiter. “Ich glaube... die Frage wäre eher, ob du mit ihr klar kommen würdest”, zwinkerte er mir zu und ich legte kurz den Kopf schief.
 

“Da gebe ich Rapha Recht”, meinte Alessandro. “Ich würde sogar sagen... sie könnte glatt eine Göre sein”, zwinkerte er mir noch zu und für einen Moment grübelte ich über die Aussage.
 

“Meint ihr das Ernst?”, hakte ich blinzelnd nach und beide nickten, während wir weiter zur Bar gingen.
 

“Sie hat eindeutig diese Züge an sich”, kam es von Alessandro als erstes. “Denn sie zuckt nicht gleich zusammen, wie Amy es tut”, erklärte er weiter. Seine Liebste war durch und durch unterwürfig, auch wenn sie Tage hatte, an denen sie aufmüpfig wurde.
 

Diese Worte brachten mich zum Nachdenken. Doch ehe ich auf meinen Freund reagieren konnte, waren wir an der Reihe, die Getränke zu bestellen. Den beiden ließ ich den Vortritt dabei, da ich Rosalie und Amélie nicht wie Jeanne einschätzte. Bestimmt würden sie sich wundern, sobald ich die Bestellung ab geben würde. In der Tat orderte Raphael zu seinem Whiskey einen Cosmopolitan, der wohl für seine Freundin bestimmt war und Alessandro wählte zusätzlich einen Mojito für seine Herzdame. Mein Grinsen wurde breiter, als ich zwei Gläser Whiskey bestellte. Überrascht wurde ich angesehen, aber das machte mir absolut nichts aus. Die Drinks nahmen wir entgegen und machten uns wieder auf den Rückweg.
 

“Sag mal, Chiaki... solltest du nicht Jeanne ein Getränk besorgen?”, fragte Raphael sichtlich verwirrt nach.
 

“Das habe ich doch”, zuckte ich mit den Schultern und stellte die Getränke an unserem Tisch ab.
 

Sogleich setzte ich mich und war mir durch aus bewusst, dass meine Freunde mich mehr als verwundert musterten. Doch bevor sie weiter nach fragen konnten, entdeckte ich die Damen, die ebenso zurück bei uns waren. “Wartet ihr schon lange?”, fragte Jeanne und setzte sich neben mich, bevor sie eines der Whiskeygläser nahm.
 

“Aber nein... sind selbst erst jetzt zurück gekommen”, meinte ich grinsend und konnte ihr ansehen, wie sie sich der Bar zu wand.
 

“Wie ich sehe... ist die Bar überlaufen”, sprach sie das offensichtliche aus. “Danke, dass ihr die Drinks für uns geholt habt”, lächelte sie mich an und blinzelte mehrmals, als sie wohl die Blicke meiner Freunde spürte. Einmal mehr war ich von ihr fasziniert und würde den Rat von den Beiden befolgen.
 


 

Sichtwechsel zu Jeanne / Maron


 


 

“Was ist los, Jungs?”, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen und hörte das Kichern meiner Freundinnen.
 

“Ähm... hat dir Chiaki schon das Richtige mit gebracht?”, fragte Alex nach und erneut blinzelte ich, bevor ich zu meinem Glas sah.
 

“Klar... ein Problem damit, dass ich Whiskey trinke?”, stellte ich grinsend die Gegenfrage.
 

Lachend hielten sich Rose und Amy die Hand vor den Mund und schienen sich köstlich darüber zu amüsieren. Sogar Chiaki lachte nun auch. “Ähm... nun... nein... aber das...”, begann Alex.
 

“Das ist absolut ungewohnt”, meinte Rapha ehrlich und nahm sein Glas.
 

“Jeanne ist halt etwas Besonderes”, hörte ich Chiakis Stimme und spürte, wie meine Wangen ein wenig glühten bei diesem Kompliment. Definitiv wurde ich rot um die Nase und war froh darüber, dass das Licht in diesem Bereich meine Reaktion sehr gut kaschierte.
 

“Wir merken es schon”, lachte Alex und sah zu seiner Liebsten. “Du wusstest es sicher, oder Cherie?”, fragte er sie und kichernd nickte sie.
 

“Natürlich... ich kenne Jeanne lang genug, um ihre Vorlieben zu wissen”, entgegnete sie grinsend.
 

“Du sicher auch, oder Amore?”, hakte Rapha nach und Rose nickte zustimmend. “Verstehe”, grinste er kurz.
 

“Dann würde ich sagen... auf einen schönen Abend unter Freunden”, zwinkerte Alex und prostete damit uns allen zu.
 

“Auf einen schönen Abend”, stimmten wir alle mit ein und stießen leicht mit einander an, bevor wir die Drinks genossen.
 

Dadurch war es umso entspannter zwischen uns, obwohl ich immer öfters den Blick von Chiaki auf mir spürte. Aber ich ließ mir nichts anmerken und lenkte mich sehr gut davon ab, indem ich mit den anderen sprach. Nach einer knappen Stunde waren auch Miyako und Yamato zu uns gestoßen und sie lernten meine Freundinnen ebenfalls kennen. Es war komisch, dass sie sich alle auf Anhieb so gut verstanden, doch das freute mich irgendwie sehr. So hatten wir alle einen wundervollen Abend und ich vergaß gänzlich, wie diese Gala begonnen hatte. Wir tauschten sogar Ideen miteinander aus und stiegen nach dem alkoholischen Getränk wieder auf Wasser um. In diesem Punkt tickten wir ziemlich gleich, was mich echt grinsen ließ.
 

Bis tief in die Nacht blieben wir auf der Party, wobei man eher frühe Morgenstunden auch dazu sagen konnte. Denn wir kamen erst nach 3 Uhr morgens dazu uns zu verabschieden. Auch wenn ich noch gerne mit Rose und Amy mich unterhalten würde, so mussten sie leider weiter, da ihre Partner noch einige Termine hatten. Aber wir versprachen uns, demnächst zusammen zu telefonieren, um uns auf den neusten Stand zu bringen. Was Rapha und Alex zum Abschied Chiaki noch gesagt hatten, konnte ich leider nicht hören, aber seiner Geste nach zu urteilen, war es etwas Erfreuliches. Denn er lächelte die beiden an, während er nickte. Vielleicht würde er mir die Tage verraten, was sie ihm gesagt hatten.


Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für den Einstieg *smile*

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

Die Geschichte wird alle 14 Tage ein neues Kapitel bekommen
so, wie es bereits bei meinen letzten Storys ablief

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute *kichert*

hoffe es hat euch gefallen ^-^

falls ihr ein Thema vertieft lesen möchtet, teilt mir dies gerne per PM mit und ich sehen, was ich da machen kann *zwinkert*

Über eure Meinungen und Anregungen freue ich mich immer wieder

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal *grinst*

was haltet ihr von den beiden Damen? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder *kichert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute
ich hoffe, ihr seid nicht enttäuscht, dass Chiaki noch nicht da ist
aber keine Sorge... schon bald wird er ebenso präsent sein *zwinkert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon ^.^

der Schluss des Kapitels kündigt das nächste große Ereignis für Maron/Jeanne an

das wird bestimmt spannend und aufregend ein solcher Maskenball *grinst*

lasst mir gerne eure Anregungen und Meinungen da

bis bald, eure Seredhiel /Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute *kichert*

na wer wohl der junge Mann sein mag *pfeif*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anmerkungen da *smile*

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und warmen Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
so das war es auch schon für dieses Mal *kichert*

hoffe, euch hat seine Sicht gefallen und ihr aufeinandertreffen *lacht*
aber ich hatte das die ganze Zeit im Kopf und habe es demnach darauf hin geschrieben *grinst*

da schon Bald Weihnachten ist, wird es bei mir noch einmal stressiger
aus diesem Grund werde ich in zwei Wochen kein Kapitel hochladen können
bitte seid mir nicht böse, dass ich es auslasse

ab dem 13. Januar geht es wieder wie gewohnt weiter *smile*

in diesem Sinne wünsche ich euch ein besinnliches Weihnachtsfest *Glühwein da lass*

bleibt alle gesund und wir lesen uns im neuen Jahr wieder,
bis dahin, eure Seredhiel / Seren *Kekse und Kakao da lass*
Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute

hoffe euch hat der kleine Einblick in 'sein' Leben gefallen *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis in zwei Wochen, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es für heute auch schon

ich weiß... der Cut ist gerade mies, aber es ist wichtig,
da ich nächstes Mal ihre Vergangenheit weiter beleuchten werde
immerhin sollt ihr erfahren, was genau passiert war und wie es ihr in der ersten Zeit damit ging
vor allem aber, wie sie zu ihrem Job kam *zwinkert*

lasst mir gerne noch eure Meinungen oder Anregungen da, wovon ihr noch mehr erfahren möchtet *smile*

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute

es werden noch zwei Kapitel folgen mit der Rückblende, ehe es wieder zurück zur Gegenwart gehen wird *smile*

lasst mir gerne eure Anregungen und Meinungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute

somit hat Maron nun ihren jetzigen Chef kennengelernt *kichert*
im nächsten Kapitel wird noch ihr Vertrag näher erläutert, ehe es wieder zurück in die Gegenwart gehen wird *zwinkert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder

beim nächsten Mal kehren wir wieder zurück in die Gegenwart
was haltet ihr von seinem Angebot?
klingt verrückt und kurios? ja, doch die Konditionen scheinen gut zu sein *smile*

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis zum nächsten Mal, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es schon wieder für dieses Mal *kichert*

einmal mehr stellt wohl Maron fest, dass sie nicht alleine ist, auch wenn es sich oft so anfühlt

an dieser Stelle wollte ich euch fragen, ob ihr auch einen anderen Blickwinkel lesen wollen würdet
(z.B. Rosalie und Raphael oder Amélie und Alessandro oder gar eines der Ereignisse aus Noyns Sicht)

lasst mir sehr gerne eure Meinungen und Anregungen oder Wünsche da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon :D
nächstes Mal geht es weiter mit einem Einblick in die Feier und rüber zur Arbeitswoche *grinst*

wie fandet ihr die Geschenke von dem Ehepaar Smith? *smile*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse, Kakao, Kaffee und Eistee da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute *kichert*

was haltet ihr von den Überraschungen? *grinst*
wer mag wohl hinter der Buchung bei Maron stecken? *überlegt*

möchtet ihr auch einen Einblick bei Rose und Ami haben, sobald sie mit ihren 'Männern' unterwegs sind?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute *kichert*

wie ein paar schon vermutet haben... ist ER ihr neuer Kunde...
im nächsten Kap werde ich erzählen, wie es dazu kam
aus seiner Sicht *breiter grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute *grinst*

hoffe seine Sicht hat euch gefallen *zwinkert*
was meint ihr... ist das eine gute Idee, wie sie sich geneigt haben?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

ich hoffe, euch hat es gefallen
lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und kühlen Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

Was haltet ihr von dieser Idee, dass Yamato sein bester Freund und Assistent ist?
dass Miyako und er verheiratet sind, ist in meinen Augen einfach ein Muss *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon :D

an dieser Stelle dachte ich mir, es wäre nicht verkehrt auch mal Miyakos Sicht zu zeigen *grinst*
klar, sie ist Sakuras Tochter, aber Maron und Miyako haben sich nie persönlich kennen gelernt ...
deshalb wird es eine Weile Dauern, bis bei Miya und Jeanne/Maron der Groschen fallen wird *grinst*

hoffe euch hat das Kapitel gefallen
lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für heute

was haltet ihr von Chiakis Idee auf den Rummel zu gehen?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon

damit hat Jeanne/Maron offiziell zugesagt, diese Reise zu machen
seit gespannt, was sie noch alles erleben wird *smile*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es für heute auch schon *smile*

da hat Miyako einen Narren an Jeanne gefressen *grinst*
was meint ihr? Wie wird wohl die Zeit im Wellnesshotel? *smile*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

wie haben euch die Sichtwechsel gefallen?
war es zu verwirrend oder genau richtig für euch?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
Das war es auch schon für dieses Mal

wie hat euch die Sicht von Chiaki gefallen?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
damit sind sowohl die Männer als auch die beiden Damen für den Abend gerüstet

wie fandet ihr die Shoppingtour der Beiden?
was meint ihr, was noch alles auf Jeanne/Maron zukommen?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

Da haben sich die beiden Damen gut gehen lassen *kichert*

im nächsten Kap wird der Galaabend im Vordergrund stehen

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

ich hoffe, euch hat dieser Einblick gefallen *smile*
was meint ihr... könnte es lauter werden bei Yamato und Miyako? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
was haltet ihr von Chiakis Wünschen und Jeannes Vorschlag zur Umsetzung?

und... wie hat euch die kleine Einlage von Miyako und Yamato gefallen?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal und auch für dieses Jahr

an dieser Stelle bedanke ich mich bei meiner Betafee für ihre Zeit und ihre Geduld mit mir
aber auch bei all meinen Leser und die zahlreichen Kommischreiber

wünsche euch allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit und natürlich ein wundervolles Weihnachtsfest

lasst mir gerne noch eure Wünsche, Meinungen und Anregungen da

in diesem Sinne bis zum 11. Januar 2025, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon mit dem Kapitel :)

unsere kleine Gruppe ist nun in Miami und für Jeanne/Maron ist es etwas Neues, schließlich war sie noch nie in den Staaten...

mal sehen, was alles noch passieren wird *grinst*

bis in zwei Wochen, wie gewohnt, und bleibt gesund, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
na da haben sie sich etwas vorgenommen *grinst*

Was glaubt ihr, wie wohl die Shoppingtour aussehen könnte?
Möchtet ihr auch einen Einblick bei Miyako und Yamato haben?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
so das war es auch schon für dieses Mal

ich hoffe euch hat der kleine Moment gefallen und ihr freut euch auf die Shoppingtour genauso sehr wie ich *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal *kichert*

hoffe ich habe genau das richtige ausgewählt *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder :D

wie ihr bemerkt habt... kommt noch ein Kap vom Shoppen *grinst*

Lasst mir sehr gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder für dieses Mal *smile*

und was meint ihr... könnt ihr euch Chiaki in diesem Look vorstellen? *grinst*

ich weiß, dass viele nicht gerne weiße Anzüge mögen, aber ich fand das es sehr passend zu ihrem Kleid, welches sie zuvor gefunden hatte *kichert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war schon für dieses Mal

was meint ihr... was könnten die beiden noch schönes in Miami erleben?

lasst mir sehr gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis zum nächsten Mal, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
was denkt ihr, wird die Nacht den beiden zeigen? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

wie hat euch die kleine Party der beiden gefallen?

lasst mir gerne eure Anmerkungen und Meinungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon :D

Na da werden die Männer aber viel Spaß beim Wellness haben *kichert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder für dieses Mal

ich hoffe, euch hat es gefallen
beim nächstem Mal begleiten wir die beiden zur Gala
was meint ihr... was könnte dort alles passieren? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon *pfeif*

möchtet ihr auch wissen, wie es bei Miyako und Yamato lief?
lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal *pfeif*

ich hoffe, ihr seid Miyako nicht allzu böse, dass sie die beiden gestört hat *unschuldig guckt*

was meint ihr... wie lange kann es noch gut gehen mit der knisternden Spannung zwischen ihnen? *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass*

P.S. da ich momentan in der Arbeit noch mehr eingespannt bin,
komme ich nicht mehr so viel zum Schreiben
Dennoch bemühe ich mich euch weiterhin eifrig mit neuen Kaps zu versorgen
Zurzeit sieht es so aus, dass ich um den 04.10. rum das nächste hochladen werden und das darauffolgende würde um den 25.10. kommen
Ich hoffe, ihr seid geduldig mit mir und ich versuche bis Ende des Jahres zu meinem normalen Rhythmus zurück zu finden Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Das war es schon für heute *smile*

das Ende ihres Aufenthaltes in Miami ist nahe...
Die nächste Reiseetappe steht schon parat :D

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass*

P.S. noch einmal zur Erinnerung um den 25. 10. geht es hier weiter *smile* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal
ein wenig Entspannung sei ihnen gegönnt, denke ich mal *kichert*

beim nächsten Mal geht es weiter nach New York
eine große Stadt mit vielen Events *grinst*
ob Jeanne/Maron vorher heraus findet zu was sie in Gedanken 'genickt' hatte? *überlegt*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch für dieses Mal ^.^

Nun sind die vier für einen knappen Monat in der Großstadt
da wird bestimmt noch so einiges passieren *breiter grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

nächstes Kap erfolgt um den 29.11.25
bleibt alle gesund und bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Das war es auch schon für dieses Mal

Da scheinen beide gefallen daran gefunden zu haben, zu spielen *grinst*
Möchtet ihr in der Zeit auch seine Sicht der Dinge 'lesen' ?

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis zum nächsten Mal, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Das war es auch schon für dieses Mal

was meint ihr, könnte sich Jeanne denn nun wünschen? *neugierig ist*

Lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

Da ich noch eine Woche Arbeiten muss, werde ich mich hiermit bei dieser Story in den Weihnachtsurlaub verabschieden
Ich wünsche euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest und kommt in zwei Wochen gut ins neue Jahr *viele Kekse mit Literweise Kakao und Punsch da lass*

In dieser Hochladepause schreibe ich natürlich fleißig weiter
und hoffe, dass ihr Mitte Januar wieder reinlesen könnt
spätestens Ende Januar wird es hier weiter gehen *smile*

bleibt alle gesund und bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es erst einmal für dieses Mal *grinst*

na was meint ihr... wie viel Spaß haben Miyako und Yamato wohl? *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es schon wieder für dieses Mal

was glaubt ihr, warum die beiden wohl darauf so 'stehen'?

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal *smile*

was meint ihr... werden Miya und Mato mal einen Club dieser Art ausprobieren?

wie gefällt euch die kleine, heiße Spannung zwischen Jeanne und Chiaki?
wollt ihr mehr davon? *leicht grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

was denkt ihr... hat Chiaki sie bemerkt? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon wieder für dieses Mal

so langsam nähern wir uns dem langersehnten, oder nicht? *leise kichert*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

was meint ihr? Sollte sich Jeanne/Maron bei ihm dafür bedanken? *grinst*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

was glaubt ihr, wer ebenfalls in New York und demnach auf der Gala ist?
*neugierig in die Runde blickt*

lasst mir gerne eure Anregungen und Meinungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
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Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es schon für dieses Mal :D

wie hat euch meine Variante gefallen, wer Jeanne/Maron angesprochen hat?
der Grund warum 'Ekelpaket' gewonnen hat:
der Beruf ist sicher nicht immer 'leicht' und leider gibt es genug Personen, die kein 'Nein' akzeptieren
zudem ist es wichtig zu verstehen, dass ein Beruf niemals eine Person ausmacht,
sondern die Art und Weise wie eine Person ist

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen

in diesem Sinne, bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
das war es auch schon für dieses Mal

wie hat euch Chiakis Sicht gefallen?
möchtet ihr noch mehr aus seiner Sichtweise lesen? *grinst*
und was meint ihr haben Alex und Rapha ihm noch zum 'Abschied' mit gegeben? *neugierig ist*

lasst mir gerne eure Meinungen und Anregungen da

bis bald, eure Seredhiel / Seren
*Kekse und Kakao da lass* Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (45)
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Von:  _Bine_
2026-05-01T10:40:59+00:00 01.05.2026 12:40
Ist nicht schlimm, dass du dich mit dem Kapitel verspätet hast. Hauptsache ist, dass du ein neues veröffentlicht hast das wir lesen durften.

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Dass Jeanne/Maron ausgerechnet auf dieser Gala auf ihre Freundinnen Rose und Amy trifft hätte ich jetzt nicht erwartet.

Die Erzählungen der beiden Paare werden Jeanne/Maron bestimmt erneut zum Nachdenken bringen und wer weiß .... vielleicht wirft sie dann endlich ihre Prinzipien über den Haufen und fängt eine Beziehung mit Chiaki an. Er ist je eh ihr letzter Job. Also warum sollte sie sich dann noch länger zurückhalten. Sie bemerkt doch selbst, dass sie Gefühle für ihn entwickelt und ihm geht es schließlich nicht anders.

Ich bin gespannt was Jeanne/Maron noch so auf ihrem Tripp mit Chiaki und den anderen beiden (Miyako und Yamato) erleben wird.

Werden die 3 vielleicht sogar ihre wahre Identität erfahren und wenn ja, wie wird Miyako darauf reagieren?


Ich freue mich schon drauf das nächste Kapitel lesen zu dürfen/können.

Liebe Grüße Sabine
Von:  _Bine_
2025-05-18T23:51:19+00:00 19.05.2025 01:51
Oh! Da hat Jeanne/Maron was gesagt, das bei Chiaki für Verwirrung gesorgt hat.
Sie selbst scheint sich aber auch nicht mehr so sicher zu sein ob sie sich an ihre eigene Regel "nichts mit dem Kunden anfangen" noch lange halten kann/wird.

Mal sehen, was zwischen den beiden an diesem Abend und der Nacht noch passieren wird. 😉🤔

Wer weiß! Vielleicht kommen die beiden sich ja näher. Lange können sie ihre Gefühle und Gedanken sicher nicht mehr voreinander verstecken.

Ich bin schon sehr gespannt, was alles bei ihrem Ausflug ins Nachtleben von Miami passieren wird und was die beiden noch so zusammen erleben werden.

Hoffentlich lässt du uns dieses Mal nicht wieder so lange auf das nächste Kapitel warten.

Liebe Grüße Sabine
Von:  _Bine_
2025-02-23T19:57:26+00:00 23.02.2025 20:57
Jeanne's Reaktion in der ersten Boutique war vollkommen angebracht.
Diese Verkäuferin hatte es nicht anders verdient.
Wenn ein Paar rein kommt, dann sollte sie nicht den Mann anbaggern.

Die Verkäuferin in der 2. Boutique dagegen war mehr als zuvorkommend und freundlich. Sie wusste auf jeden Fall was sich gehört und wie man mit Kunden umgeht.

Dass Jeanne und Chiaki die selben Ansichten bezüglich des Kleides haben, hatte ich fast schon erwartet.

Das ist jetzt also ihr Kleid.
Dann benötigen sie nur noch Schuhe, Accessoires und Schmuck für
Jeanne und Chiaki's Outfit (weißen Anzug).

Bis schon sehr gespannt wie die beiden am Ende aussehen werden.

Wäre schön, wenn wir das Kleid und den Anzug zu sehen bekämen.

Liebe Grüße Sabine
Von:  Boahencock-
2025-01-30T05:54:00+00:00 30.01.2025 06:54
Gurdmorng

Ok das ist einsehbar, die Leute kommen ja nicht wegen den Einkaufsmöglichkeiten her.
Sie wollen ja entspannen und vom Alltag fliehen.

Shoppingdate Na das wird bestimmt lustig.
Was werden sie alles kaufen?
Und die Blicke der jeweils anderen wenn sie sie sich in der Abendgarderobe sehen. 🤤🤤🤤🤤

(Möchtet ihr auch einen Einblick bei Miyako und Yamato haben?)
Oh ja auf jedenfall.

Bin auf jedenfall gespannt wie es weiter geht.😊
Von:  Boahencock-
2024-11-20T05:29:50+00:00 20.11.2024 06:29
Gurdmorng

Gute Idee von hier zu verschwinden.
Bevor mann noch mehr hört das man nicht will. 🙉

Chiaki war das schon gewöhnt das die beiden es ordentlich im Bett krachen lassen.

Hengst war noch harmlos ?
Will garnicht wiesen was sie sonst noch so alles zu ihm sagt.

Gleich so schlimm wenn er Alpträume davon bekommt.

Maron läßt auf keinen Fall locker
Die Neugier ist dann doch stärker.
Sie will es unbedingt Wiese.


Das ist manchmal die bessere Entscheidung einfach zu zu hören.
Einfach da zu sein.

Gute Entscheidung das Maron zu gesagt hat zu der Reise.
Da sie Frische und gute Ideen einbringt

Uiiiii Maron ist im Auto eingeschlafen
Was wird Chiaki machen?
Wird er sie wie ein Chantelmänn ins Zimmer tragen oder sie wegen.

Das werden wir nächstes Jahr lesen.

Das Kapitel war sehr Amusant.
😉😼😉
Von:  Boahencock-
2024-11-19T05:45:25+00:00 19.11.2024 06:45
Gurdmorng

Chiaki gefällt was er sieht und findet Maron raten scharf.
Die zwei würden bestimmt ein gutes Paar abgeben.

Diese Geier stürzen sich auf euch wie ein Rohes Fleisch das sie gleich verschlingen wollen.
Faszinierte ich glaube da ist jemand dabei sich in Jeanne zu verlieben.

Almelich werden immer mehr Gemeinsamkeiten aufgedeckt was die beiden haben.

Mein Spinner., hi hi hi
Jeanne das hört sich gerade so an als würden sie schon ewig zusammen sein.

“Ich glaube... ich muss dir mal eine Lektion erteilen!”,
Erstmal den Hintern versollen, und dan sehen was noch so passiert, ich glaube wir können es uns ja alle denken. Hi hi hi
🙊🤭

😉😼😉





Von:  Boahencock-
2024-09-25T04:53:12+00:00 25.09.2024 06:53
Gurdmorng

Ja das ist ein Warer Freund auf dem kann man sich immer verlassen.

Aber nur das nötigste
Jeanne das glaubst auch nur du.

Na da brauchst du viel Geduld Chiaki, aber das wird sich in der nächsten Zeit rausfinden.

Versuche es... vertraue ihr... und sie wird dir vertrauen”,
Genau hör auf deine Freundin.
Kommt alles mit der Zeit.

Oh ja ich häng mich mal tran ohne KAFFEE ☕️ geht garnichts.

Dan hoffen wir es das die Anzuge rechtzeitig noch kommen , sonst müssen sie Nackt gehen 😜/ neue kaufen.

Ui die Trinken aber viel Kaffee.

Bin so gespannt was sich die Damen aussuchen werden.
Von:  Boahencock-
2024-09-10T04:25:14+00:00 10.09.2024 06:25
Gurdmorng

Miya mag Jeanne total gerne.
Sie paßt einfach gut in diese Runde

Eine Verrückte Nudel kann man wohl laut sagen.

Na dann euch allen vielllll Spaß
Natürlich werden sie die Arbeit nicht vergessen.

Von:  Boahencock-
2024-09-10T04:24:01+00:00 10.09.2024 06:24
Schön das Maron sich zwischen durch bei ihren Freundinnen meldet.
Genauso wie bei ihren Chef

Wellness das wäre mal was.
Die zwei Damen lasen es sich dabei gut gehen und Miyako
Kann ein bißchen mehr über Jeanne heraus finden.

Jeanne findet an Chiaki gefallen.

Ohhhhh Maron du stehst drauf, wenn man Dreckige Tiernamen benutzt.
Zumindest haben sie für das nächste Mal ein Gesprächsthema.

Maron muß sich selbst ermahnen.
Reis dich zusammen immer mehr fühlt sie sich zu Chiaki hin gezogen.

Sein Freund hat schon mit bekommen das du deine Augen ganz wo andester hattest.
Er findet Maron Heiß 🔥

Die Reise wird für beiden nicht einfach werden da beide für den jeweils anderen Gefühle hat.

Von:  Boahencock-
2024-08-13T04:03:07+00:00 13.08.2024 06:03
Gurdmorng

Achterbahn fahren wäre nichts für mich.
Na das wird lustig beide fahren Achterbahn, und werden sichtlich Spaß haben.

Der Anhänger paßt zu dem FF Spiel mit dem Feuer.
Also gut gewählt.

Das war für beiden ein schöner Tag mit viel Spaß.

Habs mir schon fast gedacht das er so was wie Gedanken lesen kann.
Riesenrad fahren hat was Romantisches an sich.

Nach was sieht es den aus , Chiaki findet gefallen an dir.

Ahhh das erklärt wie er Henry kennen gelernt hat.

Alle 3 sind sichtlich erleichtert das Maron zu gesagt hat.

Auf das Abenteuer ist nicht nur Maron gespannt sondern ich auch.

Also die Reise kann beginen und Euch viel Spaß dabei.
Das heißt dan vielllllllll Riesenrad fahre.
Hi hi hi

😼😉😼


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