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Das letzte Schuljahr

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr! Komplett anzeigen

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Joey saß auf dem Sofa und war ziemlich aufgeregt. Die Sendung wurde im Fernsehen ausgestrahlt und Millionen Zuschauer sahen ihm zu. „Hallo Joey“, sagte der Moderator. „Schön dass du hier bist. Wie du sicher schon weißt gibt es im Internet viele Fanfictions wo du und Kaiba zusammen seid. Was sagst du dazu?“

„Das ist ja widerlich“, meinte Joey. „Mir wird schlecht. Es ist doch wohl klar dass ich den reichen Pinkel nicht leiden kann.“

„Und hier ist er auch schon!“, rief der Moderator. „Begrüßen Sie den bekanntesten Mann von Domino. Ich bitte um einen kräftigen Applaus für Seto Kaiba!“

Das Publikum klatschte und Seto Kaiba erschien auf der Bildfläche. Der Moderator verbeugte sich. Seto setzte sich an den Rand des Sofas.

„Ihr beide kennt euch?“, fragte der Moderator.

„Ja wir gehen in die gleiche Klasse“, antwortete Joey.

„Was hältst du von Joey Wheeler?“, wollte der Moderator wissen.

„Nicht viel“, meinte Seto. „Er ist ein Versager und kriegt nichts auf die Reihe.“ „Hey!“, protestierte Joey.
 

Joey öffnete seine Augen. Er lag im Bett. Was hatte das zu bedeuten? Warum träumte er so was? Es war Sonntagabend. Morgen war die Klassenfahrt und er freute sich darauf. Endlich mal kein Unterricht.

Es war Montagmorgen. Heute begann die Klassenfahrt.

„Roland, sorge in meiner Abwesenheit dafür dass alles geregelt ist. Pass auf Mokuba auf. Er darf nur bis 21 Uhr aufbleiben.“

Roland nickte. „Ja, Seto-sama. Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf der Klassenfahrt.“

„Ich will aber bis 22 Uhr aufbleiben", sagte Mokuba.

„Du bist noch ein Kind und darfst nicht so lange aufbleiben", entgegnete Seto. „Mokuba, du vertrittst mich. Du wirst meine Aufgaben übernehmen."

„Du kannst dich auf mich verlassen, Seto", sagte Mokuba. Kaiba nahm seinen Koffer und stieg aus der Limousine. „Wir sehen uns am Sonntag, Roland.“ Er ging zum vereinbarten Treffpunkt. Seine Klassenkameraden waren schon da und einige verabschiedeten sich gerade von ihren Eltern. Der Brünette schob seinen Koffer in den Laderaum und stieg in den Bus. Kaiba setzte sich an den Fensterplatz. Herr Sato überprüfte die Anwesenheit. Neben ihm stand Frau Watanabe die als Begleitperson mitfuhr. Als es fünf Minuten vor Abfahrt war fehlten noch Joey und Tristan. In dem Moment kamen die zwei angerannt. „Das war ganz schön knapp“, meinte Herr Sato. „Wir sind vollzählig.“ Nach fünf Minuten sagte er zum Busfahrer: „Wir können starten.“ Die Türen schlossen sich und der Bus fuhr los. Herr Sato war der Klassenlehrer. Er war Anfang Vierzig und trug immer einen Anzug mit Krawatte. Er griff zum Mikrofon. „Ich freue mich dass wir gemeinsam diese Klassenfahrt nach Tokio unternehmen können. Uns erwartet ein tolles Programm. Wir werden in einer Herberge übernachten und dort unsere Mahlzeiten einnehmen. Genießt diese sechs Tage und habt Spaß! Wenn ihr euch komisch oder krank fühlt müsst ihr uns das sofort sagen damit wir euch ins Krankenhaus bringen können. Das Rauchen ist nur draußen an bestimmten Orten erlaubt. Alkohol und Geschlechtsverkehr sind verboten. Wer sich nicht daran hält wird verwarnt. Wenn jemand zweimal gegen diese Regeln verstößt wird er oder sie von der Klassenfahrt ausgeschlossen und sofort nach Hause geschickt.“
 

Joey saß neben Yugi. „Das werden die besten sechs Tage unseres Lebens.“

„Was ist mit deinem Vater?“, fragte Yugi.

Joey zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Er ist wahrscheinlich immer noch betrunken, das ist bei ihm der Normalzustand.“ Er war froh dass er mittlerweile eine eigene Wohnung hatte. Denn mit seinem Vater, der ständig Alkohol trank, kam er gar nicht zurecht. In seiner Wohnung konnte er endlich das machen was er wollte. „Mein Vater ist geschäftlich unterwegs“, sagte Yugi. „Er ist nur selten zu Hause.“

„Vermisst du deinen Vater?“

„Ja, sehr sogar.“

„Wie sieht er aus, Yugi?“, wollte Joey wissen. „Hat er auch so eine abgefahrene Frisur wie du?“

Der Bunthaarige schüttelte den Kopf. „Ich kann dir Foto von ihm zeigen.“ Er nahm sein Smartphone und zeigte ihm ein Foto. „Das ist mein Vater.“

Duke und Tristan hörten per Kopfhörer Musik während Tea und Bakura miteinander redeten.

Nach zwei Stunden hielt der Bus bei einer Tankstelle an. „Wir machen eine halbe Stunde Pause“, sagte Frau Watanabe. „Ihr könnt euch was zu essen und trinken kaufen. Wer auf Toilette muss geht am besten jetzt.“

Seto ging zu seinem Lehrer. „Ich muss mit Ihnen unter vier Augen reden, Sato-sensei. Haben Sie Zeit?“ Die beiden stiegen in den Bus und setzten sich nebeneinander. „Worum geht es?“, fragte Herr Sato.

„Wie Sie wissen leite ich die Kaiba Corporation“, sagte Kaiba. „Wegen der Schule kann ich mich nur halbtags um meine Firma kümmern. Ich will meine Abschlussprüfung schon eher schreiben, nicht im Februar oder Anfang März. Wäre das möglich, Sato-sensei?“

„Warum willst du die Abschlussprüfung eher schreiben?“, fragte Herr Sato.

„Damit ich mich ganztags um meine Firma kümmern kann.“

„Du musst erst den Direktor fragen ob das möglich ist“, sagte der Lehrer. Er verließ den Bus. Auch Kaiba stieg aus und sah zu Yugi und seinen Freunden.
 

Joey sah Seto Kaiba zum ersten Mal im Fernsehen. Kaiba war so alt wie er und erst seit kurzem der Besitzer der Kaiba Corporation. Er hatte aus ihr eine Spielefirma gemacht. Sein Vorgänger Gozaburo Kaiba beging Selbstmord. Man hatte seine Leiche unten beim Gehweg gefunden.
 

Einige Monate später
 

Der Lehrer betrat das Klassenzimmer mit einem Jungen. Joey sah den Jungen an und erkannte ihn sofort. Das war der Junge den er vor einigen Monaten im Fernsehen gesehen hatte. „Wir haben einen neuen Mitschüler in unserer Klasse“, sagte der Lehrer. „Willst du dich kurz vorstellen?“ „Mein Name ist Seto Kaiba.“„Ich hab von dir gehört!“, rief ein Junge. „Dir gehört die Kaiba Corporation, nicht wahr?“

„Das ist korrekt“, sagte Seto.

„Setz dich in die erste Reihe“, sagte der Lehrer. Seto setzte sich auf dem freien Platz und stellte seinen Aktenkoffer hin.

Als es zur Pause klingelte ging Seto aus dem Klassenzimmer. Dabei fiel ihm eine Karte runter doch er merkte das nicht. Joey hob die Karte auf und sah sie sich an. Es war der weiße Drache mit dem eiskalten Blick, eine seltene und mächtige Karte. Er wollte ihm die Karte zurückgeben und fand ihn bei den Schließfächern. Joey ging zu ihm. „Die Karte gehört dir.“

Kaiba riss ihm die Karte aus der Hand. „Ich bin Joey Wheeler. Spielst du etwa auch Duel Monsters? Das ist cool, dann könnten wir irgendwann mal zusammen spielen.“

„Ich mit dir?“, erwiderte Seto. „Nein danke, darauf verzichte ich.“
 

Das war seine erste Begegnung mit Joey Wheeler. Er sah wie der Blonde mit seinen Freunden redete und lachte. Kaiba brauchte keine Freunde. Er ging zur Toilette. Als er zurückkam war die Pause fast vorbei. Er stieg in den Bus und setzte sich an seinem Platz.

„Alles einsteigen!“, rief Frau Watanabe.

Die Schüler stiegen in den Bus. Als alle auf ihre Plätze waren fuhr der Bus weiter. Joey und Tristan sangen gemeinsam ein Lied. Im Bus herrschte gute Stimmung. Alle Schüler waren in bester Laune. Alle bis auf Kaiba. Er hatte die Arme verschränkt und seine Miene blieb ernst.

Joey musste lange für diese Klassenfahrt sparen. Er hatte zwei Jobs auf einmal. Er trug Zeitungen aus und arbeitete im Kame Game Shop als Aushilfe.

Nach einigen Stunden Fahrt erreichten sie gegen 16 Uhr Tokio. Alle stiegen aus und nahmen ihr Gepäck aus dem Bus. Die Herberge lag außerhalb der Stadt. Die Klasse versammelte sich in der Eingangshalle der Herberge. „Ich und Sato-san müssen immer wissen wo ihr gerade seid“, sagte Frau Watanabe. „Meldet euch bei uns ab wenn ihr nach draußen geht.“

Herr Sato sprach mit der Herbergsleiterin und bekam von ihr eine Belegungsliste auf einem Klemmbrett ausgehändigt. „Ich gebe euch zehn Minuten Zeit. Hier könnt ihr eintragen wer mit wem in einem Zimmer wohnt. Jungen und Mädchen schlafen in getrennte Zimmer. Wenn ihr euch eingetragen habt gebt die Liste an die nächste Gruppe weiter.“ Frau Watanabe hatte die Schlüssel in Empfang genommen.

Seto ging zu Herr Sato. „Ich will ein Einzelzimmer.“

„Das ist nicht möglich“, entgegnete der Lehrer. „Nur Lehrer dürfen ein Einzelzimmer haben. Ihr habt Zweier, Dreier oder Viererzimmer.“

Als Seto die Liste bekam trug er sich nach kurzem Überlegen für das Zweierzimmer ein. Wenn er schon sein Zimmer mit jemand teilen musste dann nur mit einer und nicht mit drei anderen Personen. Nach einer Weile kam die Liste bei Joey an. Er sah dass Yugi, Bakura, Tristan und Duke sich für das Viererzimmer eingetragen hatten. Er würde gerne ein Zimmer mit seinen Freunden teilen. Doch das war nicht mehr möglich. Der Blonde sah bei einem Zweierzimmer Kaibas Namen. Die anderen Zimmer waren alle belegt. Nur bei Kaiba war noch ein Platz frei. Joey ärgerte sich dass er mit Kaiba ein Zimmer teilen musste. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig.
 

Als die vorgegebene Zeit vorüber war nahm Herr Sato das Klemmbrett und rief nach und nach die einzelnen Gruppen auf. „Zimmer 12 Tea, Risa, Kasumi und Mariko.“ Tea nahm den Schlüssel entgegen und stieg mit den anderen drei Mädchen die Treppe hinauf.

Der Lehrer fuhr der Reihe nach mit den anderen Mädchen- und Jungenzimmer fort. Er war gerade beim vorletzten Jungenzimmer. „Zimmer 15 Yugi, Bakura, Tristan und Duke.“ Schließlich waren nur noch zwei übrig. „Zimmer 18 Seto und Joey.“ Frau Watanabe gab dem Blonden den Schlüssel. „Passt gut auf eure Schlüssel auf, das ist wichtig.“ Er ging zu Zimmer 18 und schloss die Tür auf. Kaiba stellte seinen Koffer auf das Bett und packte seine Sachen aus. Er drehte sich um. „Du bist eine Niete, Wheeler.“ Joey ballte die Hände zur Faust. „Hey pass auf was du sagst!“ „Sonst was?“ „Sonst das!“ Joey wollte ihm ins Gesicht schlagen doch Kaiba wich aus und verdrehte seinen Arm. „Lass meinen Arm los, Kaiba!“ „Erst wenn du dich bei mir entschuldigst.“ „Mich bei dir entschuldigen, das werde ich nicht machen. Au okay Entschuldigung, Kaiba.“ Der Brünette ließ ihn los und grinste. „Na also geht doch.“ Im Zimmer befanden sich ein Tisch, zwei Stühle, zwei Schränke und ein Etagenbett.
 

Joey ging rüber zu Zimmer 15. „Hallo Leute. Ich hab solchen Hunger. Mein Magen knurrt schon.“ „Da musst du dich noch etwas gedulden“, sagte Tristan. „Es gibt erst um 18 Uhr Abendessen.“ Joey raufte sich die Haare. „Das darf nicht wahr sein. Ich muss mit dem Eisklotz in einem Zimmer schlafen! Wollt ihr nicht mit mir tauschen? Yugi, Bakura, Tristan, Duke?“ Als niemand etwas sagte sank seine Laune. „Ihr seid vielleicht schöne Freunde.“ „Es sind nur fünf Tage“, sagte Duke. „Du hast schon schlimmere Sachen durchgestanden.“ „Habt ihr schon gewusst dass ich beim Gesangswettbewerb mitmache?“, fragte Joey. „Seit wann kannst du singen?“, fragte Tristan. „Ich konnte schon immer singen“, sagte Joey. „Kannst du uns was vorsingen?“, wollte Duke wissen. „Klar.“ Der Blonde räusperte sich und fing an zu singen. Die anderen hörten ihm zu. Dann war Joey fertig und blickte in die Runde. „Was sagt ihr dazu?“ „Nicht schlecht“, sagte Tristan anerkennend. Es klopfte an der Tür. „Hallo Jungs“, sagte Tea. „Was machen wir jetzt?“ Die Gruppe ging in den Gemeinschaftsraum. Dort gab es verschiedene Gesellschaftsspiele und zwei Tischfußbälle.

„Habt ihr Lust auf Tischfußball?“, fragte Joey. „Oder Mensch ärgere dich nicht?“

Kurz vor 18 Uhr versammelten sich die Schüler vor dem Speisesaal. „Ich bin gespannt was es zu essen gibt“, sagte Joey. Herr Sato und Frau Watanabe standen vor der Tür. „Um 18 Uhr gibt es Abendessen“, sagte der Lehrer. „Danach könnt ihr machen was ihr wollt. Ihr dürft draußen vor der Herberge rauchen und die Herberge verlassen. Wir müssen immer wissen wo ihr gerade seid. Meldet euch bei uns ab wenn ihr nach draußen geht. Um 22 Uhr ist Nachtruhe. Nachts darf das Zimmer nicht verlassen werden. Ich und Frau Watanabe müssen sicherstellen dass die Nachtruhe eingehalten wird. Deshalb werden wir beide abends nochmal die Zimmer kontrollieren.“

Die Schüler betraten den Speisesaal. Heute gab es ein Buffet. Auf den Tischen gab es mehrere Gerichte. Jeder konnte so viel essen wie er wollte. Das war ganz nach Joeys Geschmack. Er nahm von allem etwas und setzte sich zu seinen Freunden. „Wie bleiben wir in Kontakt wenn du in Amerika bist?“, fragte Yugi. „Wir können uns per Webcam unterhalten“, sagte Tea. „So können wir uns gegenseitig sehen und ich werde euch meine Adresse geben.“ „Schade dass das Freibad zumacht“, sagte Yugi. „Wenigstens gibt es noch das Hallenbad.“ „Wie läuft es mit deinem Spieleladen, Duke?“, fragte Tristan. „Gut ich kann mich nicht beklagen“, antwortete der Schwarzhaarige. „Hat dein Spieleladen geschlossen wenn du nicht da bist?“, wollte Bakura wissen. „Nein ich habe jemand der mich vertritt“, sagte Duke. „Was wollt ihr nach der Schule machen?“, fragte Yugi. „Ich arbeite bei meinem Vater in der Fabrik“, sagte Tristan. „Ich werde Profiduellant“, sagte Joey. „Ich werde weiter in meinem Spieleladen arbeiten“, sagte Duke. „Ich ziehe nach New York und werde Tänzerin“, sagte Tea. „Ich werde weiter meinem Großvater in seinem Laden helfen“, sagte Yugi. „Aber ich will auch meine eigenen Spiele erfinden.“ Joey stand auf und nahm seinen Teller. „Ich hol Nachschlag.“
 

Nach dem Abendessen waren die sechs wieder im Gemeinschaftsraum. „Hey Tea“, sagte Tristan. „Wusstest du dass unser Joey singen kann?“ „Stimmt das, Joey?“, wollte Tea wissen. „Du kannst singen?“

Der Blonde nickte. „Ich werde beim Gesangswettbewerb mitmachen, Tea. Ich muss auf Toilette.“

Joey ging zu seinem Zimmer. Die Zimmertür war nicht abgesperrt. Das Badezimmer war besetzt. Ausgerechnet jetzt. Joey klopfte an die Tür. „Beeil dich Kaiba, ich muss aufs Klo!“

Als nach fünf Minuten die Tür immer noch nicht aufging hämmerte er gegen die Tür. „Kaiba mach endlich die Tür auf!“ In dem Moment öffnete sich die Tür und Kaiba kam raus. „Was hast du so lange im Bad gemacht?“, wollte Joey wissen. „Das geht dich nichts an. Hast du in die Hose gemacht?“ „Nein, das hättest du wohl gerne.“ „Schade, das hätte ich zu gerne gesehen.“ „Warum kannst du mich nicht leiden, Kaiba?“, fragte Joey. „Ich hab meine Gründe.“ Kaiba stellte seinen Laptop auf den Tisch. Der Blonde ging ins Bad und schloss die Tür ab.
 

Kaibas Smartphone machte ein Geräusch. Der Brünette nahm ab. „Hallo?“ „Ich bin’s, Mokuba. Wie ist die Klassenfahrt?“ „Akzeptabel“, erwiderte Kaiba. „Ich muss mit dem Köter in einem Zimmer schlafen!“ „Köter? Wen meinst du damit?“ „Wheeler.“ „Warum nennst du ihn Köter?“ „Das ist eine lange Geschichte, Mokuba. Was machst du gerade?“ „Ich schau Fernsehen“, antwortete der Schwarzhaarige. „Wie läuft es in der Kaiba Corporation?“, fragte Seto. „Super wir haben alles im Griff. Pegasus war heute in der Firma. Er wollte mit dir reden.“ „Hat er gesagt über was er reden will?“ „Nein.“ „Ich hoffe dass die nächsten fünf Tage schnell vorübergehen“, sagte Kaiba. „Seto ich beneide dich“, sagte Mokuba. „Versuch es mal positiv zu sehen. Du bist in Tokio, das ist so eine tolle Stadt. Da gibt es viel zu entdecken.“ „Sag Roland dass er mich am Freitag abholen soll. Bis dann Mokuba.“
 

Joey kam aus dem Bad und ging zurück zu seinen Freunden. „Ich bin gespannt was für morgen geplant ist“, sagte Tristan. „Ich auch“, sagte Tea. Auf einmal tauchte eine weitere Schulklasse auf. „Ich hol schnell unsere Lehrer“, sagte Bakura. „Was wollen die hier?“, fragte Duke. „Das werden wir sicher gleich rausfinden“, sagte Yugi.

Die Schüler von der neuen Klasse schlenderten zu den Regalen und zogen einige Bücher aus dem Regal ohne sie wieder an ihren vorherigen Platz zu stellen. Sie nahmen die Brettspiele und stellten sie auf dem Tisch.

Bakura kam zurück. Nicht weit entfernt stand ein älterer Mann mit grauen Haaren und Brille. Das musste ihr Lehrer sein. Herr Sato sprach den Mann an. „Ich bin Sato und das ist meine Kollegin Watanabe. Und Sie sind …“ „Mein Name ist Hayashi. Und das sind meine Schüler. Wir wollen auch in dieser Herberge übernachten.“

Die Herbergsleiterin kam dazu. Sie wandte sich an Herr Hayashi. „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ „Ich und meine Klasse wollen auch hier in dieser Herberge übernachten“, sagte Herr Hayashi. „Ich muss erst schauen ob es hier genug Platz für zwei Klassen gibt“, sagte die Herbergsleiterin. „Bitte folgen Sie mir.“ „Ich bin gleich wieder da“, sagte Herr Hayashi zu seinen Schülern. „Benehmt euch anständig.“

Kaum war ihr Lehrer weg ergriff ein dicker Junge das Wort. „Gibt es hier nichts was einem Spaß macht? Ich sehe nur alte Brettspiele und Bücher. Wie langweilig ist das denn? Das einzig Brauchbare sind die Tischfußbälle.“ Die Mädchen und Jungen um ihm herum lachten und schienen ihm Recht zu geben. Der Junge und einige andere steuerten auf einen Tischfußball zu und verdrängten die bisherigen Spieler. „Wir sind jetzt dran. Ihr hattet euren Spaß.“
 

„Wann schreiben wir eigentlich die Abschlussprüfungen?“, wollte Joey wissen. „Im Februar oder Anfang März“, antwortete Bakura. „Jetzt ist erst Anfang Oktober“, meinte Joey. „Das sind noch vier oder fünf Monate.“ „Ich lerne schon jetzt für die Abschlussprüfungen“, sagte Bakura. „Ich will die Abschlussprüfungen mit der Bestnote bestehen.“ „Du bist ja ein richtiger Streber, Bakura“, meinte Joey. „Na und?“, erwiderte der Weißhaarige. „Immer noch besser als erst auf den letzten Drücker zu lernen.“ Herr Hayashi kam in den Raum. „Ich habe gute Nachrichten. Wir können in dieser Herberge übernachten. Unsere Zimmer sind im zweiten Stock.“ Er und seine Schüler verließen den Raum und gingen nach oben.

„Mann ich wusste gar nicht dass noch eine weitere Schulklasse hier übernachten will“, sagte Joey. „Ich mag die andere Klasse nicht. Hoffentlich müssen wir nicht mit ihnen abhängen.“

„Spielen wir Verstecken“, schlug Tristan vor. „Wer will suchen?“ „Ich“, sagte Duke. „Ich zähle bis dreißig. Eins, Zwei …“ Der Blonde suchte ein gutes Versteck und wurde in seinem Zimmer fündig. „Achtundzwanzig, Neunundzwanzig, Dreißig. Ich komme!“

Duke öffnete die Tür zu Zimmer 18 und sah überall nach. Hinter dem Vorhang, im Kleiderschrank und unter dem Tisch.

Joey versteckte sich unter dem Bett. Hoffentlich findet er mich nicht, dachte er. Der Fußboden war hart und ungemütlich. Er wusste nicht wie lange er das noch durchhielt. Er sah Dukes Gesicht und erschrak. „Mann Duke! Hast du mich erschreckt!“ „Ich hab dich gefunden“, sagte der Schwarzhaarige. Joey kam aus seinem Versteck. „Hast du die anderen schon gefunden?“ „Nein.“ Die beiden machten sich auf die Suche nach ihren Freunden. Als sie alle gefunden hatten gähnte Joey. „Es ist schon spät. Wir sehen uns morgen, Leute.“

Er putzte sich die Zähne und schlüpfte in seine Schlafhose. Dann machte er das Licht aus und legte sich ins Bett. Er schlief unten und Kaiba schlief oben.

Joey wachte auf und sah auf seinen Wecker. Es war ein Uhr nachts. Plötzlich hörte er ein Geräusch. Ein Klopfen an der Tür. Er stand auf und machte die Tür auf. Es waren Duke und Tristan. Duke trug seine Haare offen. Es war ein ungewohnter Anblick, sonst hatte er seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. „Yugi ist nicht in unserem Zimmer“, sagte Tristan. „Und im Bad ist er auch nicht.“

Joey stand mit Tristan und Duke im Flur. „Die Tür von unserem Zimmer war offen“, sagte Duke.

„Wir müssen ihn suchen“, sagte Tristan. Er hatte eine Taschenlampe dabei. „Folgt mir. Er muss hier irgendwo sein.“

„Ich sehe ihn“, sagte Duke. Yugi ging zum Ausgang. „Wir müssen uns beeilen.“

Die drei holten ihn ein.

Duke nahm Yugi an die Hand. „Soll ich ihn aufwecken?“

„Bloß nicht“, entgegnete Tristan. „Er könnte sich erschrecken und aggressiv reagieren. Wir müssen ihn wieder zurück ins Bett führen.“

Gemeinsam gingen sie weiter. Als sie bei Zimmer 15 ankamen verabschiedete sich Joey. „Ich geh wieder schlafen. Gute Nacht.“
 

Seto wachte auf. Es war 8 Uhr morgens. Der Brünette zog seine übliche Kleidung an und ging zum Speisesaal. Einige seiner Mitschüler saßen an einem Tisch. Er schüttete Kaffeepulver in seine Tasse und goss heißes Wasser dazu. Dann tat er Cornflakes in seine Schüssel und setzte sich an einem Tisch. Er aß seine Cornflakes und trank Kaffee. Nun betrat Tea den Speisesaal. Sie holte ihr Frühstück und Getränk. Sie schlenderte zu seinem Tisch und setzte sich ihm gegenüber. „Guten Morgen, Kaiba. Wie geht es dir?“ Sie stellte weitere Fragen doch sie bekam darauf keine Antworten. „Du bist nicht gerade gesprächig. Hast du …“

Seto unterbrach sie. „Kannst du nicht mal deine Klappe halten? Du nervst!“
 

Joey öffnete die Augen. Er sah auf die Uhr. Es war 9 Uhr. Er schlug die Bettdecke zurück und schlüpfte in seine Klamotten. Anschließend marschierte er zum Speisesaal. Auf dem Weg traf er Yugi, Bakura, Tristan und Duke. „Guten Morgen Leute“, begrüßte der Blonde seine Freunde. „Wie ist es mit Kaiba in einem Zimmer zu schlafen?“, wollte Tristan wissen.

„Es ist nichts Besonderes“, meinte Joey. „Ich hab so gut geschlafen wie immer.“

Die Gruppe ging in den Speisesaal.

Mittlerweile war es dort ziemlich voll. Nachdem alle ihr Frühstück hatten sahen sie sich um. Bakura deutete auf einen Tisch. „Da sitzt Tea. Kaiba sitzt ihr gegenüber. Seit wann sitzen sie zusammen an einem Tisch?“

„Kommt wir leisten ihnen Gesellschaft“, schlug Duke vor.

„Muss das sein?“, fragte Joey. „Ich habe keine Lust mit dem reichen Pinkel an einem Tisch zu sitzen.“

„Wir haben keine andere Wahl, Joey“, sagte Duke. „Alle anderen Tische sind schon besetzt.“

Joey stöhnte. „Wenn’s sein muss.“

Die fünf setzten sich zu Seto und Tea.

„Wenn das nicht die Dumpfbackenpatrouille ist“, sagte Seto.

„Tokio ist viel größer als unsere Stadt Domino“, meinte Yugi nachdem alle eine Weile im Essen gestochert hatten.

„Das stimmt“, sagte Tea.

„Ich mag die andere Klasse nicht“, sagte Joey. „Die haben kein Benehmen.“

„Da hast du Recht“, erwiderte Tristan.

„Ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen“, sagte der Bunthaarige. „Wer weiß, vielleicht sind die ganz nett.“

„Die andere Klasse soll nett sein?“, fragte Joey. „Yugi, du hast doch gesehen wie sie sich verhalten. Anstatt nett zu fragen haben sie unsere Mitschüler einfach weggedrängt!“ Seto runzelte die Stirn. „Hier ist noch eine andere Klasse?“

„Ach ja stimmt, das hast du gar nicht mitbekommen“, sagte Joey.

In dem Augenblick kamen Herr Sato und Frau Watanabe in den Speisesaal. „Wenn ihr mit dem Essen fertig seid geht ihr sofort in die Eingangshalle“, sagte Herr Sato. „Wir haben euch was Wichtiges zu sagen.“

Es dauerte eine halbe Stunde bis alle Schüler in der Eingangshalle waren.

Der Lehrer räusperte sich. „Wie ihr sicher schon wisst kam gestern Abend eine andere Klasse an. Wir haben mit Hayashi-san gesprochen und beschlossen einen Wettbewerb zu veranstalten. Unsere Klasse wird gegen die andere Klasse in verschiedenen Wettkämpfen antreten. Die Klasse mit den meisten Punkten ist der Sieger.“

„Wir machen jetzt ein Gruppenfoto“, sagte Frau Watanabe. „Die Herbergsleiterin wird uns fotografieren. Große Leute gehen nach hinten, kleine Leute nach vorne. Kommt näher. Noch näher. Seid ihr alle soweit?“

Die Schüler gingen hin und her. Es vergingen einige Minuten bis alle soweit waren und nach vorne blickten. „So und alle schön lächeln!“, rief die Herbergsleiterin. Sie machte einige Fotos von der Klasse. Als sie damit fertig war sagte sie: „Ihr könnt euch wieder bewegen.“

„Geht zu eure Zimmer und zieht Sommerkleidung an!“, rief Frau Watanabe. „Nehmt eine Jacke mit! Und nehmt euch was zu trinken mit! An die Mädchen: Zieht eine Hose an und keine Kleider und Röcke!“

Danach machte sich die Klasse auf dem Weg zum Bahnhof. Yugi, Joey, Tristan, Tea und Bakura befanden sich am Ende der Kolonne. Kaiba trug ein schwarzes, kurzärmliges T Shirt und dunkelblaugrüne Hosen. Duke war wie immer von einigen Mädchen umgeben und schien das zu genießen.
 

„Ich werde umziehen und Serenity mitnehmen“, sagte seine Mutter. „Du bleibst bei deinem Vater.“ „Nein, Mutter!“, protestierte Joey. „Bitte nimm mich mit!“ „Das geht nicht“, sagte seine Mutter. „Bis dann Joseph.“ Sie und Serenity stiegen ins Auto. Serenity drückte ihr Gesicht gegen das Fenster und weinte. Er weinte ebenfalls und rannte dem Auto nach. „Serenity!“
 

Joey blieb stehen. „Was hast du, Joey?“, fragte Yugi. „Warum gehst du nicht weiter?“

„Ich hab nur über was nachgedacht“, erwiderte der Blonde.

„Über was denn?“, wollte der Bunthaarige wissen.

Joey winkte ab. „Ist nicht so wichtig.“

Das Wetter war angenehm warm und die Sonne schien. Die beiden mussten schneller gehen um die anderen einzuholen.

„Rebecca ist in mich verliebt“, sagte Yugi. „Sie ist nett aber ich liebe sie nicht. Was soll ich machen? Ich will sie nicht verletzen.“

„Du musst ihr die Wahrheit sagen, Yugi“, antwortete Tristan. „Sonst macht sie sich falsche Hoffnungen.“

„Tristan hat Recht“, meinte Tea.

Heute war Dienstag, der zweite Tag der Klassenfahrt. Nur noch vier Tage, dann hatte Kaiba das endlich überstanden und konnte wieder in seiner Firma arbeiten. In Amerika hatte er bereits seinen Themenpark und es wurde Zeit auch in Japan ein Kaiba Land aufzubauen. Die Bauarbeiten waren fast abgeschlossen.

Kaiba zeigte Mitgefühl für Kinder – insbesondere für Waisenkinder (da er selbst eines war und wusste, wie es sich anfühlte). Er hatte bestimmt dass Waisenkinder die den Freizeitpark besuchten freien Eintritt bekamen.
 

Am Tokyo Teleport Bahnhof erwarb Herr Sato ein Gruppenticket. Der Bahnhof war überfüllt mit Menschen. Der Zug fuhr in zehn Minuten. Die Schüler und die beiden Lehrer stiegen schnell ein. „Wann findet der Gesangswettbewerb eigentlich statt?“, fragte Yugi. „Dieses Jahr“, antwortete Joey. „Das genaue Datum steht noch nicht fest. Die drei Juryteilnehmer werden jedoch unerkannt bleiben bis zum Event. Der Sieger des Wettbewerbs gewinnt ein Preisgeld in Höhe von 150.000 Yen.“ (Umgerechnet ist das 1005,28 Euro.) „Bei der nächsten Station steigen wir aus!“, rief Herr Sato. Es kam eine Durchsage. „Nächster Halt. Bitte in Fahrtrichtung links aussteigen.“ „Wir steigen jetzt aus!“, rief Herr Sato. Sie verließen den Zug und gingen in Richtung Riesenrad. Fünf Minuten später standen sie vor einem Gebäude. „Hört alle gut zu!“, sagte Herr Sato. „Das ist das Digital Art Museum. Ich habe im Internet für uns Eintrittskarten besorgt.“ Er verteilte die Eintrittskarten an die Schüler. „Ihr fragt euch sicher warum ihr Sommerkleidung tragen sollt“, sagte Frau Watanabe. „Nun das hat einen bestimmten Grund. Im Museum ist es sehr warm und schwül. Die Mädchen sollen Hosen tragen weil dort viele Räume Spiegelböden haben.“ Die Klasse und die Lehrer betraten das Museum. „Ihr habt zwei Stunden Zeit das Museum auf eigene Faust zu erkunden“, sagte Herr Sato. „Eure Sachen könnt ihr in ein Schließfach tun. Wir treffen uns um 12 Uhr draußen vor dem Eingang.“

„Und?“, fragte Tristan. „Wo wollen wir zuerst hin? Es gibt fünf Bereiche. Grenzenlose Welt, Athletisches Feld, Zukunfts-Park, Wald der Lampen und En Teehaus.“

„Gehen wir zum Athletischen Feld“, schlug Duke vor. Gemeinsam machte sich die Clique auf dem Weg dorthin.

Kurz darauf waren sie angekommen und betraten den Raum. Der Raum war dunkel und leuchtete in verschiedene Farben. „Das sieht toll aus“, schwärmte Tea.
 

Das Athletische Feld bestand aus folgenden Attraktionen: Multi-Sprung Universum, Lichterwald 3D Klettern und Schwereloser Wald. Sie probierten alles aus. „Hier ist es so heiß“, sagte Joey. „Ich muss mich abkühlen Leute. Ich gehe nach draußen an die frische Luft.“ Er ging zum Ausgang und verließ das Museum. Draußen streckte er die Arme in die Höhe. Nicht weit entfernt von ihm stand Seto. Er aß eine belegte Semmel. „Kaiba, ist dir auch so heiß wie ich?“, rief Joey. Als er keine Antwort bekam stellte er sich direkt vor Kaiba. „Hey ich hab dich was gefragt!“

„Du nervst mich, Wheeler.“

Joey wiederholte seine Frage. „Ist dir auch so heiß wie ich?“

„Was soll die dumme Frage“, meinte Seto. „Natürlich ist mir heiß. Siehst du nicht dass ich schwitze?“

Der Blonde ging wieder ins Museum und fand seine Freunde in Grenzenlose Welt. Sie bestand aus mehreren Ausstellungen. Seine Freunde waren in der Kristallwelt. Es hingen tausende LEDs von den Wänden, die wiederum vom Spiegelboden reflektiert wurden. Die Farben der LEDs konnte man übrigens mit einer App auf einem Handy kontrollieren. Der Raum hatte zwei Ausgänge und im hinteren Bereich gab es eine große Fläche, an der man sicher ein tolles Selfie schießen konnte. Seine Freunde waren gerade im hinteren Bereich. „Hallo Leute“, sagte Joey. „Da bin ich wieder.“

„Ich habe Durst“, sagte Bakura. „Ich hab nichts zu trinken dabei und die Getränkeautomaten sind leer.“

Duke gab ihm eine Flasche Wasser. „Hier für dich.“

„Danke Duke.“ Bakura öffnete die Flasche und trank.
 

Seto und Mokuba saßen hinten im Auto. Ihr Onkel und ihre Tante saßen vorne. „Wo fahren wir hin?“, wollte Mokuba wissen. Die Tante lächelte. „Zu eurem neuen Zuhause.“ „Ich hab solche Angst, Seto“, sagte Mokuba.

„Du brauchst keine Angst zu haben“, erwiderte Seto. „Ich werde immer für dich da sein, Mokuba. Das verspreche ich dir.“ Der Onkel hielt das Auto an. „Wir sind da.“ Die vier stiegen aus. „Das ist euer neues Zuhause“, sagte die Tante. Seto war entsetzt. „Das ist das Waisenhaus. Dort sollen wir leben?“

„Das ist genau der richtige Ort für euch beide“, meinte der Onkel. „Das Vermögen eurer Eltern gehört uns, ihr bekommt davon keinen einzigen Yen.“

Eine junge Frau kam zu ihnen. „Ich bin Frau Miyata. Ich arbeite im Waisenhaus. Brauchen Sie etwas?“

„Das sind Seto und Mokuba“, sagte die Tante. „Wir können uns nicht um sie kümmern. Deshalb haben wir uns entschieden die beiden ins Waisenhaus zu bringen. Das ist das Beste für sie.“

„Ist in Ihrem Waisenhaus noch genug Platz für die zwei?“, fragte der Onkel.

Frau Miyata nickte. „Wir gehen in mein Büro. Ihr beide wartet hier.“ Nach zehn Minuten waren die drei Erwachsenen wieder da. „Wir gehen jetzt wieder“, sagte die Tante. „Tschüss.“ Sie und der Onkel gingen zurück zum Auto. „Seto und Mokuba, bitte folgt mir“, sagte Frau Miyata. „Kinder, hört mal her! Ich habe euch was Wichtiges zu sagen!“ Die Kinder hörten auf zu spielen und sahen zu ihr. „Das sind Seto und Mokuba. Sie werden ab heute bei uns im Waisenhaus leben.“
 

Die meisten Kinder um sie herum wurden adoptiert. Einige Paare wollten Seto adoptieren weil er ein Genie war. Doch er hatte sich geweigert ohne Mokuba zu gehen. „Danke, dass du mich nicht im Stich gelassen hast“, sagte Mokuba. „Du hast gesagt dass wir das Waisenhaus nur gemeinsam verlassen. Weil wir Brüder sind. Du lässt nicht zu dass man uns trennt, oder?“

„Darauf kannst du dich verlassen“, sagte Seto. „Niemand wird uns jemals auseinander bringen.“
 

Seto und Mokuba spielten Schach. Sie spielten das jeden Tag. Drei Jungs sahen ihnen zu. Die Kaiba Brüder hoben ihre Köpfe und sahen wie jemand ein Foto von ihnen machte.
 

Mokuba konstruierte zwei Medaillons und nahm ein zerrissenes Foto von ihnen aus dem Waisenhaus. Er legte es in beide Medaillons. Die Hälfte mit Seto war für Mokuba und die Hälfte mit Mokuba war für Seto.
 

Um 11:55 Uhr standen Joey und seine Freunde draußen vor dem Eingang. „Ich hab solchen Hunger“, sagte Joey. „Ein saftiges Steak wäre genau das Richtige“, sagte Tristan. Tea seufzte. „Ihr denkt nur ans Essen.“ „Na und?“, erwiderte Joey. „So sind wir nun mal.“ „Ich bin froh dass ich den Millenniumsring nicht mehr habe“, sagte Bakura. „Ich bin endlich frei.“ „Ja der Millenniumsring hat viel Ärger gemacht“, meinte Tristan. Herr Sato und Frau Watanabe überprüften die Anwesenheit. Es fehlten noch einige Schüler. Als der Rest der Klasse auftauchte sagte Herr Sato: „Wir fahren mit dem Bus zurück zur Herberge und essen dort zu Mittag.“
 

Seto stieg in den Bus und wählte den Platz am Fenster. Er war müde und kümmerte sich wenig um seine Mitmenschen, die einzige Ausnahme war sein kleiner Bruder Mokuba. Seto vertraute nur ihm. Sein Magen knurrte. Kein Wunder, der Brünette hatte nur eine belegte Semmel gegessen und Wasser getrunken.

„Kaiba! Kaiba!“ Er war eingeschlafen und öffnete seine Augen. Er sah sich um. Seine Klassenkameraden und Lehrer waren bereits ausgestiegen. „Wir sind da“, sagte Joey. „Das sehe ich auch, Wheeler.“ Er schob den Blonden einfach beiseite.

„Willst du nicht danke sagen?“, fragte Joey. „Ich hab dich aufgeweckt.“ Darauf bekam er keine Antwort. Das war typisch für Kaiba dass er sich nie für etwas bedankte.

Seto merkte dass seine Mitschüler ihn anstarrten doch er ließ sich davon nicht verunsichern. Ihm war es egal was sie über ihn dachten. „So jetzt gibt es Mittagessen“, sagte Herr Sato. „Danach gehen wir ins Hallenbad. Vergesst eure Badesachen nicht.“

Joey holte sein Mittagessen und setzte sich zu seinen Freunden. Heute gab es Curryreis mit Steak, sein Leibgericht. „Endlich gehen wir schwimmen“, sagte Tristan. „Das kannst du laut sagen“, meinte Duke. „Hast du keine Angst wenn du nach dem Schulabschluss nach New York ziehst?“, wollte Yugi wissen. „Du bist dann ganz allein in Amerika.“ „Ich hab davor keine Angst“, entgegnete Tea. „Ich war schon einige Male allein in Amerika und komme dort gut zurecht.“ „Ich bewundere dich, Tea“, sagte Bakura. „Ich könnte nicht allein in einem fremden Land leben.“

In dem Augenblick kamen die Schüler von Herr Hayashi in den Speisesaal. „Seht sie euch an“, sagte Joey. „Hier kommt unsere Konkurrenz. Wir müssen unser Bestes geben und die andere Klasse besiegen.“ „Natürlich werden wir unser Bestes geben“, meinte Duke. „Wenn wir verlieren geht die Welt nicht unter. Jeder gewinnt und verliert mal.“

Der dicke Junge kam mit einem anderen Jungen zu ihrem Tisch. „Ich bin Kenzo und das ist mein Freund Hayato. Ihr habt gegen uns keine Chance. Wir werden euch fertigmachen.“ „Falsch, wir werden euch fertigmachen“, entgegnete Joey.

Kenzo lachte. „Das glaubst du doch selber nicht. Wenn wir mit euch fertig sind werdet ihr wünschen uns nie begegnet zu sein.“ Herr Hayashi kam in ihre Richtung. Kenzo und Hayato sahen ihn und gingen sofort weg. „Sei ehrlich, Yugi“, sagte Joey. „Bist du immer noch der Meinung dass die andere Klasse nett ist?“
 

Nach dem Mittagessen ging Joey auf sein Zimmer und stopfte seine Badesachen in die Sporttasche. Der Blonde nahm seine Tasche und ging in die Eingangshalle. Es war 13:30 Uhr. Herr Sato und Frau Watanabe zählten nach ob alle Schüler da waren. „Wir gehen zu Fuß“, sagte Herr Sato. „Wir müssen zum U-Bahnhof gehen. Dort sind sehr viele Menschen, bleibt dicht zusammen.“ Er ging voraus und die Schüler folgten ihm. Frau Watanabe ging ganz hinten um die Schüler besser im Auge zu behalten.

„Die Automaten in Tokio verkaufen alles auf der Welt“, sagte Bakura. „Von Pralinen und Hamburgern bis hin zu gebrauchter Damenunterwäsche. Habt ihr das gewusst?“

Tea rümpfte die Nase. „Gebrauchte Unterwäsche? Das ist unhygienisch.“

Nach einer halben Stunde erreichten sie den U-Bahnhof und gingen die Rolltreppe runter. Dann warteten sie am Bahnsteig hinter der weißen Linie. „Wer vertritt dich eigentlich wenn du nicht in deinem Spieleladen bist?“, wollte Tristan wissen. „Ein guter Freund von mir“, antwortete Duke.

„Warum heißt dein Spieleladen Black Clown?“, wollte Tristan wissen.

„Da musst du meinen Vater fragen“, antwortete Duke. „Er hat sich diesen Namen ausgedacht.“

In diesem Augenblick kam die U-Bahn und hielt langsam an. Die Türen öffneten sich und die Fahrgäste stiegen aus. Die Schüler und die beiden Lehrer stiegen ein und suchten sich einen Sitzplatz. Einige konnten noch einen Sitzplatz ergattern während die anderen stehen mussten. Die Türen schlossen sich und die U-Bahn fuhr weiter. „Hey Yugi!“, rief Duke. Tea stieß ihn an. „Hast du das Schild gesehen? Wir dürfen hier nicht laut reden.“

„Das hab ich nicht gewusst, Tea“, sagte Duke. Yugi wäre beinahe auf den Boden gefallen doch er konnte ihn noch rechtzeitig auffangen. „Danke Duke.“ Nach einigen Minuten wurde die U-Bahn langsamer und hielt an. „Wir steigen jetzt aus“, sagte Herr Sato. Sie verließen die U-Bahn und gingen durch den U-Bahnhof. Hier waren tatsächlich sehr viele Menschen. „Ich muss auf Toilette“, sagte Akira. Der Lehrer sah in die Runde. „Wer muss ebenfalls zur Toilette?“ Einige Schüler meldeten sich. Die anderen Schüler und die beiden Lehrer warteten.

Als die restlichen Schüler zurückkamen, gingen sie die Rolltreppe hinauf und setzten ihren Weg fort.

Eine halbe Stunde später waren sie endlich angekommen. „Ihr könnt jetzt umziehen gehen und eure Sachen einschließen“, sagte Herr Sato. „Die Schlüssel für die Schließfächer bekommt ihr an der Kasse. Anschließend habt ihr zwei Stunden Zeit zum Schwimmen. Um 17:30 Uhr treffen wir uns draußen vor dem Eingang. Wenn ihr Hilfe braucht, ich und Frau Watanabe sind immer in eurer Nähe. Wir wünschen euch viel Spaß beim Schwimmen. Und vergesst nicht vor dem Schwimmen zu duschen.“ Joey und seine Freunde gingen zur Kasse und holten dort ihre Schlüssel. „Bis später Jungs“, sagte Tea.
 

Joey schloss die Tür zur Umkleidekabine ab und zog sich aus. Er schmiss seine Kleidung auf einem Stapel und schlüpfte in seine Badehose. Er verließ die Kabine und ging zu seinem Schließfach. Dort machte er die Tür auf, legte seine Kleidung hinein, machte die Tür zu und schloss ab. Dann wartete er bis die anderen mit dem Umziehen fertig waren. Nach dem Duschen gingen sie zusammen ins Hallenbad. Es gab ein Nichtschwimmerbecken, vier Schwimmbecken, eine Wasserrutsche und eine Sauna. Tea stieß wieder zu ihnen. Joey sprang vom Beckenrand ins Wasser. Die sechs spritzten sich gegenseitig nass und hatten zusammen viel Spaß. Der Blonde stieg aus dem Wasser und suchte Seto. Er sah als Erstes bei den Schwimmbecken nach. Einige Schüler waren im Becken. Seto war nicht dabei. Er suchte weiter doch er konnte ihn nirgends finden. Wo steckte er bloß? Joey befragte einige Mitschüler, aber sie hatten Seto nicht gesehen. Da kam Akira.

Joey lief zu ihm. „Akira, ich muss dich was fragen.“

Der blieb stehen. „Was willst du wissen?“ „Hast du Kaiba gesehen?“, fragte Joey. Akira nickte. „Ich hab ihn eben gesehen. Er war in der Toilette.“ „Danke.“

Joey rannte zur Herrentoilette. Eine Kabine war besetzt. Er wartete. Nach einigen Minuten hörte er die Klospülung und die Tür ging auf. Seto ging zum Waschbecken und wusch sich die Hände. Joey stellte sich neben ihn. „Kaiba hast du Lust auf ein Wettschwimmen? Du gegen mich.“

„Das soll wohl ein Witz sein“, sagte Seto. „Nein ich meine das ernst.“

Seto ging zur Tür. „Warum suchst du dir zur Abwechslung nicht jemand, den du auch schlagen kannst?“

„Ich weiß warum du das Wettschwimmen ablehnst“, sagte Joey. „Du hast Angst gegen mich zu verlieren, Kaiba.“

Der Brünette drehte sich zu dem Blonden um. „Ich bin dir haushoch überlegen, Wheeler.“

„Dann beweis es mir du reicher Pinkel.“

„Es reicht“, sagte Seto. „Ich hab genug von deinem blöden Gequatsche. Na gut, ich nehme deine lächerliche Herausforderung an.“
 

Joey schlenderte zurück zu Yugi und den anderen. „Ich werde jetzt ein Wettschwimmen machen und mein Gegner ist Kaiba.“

„Willst du es dir nicht nochmal überlegen?“, fragte Tristan.

„Du würdest verlieren“, meinte Tea. „Hundertpro“, sagte Duke.

Joey sah in die Runde. „Warum seid ihr so skeptisch, Leute? Ich bin ein guter Schwimmer und werde bestimmt nicht verlieren.“ Er und Seto stellten sich auf die Startblöcke. „Auf die Plätze, fertig los!“, rief Tristan. Die beiden sprangen ins Wasser. Yugi und die anderen schauten zu und feuerten Joey an. Es war ein Kopf an Kopf Rennen. Mal war Joey vorne, mal war Kaiba vorne. Sie näherten sich fast gleichauf dem Ziel. Als Joey am Ziel war streckte er beide Arme in die Höhe. „Ich habe gewonnen!“ Er schaute zu seinen Freunden. „Was habt ihr denn? Freut ihr euch nicht für mich?“

„Du hast nicht gewonnen, Joey“, sagte Yugi. „Kaiba hat das Ziel zuerst erreicht“, sagte Tea.

„So ein Mist“, fluchte Joey.

„Ich hab gewusst dass ich gewinne“, meinte Seto. „Nicht nur beim Duellieren bin ich besser als du. Auch beim Schwimmen.“ Er ging weg. Joey blickte ihm hinterher und ging zum anderen Schwimmbecken. Er stieg von der Leiter ins Wasser. Da sah er Ken. Der Junge war auch in seiner Klasse. Ken bewegte sich gar nicht und trieb mit dem Gesicht nach unten an der Wasseroberfläche. Joey hatte das Gefühl dass was nicht stimmte. Er schwamm zu ihm und stieß ihn an. Der andere reagierte gar nicht. Joey hob das Gesicht des Jungen und erschrak. Sein Blick war leer. Ohne zu zögern zog der Blonde ihn aus dem Wasser. Dann legte er Ken auf dem Boden. Joey rüttelte an Kens Schultern. „Ken, kannst du mich hören?“ Keine Reaktion. Er rannte zu den anderen. „Ken ist bewusstlos. Tea, ruf den Rettungsdienst an. Bakura, hol unsere Lehrer.“

„Okay“, sagte Tea.

„Wird erledigt“, sagte Bakura.

Yugi, Tristan und Duke standen um Ken herum. Joey kniete sich hin und prüfte etwas. „Er atmet nicht mehr.“

Yugi schluckte. „Ist er …?“

„Ich hoffe nicht“, erwiderte Joey.

Tea kam zurück. „Ich hab den Rettungsdienst angerufen. Sie kommen bald.“

Bakura und die beiden Lehrer kamen dazu. „Wie geht es Ken?“, wollte Herr Sato wissen.

„Ken ist immer noch bewusstlos“, antwortete Joey. „Zum Glück war ich in der Nähe und konnte ihn aus dem Wasser ziehen.“

„Das hast du gut gemacht, Joey“, lobte ihn Frau Watanabe.

„Darf ich mit der Wiederbelebung beginnen, Sato-sensei?“, fragte Joey.

„Hast du das schon mal gemacht?“, fragte der Lehrer zurück.

Joey schüttelte den Kopf. „Dann besser nicht“, meinte Herr Sato. „Ich werde das machen.“ Er legte seine beiden Handballen übereinander mittig auf das Brustbein.

Er drückte schnell und kräftig auf den Brustkorb des Bewusstlosen. Er wiederholte das 30-mal.

Joey hörte ein lautes Pfeifen. Er sah dass sein Lehrer eine Trillerpfeife in der Hand hielt. „Steigt alle aus dem Wasser und kommt zu mir!“ Als sich alle Schüler um ihn versammelt hatten sagte Herr Sato: „Ken kommt ins Krankenhaus. Er trieb auf dem Wasser und war bewusstlos. Hoffen wir dass es Ken bald besser geht.“

„Es ist alles meine Schuld“, sagte Naomi. „Wir haben uns gestritten. Deshalb ist er weggegangen. Hätte ich mich nicht mit ihm gestritten wäre er immer noch hier!“ Sie fing an zu weinen und schluchzte. Risa gab ihr ein Taschentuch. „Es ist nicht deine Schuld, Naomi.“

„Doch, es ist meine Schuld“, entgegnete Naomi. „Ken ist kein besonders guter Schwimmer. Ich hätte besser auf ihn aufpassen müssen.“
 

Endlich kam der Rettungsdienst. Die Sanitäter legten Ken auf eine Trage. „Ich bin der Lehrer von diesem Jungen“, sagte Herr Sato. „Informieren Sie uns sofort wenn es etwas Neues gibt. Ich gebe Ihnen meine Handynummer.“

Frau Watanabe wandte sich an die Schüler. „Die Sanitäter werden sich um Ken kümmern. Er ist bei ihnen in guten Händen. Ihr habt noch eine Stunde. Es bringt nichts Trübsal zu blasen. Ihr sollt die verbleibende Zeit gut nutzen.“

Seto stand ganz hinten und überragte die Menge um einen halben Kopf. Er war mit 1,86 Meter der größte Schüler in der Klasse. Dass Ken ins Krankenhaus kam war ihm egal. Für den Brünetten war er nur ein x-beliebiger Schüler. Er ging zurück zu seinem Liegestuhl.

„Hey Yugi, da fällt mir ein dass du schon lange nicht mehr in meinem Spieleladen Black Clown warst“, sagte Duke. „Du warst nur einmal dort und zwar am Tag der Eröffnung. Ich würde mich freuen wenn du bei mir wieder vorbeischaust.“

„Ich würde ja gerne, aber mein Großvater erlaubt es nicht dass ich deinen Laden besuche“, erwiderte der Bunthaarige.

„Wie alt bist du, Yugi?“, fragte der Schwarzhaarige. „Du bist kein kleines Kind mehr! Du kannst selber deine Entscheidungen treffen.“

„Wenn ich deinen Spieleladen besuche, würde ich meinem Großvater wehtun. Und das will ich nicht. Als er damals erfuhr, dass ich in deinem Laden war flippte er völlig aus. Das brauche ich kein zweites Mal.“

„Du musst deinem Großvater nicht sagen dass du im Black Clown bist. Sag ihm einfach dass du bei einem Freund bist.“

„Ich soll Großvater anlügen?“, fragte Yugi. „Das ist die einzige Möglichkeit wenn du meinen Spieleladen besuchen willst“, sagte Duke. „Oder fällt dir was Besseres ein?“

„Wo wohnt deine Schwester, Joey?“, wollte Tristan wissen. „Ich will sie mal besuchen.“ Duke mischte sich ein. „Ja wo wohnt sie?“ „Vergesst es“, entgegnete Joey. „Ich werde euch ihre Adresse nicht geben. Lasst die Finger von Serenity.“

„Warum willst du nicht, dass ich mich mit Serenity treffe?“, fragte Tristan.

Joey sah Tristan und Duke an. „Weil ich euch beide nicht vertraue. Ich muss sie vor euch beschützen.“

„Ich würde deine Schwester nie wehtun“, sagte Tristan.

„Dasselbe gilt für mich“, sagte Duke.

Der Blonde blieb hart. „Trotzdem will ich nicht dass ihr Serenity seht. Habt ihr das verstanden?“

„Hey Leute!“, rief Tea. „Wer als Letzter bei der Rutsche ist, ist eine lahme Ente!“

Die Clique lief zur Rutsche und stellte sich an. Zuerst rutschte Duke runter, dann Tea und Bakura. Yugi war als Nächster dran. Nun war Joey an der Reihe. Doch Seto drängelte sich vor. „Hey ich war zuerst hier, Kaiba!“, protestierte Joey.

„Sieger haben Vorrang, Wheeler.“ Kaiba setzte sich und rutschte hinunter.

„Wie wär’s wenn wir gemeinsam rutschen?“, schlug Tristan vor.

„Das ist eine gute Idee, Alter“, erwiderte Joey.

Die beiden setzten sich. Joey war vorne und Tristan war hinten. Sie rutschten gemeinsam hinunter. Dann kamen sie unten an und fielen ins Wasser.
 

Seto ging zu den Schließfächern. Bei seinem Fach blieb er stehen und schloss auf. Er nahm sein Notizbuch und Smartphone, machte das Schließfach zu und schloss ab. Anschließend setzte sich Kaiba an einem Tisch und arbeitete an einer Skizze zu seiner neuen Duelldisk. Er wählte Rolands Nummer. „Hier ist der Anrufbeantworter von Roland. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton.“

„Hier ist Seto Kaiba. Ruf mich umgehend zurück.“
 

Yugis Clique saß an einem Tisch und Duke nahm die Zeitung die am Tisch lag. „Steht was Interessantes drin?“, fragte Tristan. Duke zeigte ihnen einen Zeitungsartikel. „Seht euch das an. Demnächst wird ein neues Café eröffnet und der Name dieses Cafés ist Kaiba Corporation Café. Dieses Café gehört der Kaiba Corporation.“ „Kaiba hat seine tolle Firma“, sagte Joey. „Wozu braucht er noch ein Café? Als ob er nicht schon genug Geld hätte.“

„Da ist noch etwas“, sagte Duke. „Kaibas Firma hat 790.377,50 Yen an das örtliche Waisenhaus gespendet.“ (Umgerechnet ist das 5000 Euro). „Das hat er sicher nicht freiwillig gemacht“, meinte Joey.
 

Kaibas Smartphone klingelte. Er nahm ab. „Sie wollten mich sprechen, Kaiba-sama?“ „Sind die Bauarbeiten im Kaiba Land schon abgeschlossen?“

„Ja“, antwortete Roland.

„Teste alle Attraktionen von Kaibaland, Roland“, sagte Seto. „Du darfst nichts auslassen, hast du verstanden?“

„Ja, Kaiba-sama. Kann ich sonst noch was für Sie tun?“

„Vergiss nicht mich am Sonntag abzuholen, Roland.“

„Um wie viel Uhr soll ich Sie abholen?“, fragte Roland.

„Das weiß ich noch nicht“, erwiderte Seto. „Sobald ich die genaue Uhrzeit weiß gebe ich dir Bescheid.“
 

„War dein Vater schon immer ein Alkoholiker, Joey?“, wollte Tea wissen.

Der Blonde schüttelte den Kopf. „Vor meinem zehnten Lebensjahr war er völlig normal. Aber dann verlor er plötzlich seine Arbeit und fing an Alkohol zu trinken. Er war ständig betrunken und aggressiv. Deshalb ließ sich meine Mutter von ihm scheiden und nahm meine Schwester mit sich. Meine Mutter hatte mich damals nicht mitgenommen. Sie hatte mich bei meinem Vater gelassen obwohl sie weiß wie aggressiv er ist.“ Er schlug mit der Faust auf dem Tisch. „Das werde ich ihr nie verzeihen! Nie!“

Tea schluckte. „Hat er dich geschlagen?“ „Nein aber er hat Bierflaschen nach mir geworfen.“

„Das ist hart“, meinte Tristan. „Zum Glück ist mein Vater normal.“„Deshalb bin ich froh dass ich meine eigene Wohnung habe“, sagte Joey. „Ich kann endlich machen was ich will und muss meinen Vater nicht mehr sehen.“

„Ich kann dich gut verstehen, Joey“, sagte Duke. „Ich weiß wie du dich fühlst. Mein Vater hat mich auch ein paar Mal geschlagen. Meine Mutter hat sich von ihm getrennt und ist ausgezogen.“

„Meine Eltern sind noch zusammen“, sagte Tea.

„Meine auch“, sagte Tristan.

„Meine Eltern sind auch noch zusammen“, sagte Yugi.

„Habt ihr ein Glück“, meinte Bakura. „Meine Mutter ist tot und ich habe nur noch meinen Vater.“

„Ich muss Kaiba in einem Duell schlagen“, sagte Joey.

„Das wirst du nicht schaffen.“ Er drehte sich um. Da stand Seto. „Du wirst nie gut genug sein um mich zu besiegen.“

„Du wirst dich noch wundern, Kaiba“, meinte Joey.

„Das bezweifle ich, Wheeler“, entgegnete Seto. „Du wirst für immer ein drittklassiger Duellant bleiben.“ Er ging weiter.

„Dieser Vollidiot“, knurrte Joey leise vor sich hin.

Duke deutete auf drei Mädchen aus der Klasse. „Leute, ich muss mich um meine Fans kümmern. Bis später.“

„Kann ich mit dir unter vier Augen reden, Joey?“, fragte Tristan. Er und Joey gingen zu einer ruhigen Stelle. „Können wir allein was unternehmen?“, fragte Tristan. „Ohne Yugi, Tea, Duke und Bakura. Nur wir zwei. Es ist lange her dass wir zwei was alleine unternommen haben. Wie wär’s mit Kino?“ „Das ist eine gute Idee“, meinte Joey. „Ich bin dabei.“ Er schaute sich um. „Wo sind eigentlich die anderen?“

Tristan zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Die tauchen schon wieder auf.“
 

Um 17 Uhr ging Joey zur Dusche. Danach holte er aus dem Schließfach seine Kleidung und ging in eine Umkleidekabine. Nachdem er die Tür zur Umkleidekabine abgeschlossen hatte zog er seine Badehose aus und zog seine Kleidung an. Dann verließ er die Kabine, gab an der Kasse den Schlüssel ab und schlenderte zum Ausgang. Joey machte die Tür auf und ging nach draußen. Es war 17:20 Uhr. Seine Freunde waren noch nicht da. Der Blonde war froh dass es im japanischen Schulsystem kein Sitzenbleiben gab. Die Schüler wurden automatisch in die nächste Klasse versetzt. Sonst hätte er eine Klasse wiederholen müssen. Seine Noten waren schlecht. Außer im Sport, da war er gut.

Die Tür ging auf und seine Freunde kamen auf ihn zu. „Da seid ihr ja endlich“, sagte Joey. „Wir mussten auf Tristan warten“, sagte Duke. „Er hat lange auf dem Klo gebraucht.“ Frau Watanabe zählte nach ob alle Schüler da waren. „Wir müssen wieder zum U-Bahnhof gehen“, sagte Herr Sato.

Eine halbe Stunde später war die Klasse beim U-Bahnhof. Sie gingen die Rolltreppe runter und warteten am Bahnsteig. „Ihr könnt auf Toilette gehen“, sagte Herr Sato. Einige gingen zum WC während die anderen am Bahnsteig warteten. Als die Klasse wieder vollständig war kam gerade die U-Bahn. „Ihr müsst schnell einsteigen“, sagte Herr Sato. „Trödelt nicht herum und beeilt euch.“ Die Klasse wartete bis die Fahrgäste rausgegangen waren und ging dann in die U-Bahn. Kurz darauf schlossen sich die Türen und die U-Bahn fuhr los. „Bei der nächsten Station steigen wir aus“, sagte der Lehrer. Wenig später wurde die U-Bahn langsamer und hielt an. Die Türen öffneten sich und die Klasse und die beiden Lehrer verließen die U-Bahn. Sie gingen durch den U-Bahnhof und gingen die Rolltreppe hinauf. Nach einer halben Stunde war die Klasse bei der Herberge angekommen. „Jetzt gibt es Abendessen“, sagte Herr Sato. „Heute gibt es wieder ein Buffet. Danach zieht ihr eure Sportkleidung an und geht in die Turnhalle. Dort werden wir ein Wettrennen gegen die andere Klasse machen. Ich erwarte von euch, dass ihr euer Bestes gebt. Enttäuscht mich nicht.“

Joey nahm von allen Speisen etwas und setzte sich zu Yugi und den anderen. „Hier gibt es eine Turnhalle?“, fragte Yugi. „Die hab ich gar nicht gesehen.“

„Als wir hier reingegangen sind habe ich ein Schild gesehen der zur Turnhalle führt“, sagte Bakura.

Der Bunthaarige war nicht begeistert. „Nach dem Abendessen müssen wir noch Sport machen? Sport gehört nicht zu meinen Stärken.“

„Kopf hoch Yugi“, sagte Joey. „So schlimm wird es nicht sein.“

„Du hast gut reden“, meinte Yugi. „Du magst Sport.“

„Ich kann dich verstehen, Yugi“, sagte Bakura. „Ich mag auch keinen Sport.“

Yugi lächelte. „Dann sind wir schon zu zweit.“
 

Nach dem Abendessen zogen Joey und die anderen ihre Sportkleidung an und schlenderten in die Turnhalle. Es war mittlerweile 19 Uhr. Die andere Klasse war auch anwesend. „Die haben mir gerade noch gefehlt“, sagte Joey. Herr Sato blies in seine Trillerpfeife. „Hört alle gut zu! Wir werden ein Wettrennen machen. Es treten immer zwei Schüler gegeneinander an. Dazu haben wir das hier vorbereitet.“ Der Lehrer zeigte auf die zwei Gläser. „In diesen zwei Gläsern sind Zettel mit dem Namen von unseren Schülern. Das linke Glas enthält Zettel mit dem Namen von Hayashi-sans Schülern. Und das rechte Glas enthält die Namen von meinen Schülern.“ Herr Hayashi ergriff das Wort. „So funktioniert das. Ich werde immer von jedem Glas einen Zettel ziehen und die Namen laut vorlesen. Habt ihr noch Fragen?“

Es wurden Köpfe geschüttelt. „Dann können wir anfangen.“

Joey war gespannt gegen wen er antreten musste. Es wurden immer mehr Namen vorgelesen. Er horchte auf als er seinen Namen hörte. „Joey Wheeler gegen…“ Herr Hayashi faltete den anderen Zettel auseinander. „Kenzo Ogawa.“

„Wir müssen kurz unterbrechen“, sagte Herr Hayashi. „Leute ich …“, setzte Joey an.

Tea unterbrach ihn. „Ich weiß schon was du sagen wirst. Wir müssen gewinnen, nicht wahr?“

Joey nickte. „Genau. Wenn wir gewinnen haben die Schüler von der anderen Klasse nicht mehr so eine große Klappe.“

„Ja denen zeigen wir’s“, sagte Tristan.

„Wir werden ihnen das Maul stopfen“, sagte Duke. Joey schaute zu den Schülern von der anderen Klasse. Einige von ihnen steckten die Köpfe zusammen. Herr Sato kam zu ihnen. „Wir haben ein Problem. Da Ken fehlt sind nur noch 23 Schüler in unserer Klasse. Wir sind eine ungerade Anzahl von Schülern. Die andere Klasse hat 24 Schüler.“

Herr Hayashi kam dazu. „Sato-san, ein Schüler von mir hat keinen Partner. Wie lösen wir das am besten?“

„Wir könnten eine Dreiergruppe bilden“, schlug Herr Sato vor. „Zwei Schüler aus Ihrer Klasse und ein Schüler aus meiner Klasse.“

„Das ist eine gute Idee“, meinte Herr Hayashi.

„Ein Schüler von mir müsste zwei Mal laufen“, sagte Herr Sato. „Joey, würde es dir was ausmachen wenn du zweimal läufst?“

„Das ist kein Problem für mich“, meinte Joey.

„Gut dann wäre das geklärt“, sagte Herr Sato.

„Du läufst dann gegen Kenzo und Hayato“, sagte Herr Hayashi.

Nachdem alle Paare für den Wettlauf ermittelt waren begann das Wettrennen. Tea war dran. Sie und ein anderes Mädchen stellten sich in Position. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Beide Mädchen rannten los. Joey, Yugi, Bakura, Tristan und Duke feuerten Tea an. Tea erreichte als Erste das Ziel. Sie hob beide Arme in die Höhe. Joeys Klasse jubelte während die andere Klasse ein Gesicht machte wie sieben Tage Regenwetter.
 

Als nächstes war Bakura dran. Er gab sein Bestes doch seine Gegnerin war schneller als er. Die Schüler von der anderen Klasse jubelten. Dann war Tristan an der Reihe. Auch er war als Zweiter am Ziel. Danach war Seto dran. Er war schneller als seine Gegnerin. Es stellte sich heraus dass die andere Klasse bessere Läufer hatte. „Wir machen fünf Minuten Pause!“, rief Frau Watanabe. „Danach geht es weiter.“

„Die andere Klasse ist wirklich gut“, meinte Yugi.

„Aber unsere Klasse ist besser“, entgegnete Joey. Er trank Wasser aus der Flasche. „Es trifft sich gut dass ich gegen Kenzo und Hayato laufe. So habe ich die Chance alle beide fertig zu machen.“

„Von welcher Schule ist die andere Klasse?“, wollte Bakura wissen.

Tristan zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich habe diese Schüler noch nie gesehen. Ich glaube nicht dass die auf unsere Schule gehen.“ Joey ging zur Toilette. Nachdem er fertig war ging er zurück zu den anderen. In diesem Augenblick ertönte das Geräusch der Trillerpfeife. „Die Pause ist vorbei!“, rief Herr Sato. „Wir machen weiter. Yugi Muto und Raiden Takahashi. Stellt euch hinter der weißen Linie. Auf die Plätze, fertig, los!“ Die zwei liefen während sie von ihren Klassen lautstark anfeuert wurden. Raiden kam als Erster am Ziel. „Joey Wheeler und Hayato Taguchi.“ Joey stellte sich neben Hayato. Hayato hatte kurze braune Haare und war ziemlich schlank. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Die beiden Jungs rannten so schnell sie konnten. Es war ein Kopf an Kopf Rennen. Mal war Joey vorne, mal war Hayato vorne. Kurz vor dem Ziel konnte Joey Hayato überholen und streckte beide Arme in die Höhe. „Ja ich habe gewonnen!“

„Gut gemacht, Joey“, lobte ihn Yugi.

„Mach weiter so“, sagte Tea. Joey sah dass Kenzo und Hayato sich unterhielten und zu ihm herüber sahen. Es kamen noch viele weitere Laufpaare. Bei den meisten Paaren gewann die andere Klasse. „Als letztes kommen Joey Wheeler und Kenzo Ogawa“, sagte Herr Sato. „Dann sind wir für heute fertig.“ Joey und Kenzo standen nebeneinander. „Auf die Plätze, fertig, los!“ „Deine Schnürsenkel sind offen“, sagte Kenzo. Joey guckte auf seine Turnschuhe. „Das stimmt nicht!“ Er lief los. Kenzo hatte durch diese Lüge einen kleinen Vorsprung. Trotz seiner dicken Statur war er ein schneller Läufer. Joey erreichte als Zweiter das Ziel. Die Schüler von beiden Klassen versammelten sich um ihre Lehrer. „Bei diesem Wettlauf kann man insgesamt 24 Punkte erreichen“, sagte Herr Hayashi. „Die Klasse von Sato-san hat 9 Punkte und meine Klasse hat 15 Punkte. Somit hat meine Klasse gewonnen.“ Seine Schüler jubelten. Die Klasse von Joey war enttäuscht. „Wir haben verloren“, sagte Joey. „So ein Mist.“
 

Die beiden Klassen und die drei Lehrer verließen die Turnhalle und gingen in den Gemeinschaftsraum. Herr Sato blickte in die Runde. „Jetzt ist 20 Uhr. Spätestens um 22 Uhr müsst ihr im Bett sein. Ich, Frau Watanabe und Herr Hayashi werden alle Zimmer kontrollieren um sicher zu stellen dass die Nachtruhe eingehalten wird. Wir wünschen euch eine gute Nacht.“ Als die Lehrer gegangen waren rief Kenzo: „Wir haben gewonnen! Das muss gefeiert werden! Räumt einige Tische beiseite. Ich bin gleich wieder da.“ Er ging aus dem Raum. Einige Mädchen aus der anderen Klasse schoben die Tische beiseite. Nach einigen Minuten kam Kenzo zurück. Er trug eine moderne Boombox und stellte das Gerät auf. Ein Mädchen verband ihr Smartphone mit der Boombox. Es ertönte elektronische Popmusik. Einige Klassenkameraden von Joey fragten ob die Musik etwas leiser gedreht werden könnte. „Wenn euch die Musik stört dann geht woanders hin“, sagten die Mädchen. Auf einmal tauchte Herr Hayashi auf. Als seine Schüler ihn bemerkten drehten sie sofort die Musik leiser. „Wenn ihr unbedingt Musik hören wollt dann nur in Zimmerlautstärke!“, rief Herr Hayashi. „Wir sind hier in einer Herberge und nicht in der Disco.“ Die Mädchen entschuldigten sich. „Tut uns leid, Hayashi-sensei. Es wird nicht wieder vorkommen.“ Kenzo wartete bis sein Lehrer außer Hörweite war und wandte sich an Joeys Klasse. „Ihr habt verloren. Na wie fühlt ihr euch?“ „Nur weil ihr gewonnen habt müsst ihr uns nicht fertigmachen“, sagte Yugi. „Es macht uns aber Spaß euch fertig zu machen“, entgegnete Kenzo. Er sah zu seinen Klassenkameraden. „Nicht wahr Leute?“ Sie stimmten ihm zu. „Ihr seid echt das Allerletzte“, meinte Duke. „Habt ihr keinen Anstand?“ „Ihr hält euch für was Besseres aber das seid ihr nicht“, sagte Joey. „Freut euch nicht zu früh. Das nächste Mal werden wir euch besiegen.“
 

Joey und seine Freunde setzten sich auf dem Sofa. „Wisst ihr noch damals als ich euch das erste Mal traf?“, fragte Duke. „Das werde ich nie vergessen“, sagte Joey. „Du warst total fies zu mir und meinen Freunden. Du hast Yugi als Betrüger beschimpft. Und als ich das Duell gegen dich verlor hast du mich in ein Hundekostüm gesteckt. Das war nicht sehr nett.“ „Am Schluss habe ich mich immerhin bei euch entschuldigt“, sagte Duke.

Seto rief Roland an. „Wie sieht es aus, Roland? Hast du schon alle Attraktionen von Kaibaland getestet?“ „Ja Seto-sama“, antwortete Roland. „Alle Fahrgeschäfte von Kaibaland funktionieren einwandfrei.“ „Kontaktiere die Presse und die Nachrichtensender“, befahl Seto. „Bald wird mein Freizeitpark eröffnet und das soll ein Riesenevent werden.“
 

„Ich geh jetzt schlafen“, sagte Joey. „Gute Nacht Leute.“ Er ging zu Zimmer 18 und machte die Tür auf. Seto saß vor seinem Laptop. Er blickte kurz auf als der Blonde das Zimmer betrat. Joey ging ins Badezimmer, putzte sich die Zähne und zog seine Schlafhose an. Der Brünette klappte seinen Laptop zu und ging ins Badezimmer. Nach einigen Minuten kam er zurück und zog seinen Schlafanzug an. Joey machte das Licht aus und ging zu seinem Bett. „Ich wäre lieber mit meinen Freunden im Zimmer als mit dir.“ „Denkst du ich bin begeistert mit dir in einem Zimmer zu sein?“, fragte Seto. Die Tür öffnete sich und Herr Sato schaltete das Licht an. „Ihr seid schon im Bett, das ist gut. Wir sehen uns morgen.“ Er machte das Licht aus und schloss die Tür. Joey drehte sich auf die Seite und machte die Augen zu.
 

Er trug ein Hundekostüm und kniete sich hin. Kaiba zeigte mit dem Finger auf ihn und lachte. „Wheeler du bist ein Verlierer! Ein Verlierer! Verlierer!“

Er schreckte hoch und war schweißgebadet. Sein Herz raste. Joey schaute auf sein Smartphone. Es war vier Uhr morgens. Der Blonde legte sich wieder hin. Er wälzte sich hin und her. Irgendwann fielen ihm die Augen zu.
 

Seto machte die Augen auf. Es war 7 Uhr morgens. Er schnappte sich seine Kleidung, schlenderte ins Bad und schloss die Tür ab. Er zog sich aus und stellte sich unter die Dusche. Seto drehte den Wasserhahn auf. Er duschte immer mit warmem Wasser. Danach trocknete er sich ab und zog seine Kleidung an. Anschließend machte er sich auf dem Weg zum Speisesaal. Seto goss den heißen Kaffee in die Tasse und nahm sich ein Croissant. Er setzte sich an einem freien Tisch und begann zu essen und zu trinken. Dabei schaute er sich um. Um diese Uhrzeit waren nur wenige im Speisesaal. Die meisten schliefen noch. Seto stand immer früh auf, auch am Wochenende. Kurz darauf war er mit dem Frühstück fertig und stellte das Tablett in den Tablettwagen.
 

Joey wachte auf und guckte auf seine Uhr. Es war 9:30 Uhr. Er zog sich um und ging zum Speisesaal. Der Speisesaal war voll mit Menschen. Joey holte sein Frühstück und entdeckte seine Freunde. Er schlenderte zu ihnen und stellte sein Tablett ab. Dann nahm er einen Stuhl, stellte ihn an den Tisch und setzte sich hin. Der Blonde runzelte die Stirn. „Was ist los, Joey?“, fragte Yugi. „Worüber denkst du nach?“ „Ich frage mich wie es Mai geht“, antwortete Joey. „Wir haben sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich würde sie gerne besuchen aber ich weiß nicht wo sie wohnt. Beim KC Grand Prix Turnier war Mai auf der Einladungsliste. Warum war sie nicht zu diesem Turnier gekommen? Sie mag doch auch Duel Monsters.“

„Als wir Mai das letzte Mal gesehen haben war sie nicht auf unserer Seite“, sagte Tea. „Sie hat Sachen gesagt die sie nie sagen würde. Und sie hat mit der Orichalcos Karte deine Seele genommen, Joey. Nachdem Dartz besiegt war hatte Mai realisiert was sie dir angetan hatte. Sie konnte uns nicht mehr ins Gesicht schauen und war deshalb nicht beim KC Grand Prix Turnier dabei.“ Sie blickte in die Runde. „Das ist nur meine Vermutung.“ „Eins ist sicher“, sagte Joey. „Wenn Mai jetzt vor mir stehen würde werde ich ihr verzeihen. Sie wollte mich nur loswerden weil Orichalcos ihre Gedanken kontrollierte. Ich weiß dass sie eigentlich auf unserer Seite ist.“ „Wisst ihr schon was für heute geplant ist?“, fragte Tristan. Bakura zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Das werden wir noch früh genug erfahren.“ Herr Sato und Frau Watanabe kamen in den Speisesaal. „Alle mal herhören!“, rief Herr Sato. „Es ist wichtig.“ Er wartete bis seine Schüler ruhiger wurden. Erst als es im Speisesaal still war fuhr der Lehrer fort. „Für heute haben wir Folgendes geplant. Wir werden das Edo-Tokyo Museum besuchen und dort eine Führung machen. Im Restaurant Sakura Saryou werden wir zu Mittag essen. Heute ist es draußen kühler, nehmt eine Jacke mit. Wir treffen uns in fünfzehn Minuten draußen vor dem Eingang.“ Joey lief zu seinem Zimmer, schloss die Tür auf und holte seine grüne Jacke. Diese Jacke hatte er damals im Königreich der Duellanten getragen. Danach ging er nach draußen. Einige Klassenkameraden von ihm waren bereits da. Frau Watanabe zählte nach ob alle Schüler anwesend waren. Als die fünfzehn Minuten vorbei waren und die ganze Klasse da war gingen alle zum Bus und stiegen ein.
 

Der Bus fuhr los. Joey saß neben Yugi. „Wann wirst du den Spieleladen deines Großvaters übernehmen?“, fragte Joey. „Er ist schon über 70.“ „Großvater weiß dass er nicht mehr der Jüngste ist“, erwiderte Yugi. „Er will trotzdem den Spieleladen weiterführen. Wenn er nicht mehr kann werde ich seinen Spieleladen übernehmen.“ „Ich wüsste zu gerne warum Kaiba mich nicht leiden kann“, sagte Joey. „Er macht sich über mich lustig und nimmt mich nicht ernst. Und er bezeichnet mich als Köter. Sehe ich etwa aus wie ein Hund?“ „Nein aber Tristan hat dich mal mit einem Hund verglichen“, sagte Yugi. „Aber nicht im negativen Sinne. Er hat deine scharfen Sinne gelobt.“ Er wechselte das Thema. „Ich hab gelesen dass Kaiba bald eine neue Duelldisk rausbringt. Ich frage mich wie viel die kostet.“ „Hoffentlich ist die neue Duelldisk nicht zu teuer“, sagte Joey. „Ich hab nicht viel Geld.“

Nach einer Weile hielt der Bus an. „Wir sind da“, sagte Herr Sato. Alle stiegen aus dem Bus und betraten das Museum. Die beiden Lehrer gingen zur Kasse. „Ich bin Sato-san und das ist meine Kollegin Watanabe-san. Wir haben miteinander telefoniert. Ich bin der Lehrer von dieser Schulklasse und wir würden gerne eine Führung machen.“ „Sie müssen sich noch etwas gedulden“, sagte die Frau an der Kasse. „Eine andere Gruppe macht gerade die Führung. Sie können in einer halben Stunde nochmal kommen. Der Treffpunkt der Führung ist Etage 6F Volunteer Guide Reception Counter. Die Eintrittskarten der Permanent-Ausstellung können Sie auf der Etage 1F oder 3F kaufen.“

„Wir brauchen 25 Eintrittskarten“, sagte Frau Watanabe. „Für zwei Erwachsene und 23 Schüler.“ Die Frau tippte etwas in der Registrierkasse ein. „Dann macht das bei den Erwachsenen 960 Yen und bei den Schülern 5520 Yen.“ Frau Watanabe gab ihr das Geld. Herr Sato wandte sich an seine Klasse. „Ihr habt es gehört. Wir sollen in einer halben Stunde nochmal kommen. Ihr könnt nach draußen gehen oder hier drinnen bleiben. Wenn ihr draußen seid dürft ihr nicht weggehen. Ihr kennt euch hier nicht aus und findet den Weg nicht mehr zurück.“

Joey ging mit seinen Freunden nach draußen. „Ich hab Hunger“, sagte er. Tea öffnete ihren Rucksack und machte ihre Brotdose auf. „Was willst du? Ich habe belegte Semmeln und Müsliriegel.“ „Ich nehm die belegte Semmel“, sagte Joey. „Danke Tea.“ „Ich bin zum ersten Mal in Tokio“, sagte Tristan. „Das ist echt eine tolle Stadt.“ Yugi war gewachsen. Er war jetzt fast so groß wie Tea.

Zwei Jungen die vorbeigingen erkannten ihn und gingen zu ihm. „Yugi können wir ein Autogramm haben?“ Der Bunthaarige nickte, nahm den Block und unterschrieb. Joey mischte sich ein. „Wollt ihr von mir auch ein Autogramm haben?“ Die Jungs sahen ihn fragend an. „Wer bist du?“ „Ich bin Joey Wheeler, der beste Freund von Yugi.“ „Wir haben über dich noch nie was gehört.“ Als die beiden Jungs gegangen waren sagte Tristan: „Das ist lustig. Sie kennen dich nicht.“ „Halt die Klappe, Tristan“, brummte Joey. „Da ist jemand schlecht gelaunt“, sagte Tristan. „Lass dein blödes Gequatsche.“ „Werd bloß nicht frech!“ „Willst du dich mit dir anlegen?“ „Komm her wenn du dich traust!“ Joey und Tristan rauften sich. Tea ging dazwischen. „Hört auf euch zu streiten!“ Sie wurde aber von einem Ellbogen gegen die Wand geschleudert. „Lass die beiden, Tea“, sagte Duke. „Die beruhigen sich wieder.“ Tea seufzte. „Die zwei benehmen sich wie Kinder, nicht wahr Yugi? Ob sie jemals erwachsen werden?“

Um 11 Uhr versammelte sich die Klasse in der Etage 6F. Eine ältere Frau machte die Führung. Während die anderen Schüler aufmerksam zuhörten standen Joey und Tristan ganz hinten und langweilten sich.
 

„Ich werde nicht mehr lange leben“, sagte seine Mutter. „Eins musst du mir versprechen. Pass gut auf deinen Bruder auf.“ Sie schloss ihre Augen. Seto saß neben dem Bett. „Nein Mama, du darfst nicht sterben! Es muss doch einen Weg geben dich zu retten!“ „Die Ärzte haben alles Mögliche versucht doch keiner ihrer Vorschläge hat etwas gebracht“, sagte sie. Seto weinte. „Ich will dich nicht verlieren, Mama!“
 

„Wir sind bald da“, sagte sein Vater. Plötzlich ging alles schnell. Er wollte abbiegen und auf einmal überschlug sich das Auto. Irgendwann trafen die Rettungskräfte ein. Leider zu spät. Sein Vater war während des Aufpralls ums Leben gekommen. Die Brüder hatten wie durch ein Wunder überlebt. Seto und Mokuba wurden versorgt. Die erste Zeit verbrachten sie im Krankenhaus, später kamen sie ins Waisenhaus.

Die Beerdigung von seinen Eltern fand im kleinen Kreis statt. Seto verlor erst seine Mutter, dann seinen Vater. Er war acht und hatte keine Eltern mehr. Er hatte nur noch seinen kleinen Bruder.
 

Eines Tages kam ein Mann ins Waisenhaus um ein Kind zu adoptieren. Sein Name war Gozaburo Kaiba, Präsident der Kaiba Corporation und Schachweltmeister. Seto machte ihm einen Vorschlag. „Wenn ich dich beim Schach schlage, adoptierst du uns beide!“ Gozaburo lachte. „Interessanter Junge. Ich nehme die Herausforderung an.“ Die beiden spielten eine Partie Schach. Seto gewann da er bereits Gozaburos Schachmethoden studiert hatte. Noch am gleichen Tag zogen die Brüder in die Villa von ihrem Stiefvater ein. Seitdem hießen sie Kaiba. Aber ihr Leben wurde nichts von dem, was sie erhofft hatten.
 

Gozaburo war ein grausamer Mann. Er zwang Seto in ein beschleunigtes Schulprogramm, in dem Seto Tag für Tag Fremdsprachen, Sozialkunde, Wirtschaft und Spielstrategie lernte. Sein Stiefvater zwang ihn stundenlang zu lernen und gönnte ihm keine Pause. Danach war er immer so müde dass er auf der Couch einschlief. Während Seto lernte, trug er ein Halsband. Gozaburo hielt eine Rute unter Setos Kinn. Er war sich jedoch nicht bewusst, dass er keinen Erben, sondern einen mächtigen Feind schuf.

Sechs Jahre nach der Adoption nahmen Gozaburo, Seto und zehn andere an einer KaibaCorp-Konferenz teil. Am Ende der Konferenz einigten sich die zehn darauf, dass Seto ab diesem Tag der neue Präsident von KaibaCorp sein würde.

"Von heute an gehört die Firma mir!", sagte Seto. "Das habe ich von dir gelernt."

"Seto Kaiba, ich habe gegen dich verloren! Schau dir gut an, was mit dem Verlierer passiert!" Gozaburo schlug die Fensterscheiben mit einem Stuhl ein und sprang aus dem Fenster.
 

Sie standen am Fenster. „Willst du nicht auch ein Duellant werden?“, fragte Joey. Tristan winkte ab. „Das ist nichts für mich. Das überlasse ich lieber dir und Yugi.“ „In der Mittelstufe hatte ich mich mit jedem angelegt“, sagte Joey. „Ich wurde oft von der Polizei festgenommen und kam fast ins Jugendgefängnis. Seit ich Yugi getroffen habe ist alles anders. Ich bin viel nachdenklicher geworden und stürze mich nicht gleich in eine Prügelei.“ Er schaute sich um. „Wo sind denn die anderen?“ „Die sind schon weitergegangen“, sagte Tristan. Die beiden liefen zum nächsten Raum. Dort waren ihre Mitschüler. Die Frau sah in die Runde. „Das Edo-Tokyo Museum öffnete 1993 seine Tore und zeigt die 400-jährige Geschichte der Stadt Edo, die sich ab 1868 in das heutige Tokio umbenannte. Das Museum teilt sich in zwei große Bereiche auf: die Edo- und die Tokyo-Zone. Das Museum zeigt mithilfe von Ausstellungsstücken, Fotos und Nachbildungen die Geschichte der Stadt.

Hinter der Brücke trefft ihr auf eine Nachbildung der Edo Burg, die bis ins 18. Jahrhundert das politische Zentrum der Macht war. Neben dem Hauptturm gab es viele flache Gebäude, in denen der Shogun und seine Untertanen wohnten. Noch heute könnt ihr die Grundmauern des Turms auf dem Gelände des Kaiserpalates bestaunen. Vor der Edo Burg stand ein adliger Palast von Lehnsherrn Matsudaira Tadamasa. Eine Nachbildung des aufwendigen Gebäudes könnt ihr direkt neben der Edo Burg betrachten. Sie zeigt auch, welche Macht Adelige im damaligen Edo besaßen…“ Die Führung dauerte eine Stunde. Mittlerweile war es 12 Uhr. Die Klasse ging in die Etage 7F. Dort befand sich das Restaurant Sakura Saryou. Die Schüler setzten sich in Gruppen zusammen.

Joey und seine Freunde setzten sich ans Fenster. „Seht euch Kaiba an“, sagte Joey. „Er sitzt da ganz allein. Keiner will bei ihm sitzen. Das geschieht ihm recht.“ „Kaiba ist ein Einzelgänger“, sagte Tristan. „Ihm macht es nichts aus alleine zu sitzen.“ Joey studierte die Speisekarte. „Da sind so viele leckere Gerichte. Ich kann mich nicht entscheiden. Soll ich das oder das nehmen?“ Ein Kellner kam zu ihrem Tisch. „Was wollt ihr essen?“ „Ich nehme Okonomiyaki“, sagte Tristan. „Das ist mein Leibgericht.“ „Ich nehme Yakisoba“, sagte Tea. „Ich nehme Oden“, sagte Bakura. „Ich nehme Chankonabe“, sagte Yugi. „Ich nehme Katsudon“, sagte Joey. „Und ich nehme Takoyaki“, sagte Duke.
 

Joey legte seine Hand auf dem Bauch. „Das war echt lecker. Ich könnte glatt noch eine Portion verdrücken.“ „Willst du meine Portion haben, Joey?“, fragte Yugi. „Ich bin satt, ich kann nicht mehr.“ „Immer her damit!“, rief Joey und zog Yugis Teller zu sich herüber. Herr Sato kam zu ihnen. „Wie war das Essen? Hat es euch geschmeckt?“ „Ja das Essen war sehr lecker“, antwortete Tristan. „Das freut mich“, sagte Herr Sato. „Was ist für heute noch geplant?“, wollte Yugi wissen. Herr Sato lächelte. „Lasst euch überraschen. Das werdet ihr schon noch sehen. Wenn Joseph mit dem Essen fertig ist ruft ihr die Bedienung und zahlt euer Essen.“ Der Lehrer ging weiter. Wenig später hatte Joey Yugis Portion aufgegessen. Duke winkte die Bedienung zu sich. Der Kellner kam zu ihrem Tisch und die sechs bezahlten ihr Essen. Als alle Schüler mit dem Essen fertig waren verließen sie das Museum und gingen zum Bus. Sie stiegen in den Bus.
 

Kaiba setzte sich am Gang und legte seinen Rucksack neben ihm. Naomi blieb bei ihm stehen. „Ist bei dir noch ein Platz frei?“ „Nein“, erwiderte Kaiba. „Setz dich woanders hin.“ In dem Augenblick fuhr der Bus los. Naomi stolperte und fiel auf Setos Schoß. „Geh runter von mir!“, rief Seto. „Sofort!“ Er schob sie weg. Naomi stand auf, entschuldigte sich bei ihm und ging weiter. Der Brünette nahm sein Smartphone und beantwortete die ungelesenen E-Mails.

Joey saß neben Tristan. „Was ist eigentlich zwischen dir und Mai?“, wollte Tristan wissen. „Nichts wir sind nur Freunde“, sagte Joey. „Willst du was von ihr?“, fragte Tristan. Der Blonde schüttelte den Kopf. Den Rest der Fahrt schwiegen beide. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

Der Bus hielt an. Alle stiegen aus und gingen in die Herberge. „Zieht eure Sportsachen an und geht in die Turnhalle!“, rief Herr Sato. „Wir werden gegen die Klasse von Hayashi Basketball spielen.“ „Diesmal müssen wir gewinnen, Leute“, sagte Joey. Nachdem sie sich umgezogen hatten gingen die sechs in die Turnhalle. Die Schüler von der anderen Klasse waren ebenfalls dort.
 

Zuerst mussten beide Mannschaften fünf Spieler wählen. Joey war mit Yugi, Tristan, Duke und Risa in einer Mannschaft.

Kenzo hatte den Ball und warf ihn zu Hayato. Dieser fing den Ball und setzte zum Wurf an. Der Ball fiel in den Korb. Kenzo und Hayato gaben sich gegenseitig ein High Five.

Risa hatte den Ball und Hayato wollte ihr den Ball wegnehmen. Keiner der beiden wollte den Ball loslassen. Da verpasste Hayato ihr einen Schlag ins Gesicht und sie fiel zu Boden. Herr Hayashi war der Schiedsrichter und blies in seine Trillerpfeife. Das Spiel wurde unterbrochen. Er lief zu Hayato und redete mit ihm. Risa setzte sich auf die Turnbank. Die anderen Mitspieler umringten sie. Ihre Nase blutete. „Hat jemand ein Taschentuch?“, fragte sie. Duke kramte in seiner Hosentasche und gab ihr eins. „Danke.“ Sie hielt das Taschentuch vor ihre Nase. Herr Hayashi kam zu ihnen. „Kann Risa noch weiterspielen?“, fragte Joey. „Nein, das halte ich für keine gute Idee“, antwortete Herr Hayashi. Er ging zu den Ersatzspielern. „Risa kann nicht mehr weiterspielen. Kannst du für sie einspringen, Seto?“ Der Brünette stand auf und ging zu den anderen.

Das Spiel wurde fortgesetzt. Joey und seine Mitspieler wurden mehrmals unsanft zur Seite gestoßen oder beim Ballkontakt leicht gerempelt.

In der Pause regte sich seine Mannschaft über die Spielweise der Gegner auf. „Die spielen total unfair“, beschwerte sich Yugi. „Sie verwechseln wohl Basketball mit Rugby“, meinte Tristan. Herr Hayashi hatte aufmerksam zugehört. „Ich werde ab jetzt besser aufpassen.“ Dann war die Pause vorbei und das Spiel ging weiter.

Nach zehn Minuten stand es Gleichstand, aber das wollte Joey mit seiner Mannschaft in der letzten Minute noch ändern.

Nun hatte Seto den Ball. Die Spieler von der gegnerischen Mannschaft versuchten ihm den Ball wegzunehmen doch das schafften sie nicht. „Wirf zu mir, Kaiba!“, rief Joey. Aber Seto dachte gar nicht daran den Ball abzugeben. Er warf einen gleichgültigen Blick zu Joey und setzte zum Wurf an.

Das schafft der doch nie, der Korb ist viel zu weit weg! Warum gibt der Penner denn nicht ab?

Aufgeregt sah Joey wie Kaiba, ziemlich in der Mitte des Feldes einen leichten Sprung machte und den Ball Richtung Korb warf.

Es sah doch tatsächlich so aus als würde der Ball rein gehen. Kurz schwankte dieser noch auf dem Korb doch dann... ging er rein. Dann ertönte auch schon die Pfeife des Lehrers. Das Spiel war vorbei und dank Kaibas grandiosen Wurf hatten sie gewonnen. Die Spieler von Joeys Mannschaft liefen zu Kaiba und lobten ihn. Der Brünette ließ die Lobeshymnen über sich ergehen.
 

„Nehmt euer Gepäck mit und geht in den Gemeinschaftsraum“, sagte Herr Sato. Joey ging zu Zimmer 18, schloss die Tür auf und nahm seinen Koffer und Rucksack. Dann ging er in den Gemeinschaftsraum. Nach und nach kamen seine Mitschüler mit ihrem Gepäck. Herr Sato wartete bis alle Schüler da waren. Als die Klasse vollzählig war rief der Lehrer: „Ich werde jetzt eure Koffer und Rucksäcke kontrollieren!“ Dabei fand Herr Sato bei einigen Schülern alkoholische Getränke und Kondome. „Habt ihr nicht zugehört was ich euch gesagt habe?“, fragte Herr Sato. „Alkohol und Geschlechtsverkehr sind verboten!“ „Drücken Sie mal ein Auge zu!“, rief Tabito. „Wir sind schon achtzehn. Da gehören Alkohol und Sex nun mal dazu.“ „Alkohol trinken und Sex könnt ihr in eurer Freizeit machen“, sagte Herr Sato. „Aber nicht hier auf der Klassenfahrt. Das ist eine Schulveranstaltung und es gelten hier die gleichen Regeln wie in der Schule.“ „Was machen Sie mit uns?“, fragte Kazuki. „Schicken Sie uns nach Hause?“ Herr Sato schüttelte den Kopf. „Tabito, Kazuki, Misaki und Nora, ich verwarne euch. Ihr dürft euch keinen Ausrutscher mehr erlauben. Wenn ihr nochmal gegen die Regeln verstößt schicke ich euch sofort nach Hause. Ist das bei euch angekommen?“ Tabito, Kazuki, Misaki und Nora nickten. Der Lehrer nahm die alkoholischen Getränke und die Kondome und steckte sie in eine Tüte. „Ich nehme das alles mit.“ Es dauerte eine Weile bis Herr Sato alle Koffer und Rucksäcke kontrolliert hatte. „Wir haben heute das Basketballspiel gewonnen. Das habt ihr gut gemacht. Ich bin stolz auf euch. Wir bekommen drei Punkte. Somit haben wir 12 Punkte. Die Klasse von Herr Hayashi hat 15 Punkte. Ihr habt nun Freizeit und könnt machen was ihr wollt. Wer rausgeht muss sich bei mir abmelden.“
 

Joey saß mit seinen Freunden im Gemeinschaftsraum. „Unser Lehrer hat gleich vier Schüler verwarnt. Das ist echt heftig.“ „Er musste das tun“, meinte Tea. „Die vier haben gegen die Regeln verstoßen.“ „In unserer Schule spukt es“, sagte Tristan. „Stimmt das?“, wollte Tea wissen. „Oder ist das nur ein Gerücht?“ „Ich weiß nicht ob das stimmt“, sagte Tristan. „Einige aus unserer Klasse haben mir das erzählt.“ „Das ist echt gruselig“, meinte Bakura. Duke lachte. „Kommt schon Leute. Es gibt keine Geister.“ „Da wäre ich mir nicht so sicher“, entgegnete Bakura. „In letzter Zeit kommen kaum noch Kunden in den Spieleladen“, sagte Yugi. „Wenn das so weitergeht müssen wir unseren Laden schließen.“ „Das wäre echt schade wenn ihr schließen würdet“, meinte Joey. „Dann habe ich einen Job weniger.“

Der Bunthaarige blickte in die Runde. „Habt ihr eine Idee wie wir mehr Leute zu unserem Spieleladen locken können?“ „Ihr könntet Flyer an die Leute verteilen“, schlug Tristan vor. „Oder einen Werbespot drehen.“

„Ich brauche mehr Geld“, sagte Joey. „Nur Zeitungen austragen und im Kame Game Shop aushelfen reicht nicht aus. Ich brauche noch einen Job.“
 

Sein Vater schmiss eine Flasche nach ihm. Er konnte gerade noch ausweichen. Die Flasche fiel auf den Boden und zerbrach in tausend Stücke. „Ich frage dich ein letztes Mal. Wo hast du mein Bier versteckt?“ „Das sag ich nicht“, sagte Joey. „Na gut du willst es ja nicht anders.“ Er stand auf, ging zu Joey und packte ihn am Hals. Joey keuchte und versuchte nach dem Sauerstoff zu schnappen, doch sein Würgegriff war zu schmerzhaft. „Sag mir wo du mein Bier versteckt hast oder ich bring dich um!“
 

„Mein Vater macht den ganzen Tag nichts“, sagte Joey. „Er legt die Schuhe auf dem Tisch und trinkt Alkohol. Ich hätte lieber einen anderen Vater. Einen Vater auf den ich stolz sein kann. Meine Mutter habe ich das letzte Mal im Krankenhaus gesehen, wo Serenity ihre Augenoperation hatte. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihr gesprochen.“ „Du hast gesagt dass du einen Job brauchst“, sagte Duke. „Ich hätte da was für dich.“ „Was für ein Job ist das?“, wollte der Blonde wissen. „Das sage ich dir wenn wir wieder in Domino sind“, erwiderte Duke. „Tea, warum bleibst du nach dem Schulabschluss nicht in Domino?“ „Weil ich endlich mal was Neues sehen will“, erwiderte Tea. „Eine andere Stadt, ein anderes Land. Ich bin in Domino aufgewachsen. Ich kenne die Stadt in- und auswendig.“ „Gehen wir nach draußen“, schlug Tristan vor. „Ich brauche frische Luft.“ Die Clique meldete sich bei ihren Lehrer ab und ging nach draußen. Sie setzten sich auf eine Bank. Die Bank hatte nur Platz für vier Personen. Joey und Duke mussten stehen. „Es wäre schön gewesen wenn ich mit euch ein Zimmer teilen würde“, sagte Joey. „Stattdessen muss ich mit Kaiba in einem Zimmer schlafen.“ „Ich kann dich verstehen“, sagte Duke. „Wenn ich mit Kaiba in einem Zimmer schlafen müsste wäre ich auch nicht begeistert.“ „Hast du auch lange Hosen, Tea?“, fragte Tristan. „Warum fragst du mich das?“ „Weil du bisher nur kurze Hosen und Röcke trägst.“ „Ich besitze lange Hosen“, sagte Tea. „Drei Stück um genau zu sein.“ Kenzo, Hayato und zwei Mädchen aus der anderen Klasse waren ebenfalls vor der Herberge. Kenzo rauchte gerade eine Zigarette. „Kommt ihr auch aus Domino?“, fragte Duke. „Das geht euch nichts an“, sagte Kenzo. „Ich hab nur eine Frage gestellt“, sagte Duke. „Kein Grund gleich beleidigend zu werden.“ Kenzo blies ihm den Zigarettenrauch ins Gesicht. Duke musste husten. Joey ging dazwischen. „Man bläst anderen Leuten den Rauch nicht ins Gesicht. So etwas macht man nicht.“ „Du hast mir gar nichts zu sagen“, entgegnete Kenzo. „Bildet euch bloß nichts ein nur weil ihr heute gewonnen habt“, sagte Hayato. „Das nächste Mal habt ihr nicht so viel Glück.“ „Ihr seid schlechte Verlierer“, meinte Tristan. „Ihr habt verloren, na und? Das ist kein Weltuntergang.“

„Für uns schon“, meinte Kenzo. „Wir dürfen nicht verlieren. Wir müssen immer gewinnen.“ „Das ist die falsche Einstellung“, meinte Joey. „Jeder gewinnt und verliert mal. Das ist völlig normal.“ Die beiden Mädchen von der anderen Klasse gingen wieder rein. „Was reden wir hier noch rum“, sagte Hayato. „Ihr werdet das sowieso nie verstehen.“ Joey und die anderen gingen ins Gebäude und in den Gemeinschaftsraum. Tristan streckte die Arme in die Höhe. „Nur noch drei Tage dann sind wir wieder in Domino.“ „Ich bin gleich wieder da“, sagte Duke und ging aus dem Raum. Wenig später kam der Schwarzhaarige mit einer leeren Flasche zurück. „Wer hat Lust auf Wahrheit oder Pflicht?“ Die sechs bildeten auf dem Boden einen Sitzkreis. Duke stellte die Flasche in die Mitte. „Ich fange an“, sagte Tea. Sie drehte die Flasche und sie zeigte auf Duke. „Duke, Wahrheit oder Pflicht?“ „Wahrheit.“ „Wie viele Mädchen hast du bisher geküsst?“ „Lass mich mal überlegen“, sagte Duke. „Fünf Mädchen.“ „Mann Duke du bist ein richtiger Player“, sagte Tristan. „Jetzt bin ich dran.“ Duke drehte die Flasche und sie blieb bei Joey stehen. „Wahrheit oder Pflicht?“ „Pflicht“, sagte Joey. „Benimm dich fünf Minuten wie ein Affe“, sagte Duke. Joey weigerte sich. „Das werde ich auf keinen Fall machen.“ „Du hast Pflicht genommen“, sagte Duke. „Du musst das machen.“ Der Blonde seufzte. „Na gut.“ Er schlug mit den Händen auf seine Brust und gab Affenlaute von sich. Seine Freunde mussten lachen. In dem Augenblick kam Kaiba in den Gemeinschaftsraum.

„Wheeler!“, rief Kaiba. „Dir fehlt nur noch ein Affenkostüm, dann siehst du aus wie ein richtiger Affe!“

„Sehr witzig, Kaiba!“, rief Joey zurück. „Ich bin kein Affe!“

Tristan musste lachen. Als Joey ihn wütend ansah hörte er auf zu lachen. „Entschuldigung.“

„Die fünf Minuten sind noch nicht vorbei“, sagte Duke. „Es sind gerade mal zwei Minuten vergangen.“

Joey sprang auf. „Mir reicht es, ich höre auf! Das ist ein blödes Spiel. Macht ruhig weiter, aber ohne mich!“ Der Blonde lief aus dem Raum. „Was hat er denn auf einmal?“, fragte Tea. „Er beruhigt sich schon wieder“, meinte Tristan. Joey lag im Bett und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf. Er war sauer auf seine Freunde und brauchte erst mal Abstand. Es klopfte an der Tür. Er blieb liegen. Die Tür öffnete sich. Es war sein bester Freund Yugi. „Wie geht es dir Joey? Bist du immer noch sauer?“ „Was denkst du denn.“

„Hör nicht auf das was Kaiba sagt. Du bist kein Affe.“

„Danke dass du versuchst mich aufzumuntern, Yugi“, sagte Joey. „Du bist ein echter Freund. Musst du nicht wieder zurück zu den anderen?“

„Ja“, erwiderte der Bunthaarige. „Sei nicht sauer auf die anderen. Die meinen das nicht böse.“ Er ging aus dem Zimmer und machte die Tür zu.

Joey nahm sein Smartphone und schaute sich ein Foto an wo er und Serenity drauf waren. Sie trugen beide ihre Schuluniform und lächelten in die Kamera. Er vermisste seine Schwester. Leider wohnte sie weit weg so dass sie sich nur selten sehen konnten.

Joey stand auf und verließ sein Zimmer. Er schloss die Tür ab und ging zurück zu seinen Freunden. Er setzte sich neben Yugi. „Hast du dich wieder beruhigt?“, fragte Duke. Joey nickte. „Ich hab ein bisschen überreagiert, tut mir leid.“ „Ist schon gut“, erwiderte Duke. „Das passiert jedem von uns. Wie sieht es aus, willst du wieder mitspielen?“ „Ja“, antwortete Joey. „Ich bin dran.“ Er drehte die Flasche und sie zeigte auf Yugi. „Yugi, Wahrheit oder Pflicht?“ „Pflicht.“ „Schrei 8 schlimme Schimpfwörter.“ „Okay.“ Yugi wartete noch etwas, dann legte er los. „Arschloch, Bastard, Dummkopf, Schwachkopf, Niete, Blödmann, Idiot, Volltrottel.“ „Alle Achtung, Yugi“, sagte Duke. „Ich bin beeindruckt. Wer hätte gedacht dass du so viele Schimpfwörter kennst.“ „Da staunst du, was“, erwiderte Yugi.
 

Seto sah zu wie Joey und die anderen Wahrheit oder Pflicht spielten. „Willst du auch mitspielen, Kaiba?“, fragte Yugi. „Nein“, antwortete Seto. „Für so einen Kinderkram habe ich keine Zeit.“ „War ja klar dass du nicht mitspielst“, sagte Joey. „Da kommt wohl einiges ans Licht was wir noch nicht über dich wissen.“

Der Brünette ging zurück in sein Zimmer und holte sein Notizbuch heraus. Er schlug das Buch auf und sah sich die Skizze zu seiner neuen Duelldisk an. Die neuen Duelldisks wurden von der Kaiba Corporation entwickelt und erzeugten Solid Vision-Hologramme aus den Erinnerungen des Benutzers über eine neuronale Verbindung. Diese Duelldisk war in der Lage virtuelle Orte und Personen zu erzeugen. Die neue Duelldisk wurde ab nächste Woche verkauft.
 

„Ich denke an damals“, sagte Yugi. „An ihn.“ „Du meinst Pharao Atem?“, fragte Tea. Yugi nickte. „Ach vergesst dass ich davon angefangen habe.“ „Kein Problem“, erwiderte Joey. „Ihr zwei wart immerhin verbunden. Ist doch total klar dass er dir manchmal fehlt.“ „Nicht nur manchmal“, entgegnete der Bunthaarige. „Immer. Es war alles so plötzlich vorüber. Als ich ihn besiegt hatte hat er uns verlassen. Er hat mich verlassen. Für immer. Ich weiß dass es das Beste war aber ich wünschte ich hätte ihm noch sagen können wie viel er mir bedeutet hat. Es ist als würde ein Teil von mir fehlen.“ „Ich werde den Pharao nie vergessen“, sagte Tea. „Er wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.“ „Ich hab Atem viel zu verdanken“, sagte Yugi. „Durch ihn wurde ich immer mutiger und reifer.“ Herr Sato kam in den Gemeinschaftsraum. Joey stand auf und ging zu ihm. „Sato-sensei ich muss mit Ihnen reden. Unter vier Augen. Es ist wichtig.“ Er ging mit seinem Lehrer in den Speisesaal und die beiden setzten sich an einem Tisch. „Worum geht es?“, fragte Herr Sato. „Unser Freund Bakura hatte am 2. September Geburtstag“, antwortete Joey. „Wir sollen seinen Geburtstag nachfeiern. Aber erst müssen wir mit Ihnen und der Klasse absprechen was wir da machen wollen. Bakura darf nicht dabei sein, es soll für ihn eine Überraschung werden.“ „Wir machen das sofort“, sagte Herr Sato. „Sag deinen Klassenkameraden dass sie in den Speisesaal kommen sollen. Jemand soll Bakura in der Zwischenzeit ablenken.“

„Danke Sato-sensei dass Sie mir dabei helfen. Sie sind schwer in Ordnung.“

„Kein Problem. Das mache ich gerne.“ Joey stürmte in den Gemeinschaftsraum.

„Wir müssen alle in den Speisesaal kommen! Sagt den Rest der Klasse Bescheid!“ Er ging zu Kasumi und Naomi. „Ihr zwei müsst Bakura ablenken.“ „Warum müssen wir Bakura ablenken?“, fragte Kasumi. „Weil wir seinen Geburtstag nachfeiern wollen und im Speisesaal darüber sprechen was wir da machen“, antwortete Joey. „Bakura darf nicht dabei sein, es soll für ihn eine Überraschung werden.“ Die beiden Mädchen gingen zu Bakura. Joey machte die Tür von seinem Zimmer auf. „Kaiba du musst sofort in den Speisesaal kommen. Herr Sato will was mit uns besprechen.“ Er rannte in den Speisesaal. Es vergingen fünf Minuten bis seine Mitschüler eintrafen. Herr Sato machte die Tür zu. „Joey hat gesagt dass wir Bakuras Geburtstag nachfeiern sollen. Wer von euch ist damit einverstanden?“ Fast alle Schüler meldeten sich. Nur vier Arme blieben unten, die von Akira, Ren, Jin und Kibo. „Was ist mit euch?“, fragte der Lehrer. „Wollt ihr nicht?“ „Bakura ist ein Weichei“, sagte Akira. „Und für diese Memme sollen wir eine Geburtstagsparty veranstalten?“, fragte Ren. „Da machen wir nicht mit“, sagte Kibo. „Genau“, sagte Jin. „Hört gefälligst auf Bakura zu beleidigen!“, rief Tristan. „Er ist ein besserer Mensch als ihr vier!“, rief Tea. „Pech gehabt!“, rief Duke. „Da die Mehrheit der Klasse dafür ist werden wir Bakuras Geburtstag nachfeiern!“ „Akira, Ren, Jin und Kibo wollt ihr an der Geburtstagsfeier teilnehmen?“, fragte Herr Sato. „Nein“, antwortete Akira. „Es ist nicht in Ordnung Bakura zu beleidigen“, fuhr Herr Sato fort. „Stellt euch vor, jemand würde euch beleidigen. Das würdet ihr sicher nicht toll finden, oder? Ihr könnt jetzt gehen.“ Die vier Jungs verließen den Speisesaal. „Sato-sensei ich hab eine Idee!“, rief Joey. „Sie sollen so tun als würden wir Ärger kriegen. Am besten kommen Sie beim Abendessen zu uns weil da alle zusammen sind. Sie sagen so was wie Also ich bin echt enttäuscht von euch, ich dachte wir hätten die Regeln besprochen!

Dann soll einer aus der Klasse fragen: Wieso was ist denn los? Sie schimpfen dann noch und sagen: Ja schaut euch das ruhig selbst an! Alle mitkommen! Dabei sollen Sie voll sauer gucken und wir als Klasse sollen besorgt gucken. Dann führen Sie uns zu einem Raum und in dem Raum ist alles für eine Geburtstagsfeier dekoriert. Und Sie drehen sich zu uns um und sagen Alles Gute zum Geburtstag, Bakura.“ „Das ist eine schlechte Idee“, meinte Kaiba. Joey sah ihn wütend an. „Hast du eine bessere?“ „Ich finde die Idee gar nicht so schlecht“, sagte Tristan. „Ja das ist eine gute Idee“, sagte Tea. „Danke Leute“, sagte Joey. Er wandte sich an den Rest der Klasse. „Und ihr? Was sagt ihr dazu?“ „Klingt gut“, sagte Minato. „Ja hört sich gut an“, sagte Shinya. Alle anderen Schüler hielten den Daumen nach oben.

„Heute beim Abendessen werden wir Joeys Idee in die Tat umsetzen“, sagte Herr Sato. „Folgt mir.“ Er ging zu einem Raum und öffnete die Tür. Dort waren ein Tisch und mehrere Stühle. „Von der Küche holen wir die Schüssel und Gläser. Hat einer von euch eine Boombox dabei?“ Shinya hob seinen Arm. „Ich hab so was dabei.“ Herr Sato holte ein Notizbuch, riss eine Seite raus und zückte den Kugelschreiber. „Was wollt ihr essen und trinken?" „Chips!“ „Salzstangen!“ „Cola!“ „Limo!“ „Gummibärchen!“ Der Lehrer schrieb das alles auf. „Wir müssen den Raum noch dekorieren. Wir brauchen Luftschlangen und eine Happy Birthday Girlande. Ich bin gleich wieder da.“ Wenig später kam er mit der Herbergsleiterin zurück und gab ihr den Zettel. „Können Sie die Sachen aus dieser Liste für uns besorgen? Sie kennen sich hier in Tokio besser aus als wir.“ „Ja natürlich“, sagte die Herbergsleiterin. „Ich fahre gleich zum nächsten Supermarkt und besorge diese Sachen.“ Herr Sato verbeugte sich kurz. „Ich danke Ihnen.“ Als sie gegangen war sagte er: „Shinya hol deine Boombox und steck sie an. Seto, Joey geht in die Küche und holt drei Schüssel und einundzwanzig Gläser aus den Schränken.“ Die beiden betraten die Küche. „Hey ihr dürft hier nicht rein!“, sagte ein Mann in einer weißen Kochjacke. „Für Unbefugte ist der Zutritt in die Küche verboten!“ „Unser Lehrer hat uns hergeschickt“, sagte Joey. „Fragen Sie ihn doch wenn Sie uns nicht glauben.“ „Das werde ich auch!“ Der Mann verließ die Küche. Joey und Seto öffneten die Schränke und holten die Schüssel und Gläser raus. Dann gingen sie aus der Küche und kehrten in dem Raum zurück. Der Mann von vorhin war auch dort. „Ich habe mit eurem Lehrer gesprochen. Es stimmt was ihr gesagt habt. Ich möchte mich bei euch entschuldigen.“ „Ist schon gut“, erwiderte Joey. Bevor der Mann den Raum verließ sagte er: „Viel Spaß bei der Geburtstagsfeier.“ Shinya hatte seine Boombox aufgestellt und verband sein Smartphone mit der Box. Nach einer halben Stunde kam die Herbergsleiterin mit dem Essen, den Getränken und der Geburtstagsdeko zurück. Sie stellte die Sachen ab. Einige Schüler dekorierten den Raum während andere die Schüsseln mit dem Knabberzeug füllten und die Gläser auf den Tisch stellten.
 

Als die Schüler damit fertig waren sagte Herr Sato: „Danke für eure tatkräftige Unterstützung. Ihr habt jetzt wieder Freizeit. In zwei Stunden gibt es Abendessen.“ Joey suchte Kasumi und Naomi und fand die Mädchen draußen vor der Herberge. „Wo ist Bakura? Warum ist er nicht bei euch?“ „Er ist im Gemeinschaftsraum und schläft“, antwortete Kasumi. „Wir haben mit ihm vorher drei Runden Mensch ärgere dich nicht gespielt“, sagte Naomi. „Dann ist er plötzlich eingeschlafen. Wir haben versucht ihn aufzuwecken aber er schläft tief und fest und wacht nicht auf.“ „Ihr braucht ihn nicht mehr abzulenken“, sagte Joey. „Wir sind mit der Besprechung und der Vorbereitung fertig.“ „Das wurde aber auch Zeit“, sagte Kasumi. „Ich muss euch erzählen was wir für Bakuras Geburtstag geplant haben“, sagte Joey. „Hört gut zu.“
 

Seto saß in seinem Zimmer am Laptop und arbeitete. Seine Arbeit zu vernachlässigen war für ihn ein absolutes No-Go. Also arbeitete er täglich, auch wenn er gerade auf Klassenfahrt war. In seinem Zimmer war es still. Nur das Ticken der Uhr war zu hören. Seto konnte es kaum erwarten seinen Schulabschluss zu haben. Danach konnte er sich endlich ganztags um seine Firma kümmern und musste nie wieder das Schulgebäude betreten.
 

Joey rüttelte ihn. „Bakura, wach auf! Mach die Augen auf!“ Der Weißhaarige öffnete seine Augen. „Ich bin wohl eingeschlafen. Wie spät ist es?“ Yugi guckte auf die Uhr. „16:10 Uhr.“ „Was ist dein Geheimnis, Duke?“, fragte Tristan. „Warum stehen die Mädchen auf dich?“ Duke grinste. „Ich habe eben das gewisse Etwas und sehe gut aus.“ „Wo wart ihr eigentlich?“, wollte Bakura wissen. „Wir mussten was Wichtiges erledigen“, antwortete Joey. „Warum bist du eingeschlafen?“, fragte Tea. „Ich bin müde. Ich konnte letzte Nacht nicht einschlafen.“ Bakura stand auf. „Ich gehe jetzt schlafen. Weckt mich auf wenn es Abendessen gibt.“ „Bis zum Abendessen sind es noch eine Stunde und fünfzig Minuten“, sagte Yugi. „Was machen wir in der Zwischenzeit?“ „Wir könnten Joey verarschen“, schlug Tristan vor. „Das ist immer so lustig.“ Der Blonde erwürgte ihn halb. „Wie wär’s wenn wir dich verarschen, Tristan?“ Dann wechselte er das Thema. „Ihr wart damals nicht dabei als ich mich mit Valon duellierte. Das war einer meiner härtesten Duelle. Danach war ich fix und fertig. Er hat ein Deck voller Monster die ich noch nie zuvor gesehen habe. Die Rüstungsteile trägt er selber und greift somit seinen Gegner auch selbst an.“ „Das erinnert mich an die Power Rangers und ihre Kampfanzüge“, sagte Tristan. „Ich und Rebecca haben uns damals auch mit Valon duelliert“, sagte Duke. „Er hat uns beide besiegt." „Welches Duell war für dich anstrengender?“, fragte Yugi. „Das Duell gegen Valon oder gegen Marik?“ „Ich würde sagen beide Duelle waren ziemlich anstrengend“, antwortete Joey. „Bei Marik fiel ich bewusstlos zu Boden. Er hatte mir meine ganze Energie genommen. Bei Valon konnte ich noch stehen doch gleich danach musste ich mich mit Mai duellieren. Dort konnte ich mich kaum auf den Beinen halten. Ich fiel auf die Knie und konnte nicht mehr aufstehen. Wenigstens war Mai am Ende vernünftig geworden.“ „Wir könnten eine Runde Dungeon Dice Monsters spielen“, schlug Duke vor. Einige aus ihrer Klasse spielten Tischfußball. Am anderen Tischkicker spielten vier Schüler von der anderen Klasse. „Auf Tischfußball habe ich auch Lust“, sagte Tristan. Joey, Yugi, Tristan, Tea und Duke gingen zu ihren Mitschülern. „Dürfen wir mitspielen?“, fragte Joey.

„Wir sind lieber unter uns“, antwortete Keima. „Was denkt ihr über die andere Klasse?“, wollte Joey wissen. „Was sollen wir über die andere Klasse denken“, sagte Keima. „Die sind nichts Besonderes, nur eine normale Schulklasse.“ „Findet ihr nicht dass die unhöflich sind?“, fragte Joey. Shinya zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Wir haben mit ihnen noch nicht geredet.“ „Dazu kennen wir die Schüler von der anderen Klasse zu wenig“, meinte Takuya. „Wir können nicht sagen ob sie unhöflich sind.“ Joey fing an weitere Mitschüler von seiner Klasse zu befragen. „Findest du nicht dass du es übertreibst?“, fragte Katsuhiro. „Nur weil zwei Jungs von der anderen Klasse unfreundlich sind heißt das noch lange nicht dass das auf alle von der anderen Klasse zutrifft“, sagte Masako. „Ich verstehe nicht wie du dich über die andere Klasse aufregst“, meinte Satoshi. „Wir werden sie danach nie wieder sehen.“ „Da wäre ich mir nicht so sicher“, entgegnete Joey. „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Er ging wieder zurück zu seinen Freunden. Im Gemeinschaftsraum waren beide Tischfußbälle frei. Joey freute sich. „Das ist super.“
 

Um 17:55 Uhr ging Yugi zu seinem Zimmer um Bakura aufzuwecken. Joey stand mit den anderen vor dem Speisesaal. „Wann machen die auf, ich hab Hunger. Mir knurrt der Magen.“ Wenig später kam Yugi mit Bakura zurück. „Ich konnte richtig ausschlafen“, sagte Bakura. „Mir geht es wieder besser.“ Als es 18 Uhr war öffnete sich endlich die Tür und sie betraten den Speisesaal. Die Schüler stellten sich an. Nachdem Joey und seine Freunde ihr Essen geholt hatten setzten sich die sechs an einem Tisch. „Wer ist eigentlich der Älteste von uns?“, wollte Duke wissen. „Also ich hab am 25. Januar Geburtstag“, sagte Joey. „Duke am 28. Februar, Tristan am 19. April, Yugi am 4. Juni, Tea am 18. August und Bakura hat am 2. September Geburtstag. Somit bin ich der Älteste.“ Da kam auch schon ihr Klassenlehrer. „Ich bin echt enttäuscht von euch, ich dachte wir hätten die Regeln besprochen!“ „Wieso was ist denn los?“, fragte Yugi. „Ja schaut euch das ruhig selbst an!“, rief Herr Sato. „Alle mitkommen!“ Die Klasse stand auf und folgte ihrem Lehrer. „Ihr habt gegen die Regeln verstoßen“, sagte Herr Sato. „Jetzt müsst ihr alle dafür bestraft werden.“ „Ich würde nie gegen Regeln verstoßen“, meinte Bakura. „So etwas würde ich nie machen.“ Herr Sato lachte. „Das sagt genau der Richtige.“ Vor einem Raum blieb er stehen und öffnete die Tür. Die Schüssel mit dem Knabberzeug und die Gläser standen auf dem Tisch. Eine Happy Birthday Girlande hing an der Wand und die Luftschlangen waren im Raum verteilt. Eine Boombox stand daneben. Herr Sato drehte sich um. „Alles Gute zum Geburtstag, Bakura.“ „Wollten Sie uns nicht bestrafen?“, fragte der Weißhaarige. „Wir haben gegen die Regeln verstoßen.“ Er sah die Schüler an. „Was habt ihr? Warum grinst ihr so?“ Takuya fing an zu lachen. „Wir haben gegen keine Regel verstoßen. Das war nur ein Trick und du bist voll drauf reingefallen!“ „Wir haben für dich eine Überraschungsparty organisiert“, sagte Herr Sato. „Nach dem Abendessen werden wir deinen Geburtstag nachfeiern. Diejenigen die nicht mitfeiern wollen gehen in den Gemeinschaftsraum.“
 

Wenig später waren Joey und seine Freunde wieder im Speisesaal und aßen weiter. Seto saß wie üblich allein an einem Tisch. „Ich muss Kaiba was fragen.“ Joey stand auf und ging zu ihm. Er blieb neben Kaibas Tisch stehen. „Was willst du, Wheeler?“ „Wie du mitbekommen hast feiern wir danach Bakuras Geburtstag“, sagte Joey. „Willst du dabei sein?“ „Nein.“ „Warum nicht?“ „Damit würde ich nur meine Zeit verschwenden“, meinte Seto. „Was soll ich auf Bakuras Geburtstag?“ „Du könntest mit uns was spielen“, antwortete Joey. „Das wird sicher lustig.“ „Auf eure Kindergartenspiele kann ich verzichten“, erwiderte Seto. Joey ließ nicht locker. „Komm schon Mann, so eine Party wird dir sicher guttun.“ „Ich hab Nein gesagt! Und jetzt hau ab damit ich in Ruhe weiteressen kann.“

Mit grimmiger Miene kehrte der Blonde zu seinem Tisch zurück. „So wie Kaiba drauf ist braucht er sich nicht zu wundern dass keiner bei ihm sitzen will. Dass er keine Freunde hat überrascht mich nicht. Wer ist schon gern mit ihm zusammen.“
 

Nach dem Abendessen gingen Joey, Yugi, Tristan, Tea, Bakura und Duke zu dem Raum wo die Party stattfand. Nur wenige Schüler waren gekommen. Die meisten waren im Gemeinschaftsraum. „Sie wissen gar nicht was für eine tolle Party sie verpassen“, meinte Joey und machte die Tür zu.

„Ich will euch was zeigen.“ Duke machte Breakdance und zeigte verschiedene Moves. Joey und die anderen schauten ihm zu. Als der Schwarzhaarige damit fertig war klatschten alle Beifall. „Danke Leute!“, rief Duke. „Das war echt beeindruckend, Duke“, sagte Tea. „Ich hätte nicht gedacht dass du so was kannst.“ „Dann kann die Party starten!“, rief Tristan. „Dreht die Musik auf!“

Die Musik wurde auf volle Lautstärke gedreht und die Schüler verteilten sich im Raum. Joey alberte mit seinen Freunden herum. So viel Spaß hatte der Blonde schon lange nicht mehr. Es ging ihm richtig gut.

Sie spielten verschiedene Spiele und tanzten zur Musik. Irgendwann musste Joey aufs Klo und verließ den Raum. Er machte sich auf dem Weg zu seinem Zimmer. Er ging ins Bad und schloss die Tür ab.

Wenig später war er wieder bei seinen Freunden. Auf einmal ging die Musik aus. Joey guckte auf seine Uhr. Es war bereits 21 Uhr. Die Zeit war wie im Flug vergangen. „Ihr habt 2 Stunden und 30 Minuten gefeiert!“, rief Herr Sato. „Das reicht für heute. Räumt alles auf bevor ihr den Raum verlasst. Wenn ihr damit fertig seid kommt in den Gemeinschaftsraum.“
 

Auf dem Tisch stapelten sich dreckiges Geschirr, leere Flaschen und gebrauchte Servietten. Joey und Yugi brachten die Schüssel und Gläser in die Küche. Sie legten das Geschirr in die Spülmaschine und schalteten das Gerät ein. Tea fuhr mit dem Staubsauger durch den Raum während Tristan und Duke den Müll entsorgten.

Danach kamen die sechs in den Gemeinschaftsraum und stellten sich zu ihren Mitschülern dazu. „Ihr müsst morgen schon um 8 Uhr aufstehen“, sagte der Lehrer. „Um 9 Uhr werden wir in drei Disziplinen gegen die Schüler von Hayashi-san antreten. Strengt euch an. Ich will dass wir gewinnen. Vergesst nicht, um 22 Uhr ist Nachtruhe. Bis dahin müsst ihr im Bett sein. Ich werde noch mal alle Zimmer kontrollieren. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend. Wir sehen uns morgen.“ Es war 21:30 Uhr. Duke kramte in den Regalen mit den Brettspielen und ging zu den anderen. „Habt ihr Lust auf Jenga?“ „Was ist das für ein Spiel?“, fragte Tristan zurück. „Es ist ein Geschicklichkeitsspiel“, sagte Duke. „Zuerst müssen wir den Turm aufstellen.“ Nachdem der Turm aufgestellt war fuhr Duke fort: „Ihr löst abwechselnd einhändig einen Stein aus dem Turm und setzt ihn oben auf die Spitze. Von der obersten Ebene darf kein Stein entfernt werden. Von der direkt darunter liegenden Ebene darf ein Stein nur entfernt werden, wenn die darüber liegende oberste Ebene bereits vollständig ist (sprich aus 3 Steinen besteht). Bis auf das Setzen eines Steins auf die Spitze darf die Position eines gesetzten Steines nicht verändert werden. Das Spiel endet, wenn der Turm einstürzt. Sieger des Spiels ist, wer den letzten Stein auf den Turm setzen konnte, ohne dass dieser gleich danach zusammenfällt.“ Yugi machte den Anfang. Dann Joey, Tea und Bakura. Als Tristan einen Stein nahm stürzte der Turm ein. „Na toll.“ Bakura freute sich. „Juhu ich hab gewonnen.“ Duke legte die Steine wieder in die Packung rein. „Wisst ihr noch was wir alles zusammen erlebt haben?“, fragte Tea.

„Na sicher“, antwortete Yugi.

„Wie können wir das vergessen“, erwiderte Tristan.

„Wir haben Sachen erlebt die wir unser ganzes Leben nicht vergessen werden“, sagte Joey. „Vor allem das Reich der Schatten und der böse Marik waren heftig.“ „Wir gehen jetzt besser schlafen“, sagte Yugi. „Nicht dass wir noch Ärger bekommen.“ Joey, Yugi, Tea, Tristan, Duke und Bakura gingen durch den Flur. „Bis morgen Leute“, sagte Joey und machte die Tür auf. Seto lag bereits im Bett und war noch wach. „Mach sofort das Licht aus, Wheeler!" „Gleich, ich muss mich noch umziehen.“ „Beeil dich gefälligst!“ Joey zog seine Schlafhose an und ging ins Badezimmer. Er putzte sich die Zähne und wusch sein Gesicht. Danach schaltete er das Licht aus und legte sich ins Bett. „Warum bist du so gemein zu mir?“ „Weil du es nicht anders verdient hast.“ „Hast du nicht das Gefühl dass dir etwas fehlt, Kaiba?“ „Mir fehlt nichts“, meinte Seto. „Ich hab alles was ich brauche. Ich hab meine Firma, Mokuba und Duel Monsters.“ „Willst du nicht Freunde haben?“, fragte Joey. „Freundschaft ist nur was für Hohlköpfe. Sich auf andere zu verlassen ist was für Schwächlinge, Wheeler. Ich brauche keine Freunde die mir nur im Weg stehen und mich aufhalten!“ „Mit der Einstellung wirst du nie Freunde finden“, meinte Joey. „Bist du taub, Wheeler?“, sagte Seto. „Ich habe gesagt ich brauche keine Freunde! Ich komme allein seit jeher am besten zurecht. Und das wird sich auch nicht ändern.“ Die Tür wurde geöffnet und das Licht wurde eingeschaltet. An der Tür stand Herr Sato. „Vergesst nicht, morgen müsst ihr um 8 Uhr aufstehen. Gute Nacht.“ Er schaltete das Licht aus und schloss die Tür.

Es wäre schön gewesen wenn Joey im selben Zimmer wie seine Freunde schlafen würde. Dann könnten sie sich noch unterhalten. Stattdessen musste er sein Zimmer mit Kaiba teilen und er war kein guter Gesprächspartner. Joey hegte Kaiba gegenüber eine Abneigung weil dieser ihn immer beleidigte und sich über ihn lustig machte. Er stellte seinen Wecker auf 8 Uhr. Es war fast Mitternacht und er konnte immer noch nicht schlafen. Der Blonde wälzte sich hin und her. Irgendwann schlief er ein.
 

Der Wecker klingelte. Joey schaltete ihn aus. Es war 8 Uhr. Er sprang aus dem Bett und ging zum Badezimmer. Doch Kaiba war schneller und erreichte die Tür zuerst. „Ich gehe als Erster ins Badezimmer, Wheeler.“ Der Brünette ging rein und knallte die Tür zu. Joey zog seine Kleidung an und wartete vor der Tür. Nach einigen Minuten kam Seto raus. Joey ging ins Bad und schloss die Tür ab. Er wusch seine Haare und duschte sich. Dann zog er seine Kleidung an und machte sich auf dem Weg zum Speisesaal. Joey nahm drei Toastscheiben, drei kleine Butterpackungen und eine Portion Rührei. Er schüttete Orangensaft in sein Glas und nahm sein Tablett. Er entdeckte seine fünf Freunde und setzte sich dazu. „Guten Morgen. Denen werden wir es zeigen, nicht wahr Leute.“ „Ja du sagst es“, erwiderte Tristan. Joey sah zu dem Tisch rüber wo Kenzo und seine Freunde saßen. Kenzo zeigte gerade auf ihn. Die anderen drehten sich zu ihm um und lachten. Joey wurde wütend und ballte seine Hand zur Faust. Die lachen mich aus.
 

Nach dem Frühstück gingen die beiden Klassen und die drei Lehrer in einem großen Saal. Die Stühle waren nebeneinander in Reihen gegenüber der Bühne aufgestellt. Die Schüler nahmen auf den Stühlen Platz.

Ein lauter Pfiff ertönte. Herr Sato wartete bis es ganz still war. „Ihr werdet heute in drei verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Bei der ersten Disziplin handelt es sich um Wissensquiz." „Wir brauchen von jeder Klasse einen Schüler der die Fragen beantwortet“, sagte Frau Watanabe. „Ihr habt fünf Minuten Zeit um zu entscheiden wer von euch die Fragen beantwortet.“

„Das könntest du machen, Keima“, schlug Joey vor. „Du bist der Klassenbeste." Keima trug eine Brille und war der Klassensprecher. „Ich werde mein Bestes geben und euch nicht enttäuschen.“ „Wir werden dir alle die Daumen drücken“, sagte Tea. „Wir glauben an dich!“ „Du schaffst das, Keima“, sagte Tristan. Joey spähte hinüber zur anderen Klasse. Sie hatten sich für ein Mädchen entschieden.

Dann waren die fünf Minuten vorbei. Keima und Yasu, das Mädchen aus der anderen Klasse gingen auf die Bühne. „Wir haben bereits alle Fragen vorbereitet“, sagte Herr Hayashi. „Der Schüler der als erster die richtige Antwort sagt bekommt einen Punkt. Bei allen Quizfragen bieten wir 4 Antwortmöglichkeiten an. Aber nur eine von diesen Antworten ist die richtige Lösung. Sollten wir am Ende Gleichstand haben, wird es eine Entscheidungsfrage geben. Keima, Yasu, seid ihr soweit?“ Beide Schüler nickten. „Ich werde jetzt die Fragen vorlesen“, sagte Frau Watanabe.
 

„Erste Frage. Wie viele Tasten hat ein Klavier? 74, 86, 82 oder 88 Tasten?“

„Ein Klavier hat 74 Tasten“, sagte Yasu. „Das ist falsch“, sagte Frau Watanabe. „Ich weiß es!“, rief Keima. „88 Tasten.“
 

„Das ist richtig. Zweite Frage. Viele Stoffe können bei unterschiedlichen Temperaturen verschiedene Aggregatzustände annehmen. Sie sind dann entweder fest, flüssig oder gasförmig. Wie bezeichnet man den Vorgang, bei dem ein Feststoff flüssig wird? Kondensieren, Verdampfen, Schmelzen oder Erstarren?“ „Schmelzen“, sagte Keima. „Richtig“, sagte die Lehrerin.
 

„Dritte Frage. Wie nennt man einen dreidimensionalen Körper, welcher sechs gleich große, quadratische Seitenflächen hat? Kugel, Zylinder, Quader oder Würfel?“ „Quader“, sagte Keima. „Falsch.“ „Der Würfel“, sagte Yasu.
 

„Richtig. Vierte Frage. Wenn man einen Apoplex erleidet, hat man einen Schlaganfall, eine Geschmacksstörung, einen Schwindelanfall oder eine Allergiereaktion?“ „Einen Schlaganfall“, sagte Keima.

„Richtig. Fünfte Frage. Was ist ein Sonett? Eine Form des Gedichts, eine Art Waffe, ein Messgerät oder ein Bauteil einer Radaranlage?“ „Ein Messgerät“, sagte Keima. „Falsch.“ „Eine Art Waffe“, sagte Keima. „Wieder falsch.“ „Eine Form des Gedichts“, sagte Yasu.
 

„Richtig. Sechste Frage. Was verbirgt sich hinter einer Konklave? Die Befreiung der Sklaverei in den Südstaaten, eine Papstwahl, ein Musikstück oder eine besondere Form der Kunst?“ „Eine besondere Form der Kunst“, sagte Yasu. „Das ist falsch.“ „Eine Papstwahl“, sagte Yasu.
 

„Das ist richtig. Siebte Frage. Was ist ein Falchion? Ein Schwert, ein Tier, ein Gericht oder ein Kleidungsstück?“ „Ein Tier“, sagte Yasu. „Das ist falsch“, sagte Frau Watanabe. „Ein Schwert“, sagte Keima.
 

„Das ist richtig. Achte Frage. Mit was beschäftigt sich ein Ornithologe?“

„Mit Fossilien“, sagte Yasu. „Das ist falsch.“ „Mit Korallen“, sagte Keima. „Das ist auch falsch.“ „Mit Vogelarten“, sagte Yasu.

„Das ist richtig“, sagte Frau Watanabe. „Neunte Frage.“
 

Seto saß bei seinen Mitschülern. Er musste hier immer wieder seine Arbeit unterbrechen weil ständig irgendein Programm angesagt war. In zwei Tagen war die Klassenfahrt vorbei. Dann konnte er endlich wieder ganz normal in seiner Firma arbeiten. Seto war ein guter Schüler. Das Lernen fiel ihm zum Glück nicht schwer. Einiges an Unterrichtsstoff von diesem Schuljahr hatte er bereits vor vielen Jahren bei Gozaburos Lehrern gelernt. Der Brünette wurde von seinem zehnten bis fünfzehnten Lebensjahr von Privatlehrern unterrichtet. Erst als er sechzehn war ging er auf eine öffentliche Schule.

Joey und Tristan feuerten Keima lautstark an. Jedes Mal wenn er eine Frage richtig beantwortete jubelten die beiden.
 

Sie waren gerade bei der zehnten Frage. „Zehnte Frage“, sagte Frau Watanabe. Ein Kubikmeter umfasst wie viel Liter? 100 Liter, 2500 Liter, 1000 Liter oder 10000 Liter?“ „1000 Liter!“, riefen Yasu und Keima gleichzeitig.
 

Ein Mädchen von der anderen Klasse stand an der Tafel und machte wenn Keima eine Frage richtig beantwortete einen Strich bei der Domino Oberschule. Wenn Yasu eine Frage richtig beantwortete machte sie einen Strich bei ihrer Schule. „Wer kriegt einen Punkt?“, wollte das Mädchen wissen. „Beide haben die richtige Antwort gesagt“, sagte Frau Watanabe. „Also kriegen beide einen Punkt.“

„Jetzt hab ich noch zehn Fragen zu Insekten“, sagte Frau Watanabe. „Schafft ihr es alle zehn Fragen richtig zu beantworten?" „Das wäre was für Weevil“, meinte Joey. „Der Kerl liebt Insekten.“
 

„Erste Frage. Was ist typisch Insekt?“

A: Sechs Beine, drei Körperteile, ein Außenskelett

B: Acht Beine, zwei Körperteile, ein Außenskelett.

C: sechs Beine, ein Körper, ein Innenskelett.
 

„Ich nehme A“, sagte Keima. „Das ist richtig“, sagte Frau Watanabe. Zweite Frage. Wie viele Insektenarten leben in Deutschland?“

A: ca. 125.000, B: ca. 33.000 oder C: ca. 2500?

„Ich nehme C“, sagte Yasu. „Das ist falsch. Antwort B wäre richtig. In Deutschland leben ungefähr 33.000 Insektenarten.“
 

„Dritte Frage. Was steht bei Insekten auf dem Speiseplan?“

A: nur pflanzliche Nahrung oder B: pflanzliche und tierische Nahrung.

„Ich nehme B“, sagte Yasu. „Das ist richtig“, sagte Frau Watanabe.
 

„Vierte Frage. Wie viele Einzelaugen hat das Auge einer Libelle?“

A: 300 B: 3000 C: 30000

„Ich nehme B“, sagte Keima. „Das ist falsch“, sagte Frau Watanabe. „Antwort C wäre richtig. Das Auge einer Libelle hat 30000 Einzelaugen.“
 

„Fünfte Frage. Was bedeuten die Punkte auf dem Rücken des Siebenpunkt-Marienkäfers?“

A: Sie verraten das Alter.

B: Die Punkte stehen für die jeweilige Art.

C: Durch die Punkte kann man Männchen und Weibchen unterscheiden.

„Ich nehme A“, sagte Keima. „Das ist falsch“, sagte die Lehrerin. „Antwort B wäre richtig. Sie stehen lediglich für die jeweilige Käferart.“
 

„Sechste Frage. Wofür benötigt die Ackerhummel eine Tasche?“

A: In den Taschen versteckt die Hummel ihre Nahrung.

B: Die Ackerhummel legt die Taschen für die Lagerung von Pollen an.

C: Wenn sich die Ackerhummel bedroht fühlt, bläst sie die Taschen auf, um Feinde zu verjagen.

„Ich nehme B“, sagte Yasu.
 

„Das ist richtig“, sagte Frau Watanabe. „Siebte Frage. Wie tief können die Löcher werden, die Holzbienen ins Holz nagen?“

A: bis zu 10 cm B: bis zu 20 cm C: bis zu 30 cm

„Ich nehme B“, sagte Keima. „Das ist falsch. Antwort C wäre richtig. Die Löcher die die Holzbienen ins Holz nagen können bis zu 30 cm tief werden.“
 

„Achte Frage. Was ist das Geheimnis der bunten Schmetterlingsflügel?“

A: Schmetterlingsflügel sind von winzigen farbigen Schuppen bedeckt.

B: Schmetterlingsflügel sind mit einer bunten Haut überzogen.

C: Schmetterlingsflügel sind mit buntem Pulver überzogen, das sich ständig erneuert.

„Ich wähle C“, sagte Keima. „Das ist falsch. Antwort A wäre richtig. Die schimmernden Schmetterlingsflügel sind von winzigen farbigen Schuppen bedeckt.“
 

„Neunte Frage. Warum hilft die schwarz-rote Farbe der Streifenwanze?“

A: Die Farben dienen als Warnfarbe für Fressfeinde

B: Die Farben dienen als Lockfarbe für andere Wanzen

C: Die Farben dienen als Tarnung

„Ich wähle A“, sagte Yasu.
 

„Das ist richtig. Zehnte und letzte Frage. Welche Pflanzen passen am besten in einen insektenfreundlichen Garten?“

A: Pflanzen mit gefüllten Blüten

B: Pflanzen mit ungefüllten Blüten

C: Insekten mögen alle Pflanzen und Blumen

„Ich wähle B“, sagte Keima. „Das ist richtig“, sagte Frau Watanabe.
 

Sie wandte sich an das Mädchen das an der Tafel stand. „Wie ist der aktuelle Punktestand?“ „Die Domino Oberschule hat 10 Punkte“, antwortete das Mädchen. „Und meine Schule hat 8 Punkte.“ „Somit hat unsere Schule gewonnen“, sagte Herr Sato. Joey und seine Mitschüler jubelten. „Wir machen jetzt 15 Minuten Pause“, sagte Herr Hayashi. „Danach machen wir mit der nächsten Disziplin weiter.“ Joey ging zu Keima. „Du warst super. Einsame Spitze. Dank dir haben wir gewonnen.“ „Danke Joey“, erwiderte Keima. „Es war toll wie du und Tristan mich angefeuert habt. Das gibt mir so viel Kraft.“ „Du schreibst immer gute Noten“, sagte der Blonde. „Wie machst du das? Was ist dein Erfolgsgeheimnis?“ „Ich mache nichts Besonderes“, antwortete Keima. „Ich passe im Unterricht auf und schreibe auf was Herr Sato sagt. Zu Hause lese ich nochmal alles durch was wir im Unterricht durchgenommen haben. Das ist alles.“

Aus einem Automaten zog Joey eine Flasche Cola. Er öffnete den Verschluss und trank. Anschließend ging er zu Yugi und den anderen. „Ich bin gespannt was die nächste Disziplin ist“, sagte Yugi. Herr Sato kam zu ihnen. „Wir haben noch zwei Disziplinen. Ihr dürft nicht nachlassen, ihr müsst euch richtig anstrengen. Nur so haben wir eine Chance diesen Wettbewerb zu gewinnen.“ Der Lehrer ging weiter. „Genau“, sagte Joey. „Wir müssen den Wettbewerb gewinnen. Wenn die Schüler von der anderen Klasse gewinnen werden sie noch unerträglicher.“

Nach der Pause setzten sich die Schüler wieder auf ihre Plätze. Auf der Bühne stand ein Tisch mit zwei Stühlen. „Die zweite Disziplin ist Schach“, sagte Herr Hayashi. „Wir spielen zwei Partien und brauchen von jeder Klasse wieder einen Schüler.“ Yugi stand auf und ging nach vorne. Joey war überrascht. Seit wann konnte sein bester Freund Schach spielen?
 

Yugi ging auf die Bühne. Dort wartete bereits sein Gegner Raiden auf ihn. Er und Raiden setzten sich gegenüber und stellten die Schachfiguren hin. „Ich hoffe dass Yugi gewinnt“, sagte Tea. „Das hoffe ich auch“, sagte Tristan. Dann begann das Schachspiel. Yugi hatte die weißen und Raiden hatte die schwarzen Figuren. Es stellte sich heraus dass Yugi ein talentierter Schachspieler war. Es dauerte nicht lange bis er mehr Figuren hatte als sein Gegner. Doch Raiden war auch nicht schlecht. Er trieb Yugi mehrmals in die Enge. Aber der schaffte es jedes Mal sich aus dieser Lage zu befreien. Das Spiel endete mit einem Unentschieden.

Nun kam Kaiba nach vorne auf die Bühne. „Du kannst wieder zu deinem Platz gehen, Yugi. Ich übernehme jetzt.“

Bei der zweiten Partie wirkte Raiden angespannt und nervös. Es war nichts mehr von seiner Überlegenheit übrig. Nach nur zehn Minuten war das Schachspiel zu Ende. Yugi hatte gewonnen.
 

„Kommen wir zur dritten und letzten Disziplin“, sagte Herr Hayashi. „Wir machen im nahgelegenen Wald einen Orientierungslauf. Zieht eure Sportsachen an. Diesmal müsst ihr alle mitmachen. Wir treffen uns in 20 Minuten draußen am Waldrand.“

Joey und Kaiba gingen zu ihrem Zimmer. Seto schloss die Tür auf. Joey zog sich ein anderes T Shirt und eine Sporthose an. „Ich hab gar nicht gewusst dass du Basketball spielen kannst.“ „Du weißt vieles nicht.“ „Wo hast du das gelernt, Kaiba?“, wollte Joey wissen. „Bist du in einem Verein?“ „Für so was habe ich keine Zeit“, sagte Seto. „Ich bin eben ein Naturtalent. Ich hab früher im Waisenhaus oft mit den anderen Jungs Basketball gespielt. Beantwortet das deine Frage?“ Nachdem sie sich umgezogen hatten spazierten sie zum Waldrand.

Als alle Schüler von den beiden Klassen anwesend waren erläuterte Herr Hayashi den Ablauf und Inhalt. „Beim Orientierungslauf geht es darum, möglichst schnell eine durch bestimmte Kontrollpunkte im Gelände festgelegte Strecke abseits der normalen Wege abzulaufen. Zur namensgebenden Orientierung stehen euch dabei nur Karte und Kompass zur Verfügung. Die Strecke besteht aus zehn Kontrollpunkten, die ihr der Reihenfolge nach ablaufen müsst. An jeder Station habe ich einen Stempel befestigt, mit dem ihr auf der Karte markieren könnt, dass ihr den Punkt erreicht habt. Bei jeder Station soll ein Rätsel gelöst werden. Von der Karte habe ich ein paar mehr Abzüge angefertigt, allerdings verfügen wir nicht über genügend Kompasse, weshalb ihr das Ganze in Zweierteams bewältigen werdet. Die Zusammenstellungen werden wir gleich im jeweiligen Klassenverband auslosen. Da ihr natürlich nicht einfach euren Mitschülern nachlaufen sollt, werden die Teams mit entsprechendem Zeitversatz starten. Welche Klasse zuerst mit der in Summe niedrigsten Zeit und allerhöchstens zehn fehlenden Stempeln wieder da ist, hat diese Disziplin gewonnen.“
 

Herr Sato hatte ein Glas das Zettel mit den Namen seiner Schüler enthielt. „Ich werde jetzt immer zwei Zettel ziehen und die Namen laut vorlesen.“
 

Der Blonde hoffte dass sein Partner nicht Kaiba war. Das wäre schrecklich. Sie würden sich die ganze Zeit nur streiten.
 

„Joey Wheeler und …“
 

Er hielt den Atem an.
 

… Tristan Taylor.“
 

Joey war erleichtert. Er und Tristan gaben sich ein High Five.
 

Seto stand mit verschränkten Armen neben seinen Mitschülern und wartete bis sein Name aufgerufen wurde. Er bekam nicht Joey zugeteilt. Das war schon mal gut. Er wurde aufmerksam als er seinen Namen hörte.
 

„Seto Kaiba und ... Yugi Muto.“
 

Kaiba sah Yugi an. Ihre Blicke trafen sich.
 

Na großartig.
 

Dann war im Glas nur noch ein Zettel übrig. „Wer von euch hat keinen Partner?“, wollte Herr Sato wissen. Naomi meldete sich. „Wir bilden eine Dreiergruppe“, sagte der Lehrer. „Masako, Erina, ist es für euch in Ordnung wenn Naomi in eurer Gruppe ist?“ Masako und Erina nickten. „Ja das ist für uns kein Problem.“

Nachdem alle Paare für den Orientierungslauf ausgelost wurden bekamen die Schüler von ihren Lehrern die Karte, Kompass und einen kleinen Block mit Kugelschreiber. Auf dem Block sollen sie die Antworten von den Rätseln hinschreiben. Tristan nahm die drei Gegenstände entgegen. Er und Joey wollten weitergehen doch ihr Lehrer hielt sie zurück. „Ihr seid noch nicht dran.“ Joey nutzte die Wartezeit um mit Yugi zu sprechen.

„Du hättest lieber einen anderen Partner, oder?“

„Ach das geht schon in Ordnung“, meinte Yugi. „Kaiba ist auch nur ein Mensch.“

„Ich kenne keinen Menschen der so arrogant und unfreundlich ist wie Kaiba“, sagte Joey. „Wenn ich nur seinen Namen höre könnte ich ausflippen. Ich kann ihn nicht leiden und das wird sich auch nicht ändern.“

„Er hat sicher auch seine guten Seiten“, sagte der Bunthaarige.

„Die will ich sehen“, sagte der Blonde. Er sah wie die ersten Teams in den Wald gingen. „Yugi, wie kannst du so ruhig bleiben nachdem du erfahren hast dass Kaiba dein Partner ist? Ich an deiner Stelle wäre schon längst ausgerastet.“

„Es bringt nichts wenn ich ausraste“, entgegnete Yugi.

Tristan kam dazu. „Joey wir sind gleich dran!“ Joey verabschiedete sich von Yugi. „Bis später Alter.“ Er und Tristan stellten sich an. „Ihr könnt jetzt in den Wald gehen“, sagte Herr Sato. Die beiden marschierten los.

Joey hielt die Karte. „Wo müssen wir hin?“ Tristan guckte die Karte an. „Wir müssen geradeaus und dann links abbiegen.“

„Ich bin froh dass ich den Orientierungslauf nicht mit Kaiba machen muss“, sagte Joey. „Mit dir ist es viel schöner.“

„Ich will Serenity wieder sehen“, sagte Tristan. „Verrätst du mir endlich wo sie wohnt?“

„Wie oft willst du mich das noch fragen?“ „Solange bis du mir ihre Adresse gibst.“

Nach einer Weile kam die erste Abbiegung. Die beiden bogen nach links ab. Ein Zweierteam der anderen Schule kam in ihre Richtung. Sie würdigten Joey und Tristan keines Blickes und gingen an ihnen vorbei. Joey schaute ihnen nach. „Ich hab damit gerechnet dass sie was zu uns sagen.“

„Sei doch froh dass sie nichts zu uns sagen“, sagte Tristan. „Das artet sonst in Streitereien aus und darauf habe ich echt keine Lust.“

Sie hatten den ersten Kontrollpunkt erreicht. Tristan nahm den Stempel und drückte ihn auf die Karte. An der Tafel daneben hing ein Zettel mit der Rätselaufgabe.
 

Stehe zwischen Rasen, Weg und Baum.

Für Spaten und Häcksler biete ich viel Raum.

In mir wohnt kein Mensch nur Spinne und Maus.

Ich bin ein
 

„Mann das ist echt schwer“, meinte Joey. „Weißt du die richtige Antwort, Tristan?“

Der schüttelte den Kopf. „Ich bin genauso ratlos wie du, Joey.“

„Lassen wir dieses Rätsel aus und gehen weiter“, schlug Joey vor.

„Warte ich glaub ich weiß die Antwort“, sagte Tristan. „Lass mich überlegen. Gewächshaus.“

„Das könnte stimmen“, sagte Joey. „Wo müssen wir als Nächstes hin?“

„Nach Norden“, antwortete Tristan. Sie setzten ihren Weg fort.

„Als wir Kaiba das erste Mal trafen dachte ich er wäre ein netter Kerl“, sagte Joey. „Aber da habe ich mich getäuscht. Warum beleidigt er mich? Warum macht er sich über mich lustig? Was hat er davon?“

„Es macht ihm wohl Spaß dich zu beleidigen“, sagte Tristan. „Anders kann ich es mir nicht erklären.“

„Das denke ich auch“, meinte Joey. „Kaiba redet nur mit mir und Yugi. Warum redet er nicht mit dir? Oder mit Tea, Duke, Bakura?“ Tristan zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Wahrscheinlich sind wir für Kaiba uninteressant.“

„Ich will Karita-san einen Streich spielen“, sagte Joey. „Er hat es nicht anders verdient." Herr Karita war ihr Sportlehrer. „Ich bin dabei“, sagte Tristan. „Was machen wir mit ihm?“

„Mir fällt schon was ein“, erwiderte der Blonde. „Es soll etwas sein was er so schnell nicht vergisst.“

„Ich werde nach dem Schulabschluss in Domino bleiben“, sagte Tristan. „Und du?“ „Ich werde auch in Domino bleiben“, antwortete Joey.

„Sagst du mir endlich wo Serenity wohnt?“, fragte Tristan.

Joey packte ihn am Kragen. „Zum hundertsten Mal, nein! Du bist zwar mein Freund aber ich will nicht dass du Serenity triffst. Du darfst sie nicht sehen! Akzeptiere das endlich!“ Kurz darauf waren sie am zweiten Kontrollpunkt. Es war wieder ein Rätsel dabei.
 

Ich bin gefertigt aus Metall,

oder geschreinert aus Holz.

Rechnung, Liebesbrief — ich nehm’ sie all,

Trag’ deinen Namen stets mit Stolz.

Was bin ich?
 

„Das ist einfach“, meinte Tristan. „Briefkasten. In unserer Schule spukt es. Glaubst du dass das stimmt?“

Joey zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Die Leute reden viel wenn der Tag lang ist. Wir könnten das herausfinden wenn wir nachts in der Schule übernachten.“

Tristan war begeistert. „Das ist eine gute Idee.“ Er grinste. „Weißt du noch als wir die Gruselmasken trugen und damit die Leute erschreckt hatten? Oder das eine Mal wo wir einen gefüllten Eimer auf die Türkante gestellt hatten und Weevil die ganze Ladung Wasser abbekommen hatte?“

Joey fing an zu lachen. „Das weiß ich noch. Der Blick von Weevil war unbezahlbar.“ Dann wurde er wieder ernst. „Wir müssen uns beeilen. Wir dürfen nicht trödeln. Sonst verlieren wir.“

„Du hörst dich an wie unser Klassenlehrer“, sagte Tristan.
 

In der Zwischenzeit waren Yugi und Seto ebenfalls in den Wald marschiert. „Damit eins klar ist, Yugi“, sagte Seto. „Ich bestimme wo es langgeht.“ Er sah sich die Karte an. Yugi guckte mit. „Wir müssen geradeaus, Kaiba.“

„Warum erzählst du mir nicht was dass ich noch nicht weiß? Es ist unfassbar dass ich mit dir diesen Orientierungslauf machen muss.“

„Ich kann nichts dafür“, sagte Yugi. „Herr Sato hat uns so eingeteilt. Mit wem willst du den Orientierungslauf machen?“

„Mit niemanden“, antwortete Seto. „Ich will das allein machen.“

„Ich hab dir nichts getan, Kaiba. Warum kannst du mich nicht leiden?“

„Du willst wissen warum? Weil du mir meinen Titel gestohlen hast! Wegen dir bin ich nicht mehr der beste Duellant! Ich bin erst zufrieden wenn ich dich im Duell besiegt habe.“

Die beiden gingen von einem Kontrollpunkt zum nächsten. Beim siebten Kontrollpunkt ging der Bunthaarige auf die Knie. „Ich brauche eine Pause." „Nicht schlappmachen, Yugi!“, ermahnte ihn Seto. „Wir haben es bald geschafft, nur noch drei Stationen. Dann sind wir am Ziel. Jetzt steh endlich auf!“

Aber Yugi setzte sich auf einem Baumstamm. „Ich kann nicht mehr. Ich brauche wirklich eine Pause.“ Seto stand neben ihm und verschränkte die Arme. „Mann Yugi. Wegen dir verlieren wir wertvolle Zeit.“

In diesem Augenblick kamen Kenzo und ein Junge vorbei. Kenzo grinste hämisch. „Wen haben wir denn da? Zwei weitere Nieten von der anderen Schule!“ „Warum gebt ihr nicht auf und überlässt uns den Sieg?“, fragte der Junge. „Das hättet ihr wohl gerne“, erwiderte Kaiba. Der Junge wandte sich an Yugi. „Hey bist du nicht der König der Spiele?“ Yugi nickte. „Ja der bin ich.“ „König der Loser würde eher passen.“ Kenzo und sein Freund brachen in Gelächter aus. „Hört auf damit!“, rief Yugi. „Das ist nicht lustig.“ „Euch wird das Lachen schon noch vergehen“, sagte Seto. „Wenn unsere Klasse gewinnt. Nicht wahr Yugi?“ „Ja genau“, sagte Yugi. „Nein wir werden gewinnen“, sagte Kenzo. „Und ihr werdet verlieren.“ „Ihr seid zwei Idioten die ihre Klappe nicht halten können“, sagte Seto. „Wie hast du uns gerade genannt?“, fragte der Junge. Kaiba lächelte. „Ihr habt mich schon verstanden.“ Da packte Kenzo ihm am Kragen. „Wir sind keine Idioten. Wenn einer ein Idiot ist dann doch wohl ihr!“ Seto packte Kenzos Handgelenk und schubste ihn weg.

„Komm Yugi. Lass uns weitergehen.“ Seto und Yugi setzten ihren Weg fort. Als Yugi sich umdrehte sah er dass Kenzo ihnen gefolgt war. Er holte zu einem Schlag aus. „Pass auf Kaiba!“
 

„Müssen wir nach links, nach rechts oder geradeaus, Joey?“, fragte Tristan.

„Mann Tristan. Ich hab echt keine Ahnung. Ich weiß nicht mal wo wir uns befinden.“ Tristan sah sich um. Um sie herum waren nur Bäume. Jeder Weg sah gleich aus.

„Wir haben uns verlaufen.“

Joey war entsetzt. „Oh nein, das darf nicht wahr sein! Was machen wir jetzt?“

„Beruhige dich erst mal“, sagte Tristan.

„Ich soll mich beruhigen?“, rief der Blonde. „Begreifst du nicht den Ernst der Lage? Wir haben uns verlaufen, Tristan!“

Tristan sah sich die Karte an. „Wir haben bis jetzt sechs Kontrollpunkte erreicht. Vier fehlen uns noch. Ich schlage vor dass wir geradeaus gehen. Dann sehen wir weiter.“
 

„Du kannst nicht ewig ausweichen!“, rief Kenzo. „Jetzt hab ich dich.“ Er zielte mit seiner Faust auf Kaibas Gesicht und schlug zu. Er traf voll ins Schwarze. Aus Kaibas Nase kam Blut raus. Der Junge freute sich. „Gut gemacht, Kenzo. Dem hast du es aber gezeigt.“ „Mal sehen wie dir das gefällt“, sagte Seto. Er verpasste seinem Gegenüber einen Schlag in den Bauch. Kenzo krümmte sich vor Schmerzen und verzog das Gesicht. Der Junge war empört. „Was hast du getan?“ „Dein Freund ist schuld“, sagte Seto. „Er hat damit angefangen.“ Er sah zu Kenzo runter. „Leg dich nie mit einem Kaiba an. Das hast du jetzt davon.“

Er und Yugi gingen weiter. Yugi kramte in seiner Jackentasche und holte ein Taschentuch raus. „Gib her.“ Seto riss ihm das Taschentuch aus der Hand und hielt es vor seiner Nase. „Gewalt ist keine Lösung“, meinte Yugi. „In diesem Fall schon“, entgegnete Seto. „Hast du vergessen dass der Typ mich zuerst geschlagen hat?“

„Nein aber das hättest du auch anders regeln können.“

„Ach und wie? Was würdest du tun wenn dich jemand schlägt?“

„Ich würde mich nicht wehren weil ich nicht stark genug bin“, antwortete der Bunthaarige. „Ich bin gegen Gewalt.“

Sie waren immer noch beim siebten Kontrollpunkt und lasen das Rätsel.
 

Ich will hoch in den Himmel und tief in die Erde.

Im Frühling bin ich zärtlich grün,

im Sommer kräftig dicht,

Im Herbst werde ich gelb, rot und braun,

Im Winter bin ich nackig kahl.

Was bin ich?
 

„Ein Baum“, sagte Seto und schrieb die Antwort auf dem Block. „Hast du schon mal Freunde gehabt?“, wollte Yugi wissen.

„Nein.“

„Willst du welche haben?“, fragte Yugi.

Seto schüttelte den Kopf. „Nein.“

„Warum nicht?“

Der Brünette kickte einen Stein weg. „Weil ich keine Freunde brauche! Ich komme auch ohne Freunde gut zurecht.“

„Freunde sind was Schönes“, meinte Yugi. „Man kann mit ihnen tolle Sachen machen und sie können einem helfen wenn man nicht mehr weiter weiß.“

Seto warf ihm einen bösen Blick zu. „Dein Gesülze über Freundschaft kannst du ruhig für dich behalten. Wie kannst du mit dem Stümper Wheeler befreundet sein, er taugt nichts.“

„Joey ist ein guter Freund“, meinte Yugi. „Auf ihn kann man sich immer verlassen.“

Nachdem sie die restlichen drei Kontrollpunkte erreicht und die dazu gehörigen Rätsel gelöst hatten gingen sie wieder zurück.

Seto hielt den Kompass und die Karte. Yugi hatte den Block und den Kugelschreiber. „Trotz unserer Differenzen hege ich dir gegenüber keine Feindseligkeit“, sagte der Bunthaarige. „Du bist für mich auch ein Freund, Kaiba.“

„Ich bin nicht dein Freund sondern dein Rivale“, korrigierte Seto. Yugi sah zwei von seinen Freunden. „Tea, Duke!“ Die zwei drehten sich um. „Yugi, Kaiba!“, rief Tea. Seto war nicht begeistert. „Na toll.“ „Warum blutest du, Kaiba?“, fragte Tea. „Das geht dich gar nichts an“, brummte Kaiba. „Warum bist du so unfreundlich? Ich hab dir eine ganz normale Frage gestellt.“ „Was anderes kannst du von Kaiba nicht erwarten“, meinte Duke. „Habt ihr auch schon alle Kontrollpunkte erreicht?“, wollte der Bunthaarige wissen. Duke und Tea nickten. „Hoffentlich sind wir nicht die Letzten“, sagte Duke. „Das wäre echt peinlich.“ „Mir ist der Wettbewerb egal“, sagte Kaiba. „Wenn wir gewinnen ist es gut. Wenn wir verlieren ist es auch nicht schlimm.“ Als Yugi, Tea und Duke ihn anstarrten fragte er: „Was ist? Habt ihr damit ein Problem?“ „Ist es dir wirklich egal wenn unsere Klasse den Wettbewerb verliert?“, fragte Duke. „Es ist nur ein blöder Wettbewerb“, meinte Kaiba. „Nichts Wichtiges.“ Tea war empört. „Wie kannst du so etwas sagen?“ „Das ist meine Meinung“, sagte Seto. „Wenn es euch nicht passt ist das nicht mein Problem.“ „Also ich will schon dass wir den Wettbewerb gewinnen“, sagte Duke. „Ich auch“, sagten Yugi und Tea gleichzeitig. „Was sagst du jetzt, Kaiba“, sagte Duke. „Wir sind in der Überzahl.“

„Das juckt mich nicht“, erwiderte der Brünette.

Die vier waren am Waldrand angekommen und gaben die drei Gegenstände bei ihrem Lehrer ab. Nach und nach trudelten weitere Teams ein, die ausgefüllten Karten und Blöcke wurden eingesammelt und die fehlenden Stempel ausgezählt.

Es war ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal lag der Vorsprung bei ihnen, mal bei der anderen Schule. Nach einer Viertelstunde waren alle Schüler von Herr Hayashi wieder zurückgekommen. „Bei uns fehlen noch zwei Schüler“, sagte Frau Watanabe. „Joey Wheeler und Tristan Taylor.“

Unterdessen ging das Warten weiter und die Freunde um Yugi wurden langsam nervös. Wenn Joey und Tristan in zehn Minuten nicht auftauchten, würden erste Suchmaßnahmen ergriffen werden. Fünf Minuten vor Ablauf dieser Frist war endlich zwischen den lichten Bäumen eine Bewegung auszumachen und Tea deutete aufgeregt in Richtung Waldrand. „Da drüben sind sie!“ In der Tat kamen Joey und Tristan aus dem Wald. Die beiden gingen zu ihrer Klasse.

Auch die andere Klasse hatte die Nachzügler bemerkt, was sie von Weitem lautstark durch Pfiffe, Johlen und Ausbuhen signalisierten.

„Warum kommt ihr erst jetzt?“, wollte Frau Watanabe wissen. „Wir haben uns verlaufen“, sagte Joey. „Wir müssen noch die Punkte zusammenzählen“, sagte Herr Hayashi. „Beim Wissensquiz hat meine Klasse acht Punkte. Und Ihre Klasse hat zehn Punkte. Beim Schach endete die erste Partie mit einem Unentschieden. Beide Klassen erhalten einen Punkt. Bei der zweiten Partie hat Ihre Klasse gewonnen. Also bekommt Ihre Klasse drei Punkte. Beim Orientierungslauf hat meine Klasse gewonnen. Wir bekommen zehn Punkte.“ Herr Sato tippte die Zahlen in den Taschenrechner. „Meine Klasse hat insgesamt 26 Punkte.“ „Und meine Klasse hat 34 Punkte“, sagte Herr Hayashi. „Unsere Klasse hat den Wettbewerb verloren“, sagte Herr Sato. „Das tut uns leid“, sagte Joey. „Das war nicht unsere Absicht“, sagte Tristan. „Das ist nicht schlimm“, meinte ihr Lehrer. Sie gingen gemeinsam wieder in die Herberge rein.

„Es sieht so aus als hätte meine Klasse gewonnen“, sagte Herr Hayashi. „Ihre Klasse war aber auch nicht schlecht, Sato-san. Was halten Sie davon wenn wir am Samstagabend eine Grillparty machen?“ Er fragte seine Klasse: „Seid ihr damit einverstanden?“ „Ja!“, riefen sie.

Herr Sato wandte sich an seine Schüler. „Was sagt ihr dazu?“

„Das ist eine tolle Idee.“ „Wir sollen das schöne Wetter ausnutzen.“ „Warum nicht? Das wird sicher lustig.“ „Und wo soll das stattfinden?“, fragte Frau Watanabe. „Hinter der Herberge ist ein großer Garten“, antwortete Herr Hayashi. „Dort können wir grillen. Ich werde die Herbergsleiterin fragen ob wir draußen grillen dürfen. Ich bin gleich wieder da.“ „Ich hol schnell mein Notizbuch“, sagte Herr Sato.

Frau Watanabe fragte die Schüler von Herrn Hayashi. „Wie gefällt euch die Klassenfahrt bisher?“

„Es ist toll!“, rief Kenzo. „Hundertmal besser als der normale Unterricht, nicht wahr Leute?“ Seine Klassenkameraden stimmten ihm zu.

Herr Hayashi kam mit der Herbergsleiterin zurück. „Sie hat Ja gesagt!“ Seine Schüler jubelten. Auch die Schüler aus Joeys Klasse jubelten.

„Zuerst müssen wir die Biertische und Bierbänke aufstellen“, sagte Herr Hayashi. „Wer will das machen?“ Drei Jungs aus Herr Hayashis Klasse meldeten sich. Minato, Shinya und Duke meldeten sich ebenfalls. „Die Biertische und Bierbänke müssen wir erst aus der Garage holen“, sagte Herr Hayashi. „Die Herbergsleiterin hat mir dafür den Schlüssel gegeben. Kommt mit Jungs.“ Er ging voraus und die sechs Jungen folgten ihm.

„Dann müssen wir noch das Essen für die Grillparty am Samstag planen“, sagte Herr Sato. „Und die Getränke dürfen wir auch nicht vergessen. Was wollt ihr essen und trinken?“

„Nudelsalat!“ „Würstchen!“ „Steaks!“ „Grillkäse!“ „Baguette!“ „Kartoffelsalat!“ „Garnelen und Tintenfisch!“ „Schweinebauch!“ „Kürbis!“ „Kammmuscheln!“ „Yakisoba!“ „Yakiniku Sauce!“ „Yakionigiri!“ „Orangenlimo!“ „Zitronenlimo!“ „Wasser mit und ohne Kohlensäure!“ „Cola!“ „Gemischter Salat!“

Herr Sato schrieb das alles auf. „Bier und Wein!“ „Nein!“, rief er. „Kein Alkohol!“ Er legte den Kugelschreiber beiseite. „So das hätten wir.“

Er gab seiner Kollegin den Einkaufszettel. „Ich und die Herbergsleiterin fahren in die Stadt um das Essen und die Getränke zu besorgen“, sagte Frau Watanabe. „Sie können ruhig Megumi zu mir sagen“, sagte die Herbergsleiterin. „So heiße ich nämlich.“

„Wir müssen ganz viele Sachen besorgen“, sagte Frau Watanabe. „Deshalb brauchen wir vier freiwillige Helfer. Wer will mit uns mitfahren?“

Joey, Tristan, Kaiba und Kenzo meldeten sich. Die vier Jungs folgten der Lehrerin und Megumi. Ein Kleinbus stand schon bereit. Er war bereits beladen mit Körben und Kühltaschen. Joey, Tristan, Kaiba und Kenzo stiegen ein und setzten sich auf die hinteren Sitze. Frau Watanabe und Megumi nahmen vorne Platz und starteten den Motor.

Während der Fahrt erklärte Frau Watanabe den Jungs den Plan für den Einkauf. Sie würden zuerst zum Supermarkt fahren, um die Zutaten für die verschiedenen Gerichte zu besorgen. Danach würden sie noch einen Abstecher zum Getränkemarkt machen, um die Limonaden, Wasser und andere Getränke einzukaufen.

Als sie am Supermarkt ankamen, teilten sie sich in Teams auf, um effizienter einkaufen zu können. Joey und Kaiba kümmerten sich um das Fleisch und den Grillkäse, Tristan und Kenzo suchten nach den frischen Zutaten für die Salate und Beilagen.

Nachdem sie alle Artikel auf ihrer Liste gefunden hatten, trafen sie sich wieder am Ausgang des Supermarkts. Die Körbe waren randvoll mit Lebensmitteln gefüllt. Nun ging es weiter zum Getränkemarkt, wo sie die Limonaden, Wasserflaschen und andere Getränke in großen Mengen einkauften.

Mit dem Kleinbus voll beladen kehrten sie zur Herberge zurück, wo Herr Sato bereits auf sie wartete. Gemeinsam brachten sie die Einkäufe in die Küche und begannen mit den Vorbereitungen für die Grillparty am Samstag.

Die Schüler und ihre Lehrer freuten sich schon auf das Fest und waren stolz darauf, dass sie geholfen hatten, alles für die Party vorzubereiten. Es würde ein toller Abend werden mit gutem Essen, erfrischenden Getränken und viel Spaß mit ihren Freunden.
 

Es war 12 Uhr. „Jetzt ist es Zeit für das Mittagessen!“, rief der Lehrer. „Anschließend habt ihr bis 13 Uhr Pause. Danach wird unsere Klasse in Tokio mit dem Bus eine Stadtrundfahrt machen. Ein Reiseführer wird uns dabei begleiten. Wir treffen uns um 13:30 Uhr vor der Herberge.“

Joey und der Rest der Clique saßen an einem Tisch und genossen ihr Mittagessen.

Joey schaufelte sich begeistert sein Essen in den Mund und sagte: „Ich freue mich schon auf die Stadtrundfahrt! Tokio ist so eine faszinierende Stadt, da gibt es bestimmt viel zu entdecken." Yugi nickte zustimmend und fügte hinzu: „Ich habe gehört, dass wir auch den berühmten Tokyo Tower besichtigen werden. Das wird bestimmt beeindruckend!"

Tea lächelte und meinte: „Ich freue mich besonders darauf, die traditionellen Tempel und Gärten zu sehen. Tokio hat eine so interessante Mischung aus Moderne und Tradition." Tristan stimmte ihr zu und sagte: „Ja, das ist wirklich spannend. Ich bin gespannt, was uns der Reiseführer alles zeigen wird."

Duke warf ein: „Ich hoffe, wir haben auch etwas Freizeit, um ein paar Souvenirs zu kaufen. Ich möchte unbedingt ein originales japanisches Schwert mit nach Hause nehmen!"

Die Gruppe genoss ihr Mittagessen in fröhlicher Stimmung und freute sich auf den bevorstehenden Nachmittag in Tokio. Es versprach ein aufregender Tag zu werden.
 

Nachdem sie ihr Mittagessen beendet hatten, nutzten die Schüler die Pause, um sich für die Stadtrundfahrt vorzubereiten. Sie trafen sich pünktlich um 13:30 Uhr vor der Herberge, wo bereits der Reiseführer auf sie wartete. Der Reiseführer begrüßte die Klasse herzlich und begann, ihnen interessante Fakten über Tokio zu erzählen, während sie mit dem Bus durch die belebten Straßen der Stadt fuhren.

Die Schüler waren fasziniert von den hohen Wolkenkratzern, den bunten Werbetafeln und dem geschäftigen Treiben auf den Straßen. Als der Bus am Tokyo Tower ankam, stiegen alle aus und bestaunten das imposante Gebäude. Von der Aussichtsplattform hatten sie einen atemberaubenden Blick über die gesamte Stadt.

Anschließend besuchten sie einige traditionelle Tempel und Gärten, wo sie die ruhige Atmosphäre genossen und mehr über die japanische Kultur erfuhren. Tea war besonders beeindruckt von der Schönheit der Gärten und machte viele Fotos, um sich an diesen Moment zu erinnern.

Duke nutzte die Gelegenheit, um in einem nahegelegenen Souvenirladen ein authentisches japanisches Schwert zu kaufen. Er war überglücklich mit seinem Kauf und konnte es kaum erwarten, es seinen Freunden zu zeigen.

Die Stadtrundfahrt endete mit einem Besuch in einem traditionellen Teehaus, wo die Schüler Matcha-Tee probierten und sich entspannten. Alle waren dankbar für diesen erlebnisreichen Tag in Tokio und freuten sich darauf, noch mehr von dieser faszinierenden Stadt zu entdecken.
 

Kaiba telefonierte mit seinem Bruder. Er war sofort in sein Zimmer gegangen als die Klasse von der Stadtrundfahrt zurückkam. „Was habt ihr heute gemacht?“, wollte Mokuba wissen. „Am Vormittag sind wir in drei Disziplinen gegen die andere Klasse angetreten“, antwortete Kaiba. „Die erste Disziplin war Wissensquiz, die zweite Disziplin war Schach und die dritte Disziplin war Orientierungslauf.“

„Lass mich raten“, sagte Mokuba. „Du hast beim Schach mitgemacht.“

„Nein Yugi hat da mitgemacht“, erwiderte Kaiba.

„Yugi?“, wiederholte Mokuba. „Seit wann kann der Schach spielen?“

„Ich muss zugeben dass mich das überrascht hat“, meinte Kaiba. „Ich hätte nicht gedacht dass Yugi Schach spielen kann.“

„Warum hast du nicht beim Schach mitgespielt?“, fragte Mokuba. „Du bist doch gut in Schach.“

Kaiba seufzte und antwortete: „Ja, ich bin gut in Schach, aber ich wollte den anderen eine Chance geben. Außerdem dachte ich, es wäre interessant zu sehen, wie Yugi sich schlägt. Er hat tatsächlich ziemlich gut gespielt und sogar ein paar Partien gewonnen." Mokuba war beeindruckt und fragte: „Und was ist mit den anderen Disziplinen? Hast du da mitgemacht?"

„Ich habe nur beim Orientierungslauf mitgemacht“, sagte Kaiba. „Unsere Klasse hat verloren weil Wheeler und Tristan nicht rechtzeitig zurückgekommen sind.“

„Und das Wissensquiz?“

„Wir haben da gewonnen. Keima hat fast jede Frage richtig beantwortet. Am Nachmittag haben wir in Tokio eine Stadtrundfahrt gemacht. Dabei haben wir eine Menge gesehen. Ich habe viele Fotos gemacht. Ich schick sie dir, damit du sie in Ruhe ansehen kannst.“

Kaiba begann, die Fotos von der Stadtrundfahrt mit seinem Smartphone an Mokuba zu schicken. Während die Bilder übertragen wurden, erzählte er seinem Bruder von den verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die sie besucht hatten. Sie waren am Tokyo Tower gewesen, hatten den Meiji-Schrein besichtigt und waren sogar durch den berühmten Stadtteil Akihabara gebummelt.

Mokuba war begeistert von den Fotos und freute sich darauf, mehr über Kaibas Erlebnisse zu erfahren. „Das klingt nach einem aufregenden Tag", sagte er. „Es tut mir leid, dass eure Klasse beim Orientierungslauf verloren hat, aber es ist toll, dass ihr das Wissensquiz gewonnen habt."

Kaiba lächelte und antwortete: „Ja, es war wirklich ein interessanter Tag. Es ist schön, auch mal außerhalb der Schule gemeinsam etwas zu unternehmen. Und Mokuba, was hast du heute gemacht?“

Mokuba erzählte Kaiba von seinem Tag. Er hatte den Tag damit verbracht, an einem Fußballturnier teilzunehmen. Obwohl er nicht den ersten Platz belegte, war er stolz darauf, wie gut seine Mannschaft abgeschnitten hatte.
 

Währenddessen hockte Joey mit seinen Freunden in Yugis Zimmer das er sich mit Bakura, Tristan und Duke teilte. „Die Stadtrundfahrt war echt toll“, meinte Tea. „Was wir da alles gesehen haben.“

Die Freunde saßen gemütlich im Zimmer und tauschten ihre Eindrücke von der Stadtrundfahrt aus. Bakura erzählte begeistert von den historischen Gebäuden, die sie besichtigt hatten, während Tristan sich über die leckeren Snacks freute, die sie unterwegs probiert hatten. Duke schwärmte von den coolen Souvenirs, die er gekauft hatte, und Yugi lächelte zufrieden, dass alle so viel Spaß gehabt hatten.

„Herr Sato hat gesagt dass wir für den Rest des Tages Freizeit haben“, sagte Yugi. „Das ist gut“, meinte Joey. „Dann können wir wenigstens machen was wir wollen.“ Er hielt einen Umschlag in der Hand und holte daraus einen Zettel. „Leute ich habe vom Fernsehsender Domino TV einen Brief bekommen. Ich lese vor was da steht.“
 

Sehr geehrter Joey,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie als Teilnehmer unserer neuesten Quizshow 'Domino Challenge' ausgewählt wurden! Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Chance, einen fantastischen Preis zu gewinnen. Bitte melden Sie sich umgehend bei uns, um weitere Details zu erfahren. Wir freuen uns darauf, Sie in unserer Show begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen, Domino TV
 

„Was meint ihr?“, fragte Joey. „Soll ich da hingehen?“

Seine Freunde waren begeistert und ermutigten ihn, an der Quizshow teilzunehmen.

„Das ist eine einmalige Chance“, meinte Duke. „Ich würde sie nutzen.“

„Das ist eine großartige Gelegenheit, Joey! Du könntest wirklich den Hauptpreis gewinnen“, sagte Yugi aufgeregt.

Joey war zunächst unsicher, ob er wirklich an der Show teilnehmen sollte. Er hatte noch nie zuvor an einem Fernsehquiz teilgenommen und war besorgt über die Aufregung und den Druck, live im Fernsehen zu stehen. Doch letztendlich entschied er sich dafür, die Herausforderung anzunehmen und sein Glück zu versuchen.

Er rief bei Domino TV an, um weitere Details zu erfahren, und erfuhr, dass die Show in einigen Monaten stattfinden würde.

„Ja Leute ich komme ins Fernsehen!“, rief der Blonde. „Bis dahin sollst du fleißig üben“, sagte Tristan.
 

Zum Abendessen gab es Oden. Oden ist ein typisch japanisches Gericht der Winterzeit, das meist als Eintopf in einem irdenen Kochtopf zubereitet wird. Es besteht aus verschiedenen Zutaten wie beispielsweise gekochtem Ei, Daikon, Konnyaku und Chikuwa, die zusammen in einer Dashi-Brühe mit Konbu oder Katsuobushi gekocht werden. Seto verzog das Gesicht weil er dieses Gericht hasste. Aber er musste das essen, es gab kein anderes Gericht. Er stellte sich an und als er drankam sagte er: „Ich will nur eine kleine Portion.“

Seto nahm widerwillig eine kleine Portion Oden und setzte sich an einen Tisch, um sein Abendessen zu essen. Er stocherte lustlos in der Suppe herum und seufzte frustriert. Die anderen Schüler um ihn herum schienen ihr Essen zu genießen, aber für Seto war es eine Qual.

Plötzlich fiel ihm ein, dass er vielleicht etwas tun könnte, um das Oden essbarer zu machen. Er griff nach einigen Gewürzen auf dem Tisch und begann, sie in seine Suppe zu geben. Nachdem er die Suppe umgerührt hatte, probierte er einen Löffel und war überrascht, wie viel besser sie schmeckte.

Seto lächelte zufrieden und aß den Rest seiner Portion Oden mit einem neuen Gefühl der Zufriedenheit. Vielleicht war dieses Gericht doch nicht so schlimm, wie er gedacht hatte. Manchmal brauchte es nur ein wenig Kreativität, um etwas Unangenehmes in etwas Angenehmes zu verwandeln.
 

Joey, Yugi, Tea, Tristan, Duke und Bakura aßen gerade ihr Abendessen. „Da fällt mir ein dass wir noch nicht wissen was du nach der Schule machen willst, Bakura“, sagte Joey.

Bakura lächelte leicht und antwortete: „Nun, ich habe darüber nachgedacht, eine Karriere in der Archäologie zu verfolgen. Ich finde es faszinierend, die Geheimnisse vergangener Zivilisationen zu entdecken und zu erforschen." Yugi nickte zustimmend und sagte: „Das klingt wirklich spannend, Bakura. Du hast definitiv ein Talent für Geschichte und Rätsel." Tea fügte hinzu: „Ich bin sicher, du wirst großartig darin sein, die Vergangenheit zum Leben zu erwecken." Die Freunde unterhielten sich und genossen den Rest ihres Abendessens in fröhlicher Runde.

Duke holte sein Smartphone raus und hielt es in die Höhe. „Leute es wird Zeit für ein Gruppenfoto. Macht das Siegeszeichen. Und jetzt schön lächeln.“

Die Freunde posierten für das Gruppenfoto, alle strahlten fröhlich in die Kamera und machten das Siegeszeichen. Duke drückte auf den Auslöser und das Foto wurde gemacht. „Perfekt!", rief er aus, als er sich das Bild ansah. „Das wird definitiv ein tolles Erinnerungsstück an diesen Abend." Die Freunde lachten und begannen dann, ihre Teller abzuräumen und sich aufzumachen, um den restlichen Abend zu genießen.

Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, beschlossen sie, noch eine Runde Duel Monsters zu spielen. „Ich muss noch etwas erledigen“, sagte Tristan und ging aus dem Raum. Yugi holte sein Deck heraus und forderte Joey zu einem Duell heraus. Die anderen feuerten die beiden Spieler an, während sie strategisch ihre Karten ausspielten und versuchten, den Sieg zu erringen. Das Duell war intensiv und spannend, aber am Ende gelang es Yugi, mit einem geschickten Zug das Spiel zu gewinnen. Joey erzählte Witze und die anderen lachten darüber. Tristan kam wieder zurück. „Ich hab einige Fragen aufgeschrieben und vier mögliche Antworten. Joey, ich bin gespannt ob du es schaffst alle Fragen richtig zu beantworten.“

Herr Sato kam in den Gemeinschaftsraum. „Sagt euren Klassenkameraden dass sie in den Gemeinschaftsraum kommen sollen.“

Zehn Minuten später war die ganze Klasse im Gemeinschaftsraum. Als alle Schüler anwesend waren sagte Herr Sato: „Morgen dürft ihr bis 10 Uhr schlafen. Um 10:30 Uhr sollt ihr zum Gemeinschaftsraum gehen. Ich wünsche euch eine gute Nacht.“

Um 21:30 Uhr putzte Joey sich die Zähne und zog seine Schlafhose an. Sein Zimmergenosse lag im Bett und schlief schon. Der Blonde bewegte sich so leise wie möglich, er wollte Kaiba nicht aufwecken. Er schaltete das Licht aus, legte sich ins Bett und kroch unter die Decke. Er guckte sich auf seinem Smartphone die Fotos an die er während der Stadtrundfahrt gemacht hatte. Es dauerte nicht lang bis er eingeschlafen war.

Als Joey aufwachte war es Freitag. Heute war der vorletzte Tag von der Klassenfahrt. Er sah auf die Uhr und gähnte. Es war erst 7 Uhr morgens. Um diese Zeit lag er normalerweise noch im Bett. Joey war ein Langschläfer und am Wochenende blieb er bis mittags im Bett. Kaibas Bett war leer. Joey zog sich an und ging zum Speisesaal. Dort hielt er Ausschau nach Kaiba und entdeckte ihn. Wie immer saß er allein am Tisch. Joey holte sein Frühstück und stellte es auf das Kantinentablett. Er ging zum Tisch wo Kaiba saß, stellte sein Tablett hin und nahm gegenüber von ihm Platz.

„Guten Morgen Kaiba. Hast du gut geschlafen?“

„Kannst du nicht jemand anders nerven?“

„Hey ich versuche nur nett zu sein.“

„Das kannst du dir sparen“, sagte Kaiba.

„Mann Kaiba, jetzt hab ich aber die Nase voll! Warum kannst du mich nicht leiden?“

Kaiba sah Joey mit einem kalten Blick an und antwortete: „Weil du mich nervst und einfach nur lästig bist.“

Joey fühlte sich verletzt von Kaibas Worten, aber er versuchte ruhig zu bleiben. Er fragte: „Warum bist du immer so gemein zu mir? Hab ich dir etwas getan?"

Kaiba schnaubte verächtlich und antwortete: „Du bist einfach nur ein Idiot, der mir auf die Nerven geht. Ich brauche niemanden wie dich."

Joey runzelte die Stirn und sah Kaiba nachdenklich an. „Aber vielleicht könnten wir zumindest versuchen, respektvoll miteinander umzugehen? Wir sind schließlich in einer Klasse."

„Da mach ich nicht mit“, sagte Kaiba.

Joey seufzte frustriert. Er konnte nicht verstehen, warum Kaiba so unnahbar und abweisend war. Trotzdem beschloss er, nicht aufzugeben und zumindest einen Versuch zu starten, eine friedliche Beziehung aufzubauen.

„Kaiba!“, rief Joey. „Ich weiß, dass wir unsere Unterschiede haben, aber das bedeutet nicht, dass wir uns gegenseitig respektlos behandeln müssen. Lass uns zumindest versuchen, miteinander auszukommen."

Kaiba schaute ihn an, seine Miene immer noch kühl und distanziert. „Du verschwendest deine Zeit, Wheeler. Ich habe keine Lust auf diese Art von Friede-Freude-Eierkuchen-Beziehung mit dir."

Joey ließ sich jedoch nicht entmutigen. „Vielleicht verstehst du mich falsch. Es geht mir nicht darum, beste Freunde zu werden. Aber ich denke, wir könnten zumindest in der Lage sein, höflich miteinander umzugehen und uns gegenseitig zu respektieren."

Kaiba betrachtete Joey einen Moment lang schweigend, bevor er schließlich antwortete: „Respekt muss verdient werden, Wheeler. Und bisher hast du noch nicht viel getan, um meinen Respekt zu verdienen."

Joey seufzte erneut, aber diesmal entschlossen. Er wusste, dass es nicht einfach sein würde, Kaibas harte Schale zu durchbrechen, aber er war bereit, es zu versuchen.

„Vielleicht hast du Recht, Kaiba. Vielleicht habe ich dich noch nicht überzeugt. Aber ich bin bereit, daran zu arbeiten. Wir sollen uns besser kennenlernen und sehen, ob wir nicht doch auf einer gewissen Ebene miteinander auskommen können."

„Ich hab dir bereits gesagt dass ich da nicht mitmache, Wheeler. Und dabei bleibt es auch.“

Joey aß schweigend sein Frühstück weiter und dachte darüber nach, wie er mit Kaibas Ablehnung umgehen sollte. Trotz allem hoffte er insgeheim, dass sie vielleicht doch noch irgendwie miteinander auskommen könnten. Kaiba war mit dem Essen fertig. Er stand auf, nahm sein Tablett und ging weg.
 

Als der Blonde alles aufgegessen hatte ging er zum Wagen und schob sein Tablett hinein. Danach schlenderte er zu Zimmer 15 und klopfte an. Keine Reaktion. Er klopfte ein zweites Mal. Immer noch nichts. Joey drückte die Klinke runter und öffnete die Tür. Yugi, Bakura, Tristan und Duke lagen noch in ihren Betten und schliefen tief und fest. Joey ging zum Waschbecken, nahm den Becher und füllte ihn mit Wasser. Dann schüttete er den vier Jungs das Wasser ins Gesicht. Sie wachten auf und zuckten zusammen.

„Mann Joey, was soll das?“, rief Tristan. „Ich hab so gut geschlafen.“

„Ja und dann kommst du daher und schüttest Wasser in unser Gesicht“, sagte Duke.

„Das hätte nicht sein müssen“, meinte Yugi. „Zeit zum Aufstehen“, sagte Joey.

„Von wegen“, entgegnete Bakura. „Herr Sato hat gestern gesagt dass wir heute bis 10 Uhr schlafen dürfen.“

„Ach so stimmt das hatte ich ganz vergessen“, sagte Joey. „Bis später Jungs. Tut mir leid dass ich euch aufgeweckt habe.“

Er machte die Tür zu und ging zurück zu seinem Zimmer, um sich für den Tag fertig zu machen. Er versuchte, Kaibas Worte aus seinem Kopf zu verbannen, aber sie ließen ihn nicht los. Warum mochte Kaiba ihn nicht? Joey konnte es einfach nicht verstehen.
 

Er ging durch den langen Flur zum Gemeinschaftsraum. Vielleicht war jemand aus seiner Klasse dort. Als er dort ankam konnte er einige aus seiner Klasse entdecken. Joey kam auf sie zu und redete mit ihnen. Dann sah er einige von der anderen Klasse miteinander tuscheln und auf sie deuten. Ohne zu zögern ging er auf die Gruppe zu. „Redet ihr über uns?“

Kenzo trat hervor. „Ja wir haben uns gefragt ob eure Klasse wirklich so blöd ist.“

Joey spürte, wie sein Herz vor Wut schneller schlug. Er versuchte ruhig zu bleiben und antwortete mit fester Stimme: „Unsere Klasse ist genauso klug und talentiert wie eure."

Kenzo lachte spöttisch und sagte: „Ach ja? Eure Klasse hat den Wettbewerb verloren und das heißt dass wir besser sind als ihr.“

Joey spürte, wie sich sein Zorn langsam in Entschlossenheit verwandelte. Er richtete seinen Blick fest auf Kenzo und antwortete mit Nachdruck: „Nur weil wir einen Wettbewerb verloren haben, bedeutet das nicht, dass wir weniger klug oder talentiert sind. Jeder hat Stärken und Schwächen, und es ist wichtig, Respekt füreinander zu haben."

Kenzo lachte erneut und spottete: „Respekt? Das ist lächerlich. Ihr seid einfach nur Verlierer."

Joey spürte, wie die Wut in ihm hochkochte, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben. Er wusste, dass er sich nicht auf Kenzos Niveau herablassen durfte. Mit einem festen Blick antwortete er: „Vielleicht habt ihr den Wettbewerb gewonnen, aber das bedeutet nicht, dass ihr automatisch besser seid als wir. Es gibt mehr im Leben als nur einen Wettbewerb zu gewinnen. Respekt und Anstand sind wichtiger als der Sieg um jeden Preis."

Hayato lachte laut auf und sagte: „Du redest nur große Worte, aber am Ende zählt doch nur das Ergebnis. Und das Ergebnis sagt klar aus, dass wir die bessere Klasse sind."

Joey spürte, wie seine Entschlossenheit wuchs. Er wusste, dass er für seine Klasse einstehen musste, egal was Kenzo oder die anderen sagten.

Kenzo und Hayato kamen immer näher und blieben vor ihm stehen. Joey wich nicht zurück.

„Ihr kommt euch wohl besonders stark vor, bloß weil ihr in der Überzahl seid. Weiß euer Lehrer eigentlich was für Arschlöcher ihr seid?“

„Nein und das wird er auch nie erfahren“, sagte Hayato.

„Sieht aus als müssten wir dir etwas Benehmen beibringen“, sagte Kenzo. „Mal sehen ob du danach immer noch so mutig bist.“

In diesem Moment spürte Joey, wie die Anspannung in der Luft lag. Er wusste, dass er sich in einer schwierigen Situation befand, aber er war entschlossen, für das einzustehen, woran er glaubte. Mit einem ruhigen und festen Ton antwortete er: „Ihr könnt versuchen, mir etwas beizubringen, aber ich werde mich nicht von euch einschüchtern lassen. Respekt und Anstand sind wichtiger als eure Drohungen und euer überhebliches Verhalten."

Kenzo und Hayato tauschten einen Blick aus, bevor Kenzo mit einem spöttischen Lachen antwortete: „Du bist mutig, das muss man dir lassen. Aber Mut allein wird dich nicht retten."

Plötzlich griff Hayato nach Joeys Schulter und drückte ihn gegen die Wand. Joey spürte den Druck, aber er ließ sich nicht davon beeindrucken. Die Schüler aus seiner Klasse kamen hinzu. Auch seine Freunde waren anwesend. „Lasst ihn los!“, ging Tea dazwischen. „Er hat euch nichts getan!“

„Hört damit auf!“, rief Duke. „Sagt mal schämt ihr euch denn nicht?“

Kenzo grinste. „Ihr könnt uns nicht aufhalten.“

„Lasst Joey in Ruhe!“ Tristan rannte zu seinem besten Freund um ihn zu helfen. Bevor er ihn erreicht hatte wurde er von zwei Jungen, die zur anderen Klasse gehörten, festgehalten.

Auf einmal tauchte Herr Hayashi, der Lehrer von der anderen Schule auf. „Was ist hier los?“ Er trat energisch zwischen Joey und die anderen Schüler. Sein Blick war streng, als er die Situation überblickte. „Was geht hier vor sich?", fragte er mit autoritärer Stimme. Hayato ließ Joey los. Die beiden Jungs ließen Tristan ebenfalls los. „Nichts, Sensei. Wir haben nur ein kleines Missverständnis mit diesem Schüler geklärt", antwortete Kenzo schnell.
 

Um 10:30 Uhr erschien Seto im Gemeinschaftsraum. In der Mitte des Raumes befand sich ein Stuhlkreis. Er setzte sich hin und schlug seine Beine übereinander.

Er beobachtete die anderen Schüler, während sie sich im Stuhlkreis niederließen.

Es dauerte nicht lange bis alle Schüler von den beiden Klassen da waren. „Wir machen erst mal eine Vorstellungsrunde“, sagte Frau Watanabe. „Das wollten wir eigentlich schon am ersten Tag machen.“ „Wir holen das jetzt nach“, sagte Herr Hayashi. „Jeder erzählt was er nach der Schule machen will“, sagte Herr Sato.

Seto war nicht besonders begeistert von dieser Vorstellungsrunde. Er rollte mit den Augen, als er den Geschichten seiner Klassenkameraden lauschte. Er konnte sich nicht helfen, aber die Träume und Ambitionen seiner Mitschüler schienen ihm lächerlich und unrealistisch. Seto lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er konnte nicht anders, als über die Träume seiner Mitschüler zu schmunzeln. „Profiduellant?“, murmelte er leise, während Joey enthusiastisch von seinen Plänen erzählte. „Das ist ja fast so realistisch wie ein Märchen.“

Als Yugi an der Reihe war, strahlte er förmlich. „Ich möchte meine eigenen Spiele erfinden! Ich glaube, dass ich etwas schaffen kann, das die Leute begeistert und verbindet.“ Seto konnte nicht leugnen, dass Yugi eine gewisse Leidenschaft ausstrahlte, aber in seinem Kopf formten sich bereits Gedanken darüber, wie man mit einem guten Spiel Geld verdienen könnte – und das war für ihn der einzige Grund, etwas zu erschaffen.

Tea sprach als Nächstes. „Ich träume davon, Tänzerin zu werden! Ich möchte auf großen Bühnen stehen und die Menschen mit meiner Leidenschaft für den Tanz begeistern.“ Seto konnte sich ein weiteres Augenrollen nicht verkneifen. „Tanzen? Wie lächerlich.“

Tristan war dran. „Ich werde nach dem Abschluss bei meinem Vater in der Fabrik arbeiten“, sagte er mit einem Hauch von Resignation in seiner Stimme. Seto bemerkte die Enttäuschung in Tristans Augen und fragte sich, ob dieser wirklich keine anderen Ambitionen hatte oder einfach nur zu feige war, sie auszusprechen.

Bakura erzählte: „Ich möchte die Geheimnisse der Antike erforschen und Archäologe werden. Es gibt so viele verlorene Schätze da draußen.“

Seto fand das zwar interessant, aber auch etwas unrealistisch. Wer würde schon nach alten Schätzen suchen wollen?

Duke wollte ein erfolgreicher Designer im Bereich der Spielindustrie werden. Das klang für Seto interessant – aber der Weg dahin war nicht leicht. Er fragte sich ob Duke das schaffen würde.

Die Runde ging weiter. Einige hatten große Träume, während andere noch unsicher waren, was sie nach der Schule machen wollten.

Schließlich war Seto an der Reihe. Er lehnte sich zurück und sah die anderen an. „Ich bin Seto Kaiba“, begann er mit fester Stimme. „Ich plane, meine Firma weiter auszubauen und die Duel Monsters-Welt zu revolutionieren.“ Ein paar Schüler schauten beeindruckt auf, während andere nur verwirrt dreinblickten.

„Ich werde die besten Duelle der Welt veranstalten und jeden besiegen, der mir in den Weg kommt“, fügte er hinzu und spürte das vertraute Kribbeln des Wettbewerbs in seinem Bauch. „Das ist mein Ziel.“

Einige Schüler schauten bewundernd zu ihm auf, während andere skeptisch blieben. Seto wusste jedoch, dass seine Entschlossenheit ihn weiterbringen würde als all die Träume seiner Klassenkameraden zusammen.

Nachdem alle ihre Vorstellungen geteilt hatten, wandte sich Frau Watanabe wieder an die Klasse. „Das sind großartige Ziele! Ich hoffe, ihr alle verfolgt eure Träume mit derselben Leidenschaft wie Seto.“

Seto konnte ein selbstzufriedenes Lächeln nicht unterdrücken. Er wusste, dass niemand in diesem Raum auch nur annähernd so ambitioniert war wie er – und das war gut so. Schließlich war es sein unermüdlicher Ehrgeiz, der ihn an die Spitze bringen würde.
 

Inzwischen war es 11 Uhr. „Heute werden wir das Meguro Parasite Museum besuchen“, sagte Herr Sato. „Das ist ein ungewöhnliches Museum, das sich der Welt der Parasiten widmet. Es beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Parasiten, Würmern und anderen mikroskopisch kleinen Lebewesen.“

„Anschließend gehen wir zu Madame Tussauds“, sagte Frau Watanabe. „Das ist ein bekanntes Wachsfigurenmuseum. Dort gibt es lebensechte Wachsfiguren von berühmten Persönlichkeiten aus aller Welt zu sehen.“

„Ihr habt jetzt Zeit zur freien Verfügung“, sagte Herr Sato. „Wir treffen uns um 13 Uhr vor der Herberge. Bis später.“

Joey zog eine Grimasse. „Ein Museum über Parasiten, das ist widerlich. Da gefällt mir das Wachsfigurenmuseum schon besser.“

Zwei Schüler von der anderen Klasse liefen an ihm vorbei und rempelten ihn an. „Mann, könnt ihr nicht aufpassen wo ihr hingeht?“, schimpfte Joey. Tristan blickte auf die Uhr. „Es ist 11:10 Uhr. Bis zum Mittagessen sind es noch fünfzig Minuten. Was machen wir jetzt?“ Die Gruppe nahm auf dem Sofa Platz. „Also, ich hätte da eine Frage und ihr müsst sie ehrlich beantworten“, sagte Duke. „Hat einer von euch schon mal Sex gehabt?“ Tristan lachte. „So eine Frage kann nur von dir kommen, Duke.“

„Ich hatte noch keinen Sex“, sagte Bakura. „Ich auch nicht“, sagten Yugi, Tea und Joey gleichzeitig. „Ich hatte schon mal Sex und es war schrecklich“, sagte Tristan. „Ich war froh als es vorbei war.“ „Ich habe bereits mit drei Mädchen Sex gehabt“, sagte Duke. „Und es war jedes Mal schön.“ Tristan war verblüfft. „Wie machst du das?“ Duke grinste. „Ich könnte dir einige Tipps geben…“
 

Beim Mittagessen saß Joey wie immer mit seiner Clique an einem Tisch. Tristan hatte von Duke Tipps bekommen die er bei seinem nächsten Geschlechtsverkehr in die Tat umsetzen wollte. „Das Essen schmeckt köstlich“, schwärmte Joey. „Gibt es irgendetwas was du nicht gerne isst?“, fragte Tea.

„Lass mich mal überlegen. Nein.“

„Mir geht gerade was durch den Kopf“, sagte Tristan. „Und zwar Folgendes. Ich glaube dass Kaiba etwas mit dem Tod von Gozaburo zu tun hat.“

„Du glaubst also dass Kaiba seinen Stiefvater getötet hat?“, fragte Yugi. „Ja, er hat ihn in den Selbstmord getrieben“, erwiderte Tristan. „Kurz nachdem Kaiba die Firma übernahm beging Gozaburo Selbstmord, indem er aus dem Fenster sprang.“

Joey ergriff das Wort. „Kaiba wollte uns mit dem Projekt Death-T töten. Das war echt heftig.“

„Was ist Death-T?“, wollte Bakura wissen. „Das wüsste ich auch gerne“, sagte Duke. „Ach so, ihr beide wart ja damals nicht dabei“, sagte Joey. „Das ist ein Themenpark das Kaiba aufgebaut hat um sich an mich zu rächen“, sagte Yugi. „Und das nur weil ich ihn bei einer Partie Duel Monsters geschlagen habe. Er schreckte vor nichts zurück, um seine Ziele zu erreichen. Er ging sogar so weit, Menschen zum Selbstmord zu drängen.“

Bakura schluckte. „Das ist echt krass.“ „Nach Death-T blieb Kaiba die nächsten sechs Monate im Koma“, sagte Joey. „Nachdem er aus seinem Koma erwacht war, war er immer noch arrogant. Er hat sich nicht verändert.“

„Ich frage mich warum Kaiba nichts von Freundschaft hält“, sagte Tea. „Freundschaft ist doch was Schönes.“ „Vielleicht hat Kaiba schlechte Erfahrungen mit einer Freundschaft gemacht“, sagte Bakura. „Das kann nicht sein“, entgegnete Yugi. „Er hat mir gesagt dass er noch nie Freunde hatte.“ „Und warum nennen wir Kaiba nicht bei seinem Vornamen?“, fragte Tea. „Wieso sagen wir nicht Seto zu ihm?“ Tristan hob die Schultern. „Keine Ahnung, das hat sich so ergeben.“ „Wir kennen nur deinen Großvater, Yugi“, sagte Joey. „Was ist eigentlich mit deiner Oma?“ „Sie lebt nicht mehr“, antwortete Yugi. Duke hatte den Tisch gewechselt und saß nun bei einer Gruppe Mädchen.

Der Blonde hörte das Lachen von Duke und den Mädchen. Sie schienen sich zu amüsieren.

„Duke hat es echt drauf, wenn es darum geht, mit Mädchen zu reden“, bemerkte Joey und schüttelte den Kopf. „Ich wette, er hat ihnen schon seine besten Geschichten erzählt.“

„Ja, aber ich frage mich, ob er auch wirklich interessiert ist oder nur auf die Aufmerksamkeit aus ist“, sagte Tea nachdenklich. „Manchmal scheint es so, als würde er mehr Wert auf seinen Ruf legen als auf echte Verbindungen.“

„Das stimmt“, stimmte Bakura zu. „Aber vielleicht ist das bei ihm eine Art Schutzmechanismus. Wenn man sich nicht wirklich öffnet, kann man auch nicht verletzt werden.“

Yugi nickte. „Das könnte sein. Aber Freundschaft bedeutet auch, verletzlich zu sein und sich auf andere einzulassen. Ich denke, das ist etwas, was Kaiba einfach nicht versteht.“

„Er hat einfach andere Prioritäten“, sagte Tristan und lehnte sich zurück. „Für ihn zählt nur der Sieg und die Macht. Freundschaft ist für ihn wahrscheinlich ein Zeichen von Schwäche.“

„Das klingt hart“, meinte Tea. „Aber vielleicht könnte man ihm zeigen, dass Freundschaft auch Stärke bedeutet?“

„Vielleicht sollten wir versuchen, ihn mehr in unsere Gruppe einzubeziehen“, schlug Yugi vor. „Wenn wir ihm zeigen können, dass wir für ihn da sind, könnte sich seine Sichtweise ändern.“

„Das wird nicht einfach“, sagte Joey skeptisch. „Kaiba ist wie ein Stein – kalt und unnachgiebig.“

In diesem Moment hörten sie ein lautes Lachen von der anderen Tischseite. Duke hatte anscheinend einen besonders guten Witz erzählt, denn die Mädchen lachten herzhaft.

„Sieht so aus, als hätte Duke das Herz der Damenwelt erobert“, grinste Tristan.

„Vielleicht sollten wir uns eine Scheibe von ihm abschneiden.“

Bakura beobachtete die Szene mit einem nachdenklichen Ausdruck. „Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich jeder von uns mit Beziehungen umgeht. Vielleicht sollten wir alle etwas von Dukes Selbstbewusstsein lernen – auch wenn es manchmal übertrieben wirkt.“

Tea lächelte. „Das stimmt! Jeder hat seine eigene Art zu lieben und Freundschaften zu schließen. Und am Ende des Tages sind wir alle hier zusammen – das zählt doch am meisten.“

Die anderen nickten zustimmend und spürten den Zusammenhalt ihrer kleinen Gruppe stärker denn je.
 

Nach dem Mittagessen ging Kaiba auf sein Zimmer. In den sechs Jahren, wo er mit Gozaburo lebte war viel passiert. Er war ein strenger und hartnäckiger Mann.

Sein Stiefvater hat ihn hart rangenommen. Er musste jeden Tag lernen und hatte nie Freizeit. Das waren qualvolle Tage. Gozaburo hatte Kaiba gezeigt wie man seine Feinde vernichtet und dass man niemandem trauen kann. Aber was er auch tat, er konnte Gozaburo nie zufrieden stellen. Mit den rücksichtslosen Geschäftsmethoden die Kaiba von ihm gelernt hatte hat er ihn ausgetrickst und seine Firma übernommen. Heute gehörte ihm die Kaiba Corporation und sein Stiefvater war längst Vergangenheit. Obwohl Gozaburo schon lange tot war verfolgte er ihn immer noch. Er war wie ein Schatten den man nicht abschütteln konnte. Während der sechs Jahre hat Kaiba gemerkt dass er Gozaburo immer ähnlicher wurde, er begann unbewusst sein Verhalten und seine Ansichten zu übernehmen. Er musste lernen sich gegen andere durchzusetzen, ansonsten hätte er nie jemanden wie Gozaburo geschlagen. Seine gesamte Vergangenheit hat Kaiba eben mehr oder weniger gezeigt, dass er niemanden vertrauen kann, wenn er seine Ziele erreichen will. Die Welt war hart zu ihm und so glaubt er noch heute, dass sie so ist. Will man etwas erreichen, darf man nicht noch auf andere achten. Seine Vergangenheit hat Kaiba so sehr geprägt, er wird nie von dieser Ansicht wirklich abweichen können.
 

Kurz vor 13 Uhr standen Joey und seine Gruppe draußen vor der Herberge. „Und, wie war’s bei den Mädels?“, wollte Tristan wissen. „Es war toll“, antwortete Duke. „Sie waren von mir total begeistert. Einige Mädchen aus der anderen Klasse waren auch dabei.“ „Wow, du bist ja ein richtiger Frauenheld“, meinte Tristan.

Einige Mädchen standen bei Bakura und buhlten um seine Gunst. „Nimm mich!“ „Hör nicht auf sie, nimm mich!“ „Nein, nimm lieber mich!“

„Die Mädchen stehen auch auf Bakura“, sagte Tristan. „Es muss seine Frisur sein auf die sie so abfahren.“ „Ich weiß nicht warum ich bei den Mädchen nicht beliebt bin“, sagte Joey. „Was haben Duke und Bakura, was ich nicht habe?“ In diesem Augenblick kam Kaiba heraus. Er trug die gleiche Kleidung die er damals im Königreich der Duellanten getragen hatte.

Um 13 Uhr tauchten die restlichen Schüler auf. Der Bus war bereits da und sie durften einsteigen. Joey und Tea nahmen nebeneinander Platz. „Es ist schade dass die Klassenfahrt bald vorbei ist“, meinte Joey. „Ich wäre gern länger hier geblieben.“ „Deshalb müssen wir die restliche Zeit gut ausnutzen“, erwiderte Tea. „Ich habe kein Interesse an Parasiten“, sagte Joey. „Je weiter sie von mir entfernt sind, desto besser.“ Jemand tippte ihn auf die Schulter. Er drehte sich um. Duke und Tristan saßen direkt hinter ihm. „Da bin ich ganz deiner Meinung, Joey“, sagte Tristan. „Ich mag auch keine Parasiten.“ „Ich auch nicht“, sagte Duke. „Ich bin auch kein Fan von Parasiten“, sagte Tea. „Vielleicht ist das Parasitenmuseum trotzdem interessant.“

Die Fahrt dauerte eine Stunde. Als der Bus anhielt öffneten sich die Türen und alle stiegen aus. Sie gingen ins Museum. Dort sammelte sich die Klasse dicht gedrängt und wartete auf weitere Anweisungen. „Der Eintritt in das Museum ist frei“, sagte Herr Sato. „Es ist auf Spenden angewiesen, da es privat ist und keine staatlichen Mittel erhält. Ihr habt eine Stunde Zeit um dieses Museum zu erkunden. In einer Stunde treffen wir uns wieder hier.“

Joey war wie immer mit Yugi, Tea, Tristan, Bakura und Duke zusammen. „Was wollen wir uns als Erstes ansehen?“

„Wie wäre es mit der Ausstellung über die verschiedenen Arten von Parasiten?“, schlug Yugi vor. „Ich habe gehört, dass es dort einige wirklich interessante Informationen gibt.“

„Klingt gut, aber ich hoffe, dass wir nicht zu viele ekelige Dinge sehen müssen“, sagte Joey und verzog das Gesicht.

„Keine Sorge, Joey! Es wird sicher nicht so schlimm sein“, beruhigte ihn Tea. „Außerdem können wir ja schnell weitergehen, wenn es zu gruselig wird.“

Die Gruppe machte sich auf den Weg zur ersten Ausstellung. Als sie eintraten, wurden sie von einer großen Wandtafel empfangen, die verschiedene Parasitenarten zeigte – von winzigen Einzellern bis hin zu größeren Würmern.

„Wow, schau dir das an!“, rief Tristan und deutete auf ein Bild eines riesigen Bandwurms. „Das ist ja echt beeindruckend… und ein bisschen widerlich.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie so etwas in einem Körper leben kann“, sagte Duke und schüttelte den Kopf. „Das ist einfach nur eklig.“

Tea las die Informationen neben dem Bild laut vor: „Der Mensch kann sich durch kontaminierte Lebensmittel oder Wasser mit diesen Parasiten infizieren. Sie können im Darm leben und ernähren sich von den Nährstoffen, die wir aufnehmen.“

Joey machte ein angewidertes Gesicht. „Das klingt nach einem Albtraum! Ich will nicht wissen, was da drinnen passiert.“

„Komm schon, Joey! Das ist alles Teil des Lernens“, ermutigte Yugi ihn. „Wir sind hier, um mehr über die Natur zu erfahren.“

Nach einer Weile beschlossen sie, zur nächsten Ausstellung weiterzugehen. Auf dem Weg dorthin bemerkten sie eine interaktive Station, an der man mehr über die Lebenszyklen verschiedener Parasiten lernen konnte.

„Lass uns das ausprobieren!“, schlug Bakura vor und ging direkt darauf zu.

Die Gruppe versammelte sich um die Station und begann, die verschiedenen Lebenszyklen zu erkunden. Während sie spielten und lernten, vergaßen sie für einen Moment ihre anfängliche Abneigung gegen das Thema. Die Zeit verging wie im Flug.

Nach einer Stunde voller Entdeckungen versammelten sie sich wieder am Eingang des Museums. Herr Sato wartete bereits auf sie und fragte: „Wie hat euch das Museum gefallen?“

„Es war viel interessanter als ich dachte!“, antwortete Joey. „Ich hätte nie gedacht, dass Parasiten so faszinierend sein können“, fügte Tristan hinzu. „Die interaktive Station war echt cool! Ich habe sogar gelernt, wie der Lebenszyklus eines Malaria-Parasiten funktioniert.“

„Ja, das war wirklich spannend“, stimmte Tea zu. „Es ist erstaunlich, wie sich diese kleinen Kreaturen an ihre Umgebung anpassen können. Aber ich bin froh, dass wir nicht selbst mit ihnen leben müssen!“

Duke nickte zustimmend. „Ich denke, ich werde in Zukunft noch vorsichtiger mit dem Essen sein. Man weiß ja nie, was man sich einfangen könnte.“

Yugi lächelte und sagte: „Das ist der Sinn von solchen Ausstellungen – Wissen ist Macht! Wenn wir mehr über diese Dinge wissen, können wir uns besser schützen.“

Sie warteten bis der Rest der Klasse kam. Anschließend gingen sie wieder nach draußen und stiegen in den Bus um zum nächsten Museum zu fahren. „Ich freue mich auf das Madame Tussauds Museum“, sagte Tea. „Dort gibt es Wachsfiguren von berühmten Persönlichkeiten. Ich bin gespannt wer da alles dabei ist.“

„Ich hoffe, dass sie auch eine Wachsfigur von meinem Lieblingssänger haben“, sagte Joey begeistert. „Das wäre echt cool! Ich würde gerne ein Foto mit ihm machen.“

„Ich bin mehr auf die historischen Figuren gespannt“, meinte Tristan. „Es ist immer interessant zu sehen, wie die Menschen aus der Vergangenheit ausgesehen haben und was sie erreicht haben.“

Duke grinste. „Ich kann es kaum erwarten, die Wachsfigur von Albert Einstein zu sehen. Der Typ war ein Genie!“

Yugi nickte zustimmend. „Ja, und ich finde es faszinierend, wie viel Arbeit in die Herstellung dieser Figuren steckt. Es ist nicht nur Kunst, sondern auch Wissenschaft.“

Tea schaute aus dem Fenster des Busses und beobachtete die vorbeiziehende Landschaft. „Ich frage mich, ob wir auch etwas über die Technik hinter den Wachsfiguren erfahren werden. Das wäre wirklich spannend!“

„Das wäre toll! Vielleicht gibt es sogar eine kleine Ausstellung darüber“, fügte Joey hinzu.
 

Als der Bus schließlich vor dem Madame Tussauds Museum hielt, sprangen alle aufgeregt heraus. Die Klasse und ihre zwei Lehrer gingen gemeinsam zum Eingang.

„Der Eintritt kostet 2000 Yen“, sagte Herr Sato. Sie gingen zur Kasse. Nachdem alle bezahlt hatten sagte er: „In zwei Stunden treffen wir uns wieder hier.“

Die Schüler nickten und machten sich auf, das Museum zu erkunden. „Schaut mal! Dort drüben ist die erste Figur!“, rief Tristan und deutete auf eine beeindruckende Wachsfigur von Marilyn Monroe, die in einem glamourösen Kleid posierte.

„Wow, sie sieht so realistisch aus!“, staunte Tea und machte sofort ein Foto.

Die Gruppe bewegte sich weiter durch das Museum und bewunderte die verschiedenen Wachsfiguren – von Schauspielern über Sportler bis hin zu Politikern. Jeder hatte seine Favoriten und diskutierte lebhaft darüber.

„Hier ist die Figur von Leonardo DiCaprio! Ich muss unbedingt ein Bild mit ihm machen!“, rief Joey und stellte sich neben die Figur. Tristan zeigte auf eine andere Figur. „Und das da drüben ist Jean-Claude Magnum.“

Während sie durch die Hallen schlenderten, entdeckten sie auch interaktive Stationen, an denen sie mehr über das Leben der dargestellten Persönlichkeiten erfahren konnten.

„Das ist wirklich eine tolle Ergänzung zur Ausstellung“, bemerkte Yugi. „Es macht das Ganze noch interessanter.“

Nach zwei Stunden voller Staunen und Lachen versammelten sich alle wieder am vereinbarten Treffpunkt. „Was hat euch am besten gefallen?“, fragte Herr Sato neugierig.

„Ich fand die Figuren von den Superhelden toll!“, sagte Tristan begeistert. „Es war cool, neben Spider-Man zu stehen!“

Tea nickte zustimmend. „Und ich habe ein paar tolle Fotos gemacht!“

„Ich fand es interessant zu sehen, wie viel Arbeit in diesen Figuren steckt“, fügte Joey hinzu. „Die Details sind einfach unglaublich.“

Herr Sato lächelte und sagte: „Das ist das Tolle an Museen – man lernt nicht nur etwas Neues, sondern hat auch Spaß dabei.“

Der Lehrer zählte die Schüler durch und stellte sicher, dass niemand fehlte. Alle verließen das Museum und stiegen wieder in den Bus. Joey bemerkte dass seine Schnürsenkel offen waren und ging auf die Knie um sie zu einer Schleife zu binden. Danach stieg er ein und ging durch den Bus. Er entdeckte seine Freunde. Yugi saß neben Tea. Tristan und Duke saßen nebeneinander. Bei Bakura war noch ein Platz frei. Der Blonde beeilte sich doch er kam zu spät. Naomi hatte sich bereits neben Bakura gesetzt. Nur bei Kaiba war noch ein Platz frei. Na toll. Ich muss neben dem reichen Pinkel sitzen. Joey setzte sich neben Kaiba. „Setz dich woanders hin, Wheeler.“ „Das geht nicht“, entgegnete Joey. „Die anderen Plätze sind besetzt.“

„Na toll“, brummte Kaiba. „Dann bleib sitzen und nerv mich nicht.“

„Mann Kaiba!“, sagte Joey. „Was ist dein Problem?“

„Das Problem bist du, Wheeler. Du bist der dümmste Mensch der mir je untergekommen ist.“

„Werd bloß nicht frech!“

„Ich sage nur was den Tatsachen entspricht“, sagte Kaiba. „Und Fakt ist dass du dumm bist. Daran gibt’s nichts zu rütteln. Das ist nun mal so.“

Joey wurde wütend und ballte die Faust. Er musste sich zusammenreißen um nicht auf ihn loszugehen. Das war leichter gesagt als getan. Denn er ließ sich leicht provozieren und rastete schnell aus.

Joey atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen. „Weißt du, Kaiba“, begann er mit zitternder Stimme, „es ist echt traurig, dass du so viel Zeit damit verbringst, andere runterzumachen, anstatt einfach mal Spaß zu haben.“

Kaiba rollte mit den Augen. „Spaß? Das ist für Verlierer. Ich konzentriere mich auf das Wichtige – wie meine Geschäfte und meine Duellfähigkeiten. Vielleicht solltest du das auch mal tun.“

„Du bist so ein Schnösel!“, rief Joey und konnte nicht anders, als sich über die Arroganz des reichen Jungen aufzuregen. „Es gibt mehr im Leben als nur Geld und Macht!“

„Und was wäre das?“, fragte Kaiba spöttisch. „Freunde? Spaß haben? Das sind alles Dinge, die dich nur ablenken.“

„Ja, genau! Freunde sind wichtig!“, erwiderte Joey hitzig. „Sie unterstützen dich und helfen dir, wenn’s drauf ankommt. Aber du würdest das nie verstehen, weil du immer allein bist!“

Die anderen Schüler im Bus schauten neugierig zu den beiden hinüber. Yugi war besorgt und versuchte einzugreifen: „Hey, kommt schon, Jungs! Lasst uns einfach die Rückfahrt genießen und nicht streiten.“

Doch Kaiba schüttelte nur den Kopf. „Ich brauche keine Hilfe von einem Schwächling wie dir oder von deinem Freund hier.“ Er deutete auf Yugi.

Joey fühlte sich provoziert. „Weißt du was? Ich hab genug von dir! Ich werde nicht zulassen, dass du mich weiter ärgerst.“

Kaiba grinste selbstgefällig. „Das ist mir egal, Wheeler. Du bist einfach nicht auf mein Niveau.“

Joey ballte die Fäuste und spürte, wie der Zorn in ihm aufstieg. „Du denkst, du bist besser als alle anderen, nur weil du ein paar Karten und viel Geld hast! Aber das macht dich nicht zu einem besseren Menschen!“

Kaiba lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Und was genau macht dich zu einem besseren Menschen, Joey? Deine Fähigkeit, mit deinen Freunden zu lachen? Das ist nichts wert in der echten Welt.“

„Die echte Welt?“, wiederholte Joey ungläubig. „Die echte Welt ist nicht nur ein Spiel um Macht und Geld! Es geht darum, für die Menschen da zu sein, die man liebt. Du wirst eines Tages merken, dass Geld und Macht nicht alles ist. Was wirklich zählt sind wahre Freunde.“

Yugi sah zwischen den beiden hin und her und versuchte erneut zu vermitteln. „Könnt ihr bitte aufhören? Wir sind hier, um Spaß zu haben und nicht um uns gegenseitig fertigzumachen.“

Kaiba ignorierte Yugi und wandte sich stattdessen an Joey. „Du redest viel über Freundschaft, aber ich habe gesehen, wie oft du verloren hast. Vielleicht liegt es daran, dass du deine Zeit mit diesen ‚Freunden‘ verschwendest.“

Joey fühlte sich getroffen von Kaibas Worten. Er wusste, dass er oft gegen stärkere Gegner verloren hatte, aber das bedeutete nicht, dass er aufgeben würde. „Ich mag vielleicht nicht der Beste sein“, sagte er mit fester Stimme, „aber ich gebe niemals auf! Und ich werde immer für meine Freunde da sein – auch wenn du das nicht verstehst.“

Ein Moment der Stille trat ein. Die anderen Schüler im Bus schauten gespannt zu. Kaiba schien kurz nachzudenken, bevor er mit einem spöttischen Lächeln antwortete: „Das ist dein Problem, Wheeler. Du kämpfst für etwas, das dich nur schwächt.“

„Und du kämpfst für etwas, das dich einsam macht“, konterte Joey schnell zurück.

In diesem Moment ertönte das Geräusch des Bremsens des Busses. Der Fahrer kündigte an: „Wir sind gleich am Ziel angekommen!“

Kaiba stand auf. „Mach dir keine Sorgen, Wheeler“, sagte er kalt. „Ich werde dich nicht weiter belästigen – ich habe Wichtigeres zu tun als mich mit dir zu beschäftigen.“
 

Nach wenigen Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht. Sie stiegen aus und gingen zurück in die Herberge. Es war 18 Uhr. Zeit für das Abendessen. Die Schüler wollten in den Speisesaal gehen doch Herr Sato hielt sie zurück. „Wartet einen Moment. Um 19 Uhr machen wir ein Lagerfeuer. Wer will kann sich draußen dazu setzen.“ Joey ging mit Yugi, Tea, Tristan, Duke und Bakura in den Speisesaal. Sie stellten sich in der Schlange an. Nachdem sie ihr Essen geholt hatten setzten sich die sechs Freunde an einem Tisch und begannen zu essen. „Es wäre viel schöner wenn die andere Klasse nicht da wäre“, sagte Joey. „Wann reisen die endlich ab? Ich kann ihren Anblick nicht länger ertragen.“

„Ich weiß, was du meinst“, stimmte Yugi zu und nahm einen Bissen von seinem Essen. „Es ist wirklich unangenehm, dass sie ständig um uns herum sind. Ich hoffe, sie bleiben nicht bis zum Ende der Klassenfahrt.“

„Vielleicht können wir etwas unternehmen, um sie loszuwerden“, schlug Tristan vor und grinste schelmisch. „Wie wäre es mit einem kleinen Streich?“

„Das klingt nach einer schlechten Idee“, warf Tea ein und schüttelte den Kopf. „Das kann nach hinten losgehen. Wir sollten uns auf unser Lagerfeuer freuen und die Zeit miteinander genießen, anstatt uns mit ihnen zu beschäftigen.“

Duke, der gerade einen großen Löffel Suppe löffelte, nickte zustimmend. „Ja, lass uns einfach das Beste aus dem Abend machen.“

Bakura hingegen sah nachdenklich aus. „Was ist, wenn wir einfach versuchen, mit ihnen auszukommen? Vielleicht sind sie gar nicht so schlimm, wie wir denken.“

Joey verdrehte die Augen. „Klar, Bakura. Und ich bin der Kaiser von China!“

Die Gruppe lachte und die Stimmung lockerte sich ein wenig. Nach dem Essen beschlossen sie, noch ein bisschen im Speisesaal zu bleiben und sich über ihre Pläne für das Lagerfeuer auszutauschen.
 

Als die Uhr 19 Uhr schlug, standen sie auf und machten sich auf den Weg nach draußen. Der Himmel war klar und die ersten Sterne begannen zu funkeln. Das Licht des Lagerfeuers erhellte den Platz und eine gemütliche Atmosphäre breitete sich aus.

Keima hatte seine Gitarre mitgebracht und begann, sanfte Melodien zu spielen. Die Gruppe setzte sich im Halbkreis um das Feuer und ließ sich von der Musik mitreißen.

„Das klingt großartig, Keima! Spiel doch noch ein bisschen mehr“, rief Tristan begeistert und klatschte in die Hände.

Keima lächelte und spielte weiter, während die anderen anfingen, leise mitzusingen. Die Sorgen über die andere Klasse schienen für einen Moment vergessen, als sie sich in die Musik vertieften und die Wärme des Feuers genossen.

„Ich habe eine Idee!“, rief Tea plötzlich. „Wie wäre es, wenn wir ein paar Geschichten erzählen? Jeder könnte abwechselnd eine Geschichte erzählen – vielleicht etwas Gruseliges oder Lustiges!“

„Das klingt nach Spaß! Ich kenne einige gruselige Geschichten“, sagte Joey und grinste herausfordernd. „Aber ich warne euch, sie sind nicht für schwache Nerven!“

„Ich bin dabei!“, rief Yugi enthusiastisch. „Ich liebe es, Geschichten zu hören.“

Duke nickte zustimmend. „Ich kann auch eine Geschichte beisteuern.“

Gerade in diesem Moment hörten sie Stimmen aus der Ferne – es war die andere Klasse, die sich dem Lagerfeuer näherte. Joey seufzte frustriert. „Die schon wieder…“

„Vielleicht sollten wir einfach freundlich sein“, schlug Bakura erneut vor. „Es könnte eine gute Gelegenheit sein, um Missverständnisse auszuräumen.“

„Ich weiß nicht“, sagte Tristan skeptisch. „Was ist, wenn sie uns den Abend verderben?“

„Was wollt ihr hier?“, rief Joey. „Uns die Laune verderben? Das habt ihr schon geschafft!“ „Reg dich ab“, sagte Kenzo. „Wir sind hier um uns bei euch zu entschuldigen.“ „Wir waren gemein zu euch“, fügte Hayato hinzu. „Das war nicht richtig von uns.“ „Es tut uns Leid“, sagte ein Mädchen von der anderen Klasse. „Könnt ihr uns verzeihen?“ Joey war misstrauisch. „Wir wissen nicht ob wir euch trauen können.“ „Ja, woher sollen wir wissen dass ihr uns nicht verarscht?“, fragte Tristan. „Sagt uns einen guten Grund warum wir euch trauen sollen.“

„Wir haben erkannt dass unser Verhalten falsch war“, sagte Kenzo. „Uns das einzugestehen war nicht einfach.“ „Wir haben uns wie Idioten benommen“, ergänzte das Mädchen. „Das war echt nicht in Ordnung.“ „Ihr könnt uns vertrauen“, sagte Hayato. Tristan überlegte kurz. „Was denkst du, Joey? Glaubst du, sie meinen es ernst?“

Joey zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Vielleicht sollten wir ihnen eine Chance geben.“ Er wandte sich an seine Mitschüler. „Was meint ihr?“

„Es ist richtig, dass sie sich entschuldigt haben“, sagte Yugi. „So etwas gehört dazu wenn man Mist gebaut hat.“ „Sich zu entschuldigen kann doch jeder“, meinte Bakura. „Das ist keine Garantie dass derjenige es auch ernst meint.“

„Ich finde, wir sollten ihnen eine Chance geben“, sagte Tea. „Jeder macht Fehler, und wenn sie es wirklich ernst meinen…“

„Aber was ist, wenn sie nur so tun?“, entgegnete Bakura. „Was ist, wenn sie uns anlügen?“ „Das Risiko müssen wir eingehen“, meinte Yugi. „Nur so können wir rausfinden ob die andere Klasse es ernst meint.“

„Wir machen eine Abstimmung!“, rief Duke. „Wer ist dafür dass wir der anderen Klasse eine Chance geben?“ Die meisten hoben ihre Hände. „Und wer ist dagegen?“ Nur wenige meldeten sich. „Wir nehmen eure Entschuldigung an“, sagte Duke. „Aber wenn ihr es wagen solltet uns anzulügen werdet ihr das bereuen, habt ihr verstanden?“ „Klar und deutlich“, erwiderte Hayato. Joeys Klasse rückte näher zusammen damit sich die andere Klasse dazusetzen konnte. Zuerst war die Stimmung angespannt. Doch nach einer Weile besserte sich die Laune der Schüler und beide Klassen hatten zusammen viel Spaß. „So hätte es von Anfang an sein müssen“, sagte Joey.
 

Kaiba saß im Gemeinschaftsraum und las ein Buch. Risa kam zu ihm. „Was liest du da?" Er hob den Kopf und sah sie an. „Das geht dich gar nichts an. Kümmere dich um deinen eigenen Kram."

Risa ließ sich von Kaibas schroffer Antwort nicht abschrecken. Sie setzte sich gegenüber von ihm und lächelte. „Komm schon, Kaiba. Es ist doch nur ein Buch. Vielleicht kann ich dir sogar helfen, wenn es etwas Schwieriges ist."

Kaiba rollte mit den Augen und wandte sich wieder seinem Buch zu. „Ich brauche keine Hilfe, Risa. Und ich habe auch kein Interesse daran, mit dir zu plaudern."

Risa seufzte, aber sie gab nicht auf. „Du musst nicht immer so grimmig sein. Manchmal ist es gut, mit anderen zu reden."

Kaiba sah sie erneut an, seine Augen funkelten leicht. „Und manchmal ist es besser, allein zu sein."

„Das mag sein“, erwiderte Risa, „aber jeder braucht ab und zu Gesellschaft."

„Ich brauche so was nicht“, entgegnete Kaiba. „Ich bin ein Einzelgänger.“

„Was wäre so schlimm daran, die Zeit mit anderen zu verbringen?"

„Und was würde das bringen? Ich habe Wichtigeres zu tun als mich mit dir zu unterhalten."

„Vielleicht bringt es dir eine neue Perspektive", erwiderte Risa und lehnte sich zurück. "Außerdem könnte es Spaß machen."

Er schloss das Buch mit einem lauten Knall. „Wenn du unbedingt wissen willst, was ich lese: Es ist ein strategisches Handbuch für Duel Monsters. Aber ich bezweifle, dass du dafür das nötige Verständnis hast."

Risa grinste, als sie Kaibas Reaktion sah. „Ein strategisches Handbuch für Duel Monsters? Das klingt tatsächlich interessant! Ich habe ein paar Spiele gespielt, aber ich bin mir sicher, dass du viel mehr darüber weißt als ich."

Kaiba schnaubte. „Das ist nicht der Punkt. Du würdest es nicht verstehen. Die Strategien sind komplex und erfordern viel mehr als nur oberflächliches Wissen."

„Vielleicht“, gab Risa zu, „aber das bedeutet nicht, dass ich nicht lernen könnte. Und wer weiß? Vielleicht kann ich dir sogar eine neue Strategie vorschlagen, die du noch nicht in Betracht gezogen hast."

Kaiba hob eine Augenbraue und betrachtete sie skeptisch. „Du denkst wirklich, du könntest mir helfen? Was weißt du schon über Duel Monsters?"

„Ich weiß genug, um zu wissen, dass Teamarbeit manchmal der Schlüssel zum Erfolg ist", antwortete Risa mit einem herausfordernden Lächeln. „Und vielleicht könnte ich dir auch etwas über die psychologischen Aspekte des Spiels beibringen. Manchmal ist es wichtig, den Gegner zu lesen."

Kaiba war einen Moment lang still und überlegte. Er hatte nie wirklich darüber nachgedacht, wie wichtig die Psychologie im Spiel sein konnte. Schließlich seufzte er und sagte: „Okay, nehmen wir an, ich lasse dich ein bisschen mitreden. Was schlägst du vor?"

Risa lächelte triumphierend. „Wie wäre es mit einer kleinen Analyse deiner letzten Duelle? Wir könnten gemeinsam herausfinden, wo deine Stärken liegen und wo du dich verbessern könntest."

Kaiba war überrascht von ihrem Vorschlag. Es war nicht das, was er erwartet hatte, aber irgendwie klang es interessant. „In Ordnung", sagte er schließlich widerwillig. „Aber nur weil ich neugierig bin – nicht weil ich deine Gesellschaft mag."

„Das ist ein Anfang", erwiderte Risa fröhlich und lehnte sich zurück. „Lass uns loslegen!"
 

„Wo wohnt ihr eigentlich?“, wollte Yugi wissen. „Wir leben hier in Tokio“, antwortete Kenzo. „Ihr kommt aus Domino, oder?“ Duke nickte. „Genau, vielleicht kommt ihr uns eines Tages besuchen. Dann machen wir mit euch eine Führung und zeigen euch unsere Stadt.“

„Lasst uns Nummern austauschen“, schlug Kenzo vor. „So können wir in Kontakt bleiben.“ „Das ist eine gute Idee“, meinte Tristan. Kenzo kramte einen Zettel hervor und zog einen Stift aus der Hosentasche. „Also, wie lauten eure Handynummern?“
 

Risa holte ein Notizbuch aus ihrer Tasche und öffnete es. „Okay, lass uns sehen. Erzähl mir von deinem letzten Duell. Was war deine Strategie? Welche Karten hast du gespielt?"

Kaiba begann zu erzählen. „Ich habe mit meinem Drachen-Deck gespielt. Ich wollte schnell die Kontrolle über das Spielfeld gewinnen, also habe ich meine stärksten Monster so früh wie möglich beschworen."

„Das klingt nach einem soliden Plan", bemerkte Risa und machte sich Notizen. „Aber was ist mit der Verteidigung? Hast du auch an mögliche Gegenangriffe gedacht?"

Kaiba schüttelte den Kopf. „Ich vertraue auf meine Angriffsstrategien. Wenn ich schnell genug bin, kann ich den Gegner überwältigen, bevor er reagieren kann."

Risa nickte nachdenklich. „Das ist eine riskante Taktik. Manchmal kann es hilfreich sein, ein paar defensive Karten im Deck zu haben, um auf unerwartete Züge des Gegners vorbereitet zu sein."

Kaiba sah sie skeptisch an. „Defensive Karten sind für Schwächlinge."

„Vielleicht", erwiderte Risa mit einem Lächeln, „aber sie können dir auch Zeit verschaffen, um deine Strategie anzupassen oder neue Karten zu ziehen. Es geht nicht nur darum, schnell zu gewinnen, sondern auch darum, klug zu spielen."

Er überlegte kurz und murmelte dann: „Vielleicht hast du recht."

„Siehst du? Wir kommen voran!" Risa strahlte vor Freude. „Und was ist mit der Psychologie? Hast du jemals darüber nachgedacht, wie dein Gegner denkt? Manchmal kann es helfen, seine Züge vorherzusehen."

Kaiba runzelte die Stirn. „Ich konzentriere mich auf mein eigenes Spiel. Ich lasse mich nicht von den Gedanken anderer ablenken."

„Das ist verständlich", sagte Risa sanft, „aber wenn du weißt, wie dein Gegner tickt, kannst du seine Züge besser antizipieren und darauf reagieren."

Kaiba nickte langsam und begann nachzudenken. Vielleicht war es tatsächlich an der Zeit, seine Herangehensweise zu überdenken – zumindest ein wenig.

„Also gut", sagte er schließlich. „Lass uns weiter analysieren. Was denkst du über meine letzte Niederlage gegen Yugi?"

Risa klappte ihr Notizbuch zu und sah Kaiba direkt an. „Nun, Yugi ist ein sehr erfahrener Spieler. In deinem letzten Duell hast du dich stark auf deine Drachen verlassen, aber ich habe das Gefühl, dass du Yugi unterschätzt hast."

Kaiba verschränkte die Arme und schaute skeptisch. „Ich unterschätze Yugi nicht."

„Doch das tust du", widersprach Risa, „in diesem speziellen Duell hat er deine Züge gut vorhergesehen. Er wusste, dass du schnell angreifen würdest, und hat seine Strategie entsprechend angepasst. Hast du bemerkt, wie er seine Karten gespielt hat? Er hat dich gezielt in eine Position gebracht, in der du keine Wahl hattest."

Kaiba runzelte die Stirn. „Er hat einige unerwartete Züge gemacht, das stimmt. Aber ich hätte trotzdem gewinnen müssen."

„Vielleicht", sagte Risa nachdenklich. „Aber was wäre passiert, wenn du ein paar defensive Karten gehabt hättest? Hättest du dann nicht mehr Optionen gehabt? Du hättest vielleicht Zeit gewinnen können, um deine stärksten Monster zu beschwören oder um einen anderen Plan zu entwickeln."

Kaiba dachte darüber nach und nickte langsam. „Das könnte tatsächlich hilfreich gewesen sein. Ich habe mich zu sehr auf meine Offensive konzentriert."

„Genau!" Risa lächelte begeistert. „Es geht darum, flexibel zu bleiben und sich an die Situation anzupassen. Manchmal ist es besser, einen Schritt zurückzutreten und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten."

„Du redest wie ein echter Strategieberater", bemerkte Kaiba mit einem leichten Schmunzeln.

„Ich gebe mein Bestes", antwortete Risa fröhlich. „Und ich bin sicher, dass du mit ein bisschen Anpassung noch besser werden kannst.“

Kaiba hatte nie viel Wert auf Teamarbeit gelegt; für ihn war Duel Monsters immer ein einsames Spiel gewesen, in dem es darum ging, der Beste zu sein. Doch die Idee, seine Strategien zu analysieren und vielleicht sogar neue Perspektiven zu gewinnen, reizte ihn.

„Also gut", begann er und holte einige seiner letzten Duellaufzeichnungen hervor. „Hier sind die Daten meiner letzten fünf Duelle. Schau dir an, was du daraus machen kannst."

Risa nahm die Unterlagen und begann sie durchzusehen. „Wow, du hast eine beeindruckende Gewinnquote", bemerkte sie anerkennend. „Aber ich sehe auch einige Muster in deinem Spielstil. Du neigst dazu, sehr aggressiv zu spielen und deine stärksten Karten früh im Spiel auszuspielen."

Kaiba nickte zustimmend. „Das ist meine Strategie. Schnelligkeit und Druck sind entscheidend."

„Das stimmt", erwiderte Risa, während sie weiter las. „Aber was ist mit den Momenten, in denen du zurückhaltender sein könntest? Manchmal kann es vorteilhaft sein, den Gegner glauben zu lassen, dass er die Oberhand hat, bevor man zuschlägt."

Kaiba runzelte die Stirn. „Du meinst also, ich sollte bluffen?"

„Genau!" sagte Risa begeistert. „Bluffen kann eine mächtige Waffe sein. Wenn dein Gegner denkt, dass er gewinnt oder dass du keine starken Karten mehr hast, könnte er unvorsichtig werden und einen Fehler machen."

Er überlegte einen Moment lang und ließ ihre Worte sacken. Es war eine interessante Perspektive – eine, die er bisher nicht in Betracht gezogen hatte.

„Und was ist mit der Psychologie meiner Gegner?" fragte Kaiba schließlich. „Wie kann ich das nutzen?"

Risa lächelte erneut. „Indem du ihre Reaktionen beobachtest! Achte darauf, wie sie auf bestimmte Züge reagieren oder welche Karten sie zögern zu spielen. Manchmal sagt ihr Verhalten mehr aus als die Karten selbst."

Kaiba war beeindruckt von ihrer Einsicht und konnte nicht leugnen, dass sie einen Punkt hatte. Vielleicht war es an der Zeit, seine gewohnte Denkweise zu hinterfragen.

„Okay", sagte er schließlich mit einem Hauch von Resignation in seiner Stimme.

„Ich werde versuchen, diese neuen Ansätze in mein Spiel zu integrieren. Es könnte mir helfen, noch besser zu werden." Risa nickte zustimmend und lächelte. „Das ist super! Du hast bereits eine starke Grundlage, und mit ein wenig Anpassung deiner Strategie könntest du deine Gegner wirklich überraschen."

Kaiba lehnte sich zurück und dachte über die Möglichkeiten nach. „Es wird nicht einfach sein, meine gewohnte Spielweise zu ändern", gestand er. „Aber ich bin bereit, es zu versuchen. Ich habe immer geglaubt, dass Stärke und Aggressivität der Schlüssel zum Sieg sind. Es gibt jedoch auch andere Wege, um an die Spitze zu gelangen."

„Genau!" sagte Risa enthusiastisch. „Es geht nicht nur darum, die stärksten Karten zu haben oder den schnellsten Zug zu machen. Manchmal ist Geduld der entscheidende Faktor. Und das Verständnis für deine Gegner kann dir einen enormen Vorteil verschaffen."

Kaiba nickte nachdenklich. „Ich werde also versuchen, mehr auf die Psychologie des Spiels zu achten und weniger vorhersehbar zu sein." Er sah sie direkt an. „Danke für deine Hilfe, Risa. Es tut gut, mit jemandem zu sprechen, der das Spiel aus einer anderen Perspektive betrachtet."

Risa lächelte bescheiden. „Ich freue mich, dass ich helfen konnte! Und denk daran, Kaiba: Jeder Duellant hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Das Wichtigste ist, flexibel zu bleiben und sich anzupassen."
 

Da es draußen kühl geworden war gingen die Schüler von den beiden Klassen wieder nach drinnen. „Habt ihr Lust auf Fußball?“, fragte Kenzo. Einige gingen zur Turnhalle während der Rest zum Gemeinschaftsraum ging. „Wollt ihr beim Fußball mitspielen?“, fragte Joey seine Freunde. Tea schüttelte den Kopf. „Nein, ich mach lieber was anderes.“ „Ich will auch nicht mitspielen“, sagte Yugi. „Ich auch nicht“, sagte Bakura. „Ich mach mit“, sagte Tristan. „Das ist schon mal gut“, sagte Joey. „Wie sieht es mit dir aus, Duke?“ „Ich hab keine Lust“, sagte Duke. „Vielleicht beim nächsten Mal.“

Joey fand noch neun weitere Mitspieler. In der Turnhalle wurden die Tore aufgestellt. Danach begann das Spiel. Joey und sein Team hatten einen schlechten Tag erwischt denn die gegnerische Mannschaft schaffte es immer wieder ihnen den Ball abzunehmen.

Die Stimmung auf dem Spielfeld war angespannt, als Joey und sein Team versuchten, sich zu organisieren. „Kommt schon, Leute! Wir müssen besser zusammenarbeiten!“, rief Joey frustriert. Tristan versuchte, den Ball zu erobern, doch die gegnerische Mannschaft war flink und gut koordiniert.

„Pass auf!“, schrie Tristan, als ein Spieler der anderen Mannschaft mit dem Ball auf ihn zukam. Er sprang zur Seite, um den Angriff abzuwehren, aber der Gegner dribbelte geschickt vorbei und schoss aufs Tor. Der Ball flog knapp am Pfosten vorbei.

„Das war knapp!“, rief Joey und klatschte in die Hände. „Wir müssen uns mehr konzentrieren!“

In der Zwischenzeit beobachteten Tea und Yugi das Spiel vom Zuschauerplatz aus. „Es sieht nicht gut aus für sie“, bemerkte Yugi besorgt. „Sie brauchen dringend einen Plan.“

„Vielleicht sollten sie versuchen, die Positionen zu wechseln“, schlug Tea vor. „Joey könnte als Stürmer spielen und Tristan in die Verteidigung gehen.“

Zurück auf dem Spielfeld hatte Joey die Idee, seine Taktik zu ändern. „Tristan, geh nach hinten! Ich übernehme den Sturm!“ Er gab das Kommando weiter: „Shinya, du bleibst im Mittelfeld und versuchst, den Ball zu verteilen!“

Mit neuer Energie startete das Team einen Angriff. Joey sprintete mit dem Ball nach vorne und passte ihn perfekt zu Tristan, der sich in eine bessere Position bewegte. Doch bevor er schießen konnte, wurde er von einem Verteidiger gestoppt.

„Komm schon! Wir schaffen das!“, motivierte Joey seine Freunde weiter. Es war noch genug Zeit im Spiel, um das Blatt zu wenden – sie mussten nur an sich glauben und zusammenarbeiten.

Tristan ließ sich nicht entmutigen und rief: „Wir müssen den Ball schneller bewegen! Lass uns die Gegner ausspielen!“ Joey nickte zustimmend und forderte seine Mitspieler auf, sich zu positionieren.

„Minato, schau nach links! Ich werde versuchen, den Ball durchzustecken!“ Joey dribbelte weiter und sah, wie Minato sich in eine offene Lücke bewegte. Mit einem präzisen Pass schickte er den Ball in Minatos Richtung. Der Spieler nahm den Ball an und sprintete mit voller Geschwindigkeit in Richtung des gegnerischen Tors.

„Das ist es!“, rief Tea begeistert. „Sie haben endlich einen Plan!“ Yugi stimmte zu: „Wenn sie jetzt ruhig bleiben und ihre Chancen nutzen, können sie das Spiel noch drehen.“

Minato näherte sich dem Tor und sah den Torwart der gegnerischen Mannschaft vor sich. Er überlegte kurz und entschied sich für einen Schuss ins lange Eck. Der Ball flog mit einer perfekten Kurve – doch der Torwart war schnell und konnte den Schuss abwehren.

„Weiter so!“, motivierte Joey sein Team. „Wir sind auf dem richtigen Weg!“

Die gegnerische Mannschaft versuchte sofort, zurückzuschlagen, aber Joey und Tristan standen bereit, um die Angriffe abzuwehren. Sie arbeiteten gut zusammen, blockierten Pässe und gewannen wichtige Zweikämpfe im Mittelfeld.

Nach einigen Minuten intensiven Spiels gelang es Joey schließlich, den Ball wieder zu erobern. Er sah Tristan an und rief: „Jetzt oder nie! Lass uns das Ding klar machen!“ Gemeinsam setzten sie zum nächsten Angriff an.

Joey dribbelte mit dem Ball am Fuß, während Tristan sich auf die Flügelposition bewegte. Joey passte den Ball zu ihm, der ihn direkt weiterleitete. Jetzt war Minato wieder in Position – er nahm den Ball an und schoss erneut aufs Tor!

Diesmal war der Schuss präziser als zuvor. Der Torwart sprang nach links, doch der Ball fand seinen Weg ins Netz! „Tor!“, jubelten Joey und seine Freunde lautstark.

Die Stimmung auf dem Spielfeld änderte sich schlagartig; das Team war nun voller Energie und Selbstvertrauen. „Das war großartig! Wir können noch mehr Tore erzielen!“, rief Joey begeistert.

Mit neuer Motivation und frischem Elan stellte sich das Team auf den nächsten Anstoß ein. Die Spieler klatschten sich gegenseitig auf die Schultern und feuerten sich an. „Lasst uns weiter Druck machen!“, rief Joey, während er seine Mitspieler um sich versammelte.

Die gegnerische Mannschaft war sichtlich überrascht von dem plötzlichen Aufschwung des Spiels. Sie hatten gedacht, sie könnten das Spiel leicht gewinnen, aber jetzt waren sie gefordert. Joey und sein Team nutzten die Gelegenheit, um aggressiv zu spielen und den Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten.

Tristan übernahm die Rolle des Spielmachers und dirigierte das Geschehen auf dem Feld. „Minato, geh nach vorne! Ich passe dir den Ball!“ Er spielte einen präzisen Pass, der Minato in eine gute Position brachte. Minato dribbelte erneut in Richtung Tor und sah, dass Joey sich freigelaufen hatte.

„Joey! Hierher!“, rief Minato und passte den Ball zu ihm. Joey nahm den Ball an, drehte sich blitzschnell und schoss – doch der Torwart war wieder zur Stelle und konnte den Schuss abwehren.

„Komm schon! Wir müssen schneller reagieren!“, rief Tristan, während er versuchte, den Abpraller zu erreichen. Das Team war nun im Flow; jeder Spieler wusste, was zu tun war.

Die gegnerische Mannschaft versuchte verzweifelt, ihre Defensive zu stabilisieren, aber Joeys Team war unaufhaltsam. Nach einem weiteren Angriff gelang es Tristan schließlich, den Ball zu erobern und ihn direkt auf Minato zu passen. Dieser setzte zum Sprint an und ließ zwei Verteidiger hinter sich.

„Jetzt ist deine Chance!“, schrie Joey aus vollem Hals. Minato zögerte nicht lange und schoss erneut aufs Tor – diesmal mit voller Wucht. Der Ball flog wie ein Geschoss ins Netz!

„Tor! Tor! Tor!“, jubelten alle Spieler auf dem Feld und auch Tea, Bakura und Yugi sprangen vor Freude auf.

Mit einem 3:1-Vorsprung fühlte sich das Team unbesiegbar. „Wir haben noch Zeit für mehr Tore! Lasst uns weiter angreifen!“, motivierte Joey seine Freunde weiter.

Die letzten Minuten des Spiels waren geprägt von intensiven Angriffen und einer soliden Verteidigung. Joeys Team war fest entschlossen, den Vorsprung auszubauen und die gegnerische Mannschaft weiter unter Druck zu setzen.

„Wir müssen die Kontrolle über das Spiel behalten!“, rief Tristan, während er sich in der Mitte des Feldes positionierte. Er war bereit, jeden Ball zu erobern, der in seine Nähe kam. Minato und Joey arbeiteten eng zusammen, um die Abwehr der Gegner zu durchbrechen.

Die gegnerische Mannschaft versuchte verzweifelt, ihre Angriffe zu koordinieren, aber Joeys Team war gut organisiert. Sie schoben sich schnell zurück in die Defensive, wenn sie den Ball verloren, und setzten sofort nach, sobald sie ihn wieder hatten.

In einer entscheidenden Situation gelang es Joey, einen Pass abzufangen und den Ball direkt an Minato weiterzuleiten. „Lass uns das Ding klar machen!“, rief Joey und sprintete mit voller Geschwindigkeit in Richtung des gegnerischen Tors. Minato sah ihn kommen und passte den Ball perfekt in seinen Lauf.

Joey nahm den Ball an und dribbelte auf den Torwart zu. In einem letzten Moment der Entscheidung täuschte er einen Schuss nach links an und schoss dann ins rechte Eck – der Torwart hatte keine Chance! Der Ball zischte ins Netz.

„Tor! Das ist unser viertes Tor!“, jubelten die Spieler lautstark. Die Freude war überwältigend; sie hatten nicht nur das Spiel gedreht, sondern auch ihre Gegner völlig aus dem Konzept gebracht.

Mit einem 4:1-Vorsprung fühlte sich das Team wie im Rausch. „Lasst uns bis zum Schluss konzentriert bleiben!“, erinnerte Joey alle daran, dass sie nicht nachlassen sollten.

Die letzten Minuten des Spiels vergingen schnell. Die gegnerische Mannschaft versuchte alles, um noch ein Tor zu erzielen, aber Joeys Team ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Sie verteidigten leidenschaftlich und hielten den Druck hoch.

Als der Schlusspfiff ertönte, brach ein Jubelsturm aus. „Wir haben gewonnen!“, rief Tristan begeistert und umarmte seine Mitspieler. Tea, Bakura und Yugi kamen auf das Spielfeld gerannt, um ihren Sieg zu feiern.

„Das war ein großartiges Spiel! Ihr habt fantastisch gespielt!“, lobte Tea strahlend. Yugi und Bakura nickten zustimmend.
 

Als Seto das erste Mal Duel Monsters entdeckte war er vierzehn. Er hatte die Regeln von Duel Monsters ziemlich schnell gelernt. Er nahm an den verschiedensten Turnieren teil und gewann jedes Mal. Er war der ungeschlagene Meister in Duel Monsters, bis Yugi ihn besiegte. Seitdem war Yugi der König der Spiele. Seto ballte die Faust. Wenn jemand diesen Titel verdient hat, dann er! Sonst niemand!

Seto Kaiba war immer von dem Drang getrieben, der Beste zu sein. Sein Ehrgeiz und seine Entschlossenheit waren unübertroffen, und die Niederlage gegen Yugi Muto war für ihn ein harter Schlag. Er konnte nicht akzeptieren, dass jemand anderes den Titel des „Königs der Spiele“ trug.

Mit jedem Duell, das er bestritt, wuchs sein Verlangen, Yugi erneut herauszufordern und seinen Platz an der Spitze zurückzuerobern. Seto wusste, dass er seine Strategien verfeinern und neue Karten entwickeln musste, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Ich werde nicht ruhen, bis ich ihn besiegt habe. Yugi mag jetzt der König sein, aber ich werde alles tun, um ihn zu übertreffen.

Seine Rivalität mit Yugi war mehr als nur ein Wettkampf; es war eine Frage des Stolzes und der Ehre. Seto war fest entschlossen, seinen Titel zurückzuholen und allen zu beweisen, dass er der wahre Meister von Duel Monsters war.
 

Joey suchte Duke und lief zum Gemeinschaftsraum doch dort war er nicht. Dann rannte er zu Zimmernummer 15 und öffnete die Tür. Duke und Mia küssten sich gerade. Mia war in Joeys Klasse. Joey räusperte sich. Die zwei lösten sich hastig voneinander. „Joey, was machst du hier?“, fragte Duke. „Ich hab nach dir gesucht“, erwiderte der Blonde. „Ich wusste nicht dass du beschäftigt bist. Ich komm später wieder.“ „Warte Joey. Kannst du mir einen Gefallen tun und es für dich behalten? Die anderen dürfen nicht wissen dass wir zusammen sind.“

Joey nickte zögerlich. „Klar, ich sag nichts. Aber warum? Ihr seid doch beide alt genug, um zu tun, was ihr wollt.“

Duke sah nervös zu Mia, die ihm einen ermutigenden Blick zuwarf. „Es ist kompliziert“, sagte Duke schließlich. „Wir wollen nicht, dass es Gerüchte gibt oder dass die anderen uns unter Druck setzen.“

„Okay, ich verstehe“, antwortete Joey. „Ich werde meinen Mund halten. Aber wenn ihr euch so gut versteht, warum versteckt ihr es dann?“

Mia trat einen Schritt vor und erklärte: „Wir wollen einfach sicherstellen, dass wir uns wirklich kennenlernen können, ohne dass andere dazwischenfunken. Es ist noch alles frisch zwischen uns.“

Joey nickte langsam. „Das macht Sinn. Ich werde euch nicht stören. Viel Glück!“ Er drehte sich um und ging zur Tür hinaus, während er über die Situation nachdachte. Es war seltsam für ihn, seine Klassenkameradin mit Duke zu sehen – aber gleichzeitig konnte er ihre Entscheidung nachvollziehen.

Als Joey zum Gemeinschaftsraum zurückkehrte war der Fernseher eingeschaltet. „Wir machen einen Karaokeabend“, sagte Tea. „Wer will mitsingen?“ Einige meldeten sich, darunter war auch Joey. Er fühlte sich ein wenig nervös, aber gleichzeitig aufgeregt. Karaoke war eine großartige Möglichkeit, seine Stimme zu trainieren und gleichzeitig Spaß zu haben. Er setzte sich auf einen der Sofas und beobachtete, wie Tea die Playlist zusammenstellte.

„Ich fange an!“, rief Tea und wählte einen eingängigen Pop-Song aus. Die anderen klatschten im Takt mit und sangen fröhlich mit. Joey konnte nicht anders, als sich von der Energie anstecken zu lassen. Als Tea fertig war, applaudierten alle begeistert.

„Okay, wer ist als Nächstes dran?“, fragte Tea und sah in die Runde. Joey zögerte kurz, dann hob er die Hand. „Ich probiere es!“

Er stand auf und ging zum Mikrofon. Sein Herz klopfte schnell, aber er atmete tief durch und wählte einen Song aus, den er gut kannte. Als die Musik begann, fühlte er sich sofort sicherer. Er sang mit Leidenschaft und bemerkte, dass die anderen ihm zuhörten und ihn anfeuerten.

Nach seinem Auftritt gab es viel Applaus und einige positive Rückmeldungen. Joey lächelte stolz – das Singen hatte ihm wirklich Spaß gemacht! Der Abend ging weiter, und immer mehr Leute traten ans Mikrofon. Es wurde gelacht, gesungen und sogar ein bisschen getanzt.

Am Ende des Abends fühlte sich Joey nicht nur besser in seiner Gesangstechnik, sondern auch verbunden mit seinen Freunden. Karaokeabende waren definitiv etwas, das sie öfter machen sollten!
 

Es gab viele Mädchen und Frauen die von einer Beziehung mit Seto träumten. Er war sehr distanziert, tat nichts, um sich bei den Frauen beliebt zu machen. Trotzdem standen die Frauen auf ihn. Vielleicht machte ihn seine Arroganz ja so attraktiv.

Er musste grinsen. Die glaubten allen Ernstes dass sie eine Chance bei ihm hatten. In seinem Kopf spielte er mit der Vorstellung, wie es wäre, wenn sie wüssten, dass er ganz andere Prioritäten hatte. Erfolg, Macht und Kontrolle waren seine Ziele – nicht eine feste Beziehung. Er konnte nicht anders, als über ihre Naivität zu schmunzeln. Für sie war er der strahlende Held, der Prinz auf dem weißen Pferd – doch in Wirklichkeit war er weit davon entfernt.

Seto wusste, dass er nicht der Typ für eine ernsthafte Beziehung war. Zu viele Verpflichtungen, zu viele Erwartungen. Stattdessen genoss er die Aufmerksamkeit und das Spiel mit den Gefühlen anderer. Es war ein aufregendes Abenteuer, das ihm einen gewissen Nervenkitzel gab.

Für den Moment entschied er sich, einfach weiterzumachen und das Leben in vollen Zügen zu genießen – auch wenn es bedeutete, andere dabei zu verletzen.

Stattdessen konzentrierte sich Seto auf seine Karriere und die Ziele, die er sich gesetzt hatte. Er war fest entschlossen, in der Welt der Geschäfte und bei Duel Monsters erfolgreich zu sein. Die Vorstellung, sich emotional an jemanden zu binden, erschien ihm wie eine Ablenkung von seinen Ambitionen.

Er beobachtete die Frauen um ihn herum mit einer Mischung aus Amüsement und Desinteresse. Ihre Hoffnungen und Träume schienen ihm oft unrealistisch, fast schon kindlich. Seto war ein Meister darin, seine Emotionen zu kontrollieren und sich nicht von den Erwartungen anderer beeinflussen zu lassen.

In seinen Gedanken malte er sich aus, wie es wäre, wenn er tatsächlich eine Beziehung eingehen würde. Er stellte sich vor, wie er in einem schicken Restaurant saß, gegenüber einer Frau, die ihn bewunderte und ihm Komplimente machte. Doch schnell schüttelte er den Kopf – das war nicht sein Weg.

Sein Leben war geprägt von strategischen Entscheidungen und dem Streben nach Erfolg. Beziehungen waren für ihn nichts weiter als ein Risiko, das er nicht eingehen wollte. Stattdessen genoss er die Freiheit, die ihm sein Lebensstil bot – keine Verpflichtungen, keine emotionalen Bindungen.

Seto wusste, dass viele ihn als unnahbar oder sogar arrogant wahrnahmen. Aber das störte ihn nicht im Geringsten. Er hatte gelernt, dass wahre Stärke darin lag, unabhängig zu sein und seine eigenen Ziele zu verfolgen – ohne Ablenkungen oder Komplikationen durch andere Menschen.

Er hatte nie wirklich verstanden, warum so viele Menschen nach Liebe und Zuneigung strebten. Für ihn war das Streben nach Erfolg und Macht viel erfüllender.

Seto hatte hart gearbeitet, um dorthin zu gelangen, wo er jetzt war. Jedes Ziel, das er sich gesetzt hatte, hatte er erreicht – und das gab ihm ein Gefühl von Kontrolle, das er nicht aufgeben wollte. Beziehungen schienen ihm wie eine Ablenkung von seinen Ambitionen.

Die Frauen, die ihn anstarrten oder ihm Komplimente machten, waren für ihn eher eine Bestätigung seines Erfolgs als potenzielle Partnerinnen. Er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen, aber die Vorstellung einer ernsthaften Beziehung ließ ihn kalt. Seto wusste, dass er sie enttäuschen würde; seine Prioritäten lagen woanders.

Er war kein Prinz auf einem weißen Pferd; vielmehr war er ein Krieger in einem Spiel voller Intrigen und Strategien. Und solange er seine Ziele verfolgte, würde er keine Zeit für Romantik verschwenden.
 

„Also dann Leute. Wir sehen uns morgen.“ Joey winkte seinen Freunden zu und machte sich auf dem Weg zu seinem Zimmer. Dabei summte er eine Melodie. Kurze Zeit später öffnete er die Tür zu seinem Zimmer. Seto saß auf dem Bett und war mit seinem Smartphone beschäftigt. „Das war ein toller Abend“, schwärmte Joey. „Du hast da echt was verpasst, Kaiba.“ Seto tippte weiter auf seinem Smartphone ohne ihn anzusehen. „Das glaube ich kaum.“ „Ob du es glaubst oder nicht, ich bin ein guter Sänger. Soll ich dir was vorsingen?“ Seto schüttelte den Kopf. „Bloß nicht. Verschon mich mit deinem Gejaule, Wheeler.“ Er stand auf und ging ins Bad. Joey folgte ihm. „Warte, wenn du mir nicht zuhörst wirst du nie wissen wie talentiert ich bin! Vielleicht werde ich der nächste große Star.“ „Träum weiter“, entgegnete Seto. „Du schaffst es sicher in die Top 100 der schlechtesten Sänger.“ Joey musste lachen. „Du bist echt witzig, Kaiba!“ „Ich mein das ernst, Wheeler. Wenn du anfängst zu singen laufen alle davon.“ „Das stimmt nicht“, protestierte Joey. „Meine Freunde sind dageblieben und finden mein Gesang toll.“ „Dann haben sie einen schlechten Musikgeschmack“, sagte Seto trocken. „Und jetzt hau ab.“ „Wieso?“ „Weil ich pinkeln muss. Oder willst du mir dabei zusehen?“ Der Brünette schob Joey aus dem Bad, knallte die Tür zu und schloss ab. Der Blonde setzte sich auf sein Bett. Schon als sie sich das erste Mal trafen war ihm klar, dass er und Kaiba nie Freunde sein werden. Er wünschte sich dass Kaiba zu ihm freundlich war. Dann müssten sie sich nicht andauernd streiten. Joey hörte die Klospülung und die Badezimmertür ging auf. Er begann zu singen. „Hör sofort auf damit!“, schimpfte Seto. „Das ist das Schlimmste was ich je gehört habe.“ Da rastete Joey aus. „Jetzt hab ich aber genug, Kaiba! Kannst du nicht wenigstens einmal nett zu mir sein?“ „Nein.“ „Warum denn nicht?“ „Weil ich dich nicht mag“, sagte Seto. Joey zog sich um. Zum Schlafen trug er immer ein kurzärmeliges T Shirt und eine Schlafhose. Anschließend legte er sich ins Bett und griff nach seinem Smartphone. Nach einigen Minuten machte Seto das Licht aus und legte sich ebenfalls ins Bett. Es herrschte Schweigen. Keiner von ihnen sagte etwas.
 

Seto machte die Augen auf und tief im Inneren jubelte er. Denn heute war Samstag, der letzte Tag von der Klassenfahrt. Morgen würden sie endlich wieder nach Domino zurückfahren. Sein Smartphone vibrierte. Er verließ das Zimmer und ging ran. „Hallo Mokuba.“ „Hattest du eine schöne Klassenfahrt?“ „Schön ist nicht das richtige Wort dafür“, antwortete Seto. „Was gibt es Neues in der Firma?“ „Es gibt ein paar neue Entwicklungen“, antwortete Mokuba aufgeregt. „Die Verhandlungen mit den Investoren laufen gut, und wir haben einige interessante Angebote für die nächste Produktlinie erhalten. Ich denke, wir könnten bald etwas Großes ankündigen!“

Seto lächelte leicht, obwohl er es sich nicht anmerken lassen wollte. „Das klingt vielversprechend. Ich hoffe, du hast alles im Griff.“

„Natürlich! Ich habe das Team gut im Auge behalten. Aber ich kann es kaum erwarten, dass du zurückkommst. Es gibt so viel zu besprechen!“

„Ich werde morgen früh zurück sein“, sagte Seto. „Und dann müssen wir uns um die nächsten Schritte kümmern.“

„Ja! Und vielleicht können wir auch ein bisschen Zeit für uns einplanen?“

Seto nickte zustimmend, auch wenn Mokuba das nicht sehen konnte. „Das klingt gut. Pass auf dich auf, bis ich zurück bin.“

„Mach ich! Bis morgen, Bruderherz!“

Seto legte auf und fühlte sich ein wenig leichter. Zumindest hatte er jetzt noch mehr Grund, sich auf die Rückkehr nach Hause zu freuen.
 

Es klopfte an der Tür. Joey öffnete die Augen und stand auf. Dabei warf er einen Blick auf die Uhr und erschrak. Es war 11 Uhr! Er machte die Tür auf. Vor ihm stand seine Clique. Yugi, Tea, Tristan, Bakura und Duke. „Beeil dich Joey!“, drängte Yugi. „In zehn Minuten fahren wir los!“ Joey stöhnte und raufte sich die Haare. „Wartet hier. Ich komme gleich.“ Er machte die Tür zu und zog sich schnell an. Anschließend ging er aus dem Zimmer und schloss die Tür ab. In der Eingangshalle warteten bereits seine Mitschüler auf ihn. „Da Joey endlich auch anwesend ist können wir losfahren“, sagte Herr Sato. „Zum Glück haben wir rechtzeitig bemerkt dass du fehlst“, sagte Bakura. „Stell dir vor, wir wären ohne dich weggefahren.“ Joey guckte zu Seto rüber. Der sah aus als müsste er sich das Lachen verkneifen. Dieser Mistkerl! Die Klasse verließ das Herbergsgebäude und stieg in den Bus. Joey nahm wieder neben Yugi Platz. Er schaute aus dem Fenster. Draußen regnete es in Strömen. „Was ist für heute geplant?“ „Wir fahren zum Tokio Dome City“, sagte Yugi. „Dort gibt es einen Freizeitpark und ein Onsen.“ Joey war begeistert. „Das hört sich echt gut an.“ „Ja, und das Beste ist, dass wir auch ein paar Spiele im Freizeitpark ausprobieren können!“, fügte Tea hinzu, während sie sich in ihren Sitz zurücklehnte. „Ich hoffe, es gibt eine Achterbahn!“

„Achterbahnen sind super!“, rief Tristan enthusiastisch. „Ich kann es kaum erwarten, die neuen Fahrgeschäfte auszuprobieren.“

Bakura grinste schelmisch. „Ich wette, Joey wird sich wieder anstellen wie ein Angsthase, wenn es um die großen Fahrgeschäfte geht.“

„Hey! Ich bin kein Angsthase!“, protestierte Joey und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe nur einen gesunden Respekt vor Höhen!“

Seto, der in der Nähe saß und in sein Handy vertieft war, rollte mit den Augen. „Wenn du nicht mitfahren willst, kannst du auch einfach zu Hause bleiben.“

Joey funkelte Kaiba an. „Das werde ich ganz sicher nicht tun! Ich will Spaß haben – und dir zeigen, dass ich keine Angst habe! Du hast mich absichtlich nicht aufgeweckt! Gib‘s zu Kaiba!“ Seto grinste. „Ja genau Wheeler. Ich wollte dass du verschläfst.“

Der Bus bog um die Ecke und die Silhouette des Tokio Dome tauchte vor ihnen auf. Die Aufregung in der Luft war spürbar. Yugi klopfte Joey auf die Schulter. „Komm schon, das wird großartig!“

Als sie den Bus verließen und in den Freizeitpark eintraten, wurden sie von bunten Lichtern und fröhlichen Geräuschen empfangen. Der Geruch von frisch gebrannten Mandeln lag in der Luft.

„Wo fangen wir an?“, fragte Duke und sah sich um.

„Lasst uns zuerst zur Achterbahn gehen!“, schlug Tristan vor.

Joey zögerte kurz, aber dann nickte er entschlossen. „Okay, aber nur wenn ihr mir verspricht, dass ihr mich nicht auslacht!“

Die Clique lachte und Yugi sagte: „Keine Sorge! Lass uns einfach Spaß haben.“

Mit einem letzten Blick auf die beeindruckenden Fahrgeschäfte machte sich die Gruppe auf den Weg zur Achterbahn – bereit für einen aufregenden Tag voller Abenteuer im Tokio Dome City.

Als sie sich der Achterbahn näherten, wurde das Geräusch der schreienden Fahrgäste und das Rattern der Züge immer lauter. Joey spürte, wie sein Herz schneller schlug. „Das sieht echt hoch aus…“, murmelte er und versuchte, seine Nervosität zu verbergen.

„Komm schon, Joey! Das wird super!“, rief Tristan und zog ihn mit sich. „Du wirst es lieben!“

Yugi und Tea gingen dicht hinter ihnen, während Bakura und Duke die beiden anfeuerten. „Wenn du es nicht ausprobierst, wirst du nie wissen, wie viel Spaß es macht!“, sagte Yugi ermutigend.

Joey atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen. „Okay, okay… Ich mache das!“ Er stellte sich an die Warteschlange und versuchte, seine Angst zu ignorieren. Die Minuten vergingen schnell, und bald standen sie am Eingang zur Achterbahn.

„Das ist es!“, rief Tristan begeistert und sprang in den Wagen. Joey folgte zögerlich und setzte sich neben Yugi. Als die Sicherheitsbügel herunterklappten, fühlte er sich gefangen – aber gleichzeitig auch aufgeregt.

„Ich kann nicht zurück jetzt!“, dachte er panisch, als die Achterbahn langsam den ersten Hügel hinaufzog. Der Blick über den Park war atemberaubend – aber dann kam der Fall.

„Haltet euch fest!“, schrie Tristan vor Freude, während die Bahn in die Tiefe stürzte. Joey konnte nur schreien – eine Mischung aus Angst und Adrenalin.

Als sie schließlich wieder sicher auf dem Boden waren, war Joey völlig außer Atem. „Das war… unglaublich!“, keuchte er und konnte ein breites Grinsen nicht unterdrücken.

„Siehst du? Du hast es geschafft!“, jubelte Yugi. „Und? Wie fühlst du dich jetzt?“

„Ich fühle mich lebendig!“, antwortete Joey mit einem breiten Lächeln. „Lass uns noch einmal fahren!“

Die Clique lachte und klatschte ihm auf die Schulter. „Das ist toll! Lass uns noch mehr Fahrgeschäfte ausprobieren!“

Mit neuer Energie machten sie sich auf den Weg zu den nächsten Attraktionen im Tokio Dome City – bereit für weitere Abenteuer und unvergessliche Erinnerungen zusammen.

Die Gruppe entschied sich, als Nächstes zu einem der neueren Fahrgeschäfte zu gehen, das als „Der Drachenflug“ bekannt war. Es handelte sich um eine Mischung aus Achterbahn und Fluggerät, bei dem die Fahrgäste in einer hängenden Position saßen und durch scharfe Kurven und Loopings geschleudert wurden.

„Das sieht ja noch verrückter aus!“, rief Duke begeistert und zeigte auf die bunten Lichter und die beeindruckende Konstruktion. „Ich kann es kaum erwarten!“

Joey fühlte ein leichtes Kribbeln im Bauch, aber er wollte nicht zurückweichen. „Okay, ich mache das!“, sagte er entschlossen, auch wenn er innerlich ein wenig zitterte.

Als sie in der Warteschlange standen, bemerkte Joey, dass Bakura mit einem schelmischen Grinsen auf ihn zuschritt. „Du bist wirklich mutig heute, Joey. Ich hätte nie gedacht, dass du so schnell von der Achterbahn zur nächsten Attraktion übergehst.“

„Ich bin kein Angsthase!“, erwiderte Joey und versuchte, selbstbewusst zu wirken. „Ich bin einfach bereit für mehr Spaß!“

Bald waren sie an der Reihe und stiegen in die Wagen ein. Die Sicherheitsbügel klickten wieder zu, und Joey spürte ein vertrautes Gefühl der Nervosität. Doch als die Bahn sich in Bewegung setzte und langsam den ersten Hügel hinaufzog, wurde seine Aufregung von einem Gefühl des Abenteuers abgelöst.

„Hier kommt der Fall!“, rief Tristan mit einem breiten Grinsen.

Und dann ging es los – die Bahn stürzte in die Tiefe, drehte sich in Loopings und raste durch enge Kurven. Joey schrie vor Freude und Adrenalin; es war ein berauschendes Gefühl!

Als sie schließlich wieder sicher am Boden waren, sprang Joey aus dem Wagen und konnte nicht anders als laut zu lachen. „Das war noch besser als die erste Achterbahn!“

„Siehst du? Du bist jetzt ein echter Adrenalinjunkie!“, lachte Tea und klatschte ihm auf den Rücken.

„Lass uns noch mehr machen!“, rief Tristan begeistert. „Wie wäre es mit dem Riesenrad?“

„Oder dem Spukhaus?“, schlug Yugi vor.

Joey überlegte kurz. Er schaute hin und her zwischen den beiden Attraktionen. Das Riesenrad versprach eine entspannende Aussicht über den gesamten Park, während das Spukhaus ein wenig gruselig klang, aber auch spannend war.

„Ich sage, wir gehen zuerst ins Spukhaus!“, entschied Joey schließlich mit einem herausfordernden Grinsen. „Ich bin bereit für alles!“

„Wow, Joey! Du bist wirklich mutig heute!“, staunte Tea. „Ich hätte nicht gedacht, dass du dich so schnell traust.“

„Klar, ich habe keine Angst vor ein paar Geistern!“, antwortete Joey und versuchte, seine Entschlossenheit zu zeigen. Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Spukhaus, das in düsterem Licht erstrahlte und von schaurigen Geräuschen begleitet wurde.

Als sie die Eingangstür erreichten, hielt Bakura an und sah Joey an. „Bist du sicher? Es könnte gruselig werden.“

Joey nickte tapfer. „Ja, ich bin bereit!“

Sie traten ein und wurden sofort von einer kalten Brise empfangen. Der Raum war schwach beleuchtet und überall waren Schatten zu sehen. Plötzlich ertönte ein lautes Kreischen aus der Dunkelheit, und Joey zuckte zusammen.

„Das ist nur ein Effekt!“, rief Yugi beruhigend. „Komm schon, lass uns weitergehen.“

Die Gruppe bewegte sich vorsichtig durch die Gänge des Spukhauses, während unheimliche Geräusche um sie herum hallten. Joey fühlte sich zwar etwas unwohl, aber gleichzeitig war er auch aufgeregt.

Plötzlich sprang eine animierte Figur aus dem Schatten hervor und erschreckte ihn so sehr, dass er einen kleinen Schrei ausstieß. Die anderen lachten herzlich.

„Sieh dir das an! Joey hat Angst vor einem Plastikmonster!“, kicherte Tristan.

„Das war nicht lustig!“, protestierte Joey mit einem Lächeln auf den Lippen. „Ich habe nur… überrascht reagiert!“

Schließlich erreichten sie den Ausgang des Spukhauses und traten wieder ins Tageslicht hinaus. Joey atmete erleichtert auf und konnte nicht anders als zu lachen. „Das war eigentlich ziemlich cool!“

„Siehst du? Du hast es überstanden!“, sagte Tea strahlend.

„Jetzt können wir zum Riesenrad gehen!“, schlug Yugi vor und zeigte auf das große, leuchtende Riesenrad, das majestätisch über dem Park thronte.

„Ja, lass uns das machen!“, stimmte Tristan zu. „Ich will die Aussicht von oben sehen!“

Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Riesenrad, und während sie gingen, spürte Joey ein Gefühl der Erleichterung. Das Spukhaus hatte ihn zwar erschreckt, aber es hatte ihm auch gezeigt, dass er mutiger war, als er dachte.
 

Als sie am Riesenrad ankamen, war die Warteschlange nicht sehr lang. Sie stellten sich an und beobachteten die bunten Gondeln, die langsam nach oben schwebten. Joey konnte nicht anders, als sich auf die Aussicht zu freuen.

„Ich hoffe, wir bekommen eine Gondel ganz oben!“, sagte Duke begeistert. „Das wird fantastisch!“

Bald waren sie an der Reihe und stiegen in eine der Gondeln ein. Die Sicherheitsbügel wurden heruntergeklappt, und als das Riesenrad sich in Bewegung setzte, fühlte Joey ein angenehmes Kribbeln im Bauch – diesmal jedoch aus Vorfreude.

„Schaut euch die Aussicht an!“, rief Tea und deutete auf den Park unter ihnen. Die bunten Lichter und Fahrgeschäfte sahen von hier oben wie Spielzeug aus.

Joey lehnte sich zurück und genoss den Moment. „Das ist wirklich schön…“ Er lächelte und fühlte sich entspannt.

Als sie den höchsten Punkt erreichten, hielt das Riesenrad für einen kurzen Moment an. Joey blickte über den Park und sah die Stadt im Hintergrund glitzern. Es war atemberaubend.

„Wow…“, murmelte er beeindruckt. „Das ist unglaublich.“

„Siehst du? Manchmal lohnt es sich, seine Ängste zu überwinden!“, sagte Yugi mit einem breiten Grinsen.

Gerade als sie dachten, es könnte nicht besser werden, begann das Riesenrad wieder zu sinken. Joey fühlte sich leicht schwindelig vor Freude und Aufregung.

Als sie schließlich wieder sicher am Boden waren, sprangen sie aus der Gondel und lachten miteinander.

„Was für ein Tag!“, rief Tristan begeistert. „Was wollen wir als Nächstes machen?“

„Wie wäre es mit Onsen?", schlug Duke vor. "Warmes Wasser ist genau das was ich jetzt brauche."

„Das klingt nach einer großartigen Idee!“, stimmte Tea zu. „Nach all den aufregenden Fahrgeschäften wäre ein entspannendes Bad genau das Richtige.“

Joey nickte und fühlte sich von der Vorstellung eines warmen, beruhigenden Bades angezogen. „Ich könnte auch etwas Entspannung gebrauchen. Lass uns gehen!“

Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Onsen-Bereich des Parks, der mit traditionellen japanischen Elementen dekoriert war. Die Atmosphäre war ruhig und einladend, und der Duft von ätherischen Ölen lag in der Luft.

Als sie ankamen, wurden sie von einem freundlichen Mitarbeiter begrüßt, der ihnen erklärte, wie alles funktionierte. „Hier gibt es verschiedene Becken mit unterschiedlichen Temperaturen und sogar einen Außenbereich mit Blick auf die Natur“, sagte er lächelnd.

„Klingt perfekt!“, rief Tristan begeistert. „Ich kann es kaum erwarten, mich zu entspannen.“

Nachdem sie ihre Tickets gekauft hatten, zogen sie sich um und betraten den Bereich mit den heißen Quellen. Joey tauchte seine Füße in das warme Wasser und seufzte vor Freude. „Das fühlt sich so gut an!“

Die anderen stiegen ebenfalls ins Wasser und genossen die wohltuende Wärme. Sie plauderten über ihre Erlebnisse im Park und lachten über die lustigen Momente im Spukhaus.

„Ich kann nicht glauben, dass ich geschrien habe!“, sagte Joey lachend. „Aber hey, ich habe es überstanden!“

„Und du hast dich sogar für das Spukhaus entschieden! Das ist schon ein großer Schritt für dich“, bemerkte Yugi stolz.

Nach einer Weile beschlossen sie, das Außenbecken auszuprobieren. Der Blick auf die Umgebung war atemberaubend – die sanften Hügel und die Bäume schufen eine friedliche Kulisse.

„Das ist wirklich der perfekte Abschluss für unseren Tag“, sagte Tea glücklich.

Joey lehnte sich zurück und schloss die Augen, während er das warme Wasser genoss. Er fühlte sich entspannt und zufrieden – ein Gefühl, das er lange nicht mehr gehabt hatte.

„Was für ein Abenteuer wir heute hatten!“, sagte er schließlich. „Ich bin froh, dass ich mit euch hier bin.“

„Wir sind froh, dass du dabei bist!“, antwortete Tristan und klopfte ihm auf die Schulter.

Nach einer Weile in den heißen Quellen beschlossen sie, sich ein wenig zu bewegen und die Umgebung zu erkunden. „Wie wäre es mit einer kleinen Erfrischung?“, schlug Tea vor. „Ich habe gehört, dass es hier frische Säfte und Snacks gibt.“

„Das klingt super!“, stimmte Joey zu. „Ich könnte etwas Fruchtiges gebrauchen.“

Die Gruppe verließ das Wasser und machte sich auf den Weg zum kleinen Café, das sich in der Nähe des Onsen befand. Dort gab es eine Auswahl an frisch gepressten Säften, Tees und kleinen japanischen Snacks.

Joey entschied sich für einen erfrischenden Wassermelonen-Smoothie, während die anderen verschiedene Tees und Mochi bestellten. Sie setzten sich an einen Tisch im Freien, um die Aussicht zu genießen.

„Das ist wirklich der perfekte Tag“, sagte Yugi und nippte an seinem grünen Tee. „Wir haben so viel Spaß gehabt und jetzt können wir uns entspannen.“

„Und das Beste ist, dass wir noch Zeit haben, um mehr Attraktionen auszuprobieren!“, fügte Tristan hinzu.

„Was haltet ihr von einem Besuch bei der Geisterbahn nach dem Onsen?“, schlug Bakura vor. „Ich bin sicher, dass wir dort noch mehr Spaß haben werden.“

Joey grinste. „Warum nicht? Ich bin bereit für alles!“

Nachdem sie ihre Snacks genossen hatten, machten sie sich wieder auf den Weg zurück zu den heißen Quellen, um noch ein wenig im warmen Wasser zu entspannen, bevor sie ihre nächste Attraktion in Angriff nahmen.

Als sie schließlich wieder ins Wasser stiegen, fühlte Joey sich erfrischt und voller Energie. Er konnte kaum glauben, wie viel Spaß er an diesem Tag hatte – von den aufregenden Fahrgeschäften bis hin zur entspannten Zeit im Onsen.

„Ich kann es kaum erwarten zu sehen, was als Nächstes kommt!“, rief er begeistert.

Die Gruppe lachte und stimmte ihm zu. Es war ein Tag voller Abenteuer und Freundschaft – genau das, was Joey gebraucht hatte.

Nach einer weiteren Weile im warmen Wasser beschlossen sie schließlich, dass es Zeit war, sich auf den Weg zur Geisterbahn zu machen. Sie zogen sich schnell um und machten sich auf den Weg durch den Park, während die Sonne langsam unterging und der Himmel in sanften Farben leuchtete.

„Ich hoffe, die Geisterbahn ist nicht so gruselig wie das Spukhaus!“, sagte Joey mit einem schüchternen Lächeln. „Ich bin zwar mutig, aber ich möchte nicht wieder schreien!“

„Keine Sorge, Joey!“, beruhigte ihn Tea. „Wir sind alle zusammen, und wir werden einfach Spaß haben.“

Als sie die Geisterbahn erreichten, sahen sie die langen Warteschlangen und hörten das Geräusch von kreischenden Fahrgästen. Die Bahn war in ein schauriges Licht getaucht und mit gruseligen Dekorationen geschmückt.

„Das sieht schon ein bisschen unheimlich aus…“, murmelte Joey, während er nervös an seinem Wassermelonen-Smoothie nippte.

„Komm schon, das wird großartig!“, rief Tristan und zog ihn mit sich in die Schlange. „Du hast das Spukhaus überstanden – das hier wird ein Kinderspiel für dich sein!“

Die Gruppe wartete geduldig in der Schlange und unterhielt sich über ihre bisherigen Erlebnisse. Als sie schließlich an der Reihe waren, stiegen sie in die Wagen der Geisterbahn ein. Joey setzte sich zwischen Yugi und Tea, während Tristan und Bakura gegenüber saßen.

„Hier geht’s los!“, rief Tristan aufgeregt, als der Wagen sich in Bewegung setzte.

Die Fahrt begann ruhig, mit sanften Kurven und schummrigen Lichtern. Doch bald tauchten plötzlich gruselige Figuren aus dem Dunkeln auf, begleitet von unheimlichen Geräuschen. Joey zuckte zusammen, aber Yugi legte beruhigend eine Hand auf seinen Arm.

„Es ist nur eine Attraktion! Denk daran: Es ist alles nur Spaß!“

Plötzlich raste der Wagen um eine Ecke und stürzte einen kleinen Abhang hinunter. Joey konnte nicht anders als laut zu lachen – die Aufregung überwältigte seine Angst.

„Das macht wirklich Spaß!“, rief er begeistert.

Die Fahrt ging weiter mit plötzlichen Wendungen und unerwarteten Überraschungen.

Die Geisterbahn schlängelte sich durch dunkle Tunnel und vorbei an schaurigen Szenen, die mit Nebel und gruseligen Geräuschen untermalt waren. Joey fühlte sich immer mutiger, während er die Reaktionen seiner Freunde beobachtete. Tristan kreischte vor Freude, während Duke versuchte, seine Furcht zu verbergen, indem er sich über die gruseligen Figuren lustig machte.

„Schau dir diesen Typen an!“, rief Duke und deutete auf eine animierte Mumie, die aus einem Sarg sprang. „Das ist ja lächerlich!“

Joey lachte mit ihm und merkte, dass die Angst von ihm abfiel. „Ja, das ist wirklich nicht so schlimm!“

Als sie um eine weitere Ecke bogen, wurden sie von einem plötzlichen Lichtblitz überrascht, gefolgt von einem lauten Knall. Joey zuckte zusammen, aber dann brach er in schallendes Gelächter aus. „Das war unerwartet!“

Die Fahrt nahm eine noch aufregendere Wendung, als der Wagen plötzlich in einen dunklen Raum mit leuchtenden Geistern einfuhr. Diese schwebten umher und schienen direkt auf die Fahrgäste zuzuschweben. Joey konnte nicht anders, als sich zurückzulehnen und zu lachen – es war alles so absurd und gleichzeitig aufregend.

„Ich kann nicht glauben, dass ich mir Sorgen gemacht habe!“, rief er fröhlich.

Schließlich näherte sich die Fahrt ihrem Ende. Der Wagen rollte langsam aus dem dunklen Bereich heraus und zurück ins Licht des Parks. Als sie schließlich zum Stillstand kamen, sprangen alle begeistert aus ihren Sitzen.

„Das war großartig!“, jubelte Tristan und klatschte in die Hände. „Wir müssen das unbedingt nochmal machen!“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Spaß haben würde“, gestand Joey und grinste breit. „Danke, dass ihr mich mitgenommen habt.“

Tea lächelte ihn an. „Wir sind froh, dass du dabei bist! Es macht alles noch besser.“

„Was wollen wir jetzt machen?“, fragte Bakura neugierig.

„Wie wäre es mit einer Runde Minigolf?“, schlug Duke vor. „Ich habe gehört, dass es einen wirklich coolen Minigolfplatz hier im Park gibt, der mit leuchtenden Farben und verrückten Hindernissen gestaltet ist!“

„Das klingt nach einer Menge Spaß!“, stimmte Tea zu. „Ich liebe Minigolf!“

Joey nickte begeistert. „Ja, lasst uns das machen! Ich bin bereit, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.“

Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Minigolfplatz, der nicht weit entfernt war. Unterwegs unterhielten sie sich über die besten Momente der Geisterbahn und lachten über die schreckhaften Reaktionen von Duke.

„Ich kann nicht glauben, dass du so laut geschrien hast, als die Mumie aufgetaucht ist!“, kicherte Tristan.

„Hey, ich habe nur reagiert!“, verteidigte sich Duke mit einem Grinsen. „Es war einfach unerwartet!“

Als sie den Minigolfplatz erreichten, waren sie von der bunten und lebhaften Atmosphäre begeistert. Der Platz war mit Neonlichtern beleuchtet und hatte verschiedene Themenlöcher – von Dschungelabenteuern bis hin zu futuristischen Weltraumlandschaften.

„Wow, das sieht echt toll aus!“, rief Joey und schaute sich um. „Ich kann es kaum erwarten, loszulegen!“

Sie mieteten Schläger und Bälle und begaben sich zum ersten Loch. Joey war an der Reihe und konzentrierte sich darauf, den Ball ins Loch zu befördern. Er nahm Anlauf und schlug – der Ball rollte direkt ins Loch!

„Ja! Ich habe es geschafft!“ jubelte er und sprang vor Freude in die Luft.

„Gut gemacht, Joey!“, klatschte Yugi ihm auf die Schulter. „Du bist ein Naturtalent!“

Die Runde ging weiter, während jeder sein Bestes gab. Es wurde viel gelacht, gescherzt und sogar ein wenig Konkurrenzkampf entfacht. Joey stellte fest, dass er nicht nur Spaß hatte, sondern auch eine gute Zeit mit seinen Freunden verbrachte.

Nach einigen Löchern bemerkte er, dass er immer mehr Selbstvertrauen gewann. „Ich glaube, ich könnte das wirklich gut machen!“ sagte er stolz.

„Das sieht ganz danach aus!“, bestätigte Tea lächelnd. „Du bist auf dem besten Weg zum Champion des Minigolfs.“

Die Gruppe setzte ihr Spiel fort und genoss jeden Moment des Spiels. Die verschiedenen Themenlöcher sorgten für zusätzliche Herausforderungen und viel Spaß. Bei einem Dschungelloch mussten sie durch einen kleinen Wasserfall puttieren, während bei einem anderen Loch ein riesiger Dinosaurier als Hindernis diente.

„Ich wette, ich kann den Ball direkt zwischen seinen Beinen hindurch spielen!“, rief Tristan herausfordernd und nahm seinen Schläger in die Hand. Er konzentrierte sich und schlug – der Ball rollte perfekt durch die Beine des Dinosauriers und landete direkt im Loch.

„Wow, das war beeindruckend!“, staunte Joey. „Du bist wirklich gut darin!“

„Das ist nichts im Vergleich zu dem, was du gerade gemacht hast!“, erwiderte Tristan. „Du bist der wahre Champion hier!“

Die Gruppe lachte und feierte jeden gelungenen Schlag. Joey fühlte sich großartig, umgeben von seinen Freunden und voller Energie. Als sie schließlich zum letzten Loch kamen, war die Spannung spürbar.

„Okay, das ist es! Der entscheidende Moment!“, sagte Duke mit einem schelmischen Grinsen. „Wer wird der Minigolf-Champion?“

Joey trat an das letzte Loch heran und atmete tief durch. Er wusste, dass er alles geben musste. Mit einem entschlossenen Blick nahm er Anlauf und schlug den Ball – er rollte sanft über das grüne Feld, umkurvte ein paar Hindernisse und fiel schließlich ins Loch!

„Ja! Ich habe gewonnen!“ rief Joey begeistert und sprang in die Luft.

Die anderen applaudierten ihm begeistert. „Herzlichen Glückwunsch, Joey! Du bist der Minigolf-Champion!“ rief Tea und umarmte ihn.

„Das war echt ein toller Tag“, sagte Yugi lächelnd. „Wir sollten das unbedingt wiederholen.“

„Definitiv! Vielleicht beim nächsten Mal mit einer kleinen Wette?“, schlug Bakura vor.

„Oh je, was habt ihr im Sinn?“, fragte Joey neugierig.

„Wie wäre es mit dem Verlierer, der das nächste Mal die Snacks bezahlt?“, grinste Tristan.

Alle stimmten zu und lachten über die Idee. Es war klar, dass dieser Tag nicht nur voller Abenteuer gewesen war, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit bot, ihre Freundschaft zu feiern.

Als sie den Minigolfplatz verließen, fühlten sie sich glücklich und erfüllt. Die Sonne war inzwischen untergegangen, und der Park erstrahlte in bunten Lichtern, die eine festliche Atmosphäre schufen.

„Was haltet ihr davon, wenn wir uns noch etwas zu essen holen? Ich habe einen riesigen Hunger nach all dem Spielen!“, schlug Joey vor.

„Das klingt nach einer großartigen Idee!“, stimmte Tea zu. „Ich habe gehört, dass es hier einen Stand mit den besten Nachos gibt.“

„Und ich könnte ein paar von diesen riesigen Zuckerwatte-Dingern gebrauchen!“, fügte Tristan hinzu und grinste.

Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Essensstand und diskutierte dabei über ihre Lieblingssnacks. Als sie ankamen, waren die Nachos tatsächlich verlockend – mit geschmolzenem Käse, Jalapeños und frischem Salsa.

„Ich nehme eine große Portion Nachos!“, rief Joey begeistert und bestellte für alle. Während sie warteten, schauten sie sich um und beobachteten die anderen Besucher des Parks, die ebenfalls Spaß hatten.

Als das Essen endlich kam, setzten sie sich an einen Tisch im Freien und genossen ihre Snacks. „Das ist so lecker!“, sagte Joey mit vollem Mund. „Ich könnte das jeden Tag essen!“

„Wir sollten öfter solche Ausflüge machen“, meinte Yugi nachdenklich. „Es ist schön, einfach mal abzuschalten und Zeit miteinander zu verbringen.“

„Ja, das stimmt!“, stimmte Duke zu. „Da wir in der Abschlussklasse sind wird das leider unsere letzte Klassenfahrt sein.“

Nach dem Essen beschlossen sie, noch eine Runde durch den Park zu schlendern. Sie bewunderten die verschiedenen Attraktionen und Spiele, die überall aufgebaut waren. Schließlich entdeckten sie ein kleines Karussell mit bunten Pferden.

„Komm schon, lass uns darauf gehen!“, rief Tristan begeistert.

Joey zögerte kurz, aber dann lächelte er und nickte. „Warum nicht? Das wird sicher lustig!“

Sie stiegen auf das Karussell und lachten laut, während es sich drehte. Die Musik spielte fröhlich im Hintergrund und die bunten Lichter funkelten um sie herum. In diesem Moment fühlte sich Joey unbeschwert und glücklich – umgeben von seinen Freunden, voller Freude und Abenteuerlust.

Als das Karussell langsamer wurde und schließlich zum Stillstand kam, sprangen sie lachend ab und schüttelten die Köpfe, um die letzten Reste des Schwindels loszuwerden. „Das war echt toll!“, rief Tea und klatschte in die Hände. „Ich habe schon lange nicht mehr auf einem Karussell gesessen!“

„Ich auch nicht!“, stimmte Duke zu. „Wir sollten das öfter machen, auch wenn wir älter werden.“

„Ja, lasst uns die Kindheit noch ein bisschen länger genießen!“, sagte Tristan mit einem breiten Grinsen.

Sie schlenderten weiter durch den Park und hielten an verschiedenen Ständen an, um die bunten Preise zu bewundern. An einem Stand sahen sie eine große Plüschfigur eines Drachen, der leuchtende Augen hatte. „Oh, schaut mal! Das wäre das perfekte Andenken für unsere letzte Klassenfahrt!“, schlug Yugi vor.

„Lass uns versuchen, ihn zu gewinnen!“, rief Joey begeistert. „Ich wette, ich kann ihn mit einem Wurf gewinnen!“

Die Gruppe versammelte sich um den Stand und beobachtete, wie Joey sein Glück versuchte. Er nahm einen Ball und zielte sorgfältig auf die Zielscheibe. Mit einem kräftigen Wurf ließ er den Ball fliegen – und traf genau ins Schwarze!

„Ja! Ich habe ihn gewonnen!“ jubelte Joey, als der Verkäufer ihm den großen Drachen überreichte.

„Wow, du bist wirklich ein Glückspilz!“, lachte Tea und klatschte ihm auf die Schulter. „Jetzt hast du ein tolles Andenken an diesen Tag.“

Mit dem Plüschdrachen unter dem Arm setzten sie ihren Spaziergang fort. Die Lichter des Parks funkelten in der Dunkelheit und schufen eine magische Atmosphäre. Sie hielten an verschiedenen Attraktionen an, machten Fotos und genossen einfach die Zeit miteinander.

Schließlich fanden sie sich vor einem großen Feuerwerk wieder, das über dem Park explodierte. Die bunten Farben erleuchteten den Nachthimmel und alle schauten gebannt hinauf. Sie genossen den Anblick des Feuerwerks in vollen Zügen. In diesem Moment fühlte sich jeder von ihnen lebendig.

Joey blickte auf die Uhr. „Es ist 17 Uhr! Wir müssen wieder zurück zu den anderen.“ Die Clique ging zum Ausgang des Parks. Dort standen ihre Klassenkameraden. Herr Sato und Frau Watanabe waren auch dabei. „Da seid ihr ja endlich“, sagte Frau Watanabe. „Wir warten schon eine Ewigkeit auf euch“, sagte Herr Sato.

Joey entschuldigte sich. „Es tut uns leid. Wir haben völlig die Zeit vergessen.“

Alle gingen zurück zum Bus und stiegen ein. Joey und Tristan setzten sich nebeneinander. „Ich freue mich schon auf die Grillparty“, sagte Tristan.

„Ich auch“, sagte Joey. „Das wird bestimmt ein schöner Abend.“

Als der Bus vor der Herberge anhielt war es draußen bereits dunkel. Die Schüler stiegen aus dem Bus und wurden von der kühlen Abendluft empfangen.

„Heute um 19 Uhr findet im Garten von der Herberge die Grillparty statt“, sagte Herr Sato. „Das Essen für die Grillparty ist fertig zubereitet und muss nur noch draußen hergerichtet werden. Die Getränke müssen auch nach draußen gebracht werden.“

Die Lichter der Herberge strahlten warm und einladend, während der Duft von gegrilltem Fleisch und frischen Salaten in die Luft stieg. „Wow, das riecht ja fantastisch!“, rief Yugi begeistert und schnüffelte in die Luft.

„Lasst uns schnell mithelfen!“, schlug Tea vor und führte die Gruppe in den Garten. Dort waren bereits einige ihrer Klassenkameraden beschäftigt, Tische zu decken und die Grillstation vorzubereiten.

„Ich kümmere mich um die Getränke!“, bot Duke an und machte sich mit Bakura auf den Weg zur Bar.

Joey und Tristan halfen dabei, das Essen herzurichten.

Nach einer Weile war alles bereit. Die Tische waren festlich gedeckt, und der Grill rauchte verlockend. Herr Sato hob sein Glas und hielt eine kurze Ansprache. „Okay! Es ist Zeit für unsere Grillparty! Lasst uns essen und einen tollen Abend verbringen!“

Alle stimmten ein und prosteten sich zu.

Die beiden Klassen setzten sich zusammen an einen großen Tisch im Garten. Als das Essen serviert wurde, lachten sie und erzählten Geschichten aus ihrer Schulzeit. Die Stimmung war ausgelassen, und jeder genoss das köstliche Essen unter dem Sternenhimmel.

„Ich bin der Beste. Es gibt niemand der besser ist als ich. Ich muss Yugi besiegen." Joey wandte sich an seine Mitschüler. „Na was ist? Gefällt euch das? Eine ziemlich gute Imitation von Kaiba, was?" Als er Setos unbewegtes Gesicht sah, beeilte er sich zu sagen: „So bist du nun mal, Kaiba." Seto knallte seinen Teller auf den Tisch, stand auf und ging weg. „Was ist mit ihm los?", fragte Tea.

„Vielleicht hat er einfach keinen Sinn für Humor", antwortete Joey und zuckte mit den Schultern. „Oder er hat einen schlechten Tag. Oder er kann meine geniale Imitation nicht ertragen!"

„Du solltest ihn nicht immer ärgern, Joey", sagte Yugi besorgt. „Kaiba ist zwar manchmal ein bisschen hart, aber er hat auch seine Gründe für sein Verhalten."

„Ach komm schon, Yugi! Ein bisschen Spaß muss sein! Außerdem, wenn ich ihn nicht aufziehe, wer sonst macht es?" Joey nahm einen Bissen von seinem Essen und schaute zu den anderen.

Tea schüttelte den Kopf. „Manchmal ist es besser, einfach mal die Klappe zu halten.“

„Du weißt, wie Kaiba ist", fügte Yugi hinzu. "Er nimmt alles sehr ernst. Vielleicht fühlt er sich durch deine Worte herausgefordert."

Herr Sato erhob sich. „Ich sehe mal nach Seto.“

Joey merkte dass alle Augen auf ihn gerichtet waren. „Was starrt ihr mich so an?“

„Es ist das Beste, wenn du dich bei Seto entschuldigst“, meinte Frau Watanabe.

Joey verzog das Gesicht. „Wieso, ich hab doch nur…“

„Du hast ihn verletzt“, unterbrach ihn die Lehrerin. „Eine Entschuldigung wäre angebracht.“

Joey stöhnte genervt. „Na gut, von mir aus.“

Seto saß auf der Bank vor der Herberge. Sein Lehrer tauchte auf und setzte sich neben ihn. „Joey hat es nicht so gemeint, Seto.“

„Doch natürlich hat Wheeler das so gemeint!“, entgegnete Seto. „Glauben Sie mir, ich kenne ihn schon seit Jahren.“

Herr Sato sah Seto nachdenklich an. „Manchmal können Worte anders interpretiert werden, als sie gemeint sind. Vielleicht wollte Joey einfach nur einen Scherz machen.“

Seto schüttelte den Kopf. „Ein Scherz? Das ist kein Scherz, das ist eine Beleidigung!“

„Aber du musst auch verstehen, dass nicht jeder die gleiche Perspektive hat wie du“, erwiderte der Lehrer sanft. „Es könnte sein, dass er nicht realisiert hat, wie sehr dich seine Worte verletzen.“

Seto seufzte und starrte auf den Boden. „Das mag sein, aber ich bin trotzdem wütend auf Wheeler.“

Herr Sato nickte verständnisvoll. „Es ist wichtig, für sich selbst einzustehen, aber manchmal kann ein offenes Gespräch helfen, Missverständnisse auszuräumen. Vielleicht solltest du mit Joey reden und ihm sagen, wie du dich fühlst.“ Er stand auf. „Ich schlage vor, wir gehen wieder zurück zu den anderen.“
 

Die Stimmung am Tisch hatte sich wieder verbessert. Der Lehrer kam mit Seto wieder zurück. „Tut mir leid wegen vorhin, Kaiba“, sagte Joey.

„Eure Schulzeit nähert sich dem Ende. Wie geht es euch dabei?“

„Also, ehrlich gesagt bin ich froh, dass unsere Schulzeit bald zu Ende ist“, sagte Joey. „Nichts für ungut. Ich bin ein schlechter Schüler und das Lernen hat mir noch nie Spaß gemacht.“

Herr Sato wandte sich an Yugi, Tea, Tristan, Duke und Bakura. „Wie ist es bei euch?"

Yugi schaute nachdenklich und sagte: „Ich denke, es ist eine Mischung aus Freude und Traurigkeit. Ich freue mich auf die neuen Abenteuer, die vor uns liegen, aber ich werde meine Freunde und die gemeinsamen Erlebnisse in der Schule vermissen.“

Tea nickte zustimmend. „Genau! Die Schulzeit war nicht immer einfach, aber wir haben so viele schöne Erinnerungen gesammelt. Ich werde die Zeit mit euch allen wirklich vermissen.“

Tristan grinste und fügte hinzu: „Ich bin zwar auch froh, dass wir bald fertig sind, aber ich werde die ganzen Abenteuer und den Spaß, den wir hatten, nicht vergessen. Es war eine tolle Zeit! Ich bin auch ein bisschen erleichtert. Aber hey, wir werden immer noch zusammen sein, oder? Wir haben schließlich noch unsere Duelle und Abenteuer!“

Duke zuckte mit den Schultern. „Ich bin einfach gespannt, was als Nächstes kommt. Vielleicht kann ich endlich meine Leidenschaft für Dungeon Dice Monsters voll ausleben! Und denkt daran, dass wir immer noch in Kontakt bleiben können! Das Ende der Schule bedeutet nicht das Ende unserer Freundschaft.“

Bakura hingegen war etwas nachdenklicher. „Es ist seltsam, das Ende einer Ära zu sehen. Aber vielleicht ist es auch eine Chance für uns, uns weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen.“

Seto mischte sich ein. „Und ich bin froh dass ich euch danach nicht mehr sehen muss.“

Herr Sato lächelte und sagte: „Das sind alles sehr interessante Perspektiven. Veränderungen können beängstigend sein, aber sie bringen auch viele Möglichkeiten mit sich. Nutzt die Zeit, um eure Träume zu verfolgen! Denkt daran, dass das Ende der Schulzeit nur der Beginn eines neuen Kapitels ist.“
 

Nach der Grillparty mussten Joey und Seto das Geschirr abspülen. Joey tauchte das Geschirr in warmes Wasser und Seto trocknete es mit einem Handtuch ab. „Ich hab noch nie Geschirr abgespült“, sagte Seto.

„Und wer macht es immer bei dir zu Hause?“, fragte Joey.

„Na wer wohl? Meine Köchin natürlich.“

Joey schüttelte den Kopf und grinste. „Du bist echt verwöhnt, Kaiba. Aber hey, es ist nicht so schlimm. Man gewöhnt sich daran.“ Seto sah ihn skeptisch an. „Ich weiß nicht, ob ich mich jemals daran gewöhnen kann, Geschirr abzuspülen. Das ist einfach nicht mein Ding.“

„Komm schon, es ist nur Geschirr! Denk an die ganzen Duelle, die du gewonnen hast. Das hier ist ein Kinderspiel im Vergleich dazu“, ermutigte Joey ihn.

Seto seufzte und nahm ein weiteres Stück Geschirr in die Hand. „Vielleicht hast du recht. Aber ich kann mir nicht helfen – ich bevorzuge es, meine Zeit mit wichtigeren Dingen zu verbringen.“

„Wie dem Duellieren?“, fragte Joey mit einem schelmischen Grinsen.

„Genau! Und das hier ist definitiv kein Duell“, antwortete Seto und rollte mit den Augen.

„Aber du kannst es als Training sehen! Ein bisschen Geschirr abspülen schadet nicht“, sagte Joey und spritzte ihm etwas Wasser ins Gesicht.

Seto wischte sich das Wasser aus dem Gesicht und funkelte Joey an. „Das war ein Fehler, Wheeler. Jetzt wirst du dafür bezahlen!“ Und so begann eine kleine Wasserschlacht in der Küche, während das Geschirr immer noch auf dem Tisch stand und darauf wartete, abgewaschen zu werden.

Die Wasserschlacht zwischen Joey und Seto wurde schnell intensiver. Joey, der immer für einen Spaß zu haben war, spritzte Seto erneut mit Wasser, während dieser versuchte, sich zu verteidigen. „Du bist wirklich ein kleiner Störenfried, Wheeler!“, rief Seto und griff nach einem Schwamm, um Joey zurückzuschlagen.

„Komm schon, Kaiba! Das ist doch viel besser als Geschirr abspülen!“, lachte Joey und wich geschickt aus. „Das hier ist das wahre Duell!“

Seto konnte nicht anders, als ein breites Grinsen auf sein Gesicht zu zaubern. „Wenn du denkst, dass du mich so leicht besiegen kannst, hast du dich getäuscht!“ Er tauchte den Schwamm in das Wasser und schleuderte ihn in Richtung Joey.

Der Schwamm landete direkt auf Joeys Kopf und tropfte vor Wasser. „Hey! Das ist unfair!“, protestierte Joey lachend und schnappte sich einen weiteren Schwamm. „Jetzt wirst du es bereuen!“

Die beiden Jungs rannten durch die Küche und spritzten sich gegenseitig mit Wasser. Die anfängliche Langeweile des Abspülens war völlig vergessen. Schließlich hielten sie beide keuchend an.

„Das hat echt Spaß gemacht“, sagte Joey grinsend. „Und jetzt lass uns das Geschirr fertig machen, bevor unser Lehrer hier auftaucht.“

Danach befand sich die ganze Klasse im Gemeinschaftsraum. „Morgen müssen wir abreisen“, sagte Herr Sato. „Ihr müsst um 8 Uhr aufstehen und all eure Sachen wieder mitnehmen. Passt genau auf dass ihr nichts vergesst. Wir treffen uns um 10 Uhr in der Eingangshalle und fahren mit dem Bus zurück nach Domino. Schlaft gut. Wir sehen uns morgen wieder.“
 

Die beiden waren wieder in ihrem Zimmer. Seto klappte seinen Laptop auf und schaltete ihn ein. „Wie hat dir die Klassenfahrt gefallen?“, wollte Joey wissen. „Es gibt Schöneres als eine Klassenfahrt“, antwortete Seto kühl.

Joey sah Seto skeptisch an. „Komm schon, es gab doch auch ein paar lustige Momente! Erinnerst du dich an die Nacht, als wir am Lagerfeuer gesessen haben?“

Seto zuckte mit den Schultern. „Da war ich nicht dabei. Das war nur ein weiteres Beispiel für Zeitverschwendung. Ich hätte lieber zu Hause bleiben und meine Strategien verbessern können.“

„Manchmal musst du einfach mal abschalten, Kaiba“, erwiderte Joey. „Es geht nicht immer nur um das Gewinnen. Freundschaften sind auch wichtig.“

Seto wandte sich von Joey ab und starrte aus dem Fenster. „Freundschaften sind überbewertet. Sie bringen nur Ablenkung.“

„Aber ohne Freunde macht das Leben doch keinen Spaß!“, entgegnete Joey energisch. „Denk an all die Abenteuer, die wir zusammen erlebt haben!“

„Es gibt Wichtigeres im Leben."

„Was denn zum Beispiel?", fragte Joey. „Ziele erreichen, sich weiterentwickeln, besser werden."

Joey seufzte und lehnte sich zurück. „Aber manchmal ist es doch wichtig, einfach mal abzuschalten und Spaß zu haben. Man kann nicht immer nur arbeiten.“

Seto schaute ihn skeptisch an. „Spaß ist vergänglich. Ziele sind das, was uns voranbringt. Wenn wir nicht hart arbeiten, werden wir nie das erreichen, was wir wollen.“

„Das mag sein“, erwiderte Joey, „aber ich denke, dass Freundschaften und Erinnerungen auch wichtig sind. Die Zeit mit unseren Klassenkameraden wird uns niemand nehmen können.“

Seto schüttelte den Kopf. „Das ist unwichtig. Was zählt, ist der Erfolg. Wenn du nicht bereit bist, Opfer zu bringen, wirst du im Leben nicht weit kommen.“

„Aber was ist mit dem Gleichgewicht?“, fragte Joey nachdenklich. „Manchmal muss man auch einfach leben und genießen, um motiviert zu bleiben.“

Seto überlegte kurz und antwortete dann: „Ich hab trotzdem andere Prioritäten.“

„Was machst du eigentlich in der Kaiba Corporation?“

„Lauter Sachen von denen du nichts verstehst.“

Joey stöhnte. „Musst du immer so unfreundlich zu mir sein, Kaiba?“

„Ja, du hast es nicht anders verdient, Wheeler.“

Joey schnaubte verärgert und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du bist echt unmöglich, Kaiba! Immer musst du so tun, als wärst du der Größte. Dabei bist du nur ein verwöhnter Millionär mit einem übertriebenen Ego.“

Seto hob eine Augenbraue und sah Joey mit einem herausfordernden Blick an. „Und was genau hast du erreicht, Wheeler? Du bist immer noch der gleiche Loser wie früher.“

„Hey! Ich habe mich verbessert und schon einige Duelle gewonnen! Ich mag vielleicht nicht so gut sein wie du, aber ich gebe niemals auf!“ Joeys Stimme wurde lauter, während er sich bemühte, seine Wut zu zügeln.

„Das ist dein Problem“, erwiderte Seto kühl und wandte sich ab, um wieder an seinem Laptop zu arbeiten. „Aufgeben wäre manchmal die bessere Option für dich. Wenn du wirklich etwas erreichen willst, solltest du dich besser vorbereiten. Aber ich bezweifle, dass du das kannst. Du hast einfach nicht das Zeug dazu.“

Joey ballte die Fäuste und trat einen Schritt näher an Seto heran. „Weißt du was? Ich werde dir beweisen, dass ich es drauf habe! Ich werde ein besserer Duellant als du!“

Seto lächelte spöttisch. „Das würde ich gerne sehen, Wheeler. Lass mich dir einen Rat geben: Wenn du gegen mich antreten willst, solltest du sicherstellen, dass deine Karten auch wirklich stark genug sind. Aber zuerst musst du lernen, wie man dieses Spiel richtig spielt – und nicht nur mit Glück gewinnst.“

„Ich werde es dir beweisen!“, rief Joey entschlossen und drehte sich um. „Ich werde trainieren und stärker werden. Ich werde dich eines Tages schlagen, Kaiba, das schwöre ich!“

Seto konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. „Viel Glück dabei. Du wirst es brauchen.“

„Ach ja?“, erwiderte Joey. „Du wirst dich noch …“

Seto unterbrach ihn. „Halt die Klappe, Wheeler! Ich muss mich konzentrieren.“

„Dir ist schon klar, dass wir in zwanzig Minuten im Bett sein müssen, oder?“

„Dessen bin ich mir bewusst. Aber ich muss jede freie Minute nutzen um mit meiner Arbeit voranzukommen. Ich nehme nie Urlaub. Ich arbeite das ganze Jahr durch.“

„Du bist ein richtiger Workaholic“, meinte Joey. „Weißt du überhaupt was Freizeit ist?“

Er zog sich um und legte sich ins Bett. Nach zehn Minuten schaltete Seto seinen Laptop aus und klappte ihn zu. Er verschwand ins Badezimmer und kam wenige Minuten später wieder zurück. Joey sah ihm beim Umziehen zu. Als Seto seinen Pulli auszog konnte Joey seinen Oberkörper sehen. Er war sehr schlank und hatte kaum Bauchmuskeln. Seto zog seine Schlafsachen an und machte das Licht aus. Dann kletterte er nach oben und legte sich auch hin. Joey stellte sich einen Wecker um nicht wieder zu verschlafen.
 

Das laute Klingeln des Weckers weckte den Blonden. Er schaltete ihn aus. Heute war Sonntag, der Tag der Abreise. Es war acht Uhr. Zeit zum Aufstehen. Joey setzte sich auf und streckte beide Arme nach oben. Kaiba saß mit dem Rücken zu ihm und packte seine Sachen in den Koffer. Nachdem Joey seine Klamotten angezogen hatte tat er dasselbe. Als er damit fertig war ging er rüber zu Zimmer 15 und klopfte an. Dann machte er die Tür auf und betrat das Zimmer. Yugi, Bakura, Tristan und Duke waren ebenfalls mit dem Kofferpacken beschäftigt. Tristan stöhnte. „Jetzt ist die Klassenfahrt vorbei. Nächste Woche müssen wir wieder in die Schule.“

„Nimm es nicht so schwer, Tristan“, sagte Yugi. „Es sind nur noch sechs Monate, dann ist unsere Schulzeit zu Ende.“

Tristan seufzte und ließ sich auf das Bett fallen. „Sechs Monate können sich wie eine Ewigkeit anfühlen, besonders wenn wir wieder mit den Lehrern und dem ganzen Stress konfrontiert werden.“

Duke nickte zustimmend. „Ich kann es kaum erwarten, endlich die Freiheit zu genießen. Aber bis dahin müssen wir durchhalten.“ Er schloss seinen Koffer und warf einen Blick auf die anderen. „Habt ihr alles?“

Bakura, der gerade seine letzten Sachen in den Koffer stopfte, grinste schelmisch. „Ich habe sogar ein paar Souvenirs aus dem Urlaub mitgebracht. Ihr werdet sie lieben!“

Yugi lächelte neugierig. „Was hast du denn gefunden?“

„Ein paar coole Karten aus einem kleinen Antiquitätenladen“, antwortete Bakura und hielt einige glänzende Karten hoch. „Ich dachte, sie könnten für euer nächstes Duell nützlich sein.“

Joey trat näher und betrachtete die Karten interessiert. „Wow, die sehen echt stark aus! Darf ich die haben?“

Bakura nickte. „Ich brauche die Karten nicht. Nimm sie ruhig.“

„Danke Bakura.“

„Aber zuerst müssen wir sicherstellen, dass wir alle rechtzeitig am Bus sind“, sagte Yugi.

Tristan setzte sich wieder auf und sah auf die Uhr. „Wir haben noch etwas Zeit, aber lasst uns nicht zu spät kommen. Ich will nicht riskieren, dass wir den Bus verpassen.“

Die Gruppe begann, ihre restlichen Sachen zusammenzupacken und sich gegenseitig zu helfen. Während sie arbeiteten, sprachen sie über die besten Momente der Klassenfahrt – die Abenteuer im Freizeitpark, das Lagerfeuer und die nächtlichen Gespräche.

Als sie schließlich fertig waren, schauten sie sich zufrieden an. „Das war eine unvergessliche Klassenfahrt“, sagte Yugi mit einem Lächeln.

„Ja, sie war der absolute Hammer“, stimmte Joey zu. „Und ich bin froh, dass wir all diese Erinnerungen zusammen gemacht haben.“

Mit einem letzten Blick auf das Zimmer verließen sie es gemeinsam.

In der Eingangshalle standen ihre Klassenkameraden. Tea redete gerade mit Risa, Kasumi und Mariko. In dem Moment kamen Kenzo und Hayato aus dem Speisesaal. Die beiden Jungs gingen zu Joey und den anderen. „Reist ihr etwa heute schon wieder ab?“

Joey nickte. „Schade, wir haben gehofft dass ihr länger hier bleibt“, sagte Hayato. „Macht euch keine Sorgen“, sagte Tristan. „Wir haben eure Nummer und ihr habt unsere. Irgendwann werden wir uns wieder sehen.“ Sie schlugen sich gegenseitig auf die Handflächen. Da kamen die beiden Lehrer. Herr Sato und Frau Watanabe überprüften ob wirklich alle Schüler da waren. Danach machten sie sich auf den Weg zum Bus. Kenzo und Hayato winkten ihnen hinterher. „Macht’s gut.“ Joey und seine Mitschüler winkten zurück. Sie schoben ihr Gepäck in den Laderaum und stiegen in den Bus.
 

Der Platz neben Kaiba war leer. Aber das machte ihm nichts aus. Er rief Roland an. „Wir fahren jetzt zurück nach Domino. Du kannst mich um 15 Uhr am Busparkplatz abholen.“ „Ja, Kaiba-sama. Hab verstanden.“ Er legte auf und verstaute sein Smartphone in seiner Manteltasche.

Joey boxte in die Luft. „Domino, wir kommen! Endlich wieder nach Hause!“

Die Aufregung in dem Bus war spürbar, als die Schüler sich auf den Rückweg nach Domino machten. Yugi lehnte sich zurück und schloss die Augen, während er an all die Abenteuer dachte, die sie während der Klassenfahrt erlebt hatten. „Ich kann es kaum erwarten, meiner Familie von den coolen Sachen zu erzählen, die wir gemacht haben“, sagte er mit einem breiten Grinsen.

„Und das Essen! Ich werde nie vergessen, wie viel Sushi wir gegessen haben“, fügte Joey hinzu und ließ sich in seinen Sitz fallen. „Das war einfach himmlisch!“

Tea lächelte und nickte zustimmend. „Es war nicht nur das Essen. Die Ausflüge waren auch großartig! Ich fand den Besuch im Museum am besten. So viele interessante Dinge zu sehen!“

Tristan, der hinter ihnen saß, mischte sich ein: „Ja, aber das Beste war doch das Lagerfeuer. Wir haben so viel gelacht und die Sterne beobachtet.“

„Stimmt! Und ich habe sogar einen Sternschnuppe gesehen“, rief Risa aus, die sich neben Kasumi gesetzt hatte. „Ich habe mir etwas gewünscht!“

„Was hast du dir gewünscht?“ fragte Mariko neugierig.

Risa grinste geheimnisvoll. „Das bleibt mein Geheimnis! Aber ich hoffe, dass es wahr wird.“

Währenddessen schaute Kaiba aus dem Fenster und schien in Gedanken versunken zu sein. Er hatte zwar nicht viel Interesse an den Aktivitäten seiner Mitschüler gezeigt, aber tief im Inneren wusste er, dass diese Erinnerungen für sie alle wichtig waren – auch wenn er es nicht zugeben wollte.

Sie kamen um 15 Uhr in Domino an. Der Bus rollte durch die vertrauten Straßen von Domino und bald schon sahen sie die ersten Anzeichen ihrer Heimatstadt. Joey sprang aufgeregt auf seinem Platz auf. „Wir sind fast da! Ich kann es kaum erwarten, meine Familie wiederzusehen!“

„Und ich freue mich darauf, meine Decks wieder auszupacken und ein paar Duelle zu veranstalten“, fügte Yugi hinzu.

Als der Bus schließlich vor dem Busparkplatz hielt, sprangen alle Schüler aufgeregt heraus und sammelten ihr Gepäck. „Wartet, ich möchte euch noch etwas sagen!“, rief Herr Sato. Alle drehten sich zu ihm um und hielten inne. „Ich hoffe ihr habt die Klassenfahrt genossen“, sagte Herr Sato. „Erholt euch gut, bis morgen!“

Da stand Rebecca mit ihrem Großvater Arthur Hawkins. Rebecca lief zu Yugi und fiel ihm um den Hals. „Yugi, ich hab dich so vermisst!"

„Es ist schön dich wieder zu sehen", sagte Arthur.

„Ich hab gute Nachrichten!", rief Rebecca. „Mein Großvater und ich sind nach Domino gezogen. Wir können uns also öfter sehen. Was ist los, Yugi? Freust du dich nicht?"

Der Bunthaarige lächelte. „Doch, natürlich freue ich mich, Rebecca. Kann ich mit dir unter vier Augen reden?“

Rebecca schaute Yugi neugierig an und nickte. „Klar, was gibt es denn?“ Als sie außer Hörweite waren sah Yugi sich um, um sicherzustellen, dass niemand lauschte. „Ich weiß dass du mich liebst, Rebecca", sagte er. „Aber ich bin nicht in dich verliebt."

Rebecca sah Yugi mit großen, enttäuschten Augen an. „Was meinst du damit? Wir haben so viele Abenteuer zusammen erlebt, ich dachte, wir hätten eine besondere Verbindung."

Yugi seufzte und schüttelte den Kopf. „Das stimmt, wir haben viel durchgemacht, und ich schätze dich wirklich als Freundin. Aber meine Gefühle für dich sind nicht romantischer Natur."

Rebecca senkte den Blick und spielte nervös mit ihren Haaren. „Ich verstehe… aber es tut weh, das zu hören. Ich wollte, dass wir mehr sind als nur Freunde."

Yugi trat einen Schritt näher und legte eine Hand auf ihre Schulter. „Es ist nicht so, dass ich dich nicht mag. Du bist stark und mutig, und ich bewundere dich sehr. Aber mein Herz gehört jemand anderem."

Ein kurzer Moment der Stille entstand zwischen ihnen, während Rebecca versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. „Wer ist es?", fragte sie.

Yugi zögerte einen Moment, bevor er antwortete: „Es ist Tea. Ich habe Gefühle für sie."

Rebecca nickte langsam, auch wenn ihr Herz schwer war. „Ich verstehe… Ich wünsche dir alles Gute mit ihr."

„Und ich hoffe, dass du jemanden findest, der deine Liebe erwidert", fügte Yugi hinzu und lächelte sanft.
 

Roland stand neben der Limousine und nahm ihm seinen Koffer ab. „Wie war die Klassenfahrt?“

„Akzeptabel“, antwortete Kaiba und stieg in die Limousine. Roland verstaute das Gepäck in den Kofferraum und setzte sich ans Steuer. Er startete den Motor. Die Limousine glitt sanft über die asphaltierte Straße, während Roland einen Blick in den Rückspiegel warf. Kaiba saß mit verschränkten Armen auf dem Rücksitz und starrte aus dem Fenster, als ob er die vorbeiziehende Landschaft nicht wirklich wahrnahm.

„Akzeptabel? Das klingt nicht gerade begeistert“, bemerkte Roland, während er an einer Ampel hielt. „Gab es keine besonderen Erlebnisse?“

Kaiba zuckte mit den Schultern. „Nichts, was mich wirklich beeindruckt hat. Das meiste war einfach nur Zeitverschwendung.“

Roland nickte verständnisvoll. „Sie sind immer noch der Gleiche, Kaiba. Immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung.“

„Das ist es, was mich antreibt“, erwiderte Kaiba kühl. „Ich habe keine Zeit für Ablenkungen.“

Die Limousine bog in eine ruhige Straße ein, und Roland spürte die angespannte Atmosphäre im Fahrzeug. „Was haben Sie nach der Rückkehr vor? Irgendwelche Pläne?“

„Ich werde an meinem neuen Projekt arbeiten“, antwortete Kaiba und wandte sich ihm zu. „Es wird die Spielwelt revolutionieren.“

Roland lächelte leicht. „Das klingt vielversprechend. Ich bin sicher, dass Sie wieder Großes erreichen werden.“

Kaiba nickte kurz und wandte sich dann wieder dem Fenster zu. Die Stadt zog vorbei, während die Gedanken des jungen Unternehmers bereits bei seinen nächsten Schritten waren – und bei den Herausforderungen, die noch vor ihm lagen.

„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche wollen Sie zuerst hören?“ Kaiba lehnte sich im Sitz zurück und überlegte kurz. „Gib mir die schlechte Nachricht zuerst“, sagte er schließlich mit einem gleichgültigen Tonfall.

Roland nickte. „Die schlechte Nachricht ist, dass wir ein wenig Verspätung haben. Es gab einen Stau.“

„Und die gute Nachricht?“, fragte Kaiba, ohne seine Miene zu verändern.

„Die gute Nachricht ist, dass wir trotzdem rechtzeitig ankommen sollten, wenn wir jetzt sofort losfahren“, antwortete Roland und warf einen Blick in den Rückspiegel.

Kaiba schloss die Augen für einen Moment und atmete tief durch. „Das wird nicht ausreichen, um meine Laune zu heben, aber es ist besser als nichts.“ Er öffnete die Augen wieder und sah aus dem Fenster. „Fahre einfach schnell.“
 

Bakura, Tristan, Tea und Duke waren schon weg. Auch ihre Klassenkameraden und Lehrer waren bereits gegangen. Nun waren nur noch Yugi und Joey übrig. „Ich muss zum Kame Game Shop“, sagte Yugi.

„Ich komm mit“, sagte Joey. Dort angekommen erwartete sie Yugis Großvater Solomon. „Hallo ihr zwei. Gut dass ihr da seid. Ihr könnt mir gleich beim Saubermachen helfen.“ Solomon und Yugi putzten die Regale und Theken während Joey den Boden wischte. Nach einer Weile waren die Regale blitzblank und der Boden glänzte. Yugi und Joey gingen nach oben in die Wohnung. Sie gingen ins Wohnzimmer. Yugi ging zum Laptop der auf dem Tisch stand und öffnete eine Seite. „Sieh mal, das ist die Website von der Kaiba Corporation.“ Joey hockte sich neben seinen besten Freund und guckte mit. Die Seite war in schlichtem Blau und Weiß gehalten. Yugi klickte auf Produkte. Es wurden alle Produkte angezeigt die die Kaiba Corporation entwickelt hatte. Es gab verschiedene Spiele und Werbeartikel.
 

Währenddessen war Kaiba im Kaiba Corp-Gebäude dabei, den letzten Test seines neuen Duel Disk-Systems durchzuführen. Er wird derjenige sein, der die neue Duelldisk testet. Die Duelldisk musste reibungslos funktionieren bevor er sie der Öffentlichkeit präsentierte.

Kaiba stand in seinem hochmodernen Labor im Kaiba Corp-Gebäude, umgeben von Bildschirmen und technischen Geräten. Er war fest entschlossen, sicherzustellen, dass sein neues Duel Disk-System die Erwartungen übertraf. Die letzten Anpassungen waren vorgenommen worden, und jetzt war es an der Zeit, die finale Testphase zu starten.

„Aktivierung des Systems“, befahl er mit fester Stimme. Die Duel Disk sprang zum Leben, und ein holografisches Interface erschien vor ihm. Die Lichter blinkten in verschiedenen Farben, während das System seine Funktionen durchlief.

„Lass uns sehen, ob du wirklich so gut bist, wie ich es mir erhoffe“, murmelte Kaiba und legte seine Karten auf das Spielfeld. Er wusste, dass jede Kleinigkeit stimmen musste – von der Geschwindigkeit der Kartenausgabe bis hin zur Genauigkeit der holografischen Projektionen.

Er führte einige Testduelle gegen simulierte Gegner durch, wobei er seine Strategien und Taktiken anpasste. Das System reagierte blitzschnell auf seine Befehle und lieferte beeindruckende Grafiken und Animationen. Doch Kaiba war nicht leicht zufriedenzustellen; er wollte Perfektion.

Nach mehreren Stunden intensiven Testens stellte er fest, dass es noch einige kleine Fehler gab – ein paar Verzögerungen hier und da. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte er zu sich selbst und begann sofort mit den Anpassungen.

Sein Ziel war klar: Diese Duel Disk sollte nicht nur die beste auf dem Markt sein, sondern auch die Konkurrenz in den Schatten stellen. Schließlich wollte er sicherstellen, dass jeder Duellant die gleiche Begeisterung für das Spiel verspürte wie er selbst.

„Ich werde nicht ruhen, bis alles perfekt ist“, schwor Kaiba entschlossen und machte sich daran, die letzten Feinheiten seines Meisterwerks zu optimieren.
 

„Wow, schau dir das an!“, sagte Joey begeistert und deutete auf ein neues Spiel, das gerade vorgestellt wurde. „Das sieht echt cool aus!“

Yugi nickte zustimmend. „Ja, es scheint ein neues Duellspiel zu sein. Ich habe gehört, dass sie die Technologie verbessert haben, um die Duelle noch spannender zu machen.“

Joey lehnte sich zurück und überlegte. „Meinst du, wir könnten es ausprobieren? Vielleicht können wir Kaiba überzeugen, uns eine Testversion zu geben!“

Yugi grinste. „Das wäre großartig! Aber ich glaube, wir müssen zuerst herausfinden, wie man ihn erreicht. Vielleicht sollten wir ihm eine Nachricht über die Website schicken.“

Joey klopfte auf den Tisch. „Gute Idee! Lass uns das machen!“ Gemeinsam begannen sie, eine Nachricht zu formulieren, in der sie ihr Interesse an dem neuen Spiel bekundeten und um eine Möglichkeit baten, es auszuprobieren.

Yugi und Joey setzten sich an den Laptop und begannen, ihre Nachricht zu tippen. Yugi übernahm das Schreiben, während Joey ihm ab und zu Vorschläge machte.

„Wie wäre es mit: ‚Sehr geehrter Kaiba, wir sind große Fans deiner Produkte und besonders interessiert an Ihrem neuesten Duellspiel. Wir würden uns sehr freuen, wenn du uns die Möglichkeit geben könntest, eine Testversion auszuprobieren.“

Joey nickte begeistert. „Ja, genau! Und vielleicht sollten wir auch erwähnen, dass wir schon viele Duelle gegeneinander gespielt haben und viel Erfahrung mit Ihren Spielen haben.“

Yugi fügte hinzu: „Das ist eine gute Idee! Ich schreibe noch etwas über unsere bisherigen Erfolge im Duellieren. Das könnte ihn überzeugen!“

Nachdem sie die Nachricht fertiggestellt hatten, lasen sie sie noch einmal durch. „Perfekt! Jetzt müssen wir nur noch auf ‚Absenden‘ klicken“, sagte Yugi nervös.

„Mach es einfach! Was kann schon schiefgehen?“, ermutigte Joey ihn.

Mit einem letzten Blick auf den Bildschirm klickte Yugi auf den Button. „Gesendet! Jetzt heißt es warten.“

Joey lehnte sich zurück und seufzte zufrieden. „Ich kann es kaum erwarten, von ihm zu hören! Stell dir vor, wir könnten das Spiel als Erste ausprobieren!“

Yugi lächelte optimistisch. „Ja, das wäre ein Traum! Lass uns in der Zwischenzeit weiter üben und unsere Decks verbessern.“

Die beiden Freunde verbrachten den Rest des Nachmittags damit, ihre Karten zu sortieren und Strategien für zukünftige Duelle zu entwickeln – in der Hoffnung, dass ihre Nachricht bald eine Antwort bringen würde.

Ein paar Tage vergingen, und Yugi und Joey waren in der Zwischenzeit mit ihren Duellen beschäftigt. Sie hatten ihre Decks optimiert und neue Strategien entwickelt, doch immer wieder schielten sie auf den Laptop, in der Hoffnung, eine Antwort von Kaiba zu erhalten.

Eines Nachmittags, als sie gerade ein spannendes Duell spielten, ertönte plötzlich das Geräusch einer eingehenden Nachricht. Yugi sprang auf und rannte zum Laptop. „Das könnte die Antwort sein!“

Joey folgte ihm schnell und beide starrten gebannt auf den Bildschirm. Yugi öffnete die Nachricht und las laut vor: „Sehr geehrte Herren, vielen Dank für Ihr Interesse an unserem neuen Duellspiel. Ich schätze Ihre Begeisterung und Ihre Erfahrung im Duellieren. Ich lade Sie ein, an einer exklusiven Testveranstaltung teilzunehmen.“

„Wow! Das ist es!“ rief Joey begeistert. „Wir dürfen das Spiel ausprobieren!“

Yugi konnte sein Glück kaum fassen. „Das ist unglaublich! Aber warte mal… hier steht auch, dass wir uns am Freitag um 15 Uhr in der Kaiba Corporation treffen sollen.“

„Freitag? Das ist ja schon bald!“ sagte Joey aufgeregt. „Was müssen wir mitbringen?“

Yugi scannte die Nachricht weiter und entdeckte einen Abschnitt über die benötigten Materialien. „Es steht hier, dass wir unsere eigenen Decks mitbringen sollen. Und wir müssen pünktlich sein!“

„Kein Problem! Wir werden rechtzeitig da sein“, versprach Joey entschlossen. „Lass uns bis dahin noch mehr üben!“

Die beiden Freunde verbrachten die nächsten Tage damit, sich intensiv auf die Testveranstaltung vorzubereiten. Sie analysierten ihre Karten, übten verschiedene Kombinationen und diskutierten Strategien.

Am Freitag war es endlich so weit. Aufgeregt machten sich Yugi und Joey auf den Weg zur Kaiba Corporation. Als sie das imposante Gebäude erreichten, konnten sie kaum glauben, dass sie tatsächlich hier waren.

„Bist du bereit?“, fragte Yugi nervös.

„Klar! Lass uns zeigen, was wir draufhaben!“ antwortete Joey mit einem breiten Grinsen.

Mit klopfendem Herzen betraten sie das Gebäude und wurden von einem Mitarbeiter empfangen, der sie zu dem Raum führte, in dem die Testveranstaltung stattfinden sollte. Dort warteten bereits andere Duell-Enthusiasten, die ebenfalls aufgeregt über ihre Decks diskutierten. Yugi und Joey schauten sich um und bemerkten, dass einige bekannte Gesichter unter den Teilnehmern waren – andere Duellanten, die sie aus Turnieren kannten.

„Wow, schau dir das an! Es sind wirklich viele Leute hier“, flüsterte Joey. „Das wird spannend!“

Yugi nickte und fühlte sich gleichzeitig nervös und aufgeregt. „Ja, aber wir müssen unser Bestes geben. Schließlich haben wir die Chance, etwas Einzigartiges auszuprobieren.“

Ein Mitarbeiter der Kaiba Corporation trat vor und stellte sich vor. „Willkommen zur Testveranstaltung des neuen Duellspiels! Ich bin Hikari, und ich werde Sie durch den heutigen Tag führen. Zuerst werden wir Ihnen das Spiel vorstellen und dann in Gruppen duellieren.“

Die Teilnehmer hörten aufmerksam zu, während Hikari die neuen Funktionen des Spiels erklärte. Es gab innovative Mechaniken, die das Duellieren noch strategischer machten, sowie neue Karten mit aufregenden Fähigkeiten.

„Das klingt fantastisch!“, murmelte Joey begeistert. „Ich kann es kaum erwarten, das auszuprobieren!“

Nach der Präsentation wurden die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt. Yugi und Joey fanden sich in einer Gruppe mit anderen talentierten Duellanten wieder. Die ersten Duelle begannen, und Yugi konnte seine Aufregung kaum zügeln.

Als es endlich an der Zeit war, dass Yugi gegen einen anderen Spieler antreten sollte, stellte er sein Deck bereit und atmete tief durch. „Ich bin bereit! Lass uns zeigen, was wir können!“

Joey beobachtete gespannt von der Seitenlinie aus und feuert seinen Freund an: „Du schaffst das, Yugi! Denk an deine Strategien!“

Das Duell begann, und Yugi setzte seine Karten geschickt ein. Er nutzte seine Erfahrung und sein Wissen über die Stärken seiner Monsterkarten, um seinen Gegner zu überlisten. Nach einem spannenden Schlagabtausch gelang es ihm schließlich, den entscheidenden Sieg zu erringen.

„Ja! Ich habe gewonnen!“ rief Yugi jubelnd.

Joey sprang auf und klatschte begeistert in die Hände. „Super gemacht! Jetzt bin ich dran!“

Die nächsten Runden verliefen ähnlich spannend – sowohl Yugi als auch Joey zeigten ihr Können und gewannen ihre Duelle mit beeindruckenden Strategien und cleveren Zügen. Die Atmosphäre war elektrisierend, und die Zuschauer feuerten die Duellanten lautstark an.

Nach einigen Runden war es schließlich an der Zeit für das große Finale der Testveranstaltung. Yugi und Joey hatten sich bis hierher durchgekämpft und standen nun vor der Möglichkeit, gegen die besten Spieler des Tages anzutreten. Yugi fühlte sich aufgeregt, aber auch ein wenig nervös. „Das wird unser größtes Duell bisher“, sagte er zu Joey.

„Ja, aber wir haben hart trainiert! Wir können das schaffen!“, antwortete Joey mit einem breiten Grinsen. „Lass uns einfach unser Bestes geben!“

Die Finalrunde begann, und Yugi trat gegen einen talentierten Duellanten an, den er aus früheren Turnieren kannte. Der Gegner hatte ein starkes Deck und eine beeindruckende Strategie, was das Duell besonders herausfordernd machte.

Yugi konzentrierte sich und analysierte die Züge seines Gegners genau. Er wusste, dass er seine Karten weise einsetzen musste, um nicht in eine Falle zu tappen. Mit jedem Zug wuchs die Spannung im Raum, während die Zuschauer gebannt zusahen.

„Ich setze mein stärkstes Monster ein!“, rief Yugi, als er seine Karte auf den Tisch legte. Das Publikum jubelte begeistert.

Doch sein Gegner konterte geschickt mit einer unerwarteten Kombination von Zauberkarten. „Du bist gut, Yugi! Aber ich werde dich nicht so leicht gewinnen lassen!“

Yugi spürte den Druck, doch er ließ sich nicht entmutigen. Er erinnerte sich an all die Stunden des Trainings mit Joey und all den Lektionen, die er von seinen Freunden gelernt hatte. Mit einem strategischen Zug gelang es ihm schließlich, das Blatt zu wenden.

„Jetzt ist der Moment gekommen! Ich aktiviere meine Spezialfähigkeit!“ rief Yugi triumphierend aus.

Das Duell erreichte seinen Höhepunkt, als Yugi den entscheidenden Schlag landete und sein Gegner besiegte. „Ich habe gewonnen!“ rief er voller Freude.

Das Publikum brach in Applaus aus, und Joey sprang auf und umarmte ihn begeistert. „Du hast es geschafft! Das war unglaublich!“

Hikari trat vor und gratulierte Yugi zu seinem Sieg. „Herzlichen Glückwunsch, Yugi! Du hast nicht nur das Duell gewonnen, sondern auch bewiesen, dass du ein wahrer Meister des Spiels bist. Deine Strategien und dein Können haben alle beeindruckt.“

Yugi lächelte bescheiden und bedankte sich. „Es war ein harter Kampf, aber ich hätte es nicht ohne die Unterstützung meiner Freunde geschafft.“ Er schaute zu Joey, der immer noch voller Begeisterung war.

„Das war einfach episch!“, rief Joey aus. „Ich wusste, dass du es schaffen würdest!“

Hikari wandte sich an die gesamte Gruppe und sagte: „Wir sind sehr stolz auf alle Teilnehmer heute. Jeder von Ihnen hat großartige Leistungen gezeigt. Um den Tag abzurunden, möchten wir jedem von Ihnen eine exklusive Testversion des neuen Duellspiels überreichen.“

Die Menge jubelte erneut, als jeder Teilnehmer seine spezielle Edition des Spiels erhielt. Yugi und Joey konnten ihr Glück kaum fassen.

„Das ist fantastisch! Wir können es kaum erwarten, das Spiel zu Hause auszuprobieren!“, sagte Joey begeistert.

„Ja, und wir werden weiterhin an unseren Decks arbeiten und neue Strategien entwickeln“, fügte Yugi hinzu.

Nachdem die Veranstaltung offiziell beendet war, hatten die beiden Freunde noch die Gelegenheit, mit anderen Duellanten zu plaudern und ihre Erfahrungen auszutauschen. Sie sprachen über ihre Lieblingskarten und diskutierten verschiedene Taktiken.

Als sie schließlich das Gebäude verließen, fühlten sich Yugi und Joey erfüllt von der Aufregung des Tages. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, sagte Yugi mit einem breiten Lächeln.

„Definitiv! Und jetzt sind wir bereit für alles, was als Nächstes kommt“, antwortete Joey optimistisch. Auf einmal tauchte Kaiba auf. „Was macht ihr denn hier?“ „Weißt du das denn nicht?“, fragte der König der Spiele zurück. „Wir haben dir eine Nachricht geschickt.“ „Die Nachrichten beantworte ich nicht“, entgegnete der Brünette. „Das macht ein Mitarbeiter von mir.“ „Wir haben an einer exklusiven Testveranstaltung teilgenommen“, sagte Joey. Yugi strahlte. „Und ich habe gewonnen!“ Kaiba grinste spöttisch. „Genieße den Sieg solange du kannst, Yugi. Denn das wird dein letzter sein.“ „Was meinst du damit, Kaiba?“, fragte Yugi. Statt zu antworten ging Kaiba weiter. „He, komm zurück!“, rief Joey ihm nach. „Yugi hat dich etwas gefragt!“ Er rannte hinter Kaiba her und packte seinen Arm. „Bleib stehen!“ Der Firmenchef riss sich los. „Fass mich nicht an, du dreckiger Köter!“ Er wischte über seinen linken Ärmel, als müsse er die Stelle säubern, die Joey berührt hatte, und ging ins Gebäude rein. Joey kam zu seinem besten Freund zurück. „Kaiba kann einen echt wahnsinnig machen.“ „Du wirst ihn nicht ändern können“, sagte Yugi. Mit ihren neuen Testversionen in der Hand machten sich die beiden Freunde auf den Weg nach Hause.
 

„Es kommen kaum noch Kunden in meinen Spieleladen“, sagte Solomon. „Wenn das so weitergeht muss ich meinen Laden schließen.“ Joey schaute sich um. „Das liegt vielleicht daran dass Sie altmodische Spiele verkaufen für die sich niemand mehr interessiert.“ „Das kann ich nicht bestätigen“, entgegnete Solomon. „Es gibt viele Leute die alte Spiele lieben.“ „Ich würde vorschlagen dass Sie Ihr Sortiment erweitern, Herr Muto“, sagte Joey. „Und neue Spiele in Ihr Sortiment aufnehmen.“ „Meinst du dass das was bringt?“, fragte der alte Mann. Joey war zuversichtlich. „Aber klar doch! Man muss mit der Zeit gehen.“ „Habt ihr sonst noch weitere Ideen wie wir mehr Kunden anlocken können?“, fragte Solomon. „Wir könnten Flyer drucken und sie in der Stadt verteilen“, sagte Yugi. „Oder einen Werbespot drehen“, schlug Joey vor. „Ja das hört sich gut an“, meinte Solomon. „Lass uns einen Werbespot drehen.“ „Super Idee, Joey!“, sagte Yugi begeistert. „Wir könnten ein paar coole Szenen mit unseren Lieblingsspielen drehen und die besten Momente festhalten.“ „Und wir sollten auch ein paar unserer Kunden einbeziehen“, fügte Solomon hinzu. „Vielleicht können sie ihre Lieblingsspiele vorstellen und erzählen, warum sie gerne in den Laden kommen.“ „Das klingt nach einem Plan!“, rief Joey. „Wir könnten auch ein Gewinnspiel im Werbespot ankündigen, um die Leute noch mehr zu motivieren, vorbeizukommen.“ „Genau!“, stimmte Yugi zu. „Wir könnten einen Preis ausloben, wie zum Beispiel ein neues Spiel oder einen Gutschein für den Laden.“ „Ich kann die Kamera leihen und das Ganze filmen“, schlug Solomon vor. „Lasst uns gleich morgen damit anfangen!“ Die drei waren voller Energie und Ideen, um ihren Spieleladen wieder zum Leben zu erwecken. Sie wussten, dass es eine Menge Arbeit sein würde, aber sie waren bereit, alles zu geben, um mehr Kunden anzulocken.
 

Am nächsten Tag trafen sich Yugi, Joey und Solomon früh im Spieleladen, um mit den Vorbereitungen für den Werbespot zu beginnen. Sie hatten eine Liste von Spielen zusammengestellt, die sie vorstellen wollten, und überlegten sich kreative Szenen, die sie drehen könnten.

„Wir sollten mit einem coolen Intro anfangen“, schlug Yugi vor. „Vielleicht können wir ein paar spannende Spielszenen zeigen, während wir die besten Momente aus unseren Lieblingsspielen präsentieren.“

„Ja! Und ich kann ein paar coole Effekte hinzufügen, um es noch aufregender zu machen“, sagte Joey begeistert. „Wir könnten auch ein paar lustige Outtakes einfügen, um zu zeigen, dass wir Spaß haben.“

Solomon nickte zustimmend. „Das wird großartig! Und vergesst nicht, unsere Kunden einzubeziehen. Wir sollten sie fragen, ob sie bereit sind, vor der Kamera zu sprechen.“

Die drei machten sich daran, ihre Kunden anzusprechen und einige von ihnen waren sofort begeistert von der Idee. Einige brachten sogar ihre eigenen Spiele mit und erzählten leidenschaftlich von ihren Erfahrungen im Laden.

Als sie schließlich mit dem Filmen begannen, stellte sich heraus, dass es viel mehr Spaß machte als erwartet. Die Atmosphäre war locker und fröhlich, und alle hatten viel zu lachen. Solomon filmte alles mit der geliehenen Kamera und sorgte dafür, dass jeder in die besten Lichtverhältnisse gerückt wurde.

Nach einem langen Tag voller Dreharbeiten setzten sie sich zusammen, um das Material zu sichten. „Wow! Das sieht echt gut aus!“, rief Yugi begeistert. „Ich kann es kaum erwarten, das Video zu schneiden und es online zu teilen.“

„Und vergiss nicht das Gewinnspiel!“, erinnerte Joey ihn. „Wir sollten einen klaren Aufruf zur Teilnahme im Video haben.“

„Genau! Lass uns auch einen Hashtag erstellen“, fügte Solomon hinzu. „So können die Leute ihre eigenen Erlebnisse mit unserem Laden teilen.“

Mit all diesen Ideen im Kopf arbeiteten sie bis spät in die Nacht an ihrem Projekt. Als der Werbespot schließlich fertig war, waren sie stolz auf das Ergebnis. Sie luden das Video auf sozialen Medien hoch und schickten es an ihre Freunde und Kunden.

In den folgenden Tagen bemerkten sie einen Anstieg der Kunden im Laden. Viele Menschen kamen vorbei, um die Spiele zu kaufen, die sie im Werbespot gesehen hatten. Die Begeisterung war spürbar, und die Kunden schienen sich wirklich für die Spiele zu interessieren, die im Werbespot vorgestellt wurden.

„Schau dir das an!“, rief Yugi, während er auf die Verkaufszahlen schaute. „Wir haben heute schon mehr verkauft als in der ganzen letzten Woche!“

„Das ist fantastisch!“, jubelte Joey. „Ich wusste, dass unser Plan funktionieren würde!“

Solomon lächelte stolz. „Es zeigt, wie wichtig es ist, mit unseren Kunden zu interagieren und ihnen zu zeigen, dass wir Spaß an dem haben, was wir tun.“

Die drei beschlossen, das Momentum zu nutzen und weitere Aktionen zu planen. Sie überlegten sich regelmäßige Events im Laden, wie Turniere oder Spieleabende, um die Community weiter einzubinden.

„Wir könnten einen monatlichen Spieleabend veranstalten“, schlug Yugi vor. „Jeder kann sein Lieblingsspiel mitbringen und wir können Preise für die Gewinner ausloben.“

„Das klingt super! Und wir sollten auch Snacks und Getränke anbieten“, fügte Joey hinzu. „Das macht es noch einladender.“

Die Ideen sprudelten nur so aus ihnen heraus, und sie waren begeistert von den Möglichkeiten. Mit jedem neuen Vorschlag wuchs ihre Zuversicht, dass sie ihren Spieleladen nicht nur retten, sondern ihn auch zu einem beliebten Treffpunkt für Gamer machen konnten.
 

In den folgenden Wochen setzten sie ihre Pläne in die Tat um. Der erste Spieleabend war ein voller Erfolg – der Laden war voll mit alten und neuen Gesichtern, alle vereint durch ihre Liebe zu Spielen. Die Atmosphäre war lebhaft und freundlich, und viele Teilnehmer äußerten den Wunsch nach einer Wiederholung. Plötzlich hörten sie ein Motorrad. Yugi und Joey gingen mit Solomon nach draußen. Vier Jungs stiegen von ihren Motorrädern und kamen auf sie zu. Sie waren mit Baseballschlägern bewaffnet.

Yugi und Joey tauschten besorgte Blicke aus, während Solomon sich schützend vor die beiden stellte. Die vier Jungs grinsten hämisch und schwenkten ihre Schläger.

„Was wollt ihr hier?“, fragte Solomon mit fester Stimme, obwohl er innerlich nervös war.

Einer der Jungs, mit ärmelloser Lederweste und Sonnenbrille, trat vor. „Wir haben gehört, dass hier ein paar Spiele gespielt werden. Wir dachten, wir könnten ein bisschen Spaß haben – auf unsere Art.“

Yugi spürte, wie sein Herz schneller schlug. „Wir wollen hier nur spielen und Spaß haben! Wir wollen keinen Ärger! Es gibt keinen Grund für Gewalt!“

Der Anführer lachte höhnisch. „Spielen? Das klingt langweilig. Wir werden euch zeigen, was es heißt, wirklich Spaß zu haben.“

Joey ballte die Fäuste und trat einen Schritt nach vorne. „Eure Drohungen machen uns keine Angst. Wenn ihr denkt, dass ihr uns so einfach einschüchtern könnt, habt ihr euch geschnitten!“

Solomon hob die Hand und versuchte zu vermitteln. „Lasst uns das friedlich klären. Es gibt keinen Grund für Gewalt. Wir können alle zusammen spielen.“

Die Situation war angespannt. Yugi wusste, dass sie schnell handeln mussten bevor es zu spät war. Plötzlich hatte er eine Idee. „Wie wäre es mit einem Duell? Wenn wir gewinnen, lasst ihr uns in Ruhe! Wenn ihr gewinnt… nun ja, dann machen wir das, was ihr wollt.“

Die Jungs sahen sich an und schienen überrascht von Yugis Vorschlag. Der Anführer überlegte kurz und grinste dann breit. „Ein Duell? Nein ich habe eine viel bessere Idee.“

„Verwüstet den Laden! Macht alles kaputt!“ Yugi, Joey und Solomon waren schockiert von der plötzlichen Wendung der Ereignisse. „Nein! Wartet!“ rief Yugi, aber es war zu spät. Die vier Jungs stürmten in den Raum, während das Geschrei der anderen Teilnehmer des Spieleabends die Luft erfüllte. „Wir müssen sie aufhalten!“, rief Joey und sprintete hinterher. Yugi zögerte einen Moment, dann folgte er seinem Freund. Solomon blieb zurück, um die anderen zu schützen und sicherzustellen, dass niemand verletzt wurde. Drinnen sahen sie, wie die Jungs Tische umwarfen und Karten auf den Boden schleuderten. „Hört auf!“, schrie Yugi verzweifelt. Doch die Angreifer lachten nur und machten weiter mit ihrem Zerstörungswerk. „Wenn ihr wirklich Spaß haben wollt, dann spielt gegen uns!“, rief Joey herausfordernd. Der Anführer drehte sich um und sah Joey an. „Wir haben keine Lust auf eure langweiligen Kartenspiele.“ Er wandte sich wieder seinen Kumpanen zu und befahl: „Zerschlagt alles!“

Yugi, sein Großvater, Joey und die anderen Leute sahen entsetzt zu wie die Jungs alles kaputt machten. „Das kann nicht wahr sein!“, sagte Yugi, während er die Zerstörung um sich herum beobachtete. „Wir müssen etwas unternehmen!“
 

Kaiba saß im Wohnzimmer auf dem Sofa und schaute sich Fotos von seinen Eltern an. Seine Mutter starb als Mokuba geboren wurde und sein Vater starb bei einem Unfall, als Kaiba acht war. Eigentlich hätten sie danach bei ihren Verwandten leben sollen doch sie wollten die Brüder nicht aufnehmen und steckten sie ins Waisenhaus. Kaiba fühlte sich in diesem Moment von einer tiefen Traurigkeit ergriffen. Die Bilder seiner Eltern waren die einzigen Erinnerungen, die ihm geblieben waren, und sie erinnerten ihn an die Liebe und Geborgenheit, die er nie wirklich erfahren hatte. Mokuba war das Einzige, was ihm blieb, und er hatte geschworen, ihn zu beschützen und ihm ein besseres Leben zu bieten. Während er durch die Fotos blätterte, dachte Kaiba darüber nach, wie anders sein Leben hätte verlaufen können. Er stellte sich vor, wie es gewesen wäre, wenn seine Eltern noch gelebt hätten – gemeinsame Ausflüge, Geburtstagsfeiern und einfach nur das Gefühl von Familie. Stattdessen hatten sie in einem Waisenhaus gelebt.

Kaiba schloss die Augen und ließ die Erinnerungen an das Waisenhaus in seinen Gedanken aufsteigen. Die kalten, grauen Wände, die Gesichter der Erzieher und die ständige Unsicherheit, ob sie jemals adoptiert werden würden. Er erinnerte sich an die Nächte, in denen er Mokuba in den Arm nahm, um ihm Trost zu spenden, während sie beide von einer besseren Zukunft träumten. Er wusste nicht mal auf welchem Friedhof seine Eltern begraben waren und würde das gerne herausfinden. Kaiba hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, mehr über seine Vergangenheit zu erfahren. Die Erinnerungen an seine Eltern waren vage und verschwommen, und die Fragen, die ihn quälten, wurden immer drängender. Das Waisenhaus war der einzige Ort, an dem er vielleicht Antworten finden konnte. Gleich morgen Vormittag würde er zum Waisenhaus gehen.
 

Der Spieleladen war vollkommen verwüstet. Die Spiele lagen auf dem Boden und die Fenster waren kaputt. Die Tische und Stühle waren umgeworfen. Solomon war außer sich. „Was habt ihr nur angerichtet!“ Ehe sie sich versahen waren sie von den vier Jungs umzingelt. „Jetzt seid ihr dran. Wen von euch sollen wir als Erstes vornehmen?“ „Nimm den alten Mann“, sagte einer von ihnen. Einer der Jungs schwang den Schläger nach Solomon und traf ihn am Kopf. Solomon fiel um. „Großvater!“, schrie Yugi. Er und Joey stellten sich vor Solomon um ihn zu verteidigen. „Lasst ihn in Ruhe!“ Die Jungs brachen in Gelächter aus. „Wer will uns denn aufhalten? Etwa ihr? Ach, ihr wollt es auf die harte Tour. Na schön, ihr habt es nicht anders gewollt.“ Doch bevor sie mit den Schlägern zuschlagen konnten, kamen vier Polizisten herbeigeeilt. „Scheiße, die Bullen!“ Die Jungs ergriffen sofort die Flucht. Zwei der Polizisten nahmen sofort die Verfolgung auf während der dritte Polizist Verstärkung rief. Der vierte Polizist stand bei Yugi und Joey. „Was genau ist passiert?“ Yugi atmete tief durch, um sich zu sammeln. „Diese Jungs haben alles kaputtgemacht! Sie haben meinen Großvater angegriffen!“ Er zeigte auf Solomon, der noch am Boden lag und sich den Kopf hielt. Joey nickte zustimmend. „Ja, sie waren total aggressiv! Wir konnten nichts tun, um sie aufzuhalten.“ Er kniete sich neben Yugi und sah besorgt aus. „Wir müssen ihm helfen!“

Der Polizist kniete sich neben Solomon und überprüfte seinen Zustand. „Bleiben Sie ruhig. Hilfe ist auf dem Weg.“ Er zog sein Funkgerät hervor. „Ich rufe einen Krankenwagen. Bleibt ruhig, wir kümmern uns um die Situation.“ Während er sprach, schaute er sich um und bemerkte das Chaos im Laden. „Könnt ihr mir eine Beschreibung der Angreifer geben? Wie viele waren es?“

„Es waren vier Jungs“, sagte Yugi schnell. „Sie sahen aus wie Gangmitglieder – alle schwarz gekleidet. Sie hatten Schläger dabei und zögerten nicht, Gewalt anzuwenden.“

Der Polizist machte sich Notizen, während Yugi und Joey versuchten, ihren Großvater aufzuhelfen. Solomon stöhnte leise, aber er war nicht bei Bewusstsein.

„Wir werden alles tun, um diese Jungs zu finden. Ihr habt gut reagiert, indem ihr euch für euren Großvater eingesetzt habt. Aber denkt daran, dass es wichtig ist, in solchen Situationen die Polizei zu rufen, bevor es zu einer Eskalation kommt.“

Yugi fühlte sich erleichtert; Hilfe war unterwegs. Doch gleichzeitig war er wütend auf die Angreifer. „Wir müssen sicherstellen, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er mit fester Stimme.

„Das werden wir“, antwortete der Polizist und sah ernst aus. „Wir nehmen eure Aussagen auf und stellen sicher, dass diese Jungs nicht ungestraft davonkommen.“

Nach wenigen Minuten traf der Krankenwagen ein, und die Sanitäter eilten herbei, um Solomon zu versorgen. Yugi fühlte sich hilflos, während er zusah, wie sein Großvater behandelt wurde. Einer der Teilnehmer, ein junger Mann mischte sich ein. "Ich kenne diese Typen. Die haben immer Baseballschläger dabei. Mit ihren Baseballschlägern haben die sich schon in unserem Viertel Respekt verschafft. Und jetzt sieht das so aus, als wollten sie ihren Einflussbereich ein bisschen vergrößern."

Der Polizist nickte, während er die Informationen aufnahm. „Das ist wichtig, danke. Wenn du mehr über sie weißt, wäre es hilfreich, wenn du uns das später sagen könntest.“ Er wandte sich dann an Yugi und Joey. „Habt ihr irgendwelche spezifischen Merkmale bemerkt? Tattoos, besondere Kleidung oder etwas anderes?“

Yugi überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Es war alles so schnell… Ich kann mich nicht an Details erinnern. Aber ich weiß, dass einer von ihnen ein auffälliges Tattoo auf dem Arm hatte – ein Drachen oder so.“

„Gut, das ist schon mal ein Anfang“, sagte der Polizist und machte sich wieder Notizen. Die Sanitäter hatten inzwischen Solomon stabilisiert und bereiteten ihn für den Transport ins Krankenhaus vor.

„Wir müssen mit ihm sprechen, sobald er wieder bei Bewusstsein ist“, fügte der Polizist hinzu. „Er könnte wichtige Informationen haben.“

Joey war besorgt. „Was ist mit Yugis Opa? Wird es ihm gut gehen?“

„Die Sanitäter tun ihr Bestes“, beruhigte ihn der Polizist. „Aber wir müssen auch sicherstellen, dass die Angreifer gefasst werden, bevor sie noch mehr Unheil anrichten können.“

In diesem Moment hörten sie das Geräusch von weiteren Sirenen und sahen mehrere Polizeiwagen am Straßenrand halten. Beamte stiegen aus und begannen sofort, den Bereich abzusperren und nach Zeugen zu suchen.

Der Polizist drehte sich zu dem jungen Mann um und fragte: „Könnten Sie uns mehr über diese Gruppe erzählen? Haben Sie ihre Namen oder andere Informationen, die uns helfen könnten?“

Der junge Mann nickte. „Ja, ich habe sie schon ein paar Mal gesehen. Sie nennen sich selbst die ‚Schwarzen Schatten‘. Sie sind in letzter Zeit ziemlich aktiv geworden und haben viele in der Umgebung eingeschüchtert. Ich habe gehört, dass sie versuchen, die Stadt zu kontrollieren.“

Yugi hörte aufmerksam zu und spürte, wie sich seine Wut verstärkte. „Wir können nicht zulassen, dass sie so weitermachen!“

„Richtig“, stimmte Joey zu. „Wir müssen etwas unternehmen!“

Der Polizist sah die beiden Jungen ernst an. „Ich verstehe euren Zorn, aber es ist wichtig, dass ihr euch nicht selbst in Gefahr bringt. Lasst die Polizei die Ermittlungen durchführen. Wir haben spezielle Einheiten, die mit solchen Gangs umgehen können.“

„Was können wir tun?“, fragte Yugi den Polizisten.

„Bleibt in Kontakt mit uns“, antwortete der Beamte. „Wenn ihr weitere Informationen habt oder etwas Verdächtiges seht, ruft sofort an. Und wenn ihr euch sicher fühlt, könnt ihr auch zur Wache kommen und eure Aussagen schriftlich festhalten.“

Als die Beamten gegangen waren sagte Yugi zu den Teilnehmern des Spieleabends: „Es ist wohl das Beste wenn ihr nach Hause geht.“ Die Teilnehmer des Spieleabends waren sichtlich betroffen von dem, was gerade geschehen war. Sie konnten nicht fassen, dass ihr geliebter Spieleladen so verwüstet worden war. „Ich kann nicht glauben, dass das passiert ist“, murmelte Joey und sah auf die zerbrochenen Spiele und die umgestürzten Möbel.

Yugi wandte sich an die anderen. „Vielleicht können wir eine Spendenaktion starten, um den Schaden im Laden zu reparieren?“

Einige der Teilnehmer nickten begeistert. „Das ist eine großartige Idee! Wir sollten auch Flyer drucken und in der Nachbarschaft verteilen, um mehr Leute zu erreichen“, schlug ein Mädchen vor.

„Aber was ist mit dem Laden?“, fragte Joey. „Wir können nicht einfach alles so lassen!“

Yugi nickte zustimmend. „Das stimmt, wir müssen etwas unternehmen. Das hier darf nicht einfach so stehen bleiben. Aber wir müssen auch sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind. Wir sollten die Polizei unterstützen und dann überlegen, wie wir den Laden wieder aufbauen können.“

Einige der anderen Teilnehmer stimmten zu und boten ihre Hilfe an. „Wir könnten sogar einen Aufräumtag organisieren“, schlug einer vor.

„Das ist eine großartige Idee!“, sagte Yugi. „Gemeinsam können wir das schaffen.“

Während sie sprachen, halfen einige der Teilnehmer bereits dabei, die Trümmer aufzusammeln und die beschädigten Spiele zu sortieren. Yugi fühlte sich erleichtert, dass trotz des Chaos so viele bereit waren zu helfen.

„Lasst uns zusammenarbeiten und diesen Ort wieder aufbauen“, rief er motiviert. „Wir werden nicht zulassen, dass diese Jungs unseren Spaß verderben!“

"Wir könnten ein Turnier organisieren", sagte eine Frau. Die anderen fanden die Idee gut.

Yugi überlegte kurz und nickte dann zustimmend. „Ein Turnier wäre eine großartige Möglichkeit, um die Gemeinschaft zusammenzubringen und den Spaß am Spielen zurückzubringen! Außerdem können wir damit zeigen, dass wir uns nicht von solchen Vorfällen unterkriegen lassen.“

Joey klatschte in die Hände. „Ja! Lass uns ein großes Turnier organisieren! Wir könnten Preise ausloben und vielleicht sogar ein paar Sponsoren finden! Und vielleicht können wir die Jungs, die den Laden verwüstet haben, mit einem Duell herausfordern. Wenn sie verlieren, müssen sie sich entschuldigen und für den Schaden aufkommen!“

Die Teilnehmer des ersten Spieleabends waren begeistert von der Idee. Sie begannen sofort, Pläne zu schmieden. Einige überlegten sich, welche Spiele sie anbieten könnten, während andere darüber nachdachten, wie sie das Event bewerben könnten.

„Wir sollten auch einen Sicherheitsdienst engagieren“, schlug einer der Teilnehmer vor. „Damit so etwas nicht noch einmal passiert.“

Yugi nickte zustimmend. „Das ist wichtig. Wir wollen sicherstellen, dass alle sich wohlfühlen und Spaß haben können.“

Die Gruppe begann, eine Liste mit Aufgaben zu erstellen: Wer würde die Flyer entwerfen? Wer würde sich um die Anmeldung kümmern? Und wer könnte helfen, den Laden für das Turnier vorzubereiten?

Während sie arbeiteten, spürten sie eine neue Energie in der Luft – die Vorfreude auf das bevorstehende Turnier und die Hoffnung, dass es ein Erfolg werden würde. Yugi fühlte sich optimistisch. Vielleicht konnte dieses Ereignis nicht nur den Spieleladen retten, sondern auch die Freundschaften stärken und die Gemeinschaft näher zusammenbringen.

Solomons Zustand war ernst, aber er hatte immer gesagt, dass Duel Monsters mehr als nur ein Spiel sei – es sei eine Möglichkeit, Freundschaften zu schließen und Konflikte zu lösen. Yugi dachte an all die Abenteuer, die sie gemeinsam erlebt hatten, und wusste, dass dies der richtige Weg war.

„Lasst uns einen Plan ausarbeiten“, sagte Yugi entschlossen. „Wir brauchen einen Ort für das Turnier und müssen die Leute informieren. Vielleicht können wir sogar Preise für die Gewinner organisieren!“

Die Gruppe begann sofort mit den Vorbereitungen. Sie entschieden sich, das Turnier im örtlichen Gemeindezentrum abzuhalten. Yugi und Joey kümmerten sich um die Werbung, während andere Teilnehmer halfen, Tische und Stühle aufzustellen sowie die Regeln des Turniers festzulegen.

„Lasst uns unser Bestes geben!“, rief Yugi motiviert. „Wir werden dieses Turnier unvergesslich machen!“
 

Am nächsten Morgen machte Kaiba sich früh auf den Weg. Der kalte Wind blies ihm ins Gesicht, während er durch die Straßen ging. Er dachte an all die Geschichten, die ihm als Kind erzählt worden waren. Im Waisenhaus angekommen, wurde er von einer älteren Dame empfangen, die ihn freundlich ansah. „Was kann ich für dich tun, mein Junge?“ fragte sie. „Ich möchte mehr über meine Eltern erfahren“, antwortete Kaiba. „Ich weiß nicht einmal, wo sie begraben sind.“ Die Dame nickte verständnisvoll und führte ihn in ein kleines Büro. Dort gab es alte Akten und Fotos. Sie begann zu suchen und fand schließlich einige Dokumente über Kaibas Familie. „Hier ist etwas“, sagte sie und reichte ihm ein vergilbtes Blatt Papier. Kaiba nahm es vorsichtig in die Hand und las die Informationen darauf. Es war eine Adresse – der Friedhof, auf dem seine Eltern begraben lagen. „Danke“, murmelte er und wusste, dass er noch heute den Friedhof besuchen würde. Es war Zeit, sich seiner Vergangenheit zu stellen und den Ort aufzusuchen, an dem seine Eltern ruhen.

Kaiba verließ das Waisenhaus mit einem Gefühl der Entschlossenheit, aber auch mit einer gewissen Nervosität. Die Adresse des Friedhofs brannte in seinem Gedächtnis, und während er durch die Straßen ging, überkam ihn eine Mischung aus Vorfreude und Angst. Was würde er dort finden? Würde es ihm Frieden bringen oder nur weitere Fragen aufwerfen?

Als er schließlich den Friedhof erreichte, war die Atmosphäre still und ehrfurchtgebietend. Die Bäume rauschten leise im Wind, und die Sonne schien sanft durch die Wolken. Kaiba atmete tief ein und machte sich auf den Weg zu dem Bereich, der auf dem Dokument vermerkt war.

Er fand die Grabsteine seiner Eltern schnell. Sie lagen nebeneinander, als ob sie sich in der Ewigkeit umarmten. Mit jedem Schritt fühlte er sich mehr mit seinen Eltern verbunden, als ob sie ihn riefen. Schließlich entdeckte er den Grabstein mit ihren Namen. Miyoko Kondo und Takashi Kondo. Das waren seine Mutter und sein Vater.

Der Anblick der Namen auf den Steinen ließ sein Herz schneller schlagen. „Mutter“ und „Vater“ – Worte, die so viel Bedeutung für ihn hatten, aber gleichzeitig so fern schienen.

Kaiba kniete sich nieder und berührte vorsichtig den kalten Stein mit seinen Fingern. Erinnerungen kamen zurück – das Lachen, die Umarmungen, die Geschichten vor dem Schlafengehen. Tränen stiegen ihm in die Augen, während er an all das dachte, was ihm genommen worden war.

„Ich habe euch gesucht“, flüsterte er leise. „Ich wollte wissen wo ihr seid.“ Er fühlte sich verloren zwischen der Trauer über den Verlust und dem Wunsch nach Antworten.

In diesem Moment spürte Kaiba eine seltsame Ruhe in sich aufsteigen. Vielleicht würde er nie alle Antworten finden, aber er wusste jetzt, dass er nicht allein war. Er hatte eine Verbindung zu seinen Eltern, auch wenn sie nicht mehr bei ihm waren.

Nach einer Weile stand Kaiba auf und blickte noch einmal auf die Grabsteine. „Ich werde euch nicht vergessen“, versprach er leise. Mit einem letzten Blick wandte er sich ab und machte sich auf den Weg zurück zur Stadt.
 

Mit neuer Entschlossenheit machten sich alle daran, den Spieleladen wieder in Ordnung zu bringen. Es würde Zeit brauchen, aber gemeinsam würden sie es schaffen – und vielleicht sogar stärker daraus hervorgehen als zuvor.

In den folgenden Tagen arbeiteten sie hart daran, den Spieleladen wiederzubeleben. Die Nachricht über den Vorfall hatte sich schnell verbreitet, und viele Menschen aus der Nachbarschaft kamen vorbei, um ihre Unterstützung anzubieten.

Am Tag des Turniers war das Gemeindezentrum voller Energie. Spieler aus der ganzen Stadt kamen zusammen, um ihre Fähigkeiten zu messen und Spaß zu haben. Yugi fühlte sich optimistisch; er wusste, dass dies eine Gelegenheit war, Gemeinschaft zu schaffen und den Zusammenhalt zu stärken.

Als das Turnier begann und die ersten Duelle stattfanden, spürte Yugi den Nervenkitzel in der Luft. Die Zuschauer feuerten ihre Favoriten an, und es gab viele spannende Matches. Doch inmitten des Geschehens konnte Yugi nicht aufhören daran zu denken, was mit seinem Großvater passiert war.

Plötzlich bemerkte er eine Gruppe von Leuten am Rand des Raumes – es waren die vier Jungs aus dem Spieleladen! Sie schienen sich unauffällig zu verhalten, doch Yugi wusste sofort, dass sie nichts Gutes im Schilde führten.

„Joey! Schau mal dort drüben!“, rief Yugi und deutete auf die Jungs. „Wir müssen sicherstellen, dass sie keinen Ärger machen.“

Joey nickte ernsthaft. „Lass uns herausfinden, was sie vorhaben.“ Gemeinsam schlichen sie sich näher heran und hörten, wie die Jungs leise miteinander tuschelten. „Wenn wir die Turniere stören, können wir vielleicht ein paar der besten Spieler herausfordern und sie vor versammeltem Publikum besiegen“, flüsterte einer von ihnen. Yugi spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Es war klar, dass sie nicht nur hier waren, um zu spielen – sie wollten Chaos anrichten.

„Wir müssen etwas unternehmen“, sagte Yugi entschlossen. „Wenn sie versuchen, das Turnier zu sabotieren, könnte das die ganze Veranstaltung ruinieren.“ Joey nickte zustimmend. „Lass uns die anderen informieren und einen Plan ausarbeiten.“

Sie schlichen sich zurück zur Turniermitte und fanden Tristan und Tea. „Hey, wir haben ein Problem“, begann Yugi. „Die Typen aus dem Spieleladen sind hier und scheinen Ärger im Schilde zu führen.“

Tristan runzelte die Stirn. „Was genau haben sie vor?“

„Sie wollen das Turnier stören und einige der besten Spieler herausfordern“, erklärte Joey. „Wir müssen sicherstellen, dass sie keinen Einfluss auf das Geschehen haben.“

Tea überlegte kurz und schlug dann vor: „Vielleicht sollten wir sie einfach direkt konfrontieren? Wenn wir ihnen zeigen, dass wir nicht zulassen werden, dass sie das Turnier ruinieren, könnten sie es sich anders überlegen.“

Yugi nickte. „Das klingt nach einem Plan. Wir müssen stark auftreten und ihnen klarmachen, dass ihr Verhalten hier nicht akzeptabel ist.“

Gemeinsam machten sich Yugi, Joey, Tristan und Tea auf den Weg zu den Jungs am Rand des Raumes. Als sie näher kamen, bemerkten die vier schnell ihre Anwesenheit und drehten sich um.

„Was wollt ihr?“, fragte einer der Jungs mit einem spöttischen Grinsen.

Yugi trat vor und sprach mit fester Stimme: „Wir wissen, was ihr vorhabt. Ihr könnt dieses Turnier nicht ruinieren! Es geht darum, Spaß zu haben und Freundschaften zu schließen – nicht darum, andere niederzumachen.“

Die Jungs lachten höhnisch. „Und was wollt ihr dagegen tun?“

Joey ballte die Fäuste. „Wir lassen uns nicht einschüchtern! Wenn ihr Ärger sucht, dann müsst ihr euch uns stellen!“

Ein kurzer Moment der Stille folgte, bevor einer der Jungs antwortete: „Oh, schau mal einer an! Du willst dich also mit uns anlegen?“ Der Anführer der Gruppe trat einen Schritt vor und grinste herausfordernd. „Denkst du wirklich, dass du uns aufhalten kannst?“ Yugi spürte, wie die Anspannung in der Luft zunahm. „Es geht nicht nur um Joey“, fügte er hinzu. „Wir sind hier zusammen und wir werden nicht zulassen, dass ihr das Turnier sabotiert. Wenn ihr wirklich spielen wollt, dann lasst uns fair spielen – ohne Tricks und ohne Chaos.“ Die anderen Jungs schauten sich an, als ob sie überlegten, was sie tun sollten. Schließlich sagte einer von ihnen: „Na gut, wenn ihr unbedingt spielen wollt, dann machen wir das. Aber wir setzen alles auf eine Karte – ein Duell gegen uns zwei! Wenn ihr gewinnt, lassen wir euch in Ruhe. Wenn wir gewinnen… nun ja, dann gehört das Turnier uns!“ Tristan sah Yugi und die anderen an. „Das ist ein großes Risiko“, murmelte er. „Was ist, wenn sie betrügen?“ „Wir müssen darauf vertrauen, dass wir besser sind“, antwortete Yugi entschlossen. „Wir haben hart trainiert und wissen, was wir können. Außerdem haben wir die Unterstützung der anderen Spieler hier.“ Tea nickte zustimmend. „Lasst uns zeigen, dass Teamarbeit stärker ist als jede Art von Betrug oder Chaos.“ Joey ballte die Fäuste und grinste herausfordernd. „Okay, dann ist es ein Deal! Wir nehmen eure Herausforderung an!“ Die Jungs am Rand des Raumes schienen überrascht von der Entschlossenheit der vier Freunde. Der Anführer zuckte mit den Schultern und sagte: „In Ordnung! Lasst das Duell beginnen!“ Die Menge begann sich um sie zu versammeln, während Yugi und Joey sich auf ihre Karten konzentrierten und bereit machten für den bevorstehenden Kampf. Es war Zeit zu zeigen, dass Freundschaft und Fairness immer über Chaos und Zerstörung triumphieren würden.

Die Spannung in der Luft war greifbar, als die beiden Teams sich gegenüberstanden. Yugi und Joey schauten sich an, ihre Entschlossenheit spiegelte sich in ihren Augen wider. „Wir müssen strategisch vorgehen“, flüsterte Yugi, während er seine Karten durchging. „Lass uns unsere stärksten Monster zuerst einsetzen und darauf achten, dass wir uns gegenseitig unterstützen.“

Joey nickte und grinste. „Ich hab ein paar Tricks auf Lager! Lass sie kommen!“ Der Anführer der gegnerischen Gruppe trat vor und zog seine Karte mit einem selbstsicheren Lächeln. „Bereitet euch auf eine Niederlage vor!“

Das Duell begann, und die ersten Züge wurden gemacht. Yugi beschwor sein legendäres Monster, den Schwarzen Magier, während Joey mit einem feurigen Drachen aufwartete. Die Menge jubelte und feuerte die beiden an.

„Du bist nicht der Einzige mit starken Karten! Ich aktiviere meine Falle!“, rief der Anführer und legte eine Karte ab. Plötzlich wurde Yugis Schwarzer Magier von einem mächtigen Zauber angegriffen.

„Yugi, pass auf!“ rief Tea besorgt. Doch Yugi blieb ruhig. „Ich habe einen Plan“, murmelte er und aktivierte eine seiner eigenen Fallen. „Jetzt wird dein Angriff zurückgeschlagen!“

Die Menge brach in Jubel aus, als Yugis Strategie aufging. Die Gegner waren überrascht von der Wendung des Spiels. „Das ist noch lange nicht vorbei!“, rief der Anführer wütend und zog eine weitere Karte.

Tristan beobachtete das Geschehen genau und bemerkte die Nervosität bei den Gegnern. „Sie verlieren die Kontrolle“, sagte er zu Tea. „Wir müssen nur weiter Druck machen.“

„Wir müssen zusammenarbeiten!“, rief Yugi zu Joey. „Wenn wir ihre Fallen neutralisieren können, haben wir eine Chance!“

Mit jedem Zug wuchs die Intensität des Duells. Die Gegner versuchten alles, um Yugi und Joey aus dem Gleichgewicht zu bringen – doch die beiden Freunde blieben ruhig und konzentriert. Sie kommunizierten nonverbal, jeder wusste genau, was der andere plante. Sie arbeiteten perfekt zusammen, unterstützten sich gegenseitig mit ihren Karten und Strategien.

Schließlich kam der entscheidende Moment: Yugi aktivierte eine Kombination von Zauberkarten, die es ihm ermöglichte, das gegnerische Monster zu besiegen und gleichzeitig einen direkten Angriff auf den Anführer zu starten.

„Jetzt ist es Zeit für den finalen Schlag! Dunkler Magier, greif an!“ rief Yugi mit fester Stimme.

Die Menge hielt den Atem an, als das Licht des Angriffs durch den Raum blitzte. Der Anführer der anderen Gruppe sah entsetzt aus, als sein Lebenspunkte-Zähler auf null fiel.

Ein lauter Jubel brach aus, als die Monster des gegnerischen Teams in einem spektakulären Lichtblitz zerbrachen. Yugi und Joey hatten gewonnen!

Sie umarmten sich vor Freude, während die Menge um sie herum in Begeisterung ausbrach. „Wir haben es geschafft!“, rief Joey, seine Augen funkelten vor Aufregung.

Der Anführer der gegnerischen Gruppe stand fassungslos da, während seine Freunde sich zurückzogen. „Das… das kann nicht sein! Wir haben verloren!“ Er schüttelte den Kopf, als ob er die Realität nicht akzeptieren konnte.

Yugi trat einen Schritt nach vorne und sagte mit fester Stimme: „Das war ein fairer Kampf. Wir haben hart gearbeitet und uns gegenseitig unterstützt. Das ist der wahre Geist des Spiels.“

Die Menge applaudierte und jubelte den beiden Freunden zu. Tea und Tristan kamen zu ihnen und klopften ihnen auf die Schultern. „Ihr habt es großartig gemacht!“, sagte Tea strahlend.

„Ja, das war echt beeindruckend! Ihr habt sie richtig alt aussehen lassen!“, fügte Tristan hinzu.

Joey grinste breit. „Ich wusste, dass wir das schaffen können! Teamarbeit ist der Schlüssel!“

Der Anführer der gegnerischen Gruppe wandte sich ab und murmelte etwas Unverständliches, während er mit seinen Freunden davon ging. Yugi sah ihm nach und fühlte ein wenig Mitleid. „Manchmal lernen die Leute es nur auf die harte Tour“, murmelte er.

„Egal, was passiert ist – wir haben unser Ziel erreicht“, sagte Tea optimistisch. „Jetzt können wir uns wieder auf das Turnier konzentrieren.“

Yugi nickte zustimmend. „Ja, lasst uns weiterkämpfen und zeigen, dass Freundschaft und Fairness immer gewinnen werden.“

Mit neuer Entschlossenheit machten sich Yugi, Joey, Tea und Tristan auf den Weg zur nächsten Runde des Turniers, bereit für alles, was kommen mochte. Sie wussten jetzt mehr denn je, dass sie zusammen unschlagbar waren – sowohl im Spiel als auch im Leben.
 

Seto saß in seinem Büro und war in seiner Arbeit vertieft. Es war 16 Uhr. Die anderen Mitarbeiter der Kaiba Corporation waren schon längst nach Hause gefahren. Er stand auf und ging aus dem Raum zum Drucker. Er nahm die Papiere vom Drucker und ging zurück zu seinem Büro. Da rutschte Seto aus und landete mit seinem Po auf dem Boden. Er rief zu der Putzfrau: "Warum haben Sie kein Frisch gewischt Schild aufgestellt? Wegen Ihrer Nachlässigkeit bin ich ausgerutscht!"

Die Putzfrau, die gerade mit ihrem Wischmob beschäftigt war, drehte sich überrascht um. "Es tut mir leid, Herr Kaiba! Ich habe das Schild vergessen, ich war in Eile. Ich wollte nur schnell alles sauber machen, bevor Sie nach Hause gehen."

Seto schaute sie an, seine Augen funkelten vor Ärger. "Das ist keine Entschuldigung. Sicherheit hat oberste Priorität! Was wäre passiert, wenn ich mir ernsthaft wehgetan hätte?"

Die Putzfrau senkte den Blick und murmelte: "Ich verstehe, es wird nicht wieder vorkommen."

Seto seufzte und stand auf. "Sehen Sie zu, dass Sie das Schild beim nächsten Mal aufstellen. Und denken Sie daran, dass wir hier in einem professionellen Umfeld arbeiten."

Er ging zurück in sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Während er sich wieder seinen Unterlagen widmete ging ihm etwas durch den Kopf. Er unterbrach seine Arbeit und nahm eine kleine Karte in die Hand. Hiroshi Tanaka, ein langjähriger Mitarbeiter hatte ihm diese Karte gegeben und Folgendes gesagt: „Das wird Sie auf andere Gedanken bringen.“ Seto sah sich die Visitenkarte an. Dort war der Schatten einer Frau zu sehen und daneben stand Desire Club.
 

Yugi, Joey, Tea und Tristan besuchten Yugis Großvater im Krankenhaus. „Wie geht es dir, Großvater?“, fragte Yugi. Solomon trug einen Kopfverband. „Es geht mir schon besser. Die Polizei war bei mir gewesen. Sie haben mich gefragt was ich über die Jungs weiß die mich angegriffen habe. Aber ich konnte ihnen leider nicht weiterhelfen. Mein Gedächtnis ist nicht mehr so gut wie früher.“ „Das ist wirklich schlimm, Herr Muto“, sagte Tea besorgt. „Haben Sie denn irgendwelche Erinnerungen an den Vorfall?“

Solomon schüttelte den Kopf. „Es ist alles so verschwommen. Ich erinnere mich nur daran, dass ich plötzlich angegriffen wurde. Es tut mir leid, dass ich euch damit belaste.“

„Machen Sie sich keine Sorgen“, sagte Joey aufmunternd. „Wir sind hier, um Sie zu unterstützen!“

Tristan nickte zustimmend. „Ja, die Polizei wird dafür sorgen, dass die Jungs gefunden werden. Sie müssen sich nur ausruhen und schnell wieder gesund werden.“

Yugi sah seinen Großvater an und lächelte sanft. „Wir glauben an dich, Großvater. Du bist stark und wirst das überstehen. Und wenn du etwas brauchst, sag es uns einfach.“

Solomon lächelte schwach zurück. „Danke, Kinder. Es bedeutet mir viel, dass ihr hier seid.“
 

Seto Kaiba, der berühmte CEO von KaibaCorp und Meisterduellant, war in Gedanken versunken, als er durch die Straßen von Domino City ging. Doch während er sich mit seinen eigenen Gedanken beschäftigte, bemerkte er nicht, dass drei Männer ihm heimlich folgten. Die Verfolger waren nicht zufällig unterwegs. Sie hatten von Kaibas Reichtum und Macht gehört und planten, ihn zu überfallen. Sie schlichen sich immer näher an ihn heran, während Seto unachtsam weiterging. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich. Er drehte sich um und sah die drei Männer, die ihn anstarrten. Ein schmaler Mann mit einem grinsenden Gesicht trat vor und sagte: „Hey, Kaiba! Glaubst du wirklich, du kannst einfach so durch die Straßen laufen?“ Seto hob eine Augenbraue und lächelte spöttisch. „Ihr denkt also, ihr könnt mich einschüchtern? Ihr habt keine Ahnung, mit wem ihr es zu tun habt.“ Die Männer lachten hämisch, doch Seto ließ sich nicht einschüchtern. "Gib uns dein gesamtes Geld. Sonst werden wir dich verprügeln!" Seto Kaiba sah die drei Männer an, als ob sie gerade einen besonders schlechten Witz gemacht hätten. „Ihr glaubt wirklich, dass ihr mich mit leeren Drohungen einschüchtern könnt?“, erwiderte er mit einem kalten Lächeln. „Ich bin nicht der Typ, der sich von ein paar Möchtegern-Gangstern einschüchtern lässt.“ Der schmale Mann, der anscheinend der Anführer war, wurde wütend. „Du bist ganz schön arrogant für jemanden, der in einer dunklen Gasse steht! Glaub nicht, dass du hier einfach so entkommen kannst! Ich zähle jetzt bis drei. Wenn du bis dahin dein Geld nicht rausrückt wird es für dich ziemlich schmerzhaft werden."

Seto Kaiba blieb ruhig und gelassen, während der Anführer zu zählen begann. „Eins…“, ertönte seine Stimme, und die anderen beiden Männer traten näher heran, bereit, ihn zu überwältigen.

„Zwei…“, setzte der Anführer fort, und Seto konnte das Adrenalin in der Luft spüren. Er wusste, dass er in einer brenzligen Situation war, aber er hatte nie gelernt, sich von Bedrohungen einschüchtern zu lassen.

„Drei!“, rief der Anführer schließlich aus und machte einen Schritt auf Seto zu. Doch bevor die Männer reagieren konnten, zog Seto blitzschnell seine Duel Disk hervor und aktivierte sie.

„Ihr habt keine Ahnung, mit wem ihr es hier zu tun habt“, sagte Seto mit einem selbstbewussten Lächeln. Er legte eine Karte auf das Feld und rief: „Ich beschwöre den Weißen Drachen mit eiskaltem Blick!“ Die holographische Projektion des Drachen erhob sich majestätisch über ihm und ließ die Verfolger erschrocken zurückweichen.

Die Männer schauten sich verwirrt an. „Was zur Hölle ist das?“, stammelte einer von ihnen.

Der Anführer starrte den Drachen an, als wäre er ein Geist aus einer anderen Welt.

„Was… was soll das?“, stammelte er.

„Das ist mein Ass im Ärmel“, antwortete Seto kühl. „Und ich kann euch versichern, dass ich nicht zögere, es einzusetzen.“

Der Anführer versuchte, seine Fassung zurückzugewinnen. „Das ist nur ein Trick! Du kannst uns nicht einfach mit einem Hologramm erschrecken!“

Seto lachte. „Ein Hologramm? Glaubt mir, ich habe schon gegen stärkere Gegner gekämpft als euch. Wenn ihr denkt, ihr könnt mich einfach so überfallen, dann habt ihr euch gewaltig getäuscht. Jetzt wird es Zeit für euch, die Konsequenzen eurer Entscheidungen zu tragen.“

Mit einem einzigen Befehl ließ Seto seinen Drachen angreifen. Ein gewaltiger Energiestrahl schoss aus dem Maul des Drachen und traf die drei direkt. Die Männer fielen rückwärts auf den Boden, überwältigt von der Wucht des Angriffs.

Seto sah auf die am Boden liegenden Männer herab und sagte: „Das nächste Mal denkt daran, wen ihr angreift. Das passiert wenn man sich mit mir anlegt.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und setzte seinen Weg fort, während die drei Männer in Schock und Angst zurückblieben.

Joey war allein in der Stadt unterwegs. Inzwischen war der Alltag wieder zurückgekehrt. Vormittags musste er in die Schule und nachmittags musste er arbeiten. Aber heute hatte er frei. Denn es war Samstag. Er entdeckte ein Cafe und ging näher ran. Das war das Cafe worüber er in der Zeitung gelesen hatte. Oben stand das KC Logo und unten drunter stand Kaiba Corporation Cafe. Joey las den Zettel der an der Tür hing. Kellner dringend gesucht! stand dort drauf. Das war die Gelegenheit. Er musste sie nutzen und ging rein. Drinnen war es ziemlich voll. Alle Tische waren besetzt. Er ging zur Theke. „Hallo.“

„Was hättest du gerne?“, fragte die junge Frau.

„Ich hab gelesen dass ihr einen Kellner sucht“, sagte Joey. „Ich bin genau der Richtige für diesen Job!“

Die junge Frau hinter der Theke sah Joey skeptisch an, während sie einen Becher mit Kaffee füllte. „Oh, wirklich? Und was macht dich so sicher, dass du der Richtige bist?“

Joey grinste breit. „Ich habe Erfahrung! Ich habe schon in verschiedenen Cafés und Restaurants gearbeitet. Außerdem bin ich schnell und freundlich – die Kunden werden mich lieben!“

Die Frau hob eine Augenbraue und stellte den Kaffee ab. „Das klingt gut, aber wir brauchen jemanden, der auch mit dem Stress umgehen kann. Es ist hier oft sehr voll.“

„Kein Problem! Ich bin ein Kämpfer“, antwortete Joey selbstbewusst. „Ich kann auch unter Druck arbeiten. Glaub mir, ich habe schon Schlimmeres durchgemacht!“

Die Frau musste schmunzeln. „Okay, das klingt vielversprechend. Mein Name ist Sara, und ich bin die Managerin hier. Wenn du wirklich helfen willst, dann zieh dir bitte eine Schürze an und fang an, die Tische abzuräumen.“

Joey nickte begeistert und zog sich schnell eine Schürze über. Er fühlte sich bereit für die Herausforderung und war entschlossen, seinen neuen Job zu meistern. Sara erklärte ihm die Abläufe. Wie man Bestellungen aufnimmt, Getränke zubereitet und die Tische abräumt.

Joey hörte aufmerksam zu und nickte eifrig, während Sara ihm die verschiedenen Aufgaben erklärte. „Es ist wichtig, dass du die Bestellungen schnell und genau aufnimmst“, sagte sie. „Und vergiss nicht, immer ein Lächeln auf den Lippen zu haben!“

„Klar, kein Problem! Ich bin ein Profi im Lächeln“, antwortete Joey mit einem breiten Grinsen.

Sara führte ihn durch das Café und zeigte ihm die verschiedenen Stationen. „Hier ist die Kaffeebar, wo wir die Getränke zubereiten. Und dort drüben sind die Tische, die du abräumen musst, wenn die Gäste fertig sind.“

Joey fühlte sich aufgeregt und nervös zugleich. Es war eine neue Herausforderung für ihn, aber er war fest entschlossen, sein Bestes zu geben. Nach einer kurzen Einweisung durfte er schließlich selbstständig arbeiten.

Mit einem breiten Grinsen machte sich Joey daran, die ersten Bestellungen aufzunehmen und die Tische abzuräumen. Es war zwar hektisch, aber er genoss jede Minute davon – es fühlte sich gut an, etwas Sinnvolles zu tun.

Während er durch das Café ging, bemerkte er einige bekannte Gesichter unter den Gästen – Mako Tsunami und Espa Roba saßen in einer Ecke und schauten ihn überrascht an.

„Hey Joey! Was machst du hier?“, rief Mako.

„Ich arbeite jetzt hier!“, antwortete Joey stolz. „Ich werde euch gleich bedienen!“

Espa lachte. „Viel Glück dabei!“

Joey eilte zur Theke zurück und bereitete die Bestellungen vor. Er fühlte sich lebendig inmitten des geschäftigen Treibens des Cafés. Als er die Getränke servierte, bemerkte er, wie die Kunden zufrieden lächelten und miteinander plauderten.

Nach einer Weile kam Sara vorbei und beobachtete ihn bei der Arbeit. Sie nickte zustimmend. „Sieht gut aus, Joey! Du machst das wirklich gut.“

„Danke! Ich gebe mein Bestes“, antwortete er stolz.

Die Stunden vergingen wie im Flug, und Joey hatte viel Spaß dabei, mit den Gästen zu interagieren und ihnen einen guten Service zu bieten. Er merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verging – bis es schließlich Zeit für eine kurze Pause war.

Sara winkte ihn heran. „Mach eine kleine Pause, du hast dir das verdient!“

Joey setzte sich an einen freien Tisch und atmete tief durch. Er konnte kaum glauben, dass er tatsächlich hier arbeitete – im Kaiba Corporation Café! Es war ein aufregender Tag gewesen, und er freute sich darauf, noch mehr Erfahrungen zu sammeln.

Während seiner Pause beobachtete er das geschäftige Treiben um sich herum und ließ die Eindrücke auf sich wirken. Die Geräusche von klirrenden Tassen, das leise Murmeln der Gespräche und der verführerische Duft frisch gebrühten Kaffees erfüllten den Raum. Joey dachte darüber nach, wie viel er in so kurzer Zeit gelernt hatte. Er hatte nicht nur die Abläufe im Café schnell verinnerlicht, sondern auch ein Gefühl für den Umgang mit den Gästen entwickelt.

Plötzlich bemerkte er einen Stammgast, der regelmäßig im Café vorbeikam. Es war ein älterer Herr mit einem grauen Bart und einer Vorliebe für starken Espresso. Joey erinnerte sich daran, dass Sara ihm gesagt hatte, dass dieser Mann immer gerne ein Stück Schokoladenkuchen dazu hätte. Er beschloss, dem Herrn eine kleine Freude zu machen.

„Guten Tag! Wie geht es Ihnen heute? Darf ich Ihnen Ihren gewohnten Espresso und ein Stück Schokoladenkuchen bringen?“ fragte Joey freundlich.

Der alte Mann lächelte überrascht und nickte. „Das wäre großartig, junger Mann! Vielen Dank!“

Joey eilte zur Theke, bereitete den Espresso zu und schnitt ein großzügiges Stück Kuchen ab. Als er es dem Herrn servierte, strahlte dieser vor Freude. „Sie sind wirklich ein aufmerksamer Kellner! Das schätze ich sehr.“

Joey fühlte sich warm ums Herz bei diesem Kompliment. Es war genau das, was er sich gewünscht hatte – einen positiven Einfluss auf die Menschen um ihn herum zu haben.

Nach seiner Pause kehrte er zurück an die Arbeit und stellte fest, dass das Café nun noch voller war als zuvor. Die Herausforderung war größer geworden, aber Joey war bereit dafür. Mit neuem Elan nahm er die nächsten Bestellungen auf und sorgte dafür, dass jeder Gast zufrieden war.

Die Stunden vergingen weiterhin schnell, und als der Tag schließlich zu Ende ging, fühlte sich Joey erschöpft, aber glücklich. Sara kam zu ihm und sagte: „Du hast heute wirklich großartige Arbeit geleistet! Ich bin stolz auf dich.“

„Danke! Ich habe es wirklich genossen“, antwortete Joey mit einem breiten Lächeln.

Als er das Café verließ, konnte er kaum erwarten, am nächsten Tag wiederzukommen. Es war erst sein erster Tag gewesen, aber schon jetzt wusste er: Dieser Job war wie für ihn gemacht.

Als Joey zu Hause ankam wollte er sich ausruhen. In seiner Wohnung herrschte Unordnung. Seine Sachen lagen überall verteilt auf dem Boden. Er musste dringend aufräumen, aber dafür war er zu faul. Der Blonde legte sich aufs Sofa. Dabei fielen ihm die Augen zu.
 

Seto saß im Esszimmer und aß mit seinem Bruder zu Abend. Mokuba legte sein Besteck zur Seite. „Warum lächelst du denn nicht mehr? Ich weiß wir hatten keine sehr schöne Kindheit aber trotzdem haben wir beide zusammen gelacht. Doch jetzt hast du dauernd nur noch schlechte Laune. Ich möchte dass alles wieder so ist wie es mal war.“

„Diese Zeiten sind vorbei“, sagte Seto. „Hör auf der Vergangenheit nach zu trauern.“

„Aber das muss nicht so sein“, entgegnete Mokuba. „Du kannst dich noch ändern.“

Seto sah seinen Bruder an, und für einen kurzen Moment blitzte ein Funken von Unsicherheit in seinen Augen auf. „Ändern? Was meinst du damit? Ich habe alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin erfolgreich, ich habe Macht und Einfluss. Was soll sich da noch ändern?“

Mokuba schüttelte den Kopf. „Es geht nicht nur um Macht oder Erfolg, Seto. Es geht darum, glücklich zu sein. Du hast so viel erreicht, aber du scheinst das Glück vergessen zu haben. Erinnerst du dich an die Zeiten, als wir einfach nur zusammen gespielt haben? Als wir uns keine Sorgen machen mussten?“

Seto seufzte und starrte auf seinen Teller. „Das war eine andere Zeit. Wir waren Kinder, Mokuba. Die Welt ist nicht so einfach wie damals.“

„Vielleicht nicht“, sagte Mokuba sanft, „aber das bedeutet nicht, dass du nicht versuchen kannst, wieder Freude zu finden. Wir sollen wieder mehr Zeit miteinander verbringen. Lass uns gemeinsam etwas unternehmen, wie früher.“

Seto überlegte kurz und seufzte dann tief. „Okay“, sagte er widerwillig. „Ein Abend pro Woche – mehr nicht.“

Mokubas Gesicht hellte sich auf. „Das ist super! Danke Seto!“

Seto stand auf. „Wenn du mich entschuldigst, ich habe viel zu tun."

Mokuba sah Seto nach, als dieser das Esszimmer verließ. Ein Seufzer entglitt ihm, und er fühlte sich erneut von der Setos Kälte und Distanz getroffen. Er wusste, dass sein Bruder viel durchgemacht hatte, aber er wünschte sich nichts sehnlicher, als dass Seto die Freude am Leben zurückfand.

„Seto!“, rief Mokuba ihm nach, doch die Tür fiel hinter Kaiba ins Schloss. Er ließ den Kopf hängen und starrte auf seinen leeren Teller. Die Erinnerungen an ihre Kindheit schienen in diesem Moment wie ein ferner Traum.

Nach einer Weile stand Mokuba auf und beschloss, seinem Bruder zu folgen. Vielleicht konnte er ihn erreichen, wenn er nur hartnäckig genug war. Die Tür war einen Spalt offen, und er konnte sehen, wie Seto an seinem Schreibtisch saß, umgeben von Bildschirmen und Datenanalysen. Der Raum war kühl und steril – genau wie Setos Stimmung.

„Seto“, begann Mokuba vorsichtig, „ich weiß, dass du beschäftigt bist, aber ich mache mir wirklich Sorgen um dich.“

Seto wandte sich nicht um. „Ich habe keine Zeit, Mokuba. Ich muss mich auf die Geschäfte konzentrieren.“

„Aber das ist es ja! Du lässt alles andere hinter dir!“, entgegnete Mokuba mit einem Anflug von Frustration in der Stimme. „Du hast Menschen, die sich um dich kümmern! Denk an Yugi und die anderen!“

Seto drehte sich endlich um und sah seinen Bruder an. „Freunde sind eine Schwäche, Mokuba. Ich kann mir keine Schwächen leisten.“

„Das ist nicht wahr!“, rief Mokuba aus. „Schwäche bedeutet nicht, Gefühle zu zeigen oder Hilfe anzunehmen! Das alles ist menschlich! Es ist okay zu lächeln und Spaß zu haben!“

Ein Moment der Stille trat ein. Kaiba schloss kurz die Augen und atmete tief durch. „Ich kann nicht so sein wie früher“, sagte er schließlich.

Mokuba trat näher heran und legte eine Hand auf Setos Schulter. „Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Lass uns gemeinsam daran arbeiten – ich bin für dich da.“

Seto sah seinen Bruder an und in diesem Moment schien ein kleiner Riss in seiner harten Fassade sichtbar zu werden.
 

Am Sonntag machte Joey seine Hausaufgaben. Doch er kam nicht voran. Er versuchte sich zu erinnern was Herr Sato in der Mathestunde gesagt hatte aber in seinem Kopf herrschte gähnende Leere. Er schnappte sich sein Smartphone und rief Tea an. „Hallo Tea. Ich brauche deine Hilfe in Mathe. Kannst du jetzt vorbeikommen?“ „Klar, ich komme gleich vorbei“, sagte Tea. Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Joey öffnete die Tür und ließ Tea rein. Tea erklärte ihm wie man die Aufgaben löste. Sie merkte dass Joey ihr nicht zuhörte und das ärgerte sie. „Joey, pass gefälligst auf was ich sage! Das ist wichtig!“ Joey stöhnte. „Warum müssen wir das alles lernen? Das brauchen wir später sowieso nicht mehr!"

Tea seufzte und setzte sich neben Joey. „Das mag vielleicht so erscheinen, aber Mathe ist mehr als nur Zahlen und Formeln. Es geht darum, logisches Denken zu entwickeln und Probleme zu lösen. Diese Fähigkeiten wirst du in vielen Lebensbereichen brauchen.“

Joey schaute skeptisch. „Aber ich will später kein Mathematiker werden. Ich will Profiduellant werden!“

Tea lächelte und schüttelte den Kopf. „Das ist großartig, Joey! Aber auch als Profiduellant musst du strategisch denken und schnell Entscheidungen treffen können. Mathe hilft dir dabei, Muster zu erkennen und deine Züge besser zu planen.“

Joey überlegte kurz und kratzte sich am Kopf. „Okay, aber was hat das mit diesen langweiligen Aufgaben zu tun?“

„Die Aufgaben sind wie Duelle“, erklärte Tea. „Jede Aufgabe ist ein Gegner, den du besiegen musst. Wenn du die Strategien verstehst, kannst du sie viel einfacher lösen. Und je mehr du übst, desto besser wirst du darin.“

Joey schaute auf seine Hausaufgaben und dann wieder zu Tea. „Also denkst du, dass ich das alles wirklich brauche?“

„Ja, ich bin mir sicher! Außerdem macht es Spaß, wenn man erst einmal den Dreh raus hat. Lass uns einfach mal anfangen und sehen, wie weit wir kommen“, ermutigte sie ihn.

Nach ein paar Minuten des Erklärens begann Joey langsam zu verstehen. Er stellte Fragen und fand sogar einige der Aufgaben interessant. Nach einer Weile bemerkte er, dass er tatsächlich Fortschritte machte.

„Siehst du? Es ist nicht so schlimm“, sagte Tea mit einem Lächeln. „Und wer weiß, vielleicht wirst du eines Tages sogar einen mathematischen Trick entwickeln, der dir im Duell hilft!“

Joey grinste. „Das wäre cool! Vielleicht kann ich dann die anderen überraschen.“

Mit neuer Motivation machte er weiter und merkte gar nicht, wie die Zeit verging. „Danke Tea. Du bist eine große Hilfe.“ „Dafür sind Freunde doch da“, erwiderte sie. „Und wenn du noch weitere Fragen zu Mathe hast, du kannst dich jederzeit an mich wenden. Also ich muss jetzt gehen. Wir sehen uns morgen in der Schule, Joey.“ Tea machte die Tür auf und vor ihnen stand Duke Devlin.

„Was machst du denn hier?“, fragte Joey. „Ich muss was mit dir besprechen“, antwortete Duke.

„Ich muss jetzt wirklich los“, sagte Tea. „Bis morgen, Jungs.“ Sie ging die Treppe runter. „Worum geht es?“, wollte der Blonde wissen.

Duke grinste. „Ich habe einen neuen Job für dich. Folge mir.“ Die zwei gingen nach draußen. Kurz darauf standen sie vor dem Einkaufszentrum.

„Warum ist heute das Einkaufszentrum geöffnet?“, fragte Joey.

„Weil heute verkaufsoffener Sonntag ist“, erwiderte Duke. Sie gingen weiter. Vor einem kleinen Bus blieb er stehen. Die Türen waren geöffnet und innen befand sich eine Theke. „Hier ist es. Das Cafe von meinem Vater.“ Dukes Vater trug wie immer seine Clownmaske. „Wen hast du da mitgebracht, Duke?“

„Das ist Joey Wheeler“, sagte Duke. „Ein Freund von mir. Er braucht noch einen Job.“ „Ich bin gleich wieder da“, sagte Dukes Vater. Als er zurückkam hielt er ein Hundekostüm in den Händen. „Das wirst du jetzt anziehen, Joey.“

Joey war entsetzt. „Das ist doch nicht Ihr Ernst. Nie im Leben ziehe ich das hier an!“ „Dann kannst du nicht in meinem Cafe arbeiten“, sagte Dukes Vater.

„Haben Sie nicht was anderes für mich? Ich könnte als Kellner arbeiten.“ „Mein Sohn ist bereits der Kellner von meinem Cafe“, sagte Dukes Vater. „Ich brauche keinen weiteren Kellner.“

Joey seufzte. „Wie es aussieht habe ich wohl keine andere Wahl. Geben Sie mir das Hundekostüm.“ Er nahm das Kostüm entgegen und zog sich im Bus um. Danach kam er wieder zurück.

„Du hast eine einfache Aufgabe“, sagte Dukes Vater. „Du wirst diese Luftballons an die Leute verteilen.“

Joey schaute skeptisch auf die bunten Luftballons. „Luftballons? Ist das alles?“, fragte er ungläubig.

Duke lachte. „Komm schon, Joey! Das ist doch nicht so schlimm. Außerdem, wer kann schon einem Hund im Kostüm widerstehen?“

„Ich kann es“, murmelte Joey und versuchte, seine Scham zu verbergen. Er wusste, dass er in dieser Situation keine Wahl hatte. „Okay, was muss ich tun?“

Dukes Vater klatschte in die Hände. „Es ist ganz einfach! Du gehst ins Einkaufszentrum, lächelst die Leute an und verteilst die Luftballons. Wenn du Glück hast, kommen sie vielleicht sogar ins Café.“

„Und wenn nicht?“, fragte Joey.

„Dann hast du immer noch ein lustiges Kostüm an und kannst die Leute zum Lachen bringen!“, antwortete Dukes Vater mit einem breiten Grinsen.

Joey seufzte erneut, aber ein kleiner Teil von ihm fand die Idee tatsächlich amüsant. Vielleicht würde es ja Spaß machen, auch wenn er sich wie ein Idiot fühlte. „Na gut“, sagte er schließlich und schnappte sich einen großen Haufen Luftballons.

Duke klopfte ihm auf den Rücken. „Viel Glück, mein Freund! Und vergiss nicht: Ein Hund ist immer der beste Freund des Menschen!“

Mit einem letzten Blick auf Duke und seinen Vater machte sich Joey auf den Weg ins Einkaufszentrum. Die ersten Passanten schauten ihn verwundert an, als sie den großen Hund sahen, der fröhlich mit Luftballons umherlief. Doch nach ein paar Minuten begann er zu lächeln und die ersten Kinder kamen neugierig näher.

„Hey, schaut mal! Ein Hund!“ rief eines der Kinder und streckte seine Hand aus.

Joey kniete sich hin und überreichte dem Kind einen Luftballon. In diesem Moment vergaß er für einen kurzen Augenblick seine Scham und genoss das Lächeln des kleinen Jungen.

Vielleicht war dieser Job doch nicht so schlecht…
 

Seto Kaiba saß mit einigen Männern an einem langen Tisch. „Wir würden gerne mit Ihnen zusammenarbeiten, Kaiba", sagte Toshiba. „Zusammen können wir viel erreichen." Kaiba lehnte sich zurück und betrachtete die Männer um den Tisch. „Zusammenarbeiten? Was genau haben Sie im Sinn, Toshiba?", fragte er mit einer Mischung aus Skepsis und Interesse. Toshiba lächelte selbstbewusst. „Wir haben innovative Technologien entwickelt, die Ihre Duell-Plattform revolutionieren könnten. Stellen Sie sich vor, eine virtuelle Realität, die das Spielerlebnis auf ein ganz neues Level hebt." Kaiba hob eine Augenbraue. „Und was ist der Haken? Ich kenne Ihre Firma gut genug, um zu wissen, dass nichts umsonst ist." Ein anderer Mann am Tisch, der sich als Marketingdirektor vorstellte, trat vor. „Es gibt keinen Haken, Kaiba. Wir glauben an Synergien. Ihre Marke und unsere Technologie könnten zusammen eine Dominanz im Markt erreichen, die wir beide nicht alleine schaffen können." Kaiba überlegte kurz und ließ seinen Blick über die Präsentation gleiten, die auf dem Tisch lag. „Ich bin nicht an Partnerschaften interessiert, die mir nichts bringen. Wenn ich meine Ressourcen investiere, dann nur in Projekte mit echtem Potenzial."

Toshiba nickte verständnisvoll. „Das verstehen wir vollkommen. Lassen Sie uns Ihnen zeigen, was wir können – vielleicht bei einem Testlauf? Wenn es Ihnen nicht gefällt, sind wir weg." Kaiba dachte nach und spürte das vertraute Kribbeln der Herausforderung in seinem Bauch. „Ein Testlauf also? Gut. Aber ich werde keine Kompromisse eingehen." Toshiba lächelte und nickte. „Das ist genau die Einstellung, die wir brauchen, Kaiba. Wir schlagen vor, dass wir ein exklusives Turnier organisieren, bei dem Sie und die besten Duellanten die neue Technologie testen können. Wir stellen die Hardware und Software zur Verfügung, und Sie bringen die besten Spieler mit." Kaiba lehnte sich weiter zurück und überlegte. Ein exklusives Turnier könnte tatsächlich eine interessante Möglichkeit sein, die Technologie zu testen und gleichzeitig seine Marke zu stärken. "Und was ist mit den Kosten? Ich gehe nicht davon aus, dass Sie das alles aus reiner Nächstenliebe tun", sagte er scharf. Toshiba nickte erneut. „Natürlich, wir sind bereit, die Anfangsinvestitionen zu tragen. Im Gegenzug würden wir uns eine Beteiligung an den Einnahmen des Turniers wünschen sowie die Möglichkeit, unsere Technologie in Ihren zukünftigen Projekten zu integrieren." Kaiba überlegte kurz. „Das klingt nach einem fairen Deal, aber ich werde die Kontrolle über das Event behalten. Wenn ich das Gefühl habe, dass Ihre Technologie nicht funktioniert oder meine Marke gefährdet, breche ich die Partnerschaft sofort ab." Der Marketingdirektor trat wieder vor. „Das ist vollkommen verständlich, Kaiba. Wir sind überzeugt von unserer Technologie und glauben, dass sie Ihre Erwartungen übertreffen wird. Lassen Sie uns gemeinsam einen Termin für das Turnier festlegen und die Details besprechen." Kaiba nickte langsam. „In Ordnung. Ich werde die besten Duellanten kontaktieren und sehen, wer bereit ist, an diesem Testlauf teilzunehmen." Er stand auf und streckte seine Hand aus. Toshiba ergriff Kaibas Hand mit einem festen Griff. „Wir werden Sie nicht enttäuschen, Kaiba."

Kaiba ließ sich von dem festen Griff nicht beirren. Er wusste, dass er in dieser Partnerschaft die Oberhand behalten musste. „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie alles tun, um sicherzustellen, dass dieses Turnier ein Erfolg wird", sagte er mit einem kühlen Blick. „Die besten Duellanten werden nur teilnehmen, wenn sie wissen, dass sie es mit der besten Technologie zu tun haben."

Toshiba nickte eifrig. „Selbstverständlich! Wir werden alles daran setzen, um sicherzustellen, dass die Technologie reibungslos funktioniert und die Spieler begeistert sind. Wir haben bereits einige aufregende Features entwickelt, die das Duellieren auf ein ganz neues Level heben werden."

Kaiba hob eine Augenbraue. „Was genau haben Sie im Sinn? Ich will keine leeren Versprechungen hören."

Der Marketingdirektor trat vor und begann zu erklären: „Wir haben eine neue Art von interaktiven Karten entwickelt, die sich dynamisch an den Spielverlauf anpassen können. Außerdem gibt es eine verbesserte KI, die den Spielern hilft, ihre Strategien zu optimieren und sogar Vorschläge für Züge macht."

Kaiba überlegte kurz. „Das klingt vielversprechend, aber ich will sehen, wie das in der Praxis funktioniert. Wenn ich nicht überzeugt bin, wird es kein Turnier geben."

„Das ist nur fair", antwortete Toshiba schnell. „Wir sind bereit, Ihnen eine Demo zu zeigen und alle Ihre Fragen zu beantworten. Wir möchten sicherstellen, dass Sie voll und ganz hinter diesem Projekt stehen."

Kaiba nickte langsam und dachte an die Möglichkeiten. Ein exklusives Turnier könnte nicht nur seine Marke stärken, sondern auch neue Maßstäbe im Duellieren setzen. „Gut", sagte er schließlich. „Lassen Sie uns einen Termin für die Demo festlegen und dann weitersehen."

Mit einem letzten festen Händedruck schlossen sie den Deal ab – ein neuer Anfang für beide Seiten in der Welt des Duellierens.

Nachdem sie den Deal besiegelt hatten, wandte sich Kaiba an seinen Assistenten, der in der Nähe stand. „Stellen Sie sicher, dass wir die besten Duellanten kontaktieren und sie über das bevorstehende Turnier informieren. Ich möchte, dass sie bereit sind, sobald wir die Demo abgeschlossen haben."

Der Assistent nickte eifrig und machte sich sofort an die Arbeit. Kaiba wandte sich wieder Toshiba zu. „Wann können wir mit der Demo rechnen? Ich möchte keine Zeit verlieren."

Toshiba lächelte. „Wir können in einer Woche einen Termin festlegen. Das gibt uns genug Zeit, um alles vorzubereiten und sicherzustellen, dass die Technologie einwandfrei funktioniert."

„Eine Woche", murmelte Kaiba nachdenklich. "Das ist akzeptabel. Aber ich erwarte, dass alles perfekt läuft. Wenn es auch nur das kleinste Problem gibt, wird das Turnier nicht stattfinden."

„Verstanden", antwortete Toshiba mit einem entschlossenen Nicken. „Wir werden unser Bestes tun, um Ihre Erwartungen zu übertreffen."

Kaiba warf einen letzten Blick auf die Präsentationstafeln im Raum, auf denen einige der neuen Technologien abgebildet waren. Er konnte das Potenzial spüren – wenn alles gut lief, könnte dies nicht nur seine Marke revolutionieren, sondern auch die gesamte Welt des Duellierens.

„Ich werde meine Vorbereitungen treffen", sagte er schließlich und wandte sich zur Tür. „Sehen Sie zu, dass Sie bereit sind."

Mit diesen Worten verließ Kaiba den Raum und ließ Toshiba und sein Team zurück, die bereits mit den Vorbereitungen für die Demo begannen. In seinem Büro angekommen, setzte er sich an seinen Schreibtisch und begann sofort damit, eine Liste der besten Duellanten zusammenzustellen – Spieler, die bereit waren, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen.

Er wusste, dass dies eine entscheidende Phase für ihn war. Wenn alles klappte, würde er nicht nur seine Position als führender Duellant festigen, sondern auch als Innovator in der Branche auftreten. Und das war genau das, was Seto Kaiba wollte: immer einen Schritt voraus sein.

Während Kaiba an seinem Schreibtisch saß und die Liste der Duellanten durchging, dachte er über die Spieler nach, die er einladen wollte. Er wusste, dass es nicht nur um ihre Fähigkeiten ging, sondern auch um ihren Einfluss und ihre Popularität in der Duelliergemeinschaft. Namen wie Yugi Muto, Joey Wheeler und Mai Valentine schossen ihm durch den Kopf. Jeder von ihnen hatte eine treue Fangemeinde und würde dem Turnier zusätzliche Aufmerksamkeit verleihen.

Er griff nach seinem Telefon und begann, einige der besten Duellanten zu kontaktieren. „Yugi", sagte er, als sein Rivale ans Telefon ging. „Ich habe ein neues Projekt in Arbeit – ein exklusives Turnier mit einer bahnbrechenden Technologie. Ich möchte, dass du teilnimmst."

„Ein exklusives Turnier? Das klingt interessant, Kaiba", antwortete Yugi neugierig. „Was für eine Technologie meinst du?"

Kaiba zögerte kurz. „Das kann ich dir noch nicht im Detail erklären, aber ich verspreche dir, dass es das Duellieren revolutionieren wird. Sei einfach bereit für eine Herausforderung."

„Ich bin dabei", sagte Yugi schließlich mit einem Lächeln in seiner Stimme. „Ich freue mich darauf!"

Nachdem er mit Yugi gesprochen hatte, wandte sich Kaiba an Joey und Mai und erhielt ähnliche Zusagen. Mai hörte sich zunächst skeptisch an, aber als Kaiba ihr von der neuen Technologie erzählte und wie sie das Duellieren revolutionieren könnte, war auch sie schnell überzeugt.

Die Vorfreude auf das bevorstehende Turnier wuchs in ihm – es war genau das, was er brauchte, um seine Vision zu verwirklichen.

In den folgenden Tagen arbeitete Toshiba unermüdlich daran, die Demo vorzubereiten. Kaiba besuchte regelmäßig das Toshiba-Büro, um sicherzustellen, dass alles nach Plan verlief. Er stellte Fragen zur Technologie und forderte ständige Updates über den Fortschritt.

Eine Woche später war es endlich so weit: Der Tag der Demo war gekommen. Kaiba betrat den Raum mit einer Mischung aus Aufregung und Anspannung. Toshiba und sein Team hatten alles vorbereitet – Bildschirme waren aufgestellt, die neue Software war installiert und die interaktiven Karten lagen bereit.

„Willkommen, Kaiba", begrüßte Toshiba ihn mit einem breiten Lächeln. „Wir sind bereit für die Präsentation."

Kaiba nickte ernsthaft und setzte sich vor einen der Bildschirme. „Zeigen Sie mir, was Sie haben."

Die Demo begann und Toshiba erklärte jede Funktion der neuen Technologie im Detail. „Zuerst möchten wir Ihnen die interaktiven Karten vorstellen", sagte Toshiba und aktivierte den Bildschirm. Eine holographische Karte erschien in der Luft, die sich dynamisch anpasste, während verschiedene Szenarien durchgespielt wurden. „Diese Karten reagieren auf die Entscheidungen der Spieler und können sich während des Spiels verändern, um neue Strategien zu ermöglichen."

Kaiba beobachtete aufmerksam, während Toshiba ein Beispiel für einen Duellverlauf zeigte. Die Karte passte sich an die Züge an, die gemacht wurden, und bot dem Spieler verschiedene Optionen basierend auf den aktuellen Bedingungen. "Das ist beeindruckend", murmelte Kaiba, während er seine Gedanken sammelte.

"Zusätzlich haben wir eine verbesserte KI integriert", fuhr Toshiba fort. "Diese KI analysiert nicht nur die Züge der Spieler in Echtzeit, sondern kann auch Vorschläge machen, um ihre Strategien zu optimieren." Er demonstrierte dies, indem er einen virtuellen Duellanten gegen die KI antreten ließ. Die KI gab dem Spieler Hinweise und Tipps, was zu tun war.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gutheißen kann", unterbrach Kaiba mit einem skeptischen Blick. „Ein Duellant sollte seine eigenen Entscheidungen treffen und nicht von einer Maschine abhängig sein."

Toshiba nickte verständnisvoll. „Das ist ein berechtigter Punkt, Kaiba. Die KI ist als Unterstützung gedacht – sie soll den Spielern helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern und nicht ihre Entscheidungen zu ersetzen. Letztendlich liegt es am Spieler, ob er diese Funktion nutzen möchte oder nicht."

Kaiba überlegte kurz und sah dann auf den Bildschirm zurück. „Und was ist mit der Benutzeroberfläche? Ist sie intuitiv genug für alle Spieler?"

„Absolut", antwortete Toshiba schnell. „Wir haben viel Wert auf Benutzerfreundlichkeit gelegt. Jeder Spieler kann die Einstellungen anpassen und entscheiden, wie viel Unterstützung er von der KI erhalten möchte."

Die Präsentation ging weiter und Kaiba war zunehmend beeindruckt von den Möglichkeiten dieser neuen Technologie. Als Toshiba schließlich zur abschließenden Frage- und Antwort-Runde überging, hob Kaiba seine Hand.

„Ich habe noch eine letzte Frage", begann er ernsthaft. „Wie stellen Sie sicher, dass diese Technologie bei einem großen Turnier stabil bleibt? Ich kann mir keine Ausfälle leisten."

Toshiba lächelte selbstbewusst. „Wir haben umfangreiche Tests durchgeführt und Simulationen in verschiedenen Szenarien, um die Stabilität und Zuverlässigkeit der Technologie zu gewährleisten. Darüber hinaus haben wir ein Team von Technikern, das während des gesamten Turniers vor Ort sein wird, um sicherzustellen, dass alles reibungslos funktioniert. Wir sind bereit für jede Eventualität."

Kaiba nickte langsam, aber er war noch nicht ganz überzeugt. „Und was ist mit der Sicherheit? Ich kann mir nicht erlauben, dass die Daten der Spieler oder die Integrität des Turniers gefährdet werden."

"Das haben wir ebenfalls berücksichtigt", antwortete Toshiba. „Wir verwenden fortschrittliche Verschlüsselungstechnologien und Firewalls, um die Daten zu schützen. Außerdem haben wir ein System zur Überwachung von Betrugsversuchen implementiert, das sofortige Maßnahmen ergreift, falls Unregelmäßigkeiten festgestellt werden."

Kaiba lehnte sich zurück und überlegte. Die Technologie hatte Potenzial, aber er wusste auch, dass es viele Herausforderungen geben würde. "Ich werde Ihnen eine Chance geben", sagte er schließlich. „Wenn die Demo erfolgreich verläuft und ich mit den Ergebnissen zufrieden bin, können wir mit den Vorbereitungen für das Turnier beginnen."

Toshiba strahlte vor Freude. „Vielen Dank, Kaiba! Wir werden unser Bestes tun, um Ihre Erwartungen zu übertreffen."

Nachdem die Präsentation beendet war und Kaiba einige letzte Fragen gestellt hatte, verließ er den Raum mit einem Gefühl der Entschlossenheit. Er wusste, dass dies der Beginn eines neuen Kapitels in der Welt des Duellierens sein könnte – eines Kapitels, das seine Vision von Innovation und Wettbewerb verwirklichen würde.

In den folgenden Tagen arbeitete Kaiba intensiv an den letzten Vorbereitungen für das Turnier. Er stellte sicher, dass alle eingeladenen Duellanten rechtzeitig informiert wurden und bereit waren für die Herausforderung. Gleichzeitig hielt er engen Kontakt zu Toshiba und seinem Team, um sicherzustellen, dass alle technischen Aspekte perfekt abgestimmt waren.

Als der Tag des Turniers näher rückte, spürte Kaiba eine Mischung aus Aufregung und Nervosität. Er wusste, dass viel auf dem Spiel stand – nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für die Zukunft des Duellierens selbst. Und während er sich auf den großen Tag vorbereitete, war ihm klar: Dies war seine Gelegenheit, Geschichte zu schreiben.

Der Tag des Turniers brach endlich an, und die Atmosphäre war elektrisierend. Kaiba stand auf der Bühne, umgeben von hochmodernen Bildschirmen und einer beeindruckenden Kulisse, die das Publikum in ihren Bann zog. Die besten Duellanten der Welt waren versammelt, bereit, sich der neuen Technologie zu stellen und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Die Zuschauer strömten in die Arena, während Kameras auf sie gerichtet waren. Kaiba wusste, dass dies nicht nur ein Wettkampf war; es war eine Show, die die Welt des Duellierens verändern würde. Er trat ans Mikrofon und begann seine Eröffnungsrede.

„Willkommen zum ersten großen Turnier mit unserer revolutionären Technologie!" rief er mit fester Stimme. „Heute werden wir nicht nur sehen, wer der beste Duellant ist, sondern auch erleben, wie weit wir im Duellieren gekommen sind. Diese neue Technologie wird uns helfen, das Spiel auf eine Weise zu erleben, die wir uns nie hätten vorstellen können. Ich nehme auch an dem Turnier teil. Also rechnet euch keine allzu großen Chancen auf den Sieg aus."

Das Publikum applaudierte begeistert. Kaiba spürte den Druck auf seinen Schultern – er musste sicherstellen, dass alles perfekt lief. Er wandte sich an Toshiba und sein Team, die hinter den Kulissen arbeiteten und letzte Anpassungen vornahmen.

„Alles bereit?" fragte Kaiba mit einem eindringlichen Blick.

„Ja, Kaiba", antwortete Toshiba nervös. „Wir sind bereit für den ersten Duellanten."

Kaiba nickte und gab das Signal für den ersten Kampf. Die Bildschirme zeigten die Namen der Duellanten und ihre Decks. Der erste Kampf begann und die interaktive Karte erschien in voller Pracht. Die Zuschauer waren fasziniert von den dynamischen Veränderungen auf dem Bildschirm – jede Entscheidung der Spieler beeinflusste das Spielfeld in Echtzeit.

Während des ersten Duells beobachtete Kaiba genau, wie die KI den Spielern half und welche Strategien sie entwickelten. Es war faszinierend zu sehen, wie sich das Spiel entwickelte und wie die Duellanten mit der neuen Technologie umgingen.

Doch plötzlich bemerkte Kaiba eine Unregelmäßigkeit auf einem der Bildschirme – ein Fehler in der Darstellung der Karten! Sein Herz raste. „Toshiba!", rief er alarmiert. „Was ist da los?"

Toshiba sprang sofort ins Geschehen. „Ich überprüfe es!", antwortete er hastig und tippte auf seinem Tablet, während er die Datenströme überwachte. „Es scheint ein Problem mit der Verbindung zur KI zu geben. Die Berechnungen sind nicht korrekt!"

Kaiba spürte, wie sich die Anspannung in der Arena verstärkte. Die Zuschauer bemerkten ebenfalls die Unregelmäßigkeit und murmelten besorgt. „Wir können uns keinen Ausfall leisten", murmelte Kaiba durch zusammengebissene Zähne. „Wenn das Turnier jetzt scheitert, wird es nicht nur mein Ruf sein, der auf dem Spiel steht."

Toshiba arbeitete fieberhaft an einer Lösung. „Ich versuche, die Verbindung neu zu starten und die Software zu stabilisieren", erklärte er, während er hektisch auf dem Bildschirm tippte. „Bitte geben Sie mir einen Moment."

In der Zwischenzeit hatte der erste Duellant, Yugi Muto, bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Er sah auf den Bildschirm und dann zu Kaiba hinüber. „Kaiba, ist alles in Ordnung? Ich kann die Karten nicht richtig lesen."

„Das ist nur ein vorübergehendes Problem", antwortete Kaiba mit einem gezwungenen Lächeln, obwohl ihm das Herz bis zum Hals schlug. „Vertraue einfach auf deine Fähigkeiten."

Yugi nickte zögerlich und konzentrierte sich wieder auf das Duell. Doch Kaiba wusste, dass sie schnell handeln mussten. Er wandte sich an Toshiba: „Können Sie das Problem beheben oder müssen wir das Duell unterbrechen?"

„Ich arbeite daran", sagte Toshiba hastig. „Aber ich brauche noch ein paar Sekunden."

Die Sekunden vergingen wie Stunden, und Kaiba fühlte den Druck steigen. Plötzlich flackerte der Bildschirm und die interaktive Karte stabilisierte sich wieder. Das Publikum atmete erleichtert auf.

„Wir haben es geschafft!", rief Toshiba triumphierend aus.

Kaiba atmete tief durch und wandte sich wieder an die Arena. "Entschuldigen Sie bitte die Unterbrechung! Wir sind bereit für den nächsten Zug!"

Yugi nutzte die Gelegenheit und setzte seinen Zug fort, während die Zuschauer gebannt zusahen. Kaiba beobachtete genau, wie sich das Duell weiterentwickelte – trotz des Rückschlags war es klar, dass Yugi und sein Gegner ihr Bestes gaben.

Als das Duell schließlich endete und Yugi als Sieger hervorging, brach das Publikum in frenetischen Applaus aus. Kaiba fühlte eine Welle der Erleichterung, aber er wusste, dass dies nur der Anfang war. Es gab noch viele Duelle vor ihnen, und die Technologie musste stabil bleiben.

„Das war beeindruckend, Yugi", sagte Kaiba, als der junge Duellant von der Bühne kam. „Aber wir müssen sicherstellen, dass solche Probleme nicht wieder auftreten."

Yugi nickte zustimmend. „Ich vertraue darauf, dass du alles unter Kontrolle hast, Kaiba. Ich weiß, wie wichtig dieses Turnier für dich ist."

Kaiba wandte sich wieder an Toshiba und sein Team. „Wir müssen sicherstellen, dass die Software jetzt stabil läuft. Führen Sie alle notwendigen Tests durch und bereiten Sie sich auf die nächsten Duelle vor."

Toshiba nickte eifrig. „Ja, wir werden alles überprüfen und sicherstellen, dass es keine weiteren Probleme gibt."

Die nächsten Duelle verliefen ohne Zwischenfälle, und die Zuschauer waren begeistert von den spannenden Kämpfen. Die interaktive Technologie zeigte ihre Stärken und ermöglichte es den Spielern, kreative Strategien zu entwickeln. Kaiba beobachtete fasziniert, wie die KI den Spielern half und sie gleichzeitig herausforderte.

Doch während das Turnier fortschritt, spürte Kaiba ein nagendes Gefühl der Unruhe in seinem Magen. Er konnte nicht umhin zu denken, dass sie möglicherweise nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet waren. Was wäre, wenn ein schwerwiegenderer Fehler auftrat?

Als das Finale näher rückte und die besten Duellanten gegeneinander antreten sollten – darunter auch Yugi – stellte sich Kaiba an die Spitze der Arena und sprach ins Mikrofon: „Wir stehen kurz vor dem Höhepunkt dieses Turniers! Ich möchte allen Teilnehmern danken und versichern, dass wir alles tun werden, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten."

Das Publikum jubelte ihm zu. Doch in seinem Inneren wusste Kaiba: Die wahre Herausforderung stand noch bevor.

Im Hintergrund bereitete Toshiba die Systeme für das große Finale vor. Plötzlich ertönte ein Alarmton aus einem der Computerterminals. „Kaiba!", rief Toshiba alarmiert. „Wir haben ein Problem mit der Datenverbindung! Es sieht so aus, als ob jemand versucht hat, in unser System einzudringen!"

Kaibas Herz setzte einen Schlag aus. „Was? Wie ist das möglich?" fragte er, während er sich hastig umdrehte und zu Toshiba eilte. „Haben wir nicht alle Sicherheitsprotokolle überprüft?"

„Ja, aber es scheint, als ob jemand eine Schwachstelle gefunden hat", erklärte Toshiba, während er hektisch auf die Bildschirme starrte. "Wir müssen sofort handeln, bevor sie Zugriff auf die Turnierdaten oder die KI erhalten!"

Kaiba wusste, dass sie in dieser kritischen Situation keine Zeit verlieren durften. „Leiten Sie sofort alle Sicherheitsmaßnahmen ein! Wir müssen die Verbindung zum Internet trennen und die Systeme isolieren, bis wir herausfinden, was vor sich geht."

Toshiba nickte und begann mit den notwendigen Schritten. „Ich werde auch versuchen, den Ursprung des Angriffs zu lokalisieren. Vielleicht können wir herausfinden, wer dahintersteckt."

Während Toshiba arbeitete, wandte sich Kaiba an das Publikum. "Wir haben ein kleines technisches Problem, aber ich bitte um Ihre Geduld. Das Turnier wird in Kürze fortgesetzt!" Er versuchte, seine Stimme ruhig und selbstbewusst zu halten, obwohl er innerlich brodelte.

Die Zuschauer schienen besorgt zu sein, aber sie vertrauten Kaiba und seiner Fähigkeit, die Situation zu meistern. In der Arena herrschte eine gespannte Stille.

Nach einigen Minuten intensiver Arbeit rief Toshiba: „Ich habe den Ursprung des Angriffs gefunden! Es kommt von einem anonymen Server außerhalb der Stadt. Jemand versucht absichtlich, unser System zu sabotieren!"

Kaiba ballte die Fäuste. „Das werden wir nicht zulassen! Wir müssen schnell handeln und sicherstellen, dass unsere Daten geschützt sind."

„Ich kann versuchen, den Server zu blockieren", sagte Toshiba entschlossen. „Aber ich brauche etwas Zeit."

„Machen Sie es!", befahl Kaiba und wandte sich dann wieder an das Publikum. „Wir haben alles unter Kontrolle! Bitte bleiben Sie ruhig!"

In diesem Moment spürte Kaiba eine Welle der Entschlossenheit in sich aufsteigen. Er würde nicht zulassen, dass jemand sein Turnier ruinierte oder seine Vision für die Zukunft des Duellierens gefährdete.

Als Toshiba weiter an der Blockade arbeitete, überlegte Kaiba fieberhaft nach einem Plan B für das Finale. Wenn sie das Turnier nicht wie geplant fortsetzen konnten, würde das nicht nur die Zuschauer enttäuschen, sondern auch seine gesamte Vision für die Zukunft des Duellierens gefährden. Er musste einen Weg finden, das Turnier zu retten und gleichzeitig die Sicherheit der Systeme zu gewährleisten.

„Wir könnten das Finale in einem geschlossenen Netzwerk durchführen", schlug Kaiba vor, während er über die Möglichkeiten nachdachte. „So können wir die Verbindung zum Internet trennen und sicherstellen, dass niemand von außen eingreifen kann."

Toshiba sah auf und nickte. „Das könnte funktionieren! Wir müssten jedoch sicherstellen, dass alle Duellanten und Zuschauer darüber informiert werden und dass wir die Technik schnell umstellen."

Kaiba wandte sich an sein Team. "Bereitet alles für ein internes Duell vor! Wir müssen die Systeme so schnell wie möglich umschalten."

Während Toshiba und sein Team hastig daran arbeiteten, die Technik anzupassen, wandte sich Kaiba erneut an das Publikum. „Wir haben uns entschieden, das Finale in einem geschützten Netzwerk durchzuführen. Dies wird uns ermöglichen, die Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig den Wettkampf fortzusetzen!"

Die Zuschauer reagierten mit gemischten Gefühlen – einige waren besorgt, andere begeistert von der Idee eines exklusiven Duells. Kaiba wusste, dass er sie beruhigen musste. „Vertraut mir! Dies ist eine einmalige Gelegenheit, ein Duell in seiner reinsten Form zu erleben!"

Als Toshiba schließlich meldete: „Wir sind bereit! Das interne Netzwerk ist eingerichtet!", atmete Kaiba erleichtert auf. „Gut gemacht! Jetzt müssen wir nur noch sicherstellen, dass alle Duellanten bereit sind."

Er ging zu Yugi und den anderen Finalisten. „Wir haben einige Änderungen vorgenommen. Das Finale wird jetzt in einem geschützten Netzwerk stattfinden. Seid ihr bereit?"

Yugi nickte entschlossen. „Ich bin bereit, Kaiba! Lass uns zeigen, was wir können!"

Mit einem letzten Blick auf Toshiba gab Kaiba das Signal zur Fortsetzung des Turniers. Die Bildschirme flackerten kurz auf und zeigten dann die neuen Einstellungen an – alles war bereit für das große Finale.

Die Arena war erfüllt von Spannung und Vorfreude. Kaiba spürte den Adrenalinschub; dies war der Moment, auf den er gewartet hatte – trotz aller Widrigkeiten würde er nicht zulassen, dass jemand seine Vision ruinierte.

„Lasst das Finale beginnen!" rief Kaiba mit fester Stimme, während er sich wieder an die Zuschauer wandte. Die Menge brach in Jubel aus, und die Atmosphäre war elektrisierend.

Die Duellanten nahmen ihre Positionen ein, und die Bildschirme zeigten die neuen Einstellungen des geschützten Netzwerks. Kaiba beobachtete aufmerksam, wie Yugi und sein Gegner sich gegenseitig herausforderten. Er wusste, dass dies nicht nur ein Test ihrer Fähigkeiten war, sondern auch ein Beweis dafür, dass sie trotz der technischen Schwierigkeiten in der Lage waren, das Beste aus der Situation zu machen.

„Denkt daran, ihr spielt nicht nur um den Sieg", sagte Kaiba zu den Duellanten. „Ihr repräsentiert die Zukunft des Duellierens! Gebt euer Bestes!"

Das Duell begann, und die ersten Züge wurden gemacht. Yugi setzte seine Karten strategisch ein und zeigte einmal mehr sein Talent. Kaiba konnte nicht anders, als beeindruckt zu sein. Doch gleichzeitig war er wachsam; er wusste, dass der Angreifer möglicherweise noch immer versuchte, in das System einzudringen.

Plötzlich flackerte der Bildschirm erneut auf und eine Warnmeldung erschien: "Ungewöhnliche Aktivität im Netzwerk erkannt!" Toshiba sprang auf und rief: „Kaiba! Es sieht so aus, als ob der Angreifer versucht hat, sich erneut Zugang zu verschaffen!"

Kaiba fühlte einen Schock durch seinen Körper fahren. „Was? Wie ist das möglich?" fragte er hastig.

„Es scheint, als ob sie einen Backup-Server nutzen", erklärte Toshiba schnell. „Wir müssen sofort handeln und den Zugriff blockieren!"

„Machen Sie es!", befahl Kaiba entschlossen. „Und informieren Sie die Sicherheitskräfte! Wir können uns keinen weiteren Ausfall leisten!"

Während Toshiba an den Kontrollen arbeitete, konzentrierte sich Kaiba wieder auf das Duell. Yugi hatte gerade einen entscheidenden Zug gemacht und schien die Oberhand zu gewinnen. Das Publikum war begeistert und jubelte ihm zu.

Doch in Kaibas Kopf kreisten die Gedanken: Wenn sie diesen Angriff nicht abwehren konnten, würde alles verloren gehen – das Turnier, seine Vision für die Zukunft des Duellierens und vielleicht sogar sein Ruf.

„Yugi!", rief Kaiba plötzlich über den Lärm hinweg. „Wenn du merkst, dass etwas nicht stimmt oder wenn du eine Unterbrechung im System spürst, zögere nicht, es mir sofort zu sagen! Wir müssen auf alles vorbereitet sein!"

Yugi nickte, seine Augen fest auf das Spielfeld gerichtet. „Verstanden, Kaiba! Ich werde mein Bestes geben und gleichzeitig auf die Umgebung achten."

Das Duell ging weiter, und Yugi setzte eine Kombination von Karten ein, die das Publikum in Staunen versetzte. Kaiba konnte sehen, wie Yugi mit jedem Zug mehr Selbstvertrauen gewann. Doch während er sich auf das Duell konzentrierte, war er sich der Bedrohung im Hintergrund bewusst.

Toshiba arbeitete fieberhaft an den Kontrollen und rief: „Ich habe den Zugriff des Angreifers lokalisiert! Es scheint, als ob sie versuchen, die KI zu manipulieren! Wenn wir nicht schnell handeln, könnte das gesamte Turnier gefährdet sein!"

Kaiba spürte einen Anflug von Panik. „Was müssen wir tun? Können wir die KI zurücksetzen?"

„Ja, aber das würde bedeuten, dass wir einige der aktuellen Duelle unterbrechen müssen", erklärte Toshiba. „Wir könnten die KI in einen sicheren Modus versetzen und dann den Zugriff blockieren."

„Das ist riskant", murmelte Kaiba. „Aber wenn wir nichts tun, könnte es noch schlimmer werden." Er wandte sich an Toshiba: "Machen Sie es! Setzen Sie die KI in den sicheren Modus und blockieren Sie den Zugriff!"

Toshiba nickte und begann mit der Umsetzung des Plans. Währenddessen beobachtete Kaiba nervös das Duell zwischen Yugi und seinem Gegner. Die Spannung in der Arena war greifbar; jeder Zuschauer hielt den Atem an.

Plötzlich gab es einen lauten Alarmton aus dem Kontrollraum. „Kaiba!", rief Toshiba alarmiert. „Die Verbindung zur KI wird instabil! Wir haben nur noch wenige Sekunden!"

Kaiba fühlte sich wie in einem Wettlauf gegen die Zeit. „Yugi!", rief er erneut. „Mach schnell einen entscheidenden Zug! Wir brauchen Ablenkung!"

Yugi verstand sofort und konzentrierte sich auf seinen nächsten Zug. Mit einem strategischen Spielzug aktivierte er eine mächtige Karte, die nicht nur seinen Gegner überraschte, sondern auch das Publikum zum Jubeln brachte.

In diesem Moment nutzte Toshiba die Gelegenheit und drückte auf den Knopf für den sicheren Modus der KI. Die Bildschirme in der Arena flackerten kurz auf, und ein beruhigendes Signal ertönte. „Die KI wird jetzt in den sicheren Modus versetzt", verkündete Toshiba mit fester Stimme. „Alle externen Zugriffe sind blockiert!"

Ein kollektives Aufatmen ging durch die Menge, während Kaiba erleichtert feststellte, dass sie einen ersten Schritt zur Sicherung des Turniers gemacht hatten. Doch er wusste, dass sie noch nicht über den Berg waren. Der Angreifer könnte immer noch versuchen, das System zu destabilisieren.

Yugi nutzte die Ablenkung und setzte seine Strategie fort. „Ich aktiviere meine Karte 'Schwarzer Magier'!", rief er und beschwor die ikonische Kreatur auf das Spielfeld. Das Publikum jubelte begeistert, als der Dunkle Magier erschien und bereit war, seinen Gegner herauszufordern.

"Das ist beeindruckend, Yugi!", rief Kaiba und fühlte sich gleichzeitig stolz und besorgt. Er wusste, dass Yugi alles geben würde, um zu gewinnen – aber auch, dass sie alle in Gefahr waren.

Toshiba arbeitete weiter an den Kontrollen. „Kaiba! Wir haben die Verbindung zur KI stabilisiert, aber ich kann nicht garantieren, dass der Angreifer nicht erneut versucht, einzudringen."

Kaiba nickte entschlossen. „Wir müssen sicherstellen, dass wir alle Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Ich werde die Sicherheitskräfte anweisen, das gesamte Gelände zu überwachen."

Gerade als Kaiba sich umdrehte, um seine Anweisungen zu geben, ertönte ein weiterer Alarm aus dem Kontrollraum. "Kaiba! Es gibt einen weiteren Versuch des Zugriffs! Sie versuchen es über eine andere Route!" Toshiba sah besorgt aus.

„Verdammtes Spiel!", murmelte Kaiba wütend. „Wir müssen sofort handeln! Leiten Sie eine vollständige Überprüfung aller Systeme ein!"

Yugi hatte inzwischen einen weiteren entscheidenden Zug gemacht und schickte seinen Dunklen Magier in den Angriff. "Ich greife direkt dein Lebenspunkte an!" rief er mit Entschlossenheit.

Der Gegner war sichtlich überrascht und konnte nur zusehen, wie sein Lebenspunkte schwanden. Das Publikum brach in Jubel aus – doch Kaiba konnte sich nicht entspannen.

„Yugi!", rief er erneut. „Bleib wachsam! Wenn du etwas Ungewöhnliches bemerkst, sag es mir sofort! Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht nur das Duell gewinnen, sondern auch die Kontrolle über die Situation behalten!"

Yugi nickte und konzentrierte sich auf das Spielfeld. „Ich werde aufpassen, Kaiba!" Er wusste, dass die Sicherheit des Turniers und aller Anwesenden von größter Bedeutung war.

Der Gegner versuchte verzweifelt, sich zu verteidigen. „Ich aktiviere meine Falle!", rief er und legte eine Karte auf das Spielfeld. „Das wird deinen Dunklen Magier aufhalten!"

Kaiba beobachtete angespannt, wie die Karten gespielt wurden. Die Spannung in der Arena war greifbar; jeder Zuschauer hielt den Atem an. Yugi ließ sich jedoch nicht beirren. "Ich habe noch einen Trumpf im Ärmel!" rief er und aktivierte eine weitere Karte. "Mit 'Magische Zylinder' kann ich deinen Angriff abwehren!"

Das Publikum jubelte erneut, als Yugi seinen Gegner mit einer cleveren Strategie überlistete. Kaiba spürte einen Anflug von Stolz – Yugi war ein wahrer Meister des Duellierens.

Doch dann ertönte ein weiterer Alarm aus dem Kontrollraum. Toshiba sah besorgt aus. „Kaiba! Der Angreifer hat es geschafft, in unser internes System einzudringen! Wir haben keine Zeit mehr!"

„Was? Wie ist das möglich?" fragte Kaiba ungläubig.

„Sie haben eine Sicherheitslücke gefunden! Wir müssen sofort alle Systeme herunterfahren!" Toshiba drängte.

Kaiba zögerte einen Moment. „Das würde das Duell unterbrechen und möglicherweise Chaos auslösen." Doch er wusste auch, dass sie keine andere Wahl hatten. "Machen Sie es! Schalten Sie alles ab!"

Toshiba begann hastig mit den Vorbereitungen zur Abschaltung der Systeme. In der Arena wurde es still; die Zuschauer spürten die plötzliche Veränderung in der Atmosphäre.

"Yugi!", rief Kaiba eindringlich. "Wir müssen das Duell jetzt abbrechen! Es gibt eine Bedrohung für alle hier!"

Yugi sah überrascht aus, aber er verstand die Dringlichkeit in Kaibas Stimme. "Okay, Kaiba! Ich werde alles tun, um sicherzustellen, dass alle in Sicherheit sind."

Gerade als Toshiba die letzten Befehle gab, flackerte das Licht in der Arena und die Bildschirme zeigten ein verzerrtes Bild. Ein lautes Geräusch ertönte, als die Systeme begannen, sich herunterzufahren. Das Publikum murmelte besorgt, während einige Zuschauer aufstanden und sich fragten, was vor sich ging.

„Was passiert hier?", rief einer der Zuschauer. "Wird das Turnier abgebrochen?"

Kaiba trat entschlossen nach vorne und sprach in das Mikrofon. „Bleiben Sie ruhig! Wir haben technische Schwierigkeiten, aber Ihre Sicherheit hat oberste Priorität. Wir arbeiten daran, die Situation zu klären."

Yugi wandte sich an seinen Gegner. "Es tut mir leid, aber wir müssen das Duell unterbrechen." Er sah in die Menge und bemerkte die besorgten Gesichter der Zuschauer. "Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass alle in Sicherheit sind."

Plötzlich flackerte das Licht erneut und eine Stimme ertönte aus den Lautsprechern: "Das Turnier wird jetzt gestoppt! Alle Teilnehmer und Zuschauer müssen den Veranstaltungsort sofort verlassen!"

Die Menge begann unruhig zu werden, als die Sicherheitskräfte in Position gingen und Anweisungen gaben. Kaiba spürte den Druck auf seinen Schultern steigen. „Toshiba!", rief er. „Haben Sie den Angreifer identifizieren können?"

„Ich arbeite daran", antwortete Toshiba hastig. "Aber es ist schwierig, da sie ihre Spuren gut verwischen."

Yugi sah Kaiba an und sagte: „Kaiba, ich weiß, dass du alles tun wirst, um das Turnier zu schützen. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass niemand verletzt wird."

Kaiba nickte zustimmend. "Du hast recht, Yugi. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass alle sicher sind." Er wandte sich an Toshiba: "Leiten Sie die Evakuierung ein! Wir müssen sicherstellen, dass jeder schnell und sicher hinauskommt."

Während Toshiba mit den Sicherheitskräften kommunizierte, beobachtete Kaiba nervös die Menge. Die Zuschauer begannen sich in Richtung Ausgänge zu bewegen, aber einige blieben stehen und schauten verwirrt umher.

"Wir müssen schneller handeln!", drängte Kaiba. "Wenn der Angreifer noch im System ist, könnte er versuchen Chaos zu stiften!"

Gerade als er dies sagte, flackerte der Bildschirm erneut auf und zeigte ein Bild eines maskierten Individuums, das vor einem Computerbildschirm saß. Die Stimme des Angreifers ertönte durch die Lautsprecher, kalt und herausfordernd: "Willkommen zu meinem kleinen Spiel! Ihr denkt, ihr könnt mich aufhalten? Ich habe die Kontrolle über euer Turnier übernommen!"

Die Menge reagierte mit Schock und Angst. Einige Zuschauer schrien, während andere versuchten, sich einen Weg nach draußen zu bahnen. Kaiba ballte die Fäuste vor Wut. „Was will dieser Idiot?", murmelte er.

„Kaiba!", rief Yugi, der sich bemühte, die Situation zu beruhigen. "Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren. Vielleicht können wir ihn überlisten."

Toshiba arbeitete hastig an den Kontrollen. "Ich kann versuchen, seine Verbindung zu unterbrechen, aber ich brauche Zeit! Wenn er Zugriff auf unsere Systeme hat, könnte er alles manipulieren!"

Kaiba sah Yugi an und nickte dann entschlossen. "Yugi, du musst dich auf das Duell konzentrieren! Wenn wir den Angreifer ablenken können, während Toshiba arbeitet, haben wir vielleicht eine Chance."

Yugi verstand sofort und wandte sich wieder seinem Gegner zu. "Ich werde mein Bestes geben!" Er aktivierte eine weitere Karte und rief: "Ich beschwöre 'Magier der Zerstörung'! Mit seiner Kraft kann ich deinen Lebenspunkten weiter zusetzen!"

Das Publikum begann erneut zu jubeln, als Yugi seinen Zug machte. Der Dunkle Magier und der Magier der Zerstörung standen bereit für den Angriff.

Währenddessen beobachtete Kaiba nervös die Bildschirme im Kontrollraum. "Toshiba, wie lange brauchen Sie noch?"

"Ich arbeite so schnell ich kann!", antwortete Toshiba angespannt. "Aber wenn wir nicht bald handeln, könnte der Angreifer das gesamte System zum Absturz bringen!"

Plötzlich flackerte das Licht erneut und die Stimme des Angreifers ertönte wieder: "Ihr glaubt wirklich, dass ihr mich aufhalten könnt? Ich habe noch einige Überraschungen für euch!"

Ein weiterer Alarm ertönte aus dem Kontrollraum. Toshiba sah panisch aus. "Kaiba! Er hat ein Virus in unser System eingeschleust! Wir müssen sofort handeln!"

Kaiba spürte den Druck steigen. „Yugi!", rief er eindringlich. „Du musst alles geben! Konzentriere dich auf deinen nächsten Zug und halte den Druck aufrecht! Wir müssen den Angreifer ablenken, während Toshiba versucht, die Kontrolle zurückzugewinnen!"

Yugi nickte entschlossen und wandte sich wieder seinem Gegner zu. „Ich aktiviere die Fähigkeit meines Magiers der Zerstörung! Mit seiner Kraft kann ich deine Lebenspunkte weiter angreifen!" Er hob seine Karte in die Luft, und das Publikum brach in Jubel aus.

Der Gegner sah sichtlich besorgt aus. „Das wird nicht so einfach sein! Ich aktiviere meine Falle!" Doch Yugi war bereit. "Ich lasse meinen Dunklen Magier angreifen! Gemeinsam werden wir deine Verteidigung durchbrechen!"

Die beiden mächtigen Zauberer stürmten vorwärts, und das Licht in der Arena flackerte erneut, als die Karten aufeinanderprallten. Der Gegner versuchte verzweifelt, sich zu verteidigen, aber Yugi hatte die Oberhand.

Währenddessen arbeitete Toshiba fieberhaft an den Kontrollen. "Seto, ich habe eine Möglichkeit gefunden, den Virus zu isolieren! Aber ich brauche noch ein paar Minuten!" Er tippte hastig auf der Tastatur und beobachtete die Bildschirme mit wachsender Besorgnis.

Kaiba spürte, wie die Zeit gegen sie arbeitete. "Wir haben keine Zeit zu verlieren! Yugi, gib alles, was du hast!"

Yugi konzentrierte sich und rief: "Ich aktiviere 'Dunkler Magier - Angriff!' Jetzt wird dein Lebenspunkte direkt angegriffen!" Die Arena erleuchtete in einem strahlenden Licht, als der Dunkle Magier seinen mächtigen Zauber entfesselte.

Der Gegner konnte nur zusehen, wie seine Lebenspunkte schwanden. Das Publikum jubelte lautstark – doch Kaiba wusste, dass sie noch nicht gewonnen hatten.

Plötzlich ertönte ein weiterer Alarm aus dem Kontrollraum. Toshiba sah panisch aus. "Kaiba! Der Angreifer hat einen weiteren Zugriff versucht! Es ist jetzt oder nie!"

"Machen Sie weiter!", befahl Kaiba mit fester Stimme. "Wir müssen ihn stoppen!"

Gerade als Yugi seinen letzten entscheidenden Zug machen wollte, flackerte das Licht erneut und die Stimme des Angreifers ertönte wieder: "Ihr denkt wirklich, ihr könnt mich besiegen? Ich habe noch einige Tricks im Ärmel!"

Die Bildschirme in der Arena zeigten nun ein Chaos aus bunten, flackernden Bildern und verzerrten Grafiken. Die Stimme des Angreifers wurde lauter und dröhnte durch die Lautsprecher: "Ich werde das Turnier nicht nur sabotieren, ich werde es für immer ruinieren!"

Yugi spürte, wie sich die Anspannung in der Luft verdichtete. „Kaiba, wir müssen schnell handeln! Wenn wir ihm nicht das Handwerk legen, wird er alles zerstören!"

Kaiba nickte entschlossen. „Toshiba, was ist der nächste Schritt? Wir können ihn nicht einfach gewähren lassen!"

„Ich bin fast fertig!", rief Toshiba zurück, während er hektisch auf die Tasten hämmerte. "Wenn ich den Virus isolieren kann, können wir seine Kontrolle über das System beenden! Aber ich brauche noch ein paar Sekunden!"

Yugi sah seinen Gegner an, der nervös mit seinen Karten spielte. "Ich lasse mich nicht ablenken!", rief er und konzentrierte sich wieder auf das Duell. "Ich aktiviere 'Magische Zylinder'! Damit kann ich deinen Angriff abwehren und gleichzeitig deine Lebenspunkte weiter reduzieren!"

Das Publikum jubelte erneut, als Yugi seine Strategie umsetzte. Der Dunkle Magier und der Magier der Zerstörung standen bereit für den finalen Angriff.

Doch plötzlich flackerte das Licht erneut und die Stimme des Angreifers ertönte wieder: "Ihr seid zu spät! Ich habe bereits einen Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert! Wenn ihr mich nicht aufhaltet, wird dieses ganze Gebäude in die Luft fliegen!"

Ein Schock durchfuhr Kaiba und Yugi. "Was?!", rief Kaiba entsetzt. "Das darf nicht wahr sein!"

"Seto!", rief Yugi panisch. "Wir müssen ihn sofort stoppen! Was können wir tun?"

Toshiba hatte endlich eine Idee. "Wenn ich den Virus isolieren kann, könnte ich auch den Selbstzerstörungsmechanismus deaktivieren! Aber ich brauche mehr Zeit – vielleicht eine Minute!"

"Eine Minute haben wir nicht!", rief Kaiba verzweifelt. "Yugi, du musst alles riskieren! Setze alles auf eine Karte!"

Yugi atmete tief durch und nickte entschlossen. "Okay! Ich beschwöre 'Die Dunkle Magie'! Mit dieser Karte kann ich die Kraft meines Dunklen Magiers verstärken und einen verheerenden Angriff ausführen!"

Das Publikum hielt den Atem an, als Yugi seine letzte Karte aktivierte. Ein strahlendes Licht umhüllte den Dunklen Magier, während er sich auf seinen finalen Angriff vorbereitete. "Dunkler Magier, greife direkt an! Zerschmettere die Verteidigung deines Gegners!"

Der Gegner sah panisch aus, als der Dunkle Magier mit unvorstellbarer Kraft auf ihn zustürmte. "Nein! Das kann nicht sein!" Doch es war zu spät. Der Angriff traf und ließ die Lebenspunkte des Gegners auf null sinken.

Ein lauter Jubel brach im Publikum aus, doch Yugi wusste, dass der Kampf noch nicht vorbei war. "Seto! Was ist mit dem Selbstzerstörungsmechanismus?"

Toshiba tippte hastig weiter auf der Tastatur. "Ich bin fast da! Ich kann den Virus isolieren und den Mechanismus deaktivieren, aber ich brauche noch ein paar Sekunden!"

Kaiba sah in die Menge und dann zurück zu Toshiba. „Wir haben keine Zeit mehr! Mach es jetzt!"

Gerade als Toshiba die letzten Befehle eingab, flackerte das Licht erneut und die Stimme des Angreifers ertönte wieder: „Ihr habt gewonnen, aber das wird euch nichts nützen! Die Explosion ist bereits programmiert!"

Yugi spürte einen Schauer über seinen Rücken laufen. „Kaiba, wir müssen etwas unternehmen!"

„Ich habe es!", rief Toshiba plötzlich. „Ich kann den Selbstzerstörungsmechanismus deaktivieren – jetzt!" Er drückte die letzte Taste und alle Bildschirme flackerten wild.

Ein Moment der Stille trat ein, gefolgt von einem lauten Piepen aus den Lautsprechern. Dann ertönte eine beruhigende Stimme: „Selbstzerstörungsmechanismus deaktiviert."

Das Publikum brach in Jubel aus, während Yugi und Kaiba erleichtert aufatmeten.

„Wir haben es geschafft!", rief Yugi voller Freude.

Kaiba wandte sich an Toshiba. „Gut gemacht! Aber wir müssen sicherstellen, dass dieser Angreifer nicht entkommt."

Plötzlich erschien ein weiteres Bild auf den Bildschirmen – das Bild eines maskierten Individuums, das in einem dunklen Raum saß, umgeben von Bildschirmen und blinkenden Lichtern. "Ihr denkt, ihr habt gewonnen?", lachte der Angreifer spöttisch. "Das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was ich wirklich kann! Ihr seid nicht sicher, solange ich noch hier bin!"

Yugi und Kaiba tauschten besorgte Blicke aus. "Was hat er vor?", murmelte Yugi.

„Er könnte noch mehr Überraschungen im Ärmel haben", antwortete Kaiba. „Wir müssen ihn finden und stoppen, bevor er weiteren Schaden anrichten kann."

Toshiba arbeitete hastig an den Kontrollen. „Ich kann versuchen, seine IP-Adresse zu verfolgen! Wenn wir wissen, woher er angreift, können wir die Behörden informieren!"

„Machen Sie schnell!", drängte Kaiba. „Wir haben keine Zeit zu verlieren!"

Während Toshiba tippte, wandte sich Yugi wieder an den Bildschirm. "Warum tust du das? Was hast du davon, uns zu bedrohen?"

Der Angreifer grinste hinter seiner Maske. "Es geht nicht nur um euch! Es geht darum, Chaos zu stiften und die Kontrolle über alles zu übernehmen! Und jetzt ist es an der Zeit für meine wahre Macht!"

Plötzlich flackerte das Licht erneut und die Bildschirme zeigten eine Countdown-Uhr an – 10 Sekunden bis zur Aktivierung eines neuen Mechanismus.

"Was ist das?!", rief Yugi entsetzt.

"Das ist ein weiterer Selbstzerstörungsmechanismus!", rief Toshiba panisch. "Wir müssen ihn sofort stoppen!"

Kaiba ballte die Fäuste vor Wut. "Yugi, wir müssen zusammenarbeiten! Wir können ihn nicht einfach ignorieren!"

Yugi nickte entschlossen. "Okay! Lass uns unsere Kräfte bündeln!"

Gemeinsam konzentrierten sie sich auf den Bildschirm und riefen gleichzeitig: "Wir werden dich aufhalten!"

Toshiba schloss seine Augen und gab sein Bestes, um die Verbindung des Angreifers zu unterbrechen. "Ich brauche mehr Zeit! Ich kann es schaffen!"

Die Countdown-Uhr tickte unerbittlich weiter – 5 Sekunden… 4 Sekunden…

"Yugi!", rief Kaiba. "Aktiviere deine stärksten Karten! Wir müssen ihm zeigen, dass wir nicht aufgeben werden!"

Yugi nickte und zog eine Karte aus seinem Deck. "Ich aktiviere 'Ritual der Dunklen Magie'! Damit kann ich meinen Dunklen Magier erneut beschwören und seine Kraft verstärken!"

Das Publikum hielt den Atem an, als Yugi die Karte in die Luft hielt. Ein strahlendes Licht umhüllte den Dunklen Magier, der nun noch mächtiger war. "Dunkler Magier, vereine deine Kräfte mit mir! Lass uns diesen Angreifer besiegen!"

Die Countdown-Uhr zeigte jetzt nur noch 2 Sekunden an. Toshiba tippte hastig auf der Tastatur, während er versuchte, die Verbindung zu stabilisieren. "Ich bin fast da! Ich kann ihn zurückdrängen!"

"Jetzt!", rief Kaiba und sah Yugi an. "Greif an! Lass ihn wissen, dass wir nicht zulassen werden, dass er uns besiegt!"

Yugi hob seine Hand und rief: "Dunkler Magier, greife direkt auf das Herz seines Chaos zu! Zerschmettere seine Illusionen!"

Der Dunkle Magier stürmte vorwärts, bereit für den finalen Angriff. Doch im letzten Moment ertönte ein lautes Geräusch – die Bildschirme flackerten und zeigten ein verzerrtes Bild des Angreifers.

„Das ist noch nicht das Ende!", schrie der Angreifer. "Ihr könnt mich nicht aufhalten! Ich werde euch alle vernichten!"

In diesem Moment schoss ein grelles Licht aus dem Bildschirm und durchbrach die Barrieren zwischen der digitalen Welt und der Realität. Die Arena begann zu vibrieren, als ob sie von einer unsichtbaren Kraft erfasst wurde.

„Was passiert hier?", rief Yugi entsetzt.

„Es ist ein Überlastungssignal!", erklärte Toshiba hastig. „Er versucht, die Systeme zum Absturz zu bringen! Wir müssen ihn sofort stoppen!"

Kaiba ballte die Fäuste. „Yugi, wir müssen unsere Kräfte bündeln – jetzt mehr denn je! Wenn wir zusammenarbeiten, können wir diese Bedrohung neutralisieren!"

Yugi nickte entschlossen. „Okay! Lass uns unser ganzes Potenzial entfalten!"

Gemeinsam konzentrierten sie sich auf den Bildschirm und riefen: „Wir sind stärker als du denkst! Wir werden dich besiegen!"

Das grelle Licht pulsierte und die Vibrationen in der Arena wurden intensiver. Yugi und Kaiba spürten, wie die Energie um sie herum zu einem gewaltigen Sturm anschwoll. „Schwarzer Magier!", rief Yugi mit fester Stimme. „Vereine deine Kraft mit der von Seto und mir! Lass uns gemeinsam gegen das Chaos kämpfen!"

Kaiba schloss die Augen und konzentrierte sich auf seine stärksten Karten. „Ich aktiviere 'Drache der Weißen Augen'! Gemeinsam mit deinem Dunklen Magier werden wir eine unaufhaltsame Macht entfesseln!"

Die beiden Monster erschienen gleichzeitig auf dem Spielfeld, ihre Kräfte vereint in einem strahlenden Licht, das die Dunkelheit durchbrach. Der Angreifer auf dem Bildschirm wurde sichtbar nervös, als er die geballte Energie vor sich sah.

„Was?! Das kann nicht sein!", rief er aus, während die Bildschirme um ihn herum flackerten und zu zerbrechen schienen. "Ihr dürft nicht gewinnen!"

„Wir sind hier, um dich zu stoppen!", rief Yugi entschlossen. „Dein Chaos hat hier kein Platz mehr!"

Mit einem letzten Aufschrei aktivierten Yugi und Kaiba ihre Karten gleichzeitig: „Vereinte Macht des Dunklen Magiers und des Drachen der Weißen Augen – entfesselt den ultimativen Angriff!"

Ein gewaltiger Strahl aus magischer Energie schoss auf den Bildschirm des Angreifers zu, durchbrach die digitale Barriere und traf ihn direkt im Herzen seines Chaos. Die Arena erleuchtete in einem blendenden Licht, während der Angreifer verzweifelt versuchte, sich zu verteidigen.

"Nein! Das kann nicht sein! Ich werde nicht verlieren!" Doch es war zu spät. Der Angriff durchdrang seine Verteidigung und ließ das Bild des maskierten Individuums explodieren.

Ein ohrenbetäubender Knall ertönte, gefolgt von einer Welle der Stille. Die Bildschirme gingen aus, und das Publikum hielt den Atem an. Dann brach ein Jubel aus – sie hatten gesiegt!

Yugi und Kaiba standen atemlos da, während Toshiba erleichtert auf die Tastatur schaute. „Es… es ist vorbei! Wir haben ihn gestoppt!"

Alle waren erleichtert. Aus den Lautsprechern kam eine Durchsage. „Achtung Duellanten! Es gibt eine halbstündige Pause. Nach dieser Unterbrechung werden die Teilnehmer des nächsten Duells ausgelost.“

Joey suchte Mai. Sie musste hier irgendwo sein. Er drängte sich durch die Menge und sah in alle Richtungen. Doch er konnte sie nirgends entdecken. Also beschloss er drei Duellanten zu fragen. Zwei Jungs und ein Mädchen. „Habt ihr Mai gesehen?“ Das Mädchen war sichtlich genervt. „Siehst du nicht dass wir mitten in einem Gespräch sind? Du störst!“ Der Blonde fühlte sich davon provoziert. „Sei nicht so unfreundlich! Ich hab nur eine Frage gestellt. Also, habt ihr Mai gesehen? Ja oder Nein?“ „Nein, bist du jetzt zufrieden?“, blaffte das Mädchen. Joey wandte sich an die beiden Jungs. „Und ihr?“ Die Jungen schüttelten die Köpfe.

Da sah er sie. „Mai!“ Sie sah ihn und lief schnell weg. Joey rannte ihr nach. „Mai, warte! Bleib stehen!“ Als er sie eingeholt hatte versperrte er ihr den Weg. „Hey Mai, wir haben uns lange nicht mehr gesehen! Warum läufst du vor mir weg?“

„Bist du nicht sauer auf mich?“, fragte Mai. „Ich war ziemlich gemein zu dir und deinen Freunden.“

Joey lachte. „Das ist Schnee von gestern. Schwamm drüber. Ich weiß dass du dich Dartz niemals freiwillig anschließen würdest. Er hat dich damals manipuliert, oder?“

Mai schüttelte sich. „Ja, wenn ich daran denke wird mir schlecht. Aber willst du nicht wissen warum ich mich Dartz angeschlossen habe?“ „Doch, das würde mich schon interessieren“, meinte Joey. „Aber du musst das nicht erzählen, wenn du nicht willst.“ „Ich will dir das schon erzählen, Joey“, sagte Mai. „Ich muss endlich mit jemand darüber reden, hat mein Psychologe gesagt.“ Joey war überrascht. „Wie, du bist bei einem Psychologen?“ Mai nickte. „Ja aber das ist eine lange Geschichte. Nach dem Battle City Turnier hatte ich immer wieder grässliche Albträume wegen der Ereignisse im Reich der Schatten. Da ging es mir ziemlich schlecht. Obwohl ich sogar Turniere gewann wurde ich von den Leuten immer noch nicht anerkannt und war der Verzweiflung nahe. Bis ich eines Tages Valon traf. Er hatte mich auch manipuliert und war derjenige, der mich zu Dartz brachte. Das war alles meine Schuld. Ich war wütend und verwirrt und gab dir die Schuld. Deswegen wollte ich dich loswerden. Wie konnte ich nur so egoistisch sein! Du warst der Einzige, der sich jemals um mich gekümmert hatte. Der einzige Freund, den ich jemals hatte, und wie hab ich es dir zurückgezahlt? Indem ich dich einem Verrückten überließ, der mir Macht versprach. Unter dem Einfluss von Dartz glaubte ich, dass es du, Yugi und deine anderen Freunde waren, die mich verlassen haben. Dartz hatte mir Macht versprochen. Zu dem Zeitpunkt hätte ich alles getan um Macht zu bekommen. Auch wenn ich auf meine schwache Seite verzichten musste. So verzweifelt war ich. Nachdem Dartz besiegt war konnte ich euch nicht mehr ins Gesicht schauen. Also habe ich mich für eine Weile aus dem Staub gemacht und bin durch die Welt gereist. Es hat lange gedauert doch jetzt bin ich in der Lage mich all dem zu stellen was ich in letzter Zeit so verzapft habe. Deshalb bin ich zurückgekommen.“

„Ich bin froh dass du wieder da bist“, sagte Joey. „Danke dass du mir das erzählt hast, Mai. Jetzt sehe ich dich mit ganz anderen Augen.“

„Es gibt da etwas was ich dich schon lange fragen wollte. Und zwar ist mir aufgefallen dass wenn Yugi sich duelliert wie ausgewechselt ist. Es ist so als wäre er da eine völlig andere Person.“

„Das liegt wohl daran dass der Pharao die Kontrolle übernommen hat“, erwiderte Joey. „Sein Geist lebt im Inneren von Yugis Millenniumspuzzle. Und in ihm wohnen zwei Wesen in einem Körper. Der normale Yugi und der Pharao. Die zwei sehen ziemlich ähnlich aus. Sie haben sogar die gleiche Frisur. Doch zwischen ihnen gibt es auch Unterschiede. Der Pharao ist größer als Yugi und hat eine tiefere Stimme. Seine Augen sind schmaler und er wirkt auch muskulöser.“

„Wo ist der Pharao jetzt?“, wollte Mai wissen. „Ist er noch da?“

Joey schüttelte den Kopf. „Der Pharao hatte sich gegen Yugi duelliert und verloren. Er hat sich von uns verabschiedet und ist in die Geisterwelt eingetreten. Egal was in Zukunft passieren wird. Ich werde immer zu dir halten, Mai.“

Sie lächelte. „Danke Joey. Das bedeutet mir viel.“

Joey ballte die Faust. „Dieser arrogante Schnösel!“

„Von wem redest du?“

„Na von Kaiba! Ich habe jedes Duell gegen ihn verloren. Ich hätte nur zu gern wenigstens ein Duell gegen ihn gewonnen. Dann würde er mich als Duellant endlich mal ernst nehmen.“

Mai dämpfte ihre Stimme. „Mal unter uns, ich habe auch mal ein Duell gegen Kaiba verloren. Ich hatte mein Bestes gegeben und trotzdem gegen ihn verloren. Im Nachhinein wundert mich das nicht, denn sein Deck ist viel stärker als mein Deck. Er hat ja die drei Weißen Drachen.“

„Als du dich mit Kaiba duelliert hast. War er zu dir auch unfreundlich?“

Mai nickte. „Ja, was anderes habe ich von ihm nicht erwartet. Kaiba ist zu jedem unfreundlich, außer zu seinem Bruder.“

„Genau“, erwiderte Joey. „Mokuba ist die Ausnahme.“

„Danke für das Gespräch, Joey. Das hat mir gut getan.“

Nach der Pause ging das Turnier weiter. Es waren nur noch vier Duellanten übrig. Seto, Joey, Yugi und Mai.

Während sie warteten nahm Joey seinen schwarzen Rotaugendrachen und sah sich die Karte an. Nach dem Battle City Turnier hatte er sich gegen Yugi duelliert und gewonnen. Deshalb befand sich diese Karte wieder in seinem Deck.

Das Duell zwischen Seto Kaiba und Mai Valentine war intensiv und spannend. Beide Kontrahenten setzten alles daran, den Sieg für sich zu erringen. Kaiba, bekannt für seine strategische Raffinesse und sein mächtiges Drachen-Deck, setzte alles daran, Mai zu besiegen. Mit einem gezielten Einsatz seiner Blue-Eyes White Dragon-Karten kontrollierte er das Spielfeld und schob Mai immer weiter in die Defensive.

Mai, die für ihre Geschicklichkeit und ihren Mut bekannt ist, gab jedoch nicht auf. Sie nutzte ihre eigenen Karten geschickt, um Kaibas Angriffe abzuwehren und eigene Überraschungen vorzubereiten. Doch trotz ihrer Bemühungen war Kaibas Erfahrung und sein Deck einfach zu stark.

Mit einem triumphierenden Blick setzte er den finalen Schlag an und gewann das Duell. Das Duell wurde zu einem unvergesslichen Moment für alle Zuschauer und zeigte erneut, warum Kaiba so gefürchtet und respektiert wird. Doch auch Mai hatte gezeigt, dass sie eine würdige Gegnerin war.
 

Nachdem das spannende Duell zwischen Seto und Mai zu Ende gegangen war, richteten sich alle Augen auf die nächsten beiden Kontrahenten: Yugi Muto und Joey Wheeler. Die Atmosphäre war geladen mit Spannung, denn beide hatten in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie starke und strategisch versierte Duellanten sind.

Yugi, bekannt für seine cleveren Spielzüge und sein Herz, das stets für Gerechtigkeit kämpft, betrat das Spielfeld mit einem ruhigen und fokussierten Blick. Sein Deck war eine Mischung aus klassischen Monstern und mächtigen Zauber- sowie Fallenkarten, die er im Laufe der Jahre perfektioniert hatte. Joey hingegen war für seine unerschütterliche Entschlossenheit und seinen Mut berühmt. Sein Deck bestand vor allem aus starken Monsterkarten mit hoher Angriffskraft, die er oft riskant einsetzte, um den Gegner zu überraschen.

Das Duell begann mit einem schnellen Schlagabtausch. Yugi setzte auf eine taktische Kontrolle des Spielfelds, während Joey alles daran setzte, durch gezielte Angriffe Druck aufzubauen. Beide lieferten sich einen intensiven Kampf voller Überraschungen: Yugi spielte eine Reihe von Zauber- und Fallenkarten, um Joeys Angriffe abzuwehren, während Joey immer wieder mit kraftvollen Monstern konterte.

Im Verlauf des Spiels zeigte sich Yugis Fähigkeit, auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit einer geschickten Kombination aus Karten konnte er schließlich eine Lücke in Joeys Verteidigung finden. Doch Joey gab nicht auf; er mobilisierte all seine Kraft und setzte alles auf eine Karte – einen letzten großen Angriff.

Der Moment spitzte sich zu: Beide Spieler waren fast am Ende ihrer Ressourcen. Es kam auf jeden Zug an. Schließlich gelang es Yugi, durch eine clevere Nutzung seiner Zauberkarte „Verwandlungskünstler“ einen entscheidenden Vorteil zu erlangen. Mit einem finalen Angriff konnte er Joeys letzte Verteidigung durchbrechen und den Sieg erringen.

Das Publikum brach in Jubel aus. Das Duell zwischen Yugi und Joey war ein Beweis für den Geist des Wettbewerbs: Mut, Strategie und Freundschaft. Beide hatten gezeigt, dass sie wahre Champions sind – jeder auf seine eigene Weise.

Mit dem Sieg von Yugi war das Turnier noch spannender geworden. Nun stand nur noch ein Duell aus: Yugi gegen Kaiba im Finale. Das letzte Duell des Turniers stand bevor. Die Zuschauer konnten kaum erwarten, was als Nächstes passieren würde. Das Publikum war elektrisiert, als die beiden letzten Kontrahenten, Yugi Muto und Seto Kaiba, sich für das große Finale vorbereiteten. Die Spannung war kaum auszuhalten, denn beide waren legendäre Duellanten mit unterschiedlichen Stilen: Yugi mit seinem Herz und seiner cleveren Strategie, Kaiba mit seiner technischen Raffinesse und seinem mächtigen Drachen-Deck.

Yugi fühlte die Schwere des Moments auf seinen Schultern, doch gleichzeitig spürte er das Vertrauen in seine Fähigkeiten und die Unterstützung seiner Freunde. Kaiba, bekannt für seine kalte Berechnung und seine mächtigen Monster, war ein würdiger Gegner, der alles geben würde, um den Titel zu gewinnen.

Yugi betrat das Spielfeld ruhig und konzentriert. Sein Deck war eine harmonische Mischung aus klassischen Monstern wie „Schwarzer Magier“ und unterstützenden Zauber- sowie Fallenkarten, die er im Laufe der Jahre perfektioniert hatte. Kaiba hingegen erschien selbstbewusst, sein Blick fest auf das Spielfeld gerichtet. Sein Deck war berüchtigt für seine mächtigen Drachenmonster, vor allem den Blue-Eyes White Dragon, der ihm schon oft den Sieg gebracht hatte.

Der Kampf begann mit einem knappen Vorsprung für Yugi, der geschickt seine Karten spielte und Kaibas Angriffe abwehrte. Doch Kaiba konterte mit einer Reihe von strategischen Zügen, die Yugi vor große Herausforderungen stellten. Das Publikum war gebannt, jeder Zug wurde mit Spannung verfolgt.

Yugi setzte auf Kontrolle und geschicktes Ausspielen seiner Zauber- und Fallenkarten, während Kaiba sofort aggressive Angriffe startete, um Yugi unter Druck zu setzen. Es entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch voller Überraschungen: Kaiba spielte seine Blue-Eyes-Karten geschickt aus, um das Spielfeld zu dominieren, während Yugi immer wieder mit cleveren Kartenkombinationen konterte.

Im Verlauf des Spiels zeigte sich Yugis Fähigkeit, auch in kritischen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit einer strategischen Kombination aus Zauber- und Fallenkarten konnte er eine Lücke in Kaibas Verteidigung finden. Doch Kaiba gab nicht auf; er mobilisierte all seine Kraft und setzte alles auf eine Karte – einen finalen Angriff mit seinen stärksten Monstern.

In einem entscheidenden Moment zog Yugi eine Karte, die sein Herz höher schlagen ließ: „Schwarzer Magier“ – eine legendäre Karte, die ihm schon oft geholfen hatte. Mit einem gezielten Einsatz konnte er Kaibas stärkstes Monster neutralisieren und einen Gegenangriff starten.

Die letzten Minuten des Duells waren ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel. Schließlich setzte Yugi alles auf eine Karte: Er aktivierte „Verwandlungskünstler“, um seine Monster zu verstärken und einen finalen Angriff zu starten. Mit einem gewaltigen Schlag durchbrach er Kaibas Verteidigung und brachte ihn in eine kritische Lage.

Kaiba zögerte keinen Moment. Mit einem letzten verzweifelten Zug versuchte er, das Blatt noch zu wenden, doch es war zu spät.

Mit einem kraftvollen Angriff durch den „Schwarzen Magier“ durchbrach Yugi Kaibas letzte Verteidigung und errang den Sieg im großen Finale. Das Publikum brach in tosenden Applaus aus. Das Duell zwischen Yugi und Kaiba war ein epischer Kampf voller Mut, Strategie und Herz – ein Beweis dafür, warum beide so verehrt wurden.

Yugi hatte das Turnier gewonnen. Er hatte gezeigt, dass Mut und kluge Taktik den Unterschied machen können. Doch auch Kaiba zog Respekt aus dem Kampf – beide hatten bewiesen, dass sie wahre Meister in Duel Monsters waren. Mit dem Pokal in der Hand ließ sich Yugi fotografieren. Als er damit fertig war rannten seine Freunde zu ihm. „Gut gemacht, Yugi!“, lobte ihn Tristan.

„Dem hast du es aber gezeigt“, sagte Joey. In dem Moment sah Yugi wie Kaiba die Bühne verließ. „Wartet hier auf mich, ich muss noch was erledigen.“ Der Bunthaarige folgte ihm. „Kaiba, jetzt warte doch!“

Der Chef der Spielefirma blieb stehen und drehte sich um. „Was willst du, Yugi?“ Yugi schluckte. „Du bist doch nicht etwa sauer, oder?“

Kaiba flippte aus. „Doch, natürlich bin ich sauer! Weil ich wieder gegen dich verloren habe! Ich bin erst zufrieden wenn ich dich im Duell geschlagen habe, Yugi. Und ich werde nicht aufhören bis ich dieses Ziel erreicht habe.“

Yugi sah Kaiba mit ernstem Blick an, doch in seinen Augen lag auch Mitgefühl. „Kaiba, ich weiß, wie sehr dir das alles bedeutet. Aber du musst verstehen, dass es bei diesen Duellen nicht nur um Gewinnen geht. Es geht auch um den Respekt und die Freundschaft.“

Kaiba schnaubte verächtlich. „Respekt? Freundschaft? Das ist für Schwächlinge! Für mich zählt nur der Sieg, Yugi. Und ich werde nicht ruhen, bis ich dich geschlagen habe – egal wie oft ich es versuchen muss.“ Seine Stimme war fest und voller Entschlossenheit.

Yugi atmete tief durch. „Ich bewundere deinen Ehrgeiz, Kaiba. Aber du solltest nicht nur auf den Sieg im Duell fixiert sein. Wenn du immer nur auf den Triumph aus bist, wirst du nie dein volles Potenzial entfalten.“

Kaiba schien einen Moment lang nachzudenken, doch dann schüttelte er den Kopf und wandte sich ab. „Genug geredet. Ich werde dich beim nächsten Duell schlagen – das schwöre ich dir.“ Mit diesen Worten verschwand er in der Menge, während Yugi ihm nachblickte.
 

Yugi ging wieder zurück zu seinen Freunden. „Kaiba ist wütend, weil er gegen mich verloren hat.“ Joey zuckte mit den Schultern. „Was hast du denn erwartet? Kaiba ist nun mal ein schlechter Verlierer.“ „Da hast du Recht“, sagte Tristan. „Er war so stinksauer über seine Niederlage im Battle-City-Turnier, dass er den Duellturm mit der Insel in die Luft gesprengt hat.“ „Habt ihr euch nie gefragt warum Kaiba so ist wie wir ihn kennen?“, fragte Tea. „Kein Mensch wird einfach so extrem unfreundlich und arrogant. Da muss irgendwas passiert sein.“ Yugi dachte an Kaibas Worte. Dann wurden wir von dem Tyrann Gozaburo Kaiba adoptiert. Er hat mir gezeigt wie man seine Feinde vernichtet und dass man niemandem trauen kann.

„Wir sollten mal zu Black Clown gehen“, sagte Tristan. „Duke wird sich sicher freuen wenn er uns sieht.“ Auf dem Weg dorthin erzählte Joey Witze und lachte selber darüber. „Mann, das war echt witzig! Was ist los? Warum lacht ihr nicht?“

„Ich hab den Witz nicht verstanden“, sagte Yugi.

„Ja, was soll daran lustig sein?“, fragte Tea.

„Wie sieht es aus, Tristan?“, wollte Joey wissen. „Willst du mit mir am Montag in der Schule übernachten?“

„Na klar, ich bin dabei“, antwortete Tristan. „Dann können wir endlich herausfinden ob es in der Schule wirklich spukt.“

„Wollt ihr das wirklich machen?“, fragte Tea. „Das könnte gefährlich sein.“

Joey schaute seinen Freund an. „Wir lassen uns davon nicht abschrecken, nicht wahr Tristan?“

Tristan nickte. „Genau, Joey. Nichts kann uns aufhalten.“

„Mal sehen was Duke dazu sagt“, sagte Tea.
 

Kurz darauf standen Yugi, Joey, Tea und Tristan im Black Clown. Das war Dukes Spieleladen. Duke war begeistert. „Wow, das ist wirklich eine coole Idee. Warum bin ich nicht draufgekommen? Ihr beide seid echt mutig. Ich weiß nicht ob ich den Mumm dazu hätte.“

„Was ist an deinem Spieleladen so besonders?“, wollte Joey wissen. „Es sieht für mich aus wie ein stinknormaler Laden.“

Duke lächelte. „Gut, dass du fragst, Joey. Wir bieten exklusive Spiele an, die es nirgendwo sonst zu kaufen gibt.“ Er machte eine einladende Geste. „Seht euch ruhig um.“

Die vier traten neugierig näher an die Regale heran. Joeys Augen leuchteten auf, als er die bunten Verpackungen betrachtete. „Wow, diese Spiele sehen wirklich spannend aus! Gibt es hier auch alte Klassiker?“ fragte er begeistert.

Duke nickte zustimmend. „Natürlich! Wir haben eine große Auswahl an Retro-Spielen, die du bestimmt nicht überall findest. Außerdem veranstalten wir regelmäßig Events für unsere Kunden.“

Joey schien sofort begeistert. „Das klingt super! Ich habe gehört, dass ihr auch spezielle Editionen habt, oder?“

Duke grinste stolz. „Genau, wir führen limitierte Sammlereditionen und signierte Versionen von beliebten Spielen. Für echte Fans ist das hier der perfekte Ort.“

Während sie weiter durch den Laden schlenderten, entdeckte Tristan eine Ecke mit Merchandise-Artikeln – T-Shirts, Poster und Figuren mit den Monstern von Duel Monsters.

„Das ist ja wie ein Paradies für Gamer!“ rief er aus.

Duke lachte herzlich. „Freut mich, dass euch unser Laden gefällt. Hier geht es nicht nur ums Kaufen, sondern um die Leidenschaft für Spiele.“
 

Yugi ging zum Fenster und schaute nach draußen. Direkt gegenüber stand der Spieleladen von seinem Großvater.

Yugi beobachtete den Laden gegenüber aufmerksam, während Duke neben ihm stand. „Glaubst du, Duke, dass dein Laden eine Konkurrenz für meinen Großvater ist?“ fragte er vorsichtig. Der Schwarzhaarige zuckte mit den Schultern und lächelte geheimnisvoll. „Das ist eine gute Frage, Yugi. Nicht unbedingt. Wir sind vielleicht Konkurrenten auf den ersten Blick, aber eigentlich sehe ich uns eher als Partner. Es gibt genug Platz für beide Läden – jeder hat seine eigene Nische. Wir haben unterschiedliche Schwerpunkte. Dein Großvater bietet klassische Spiele und Brettspiele an, während wir uns auf exklusive und seltene Videospiele spezialisiert haben.“ Es war interessant zu sehen, wie die beiden Läden nebeneinander existierten – jeder mit seinem eigenen Charme und Angebot.

Yugi beobachtete die geschäftige Straße, während er über Dukes Worte nachdachte. Der Laden seines Großvaters war schon seit Generationen ein beliebter Treffpunkt für Spieleliebhaber in der Nachbarschaft.

Yugi nickte nachdenklich. „Vielleicht hast du recht. Es ist schön zu wissen, dass es hier noch mehr Orte gibt, an denen man Spaß haben kann.“ Er blickte wieder zum Fenster und sah seinen Großvater vor sich, der hinter der Theke stand und mit Kunden plauderte.

„Ich werde mir deinen Laden genauer ansehen“, sagte Yugi schließlich. „Vielleicht finde ich ja das eine oder andere Spiel, das mein Großvater noch nicht hat.“

Duke grinste breit. „Das freut mich!“
 

Die vier Freunde schauten sich im Laden neugierig um. Yugi entdeckte ein schwarzes Spielbrett. Auf einem Ouija-Brett waren Zeichen abgebildet, das Alphabet, sowie die Ziffern und die Wörter „ja“ und „nein“. "Was ist das für ein Spiel, Duke?" „Das ist ein Ouija-Brett", antwortete Duke. „Es heißt Millennium. Damit kann man Kontakt zu Geistern und Verstorbenen aufnehmen."

„Das klingt ziemlich cool", meinte Yugi. „Ich will dieses Spiel kaufen."

Duke lächelte geheimnisvoll. „Das ist in der Tat ein besonderes Spiel, Yugi. Aber sei vorsichtig – es heißt, dass man beim Umgang mit dem Millennium-Brett immer respektvoll sein sollte.“ Yugi nickte aufgeregt und griff nach dem Ouija-Brett.

Joey schien noch immer skeptisch. „Meint ihr wirklich, dass so etwas existiert?“, fragte er. „Ich meine, Geister und so?“

„Man sollte immer offen für Neues sein“, sagte Tristan mit einem schelmischen Grinsen. „Aber ich finde es auch spannend.“

Tea betrachtete das Brett aufmerksam. „Es sieht ziemlich alt aus, fast schon mystisch.“ Sie streichelte vorsichtig die Oberfläche.

Duke bemerkte die Neugier der Freunde und sagte: „Wenn ihr das Spiel kaufen wollt, könnt ihr es natürlich tun. Aber denkt daran: Es ist kein gewöhnliches Spiel.“

Yugi war fest entschlossen. „Ich will es trotzdem kaufen. Ich möchte sehen, ob wir wirklich Kontakt zu anderen Welten aufnehmen können.“ Er legte das Spiel auf den Tresen, zog seine Geldbörse hervor und bezahlte den Preis für das Millennium-Ouija-Brett.

Duke packte das Spiel sorgfältig ein. Die Freunde verabschiedeten sich von Duke, während Yugi das mystische Spiel unter den Arm klemmte.

„Ich bin gespannt, was passiert, wenn wir das Spiel ausprobieren“, sagte Tristan.

Joey war immer noch skeptisch. „Seid ihr sicher, dass wir das wirklich machen sollten? Das klingt ziemlich unheimlich.“

Tea trat näher und legte eine Hand auf Yugis Schulter. „Man sollte immer vorsichtig sein, wenn man mit solchen Dingen spielt. Es könnte mehr passieren, als man denkt.“

Tristan schmunzelte. „Ach, kommt schon, das ist nur ein Spiel! Oder etwa nicht?“

Als sie den Laden verließen, fühlten sich die Freunde gleichzeitig aufgeregt und ein bisschen unruhig. Draußen war es bereits dunkel geworden, und der Himmel war von dunklen Wolken bedeckt.

„Was denkst du, Tristan? Wird das wirklich funktionieren?“ fragte Joey.

„Wer weiß? Nichts ist unmöglich“, antwortete Tristan grinsend.

„Ich hab heute mit Mai geredet“, erzählte Joey. „Es war toll sie wieder zu sehen. Wir haben uns ausgesprochen.“ Er strahlte übers ganze Gesicht. „Am Montagabend ist es endlich so weit. Darauf habe ich lange gewartet. Ich bin jetzt schon aufgeregt, wenn ich nur daran denke.“

„Mir geht es nicht anders“, sagte Tristan. „Das wird sicher eine unvergessliche Nacht.“

„Nur ein Problem gibt es noch“, sagte Tea.

„Problem? Was für ein Problem?“, wollte Joey wissen.

„Unser Klassenlehrer“, antwortete Tea. „Herr Sato wird nicht erfreut sein wenn er weiß was ihr vorhabt.“

Joey winkte ab. „Ach was, Tea. Er muss ja davon nichts erfahren.“

Sie ließ nicht locker. „Doch, er muss das wissen! Wenn ihr ohne Erlaubnis nachts in der Schule erwischt werdet kriegt ihr großen Ärger. Ihr könntet im schlimmsten Fall sogar von der Schule fliegen.“

„Oh daran haben wir gar nicht gedacht“, sagte Tristan. „Na gut. Wir werden am Montag mit ihm reden.“

An einer Kreuzung trennte sich die Gruppe. Nachdem Tea und Tristan in die andere Richtung gingen, war Joey mit Yugi allein. Das war lange her, sonst waren Tristan und Tea immer mit dabei. „Darf ich heute bei dir übernachten, Yugi?“

„Was ist das für eine Frage. Natürlich darfst du bei mir übernachten, Joey.“

„Danke Alter“, sagte der Blonde. „Ich könnte heute etwas Gesellschaft brauchen.“
 

Nach einer Weile standen die beiden vor dem Spieleladen von Solomon, Yugis Großvater. Sie betraten den Laden und gingen die Treppe rauf. In der Küche trafen sie auf einen Mann der etwas Ähnlichkeit mit Yugi hatte. Das musste Yugis Vater sein. „Hallo Herr Muto. Ich bin Joey Wheeler, Yugis bester Freund.“ Yugis Vater warf ihm einen kühlen Blick zu. „Wie schön für dich.“ „Papa, ich hab dich so vermisst!“ Der König der Spiele wollte seinen Vater umarmen doch der schob ihn weg. „Nicht jetzt, Yugi. Ich muss mich erst ausruhen.“

Herr Muto ging in ein Zimmer und machte die Tür hinter sich zu. „Ist der immer so?“, wollte Joey wissen. Der Bunthaarige nickte. „Ja, leider. Er interessiert sich nicht für mich.“
 

Beim Abendessen saßen Joey und Yugi mit Yugis Eltern und Yugis Großvater Solomon an einem Tisch. Die Stimmung war angespannt. Yugis Mutter wandte sich an ihren Mann. „Warum kümmerst du dich nicht um Yugi? Er ist unser Sohn!“

„Das weiß ich“, erwiderte Yugis Vater. „Daran musst du mich nicht erinnern.“

„Und warum tust du es dann nicht?“, fragte Yugis Mutter. „Ist dir Yugi egal?“ „Natürlich nicht!“, rief Yugis Vater. „Aber wir haben eine klare Aufgabenverteilung. Du bist Hausfrau und kümmerst dich um den Haushalt und Yugi. Und ich gehe arbeiten und verdiene das Geld für uns.“

„Yugi braucht nicht nur eine Mutter. Er braucht auch einen Vater.“

Herr Muto stand auf. „Das höre ich mir nicht länger an.“ Er verließ die Küche und eine Tür wurde zugeknallt.

„Mein Sohn ist manchmal etwas schwierig“, sagte Solomon.

„Das habe ich schon gemerkt“, sagte Yugis Mutter kühl.

Solomon erhob sich. „Ich werde mit ihm reden.“
 

Kaiba wollte mal was Neues ausprobieren. Er hatte sich dafür entschieden mit einer fremden Frau Sex zu haben. Dieser Service kostete viel Geld, doch als Chef der Kaiba Corporation konnte er sich das leisten. Als Treffpunkt hatte er ein Hotelzimmer gewählt. Es war das erste Mal dass Kaiba Sex hatte. Es klopfte an der Tür. Kaiba versuchte seine Nervosität zu verbergen und setzte eine kühle Miene auf. Er ging zur Tür und öffnete sie. Die junge Frau kam herein und machte die Tür zu. Die beiden zogen sich bis auf die Unterwäsche aus.

Kaiba fühlte sich unwohl, obwohl er es nicht zeigen wollte. Er war es gewohnt, die Kontrolle zu haben, sei es in der Geschäftswelt oder im Duell. Doch in dieser Situation war alles neu und ungewohnt. Die Frau bemerkte seine Nervosität und lächelte beruhigend. „Bist du bereit?“, fragte sie mit einer sanften Stimme. Kaiba nickte, auch wenn er innerlich noch zögerte. Er hatte sich auf dieses Erlebnis vorbereitet, aber die Realität war ganz anders als die Vorstellung. „Ich hab das noch nie gemacht“, gestand er. Sie näherte sich ihm und legte eine Hand auf seine Brust. „Es ist okay, wenn du nervös bist. Wir können uns Zeit lassen.“ Kaiba atmete tief durch und versuchte, sich zu entspannen. Er wusste, dass er hier war, um etwas Neues zu erleben – etwas, das ihn von seinem stressigen Alltag ablenken würde.

Die beiden begannen, sich langsam näherzukommen. Die Atmosphäre wurde entspannter, und Kaiba spürte ein Kribbeln in seinem Bauch. Je mehr sie miteinander interagierten, desto mehr ließ er die Kontrolle los und ließ sich auf den Moment ein. Nach einer Weile vergaß Kaiba seine anfängliche Nervosität und begann, den Moment zu genießen. In diesem Augenblick wusste er, dass er bereit war, diese neue Erfahrung zuzulassen.
 

Yugi und Joey waren in Yugis Zimmer und spielten ein Konsolenspiel. Auf einmal machte Yugis Mutter die Tür auf. „Yugi, ich muss mit dir reden. Es ist wichtig.“ Die beiden Jungs standen auf und folgten Frau Muto. „Es geht um dein Zeugnis, Yugi“, sagte sie. „Deine Noten sind schlecht. So kann es nicht mehr weitergehen. Wo ist deine Duelldisk?“ Yugi ging in sein Zimmer und kam mit der Duelldisk zurück. Seine Mutter legte das Teil in den Schrank und schloss die Tür ab. „Nein Mama! Bitte tu das nicht!“

„Es ist nur zu deinem Besten, Yugi. Wenn deine Schulnoten sich verbessern kannst du deine Duelldisk wieder haben.“

„Aber dann kann ich nicht am Duel Monsters Turnier teilnehmen!“, rief Yugi.

„Es wird dich schon nicht umbringen wenn du mal nicht an einem Turnier teilnimmst“, sagte Frau Muto. „Ich werde auch deine Spiele in den Schrank sperren. Statt zu spielen solltest du lieber lernen.“
 

Den ersten Geschlechtsverkehr hatte Seto sich anders vorgestellt. Er konnte es nicht in Worte fassen. Sie lagen nebeneinander im Bett. „Weißt du wer ich bin?“, fragte Seto. Die Frau sah ihn an. „Du kommst mir bekannt vor. Ich hab dich irgendwo schon mal gesehen.“ Sie dachte nach. „Ich komm nicht auf den Namen…“

Seto stand auf, griff nach seiner Kleidung und zog sich an.

„Willst du jetzt etwa schon gehen?“, fragte die Frau.

„Ja du hast deinen Zweck erfüllt“, antwortete Seto.

„Jetzt weiß ich wer du bist. Seto Kaiba!“

„Das hat aber ganz schön lange gedauert. Ich geh jetzt, tschüss.“

„Und das Geld?“, fragte die Frau.

„Hab ich auf dem Nachttisch gelegt.“

Seto verließ das Hotelzimmer und fuhr mit dem Lift nach unten. Sein Smartphone klingelte kurz. Er nahm es aus der Manteltasche. Es war eine Nachricht von seinem kleinen Bruder Mokuba.
 

Seto, wo steckst du?
 

Seto schrieb zurück:
 

Ich hatte einen wichtigen Termin. Ich bin bald wieder zu Hause.
 

Unten angekommen stieg er aus dem Lift und ging nach draußen. Er stieg in sein Auto und fuhr nach Hause.
 

Joey liebte Domino City. In dieser Stadt war er geboren und aufgewachsen. Domino war eine richtige Großstadt. Hier lebten über eine Million Menschen.

Joey fühlte sich in Domino City immer zuhause. Die belebten Straßen, die bunten Märkte und die freundlichen Einwohner machten die Stadt für ihn zu einem besonderen Ort.

Die pulsierende Atmosphäre, die bunten Lichter und das ständige Treiben der Menschen faszinierten ihn jeden Tag aufs Neue. Besonders mochte er die belebten Märkte, auf denen Händler ihre Waren anboten, und die zahlreichen Cafés, in denen man bei einer Tasse Kaffee entspannen konnte. Trotz der Hektik und des Trubels gab es auch ruhige Ecken, wie den großen Stadtpark, wo Joey oft spazieren ging und die Natur genoss. Für ihn war Domino nicht nur eine Heimat, sondern auch ein Ort voller Möglichkeiten und Abenteuer.

Doch Joey wusste, dass hinter dem Glanz der Großstadt auch dunkle Geheimnisse lauerten. Immer wieder gab es Berichte über mysteriöse Vorfälle und unerklärliche Ereignisse, die die Stadt in Atem hielten.
 

Nun saß er neben Yugi auf dem Boden. Sie schauten sich einen Horrorfilm an und griffen abwechselnd in die Schüssel. Joey schnappte sich die Chipstüte. „Die ist ja leer. Haben wir noch Chips?“ Yugi schüttelte den Kopf. „Das war die letzte Tüte.“

Joey seufzte enttäuscht und blickte in die leere Tüte. „Na toll, jetzt haben wir nichts mehr zum Knabbern.“ Yugi lächelte leicht und sagte: „Vielleicht können wir ja noch im Schrank nach ein paar Snacks suchen.“ Joey stand auf und ging in die Küche, während Yugi den Film weiterlaufen ließ. Nach kurzer Suche fand Joey eine kleine Dose mit Nüssen und ein paar Bonbons. Er kam zurück und reichte Yugi die Snacks. „Nicht perfekt, aber besser als nichts“, sagte Joey lachend. Gemeinsam setzten sie sich wieder auf den Boden, schauten den gruseligen Film weiter und genossen die kleinen Leckereien, während das Licht im Raum gedimmt war.
 

Seto schloss die Tür zu seiner Villa auf. Er schob die Tür weiter auf und trat in die großzügige Eingangshalle seiner Villa.

Mokuba kam angelaufen. „Da bist du ja endlich, Seto. Wo warst du?“

Seto drehte sich zu seinem jüngeren Bruder um und lächelte leicht. „Ich war noch bei einem Geschäftstermin. Es hat länger gedauert als geplant. Ich musste noch ein paar Dinge klären. Nichts, worüber du dir Sorgen machen solltest. Nur ein paar geschäftliche Angelegenheiten. Aber jetzt sind wir wieder zusammen, und das ist das Wichtigste.“ Er klopfte seinem Bruder freundschaftlich auf die Schulter. „Komm Mokuba, lass uns zusammen etwas essen. Ich habe Hunger.“ Mokuba strahlte und lief voraus in die Küche, während Seto ihm folgte.

In der Küche angekommen, öffnete Mokuba den Kühlschrank und suchte nach etwas Essbarem. „Was möchtest du essen, Seto?“ fragte er aufgeregt.

Seto überlegte kurz und antwortete: „Ein bisschen Sushi wäre perfekt. Hast du noch welchen im Vorrat?“

Mokuba nickte eifrig und begann, die Sushi-Platte aus dem Kühlschrank zu holen.

Währenddessen machte sich Seto daran, den Tisch zu decken. Die beiden Brüder genossen die ruhige Atmosphäre, nur unterbrochen vom leisen Summen des Kühlschranks und dem Rascheln von Verpackungen. Nach kurzer Zeit saßen sie gemeinsam am Tisch, bereit, das Abendessen zu genießen.

„Weißt du, Mokuba“, begann Seto nach einer Weile, „ich bin stolz auf dich. Du hast dich gut entwickelt.“

Mokuba lächelte schüchtern und erwiderte: „Danke, Seto. Ich will auch so erfolgreich sein wie du.“

Seto legte eine Hand auf den Kopf seines Bruders und sagte: „Du wirst deinen Weg finden. Wichtig ist nur, dass wir immer zusammenhalten.“

Nach dem Essen lehnten sich die Brüder zurück und schauten gemeinsam aus dem Fenster in den klaren Nachthimmel. Die Welt draußen war ruhig, doch in ihren Herzen wussten sie, dass noch viele Herausforderungen auf sie warteten – doch solange sie zusammen waren, konnten sie alles meistern.
 

Ja, Yugi war schwach. Er war zerbrechlicher und emotionaler als die meisten anderen Männer. Körperlich gesehen war er nicht der stärkste Charakter. Würde ihn jemand angreifen, könnte er sich wahrscheinlich nicht wehren und würde den Kampf verlieren. Aber sein Herz war stark.

Der Bunthaarige zeigte Joey eine Zeitschrift die Duellant von heute hieß. Es war eine fiktive Fachzeitschrift, die alle Themen rund um Duel Monsters behandelt. Hier werden die stärksten und beliebtesten Duellanten vorgestellt. Die neusten Karten und Decks vorgestellt, Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene und Hintergrundinformationen rund ums Spiel.

In der aktuellen Ausgabe von "Duellant von heute" findet man eine ausführliche Analyse des neuen Legendären Drachen-Decks, das in den letzten Turnieren für Aufsehen gesorgt hat. Experten diskutieren die besten Strategien, um dieses Deck effektiv zu spielen, und geben Tipps, wie man die mächtigen Drachen-Karten optimal nutzt.

Außerdem gibt es ein exklusives Interview mit Yugi, in dem er seine Gedanken zu den neuesten Entwicklungen im Duel Monsters-Universum teilt. Er spricht über seine Lieblingskarten, seine Trainingsroutinen und seine Erwartungen für die kommenden Turniere.

Für Anfänger gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbau eines soliden Grunddecks, während Fortgeschrittene sich an komplexen Combos versuchen können, um ihre Gegner zu überraschen. Zudem werden in einem Special die wichtigsten Regeln und Begriffe erklärt, damit auch Neueinsteiger schnell ins Spiel finden.

Abschließend bietet die Zeitschrift einen Blick hinter die Kulissen der Duel Monsters-Welt: Berichte von den größten Turnieren, Interviews mit Top-Duellanten und Einblicke in die Entwicklung neuer Karten. Es gibt auch eine Rangliste der besten Duellanten.

Joey fand seinen Namen. „Ich bin auf Platz 3. Kaiba ist auf Platz 2. Das heißt, dass Kaiba besser ist als ich!“ Der Blonde kratzte sich am Kopf und schielte nach oben, um die Rangliste noch einmal genauer zu betrachten. „Na gut, Kaiba ist also auf Platz 2. Der Typ ist echt ein harter Brocken. Aber ich geb nicht auf! Ich werde weiter trainieren und mich hocharbeiten. Vielleicht schaffe ich es ja eines Tages, ihn zu überholen.“ Er grinste entschlossen und klopfte sich auf die Brust. „Denn eines weiß ich sicher: Ich gebe niemals auf, egal wie schwer es wird!“

Um 23 Uhr gingen die zwei schlafen. Yugi lag im Bett und Joey unten auf der Matratze. Da stand Yugi auf. „Ich muss aufs Klo.“

Er machte die Tür auf und trat in den Flur. Dort stand sein Vater. Für einen Augenblick schauten sich die beiden an. Dann kam Herr Muto auf ihn zu und blieb vor ihm stehen. Er ging in die Hocke. „Yugi, es tut mir leid dass ich mich all die Jahre nicht um dich gekümmert habe. Aber das wird sich ändern. Ab jetzt werde ich immer für dich da sein.“

„Wie soll das gehen, wenn du kaum zu Hause bist?“, fragte der König der Spiele.

Herr Muto lächelte traurig, doch mit Entschlossenheit in den Augen. „Ich weiß, dass ich viel verpasst habe, aber ich möchte das wieder gutmachen. Ich werde versuchen, mehr Zeit mit dir zu verbringen, egal wie beschäftigt ich bin.“ Er streckte die Hand aus und legte sie auf Yugis Schulter. „Du bist mein Sohn, und du bedeutest mir alles. Bitte gib mir eine Chance, es besser zu machen.“

Yugi sah seinen Vater an, unsicher, aber auch ein wenig hoffnungsvoll. Nach einem Moment des Schweigens nickte er langsam. „Vielleicht können wir ja zusammen etwas unternehmen. Ich würde das wirklich gern.“

Herr Muto lächelte erleichtert und stand auf. „Das freut mich sehr, Yugi. Lass uns morgen gemeinsam einen Ausflug machen.“ Die beiden umarmten sich kurz. Yugi ging schnell auf die Toilette und danach wieder zurück in sein Zimmer. Joey war inzwischen eingeschlafen und schnarchte.
 

Am Sonntag war das Wetter schön. Die Sonne schien zwar aber es war trotzdem kalt. Denn es war immer noch Herbst. Yugi ging mit seinem Vater und Joey in den Zoo. Sie verbrachten den Tag damit, die verschiedenen Tiere zu beobachten und Fotos zu machen. Sie bewunderten die majestätischen Löwen, beobachteten die verspielten Affen und schauten den Pinguinen beim Schwimmen zu.

Yugi war besonders begeistert von den Affen, die fröhlich in den Bäumen herumkletterten. Joey hingegen fand die Löwen beeindruckend, auch wenn sie nur faul in der Sonne lagen. Während sie durch den Zoo schlenderten, erzählte Yugi seinem Vater spannende Fakten über die Tiere. Trotz der kühlen Temperaturen genossen sie die frische Herbstluft und das bunte Laub, das überall auf dem Boden lag. Zwischendurch machten sie eine Pause bei einem kleinen Imbissstand, um heiße Schokolade zu trinken und sich aufzuwärmen. Am Ende des Tages waren alle müde, aber glücklich über die schönen Erinnerungen, die sie gesammelt hatten.
 

Dann war Montag. Joey war mit seinen Mitschülern im Klassenzimmer und langweilte sich. Draußen klatschten die Regentropfen gegen die Fensterscheiben. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor als es endlich zur Pause klingelte. Joey stand sofort auf und ging aus dem Raum. Da kam eine Durchsage:
 

„Schüler aufgepasst! Alle die beim Gesangswettbewerb mitmachen wollen sollen nach der Pause um 10 Uhr in die Turnhalle kommen.“
 

Ich werde da auf jeden Fall mitmachen. Aufgepasst Leute, hier kommt Joey!
 

Als die Pause vorbei war machte sich Joey auf dem Weg zur Turnhalle. Dort warteten bereits einige Jungen und Mädchen. Das war also seine Konkurrenz. Der Musiklehrer hielt ein Blatt Papier in die Höhe. „Jeder von euch muss diesen Fragebogen ausfüllen. Beantwortet die Fragen wahrheitsgemäß.“

Joey nahm den Fragebogen, einen Kugelschreiber und las die Fragen durch.

Der Blonde setzte sich auf einen der freien Stühle in der Turnhalle und begann, den Fragebogen auszufüllen. Die Fragen waren ziemlich einfach, aber es gab auch einige, die ihn zum Nachdenken brachten.

„Was ist dein Lieblingslied?“ stand da. Joey überlegte kurz und schrieb dann: „Ich mag Rockmusik, besonders Bands wie Guns N’ Roses.“

Dann folgten die nächsten Fragen: „Warum möchtest du beim Gesangswettbewerb mitmachen?“ und „Hast du schon einmal bei einem Auftritt Lampenfieber gehabt?“ Joey überlegte kurz, bevor er die Antworten schrieb. dann schrieb er: „Ich möchte beim Wettbewerb mitmachen, weil ich gerne singen und andere begeistern will.“ Für die letzte Frage kritzelte er: „Ja, ich hatte schon Lampenfieber, aber das gehört dazu.“

Nachdem alle Schüler ihre Fragebögen abgegeben hatten, kam der Musiklehrer zu ihnen herüber. „Gut gemacht! Denkt daran, dass ihr euer Bestes geben sollt. Der Wettbewerb ist im November – also übt fleißig!“
 

Siegfried von Schröder und sein Bruder Leon standen nervös vor Maximilian Pegasus, der mit dem Rücken zu ihnen saß und in seinen Unterlagen blätterte. Die Spannung im Raum war förmlich greifbar. Sie hatten ein Angebot vorbereitet, das für beide Seiten vorteilhaft sein sollte, doch Pegasus schien noch zögerlich.

Nach einigen Momenten des Schweigens drehte Pegasus langsam seinen Stuhl um, seine Augen funkelten neugierig und durchdringend. Er lehnte sich leicht zurück, verschränkte die Arme und betrachtete die Brüder aufmerksam.

„Nun“, sagte er mit ruhiger Stimme, „ich habe mir euer Angebot angesehen. Es klingt interessant, aber ich brauche noch eine kleine Zusicherung.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schelmischen Lächeln. „Was schlagt ihr vor?“

Siegfried trat einen Schritt vor und präsentierte seine Argumente, während Leon die Unterlagen bereithielt. Nach einer kurzen Diskussion, in der alle Details geklärt wurden, nickte Pegasus schließlich zustimmend.

„Gut“, sagte er schließlich. „Ich nehme euer Angebot an. Wir haben einen Deal.“ Er streckte die Hand aus, um den Vertrag zu besiegeln.

Die Brüder atmeten erleichtert auf und schüttelten seine Hand. „Vielen Dank, Pegasus“, sagte Siegfried dankbar. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“ Für sie war klar: Mit Pegasus an ihrer Seite könnten sie nun ihre Pläne in die Tat umsetzen.
 

Kohana kam ihm entgegen. Sie war in der Parallelklasse und die Sängerin der Schulband. Joey konnte sie nicht leiden weil sie eingebildet war und sich für was Besseres hielt. Er konnte nicht verstehen warum die meisten in der Schule so von ihr begeistert waren. Für ihn war Kohana einfach nur ein Mädchen, die dachte, sie könnte alles haben.

„Wenn das nicht Joey Wheeler ist.“

Joey blieb stehen. „Was willst du?“

„Wie ich sehe machst du beim Gesangswettbewerb mit“, sagte Kohana. „Ich werde dort auch mitmachen. Ich will dass du dich selbst vom Wettbewerb ausschließt.“

„Das meinst du nicht ernst, oder?“, fragte Joey.

Sie runzelte die Stirn. „Doch das meine ich ernst.“

„Warum soll ich zurücktreten?“, wollte Joey wissen.

Kohana lächelte. „Du bist gut aber ich kann nicht zulassen dass du mich schlägst. Du bist mir ein Dorn im Auge. Also rate ich dir, Wheeler, trete zurück oder …“ Sie sprach nicht weiter.

„Ich hab keine Angst vor dir“, entgegnete Joey. „Egal was passiert ich werde nicht vom Wettbewerb zurücktreten!“

Kohana funkelte Joey wütend an. „Du wirst es bereuen, wenn du nicht vom Wettbewerb zurücktrittst“, sagte sie mit kalter Stimme.

Joey spürte eine Mischung aus Wut und Entschlossenheit in sich aufsteigen. Er war fest entschlossen, sich von Kohana nicht einschüchtern zu lassen.

„Du kannst mir drohen, so viel du willst, aber ich werde nicht zurücktreten", erklärte Joey mit fester Stimme. „Ich habe genauso das Recht wie du, am Wettbewerb teilzunehmen und mein Bestes zu geben."

„Ich werde ein Auge auf dich haben, Wheeler. Und wenn du denkst, dass du mich im Wettbewerb schlagen kannst, liegst du falsch.“ Mit diesen Worten drehte sich Kohana um und ging davon.

Joey atmete tief durch und setzte seinen Weg fort, fest entschlossen, sich nicht von Kohana oder irgendjemand anderem von seinem Ziel abbringen zu lassen. Er würde alles geben, um beim Gesangswettbewerb sein Bestes zu zeigen und seine Träume zu verwirklichen.

Seine Klasse hatte gerade Mathe. Joey öffnete die Tür, machte sie zu und ging zu seinem Platz. Er schlug sein Heft auf und schrieb mit, doch mit seinen Gedanken war er ganz woanders.

Als es schließlich um 15:30 Uhr läutete war der Schultag für heute beendet. Jetzt war es so weit. Joey und Tristan gingen zu ihrem Lehrer. „Sato-sensei, dürfen wir heute in der Schule übernachten?“, fragte Tristan.

„Warum wollt ihr in der Schule übernachten?“, fragte Herr Sato.

„Wir haben gehört dass es hier spuken soll“, antwortete Joey. „Wir wollen herausfinden ob das wirklich stimmt. Und dafür müssen wir nachts in der Schule sein.“

„Wer hat euch diesen Unsinn erzählt?“, wollte der Lehrer wissen.

„Einige aus unserer Klasse“, erwiderte Tristan.

„Ihr dürft nicht alles glauben was man euch erzählt“, sagte Herr Sato.

Joey und Tristan schauten sich an, ihre Augen funkelten vor Aufregung. „Aber Sato-sensei, was ist, wenn wir trotzdem eine Nacht hier verbringen? Wir wollen nur die Wahrheit herausfinden“, sagte Tristan hoffnungsvoll.

Der Lehrer seufzte und lächelte leicht. „Ich verstehe eure Neugier, aber ich kann euch nicht erlauben, allein in der Schule zu übernachten. Es ist gefährlich, wenn ihr nachts unterwegs seid, besonders in einem Gebäude, das so groß und dunkel ist.“ Joey trat einen Schritt vor. „Wir versprechen, vorsichtig zu sein. Wir wollen nur herausfinden ob die Gerüchte stimmen.“ Herr Sato nickte. „Ich werde bei euch eine Ausnahme machen – aber nur unter einer Bedingung: Ihr bleibt zusammen und geht kein unnötiges Risiko ein.“

Joey und Tristan nickten eifrig. „Versprochen!“, riefen sie im Chor. „Wir werden uns an alles halten.“ Der Lehrer schmunzelte leicht und gab ihnen einen letzten Blick. „Gut, dann könnt ihr heute Nacht im Klassenzimmer schlafen."

Während Joey und Tristan den Schulhof verließen, schauten sie sich an und grinsten schelmisch. Das Abenteuer war noch lange nicht vorbei – und die Nacht würde spannend werden…

In den dunklen Schatten der Schulflure, nachdem die letzten Lichter erloschen waren, schlichen Joey und Tristan zurück zum Schulgelände. Sie hatten ihre Taschen mit Schlafsäcken, Taschenlampen und ein paar Snacks gepackt, bereit für die nächtliche Erkundung. „Das ist unsere Chance, herauszufinden ob es hier wirklich spukt“, sagte Tristan entschlossen.

Das Klassenzimmer war nur schwach erleuchtet durch das Mondlicht, das durch die Fenster schien. Die Schatten tanzten an den Wänden, und alles wirkte noch unheimlicher in der Stille.

„Was glaubst du, spukt es wirklich?“, fragte Joey leise.

„Ich weiß nicht“, antwortete Tristan nachdenklich. „Aber ich will es herausfinden. Vielleicht ist ja doch etwas dran an den Gerüchten.“

Plötzlich hörten sie ein leises Knarren aus dem Flur. Beide hielten den Atem an und sahen sich erschrocken an.

„Was war das?“, fragte Joey.

„Wahrscheinlich nur ein Tier oder das alte Gebäude, das knarrt“, versuchte Tristan zu beruhigen. Doch in seinem Inneren fühlte er eine Mischung aus Angst und Aufregung.

Sie beschlossen, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, um die Angst zu vertreiben. Währenddessen schlich jemand anderes durch die Schule – jemand oder etwas Unbekanntes…

Plötzlich ertönte ein leises Rascheln hinter einer Tür. Joey und Tristan hielten den Atem. War es nur ihre Einbildung oder war da wirklich etwas?

„Wir sollten nachsehen“, flüsterte Tristan mutig.

Langsam schoben sie die Tür auf und traten vorsichtig hinaus in den Flur. Das Licht ihrer Taschenlampen fiel auf einen Schatten, der sich bewegte.

„Wer ist da?“, rief Joey zögernd.

Ein alter Schulgeist? Oder vielleicht doch nur Einbildung?

Die Nacht sollte noch viele Geheimnisse bergen…

Der Schatten bewegte sich langsam und schien sich in der Dunkelheit zu verlieren. Joey und Tristan hielten den Atem an, ihre Herzen hämmernd vor Aufregung und Angst. Die Taschenlampenstrahlen tanzten über die Wände, doch der Schatten blieb verschwunden.

„Vielleicht war es nur ein Vogel oder eine Maus“, sagte Tristan, bemüht, ruhig zu bleiben. „Oder… vielleicht etwas anderes.“

„Was meinst du?“ fragte Joey nervös.

„Ich weiß nicht“, gab Tristan zu. „Aber ich habe das Gefühl, dass wir hier nicht allein sind.“

Plötzlich hörten sie ein leises Flüstern, das durch den Flur schwebte. Es klang wie Stimmen, die miteinander sprachen – doch sie konnten keine Worte erkennen. Das Flüstern wurde lauter und schien direkt auf sie zuzuschweben.

„Wir sollten zurück ins Klassenzimmer gehen“, schlug Joey vor, seine Stimme zitterte leicht.

Doch bevor sie sich bewegen konnten, öffnete sich eine Tür am Ende des Flurs langsam – von selbst. Ein kalter Luftzug strömte heraus, und eine dunkle Gestalt trat hervor. Es war eine alte Schulfrau mit zerzaustem Haar und einem langen schwarzen Kleid. Ihre Augen schimmerten unheimlich im Licht der Taschenlampe.

„Was macht ihr hier?“, fragte die Gestalt mit einer krächzenden Stimme.

Joey und Tristan starrten vor Schreck. Sie wollten weglaufen, doch ihre Beine fühlten sich schwer an.

„Wir… wir wollten nur die Wahrheit herausfinden“, stammelte Tristan.

Die Schulfrau lächelte schwach und verschwand dann plötzlich in einem Nebel aus Rauch. Das Flüstern verstummte, und der Schatten war weg.

Langsam atmeten Joey und Tristan erleichtert auf. Doch beide wussten: Diese Nacht war noch lange nicht vorbei. Was auch immer die Schule heimsuchte – es war realer als gedacht.

„Lass uns wieder ins Klassenzimmer gehen“, sagte Joey leise. „Vielleicht ist alles nur Einbildung… oder vielleicht nicht.“

Sie kehrten vorsichtig zurück in den Raum, ihre Taschenlampen flackernd im Dunkeln. Die Nacht hatte gerade erst begonnen – voller Geheimnisse und unerwarteter Begegnungen…

Während Joey und Tristan zögernd wieder ins Klassenzimmer schlichen, war die Spannung kaum auszuhalten. Das Gefühl, beobachtet zu werden, lag noch immer in der Luft. Die Schatten an den Wänden schienen sich zu bewegen, als wollten sie die beiden Jungen nicht aus den Augen lassen.

„Was glaubst du, war das wirklich eine Geisterfrau?“, flüsterte Tristan, während er nervös seinen Blick auf die Tür richtete.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Joey leise. „Aber ich bin mir sicher, dass hier etwas Übernatürliches vor sich geht. Vielleicht spukt es wirklich in der Schule.“

Sie setzten sich auf ihre Schlafsäcke und versuchten, sich zu beruhigen. Doch die unheimliche Atmosphäre ließ ihnen keine Ruhe. Plötzlich hörten sie wieder das Flüstern – diesmal viel näher, direkt neben ihnen.

„Habt ihr Angst?“, erklang eine leise Stimme aus dem Dunkeln. Es war die Schulfrau! Sie stand plötzlich vor ihnen, nur wenige Schritte entfernt, mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen.

„Was willst du von uns?“, fragte Tristan zitternd.

„Nur die Wahrheit“, antwortete sie sanft. „Diese Schule hat eine lange Geschichte – voller Geheimnisse und unerfüllter Wünsche. Ihr habt Mut gezeigt, hierherzukommen. Aber seid vorsichtig: Nicht alles ist so harmlos, wie es scheint.“

Mit diesen Worten verschwand sie wieder im Nebel, der sich langsam auflöste. Das Flüstern verstummte endgültig, und die Dunkelheit wurde stiller als zuvor.

Joey und Tristan sahen sich an. Trotz ihrer Angst fühlten sie auch eine seltsame Faszination für das Unbekannte. Sie wussten: Diese Nacht würde sie nie vergessen – denn sie hatten einen Blick hinter den Schleier des Alltags geworfen und waren Zeugen von Dingen geworden, die jenseits ihrer Vorstellungskraft lagen.

„Aber ich will wissen, was noch alles passiert ist“, sagte Joey schließlich.

„Und ich auch“, erwiderte Tristan entschlossen. „Vielleicht finden wir heute noch mehr heraus.“

Langsam packten Joey und Tristan ihre Sachen zusammen, ihre Hände zitterten leicht vor Aufregung und Angst. Das Gefühl, dass noch immer etwas Unbekanntes in der Schule lauerte, ließ sie nicht los. Sie schlichen sich vorsichtig zum Ausgang des Klassenzimmers, die Augen wachsam auf die Schatten gerichtet.

Als sie die Tür leise öffneten, hörten sie erneut das Flüstern – kaum wahrnehmbar, doch deutlich genug, um ihnen eine Gänsehaut zu bereiten. Es schien, als würde die Schule selbst noch immer sprechen, ihre Geheimnisse preiszugeben.

Sie erreichten den alten Flur im hinteren Teil der Schule, wo Gerüchte zufolge das Spuken am schlimmsten sein sollte. Die Tür zum verlassenen Klassenzimmer war nur angelehnt. Mit zitternden Händen schoben sie sie langsam auf.

Im schwachen Schein ihrer Taschenlampe sahen sie alte Tafelkreide, verstaubte Stühle und eine vergilbte Landkarte an der Wand. Plötzlich hörten sie ein leises Rascheln – fast so, als würde jemand oder etwas sich bewegen.

„Hast du das gehört?“, flüsterte Tristan.

„Ja…“, antwortete Joey, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Vielleicht ist es nur der Wind.“

Doch dann hörten sie ein leises Knarren – und aus dem Schatten trat eine schemenhafte Gestalt hervor. Es war kaum mehr als eine Silhouette, doch ihre Augen schimmerten rot im Dunkeln.

„Was zum…?“, stieß Joey entsetzt aus.

Tristan packte Joey am Arm. „Lauf!“, rief er panisch.

Gemeinsam rannten sie durch die dunklen Gänge, verfolgt von dem unheimlichen Schatten. Als sie endlich die Schultür erreichten und hinausstürmten, atmeten sie schwer und blickten zurück – doch die Gestalt war verschwunden.

„Das war echt! Es spukt hier wirklich!“, keuchte Joey.

„Wir müssen morgen mit Herrn Sato sprechen“, sagte Tristan atemlos. „Das ist kein Gerücht mehr.“

Sie liefen so schnell sie konnten nach Hause, doch in ihren Köpfen wirbelten die Bilder der Nacht – von Geistergestalten, Flüstern und unerklärlichen Erscheinungen. Die Schule hatte ihnen mehr gezeigt als nur alte Mauern; sie hatte ihnen einen Blick gewährt in eine Welt voller Geheimnisse und unerklärlicher Phänomene.
 

Am nächsten Morgen erzählten Joey und Tristan Herrn Sato von ihren Erlebnissen. Er setzte sich auf einen Stuhl und sah die beiden Jungen ernst an. „Wenn ihr wirklich wissen wollt, was hier passiert ist, kann ich euch eine Geschichte erzählen.“

Joey und Tristan setzten sich neugierig zu ihm.

„Vor vielen Jahren gab es hier einen Schüler, der bei einem Unfall ums Leben kam“, begann Herr Sato. „Sein Name war Kenji. Er war ein sehr beliebter Junge, immer freundlich und hilfsbereit. Eines Tages, während eines Schulausflugs in den nahegelegenen Wald, verschwand er plötzlich. Trotz intensiver Suche wurde er erst Tage später gefunden – er war in einer abgelegenen Höhle gestürzt und tödlich verletzt worden.“

Joey und Tristan hörten gebannt zu, während Herr Sato eine Pause machte, um die Bedeutung seiner Worte zu unterstreichen.

„Seit diesem Tag soll es hier im Schulgelände spuken“, sagte Herr Sato. „Man sagt, man könne manchmal das leise Flüstern von Kenji hören oder sein schemenhaftes Wesen in der Dämmerung sehen.“ Der Lehrer stand auf. „Kommt, ich zeige euch noch etwas.“ Er führte die Jungen durch die dunklen Flure der Schule zu einem alten Fenster. Dort zeigte er auf den Schulhof draußen: „Seht ihr den Baum dort? Früher saß er dort oft, um seine Hausaufgaben zu machen. Manche sagen, man könne nachts noch sein Lachen hören.“

Die Jungen schauten sich unruhig an. „Glauben Sie wirklich an Geister?“ fragte Tristan zögernd.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Herr Sato nachdenklich. „Aber manche Dinge sind einfach schwer zu erklären. Vielleicht ist es nur unsere Vorstellungskraft… oder vielleicht ist etwas Wahres dran. Wenn ihr wollt, können wir heute im Lehrerzimmer herausfinden, was damals wirklich passiert ist.“

Joey und Tristan schauten sich unsicher an. Die Geschichte von Kenji und den angeblichen Spukerscheinungen hatte ihnen Gänsehaut bereitet, doch gleichzeitig war da auch eine gewisse Neugier. Was, wenn die Legenden wahr waren? Was, wenn es wirklich etwas gab, das über das Natürliche hinausging?

„Das klingt spannend“, sagte Joey zögernd. „Aber glauben Sie wirklich, dass wir etwas herausfinden können?“

Herr Sato lächelte leicht. „Manchmal braucht es nur den Mut, um die Wahrheit zu entdecken. Und wer weiß – vielleicht ist Kenjis Geist gar nicht so unruhig, wie man denkt.“

Tristan nickte langsam. „Ich bin dabei. Es ist doch interessant zu wissen, was damals wirklich passiert ist.“

Nach dem Unterricht versammelten sich die drei im Lehrerzimmer. Herr Sato holte eine alte Mappe hervor, darin befanden sich Fotos, Schulberichte und einige handgeschriebene Notizen.

„Hier sind Aufzeichnungen von damals“, erklärte er. „Und ich habe auch mit einigen älteren Lehrern gesprochen, die Kenji kannten.“ Er blätterte durch die Papiere. „Es gibt Hinweise darauf, dass Kenji bei einem Ausflug in den Wald einen Unfall hatte – aber niemand weiß genau, was passiert ist.“

Plötzlich klopfte es leise an der Tür. Es war die Schulsekretärin, Frau Nakamura. Sie trat ein, einen kleinen Stapel Akten in der Hand. „Entschuldigen Sie die Störung“, sagte sie mit einem freundlichen Lächeln. „Ich habe hier einige alte Schulakten, die vielleicht für eure Nachforschungen interessant sind.“ Sie legte die Akten auf den Tisch und öffnete eine davon. „Hier sind Berichte über Kenji, seine Noten, aber auch einige Bemerkungen von Lehrern, die ihn kannten.“

Joey beugte sich vor, um einen Blick auf die Papiere zu werfen. „Gibt es dort auch etwas über den Unfall im Wald?“ fragte er gespannt.

Frau Nakamura nickte nachdenklich. „Ja, ich sehe hier eine Notiz, dass Kenji bei einem Ausflug in den Wald verletzt wurde, aber die Details sind vage. Es steht nur, dass er plötzlich verschwunden war und später wieder gefunden wurde – mit einer Verletzung am Kopf. Da war er schon tot.“

Tristan runzelte die Stirn. „Könnte das etwas mit den Spukerscheinungen zu tun haben? Vielleicht war es kein Geist, sondern ein Unfall, der damals nicht richtig aufgeklärt wurde.“

Herr Sato schloss die Mappe behutsam. „Es ist möglich. Manchmal sind es nur Missverständnisse oder unvollständige Informationen, die Legenden entstehen lassen. Aber wir sollten alle Hinweise sammeln und versuchen, die Wahrheit herauszufinden.“

Plötzlich hörten sie ein leises Rascheln aus dem Regal neben ihnen. Ein alter Schulkalender rutschte langsam vom Regal herunter und landete mit einem dumpfen Klang auf dem Boden.

„Was war das?“, fragte Joey erschrocken.

Herr Sato bückte sich und hob den Kalender auf. Er blätterte durch die vergilbten Seiten und blieb an einem Datum im Jahr 1985 hängen – genau vor 40 Jahren.

„Hier steht etwas Interessantes“, sagte er leise. „Ein Eintrag vom 31. Oktober – Halloween-Abend. Es heißt, dass an diesem Tag in der Nähe des Waldes ungewöhnliche Lichter gesehen wurden und jemand von den Schülern damals behauptete, eine Gestalt gesehen zu haben.“

„Das passt ja perfekt“, sagte Tristan nachdenklich. „Vielleicht gibt es doch eine Verbindung zwischen den Ereignissen damals und heute.“

Joey sah aufgeregt aus. „Wir müssen unbedingt herausfinden, was damals wirklich passiert ist! Vielleicht können wir den Geist endlich zur Ruhe bringen.“

Die Gruppe sah sich gespannt an, während Herr Sato den alten Kalender vorsichtig zuklappte. Die Hinweise aus dem Schularchiv schienen eine Verbindung zwischen den mysteriösen Lichtern im Wald vor 40 Jahren und den aktuellen Spukerscheinungen herzustellen.

Frau Nakamura nickte zustimmend. „Ich kann euch auch alte Fotos und Berichte aus der Schulzeit besorgen, vielleicht gibt es noch weitere Zeugen oder Aufzeichnungen.“ Sie blickte nachdenklich auf die Akten. „Es ist seltsam, dass all diese Dinge so lange verborgen geblieben sind.“

Tristan runzelte die Stirn. „Was, wenn der Unfall damals wirklich etwas mit den Geistererscheinungen zu tun hat? Vielleicht war Kenji bei dem Vorfall getötet worden und hat etwas gesehen, das er nicht erklären konnte.“ Er schien nachdenklich, während er die Gedanken sortierte.

Plötzlich hörten sie wieder das Rascheln – diesmal lauter und unruhiger. Es kam aus dem Regal neben ihnen. Herr Sato trat einen Schritt zurück und sah sich um. „Vielleicht ist es nur der Wind“, sagte er vorsichtig, doch in seinem Blick lag eine gewisse Anspannung.

Gerade als sie sich wieder dem Gespräch widmen wollten, öffnete sich leise die Tür des Sekretariats. Ein älterer Lehrer trat ein, mit einem geheimnisvollen Ausdruck im Gesicht. „Ich habe gehört, dass ihr euch für die alten Ereignisse interessiert“, sagte er mit gedämpfter Stimme. „Mein Name ist Herr Takeda. Ich war damals Lehrer hier und kenne einige Details, die vielleicht hilfreich sein könnten.“

Joey beugte sich vor. „Was wissen Sie über den Halloween-Abend vor 40 Jahren? Was ist damals wirklich passiert?“

Herr Takeda schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Dann begann er langsam zu erzählen: „Es gab Gerüchte über seltsame Lichter im Wald und eine Gestalt, die niemand richtig beschreiben konnte. Einige sagten, es sei der Geist eines Schülers gewesen, der bei einem Unfall ums Leben kam – Kenji vielleicht.“ Er zögerte einen Moment. „Aber was wirklich passiert ist… das weiß ich erst seit kurzem.“

„Was meinen Sie?“ fragte Tristan neugierig.

„Vor vielen Jahren wurde ein Geheimnis vergraben“, antwortete Herr Takeda leise. „Etwas, das man besser nicht ans Licht holen sollte.“ Seine Augen funkelten geheimnisvoll. „Vielleicht sollten wir alle vorsichtig sein, was wir herausfinden wollen.“

Die Gruppe spürte eine Mischung aus Neugier und Unbehagen. Die Puzzlestücke fügten sich langsam zusammen: Der Unfall im Wald, die ungewöhnlichen Lichter an Halloween, Kenjis Tod – alles schien miteinander verbunden zu sein.

Die Spannung in der Gruppe war greifbar. Joey, Tristan, Frau Nakamura und Herr Sato sahen sich an, jeder von ihnen spürte, dass sie auf etwas Großes gestoßen waren – etwas, das weit über die Geschichte eines alten Unfalls hinausging.

„Was könnte dieses Geheimnis sein?“ fragte Joey leise. „Warum sollte man es verbergen?“

Herr Takeda schien einen Moment nachzudenken, bevor er antwortete: „Es gibt Hinweise darauf, dass Kenjis Tod kein Unfall war. Es gab Berichte über seltsame Aktivitäten im Wald in jener Nacht – Geräusche, Schatten und diese Lichter. Manche glaubten, dass jemand oder etwas dort aktiv war.“

Frau Nakamura zog eine alte Mappe hervor und öffnete sie vorsichtig. „Hier sind alte Fotos und Berichte. Vielleicht finden wir darin Hinweise.“ Sie blätterte durch die Papiere und zeigte auf ein Schwarz-Weiß-Foto: Ein Bild von einem dunklen Waldweg bei Nacht, mit einem kleinen Lichtpunkt in der Ferne.

„Dieses Foto wurde am Halloween-Abend aufgenommen“, sagte sie. „Und hier ist ein Bericht eines Schülers, der damals dabei war.“ Sie las vor: „Ich habe gesehen, wie ein Licht im Wald tanzte und eine Gestalt schwebte. Es sah aus wie ein Geist.“

Tristan runzelte die Stirn. „Meint ihr, das alles könnte mit den Gerüchten um den Geist zusammenhängen? Vielleicht ist Kenji doch nicht nur gestürzt…“

Herr Takeda nickte langsam. „Vielleicht nicht. Es gibt noch eine andere Sache.“ Er zog einen kleinen Umschlag aus seiner Tasche und reichte ihn an Frau Nakamura weiter. „Das ist ein altes Tagebuch eines Schülers, der damals dabei war. Ich habe es erst kürzlich gefunden.“

Sie öffnete das Tagebuch vorsichtig und begann zu lesen: „Halloween 1985 – Die Lichter im Wald sind wieder da. Ich habe Angst…“ Die Worte schienen die Atmosphäre noch unheimlicher zu machen.

Plötzlich hörten sie draußen im Flur Schritte – schweres Atmen, als würde jemand eilig vorbeigehen. Die Gruppe erstarrte.

„Wer könnte das sein?“, fragte Joey.

„Vielleicht jemand, der mehr weiß“, antwortete Frau Nakamura.

In diesem Moment öffnete sich die Tür langsam – doch niemand stand davor. Stattdessen lag dort eine kleine Notiz auf dem Boden:

Manche Geheimnisse sind besser verborgen.

Ein kalter Schauer lief allen über den Rücken.

„Wir müssen vorsichtig sein“, sagte Herr Sato ernst. „Wenn jemand versucht hat, uns zu warnen… vielleicht vor uns selbst.“

Die Gruppe beschloss, weiter nach Antworten zu suchen. Doch sie wussten auch: Je näher sie der Wahrheit kamen, desto gefährlicher wurde es für sie alle.

Die Spannung im Raum war greifbar. Herr Sato hob die kleine Notiz auf und las sie noch einmal laut vor: „Manche Geheimnisse sind besser verborgen.“ Joeys Stirn war in Falten gelegt, während er nachdachte. „Wer könnte das geschrieben haben? Und warum jetzt?“

Frau Nakamura blickte nachdenklich auf die Akten. „Vielleicht jemand, der damals direkt beteiligt war – oder jemand, der mehr weiß, als er zugibt.“ Sie zögerte einen Moment, bevor sie fortfuhr: „Es gibt Berichte über seltsame Vorkommnisse in den Wochen vor Kenjis Unfall. Lehrer, die merkwürdige Geräusche hörten, Schüler, die von Schatten im Wald sprachen…“

Plötzlich klopfte es erneut an der Tür. Diesmal war es ein Schüler – ein Junge mit zerzaustem Haar und nervösem Blick. Er trat vorsichtig ein und sagte leise: „Ich… ich habe etwas gesehen. In der Nacht vor dem Unfall. Ich wollte es niemandem sagen, weil ich Angst hatte.“

Alle wandten sich ihm zu. Tristan nickte ermutigend. „Was hast du gesehen? Bitte erzähl es uns.“

Der Junge holte tief Luft. „Ich war draußen im Hof. Plötzlich sah ich eine Gestalt im Wald – sie bewegte sich schnell zwischen den Bäumen. Es sah aus wie… wie jemand, der weglaufen wollte.“ Er zögerte kurz. „Und dann hörte ich Schreie.“

Ein kalter Schauer lief durch die Gruppe. Frau Nakamura griff nach ihrer Tasche und zog eine kleine Taschenlampe hervor, um die Umgebung zu beleuchten.

„Das passt zu den Berichten über Schatten und Geräusche“, sagte sie ernst. „Vielleicht war Kenji doch nicht allein dort draußen.“

Herr Sato stand auf und blickte nachdenklich aus dem Fenster in den dunklen Wald. „Wenn jemand versucht hat, uns zu warnen – dann ist das kein Zufall.“ Er drehte sich wieder um. „Wir müssen herausfinden, wer diese Gestalt war und was wirklich passiert ist.“

Die Gruppe beschloss, am nächsten Tag gemeinsam in den Wald zu gehen – bei Tageslicht – um Hinweise zu suchen und vielleicht das Geheimnis endlich zu lüften.

Doch während sie sich vorbereiteten, bemerkten sie im Augenwinkel eine Bewegung im Schatten des Flurs… Ein unheimliches Gefühl breitete sich aus: Sie waren nicht allein in ihrem Bemühen um die Wahrheit.

Und tief im Wald wartete etwas Unbekanntes auf sie…

Am nächsten Morgen versammelten sich Herr Sato, Frau Nakamura, Joey, Tristan und der Junge der Hiroki hieß am Rande des Waldes. Die Sonne schien schwach durch die Wolken, doch die Atmosphäre war schwer und angespannt. Jeder war sich bewusst, dass sie einem Geheimnis auf der Spur waren, das tief in den dunklen Bäumen verborgen lag.

„Lasst uns vorsichtig sein“, sagte Herr Sato mit ernster Stimme. „Wir wissen nicht, was uns erwartet.“ Er nahm eine Taschenlampe aus seinem Rucksack und schaltete sie an. Das Licht warf lange Schatten auf den Boden, während sie langsam in den Wald hineingingen.

Hiroki führte die Gruppe an, seine Augen suchten aufmerksam die Umgebung ab. Nach wenigen Minuten entdeckte er eine Reihe von Fußspuren im feuchten Boden – frisch und deutlich sichtbar. Sie führten tiefer in den Wald hinein, vorbei an umgestürzten Ästen und dichtem Unterholz.

„Hier war jemand vor uns“, sagte er. „Und ich glaube, es war nicht nur eine Person.“

Plötzlich hörten sie wieder ein Rascheln im Gebüsch. Alle hielten inne. Das Geräusch kam von rechts, und als sie sich dorthin wandten, sahen sie eine dunkle Gestalt zwischen den Bäumen verschwinden.

„Da!“, rief Hiroki. „Das war es!“

Herr Sato hob die Hand zur Warnung. „Bleibt ruhig. Wir sollten vorsichtig vorgehen.“ Langsam bewegten sie sich in die Richtung des Verschwindens der Gestalt. Das Rascheln wurde lauter, bis sie schließlich an einer kleinen Lichtung ankamen.

Dort lag etwas im Gras: Ein zerknittertes Stück Stoff – vielleicht ein Hemd oder eine Jacke. Nebenbei lag eine alte Kamera, halb vergraben im Laub.

„Was ist das?“, fragte Tristan.

Frau Nakamura bückte sich und hob die Kamera auf. Sie schaltete sie ein – doch das Display blieb dunkel. „Vielleicht ist sie schon lange hier“, murmelte sie nachdenklich.

„Wir sollten den Fußspuren folgen“, schlug Joey vor. „Vielleicht hilft das uns weiter.“

Die anderen hielten das für eine gute Idee und so setzten sie Joeys Vorschlag in die Tat um. Die Fußspuren endeten an einer Lichtung. Dort konnte die Gruppe nichts Besonderes entdecken.

In diesem Moment hörten sie erneut das Rascheln – diesmal direkt hinter ihnen. Als sie sich umdrehten, sahen sie nur noch Schatten, die zwischen den Bäumen huschten.

„Gehen wir“, sagte Herr Sato. „Aber wir dürfen das nicht aufgeben. Irgendetwas will verhindern, dass wir die Wahrheit finden.“

Sie eilten zurück zum Waldrand und beschlossen, ihre Entdeckungen zu dokumentieren und später genauer zu untersuchen.

Doch während sie den Rückweg antraten, spürten alle eine unheimliche Präsenz – als würde etwas Unbekanntes ihnen folgen, beobachtend aus dem Schatten der Bäume.

Und tief im Wald wartete etwas… oder jemand… darauf, dass die Wahrheit ans Licht kam – egal wie gefährlich es auch sein mochte.

Sie versammelten sich auf dem Schulhof. „Kenji hat kurz vor seinem Tod mit Takashi gesprochen“, sagte Hiroki. „Ich kann euch zu ihm bringen.“ Sie machten sich gemeinsam auf dem Weg um Takashi zu finden. Sie wussten dass sie keine Zeit verlieren durften.

Hiroki führte die Gruppe zum Sportplatz. Dort spielte eine Klasse gerade Fußball. Hiroki zeigte auf einen großen Jungen mit dunklen Haaren. „Das ist Takashi.“ „Du kannst jetzt gehen, Hiroki“, sagte Frau Nakamura. „Danke für deine Hilfe.“ Hiroki nickte und ging weg. Joey, Tristan, Herr Sato und Frau Nakamura gingen zum Sportlehrer. „Entschuldigen Sie die Störung“, sagte Herr Sato. „Wir müssen dringend mit Takashi reden.“ Der Sportlehrer winkte ihn zu sich. „Takashi, da gibt es Leute die mit dir reden wollen.“ Als der Junge zu ihnen kam wirkte er nervös. „Was wollt ihr von mir?“

„Takashi, es tut uns leid, dich so plötzlich zu stören“, begann Frau Nakamura sanft. „Es geht um Kenji. Er hat kurz vor seinem Tod mit dir gesprochen, und wir möchten gern wissen, was er gesagt hat.“ Takashi sah sie an, seine Hände zitterten leicht. „Kenji hat gesagt, dass er was Wichtiges entdeckt hat. Und dass er vor jemandem Angst hat.“

Herr Sato trat einen Schritt näher. „Takashi, wir wissen, dass das eine schwere Zeit für dich ist. Aber es ist wichtig für uns alle zu verstehen, was Kenji dir noch erzählt hat. Gab es noch etwas anderes? Irgendetwas, das dir in Erinnerung geblieben ist?“

Takashi schien nachdenklich, dann schüttelte er den Kopf. „Nein… nur das.“ „Ich werde die Polizei anrufen“, sagte Herr Sato. „Sie sollen herausfinden wer hinter Kenjis Tod steckt.“

Kurze Zeit später kam ein Streifenwagen vorbei und zwei Polizisten stiegen aus.

Die Polizisten traten an die Gruppe heran und begrüßten sie höflich. Einer der Beamten, ein älterer Mann mit ernstem Blick, wandte sich an Herrn Sato. „Guten Tag. Wir haben Ihre Meldung erhalten. Können Sie uns bitte alles erzählen, was Sie wissen?“ Herr Sato nickte und begann, die Ereignisse zu schildern. Er erklärte, dass Kenji kurz vor seinem Tod mit Takashi gesprochen hatte und dass es Hinweise auf eine mögliche Gefahr gab. Die Polizisten hörten aufmerksam zu und notierten sich die wichtigsten Punkte.

Der jüngere Polizist, der neben dem älteren stand, beugte sich zu Takashi vor. „Hast du noch etwas bemerkt, das dir ungewöhnlich vorkam? Irgendetwas, das dir auffiel, bevor Kenji gestorben ist?“ Takashi schüttelte den Kopf, doch seine Hände zitterten immer noch leicht. Es war offensichtlich, dass er unter Stress stand.

„Wir werden hier alles untersuchen“, sagte der ältere Polizist ruhig. „In der Zwischenzeit wäre es gut, wenn Sie alle vorsichtig bleiben und keine voreiligen Schlüsse ziehen.“ Er sah die Gruppe ernst an. „Wir werden alles tun, um den Fall aufzuklären.“

Der jüngere Polizist trat einen Schritt vor. „Gibt es jemanden in Kenjis Umfeld, von dem wir wissen sollten? Jemanden, der ihm vielleicht bedroht hat oder mit dem er Streit hatte?“

Währenddessen beobachtete Takashi die Szene. Er schien nachdenklich und besorgt. Plötzlich trat er einen Schritt vor und sprach: „Ich habe das Gefühl, dass hier mehr im Spiel ist als nur ein Unfall oder ein natürlicher Tod.“ Alle schauten ihn überrascht an.

„Was meinst du?“, fragte Frau Nakamura neugierig.

„Mir ist noch was eingefallen“, sagte Takashi. „Kenji hat über eine geheime Gruppe gesprochen. Er wollte uns warnen, aber ich weiß nicht genau warum. Vielleicht hängt sein Tod damit zusammen.“

Die Polizisten hörten aufmerksam zu und fragten: „Hast du Beweise dafür? Oder Hinweise auf diese Gruppe?“

Takashi schüttelte den Kopf. „Nein, leider nicht.“

Die Polizei bedankte sich für die Hinweise und versprach, alles zu untersuchen. Während die Beamten ihre Arbeit aufnahmen, blieben sie noch eine Weile stehen. Der Sportlehrer ging zu ihnen. „Kann ich meinen Schüler wieder mitnehmen?“ Herr Sato nickte. „Ja natürlich.“

Zurück im Schulgebäude gingen sie zum Lehrerzimmer. Herr Sato öffnete die Tür. Herr Takeda saß auf einem Stuhl. „Ich habe auf euch gewartet. Es gibt noch mehr, was ich euch erzählen kann.“ Er räusperte sich. „Damals gab es eine Legende, die sich um den Wald rankte. Es hieß, dass an Halloween die Grenze zwischen unserer Welt und einer anderen Dimension dünner wird. Manche glaubten, dass die Lichter im Wald keine natürlichen Phänomene waren, sondern Hinweise auf etwas Übernatürliches.“

Joey, neugierig und ein bisschen aufgeregt, fragte: „Meinen Sie, dass Kenji vielleicht in etwas Übernatürliches verwickelt war? Oder dass sein Unfall kein Zufall war?“

Herr Takeda nickte langsam. „Es ist schwer zu sagen. Aber es gibt Berichte von Schülern, die damals dabei waren oder davon gehört haben. Einige sprechen von Schatten, die sich zwischen den Bäumen bewegten, und von einem Gefühl der Angst, das alle erfasste.“ Er zögerte einen Moment und fuhr dann fort: „Was mich am meisten beschäftigt, ist die Tatsache, dass Kenjis Tod nie vollständig aufgeklärt wurde. Es gab keine Zeugen, nur Gerüchte und unheimliche Geschichten.“

Die Gruppe war still geworden. Die Atmosphäre im Raum schien schwerer zu werden, als ob die Vergangenheit selbst ihre Schatten warf.

Plötzlich fiel Joey ein Blick auf eine alte Fotografie in der Mappe. Darauf war ein Junge zu sehen – Kenji – mit einem freundlichen Lächeln, umgeben von anderen Schülern bei einem Schulausflug. Doch im Hintergrund schimmerten undeutliche Lichtpunkte zwischen den Bäumen.

„Sehen Sie hier“, sagte Joey und zeigte auf das Foto. „Diese Lichter… könnten sie vielleicht etwas Übernatürliches sein?“

Herr Takeda betrachtete das Bild aufmerksam. „Vielleicht. Oder es sind natürliche Phänomene wie Fackeln oder reflektierende Augen im Dunkeln. Aber die Legenden sprechen von etwas anderem – von Geistern oder Erscheinungen. Ich habe gerade einen alten Bericht gefunden – aus dem Archiv. Es scheint, als ob vor 40 Jahren tatsächlich jemand in den Wald gegangen ist – kurz vor Halloween – und nie wieder zurückgekehrt ist.“

Herr Sato runzelte die Stirn. „Das passt genau zu den Gerüchten… Vielleicht war Kenji nicht das einzige Opfer.“

Die Schüler spürten eine Mischung aus Neugier und Unbehagen. Die Vergangenheit schien lebendiger denn je, als ob sie nur darauf wartete, entdeckt zu werden.

In ihren Köpfen wirbelten bereits Fragen: Was verbarg sich wirklich hinter den Lichtern im Wald? War Kenjis Geist noch immer dort? Und warum schien alles so unheimlich mit Halloween verbunden zu sein?

Herr Takeda sah die Runde an, seine Stimme wurde leiser. „Es gab damals viele Gerüchte und Angst unter den Schülern. Manche glaubten, dass Kenji nach seinem Tod noch immer im Wald spukte, um für das Unrecht zu büßen, das ihm widerfahren war.“ Er zögerte einen Moment, bevor er fortfuhr: „Ich erinnere mich an eine Nacht kurz vor Halloween, als ich im Lehrerzimmer eine seltsame Beobachtung machte. Es war spät, und ich sah aus dem Fenster, wie ein schwaches Licht durch die Bäume tanzte. Ich dachte zunächst, es sei nur eine Taschenlampe oder ein Feuer – doch je länger ich hinsah, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass dieses Licht etwas Übernatürliches war.“

Joey runzelte die Stirn. „Meinen Sie damit, dass jemand im Wald war? Oder vielleicht etwas anderes?“

Herr Takeda nickte langsam. „Es ist schwer zu sagen. Aber in den alten Aufzeichnungen gibt es Hinweise auf eine Art Ritual oder Zeremonie, die an Halloween stattfand – vielleicht von Schülern oder sogar Lehrern. Es könnte sein, dass diese Ereignisse damals mit Kenjis Unfall verbunden sind.“

Tristan schien nachdenklich. „Glauben Sie wirklich an Geister? Oder ist das nur Aberglaube?“

Herr Takeda lächelte leicht. „Ob man daran glaubt oder nicht – manchmal hinterlassen solche Ereignisse Spuren in der Welt der Lebenden.“ Er blickte ernsthaft auf die anderen. „Wenn wir mehr herausfinden wollen, müssen wir tiefer graben – vielleicht sogar in den alten Schularchiven nach Berichten oder Fotos suchen.“

Joey nickte entschlossen. „Dann sollten wir jetzt ins Archiv gehen und alles durchsuchen.“ Tristan stimmte zu: „Vielleicht finden wir dort Hinweise auf das Ritual oder auf jemanden, der damals dabei war.“

Die Gruppe stand auf, ihre Entschlossenheit spürbar. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum alten Schularchiv, das in einem abgelegenen Flügel des Gebäudes lag. Der Raum war staubig und dunkel, nur das schwache Licht ihrer Taschenlampen erhellte die Regale voller verstaubter Akten und alter Dokumente.

Herr Takeda blätterte vorsichtig durch die alten Ordner, während Joey die Regale nach relevanten Schlagwörtern absuchte. Tristan durchforstete die Fotosammlung, auf der vielleicht Hinweise auf vergangene Ereignisse zu finden waren.

Nach einigen Minuten stießen sie auf eine Reihe von Berichten aus den Jahren um Halloween herum. Ein Dokument erregte besonders ihre Aufmerksamkeit: Es handelte sich um einen Bericht eines Lehrers, der von einer nächtlichen Zeremonie im Wald sprach, bei der Schüler angeblich ein Ritual durchgeführt hatten, um „die Geister zu beschwören“. Das Dokument erwähnte auch eine Gruppe von Schülern, die sich damals in einem geheimen Treffpunkt im Wald versammelt hatten.

„Hier!“, rief Joey aufgeregt und zeigte auf eine handschriftliche Notiz am Rand des Berichts. „Das könnte unser Schlüssel sein.“

Tristan beugte sich vor. „Wenn das stimmt, dann haben diese Schüler vielleicht etwas getan, das noch immer Auswirkungen hat – vielleicht sogar Kenjis Geist.“

Herr Takeda nickte nachdenklich. „Es ist möglich. Wir sollten versuchen herauszufinden, wer damals an diesem Ritual beteiligt war. Vielleicht können wir mit ehemaligen Schülern sprechen oder alte Tagebücher durchsuchen.“

Plötzlich hörten sie ein leises Rascheln hinter den Regalen. Alle erstarrten. Ein kalter Schauer lief ihnen über den Rücken.

„Was war das?“, fragte Joey nervös.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Herr Takeda ruhig. „Aber ich habe das Gefühl, dass wir nicht allein sind hier.“

Langsam schoben sie ihre Taschenlampen in Richtung des Geräuschs und entdeckten eine kleine, vergilbte Stofffigur – eine Art Talisman – der zwischen den Büchern lag. Es schien fast so, als hätte jemand sie dort platziert.

„Vielleicht ein Zeichen“, murmelte Tristan nachdenklich.

„Oder eine Warnung“, ergänzte Herr Takeda ernsthaft. „Wir sollen mit der Nachforschung aufhören“, sagte Herr Sato. „Wir haben getan was wir konnten. Ich werde der Polizei alles erzählen was wir herausgefunden haben.“
 

Einige Wochen vergingen bis die Polizei sich bei ihnen meldete. Sie hatten inzwischen mit allen Schülern gesprochen die damals an dem Ritual beteiligt waren. Auch Kenjis Freunde und Klassenkameraden wurden befragt. Die Schüler, die mittlerweile erwachsen waren, behaupteten dass sie mit Kenjis Tod nichts zu tun hatten. Einige von ihnen waren auch bei dem Schulausflug dabei wo Kenji verschwand. Sie hatten gar nicht gemerkt dass er plötzlich nicht mehr da war. Erst als sie sich umdrehten hatten sie sein Verschwinden bemerkt.

Hajime fehlte ebenfalls. Als er eine halbe Stunde später zurückkehrte, behauptete er dass er mit Kenji weggegangen war. Doch auf einmal hatte er ihn aus den Augen verloren. Da Hajime der Letzte war, der Kenji lebend gesehen hatte, beschlossen die Polizisten ihn erneut zu verhören.

Der junge Mann war richtig genervt. „Was soll das? Ich habe Ihnen doch schon alles gesagt was Sie wissen wollen!“

Der ältere Polizist war skeptisch. „Ich habe bei dir ein ungutes Gefühl.“

Der jüngere Polizist nickte. „Ja ich glaube nicht dass du uns die Wahrheit sagst.“

Nun lachte Hajime. „Sie glauben also, dass ich lüge? Das ist doch lächerlich.“ Er holte eine Zigarette raus und sein Feuerzeug. Der ältere Polizist riss ihm beides aus der Hand. „Rauchen ist hier verboten.“

„Mann, was haben Sie für ein Problem?“

„Also nochmal von vorne“, sagte der ältere Polizist. „Du warst bei dem Schulausflug dabei. Schildere uns in allen Einzelheiten was damals passiert ist.“

„Wir waren unterwegs und plötzlich bemerkte ich dass Kenji in eine andere Richtung ging. Ich bin ihm sofort gefolgt. Warum ich das getan habe? Keine Ahnung. Wir haben nicht viel geredet. Ich habe zu ihm gesagt dass wir wieder zurück zu den anderen gehen müssen. Doch das wollte Kenji nicht. Er hat sich geweigert und behauptet, er habe was Wichtiges entdeckt. Ich habe kurz in eine andere Richtung geschaut und als ich mich wieder zu Kenji umdrehte war er weg. Ich suchte meine Klasse und war natürlich froh als sie mich gefunden haben. Reicht das?“

„Und du hast das den anderen genauso erzählt?“, fragte der jüngere Polizist.

Hajime nickte. „Ja natürlich. Kann ich jetzt gehen?“

Der ältere Polizist schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht. Letztes Mal hast du was anderes gesagt.“

Hajime runzelte die Stirn und schnaubte genervt. „Was meinen Sie damit? Ich habe doch alles gesagt, was passiert ist.“ Er warf einen Blick zu den Polizisten, die ihn misstrauisch ansahen.

Der ältere Polizist zog eine Notizblock hervor und blätterte darin. „Beim letzten Verhör hast du erwähnt, dass Kenji dir gesagt hat, er müsse noch etwas erledigen, bevor er zurückkommt. Jetzt sagst du, er habe etwas Wichtiges entdeckt. Er legte den Block beiseite und sah Hajime ernst an. „Das passt nicht ganz zusammen.“

Hajime schnaubte erneut. „Das ist doch nur eine Kleinigkeit! Vielleicht hat er es mir einfach anders erklärt.“ Er versuchte, ruhig zu bleiben, doch die Anspannung war ihm deutlich anzusehen.

Der jüngere Polizist trat einen Schritt vor. „Es geht um Kenjis Verschwinden und seinen Tod. Wenn du zu uns ehrlich bist, können wir dir vielleicht helfen.“

Hajime sah die beiden Polizisten an, dann seufzte er tief. „Okay, ich gebe zu… Ich habe nicht alles erzählt.“ Er zögerte kurz, bevor er fortfuhr: „Als Kenji weg war, hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Er wirkte nervös und hat ständig auf sein Handy geschaut. Ich wollte wissen, was los ist.“

„Und was hast du herausgefunden?“, fragte der ältere Polizist.

„Nichts Konkretes“, antwortete Hajime. „Nur dass er anscheinend mit jemandem telefoniert hat. Aber ich konnte nicht hören, worum es ging.“ Er blickte nervös auf den Boden.

Die Polizisten tauschten einen Blick aus. Der jüngere Polizist notierte sich etwas in seinem Block. „Hajime, wir brauchen mehr Details. Hast du irgendetwas gesehen oder gehört, das auf einen Streit oder eine Gefahr hindeutet?“

Hajime schüttelte den Kopf. „Nein, wirklich nichts Besonderes.“

„Hajime, du musst ehrlich sein“, sagte der jüngere Polizist. „Es gibt Hinweise, die darauf hindeuten, dass du mehr weißt, als du zugibst. Hast du vielleicht gesehen, wohin Kenji gegangen ist? Oder hast du irgendetwas bemerkt, das uns helfen könnte?“

Hajime schüttelte den Kopf und versuchte, ruhig zu bleiben. „Nein, wirklich nicht. Ich habe nur gesehen, dass er in eine andere Richtung lief und dann war er weg.“ Seine Stimme wurde etwas defensiver.

Der ältere Polizist sah ihn lange an und seufzte schließlich schwer. „Je mehr du uns verheimlichst, desto verdächtiger wirkst du. Willst du ein Leben lang mit einer Lüge leben? Am Ende kommt die Wahrheit sowieso ans Licht.“

Der junge Mann schluckte. „Ich habe Kenji getötet. Wir hatten einen Streit. Ich hab ihn geschubst und er stürzte in einer Höhle.“

Hajimes Worte hingen schwer in der Luft. Für einen Moment schien es, als würde die Welt stillstehen. Die Polizisten starrten ihn ungläubig an, ihre Mienen wechselten zwischen Überraschung und Entsetzen.

Der ältere Polizist atmete tief durch. „Hajime, das ist eine schwere Anschuldigung. Warum hast du das getan? Was ist passiert?“

Hajime senkte den Blick und seine Stimme zitterte leicht. „Es war alles so schnell… Wir hatten einen Streit, und ich habe die Kontrolle verloren. Ich wollte nur, dass es aufhört. Ich habe nicht gedacht, dass es so enden würde.“ Seine Hände zitterten, als er weiter sprach: „Ich habe ihn geschubst, und dann ist er gefallen. Ich bin sofort zu ihm gelaufen, aber er war schon tot. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.“

Der jüngere Polizist notierte eifrig in seinem Block, während der ältere nachdenklich den Kopf schüttelte. „Und was hast du danach gemacht? Hast du versucht, ihm zu helfen?“

„Nein“, antwortete Hajime leise. „Ich war in Panik. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich bin weggerannt.“ Seine Stimme brach fast beim letzten Wort.

Die Polizisten tauschten einen Blick aus. Der Raum war von einer bedrückenden Stille erfüllt.

Der ältere Polizist schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Hajime, das wird jetzt alles vor Gericht geklärt werden müssen.“ Er sah ihn ernst an. „Aber eines ist klar: Du hast Kenji getötet, und jetzt musst du für deine Taten gerade stehen.“ Hajime nickte schwach, Tränen liefen ihm über die Wangen. Die Wahrheit kam ans Licht, das er nun nicht mehr leugnen konnte.
 

Joey führte den letzten Angriff aus. Robin hatte keine Lebenspunkte mehr. „Und der Gewinner ist Joey Wheeler!“

Der Blonde sprang vor Freude in die Luft. „Ja ich habe gewonnen!“ Er lief zu seinem Gegner und streckte die Hand aus. „Lass den Kopf nicht hängen. Selbst ich habe anfangs einige Duelle verloren.“

Robin schlug seine Hand weg. „Ich brauche dein Mitleid nicht!“

Joey saß auf der Bank. Er setzte seine Kopfhörer auf, schloss die Augen und lauschte der Musik. Auf einmal riss jemand die Kopfhörer runter und schleuderte sie auf den Boden. Joey öffnete seine Augen. Drei Jungs standen vor ihm. Darunter war auch Robin, der das Duell gegen Joey verloren hatte. „Du hältst dich wohl für was Besseres, nur weil du mich geschlagen hast“, sagte Robin.

„Da liegst du falsch“, entgegnete Joey.

Robin tippte mit dem Finger auf Joeys Stirn. „Was glotzt du so blöd? Du siehst aus, als hättest du viel zu sagen. Sag es. Sag es!“

„Lass deine Wut nicht an mir aus“, sagte Joey. „Das bringt nichts.“

„Doch, dadurch fühle ich mich besser“, sagte Robin. Er schubste Joey.

Der Blonde flippte aus. „Hör auf damit!“

Robin ging auf ihn los doch Joey war schneller und warf ihn zu Boden.

Robin lag auf dem Boden, seine Augen weiteten sich vor Überraschung und Wut. Die anderen beiden Jungs, die bei ihm standen, zogen ihre Handys heraus, vermutlich um das Ganze zu filmen oder Fotos zu machen. Joey atmete schwer, seine Fäuste geballt. Für einen Moment schien es, als würde die Situation eskalieren.

Doch dann trat eine Stimme dazwischen: „Hey! Was soll das hier?“ Es war der Schiedsrichter.

Der Schiedsrichter trat entschlossen zwischen die streitenden Jungs und hob die Hände, um die Situation zu beruhigen. „Alle mal einen Schritt zurück!“, rief er mit fester Stimme. Seine Präsenz schien die Spannung sofort zu mildern.

Robin schnaubte verächtlich, stand aber langsam auf und wich einen Schritt zurück. Die beiden anderen Jungs zogen ihre Handys weg und schauten unsicher zu Boden. Joey atmete tief durch, seine Fäuste entspannten sich allmählich.

„Was hier vorgefallen ist, ist nicht in Ordnung“, sagte der Schiedsrichter ruhig, aber bestimmt. „Robin, du hast Joey die Kopfhörer weggerissen und ihn angegriffen. Das ist kein fairer Umgang.“ Er blickte Robin streng an. „Und du, Joey, hast dich verteidigt – das ist verständlich.“

Robin knirschte mit den Zähnen, doch er sagte nichts. Stattdessen schob er die Hände in die Taschen und murrte vor sich hin.

„Ich werde das melden“, fuhr der Schiedsrichter fort. „Aber ich will, dass ihr beide euch jetzt beruhigt. Es bringt nichts, hier weiter Streit zu suchen.“ Er sah die anderen beiden Jungs an: „Und ihr zwei, lasst eure Handys stecken. Das hier ist keine Show.“

Joey nickte langsam, seine Brust hob und senkte sich noch immer schwer vor Anspannung. Er war froh, dass der Schiedsrichter eingeschritten war.

„Und Robin“, sagte der Schiedsrichter mit ernster Stimme, „ich erwarte von dir mehr Respekt im Umgang mit anderen. Wenn du dich nochmal so verhältst, wird das Konsequenzen haben.“

Robin schnaubte erneut, drehte sich dann jedoch um und ging in Richtung seiner Freunde davon. Joey blieb noch einen Moment stehen, seine Augen auf den Boden gerichtet.

Der Schiedsrichter klopfte ihm auf die Schulter: „Alles okay?“

Joey nickte schwach. „Ja… danke.“

Der Mann lächelte leicht: „Gut. Pass auf dich auf.“ Dann wandte er sich ab und ging weiter.

Joey zog seine Kopfhörer wieder aus der Tasche, setzte sie vorsichtig auf und schloss wieder die Augen. Die Musik half ihm dabei, den Kopf frei zu bekommen und den Vorfall hinter sich zu lassen.
 

Yugi atmete tief durch. Er war im Duel Dome angekommen und fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben.

„Willkommen im Kaiba Corporation Duel Dome“, sagte eine mechanische weibliche Stimme. „Bestimmungsort Dachterrasse. Duellplattform.“

Dort wartete Kaiba schon auf ihn. „Beeil dich, Yugi! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.“

„Ich habe eine Frage an dich, Kaiba!“, sagte Yugi. „Hast du schon mal vom Brett Millennium gehört?“

Der schüttelte den Kopf. „Nein, mich interessiert das auch nicht!“

Yugi sah ihn herausfordernd an. „Hast du etwa Angst davor?“

Kaiba lachte spöttisch. „Natürlich nicht! Können wir jetzt mit dem Duell anfangen? Ich habe schon lange auf diesen Tag gewartet. Diesmal werde ich dich endlich besiegen, Yugi! Dann bin ich wieder der weltbeste Duellant!“
 

Joey saß mit Tristan und Tea auf einer Bank. „Wo ist eigentlich Yugi?“, fragte Tea.

Joey streckte seine Arme in die Höhe. „Ach Yugi ist mit Kaiba im Duel Dome. Die beiden haben mal wieder ein Duell.“

Sofort war Tea hellwach. „Was, und das sagst du mir erst jetzt? Los, wir müssen zu ihm und ihn anfeuern!“ Sie wollte aufstehen, doch Joey hielt sie zurück.

„Nein, wir bleiben hier! Wir waren bei jedem Duell von Yugi dabei. Er schafft das auch alleine, wir müssen nicht immer bei ihm sein.“

„Wo ist Serenity?“, fragte Tristan.

„Sie ist mit Duke im Kino“, antwortete Joey.

Tristan stand auf. „So ein Mist, und das sagst du mir erst jetzt? Ich muss noch was Wichtiges erledigen, Joey!“

Und schon war er weg. Joey stöhnte. „Duke und Tristan sind in meine Schwester verliebt und das gefällt mir gar nicht. Hey Tea!“

Sie antwortete nicht und wirkte abwesend. Joey wedelte mit der Hand vor Teas Gesicht. „Erde an Tea! Ist jemand zu Hause?“

Sie schüttelte sich. „Tut mir leid Joey, aber ich war mit meinen Gedanken ganz woanders.“

„An was hast du gedacht?“, wollte der Blonde wissen.

„An den Pharao“, antwortete Tea. „An Atem. Ich frage mich wie es ihm geht. Es ist schade dass er nicht mehr bei uns ist.“

Joey nickte. „Das stimmt. Ich muss manchmal auch an ihn denken. Wir haben mit ihm so viele Abenteuer erlebt und er war immer so entschlossen und selbstsicher. Ihn konnte fast nichts aus der Bahn werfen. Er war wie Yugis andere Hälfte.“
 

Kaiba war entsetzt. „Verdammte Scheiße! Ich hab schon wieder verloren, wie kann das sein!? Ich hatte so eine perfekte Strategie!“

Yugi versuchte ihn zu beruhigen. „Kopf hoch Kaiba. Das ist nur ein Spiel.“

Kaiba war wütend. „Es ist für mich mehr als nur ein Spiel! Gegen dich zu verlieren ist eine Schande!“

„Eine Niederlage ist kein Weltuntergang“, meinte Yugi.

„Für mich schon“, behauptete Kaiba. „Ich hab noch nie fremde Hilfe in Anspruch genommen.“

„Das ist nicht wahr!“, rief Yugi. „Ich habe dir schon oft geholfen und du mir. Ich wäre nicht der, der ich heute bin, wenn du mir nicht immer wieder dazu gezwungen hättest, mein Bestes zu geben. Du bist einer meiner härtesten Rivalen, aber du bist auch ein Freund für mich. Und ich glaube, dass du eigentlich genauso über mich denkst. Aber dein krankhafter Ehrgeiz macht dich blind für die wichtigen Dinge des Lebens.“
 

Eine Stunde später. Joey trug wieder sein Hundekostüm und verteilte Luftballons an die Leute. Er schwitzte und nahm den Hundekopf ab. Jemand rief seinen Namen. „Joey!“

Er drehte sich um. Serenity kam angelaufen und blieb vor ihm stehen. Die beiden umarmten sich. Joeys Mutter war dagegen dass Joey und Serenity Kontakt zueinander hatten. Als Joey das Geld für die Operation auftreibt und sie rettet hatten die beiden seit langer Zeit wieder die Möglichkeit sich zu sehen. Logischerweise erlaubte seine Mutter jetzt, dass Joey sich Serenity näherte, wo er ihr das Geld gespendet hat.

„Hey ist das nicht Kaiba da drüben?“, fragte Serenity. Tatsächlich. Nur wenige Meter von ihnen entfernt stand Kaiba. Er machte mit seinem Smartphone Fotos und schaute in ihre Richtung. Joey rannte zu ihm. „Kaiba, hast du von uns ein Foto gemacht?“

„Nur von dir, Wheeler!“, rief Seto. „Das Hundekostüm passt perfekt zu dir! Jetzt siehst du wie ein richtiger Hund aus!“

„Na warte! Gib das her!“ Joey wollte ihm das Gerät aus der Hand reißen doch Seto hielt es so hoch dass der Blonde nicht rankam.

„Lösch sofort das Foto, Kaiba!“

„Ich werde das Foto im Internet veröffentlichen. Dann können es alle sehen.“

„Tu das nicht Kaiba!“

„Dann musst du das tun was ich will. Und ich will dass du auf die Knie gehst und wie ein Hund bellst.“

Joey war wütend und fühlte sich gedemütigt, aber er wusste, dass er keine andere Wahl hatte. Er seufzte schwer und kniete sich langsam auf den Boden. „Wuff, wuff", bellte er widerwillig, während Seto triumphierend lachte. Serenity konnte nicht glauben, was sie sah, und eilte zu Joeys Seite. „Kaiba, das reicht jetzt! Lass Joey in Ruhe!", rief sie entschieden.

Seto grinste selbstgefällig und sagte: „Und was ist wenn ich das nicht tue? Fängst du dann an zu weinen?“ Doch bevor er noch etwas sagen konnte, hörten sie plötzlich eine vertraute Stimme hinter sich. „Was zum Teufel ist hier los?" Yugi war angekommen und sah die Szene vor sich.

Er schritt entschlossen auf Kaiba zu und sagte ruhig: „Lass Joey in Ruhe, Kaiba. Das geht zu weit.“

„Ich lasse mir von niemandem etwas vorschreiben. Auch von dir nicht, Yugi.“

Yugi sah Kaiba ernst an und antwortete mit fester Stimme: „Du magst der CEO von KaibaCorp sein, aber das gibt dir nicht das Recht, andere zu demütigen und zu belästigen. Joey hat nichts getan, um so behandelt zu werden."

Seto lachte spöttisch und meinte: „Oh, du sprichst also für die Schwachen. Wie nobel von dir. Aber du kannst mir nichts befehlen."

Yugi seufzte und wandte sich an Joey: „Steh auf, Joey. Du musst dich nicht erniedrigen lassen."

Joey stand langsam auf und sah dankbar zu Yugi. Dann richtete er seinen Blick wieder auf Kaiba und funkelte ihn an. „Das war nicht lustig. Lösch das Foto, Kaiba. Sonst wirst du es bereuen."

„Das habe ich bereits getan, Zwergenhirn.“ Seto warf Joey einen abschätzigen Blick zu und ging davon.

Yugi und Joey schlenderten durch das Einkaufszentrum. Hier gab es sehr viele Geschäfte die alles Mögliche verkauften. Kleidung, Spiele, Bücher, Essen, Getränke und vieles mehr. Auf einmal tauchte eine Gruppe Jugendliche auf. Ein Junge zeigte in ihre Richtung. „Das ist er! Das ist Yugi Muto!“ Die Gruppe rannte zu den beiden und blieb vor ihnen stehen.

Joey stellte sich schützend vor Yugi. „Was wollt ihr von uns?“

„Von dir nichts“, rief der Junge. „Du bist für uns völlig unwichtig. Wir wollen nur mit Yugi reden.“

„Ich bin auch berühmt!“, rief Joey. „Ich bin schließlich Zweiter im Königreich der Duellanten!“

Doch die Jugendlichen beachteten ihn gar nicht. Sie hatten nur Augen für Yugi.

„Können wir von dir ein Autogramm haben?“ Der König der Spiele nahm den Stift, unterschrieb und gab ihnen den Block zurück.

„Danke du bist echt nett“, sagte der Junge.

„Hey, und was ist mit mir?“, rief der Blonde. „Ich kann euch auch ein Autogramm geben.“

„Wer bist du überhaupt?“, fragte ein Mädchen.

„Joey Wheeler, Duellant der Extraklasse.“

Die Jugendlichen fingen an zu lachen. „Nein danke, von so einem Loser wie dir wollen wir kein Autogramm.“

Joey fühlte, wie seine Wangen heiß wurden. Er war es gewohnt, Respekt zu bekommen, doch diesmal traf ihn die Ablehnung hart. Er schob sich leicht vor Yugi und versuchte, ruhig zu bleiben.

„Hey, Leute“, sagte Joey mit fester Stimme. „Nur weil ihr mich nicht kennt, heißt das nicht, dass ich ein Loser bin. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.“ Er blickte den Jungen in die Augen. „Und nur weil du hier stehst und dich lustig machst, heißt das nicht, dass du besser bist.“

Das Mädchen schien überrascht von Joeys Mut. Die Jugendlichen schauten sich unsicher an, einige tuschelten miteinander. Der Junge, der Yugi erkannt hatte, trat einen Schritt vor.

„Sorry, Joey“, sagte er ehrlich. „Wir haben dich nur nicht so ernst genommen. Wir sind hier nur zum Spaß unterwegs und wollten eigentlich nur ein bisschen cool wirken.“

Yugi lächelte freundlich und legte eine Hand auf Joeys Schulter. „Es ist okay. Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig respektieren.“ Dann wandte er sich an die Gruppe: „Jeder hat seine Geschichte und seine Träume. Vielleicht könnt ihr ja auch mal versuchen, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.“

Die Jugendlichen nickten nachdenklich. Das Mädchen reichte Joey eine Hand.

„Tut mir leid“, sagte sie ehrlich. „Ich hätte nicht so über dich urteilen sollen.“

Joey lächelte wieder und schüttelte ihre Hand. „Kein Problem. Manchmal braucht man nur einen kleinen Anstoß, um alles anders zu sehen.“

Yugi griff in seine Tasche und zog ein kleines Duellanten-Logo heraus.

„Hier“, sagte er freundlich. „Ein kleines Andenken für euch.“ Die Jugendlichen strahlten vor Freude.

„Danke! Das bedeutet uns viel“, rief der Junge.

Gemeinsam verabschiedeten sich die Gruppe und gingen weiter durch das Einkaufszentrum – diesmal mit einem neuen Blick auf die Welt um sie herum. Joey klopfte Yugi anerkennend auf den Rücken.

„Siehst du? Manchmal reicht ein bisschen Verständnis aus, um alles wieder ins Lot zu bringen.“
 

Joey zeigte in eine bestimmte Richtung. „Sieh mal Yugi. Da drüben ist ein Kamerateam. Lass uns näher rangehen.“

Als sie nur noch wenige Schritte vom Kamerateam entfernt waren drehte sich eine Frau plötzlich um und legte einen Arm um Yugis Schulter. „Schön dass du hier bist, Yugi. Nach dir haben wir nämlich gesucht.“

Sie hatte ein Mikrophon in der Hand. „Meine sehr verehrten Zuschauer. Ich bin Fumiko und wir sind gerade im Einkaufszentrum wo die Bewohner von Domino ihre Einkäufe tätigen. Den Jungen müssen wir nicht extra vorstellen, Sie kennen ihn.“ Sie wandte sich an ihn. „Hast du einige Minuten Zeit, Yugi?“ Yugi schüttelte den Kopf. Fumiko ließ nicht locker und lächelte. „Komm schon Yugi“, säuselte sie. „Du willst unsere Zuschauer doch nicht enttäuschen, oder? Das hier ist eine Live Übertragung und zu Hause sitzen Millionen Menschen vor dem Fernseher. Das kannst du unseren Zuschauern doch nicht antun.“

„Ich hab Nein gesagt!“, rief der Bunthaarige.

Fumiko tat so als hätte sie das nicht gehört. „Ich habe einige Fragen an dich und du sollst sie ehrlich beantworten. Hast du eine Freundin?“

Yugi wurde rot im Gesicht. „Ja aber wir sind nur Freunde. Wir sind kein Liebespaar.“

„Ich glaube nicht dass Jungs und Mädchen nur befreundet sein können. Früher oder später wird sich der Junge in das Mädchen verlieben oder umgekehrt. Was sagst du dazu?“

Yugi räusperte sich. „Ich bin der Meinung dass das schon funktionieren kann.“

„Du bist der König der Spiele“, sagte Fumiko. „Du bist regelmäßig in der Zeitschrift Duellanten heute zu sehen. Die Zeitungen und das Fernsehen berichten über dich. Du bist eine Berühmtheit, jeder in Domino kennt deinen Namen. Wie ist das für dich?“

„Ich bin nichts Besonderes“, meinte Yugi. „Ich bin immer noch derselbe Mensch wie vorher, nur mit dem Unterschied dass mich jetzt viel mehr Leute kennen. Ansonsten führe ich ein ganz normales Leben. Ohne Glanz und Glamour.“

„Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?“

„Ich habe genug Fragen beantwortet“, sagte Yugi. „Kann ich jetzt bitte gehen?“

„Noch nicht. Erst wenn du alle meine Fragen beantwortet hast.“

„Ich will keine Fragen mehr beantworten!“, rief Yugi.

„Stell dich nicht so an, Yugi“, sagte die Frau.

Joey mischte sich ein. „Haben Sie nicht gehört was mein Kumpel gesagt hat? Er will Ihre Fragen nicht mehr beantworten!“

Der Blonde schaute sich um. Wie kamen sie aus dieser Situation raus? Bevor er was tun konnte hörte er eine bekannte Stimme: „Jetzt ist Schluss mit dem Theater!“

Er drehte sich um und traute seinen Augen nicht. Denn vor ihm stand Seto Kaiba höchstpersönlich. „Lassen Sie ihn gehen oder ich sorge dafür dass Ihr Sender den Bach runtergeht und nichts mehr von ihm übrig bleibt“, sagte er scharf. „Sie wissen ich habe die Macht meine Drohung wahr zu machen.“

Fumiko seufzte. „Na gut es war nicht richtig von mir Yugi zu diesem Interview zu zwingen. Ich war so auf dieses Interview fixiert dass es mir egal war wie es ihm dabei geht. Kannst du mir verzeihen, Yugi?“

Der Bunthaarige nickte. Fumiko verbeugte sich. „Es tut mir Leid, Kaiba-sama. So etwas wird nicht wieder vorkommen.“

„Das will ich auch hoffen“, erwiderte Seto. Fumiko und ihr Kamerateam gingen weiter. „Hey Kaiba!“, rief Yugi ihm zu als er sich abwandte. „Ohne dich hätte ich mich nicht aus diesem Schlamassel befreien können.“

Seto drehte sich zu ihm um. „Ich habe nur getan was getan werden musste. Alles klar?“

„Trotzdem vielen Dank“, sagte Yugi. Ohne ihn nochmal anzusehen setzte Seto seinen Weg fort und verschwand in der Menge.

„Ich bin echt froh dass sie endlich weg sind“, sagte Joey. „Die waren so aufdringlich.“
 

Die zwei waren auf dem Weg zum Kaiba Corporation Duel Dome. Joey wurde ganz ernst. „Hör zu Yugi. Du darfst auf keinen Fall zulassen dass Kaiba dich im Duell schlägt.“

„Keine Sorge, Joey“, erwiderte Yugi. „So lange ich an das Herz der Karten glaube werde ich nicht verlieren.“

„Kannst du mir Tipps geben wie ich Kaiba besiegen kann? Bitte Yugi.“

„Zeig mal deine Karten“, forderte Yugi. Joey kramte in seiner Jackentasche und gab seinem besten Freund sein Deck.

Yugi sah sich die Karten an. „Das wird nicht einfach.“

Yugi betrachtete die Karten sorgfältig, seine Augen funkelten vor Konzentration. „Joey, du hast einige starke Monster, aber wir müssen auch auf die Zauber- und Fallenkarten achten. Hier sind ein paar Tipps:“

„Erstens“, fuhr Yugi fort, „versuche, deine stärksten Monster in der Hand zu halten, um sie im richtigen Moment auszuspielen. Kaiba ist bekannt für seine mächtigen Drachen und seine aggressive Spielweise. Du solltest also versuchen, seine Angriffe abzuwehren und gleichzeitig deine eigenen Monster aufzubauen.“

„Zweitens“, sagte Yugi, „nutze deine Fallenkarten klug. Wenn Kaiba eine mächtige Karte ausspielt, kannst du eine deiner Fallenkarten aktivieren, um sie zu neutralisieren oder sogar einen Überraschungseffekt zu erzielen.“

Joey nickte nachdenklich. „Verstanden. Und was ist mit meinen Zauberkarten?“

„Wähle den richtigen Zeitpunkt, um sie einzusetzen“, antwortete Yugi. „Manchmal ist es besser, eine Zauberkarte für eine kritische Situation aufzusparen. Aber wenn du eine Karte hast, die dir einen Vorteil verschafft – nutze sie!“

„Und drittens“, schloss Yugi, „glaub an das Herz der Karten. Wenn du fest daran glaubst und dein Deck gut nutzt, kannst du auch gegen Kaiba gewinnen.“

Joey schien jetzt selbstbewusster. „Danke, Yugi! Es ist toll dass du mir hilfst.“

„Dafür sind Freunde doch da“, sagte Yugi.

Sie hatten ihr Ziel erreicht und fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben zur Dachterrasse. Joey lächelte entschlossen. „Ich werde mein Bestes geben, um Kaiba zu schlagen. Ich weiß, dass ich mit deinem Rat und meinem Glauben an das Herz der Karten eine Chance habe.“

Yugi klopfte Joey auf die Schulter. „Genau, Joey. Denk daran, ruhig zu bleiben und deine Strategie im Kopf zu behalten. Du hast starke Monster, und wenn du sie richtig einsetzt, kannst du den Sieg erringen.“

Joey atmete tief durch, nahm seine Karten und schob sie in seine Duelldisk. Er war bereit.

„Viel Glück, Joey“, sagte Yugi ermutigend. „Denke immer daran: Es geht nicht nur um die Karten, sondern auch um den Glauben an dich selbst. Wenn du an das Herz der Karten glaubst, kannst du alles schaffen.“

Joey nickte entschlossen. „Danke, Yugi. Ich werde alles geben!“ Mit einem letzten Blick auf seinem Freund ging er auf die Duellplattform, bereit für die Herausforderung.

Kaiba trat mit seinem typischen selbstsicheren Lächeln auf. „Du hast gegen mich keine Chance, Wheeler! Du wirst verlieren!“

Das Duell begann. Joey setzte seine Strategie um, hielt seine stärksten Monster bereit und nutzte geschickt seine Fallenkarten. Kaiba spielte seine Drachen mit Präzision und versuchte, Joey unter Druck zu setzen.

Doch Joey erinnerte sich an Yugis Worte: „Glaub an das Herz der Karten.“ Mit diesem Glauben im Herzen spielte er mutig weiter, setzte Zauberkarten ein, wenn es am wichtigsten war, und verteidigte sich gegen Kaibas Angriffe.

Das Duell wurde spannend bis zur letzten Karte. Schließlich stand Joey vor einer entscheidenden Situation – er musste alles auf eine Karte setzen.

„Hier kommt mein letzter Zug“, sagte Joey entschlossen. Er legte eine Karte auf den Friedhof – eine Zauberkarte namens „Vertrauen des Herzens“ – und aktivierte sie.

In diesem Moment spürte er eine Welle des Selbstvertrauens. Seine letzte Chance war gekommen.

Wird Joey den Kampf gewinnen? Wird sein Glaube an das Herz der Karten ihn zum Sieg führen?

Die Spannung im Duellraum war greifbar. Joey atmete tief durch, seine Hand zitterte leicht, während er die letzte Karte in die Zauberzone legte. „Jetzt oder nie“, flüsterte er leise zu sich selbst.

Kaiba verschränkte die Arme und beobachtete ruhig, doch in seinen Augen blitzte eine Herausforderung auf. „Du hast Mut, Joey. Mal sehen, ob du stark genug bist.“

Joey aktivierte die Zauberkarte „Vertrauen des Herzens“. Plötzlich begann sein Deck zu leuchten, und eine warme Energie erfüllte den Platz. Seine Monster erhielten einen zusätzlichen Kraftschub, und seine Fallenkarten wurden plötzlich viel effektiver.

„Ich setze mein Monster – das Feuerdrache!“, rief Joey aus und legte es auf das Spielfeld. Das Monster erhob sich mit donnerndem Brüllen und blickte entschlossen Kaiba an.

Kaiba grinste selbstsicher. „Du glaubst also an das Herz der Karten? Dann werde ich dir zeigen, was ein echter Drachen kann.“ Er spielte seine mächtige Karte „Weißer Drache mit eiskaltem Blick“ und ließ ihn in den Himmel steigen.

Der Kampf erreichte seinen Höhepunkt. Joey nutzte seine stärksten Monster, um Kaibas Angriffe abzuwehren, während er gleichzeitig versuchte, eine Chance für den entscheidenden Schlag zu finden.

In einem letzten Akt der Hoffnung und des Glaubens setzte Joey alles auf eine Karte: Er aktivierte eine Zauberkarte namens „Herz der Flammen“, die seine Feuerdrache-Karte verstärkte. Mit einem lauten Knall stürmte sein Feuerdrache voran, bereit zum finalen Angriff.

„Angriff – Feuersturm!“ rief Joey aus.

Der Feuerdrache stürzte sich auf Kaibas Drachen, und in einem spektakulären Showdown kam es zum entscheidenden Treffer. Kaibas Drachen wurde getroffen und verschwand in einer Explosion aus Flammen.

Kaiba stand da, überrascht und beeindruckt. Er verzog vor Wut das Gesicht.

Joey atmete erleichtert auf, sein Herz pochte vor Freude. Er hatte es geschafft – durch Glauben an das Herz der Karten und seinen Mut hatte er den Sieg errungen.

Yugi kam zu ihm gelaufen und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Ich wusste, dass du es schaffen würdest.“

Joey lächelte stolz. „Danke, Yugi. Das war das beste Gefühl überhaupt. Na was sagst du jetzt, du feiner Pinkel? Denkst du immer noch dass ich ein Amateur bin?“

„Du hast nur Glück gehabt, Wheeler. Egal wie oft du gewinnst. In meinen Augen wirst du immer nur ein zweitklassiger Duellant bleiben.“

Der Blonde wollte auf Kaiba losgehen. „Na warte Kaiba!“

Yugi hielt ihn zurück. „Beruhige dich Joey. Es ist nicht wert sich darüber aufzuregen.“ Sie fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten und verließen das Duel Dome.
 

Keima kam gerade vorbei. Obwohl er in ihrer Klasse als Streber galt war er nicht unbeliebt. Er schleimte sich nicht bei den Lehrern ein und gab seinen Mitschülern Nachhilfe ohne Geld zu verlangen. „Warte Keima!“, rief Joey. Keima blieb stehen und drehte sich um. Er schluchzte. „Du weinst ja“, sagte Yugi. „Was ist passiert?“

Keima schniefte. „Ich habe eine schlechte Note geschrieben. Das ist nicht gut.“

„Ach das ist alles halb so wild", meinte Joey. „Jeder schreibt mal eine schlechte Note."

„Das verstehst du nicht, Joey", meinte Keima. „Ich werde von meiner Mutter unter Druck gesetzt. Sie erwartet von mir, dass ich immer gute Noten schreibe. Sonst bekomme ich zu Hause Ärger."

Joey schaute Keima verständnisvoll an. „Das klingt echt stressig. Aber denk daran, dass eine schlechte Note nicht das Ende der Welt ist. Du bist mehr als nur deine Noten."

Keima seufzte. „Ich weiß, aber es fühlt sich so an, als ob ich ständig beweisen muss, dass ich gut genug bin. Ich will meine Mutter nicht enttäuschen."

„Vielleicht könntest du mit ihr darüber sprechen", schlug Yugi vor. „Erklär ihr, wie du dich fühlst. Manchmal haben Eltern eine andere Vorstellung davon, was Erfolg bedeutet."

„Das könnte helfen", überlegte Keima. „Aber ich habe Angst, dass sie wütend wird."

„Es ist besser, ehrlich zu sein", ermutigte Yugi. „Deine Mutter will bestimmt nur das Beste für dich, auch wenn sie es auf eine harte Tour rüberbringt. Vielleicht versteht sie mehr, als du denkst."

Keima seufzte tief und nickte langsam. „Ich weiß, aber manchmal fühle ich mich einfach überwältigt. Ich möchte meine Eltern stolz machen, aber der Druck ist kaum auszuhalten."

Joey lächelte aufmunternd. „Du sollst mit ihnen darüber sprechen. Zeig ihnen, dass du dein Bestes gibst, auch wenn es mal nicht perfekt läuft. Und vergiss nicht, dass du mehr bist als nur deine Noten."

Keima schien einen Moment nachzudenken, dann erwiderte er: „Danke. Ihr habt recht."
 

Seto hatte sich für heute freigenommen. Er gab es nur ungern zu doch er brauchte auch mal eine Auszeit. Die Niederlage gegen Joey stieß ihm noch sauer auf. Er ging in ein Cafe. Alle Plätze waren besetzt. Nein, nicht alle. Er entdeckte einen freien Tisch und nahm dort Platz. Seto studierte die Getränkekarte. Eine Kellnerin kam zu ihm. „Was wollen Sie trinken?“

„Einen Cappuccino.“ Die Kellnerin schrieb sich das auf und ging weiter. In dem Augenblick sah er sie. Ishizu Ishtar. Die hatte ihm gerade noch gefehlt. Er hatte gehofft sie nie wieder zu sehen. Die Schwarzhaarige trug dasselbe Kleid das sie damals im Domino Museum getragen hatte. Sie steuerte auf seinen Tisch zu und setzte sich ihm gegenüber. „So sieht man sich wieder, Seto Kaiba. Ich wusste dass das Schicksal uns eines Tages wieder zusammenführt.“

„Willst du mich wieder mit deinem Schicksalsgelaber nerven?“, fragte Kaiba.

Ishizu schüttelte den Kopf. „Ich würde gern ein Lernspiel über die Geschichte Ägyptens machen.“

„Was genau hast du dir darunter vorgestellt?“, fragte Kaiba.

„Das Lernspiel soll Aufgaben und Fragen zum Thema Ägypten beinhalten“, antwortete Ishizu.

Die Kellnerin brachte ihn den Cappuccino.

Kaiba trank und stellte die Tasse hin. „Warum erzählst du mir das?“

„Ich will dass die Kaiba Corporation dieses Spiel produziert“, sagte Ishizu.

„Damit bin ich nicht einverstanden“, entgegnete Seto. „Ich unterstütze so was nicht. Such dir eine andere Firma.“

„Wenn deine Firma das Lernspiel produziert könntest du noch mehr Geld verdienen. Das ist doch etwas was du willst, oder?“

„Ich werde nur mehr Geld verdienen wenn die Leute das Spiel auch kaufen. Und ich bezweifle dass irgendjemand dieses Spiel kauft.“

„Ich weiß dass sich die meisten nicht für Ägypten interessieren“, sagte Ishizu. „Das will ich ändern indem ich das Lernspiel veröffentliche. Also was ist jetzt? Wird deine Firma dieses Spiel produzieren?“

„Ich hab dir bereits gesagt dass meine Firma dein Lernspiel nicht produziert“, sagte Seto.

Ishizu sah ihn einen Moment lang nachdenklich an, bevor sie erneut sprach. „Kaiba, ich weiß, dass du immer auf Profit bedacht bist. Aber denk doch mal darüber nach: Ein Lernspiel über Ägypten könnte nicht nur Geld bringen, sondern auch Wissen und Interesse wecken. Es wäre eine Chance, etwas Positives zu bewirken.“

Kaiba schnaubte leicht und schob die Tasse beiseite. „Positiv? Das ist nicht mein Anliegen. Meine Firma produziert Spiele, die sich verkaufen – nicht Bildungsprojekte.“

Ishizu lächelte sanft, aber bestimmt. „Du hast doch schon einmal bewiesen, dass du für Innovation offen bist. Denk an die Möglichkeiten – interaktive Rätsel, spannende Geschichten aus der ägyptischen Mythologie. Das könnte ein Hit werden.“

„Und was, wenn es floppt? Dann verliere ich Zeit und Geld für etwas, das niemand interessiert.“

„Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie wissen, ob es funktioniert“, entgegnete Ishizu ruhig. „Außerdem könnten wir gemeinsam daran arbeiten, das Spiel so attraktiv wie möglich zu machen.“

Kaiba seufzte innerlich. Er wusste, dass sie Recht hatte – aber seine geschäftliche Vorsicht war stark. Schließlich blickte er sie an und sagte: „Gut. Ich werde darüber nachdenken. Aber nur unter einer Bedingung: Wenn wir das machen, dann will ich die Kontrolle über das Projekt haben.“

Ishizu nickte zustimmend. „Das ist fair. Ich werde dir einen Vorschlag schicken.“

Sie stand auf und verabschiedete sich höflich. Kaiba beobachtete sie noch einen Moment lang, dann lehnte er sich zurück und dachte nach. Vielleicht war es an der Zeit, neue Wege zu gehen – auch wenn es bedeutete, Risiken einzugehen.

In den folgenden Tagen war Kaiba oft in seinem Büro vertieft, die Gedanken kreisten um das Projekt. Er durchforstete Marktanalysen, sprach mit Entwicklern und überlegte, wie man das Lernspiel sowohl pädagogisch wertvoll als auch kommerziell erfolgreich machen könnte. Trotz seiner anfänglichen Skepsis spürte er eine gewisse Faszination für die Idee, etwas Neues zu wagen.

Eines Morgens erhielt er eine E-Mail von Ishizu, die einen detaillierten Vorschlag enthielt. Darin waren Konzeptskizzen, mögliche Spielmechaniken und sogar erste Entwürfe für Charaktere und Szenarien aus dem alten Ägypten. Kaiba blätterte durch die Dokumente, seine Augen wurden schmaler.

„Interessant“, murmelte er leise. „Sie hat wirklich alles durchdacht.“

Er rief sein Team zusammen, um die Vorschläge zu besprechen. „Wir brauchen ein innovatives Konzept, das sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht“, sagte er bestimmt. „Etwas, das Spaß macht und gleichzeitig bildet.“

Während der nächsten Wochen arbeiteten Entwickler und Designer eng mit Ishizu zusammen, um das Projekt voranzutreiben. Kaiba überwachte alles genau, bestand auf Qualität und Innovation. Dabei wurde ihm klar, dass dieses Projekt ihn aus seiner Komfortzone holte – doch genau das schien ihn auch zu reizen.

Schließlich war der Prototyp fertig: Ein interaktives Lernspiel namens „Ägypten – Das Geheimnis der Pharaonen“. Es vereinte spannende Rätsel, historische Fakten und eine fesselnde Geschichte rund um die legendären Könige und Götter des alten Ägyptens.

Kaiba testete es persönlich und musste zugeben: Es machte Spaß. Und es weckte echtes Interesse an der Geschichte Ägyptens.

Am Tag der Präsentation saßen er und Ishizu gemeinsam im Konferenzraum, während das Team das Spiel vorführte. Kaiba beobachtete aufmerksam, wie die Tester in den Bann gezogen wurden.

„Das ist beeindruckend“, gab er schließlich zu. „Wenn wir es richtig vermarkten, könnte das ein großer Erfolg werden.“

Ishizu lächelte erleichtert. „Danke, Kaiba.“

Er nickte nur knapp und dachte bei sich: Manchmal lohnt es sich doch, Risiken einzugehen – vor allem wenn dabei etwas Gutes entstehen kann.

Nach der erfolgreichen Präsentation begann die eigentliche Arbeit: die Vermarktung des Spiels. Kaiba setzte ein Team aus Marketing-Experten und Vertriebsspezialisten ein, um eine Strategie zu entwickeln, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen sollte.

Währenddessen arbeitete Ishizu weiter an zusätzlichen Inhalten und Erweiterungen für das Spiel, um es langfristig attraktiv zu halten. Sie war begeistert von den Fortschritten und spürte, dass dieses Projekt nicht nur eine geschäftliche Chance war, sondern auch eine Herzensangelegenheit.

Kaiba selbst war in den nächsten Wochen immer wieder in Meetings involviert, doch er merkte, dass er zunehmend mehr Freude daran fand, das Projekt voranzutreiben. Es war eine Abwechslung zu seinen sonstigen Geschäften – eine kreative Herausforderung, die ihn forderte und gleichzeitig faszinierte.

Schließlich wurde das Spiel offiziell veröffentlicht. Die Resonanz war überwältigend positiv: Schulen zeigten Interesse, Eltern lobten die pädagogische Qualität, und auch der Verkauf lief gut. Das Projekt entwickelte sich zu einem echten Erfolg – weit über die Erwartungen hinaus.

Eines Abends saßen Kaiba und Ishizu in seinem Büro, während draußen die Stadt leise pulsierte. Kaiba blickte auf das fertige Spiel auf seinem Bildschirm und sagte nachdenklich: „Weißt du, Ishizu… Manchmal ist es genau das Risiko wert, etwas Neues zu wagen.“

Sie lächelte ihm zu. „Ich freue mich für dich.“

Kaiba lehnte sich zurück und atmete tief durch. Für ihn war klar: Dieser Erfolg hatte gezeigt, dass Innovation manchmal Mut erfordert – und dass es sich lohnte, auch mal aus der Komfortzone auszubrechen.
 

In den folgenden Tagen übte Joey fleißig für die Quizshow. Er wusste, dass er sich gut vorbereiten musste, um in der Quizshow erfolgreich zu sein. Also begann er sofort mit dem Training. Er löste Rätsel, studierte Allgemeinwissen und trainierte sein Gedächtnis, um gut vorbereitet zu sein. Seine Freunde unterstützten ihn dabei und halfen ihm, sich optimal auf die Show vorzubereiten.

Die Tage vergingen schnell und schließlich war es soweit - der Tag der 'Domino Challenge' war gekommen. Joey betrat das Studio voller Nervosität, aber auch voller Vorfreude auf das, was kommen würde. Die Kameras waren auf ihn gerichtet, das Publikum war gespannt - es war Zeit für Joey, sein Wissen unter Beweis zu stellen und den Hauptpreis zu gewinnen.

Die 'Domino Challenge' begann und Joey zeigte sein beeindruckendes Wissen in den verschiedenen Runden des Quiz. Er beantwortete Fragen richtig, löste knifflige Rätsel und bewies sich als würdiger Teilnehmer. Die Spannung stieg, als es zum finalen Showdown kam - nur noch eine Frage trennte Joey vom Hauptpreis.

Mit zitternden Händen las der Moderator die letzte Frage vor… Und Joey antwortete richtig! Jubel brach im Studio aus, Konfetti fiel vom Himmel - Joey hatte die 'Domino Challenge' gewonnen!

Mit strahlenden Augen nahm er seinen fantastischen Preis entgegen und bedankte sich bei Domino TV für diese unglaubliche Erfahrung. Seine Freunde jubelten ihm zu und waren unglaublich stolz auf ihn.
 

Joey hatte eine Einladung zur Talkshow vom Fernsehsender Domino TV bekommen. Er beschloss dahin zu gehen. Schließlich bekam man nur einmal im Leben so eine Gelegenheit. Er durfte nur eine Begleitperson mitnehmen und entschied sich für Yugi.

Joey war aufgeregt, als er sich auf den Weg zur Talkshow machte. Er hatte sich sorgfältig vorbereitet, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Als er das Studio betrat, wurde er von einem freundlichen Mitarbeiter begrüßt und in die Kulissen geführt. Die Atmosphäre war lebhaft, mit Kameras, Scheinwerfern und einem Publikum, das gespannt auf die Show wartete.

In der Maske wurde Joey von einer freundlichen Stylistin begrüßt, die ihm half, sein Outfit perfekt zurechtzumachen. Sie lächelte und sagte: „Keine Sorge, Joey, du wirst großartig aussehen.“ Während sie an seinem Gesicht und seiner Frisur arbeitete, spürte er ein bisschen Nervosität, aber auch Vorfreude.

Nach der Vorbereitung wurde Joey in den Wartebereich geführt, wo er neben anderen Gästen saß. Er sah sich um und bemerkte die bunten Kulissen, die leuchtenden Lichter und die Kameraausrüstung. Die Moderatoren schienen bereits im Studio zu sein und bereiteten sich auf die Sendung vor.

Kurz vor Beginn der Sendung wurde Joey noch einmal vom Moderator persönlich begrüßt. „Willkommen, Joey! Es ist großartig, dich heute hier zu haben“, sagte er mit einem Lächeln. Joey fühlte sich geschmeichelt und ein bisschen nervös.

Plötzlich wurde Joey vom Produktionsleiter gerufen: „Joey, du bist gleich dran!“ Mit einem tiefen Atemzug stand er auf und folgte dem Leiter durch einen Flur hinter die Kulissen. Als er den Vorhang zur Bühne öffnete, fühlte er das Adrenalin in seinem Körper steigen.

„Willkommen bei Domino Talk!“, begrüßte ihn der Moderator mit einem strahlenden Lächeln. „Schön dass du hier bist, Joey.“

Joey saß auf dem Sofa und war ziemlich aufgeregt. Die Sendung wurde im Fernsehen ausgestrahlt und Millionen Zuschauer sahen ihm zu. Als die Show begann, stellte der Moderator Joey Fragen über seine Abenteuer die er erlebt hatte, seine Freundschaften und seine Träume für die Zukunft. Joey erzählte humorvoll von seinen Kämpfen und den Lektionen, die er dabei gelernt hatte. Das Publikum lachte und klatschte begeistert.

„Wusstest du dass es im Internet viele Fanfictions gibt wo du und Kaiba zusammen seid? Was sagst du dazu?“

„Das ist ja widerlich“, meinte Joey. „Mir wird schlecht. Es ist doch wohl klar dass ich den reichen Pinkel nicht leiden kann.“

„Und hier ist er auch schon!“, rief der Moderator. „Begrüßen Sie den bekanntesten Mann von Domino. Ich bitte um einen kräftigen Applaus für Seto Kaiba!“ Das Publikum klatschte und Seto Kaiba erschien auf der Bildfläche. Der Moderator verbeugte sich. Seto setzte sich an den Rand des Sofas.

„Ihr beide kennt euch?“, fragte der Moderator.

„Ja wir gehen in die gleiche Klasse“, antwortete Joey.

„Was hältst du von Joey Wheeler?“, wollte der Moderator wissen.

„Nicht viel“, meinte Seto. „Er ist ein Versager und kriegt nichts auf die Reihe.“

„Hey!“, protestierte Joey.

Der Moderator hob die Hand, um die aufkommende Diskussion zu beruhigen. „Nun, Jungs, lasst uns doch ein bisschen freundlicher sein. Joey, Seto, was denkt ihr voneinander?“

Joey schnaubte und warf Seto einen skeptischen Blick zu. „Ich mag ihn nicht besonders. Er ist immer so arrogant und denkt, er ist der Beste.“

Seto Kaiba schnaubte ebenfalls und erwiderte: „Das liegt daran, dass ich es auch bin. Aber ehrlich gesagt, interessiert mich Wheeler nicht wirklich.“

„Gibt es vielleicht etwas, das ihr gemeinsam habt?“

Seto schnaubte leicht und antwortete: „Gemeinsam? Nun ja, wir sind beide Schüler an der Domino High. Das ist aber auch schon alles.“ Er warf Joey einen kurzen Blick zu, der nicht gerade freundlich war.

Joey schüttelte den Kopf und sagte: „Ich mag es nur nicht, wenn Leute über mich urteilen, ohne mich richtig zu kennen.“ Seine Stimme wurde etwas lauter. „Ich bin vielleicht kein Genie wie Kaiba, aber ich gebe mein Bestes!“

Das Publikum reagierte mit zustimmendem Applaus. Der Moderator lächelte und wechselte das Thema: „Was sind eure Träume für die Zukunft? Joey, möchtest du anfangen?“

Joey zögerte kurz, dann sagte er: „Ich will einfach nur meinen Weg gehen und eines Tages Profiduellant werden.“

Seto blickte nachdenklich in die Kamera und sagte dann kühl: „Ich will der Beste sein in allem, was ich tue. Und ich will beweisen, dass man mit harter Arbeit alles erreichen kann.“ Seine Stimme klang entschlossen.

Der Moderator nickte anerkennend. „Sehr interessante Ziele! Und was denkt ihr voneinander? Könntet ihr euch vorstellen, in Zukunft zusammenzuarbeiten?“

Joey sah Seto herausfordernd an. „Vielleicht. Wenn er endlich lernt, dass man im Leben auch mal freundlich sein sollte.“

Seto erwiderte ruhig: „Niemals. Das würde in eine Katastrophe enden.“

Beide blickten sich einen Moment lang an. Das Publikum war begeistert von der Dynamik zwischen den beiden. Der Moderator schmunzelte: „Na, das verspricht doch spannend zu werden! Vielleicht sollten wir eine kleine Herausforderung für euch beide machen. Was haltet ihr davon?“

Joey und Seto sahen sich an und nickten widerwillig.

„Gut“, sagte der Moderator. „Hier ist die Aufgabe: Ihr müsst gemeinsam ein Rätsel lösen.“ Er zog eine Karte hervor und las vor: „Was hat vier Beine am Morgen, zwei Beine am Mittag und drei Beine am Abend?“

Joey kratzte sich am Kopf. „Das klingt nach einem alten Rätsel… Ein Mensch! Als Baby krabbelt er auf allen vieren, im Erwachsenenalter läuft er auf zwei Beinen und im Alter benutzt er einen Stock – also drei Beine.“

Der Moderator blickte auf die Karte. „Diese Antwort ist richtig.“

Seto schmunzelte leicht. „Du benutzt zur Abwechslung mal dein Gehirn.“

Der Moderator klatschte in die Hände. „Sehr gut! Das war doch schon mal ein Anfang.“ Dann wandte er sich an die Zuschauer: „Was denken Sie? Können Joey und Seto vielleicht doch noch Freunde werden?“ Das Publikum jubelte.

„Wir werden nie Freunde sein“, sagte Seto.

„Da bin ich ausnahmsweise mit dir einer Meinung“, sagte Joey.

Der Moderator stellte ihnen weitere Fragen. Während Joey lang und ausführlich antwortete, fasste sich Seto kurz und knapp.
 

Am Ende der Sendung wurden die beiden sogar gefragt, ob sie Lust hätten, in einer zukünftigen Folge wiederzukommen. Joey konnte sein Glück kaum fassen – diese Gelegenheit war wirklich einmalig gewesen. Seto hatte kein Interesse daran nochmal vorbeizukommen. Mit einem breiten Grinsen verließ Joey mit Seto das Studio, dankbar für die Erfahrung.

„Und damit verabschieden wir uns bei Domino Talk!“, kündigte der Moderator an. „Das war’s für heute! Bleiben Sie dran für mehr spannende Geschichten aus Domino! Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal!“

Mittlerweile waren einige Monate vergangen. Wie jeden Morgen fuhren Joey und Tristan mit ihren Fahrrädern zur Schule. Dort angekommen schlossen sie am Fahrradständer die Fahrräder ab. Dann gingen sie zum Lehrerparkplatz und suchten das Auto von Herr Karita. Nach einigen Minuten hatten sie das Auto gefunden.

Die zwei beklebten das Auto von oben bis unten mit kleinen Notizzetteln.

Joey grinste. „Ich kann es kaum erwarten sein dummes Gesicht zu sehen.“

Als sie fertig waren, traten Joey und Tristan einen Schritt zurück, um ihr Werk zu betrachten. Das Auto von Herr Karita war jetzt vollständig mit bunten Notizzetteln bedeckt, auf denen allerlei lustige Sprüche, kleine Zeichnungen und peinliche Erinnerungen standen. Joey konnte kaum noch vor Aufregung stillhalten.

„Das wird ihm bestimmt den Tag versüßen“, sagte Tristan schmunzelnd. „Aber wir sollten uns jetzt besser verstecken, bevor er kommt.“

Sie versteckten sich hinter einem nahegelegenen Baum und beobachteten gespannt, wie Herr Karita schließlich den Lehrerparkplatz betrat. Als er das Auto bemerkte, blieb er abrupt stehen. Seine Augen weiteten sich, als er die bunte Wand aus Notizzetteln sah.

„Was zum…?“, murmelte er ungläubig und begann langsam, die Zettel abzureißen. Dabei las er einige der Sprüche laut vor: „Du bist der beste Lehrer – aber heute hast du wohl einen schlechten Tag!“, „Hier steht dein nächster Witz!“ und sogar eine kleine Zeichnung eines lachenden Gesichts.

Joey und Tristan konnten sich kaum noch halten vor Lachen. Doch dann hörten sie plötzlich Schritte hinter sich. Es war Herr Karita, der direkt auf sie zukam. Er sah ziemlich wütend aus. „Was habt ihr mit meinem Auto gemacht!?"

Joey und Tristan sprangen erschrocken auf, ihre Herzen hämmernd vor Angst. Sie wussten, dass sie sich jetzt schnell erklären mussten.

„Äh… Karita-sensei, es tut uns wirklich leid!“, stammelte Tristan und hob die Hände in Verteidigung. „Wir wollten nur einen kleinen Scherz machen. Es war nicht böse gemeint!“

Joey nickte eifrig. „Wir wollten Ihnen nur eine kleine Freude bereiten. Wir dachten, das würde Sie zum Lachen bringen.“

Herr Karita schnaubte verärgert und sah die beiden mit zusammengekniffenen Augen an. „Einen Scherz? Das hier ist mein Auto! Und es ist total voll mit Notizzetteln – das ist nicht nur unhöflich, sondern auch respektlos!“

Er atmete tief durch, seine Wut schien sich langsam zu legen, aber sein Blick blieb streng. „Ich verstehe, dass ihr Spaß machen wollt, aber das hier geht zu weit. Ich erwarte von meinen Schülern Respekt – und dazu gehört auch, die Sachen anderer Menschen zu achten.“

Joey und Tristan senkten den Blick, peinlich berührt. „Es tut uns wirklich leid, Karita-sensei“, sagte Joey. „Wir wollten nur einen kleinen Spaß machen…“

Herr Karita seufzte schwer und schüttelte den Kopf. „Na gut. Ich werde euch eine Chance geben: Ihr könnt mir helfen, die Zettel wieder abzureißen.“ Er zeigte auf das Chaos um sein Auto herum.

„Ja, natürlich!“, rief Tristan hastig. „Das machen wir sofort.“

Gemeinsam begannen sie, die bunten Notizzettel abzureißen und ordentlich zusammenzulegen. Währenddessen sprach Herr Karita ruhiger: „Ich schätze euren Humor, aber manchmal sollte man vorher überlegen, ob der Spaß auch für alle in Ordnung ist.“

Als sie fertig waren, sah das Auto wieder fast normal aus – nur noch ein paar kleine Reste der Zettel blieben zurück.

„Und denkt daran: Respekt ist immer wichtiger als ein lustiger Streich.“

Joey und Tristan nickten reumütig. „Es tut uns wirklich leid“, wiederholte Joey.

Herr Karita baute sich vor ihnen auf. „Und als Strafe müsst ihr nach der Schule mein Auto waschen!“

Joey und Tristan stöhnten gleichzeitig auf. Das war definitiv nicht das, was sie erwartet hatten, als Herr Karita ihnen die Aufgabe auferlegte. Doch sie wussten, dass sie es akzeptieren mussten, um den Ärger wieder gutzumachen.

„Ja, Karita-sensei“, sagte Tristan mit einem kleinen Lächeln, das seine Reue zeigte. „Wir werden es machen. Versprochen.“

„Gut“, antwortete Herr Karita mit einem leichten Nicken. „Und denkt daran: Beim nächsten Mal solltet ihr euch überlegen, ob ein Scherz wirklich angebracht ist. Respekt und Rücksichtnahme sind wichtiger als jeder Spaß.“

Die beiden Jungs nickten eifrig und begaben sich in Richtung Schulgebäude. Währenddessen begann Herr Karita, die letzten Notizzettel vom Auto zu entfernen und alles aufzuräumen.

Am Nachmittag nach der Schule trafen Joey und Tristan wieder am Parkplatz ein – diesmal mit Eimer, Schwamm und Seife in der Hand. Sie waren fest entschlossen, die Arbeit ordentlich zu erledigen.

Herr Karitas Blick war immer noch streng. „Gut. Ich erwarte, dass ihr das Auto gründlich reinigt – von oben bis unten.“

Während sie gemeinsam das Auto säuberten, sprach Herr Karita noch einmal über den Wert von Respekt und Verantwortung.

„Weißt du“, sagte Joey, während er den Wasserstrahl auf das Dach richtete, „ich glaube, wir haben diesmal echt einen Denkzettel bekommen.“

Tristan nickte zustimmend. „Respekt ist wirklich wichtiger als ein Streich. Das haben wir jetzt verstanden.“

Als das Auto schließlich glänzend sauber war, kam Herr Karita zurück und betrachtete das Ergebnis mit einem zufriedenen Nicken. „Gut gemacht. Und denkt immer daran: Ein kleiner Spaß sollte nie auf Kosten anderer gehen.“

Joey und Tristan bedankten sich bei ihm und versprachen, in Zukunft so etwas nicht mehr zu tun.
 

„Kann ich meinen Abschluss vorzeitig machen?", wollte Kaiba wissen.

Der Direktor schüttelte den Kopf. „Das ist nicht möglich."

„Was soll das heißen?", fragte Kaiba mit scharfer Stimme.

„Nun das heißt dass wir keine Ausnahme machen", sagte der Direktor. „Auch wenn du der Leiter einer großen Firma bist, du bist immer noch Schüler dieser Schule und wirst wie alle anderen behandelt. Du bekommst keine Sonderbehandlung, Seto. Du wirst deinen Abschluss am gleichen Tag machen wie die anderen Schüler." Kaiba wurde wütend. Das war nicht das was er hören wollte.

Er ballte die Fäuste und spürte, wie sich der Zorn in ihm aufstaute. „Das ist lächerlich!", rief er. „Ich habe mehr erreicht als die meisten Menschen in meinem Alter. Warum sollte ich mich an die Regeln halten, die für andere gelten?"

Der Direktor blieb ruhig und sah Kaiba direkt in die Augen. „Weil Bildung nicht nur um den Abschluss geht, Seto. Es geht darum, Verantwortung zu lernen und Respekt vor den Regeln zu haben. Du magst ein erfolgreicher Geschäftsmann sein, aber hier bist du ein Schüler wie jeder andere."

Kaiba schnaubte verächtlich. „Verantwortung? Respekt? Das sind Worte, die für Schwächlinge reserviert sind. Ich mache meine eigenen Regeln."

„Und genau das ist das Problem", antwortete der Direktor mit fester Stimme. „Du musst lernen, dass nicht alles im Leben nach deinen Bedingungen läuft. Manchmal muss man Geduld haben und den Prozess durchlaufen."

Kaiba wandte sich ab, seine Gedanken rasten. Er konnte nicht einfach zulassen, dass ihn jemand aufhielt – nicht jetzt, wo er so nah dran war, seine Pläne zu verwirklichen. Doch tief in seinem Inneren wusste er auch, dass der Direktor recht hatte; es gab Dinge, die man nicht umgehen konnte.

„Ich werde meinen Abschluss machen", murmelte er schließlich, mehr zu sich selbst als zum Direktor. „Aber ich werde sicherstellen, dass es das letzte Mal ist, dass ich mich an solche Regeln halte."

Der Direktor nickte leicht. „Das liegt ganz bei dir, Seto. Aber denke daran: Die Entscheidungen, die du heute triffst, werden deine Zukunft bestimmen."
 

Joey machte einen Abendspaziergang. Er lief ziellos durch die Straßen. Zuerst regnete es nur ein bisschen, doch dann wurde der Regen immer stärker.

Draußen regnete es in Strömen. Joey hatte keinen Regenschirm dabei und wurde von Kopf bis Fuß nass. Er stand vor der Villa wo Kaiba und sein Bruder Mokuba wohnten. Sollte er es wagen? Warum nicht, dachte Joey und drückte auf den Klingelknopf. „Wer ist da?" Das war Mokubas Stimme.

„Ich bin's, Joey. Kannst du mich reinlassen?"

„Klar." Der Summer ertönte und das große Eingangstor öffnete sich. Joey rannte so schnell er konnte zur Villa. An der Tür stand Mokuba. „Hallo Joey." Joey grüßte zurück und ging in die Villa hinein.

„Darf ich heute bei euch übernachten?"

„Da muss ich erst Seto fragen", sagte Mokuba.

Joey verzog das Gesicht. „So wie ich Kaiba kenne sagt der sicher Nein."

Mokuba sah Joey nachdenklich an, dann nickte er langsam. „Komm rein." Gemeinsam gingen sie durch die große Eingangshalle ins Wohnzimmer. Die Villa war beeindruckend – alles schien edel und ordentlich. Joey fühlte sich gleich ein bisschen wohler.

„Seto ist gerade im Arbeitszimmer“, sagte Mokuba. „Ich bringe dich gleich rüber.“

Sie gingen die Treppe hinauf und erreichten bald das Büro. Kaiba saß hinter seinem Schreibtisch, vertieft in Papiere und einen Laptop.

„Seto?“, rief Mokuba vorsichtig. „Joey ist hier und möchte fragen, ob er heute bei uns übernachten kann.“

Kaiba hob den Blick und musterte Joey kurz, dann nickte er knapp. „In Ordnung“, sagte er mit seiner typischen kühlen Stimme. „Du kannst hier bleiben, solange das Wetter so schlecht ist. Aber nur, wenn du versprichst, morgen früh wieder zu gehen.“

Joey lächelte erleichtert. „Versprochen!“, antwortete er begeistert.

Kaiba stand auf und öffnete eine Schublade. „Hier, nimm dir ein Handtuch und zieh dich um. Ich werde dir etwas zu essen machen.“ Joey bedankte sich erneut und folgte den Anweisungen. Währenddessen fühlte er sich schon viel besser – trotz des Regens draußen hatte er jetzt einen warmen Ort gefunden, an dem er für eine Nacht bleiben konnte.

Joey nahm das Handtuch aus Kaibas Schublade und eilte ins Badezimmer, um sich abzutrocknen. Das Wasser tropfte noch von seinen Haaren, doch er fühlte sich bereits viel wohler. Nach ein paar Minuten kam er wieder ins Wohnzimmer, diesmal in trockener Kleidung. Mokuba lächelte ihn freundlich an.

„Hier, ich bringe dir etwas zu trinken“, sagte Mokuba und lief in die Küche. Joey setzte sich auf die Couch und atmete tief durch. Es war seltsam, so plötzlich in einer so eleganten Villa zu sein, aber irgendwie fühlte es sich auch gut an.

Kurz darauf kam Mokuba mit einem Glas Saft zurück und setzte sich neben Joey. „Weißt du, Joey“, begann Mokuba vorsichtig, „Seto ist manchmal ziemlich ernst, aber er ist eigentlich ganz nett. Er sorgt nur immer dafür, dass alles perfekt läuft.“

Joey nickte nachdenklich. „Ich weiß, Mokuba. Ich hab nur nie gedacht, dass ich mal bei euch übernachten darf.“ Er lächelte. „Aber ich bin froh, hier zu sein.“

Gerade in diesem Moment betrat Kaiba das Wohnzimmer mit einem Tablett voller Essen – Sandwiches, Obst und eine kleine Suppe. „Hier“, sagte er knapp und stellte das Tablett auf den Couchtisch. „Essen ist fertig.“

„Danke, Seto“, sagte Mokuba begeistert und begann sofort zu essen. Joey griff sich ein Sandwich und aß hungrig. Trotz der Kälte draußen fühlte er sich jetzt warm und geborgen – zumindest für diese Nacht.

Kaiba sah ihnen einen Moment lang zu, dann setzte er sich ebenfalls dazu.

Die Atmosphäre im Raum wurde ruhiger, während alle in angenehmer Stille aßen. Joey fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich entspannt. Das warme Essen und die Gesellschaft gaben ihm das Gefühl, dass er für eine Nacht nicht allein war.

Nach dem Essen lehnte sich Joey zurück und sah Mokuba an. „Danke, Mokuba. Das bedeutet mir viel.“ Er lächelte dankbar. Mokuba grinste breit. „Kein Problem! Du bist jetzt Teil unserer kleinen Familie, zumindest für heute.“

Kaiba beobachtete die beiden mit einem leichten Lächeln, das kaum sichtbar war. Dann stand er auf und ging in die Küche, um das Geschirr wegzuräumen. Nach einer Weile kam er wieder ins Wohnzimmer und sah Joey mit einem nachdenklichen Blick an. „Es ist spät. Du solltest dich jetzt ausruhen. Der Regen wird morgen früh bestimmt noch da sein, und du brauchst deine Kraft.“ Seine Stimme war immer noch kühl.

„Ich werde dir ein Gästezimmer herrichten“, fügte Kaiba hinzu, während er aufstand. „Mokuba, bring Wheeler nach oben.“

Mokuba nickte eifrig und führte Joey die Treppe hinauf.

Im Gästezimmer angekommen, schloss Mokuba die Tür hinter ihnen. „Hier kannst du schlafen“, sagte er freundlich und zeigte auf das Bett. „Wenn du noch etwas brauchst, sag einfach Bescheid.“

Joey setzte sich auf das Bett und atmete tief durch. „Danke, Mokuba. Für alles.“ Er fühlte sich zum ersten Mal seit langem wirklich geborgen – auch wenn morgen früh alles wieder anders sein könnte.

„Gute Nacht, Joey“, sagte Mokuba lächelnd und verließ das Zimmer. Joey legte sich vorsichtig aufs Bett, zog die Decke über sich und schaute an die Decke. Trotz der Ereignisse draußen fühlte er sich jetzt sicher – zumindest für diese Nacht.

Kaiba blieb noch einen Moment stehen und dachte nach. Trotz seiner strengen Art hatte er heute etwas gespürt – eine kleine Verbindung zu Joey, die ihn irgendwie berührte.

In der Stille des Gästezimmers atmete Joey tief durch und ließ die Ereignisse des Tages Revue passieren. Das warme Bett, die vertrauten Geräusche im Haus und die Gedanken an Mokuba und Kaiba gaben ihm ein Gefühl von Geborgenheit, das er schon lange vermisst hatte. Für einen Moment schob er all seine Sorgen beiseite und erlaubte sich, einfach nur zu entspannen.

Doch in seinem Kopf wirbelten noch immer Fragen und Unsicherheiten. Was würde morgen passieren? Würde alles wieder so sein wie vorher? Oder würde sich vielleicht doch etwas ändern? Er wusste, dass er nicht ewig hier bleiben konnte, aber für diese Nacht wollte er einfach nur den Moment genießen.

Gerade als er die Augen schließen wollte, hörte er leise Schritte vor der Tür. Ein kurzer Moment der Stille folgte, dann klopfte es sanft.

„Joey?“, fragte Mokuba durch die Tür. „Wenn du noch nicht schlafen kannst oder etwas brauchst, ruf mich einfach, okay?“

„Danke, Mokuba“, antwortete Joey. „Ich bin müde, aber ich werde versuchen zu schlafen.“

„Gut“, sagte Mokuba freundlich. „Schlaf gut.“ Die Tür schloss sich leise hinter ihm.

Joey drehte sich auf die Seite und schloss die Augen. Trotz aller Unsicherheiten fühlte er eine kleine Flamme der Hoffnung in sich auflodern. Vielleicht war das hier nur eine Nacht im Warmen – doch für ihn bedeutete es mehr: Es war ein Anfang.

Mit einem letzten tiefen Atemzug ließ Joey die Gedanken los und versuchte, in der Ruhe des Raumes Frieden zu finden. Morgen war ein neuer Tag – voller Ungewissheit, aber auch voller Möglichkeiten.

Die Dunkelheit umhüllte das Gästezimmer, doch Joey spürte, dass sein Geist noch immer wach war. Er lag still da, die Augen geschlossen, während seine Gedanken wie kleine Wellen in seinem Kopf auf und ab schwankten. Trotz der Ruhe, die das Zimmer ausstrahlte, konnte er die Unsicherheit kaum abschütteln.

Plötzlich hörte er ein leises Geräusch – es war nur ein kurzer Atemzug, doch für ihn klang es wie eine Erinnerung an etwas Vertrautes. Vielleicht war es nur Einbildung, vielleicht auch nicht. Er öffnete vorsichtig die Augen und sah zur Tür. Für einen Moment schien es, als würde jemand draußen stehen und lauschen.

Doch dann wurde alles wieder still. Joey schloss die Augen erneut und atmete tief durch. Er wusste, dass er morgen früh aufstehen musste, um den Tag zu bewältigen. Aber jetzt brauchte er vor allem Ruhe.

Langsam ließ er die Anspannung los und erlaubte sich, in den Schlaf zu gleiten. Seine Gedanken wurden leiser, seine Muskeln entspannten sich. Für diese Nacht war er hier sicher – zumindest für den Moment.

Und während er in den Schlaf sank, spürte Joey eine kleine Hoffnung in sich aufkeimen: Vielleicht war dieser Ort mehr als nur eine Zuflucht für eine Nacht.

Mit einem letzten Gedanken an Mokuba und Kaiba schloss Joey endgültig die Augen und ließ sich von der Dunkelheit tragen, bereit für das Unbekannte, das morgen kommen würde.
 

Der Morgen brach langsam an, die ersten Sonnenstrahlen schoben sich durch die Vorhänge und warfen sanfte Lichtflecken auf das Bett. Joey öffnete die Augen, noch müde, doch mit einem Gefühl der Erleichterung. Die Nacht war ruhig verlaufen, und obwohl seine Gedanken noch immer umherirrten, fühlte er sich ein bisschen leichter.

Er streckte sich vorsichtig und setzte sich auf. Das Zimmer war still, nur das leise Summen des Hauses war zu hören. Für einen Moment blieb er einfach sitzen, atmete tief durch und versuchte, den Tag in seinem Kopf zu ordnen.

Kurz darauf hörte er Schritte im Flur – Mokuba kam die Treppe hinunter. Das Kind trat ins Zimmer und lächelte ihm freundlich entgegen.

„Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?“, fragte Mokuba neugierig.

„Ja, danke“, antwortete Joey mit einem kleinen Lächeln. „Besser als gedacht.“

Mokuba nickte zufrieden. „Das freut mich. Seto ist schon in der Küche und bereitet Frühstück vor. Willst du mitkommen?“

Joey stand auf, streifte sich schnell eine Jacke über und folgte Mokuba nach unten. Das Haus war hell erleuchtet, und die Atmosphäre wirkte freundlich und warm – ganz anders als alles, was Joey bisher gekannt hatte.

Im Esszimmer saßen Kaiba bereits am Tisch, sein Blick war konzentriert, doch seine Haltung wirkte weniger kühl als sonst. Er sah auf, als Joey und Mokuba hereinkamen.

„Guten Morgen“, sagte Kaiba knapp.

„Guten Morgen“, erwiderte Joey.

Das Frühstück wurde serviert: frisches Brot, Obst, Eier und Saft. Während sie aßen, spürte Joey eine ungewohnte Ruhe in sich wachsen. Es war nicht nur das Essen oder die Umgebung – es war das Gefühl, hier akzeptiert zu werden.

Nach dem Frühstück stand Kaiba auf. „Na dann Wheeler. Es wird Zeit dass du gehst.“ Der Blonde hatte sich bereits umgezogen und trug wieder seine Kleidung. „Danke dass ich bei euch übernachten durfte.“

Kaibas Miene verfinsterte sich. „Verschwinde einfach, Wheeler.“

Joey verließ die Villa und machte sich auf dem Weg zu seiner Wohnung. Als er dort ankam öffnete er zuerst die Garagentür. Er stieg auf sein Motorrad, setzte den Helm auf und fuhr dann los.
 

Kaiba schob den Einkaufswagen. Es war lange her seit er das letzte Mal in einem Supermarkt war. Normalerweise erledigte sein Angestellter die Einkäufe doch er war krank. Auf einmal kam eine Durchsage. „Sehr verehrte Kunden, wir haben hier im Supermarkt eine goldene Kugel versteckt. Wer sie findet muss für seinen Einkauf nichts zahlen."

„Das klingt cool, Seto", meinte sein Bruder Mokuba.

„Wir machen bei solch einem Unsinn nicht mit", sagte Kaiba.

„Ach komm schon, Seto!“

Kaiba blieb hart. „Nein das kommt nicht infrage!“

Mokuba ließ sich jedoch nicht so leicht abbringen. „Aber Seto, stell dir vor, wir finden die Kugel! Das wäre doch ein riesiger Gewinn! Und außerdem, es könnte Spaß machen!"

Kaiba seufzte und schüttelte den Kopf. „Spaß? In einem Supermarkt? Du weißt, dass ich keine Zeit für solche Spielereien habe, Mokuba. Wir haben eine Liste und müssen uns darauf konzentrieren."

Mokuba sah seinen Bruder mit großen Augen an. „Bitte, Seto! Lass uns einfach mal nach der Kugel suchen. Es könnte eine gute Ablenkung sein. Und wenn wir sie finden, können wir das Geld für etwas anderes verwenden!“

Kaiba überlegte kurz. Er wusste, dass Mokuba recht hatte – ein bisschen Ablenkung könnte ihm nicht schaden. Schließlich gab er nach und sagte: „Okay, aber nur für eine halbe Stunde. Danach gehen wir zurück zu den Einkäufen."

Mokubas Gesicht hellte sich sofort auf. „Danke, Seto! Ich verspreche dir, wir werden die Kugel finden!"

Die beiden begaben sich auf die Suche durch die Gänge des Supermarkts. Kaiba war skeptisch und scannte jeden Winkel mit einem kritischen Blick, während Mokuba voller Enthusiasmus durch die Regale huschte.

„Schau mal hier!", rief Mokuba plötzlich und deutete auf einen hohen Regalboden. „Dort oben könnte sie sein!"

Kaiba rollte mit den Augen. „Das ist viel zu offensichtlich. Wenn ich eine goldene Kugel verstecken würde, würde ich sie an einem unerwarteten Ort platzieren."

Gerade als er das sagte, fiel sein Blick auf einen kleinen Bereich hinter einer Reihe von Getränkekästen. „Warte mal", murmelte er und ging näher heran.

Mokuba folgte ihm neugierig und als sie näher kamen, entdeckten sie tatsächlich etwas Glänzendes zwischen den Kästen. Kaiba beugte sich vor und zog vorsichtig die Kästen zur Seite.

„Das kann nicht wahr sein…", sagte Mokuba ungläubig.

Vor ihnen lag die goldene Kugel – perfekt versteckt und strahlend im Licht des Supermarkts.

„Wir haben sie gefunden!", rief Mokuba begeistert aus.

Kaiba schmunzelte. „Das ist gut. Jetzt müssen wir nichts zahlen.“
 

Joey war mit dem Motorrad unterwegs und schaute in den Rückspiegel. Ein anderer Motorradfahrer war direkt hinter ihm. Er war schon die ganze Zeit hinter ihm. Er gab Gas und fuhr schneller. Nach zehn Minuten warf Joey einen Blick in den Rückspiegel. Der andere Motorradfahrer war immer noch hinter ihm. Er ließ sich einfach nicht abschütteln. Schließlich beschloss Joey die Verfolgungsjagd zu beenden und stoppte sein Motorrad. Der andere hielt auch an, stieg von seinem Motorrad und ging zu ihm. Dabei nahm er seinen Helm ab. „Hey Wheeler. Lange nicht gesehen."

„Warum verfolgst du mich, Valon?"

Valon zeigte ihm eine Harpyienkarte. „Ich will ihr das zurückgeben."

„Die ist doch von Mai", sagte Joey. „Woher hast du sie?"

„Mai hat mir diese Karte gegeben", antwortete Valon. „Ich bin auf der Suche nach ihr. Weißt du wo sie ist?"

Joey schüttelte den Kopf. „Ich habe nichts mehr von Mai gehört."

Valon gab Joey einen kleinen Zettel. „Das ist meine Handynummer. Wenn du weißt, wo Mai ist, rufst du mich an."

Joey nahm den Zettel und steckte ihn in seine Tasche. „Ich werde sehen, was ich tun kann", sagte er.

Valon nickte und setzte seinen Helm wieder auf. „Pass auf dich auf, Wheeler.“

Joey schaute ihm nach, als er wieder auf sein Motorrad stieg und davonfuhr.
 

Kaiba und Mokuba kamen gerade aus dem Supermarkt. Ein Hund schnüffelte an Kaibas Schuhen. „Bello! Komm zurück!“ Der Hund rannte zurück zu seinem Besitzer. Kaiba konnte Hunde noch nie leiden. In seinen Augen waren diese Tiere nichts wert. Kaiba beobachtete den Hund mit Verachtung, als er zu seinem Besitzer zurücklief. Er konnte nicht verstehen, warum Menschen so viel Zeit und Zuneigung in diese pelzigen Kreaturen investierten. Für ihn waren Hunde nur lästige Wesen, die herumschnüffelten und bellten.

Als der Hund an seinem Besitzer ankam, wedelte er freudig mit dem Schwanz und schien glücklich zu sein. Kaiba konnte nicht nachvollziehen, wie jemand so viel Freude an einem Tier haben konnte, das in seinen Augen nutzlos war.

Er seufzte und wandte sich ab, um seinen Weg fortzusetzen. Für ihn gab es wichtigere Dinge im Leben als Hunde und ihre Besitzer.
 

Seto Kaiba saß mit einigen Geschäftspartnern in einem Konferenzraum, der mit modernster Technologie ausgestattet war. Der Raum war minimalistisch gestaltet, mit klaren Linien und einer großen Glaswand, die einen Blick auf die Stadt bot. Kaiba, bekannt für seine kühle und berechnende Art, blickte ernst auf die Präsentation, die auf dem großen Bildschirm vor ihm lief. „Wir müssen unsere Verkaufszahlen im nächsten Quartal steigern“, begann er mit fester Stimme. „Die Konkurrenz schläft nicht, und wir können es uns nicht leisten, hinterherzuhinken.“ Seine Geschäftspartner nickten zustimmend, während sie Notizen machten. Ein Partner wagte es, eine Frage zu stellen: „Was ist mit den neuen Technologien? Glauben Sie, dass wir in Virtual Reality investieren sollten?“

Kaiba überlegte kurz und antwortete dann: „Virtual Reality ist der Schlüssel zur Zukunft des Spielens. Wenn wir unsere Produkte anpassen und ein immersives Erlebnis schaffen können, werden wir die Marktführerschaft übernehmen.“ Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Ich will einen detaillierten Plan bis Ende der Woche. Wir müssen sicherstellen, dass unser nächstes Produkt nicht nur innovativ ist, sondern auch die Spieler begeistert.“ Die Diskussion ging weiter, während Kaiba seine Vision für das Unternehmen klar umriss. In seinem Kopf plante er bereits den nächsten Schritt – nicht nur im Geschäft, sondern auch im Duellspiel. Denn für ihn war das alles miteinander verbunden: Erfolg im Geschäft bedeutete auch Erfolg im Spiel.

Die Diskussion im Konferenzraum nahm an Fahrt auf, während Kaiba seine Geschäftspartner dazu drängte, kreative Ideen zu entwickeln. „Wir müssen nicht nur die Technologie vorantreiben, sondern auch das Spielerlebnis revolutionieren“, betonte er. „Denken Sie an die Möglichkeiten: maßgeschneiderte Karten, interaktive Umgebungen und vielleicht sogar KI-gesteuerte Gegner, die sich an den Spielstil der Nutzer anpassen.“

Ein weiterer Partner meldete sich zu Wort: „Das klingt vielversprechend, Kaiba. Aber wie können wir sicherstellen, dass wir die richtige Zielgruppe erreichen?“

Kaiba nickte und antwortete: „Marktforschung ist entscheidend. Wir müssen herausfinden, was die Spieler wirklich wollen. Ich möchte, dass unser Team eine Umfrage unter unseren bestehenden Kunden durchführt und Trends in der Gaming-Community analysiert. Wir dürfen keine Zeit verlieren.“

Er warf einen Blick auf die Uhr und fügte hinzu: „Und denken Sie daran, wir haben nicht nur mit anderen Unternehmen zu konkurrieren. Die Spieler sind anspruchsvoller denn je. Wenn wir sie nicht mit etwas Neuem und Aufregendem überraschen, werden sie schnell zu unseren Konkurrenten wechseln.“

Die Atmosphäre im Raum war angespannt, aber auch voller Energie. Kaiba wusste, dass er seine Partner motivieren musste, um seine Vision in die Realität umzusetzen. Er stand auf und ging zur Glaswand, um den Blick auf die Stadt zu genießen. „Stellen Sie sich vor“, begann er nachdenklich, „wie es wäre, wenn jeder Spieler das Gefühl hätte, Teil eines epischen Duells zu sein – nicht nur als Zuschauer, sondern als aktiver Teilnehmer in einer lebendigen Welt.“

Seine Worte hallten im Raum wider und inspirierten seine Partner dazu, ihre eigenen Ideen einzubringen. Sie diskutierten über mögliche Kooperationen mit Technologieunternehmen und über innovative Marketingstrategien.

„Wir müssen auch unsere Online-Präsenz stärken“, fügte ein Partner hinzu. „Social Media kann ein mächtiges Werkzeug sein, um unsere neuen Produkte zu bewerben und eine Community aufzubauen.“

Kaiba nickte zustimmend. „Richtig! Wir sollten Influencer einbeziehen und exklusive Inhalte anbieten. Wenn wir das richtige Marketing betreiben, können wir das Interesse der Spieler wecken und sie dazu bringen, sich für unsere Produkte zu begeistern.“
 

Heute feierten sie in der Firma ein Jubiläum. Hiroshi Tanaka war ein älterer Mann und arbeitete seit 30 Jahren in der Kaiba Corporation. Er kannte auch Gozaburo persönlich. Seto dachte über die vergangenen Jahre in der Firma nach. Hiroshi Tanaka war einer der loyalsten Mitarbeiter, den er kannte. Er erinnerte sich an die Zeiten, als er noch ein kleiner Junge war und Hiroshi ihm geholfen hatte, die Grundlagen des Geschäfts zu verstehen. Seto betrat den festlich geschmückten Saal, in dem das Jubiläum stattfand.

Er sah Hiroshi inmitten der Gäste stehen, umringt von Kollegen und Freunden. Seto ging auf ihn zu und überreichte ihm die Flasche Champagner. Hiroshi strahlte vor Freude und dankte Seto herzlich. Die Feier begann und alle waren voller Erinnerungen und Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit in der Firma.

Seto lächelte, als er sah, wie glücklich Hiroshi war, und wusste, dass sie noch viele weitere Jahre zusammenarbeiten würden, um die Kaiba Corporation weiterhin erfolgreich zu führen. Seine Sekretärin Fiona kam zu ihm. „Entschuldigen Sie die Störung, Kaiba-san. Maximilian Pegasus ist gerade bei mir und möchte mit Ihnen sprechen.“

„Schicken Sie ihn zu mir hoch.“ Er ging zurück zu seinem Büro.

Was könnte der Präsident von Industrial Illusions von ihm wollen? Früher waren sie so etwas wie alte Freunde gewesen. Doch das war viele Jahre her. Mittlerweile verabscheute Seto Pegasus und das mit gutem Grund.

Pegasus stand vor seinem Büro. „Kaiba, mein alter Freund. Wir haben uns lang nicht mehr gesehen.“

Seto schloss die Tür auf. Sie betraten das Büro und Seto machte die Tür zu.

„Kommen wir gleich zur Sache“, sagte Kaiba. „Was willst du? Warum bist du hier?“

„Kein Hallo? Kein Wie geht’s dir? Ich dachte wir wären Freunde, Kaiba. Warum hast du schlechte Laune? Hab ich dir was getan?“

Kaiba wurde wütend. „Wir beide waren niemals Freunde, Pegasus. Wir müssen nicht anfangen so zu tun als wären wir welche. Jetzt tu nicht so ahnungslos. Du weißt ganz genau warum ich dich nicht leiden kann. Sag endlich was du von mir willst!“

Pegasus lächelte. „Ich weiß wie wir unsere Differenzen aus der Welt schaffen können. Indem wir wieder zusammenarbeiten, so wie früher.“

„Da muss ich dich enttäuschen“, sagte Kaiba. „Ich arbeite nicht mit jemand zusammen der versucht meine Firma zu übernehmen!“

Pegasus' Lächeln verschwand und sein Gesichtsausdruck wurde ernst. „Ach, Kaiba, du verstehst das alles falsch. Ich hatte nie die Absicht, deine Firma zu übernehmen. Ich wollte nur eine Partnerschaft eingehen, um unsere Kräfte zu vereinen und gemeinsam noch erfolgreicher zu sein.“

Kaiba war skeptisch. Er wusste, dass Pegasus in der Vergangenheit nicht immer ehrlich gewesen war. „Partnerschaft? Du hast mich schon einmal hintergangen, Pegasus. Warum sollte ich dir jetzt vertrauen?“ Kaiba stand auf und ging zum Fenster, während er weiter sprach. „Ich habe hart dafür gearbeitet, meine Firma aufzubauen und ich lasse nicht zu, dass jemand wie du sie zerstört.“

Pegasus trat näher an Kaiba heran und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Kaiba, ich verstehe deine Bedenken. Aber glaub mir, diesmal ist alles anders. Lass uns zusammenarbeiten und wir können beide davon profitieren.“

Kaiba spürte die Entschlossenheit in Pegasus' Stimme, aber er konnte seine Zweifel nicht einfach beiseiteschieben.

Nach einem Moment des Schweigens antwortete Kaiba schließlich: „Ich werde mit dir keine Partnerschaft eingehen, Pegasus. Ich kann dir nicht vertrauen. Nicht nach all dem was du mir angetan hast.“
 

Weevil hielt ihn die Tüte hin. „Probiere mal, Wheeler."

Joey griff hinein. „Das schmeckt gut. Was ist das, Weevil?"

„Getrocknete Bienenlarven."

Joey spuckte es aus. „Igitt das ist ja ekelhaft!"

Weevil grinste breit und beobachtete, wie Joey das Gesicht verzog. „Komm schon, Wheeler! Das ist eine Delikatesse in vielen Kulturen. Du musst dich nur daran gewöhnen."

Joey schüttelte den Kopf und wischte sich die Lippen ab. „Ich glaube nicht, dass ich mich daran gewöhnen will. Gibt es nicht etwas Normales zu essen?"

Weevil zuckte mit den Schultern und griff selbst nach einer Handvoll der getrockneten Larven. „Das hier ist normal für mich. Aber wenn du wirklich was Leckeres willst, dann warte mal." Er kramte in seiner Tasche und zog ein paar Snacks hervor.

„Was hast du jetzt?" fragte Joey skeptisch.

„Weißt du, diese Chips sind aus Algen“, sagte Weevil und hielt die Tüte hoch. „Viel gesünder als deine langweiligen Kartoffelchips."

Joey rollte mit den Augen. „Ich bleibe bei meinen langweiligen Kartoffelchips, danke."

Gerade in diesem Moment kam Yugi um die Ecke und sah die beiden an. „Hey, was macht ihr da?" fragte er neugierig.

„Weevil versucht mir seine seltsamen Snacks schmackhaft zu machen“, antwortete Joey und zeigte auf die Tüte mit den Bienenlarven.

Yugi lächelte. „Getrocknete Bienenlarven? Das klingt interessant. Ich habe schon von diesen Snacks gehört. Sie sind tatsächlich sehr proteinreich!"

„Interessant ist ein gutes Wort dafür", murmelte Joey und rollte mit den Augen.

Weevil grinste noch breiter. „Willst du auch mal probieren, Yugi? Vielleicht bist du ja mutiger als Wheeler!"

Yugi überlegte kurz und lächelte dann. „Warum nicht? Manchmal muss man neue Dinge ausprobieren." Er griff in die Tüte und nahm eine Larve heraus.

Joey schaute entsetzt zu, während Yugi sie ohne Zögern in den Mund steckte. Nach einem kurzen Moment des Kauens nickte Yugi zustimmend. „Es hat einen nussigen Geschmack! Gar nicht so schlecht."

Joeys Kinn klappte herunter. „Du bist verrückt! Wie kannst du das essen?"

Yugi zuckte mit den Schultern. „Manchmal muss man einfach offen für Neues sein, Joey."

Weevil klopfte Yugi auf den Rücken. „Siehst du, Wheeler? Vielleicht solltest du dir ein Beispiel an Yugi nehmen.“
 

Herr Kutchiba saß allein im Lehrerzimmer und kontrollierte die Klassenarbeiten. Es war spät am Abend und er war allein im Schulgebäude. Er musste seufzen. Der Notendurchschnitt war wieder mal katastrophal. Dabei hatte er seinen Schülern schon so oft gesagt welcher Stoff in der Arbeit drankommen wird. Es klopfte an der Tür. Herr Kutchiba machte die Tür auf. Vor ihm stand ein Junge. „Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Erinnern Sie sich noch an mich?“

Der Lehrer schüttelte energisch den Kopf. „Nein ich kenne dich nicht. Ich habe dich noch nie im Leben gesehen, würdest du jetzt bitte gehen.“

Der Junge grinste. „Wären Sie bitte so freundlich und schauen Sie mir ins Gesicht.“ Als Herr Kutchiba das tat erschrak er im wahrsten Sinne des Wortes. Nein das kann nicht sein. Der Junge lächelte und schloss die Tür. „Keine Sorge, ich will mich nur mit Ihnen unterhalten. Ich weiß dass Sie damals nichts unternommen haben als ich gemobbt wurde. Machen Sie sich deswegen Vorwürfe?"

„Ich weiß nicht wovon du redest", log Herr Kutchiba.

Der Junge trat einen Schritt näher, und Herr Kutchiba spürte, wie sich ein kalter Schauer über seinen Rücken zog. „Sie wissen genau, wovon ich rede“, sagte der Junge mit einer Stimme, die gleichzeitig sanft und eindringlich war. „Ich war nicht der Einzige, der gelitten hat. Aber Sie waren der Lehrer. Sie hätten helfen können.“

„Das ist lange her“, sagte Herr Kutchiba und versuchte, seine Fassung zu bewahren. „Ich kann mich nicht an alles erinnern.“ Doch in seinem Inneren brodelten Erinnerungen hoch – Bilder von einem Jungen, der oft allein in der Ecke des Klassenzimmers saß, von den hämischen Kommentaren seiner Mitschüler und von dem Gefühl der Ohnmacht, das ihn damals überkam.

„Aber ich erinnere mich“, sagte der Junge und lächelte weiterhin. „Ich erinnere mich an die Tage, an denen ich nach Hause kam und geweint habe. An die Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte, weil ich Angst hatte, wieder zur Schule zu müssen. Und ich erinnere mich daran, dass Sie nie eingegriffen haben.“

Herr Kutchiba wollte etwas sagen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er fühlte sich wie ein Betrüger – ein Lehrer, der versagt hatte.

„Was willst du von mir?“, fragte er schließlich mit brüchiger Stimme.

„Ich will nur reden“, antwortete der Junge. „Ich möchte verstehen, warum Sie nichts getan haben. Warum haben Sie weggeschaut?“

„Es war kompliziert“, stammelte Herr Kutchiba. „Es gab viele Schüler… Ich dachte immer, es würde besser werden.“

„Besser werden?“, wiederholte der Junge spöttisch. „Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was Ihre Untätigkeit angerichtet hat?“

Ein tiefes Gefühl von Schuld überkam Herrn Kutchiba. Er wusste, dass er Fehler gemacht hatte – Fehler, die nicht mehr rückgängig zu machen waren.

„Ich… ich kann das nicht ändern“, sagte er schließlich.

Der Junge nickte langsam. „Das stimmt. Aber vielleicht können wir gemeinsam etwas anderes tun.“

Herr Kutchiba sah den Jungen verwirrt an. „Was meinst du damit?“

„Sie sind immer noch Lehrer“, erklärte der Junge geduldig. „Sie haben die Macht, die Dinge zu verändern. Sie können anderen Schülern helfen, die in ähnlichen Situationen sind wie ich damals. Sie können dafür sorgen, dass niemand mehr so leidet wie ich.“

Herr Kutchiba spürte, wie sich ein Funke der Hoffnung in ihm regte, aber gleichzeitig war da auch die Angst vor dem Unbekannten. „Ich weiß nicht, ob ich das kann“, gestand er. „Ich habe versagt… Was macht mich jetzt dazu fähig, es besser zu machen?“ „Weil Sie aus Ihren Fehlern lernen können“, antwortete der Junge mit einem eindringlichen Blick. „Es ist nie zu spät, um zu handeln. Wenn Sie sich für Ihre Schüler einsetzen und ihnen eine Stimme geben, können Sie einen Unterschied machen. Sie müssen nur den ersten Schritt wagen.“ Der Lehrer senkte den Blick und dachte an all die Gelegenheiten zurück, bei denen er hätte eingreifen können – an die Momente des Zögerns und der Unsicherheit. „Aber was ist, wenn ich wieder scheitere? Was ist, wenn ich nicht genug tue?“

„Das Risiko gehört dazu“, sagte der Junge sanft. „Aber es ist besser, etwas zu versuchen als nichts zu tun. Glauben Sie mir, es gibt viele Schüler da draußen, die Ihre Hilfe brauchen. Sehen Sie sie nicht als Last an – sehen Sie sie als Chance.“

Herr Kutchiba hob den Kopf und sah den Jungen an. In seinen Augen lag eine Entschlossenheit, die ihn berührte. Vielleicht hatte er tatsächlich noch die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun. „Wie soll ich anfangen?“, fragte er schließlich.

„Sprechen Sie mit Ihren Schülern“, riet der Junge. „Hören Sie ihnen zu und schaffen Sie einen Raum, in dem sie sich sicher fühlen können. Setzen Sie sich für diejenigen ein, die keine Stimme haben. Und vor allem: Lernen Sie aus Ihrer Vergangenheit.“ Ein Gefühl von Erleichterung überkam Herrn Kutchiba. Es war zwar kein einfacher Weg, aber vielleicht war es der richtige Weg. „Ich werde es versuchen“, versprach er. Der Junge lächelte erneut – diesmal war es ein echtes Lächeln voller Hoffnung und Verständnis. „Das ist alles, was ich wollte“, sagte er und öffnete die Tür hinter sich. Bevor er hinausging, drehte er sich noch einmal um und fügte hinzu: „Denken Sie daran: Jeder hat das Recht auf eine zweite Chance. Auch Sie.“

Mit diesen Worten verschwand der Junge aus dem Lehrerzimmer, und die Tür fiel leise ins Schloss. Herr Kutchiba blieb allein zurück, seine Gedanken wirbelten durcheinander. Er fühlte sich, als hätte er einen Teil seiner Vergangenheit zurückbekommen – nicht nur in Form des Jungen, sondern auch in Form der Verantwortung, die er nun bereit war zu übernehmen.

Er setzte sich wieder an seinen Tisch und starrte auf die Klassenarbeiten vor sich. Die Noten waren schlecht, das wusste er. Aber was zählte, war nicht nur das Ergebnis dieser Arbeiten; es war die Art und Weise, wie er mit seinen Schülern umgehen wollte. Er wollte nicht mehr wegsehen. Er wollte nicht mehr schweigen.

In den folgenden Tagen begann Herr Kutchiba, kleine Schritte zu unternehmen. Er stellte Fragen im Unterricht, hörte aufmerksam zu und schuf eine Atmosphäre des Vertrauens. Er sprach offen über Mobbing und ermutigte seine Schüler, ihre Erfahrungen zu teilen. Es war nicht immer einfach; manchmal gab es Widerstand oder Unverständnis. Doch mit jedem Gespräch spürte er, dass sich etwas veränderte – sowohl bei ihm als auch bei seinen Schülern.

Eines Tages nach dem Unterricht trat ein Mädchen auf ihn zu, das oft still in der Ecke saß. „Herr Kutchiba“, sagte sie schüchtern, „ich wollte Ihnen danken. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mehr sagen kann… dass ich gehört werde.“

Ein warmes Gefühl breitete sich in Herrn Kutchibas Brust aus. „Das freut mich sehr“, antwortete er ehrlich. „Es ist wichtig, dass jeder von euch eine Stimme hat.“

Er wusste jetzt, dass Veränderung Zeit brauchte und dass es Rückschläge geben würde. Aber er war bereit, diesen Weg zu gehen – für seine Schüler und für sich selbst.

Und während er an diesem Abend wieder im Lehrerzimmer saß und die Klassenarbeiten durchging, fühlte er sich nicht mehr allein oder verloren. Stattdessen hatte er das Gefühl, dass er endlich auf dem richtigen Weg war – einem Weg voller Hoffnung und Möglichkeiten für alle Beteiligten.
 

Herr Sato blickte in die Runde. „Das was ich euch gerade erzählt habe ist wirklich so passiert. Herr Kutchiba ist ein Kollege von mir. Diese Geschichte ist echt lehrreich und zeigt was passieren kann wenn man bei Mobbing wegschaut.“

Auf dem Heimweg schaute Joey im Einkaufszentrum vorbei und kaufte dort neue Karten für sein Deck. Danach ging er nach Hause. Nach einer Weile hatte er sein Ziel erreicht und betrat das Haus indem er wohnte. Er ging die Treppe rauf zum zweiten Stock. Joey hatte den Schlüssel in der Hand und blieb wie versteinert stehen. Das darf nicht wahr sein.

Vor Joeys Wohnung lag sein Vater. Er reagierte nicht wenn Joey ihn ansprach. Er stank nach Alkohol und Zigaretten. Joey rief sofort das Krankenhaus an. Er kniete sich neben seinen Vater, der noch immer bewusstlos war. Joey zückte sein Handy, rief den Rettungsdienst an und erklärte ruhig, was passiert war. Während er auf Hilfe wartete, atmete er langsam und versuchte, seinen Vater behutsam zu prüfen: Ob er atmet? Gab es Anzeichen von Verletzungen? Er bewegte vorsichtig den Kopf, um sicherzustellen, dass sich der Zustand nicht verschlechterte. Die Rettungskräfte kamen schnell und begannen mit der Erstversorgung. Joey blieb draußen, stützte sich gegen die Wand und beantwortete die Fragen der Sanitäter so klar wie möglich. Im Krankenhaus angekommen, warteten die Ärzte im Wartebereich. Die Nachricht war nüchtern: Es war eine schwere, aber behandelbare Alkoholvergiftung, keine bleibenden Schäden geplant, solange er die notwendigen Therapien annahm und Unterstützung bekam. Die Situation war belastend.

Joey saß allein im Wartezimmer, die Hände zitterten leicht, während draußen das Halbdunkel der Nacht wuchs. Die Geräusche aus dem Flur—Rufen der Sanitäter, das leise Piepen von Monitoren—schienen ihm fern, als ob er sie durch eine Glasscheibe hörte. Er dachte an seinen Vater, an all die Abende, an denen er ihn gesehen hatte, wie er sich mit Bierflaschen und Zigarren umgab. Jetzt war alles stiller geworden, als ob der Lärm der Welt ihn vorüberziehen ließe.

Die Minuten zogen sich, doch irgendwann trat eine Schwester an die Tür, ein ruhiges Lächeln auf den Lippen. „Joey?“ fragte sie sanft. Er nickte, stand auf und folgte ihr in einen kleineren Beratungsraum. Dort setzte sie sich ihm gegenüber, notierte sich einige Fakten und sah ihn dann direkt an.

„Ihr Vater hat eine schwere Alkoholvergiftung, aber es gibt keine bleibenden Schäden, vorausgesetzt, er folgt der Behandlung. Wichtig ist, dass er heute Nacht hier bleibt, um überwacht zu werden.“ Ihre Stimme war sachlich, aber nicht unsympathisch. „Sie haben schnelle Hilfe gerufen und waren ruhig, das hilft ihm jetzt.“ Sie runzelte leicht die Stirn. „Gibt es etwas, das Sie mir sagen möchten, damit wir seine Behandlung besser koordinieren können?“

Joey atmete tief durch. Er dachte an die Schritte, die vor ihm lagen: Anrufen, heute Abend bei sich selbst bleiben, einen Plan machen, wie er seinem Vater helfen konnte, nicht zu fallen. „Er hat oft zu viel getrunken. Ich… ich möchte, dass er versteht, dass er Hilfe braucht. Und dass ich da bin, um ihn zu unterstützen, auch wenn es schwer wird.“ Er vergrub die Hände in den Taschen seiner Jeans und zuckte zuckend mit den Schultern.

Die Schwester nickte erneut. „Das ist eine gute Haltung. Vielleicht möchten wir morgen einen Sozialarbeiter oder eine Suchtberatungsstelle hinzuziehen, damit er gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungsplan erstellt. Wir können auch eine Notfallnummer geben, falls sich sein Zustand verschlechtert.“ Sie zog ein rotes Visitenkarten-Set aus ihrer Tasche. „Hier ist eine Nummer, die Sie außerhalb der Station anrufen können, falls Sie später Fragen haben oder Unterstützung brauchen.“

Die Tür öffnete sich leise, und der Arzt, der Joey kurz vorher gesehen hatte, trat ein. „Guten Tag. Ich bin Dr. Mertens. Ihr Vater wird stabilisierend überwacht. Wir beobachten ihn, geben ihm Flüssigkeit, und sobald er nüchtern ist, sprechen wir mit ihm über die weiteren Schritte.“ Er zeigte eine kurze, professionelle Ruhe in seiner Stimme. „Wenn er sich morgen besser fühlt, können wir mit einer Entgiftung oder Therapien beginnen, je nachdem, wie er reagiert. Es ist wichtig, dass er freiwillig mitmacht.“ Er hob die Hände. „Ruhen Sie sich heute aus, so gut es geht. Wir melden uns, sobald es Neuigkeiten gibt.“

Zurück im Wartebereich setzte Joey sich wieder auf eine Stuhlreihe, die Wand neben sich bot ihm Kälte, die ihn irgendwie beruhigte. Inzwischen waren neue Menschen dazugekommen. Ein älterer Mann der eine Zeitung las, eine Mutter mit ihrem Kind und zwei Jugendliche die mit ihrem Smartphone beschäftigt waren.

Schließlich stand Joey auf und ging aus dem Wartezimmer. Er konnte nicht mehr länger warten; er musste etwas tun. Er hatte ein Ziel vor Augen und wusste genau, wo er hin wollte. Joey kaufte am Bahnhof eine Fahrkarte. Fünf Minuten später kam der Zug. Die Türen öffneten sich und er stieg ein. Er suchte sich einen freien Platz und setzte sich hin.
 

Joey stieg die Treppe hinauf. Im dritten Stock blieb er vor der Wohnungstür stehen. Es war das erste Mal dass er hier war. Er wollte seine Schwester schon lange besuchen doch er hatte so viel zu tun. Jetzt hatte Joey endlich Zeit dafür. Er atmete tief durch und drückte auf den Klingelschalter. Die Wohnungstür öffnete sich und vor ihm stand ein fremder Mann. „Ich hab mich wohl in der Wohnungstür geirrt.“

Joey drehte sich um und ging weg. Bis der Mann ihm hinterher rief: „Warte! Du bist Joey Wheeler, oder?"

Der Blonde ging zu ihm zurück und nickte. „Ja der bin ich.“

„Sag das doch gleich. Ich bin Shigeru, der Freund von deiner Mutter." Shigeru streckte ihm die Hand entgegen und Joey schüttelte die Hand des Mannes. Shigeru trat beiseite. "Komm rein Joey." Joey betrat die Wohnung und zog seine Schuhe aus. Shigeru führte ihn ins Wohnzimmer wo seine Mutter und seine Schwester Serenity waren. Joey lächelte, als er seine Mutter und Serenity sah. „Hey, ihr beiden!“, rief er und umarmte seine Mutter herzlich. „Es ist so lange her, dass ich euch gesehen habe!“

„Joseph!“, rief seine Mutter erfreut und drückte ihn fest an sich. „Wir haben dich so vermisst!“

Serenity, die auf dem Sofa saß, sprang auf und kam zu ihm. „Bruderherz! Ich kann nicht glauben, dass du endlich hier bist!“ Sie umarmte ihn ebenfalls und Joey spürte sofort die Wärme und Geborgenheit, die nur Familie geben kann. „Ich hab’s einfach nicht geschafft, früher zu kommen“, gestand Joey. „Aber jetzt bin ich hier und will die Zeit mit euch genießen.“ Er setzte sich neben seiner Schwester. „Vater hat eine Alkoholvergiftung und liegt im Krankenhaus."

„Ich werde ihn nicht im Krankenhaus besuchen", sagte seine Mutter. „Ich will mit ihm nichts mehr zu tun haben.“

Joey sah seine Mutter an, und ein Schatten legte sich über sein Gesicht. „Mutter, ich verstehe, dass du verletzt bist, aber er ist immer noch unser Vater. Er braucht uns jetzt mehr denn je.“

Seine Mutter schüttelte den Kopf, ihre Augen funkelten vor unterdrücktem Schmerz. „Joseph, denk daran, was er uns angetan hat. Ich kann nicht einfach so tun, als wäre alles in Ordnung.“

Serenity legte eine Hand auf Joeys Arm und sah ihn mit einem besorgten Blick an. „Vielleicht sollten wir einfach darüber reden, Joey. Es ist nicht leicht für Mutter, und ich glaube, sie hat Angst, wieder verletzt zu werden.“

Joey seufzte und lehnte sich zurück. „Ich verstehe das, aber ich kann nicht einfach wegsehen. Wir sind eine Familie, und auch wenn er Fehler gemacht hat, ist er immer noch unser Vater.“ Er spürte die Anspannung im Raum und wusste, dass es ein schwieriges Thema war.

Shigeru, der bis jetzt still zugehört hatte, räusperte sich. „Es ist nie einfach mit solchen Entscheidungen. Aber vielleicht könnte ein Besuch im Krankenhaus helfen? Es könnte eine Chance sein für einen Neuanfang – für euch alle.“

„Ein Neuanfang?“, fragte seine Mutter skeptisch. „Er hat uns so viel Leid zugefügt…“

„Aber vielleicht hat er sich geändert“, sagte Joey sanft. „Wir können ihm die Möglichkeit geben, sich zu entschuldigen oder zumindest zu erklären, was passiert ist. Wenn wir ihn jetzt im Stich lassen, wird das nur noch mehr Wunden reißen.“

Serenity nickte zustimmend. „Ich denke auch, dass es wichtig ist, ihm die Chance zu geben. Egal wie schmerzhaft es sein mag.“

Die Stille im Raum wurde von den Gedanken durchbrochen, die jeder von ihnen hatte. Joey konnte sehen, wie seine Mutter innerlich kämpfte. Schließlich atmete sie tief durch und sah ihn an.

„Okay“, sagte sie langsam. „Ich werde mitkommen – aber nur für dich und Serenity.“

Ein Lächeln breitete sich auf Joeys Gesicht aus. „Danke, Mutter! Das bedeutet mir viel.“

Shigeru lächelte ebenfalls und klopfte Joey auf die Schulter. „Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung.“

Joey fühlte sich erleichtert und gleichzeitig nervös über das bevorstehende Treffen im Krankenhaus. Er wusste nicht genau, was er erwarten sollte oder wie ihr Vater reagieren würde – aber eines war sicher: Sie würden es gemeinsam durchstehen.

„Wann wollen wir gehen?“ fragte Serenity, die sich bereits auf das Treffen vorbereitete. „Ich kann es kaum erwarten, ihn zu sehen und herauszufinden, was wirklich passiert ist.“

„Lass uns morgen früh gehen“, schlug Joey vor. „So haben wir genug Zeit, um uns vorzubereiten und vielleicht ein paar Blumen für ihn zu besorgen.“

Seine Mutter nickte zögerlich. „Das klingt nach einem Plan. Aber ich möchte nicht, dass du dir falsche Hoffnungen machst, Joey. Es könnte sein, dass er nicht so reagiert, wie du es dir wünschst.“

„Das weiß ich“, antwortete Joey. „Aber ich muss es versuchen. Für uns alle.“

Seine Mutter nahm das schnurlose Telefon und ging in einen anderen Raum. Joey wandte sich an den Freund von seiner Mutter. „Willst du mitkommen, Shigeru?“ Shigeru schüttelte den Kopf. „Es ist besser wenn ich nicht dabei bin. Hat deine Mutter dir schon erzählt dass wir heiraten wollen?“ Joey blickte überrascht auf. „Was? Ihr wollt heiraten?“ Seine Stimme zitterte leicht vor Aufregung und Unsicherheit.

Shigeru lächelte sanft, doch seine Augen waren ernst. „Ja, Joey. Wir haben beschlossen, unser Leben gemeinsam zu verbringen. Es ist eine Entscheidung, die wir beide getroffen haben.“ Joey brauchte einen Moment, um die Neuigkeit zu verarbeiten. Dann fragte er vorsichtig: „Aber warum hat sie mir das nicht gesagt?"

Shigeru seufzte leise und sah Joey verständnisvoll an. „Deine Mutter wollte dich nicht überrumpeln. Sie wollte dir die Zeit geben, das alles in Ruhe zu verstehen. Was das für uns bedeutet.“ Er legte eine Hand auf Joeys Schulter. „Es ist eine große Veränderung, aber wir beide lieben einander sehr. Ich hoffe, du kannst das irgendwann verstehen.“

Joey schien noch immer nach den Worten zu suchen, die seine Gefühle am besten ausdrücken würden. Schließlich fragte er zögernd: „Wirst du dann auch hier wohnen?“

Shigeru nickte sanft. „Ja, ich werde weiterhin bei euch sein. Das ist mein Wunsch – bei deiner Mutter zu bleiben und gemeinsam eine Zukunft aufzubauen.“

Seine Mutter kam wieder zurück. „Ich habe beim Krankenhaus angerufen. Wir dürfen euren Vater noch nicht besuchen. Er schwebt momentan in Lebensgefahr und es ist unklar ob er diese Nacht übersteht.“ Serenity hielt sich die Hand vor den Mund. „Das ist ja schrecklich!“

„Die Ärzte werden alles tun um euren Vater zu retten“, sagte seine Mutter.

Für den Rest des Tages herrschte eine trübe Stimmung. Die Nachricht hatte alle umgehauen. Shigeru versuchte die Stimmung aufzulockern indem er einige Witze erzählte, doch es klappte nicht.
 

Joey Wheeler und Tristan Taylor standen sich gegenüber, die Stirn gerunzelt, die Fäuste geballt. Eine kleine Gruppe Schüler hatte sich bereits neugierig um sie versammelt. Die Luft war gespannt.

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„Ey, Tristan!“, rief Joey laut. „Sag das noch einmal, ich trau meinen Ohren nicht!“

Tristan rief ebenso laut: „Ich sag’s dir so oft du willst, Joey! Du hast Yugi hängen lassen, und das war echt 'ne miese Nummer!“

Joey schnaubte. „Was redest du da?! Ich war nur fünf Minuten zu spät, okay? Ich musste meiner Schwester helfen!“

Tristan verschränkte die Arme. „Fünf Minuten können in einem Duell den Unterschied machen – das solltest du doch wissen! Du hast Yugi einfach da stehen lassen wie ein Idiot.“

Joey ging einen Schritt näher. „Pass auf, was du sagst! Ich war vielleicht zu spät, aber ich bin trotzdem gekommen! Und überhaupt – was hast du gemacht, huh? Nur dumm rumgestanden!“

Tristan funkelte ihn an. „Ich stand wenigstens pünktlich da! Und ich hab versucht, das Ganze zu retten, während du mal wieder mit deinem Temperament beschäftigt warst!“

Joey rief: „Du willst mir was von Temperament erzählen?! Wer war’s denn, der letztens versucht hat, dem Typen aus der Oberstufe eine reinzuhauen, weil er dich 'Strohkopf' genannt hat?“

„Immerhin verteidige ich meine Freunde!“, rief Tristan zurück. „Du solltest dir da vielleicht mal 'ne Scheibe von abschneiden!“

Die Umstehenden raunten. Yugi näherte sich der Szene mit Tea an seiner Seite.

„Hey! Was ist denn hier los?“, rief Yugi.

Joey und Tristan stoppten, beide atmeten schwer, ihre Blicke fest aufeinander gerichtet.

Tea war genervt. „Könnt ihr euch mal benehmen wie normale Menschen? Ihr streitet euch wie Kleinkinder.“

Yugi versuchte zu schlichten. „Kommt schon, Leute. Wir sind Freunde. Joey, ich bin dir nicht böse, dass du zu spät warst. Du hattest einen Grund. Und Tristan… danke, dass du mir helfen wolltest. Aber ihr müsst euch nicht gegenseitig zerfleischen.“

Joey und Tristan blickten zu Yugi, dann wieder einander an. Ein paar Sekunden Stille.

„Okay, vielleicht hab ich überreagiert…“, sagte Joey.

Tristan nickte. „Und ich hab dich zu hart angegangen.“

Joey grinste schief. „Also, Freunde?“

Tristan lachte. „Freunde.“

Die beiden schlugen ein – mit der typischen „Bro-Faust“. Die Zuschauer klatschten.
 

„Kaiba kommt nachher in unserem Spieleladen", sagte Yugi. Sein Großvater Solomon war entsetzt. „Ich will nicht dass er kommt. Hast du vergessen was er mir angetan hat? Er hat meine Karte zerrissen!"

Yugi senkte den Blick. Die Erinnerung an das, was Kaiba mit der Karte seines Großvaters getan hatte, war noch immer schmerzhaft – selbst für ihn.

„Ich weiß, Großvater“, sagte er. „Aber ich glaube, Kaiba hat sich ein wenig verändert. Er hat sich anders verhalten… nicht freundlicher vielleicht, aber... nachdenklicher.“

Solomon Muto verschränkte die Arme und ging langsam hinter die Ladentheke. „Jemand, der so wenig Respekt vor der Geschichte und Bedeutung dieser Karten hat, kann sich nicht einfach ändern, Yugi. Für ihn ist das alles nur ein Spiel – ein Mittel, um zu gewinnen. Mehr nicht. Die Karte war ein Geschenk von Arthur Hawkins. Und Kaiba hat sie einfach zerrissen.“

In diesem Moment klingelte die Türglocke des Spieleladens. Yugi und Solomon drehten sich gleichzeitig um. Die Tür öffnete sich langsam, und ein kalter Windstoß fegte durch den Laden.

Dort stand er: Seto Kaiba, wie immer in seinem langen weißen Mantel, die Hände in den Taschen, mit einem selbstsicheren Grinsen auf den Lippen.

„Ich hoffe, ich bin nicht zu früh“, sagte Kaiba, ohne eine Spur von Höflichkeit. „Ich dachte, es wäre an der Zeit, ein paar alte Rechnungen zu begleichen.“

Solomon machte einen Schritt nach vorn, seine Stimme bebte vor Zorn. „Was willst du hier, Kaiba? Willst du noch eine Karte zerstören? Oder reicht es dir diesmal, nur unsere Erinnerungen zu zerreißen?“

Kaiba sah ihn an, dann Solomon. Einen kurzen Moment lang zögerte er – kaum sichtbar, aber für Yugi deutlich spürbar. Sein Grinsen verflog. „Ich bin nicht hier, um zu streiten. Ich bin hier… um etwas zurückzugeben.“

Er griff in seine Manteltasche – und zog eine Karte hervor. Eine Karte, die Solomon den Atem stocken ließ. Vorsichtig reichte er sie Solomon entgegen.

Solomons Augen weiteten sich. Seine Finger verkrampften sich um die Hülle in seiner Hand, und für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann trat er langsam vor, als könne er nicht glauben, was er da sah.

"Das… das ist sie", sagte er.

Yugi konnte es kaum glauben – es war der weiße Drache mit eiskaltem Blick-Karte, die Kaiba einst brutal zerrissen hatte… doch sie war makellos, glänzend und perfekt erhalten.

„Eine Reproduktion?“, fragte Solomon misstrauisch.

Kaiba nickte. „Ja. Ich habe sie rekonstruieren lassen. Aus den Überresten. Und den Daten meines Systems."

Yugi trat nun ebenfalls näher, mit gemischten Gefühlen in der Stimme. "Aber… du hast sie damals zerrissen, Kaiba. Warum jetzt dieser Schritt?"

Kaiba sah Yugi einen Moment lang an, dann wandte er sich wieder Solomon zu. „Ich habe damals nur das gesehen, was ich besitzen oder zerstören konnte. Ich habe geglaubt, dass Stärke bedeutet, anderen etwas zu nehmen."

Seine Stimme war nicht mehr so kalt wie sonst. „Aber was du damals gesagt hast… über die Bedeutung einer Karte… das hat sich eingebrannt. Ich… ich habe nicht verstanden, was sie dir bedeutete. Bis ich selbst etwas verloren habe."

Solomon betrachtete die Karte lange. Die Kanten waren perfekt rekonstruiert, jede Farbe, jeder Kratzer genau dort, wo sie einst gewesen waren. Es war mehr als eine Replik. Es war ein Versuch, etwas wieder gut zu machen.

„Du hast sie nicht nur repariert", meinte Solomon. „Du hast verstanden, warum sie wichtig war."

Kaiba nickte. Dann wandte er sich zur Tür.

„Ich schulde dir nichts, Alter Mann. Aber ich schulde mir selbst ein bisschen Würde. Und das war ein Anfang."

Er griff nach der Klinke – doch Solomons Stimme hielt ihn auf.

„Kaiba."

Kaiba drehte sich um.

Solomon sah ihn ernst an – aber in seinem Blick lag kein Groll mehr.

„Du hast dich doch verändert."

Ein Hauch eines Lächelns zog über Kaibas Gesicht. Kaum sichtbar. Aber es war da.

Kaum hatte er den Laden verlassen kam schon die nächste Kundin. Mai Valentine betrat den Spieleladen.

Solomon stand hinter dem Tresen. „Schöne Frau, hast du Lust mit mir auszugehen?“

Yugi stieß ihn an. „Großvater!“

Solomon sah seinen Enkel an. „Was denn? Das ist eine ganz normale Frage.“

Mai verschränkte die Arme. Ein leichtes, spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Du bist charmant, alter Mann“, sagte sie, „Wenn du mir ein paar seltene Karten schenkst, überleg ich es mir vielleicht.“

Solomon grinste breit, nicht im Geringsten verlegen. „Eine Frau mit Humor! Das gefällt mir.“

Yugi schüttelte beschämend den Kopf. „Großvater, sie ist nicht hier, um sich mit dir zu verabreden!“

Er seufzte leise und wandte sich an Mai. „Tut mir leid, er meint es nicht böse. Großvater ist… na ja, ein bisschen altmodisch.“

Solomon lachte herzlich. „Altmodisch? Ich nenne das höflich und direkt! Damals hat man so etwas noch zu schätzen gewusst!“

Mai trat näher an den Tresen, ihre Augen blitzten vor Belustigung. „Und damals, hast du da auch Duel Monsters gespielt oder warst du mehr so der Backgammon-Typ?“

Solomon zwinkerte. „Ich habe Duel Monsters gespielt, da hattest du noch nicht einmal deinen ersten Harpyien-Spielzug gemacht.“

Yugi schob sich zwischen die beiden. „Mai, was führt dich eigentlich hierher? Brauchst du Karten, oder einfach nur einen ruhigen Ort, um Großvaters Charme zu entkommen?“

Mai grinste. „Tatsächlich suche ich ein paar neue Karten für mein Deck. Ich habe gehört, ihr habt einen seltenen Vorrat an Vintage-Packs – vielleicht finde ich da ja was, das selbst Kaiba neidisch machen würde.“

Solomon strich sich über den Bart. „Für eine elegante Duellantin wie dich? Ich habe da vielleicht genau das Richtige. Yugi, sei so nett und hol mal die Schachtel aus dem Lager, die mit dem roten Band.“

Yugi nickte und verschwand in den hinteren Teil des Ladens.

Mai beugte sich leicht über den Tresen und sah Solomon direkt an.

„Du bist also Yugis Großvater. Dann erklär mir mal, wie so ein netter Junge wie Yugi ausgerechnet von dir abstammt.“

Solomon lachte herzhaft. „Weißt du, ich war früher selbst ein echter Duellant. Die Leidenschaft liegt bei uns in der Familie. Auch wenn ich heute lieber sammle als kämpfe.“

In diesem Moment kam Yugi zurück und hielt eine staubige Schachtel in den Händen.

„Hier, die mit dem roten Band.“

Solomon öffnete sie und legte drei Packs auf dem Tresen. „Diese Vintage-Packs sind limitiert. Die gibt es nur für kurze Zeit.“

Mai zeigte auf dem Pack in der Mitte. „Das ist die Harpyien Edition. Die nehm ich.“

Yugi trat näher. „Du arbeitest also an einem neuen Deck? Planst du ein Turnier?“

Mai lächelte leicht. „Sagen wir einfach, ich will vorbereitet sein. Man weiß ja nie, wann ein Duell auf einen wartet.“ Ihr Blick wurde ernster. „Und ich habe nicht vor, wieder zu verlieren.“

Sie bezahlte und nahm die Packung entgegen.

Solomon seufzte verträumt. „Ich wusste es. Eine Frau nach meinem Geschmack.“

Mai grinste und warf ihre Haare zurück, während sie Richtung Tür ging. „Vielleicht komm ich ja mal wieder vorbei. Vergiss nicht das nächste Mal Blumen mitzubringen, alter Mann.“

Die Tür klingelte, als sie den Laden verließ.

Solomon lehnte sich zurück. „Siehst du, Yugi. Frauen sind wie seltene Karten; man muss sie mit Respekt behandeln, aber manchmal lohnt es sich, mutig zu sein.“

Yugi seufzte. „Oder einfach ein bisschen weniger peinlich.“

„Peinlich? Ich nenne das Charme, Yugi.“

Yugi verdrehte die Augen. „Na klar, Großvater.“

Joey war bei Yugi zu Hause. Sie schauten gerade Fernsehen. Es kam die nächste Werbung. Seto Kaiba erschien und ließ die neueste Duelldisk ausfahren. „Das ist die neueste Duelldisk der Kaiba Corporation“, sagte der Off-Sprecher. „Noch cooler und noch moderner, für ein besonderes Duellerlebnis. Die musst du haben!“ Kaum hatte der Werbespot begonnen war er schon zu Ende. „Die neue Duelldisk sieht cool aus“, meinte Yugi.

Joey seufzte. „Die kostet bestimmt ein Vermögen.“

Yugi nickte nachdenklich. „Wahrscheinlich hast du recht… Kaiba macht nie irgendwas billig.“

Joey ließ sich zurück ins Sofa fallen, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke. „Mann… Ich kann mir nicht mal neue Karten leisten, geschweige denn so 'ne Hightech-Disk von Kaiba.“

Yugi sah seinen Freund an. „Wenn du willst, können wir ein paar Karten tauschen. Vielleicht hilft dir das weiter.“

Joey winkte ab. „Danke, Mann. Echt nett von dir, aber das bringt mir auch nix, wenn ich gegen Kaiba oder seine reichen Fans antreten soll. Die laufen bald alle mit diesen neuen Dingern rum und ich steh da mit meinem alten Modell wie ein Amateur.“

In dem Moment klopfte es an der Tür. Yugi stand auf und öffnete. Es war sein Großvater, Solomon Muto, mit einem kleinen Paket in der Hand.

„Yugi, das hier kam gerade für dich. Sieht wichtig aus.“

Yugi nahm das Paket neugierig entgegen, öffnete es vorsichtig – und staunte. Darin lag ein Brief und… eine brandneue Duelldisk – genau das Modell aus der Werbung.

„Was zum…?“ Joey sprang auf. „Wie hast du die denn bekommen?!“

Yugi faltete den Brief auseinander und las laut vor:

Yugi Muto. Dies ist ein exklusives Testexemplar der neuen KaibaCorp Duelldisk. Wir möchten, dass du als einer der ersten Duellanten das System auf Herz und Nieren prüfst. – Seto Kaiba.

Joey schluckte. „Natürlich… Kaiba gibt dir so ein Teil einfach so…“

Er stand auf. „Ich gehe jetzt nach Hause.“

Zu Hause angekommen öffnete er seinen Briefkasten und traute seinen Augen nicht. Das war das gleiche Paket das Yugi bekommen hatte. Kaum war Joey in seiner Wohnung machte er das Paket auf. Da war sie. Die neueste Duelldisk. Er las den Brief dazu. Kaiba hatte wie immer was Gemeines über ihn geschrieben.
 

Joey knirschte mit den Zähnen, während er den Brief las:

„Joey Wheeler, auch du hast die Chance, die neue Duelldisk zu testen. Allerdings erwarte ich von dir mehr als nur heiße Luft und leere Sprüche. Zeig mir, dass du ein Duellant bist, der es wert ist, dieses Gerät zu tragen. Oder lass es bleiben. – Seto Kaiba.“

Joey ballte die Fäuste. „Dieser Kaiba… immer diese miese Art, einen zu provozieren.“ Doch gleichzeitig spürte er, wie sein Ehrgeiz entflammte. Wenn Kaiba ihm so einen Brief schickte, dann musste er wirklich etwas Großes vorhaben.

Er zog die Duelldisk aus dem Paket, drehte sie in den Händen und spürte das kalte Metall und die neue Technik. „Na gut, Kaiba. Du willst mich herausfordern? Dann werde ich dir zeigen, was ein echter Duellant draufhat!“

Joey war später draußen unterwegs und in seinen eigenen Gedanken vertieft. Bis ihm ein großes Plakat auffiel. Dort stand Folgendes:

Große Duel Monsters Gala

Die Gala findet diesen Samstag im großen Domino Schloss statt.

Nur die besten Duellanten dürfen dort erscheinen.

Abendgarderobe ist für alle Personen Pflicht.

Die Presse, Journalisten und Fotografen werden auch anwesend sein.

Besuchen Sie unsere Homepage um zu sehen ob Sie zu den besten Duellanten gehören.

www.duel-monsters-gala.de

Joey holte sein Smartphone raus und gab die Internetadresse ein. Es gab eine lange Liste wo die besten Duellanten eingetragen waren. Es dauerte nicht lange bis er seinen Namen entdeckte. Er befand sich auf den oberen Plätzen. Das war schon mal gut.

Joey grinste breit, während er den Namen auf der Liste entdeckte. „Oben mit dabei – das wird ein tolles Event!“ dachte er aufgeregt. Doch dann wanderte sein Blick zu den Worten „Abendgarderobe ist Pflicht“. Er hatte keinen Anzug. Nicht einmal eine schicke Hose.

„Na gut“, murmelte er, „ich muss wohl schnell etwas Passendes besorgen.“

Er machte sich sofort auf den Weg zum nächstgelegenen Einkaufszentrum. Im Schaufenster eines Herrenausstatters hing ein eleganter schwarzer Anzug, der perfekt zu einem großen Gala-Abend passen würde. Joey trat ein und wurde von einem freundlichen Verkäufer begrüßt.

„Sie haben Glück, wir haben gerade eine neue Kollektion reingekommen“, erklärte der Verkäufer und zeigte Joey verschiedene Modelle. Nach einigem Probieren entschied sich Joey für einen klassischen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und einer roten Krawatte – passend zu seinem feurigen Charakter.

„Sieht super aus“, sagte der Verkäufer lächelnd, als Joey in den Spiegel sah. „Damit wirst du bei der Gala sicher Eindruck machen.“

Mit der Einkaufstüte in der Hand verließ Joey den Laden, sein Herz klopfte vor Aufregung. Er wusste, dass die Gala nicht nur ein Event war – es war eine Chance, die er nicht verpassen durfte.

Am Abend vor der Gala konnte Joey kaum schlafen. Die Vorfreude und Nervosität mischten sich in seinem Kopf.

Am Samstagabend war es endlich so weit.

Heute fand die Duel Monsters Gala statt.

Ein exklusives Event, bei dem sich nur die besten Duellanten versammeln durften.

Das große Domino Schloss erstrahlte in goldenem Licht. Fackeln und leuchtende Banner mit dem Emblem der Duel Monsters hingen über dem Eingangsportal, das von zwei imposanten Obelisken flankiert wurde. Auf dem roten Teppich, der sich die breite Marmortreppe hinaufzog, flanierten bereits elegante Gäste in schicken Anzügen und glitzernden Kleidern. Kameras klickten, Scheinwerfer blitzten auf, und Reporter versuchten, den einen oder anderen berühmten Duellanten zu interviewen.

Joey stand etwas abseits, das erste Mal in seinem Leben in einem maßgeschneiderten Anzug – und er fühlte sich ungewohnt schick. Als er seinen Namen hörte, rief ein Fotograf: „Joey Wheeler! Einmal in die Kamera, bitte!“ Joey grinste verlegen, hob die Faust und posierte kurz. Dann marschierte er die Treppe hinauf ins Innere des Schlosses.

Die Eingangshalle war atemberaubend. Hohe Decken, gigantische Kristalllüster, eine Bühne mit einem riesigen Hologramm-Bildschirm, auf dem laufend legendäre Duellszenen gezeigt wurden – darunter auch einige seiner eigenen. Überall sah man bekannte Gesichter aus der Duellwelt.

Und dann bemerkte er sie:

Yugi Muto, in einem schlichten, aber stilvollen schwarzen Anzug mit violettem Einstecktuch – genau wie sein Deck: bescheiden, aber mit großer Tiefe. Er unterhielt sich mit einem Mann mit schneeweißen Haaren und einem weinroten Anzug: Maximillion Pegasus. Joey spürte sofort, wie seine Nackenhaare sich aufstellten. Der Chef von Industrial Illusions war immer noch eine zwielichtige Gestalt in seinen Augen, auch wenn er sich öffentlich geläutert hatte.

Ein leises, selbstbewusstes Lachen lenkte seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Mai Valentine betrat gerade den Saal – selbstbewusst wie immer. Ihr goldenes Kleid glänzte im Licht der Kronleuchter, und ihr Blick fiel sofort auf Joey.

„Na endlich! Ich dachte schon, du kommst gar nicht“, sagte sie neckisch und musterte ihn von oben bis unten. „Steht dir gar nicht so schlecht, der Anzug.“

Joey kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Heh… danke. Du siehst auch… äh, wow.“

Bevor er etwas Albernes sagen konnte, durchzuckte ein kühler Wind den Saal.

Seto Kaiba war eingetroffen.

Er trug einen eleganten weißen Smoking mit blauem Revers, maßgeschneidert und makellos – wie erwartet. Neben ihm marschierte Mokuba, ebenfalls top gestylt, mit einem Tablet in der Hand.

Rex Raptor und Weevil Underwood kamen gemeinsam. Rex in einem Anzug mit Reptilienmuster und Weevil, der trotz des formellen Anlasses eine grün schimmernde Fliege und einen auffällig gemusterten Mantel trug.

„Dieses Mal wird man mich nicht übersehen! Ich bin der wahre Champion!“, prahlte Rex, während Weevil neben ihm schadenfroh kicherte.

Weevil blinzelte durch seine Brillengläser. „Die anderen denken, sie wären Stars; aber Insekten sind überall. Und unterschätzt man sie, wird man gestochen!“, wisperte er und lachte seltsam in sich hinein.

Beide wirkten ein wenig fehl am Platz, aber das störte sie nicht. Sie waren hier, um zu zeigen, dass sie immer noch eine Rolle in der Duellwelt spielten.

Kaiba warf Joey einen kurzen, abfälligen Blick zu. „Ich sehe, sie lassen heutzutage wirklich jeden rein.“

Joey ballte die Fäuste, wollte schon einen Spruch raushauen, doch Yugi stellte sich zwischen die beiden.

„Lass uns den Abend genießen, Joey“, sagte er ruhig. „Heute geht es um mehr als alte Rivalitäten.“

Pegasus trat einen Schritt vor. „Meine Damen – und Herren“, sagte er mit einem glasigen Lächeln. „Willkommen auf der ersten offiziellen Duel Monsters Gala. Heute Abend feiern wir nicht nur das Spiel, sondern auch seine größten Helden…“

Ein lauter Gong ertönte. Das Licht dimmte sich, und auf der Bühne erschien eine holografische Projektion eines neuen, bislang unbekannten Monsters – golden, leuchtend, majestätisch. Pegasus' Stimme hallte durch den Saal:

„…und vielleicht werden einige von Ihnen heute Nacht mit einer besonderen Einladung überrascht.“

Ein Raunen ging durch den Saal.

Joey spürte, wie sein Herz zu rasen begann.

Etwas Großes stand bevor. Und diesmal war er mittendrin.

Pegasus’ Worte verklangen, doch die gespannte Atmosphäre im Saal blieb bestehen. Sanfte Musik setzte ein – ein klassisches Streicherensemble spielte eine elegante Version des Duel Monsters-Themas, während Kellner Tabletts mit kleinen Häppchen und funkelnden Gläsern Champagner durch die Menge trugen.

Joey sah sich um. Überall standen Duellanten in Gruppen zusammen, manche diskutierten Strategien, andere tauschten Anekdoten aus vergangenen Turnieren aus. Es war, als hätte sich die gesamte Welt des Duellierens hier versammelt.

Yugi trat neben ihn.

„Ganz schön beeindruckend, was?“ sagte er mit einem Lächeln.

Joey nickte. „Und ein bisschen verrückt. Ich meine… schau dir das alles an. Als wären wir bei den Oscars.“

Yugi lachte leise. „Na ja, für Duellanten sind das die Oscars.“

Plötzlich tauchte Mai wieder auf, diesmal mit zwei Gläsern in der Hand. Sie reichte eines Joey.

„Zur Feier des Abends“, sagte sie.

Joey nahm das Glas, grinste und stieß mit ihr an. „Wenn du heute nicht wieder verschwindest, bevor’s spannend wird.“

Mai hob eine Augenbraue. „Ich verschwinde nur, wenn es sich lohnt.“

Joey musste grinsen – dieselbe Mai wie immer. Schlagfertig, stolz, aber mit einem Hauch Wärme, den sie nur selten zeigte.

Während die drei plauderten, traten zwei weitere Duellanten aus der Menge hervor: Rex und Weevil.

„Na na, wenn das nicht der Möchtegern-Champion Joey Wheeler ist“, rief Rex mit seinem typischen, übertriebenen Selbstbewusstsein. „Ich dachte, man braucht Können, um hier eingeladen zu werden!“

Joey verdrehte die Augen. „Und ich dachte, sie lassen keine Dinosaurier rein.“

Weevil kicherte schnarrend. „Was glaubst du, wie schnell du wieder rausfliegst?“

Joey wollte gerade etwas entgegnen, doch diesmal war es Mai, die das Wort ergriff. „Ihr zwei seid doch nur neidisch, weil euch keiner nach vorne geholt hat. Oder weil euer letztes Turnier so geendet hat wie eure Haarschnitte – chaotisch und peinlich.“

Einige Umstehende kicherten leise. Rex wurde rot im Gesicht. Weevil zischte etwas Unverständliches und zog Rex mit sich fort.

Yugi schüttelte leicht den Kopf. „Einige Dinge ändern sich nie.“

„Und das ist vielleicht auch besser so“, sagte Joey mit einem Grinsen.

Yugi erwiderte das Grinsen und wollte gerade etwas sagen, als ein Gong ertönte – tief, durchdringend, und dennoch elegant. Die Gespräche im Saal verstummten allmählich, als alle Blicke sich zur Bühne richteten. Pegasus war erneut ins Rampenlicht getreten, flankiert von zwei Hostessen in silbernen Roben, die je ein in Samt eingeschlagenes Tablett hielten.

„Meine werten Gäste!“, begann Pegasus mit theatralischer Stimme. „Die Duel Monsters Gala wäre nicht vollständig ohne ein ganz besonderes Highlight – eine Ehrung der größten Duellanten unserer Zeit. Jene, die dieses Spiel zu dem gemacht haben, was es heute ist!“

Ein leises Raunen ging durch den Saal. Auf dem Hologramm-Bildschirm erschien nun ein Logo: „Hall of Duel Fame“, stilisiert mit goldenen Karten und einem stilisierten Millennium Puzzle.

Pegasus fuhr fort: „Heute Abend werden wir drei Persönlichkeiten in die Hall of Duel Fame aufnehmen – Duellanten, die mit Herz, Mut und Vision gekämpft haben. Die erste Ehrung geht an…“ – er machte eine dramatische Pause – „…den unerschütterlichen König der Spiele: Yugi Muto!“

Ein lauter Applaus brandete auf, als Yugi sichtlich verlegen, aber lächelnd auf die Bühne trat. Joey klatschte mit voller Kraft, rief: „Yeah! Zeig’s ihnen, Yugi!“, während Mai anerkennend nickte.

Yugi nahm das Mikrofon. „Danke… Ich fühle mich geehrt. Aber diese Auszeichnung gehört nicht nur mir. Ohne meine Freunde – ohne Vertrauen, Loyalität und gegenseitige Unterstützung – wäre ich nie so weit gekommen. Duel Monsters ist mehr als ein Spiel. Es ist eine Verbindung zwischen Menschen.“

Wieder Applaus. Pegasus nickte zufrieden. Dann wandte er sich der zweiten Tafel zu.

„Die zweite Aufnahme… ist jemand, den man vielleicht nicht sofort mit Noblesse verbindet – aber mit Mut, Entschlossenheit und Herz. Ein Kämpfer, der nie aufgibt. Meine Damen und Herren – Joey Wheeler!“

Für einen Moment war Joey wie erstarrt. Dann riss er die Augen auf. „Was?! Ich? Das ist’n Witz, oder?!“ Doch als Mai ihn leicht in den Rücken stieß und Yugi ihm zuwinkte, setzte sich seine Überraschung in Bewegung um.

Langsam trat er auf die Bühne. Seine Knie fühlten sich weich an, aber er zwang sich zu einem grinsenden Pokerface. Vor dem Mikro angekommen, sah er ins Publikum – und zum ersten Mal in seinem Leben war er sprachlos.

„Äh… wow. Also… ehrlich gesagt hab ich nicht damit gerechnet. Ich meine, Yugi, klar, der hat’s verdient – aber ich? Ich bin doch nur ein Typ, der Karten spielt, weil’s Spaß macht. Aber vielleicht ist das ja genau der Punkt. Dass man nicht perfekt sein muss, um Großes zu erreichen. Man muss nur nie aufhören, an sich zu glauben.“

Applaus. Ein bisschen lauter als erwartet.

„Und hey“, fügte Joey mit einem schelmischen Blick in Richtung Seto Kaiba hinzu, „man kann auch Duelle verlieren und trotzdem hier oben stehen, nicht wahr?“

Ein kurzes Lachen ging durch den Saal – außer von Kaiba, der die Arme verschränkt hatte und demonstrativ zur Seite blickte. Mokuba hingegen grinste leicht und flüsterte ihm wohl etwas zu, das Kaiba nur mit einem genervten Schnauben quittierte.

Joey verbeugte sich leicht und trat wieder herunter, begleitet von Schulterklopfen und anerkennenden Blicken. Mai wartete mit einem amüsierten Lächeln.

„Gar nicht mal so schlecht für den Möchtegern“, sagte sie neckisch.

„Heh… fang nicht an zu weinen, nur weil ich gleich der beliebteste Typ auf der Party bin“, konterte Joey, während er sein Glas wieder aufnahm.

„Pff, träum weiter.“

Pegasus erhob wieder die Stimme. „Und nun – die dritte Ehrung. Sie geht an einen Mann, der Duel Monsters nicht nur geprägt, sondern geformt hat. Der Erfinder des Duell-Disksystems, CEO von KaibaCorp – Seto Kaiba.“

Der Applaus war respektvoll, wenn auch nicht ganz so herzlich wie zuvor. Kaiba trat mit seinem üblichen kühlen Ausdruck auf die Bühne, Mokuba einen Schritt hinter ihm.

Er griff zum Mikrofon, sah sich um – kein Lächeln, keine Gesichtsregung.

„Ich akzeptiere diese Auszeichnung nicht aus Sentimentalität“, begann er. „Sondern als Anerkennung für Leistung. Duel Monsters ist nicht länger nur ein Spiel – es ist eine globale Kraft. Technologie, Strategie, Innovation – das ist, was ich repräsentiere. Und was die Zukunft dieses Spiels ausmachen wird.“

Ein kurzes, knappes Nicken. Dann verließ er die Bühne ebenso schnell, wie er sie betreten hatte. Ein paar Gäste murmelten halblaut, andere applaudierten verhalten. Joey schüttelte den Kopf.

„Der Typ ist wirklich unfähig, einfach mal 'Danke' zu sagen.“

Yugi zuckte mit den Schultern. „Er zeigt’s eben auf seine Weise.“

„Seine kalte, emotionslose Weise“, ergänzte Mai.

Die Musik setzte wieder ein, diesmal etwas schwungvoller – eine Jazz-Version des Battle City-Themas. Der Galaabend ging weiter, jetzt mit geöffnetem Buffet und einem spektakulären Lichtspiel im Garten, wo Duellfelder als interaktive Projektionsflächen aufgebaut waren.

„Komm schon“, sagte Mai zu Joey. „Lass uns ein bisschen frische Luft schnappen. Oder hast du Angst, dass dein Anzug draußen zerknittert?“

„Pff, ich hab mehr Angst, dass du wieder verschwindest, bevor du mich zu Ende ärgern kannst.“

Sie lachte leise, hakte sich bei ihm ein, und gemeinsam traten sie hinaus in die kühle Nacht, unter einem Himmel, der genauso funkelte wie die Sterne des Abends.

Und irgendwo zwischen den Lichtern, dem Glanz und dem Stolz wusste Joey: Er gehörte wirklich hierher.

Draußen umfing sie die frische Nachtluft wie eine sanfte Umarmung. Der Himmel war wolkenlos, ein tiefes Mitternachtsblau, durchzogen von unzähligen Sternen. Im Garten war ein anderes Flair zu spüren – weniger formal, entspannter, fast magisch. Holographische Projektionen tanzten über die Wiesen: ikonische Kartenmonster wie der Schwarze Magier, die Blauäugige Weiße Drache oder die Harpyien-Königin schwebten über dem Gelände, begleitet von subtiler Musik und leuchtenden Effekten. Es war, als würde die Welt von Duel Monsters selbst zum Leben erwachen.

Mai atmete tief ein. „Schon verrückt, was aus all dem geworden ist, oder? Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ein Duell einfach zwei Decks und ein Tisch bedeutete.“

Joey nickte. „Und jetzt? Jetzt stehen wir in einem Schloss, tragen Anzüge, trinken Champagner – und bekommen Auszeichnungen.“ Er grinste. „Was zum Teufel ist passiert?“

Mai schmunzelte. „Du bist passiert, Joey. Gegen jede Wahrscheinlichkeit.“

„Heh… Na, wenn du das sagst…“ Er blickte zu ihr rüber, ein wenig länger als sonst. Im weichen Licht sah sie fast wie aus einem Traum aus – stark, schön, aber auch auf eine Weise nachdenklich, wie er es bei ihr nur selten gesehen hatte. „Hey, Mai… Ich weiß, wir haben öfter mal aneinander vorbeigeredet. Und manchmal war ich ein ziemlicher Idiot. Aber… es ist schön, dass du hier bist.“

Sie sah ihn an, ihre Augen ein wenig weicher. „Du warst nie ein Idiot, Joey. Nur… manchmal ein bisschen sehr du.“ Ein kurzes Lachen. „Aber das ist wohl genau das, was dich ausmacht. Du gibst nie auf. Nicht in Duellen, nicht im Leben. Und ganz sicher nicht, wenn’s um deine Freunde geht.“

Er schaute verlegen zur Seite, rieb sich den Nacken. „Heh… Danke. Das bedeutet mir was.“

Ein paar Schritte entfernt zündeten zwei Duellanten gerade ein Hologrammfeld. Die Umrisse eines spontanen Duells formten sich in der Luft. Einige Gäste sammelten sich, klatschten, riefen Namen. Joey sah kurz hin, dann wieder zu Mai. „Weißt du was? Ich glaub, das hier ist einer dieser Abende, die man nicht vergisst.“

Sie hob eine Augenbraue. „Weil du in die Hall of Fame aufgenommen wurdest, oder weil du endlich einen Anzug trägst, der passt?“

Er lachte laut. „Beides! Aber vor allem… weil ich ihn mit den richtigen Leuten verbringe.“

Mai schenkte ihm ein Lächeln, das wärmer war als jede Fackel im Garten. Dann trat sie ein wenig näher. „Sag mal, Joey… Hast du heute Abend eigentlich noch was vor?“

„Kommt drauf an“, antwortete er gespielt lässig. „Meinst du jetzt so allgemein, oder willst du mir gerade was vorschlagen?“

„Vielleicht beides.“ Sie verschränkte die Arme und sah ihn herausfordernd an. „Duellierst du noch – oder tanzt du schon?“

Joey blinzelte überrascht. „Äh… also, tanzen kann ich ungefähr so gut wie Kaiba Komplimente machen.“

„Perfekt. Ich auch nicht.“ Sie griff seine Hand und zog ihn mit sich Richtung Musikpavillon, wo einige Paare sich bereits langsam zur Musik bewegten. „Dann blamieren wir uns eben gemeinsam.“

Joey ließ sich ziehen, sein Herz schlug schneller – diesmal nicht vor Nervosität, sondern vor einem Gefühl, das er nicht ganz einordnen konnte. Etwas zwischen Leichtigkeit und Bedeutung.

Während sie unter funkelnden Lichtern tanzten – etwas unbeholfen, oft mit einem Lachen, manchmal mit einem kleinen Stolperer – fühlte sich alles plötzlich… richtig an.

Ein Stück weiter stand Yugi am Rand des Gartens, ein Glas in der Hand, und beobachtete sie mit einem sanften Lächeln.

In der Ferne startete ein leuchtendes Feuerwerk. Goldene Funken explodierten am Himmel, spiegelten sich in den Hologrammen und warfen flackernde Schatten auf das Schloss. Die Gäste jubelten, hoben ihre Gläser, während das letzte Bild des Abends sich über ihnen formte: ein stilisiertes Herz, durchzogen von einem Kartensymbol.

Joey sah hinauf, dann zu Mai – und zum ersten Mal an diesem Abend sprach er kein einziges Wort.

Er brauchte es auch nicht.

Denn in diesem Moment wusste er: Das hier war mehr als nur eine Gala. Es war der Beginn von etwas Neuem.

Etwas Echtem.

Seto Kaiba war ein strenger Chef. Aber er behandelte seine Mitarbeiter gut.

Er verlangte Disziplin, Präzision und absolute Loyalität — doch im Gegenzug sorgte er dafür, dass jeder, der für KaibaCorp arbeitete, die besten Bedingungen hatte. Modern ausgestattete Büros, großzügige Gehälter und Aufstiegschancen für diejenigen, die sich bewährten, waren bei ihm selbstverständlich.

Wer sich anstrengte, wurde bei KaibaCorp belohnt – sei es durch Boni oder eine Gehaltserhöhung.

Er hatte keine Geduld für Inkompetenz, aber er erkannte Talent, noch bevor andere es taten. Manche sagten, Kaiba könne in einer einzigen Präsentation sehen, ob jemand das Potenzial hatte, Großes zu erreichen.

Und obwohl er selten lächelte, spürte man, wenn er zufrieden war; die Atmosphäre im Büro wurde dann merklich leichter.

Für Kaiba ging es nie nur ums Geschäft — es ging darum, seine Vision zu verwirklichen, die Welt durch Technologie und Duell-Monster zu verändern.

Wenn jemand Fehler machte, reagierte er streng, aber fair.

Wer für KaibaCorp arbeitete, wusste, dass Perfektion erwartet wurde – aber ebenso wusste man, dass Engagement und Talent erkannt und belohnt wurden.

Kaiba hatte kein Interesse an leeren Worten oder höflicher Schmeichelei. Er sprach selten ein Lob aus, doch wenn er es tat, hatte es Gewicht. Seine Mitarbeiter wussten: Ein knappes „Gut gemacht“ von ihm bedeutete mehr als jede Prämie.

Trotz seiner kühlen Art war Kaiba nicht ungerecht. Er glaubte fest daran, dass ein Unternehmen nur so stark sein konnte wie die Menschen, die es trugen. Deshalb investierte er in ihre Weiterbildung, sorgte für modernste Arbeitsbedingungen und achtete darauf, dass niemand ausgenutzt wurde.

Und auch wenn kaum jemand es laut sagen würde – viele in KaibaCorp fühlten einen stillen Stolz, für ihn zu arbeiten. Denn Seto Kaiba war nicht nur ihr Boss. Er war eine Inspiration – ein Mann, der nie aufgab, der sich von nichts und niemandem bremsen ließ.

Doch hinter der kühlen Fassade war Kaiba jemand, der tief im Inneren noch immer von seiner Vergangenheit geprägt war. Der Verlust seiner Kindheit, der Kampf ums Überleben, das Streben nach Anerkennung – all das hatte ihn zu dem gemacht, was er war. Kaiba baute Mauern um sich, nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz. Vertrauen war für ihn ein Luxus, den er sich selten erlaubte.

Nur wenige begriffen, dass sein Streben nach Perfektion weniger aus Gier, sondern aus Angst entstand – Angst, wieder schwach zu sein, wieder die Kontrolle zu verlieren. Er wollte die Welt nach seinen Regeln formen, um nie wieder von ihr verletzt zu werden.

Kaiba hatte gelernt, dass die Welt gnadenlos war – und dass nur die Stärksten überlebten.

Er dachte an Mokuba – seinen Bruder, den einzigen Menschen, dem er jemals vollkommen vertraute. Alles, was er tat, tat er für ihn. Die Macht, das Geld, das Ansehen – es waren nur Werkzeuge, um eine Welt zu schaffen, in der Mokuba niemals das durchmachen müsste, was er einst durchgemacht hatte.

Manchmal, wenn Mokuba spät ins Büro kam, um ihm eine Mahlzeit zu bringen oder einfach seine Gesellschaft zu leisten, tauten Kaibas kalte Züge ein wenig auf. Ein flüchtiges Lächeln, kaum wahrnehmbar, aber echt. In diesen Momenten erinnerte er sich daran, warum er kämpfte.
 

„Den Sieg hab ich so gut wie in der Tasche.“

„Joey, du sollst die anderen Teilnehmer nicht unterschätzen“, meinte Tristan. „Es gibt viele Schüler die gut singen können. Kohana wird beim Gesangswettbewerb sicher auch mitmachen.“

„Sie hat gegen mich keine Chance“, meinte Joey. „Ich bin einfach zu gut.“

Tristan schüttelte den Kopf. „Du bist gut, das stimmt, aber du solltest dich nicht zu sehr auf deinen Lorbeeren ausruhen. Kohana hat Talent und sie weiß, wie man die Bühne rockt. Außerdem hat sie eine Menge Fans, die sie unterstützen werden.“

Joey winkte ab. „Fans hin oder her, ich habe die Technik und die Stimme. Ich habe monatelang geübt und meine Performance wird alle umhauen.“ Er grinste selbstbewusst und stellte sich vor, wie das Publikum ihm zujubeln würde.

„Das mag sein“, erwiderte Yugi nachdenklich. „Aber es geht nicht nur um Technik. Es geht auch um Emotionen und darum, wie du das Publikum erreichst. Du musst sie mit deiner Darbietung mitreißen.“

„Ich weiß“, antwortete Joey ungeduldig. „Aber ich habe einen Plan. Ich werde ein Lied wählen, das jeder kennt – etwas, das die Leute mitsingen können. Das wird sie mitreißen!“

„Das klingt gut“, gab Tristan zu, „aber vergiss nicht, dass Kohana auch ihre Tricks hat. Sie wird sicher etwas Überraschendes bringen.“

Gerade in diesem Moment kam Kohana um die Ecke. Sie lachte laut und warf ihren langen schwarzen Haaren über die Schulter. Joey konnte nicht anders, als einen Blick auf sie zu werfen – ihre Ausstrahlung war unbestreitbar.

Kohana bemerkte Joeys Blick und lächelte süffisant. „Hey Wheeler! Bereitest du dich schon auf deine Niederlage vor? Ich hoffe, du hast dir ein gutes Lied ausgesucht.“ Ihre Stimme war süßlich, aber der Unterton war klar: Sie wollte ihn provozieren.

Joey ballte die Fäuste hinter seinem Rücken und versuchte, gelassen zu bleiben. „Niederlage? Das Wort kenn ich nicht“, entgegnete er mit einem herausfordernden Lächeln.

„Glaubst du immer noch dass du gegen mich eine Chance hast, Wheeler?"

Joey grinste. „Na logo! Ich bin viel besser als du!"

Kohana lächelte. „Sei dir da mal nicht so sicher."

„Joey wird es dir schon zeigen", sagte Tea.

Tristan stimmte ihr zu. „Genau, du wirst verlieren, Kohana!"

Kohana lachte. „Das glaubt ihr doch selber nicht. Ihr werdet euch noch wundern."

„Du willst mich verunsichern", sagte Joey. „Aber das wird nicht funktionieren."

Kohana lachte nur und schüttelte den Kopf. „Ach, so selbstbewusst! Mal sehen, ob dein Selbstbewusstsein auch auf der Bühne hält, Wheeler.“

Joey verschränkte die Arme und grinste breit. „Mach dich auf etwas gefasst. Ich werde alles geben und zeigen, dass ich der Beste bin.“

Tea legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Wir glauben an dich, Joey. Du hast hart geübt, und das wird sich auszahlen.“

Yugi nickte zustimmend. „Genau. Und egal, was passiert, wir stehen hinter dir.“

Tristan nickte eifrig. „Du bist vielleicht nicht berühmt, aber du hast Herz, und das zählt mehr als alles andere.“

Kohana lächelte spöttisch. „Mal sehen, ob deine kleine Cheerleader-Gruppe genug Motivation für dich ist, Wheeler. Ich hab schon ein paar neue Songs einstudiert, die euch alle umhauen werden. Ich kann es kaum erwarten, euch allen zu zeigen, was wahres Talent ist.“

Joey sah Kohana nach, wie sie selbstsicher davon stolzierte, und spürte einen kleinen Funken Nervosität in sich aufsteigen. Er wusste, dass sie nicht nur eine talentierte Sängerin war, sondern auch eine Meisterin darin, die Konkurrenz zu provozieren. Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen atmete er tief durch und wandte sich wieder an Tristan.

„Sie ist stark“, sagte Joey. „Aber ich bin überzeugt, dass meine Performance die Jury überzeugen wird. Ich habe noch ein Ass im Ärmel.“

Yugi lächelte anerkennend. „Das ist die richtige Einstellung. Wichtig ist nur, dass du dich auf das Wesentliche konzentrierst: Deine Emotionen und deine Verbindung zum Publikum.“
 

Yugi war in der Stadt und traf dort Mokuba. „Hallo Yugi."

„Hallo Mokuba", erwiderte Yugi. „Ich will heute Abend was ganz Besonderes ausprobieren. Und zwar das Brett Millennium, das wird sicher interessant."

Kaibas kleiner Bruder war entsetzt. „Ist das dein Ernst, Yugi? Das sollst du lieber nicht tun, dieses Brett ist gefährlich!"

„Ich will das trotzdem ausprobieren", entgegnete Yugi. „Ich habe schon so viele gefährliche Abenteuer überstanden, da bin ich abgehärtet. Und außerdem bin ich nicht allein, meine Freunde sind bei mir."

Mokuba schüttelte den Kopf, doch er wusste, dass es zwecklos war, Yugi von etwas abzubringen, wenn dieser sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte. „Na schön“, murmelte er. „Aber wenn irgendwas schiefgeht, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“

Yugi lächelte gelassen. „Mach dir keine Sorgen, Mokuba. Wir passen auf.“
 

Zu Hause holte Yugi das Brett raus und legte es auf den Tisch. Die Vorhänge hatte er zugezogen. Er stand unten im Spieleladen und wartete auf seine Freunde. Als sie kamen sagte er: „Da seid ihr ja endlich! Ich kann es kaum erwarten, dieses Brett auszuprobieren.“ Sie gingen die Treppe hinauf und betraten die Wohnung, wo Yugi mit seiner Mutter und Großvater wohnte.

Im Wohnzimmer wollte Tea das Licht anmachen, doch Yugi hielt sie zurück. „Nein das Zimmer muss dunkel bleiben. Damit wir noch was sehen können habe ich einige Kerzen angezündet. Setzt euch.“

Tea, Joey und Tristan saßen um einen runden Tisch, auf dem das „Brett Millennium“ lag – eine kunstvoll verzierte Holzplatte, in deren Mitte ein Auge eingraviert war, das Yugi seltsam vertraut vorkam.

„Also das ist das Brett Millennium?“, fragte Joey skeptisch und kratzte sich am Kopf. „Sieht ja aus wie ein Mix aus Ouija-Board und Fluch des Pharaos.“

Yugi lachte kurz, aber innerlich spürte er ein leichtes Unbehagen. „Laut der Inschrift auf der Rückseite stammt es aus Ägypten – angeblich ein Relikt, das den Kontakt zu Geistern herstellen kann.“

Tea runzelte die Stirn. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist, Yugi? Ich meine, alles, was ‚Millennium‘ im Namen trägt, hat uns bisher Ärger gebracht.“

Für einen Moment herrschte Stille. Yugi senkte den Blick. Seit dem Abschied des Pharaos war sein Alltag ruhiger geworden – vielleicht zu ruhig. Vielleicht war es genau das, was ihn an diesem Brett faszinierte.

„Können wir anfangen?“, fragte Yugi schließlich.

Joey, Tea und Tristan nickten.

Der Bunthaarige legte die Finger auf den Zeiger aus goldenem Metall. „Ganz ruhig. Wir fragen einfach, ob jemand hier ist.“

Die Freunde taten es ihm gleich. Der Raum war still, nur das leise Ticken einer Uhr war zu hören.

Yugi räusperte sich. „Mächte aus dem Jenseits, könnt ihr uns hören? Falls ja, gebt uns bitte ein Zeichen.“

Es geschah nichts. „Bist du sicher, dass das funktioniert?“, fragte Joey.

Yugi legte den Finger an die Lippen. „Wir müssen still sein und abwarten.“

Als sich nach fünf Minuten immer noch nichts tat wurde Joey ungeduldig. „Ich glaube du sollst dieses Brett verkaufen, Yugi. Das ist sicher schon kaputt.“

In dem Moment war ein lautes Knarren zu hören.

Tea erschrak. „Was war das? Habt ihr das auch gehört?“

Yugi freute sich. „Ich hab doch gewusst dass dieses Brett funktioniert. Wir müssen nur lang genug warten. Jetzt legt eure Finger auf den Zeiger.“ Er stellte eine Frage. „Ist da jemand?“ Der Zeiger zeigte auf Ja. „Lebst du noch oder bist du schon tot?“

Der Zeiger bewegte sich wie von selbst. „Ich bin schon lange tot.“

Tea zog hastig ihre Hand zurück. „Oh nein, das ist nicht witzig! Wer von euch hat das bewegt?“

„Niemand!“, rief Joey sofort. „Ich hab das Ding kaum berührt!“

„Ich auch nicht“, murmelte Tristan und starrte auf das Brett, als würde es gleich explodieren.

Yugi atmete tief ein, sein Blick wurde ernst. „Dann… dann funktioniert es wirklich.“

Der goldene Zeiger ruhte wieder in der Mitte des Brettes, schimmerte im Kerzenlicht, als würde er atmen.

„Wer bist du?“, fragte Yugi schließlich. Seine Stimme klang ruhig, aber seine Hände zitterten leicht.

Langsam begann der Zeiger sich zu bewegen. A…T…E…M.

Tea keuchte leise. „Atem? Das… das ist doch…“

„Der Pharao“, flüsterte Yugi. Seine Augen weiteten sich, und für einen Moment glaubte er, die vertraute Präsenz zu spüren – warm, würdevoll, aber weit entfernt, wie ein Echo aus einer anderen Zeit.

„Das kann nicht sein“, murmelte Joey, „der Pharao ist doch… na ja, weg. Du hast dich von ihm verabschiedet.“

Yugi nickte langsam. „Ja. Aber vielleicht… vielleicht hat er uns trotzdem gehört.“

Der Zeiger begann erneut zu gleiten, schneller diesmal. G-E-F-A-H-R.

Tea klammerte sich an Joeys Arm. „Gefahr? Welche Gefahr?“

„Frag ihn“, drängte Tristan.

Yugi schluckte. „Atem, welche Gefahr meinst du?“

Doch diesmal bewegte sich der Zeiger nicht. Stattdessen flackerte eine der Kerzen auf – und erlosch. Ein Windhauch, obwohl alle Fenster geschlossen waren, strich durch den Raum.

Dann – ein Kratzen. Von unten. Direkt unter dem Tisch.

Joey sprang auf. „Okay, das reicht mir! Ich bin raus! Ich hab keine Lust auf ägyptische Geisterspiele!“

Yugi hielt ihn am Ärmel fest. „Warte, Joey! Wenn wir jetzt einfach abbrechen, wissen wir nicht, was er uns sagen wollte!“

„Ist mir egal, Mann!“ Joeys Stimme zitterte leicht, obwohl er versuchte, sie fest klingen zu lassen. „Ich hab schon gegen Monsterkarten gekämpft, gegen durchgedrehte Millenniumsgegenstände, gegen Schattenreichs-Kram – aber Geister, die unter’m Tisch kratzen? Nein danke!“

Da leuchtete das Auge auf dem Brett. Das Licht war so hell dass es blendete. Die vier verloren das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kamen lag das Brett immer noch auf dem Tisch. Die Kerzen brannten wieder normal und das Brett Millennium lag still da, als wäre nichts geschehen.

Yugi blinzelte langsam, sein Herz klopfte wild. „Alles… alles in Ordnung?“, fragte er leise, seine Stimme zitterte ein wenig. Tea rieb sich die Schläfen, noch benommen von der plötzlichen Ohnmacht. „Ich glaube schon… aber das war unglaublich! Das Licht, das Auge… das war kein normaler Streich.“

Joey, der immer noch aufgestanden war, sah sich panisch um. „Sag mir, dass das Brett jetzt nicht… wieder irgendwas macht. Ich schwöre, ich renne, wenn es blinkt!“ Tristan, der sich langsam vom Boden aufrappelte, starrte das Brett an. „Es sieht… normal aus. Vielleicht… vielleicht ist alles vorbei.“

Yugi ging vorsichtig um den Tisch und legte die Hand auf das Brett. Es war kalt, aber still. Keine Zeigerbewegung, kein Leuchten.

Tea sprang auf und drückte auf den Lichtschalter. Sofort war es im Zimmer hell.

„Yugi!“, sagte sie im ernsten Ton. „Merkst du nicht wie gefährlich dieses Brett ist? Du musst das Brett sofort in den Müll schmeißen. Oder noch besser; verbrenn es. Dann ist davon nichts mehr übrig.“
 

„Kaiba-san, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben“, begann die Reporterin mit einem freundlichen Lächeln.

Seto Kaiba lehnte sich in seinem luxuriösen Ledersessel zurück, die Arme verschränkt, während die Reporterin hastig Notizen machte. „Also, Kaiba-san, die Fans wollen alles über das neue Duel Monsters-Turnier wissen. Wie haben Sie sich vorbereitet?“

Kaiba ließ ein selbstsicheres Lächeln spielen. „Vorbereitung ist für Amateure. Ich bin immer vorbereitet. Egal, ob im Spiel oder im Geschäftsleben – ich gewinne, weil ich es kann. Das reicht.“

Die Reporterin hob eine Augenbraue. „Das klingt, als ob Sie gar keine Gegner ernst nehmen.“

Kaiba zuckte mit den Schultern. „Echte Gegner? Sie wissen nicht, was es heißt, gegen mich zu duellieren. Die meisten verlieren schon beim ersten Zug. Aber ich habe auch keine Lust, mich zu langweilen.“

Ein Moment Stille entstand, bevor sie vorsichtig fragte: „Und was ist mit… Yugi? Immerhin ist er einer Ihrer größten Rivalen.“

Kaiba ließ die Kante seines Glases Fingerspitze an Fingerspitze entlang gleiten. „Yugi… er ist hartnäckig. Aber hartnäckig reicht nicht. Entweder man ist auf dem Thron oder man fällt – und ich sitze immer oben.“

„Wie würden Sie Ihre Beziehung zu ihm beschreiben?“

Kaiba lehnte sich zurück, die Hände verschränkt. „Rivalität? Vielleicht. Aber für mich geht es immer darum, der Beste zu sein. Yugi ist ein würdiger Gegner, keine Frage. Doch er steht niemals über mir.“

„Viele Leute sagen, dass Sie kalt und distanziert sind. Stimmt das?“

Kaiba hob eine Augenbraue, ein leichtes Lächeln spielte um seine Lippen. „Distanziert? Vielleicht. Aber ich würde sagen, ich bin zielstrebig. Wer erfolgreich sein will, darf sich keine Schwächen leisten.“

Die Reporterin kritzelte eifrig in ihren Block. „Und was ist mit Ihrer Leidenschaft für Duelle und… äh… Karten?“

Kaiba lehnte sich vor, seine Augen blitzten. „Duelle sind nicht nur ein Spiel. Sie sind eine Möglichkeit, Stärke zu messen, Strategien zu testen, sich selbst zu beweisen. Wer das versteht, versteht auch mich.“

Die Reporterin lächelte leicht. „Und was ist mit der Entwicklung von KaibaCorp? Haben Sie neue Pläne?“

Ein Funkeln trat in Kaibas Augen. „KaibaCorp wird weiter wachsen. Wir stehen kurz vor der Einführung eines revolutionären Duel Disk-Systems. Wer an der Spitze bleiben will, muss sich ständig weiterentwickeln.“

Sie machte eine kurze Notiz und hob den Blick. „Und persönlich? Gibt es etwas, das Sie…“

Kaiba unterbrach sie abrupt, sein Ton nun überraschend ernst. „Persönlich? Ich lebe für Duel Monsters und KaibaCorp. Alles andere ist nebensächlich.“

Die Reporterin nickte eifrig, ihre Hand flog weiter über den Notizblock. „Viele Ihrer Konkurrenten sagen, dass Sie skrupellos sind, wenn es darum geht, Ihre Ziele zu erreichen. Ist das wahr?“

Kaiba stand auf, ging langsam zu seinem Schreibtisch und griff nach einem holografischen Display. „Skrupellos? Ich nenne es… Effizienz. Wenn man etwas erreichen will, muss man bereit sein, alles zu geben und sich nicht von Emotionen bremsen zu lassen. Schwäche toleriere ich nicht – bei mir selbst oder bei anderen.“

Die Reporterin schluckte, spürte die Kälte, die wie ein unsichtbarer Vorhang durch den Raum zog. Doch dann wagte sie die nächste Frage: „Und was ist mit… Ihrer Vergangenheit? Gab es Momente, in denen Sie Fehler gemacht haben?“

Kaiba drehte sich langsam zu ihr um, die Augen scharf wie Diamanten. Für einen kurzen Moment war da ein Hauch von Nostalgie in seinem Blick. „Fehler? Natürlich. Jeder macht Fehler. Aber nur die Starken lernen daraus und werden besser. Schwäche kann man nicht ignorieren – man muss sie überwinden.“

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie machte weiter. „Natürlich. Dann… kommen wir gleich zur Sache. Sie sind einer der erfolgreichsten Unternehmer Japans, der jüngste CEO einer internationalen Firma und gleichzeitig einer der besten Duellanten der Welt. Gibt es überhaupt noch etwas, das Sie nicht erreichen wollen?“

Kaiba lehnte sich zurück, sein Blick kalt und selbstbewusst. „Ich will nichts ‚nicht erreichen‘. Ich will nur das, was möglich ist — und was andere für unmöglich halten.“

Die Reporterin schrieb hastig mit, dann wagte sie den Übergang: „Und… wie sieht es mit Ihrem Privatleben aus, Kaiba-san? Sie sind ständig beschäftigt, umgeben von Ihrer Arbeit, Turnieren, Rivalen… Haben Sie überhaupt Zeit für sich selbst?“

Kaibas Blick wurde für einen Moment nachdenklich. „Privatleben ist ein Konzept für Menschen, die sich Ablenkung leisten können. Ich arbeite. Das ist mein Leben.“

„Aber Sie haben doch einen Bruder,“ hakte sie vorsichtig nach. „Mokuba.“

Ein leises, kaum merkliches Lächeln zog über Kaibas Gesicht, so flüchtig, dass man glauben konnte, man hätte es sich eingebildet. „Mokuba ist Familie. Er ist der einzige Mensch, dem ich vertraue. Alles, was ich tue, tue ich auch für ihn.“

Die Reporterin schien überrascht über den unerwartet persönlichen Ton. „Also… gibt es niemanden sonst, der Ihnen wichtig ist? Keine… Partnerin vielleicht?“

Kaiba sah sie nun direkt an, sein Blick schneidend wie ein Duell zwischen Drachen. „Ich brauche keine Partnerin, um mich vollständig zu fühlen. Emotionen lenken ab. Gefühle schwächen den Verstand. Wer zu viel Herz zeigt, verliert — und ich verliere nie.“

„Kaiba-san… darf ich etwas Persönliches fragen?“

Kaiba hob eine Augenbraue. „Ich dachte, das hätten Sie bereits getan.“

„Nun ja…“, sie zögerte, „viele Menschen sehen Sie als kühl und unnahbar. Aber gibt es etwas, das Sie wirklich bewegt – etwas außerhalb von Macht und Erfolg?“

Für einen Moment war es still. Nur das leise Surren der Klimaanlage war zu hören.

Kaiba lehnte sich zurück, verschränkte die Arme.

„Gefühle lenken nur ab. Aber wenn Sie darauf bestehen…“ Er blickte zum Fenster hinaus. „Es gibt etwas, das mich antreibt – mehr als alles andere: Die Erinnerung daran, wo ich herkomme. Niemand gibt einem Waisenkind eine zweite Chance. Ich habe sie mir selbst genommen.“
 

Seto Kaiba verließ das Firmengebäude, um frische Luft zu schnappen. Zwei Mädchen in Schuluniform kamen ihm entgegen. Sie schienen überrascht, ihn zu sehen, und hielten kurz inne, als hätten sie nicht erwartet, dass jemand wie er hier draußen auftaucht.

Kaiba musterte sie mit seinem typischen kühlen Blick. „Kann ich euch helfen?“, fragte er knapp, ohne seine Selbstsicherheit zu verlieren.

Die eine der beiden Mädchen trat etwas vor. „Ähm… Du bist doch Seto Kaiba, oder? Der CEO von KaibaCorp?“ Kaiba nickte nur, ohne ein Wort zu verlieren.

„Wir… wir wollten nur…“, begann das zweite Mädchen, wurde dann aber unsicher und schwieg. Kaiba hob eine Augenbraue, seine Geduld schien sich langsam zu verlieren.

„Wenn ihr nicht hier seid, um Geschäfte zu besprechen oder mir die Zeit zu stehlen, dann entfernt euch. Ich habe keine Geduld für unnötige Ablenkungen.“

Die Mädchen tauschten einen schnellen Blick und schienen dann zu begreifen, dass dies keine Person war, mit der man scherzen konnte. Trotzdem wirkte die eine entschlossen und sagte schließlich: „Wir… wir wollten nur ein Autogramm. Bitte.“

Kaiba zögerte nur einen Moment, dann zog er sein Tablet hervor, unterschrieb kurz und reichte es ihnen wortlos.

Die Mädchen nahmen das Tablet, strahlten kurz, und verschwanden dann so schnell, wie sie gekommen waren. Kaiba atmete tief durch, schob seinen Mantel zurecht und ging zurück ins Gebäude, bereit, sich wieder den wichtigeren Dingen zuzuwenden.
 

Ein Werbespot wurde gedreht, während die Kamera Seto Kaiba filmte.

Er stand auf dem Dach seines Firmengebäudes, den Mantel vom Wind aufgebläht, die Sonne spiegelte sich in seinen eisblauen Augen.

„In einer Welt voller Amateure…“, begann Kaiba mit seiner typischen, selbstbewussten Stimme, „…braucht es wahre Profis.“

Er hielt eine glänzende neue Duel Disk in die Höhe – das neueste Modell.

Die Kamera zoomte näher heran.

„KaibaCorp präsentiert: Die KaibaCorp Duel Disk System X. Das ultimative Duell-Erlebnis. Schneller. Stärker. Unerreichbar.“

Ein Mitarbeiter hinter der Kamera sagte: „Ähm, Kaiba-san, das war großartig. Aber könnten Sie vielleicht etwas… freundlicher wirken?“

Kaiba wandte sich langsam um, sah den Mann mit einem eisigen Blick an und sagte trocken:

„Ich verkaufe keine Freundlichkeit. Ich verkaufe Überlegenheit.“

Dann wandte er sich wieder zur Kamera, zog eine Karte hervor – natürlich den weißen Drachen mit eiskaltem Blick – und rief:

„Bereit, in die Zukunft zu duellieren?“

Kaiba verschränkte die Arme und blickte direkt in die Kamera.

„Die Zukunft gehört nicht den Schwachen“, sagte er mit fester Stimme, während der Wind seinen Mantel leicht aufblähte. „Sie gehört denen, die den Mut haben, sie zu erschaffen.“

Ein Hologramm seines Blue-Eyes White Dragon erschien hinter ihm, erhaben und majestätisch, während der Erzähler im Hintergrund sprach:

„KaibaCorp – wo Vision und Technologie verschmelzen.“

Die Kamera zoomte heran, fokussierte Kaibas Augen, die voller Entschlossenheit funkelten.

Ein winziges, fast unmerkliches Lächeln huschte über seine Lippen.

Der Drache brüllte, Licht erfüllte die Szene, und das KaibaCorp-Logo erschien.

Die Lichter auf dem Dach begannen zu verblassen, als der Regisseur „Schnitt!“ rief. Doch Kaiba blieb stehen, die Karte immer noch in der Hand, als würde er die Realität selbst herausfordern.

„Das war perfekt!“, rief der Regisseur erleichtert. „Wir haben’s im Kasten!“
 

Roland hielt nach einer halben Stunde die Limousine an. „Wir sind da, Kaiba-sama.“ Kaiba stieg aus dem Wagen und ging in die große Halle rein. Die Kaiba Corporation hatte auf der Spielemesse einen eigenen Stand. Schon von weitem war der riesige Bildschirm zu sehen, auf dem holografische Monster gegeneinander kämpften – in atemberaubender Klarheit und mit einer Präzision, die das Publikum staunen ließ. Das neue Duel Disk-System „X“ war das Highlight der Messe, und niemand konnte den Blick davon abwenden.

Ein eleganter blauer Teppich führte zum Stand, flankiert von Sicherheitsleuten in schwarzen Anzügen. In der Mitte stand ein Podest, auf dem das neueste Produkt präsentiert wurde: das Duel Disk System X, eine Weiterentwicklung des legendären Duell-Systems, mit dem Kaiba einst die Spielwelt revolutioniert hatte. Reporter, Spieler und Fans drängten sich nach vorne, um einen Blick darauf zu werfen.

Ein Raunen ging durch die Menge, als Kaiba selbst auf die Bühne trat – im weißen Mantel, der Blick kühl und berechnend. Mit einem kurzen, herausfordernden Lächeln blickte er ins Publikum.

„Willkommen bei der Zukunft des Duellierens,“ sagte er mit fester Stimme, die über die Lautsprecher hallte. „Die Kaiba Corporation bringt euch das, was andere nur zu träumen wagen. Holografische KI-Gegner, neuronale Reaktionssysteme – und natürlich: keine Grenzen für wahre Duellanten.“

Ein tosender Applaus folgte, während das Licht gedimmt wurde und das neue System eine Demo startete. Ein blauer Drache materialisierte sich in der Luft – so real, dass man glaubte, seinen Atem spüren zu können.

Kaiba ließ den Blick über die Menge schweifen. Ihre Gesichter waren ein einziges Spiegelbild aus Staunen, Neugier – und Neid. Genau das, was er wollte. Diese Menschen wussten nicht, was wahre Vision bedeutete. Sie sahen nur ein neues Produkt, ein weiteres Spielzeug. Für ihn war es mehr – ein Schritt in eine Welt, die seiner würdig war.

„Schaut genau hin,“ murmelte er, kaum hörbar, während er den Controller in der Hand aktivierte. Der Blue-Eyes White Dragon in der Arena erhob sich majestätisch, das Licht der Projektoren brach sich in seinen Schuppen. Jeder Flügelschlag ließ den Boden vibrieren. Ein perfektes Abbild der Macht.

„Das ist nicht nur ein Spiel“, sagte Kaiba laut, diesmal an das Publikum gewandt. „Das ist Realität. Eine, die ich erschaffe. Das“, er deutete auf das Gerät, „ist nicht einfach ein neues Duel Disk. Es ist der Beginn einer neuen Ära. Nur die Besten werden mithalten können.“

Die Kameras blitzten, das Hologramm des weißen Drachen brüllte und alle wussten: Kaiba war zurück und er hatte Großes vor.

Er konnte sehen, wie einige Konkurrenten – Vertreter anderer Firmen, Möchtegern-Entwickler – hastig Notizen machten oder miteinander flüsterten. Kaiba lächelte kalt. Sie konnten kopieren, imitieren, spekulieren – doch sie würden ihm nie das Wasser reichen.
 

Joey stand mit verschränkten Armen am Geländer der oberen Etage des Einkaufszentrums und beobachtete die Modenschau unten in der Halle. Bunte Lichter blitzten, Musik dröhnte aus den Lautsprechern, und Models stolzierten über den Laufsteg – in Kleidern, die für seinen Geschmack eindeutig „zu fancy“ waren.

„Joey!" Mai kam auf ihn zu. „Na das ist eine Überraschung. Seit wann interessierst du dich für Mode?"

Joey grinste verlegen. „Na ja… Mode ist nicht so mein Ding. Aber…“ Er schaute nach unten auf die Laufstegmodels. „…es ist irgendwie cooler, als ich dachte."

Mai stellte sich neben ihn ans Geländer und folgte seinem Blick. „Cooler, hm? Meinst du die Kleider oder die Models?“

Joey lachte und kratzte sich am Hinterkopf. „Äh… beides?“

Mai verdrehte die Augen, konnte sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Typisch Joey. Ich wette, du bist nur hier, weil du dachtest, es gibt gratis Häppchen.“

„Na, das war zumindest ein Bonus!“ Er zuckte mit den Schultern. „Aber ehrlich, schau dir das mal an.“ Joey deutete auf die Bühne, wo gerade ein Model mit einem silbernen Mantel über den Laufsteg schritt. „Das sieht aus wie was aus ’nem Sci-Fi-Film. Schon irgendwie beeindruckend, wie viel Arbeit in so was steckt.“

Mai sah ihn überrascht an. „Wow, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Joey Wheeler, der Fashion-Kritiker.“

„Haha, sehr witzig.“ Joey lehnte sich wieder ans Geländer. „Ich mein ja nur, das ganze Drumherum… das Licht, die Musik – das hat was. Wie ein Duell, nur mit Stoff statt Karten.“

„Ein Mode-Duell also?“ Mai grinste. „Dann wärst du ja der perfekte Kommentator.“

„Tja, ich würd sagen: ‚Und da kommt das Model mit einer Attacke von 2500 Style-Punkten!‘“ Joey warf eine übertriebene Geste in die Luft, und Mai lachte laut.

„Du bist unmöglich“, meinte sie, schüttelte aber amüsiert den Kopf. Dann sah sie ihn mit einem kleinen Lächeln von der Seite an. „Aber irgendwie auch süß, dass du dir das ansiehst.“

Joey spürte, wie ihm leicht warm wurde. „Ach, weißt du… man kann ja mal über den Kartenrand hinausschauen.“

Mai schmunzelte. „Aber ehrlich gesagt, ich hätte dich eher beim Duel Monsters-Turnier erwartet als bei einer Modenschau.“

Joey nickte. „Na ja… Mode kann auch ein bisschen wie ein Duell sein. Du wählst deine Karten… äh, ich meine deine Kleidung… strategisch, um Eindruck zu machen.“ Er grinste stolz über seinen Vergleich.

Mai lachte. „Das ist tatsächlich eine ziemlich clevere Analogie. Stell dir vor, du hättest ein Deck aus Outfits. Welches wärst du wohl?“

Joey dachte einen Moment nach. „Hmm… Ich glaube… ein cooles, lässiges Outfit, das trotzdem auffällt.“

Aus den Lautsprechern kam eine Durchsage. „Jetzt kommt das Highlight der Modenschau. Das Mode-Duell. Es treten immer zwei Models gegeneinander an. Das Publikum entscheidet mit Applaus wer gewinnt."

Joey zog die Augenbrauen hoch. „Mode-Duell?“

Mai nickte. „Ja, das ist der spaßige Teil. Die Models treten gegeneinander an, wer das beste Outfit kombiniert – und das Publikum stimmt ab.“

Die Menge unten jubelte, als zwei Models die Bühne betraten. Eines trug einen funkelnden silbernen Anzug mit Neonakzenten, das andere eine elegante, lila-goldene Kombination mit futuristischen Stiefeln. Lichter blitzten in wechselnden Farben, während die Musik wechselte. Joey lehnte sich über das Geländer, fasziniert von der Mischung aus Kreativität und Strategie.

Die Musik wechselte abrupt, und ein Countdown erschien auf den großen Bildschirmen. „Drei… zwei… eins…“ Die Models begannen, sich gegenseitig zu „bekämpfen“. Sie posierten abwechselnd, warfen dramatische Blicke in die Menge und zeigten ihre Outfits auf kreative Weise. Die Zuschauer klatschten im Takt, einige pfiffen, andere riefen laut.

„Weißt du, Mai“, sagte Joey nachdenklich, „es fühlt sich wirklich wie ein Duell an. Jeder Zug zählt – die Farben, die Accessoires… es ist wie das Ziehen der richtigen Karten zum richtigen Zeitpunkt.“

Mai lächelte. „Also würdest du sagen, dass Mode-Duelle und Duel Monsters gar nicht so weit voneinander entfernt sind?“

„Absolut!“, antwortete Joey begeistert. „Man muss nur wissen, wie man die Moves spielt… und sein Publikum beeindrucken.“

Das eine Model streckte dramatisch die Arme aus, ließ die Jacke wirbeln und machte einen eleganten Sprung. Das andere Model kombinierte schnelle, präzise Bewegungen mit Accessoires, die wie Spielkarten aufleuchteten.

Der Moderator ging auf die Bühne und hob ein Mikrofon. „Okay, Publikum! Jetzt entscheidet ihr! Wer soll das Mode-Duell gewinnen?“

Joey schaute sich um. Hände gingen nach oben, Applaus brandete auf, Pfeifen und Rufe mischten sich – das Chaos war fast so mitreißend wie ein Kartenduell. Er spürte, wie ein kleines Grinsen über sein Gesicht huschte. Vielleicht war Mode doch nicht so langweilig, wie er gedacht hatte.

Der Moderator schwenkte das Mikrofon hin und her, während das Publikum immer lauter wurde. „Okay, Leute! Zeit für die Entscheidung!“ Er deutete auf das erste Model. „Für den silbernen Anzug – macht Lärm!“

Ein donnernder Applaus brandete auf, einige pfiffen begeistert, andere riefen laut „Yeah!“ Joey klatschte mit, obwohl sein Herz ein bisschen für das andere Model schlug. Der Moderator drehte sich zum zweiten Model. „Und für die lila-goldene Kombination – eure Stimmen!“

Wieder erhob sich Jubel, diesmal mit einem rhythmischen Klatschen, das durch die ganze Halle hallte.

In diesem Moment ertönte die Stimme des Moderators: „Und jetzt das Ergebnis des Mode-Duells!“ Die Menge hielt den Atem an. Joeys Herz schlug schneller. Er konnte kaum glauben, dass er so sehr gebannt von einem „Mode-Duell“ war – aber irgendwie fühlte es sich genau wie bei einem spannenden Duel-Match an.

„Und der Gewinner des Mode-Duells ist… die lila-goldene Kombination!“ Der Moderator strahlte, und das Model auf dem Laufsteg machte einen übertriebenen Victory-Move, während das Publikum jubelte.

Die Lichter flackerten wild, und Konfetti regnete von der Decke. Joey wandte sich an Mai. „Wow… das war echt knapp, oder? Das andere Outfit war auch super cool!“

Der Blonde stattete der Kaiba Villa einen Besuch ab. „Ich muss mit dir reden, Mokuba.“

„Worüber denn?“

„Über deinen ach so tollen Bruder“, schimpfte Joey. „Er ist wirklich das Allerletzte! Er behandelt alle wie Dreck!"

„Hör auf so über Seto zu reden!", rief Mokuba. „Er hat seine Gründe warum er so geworden ist. Gozaburo ist schuld daran. Bevor wir ihn trafen war Seto ein ganz anderer Mensch. Gozaburo hat Seto zu dem gemacht was er heute ist. Ich wünschte wir wären damals im Waisenhaus geblieben. Dann würde Seto vielleicht noch lächeln. Er will alles vergessen, auch den Menschen der er einmal war. Dabei war er so ein toller Bruder, er hat sogar gelächelt. Und jetzt will er dieses Lächeln für immer ablegen. Man muss gar nicht so hart sein wenn man ganz oben sein will.“

„Ach so, deshalb ist er so unfreundlich", sagte Joey. Er schnaubte verärgert. „Aber das ändert nichts daran, wie er sich jetzt verhält. Er ist kalt und herzlos, egal was Gozaburo getan hat."

Mokuba seufzte schwer und legte eine Hand auf Joeys Schulter. „Seto ist auch nur ein Mensch. Er trägt seine Wunden tief in seinem Herzen, auch wenn er es nicht zeigt. Seto hat so viel durchgemacht, und trotzdem versucht er, stark zu sein. Er tut das alles für uns, für die Firma, für die Zukunft.“

Joey schnaubte erneut, doch in seinen Augen lag ein Anflug von Nachdenklichkeit. Er blickte zu Mokuba und sah die Ernsthaftigkeit in dessen Gesicht.

„Vielleicht hast du recht, Mokuba“, gab Joey schließlich zu. „Trotzdem. Er ist so kalt, so unnahbar. Manchmal frage ich mich, ob er überhaupt noch Gefühle hat.“

Mokuba nickte verständnisvoll. „Seto hat gelernt, seine Schwächen zu verbergen und seine Gefühle zu verstecken. Das ist eine Schutzmaßnahme, um nicht wieder verletzt zu werden. Er glaubt, dass Stärke nur durch Kontrolle und Härte erreicht werden kann. Aber ich glaube fest daran, dass auch in ihm noch etwas Gutes steckt. Irgendwo tief im Inneren. Ich will nur, dass er wieder lächelt – echt und unbeschwert, so wie früher. Nicht nur das kalte Lächeln eines Geschäftsmoguls.“ Er seufzte. „Aber das ist leichter gesagt als getan.“

„Diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen.“ Joey und Mokuba drehten sich um.

Wie aus dem Nichts war Seto aufgetaucht. „Wheeler, was hast du in meinem Haus zu suchen? Du hast hier nichts verloren.“

„Ich habe nur mit Mokuba geredet“, sagte Joey. „Das ist doch nicht verboten.“

Seto zeigte auf die Tür. „Und jetzt raus mit dir! Verschwinde.“

„Hey, du kannst mich nicht einfach so rausschmeißen!“, protestierte Joey.

„Doch, das kann ich“, entgegnete Seto. „Und das werde ich auch.“ Er packte den Blonden am Arm und drängte zur Tür. Joey schaffte es sich loszureißen. „Was soll das, Kaiba?“

„Du bist so ein Idiot, Wheeler!“, rief Seto.

„Selber!“, rief Joey zurück.

Mokuba ging dazwischen. „Seto, hör auf Joey zu provozieren! Warum könnt ihr euch nicht vertragen?“

Seto verschränkte die Arme, als wolle er sich von Mokubas Worten nicht beeindrucken lassen, doch ein leichtes Zucken um seinen Mund verriet, dass er sich beherrschen musste.

„Ich provoziere ihn nicht“, sagte er scharf. „Ich stelle nur fest, dass Wheeler mal wieder keine Ahnung hat, wovon er redet.“

Joey stapfte einen Schritt näher, die Fäuste geballt, aber Mokuba hob beschwichtigend die Hände.

„Nein!“, rief Mokuba. „Ihr streitet euch jedes Mal! Seto, du magst Joey nicht, okay. Joey, du magst Seto nicht. Aber könnte es vielleicht einmal ohne Streit gehen?“

Der Blonde atmete tief durch und funkelte Seto an. „Gut. Ich sag nix mehr. Solange er nicht wieder anfängt.“

Seto schnaubte, doch dieses Mal blieb er stehen. „Fein. Dann sag ich auch nichts. Vorerst.“

Mokuba seufzte erleichtert. „Na endlich.“
 

Joey war im Einkaufszentrum. Als er irgendwann auf die Uhr erschrak er. Es war schon 20:30 Uhr! Er hatte völlig die Zeit vergessen. Das Einkaufszentrum schließt um 20 Uhr. Er rannte so schnell er konnte zum Ausgang. Als er dort angekommen war ließ sich die Automatiktür nicht öffnen.

Joey klopfte auf die Scheibe. „Hallo hört mich jemand? Hallo!?“

„Das ist zwecklos, Wheeler.“

Joey drehte sich um. „Sag bloß du kommst hier auch nicht raus.“

„Das entspricht leider den Tatsachen“, sagte Kaiba.

„Willkommen im Club“, sagte Joey. „Und wie kommen wir hier raus?“

Das metallene Klirren der sich schließenden Gitter hallte durch das leere Einkaufszentrum. Joey Wheeler blinzelte in die plötzlich gedimmten Lichter und kratzte sich am Hinterkopf.

„Äh… warte mal. Haben die uns grad echt eingesperrt?!“

Ein genervtes Seufzen erklang hinter ihm. „Offensichtlich, Wheeler. Vielleicht hättest du weniger Zeit damit verbringen sollen, an diesem Dueling-Kartenautomaten zu scheitern.“

Joey drehte sich um und funkelte Kaiba an, der mit verschränkten Armen neben dem stillgelegten Aufzug stand – sein typischer, eisiger Gesichtsausdruck unverändert.

„Oh, entschuldigen Sie, Mister Milliardär, dass nicht jeder ’ne eigene Jetkarte hat, um einfach rauszufliegen!“

Kaiba hob eine Augenbraue. „Wenn du so laut weiterbrüllst, wird dich höchstens die Reinigungskraft am anderen Ende der Mall hören. Und selbst die würde dich ignorieren.“

Joey schnaufte. „Na schön, reicher Pinkel, dann finde du doch den Ausgang!“

Kaiba zog sein Smartphone hervor. Kein Signal. Er musterte das dunkle, weitläufige Atrium – Rolltreppen standen still, die Neonlichter warfen geisterhafte Schatten über Schaufensterpuppen.

„Fantastisch“, murmelte er. „Mit dir in einem leeren Einkaufszentrum eingeschlossen. Das ist schlimmer als jeder Duellverlust.“

Joey grinste breit. „Ha! Also gibst du endlich zu, dass du verlieren kannst!“

Kaiba drehte sich langsam zu ihm. „Ich sagte, schlimmer als ein Verlust, Wheeler. Versuch, mitzudenken.“

Ein fernes Poltern ließ beide aufhorchen. Etwas hatte sich im Obergeschoss bewegt.

Joey schluckte. „...Sag bitte, das war der Wind.“

Kaibas Blick verengte sich. „Das war kein Wind.“ Er griff nach seinem Duel Disk, den er – natürlich – auch außerhalb offizieller Turniere bei sich trug. „Bleib hinter mir.“

Joey griff nach seinem eigenen Deck. „Heh. Jetzt wird’s interessant.“

„Bleib hinter mir“, wiederholte Kaiba und schritt in Richtung des Geräuschs. Seine Schritte hallten auf dem Marmorboden wider. Joey folgte ihm – mit einem nervösen Blick nach allen Seiten.

„Du weißt schon, dass das hier kein Duell ist, oder?“, fragte Joey. „Vielleicht war’s nur ’ne lose Klimaanlage oder so.“

„Oder vielleicht ein Sicherheitsroboter, der auf Bewegungen reagiert“, erwiderte Kaiba trocken. „Und wenn du nicht willst, dass er dich für Einbruch hält, würd ich an deiner Stelle den Mund halten.“

Joey verzog das Gesicht. „Ha! Ein Roboter? Hier? In nem Shoppingcenter? Du hast echt zu viel Geld, wenn du glaubst, dass jedes Gebäude so Hightech ist wie deine Firma.“

Kaiba blieb abrupt stehen, drehte sich halb um und musterte Joey mit kühlem Blick.

„Du bist erstaunlich laut für jemanden, der keine Ahnung hat.“

„Und du bist erstaunlich arrogant für jemanden, der keine Freunde hat!“

Für einen Moment herrschte Stille. Nur das leise Surren der Notbeleuchtung war zu hören. Dann schnaubte Kaiba, fast unmerklich.

„Freunde sind überbewertet.“

Joey grinste schief. „Das sagen nur die Leute, die keine haben.“

Kaiba drehte sich wieder um. „Ich hab Mokuba.“

„Der zählt nicht! Der ist Familie. Den musst du mögen.“

„Er ist der Einzige, den ich mag.“

Joey hob die Hände. „Wow. Du bist echt der Inbegriff von Sonnenschein, Kaiba.“

„Und du bist der Inbegriff von Kopfschmerzen.“

Sie gingen weiter, vorbei an dunklen Schaufenstern. Irgendwo im Hintergrund tickte eine Uhr. Joey zog die Schultern hoch.

„Weißt du… vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Ich mein, wir könnten’s uns gemütlich machen. Da drüben gibt’s ’nen Burgerladen, vielleicht ham die was liegen gelassen.“

Kaiba sah ihn an, als hätte Joey gerade vorgeschlagen, Duel Monsters mit Kaugummiverpackungen zu spielen.

„Ich esse kein Fast Food, Wheeler.“

„Tja, dann halt verhungern. Ich ess deine Portion gleich mit.“

Joey verschwand Richtung Foodcourt, bevor Kaiba etwas erwidern konnte. Der CEO seufzte leise – und folgte ihm dann doch.

Der Foodcourt lag verlassen da. Ein paar halb heruntergelassene Rollläden, blinkende Getränkeautomaten und der Duft von abgestandenem Frittieröl in der Luft. Joey zog eine Stuhlreihe heran, sprang darüber und kletterte über den Tresen eines Burgerladens.

„Hey, Jackpot! Da sind noch Chips und ’ne Cola!“ rief er und hielt triumphierend eine Dose hoch.

Kaiba stand mit verschränkten Armen davor, die Augenbrauen hochgezogen. „Wheeler, das nennt man Diebstahl.“

„Oh komm schon! Die haben Feierabend – und wir sitzen hier fest! Das ist Überlebensinstinkt, kein Verbrechen.“

„Überlebensinstinkt“, wiederholte Kaiba spöttisch. „Du bist im klimatisierten Einkaufszentrum eingeschlossen, nicht in der Wildnis.“

Joey öffnete die Cola mit einem Zischen. „Manche würden sagen, mit dir eingeschlossen zu sein ist Wildnis.“

Kaiba rollte kaum merklich die Augen, ließ sich dann aber tatsächlich auf einem der Stühle nieder – so, als hätte er sich selbst überrascht.

„Wenn du mich zitierst, Wheeler, stell wenigstens sicher, dass du’s richtig wiedergibst.“

Joey grinste, nahm einen Schluck und reichte Kaiba eine Tüte Chips.

„Na los, iss was. Du siehst aus, als hättest du seit gestern nur Luft und Ego konsumiert.“

Kaiba nahm die Tüte kommentarlos, öffnete sie – und aß eine einzige Chip, als würde er eine Vertragsklausel prüfen.

„Schrecklich salzig.“

„Na, immerhin bist du ehrlich.“

Sie schwiegen einen Moment. Das Licht flackerte. Irgendwo klapperte ein Lüftungsschacht. Kaiba zog sein Jackett enger um sich, Joey trommelte mit den Fingern auf den Tisch.

„Weißt du, Kaiba,“ begann Joey schließlich, „du bist gar nicht so schlimm, wenn du mal nicht rumläufst, als würdest du der Welt was schulden.“

Kaiba sah ihn lange an. „Und du bist nicht so dumm, wie du dich gibst – wenn du mal aufhörst, zu reden.“

Joey blinzelte, grinste dann breit. „Heh. Ich nehm das als Kompliment.“

Kaiba seufzte, aber diesmal klang es weniger genervt, fast… belustigt.

„Mach, was du willst, Wheeler.“

Joey lehnte sich zurück, verschränkte die Hände hinter dem Kopf.

„Weißt du, vielleicht ist das gar nicht so übel. Kein Stress, keine Turniere, kein Yugi, der alles gewinnt… Nur du und ich, mitten in der Nacht.“

Kaiba runzelte die Stirn. „Sag das nie wieder so, Wheeler.“

„Was denn?“ Joey grinste frech. „Klingt doch fast wie ’n Film.“

„Ein Albtraum, vielleicht.“

Doch in Kaibas Blick lag ein winziger, kaum wahrnehmbarer Funken Amüsement, als Joey zu gähnen begann und schließlich mit dem Kopf auf den Tisch sank.

Kaiba sah ihn kurz an, dann auf die dunklen Schaufenster.

„Tsk. Idiot.“

Aber er blieb trotzdem sitzen – Wache haltend, bis das erste Morgenlicht durch die Glasdecke fiel.

Ein dumpfes Klirren hallte durch das Einkaufszentrum. Joey schreckte auf und riss die Cola fast aus der Hand.

„Hast du das gehört?“ flüsterte er panisch.

Kaiba stand sofort auf, griff nach seinem Duel Disk, die Augen verengt.

„Natürlich habe ich das gehört. Das war kein Zufall.“

Joey schaute sich nervös um. „Vielleicht… vielleicht ist’s nur ein Rolltreppenmotor?“

„Oder ein Einbrecher.“ Kaibas Stimme war eisig. „Oder etwas, das uns nicht mag.“

Plötzlich rutschte eine große, verstaubte Metallleiter aus einem der Lagerbereiche und knallte auf den Boden. Der Aufprall ließ beide zusammenzucken.

„Siehst du?! Ich hab’s doch gesagt!“ Joey deutete wild auf die Leiter. „Es ist ein Geist, oder ein… Einkaufszentrum-Monster!“

Kaiba schnaubte und verschränkte die Arme. „Du redest von einem Haufen Metall. Wir sind eingeschlossen – kein Geist, kein Monster, nur…“

Er hielt inne, als sich die Decke über ihnen leicht knackend bewegte.

„…scheint, als würde die Konstruktion hier zusammenfallen.“

Joey sprang auf. „WAS?! Bist du verrückt, wir müssen sofort hier raus!“

Kaiba trat vor, die Augen funkelnd und grinste. „Beruhige dich. Das war nur ein Scherz.“

„Mich so zu veralbern ist nicht schön“, sagte Joey.

Kaiba wurde wieder ernst. „Wir brauchen einen Plan. Und bevor du fragst – nein, dein verrücktes Glück wird uns nicht retten.“

„MEIN Glück?! Du bist derjenige, der dauernd rumstresst, dass alles perfekt sein muss! Wir hätten einfach draußen warten sollen!“

„Warten?! Und du glaubst wirklich, dass wir einfach so gefunden werden? Wheeler, deine Panik wird uns umbringen!“

„Und deine Arroganz auch!“ Joey stapfte wütend herum, stieß dabei gegen einen leeren Einkaufswagen, der laut klappernd über den Boden rollte.

Kaiba ballte die Fäuste. „Hör auf, alles in Bewegung zu setzen, du Tollpatsch! Wir brauchen Ruhe – und Strategie!“

„Strategie?! Du meinst, so wie bei deinen Duellen, wo du denkst, dass alles nach Plan läuft und dann immer was schiefläuft?!“

„ICH habe einen Plan, Wheeler!“ Kaiba schrie fast. „Und du bist nur der nervige Idiot, der alles ruiniert!“

Joey verschränkte ebenfalls die Arme. „Und du bist der arrogante Milliardär, der denkt, er kann alles allein regeln!“

Ein Moment der Stille. Dann hörten beide dasselbe Geräusch: ein leises, unregelmäßiges Tropfen von Wasser aus dem Obergeschoss.

Beide schauten nach oben. Kaiba knirschte mit den Zähnen, Joey biss sich auf die Lippe.

„Na toll… wir streiten uns hier die Nacht kaputt.“ Joey schluckte. „Tja, gute Nacht, Kaiba.“

Kaiba seufzte tief. „Scheint, als wären wir gezwungen, zusammenzuarbeiten… Wheeler.“

Joey grinste trotz der Angst. „Na endlich! Und ich dachte schon, du würdest nie zugeben, dass wir ein Team sein müssen.“

Kaiba rollte mit den Augen, aber der Hauch eines Lächelns erschien auf seinen Lippen. „Hör auf zu reden, oder ich werfe dich durch den Laden.“

Joey und Kaiba standen mitten im leeren Foodcourt, die Cola-Dose zitterte noch in Joeys Hand. Plötzlich hörten sie ein leises Quietschen – diesmal nicht von der Klimaanlage oder einem Einkaufswagen, sondern von einem Einkaufswagen… der sich von selbst bewegte.

„Was zum…?!“ Joey sprang zurück.

Kaiba hob eine Augenbraue. „Du bist sicher, dass das hier kein Streich ist?“

Doch der Wagen rollte unaufhaltsam auf sie zu, als würde er eine eigene Agenda haben. Kaiba trat vor, hob die Hand, um ihn abzufangen, doch Joey griff schneller… und rammte Kaiba versehentlich in die Rippen.

„Autsch! Was soll das, du Idiot?!“ Kaiba funkelte ihn an.

„Ich hab versucht, dich zu retten! Dieser Wagen ist… lebendig!“ Joey gestikulierte wild.

Kaiba stöhnte. „Lebendig? Es ist ein Stück Metall auf Rädern, Wheeler!“

„METALL AUF RÄDERN, DAS MICH ANGREIFT!“ Joey schrie, als der Wagen plötzlich in einer Kurve umdrehte und auf die Snackautomaten zuraste. Chips fielen, Dosen rollten – und ein riesiges Chaos entstand.

Kaiba zog tief Luft. „Wheeler! Hör auf, zu schreien, und hilf mir, diesen Wagen zu stoppen!“

„Ich helf dir doch schon!“ Joey sprang auf den Wagen, stolperte, und beide fielen beinahe übereinander.

„Du bist unmöglich!“, brüllte Kaiba, während sie sich gegenseitig aufrappelten.

„Und du bist ein Kontrollfreak!“, erwiderte Joey, noch atemlos.

Für einen Moment standen sie einfach da, nebeneinander, und starrten auf das kleine Chaos, das sie hinterlassen hatten. Dann brach Joey in ein Grinsen aus.

„Na toll… wer hätte gedacht, dass wir mitten in einem Einkaufszentrum gegen einen rebellischen Einkaufswagen kämpfen?“

Kaiba verdrehte die Augen, konnte sich ein trockenes Lächeln aber nicht ganz verkneifen.

„Nur du würdest so etwas erleben und es als Abenteuer verkaufen.“

Joey zuckte mit den Schultern. „Hey, wenigstens haben wir jetzt ’nen gemeinsamen Feind. Wollen wir ihn erledigen?“

Kaiba seufzte. „Wenn’s sein muss.“

Und so stürzten sie sich, streitend und fluchend, auf den Einkaufswagen, während die Nacht noch lang und das Einkaufszentrum groß war.

Der Einkaufswagen raste unaufhaltsam auf die Snackautomaten zu. Joey sprang zur Seite, während Kaiba blitzschnell seine Duel Disk aufstellte – mehr aus Reflex als aus Plan.

„Okay, Plan!“, rief Kaiba. „Du lenkst den Wagen ab, ich blockiere ihn!“

„Äh… ja, klar!“, stotterte Joey, sprang aber direkt auf den Wagen – und wurde prompt von Kaiba am Ärmel gepackt, bevor er weiterrollte.

„Wheeler! Hör auf, wie ein Idiot draufzuspringen!“

„Ich… ich dachte, das wäre die beste Methode!“ Joeys Stimme war atemlos, aber seine Augen funkelten. „Na gut, dein Plan?“

Kaiba seufzte. „Wir müssen den Wagen in eine Ecke drängen. Zusammen. Keine Ausreden.“

Joey nickte, atmete tief ein und stupste den Wagen – vorsichtig diesmal – während Kaiba ihn von der anderen Seite schob. Der Wagen quietschte, kippte fast, aber sie schafften es tatsächlich, ihn in eine dunkle Ecke zwischen einem Klamottenladen und einem Spielzeugladen zu drängen.

„Ha! Geschafft!“ Joey sprang zurück, stolz wie ein kleiner Held.

Kaiba klopfte sich die Hände ab. „Und du hast es nicht komplett ruiniert. Vorerst.“

„Heh. Siehst du, wir sind ein Team!“ Joey grinste breit.

Kaiba funkelte ihn an, aber dieses Mal mit einem Hauch von… Respekt. „Ein sehr lautes, sehr nerviges Team.“

Joey zuckte mit den Schultern. „Na gut, laut und nervig… klingt nach uns.“

Dann hörten sie plötzlich ein leises Piepen aus der Nähe der Rolltreppe. Beide drehten sich gleichzeitig um.

„Was jetzt schon wieder…?“ Joey murmelte.

Kaiba knirschte mit den Zähnen. „Offenbar ist diese Nacht noch nicht vorbei.“

„Warte… du meinst, wir müssen noch mehr von diesen ‚lebendigen‘ Dingern bekämpfen?“ Joeys Augen wurden groß.

Kaiba schnaubte trocken. „Wenn es so weitergeht, ja. Bereite dich mental vor, Wheeler.“

Joey lachte nervös, dann schüttelte er den Kopf. „Weißt du was? Ich glaub, langsam macht’s sogar Spaß. Mit dir… irgendwie.“

Kaiba verdrehte die Augen, aber ein kaum merkbares Lächeln huschte über seine Lippen.

„Und ich liebe es!“ Joey grinste und nahm Kaibas Hand kurz – fast reflexartig – um einen rollenden Automaten zu stoppen, der plötzlich losrollte.

Kaiba stieß die Hand weg, aber nicht so heftig wie erwartet. „Unverantwortlich.“

„Ach, komm schon, wir sind jetzt offiziell ein Team!“ Joey zwinkerte.

Kaiba seufzte. „Wenn du das so nennst… okay, Wheeler. Ein Team.“

Doch in der Dunkelheit des leeren Einkaufszentrums piepste es erneut. Und beide wussten: Die Nacht war noch lange nicht vorbei.

Joey und Kaiba standen mitten im leeren Einkaufszentrum, zwischen halb geöffneten Läden und umgestürzten Einkaufswagen. Die Nacht war dunkel, nur die Notbeleuchtung flackerte und warf lange Schatten.

„Also… wir müssen irgendwie hier bleiben, bis Morgen“, sagte Joey vorsichtig. „Wir können ja nicht den ganzen Abend panisch durch die Gänge rennen.“

Kaiba sah ihn an, die Stirn gerunzelt. „Natürlich nicht. Wir brauchen einen sicheren Platz – abseits von diesen… lebendigen Einkaufswagen und allem anderen Unsinn hier.“

„Heh, lebendig!“, Joey grinste. „Ich hab’s immer gesagt, das Ding wollte uns umbringen.“

„Es war nur ein Wagen, Wheeler.“ Kaiba funkelte ihn an, konnte sich aber ein Schnauben nicht verkneifen.

Sie gingen weiter, bis sie zu einem leer stehenden Spielzeugladen kamen. Regale standen noch, Puppen starrten sie aus den Augenhöhlen an, Stofftiere lagen verstreut auf dem Boden.

„Na gut“, sagte Joey, „wir könnten hier ’nen Unterschlupf bauen. Stühle, Decken, irgendwas.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Deine Idee von Ordnung ist Chaos. Wir stapeln die Sachen vernünftig, oder wir schlafen hier nicht.“

„Ha! Ordnung? Bei dir? Vergiss es, Kaiba! Du würdest alles dreimal überprüfen und trotzdem stundenlang meckern.“

Kaiba schnaubte, aber begann trotzdem, einige große Decken über ein Regal zu hängen, um eine Art kleinen Unterschlupf zu schaffen. Joey warf sich nebenan auf ein paar zusammengerollte Decken.

„Also ehrlich… du bist echt ein Kontrollfreak.“

„Und du bist ein chaotischer Idiot.“ Kaiba funkelte ihn an, schnaubte dann aber leise. „Wenn wir überleben wollen, Wheeler, hör auf zu quatschen und hilf mir.“

„Okay, Chef. Aber nur, weil ich dein Teammitglied bin!“ Joey grinste.

Kaiba knurrte. „Du bist kein Teammitglied. Du bist mein… notwendiges Übel.“

„Heh, ich nehm, was ich kriegen kann.“

Nachdem sie den kleinen Unterschlupf halbwegs hergerichtet hatten, setzten sie sich auf den Boden. Die Nacht war stiller geworden, nur das gelegentliche Tropfen aus einem undichten Rohr und das ferne Summen von Sicherheitskameras durchbrach die Stille.

Joey seufzte. „Weißt du… irgendwie ist das gar nicht so schlimm. Wir streiten, wir nerven uns, wir kämpfen gegen Einkaufswagen… aber am Ende sitzen wir hier zusammen. Fast wie… naja, wie Freunde.“

Kaiba drehte sich weg, aber seine Stimme war leiser als gewöhnlich. „Idiotenfreundschaft. Ich hasse es immer noch, aber… ja.“

Joey grinste. „Perfekt! Also Nacht im Einkaufszentrum, Level: überlebt. Morgen sehen wir weiter, wie wir rauskommen.“

Kaiba rollte mit den Augen. „Wenn wir überleben, ja.“

Und so saßen sie, genervt, streitend, aber doch irgendwie Seite an Seite, während die Nacht langsam verstrich – zwei unfreiwillige Gefährten in einem leeren Einkaufszentrum, die gelernt hatten, zumindest ein kleines Stück weit zusammenzuarbeiten.

Das erste Licht des Morgens fiel durch die großen Glasfronten des Einkaufszentrums. Joey blinzelte gegen die Sonne, die durch die Eingangstüren schien, und gähnte laut.

„Endlich… Licht! Ich dachte schon, wir würden hier ewig festsitzen und nur gegen Einkaufswagen kämpfen.“

Kaiba, der bereits aufgestanden war, prüfte die Rolltreppen und Türen. „Du redest zu viel. Wir haben einen Ausgang.“

„Ha! Endlich, Kaiba! Ich dachte schon, du würdest den ganzen Tag hier stehen und meckern.“

Kaiba schnaubte. „Und du würdest… nun ja, wahrscheinlich in einer Ecke sitzen und Chips essen.“

Joey lachte. „Hey, ich hab dich beschützt! Fast so wie ein Held!“

Kaiba verzog das Gesicht. „Fast, ja. Und wie ein Held sähe das nicht aus.“

Sie gingen zum Haupteingang, nur um festzustellen, dass die automatische Tür nicht aufsprang. „Die Tür ist zu“, sagte Joey. „Tja, ich nehme an, wir müssen einen anderen Weg finden.“

„Nein, wir müssen hier bleiben und warten“, entgegnete Kaiba. „Irgendjemand wird schon kommen.“

Das Sonnenlicht fiel voll auf die Vorderseite des Einkaufszentrums, als der Filialleiter die Türen aufschloss. Joey gähnte laut und rieb sich die Augen, während Kaiba sich schon vor dem Eingang zusammenkauerte, die Arme verschränkt.

„Ahhh… frische Luft! Endlich!“ Joey streckte die Arme, doch Kaiba funkelte ihn an.

„Hey, ich hab überlebt! Dank mir, nicht dank deinem Rumgezicke!“ Joey grinste breit.

Kaiba schnaubte. „Überlebt? Ich habe dich mehrmals vor dir selbst gerettet.“

„Und ich hab dich vor Einkaufswagen gerettet!“ Joey winkte ab. „Fast wie ein Held!“

„Fast wie ein Held? Du hast mich fast über den Haufen gerannt!“ Kaiba ballte die Fäuste.

„Was macht ihr hier?“, wollte der Mann wissen. „Das Einkaufszentrum hat noch gar nicht geöffnet. Wolltet ihr hier übernachten wie andere Jugendliche zuvor?“

Joey schüttelte den Kopf. „Nein, wir waren letzte Nacht hier eingesperrt.“

Der Filialleiter kam näher. „Seid ihr beide okay?“ fragte er und hob die Augenbrauen, als er die beiden leicht zerzausten, aber unverletzt wirkenden Jugendlichen sah.

„Ja… danke“, stotterte Joey. „Wir… äh, haben nur ein kleines Abenteuer erlebt.“

Kaiba verschränkte die Arme noch fester. „Ein kleines Abenteuer? Wheeler, wir wurden eingeschlossen und du hast ständig Chaos verursacht.“

„Und du hast mich ständig angepampt!“, konterte Joey.

„Und du hast mich ständig genervt!“ Kaiba stieß die Luft aus.

Der Filialleiter seufzte. „Na gut, ihr beiden könnt nach Hause.“

„Hurra! Wir haben es geschafft!“ Joey jubelte und streckte die Arme in die Luft.

Kaiba schüttelte nur den Kopf. „Glück gehabt. Nicht dank dir.“

„Ach komm schon, Kaiba, ein bisschen Teamwork hat schon geholfen!“ Joey zwinkerte, während sie durch die Tür traten.

Kaiba funkelte ihn an, konnte aber diesmal ein trockenes Lächeln nicht unterdrücken.

„Teamwork. Du nennst das Teamwork? Ich nenne es: Chaos überleben.“

„Na, halb Teamwork, halb Chaos – klingt doch perfekt für uns!“ Joey grinste breit.

Als sie nach draußen traten, atmete Joey tief die frische Morgenluft ein. „Weißt du was, Kaiba? Für einen unfreiwilligen Team-Kampf gegen Einkaufswagen und leere Läden war das… gar nicht mal so schlecht.“

Kaiba sah ihn streng an, dann nickte er knapp.

„Vielleicht. Aber lass uns nie wieder hier übernachten.“

„Deal! Aber wir können’s als Abenteuer abhaken.“ Joey lachte.

Kaiba schnaubte, drehte sich weg und murmelte: „Abenteuer. Idiot.“

Joey grinste triumphierend. „Siehst du, Kaiba? Wir haben es überlebt. Gemeinsam!“

Kaiba knurrte, konnte aber nur knapp die Augen verdrehen. „Wenn du das so nennst… Idiotenfreundschaft. Ich hasse sie immer noch.“

Joey lachte. „Und ich liebe sie! Komm schon, Kaiba, ein bisschen Spaß muss sein.“

Kaiba murmelte etwas Unverständliches, während sie sich auf den Weg machten. Joey schwebte förmlich vor Energie.

„Also, nächstes Mal… vielleicht ein ruhigeres Einkaufszentrum? Oder einen Kampf gegen weniger lebensgefährliche Einkaufswagen?“

Kaiba schnaubte trocken. „Nächstes Mal? Vergiss es, Wheeler.“

Joey winkte ihm noch einmal zu. „Und ich dachte, du hättest keinen Sinn für Humor!“

Kaiba konnte nur den Kopf schütteln, während Joey lachend davonlief. Zwei Tage später würden sie sich wahrscheinlich wieder streiten.

Doch tief in sich wusste Kaiba, dass sie beide – trotz des Chaos, der Streitereien und der schlaflosen Nacht – auf ihre eigene, verrückte Weise… ein funktionierendes Team gewesen waren.
 

Nach zwei Wochen rief das Krankenhaus an. Es gab gute Nachrichten. Der Zustand von Joeys Vater hatte sich verbessert und sie konnten ihn morgen endlich besuchen.

Die Nacht verging schnell, und als der Morgen anbrach, fühlte sich Joey sowohl aufgeregt als auch ängstlich. Er hatte die ganze Nacht über die Worte nachgedacht, die er seinem Vater sagen wollte – und darüber, was er von ihm hören wollte.

Im Krankenhaus angekommen, spürte er sofort die bedrückende Atmosphäre des Ortes. Die weißen Wände und der antiseptische Geruch erinnerten ihn daran, dass sie hier waren, um einen kranken Mann zu besuchen – einen Mann, der ihr Vater war.

Der Arzt führte sie zum Zimmer ihres Vaters. Joeys Herz klopfte laut in seiner Brust, als sie vor der Tür standen. „Bist du bereit?“, fragte Serenity leise.

Joey nickte und drückte die Klinke herunter. Die Tür öffnete sich langsam und enthüllte das schwach beleuchtete Zimmer. Ihr Vater lag im Bett, blass und erschöpft. Als er sie sah, schien er für einen Moment überrascht zu sein.

„Joseph…?“, murmelte er schwach.

„Hallo Vater“, sagte Joey mit zitternder Stimme und trat einen Schritt näher.

Seine Mutter blieb im Hintergrund stehen, ihre Augen voller gemischter Gefühle – Schmerz, Wut und eine Spur von Mitgefühl. Serenity stellte sich neben ihren Bruder und hielt seine Hand fest.

„Wir sind hier“, sagte Serenity. „Wir wollten sehen, wie es dir geht.“

Sein Vater freute sich nicht. „Was wollt ihr hier? Verschwindet!“

Seine Mutter seufzte. „Joey, Serenity, ich hab gewusst dass er so reagieren wird.“

Joey sah den erschöpften Blick seines Vaters und spürte die Anspannung in der Luft.

Serenity trat einen Schritt näher. „Bitte Vater. Wir wollen dir nur helfen.“

Joeys Vater schnaubte verächtlich. „Ich brauche keinen Besuch. Lasst mich in Ruhe."

Mit einem müden Blick wandte er sich ab und schloss die Augen.

„Seht ihr, es ist das Beste wenn wir wieder gehen“, sagte Joeys Mutter.

Joey blieb wie angewurzelt stehen. Irgendetwas in ihm sträubte sich dagegen, einfach zu gehen. Zwei Wochen hatte er gewartet – gehofft, gebangt, sich vorbereitet. Und jetzt sollte alles so enden? Mit einem abgewandten Gesicht und Worten, die schärfer stachen als jede Wunde?

„Nein.“

Seine eigene Stimme überraschte ihn. Sie zitterte, aber sie war fest. „Ich gehe nicht. Nicht so.“

Sein Vater öffnete die Augen wieder, nur einen Spalt, als hätte dieses eine Wort ihn gereizt. Serenity hielt den Atem an. Seine Mutter schloss resigniert die Augen, bereit für das Schlimmste.

„Was soll das heißen: nein?“, fauchte sein Vater, die Stimme brüchig, aber voller alter Härte.

Joey trat näher ans Bett, sein Herz hämmerte, doch er wich nicht zurück. „Es heißt, dass ich nicht weglaufe. Nicht wieder. Ich weiß, du willst uns nicht hier haben. Vielleicht hast du gute Gründe dafür… vielleicht auch nicht. Aber ich bin trotzdem hier.“

Für einen Moment herrschte völlige Stille. Der Monitor neben dem Bett piepte gleichmäßig. Wind strich leise über das Fensterbrett. Sein Vater starrte ihn an – verwirrt, müde, verletzt und wütend zugleich.

„Du glaubst, ich brauche dich?“, presste er hervor.

Joey schluckte. „Ich glaube, dass du nicht alleine sein solltest.“

Serenity trat näher, ihre Stimme zitterte, aber sie hielt Joeys Hand noch fester. „Wir sind deine Kinder, Vater. Auch wenn du es nicht hören willst.“

Die Worte schienen etwas in ihm zu treffen – aber ob es Wut oder Schmerz war, konnte niemand sagen. Er wandte den Blick ab, doch diesmal schloss er die Augen nicht. Es war keine Abwehr… es war eher ein Versuch, sich zu verbergen.

Joeys Mutter räusperte sich leise, vorsichtig. „Joseph, er ist schwach. Vielleicht ist jetzt nicht der richtige Moment.“

Doch Joey schüttelte den Kopf. „Wann wäre denn der richtige Moment gewesen? Vor fünf Jahren? Vor zehn?“ Seine Stimme blieb ruhig, aber sie bebte von einem tiefen Schmerz, den er viel zu lange mit sich herumgetragen hatte.

Er machte einen Schritt näher ans Bett, langsam, als wolle er seinem Vater Zeit geben, ihn wegzuschicken. Doch der blieb still.

„Vater“, sagte Joey und versuchte zu lächeln, auch wenn es schwerfiel. „Ich will keinen Streit. Nicht heute. Ich wollte dir nur sagen…“

Er stockte. Die Worte wollten nicht heraus. Alles, was er sagen wollte, wirbelte durcheinander – Ärger, Erinnerungen, Wünsche, Enttäuschungen.

Serenity trat ebenfalls näher und sprach mit sanfter Stimme: „Wir hatten Angst um dich. Wirklich. Und egal, was war… du bist unser Vater.“

Für einen Moment war der Raum still. Nur das gedämpfte Piepen der Geräte und der ferne Krankenhauslärm füllten die Stille.

Dann hörten sie ein leises, brüchiges Ausatmen.

„Ihr hättet nicht kommen sollen“, murmelte ihr Vater. Seine Stimme war jedoch nicht mehr voller Zorn, sondern klang eher abgekämpft. „Ich habe nichts… was ich euch geben kann.“

Joey schluckte hart. „Wir sind nicht hier, um etwas zu kriegen.“

Sein Vater blinzelte, überrascht von der Antwort – oder vielleicht von der Aufrichtigkeit darin.

Joeys Mutter nahm einen Schritt zurück, als wolle sie den dreien Raum lassen, spürte aber zugleich eine neue Spannung, zarter und zerbrechlicher als zuvor.

„Wieso… jetzt?“, fragte der Vater schließlich, kaum hörbar.

Serenity antwortete zuerst: „Weil du uns wichtig bist. Auch wenn du es nicht glaubst.“

Joey sah seinem Vater direkt in die Augen und fügte hinzu: „Und weil ich nicht will, dass das Letzte zwischen uns Schweigen ist.“

Der Mann im Bett atmete schwer. Seine Stimme, als er erneut sprach, war kaum mehr als ein Flüstern. „Ihr solltet mich hassen.“

„Vielleicht tun wir das auch ein bisschen“, sagte Joey, ehrlich und sanft zugleich. „Aber trotzdem sind wir hier.“

Sein Vater schloss nun tatsächlich die Augen, aber dieses Mal lag etwas Zerbrechliches in der Geste. Seine Lippen bebten leicht, und als er sprach, zitterte die Stimme so sehr, dass Serenity unwillkürlich einen Schritt nach vorne machte.

„Ich weiß nicht… wie ich das gutmachen soll.“

Joeys Brust zog sich zusammen. Er sah, wie Serenity die Hand ihres Vaters ergreifen wollte – und im letzten Moment zögerte.

Dies war der Moment, dachte Joey. Der Moment, in dem etwas zerbrechen oder zusammenwachsen konnte.

Und er wusste, was er tun musste.

Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett, legte seine Hand vorsichtig auf die des Mannes, der so viel falsch gemacht hatte – und der vielleicht, ganz vielleicht, bereit war, es zuzugeben.

„Dann fang einfach damit an, dass du uns jetzt nicht wegschickst“, sagte Joey leise.

Sein Vater öffnete die Augen wieder – und zum ersten Mal lag darin kein Zorn, sondern bloß menschliche Müdigkeit. Diesmal wandte sich ihr Vater nicht ab. Stattdessen starrte er an die Decke, sein Atem unruhig, sein Blick seltsam leer – als kämpfte er mit etwas, das er selbst kaum verstand.

„Ihr seid… hartnäckig“, murmelte er schließlich.

Joey blieb still stehen. Er wusste: Das war kein Vergeben. Kein Wiedergutmachen. Kein Wunder.

Aber es war ein Anfang.

„Dürfen wir ein bisschen bleiben?“, fragte Serenity vorsichtig.

Ihr Vater schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, war in seinem Blick kein Zorn mehr – nur Müdigkeit.

„Meinetwegen“, murmelte er. „Aber macht keinen Lärm.“

Serenity lächelte. Joey musste grinsen. Und selbst ihre Mutter wirkte für einen Moment leicht erleichtert.

Seine Mutter und seine Schwester setzten sich. Ohne Worte. Doch vielleicht war das Schweigen diesmal ein anderes.

Ein Schweigen, das nicht trennte.

Sondern vorsichtig verband.

Es war keine Versöhnung. Noch nicht.

Aber es war ein Anfang.

Joey spürte, wie sich die Atmosphäre im Zimmer wieder veränderte. Sein Vater hatte die Augen geschlossen, als wolle er die ganze Situation einfach wegatmen, wegschieben, wegwünschen.

Doch die Worte, die er vorher gesagt hatte – dieses müde „Meinetwegen“ – hallten in Joey nach. Es fühlte sich nicht wie Erlaubnis an. Es fühlte sich wie Resignation an. Und das tat mehr weh, als wenn sein Vater sie angeschrien hätte.

Joey beugte sich leicht vor.

„Vater… ich wollte dir schon lange etwas sagen.“

Die Augen seines Vaters öffneten sich sofort. Nicht neugierig – eher misstrauisch.

„Fang jetzt bloß keinen Unsinn an.“

Serenity drehte sich zu Joey um. „Du musst das nicht sofort—“

„Doch“, unterbrach Joey sie leise. „Muss ich.“

Sein Vater schnaubte. „Immer noch derselbe Hitzkopf.“

Diese Worte brannten. Joey lachte bitter auf. „Weißt du was? Vielleicht. Aber wenigstens hab ich versucht, an dir festzuhalten.“

Seine Mutter machte einen Schritt vor. „Joseph—“

„Nein Mutter, lass mich.“ Seine Stimme war brüchig, aber klar. Er sah seinen Vater direkt an. „Weißt du, was das Schlimmste war? Nicht deine Wut. Nicht mal die Tage, in denen du uns angeschrien hast.“

Sein Vater presste die Lippen zusammen, als würde er sich gegen alte Geister stemmen.

„Das Schlimmste war, dass ich nie wusste, ob du überhaupt noch an uns denkst“, sagte Joey mit ruhiger, schwerer Stimme. „Ob wir dir egal geworden sind.“

Serenity blinzelte heftig; ihre Hand suchte die seines Bruders und drückte sie fest.

Ihr Vater sah weg, zum Fenster, als hätte der graue Himmel dort eine Antwort für ihn.

„Es war… besser so.“ Seine Stimme war kratzig, gepresst. „Ihr wart ohne mich besser dran.“

„Wer hat das entschieden?“, fuhr Joey auf. „Du?“

Sein Vater zuckte zusammen, als hätte er einen Schlag kassiert. Die Monitore im Raum piepten etwas schneller. Die Mutter hob sofort beschwichtigend die Hände.

„Joseph, beruhige dich, er ist geschwächt—“

„Ich weiß“, sagte Joey, die Stimme gebrochen. „Ich weiß. Aber ich habe das so lange in mir getragen…“ Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Ich hab mir als Kind eingeredet, dass du irgendwann sagst, dass es dir leidtut.“

Ein schwerer, fast erstickter Atemzug entfuhr dem Mann im Bett.

„Leid…“, murmelte er, aber der Rest ging in einem heiseren Aufstoßen unter.

„Vater…“, sagte Serenity leise und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante. „Du musst uns nicht alles erklären. Du musst uns nur einmal – EIN einziges Mal – ehrlich sagen, wie du wirklich fühlst.“

Mit geschlossenen Augen antwortete er rau:

„Ihr verdient… bessere Antworten, als ich euch geben kann.“

Serenity schluckte. Joey starrte ihn fassungslos an.

„Dann gib uns wenigstens eine“, sagte Joey. „Was wolltest du damals?“

Lange Stille. Nur die Geräte sprachen.

Dann öffnete ihr Vater die Augen wieder. Sie waren rot, glanzlos, müde – aber in diesem Moment lagen darin Gefühle, die er jahrelang vergraben hatte.

„Ich wollte euch nicht… kaputtmachen“, murmelte er. „Ich hab’s trotzdem getan.“

Serenity hielt den Atem an.

Joey spürte einen Stich, tief und schmerzhaft.

Sein Vater schüttelte schwach den Kopf, Tränen sammelten sich in seinen Augenwinkeln.

„Ich wusste nicht, wie man Vater ist. Ich war wütend. Auf mich. Auf die Welt. Und am Ende auch auf euch… obwohl ihr nie etwas dafür konntet.“

Die Worte brachen weg. Sein Atem flackerte.

„Seht ihr jetzt…?“, keuchte er. „Ich kann euch nicht geben, was ihr sucht.“

Joey stand auf, sein Stuhl rutschte beinahe nach hinten.

„Aber du bist der Einzige, von dem wir es hören wollen!“

Es war ein Schrei, voller alter Wunden.

Seine Mutter zuckte zusammen. Serenity sprang auf und umarmte Joey, hielt ihn fest, damit er nicht auseinanderfiel.

Und in diesem Moment sah ihr Vater zum ersten Mal seit Ewigkeiten nicht kühl, nicht abweisend, nicht erschöpft aus.

Er sah gebrochen aus.

„Ich… tue euch weh, ohne es zu wollen“, sagte er rau. „Vielleicht… vielleicht habt ihr recht, hier zu sein. Vielleicht auch nicht. Aber…“

Seine Stimme zitterte.

„Ich habe euch nie vergessen.“

Diese sechs Worte fielen schwer wie Steine – und heilten doch etwas Kleines, Fragiles in der Luft.

Serenity begann zu weinen. Joey senkte den Kopf, atmete tief durch, kämpfte gegen die plötzliche Hitze in seinen Augen.

Und als er wieder aufblickte, stand zwischen ihnen kein unüberwindbarer Abgrund mehr.

Nur ein Weg, der vielleicht… vielleicht endlich begehbar wurde.

Der Flur der Schule wirkte an diesem Morgen länger als sonst. Joey schlenderte neben Yugi her, die Hände tief in den Taschen seiner Jacke vergraben, während um sie herum Stimmen, Lachen und das Zuschlagen von Spinden widerhallten. Alle redeten davon, was danach kommen würde. Studium, Ausbildung, Auslandsjahr, große Pläne. Worte, die sich für Joey fremd anfühlten, wie Karten, die nicht in sein Deck passten.

Seine Freunde, besonders Yugi, hatten ihm schon oft geraten, auch an die „normale“ Zukunft zu denken. Ein Job, eine Ausbildung, vielleicht sogar ein Studium – etwas, das ihm Sicherheit geben würde. Doch die Vorstellung, tagelang nur in einem Büro zu sitzen, während sein Herz nach spannenden Duellen schrie, fühlte sich für Joey wie ein Gefängnis an.

Joey wusste zwar, was er nach dem Schulabschluss machen wollte, nämlich Profiduellant werden. Aber trotzdem fragte er sich ob das der richtige Weg war.

Immer wieder dachte er daran, wie hart die Konkurrenz war und wie viele Duellanten es gab, die genauso ehrgeizig und talentiert waren wie er.

Manchmal zweifelte er an sich selbst, besonders wenn er sich an die Momente erinnerte, in denen er gegen stärkere Gegner verloren hatte. „Vielleicht sollte ich etwas Sichereres machen…“, murmelte er zu sich selbst, während er durch die Gänge der Schule schlenderte. Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass die Welt des Duellierens ihn einfach nicht losließ. Die Aufregung, der Nervenkitzel, die Möglichkeit, seine Fähigkeiten ständig zu verbessern – all das war etwas, das er nirgendwo anders finden konnte.

Sein bester Freund Yugi hatte ihn oft ermutigt, an sich zu glauben, und Joey erinnerte sich an dessen Worte: „Joey, es kommt nicht darauf an, immer zu gewinnen. Es kommt darauf an, niemals aufzugeben.“

Immer wieder spukten ihm die Zweifel durch den Kopf: Würde er es wirklich schaffen, gegen die Besten anzutreten? Und was, wenn er scheiterte?

Trotz der Unsicherheit spürte er ein Feuer in sich, das er nicht ignorieren konnte. Schon seit Jahren hatte er sich mit Karten und Strategien beschäftigt, hatte nächtelang geübt und seine Decks perfektioniert. Jeder Sieg, jeder neue Zug, den er gemeistert hatte, fühlte sich an wie ein kleiner Triumph über seine eigenen Ängste.

Doch es war nicht nur der Wunsch zu gewinnen, der ihn antrieb. Joey wollte zeigen, dass man mit Herz, Mut und Entschlossenheit alles erreichen konnte – auch wenn die Welt einen manchmal klein aussehen ließ. Vielleicht war der Weg steinig und voller Hindernisse, aber genau das machte ihn für Joey reizvoll. Er wusste, dass er bereit war, alles zu geben, um seinen Traum zu verfolgen.

„Du bist heute so still“, sagte Yugi schließlich und blickte zu ihm auf.

Joey zuckte mit den Schultern. „Ja, keine Ahnung. Alle tun so, als wär schon alles entschieden.“ Er blieb stehen und sah aus dem Fenster auf den Schulhof. „Ich meine, Yugi… was, wenn ich mich total verschätze? Was, wenn ich gar nicht für diesen Profiduellanten-Lifestyle gemacht bin?“

„Joey, du bist einer der ehrgeizigsten Leute, die ich kenne. Aber es ist okay, sich zu fragen, ob der Weg, den man einschlägt, der richtige ist. Man muss nur ehrlich zu sich selbst sein.“

Joey nickte langsam. „Ich weiß. Aber manchmal wünschte ich mir, es gäbe eine Art Anleitung oder Karte, die mir sagt, wo’s langgeht.“

Yugi grinste leicht. „Klar, so eine Karte wäre praktisch. Aber vielleicht ist gerade das Spannende, dass du sie selbst zeichnest. Du musst nur herausfinden, welche Kämpfe es wert sind, gekämpft zu werden. Du machst dir zu viele Sorgen, Joey. Du hast schon so viel erreicht. Du musst dir nicht gleich über alles klar sein.“

Joey seufzte. „Aber was, wenn ich versage? Was, wenn ich in ein paar Jahren zurückblicke und denke, ich hätte etwas anderes machen sollen?“

Yugi legte ihm die Hand auf die Schulter. „Dann bist du immerhin ehrlich zu dir selbst gewesen und hast deinem Traum eine Chance gegeben. Und wer weiß? Vielleicht findest du unterwegs etwas, das du noch viel mehr liebst.“

Joey nickte nachdenklich. Die Worte seines Freundes klangen einfach, aber sie trafen ihn mitten ins Herz. Vielleicht ging es ja nicht darum, sofort die perfekte Entscheidung zu treffen, sondern darum, den Mut zu haben, seinen eigenen Weg zu gehen – egal, wie ungewiss er war.

Nachmittags saß Joey allein im Park, das Kartendeck locker in der Hand. Er mischte es gedankenverloren, ohne wirklich zu spielen. Duel Monsters war immer sein Rückzugsort gewesen, der Ort, an dem er gut war, ohne lange nachdenken zu müssen. Aber reichte das? Konnte man darauf eine Zukunft bauen?

Die Sonne stand tief, als er plötzlich die Stimme seines Lehrers in seinem Kopf hörte: Mach was aus dir, Joey. Früher hatte ihn der Satz wütend gemacht. Jetzt machte er ihm Angst.

Am nächsten Tag meldete sich Joey im Unterricht unerwartet zu Wort. Es war nur ein kurzer Moment, ein schneller Entschluss. „Ich… ich will’s wenigstens versuchen“, sagte er, als die Lehrerin nach Zukunftswünschen fragte. Seine Stimme zitterte, aber sie brach nicht. „Vielleicht irgendwas mit Turnieren. Oder Kindern beibringen zu spielen. Keine Ahnung. Aber ich will nicht einfach stehen bleiben.“

In der Pause klopfte ihm Tristan grinsend auf die Schulter. „Klingt nach ’nem echt guten Plan.“

Joey grinste zurück, aber ehrlich. Zum ersten Mal fühlte sich die Zukunft nicht wie ein unbesiegbarer Gegner an, sondern wie ein hartes Duell. Eins, das man verlieren konnte – aber auch gewinnen, wenn man den Mut hatte, die nächste Karte zu ziehen.

Mit neuem Mut in den Augen beschloss Joey, dass er nicht nur Profiduellant werden wollte – er wollte der Beste sein. Und egal, wie schwer es werden würde, er würde jeden Kampf annehmen, jedes Duell spielen und jede Herausforderung meistern. Denn aufgeben war keine Option.

Das war aber leichter gesagt als getan. Zwar hatte er Herz, Mut und eine beneidenswerte Portion Dickköpfigkeit, doch all das reichte nicht aus, um die gnadenlose Welt der Profiturniere zu erobern. Und er hatte ein Talent dafür, sich in den aussichtslosesten Situationen zurückzukämpfen – aber in der Welt der Profiduellanten zählten solche Dinge nur, wenn man sie auch beweisen konnte. Und zwar immer wieder.

Schon am ersten Morgen seines neuen Trainingsplans wurde ihm klar, dass ein echter Profi mehr brauchte als gute Karten und Glück im Ärmel. Er brauchte Disziplin. Und Disziplin war für Joey ein Gegner, der sich nicht so einfach wegbluffen ließ.

„Okay, Joey,“ murmelte er vor dem Spiegel. „Ab heute wird hart trainiert. Keine Ausreden. Keine Ablenkungen. Nur du, deine Karten und–“

RING! RING!

Das Telefon vibrierte auf dem Boden. Joey warf einen Blick darauf und seufzte.

Tristan. Natürlich.

„Yo, Joey! Willste später rüberkommen? Wir wollen ‘n paar Burger holen!“

Joey schloss die Augen. Verdammt… Das klang gut. Zu gut.

Aber ein Profiduellant gab nicht auf – zumindest nicht wegen Burgern.

„Kann nich’, Mann! Ich trainiere gerade! Ich muss besser werden – viel besser!“

Am anderen Ende herrschte kurz Stille. „…Du trainierst? Freiwillig? Bist du krank?“

Joey knurrte. „Nein, ich bin konzentriert! Es ist Zeit, dass ich der beste Duellant werde, den Domino City je gesehen hat!“

Er legte auf, schnappte sich sein Deck und setzte sich an den Tisch.

Er nahm eine Karte nach der anderen in die Hand, dachte über Kombos nach, überlegte, wie Yugi solche Situationen meistern würde… Und nach einiger Zeit – fast schon widerwillig – begriff er etwas:

Es ging nicht nur um Powerkarten.

Es ging nicht einmal nur um Strategie.

Es ging darum, zu verstehen, wer er selbst als Duellant war.

Und vielleicht… vielleicht war genau das seine wahre Stärke.
 

Joey stand an diesem Morgen vor der großen Aushangtafel des Duel Monsters Trainingscenters, die überladen war mit Turnierankündigungen, Ranglisten und Fotos der aktuellen Topspieler. Sein Name stand nicht darunter. Nicht einmal in der letzten Spalte, wo man fast schon eine Lupe brauchte, um die kleinsten lokalen Turnierergebnisse zu erkennen.

„Eines Tages… eines Tages stehe ich ganz oben“, murmelte er, ballte die Faust und versuchte, seine Nervosität herunterzuschlucken.

Natürlich hatte er Yugi im Kopf. Yugi, der König der Spiele. Sein bester Freund – aber auch sein größter Maßstab. Joey wollte niemanden übertreffen, nicht mal Yugi. Er wollte einfach beweisen, dass er es ebenfalls schaffen konnte. Dass in ihm mehr steckte als der chaotische Typ, der früher nur ums Überleben spielte.

Er zog sein Deck aus der Jackentasche. Die Karten waren abgegriffen, manche Ecken leicht gebogen, aber er kannte sie wie seine eigene Westentasche.

„Also gut“, sagte er entschlossen. „Wenn ich heute keinen Platz auf der Rangliste bekomme, dann hol ich mir eben ein Match – irgendjemand muss doch gegen mich antreten wollen.“

Und als hätte das Schicksal seine Worte gehört, tippte ihm plötzlich jemand auf die Schulter.

„Hey, du bist Joey Wheeler, oder? Der Typ, der bei Battle City unter die Top Vier gekommen ist?“

Joey drehte sich um. Vor ihm stand ein junger Duellant mit glänzendem, neuem Duel Disk und einer Selbstsicherheit, die Joey sofort an Kaiba erinnerte – nur ohne den Anzug.

„Ich suche einen starken Gegner“, sagte der Junge. „Und man sagt, du warst mal richtig gut. Lust zu beweisen, dass das nicht nur Geschichten sind?“

Joey grinste – breit, kämpferisch, voller Energie.

„Kleiner, du hast keine Ahnung, worauf du dich einlässt.“

Er setzte seinen Duel Disk auf.

„Aber ich zeig’s dir gern.“

DAS DUELL BEGINNT

Der junge Duellant – er nennt sich Kane – aktivierte seinen Duel Disk. Das visuelle System startete, der Countdown begann.

Beide: „Duell!“

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Runde 1 – Kane

Kane: „Ich fang an! Ziehen!“

Er warf zwei Karten aufs Feld.

• „Ich beschwöre Zubaba Knight!“ (ATK 1600)

• „Und ich setze eine Karte verdeckt.“

Zubaba Knight sprang nach vorne, bereit zum Angriff.

Kane: „Ich bin dran durch!“

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Runde 2 – Joey

Joey zog – und grinste sofort.

Joey: „Heh, nicht schlecht, Kleiner. Aber jetzt zeigt Onkel Joey dir mal, wie ein echter Duellant spielt!“

• „Ich beschwöre Baby Drache!“ (ATK 1200)

• „Und aktiviere sofort den Zauberer der Zeit!*“

Kane riss die Augen auf.

Kane: „Gleich am Anfang das Risiko?“

Joey: „Risiko? Das nennt man Mut! Und außerdem – Time Wizard enttäuscht mich nie, wenn’s wirklich drauf ankommt! Zeitroulette - los!“

Der Zeiger vom Zeitzauberer drehte sich und…blieb beim Zeitsprung stehen.

Erfolg!

• Baby Drache → Tausendjähriger Drache! (ATK 2400)

Thousand Dragon brüllt, die Luft bebte.

Joey: „Angriff! Thousand Dragon, zerstör Zubaba Knight – Time Flame!“

Kanes Monster wurde verdampft. Er verlor 800 LP.

Kane LP: 3200 – Joey LP: 4000

Joey setzte eine Karte.

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Runde 3 – Kane

Kane knirschte mit den Zähnen, aber blieb cool.

Kane: „Nicht schlecht. Aber jetzt wird’s ernst! Ziehen!“

• „Ich beschwöre Goblindbergh!“

→ aktivierter Effekt: Er specialbeschwört

• „Gagaga Magician!“

Beide Monster leuchteten.

Kane: „Ich überlagere Goblindbergh und Gagaga Magician! Xyz-Beschwörung! Erscheine, Nummer 39: Utopia!“ (ATK 2500)

Joey fluchte innerlich.

Kane: „Utopia, Angriff auf Thousand Dragon!“

Joey: „Ha! Damit hast du gerechnet, was? Ich aktiviere meine verdeckte Karte – Teufelswürfel!“

Ein roter Würfel erschien und rollte.

Es wird eine 4 → Die ATK von Utopia sanken um 400.

• Utopia: 2500 → 2100

Joey: „Jetzt gewinnt mein Thousand Dragon den Kampf!“

Utopia wurde getroffen, aber…

Kane: „Ich aktiviere Utopias Effekt und annulliere den Angriff! Mein Monster bleibt!“

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Runde 4 – Joey

Joey: „Okay, Kleiner. Jetzt geht’s los! Ziehen!“

Joey sah die Karte – sein Lächeln wurde breiter.

• „Ich aktiviere Scapegoat!“

Vier Schaf-Spielmarken erschienen.

• „Und jetzt spiele ich Engelswürfel!“

Der blaue Würfel rollte – 6!

Alle Schafe bekamen +600 ATK → jeder Token hatte 1100 ATK.

Joey grinste Kane frech an.

Joey: „Weißt du, was jetzt kommt?“

Er zeigte auf Utopia.

Joey: „Angriff der Schaf-Armee!“

Kane: „WAS?!“

Vier Spielmarken stürzten sich gleichzeitig auf Utopia.

Utopia hatte nur noch 2100 ATK, während Joey insgesamt 4400 ATK auf ihn wirft.

Utopia wurde vernichtet. Kane verlor 2300 LP.

Kane LP: 900 – Joey LP: 4000

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Runde 5 – Kane

Kaum noch LP – Kane zitterte.

Kane: „Ich… ich geb noch nicht auf! Ziehen!“

Er schaute die Karte an.

Schluckte.

Kane: „Ich setze… ein Monster. Mehr kann ich nicht tun.“

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Runde 6 – Joey – DER FINALE ZUG

Joey zog – und seine Augen leuchteten.

Joey: „Perfektes Timing!“

• „Ich beschwöre Jinzo!“ (ATK 2400)

→ Alle Fallenkarten sind wirkungslos.

Kane: „Oh nein…“

Joey: „Tausendjähriger Drache – mach’s kurz! Time Flame!“

Kanes gesetztes Monster – Gagaga Girl – wurde verbrannt.

Joey: „Und jetzt, Jinzo – DIREKTE ATTACKE!“

Jinzo schleuderte eine Energiewelle direkt auf Kane.

Kane LP: 0

________________________________________

SIEGER: JOEY WHEELER

Joey streckte die Arme in die Luft. „Siehst du, Kleiner? Ein bisschen Herz, ein bisschen Mut – und jede Menge Glück!“

Kane seufzte – und lachte dann. „Okay, Joey Wheeler… du hast es echt drauf. Ich glaub, du wirst es wirklich schaffen – Profiduellant zu werden.“
 

Joey saß mit Yugi, Tea, Tristan und den anderen Schülern in der Aula. Der Direktor stand vorne auf der Bühne und sprach ins Mikrofon. „Wir machen die schulinterne Trauerfeier weil heute vor genau einem Jahr Amy Smith Selbstmord begangen hat."

Joey rückte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Die Atmosphäre in der Aula war gedrückt; sogar Tristan, der sonst immer einen lockeren Spruch parat hatte, starrte schweigend nach vorn.

Der Direktor fuhr fort: „Viele von euch kannten Amy gut. Sie war eine freundliche, hilfsbereite Schülerin, und ihr Verlust hat eine Lücke hinterlassen. Heute wollen wir uns nicht nur an sie erinnern, sondern auch daran, dass niemand allein mit seinen Problemen bleiben muss.“

Yugi sah zu Joey hinüber. „Ich wusste gar nicht, dass heute der Jahrestag ist“, flüsterte er.

„Ich auch nicht …“ Joey senkte den Blick. „Aber irgendwie… macht’s Sinn, warum’s heut so still in der Schule ist.“

Tea verschränkte die Hände im Schoß. „Ich hoffe nur, dass jeder versteht, wie wichtig es ist, mit jemandem zu reden, wenn’s einem schlecht geht.“

Der Direktor nickte in dieselbe Richtung, als hätte er sie gehört. „Wenn ihr selbst jemals das Gefühl habt, es wird euch zu viel – sprecht mit euren Lehrern, euren Freunden oder den Beratern unserer Schule. Manchmal reicht ein Gespräch, um Licht in einen dunklen Moment zu bringen.“

In der Aula wurde es noch stiller. Einige Schüler sahen sich an, andere starrten auf den Boden.

Joey atmete tief durch. „Weißt du…“, begann er leise zu Yugi, „ich hab Amy nie gut gekannt. Sie war immer freundlich. Keiner hätte gedacht, dass es ihr so schlecht ging. Ich wünschte, ich hätt’ ihr damals irgendwas Nettes gesagt. Irgendwas, das ihr geholfen hätte.“

Yugi legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir können die Vergangenheit nicht ändern… aber wir können daraus lernen.“

Joey nickte langsam, als hätte er die Worte verstanden, aber sie taten trotzdem ein bisschen weh.

Auf der Bühne legte der Direktor das Mikrofon beiseite und ein sanftes Klavierstück begann über die Lautsprecher zu laufen. Einige Schüler bewegten sich unruhig, andere schlossen die Augen. Die Stimmung war schwer, aber nicht hoffnungslos – eher wie ein Raum, in dem alle gleichzeitig ausatmeten.

Tea beugte sich zu den anderen. „Ich hoffe wirklich, dass heute niemand das Gefühl bekommt, er hätte irgendetwas falsch gemacht. Manchmal… passiert so etwas, ohne dass jemand es kommen sieht.“

Tristan nickte ernst, und das war selten genug, dass es Joey auffiel.

„Ja… und das heißt nicht, dass man allein ist. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.“

Joey rieb sich die Hände an der Jeans. „Schon verrückt… Wir sitzen hier alle zusammen, aber ich wette, jeder denkt gerade was anderes.“

Yugi schenkte ihm ein kleines, warmes Lächeln. „Vielleicht. Aber wir teilen trotzdem denselben Moment. Und das ist wichtig.“

Der Direktor trat wieder ans Mikrofon. „Bevor wir die Schweigeminute beginnen, möchte ich euch bitten, an jemanden zu denken, der euch Kraft gibt. Einen Freund, ein Familienmitglied… oder jemanden, der euch schon einmal aufgefangen hat. Wir wollen nicht nur trauern – wir wollen uns daran erinnern, dass wir füreinander da sind.“

Joey hob leicht den Kopf. Irgendwie traf ihn der Satz mehr, als er erwartet hatte.

Er spürte plötzlich, wie Yugi, Tea und Tristan um ihn herum saßen – nah, warm, lebendig. Das Gefühl, allein zu sein, war für einen Moment verschwunden.

„Ich schätze…“, murmelte er, „es ist gar nicht so schwer, für jemanden da zu sein. Man muss nur zuhören.“

„Genau das“, antwortete Yugi leise.

Dann senkte sich eine tiefe Stille über die Aula. Die Schweigeminute begann, und Joey schloss die Augen. Er dachte an Amy – nicht, weil er sie gut gekannt hatte, sondern weil er hoffte, dass keiner seiner Freunde je so weit kommen würde, sich so verloren zu fühlen.

Und mit diesem Gedanken fasste er einen kleinen Entschluss:

Wenn einer von ihnen jemals in einem dunklen Moment stecken würde, dann wäre er da. Einfach da. Ohne große Worte, aber mit offenem Ohr.

Denn vielleicht, so dachte Joey, beginnt Hoffnung genau so.
 

Shinya hatte schulterlange lila gefärbte Haare und seine Fingernägel waren schwarz lackiert. Joey kannte ihn seit der Mittelschule. Schon damals hatte er so ausgesehen. Joey erinnerte sich noch genau daran, wie Shinya immer schon ein wenig anders gewesen war. Während sich die meisten Jungs für Sport oder Videospiele begeisterten, hatte Shinya sich für Kunst, Musik und alles Außergewöhnliche interessiert. Sein Stil war immer ein Statement, eine Art, sich von der Masse abzuheben und auch wenn Joey ihn manchmal seltsam fand, konnte er nicht leugnen, dass Shinya eine gewisse Präsenz hatte, die jeden Raum veränderte, in den er trat. Sie waren in ihrem Klassenzimmer. Es war gerade Pause und die meisten Schüler waren rausgegangen. Shinya saß an seinem Platz und kritzelte mit einem schwarzen Marker in ein Skizzenbuch, während Joey ihn schweigend beobachtete. Das Licht tanzte auf Shinyas lila Haaren. Joey stand auf und ging zu ihm. Es war, als hätte sich seit der Mittelschule kaum etwas geändert; nur dass die Welt draußen ein wenig rauer geworden war und sie beide ein bisschen älter.

Joey räusperte sich schließlich. „Weißt du Shinya, du hast dich wirklich nie verändert."

Shinya blickte auf, ein Lächeln auf den Lippen. „Manchmal ist es besser, sich selbst treu zu bleiben, statt sich anzupassen. Außerdem", fügte er hinzu und kritzelte ein kleines Totenkopf-Motiv in der Ecke der Seite, „ist es langweilig, normal zu sein."

Joey ließ sich neben ihm auf die Tischkante sinken, die Hände in den Taschen vergraben.

„Ja, schon,“ murmelte er, „aber manchmal frage ich mich, ob das nicht anstrengend wird. Immer gegen den Strom, meine ich.“

Shinya zuckte leicht mit den Schultern und klappte sein Skizzenbuch halb zu, als wolle er das Gespräch nicht hinter Zeichnungen verstecken. „Anstrengend ist es nur, wenn man versucht, jemand zu sein, der man nicht ist.“ Seine Augen waren ruhig, fast heiter. „Das ist doch viel ermüdender als ein bisschen…“ Er machte eine vage Geste, die irgendwo zwischen Rebellion und Gelassenheit lag. „…anders zu sein.“

Joey schnaubte leise, doch es klang eher wie ein Lachen. „Du machst es dir immer so einfach.“

„Oder du machst es dir zu schwer“, entgegnete Shinya und tippte ihm mit dem Marker spielerisch gegen die Hand. Ein kleiner schwarzer Punkt blieb auf Joeys Haut zurück.

Joey betrachtete ihn, rieb den Punkt mit dem Daumen weg und dachte daran, wie oft Shinya in der Mittelschule genau so vor ihm gesessen hatte – ruhig, unbeeindruckt von allem Lärm um sie herum. Damals hatte Joey nicht verstanden, wie jemand so unerschütterlich sein konnte. Heute beneidete er es fast.

„Hör mal“, begann Joey und schob ein Bein über den anderen, „ich mein ja nur… du hast ’ne Art, die wirkt, als wär’s dir egal, was andere denken.“

Shinya grinste. „Es ist mir nicht egal. Ich lass es mir nur nicht vorschreiben.“

Draußen auf dem Gang schrillte ein Lachen, Schritte näherten sich und entfernten sich wieder. Für einen Moment war es, als wären sie in einer kleinen Blase, abgeschirmt vom Rest der Schule.

„Weißt du, Joey,“ sagte Shinya schließlich und blätterte wieder zu seiner Zeichnung zurück, „du sagst immer, ich hätte mich nicht verändert. Aber du schon. Du wirkst… ich weiß nicht… nachdenklicher.“

Joey runzelte die Stirn. „Nachdenklicher?“

„Nicht falsch verstehen.“ Shinyas Stimme war sanft, aber klar. „Früher hast du einfach reagiert. Jetzt denkst du nach, bevor du’s tust. Das ist ’ne Art Veränderung. Und nicht die schlechteste.“

Joey wusste nicht sofort, was er darauf sagen sollte. Irgendwo in seiner Brust zog sich etwas zusammen – eine Mischung aus Stolz, Verlegenheit und einer kleinen, stillen Dankbarkeit.

„Vielleicht,“ sagte er schließlich und stieß ihm leicht gegen den Arm, „liegt das daran, dass ich aufgehört hab zu glauben, dass du der Einzige bist, der ’ne Präsenz hat.“

Shinya sah auf, überrascht – dann lachte er. Warm, aufrichtig, wie ein heller Ton in einem kaum gestimmten Raum.

„Dann,“ meinte er, „wird’s wohl Zeit, dass du’s selbst auch mal glaubst.“
 

Der Blonde überlegte sich einen Plan B. Für den Fall, dass es nicht klappte, Profiduellant zu werden. Was wäre die Alternative? In einer Fabrik arbeiten? Oder in einer Werkstatt?

Er lehnte sich auf dem Dach der Schule gegen das Geländer und starrte in den Himmel. Eines hatte er immer gehabt: Durchhaltevermögen. Fabrikarbeit stellte er sich eintönig vor: immer derselbe Handgriff, derselbe Lärm, derselbe Feierabend. Nein, das fühlte sich nicht nach ihm an. Eine Werkstatt hingegen … das hatte etwas. Mit den Händen arbeiten, Dinge reparieren. Er stellte sich vor, in einer kleinen Werkstatt zu stehen, ölverschmiert, aber zufrieden. Ölverschmierte Hände, kaputte Motoren, die man mit Geduld und einem guten Gespür wieder zum Laufen brachte. Joey mochte Dinge, die man reparieren konnte. Vielleicht, weil sein eigenes Leben sich oft genauso anfühlte: kaputt, aber nicht hoffnungslos.

„Mechaniker Joey Wheeler“, murmelte er und musste grinsen. War gar nicht so übel. Er hatte schon als Kind an Fahrrädern herumgeschraubt, später an alten Rollern. Und im Duell war es ja ähnlich: Man nahm Einzelteile – Karten, Strategien, Risiko – und bastelte daraus etwas, das funktionieren musste.

Trotzdem zog es ihm kurz den Magen zusammen bei dem Gedanken, die Duellarena endgültig hinter sich zu lassen. Die Duelle, der Jubel der Menge, der Moment, wenn ein Plan aufgeht – das war sein Traum.

Oder vielleicht etwas mit Kochen; seine Schwester Serenity würde lachen, aber Joey konnte mehr als Instantnudeln.

Joey ballte die Faust. „Erst versuch ich’s ganz oben“, sagte er zu sich selbst. „Und wenn ich falle… dann steh ich wieder auf. Irgendwie.“

Egal was kam, er würde kämpfen. Ob im Duell oder im Leben. Plan B bedeutete nicht Aufgeben – nur einen anderen Weg nach vorne.
 

Joey wusste schon lange, dass seine Englischkenntnisse nicht gerade die besten waren. Immer wieder stolperte er über einfache Vokabeln oder verdrehte die Grammatik so sehr, dass selbst Tristan lachen musste. Also fasste Joey einen Entschluss.

Er beschloss, bei Tea Nachhilfe zu nehmen, denn sie konnte Englisch fließend sprechen und erklärte immer geduldig. Tea war zuerst überrascht, sagte aber schließlich zu. „Aber nur, wenn du wirklich übst“, meinte sie streng, während sie ihm ein Notizbuch in die Hand drückte.

Schon bei der ersten Stunde merkte Joey, dass es nicht leicht werden würde. Tea ließ ihn einfache Dialoge lesen, korrigierte jede falsche Aussprache und ließ nicht locker. Joey stöhnte, kratzte sich am Kopf und murmelte: „Mann, Englisch ist schlimmer als ein Duell gegen Kaiba.“

Mit der Zeit jedoch wurde es besser. Joey verstand immer mehr und manchmal konnte er sogar einen ganzen Satz ohne Fehler sagen. Tea lächelte stolz und Joey merkte, dass sich die Mühe lohnte, weil er sich selbst beweisen wollte, dass er es schaffen konnte.

Und so trafen sie sich weiter regelmäßig nach der Schule, während Joey langsam, aber sicher Fortschritte machte.
 

Joey rannte ins Klassenzimmer. „Leute, ich hab meine Hausaufgaben vergessen. Darf ich von dir abschreiben, Tea?"

Tea schüttelte den Kopf. „Nein du musst deine Hausaufgaben selber machen."

„Mann du kannst mich doch nicht hängen lassen! Wie sieht es mit dir aus, Yugi?"

Yugi zögerte kurz, dann schlug er sein Heft auf. Joey strahlte und begann abzuschreiben. Tea seufzte. "Du hast einfach ein zu gutes Herz, Yugi."

„Tristan, wenn Herr Sato kommt, sag mir Bescheid", befahl Joey.

Tristan nickte. „Alles klar." Er lehnte sich lässig an die Tür und spähte auf den Flur. „Bis jetzt alles ruhig“, murmelte er.

Joey kritzelte hastig in sein Heft. „Alter, du rettest mir echt den Hals“, sagte er. „Ich schwör, nächstes Mal mach ich die Hausaufgaben selbst.“

Tea verschränkte die Arme. „Das sagst du jedes Mal, Joey.“

Yugi lächelte nur. „Beeil dich lieber. Herr Sato ist heute besonders streng.“

In dem Moment hörte man Schritte näherkommen. Tristan riss die Augen auf. „Alarm! Er kommt!“

Joey ließ fast den Stift fallen. „Was?! Schon?!“ In Windeseile klappte er das Heft zu und schob es zurück zu Yugi, während er sein eigenes auf den Tisch zog und so tat, als würde er angestrengt lesen.

Herr Sato betrat das Klassenzimmer und blickte prüfend über die Reihen. „Guten Morgen. Ich hoffe, ihr habt alle eure Hausaufgaben dabei.“

Joey schluckte, grinste dann aber breit und nickte eifrig. Tea schüttelte nur den Kopf und musste sich ein Lächeln verkneifen, während Yugi ruhig aufrecht sitzen blieb. Tristan setzte sich schnell auf seinen Platz, als wäre nichts gewesen.

„Gut“, sagte Herr Sato schließlich. „Dann können wir ja anfangen.“

Herr Sato legte seine Tasche auf den Lehrertisch und begann, die Anwesenheit zu überprüfen. Joey wippte nervös mit dem Bein unter dem Tisch, während Tea ihn mit einem strengen Blick musterte.

„Joey Wheeler?“, fragte Herr Sato.

„Hier!“, antwortete Joey etwas zu laut und setzte sofort ein unschuldiges Grinsen auf.

Herr Sato hob eine Augenbraue, sagte aber nichts weiter. „Yugi Muto?“

„Hier“, erwiderte Yugi ruhig.

Nachdem der Lehrer die Anwesenheit überprüft hatte begann der Unterricht. Doch Joey konnte sich kaum konzentrieren. Er beugte sich zu Tristan hinüber und murmelte: „Puh, das war knapp.“

Tristan grinste. „Du hast echt Glück, Mann.“

Tea beugte sich nun ebenfalls vor. „Du schuldest Yugi was. Und zwar mehr als nur ein Danke.“

Joey nickte eifrig. „Klar, klar. Ich lad euch alle nach der Schule auf Burger ein. Mein Ehrenwort!“

Yugi lächelte verlegen. „Das musst du doch nicht—“

„Doch, muss ich“, unterbrach Joey ihn. „Ich muss mich revanchieren.“

Vorne schrieb Herr Sato bereits Formeln an die Tafel. „Passt jetzt bitte auf“, sagte er streng. „Das Thema heute wird wichtig für den Test nächste Woche.“

Joey riss die Augen auf. „Test? Nächste Woche?!“, murmelte er panisch.

Tea verdrehte die Augen. „Siehst du, genau deswegen solltest du deine Hausaufgaben selbst machen.“

Joey seufzte, setzte sich aber endlich gerade hin und starrte auf die Tafel. „Okay… diesmal pass ich wirklich auf.“

„Ich werde jetzt durch die Reihen gehen und eure Hausaufgaben kontrollieren", sagte Herr Sato. Joey wurde sofort nervös denn er hatte es nicht geschafft seine Hausaufgaben fertigzumachen.

Ein kalter Schauer lief Joey über den Rücken. Mist, Mist, Mist, dachte er und blätterte hektisch in seinem Heft, als würden die fehlenden Aufgaben plötzlich auftauchen.

Herr Sato begann in der ersten Reihe und arbeitete sich langsam nach hinten vor. Jeder Schritt schien für Joey eine Ewigkeit zu dauern. Tea sah ihn streng an, sagte aber nichts. Yugi bemerkte Joeys Panik und beugte sich leicht zu ihm rüber.

„Bleib ruhig“, murmelte Yugi leise. „Vielleicht merkt er es nicht.“

„Nicht merken?“, hauchte Joey zurück. „Der sieht alles!“

Tristan versuchte, die Stimmung aufzulockern. „Wenn er meckert, sag einfach, dein Hund hat die Hausaufgaben gefressen.“

Tea schoss ihm einen Blick zu. „Tristan!“

Herr Sato war inzwischen nur noch zwei Tische entfernt. Joeys Hände wurden feucht. Schnell schrieb er noch ein paar halbe Sätze ins Heft, die kaum Sinn ergaben.

„Joey Wheeler“, sagte Herr Sato schließlich und blieb neben ihm stehen. „Deine Hausaufgaben bitte.“

Joey schluckte, stand auf und reichte zögernd sein Heft nach vorne. „Äh … hier, Sato-sensei.“

Der Lehrer blätterte durch die Seiten. Seine Stirn legte sich in Falten. Joey hielt den Atem an. Yugi ballte unter dem Tisch die Fäuste, und selbst Tea wirkte plötzlich angespannt.

Herr Sato sah auf. „Joey“, begann er streng, „das ist unvollständig.“

Joey ließ die Schultern hängen. „Tut mir leid, Sato-sensei. Ich… ich mach sie heute Nachmittag fertig. Ganz sicher.“

Einen Moment lang herrschte Stille. Dann seufzte Herr Sato. „Nach dem Unterricht bleibst du kurz hier. Wir reden darüber.“

Joey nickte kleinlaut. „Ja, Sato-sensei.“

Als der Lehrer weiterging, atmete Joey leise aus. Tristan beugte sich zu ihm. „Kopf hoch, hätte schlimmer kommen können.“

Tea sagte: „Und heute wirklich Hausaufgaben machen.“

Joey nickte entschlossen. „Versprochen. Kein Abschreiben mehr.“

Der Unterricht zog sich für Joey wie Kaugummi. Während Herr Sato erklärte, starrte Joey abwechselnd auf die Tafel und auf die Uhr. Jede Minute bis zum Stundenende fühlte sich doppelt so lang an.

Endlich klingelte es. Die Schüler packten ihre Sachen zusammen und verließen nach und nach das Klassenzimmer. Tea und Tristan blieben kurz stehen.

„Wir warten draußen auf dich“, sagte Tea zu Joey. „Komm gleich nach.“

Joey nickte dankbar. „Danke.“

Yugi blieb ebenfalls noch einen Moment und sah Joey aufmunternd an. „Du schaffst das.“

Als der Raum leer war, verschränkte Herr Sato die Arme und sah Joey ernst an. „Joey, das ist nicht das erste Mal.“

Joey senkte den Blick. „Ich weiß, Sato-sensei. Ich hab’s echt vermasselt.“

Der Lehrer seufzte, diesmal weniger streng. „Du bist nicht dumm. Aber du verlässt dich zu sehr auf andere. Das hilft dir auf Dauer nicht.“

Joey nickte langsam. „Ich will’s besser machen. Ehrlich.“

Herr Sato musterte ihn einen Moment, dann nickte er. „Gut. Du reichst mir die vollständigen Hausaufgaben morgen nach. Und ich erwarte, dass sie deine sind.“

„Ja, Sato-sensei!“, sagte Joey sofort.

„Du kannst gehen.“

Joey schnappte sich seine Tasche und rannte aus dem Klassenzimmer. Auf dem Flur warteten bereits Tea, Tristan und Yugi.

„Und?“, fragte Tristan neugierig.

Joey grinste breit. „Kein Nachsitzen. Aber ich muss heute lernen.“

Tea lächelte zufrieden. „Siehst du? Geht doch.“

Yugi nickte. „Wenn du willst, können wir zusammen lernen.“

Joeys Gesicht hellte sich auf. „Echt? Mann, Yugi, du bist der Beste.“

Tea verschränkte die Arme, aber diesmal mit einem kleinen Lächeln. „Solange du nicht wieder abschreibst.“

Joey hob beschwichtigend die Hände. „Versprochen. Heute mach ich’s richtig.“

Joey freute sich nicht auf die letzten zwei Stunden. Da hatte seine Klasse nämlich Sport. Der Sportunterricht war für ihn eigentlich was Schönes, weil er sehr sportlich war. Aber nicht wenn man Herr Karita als Sportlehrer hatte.

Herr Karita war bekannt für seine strengen Regeln und seine unbarmherzige Art, wenn es um Disziplin ging. Er hatte eine Vorliebe dafür, die Schüler bis an ihre Grenzen zu treiben. Joey erinnerte sich an die letzten Stunden, in denen sie endlose Runden um den Sportplatz laufen mussten oder anstrengende Übungen machen sollten, während Herr Karita mit verschränkten Armen zusah und jeden Fehler kommentierte.

Warum kann er nicht einfach mal locker sein?, dachte Joey frustriert. Sport sollte Spaß machen! Ein bisschen Fußball oder Basketball wäre doch viel besser als diese endlosen Runden um den Platz!

Trotz seiner sportlichen Fähigkeiten fühlte er sich oft unter Druck gesetzt. Die anderen Schüler schienen ebenfalls genervt von der strengen Atmosphäre. Einige tuschelten leise über die Möglichkeit, dass sie heute vielleicht etwas anderes machen könnten – vielleicht ein Spiel oder eine entspannte Runde Basketball.

Als die Glocke schließlich läutete und die Klasse in die Turnhalle strömte, versuchte Joey, optimistisch zu bleiben. Vielleicht würde es heute ja anders werden. Vielleicht würde Herr Karita einen guten Tag haben und ihnen erlauben, etwas Spaß zu haben. Doch als sie auf dem Platz ankamen und Herr Karita mit seinem strengen Blick auf sie herabblickte, wusste Joey, dass er sich wohl noch lange gedulden musste. dass es wieder einmal hart werden würde.

„Heute machen wir ein intensives Ausdauertraining!“, verkündete Herr Karita mit einem strengen Blick. „Ich will sehen, wie weit ihr wirklich gehen könnt!“

Joey spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Ausdauertraining. Wieder. Er konnte die entnervten Seufzer der Mitschüler hören, das leise Klatschen der Schuhe auf dem Hallenboden, als alle sich in einer Reihe aufstellten.

„Wärmt euch auf!“, rief Herr Karita. „Ihr habt fünf Minuten. Danach laufen wir vier Runden, und dann…“ Er ließ die Pause hängen, als würde er den Rest der Strafe erst noch ausdenken. „…machen wir Zirkeltraining. Keine Ausreden. Keine Pausen. Und keine schlechten Leistungen!“

Joey seufzte innerlich. Er war fit – aber er wusste, dass Herr Karita nicht einfach „fit“ meinte. Er meinte „bis zum Anschlag“. Joey war bereit, sich anzustrengen, aber er wollte auch nicht, dass der Sportunterricht ihn am Ende einfach nur kaputt machte.

Als die fünf Minuten vorbei waren, stellte Herr Karita sie in einer Linie auf der Hallenmitte auf.

„Los!“, rief er. „Vier Runden. Und ich erwarte, dass jeder einzelne von euch konstant bleibt. Wenn jemand zurückfällt, wird er extra Übungen machen. Und zwar bis ich zufrieden bin!“

Die ersten Runden liefen relativ gut. Joey konnte seine Geschwindigkeit halten, ohne zu stark zu keuchen. Doch schon nach der zweiten Runde begann sich der Druck zu zeigen: Einige Schüler wurden langsamer, manche gingen, andere fingen an, auf dem Boden zu starren, als wäre die Hallenlinie plötzlich ein Abgrund.

Herr Karita blieb mit verschränkten Armen stehen und beobachtete jeden einzelnen.

„Schneller, Toshiyuki!“, rief er einem Jungen zu, der schon leicht hinter dem Rest zurückblieb. „Du läufst wie eine Schnecke!“

Toshiyuki stieß einen ärgerlichen Laut aus und beschleunigte. Doch sein Gesicht war rot, und es war klar, dass er kurz davor war, aufzugeben.

Joey konnte das Gefühl gut nachvollziehen. Er hatte selbst schon Stunden erlebt, in denen er sich gefragt hatte, warum sie das alles machen mussten. Doch diesmal passierte etwas, das ihn aus der Routine riss.

Plötzlich stürzte neben ihm jemand. Es war Mia, ein Mädchen aus der Klasse, die normalerweise eher ruhig war. Sie fiel auf die Knie, hielt sich den Knöchel und verzog das Gesicht vor Schmerz.

„Mia!“, rief jemand. „Was ist passiert?“

Herr Karita trat sofort näher und kniff die Lippen zusammen. „Steh auf!“, befahl er. „Das ist nur ein bisschen Schmerz. Wir laufen weiter!“

Mia schüttelte den Kopf und versuchte aufzustehen, doch ihr Gesicht zeigte klar, dass es nicht ging.

Joey trat einen Schritt vor.

„Karita-sensei…“, begann er vorsichtig. „Sie kann nicht mehr. Wir sollten…“

„Du willst dich ausreden?“, unterbrach Herr Karita scharf. „Du willst, dass alle schwach werden? Nein. Wir machen weiter.“

Einige Schüler schauten sich nervös an. Niemand wollte den Zorn des Lehrers auf sich ziehen. Doch Joey sah Mia an – und in ihren Augen lag echte Angst.

Er wusste, dass er etwas tun musste.

„Karita-sensei“, sagte Joey laut. „Ich glaube, wir sollten Hilfe holen. Mia kann nicht laufen. Wir müssen sie…“

Der Sportlehrer trat einen Schritt auf Joey zu, so nahe, dass Joey seinen strengen Atem riechen konnte.

„Du willst mir vorschreiben, was ich zu tun habe?“, fragte Herr Karita kalt. „Du willst, dass ich meinen Unterricht unterbreche, nur weil ein Mädchen nicht mehr kann?“

Joey schluckte. Sein Herz klopfte schnell, aber er spürte, wie etwas in ihm sich auflehnte. Nicht gegen den Sport – sondern gegen die Art, wie Herr Karita Menschen behandelte.

„Nein“, sagte Joey ruhig. „Ich will, dass wir nicht einfach weitermachen, wenn jemand verletzt ist. Das ist keine Disziplin. Das ist… gefährlich.“

Herr Karita starrte ihn an, dann öffnete er den Mund, als wollte er etwas sagen. Doch bevor er es konnte, ertönte plötzlich ein lautes Geräusch – die Tür zur Turnhalle wurde aufgestoßen.

Es war Frau Watanabe, die gerade vorbeikam.

„Was ist hier los?“, fragte sie, als sie Mia auf dem Boden sah.

„Nichts“, antwortete Herr Karita sofort. „Nur ein kleines Problem. Ich habe alles unter Kontrolle.“

Frau Watanabe trat näher, sah Mia an und dann zu den anderen Schülern, die alle still und angespannt waren.

„Mia, kannst du aufstehen?“, fragte sie sanft.

Mia schüttelte den Kopf.

Frau Watanabe kniete sich zu ihr hinunter. „Das sieht nicht gut aus. Wir gehen ins Büro, und ich rufe den Schulsanitäter. Ihr anderen: Setzt euch bitte in die Ecke und wartet.“

Herr Karita runzelte die Stirn.

„Das ist doch übertrieben“, sagte er.

Frau Watanabe hob den Blick und ihre Stimme wurde fester.

„Nein. Das ist Verantwortung. Und Sie sollten das auch lernen, Karita-san.“

Die Klasse stand still. Joey konnte spüren, wie sich eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Unruhe in ihm ausbreitete. Er hatte nicht erwartet, dass jemand ihn unterstützen würde – aber Frau Watanabe hatte es getan.

Als Mia in den Arm genommen und aus der Turnhalle geführt wurde, stand Joey noch eine Weile da und sah zu, wie Herr Karita die Hände in die Hüften stemmte, als würde er gleich explodieren.

Dann drehte er sich um, ging zu der Gruppe der Schüler und sagte zu ihnen:

„Setzt euch. Wir machen den Rest… später.“

Er ging aus der Halle, ohne sich noch einmal umzusehen.

Joey ließ sich auf den Boden sinken und atmete tief durch. Die anderen Schüler schauten ihn an – einige mit Dankbarkeit, andere mit Unsicherheit.

„Du hast das gut gemacht“, sagte Tea.

Joey schaute nach vorne, in die Richtung, in die Herr Karita verschwunden war. Er wusste, dass dies nicht das Ende war. Wahrscheinlich würde es noch Ärger geben. Aber zum ersten Mal seit Wochen fühlte er, dass Sport nicht nur etwas war, das man überstehen musste.

Es konnte auch bedeuten, dass man aufeinander achtete.

Und vielleicht – nur vielleicht – würde Herr Karita eines Tages auch verstehen, dass Stärke nicht nur aus Härte besteht.
 

Joey saß auf dem harten Stuhl im Aufenthaltsraum der Klinik und starrte auf die Kaffeetasse, die vor ihm stand. Der Kaffee war längst kalt geworden, aber er rührte nicht um. Er hörte nur das leise Brummen der Lüftung und das entfernte Murmeln anderer Patienten, die sich in kleinen Gruppen unterhielten oder in ihren eigenen Gedanken versunken waren.

Sein Vater war seit drei Wochen in dieser Klinik und machte gerade eine Therapie wegen seiner Alkoholsucht. Drei Wochen, in denen Joey nicht wirklich wusste, wie er damit umgehen sollte. In denen er gelernt hatte, dass Hoffnung nicht automatisch bedeutet, dass alles gut wird. Hoffnung bedeutet manchmal nur, dass man weiter versucht, obwohl man nicht weiß, ob es überhaupt etwas bringt.

Er dachte an die letzte Sitzung, die er mit seinem Vater hatte. Es war keine richtige Unterhaltung gewesen. Mehr ein Hin- und Her, ein Stolpern über Worte, die keiner von beiden richtig aussprechen konnte.

„Ich hab’s versucht, Joey“, hatte sein Vater gesagt, und seine Stimme hatte gezittert, als wäre er selbst überrascht, dass er es überhaupt aussprechen konnte. „Ich hab’s wirklich versucht.“

Joey hatte gelacht, weil es der einzige Weg war, den Schmerz nicht zu zeigen. „Du sagst das seit Jahren“, hatte er geantwortet. „Du sagst das seit Jahren und jedes Mal endet es gleich.“

Sein Vater hatte den Blick gesenkt, als ob er sich für jede einzelne dieser Jahre schämte. „Ich weiß“, sagte er leise. „Ich weiß. Aber ich will’s diesmal anders machen.“

Joey hatte sich nach diesem Satz nicht getraut zu sagen, was er wirklich dachte: Dann fang endlich an, bevor es zu spät ist.

Stattdessen hatte er sich nur nach vorne gelehnt und gesagt: „Ich will nur, dass du wieder… du bist.“

Und sein Vater hatte für einen Moment so ausgesehen, als könnte er das schaffen. Als hätte man ihm gerade eine Tür gezeigt, die er vorher nicht gesehen hatte.

Dann hatte der Besuchsraum wieder angefangen zu summen, und Joey hatte gemerkt, dass er nicht mehr nur wegen seines Vaters hier war. Er war hier, weil er selbst nicht wusste, wohin mit dem Chaos in seinem Kopf.

Die Tür zum Aufenthaltsraum öffnete sich, und ein Mann in einem weißen Kittel trat ein. Er war in seinen Dreißigern, hatte eine ruhige Art und trug einen Stapel Akten. „Joey Wheeler?“, fragte er, als er ihn sah. „Ich bin Dr. Keller. Ich arbeite hier mit deinem Vater.“

Er hatte seinen Vater seit Tagen nicht mehr gesehen. Nicht wirklich. Nur die kurze Nachricht am Telefon, die er kaum gehört hatte: „Ich bin hier… ich versuche es. Ich will es schaffen.“

Joey hatte geantwortet, dass er vorbeikommen würde, dass er es verstehen würde, dass er stolz sei. Aber in seinem Kopf war es nicht so einfach.

Joey nickte, schluckte, und merkte, wie sein Mund trocken wurde. „Wie geht es ihm?“

Dr. Keller hielt kurz inne, als wolle er die richtige Formulierung finden. „Er macht Fortschritte. Er hat heute zum ersten Mal seit langem wieder freiwillig an einer Gruppe teilgenommen. Er war… offen. Das ist ein guter Schritt.“

Joey spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Hoffnung? Angst? Beides. „Ist er… okay?“

„Er ist stabil“, sagte Dr. Keller. „Aber es ist ein langer Weg. Es wird Rückschläge geben. Und er wird jemanden brauchen, der ihm wirklich glaubt, dass er es schaffen kann.“

Joey wollte etwas sagen. Er wollte sich verteidigen, erklären, warum er so wütend war. Warum er es nicht vergessen konnte, wie sein Vater ihn immer wieder versetzt hatte, wie er seine Versprechen zerbrach wie Glas.

Stattdessen schüttelte er den Kopf. „Ich weiß.“

Dr. Keller sah ihn an, als ob er in ihm etwas erkannt hätte, das er nicht benennen konnte. „Wenn du möchtest, kannst du ihn heute besuchen. Es ist Besuchszeit. Er würde sich freuen.“

Er stand auf, ließ die Tasse stehen und folgte dem Arzt durch den Flur. An den Wänden hingen Plakate mit Sätzen wie „Schritt für Schritt“ und „Du bist nicht allein“. Joey hatte das Gefühl, dass diese Sätze für ihn bestimmt waren – und gleichzeitig konnte er sich nicht vorstellen, dass sie ihn wirklich erreichen könnten.

„Ich will nicht, dass er mich anlügt“, sagte er schließlich leise. „Ich will nicht, dass er mir wieder sagt, er sei ein besserer Mann, und dann…“

Dr. Keller nickte. „Das ist verständlich. Aber glaube mir: Er kämpft gerade gegen etwas, das größer ist als wir. Und er hat Angst. Angst davor, dass er auch diesmal versagen wird.“

Joey schluckte. Er dachte an all die Nächte, in denen er wach gelegen hatte, weil sein Vater nicht nach Hause gekommen war. An all die Male, an denen er alleine in der Küche saß und auf ein Geräusch wartete, das nie kam. An die vielen Male, in denen er sich gewünscht hatte, einfach nur ein normaler Junge zu sein.

„Ich will ihn nicht verlieren“, sagte Joey schließlich, und es war nicht nur ein Satz, sondern ein Eingeständnis.

Dr. Keller legte ihm eine Hand auf die Schulter, kurz, aber fest. „Dann geh rein. Sag ihm das. Und sage ihm, dass du da bist – als Sohn.“

Joey atmete tief ein, als ob er Luft für etwas Größeres sammeln würde. Dann ging er zur Tür, die zu den Besucherräumen führte.

Die Tür öffnete sich, und Joey trat ein. Als er den Raum betrat, sah er seinen Vater auf einem Stuhl sitzen, die Hände gefaltet, die Augen auf den Boden gerichtet. Er sah müde aus. Er sah aus, als hätte er schon so viel verloren, dass es schwer war, noch etwas zu halten.

Doch als er Joey bemerkte, hob er den Blick. Und in diesem Moment war da etwas anderes als Schuld oder Scham. Da war etwas wie Erleichterung. Wie wenn ein Mensch endlich wieder Luft holen kann.

„Hey, Joseph“, sagte sein Vater, und seine Stimme war fest. „Danke, dass du gekommen bist.“

Joey setzte sich gegenüber, ohne zu wissen, was er sagen sollte. Schließlich sagte er: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Sein Vater lächelte schwach. „Dann sag einfach, was du fühlst.“

Joey starrte ihn an. Für einen Moment sah er ihn nicht als den Mann, der ihn im Stich gelassen hatte, sondern als jemanden, der sich selbst verloren hatte. „Ich fühl mich… wütend“, gab Joey zu. „Und… verletzt. Und manchmal will ich dir einfach nur sagen, dass du mich nie wieder so im Stich lassen sollst.“

Sein Vater nickte, als hätte er darauf gewartet. „Du hast jedes Recht, wütend zu sein“, sagte er. „Ich hab dich im Stich gelassen. Und ich kann dir nicht versprechen, dass es nie wieder passiert. Aber ich kann dir versprechen, dass ich alles dafür tun werde, dass es nicht wieder passiert.“

Joey schluckte. „Wie willst du das machen?“

Sein Vater atmete tief ein. „Indem ich mir Hilfe hole. Indem ich mich nicht mehr verstecke. Indem ich jeden Tag aufs Neue… wach bleibe. Nicht nur körperlich. Auch mental.“

Er sah Joey an, und für einen Moment sah Joey etwas in seinen Augen, das er lange nicht gesehen hatte: Ehrlichkeit.

„Ich hab in der Therapie gelernt, dass Sucht nicht nur das ist, was du trinkst“, sagte sein Vater. „Sucht ist auch das, was du nicht fühlen willst. Und ich hab so lange versucht, nicht zu fühlen. Ich hab gedacht, wenn ich trinke, dann bin ich nicht ich. Aber ich hab vergessen, dass ich auch ohne Alkohol ich bin – nur eben ein Mensch, der Schmerzen hat.“

Joey fühlte, wie ihm etwas in der Brust brannte. Nicht nur Wut, sondern auch… Traurigkeit. Und vielleicht ein bisschen Hoffnung.

„Und was ist mit mir?“, fragte er. „Was ist mit dem, was ich durchgemacht hab?“

Sein Vater legte eine Hand auf die Tischkante, als wollte er sie festhalten, damit sie nicht wegrutschte. „Ich weiß, dass ich dir etwas genommen hab“, sagte er. „Ich weiß, dass ich nicht einfach ‘Sorry’ sagen kann und dann ist alles gut. Aber ich will dir zeigen, dass ich es ernst meine. Ich will dir beweisen, dass ich mich ändere – nicht für mich, sondern für dich. Für uns.“

Joey sah ihn an und merkte, dass er zum ersten Mal in seinem Leben nicht nur darauf wartete, verletzt zu werden. Er wartete darauf, dass sein Vater etwas wirklich schafft.

„Du willst also… wieder ein Vater sein?“, fragte Joey.

Sein Vater nickte. „Ja. Wenn du mir die Chance gibst.“

Joey zögerte. Dann atmete er aus, als würde er eine Entscheidung treffen, die er schon lange hätte treffen sollen.

„Ich gebe dir eine Chance“, sagte er. „Aber du musst verstehen: Es wird nicht leicht. Und wenn du wieder rückfällig wirst…“

„Dann gehst du weg“, vervollständigte sein Vater den Satz. „Und ich werde es verstehen.“

Joey nickte. „Ich will dich nicht verlieren, Vater. Aber ich will auch nicht wieder… ich will nicht wieder das Kind sein, das aufwacht und merkt, dass sein Vater wieder betrunken ist.“

Sein Vater sah ihn an, und seine Augen glänzten. „Ich weiß“, sagte er. „Und ich will, dass du wieder schlafen kannst. Ohne Angst.“

Ein Moment der Stille legte sich über den Raum. Dann stand Joey auf. „Ich muss gehen“, sagte er. „Ich hab… ich hab heute noch Training.“

Sein Vater lächelte, und es war das erste Mal, dass Joey dieses Lächeln nicht als Lüge empfand. „Geh“, sagte er. „Und… Joseph?“

„Ja?“

„Danke“, sagte sein Vater. „Dass du gekommen bist. Und… dass du mir noch eine Chance gibst.“

Joey nickte, dann drehte er sich um und ging aus dem Raum. Auf dem Flur blieb er kurz stehen, atmete tief ein und aus – und merkte, dass es ihm leichter fiel als noch vor drei Wochen.

Nicht, weil alles gut war.

Sondern weil er endlich das Gefühl hatte, dass es möglich war, dass es besser werden könnte.
 

Joey stand vor dem kleinen Badezimmerfenster und starrte hinaus auf den Hinterhof, wo die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand. Die Luft war warm, aber sein Kopf fühlte sich kalt an. Sein Handy vibrierte in seiner Hosentasche, doch er hatte keine Lust, es zu prüfen.

Dann vibrierte es erneut. Ein Anruf.

Er ist es, dachte Joey sofort. Er ist wieder da.

Er hob das Telefon.

„Joey“, sagte die Stimme am anderen Ende, und es war nicht die Stimme seines Vaters. Es war eine Frauenstimme, die immer dann anrief, wenn etwas schiefgelaufen war. „Dein Vater… er ist raus. Er hat sich abgesetzt aus der Klinik.“

Joeys Herz setzte einen Schlag aus. „Was?“, fragte er, obwohl er die Antwort schon kannte.

„Er ist in einer Bar“, sagte die Frau. „Er trinkt. Und er ist… er ist nicht mehr der gleiche. Er ist aggressiv.“

Joey konnte den Schmerz in seiner Brust fühlen, wie eine Faust, die sich langsam um sein Herz schloss. „Wo ist er?“, fragte er, und die Frau am anderen Ende zögerte.

„Er ist in der Nähe von…“, begann sie, doch dann stoppte sie, als hätte sie Angst, Joey zu verletzen.

„Sagen Sie es mir“, sagte Joey.

„In der Gegend um den Hafen“, sagte sie schließlich. „Du solltest… du solltest nicht alleine hingehen.“

Joey schluckte. „Ich gehe hin.“

Er legte auf, zog sich schnell an und rannte aus dem Haus. Seine Gedanken rasten. Warum? Warum passiert das immer wieder? Warum kann er es nicht halten?

Im Auto saß Joey wie in einem Tunnel. Er fuhr, ohne wirklich zu sehen. Jede Ampel schien ihn aufzuhalten, als würde die Welt ihn zwingen, noch einen Moment länger zu überlegen, ob er wirklich zu diesem Ort gehen sollte.

Als er am Hafen ankam, roch er sofort den Geruch von Salz, Diesel und… Alkohol. Die Luft war schwer, und irgendwo lachte jemand laut, als wäre alles in Ordnung.

Er sah die Bar sofort. Es war eine kleine, heruntergekommene Kneipe mit vergilbten Fenstern und einem Schild, das sich leicht im Wind bewegte. Durch die Scheibe konnte er jemanden erkennen, der an der Bar saß. Sein Vater.

Er war nicht allein. Zwei Männer standen neben ihm, und sein Vater hielt ein Glas in der Hand, das er wie einen Schatz umklammerte. Sein Gesicht war rot, seine Augen glasig. Er sah aus, als hätte er bereits mehrere Drinks zu viel gehabt.

Joey ging hinein.

Der Geruch von Alkohol und Zigaretten traf ihn wie eine Wand. Die Musik war laut, die Gespräche waren rau. Joey fühlte sich plötzlich fehl am Platz, als wäre er in einer Welt gelandet, die er nie wieder betreten wollte.

Er ging zur Bar, stellte sich neben seinen Vater und sagte ruhig: „Hey.“

Sein Vater drehte sich langsam um. Für einen Moment sah Joey in seinen Augen etwas wie Erkennen. Dann verwandelte sich der Blick in etwas anderes – in Wut, in Scham, in etwas, das Joey nicht greifen konnte.

„Was machst du hier?“, fragte sein Vater, und seine Stimme war hart, obwohl sie zitterte.

„Ich bin hier, weil du einen Rückfall hattest“, sagte Joey.

Sein Vater lachte, aber es war kein echtes Lachen. „Du denkst, ich hab einen Rückfall?“, fragte er. „Du denkst, ich hab wieder angefangen?“

Joey sah ihn an. „Ich weiß, dass du wieder angefangen hast.“

Sein Vater schlug mit der flachen Hand auf den Tresen. „Du weißt gar nichts!“, schrie er. „Du weißt nicht, wie schwer das ist!“

Die beiden Männer neben ihm drehten sich zu Joey um, und Joey spürte, wie der Raum plötzlich enger wurde. Er merkte, wie sein Herz schneller schlug.

„Hör zu“, sagte Joey ruhig, obwohl er innerlich zitterte. „Ich bin nicht hier, um mit dir zu streiten. Ich bin hier, weil ich will, dass du wieder zurück in die Klinik gehst.“

Sein Vater starrte ihn an, als wäre Joey ein Fremder. „Zur Klinik?“, wiederholte er, und ein bitteres Lächeln spielte um seine Lippen. „Du willst mich wieder wegschicken? Wie immer?“

Joey schüttelte den Kopf. „Nein. Ich will, dass du dich behandelst. Ich will, dass du Hilfe annimmst. Nicht für mich. Für dich.“

Sein Vater lachte wieder, diesmal schärfer. „Für mich? Ich hab dich doch verloren! Ich hab dich doch kaputt gemacht!“

Joey spürte, wie ihm die Worte wie Messerstiche trafen. Er hatte gehofft, dass sein Vater wenigstens ein kleines Stück Verantwortung übernehmen würde. Stattdessen war da wieder nur dieses alte Muster: Schuld, Ausreden, Selbstzerstörung.

„Ich weiß, was du gemacht hast“, sagte Joey. „Und ich werde es dir nicht verzeihen, wenn du wieder wegläufst. Aber ich werde auch nicht zulassen, dass du dich jetzt hier kaputt machst.“

Sein Vater starrte ihn an, dann schlug er das Glas auf den Tresen, sodass es zersprang. Der Alkohol spritzte über die Oberfläche, und die Leute in der Bar schauten auf. Sein Vater starrte Joey an, und für einen Moment war da nur roher Schmerz in seinem Blick.

„Du hast keine Ahnung, wie es ist“, meinte er. „Du hast keine Ahnung, wie es ist, jeden Tag gegen diesen Drang zu kämpfen. Du hast keine Ahnung, wie es ist, wenn alles in dir schreit und du nicht weißt, wie du es stoppen sollst.“

Joey spürte, wie ihm die Augen brannten. „Dann sag mir, wie ich dir helfen kann“, sagte er. „Sag mir, was du brauchst. Aber hör auf, dich selbst zu zerstören.“

Sein Vater schüttelte den Kopf. „Du kannst mir nicht helfen“, sagte er. „Niemand kann mir helfen.“

Er griff nach seinem Jackenärmel, als wolle er gehen, doch seine Beine wankten. Joey sah, wie sein Vater sich kaum auf den Beinen halten konnte.

„Komm“, sagte Joey, und er legte seine Hand auf die Schulter seines Vaters. „Ich bring dich zurück. Wir schaffen das. Ich bin nicht weggerannt. Ich bin hier.“

Sein Vater starrte ihn an, und für einen Moment sah Joey wieder diesen Blick von vor drei Wochen – die Erleichterung, die Hoffnung.

Dann zog sein Vater seine Schulter weg und schubste Joey zurück.

„Lass mich in Ruhe!“, schrie er. „Ich will nicht!“

Die Männer neben ihm lachten und riefen etwas Unverständliches. Joey spürte, wie sein Magen sich zusammenzog. Er wusste, dass es jetzt gefährlich werden konnte.

Er machte einen Schritt zurück, hob die Hände, um zu zeigen, dass er nicht kämpfen wollte. „Okay“, sagte er ruhig. „Dann geh ich. Aber ich komme wieder. Und ich werde nicht aufgeben.“

Sein Vater starrte ihn an, dann wandte er sich ab und taumelte zur Tür. Joey folgte ihm, obwohl sein Herz ihm sagte, er solle nicht.

Draußen in der Nachtluft wirkte alles noch kälter. Sein Vater stand auf dem Bürgersteig und hielt sich an einer Laterne fest, als würde sie ihn stützen. Der Geruch von Alkohol war stark, und sein Vater sah aus, als hätte er alle Kraft verloren.

Joey ging zu ihm. „Komm“, sagte er leise. „Ich bring dich zurück.“

Sein Vater sah ihn an, und für einen Moment war da wieder diese Hoffnung – aber sie war zerbrechlich, wie Glas.

„Ich…“, begann sein Vater, und dann brach er in Tränen aus. Nicht in diese lauten, dramatischen Tränen, sondern in diese leisen, echten Tränen, die zeigen, dass jemand endlich versteht, wie tief er gefallen ist.

Joey blieb stehen, starrte auf den Boden. Er wollte nicht, dass sein Vater ihn so sieht. Er wollte nicht, dass sein Vater ihn wieder verletzt.

Aber er wusste, dass es genau dieser Moment war, in dem es darauf ankam, ob sie es schaffen würden oder nicht.

„Ich hab’s vermasselt“, sagte sein Vater. „Ich hab’s wirklich vermasselt.“

Joey hob den Blick. „Ja“, sagte er. „Du hast es vermasselt. Aber du bist noch nicht tot. Und ich bin noch nicht weg.“

Sein Vater schluchzte. „Ich will nicht mehr so sein. Ich will nicht mehr trinken. Ich will nicht mehr… so ein Mensch sein.“

Joey fühlte, wie sich etwas in ihm löste. Nicht Erleichterung. Nicht Freude. Nur ein kleiner Funken, der vielleicht eines Tages wieder wachsen könnte.

„Dann lass uns zurückgehen“, sagte Joey. „Aber diesmal nicht alleine. Wir holen Hilfe. Wir machen das richtig.“

Sein Vater nickte, noch immer zitternd. „Okay“, sagte er. „Okay. Bitte… bitte hilf mir.“

Joey legte seinen Arm um die Schulter seines Vaters und führte ihn zurück zum Auto. Auf dem Weg dorthin hörte er das Geräusch der Stadt, das Lachen aus der Bar, das Rufen von Leuten, die nicht wussten, was hier gerade passierte.

Joey wusste, dass es kein Ende war. Es war nicht einmal ein „Fortsetzung folgt“.

Es war nur ein weiterer Schritt – ein Schritt, der schwerer war als alle anderen.

Und als sie in der Klinik ankamen, wusste Joey, dass er sich wieder auf das vorbereiten musste, was er schon so oft erlebt hatte: die Wochen der Hoffnung, die Tage der Angst und die Momente, in denen man sich fragt, ob man überhaupt weitermachen kann.

Aber er wusste auch etwas anderes:

Er war nicht bereit aufzugeben.

Joey saß auf dem Fahrersitz und konzentrierte sich auf den Verkehr, während sein Vater hinten im Auto schluchzte. Die Straßenlaternen zogen wie gelbe Striche vorbei, und Joey fühlte sich, als würde er in einem Tunnel fahren, in dem es kein Licht gab.

„Du musst mir sagen, ob du das wirklich willst“, sagte Joey plötzlich, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. „Nicht für mich. Für dich.“

Sein Vater drehte den Kopf. Er war noch immer zitterig, aber seine Stimme war jetzt ruhiger. „Ich will es“, sagte er. „Ich will es wirklich.“

Joey nickte, aber es war ein Nicken ohne Vertrauen. Ein Nicken, das eher wie eine Pflicht aussah. „Okay“, sagte er. „Dann zeig es. Nicht mit Worten. Mit Taten.“

Sein Vater nickte ebenfalls. „Ich werde es versuchen.“

„Versuchen reicht nicht“, sagte Joey. „Du musst es tun.“

Eine Stille legte sich über das Auto. Es war keine unangenehme Stille, sondern eine, die schwer war, weil sie voller unausgesprochener Dinge war.

Als sie an der Klinik ankamen, öffnete die Nachtwache die Tür. Sie sahen, wie sein Vater hereinkam, und ihr Blick sagte Joey alles: Nicht schon wieder.

„Wir haben einen Rückfall“, sagte Joey einfach. „Er ist wieder rausgelaufen und hat getrunken. Ich bring ihn zurück.“

Die Nachtwache nickte, aber es war ein mechanisches Nicken, das zeigte, dass sie schon zu oft in dieser Situation waren.

„Wir müssen ihn erneut aufnehmen“, sagte die Frau. „Er muss ein neues Aufnahmegespräch machen. Und… wir müssen die Therapie neu planen.“

Joey schluckte. „Und ich?“

Die Frau sah ihn an. „Du bist nicht der Therapeut“, sagte sie. „Aber du bist ein wichtiger Teil davon. Du bist Teil seines Umfelds. Und du musst wissen, dass Rückfälle zur Therapie dazugehören können – aber sie dürfen nicht zur Gewohnheit werden.“

Joey nickte, obwohl er wusste, dass es keine Worte gab, die das, was er fühlte, wirklich ausdrücken konnten.

Sein Vater wurde wieder aufgenommen, und Joey musste draußen warten. Er setzte sich auf eine Bank im Flur, zog sein Handy hervor und starrte auf das Display, ohne es zu benutzen. Sein Blick wanderte zur Wand, wo ein Poster hing:

„Rückfälle sind keine Niederlage. Sie sind ein Teil des Weges.“

Joey starrte es an, und er wollte es hassen. Er wollte es zerreißen und sagen, dass es Bullshit war. Denn für ihn fühlte sich der Rückfall nicht wie ein Teil des Weges an. Er fühlte sich wie ein Schritt zurück, wie ein Beweis dafür, dass sein Vater nicht schaffen konnte, was er versprochen hatte.

Aber dann sah er das Gesicht seines Vaters wieder vor sich: das Zittern, die Tränen, die Bitte.

Und Joey musste zugeben, dass er irgendwo tief in sich wusste, dass er nicht das Recht hatte, aufzugeben. Nicht jetzt. Nicht nach diesem Moment.

Er griff nach seinem Handy und öffnete den Kontakt „Mutter“. Er starrte auf den Namen, ohne ihn anzurufen. Es war zu früh, zu schwierig. Aber er musste es tun. Irgendwann.

Als er das Handy weglegte, hörte er Schritte. Dr. Keller trat aus der Tür, die sein Vater gerade betreten hatte. Er trug eine Mappe unter dem Arm.

„Ich habe mit deinem Vater gesprochen. Er ist wieder rückfällig geworden, ja. Aber er hat sich selbst gemeldet, und das ist ein wichtiger Punkt.“

Joey runzelte die Stirn. „Er hat sich gemeldet?“

Dr. Keller nickte. „Er hat uns angerufen, bevor er sich komplett verloren hat. Das zeigt, dass er sich bewusst war, was er tut. Und das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.“

Joey schaute ihn an. „Und was bedeutet das jetzt?“

Dr. Keller setzte sich neben ihn. „Es bedeutet, dass wir den Plan anpassen müssen. Wir müssen ihn intensiver betreuen. Vielleicht muss er eine andere Therapieform bekommen. Und wir müssen dich einbeziehen. Du bist Teil seines Systems. Und das ist wichtig.“

Joey fühlte, wie sein Magen sich zusammenzog. „Ich bin Teil seines Systems?“, wiederholte er. „Ich bin doch nur sein Sohn.“

Dr. Keller schüttelte den Kopf. „Du bist mehr als das. Du bist jemand, der emotional mit ihm verbunden ist. Und wenn er dich verletzt, verletzt er auch das, was du in dir trägst. Das kann sich auf dein Leben auswirken. Und das muss man ernst nehmen.“

Joey fühlte, wie etwas in ihm brannte. „Ich hab schon genug…“, sagte er, und dann brach seine Stimme. „Ich hab schon genug verloren.“

Dr. Keller sah ihn an, und für einen Moment war da kein Therapeut, sondern ein Mann, der einen Menschen sehen konnte, der am Rande stand. „Dann ist es umso wichtiger, dass du auf dich achtest“, sagte er. „Denn du kannst nicht jemand anderen retten, wenn du selbst kaputt bist.“

Joey schluckte. „Und was ist mit ihm?“, fragte er. „Was ist mit meinem Vater?“

Dr. Keller legte die Mappe auf seinen Schoß. „Dein Vater hat einen Rückfall. Das ist schwer. Aber er hat sich nicht vollständig aufgegeben. Er hat sich wieder an dich geklammert. Und das ist ein Zeichen, dass er noch kämpfen will.“

Joey starrte auf seine Hände. „Ich weiß nicht, ob ich noch kämpfen kann“, sagte er.

Dr. Keller nickte. „Dann kämpf nicht allein“, sagte er. „Du musst dir Hilfe holen. Du musst jemanden haben, mit dem du reden kannst. Du brauchst einen Ort, an dem du deine Wut, deine Angst und deine Trauer loswerden kannst, ohne dich dafür zu schämen.“

Joey sah ihn an. „Wie soll ich das machen?“

Dr. Keller stand auf. „Es gibt eine Selbsthilfegruppe für Angehörige. Es gibt Einzelgespräche. Und es gibt Gespräche mit deinem Vater – wenn du das willst.“

Joey zögerte. „Ich weiß nicht, ob ich ihn sehen will.“

Dr. Keller nickte. „Das ist okay. Aber irgendwann wirst du entscheiden müssen, ob du ihm eine Chance gibst oder nicht. Und du musst wissen, dass diese Entscheidung nichts mit Schwäche zu tun hat. Es ist ein Schutz.“

Joey atmete tief ein. „Ich will ihn nicht verlieren“, sagte er. „Aber ich will auch nicht immer wieder verletzt werden.“

Dr. Keller lächelte schwach. „Das ist eine sehr erwachsene Erkenntnis“, sagte er. „Und das ist ein guter Anfang.“
 

Ein paar Tage später

Joey kam nach der Schule nach Hause. Vor der Wohnung lag ein Brief.

Die Wohnung war still. Zu still. Als wäre das Schweigen nach dem Rückfall noch in den Wänden festgehalten.

Er ging in sein Zimmer, warf seine Tasche auf den Boden und sank auf sein Bett. Sein Handy vibrierte. Eine Nachricht von seiner Mutter:

„Ich hab von deinem Vater gehört. Geht es dir gut? Ruf mich an.“

Joey starrte auf die Nachricht und fühlte, wie eine Welle von Schuld über ihn hinwegrollte. Warum hab ich sie nicht informiert? Warum hab ich sie nicht eingebunden?

Er tippte zurück: „Ich bin okay. Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll.“

Er legte das Handy weg und starrte an die Decke. Dann stand er auf, ging in die Küche und nahm sich ein Glas Wasser.

Joey nahm den Brief in die Hand. Sein Vater hatte ihn geschrieben, bevor er in die Klinik zurückgegangen war. Er zögerte, dann öffnete er ihn.

Joseph,

ich weiß, dass ich es wieder vermasselt habe. Ich weiß, dass du mir nicht mehr vertrauen willst. Ich will dich nicht verlieren. Ich will nicht, dass du denkst, ich bin ein schlechter Mensch.

Ich bin nur ein Mensch, der versucht, wieder aufzustehen.

Ich weiß, dass du mich nicht retten kannst. Aber ich hoffe, dass du mir trotzdem noch eine Chance gibst.

Wenn du bereit bist, dann komm. Ich will mit dir reden.

Dein Vater.

Joey ließ den Brief sinken. Er spürte, wie die Tränen in ihm hochkamen, aber er wollte nicht weinen. Er hatte genug geweint.

Er stellte das Glas Wasser zurück und ging wieder in sein Zimmer. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete sein Laptop. Er suchte nach „Angehörigen Selbsthilfegruppe Alkohol“ und starrte auf die Ergebnisse, ohne zu wissen, ob er wirklich gehen würde.

Dann, plötzlich, klingelte sein Handy erneut. Diesmal war es eine Nummer, die er nicht kannte.

Er nahm ab. „Hallo?“

„Joey?“, fragte eine Stimme. Es war Dr. Keller.

„Ja.“

„Ich wollte nur nach dir sehen“, sagte er. „Ich weiß, dass du viel durchmachst. Und ich wollte dir sagen, dass du nicht alleine bist. Wenn du möchtest, kann ich dir einen Termin anbieten. Nur für dich.“

Joey schluckte. „Warum?“

Dr. Keller lächelte. „Weil du nicht nur der Sohn eines Alkoholikers bist“, sagte er. „Du bist ein Mensch, der gerade in einer Situation steckt, die ihn überfordert. Und du hast das Recht, Hilfe zu bekommen.“

Joey spürte, wie etwas in ihm zerbrach – nicht in einem schlechten Sinn. Eher in einem Sinn, als würde etwas in ihm endlich Platz bekommen.

„Okay“, sagte er. „Okay, ich komme.“

Dr. Keller notierte etwas. „Gut. Und Joey?“

„Ja?“

„Wenn du bereit bist, kannst du auch mit deinem Vater sprechen“, sagte er. „Aber nur, wenn du es willst. Nicht weil jemand es erwartet.“

Joey atmete tief ein. „Ich weiß“, sagte er. „Danke.“

Er legte auf und starrte auf den Bildschirm. Dann schrieb er eine Nachricht an seine Mutter:

„Ich will reden. Heute Abend. Bitte.“

Er drückte auf „Senden“.

Und zum ersten Mal seit dem Rückfall fühlte Joey, dass er nicht nur auf den nächsten Schlag wartete.

Er fühlte, dass er anfangen konnte, sich selbst wieder aufzubauen.

Es war später Abend, als Joey bei seiner Mutter war. Der Geruch nach Tee und etwas Warmem zu essen hing in der Luft – ein Geruch, der früher einmal Zuhause bedeutet hatte.

„Hey“, sagte seine Mutter, als sie ihn sah.

„Hey“, antwortete Joey.

Sie umarmte ihn nicht sofort. Stattdessen sah sie ihn an, richtig an, als würde sie prüfen, ob er noch ganz war. Dann erst zog sie ihn in eine feste, warme Umarmung. Joey hielt kurz still. Dann ließ er es zu.

Sie setzten sich an den Küchentisch. Seine Mutter stellte zwei Tassen Tee hin, als wäre das ein Ritual, das alles ein kleines bisschen sicherer machte.

„Ich hab von dem Rückfall gehört“, sagte sie schließlich. „Von der Klinik.“

Joey nickte. „Ich war dabei.“

Sie schloss kurz die Augen. „Es tut mir leid, dass du das wieder erleben musstest.“

„Warum hast du mich damals nicht mehr geschützt?“, fragte Joey plötzlich.

Die Frage lag schwer in der Luft. Seine Mutter erstarrte, die Hand noch um die Tasse gelegt.

„Ich war ein Kind“, fuhr Joey fort, seine Stimme bebte. „Ich hab immer gedacht, ich muss stark sein. Für ihn. Für dich. Für alle. Aber niemand war stark für mich.“

Seine Mutter atmete tief ein. „Ich wusste, wenn ich gehe, wird alles schlimmer“, sagte sie leise. „Ich wusste, er würde komplett abstürzen. Und ich dachte… du brauchst ihn.“

„Ich brauchte einen Vater“, sagte Joey. „Nicht einen Mann, den ich nach Hause schleifen muss.“

Tränen stiegen ihr in die Augen. „Du hast recht“, sagte sie. „Und ich habe Fehler gemacht. Große. Ich habe zu lange gehofft, dass er sich ändert. Und ich habe zu spät verstanden, dass Hoffnung manchmal auch wehtun kann.“

Joey starrte auf den Tisch. „Ich hab Angst, dass ich so werde wie er“, sagte er.

Seine Mutter beugte sich vor. „Nein“, sagte sie bestimmt. „Du stellst dich dem. Du redest darüber. Du suchst dir Hilfe. Das ist der Unterschied.“

„Aber ich bin müde“, sagte Joey. „Ich bin so verdammt müde.“

Sie griff nach seiner Hand. „Dann darfst du dich anlehnen“, sagte sie. „Du musst nicht mehr alleine tragen, was nie deine Last war.“

Joey schluckte hart. Zum ersten Mal hörte er diese Worte nicht nur – er glaubte sie.

„Ich werde Grenzen setzen“, sagte er. „Ich werde ihm helfen, aber nicht mehr auf meine Kosten.“

Seine Mutter nickte. „Das ist keine Kälte“, sagte sie. „Das ist Selbstschutz.“
 

Zur gleichen Zeit saß Joeys Vater in einem kahlen Therapieraum. Die Neonlampe summte leise. Vor ihm saßen zwei Therapeuten und ein weiterer Patient. Gruppensitzung.

„Sie sind wieder rückfällig geworden“, sagte Dr. Keller ruhig. „Was ist passiert?“

Er rieb sich über das Gesicht. „Ich hab gedacht, ich halte es aus“, sagte er. „Die Leere. Die Schuld. Und dann hab ich Joey gesehen – wie er mich angeschaut hat – und ich wusste, dass ich es vermasselt habe. Und dann wollte ich es nicht mehr fühlen.“

„Also haben Sie getrunken“, sagte ein anderer Patient.

Er nickte. „Ja.“

Dr. Keller lehnte sich vor. „Was ist diesmal anders?“

Joeys Vater schwieg lange. Dann sagte er: „Ich hab gemerkt, dass ich ihn verliere. Nicht irgendwann. Jetzt.“

Die Worte hingen schwer im Raum.

„Ich hab immer gedacht, ich trinke, weil ich schwach bin“, fuhr er fort. „Aber ich trinke, weil ich mich schäme. Und weil ich nicht weiß, wie man bleibt, wenn es weh tut.“

Dr. Keller nickte langsam. „Wir möchten Ihnen eine intensivere Therapie vorschlagen“, sagte er. „Traumatherapie. Einzelgespräche. Und klare Regeln. Ein weiterer Rückfall bedeutet eine geschlossene Station.“

Er sah auf. „Und wenn ich es nicht schaffe?“

„Dann werden Sie es nicht alleine tun“, sagte Dr. Keller. „Aber Sie müssen aufhören, dich hinter Ihrem Sohn zu verstecken. Er ist nicht Ihr Halt. Sie müssen Ihr eigener Halt werden.“

Er schloss die Augen. Zum ersten Mal fühlte sich das nicht wie ein Angriff an, sondern wie Wahrheit.

„Ich will lernen zu bleiben“, sagte er leise. „Auch wenn ich mich selbst kaum aushalte.“

Dr. Keller schrieb etwas auf. „Das ist der Durchbruch“, sagte er ruhig. „Nicht, dass Sie keine Angst mehr haben. Sondern dass Sie sie aushalten.“
 

Später in dieser Nacht lag Joey in seinem Bett bei seiner Mutter. Er starrte an die Decke, aber sein Atem war ruhiger als sonst.

In der Klinik lag sein Vater ebenfalls wach, starrte an die Decke und hielt sich an einem einzigen Gedanken fest:

Ich darf meinen Sohn nicht länger retten wollen. Ich muss mich selbst retten.

Zwei Menschen, getrennt durch Mauern – und doch zum ersten Mal auf einem ähnlichen Weg.

Richtung Ehrlichkeit.
 

Der Besuchsraum der Klinik war hell, fast zu hell. Die Sonne fiel durch die großen Fenster und ließ alles ein bisschen zu klar wirken, als gäbe es keinen Platz mehr, sich zu verstecken.

Joey saß bereits am Tisch, die Hände ineinander verschränkt. Er war früher gekommen. Nicht aus Ungeduld – sondern weil er sich innerlich vorbereiten musste.

Die Tür öffnete sich, und sein Vater trat ein. Er wirkte nüchterner, aufrechter, aber auch kleiner. Als hätte der Rückfall ihm etwas genommen, das er noch nicht benennen konnte.

„Hey“, sagte sein Vater vorsichtig.

„Hey“, antwortete Joey.

Sie setzten sich. Einen Moment lang sagte keiner etwas. Früher hätte Joey diese Stille gefüllt. Jetzt ließ er sie stehen.

„Ich weiß, dass ich dir wehgetan habe“, begann sein Vater schließlich. „Ich—“

„Stopp“, sagte Joey ruhig.

Sein Vater verstummte, sichtlich überrascht.

„Ich bin nicht hier, um mir eine Entschuldigung anzuhören“, sagte Joey. „Nicht, weil sie mir egal ist. Sondern weil sie mir im Moment nicht hilft.“

Sein Vater schluckte. „Okay.“

Joey atmete tief ein. „Ich will dir sagen, wie es jetzt weitergeht. Für mich.“

Er hob den Blick, sah seinem Vater direkt in die Augen. Nicht wütend. Klar.

„Ich werde dich nicht mehr retten“, sagte er. „Ich werde dich nicht mehr abholen, wenn du trinkst. Ich werde nicht mehr lügen, um dich zu schützen.“

Sein Vater nickte langsam. „Das verstehe ich.“

„Und ich werde nicht mehr mein Leben um deine Krankheit herum aufbauen“, fuhr Joey fort. „Ich komme zu Gesprächen, wenn ich es will. Ich höre zu, wenn ich kann. Aber wenn du wieder trinkst, ziehe ich mich zurück.“

Sein Vater presste die Lippen zusammen. „Das tut weh.“

„Mir auch“, sagte Joey. „Aber es tut weniger weh, als jedes Mal wieder zu hoffen.“

Eine lange Pause.

Dann sagte sein Vater: „Ich habe Angst, dass ich dich verliere.“

Joey nickte. „Die Angst ist berechtigt.“

Diese Ehrlichkeit traf seinen Vater sichtbar. Aber er wich ihr nicht aus.

„Ich mache diese Therapie jetzt für mich“, sagte er. „Nicht mehr für dich. Nicht, um dich zu halten.“

Joey lehnte sich leicht zurück. „Gut“, sagte er. „Denn ich will kein Grund sein, warum du nüchtern bleibst. Ich will ein Mensch sein, der dir begegnet – nicht deine Rettungsleine.“

Sein Vater atmete tief aus. „Darf ich dich trotzdem sehen?“

Joey überlegte. „Ja“, sagte er schließlich. „Aber nur, wenn es mir gut damit geht. Und wenn nicht, dann sage ich es. Ohne Schuld.“

Ein kleines, trauriges Lächeln huschte über das Gesicht seines Vaters. „Das ist fair.“

Joey stand auf. „Das ist das erste Mal, dass ich mich selbst ernst nehme“, sagte er. „Bitte mach es mir nicht schwerer, als es ohnehin ist.“

Sein Vater nickte. „Ich werde es versuchen.“

„Versuchen reicht nicht“, sagte Joey ruhig. „Aber es ist ein Anfang.“
 

Der Raum war klein. Ein Stuhlkreis. Ein Thermoskanne mit Kaffee in der Mitte, daneben ein Teller mit Keksen. Nichts Besonderes.

Und doch fühlte Joey sich, als würde er gleich etwas sehr Großes betreten.

„Du kannst einfach zuhören“, sagte die Frau neben ihm leise. „Du musst nichts sagen.“

Joey nickte dankbar.

Die Runde begann. Namen wurden genannt. Geschichten angerissen.

„Mein Mann ist seit zwanzig Jahren Alkoholiker.“

„Meine Tochter ist trocken – seit sechs Monaten.“

„Mein Bruder hat es nie geschafft.“

Joey schluckte.

Dann war er plötzlich dran.

„Ich bin Joey“, sagte er, und seine Stimme klang fremd. „Mein Vater ist Alkoholiker.“

Niemand zuckte zusammen. Niemand schaute weg. Niemand versuchte, ihn zu trösten.

Und das war… erleichternd.

„Ich dachte lange, es ist meine Aufgabe, ihn zu retten“, fuhr er fort. „Und ich merke gerade, dass ich mich dabei selbst verloren habe.“

Ein Mann gegenüber nickte langsam. „Das haben wir fast alle.“

Eine Frau sagte: „Du darfst gehen, ohne jemanden zu verlassen.“

Diese Worte trafen Joey tiefer, als er erwartet hatte.

Am Ende der Sitzung blieb er noch einen Moment sitzen. Sein Herz war schwer, aber nicht mehr einsam.

Als er hinausging, schrieb er eine kurze Nachricht auf sein Handy:

Ich bin nicht allein.

Er steckte es weg und ging nach draußen. Die Luft war kühl und klar.

Und zum ersten Mal fühlte sich der Weg vor ihm nicht mehr wie ein Kampf an – sondern wie ein eigener.
 

Seto Kaiba saß auf der Parkbank und arbeitete mit seinem Laptop. Yugi und die anderen saßen auf der Wiese und lachten. Kaiba ging zu Yugi, Joey, Tea und Tristan. „Könnt ihr nicht leise sein? Ich muss arbeiten!“
 

Joey sprang sofort auf. „Was ist dein Problem, Kaiba? Wir sitzen hier nur rum und haben Spaß! Schon mal was davon gehört?“

Kaiba verschränkte die Arme. Sein Blick war kalt und genervt. „Spaß? Manche von uns haben Wichtigeres zu tun, als ihre Zeit mit Albernheiten zu verschwenden.“

Yugi sah Kaiba ruhig an. „Manchmal ist es aber wichtig, auch mal zu entspannen. Du arbeitest doch ständig, Kaiba. Wann hast du das letzte Mal einfach den Moment genossen?“

Kaiba schnaubte. „Genießen? Das Einzige, was ich genieße, ist der Sieg. Und den erreicht man nicht, indem man auf einer Wiese sitzt und lacht.“

Tea stand auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Du kannst echt kein Stück abschalten, was?“

Kaiba funkelte sie an, seine Stimme war scharf wie ein Messer. „Abschalten ist Zeitverschwendung. Wer schwach ist, verliert – das habe ich von meinem Stiefvater gelernt. Wenn ihr Erfolg haben wollt, müsst ihr immer wachsam sein, immer überlegen, immer einen Schritt voraus.“

Tristan rückte nervös einen Schritt zurück. „Aber… manchmal tut es gut, einfach nur… zu lachen. Das macht einen nicht schwächer.“

Kaiba verschränkte die Arme erneut und trat einen Schritt näher. „Schwäche ist, was ihr zeigt, wenn ihr euch von Ablenkungen treiben lasst. Erfolg kennt keine Pausen.“

Yugi lächelte leicht, fast herausfordernd. „Vielleicht ist es genau umgekehrt. Manchmal muss man loslassen, um klarer zu sehen. Wenn du nie lachst, Kaiba, verpasst du die Momente, die das Leben lebenswert machen.“

Kaiba starrte ihn einen Moment lang schweigend an, dann wandte er sich abrupt ab. „Ich habe keine Zeit für Lebensweisheiten, Yugi. Wenn ihr fertig seid mit eurem… Gerede, werde ich wieder arbeiten.“

Tea seufzte und setzte sich wieder ins Gras. „Echt, Kaiba, eines Tages wirst du merken, dass du auch mal entspannen musst. Und wenn dann niemand da ist, der dich daran erinnert, wirst du es bereuen.“

Kaiba blieb stehen. Nur einen Augenblick – aber lang genug, dass es allen auffiel. Seine Hand ballte sich zur Faust, dann lockerte sie sich wieder. Er atmete leise aus.

„Bereuen…“ murmelte er, ohne sich umzudrehen. „Reue ist ein Luxus für Verlierer.“

Joey schnaubte. „Wow. Und ich dachte, ich hab ’nen Dickschädel.“

Kaiba warf ihm einen tödlichen Blick zu. „Noch ein Wort, Wheeler, und ich zeige dir, wie ein echter Dickschädel funktioniert.“

Yugi stand auf und ging ein paar Schritte auf Kaiba zu, langsam, ohne Provokation. „Kaiba. Wir wollen dich nicht angreifen. Wir machen uns nur Sorgen.“

„Sorgen?“ Kaiba lachte kurz, hart. „Mach dir lieber Sorgen um deine Duelle, Mutou.“

Yugi blieb ruhig. „Ich kann mich um meine Duelle kümmern. Aber du… du kämpfst ständig. Gegen alle. Gegen alles. Auch gegen dich selbst.“

Das traf. Kaibas Augen verengten sich, doch seine Stimme kam leiser als zuvor. „Du hast keine Ahnung, wovon du redest.“

„Vielleicht nicht“, gab Yugi zu. „Aber ich weiß, wie es ist, immer stark sein zu müssen. Immer perfekt. Und ich weiß auch, wie einsam das macht.“

Für einen Moment sagte niemand etwas. Der Wind strich durch das Gras, irgendwo lachte ein Kind. Kaiba sah auf den Boden, dann wieder auf Yugi.

„Einsamkeit“, sagte er kühl, „ist ein fairer Preis für Macht.“

Tea schüttelte den Kopf. „Wenn du das wirklich glaubst, tut mir das leid.“

Kaiba wollte etwas erwidern – etwas Scharfes, etwas Kaltes –, doch die Worte kamen nicht sofort. Stattdessen sah er zu seinem Laptop auf der Bank. Der Bildschirm war schwarz. Akkuleer.

Joey grinste breit. „Sieht aus, als hätte das Universum dir gerade ’ne Pause verordnet.“

Kaiba knirschte mit den Zähnen. „Unfassbar.“

Tristan hob vorsichtig eine Decke an. „Also… wenn du willst… wir haben noch Platz.“

Kaiba sah die Gruppe an. Lachen, Sonne, Leichtigkeit. Alles, was er sich selbst verboten hatte. Sekunden vergingen.

„Ich bleibe nicht lange“, sagte er schließlich scharf.

Joey riss die Augen auf. „Warte— echt jetzt?!“

Kaiba setzte sich ein paar Schritte entfernt ins Gras, mit verschränkten Armen, den Blick stur nach vorn gerichtet. „Bildet euch bloß nichts darauf ein.“

Yugi lächelte. Kein Triumph, nur ehrliche Wärme. „Keine Sorge. Das reicht fürs Erste.“

Kaiba schloss für einen kurzen Moment die Augen. Nur ganz kurz.

Und zum ersten Mal seit Langem arbeitete er nicht.

Ein paar Minuten vergingen. Niemand sagte etwas. Und doch fühlte es sich nicht unangenehm an.

Joey lag inzwischen rücklings im Gras und starrte in den Himmel. „Krass“, meinte er gedehnt. „Wenn man nix macht, merkt man erst mal, wie laut der Kopf sonst ist.“

„Sprich für dich selbst“, murmelte Kaiba. „Mein Kopf ist immer produktiv.“

Tea warf ihm einen Seitenblick zu. „Produktiv oder gnadenlos?“

Kaiba öffnete ein Auge. „Das ist dasselbe.“

Yugi setzte sich neben ihn, mit genug Abstand, um Kaiba nicht zu provozieren. „Nein. Produktiv sein heißt, etwas aufzubauen. Gnadenlos sein heißt, alles andere zu ignorieren.“

Kaiba schwieg. Ein Vogel landete ein paar Meter entfernt, hüpfte durchs Gras. Kaibas Blick folgte ihm unwillkürlich.

„Weißt du“, sagte Tristan vorsichtig, „niemand hier denkt, dass du schwach bist, nur weil du mal stillsitzt.“

„Das habe ich auch nie behauptet“, erwiderte Kaiba automatisch.

„Doch“, sagte Tea ruhig. „Jedes Mal, wenn du so tust.“

Das traf ihn härter als jede Beleidigung. Kaiba richtete sich etwas auf. „Ihr versteht es einfach nicht. Wenn ich aufhöre, wenn ich nachlasse, wenn ich…“ Er brach ab, presste die Lippen zusammen.

Yugi sah ihn aufmerksam an. „Was dann?“

Kaiba zögerte. Sekundenlang. Dann kam es fast widerwillig: „Dann verliere ich die Kontrolle.“

Joey setzte sich auf. Sein Ton war ungewohnt ernst. „Und? Kontrollierst du grad irgendwas?“

Kaiba wollte kontern – doch ihm fiel nichts ein. Stattdessen starrte er wieder ins Gras.

„Mein Stiefvater“, begann er nach einer Weile, ohne jemanden anzusehen, „hat mir beigebracht, dass jeder Fehler ausgenutzt wird. Jede Pause. Jeder Moment von… Nachlässigkeit.“ Seine Finger krallten sich in den Stoff seiner Hose. „Wenn man nicht ständig stärker ist als alle anderen, wird man zertreten.“

Niemand lachte. Niemand machte einen dummen Spruch.

Yugi nickte langsam. „Das klingt… furchtbar anstrengend.“

Kaiba verzog den Mund. „Es funktioniert.“

„Aber zu welchem Preis?“, fragte Tea.

Wieder Stille. Der Wind rauschte durch die Bäume. Irgendwo spielte jemand Gitarre.

Kaiba atmete ein. Und aus. Dann lehnte er sich ein Stück zurück, stützte sich auf den Armen ab und sah in den Himmel. Die Wolken zogen langsam vorbei.

„Ich hasse das“, murmelte er.

Joey grinste schief. „Den Himmel?“

„Dieses Gefühl“, korrigierte Kaiba. „Nichts zu tun. Nichts zu planen.“

Eine Pause.

„…aber es ist auch nicht völlig nutzlos.“

Yugis Augen leuchteten leicht. „Das ist alles, was wir sagen wollten.“

Kaiba schnaubte, aber es klang weniger scharf als sonst. „Gewöhnt euch nicht daran.“

Tea lächelte. „Keine Sorge. Aber wir sind da. Falls du’s vergisst.“

Kaiba antwortete nicht. Doch er stand auch nicht auf.

Und als Joey irgendeinen dummen Witz riss und alle lachten, verzog sich Kaibas Mundwinkel – kaum sichtbar, aber echt – für den Bruchteil einer Sekunde nach oben.

Heute sollte die neue Duel-Disc-Technologie der Kaiba Corporation öffentlich präsentiert werden. Ein riesiges Event, Livestream, Presse, Investoren. Ganz typisch für Seto Kaiba. Alles perfekt inszeniert.

Die Halle war bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Scheinwerfer die Bühne in ein kühles Blau tauchten. Kameras schwebten an Seilen über den Köpfen der Gäste, Drohnen filmten jede Bewegung aus der Vogelperspektive, und auf den Leinwänden flimmerten Countdowns. Die Spannung war greifbar – jeder wusste, dass dies kein gewöhnliches Event war.

Seto Kaiba selbst stand hinter der Bühne, die Hände fest auf der Tischkante abgestützt, während sein Blick starr auf den Livestream-Monitor gerichtet war. Er ließ keinen Raum für Zweifel, keinen Hauch von Nervosität. „Alles muss perfekt laufen“, murmelte er, fast zu sich selbst, „nicht einen Millimeter Spielraum für Fehler.“

Die neuen Duel-Discs lagen nebeneinander auf poliertem Metall, ihre Oberflächen glänzten, als hätten sie schon die Zukunft berührt. Techniker in schwarzen Anzügen huschten zwischen den Geräten umher, überprüften Kabel, kalibrierten Sensoren und bestätigten immer wieder über Headsets, dass jede Komponente funktionsbereit war.

Kaiba trat einen Schritt zurück und beobachtete die Menge, die sich auf das große Enthüllungsereignis vorbereitete. Investoren mit teuren Anzügen, Medienvertreter mit neugierigen Blicken, Journalisten mit Kameras, die alles einfangen wollten. Für ihn war das nicht nur ein Produktlaunch – es war ein Statement: „Die Zukunft des Duells gehört mir.“

Dann, ohne Vorwarnung, gingen die Lichter aus. Ein Raunen ging durch die Halle, und auf den Leinwänden erschien das markante Logo der Kaiba Corporation. Ein Moment der Stille, dann ein dramatischer Spot auf die neuen Duel-Discs. Die Technologie, auf die die Welt gewartet hatte, war endlich sichtbar – und das Publikum hielt den Atem an.

Die Lichter kehrten zurück, jetzt in einem intensiven, elektrischen Weiß, das die glänzenden Oberflächen der Duel-Discs reflektierte. Ein tiefer, dröhnender Sound durchlief die Halle, synchron mit den pulsierenden Leuchtstreifen auf den Geräten. Kaiba trat auf die Bühne, seine Anwesenheit allein ließ die Gespräche verstummen.

„Meine Damen und Herren“, begann er, seine Stimme klar und selbstbewusst, „heute präsentieren wir nicht nur ein neues Gerät. Wir präsentieren die Zukunft des Duells.“

Mit einer eleganten Bewegung hob er eine der Duel-Discs hoch. Sofort öffnete sich ein holografisches Interface über der Disc, Karten schwebten digital in der Luft, und die Menge stieß ein erstauntes Raunen aus. Setos Augen funkelten – für ihn war das nicht nur Technik, es war Kunst.

„Beobachten Sie genau“, sagte Kaiba und nickte seinem Assistenten zu. Ein Techniker trat vor, legte eine Standard-Duellkarte auf die Disc, und augenblicklich erschien ein lebensechtes Hologramm des Monsters in der Luft. Es bewegte sich, brüllte, und jeder einzelne Muskel des Kreatur-Modells war sichtbar.

Die Kamera zoomte auf die Gesichter der Investoren und Reporter: offene Münder, geweitete Augen, manche griffen sofort zu ihren Geräten, um das Spektakel zu filmen. Kaiba lächelte kurz – der Moment der Perfektion war erreicht.

Dann ließ er die Disc rotieren. Die Hologramme wechselten blitzschnell von Monstern zu Fallen, Zaubern und strategischen Spielfeldern. „Kein Duell war je so realistisch. Keine Karte jemals so lebendig. Mit dieser Technologie wird jedes Match zu einer Erfahrung, die Sie fühlen, sehen und hören können. Die Duel-Disc 3.0 ist hier.“

Die Halle brach in Applaus aus. Kameras blitzten. Kaiba stand ruhig, die Arme verschränkt, zufrieden, dass die Show genauso perfekt lief wie geplant.

Er trat an den Duell-Tisch, die neue Duel-Disc elegant über dem Arm. Sein Gegner, ein eingeladener Profi-Duellant aus der internationalen Szene, nickte respektvoll, sichtlich beeindruckt von der futuristischen Technologie. Die Menge hielt den Atem an – dies war die Premiere einer vollkommen neuen Art des Duells.

„Bereit, die Zukunft zu erleben?“, fragte Kaiba, sein Blick fest, seine Stimme wie geschliffen.

Sein Gegner nickte und legte die erste Karte auf die Disc. Sofort erschienen holografische Felder, die den Spielbereich in drei Dimensionen darstellten. Jeder Zug, jede Bewegung der Karte wurde lebendig visualisiert. Kaibas eigene Karten glühten auf, als er seine Eröffnungszüge machte.

Die Hologramme der Monster erschienen in der Luft, größer als jede Bühne, lebensecht bis ins kleinste Detail. Kaiba setzte seinen ikonischen „Weißen Drachen mit eiskaltem Blick“ ein – und der Drache materialisierte sich mit majestätischem Brüllen, seine Schuppen glänzten unter den Lichtern, die Augen funkelten mit einem beinahe greifbaren Zorn.

Sein Gegner konterte geschickt, aber die Geschwindigkeit und Präzision der Duel-Disc-Technologie ließ keinen Zweifel zu: jede Interaktion, jede Bewegung der Karten wurde in Echtzeit umgesetzt, die Strategie sichtbar und dramatisch wie nie zuvor. Das Publikum konnte die Kämpfe der Monster in allen Details verfolgen – Feuer, Blitze, Energieaura – alles perfekt choreografiert.

Seto Kaiba führte das Duell mit einer Eleganz, die nur er besaß. Jede Karte, jeder Zug war wie ein Statement: Dominanz, Perfektion, technische Überlegenheit. Der Profi-Duellant kämpfte tapfer, doch die Technologie verstärkte Kaibas Stil und Strategie, machte seine Züge episch und fast unaufhaltsam.

Als das Duell endete, stand Kaiba siegreich da, die holografischen Monster langsam verblassend, während das Publikum in tosenden Applaus ausbrach. Kein Zwischenfall, keine Panne – alles lief exakt nach Plan. Jede Kamera, jeder Stream, jeder Screenshot zeigte das gleiche perfekte Bild: Seto Kaiba, die Zukunft des Duells und die unbestrittene Macht der neuen Duel-Disc.

Die Präsentation war ein triumphaler Erfolg, und Kaiba konnte sich ein kurzes, selbstzufriedenes Lächeln nicht verkneifen. Alles war perfekt – genau wie er es wollte.

Kaiba trat einen Schritt zurück, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, während die Halle noch vom Applaus erzitterte. Auf den Gesichtern der Investoren spiegelte sich Faszination – manche lehnten sich vor, andere machten eilig Notizen über die Technologie, die sie gerade gesehen hatten. „Das wird die Branche verändern“, murmelte ein Investor, seine Stimme kaum hörbar, aber voller Ehrfurcht.

Die Medienvertreter waren kaum zu bremsen. Kameras klickten ununterbrochen, Mikrofone wurden auf Kaiba gerichtet, Fragen hagelten auf ihn ein. „Wie lange hat die Entwicklung gedauert?“, „Werden die Duel-Discs für alle erhältlich sein?“, „Gibt es Sicherheitsvorkehrungen für die Hologramme?“ – jeder wollte die Details dokumentieren, bevor die Konkurrenz reagieren konnte. Kaiba beantwortete jede Frage mit seiner typischen Mischung aus Präzision und Selbstbewusstsein, seine Antworten so kalkuliert wie seine Duelle.

Die Fans, die über den Livestream zugeschaltet waren, explodierten förmlich in sozialen Medien. Clips der holografischen Monster gingen viral, Tweets und Posts verbreiteten sich in Sekundenbruchteilen. „Das ist der Wahnsinn!“, „Ich will sofort eine Duel-Disc!“, „Seto Kaiba hat alles übertroffen!“ – die Begeisterung kannte keine Grenzen. Fanforen füllten sich mit Analysen der Hologramme, der Spielmechanik und jeder noch so kleinen Animation, die die neue Technologie bot.

Sogar Konkurrenten in der Szene konnten sich ein anerkennendes Nicken nicht verkneifen. Die Duel-Disc war nicht nur eine Innovation – sie war eine Demonstration von technischer Brillanz, Inszenierung und strategischem Geschick, alles vereint in einem makellosen Spektakel.

Und während die Menge applaudierte, die Kameras weiter rollten und die Tweets explodierten, wusste Seto Kaiba eins: die Welt hatte die Zukunft gesehen – und sie gehörte ihm.
 

Mai Valentine betrat das imposante Bürogebäude der Kaiba Corporation. Die glänzenden Glasflächen spiegelten die Nachmittagssonne, während sie entschlossen auf den Aufzug zuging. In ihren Augen lag Entschlossenheit, aber auch eine Spur Nervosität – sie wusste, dass ein Gespräch mit Seto Kaiba alles andere als einfach sein würde. Die Aufzugtüren öffneten sich, und Mai trat in den großzügigen Empfangsbereich. Ein Assistent mit strengem Blick nickte ihr kurz zu, erkannte sie offenbar sofort. „Valentine-san, Kaiba-sama wartet auf Sie im 42. Stock, Büro 4211“, sagte er knapp. Mai nickte und ging los, ihre Schritte hallten leise auf dem Marmorboden. Sie öffnete die schwere Glastür zu Kaibas Büro und trat ein – Seto Kaiba saß hinter seinem massiven Schreibtisch, der Blick auf seinen Laptop gerichtet, doch als er sie bemerkte, hob er kaum die Augenbrauen.

„Mai Valentine“, begann er kühl, „was willst du?“

„Hast du eigentlich Freunde, Kaiba?“, wollte Mai wissen.

Kaiba runzelte die Stirn. „Ich brauche keine Freunde.“

Mai lehnte sich lässig gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme. Ein spöttisches Lächeln spielte auf ihren Lippen. „Ach wirklich?“, sagte sie und hob eine Augenbraue. „Kein einziger Mensch auf der ganzen Welt, der dir wichtig ist?“

Kaiba sah nicht einmal von seinem Bildschirm auf. Seine Finger glitten über die Tastatur, als wäre das Gespräch kaum der Mühe wert. „Zeitverschwendung“, antwortete er kühl. „Freundschaften basieren auf Emotionen. Emotionen führen zu Fehlern.“

Mai schnaubte leise. „Du klingst wie ein Roboter.“

Jetzt hielt Kaiba inne. Für einen Moment wurde es still im Büro. Dann sah er langsam zu ihr auf, seine blauen Augen kühl wie Eis. „Und trotzdem“, sagte er ruhig, „bin ich erfolgreicher als die meisten Menschen, die ihre Zeit mit sogenannten Freunden verschwenden.“

Mai ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie stieß sich vom Türrahmen ab und ging ein paar Schritte in den Raum. „Erfolg ist nicht alles, Kaiba.“

Er musterte sie kurz, als würde er überlegen, ob sich eine Antwort überhaupt lohnte. „Für mich schon.“

Mai blieb direkt vor seinem Schreibtisch stehen und sah ihn ernst an. „Selbst dein kleiner Bruder würde dir da widersprechen.“

Für den Bruchteil einer Sekunde veränderte sich Kaibas Gesichtsausdruck. Kaum merklich – aber Mai bemerkte es.

Er lehnte sich langsam zurück. „Mokuba ist Familie“, sagte er schließlich. „Das ist etwas anderes.“

Mai lächelte leicht. „Aha. Also gibt es doch jemanden.“

Kaiba schwieg. Sein Blick wanderte wieder zu seinem Bildschirm, doch diesmal tippte er nichts. „Wenn du sonst nichts willst“, sagte er schließlich kühl, „warum bist du wirklich hier, Mai?“

Mai zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wollte ich nur sehen, ob hinter dem großen Seto Kaiba auch ein Mensch steckt.“

Ein kurzes, trockenes Lachen entkam ihm. „Dann hast du deine Antwort. Und jetzt verschwinde aus meinem Büro.“

Mai ging zu ihm zurück und verpasste ihm eine Ohrfeige.

Die Ohrfeige hallte scharf durch das Büro.

Für einen Moment schien sogar die Klimaanlage innezuhalten.

Kaibas Kopf war leicht zur Seite gedreht worden, eine rote Spur zeichnete sich langsam auf seiner Wange ab. Seine Hand ruhte noch immer auf der Tischplatte, die Finger angespannt.

Stille.

Sehr langsame, sehr kontrollierte Sekunden vergingen.

Dann drehte Kaiba den Kopf wieder zu ihr.

Seine Augen waren jetzt nicht mehr nur kühl – sie funkelten gefährlich.

„Mutig“, sagte er.

Mai stand immer noch direkt vor seinem Schreibtisch. Sie hatte nicht einmal versucht, zurückzuweichen. Stattdessen sah sie ihn ruhig an.

„Das hattest du gebraucht.“

Kaiba stand langsam auf.

Der Stuhl glitt lautlos nach hinten, während er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete. Jetzt überragte er sie deutlich.

„Niemand“, sagte er mit gefährlich ruhiger Stimme, „schlägt mich.“

Mai verschränkte die Arme. „Dann gewöhn dich besser dran.“

Seine Augen verengten sich. „Du überschätzt dich.“

„Und du unterschätzt Menschen“, konterte sie sofort.

Kaiba trat um den Schreibtisch herum. Jeder seiner Schritte war kontrolliert, präzise – wie bei einem Duell.

„Du glaubst also“, sagte er, „du kannst hier einfach auftauchen, mich beleidigen, mich schlagen… und dann passiert nichts?“

Mai hob leicht das Kinn. „Ich glaube, jemand musste dir mal zeigen, dass du nicht der Mittelpunkt des Universums bist.“

Ein Muskel zuckte in Kaibas Kiefer.

Für einen Moment sah es wirklich so aus, als könnte er die Beherrschung verlieren.

Doch dann – atmete er einmal langsam aus.

Und plötzlich lächelte er.

Es war kein freundliches Lächeln.

Es war das Lächeln eines Mannes, der gerade eine Entscheidung getroffen hatte.

„Interessant.“

Mai blinzelte kurz. „Wie bitte?“

„Die meisten Menschen haben Angst vor mir“, sagte Kaiba ruhig. „Sie kriechen, sie schmeicheln oder sie verschwinden.“

Sein Blick blieb fest auf ihr.

„Du nicht.“

Mai zuckte mit den Schultern. „Vielleicht, weil ich nicht besonders beeindruckt bin.“

Ein leises, trockenes Lachen entkam ihm. „Oh, das bist du.“

Er beugte sich ein kleines Stück näher zu ihr. „Sonst wärst du nicht hier.“

Seine blauen Augen fixierten sie – kalt, scharf, gefährlich.

„Bist du fertig?“

Mai Valentine verschränkte die Arme. „Noch nicht.“

Kaibas Blick verengte sich. „Du hast keine Ahnung, mit wem du hier gerade so redest“, sagte er.

„Doch“, erwiderte Mai sofort. „Mit einem reichen, arroganten Idioten, der denkt, Geld und Macht würden ihn zu etwas Besserem machen.“

„Du bist nur wütend“, fuhr sie fort, „weil ich recht habe.“

Er machte einen Schritt um den Schreibtisch herum. „Du überschätzt deinen Mut.“

Mai blieb stehen. Kein Schritt zurück.

„Nein“, sagte sie ruhig. „Ich unterschätze nur deine Menschlichkeit.“

Noch einen Schritt.

Jetzt standen sie direkt voreinander.

Für einen Moment sagte keiner etwas.

„Weißt du, was dein Problem ist, Kaiba?“

Er antwortete nicht.

„Du tust so, als wärst du über allen anderen Menschen. Als würdest du nichts fühlen. Aber das stimmt nicht.“ Sie deutete leicht mit dem Kopf auf ihn. „Ich habe es gerade gesehen.“

Stille.

„Für einen Moment.“

Kaibas Augen wurden schmal. „Du interpretierst zu viel.“

Mai lächelte schief. „Nein. Du versteckst nur zu viel.“

Kaiba sah sie einige Sekunden lang schweigend an. In seinem Blick lag etwas, das man fast… Nachdenken nennen könnte.

Dann wandte er sich plötzlich ab und ging zurück zu seinem Schreibtisch.

„Dieses Gespräch ist beendet.“

Mai seufzte. „Feigling.“

Seine Hand stoppte mitten in der Bewegung zur Tastatur.

Langsam drehte er den Kopf. „Was hast du gesagt?“

Mai grinste. „Du hast mich schon gehört.“

„Ich bin kein Feigling. Und jetzt raus hier!“

„Du musst wirklich mal lernen, zu anderen nett zu sein, Kaiba. Sonst hast du eines Tages niemanden mehr, der zu dir steht.“

Mit diesen Worten verließ Mai sein Büro.
 

Joey marschierte durch den Gang der Schule. Als die anderen Schüler ihn sahen begannen sie zu tuscheln. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Was war nur los? Roch er etwa komisch? Stimmte was mit seinem Aussehen nicht? Yugi, Tea und Tristan kamen auf ihn zu. „Komm mit." Joey folgte seinen Freunden. Auf dem Dach der Schule waren sie allein.

„Könnt ihr mir mal sagen was hier los ist?", fragte Joey. „Warum starren mich die anderen Schüler so komisch an?"

„Sag mal stimmt das was wir über dich gehört haben?", fragte Tristan zurück.

„Was habt ihr gehört?"

„Na dass du schwul bist", sagte Tristan.

Joey starrte seine Freunde an, als ob sie ihm gerade gesagt hätten, dass der Himmel grün sei. „Was? Woher kommt das denn?", fragte er ungläubig.

Yugi zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht genau, aber es scheint, als ob sich das Gerücht in der Schule verbreitet hat. Vielleicht hat jemand etwas falsch verstanden oder übertrieben."

„Das ist total verrückt!", rief Joey und rubbelte sich frustriert durch die Haare. „Ich meine, ich habe nichts gegen Schwule, aber ich bin nicht schwul! Ich stehe auf Mädchen!"

Tea trat einen Schritt näher und legte eine Hand auf seinen Arm. „Wir wissen das, Joey. Aber manchmal können Gerüchte wie ein Lauffeuer um sich greifen. Es ist wichtig, dass du dich nicht davon runterziehen lässt."

Tristan nickte zustimmend. „Ja, lass die anderen reden. Du bist unser Freund, egal was sie sagen."

Joey seufzte und schaute über die Kante des Daches hinunter auf den Schulhof. Die Schüler schienen immer noch zu tuscheln und zu glotzen. „Es ist nur so peinlich", murmelte er.

„Vielleicht solltest du einfach mit ihnen reden", schlug Yugi vor. „Wenn du klarstellst, dass das nicht stimmt, wird es vielleicht aufhören."

„Und wenn sie nicht hören wollen?", fragte Joey skeptisch.

„Das ist ihr Problem", sagte Tea entschlossen. „Du kannst nicht kontrollieren, was andere denken oder sagen. Aber du kannst kontrollieren, wie du darauf reagierst."

Joey dachte einen Moment nach und nickte schließlich langsam. „Okay, vielleicht habt ihr recht. Ich werde versuchen, damit umzugehen."

„Und wir sind für dich da", fügte Tristan hinzu. „Egal was passiert."

Mit einem tiefen Atemzug wandte sich Joey wieder dem Dachrand zu und beobachtete die Schüler unten. Er wusste, dass er sich dem Gerücht stellen musste – aber mit seinen Freunden an seiner Seite fühlte er sich ein wenig stärker.
 

Joey, Yugi, Tea und Tristan gingen gemeinsam die Treppen hinunter. Schon beim Betreten des Schulflurs spürte Joey die Blicke der anderen Schüler auf sich. Murmeln und Tuscheln erfüllten die Luft.

Joey schluckte, atmete tief durch und drehte sich zu seinen Freunden. „Okay… ich mache das jetzt. Kein Zurück mehr.“

Er trat einen Schritt nach vorne, hob den Kopf und rief laut genug, dass die Schüler in seiner Nähe es hören konnten: „Hey, ich habe gehört, dass da ein Gerücht über mich läuft. Ja, es stimmt nicht. Ich bin nicht schwul. Ich stehe auf Mädchen. Also hört bitte auf, darüber zu reden!“

Ein paar Schüler starrten ihn überrascht an, andere kicherten nervös, und wieder andere schauten verlegen zu Boden. Joey merkte, wie sein Herz raste, aber er spürte auch, wie eine Last von seinen Schultern fiel.

Yugi stellte sich neben ihn, Tea auf der anderen Seite und Tristan direkt hinter ihm. Sie alle gaben Joey die nötige Rückendeckung.

Ein Mädchen aus der Klasse, die Joey mochte, kam zögernd auf ihn zu. „Oh… äh… danke, dass du das gesagt hast. Ich hab’s gehört und war mir schon unsicher, was stimmt.“

Joey nickte erleichtert. „Kein Problem. Ich wollte nur, dass alle die Wahrheit kennen.“

Nach einer Weile verstummte das Tuscheln, und die Schüler gingen wieder ihren eigenen Wegen nach. Joey spürte ein warmes Gefühl in der Brust. Es war unangenehm gewesen, sich dem Gerücht zu stellen, aber er hatte es geschafft – mit seinen Freunden an seiner Seite.

Tea lächelte ihn an. „Siehst du, gar nicht so schlimm, oder?“

Joey grinste schief. „Na ja… es war schlimm, aber ich hab’s überlebt. Und ich glaube, ich habe sogar ein bisschen Respekt gewonnen.“

Tristan lachte. „Auf jeden Fall. Die Leute merken jetzt, dass man Joey Wheeler nicht einfach irgendwas unterstellen kann.“

Yugi nickte. „Und das Wichtigste ist: Du weißt, wer deine wahren Freunde sind. Das zählt mehr als jedes Gerücht.“

Joey schaute zu seinen Freunden und fühlte sich stärker als je zuvor. Vielleicht waren Gerüchte unvermeidlich – aber sie würden ihn nicht brechen.
 

Seine Schule hatte auch eine Bibliothek. Joey ging dorthin und suchte sich einen freien Tisch. Nachdem er sich hingesetzt hatte schlug er ein Buch auf und begann zu lesen. Auf einmal kamen drei Mädchen zu ihm. Er kannte sie nicht.

Das erste Mädchen lachte. „Seht ihn euch an."

Das zweite Mädchen verzog das Gesicht. „Du bist schwul, das ist widerlich und eklig."

„Ich bin nicht schwul!", rief Joey.

„Natürlich bist du schwul!", entgegnete das dritte Mädchen. „Leugnen ist zwecklos."

„Nein ich bin nicht schwul!", wiederholte Joey erneut.

„Dann beweis es uns", sagte das erste Mädchen.

Joey fühlte sich unwohl und wusste nicht, wie er auf die Provokationen der Mädchen reagieren sollte. Er wollte einfach in Ruhe lesen, aber jetzt stand er im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. „Was soll ich denn beweisen?", fragte er frustriert und versuchte, seine Stimme ruhig zu halten.

Das zweite Mädchen grinste spöttisch. „Wie wäre es mit einem Kuss? Wenn du wirklich nicht schwul bist, dann ist das doch kein Problem, oder?"

Die anderen beiden Mädchen lachten und schienen sich über Joeys Verlegenheit zu amüsieren.

Joey spürte, wie sein Gesicht heiß wurde. Er wollte nicht in diese Falle tappen, aber gleichzeitig wollte er sich nicht von ihnen einschüchtern lassen. „Das ist total bescheuert! Ich werde mich nicht auf so einen Blödsinn einlassen", antwortete er und versuchte, seine Wut zu zügeln.

Das dritte Mädchen schüttelte den Kopf. „Du bist echt langweilig. Vielleicht hast du ja doch etwas zu verbergen." Sie wandten sich ab und gingen lachend davon, während Joey verwirrt und frustriert zurückblieb.

Er atmete tief durch und versuchte, sich wieder auf sein Buch zu konzentrieren. Doch die Worte verschwammen vor seinen Augen. Es war nicht das erste Mal, dass er mit Vorurteilen konfrontiert wurde, aber es war immer noch verletzend. Joey fragte sich, warum Menschen so grausam sein konnten.

Nach einer Weile stand er auf und verließ die Bibliothek. Draußen atmete er die frische Luft ein und versuchte, die Gedanken an die Begegnung hinter sich zu lassen. Er wusste, dass es wichtiger war, sich selbst treu zu bleiben und nicht auf das Gerede anderer zu hören. Mit einem entschlossenen Schritt machte er sich auf den Weg zum nächsten Unterricht – bereit, sich den Herausforderungen des Schultages zu stellen.
 

Ein paar Tage später saß Joey in der Cafeteria, als er sah, wer hinter dem Gerücht steckte – ein paar Mitschüler aus seiner Parallelklasse, die sich heimlich über ihn unterhielten und kichernd auf ihn zeigten. Joey atmete tief durch. Diesmal würde er nicht einfach abwarten.

Er stand auf, ging direkt auf sie zu und sagte laut genug, dass alle in der Nähe es hören konnten: „Hey, ich weiß, dass ihr das Gerücht über mich gestartet habt. Warum habt ihr das getan?“

Die Gruppe verstummte und starrte ihn überrascht an. Einer von ihnen, der Anführer, versuchte nervös zu lachen: „Ach, das war doch nur ein Spaß, Joey. Mach nicht so ein Drama draus.“

Joey schüttelte energisch den Kopf. „Nur ein Spaß? Habt ihr keine Ahnung, wie sehr solche Lügen jemanden verletzen können? Glaubt ihr, es macht Spaß, dass alle über dich tuscheln und dich falsch einschätzen?“

Die Schüler senkten die Köpfe. Joey merkte, dass sie jetzt realisierten, wie ernst die Sache war. Er spürte, wie die Wut in ihm stieg, aber er hielt sie zurück. „Ich will nicht, dass ihr denkt, dass ich Angst habe. Aber ich will, dass ihr versteht, dass Worte verletzen können. Also überlegt euch genau, bevor ihr wieder Gerüchte verbreitet.“

Ein leises Murmeln ging durch die Cafeteria. Einige Mitschüler nickten zustimmend, andere waren still und schauten betreten zu Boden.

Joey atmete tief ein und ließ die Worte wirken. Dann drehte er sich um, ohne ein weiteres Wort zu sagen, und ging zu seinen Freunden an einem anderen Tisch. Yugi, Tea und Tristan winkten ihm zu, stolz auf die Art, wie er sich durchgesetzt hatte.

Tristan grinste. „Wow, das war beeindruckend. Du hast ihnen richtig gezeigt, dass man dich nicht klein kriegt.“

Joey lächelte schwach, aber zufrieden. „Ja… es fühlt sich gut an, endlich klarzumachen, dass man mich nicht einfach in eine Schublade stecken kann.“

Tea nickte. „Genau. Und das Beste: Du hast das alles auf deine Art geregelt – selbstbewusst, aber ohne jemanden zu verletzen.“

Joey lehnte sich zurück und spürte ein neues Gefühl von Stärke. Die Gerüchte hatten begonnen, aber er hatte das letzte Wort. Und jetzt wusste er: Mit Freunden wie diesen konnte ihm niemand etwas anhaben.
 

Joey war in der Herrentoilette von seiner Schule. Er ging zum Waschbecken um seine Hände zu waschen. Plötzlich kamen drei Jungs rein. Zwei von ihnen hielten ihn fest während der erste Junge lachte. "Na wen haben wir denn da. Wenn das nicht Joey Wheeler ist."

Der Blonde versuchte sich loszureißen aber die zwei waren zu stark. Der erste Junge drückte den Abflussstöpsel nach unten. Dann ließ er Wasser in das Waschbecken laufen. Nach einer Weile drehte er den Wasserhahn zu. "Ihr wisst was zu tun ist." Wie aufs Stichwort zwangen die beiden ihn auf die Knie. Sie packten Joeys Kopf und tauchten sein Gesicht ins Wasser.

Es war ein Moment der Panik für Joey. Er kämpfte gegen die beiden Jungs an, die ihn festhielten, aber ihre Griffe waren zu stark. Das kalte Wasser umschloss sein Gesicht und er konnte kaum atmen. In seinem Kopf rasten die Gedanken – wie konnte das passieren? Warum taten sie ihm das an?

Joeys Herz raste wie wild, Panik und Angst mischten sich in einem Strudel aus Gedanken und Körpergefühl. Seine Hände tasteten verzweifelt nach dem Rand des Waschbeckens, versuchten Halt zu finden, aber die beiden Jungs ließen nicht locker. Jeder Atemzug war ein Kampf gegen das Wasser, das ihm ins Gesicht gedrückt wurde.

Plötzlich spürte er eine kleine Bewegung. Instinktiv zog er seine Ellbogen zurück, drehte den Kopf leicht zur Seite und bekam einen Hauch Luft, bevor er wieder untergetaucht wurde. Sein Verstand arbeitete fieberhaft: Ich muss hier raus. Ich darf nicht aufgeben.

Mit einem Ruck, den er aus purer Verzweiflung sammelte, stieß Joey die Hände der Angreifer nach hinten. Einer der beiden stolperte leicht, und in diesem winzigen Moment des Vorteils gelang es Joey, seinen Kopf aus dem Wasser zu reißen. Er hustete, keuchte und schlug um sich, während er gleichzeitig nach dem Wasserhahn griff, um ihn aufzudrehen und einen Schwall Wasser zurück auf die Jungs zu lenken – ein instinktiver Reflex, der sie kurz ablenkte.

Joey spürte die Panik, die Wut, die Angst – und dann ein Funken Klarheit: Ich kann das überleben, wenn ich ruhig bleibe und einen Moment finde, um zu entkommen.

Er nutzte die Verwirrung, drängte sich an den Jungs vorbei und rannte aus der Toilette, stolpernd und keuchend, die Treppen hinunter. Jeder Schritt war ein Kampf gegen den Schock, aber jeder Schritt brachte ihn weiter weg von der Bedrohung.

Als Joey schließlich draußen an der frischen Luft stand, zitterte er am ganzen Körper. Seine Kleidung war durchnässt, sein Herz hämmerte, und Tränen mischten sich mit dem Regen auf seinem Gesicht. Doch trotz allem spürte er etwas, das stärker war als die Angst: ein unerschütterlicher Wille, sich nie wieder so hilflos fühlen zu müssen.

Joey wischte sich hastig das Wasser aus dem Gesicht, während er durch die Flure der Schule lief. Seine Hände zitterten noch, und jeder Schritt fühlte sich schwer an, aber er wusste, dass er keine Zeit verlieren durfte. Das Lehrerzimmer war nicht weit, und er drückte die Tür auf, kaum darauf achtend, ob jemand ihn sah.

„Sato-sensei?“, rief er keuchend, als er den Raum betrat. Der Lehrer sah von seinen Papieren auf, seine Stirn in Sorgenfalten gelegt. „Joey? Was ist passiert? Du siehst aus, als hättest du gerade einen Sturm überstanden.“

Joey schluckte schwer und erzählte dann stockend, aber so detailliert wie möglich, was in der Herrentoilette passiert war – wie die drei Jungs ihn festgehalten hatten, wie sie ihn ins Waschbecken gedrückt hatten und wie er nur durch Glück entkommen war. Herr Sato hörte aufmerksam zu, sein Gesicht wurde ernst.

„Danke, dass du das gemeldet hast, Joey. Du hast alles richtig gemacht, indem du sofort zu mir gekommen bist. Wir werden uns darum kümmern“, sagte Herr Sato und griff zum Telefon. „Ich werde sofort den Direktor informieren, und wir werden die anderen Lehrer alarmieren. Niemand hat das Recht, dich so zu behandeln.“

Joey nickte, erleichtert, dass er nicht ignoriert wurde, aber ein Teil von ihm fühlte sich immer noch unruhig. „Wird es… wird es Konsequenzen für sie geben?“ fragte er leise.

„Das verspreche ich dir“, antwortete Herr Sato bestimmt. „Wir werden das sehr ernst nehmen. Aber zuerst sorgen wir dafür, dass du wieder sicher bist.“

Joey fühlte zum ersten Mal seit dem Vorfall einen kleinen Funken Ruhe. Er wusste, dass er nicht alleine war und dass er den Mut gehabt hatte, das Richtige zu tun – etwas, das ihn stärker machte, als er es sich selbst zugetraut hätte.

Nachdem Joey den Vorfall gemeldet hatte, handelte die Schule schnell. Der Direktor ließ die drei beteiligten Schüler sofort ins Büro rufen. Herr Sato blieb bei Joey, während die Schulleitung mit den Tätern sprach. Die Jungen wirkten überrascht, dann verlegen und schließlich verängstigt, als sie realisierten, dass ihr Verhalten ernsthafte Konsequenzen haben würde.

Joey selbst wurde zunächst in einen ruhigen Raum gebracht, um sich zu sammeln. Die Lehrer gaben ihm Wasser, ein Handtuch und Zeit, die Panik etwas abklingen zu lassen. Trotz allem fühlte er sich nervös – die Gedanken an die Toilette und den Kampf mit den anderen Jungs waren noch frisch. Doch langsam begann sich etwas anderes zu regen: Stolz. Er hatte gehandelt, war nicht eingeschüchtert geblieben und hatte die Situation überlebt.

In den folgenden Tagen achtete die Schule darauf, dass Joey nicht allein gelassen wurde. Die drei Täter bekamen eine Kombination aus Nachsitzen, Entschuldigungs- und Aufarbeitungsmaßnahmen – sie mussten erklären, warum ihr Verhalten falsch war, und sich bei Joey entschuldigen. Einige Mitschüler, die vorher vielleicht weggesehen hätten, begannen zu begreifen, dass Mobbing ernsthafte Folgen hatte.

Joey selbst lernte, auf sich zu achten und seine Grenzen klar zu setzen. Er begann, sich selbstbewusster zu fühlen, weil er wusste, dass er nicht nur Opfer war, sondern jemand, der handeln konnte. Langsam gewann er sein Vertrauen in die Schule und seine Mitschüler zurück – und die Angst, die ihn an jenem Tag in der Toilette gepackt hatte, verblasste Stück für Stück.
 

„Yugi ist ein guter Ersatz für den Pharao“, meinte Tea. „Ein Ersatz für die eine Person, die ich liebte. Das muss unter uns bleiben, Joey. Yugi darf davon nichts erfahren.“

Joey runzelte die Stirn. „Ich weiß nicht, Tea. Das halte ich für keine gute Idee.“

Tea verschränkte die Arme und sah zur Seite, als wollte sie seinem Blick ausweichen. „Warum nicht?“, fragte sie. „Der Pharao ist gegangen. Für immer. Irgendwie muss ich doch weitermachen.“

Joey schüttelte den Kopf. „Weiterzumachen heißt aber nicht, jemanden zu ersetzen.“ Er trat einen Schritt näher und senkte die Stimme. „Yugi ist nicht… er.“

Tea schwieg einen Moment. Der Wind strich über den Platz vor der Schule, und irgendwo klapperte eine Fahnenstange gegen den Mast.

„Ich weiß“, sagte sie schließlich. „Natürlich weiß ich das. Aber wenn ich bei Yugi bin, erinnert mich das an ihn. An alles, was wir zusammen erlebt haben.“ Ihre Finger ballten sich leicht. „Vielleicht hilft mir das einfach.“

Joey seufzte. „Oder es macht alles nur komplizierter.“

Tea hob den Blick. „Wie meinst du das?“

„Nun ja“, sagte Joey und kratzte sich am Hinterkopf. „Was ist, wenn Yugi irgendwann merkt, dass du ihn nicht wirklich… ihn meinst? Dass du eigentlich an den Pharao denkst? Das würde ihm ziemlich wehtun.“

Tea biss sich auf die Lippe. Für einen Moment wirkte sie unsicher.

„Ich will ihm nicht wehtun“, murmelte sie.

„Dann solltest du ehrlich sein“, erwiderte Joey sanft. „Zu dir selbst – und zu ihm.“

Yugi kam aus seinem Versteck raus. „Ich hab genug gehört!“

„Yugi!“, rief Joey. „Wie lange bist du schon hier?“

„Ich bin also nur ein Ersatz für den Pharao?“, wiederholte der Bunthaarige. „Ich dachte, du liebst mich wirklich, Tea! Da hab ich mich wohl geirrt.“

Tea trat einen Schritt auf Yugi zu, ihre Augen weit vor Schreck. „Yugi, bitte, das hast du falsch verstanden!“

Doch Yugi wich zurück. Seine Fäuste waren geballt, seine Stimme bebte vor aufgestauten Emotionen. „Falsch verstanden? Ich habe alles gehört, Tea! Jedes Wort! Ich bin nur ein Ersatz, ein Platzhalter, weil der Pharao nicht mehr da ist, oder?“

Joey machte einen Schritt dazwischen. „Hey, beruhig dich, Yugi. Sie wollte dir nichts Böses. Sie hatte nur…“

„Sich entschieden, mich zu belügen“, unterbrach Yugi ihn bitter. „Ich bin nicht er. Ich werde nie Atem sein.“

„Das weiß ich doch!“, rief Tea nun. Tränen stiegen ihr in die Augen. „Du bist nicht Atem und genau deshalb liebe ich dich!“

Yugi erstarrte. „Was?“

Tea trat erneut näher. „Es stimmt. Am Anfang habe ich Gefühle für den Pharao gehabt. Er war stark, geheimnisvoll, mutig – alles, was ich bewundert habe. Aber als er gegangen ist habe ich dich gesehen, Yugi. Deinen Mut. Deine Güte. Deine Entschlossenheit. Nicht als Teil von jemand anderem. Sondern als du selbst.“

Yugi ließ langsam die Fäuste sinken.

Joey seufzte erleichtert. „Endlich sagt das mal jemand deutlich.“

Yugi sah von einem zum anderen. „Aber warum dann dieses Gespräch eben? Warum sollte ich das nicht wissen?“

Tea senkte den Blick. „Weil ich Angst hatte, dass du denkst, du bist nur die zweite Wahl. Aber das bist du nicht.“

Yugi spürte, wie sich etwas in seiner Brust löste. Seine Stimme wurde fester: „Wenn das wahr ist, dann sag es noch einmal.“

Tea sah ihm direkt in die Augen. „Ich liebe dich, Yugi. Nicht den Pharao.“

Dann trat Yugi auf sie zu, nahm vorsichtig ihre Hand und lächelte. „Ich liebe dich auch, Tea.“

Joey grinste breit. „Na endlich!“
 

Joey hatte Geburtstag. Yugi, Tea und Tristan waren bei ihm zu Hause. Er hatte auch Mokuba eingeladen. Mokuba hatte darauf bestanden, dass Kaiba mitkam. Während Joey und die anderen viel Spaß hatten, saß Kaiba am Tisch und langweilte sich. Er bereute es dass er hierher gekommen war und wollte gehen.

Kaiba stand auf, schob den Stuhl mit einem leisen Kratzen zurück und griff nach seinem Mantel.

„Ich verschwende hier nur meine Zeit“, murmelte er kühl.

„Hey, Kaiba! Schon am Abhauen?“ rief Joey Wheeler quer durch den Raum, während er ein Stück Geburtstagskuchen in der Hand hielt. „Die Party hat doch grad erst angefangen!“

„Wenn du das hier eine Party nennst“, erwiderte Seto Kaiba trocken. „Herzlichen Glückwunsch, Wheeler. Ich habe meine Pflicht erfüllt.“

Mokuba sprang sofort von der Couch auf und lief zu seinem Bruder. „Seto, komm schon! Wir sind gerade erst angekommen.“

„Du wolltest hierher“, sagte Kaiba knapp. „Nicht ich.“

Am Tisch beobachtete Yugi Muto die Szene ruhig. Neben ihm standen Téa Gardner und Tristan Taylor.

„Vielleicht solltest du einfach kurz bleiben“, sagte Yugi freundlich. „Es ist Joeys Geburtstag.“

Kaiba zog eine Augenbraue hoch. „Ich brauche keine Lektionen über Freundschaft von dir, Yugi.“

„Heh“, grinste Joey. „Du könntest aber eine Lektion über Spaß gebrauchen.“

Tristan verschränkte die Arme. „Er weiß wahrscheinlich gar nicht, wie man Spaß hat.“

„Sehr witzig“, antwortete Kaiba ohne jede Spur von Humor.

Mokuba sah zwischen ihnen hin und her. „Seto, bitte. Nur ein bisschen. Wir können doch wenigstens den Kuchen essen.“

Joey hielt demonstrativ den Teller hoch. „Der ist übrigens verdammt gut.“

Kaiba seufzte leise – kaum hörbar. Für einen Moment sah es so aus, als würde er trotzdem gehen.

Dann blieb sein Blick kurz an Mokuba hängen.

„Fünf Minuten“, sagte Kaiba schließlich. „Dann verschwinde ich.“

Joey grinste breit. „Einverstanden! In fünf Minuten bring ich dich sogar dazu zu lachen.“

Kaiba setzte sich wieder – langsam, als wäre es eine enorme Anstrengung.

„Das“, sagte er trocken, „halte ich für äußerst unwahrscheinlich.“

Joey beugte sich verschwörerisch zu Yugi und den anderen. „Passt auf. Am Ende des Abends sagt Kaiba noch, dass es ihm Spaß gemacht hat.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Wenn das passiert“, sagte er kühl, „spende ich die gesamte Kaiba Corporation an Wheeler.“

Joey blinzelte. „Okay, Leute“, sagte er sofort. „Wir müssen diesen Kerl zum Lachen bringen.“

Mokuba begann schon zu grinsen.

Joey knallte den Teller mit Kuchen auf den Tisch. „Alles klar! Challenge angenommen!“, rief er. „Wir bringen Kaiba zum Lachen.“

„Das wird nie passieren“, sagte Kaiba trocken und verschränkte die Arme.

„Wir werden sehen“, meinte Tristan und grinste breit.

Neben ihm sagte Tea: „Seid nicht gemein. Es ist Joeys Geburtstag.“

„Ich bin nie gemein“, antwortete Tristan. „Ich bin nur… kreativ.“

Am Tisch beobachtete Yugi alles mit einem kleinen Lächeln.

„Also gut“, sagte Joey und stellte sich vor Kaiba. „Witz Nummer eins: Warum hat ein Duellant keinen Hund?“

Kaiba sah ihn gelangweilt an.

„…Weil er schon genug Karten hat, die bellen!“

Stille.

Tristan hustete.

Téa versuchte zu lächeln.

Yugi nickte höflich.

Kaiba starrte Joey einfach nur an.

„Das war schrecklich“, sagte er schließlich.

„Hey!“, protestierte Joey.

„Der Witz war schlechter als deine Strategie im Finale vom Königreich der Duellanten.“

„DU—!“ Joey wurde sofort rot.

Mokuba begann zu lachen und hielt sich den Bauch. „Der war gut, Seto!“

„Siehst du?“ sagte Kaiba. „Jemand hier hat Humor.“

„Okay“, sagte Tristan. „Plan B.“

Er zog plötzlich zwei Servietten, stopfte sie sich in die Backen und stellte sich breitbeinig hin.

„Ich bin Kaiba! Ich habe Geld! Ich habe Drachen! Und ich bin immer schlecht gelaunt!“

Joey brach sofort in Gelächter aus.

Téa schlug sich die Hand vor den Mund.

Yugi versuchte ernst zu bleiben.

Kaiba sah Tristan nur langsam an. Sehr langsam. „Bist du fertig?“

Tristan schluckte. „…Ja.“

Kaiba stand auf.

Für einen Moment dachten alle, jetzt würde er wirklich gehen.

Doch dann sah er Mokuba, der immer noch lachte.

Kaiba seufzte. „Ihr seid alle unglaublich kindisch.“

Joey grinste. „Aber du bist noch hier.“

Kaiba setzte sich wieder.

Joey beugte sich über den Tisch. „Dann spielen wir jetzt ein Spiel.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Yugi hob vorsichtig eine kleine Schachtel vom Tisch. „Wir könnten einfach eine schnelle Runde Duel Monsters spielen.“

Kaibas Augen blitzten sofort. „…Du hättest das gleich sagen sollen.“

Joey grinste breit. „Hehe. Ich wusste, dass dich DAS interessiert.“

Kaiba lehnte sich zurück und lächelte ganz leicht. „Wheeler… wenn ich spiele, gewinne ich.“

Joey knallte sein Deck auf den Tisch. „Dann versuch's doch!“

Mokuba strahlte. „Das wird die beste Geburtstagsparty überhaupt!“

Und zum ersten Mal an diesem Abend sah es so aus, als hätte sogar Kaiba ein kleines bisschen Spaß.

Kaiba zog seine erste Karte und setzte sie ruhig in Angriffsposition. Joey beobachtete ihn gespannt, seine Finger leicht zitternd vor Aufregung.

„Bereit, Wheeler?“, fragte Kaiba kühl.

„Immer bereit!“, rief Joey und legte sein erstes Monster.

Die Partie begann intensiv. Joey versuchte, Kaiba mit cleveren Zügen und Fallen zu überraschen, doch Kaiba schien jeden Zug vorherzusehen. Immer wieder konterte er souverän, seine Monster auf dem Feld wuchsen schnell an Stärke.

„Du bist gut, Wheeler. Aber das reicht nicht gegen mich“, sagte Kaiba ruhig, während er seinen legendären „Weißen Drachen mit eiskaltem Blick“-Karte zog.

Joey stockte. „Der weiße Drache…!“

Kaiba legte die mächtige Kreatur mit einem leisen Donnern auf das Spielfeld. Die Augen des Drachens funkelten, und selbst Joey konnte nicht leugnen, wie beeindruckend die Erscheinung war.
 

Joey versuchte, einen cleveren Trick zu spielen, aber Kaiba blockte jede Option. Schließlich, nach einem letzten strategischen Angriff, landete Kaiba den entscheidenden Schlag: Joeys Lebenspunkte waren auf null.

„Verdammt…“, murmelte Joey, während Kaiba seine Karten zurück in das Deck legte.

Kaiba lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und sagte trocken: „Wie gesagt, ich gewinne immer.“

Joey grinste, obwohl er verloren hatte. „Okay… okay, du hast gewonnen, Kaiba. Aber das nächste Mal gewinne ich.“

„Träum weiter, Wheeler.“

Joey schnitt ein Stück vom Kuchen ab und stellte den Teller vor Kaiba hin. "Der Kuchen schmeckt wirklich gut." Kaiba griff nach der Gabel und nahm einen Bissen.

Kaiba kaute langsam, fast theatralisch, während Joey, Mokuba, Tristan, Téa und Yugi gespannt zusahen. Dann ließ er die Gabel auf den Teller klacken.

„Dieser Kuchen“, sagte Kaiba trocken, „ist überraschend… akzeptabel.“

Joey grinste triumphierend. „Siehst du! Schon ein kleines Lächeln!“

Kaiba verzog kaum merklich die Mundwinkel, aber Mokuba jubelte. „Er lächelt! Er lächelt wirklich!“

„Ich lächle nicht“, korrigierte Kaiba sofort, „ich zeige lediglich minimale Anzeichen, dass mein Gaumen keine totale Katastrophe erlitten hat.“

„Aha, also ein Fortschritt!“, rief Joey und klopfte Mokuba auf die Schulter. „Okay, nächster Schritt: Wir bringen dich wirklich zum Lachen!“

Tristan sprang auf. „Ich hab’s! Alle: Wir machen eine Challenge – Wer Kaiba am meisten zum Lachen bringt, gewinnt!“

Kaiba hob eine Augenbraue. „…Das klingt nach einer äußerst lächerlichen Aufgabe.“

„Perfekt!“, rief Joey. „Wir lieben lächerliche Aufgaben!“

Téa lächelte vorsichtig. „Wir sollten es fair machen. Keine gemeinen Streiche.“

„Natürlich“, sagte Tristan und grinste. „Nur kindischer Humor!“

Joey beugte sich zu Kaiba. „Bereit?“

Kaiba verschränkte die Arme, aber für einen Moment blitzte ein Funken Neugier in seinen Augen auf. „…Ich warne euch. Es wird nicht funktionieren.“

„Challenge accepted!“, rief Joey. „Plan Humor-Angriff – Stufe 1: Lustige Gesichter!“

Mokuba sprang auf, verzog das Gesicht zu einer grotesken Grimasse und rollte auf dem Boden herum, während Tristan sich dazu gesellte. Joey schüttelte den Kopf und imitierte Mokubas Grimassen, und sogar Téa ließ sich auf ein kleines albernes Gesicht ein.

Kaiba beobachtete still, die Arme immer noch verschränkt. Dann passierte es: Für einen kurzen, winzigen Moment zuckte seine Mundwinkel – kaum merklich, aber eindeutig.

„…Unmöglich“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen.

Joey grinste breit. „Das nenne ich einen Sieg! Schon ein kleines Lachen!“

„…Ich wiederhole: Es war kein Lachen“, sagte Kaiba, „es war lediglich eine flüchtige Reaktion meines Gesichtsmuskels auf unerwartete visuelle Reize.“

„Pffft!“, rief Tristan und lachte. „Das zählt trotzdem!“

Mokuba sprang auf Joey zu. „Siehst du? Ich hab’s gesagt!“

Yugi schmunzelte leise. „Vielleicht reicht ein bisschen Geduld, Kaiba hat seinen eigenen Humor.“

Kaiba sah die Gruppe streng an. „…Ihr seid unmöglich.“ Doch in seinen Augen lag ein winziges Funkeln, das niemand übersehen konnte.

Joey zwinkerte. „Perfekt. Dann machen wir weiter – die nächsten fünf Minuten werden legendär!“

Kaiba saß weiterhin mit verschränkten Armen da, sein Blick stahl jedem den Atem, der versuchte, ihn zu unterhalten. Joey, Mokuba, Tristan und Téa gaben ihr Bestes: Grimassen, alberne Tänze, sogar ein improvisiertes „Drachenduell“-Rollenspiel auf dem Boden.

Aber Kaiba reagierte nicht. Keine Augenbraue zuckte, kein Mundwinkel regte sich.

„Ich verstehe nicht, wie ihr überhaupt glaubt, dass das funktioniert“, sagte Kaiba trocken. „Humor ist eine primitive, menschliche Schwäche. Ich bin darüber erhaben.“

Joey schnaubte, Mokuba kicherte leise, Tristan machte einen resignierten Seufzer, und Téa zuckte mit den Schultern.

Schließlich setzte sich Kaiba aufrecht hin, betrachtete den Kuchen vor sich und sprach in einem Ton, der sowohl ernst als auch amüsiert klang:

„Ihr habt fünf Minuten verschwendet. Ich habe nicht gelacht. Ich werde nicht lachen. Und trotzdem…“ – er hob die Gabel – „…dieser Kuchen ist überraschend gut.“

Mokuba grinste und Joey seufzte theatralisch. „Also… ein halber Sieg?“

„Ein minimaler Sieg der Geschmacksknospen“, korrigierte Kaiba trocken, während er den nächsten Bissen nahm. „Mehr nicht.“

Yugi schmunzelte leise und dachte: Manchmal reicht schon ein kleiner Moment der Akzeptanz – selbst bei Seto Kaiba – um zu wissen, dass ein bisschen Freude im Raum war, auch wenn es kein richtiges Lachen gab.

Und so endete Joeys Geburtstag: Mit Kuchen, Grimassen, albernen Spielen… und einem Kaiba, der niemals wirklich lachte, aber wenigstens bei ihnen blieb.

Als Seto noch ein Kind war, verlor er beide Eltern. Seine Mutter starb, als Mokuba geboren wurde. Und sein Vater starb einige Jahre später bei einem Autounfall.

Nach diesem Tag änderte sich alles.

Seto war noch jung, doch in seinen Augen verschwand etwas, das man bei Kindern normalerweise sieht – eine gewisse Unbeschwertheit. Von da an war er nicht mehr nur ein großer Bruder. Er wurde Beschützer, Ersatzfamilie und manchmal sogar derjenige, der Entscheidungen treffen musste, die eigentlich Erwachsene treffen sollten.

Mokuba war noch zu klein, um wirklich zu verstehen, was passiert war. Für ihn war Seto einfach immer da. Wenn er nachts aufwachte und nach ihren Eltern rief, setzte sich Seto an sein Bett, auch wenn er selbst kaum schlafen konnte. Er versprach ihm immer wieder, dass alles gut werden würde.

Doch innerlich wusste Seto, dass nichts mehr so sein würde wie früher.
 

Die beiden Brüder kamen schließlich ins Waisenhaus. Es war kein grausamer Ort, aber auch keiner, der Wärme ausstrahlte. Regeln, graue Wände und das Gefühl, nur eine Nummer zu sein; daran musste Seto sich schnell gewöhnen. Mokuba hingegen klammerte sich oft an ihn, besonders in den ersten Wochen.

Seto hasste dieses Gefühl der Machtlosigkeit.

In der Schule war er bald der Beste in Mathematik, Logik und allem, was mit Strategie zu tun hatte. Während andere Kinder spielten, saß er über Büchern oder dachte darüber nach, wie man gewinnt – egal bei was.

Nicht für sich selbst. Für Mokuba.

Eines Tages sagte Mokuba zu ihm: „Seto, glaubst du, Mama und Papa können uns sehen?“

Seto schwieg lange. Dann legte er seinem kleinen Bruder die Hand auf den Kopf.

„Vielleicht“, sagte er schließlich. „Und wenn sie uns sehen, dann werden sie sehen, dass ich auf dich aufpasse.“

In diesem Moment fasste er einen stillen Entschluss.

Egal was passieren würde; egal wie hart die Welt war – er würde stark genug werden, damit niemand Mokuba je wieder etwas wegnehmen konnte.

Und Jahre später sollte genau dieser Entschluss der Anfang von allem sein.
 

Im Waisenhaus vergingen die Jahre langsam.

Seto gewöhnte sich daran, früh aufzustehen, Regeln zu befolgen und ständig wachsam zu sein. Die anderen Kinder lernten schnell, dass er anders war. Er war ruhig, beobachtete viel und sprach nur, wenn es nötig war. Doch wenn jemand versuchte, Mokuba zu ärgern, änderte sich alles.

Dann wurde Seto plötzlich sehr kalt.

Einmal schubste ein älterer Junge Mokuba auf dem Hof zu Boden. Noch bevor der Erzieher reagieren konnte, stand Seto schon vor ihm. Er sagte kein Wort – er sah ihn nur an. Dieser Blick reichte, damit der Junge langsam einen Schritt zurück machte.

Von da an wussten alle: Wer Mokuba anfasst, bekommt es mit Seto zu tun.

Doch Seto dachte nicht nur an den nächsten Tag. Er verbrachte Zeit mit Rätseln, Schach oder allem, was Strategie verlangte.
 

Eines Tages kam ein Mann ins Waisenhaus.

Er war reich, mächtig und bekannt in der Geschäftswelt. Sein Blick wanderte prüfend durch den Raum, als würde er nicht Kinder sehen, sondern Möglichkeiten.

Es war Gozaburo Kaiba.

Er sprach mit mehreren Kindern, stellte Fragen und beobachtete ihre Antworten. Die meisten wurden nervös oder versuchten, ihm zu gefallen.

Seto nicht.

Als Gozaburo vor ihm stehen blieb, sah Seto direkt zu ihm auf.

„Wie heißt du?“, fragte der Mann.

„Seto.“

„Und was willst du einmal werden?“

Die meisten Kinder hätten etwas wie Pilot oder Arzt gesagt. Seto antwortete ohne zu zögern:

„Jemand, der nie wieder von anderen abhängig ist. Wenn ich Sie beim Schach schlage, adoptieren Sie uns beide!“

Gozaburos Augen verengten sich leicht. Diese Antwort hatte er nicht erwartet.

Er setzte sich gegenüber von Seto. Auf dem Tisch lag ein Schachbrett mit Figuren.

„Wenn du mich schlägst, nehme ich euch mit“, sagte er ruhig.

Seto sah kurz zu Mokuba, der am Rand des Raumes stand und nervös zusah.

Dann nickte er.

Das Spiel dauerte lange. Die Betreuer beobachteten still, während Seto Zug um Zug machte. Am Anfang schien Gozaburo klar überlegen zu sein. Doch langsam begann sich das Blatt zu wenden.

Seto analysierte jede Bewegung.

Jeden Fehler.

Und schließlich machte er den letzten Zug.

„Schachmatt.“

Stille.

Dann lehnte sich Gozaburo zurück. Er hatte verloren.

Zum ersten Mal lächelte er leicht.

„Interessant“, sagte er. „Sehr interessant.“

Doch keiner von ihnen wusste damals, wie sehr sich ihr Leben dadurch verändern würde.

Nachdem Seto und Mokuba von Gozaburo Kaiba adoptiert waren, begann ein völlig neues Leben.

Das Kaiba-Anwesen war riesig, voller Bediensteter. Doch Wärme gab es dort kaum. Für Gozaburo war Seto kein Sohn im eigentlichen Sinne. Er war ein Projekt.

Ein Experiment.

Schon kurz nach der Adoption begann Gozaburo, Seto zu testen. Jeden Tag stellte er ihm neue Aufgaben: komplizierte Wirtschaftsprobleme, Strategie-Spiele, Programmieraufgaben oder Geschäftsanalysen. Fehler wurden nicht toleriert.

Wenn Seto die Aufgaben nicht richtig löste, musste er so lange weiterarbeiten, bis er alle seine Fehler verbessert hatte.

Wenn er die Aufgaben richtig löste, sagte Gozaburo nur knapp: „Das war das Minimum.“
 

Mit den Jahren wurde der Druck immer größer. Während andere Kinder zur Schule gingen und Freunde hatten, lernte Seto, Firmenberichte zu lesen, Märkte zu analysieren und Entscheidungen zu treffen, die Millionen kosten konnten.

Gozaburo wollte aus ihm einen perfekten Erben formen.

Doch gleichzeitig behandelte er ihn wie einen Gegner.

Manchmal saßen sie sich nachts in seinem Büro gegenüber und spielten Schach. Jeder Sieg von Seto machte Gozaburo wütender, auch wenn er es selten offen zeigte.

Nur bei Mokuba war Seto anders. Wenn sie allein waren, ließ er die kalte Fassade fallen. Für ihn war sein kleiner Bruder der einzige Grund, all das auszuhalten.
 

Die Jahre vergingen.

Seto wurde älter, klüger und gefährlicher. Mit vierzehn Jahren verstand er bereits mehr von den Geschäftsstrategien von KaibaCorp als viele Manager der Firma.

Mit fünfzehn begann er, Entscheidungen zu hinterfragen.

Mit sechzehn begann er, sie zu übertreffen.

Gozaburo merkte, dass etwas passiert war.

Das Kind, das er einst aus dem Waisenhaus geholt hatte, war nicht mehr nur ein Schüler.

Er war zu einem Rivalen geworden.

Dann begann ein letztes Spiel zwischen ihnen – diesmal nicht auf einem Brett, sondern in der Realität. Seto hatte in den letzten Monaten heimlich die Mehrheit der Unternehmensanteile organisiert und mehrere Vorstandsmitglieder auf seine Seite gezogen.

Schritt für Schritt.

Zug für Zug.
 

Am Ende hatte Gozaburo keine Kontrolle mehr über seine eigene Firma.

Der Vorstand entschied. Und Seto gewann.

Mit sechzehn Jahren wurde Seto Kaiba der neue Präsident von KaibaCorp.

Im Büro herrschte eine unheimliche Stille.

Gozaburo stand langsam auf und ging zum Fenster. Die Lichter der Stadt spiegelten sich im Glas.

Er drehte sich noch einmal zu Seto um.

Seine Stimme war ruhig, aber voller Bitterkeit. „Du hast gewonnen, Seto.“

Dann zeigte er aus dem Fenster in die Tiefe. „Schau dir gut an, was mit dem Verlierer passiert.“

Noch bevor jemand reagieren konnte, öffnete er das Fenster.

Für einen kurzen Moment sah Seto seinen Stiefvater einfach nur an.

Dann sprang Gozaburo Kaiba.

Der Fall schien endlos.

Für einen Augenblick glaubte Seto, die Zeit selbst hätte den Atem angehalten. Das Geräusch von brechendem Glas hallte noch nach, doch dann war da nur noch Stille – schwer, erdrückend, endgültig.

Seto bewegte sich nicht. Sein Gesicht blieb unbewegt, fast ausdruckslos.

Doch in diesem Moment verstand er etwas sehr Wichtiges: In der Welt gibt es keine zweite Chance.

Nur Sieger. Und Verlierer.

Und von diesem Tag an führte Seto Kaiba KaibaCorp mit genau dieser Überzeugung.
 

Am nächsten Morgen war das Gebäude von KaibaCorp wie immer makellos. Angestellte eilten durch die Flure, Bildschirme flackerten, Maschinen arbeiteten präzise wie Uhrwerke. Doch hinter den Glasfassaden hatte sich etwas verändert. Eine unsichtbare Grenze war überschritten worden.

Seto Kaiba stand nun an der Spitze.

Sechzehn Jahre alt – und allein.

Er saß im Büro, das einst Gozaburo gehört hatte. Der Schreibtisch war derselbe, der Blick über die Stadt unverändert. Nur die Person dahinter war eine andere. Setos Augen wanderten über die Skyline, kalt und unbeweglich. Kein Zögern, kein Zweifel.

Er erinnerte sich an jede Lektion. An jede Prüfung. An jede Demütigung, die ihn hierher gebracht hatte. Gozaburo hatte ihn formen wollen – zu einem Erben, der stark genug war, alles zu tragen. Doch am Ende hatte Seto mehr getan, als nur zu bestehen.

Er hatte gewonnen.

Die Tür öffnete sich vorsichtig. Mokuba trat ein, kleiner, unsicherer, aber mit einem Blick, der nur seinem Bruder galt.

„Seto… ist es jetzt vorbei?“

Seto drehte sich nicht sofort um. Für einen Moment blieb er still. Dann stand er auf, ging zu Mokuba und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Nein“, sagte er ruhig. „Jetzt fängt es erst an.“

Die Nachricht von Gozaburos Tod verbreitete sich wie ein Lauffeuer – erst innerhalb der Firma, dann in den Medien. Doch Seto Kaiba zeigte keine Regung. Keine Trauer, keine Reue. Nur kalte Entschlossenheit lag in seinem Blick, als er am nächsten Morgen das Büro betrat, das einst seinem Adoptivvater gehört hatte.

Hinter ihm öffnete sich die Tür. Mokuba trat ein, zögerlich, aber mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bewunderung und Unsicherheit lag.

„Bruder… sie warten im Konferenzraum.“

Seto drehte sich nicht sofort um. Für einen Moment spiegelte sich sein Gesicht im Glas – kühl, unbeweglich, fast schon wie eine Maske.

„Dann sollen sie warten“, antwortete er knapp.

Mokuba schwieg. Er kannte diesen Ton. Es war derselbe Ton, mit dem Seto Gozaburo besiegt hatte. Derselbe Ton, der keine Widerrede duldete.

Nach einigen Sekunden wandte sich Seto schließlich ab und ging an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen.

„Ab heute wird sich alles ändern.“

Im Konferenzraum herrschte gespannte Stille. Die Vorstandsmitglieder – Männer und Frauen mit jahrzehntelanger Erfahrung – blickten auf, als Seto eintrat. Manche skeptisch. Manche nervös.

Seto nahm am Kopf des Tisches Platz, ohne zu fragen. Ohne zu zögern.

„Von jetzt an“, sagte er schließlich mit unnachgiebiger Stimme, „wird KaibaCorp nicht länger Waffen herstellen.“

Die Vorstandsmitglieder tauschten nervöse Blicke aus. Das war nicht nur ein Strategiewechsel – es war eine Revolution.

„Wir werden uns auf Spiele konzentrieren.“

„Spiele?“, wiederholte einer ungläubig. „Das ist doch—“

„Die Zukunft“, unterbrach Seto ihn kalt. „Virtuelle Welten. Simulationen. Technologien, die Realität übertreffen.“

Sein Blick wanderte durch den Raum, scharf wie eine Klinge.

„Wer das nicht versteht, ist ersetzbar.“

Einige protestierten. Andere zweifelten. Doch keiner wagte es, sich ihm wirklich entgegenzustellen. Sie hatten gesehen, wozu dieser Junge fähig war. Mit sechzehn Jahren hatte er nicht nur ein Imperium übernommen – er hatte es sich erkämpft.

Und während draußen die Welt noch über Gozaburos tragisches Ende sprach, begann im Inneren von KaibaCorp bereits eine neue Ära.
 

Seto blieb abrupt stehen. Vor ihm stand ein kleiner Junge mit wilden, dreifarbigen Haaren, der ihn mit überraschend ruhigem Blick ansah.

„Du bist neu hier, oder?“, fragte der Junge freundlich.

Seto verschränkte die Arme. „Geht dich nichts an.“

Der Junge lächelte trotzdem. „Ich bin Yugi. Yugi Muto.“

Seto musterte ihn kurz. Klein. Schmächtig. Sah nicht gerade nach jemandem aus, der Ärger machte. Trotzdem lag etwas Merkwürdiges in seinem Blick – etwas Selbstsicheres.

„Seto Kaiba“, sagte er schließlich knapp.

Für einen Moment standen sie schweigend da. Dann holte Yugi eine kleine Schachtel aus seiner Tasche.

„Ich sammle Spiele“, erklärte er begeistert. „Kartenspiele, Brettspiele, alles Mögliche. Spiele bringen Menschen zusammen.“

Seto schnaubte leise. „Spiele sind dazu da, zu gewinnen.“

Yugi kippte den Kopf leicht schief. „Oder um Spaß zu haben.“

Setos Augen verengten sich. „Spaß ist irrelevant. Der Sieg zählt.“

Yugi betrachtete ihn einen Moment nachdenklich. Dann lächelte er wieder, diesmal etwas geheimnisvoller.

„Vielleicht“, sagte er ruhig. „Aber die besten Spiele entscheiden mehr als nur, wer gewinnt.“

Ein Windstoß fuhr durch den Schulhof und ließ Yugis Haare flattern. Für einen kurzen Augenblick hatte Seto das seltsame Gefühl, dass hinter den violetten Augen seines Gegenübers noch jemand anderes zusah.

Und plötzlich hatte Seto das Gefühl, dass dieses Treffen kein Zufall war.

„Also, Kaiba“, sagte Yugi und zog ein paar Karten hervor, „spielst du?“

Seto sah auf die Karten – und ein leichtes, herausforderndes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Zeig mir, was du kannst.“

Gerade als Yugi die Karten mischte, verdunkelte sich sein Blick für einen winzigen Moment … und seine Stimme klang plötzlich tiefer.

„Ein Spiel beginnt erst wirklich“, sagte Yugi langsam, „wenn beide Spieler bereit sind, alles zu riskieren.“

Seto blinzelte irritiert. Für einen Sekundenbruchteil war Yugis Blick völlig anders gewesen – schärfer, älter, fast einschüchternd. Doch im nächsten Moment war alles wieder normal.

Yugi grinste verlegen. „Äh… also… ich meinte nur ein Kartenspiel.“

Seto zog eine Augenbraue hoch. „Du redest ziemlich dramatisch für jemanden, der gerade Karten mischt.“

Yugi lachte nervös. „Gewohnheit.“

Sie setzten sich auf eine niedrige Steinmauer im Schulhof. Yugi verteilte die Karten sorgfältig.

„Die Regeln sind einfach“, erklärte er. „Wer die stärkste Kombination bekommt, gewinnt.“

Seto sah kurz auf seine Karten. Dann auf Yugis Gesicht.

„Du wirkst nicht wie jemand, der oft gewinnt.“

Yugi lächelte ruhig. „Manchmal gewinnt man nicht mit Stärke.“

Seto grinste leicht. „Das werden wir sehen.“

Die erste Runde begann.

Die Karten flogen auf den Stein zwischen ihnen. Schüler liefen vorbei, ohne dem Spiel große Beachtung zu schenken. Doch für Seto fühlte es sich seltsam ernst an – als würde mehr auf dem Spiel stehen als nur ein paar Karten.

Yugi legte seine letzte Karte. „Dein Zug.“

Seto betrachtete seine Hand. Langsam legte er eine Karte nach der anderen auf den Stein.

Yugis Augen wurden groß. „Das… das ist eine perfekte Kombination.“

Seto lehnte sich zurück, zufrieden. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich gewinne.“

Doch plötzlich spürte er wieder dieses seltsame Gefühl. Yugis Blick hatte sich erneut verändert. Ruhig. Berechnend.

Dann legte Yugi noch eine letzte Karte auf den Stapel.

„Fast perfekt“, sagte er.

Setos Lächeln verschwand.

Yugi drehte die Karte um. „Aber nicht ganz.“

Für einen Moment wehte wieder dieser merkwürdige Wind über den Schulhof. Yugis Augen wirkten nun fast purpurrot im Licht.

Seto starrte auf die Karten.

Er hatte verloren.

Langsam sah er zu Yugi auf. „Du hast… geblufft.“

Yugi grinste. „Vielleicht.“

Seto stand auf und steckte die Hände in die Taschen. Ein kleines, ehrliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Interessant.“

Er drehte sich zum Gehen um, blieb aber noch einmal stehen.

„Das nächste Mal“, sagte Seto, ohne sich umzudrehen, „spiele ich ernst.“

Yugi sah ihm nach.

Für einen kurzen Moment spiegelte sich etwas Altes und Mächtiges in seinen Augen.

Ein warmer Wind wehte durch die Straßen von Domino City, während Schüler nach Hause gingen. Vor dem Schultor blieb ein schwarzer Wagen stehen. Die Tür öffnete sich langsam.

Heraus stieg Kaiba.

Sein Blick war kühl, berechnend. Er betrachtete die Schule, als wäre sie nur ein weiteres Hindernis auf seinem Weg nach oben.

Ein paar Meter entfernt stand Yugi. In seinen Händen hielt er einen Stapel Karten, die er gerade sorgfältig sortierte.

Kaiba ging direkt auf ihn zu. „Du bist also der Junge, der ständig über dieses Kartenspiel redet“, sagte er trocken. „Duel Monsters, richtig?“

Yugi blickte überrascht auf. „Äh… ja! Ich sammle sie schon lange.“

Kaiba streckte die Hand aus. „Zeig sie mir.“

Yugi zögerte kurz, gab ihm aber den Stapel. Kaiba blätterte schnell durch die Karten. Seine Augen bewegten sich blitzschnell, als würde er jede einzelne analysieren.

Dann stoppte er. „Unmöglich…“

Yugi beugte sich neugierig vor. „Was ist?“

Langsam zog Kaiba eine Karte aus dem Stapel. Das Bild darauf zeigte einen mächtigen Drachen.

Der legendäre Weiße Drache mit dem eiskalten Blick.

Yugi blinzelte. „Oh! Die habe ich von meinem Großvater bekommen.“

Kaibas Griff um die Karte wurde fester. „Weißt du überhaupt, was du da besitzt? Es gibt nur vier Exemplare auf der Welt.“

Yugi lächelte nervös. „Für mich ist sie einfach eine coole Karte.“

Kaiba sah ihn lange an. Dann gab er die Karten zurück. „Du verstehst gar nichts.“

Er drehte sich um und ging zurück zu seinem Wagen. Doch bevor er einstieg, sagte er ohne sich umzudrehen: „Aber eines Tages werde ich sie besitzen.“

Yugi runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“

Kaiba setzte sich in den Wagen.

Der Motor startete.

Yugi sah dem Auto nach und spürte plötzlich ein seltsames Gefühl – als hätte gerade etwas sehr Wichtiges begonnen.
 

Der schwarze Wagen verschwand am Ende der Straße. Staub wirbelte auf und legte sich langsam wieder.

Yugi stand noch immer vor dem Schultor und starrte in die Richtung, in der Kaiba verschwunden war.

„Ein Duell…?“, murmelte Yugi.

Er sah auf die Karte in seiner Hand hinunter. Das Bild des mächtigen Weißen Drachen glänzte im Licht der untergehenden Sonne.

Plötzlich hörte er Schritte hinter sich.

„Yugi! Da bist du ja.“

Es war sein Großvater, Solomon Muto, der Besitzer des kleinen Spieleladens in Domino City.

„Großvater!“ Yugi lief zu ihm. „Gerade war hier ein Typ… er wollte unbedingt meine Karten sehen.“

Solomon lächelte neugierig. „Ach ja? Und wie hieß er?“

Yugi überlegte kurz. „Kaiba. Seto Kaiba.“

Das Lächeln des alten Mannes verschwand sofort.

„Seto… Kaiba?“, wiederholte er.

Yugi bemerkte die Veränderung. „Kennst du ihn?“

Der Großvater verschränkte die Arme und sah ernst aus. „Natürlich. Er ist ein Wunderkind. Besitzer von Kaiba Corporation.“

Yugis Augen wurden groß. „Eine Firma? Aber… er ist doch noch ein Schüler!“

Solomon nickte langsam. „Und außerdem ist er besessen von seltenen Karten.“

Yugi schaute wieder auf den Weißen Drachen. „Oh…“

Der Großvater legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Pass gut auf diese Karte auf. Viele Menschen würden alles tun, um sie zu bekommen.“

In diesem Moment fuhr irgendwo in der Ferne ein Motor auf.

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Zur gleichen Zeit, in der Limousine.

Seto Kaiba saß auf der Rückbank. Neben ihm lag ein Koffer mit Karten.

Langsam nahm er eine Karte heraus.

Der Weiße Drache mit dem eiskalten Blick.

„Drei habe ich bereits“, sagte er ruhig.

Sein Fahrer auf dem Vordersitz blickte in den Rückspiegel. „Und die vierte?“

Kaibas Augen verengten sich. „Ist im Besitz eines alten Mannes.“

Er erinnerte sich an Yugis Worte.

„Ich habe sie von meinem Großvater bekommen.“

Kaiba lächelte kalt. Er legte die Karte zurück in den Koffer.

„Und dieses Mal… werde ich den Weißen Drachen vollständig besitzen.“

Die Limousine fuhr schneller durch die Nacht von Domino City.

Der Abend senkte sich über Domino City. Die Straßenlaternen gingen an, während im kleinen Spieleladen der Familie Muto noch Licht brannte.

Drinnen sortierte Solomon Muto alte Karten in eine Vitrine. Neben ihm saß Yugi am Tisch und betrachtete erneut den Weißen Drachen.

„Großvater… warum wollte Kaiba die Karte so unbedingt?“, fragte Yugi.

„Weil sie nicht nur selten ist“, antwortete Solomon. „Sie ist legendär.“

Er nahm die Karte vorsichtig in die Hand.

„Nur vier Stück existieren.“

Yugi schluckte.
 

Solomon war allein in seinem Spieleladen, als sich plötzlich die Tür öffnete und drei Männer hereinkamen.

Der Mann in der Mitte war kleiner als die anderen zwei Männer. „Mein Meister Seto Kaiba fordert Sie zu einem Duell heraus. Sie werden jetzt mit uns gehen.“

„Und was ist, wenn ich Ihr Angebot ablehne?“, entgegnete Solomon.

„Wir müssen darauf bestehen“, sagte der mittlere Mann.

Ich werde diesem ungezogenen Lümmel eine Lektion über die Seele und das Herz der Karten erteilen, dachte Yugis Großvater.

Gemeinsam verließen sie den Laden. Draußen wartete bereits eine schwarze Limousine, deren glänzende Oberfläche das fahle Licht der Straßenlaternen widerspiegelte. Solomon stieg ohne zu zögern ein.

Während der Fahrt dachte er nach. Seto Kaiba… ein talentierter, aber stolzer Junge. Zu viel Vertrauen in Macht, zu wenig Verständnis für das Herz der Karten. Solomon schloss kurz die Augen. Vielleicht ist es an der Zeit, ihm genau das beizubringen.

Die Limousine hielt vor einem imposanten Gebäude. KaibaCorp. Die Türen öffneten sich automatisch, als sie eintraten und sie wurden ohne Umwege in eine große Arena geführt. In der Mitte stand bereits ein Duellfeld bereit.

Dort wartete er.

Seto Kaiba stand mit verschränkten Armen da, sein Blick kühl und selbstsicher. „Also bist du gekommen, alter Mann“, sagte er mit einem leichten Anflug von Arroganz. „Ich hoffe, du bist bereit, alles zu verlieren.“

Solomon legte seine Hand auf sein Deck und lächelte ruhig. „Kaiba“, erwiderte er, „ein Duell entscheidet nicht nur Stärke oder Macht. Es zeigt, wer wirklich versteht, was diese Karten bedeuten.“

Kaiba schnaubte. „Spar dir die Weisheiten. Ich werde dir zeigen, was wahre Macht ist.“

Die beiden stellten sich gegenüber. Die Duellfelder begannen zu leuchten.

Kaiba stand regungslos da, den Blick fest auf Solomon gerichtet. Ein kaltes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er langsam eine Karte aus seinem Deck zog.

„Du hast keine Chance, alter Mann“, sagte er mit ruhiger, aber schneidender Stimme. „Ich besitze viele starke Karten. Was kannst du mir schon entgegensetzen?“

Solomon atmete tief durch. Trotz seines Alters lag eine erstaunliche Ruhe in seinen Augen. „Es kommt nicht darauf an, wie viele starke Karten man besitzt, sondern wie man sie einsetzt.“

„Genug Gerede! Ich beginne!“

Kaiba war der Erste am Zug. Ohne zu zögern spielte er mehrere Karten aus, baute schnell ein beeindruckendes Feld auf und setzte Solomon unter Druck. Runde für Runde drängte er ihn weiter in die Defensive.

„Du bist zu langsam!“, rief Kaiba. „So wirst du niemals gewinnen!“

Doch Solomon hielt stand. Mit Bedacht legte er seine Karten, verteidigte sich geschickt und wartete auf den richtigen Moment. Für einen kurzen Augenblick schien es, als könnte er das Blatt noch wenden.

Dann kam Kaibas entscheidender Zug.

Er zog eine Karte, sah sie sich an – und ein kaltes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Das ist dein Ende“, sagte er. „Ich opfere meine Monster… und beschwöre… den Weißen Drachen mit eiskaltem Blick!“

Das mächtige Wesen erschien, sein gleißendes Licht erfüllte den Raum. Doch Kaiba hörte nicht auf.

„Und jetzt… noch einen zweiten! Und einen dritten!“

Drei Drachen erhoben sich gleichzeitig, ihre Flügel spannten sich, ihre Augen funkelten eisig. Solomon wich einen Schritt zurück. Selbst mit all seiner Erfahrung wusste er, dass dies der Wendepunkt war.

„Unmöglich…“, murmelte er.

Kaiba hob die Hand. „Das war‘s. Greift an!“

Ein greller Strahl durchzuckte das Feld. Solomons Lebenspunkte fielen auf null.

Solomon war entsetzt. „Ich habe verloren.“

Kaiba trat näher, seine Schritte hallten kalt durch die Arena. „Wie erwartet“, sagte er kühl. „Du hattest keine Chance.“

Sein Blick fiel auf Solomons Deck. Ohne zu zögern griff er danach und zog die Karte hervor – den Weißen Drachen mit eiskaltem Blick.

Kaiba betrachtete die Karte in seiner Hand, den weißen Drachen. „Es gibt nur einen, der diese Karte besitzen darf. Und das bin ich.“

Solomon hatte die Arena verlassen, als er plötzlich auf dem Boden fällt und liegen bleibt.

Kaiba erschien in der Tür, verschränkte die Arme und ließ seinen Blick langsam über Solomons regungslosen Körper gleiten. Ein kaltes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er sich überlegte, wie schwach manche Menschen wirklich sind.

Solomon krümmte sich auf dem kalten Boden und rührte sich kaum. Sein Atem ging flach. Aber seine Augen öffneten sich ein wenig. Sein Stolz war verletzt, und sein Atem ging schwer. „Du… wirst mich nicht so leicht… brechen…“, keuchte er, die Stimme rau vor Anstrengung und Ärger. Kaiba hob eine Augenbraue, spürte den Trotz, aber es weckte in ihm kein Mitgefühl – im Gegenteil. Der Widerstand machte den Sieg nur noch schöner.

Langsam, ohne Eile, ging Kaiba auf ihn zu, als wollte er seine Überlegenheit noch einmal demonstrieren. „Hast du wirklich geglaubt, du könntest mich schlagen?“ Seine Stimme war beinahe höhnisch. „Du bist schwächer, als ich dachte.“

„Du verstehst das Herz der Karten nicht“, sagte Yugis Großvater.

„Herz?“ Kaibas Stimme klang spöttisch. „Das ist etwas für Verlierer.“

Solomon versuchte aufzustehen, wankte. Kaiba half Solomon nicht auf. Sondern ließ ihn liegen, um die volle Wirkung seines Sieges zu genießen.

Er beobachtete, wie der alte Mann kämpft, als wäre es ein Spiel, bei dem der Verlierer noch ein letztes Mal seine Würde verteidigt – nur um sie endgültig zu verlieren.

Joey Wheeler war draußen auf dem Schulhof. Sein Klassenkamerad Keima stand bei seiner Mutter. Dann bekam Joey etwas zu sehen was er so schnell nicht vergaß. Keimas Mutter gab Keima eine Ohrfeige. Ohne nachzudenken rannte Joey zu ihr. „Was fällt Ihnen ein? Sie können Keima nicht einfach so schlagen!"

Keimas Mutter drehte sich zu Joey um, ihre Augen blitzten vor Wut. „Das geht dich einen feuchten Dreck an!“, rief sie. „Halt dich daraus!"

Joey spürte, wie sein Herz schneller schlug, aber er ließ sich nicht einschüchtern. „Es geht mich sehr wohl etwas an! Sie können Ihren Sohn nicht einfach schlagen, egal was passiert ist!“, entgegnete er entschlossen.

Keimas Mutter funkelte Joey wütend an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass jemand sich einmischen würde. Keima stand regungslos da, die Hand noch an seiner Wange. Sein Blick huschte zwischen seiner Mutter und Joey hin und her—überrascht, vielleicht auch ein wenig hoffnungsvoll.

„Du hast ja keine Ahnung, was er getan hat!“, fauchte Keimas Mutter und machte einen Schritt auf Joey zu. „Er ist mein Sohn, und ich erziehe ihn, wie ich es für richtig halte!“

Joey ballte die Fäuste, nicht aus Wut, sondern um sich selbst Mut zu machen. „Es gibt Grenzen“, sagte er fest. „Und jemanden zu schlagen gehört nicht dazu.“

Die Frau wollte gerade etwas erwidern, doch plötzlich ertönte eine Stimme hinter ihnen.

„Was ist hier los?“

Es war eine Lehrerin, die schnell auf die Gruppe zukam. Ihr Blick wanderte von Keimas gerötetem Gesicht zu Joeys angespannter Haltung und schließlich zur Mutter.

Keima senkte den Blick, doch Joey blieb stehen. „Sie hat ihn geschlagen“, sagte er, bevor er es sich anders überlegen konnte.

Die Lehrerin runzelte die Stirn. „Ist das wahr?“

Für einen Moment schien Keimas Mutter zu zögern. Dann verschränkte sie die Arme. „Das ist eine Familienangelegenheit.“

„Nicht auf dem Schulgelände“, entgegnete die Lehrerin ruhig, aber bestimmt. „Bitte kommen Sie mit mir ins Büro. Wir klären das jetzt.“

Die Mutter atmete scharf aus, sagte aber nichts mehr und folgte widerwillig. Keima zögerte kurz, dann ging er langsam hinterher.

Bevor er verschwand, drehte er sich noch einmal zu Joey um. Ihre Blicke trafen sich—und in Keimas Augen lag etwas, das Joey vorher noch nie dort gesehen hatte.

Dankbarkeit.

Joey blieb allein auf dem Schulhof zurück. Sein Herz raste immer noch, doch langsam ließ die Anspannung nach. Er wusste nicht, was als Nächstes passieren würde.

Aber eines wusste er sicher:

Er hatte das Richtige getan.
 

Joey blieb noch einen Moment stehen, während die Geräusche des Schulhofs langsam wieder zurückkehrten. Die Schüler begannen wieder zu reden, zu lachen—doch für ihn fühlte sich alles noch gedämpft an, als hätte sich die Welt kurz angehalten.

„Hey…“

Joey drehte sich um. Ein Junge aus seiner Klasse, der das Ganze mit angesehen hatte, trat zögerlich näher. „Das war… mutig“, sagte er.

Joey zuckte mit den Schultern. „Ich konnte einfach nicht nichts tun.“

Der Junge nickte langsam, als würde er darüber nachdenken, dann ging er wieder zurück zu den anderen.

Joey setzte sich auf eine Bank am Rand des Schulhofs. Sein Blick wanderte zur Tür des Schulgebäudes, hinter der Keima verschwunden war. Gedanken schossen ihm durch den Kopf.

Was, wenn es Ärger gibt?

Was, wenn ich alles nur schlimmer gemacht habe?

Er rieb sich nervös die Hände. Doch tief in ihm drin war da immer noch dieses Gefühl—dieses ruhige, feste Wissen, dass Wegsehen keine Option gewesen wäre.

Die Schulglocke riss ihn aus seinen Gedanken.

Der Unterricht begann, doch Keimas Platz blieb leer.

Erst in der nächsten Pause tauchte Keima wieder auf.

Sein Gesicht war nicht mehr gerötet, aber seine Augen wirkten müde. Als er Joey entdeckte, blieb er kurz stehen—unsicher, ob er näherkommen sollte.

Joey hob leicht die Hand. „Hey.“

Keima zögerte, dann ging er doch zu ihm.

„Warum hast du das gemacht?“, fragte er schließlich.

Joey runzelte die Stirn. „Was meinst du?“

„Dich eingemischt.“ Keima sah zu Boden. „Das hätte dir Ärger einbringen können.“

Joey lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Vielleicht. Aber… es war falsch. Und jemand musste was sagen.“

Keima schwieg einen Moment. Dann setzte er sich neben ihn.

„Meine Mutter… sie ist nicht immer so“, sagte er. „Aber wenn sie wütend wird…“

Er brach ab.

Joey sah ihn an, diesmal ernster. „Das macht es nicht okay.“

Keima nickte kaum merklich.

Eine Weile saßen sie einfach nebeneinander, ohne zu reden. Doch die Stille war diesmal anders—nicht unangenehm, sondern ruhig.

„Danke“, sagte Keima schließlich.

Joey grinste leicht. „Kein Ding.“

Und in diesem Moment entstand etwas Neues zwischen ihnen.

Vertrauen.
 

Seine Klasse hatte eine Freistunde weil ihr Mathelehrer krank war. Joey nutzte die Freistunde, um durch den Gang der Schule zu schlendern. Dabei kam er an den Proberaum vorbei und entdeckte Kohana. Die Sängerin der Schulband. Sie probte mit der Band. Joey konnte Kohana nicht ausstehen. Er wollte gerade weitergehen, als Kohanas Blick ihn streifte. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Augen. Sie hörte nicht auf zu singen, aber ein kaum merkliches Grinsen huschte über ihr Gesicht, als hätte sie genau gehört, was er gedacht hatte. Die Band spielte den Song zu Ende, und Kohana ließ das Mikro sinken. „Hey Wheeler!“, rief sie in den Flur hinaus. „Was glotzt du so?“

Eigentlich hatte Joey gar keine Lust auf sie. Diese selbstsichere Art, dieses ständige Im-Mittelpunkt-Stehen – das ging ihm gewaltig auf die Nerven.

Einen Moment lang überlegte er, einfach weiterzugehen – so zu tun, als hätte er sie nicht gehört. Aber das wäre irgendwie… feige gewesen. Und das war er nicht.

Joey verzog das Gesicht und blieb widerwillig stehen. „Als ob ich wegen dir stehenbleiben würde“, gab er zurück. „Der Lärm ist einfach nicht zu überhören.“

Ein paar Bandmitglieder tauschten Blicke aus. Der Schlagzeuger rollte leicht mit den Augen, während der Gitarrist ein Grinsen unterdrückte. Kohana hingegen hob nur eine Augenbraue, völlig unbeeindruckt. Sie legte das Mikro zur Seite und kam ein paar Schritte näher zur Tür, lehnte sich lässig gegen den Rahmen.

„Lärm, hm?“ Ihre Stimme war ruhig, fast amüsiert. „Dafür hast du aber ziemlich interessiert geguckt.“

„Hab ich nicht.“ Joey verschränkte die Arme. „Ich hab mich nur gefragt, wie man so schief singen kann und trotzdem noch so tut, als wär man der Star der Schule.“

Jetzt wurde es kurz still im Raum. Der Gitarrist zog leise die Luft ein, als würde er gleich eingreifen müssen. Doch Kohana lachte nur – kein beleidigtes, sondern ein echtes, kurzes Lachen.

Kohana stieß sich vom Türrahmen ab und trat ein paar Schritte in den Flur. Jetzt standen sie sich direkt gegenüber. „Dann klär mich auf, Wheeler“, sagte sie ruhig. „Was wäre denn keine schlechte Musik?“

Joey zögerte. Für einen Moment hatte er keine passende Antwort parat. Und genau das schien sie zu genießen. „Siehst du?“ Sie verschränkte die Arme. „Große Klappe, nichts dahinter.“

Das traf. Mehr, als er zugeben wollte.

„Ich hab wenigstens nicht das Bedürfnis, mich die ganze Zeit vor allen aufzuspielen“, knurrte Joey.

Ein kurzes Schweigen entstand. Die Band im Hintergrund wurde plötzlich auffällig leise.

Kohana musterte ihn einen Moment lang – diesmal ohne Grinsen. Eher… neugierig. „Du denkst wirklich, ich mache das nur für Aufmerksamkeit?“

Joey zuckte mit den Schultern. „Sieht jedenfalls so aus.“

Kohana atmete einmal durch, dann hob sie das Mikro leicht an, als würde sie es gleich wieder benutzen – ließ es aber wieder sinken. „Vielleicht“, sagte sie langsam, „mach ich das einfach, weil ich’s kann.“

Ein Moment verging, in dem keiner etwas sagte. Der Gitarrist klimperte auf seiner Gitarre herum, als würde er die Spannung überspielen wollen.

Joey spürte, wie ein nervöses Zucken in seiner Schulter hochstieg, fast so, als würde sein eigener Körper die Worte, die er denken wollte, zurückhalten. „Weil du’s kannst?“, wiederholte er spöttisch. „Na toll. Dann bist du also die unfehlbare Kohana, die jeder bewundern soll.“

Kohana lächelte diesmal nicht. Ihr Blick war scharf, wie ein Messer, das ohne Hast durch Luft schnitt. „Vielleicht. Oder vielleicht ist es mir einfach egal, was andere denken.“

Joey rümpfte die Nase. „Klingt nach einer billigen Ausrede.“

„Billig?“, wiederholte sie, einen Schritt näherkommend. „Oder mutig genug, einfach das zu tun, was einem Spaß macht, ohne sich zu rechtfertigen?“

Er wollte gerade etwas Gegenläufiges erwidern, da fiel sein Blick auf die Bandmitglieder hinter ihr, wie sie verstohlen tuschelten.

„Wenn’s dir nicht gefällt, kannst du ja weitergehen“, sagte Kohana ruhig. „Es zwingt dich keiner, hier zu stehen.“

Joey zuckte mit den Schultern, blieb aber genau da, wo er war. „Vielleicht warte ich nur drauf, dass es besser wird.“

Ein leises Kichern ging durch die Band.

Kohana ließ sich davon nicht beirren. Stattdessen musterte sie ihn kurz, von oben bis unten, als würde sie etwas abschätzen. Dann schmunzelte sie wieder – dieses kleine, nervige, selbstsichere Grinsen.

„Weißt du was, Wheeler?“, sagte sie schließlich. „Große Klappe hast du ja. Kannst du auch irgendwas außer meckern?“

Joey schnaubte. „Ich muss kein Rockstar sein, um zu merken, wenn was schief klingt.“

„Ach wirklich?“ Sie drehte sich halb zur Band um, dann wieder zurück zu ihm. „Dann komm rein. Zeig uns doch mal, wie’s richtig geht.“

Jetzt war Joey kurz still.

Das hatte er nicht erwartet.

„Was?“, fragte er, als hätte er sich verhört.

„Na los“, sagte Kohana und trat zur Seite, machte ihm Platz. „Oder hast du nur Sprüche drauf?“

Die Blicke der anderen lagen jetzt auf ihm. Erwartungsvoll. Amüsiert. Herausfordernd.

Joey kratzte sich am Hinterkopf. Eigentlich hatte er wirklich keine Lust auf das hier gehabt. Aber einfach abzuhauen… das würde sie ihm ewig vorhalten.

Er seufzte. „Na schön“, murmelte er und trat schließlich in den Proberaum. „Aber beschwer dich nicht, wenn ich besser bin als du.“

Kohana lachte, ein heller, frecher Klang, der Joey ein wenig aus dem Konzept brachte. „Oh, ich zittere schon vor Angst“, sagte sie sarkastisch. Dann nickte sie der Band zu. „Okay Leute, lasst uns mal sehen, was Wheeler draufhat.“

Joey blieb einen Moment stehen, musterte die Instrumente: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboard. Sein Blick blieb auf der Gitarre hängen. Ohne zu fragen schnappte er sich die schwarze E-Gitarre, die am Rand des Raumes lehnte, und griff routiniert nach den Saiten.

Die Band blickte ihn neugierig an. Kohana legte das Mikro auf den Ständer und verschränkte die Arme, als wolle sie sagen: Überrasch mich.

Joey schlug ein paar Akkorde an – klar, kräftig, selbstbewusst. Ein leises Raunen ging durch die Gruppe. Der Rhythmus passte sofort zu Kohanas letzten Gesangslinien.

„Nicht schlecht, Wheeler“, sagte der Schlagzeuger.

Kohana trat noch einen Schritt näher, ihre Augen blitzten herausfordernd. „Spiel mal richtig, wenn du es schon besser kannst.“

Joey grinste kurz, ein schelmisches Funkeln in den Augen, und begann, die Melodie der Band aufzunehmen, sie zu verstärken, die Akkorde zu verdichten. Die Band reagierte automatisch, jeder Musiker stellte sich auf ihn ein, als hätten sie auf dieses unerwartete Zusammenspiel gewartet.

Die Spannung, die vorher zwischen Joey und Kohana gehangen hatte, wandelte sich langsam in etwas anderes – eine Art elektrisierende Konkurrenz, die beide reizte. Kohana griff das Mikro, stimmte ihre Stimme an, und die Kombination aus Joeys Gitarre und ihrem Gesang war plötzlich viel kraftvoller, intensiver, als jeder von ihnen erwartet hatte.

Als der letzte Ton verklingte, standen sie sich einen Augenblick lang schweigend gegenüber. Dann brach Kohana in ein triumphierendes Lachen aus. „Okay, Wheeler. Jetzt sing uns was vor.“

Joey zog die Augenbrauen hoch. „Was? Ich? Singen?“ Seine Stimme klang halb beleidigt, halb belustigt.

„Ja, genau du“, sagte Kohana, ihre Arme verschränkt, die Hüfte lässig auf eine Seite verlagert. „Wenn du so groß mit uns mithalten willst, dann zeig, dass du nicht nur Akkorde klimpern kannst.“

Joey schnaubte und warf einen Blick auf die Band. „Ihr lacht doch nur über mich.“

„Nicht nötig“, erwiderte der Schlagzeuger grinsend. „Wir sind gespannt.“

Joey seufzte. Ein leises Zischen entwich Kohana, ein kaum hörbares Lachen, das ihn noch mehr reizte.

„Also gut“, murmelte er. „Aber wehe, ihr lacht.“

Er räusperte sich, schloss kurz die Augen, und dann… begann er zu singen. Erst leise, rau und etwas ungestüm, aber mit einer unverkennbaren Intensität, die den Raum sofort füllte. Kohana stoppte kurz, das Mikro in der Hand, und sah ihn an – überrascht, beeindruckt, vielleicht ein bisschen irritiert.

Joeys Stimme hatte etwas Wildes, Ehrliches, das seine ganze Haltung widerspiegelte: kein Schauspiel, keine Show, einfach purer Ausdruck. Die Band spielte automatisch mit, passte sich seinem Rhythmus an.

Als der letzte Ton verklungen war, herrschte für einen Moment Stille. Dann brach Kohana in ein lautes Lachen aus. „Okay, Wheeler… ich gebe zu, das hätte ich nicht erwartet. Aber ich bin immer noch viel besser als du.“

„Ach ja?", erwiderte Joey. „Dann beweis es."

Kohana griff nach ihrem Mikro. „Wie du willst, Wheeler. Aber ich geb alles. Sieh zu und lerne." Sie begann zu singen und ihre Stimme strotzte vor Selbstbewusstsein. Diesmal spielte Joey nicht auf der Gitarre mit. Als Kohana fertig war sagte sie: „So macht man das."

Joey blickte auf die Uhr. „Ich muss wieder zu meinen Freunden."

„Dann geh doch zu deinen Losern", sagte Kohana.

„Hey!", protestierte Joey. „Meine Freunde sind keine Loser!"

„Doch, das sind sie", entgegnete Kohana. „Und du bist auch einer." Sie lächelte. „Fühl dich bloß nicht zu sicher. Ich werde den Gesangswettbewerb zu hundert Prozent gewinnen. Du bist für mich kein ernstzunehmender Gegner. Ich muss sagen, es macht Spaß, dich zu ärgern."

Joey kniff die Augen zusammen, sein Stolz war verletzt. „Mal sehen, Kohana. Mal sehen, wer hier wirklich was draufhat.“

Sie lachte, fast herausfordernd. „Oh, ich freu mich drauf. Wirklich. Wenn du denkst, du kannst mich schlagen, musst du dich schon ins Zeug legen. Und glaub mir, Wheeler… ich werde nicht zimperlich sein.“

Joey schnaubte, aber innerlich musste er zugeben: Es brannte in ihm. Dieses kleine Spiel, diese Herausforderung, hatte etwas in ihm geweckt, was er normalerweise erfolgreich verdrängte – den Ehrgeiz. Nicht für Noten. Nicht für den Lehrer. Sondern einfach… für sie.

Er warf ihr einen halbherzigen, aber doch herausfordernden Blick zu. „Gut. Dann sehen wir uns beim Wettbewerb. Aber mach dich auf was gefasst.“

Joey verließ den Raum, spürte noch immer Kohanas Blick auf sich ruhen. Hinter sich hörte er die Band lachen und kichern. Das fühlte sich nicht wie Spott an.

Draußen im Flur atmete er tief durch. „Verdammt…“, murmelte er zu sich selbst, „wie kann eine Person nur so nerven und gleichzeitig…“ Er schüttelte den Kopf. „…so interessant sein?“

Er ging los, aber sein Kopf war noch immer bei Kohana und dem Song, den sie zusammen gespielt hatten. Sie war wirklich eine gute Sängerin. Das war eine unbestreitbare Tatsache.
 

Yugi, Tea und Tristan kamen zu ihm. „Mann, Joey“, sagte Tristan. „Wo warst du? Wir haben dich gesucht.“

„Ich musste was erledigen“, sagte Joey.

„Was denn?“, wollte Tristan wissen.

Der Blonde winkte ab. „Ist nicht so wichtig. Was habt ihr eigentlich gemacht?“

„Na was wohl“, sagte Tea. „Für Mathe geübt. Wir schreiben nämlich bald eine Mathearbeit.“

„Oh Mann!“ Joey ärgerte sich. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Freistunde dafür genutzt.“

Tea seufzte. „Wie kannst du das nicht wissen, Joey! Sato-sensei hat das schon hundertmal gesagt! Du solltest wirklich im Unterricht aufpassen. Wo bist du nur mit deinen Gedanken?“

„Ich habe in Mathe nicht aufgepasst“, sagte Tristan.

„Ich auch nicht“, gab Joey zu.

„Und da wundert ihr euch noch über eure Noten?“, fragte Tea entgeistert.

Tristan zuckte mit den Schultern. „Hey, ich wundere mich gar nicht. Ich finde meine Noten ziemlich konsequent schlecht.“

Joey grinste schief. „Genau, wenigstens sind wir konstant.“

Tea verdrehte die Augen. „Ihr seid unmöglich. Wirklich. Irgendwann fliegt euch das um die Ohren.“

Yugi, der bisher still zugehört hatte, lächelte vorsichtig. „Wir könnten doch zusammen lernen. Dann wäre es für alle leichter.“

Joey sah ihn dankbar an. „Das ist ’ne gute Idee, Yugi! Du bist doch eh ein Mathe-Genie.“

Yugi wurde leicht rot. „So gut bin ich auch nicht… aber zusammen klappt es bestimmt.“

„Ich bin dabei“, sagte Tristan sofort. „Alleine würde ich sowieso nichts machen.“

Tea verschränkte die Arme, nickte dann aber. „Na schön. Aber diesmal wird wirklich gelernt, verstanden? Kein Abschweifen, kein Blödsinn.“

Joey hob die Hände. „Hey, ich bin voll motiviert!“

In diesem Moment knurrte sein Magen laut.

Tristan lachte. „Klar, total motiviert – fürs Essen vielleicht.“

Joey grinste. „Man kann nur mit vollem Magen gut denken!“

Tea seufzte erneut, diesmal aber mit einem kleinen Lächeln. „Na gut. Erst etwas essen… und dann lernen wir. Aber wirklich!“

„Versprochen“, sagte Joey – auch wenn sein Blick schon wieder in die Ferne wanderte, als würde er an etwas ganz anderes denken.

Nach der Schule trafen sie sich bei Yugi zu Hause um Mathe zu lernen. Doch Joey und Tristan konnten sich nicht konzentrieren und ließen sich ablenken. Das machte Tea wütend.

Tea knallte ihr Heft auf den Tisch. „Jetzt reicht’s!“, rief sie genervt. „Wir sind seit einer Stunde hier und ihr habt keine einzige Aufgabe richtig gerechnet!“

Joey, der gerade versucht hatte, einen Bleistift auf seinem Finger zu balancieren, ließ ihn erschrocken fallen. „Hey, ich hab’s versucht!“

„Du hast gar nichts versucht!“, entgegnete Tea scharf. „Du hast die ganze Zeit rumgealbert!“

Tristan lehnte sich zurück und grinste unschuldig. „Also ich finde, Joey hat sich sehr bemüht, diesen Stift im Gleichgewicht zu halten.“

„TRISTAN!“, rief Tea.

Yugi hob beschwichtigend die Hände. „Beruhigt euch… bitte. Wir schaffen das schon. Vielleicht… machen wir eine kleine Pause?“

„Pause?!“, wiederholte Tea fassungslos. „Ihr hattet praktisch nur Pause!“

Joey kratzte sich am Hinterkopf. „Mathe ist einfach… kompliziert, okay? Diese ganzen Zahlen und so… die greifen mich an.“

„Zahlen greifen dich an?“, fragte Tea ungläubig.

„Ja!“, sagte Joey und zeigte auf sein Heft. „Guck dir das an! Das ist kein Mathe, das ist ein Rätsel!“

Tristan nickte zustimmend. „Ein sehr fieses Rätsel.“

Tea atmete tief durch, versuchte sich zu beruhigen, und setzte sich wieder hin. „Okay. Wir machen das jetzt anders. Ganz langsam. Schritt für Schritt. Joey, lies die Aufgabe vor.“

Joey beugte sich über das Heft und blinzelte. „Äh… ‘Berechne den Wert von x, wenn…’“ Er stoppte. „Warum ist da überhaupt ein x? Wer hat den Buchstaben da verloren?“

Yugi musste sich ein Lachen verkneifen. „Das ist Algebra…“

„Ich wusste es!“, rief Joey. „Das ist keine Mathe, das ist Geheimcode!“

Selbst Tea konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. „Dann entschlüsseln wir ihn eben gemeinsam.“

Tristan seufzte. „Na gut… wenn’s sein muss.“

Yugi lächelte. „Genau. Gemeinsam schaffen wir das.“

Und diesmal – wenn auch mit viel Gestöhne, Gelächter und gelegentlichen Abschweifungen – begannen sie tatsächlich, sich durch die Aufgaben zu arbeiten.
 

Kaiba saß in seinem luxuriösen Wohnzimmer und betrachtete die Stadtlichter von Domino City. Es war eine dieser Nächte, in denen er sich nach etwas Abwechslung sehnte. Mokuba war bei einem Freund, und die Stille der Villa schien ihn zu erdrücken. Er griff zum Telefon und wählte eine bestimmte Nummer. Kurze Zeit später klopfte es an der Tür. Kaiba öffnete sie und ließ die Frau eintreten. Sie war attraktiv, mit einem selbstbewussten Lächeln, das ihm sofort gefiel. „Bist du bereit für eine unvergessliche Nacht?“ fragte sie mit einem Augenzwinkern. Kaiba nickte nur, seine Gedanken waren bereits woanders. Er hatte keine Zeit für lange Gespräche oder emotionale Bindungen; er wollte einfach nur das Hier und Jetzt genießen. Die beiden bewegten sich schnell ins Schlafzimmer, wo die Atmosphäre von Spannung und Verlangen durchzogen war.

Nach einer leidenschaftlichen Stunde lag Kaiba entspannt auf dem Bett, während die Frau sich ankleidete. Er reichte ihr das Geld ohne ein Wort zu verlieren, als wäre es das Normalste der Welt. Sie lächelte, nahm das Geld und verabschiedete sich.

Kaiba blieb noch eine Weile regungslos liegen, den Blick an die Decke gerichtet. Die Stille kehrte zurück, schwerer als zuvor. Für einen kurzen Moment hatte er das Gefühl gehabt, der Leere entkommen zu sein – doch jetzt war sie wieder da, hartnäckig wie eh und je.

Er setzte sich auf, strich sich durch das Haar und griff nach seinem Mantel. Solche Ablenkungen waren flüchtig. Sie bedeuteten nichts. Und genau das war der Punkt.

Langsam trat er ans Fenster seines Penthouses und sah hinunter auf die nächtlichen Straßen von Domino City. Die Lichter flimmerten, Autos zogen ihre Bahnen – alles wirkte so belebt, und doch fühlte es sich für ihn seltsam distanziert an.

„Zeitverschwendung“, murmelte er leise.

Seine Gedanken wanderten unwillkürlich zu Mokuba. Sein jüngerer Bruder hätte ihn wahrscheinlich dafür ausgelacht – oder zumindest versucht, ihn daran zu erinnern, dass es mehr im Leben gab als Kontrolle, Macht und flüchtige Momente.

Kaiba verzog leicht den Mund. Gefühle waren unberechenbar.

Mit einer entschlossenen Bewegung wandte er sich vom Fenster ab und ging zu seinem Schreibtisch. Der Bildschirm seines Systems erwachte sofort zum Leben – Diagramme, Zahlen, Projekte. Verlässlich. Kalkulierbar. In seiner Welt gab es keine Unsicherheiten.

Zumindest keine, die er nicht kontrollieren konnte.

Doch tief in seinem Inneren blieb ein leiser Gedanke zurück, kaum greifbar – dass selbst jemand wie Seto Kaiba nicht alles mit Geld oder Willenskraft füllen konnte.

Er ignorierte ihn. Wie immer.
 

Seto Kaiba wusste dass die meisten Menschen vor ihm Angst hatten. Und er genoss das und nutzte das aus. Nicht auf eine laute, offensichtliche Weise, sondern mit dieser kalten, präzisen Zufriedenheit, die nur jemand empfinden konnte, der absolute Kontrolle gewohnt war.

Er konnte es in ihren Blicken sehen. Dieses kurze Zögern, wenn er einen Raum betrat. Das leise Verstummen von Gesprächen. Die Art, wie selbst selbstbewusste Manager ihre Haltung korrigierten, sobald seine kalten, blauen Augen auf ihnen ruhten. Für Kaiba war das keine Überraschung. Respekt konnte man sich verdienen – aber Angst ließ sich viel schneller erzeugen.

Und Angst war effizient.

Er ließ seinen Blick langsam über den Raum schweifen. Jeder wich ihm aus. Niemand hielt seinem Blick länger als einen Sekundenbruchteil stand. Perfekt.

Ein nervöser Angestellter trat vor, die Hände kaum merklich zitternd. „K-Kaiba-Sama, die Präsentation ist—“

„Unzureichend“, unterbrach Kaiba ihn ohne hinzusehen.

Der Mann erstarrte. „Aber Sie haben sie noch gar nicht—“

Jetzt hob Kaiba den Kopf. Seine Augen waren scharf wie Klingen. „Ich muss sie nicht sehen, um zu wissen, dass sie nicht meinen Standards entspricht.“

Stille breitete sich aus. Schwer, drückend.

Kaiba trat einen Schritt näher. Nicht schnell, nicht bedrohlich – und genau deshalb wirkte es umso einschüchternder. „Die Frage ist nicht, ob sie unzureichend ist“, fuhr er ruhig fort, „sondern warum Sie es gewagt haben, mir Ihre Mittelmäßigkeit überhaupt zu präsentieren.“

Sein Blick traf den Mitarbeiter mit voller Wucht. Für einen Moment sagte er nichts, ließ die Anspannung wachsen, ließ die Angst ihren Höhepunkt erreichen. Es war fast… unterhaltsam.

Der Angestellte schluckte hörbar.

Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über Kaibas Lippen.

Das war der Moment, den er mochte. Dieser Punkt, an dem Menschen begriffen, dass Ausreden sinnlos waren. Dass sie sich entweder anpassten – oder verschwanden.

„Sie haben eine Chance“, sagte er schließlich und drehte sich bereits halb weg. „Eine.“

Er machte eine kurze Pause, gerade lang genug, um die Spannung ins Unerträgliche zu treiben.

„Ich dulde keine Fehler. Enttäuschen Sie mich nicht noch einmal.“

Als er den Raum verließ, wagte niemand, etwas zu sagen, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte.

Und Kaiba?

Er dachte längst nicht mehr an den Angestellten.

Für ihn war das Ganze nichts weiter als ein weiterer Beweis gewesen:

Die Welt funktionierte am besten, wenn sie sich vor ihm fürchtete.
 

Seto Kaiba war ein Mann, der sich selten um die Bedürfnisse anderer kümmerte. Seine Welt drehte sich um Macht, Geld und das Spiel. Doch in den einsamen Stunden in seiner Villa, wenn Mokuba nicht da war, suchte er nach einer flüchtigen Ablenkung. Die Frauen, die er bestellte, waren meist selbstbewusst und wussten, was sie wollten. Sie kamen in die Villa, schlüpften schnell aus ihren Kleidern und ließen sich von Kaibas kalter Art nicht einschüchtern. Sie waren oft genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen waren. Für ihn war es eine Möglichkeit, den Druck des Tages abzubauen – ein kurzer Moment der körperlichen Befriedigung ohne emotionale Bindung. Er wusste, dass es nicht das Gleiche war wie echte Intimität, aber das wollte er auch gar nicht.

Denn echte Intimität bedeutete Verletzlichkeit, und Verletzlichkeit war für Seto Kaiba gleichbedeutend mit Schwäche.

Er konnte sich nicht leisten, schwach zu sein. Nicht in der Welt, in der er lebte. Nicht mit all den Feinden, die nur darauf warteten, ihn scheitern zu sehen. Alles, was er aufgebaut hatte – die Kaiba Corporation, sein Ruf, sein Einfluss – war das Ergebnis seiner Kontrolle. Kontrolle über sich selbst. Kontrolle über andere. Kontrolle über jedes Detail seines Lebens.

Doch in der Dunkelheit seines Schlafzimmers, wenn der Klang ihrer Schritte verklang und nur noch das leise Summen der Elektronik im Hintergrund blieb, spürte er manchmal eine Leere, die selbst Yugi nicht füllen konnte.

Er stand dann oft auf und ging in den riesigen, gläsernen Raum, in dem die Hologramm-Technologie der Duellplattformen wie stumme Wächter auf ihn wartete. Er schaltete eine Simulation ein. Nicht von einem beliebigen Gegner – sondern von Yugi. Immer wieder. Dieselben Duelle. Dieselben Züge.

Warum?

Weil es der einzige Moment war, in dem er sich lebendig fühlte. Durch die Rivalität – und durch die Herausforderung. Durch das Gefühl, dass jemand da draußen war, der ihn verstand, ohne ihn zu schonen. Jemand, der genauso viel riskierte, wie er selbst.

Die Frauen waren nur Schatten – flüchtige Momente, die vergingen wie Nebel im Morgenlicht. Aber die Duelle… das war echt.

Er lehnte sich gegen die Konsole, die Arme verschränkt, die Stirn in Falten. Auf dem Hologrammfeld stand Yugi – stumm, unbewegt, eine Illusion.

Vielleicht war es Einsamkeit. Vielleicht war es das Eingeständnis, das nie über seine Lippen kam:

Dass sogar ein Mann wie Seto Kaiba mehr wollte als nur Macht.

Aber nur für einen Moment.

Dann wischte er die Gedanken beiseite, startete das nächste Duell – und wurde wieder der Mann, den alle kannten:

Unnahbar. Unaufhaltsam. Unbesiegbar.
 

Die Frau die heute Abend kam war wie die anderen. Aber irgendetwas an ihr war anders.

Sie trat durch die hohen Doppeltüren der Villa mit derselben selbstverständlichen Eleganz, die Kaiba von solchen Begegnungen gewohnt war. Hohe Absätze, selbstsicherer Blick, kein Zögern. Doch als sie näher kam und ihre Augen den seinen begegneten, spürte er einen winzigen Widerstand in sich – kaum wahrnehmbar, fast ärgerlich.

„Du bist also Kaiba“, sagte sie schließlich. Ihre Stimme war ruhig, fast zu gelassen für diese Art von Begegnung.

Er musterte sie. „Du weißt, warum du hier bist.“

„Natürlich.“

Stille. Sie begann nicht sofort, sich auszuziehen, wie es die anderen taten. Stattdessen ging sie zur Fensterfront und betrachtete die nächtliche Skyline von Domino City.

Kaiba trat näher, die Hände in den Taschen seines maßgeschneiderten Mantels. „Du verschwendest deine Zeit.“

Sie drehte sich langsam um, ein flüchtiges Lächeln auf den Lippen. „Vielleicht. Oder vielleicht ist es deine Zeit, die ich verschwende.“

Er zog eine Braue hoch – irritiert, aber nicht verärgert. Eher neugierig. Das war neu.

„Du bist nicht wie die anderen“, sagte er schließlich.

„Und du auch nicht“, erwiderte sie, trat näher und berührte leicht das Revers seines Mantels. „Aber du tust so.“

Kaiba verzog kaum merklich die Lippen. Arroganz kannte er gut – bei sich selbst, bei Gegnern, bei Geschäftspartnern.

Ein scharfer Blick. „Du denkst, du kennst mich?“

„Ich denke, du hast Angst vor Nähe, nicht weil du sie nicht willst, sondern weil du nicht weißt, was du mit ihr anfangen würdest, wenn du sie hättest.“

Er deutete auf das Sofa. „Setz dich."

Sie tat es nicht sofort. Stattdessen trat sie näher, ließ ihre Augen über die Regale, die Kunst, das Design gleiten.

„Du versteckst dich gut hinter all dem Glas und Stahl“, sagte sie.

Ein kurzer Funken von Reiz blitzte in Kaibas Augen auf. Niemand sprach so mit ihm. Schon gar nicht in diesem Ton.

„Ich verstecke mich nicht“, sagte er scharf.

Sie lächelte spöttisch. „Natürlich nicht."

Kaiba schwieg. Für einen Moment war nur das Ticken der antiken Uhr im Hintergrund zu hören.

Dann wandte er sich ab. „Zieh dich aus oder geh.“

Sie lachte leise. Kein höhnisches Lachen, eher ein amüsiertes, fast trauriges. „Genau das meine ich.“

Er hörte die Tür hinter sich nicht öffnen, aber auch nicht schließen. Als er sich umdrehte, war sie gegangen. Keine Spur von Eile, kein Geräusch. Einfach weg.

Zum ersten Mal seit Langem blieb Kaiba in der Stille der Nacht stehen – allein, aber nicht erleichtert. Irgendetwas hatte sie zurückgelassen. Kein Parfüm, kein Zettel. Nur einen Gedanken, der sich hartnäckig festsetzte:

Vielleicht war es nicht die Welt, die kalt war. Vielleicht war er es.

Ein neuer Tag fing an. Heute Vormittag schrieb Seto Kaiba seine Abschlussprüfung. Einige Tage zuvor gab es ein langes Gespräch zwischen ihm und dem Direktor. Der Direktor wollte nicht, dass Kaiba seinen Abschluss vorzeitig machte. Aber Kaiba bestand darauf und ließ nicht locker, bis der Direktor es ihm doch erlaubt hatte.

Für andere mochte es wie Sturheit wirken; für ihn war es schlicht Notwendigkeit.

Der Flur war still. Einige Schüler blickten auf, als er vorbeiging, und tuschelten leise. Kaiba ignorierte sie. Zeit war eine Ressource, die er nicht verschwendete.

Vor dem Prüfungsraum blieb er kurz stehen. Nicht, weil er unsicher war, sondern weil er den Moment kalkulierte. Diese Prüfung war kein Ziel. Sie war ein Hindernis. Eines von vielen.

„Du bist früh dran“, sagte eine Stimme hinter ihm.

Kaiba drehte sich sofort um. „Natürlich“, entgegnete er kühl. „Ich verschwende keine Zeit.“

Der Lehrer trat näher. „Die Aufgaben... sie sind eigentlich für den regulären Abschluss gedacht. Es könnte schwieriger sein.“

Jetzt sah Kaiba ihn an, mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete. „Das ist mir egal.“

Der Lehrer nickte. „Gut, Seto, du hast zwei Stunden Zeit um alle Aufgaben zu lösen.“

Ohne ein weiteres Wort öffnete Kaiba die Tür und trat ein. Auf dem Tisch lagen die Prüfungsunterlagen.

Er setzte sich. Ein kurzer Blick auf die erste Seite.

Dann ein kaum merkliches Lächeln. „Zu einfach“, murmelte er.

Sein Stift setzte auf das Papier, und von diesem Moment an gab es kein Zögern mehr. Jede Antwort kam präzise, effizient, als hätte er die Fragen längst erwartet. Minuten vergingen, dann eine Stunde – doch Kaiba machte weiter ohne Unterbrechung, ohne Unsicherheit.

Draußen vor der Tür sammelten sich Lehrer. Selbst der Direktor war zurückgekehrt. Sie alle warteten.

Nach ungewöhnlich kurzer Zeit wurde die Tür geöffnet.

Kaiba trat heraus, er hatte die Prüfung bereits abgegeben.

Der Direktor runzelte die Stirn. „Bist du schon fertig?“

Kaiba sah ihn ruhig an. „Ich habe nicht vor, hier länger zu bleiben als nötig.“

„Wir werden das erst überprüfen müssen“, sagte der Direktor streng.

„Tun Sie das“, erwiderte Kaiba. „Das ändert nichts.“

Und ohne auf eine Antwort zu warten, ging er einfach weiter den Flur entlang – als wäre alles bereits entschieden.

Denn in seinem Kopf war es das längst.
 

Der Flur lag wieder hinter ihm, doch diesmal folgten ihm Schritte.

„Kaiba!“

Kaiba blieb stehen. Die Stimme kannte er. Langsam drehte er sich um.

„Was willst du, Wheeler?“ Seine Stimme war kühl wie immer.

Joey kam keuchend zum Stehen. „Mann, du bist echt nicht normal. Die Prüfung ist doch mega wichtig! Und du kommst da einfach raus, als wäre es nix!“

Kaiba verschränkte die Arme. „Weil es nichts ist.“

„Nichts?!“ Joey fuhr sich durch die Haare. „Die meisten lernen Wochen dafür!“

„Die meisten sind auch nur durchschnittlich.“

Joey sah Kaiba genauer an, musterte ihn, als würde er versuchen, hinter die Fassade zu blicken.

„Warum eigentlich?“, fragte er. „Warum willst du das alles so schnell hinter dich bringen?“

Kaiba antwortete nicht sofort.

Sein Blick wanderte kurz zum Fenster am Ende des Flurs. Draußen zog der Himmel langsam zu, graue Wolken schoben sich vor die Sonne.

„Weil Stillstand Schwäche ist“, sagte er schließlich.

Joey runzelte die Stirn. „Das klingt wie so ein Spruch aus einem billigen Motivationsbuch.“

Kaibas Augen verengten sich leicht. „Du würdest es sowieso nicht verstehen.“

„Dann erklär es mir!“

Dann sprach Kaiba weiter: „Diese Schule, diese Prüfungen... das alles ist nur ein System, das Menschen bewertet, nachdem sie sich an Regeln halten, die andere aufgestellt haben.“ Er machte eine kurze Pause. „Ich spiele nicht nach den Regeln von anderen.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür hinter ihnen. Der Direktor trat heraus, mehrere Lehrer im Schlepptau. Ihre Gesichter wirkten anders. Weniger streng. Mehr überrascht.

„Seto Kaiba.“

Kaiba drehte sich halb zu ihnen um. „Ja?“

Der Direktor sah ihn einen Moment lang schweigend an, als würde er die richtigen Worte suchen.

„Wir haben deine Prüfung überprüft.“

„Und?“, fragte Kaiba ungeduldig.

Der Direktor richtete sich auf. „Nicht nur fehlerfrei…“ Er machte eine kurze Pause. „Du hast Aufgaben korrekt gelöst, die über den eigentlichen Prüfungsstoff hinausgehen.“

Ein Murmeln ging durch die Lehrer.

Kaiba reagierte kaum. „War das alles?“

Der Direktor blinzelte. „Das… ist außergewöhnlich.“

„Nein“, widersprach Kaiba ruhig. „Das ist mein Standard.“

Joey starrte ihn an. „Alter...“

Der Direktor atmete tief durch. „Seto, dein vorzeitiger Abschluss wird offiziell anerkannt.“

Kaiba nickte knapp. Keine Freude, kein Triumph. Nur Bestätigung.

„Gut.“ Er wandte sich ab.

„Und was machst du jetzt?“, rief Joey ihm nach.

Kaiba blieb ein letztes Mal stehen, ohne sich umzudrehen.

„Jetzt beginnt meine Zukunft.“

Er ging weg. Und diesmal hielt ihn niemand auf.
 

Joey Wheeler entdeckte zwei von der Schulband. Den Gitarristen und den Schlagzeuger. Joey ging auf die beiden zu. „Was haltet ihr von eurer Sängerin Kohana? Sie ist echt arrogant und eingebildet, nicht wahr?"

„Das können wir nicht bestätigen", sagte der Gitarrist.

„Zu uns war sie immer nett", sagte der Schlagzeuger.

Joey runzelte die Stirn. „Hmm… interessant. Und wie kommt ihr klar, wenn sie die Lead-Stimme übernimmt? Macht sie alles alleine, oder teilt sie sich auch mal Verantwortung?“

Der Schlagzeuger zuckte mit den Schultern. „Sie ist schon dominant, ja, aber wir haben unsere Parts. Wenn wir proben, gibt’s klare Regeln. Sie respektiert das.“

Der Gitarrist nickte zustimmend. „Ja, Kohana kann anstrengend sein, wenn man nur auf das Persönliche achtet. Aber musikalisch ist sie top. Und ehrlich gesagt, wir hatten nie Probleme mit ihr.“

Joey ließ die Worte sacken. „Hm… vielleicht habe ich da ein falsches Bild von ihr. Ich dachte, sie wäre nur arrogant.“

Der Schlagzeuger grinste. „Arrogant? Nein, eher selbstbewusst. Sie weiß, was sie kann. Und manchmal denkt man, sie ist eingebildet, weil sie so direkt ist.“

Joey nickte langsam. „Okay… danke für die Ehrlichkeit. Ich wollte nur ein bisschen Klarheit bekommen.“
 

Joey stand bei Yugi, Tea und Tristan. „Wisst ihr eigentlich wie Kohana eine Sängerin in der Schulband geworden ist?", wollte Joey wissen.

Yugi blinzelte überrascht. „Hm… ehrlich gesagt habe ich mich das auch schon gefragt.“

Tea lächelte leicht. „Ich dachte immer, sie hätte einfach vorgesungen und wurde genommen.“

„So einfach war das nicht“, sagte Joey und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Ich hab da was gehört…“

Tristan beugte sich neugierig vor. „Na los, spuck’s aus!“

Joey grinste. „Angeblich ist sie gar nicht freiwillig zur Band gegangen. Der Musiklehrer hat sie gehört, als sie nach dem Unterricht allein im Musikraum gesungen hat.“

„Wirklich?“ Tea wirkte sofort interessiert. „Was hat sie gesungen?“

„Keine Ahnung“, gab Joey zu. „Aber der Lehrer soll total baff gewesen sein. Hat wohl gesagt, so eine Stimme hätte er hier noch nie gehört.“

Yugi nickte langsam. „Das klingt irgendwie nach ihr.“

„Genau das meine ich!“, rief Joey. „Und dann hat er sie praktisch überredet, beim nächsten Vorsingen mitzumachen.“

Tristan lachte. „Typisch Lehrer.“
 

Seto Kaiba hatte seine Mitarbeiter zu sich gerufen. „Ich weiß, dass die meisten von Ihnen Angst vor mir haben. Ich will was klarstellen. Ich bin streng, aber aus gutem Grund. Solange Sie Ihre Arbeit gut machen, haben Sie nichts zu befürchten."

Die versammelten Angestellten wechselten nervöse Blicke. Niemand wagte es, sofort zu sprechen. Kaiba stand am Kopf des langen Konferenztisches, die Arme verschränkt, sein Blick kühl und durchdringend.

„Ergebnisse zählen“, fuhr er fort. „Nicht Ausreden. Nicht Versprechen. Wenn ich Ihnen eine Aufgabe gebe, erwarte ich, dass sie effizient und fehlerfrei erledigt wird.“

Ein leises Räuspern ging durch den Raum.

Schließlich hob eine junge Mitarbeiterin zögerlich die Hand. „Kaiba-san, was passiert, wenn… wenn etwas schiefgeht?“

Kaibas Augen verengten sich leicht, doch seine Stimme blieb ruhig. „Dann analysieren Sie den Fehler. Sie lernen daraus. Und Sie sorgen dafür, dass er sich nicht wiederholt.“ Er machte eine kurze Pause. „Wer jedoch denselben Fehler zweimal macht… zeigt mir, dass er nicht in dieses Unternehmen gehört.“

Die Spannung im Raum zog sich wie ein Draht.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Kaiba ließ die Arme sinken und sah einen Moment lang aus dem Fenster auf die Skyline.

„KaibaCorp ist nicht irgendeine Firma“, sagte er. „Wir setzen Standards. Wir sind der Maßstab.“ Sein Blick glitt zurück zu den Anwesenden. „Und genau deshalb brauche ich Leute, die mithalten können.“

Ein älterer Entwickler nickte langsam. „Und wenn wir das können?“

Ein kaum merkliches Lächeln huschte über Kaibas Gesicht.

„Dann“, sagte er, „werden Sie Teil von etwas sein, das größer ist als Sie selbst.“

Stille.

Diesmal jedoch war sie nicht nur von Angst erfüllt — sondern auch von einem Hauch Motivation.

„Zurück an die Arbeit“, beendete Kaiba das Meeting knapp.

Die Mitarbeiter erhoben sich, und während sie den Raum verließen, wirkte ihre Haltung ein wenig aufrechter als zuvor.
 

„Ich muss aufs Klo“, sagte Joey. „Ich komme gleich wieder.“ Er machte sich auf dem Weg zur Toilette.

„Willst du nicht doch vom Gesangswettbewerb zurücktreten, Wheeler? Noch hast du die Gelegenheit dazu.“

Der Blonde drehte sich um. Kohana stand vor ihm.

„Du bist so eine falsche Schlange!", rief Joey. „Du willst mich aus dem Wettbewerb drängen, weil du Angst hast, dass ich besser bin als du!"

„Du willst also nicht vom Wettbewerb zurücktreten?", fragte Kohana.

Er schüttelte den Kopf. „Nein, das werde ich nicht!"

Dann lachte Kohana – kein freundliches Lachen, eher scharf wie Glas. „Du bist mutig“, sagte sie. „Oder einfach nur dumm.“ Ihr Lächeln verschwand. „Dann muss es eben die harte Tour sein.“

Joey verzog keine Miene, auch wenn sich etwas in seinem Magen zusammenzog. „Drohen kannst du gut“, sagte er ruhig. „Aber ich habe keine Angst vor dir.“

Kohana trat einen Schritt näher. Ihre Augen funkelten kalt, prüfend, als würde sie abwägen, wie weit sie gehen konnte. „Das solltest du aber“, sagte sie.

Bevor Joey antworten konnte, öffnete sich die Tür am Ende des Flurs. Stimmen drangen heraus, Schritte näherten sich. Kohanas Haltung veränderte sich sofort – weniger offen, kontrollierter. Für einen Sekundenbruchteil wirkte sie wie jemand anderes.

Dann, als die anderen Schüler um die Ecke kamen, setzte sie ein höfliches Lächeln auf, als wäre nichts gewesen. Damit schritt Kohana den Gang entlang und ließ Joey alleine zurück.

Joey blieb stehen, während die Gruppe an ihm vorbeizog. Einige nickten ihm zu. Er nickte zurück, doch sein Blick folgte Kohana.

Sie ging ruhig, fast gelassen – als hätte das Gespräch nie stattgefunden.

Er atmete einmal tief durch und setzte sich wieder in Bewegung Richtung Toilette, aber seine Gedanken blieben bei ihr hängen.
 

Joey war in der U Bahn. Zwei Mädchen in Schuluniform saßen gegenüber von ihm. Er lehnte sich zurück, die Hände locker in den Taschen seiner Jacke, und ließ den Blick scheinbar beiläufig durch den Waggon schweifen. Die U-Bahn ratterte durch den Tunnel, das Licht flackerte kurz, dann wurde es wieder ruhig.

Die beiden Mädchen gegenüber tuschelten leise miteinander. Ihre Schuluniformen waren ordentlich, fast zu geschniegelt für diese Uhrzeit. Eine von ihnen warf Joey immer wieder kurze, verstohlene Blicke zu, als würde sie überlegen, ob sie ihn ansprechen sollte.

„Was ist? Hab ich was im Gesicht oder so?“, sagte Joey schließlich grinsend, ohne seine entspannte Haltung aufzugeben.

Die beiden zuckten leicht zusammen. Dann lachte die mit den dunkleren Haaren nervös. „N-Nein! Wir haben uns nur gefragt… bist du nicht der Typ aus dem Duellturnier?“

Joey hob eine Augenbraue. „Heh. Kommt drauf an, welches du meinst. Ich war schon in ein paar verwickelt.“

Die andere, etwas mutiger wirkende, beugte sich vor. „Du bist doch Joey Wheeler, oder? Der mit dem roten Drachen… äh, ich meine…“

„Rotäugiger schwarzer Drache“, korrigierte Joey, nicht ohne einen Hauch Stolz. „Und ja, der bin ich.“

Für einen Moment war die anfängliche Nervosität verflogen. Die beiden sahen ihn jetzt mit unverhohlener Begeisterung an.

„Wow… wir hätten nicht gedacht, dich einfach so in der U-Bahn zu treffen!“

Joey zuckte mit den Schultern. „Tja, selbst Weltklasse-Duellanten müssen irgendwie von A nach B kommen, weißt du?“

Die Bahn verlangsamte sich, eine Durchsage kratzte aus den Lautsprechern. Nächster Halt.

Die mutigere der beiden zögerte kurz, dann holte sie ein kleines Kartenset aus ihrer Tasche. „Würdest du… vielleicht eine Karte signieren?“

Joey sah auf das Deck, dann wieder zu den beiden. Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Klar. Aber nur, wenn ihr mir versprecht, weiter zu üben. Ein Duellant gibt niemals auf, verstanden?“

Die Mädchen nickten eifrig. „Versprochen!“

Joey nahm den Stift, den sie ihm reichten, und unterschrieb lässig auf einer der Karten. Dabei wirkte er fast, als hätte er das schon hundertmal gemacht – auch wenn man ihm ansah, dass es ihn insgeheim doch ein bisschen stolz machte.

„So. Fertig“, sagte er und gab die Karte zurück.

Die Türen öffneten sich mit einem Zischen und Joey stieg aus.
 

Joey und seine Schwester Serenity hatten sich in der Stadt verabredet. Er stand nervös an der Straßenecke und warf immer wieder einen Blick auf seine Uhr. Die Stadt war laut und geschäftig, Autos rauschten vorbei, und Menschen eilten an ihm vorbei, als hätten sie alle ein Ziel – nur er schien kurz stillzustehen.

„Wo bleibt sie nur…“, murmelte er und kratzte sich am Hinterkopf.

Da hörte er plötzlich eine vertraute Stimme.

„Joey!“

Er drehte sich ruckartig um – und da war sie. Serenity. Sie stand ein paar Schritte entfernt, die langen Haare leicht im Wind, ein vorsichtiges, aber warmes Lächeln im Gesicht. Für einen Moment wirkte es, als würde der ganze Lärm der Stadt leiser werden.

„Serenity!“, rief Joey und winkte etwas zu hektisch. „Du hast mich echt warten lassen, weißt du das?“

„Ich bin pünktlich“, antwortete sie ruhig und trat näher. „Du bist nur zu ungeduldig.“

Joey wollte erst kontern, hielt dann aber inne. Stattdessen grinste er schief. „Tja… vielleicht ein bisschen.“

Ein kurzer Moment der Stille entstand zwischen ihnen, nicht unangenehm, eher wie ein vorsichtiges Wiederfinden.

„Danke, dass du gekommen bist“, sagte Serenity schließlich. „Ich weiß, du hast viel zu tun mit deinen Duellen und allem.“

Joey winkte ab. „Ach was. Für dich hab ich immer Zeit. Familie und so, verstehst du?“

Serenity lächelte diesmal etwas sicherer. „Na, dann gehen wir.“

Und während sie gemeinsam durch die Straßen gingen, schien die Sonne. Der Himmel war strahlend blau und es war keine einzige Wolke zu sehen.

Der Spaziergang verlief eine Weile ruhig, bis Joey stehen blieb, um eine Abkürzung in eine schmalere Gasse zu nehmen.

„Hier lang geht’s schneller zum Hafen!“, sagte er überzeugt.

Serenity blieb stehen und sah skeptisch auf die dunklere Straße zwischen den Gebäuden. „Bist du sicher? Das sieht nicht gerade… einladend aus.“

„Vertrau mir einfach mal, okay? Ich kenne mich aus!“, antwortete Joey, schon halb weiterlaufend.

„Das hast du vorhin schon gesagt – und wir sind dreimal falsch abgebogen“, erwiderte sie ruhig, aber mit einem klaren Unterton.

Joey blieb abrupt stehen. „Was soll das heißen? Ich hab doch nur versucht, die Stadt spannend zu machen!“

„Spannend?“, Serenity verschränkte die Arme. „Oder eher planlos? Ich bin nicht hier, um mich zu verlaufen.“

Joey drehte sich zu ihr um, sichtlich gereizt. „Weißt du was? Du bist ganz schön undankbar! Ich nehme mir extra Zeit für dich, und du meckerst nur rum!“

Serenity blinzelte, als hätte sie das getroffen, ließ sich aber nicht sofort zurückdrängen. „Ich meckere nicht. Ich versuche nur, vorsichtig zu sein. Nicht jeder findet es lustig, sich in einer Stadt zu verirren.“

Für einen Moment standen sie sich einfach gegenüber, die Geräusche der Stadt plötzlich wieder lauter als zuvor.

Joey ballte kurz die Hände, atmete aus und schaute zur Seite. „Ich wollte nur, dass es ein guter Tag wird…“

Serenity wurde etwas weicher, ihre Stimme leiser. „Das weiß ich. Aber ich will auch einfach sicher sein.“

Ein unangenehmes Schweigen entstand. Dann trat sie einen Schritt näher, aber ohne die Arme zu lösen.

„Joey… ich bin nicht gegen dich. Ich will nur nicht blind irgendwohin laufen.“

Er sah sie an, noch immer etwas beleidigt, aber der Ärger begann langsam nachzulassen.

„Okay… vielleicht hab ich’s ein bisschen übertrieben mit der Abkürzung“, gab er schließlich zu und kratzte sich am Hinterkopf.

Serenity nickte leicht. „Ein bisschen.“

Joey seufzte. „Gut. Dann… gehen wir eben deinen sicheren Weg. Aber nur diesmal!“

Ein kleines, widerwilliges Lächeln huschte über Serenitys Gesicht. „Abgemacht.“

Und diesmal gingen sie nebeneinander weiter – etwas langsamer, aber auch ein Stück weniger angespannt.

Die Spannung zwischen ihnen war nicht verschwunden, aber sie war leiser geworden – wie ein Streit, der noch in der Luft hängt, aber keinen neuen Brennstoff mehr bekommt.

Serenity ging ein paar Schritte voraus und führte Joey tatsächlich auf eine breitere Straße zurück. Von dort aus konnte man bereits den Hafen erahnen, Möwen kreisten über den Dächern, und der Wind roch plötzlich nach Wasser statt nach Abgasen.

„Siehst du?“, sagte sie schließlich, ohne ihn anzusehen. „Ganz ohne Abkürzung.“

Joey verschränkte die Arme hinter dem Kopf und tat so, als wäre es ihm egal. „Ja, ja… du hattest recht. Zufrieden?“

Serenity blieb kurz stehen und drehte sich zu ihm um. „Es geht nicht darum, recht zu haben.“

„Ach nein? Klingt aber ziemlich danach“, murmelte er.

Sie seufzte leise. „Joey… ich freue mich wirklich, dass du Zeit mit mir verbringst. Aber du musst nicht alles zu einem Abenteuer machen, nur um zu beweisen, dass es spannend ist.“

Das traf ihn mehr, als er zeigen wollte.

Joey schaute einen Moment zur Seite, bevor er leiser antwortete: „Ich wollte nur, dass du dich nicht langweilst… oder dass es dir hier nicht komisch vorkommt.“

Serenity blinzelte überrascht. Ihr Blick wurde weicher.

„Ich langweile mich nicht“, sagte sie ruhig. „Ich bin einfach froh, nicht allein zu sein.“

Das ließ ihn kurz verstummen.

Dann grinste er leicht, diesmal ehrlicher als vorher. „Tja… dann hab ich meinen Job ja halbwegs gut gemacht.“

Serenity rollte leicht mit den Augen, aber ein kleines Lächeln blieb. „Halbwegs.“

Sie gingen weiter, diesmal nebeneinander, ohne dass einer vorausdrängte. Der Hafen kam näher, und die Stadt wirkte plötzlich nicht mehr wie ein Labyrinth, sondern wie ein gemeinsamer Weg.

Joey warf ihr einen kurzen Seitenblick zu. „Hey… wenn wir schon am Hafen sind, geb ich dir ein Eis aus. Als… Friedensangebot.“

Serenity überlegte kurz, dann nickte sie. „Einverstanden. Aber diesmal ohne Umwege.“

„Versprochen“, sagte Joey sofort – und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Diesmal wirklich.“

Der Hafen öffnete sich vor ihnen wie eine eigene kleine Welt. Boote schaukelten im Wasser, Händler riefen ihre Angebote, und der salzige Wind mischte sich mit dem Duft von gebratenem Fisch und Zuckerwatte.

Joey blieb kurz stehen und sah sich um, als hätte er gerade erst gemerkt, wie groß das Ganze war. „Okay… das ist schon ziemlich cool“, gab er widerwillig zu.

Serenity trat neben ihn und ließ den Blick über das Wasser gleiten. „Es ist schön hier.“

„Hab ich doch gesagt!“, meinte Joey sofort und grinste. „Ich hab ein gutes Gespür für Orte.“

Serenity hob nur eine Augenbraue. „Du meinst den Hafen, den du zufällig richtig erraten hast, nachdem wir uns vorher verlaufen haben?“

„Bingo!“, sagte er.

Sie gingen weiter entlang der Promenade, bis sie einen kleinen Eisstand erreichten. Joey klopfte auf die Theke. „Zwei Eis! Das Beste, was ihr habt!“

Der Verkäufer nickte und begann zu bedienen. Während sie warteten, herrschte für einen Moment angenehme Stille.

Serenity sah Joey von der Seite an. „Du musst nicht immer so tun, als wär alles leicht für dich.“

Er runzelte die Stirn. „Was soll das heißen?“

„Dass du nicht alles mit Sprüchen und Energie überdecken musst“, sagte sie ruhig. „Ich merke schon, wenn du eigentlich unsicher bist.“

Joey öffnete den Mund, schloss ihn wieder und kratzte sich am Hinterkopf. Das war unerwartet direkt.

„Ich bin nicht unsicher“, murmelte er, aber ohne Überzeugung.

Serenity lächelte leicht. „Vielleicht ein bisschen.“

Bevor er antworten konnte, reichte der Verkäufer ihnen die Eisbecher. Joey nahm seinen sofort und hielt ihn wie eine Art Rettungsanker.

„Okay, vielleicht manchmal“, gab er schließlich zu und nahm einen Löffel. „Aber nur, wenn es um wichtige Sachen geht.“

„Und ich bin keine wichtige Sache?“, fragte sie trocken.

Joey verschluckte sich fast. „Nein! Ich mein—du bist wichtig, ich meinte eher… äh…“

Serenity konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen. „Schon gut. Ich weiß, was du meinst.“

Sie setzte sich auf eine Bank mit Blick aufs Wasser, und Joey ließ sich neben sie fallen.

Ein paar Sekunden vergingen, dann sagte er: „Ich wollte einfach nur, dass der Tag gut wird.“

Serenity nickte. „Und er ist gut geworden. Nur nicht perfekt.“

Joey dachte kurz darüber nach und zuckte dann mit den Schultern. „Perfekt ist sowieso langweilig.“

Serenity sah ihn überrascht an, dann lächelte sie sanft. „Das klingt fast weise.“

„Ich bin voll weise“, sagte Joey sofort wieder in seinem typischen Ton.

Während sie dort saßen, das Eis langsam schmolz und das Wasser glitzerte, war der Streit vom Anfang des Tages nur noch eine kleine Erinnerung – und nichts, was wirklich zwischen ihnen stehen blieb.
 

Schon als Kind hatte Joey gelernt, sich durchzuschlagen. Nicht alles lief immer glatt und oft musste er mehr kämpfen als andere; nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit sich selbst. Doch genau das hatte ihn zu dem gemacht, was er heute war: jemand, der niemals aufgab.

Jede Niederlage war ein weiterer Schlag gewesen, den er einstecken musste – und jedes Mal hatte er gelernt, wieder aufzustehen.

Joey hatte lange gebraucht, um zu glauben, dass er mehr sein konnte als das, was andere in ihm sahen.

Mit den Jahren hatte Joey gelernt, dass Stärke nicht nur darin lag, stehen zu bleiben, wenn alles gegen einen lief. Wahre Stärke zeigte sich in den Momenten, in denen man kurz davor war, zusammenzubrechen – und sich trotzdem entschied, weiterzugehen. Schritt für Schritt, auch wenn der Weg unklar war.

Es gab Tage, an denen die alten Zweifel wieder hochkamen. Stimmen aus der Vergangenheit, die ihm einreden wollten, dass er es nicht schaffen würde. Früher hätte er ihnen geglaubt. Heute hörte er sie zwar noch, aber sie bestimmten ihn nicht mehr. Stattdessen erinnerte er sich daran, wie weit er schon gekommen war.

Er hatte gelernt, sich selbst zu vertrauen. Nicht blind, nicht naiv – sondern mit dem Wissen, dass Rückschläge dazugehören. Jeder Fehler, jede Niederlage hatte ihm etwas beigebracht. Und auch wenn es ihn manchmal mehr kostete, als er zugeben wollte, wusste er: Aufgeben war keine Option.
 

Joey Wheeler ging mit Tristans Hündin Blankey spazieren. Sie standen vor Kaiba Land, Kaibas Freizeitpark. Dort waren keine Hunde erlaubt.

Joey kratzte sich am Hinterkopf, während Blankey fröhlich an der Leine zog und mit der Nase über den Gehweg schnüffelte. Vor ihnen ragte das riesige Tor von Kaiba Land auf. Über dem Eingang blinkte ein holografisches Schild:

HUNDE VERBOTEN

„Äh…tja“, sagte Joey und sah zu der Hündin hinunter. „Das ist jetzt irgendwie peinlich, was?“

Blankey wedelte nur mit dem Schwanz und bellte einmal, als hätte sie überhaupt kein Problem damit.

Neben dem Tor stand eine überlebensgroße Statue von Seto Kaiba, die dramatisch auf den Park zeigte. Aus einem Lautsprecher erklang plötzlich seine kalte, arrogante Stimme:

„Willkommen in Kaiba Land. Nur würdige Besucher dürfen eintreten.“

Joey verzog das Gesicht. „Typisch Kaiba. Wahrscheinlich denkt er, Hunde könnten seine teuren Maschinen vollsabbern.“

Blankey schnupperte interessiert an der Statue.

„Hey! Nicht da hinpinkeln! Das gibt bestimmt lebenslanges Parkverbot!“

Gerade als Joey überlegte, wieder umzudrehen, bemerkte er eine kleine Seitentür neben dem Haupttor. Darüber stand ein Schild:

„Mitarbeiterzugang“

Joey grinste langsam. „Weißt du was, Blankey? Vielleicht müssen wir gar nicht durch den Haupteingang.“

Die Hündin legte den Kopf schief.

Joey beugte sich verschwörerisch zu ihr herunter. „Wenn Tristan fragt, waren wir einfach nur spazieren, okay?“

Blankey bellte leise, als hätte sie gerade zugestimmt.

Joey griff nach der Klinke der Seitentür.

Und genau in diesem Moment hörte er hinter sich eine bekannte Stimme:

„Joey! Was machst du da?!“

Langsam drehte er sich um.

Vor ihm standen Yugi und Tea.

Yugi blinzelte überrascht. „Äh…Joey? Seit wann schmuggelst du Hunde in Freizeitparks?“

Joey verschränkte die Arme und versuchte cool zu wirken. „Erstens: Ich schmuggle gar nichts. Zweitens: Blankey wollte unbedingt Achterbahn fahren.“

Blankey bellte begeistert.

Tea lachte. „Ich glaube nicht, dass Kaiba das erlaubt.“

Joey grinste. „Dann darf er es halt nicht rausfinden.“

Doch in diesem Moment begann über dem Eingang ein Alarm zu blinken.

Und auf einem großen Bildschirm erschien das Gesicht von Seto Kaiba.

„Joey Wheeler.“

Joey erstarrte.

„Ich sehe alles.“

Blankey knurrte leise.

Joey schluckte. „Äh Leute? Ich glaube, wir haben ein Problem.“

Er hob langsam die Hände. „Okay, bevor hier irgendwer komplett durchdreht—“

„Zu spät“, unterbrach Seto Kaiba kühl vom Bildschirm. „Du hast bereits mehrere Regeln verletzt. Unbefugter Zugang. Verdächtiges Verhalten. Und…“ Seine Augen verengten sich. „…ein Hund.“

Blankey bellte trotzig.

Yugi Muto trat nervös einen Schritt vor. „Ähm, Kaiba… vielleicht ist das nur ein Missverständnis—“

„Sei still, Yugi.“ Kaibas Stimme schnitt durch die Luft. „Das hier ist kein Kindergarten. Das ist Kaiba Land.“

„Wow, Überraschung“, murmelte Joey Wheeler. „Hätt ich fast vergessen.“

Tea beugte sich zu Joey. „Jetzt ist echt nicht der Moment für deine Sprüche.“

Joey verzog den Mund, hob aber beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut. Ich sag ja nix mehr.“

Auf dem Bildschirm lehnte sich Seto Kaiba leicht nach vorne, als würde er sie durchdringend mustern. „Ich gebe dir genau eine Chance, Wheeler. Dreh dich um, verlasse das Gelände… und nimm dieses Tier mit.“

Blankey setzte sich demonstrativ hin und begann, sich hinter dem Ohr zu kratzen.

„Äh… sie hört nicht so gut auf Autorität“, sagte Joey und zuckte mit den Schultern.

„Überraschend. Du scheinst ein ähnliches Problem zu haben, Wheeler.“

„Hey!“

Yugi Muto trat zwischen die beiden, sichtbar bemüht, die Situation zu entschärfen. „Kaiba, komm schon. Es ist doch nur ein kurzer Besuch. Wir passen auf, dass nichts passiert.“

Für einen Moment herrschte Stille. Dann schnaubte Kaiba leise. „Ich betreibe hier hochmoderne Attraktionen im Wert von mehreren Millionen Yen. Ich werde sie sicher nicht einem sabbernden Vierbeiner anvertrauen.“

Joey sah kurz zu Blankey hinunter. Die Hündin saß da, als hätte sie gerade überhaupt nicht verstanden, dass ihre gesamte Zukunft gerade auf dem Spiel stand. Sie hechelte zufrieden. „Okay“, sagte Joey langsam und hob eine Augenbraue. „Erstens: Sie heißt Blankey. Zweitens: Sie ist kein ‚Ding‘, Kaiba.“

Auf dem Bildschirm verengten sich Seto Kaibas Augen. „Korrigiere deine Haltung, Wheeler.“

„Ich korrigiere gar nichts“, murmelte Joey, dann lauter: „Hör zu, ich bin nur hier spazieren gegangen! Tristan hat gesagt, ich soll auf sie aufpassen. Und plötzlich stehe ich vor deinem… Roboterdrachen-Vergnügungspark oder was das hier ist.“

Tea schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Joey… bitte.“

Yugi hob beschwichtigend die Hände. „Vielleicht können wir das wirklich ruhig klären—“

„RUHIG?“ Joey zeigte auf den Bildschirm. „Der Typ bedroht mich gerade mit Parkverbot! Für einen Hund!“

Blankey bellte zustimmend, als hätte sie seine Argumentation perfekt verstanden.

Kaiba atmete hörbar aus. „Unfassbar.“ Dann geschah etwas Unerwartetes: Die Seitentür hinter Joey gab ein leises Klick von sich und sprang einen Spalt auf.

Joey erstarrte. „Äh… hab ich das gemacht?“

„Nein“, sagte Kaiba kalt. „Das habe ich gemacht.“

Die Tür schwang komplett auf und ein kleiner Sicherheitsdroide rollte heraus, blinkend und summend. „UNBEFUGTER ZUGANG ERKANNT. HUND-PRÄSENZ BESTÄTIGT. PROTOKOLL AKTIVIERT.“ Blankey stellte die Ohren auf und machte einen Schritt nach vorne, neugierig.

„Oh nein, nein, nein—“ Joey griff nach der Leine, doch zu spät. Der Droide projizierte plötzlich ein Hologramm direkt vor ihnen: eine riesige digitale Anzeige mit der Aufschrift: „KAIBA LAND: HUNDE-SICHERHEITSSTUFE ROT“

Tea blinzelte. „Gibt es das wirklich?“

„Natürlich gibt es das“, sagte Kaiba trocken. „Ich habe es gestern hinzufügen lassen.“

Joey starrte ihn an. „DU HAST WAS?“

Kaiba verschränkte die Arme. „Hunde sind unberechenbar. Und ich lasse keine unberechenbaren Variablen in meinem Park.“

Blankey bellte genau in dem Moment wieder—und der Droide interpretierte es offenbar als Angriffssignal. „WARNUNG. PROTOKOLL STUFE ZWEI. SICHERHEITSANPASSUNG WIRD AUSGEFÜHRT.“ Plötzlich fuhren kleine Absperrgitter aus dem Boden hoch und umzingelten Joey, Yugi, Tea und Blankey.

Joey starrte die Gitter an. Dann Kaiba. „Du hast mich gerade eingesperrt… mit einem Hund.“

„Ich habe dich gesichert“, korrigierte Kaiba. „Und das Tier ebenfalls.“ Blankey setzte sich zufrieden hin, als wäre das alles ein Spielplatz.

Yugi seufzte leise. „Das eskaliert irgendwie sehr schnell.“

Tea nickte. „Wie immer, wenn Joey beteiligt ist.“

Joey drehte sich langsam zu ihnen. „Hey! Ich bin hier das Opfer!“

Kaibas Stimme kam wieder aus dem Lautsprecher, nun etwas distanzierter. „Wheeler. Letzte Chance. Überzeuge mich, warum ich eine Ausnahme machen sollte.“

Joey sah kurz zu Blankey, dann zu den Gitterstäben, dann wieder zum Bildschirm. Ein Grinsen breitete sich langsam auf seinem Gesicht aus. „Okay“, sagte er. „Du willst eine Ausnahme? Ich hab da was für dich.“

Kaiba hob eine Augenbraue. Joey deutete auf Blankey. „Diese ‘gefährliche Sicherheitsbedrohung’ hier… kann Sitz machen. Pfote geben. Und—“ er machte eine dramatische Pause „—sie ist besser erzogen als dein halber Sicherheitsapparat.“

Blankey setzte sich sofort auf Kommando hin und hob die Pfote.

Yugi blinzelte. „Sie… hat wirklich gerade reagiert.“

Tea lächelte ungewollt. „Das ist irgendwie süß.“

Kaiba schwieg einen Moment. Dann: „…Interessant.“

Joey grinste breiter. „Na? Immer noch so überzeugt von deiner Anti-Hund-Politik?“

Die Gitter blieben stehen. Der Alarm hörte nicht auf. Aber Kaiba sagte zum ersten Mal etwas, das nicht nach einer Drohung klang: „Bring sie nicht in die Nähe der Achterbahn.“

Joey hob die Arme triumphierend. „Einverstanden!“ Blankey bellte fröhlich. Und während die Gruppe langsam Richtung Parkeingang geführt wurde—unter strenger Beobachtung von Kaiba persönlich—sagte Tea: „Ich kann nicht glauben, dass das funktioniert hat.“

Joey grinste. „Sag niemals, ich hätte keinen Einfluss auf die Welt.“

Der Weg durch Kaiba Land fühlte sich an wie ein Marsch durch eine High-Tech-Festung. Überall blinkten Sensoren, kleine Kameradrohnen schwebten über ihren Köpfen, und aus dem Boden fuhren gelegentlich Metallplatten aus, nur um sich wieder zurückzuziehen, als würden sie alles und jeden ständig neu bewerten. Blankey lief fröhlich vorneweg, als wäre sie offiziell als VIP eingeladen worden.

„Das ist immer noch verrückt“, meinte Tea und sah sich nervös um.

„Das ist Kaiba“, sagte Yugi ruhig. „Für ihn ist sogar ein Kaugummiautomat wahrscheinlich ein militärisches Projekt.“

„Hey! Ich hab das gehört“, ertönte Kaibas Stimme aus einem unsichtbaren Lautsprecher.

Joey verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Dann hör auch auf zu lauschen, eiskalter Robo-Millionär.“

Ein leises Seufzen kam aus den Lautsprechern. „Wheeler“, sagte Kaiba schließlich, „du befindest dich weiterhin auf Probe.“

Joey blieb stehen. „Probe? Wofür? Hundeerziehung? Weil ich da bestanden hab.“

„Für deinen Aufenthalt im Park.“ Alle blieben stehen. Blankey setzte sich sofort, als hätte sie gespürt, dass jetzt etwas Wichtiges passiert. Kaiba fuhr fort: „Kaiba Land ist kein Ort für Chaos. Und du bringst Chaos mit, wo immer du auftauchst.“

„Das ist unfair“, sagte Joey empört. „Ich bringe nur ein bisschen Unterhaltung mit.“

„Du nennst es Unterhaltung. Ich nenne es… statistische Anomalie.“

Yugi hob vorsichtig die Hand. „Vielleicht könnten wir einfach—“

„Nein“, unterbrach Kaiba. „Es gibt eine Lösung.“ Ein mechanisches Summen ging durch die Luft. Plötzlich öffnete sich vor ihnen ein riesiger Bereich des Parks, den sie vorher nicht gesehen hatten. Ein gigantisches Trainingsareal, halb Arena, halb Hindernisparcours. Hologramme flackerten auf, zeigen bewegliche Plattformen, Laserbarrieren und schwebende Zielscheiben.

Joey blinzelte. „Okay… das ist neu.“

Kaiba sprach ruhig: „Wenn du bleiben willst, Wheeler, musst du dich beweisen.“

Joey grinste. „Oh? Und wie genau?“

„Du wirst diesen Parcours absolvieren", sagte Kaiba. „Mit dem Hund.“

Joey starrte den Parcours an, als hätte Kaiba ihm gerade angeboten, freiwillig in einen Vulkan zu springen.

„Du willst, dass ich WAS mache?“, fragte er langsam.

Kaibas Stimme blieb eiskalt ruhig. „Einen einfachen Eignungstest. Wenn du und der Hund ihn bestehen, dürft ihr bleiben.“

„Sie ist kein ‚Hund und ich‘-Team“, murmelte Joey. „Sie ist mein… äh… temporärer Begleiter.“

Blankey bellte zustimmend, als hätte sie das Wort „Team“ sehr wohl verstanden und für gut befunden.

Tea verschränkte die Arme. „Das ist doch völlig übertrieben. Das ist ein Freizeitpark, kein Militärlager.“

„Für Kaiba ist das dasselbe“, sagte Yugi.

Über ihnen flackerte eine Drohne, die Kaibas Stimme direkt verstärkte: „Regeln sind eindeutig. Wer bleiben will, beweist Kontrolle, Disziplin und Anpassungsfähigkeit.“

Joey zeigte auf sich selbst. „Ich hab Kontrolle! Ich kontrolliere gerade, dass ich dich nicht aus dem Lautsprecher ziehe!“

„Das wäre ein Fehler“, antwortete Kaiba trocken.

„PARCOURS WIRD INITIALISIERT.“

Ein metallisches Klicken erklang. Der Parcours aktivierte sich vollständig.

Plattformen fuhren auseinander, schwebende Brücken schoben sich in die Luft, und Laserlinien zogen sich wie ein bewegliches Gitter durch den Raum. Irgendwo in der Ferne hörte man mechanisches Summen, als würde der ganze Park gerade neugierig zuschauen.

Blankey setzte sich hin und beobachtete alles mit schief gelegtem Kopf.

„Okay…“, sagte Joey langsam und rieb sich den Nacken. „Das sieht aus, als hätte Kaiba seine Midlife-Crisis in Leveldesign umgesetzt.“

Dann kniete er sich zu Blankey herunter. „Okay, hör zu“, sagte er. „Das ist jetzt wichtig. Kein Rumgeschnüffel, kein Chaos, kein—“

Blankey schleckte ihm quer übers Gesicht.

Joey verzog das Gesicht. „…kein Schlecken.“

Aus den Lautsprechern kam ein kaum hörbares Geräusch, das verdächtig nach einem unterdrückten Lachen klang.

Joey sprang wieder auf. „Hast du gerade GELACHT?!“

„Nein“, sagte Kaiba sofort. „Ich habe lediglich ausgeatmet.“

„Ja, sicher.“

Yugi hob nervös die Hand. „Kaiba, vielleicht sollten wir das wirklich nochmal—“

„Zu spät.“

Ein Startsignal ertönte.

BEEP.

Und plötzlich schob sich die erste Plattform nach vorne.

Joey machte einen Satz. „LOS, BLANKEY!“

Die Hündin sprang sofort los, als hätte sie genau darauf gewartet. Sie landete elegant auf der ersten Plattform, drehte sich einmal stolz und bellte.

„Sie ist… erstaunlich sicher auf diesen Dingern“, sagte Tea überrascht.

„Natürlich ist sie das“, sagte Joey und sprang hinterher. „Sie hat bessere Reflexe als ich in drei Jahren Domino City zusammengerechnet.“

Die zweite Plattform bewegte sich seitlich weg.

„Oh nein, nein, nein—“ Joey sprang hinterher, landete schief, ruderte mit den Armen… und blieb irgendwie stehen.

Blankey saß schon auf der nächsten Plattform und wartete.

„Sie motiviert dich gerade“, stellte Yugi fest.

„Ich fühle mich eher beleidigt motiviert“, knurrte Joey.

Kaibas Stimme klang erneut: „Interessant. Der Hund reagiert schneller als der Mensch.“

„Sag das nochmal und ich—“

Die nächste Laserbarriere aktivierte sich.

ZACK.

Joey duckte sich reflexartig, stolperte und rollte gerade noch unter dem Lichtstrahl hindurch.

Blankey lief einfach darunter durch, ohne auch nur kurz stehen zu bleiben.

Stille.

Dann:

„…Das war unfair“, sagte Joey.

Tea seufzte. „Das sagt er bei jedem Test seines Lebens.“

Die Plattformen beschleunigten.

Der Parcours wurde enger, schneller, chaotischer. Hologramme erschienen, die falsche Wege simulierten. Mechanische Arme versuchten, die Teilnehmer umzulenken.

Und Blankey?

Die rannte voraus, als wäre es ein Spiel, das sie schon kannte.

Joey dagegen sprang, rutschte, fluchte, landete auf einer Plattform, die sich sofort wieder bewegte, und musste sich mit einem letzten Sprung retten.

„Kaiba! Wenn ich sterbe, verklag ich dich im Jenseits!“

„Du wirst nicht sterben“, kam die ruhige Antwort.

Dann passierte etwas Unerwartetes.

Blankey blieb plötzlich stehen.

Mitten auf einer schwebenden Plattform.

Der Parcours reagierte sofort: neue Laser formten sich direkt vor ihr, Plattformen verschoben sich in riskante Positionen.

„Warum bleibt sie stehen?!“, rief Joey panisch.

Yugi blinzelte. „Sie schaut… nach dir.“

Joey hielt inne.

Tatsächlich. Blankey sah zurück. Wartend.

Als würde sie sagen: Jetzt du.

Joey schluckte. „Oh… du kleine hinterhältige Trainingshund-Strategin…“

Er atmete tief ein.

Dann sprang er.

Eine Plattform klappte weg.

Er sprang weiter.

Eine Laserlinie schnitt vorbei.

Er sprang wieder.

Und dann—landete er direkt neben Blankey.

Stille.

Kaiba sprach nach einigen Sekunden:

„…Synchronisation erkannt.“

Joey keuchte. „Synchronisation? Ich nenn das Überleben mit Stil!“

Blankey bellte einmal stolz.

Die letzten Plattformen fügten sich zusammen. Der Parcours stoppte.

Ein Signalton ertönte.

TEST ABGESCHLOSSEN.

Yugi atmete erleichtert aus. „Sie haben es geschafft.“

Tea lächelte. „Kaum zu glauben.“

Kaiba schwieg einen Moment.

Dann erschien sein Hologramm über ihnen, diesmal etwas weniger bedrohlich.

„Unkonventionell“, sagte er schließlich.

Joey verschränkte die Arme. „Das ist mein zweiter Vorname.“

„Nein“, sagte Kaiba sofort. „Aber akzeptabel.“

Joey blinzelte. „…Das war ein Kompliment von dir, oder?“

„Missversteh es nicht.“

Blankey setzte sich zufrieden hin.

Kaiba fuhr fort: „Der Hund bleibt unter Beobachtung. Wheeler ebenfalls.“

„Ich bin begeistert“, murmelte Joey.

„Aber…“, Kaiba hielt kurz inne, „…ihr habt das Minimum meiner Erwartungen erfüllt.“

Yugi lächelte vorsichtig. „Heißt das, sie dürfen bleiben?“

Kaiba antwortete nach einer Pause: „Für heute.“

Dann verschwand das Hologramm.

Ein leises mechanisches Summen ging durch den Parcours. Die Laserbarrieren zogen sich zurück, die Plattformen fuhren wieder in den Boden, und das riesige Trainingsareal verwandelte sich zurück in eine ruhige Fläche – als wäre nie etwas passiert.

Joey ließ sich erschöpft auf eine Plattform fallen. „Ich kann nicht glauben, dass ich gerade einen Kaiba-Test überlebt hab… mit einem Hund.“

Blankey legte sich neben ihn und stieß ihn leicht mit der Schnauze an.

„Ja, ja“, murmelte Joey. „Du warst besser als ich. Glückwunsch.“

Tea grinste. „Ich glaube, sie hat dich adoptiert.“

Joey sah sie an.

„Das erklärt einiges.“

Und irgendwo, unsichtbar über dem Park, beobachtete Kaiba noch einen Moment die Datenanzeige.

„…Interessant“, murmelte er erneut.

Dann schaltete er den Bildschirm aus.

Joey, Yugi und Tea gingen durch einen ruhigeren Teil von Kaiba Land, Kaibas Freizeitpark.

Keine Laser, keine Drohnenarme, die plötzlich aus dem Boden schossen. Stattdessen: gepflegte Wege, futuristische Pflanzeninstallationen und riesige Hologramme, die verschiedene Duell-Monster zeigten, die scheinbar „zur Dekoration“ animiert waren.

Blankey blieb mehrmals stehen, um sie anzustarren.

„Ja, ich weiß“, sagte Joey. „Das ist alles völlig übertrieben. Willkommen in Kaibas Gehirn.“

„Ich glaube, das ist eher Kaibas Hobby“, meinte Tea.

Yugi blieb plötzlich stehen.

„Ähm… Leute?“

Vor ihnen öffnete sich eine große Plaza.

Und dort stand jemand, der definitiv nicht zu dem High-Tech-Park passte.

„TRISTAN?!“, rief Joey.

Tristan Taylor stand dort, in einer Parkuniform, mit einem Klemmbrett in der Hand und einem sehr verwirrten Gesichtsausdruck.

„Joey?! WAS machst du hier?!“

Joey breitete die Arme aus. „Ich bin auf einer Mission.“

Tristan zeigte auf Blankey. „DU HAST MEINE HÜNDIN IN KAIBA LAND GEBRACHT?!“

„Technisch gesehen ist sie mit mir gegangen“, verteidigte sich Joey sofort.

Blankey bellte fröhlich.

Tristan griff sich an den Kopf. „Ich arbeite hier als Sicherheitspraktikant! Ich hab dich auf der internen Überwachung gesehen! Du hast einen PARCOURS gemacht?!“

Joey nickte stolz. „Und bestanden.“

Stille.

Dann: „Du hast WAS?!“

Tea räusperte sich. „Es ist kompliziert.“

Yugi fügte vorsichtig hinzu: „Kaiba hat ihn testen lassen.“

Tristans Blick wanderte langsam nach oben, als würde er Kaiba persönlich durch die Luft beleidigen wollen.

„Ich wusste es. Dieser Typ ist krank.“

„Warum arbeitest du hier, Tristan?", fragte Joey.

Tristan seufzte tief und rieb sich die Schläfen, als würde allein die Frage schon Kopfschmerzen verursachen.

„Warum ich hier arbeite?“, wiederholte er langsam. „Weil ich versucht habe, einen normalen Ferienjob zu finden.“

Joey grinste breit. „Also hast du dich freiwillig bei Kaiba beworben? Mutig.“

„Ich war verzweifelt“, korrigierte Tristan sofort. „Ich habe mich als Sicherheitspraktikant beworben. Für einen Freizeitpark. MIT normalen Aufgaben. Besucher zählen, Wege kontrollieren, Sicherheitsprotokolle überprüfen.“

Er machte eine Pause.

„Stattdessen hat mir dieser Wahnsinnige eine Sicherheitsausbildung gegeben, die aussieht wie ein Militärtraining für Roboter.“

Yugi blinzelte. „Das klingt… sehr nach Kaiba.“

Tristan deutete sofort auf ihn, als hätte Yugi den Nagel auf den Kopf getroffen.

„EXAKT! Und dann wurde ich in den ‚Sicherheitspraktikanten-Level 3‘ hochgestuft, ohne dass irgendjemand mir erklärt hat, was Level 1 oder 2 überhaupt waren!“

Tea verzog das Gesicht. „Und du kannst nicht einfach kündigen?“

„Ich kann schon“, sagte Tristan trocken. „Aber dann müsste ich durch das Haupttor gehen. Und das Ding hat drei Gesichtsscanner, einen Iris-Check und wahrscheinlich einen Persönlichkeitstest, der entscheidet, ob ich würdig bin, zu gehen.“

Joey grinste breit. „Klingt nach Kaiba.“

In diesem Moment knisterte eine Lautsprecheranlage über ihnen.

„Sicherheitspraktikant Taylor“, erklang eine kalte, bekannte Stimme. „Bericht.“

Die Lautsprecher knackten wieder.

„Taylor. Sofort zum Kontrollzentrum.“

Tristan drehte sich um und marschierte los – mit dem entschlossenen Gang.

Blankey bellte ihm fröhlich hinterher.

Joey sah ihm nach. „Wisst ihr… ich glaube, er liebt seinen Job.“

Und während Tristan in Richtung Kontrollzentrum verschwand, gingen Joey, Yugi und Tea zur nächsten Attraktion.
 

Seto Kaiba ging zum ersten Mal in die Disco.

Schon beim Eintreten verzog er leicht das Gesicht. Das grelle Stroboskoplicht flackerte wie ein fehlerhaftes Hologramm in seinem Gehirn, und die Musik klang für ihn weniger wie ein Song als wie ein schlecht programmiertes Geräuschsystem.

„Was für eine ineffiziente Nutzung von Strom“, murmelte er und strich sich über seinen Mantel, als müsste er sich vergewissern, dass er wirklich hier war.

Kaiba stand mitten auf der Tanzfläche, als hätte man ihn versehentlich in ein fremdes Spiel geladen. Menschen bewegten sich rhythmisch, lachten, drehten sich im Takt – alles ohne offensichtliche Strategie. Kaiba beobachtete das Ganze wie eine Simulation, die er noch nicht entschlüsselt hatte.

Ein Mitarbeiter der Disco kam vorsichtig näher. „Ähm… möchten Sie etwas trinken?“

Kaiba sah ihn an, als hätte man ihm eine schlechte Karte ins Deck gemischt. „Ich konsumiere keine Substanzen, die meine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen könnten.“

„Es ist nur Wasser mit Eis.“

Eine Pause. Kaiba überlegte, als würde er einen Zug in einem Duell planen. „Akzeptabel.“

Er setzte sich an die Bar. Neben ihm vibrierte der Bass so stark, dass die Gläser leicht klirrten. Kaiba musterte das Getränk, als könnte es jederzeit eine Falle sein.

„Interessant“, sagte er schließlich. „Diese Umgebung ist chaotisch, aber vorhersehbar chaotisch. Menschen glauben, sie hätten Kontrolle, obwohl sie lediglich auf Musik reagieren.“

Der Barkeeper zuckte mit den Schultern. „Das nennt man Tanzen.“

Kaiba sah zurück auf die Menge. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick an einer Gruppe hängen, die sich völlig synchron bewegte. Kein Fehler im Muster. Keine Unregelmäßigkeit.

„…Das ist akzeptabel“, gab er widerwillig zu.

Und dann – ganz langsam – hob er eine Hand, als würde er eine neue Strategie testen. Nicht wirklich ein Tanz. Eher ein erster Zug in einem Spiel, dessen Regeln er noch nicht vollständig akzeptiert hatte.
 

Die Musik wechselte abrupt, als hätte jemand das Genre mitten im Satz neu programmiert. Der Bass wurde schwerer, die Lichter schneller, und die Menge reagierte sofort, als würde sie kollektiv neu synchronisiert werden.

Seto Kaiba blieb zunächst regungslos.

„System-Update“, murmelte er. „Unnötig dramatisch.“

Doch dann passierte etwas, das seine innere Bewertungsskala kurz ins Wanken brachte: Die Menschen bewegten sich nicht mehr zufällig. Für ein paar Sekunden entstand ein Muster – klar, wiederholbar, fast wie ein komplexes Duellfeld.

Kaibas Augen verengten sich.

„Das ist kein Chaos“, sagte er leise. „Das ist ein Regelwerk.“

Er stellte sein Glas ab.

Ein Schritt nach vorn. Dann noch einer.

Zuerst wirkte es unbeholfen, als würde er versuchen, eine unbekannte Programmiersprache zu sprechen. Doch Kaiba lernte schnell – das war schließlich sein Prinzip. Jede Bewegung der anderen wurde analysiert, zerlegt, rekonstruiert.

Die Leute um ihn herum bemerkten es langsam. Ein Mann grinste. „Hey, der Neue versucht zu tanzen!“

Kaiba ignorierte ihn. „Wenn dies ein System ist“, sagte er kühl, „dann hat es Schwachstellen.“

Er begann, sich bewusster zu bewegen. Nicht im Takt – sondern gegen den Takt. Immer dann, wenn die Gruppe synchron wurde, brach er das Muster. Kleine Abweichungen, präzise gesetzt.

Und etwas Seltsames geschah: Das Chaos reagierte.

Die Menge wich nicht aus – sie passte sich an.

„Interessant“, sagte Kaiba wieder, diesmal mit einem Anflug von echter Konzentration. „Das System lernt.“

Die Musik steigerte sich erneut, aber diesmal war es kein bloßer Rhythmus mehr für ihn. Es war ein Gegner.

Kaiba hob leicht das Kinn. „Dann spielen wir ernsthaft.“

Und zum ersten Mal in seinem Leben in einer Disco begann er nicht zu reagieren – sondern zu duellieren.
 

Die Lichter flackerten stärker, als würde der Raum selbst auf Kaibas Verhalten reagieren.

Seto Kaiba stand jetzt vollständig im Zentrum der Tanzfläche. Nicht zufällig – eher so, als hätte ihn das System dorthin gezogen, ohne dass er es zugab.

Der Beat änderte sich erneut.

Diesmal war er schneller. Komplexer. Unregelmäßige Pausen, verschobene Akzente, ein Rhythmus, der nicht mehr menschlich wirkte, sondern wie ein Algorithmus, der versuchte, ihn zu testen.

Kaiba schloss kurz die Augen.

„Du adaptierst also“, sagte er leise. „Gut.“

Er bewegte sich wieder. Präziser jetzt. Kein Tanz mehr im klassischen Sinn – eher eine Serie von kalkulierten Gegenmaßnahmen. Jeder Schritt unterbrach Muster. Jede Drehung zwang die Umgebung, neu zu reagieren.

Die Menge um ihn herum begann sich unruhig zu verhalten.

„Was macht der da?“ rief jemand.

„Der verändert den Beat… irgendwie!“

Der DJ bemerkte es auch.

Oben an der erhöhten Plattform starrte er auf die Geräte, während die Pegel ausschlugen. „Das ist unmöglich… die Menge sollte nur reagieren, nicht… dominieren.“

Doch genau das passierte.

Kaiba hatte die Logik erkannt.

„Du bist kein Gegner“, sagte er kalt, ohne den Blick von der Tanzfläche zu nehmen. „Du bist nur ein System mit vorhersehbaren Parametern.“

Er machte einen weiteren Schritt.

Die Musik stockte.

Ein kurzer, fast unmerklicher Fehler im Rhythmus.

Dann noch einer.

Die Lichter flackerten synchron dazu.

Kaiba nickte einmal, kaum sichtbar.

„Gefunden.“

Er hob die Hand – nicht zum Tanzen, sondern wie jemand, der einen finalen Befehl gibt.

Und in diesem Moment änderte sich der Beat nicht mehr.

Er folgte ihm.
 

Für einen Moment war es stiller, als es in einer Disco überhaupt sein sollte.

Seto Kaiba bemerkte es sofort.

Nicht absolute Stille – das wäre unmöglich gewesen – sondern etwas viel irritierenderes: Die Musik hatte sich neu ausgerichtet. Der Rhythmus lief weiter, aber seine Quelle wirkte… unsicher. Als würde das System warten, ob Kaiba den nächsten Zug macht.

Er runzelte die Stirn.

„Das ist keine vollständige Kontrolle“, stellte er nüchtern fest. „Nur eine Prioritätsverschiebung.“

Der DJ oben schwitzte inzwischen. „Ich… ich habe nichts gemacht! Das Setup reagiert von allein!“

Einige Gäste begannen zu filmen. Andere hörten auf zu tanzen, weil sie nicht mehr sicher waren, ob sie noch Teil der Musik oder nur Zuschauer eines seltsamen Experiments waren.

Kaiba hingegen wirkte unbeeindruckt.

Er ging langsam durch die Tanzfläche, und mit jedem Schritt veränderte sich die Dynamik. Kleine Ausweichbewegungen in der Menge. Neue Muster entstanden, starben wieder ab, entstanden erneut – als würde der Raum selbst versuchen, ihn zu verstehen.

„Interessant“, sagte er ruhig. „Es lernt schneller, wenn ich mich bewege.“

Er blieb stehen.

Und dann tat er etwas völlig Unerwartetes.

Er hörte auf, das System zu beeinflussen.

Die Musik sackte kurz ab, als hätte sie ihren Anker verloren. Die Menge schwankte, unsicher, was jetzt passieren sollte.

Kaiba verschränkte die Arme. „Zeig mir deine vollständige Sequenz“, sagte er. „Ohne meine Eingriffe.“

Der Beat stabilisierte sich langsam wieder.

Und diesmal war er anders.

Nicht chaotisch. Nicht angepasst.

Sondern… klar.

Wie eine Einladung.

Die Leute um ihn herum begannen wieder zu tanzen, zögerlich zuerst, dann sicherer. Die Unsicherheit wich einer neuen Energie, als hätte die Disco selbst beschlossen, sich nicht mehr gegen Kaiba zu wehren.

Der DJ atmete auf. „Okay… okay, das ist jetzt wieder normal… glaube ich.“

Kaiba sah sich um.

„Normal ist ein ineffizienter Begriff“, sagte er trocken. „Aber akzeptabel.“

Er machte einen Schritt zurück in die Menge.

Diesmal nicht als Eindringling.

Sondern als Teil des Systems.
 

Die Atmosphäre hatte sich verändert, ohne dass jemand genau sagen konnte, wann.

Seto Kaiba bewegte sich jetzt nicht mehr wie ein Fremdkörper, sondern wie ein Parameter innerhalb eines laufenden Prozesses. Die Musik reagierte weiterhin auf ihn – aber nicht mehr unterwürfig, eher wie ein gleichwertiger Austausch.

Der DJ bemerkte es als Erster.

„Das ist kein Fehler… das ist eine Kopplung“, sagte er fassungslos und sah auf die Pegelanzeigen, die stabil, aber ungewöhnlich lebendig wirkten.

Kaiba stand wieder am Rand der Tanzfläche. Sein Blick war fokussiert, als würde er ein komplexes System analysieren, das sich selbst beschreibt.

„Du hast gelernt, meine Eingaben zu integrieren“, sagte er ruhig. „Dann fehlt nur noch ein letzter Test.“

Er trat zurück in die Mitte.

Diesmal änderte er nicht den Rhythmus.

Er folgte ihm perfekt.

Ein synchroner Ablauf entstand – nicht durch Anpassung der Menge, sondern durch Kaibas eigene Präzision. Jede Bewegung passte exakt in die Lücken des Beats, als hätte er den Code dahinter verstanden und nur noch auszuführen.

Die Menge reagierte darauf instinktiv. Sie verstärkte das Muster, zog sich hinein, baute es aus.

Und plötzlich war die Disco kein chaotischer Raum mehr.

Sie war ein geschlossenes System.

Ein Netzwerk aus Bewegung, Licht und Sound, das sich selbst stabilisierte.

Einige Gäste lachten nervös. Andere tanzten intensiver als zuvor, ohne zu wissen warum.

Kaiba aber blieb vollkommen ruhig.

„Das Ergebnis ist vorhersehbar“, sagte er. „Wenn ein System genügend Struktur erhält, eliminiert es Zufall.“

Der DJ schluckte. „Und… was passiert jetzt?“

Kaiba sah kurz zu ihm hoch.

„Jetzt“, sagte er sachlich, „ist es optimiert.“

Dann machte er eine letzte Bewegung – präzise, minimal, fast wie ein Abschlusszug.

Die Musik blieb nicht stehen.

Sie wurde einfach perfekt.
 

Nach diesem letzten, exakt gesetzten Moment blieb der Beat stabil, als hätte die ganze Anlage endlich verstanden, was von ihr erwartet wurde.

Seto Kaiba blieb noch einen Augenblick stehen, als würde er das Ergebnis einer Simulation prüfen, die er gerade erfolgreich abgeschlossen hatte.

„Akzeptabel“, sagte er schließlich.

Mehr nicht.

Die Lichter flackerten weiter, die Menge tanzte weiter, und doch wirkte es, als hätte die Disco ihn bereits wieder verloren – nicht abrupt, sondern wie ein System, das seinen Hauptprozess entlässt.

Kaiba drehte sich um.

Ohne Eile ging er durch den Ausgang, vorbei an der Bar, vorbei an dem nervös wirkenden DJ, der ihn noch einmal ansah, als wolle er etwas sagen – es aber nicht wagte.

Die Tür schloss sich hinter ihm.

Draußen war die Nacht stiller.

Kein Bass. Kein Flackern. Kein chaotischer Rhythmus. Nur kalte, klare Luft.

Kaiba blieb kurz stehen und zog seinen Mantel zurecht.

„Ein ineffizienter Ort“, murmelte er.

Dann setzte er sich in Bewegung, ohne sich noch einmal umzusehen.

Seto Kaiba hatte den Laptop auf den Knien, obwohl die Sonne brannte und die Wellen ruhig gegen den Strand liefen. Natürlich arbeitete er. Selbst im Urlaub überprüfte er Zahlen, Satellitenpläne und die neuesten Entwicklungen der KaibaCorp-Systeme. Ein paar Meter weiter kreischten Kinder beim Beachvolleyball.

Kaiba verzog genervt das Gesicht. „Unfassbar ineffizient.“

„Dann schau halt nicht hin.“ Die Stimme kam von rechts. Ein Mädchen stand neben seiner Liege, barfuß im Sand, mit einem viel zu großen Strohhut und einer Cola in der Hand. Sie wirkte völlig unbeeindruckt davon, wer vor ihr saß.

Kaiba hob langsam den Blick. „Weißt du überhaupt, mit wem du redest?“

„Mit einem Typen, der aussieht, als würde er gleich einem Volleyball den Krieg erklären.“

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann schnaubte Kaiba leise. Fast ein Lachen.

Das Mädchen setzte sich einfach in den freien Liegestuhl neben ihm, ohne gefragt zu werden. „Du bist doch dieser Kaiba, oder? Der mit den Duel Monsters.“

„Seto Kaiba. CEO von KaibaCorp.“ „Aha.“

Er blinzelte irritiert. Normalerweise reagierten Menschen anders. Ehrfürchtiger. Nervöser.

Sie streckte ihm die Hand hin. „Ich bin Mira.“

Kaiba ignorierte die Hand zunächst. „Und was genau willst du von mir, Mira? Ein Autogramm? Aktien? Einen weißen Drachen mit eiskaltem Blick?“

„Eigentlich nur den Sonnenschirm. Du sitzt genau im Schatten.“ Wieder dieses Grinsen. Kaiba musterte sie genauer. Sie hatte keinerlei Angst vor ihm. Kein aufgesetztes Staunen. Das machte sie… interessant. Widerwillig rückte er den Schirm ein Stück zur Seite.

„Wow“, sagte Mira trocken. „Er kann teilen. Historischer Moment.“

„Pass auf, wie du mit mir redest.“

„Oder was? Du beschwörst einen Drachen?“

Ein Windstoß rauschte über den Strand. In der Ferne donnerte es leicht.

Kaiba lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Das könnte ich vielleicht.“ „Angeber.“ Doch sie lächelte dabei.

Zum ersten Mal seit Tagen klappte Kaiba den Laptop zu.

Mira bemerkte es sofort. „Oh, das ist ernst“, sagte sie und deutete auf den geschlossenen Laptop. „Jetzt habe ich wohl offiziell die globale Wirtschaft lahmgelegt.“

„KaibaCorp bricht nicht zusammen, nur weil ich fünf Minuten Pause mache.“

„Klar. Bestimmt nicht.“

Sie nippte an ihrer Cola und sah hinaus aufs Meer. Für einen Moment wurde es still zwischen ihnen. Nur die Wellen rauschten. Kaiba hasste eigentlich Stille mit Fremden. Komischerweise störte sie ihn diesmal nicht.

„Du bist also wirklich im Urlaub?“, fragte Mira schließlich.

„Mokuba hat mich gezwungen.“

„Dein kleiner Bruder?“

Kaiba nickte knapp. „Er meinte wahrscheinlich, du brauchst ‘normale menschliche Erfahrungen’. Was für eine Zeitverschwendung.“

„Und trotzdem sitzt du hier.“

Er antwortete nicht sofort. Dann: „Mokuba hat das Hotel ausgesucht.“

„Aha. Und was wäre dein perfekter Urlaub?“

„Ein leerer Konferenzraum. Schnelles Internet. Keine Menschen.“

„Traurig.“

„Effizient.“

Mira lachte. Nicht spöttisch. Einfach ehrlich. Kaiba sah sie kurz von der Seite an. Die meisten Menschen lachten über ihn, weil sie eingeschüchtert waren oder sich wichtig machen wollten. Aber bei ihr fühlte es sich anders an. Fast… angenehm. Plötzlich lief ein Schatten über sie hinweg. Ein Junge vielleicht zwölf Jahre alt stand vor Kaiba und hielt nervös ein Duel-Monsters-Deck fest. „Ähm… entschuldigen Sie… S-Sie sind doch Seto Kaiba, oder?“

Da war sie wieder. Diese Reaktion kannte er. Kaiba setzte sofort seinen typischen kalten Blick auf. „Offensichtlich.“

Der Junge schluckte. „Könnten Sie vielleicht… einmal gegen mich duellieren?“

„Nein.“ Die Antwort kam sofort. Der Junge ließ enttäuscht den Kopf hängen.

Mira gab Kaiba einen langen Blick. „Wow.“ „Was?“ „Du hast gerade wahrscheinlich den schlimmsten Tag seines Lebens verursacht.“

„Ich bin nicht hier, um Kinder zu unterhalten.“ Der Junge murmelte ein leises „Schon okay…“ und wollte gehen. Dann seufzte Kaiba plötzlich genervt. „Warte.“ Der Junge drehte sich hoffnungsvoll um.

Kaiba stand langsam auf. „Ein einziges Duell. Fünf Minuten.“ Die Augen des Jungen wurden riesig. „Wirklich?!“ „Aber verschwende nicht meine Zeit.“

Mira grinste breit. „Da ist er ja. Tief, tief da drin besitzt Seto Kaiba tatsächlich sowas wie ein Herz.“

Kaiba warf ihr einen trockenen Blick zu. „Übertreib es nicht.“

Am Rand des Strandes begann bereits eine kleine Menschentraube neugierig näherzukommen. Und irgendwo über dem Meer zog erneut ein fernes Donnern auf. Das Duell dauerte keine fünf Minuten. Eigentlich nicht einmal drei.

„Ich aktiviere die Fallenkarte —“ „Zu langsam.“

Kaiba zog eine Karte mit einer fließenden Bewegung aus seinem Duel Disk. „Ich opfere meinen Drachen und beschwöre den ultimativen Zerstörer.“

Das holografische Licht flammte auf. Der Blue-Eyes White Dragon erschien über dem Strand, gewaltig und strahlend, sodass mehrere Leute stehen blieben und begeistert ihre Handys zückten. Der Junge starrte mit offenem Mund nach oben.

„Angriff.“ Ein einziger Lichtstoß. Das Life-Point-Display des Jungen fiel auf null. Für einen Moment herrschte Stille. Dann sprang der Junge begeistert auf. „Das war SO COOL!“ Kaiba deaktivierte bereits seinen Duel Disk. „Dein Deck ist unkoordiniert. Zu viele Situationskarten. Und deine Strategie bricht zusammen, sobald du unter Druck gerätst.“ Der Junge nickte trotzdem begeistert, als hätte er gerade das größte Kompliment seines Lebens bekommen. „Danke, Kaiba!“ Er rannte glücklich davon, wahrscheinlich um seinen Freunden davon zu erzählen.

Die kleine Menge löste sich langsam wieder auf. Mira stand noch immer neben Kaiba und musterte ihn grinsend. „Du bist unglaublich.“ „Das weiß ich.“

„Nein, ich meine: Du wirkst immer, als würdest du Menschen hassen, und trotzdem erfüllst du kleinen Kindern ihre Träume.“ „Ich habe ihn vernichtet.“ „Aber stilvoll.“ Kaiba schob die Hände in die Hosentaschen. „Schwäche verdient keine Schonung.“ „Und was verdient Stärke?“ Er sah sie kurz an. „Respekt.“ Der Wind spielte mit ihren Haaren.

Mira trat einen Schritt näher. „Weißt du“, sagte sie langsam, „du bist deutlich attraktiver, wenn du nicht so tust, als wärst du ein emotionsloser Firmenroboter.“

Kaiba hob eine Augenbraue. „Attraktiver?“

„Mhm.“ Sie lächelte schief. „Groß. Reich. Dramatische Mantel-Vibes. Und dann noch Drachen.“

„Das ist vermutlich die seltsamste Analyse meiner Person, die ich je gehört habe.“

„Aber keine falsche.“ Mira verschränkte die Arme hinter dem Rücken und beugte sich leicht zu ihm vor. „Vielleicht solltest du mich heute Abend zum Essen einladen.“

Kaiba antwortete sofort: „Nein.“

Sie blinzelte. „…Wow. Direkt.“

„Ich habe kein Interesse an Ablenkungen.“

„Ablenkung? Das kratzt ein bisschen am Ego.“

„Dann solltest du dir ein robusteres Ego zulegen.“

Mira lachte überrascht auf. „Unglaublich. Flirten prallt an dir ab wie Angriffe an deinem Drachen.“

„Weil die meisten Menschen offensichtliche Spielchen spielen.“

„Und wenn ich keine Spielchen spiele?“

Kaiba sah kurz aufs Meer hinaus. Der Himmel wurde dunkler. Das ferne Donnern war näher gekommen. Dann sagte er ruhig: „Dann suchst du dir trotzdem die falsche Person aus.“

Für einen Augenblick verlor Mira ihr Grinsen. Nicht verletzt. Eher nachdenklich. Kaiba nahm seinen Laptop wieder vom Liegestuhl. Das Gespräch war für ihn offenbar beendet. Doch bevor er gehen konnte, sagte Mira leise: „Du wirkst ziemlich einsam für jemanden, der immer gewinnt.“

Kaiba blieb stehen. Nur ganz kurz. Dann ging er weiter, ohne sich umzudrehen. Kaiba lief über den Holzsteg zurück Richtung Hotel, den Laptop unter dem Arm, den Blick starr nach vorn gerichtet. Doch Miras letzter Satz blieb hängen. Du wirkst ziemlich einsam für jemanden, der immer gewinnt. Unsinn. Einsamkeit war etwas für Menschen, die auf andere angewiesen waren. Kaiba brauchte niemanden. Er hatte KaibaCorp aufgebaut, sich aus eigener Kraft an die Spitze gearbeitet und jeden besiegt, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Und trotzdem dachte er noch daran. Das ärgerte ihn mehr als alles andere. Als er die Lobby des Hotels betrat, saß Mokuba bereits auf einem Sofa und spielte auf seinem Tablet. „Da bist du ja!“ Er grinste breit. „Und? Hast du wenigstens einmal versucht, dich wie ein normaler Urlauber zu benehmen?“

„Nein.“

„Seto.“

„Mokuba.“

Mokuba musterte ihn kurz genauer. „…Aber irgendwas ist passiert.“

„Nichts ist passiert.“

„Du hast diesen Blick.“

Kaiba blieb stehen. „Welchen Blick?“

„Den Blick, den du immer hast, wenn dich irgendwer beschäftigt.“

„Mich beschäftigt niemand.“

„Aha.“ Mokuba grinste noch breiter. „War es wenigstens ein hübsches Mädchen?“

Kaiba sah ihn trocken an. „Du solltest weniger schlechte Serien schauen.“

„Das ist ein Ja.“

„Das ist gar nichts.“

Mokuba sprang vom Sofa auf und lief neben seinem Bruder her Richtung Aufzug. „Wie heißt sie?“

„Ich kenne ihren Namen kaum.“

„Das heißt, du kennst ihn immerhin.“

Kaiba drückte den Knopf für das oberste Stockwerk. „Mira.“

Mokuba grinste triumphierend. „Aha!“

„Mach kein Drama daraus.“

„Zu spät.“

Die Aufzugtüren öffneten sich mit einem leisen Klang. Kaiba trat hinein, Mokuba direkt hinter ihm.

„Also“, begann Mokuba unschuldig, „wie ist sie?“

„Nervig.“

„Und?“

Kaiba schwieg kurz. „Respektlos.“

„Und?“

„Sie redet zu viel.“

Mokuba verschränkte die Arme. „Seto, das klingt nicht gerade wie jemand, den du hasst.“

Kaiba warf ihm einen Blick zu. „Seit wann analysierst du Menschen?“

„Seit ich mit dir zusammenlebe.“

Der Aufzug hielt im obersten Stockwerk. Kaiba wollte bereits aussteigen, als Mokuba plötzlich sagte:

„Du solltest sie zum Abendessen einladen.“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil ich keine Zeit für sowas habe.“

„Du bist im Urlaub.“

„Leider.“

Mokuba lachte leise. „Du weißt schon, dass Menschen normalerweise Urlaub machen, um Spaß zu haben?“

„Spaß ist ineffizient.“

„Und trotzdem hast du heute am Strand ein Kind glücklich gemacht.“

Kaiba zog seine Zimmerkarte aus der Tasche. „Das Duell dauerte exakt zwei Minuten und dreiundvierzig Sekunden.“

„Aber du hättest auch einfach Nein sagen können.“

Kaiba öffnete die Tür zum Penthouse. Die riesigen Fenster dahinter zeigten das dunkler werdende Meer. In der Ferne blitzte jetzt deutlich Wetterleuchten auf.

Mokuba blieb im Türrahmen stehen und sah seinen Bruder an. „Sie hat dich getroffen, hm?“

„Unsinn.“

Doch diesmal kam die Antwort einen Tick zu schnell.

Mokuba grinste nur wissend. „Okay.“

Unten am Strand saß Mira inzwischen allein auf ihrer Liege und beobachtete die Wellen.

Der Wind war stärker geworden. Die meisten Leute packten bereits ihre Sachen zusammen, bevor das Gewitter losbrechen konnte.

„Du grinst ja immer noch.“

Mira blickte auf. Eine Hotelangestellte sammelte die leeren Gläser ein und nickte in Richtung Hotel.

„War der Typ wirklich Seto Kaiba?“

„Ja.“

„Und du hast einfach mit ihm geredet?“

„Mhm.“

„Ohne Angst?“

Mira nahm den Strohhut ab und fuhr sich durch die Haare. „Er wirkt ehrlich gesagt anstrengender als gefährlich.“

Die Angestellte lachte überrascht. „Das würde ich ihm niemals ins Gesicht sagen.“

„Ich schon.“

Wieder Donner. Näher diesmal.

Mira sah hinauf zum Hotel. Irgendwo dort oben brannte Licht hinter den großen Fenstern des Penthouses. Seltsam. Eigentlich hätte sie ihn unsympathisch finden müssen. Arrogant, kalt, vollkommen überzeugt von sich selbst.

Und trotzdem…

Er hatte dem Jungen dieses Duell gegeben.

Er hatte seinen Laptop geschlossen.

Und ganz kurz — wirklich nur kurz — hatte er bei ihrem Satz über Einsamkeit ausgesehen, als hätte sie etwas getroffen, das sonst niemand bemerkte.

„Gefährlich“, murmelte Mira leise zu sich selbst.

„Was?“

„Nichts.“

Sie stand auf und nahm ihre Sandalen in die Hand.

Genau in diesem Moment begann der Regen.

Erst einzelne Tropfen.

Dann plötzlich ein richtiger Wolkenbruch.

„Na super—“

Die Menschen am Strand liefen lachend und schreiend Richtung Hotel. Mira wollte gerade losrennen, als ein schwarzer Regenschirm direkt neben ihr aufgespannt wurde.

Sie blinzelte überrascht.

Kaiba stand neben ihr, geschniegelt wie immer, als hätte selbst das Gewitter Angst, seine Kleidung zu zerknittern.

„Du?“

„Offensichtlich.“

Mira grinste sofort wieder. „Verfolgst du mich jetzt?“

„Mokuba war unerträglich.“

„Ahhh. Der kleine Bruder hat dich geschickt.“

„Er schickt mich nicht.“

Der Regen prasselte laut auf den Schirm. Für einen Moment standen sie einfach nebeneinander im Sturmlicht des Strandes.

Dann hielt Kaiba ihr plötzlich etwas hin.

Eine schwarze Karte mit silbernem KaibaCorp-Logo.

Mira nahm sie irritiert entgegen. „…Was ist das?“

„Eine Reservierung.“

„Für?“

„Das Restaurant im obersten Stockwerk.“

Mira sah langsam wieder zu ihm auf.

„Moment mal.“ Ihr Grinsen wurde breiter. „Lädst du mich gerade zum Essen ein?“

Kaiba steckte eine Hand in die Manteltasche.

„Betrachte es nicht als Date.“

„Natürlich nicht.“

„Es ist lediglich—“

„Eine strategische Geschäftsbesprechung?“

„…Akzeptabel.“

Mira lachte auf.

Und zu Kaibas eigenem Ärger stellte er fest, dass er dieses Geräusch inzwischen ziemlich mochte.
 

Mira drehte die schwarze Karte zwischen den Fingern, während sie gemeinsam Richtung Hotel gingen. Der Regen rauschte inzwischen so laut auf den Boden, dass man die Wellen kaum noch hörte.

„Also“, sagte sie grinsend, „wie läuft sowas normalerweise bei dir?“

„Was?“

„Menschen einladen.“

„Das tue ich normalerweise nicht.“

„Oh. Exklusiv. Ich fühle mich geehrt.“

Kaiba ignorierte den Kommentar demonstrativ.

In der Hotellobby blieben mehrere Gäste überrascht stehen, als sie ihn erkannten. Zwei Teenager tuschelten hektisch miteinander. Einer zückte sofort sein Handy.

Kaiba bemerkte es natürlich sofort.

„Wenn in zehn Minuten Bilder von mir im Internet auftauchen“, sagte er trocken, „lasse ich das WLAN des Hotels abschalten.“

„Du würdest ernsthaft wegen ein paar Fotos das komplette WLAN lahmlegen?“

„KaibaCorp besitzt drei Satelliten in diesem Gebiet.“

Mira sah ihn einen Moment lang an.

„Das war jetzt entweder extrem beeindruckend oder extrem besorgniserregend.“

„Beides ist akzeptabel.“

Sie betraten den Aufzug. Die Türen schlossen sich, und plötzlich war es still.

Nur das leise Summen des Aufzugs.

Mira lehnte sich gegen die Spiegelwand und musterte ihn offen.

„Du bist nervös.“

Kaiba sah sie sofort an. „Unsinn.“

„Doch.“

„Ich bin niemals nervös.“

„Seto Kaiba“, sagte sie ruhig, „du hast vorhin gegen holografische Drachen gekämpft, ohne zu blinzeln. Aber mit normaler Unterhaltung hast du Schwierigkeiten.“

Sein Blick verengte sich leicht. „Du analysierst zu viel.“

„Und du weichst aus.“

Der Aufzug hielt.

Die Türen öffneten sich direkt zum obersten Stockwerk.

Das Restaurant war fast leer. Gedämpftes Licht spiegelte sich in den Fenstern, draußen zuckte fernes Gewitter über dem Meer. Ganz hinten spielte leise Klaviermusik.

Der Kellner erstarrte beinahe, als er Kaiba erkannte. „M-Mister Kaiba— wir hatten nicht erwartet—“

„Die Reservierung.“

„Natürlich! Sofort!“

Mira beobachtete die Szene belustigt. „Die Leute reagieren auf dich, als wärst du entweder ein König oder ein Naturereignis.“

„Der Unterschied ist gering.“

Sie mussten nicht einmal bestellen. Kaiba nannte lediglich ein paar kurze Anweisungen, und der Kellner verschwand beinahe panisch Richtung Küche.

Mira hob eine Augenbraue. „Du kommst oft hierher?“

„Nein.“

„Und trotzdem kennen sie dich.“

„Menschen informieren sich über wichtige Personen.“

„Du klingst wirklich wie dein eigener Pressesprecher.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Selbstvertrauen irritiert viele Menschen.“

„Das hier ist weit über Selbstvertrauen hinaus.“

„Und trotzdem sitzt du noch hier.“

Mira lächelte leicht.

„Ja.“

Wieder entstand diese seltsame Ruhe zwischen ihnen. Keine unangenehme Stille. Eher etwas Vorsichtiges.

Dann fragte Mira plötzlich: „Warst du eigentlich jemals wirklich glücklich?“

Kaiba antwortete nicht sofort.

Draußen blitzte es hell über dem Meer.

„Das ist eine seltsame Frage für ein Abendessen.“

„Du weichst schon wieder aus.“

Er lehnte sich langsam zurück.

„Glück ist instabil.“

„Das klingt unglaublich deprimierend.“

„Das klingt realistisch.“

Mira betrachtete ihn aufmerksam. Diesmal ohne Grinsen.

„Wer hat dir beigebracht, so zu denken?“

Kaibas Blick wurde kühler.

Da war sie.

Diese Grenze.

„Gefährliches Thema.“

„Warum?“

„Weil Menschen anfangen zu glauben, sie würden mich verstehen.“

„Und das magst du nicht.“

„Die meisten liegen falsch.“

Das Essen wurde gebracht. Perfekt angerichtet, viel zu elegant für ein improvisiertes Abendessen im Urlaub.

Der Kellner verschwand sofort wieder.

Mira nahm die Gabel in die Hand, beobachtete Kaiba aber weiter.

„Du bist ständig auf Verteidigung.“

„Unsinn.“

„Doch. Du behandelst Gespräche wie Duelle.“

„Gespräche sind Duelle.“

„Nein“, sagte sie ruhig. „Nicht mit den richtigen Menschen.“

Für einen Moment sagte Kaiba nichts.

Dann, ganz plötzlich:

„Mein Stiefvater.“

Mira blinzelte überrascht.

Er sah weiterhin aus dem Fenster, während der Regen gegen die Scheiben schlug.

„Er hat mir beigebracht, dass Schwäche benutzt wird.“ Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig. „Dass man entweder gewinnt oder kontrolliert wird.“

Mira sagte nichts.

Kaiba sprach normalerweise nicht darüber. Eigentlich sprach er fast nie darüber.

„Und deshalb musst du immer der Stärkste sein“, sagte sie leise.

„Deshalb verliere ich nicht.“

Sie hielt seinem Blick stand.

„Das ist nicht dasselbe.“

Etwas flackerte kurz in seinen Augen. Ärger vielleicht. Oder Unsicherheit.

Wahrscheinlich beides.

Dann lehnte Mira sich langsam vor.

„Weißt du, was ich glaube?“

Kaiba schwieg.

„Ich glaube, du bist seit Jahren müde.“

Das traf härter als alles davor.

Nicht sichtbar.

Nicht äußerlich.

Aber plötzlich war da diese seltene, gefährliche Stille in ihm.

Die Art Stille, die entstand, wenn jemand einen Punkt traf, den man selbst zu lange ignoriert hatte.

Kaiba senkte langsam den Blick auf sein Glas.

Und zum ersten Mal an diesem Abend hatte Mira das Gefühl, nicht mit dem CEO von KaibaCorp zu sprechen.

Sondern einfach mit Seto.
 

Kaiba stellte das Glas mit einem leisen Klacken ab. „Du interpretierst zu viel in ein Abendessen hinein.“

Mira lehnte sich zurück. „Aha.“

„Menschen haben die unangenehme Angewohnheit, aus ein paar Sätzen sofort psychologische Profile erstellen zu wollen.“

„Und du hast die unangenehme Angewohnheit, jede ehrliche Frage wie einen Angriff zu behandeln.“

„Weil die meisten Fragen Zeitverschwendung sind.“

Mira schmunzelte leicht. „Da ist er wieder.“

Kaiba hob eine Augenbraue. „Wer?“

„Der Kaiba aus dem Fernsehen. Der, der aussieht, als würde er morgens erst mal drei Leute feuern, bevor er frühstückt.“

„Wenn Menschen inkompetent sind, ist das nicht mein Problem.“

„Unglaublich charmant.“

„Charmant sein ist ebenfalls ineffizient.“

Der Kellner näherte sich vorsichtig mit einer weiteren Flasche Wasser. Kaiba musste ihn nur kurz ansehen, und der Mann wirkte sofort nervös genug, beinahe das Glas fallen zu lassen.

„Entspann dich“, sagte Mira trocken zum Kellner. „Er frisst normalerweise keine Menschen.“

„Normalerweise?“ fragte Kaiba kühl.

„Kommt auf die Quartalszahlen an.“

Für einen Sekundenbruchteil zuckte tatsächlich ein amüsiertes Schnauben über sein Gesicht, bevor seine übliche Arroganz sofort zurückkehrte.

Mira bemerkte es trotzdem.

Natürlich bemerkte sie es.

„Da war ein Lächeln.“

„Nein.“

„Doch.“

„Du halluzinierst.“

„Ich habe es gesehen.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Dann solltest du dringend einen Augenarzt aufsuchen.“

Mira lachte leise und nahm einen Schluck Wasser.

Draußen erhellte ein Blitz das Meer. Das Gewitter war inzwischen direkt über dem Hotel.

„Also“, sagte sie schließlich, „wenn du Menschen so anstrengend findest — warum hast du mich dann überhaupt eingeladen?“

„Mokuba.“

„Lüge.“

Kaibas Blick wanderte langsam zu ihr zurück. „Was hast du gesagt?“

„Du hättest deinem Bruder einfach nein sagen können.“

„Ich könnte vielen Menschen nein sagen. Das bedeutet nichts.“

„Mhm.“

„Du hältst dich für ziemlich clever, oder?“

„Reicht offenbar, um mit dir mitzuhalten.“

„Kaum.“

Mira grinste nur wieder.

Es irritierte Kaiba zunehmend, wie wenig sie sich von ihm einschüchtern ließ. Normalerweise brauchte es nur einen Blick, damit Menschen nervös wurden oder versuchten, ihm alles recht zu machen.

Mira dagegen wirkte eher… unterhalten.

Und das war gefährlich.

Nicht für ihn natürlich.

Das wäre lächerlich.

Aber unbequem.

Sehr unbequem.

„Du analysierst mich die ganze Zeit“, stellte er fest.

„Und du analysierst jeden Raum, sobald du ihn betrittst.“

„Das nennt man Aufmerksamkeit.“

„Das nennt man Kontrollzwang.“

„Kontrolle verhindert Chaos.“

„Nicht alles muss kontrolliert werden.“

Kaiba lehnte sich zurück und sah sie mit dieser typischen, kühlen Überheblichkeit an. „Menschen sagen sowas meistens kurz bevor alles explodiert.“

„Wow.“

„Ich habe selten Unrecht.“

„Du bist wirklich überzeugt davon, dass du immer der Klügste im Raum bist.“

„Weil ich es meistens bin.“

Mira schüttelte lachend den Kopf. „Das ist absurd attraktiv und gleichzeitig unglaublich nervig.“

„Dann solltest du vielleicht aufhören, mich attraktiv zu nennen.“

„Machst du’s mir leicht?“

„Nein.“

„Stimmt.“

Wieder dieses kurze Schweigen.

Der Regen trommelte gegen die Fensterscheiben, während unten die Lichter der Strandpromenade verschwammen.

Dann vibrierte plötzlich Kaibas Handy auf dem Tisch.

Ein einziger Blick auf das Display genügte.

Sein Gesichtsausdruck wurde sofort kälter.

Geschäftlich.

„Problem?“ fragte Mira.

Kaiba nahm das Handy in die Hand. „KaibaCorp.“

„Natürlich.“

Er stand bereits halb auf.

„Du musst rangehen, oder?“

„Offensichtlich.“

„Mitten im Essen.“

„Die Welt funktioniert überraschenderweise nicht nach Urlaubsplänen.“

Mira beobachtete ihn kurz.

„Du könntest es ignorieren.“

Kaiba sah sie an, als hätte sie vorgeschlagen, einen Satelliten mit einem Toaster zu reparieren.

„Nein.“

Er nahm den Anruf an und ging einige Schritte Richtung Fenster.

„Sprecht.“

Selbst seine Stimme klang sofort anders. Schärfer. Dominanter.

Mira konnte nur einzelne Satzfetzen hören.

„…inakzeptabel…“

„…dann ersetzen Sie das gesamte Team…“

„…wenn das System morgen nicht läuft, brauchen Sie Montag gar nicht mehr erscheinen.“

Sie verzog leicht das Gesicht.

Hart.

Sehr hart.

Aber gleichzeitig wirkte Kaiba dabei vollkommen in seinem Element. Sicher. Kontrolliert. Unnahbar.

Als er den Anruf beendete, blieb er noch einen Moment am Fenster stehen.

„Du hast gerade wahrscheinlich drei Menschen gleichzeitig Angstzustände verpasst“, meinte Mira.

„Dann arbeiten sie morgen vielleicht schneller.“

„Du bist unmöglich.“

„Und trotzdem sitzt du noch hier.“

Diesmal antwortete sie nicht sofort.

Kaiba drehte sich langsam wieder zu ihr um.

Arrogant. Kühl. Vollständig unter Kontrolle.

Genau so, wie Seto Kaiba immer war.

Und trotzdem fragte er nach einer kurzen Pause:

„Bestellst du Dessert oder verschwenden wir beide weiterhin gegenseitig unsere Zeit?“
 

Mira starrte ihn einen Moment lang an.

Dann musste sie lachen.

„Das war mit Abstand die unromantischste Art, jemanden nach Dessert zu fragen.“

„Gut.“

„Du gibst dir wirklich Mühe, jede Form von Charme aktiv zu vermeiden.“

Kaiba setzte sich wieder. „Charmante Menschen wollen normalerweise etwas.“

„Und du willst nie etwas?“

„Doch.“ Er nahm einen Schluck Wasser. „Kompetenz.“

„Schwierig am Strand zu finden.“

„Offensichtlich.“

Der Kellner erschien erneut wie aus dem Nichts. „Möchten Sie die Dessertkarte, Mister Kaiba?“

„Nein.“

Mira hob sofort eine Hand. „Doch.“

Der Kellner erstarrte zwischen ihnen wie jemand, der versehentlich in eine Schießerei geraten war.

Kaiba sah sie trocken an. „Du brauchst Zucker wirklich nicht noch zusätzlich.“

„Und du brauchst dringend menschliche Freude.“

„Ich habe Freude.“

„Wirklich? Woran denn?“

„Gewinnen.“

„Das überrascht mich jetzt total.“

Der Kellner stand immer noch unsicher daneben.

Mira nahm ihm schließlich selbst die Karte ab. „Danke. Keine Sorge, ich rette Sie hier raus.“

Der arme Mann wirkte ehrlich erleichtert, als er verschwand.

Kaiba beobachtete sie einen Moment.

„Du redest mit Angestellten seltsam freundlich.“

„Das nennt man Höflichkeit.“

„Nein. Das nennt man unnötige emotionale Energie.“

„Seto, du klingst manchmal wie ein Alien, das menschliches Verhalten nur aus Dokumentationen kennt.“

„Und trotzdem verstehst du mich offenbar ausgezeichnet.“

„Leider ja.“

Sie überflog die Dessertkarte. „Okay. Riesige wichtige Frage.“

„Ich bezweifle das.“

„Wenn du ein Duel-Monsters-Monster als Dessert wärst — welches wärst du?“

Kaiba sah sie mehrere Sekunden lang einfach nur an.

„Das ist die dümmste Frage, die mir je gestellt wurde.“

„Antwort.“

„Nein.“

„Feigling.“

„Blue-Eyes White Dragon.“

Die Antwort kam sofort.

Mira grinste triumphierend. „WUSSTE ICH ES.“

„Es war eine offensichtliche Frage.“

„Und warum?“

Kaiba lehnte sich zurück, vollkommen ernst.

„Überlegen. Ikonisch. Unschlagbar.“

„Bescheiden wie immer.“

„Bescheidenheit ist für Menschen ohne Erfolge.“

Mira lachte wieder in sich hinein. Dieses leise, ehrliche Lachen, das Kaiba inzwischen viel zu deutlich wahrnahm.

Zu deutlich.

Das war problematisch.

„Und du?“ fragte er schließlich.

Sie blinzelte überrascht. „Oh? Du stellst freiwillig Fragen? Historischer Moment.“

„Übertreib es nicht.“

„Hm…“ Sie dachte kurz nach. „Vielleicht Kuriboh.“

Kaiba sah sie fassungslos an.

„Kuriboh.“

„Ja.“

„Dieses kleine Fellwesen.“

„Exakt.“

„Warum.“

Mira grinste breit. „Weil jeder denkt, es wäre harmlos, und dann überlebt es irgendwie alles.“

Kaiba schnaubte leise.

Fast wieder ein Lachen.

Fast.

Draußen krachte plötzlich ein extrem lauter Donner direkt über dem Hotel. Für einen kurzen Moment flackerte sogar das Licht.

Mehrere Gäste erschraken.

Kaiba hob genervt den Blick zur Decke.

„Wenn dieses Hotel kein ordentliches Notstromsystem besitzt, kaufe ich es morgen und feuere die gesamte Technikabteilung.“

„Natürlich würdest du das.“

Im selben Moment ging tatsächlich das Licht aus.

Komplette Dunkelheit.

Im Restaurant hörte man vereinzeltes überrasches Raunen.

Dann sprang die Notbeleuchtung an — schwach golden, gedimmt, fast schon gemütlich.

Mira sah sich um.

„Oh nein.“

Kaiba verzog die Stirn. „Was.“

„Das ist gefährlich.“

„Ein Stromausfall?“

„Nein.“ Sie deutete auf das warme Licht, den Regen hinter den Fenstern und die ruhige Klaviermusik, die tatsächlich immer noch spielte. „Das hier sieht plötzlich viel zu sehr nach einem Date aus.“

Kaiba antwortete ohne jede Regung:

„Dann solltest du dringend deine Standards überdenken.“

„Autsch.“

„Fakten.“

Sie schüttelte grinsend den Kopf.

Doch bevor sie etwas erwidern konnte, kam plötzlich hektische Bewegung aus Richtung Eingang.

Ein Hotelmitarbeiter eilte zum Restaurantmanager und flüsterte ihm etwas zu. Der Mann wurde sofort blass.

Kaiba bemerkte es natürlich direkt.

„Problem?“ fragte er kühl.

Der Manager zögerte. „Es… es gibt Schwierigkeiten mit dem Hauptsystem des Hotels, Mister Kaiba. Das Gewitter hat offenbar Teile der Steuerung beschädigt.“

„Peinlich.“

„Wir versuchen bereits—“

„Versuchen ist bedeutungslos, wenn Sie offensichtlich scheitern.“

Mira warf ihm einen Seitenblick zu. „Du genießt das gerade ein bisschen, oder?“

„Inkompetenz bestätigt meine Erwartungen.“

Der Manager räusperte sich nervös. „Die oberen Stockwerke könnten zeitweise ohne Strom bleiben—“

Kaiba stand bereits auf.

„Zeigen Sie mir den Serverraum.“

Mira blinzelte überrascht. „Moment. Du willst das ernsthaft selbst reparieren?“

Kaiba nahm sein Jackett vom Stuhl.

„Wenn ich zulasse, dass Amateure weiter daran herumarbeiten, sitzen wir morgen noch im Dunkeln.“

„Seto.“

„Was.“

Sie grinste leicht.

„Das ist mit Abstand die heißeste Nerd-Aktion, die ich je gesehen habe.“

Kaiba hielt kurz inne.

Nur eine Sekunde.

Dann sah er sie mit perfekter Arroganz an.

„Natürlich ist sie das.“
 

Der Serverraum des Hotels lag zwei Stockwerke tiefer.

Schon auf dem Weg dorthin herrschte Chaos. Mitarbeiter liefen mit Taschenlampen durch die Flure, irgendwo piepte ein Alarmsystem ununterbrochen, und mehrere Gäste beschwerten sich lautstark an der Rezeption.

Kaiba ignorierte alles.

„Wo genau liegt das Problem?“ fragte er scharf, während der Hotelmanager neben ihm beinahe joggen musste, um mitzuhalten.

„D-Die Steuerung des internen Netzwerks reagiert nicht mehr und ein Teil des Sicherheitssystems—“

„Wer hat das System installiert?“

„Eine externe Firma—“

„Fehler Nummer eins.“

Mira lief einige Schritte dahinter und beobachtete das Ganze mit sichtlicher Belustigung.

„Du klingst, als würdest du gleich das Hotel übernehmen.“

„Wenn ich das täte, wäre es wenigstens funktional.“

Sie erreichten schließlich den Technikbereich. Mehrere Techniker standen hektisch vor geöffneten Serverracks, auf den Bildschirmen blinkten Fehlermeldungen.

Kaiba blieb abrupt stehen.

Dann sah er sich einmal kurz um.

Und sofort änderte sich die Atmosphäre im Raum.

Nicht wegen seines Namens.

Sondern wegen seiner Präsenz.

Selbst Mira bemerkte das.

Kaiba wirkte plötzlich vollkommen in seinem Element — kalt, dominant, absolut sicher.

„Alle einen Schritt zurück“, sagte er ruhig.

Niemand diskutierte.

Ein Techniker trat nervös beiseite. „Das Überspannungssystem hat die Netzwerksteuerung beschädigt und wir—“

„Nein.“ Kaiba warf nur einen Blick auf den Monitor. „Eure Priorisierung ist falsch.“

Der Mann blinzelte. „Wie bitte?“

Kaiba deutete auf mehrere Anzeigen gleichzeitig.

„Ihr versucht erst die Komfortsysteme hochzufahren. Fahrstühle, Lichtsteuerung, Gästeservices.“ Sein Blick wurde schärfer. „Das Kernsystem ist instabil. Stabilisiert zuerst die Hauptserver oder ihr verursacht eine Rückkopplung und legt euch den Rest ebenfalls lahm.“

Stille.

Dann sagte einer der Techniker langsam:

„…Oh.“

Mira verschränkte die Arme und grinste leicht. „Oh nein.“

Kaiba warf ihr einen kurzen Blick zu. „Was.“

„Du bist gerade wirklich attraktiv kompetent.“

„Das ist kein Satz.“

„Doch.“

Kaiba wandte sich bereits wieder den Monitoren zu.

„Trennt Sektor drei vom Hauptnetz.“

„Aber dann fällt die halbe Etage aus—“

„Und wenn ihr es nicht tut, fällt das gesamte System aus. Entscheidet euch.“

Sofort begann hektische Bewegung.

Mira lehnte sich gegen die Wand und beobachtete ihn.

Es war irgendwie unfair.

Am Strand wirkte er wie ein arrogantes Naturphänomen in Designerkleidung.

Hier unten dagegen kontrollierte er einen Raum voller gestresster Techniker allein durch seine Stimme.

Und er wusste genau, dass er der Klügste hier war.

Leider offenbar zurecht.

„Mira.“

Sie blinzelte überrascht auf.

Kaiba sah nicht einmal zu ihr hin.

„Die Taschenlampe.“

„…Du gibst mir Aufgaben?“

„Sei nützlich oder steh wenigstens nicht im Weg.“

Sie grinste sofort wieder und reichte ihm die Lampe.

„Wow. Jetzt sind wir praktisch Kollegen.“

„Ein absurder Gedanke.“

Kaiba beugte sich über ein geöffnetes Systemmodul. Seine Ärmel waren leicht hochgeschoben, die Konzentration vollkommen messerscharf.

Der Hotelmanager stand daneben wie jemand, der gerade einem Raubtier beim Arbeiten zusah.

Nach wenigen Minuten flackerten plötzlich mehrere Monitore gleichzeitig wieder stabil auf.

Einer der Techniker riss überrascht die Augen auf.

„Das Hauptsystem läuft wieder!“

Kurz darauf sprang auch das Licht im Raum vollständig an.

Erleichtertes Aufatmen ging durch den Serverraum.

Kaiba dagegen richtete sich nur auf, als wäre das Ganze kaum der Rede wert.

„Die Firewall eures Hotels ist lächerlich schwach“, sagte er trocken. „Und euer Backup-System stammt technologisch gefühlt aus der Steinzeit.“

Der Manager nickte hektisch. „Natürlich, Mister Kaiba. Wir werden sofort—“

„Ihr werdet morgen eine neue Sicherheitsarchitektur von KaibaCorp erhalten.“

Der Mann sah aus, als hätte man ihm gerade eine göttliche Erscheinung angekündigt.

„Wirklich?!“

„Betrachtet es als Schadensbegrenzung.“

Mira starrte Kaiba einen Moment lang an.

„Du kannst echt nicht anders, oder?“

„Womit.“

„Selbst mitten im Urlaub gründest du praktisch nebenbei neue Geschäftsbeziehungen.“

„Wenn Menschen zufällig auf meine Kompetenz angewiesen sind, ist das nicht meine Schuld.“

Sie lachte leise.

Kaiba nahm bereits wieder sein Jackett.

„Das Problem ist gelöst.“

„Natürlich ist es das“, meinte Mira trocken. „Seto Kaiba besiegt erneut die gefährliche Bedrohung durch schlechte Hoteltechnik.“

„Eine ernstzunehmendere Herausforderung als die meisten Duellanten.“

Die Techniker sahen ihn an, als hätte er gerade persönlich den Strom erfunden.

Mira trat neben ihn.

„Weißt du“, sagte sie langsam, „ich glaube langsam, dein Ego könnte tatsächlich gerechtfertigt sein.“

Kaiba sah sie mit dieser typischen Überheblichkeit an.

„Langsam?“
 

Mira verdrehte lachend die Augen.

„Und da ruinierst du den Moment sofort wieder.“

„Welchen Moment?“

„Den, in dem ich beinahe beeindruckt war.“

„Beinahe?“

Kaiba zog eine Augenbraue hoch, als wäre allein dieses Wort beleidigend.

Der Hotelmanager eilte erneut zu ihnen. „Mister Kaiba, wir können Ihnen gar nicht genug danken. Das Hotel würde Ihnen gern—“

„Nicht nötig.“

„Aber wenigstens—“

„Schicken Sie die Rechnung der beschädigten Systeme an die Firma, die diese Katastrophe installiert hat.“

Der Mann nickte sofort hektisch. „Natürlich.“

Kaiba ging bereits Richtung Tür, als der Manager noch hinterherrief:

„Das Penthouse-Menü geht selbstverständlich aufs Haus!“

Kaiba hob nicht einmal den Blick.

„Das wäre ohnehin passiert.“

Mira biss sich sichtbar auf die Lippe, um nicht laut loszulachen.

Sobald sie wieder allein im Flur waren, schüttelte sie den Kopf.

„Du bist unfassbar.“

„Korrekt.“

„Du hast gerade ein komplettes Hotel gerettet und schaffst es trotzdem irgendwie arrogant dabei zu wirken.“

„Weil Kompetenz keine Bescheidenheit benötigt.“

Sie gingen nebeneinander Richtung Aufzug. Das Hotel war inzwischen wieder hell erleuchtet, doch draußen donnerte es weiterhin über dem Meer.

Als sich die Aufzugtüren öffneten, stand drinnen bereits Mokuba.

Und grinste sofort breit.

„Oho.“

Kaiba schloss kurz die Augen.

„Nein.“

„Doch.“

Mokuba deutete zwischen ihnen hin und her. „Ihr wart zusammen weg. Im Hotel herrscht Chaos. Und jetzt kommt ihr gemeinsam aus dem Technikbereich.“ Er sah begeistert zu Mira. „Hat er den Strom repariert?“

„Natürlich hat er das“, sagte Mira trocken. „Ich glaube langsam, er bekommt körperliche Schmerzen, wenn irgendwo ineffiziente Technik existiert.“

„Das stimmt wahrscheinlich sogar“, meinte Mokuba fröhlich.

Kaiba trat in den Aufzug. „Mokuba.“

„Seto.“

„Keine Kommentare.“

„Zu spät.“

Die Türen schlossen sich.

Mokuba lehnte sich grinsend gegen die Wand. „Alsoooo… wie läuft euer absolut-nicht-romantisches Abendessen?“

„Katastrophal“, antwortete Kaiba sofort.

„Er log“, sagte Mira im selben Moment.

Mokuba lachte laut auf. „Oh, ich mag sie.“

„Du magst jeden“, murmelte Kaiba.

„Nicht jeden. Nur Menschen, die dir widersprechen.“

„Dann solltest du dringend deine Standards senken.“

Mira grinste leicht. „Zu spät dafür.“

Der Aufzug hielt im Penthouse-Stockwerk.

Als sie ausstiegen, blieb Mokuba plötzlich stehen.

„Oh.“ Sein Blick wanderte zum Fenster am Ende des Flurs. „Das Gewitter sieht echt heftig aus.“

Ein weiterer Blitz zuckte über den Himmel.

Fast unmittelbar danach krachte Donner durch das Gebäude.

Und im nächsten Moment flackerte das Licht erneut.

Kaiba blieb sofort stehen.

„Das ergibt keinen Sinn.“

„Was?“ fragte Mira.

„Das System hätte stabil bleiben müssen.“

Noch bevor jemand reagieren konnte, ging diesmal das gesamte Stockwerk in Dunkelheit über.

Nicht einmal die Notbeleuchtung sprang an.

Stille.

Dann hörte man irgendwo entfernt Alarmanlagen anspringen.

Mokuba verzog das Gesicht. „…Okay, das ist neu.“

Kaiba wirkte plötzlich extrem wachsam.

„Das war kein normaler Ausfall.“

Mira konnte ihn kaum erkennen, nur seine Silhouette im dunklen Flur.

„Seto?“

Er antwortete nicht sofort.

Dann zog er langsam etwas aus seiner Manteltasche.

Ein kleines silbernes Gerät blinkte schwach blau auf.

Mokuba sah es sofort. „Du hast ernsthaft immer einen Notfallscanner dabei?“

„Offensichtlich.“

„Das ist gleichzeitig genial und besorgniserregend.“

Kaiba ignorierte ihn vollkommen. Sein Blick lag konzentriert auf dem Display.

Dann wurden seine Augen schmal.

„Interessant.“

„Was?“ fragte Mira.

Er hob langsam den Blick.

Und zum ersten Mal an diesem Abend klang seine Stimme nicht gelangweilt oder arrogant.

Sondern gefährlich ruhig.

„Jemand hat das System absichtlich abgeschaltet.“
 

„Wie bitte?“ fragte Mira sofort.

Kaiba sah erneut auf das blinkende Display seines Geräts.

„Der Stromausfall im Restaurant war echt. Das hier nicht.“ Seine Stimme blieb kühl. Kontrolliert. „Jemand hat sich nach der Wiederherstellung ins Hotelsystem eingeklinkt.“

Mokuba trat näher. „Ein Hacker?“

„Amateurhaft, aber ja.“

Mira verschränkte die Arme. „Okay, das klingt plötzlich deutlich mehr nach einem Actionfilm.“

Kaiba ignorierte den Kommentar bereits vollständig. Man konnte förmlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete.

Analysierte.

Berechnete.

„Die Sicherheitsprotokolle dieses Hotels sind wertlos“, sagte er trocken. „Selbst ein durchschnittlicher KaibaCorp-Praktikant hätte mehr Widerstand geleistet.“

„Das ist jetzt wirklich nicht der wichtigste Teil.“

„Doch.“

Im dunklen Flur blitzte erneut das kleine blaue Licht seines Geräts auf.

Dann plötzlich—

Ein metallisches Klicken.

Alle drei sahen gleichzeitig ans Ende des Flurs.

Eine Tür war aufgegangen.

Zwei Hotel-Sicherheitskräfte kamen hektisch heraus.

„Mister Kaiba!“ rief einer sofort. „Wir haben Probleme im Kontrollzentrum. Die Systeme reagieren komplett chaotisch und jemand hat sämtliche Kameras deaktiviert—“

„Natürlich hat er das.“

Kaiba ging bereits an ihnen vorbei.

„Seto“, sagte Mokuba sofort, „warte mal. Vielleicht sollten wir erst—“

„Nein.“

„Du weißt nicht mal, wer das ist.“

Kaiba warf ihm einen kurzen Blick zu.

Und grinste kalt.

„Dann wird das hier wenigstens minimal interessant.“

Mira starrte ihn an. „Du freust dich darüber gerade ein bisschen.“

„Wenn jemand glaubt, er könne ein System manipulieren, während ich im selben Gebäude bin, ist das entweder mutig oder dumm.“

„Oder beides.“

„Meistens beides.“

Die Sicherheitskräfte führten sie durch mehrere dunkle Korridore Richtung Kontrollzentrum. Unterwegs flackerten einzelne Lampen immer wieder an und aus.

Mira bemerkte dabei etwas Seltsames.

Kaiba wirkte kein bisschen angespannt.

Im Gegenteil.

Je chaotischer alles wurde, desto ruhiger schien er zu werden.

Fast so, als wäre genau das seine Komfortzone.

„Du genießt Krisen wirklich, hm?“ fragte sie leise.

„Krisen sind einfach Situationen, in denen inkompetente Menschen aussortiert werden.“

„Das ist eine leicht beängstigende Lebensphilosophie.“

„Und trotzdem effektiv.“

Sie erreichten schließlich das Kontrollzentrum.

Mehrere Monitore flackerten wild. Warnmeldungen liefen über die Bildschirme, Türen im Hotel öffneten und schlossen sich automatisch, irgendwo piepte ununterbrochen ein Alarm.

Kaiba trat in den Raum, sah sich exakt drei Sekunden um und sagte dann:

„Das ist lächerlich.“

Ein Techniker blickte erschöpft auf. „Wir verlieren ständig Zugriff auf die Steuerung. Jemand überschreibt unsere Befehle schneller, als wir reagieren können.“

Kaiba trat direkt an die Hauptkonsole.

„Zur Seite.“

Der Mann machte sofort Platz.

Mira beobachtete, wie Kaibas Finger über die Tastatur glitten.

Schnell.

Präzise.

Fast aggressiv.

Codezeilen erschienen auf mehreren Bildschirmen gleichzeitig.

„Oh wow“, murmelte sie. „Jetzt sieht er wirklich aus wie ein Filmschurke.“

„Ich habe dich gehört.“

„Gut.“

Mokuba trat neben sie und grinste leicht. „Er liebt sowas.“

„Das merkt man.“

„Seto wird nie glücklicher aussehen als beim Besiegen irgendeines idiotischen Hackers.“

„Ich sehe nicht glücklich aus.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Kaiba ignorierte sie beide demonstrativ.

Plötzlich stoppte er mitten in der Bewegung.

Sein Blick wurde schärfer.

„…Interessant.“

Mira verschränkte die Arme. „Ich habe langsam Angst vor diesem Wort.“

„Jemand benutzt alte KaibaCorp-Protokolle.“

Mokubas Grinsen verschwand sofort. „Was?“

Jetzt wurde es still im Raum.

Kaiba lehnte sich langsam zurück.

„Diese Zugriffsmuster stammen aus einem internen System, das seit Jahren nicht mehr existiert.“

„Kann das jemand von KaibaCorp sein?“ fragte Mira.

„Unwahrscheinlich.“

„Aber möglich?“

Kaiba antwortete nicht sofort.

Und genau dieses Schweigen war Antwort genug.

Ein weiterer Alarm sprang an.

Auf einem der Monitore erschien plötzlich eine einzelne Nachricht.

SCHÖN, DICH WIEDERZUSEHEN, KAIBA.

Mokuba erstarrte.

Mira sah sofort zu ihm. „Ihr kennt die Person.“

Kaibas Blick blieb eiskalt auf dem Bildschirm.

Dann sagte er ruhig:

„Leider ja.“
 

Im Kontrollraum wurde es schlagartig still.

Nur das monotone Piepen der Systeme war noch zu hören.

Mira sah zwischen den Brüdern hin und her. Mokubas Gesichtsausdruck hatte sich komplett verändert. Das lockere Grinsen war verschwunden.

Kaiba dagegen wirkte noch kontrollierter als sonst.

Was wahrscheinlich kein gutes Zeichen war.

Auf dem Monitor blinkte die Nachricht weiterhin.

SCHÖN, DICH WIEDERZUSEHEN, KAIBA.

Dann erschien eine zweite Zeile.

DU BIST LANGSAM GEWORDEN.

Kaibas Augen verengten sich minimal.

„Oh, jetzt ist es persönlich“, murmelte Mira.

„Bleib hier“, sagte Kaiba sofort.

Sie blinzelte. „Entschuldigung?“

„Das betrifft dich nicht.“

„Zu spät dafür.“

Kaiba ignorierte den Einwand und tippte bereits weiter. Mehrere Fenster öffneten sich gleichzeitig auf den Bildschirmen.

„Seto“, sagte Mokuba leiser, „glaubst du wirklich, dass er es ist?“

„Nein.“

Mokubas Schultern entspannten sich minimal.

Dann ergänzte Kaiba kühl:

„Der echte Noah hätte subtiler gearbeitet.“

Mira hob eine Augenbraue. „Okay. Wer zur Hölle ist Noah?“

Kaiba antwortete nicht sofort.

Natürlich nicht.

Stattdessen erschien plötzlich wieder Text auf dem Monitor.

ICH DACHTE, DU WÜRDEST MICH SCHNELLER ERKENNEN.

„Das ist creepy“, stellte Mira fest.

„Das ist amateurhaft“, korrigierte Kaiba.

Er stand abrupt auf.

„Die Signale kommen nicht von außerhalb.“

Einer der Techniker sah verwirrt auf. „Was bedeutet das?“

„Dass unser Möchtegern-Hacker im Hotel ist.“

Kurze Stille.

Dann sagte Mira langsam:

„…Okay, jetzt sind wir offiziell in einem Thriller.“

Mokuba trat näher zu seinem Bruder. „Seto, vielleicht sollten wir die Polizei—“

„Nein.“

„Warum nicht?“

Kaiba verschränkte die Arme. „Weil ich keine Lust habe, drei Stunden lang inkompetenten Ermittlern erklären zu müssen, wie ein Netzwerk funktioniert.“

„Natürlich.“

Mira rieb sich über die Stirn. „Du bist unmöglich ruhig dafür, dass wir gerade eventuell von einem verrückten Hacker gestalkt werden.“

„Wenn jemand Aufmerksamkeit will, macht man nicht den Fehler, sie ihm zu geben.“

Im selben Moment flackerten alle Monitore gleichzeitig schwarz.

Dann erschien auf jedem einzelnen Bildschirm dasselbe Symbol:

Ein stilisierter weißer Drache.

Mira sah langsam zu Kaiba.

„…Das fühlt sich extrem nach einer persönlichen Sache an.“

Kaiba sagte nichts.

Und genau das war auffällig.

Mokuba dagegen wirkte plötzlich ernst.

„Das Symbol gehört zu einem alten KaibaCorp-Testserver“, sagte er.

„Mokuba.“

„Was? Sie wird es sowieso merken.“

Kaibas Blick blieb auf den Monitoren.

Kalt.

Berechnend.

„Vor einigen Jahren“, sagte er schließlich ruhig, „gab es einen Sicherheitsvorfall bei KaibaCorp.“

„Das ist eine interessante Umschreibung für ‘Katastrophe’“, murmelte Mokuba.

„Der Schaden wurde kontrolliert.“

„Nachdem du drei komplette Abteilungen gefeuert hast.“

„Vier.“

Mira sah ihn fassungslos an. „Natürlich waren es vier.“

Kaiba ignorierte sie weiter.

„Jemand hat damals versucht, Zugriff auf experimentelle Duel-Link-Systeme zu bekommen.“ Seine Stimme blieb vollkommen sachlich. „Der Angriff scheiterte.“

„Und jetzt versucht dieselbe Person ein Hotel lahmzulegen?“

„Nein.“ Kaiba sah auf den Bildschirm. „Das hier ist keine ernsthafte Attacke.“

„Sondern?“

Ein kaltes, arrogantes Lächeln erschien kurz auf seinem Gesicht.

„Ein Versuch, meine Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Fast unmittelbar danach gingen plötzlich sämtliche Türen des Kontrollraums automatisch zu.

Mit einem lauten metallischen Knall.

Mehrere Techniker erschraken.

Mira drehte sich sofort um. „Okay, DAS war dramatisch.“

Die Bildschirme flackerten erneut.

Neue Worte erschienen.

WENN DU MICH FINDEN WILLST, KOMM ALLEIN.

Mokubas Blick wurde sofort scharf. „Seto, nein.“

„Ich weiß.“

„Das klingt offensichtlich nach einer Falle.“

„Ja.“

„Und du gehst trotzdem.“

Kaiba zog langsam seine Handschuhe zurecht.

„Offensichtlich.“

Mira starrte ihn an. „Du kannst doch nicht ernsthaft in irgendeine mysteriöse Hacker-Falle laufen.“

„Warum nicht?“

„Weil normale Menschen sowas nicht tun.“

Kaiba sah sie trocken an.

„Seit wann wirke ich wie ein normaler Mensch?“
 

Mira öffnete den Mund.

Schloss ihn wieder.

„Okay, fair.“

Mokuba trat sofort vor seinen Bruder. „Seto, das ist keine gute Idee.“

„Die meisten guten Ideen langweilen mich.“

„Das ist nicht lustig.“

„War auch nicht als Witz gedacht.“

Die Monitore blinkten erneut.

DACHTE ICH MIR.

Dann erschien eine Raumnummer.

B52.

Mira runzelte die Stirn. „B wie… Basement?“

„Untergeschoss zweiundfünfzig“, sagte einer der Techniker nervös. „D-Da unten sind die alten Wartungsebenen des Hotels. Eigentlich benutzt die niemand mehr.“

„Natürlich nicht“, murmelte Mira. „Warum sollte ein creepy Hacker auch irgendwo mit normaler Beleuchtung warten.“

Kaiba hatte sich bereits in Bewegung gesetzt.

„Seto.“ Mokubas Stimme wurde schärfer. „Allein ist eine dumme Idee.“

„Ich weiß.“

„Und trotzdem—“

„Wenn ich Sicherheitskräfte mitnehme, verschwindet er.“

Mokuba biss sichtbar die Zähne zusammen. „Das könnte gefährlich werden.“

Kaiba blieb kurz stehen und sah über die Schulter zurück.

Sein Ausdruck war dieselbe kalte Selbstsicherheit wie immer.

„Für ihn vielleicht.“

Dann ging er weiter.

Mira starrte ihm einen Moment hinterher.

„Er hat wirklich die Überlebensinstinkte eines Bond-Bösewichts.“

Mokuba seufzte tief. „Ja.“

„Und du lässt ihn einfach gehen?!“

„Glaub mir.“ Mokuba verschränkte die Arme. „Niemand auf diesem Planeten kann Seto von irgendetwas abhalten, sobald er beschlossen hat, recht haben zu wollen.“

„Das ist gleichzeitig beeindruckend und extrem problematisch.“

„Willkommen in meinem Leben.“

Der Aufzug zu den unteren Ebenen war still.

Zu still.

Kaiba stand allein darin, eine Hand in der Manteltasche, während die Zahlen langsam tiefer liefen.

B12.

B19.

B31.

Sein Blick ruhte regungslos auf den Türen.

Keine Nervosität.

Keine Unsicherheit.

Nur diese typische, arrogante Ruhe.

Das hier war entweder ein Möchtegern-Hacker mit Größenwahn oder jemand, der tatsächlich glaubte, mit ihm spielen zu können.

Beides endete schlecht.

Der Aufzug stoppte schließlich mit einem dumpfen Geräusch.

B52.

Die Türen glitten auf.

Halbdunkel.

Leere Wartungsgänge.

Flackerndes Licht.

„Wie originell“, murmelte Kaiba trocken und trat hinaus.

Seine Schritte hallten ruhig durch den Korridor.

Dann erklang plötzlich eine Stimme aus den Lautsprechern.

„Du bist wirklich allein gekommen.“

Jung.

Verzerrt.

Künstlich verändert.

Kaiba sah nicht einmal nach oben.

„Wenn das hier deine große dramatische Enthüllung werden soll, enttäuschst du mich bereits.“

Ein kurzes Lachen hallte durch den Gang.

„Arrogant wie immer.“

„Und du offensichtlich verzweifelt nach Aufmerksamkeit.“

Keine Antwort.

Kaiba ging weiter.

Am Ende des Flurs stand eine einzelne Tür halb offen.

Dahinter flackerte bläuliches Licht.

Servertechnik.

Improvisiert aufgebaut.

„Du hast fünf Sekunden“, sagte Kaiba gelangweilt. „Dann verliere ich das Interesse.“

Langsam trat eine Gestalt aus dem Schatten.

Jung.

Vielleicht Anfang zwanzig.

Dunkle Kleidung, Kapuze, sichtbar übermüdetes Gesicht.

Und sofort erkannte Kaiba ihn nicht.

Was ihn augenblicklich irritierte.

Der junge Mann grinste leicht.

„Wow.“

Kaibas Blick wurde kälter.

„Du bist nicht wichtig genug, um mich persönlich zu kennen.“

„Autsch.“

„Wenn du versuchst, Eindruck zu machen, scheiterst du.“

Der Typ lehnte sich gegen den Tisch voller Technik.

„Du erinnerst dich wirklich nicht.“

„Sollte ich?“

Ein kurzes Zucken ging über das Gesicht des Fremden.

Da war sie plötzlich.

Verärgerung.

„Vor drei Jahren“, sagte er langsam, „hast du ein komplettes Entwicklerteam aus KaibaCorp geworfen.“

Kaiba dachte exakt zwei Sekunden nach.

Dann:

„Das grenzt die Sache kaum ein.“

„Du hast unser Projekt geschlossen.“

„Dann war es offenbar schlecht.“

„Es hätte funktioniert!“

„Offensichtlich nicht.“

Der junge Mann machte einen Schritt vor.

„Du hast alles zerstört, woran wir gearbeitet haben.“

Kaiba musterte ihn vollkommen unbeeindruckt.

„Und deshalb sabotierst du Hotelsysteme?“

„Du ruinierst Leben und merkst es nicht einmal!“

„Falsch.“ Kaibas Stimme blieb messerscharf ruhig. „Ich merke es. Es interessiert mich nur nicht, solange die Arbeit mangelhaft ist.“

Stille.

Die Worte trafen sichtbar.

Hart.

Mira hätte ihn dafür wahrscheinlich gerade erschlagen.

Der junge Mann lachte plötzlich bitter auf.

„Unglaublich. Du bist wirklich genauso kalt, wie alle sagen.“

Kaiba verschränkte die Arme.

„Und du bist immer noch nicht interessant genug, um meine Zeit wert zu sein.“
 

Für einen Moment herrschte nur das leise Summen der Server.

Der junge Mann starrte Kaiba an, als würde er gleichzeitig am liebsten schreien und ihn erwürgen.

Kaiba dagegen wirkte gelangweilt.

Fast demonstrativ.

„Du hast mich also hierhergelockt“, sagte er kühl. „Für was genau? Eine emotionale Rede?“

„Du verstehst es wirklich nicht.“

„Korrekt. Weil du nichts Verständliches gesagt hast.“

Der junge Mann trat näher. „Wir haben jahrelang an diesem Projekt gearbeitet.“

„Dann hättet ihr in den Jahren vielleicht etwas Brauchbares entwickeln sollen.“

„Du hast nicht mal richtig hingesehen!“

„Doch.“ Kaibas Blick wurde schärfer. „Euer Code war instabil. Eure Sicherheitsarchitektur hatte Lücken. Und eure gesamte Präsentation war peinlich unprofessionell.“

Jeder Satz traf wie ein Schlag.

Der Fremde ballte die Hände.

„Du glaubst echt, du kannst Menschen einfach ersetzen.“

„Natürlich kann ich das.“

„Menschen sind keine Maschinen!“

Kaiba hob minimal eine Augenbraue.

„Manche arbeiten leider langsamer.“

Der junge Mann lachte ungläubig auf. „Unglaublich.“

„Das höre ich oft.“

Plötzlich zog der Hacker ein Tablet vom Tisch und tippte hektisch darauf herum.

Sofort begannen mehrere Monitore hinter ihm rot aufzuleuchten.

WARNUNG — SYSTEMÜBERLASTUNG.

„Oh, jetzt wird’s dramatisch“, sagte Kaiba trocken.

„Ich kann das komplette Hotelnetz zerstören.“

„Nein.“

„Doch!“

„Dein Routing ist fehlerhaft.“

Der junge Mann stockte kurz.

Kaiba bemerkte es sofort.

Natürlich bemerkte er es.

Und genau in diesem Moment wusste der Hacker vermutlich selbst, dass er verloren hatte.

„Du leitest die Last über denselben Spiegelserver“, sagte Kaiba ruhig. „Wenn du das System wirklich abstürzen lässt, schneidest du dich selbst zuerst vom Zugriff ab.“

Stille.

Dann:

„…Was?“

Kaiba klang fast beleidigt.

„Das ist dein großer Plan?“

Der junge Mann sah hektisch auf sein Tablet.

Sein Gesicht wurde langsam blasser.

„Nein, das—“

„Du hast nicht einmal deine eigene Notfallumleitung korrekt abgesichert.“ Kaiba trat langsam näher. „Das hätte ein Erstsemester besser hinbekommen.“

„Halt den Mund.“

„Oder was? Du hackst einen Getränkeautomaten als Nächstes?“

„HALT DEN MUND!“

Der junge Mann schlug frustriert gegen den Tisch.

Und genau dadurch passierte es.

Ein Kabel löste sich.

Funken sprühten.

Mehrere Systeme hinter ihm flackerten plötzlich gefährlich.

Kaiba schloss kurz genervt die Augen.

„Beeindruckend.“

„Das war Absicht!“

„Nein. Das war Dummheit.“

Ein lautes elektrisches Knacken hallte durch den Raum.

Jetzt wurde selbst Kaibas Blick ernster.

Nicht wegen Gefahr.

Sondern wegen technischer Inkompetenz.

„Tritt vom System weg“, sagte er scharf.

„Ich brauche deine Befehle nicht!“

„Doch. Wenn der Server überhitzt, löst sich hier unten gleich deutlich mehr auf als dein Ego.“

Der Hacker zögerte.

Zu lange.

Ein weiterer Funkenregen schoss aus dem offenen Rack.

Alarm ertönte.

Mira hätte später vermutlich gesagt, Kaiba habe in diesem Moment nicht wie ein Mensch reagiert, sondern wie jemand, der persönlich beleidigt war, dass Technik in seiner Nähe versagte.

Mit einer schnellen Bewegung packte er den jungen Mann am Kragen und zog ihn vom Server weg.

Fast gleichzeitig riss er mehrere Kabelverbindungen heraus.

Die Monitore wurden schwarz.

Stille.

Nur der Alarm piepte noch nach.

Der Hacker stolperte rückwärts gegen den Tisch und sah Kaiba fassungslos an.

„Du—“

„Wenn du schon Chaos verursachst“, sagte Kaiba eiskalt, „dann wenigstens kompetent.“

„Du hast mein System zerstört!“

„Es war bereits zerstört.“

Kaiba richtete ruhig seine Manschette.

Kein schweres Atmen.

Keine Hektik.

Als hätte er gerade lediglich eine lästige E-Mail beantwortet.

Dann hörte man plötzlich schnelle Schritte im Flur.

Mokuba.

Und direkt dahinter Mira.

„Seto!“ Mira blieb abrupt stehen, als sie das Chaos sah. „…Okay. Wow.“

Mokuba sah zwischen den rauchenden Geräten und dem völlig fertigen Hacker hin und her.

„Ist das der Typ?“

„Leider.“

Der junge Mann richtete sich langsam wieder auf und starrte Kaiba an.

„Du denkst wirklich, du bist besser als alle anderen.“

„Nein“, sagte Kaiba vollkommen ruhig.

Dann deutete er auf die zerstörten Systeme.

„Ich weiß es.“
 

„SET0—“ begann Mokuba.

„Er hat recht“, murmelte Mira gleichzeitig und sah auf die rauchenden Server. „Leider extrem nervig, aber recht.“

Der Hacker starrte Kaiba fassungslos an.

„Wie kann man nur so arrogant sein?“

Kaiba zog sein Jackett glatt, als wäre das hier eine gewöhnliche Besprechung.

„Jahrelange Übung.“

„Du behandelst Menschen wie Fehler in einem System!“

„Nur wenn sie sich wie welche verhalten.“

Der junge Mann machte einen wütenden Schritt nach vorn, doch zwei Sicherheitskräfte erschienen endlich im Eingang des Raums und hielten sofort an, als sie Kaiba sahen.

„Mister Kaiba! Wir haben die Polizei bereits—“

„Zu spät“, sagte Kaiba gelangweilt. „Das Problem ist gelöst.“

Mira verschränkte die Arme. „Du klingst wirklich wie jemand, der gerade einen Drucker repariert hat. Nicht wie jemand, der einen Hacker in einem geheimen Kellerraum gestellt hat.“

„Er war kein Hacker.“ Kaiba warf dem jungen Mann einen kurzen Blick zu. „Er war ein beleidigter Amateur mit schlechter Impulskontrolle.“

„Du—“

„Und emotional instabil.“

Der Hacker sah aus, als würde gleich entweder ein Nervenzusammenbruch oder Mord passieren.

Mokuba trat schnell dazwischen. „Okay. Vielleicht beruhigen wir uns alle mal kurz.“

„Ich bin vollkommen ruhig“, sagte Kaiba sofort.

„Genau DAS macht mir Sorgen.“

Die Sicherheitskräfte führten den jungen Mann langsam Richtung Ausgang. Beim Vorbeigehen drehte er sich noch einmal zu Kaiba um.

„Eines Tages scheiterst du auch.“

Kaiba antwortete ohne zu zögern:

„Unwahrscheinlich.“

Dann war der Hacker weg.

Stille.

Mira starrte Kaiba einige Sekunden einfach nur an.

„Was.“

„Du bist wirklich unmöglich.“

„Weil ich recht hatte?“

„Nein.“ Sie deutete auf ihn. „Weil du gerade aussiehst, als hättest du diese komplette Situation tatsächlich genossen.“

Kaiba dachte nicht einmal darüber nach.

„Habe ich.“

Mokuba seufzte tief. „Natürlich hast du das.“

Kaiba ging bereits Richtung Ausgang. „Wenn wir fertig sind mit diesem peinlichen kleinen Theater, würde ich gern den Rest meines Abends verbringen, ohne weitere Systemkatastrophen.“

„Du meinst“, sagte Mira trocken, während sie neben ihm herlief, „du willst unser absolut-nicht-romantisches Abendessen fortsetzen.“

„Das Wort romantisch verliert langsam jede Bedeutung.“

„Und trotzdem widersprichst du nicht mehr richtig.“

Kaiba warf ihr einen langen Blick zu.

„Interpretier da nicht zu viel hinein.“

„Zu spät.“

Sie betraten wieder den Flur. Das Hotel funktionierte inzwischen wieder normal, die Beleuchtung stabil, keine Alarmgeräusche mehr.

Mehrere Mitarbeiter sahen Kaiba an, als hätte er persönlich das Gebäude vor dem Untergang bewahrt.

Was sein Ego vermutlich nur schlimmer machte.

„Mister Kaiba“, begann einer der Techniker ehrfürchtig, „das war wirklich unglaublich—“

„Ich weiß.“

Mira lachte sofort wieder leise.

Kaiba ignorierte es.

Sie erreichten den Aufzug. Diesmal herrschte für ein paar Sekunden tatsächlich Ruhe.

Dann sagte Mokuba plötzlich:

„Weißt du, Seto…“

„Nein.“

„Du hast noch nicht mal gehört, was ich sagen wollte.“

„Ich kenne dich gut genug.“

Mokuba grinste breit. „Du magst sie.“

Kaiba sah ihn an, als hätte er gerade etwas extrem Dummes gesagt.

„Unsinn.“

„Du hast ein Hotel repariert, einen Hacker gejagt und bist immer noch mit ihr unterwegs.“

„Das beweist lediglich meine enorme Geduld.“

„Seto.“

„Mokuba.“

Mira beobachtete das Ganze grinsend.

„Oh mein Gott“, murmelte sie. „Ihr streitet wirklich exakt gleich.“

„Nein, tun wir nicht“, sagten beide Brüder gleichzeitig.

Kurze Stille.

Dann musste Mira lachen.

Mokuba ebenfalls.

Kaiba schloss genervt die Augen.

„Das war nicht lustig.“

„Doch“, sagte Mira grinsend.

„Definitiv“, bestätigte Mokuba.

Der Aufzug hielt wieder beim Penthouse-Restaurant.

Die Türen öffneten sich.

Das warme Licht, die Musik und das Gewitter draußen wirkten plötzlich fast absurd normal nach allem, was gerade passiert war.

Kaiba trat hinaus und richtete seine Manschette.

Vollkommen gefasst.

Vollkommen arrogant.

Als wäre das alles lediglich eine kleine Unterbrechung gewesen.

Dann sah er kurz zu Mira.

„Also.“ Seine Stimme war wieder ruhig und überlegen. „Wo waren wir stehen geblieben, bevor ein mittelmäßiger Hacker beschlossen hat, meine Zeit zu verschwenden?“
 

Mira grinste noch immer leicht, als sie sich wieder an den Tisch setzte.

Kaiba bemerkte es sofort.

Und es irritierte ihn zunehmend.

Nicht weil sie hübsch war. Oder interessant. Oder irgendein anderer sentimentaler Unsinn, den Menschen in schlechten Serien ständig dramatisierten.

Sondern weil sie sich in seiner Nähe benahm, als wäre er einfach nur ein normaler Typ.

Das war ungewöhnlich.

Und anstrengend.

Der Kellner erschien beinahe sofort wieder. Offenbar hatte inzwischen das komplette Hotel Angst, Kaiba länger als nötig warten zu lassen.

„M-Mister Kaiba, wir haben selbstverständlich alles wieder vorbereitet—“

„Natürlich habt ihr das.“

Der Mann nickte hektisch.

„Und vielleicht“, fügte Kaiba kühl hinzu, „investiert dieses Hotel künftig in Sicherheitssysteme, die nicht von gelangweilten Ex-Mitarbeitern sabotiert werden können.“

„Sofort, Sir.“

Der Kellner verschwand fast fluchtartig.

Mira sah ihm kurz hinterher. „Du weißt schon, dass Menschen nach Gesprächen mit dir wahrscheinlich erst mal tief durchatmen müssen.“

„Wenn sie kompetent wären, müssten sie das nicht.“

„Du bist wirklich dauerhaft so.“

„Wie enttäuschend für dich.“

Sie lehnte sich leicht zurück. „Ich versuche immer noch herauszufinden, ob du absichtlich provokant bist oder ob dein Charakter einfach standardmäßig auf ‘arrogant’ eingestellt wurde.“

Kaiba nahm ruhig sein Glas.

„Menschen nennen Selbstsicherheit oft Arroganz, wenn sie selbst keine besitzen.“

„Seto.“

„Mira.“

„Du weichst ständig aus.“

„Und du stellst ständig Fragen.“

„So funktionieren Gespräche.“

„Deshalb bevorzuge ich E-Mails.“

Mokuba lachte leise neben ihnen.

Kaiba warf ihm sofort einen Blick zu.

„Du solltest längst schlafen.“

„Und du solltest längst zugeben, dass du Spaß hattest.“

„Hatte ich nicht.“

Die Antwort kam sofort.

Zu sofort.

Mokuba grinste nur wissend, bekam dafür aber direkt einen weiteren kalten Blick.

„Interpretier nichts hinein.“

„Mach ich gar nicht.“

„Lüg wenigstens überzeugend.“

Mira beobachtete die beiden kurz schweigend.

Dann sagte sie plötzlich:

„Weißt du, was dein Problem ist?“

Kaibas Blick hob sich langsam zu ihr.

„Die Liste dürfte lang sein.“

„Du gehst automatisch davon aus, dass jeder irgendwas von dir will.“

„Weil das meistens stimmt.“

„Und wenn nicht?“

„Dann verschwenden Menschen gewöhnlich trotzdem meine Zeit.“

Mira schüttelte leicht den Kopf.

„Du musst echt anstrengend sein, wenn man dich näher kennt.“

„Deshalb vermeide ich es.“

Das kam vollkommen ernst.

Kein Witz.

Keine Ironie.

Und genau deshalb wurde es für einen kurzen Moment still.

Selbst Mokuba sagte nichts mehr.

Kaiba bemerkte die Stille sofort und verzog minimal genervt das Gesicht.

„Was.“

Mira musterte ihn einige Sekunden.

„Du meinst das wirklich ernst.“

„Offensichtlich.“

„Du hältst Menschen absichtlich auf Abstand.“

„Die meisten Menschen sind laut, irrational oder unnötig emotional.“

„Das schließt mich vermutlich mit ein.“

Kaiba antwortete ohne Zögern:

„Ja.“

Mokuba murmelte leise: „Autsch.“

Aber Mira wirkte überraschenderweise nicht beleidigt.

Eher nachdenklich.

„Und trotzdem hast du mich heute Abend eingeladen.“

„Technisch gesehen hat Mokuba das verursacht.“

„Seto.“

„Mokuba.“

„Du bist unmöglich.“

„Und dennoch korrekt.“

Draußen blitzte erneut das Gewitter über dem Meer.

Kaiba sah kurz hinaus auf die dunklen Wellen. Endlich war es stiller geworden. Keine Menschenmengen. Keine hysterischen Techniker. Kein peinlicher Hacker mit Minderwertigkeitskomplex.

Nur Ruhe.

Bis Mira wieder sprach.

„Du wirkst ehrlich gesagt ziemlich einsam.“

Kaibas Blick wurde sofort kälter.

Da war sie wieder.

Diese Art Satz.

Diese übergriffige menschliche Angewohnheit zu glauben, man hätte nach ein paar Stunden irgendeinen besonderen Zugang zu ihm gefunden.

„Falsche Analyse“, sagte er ruhig.

„Sicher?“

„Ja.“

„Dann warum verbringst du freiwillig deine Zeit mit Arbeit statt mit Menschen?“

„Weil Arbeit sinnvoll ist.“

„Menschen können auch sinnvoll sein.“

Kaiba lehnte sich langsam zurück.

„Das ist statistisch schwer belegbar.“

Mokuba prustete kurz los.

Kaiba sah ihn trocken an. „Das war nicht lustig.“

„Doch. Leider schon.“

Mira musste ebenfalls lachen.

Und genau da merkte Kaiba wieder, wie seltsam störend dieses Geräusch geworden war.

Nicht angenehm.

Nicht charmant.

Einfach… präsent.

Zu präsent.

Er nahm einen Schluck Wasser und entschied endgültig:

Mira war definitiv anstrengend.
 

Am nächsten Morgen hing grauer Himmel über dem Flughafen.

Das Gewitter der Nacht war verschwunden, doch die Startbahnen glänzten noch nass vom Regen. Zwischen Geschäftsreisenden, Familien und hektischen Durchsagen wirkte Kaiba wie immer vollkommen fehl am Platz — geschniegelt, makellos, genervt von praktisch allem um ihn herum.

Mokuba lief neben ihm her und zog seinen Koffer hinter sich her. „Du hättest dich wenigstens verabschieden können.“

„Wovon?“

„Von Mira.“

Kaiba nahm sein Tablet aus der Tasche. „Dafür bestand kein Grund.“

„Ihr habt den ganzen Abend zusammen verbracht.“

„Leider.“

Mokuba warf ihm einen langen Blick zu. „Du lügst wirklich schlechter als du denkst.“

„Unsinn.“

„Seto, du hast mitten im Urlaub ein Hotelnetzwerk repariert und einen Hacker gejagt. Und trotzdem warst du die ganze Zeit entspannter mit ihr als mit jedem anderen Menschen seit Monaten.“

„Eine erschreckend niedrige Messlatte.“

Sie erreichten den privaten Wartebereich von KaibaCorp Aviation. Mehrere Mitarbeiter standen bereits bereit, sobald Kaiba auftauchte.

„Guten Morgen, Sir.“

„Status.“

Sofort begann einer der Assistenten mit einem Bericht über Termine, Konferenzen und Aktienentwicklungen.

Kaibas Aufmerksamkeit verlagerte sich augenblicklich wieder vollständig auf die Arbeit.

Kühl.

Präzise.

Kontrolliert.

Fast so, als hätte es den gestrigen Abend nie gegeben.

Mokuba bemerkte das natürlich sofort.

Und seufzte leise.

Einige Etagen weiter unten kämpfte Mira sich gerade durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens.

„Das meinen Sie nicht ernst.“

„Doch, Ma’am. Ohne gültige Zugangsfreigabe kommen Sie dort nicht durch.“

Mira fuhr sich frustriert durch die Haare.

Natürlich hatte Kaiba einen privaten Bereich.

Natürlich.

„Können Sie ihm wenigstens sagen, dass Mira hier ist?“

Der Sicherheitsmann zögerte sichtbar.

„…Nur der Vorname?“

„Er wird wissen, wer gemeint ist.“

Der Mann wirkte skeptisch genug, dass Mira am liebsten gegen die nächste Wand gelaufen wäre.

Doch einige Minuten später kam tatsächlich ein Mitarbeiter zurück.

„Mister Kaiba sagt, er sei beschäftigt.“

Mira starrte ihn an. „Das hat er wortwörtlich gesagt?“

„Ja, Ma’am.“

Sie musste kurz lachen.

Nicht weil es lustig war.

Sondern weil es so unfassbar typisch war.

„Unglaublicher Idiot“, murmelte sie.

Oben im Wartebereich stand Kaiba am Fenster und sah auf das Rollfeld hinaus.

„Du hättest wenigstens kurz mit ihr reden können“, meinte Mokuba.

„Warum.“

„Weil sie offensichtlich gekommen ist, um dich zu sehen.“

„Das klingt nach einem Problem auf ihrer Seite.“

Mokuba verschränkte die Arme. „Seto.“

„Mokuba.“

„Du tust gerade so, als wäre sie dir komplett egal.“

Kaiba hob nicht einmal den Blick vom Rollfeld.

„Weil sie das ist.“

Die Antwort kam sofort.

Ruhig.

Kalt.

Genau wie immer.

Und trotzdem sagte Mokuba nach einer kurzen Pause:

„Dann warum stehst du seit fünf Minuten am Fenster und schaust runter zur Eingangshalle?“

Stille.

Kaiba antwortete nicht.

Unten im Terminal diskutierte Mira noch immer mit einem Sicherheitsmitarbeiter. Selbst aus der Entfernung erkannte Kaiba das genervte Gestikulieren.

Anstrengend.

Hartnäckig.

Völlig irrational.

Er sollte längst in den Flieger steigen und diesen absurden Urlaub hinter sich lassen.

Stattdessen stand er immer noch hier.

„Seto.“

„Was?“

„Wenn sie dir wirklich egal wäre, würdest du längst arbeiten.“

Kaibas Blick blieb auf Mira hängen.

Sie wirkte frustriert.

Aber nicht wütend.

Eher entschlossen.

Was vermutlich noch schlimmer war.

Dann, plötzlich, hob sie den Kopf.

Als würde sie spüren, beobachtet zu werden.

Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke durch die riesigen Glasfronten des Terminals.

Mira lächelte sofort leicht.

Kaiba dagegen verzog keine Miene.

Natürlich nicht.

Er hob lediglich kühl eine Augenbraue, drehte sich dann um und nahm seine Aktentasche.

„Wir fliegen.“

Mokuba blieb kurz stehen und sah noch einmal nach unten zu Mira.

Dann schüttelte er grinsend den Kopf und folgte seinem Bruder.

„Du bist echt hoffnungslos.“

„Korrekt.“

Doch als die Türen zum privaten Boardingbereich sich schlossen, warf Kaiba trotzdem noch einen letzten Blick zurück.
 

Der Privatjet von KaibaCorp hob wenige Minuten später ab.

München verschwand langsam unter den Wolken, während im Inneren der Maschine fast vollständige Ruhe herrschte. Mokuba hatte Kopfhörer aufgesetzt und spielte auf seinem Tablet. Zwei Assistenten arbeiteten weiter hinten leise an ihren Laptops.

Und Kaiba?

Kaiba arbeitete natürlich ebenfalls.

Mehrere holografische Displays schwebten vor ihm. Aktienzahlen. Satellitenrouten. Sicherheitsberichte.

Effizient.

Kontrolliert.

Normal.

Und trotzdem bemerkte Mokuba nach etwa zwanzig Minuten:

„Du hast dieselbe Mail jetzt dreimal geöffnet.“

Kaiba reagierte nicht sofort. „Weil sie schlecht formuliert ist.“

„Nein.“ Mokuba grinste leicht. „Weil du nicht aufpasst.“

„Unsinn.“

„Seto, du starrst seit dem Start aus dem Fenster wie ein dramatischer Filmcharakter.“

Kaiba schloss genervt eines der Displays. „Menschen neigen dazu, Bedeutung in Dinge hineinzuerfinden, die keine besitzen.“

„Mhm.“

„Mokuba.“

„Seto.“

Kurze Stille.

Dann sagte Mokuba plötzlich:

„Du weißt schon, dass sie wahrscheinlich irgendwann nach Domino City kommt.“

Kaibas Blick hob sich langsam. „Warum sollte sie das tun?“

„Weil sie dich mag.“

„Fragwürdige Entscheidung.“

„Und was machst du dann?“

„Nichts.“

„Seto.“

„Was?“

„Du kannst Menschen nicht einfach ignorieren, bis sie verschwinden.“

Kaiba antwortete vollkommen trocken: „Doch. Das funktioniert überraschend oft.“

Mokuba lachte leise.

Kaiba ignorierte ihn und aktivierte erneut seine Displays.

Doch diesmal blieb sein Blick kurz an der spiegelnden Fensterscheibe hängen.

Und zu seinem eigenen Ärger dachte er wieder an Mira.

An ihr ständiges Grinsen.

Ihre Kommentare.

Ihre vollkommen irrationale Angstlosigkeit ihm gegenüber.

Anstrengend.

Definitiv anstrengend.

Drei Wochen später — Domino City.

Die oberen Stockwerke des KaibaCorp Gebäude wirkten wie immer steril perfekt.

Glas.

Stahl.

Stille.

Menschen bewegten sich dort oben grundsätzlich schneller, sobald Kaiba in der Nähe war.

Und heute war die Stimmung besonders angespannt.

„Die Präsentation beginnt in vier Minuten!“

„Warum sind die Zahlen noch nicht synchronisiert?!“

„Hat jemand die Finalversion an die Investoren geschickt?“

Mitten durch das Chaos lief Kaiba, als würde ihn das alles langweilen.

Was vermutlich sogar stimmte.

„Die westliche Niederlassung liefert schwächere Ergebnisse als prognostiziert“, sagte er ohne aufzusehen von seinem Tablet.

Sofort wurde ein Mitarbeiter blass. „W-Wir arbeiten bereits daran—“

„Dann arbeiten Sie schneller.“

Mokuba lief entspannt neben ihm her. „Du verbreitest heute wieder richtig gute Laune.“

„Kompetenzmangel verbreitet schlechte Laune.“

Die Türen zum Konferenzsaal öffneten sich automatisch.

Und genau dort blieb Kaiba plötzlich stehen.

Nur ganz kurz.

Fast unmerklich.

Mokuba bemerkte es natürlich sofort.

Und grinste augenblicklich.

„Oh.“

Mitten im Empfangsbereich stand Mira.

Mit Besucherausweis.

Kaffeebecher.

Und diesem viel zu selbstsicheren Grinsen.

„Hi, Kaiba.“

Mehrere Mitarbeiter sahen sofort nervös zwischen ihnen hin und her.

Kaibas Blick wurde augenblicklich kühl. „Wie bist du hier reingekommen?“

„Der Sicherheitsmann unten meinte, Besucherführungen wären erlaubt.“

„Das war ein Fehler.“

„Hab ich ihm auch gesagt.“

Mokuba grinste inzwischen offen. „Das wird großartig.“

Kaiba ignorierte ihn vollständig. „Was willst du?“

„Domino City ansehen.“

„Dann geh in ein Museum.“

„Hab ich schon.“ Mira nahm einen Schluck Kaffee. „War langweilig.“

„Und deshalb belästigst du jetzt mich.“

„Belästigen ist ein hartes Wort.“

„Nein. Präzise.“

Mehrere Mitarbeiter taten inzwischen sehr offensichtlich so, als würden sie nicht zuhören.

Mira sah sich kurz im riesigen Eingangsbereich um. „Wow. Du arbeitest wirklich in einem Gebäude, das aussieht wie das geheime Hauptquartier eines Supervillains.“

„Weil es effizient gebaut wurde.“

„Und völlig einschüchternd.“

„Das ist ein Bonus.“

Mokuba musste sich sichtbar das Lachen verkneifen.

Kaiba bemerkte den Blick seines Bruders sofort. „Sag nichts.“

„Ich habe gar nichts gesagt.“

„Aber du denkst es laut.“

Mira grinste weiter.

Und genau da wurde Kaiba endgültig klar:

Sie war tatsächlich nach Domino City gekommen.

Was irrational war.

Unpraktisch.

Und extrem störend.
 

„Also“, sagte Mira vollkommen unbeeindruckt von den nervösen Blicken der Mitarbeiter, „zeigst du mir jetzt dein supergeheimes Firmenimperium oder muss ich erst irgendwo dramatisch eindringen?“

„Du bist bereits dramatisch eingedrungen.“

„Und trotzdem stehe ich noch hier.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Nur weil die Sicherheitsabteilung offenbar versagt hat.“

Ein Mitarbeiter im Hintergrund wurde sofort blass.

Mokuba grinste breit. „Oh, der arme Typ unten wird gefeuert.“

„Noch nicht entschieden“, sagte Kaiba kühl.

Der betreffende Mitarbeiter sah aus, als würde er gleich ohnmächtig werden.

Mira bemerkte das sofort. „Okay, nein. Das zählt nicht. Du kannst keine Menschen feuern, nur weil sie eine Besucherin durchgelassen haben.“

„Doch.“

„Kaiba.“

„Mira.“

„Das war kein Sicherheitsrisiko. Ich hatte einen Besucherausweis.“

„Den du nicht hättest bekommen sollen.“

Mira seufzte gespielt schwer. „Du bist wirklich unfreundlich zu Menschen, die extra um die halbe Welt fliegen.“

„Das war deine Entscheidung.“

„Autsch.“

Kaiba wandte sich bereits wieder Richtung Konferenzsaal. „Ich habe einen Termin.“

„Natürlich hast du das.“

„Im Gegensatz zu manchen Menschen arbeite ich.“

„Im Gegensatz zu manchen Menschen habe ich Urlaub.“

„Mein Beileid.“

Mokuba beobachtete die beiden sichtbar amüsiert.

Es war faszinierend.

Jeder andere Mensch wäre unter Kaibas Art längst eingeknickt oder beleidigt gegangen.

Mira dagegen wirkte nur noch entschlossener.

Was Kaiba zunehmend verdächtig vorkam.

„Wann fliegst du zurück?“ fragte er plötzlich.

Mira hob eine Augenbraue. „Wow. Direkt zur Vertreibung.“

„Das beantwortet die Frage nicht.“

„Vielleicht in ein paar Tagen.“

Kaibas Gesichtsausdruck machte sofort deutlich, dass ihm diese Antwort absolut nicht gefiel.

„Unnötig.“

„Domino City ist interessant.“

„Nein.“

„Doch.“

„Die Stadt ist laut, überfüllt und ineffizient.“

„Klingt irgendwie wie du.“

Mokuba musste sich hustend abwenden, um sein Lachen zu verstecken.

Kaibas Blick wanderte sofort zu ihm. „Mokuba.“

„Ich sage ja nichts.“

„Leider.“

Mira trat einen Schritt näher und sah zu Kaiba auf. „Entspann dich. Ich werde schon nicht anfangen, vor deinem Gebäude zu campieren.“

„Das wäre auch sinnlos. Die Sicherheitsdrohnen würden dich innerhalb von Minuten entfernen.“

„Du HAST Sicherheitsdrohnen?!“

„Offensichtlich.“

„Das ist gleichzeitig die coolste und alarmierendste Sache, die ich je gehört habe.“

Kaiba antwortete völlig ernst: „Beides ist akzeptabel.“

Einer der Assistenten näherte sich vorsichtig. „Mister Kaiba… die Investoren warten.“

„Dann sollen sie warten.“

Der Satz kam automatisch.

Kaiba bemerkte es erst selbst, als Mokuba ihn sofort angrinste.

Kurze Stille.

Dann wurde Kaibas Blick minimal schmaler.

„Interpretier das nicht.“

„Zu spät“, sagte Mokuba sofort.

Mira grinste ebenfalls leicht. „Oh, das war gefährlich menschlich von dir.“

„Unsinn.“

Kaiba richtete seine Manschette.

„Ich habe lediglich keine Geduld für inkompetente Präsentationen ohne Vorbereitung.“

„Klar.“

„Das ergibt logisch Sinn.“

„Mhm.“

Er hasste dieses „Mhm“.

Menschen benutzten es grundsätzlich dann, wenn sie glaubten, etwas besser zu wissen.

Und Mira benutzte es ständig.

„Also gut“, sagte sie schließlich. „Dann arbeite eben.“

„Das hatte ich ohnehin vor.“

„Aber später zeigst du mir Domino City.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Kaiba.“

„Mira.“

Mokuba grinste inzwischen offen. „Ihr klingt wie ein Ehepaar mit Aggressionsproblemen.“

Kaiba und Mira antworteten gleichzeitig:

„Absolut nicht.“

Kurze Pause.

Dann schloss Kaiba sichtbar genervt die Augen.

„Das passiert eindeutig zu oft.“

Mira lachte leise.

Und wieder war dieses Geräusch da.

Zu präsent.

Zu leicht.

Zu störend.

Kaiba wandte sich endgültig Richtung Konferenzsaal.

„Mokuba.“

„Ja?“

„Beschäftige sie.“

Mira blinzelte empört. „Entschuldigung? Ich bin kein Hund.“

„Das habe ich nicht behauptet.“

„Aber gedacht.“

„Korrekt.“

Und damit ging er einfach davon.

Ohne sich umzudrehen.

Natürlich.

Mira sah ihm hinterher und schüttelte langsam den Kopf. „Er ist wirklich der arroganteste Mensch, den ich je getroffen habe.“

Mokuba grinste breit. „Ja.“

Kurze Pause.

Dann fügte er fröhlich hinzu:

„Aber er hat extra seinen Termin verschoben, seit er dich gesehen hat.“

Mira hob sofort die Augenbrauen. „Hat er nicht.“

„Doch.“

Sie sah Richtung Konferenzsaal, hinter dessen Türen Kaiba gerade mehrere Investoren vermutlich kollektiv einschüchterte.

Dann musste sie leicht grinsen.

„…Oh, das wird ihm richtig gefallen, dass du mir das erzählt hast.“

Mokuba strahlte. „Definitiv.“
 

Es war bereits dunkel, als Kaiba schließlich das Hauptquartier von KaibaCorp verließ.

Die Meetings hatten länger gedauert als geplant. Hauptsächlich, weil mehrere Investoren offenbar beschlossen hatten, besonders viele dumme Fragen zu stellen.

Kaiba war entsprechend genervt.

„Du siehst aus, als würdest du gleich jemanden von einem Hochhaus werfen“, bemerkte Mira, die lässig an einer der schwarzen Firmenlimousinen lehnte.

„Die Möglichkeit wurde in Erwägung gezogen.“

„Wie schön, dass du mich vermisst hast.“

„Habe ich nicht.“

Natürlich nicht.

Mira grinste trotzdem.

Mokuba hatte sich inzwischen verabschiedet — angeblich „damit ihr beide euch nicht gegenseitig umbringt“. Verräter.

Jetzt standen nur noch Kaiba, Mira und ein sichtbar nervöser Fahrer vor dem Gebäude.

„Also“, sagte Mira, „wohin gehen wir zuerst?“

„Wir gehen nirgendwohin.“

„Kaiba.“

Kaiba sah sie trocken an. „Du bist seit heute Morgen in meinem Gebäude.“

„Ja.“

„Du hast meine Mitarbeiter irritiert.“

„Auch ja.“

„Und jetzt erwartest du ernsthaft eine Stadtführung.“

„Exakt.“

Kurze Stille.

Dann sagte Kaiba mit derselben Stimme, mit der andere Menschen Naturkatastrophen ankündigten:

„Unglaublich.“

Zehn Minuten später saßen sie trotzdem gemeinsam in der Limousine.

Natürlich.

Mira beobachtete die vorbeiziehenden Lichter von Domino City durch das Fenster.

„Okay“, sagte sie schließlich, „ich muss zugeben — die Stadt sieht nachts echt schön aus.“

„Die Verkehrsführung ist katastrophal.“

„Du findest wirklich für alles eine negative Analyse.“

„Das nennt man Realitätssinn.“

Der Fahrer bog um eine große Kreuzung, vorbei an leuchtenden Werbetafeln und überfüllten Straßen.

Mehrere Menschen draußen erkannten sofort Kaibas Wagen.

Manche blieben stehen.

Andere zückten Handys.

Mira bemerkte es sofort. „Passiert das ständig?“

„Leider.“

„Berühmt sein klingt anstrengend.“

„Menschen sind anstrengend.“

„Du wiederholst dich.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Weil die Aussage konstant korrekt bleibt.“

Die Limousine hielt schließlich an einer erhöhten Promenade mit Blick über die Stadt.

Kaiba stieg zuerst aus.

Natürlich regnete es leicht.

Natürlich ignorierte er das vollkommen.

Mira trat neben ihn an das Geländer und blickte über die Lichter von Domino City.

Züge fuhren unter ihnen vorbei. Reklametafeln spiegelten sich auf nassen Straßen. In der Ferne ragte das leuchtende KaibaCorp-Gebäude über alles hinaus.

„Wow.“

Kaiba sagte nichts.

„Okay“, meinte sie nach ein paar Sekunden, „das hier ist wirklich beeindruckend.“

„Offensichtlich.“

„Und da ist die Arroganz wieder.“

„Du wirkst überrascht.“

Der Wind zog durch die Straßen unter ihnen. Mira lehnte sich leicht gegen das Geländer.

„Ist das dein Lieblingsort?“

„Nein.“

„Aber du kommst offensichtlich öfter her.“

Kaiba schwieg kurz.

Zu kurz.

„Von hier aus ist die Stadt wenigstens ruhig.“

„Ah.“

Mira sah ihn von der Seite an.

Mantel im Wind.

Arme verschränkt.

Dieser typische kalte Blick, als würde er die ganze Welt konstant bewerten und meistens enttäuschend finden.

Und trotzdem stand er hier.

Mit ihr.

Obwohl er eindeutig keine Lust darauf haben wollte.

„Du könntest übrigens jederzeit gehen“, sagte sie plötzlich.

„Das wäre unhöflich.“

Sie starrte ihn an.

Dann lachte sie überrascht auf.

Kaiba verzog sofort leicht genervt das Gesicht.

„Was.“

„Du hast gerade ernsthaft so getan, als wärst du höflich.“

„Ich bin höflich.“

„Seto, du behandelst 90 Prozent der Menschheit wie störende Pop-up-Werbung.“

„Das ist keine Widerlegung.“

Mira schüttelte grinsend den Kopf.

Dann wurde ihr Blick etwas weicher.

„Warum bist du wirklich hier?“

Kaiba sah sie an. „Weil Mokuba sonst nicht aufhören würde, mich damit zu nerven.“

„Lügner.“

Sein Blick verengte sich minimal. „Gefährliches Wort.“

„Trotzdem wahr.“

Der Regen wurde langsam stärker. Kleine Tropfen sammelten sich auf dem Metallgeländer.

Mira sah wieder hinaus auf die Stadt. „Weißt du… ich glaube immer noch nicht, dass du Menschen wirklich hasst.“

„Falsche Theorie.“

„Nein.“

„Doch.“

„Dann warum hilfst du ständig Leuten?“

Kaiba antwortete sofort:

„Weil Inkompetenz mich stört.“

„Nicht die Leute?“

„Meistens die Leute.“

Sie musste wieder lachen.

Und genau da passierte es.

Ein Blitz erhellte kurz die Promenade.

Mira drehte den Kopf gerade rechtzeitig, um Kaiba für den Bruchteil einer Sekunde anders zu sehen.

Nicht freundlich.

Nicht weich.

Aber… müde.

Nur ganz kurz.

Dann war der Ausdruck wieder weg.

Kontrolliert. Arrogant. Unerreichbar.

Als hätte sie ihn sich eingebildet.

Kaiba bemerkte ihren Blick sofort. „Was?“

„Nichts.“

„Dann hör auf zu starren.“

„Du bist wirklich schlecht darin, so zu tun, als wärst du nicht menschlich.“

„Und du bist wirklich schlecht darin, Grenzen zu respektieren.“

„Fair.“

Für einen Moment standen sie einfach schweigend nebeneinander und sahen auf die Lichter der Stadt.

Dann sagte Kaiba plötzlich:

„Fünf weitere Minuten.“

Mira blinzelte. „Was?“

„Dann bringe ich dich zurück zum Hotel.“

Sie grinste sofort leicht. „Wow. Großzügig.“

Kaiba sah wieder hinaus über Domino City. „Übertreib es nicht.“
 

Am nächsten Morgen wartete Mira bereits vor dem Eingang von KaibaCorp.

Mit Kaffee.

Und eindeutig viel zu guter Laune.

Mehrere Mitarbeiter gingen nervös an ihr vorbei. Manche warfen ihr irritierte Blicke zu, offenbar verwundert darüber, dass irgendein normaler Mensch freiwillig vor KaibaCorp wartete, ohne Angst zu haben.

Dann öffneten sich die Glastüren.

Und Seto Kaiba trat heraus.

Perfekt geschniegelt wie immer. Schwarzer Mantel. Tablet in der Hand. Sichtbar beschäftigt.

Er bemerkte Mira sofort.

Und sah augenblicklich leicht genervt aus.

„Warum bist du hier?“

„Guten Morgen auch dir.“

„Das beantwortet die Frage nicht.“

Mira hielt ihm einen Kaffeebecher hin. „Friedensangebot.“

Kaiba betrachtete den Becher, als könnte sich darin eine Falle befinden. „Ich nehme keine Getränke von Menschen an, die überraschend vor meinem Firmengebäude auftauchen.“

„Das klingt extrem paranoid.“

„Das nennt man Vorsicht.“

„Es ist Kaffee, Kaiba. Kein biologischer Kampfstoff.“

„Das kannst du nicht beweisen.“

Mira lachte leise.

Kaiba nahm den Kaffee trotzdem.

Was mehrere vorbeigehende Mitarbeiter sichtbar schockierte.

„Oh mein Gott“, murmelte einer kaum hörbar. „Er hat den Kaffee angenommen.“

„Vielleicht sind wir alle heute Zeugen eines historischen Ereignisses“, flüsterte ein anderer.

Kaiba hob sofort den Blick.

Die beiden Mitarbeiter verschwanden praktisch augenblicklich.

Mira grinste breit. „Du terrorisierst wirklich dein komplettes Unternehmen.“

„Disziplin ist kein Terror.“

„Das sagen meistens genau die Menschen, die Terror verbreiten.“

Kaiba ignorierte den Kommentar und nahm einen Schluck Kaffee.

Kurze Pause.

Dann: „…Der ist akzeptabel.“

Mira sah triumphierend aus. „Das ist wahrscheinlich das netteste Kompliment, das du vergeben kannst.“

„Übertreib es nicht.“

Ein schwarzer Wagen fuhr vor den Eingang.

Kaiba wollte bereits einsteigen, als Mira neben ihm stehen blieb.

„Also. Wohin heute?“

„Nirgendwo.“

„Seto.“

„Mira.“

„Du hast mir eine Stadtführung versprochen.“

„Nein. Du hast beschlossen, mich zu verfolgen.“

„Und trotzdem stehst du noch hier.“

Kaiba hasste, wie oft dieses Argument funktionierte. „Ich habe Meetings.“

„Und danach?“

„Arbeit.“

„Und danach?“

„Mehr Arbeit.“

Mira verschränkte die Arme. „Du bist echt hoffnungslos.“

„Korrekt.“

Der Fahrer hielt bereits die Tür offen. Kaiba stieg ein.

Dann bemerkte er, dass Mira ihn einfach ansah.

Ernsthaft ansah.

Nicht grinsend.

Nicht provozierend.

Einfach wartend.

Anstrengend.

Unglaublich anstrengend.

Kaiba schloss kurz die Augen. „Zwei Stunden.“

Mira blinzelte überrascht. „Was?“

„Heute Abend. Zwei Stunden.“ Er sah sie trocken an. „Danach verschwindest du wieder aus meinem Zeitplan.“

Sofort erschien wieder dieses zufriedene Grinsen auf ihrem Gesicht. „Klingt fast wie Vorfreude.“

„Falsche Interpretation.“

„Mhm.“

Kaiba stieg endgültig in den Wagen.

Noch bevor die Tür sich schloss, sagte Mira grinsend: „Du magst mich übrigens langsam.“

Kaiba antwortete sofort: „Definitiv nicht.“

Die Tür schloss sich.

Der Wagen fuhr los.

Und vorne auf dem Beifahrersitz beobachtete der Fahrer im Rückspiegel, wie Seto Kaiba nach ungefähr zehn Sekunden erneut aus dem Fenster zurück Richtung Straße sah.

Dort stand Mira noch immer.

Mit diesem nervigen Grinsen.

Kaiba lehnte sich genervt zurück.

„Unfassbar anstrengend“, murmelte er.

Und trotzdem sagte er dem Fahrer nicht, schneller zu fahren.
 

Am Abend stand Mira bereits vor dem vereinbarten Treffpunkt, als Kaibas schwarzer Wagen vorfuhr.

Natürlich auf die Minute genau.

Natürlich vollkommen übertrieben luxuriös.

Der Fahrer stieg aus und öffnete für Mira die hintere Tür.

Kaiba saß bereits innen und blickte nicht einmal von seinem Tablet auf. „Du bist drei Minuten zu früh.“

Mira stieg grinsend ein. „Hallo auch dir.“

„Pünktlichkeit ist keine Begrüßung.“

„Du klingst wie ein sehr attraktiver Kalender.“

Kaiba reagierte darauf exakt gar nicht.

Der Wagen setzte sich sofort in Bewegung.

„Also“, sagte Mira und lehnte sich zurück, „wohin entführt mich der große Seto Kaiba heute?“

„Ich entführe niemanden.“

„Schade. Das hätte dramatisch geklungen.“

Kaiba schloss sein Tablet. „Du wolltest die Stadt sehen. Das erledigen wir jetzt effizient.“

„Effizient romantisch.“

„Nichts daran ist romantisch.“

„Du betonst das wirklich auffällig oft.“

Kaiba warf ihr einen trockenen Blick zu. „Weil Menschen wie du sonst anfangen, absurde Theorien zu entwickeln.“

„Zu spät.“

Der Wagen hielt schließlich vor einer riesigen Halle voller Neonlichter und holografischer Werbeanzeigen.

Mira blickte überrascht nach draußen. „…Eine Spielhalle?“

„Das neue KaibaLand-Zentrum.“

„Du führst mich zu deiner eigenen Unterhaltungskette?“

„Natürlich. Die Konkurrenz wäre qualitativ enttäuschend.“

Mira musste lachen. „Dein Ego gehört eigentlich unter Denkmalschutz.“

Kaiba stieg bereits aus. „Beeil dich.“

Die Halle war riesig.

Duel-Monsters-Attraktionen, holografische Simulatoren, virtuelle Arenen — überall blinkten Lichter und liefen begeisterte Besucher herum.

Und praktisch jeder erkannte Kaiba sofort.

„OH MEIN GOTT, DAS IST SETO KAIBA!“

„KAIBA-SAMA!“

„IST DAS EIN NEUES EVENT?!“

Mehrere Menschen sammelten sich augenblicklich um sie.

Kaiba wirkte sofort genervt. „Aus dem Weg.“

Die Menge wich trotzdem sofort zurück.

Mira beobachtete das belustigt. „Du bist hier wirklich wie irgendein Endboss.“

„Das hier gehört mir.“

„Natürlich tut es das.“

Ein kleiner Junge drängte sich plötzlich nach vorne und hielt aufgeregt eine Duel-Monsters-Karte hoch. „Mister Kaiba! Können Sie unterschreiben?!“

Kaiba sah auf die Karte herunter.

Natürlich.

„Dein Deck benutzt hoffentlich mehr als nur Nostalgie.“

Der Junge nickte hektisch. „J-Ja!“

Kaiba unterschrieb trotzdem.

Ohne jede Freundlichkeit.

Aber er unterschrieb.

Mira bemerkte es natürlich sofort. „Da ist er wieder.“

„Was.“

„Der heimliche Softie.“

Kaibas Blick wurde augenblicklich kälter. „Nenn mich nie wieder so.“

„Oder was?“

„Ich lasse dich aus dem Gebäude entfernen.“

„Das würdest du nicht tun.“

„Doch.“

„Mhm.“

Sie liefen weiter durch die Halle. Über ihnen flogen holografische Drachen durch künstliche Projektionen, während Musik und Lichtshows den gesamten Komplex erfüllten.

Mira sah sich beeindruckt um. „Okay. Das ist wirklich verrückt.“

„Das war die Absicht.“

„Wie groß ist dein Ego eigentlich genau?“

Kaiba antwortete völlig ernst:

„Messbar größer als dieses Gebäude.“

Mira prustete los.

Kaiba ignorierte das und führte sie weiter Richtung oberer Ebenen, weg von den Menschenmengen.

Hier oben wurde es ruhiger.

Große Fenster zeigten die nächtliche Skyline von Domino City.

„Wow“, sagte Mira leiser.

Kaiba stellte sich neben das Glas. „Die meisten Besucher bleiben unten.“

„Und du?“

„Menschenmengen sind ineffizient.“

„Du meinst nervig.“

„Das ebenfalls.“

Mira lehnte sich leicht gegen das Fenster und musterte ihn von der Seite. „Weißt du… du wirkst hier irgendwie entspannter.“

„Falsche Beobachtung.“

„Nein.“

„Doch.“

„Kaiba.“

„Mira.“

Sie grinste leicht.

Und Kaiba bemerkte zu seinem eigenen Ärger, dass dieses ewige Hin und Her inzwischen fast Routine geworden war.

Eine sehr nervige Routine.

Unten explodierte gerade irgendwo künstliches Feuerwerk aus Lichtprojektionen.

Mehrere Kinder jubelten begeistert.

Mira sah kurz hinunter.

Dann sagte sie plötzlich: „Du hast das alles gebaut, damit Menschen Spaß haben.“

Kaiba verschränkte die Arme. „Ich habe es gebaut, weil Technologie unterhaltsam genutzt werden sollte.“

„Das war fast dieselbe Aussage.“

„Nein.“

„Doch.“

Kaiba schloss kurz genervt die Augen. „Du bist wirklich unfassbar hartnäckig.“

Mira grinste. „Und trotzdem verbringst du schon den zweiten Abend freiwillig mit mir.“

Kaiba sah sie an.

Lange genug, dass ihr Grinsen minimal kleiner wurde.

Dann sagte er ruhig: „Verwechsel Gewohnheit nicht mit Interesse.“

Autsch.

Diesmal traf es tatsächlich ein wenig.

Mira bemerkte das selbst sofort.

Kaiba natürlich auch.

Und trotzdem nahm er den Satz nicht zurück.
 

Der Himmel über Domino City war grau, als Kaibas Wagen vor dem Flughafen hielt.

Die letzten Tage waren seltsam ruhig gewesen.

Keine Hacker.

Keine Katastrophen.

Nur Mira, die sich hartnäckig durch Domino City bewegt hatte, als würde sie selbstverständlich dazugehören.

Und Kaiba, der sie widerwillig begleitet hatte.

Was bereits irritierend genug war.

Der Fahrer lud ihren Koffer aus, während Menschen hektisch durch den Terminaleingang strömten.

Mira blieb neben dem Wagen stehen und sah zu Kaiba.

„Also.“

„Also“, wiederholte er trocken.

Kurze Stille.

Der Wind zog kühl über die Straße vor dem Flughafen.

Mira steckte die Hände in die Jackentaschen. „Danke für die Stadtführung.“

„Sie war ineffizient.“

„Aber nicht schrecklich.“

„Diskutierbar.“

Sie lächelte leicht.

Kaiba bemerkte sofort, dass es diesmal anders wirkte.

Weniger spielerisch.

Fast vorsichtig.

Was ihm augenblicklich missfiel.

Mira atmete kurz durch. „Okay… dann stelle ich jetzt wahrscheinlich die vorhersehbarste Frage überhaupt.“

Kaibas Blick blieb ruhig auf ihr liegen.

„Das klingt bedrohlich.“

„Kann ich deine Nummer haben?“

Sofort.

Ohne jede Verzögerung.

„Nein.“

Die Antwort kam so schnell, dass Mira kurz überrascht blinzelte.

Dann lachte sie leicht. „Wow. Nicht mal zwei Sekunden Nachdenken.“

„War nicht nötig.“

„E-Mail?“

„Nein.“

„Irgendwas?“

„Nein.“

Mira verschränkte langsam die Arme. „Du blockst mich gerade ernsthaft komplett ab.“

„Korrekt.“

„Warum?“

Kaiba antwortete nicht sofort.

Menschen liefen an ihnen vorbei. Rollkoffer. Lautsprecherdurchsagen. Fluganzeigen.

Und mitten darin stand Mira und sah ihn direkt an.

Zu direkt.

„Weil das hier endet“, sagte Kaiba schließlich ruhig.

Ihr Lächeln wurde kleiner. „Kaiba—“

„Du fliegst zurück.“ Seine Stimme blieb kühl. Kontrolliert. „Ich habe ein Unternehmen zu führen. Du hast dein eigenes Leben.“

„Man kann trotzdem Kontakt halten.“

„Unnötig.“

Mira sah ihn einige Sekunden schweigend an.

Dann lachte sie leise. Aber diesmal klang es nicht wirklich ehrlich.

„Unglaublich.“

Kaiba sagte nichts.

„Die letzten Tage waren also einfach… was? Zeitvertreib?“

„Im Wesentlichen.“

Das war härter, als er es hätte formulieren müssen.

Und beide wussten das.

Mira blickte kurz zur Seite. „Du meinst das wirklich ernst.“

„Offensichtlich.“

„Du willst mich wirklich nie wiedersehen.“

Kaiba hielt ihren Blick ohne Zögern. „Ja.“

Die Antwort hing einen Moment zwischen ihnen.

Kalt.

Klar.

Endgültig.

Und zum ersten Mal seit sie ihn kennengelernt hatte, wusste Mira offenbar nicht sofort, was sie sagen sollte.

Das Grinsen war verschwunden.

Keine provokanten Kommentare mehr.

Nur Enttäuschung.

Echte Enttäuschung.

Kaiba bemerkte es sofort.

Natürlich bemerkte er es.

Und genau deshalb wurde sein Blick noch kälter.

Distanz war einfacher, wenn Menschen aufhörten zu hoffen.

Mira nickte schließlich langsam. „Okay.“

Mehr nicht.

Kein Streit.

Kein Versuch, ihn umzustimmen.

Irgendwie machte genau das die Situation unangenehmer.

Der Lautsprecher kündigte ihr Boarding an.

Sie hob ihren Koffer an. „Dann… war’s das wohl.“

„Ja.“

Kurze Stille.

Dann sah Mira ihn noch ein letztes Mal an.

„Weißt du“, sagte sie, „ich glaube nicht, dass du wirklich willst, dass Menschen verschwinden.“

Kaibas Miene veränderte sich nicht.

„Falsche Theorie.“

Mira lächelte schwach.

Traurig diesmal.

„Klar.“

Dann drehte sie sich um und ging Richtung Terminal.

Ohne sich noch einmal umzusehen.

Kaiba blieb regungslos stehen.

Der Fahrer wartete schweigend neben dem Wagen.

Menschen liefen an ihm vorbei, ohne zu ahnen, warum der CEO von KaibaCorp minutenlang einfach nur auf die automatische Glastür des Flughafens starrte.

Er sollte gehen.

Zurück zur Firma.

Zurück zur Arbeit.

Zurück zu etwas Sinnvollem.

Stattdessen stand er immer noch dort.

Genervt.

Und zu seinem eigenen Ärger seltsam unruhig.
 

Kaiba stand noch einen kurzen Moment vor dem Flughafen, dann wandte er sich ohne weiteres Zögern ab.

„Zur Firma“, sagte er knapp.

„Ja, Sir.“

Die Tür der Limousine schloss sich hinter ihm, und kaum setzte sich der Wagen in Bewegung, aktivierte Kaiba bereits wieder mehrere holografische Displays.

Termine.

Finanzberichte.

Neue Prototypen für das nächste Duel Disk-System.

Effizient.

Klar strukturiert.

Nützlich.

Nicht wie emotionale Abschiedsszenen an Flughäfen.

Mira war fort. Ende der Angelegenheit.

Kaiba dachte nicht darüber nach, ob sie enttäuscht gewesen war. Menschen waren ständig enttäuscht von irgendetwas. Das war weder besonders noch relevant.

Sie hatte ein paar Tage in Domino City verbracht.

Sie hatten geredet.

Das war alles.

Keine große Bedeutung. Kein versteckter emotionaler Unsinn.

Und vor allem kein Grund, weiterhin Zeit damit zu verschwenden.

Mokuba wartete bereits im obersten Stockwerk von KaibaCorp, als Kaiba aus dem Aufzug trat.

„Und?“ fragte er sofort.

„Und was?“

„Du hast sie wirklich einfach gehen lassen.“

Kaiba lief an ihm vorbei Richtung Büro.

„Natürlich.“

„Seto.“

„Mokuba.“

„Du wirkst nicht mal betroffen.“

Kaiba setzte sich bereits an seinen Schreibtisch und öffnete den ersten Bericht.

„Weil es nichts gibt, worüber man betroffen sein müsste.“

Mokuba beobachtete ihn einen Moment schweigend.

Kaiba arbeitete bereits wieder völlig konzentriert.

Kein nachdenklicher Blick aus dem Fenster.

Keine Ablenkung.

Keine Spur davon, dass ihn irgendetwas beschäftigte.

Einfach Seto Kaiba in seinem normalen Zustand: beschäftigt, effizient und vollkommen ungerührt.

„Hm“, machte Mokuba schließlich.

„Was?“

„Nichts.“

Kaiba hob kurz den Blick. „Wenn du irgendeine dramatische Rede vorbereitest, spar dir die Zeit.“

„Tu ich gar nicht.“

„Gut.“

Mokuba lehnte sich gegen die Tür und grinste leicht. „Du bist echt unmöglich.“

„Und trotzdem korrekt.“

Er wandte sich wieder seinen Daten zu.

Für Kaiba war die Sache erledigt.

Mira war nie Teil seines Lebens gewesen.

Also gab es auch nichts zu vermissen.

Yugi hatte soeben das Duell gegen sein anderes Ich gewonnen und seine Seele erlöst. Nun konnte Atemus Geist ewigen Frieden finden. Alle wussten es war das Beste für den einstigen Pharao, doch natürlich überwog im Moment eher die Trauer über den Verlust.

Yugi stand lange schweigend vor dem alten Tempel. Der Wind strich durch die zerbrochenen Säulen und irgendwo in der Ferne hallte noch das Echo des letzten Abschieds nach.

Der Pharao war gegangen. Nicht verborgen in irgendeiner Ecke seines Bewusstseins. Diesmal war er wirklich fort; in die Geisterwelt zurückgekehrt, dorthin, wo seine Seele endlich Frieden finden konnte.

Joey legte Yugi eine Hand auf die Schulter. „Hey, du musst nicht so schauen. Er wollte das so.“

Yugi nickte. „Ich weiß. Trotzdem fühlt es sich an, als würde ein Teil von mir fehlen.“

Tea trat neben ihn. „Es fehlt nichts. Du musst jetzt nur lernen, allein weiterzugehen.“

Diese Worte blieben ihm im Kopf.

Yugi, sein Großvater Salomon und seine Freunde Joey, Tea, Tristan, Duke und Bakura flogen mit dem Flugzeug zurück nach Domino City.

Das leise Brummen der Turbinen erfüllte die Kabine. Niemand sprach ein Wort.

Durch die kleinen Fenster des Flugzeugs zog die nächtliche Wolkendecke vorbei, silbern beleuchtet vom Mond. Normalerweise hätte Joey längst irgendeinen Spruch gemacht oder Tristan versucht, ihn zu übertreffen. Doch diesmal herrschte eine Stille, die schwer auf allen lastete.

Yugi saß am Fenster und hielt die Hände ineinander verschränkt. In seinem Blick spiegelten sich die Lichter unter den Wolken, aber seine Gedanken waren weit entfernt.

Beim letzten Duell hatte er gewonnen.

Er hatte genau das getan, worum Atem ihn gebeten hatte.

Und trotzdem fühlte es sich nicht wie ein Sieg an.

Tea beobachtete ihn schon seit mehreren Minuten. Schließlich stand sie langsam auf und setzte sich neben ihn.

„Du denkst immer noch an ihn, oder?“

Yugi lächelte schwach, ohne aufzusehen. „Ich glaube… ein Teil von mir wird immer an ihn denken.“

Tea nickte verständnisvoll. „Das werden wir alle.“

Für einen Moment schwiegen sie wieder.

Dann zog Joey hörbar die Nase hoch und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Mann… das ist echt mies.“

„Joey…“, murmelte Tristan.

„Nein, ernsthaft!“ Joey sah in die Runde. „Der Typ war unser Freund! Klar, er war vor dreitausend Jahren ein Pharao und so, aber er war eben auch Atem.“

Bakura lächelte schwach. „Er hat uns allen geholfen. Mehr als einmal.“

Duke nickte zustimmend. „Und er hat uns wahrscheinlich öfter das Leben gerettet als irgendein anderer Mensch.“

„Ganz zu schweigen davon, wie oft wir wegen ihm überhaupt erst in Gefahr geraten sind“, ergänzte Tristan trocken.

Ein überraschtes, kleines Lachen ging durch die Runde.

Selbst Yugi musste schmunzeln.

Für einen kurzen Augenblick fühlte es sich wieder normal an.

Salomon betrachtete seinen Enkel still. In seinen alten Augen lag Stolz, aber auch Mitgefühl. „Yugi…“

Yugi wandte sich ihm zu.

„Du hast heute nicht nur ein Duell gewonnen. Du hast ihm etwas gegeben, das er selbst nie finden konnte.“

Yugi senkte den Blick. „Frieden…“

Der alte Mann nickte langsam. „Und genau deshalb konnte er gehen.“

Wieder trat Stille ein — diesmal jedoch eine ruhigere.

Tea blickte hinaus in die Dunkelheit. „Glaubt ihr… wir werden ihn jemals wiedersehen?“

Niemand antwortete sofort.

Dann schloss Yugi langsam die Augen.

In Gedanken sah er noch einmal das steinerne Tor. Den endlosen Lichtschein dahinter. Und Atems letztes Lächeln.

„Du bist jetzt stark genug, alleine weiterzugehen.“

Yugi öffnete die Augen wieder.

Ein warmer Windhauch strich plötzlich durch die Kabine, obwohl alle Fenster geschlossen waren. Ganz kurz flackerte eine der Lampen über ihnen.

Joey blinzelte irritiert. „Okay… sagt mir bitte, dass ihr das auch gesehen habt.“

Bakura lächelte wissend.

Yugi dagegen sah nur still zum Himmel hinaus.

Und zum ersten Mal seit dem Abschied schmerzte die Leere in seinem Herzen ein kleines bisschen weniger.
 

Die ersten Wochen nach der Rückkehr nach Domino City fühlten sich für Yugi seltsam leer an.

Nicht, weil plötzlich niemand mehr um ihn herum gewesen wäre — ganz im Gegenteil. Joey schleppte ihn beinahe täglich irgendwohin mit, Tea achtete ständig darauf, dass er nicht allein blieb, und Großvater Salomon tat so, als würde er ihn wegen jeder Kleinigkeit im Spieleladen brauchen.

Aber sobald es still wurde…

…merkte Yugi, dass etwas fehlte.

Oder besser gesagt: jemand.

Zum ersten Mal seit Jahren war da keine zweite Stimme mehr in seinem Kopf. Kein Atem, der ihm Hinweise gab. Kein Gefühl von Wärme und Stärke in schwierigen Momenten.

Nur er selbst.

Anfangs erschreckte ihn das mehr, als er zugeben wollte.

Besonders nachts.

Mehr als einmal wachte Yugi auf, weil er glaubte, Atem hätte ihn gerufen. Dann setzte er sich im Dunkeln auf und erinnerte sich wieder daran, dass der Pharao fort war.

Für immer.

Auch in der Schule fiel ihm die Veränderung auf.

Früher hatten viele Schüler Respekt vor dem „anderen Yugi“ gehabt — vor der selbstbewussten, furchtlosen Seite, die in Duellen praktisch unbesiegbar wirkte. Nun stand dort nur noch Yugi Muto selbst.

Und genau das machte ihm zunächst Angst.

Als Weevil Underwood ihn eines Nachmittags zu einem Duell herausforderte, zitterten Yugis Hände leicht, als er sein Deck mischte.

Joey bemerkte es sofort.

„Hey“, sagte er. „Du musst nicht so spielen wie er.“

Yugi sah überrascht auf.

Joey grinste. „Der Pharao war großartig. Klar. Aber weißte was? Du hast ihn besiegt.“

Diese Worte blieben Yugi lange im Kopf.

Du hast ihn besiegt.

Nicht Atem.

Er selbst.

Langsam begann Yugi zu verstehen, was Atem ihm wirklich hinterlassen hatte.

Nicht seine Macht.

Nicht seine Stärke.

Sondern Vertrauen.

Vertrauen darin, dass Yugi längst auf eigenen Beinen stehen konnte.

Das zeigte sich nicht nur in Duellen.

Als Tea eines Tages nervös über ihre Zukunft sprach und Angst hatte, war es Yugi, der sie ermutigte.

Als Joey mit seiner schlechten Prüfung kämpfte, lernte Yugi geduldig mit ihm — selbst wenn Joey mehr jammerte als lernte.

Und als Bakura stiller wurde und Schwierigkeiten hatte, ohne das Millennium Ring weiterzuleben, verstand Yugi ihn vermutlich besser als jeder andere.

Denn sie beide wussten, wie es war, plötzlich allein zu sein.

Natürlich gab es weiterhin schwere Tage.

Manchmal stand Yugi noch immer auf dem Dach der Schule und blickte in den Himmel, während der Wind durch seine Haare strich.

Und manchmal fragte er sich, was Atem wohl in bestimmten Situationen gesagt hätte.

Aber mit der Zeit wurde aus Schmerz Dankbarkeit.

Denn egal, wie traurig der Abschied gewesen war —

Atem hatte ihm nie wirklich genommen, wer er war.

Er hatte Yugi geholfen, es selbst herauszufinden.

Und genau deshalb konnte Yugi irgendwann lächeln, wenn er an ihn dachte, statt zu weinen.
 

Die nächsten Wochen waren seltsam ruhig. Keine Schatten-Duelle. Keine uralten Götterkarten. Kein Atemzug des Pharaos in seinem Herzen, wenn Gefahr drohte.

Zum ersten Mal musste Yugi Entscheidungen ganz allein treffen.

Und genau das machte ihm Angst.

Im Spieleladen seines Großvaters verlor Yugi plötzlich gegen Anfänger, weil er zögerte. Früher hatte der Pharao in kritischen Momenten die Kontrolle übernommen. Jetzt gab es niemanden mehr, der ihn rettete.

Eines Abends saß Yugi allein im Laden.

„Ich dachte immer, ich wäre ohne ihn schwach“, murmelte Yugi.

„Bist du aber nicht.“

Yugi erschrak. Hinter ihm stand Kaiba, die Arme verschränkt wie immer.

„K-Kaiba?! Was willst du hier?“

„Ich habe gehört, du spielst plötzlich wie ein Amateur.“

„Danke auch.“

Kaiba trat näher. Seine Stimme wurde ungewöhnlich ernst.

„Du hast den Pharao nicht gebraucht, um mich zu besiegen. Das warst du selbst. Vergiss das nicht.“

Yugi schwieg.

Kaiba drehte sich bereits wieder um. „In zwei Tagen veranstalte ich wieder ein Turnier. Wenn du wirklich gewachsen bist, tritt an. Ohne den Pharao.“
 

Das Turnier im KaibaCorp Stadion war größer als alles zuvor. Duellanten aus aller Welt waren gekommen.

Doch diesmal ging es nicht um die Rettung der Welt.

Es ging um Yugi selbst.

In der ersten Runde zitterten seine Hände noch. Bei jedem Zug hörte er unbewusst die Stimme des Pharaos in seinem Kopf; Strategien, Hinweise, Mut.

Aber die Stimme blieb still.

Und langsam verstand Yugi etwas: Der Pharao hatte ihm nie Stärke gegeben.

Er hatte ihm gezeigt, dass die Stärke die ganze Zeit in ihm selbst gewesen war.

Im Finale stand Yugi einem geheimnisvollen Duellanten gegenüber, der eine Karte spielte, die niemand kannte – Tor der verlorenen Seelen.

Der Himmel über die Arena verdunkelte sich. Schatten krochen über das Spielfeld.

„Wer die Angst vor Einsamkeit nicht überwinden kann“, sagte der Fremde, „wird niemals vollständig.“

Yugi schloss kurz die Augen.

Früher hätte er jetzt nach dem Puzzle gegriffen.

Doch diesmal zog er seine nächste Karte selbst. Und lächelte.

„Dann zeige ich dir“, sagte Yugi ruhig, „wer ich ohne den Pharao bin.“

Er aktivierte seine Karte. „Die Bindung der Freunde!“

Ein grelles Licht durchbrach die Dunkelheit der Arena.

Die Karte „Bindung der Freunde“ ließ Yugis Monster nicht stärker werden – zumindest nicht auf gewöhnliche Weise. Stattdessen erschienen hinter ihm Lichtbilder seiner Freunde: Joey, Tea, Tristan, sogar Bakura und Mai.

Der geheimnisvolle Duellant verzog das Gesicht. „Was soll das sein? Sentimentaler Unsinn?“

Yugi schüttelte den Kopf. Seine Stimme war ruhig geworden.

„Früher dachte ich, ich könnte nur gewinnen, wenn der Pharao bei mir ist. Aber ich habe verstanden, dass ich nie allein war.“

Die Projektionen leuchteten heller.

„Meine Freunde haben mich immer getragen.“

Auf dem Feld begann Yugis Schwarzer Magier zu strahlen. Seine Angriffspunkte stiegen weiter an.

3000… 4000… 5000

Die Zuschauer verstummten.

Sogar Kaiba, der oben in seiner VIP-Loge stand, verschränkte die Arme etwas fester. „Na endlich.“

Der fremde Duellant aktivierte hektisch eine Fallenkarte. Schwarze Ketten schossen über das Spielfeld.

„Nicht so schnell! Ich opfere meine Lebenspunkte und-“

„Zu spät!“

Yugi zog eine weitere Karte hervor. Für einen kurzen Moment glaubte er, hinter sich den Schatten des Pharaos zu sehen. Kein Geist. Keine echte Erscheinung.

Nur eine Erinnerung. Und sie lächelte.

Yugi hob die Karte hoch. „Ich aktiviere Herz des Duellanten!“

Der Schwarze Magier zerschlug die schwarzen Ketten mit einem einzigen Angriff. Die Arena erbebte, als das gegnerische Monster zerfiel.

Lebenspunkte des Fremden: 0.

Sekundenlang herrschte absolute Stille.

Dann brach das Stadion in Jubel aus.

Joey sprang als Erster über die Absperrung. „Yugi! Das war irre!“

Tristan lachte laut. „Du hast ihn komplett fertiggemacht!“

Tea blieb direkt vor Yugi stehen und sah ihn lächelnd an. „Jetzt verstehst du es endlich.“

Yugi blickte auf seine Karten hinunter. Seine Hände zitterten noch leicht – aber nicht vor Angst.

Kaiba trat langsam aus dem Schatten der Tribüne hervor. „Du hast gewonnen. Ohne Tricks. Ohne den Pharao.“

„Ja.“

Kaiba sah ihm einige Sekunden schweigend in die Augen. Dann grinste er kaum sichtbar. „Dann bist du jetzt wirklich mein Rivale.“
 

Die drei Mädchen schlugen erbarmungslos auf Tea ein. Tea lag am Boden und versuchte sich zu schützen. Hätte sie gewusst, dass sich diese Mädchen in der Schultoilette aufhielten, wäre sie erst zu Hause auf die Toilette gegangen. Doch jetzt war es zu spät. Tea war allein. Die anderen Schüler waren längst nach Hause gegangen. Niemand kam um sie zu retten.

Tea schmeckte Blut auf der Lippe und presste die Arme schützend vor ihr Gesicht. Das kalte Fliesenmuster der Schultoilette verschwamm vor ihren Augen. Das Lachen der drei Mädchen hallte zwischen den Kabinen wider – laut, grausam und selbstsicher.

„Dachtest wohl wirklich, du könntest dich wehren?“, zischte eine von ihnen und trat gegen Teas Tasche, die quer durch den Raum rutschte.

Tea antwortete nicht. Jeder Atemzug tat weh. Sie wusste, dass sie ihnen genau das geben würden, was sie wollten, wenn sie weinte oder flehte.

Plötzlich erklang draußen auf dem Flur ein Geräusch.

Schritte.

Die drei Mädchen erstarrten für einen Moment. Eine von ihnen fluchte. Die Tür zur Toilette bewegte sich.

„Tea? Bist du da drin?“

Die Stimme war ruhig, aber angespannt.

Yugi.

Tea hob langsam den Kopf. Durch ihre verschwommene Sicht erkannte sie, wie die Mädchen nervös wurden. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass noch jemand in der Schule war.

„Verdammt“, schimpfte eine.

Die Tür flog auf.

Yugi Muto blieb wie angewurzelt stehen, als er Tea am Boden sah. Für einen Augenblick sagte niemand etwas. Die Luft schien stillzustehen.

Dann veränderte sich Yugis Blick.

Plötzlich war jede Unsicherheit aus seinem Gesicht verschwunden.

„Geht!“, sagte er kalt.

Die Mädchen versuchten noch zu lachen, doch niemand von ihnen bewegte sich sofort. Irgendetwas an seiner Stimme ließ selbst sie zögern.

„Sonst was?“, fragte eine spöttisch.

Yugi machte einen Schritt nach vorn. „Sonst hole ich jetzt den Direktor. Und diesmal wird niemand eure Ausreden glauben.“

Die drei sahen sich gegenseitig an. Schließlich schnappten sie ihre Sachen und drängten sich an ihm vorbei. Eine rempelte ihn absichtlich an, doch Yugi reagierte nicht einmal. Seine Aufmerksamkeit lag nur auf Tea.

Als die Tür zufiel, wurde es still.

Tea Gardner versuchte aufzustehen, doch ihre Beine gaben nach. Yugi kniete sich sofort neben sie.

„Nicht bewegen“, sagte er. „Du bist verletzt.“

Tea schluckte schwer. Erst jetzt merkte sie, wie sehr ihre Hände zitterten.

„Ich wollte nur aufs Klo“, sagte sie.

Yugi half ihr vorsichtig hoch. Sein Blick fiel auf die blauen Flecken an ihren Armen und seine Hände ballten sich kurz zu Fäusten.

„Du bist nicht allein“, sagte er schließlich.
 

Das Blaulicht spiegelte sich in den Fenstern der Schule, während die Sanitäter Tea Gardner vorsichtig auf eine Trage halfen. Ihre Rippen schmerzten bei jeder Bewegung und eine Platzwunde über ihrer Augenbraue musste genäht werden. Trotzdem war ihr Blick ruhig geworden. Der Schock wich langsam der Erschöpfung.

Vor dem Schuleingang standen die drei Mädchen mit gesenkten Köpfen. Der Direktor hatte die Polizei und ihre Eltern informiert. Niemand hörte sich ihre Ausreden lange an. Mehrere Schüler hatten inzwischen bestätigt, dass die Mädchen Tea seit Wochen schikaniert hatten.

„Ab sofort seid ihr suspendiert“, sagte der Direktor streng. „Und je nach Entscheidung des Schulrats kann daraus ein dauerhafter Schulverweis werden.“

Die Mädchen schwiegen. Zum ersten Mal wirkten sie nicht überlegen oder stark.

Ein paar Meter entfernt stand Yugi Muto und beobachtete alles still. Er hatte Blut an den Ärmeln von Teas Jacke, weil er ihr geholfen hatte, bevor die Sanitäter gekommen waren. Joey und Tristan waren inzwischen ebenfalls da und konnten kaum glauben, was passiert war.

Im Krankenhaus wurde Tea untersucht. Glücklicherweise hatte sie keine inneren Verletzungen, aber mehrere Prellungen, eine gebrochene Hand und starke Hämatome. Die Ärzte beschlossen, sie über Nacht zur Beobachtung zu behalten.

Später am Abend saß Yugi neben ihrem Bett. Das Zimmer war ruhig, nur das leise Piepen der Geräte war zu hören.

Tea sah aus dem Fenster in die dunkle Nacht hinaus. „Ich hab immer gedacht, wenn ich mich wehre, hören sie irgendwann auf“, sagte sie.

Yugi schüttelte den Kopf. „Menschen wie sie hören nicht von allein auf.“

Tea schwieg kurz. Dann sah sie ihn an. „Danke, dass du gekommen bist.“

Yugi lächelte. „Natürlich bin ich gekommen.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Joey streckte den Kopf herein – mit einer viel zu großen Tüte Snacks in der Hand.

„Krankenhausessen soll schrecklich sein“, meinte er unbeholfen.

Zum ersten Mal seit Stunden musste Tea lachen. Noch vorsichtig, noch erschöpft; aber ehrlich.
 

Am nächsten Morgen durfte Tea Gardner das Krankenhaus verlassen. Die Schmerzen waren noch da, besonders ihre eingegipste Hand pochte bei jeder Bewegung, doch die Ärzte waren zufrieden mit ihrem Zustand. Sie sollte sich schonen und für einige Tage zu Hause bleiben.

Als sie das Krankenhaus verließ, wartete ihre Mutter bereits vor dem Eingang. Sobald sie Tea sah, erstarrte sie kurz.

Die blauen Flecken in ihrem Gesicht, der Verband an ihrer Stirn und der Gips an ihrem Arm ließen keinen Zweifel daran, wie schlimm es gewesen war.

„Oh, Tea...“

Ohne ein weiteres Wort zog sie ihre Tochter vorsichtig in die Arme. Tea versuchte zuerst stark zu bleiben, doch als sie den vertrauten Duft des Parfums ihrer Mutter wahrnahm, brach die Anspannung der letzten Stunden endgültig zusammen.

Während der Autofahrt herrschte lange Schweigen. Regen tropfte gegen die Scheiben und Tea starrte aus dem Fenster.

Erst als sie vor einer roten Ampel hielten, fragte ihre Mutter: „Willst du mir erzählen, was passiert ist?“

Tea schluckte schwer. Dann begann sie zu reden.

Sie erzählte von den Monaten voller Sticheleien. Davon, wie die drei Mädchen sie immer wieder bedrängt hatten, wenn sie allein war und wie sie gehofft hatte, es würde irgendwann aufhören, wenn sie sich wehrte.

Und schließlich erzählte sie von der Schultoilette.

Von den Schlägen.

Davon, wie allein sie sich gefühlt hatte.

Ihre Mutter hörte schweigend zu. Mit jeder Minute wurde ihr Gesicht blasser und ihre Hände umklammerten das Lenkrad fester.

Als Tea fertig war, standen ihnen beiden Tränen in den Augen.

„Warum hast du mir nichts gesagt?“, fragte ihre Mutter mit zitternder Stimme.

Tea senkte den Blick. „Ich wollte dir keine Sorgen machen.“

Ihre Mutter parkte das Auto am Straßenrand und drehte sich sofort zu ihr um.

„Tea, hör mir gut zu“, sagte sie ernst. „Egal was passiert; du musst so etwas niemals allein durchstehen.“

Tea biss sich auf die Lippe. Sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.

Ihre Mutter strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich werde dafür sorgen, dass dir das nie wieder passiert.“
 

Tristan blieb abrupt stehen, als er Miho zwischen den hohen Bücherregalen entdeckte. Sie saß am Fensterplatz der Schulbibliothek, das Nachmittagslicht fiel auf ihre offenen Hefte und ließ die goldenen Staubpartikel in der Luft glitzern. Für einen Moment fühlte er sich wieder wie der Junge von damals — nervös, unbeholfen und viel zu laut für jemanden wie sie.

Miho bemerkte ihn zuerst.

„Tristan?“

Er räusperte sich. „Äh … hi.“

Normalerweise hätte er versucht, cool zu wirken oder irgendeinen dummen Spruch zu bringen. Doch diesmal blieb er einfach stehen, die Hände in den Taschen seiner Jacke vergraben.

Miho lächelte vorsichtig. „Das ist lange her.“

„Ja. Irgendwie schon.“

Zwischen ihnen entstand eine unangenehme Stille. Nur das leise Umblättern von Seiten und das Ticken der Wanduhr waren zu hören.

Tristan erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem sie ihn abgewiesen hatte. Damals hatte er wochenlang versucht, es herunterzuspielen. Vor Joey hatte er gelacht. Vor Yugi so getan, als wäre es egal gewesen. Aber eigentlich hatte es ihn härter getroffen, als er je zugegeben hätte.

Miho schloss langsam ihr Buch.

„Du bist anders geworden.“

„Anders gut oder anders schlecht?“

Sie lachte leise. „Anders erwachsen.“

Das hatte er nicht erwartet.

Tristan zog einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. „Und du bist immer noch genauso wie früher.“

„Das muss wohl sein.“

Wieder dieses Schweigen. Doch diesmal fühlte es sich weniger unangenehm an.

Miho sah ihn eine Weile an, dann sagte sie: „Weißt du … damals habe ich dir nicht wirklich einen Korb gegeben, weil ich dich nicht mochte.“

Tristan blinzelte überrascht. „Nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte das Gefühl, dass in deinem Leben gar kein Platz für etwas Ernstes war.“

Er dachte darüber nach. Wahrscheinlich hatte sie recht gehabt.

„Und heute?“ fragte er schließlich.

Miho lächelte leicht und lehnte sich zurück. „Heute sitzt du freiwillig in einer Bibliothek. Das ist zumindest ein Anfang.“

Vor ihr lag ein Stapel Bücher über Kunstgeschichte und Mode.

Miho lächelte schließlich vorsichtig. „Du kommst freiwillig in eine Bibliothek? Das ist neu.“

„Hey!“ Tristan grinste gespielt beleidigt. „Ich kann auch ernst sein. Joey meinte nur, ich soll endlich mal für die Prüfungen lernen.“

„Joey Wheeler gibt Lerntipps?“ Miho musste lachen.

Tristan merkte, dass sein Herz schneller schlug. Früher hätte ihn allein dieses Lächeln komplett aus der Bahn geworfen. Damals hatte er alles versucht, um Miho zu beeindrucken — große Sprüche, sogar peinliche Liebesbriefe. Und am Ende hatte sie ihn freundlich, aber eindeutig abgewiesen.

Er räusperte sich. „Also… wie läuft’s bei dir?“

Miho blickte kurz auf die Bücher. „Ganz gut. Ich denke darüber nach, nach dem Abschluss Modedesign zu studieren.“

„Klingt irgendwie perfekt für dich.“

Sie sah ihn überrascht an. „Das meinst du ernst?“

„Klar. Du warst schon immer kreativ.“

Für einen Augenblick wurde Miho still. Dann schloss sie langsam eines der Bücher.

„Weißt du“, sagte sie leise, „damals warst du eigentlich echt süß.“

Tristan blinzelte. „Äh… ‘damals’?“

„Aber du hast so sehr versucht, jemand anderes zu sein. Laut, cool, ständig am Angeben.“ Sie lächelte entschuldigend. „Ich glaube, ich hab nie wirklich gesehen, wie du eigentlich bist.“

Tristan wusste nicht sofort, was er antworten sollte. Das alte Brennen der Zurückweisung war noch irgendwo da, aber längst nicht mehr so stark wie früher.

„Vielleicht wusste ich das selbst nicht“, gab er zu.

Draußen begann Regen gegen die Fensterscheiben zu prasseln. Die Bibliothekarin schickte einigen Schülern einen strengen Blick zu, weil sie tuschelten.

Miho stand auf und nahm ihre Bücher. „Ich wollte übrigens nicht gemein sein damals.“

„Schon okay“, sagte Tristan ehrlich. „War wahrscheinlich nötig.“

Sie lächelte wieder — diesmal wärmer als zuvor.

„Hast du vielleicht Zeit“, fragte sie vorsichtig, „nach dem Lernen einen Kaffee trinken zu gehen?“

Tristan starrte sie einen Moment an.

Dann grinste er breit.

„Okay… jetzt bin ich offiziell verwirrt.“
 

Miho lachte leise, und selbst die strenge Bibliothekarin warf ihnen diesmal keinen genervten Blick zu.

„Verwirrt?“ fragte Miho.

„Naja… früher hätte ich für so eine Einladung wahrscheinlich einen Rückwärtssalto gemacht.“

„Und heute?“

Tristan dachte kurz nach. Früher hätte er sofort versucht, cool zu wirken. Jetzt zuckte er einfach mit den Schultern.

„Heute frag ich mich eher, ob du mich gleich wieder veräppelst.“

Miho verzog gespielt beleidigt das Gesicht. „Autsch.“

„Sorry.“ Tristan grinste. „Alte Reflexe.“

Sie gingen gemeinsam Richtung Ausgang der Bibliothek. Draußen hatte der Regen inzwischen stärker eingesetzt. Schüler rannten über den Hof, manche hielten ihre Taschen über den Kopf.

Miho blieb unter dem Vordach stehen. „Mist. Ich hab keinen Schirm.“

Tristan hob triumphierend seinen Rucksack hoch. „Ha! Für genau solche Momente bin ich vorbereitet.“

„Du besitzt einen Schirm?“

„Was soll das denn heißen?!“

Er zog einen etwas zerknitterten, dunkelblauen Regenschirm hervor. Miho musste lachen.

„Okay, das überrascht mich wirklich.“

Gemeinsam gingen sie durch den Regen Richtung Einkaufsstraße. Die Luft roch nach nassem Asphalt und frischen Backwaren aus einem kleinen Café an der Ecke.

Drinnen war es warm. Leise Jazzmusik lief im Hintergrund, und die Fenster beschlugen vom Temperaturunterschied. Tristan bestellte einen Kakao, Miho einen Cappuccino.

„Du trinkst immer noch Kakao?“ fragte sie grinsend.

„Was denn? Männer dürfen Kakao mögen.“

„Hab ich nie bestritten.“

Für einen Moment sahen sie einfach aus dem Fenster. Es war keine peinliche Stille mehr — eher eine ruhige.

Dann wurde Miho plötzlich ernst. „Tristan… darf ich ehrlich sein?“

„Kommt drauf an, wie schmerzhaft es wird.“

Sie lächelte schwach. „Damals mochte ich dich wirklich. Ich war nur… unreif.“

Tristan hob überrascht den Blick.

„Du warst immer nett zu mir“, fuhr sie fort. „Aber ich hab ständig darauf geachtet, was andere denken. Und du hattest damals diesen Ruf als Klassenclown.“

„Hab ich immer noch.“

„Ja, aber jetzt versteckst du dich nicht mehr dahinter.“

Die Worte trafen ihn unerwartet tief.

Er erinnerte sich daran, wie oft er früher versucht hatte, Joey nachzueifern oder vor Yugi cool zu wirken. Immer laut. Immer irgendein Spruch. Vielleicht hatte Miho recht gehabt.

„Weißt du“, sagte Tristan langsam, „ich hab lange gedacht, dass ich mich ändern muss, damit mich jemand mag.“

Miho sah ihn direkt an. „Und jetzt?“

Tristan lächelte leicht.

„Jetzt denke ich… wenn mich jemand mag, dann hoffentlich so, wie ich wirklich bin.“

Miho antwortete nicht sofort.

Dann streckte sie langsam ihre Hand über den Tisch und legte sie auf seine.

In genau diesem Moment flog die Tür des Cafés auf.

„TRISTAN?!“

Joey stand im Eingang, klatschnass vom Regen, während Yugi und Téa hinter ihm auftauchten.

Joeys Augen wurden riesig.

„ICH WUSSTE ES! DU HAST HEIMLICH EIN DATE!“
 

Das ganze Café drehte sich zu ihnen um.

Tristan sprang fast vom Stuhl. „JOEY! MUSST DU IMMER SO RUMBRÜLLEN?!“

Joey zeigte mit dramatisch zitterndem Finger auf ihn. „Du sitzt hier romantisch im Regen mit Miho in einem Café und willst mir erzählen, das is’ kein Date?!“

„Wir trinken einfach nur was!“

Téa verschränkte grinsend die Arme. „Mit Händchenhalten?“

Tristan erstarrte.

Langsam blickte er nach unten.

Miho hatte ihre Hand immer noch auf seiner.

„Äh…“ machte Tristan geistreich.

Yugi lächelte nur freundlich. „Wir wollten euch wirklich nicht stören.“

„Doch, habt ihr“, murmelte Tristan.

Joey setzte sich ungefragt an ihren Tisch. „Okay, ich brauch sofort alle Details. Seit wann läuft das? Gibt’s schon Liebesbriefe? Hat Tristan wieder angefangen, Parfüm in sein Haar zu kippen?“

„HEY! Das war EIN MAL!“

„Es war eine ganze Woche“, sagte Tea trocken.

Miho lachte so sehr, dass sie sich kurz die Hand vor den Mund halten musste. Tristan wollte sich am liebsten unter dem Tisch verstecken.

Die Bedienung brachte Joey einen Kaffee, obwohl niemand bestellt hatte. Wahrscheinlich hatte sie Mitleid.

„Also“, sagte Joey und lehnte sich verschwörerisch vor, „wann küsst ihr euch?“

Tristan verschluckte sich fast am Kakao.

„JOEY!“

Miho wurde rot, versuchte aber gleichzeitig, nicht zu lachen.

Yugi räusperte sich höflich. „Vielleicht sollten wir ihnen etwas Privatsphäre lassen.“

„Danke!“ sagte Tristan sofort.

„Feigling“, grinste Joey.

Tea zog Joey schließlich am Ärmel hoch. „Komm schon. Bevor Tristan einen Herzinfarkt bekommt.“

„Okay, okay.“ Joey grinste breit zu Miho. „Aber pass auf ihn auf. Der Typ hat weniger Selbstvertrauen als ein Kuriboh mit einem Lebenspunkt.“

„ICH KANN DICH HÖREN!“

Die Tür fiel hinter ihnen zu, und plötzlich wurde es wieder ruhig.

Nur der Regen prasselte weiter gegen die Fenster.

Tristan ließ sich stöhnend zurück in den Stuhl sinken. „Das war der schlimmste Moment meines Lebens.“

Miho hob eine Augenbraue. „Schlimmer als damals, als du beim Schulfest versucht hast zu tanzen und gegen den Getränkestand gefallen bist?“

Tristan sah sie entsetzt an. „Warum erinnert sich jeder daran?!“

„Weil es beeindruckend war.“

Er konnte nicht anders — er musste lachen.

Und diesmal lachte Miho einfach mit ihm.

Keine peinliche Unsicherheit. Kein Versuch, cool zu wirken. Einfach nur ehrlich.

Nach einer Weile wurde Miho wieder etwas ruhiger.

„Joey hatte übrigens nicht ganz unrecht.“

Tristan blinzelte. „Mit welchem Teil? Dem Kuriboh?“

„Mit dem Date.“

Er sah sie überrascht an.

Miho spielte nervös mit ihrer Tasse. „Also… wenn du möchtest.“

Tristan spürte, wie sein Herz erneut schneller schlug. Früher hätte er wahrscheinlich sofort irgendeinen übertriebenen Spruch gebracht.

Diesmal nicht.

Diesmal lächelte er einfach.

„Ja“, sagte er. „Das möchte ich.“
 

Miho lächelte so sanft, dass Tristan für einen Moment völlig vergaß, wie man atmet.

Draußen zog ein Bus durch den Regen vorbei, seine Lichter spiegelten sich in den nassen Straßen. Das Café war inzwischen fast leer geworden.

„Also ist es offiziell?“, fragte Miho vorsichtig.

Tristan grinste. „Kommt drauf an. Gibt’s Regeln für offizielle Dates? Muss ich jetzt plötzlich charmant sein?“

„Das wäre zumindest ein interessanter Anfang.“

„Mist. Dann bin ich raus.“

Miho stieß ihn leicht mit dem Fuß unter dem Tisch an.

Sie redeten noch lange weiter. Über die Schule. Über alte Geschichten. Über peinliche Erinnerungen, die plötzlich gar nicht mehr so peinlich wirkten. Tristan merkte irgendwann, dass er die ganze Zeit über lächelte.

Später bezahlten sie und traten wieder hinaus in den Abend. Der Regen hatte aufgehört, und die Straßen glänzten silbern unter den Laternen.

„Ich sollte langsam nach Hause“, sagte Miho.

„Ja… ich auch.“

Aber keiner von beiden bewegte sich.

Tristan kratzte sich nervös an der Wange. „Das hier ist normalerweise der Teil in Filmen, wo irgendwer was Cooles sagt.“

„Und?“

„Ich hab absolut nichts.“

Miho lachte leise. Dann trat sie einen kleinen Schritt näher.

Tristans Herz machte einen kompletten Black Magician Flip.

„Du musst nicht cool sein“, sagte sie.

Für einen kurzen Moment wurde alles still.

Keine Autos.

Keine Stimmen.

Nur dieses nervöse Kribbeln in seiner Brust.

Miho hob langsam den Blick zu ihm.

Und Tristan verstand plötzlich, dass er diesmal nicht darüber nachdenken wollte, wie er wirkte.

Nicht verstecken.

Nicht angeben.

Einfach ehrlich sein.

Er beugte sich vorsichtig vor.

Miho ebenfalls.

Dann küssten sie sich.

Kurz nur.

Warm. Unsicher. Echt.

Als sie sich wieder voneinander lösten, starrte Tristan sie einen Moment sprachlos an.

„Wow“, sagte er schließlich.

„Wow gut oder wow schlecht?“

„Ich glaub… mein Gehirn hat gerade aufgehört zu arbeiten.“

„Das erklärt einiges.“

Tristan lachte nervös und fuhr sich durchs Haar. „Okay, nur damit das klar ist: Joey wird mich damit monatelang nerven.“

„Vermutlich.“

„Yugi wird dieses verständnisvolle Lächeln machen.“

„Definitiv.“

„Und Tea wird so tun, als hätte sie das alles schon vor Jahren gewusst.“

Miho grinste. „Wahrscheinlich hat sie das auch.“

Gerade als Tristan antworten wollte, vibrierte sein Handy.

Eine Nachricht von Joey.

YUGI SAGT, IHR HABT EUCH BESTIMMT GEKÜSST.

Darunter direkt eine zweite Nachricht:

WENN JA, SCHREIB EINFACH „KURIBOH“.

Tristan schloss kurz die Augen.

Miho beugte sich neugierig vor. „Was schreibt er?“

Tristan seufzte tief.

Dann tippte er langsam:

KURIBOH.

Drei Sekunden später kam die Antwort:

ICH WUSSTE ES!!!!!!!!
 

Tristan starrte auf sein Handy.

Noch bevor er antworten konnte, begann es zu klingeln.

„Nein.“ Er drückte den Anruf weg.

Sofort klingelte es erneut.

Miho grinste breit. „Du solltest vielleicht rangehen.“

„Auf gar keinen Fall.“

Dritte Sekunde. Wieder Klingeln.

„Der gibt niemals auf, oder?“ fragte Miho.

„Du kennst Joey.“

Tristan nahm schließlich genervt ab. „WAS?!“

Joeys Stimme explodierte praktisch aus dem Lautsprecher.

„DU HAST SIE GEKÜSST?!“

Mehrere Passanten drehten sich zu ihnen um.

„LEISER!“

„Yugi schuldet mir übrigens fünfzig Yen!“

Im Hintergrund hörte man Tea lachen und Yugi irgendetwas sagen wie: „Ich finde nicht, dass wir wetten sollten…“

„Joey“, sagte Tristan mit zusammengebissenen Zähnen, „wenn du morgen noch leben willst, leg jetzt auf.“

„Okay, okay.“ Kurze Pause. Dann deutlich leiser: „Aber ernsthaft, Mann… freut mich für dich.“

Tristan blinzelte überrascht.

Joey räusperte sich sofort laut. „ÄH ICH MEIN, WER WILL SCHON FREIWILLIG MIT DIR AUSGEHEN?!“

Klick.

Er hatte aufgelegt.

Miho lächelte. „Das war irgendwie süß.“

„Nein. Das war traumatisierend.“

Sie gingen langsam die Straße entlang. Der Himmel war inzwischen klarer geworden, und zwischen den Wolken konnte man erste Sterne sehen.

Nach einer Weile fragte Miho:

„Bereust du es eigentlich?“

„Was?“

„Dass du früher in mich verliebt warst.“

Tristan dachte ehrlich darüber nach.

Früher hätte ihn die Frage wahrscheinlich hart getroffen. Die Zurückweisung hatte ihm damals wirklich wehgetan.

Aber jetzt?

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Nein“, sagte er ruhig. „Ich glaube, wenn das damals anders gelaufen wäre… wären wir heute nicht hier.“

Miho sah ihn überrascht an.

„Damals wollte ich unbedingt, dass du mich magst“, fuhr Tristan fort. „Heute hab ich eher das Gefühl… dass wir uns wirklich kennenlernen.“

Miho wurde leicht rot.

Dann blieb sie plötzlich stehen.

„Warte mal.“

„Hm?“

Sie deutete auf die andere Straßenseite.

Dort, halb versteckt hinter einem Getränkeautomaten, standen Joey, Yugi und Téa.

Alle drei duckten sich gleichzeitig.

Zu spät.

Tristan riss entgeistert die Augen auf.

„SEID IHR UNS ERNSTHAFT GEFOLGT?!“

Joey sprang sofort hervor. „Es sah verdächtig romantisch aus!“

„Das nennt man SPAZIEREN!“

Téa hob entschuldigend die Hände. „Eigentlich wollten nur Joey und ich hinterher. Yugi wollte euch stoppen.“

Yugi hob kleinlaut die Hand. „Es hat nicht funktioniert.“

Miho begann so sehr zu lachen, dass sie sich an Tristan festhalten musste.

Und diesmal störte ihn das überhaupt nicht.

Tristan sah seine Freunde an, schüttelte den Kopf und musste schließlich selbst lachen.

Vielleicht war sein Leben chaotisch.

Vielleicht würden Joeys Sprüche niemals aufhören.

Aber während Miho noch immer lächelnd neben ihm stand, dachte Tristan zum ersten Mal seit langer Zeit, dass genau dieses Chaos eigentlich ziemlich perfekt war.
 

Joey verschränkte grinsend die Arme. „Alsoooo… wann nennt ihr euch endlich offiziell ein Paar?“

„JOEY!“ rief Tristan sofort.

Aber diesmal wurde Miho nicht verlegen still.

Sie sah Tristan kurz an, dann lächelte sie leicht.

„Eigentlich“, sagte sie ruhig, „finde ich die Frage gar nicht so schlimm.“

Tristan verstummte.

Sogar Joey blinzelte überrascht.

„Warte… echt jetzt?“ fragte er.

Miho nickte langsam. „Ja.“

Die nächtliche Straße wirkte plötzlich stiller als zuvor. Tristan spürte, wie sein Herz wieder schneller schlug.

„Miho…“, begann er vorsichtig.

Sie trat einen kleinen Schritt näher zu ihm.

„Früher war alles kompliziert“, sagte sie leise. „Du hast versucht, jemand anderes zu sein. Ich hab nicht verstanden, wie ehrlich du eigentlich bist.“

Tristan sah sie sprachlos an.

„Aber jetzt“, fuhr sie fort, „wenn ich mit dir zusammen bin… fühlt es sich einfach richtig an.“

Joey machte im Hintergrund lautlos eine dramatische Schnappatmung, bis Téa ihm den Ellenbogen in die Seite rammte.

Miho ignorierte die drei komplett.

Ihr Blick blieb nur auf Tristan gerichtet.

„Also frage ich diesmal einfach direkt“, sagte sie mit einem nervösen Lächeln. „Tristan Taylor… möchtest du mein Freund sein?“

Tristan brauchte ganze drei Sekunden, um zu realisieren, dass das gerade wirklich passiert war.

„Äh…“

Joey hielt sich bereits die Brust. „Er stirbt.“

„HALT DIE KLAPPE!“

Miho musste lachen.

Dann atmete Tristan einmal tief durch.

Und diesmal versteckte er sich nicht hinter einem Witz.

Nicht hinter Coolness.

Nicht hinter peinlichen Sprüchen.

Er nahm einfach ihre Hand.

„Ja“, sagte er ehrlich. „Sehr sogar.“

Miho lächelte so glücklich, dass Tristan glaubte, sein Herz würde explodieren.

Und noch bevor Joey irgendeinen Kommentar schreien konnte, zog sie Tristan sanft zu sich und küsste ihn erneut.

Diesmal länger.

Als sie sich voneinander lösten, jubelte Joey laut wie bei einem gewonnenen Duell.

„ENDLICH! DAS HAT JA NUR TAUSEND JAHRE GEDAUERT!“

„Ich bereue alles“, murmelte Tristan, obwohl er grinste.

Yugi lächelte warm. „Ich finde, ihr passt gut zusammen.“

„Definitiv“, sagte Téa zufrieden. „Das war längst überfällig.“

Miho verschränkte ihre Finger mit Tristans.

Und während sie gemeinsam die Straße entlanggingen — begleitet von Joeys endlosem Gequatsche und dem leisen Lachen ihrer Freunde — fühlte es sich für Tristan zum ersten Mal nicht mehr wie ein unerreichbarer Traum an.

Sondern wie ein echter Anfang.
 

„Ich will nicht mein ganzes Leben Schrauben sortieren und Förderbänder reparieren“, sagte Tristan Taylor und starrte auf seine halbvolle Suppenschüssel.

Der Regen trommelte gegen die Fenster der kleinen Wohnung über der alten Metallfabrik. Sein Vater legte langsam die Zeitung zur Seite.

„Die Fabrik hat unsere Familie ernährt“, sagte er mit tiefer Stimme. „Schon dein Großvater hat dort gearbeitet.“

Tristan verschränkte die Arme. „Ich weiß. Aber das heißt doch nicht, dass ich auch dort enden muss.“

Seine Mutter sah nervös zwischen beiden hin und her. „Tristan… du bist noch jung. Vielleicht meinst du das morgen schon nicht mehr so.“

„Doch“, antwortete er sofort. „Ich will etwas Eigenes machen. Vielleicht Motorräder bauen. Oder Mechaniker werden. Irgendwas, bei dem ich wirklich etwas erschaffe.“

Für einen Moment sagte niemand etwas. Aus der Küche hörte man nur das Ticken der alten Wanduhr.

Dann stand sein Vater auf, ging zum Fenster und blickte hinaus auf die rauchenden Schornsteine der Fabrik.

„Als ich in deinem Alter war“, sagte er, „wollte ich Musiker werden.“

Tristan blinzelte überrascht. „Echt?“

Sein Vater nickte langsam. „Aber dein Großvater wurde krank. Also bin ich arbeiten gegangen. Und irgendwann… blieb ich einfach dort.“

Die Spannung im Raum veränderte sich plötzlich. Nicht mehr Wut — eher etwas Schweres, das jahrelang unausgesprochen geblieben war.

„Ich sage nicht, dass du deinen Traum aufgeben sollst“, meinte sein Vater schließlich. „Aber die Welt ist härter, als du denkst.“

Tristan stand ebenfalls auf. „Dann lass mich wenigstens versuchen herauszufinden, wer ich sein will.“

Sein Vater sah ihn lange an. Schließlich seufzte er und griff wieder nach seiner Zeitung.

„Gut“, murmelte er. „Aber wenn du scheiterst, wartet die Fabrik immer noch auf dich.“

Tristan lächelte zum ersten Mal an diesem Abend. „Dann werde ich besser nicht scheitern.“
 

„Profiduellant?“

Die Mutter von Joey Wheeler stellte die Einkaufstüten auf den Küchentisch und sah ihn an, als hätte sie sich verhört. „Joseph, bitte sag mir, dass das ein Witz ist.“

Joey lehnte lässig am Kühlschrank, obwohl ihm längst mulmig wurde. „Ist es aber nicht. Schau dir doch die großen Turniere an! Die Leute verdienen richtig Geld damit.“

„Und wie viele schaffen das wirklich?“, fragte sie sofort. „Einer von tausend?“

Joey hob trotzig das Kinn. „Yugi glaubt an mich.“

„Yugi bezahlt aber nicht die Miete“, entgegnete sie trocken.

Das traf. Joey verzog kurz das Gesicht und blickte weg. Draußen hörte man Autohupen und das entfernte Rattern der Hochbahn. Die kleine Wohnung wirkte plötzlich noch enger.

Seine Mutter setzte sich langsam an den Tisch. Ihre Stimme wurde ruhiger.

„Joseph… ich weiß, dass du gut bist. Wirklich. Aber ich habe Angst, dass du alles auf einen Traum setzt und am Ende nichts in der Hand hast.“

Joey zog sein Deck aus der Jackentasche und legte es vorsichtig auf den Tisch, fast wie etwas Zerbrechliches.

„Weißt du, warum ich angefangen habe zu duellieren?“, fragte er.

Sie schüttelte den Kopf.

„Weil ich zum ersten Mal irgendwo nicht der Versager war.“

Seine Mutter schwieg.

„In der Schule war ich schlecht. Leute haben über mich gelacht. Aber beim Duellieren… da konnte ich endlich zeigen, dass ich was kann.“

Sie sah auf das abgenutzte Deck mit den zerknickten Kartenhüllen. Man konnte erkennen, wie oft er es benutzt hatte.

„Und was passiert, wenn du verlierst?“, fragte sie schließlich.

Joey grinste leicht. „Dann steh ich wieder auf. Mach ich doch immer.“

Zum ersten Mal an diesem Abend musste seine Mutter ebenfalls lächeln, wenn auch nur kurz.

„Du bist genauso stur wie dein Vater“, meinte sie.

„Danke… glaube ich.“

Sie stand auf, ging zur Spüle und sagte ohne sich umzudrehen:

„Versprich mir nur eins.“

„Was denn?“

„Dass du nicht vergisst, wer du bist, wenn du irgendwann berühmt wirst.“

Joey nahm sein Deck wieder in die Hand und grinste breiter.

„Keine Sorge. Ich bleib immer Joey Wheeler.“
 

„Nach Amerika?“

Der Vater von Tea Gardner legte seine Essstäbchen langsam hin. „Ganz allein?“

Tea nickte entschlossen, obwohl ihr Herz raste.

„Ich will dort Tanz studieren. In New York gibt es Schulen, von denen ich hier nur träumen kann.“

Ihre Mutter atmete tief durch. „Tea…“ sagte sie, „das ist nicht einfach ein Schulausflug. Das ist das andere Ende der Welt.“

Tea verschränkte die Hände unter dem Tisch, damit niemand sah, wie nervös sie war. „Ich weiß. Aber genau deshalb muss ich es versuchen.“

Ihr Vater stand auf und ging einige Schritte durchs Wohnzimmer. „Und was ist mit deiner Familie? Deinen Freunden? Du kannst doch nicht einfach alles hinter dir lassen.“

„Ich lasse niemanden zurück“, antwortete Tea schnell. „Ich gehe nur meinen eigenen Weg.“

„Für wie lange?“, fragte ihre Mutter.

Darauf hatte Tea keine richtige Antwort.

Der Regen draußen spiegelte die Neonlichter der Stadt in den Fenstern. Für einen Moment wirkte die Wohnung stiller als sonst.

„Seit du klein warst, tanzt du“, sagte ihre Mutter schließlich. „Sogar bevor du richtig schreiben konntest.“

Tea musste lächeln. „Ihr habt mich damals doch selbst zum Unterricht gebracht.“

„Ja“, sagte ihr Vater. „Aber wir dachten nie, dass du deswegen fortgehen würdest.“

Tea sah ihn direkt an. „Wenn ich bleibe, werde ich mich mein ganzes Leben fragen, was passiert wäre, wenn ich mutig genug gewesen wäre.“

Ihr Vater antwortete nicht sofort. Stattdessen betrachtete er die Fotos im Regal — Tea als Kind bei Tanzaufführungen.

„Die Welt dort draußen ist nicht freundlich“, murmelte er.

Tea nickte langsam. „Vielleicht nicht. Aber ich habe keine Angst davor, hart zu arbeiten.“

Ihre Mutter setzte sich neben sie. „Und wenn du Heimweh bekommst?“

Tea schluckte. „Dann rufe ich euch an. Wahrscheinlich jeden Tag.“

Das brachte ihre Mutter trotz allem zum Lächeln.

Ihr Vater seufzte schließlich schwer und setzte sich wieder an den Tisch. „Du klingst, als hättest du deine Entscheidung längst getroffen.“

Tea sah kurz aus dem Fenster, dann wieder zu ihren Eltern.

„Vielleicht habe ich das.“

Lange sagte niemand etwas.

Dann nickte ihr Vater langsam. „Wenn du wirklich gehst… dann geh nicht halbherzig.“

Tea blinzelte überrascht.

„Wenn du diesen Traum verfolgst“, sagte er weiter, „dann kämpfe dafür bis zum Ende.“

Tea spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. „Das werde ich.“
 

Yugi saß noch lange mit seiner Mutter und seinem Großvater am Küchentisch. Draußen färbte die untergehende Sonne die Straßen von Domino City orange, während im Laden unten leise das Klirren alter Vitrinen zu hören war.

„Ich habe eine Entscheidung getroffen“, sagte Yugi plötzlich.

Seine Mutter hob überrascht den Blick von der Teetasse. „Eine Entscheidung?“

Auch sein Großvater Salomon Muto legte die Zeitung zur Seite und musterte ihn neugierig.

Yugi atmete tief durch. „Nach dem Schulabschluss möchte ich eigene Spiele erfinden.“

„Eigene Spiele, hm?“, sagte Salomon schließlich und strich sich durch seinen grauen Bart. „Nicht nur Kartenspiele?“

Yugi schüttelte den Kopf. „Nein. Alles Mögliche. Brettspiele, Rätsel, vielleicht sogar neue Arten von Duellen. Spiele sollen Menschen zusammenbringen. Genau das liebe ich daran.“

Seine Mutter lächelte warm. „Das klingt ganz nach dir.“

Yugi wurde leicht rot. Früher hätte er nie so offen über seine Träume gesprochen. Aber nach allem, was passiert war — den vielen Duellen, den Freunden, die er gefunden hatte, und den Prüfungen, die er bestanden hatte — fühlte sich seine Zukunft plötzlich klar an.

„Ein gutes Spiel braucht nicht nur Regeln“, meinte sein Großvater. „Es braucht Herz. Geschichten. Entscheidungen. Menschen müssen sich daran erinnern.“

Yugi nickte langsam. Genau das wollte er erreichen. Nicht einfach nur gewinnen oder verlieren. Er wollte Spiele erschaffen, die Menschen zusammenbrachten — so wie Duel Monsters es getan hatte.

„Ich habe sogar schon Ideen“, sagte er und zog ein zerknittertes Notizbuch aus seiner Tasche. Seiten voller Skizzen, Symbole und handgeschriebener Regeln kamen zum Vorschein.

Seine Mutter staunte. „Du arbeitest daran schon seit Monaten?“

„Seit einem Jahr“, gab Yugi zu.

Salomon nahm das Buch behutsam entgegen. Er blätterte schweigend durch die Seiten. Mal hob er überrascht die Augenbrauen, mal schmunzelte er.

Dann schloss er das Notizbuch und gab es Yugi zurück.

„Die meisten Menschen spielen nur Spiele“, sagte er ruhig. „Aber einige wenige erschaffen Welten.“

Yugi sah ihn erstaunt an.

„Und ich glaube“, fuhr Salomon fort, „du könntest einer von ihnen werden.“

Salomon stand auf und ging langsam zu einer alten Holztruhe hinter der Theke. Als er sie öffnete, stieg der Duft von altem Papier und Holz auf. Vorsichtig holte er mehrere vergilbte Notizbücher heraus.

„Das hier“, sagte er und legte sie vor Yugi, „waren meine ersten Entwürfe.“

„Deine?“

„Natürlich.“ Salomon lachte. „Bevor ich den Spieleladen eröffnet habe, wollte ich selbst Spieleentwickler werden. Ich habe Regeln erfunden, Figuren gezeichnet und sogar Prototypen gebaut.“

Yugi blätterte erstaunt durch die Seiten. Manche Skizzen wirkten chaotisch, andere überraschend ausgearbeitet. Labyrinthe, seltsame Würfelmechaniken, Karten mit antiken Symbolen.

„Großvater… warum hast du aufgehört?“

Salomons Blick wurde ruhiger. „Das Leben kam dazwischen. Aber vielleicht war es nie falsch aufzuhören. Vielleicht wartete alles nur auf dich.“

Dann grinste Yugi plötzlich. „Dann machen wir zusammen eins.“

„Was?“, fragte seine Mutter lachend.

„Ein Spiel. Drei Generationen Muto. Großvaters Ideen, meine Regeln… und Mama sorgt dafür, dass wir uns nicht völlig übernehmen.“

„Moment mal“, sagte sie gespielt empört, „warum bin ich automatisch die Vernünftige?“

„Weil du es bist“, antworteten Yugi und Salomon gleichzeitig.

Alle drei mussten lachen.
 

Joey Wheeler saß im Klassenraum auf seinem Platz und langweilte sich.

„Joey Wheeler!"

Er war mit seinen Gedanken ganz woanders. „Ja, Sato-sensei?"

„Geh nach vorn an die Tafel und löse die Aufgabe", befahl Herr Sato.

Joey stöhnte. Mathe war noch nie sein Lieblingsfach. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig. Also stand er auf und ging zur Tafel. Dort nahm er die Kreide in die Hand. Joey hatte keine Ahnung wie man die Aufgabe richtig löste und schrieb irgendwas auf. Dann trat er beiseite. Herr Sato sah sich das an, was Joey aufgeschrieben hatte. „Das ist falsch, Joey. Warum passt du nicht im Unterricht auf, wenn ich was erkläre?"

Weil ich keine Lust habe. Doch das konnte er unmöglich sagen. Deswegen schwieg er. Einige aus der Klasse lachten. Joey verschränkte die Arme und verzog das Gesicht. Das Lachen seiner Mitschüler ging ihm gehörig auf die Nerven. Besonders Tristan grinste viel zu breit.

„Hey, wenigstens hat er’s versucht“, meinte Tea und warf den anderen einen strengen Blick zu.

Herr Sato seufzte und nahm Joey die Kreide aus der Hand. „Setz dich wieder. Und diesmal hörst du zu.“

„Ja, ja …“, murmelte Joey und schlurfte zurück zu seinem Platz. Kaum saß er, kritzelte er gelangweilt kleine Monster auf den Rand seines Hefts. Zahlen verschwammen vor seinen Augen. x hier, y da — als würden die Dinger absichtlich kompliziert aussehen wollen. Die Schulglocke klingelte endlich. Sofort sprang Joey auf.

„Nicht so schnell, Joey“, sagte Herr Sato streng. „Du bleibst noch kurz hier.“

„Waaas?!“

Die anderen verließen lachend den Klassenraum, während Joey genervt zurücksank.

Herr Sato trat an seinen Tisch. „Joey, du bist nicht dumm“, sagte er ruhiger als zuvor. „Aber wenn du ständig träumst, wirst du nie besser werden.“

Joey schaute weg. Solche Gespräche mochte er nicht. „Schon gut“, murmelte er. „Ich komm klar.“

Herr Sato musterte ihn einen Moment lang, dann nickte er nur. „Dann beweise es.“

Joey verzog das Gesicht. „Klar doch.“

Herr Sato hob eine Augenbraue. „Morgen frage ich dich wieder ab. Also nutz den Nachmittag sinnvoll.“

„Tch …“ Joey stopfte sein Heft in die Tasche. „Als ob Mathe irgendwann nützlich wird.“ „Manche Dinge lernt man nicht, weil sie Spaß machen“, erwiderte Herr Sato ruhig. „Sondern weil man Disziplin braucht.“

Das klang genau nach der Art Erwachsenen-Spruch, die Joey nicht hören wollte. Er verabschiedete sich halbherzig und verließ endlich den Klassenraum. Auf dem Flur warteten Yugi, Tea und Tristan bereits auf ihn.

„Na, Standpauke überlebt?“, fragte Tristan grinsend.

„Halt die Klappe.“

Yugi lächelte vorsichtig. „Herr Sato meint es wahrscheinlich nur gut.“

„Du klingst schon wie ein Lehrer.“

„Vielleicht solltest du einfach einmal lernen“, meinte Tea und stemmte die Hände in die Hüften. „Dann müsstest du dich nicht ständig blamieren.“

Joey schnaubte. „Wow, danke für die Motivation.“

Gemeinsam liefen sie Richtung Ausgang. Während Yugi irgendetwas über das neue Kartenspielturnier erzählte, schweiften Joeys Gedanken schon wieder ab. Lernen. Hausaufgaben. Formeln. Öde. Doch als er seine Tasche etwas öffnete, fiel sein Blick auf die hingekritzelten Monster in seinem Heft. Neben einem der kleinen Drachen hatte Herr Sato offenbar unbemerkt etwas geschrieben: „Strategie ist auch Mathematik.“

Joey blieb kurz stehen.

„Was ist?“, fragte Tristan. „Nichts.“

Aber irgendwie musste Joey dabei sofort an Duelle denken. An Lebenspunkte. Kartenkombinationen. Wahrscheinlichkeiten. Vielleicht hatte Herr Sato gar nicht komplett unrecht. … Was natürlich nicht bedeutete, dass Joey plötzlich Lust auf Mathe hatte.

Am nächsten Morgen saß er trotzdem ungewöhnlich früh im Klassenraum. Vor ihm lag ein aufgeschlagenes Mathebuch. Er starrte die Aufgaben an, als wären sie ein Gegner, den er einschüchtern wollte.

„Seit wann lernst du freiwillig?“, fragte Tristan erstaunt, als er hereinkam.

Joey verschränkte die Arme. „Ich lern nicht. Ich analysier nur meinen Feind.“

Tea musste lachen, und sogar Yugi grinste. In diesem Moment betrat Herr Sato den Raum. Sein Blick fiel sofort auf Joeys Buch. Für einen winzigen Augenblick wirkte er überrascht. Dann lächelte er leicht. „Gut“, sagte er. „Dann sehen wir mal, ob du heute besser vorbereitet bist, Joey Wheeler.“

Joey lehnte sich lässig zurück, obwohl ihm bei diesen Worten sofort mulmig wurde. „Klar bin ich vorbereitet“, behauptete er. „Total.“

Herr Sato nickte langsam, als würde er ihm kein Wort glauben. Dann schrieb er eine neue Aufgabe an die Tafel. Zahlen, Klammern und ein großes x breiteten sich vor der Klasse aus. Joeys Selbstvertrauen starb augenblicklich. „Wer möchte anfangen?“ fragte Herr Sato. Mehrere Schüler sahen demonstrativ weg. Tristan grinste bereits wieder in Joeys Richtung. „Joey“, sagte Herr Sato ruhig. „Diesmal freiwillig.“

„Das ist doch nicht freiwillig, wenn Sie direkt meinen Namen sagen!“

Ein paar Schüler lachten. Joey seufzte schwer und stand auf. Langsam ging er nach vorne. Die Kreide fühlte sich plötzlich viel schwerer an als gestern. Er warf einen Blick auf die Aufgabe. Okay … Klammern zuerst. Das hatte er gestern Abend zumindest verstanden. Irgendwie. Ganz hinten hörte er Tristan sagen: „Das wird lustig.“

Joey knirschte mit den Zähnen. „Kannst du einmal ruhig sein?“

„Konzentrier dich lieber auf die Zahlen“, gab Tristan zurück.

Joey atmete tief durch und begann zu rechnen. Erst zögerlich. Dann etwas sicherer. Zwischendurch hielt er inne und sah die Aufgabe an, als würde sie ihn persönlich beleidigen. Schließlich legte er die Kreide weg. „Fertig.“

Herr Sato trat nach vorne. Der Klassenraum wurde still. Joey verschränkte die Arme und wartete auf die nächste Blamage.

Herr Sato betrachtete die Rechnung einige Sekunden lang. „… Nicht schlecht.“

Joey blinzelte. „Hä?“

„Ein Vorzeichenfehler am Ende“, erklärte Herr Sato und deutete auf die letzte Zeile. „Aber der Rechenweg stimmt.“

Die Klasse wirkte überrascht. Tristan sogar ein bisschen enttäuscht.

„Moment mal“, sagte Joey. „Das heißt, ich war fast richtig?“

„Fast“, bestätigte Herr Sato.

Ein breites Grinsen erschien auf Joeys Gesicht. „Ha! Hab ich’s doch drauf!“

„Übertreib es nicht“, meinte Tea trocken.

Aber Joey hörte kaum zu. Zum ersten Mal seit Langem hatte er vor der Klasse nicht komplett versagt. Das fühlte sich … ziemlich gut an. Herr Sato nahm die Kreide und korrigierte den kleinen Fehler. Dann sah er Joey an. „Siehst du? Wenn du dir Mühe gibst, kannst du es.“

Joey wollte gerade irgendeinen coolen Spruch bringen, als plötzlich die Tür des Klassenraums aufgeschoben wurde. Ein älterer Schüler steckte den Kopf herein. „Ist hier Joey Wheeler?“ „Äh … ja?“ sagte Joey.

Der Schüler grinste leicht. „Der Direktor will dich sprechen.“

Sofort wurde die Stimmung im Raum seltsam still.

„Der Direktor?“ fragte Yugi irritiert.

Joey schluckte. „Okay … das klingt nie gut.“

„Was hast du diesmal angestellt?“ fragte Tristan sofort.

„Gar nichts!“ verteidigte sich Joey. „Glaub ich.“

Herr Sato verschränkte die Arme. „Dann geh besser nachsehen.“

Joey trottete zur Tür. Kurz bevor er hinausging, beugte sich Tristan noch zu ihm rüber. „Wenn du rausfliegst, kann ich deine Lunchmarken haben?“ „Träum weiter.“

Die Tür fiel hinter Joey ins Schloss. Der Flur war stiller als sonst, nur entfernt hörte man Stimmen aus anderen Klassenräumen. Während er Richtung Direktorat lief, wurde ihm zunehmend mulmig. Vielleicht hatte jemand sich über ihn beschwert. Oder er hatte irgendein Formular vergessen. Oder seine letzte Mathenote war so schlimm gewesen, dass jetzt ein offizielles Trauergespräch stattfand.

„Mann …“, murmelte Joey. „Warum passiert sowas immer mir?“

Vor dem Büro des Direktors blieb er stehen. Einen Moment überlegte er ernsthaft, einfach umzudrehen. Doch dann öffnete sich die Tür plötzlich von selbst.

„Joseph Wheeler?“, fragte die Sekretärin.

Joey verzog das Gesicht. Er hasste es, wenn Erwachsene seinen vollen Namen benutzten. „Ja?“

„Der Direktor erwartet dich.“ Na toll.


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Kommentare zu dieser Fanfic (4)

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Von: Melantha
2025-05-18T16:52:33+00:00 18.05.2025 18:52
Die Idee mit Wahrheit oder Pflicht spielen find ich richtig gut. Da kann schon was lustiges passieren, bin gespannt, wie es weiter geht. :)
Antwort von:  Perle93
15.11.2025 20:27
Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hoffe dass dir die Geschichte weiterhin gefällt.
Von: Melantha
2025-05-18T16:33:22+00:00 18.05.2025 18:33
Ich finde, die Idee mit den Wettbewerben ist sehr gut, das bringt etwas Spannung in die Klassenfahrt! Krass fand ich, dass ein Schüler beinahe ertrunken wäre. Kaibas und Joeys Rivalität kam auch gut rüber, ich hätte Joey den Sieg gern gegönnt, aber gegen Kaiba hat man eben keine Chance. Ein Detail ist mir aufgefallen, im Film "The Dark Side of Dimensions" hieß es, dass Bakuras Vater nicht mehr am Leben wäre. Mal sehen, ob Joey im nächsten Kapitel gewinnt.
Von:  Onlyknow3
2024-01-03T07:04:16+00:00 03.01.2024 08:04
Perle ich habe gerade mal diese Kapitel gelesen, da ist mir aufgefallen das du sehr dicht schreibst.
Das solltest du ändern, dann mach die einzelnen Kapitel nicht zu lang. Kurze Kapitel die die Spannung auf das nächst schon erhöhen. So hätte ich das Kapitel halbiert, so ist es zu lang. Aber sehr gut geschrieben. Bleib dran das wird schon, du kannst das da glaube ich fest daran.

LG
Onlyknow3
Von:  Blanche7
2023-06-12T11:50:08+00:00 12.06.2023 13:50
Eine schöne Geschichte. Besonders der Traum am Anfang hat mir gut gefallen. <3
Antwort von:  Perle93
12.06.2023 21:25
Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich dass dir die Geschichte gefällt.


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