Kapitel 01
„Einst lebten die Menschen, Dämonen und Gottheiten in Frieden zusammen, doch die Dämonen griffen einfach so, ohne Vorwarnung unser Land an und es kam zu einem erbitterten Krieg zwischen ihnen. Die Menschen verbündeten sich mit den Gottheiten und kämpften an ihrer Seite in diesem Krieg.
Die obersten und mächtigsten Gottheiten beendeten den verheerenden Krieg und versiegelten mit einem unbekannten Ritual die Kräfte des Dämonen Lords und verschwanden daraufhin spurlos. Seit jeher sind die Fronten zwischen den Dämonen und uns sehr angespannt und es kommt immer wieder zu Kämpfen.
Der Prophezeiung nach kann nur der wahre Nachfahre und Erbe der einst vorherrschenden Götterfamilie, der Urgötter, die Katastrophe durch die Dämonen abwenden und den Dämonen Lord wahrhaftig und endgültig besiegen. Man sagt, dass die Zeit kommen wird in dem der Dämonen Lord wieder auferstehen wird, um die Welt zu vernichten.“
„Und wie finden wir den Erben?“, fragte Ria neugierig bei ihrer Mutter nach.
„Das ist eine gute Frage, mein Schatz…“, antwortete sie und stupste ihr die Nase. „Das weiß ich leider auch nicht.“
„Aber Mama… Wie sollen wir ihn dann finden? Irgendjemand muss doch den Dämonen Lord aufhalten! Wieso sind die Urgötter verschwunden?“, fragte Ria nach.
„Mach dir keine Sorgen meine liebe Ria… Ich bin mir sicher, dass alles gut gehen wird… Das Schicksal wird uns helfen.“ Ihre Mutter tätschelte ihr den Kopf. „Und sie sind ja nicht komplett verschwunden. Viele Götter verweilen immer noch unter uns und im Laufe der Jahrhunderte haben sie sich mit den Menschen vermischt und so entstanden die Mischwesen.“
„So wie du, oder Mama? Bin ich auch ein Mischwesen?“, wollte Ria wissen.
„Genauso wie ich…“ Sie deckte Ria zu. „Ich weiß nicht, ob du auch ein Mischwesen bist, mein Schatz. Du weißt doch, dass wir dich als Baby gefunden haben, aber ich liebe dich als wärst du meine eigene Tochter“, sprach sie beruhigend und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Mama… Ich möchte auch etwas Besonderes sein so wie du…“, gab Ria traurig zu.
„Aber du bist etwas ganz Besonderes! Egal ob nun göttliches Blut durch deine Adern fließt oder nicht, du bist Iturria Kazlauskas, du bist du und somit einzigartig!“
Ria wachte auf und rieb sich ihre Augen. Es klopfte an der Tür.
„Ria? Bist du schon wach?“ Seren betrat den Raum ganz freudestrahlend. „Ich hoffe du bist bereit!“
„Bereit? Wofür?“, fragte Ria noch ganz verschlafen nach.
„Na für die Abschlusszeremonie! Heute erfahren wir endlich, ob wir es geschafft haben!“, erklärte Seren.
„Achja… Stimmt… Wir wollten in die Armee eintreten, in die nur die Besten der Besten kommen, hatte ich glatt vergessen…“
„Genau! Der göttliche Ritterorden! Kurz GRO! Kann doch nicht sein, dass du etwas so Wichtiges vergisst! Wenn wir bestehen haben wir sogar die Chance in die Spezialeinheit von Major Hoxia zu kommen, dem Sohn des Generals Hoxia!“, schwärmte Seren.
„Ist doch egal in welche Einheit wir kommen, Ser… Hauptsache wir können unseren Beitrag leisten und helfen die Dämonen endlich zu besiegen…“, entgegnete Ria die es endlich mal schaffte aufzustehen.
„Ja da hast du natürlich Recht, Ria…“, gestand Seren ein. „Es wird Zeit, dass wir mal zurück schlagen können und diese endlose Farce beenden damit alle in Frieden leben können…“
„Das ist der Plan, Ser“, lächelte Ria ihn an.
„Also gut, mach dich fertig damit wir loskönnen. Ich warte draußen auf dich!“ Damit verließ Seren das Zimmer und Ria begann sich anzuziehen und fertig zu machen.
<Ser ist toll… Obwohl es meine Idee war der Armee beizutreten, und er anfangs nichts davon hielt, unterstützt er mich so und tritt nun mit mir ein… Ich bin ihm echt etwas schuldig…>
Ria verließ das Haus und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Festplatz.
„Sieh nur! So viele Leute!“ Seren staunte als er sich umblickte und stieß gegen eine Frau.
„Hey! Hast du keine Augen im Kopf!“, schimpfte sie ihn.
„E-Entschuldigung!“, demütig verbeugte sich Seren nur um mit seinem Hinterteil jemand anderen zu stoßen.
„Ah! Bitte entschuldigen Sie!“
Ria lächelte.
<Da ist er ja wieder… Der tollpatschige Ser…>
Ria sah sich um. Zur Feier der neuen Rekruten, die nun aufgenommen werden in verschiedene Einheiten, wurde ein Fest organisiert mit lauter Ständen.
Auf einmal trat der General persönlich auf die Bühne und begann mit seiner Ansprache.
„Still gestanden!!“, fing er an. „Heute begrüßen wir unsere Rekruten und verkünden wer es geschafft hat sich einen Platz in unsren Reihen zu verdienen! Die Abschlussbeste war Kazlauskas Iturria. Soldat, hervortreten!“
Ria trat hervor. Eneas beobachtete sie.
„Als Jahrgangsbeste darf sie sich die Einheit aussuchen, der sie beitreten will. Der Rest wird entsprechend ihrer Fähigkeiten zugeteilt.“ Er blickte sie an. „Und? Wie ist deine Entscheidung?“
Ria sah ihn ernst an.
„Ich möchte in die Einheit eintreten in welche auch Borg Seren eingeteilt wird.“
Überrascht sah der General sie an.
„Nun ja… Herr Borg wird in eine schwache Einheit versetzt da er von den Prüflingen, die bestanden haben, einer der schlechtesten war.“
„Das ist mir gleich“, antwortete Ria ganz trocken.
Einer der Soldaten, die mit auf der Bühne standen, schimpften mit Ria.
„Hey! Zeig ein bisschen mehr Respekt gegenüber deinem Vorgesetzten! Weißt du denn nicht, wen du hier vor dir hast?!“
Der General brach in Gelächter aus.
„So jemand wie du ist mir noch nie unter die Augen getreten… Na gut, wenn dies dein Wunsch ist…“
„Moment…“, fiel Eneas ein. Alle Blicke richteten sich auf ihn.
„Das ist Major Hoxia, der Sohn des Generals!“
„Selten, dass er zwischenfunkt… Was er wohl will?“
Die Soldaten tuschelten. Ria blickte sich um.
„Verehrter General… Entschuldigen Sie mein Einschreiten, doch ich hätte sie gerne in meiner Einheit…“, gab Eneas von sich.
Ria wandte sich ihm zu.
„Nur wenn Herr Borg ihrer Einheit zugeteilt wird…“
Eneas fasste sich ans Kinn und überlegte.
„Du bist ganz schön dickköpfig… Na gut, das sollte kein Problem sein.“ Er wandte sich seinem Vater zu. „Verehrter General, wenn Ihr gestattet, würde ich gerne Beide in mein Team aufnehmen. Ich trage auch die Verantwortung dafür…“
„Wenn du das möchtest, mein Sohn… Soldat Borg, antreten!“
Seren kam zögerlich auf die Bühne.
„Ab heute dient ihr beiden unter der Aufsicht des Mayors Hoxia. Für die Gerechtigkeit!“
„Für die Gerechtigkeit!“, salutierten die zwei zurück.
Ria salutierte nicht mit der offenen Hand vor der Brust sondern mit der Faust wie in 'Attack on Titan'. Geschockt sah sie Seren an.
"Ria?!"
Ria sah überrascht an sich hinunter und bemerkte den Fehler.
"Entschuldigt... Falscher Manga..."
Damit verließen sie, zusammen mit Eneas, die Bühne.
„Ria… Warum hast du das getan? Du hättest auch Ärger bekommen können…“, flüsterte Seren ihr zu.
„Na ja, ganz einfach… Ich bin die Jahrgangsbeste da war es mir klar, dass mich das beste Team aufnehmen möchte, und ich war dir noch was schuldig…“, zwinkerte sie ihm zu. „Du wolltest doch unbedingt in Mayor Hoxias Einheit…“
Seren war zu Tränen gerührt.
„Du bist die Beste, Ria!“
Seren fiel ihr um den Hals als Dank.
„Also…“, fing Eneas an. „Ich sagte zwar, dass es kein Problem sei aber…“, er machte eine kurze Pause und schnaufte einmal tief durch. „Du bist miserabel Seren… Du bist vielleicht ein kluges Köpfchen, aber kampftechnisch hast du absolut nichts auf dem Kasten!“
Diese Wahrheit traf Seren wie einen Pfeil und ließ ihn erstarren.
„Du wirst von allen am härtesten trainieren müssen, um zumindest ein wenig aufzuholen… Wir sind nicht ohne Grund die beste Einheit…“, merkte Eneas an. „Ansonsten wirst du bei uns nicht lange überleben…“
Ria warf Eneas einen bösen Blick zu.
„Beruhige dich… Ich habe nicht gesagt, dass wir ihn gleich wieder aus der Einheit raus werfen… Aber er muss definitiv um einiges besser werden… Sonst sehe ich schwarz für ihn…“
„Ist gut Ria… Ich schaffe das!“, wandte sich Seren ein.
„Übrigens… In meiner Einheit nennen wir uns alle bei den Vornamen also nennt mich von nun an Eneas“, wandte er sich ihnen erneut zu. „Unsere Einheit ist wie eine Familie, einer für alle, alle für einen… Wir vertrauen einander und legen unsere Leben in die Hände des jeweils anderen… Wir sind ein Team!“
„Verstanden!“, gaben die Beiden von sich.
„Also dann… Ich stelle euch jetzt den Rest vom Team vor, kommt mit.“
Eneas führte sie zu einem der Stände, wo der Rest der Gruppe bereits wartete.
„Hey Leute!“, begrüßte er sie.
Alle blickten erwartungsvoll in ihre Richtung.
„Das sind die zwei neuen Soldaten für unsere Einheit. Heißt Seren und Iturria willkommen!“, stellte er die beiden vor.
Seren stand aufrecht vor ihnen mit den Armen hinter seinem Rücken. „Mein Name ist Seren Borg. Es freut mich euch kennen zu lernen. Auf gute Zusammenarbeit!“
Ria stand daneben und lächelte.
„Mein Name ist Iturria Kazlauskas. Freut mich euch kennen zu lernen. Ihr könnt mich auch gern Ria nennen…“
Laisa schaute die zwei ganz erschrocken an. Ria bemerkte dies.
„Oh Ser… Ist das nicht die Frau, die du vorhin geschupst hast?“, merkte sie an.
Seren wurde ganz rot und verbeugte sich erneut vor ihr.
„Ihr? Ich glaubs ja nicht!“, schmollte sie. „Mein Name ist Laisa Jensen…“
„Schön euch kennen zu lernen. Mein Name ist Keno Horvat“, meldete sich Keno mit einem Lächeln.
„Mein Name ist Leif… Leif Garcia… Und das ist…“
„Mein Name ist Lucin Gracia… Er ist mein älterer Bruder“, stellten sich die Gracia Geschwister vor.
„I-Ihr seid die Kinder der Königsfamilie!“, staunte Seren.
„Das stimmt“, bestätigte Lucin.
„Die einzig wahren!“, gab Leif hinzu.
„Ich glaubs ja nicht, das ist ja unglaublich!“, stotterte Seren ganz ungläubig.
Rias Blick schweifte ab und blieb an Ilay hängen.
„Und wer bist du?“, fragte sie nach.
Ilay erwiderte den Blick. Er zögerte aber antwortete dann doch.
„Mein Name ist Ilay Varga…“
Ilay wandte seinen Blick wieder ab.
„Ilay ist nicht sehr gesprächig, aber sehr stark. Er ist der ranghöchste Offizier hier nach Eneas. Er ist unser Hauptmann und hat das Sagen, wenn Eneas nicht anwesend ist“, klärte Laisa auf.
„Ihr dürft heute alle in Ruhe feiern, aber ab Morgen beginnt der Ernst des Lebens! Also seht zu, dass ihr fit genug seid…“, bemerkte Eneas als er sich gerade hinsetzte.
„Verstanden!“, kam einstimmig von allen.
Keno und Laisa besorgten für jeden einen vollen Krug mit Alkohol damit sie anstoßen konnten. Seren und Ria standen an der Seite.
„Na kommt endlich her!“, rief ihnen Lucin zu.
Sie gesellten sich zu der Gruppe und stießen an.
„Zum Wohl!“
Alle tranken zusammen und feierten bis spät in die Nacht. Ilay saß am Rand und beobachtete alle, während er seinen Krug leerte. Eneas gesellte sich zu ihm.
„Na? Was denkst du?“, fragte er ihn.
„Hmm?“, gab Ilay knapp von sich.
„Na von den zwei Neuen?“, bohrte er weiter nach. „Du hast ihr Potenzial doch auch erkannt, oder?“
Ilay nickte. „Nur bei dem anderen ist wohl Hopfen und Malz verloren… Was hast du dir dabei gedacht ihn hier anzuschleppen? Soll er als Kanonenfutter enden?“, gab Ilay scharf von sich.
„Überhaupt nicht. Er ist noch jung und kann noch viel lernen. Er ist wie ein ungeschmiedetes Schwert, ein Rohdiamant.“
„… Wenn du meinst…“ Ilay wandte seinen Blick von Eneas ab und schweifte hinüber zu Ria, welche sich gerade mit Laisa unterhielt.
<Irgendwas an ihr ist anders…>
Kapitel 02
„Guten Morgen!“, grüßend betrat Eneas den Raum. Alle schliefen gemeinsam ihren Rausch in diesem Raum aus, in dem sie gefeiert hatten.
Keno und Seren schliefen Rücken an Rücken angelehnt in einer Ecke des Raumes während Leif es sich auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Die drei Mädchen schliefen zusammengekuschelt auf ein paar Matratzen auf dem Boden. Ilay fehlte.
„Los! Aufstehen! Ihr habt genug gefaulenzt. Wir müssen los“, ermahnte sie Eneas.
„Wo solls denn hingehen?“, fragte Laisa noch total verschlafen.
„Wir gehen zu einem Außenstützpunkt. Dort gibt es einen Trainingsplatz, auf dem wir üben können.“
„Schon gut, schon gut…“, gähnte Lucin vor sich hin, während sie sich aufrichtete und streckte.
„Lucin! Ein wenig mehr Würde! In dir fließt immerhin das Blut der Königsfamilie!“, ermahnte sie Leif, welcher sich, wie es sich für einen Prinzen ziemte, elegant aufrichtete.
„Auf einer Couch zu nächtigen ist aber auch nicht gerade prinzenhaft“, merkte Ria mit leichtem Gekicher an. Die anderen Mädchen kicherten mit ihr.
Leif lief leicht rot an und sah beschämt weg.
Keno stand auch auf und nahm Seren damit die Balance, sodass er umkippte.
„Oh… Entschuldige, dass wollte ich nicht. Alles okay bei dir?“, fragte er nach.
„Ja… Alles gut…“, antwortete Seren.
„Wie kann man nur so tollpatschig sein?“, fragte Laisa sarkastisch nach.
„Verzeihung…“, gab Seren unter Tränen von sich.
Alle versammelten sich draußen und gingen los.
„Sagt mal… Wie lange werden wir brauchen? Ich war noch nie außerhalb der Stadtmauern…“, fragte Seren nach.
„Normale Menschen würden für den Weg ungefähr einen Tag brauchen…“, antwortete Laisa gehässig.
„Einen Tag?“, fragte Seren erstaunt nach.
„Ja… Aber wir sind schneller… Immerhin sind wir die Eliteeinheit!“, zwinkerte ihm Lucin zu.
„Das stimmt! Wir haben immerhin göttliches Blut in unseren Adern und besitzen alle nützliche Fähigkeiten!“, pflichtete Leif eingebildet bei.
„I-Ich habe kein göttliches Blut…“, gestand Seren.
„Was?“, staunten alle sehr ungläubig.
„I-Ich bin ein ganz normaler Mensch…“, sprach Seren verlegen weiter.
„Und so jemanden nimmst du im Trupp auf Eneas?“, fragte Leif schnippisch.
Leif und Lucin ließen ihre Flügel erscheinen und flogen voraus.
„Den Letzten beißen die Hunde!“, rief Laisa als sie Gas gab. Mit ihrer Fähigkeit verstärkte sie ihre Schnelligkeit und düste los.
Auch Ilay ließ sich das nicht zweimal sagen und sprintete davon.
„Hey! Wartet!“, rief Ria als sie sich schickte nicht den Anschluss zu verlieren.
Geknickt blieb Seren zurück. Keno ließ seine Hand auf Serens Schulter nieder.
„Mach dir nichts draus, ich bin auch nur ein normaler Mensch…“, versuchte er ihn aufzumuntern.
„Seren… Halte dich an Keno, von ihm kannst du viel lernen, eben weil ihr beide normale Menschen seid“, sprach Eneas der von hinten auf sie zukam. „Und im Übrigen, es ist wie gehabt, der Letzte bekommt den Putzdienst!“
Mit diesem Satz machte sich Eneas auf und davon und flog mit seinen Flügeln den anderen hinterher.
Keno und Seren blieben beide geknickt und wie versteinert zurück.
„… Das ist doch Kacke…“, gab Seren von sich.
Alle warteten auf die Ankunft von Seren und Keno. Eneas war der Erste, der eintraf, obwohl er als letzter gestartet war, danach kamen die Geschwister an dicht gefolgt von Ilay. Laisa war die Nächste und kurze Zeit später schaffte es auch Ria zur Gruppe.
Als Keno und Seren ankamen, wartete Laisa bereits mit einem Putz mopp und einem Eimer in der Hand und einem wirklich bösartigen Lächeln im Gesicht.
„Viel Spaß…“, spottete sie.
„… Sie ist gemein…“, ließ Seren verlauten.
„… Ich weiß…“, pflichtete Keno bei.
Das Training begann und Ria trainierte mit Leif. Seren mit Keno, Lucin mit Laisa und Ilay alleine während Eneas im Wachposten saß.
„Nur weil du eine Frau bist, werde ich dich nicht schonen, hörst du?“, gab Leif zu verstehen.
„Das habe ich auch gar nicht erwartet!“, funkelte Ria zurück.
„Oh… Mutig bist du ja… Na gut… Lass mal sehen was du drauf hast! Greif mich an!“, befahl Leif.
Ria ging in Position und rannte los, schwang ihr Schwert. Leif konterte es geschickt mit seiner Glefe und katapultierte sie zurück.
„Du wirst doch nicht schon aufgeben, oder?“, neckte er sie sie.
„Niemals!“, war ihre Antwort als sie zu einem zweiten Schlag ansetzte. Sie rannte wieder direkt auf ihn zu.
„Wieder direkt? Das wird nichts, Schätzchen“, merkte er schelmisch an.
Als sie direkt vor ihm Stand und er ausholte, um den Schlag zu blocken, wich sie schnell zur Seite aus und lies Leif ins Leere laufen, während sie sich duckte und ihm den Boden unter den Füßen wegzog. Keinen Moment später landete Leif mit dem Rücken auf den Boden und Ria manövrierte sich mit einer geschickten Drehung auf ihn und platzierte ihr Schwert direkt vor seinen Hals.
Leif staunte nicht schlecht, dass hatte er nicht erwartet. Ilay beobachtete die Szene.
Lucin war begeistert.
„Wow! Nicht schlecht Ria! Das haben bis jetzt noch nicht viele geschafft!“, lobte sie Lucin.
Alle sahen rüber und staunten. Ria wandte sich von Leif ab und sah die anderen an. Es dauerte einen Moment, aber freudig sprang sie auf und freute sich riesig darüber.
„Yey! Es hat geklappt!“
Sie wandte sich wieder Leif zu, welcher noch immer fassungslos am Boden lag. Sie reichte ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen. Er griff zu und stand wieder auf. Ria ließ ihm ein sanftes Lächeln zukommen. Erst war er noch schockiert, doch dann packte ihn der Eifer und er grinste.
„Noch mal!“, forderte er sie auf.
„Gerne doch!“, gab sie zurück.
Etwas später gönnten sich Ria und Leif eine Pause und setzten sich zusammen auf eine Bank, um die anderen bei ihrem Training zu beobachten.
„Du eiferst Eneas nach, oder?“, fragte sie ihn ganz direkt.
„Wie kommst du darauf?“, konterte er ihre Frage, während er einen Schluck von seiner Flasche nahm.
„Na ja… Deine Glefe ähnelt seiner und jetzt wo ich ihn trainieren sehe, merke ich, wie ähnlich euer Kampfstil doch ist…“, erklärte sie.
„Stimmt… Nicht umsonst wird er von allen so gelobt. Er ist sehr fähig und seine Kampfkunst ist überragend, wie zu erwarten von dem Sohn des Generals.“ Leif seufzte. „Ich möchte genauso gut werden wie er, nein, ich möchte besser werden wie er, immerhin bin ich der nächste Thronerbe und trage deshalb eine große Verantwortung… Niemand würde einem schwachen König sein Vertrauen und Gehorsam schenken…“
„Aber es gehört doch noch viel mehr dazu außer Stark zu sein…“, fing Ria an. „Ein König sollte gütig und Weise sein und das Wohl seines Volkes über das Eigene stellen… Ein König sollte immer gerechte Entscheidungen treffen ohne Partei zu ergreifen und den Armen und Schwachen helfen…“
Leicht in Panik blickte sie ihn an und fuchtelte mit ihren Händen herum.
„Das soll auf keinen Fall heißen, dass du das nicht schon bist, so gut kennen wir uns noch nicht, als dass ich irgendetwas über deinen Charakter sagen könnte…“
Verdutzt blickte er sie an.
„Nein, da hast du Recht… Stärke allein wird mich wohl kaum zu einem guten König machen…“
„Zumindest kann ich sagen, dass du offen, ehrlich und einsichtig bist… Das sind auch gute Eigenschaften für einen zukünftigen König…“, lächelte sie ihn an. „Auch wenn du ein wenig eingebildet wirkst…“, neckte sie ihn.
„Hey!“, ärgerte er sich und gab ihr eine Faust gegen ihre Schulter.
„Aua!“
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich plötzlich auf Lucin und Laisa, welche sich richtig in die Haare kriegten und lautstark stritten.
„Oh man… Die Zwei lernen es wohl nicht mehr…“, gab Keno von sich als er sich gemeinsam mit Seren zu Ria und Leif gesellte.
„Sind die beiden denn immer so?“, fragte Ria nach.
„Ja… Ständig streiten sie sich und dass meist nur wegen einer Kleinigkeit…“, erklärte Leif.
„Oh weh… Das sieht gar nicht gut aus…“, stellte Seren fest und ging auf die Beiden zu, um den Streit zu schlichten.
„Das würde ich nicht tun…“, versuchte ihn Eneas noch zu warnen.
„Was hast du gesagt!?“, schrie Lucin.
„Du hast schon richtig gehört!“, konterte Laisa.
Es artete aus und Lucin schubste Laisa woraufhin Laisa ausholte, um Lucin einen Schlag zu verpassen. In diesem Moment stand bereits Seren zwischen ihnen und wollte helfen und bekam die Faust direkt ab, mitten ins Gesicht. Seren ging daraufhin zu Boden und die Beiden sahen ihn verdutzt an.
„Alles gut?“, fragte Lucin nach.
„Wo kommst du denn auf einmal her?“, fragte Laisa.
„Ja… Alles gut… Ich wollte euren Streit schlichten…“, erklärte sich Seren.
„Oh weh… Der Arme…“, stellte Lucin fest, während sie ihre Hand vor ihren Mund hielt.
„Meine Güte, bist du ein Nichtsnutz…“, stellte Laisa fest. „Komm… Ich verarzte dich…“
Sie zog ihn am Kragen in das Haus hinein. Lucin gesellte sich nun auch zu den anderen. Keno übernahm nun die nächste Schicht im Wachturm und löste Ilay ab welcher sich auch zur Gruppe begab.
„Sag mal Ria… Was hast du eigentlich für Fähigkeiten?“, fragte Lucin neugierig nach.
„Fähigkeiten?“, wunderte sich Ria.
„Ja… Du hast immerhin auch göttliches Blut in deinem Körper sonst wärst du vorhin nicht so schnell hier gewesen…“, erklärte sie ihr.
„Ich habe auch göttliches Blut? Davon weiß ich nichts… Wirklich?“
„Du weißt das nicht mal? Haben dir deine Eltern denn nichts erzählt?“, hackte Leif nach.
„Nein… Meine Eltern fanden mich als ich noch ein kleines Baby war und über meine leiblichen Eltern weiß ich nichts…“, erzählte sie.
„Oh… Das tut mir leid für dich…“, entschuldigte sich Lucin.
„Schon gut, ist halb so wild. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich aufnahmen und sich so gut um mich gekümmert haben!“, strahlte Ria. „Ich habe also wirklich göttliches Blut in mir?“
„Definitiv…“, sagte Ilay. „Für einen normalen Menschen wäre es unmöglich gewesen diese Strecke in dieser Zeit zu schaffen… Göttliches Blut verleiht uns Schnelligkeit, macht uns Stärker… Wir können besser hören, riechen, sehen und fühlen. Wir sind robuster und halten wesentlich mehr aus als ein normaler Mensch… Das sind quasi die Grundfertigkeiten, die jeder Mischling hat…“
„Genau… und normalerweise hat jeder Mischling noch ein, zwei weitere Fähigkeiten, die einer Gottheit gleichen… Lucin zum Beispiel kann Illusionsmagie wirken oder Laisa kann Verstärkungsmagie wirken… Eneas, Ilay und ich haben zum Beispiel die Gabe der Kampfkunstverstärkung… Und bis auf Laisa und Ilay haben wir alle Flügel…“, erklärte Leif.
„Wow… Woher weiß man denn was für Fähigkeiten man hat?“, fragte Ria nach.
„Normalerweise weiß man als Kind ja schon, wenn man göttliches Blut in sich hat deshalb üben die meisten Kinder so lange bis sie merken, was sie können… Es ist halt sehr unterschiedlich da ein Mischling nie die volle Kraft einer Gottheit haben wird und dementsprechend nur einige wenige Fähigkeiten beherrschen kann…“, fuhr Eneas fort.
„Na gut… Dann sollte ich mal üben und sehen, was ich denn für Fähigkeiten habe…“, sagte Ria.
„Achtung! Sie kommen!“, rief ihnen Keno vom Ausguck zu.
Kapitel 03
Ria und Seren sahen sich erschrocken um während die anderen sich kampfbereit machten.
„Was? Werden wir angegriffen?“, fragte Seren verstört nach.
„Ja… Macht euch bereit!“, rief ihnen Leif zu.
Ria schnappte sich ihr Schwert und lief den anderen hinterher, raus aufs offene Feld. Lucin kam aus dem Himmel hinunter.
„Wir haben Glück… Es sind nur niedere Dämonen, aber es sind viele! Zum Glück kamen wir heute hierher zurück!“, berichtete sie.
„Unterschätzt sie nicht! Niedere Dämonen in einer hohen Anzahl können genauso gefährlich sein!“, ermahnte Eneas sein Team. „Lucin! Wie viele schätzt du sind es?“
„So rund fünfhundert Dämonen…“, antwortete sie.
„Gut… Ilay, ich übergebe dir das Kommando! Ich hole Verstärkung! Nicht unweit von hier sollten ein paar weitere Gruppen stationiert sein“, erklärte Eneas.
„Ist gut, verlass dich auf uns!“, bejahte Ilay den Befehl.
Und schon war Eneas weg.
„Wow, Eneas ist so schnell mit seinen Flügeln…“, staunte Ria.
„Konzentrier dich!“, schimpfte Ilay mit ihr.
„Entschuldige“, gab sie von sich.
Und schon fielen die Dämonen über sie her. In großer Scharr stürmten sie die Aufstellung.
Ria verteidigte sich gegen 2 Dämonen, die sie angriffen und blickte zu ihren Kameraden hinüber die tapfer gegen den Rest kämpften.
Lucin ließ aus der Luft eine große Illusion über den Platz wandern in der die Dämonen sich regungslos umblickten.
„Das ist unsere Chance! Mäht so viele nieder, wie ihr könnt!“, befahl Ilay.
Alle stürmten durch die Illusion und erschlugen jede Menge Dämonen.
„Wartet! Werden wir von der Illusion nicht auch geblendet?“, fragte Ria zögernd nach.
„Mach dir keinen Kopf, Lucin hat ihre Kräfte perfekt unter Kontrolle“, beruhigte sie Leif, der aus dem Himmel herab, neben ihr landete. „Ihre Illusion trifft nur diejenigen welche sie als Feinde erachtet und dass sind nun mal die Dämonen.“
So stürmte Ria auch darauf los und erschlug so viele Dämonen wie sie nur konnte.
Alle kämpften hart und man merkte Seren und Ria die Anstrengung, die sie der Kampf kostete, deutlich an.
Leif griff immer wieder aus der Luft aus an, indem er mit jedem Sturzflug etliche Feinde ausschaltete.
Keno wich Seren nicht von der Seite, der noch deutlich Hilfe brauchte.
Auch Laisa half ihnen damit sie nicht von zu vielen Dämonen überrannt werden.
Lucin konzentrierte ihre ganze Kraft darauf die Illusion so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.
Ria blockte einen Angriff mit ihrem Schwert ab.
<Es sind viel zu viele… Wie sollen wir das schaffen? So lange zu kämpfen bin ich nicht gewohnt… Ich hoffe Eneas kommt bald mit der Verstärkung…>
Sie sah rüber zu Ilay, während sie den Dämon erstach und wegschubste.
Ilay konnte, mit nur wenig Aufwand, mehrere Feinde gleichzeitig, auf einen Streich, ausschalten.
Ria staunte nicht schlecht.
<Wow! Er ist absolut stark! Dafür, dass er so ruhig und schweigsam ist, blüht er beim Kämpfen richtig auf! Ich werde mich auch mehr anstrengen!>
Ria war fest entschlossen und stürmte los.
In diesem Moment sank Lucin zu Boden, ihre Energie war aufgebraucht. Leif kam zu ihr geeilt und holte sie aus der Gefahrenzone heraus.
„Das hast du gut gemacht! Du hast länger durchgehalten als letztes Mal!“, lobte er seine Schwester.
„Aber trotzdem… War es nicht lang genug…“, antwortete sie ganz kraftlos.
Laisa schreckte auf und drehte sich um. Sie sah, wie Ria auf eine Gruppe Feinde zustürmte. Ihr Gesichtsausdruck wurde blass.
„Ria! Halt!“
Ria drehte sich zu ihr um, doch es war zu spät. Auf einmal bekam sie einen Hieb ab und flog einige Meter durch die Luft.
„Ein höherer Dämon? Wieso hatte ich ihn nicht bemerkt?“, fragte sich Ilay.
„Es ist nicht deine Schuld, ich hätte ihn erspähen müssen als ich nachsah…“, entschuldigte sich Lucin als sie sich wieder aufrichtete.
„Leif! Bring Lucin hier weg, in ihrem Zustand wäre sie nur im Weg. Sie zu, dass du dich beeilst, wir brauchen dich hier!“, befahl Ilay.
„Alles klar!“
Schon flog Leif mit Lucin in seinen Armen davon und brachte sie zurück ins Lager.
Zu der Zeit stießen Seren, Keno und Laisa zu Ilay auf.
„Das ist übel…“, merkte Laisa an.
„Hoffen wir das Eneas mit der Verstärkung bald auftaucht, sonst sieht das für uns schlecht aus…“, bestätigte Keno.
„Keno! Analyse!“, forderte Ilay.
„Von seiner Aura nach zu Urteilen und von der Wucht des Schlages… Würde ich sagen er ist mindestens ein Dämon der Klasse S, wenn nicht sogar SS…“
„Was? Was macht so ein starker Dämon inmitten einer so großen niederen Dämonen Scharr?“, fragte Laisa entsetzt.
„Das ist jetzt egal! Wichtig ist, ihn in Schach zu halten bis der Verstärkungstrupp eintrifft!“, befahl Ilay. „Keno und Seren, ihr übernehmt die Niederen, Laisa du unterstützt mich!“
„Jawohl!“, bejahten sie es.
In der Zwischenzeit rappelte sich Ria wieder auf, noch leicht benommen von dem heftigen Schlag, der sie gerade erwischte.
„Autsch… Das ist definitiv kein niederer Dämon… Der ist verdammt stark…“
„Ria! Zieh dich zurück!“, schrie ihr Ilay zu als er zu ihr stieß.
„Aber…“, protestierte sie.
„Nichts da! Er ist zu stark für dich! Übernimm zusammen mit Laisa die Unterstützung, seine Aufmerksamkeit lenke ich auf mich! Oder willst du gleich am ersten Tag sterben?“
„… Nein“
„Also… Zieh dich zurück und unterstützt mich vom Abseits aus!“, befahl er.
Widerwillig ging sie in die zweite Reihe zu Laisa.
„Mach keine Dummheiten! Hörst du?“, schimpfte sie Laisa. „Ilay weiß was er tut!“
„Ist gut…“, knickte Ria ein.
Der Dämon kam auf Ilay zu.
„Also bist du jetzt mein Gegner? Schade… Ich hätte lieber noch ein wenig mit dem Weib da gespielt…“
„Du willst doch sicher lieber jemanden der es mit dir aufnehmen kann, oder? Wäre sonst langweilig…“, gab Ilay zurück, während er seine Kampfpose einnahm, seine Sense hochhielt und mit der freien Hand andeutete er solle näherkommen.
„Hmm… Stimmt auch wieder… Na gut…“, er stürmte auf Ilay los. „Dann stirbst du eben als Erster!“
Ilay blockte den Frontalangriff gekonnt ab und stieß den Gegner zurück.
„Uhh… Du bist besser als erwartet… Mal sehen, wie es hiermit aussieht!“
Der Dämon stürzte sich auf Ilay. Ilay war bereit ihn abzublocken, doch auf einmal verschwand der Dämon vor ihm und tauchte urplötzlich hinter ihm auf. Ilay reagierte blitzschnell und konnte auch diesen Angriff gekonnt kontern.
Der Dämon ließ sich erneut nach hinten katapultieren nur um mit seinen Händen seine eigene Brust aufzureißen und so mit seinem eigenen Blut sich Klauen und mehrere Speere zu formen die er auf Ilay abschoss.
Ilay blockte den Angriff mit seiner Sense. Als er aufsah sprang der Dämon bereits auf ihn zu und holte mit seinen Klauen aus.
Laisa reagierte instinktiv und wirkte Verstärkungsmagie, um Ilays Agilität zu erhöhen, so war er in der Lage sich noch rechtzeitig zu ducken und dem Angriff auszuweichen.
Der Dämon war sehr erbost und schleuderte einige Speere in ihre Richtung.
„Misch dich nicht ein Frauenzimmer!“, gab er schnippisch von sich.
Ria sprang vor Laisa und blockte die Speere mit ihrem Schwert ab.
Ilay nutzte die Gelegenheit für einen Gegenangriff und holte mit seiner Sense aus.
Der Dämon versuchte noch davon zu springen, aber Ilay verpasste ihm einen großen und tiefen Schnitt mitten über seine Brust.
„Tsk!“, gab er von sich.
„Na, damit hast du nicht gerechnet, oder?“, verspottete Ilay den Dämon.
Leif kam wieder angeflogen.
„Alle niederen Dämonen sind besiegt Ilay…“, gab er zu verstehen.
„Sehr gut… Dann bleibt nur noch der hier…“
Leif und Ilay bauten sich beide in Kampfpose vor dem Dämon auf.
Auch Seren und Keno stießen wieder zur Gruppe, sichtlich erschöpft.
„Selbst wenn ihr es geschafft habt all meine Untertanen zu besiegen werdet ihr keine Chance gegen mich haben…“, brüstete sich der Dämon.
„Ihr habt alle fünfhundert Dämonen besiegt?“, fragte Ria verblüfft nach.
Der Dämon verlor keine Zeit und stürmte los. Er stürzte sich zuerst auf Leif, der den Angriff nicht erfolgreich blocken konnte und wurde dabei einige Meter zurückgeworfen. Als Leif sich aufrichten wollte, sackte er ein.
<Verdammt… Sie sind alle viel zu angeschlagen… Keiner von ihnen hält noch länger durch… >
„Laisa, Ria… Bringt die anderen hier weg! Ihr seid hier nur im Weg!“, befahl Ilay.
„Aber das schaffst du doch niemals alleine…“, entgegnete Ria.
Ria war gerade damit beschäftigt Leif zu stützen, während Laisa bei Keno und Seren stand.
„Du kannst unserem Ilay ruhig mehr zutrauen…“, warf Leif ein.
„Ihr geht nirgends hin! Ich schalte euch aus, hier und jetzt!“
Kaum ausgesprochen, sprang der Dämon in Richtung von Ria, er visierte sie direkt an. Ilay merkte das.
„Ria!“, rief er.
Leif reagierte blitzschnell, schob Ria hinter sich und blockte den Angriff des Dämons. Dabei wurden sie einige Meter weit geschleudert. Leif schützte sie, indem er seine Arme um sie legte, während sie fielen. In dem Moment kam Ilay auf ihn zu und schwang seine Sense. Der Dämon konnte sich noch rechtzeitig nach hinten biegen und ausweichen.
Der Dämon grinste schelmisch, als ob er es darauf anlegte Ilay aus der Reserve zu locken und schlug mit seinen Klauen zu. Er erwischte Ilay einmal quer über den Brustkorb. Ilay sprang ein Stück zurück und ging in die Knie.
Der Dämon witterte seine Chance und setzte zum nächsten Schlag an. In diesem Moment sprang Ria direkt vor Ilay und konterte den Klauenangriff. Sie blieb standhaft und der Dämon war sichtlich angepisst. Er griff sie weiter an und sie blockte weiter jeden Angriff.
Die Angriffe wurden stärker, härter, schneller und wilder.
„Was machst du da?! Bist du bescheuert?!“, schimpfte Ilay mit ihr.
„Ich wollte… Dir helfen… Ich will nicht… Dass du stirbst!“, gab sie von sich während sie weiter die Angriffe blockte, es fiel ihr sichtlich immer schwerer.
„Du Dummlack! So schnell sterbe ich doch nicht! Pass lieber auf dich auf!“, schrie er sie an, während er auch einen Angriff des Dämons parierte.
„Ihr solltet weniger streiten und eure Aufmerksamkeit mehr auf mich lenken…“, fing der Dämon an, der einen riesigen Speer aus seinem Blut formte und angriff. „… Ansonsten wars das mit euch!“
Er katapultierte Ilay aus der Bahn und wandte sich im nächsten Augenblick Ria zu. Er holte aus und schleuderte ihr das Schwert aus der Hand, danach stieß er zu. Ria konnte sich nicht mehr retten und war dem Angriff schutzlos ausgeliefert.
Ria war starr vor Angst und rührte sich nicht mehr. Auf einmal lehnte Ilay schützend über ihr und fing den Speer mit seinem Rücken ab.
„Ilay!“, rief sie fassungslos.
Damit sank Ilay in ihre Arme.
Kapitel 04
Der Dämon stieß den Speer weiter durch Ilay durch, bis er zur anderen Seite hinausragte.
„Zwei auf einen Streich… Das wars für euch!“, drohte der Dämon.
Der Dämon wandte immer mehr Kraft an und schob den Speer weiter und weiter, bis er auch schließlich Ria traf. Langsam versuchte der Dämon den Speer durch sie zu drücken, doch Ilay hielt den Speer vorne fest.
„Wehrt euch nicht! Ergebt euch eurem Schicksal!“
In diesem Moment fiel Eneas wie ein Blitz vom Himmel und stieß den Dämon von den Beiden weg.
„Ihr habt gut durchgehalten… Von hier an übernehmen wir…“, sprach er ganz sacht.
„E…Neas…“, gab Ria ganz erschöpft von sich, während sie Ilay im Arm hielt, der gegen sie lehnte.
„Und los!“, befahl Eneas und stürmte auf den Dämon los gefolgt von den Verstärkungseinheiten.
„Wow! Die sind auf einem ganz anderen Level…“, staunte Ria als sie sich auf den Dämon stützten.
Dann verließ Ilay die Kraft und sackte in ihren Armen zusammen.
„Ilay! Hey! Bleib bei mir!“, versuchte sie ihn wach zu halten.
<Verdammt! Das hat mich zu viel Kraft gekostet! Der Speerangriff war viel zu knapp! Ein wenig weiter nach links wäre mein aus gewesen!...>
Kurz darauf verlor er das Bewusstsein. Ria hielt ihn fest und blickte rüber zu den anderen. Alle waren sehr erschöpft und hingen in den Seilen.
Eneas und die Verstärkung nahmen es währenddessen mit dem Dämon auf und konnten ihn gut in Schach halten. Sie kämpften erbittert und hatten den Dämon umstellt, der schon sichtlich erschöpft war.
„Gib auf Dämon! Es gibt kein Entkommen!“, stellte Eneas fest und richtete seine Waffe auf ihn.
„Tsk!“, gab der Dämon von sich. „Es ist noch nicht vorbei! Beim nächsten Mal habt ihr keine Chance!“
Daraufhin verschwand der Dämon einfach. Eneas seufzte und widmete sich dann seinem Team zu.
„Ist bei euch alles in Ordnung?“, fragte er nach.
„Ja… Alle leben noch…“, stellte Keno fest. „… Nur Ilay hat es schwer erwischt als er Ria beschützte…“
„Verstehe…“, gab Eneas von sich. „Wir ziehen uns zurück…“
Eneas ging auf Ria zu und half ihr Ilay zu tragen. Leif schleppte sich im Alleingang zur Basis. Laisa ging auf Seren zu und half ihm auf, indem sie ihm ihre Hand reichte.
„Hey du!“, fing sie wütend an. Seren blickte sie ganz verdutzt an. „Dafür, dass du so unbeholfen und neu bist, hast du das heute gut gemacht…“, lobte sie ihn mit einem verlegenen Blick.
„W-Was?! W-War das e-ein… Kompliment?!“ Seren konnte es nicht fassen.
Laisa lief rot an und trat ihn dann.
„Krieg das nicht in den falschen Hals! Ich bin nur froh, dass niemand von uns drauf gegangen ist!“, gab sie energisch von sich und zog von dannen während Seren sich die Wange rieb und ihr hinterher blickte.
An der Basis angekommen ließen sich alle erst einmal abchecken, Ilay wurde in ein Bett gelegt denn er hatte das Bewusstsein immer noch nicht wieder zurückerlangt.
Ein paar Tage vergingen und Ria saß draußen auf einer Bank und blätterte in einem Buch herum als sich Leif zu ihr gesellte.
„Hey“, grüßte er sie als er es sich neben ihr bequem machte.
„Ah Leif, hallo“, grüßte sie zurück.
„Wie geht es dir?“, wollte er wissen.
„Alles gut, wirklich… Und danke… Du hast mich beschützt und mir geholfen…“
„Gerne doch…“, tätschelte er ihr den Kopf. „… Dafür sind Kameraden doch da, wir helfen und beschützen uns gegenseitig“, lächelte er sie an. „Und außerdem, was wäre ich für ein Mann, wenn ich nicht einmal in der Lage wäre eine Freundin zu beschützen?“
Ria kicherte. „Das schätze ich sehr an dir.“
„Ich weiß, dass dich Eneas schon genug getadelt hat, aber auch ich möchte dich noch einmal darauf hinweisen, dass wir ein Team sind und so auch agieren. Du magst zwar stark sein, aber dir fehlt es an Kampferfahrung also lass dir ruhig etwas von uns sagen und befolge deine Befehle. Nimm dich etwas zurück und stürme nicht alleine los. Zum Glück ist Ilay sehr robust und durchhaltend, ein anderer wäre seinen Verletzungen sicher erlegen. Du solltest dich bei ihm bedanken, dass er dein Leben gerettet hat.“
„Es tut mir leid… Es ist noch sehr ungewohnt für mich in einem Team zu arbeiten. Ist Ilay den mittlerweile schon wieder aufgewacht?“
„Noch nicht… Sieh doch später mal nach ihm, es sollte nicht mehr lang dauern… Bei einer ähnlichen Verletzung wachte er um diesen Zeitpunkt herum auf…“
Leif stand auf.
„Also dann… Wir sehen uns später zum Abendessen…“, zwinkerte er ihr zu.
„Leif…“
„Hmm?“ Er drehte sich noch einmal zu ihr um.
„… Ich danke dir… Für alles…“
„Kein Grund sich zu bedanken…“
Er lief weiter, während er zum Abschied winkte.
<Ilay ist nur wegen mir so schwer verletzt worden… Seit 4 Tagen schläft er bereits… Ich hoffe er verzeiht mir…>
Mit diesen Gedanken legte sie ihr Buch zur Seite, schnappte sich ein Messer und einen Apfel und ging zu Ilays Zimmertür. Behutsam klopfte sie.
„Ilay? Bist du wach?“
Keine Antwort. Vorsichtig öffnete sie die Tür und betrat den Raum.
<Er schläft noch… >
Sie legte das Messer mit dem Apfel auf den Schreibtisch und schloss die Fenster, da der Raum schon sehr kühl gewesen war. Danach zog sie die Vorhänge zu und saß sich auf den Stuhl, der neben dem Bett stand.
Ria blickte zu Ilay hinüber.
<Er wirkt so anders, wenn er schläft… So friedlich… Mit mir hat er bis jetzt eigentlich immer nur gestritten…>
Sie rutschte näher heran, um ihn näher betrachten zu können. In diesem Augenblick öffnete er seine Augen.
Ria rutschte augenblicklich etwas zurück, so erschreckt hatte er sie. Ilay richtete sich etwas auf und fasste sich an die Brust, an der der Speer steckte. Dann blickte er auf und entdeckte Ria.
„Ria? Was machst du hier?“, fragte er nach.
„Ilay! Du bist wieder wach? Ich… Ich wollte nur nach dir sehen… Du hast 4 Tage lang geschlafen…“, unsicher spielte sie mit ihren Fingern.
„Vier Tage…? Verdammt…“
„Ja… Ich… Ich wollte mich bei dir bedanken da du mir mein Leben gerettet hast… Ohne dich wäre ich vielleicht nicht mehr am Leben…“
Ilay blickte sie einfach nur an.
„Und… Ich wollte mich auch entschuldigen… Wenn ich deine Befehle besser befolgt hätte, wäre das alles vielleicht gar nicht passiert…“
„Ria…“
Verdutzt blickte sie ihn an.
„Was passiert ist, ist passiert… Niemand kann sagen ob deine Entscheidungen nun richtig oder falsch waren… Du kannst nur versuchen die Dinge so zu handhaben, so dass du sie am wenigsten bereust… Außerdem bewundere ich deinen Mut… Es war dein erster richtiger Kampfeinsatz und du warst uns eine große Hilfe…“
„Eine Hilfe?“
„Ja… Du hast nicht nur etliche niedere Dämonen ausgeschaltet, sondern hast vermutlich auch mir das Leben gerettet… Wärst du in dem Moment nicht dazwischen gesprungen als der Dämon mich angriff nachdem er mich erwischt hatte, hätte es fatal für mich enden können…“
Ria wirkte erleichtert. Sie freute sich so von Nutzen gewesen zu sein.
„Ich danke dir… Das bedeutet mir viel…“
Als sie Ilay anlächelte fiel ihr seine Haut auf.
„Ilay… Du wirkst total ausgetrocknet… Warte ich habe einen Apfel dabei, den kann ich dir aufschneiden… Du musst auch sicher großen Hunger haben…“
Ria ging zum Schreibtisch rüber und fing an den Apfel zu schneiden.
„Das passt schon, alles gut… Mach dir keine Umstände…“, gab er von sich.
Sie lächelte zu ihm rüber, während sie den Apfel schnitt.
„Das sind keine Umstände, wirklich… Ich mach das gerne… Autsch!“
Ilay erstarrte. Ria hielt sich ihre Hand, das Blut tropfte hinunter.
„Verdammt! Der Schnitt ist ganz schön tief… Hast du hier irgendwo ein Pflaster Ilay?“, suchend blickte sie sich um.
Auf einmal stand Ilay hinter ihr, sie erschreckte sich.
„Kyaa! Ilay! Erschreck mich doch nicht so… Ilay?“
Ilay wirkte abwesend, sein Blick hing an ihrer blutenden Hand. Er ergriff sie.
„Ilay… Deine Augen… Was?“
Ilay konnte sich nicht zügeln, er zog ihre Hand zu sich hin und fing an das Blut abzulecken. Ria wich einen Schritt zurück und donnerte gegen den Schreibtisch.
„Ilay! Was machst du da?“
<Ihr Blut… Es riecht nicht nur wunderbar… Es schmeckt auch außerordentlich gut… Mehr… Ich will mehr…>
Mit einem Satz warf er sie aufs Bett und riss ihr die Bluse auf. Mit seinen Händen fixierte er ihre Hände.
„Hey!“
Ilay war wie von Sinnen. Seine Augen funkelten. Auf einmal blitzten spitze Zähne aus seinem Mund. Ria war schockiert und wusste nicht was vor sich ging, sie war total überwältigt.
Ilay sank mit seinem Kopf hinunter zu ihrem Brustbereich und fuhr mit seiner Zunge über ihr Dekolletee zu ihrem rechten Halsbereich. Ria lief total rot an.
Ilay griff mit seiner linken Hand an die andere Seite des Halses als er ihr seine Zähne hineinrammte. Er presste seinen Körper gegen ihren als er ihr genüsslich ihr Blut aussaugte.
Ria war total verwirrt und Ilay wirkte sehr erregt. Mit jedem weiteren Zug wurde er zügelloser und gieriger.
Während er weiter saugte, glitt seine linke Hand ihren Hals hinunter, an der Brust vorbei über ihre Hüfte bis an ihren Oberschenkel, wo dann seine Hand unter ihren Rock glitt und sie fest anpackte.
„Ilay! Stopp!“, rief sie.
Plötzlich stoppte er, als ob er wieder zu sich kam. In diesem Augenblick stieß sie ihn von sich und verließ fluchtartig das Zimmer.
Ilay saß am Boden und wischte sich mit seiner Hand über den Mund.
<Scheiße!... Das hätte nicht passieren dürfen… Ihr Blut war so unglaublich gut… Das war das erste Mal, dass ich die Beherrschung verloren habe… Was mach ich jetzt?>
Ria rannte, wie von einer Tarantel gestochen, während sie mit ihrer Hand die Wunde am Hals hielt. Als sie um die Ecke bog rannte sie direkt in Seren hinein.
„Ria… Entschuldige, ich habe dich nicht gesehen… Ria? Du blutest! Ist alles okay bei dir?“
Das Blut rinnte ihr durch die Finger und ihre weiße Bluse war rot eingefärbt, es war unmöglich diese Wunde zu übersehen. Seren sah sichtlich besorgt aus.
„A-Alles gut… I-Ich bin doof an Dornen hängen geblieben und war auf den Weg es zu verarzten…“, log sie.
„Warte, ich begleite dich…“, schlug Seren vor.
„N-Nicht nötig, das schaffe ich auch allein…“
Und schon verschwand sie hinter der nächsten Ecke.
„… Das sieht ihr gar nicht ähnlich…“, machte sich Seren Sorgen.
Ria erreichte ihr Zimmer und stürmte hinein, um sich gleich hinter die geschlossene Tür zu setzen.
<Was war das? Wer oder was ist Ilay? Ich… Ich weiß nicht was ich denken soll… Mir schwirren so viele Dinge durch den Kopf und ich habe so viele Fragen… Ich zittere… Aber irgendwie empfinde ich keine Angst… Es… Es tat auch überhaupt nicht weh… Aber sollte das denn nicht weh tun?... Ich… Was mache ich jetzt? >
Kapitel 05
Ein paar Tage vergingen und alle hatten sich wieder erholt von dem Kampf.
Ilay lehnte draußen an einer Wand und war in Gedanken versunken. Dann bog Ria um die Ecke und stand vor ihm. Erschrocken sah sie ihn an.
„Ria…“
Er wandte sich ihr zu, aber sie ergriff sofort die Flucht. Ilay stand einfach nur da für einen Moment und lehnte sich dann wieder gegen die Wand.
<Ich… Ich muss mit ihr reden… Sie meidet mich, aber wer kann es ihr schon verdenken, nachdem was ich getan habe… Aber warum hat sie niemandem davon erzählt? Wenn sie etwas gesagt hätte, wäre ich schon längst eingesperrt worden… Warum schweigt sie?>
Währenddessen lief Ria planlos umher.
<Ich bin so verunsichert… Ich weiß nicht, wie ich mich Ilay gegenüber verhalten soll… Was ich von ihm denken soll… Er ist ein guter Mensch, oder? Immerhin kämpft er mit uns gegen die Dämonen und hilft immer jedem… Nein… Kein Mensch… Ein guter Dämon? Gibt es sowas überhaupt? Gute Dämonen? Ich weiß, ich sollte mit ihm reden aber…>
Dann bemerkte Ria Eneas, welcher sich mit einer Frau unterhielt.
„Guten Morgen Ria“, begrüßte sie Eneas.
„Ah guten Tag!“, grüßte sie die Frau. „Schön, dass es euch allen wieder gut geht“, lächelte sie Ria an.
Ria staunte.
„S-Sie sind die Frau vom Schlachtfeld, nicht wahr?“
„Richtig!“, bestätigte sie. „Ich bin Major Elizabeth Korhonen! Du kannst mich aber einfach nur Liz nennen. Freut mich dich kennen zu lernen!“
„Ebenso! Ich bin Iturria Kazlauskas“, stellte sich Ria vor.
„Was dagegen, wenn ich dich auch Ria nenne? Ich bin kein Fan von übertriebener Förmlichkeit“, lächelte Liz.
"N-Nein, überhaupt nicht! Sehr gerne!“, gab Ria sichtlich nervös von sich. „Sie waren großartig, ihr Kampfstil ist phänomenal!“
„Vielen Dank für die Blumen! Ich bin auch sehr beeindruckt von euch! Ihr habt zu siebt so lange durchgehalten und so vielen Dämonen Einhalt gebieten können!“
Ria freute sich über das Lob.
„Nun denn…“, wandte sich Liz wieder Eneas zu. „Da hier wieder alles in bester Ordnung ist, werde ich zu meiner Einheit zurückkehren. Wir sehen uns.“
„Machs gut Liz“, verabschiedete sich Eneas von ihr.
Damit verschwand sie und lies Ria und Eneas allein zurück.
„Ria…“, fing Eneas an.
„J-Ja…?“, antwortete Ria nervös als sie ihren Blick ihm zuwandte.
„Was ist zwischen dir und Ilay vorgefallen? Ihr beide verhaltet euch merkwürdig…“, wollte er wissen.
<Urg… Eneas bemerkt wirklich alles… Er ist sehr feinfühlig, was das angeht…>
„N-Nichts…“, flunkerte sie.
Eneas seufzte.
„Im Prinzip ist es mir auch total egal aber seht zu, dass ihr das wieder auf die Reihe kriegt. Wir sind ein Team und ich will keine komische Stimmung in meiner Einheit haben. Wenn es wieder zu einem Kampf kommen sollte, müsst ihr zu 100 Prozent funktionieren. Ich will nicht, dass jemand stirbt, weil ihr ein Problem miteinander habt…“
„Natürlich!“, versicherte Ria. „Persönliche Angelegenheiten werden meine Fähigkeiten nicht beeinträchtigen!“
„Sehr gut. Die Meisten haben sich ja bereits erholt, aber ich denke Ilay wird noch ein paar Tage brauchen bis seine Wunden komplett geheilt sind weshalb ich beschlossen habe einen Sonderurlaub einzulegen.“
Ria sah ihn verdutzt an.
„Ja das mag seltsam erscheinen nachdem nur so wenig Zeit vergangen ist nach eurem Beitritt aber ohne Ilay können wir sowieso nicht weiter machen, er ist der Stärkste in dieser Einheit nach mir…“
Er machte eine kurze Pause.
„Das bedeutet aber nicht, dass ihr nicht jeden Tag trainieren sollt…“, funkelte er sie an. „Das Training ist das A und O! Sobald Ilays Wunden verheilt sind, startet die nächste Mission!“
„Verstanden! Das ist kein Problem“
Damit verabschiedete sich Eneas von ihr und ging ins Gebäude. Ria blieb noch einen Moment draußen und genoss den warmen Sonnenschein auf ihrer Haut.
<Eneas hat Recht… Ich möchte nicht, dass mich das zwischen Ilay und mir beeinträchtigt… Ich muss mit ihm reden!... Am besten heute noch… >
Ria ging los zu dem Standort, wo sie Ilay zuletzt sah. Als sie vor ihm stand sah sie ihn entschlossen an. Er blickte sie ganz unverwandt an.
„Ilay… Wir müssen reden… Aber nicht hier…“
„Klar… Lass uns einen Schritt gehen…“
Seren erblickte sie und wollte ihr schon zurufen, bis er Ilay entdeckte. Er sah zu wie sie zusammen weg gingen.
„Was macht Ria da? Und warum ist Ilay bei ihr?“, wunderte er sich.
Als die Zwei ein Stück gegangen waren, blieb Ria vor Ilay stehen, sodass er auch anhalten musste. Dann wandte sie sich ihm zu.
„Ilay… Wer… Nein… Was bist du?“
„Das weißt du doch mittlerweile…“
„Aber ich möchte es von dir hören… Ich möchte alles hören…“
Ilay hob seinen Kopf, schloss die Augen und atmete einmal tief durch, bevor er sich ihr wieder zuwandte.
„Ich bin ein Dämon…“
„Muss ich dir alles aus der Nase ziehen?“, wurde sie patzig.
„Gedulde dich mal… Das ist das erste Mal, das ich jemandem davon erzähle…!“, gab er bissig zurück.
„Also…“, fuhr er fort. „Ich wollte mich entschuldigen… Der Geruch deines Blutes ließ mich meine Fassung verlieren und als ich davon kostete, konnte ich es nicht mehr unterdrücken… Dein Blut… Schmeckt irgendwie besonders… Es war wie ein Rausch…“
Er lehnte sich gegen das Stück Zaun hinter ihm und blickte hinunter in seine Hand.
„Das war das erste Mal, dass ich meine Triebe nicht unterdrücken konnte… Du musst wissen, dass es den Dämonen meist schwer fällt ihre Triebe zu kontrollieren da Menschenblut eine euphorische Wirkung auf uns hat… Mir hingegen ist das noch nie passiert, bis jetzt…“
Er sah sie direkt an.
„Und ich glaube du besitzt einen hohen Anteil an Göttlichkeit in dir… Umso göttlicher das Blut ist, umso stärker ist dessen Wirkung auf uns… Das würde erklären warum du in der Lage warst die Angriffe dieses Dämons zu blocken und sein Angriff so wenig Schaden auf dich ausübte…“
Sie fühlte sich leicht verlegen.
„Aber du siehst gar nicht aus wie ein Dämon… Wobei der höhere Dämon auch nicht wirklich dämonisch aussah aber mehr als du…“, wunderte sie sich.
Ein kurzes Lächeln entwich ihm.
„Hmm… Wir sind in der Lage unsere dämonische Seite zu verstecken… Also sehen nicht viele Dämonen auch wirklich aus wie Dämonen, man kann keinen Unterschied zwischen uns und normalen Menschen feststellen, wenn wir diese Seite versteckt halten…“
„Was könnt ihr denn noch so?“, wurde sie neugierig.
„Im Prinzip gleichen unseren Fähigkeiten sehr denen der Gottheiten… Göttlichkeit konzentriert sich nur mehr auf Gemeinschaft und dem Wohl des anderen wo hingegen die Kraft der Dämonen sehr selbstbezogen und manipulativ sein kann… Wir können zum Beispiel anderen unseren Willen aufzwingen, wobei das davon abhängt wie stark der Dämon und das Gegenüber ist und bei reinen Gottheiten klappt das nicht… Wir können auch in Träume eindringen und diese manipulieren, doch darin sehe ich keinen Nutzen… Und wir können das Gedächtnis manipulieren, wobei da auch Gottheiten wieder die Ausnahme sind…“
„Ah… Achso…“
„Wie gesagt, ansonsten haben wir auch viel gemeinsam… Wir sind überdurchschnittlich robust, können besser hören, sehen, riechen und fühlen und sind immun gegen Krankheiten… Es können fieberähnliche Zustände bei uns Dämonen auftreten, wenn wir zu lange kein Blut getrunken haben und austrocknen… Bei Gottheiten habe ich gelesen, dass diese Licht benötigen und sie auch fieberähnlich Erkranken, wenn sie sich dem Sonnenlicht zu lange entziehen… Sie werden träge und können sich immer schlechter bewegen bis hin zur Versteinerung…“
Er machte eine kurze Pause.
„Und zu guter Letzt sind beide Fraktionen an sich unsterblich und können nur sterben, wenn man ihr Herz zerstört… Weshalb ich dir auch danken sollte…“
„Mir danken?“, fragte sie verblüfft nach.
„Ja… Der Dämon hatte mein Herz nicht verfehlt… Er hatte es leicht getroffen, es waren nur wenige Millimeter, die mein Ende hätten sein können… Dein Blut hat dafür gesorgt, dass ich mich effizienter und schneller selbst Heilen konnte weswegen ich wieder komplett geheilt bin…“
„Habt ihr Dämonen denn dann auch Flügel wie die Gottheiten?“
„Nur die Urdämonen besitzen diese Macht der Flügel… Normalen Dämonen ist das nicht möglich…“
„Verstehe… Aber wie bist du hierhergekommen? Mir wäre nicht bekannt, dass auch Dämonen hier unter uns Weilen würden…“
„… Das weiß ich nicht, solange ich mich erinnern kann, bin ich hier allein in den Gossen aufgewachsen… Es gibt hier sogar einige Dämonen, die im Verborgenen leben… Ab und an wird mal einer geschnappt, aber das geschieht still und heimlich damit die Öffentlichkeit davon nichts mitbekommt…“
„Achso… Es war sicher hart für dich so ganz auf dich allein gestellt hier zu überleben, ohne aufzufliegen... Es sind anscheinend nicht alle Dämonen schlecht…“, lächelte sie ihn an.
„Aber wie kannst du dann gegen deine eigene Art kämpfen?“, fragte sie weiter.
„Ich tue nur was getan werden muss… Hier sind meine Kameraden und Freunde und diese möchte ich auch beschützen…“
„Verstehe… Ich habe noch eine Frage…“
„Schieß los…“
„Wie hast du die ganze Zeit hier überlebt, wenn ihr Dämonen doch Blut benötigt?“
„Wir Dämonen können uns auch von Tierblut nähren, dieses ist jedoch nicht all zu effektiv und dementsprechend benötigen wir viel davon, als wenn wir von Menschen, Mischwesen oder Gottheiten trinken würden… Außerdem schmeckt es auch überhaupt nicht… Meist habe ich mir einfach einen Menschen hörig gemacht, etwas getrunken und dessen Gedächtnis gelöscht… Seit ich beim Militär bin habe ich jedoch Zugang zu Blutkonserven, das erleichtert vieles… Ich trinke in der Regel einmal in der Woche eine Konserve und komme damit gut klar, doch der Kampf hat mich vier Tage ausgeknockt, weshalb ich bereits über der Zeit war…“
„Ach okay… Aber ist es nicht gefährlich Blutkonserven zu entwenden? Was passiert, wenn du dabei erwischt wirst?“
„Ja es ist ein Risiko… Aber mir bleibt ja nichts anderes übrig…“
„Doch…“, gab sie von sich. Er sah sie verdutzt an. „Du könntest ab sofort von mir trinken… Ich kenne nun dein Geheimnis und könnte dir so helfen…“, gab sie peinlich berührt und rot bis über beide Ohren von sich.
Er kam auf sie zu, bis er direkt vor ihr stand.
„Danke… Aber das geht nicht… Dein Blut… Es ist wie eine Versuchung… Ich weiß nicht, ob ich widerstehen kann oder meine Triebe im Zaum halten kann… Ich möchte dir nichts antun…“
„Es mag vielleicht seltsam klingen, aber…“, sie nahm seine Hand. „Ich vertraue dir… Du hattest aufgehört als ich Stopp sagte… Und es tat auch überhaupt nicht weh… Ich habe darüber nachgedacht und ich denke es hätte weh tun können, aber obwohl du in diesem Rauschzustand warst, warst du sehr vorsichtig…“
Er war erst überwältigt und lächelte sie dann liebevoll an.
„Warum hast du es niemandem verraten?“, fragte er nach.
„Das du ein Dämon bist? Nun ja… Ich war erst verunsichert… Ich wusste nicht was ich davon halten sollte und außerdem… Weiß ich ja, dass du nicht böse bist… Dich kümmern deine Freunde und Kameraden sehr und im Grunde bist du und warst du immer nett zu uns… Du hast dein Leben gegeben, um mich zu schützen, deshalb vertraue ich dir und werde auch niemandem dein Geheimnis verraten…“
„… Danke“
Kapitel 06
Es verging etwa eine Woche nach dem Gespräch zwischen Ilay und Ria.
<Es ist bereits eine Woche vergangen… Ich hatte bedenken, aber sie hat wirklich dichtgehalten und niemandem etwas erzählt…>
Ilay blickte auf. Sie liefen sich zufällig über den Weg und Ria winkte ihm zu. Er erwiderte dies mit einem leichten Lächeln. Ria merkte, dass er mit seinem Bein leicht nervös zuckte.
„Sag mal Ria…“, fing Seren an. „Du scheinst dich ja ziemlich gut mit Ilay zu verstehen… Ist irgendetwas vorgefallen?“
Ria sprangen sofort diese Szenen nach seinem Erwachen ins Gedächtnis und lief rot an.
„Ria!?“, war Seren total entsetzt, dann kicherte er hinterhältig. „Ehehehe…“
„Es ist nicht so wie du denkst, hörst du!“, verneinte sie seine Gedanken.
„Jaja… Das kannst du wem anders erzählen, dafür kenne ich dich viel zu gut und viel zu lang…“, lief er achselzuckend voraus.
„Ser…! Warte… Das ist ein Missverständnis…“, eilte sie ihm hinterher.
Zur selben Zeit bereiteten Lucin und Laisa gemeinsam mit Keno das Frühstück vor.
„Wann wollte in etwa Eneas zurück sein?“, fragte Lucin.
„Er meinte so gegen sieben Uhr… Also haben wir noch circa eine halbe Stunde…“, beantwortete Keno die Frage.
„Trödelt nicht so herum, ihr zwei…“, ermahnte sie Laisa die den Tisch eindeckte.
„Hey!“, wurde Lucin sauer. „Du bist doch die die hinterherhängt… Das Essen ist jeden Augenblick fertig!“
Die zwei gifteten sich an. Keno lachte leicht verunsichert.
„Seid ihr zwei nun Freunde oder Feinde?“
Beide sahen ihn bitterböse an und wandten ihren Blick auf die jeweils andere.
„… Freunde…“, kam einstimmig von ihnen.
„Achja? ...“, war sich Keno unsicher.
So langsam trudelten einer nach dem anderen ein und nahm Platz an dem großen Tisch und kurz darauf stand auch schon Eneas in der Tür.
„Guten Morgen!“, grüßte er seine Einheit. „Also… Ich gebe euch gleich die News mit… Ich muss mich um einen Auftrag in der Hauptstadt kümmern während ihr euch auswärts um eine Mission kümmert… Anscheinend gibt es ein paar Aufseher der königlichen Armee die etliche Dorfbewohner in einigen Dörfern ausnehmen… Findet heraus ob es einen Drahtzieher gibt, findet ihn und unterbindet das.“
„Kein Problem, so gut wie erledigt“, bestätigte Ilay diese Information.
„Nun gut, frühstückt reichlich, danach macht ihr euch auf den Weg.“
Alle frühstückten ausgiebig und packten dann ihre Sachen für die Reise ein. Ilay tippte immer wieder mit seinem Finger gegen seine Tasse.
Auf einmal wurde es laut im Flur. Alle sahen nach draußen.
Wütend stampfte Lucin, nur bedeckt mit einem Handtuch durch den Flur zu Laisas Zimmer.
„Laisa!“, riss sie die Tür auf. „Wo ist mein Föhn und mein Make-up?! Das hast du dir doch schon wieder unter den Nagel gerissen, gibs zu! Ich bin die Königstochter, ich muss immer tadellos aussehen!“
„Nope… Und jetzt verzieh dich, ich muss fertig werden!“, gab sie schnippisch von sich.
„Arg!!!“ wutentbrannt stürmte sie davon.
„Kriegt euch wieder ein!“, schimpfte Leif. „Und was fällt dir ein, bedeckt nur mit einem Handtuch, hier herumzustolzieren? Hast du keine Würde?“
Leif folgte seiner Schwester während Keno zu Laisa rüber ging.
„Laisa… Gibs her…“, mit offener Handfläche stand er vor ihr. Eingeschnappt rückte sie die besagten Gegenstände raus.
„Warum macht ihr beide euch das so schwer?“, fragte er nach.
„… Sie könnte einfach mal netter sein und einem auch etwas ausleihen… Außerdem hat sie die ganzen Produkte gar nicht nötig so schön wie sie aussieht…“, gab Laisa eingeschnappt von sich.
Keno gab sich eine Facepalm. „… Frauen…“
Er ging mit den Sachen in Richtung von Lucins Zimmer. Dann stand auf einmal Ilay im Flur.
„Beeilt euch, wir wollen los… In zwei Minuten seid ihr vor der Tür!“
Ria legte noch die letzten Sachen in ihren Rucksack und verließ ihr Zimmer.
Sie machten sich alle gemeinsam auf den Weg und liefen eine ganze Weile.
„Wie weit ist es denn noch?“, wollte Seren in Erfahrung bringen.
„Es ist schon noch ein ganzes Stück… Die Dörfer, zu denen wir müssen liegen hinter den Zwillingsbergen…“, erklärte Ilay.
„So weit? Oh man… Das schaffen wir heute nicht mehr, wir werden eine Nacht hier draußen verbringen müssen…“, stellte Lucin fest.
„Das ist richtig… Wir haben den ersten Stopp bald erreicht, dort errichten wir unser Nachtlager und dann werden wir sehen, wie wir die Nachtwache regeln…“, erklärte Ilay weiter.
„Lasst den Frauen ihren Schönheitsschlaf… Ich hätte gesagt, dass wir Männer das übernehmen können“, schlug Leif vor.
„Ach, das ist aber lieb von dir Bruderherz“, bedankte sich Lucin.
„Mich würde das auch nicht weiter stören…“, bejahte Keno das Ganze.
„Ich habe da auch nichts…“ In diesem Augenblick stolperte Seren über eine herausragende Wurzel eines Baumes. „… Dagegen…“
„Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen, oder Tollpatsch?“, meckerte Laisa aber hielt ihm helfend eine Hand entgegen.
„… Danke…“ Seren ergriff ihre Hand und sah sie neugierig an, während er etwas rot im Gesicht wurde.
Laisa bemerkte das und wandte ihren Blick ab, um ihre Errötung zu verstecken.
„Wir sind da…“, merkte Ilay an.
„Oh da hast du dir einen guten Ort ausgesucht, versteckt aber leicht überblickbar…“, stellte Keno erleichtert fest.
„Lucin… Würdest du bitte die Lage überblicken?“, fragte Ilay nach.
„Nichts leichter als das…“, zwinkerte sie ihm zu und schon hob sie ab.
„Wow… Das mit den Flügeln ist wirklich klasse, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen…“, stellte Seren erstaunt fest, während Laisa angefressen in unmittelbarer Nähe stand.
„Ja… Flügel zu haben wäre schon echt toll…“, bestätigte Ria Serens Aussage, während Ilay sie ansah. Leif fiel das sofort auf und wirkte nachdenklich.
„Es ist alles in Ordnung… Ich habe alle Richtungen mehrere Male gecheckt um sicher zu sein, es befinden sich keine Feinde oder wilde Tiere in der Nähe…“, überbrachte Lucin ihre Nachrichten.
„Sehr gut… Dann dürfte das eine ruhige Nacht werden…“, war Seren sehr erleichtert.
„Wir stellen trotzdem eine Nachtwache auf… Man kann nie wissen…“, gab Ilay zu verstehen, während er ein Seil eines Zeltes fest machte, dabei zitterten seine Hände leicht.
„N-Natürlich! Das wollte ich auch gar nicht in Frage stellen!“, gab Seren panisch von sich.
„Beruhige dich… So hat das Ilay auch gar nicht gemeint, er ist nur sehr Gewissenhaft“, erklärte ihm Leif als er ihm auf den Rücken klopfte und lachte.
Ria versuchte währenddessen das Zelt für die Frauen aufzubauen.
„Brauchst du Hilfe?“, fragte Ilay der gerade hinter ihr auftauchte.
„Nein, danke… Ich schaffe das schon…“, gab sie von sich, während sie sich hoch konzentrierte.
„… Ja… Das sieht man… Du bist ein Vollprofi…“, gab er ungläubig von sich als das Zelt wieder in sich zusammenfiel und Ria dasaß wie ein Stein.
„Hey! Das ist nicht lustig!“, jammerte sie während sie versuchte ihn mit ihren Fäusten zu erwischen, doch Ilay weichte auf einen Baum aus und streckte ihr die Zunge entgegen.
„Hahaha! Ihr zwei seid ja lustig!“, lachte Lucin los als sie die beiden dabei beobachtete und packte dann mit an, um Ria zu helfen.
Währenddessen ging Keno auf Seren zu.
„Komm mit, wir gehen Brennholz sammeln…“
„Natürlich!“, Seren folgte Keno in den Wald.
Sie fingen an zu sammeln, doch dann rutschte Seren auf einer Schicht Laubblätter aus und ließ all das Holz wieder fallen, es knallte gegen seinen Kopf und dann zu Boden.
„Entschuldige, ich bin so ein Tollpatsch…“, entschuldigte er sich bei Keno.
„Das macht doch nichts, alles gut… Wichtig ist, dass du wieder aufstehst und weiter gehst…“, helfend reichte er ihm die Hand.
„Du bist so nett zu mir, danke!“, bedankte sich Seren mit kullernden Tränen.
„Weißt du, ich war früher genauso unbeholfen wie du… Lauter Kameraden und Freunde die Fähigkeiten haben, die man selbst niemals haben wird, das kann einen ganz schön verunsichern…“, lächelte er Seren an. „Aber ich habe mir meinen Platz hier hart erarbeitet und bin ein wichtiges Mitglied geworden… Und genauso wirst du hier einen Platz für dich finden…“
„… Das wäre schön…“, freute sich Seren.
Seren stand auf und sammelte seine Äste wieder auf.
„Du Keno…“, fing Seren an.
„Hmm?“
„Du und Lucin… Seid ihr ein Paar? Ihr wirkt so vertraut miteinander, als ob ihr euch schon ewig kennt…“, wurde Seren neugierig.
„Nein sind wir nicht…“, Keno machte eine kurze Pause. „… Auch wenn ich mir vermutlich nichts mehr wünschen würde… Ja wir kennen uns seitdem wir klein sind, aber als Heiratspartner käme ich wohl nicht in Frage, auch wenn ich aus einer Adelsfamilie komme… Immerhin ist meine Familie keine hoch angesehene oder vermögende Adelsfamilie… Sie ist die Prinzessin und wird dementsprechend jemanden mit mehr Ansehen und Vermögen heiraten… Ich bin einfach nur froh in derselben Einheit wie sie zu dienen, um sie beschützen zu können…“
„Du solltest ihr sagen, was du für sie empfindest… Vielleicht fühlt sie ja tief drinnen dasselbe für dich dann wäre eine Beziehung zwischen euch doch in greifbarer Nähe… Denn zu dir ist sie immer außerordentlich nett…“, überlegte Seren.
„Ja… Vielleicht…“, antwortete Keno zögerlich.
„Ich wünsche dir viel Glück dabei!“, lächelte Seren ihn an. Keno erwiderte dieses Lächeln nur zu gern.
Einige Zeit später war es bereits dunkel und alle hatten es sich in ihren Zelten bequem gemacht.
Ria blickte ihre Kameradinnen an und versicherte sich, dass sie tief und fest schliefen.
<Sehr gut… Ilay sollte momentan Schicht haben, ich werde mich zu ihm schleichen…>
Ria krabbelte sehr vorsichtig an ihren Freundinnen vorbei und schloss das Zelt wieder Mucks Mäuschen still zu. Sie stand auf und sah sich um. Weiter hinten erblickte sie einen Schatten und ging darauf zu. Ilay sah sie an.
„Was machst du hier?“, wollte er wissen.
„Ich wollte sehen, wie es dir geht… Du bist den ganzen Tag schon so nervös… Kann es sein, dass du… Durstig bist? ...“, fragte sie vorsichtig nach.
„Das hast du gemerkt?“, er wandte den Blick von ihr ab und sah hinauf in den Himmel. „Du hast Recht… Ich hatte keine Zeit mehr mir neue Konserven zu besorgen, der Auftrag hier kam ziemlich plötzlich…“
Ria fing an ihre Bluse am Kragen zu öffnen. Ilay sah sie mit großen Augen an.
„Was tust du da?“
„Dir helfen… Ich hatte dir doch versprochen dir zu helfen…“, sprach sie ruhig, während sie die Schleife abnahm.
„Du weißt, dass ich das nicht tun kann… Ich könnte wieder die Beherrschung verlieren…“
„Und ich weiß, dass du das kannst und außerdem hast du doch gar keine andere Wahl…“
Sie kam auf ihn zu, bis sie vor ihm stand. Er zögerte, doch dann strich er ihr die Haare nach hinten. Sein Puls pulsierte und ihm wurde unerträglich heiß. Er kam ihr näher. Befühlte mit seinen Fingern ihren Nacken. Seine Augen veränderten sich wieder. Ria empfand dies als sehr faszinierend. Er drückte sie gegen einen Baum und biss genüsslich zu.
„Mhm…“
Er presste sich immer fester an sie, packte sie mit der einen Hand am Haaransatz, die andere drückte fest in ihre Hüfte.
<Heute empfinde ich das nicht als unangenehm oder seltsam… Was ist das? Irgendwie… Gefällt mir das…>
Ria wusste gar nicht wie ihr geschah. Ihr Körper spielte verrückt. Nicht nur dass es ihr gefiel, was Ilay da mit ihr anstellte, es erregte sie selbst. Ein leises Stöhnen entwich ihr. Als Ilay das zu hören bekam, erregte ihn das noch mehr als es eh schon der Fall war. Er presste sich weiter und heftiger an sie. Seine Hände wanderten auf ihrem Körper umher und hielten sie ganz fest.
Es war richtig hitzig zwischen ihnen. Ilay wurde immer zügelloser und ungehemmter. Seine Hand glitt unter ihre Bluse und wanderte auf ihre Brust.
„Ah…“, entfuhr es ihr, ganz leise.
Ilay konnte ihre Erregung mittlerweile riechen. Ruckartig stoppte er und lies von ihrem Nacken ab.
Er sah ihr ins Gesicht, es war total gerötet und ihr Blick bestätigte die Erregung, die sie empfand. Er war selbst sehr errötet.
„Warum hast du aufgehört?“, wollte sie wissen.
„Wenn ich jetzt weiter gemacht hätte, hätte ich dich wohlmöglich komplett verschlungen…“
Er wollte sich abwenden und drehte sein Gesicht weg.
„Nicht…“, hielt sie ihn auf, indem sie sein Gesicht fixierte mit ihren Händen. Fragend sah er sie an.
„Hast du es nicht bemerkt? Wir werden beobachtet…“
„Schockiert schärfte er seine Sinne und merkte es dann auch.
„… Leif…“, sagte er. „Wir haben uns für zweier Wachposten entschieden um beide Seiten abdecken zu können…“
Sie zog sein Gesicht näher, so dass sich ihre Stirne berührten.
„Du bleibst jetzt so, bis du dich wieder beruhigt hast… So sollte er dich auf keinen Fall zu Gesicht bekommen…“
Sie legte ihre Arme um seine Schultern.
„Wenn du jetzt nicht von allein aufgehört hättest, hätte ich es eh beendet… Für mich ist das hier zu intim, als dass ich jemanden hierbei zusehen lassen würde…“
„Pfft! Hahaha!“, lachte er. „Du bist ja ulkig!“
„Was ist daran witzig…?“, sah sie ihn entnervt an.
„Nichts… Schon gut…“
„Sehr gut… Man sieht dir nichts mehr an…“, lächelte sie.
„Danke…“
Ilay wandte sich von ihr ab und drehte sich herum.
„Leif…“
Kapitel 07
„Was zur Hölle macht ihr hier?“, fragte er erbost nach.
„E-Es ist meine…“, fing Ria an als sie hastig ihre Haare vor ihre Halswunde positionierte. Ilay hielt sie auf.
„Es ist mir egal wer Schuld hat, in eurer Freizeit könnt ihr tun und lassen, was ihr wollt, aber wir sind hier auf einer Mission und noch dazu hast du hier, Ilay, die Schicht des Wachpostens… Was wenn jetzt etwas passiert wäre, weil ihr meint euch hier vergnügen zu müssen?!“
„Du hast Recht, Leif… Das war verantwortungslos von mir… Dafür gibt es keine Entschuldigung…“
Leif seufzte und hielt sich eine Hand vors Gesicht.
„Das ich dich darauf aufmerksam machen muss ist schon die Höhe… Der sonst so pflichtbewusste Ilay… Schick sie ins Bett…“
Damit ließ er die Beiden stehen.
Ilay widmete sich Ria zu.
„Entschuldige, jetzt denkt er sicher wir hätten was miteinander…“
„Schon gut, immer noch besser, als wenn er dein Geheimnis gelüftet hätte, oder?“, lächelte sie leicht verlegen. „… Wobei er ja gar nicht mal so unrecht damit hätte…“, nuschelte sie hinterher.
Ilay ignorierte das.
„Du solltest gehen…“, gab er ihr zu verstehen. Als sie sich auf den Weg machte sagte er noch: „Und danke…“
Sie drehte sich noch einmal um und ließ ihm ein Lächeln zukommen, bevor sie in ihrem Zelt verschwand. Ilay lehnte sich gegen den Baum und sah auf seine Hände.
<Was mach ich da nur? Warum kann ich mich bei ihr nicht beherrschen? Ich will mehr… Viel mehr… Sie macht mich gierig… Ich muss mich zusammen reißen… >
Die Nacht verging und am nächsten Morgen sammelten sich alle.
„Ria… Wo warst du letzte Nacht? Du hast dich aus dem Zelt geschlichen…“, fragte Lucin heimtückisch.
„Ehh?! Ehehehe… Ich war nur auf Toilette…“, log Ria.
„Du hast dich raus geschlichen? Hab ich gar nicht mitbekommen…“, gab Laisa von sich die sich gerade ihr Frühstück einverleibte.
„Na bei dir könnte auch eine Bombe einschlagen und du würdest es nicht mitkriegen, so fest schläfst du…“, sagte Lucin.
„Was?!“
Lucin und Laisa fingen an sich wieder zu streiten. Ria kicherte nur leicht nervös.
„Aber jetzt mal im Ernst… Du warst nie und nimmer nur auf Toilette, dafür hast du dich viel zu sehr bemüht keinen Lärm zu verursachen…“, hackte Lucin noch einmal nach, während sie Laisa an den Haaren zog.
„Frag doch einfach Ilay, wenn du mehr Informationen darüber willst…“, gab Leif ganz nüchtern von sich als er von seiner Tasse nippte.
„Ilay?“
Alle waren total baff und ihre Blicke wanderten zwischen Ilay und Ria hin und her. Ilay spuckte sein Getränk wieder aus und hustete während Ria damit kämpfte sich nichts anmerken zu lassen, doch es war eine leichte Rötung in ihrem Gesicht erkennbar.
„Also läuft da doch was zwischen euch?“, war Seren entsetzt.
„Das kann ich gar nicht glauben! Das würde Ilay gar nicht ähnlichsehen!“, warf Lucin ein.
„Genau! Er hat sich sonst noch nie für jemanden interessiert!“, pflichtete Laisa bei.
„Also… Ihr versteht das falsch… Ich meine…“, Ria war überfordert mit der Situation.
„Genug jetzt!“, meldete sich Ilay zu Wort. „Packt jetzt zusammen wir gehen weiter…“
„Ach Menno… Dabei wurde es gerade erst interessant…“, schmollte Lucin.
„Interessant? Mir ging es eher darum das Ilay letzte Nacht seine Pflichten vernachlässigt hat, während er sich mit Ria vergnügte… Wo ist sein Pflichtgefühl hin?“, war Leif erbost.
„WAS?!“
<Eigentlich hab ich nur meinen Blutdurst gestillt aber irgendwie haben sie schon recht wenn ich so darüber nachdenke… Hab ich was für sie übrig? Kann ich mich deshalb nicht beherrschen? Ach was, das kann nicht sein…>
Ilay versteckte sein verlegenes Gesicht hinter seiner Hand, genauso wie Ria ihr Gesicht hinter ihren Händen versteckte.
„Ach Leute… Seht ihr nicht, dass es ihnen unangenehm ist? Lasst es gut sein und packt endlich zusammen…“, warf Keno ein.
Seren lehnte sich zu Ria rüber und flüsterte: „Ich freu mich für dich… Wenn du glücklich bist, bin ich es auch!“
„… Aber wir sind doch gar kein Paar…“, gab Ria zurück.
„Nicht?“, staunte Seren. „Egal was ihr da habt, es scheint dir gut zu tun, du bist nicht mehr ganz so verbissen und kalt… Das hat mir immer die größten Sorgen bereitet…“
<Was sagt er da? Meint er das Ilay mir gut tut? Ist das so? Ich weiß nicht… So lange kennen wir uns nun auch wieder nicht… Aber warum will ich ihm überhaupt helfen?>
Sie packten das Lager zusammen und brachen auf.
Sie kamen in einem der besagten Dörfer an und waren geschockt. Überall lagen Verletzte oder sogar Tode auf den Straßen.
Ria drängelte sich durch ihre Kammeraden und rannte direkt auf einen der Verletzten zu, kramte in ihrer Tasche herum und holte eine Flasche Wasser und eine Schachtel mit Arznei und Verbänden heraus.
„Können Sie mich hören? Hier trinken Sie das… Was ist denn passiert?“
Ria fing an die Verletzungen des Menschen zu verarzten, während er einen Schluck trank. Ilay kam hinzu und kniete sich auch hin, ihn interessierte auch was vorgefallen war.
„Sie sind so nett… Das… Das waren die Aufseher, die für unser Dorf zuständig sind… Sie treiben immens hohe Steuergelder von uns ein und jeder der nicht zahlen kann endet so…“
In Leif und Lucin kochte regelrecht die Wut hoch.
„Seid ihr hier, um uns zu helfen? Hat euch der König geschickt? Wir warten schon so lange…“, fragte ein anderer Verletzter nicht unweit. „Wenn ihr die Aufseher sucht, sie sind in das andere Dorf gegangen, welches im Süden liegt, um dort die heutigen Steuergelder einzutreiben…“
Ilay stand wieder auf.
„Lucin, Keno, Laisa und Seren… Ihr bleibt hier und helft allen Verwundeten… Leif, Ria… Ihr kommt mit mir… Diese Aufseher knöpfen wir uns vor!“, Ilay war sehr zornig, das sah man ihm an.
Ilay, Leif und Ria liefen in das andere Dorf, während der Rest der Gruppe in diesem verweilte.
Laisa sah sich um und erblickte eine schluchzende Frau. Sie kam näher und bemerkte, dass sie ein regungsloses Kind in ihren Händen hielt.
„Leute! Hier her!“, rief sie nach den anderen, um sich dann sofort der Frau zu widmen.
„Was ist passiert?!“, fragte Laisa aufgebracht nach.
„… Die Aufseher… Mein Sohn… Wollte mich beschützen… Schluchz… Er… Er wacht einfach nicht mehr auf…“
Die Frau war mit ihren Nerven am Ende und wusste sich nicht mehr zu helfen. Währenddessen kamen die anderen bei ihnen an. Laisa überprüfte die Atmung. Lucin ringte mit den Tränen bei diesem Anblick.
„Was ist los?!“, fragte Keno nach.
„Er atmet nicht mehr! Wir müssen irgendetwas tun!“, antwortete Laisa panisch und wollte eine Mund-zu-Mund-Beatmung anfangen.
„Aus dem Weg!“, rief Seren, kniete sich nieder und nahm sich dem kleinen Jungen an. Er überprüfte den Puls, Atmung, und sah sich seine Verletzungen an.
„Er hat Blutergüsse unter den Augen, sie müssen mehrmals seinen Kopf traktiert haben… Er atmet nicht mehr selbstständig… Das ist definitiv ein Schädel-Basis-Bruch! Schnell! Bringt mir Alkohol, eine Schere und eine Nadel!!“
Die anderen rannten panisch los und besorgten die gewünschten Dinge während Seren in seiner Tasche herumkramte.
„Perfekt! Das kann ich als Kanüle benutzen!“
Die anderen brachten die Dinge und übergaben sie Seren.
„Was machst du jetzt?“, fragte Laisa nach.
„Eine Dilatative Dracheotomie!“
„Eine was?!“
„Einen Luftröhrenschnitt!“
Mit dem Alkohol desinfizierte er die Schere, Nadel, ein Messer, ein Stück Draht und die Ersatzkanüle und fing an. Mit dem Messer machte er einen kleinen Schnitt und weitete dann das Gewebe mit der Schere. Dann nahm er die Nadel und stach ein Loch in die Luftröhre und führte erst den Draht ein, bevor er vorsichtig die Kanüle darüber platzierte. Alle sahen ihm gespannt zu.
Seren plumpste auf den Boden, sichtlich erleichtert.
„Er… Atmet wieder…“, antwortete er sichtlich erschöpft.
Allen fiel ein Stein vom Herzen.
„Seren… Wie? Woher weißt du das?“, fragte Laisa, die zusammen gesackt neben ihm saß und Freudentränen für den kleinen Jungen weinte.
„Ich habe mich schon immer für Medizin interessiert und habe alle möglichen Bücher darüber in mich eingesaugt…“
„Das hast du gut gemacht…“, lobte ihn Keno der ihm die Hand auf die Schulter legte.
Lucin fiel ihm um den Hals.
„Danke!“
Seren war erst überrascht und hielt seine Hand an seinen Kopf und lächelte dann leicht verlegen.
Die Mutter weinte ebenso Freudentränen und konnte sich gar nicht genug bei ihren Rettern bedanken. Äußerst respektvoll fiel sie auf die Knie und verbeugte sich.
Sie bauten eine Trage für den kleinen Jungen und verarzteten allerlei Leute. Keno verteilte die Aufgaben strategisch so sinnvoll, dass es nicht lange dauerte, bis allen geholfen wurde.
Alle waren sichtlich erschöpft und gönnten sich am Rande des Dorfes eine Pause zum Durchatmen.
Sie tranken einen Schluck Wasser und Lucin bereitete eine kleine Stärkung zu. Sie überreichte Seren eine Schüssel.
„Seren… Das war unglaublich! Ich wusste gar nicht, dass du so gut bist in medizinischen Angelegenheiten!“, lobte sie ihn.
„Naja… Mich faszinierte schon immer die Komplexität der Medizin…“
„Du bist wirklich ein schlaues Kerlchen…“, lächelte Lucin ihn an.
„Ich sagte doch, du findest deinen Platz bei uns…“, gab Keno von sich, sehr erleichtert das alles gut ging.
„Danke… Du bist aber auch echt gut! Du hast die Aufgaben strategisch so sinnvoll an uns verteilt, dass wir in Windeseile allen helfen konnten… Das ist beeindruckend!“, staunte Seren.
„Ach… Strategien waren schon immer mein Ding…“
„Ja… Du wärst ein guter Anführer Keno! Viel besser geeignet als mein Bruder oder Ilay… Leif ist zu hitzköpfig für sowas und entscheidet zu viel aus dem Bauch heraus und Ilay ist zu abgebrüht und stumpf… Er denkt viel zu rational…“
„Das könnte sich jetzt auch ändern…“, warf Laisa ein.
„Wie meinst du das?“, fragte Lucin nach.
„Naja… Seitdem Ria bei uns ist, hat sich Ilay irgendwie verändert… Er ist nicht mehr so kalt und gefühlslos… Ab und an kann man ihn auch mal Lächeln sehen, meist wenn Ria in der Nähe ist… Er ist nicht mehr so der Alleingänger, verstehst du?“, erklärte Laisa.
„Du hast recht…“, bejahte Seren. „Ich mein, ich kann jetzt nicht so für Ilay sprechen da ihr ihn wesentlich länger kennt als ich, aber auch Ria hat sich verändert… Früher war sie viel störrischer und hat sich nie etwas sagen lassen. Sie war immer der Meinung niemand könnte ihr das Wasser reichen. Sie ist immer alleine losgestürmt, aber neuerdings nimmt sie viel mehr Rücksicht auf andere…“
„Es ist irgendwie so als ob sie sich gesucht und gefunden hätten, oder?“, warf Keno mit ein.
„Bist du denn nicht eifersüchtig Seren?“, frage Lucin nach. „Seid ihr nicht ein Paar oder wart mal zusammen?“
„Nein… Wir sind zusammen aufgewachsen und für mich war sie und ist sie wie eine große Schwester, die mich immer beschützt hat… Wir sind Familie…“, lächelte Seren.
„Das ist schön, wenn man so jemanden an seiner Seite hat…“, freute sich Lucin für ihn.
„So… Ich denke wir haben uns genug ausgeruht… Wir sollten ins nächste Dorf gehen und nach den anderen sehen…“, merkte Keno an.
„Du hast Recht, nicht dass sie unsere Hilfe benötigen…“, stimmte Laisa zu.
Kapitel 08
Leif, Ilay und Ria machten sich schnell auf den Weg ins andere Dorf.
„Meint ihr wir erwischen sie noch, bevor sie sich aus dem Staub machen?“, fragte Ria nach.
„Wir müssen! Das werde ich ihnen nicht verzeihen, was sie hier mit meinem Volk anstellen!“, antwortete Leif wutentbrannt.
„Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren Leif! Erst einmal checken wir die Lage und kundschaften aus… Wir wollen sie alle auf einmal nicht, dass noch jemand entkommt und sich der Drahtzieher hinter der Sache aus dem Staub macht, dann war alles umsonst!“, klärte Ilay ihn auf.
„Ich weiß… Ich bin aber so wütend!“
„Das kann ich gut verstehen, nichtsdestotrotz musst du ruhig bleiben…“
Sie kamen an dem Dorf an. Die drei legten sich Umhänge um damit man sie nicht gleich erkennen würde und infiltrierten das Dorf. Sie schlichen durch die Straßen und sammelten Informationen.
„Wir teilen uns auf… Sammelt so viele Informationen wie ihr nur könnt… Wir treffen uns dann wieder hier…“, beschloss Ilay.
„Alles klar…“, war Ria einverstanden.
„… Gut“, gab Leif von sich.
Ria ging in ein Lokal und bestellte sich ein Getränk. Sie nahm an einen Tisch Platz, der recht abseitsstand, wodurch sie aber einen wunderbaren Überblick über das Geschäft hatte und heimlich lauschen konnte.
<Sehr gut… Hier sitze ich gut, niemand würde glauben ich könnte etwas hören aber dank meiner Fähigkeiten kann ich jeden Tisch reden hören… >
Auf einmal wurde Ria hellhörig. Ein Tisch am anderen Ende des Lokals, ziemlich abgeschattet, hatte merkwürdige Leute dasitzen.
„Ist die Lieferung schon fertig?“
„Noch nicht ganz… Wir warten noch auf heute Mittag vielleicht finden sich noch ein paar schöne Mädchen dafür… Dann können wir wie geplant heute Nachmittag die Ware wegbringen…“
„Also kurz vor knapp… Hmm… Aber das wird dem Boss sicher gefallen… So viel neue Ware… Und dieses Mal sind so viele Hübsche dabei…“
„Seht zu, dass ihr nicht auffliegt! Das kann der Boss gar nicht haben…“
„Geht klar… Dann treffen wir uns später alle am Treffpunkt und begutachten die Ware…“
Ria traute ihren Ohren kaum.
<Sprechen die über Menschenhandel? Sammeln sie hübsche Mädchen? Aber für was? Die Situation hier ist ja noch heikler und komplexer als zunächst angenommen…>
Ria ging zurück an die Stelle, an der sie Ilay und Leif treffen sollte. Sie war die Letzte die eintraf.
„Ich konnte leider nicht viel in Erfahrung bringen… Es sollten wohl in etwa 10 Aufseher sein, die hier ihr Unwesen treiben…“, berichtete Leif. „Aber wo sie sich aufhalten, und ihr Unterschlupf ist konnte ich nirgends in Erfahrung bringen…“
„Ria? Alles in Ordnung?“, fragte Ilay nach.
Ria sah geschockt aus.
„Sie treiben hier nicht nur viel zu hohe Steuergelder ein und verletzten Menschen, die diese Summen nicht zahlen können… Sie … Sie betreiben auch Menschenhandel…“
Nun sahen auch Ilay und Leif geschockt aus.
„Die nächste Lieferung ist allem Anschein nach heute Nachmittag und sie sammeln die letzten hübschen Mädchen und Frauen hier ein…“
„Was tun die hier?!“, Leif war außer sich.
„Ich denke nicht, dass der Boss, von dem sie sprachen, dabei sein wird aber soweit ich gehört habe werden alle Aufseher vor Ort sein wo auch die Frauen sein werden…“, sprach Ria weiter.
„Das wäre natürlich perfekt, um alle gleichzeitig zu schnappen und an weitere Informationen zu kommen… Es betrifft ja anscheinend nicht nur diese Dörfer hier, das ist etwas ganz großes…“, schlussfolgerte Ilay.
„Aber wie schaffen wir es diesen Ort ausfindig zu machen?“, fragte Leif nach.
„Ich…“
Beide sahen Ria ungläubig an.
„Ich werde mich einschleusen… Ich lasse mich gefangen nehmen und kann euch so den Ort letztendlich durchgeben…“
„Was? Nein! Das ist viel zu gefährlich!“, protestierte Ilay.
„Sie hat Recht… Das wäre der effizienteste Weg herauszufinden, wo sie sich aufhalten…“, überlegte Leif. „Aber wie willst du uns verraten wo ihr seid, wenn du doch gefangen bist?“
„Hmm… Das ist eine gute Frage…“, dachte Ria nach.
„Ich bin dagegen… Wir wissen nicht, was diese Leute mit dir anstellen werden und Waffen dürftest du auch nicht mitführen…“, war Ilay immer noch dagegen.
„Ich schaffe das schon, ich bin zäher als ich aussehe…“, versuchte sie Ilay zu beruhigen.
„Wir könnten auch einfach auf den Fersen der Aufseher bleiben und so zu dem Ort gelangen…“, sagte Ilay.
„Nein… Das wäre unklug… Was wenn sie es merken und Alarm schlagen, um somit die anderen zu warnen? Letztendlich würden die Frauen darunter leiden, wer weiß was sie tun, wenn sie befürchten, dass ihr Plan nicht aufgeht…“, vermutete Leif.
„Ich habe eine Idee!“, mischte sich Ria wieder in das Gespräch mit ein. „Ser und ich haben beide jeweils einen Pager… Damit haben wir uns früher immer Nachrichten zukommen lassen als wir Klein waren…“
„Früher? Und du denkst er hat ihn immer noch bei sich?“, fragte Leif ungläubig nach.
„Ganz bestimmt… Ich habe meinen auch immer noch bei mir, obwohl wir es schon ewig nicht mehr genutzt haben…“, war Ria fest überzeugt und holte ihren Pager aus der Tasche. „Ich verstecke ihn an mir, der ist so klein der würde erst mal niemandem auffallen und sobald ich weiß, wo ich bin, gebe ich euch damit die Koordinaten durch…“
„Ich muss sagen, das ist wirklich ein guter Plan… Das könnte klappen…“, war Leif überzeugt.
„Ich halte es immer noch für keine gute Idee…“, protestierte Ilay weiterhin.
„Lass mich das tun Ilay. Ich bin die Einzige, die das tun kann, wer weiß wann die anderen im anderen Dorf fertig sind… Und außerdem müssen wir diese Frauen retten, das sollte oberste Priorität haben…“
„Na gut… Aber versprich mir, dass du äußerst vorsichtig vorgehst…“, knickte Ilay ein.
„Versprochen!“
Ria machte sich fertig und zog sich um. Leif besorgte ihr ein schönes Kleid und half ihr bei den Haaren.
„Du kannst das echt gut, oder?“, fragte sie neckisch nach.
„Natürlich! Was denkst du wer ich bin? Ich bin ein Prinz und Thronfolger… Ästhetik und Stil gehören da zur Grundausbildung!“, scherzte er.
„Hahaha!“, lachte sie los.
„… Komm unbeschadet wieder zurück, hörst du?“, sprach Leif sichtlich besorgt.
„Mach dir keine Sorgen, es wird schon alles gut gehen“, lächelte sie ihn an.
„Es wird Zeit, du musst los sonst wird es zu spät…“, erinnerte sie Ilay der ins Zimmer kam.
„Gut… Seht zu, dass ihr die anderen bald findet wegen Sers Pager…“, erinnerte sie die beiden.
Ria ging los, doch dann packte sie Ilay am Arm. Sie drehte sich um zu ihm.
„Setze dich keiner unnötigen Gefahr aus… Wenn’s zu heikel wird, fliehst du!“
Ihre Blicke trafen sich, Ilay war sichtlich besorgt.
„Verstanden…“
Damit verließ sie die beiden und ging die Straßen entlang.
„Na du hast aber einen Narren an ihr gefressen mein Lieber…“, stichelte Leif.
„Hab ich nicht! ...“, protestierte Ilay genervt.
„Na wenn du meinst…“ Leif war sichtlich amüsiert.
Es dauerte nicht lange und es verfolgten zwei Männer Ria.
<Sehr schön, ich wurde wohl entdeckt und für gut befunden… Mal sehen, wie sie es anstellen mich mitzunehmen…>
„Hey Schöne!“, rief der Eine. „Suchst du vielleicht Arbeit? Wir wissen, dass es an Arbeitsplätzen hier mangelt, aber wir hätten da das perfekte Jobangebot für dich…“
„Achja?“, fragte Ria neugierig als sie sich umdrehte. „Was wäre das denn für ein Job?“
Die Männer waren sichtlich guter Laune und freuten sich Rias Interesse geweckt zu haben.
„Ein Job als Tänzerin. Mit Verlaub, sie sehen sehr attraktiv aus und wären eine wunderbare Ergänzung für unser Lokal…“
Der Eine legte seinen Arm um sie.
„Komm, ich zeige es dir…“
Ria ließ sich mitziehen. Sie wurde in ein Haus gebracht, etwas abseits des Dorfes.
„Und hier ist der Job?“, fragte sie skeptisch nach.
„Nein, um Himmels Willen! Hier finden die Bewerbungsgespräche statt… Bitte gedulde dich einen Moment und mach es dir bequem…“
Der Mann zeigte auf eine Couch am Ende des Raumes. Ria ging hinüber und setzte sich.
„Wir sind gleich wieder bei dir…“
Daraufhin verließen sie das Zimmer und Ria saß dort ganz allein.
<Ein seltsamer Ort… Hier ist doch überhaupt niemand… Es sieht nicht ansatzweise gefährlich aus… Ich darf mich nicht zu sicher fühlen, ich muss auf der Hut bleiben…>
Auf einmal wurde es ganz neblig im Raum.
<Was ist das? Nebel? Nein… Ein Gas?!>
Ria schreckte auf aber umso hastiger sie sich bewegte, umso schneller sie atmete, umso schneller setzte ihr das Gas zu. Sie rannte zur Tür und klopfte gegen sie. Versuchte sie zu öffnen. Keine Chance. Auch alle Fenster waren fest verschlossen, es gab keinen Weg hinaus. Es dauerte nicht lange und Ria fiel in Ohnmacht.
Ilay und Leif warteten in der Nähe des Eingangs des Dorfes auf die Ankunft ihrer Freunde. Als sie ankamen, zogen sie sie auf die Seite.
„Ilay, Leif… Alles okay? Wo ist Ria?“, wollte Keno wissen.
„Sie… Sie hat eine schwierige Aufgabe übernommen…“, erklärte Ilay.
„Schwierige Aufgabe?“, fragte Lucin nach.
„Ja… Wir haben herausgefunden, dass hier auch mit Menschen gehandelt wird und sie Frauen einsammeln… Ria hatte sich bereit erklärt sich gefangen nehmen zu lassen, um uns dann die Koordinaten durchzugeben, wo sie sich befinden, so können wir dann alle auf einmal festnehmen und gleichzeitig die Frauen befreien…“, erklärte Leif.
„Was? Warum habt ihr nicht auf uns gewartet? Sie hätte da nicht allein gehen sollen, das ist zu gefährlich…“, fragte Laisa.
„Wir hatten leider keine andere Wahl… Sie hatten nur noch bis Mittag gesammelt, das hättet ihr niemals rechtzeitig geschafft…“, erklärte Leif.
Ilay wirkte sehr angespannt, so sehr, dass es die gesamte Gruppe mitbekam.
„Seren… Hast du noch den Pager den Ria und du als Kinder immer genutzt habt?“, fragte Ilay nach.
„Natürlich… Ich habe ihn sogar dabei…“
Seren kramte ihn aus der Tasche.
„Sehr gut… Den brauchen wir damit Ria uns erreichen kann…“, sprach Ilay leicht erleichtert als er den Pager entgegennahm und ihn anstarrte.
„Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass sie uns zeitnah eine Mitteilung zukommen lässt…“, sprach Leif besorgt.
Kapitel 09
Ria kam langsam zu sich.
„W-Wo bin ich…?“
„Hey! Bist du wach?“, fragte eine freundliche, feminine Stimme.
Ria rappelte sich auf und sah sich um. Sie erblickte mehrere Frauen die zusammengekauert in kleinen Grüppchen auf dem Boden saßen.
Als sie versuchte sich hinzustellen, klappte sie sofort wieder zusammen.
„W-Was ist los mit mir?!“
„Du bist unglaublich! Wie machst du das?“, fragte eine der Frauen.
„Was?“, fragte Ria verdutzt.
„Du kannst dich so gut bewegen? Wir sind alle schon eine Ewigkeit hier und keiner hat es geschafft sich innerhalb so kurzer Zeit zu bewegen… Wir waren alle mehrere Tage lang gelähmt…“, erklärte sie.
„Wirklich?“
„Ja… Wir können dir nicht sagen, wo wir hier sind… Dieser Raum hat keine Fenster und es ist immer Dunkel… Du wurdest mit einer großen Menge Nervengift betäubt und zu uns gebracht, so ist es uns allen ergangen…“, erklärte sie weiter.
Ria sah sich die Frauen genauer an und dann an sich selbst hinunter.
„Warum sind wir nackt?!“, fragte sie schockiert.
„Sie wollten wohl sicherstellen, dass wir nichts bei uns haben, was uns zur Flucht verhelfen könnte… Vielleicht aber auch um uns besser begutachten zu können und unseren Willen zu brechen…“
„Wisst ihr was sie mit uns vorhaben? Habt ihr irgendwelche Informationen aufgeschnappt?“, wollte Ria wissen.
„Nein… Wir haben nur Gerüchte gehört… Angeblich gibt es einen äußerst wohlhabenden Adeligen der Handel mit Frauen betreibt und als Sklaven verkauft… Manchmal behält er auch ein paar für sein privates Vergnügen… So erzählt man es sich in unseren Dörfern… Ich denke das ist es, was uns passieren wird…“
„Macht euch keine Sorgen... Ich bin hier, um euch zu helfen…“, erzählte Ria.
„Uns helfen? Wie das denn? Du bist doch selbst eingesperrt um als Sklavin zu enden!“, machte sich Eine lustig.
„Ich bin nicht alleine… Ich habe Kammeraden draußen und sobald ich ihnen mitgeteilt habe, wo wir uns aufhalten, werden sie kommen und uns hier rausholen!“, ermutigte sie die Frauen.
„Schon vergessen? Du bist genauso nackt wie wir, du hast nichts mehr bei dir… Wie willst du da Hilfe holen?“, spottete eine.
„Ha! Wie gut, dass ich meinen Pager hier versteckt habe!“
Ria zeigte auf ihren Zopf.
„Den habe ich in meinem Zopf versteckt!“
Die Frauen staunten.
„Also… Bitte helft mir und findet mit mir heraus, wo wir sind, damit wir alle gerettet werden können!“
Die Frauen freuten sich und lächelten auch wieder, während sie miteinander tuschelten.
<Wie schön… Die Laune der Frauen ist wieder besser! Ich werde alles tun, um sie zu beschützen! Jetzt muss ich zusehen das ich herausfinde, wo wir sind…>
Währenddessen warten die Anderen ganz ungeduldig auf eine Nachricht von Ria.
„Es ist schon einige Stunden her, seit sie weg ist… Wann sollten sie weggebracht werden?“, fragte Keno nach.
„Sie sagte am Nachmittag… Das ist leider eine sehr große Zeitspanne…“
Ilay war sehr nervös und ungeduldig und den Pager lies er gar nicht mehr aus der Hand, er hielt ihn ganz fest.
<Wann meldet sie sich endlich? Weiß sie nicht, wo sie ist? Vielleicht wurde ihr der Pager abgenommen… Vielleicht ist auch etwas vorgefallen… Oder ihr ist etwas passiert… Das Warten… Das ist so lästig…>
„Es ist irgendwie mal erfrischend Ilay so in Sorge zu sehen… Man sieht so selten, dass er irgendwelche Gemütsregungen zeigt…“, scherzte Lucin.
„Sowas findest du erfrischend? Ist das nicht ein wenig zu makaber selbst für dich?“, entgegnete Leif.
„Nimm sie nicht ernst… Sie weiß nur nicht, wie sie ihre Zeit tot schlagen soll…“, klärte Keno auf, während er genüsslich eine Tasse Tee trank.
„Oh man… Das Warten ist aber auch ätzend…“, gab Lucin von sich, während sie sich streckte.
„Entspann dich… Uns alle macht das Warten nervös… Wir würden alle gern wissen, wie es Ria geht…“, fiel Laisa ein.
„Ihr… Ihr geht es sicher gut… Alles ist gut…“, murmelte Seren vor sich hin.
Währenddessen kauerte Ria an der Tür und versuchte irgendjemanden von den Aufsehern belauschen zu können.
„Hey… Weiß eine von euch wie oft hier Aufseher herkommen oder was passiert, wenn man anfängt zu randalieren?“
„Soweit wir mitgekriegt haben, kommt jede Stunde mindestens ein Aufseher an die Tür und sieht nach, ob alles okay ist…“, erklärte eine der Frauen.
„Jede Stunde… Dann sollte gleich jemand kommen…“, schlussfolgerte Ria.
Plötzlich hörte Ria wie mehrere Schritte auf dem Weg zur Tür waren und nahm Abstand zum einzigen Ausgang.
Die Tür ging auf.
„Was ist hier los? Ihr seid viel zu munter!“, sprach einer der Aufseher.
„Vielleicht sollten wir noch ein wenig mehr Gas reinlassen…“, überlegte der Andere.
Dann kam ein dritter Mann mit rein.
„Chef? Was machst du hier?“, fragte Einer.
„Ich sehe nicht ein, dass der Boss der Einzige ist der Spaß mit so hübschen Dingern hat. Eine nehme ich für mich mit…“
„Wie du willst aber beeil dich… Wir wollten sie jetzt mitnehmen…“
Der Chef ging durch den Raum und sah sich genau um. Er ging auf ein kleines Mädchen zu.
„Du bist ganz süß…“
Das Mädchen war total apathisch und litt an großer Angst. Als er ihr näher kam, stand Ria auf.
„Du willst doch kein kleines Mädchen… Du willst sicher jemanden mit mehr Kurven und Temperament...", warf Ria ein.
<Ich lasse nicht zu, dass er sich mit einem kleinen Kind vergnügt… So ein widerlicher Bastard!!>
Sein Blick blieb an Ria hängen. Er hielt an und sah sie sich genauer an. Sein Blick wanderte auf ihrem gesamten Körper umher. Er zog ihr Gesicht näher heran und mit der anderen Hand strich er über ihren Körper. Ria sah ihn wütend und angewidert an. Dann lachte er bestialisch.
„Du gehörst nun mir, kleines Wildkätzchen…“
Er packte sie am Arm und zog sie aus dem Zimmer. Ria wehrte sich.
„Nimm deine dreckigen Finger von mir!“, beschimpfte sie ihn.
Dann wurde er handgreiflich und gab ihr eine Backpfeife, so dass sie auf den Boden fiel.
„Das wird ein Spaß deinen Willen zu brechen und dich abzurichten!“, freute er sich.
Sie blickte sich um und bemerkte das Zimmer, in dem sie anfangs warten sollte, während sie über den Boden geschliffen wurde.
<Wir sind also immer noch hier in diesem Gebäude? Endlich! Nun kann ich den anderen bescheid geben… Ich hoffe ich bekomme eine Gelegenheit dazu…>
Dieser Mann schleppte sie die Treppe hinauf und warf sie in ein Zimmer. Er fesselte ihre Hände hinter ihrem Rücken zusammen und ihre Beine, während er sich abartig die Lippen ableckte.
Dann fuhr er mit seinen Fingern erneut über ihren Oberkörper.
„Du bist wirklich hübsch… Aber du wehrst dich zu sehr… Ich denke ich habe da etwas, was dich gefügiger machen wird damit du dich nicht mehr ganz so sehr wehrst… Wenn du dich gar nicht mehr wehren würdest, wäre es ja langweilig…“, sprach er mit einem hinterhältigen Lachen.
Er ging zu der Zimmerlampe und zündete etwas an was anfing fürchterlich viel Qualm zu verursachen.
<Das riecht ja ekelhaft süß… Was ist das nur? Da fühlt man sich gleich etwas benebelt…>
„So meine Süße… Ich warte draußen, bis das Zeug seine volle Wirkung entfaltet… Danach…“, mit lautem Gelächter verließ er den Raum.
„Sehr gut, er ist weg… Allerhöchste Zeit den Pager zu benutzen…“
Ria blickte sich um suchte nach etwas Scharfem, um ihre Fesseln zu lösen.
Sie setzte sich hin und rutschte mit ihrem Körper durch die Arme, sodass ihre gefesselten Arme nun vorne waren.
<Dieses Zeug… Es macht mich ganz zittrig… Ich muss mich beeilen…>
Ria fand nichts, womit sie die Fesseln hätte öffnen können. Sie konnte zumindest die Fesseln an ihren Füßen lösen und stand auf. Sie griff so in ihre Haare und holte den Pager hervor.
Hastig tippte sie ihre Nachricht in das kleine, schwarze Gerät. Auf einmal gaben ihre Beine nach und sie sackte zusammen.
<Verdammt… Das ist nicht gut… Ich fühle mich ganz seltsam… >
Die Tür ging wieder auf.
„Du bist ganz schön wild… Aber das Zeug wirkt anscheinend ziemlich schnell bei dir… Hast wohl eine gute Nase…“, grinste er schelmisch. „Na gut… Dann wollen wir zwei Hübschen mal anfangen, oder?“
Er begann damit sich auszuziehen, während er auf sie zukam. Ria versuchte Abstand zu ihm zu gewinnen und kroch so schnell sie konnte von ihm weg.
„Ich liebe es, wenn Frauen so viel Kampfgeist haben! Ja… Versuch dich zu wehren… Deinem Schicksal wirst du doch nicht mehr entkommen…“
Er packte ihre Arme. Sie versuchte sich loszureißen, aber ihre Muskeln konnten nicht mehr genug Kraft aufbringen.
<Scheiße! Ich habe keine Kraft mehr… Was mach ich jetzt?!>
Er drückte sie zu Boden und fixierte ihre Hände, während er ihre Beine spreizte.
„Verrecke in der Hölle!“, sah sie ihn angewidert an, während er mit seiner Hand ihren Körper befühlte.
Gerade als er loslegen wollte und seine Hose geöffnet war wurde die Tür aus ihrer Verankerung gerissen und Ilay stand in der Tür. Mit einem Satz sprang er auf die Beiden zu und trat den Kerl von Ria runter.
„Was zur Hölle…“, sprach der Kerl, während er sich das Blut von der Nase wischte.
Leif betrat das Zimmer.
„Pah! Dieser Geruch… So süßlich…“, er ging auf den Kerl zu. „Du widerliches Schwein! Du hast dir die Falsche ausgesucht, um sie dir gefügig zu machen!“
Sein Lächeln ihm gegenüber war richtig düster und mörderisch.
Ilay kümmerte sich um Ria. Er löste ihre Fesseln an den Armen und legte ihr seine Jacke um.
„Ria… Alles okay?“
„Ja… Es war zwar knapp, aber ihr habt es rechtzeitig hier her geschafft…“, lächelte sie ihn an.
„Du zitterst…“, bemerkte er.
„Ja… Dieses komische Zeug, dass hier den Raum vernebelt… Es soll einen wohl gefügig machen, sodass man sich nicht mehr allzu sehr wehren kann…“
Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte ihre Wange. Dann lächelte er sie an, bevor er sie in seinen Armen aus dem Zimmer trug.
Die Anderen waren damit beschäftigt die restlichen Aufseher gefangen zu nehmen und die Frauen zu befreien während Ria sich wieder etwas anzog. Ilay hatte ihr ihre Kleidung mitgebracht.
Dann kamen alle auf Ria zu und fielen ihr um den Hals.
„Sind wir froh dich zu sehen!“, sprach Lucin, während sie sie umarmte.
„Zum Glück ist dir nichts passiert!“, freute sich Seren der sich die Tränen aus dem Gesicht wischte.
„Das war viel zu gefährlich, sowas machst du nie wieder, hörst du?!“, gab Laisa erbost von sich aber freute sich insgeheim das alles gut verlief.
„Ich danke euch… Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat…“, antwortete Ria.
„Du hättest mal Ilay erleben sollen… Mensch, war der nervös… Er kam halb um vor Sorge… Er war der Erste, der losrannte…“, lachte Lucin. „Hast ihm wohl ganz schön den Kopf verdreht!“
„Ach was…“, lächelte Ria leicht verlegen.
„Wir sind einfach nur froh dich wieder bei uns zu haben…“, gab Keno hinzu als er ihr den Kopf tätschelte.
Kapitel 10
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 11
„Wie gestern schon angemerkt werden wir heute in Zweierteams agieren und so die Gegend inspizieren… Ziel ist es den Aufenthaltsort von Panas Moskof zu bestimmen und ihn Dingfest zu machen… Noch irgendwelche Fragen?“, klärte Eneas die Situation auf.
Die Gruppen standen auf und machten sich auf den Weg.
Ilay packte Ria am Arm als sie sich mit Leif auf den Weg machen wollte.
„… Sei vorsichtig“, gab er zu verstehen.
„Du auch“, lächelte sie ihn an.
Sie sahen sich einen Moment lang an, bis Leif dazwischen ging und seine Hand von ihrem Arm entfernte.
„Turteln könnt ihr später…“, gab er leicht genervt von sich.
Er schnappte sich Ria und machte sich vom Acker.
„Ich dachte ja erst ihr könnt euch nicht leiden, aber anscheinend ist das komplette Gegenteil der Fall… Was hab ich verpasst?“, fiel es Eneas wie Schuppen von den Augen.
„Sei still…“, war Ilay peinlich berührt.
Keno und Lucin untersuchten einige Gossen.
„Ich bezweifle fast das wir hier brauchbare Informationen sammeln können…“, gab Lucin entrüstet von sich.
„Man kann nie wissen, wo man hilfreiche Informationen herbekommt, gedulde dich…“, antwortete er.
„Aber ich bin mir sicher, dass wir hier nichts erfahren werden, außerdem ist es hier dreckig…“, beschwerte sie sich, während sie vorauslief.
Auf einmal packte sie Keno am Arm, zog sie zurück, drückte sie gegen die Wand und hielt ihr den Mund zu, während er angespannt in die abknickende Seitengasse blickte.
Lucin blickte ihn mit großen Augen an. Einige Augenblicke später lies er von ihr etwas ab und nahm die Hand weg.
„Uhh, Keno… Du gehst aber ganz schön ran…“, zog sie ihn auf, während sie neckisch kicherte und eine Hand vor den Mund legte.
Er drehte seinen Kopf weg und resignierte.
„Hast du das gehört?“, fragte er sie.
„Natürlich… Der Name Panas Moskof ist gefallen und es wurde über einen illegalen, unterirdischen Kampfring gesprochen… Das scheint interessant zu werden…“, antwortete Lucin mit einem durchgeknallten Gesichtsausdruck.
Zur selben Zeit trieben sich Seren und Laisa etliche Straßen entfernt herum.
„Pass bloß auf, dass uns deine Tollpatschigkeit nicht zur Last fällt…“, ermahnte sie Seren.
„Ja ich weiß… Ich werde vorsichtig sein…“
Kaum ausgesprochen lief er bereits gegen eine Straßenlaterne. Laisa gab sich genervt eine Facepalm.
„Ich glaub ich Spinn! Obwohl du so klug bist, bist du so dumm!“, beschwerte sie sich.
„Verzeihung…“, flehte Seren, während ihm eine Träne übers Gesicht lief.
„Reiß dich zusammen! Bist du ein Mann oder eine Memme?!“
„… Ein Mann! …“, antwortete Seren mit einem mitleidssuchenden Hundeblick.
„Idiot!“
Laisa drehte sich weg, um ihr errötetes Gesicht vor ihm zu verstecken.
„Laisa! Lass uns da rein gehen!“
Seren zeigte auf ein zwielichtiges Geschäft.
„Spinnst du? Was willst du in so einem Schuppen?“, war Laisa außer sich.
„Ach komm schon! Das wird sicher spaßig!“
„Was soll daran spaßig sein?!“
Seren packte Laisa am Arm und zog sie in das Lokal. Er sondierte den Raum und suchte sich einen Platz aus an dem sie sich setzten.
Eine Bedienung kam auf sie zu.
„Was darfs denn sein?“
„Zwei Mal das Tagesmenü bitte!“, bestellte Seren.
„Kommt sofort“
Die Bedienung ging wieder und Seren fing an mit seinem Stuhl hin und her zu rutschen.
„Seren!! Was machst du da? Was wollen wir hier?“, flüsterte sie zu ihm. „Die Atmosphäre hier drinnen ist geradezu mörderisch…“
„Mach dir keine Sorgen“, antwortete Seren ganz fröhlich.
„Was ist bloß los mit dir?!“
Seren war fertig mit seinem Stuhl und schloss dann seine Augen.
„Seren?!“
„Psst!“
Seren konzentrierte sich. Einige Augenblicke später kam das Essen.
„Also… Einen guten Appetit wünsche ich dir!“, sagte Seren, während er genüsslich sein Essen hinein mampfte.
Laisa war richtig sauer und aufgebracht und aß widerwillig auf.
Seren bezahlte das Essen.
„Los komm!“
Sie verließen das Lokal und gingen einige Meter, bis sie weit genug weg waren.
„Kannst du mir jetzt mal bitte erklären, was das ganze sollte?“, fragte sie, während sie ihm eine Kopfnuss gab. „Wir sind mitten in einer Mission und dann gehst du Essen und das auch noch in so einem fragwürdigen Schuppen!“
„Es hat sich aber gelohnt…“
„Wie meinst du das?!“
„Ich konnte von meiner Position aus, jedes Gespräch in diesem Lokal belauschen… Das ist etwas was Ria und ich früher oft in der Art getan haben, um Neuigkeiten zu erfahren… Beim Essen fühlen sich die meisten Leute in Sicherheit und quatschen auch mal etwas ausschweifender…“
„Was? Hast du deshalb deinen Stuhl so oft verschoben?“, fragte sie verblüfft nach.
„Ja… Ich hab nach der besten Position gesucht um alles hören zu können…“, klärte Seren auf.
„Und? Was hast du erfahren?“, fragte sie nach.
„Dieser Panas Moskof führt anscheinend noch einen Kampfring der unterirdisch verläuft und höchstwahrscheinlich illegal ist… Ich denke dort wird er sein Versteck haben, ist doch passend, wenn er oberirdisch nicht aufzufinden ist… Und zu unserem Glück findet dort heute ein Turnier statt…“
„Wow! Nicht schlecht Seren!“, klopfte sie ihm stolz gegen die Schulter. „Ich bin beeindruckt!“
„D-Danke…“, sagte er, während er sich den Arm rieb, auf den sie gerade geschlagen hat.
Währenddessen suchten Leif und Ria in der Gegend genauso nach Informationen.
„Hast du schon eine Idee, wo wir anfangen sollen zu suchen?“, fragte Ria Leif.
„Ich hab keine Ahnung… Dieser Kerl scheint total unbekannt zu sein oder es will uns einfach niemand Informationen durchsickern lassen…“
„Ser und ich haben früher immer in Lokalen nach Neuigkeiten gesucht, hat immer gut geklappt, aber ich bin mir sicher, dass er das gerade auch tut, da wäre die Wahrscheinlichkeit wohl hoch ihn und Laisa anzutreffen, wenn wir das so machen…“, überlegte Ria.
„Ja das wäre keine gute Wahl…“, bestätigte Leif.
„Weißt du was. Ich habe keine Lust hier ewig herumzulaufen und die Nadel im Heuhaufen zu suchen… Wir schauen uns die Stadt von oben an und suchen nach etwas auffälligem…“, schlug Leif vor.
„Du meinst fliegen? Aber ich glaube ich habe keine Flügel…“
„Ich trage dich selbstverständlich… Wir haben nicht die Zeit herauszufinden, ob du das auch kannst geschweige denn dir das beizubringen…“, erklärte Leif knapp.
„Okay… Sei aber vorsichtig… Ich bin noch nie geflogen…“, gab sie verlegen von sich.
„Natürlich… Hallo? Was denkst du denn von mir… Ich bin durch und durch ein Gentleman“, zwinkerte er ihr zu.
Er nahm sie auf seine Arme und hob ab. In rasender Geschwindigkeit flog er sehr hoch.
„Nicht so schnell!“, forderte Ria die ihre Augen geschlossen hielt.
„Das geht leider nicht anders, es sollen uns ja so wenige wie möglich bemerken… Du kannst die Augen übrigens wieder aufmachen… Wir sind schon oben…“
Ria öffnete langsam ihre Augen und fing an zu staunen.
„Wow! Wir sind so hoch! Die Aussicht ist unglaublich! Ich bin neidisch, dass du das jeden Tag sehen kannst!“
„Wenn du magst, kann ich dich öfter nach oben bringen“, schlug Leif vor.
„Das wäre echt toll… Es ist total faszinierend!“, freute sich Ria.
„Halt dich gut fest und schau dich gut um, sag mir falls dir was merkwürdiges auffällt…“
„Klar…“
Sie flogen einige Minuten lang.
<Mit Leif zu fliegen ist gar nicht mal so schlecht! Er ist sehr vorsichtig… Ich wette die Mädels stehen Schlange bei ihm, mich wundert es, dass er keine Freundin hat…>
„Ria...?“
„Ja?“
„Was läuft da eigentlich zwischen dir und Ilay? Nicht dass es mich etwas angehen würde, ich bin einfach nur neugierig…“
„Wie soll ich sagen… Ich weiß es selbst nicht so genau…“
Verdutzt blickte sie Leif an, bevor er in Gelächter ausbrach.
„Hahaha! Ihr seid mir ja Zwei!“
Er beruhigte sich etwas.
„Also… Meinst du ich hätte noch eine Chance bei dir?“
„Leif! Sieh! Da drüben!“
<Voll ignoriert…>
„Wo?“
Ria zeigte mit ihrem Finger auf ein Areal, das sehr bearbeitet aussah und von so weit oben konnte man einen Runden Kreis erkennen der vom Boden aus nicht zu sehen gewesen wäre.
„Bingo! Das sehen wir uns mal genauer an!“
Leif brachte Ria wieder runter und sie betraten das seltsame Areal, das kaum bewohnt war, obwohl viele Barracken darauf standen.
„Leif… Ich vermute, dass das, was wir suchen unterirdisch verläuft… Wir sollten nach einem Eingang suchen…“
„Du hast Recht… Such nach etwas auffälligem…“
Ria sah sich um und kam nach einigen Metern an ein seltsam aussehendes Gebäude. Sie sah es sich genauer an und entdeckte einen Schalter an der Wand, diesen betätigte sie. Auf einmal öffnete sich der Boden und eine Treppe kam zum Vorschein.
„Leif! Ich glaube ich habe den Eingang gefunden… Leif?“
Fragend drehte sie sich um und in diesem Augenblick schlug ihr jemand etwas Dumpfes gegen den Schädel.
Kapitel 12
Die Gruppe traf sich wieder.
„Habt ihr irgendetwas herausfinden können?“, fragte Eneas in die Runde.
„Ja, es gibt einen unterirdischen Kampfring, der zu Panas Moskof gehört“, antwortete Lucin.
„Genau, dort tragen sie illegale Kämpfe aus und ich vermute stark, dass er sich dort aufhält… Heute sollen dort sogar Kämpfe stattfinden…“, bestätigte Seren.
„Sehr gut und wir wissen, wo wir diesen Ring finden und wie wir hineingelangen können…“, gab Eneas dazu.
„Wo sind Ria und Leif?“, fragte Ilay nach als er sich umsah.
Danach drehten sich alle herum und sahen fragend aus.
„Verdammt! Wo stecken die Beiden?“, wurde Eneas wütend. „Wir haben jetzt keine Zeit sie zu suchen, wir müssen los ansonsten verstreicht unsere Chance uns einzuschleichen.“
Sie machten sich auf den Weg.
„Und wie stellen wir es an das wir uns einschleichen?“, fragte Laisa nach.
„Wir haben jemanden der uns Zutritt verschafft, er arbeitet für Panas Moskof. Laut meinen Kontakten hat er sich vor einiger Zeit dort eingeschleust, um seine Machenschaften aufzudecken…“, erklärte Eneas.
„Genau und das Zeitfenster ist extrem kurz, um uns unbemerkt durchzuschleusen und auch sehr gefährlich für unseren Mittelsmann… Deshalb müssen wir uns beeilen…“, merkte Ilay mit an.
„Verstehe… Hoffentlich schaffen wir das ohne Leif und Ria…“, gab Keno hinzu.
„Wir haben gar keine andere Wahl… Die Zwei kriegen später ihr Fett weg…“, gab Eneas zu verstehen.
Sie begaben sich an den Treffpunkt. Der Mittelsmann erwartete sie bereits.
„Da seid ihr ja… Beeilt euch, die Anderen werden bald da sein…“
Er ließ sie durch einen schmalen Nebeneingang hindurch der in der Erde verschwand.
„Seht zu, dass ihr diesen Mistkerl das Handwerk legt…“, sagte er noch kurz bevor er die Luke schloss.
„Das war einfacher als erwartet…“, gestand Lucin.
„Wiegt euch nicht zu sehr in Sicherheit… Seid auf der Hut…“, ermahnte Eneas seine Mannschaft.
Sie spähten um die Ecke.
„Hey! Habt ihr das schon gehört? Moskof will die Bestie rauslassen…“, freute sich Einer.
„Wirklich? Warum das?“, fragte ein anderer.
„Anscheinend gab es ein paar Neugierige auf der Oberfläche denen nun der Gar ausgemacht wird, das wird Klasse!“
„Wie cool! Der Boss hat die Bestie schon lange nicht mehr herausgelassen… Das Massaker schaue ich mir auf jeden Fall an!“, rannte der eine los.
„Warte!“, eilte der andere hinterher.
„Was? Ein Massaker? Nur weil jemand hier über das Areal gelaufen ist?“, sprach Laisa ganz erschrocken.
„Was meinst du?“, wandte sich Ilay fragend an Eneas.
„Wir schauen uns das an…“
Sie liefen mit Abstand den Angestellten hinterher und kamen auf einer Tribüne heraus die einen optimalen Ausblick auf die Kampfarena gab. Staunend schauten sie hinunter. Alle Tribünen rund um die Arena waren prall gefüllt mit lauter freudigen Zuschauern.
Die Lichter sammelten sich auf einer speziellen Tribüne, die etwas herausragte und ein Mann trat hervor.
„Guten Tag meine verehrten Mitstreiter!“, grüßte er die Meute, die in Jubel ausbrach.
„Heute beginnt wieder unser alljährliches Kampfsportturnier, bei dem alles erlaubt und nichts verboten ist! Auch dieses Jahr haben sich wieder zahlreiche neue Herausforderer getraut sich unseren Veteranen zu stellen! Mal sehen, wie lange sie durchhalten werden und wer zuerst stirbt!“, kicherte der Mann den letzten Satz.
Die Menge war außer sich und grölte herum.
„Doch zuerst kümmern wir uns um ein paar Eindringlinge, die meinten zu neugierig zu sein!“
„Bestie! Bestie! Bestie!“, riefen die Menschen.
„Schon gut, schon gut… Ihr wisst ja was wir mit unerwünschten Gästen machen…“
Die Lichter fingen an sich in kreisenden Bewegungen in der Arena zu sammeln und einen Spott zu belichten.
„Begrüßt unser neues Bestienfutter!“
Eneas und die anderen starrten angespannt und geschockt auf den ausgeleuchteten Bereich.
„Jetzt wissen wir zumindest wo die Beiden abgeblieben sind…“, sagte Keno.
„Das ist nicht gut… Ganz und gar nicht gut…“, bemerkte Laisa. „Sie tragen magische Handschellen, aus denen können sie sich niemals befreien… Sie sind extra konzipiert worden, um sogar Gottheiten in Schach zu halten…“
„Und die Arena ist von einer magischen Barriere umgeben, die den Kampfplatz vor Außeneinwirkungen schützt… Verdammt!“, gab Eneas geladen von sich.
„Was machen wir denn jetzt Eneas? Wir müssen sie da unbedingt rausholen!“, forderte Lucin.
„Und unser anderes Problem ist Panas Moskof…“, Seren zeigte geschockt auf den Mann, der die Ansage gemacht hatte. „Das ist er, ich bin mir zu 100 Prozent sicher… Dieses teuflische Grinsen…“
„Er ist in greifbarer Nähe, die Chance dürfen wir uns auch nicht entgehen lassen…“, merkte Keno an.
„Ich hol sie da jetzt raus!“, sprach Ilay und rannte los.
Eneas hielt ihn am Arm fest.
„Stopp! Ich will sie da genauso sehr raus haben wie du aber wir müssen ruhig bleiben! Wir brauchen einen Plan! Wenn du jetzt losstürmst, war alles umsonst! Dann entkommt Panas und wir verlieren ihn! So eine Chance bekommen wir nicht noch einmal!“
Eneas seufzte.
„Hast du wirklich so wenig Vertrauen in die Beiden? Sie sind nicht umsonst in der stärksten Spezialeinheit! So schnell lassen sie sich nicht umbringen!“
Eneas ließ ihm ein entschlossenes Lächeln zukommen. Ilay beruhigte sich und erwiderte das Lächeln.
„Eneas ist so cool!“, schwärmte Seren der den Fanboy raushängen ließ.
„Es fängt an…“, merkte Lucin an.
Ria kam zu sich.
„Was ist passiert?“, fragte sie sich, während sie sich ihren Kopf hielt.
„Du bist wach? Alles okay bei dir?“, fragte Leif nach.
„Leif? Ja soweit alles gut… Wo sind wir?“, fragte sie nach.
„Sie wollten wohl keine Schnüffler auf ihrem Areal also haben sie uns niedergeschlagen und hier her gebracht… Ich vermute wir sitzen irgendwo in einer Arena…“, erklärte Leif. „Scheiße, verdammt!“
„Unsere Handschellen… Bekommen wir die irgendwie auf?“
„Nein… Das sind Spezialanfertigungen… Sie halten sogar Gottheiten gefangen und unterdrücken ihre Kräfte, ergo sind unsere Fähigkeiten absolut nutzlos im Moment…“
„Aber irgendetwas müssen wir doch tun können!“, gab Ria energisch von sich.
„Ich hab schon alles probiert… Wir kommen hier nicht raus…“
„Meine Güte, wie mich das anpisst! Andauernd werde ich gefesselt! Fällt denen den nichts anderes ein?!“, ärgerte sich Ria als sie wieder, wie beim letzten Mal, mit ihrem Körper durch ihre Arme rutschte, um die Fesseln nun vorn zu haben.
Leif sah sie verdutzt an und lachte dann los.
„Hahaha! Deshalb mag ich dich!“
„Ich wüsste nicht was daran lustig wäre…“, gab sie entnervt von sich und gab ihm einen entsprechenden Blick.
„Schon gut, schon gut…“, sagte er als er sich wieder beruhigte. „Du hast Recht! Wir dürfen nicht aufgeben, irgendetwas wird uns schon einfallen!“
„Lass uns mal das Fenster anschauen…“, schlug Ria vor.
Leif lehnte sich gegen die Wand und faltete seine Hände damit er sie hochhieven konnte, um das Fenster zu begutachten.
„Und? Siehst du was? Oder kannst du es öffnen?“, fragte Leif nach.
„Keine Chance, da rührt sich nichts… Warte mal! Du hast Recht! Wir sind in einer Arena! Ich kann von hier aus lauter Tribünen erkennen…“
„Bin mal gespannt was die nun mit uns vor haben…“, fragte sich Leif.
„Seid still und rührt euch nicht!“, schimpfte eine der Wachen, die die Tür aufsperrte und hineintrat.
Er kickte Leif weg, sodass Ria hart auf dem Boden aufkam.
„Futter wie ihr sollte nur dasitzen und sein Schicksal akzeptieren!“
„Futter? Wir lassen uns sicher nicht fressen!“, gab Ria mit einem bösen Blick von sich.
„Hahaha! Ihr könnt sowieso nichts dagegen tun!“
Dann trat er Ria gegen die Wand und schlug mehrmals auf sie ein. In dem Augenblick tauchte Leif von hinten auf und benutzte die Kette seiner Handschellen dazu, um den Aufseher zu erdrosseln. In Leifs Blick lag etwas Mörderisches.
„Rühr sie nicht an, hörst du?!“
„Hey!“
Ein zweiter Mann kam hereingestürmt und schlug Leif zu Boden. Er half seinem Kammeraden auf.
„Lass die Zwei… Sobald sie die Arena betreten, sind sie so gut wie tot, noch keiner entkam der Bestie…“
Damit verließen die zwei Männer den Raum.
Ria eilte zu Leif.
„Alles in Ordnung?“, machte sie sich Sorgen und half ihm auf.
„… Ja, alles okay…“, antwortete er als er sich das Blut vom Mundwinkel wischte.
Auf einmal hörten die Zwei wilden Jubel aus der Arena erklingen.
„Ich glaube es fängt an…“, gab Ria von sich.
Die Tür ging wieder auf und die Wachen holten die Zwei aus ihrer Zelle. Ehe sie sich versahen, waren sie in einem kleinen, engen und dunklen Raum eingesperrt.
„Ganz schön eng hier…“, sagte Ria leicht nervös so nah bei Leif zu sein.
„Ach… Mich stört das nicht!“, lächelte er ganz unschuldig.
Plötzlich fuhr die Plattform nach oben und sie wurden von den Lichtstrahlern geblendet.
Leif lehnte sich leicht über Ria, um sie zu schützen.
Beide sondierten die Arena und sahen sich um. Ria erschrak.
„Ria? Alles gut?“, fragte Leif nach.
„Das ist er… Das ist Panas Moskof…“
Leif erhob seinen Blick und sah ihn an.
„Das ist also der Mistkerl… Der kann was erleben...!“, gab Leif wutentbrannt von sich.
„Jetzt müssen wir erst einmal zusehen, dass wir nicht gefressen werden… Ich bin gespannt, was das für eine Bestie sein soll…“, gab Ria ernst von sich.
„Stimmt… Eins nach dem Anderen…“
Ein Tor ging auf und ein riesengroßes Geschöpf betrat die Arena. Es war monströs mit vielen scharfen Reißzähnen, die alle mindestens 2 Meter groß waren. Es brüllte einmal auf. Das Geräusch war ohrenbetäubend.
Ria und Leif schauten mit einem leicht panischen Lächeln im Gesicht das Monster an.
„Das ist groß…“, sagte Leif.
„Mhm…“, nickte Ria.
Dann wurden sie von der Bestie anvisiert.
Kapitel 13
Die Bestie stürmte auf die Beiden los. Ria und Leif sprangen auf die Seite.
„Verdammt! Wir sind zu langsam!“, regte sich Ria auf.
„Das liegt an den Handschellen! Sie unterdrücken unsere göttlichen Fähigkeiten!“, erklärte Leif, während er dem nächsten Angriff gerade so ausweichen konnte.
„Das Ding muss irgendwo eine Schwachstelle haben! Die müssen wir finden!“, rief ihm Ria zu.
<Wir müssen doch irgendetwas tun können… Es gibt immer einen Weg! Ich muss das Viech nur genau beobachten… >
Während die Zwei mit dem Behemoth kämpften, suchten die anderen nach einem Weg, um zu Panas Moskof zu gelangen.
„Das Biest ist gewaltig… Die Zwei werden nicht allzu lang durchhalten können…“, machte sich Lucin Sorgen.
"Wir teilen uns in Zwei Teams auf. Lucin und Seren ihr kommt mit mir, die anderen versuchen einen Weg in die Arena zu finden“, befahl Eneas.
Eneas und sein Team machten sich auf den Weg.
„Keno…“, sprach Ilay.
„Bin schon dabei…“
Keno sondierte genauestens die Arena.
„Ich denke am geschicktesten wäre es von unten in die Arena einzudringen… Die Barriere hält sich nur oberhalb der Kampffläche… Wir müssen den Eingang finden in dem Leif und Ria in die Arena gebracht wurden…“
„Gut… Dann los!“, befahl Ilay.
Die Drei machten sich auf den Weg.
„Hier runter!“, sagte Laisa.
Sie eilten die Treppen hinunter und wurden von einigen Aufsehern in Empfang genommen.
„Aus dem Weg!“, befahl Ilay.
„Nichts da! An uns kommt ihr nicht vorbei!!“
Ilay grinste in sich hinein.
„Wenn ihr meint… Legen wir es darauf an!“
<Mich hält niemand auf! Ich werde die Zwei da rausholen!>
Ilay stürmte los und holte mit seiner Sense aus. Der erste Schwung Feinde wurde durch die Luft gefegt und knallten gegen Wände.
Weitere Feinde stürmten sofort auf ihn los.
Laisa wirkte Verstärkungsmagie und wandte sie auf Keno an der von hinten nach vorn Sprang und sich um den zweiten Schwung Feinde kümmerte, während Ilay sich aufrichtete.
Einer der Feinde schwang sein Schwert, um Ilay anzugreifen, Ilay blockte ihn.
„Lasst uns durch und wir verschonen eure Leben!“, drohte Ilay.
„Niemals!“, entgegnete der Gegner.
Ilay drückte ihn weg und schlitzte ihn mit seiner Sense auf. Augenblicklich schwang er sie nach hinten, um einen Angriff von hinten zu blocken.
„Das sind ganz schön viele…“, bemerkte Laisa.
„Ganz egal wie viele es sind… Wir müssen hier durch!“, gab Ilay zu verstehen.
„Dann sollten wir schleunigst hier aufräumen…“, sprach Keno mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht, während er einen Angriff blockte.
Ilay lächelte auch und setzte zu einem Angriff an.
Währenddessen standen auch Eneas, Lucin und Seren einigen Gegnern gegenüber.
„Ich habe keine Lust mich mit denen zu befassen. Umso schneller wir Panas Dingfest machen, umso eher können wir den anderen helfen! Lucin!“
„Verstanden!“
Lucin wirkte ihre Illusionsmagie und machte ihre Gegner bewegungsunfähig.
„Seren!“, rief Eneas.
„Ja!“
Seren fesselte alle Gegner. Sie stürmten weiter vor.
Schon traten die nächsten Gegner auf den Plan.
„Und weiter!“, befahl Eneas.
Lucin wirkte erneut ihre Magie und Seren fesselte auch diese.
Ein Aufseher ging auf Panas Moskof zu.
„Boss! Wir haben noch mehr Eindringlinge entdeckt! Sie sind auf dem Weg hierher!“, warnte er ihn.
„Dann schaltet sie endlich aus! So schwer kann das doch nicht sein! Ich möchte meine große Show genießen! Ich bin schon ganz gespannt, wie mein gefräßiger Behemoth diese Eindringlinge frisst!“, lachte er ganz hinterhältig, während er sich die Hände rieb.
„J-Jawohl!“
In der Zwischenzeit kämpften sich Ilay, Keno und Laisa weiter nach unten.
„Hier rüber!“, rief Laisa.
Sie Bogen um die Ecke und standen einem größeren Gegner gegenüber.
„Bis hier hin und nicht weiter!“, sprach er.
„Das gibt’s doch nicht! Hört das denn nie auf?“, gab Keno von sich.
„Durchhalten! Wir haben es fast geschafft!“, motivierte Ilay seine Kammeraden.
Ilay stürmte los und holte mich seiner Sense aus. Der Gegner blockte sie gekonnt, ohne sich einen Millimeter zu bewegen.
„Tsk!“, gab Ilay von sich.
Ilay schwang die Sense gekonnt umher und griff immer wieder an. Jedem Schlag wich der Gegner aus oder blockte. Währenddessen schlich sich Keno von hinten an, verstärkt durch Laisa setzte er auch zum Angriff an. Der Gegner duckte sich rasend schnell.
Keno erwischte fast Ilay der in letzter Sekunde ausweichen konnte.
„Hey! Das war haarscharf!“, meckerte er.
„Ich wusste doch, dass du rechtzeitig ausweichen würdest…“, sagte Keno der zum nächsten Angriff überging.
<Mit meiner vollen Kraft wäre das absolut kein Problem für mich, aber ich würde mich nur ungern in meiner dämonischen Gestalt zeigen…>
Auf einmal durchzog das laute Gebrüll des Behemoths die gesamte Einrichtung.
Die Aufmerksamkeit des Gegners richtete sich darauf, wodurch Ilay seine Chance sah. Er schwang seine Sense und schaltete den Gegner mit nur einem Zug aus.
„Na sowas aber auch, da war wohl einer unaufmerksam…“, gab er amüsiert von sich.
„Da ist eine Tür!“, bemerkte Laisa. Alle stürmten auf sie zu und öffneten sie.
Währenddessen kamen Eneas und die Anderen erfolgreich bei Panas Moskof an.
„Panas Moskof… Hiermit wirst du verhaftet!“, sprach Eneas der Handschellen in der Hand hielt.
„Alles gut Lucin?“, machte sich Seren Sorgen.
„Ja… Es war nur sehr anstrengend meine Fähigkeit so oft einsetzten zu müssen…“, antwortete sie.
Seren stützte sie beim Gehen.
„Ihr seid genau richtig! Das sind doch eure Kammeraden da unten, oder? Ich glaube es ist jetzt vorbei mit ihnen!“, lachte er boshaft, während er einen Drücker in der Hand hielt.
Der Blick fiel runter in die Arena.
Ria und Leif wichen den Angriffen ständig aus.
<Wir sind mittlerweile zu erschöpft… Keiner von uns Beiden kann noch länger durchhalten… Verdammt! >
„Ria…“
„Was?“
Keuchend und erschöpft sahen sie sich an.
„Ich würde dir gern noch etwas sagen, bevor wir abtreten müssen…“, fing Leif an.
„Spar dir das! Das kannst du mir immer noch sagen, wenn wir hier raus sind!“, stoppte sie ihn.
Leif grinste.
„Dein Kampfgeist ist unermüdlich, nicht wahr?“
„Logo! Noch sind wir nicht besiegt!“
Ria sah sich um und wich einer Bissattacke des Behemoths aus. Dabei fiel ihr etwas ins Auge.
„Leif! Sieh nur! Auf seiner Stirn!“
„Was ist das?“, fragte er sich.
„Das sieht aus wie ein Gerät… Vielleicht etwas, was ihn zwingt zu gehorchen… Wenn wir das zerstören könnten, vielleicht greift er uns dann nicht mehr an!“, schlug Ria vor.
„Einen Versuch ist es Wert… Immer noch besser als sich fressen zu lassen!“
Leif war wieder motiviert genug, um die Initiative zu ergreifen.
„Ich lenke ihn ab und du versuchst es zu zerstören!“, gab er den Befehl.
„Gut…“
„Hey! Du zu groß geratenes Stofftier! Sind die Fangzähne nur Deko oder können die auch was?“, provozierte er das Biest.
Der Behemoth ging darauf ein und griff Leif an. Als der Behemoth nach Leif schnappte sprang Ria hervor und versuchte das Gerät mit einem gezielten Kick zu zerstören.
Der Behemoth hob seinen Kopf und schleuderte Ria davon. Er visierte sie an als sie auf dem Boden aufkam.
„Hier bin ich! Ich bin dein Gegner!“, versuchte Leif wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Der Behemoth holte mit seiner Pranke aus und schleuderte Leif quer durch die Arena.
Leif lag am Boden und spuckte Blut.
„Verdammt… Ich will nicht drauf gehen…“
Er versuchte sich aufzurappeln, aber ihm fehlte nun vollends die Kraft dazu. Er sacke sofort wieder zusammen.
Der Behemoth stürmte auf Leif zu. Kurz bevor er ihn erreichte, stellte sich Ria mutig vor Leif, um ihn zu beschützen.
„Ria…?“
„Wir werden hier nicht sterben!“, schrie sie.
Alle sahen diesen Moment. Alle sahen geschockt zu Leif und Ria und konnten gar nichts mehr ausrichten. Eneas, Lucin und Seren von der Tribüne aus, Ilay, Keno und Laisa durch die offene Tür.
In diesem Moment erhellte ein heller Lichtstrahl die gesamte Arena, der die Decke und die Barriere zerstörte.
Vor Ria schwebte eine schöne Gottheit mit ihren Flügeln, die den Angriff des Behemoths ohne Mühe abwehrte.
Diese Gottheit sah Ria direkt an.
„Auch wenn das sehr mutig von dir ist dieses Mischwesen retten zu wollen, so ist es auch sehr dumm…“, gab sie von sich.
Danach wandte sie sich wieder dem Behemoth zu und zerstörte mit Leichtigkeit das Gerät auf der Stirn und so schnell wie sie gekommen war, verschwand sie auch wieder.
„W… Wer war das?“, wollte Leif wissen.
„Ich weiß es nicht…“, sagte Ria die noch ganz perplex dastand, um darauf in die Hocke zu sacken.
Kapitel 14
Laisa und Keno rannten auf die Beiden zu.
Laisa brach in Tränen aus und schluchzte fürchterlich vor sich hin.
„Ihr lebt… Ich bin so froh!!“
Keno half Leif auf und stützte ihn.
„Wir sind echt froh, dass euch nichts passiert ist…“
Ilay setzte sich nun in Bewegung und ging auf sie zu, recht langsam und immer noch geschockt. Ria blickte auf und sah ihn an. Ilay fiel auf die Knie und presste Ria an sich.
„Ein Glück…“
Mehr brachte er nicht heraus. Ria lächelte und erwiderte die Umarmung so gut es ging mit Handschellen.
Laisa, Keno und Ilay brachten Leif und Ria nach drinnen wo auch schon Eneas, Seren und Lucin warteten.
Eneas lächelte sie zufrieden an.
„Das habt ihr gut gemacht…“
Seren fiel Ria um den Hals.
„Ria… Ich…“, schluchzte Seren.
„Alles gut Ser, mir geht es gut“, lächelte sie ihn an.
Lucin drückte sich an ihren Bruder der ganz verdutzt über diese Zuneigung war. Dann sah sie ihn böse an und boxte ihn.
„Was fällt dir ein mir so viele Sorgen zu bereiten?!“
„… Danke, Lucin…“
„Ria… Wer war diese Gottheit? Kanntest du sie?“, fragte Eneas nach.
„Nein, ich hab absolut keine Ahnung wer sie war und warum sie uns half…“, antwortete Ria.
„Mir kam es so vor, als ob sie dich sehr wohl kennen würde…“, sagte Leif.
„Wirklich! Ich habe keine Ahnung, wer sie ist!“, beharrte Ria.
„Ist gut… Darüber machen wir uns wann anders Gedanken, erst einmal kümmern wir uns hierum!“
Eneas schupste den in Handschellen gelegten Panas Moskof vor die Füße aller.
„Sollten wir ihn umlegen? Dann hätten wir ein Problem weniger…“, gab Lucin gleichgültig von sich.
„Der Tod wäre eine viel zu milde Strafe für diesen Bastard!“, gab Leif mit seinem mörderischen Blick von sich.
„Pah! Ich sag euch gar nichts! Da könnt ihr lange drauf warten!“
Panas sah leicht nervös aus. Keno bemerkte das sofort.
Keno beugte sich zu ihm und gab ihm ein teuflisches Lächeln.
„So ist das also… Unser Boss hier hat noch einen weiteren Boss und wenn er einen Ton von sich gibt, würden ihm sicher ganz unmenschliche Dinge angetan…“
„Ihr könnt mich mal!“, gab Panas erbost von sich.
„Das war kein Nein, also hast du ihn soeben verraten…“, fügte Keno hinzu.
„Also wars das noch nicht… Hätte ich mir denken können… Mal sehen was der General dazu sagt und wie wir weiter vorgehen sollen…“, sagte Eneas.
Etwas später trafen dann Verstärkungstruppen ein und verhafteten alle, um sie abzuführen.
„Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich brauche jetzt erst mal Urlaub…“, erzählte Lucin.
Sie saßen alle zusammen unter einem nahegelegenen Baum. Ilay saß wieder etwas abseits.
„Eine Pause wäre schön…“, gab Seren zu.
„Wir könnten ja zusammen ans Meer gehen, um etwas zu entspannen…“, fügte Laisa hinzu.
„Oh ja ein gemeinsamer Badeurlaub… Das klingt schön…“, schwärmte Lucin.
„Nichts da! Für sowas haben wir keine Zeit…“, erklärte Eneas als er zur Gruppe dazustieß.
„Aber Eneas… Wir sind alle geschafft und sollten uns etwas ausruhen…“, versuchte ihn Lucin zu überreden.
„Den restlichen Tag und morgen dürft ihr zur Erholung nutzen, aber dann wartet bereits der nächste Auftrag auf uns…“, sprach Eneas.
„Das ist so gemein!“, protestierte Laisa.
„Beruhigt euch mal wieder… Wenn die Mission so dringend ist, müssen wir etwas tun ansonsten würde uns Eneas doch gern eine Pause gönnen…“, erklärte Keno.
„Wenn euch gemeinsame Zeit so wichtig ist, warum macht ihr dann heute nicht so etwas wie eine Grillfeier?“, gab Ilay von sich.
„Das Ilay mal so etwas vorschlagen würde, wer hätte das gedacht“, kicherte Lucin.
„Aber das ist eine gute Idee! Danach könnten wir ein entspanntes Lagerfeuer machen!“, schlug Laisa weiter vor.
„Das hört sich echt gar nicht so schlecht an…“, pflichtete Keno bei.
„Gut, dann besorgen Keno und ich das Fleisch…“, stellte Lucin klar.
„Und Seren und ich könnten Brot und Baguettes besorgen… Wenn du magst…“, verlegen sah Laisa zu Seren hinüber.
„J-Ja von mir aus…“, erwiderte Seren mit leicht gerötetem Gesicht.
„Ich bin der Grillmeister, überlasst das Braten mir!“, stellte Leif klar.
„Dann bleiben noch wir Ilay… Was könnten wir tun?“, sah Ria fragend zu Ilay hinüber.
„Wir könnten draußen alles vorbereiten…“, gab er als Antwort.
„Super dann hat ja jetzt jeder eine Aufgabe!“, klatschte Lucin in die Hände. „Komm Keno, wir gehen!“
Keno lief ihr hinterher.
„Komm Seren…“, zog Laisa ihn an der Hand und verschwand.
„Ich gehe meinen Vater sehen und frage, was bei dem Verhör mit Panas herauskam… Das berichte ich euch dann später…“, winkend zog Eneas von dannen.
„Dann gehen wir zurück und fangen an“, lächelte Ria.
Die Drei standen auf und machten sich auf den Weg. Ilay stützte Leif bei dem Weg.
„Bist du dir sicher, dass du das Grillen später hinbekommst?“, fragte Ilay nach.
„Mach dir keine Sorgen, bis dahin kann ich mich genug ausruhen…“, antwortete Leif.
„Wir sind da…“, merkte Ria an.
Ilay brachte Leif nach drinnen während Ria draußen Tische und Stühle aufstellte.
„Lass mich das machen…“, sprach Ilay als er wieder rauskam. „Du kannst dann den Tisch eindecken…“
„Auch gut…“, lächelte sie ihn an.
Als Ilay alle Tische und Stühle aufgestellt hatte setzte er sich auf einen Steinzaun, der unter einem Baum entlanglief, der direkt am Haus entlang ging. Dort lehnte er sich gegen den Baum.
Nach einigen Augenblicken kam Ria zu ihm.
„Bist du schon fertig?“, fragte Ilay nach.
„Ja… Einen Tisch einzudecken ist wirklich nichts schwieriges“, lächelte sie.
„Das stimmt wohl…“, stimmte Ilay lächelnd zu.
„Ilay… Es tut mir leid, dass ich dir heute schon wieder Sorgen bereitet habe…“, entschuldigte sie sich.
„“Ja… Das war wohl mehr als knapp heute… Wäre diese Gottheit nicht aufgetaucht hätte ich mein letztes Mittel einsetzen müssen um euch noch rechtzeitig zu erreichen…“
„Deine dämonischen Kräfte, nicht wahr?“
„Ja… Was anderes wäre mir nicht mehr übrig geblieben…“
„Es muss schwer für dich sein, dass andauernd vor allen geheim zu halten…“, fühlte sie mit ihm.
„Ist es auch… Aber ich denke nicht, dass mich die anderen verstehen oder gar akzeptieren würden… Dafür ist ihr Hass auf Dämonen zu groß…“, befürchtete Ilay.
„Ich denke das siehst du falsch… Du bist für sie ein wertvolles Mitglied und ein guter Freund… Sie würden sich nicht gegen dich stellen, wenn herauskäme, dass du ein Dämon bist…“, versuchte sie ihn zu beruhigen.
„Ich will es trotzdem nicht darauf anlegen… Wichtig ist nur meine Mission…“, stellte er klar.
„Mission?“, fragte sie nach.
„Nicht so wichtig… Vergiss es…“, blockte er ab.
„Ilay…“, sie griff nach seinem Gesicht und wandte es ihr zu. „… Du bist nicht allein… Vergiss das nicht…“
„… Danke“
Sie sahen sich tief in die Augen, der Moment wirkte endlos.
Er griff nach ihrem Arm und kam mit seinem Gesicht näher. Er gab ihr einen liebevollen Kuss. Ria nahm ihn nur zu gern entgegen.
„Na hoppla! Ich hoffe wir stören euch Zwei nicht!“, gab Lucin von sich, während sie sich mit einer Hand den Mund zuhielt.
Laisa starrte die Beiden peinlich berührt an während Seren sich die Augen zuhielt. Keno wandte seinen Blick ab. Auch Eneas war wieder da und war sprachlos.
„Kein Wunder, dass du immer so durchdrehst, wenn es um Ria geht… Ihr habt ja echt was füreinander übrig…“
Ria saß nur still und total verlegen da, rot bis über beide Ohren. Ilay hatte sich weggedreht, um sein rotes Gesicht mit seiner Hand zu verstecken.
„Eneas? Schon zurück?“, lenkte Keno das Thema ab.
„Ja… Panas hat bei der Verhörung wirklich nichts gesagt… Beziehungsweise konnte er nichts mehr sagen…“, erklärte Eneas.
„Wie meinst du das?“, wollte Leif wissen der nun auch wieder dazustieß.
„Naja… Er ist tot… Er hat sich in seiner Zelle aufgehängt…“
„Was?!“, erschrak Lucin.
„Er muss wahnsinnige Angst gehabt haben vor seinem Boss…“, schlussfolgerte Keno. „Das muss ein ganz großer Fisch sein…“
„Das denke ich auch… Zumindest konnten wir viele Mädchen und Frauen aus seinem unterirdischen Ring in Sicherheit bringen… Aber damit stehen wir nun wieder bei null… Wir haben keine weiteren Informationen…“, erzählte Eneas weiter.
„Verdammt!“, gab Leif von sich.
Alle waren etwas bedrückt.
„Irgendwann erwischen wir den richtigen Drahtzieher schon noch, seid euch da sicher!“, gab Ilay von sich.
„Er hat Recht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ihm das Handwerk legen können… Bis dahin kümmern wir uns um andere Angelegenheiten… Und heute kümmern wir uns um unser Grillfest und feiern, dass wir es so weit geschafft haben!“, pflichtete Eneas bei der einige Flaschen Alkohol aus seiner Tasche holte.
Die Gruppe bekam wieder gute Laune und fingen an.
Leif briet das Fleisch gekonnt an. Die anderen saßen am Tisch und teilten Brot auf und feierten ausgelassen.
Es wurde angestoßen, gelacht, gequatscht bis spät in die Nacht.
Kapitel 15
„Kasperoz, sie ist entzückend!“, sprach Celine als sie auf ihn zukam und ihre Hand auf seinen Arm sinken ließ.
„Nicht wahr Celine? Sie ist ein Sonnenschein, meine kleine Schwester!“, sagte Kasperoz.
Das Baby kicherte und gluckste als Kasperoz es in die Höhe hielt.
„Ich werde dir die ganze Welt zeigen, all die Besonderheiten und Schönheiten, die in ihr liegen. Dein Leben wird voll von Liebe und Wärme sein!“, sprach er zu dem Baby.
„Das wird es, Kasperoz…“, lächelte Celine ganz sanft.
„Kasperoz! Bring Iturria wieder herein, deine Mutter vermisst ihr kleines Neugeborenes!“, rief sein Vater lächelnd.
„Natürlich Vater!“
Ria wachte auf, ganz schweißgebadet.
„Was war das? Ein Traum?“, fragte sie sich.
„Hast du schlecht geträumt?“, fragte Ilay der sich nun auch aufrichtete.
„… Nein… Es war seltsam… Es fühlte sich nicht an wie ein Traum…“, erklärte sie.
„An was erinnerst du dich denn?“, fragte er nach, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich.
„Da waren Menschen, die ich nicht kannte, aber mir sehr vertraut vorkamen… Ich glaube das war eine Erinnerung an meine leibliche Familie!“, erzählte sie.
Ilay lächelte sie an.
„Solange es eine schöne Erinnerung war, ist doch alles in Ordnung…“, beruhigte er sie.
„Ja… Diese Erinnerung war sanft und voller Wärme… Was wohl passiert ist? Ob ihnen etwas zugestoßen ist?“, rätselte Ria.
„Wer weiß… Vielleicht haben sie dich weggegeben, um dich zu schützen… Was auch immer der Grund war, sie haben sicher in erster Linie an dein Wohl gedacht und demnach gehandelt… Wenn du willst, helfe ich dir mehr Informationen herauszufinden…“, bot Ilay an.
„Das ist nett… Ich danke dir Ilay…“
Ilay gab ihr ein sanftes Lächeln. Ria lehnte sich zu ihm rüber und gab ihm einen Kuss.
Er griff ihr mit seiner Hand in die Haare und ließ sich mit ihr wieder aufs Bett fallen. Ein Kuss jagte den Nächsten. Als Ilay seinen Kopf hob sah er sie mit seinen funkelnden Dämonenaugen an. Ria befühlte sein Gesicht.
„Du hast wunderschöne Augen Ilay…“, merkte sie an.
Ilay lächelte sanft. Sein Blick war leicht melancholisch.
<Wenn ich doch nur für immer an ihrer Seite bleiben könnte… Sobald ich nach Hause zurück kehre… Wenn herauskommt, wer ich wirklich bin… Werden wir uns nie wieder sehen… Wieso musste ich mich ausgerechnet verlieben? Und das auch noch in jemanden mit göttlichem Blut… Das macht alles nur komplizierter…>
Er beugte sich wieder hinunter, um ihr noch mehr Küsse zukommen zu lassen. Die Zwei konnten gar nicht mehr die Finger von sich lassen.
Eneas betrat den Essraum.
„Guten Morgen!“, grüßte er seine Leute.
„Morgen!“
„Wo sind Ilay und Ria?“, fragte er nach, während er durch die Runde sah.
„Ich vermute mal die liegen noch zusammen im Bett…“, bemerkte Lucin schelmisch und kichernd.
„Wir sind schon da…“, sprach Ilay der hinter Eneas in der Tür stand.
„Guten Morgen!“, grüßte Ria die anderen leicht peinlich berührt nach Lucins Bemerkung.
„Gut, dann sind wir vollzählig… Setzt euch…“, bot Eneas den Beiden einen Platz an. „Geht es euch allen soweit wieder gut?“
„Ja alles wieder gut…“, bestätigte Leif.
„Gut… Ich weiß, dass ich euch heute einen freien Tag versprochen habe deshalb überlasse ich es euch, ob wir heute schon zu unserer nächsten Mission aufbrechen oder erst Morgen… Es ist so, dass es einen Dungeon gibt, indem ein sehr mächtiger und alter Drache lebt…“, fing Eneas an.
„Ein Drache? Sind die nicht vor Jahrhunderten ausgestorben?“, fragte Keno nach.
„Davon ist jeder ausgegangen… Eine Einheit entdeckte einen verstecken Dungeon und sah ihn sich genauer an. Dort fanden sie den Drachen und es schaffte auch nur einer lebend zurück, um diese Nachricht zu überbringen…“, erklärte Eneas.
„Das ist ja schrecklich…“, gab Laisa geschockt von sich.
„Das ist leider noch nicht alles… Dieser Drache sondert anscheinend giftige Gase ab, die nach und nach die umliegenden Dörfer erreichte und dort die Bewohner vergiftete… Das war der Grund, weshalb diese Einheit dorthin geschickt wurde… Wenn wir nichts unternehmen, breitet es sich weiter aus und wird alle in der Nähe dahinraffen… Ein Gegenmittel für diese Art von Vergiftung gibt es leider auch nicht…“, fuhr Eneas fort.
„Also gibst du uns gar keine Entscheidungsfreiheit… Ist doch klar, dass wir da nicht still sitzen bleiben können…“, sagte Lucin die mit ihrer Faust auf den Tisch klopfte.
„Sie hat Recht… Keiner von uns könnte seinen Tag genießen in dem Wissen, dass andere so schrecklich leiden müssen…“, pflichtete Keno bei.
„Wenn der Drache der Grund der Vergiftung ist, dann bestünde die Möglichkeit ein Gegengift aus seinem Blut herstellen zu können… Das müsste ich mir dafür aber genauer ansehen…“, wandte sich Seren ein.
„Das wäre wunderbar… Also seid ihr einstimmig dafür aufzubrechen?“, fragte er erneut nach.
Alle nickten.
Eneas entwich ein Lächeln.
„Auf euch ist verlass! Gut… Dann bereitet euch vor…“
Alle standen auf und packten ihre Sachen zusammen.
„Laisa! Hast du dich schon wieder an meinen Sachen bedient?!“, ertönte es aus dem Flur.
„Überhaupt nicht!“, rief sie zurück.
„Du verarscht mich doch! Rücks raus!!“
<Laisa und Lucin… Zwei Streithähne die nicht mit aber auch nicht ohneeinander können…>
Ria hing sich ihre Tasche um den Hals und ging hinaus.
„Eneas!“
Eneas sah sie an.
„Ria… Du warst aber schnell…“
„So viel müssen wir ja auch nicht mit uns herumschleppen, wäre nur unnötiger Ballast“, lächelte sie.
„Da hast du wohl Recht… Die anderen Frauen packen immer so viel ein, dass sie nie brauchen“, lachte er.
„So sind die meisten Frauen nun mal“, lachte Ria mit.
„Du hast dich übrigens gut gemacht Ria…“, lobte er sie.
Verdutzt blickte sie ihn an.
„Ich hab dich schon früher beobachtet während deiner Rekrutenzeit weißt du… Du bist mir gleich ins Auge gefallen… Du warst sehr gut und talentiert und hast die anderen in den Schatten gestellt… Das war dir auch durchaus bewusst doch auf die faule Haut hast du dich deswegen nicht gelegt… Ich würde sagen du warst zu verbissen darauf… Da dir alle anderen egal waren und du niemandem geholfen oder Rücksicht genommen hattest dachte ich erst du wärst unsozial und nur darauf aus schnell in der Armee aufzusteigen, eben nichts für unsere Einheit, aber dann sah ich wie du mit Seren umgegangen bist und merkte, dass ich dich falsch eingeschätzt hatte… Du bist bei uns im Team richtig aufgeblüht und hast dich gut ins Team integriert… Du achtest und schätzt deine Kammeraden…“
Eneas tätschelte ihr den Kopf und lächelte dabei.
„Das Einzige, woran wir noch arbeiten müssen, ist deine ungestüme Art damit du nicht ständig in Schwierigkeiten kommst…“
„Ich geb mir Mühe…“, lächelte sie zurück.
Ilay stand in der Tür und beobachtete die Beiden. Er sah leicht angefressen aus.
„Na, eifersüchtig?“, neckte ihn Leif der hinter ihm auftauchte und ihm einen klaps auf die Schulter gab.
„Red kein Scheiß…“, antwortete Ilay kopfwegdrehend.
„Stimmt… Sie wäre auch überhaupt nicht Eneas‘ Typ…“, lachte Leif.
„Wir sind fertig!“, rief Lucin als sie herauskam.
„Na dann brechen wir auf!“
Sie waren eine Weile in den Wäldern unterwegs.
„Ich brauch ne Pause…“, klagte Lucin.
„Jetzt noch nicht… Wir sind fast da…“, erklärte Eneas.
„Das Prinzesschen kann wohl nicht mehr…“, kicherte Laisa.
Lucin sah sie bitterböse an und fuchtelte nach ihr, während Laisa auswich.
„Bevor wir den Dungeon betreten, sollten wir aber wirklich noch eine Rast machen, um unsere Reserven aufzufüllen… Es könnte ein paar Tage dauern, bis wir wieder zurück an die Erdoberfläche kommen…“, warf Keno ein.
„Das hatte ich auch vor, ich schick euch doch nicht angeschlagen in einen Dungeon. Was haltet ihr eigentlich von mir?“, gab Eneas leicht angefressen zurück.
„Wie gut sich Eneas um uns kümmert…“, freute sich Seren der zu Tränen gerührt war.
<Kleiner Fanboy…>
Das dachten alle zur selben Zeit.
„Seren… Kann es sein, dass du in Eneas verknallt bist?“, fragte Lucin unverschämt nach.
Laisa sah geschockt aus. Lucin kicherte gehässig.
„Was? Nein! Ich bewundere ihn nur!“, gab Seren als Antwort.
„Achso… Schade… Ihr würdet schon süß zusammen aussehen…“, gab Lucin nachdenkend von sich.
Lucin stellte es sich vor.
„Kyaa!~“
Ihre Vorstellungskraft war zu gut.
Seren sah leicht beschämt aus.
„Wir sind da“, merkte Eneas an.
Alle staunten den großen Dungeoneingang an.
„Wow!“, sagte Seren.
„Also ruht euch noch etwas aus und tankt Kraft…“, sagte Eneas als er sich unter einen Baum setzte.
Keno machte ein kleines Lagerfeuer da es schon abends war. Alle setzten sich dazu. Dort grillten sie ein paar Würstchen über den Flammen und tranken noch etwas.
„Mhm… Lecker…“, gab Leif von sich als er genüsslich in eine Wurst biss.
„… Ganz okay…“, sprach Lucin.
Sie lehnte sich zurück und stützte sich mit einem Arm am Boden ab. Auf einmal hörte sie ein Geräusch.
Tzzzz
Sie drehte sich um und erblickte eine Schlange die geradewegs auf sie zukroch.
„Ahhhh!“, schrie sie.
Ria reagierte blitzschnell und fixierte die Schlange gekonnt auf dem Boden.
„Alles gut bei dir Lucin?“, fragte sie nach.
„… Ja aber nimm das Ding da weg!“, reagierte Lucin panisch.
„Du magst wohl keine Schlangen, oder?“, fragte sie.
„Nein! Und jetzt tu es weg! Bitte!“, flehte Lucin.
„Gut reagiert Ria“, lobte sie Leif.
„Keine große Sache“, antwortete sie als sie sich auf den Weg in den Wald machte, um die Schlange dort abzuliefern.
Als sie die Schlange frei ließ, bemerkte sie einen Schatten hinter sich.
Kapitel 16
Der Schatten griff nach Ria. Sie wollte sich wehren.
„Beruhig dich, ich bin es…“, sagte die Stimme.
Ria erblickte Ilay.
„Was machst du hier? Du hast mich zu Tode erschreckt!“, pampte sie ihn an.
„Ich wollte nur sehen, ob alles in Ordnung ist…“, klang Ilay besorgt.
„Klar, war doch nur eine Schlange…“, winkte sie ab.
„Aber eine extrem giftige… Das Gift würde sogar Gottheiten lahm legen…“, erklärte Ilay.
„Oh okay… Aber sie hat mich nicht erwischt, keine Sorge“, lächelte sie.
Ilay packte ihre Arme und wendete sie, um sich zu vergewissern. Sie standen ganz nah beieinander.
Sie sah ihn verlegen an. Er erwiderte ihren Blick.
Dann beugte er sich nach vorn und gab ihr einen Kuss.
Danach schauten sie sich einen Moment lang in die Augen.
„Das wird nie langweilig…“, sagte er mit einem verschmitzten Grinsen.
Auf einmal bebte die Erde. Erschrocken sahen sie sich um.
„Wir sollten zurück…“
Ilay nahm sie an der Hand und lief los. Als sie bei den anderen ankamen packten diese schon in Eile zusammen. Lucin kam vom Himmel hinunter.
„Es ist eine Herde… Sie sind auf dem Weg hier her und sie sind schnell…“
„Das ist nicht gut… Durch die Steinformationen sind wir hier eingekesselt und hätten nur eine Möglichkeit…“, stellte Eneas fest.
„In den Dungeon fliehen…“, beendete Leif den Satz.
„Beeilung!“, winkte Eneas sie in die Höhle.
Schon war diese Herde hinter ihnen.
„Sie sind schneller als gedacht!“, rief Leif.
Ria beeilte sich und rannte auf ihre Tasche und ihr Schwert zu, schnappte sie sich im Lauf und sprintete auf die Höhle zu. Dasselbe tat auch Ilay weshalb die Beiden die letzten der Gruppe waren, die in die Höhle flüchteten.
Die Gruppe stand vor einer Gabelung.
„Welche Richtung sollen wir einschlagen?“, fragte Keno.
„Hier lang!“, befahl Eneas und sie rannten nach rechts.
Alle rannten, die Herde ihnen im Nacken.
„Scheiße! Die haben uns gleich eingeholt!“, rief Lucin.
Eine weitere Gabelung tauchte vor ihnen auf. In der Panik rannten sie einfach weiter nach rechts doch das Beben der Herde ließ die Höhle erschüttern und verschloss hinter ihnen den Durchgang.
Die Gruppe hielt an und sah sich um. Lucin und Seren sackten zu Boden.
„Na, wenigstens sind wir nun diese Herde los…“, gab Laisa von sich.
„Sind alle da?“, fragte Eneas in der Hektik. Alle sahen sich um.
„Ilay und Ria fehlen…“, stellte Leif fest.
Ria blieb vor der eingestürzten Wand stehen und sah sie an.
Ilay packte sie und rannte nach links weiter mit ihr.
„Nicht stehen bleiben!“, zog er sie mit und schob sie nach vorn.
„Ilay!“
„Was ist?“
„Da ist ein Abhang…!“
Ilay blickte nach vorn und schätzte die Lage ein.
„Wir springen!“
„Das schaffen wir niemals!“
„Doch! Vertrau mir!“
Beide sprangen ab. Beide warfen im Sprung ihre Waffen auf die andere Seite und Ilay hielt sich an der Kante fest. Ria rutschte ab und Ilay griff nach ihrer Hand.
„Ich hab dich“, sagte er mit einem erleichterten Grinsen.
Ria grinste erleichtert zurück.
Die Herde rannte auf den Abhang zu und ein paar von ihnen stürzten in die Tiefe.
Ilay zog sich und Ria nach oben, dann blickten sie auf die Herde.
„Was die wohl so in Panik versetzt hat?“, fragte sich Ria.
„Gute Frage… Aber das muss uns nicht weiter kümmern… Wir müssen zusehen, dass wir die anderen wieder finden…“, stellte er fest.
„Stimmt… Hoffentlich ist ihnen nichts passiert…“, befürchtete Ria.
„Sie sind sicher wohlauf“, beruhigte er sie.
Die Beiden hoben ihre Waffen auf und sahen sich um.
„Sei vorsichtig und bleib in meiner Nähe, nicht dass wir auch noch getrennt werden…“, warnte Ilay Ria.
„Natürlich… Ganz allein möchte ich hier nicht sein…“, gab sie zu.
„Hast du Angst?“, fragte er verwundert nach.
„Nicht direkt… Nur mag ich keine engen und dunklen Wege…“, erzählte sie.
„Dir wird nichts passieren, keine Sorge“, stellte er klar. „Aber langsam sollten wir uns ausruhen, es ist schon spät und wir erschöpft.“
„Ilay! Da! Ein Felsvorsprung. Das wäre doch perfekt, da sollte nichts hinkommen“, schlug sie vor.
„Ja, der Platz ist gut…“
Sie kletterten den Felsvorsprung hinauf und fingen an ein Lager aufzustellen. Gemeinsam aßen sie zu Abend.
„Hier, für dich…“, reichte Ilay Ria etwas zu Essen rüber.
Ilay hatte köstliche Ramen herbeigezaubert.
„Danke sehr…“
Ria probierte davon.
„Wow! Das ist ja köstlich! Ich wusste gar nicht, dass du so gut kochen kannst!“, staunte sie.
„Sowas lernt man eben, wenn man alleine aufwächst… Und irgendwie macht mir das auch Spaß…“
„Wenn wir zurück sind, musst du mir unbedingt mal etwas aufwendiges kochen!“, forderte sie.
„Hahaha“, Ilay brach in Gelächter aus. „Etwas aufwendiges, ja? Das krieg ich hin…“
„… Da gibt’s nichts zu lachen…“, schmollte sie, während sie den Löffel im Mund hatte.
„Du solltest dich jetzt hinlegen… Ich passe auf…“, sagte Ilay.
„Ist gut… Weck mich dann, wenn ich dich ablösen soll…“, gähnte sie und legte sich hin.
Ilay setzte sich gegen eine Wand und starrte in die Ferne.
<Wenn wir wieder zurück sind… Dazu müssen wir erst einmal sehen, dass wir diesen Drachen erledigen… Wenn wir ihn nicht besiegen, sind wir sowieso verloren… Das Gift des Drachen ist hier überall und ohne das Heilmittel sind wir aufgeschmissen…>
Ilay fielen langsam die Augen zu.
Der kleine Ilay stand auf einer Terrasse mit vielen verschiedenen Blumen und hielt einen Schmetterling auf seinem Finger.
„Ilay, mein Sohn…“
Ilay drehte sich um und lächelte sehr glücklich.
„Vater, du bist wieder da!“, freute er sich als er seinem Vater in die Arme lief.
„Gibt es irgendwelche Neuigkeiten aus dem Palast des Lichts?“, fragte Ilay neugierig.
„Ja es gibt Neuigkeiten… Das Kind wurde geboren und sie nannten es…“
Ilay schreckte auf.
<Bin ich eingenickt? >
Erschrocken sah er sich um, bis er bemerkte, dass Ria an seiner Schulter eingeschlafen war. Er lächelte sie sanft an.
Er legte seinen Arm um sie und gab ihr ganz sacht einen Kuss auf die Stirn. Als er seinen Kopf wieder zurücknahm, sah er ein leichtes Schimmern auf Rias Stirn welches augenblicklich auch wieder verschwand.
<War da etwas? Oder habe ich mir das eingebildet?>
Ilay ignorierte es und wirkte nachdenklich.
<Das war eine Erinnerung an Vater… Es ist schon so lange her, ich erinnere mich kaum noch an ihn… Ich habe das Gefühl, dass sein Gesicht in meinen Erinnerungen immer mehr verblasst… Was würde ich geben ihn wiedersehen zu können…>
„Was machen wir jetzt?“, fragte Seren nach.
„Nichts…“, sagte Eneas.
„Willst du sie einfach sich selbst überlassen?“, war Seren erbost.
„Beruhige dich… Eneas würde niemals jemanden im Stich lassen…“, stellte Leif klar.
„Das stimmt…“, stimmte Lucin zu.
„Eneas meint damit, dass wir im Moment nichts tun können… Wir gehen weiter und werden ihnen unterwegs sicher über den Weg laufen da wir alle dasselbe Ziel haben…“, erklärte Keno.
„Genau, also mach dir keine Sorgen, die Beiden sind stark…“, bestätigte Laisa.
„Ich mache mir trotzdem Sorgen…“, gab Seren zu.
„Das ist doch auch normal… Wir alle machen uns Sorgen um sie…“, gab Lucin einfühlend von sich.
„Wir können jetzt nur tun, was wir tun können…“, sagte Laisa.
„Und das wäre?“, fragte Seren.
„Denk doch mal selbst nach!“, gab sie ihm eine Kopfnuss. „Uns für morgen vorbereiten!“
„Aua!“, schmollte Seren welcher sich den Kopf rieb.
„Also suchen wir uns einen Ort, an dem wir nächtigen können… Und dann erledigen wir diesen Drachen!“, befahl Eneas.
„Jawohl!“, kam von der Truppe.
Kapitel 17
„Aufwachen!“
Seren öffnete seine Augen.
„Ist es schon morgen?“, fragte er nach.
„Komm, steh auf, wir sollten weiter gehen…“, sagte Lucin zu ihm, während sie ihm aufhalf.
„… Danke.“
Die Anderen waren bereits startklar und warteten auf Seren. Er packte schnell seine Tasche zusammen.
„Findet ihr es nicht auch seltsam?“, fragte Leif nach.
„Was meinst du?“, gegenfragte Laisa.
„Seit wir hier sind, sind wir noch keinen wilden Bestien oder Tieren begegnet…“, stellte Leif fest.
„Stimmt, jetzt wo du’s sagst…“, überlegte Laisa.
„Das ist ja kein Wunder…“, gab Seren von sich.
Verdutzt blickten sie ihn an.
„Die Höhle ist voll mit dem Gift des Drachen… Es wird normale Monster und Tiere verjagt haben denn unter solchen Umständen können nur selbst giftige Lebewesen überleben…“, stellte Seren fest.
„Da hast du wohl recht…“, sprach Keno.
„Das stimmt…“, bestätigte Eneas. „Weshalb ihr auch sehr vorsichtig sein solltet. Eine Vergiftung ist nicht so leicht hinzunehmen, nicht mal als Mischwesen… Und wenn hier nur noch giftige Lebewesen ihr Unwesen treiben…“
„Dann sollten wir uns ebenfalls nicht allzu lang hier aufhalten und den Drachen finden und erledigen… Wer weiß wie lange wir den giftigen Dämpfen hier standhalten können…“, schlussfolgerte Leif.
„Richtig… Also lasst uns einen Zahn zulegen…“, gab Eneas von sich.
Sie gingen weiter, kamen an engen Passagen vorbei und gingen durch enge Tunnel.
„Wenn ich hier rauskomme, brauche ich erst einmal eine schöne, heiße Dusche…“, merkte Lucin an.
„Da stimme ich dir zu Schwesterherz… Sich hier nicht einmal waschen zu können grenzt schon an Körperverletzung!“, pflichtete Leif bei.
Lucin war unaufmerksam und wollte sich an der Wand stützen, doch Keno reagierte blitzschnell und hielt ihren Arm fest, bevor sie die Wand berühren konnte. Verdutzt blickte sie ihn an.
„Keno?“
Er stand ganz nah bei ihr.
„Lucin… Du musst vorsichtiger sein…“, ermahnte er sie.
Lucin blickte sich um und sah eine Pflanze an der Wand, in die sie fast hineingelangt hätte.
„Das ist doch nur eine Pflanze…“, merke sie an.
Eneas kam mit einem Stück Stock auf die Beiden zu und piekte in die Pflanze. Diese schüttete sofort danach einige Dämpfe ab und eine Substanz lief aus ihr hinaus. Als der Stock dieses Sekret berührte, begann er zu dampfen und sich zu zersetzen.
Erschrocken sah sie den Ast an.
„Was für Lebewesen gilt, gilt auch für Pflanzen, auch diese sind höchst giftig…“, stellte Eneas klar als er den Stock auf die Seite warf.
Lucin drehte sich zu Keno um.
„Vielen Dank Keno!“, bedankte sie sich mit einem zauberhaften Lächeln im Gesicht.
„Gerne doch…“, antwortete er, indem er ihr Lächeln sanft erwiderte.
„Ihr seid viel zu süß miteinander, davon wird einem ja schlecht…“, erwähnte Laisa beiläufig.
„Was sagst du da?!“, war Lucin erbost.
„Hast mich schon gehört!“, konterte Laisa mit herausgestreckter Zunge.
„Die Zwei…“, lachte Keno leicht ungläubig.
Ein paar Schritte weiter hielt Leif an.
„Alles gut?“, fragte Seren nach.
„Wartet…“, entgegnete er, während er sich umsah und nach oben blickte.
Er ging ein paar Schritte weiter und konnte einen Abhang über ihnen erkennen.
Er riss die Augen auf. Alle sahen erschrocken nach oben.
„Leif! Pass auf!“, rief Lucin.
Etwas fiel von oben direkt auf Leif zu.
„Ria? Wach auf…“, sprach Ilay, während er sie wachrüttelte.
„Ilay? Alles okay?“, fragte sie noch ganz verschlafen.
„Ja, aber wir sollten nicht all zu lang hier verweilen… Umso eher wir den Drachen finden umso eher finden wir die Anderen und kommen aus dieser giftigen Höhle raus…“, erklärte er.
„Du hast Recht… Es ist sicher nicht gut so lange in diesen giftigen Dämpfen zu sein…“
Sie packten ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Weg.
„In welche Richtung sollen wir denn gehen?“, fragte Ria nach.
Ilay sah sich kurz um und zeigte dann in die rechte Richtung.
„Hier entlang…“
Sie gingen ein paar Schritte.
„Ria… Magst du mir etwas von dir erzählen?“
Verblüfft sah sie ihn an.
„Wie kommst du da jetzt drauf?“, fragte sie neugierig nach.
„Es könnte eine Weile dauern, bis wir die Anderen wiedergefunden haben oder den Drachen finden und ich würde einfach gern mehr über dich erfahren…“
„Hmm… Na gut…“
Ria überlegte.
„Ach ja… Das könnte ich erzählen“, fing sie an.
„Meine Mutter war mit mir immer sehr vorsichtig als ich noch ein Kind war. Wie bei einer Puppe, die zerbrechen würde, wenn sie hinfällt. Ich durfte nicht so häufig raus wie andere und hatte nur wenige Freunde… Versteh das nicht falsch, ich liebe meine Mutter sehr und ich bin ihr sehr dankbar. Meine Eltern haben viel für mich getan…“
Ilay hörte aufmerksam zu, während sie ihren Weg fortsetzten.
„Aber irgendwann war ich sehr sauer auf sie… Ich wollte unbedingt auf diesen Rummel, der in unserer Nähe stattfand, bekam aber keine Erlaubnis dafür. Ich sah von meinem Fenster aus viele Kinder, die auf dem Weg waren…
Ich habe mich daraufhin mit meiner Mutter gestritten und ihr gesagt, dass ich sie hassen würde…“
Ria sah melancholisch aus.
„Was man als Kind nicht alles von sich gibt, hm? Ich hatte mich dafür auch niemals entschuldigt… Wenn ich so daran zurückdenke, war das sehr gemein von mir… Meine Mutter nahm es mir aber nie übel…“
„Kinder sagen oft Dinge, die sie nicht so meinen, weil sie mit ihren Gefühlen überfordert sind und sich nicht besser zu helfen wissen…“, warf Ilay ein.
„Da magst du Recht haben… Ich hätte mich trotzdem entschuldigen sollen…“
„Und? Wie ging die Geschichte aus? So wie ich dich kenne, bist du ausgerissen und trotzdem hin, oder?“, mutmaßte Ilay.
Ria kicherte.
„So in der Art, ja… Ser kam an mein Fenster gekrabbelt. Er hatte sich lauter Schürfwunden zugezogen, um mein Zimmer über den Baum zu erreichen.
Er klopfte und meinte er würde mich nun mit auf den Rummel nehmen, egal was meine Eltern dazu sagen würden. Also stibitzte ich mich hinaus und ging mit ihm dort hin. Wir hatten eine Menge Spaß…“, lachte Ria.
„Als ich nach Hause kam, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Ser hatte so viel Angst, dass er sich hinter mir versteckte. Doch meine Mutter schimpfte nicht mit mir…
Sie fiel auf die Knie und umarmte mich. Sie sagte nur dass sie froh wäre, dass mir nichts widerfahren ist… Da verstand ich, dass sich meine Mutter einfach nur Sorgen um mich gemacht hatte, also fing ich an zu weinen…“
„So eine Aktion hätte ich Seren gar nicht zugetraut… So aufmüpfig…“, gab Ilay hinzu.
„Das stimmt! Das war eins der einzigen Male, dass er sich einem Erwachsenen widersetzt hatte…“, erzählte Ria.
„Also hattest du als Kind schon einen so ausgeprägten Willen… Das dachte ich mir schon fast…“
„Wie warst du denn als Kind?“, fragte sie neugierig.
„Vermutlich eher das Gegenteil von mir heute… Ich war ein kleiner, aufgeweckter, aufgeschlossener, guter kleiner Junge, der immer ein riesengroßes Lächeln im Gesicht hatte…“, erzählte Ilay.
„Oh, wirklich? Erzähl mir mehr… Ich möchte auch etwas aus deiner Kindheit erfahren…“, drängte Ria.
„Hmm…“, überlegte Ilay.
„Ich war als Kind gern in Parks und Grünanlagen unterwegs… Ich war fasziniert von der Natur und der Farbenvielfalt, die all diese Blumen hatten… Deshalb mochte ich auch immer Schmetterlinge so gern, da sie in allerlei verschiedensten Farben und Mustern kamen…“
Sie Bogen um eine Ecke.
„Mein bester Freund hingegen war ein richtiger Draufgänger und ein Rotzlöffel, er hat mich oft zu irgendwelchen dummen und oft auch gefährlichen Dingen überredet… Einmal stritten wir uns wer wohl mutiger wäre also kam er mit der Idee auf einen sehr hohen Turm zu klettern… Ich wollte ihm in nichts nachstehen und wir kletterten bis an die Spitze…
Ich war damals körperlich eher schwach und dementsprechend total hinüber als ich oben ankam… Und so kam es, dass ich mein Gleichgewicht verloren hatte… Er reagierte schnell und konnte rechtzeitig meine Hand ergreifen… Frech grinsend sagte er <Nicht schlecht, ich hätte nie gedacht, dass du das wirklich machst! Ich hätte mich das gar nicht getraut, wenn du nicht zuerst hochgeklettert wärst! Dann bist du wohl doch mutiger als ich!>“
Ilay lachte leicht.
„Wenn er wüsste wie viel schiss ich wirklich hatte als wir dort hoch sind…“
„Wie war denn sein Name?“, wollte Ria wissen.
„Jamin… Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen… Fühlt sich fast wie Jahrhunderte an…“
„Das ist schade… Warum habt ihr euch so lang nicht mehr gesehen?“, bohrte sie nach.
„Naja… Wir haben wohl einfach den Kontakt zueinander verloren…“, erklärte er. „… Dabei war er wie ein Bruder für mich.“
<Über seine Eltern frag ich wohl lieber nichts… Er sagte ja, dass er schon immer auf der Straße lebte… Nicht dass ich ihn noch an etwas Schmerzhaftes erinnere…>
Ria schlenderte voraus und war unaufmerksam. Sie kam einem Abhang zu nah und dieser bröckelte am Rand, so dass sie kippte und hinunterstürzte.
„Ria!“, rief Ilay.
Er schlitterte auf den Abhang zu und griff nach ihrer Hand.
„Ilay…“, sagte sie verzweifelt, während sie dort hing.
<Scheiße! Wir waren zu unachtsam… Zur Not…>
Ria rutschte immer weiter hinunter, Ilay konnte sie kaum noch festhalten.
„Ich will nicht, dass du auch fällst… Lass mich los…“, sagte sie.
„Bist du bescheuert? Ich lass dich sicher nicht einfach los…“, sagte er schnippisch.
Plötzlich schaute Ilay an ihr vorbei in die Schlucht.
„Vertraust du mir?“, fragte er.
„Ja…“, kam wie aus der Pistole geschossen.
„Gut…“
Damit ließ er sie los.
Kapitel 18
Ria fiel hinunter.
<Er… Er hat mich los gelassen… Aber alles wird gut… Ich vertraue ihm!>
Sie schloss ihre Augen und auf einmal fiel sie nicht mehr. Sie öffnete ihre Augen und sah sich verdutzt um.
Leif hielt sie in seinen Armen.
„Ria?!“, fragte er verwundert nach.
„Leif?!“, war sie genauso verwundert.
„Wo kommst du denn her?“
Ria zeigte mit dem Finger nach oben.
„Von da…“, war ihre Antwort.
Leif lachte.
„Und Ilay? Wo ist er?“, fragte Eneas nach und blickte nach oben.
Keinen Augenblick später landete Ilay in Eneas Armen.
Eneas erschreckte sich total.
„Was zum…?!“
„Danke…“, kam von Ilay ganz trocken.
„Kyaaa!!!~“, schrie Lucin, die plötzlich Nasenbluten von diesem Anblick bekam.
Ria lachte, die mittlerweile wieder Boden unter ihren Füßen hatte.
„Schön, dass wir alle wieder beisammen sind…“, merkte sie an.
„Schön, dass euch nichts passiert ist…“, kam von Keno der damit beschäftigt war Lucin zu stützen.
Seren fiel Ria um den Hals.
„Du bist so blöd… Andauernd muss ich mir Sorgen um dich machen…“, sprach er.
Ria umarmte ihn fest zurück.
„Du musst dir doch keine Sorgen machen… Mir ist noch nie etwas ernsthaftes passiert, oder?“, versuchte sie ihn aufzumuntern.
Seren sah sie an.
„Aber du siehst so blass aus…“
„Alles gut… Ich fühle mich zwar etwas schwerfälliger heute, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass der Boden zum Schlafen nicht sehr angenehm ist…“, erklärte sie.
„Also… Da wir wieder vollzählig sind, gehen wir weiter!“, befahl Eneas.
Sie folgten ihm.
Ria fühlte sich schlapp. Sie musste sich anstrengen nicht den Anschluss zur Gruppe zu verlieren.
„Ria… Leg einen Zahn zu, wir dürfen keine Zeit verschwenden…“, ermahnte sie Eneas.
„J-Ja…“, antwortete sie.
<Es ist echt seltsam… Warum bin ich heute so langsam? Ich kann es mir nicht leisten gerade jetzt schlapp zu machen... Kurz vor dem Kampf gegen den Drachen...>
„Was ist denn mit der heute los? Sie ist doch sonst immer so vorschnell und stürmt drauf los…“, wunderte sich Laisa und passte nicht auf wo sie hintrat.
„Aua!“
Sie donnerte mit ihrem Kopf gegen die Decke, die dort etwas tiefer wurde, und verlor das Gleichgewicht. Seren reagierte schnell und konnte sie noch fangen, bevor sie zu Boden fiel.
„Alles okay?“, fragte er sanft nach.
„Passt schon…“, gab sie leicht verlegen von sich als sie dort in Serens Armen lag.
„… Du blutest“, stellte Seren fest und wischte ihr leicht das Blut von der Stirn.
Das machte Laisa total nervös.
<W-Was ist los mit mir?! Ich werde doch wohl nichts übrig haben für diesen tollpatschigen Dummkopf… Oder?>
Seren holte eine Tinktur aus seiner Tasche und eine Kompresse und tupfte ihre Wunde ab. Sie verzog ein wenig das Gesicht, weil es brannte.
„So… Fertig…“, sagte Seren und sah von ihrer Wunde in ihre Augen. Sie waren nah beieinander.
„Warum bist du so rot?“, fragte er lächelnd nach.
„Idiot!“, sprach sie, schubste ihn weg und ging weiter.
„Was hat sie denn nur?“, fragte er verwundert nach.
Ria reichte ihm eine Hand und half ihm auf.
„Weißt du Ser… Ich glaub sie mag dich…“, erklärte Ria ihm.
Daraufhin wurde er feuerrot im gesamten Gesicht.
<S-Sie mag mich?! Was?! Warum?>
Ria lachte, während sie ihren Weg fortsetzten.
Ilay beobachtete sie. Leif kam auf ihn zu.
„Du solltest besser gut auf sie aufpassen…“, sagte Leif beiläufig als er an ihm vorbei ging.
„Was?“, fragte Ilay leicht irritiert.
„Sonst schnappt sie dir noch jemand weg… Und mit jemand… Meine ich mich…“, gab Leif zu.
Ilay sah ihn mit großen Augen an.
„Du bist nicht der Einzige, der sich für sie interessiert…“
Leif stoppte, drehte sich leicht um und sah Ilay direkt an.
„Weißt du… Ich mag sie auch…“
Damit ließ er Ilay stehen und ging weiter. Ilay brauchte einen Moment und folgte den anderen weiter.
Auf einmal knickte Ria einfach ein und ging zu Boden.
Eneas kam sofort auf sie zu.
„Ria! Alles gut bei dir?“, fragte er nach als er ihr aufhalf.
„Ja… Entschuldige…“, gab sie von sich als sie sich den Kopf hielt und die Augen zusammenkniff.
„Ich vermute die giftigen Dämpfe tun dir nicht gut… Wir sollten hier wirklich schleunigst fertig werden…“, mutmaßte er.
Leif kam auf sie zu.
„Kannst du laufen?“, fragte er besorgt nach.
„Das wird schon gehen…“, antwortete sie.
Leif packte sie einfach und trug sie.
„Leif?“
„Keine Widerworte, ich trage dich… Meinst du ich habe nicht gemerkt wie sehr du dich bemüht hast Schritt mit uns zu halten? So sind wir schneller und du kannst dir deine Kräfte aufsparen…“, erklärte er.
„… Dankeschön“, bedankte sie sich.
Leif drehte seinen Kopf nach hinten und streckte die Zunge heraus, genau so dass es Ilay sehen konnte.
Ilay kochte vor Wut. Er war stinksauer.
<Was soll der Scheiß? Seit wann interessiert er sich überhaupt für sie? Am liebsten würde ich ihm jetzt seine dreckige Visage polieren!>
Seine Augen fingen an dämonisch zu funkeln, so wutentbrannt war er.
<Beruhige dich! Ich muss mich beruhigen! Ansonsten verrate ich mich noch…>
Grinsend zog Leif mit Ria von dannen.
„Psst!“, ermahnte Eneas seinen Trupp. „Seid still… Wir sollten unnötige Kämpfe vermeiden und uns vorbei schleichen…“, flüsterte er, während er mit dem Finger um die Ecke zeigte.
„Ach du meine Güte…“, gab Lucin von sich als sie erschrocken diese Riesenschlange erblickte.
„Das ist ein Inlandtaipan, aber in der Größe habe ich noch nie einen gesehen…“, merkte Keno an.
„Das sind noch mehr, seht nur! Direkt neben den Riesenexemplar liegen gar hunderte von ihnen…“, stellte Seren fest.
„Das sind die giftigsten Schlangen, die es gibt, das ist nicht gut…“, stellte Leif fest.
„So eine hatten wir doch vorhin auch am Lager…“, bemerkte Ria.
„Stimmt…“, bestätigte Ilay.
„Einzeln mögen sie vielleicht kein so großes Problem darstellen aber in dieser Masse würde sicher jemand von uns vergiftet werden…“, stellte Eneas klar. „Also schleicht euch leise vorbei…“
Langsam schlichen sie sich Stück für Stück vorbei. Eneas spitzte zu den Schlangen hinüber.
<Das läuft prima… Wenn das so bleibt, sind wir in Null Komma Nichts vorbei…>
Lucin wollte gerade die nächste Hand nach vorn tun als sie die Schlange direkt vor ihr bemerkte. Sie wollte instinktiv anfangen zu schreien, doch Keno kam ihr ganz nah und hielt ihr von hinten den Mund zu, während er mit der anderen Hand die Schlange packte und wegwarf.
Alle Blicke konzentrierten sich auf Lucin und sie atmeten auf als es noch mal gut ging. Doch dann hörten sie ein ihnen nur allzu bekanntes Geräusch.
Tz Tz Tz
Sie drehten sich nach vorn und trauten ihren Augen kaum.
Die Riesenschlange hatte sich vor der Gruppe positioniert und brüllte los.
„Scheiße! Weg hier!“, rief Eneas.
Die Gruppe nahm ihre Beine in die Hand und fing an zu rennen.
Eneas verschaffte ihnen Zeit, indem er den Angriff der Schlange blockte und sie letztendlich zurückstieß.
Sie rannten den Weg entlang. Ilay führte die Truppe an während Eneas das Schlusslicht bildete.
Sie sprangen einen Vorsprung hinunter und es quetsche sich einer nach dem anderen durch eine enge Öffnung. Ilay lotste alle hindurch. Erst Laisa, Seren, Lucin, Ria, Keno und dann Leif, bevor er selbst hindurch ging, gefolgt von Eneas.
Sie schnauften alle einmal kurz durch, denn diese Riesenschlange passte nicht hindurch. Sie blieb vor der Öffnung, dabei ging sie ein paar Mal auf und ab, bevor sie sich wieder verzog.
„Ein Glück… Wir sind alle weg gekommen…“, sagte Laisa erleichtert.
Ria richtete sich auf und blickte zu Eneas der sich den Arm hielt. Sie ging zu ihm und kniete sich zu ihm hin.
„Eneas… Dein Arm… Hat sie dich erwischt?“, fragte sie nach, während sie sich seinen Arm ansah. Auch Seren kam nun dazu und inspizierte die Wunde.
„Leider ja… Sie war verdammt schnell…“, gab er leicht schmerzerfüllt von sich.
Seren holte ein Tuch aus seiner Tasche und verband Eneas‘ Arm.
„Ich habe es etwas abgebunden, dass sollte die Verbreitung des Giftes etwas verlangsamen, aber es wird es nicht aufhalten… Du solltest schnellstens einen richtigen Arzt aufsuchen…“
„Das werde ich… Sobald wir hier fertig sind… Wir müssen weiter…“, antwortete Eneas.
Plötzlich hörten sie ein lautes Brüllen, dass durch die gesamten Höhlengänge zog.
„Ich denke wir haben ihn gefunden…“, sagte Leif als er durch eine große Öffnung guckte.
Kapitel 19
„Eneas… Einen Vorschlag wie wir vorgehen sollen?“, fragte Leif.
Eneas richtete sich auf und kam zu Leif zur großen Öffnung. Dort lehnte er sich erschöpft gegen die Wand und sah hindurch.
„Was für ein Monstrum…“, stellte er fest. „Keno…“
„Ja…“
Keno trat hervor und schaute sich den Drachen ebenso an.
„Das wird knifflig…“, gab Keno von sich. „Ich vermute, dass er ein S Klasse Biest ist… Also sehr mächtig…“
„Verdammt! Und wir sind jetzt schon so angeschlagen…“, gab Eneas zu verstehen. „Ich werde euch leider keine wirklich große Hilfe sein können in meinem Zustand…“
„Wir schaffen es trotzdem! Wir haben eh keine andere Wahl“, äußerte sich Ilay dazu.
„Da gebe ich dir Recht… Wenn wir ihn jetzt nicht besiegen, sind wir eh alle geliefert…“, pflichtete Leif bei.
„Also gut…“, sprach Eneas. „An der Front kämpfen Ilay und Leif. Keno, du und ich sind Springer, falls vorn einer kurzzeitig ausfällt oder zum Wechseln. Laisa und Lucin sind wie immer unsere Supporter…“
Er sah sich seine Kammeraden an, während er die Aufstellung mitteilte.
„Ria und Seren, ihr konzentriert euch aufs Verteidigen. Die Klauen des Drachen werden unser größtes Problem darstellen, wenn da ein Angriff richtig sitzt, ist es aus mit uns, deshalb ist es eure Aufgabe Angriffe zu blocken, falls jemand in Gefahr gerät…“
„Alles klar“, bestätigte Lucin.
„Na dann…“, sagte Laisa.
Seren merkte man seine Nervosität deutlich an, doch sein Blick war kampfbereit.
Ria rappelte sich auch wieder auf und war bereit.
Sie gingen hinunter in die Höhle des Drachen.
„Eins noch…“, warf Eneas ein.
Sie sahen Eneas an.
„Sterbt mir ja nicht weg!“
Und daraufhin stürmten sie hinein.
Begrüßt wurden sie von einem bestialischen Aufschrei des Drachen.
Der Drache drehte sich zu ihnen um.
Ilay und Leif stürmten los. Keno und Eneas folgten in zweiter Reihe. Danach kamen Ria und Seren aufs Schlachtfeld während Laisa und Lucin am Rand verblieben.
„Die giftigen Dämpfe sind hier noch mal wesentlich schlimmer…“, stellte Seren fest.
„Das stimmt… Da bekommt man kaum noch Luft so hochkonzentriert ist es hier…“, bestätigte Ria.
Der Schwanz des Drachen peitschte genau zwischen Seren und Ria, sodass sie auseinanderspringen mussten.
Ria sackte nach unten.
<Scheiße! Meine Beine fühlen sich an wie Betonklötze! Was passiert hier nur mit meiner Beweglichkeit?>
Der Schwanz peitschte noch einmal auf sie zu und Ria konnte gerade noch so auf die Seite springen.
Währenddessen griffen Leif und Ilay den Drachen abwechselnd direkt an.
„Das ist ein zäher Bursche…“, gestand Leif der sich gerade etwas Blut aus dem Mundwinkel wischte.
„Da sagst du was…“, bestätigte Ilay mit einem schelmischen Grinsen, während ihm Schweiß von der Stirn tropfte.
Der Drache holte zu einem Schlag aus und zielte auf Leif. Leif wich aus und setzte direkt zu einem Gegenschlag an. Er konnte einen Treffer im Brustbereich des Drachens verzeichnen.
„Geht doch!“, war er motiviert.
So schnell schaute Leif gar nicht stand Eneas vor ihm und blockte einen Angriff des Drachen.
„Werd‘ ja nicht übermütig…“, ermahnte Eneas Leif.
Doch Eneas sackte zusammen und konnte den Angriff nicht länger standhalten. In dem Augenblick wurden sie von einer Barriere beschützt die Laisa um sie aufbaute.
So konnten sie rechtzeitig wegspringen, ehe die Barriere zerbrach.
„Meine Illusionsmagie ist vollkommen nutzlos!“, rief Lucin.
„Dann verteidige mit!“, rief ihr Keno zu.
Der Drache holte erneut aus und zielte dieses Mal auf Ilay der seine Aufmerksamkeit auf Eneas richtete. Der Angriff kam überraschend und im richtigen Augenblick stand Seren vor ihm und blockte den Angriff, dabei wurde er gegen die Felswand geschleudert direkt neben Laisa.
Laisa erschrak sich und eilte zu ihm nur um einen Schlag vom Schwanz des Drachens abzubekommen der Laisa und Seren unter sich begrub.
„Ser! Laisa!“, rief Ria verzweifelt.
„Verdammt! Damit sind die Zwei raus…“, sagte Leif.
„Eneas auch… Durch das Gift kann er sich nicht einmal mehr aufrichten…“, stellte Keno fest.
„Scheiße! Das wird mehr als knapp…“, gab Ilay von sich, während er einer Pranke auswich.
Gleich danach ging er zum Angriff über und schaffte es mit seiner Sense einmal über sein Gesicht zu schneiden. Dabei verletzte das rechte Auge des Drachens was ihn nur noch wütender machte.
Ein lauter Aufschrei durchzog den gesamten Raum.
Der Drache drehte sich einmal schnell rund herum und holte mit seinem Schwanz aus für eine Megaattacke.
„Passt auf!“, rief Lucin.
„Ausweichen!“, befahl Ilay.
„Zu spät!“, gab Leif von sich.
„Das lasse ich nicht zu!“, war Ria erzürnt.
Er zerstörte alles, was auf Bodenhöhe war. Dieser Angriff hätte allen das Leben kosten können, doch Ria schaffte es eine ihrer Fähigkeiten gerade noch rechtzeitig zu aktivieren.
Jeder einzelne Anwesende hatte eine Schutzbarriere um sich die dem Angriff des Drachen standhielt. Es hagelte massenhaft Steine und Schutt durch die Luft.
Alle Blicke hingen nun an ihr, während sie mit ausgestreckten Armen dastand und auf den Boden sackte, vor Erschöpfung.
<Meine Beine wollen nicht mehr… Auch meine Arme fühlen sich so steif an… Die Finger kann ich kaum noch bewegen… Ist das wirklich wegen dem Gift? Die anderen scheinen nicht so viele Probleme zu haben…>
„So eine starke Barriere und das punktuell für jeden Einzelnen hier?“, war Lucin verblüfft.
Ilay blickte sie unglaubwürdig mit groß aufgerissenen Augen an.
<Lucin hat Recht… Für ein Mischwesen wäre das unmöglich gewesen… Ist sie eine reine Gottheit?>
„Vielleicht haben wir noch eine Chance…“, rief Eneas, während er am Boden war. „Er ist hier ziemlich eingeengt, das könntet ihr als Vorteil nutzen…“
„Also gut… Leute lasst ihn uns abwechselnd ablenken, so dass immer Einer eine Chance hat anzugreifen… Wenn wir weit genug voneinander entfernt stehen, könnten wir eine Chance haben!“, rief Ilay den anderen zu.
Der Drache wurde wild und schnappte und haute nur noch willkürlich zu und verfiel der Raserei.
Alle verteilten sich und versuchten den Drachen abzulenken. Ilay lenkte ihn zuerst ab, sodass Leif einen Treffer landen konnte, doch der Angriff war viel zu schwach und hinterließ keinen großen Schaden.
<Verdammt! Ich bin wohl schon zu angeschlagen, um dem Drachen noch etwas entgegen setzen zu können…>
Leif richtete sich auf und in dem Moment schlug der Drache mit seinem Schwanz schon zu. Ilay schubste Leif gerade noch rechtzeitig aus der Gefahrenlage doch bekam den Schlag mit voller Wucht ab, sodass er gegen die Felswände geschleudert wurde.
„Ilay!“, rief Ria.
Der Drache setzte noch einen obendrauf, indem er noch mit seinen Klauen zuschlug und Ilay ein paar lange Einkerbungen quer über den Brustbereich verpasste.
Ilay fing an zu Bluten wie ein Schwein.
<So ne Scheiße! Wenn ich nicht aufpasse, verliere ich noch zu viel Blut und falle in Ohnmacht… Dann würde ich erst wieder in ein paar Tagen aufwachen, wenn die Wunden verheilt wären, aber alle anderen wären dann sicher schon Tod…>
Ilay richtete sich auf.
<Wenn wir das Ding nicht bald erledigen, dann muss ich wirklich ernst machen und mein letztes Mittel einsetzen…>
Der Drache machte keine Pause, sondern wandte sich Lucin zu und setzte zum nächsten Schlag an.
Lucin war wie erstarrt und rührte sich keinen Millimeter. Keno rannte auf sie zu und legte seine Arme schützend um sie. Keinen Augenblick später wurden auch sie gegen die Felswände geschleudert.
„Lucin!!“, rief Leif erbost.
„Dafür wirst du bezahlen du Ungeheuer!“
Leif stürmte los und verpasste dem Drachen einen Schlag über die Schnauze.
Der Drache heulte auf und schnappte dann mit seinem Maul nach Leif. Während Leif auswich, kam Ilay von hinten und schlug mit seiner Sense zu. Damit versetzte er ihm einen ordentlichen Schlag.
Als Ilay am Boden aufsetzte holte der Drache bereits aus.
In dem Moment sprang Ria vor Ilay, um ihn zu schützen und sie flogen beide mit hoher Geschwindigkeit geradewegs gegen die Felswände.
Leif ging zu Boden, er hatte seine Kräfte aufgebraucht.
„Scheiße!“, rief er.
Ilay wandte sich Ria zu die direkt in seinem Schoß saß.
„Ria… Bist du blöd?“
„Sagt der Richtige…“, konterte sie.
Die Beiden sahen sich um. Sie sahen wie all ihre Freunde auf dem Boden lagen.
Keiner war mehr in der Verfassung etwas dem Drachen entgegenzubringen.
„Ilay… Trink von mir…“, bat sie ihn. „Wir haben sonst keine andere Chance mehr… Keiner kann sich mehr bewegen, du bist der Einzige, der noch etwas ausrichten kann… Hilf uns…“
Der Drache machte einen letzten, großen Aufschrei und bereitete sich vor, es zu beenden.
Die anderen sahen sich auch gegenseitig an. Alle wussten, dass sie nun am Ende waren.
„… Ihr habt gut gekämpft Freunde…“, lobte Eneas seine Einheit.
„Dann ist das wohl unsere Endstation…“, gab Leif dazu.
„Mit euch zu kämpfen, war mir eine große Freude…“, meldete sich auch Keno zu Wort.
„Ich bin froh, dass ich euch alle kennen lernen durfte…“, sagte Lucin.
„Und ich will nichts bereuen, wenn wir hier jetzt drauf gehen… Seren…“, wandte sich Laisa Seren zu. „Ich hab‘ mich… In dich verliebt!“, gestand sie mit rotem Gesicht.
Seren lächelte sie an und strich ihr über die Wange.
„Ich bin froh dich an meiner Seite zu haben…“, sagte er.
Der Drache kam langsam näher.
„Dann hat jetzt unser letztes Stündchen geschlagen…“, gab Eneas von sich mit einem Lächeln.
„Wohl eher Minütchen…“, korrigierte ihn Lucin.
Eneas lachte. Alle lächelten.
„Nein!“, rief Ilay. „Ich lass euch hier nicht verrecken! Ich werde euch alle retten!!“
Sie wandten ihre Blicke Ilay und Ria zu.
Ilays Augen veränderten sich in seine dämonische Form und alle starrten ihn förmlich an. Dann legte er Rias Haare zur Seite, und stieß seine spitzen Reißzähne in ihren Hals.
Kapitel 20
Ilay zog einige großzügige Schlucke von Rias Hals.
Er sah sie an.
„Ich danke dir…“
„Kein Grund sich zu bedanken…“, lächelte sie ihn an als er sie auf die Seite setzte und sich aufrichtete.
Seine Wunden an der Brust begangen sich langsam zu schließen, dass sah man deutlich an dem Dampf, der aus seinen Wunden aufstieg.
Ilay ließ einen Schrei los und erweckte seine dämonische Seite vollständig. Er bekam lange, dreieckige Male unter seinen Augen und zwei Hörner kamen aus seiner Stirn. Auch hatte er jetzt Klauen.
Ilay stürmte los und alle staunten nicht schlecht wie schnell Ilay in Wirklichkeit war.
Er holte mit seiner Sense aus uns verpasste dem Drachen einen tiefen und langen Schnitt über den gesamten Körper.
Er sank federleicht zu Boden und sah den Drachen mit einem mörderischen Funkeln an.
Der Drache holte mit seiner Pranke aus, doch Ilay wich ganz lässig aus und landete auf seiner Pranke. Dann stürmte er los und verpasste ihm einen zweiten Schnitt quer über seinen Kopf.
Der Drache schüttelte sich und schlug mehrmals hintereinander mit seinen Pranken zu.
Eine erwischte Ilay und er wurde sehr hart in die Decke geschleudert. Aus diesem Loch, das dadurch entstand, kam er ganz leicht wieder heraus und kam wieder zurück zum Boden wie eine Feder, als wäre nichts passiert.
Er legte seinen Kopf in die Seite und sprach: „Verrecke!“
Damit ging er auf den Drachen los und holte mehrmals mit seiner Sense aus. Jeder Treffer schnitt dem Drachen tiefer und tiefer ins Fleisch.
Ilay schlug so schnell und so oft zu, bis das Blut aus dem Drachen nur so herausspritzte.
Er setzte zu seinem letzten Schlag an und enthauptete den Drachen. Der Kopf fiel zu Boden und einige Meter vor dem Kopf ließ sich Ilay auf den Boden sinken.
Seine Kammeraden waren geschockt bei dem Anblick seiner Gestalt.
Er ging schnurstracks auf Ria zu, kniete sich hin und strich ihr ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Ria?“, machte er große Augen. „Du bist ganz steif, fast so hart wie ein Stein!“, stellte er fest.
<Also ist sie wirklich eine reine Gottheit… Sie hat sich zu lang dem Sonnenlicht entzogen und wird, wie es geschrieben stand, langsam zu Stein so wie wir austrocknen, wenn wir kein Blut bekommen…>
Ilay hob Ria auf und wandte sich seinen Kollegen zu.
„Ich muss mich beeilen ehe sie zu Stein wird, ihr müsst leider noch etwas durchhalten, ich komme euch gleich holen…“, sprach er zu ihnen.
Und damit holte Ilay seine schwarzen Schwingen heraus.
Der Anblick war geradezu majestätisch, die Freunde konnten ihren Blick nicht abwenden.
Mit einem Satz flog er davon.
„Flügel? Ein Dämon mit Flügel? Gibt es sowas überhaupt?“, fragte Lucin, perplex wie sie war, nach.
„Nein… Normale Dämonen besitzen keine Flügel… Nur die Urdämonen haben solche Kräfte…“, erklärte Eneas der anfing zu lachen.
„Was ist so witzig?“, fragte Leif geschockt nach.
„Kein Wunder, dass er immer so stark war… Ich hatte immer das Gefühl, dass er sich zurück halten würde…“, klärte Eneas lachend auf.
„Also ist Ilay ein Urdämon?! Wie?“, fragte Laisa geschockt nach.
„Das erklärt Rias Halswunden, die sie hat seit dem sie Ilay näher kam…“, grübelte Seren laut vor sich hin.
„Das heißt Ria wusste Bescheid?“, war Lucin sauer.
„Wie hat er es überhaupt in die Armee geschafft? Allgemein beschäftigt mich jetzt die Frage wie ein Dämon so lange unentdeckt bei uns leben konnte…“, gab Keno dazu.
„Hört auf herumzurätseln, das hat eh keinen Sinn… Sobald wir hier raus sind, wird er zur Rede gestellt… Und auch Ria… Ich kann es kaum glauben, dass eine reine Gottheit nichts von ihrer Herkunft weiß…“, stellte Eneas klar.
Währenddessen kamen Ilay und Ria oben an der Oberfläche an.
Ilay setzte Ria mitten in der prallen Sonne ab.
„Dir sollte es gleich besser gehen…“, sagte er zu ihr.
„Du… Du hast Flügel? Du bist ein Urdämon?“, fragte sie, schwach wie sie noch war, nach.
„… Ja…“, gab er zu, während er einige dämonische Akzente wieder verschwinden ließ, wie die Hörner und die Male im Gesicht.
Sie streichelte ihm über das Gesicht.
„Und du bist kein Mischling, wie angenommen, du bist eine reine Gottheit…“, stellte er fest.
„Sieht wohl so aus… Das Sonnenlicht… Es fühlt sich so belebend an… Ich merke wie es sich in jedem Winkel meines Körpers ausbreitet und mir wieder Kraft verleiht…“
Ilay lächelte sie an.
„Ob es so ein seltsames Paar schonmal gab? Ein Urdämon und eine Gottheit?“, scherzte Ria.
„Ich denke nicht“, lachte Ilay. „Warte hier kurz, ich werde die anderen noch schnell holen…“
Als er sich wegdrehte, hielt sie ihn am Arm fest.
„Übernimm dich nicht, du hast auch einiges einstecken müssen…“
„Mach dir keine Sorgen…“, sagte er und ging.
<Ich soll eine wahre Gottheit sein? Das kann ich irgendwie nicht glauben… Wer waren dann bitte meine Eltern? Und nun möchte ich umso mehr wissen was mit ihnen geschehen ist... Ob ich das jemals herausfinden werde?>
Ilay kam unten an. Alle lagen noch herum und waren fertig. Ilay ging auf Seren zu.
„Nein, mich noch nicht… Kümmere dich erst um die Anderen… Ich muss noch zum Drachen und Blut nehmen…“, stellte Seren klar.
Ilay nickte und half erst den Anderen heraus. Einen nach dem Anderen flog er nach oben. Am Schluss kam er noch einmal für Seren herunter welcher sich anstrengte zum Drachen zu gelangen.
„Warte, ich helfe dir…“, bot Ilay an und stützte Seren beim Laufen.
„Vielen Dank Ilay“, lächelte er.
Ilay war verblüfft.
„Hast du denn gar keine Angst?“, fragte er nach.
„Warum sollte ich? Dass du ein Urdämon bist, ändert ja nichts an deiner Persönlichkeit… Und außerdem vertraut dir Ria und wenn sie dir vertraut, gibt es für mich keinen Grund es ihr nicht gleich zu tun“, grinste Seren.
„Du bist wirklich ein guter Freund Seren“, sprach Ilay mit einem Lächeln im Gesicht. „Ria ist sehr froh dich an ihrer Seite zu haben.“
Zusammen holten sie einiges an Blut von dem Drachen und machten sich dann anschließend auf den Weg nach oben.
Alle saßen da und erwarteten Ilay. Als er nach oben kam und Seren absetzte sahen sie ihn erwartungsvoll an.
„Also… Würde uns nun jemand bitte aufklären?“, forderte Leif.
„Da gibt’s nicht viel zu sagen… Ich bin ein reinrassiger Urdämon der schon immer hier in den Gossen lebte und sich der Armee anschloss…“, gab Ilay knapp zu verstehen.
Verdutzt blickten alle herum und fingen an zu lachen.
„Kurz und knapp angebunden, so wie wir dich kennen!“, warf Lucin unter Tränen lachend ein.
Nur Leif war nicht erfreut. Er stand auf und ging direkt auf Ilay zu nur um ihn eine runterzuhauen und zu Boden zu stoßen.
„Und wie erklärst du, dass du Ria als deinen lebenden Blutbeutel missbrauchst?!“, war Leif zornig und schüttelte Ilay.
Ria ging dazwischen.
„Hör auf Leif, bitte…“, zerrte sie ihn runter.
Leif lies ab und sah Ria an.
„Er missbraucht mich nicht, im Gegenteil… Ich habe ihm mein Blut von mir aus angeboten… Er wollte ablehnen, doch ich habe darauf bestanden ihm helfen zu wollen…“
„Warum solltest du das tun?“, fragte Leif nach.
„Na… Weil ich… Ihn liebe…“, verkündete sie leicht verlegen.
Ilay bekam darauf ganz große Augen und konnte seinen Ohren kaum trauen. Leif hingegen sah schmerzerfüllt aus. Er lies sich auf den Boden plumpsen und blieb geschockt sitzen.
„Ist denn sonst keiner sauer oder hat Angst vor mir?“, wollte Ilay wissen.
„Nein… Die Tatsache, dass du ein Dämon bist, ändert doch nichts an der Sache, wer du bist…“, sagte Lucin.
„Das stimmt… Du bist uns ein guter Freund und hast uns alle schon mehrere Male beschützt oder gerettet…“, fügte Laisa hinzu.
„Und wenn man so darüber nachdenkt, versteht man auch, warum du nie etwas gesagt hast, immerhin hätte das Militär dich sicher hingerichtet, wenn das raus gekommen wäre…“, schlussfolgerte Keno.
„Dich zurückzuhalten hat dich sicher auch einige Mühen gekostet!“, bemerkte Lucin kichernd.
Ilay lächelte erleichtert. Eneas sah ihn prüfend an.
<Ich merke, dass er nicht die ganze Wahrheit erzählt hat… Vielleicht ist er auch noch nicht so weit alles Preis zu geben… Wie auch immer… Er ist ein wertvoller Kamerad und Mitglied meiner Einheit, die Tatsache allein, dass er ein Urdämon ist, ändert für mich erst mal nichts…>
„Ria… Und du weißt wirklich nichts über deine Herkunft?“, fragte Eneas nach.
Ria blickte ihn verdutzt an.
„Nein, ich habe wirklich keine Ahnung… Dass ich eine reine Gottheit sein soll, will mir auch noch nicht wirklich in den Schädel rein…“
Sie blickte auf ihre Hände.
„Mein ganzes Leben lang bin ich davon ausgegangen ein ganz normaler Mensch zu sein und innerhalb dieser kurzen Zeit hat sich so viel für mich verändert…“
Eneas war nachgiebig.
„Na gut… Mich wundert es nur weil man reine Gottheiten so selten zu Gesicht bekommt… Sie verbarrikadieren sich ja regelrecht in ihrem Viertel… Da müsste es ja auffallen, wenn reine Gottheiten ein Kind bei uns zurück lassen… Es wäre schon selten genug ein Halbmischling zu sein mit 50-prozentiger Göttlichkeit…“
„Eneas…“, fiel Keno ein. „Was machst du jetzt mit diesen Informationen… Sie vor dem Militär geheim zu halten wäre ein Verstoß und höchst strafbar…“, merkte Keno an.
„Du hast Recht…“, überlegte Eneas und ging in sich.
Ilay sah weg während Ria bekümmert drein guckte.
<Ich weiß, dass sie uns melden müssen… Es zu verschweigen oder gar geheim zu halten könnte ihnen den Kopf kosten… Das kann Eneas niemals verantworten…>
„Ich habe mich entschieden…“, sprach Eneas.
Alle Augen richteten sich hoffnungsvoll auf ihn.
„Also… Ich habe leider keinerlei Beweise die eure Aussagen bekräftigen könnten und bis dahin sind es nur Vermutungen. Ich habe noch viel zu wenig Informationen und ich möchte das Militär sicher nicht mit bloßen Vermutungen belästigen…“, zwinkerte er Ilay zu.
<Mal sehen was noch auf uns zu kommt… Ich möchte gern alles wissen, auch das, was er zurück hält… Wenn er eine Gefahr für uns darstellt, kann ich ihn immer noch melden… Ich hoffe einfach, dass es nie dazu kommt…>
Alle freuten sich.
Ilay atmete erleichtert auf während Ria auf ihn zuging und ihn zufrieden in den Arm nahm.
„Ich habs dir doch gesagt… Sie sind deine Freunde und stehen hinter dir…“, sprach sie sanft zu ihm.
„Du hattest Recht…“, lächelte er.
„Ich hab immer Recht…“, merkte sie lachend an.
Kapitel 21
Ria saß außerhalb des Gebäudes und wartete.
Leif setzte sich zu ihr auf die Bank.
„Hey Leif… Hast du dich schon behandeln lassen?“, fragte sie ihn.
„Gerade eben, ja… Und du?“, fragte er nach.
„Noch nicht… So schlecht fühle ich mich gar nicht…“, antwortete sie.
„Lass dich dann trotzdem untersuchen…“, bat er sie.
Eine kühle Brise tauchte auf und erfasste die Beiden.
„Es wird wohl kälter…“, merkte Ria an.
„Stimmt…“, bestätigte Leif.
<Oh man… Ich bin so nervös… Dabei brauche ich das doch gar nicht zu sein, ich kenne ihre Antwort doch bereits…>
„Ria…“, fing er an.
Verdutzt sah sie ihn an.
„Erinnerst du dich? Ich… Ich wollte dir doch noch etwas sagen, als wir diesen Behemoth gegenüber standen… Bis jetzt kam ich noch nicht dazu…“, erklärte er.
Leif wurde ganz rot im Gesicht. Er blickte verlegen weg, bevor er sie direkt ansah.
„Leif… Ich…“, wollte Ria ihn unterbrechen.
„Warte… Lass mich bitte ausreden… Ich möchte dir das unbedingt sagen… Ich will nicht bereuen müssen es nicht getan zu haben…“
Er kam ihr näher.
„Ria… Ich habe mich in dich verliebt… Und das schon vor einer ganzen Weile…“, sagte er ihr mitten ins Gesicht.
Ria sah ihn leicht mitleidig an. Leif drehte sich weg und seufzte.
„Du musst nichts darauf sagen… Ich weiß, dass du Ilay liebst… Ich wollte einfach nur meine Gefühle klar und deutlich aussprechen…“
Er wandte ihr seinen Blick zu mit einem Lächeln im Gesicht und tätschelte ihr den Kopf.
„Also mach dir keinen Kopf, mir ist klar, dass du meine Gefühle nicht erwiderst…“
Ria war total verlegen und sah hinunter auf den Boden.
Verblüfft sah er Ria an.
„Alles okay?“, fragte er nach.
„J-Ja…“, antwortete sie. „Es ist nur so, dass mir sowas noch nie jemand gesagt hat und ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll…“, gestand sie.
„Wie bitte?!“, war Leif total erstaunt. „Ilay hat dir nicht seine mehr als offensichtliche Liebe für dich gestanden?“
Leif lachte lauthals los.
„So ein Trottel!“
Ria kicherte.
„Über seine Gefühle zu reden, gehört wirklich nicht zu seinen Stärken“, stellte sie fest.
„Oh ja!“, bestätigte Leif lachend.
Er beruhigte sich und wandte sich Ria wieder zu.
„Hör zu… Ich möchte, dass du mich weiterhin so behandelst wie sonst auch… Zwischen uns muss sich nichts ändern… Es wäre viel schlimmer für mich, wenn du mich ab jetzt meiden würdest… Dich glücklich zu sehen, reicht mir schon aus…“
„Versprochen…“, antwortete sie mit einem süßen Lächeln.
„Sehr gut… Und jetzt gehst du rein und lässt dich untersuchen…“, beharrte er.
„Wenn es dich beruhigt…“
„Tut es!“
Zum Abschied winkte sie noch einmal und ging ins Gebäude. Leif blieb zurück, ließ sich in die Bank sacken, seufzte und sah zum Himmel auf.
<Was red ich da für einen Scheiß?... Als ob mir das reichen würde!… Ich würde ihr lieber näherkommen, sie berühren, festhalten und nie mehr gehen lassen… Das wird wohl mein Traum bleiben, den ich nie erfüllt bekomme…>
„Wie erbärmlich!“
Leif sah sich um und entdeckte seine Schwester.
„Lucin?“
„Wo ist deine Würde, von der du immer so prahlst? Was hat Ria nur mit dir gemacht, dass du so ein Weichei geworden bist? Du bist ein Prinz! Also verhalte dich auch so!“, schimpfte sie ihn.
„Was meinst du damit?“, fragte er ratlos nach.
„Ganz einfach! Du willst etwas? Dann nimm es dir! Ein Nein existiert nicht für uns! Wir sind die Garcias! Als ob du so einfach aufgeben würdest…“, erklärte sie.
„Du hast Recht… Früher war ich nicht so… Ich weiß auch nicht, warum ich so rücksichtsvoll bin…“, wunderte er sich.
„Wahrscheinlich, weil du Angst hast sie dann ganz zu verlieren, aber das musst du nicht! Gewinne einfach!“, zwinkerte Lucin ihm zu.
Leif kicherte.
„Aufgeben war noch nie mein Ding!“
Lucin entwich ein sanftes Lächeln.
Ria hielt sich in der Tür versteckt und hörte das Gespräch mit an. Ihr Blick war traurig.
<Es tut mir leid Leif… Aber du kannst nicht gewinnen da es nichts zu gewinnen gibt…>
Damit ging sie hinein und begab sich ins Untersuchungszimmer.
Ilay stand geschockt an der Hauswand und konnte nicht glauben was er da gerade mitbekommen hatte.
<Ist das sein Ernst? Er meint es wirklich ernst!... Das kann ich nicht zulassen! Das werde ich nicht zulassen! Ich will sie an meiner Seite wissen… Aber… Aber ich bezweifle, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben werden… Ich werde irgendwann zurück kehren müssen…>
Auf einmal stand Eneas vor Ilay.
„Ilay? Alles okay bei dir?“, fragte er nach.
„Eneas?“, schreckte Ilay aus seinen Gedanken auf. „J-Ja alles gut…“
Eneas gab ihm einen prüfenden Blick.
„Wie lange kennen wir uns nun bereits? Ich weiß, dass das nicht stimmt… Und ich weiß, dass du mir einiges mehr verheimlichst…“
Eneas seufzte. Ilay blickte ihn mit großen Augen an.
„10 Jahre ist es her als mein Vater und ich dich auf der Straße gefunden hatten… Ich war 18 und du erst 14 Jahre alt… Ich war frisch dem Militär beigetreten, um meinem Vater nachzueifern… Als wir dich fanden sahst du verwahrlost aus, doch irgendetwas hatte dich angetrieben… Mein Vater und ich merkten damals schon, dass in dir großes Potenzial steckte, und nahmen dich mit… Als wir zusammen trainierten merkte ich schnell, dass du sehr stark sein müsstest… Ich hatte immer das Gefühl, dass du mir etwas verschweigst… Und auch nun, nachdem herauskam, dass du in Wirklichkeit ein Urdämon bist, werde ich das Gefühl nicht los, dass das nicht alles ist…“
Ilay wandte schweigend seinen Blick ab.
„Weißt du, ich vertraue dir… Du gehörst nicht nur zu meinen Kameraden, für mich bist du mein längster und bester Freund, Ilay… Ich frage mich wirklich, wie du auf die Idee kamst, ich würde euch ans Militär verraten, wenn ich herausfinde, dass du ein Urdämon bist oder Ria eine Gottheit… Wir haben so viel zusammen erlebt und durchgemacht… Ich dachte du hältst ein bisschen mehr auf unsere Freundschaft…“
Eneas lächelte Ilay an.
„Ich glaube sehr wohl zu wissen was mit dir los ist… Ich denke die Anderen haben das noch nicht begriffen aber dass du ein Urdämon bist, bedeutet wohl, dass du der Sohn des Dämonen Lords bist… Immerhin sind nur die Familienmitglieder des Dämonen Lords Urdämonen und es ist nur bekannt, dass er einen Sohn hatte, der nach seiner Versieglung verschwand… Doch dann müsstest du mehrere hundert Jahre alt sein, was mich zu den Fragen bringt wieso du nicht so alt zu sein scheinst, wie du hierhergekommen bist und was dein wirkliches Ziel hier ist… Und zum anderen belastet deine eigentliche Herkunft wohl deine Beziehung zu Ria, nicht wahr? Du liebst sie aber hast Angst, dass ihr keine Zukunft zusammen haben könntet, wenn du wieder zurück kehren musst…“
„Du… Woher…?“, Ilay wusste nicht, was er antworten sollte.
„Ich sagte doch, ich kenne dich sehr gut mein Freund… Und dumm bin ich auch nicht“, antwortete Eneas. „Ich verstehe, wenn du noch nicht darüber reden kannst, aber sei dir bewusst, dass wir alle für dich da sein werden… Wir werden dir sicher helfen können und einen Weg finden…“
Eneas klopfte ihm auf die Schulter und blickte noch einmal in Ilays Richtung.
„Du solltest die Beziehung mit Ria genießen, sie tut dir gut Ilay…“
Damit verabschiedete sich Eneas von Ilay und ging seiner Wege. Ilay blieb zurück und sah ihm noch nach.
<Ja… Eneas ist hier wohl mein längster Freund… Und doch habe ich hier niemandem wirklich jemals vertraut… Alles was für mich zählte, war meine Mission welche ich aufgetragen bekommen hatte… Und dann trat sie in mein Leben und hat alles auf den Kopf gestellt… Meine Mission ist immer noch sehr wichtig, aber… Aber Ria ist mir wichtiger geworden… Verliebt in eine Gottheit… Ob es wirklich eine Zukunft für uns geben könnte?>
Ilay ging ein Stück durch den nahegelegenen Wald und entdeckte Ria die unter einem Baum auf einer Anhöhe stand und den Himmel beobachtete. Der Mond stand bereits hell erleuchtet mitten im Himmel und es war eine sternenklare und ruhige Nacht. Der Bach in der Nähe plätscherte friedlich vor sich hin. Fasziniert von diesem Anblick blieb er stehen und beobachtete sie.
„Ilay“, riss es ihn aus seinen Gedanken.
Ganz perplex sah er sie an, bevor er auf sie zukam.
„Was machst du hier?“, fragte er nach.
„Ich wollte ein wenig einen freien Kopf bekommen und die frische Luft genießen…“, erzählte sie.
„Einen freien Kopf?“, fragte er neugierig.
„J-Ja… Ist nicht weiter wichtig…“, winkte sie ab.
„Du machst dir Gedanken wegen Leif, oder? Das Geständnis war ja nicht zu überhören…“, merkte Ilay an.
„Du hast das gehört?!“, war Ria total geschockt.
Ilay kam nah an sie heran und sah ihr direkt in ihre Augen.
„Magst du ihn etwa?“, fragte er mit ernstem Gesichtsausdruck nach.
„N-Nein, nicht so! Als Freund schon…“, antwortete sie direkt.
Ilay packte sie am Arm und zog sie näher zu sich. Sie lief rot im Gesicht an.
„Dann ist ja gut… Ich werde dich nämlich weder teilen noch hergeben… Ich bin sehr besitzergreifend musst du wissen… Und ich will dich für mich allein haben…“, gestand er.
Ria lächelte liebevoll und streichelte ihm über seine Wange.
Ilay lächelte zurück, beugte sich nach vorn und ließ ihr einen gefühlvollen Kuss zukommen. Sie schmiegten sich aneinander und überhäuften sich mit weiteren leidenschaftlichen und lustvollen Küssen. Während er ihre Hüfte mit seinen Händen gegen seine presste, zog sie mit ihren Händen sein Gesicht zu sich. Er wanderte mit seinem Gesicht ihren Hals hinab, während sie sich um ihn klammerte.
Es wurde hitziger und stürmischer zwischen ihnen. Er löste den Knopf ihrer Hose und ließ sie hinuntergleiten, während er sich auf den Boden setzte und sie sich auf seinen Schoß sinken ließ. Danach knöpfte er ihr die Bluse auf und streifte sie leicht zur Seite, um besser an ihren Nacken kommen zu können. Auch Ria knöpfte sein Hemd auf und streifte es ihm leicht ab.
Er fixierte ihr errötetes Gesicht und sah ihr tief in die Augen.
„Ich liebe dich Ria…“
„Ich liebe dich auch Ilay…“, erwiderte sie mit einem liebevollen Lächeln.
Daraufhin küssten sie sich weiter und liebten sich im hellen Mondschein der Nacht.
<Eneas hat Recht… Ria macht mich unglaublich glücklich und tut mir wahnsinnig gut… Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als den Rest meines Lebens mit ihr zu verbringen…>
Ria schlief tief und fest in Ilays Armen, während Ilay ein Rascheln wahrnahm und aufwachte. Er richtete sich auf und sah sich um. Dann bemerkte er einen vorbei schleichenden Schatten zwischen den Bäumen.
Er stand auf und sprang in Richtung des Schattens.
Kapitel 22
Es raschelte an einigen Ästen in Ilays und Rias Nähe. Ilay öffnete seine Augen.
<Da ist doch jemand… Wer wagt es sich an uns heranzuschleichen?>
Ilay passte den richtigen Augenblick ab und stürzte sich dann auf die Silhouette. Er warf sie zu Boden und staunte dann.
„Bela…?“
„Also bist du es wirklich Ilay… Hätte dich kaum wieder erkannt…“, sprach die unbekannte Gestalt mit einem verstohlenen Grinsen aus dem spitze Zähne hervorblitzten.
„Was machst du hier?“, fragte Ilay ihn, während er ihm helfend die Hand entgegenstreckte.
„Na was wohl…“, antwortete er, während er sich aufhelfen ließ. „Du bist nun schon seit 18 Jahren hier und hast immer noch keine Ergebnisse geliefert… Wie schwer kann es denn schon sein diesen Erben der Urgottheiten ausfindig zu machen und ihn zu erledigen? Oder hast du vergessen, warum du hier bist?“
Bela deutete auf Ria.
„Anscheinend hast du hier ja deinen Spaß, aber den wirst du nicht mehr lange haben können, wenn du deine Mission nicht erfüllst… Du weißt, was auf dem Spiel steht!“, ermahnte ihn Bela.
„… Dessen bin ich mir durchaus bewusst…“, knickte Ilay ein, während er die Arme vor der Brust verschränkte.
"Du hast doch wohl nicht ernsthaftes Interesse an diesem Weib, oder? Als Sohn des Dämonen Lords könntest du ruhig etwas verantwortungsvoller an die Sache herangehen… Wenn wir deinen Vater nur endlich aus dieser Versiegelung befreien könnten, hätten wir diese Probleme nicht einmal…“, jammerte Bela herum.
„Also gibt es immer noch keine Fortschritte…“, schlussfolgerte Ilay.
„Nein… Leider…“ Bela seufzte. „Dein Vater könnte dieser ganzen Farce endlich ein Ende bereiten, aber nichts klappt, um die Versieglung zu brechen… Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, dass du den Thron besteigst und Dämonen Lord wirst…“
„Du weißt, dass das nicht so einfach geht… Ich bin nicht mächtig genug dafür…“, erklärte Ilay.
„Ja ja… Wärst du nur ein paar Jahrhunderte früher geboren dann sähe alles anders aus…“, gab Bela achselzuckend von sich.
„Nun gut…“, fing Bela an. „Ich gehe dann mal wieder… Und du beeilst dich diesen Erben ausfindig zu machen sonst kommen wir und übernehmen das… Die Uhr tickt…“
Damit lies Bela Ilay stehen und machte sich auf den Weg.
<Was denkt sich Ilay nur dabei? Wir alle zählen auf ihn und er vergnügt sich hier mit irgendeinem Weib… Das kann nicht sein Ernst sein! Das gibt’s einfach nicht! So ein unzuverlässiger Kerl!>
Bela war total in Gedanken versunken und merkte gar nicht wohin er lief. Er kam an der Unterkunft der anderen vorbei und rannte direkt gegen Eneas, welcher abends immer noch seine Runden um das Gelände drehte.
„Autsch!“, kam von Bela als er sich den Kopf hielt und die Augen zusammenkniff.
Eine Hand streckte sich auf ihn zu.
„Alles in Ordnung bei dir Kleiner?“, fragte Eneas nach und lächelte ihn an.
„W-Was?! Kleiner?!“, war Bela sauer und sprang auf mit einem wütenden Gesicht.
„Oh entschuldige… Durch deine Größe wirkst du nicht unbedingt volljährig…“, gab Eneas peinlich berührt zu.
„Es kann auch nicht jeder so ein Riesenschrank sein wie du es bist!!“, gab Bela eingeschnappt von sich. „Ich bin auch ganz sicher wesentlich älter als du…“, fügte er noch leise hinzu.
„Achja?“, grinste Eneas schelmisch und kam auf Bela zu, bis er ganz nah vor ihm stand und sich zu ihm hinunter bückte. Bela war das unangenehm und drehte sich weg.
„Was bist du denn für einer?!“, damit zog Bela von dannen und ließ Eneas stehen.
<So ein komischer Kerl! Sind die mit göttlichem Blut Gesegneten denn immer so? Das ist ja unmöglich!!>
Eneas sah ihm noch verwundert nach.
<Das war ja ein komischer Kerl… Was der wohl hier wollte?>
Am nächsten Morgen wachte Ria allein in ihrem Zimmer auf. Sie blickte sich um und setzte sich auf.
„Wie bin ich hierhergekommen? Und wo ist Ilay?“, fragte sie sich.
Dann klopfte es an die Tür und Seren betrat ihr Zimmer.
„Guten Morgen!“, begrüßte er sie freudig.
„Guten Morgen Ser! Alles okay?“, fragte sie nach.
„Natürlich! Mach dich fertig!“, forderte er sie auf.
„Wofür?“
„Das siehst du dann schon!“, lächelte er sie an und verließ das Zimmer.
<Was hat er vor? Soweit ich weiß, steht heute nichts an…>
Ria stand auf und machte sich fertig, zog ihre Klamotten an und kämmte sich ihre Haare. Daraufhin verließ sie ihr Zimmer und traf auf den bereits wartenden Seren.
„Na, da bist du ja, schnell wie immer!“, lächelte er als er ihre Hand nahm und sie mit sich zog.
„Jetzt sag mir doch mal, was du vor hast Ser…“, fragte sie ungeduldig nach.
„Ich weiß, dass du Überraschungen nicht so magst, aber dir bleibt keine andere Wahl!“, erklärte Seren.
Er zog sie durch die Stadt, bis sie an einem Fest ankamen. Ria staunte.
„Das Fest ist heute? Das hatte ich total vergessen…“, gab sie ganz überwältigt von sich.
„Ja… Wir hatten so viel um die Ohren, dass ich auch fast nicht mehr daran gedacht hatte aber wir zwei sind jedes Jahr hier… Das Sommerabschlussfest… Und jedes Jahr freust du dich riesig auf die Regenbogenbäume... Das wollte ich mir mit dir nicht entgehen lassen…“, erzählte Seren.
„Das stimmt… Diese wunderbar leuchtenden Bäume die in allerlei Farben schimmern…“, bestätigte Ria.
„Weißt du… Wir waren all die Zeit immer zusammen und obwohl wir nun sogar in derselben Einheit sind, reden wir nicht mehr viel miteinander… Das macht mich schon etwas traurig… Ich… Ich vermisse das…“, schüttete er ihr das Herz aus.
Ria sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an und umarmte ihn daraufhin.
„Es tut mir leid Ser… Ich war so sehr mit anderen Dingen beschäftigt, dass ich wohl das Wichtigste aus den Augen verloren habe… Dich… Unsere Freundschaft bedeutet mir unendlich viel und ich werde mich anstrengen mich deiner Freundschaft würdig zu erweisen…“
„So meinte ich das gar nicht Ria“, kicherte er. „Ich bin schon froh, dass sich zwischen uns trotz allem nichts geändert hat und wir immer noch dieselben sind! Versprich mir einfach, dass sich das nie ändern wird.“
„Natürlich! Versprochen!“
„Gut… Dann lass uns jetzt ein wenig Spaß haben!“, sprach er, während er sie hinter sich herzog.
Ria lächelte sanft und folgte Seren.
Sie verbrachten mehrere schöne Stunden zusammen, aßen Eis und Süßes, spielten einige Spiele, fuhren einige Fahrgeschäfte.
Sie saßen zusammen auf einer Bank und blicken in Richtung der Bäume die bald zu leuchten beginnen sollten.
„Das hat mir heute viel Spaß gemacht…“, stellte Ria fest. „Danke dass du mich heute hierhergebracht hast.“
„Mir hat es auch viel Spaß gemacht…“, lächelte Seren sie an.
„Ser… Was empfindest du eigentlich für Laisa?“, wurde Ria neugierig.
Seren wurde total rot im Gesicht.
„Also… Ähm… Weißt du…“, stotterte er vor sich hin.
Ria kicherte.
„Du magst sie sehr, nicht wahr?“
„… Ja“, war seine verlegene Antwort.
„Hast du ihr dann schon auf ihr Geständnis geantwortet?“, fragte sie weiter nach.
„Noch nicht…“, gab Seren zu.
„Dann wäre jetzt wohl der richtige Zeitpunkt dafür…“, stellte Ria klar, während sie nach vorn links deutete, wo Laisa alleinstand, um sich auch die Bäume anzusehen.
„Aber…“
„Mach dir keine Sorgen, ich komm hier auch allein klar… Ich würde mich sehr für dich freuen…“, erwiderte sie hartnäckig.
„Danke Ria…“, bedankte er sich, während er aufstand und auf Laisa zu ging.
<Hoffentlich vermasselt es der Tollpatsch nicht…>
Ria kicherte vor sich hin als sie ihm hinterher sah.
Währenddessen kam Seren bei Laisa an und tippte ihr auf die Schulter. Sie drehte sich um und lief direkt rot im Gesicht an.
„Seren!!“
„Warum bist du hier ganz allein Laisa?“, fragte Seren besorgt nach.
„Naja… Ich wollte mir die Lichter ansehen gehen, aber niemand hatte Zeit… Also…“, gab sie zu.
„Verstehe…“, fing Seren an.
Er sah verstohlen auf die Seite, bevor er sie direkt ansah.
„Laisa… Ich…“, stotterte er los.
„Seren… Ist schon okay… Ich versteh schon, du fühlst nicht so wie ich… Ich hätte dir meine Gefühle nicht so aufzwingen sollen, das tut mir leid…“
Damit drehte sich Laisa weg und ging los. Seren packte sie am Arm.
„Du verstehst das falsch… Du hast mir doch gar nichts aufgezwungen… Ich…“
Seren zog sie zu sich her und gab ihr damit eine Kopfnuss.
„Autsch!“
Laisa hielt sich den Kopf. Seren nahm ihre Hände dort weg und gab ihr einen Kuss. Verblüfft sah sie ihn an.
„Ich empfinde genauso für dich…“, gab er ganz verlegen zu.
„Du Tollpatsch…“, lächelte ihn Laisa an.
Seren lächelte zurück.
In diesem Augenblick schimmerten die Bäume in ihren Regenbogenfarben. Beide sahen sich dieses Spektakel an.
Ria sah glücklich zu ihnen hinüber und freute sich. Auf einmal wurde ihr von hinten die Augen zugehalten. Erschrocken drehte sie sich um.
„Ilay!“
„Hey Ria…“, freute er sich sie zu sehen.
„Wo warst du heute den ganzen Tag?“, fragte sie ihn.
„Seren wollte heute den Tag mit dir verbringen also…“
„Verstehe…“, lächelte sie sanft.
„Außerdem…“, Ilay kramte eine Schachtel aus seiner Tasche. „… Hab ich etwas für dich…“
Gespannt schaute Ria auf die Schachtel, während Ilay sie öffnete. Hervor kam eine wunderschöne Halskette, die einen großen Kristall eingearbeitet hatte, der je nach Lichteinstrahlung in einer anderen Farbe glänzte.
„Seren meinte du magst diese Regenbogenbäume so sehr, da dachte ich mir, dass das wohl die perfekte Halskette sein müsste…“
Ria drehte sich um und Ilay legte ihr die Kette um den Hals. Als er sie schloss wandte sich Ria ihm wieder zu und befühlte die Kette.
„Sie ist wunderschön Ilay… Vielen Dank…“
Ilay lächelte zufrieden und zog ihr Gesicht näher heran um ihr einen Kuss zukommen lassen zu können.
„Ich danke dir Ria…“, entgegnete er.
„Wofür?“, fragte sie neugierig nach.
„Für deine Liebe…“, antwortete er ganz sanft und streichelte ihr über ihre Wange.
<Er macht mich so glücklich! Ich kann mein Glück gar nicht in Worte fassen! Es wäre schön, wenn es immer so bleiben würde!>
Kapitel 23
Ria saß entspannt in ihrem Zimmer und las ein Buch. Es war bereits spät abends und die Sonne schon seit etlichen Stunden untergegangen.
<Ich hoffe Ilay kommt bald zurück… Ich hab mich so an seine Anwesenheit gewöhnt dass mir echt langweilig ist wenn er nicht da ist…>
Sie blätterte eine Seite weiter als plötzlich ein helles Licht vor ihrem Zimmerfenster auftauchte. Ganz verdutzt öffnete sie ihr Fenster und konnte nicht glauben, was sie da vor sich sah. Ria machte Platz, sodass der Engel durch das Fenster in ihr Zimmer kommen konnte.
„Hallo Iturria…“, grüßte sie der Engel.
„Was…? Wer…?“
Dann fiel es Ria wie Schuppen von den Augen.
„Warte… Du… Ich kenne dich… Du hast uns vor dem Behemoth beschützt und jetzt, wo ich so darüber nachdenke… Das warst auch du in meinem Traum letztens…“
„Du erinnerst dich also an etwas, das ist gut…“, gab sie von sich. „An was erinnerst du dich?“
„An nicht viel… Ich habe dich gesehen und einen Mann, der mich in den Händen hielt… Ich glaube das war mein Bruder… Und ich sah jemanden der anscheinend mein Vater war…“, überlegte sie.
„Das ist lange her…“, sie wandte sich Ria zu. „Mein Name ist Celine und der Name deines Bruders war Kasperoz… Ich denke es wird nun Zeit dir die Wahrheit über deine Herkunft zu erzählen…“
Celine sammelte sich kurz und fing dann an ihre Geschichte zu erzählen.
„Du wurdest vor mehreren Jahrhunderten im Palast des Lichts geboren, auch Sonnenscheinpalast genannt. Du bist die letzte Nachkommin der Urgottheiten…“
Celine eilte zum Palast, dort lief sie Kasperoz über den Weg.
„Kas… Ist es schon so weit? Ist alles okay?“, fragte sie besorgt nach.
„Celi… Wir werden es bald wissen…“
Auf einmal erklang ein Babygeschrei in den Gängen. Beide drehten sich danach um.
Kasperoz‘ Vater kam heraus und lächelte.
„Celine, schön dass du da bist! Es ist alles gut gegangen. Möchtest du deine kleine Schwester sehen, Kasperoz?“
„Sehr gern Vater…“, freute er sich und betrat mit Celine das Gemach.
Im Bett lag seine Mutter mit einem kleinen Baby in ihren Armen. Sie blickte auf und freute sich.
„Hallo ihr Zwei… Seht nur, dass ist Iturria… Ist sie nicht niedlich?“, fragte sie.
„Ja…“, bestätigte Kasperoz als er sich neben seine Mutter setzte und mit Rias Fingern spielte.
Ria gluckste und freute sich.
„Magst du sie mal halten Kasperoz?“, fragte seine Mutter und hielt ihm das Baby hin.
„Sehr gern…“
Er nahm Ria entgegen und drückte seine Stirn gegen Ihre. Ria gefiel das und befühlte mit ihren kleinen Händen das Gesicht ihres Bruders. Kasperoz lächelte sie ganz sanft an.
„Wenn ihr wollt, könnt ihr mit ihr einen kleinen Spaziergang machen dann kann sich deine Mutter etwas erholen und ausruhen…“, schlug der Vater vor.
Kasperoz setzte sich außerhalb in einen kleinen angrenzenden Garten und beobachtete seine kleine Schwester.
„Kasperoz, sie ist entzückend!“, sprach Celine als sie auf ihn zukam und ihre Hand auf seinen Arm sinken ließ.
„Nicht wahr Celine? Sie ist ein Sonnenschein, meine kleine Schwester!“, sagte Kasperoz.
Das Baby kicherte und gluckste als Kasperoz es in die Höhe hielt.
„Ich werde dir die ganze Welt zeigen, all die Besonderheiten und Schönheiten, die in ihr liegen. Dein Leben wird voll von Liebe und Wärme sein!“, sprach er zu dem Baby.
„Das wird es, Kasperoz…“, lächelte Celine ganz sanft.
„Kasperoz! Bring Iturria wieder herein, deine Mutter vermisst ihr kleines Neugeborenes!“, rief sein Vater lächelnd.
„Natürlich Vater!“
Er übergab Ria seinem Vater und setzte sich wieder neben Celine.
„Na… Da bekommt man glatt Lust auf ein Eigenes, oder?“, neckte Kasperoz Celine mit einem schelmischen Grinsen.
„Du weißt doch, dass ich mich noch nicht so weit fühle Kas…“, erklärte sie.
„Ich weiß… Außerdem haben wir alle Zeit der Welt dafür… Also kein Grund zur Eile…“, besänftigte er sie, während er ihr eine lose Haarsträhne wieder hinter ihr Ohr strich.
Celine lächelte ihn sanft an.
„Danke…“
„Wir sind ja auch erst zwei Jahrhunderte zusammen… Das wäre wohl wirklich noch etwas früh für Nachwuchs, aber ich bin einfach so glücklich mit dir… Ein Baby wäre da einfach nur die Krönung…“, grinste er verlegen.
Celine kicherte.
Kasperoz fixierte ihr Gesicht, kam ihr näher und gab ihr einen sanften und liebevollen Kuss.
„Ich liebe dich Celi…“
„Ich liebe dich auch Kas…“
„Also warst du die Freundin meines Bruders?“, fragte Ria ahnungslos nach.
„Seine Verlobte…“, antwortete sie. „Wir waren uns versprochen…“
„Was ist passiert? Wo ist er und unsere Eltern?“, wurde Ria neugierig. „Warum haben sie mich weggegeben?“
„Das war nicht freiwillig… Deine Familie hat dich sehr geliebt…“, erwiderte sie mit einem melancholischen Blick.
„Ich will dich nicht an etwas Schlimmes erinnern aber… Könntest du mir bitte erzählen was passiert ist?“, fragte Ria vorsichtig nach.
Celine sammelte sich kurz bevor sie antwortete.
„Das werde ich, keine Sorge…“, sprach sie. „Du warst erst wenige Wochen alt…“
„Was? Celine? Bist du dir sicher?“, fragte Rias Mutter entsetzt nach.
„Es tut mir so leid aber ja… Iturria hat eine befleckte Seele… Wenn wir nichts unternehmen, wird sie die Apokalypse auslösen, die alles auf diesem Planeten auslöschen wird…“, bestätigte Celine traurig.
Rias Eltern waren fassungslos. Sie sackten zusammen und waren sehr geschockt.
Kasperoz lief auf und ab.
„Aber… Aber das kann doch nicht sein… Vielleicht hast du dich versehen?“, fragte Rias Mutter erneut nach.
"Mutter... Celines Vorhersagen sind immer zu einhundert Prozent richtig… Sie ist das Orakel…“, stellte Kasperoz klar. „Wenn ich dich doch nicht dazu überredet hätte in Rias Zukunft zu sehen…“
„Kasperoz… Das war schon richtig so…“, stellte sein Vater klar. „So haben wir zumindest die Möglichkeit etwas zu unternehmen und uns Hilfe zu suchen…“
In diesem Augenblick kam der Rat der Götter zu ihnen.
„Oh ehrwürdige Urgötterfamilie… Wir haben leider sehr schlechte Nachrichten…“, verkündeten sie.
„Diese wären?“, fragte der Vater nach.
„Der Dämonen Lord… Er hat mitbekommen, dass eure Tochter die Befleckung der Apokalypse in sich trägt und fordert euch auf eure Tochter freiwillig zu übergeben ansonsten würden sie uns angreifen und auslöschen!“
„Was? Das ist unerhört!“, gab der Vater von sich.
„Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen! Wir kamen doch sonst immer so gut miteinander aus…“, war Rias Mutter fassungslos.
„Anscheinend sieht der Dämonen Lord keine andere Möglichkeit als das Leben eurer Tochter zu beenden, um die Apokalypse zu verhindern…“, verkündeten sie mit gesenkten Köpfen.
„Das ist ja schrecklich!“, sagte Rias Mutter während sie Ria fest an sich drückte.
„Es gäbe eine Möglichkeit eurer Tochter Zeit verschaffen zu können… Ihr müsstet dafür nur den Dämonen Lord versiegeln… Die Versieglung kann aber nur von euch ausgeführt werden da sie zu mächtig wäre für uns...", erzählten sie.
Rias Eltern sahen sich an und nickten.
„Wir werden es tun! Kasperoz… Bitte gib gut auf deine Schwester acht…“, sprach der Vater als er sich Kasperoz zuwandte.
„Aber Vater… Ihr könntet dabei…“, wurde er traurig.
„Wir haben keine andere Wahl… Wir lieben euch beide sehr und möchten euch beiden ein langes und glückliches Leben ermöglichen…“, erklärte der Vater. „Sei so gut und beschütze sie… Wir zählen auf dich!“
Damit machten sich die Eltern auf den Weg und überließen Ria in den Armen ihres Bruders. Kasperoz sah seinen Eltern hinterher. Celine drückte sich an seinen Arm.
Der Rat verabschiedete sich und verließ den Palast.
Kurz darauf fing der Boden an zu beben. Kasperoz und Celine erschreckten sich und sahen sich um. Es wurde immer heftiger. Immer mehr Fenster zersprangen, Dinge fielen um und zerbrachen und Möbel kippten um.
„Kas… Das sieht nicht gut aus…“, vermutete Celine die sich an seinem Gewand festkrallte.
„Ich weiß…“
Kasperoz überlegte.
Der Boden und die Wände bekamen riesige Risse, alles stand kurz davor auseinander zu brechen.
Kasperoz legte Ria in die Arme von Celine.
„Celi… Hör mir gut zu… Ich möchte, dass du dich um Iturria kümmerst… Beschütze sie und ermögliche ihr ein gutes und glückliches Leben…“
„Kas… Nein! Ich will dich nicht verlieren! Das ist deine Aufgabe dich um Iturria zu kümmern!“, entgegnete sie unter Tränen.
„Dafür haben wir keine Zeit mehr… Der Palast wird gleich einstürzen, wenn nicht sogar verschwinden… Ich werde euch beide retten da ihr mir das Wichtigste auf dieser Welt seid…“, erklärte er.
Er umarmte Beide, sah Celine noch einmal tief in die Augen, gab Ria einen Kuss auf die Stirn und konzentrierte sich dann stark. Um Celine und Ria entstand eine Barriere, die immer dichter und stärker wurde. Kasperoz strengte sich sehr an.
Auf einmal erstrahlte alles in einem hellen Licht, dass den kompletten Palast verschlang und auslöschte. Celine konnte nichts mehr erkennen.
„Kas!“, rief sie noch während Ria auf ihrem Arm weinte.
„Danach waren wir wohl mehrere Jahrhunderte in dieser Barriere gefangen. Der Rat brauchte ewig um Kasperoz‘ Barriere aufzulösen… Deine Eltern starben als sie den Dämonen Lord versiegelten und Kasperoz gab sein Leben, um uns zu schützen…“
„So war das also… Verstehe…“, gab Ria geknickt von sich.
„Ich hatte einfach nicht die Kraft dazu dich aufzuziehen, deshalb habe ich dir eine Familie gesucht, die dich wohlbehütet aufziehen würde… Doch ich habe dich nie aus den Augen gelassen und über dich gewacht…“, fügte sie noch hinzu.
„Ich danke dir Celine… Für alles…“, bedankte sich Ria mit einem Lächeln. „Du hast so viel für mich getan…“
„Du musst dich nicht bedanken… Es war Kasperoz‘ letzter Wunsch…“, erklärte sie. „Aber ich muss dich bitten niemandem davon zu erzählen… Ich weiß nicht, wann und wie die Apokalypse aus dir herausbricht… Ich habe all die Jahre nichts Brauchbares herausfinden können… Es wäre zu gefährlich, wenn irgendjemand herausfinden würde, wer du wirklich bist und was in dir schlummert…“
„Also bin ich die letzte verbliebene Urgottheit, welche eigentlich dazu bestimmt ist die Welt vor dem Dämonen Lord zu retten…“, schlussfolgerte Ria.
„Das hat der Rat wohl so erzählt, ja… Ich verstehe nur nicht, wie sie darauf kamen da du die eigentliche Bedrohung für die Welt bist und der Dämonen Lord nur dich töten und nicht die Welt vernichten wollte…“, fuhr Celine fort.
„Das ergibt keinen Sinn… Was soll ich jetzt tun?“, fragte Ria nach.
„Nichts… Momentan können wir nichts tun… Behalte es einfach für dich und ich werde mich wieder bei dir melden… Ich werde einen Weg finden dich davor zu bewahren…“, lächelte Celine sie an.
Damit verließ sie Ria und lies sie allein zurück.
<Celine hat Recht… Ich weiß viel zu wenig, um irgendetwas tun zu können… Ich brauche mehr Informationen… Es ist alles viel zu durcheinander… Ich bin also die Urgottheit, die Erbin… Das kann ich irgendwie nicht glauben, aber was mir Celine erzählte, fühlte sich vertraut an… Ich… Ich muss Klarheit über alles erlangen… Ich will alles wissen… Ich will nicht den Weltuntergang verursachen…>
Kapitel 24
Die Tage vergingen. Alle saßen draußen nett beieinander bei ein paar Drinks während Eneas zur Gruppe dazustieß.
„Na, genießt ihr eure freien Tage?“, fragte er in die Runde.
„Ja… Wurde auch mal Zeit dass wir etwas entspannen können…“, antwortete Lucin und nippte von ihrem Drink.
„Die paar Tage frei waren wirklich Gold wert…“, pflichtete Laisa bei.
„Ich hätte gesagt, dass wir uns heute noch einen schönen Tag am Strand machen bevor wir morgen zur nächsten Mission aufbrechen!“, schlug Eneas vor.
Alle sahen ihn verdutzt an.
„Wirklich?“, fragte Lucin unglaubwürdig nach.
„Das hattet ihr euch doch gewünscht, oder?“, stellte Eneas zwinkernd eine Gegenfrage.
Alle jubelten.
„Also, packt eure Sachen und los geht’s!“, fuhr er fort.
Daraufhin liefen alle los und packten zusammen was sie brauchten.
Sie kamen am Strand an und staunten.
„Wow! Gebt euch den Ausblick!“, stellte Lucin klar die ihre Sonnenbrille etwas senkte.
„Warst du noch nie am Meer?“, fragte Seren interessiert nach.
„Ehrlich gesagt waren wir wirklich nie am Meer… Als Angehörige der Königsfamilie hatten wir immer sehr viel zu erledigen… Da gibt es keine Familienausflüge oder sowas…“, stellte Leif klar.
„Dann ist es ja kein Wunder, dass ihr so beeindruckt seid“, stellte Ria fest mit einem kleinen Kichern.
Leif legte sich verlegen die Hand in den Nacken und blickte auf die Seite.
Sie legten ihre Sachen nieder am Strand, breiteten die Decken aus und stellten ein paar Schirme gegen die Sonne auf. Sie wechselten ihre Klamotten in ihre Badeklamotten und Eneas nahm Platz auf einer der Decken. Seren, Laisa, Lucin und Leif stürmten ins Wasser während Keno mit dem Ball gemütlich hinterherkam.
„Ihr solltet auch ins Wasser gehen… Allzu schnell werden wir nicht mehr hierher kommen…“, sprach Eneas.
„Stimmt schon… Ist wahrscheinlich auch einer der letzten warmen Tage…“, ergänzte Ria.
„Geh ruhig… Ich bin keine so große Wasserratte…“, gab Ilay von sich.
Ria lächelte ihn an und ging auch in Richtung Wasser. Ilay nahm Platz neben Eneas.
„Warum gehst du nicht ins Wasser?“, fragte Ilay nach.
„Ich entspanne lieber hier am Strand…“, antwortete Eneas. „Außerdem…“
„Ja… Ich hab’s auch gemerkt, wir werden beobachtet…“, stellte Ilay fest, während er sich scharf umblickte.
„Stellt sich nur die Frage von wem…“, merkte Eneas an.
„Komm raus… Ich weiß, dass du es bist… Eneas weiß, wer ich bin also musst du dich nicht versteckt halten…“, rief Ilay der genervt die Augen schloss.
„Du hast dein Geheimnis einem Abkömmling der Gottheiten verraten? Bist du verrückt?“
Bela stand plötzlich hinter ihnen.
„Ah der Knirps!“, stellte Eneas fest.
„Wenn nennst du hier Knirps?!“, wurde Bela wütend.
„Beruhig dich, das war nicht böse gemeint…“, lächelte Eneas ihn an. „Also bist du auch ein Dämon… Das dachte ich mir schon fast…“
„Ich kann euer Volk einfach nicht leiden! Warum bist du so freundlich zu ihnen Ilay?“, fragte Bela erzürnt nach.
„Sie können nichts dafür… Sie kennen die Wahrheit nicht…“, erklärte Ilay ruhig.
„Die Wahrheit?“, fragte Eneas nach.
„Was wirklich damals vorgefallen ist…“, erzählte Ilay weiter.
Währenddessen spielten die anderen mit dem Ball im Wasser, Team gegen Team. Leif, Ria und Laisa waren ein Team und Lucin, Keno und Seren.
Lucin hatte Aufschlag und schmetterte den Ball auf die andere Seite.
„Hier! Den kriegt ihr nicht!“, war sie siegessicher.
„Das werden wir sehen!“, rief Leif der auf den Ball zusprang.
Auch Ria war dabei sich den Ball zu schnappen. Sie kamen sich in die Quere und er prallte an ihnen ab, sodass Laisa übernahm und den Ball wieder auf die andere Seite zurück schmetterte und sie einen Punkt erzielten.
„Du!“, sagte Leif energisch Richtung Ria mit einem kleinen Grinsen im Gesicht.
„Halt!“, erwiderte Ria lachend.
Er packte sie und hob sie hoch nur um sie dann ins Wasser zu werfen.
„Sieht wohl so aus als hättet ihr gewonnen…“, gab Keno lächelnd von sich als er den Ball an sich nahm.
„Dann sollten wir uns mal kurz entspannen gehen…“, deutete Seren auf den Strand.
„Gute Idee, nicht dass wir noch einen Sonnenbrand bekommen…“, merkte Lucin an.
„Wäre bei deiner zarten und weißen Haut auch kein Wunder, wenn du einen bekommen würdest…“, neckte sie Laisa.
„Was? Suchst du streit?“, entgegnete Lucin wütend.
„Ach was… Das war nur eine Feststellung…“, lief Laisa achselzuckend weiter.
Lucin stampfte ihr wutentbrannt hinterher gefolgt von Keno der nervös lachte.
„Autsch!“
Ria sackte zusammen gerade als sie dabei war das Wasser zu verlassen. Leif eilte zu ihr.
„Alles okay?“, fragte er nach, während er sie stützte.
„Ich glaube mich hat eine giftige Qualle am Knöchel erwischt…“, stellte sie fest, während sie sich ihren Knöchel hielt.
„Komm her…“, sagte er.
„Huch?!“, gab Ria von sich während Leif sie hochhob.
Leif trug sie auf die Decke.
„Lass mal sehen“, sagte Seren und sah sich die Wunde an.
„Wo sind denn überhaupt Eneas und Ilay hin?“, wunderte sich Laisa.
Verdutzt blickten sie sich um.
Eneas zog sich aus dem Wasser und hievte Bela an Land. Sie waren in einer Höhle.
„Du kannst nicht schwimmen?!“, stellte Eneas fest während nach Luft ringte.
Bela hustete sich das Wasser heraus.
„So eine nutzlose Fähigkeit habe ich auch noch nie in meinen 326 Jahren gebraucht…!“, stellte Bela klar.
Eneas lachte.
„Das ist nicht lustig!“, war Bela genervt. „Weil ihr auch dieser aufgebrachten Frau unbedingt helfen wolltet…“
„Naja… Was hätten wir denn tun sollen? Sie allein nach ihrem Kind suchen lassen?“, fragte Eneas nach.
„Ja… Dann wären wir jetzt nicht in diesem Schlamassel…“, entgegnete er.
Verstohlen blickte er auf die Seite.
„Übrigens… Danke… Dass du mir hinterher gesprungen bist…“, bedankte sich Bela zaghaft und leise.
„Wie bitte?“, fragte Eneas erstaunt nach.
„Ich werde mich nicht widerholen!“, angefressen richtete er sich auf und lief los.
Eneas folgte ihm.
<Ich bin gespannt, ob wir einen Ausgang finden werden… Diese Riesenwelle hat ihn einfach ins Wasser gezogen und die Strömung hat uns hier her gebracht… Ich hoffe Ilay findet das vermisste Kind, während wir hier festsitzen…>
„Bela… Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt, du und Ilay?“, fragte er nach.
„Warum willst du das Wissen?“, stellte Bela eine Gegenfrage und beäugte Eneas argwöhnisch.
„Nur aus reinem Interesse… Ich weiß so gut wie nichts über Ilays Vergangenheit, obwohl wir uns schon so lange kennen…“
„Naja… Wir sind Kindheitsfreunde… Ich bin der Sohn der Hofdame im Mondscheinpalast und lebe auch dort… Er war quasi wie ein kleiner Bruder für mich da ich älter bin und so musste ich auch immer auf ihn aufpassen… Das war gar nicht immer so leicht…“, lächelte Bela. „Aber so genau erinnere ich mich gar nicht mehr daran, es sind ja immerhin schon drei Jahrhunderte vergangen… Ich weiß noch, dass er und Jamin, sein bester Freund, immer unzertrennlich waren…“
„Vorsicht!“
Einige große und schwere Steine lösten sich von der Decke und fielen direkt auf Bela zu. Erschrocken blickte er auf.
Eneas packte Bela und ließ sich mit ihm nach hinten fallen, so dass Bela in seinem Schoß saß.
„Das war knapp…“, stellte Eneas fest und schaute auf die Brocken, während er seinen Arm immer noch fest um Bela geschlungen hatte.
Bela lief rot an.
„D-Du kannst mich wieder los lassen…“, genierte er sich.
Schelmisch lächelte Eneas ihn an.
„Du bist ganz schön niedlich, wenn du dich so genierst…“, stellte er fest.
Das haute Bela komplett den Vogel raus. Er wurde knallrot bis über beide Ohren. Eneas lockerte seinen Griff und Bela stand schnurstracks auf, um ein wenig Abstand zu gewinnen.
<Was ist nur los mit diesem Kerl?! So jemand ist mir ja noch nie untergekommen!>
Sie liefen ein Stück weiter und entdeckten eine Öffnung.
„Hier! Hier scheint es rauszugehen!“, deutete Eneas mit seinem Finger in die besagte Richtung.
„Ein Glück!“, freute sich Bela der sichtlich erleichtert schien.
Sie zwängten sich durch die Öffnung und waren wieder draußen.
„Da seid ihr ja! Wir haben euch schon überall gesucht!“, begrüßte sie Ria, während sie helfend ihre Hand entgegenstreckte.
Eneas ergriff ihre Hand und lächelte sanft.
„Hat Ilay das Kind gefunden?“, fragte er gleich nach.
„Ja, mach dir keine Sorgen, es ist wieder wohlbehalten bei seiner Mutter“, erklärte sie und streckte nun auch Bela ihre Hand hin.
Bela beäugte sie argwöhnisch, ergriff jedoch die Hand.
<Irgendetwas an ihr ist komisch… Sie war doch die bei Ilay in dem Wald… Dann ist sie wohl seine Freundin…>
„Du musst wohl Bela sein… Ilay hat mir von dir erzählt…“, sprach sie, während sie ihm hinaus half.
„Was genau hat er erzählt?“, wollte Bela wissen.
„Dass du ein alter Freund von ihm bist… Dann seid ihr wohl zusammen auf der Straße aufgewachsen… Das muss hart für euch gewesen sein…“, stellte sie fest.
<Also hat er ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt…>
„Genau…“, bestätigte er diese Information. „Ich muss jetzt aber los… Wir sehen uns…“
Damit verließ er sie und machte sich auf den Weg. Ria und Eneas sahen ihm noch hinterher.
„Und weg ist er… Ich hätte mich gern noch mit ihm unterhalten…“, sagte Ria.
„Das nächste Mal dann… Wir sollten zurück gehen, komm…“, sprach Eneas, legte seinen Arm um Ria und lief mit ihr los.
Kapitel 25
Ria stand in der Küche am Herd. Sie bereitete das Frühstück für alle vor und briet Rührei in der Pfanne an. Sie fügte eine Prise Salz hinzu und probierte davon.
"Mhm… Lecker!“, sagte sie vor sich hin.
Von hinten kam Ilay auf sie zu und schmiegte sich an sie.
„Hast du den Tisch schon gedeckt?“, fragte sie nach.
„Ja, erledigt…“, sprach er, während er sie fest umarmte und ihr einen Kuss auf die Wange gab. „Du hättest auch mich kochen lassen können…“
„Ich weiß, ich wollte es aber selbst machen!“, gab sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck von sich.
Ilay kicherte.
„Pass auf, dein Ei brennt an!“
„Ahh!“
Ria wendete schnell den Inhalt ihrer Pfanne. In dem Moment betraten die anderen den Raum.
„Guten Morgen!“, kam einstimmig.
Sie setzten sich auf ihre Plätze und warteten auf ihr Frühstück.
„Und unsere nächste Mission ist jetzt die Leibgarde für Leif und Lucin zu sein, oder?“, fragte Seren nach.
„Das stimmt… Unsere Eltern geben ein königliches Bankett, zu dem viele sehr wichtige Gäste geladen sind… Da muss man auch immer mit Störenfrieden oder gar Attentätern rechnen…“, erklärte Leif.
„Endlich mal wieder ein Bankett! Das Letzte ist schon eine Ewigkeit her!“, freute sich Lucin.
„Du scheinst dich sehr darauf zu freuen Lucin“, merkte Keno grinsend an.
„Natürlich! Ein Fest für das ich mich mal wieder richtig zurecht machen kann! Hier hab ich ja kaum eine Möglichkeit dazu…“, seufzte Lucin und stützte ihr Gesicht mit ihrer Hand ab.
Laisa wollte gerade etwas dazu sagen doch in diesem Augenblick hielten ihr Keno und Leif den Mund zu. Angefressen sah sie die beiden an.
„Haben eure Eltern gesagt, wann wir da sein sollen?“, fragte Eneas der gerade von seiner Teetasse nippte.
Ilay nahm Platz und stöberte durch die Tageszeitung während Ria das Frühstück verteilte und sich ebenso hinsetzte.
„Wir könnten gleich nach dem Frühstück aufbrechen und uns im Palast fertig machen… Dann haben wir genügend Zeit und ihr könntet euch umschauen…“, zwinkerte Lucin in die Runde.
„Das wäre schon mal interessant den königlichen Palast von innen zu sehen…“, gab Ria von sich.
„Na dann esst auf… Wir haben sonst eh nichts zu tun und so könnten wir vorher schon den Palast abchecken…“, sagte Eneas.
Es dauerte nicht lang und sie kamen bei dem Palast an. Als sie vor den großen Eingangstoren standen, staunten sie nicht schlecht.
„Wow! Das ist pompös!“, stellte Seren erstaunt fest.
„Willkommen bei uns daheim!“, führte Lucin die Gruppe in den Eingangsbereich.
„Oh Prinzessin Lucin und Thronprinz Leif… Es ist schön euch wieder hier zu haben!“, wurden sie von ein paar Untergebenen begrüßt. „Eure Gewänder sind bereits vorbereitet… Lasst es uns wissen wenn ihr soweit seid oder noch etwas benötigt…“
„Natürlich…“, antwortete Leif.
„Ich werde gleich in mein Zimmer gehen… Gebt meiner Zofe Bescheid…“, merkte Lucin an und winkte den anderen zu bevor sie die Treppen hinauf verschwand.
„Sehr wohl…“, antworteten die Untergebenen.
„Also ich führ euch ein wenig herum, wenn ihr wollt…“, bot Leif an.
„Gern… In so einem großen Schloss ist man nicht alle Tage!“, freute sich Seren.
Leif zeigte ihnen einige Räume aus dem Palast, unter anderem den Speisesaal, die Küche, einige Aufenthaltsräume und die Bibliothek. Am Ende kamen sie in dem wunderschönen Garten an.
„Alter Verwalter! Und ihr verlauft euch hier auch nicht?“, stellte Laisa fassungslos fest.
„Hahaha!“
Leif brach in lautem Gelächter aus.
„Naja… Wir sind es eben gewohnt…“, antwortete er. „Ich werde mich nun auch fertig machen gehen… Wenn ihr was braucht, wendet euch an unsere Hofdame… Sie hat auch eure Outfits…“
„Nun gut… Dann sehen wir auch mal zu, dass wir uns in Schale werfen… Danach werden wir Gruppen bilden… Abwechselnd werden Leif, Lucin und die Umgebung gecheckt und bewacht… Wenn ihr dann etwas ungewöhnliches bemerkt, meldet das direkt bei mir…“, erklärte Eneas.
„Gut!“, stimmten alle zu.
Ria wurde von einer Bediensteten in einen Raum geführt, indem sie sich umziehen sollte.
„Hier, das ist für euch…“, hielt ihr die Dame ein wunderschönes Kleid hin, dass sie eben aus dem Schrank holte.
„Vielen Dank…“, bedankte sich Ria und verschwand hinter dem Paravent.
Sie sah sich das Kleid genauer an und entdeckte einen kleinen Zettel. Sie öffnete ihn und las ihn.
„Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir heute einen Tanz schenken würdest. L“
Ria grinste.
„Leif…“, stellte sie fest.
Sie zog sich das Kleid an, kam wieder hervor und warf einen Blick in den großen Ganzkörperspiegel.
„Es steht ihnen ausgezeichnet… Da hat unser Thronprinz eine vortreffliche Wahl getroffen…“, lobte die Dame ihr Outfit.
„Ja… Das hat er…“, freute sie sich über das Kleid und drehte sich ein wenig.
Die Dame zog sich zurück und Ilay betrat, an die Tür klopfend, den Raum. Er staunte bei ihrem Anblick.
„Du siehst wunderschön aus…“, gab er zu.
„Dir steht deine Aufmachung auch wunderbar“, erwiderte sie das Kompliment mit einem herzlichen Lächeln.
Er grinste verschmitzt zurück und kam auf sie zu. Er verbeugte sich leicht und streckte ihr die Hand entgegen.
„Dürfte ich bitten, meine Dame?“
„Ich bitte darum“, antwortete sie und ergriff seine Hand. Sie hing sich bei ihm ein und zusammen gingen sie hinunter in die Begrüßungshalle. Dort warteten die anderen bereits.
„Da seid ihr ja, es geht gleich los…“, flüsterte Keno ihnen zu, während sie weiter in den Ballsaal gingen.
Schon betrat das Königspaar den Raum gefolgt von Leif und Lucin. Die Gäste jubelten und klatschten, was das Zeug hielt. Als die Königsfamilie auf ihrer Anhöhe ankamen, setzten sie sich bis auf den König der noch ein paar Worte zu seinen Gästen sprach.
„Ihr seid alle herzlichst Willkommen in unserem Palast! Ich freue mich euch heute hier begrüßen zu dürfen. Der Anlass dieses Banketts ist es, dass mein Sohn, Leif…“, sprach er und forderte Leif mit einer Handbewegung auf aufzustehen.
„… Nun bereits seinen 21. Geburtstag erreicht hat und somit offiziell die Thronfolge antreten kann!“
Alle klatschten und jubelten während Leif sich verbeugte.
„Leider war es aufgrund einiger wichtiger Angelegenheiten nicht möglich dieses Fest zu seinem Geburtstag zu veranstalten, weshalb wir es jetzt nachholen werden! Also feiert und trinkt auf meinen Sohn Leif, euren baldigen König!“
Das Fest begann und die Gäste fingen an zur Musik zu tanzen, ganz klassisch.
Ilay nahm Ria an seinen Arm und führte sie auf die Tanzfläche.
„Warte Ilay! Ich kann doch gar nicht tanzen!“, gab sie erschrocken von sich.
„Das musst du auch nicht, lass dich einfach von mir führen…“, sprach er ganz sanft in ihr Ohr, während er ihren einen Arm auf seiner Schulter ablegte. Dann nahm er mit seiner Hand ihre und legte seine andere Hand auf ihrer Hüfte ab.
Und schon tanzten sie. Der Tanz ging einige Minuten lang und Ilay und Ria sahen sich dabei intensiv in ihre Augen, als ob es nichts anderes mehr auf der Welt geben würde, nur noch die Zwei.
Auch Seren und Laisa tanzten zusammen.
„Du kannst das wirklich gut…“, gestand Laisa leicht verlegen.
„Gelernt ist gelernt…“, grinste er sie spitzbübisch an.
Laisa lächelte sanft zurück.
Eneas stand am Rand, während sein Vater auf ihn zukam.
„Na mein Sohn? Schon etwas ungewöhnliches bemerkt?“, wollte General Hoxia wissen.
„Vater?“, erschrak sich Eneas doch sammelte sich gleich wieder. „Nein, noch nichts…“
„Dann genieße doch etwas das Fest und sei nicht so angespannt… Ihr seid nicht die einzige Einheit hier die auf Bereitschaft ist…“, lachte er.
Eneas sah ihn zuerst verdutzt an und dann mit einem scharfen Blick.
„Du hast doch wieder etwas getrunken, oder? Du wirst immer so nachlässig, wenn du trinkst…“, stellte Eneas mit einem genervten Grinsen fest.
„Das ist auch immerhin ein Fest! Also entspann dich etwas und nimm den Stock aus dem Arsch!“, lachte er weiter als er von dannen zog und seinen Sohn stehen ließ.
Eneas sah ihm noch einen Moment hinterher, bevor er sich wieder seiner Observation widmete.
Keno machte sich auf den Weg zur Anhöhe der königlichen Familie. Er fixierte Lucin mit seinem Blick. Lucin sah ihn ganz verdutzt an.
„Würdest du mir diesen Tanz widmen?“, fragte er mit einer demütigen Verbeugung nach, sie jedoch nicht aus seinem Blick lassend.
Lucin lächelte sanft, stand auf und ergriff seine Hand.
„Sehr gern…“
Keno führte sie auf die Tanzfläche und sie tanzten los.
Leifs Mutter wandte sich Leif zu.
„Und du mein Sohn? Möchtest du nicht auch tanzen?“, fragte sie nach.
Leif verfolgte Ria mit seinem Blick welche gerade ihren Tanz mit Ilay beendete.
„Und? Welche ist es? Von welcher Frau hast du mir erzählt? Ich würde deine Herzensdame gerne kennen lernen…“, wurde Leifs Mutter neugieriger und grinste neckisch.
„Du wirst sie schon noch kennen lernen…“, gab er mit einem schelmischen Grinsen von sich, während er die Anhöhe verließ und in Richtung Ria ging.
„Ich muss nun draußen nach dem Rechten sehen…“, sagte Ilay zu Ria.
„Gut, dann entführe ich dich auf ein Tänzchen…“, klinkte sich Leif in die Unterhaltung ein.
Verdutzt sahen sie ihn an.
„Du siehst sehr schön aus Ria“, machte Leif ihr ein Kompliment.
„Vielen Dank Leif…“, dankte sie ihm.
„Wir sehen uns später“, verabschiedete sich Ilay und verschwand, nachdem er Leif einen prüfenden Blick entgegenwarf.
„Können wir?“, fragte er nach.
„Natürlich…“
Leif führte sie auf die Tanzfläche und drückte sie nah an sich. Er gab ihr ein neckisches Grinsen und einen verspielten, wilden Blick.
Die Leute staunten als sie den Thronprinzen mit einer Frau tanzen sahen und tuschelten.
„Alle schauen uns an…“, war Ria nervös.
„Bei deiner Schönheit auch nicht verwunderlich“, gab er verschmitzt von sich.
Ria kicherte.
„Weißt du Ria…“, fing er an. „… Ich habe beschlossen dich nicht aufzugeben…“
Geschockt sah sie ihn an.
„Ich möchte gern, dass du mir eine Chance gibst… Auch wenn es nur eine Kleine ist… Ich kann dich nicht aufgeben… Ich habe noch nie in meinem Leben so tiefe Gefühle für jemanden empfunden wie für dich Ria…“
Ria wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Auf einmal wurde die Stimmung seltsam und Leif blickte sich während des Tanzes um.
„Alles gut?“, fragte Ria besorgt nach.
Leif sah an Ria vorbei und bekam große Augen. Schützend stellte er sich blitzschnell vor sie, während eine maskierte Gestalt auf sie zugeeilt kam und mit einem Messer zustach.
Kapitel 26
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 27
Lucin rannte und rannte. Sie stürmte aus dem Palast in die Stadt hinein. Erst an einer Gasse machte sie halt und sank zu Boden.
Sie schluchzte.
„Lucin…“
Keno stand hinter ihr.
„Warum?“, fragte sie. „Sag mir Keno… Warum musste mein Bruder sterben?“
„Ich… Ich vermute mal das hängt mit dem unterirdischen Kampfring zusammen, welchen wir haben Hopps gehen lassen… Der eine Angreifer sprach von Rache und sie hatten es gezielt auf Ria und Leif abgesehen… Vermutlich weil ihre Gesichter dort bekannt sind, da sie unmittelbar vor allen Zuschauern im Ring standen…“, erklärte Keno.
„Das ist nicht fair...! Warum Leif? Warum mein Bruder?!“
Sie schlug mit ihrer Faust auf den Boden.
„Was möchtest du denn einmal werden, wenn du groß bist, Lucin?“, fragte ihre Mutter die kleine Lucin.
„Sie will bestimmt die Königin werden, aber das kann sie nicht da ich der König werde!“, kicherte der kleine Leif schelmisch und streckte ihr die Zunge entgegen.
„Natürlich will ich Königin werden! Denn wenn ich groß bin, werde ich dich heiraten!“, gab die kleine Lucin aufgebracht von sich, während sie ihm ein paar Faustschläge auf die Schulter gab.
„Dann musst du aber auch richtig hübsch werden, sonst kannst du das vergessen!“, neckte sie ihr großer Bruder und lachte.
Lucin sah ihn verlegen an, während er ihr den Kopf tätschelte.
„Na ihr Zwei seid mir ja welche!“, kicherte die Mutter. „Ihr wisst, dass ihr das nicht könnt, da ihr Geschwister seid, oder?“
„Das ist mir egal! Ich will für immer an Leifs Seite bleiben! Ich akzeptiere kein anderes Mädchen an seiner Seite!“, konterte sie scharf mit bösem Blick.
Sie richtete ihren Zeigefinger auf Leif.
„Und du wirst schon sehen...! Ich werde das schönste Mädchen weit und breit sein, so dass du nur noch Augen für mich haben wirst!“
„Na da bin ich mal gespannt…!“, grinste Leif sie spitzbübisch an.
Die kleine Lucin saß mitten in einem Markt auf dem Boden und weinte fürchterlich. Alle Passanten sahen sie an.
„Leif!“, rief sie laut, während sie schluchzte.
„Lucin? Da bist du ja! Ich hab mir Sorgen um dich gemacht!“, sprach der kleine Leif der sich zu seiner Schwester hinunter bückte und ihr die Hand auf den Rücken legte.
Lucin sah ihn an.
„Hier! Nimm meine Hand! Dann verliere ich dich nicht wieder!“, grinste sie ihr Bruder an und streckte ihr seine Hand entgegen.
Lucin lächelte leicht und ergriff sie.
„Lass mich nie wieder los, hörst du?!“, forderte sie.
„Natürlich! Versprochen!“
<Ich liebte meinen Bruder sehr… Vielleicht zu sehr… Ich dachte wirklich, dass ich immer die einzige Frau in seiner Nähe bleiben würde… Wie naiv und dumm ich doch war…>
„Das sind die zwei neuen Soldaten für unsere Einheit. Heißt Seren und Iturria willkommen!“, stellte Eneas die Beiden vor.
Lucin blickte zu ihrem Bruder dessen Blick an Ria hängen blieb. Argwöhnisch sah sie ihn an und dann sie.
<Wer ist das Mädchen? Warum schaut Leif sie so an?>
„Lucin! Ein wenig mehr Würde! In dir fließt immerhin das Blut der Königsfamilie!“, ermahnte Leif Lucin, welcher sich, wie es sich für einen Prinzen ziemte, elegant aufrichtete.
„Auf einer Couch zu nächtigen ist aber auch nicht gerade prinzenhaft“, merkte Ria mit leichtem Gekicher an.
Laisa und Lucin kicherten mit.
Leif lief leicht rot an und sah beschämt weg.
Lucin sah ihn an und war verblüfft.
<Warum wird er rot? So hat er sich noch nie verhalten… Bei mir hat er noch nie so ein Gesicht gemacht…>
Ria zog Leif den Boden unter den Füßen weg und landete mit einer geschickten Drehung direkt auf Leif der mit dem Rücken am Boden lag, während sie ihn mit ihrem Schwert festsetzte. Lucin war begeistert.
„Wow! Nicht schlecht Ria! Das haben bis jetzt noch nicht viele geschafft!“, lobte sie Ria.
Ria sprang freudig auf und ab.
„Yey! Es hat geklappt!“
Ria reichte Leif die Hand und half ihm auf. Dann grinste Leif und seine Augen funkelten.
„Noch mal!“, forderte Leif Ria auf.
„Gerne doch!“, antwortete Ria.
<Was ist das nur? Was passiert hier? Mag er sie etwa?>
Lucin stand hinter einer Mauer und belauschte Leif und Ria bei einem Gespräch.
„Alles gut, wirklich… Und danke… Du hast mich beschützt und mir geholfen…“, sagte Ria.
„Gerne doch…“, tätschelte Leif Ria den Kopf. „… Dafür sind Kameraden doch da, wir helfen und beschützen uns gegenseitig“, lächelte er sie an. „Und außerdem, was wäre ich für ein Mann, wenn ich nicht einmal in der Lage wäre eine Freundin zu beschützen?“
<Was ist das für ein Gefühl? Es schnürt mir die Brust zu…>
Ria schlich sich aus dem Zelt, ganz vorsichtig, um Laisa und Lucin nicht zu wecken. Als sie draußen war und das Zelt wieder schloss, schlug Lucin die Augen auf.
<Was hat sie vor? Sie wird doch nicht zu Leif wollen, oder? Er hat gerade Wachdienst…>
Lucin schlich sich hinterher und staunte als sie sah, wie Ria auf Ilay zuging.
<Ilay? Es ist zwar dunkel und ich sehe nicht viel, aber das ist definitiv Ilay und nicht Leif! Sehr gut! Dann kann ich Leif wieder für mich haben…>
In dem Augenblick merkte sie wie Leif von der Seite kam. Sie versteckte sich, um nicht gesehen zu werden und war schockiert als sie in Leifs Gesicht sah.
<Leif…? Was ist los? Warum schaust du so? Vergiss sie, du brauchst sie nicht… Mach nicht so ein Gesicht… Ich werde dich von dieser Frau wegbringen…>
Alle warteten ungeduldig auf eine Nachricht. Plötzlich piepte der Pager los den Ilay in den Händen hielt. Kaum hatte er die Nachricht gelesen stand er auf.
„Und los! Ich weiß, wo sie ist… Einzelheiten gibt’s unterwegs!“, sagte er.
Lucin blickte zu Leif welcher verbissen Ilay folgte.
<Ich mache mir zwar auch Sorgen um Ria aber sein Gesichtsausdruck… Ich habe ihn noch nie so besorgt und aufgeregt gesehen… Ich denke er liebt sie…>
Die Gruppe war im unterirdischen Kampfring angekommen.
„Es fängt an…“, merkte Lucin an, während die anderen noch diskutierten.
Sie sah in die Arena runter und fixierte Leif mit ihrem Blick.
<Da bist du also, Leif… Und wie immer spielst du den Beschützer für sie und lehnst dich tapfer über sie… Das widert mich an…!>
<Seitdem sah ich Leif ihr immer nur hinterher schmachten… Er hatte nur noch Augen für sie und sie nur für Ilay… Es brach mir das Herz meinen Leif so am Boden zerstört zu sehen… Er kam ihr ständig zur Hilfe geeilt… Er tat alles was er konnte… Doch nichts war für sie gut genug… Mein Bruder hatte keine Chance bei ihr, nicht mal eine kleine…>
Ilay erklärte der Gruppe, dass er ein Urdämon ist. Alle lachten nur Leif war nicht erfreut. Er stand auf und ging direkt auf Ilay zu nur um ihn eine runterzuhauen und zu Boden zu stoßen.
„Und wie erklärst du, dass du Ria als deinen lebenden Blutbeutel missbrauchst?!“, war Leif zornig und schüttelte Ilay.
Ria ging dazwischen.
„Hör auf Leif, bitte…“, zerrte sie Leif von Ilay.
Leif lies ab und sah Ria an.
„Er missbraucht mich nicht, im Gegenteil… Ich habe ihm mein Blut von mir aus angeboten… Er wollte ablehnen, doch ich habe darauf bestanden ihm helfen zu wollen…“
<Frag das nicht Leif…>
„Warum solltest du das tun?“, fragte Leif nach.
<Sie wird dir das Herz herausreißen und brechen…>
„Na… Weil ich… Ihn liebe…“, verkündete Ria leicht verlegen.
Leif sah schmerzerfüllt aus. Er lies sich auf den Boden plumpsen und bleib geschockt sitzen.
<Hab ich es nicht gesagt? Sie ist nicht gut für dich… Sie ist es nicht wert… Und doch… Wenn ich dich so ansehe… Sehe ich unter dieser Verzweiflung, dieser Wut, diesem Hass… Ganz viel Liebe… Ich sehe dich Leif…>
Leif gestand Ria seine Gefühle, Lucin hörte mit. Zum Abschied winkte Ria noch einmal und ging ins Gebäude. Leif blieb zurück, ließ sich in die Bank sacken, seufzte und sah zum Himmel auf.
„Wie erbärmlich!“
Leif sah sich um und entdeckte seine Schwester.
„Lucin?“
„Wo ist deine Würde, von der du immer so prahlst? Was hat Ria nur mit dir gemacht, dass du so ein Weichei geworden bist? Du bist ein Prinz! Also verhalte dich auch so!“, schimpfte sie ihn.
„Was meinst du damit?“, fragte er ratlos nach.
„Ganz einfach! Du willst etwas? Dann nimm es dir! Ein Nein existiert nicht für uns! Wir sind die Garcias! Als ob du so einfach aufgeben würdest…“, erklärte sie.
„Du hast Recht… Früher war ich nicht so… Ich weiß auch nicht, warum ich so rücksichtsvoll bin…“, wunderte er sich.
„Wahrscheinlich, weil du Angst hast sie dann ganz zu verlieren, aber das musst du nicht! Gewinne einfach!“, zwinkerte Lucin ihm zu.
Leif kicherte.
„Aufgeben war noch nie mein Ding!“
Lucin entwich ein sanftes Lächeln.
<Ich sehe dich Leif… Und ich habe mich dazu entschlossen dir zu helfen… Wenn dich das so glücklich macht… Wenn sie dich so glücklich macht, dann möchte ich dir nicht im Weg stehen… Ich möchte an deiner Seite stehen und dir helfen, wobei ich dir auch immer behilflich sein kann…>
Lucin liefen einfach die Tränen über ihre Wangen. Sie versuchte sich sie wegzuwischen, aber sie kamen so schnell, dass sie nicht hinterherkam. Sie rieb sich die Augen und schluchzte weiter.
Keno nahm sie fest in seine Arme.
„Weine so viel du willst Lucin, ich bin für dich da… Ich werde immer für dich da sein…“
Die Umarmung wurde fester und Lucin krallte sich in seinen Klamotten fest.
„Warum bist du immer so nett zu mir? Ich bin ein furchtbarer Mensch… Egoistisch, eingebildet und gemein…“, fragte Lucin nach.
„Du bist nicht furchtbar… Du bist der wundervollste Mensch, den ich kenne…“
Verblüfft sah sie ihn an. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte über ihre Wange, dabei lächelte er sie sanft an.
„Deine Grobheit, Unnahbarkeit und deine Gleichgültigkeit sind nur eine Fassade, die du aufgebaut hast, damit dir niemand zu nahekommt und dich verletzen kann… Die Liebe und Verbundenheit, die du für deine Mitmenschen empfindest, macht dich zu einem wundervollen Menschen Lucin… Das merkt man, wenn man dich besser kennen lernt… Für mich gibt es keinen bemerkenswerteren Menschen als dich…“
„Warum? Ich verstehe es einfach nicht…“, war Lucin ratlos.
„Weil ich dich liebe, Lucin… Ich habe dich schon immer geliebt… Und ich werde immer an deiner Seite bleiben, egal wohin du gehst, egal wohin dich dein Weg führen mag, ich werde bei dir sein…“, lächelte er sie an.
Lucin lächelte ihn gequält an und ließ sich zurück in seine Arme fallen.
Kapitel 28
„Habt ihr das schon gehört?“
„Was denn?“
„Der Thronerbe, Leif, soll getötet worden sein…“
„Was? Wirklich?“
„Ja… Nun soll wohl seine Schwester, Lucin, die Thronfolgerin werden…“
„Oha…“
Ria hörte einige Menschen in der Nähe tuscheln, während sie sich ein Schaufenster ansah. Sie blickte verstohlen zu ihnen rüber.
„Ria? Kommst du?“
„Ja…“
Ria betrat den Laden und fand Celine vor die sich zwischen zwei Outfits nicht entscheiden konnte.
„Denkst du immer noch über gestern nach?“, fragte Celine ganz kalt.
„Schon…“, wirkte Ria geknickt.
„Mach dir nichts draus… Du wirst die Beiden schon wieder sehen…“, sprach sie, während sie sich die Outfits vor einem Spiegel hinhielt.
„Was?“, war Laisa fassungslos.
„Ja… Ich werde im Palast bleiben… Meine Eltern wünschen es so… Ich bin nun die Letzte die die Thronfolge antreten kann... Ihnen ist das Risiko zu groß mich auch noch bei einem Einsatz verlieren zu können…“, erklärte Lucin.
„Und ich werde bei ihr bleiben… Ich werde ihr Leibwächter sein…“, fasste sich Keno kurz.
„Ihr verlasst uns also wirklich?“, war Seren geknickt.
„Der Abschied ist doch nicht für immer Seren… Wir werden uns sicher wieder sehen…“, munterte ihn Keno auf, indem er ihm seine Hand auf die Schulter legte.
„Eneas…“, sprach Lucin.
„Ist schon gut, ich kann diese Entscheidung sehr gut nachvollziehen… Wir werden euch nur sehr vermissen… Deine großartige Illusionsmagie und Kenos strategisches Denkvermögen waren immer eine große Hilfe und können nicht so leicht ersetzt werden… Ihr habt mit den Umständen wohl am meisten zu kämpfen und zu verarbeiten…“, sprach Eneas.
Lucin lächelte ihn geknickt an.
„Versprecht mir nur gut auf euch achtzugeben… Ihr seid auch immer herzlich Willkommen bei uns…“, ergänzte Eneas.
„Das machen wir und das wissen wir sehr zu schätzen…“, dankte sie ihm.
Eneas nahm sie für den Abschied in den Arm.
Laisa kam auf Lucin zu. Verstohlen blickte sie erst zur Seite, bevor sie Lucin ansah.
Lucin nahm sie in den Arm. Laisa schaute ganz erschrocken, bevor sie die Umarmung erwiderte.
„Du wirst mir fehlen Lucin…“
„Du mir auch…“
Sie lächelten sich an.
Keno kam auf Ilay zu.
„Ich wünsche dir viel Glück Ilay…“, sagte Keno.
„Für was?“, fragte Ilay neugierig nach.
„Dass alles glückt und gut ausgeht… Dass du deinen Vater aus der Versieglung befreien kannst und eure Umstände nicht deine Beziehung zu Ria kaputt macht… Ihr Zwei passt sehr gut zusammen, es wäre fürchterlich, wenn eure Beziehung deshalb zu Ende gehen würde…“, stellte Keno fest.
„… Woher?“, war Ilay total entsetzt.
„Du kennst mich doch… Mir entgeht nichts und ich kann gut schlussfolgern…“, zwinkerte er ihm zu.
Ilay grinste mit einem kleinen Seufzer.
„Wie zu erwarten vom Strategen der Gruppe… Ihr werdet hier fehlen…“
„Wir werden euch auch vermissen… Es ist schade, dass wir euch nicht bis zum Ende begleiten können… Seht zu dass ihr das alles wohlbehalten hinter euch bringt!“, verabschiedete sich Keno von Ilay.
„Na klar!“
Sie verabschiedeten sich mit einem Handschlag.
Lucin drehte sich zu Ria um und sah sie traurig an.
„Ria…“, fing sie an.
Ria blickte auf und sah Lucin an.
„Es tut mir leid… Das hätte ich nicht sagen sollen… Du hast keine Schuld an Leifs Tod… Er hat dich beschützt, weil er dich liebte und es gibt doch wohl nichts Erfüllenderes als die Menschen zu schützen, welche man liebt… Das habe ich nun erkannt… Ich hoffe du kannst mir verzeihen…“, sprach Lucin mit Tränen in den Augen.
Ria umarmte sie.
„Es gibt nichts zum Verzeihen… Ich war dir nie böse… Ehrlich gesagt bin ich selbst der Meinung, dass ich Schuld daran habe… Aber ich habe beschlossen diese Schuld anzunehmen und mit ihr zu Leben… Ich werde mich von ihr nicht fertig machen lassen… Ich werde versuchen das bestmögliche daraus zu machen…“, lächelte Ria sie an.
„Ich danke dir Ria… Auch im Namen von Leif… Er war nie so glücklich wie mit dir… Wenn du in seiner Nähe warst, konnte man ihm sein Glück richtig ansehen…“, lächelte Lucin.
Ria erwiderte das Lächeln.
„Also? Welches Outfit passt besser zu einer Beerdigung? Kaum zu glauben, dass dieser Mischling, den du so tapfer beschützt hattest, nun doch tot ist…“, fragte Celine nach.
„… Das Linke…“, antwortete Ria und zeigte auf das entsprechende Kleid.
„Gute Wahl… Das nehme ich…“, sprach Celine und ging in Richtung Kasse.
„Warum bist du hier Celine? Hast du etwa was herausgefunden zwecks meiner… Umstände?“, fragte Ria vorsichtig nach.
„Nein… Aber du wärst fast getötet worden! Ich habe Kas versprochen dich zu beschützen also bleibe ich nun in deiner Nähe…“, stellte Celine klar.
„Du musst dir nicht so viele Umstände machen… Mein Bruder hätte sicher nicht gewollt, dass du meine Sicherheit zu deiner Lebensaufgabe machst… Er wollte sicher, dass auch du glücklich wirst…“, sprach Ria.
„Mach dir keine Gedanken… Außerdem mag ich es Zeit mit dir zu verbringen… Du siehst ihm nicht nur ähnlich, ihr seid euch auch sehr ähnlich, in allem… Du erinnerst mich an ihn und dass allein macht mich schon glücklich…“, gab Celine zu.
„Aber wie erkläre ich den anderen, dass du nun an meiner Seite bist? Ich sagte ihnen, dass ich dich nicht kenne und wenn jetzt herauskommt, dass wir uns von früher kennen… Du meine richtige Familie kennst und eigentlich meine Schwägerin bist…“, rätselte Ria herum.
„Mach dir doch nicht immer so einen Stress… Erzähl doch einfach dass ich eine Kindheitsfreundin von dir bin und wir uns deshalb kennen…“, gab sie ganz nüchtern von sich während sie das Kleid bezahlte. „Solange sie nicht herausfinden, wer du wirklich bist, ist alles gut und es gibt keine Probleme…“
<Ich werde ihr wohl besser nicht erzählen, dass Ilay ein Urdämon ist… Sie ist ja auf Mischlinge schon nicht wirklich gut zu sprechen… Das wäre wohl fatal, wenn sie erfährt, was mein Freund wirklich ist…>
Sie kamen zurück zur Gruppe, welche schon auf Ria warteten.
„Du bist doch die Gottheit die damals Ria und Leif das Leben gerettet hatte, oder?“, stellte Eneas mit großen Augen fest.
„Das stimmt… Hallo, mein Name ist Celine“, stellte sie sich vor.
„Was macht sie bei dir Ria? Kennt ihr euch doch?“, fragte Laisa nach.
„Ja… Ich war noch zu klein und hatte es vergessen… Sie ist eine alte Kindheitsfreundin von mir…“, log sie ihre Freunde nervös an.
Seren sah argwöhnisch rüber aber sagte nichts.
<Das kann nicht sein… Ria ist bei ihren Zieheltern, seit sie ein kleines Baby war… Nie im Leben würde sie sich an eine Kindheitsfreundin erinnern aus so einem Alter… Warum lügt sie?>
„Na gut, aber wir sollten uns nun fertig machen… Die Beerdigung ist bald…“, stellte Ilay klar als er zu Ria ging und sie mit einem sanften Streicheln über ihre Wange begrüßte.
Celine sah ihn ungläubig an.
Ria war in ihrem Zimmer und zog sich gerade um als plötzlich die Tür aufging. Erschrocken sah sie sich um und entdeckte Seren der sich hineinschlich.
„Ser? Was machst du hier?“, fragte sie nach.
„Du kannst mir nichts verheimlichen… Diese Celine ist keine Kindheitsfreundin von dir und seit einiger Zeit verhältst du dich etwas merkwürdig… Ich dachte wir hätten keine Geheimnisse voreinander…“, stellte Seren stur klar.
„Ser…“, sprach sie mit einem leicht traurigen Gesichtsausdruck.
„Erzähls mir einfach… Ich bin mir sicher, dass ich dir helfen kann…“, bohrte er weiter nach.
„Ich habe versprochen nichts zu sagen…“, setzte sie sich auf ihre Bettkante.
Seren kam auf sie zu und legte seine Hand auf ihre Schulter.
„Du musst da nicht allein durch Ria… Egal was es ist, ich werde immer an deiner Seite sein… Es besorgt mich, nicht zu wissen was mit dir los ist…“, erklärte er ganz einfühlsam.
„Gut… Ich… Ich bin die letzte Urgöttin… Celine ist meine Schwägerin, die Verlobte meines verstorbenen Bruders…“, erzählte sie.
„Was? Aber das bedeutet, dass du diesem Krieg mit den Dämonen ein Ende bereiten kannst!“, freute er sich.
„Ganz so einfach ist es leider nicht… Celine weiß nicht, wie der Rat auf diese Idee kam aber in Wirklichkeit bin ich eine Bedrohung… In mir… Schlummert etwas… Eine Apokalypse die die gesamte Welt auslöschen könnte… Deshalb hatte mir Celine auch verboten mit jemanden darüber zu reden… Es wäre zu gefährlich, wenn das bekannt werden würde…“
Seren plumpste auf den Boden. Geschockt sah er in die Luft.
„Weiß es außer mir noch jemand? Ilay vielleicht?“, fragte er nach.
„Nein… Nur wir drei wissen davon… Und der Rat denke ich… Warum sie diese Information aber für sich behalten ist mir schleierhaft…“, stellte sie fest.
„Das ist wohl besser so… Ich habe nämlich nachgeforscht… Ich hatte nichts gesagt, weil ich es für unwichtig hielt, bis jetzt zumindest… Aber das Ilay ein Urdämon ist, bedeutet dass er königlicher Abstammung ist… Nur die Urdämonen gehören zur Königsfamilie…“, erzähle Seren ihr.
Ria sah geschockt aus.
„Ich habe herausgefunden, dass der Dämonen Lord einen Sohn hat, von dem nichts weiter bekannt ist… Ich vermute das Ilay dieser Sohn sein könnte… Wenn dem so ist dann wäre es sicher nicht gut, wenn er wüsste, dass du die letzte Urgottheit bist… Ich bin mir sicher das Ilay irgendeinen Plan hier verfolgt… Vielleicht sogar eine Mission hat, über die er uns nicht in Kenntnis gesetzt hat… Was, wenn seine Mission wäre die verbleibende Urgottheit ausfindig zu machen und diese zu eliminieren?“
Ria fiel es wie Schuppen von den Augen.
„Eine Mission… Er erwähnte mal sowas beiläufig aber als ich nachfragte winkte er ab…“, stellte Ria entsetzt fest.
„Also doch… Ich sagte dir zwar, dass dir diese Beziehung guttut, aber ich denke es wäre nicht gut eure Beziehung weiterzuführen, wenn dies der Fall ist… Es könnte für dich gefährlich sein weiterhin in seiner Nähe zu sein Ria!“, ermahnte er sie.
Ria liefen die Tränen über ihre Wangen.
<Was mach ich, wenn Ser recht hat? Was wenn Ilay eigentlich hier ist, um mich zu töten? Wenn er wirklich der Sohn des Dämonen Lords ist, dann hat er auch eine Verpflichtung gegenüber seinem Volk… Und da ich die Apokalypse auslösen werde, ist es nur selbstverständlich, dass uns die Dämonen angreifen und versuchen würden mich zu töten… Es ergibt alles einen Sinn… Doch warum schweigt der Rat über mich? Beziehungsweise verbreitet Unwahrheiten über mich und meine Existenz? Das muss ich noch unbedingt herausfinden…>
Kapitel 29
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 30
„Also seid ihr bereit?“, frage Eneas noch einmal nach. „Wir werden uns nun gegen das Militär stellen, dann gibt es kein Zurück mehr…“
„Das ist uns klar…“, sagte Laisa.
„Wir werden tun, was wir tun müssen…!“, stellte Seren klar.
„Sonst wären wir nicht hier…“, gab Ilay dazu.
„Also gut… Dann geht’s los…“, sprach Eneas und führte die Gruppe an.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Anwesen des Brigadegenerals. Sie versteckten sich in der Nähe und spähten das Grundstück aus.
„Celine? Kannst du es von oben auskundschaften? Und Bela? Könntest du dir einen Überblick verschaffen mit wie vielen Wachen wir es zu tun haben?“, fragte Eneas nach, der hinter einem Baum lehnte und seinen Blick auf das Grundstück warf.
„Kein Problem…“, sprach Celine und machte sich auf den Weg.
„Überlass das mir…“, sprach Bela und lief etwas an der Grundstücksgrenze entlang, als ob er ein einfacher Passant wäre, der die Straße einfach nur entlang ging.
<Dafür brauchte er also jemanden der niemandem bekannt ist… Logisch, das macht Sinn… Mich würde man in erster Linie nicht als suspekt ansehen und so kann ich prima das Grundstück einsehen und es auskundschaften…>
Bela sah sich um und bog um die Ecke, um die andere Seite zu sehen.
<Das ist seltsam… Hier sind kaum Wachen… Dafür, dass dieser Kerl ein Brigadegeneral sein soll, ist er weniger als mittelmäßig bewacht…>
Bela beendete seinen Rundgang und ging zu den anderen zurück.
„Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt kaum Wachen…“, erzähle Bela achselzuckend.
„Wie bitte? Das kann doch nicht sein, oder?“, fragte Seren unglaubwürdig.
„Ich bin jede Seite zweimal abgelaufen und ich konnte kaum etwas hören oder sehen… Es sind, wenn es hochkommt, an die 10 Wachen…“, erzähle Bela weiter.
„Entweder es ist eine Falle oder Brigadegeneral Rist fühlt sich einfach zu sicher in seinem Anwesen…“, schlussfolgerte Eneas.
„Bereiten wir uns lieber auf ersteres vor als zu leichtsinnig vorzugehen…“, sagte Ilay.
Auch Celine kam wieder zurück.
„Ich konnte auch überhaupt nichts feststellen… Keine Abwehranlagen, keine verstecken Außenposten, nichts…“, erzählte sie.
„Habt ihr irgendwelche Eingänge ausfindig machen können?“, wollte Eneas wissen.
„Nur den Haupteingang und den Nebeneingang für Bedienstete auf der Rückseite des Gebäudes…“, antwortete Bela.
„Ich konnte auch keine versteckten Ein- bzw. Ausgänge außerhalb feststellen…“, gab Celine hinzu.
„Auch gut… Dann schleichen wir uns durch den Hintereingang rein… Celine, Laisa und Seren, ihr bleibt hier und teilt euch auf für den Fall, dass er doch versuchen sollte zu fliehen und uns durch die Lappen geht… Der Rest kommt mit mir…“, erklärte Eneas.
Eneas, Bela, Ilay und Ria betraten das Anwesen durch die Hintertür. Eneas gab Ilay das Zeichen für links und Bela das Zeichen für rechts, während er mit Ria den Gang geradeaus ging.
„Es ist wirklich seltsam das hinten gar keine Wachen waren…“, stellte Ria fest.
„Das stimmt… Wir sollten auf der Hut sein…“, bestätigte Eneas.
Eneas blickte vorsichtig um die Ecke.
„… Keine Menschenseele…“, wurde er argwöhnisch.
„Wir sollten uns oben umsehen…“, schlug Ria vor und zeigte auf die Treppe.
Zusammen machten sie sich auf den Weg. Vorsichtig gingen sie ins obere Stockwerk. Ria wollte gleich um die Ecke gehen, doch Eneas schnappte sie sich und drückte sie gegen die Wand. Sie sah ihn erschrocken an und er spähte um die Ecke.
„Da sind zwei Wachen…“, flüsterte er ihr zu. „Wir müssen sie ausschalten, bist du bereit?“
Ria nickte.
Langsam gingen sie auf die Wachen zu und überwältigten sie. Sie drückten sie zu Boden und fesselten sie.
Ilay durchkämmte den westlichen Teil des Anwesens.
<Es ist viel zu ruhig… Das gefällt mir überhaupt nicht…>
Er sah sich etwas um und durchkämmte einen Raum nach dem anderen. Ganz locker ging er dabei vor. Im nächsten Raum stand er dann zwei Männern gegenüber.
„Na endlich, wurde aber auch Zeit…“, gab Ilay von sich und brachte seine Sense in Position.
Die zwei Männer rannten auf Ilay zu welcher aber geschickt auswich und über sie hinwegsprang. Kaum auf dem Boden aufgekommen schwang er seine Sense und warf damit die Männer zu Boden.
„Von Angestellten des Brigadegenerals hätte ich mir mehr erwartet…“, gab er enttäuscht von sich.
Plötzlich kamen Zwei weitere von hinten auf Ilay zu und schlugen mit ihren Schwertern zu. Ilay reagierte, dank seiner Dämonenkräfte, blitzschnell und konnte sich rechtzeitig ducken. Als er wieder aufsah funkelten seine Augen.
„E-Ein Dämon!!“, rief einer der Männer.
Ilay sprang auf die verängstigten Männer zu und brachte auch diese zu Boden. Er fixierte alle Vier und fesselte sie. Dann kam Bela um die Ecke, welcher mit dem Ostflügel fertig war.
„N-Noch einer!!“, fürchteten sich die Männer als sie Bela entdeckten.
„Bist du endlich fertig?“, fragte Bela grinsend nach und ließ seine spitzen Zähne vorblitzen. Auch seine Augen funkelten dämonisch.
„Ja… Lass uns zu den anderen Beiden gehen…“, gab Ilay von sich.
Sie liefen in Richtung der Treppe.
„Warum hilfst du uns überhaupt Bela? Ich dachte du kannst diese Göttlichen nicht leiden…“, fragte Ilay nach.
„Ich hatte einfach Lust dazu, ich habe hier sowieso nichts anderes zu tun…“, gab er von sich. „Außerdem kann ich dich so besser beaufsichtigen… Wir brauchen langsam diese Informationen, nicht dass es langsam zu spät wird…“
„Es ist gar nicht so leicht an Informationen zu kommen… Niemand hat etwas von der verbleibenden Gottheit gehört… Deshalb bin ich der Armee beigetreten, um dort vielleicht an Informationen zu kommen an die Normalbürger keinen Zugang haben, aber auch hier Fehlanzeige…“, erklärte Ilay.
„Verstehe… Ich habe auch gehört, dass die Urgottheit hier mehr eine Legende ist… Diese Geschichte, die sie sich ausgedacht haben und den Bürgern vermittelt haben… Dass unser Volk das Böse sein soll… Das ist unerhört! Keiner von ihnen weiß was damals geschah und dass dein Vater nur helfen wollte… Ich hasse die Gottheiten, weil sie uns in den Rücken gefallen sind!“, war Bela zornig.
„Ja… Das ist der Grund, warum ich nicht mehr so denke… Die Meisten hier wissen davon nichts und können dementsprechend auch nichts dafür… Es würde anders aussehen, wenn sie die Wahrheit kennen würden…“, erklärte Ilay.
„Wenn wir die Urgottheit endlich finden sollten und sie eliminieren, dann würde dass den Hass nur noch mehr schüren… Wir sitzen also in einer wirklichen Zwickmühle…“, schlussfolgerte Bela.
„Genau deswegen sollten wir subtil vorgehen und nichts überstürzen… Die Urgottheit ist irgendwo und da die Apokalypse immer noch nicht ausgebrochen ist, vermute ich, dass es einen Auslöser dafür geben muss und diese Bedingung wurde anscheinend noch nicht erfüllt…“, mutmaßte Ilay.
„Damit könntest du Recht haben… Ich werde dir helfen sie zu finden… Diese Urgöttin welche dir eigentlich versprochen war, um unsere Völker zu vereinen… Eine Schande, dass wir sie töten müssen…“, sagte Bela.
„Erinnere mich nicht daran…“, unterbrach Ilay Bela.
Der kleine Ilay stand auf einer Terrasse mit vielen verschiedenen Blumen und hielt einen Schmetterling auf seinem Finger.
„Ilay, mein Sohn…“
Ilay drehte sich um und lächelte sehr glücklich.
„Vater, du bist wieder da!“, freute er sich als er seinem Vater in die Arme lief.
„Gibt es irgendwelche Neuigkeiten aus dem Palast des Lichts?“, fragte Ilay neugierig.
„Ja es gibt Neuigkeiten… Das Kind wurde geboren und sie nannten es Iturria! Wir waren uns einig und haben beschlossen, dass ihr euch versprochen werdet. Sie wird die Frau, die du einmal heiraten wirst, mein Sohn!“
Ilay machte einen Ausweichschritt und hielt sich seinen Kopf. Bela kam auf ihn zu.
„Ilay? Alles in Ordnung?“, fragte er besorgt, während er ihn stützte.
„Ja, alles gut…“, rappelte sich Ilay wieder auf.
<Diese Erinnerung… Die hatte ich schon einmal… Nur dieses Mal komplett… Hab ich mich verhört? Sagte er wirklich Iturria? Das kann nicht sein… Das glaube ich nicht… Das ist ein ganz dummer Zufall, mehr nicht…>
Sie gingen die Treppe hinauf und fanden dort Eneas und Ria vor. Ilay blickte nur ganz unglaubwürdig in ihre Richtung, während sie sich zu ihm umdrehte und ihm zulächelte.
„Da seid ihr ja… Ich vermute Brigadegeneral Rist ist hinter dieser Tür…“, sagte Eneas und deutete auf die Tür direkt neben ihm.
„Na dann…“, sprach Bela.
Sie positionierten sich vor der Tür und Eneas schlug die Türen auf.
„Es ist aus Brigadegeneral Theo Rist! Sie sind umstellt und ihre Wachen ausgeschaltet! Es gibt kein Entkommen mehr!“, rief Eneas als er das Zimmer betrat.
Die anderen kamen ihm hinterher und sahen sich um.
„Kein Wunder, dass hier so wenig Wachen positioniert waren…“, stellte Ilay fest.
„Ja… Wo niemand ist, braucht man keine Wachen…“, fügte Bela hinzu.
Das Zimmer war komplett leer, kein einziger Schrank, kein einziger Stuhl oder Tisch – Nichts.
„Aber warum? Warum sollten sie ein Haus bewachen, indem niemand ist?“, fragte Ria.
„Entweder er ist untergetaucht schon bevor wir hierherkamen oder es war wirklich eine Falle…“, stellte Eneas fest und blickte aus dem Fenster.
Auf einmal flog Celine vor das Fenster. Eneas öffnete es.
„Ihr müsst hier raus, sofort! Eine große Anzahl an Soldaten ist auf dem Weg hierher…“, erzählte sie.
Kapitel 31
„Ihr müsst hier raus, sofort! Eine große Anzahl an Soldaten ist auf dem Weg hierher…“, erzählte Celine.
„Also doch eine Falle?“, fragte Eneas entsetzt nach.
„Sieht nicht so aus… Ich denke sie sind selbst hinter diesem Brigadegeneral her…“, erklärte Celine.
Celine nahm Ria in die Arme und flog davon. Ilay schnappte sich Eneas und flog auch davon.
„Und was ist mit mir?!“, war Bela wütend, sprang aus dem Fenster und eilte ihnen hinterher.
„Ilay… Ich kann selbst fliegen…“, stellte Eneas verdutzt klar.
„Oh… Stimmt…“, gab Ilay ganz trocken von sich.
Zusammen versteckten sie sich in der Nähe.
„Du hattest Recht, allem Anschein nach suchen sie wirklich nach dem Brigadegeneral…“, bestätigte Eneas.
„Also gibt es doch Soldaten, die versuchen diese Fälle aufzuklären?“, fragte Laisa nach.
„Die gibt es sicher, aber ich bezweifle irgendwie, dass es hier darum geht…“, stellte Seren fest. Alle sahen ihn an. „Seht sie euch doch mal an… Die Art und Weise wie sie das Anwesen infiltrieren wirkt nicht gerade offiziell…“
„Du hast recht… Wenn sie wirklich offiziell hier wären, würde das hier anders aussehen…“, pflichtete Ilay bei.
„Dann sollten wir wohl den Brigadegeneral schleunigst finden, vor ihnen natürlich…“, stellte Eneas klar.
„Meint ihr, ihr könntet etwas ausrichten?“, fragte eine Stimme von hinten. Alle drehten sich um.
Vor ihnen stand eine schöne Soldatin.
„Wer bist du?“, fragte Celine nach.
„Beantwortet mir meine Frage, dann beantworte ich eure…“, gab sie knapp von sich.
„Wir können nicht nur etwas ausrichten, wir werden etwas ausrichten…“, gab Ilay zu verstehen.
„Dann folgt mir bitte…“, sprach sie, während sie ihnen den Rücken kehrte und loslief.
Sie führte sie an ein altes und verkommenes Lagerhaus.
„Du hast mir meine Frage immer noch nicht beantwortet!“, merkte Celine an.
„Das wird sich gleich klären… Bitte, hier entlang…“
Sie betraten das Lagerhaus und standen einem Mann gegenüber der ein paar Soldaten um sich scharrte.
„Na, wen haben wir denn da? Wenn das nicht Major Eneas Hoxia mit seiner Truppe ist…“, sprach der alte Mann.
„Und Sie sind Brigadegeneral Theo Rist, nehme ich an?“, stellte Eneas eine Gegenfrage.
„So ist es…“, gab der Mann zu. „Aber ich bin nicht der den ihr eigentlich suchen solltet…“
„Wie meinen Sie das?“, fragte Seren nach.
„Ich weiß, dass ihr den unterirdischen Kampfring hochgenommen habt, nachdem ihr eine Lieferung an Panas Moskof vereitelt habt… Und ich weiß, dass euch die Informationen zu mir geführt haben… Doch ich bin nicht der Drahtzieher hinter alldem… Ich habe euch hierherführen lassen, weil ich eure Hilfe will…“, erklärte der Brigadegeneral.
„Helfen? Sie gehören doch genauso zu diesen Leuten… Warum sollten wir Ihnen helfen und wie soll diese Hilfe bitte aussehen?“, fragte Ilay argwöhnisch nach und verschränkte seine Arme vor seiner Brust.
„Ich schlage euch ein Tauschgeschäft vor…“, fing er an. „Ich gebe euch die nötigen Informationen bezüglich des wirklichen Drahtziehers, dafür stellt ihr sicher, dass meiner Familie nichts geschieht…“, bot er an.
„Und woher sollen wir wissen, dass nicht Sie der wirkliche Drahtzieher sind und uns eine Falle stellen?“, fragte Ria nach.
„Dann würdet ihr sicher nicht so vor mir stehen… Ich habe euch herbringen lassen, weil dieser Bastard meine Tochter entführt hat und ich so keine andere Wahl hatte als ihm zu gehorchen…“, gab er zu. „Mir kam es sogar gelegen, dass ihr ihm auf den Fersen seid und es bis hier her geschafft habt… Ich bin mir sicher, dass er mittlerweile mein Haus durchsuchen lassen hat, weshalb diese Sache noch dringlicher ist… Bitte rettet meine Tochter…“, bat er.
„Gut… Wir werden Ihrer Tochter helfen aber nichtsdestotrotz haben Sie eine Strafe verdient… Sie wussten was hier vor sich geht und was hier getrieben wird… Es ist unverzeihlich, dass Sie nichts unternommen haben…“, sprach Eneas.
„Dessen bin ich mir bewusst und ich werde auch jegliche Strafe entgegennehmen, Hauptsache meiner Tochter geschieht nichts…“, flehte er förmlich.
„Wer ist denn nun dieser Drahtzieher? Euer großer, unnahbarer Boss, der die Fäden in der Hand hält?“, fragte Bela.
„Das wird euch nicht gefallen…“, fing er an.
Gespannt blickten sie ihn an.
„Es ist der General höchstpersönlich, Enil Hoxia… Mit anderen Worten, dein eigener Vater werter Major…“, sah er Eneas direkt an.
Fassungslos und wie versteinert stand Eneas da.
„Das kann nicht sein! Ich kenne seinen Vater sehr gut und das würde überhaupt nicht zu ihm passen!“, wurde Ilay wütend.
„Lasst euch nicht täuschen! Er ist ein wahres Monster… Er ist ein Meister der Tarnung, welcher geschickt sein Doppelleben verbirgt… Diese Seite an ihm zu verstecken hat er perfektioniert! Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich schon mitansehen musste…“, gab er aufgebracht von sich.
„Brigadegeneral! Sie müssen hier weg, sie sind hier!“, rief die hübsche Soldatin.
„Sie sind nah! Wir werden sie beschäftigen, bis ihr geflohen seid!“, sprach einer der anderen Soldaten.
„Und was ist mit euch?“, machte sich Seren Sorgen.
„Wir kommen klar, Hauptsache der Brigadegeneral kann fliehen… Wisst ihr, er ist kein schlechter Mensch sonst würden wir ihm nicht folgen und ihm unsere Leben widmen… Bitte helft ihm und rettet Caroline…“, sprach die Schöne und lächelte.
Celine schnappte sich den General.
„Du kommst mit uns!“, sagte sie scharf und wandte sich den anderen zu. „Los jetzt!“
Zusammen rannten sie los.
„Ein paar folgen uns…“, stellte Ria fest.
„Verdammt!“, gab Ilay von sich.
„Geht vor! Bringt den Brigadegeneral hier weg, ich halte sie auf!“, rief Eneas und ließ sich zurückfallen.
„Warte, ich helfe dir!“, kam von Bela und blieb bei Eneas.
„Schaffen sie es zu zweit?“, fragte Seren nach.
„Ja! Bela ist ein ausgezeichneter Kämpfer! Vergesst nicht, dass er über 300 Jahre alt ist, er hat genügend Kampferfahrung und Eneas ist auch verdammt stark!“, erklärte Ilay.
„Aber ich mach mir Sorgen um Eneas… Das mit seinem Vater wird er nicht so leicht wegstecken können…“, mutmaßte Laisa.
„Das stimmt… Aber solange Bela bei ihm ist, wird ihnen nichts passieren…“, antwortete Ilay.
Eneas stellte sich den Angreifern in den Weg.
„Bis hierhin und nicht weiter!“, drohte er.
Dann kam Bela hinzu.
„Stürm nicht einfach allein drauf los!“, meckerte er.
„Was machst du hier?“, wollte Eneas wissen.
„Dir helfen, was denn sonst!“, gab Bela schnippisch von sich und brachte seine Sense in Stellung.
„Ich brauche keine Hilfe…“, gab Eneas von sich.
„Mach jetzt keinen auf dicke Hose, ich helfe dir, ob du willst oder nicht!“, war Bela sauer.
„Dann sieh zu, dass du mir nicht im Weg stehst!“, gab er ernst von sich und stürmte auf die Feinde zu.
Bela seufzte wütend und eilte ihm hinterher.
<Dieser Idiot! Er stürmt einfach ohne Sinn und Verstand drauf los! Das mit seinem Vater nimmt ihn anscheinend sehr mit, aber deshalb muss er nicht so überstürzt und kopflos handeln!>
Eneas schwang seine Glefe einfach drauf los. Dieser Angriff konnte leicht von den Gegnern pariert werden.
„Tsk!“
Er setzte zum zweiten Schlag an, dem der Gegner vor ihm einfach auswich. Währenddessen kamen von hinten Gegner und attackierten ihn. Einem konnte er noch ausweichen, der Zweite war bereits zu nah. Da tauchte Bela auf und schlug mit seiner Sense zu. Gekonnt überwältigte er ihn.
Eneas ignorierte das und ging weiter auf die Gegner los. Zwei weitere schaltete er aus, doch es kamen fünf neue dazu. Eneas blickte sich kurz um und stürmte erneut los. Die ersten Beiden griffen ihn an, doch er sprang einfach über sie hinweg und nahm sich die anderen vor. Er schwang seine Glefe mitten durch die Reihe und konnte drei ausschalten.
Einer stürmte auf ihn zu, doch Eneas blockte diesen Angriff und stieß ihn zurück. Dann hagelte ein Pfeilregen auf Eneas ein. Er drehte sich um und sah, wie Bela ihn mit seiner Sense schützte, indem er sie im Kreis herumwirbelte.
„Deine Deckung ist total für’n Arsch!“, schimpfte Bela.
Auch das schien Eneas total egal zu sein, weil er gleich wieder draufloslief.
<Ich kann es einfach nicht glauben! Mein eigener Vater soll für all das Leid verantwortlich sein, dass so viele Frauen und Mädchen durchleben? Was er wohl noch alles vor mir geheim gehalten hat? Und ob es noch mehr Gräueltaten gibt, für die er verantwortlich ist? Ich… Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll…>
Auf einmal ging Eneas zu Boden, einer der Angreifer hatte ihn erwischt und ihm ein Schwert durch die Schulter gejagt. Bela sah erschrocken zu ihm.
„Eneas!“, rief er als er auf ihn zulief.
Einer der Angreifer setzte zu einem weiteren Schlag an und schwang sein Schwert. Gerade noch rechtzeitig sprang Bela vor Eneas und erledigte alle umliegenden Feinde mit nur einem Schlag. Als Eneas ihn ansah, bemerkte er das Bela in seiner richtigen Dämonenform vor ihm stand. Wie gebannt sah er ihn mit großen Augen an. Bela drehte seinen Kopf zu ihm.
„Bist du dämlich?!“, schimpfte er. „Wo bist du nur mit deinem Kopf?!“
Bela bückte sich zu Eneas hinunter und zog das Schwert aus Eneas‘ Schulter, dann sah er sich die Wunde genauer an.
„Das sieht böse aus…“, gab er einfühlsam von sich.
Bela zog ihm die Jacke aus und öffnete sein Hemd.
„Was machst du da?“, fragte Eneas peinlich berührt.
„Deine Wunde versorgen, du Idiot!“, motzte er.
Er zog ihm das Hemd aus und entledigte sich seines Ascots um es als Verband zu benutzen.
Eneas sah ihn immer noch mit großen Augen an.
<Von nahem sieht er sehr faszinierend aus… Und hübsch… Er ist so nah, vielleicht…>
Eneas hob seine Hand und befühlte eines von Belas Hörnern. Erschrocken wich Bela zurück und sein Gesicht errötete.
„Was zum…?!“, stotterte Bela.
„Entschuldige… Aber das fühlt sich total interessant an… Ich habe noch nie einen Dämon so aus der Nähe gesehen, vor allem nicht in voller Dämonenform… Nur Ilay einmal kurz…“, kam er ihm wieder näher.
„So interessant ist das nun wieder auch nicht…“, blickte Bela verlegen zur Seite.
„Doch, total…“, erwiderte Eneas.
Bela drehte seinen Kopf wieder zurück und Eneas war gefühlt keinen Zentimeter mehr von ihm entfernt mit seinem Gesicht.
<Er ist zu nah!! Mein Herz klopft wie wild!! Dieser Idiot ist ein komischer Kerl…>
„… Wenn’s dich glücklich macht… Dann lass dich nicht stören…“, gab Bela absolut verlegen mit einem verstohlenen Blick von sich.
Eneas Augen fixierten seine Hörner, welche er noch einmal berührte.
„Spürst du das eigentlich?“, fragte Eneas neugierig nach.
„… Natürlich“, antwortete Bela leicht verzögert.
Eneas Blick schweifte weiter runter zu Belas Mal unter seinem Auge. Auch dort berührte er ihn.
„Bei Ilay sehen die Male anders aus…“, stellte Eneas fest. „Er hat sie auch unter beiden Augen…“
Eneas sah Bela nun direkt in die Augen.
„Du hast echt schöne Augen…“, sprach er weiter.
Dann merkte Eneas wie nah er ihm eigentlich war und wie rot Belas Gesicht angelaufen war und erschrak sich. Augenblicklich zog er seine Hand zurück.
„Entschuldige… Da sind wohl die Pferde mit mir durchgegangen…“, entschuldigte sich Eneas.
Eneas und Bela saßen sich immer noch gegenüber. Es herrschte eine peinliche Stille zwischen ihnen.
<Wenn ich in Belas Nähe bin, vergesse ich alles um mich herum… Das ist mehr als Faszination… Ich… Ich fühle mich zu ihm hingezogen… Auf einmal habe ich das Bedürfnis ihm näher kommen zu wollen…>
Bela war immer noch feuerrot im Gesicht und war leicht mit einer überreifen Tomate zu verwechseln. Er wandte seinen Blick wieder Eneas zu. Sie sahen sich direkt in die Augen.
Es dauerte keinen Augenblick und Eneas griff erneut mit seiner Hand an Belas Wange nur ihm festhalten zu können und ihn zu küssen.
Bela wusste gar nicht wie ihm geschieht. Sie lösten sich voneinander und Eneas ließ Bela ein schelmisches Lächeln zukommen. Eneas funkelte ihn mit seinem Blick richtig an.
„Du bist verdammt süß, wenn du so rot anläufst, da konnte ich nicht widerstehen…“, neckte ihn Eneas.
Bela war total geschockt. Er ließ seinen Kopf leicht sinken doch sah ihm direkt in die Augen.
„… Komischer Kerl“, mehr brachte er nicht mehr heraus.
Kapitel 32
„Ob es den Beiden gut geht?“, fragte Laisa nachdenklich nach.
„Bestimmt… So schnell kriegt man die beiden nicht klein…“, versuchte sie Seren aufzumuntern.
„Wo sind wir hier überhaupt?“, fragte Celine nach.
„In einem Versteck das Eneas und ich früher oft nutzten als wir noch Kinder waren… Diesen Ort kennt niemand und sie werden uns hier sicher finden…“, erklärte Ilay.
Ria rieb sich ihre Hände und spitzte leicht aus dem Höhleneingang heraus.
„Dieser Platzregen hat uns ganz schön überrascht…“
„Wir sollten uns aufwärmen, wenn jetzt jemand krank werden würde, wäre das schlecht…“, stellte Seren fest.
„Lasst uns weiter hinter gehen… Dort müssten noch reichlich Decken liegen, die wir damals für unsere Lager benutzt hatten…“, erklärte Ilay und führte sie weiter hinter.
„Du hast Recht…“, sprach Laisa und verteilte die Decken an alle.
„Ein Glück, dass Gottheiten oder Dämonen nicht an solchen Dingen erkranken können… Damit wäre die Hälfte unserer Gruppe außer Gefahr…“, erzählte Celine.
„Dann brauchst du die ja nicht…“, sprach Laisa mürrisch als sie die angebotene Decke wieder wegzog.
Celine machte ein ganz trauriges, kindliches Gesicht. Laisa seufzte und warf ihr die Decke wieder hin.
„Gegen Komfort habe ich trotzdem nichts…“, sprach Celine ganz kleinlaut.
„Seht mal, ich habe etwas Holz gefunden… Damit könnten wir ein kleines Lagerfeuer machen…“, schlug Seren vor.
Ilay kam ihm zu Hilfe und im nu hatten sie ein kleines Feuer. Ria setzte sich an die Seite und Ilay kam zu ihr und nahm neben ihr Platz. Sanft legte er seinen Arm um sie und sie kuschelte sich an ihn.
„Ich hätte da mal eine Frage…“, fing Seren an.
Alle sahen zu ihm rüber.
„Brigadegeneral… Was war eigentlich ihre Aufgabe in dem Ganzen? Ich würde gern wissen, wie es dazu kam, dass sie dort mitwirkten…“
„Das wüsste ich auch gern… Was wir bis jetzt wissen, ist nicht unbedingt viel… Wir wissen das Panas Moskof einige Soldaten hatte und er Menschenhandel mit Frauen und Kindern betrieben hat… Nebenbei noch das Geschäft mit dem Kampfring aber ansonsten wissen wir überhaupt nichts…“, rätselte Ria.
"Dann werde ich euch aufklären…“, sagte Brigadegeneral Rist. „Ich weiß natürlich nicht, was General Hoxias Ziel ist, aber ich kann euch die Strukturen erklären… Der Befehl lautete einfach nur alle Frauen und Kinder, welche wir einsammeln können, zu einem bestimmten Ort zu schicken, dort würden sie wohl sortiert werden… Natürlich wurde nicht nur aus den kleinen Dörfern gesammelt, in denen ihr wart, diese Aktion wurde großflächig über das ganze Land durchgeführt…“
„Nach was sie wohl sortiert wurden…“, fragte sich Laisa.
„Nach Aussehen, Alter und ob sie noch Jungfrauen sind oder nicht… Umso jünger, schöner und jungfräulicher sie sind, umso mehr Geld bringen sie ein… Dann wurden sie unter Drogen gesetzt und an reiche Adelige oder Freudenhäuser verkauft… Auch der General besitzt ein solches Etablissement… Soweit ich informiert bin, sortiert der General höchstpersönlich aus… Ein einziges Mal war ich an diesem Ort… Es war schrecklich…“
Der Brigadegeneral blickte ins Feuer. Er sah sehr mitgenommen aus.
„Auch der General missbraucht dort regelmäßig Frauen und Kinder gleichermaßen fürs persönliche Vergnügen… Er ist wahrlich ein Teufel… Ihr könnt euch die Umstände nicht ausmalen unter denen er sie gefangen hält… Er kam damals auf mich zu und fragte, ob ich ihm helfen könnte bei seinen Geschäften… Damals wusste ich noch nicht um was es ging, sagte aber zu da er ein langjähriger und guter Freund war… Anfangs musste ich auch nur einige meiner Soldaten bereit stellen doch als ich erfuhr, worum es ging, wollte ich raus aus dem Geschäft… Da war es leider schon zu spät, er hatte bereits meine Tochter entführen lassen und drohte mir, ihr etwas Schlimmes anzutun, wenn ich nicht kooperieren sollte… Seitdem ist meine Tochter bei ihm…“
„Wie lange ist das schon her?“, fragte Ilay nach.
„Fast ein Jahr… Sie ist nun 12 Jahre alt… Dann bekam ich über ein paar Späher mit, dass eine Gruppe Soldaten Panas Moskofs Machenschaften durchkreuzt hatten und uns auf die Schliche gekommen waren… Ich schöpfte wieder Hoffnung und lies euch beschatten und nun letztendlich zu mir führen…“, erklärte er weiter.
„Wie sieht Caroline denn aus?“, fragte Ria nach.
„Ich habe ein Bild von ihr dabei, hier…“, übergab der Brigadegeneral das Bild.
Ria sah es sich an. Es war ein hübsches kleines, blondes Mädchen mit grünen Augen. Ria reichte das Bild weiter damit es die anderen auch ansehen konnten.
„Wir werden tun, was wir können, um sie zu befreien!“, sagte Ria entschlossen.
„Ich danke euch… Ich hoffe es ist noch nicht zu spät… Was mit mir passiert ist mir gleich, nur meine Tochter hat das nicht verdient… Sie ist doch noch ein Kind…“, sagte er traurig.
„Hier seid ihr also, hab ich mir schon gedacht…“, kam es vom Eingang.
Eneas und Bela betraten die Höhle.
„Eneas! Was ist passiert? Deine Schulter…“, sorgte sich Ria.
„Halb so wild… Nichts was nicht wieder verheilen würde…“, beruhigte er die Gruppe.
„Kommt davon, wenn man kopflos drauf los stürmt…“, gab Bela genervt mit verschränkten Armen von sich.
„Hahaha! Ein Glück, dass ich dich dabei hatte!“, lachte Eneas.
„Ihr scheint gut miteinander auszukommen, das freut mich…“, gab Ilay ihnen ein Lächeln.
Bela drehte sich weg, um zu verbergen, dass er wieder rot anlief.
„Hier…“, übergab Laisa ihnen jeweils eine Decke. „Wärmt euch mit auf, dann können wir besprechen, wie es weiter gehen soll…“
„Was sie wohl gerade machen… Meinst du, es geht ihnen gut?“, fragte Lucin nach, die am Fenster stand und in die Ferne sah.
„Natürlich… Egal, was auch immer sie gerade tun, ich bin mir sicher, dass sie alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen können…“, beruhigte Keno sie und legte seine Hände sacht auf ihren Schultern ab.
Lucin drehte sich um und lächelte Keno an.
„Du hast Recht…“, sprach sie ganz sanft und legte ihren Kopf auf seiner Brust ab. Er legte seine Arme um sie und umarmte sie.
„Prinzessin Lucin… Ehrenwerter Keno… Das Essen ist serviert…“, sprach Lucins Zofe durch die Tür hindurch.
„Ist gut, wir sind auf dem Weg…“, gab sie zu verstehen.
Keno löste sich von ihr und wollte Richtung Tür laufen als Lucin ihn wieder zu sich herzog.
„Was fällt dir ein dich ungefragt von mir zu entfernen?“, neckte sie ihn.
Er gab ihr ein spitzbübisches Grinsen und kam wieder auf sie zu. Er fixierte ihr Gesicht mit seinen Händen.
„Verzeiht, eure Hoheit… Wie konnte ich es nur wagen…“, neckte er sie zurück.
Sie zog ihn zu sich her und gab ihm einen Kuss. Diesen erwiderte er liebevoll. Sie sahen sich an.
„Komm, lassen wir deine Eltern nicht warten…“
Damit hackte sie sich bei seinem Arm ein und sie liefen zusammen los.
„Und? Wo fangen wir an? Wie überführen wir den General?“, fragte Seren nach.
„Einmal im Monat ist mein Vater für ein Wochenende weg… Ich denke das könnte der Zeitpunkt sein, wo er seine ‚Ware‘ kontrolliert… Wenn wir ihn auf frischer Tat ertappen, hätten wir Beweise… Aber dafür bräuchten wir mehr Leute…“, erklärte Eneas.
„Das heißt wir müssen Verbündete finden, denen wir vertrauen können…“, stellte Ilay fest.
„Richtig… Wie es der Zufall will, wäre dieses Wochenende das Besagte… Das bedeutet wir haben nicht viel Zeit…“, erzählte Eneas weiter.
„Wie wäre es mit Liz?“, fragte Ria nach. „Sie scheint sehr nett zu sein und eine gute Freundin von dir Eneas…“
„Ja, das wäre eine gute Idee…“, überlege Eneas.
„Es wäre sicher auch sinnvoll noch ein paar Außenstehende dabei zu haben, die die Beweise dann verifizieren könnten...", schlug Seren vor.
„Am geschicktesten wäre da natürlich eine Person, die die Gunst des Volkes inne hat… Am besten jemand aus der Königsfamilie…“, fügte Celine hinzu.
„Gut, dann teilen wir uns auf, eine Gruppe geht zu Liz die andere zum Palast…“, schlug Eneas vor. „Ilay, Ria, Celine und Bela, ihr geht zu Liz, die anderen kommen mit mir…“
„Alles klar…“, sagte Ilay.
Damit stand Eneas auf und deutete an, dass die anderen ihm folgen sollen.
„Warum hast du die Teams so aufgestellt?“, wollte Laisa wissen.
„Ganz einfach… Ich kenne Liz, wenn sie erfährt, was in unserer Einheit los ist, wird sie die Gottheiten und Dämonen testen wollen… Und der Brigadegeneral ist am sichersten mit uns im königlichen Palast der gut bewacht ist…“, antwortete Eneas.
„Was werden das für Tests sein?“, fragte Seren neugierig nach.
„Sie wird sie provozieren und dann gegen sie kämpfen… Liz ist etwas… Sadistisch…“, gestand Eneas.
„Dämonen? Sagt mir nicht ihr habt Dämonen in eurer Einheit? Wie kann das sein? Warum sollten sie sich unserer Armee anschließen und gegen ihre eigene Art kämpfen?“, war der Brigadegeneral verblüfft.
„Das ist… Etwas komplizierter… Das zu erklären würde unseren Rahmen sprengen, aber ich versichere Ihnen, dass sie zu den Guten gehören…“, versicherte Eneas.
Schon kamen sie am Palast an. Ihnen standen ein paar Wachen gegenüber. Die Wachen erkannten sie sofort.
„Ah… Guten Tag… Ihr seid doch die Einheit in der Prinz Leif diente, nicht wahr? Major Hoxia… Und sogar Brigadegeneral Rist… Was führt euch hierher?“
„Wir würden gern eine Audienz mit der Königsfamilie arrangieren lassen und das so schnell wie möglich, es ist sehr dringlich…“, stellte Eneas klar.
„Ihr wisst, dass das nicht so einfach geht…“, druckste einer der Wachen herum.
„Es ist wirklich eine Angelegenheit von allerhöchster Dringlichkeit! Ich bürge für die Wichtigkeit dieser Audienz!“, trat der Brigadegeneral hervor.
„Na gut… Kommt mit, ich sehe zu, was sich machen lässt…“, führte sie einer der Wachen in den Palast.
„Wartet hier bitte…“, befahl der Wachmann und verschwand.
„Ich hoffe das dauert nicht allzu lang… Wir sollten auch noch Vorbereitungen treffen und Vorräte aufstocken… Ob wir das überhaupt in der Zeit schaffen werden?“, rätselte Seren.
„Wir müssen, wir haben gar keine andere Wahl… Wir können nicht noch einen Monat warten…“, erklärte Eneas.
Dann kam die Königin durch die Tür.
„Guten Tag… Was ist denn euer so dringendes Anliegen?“, fragte sie gleich direkt.
„Guten Tag eure Majestät…“, verbeugten sie sich.
„Wir haben dringliche Neuigkeiten für sie bezüglich des Drahtziehers, der für die Entführungen der Frauen und Kinder zuständig ist und auch für den Tod eures Sohnes…“, sprach Eneas. „Der Mann, der hinter allem steckt, soll niemand geringeres sein als mein Vater, General Enil Hoxia, und wir wollten euch um eure Mithilfe bitten…“
Geschockt sah sie Eneas an.
„Wie soll diese Hilfe aussehen?“
Kapitel 33
Ilay, Ria, Bela und Celine machten sich auf den Weg.
„Wo finden wir diese Liz eigentlich?“, fragte Celine nach.
„Sie hat auch eine Unterkunft für ihre Einheit und diese ist gar nicht mal so weit entfernt von unserer…“, erzählte Ilay.
„Na, das ist ja praktisch…“, kam von Bela.
„Du, Dämon… Warum bist du eigentlich hier und hilfst? Warum sollte ein Dämon Interesse daran haben, Mischwesen oder Gottheiten zu helfen?“, fragte Celine abgebrüht nach.
„Deshalb mag ich euch Gottheiten nicht, ihr seid so eingebildet, arrogant und haltet euch für was Besseres!“, fauchte Bela zurück.
„Celine… Würde es dir etwas ausmachen ein wenig netter zu sein? Ich weiß, dass Gottheiten und Dämonen viele Differenzen haben, aber das gilt nicht innerhalb dieser Einheit…“, Ilay sah Celine direkt an. „Ich bitte dich darum… Und sein Name ist übrigens Bela… Und auch er wird sich mehr zusammenreißen und seinen Hass abstellen…“, sah er Bela an.
Celine seufzte.
„Na gut… Es tut mir leid… Wirklich… Eigentlich hasse ich Dämonen gar nicht… Meine Schwester war mit einem zusammen und sie bekamen sogar ein Kind, nur leider überlebte sie die Geburt nicht… Sie war meine letzte lebende Verwandte und ich hatte das Gefühl, dass die Dämonen sie mir genommen hatten auch wenn ich weiß, dass das Quatsch ist… Aber seitdem hege ich eine Abneigung gegenüber eurer Art…“, erklärte Celine.
„Das waren also die Zwei die du letztens bei unserem Gespräch erwähnt hattest… Und du hast gar keinen Kontakt zu deiner Nichte oder Neffen? Das ist total schade…“, fragte Ria traurig nach.
„Nein… Ich habe dieses Kind auch nie zu Gesicht bekommen… Ich weiß nur dass es ein Junge war…“, erzählte Celine weiter.
„Ich habe noch nie von einem Dämon gehört, der ein Kind mit einer Gottheit hatte…“, merkte Bela an.
„Wie hieß denn deine Schwester?“, fragte Ilay nach.
„Riza… Ihr Name war Riza…“, antwortete sie mit einem melancholischen Gesichtsausdruck.
Der kleine Ilay sah den anderen Kindern beim Spielen zu. Sie warteten alle darauf abgeholt zu werden. Jedes Kind wurde von seiner Mutter abgeholt, nur Ilay saß ganz allein auf einer Mauer. Dann kam der Dämonen Lord und ging auf Ilay zu.
„Ilay mein Sohn… Was ist denn los?“, fragte er besorgt nach.
„Vater…“, drehte sich Ilay zu ihm um. „Wo ist eigentlich meine Mutter? Jedes dieser Kinder wird immer von seiner Mutter abgeholt, nur ich nicht… Warum habe ich keine?“
„Mein Sohn… Deine Mutter weilt leider nicht mehr unter uns… Sie starb vor vielen Jahren…“, versuchte sein Vater ihm zu erklären.
„Woran ist sie gestorben? Warum hat sie uns allein gelassen?“, fragte Ilay traurig nach.
„Sie hat uns nicht allein gelassen… Sie ist immer bei uns und passt auf uns auf…“, gab er einfühlend von sich, während sie auf dem Weg zurück zum Palast waren. „Ilay… Deine Mutter hat dich sehr geliebt... Sie wünschte sich nichts sehnlicher als dich gesund und munter auf die Welt zu bringen, um dir ein wundervolles Leben zu ermöglichen…“
Ilay sah immer noch sehr geknickt aus.
„Leider verstarb sie bei deiner Geburt, sodass es ihr nicht möglich war dich aufwachsen sehen zu können und dich auf deinem Weg zu begleiten… Aber denke daran, dass sie immer für dich da sein wird und immer bei dir ist… Nämlich genau hier!“, zeigte der Dämonen Lord auf Ilays Herz. „Und wenn du einmal Sehnsucht nach deiner Mutter verspürst, dann komme hier her…“
Der Dämonen Lord drehte sich herum und zeigte auf ein riesiges Wandgemälde, das hinter einem pompösen Grabstein angebracht wurde. Ilay staunte.
„… Hier kannst du sie ansehen und dich ihr Nahe fühlen… Auch ich komme oft hierher, wenn ich sie vermisse…“
Ilay sah sich das Gemälde genau an.
„Mutter war sehr schön…“, merkte er an.
„Ja das war sie… Und du kommst ganz nach ihr… Ein Teil von ihr lebt in dir weiter, mein Sohn…“, erklärte der Dämonen Lord.
Ilay ging auf den Grabstein zu und berührte ihn. Er sah sich die Inschrift an:
<Hier ruht unsere geliebte Königin Riza - Für immer geliebt, niemals vergessen – Dass Sie in den Himmel aufsteigen möge und als unsere Gottheit über uns wachet>
Ilay sah Celine geschockt an.
<Nun ergibt auch diese Inschrift einen Sinn… Ich hatte mich als Kind immer gewundert warum meine Mutter als Gottheit betitelt wurde… Meine Mutter war eine Gottheit… Das bedeutet, dass ich zur Hälfte auch eine Gottheit bin? Aber warum habe ich dann keine göttlichen Fähigkeiten? Und das würde dann auch bedeuten, dass Celine meine Tante ist…>
„Ilay? Alles okay bei dir?“, fragte Ria besorgt nach.
„Du hast momentan ganz schön oft Aussetzer, mein Freund…“, stellte Bela fest.
„Alles gut…“, sagte er und ging weiter.
Celine sah ihm argwöhnisch hinterher.
Dann kamen sie bei der Unterkunft von Liz und ihrer Einheit an.
„Liz? Bist du hier?“, rief Ilay, während er an die Tür klopfte.
Ein junger Mann öffnete die Tür. Verdutzt sah er die Gruppe vor sich an.
„Wer seid ihr?“, fragte er argwöhnisch nach. „Und was wollt ihr hier?“
„Mein Name ist Ilay…“, stellte sich Ilay vor. „Ich gehöre zur Einheit von Mayor Hoxia… Wir müssten dringend mit Liz sprechen…“
„Was? Ich kann doch nicht jeden zu ihr lassen! Liz ist viel beschäftigt!“, wollte er die Gruppe abwehren.
„Zion? Was ist da los?“, rief Liz, die auch zur Tür kam.
„Oh, ihr seid es Ria und Ilay! Was führt euch hierher?“, fragte sie gut gelaunt.
„Wir müssen mit dir sprechen…“, gab Ilay ernst zu verstehen.
Liz merkte sofort, dass es ernst war.
„Also gut… Zion, sag den anderen Bescheid, ich komme bald wieder…“, sprach sie und ging voraus.
Die anderen folgten ihr.
„Wo ist Eneas? Und wer sind die Beiden bei euch?“, fragte sie direkt nach.
„Eneas ist im königlichen Palast und wir sind hier, weil wir dich um deine Hilfe bitten wollen…“, kam Ilay direkt zur Sache.
„Bei was?“, fragte sie forsch.
„Wir haben nun herausgefunden, wer der Drahtzieher ist, hinter den Entführungen der Frauen und Mädchen, da dies aber die Führungsebene des Militärs betrifft, brauchen wir Verbündete, denen wir vertrauen können…“, erklärte Ilay.
„Und woher wollt ihr wissen, dass wir nicht mit ihnen unter einer Decke stecken? Vielleicht arbeiten wir ja für sie und werden euch jetzt aufhalten, weil ihr so weit gekommen seid…“, blickte sie Liz absolut ernst an.
„Das könnte ich nicht glauben, du warst immer so nett zu uns und hast uns sogar geholfen!“, gab Ria besorgt von sich.
„So ist es aber! Ab hier endet euer kleines Abenteuer!“, brachte sich Liz in Position und erhob ihre Lanze.
„So viel zu eurer Verbündeten…“, gab Celine genervt von sich.
„Und was machen wir jetzt Ilay? Wir haben keine Zeit für Extraprobleme…“, stellte Bela fest, der seine Sense bereithielt.
„Wir werden gegen sie kämpfen müssen…“, antwortete er und packte seine Sense ebenfalls aus.
Ria zog ihr Schwert.
„Und ich? Ich kann nicht wirklich kämpfen…“, ließ sich Celine leicht zurückfallen.
„Greif mit deinen Fähigkeiten nur ein, wenn es sein muss, ansonsten hältst du dich zurück… Mit deinen Fähigkeiten solltest du uns gut supporten können…“, befahl Ilay.
Liz rannte auf sie zu und holte mit ihrer Lanze aus. Bela und Ria wichen aus und Ilay blockte ihren Angriff.
„Na kommt… Zeigt mir, was ihr drauf habt…“, provozierte sie Ilay.
Ilay schubste sie einige Meter nach hinten. Als sie aufkam, griff auch schon Bela an. Liz rollte sich lässig nach hinten ab, um dem Angriff auszuweichen und sprang mit einem Satz nach vorn, um alle mit einem Angriff aus dem Weg zu räumen.
Die Gruppe richtete sich wieder auf.
„Sie ist ganz schön stark…“, stellte Bela fest.
„Das ist auch keine gewöhnliche Soldatin… Das ist Mayor Elizabeth Korhonen… Eine der stärksten Soldatinnen, die ich kenne…“, erklärte Ilay der sich etwas Blut vom Mundwinkel wischte.
„Für euch ist sie vielleicht eine Gegnerin, aber nicht für mich, wenn ich ernst mache…“, stellte Bela wutentbrannt fest. „Da sie ja eh zu unseren Gegnern gehört, sehe ich da kein Problem aufs Ganze zu gehen!“
„Ist gut, aber töte niemanden! Auch wenn sie zum Feind gehört, verdanken wir ihr und ihrer Einheit einiges…“, stellte Ilay klar.
Belas Augen begannen zu funkeln. Er grinste schelmisch und ließ seine spitzen Zähne hervorblitzen.
„Ein Dämon?“, war Liz entsetzt.
Kaum ausgesprochen, stand Bela in voller Dämonenpracht vor ihr und schwang seine Sense. Damit stieß er sie direkt ins Gebäude. Ihre Einheit kam heraus und sah nach dem Rechten. Sie waren genauso entsetzt.
„Feinde! Los lasst uns Liz helfen!“, rief einer von ihnen. Alle holten ihre Waffen heraus und brachten sich in Kampfstellung.
„Euch verspeise ich zum Frühstück!“, gab Bela mit teuflischem Lachen von sich.
Er stürmte auf die Gruppe zu und fand sich plötzlich in einer Explosion wieder. Schützend nahm er die Arme vor sein Gesicht und versuchte etwas zu erkennen.
„Unterschätze meine Einheit nicht…“, lachte Liz, welche sich aus den Trümmern heraus hievte. „Sie sind sehr gut trainiert und sehr begabt…“
Sie gingen sehr koordiniert auf Bela los von allen Himmelsrichtungen aus. Bela wich vier von fünf Angriffen aus doch der letzte traf ihn und schleuderte ihn zurück in eine Mauer.
„So ´ne Scheiße… Wenn ich euch töten dürfte, wäre das viel leichter!“, meckerte er und stand wieder auf.
„Und nun zu dir!“, rief Liz und stürzte sich auf Ria.
Ria war noch abgelenkt von dem Angriff auf Bela und schaffte es nicht mehr rechtzeitig auszuweichen. Celine erschuf rechtzeitig eine starke Barriere um Ria und ließ sie nach außen explodieren, so dass Liz in die Luft geschleudert wurde. So schnell schaute sie gar nicht, flog auch schon Ria auf sie zu und griff sie mit ihrem Schwert an. Liz parierte den Angriff.
„Also hast du doch göttliche Fähigkeiten…“, stellte Liz mit einem frechen Grinsen fest, während ihre Flügel erschienen und beide oben in der Luft flogen.
„Ja und das war noch längst nicht alles!“, rief Ria. „Ich hatte ein wenig Zeit zum Üben…“
Ria griff an und wurde immer schneller und schneller. Liz mühte sich ab allen Angriffen auszuweichen oder zu parieren.
„Du bist ziemlich gut…“, gab sie zu. „Aber nicht so gut wie ich!“
Damit wich sie Rias letztem Angriff aus und schleuderte sie mit voller Wucht Richtung Boden. Liz flog mit voller Power auf zu sie zu und hielt ihre Lanze bereit, um zuzustechen. Gerade als sie Ria durchbohren wollte, erschien Ilay vor ihr und hielt sie auf. Erschrocken sah sie ihn an. Ilay stand nun auch in voller Dämonenmontur vor ihr und funkelte sie böse mit seinen Augen an.
„Du also auch, Ilay…“, stellte sie entsetzt fest.
Währenddessen kämpften Bela und Liz‘ Trupp noch miteinander. Einer des Trupps schlich sich an Celine heran und startete einen Angriff. Bela bekam das mit, schwang einmal seine Sense, um alle umliegenden Feinde zu Boden zu bringen und warf sie dann zwischen Celine und dem Angreifer. Wie angewurzelt blieb dieser stehen und rührte sich nicht mehr.
Bela ging auf seine Sense zu und holte sie wieder aus der Wand heraus, dabei gab er dem Angreifer einen bitterbösen Blick.
„Das hättest du lieber sein lassen sollen…“, drohte Bela und stand schützend vor Celine.
Gerade als Bela wutentbrannt seine Sense schwingen wollte, mischte sich Liz ein.
„Halt!“, rief sie.
Alle Blicke wandten sich ihr zu.
„Ich habe genug gesehen… Hört auf, alle!“, gab sie zu verstehen.
Alle sahen sich verdutzt um.
„Also gut, wir werden euch helfen…“, zwinkerte sie Ilay und Ria zu.
Kapitel 34
„Also gut, wir werden euch helfen…“, zwinkerte sie Ilay und Ria zu.
„Was? Aber ich dachte…“, sprach Ria fassungslos.
„Sie hat uns auf die Probe gestellt… Sie wollte wissen, wie ernst wir es meinen, wie gut wir als Team funktionieren und agieren und ob auf uns verlass ist…“, stellte Ilay klar der gerade damit beschäftigt war, seine Sense wegzustecken.
„Das stimmt… Wir würden uns euch sicher nicht anschließen, wenn ihr einen von uns im Stich lassen würdet, wenn es drauf ankommt! Außerdem wollte ich sehen, was jeder von euch kann…“, erklärte Liz.
„Also durfte ich deshalb niemanden töten?“, war Bela angefressen als er auf sie zukam.
„Wie kommt es, dass eure Gruppe sowohl Gottheiten, Mischlinge als auch Dämonen beherbergt? Mich würde brennend interessieren, wie es zu dieser Konstellation kam… Und vor allem was Dämonen in der Armee des Göttlichen Ritterordens zu suchen haben…“, fragte Liz nach.
„Ich bin nur hier, weil mir langweilig war und ich nichts zu tun hatte, außerdem helfe ich nur Ilay…“, gab Bela achselzuckend von sich.
„Ich bin wegen Ria hier, um sie zu beschützen…“, gab Celine knapp von sich.
„Eigentlich bin ich der Armee beigetreten, weil ich etwas gegen die Bedrohung der Dämonen tun wollte…“, ergänzte Ria.
„Und ich bin bei der Armee, weil ich Eneas gefolgt bin…“, erklärte sich Ilay.
„So so… Eneas hat also absichtlich nur die Dämonen und Gottheiten zu mir geschickt, er wollte mir wohl von Anfang an reinen Wein einschenken…“, sprach Liz. „Der Kerl weiß, wie man meine Gunst gewinnen kann und mein Interesse weckt… Eure Mission klingt interessant, da kann ich nicht ablehnen… Also… Wer ist der Drahtzieher?“
„General Enil Hoxia höchstpersönlich…“, antwortete Ilay mit ernster Miene.
Liz lachte erst lauthals los, merkte dann aber, dass es Ilay bitterernst meinte. Geschockt sah sie Ilay an.
„Das kann ich nicht glauben! Ich kenne den General… Eneas‘ Vater würde so etwas… Obwohl… Doch, ich würde es ihm zutrauen… Bitte, kommt mit rein und erzählt mir alles, was ihr wisst...", sprach sie. „Ihr besorgt etwas zu trinken und zu essen für unsere Gäste, das könnte etwas längeres werden…“, befahl sie ihrer Einheit, welche sich augenblicklich auf den Weg machten.
„So ist das also… Ich verstehe…“, antwortete Liz, nachdem sie sich alles hat erzählen lassen.
In dem Augenblick kamen die anderen zurück und betraten den Raum.
„Setzt euch… Ich werde euch jetzt miteinander bekannt machen denn wir werden für einige Zeit eng zusammen arbeiten…“, entschied sie.
„Das hier ist Zion, ihr habt ihn ja schon gesehen als ihr hier ankamt. Er ist überdurchschnittlich stark, ausdauernd und besitzt viel Durchschlagskraft… Dafür ist er nicht gerade der Hellste… Er übernimmt in der Regel die Aufgaben des Tanks und steht mit an der Front…“, zeigte sie auf den Ersten.
„Das hier sind Arian und Aeden, unsere Zwillinge. Sie sind Alchemisten und experimentieren mit allerlei chemischen Substanzen herum. Ich verstehe davon nur Bahnhof aber sie haben einige explosive Granaten erfunden, die uns schon in vielen Missionen sehr hilfreich waren. Nebenbei stellen sie auch unsere Arznei her, die wahre Wunder bewirkt…“, zeigte sie auf die beiden identisch aussehenden, jungen Männer.
„Hier drüben haben wir Maris, sie ist eine ausgezeichnete Bogenschützin und hat Augen wie ein Adler, ihrem Blick entgeht nichts. Außerdem hat sie wahnsinnig schnelle Reflexe was es ihr ermöglicht viele Pfeile blitzschnell hintereinander abzufeuern. Ich habe sie noch kein einziges Mal ihr Ziel verfehlen sehen…“, zeigte sie auf das schüchterne Mädchen.
„Und hier haben wir Zoya, sie ist eine starke Kämpferin und sehr geschickt im Umgang mit Waffen. Dazu kann sie noch Verstärkungsmagie wirken, um sich selbst zu pushen und kann Barrieren erschaffen. Sie ist bei uns in jeder Position frei einsetzbar, was sie sehr wertvoll für uns macht“, zeigte sie auf die Frau, welche etwas abgeschieden in der Ecke stand.
„Und die letzte ist Cerise, sie ist unsere Magierin. Sie hat die Gabe der Erschaffung und kann allerlei verschiedenste Dinge auf Kommando erscheinen lassen. Außerdem sorgt sie für unser leibliches Wohl. Wenn sie nicht bei uns wäre, wäre sie sicher eine ausgezeichnete Chefköchin geworden. Sie ist sehr direkt, daran muss man sich erst gewöhnen“, zeigte sie auf die letzte Frau, welche bereits in der Küche am Tresen stand und fleißig kochte.
„Dann sollten wir uns wohl auch für alle Vorstellen. Das ist Ria, sie ist eine Gottheit und ist erst unserer Einheit beigetreten, nachdem sie ihre Rekrutenzeit als Jahrgangsbeste abgeschlossen hatte. Als Gottheit hat sie jede Menge verschiedener Fähigkeiten, welche sie aber erst erlernen muss, da sie bis vor kurzem keine Ahnung hatte, dass sie welche hat“, stellte Ilay Ria vor.
„Daneben ist Celine, sie ist eine entfernte Verwandte von Ria und ebenso eine Gottheit. Sie hat zwar keinerlei Kampferfahrungen ist jedoch sehr gut im Umgang mit ihren Fähigkeiten und kann Gefahren gut einschätzen durch ihre lange Lebenserfahrung“, stellte er Celine vor.
„Das hier ist Bela, er ist ein alter Freund von mir und ein Dämon. Er sagt zwar, dass er nur hier wäre, weil ihm sonst langweilig wäre, aber eigentlich ist er sehr nett unter seiner harten Schale und kümmert sich um seine Kameraden. Er ist ein ausgezeichneter Kämpfer und ein Meister im Umgang mit seiner Sense, was an seiner mehr als 300-jährigen Kampf- und Lebenserfahrung liegt“, stellte er Bela vor.
„Und mein Name ist Ilay, ich bin ebenfalls ein Dämon. Wie auch Bela, benutze auch ich eine Sense im Kampf, fungiere als Vize unserer Einheit und übernehme das Kommando, wenn Eneas nicht vor Ort ist. Auch ich bin sehr geschickt im Kampf und stelle das Wohl meiner Kameraden an erste Stelle“, stellte er sich schließlich selbst vor. „Die anderen können wir erst später vorstellen, neben uns gibt es noch unseren geschickten und kampferfahrenen Anführer Eneas, Laisa, eine Tsundere welche Verstärkungsmagie wirken kann und Seren, unser tollpatschiges, kluges Köpfchen welcher ein umfassendes und bemerkenswertes Wissen im medizinischen Bereich hat.“
„Na schön, da wir das nun geklärt hätten… Lasst uns aufbrechen… Ich möchte mich bezüglich des Plans mit Eneas unterhalten…“, gab Liz von sich.
„Ihr wollt also jemanden aus der Königsfamilie der mit euch kommt, um die Beweise zu verifizieren? Wer sollte das denn machen? Der König hat für so etwas überhaupt keine Zeit und wir haben Lucin aus eurer Einheit zurückgezogen eben damit sie nicht mehr in Gefahr gerät… Die einzige Option wäre demnach nur ich, und ich würde euch nur im Weg rumstehen oder euch behindern und Gefahr laufen im schlimmsten Fall getötet zu werden…“, sprach die Königin.
„Wir hätten sonst niemanden der diese Aufgabe übernehmen könnte… Wir wissen nicht, wer vom Militär noch mit drinnen steckt und können uns deshalb aufs Militär nicht verlassen… Ich persönlich bürge für ihre Unversehrtheit und werde sie wohlbehalten wieder zurück bringen…“, erklärte Eneas, indem er sich demütig vor der Königin verbeugte.
Die Königin seufzte.
„Ihr habt ja Recht… Ich möchte auch dass dieser Fall endlich ein Ende findet, und wir können sie so nicht weiter machen lassen, das Militär ist für die Sicherheit unseres Volkes zuständig und nicht dafür sie zu entführen und zu misshandeln… Ich werde dem König Bescheid geben und mich vorbereiten, wir müssen das schnellstens unterbinden… Wartet hier auf mich…“, willigte die Königin ein.
Der Trupp war erleichtert und atmete auf.
„Und Brigadegeneral Rist… Für ihre eigene Sicherheit werden sie in eine Zelle gebracht… Ich würde es ihnen gern angenehmer gestalten jedoch ist dies nicht möglich als Mittäter beziehungsweise Komplize dieser Organisation…“, damit verließ die Königin die Gruppe.
„Ich verstehe und danke ihnen für ihre Gutherzigkeit… Mir ist alles recht, solange meine Tochter gerettet wird…“, verbeugte sich auch der Brigadegeneral demütig vor der Königin und ließ sich freiwillig von den Wachen abführen.
„Mir tut er schon ein wenig leid…“, sah Laisa ihm hinterher.
„Da kann man leider nichts machen… Als Komplize macht er sich ebenso strafbar…“, antwortete ihr Seren und legte ihr seinen Arm um die Schulter.
Eneas lehnte sich gegen eine Wand und wartete. Er sah sehr angespannt aus.
„Noch mehr tut mir momentan Eneas leid… Es muss schwer für ihn sein…“, sprach Laisa als sie Eneas beobachtete.
„Ja… Sein Vater ist sein einziger Verwandter, den er noch hat und dann soll er sowas getan haben? Noch dazu ist sein Vater für die gesamte Armee verantwortlich… Ich kann mir gar nicht vorstellen was ihn ihm vorgehen muss…“, gab Seren hinzu.
Die Königin kam wieder herunter und stand in Hosen und Ausrüstung vor ihnen.
„Ich wäre so weit…“, gab sie bekannt.
„Sehr gut… Dann folgen Sie uns bitte, eure Hoheit…“, forderte Eneas.
„Bitte… Nennt mich während der Mission bei meinem Vornamen: Ginevra… Es muss unterwegs nicht gleich jeder mitbekommen, dass ich die Königin bin…“, erklärte sie.
„Sehr wohl…“, gab Eneas von sich und führte die Königin aus ihrem Palast.
Sie gingen durch die Straßen und kamen an vielen Geschäften vorbei und an einem Markt. Die Königin staunte bei diesem Anblick.
„Wow, es sieht so anders aus, wenn man als normaler Bürger hier ist…“
Eneas lächelte leicht.
„Sie wirken wie ausgewechselt… So locker…“, staunte Laisa.
„Naja…“, lächelte die Königin sanft. „Ich bin genauso ein Mensch wie ihr auch… Im Prinzip unterscheidet uns nichts und auch ich staune mal über etwas oder erfreue mich… Ehrlich gesagt ist es anstrengend und zermürbend eine Königin zu sein, immer die Fassung zu wahren und dem Allgemeinwohl zu dienen… Ich genieße unser kleines Abenteuer, in dem ich einfach mal so sein kann, wie ich bin…“, antwortete sie.
„Lucin ist ihnen sehr ähnlich…“, stellte Eneas immer noch lächelnd fest.
Verdutzt blickte sie ihn an.
„Sie sieht ihnen nicht nur ähnlich, sie ist genauso stur, wild und freiheitsliebend wie sie… Aber auch herzensgut und aufopfernd… Sie hat sich immer für Schwächere eingesetzt und jeden gleichbehandelt, sie hat sich nie für etwas Besseres gehalten… Das sind alles Dinge, die ich sehr schätzte an Lucin…“, erzählte Eneas.
Sie lächelte.
„Wir sind da“, merkte Seren an.
Gemeinsam betraten sie ihre Unterkunft und trafen auf die anderen die bereits am großen Tisch in der Küche saßen.
„Liz“, freute sich Eneas.
Liz stand auf und nahm Eneas in den Arm.
„Ihr macht vielleicht Sachen… Man man man…“, gab sie von sich.
Bela ließ den Beiden einen sehr eifersüchtigen Blick zukommen.
„Ich bin froh, dass wir eure Unterstützung haben…“, sprach Eneas.
„Natürlich, du kannst immer auf mich zählen… Das hab ich dir doch versprochen“, lächelte sie.
„Sie sind so vertraut miteinander… Wie lange kennen die sich denn?“, fragte Bela Ilay ganz unauffällig.
Mit riesigen Augen sah Ilay ihn an.
„Oh wow! Kann es sein, dass du eifersüchtig bist? Stehst du etwa auf ihn? Läuft da was zwischen euch?“, fragte Ilay ungläubig nach.
Bela drehte sein Gesicht weg.
„… Vergiss es“, gab er verlegen von sich.
„Ah, ich verstehe… Deshalb meinte Leif damals zu mir das Ria eh nicht Eneas‘ Typ wäre… Ich wusste gar nicht das er auf Männer steht… Dann wollte Leif mich nur aufziehen mit der Frage, ob ich eifersüchtig wäre…“, ging Ilay ein Licht auf.
Gedanklich konnte Ilay Leif lachen hören.
<So ein Saftsack!> dachte Ilay und sah genervt drein. Danach musste er leicht Lächeln.
„Und du stehst also auch auf Männer?“, fragte Ilay neugierig nach.
„D-Das geht dich überhaupt nichts an!“, wollte Bela diese Frage abblocken.
„Das war kein nein…“, stellte Ilay mit einem neckischen Grinsen fest und stupste ihn in die Seite.
Bela war sichtlich nervös und wollte dieses unangenehme Gespräch sofort beenden.
„Also, morgen geht’s los! Ruht euch diese Nacht gut aus, wir wissen nicht was morgen auf uns zukommen wird!“, stellte Eneas ernst klar.
Bela ging nach draußen, er musste etwas frische Luft schnappen. Er seufzte.
<Ilay hat Recht… Ich kann es zwar selbst nicht glauben, aber ich denke, dass ich Gefühle für ihn habe… Und dass ausgerechnet für ein Mischwesen… Was dazu wohl die anderen daheim sagen würden?>
„Bela…“, kam Eneas auf ihn zu. „Hier steckst du also… Ich wollte mich noch bei dir bedanken… Wenn du mir nicht hinterher wärst, hätte es auch schlimm für mich ausgehen können… Ich war total durch den Wind und konnte mich nicht mehr richtig aufs Kämpfen fokussieren…“
„Ist schon gut…“, gab Bela knapp von sich und wandte sich ab.
Eneas konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Was hast du eigentlich Liz vorhin so mit deinen Blicken verflucht?“, fragte er nach.
Schon zuckte Bela bei dieser Bemerkung zusammen.
„Kein Grund für Eifersucht… Sie ist eine alte Kindheitsfreundin von mir und weiß, dass ich auf Männer stehe“, lächelte Eneas ganz locker.
Bela lief rot an und konnte Eneas‘ Blick nicht standhalten.
„Aber eigentlich finde ich das ganz süß, dass du eifersüchtig wirst… Das bedeutet, dass du sehr wohl etwas für mich überhast, auch wenn du versuchst es zu verstecken…“
Eneas griff nach Bela und hielt ihn fest, fixierte ihn vor sich.
„Warum gibst du’s nicht zu?“, fragte er hartnäckig nach.
„Das ist doch wohl offensichtlich! Du bist ein göttliches Mischwesen und ich ein Dämon! Unsere Nationen sind seit langer Zeit im Krieg! Das kann einfach nicht funktionieren!“, versuchte sich Bela zu wehren.
„Das interessiert mich nicht… Das ändert nichts daran, was ich fühle und empfinde… Bela…“, sah er ihn direkt an und streichelte ihm über seine Wange. „Ich hab mich in dich verliebt…“
Bela wurde daraufhin knallrot im Gesicht.
Eneas zog ihn näher zu sich und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Bela wollte sich erst wehren und Eneas‘ Hände wegziehen, doch er resignierte und ließ es geschehen.
Kapitel 35
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 36
Die Truppe war unterwegs zum besagten Anwesen. Bela sah sich die Granaten in seiner Hand an.
„Und die sind wirklich hilfreich?“, fragte er unglaubwürdig nach.
Aeden lief neben ihm, sah ihn genervt an und schnappte sich die Granate.
„Wenn du sie nicht willst, gib sie wieder her!“
„Hey!!“, rief Bela und sah Aeden bitterböse an.
„Und du kleiner Knirps sollst sehr stark sein?“, neckte ihn Arian, der Bela am Kopf tätschelte.
„Wie war das?! Wer ist hier der Knirps?! Wollt ihr etwa meine Klinge zu spüren bekommen?!“, flippte Bela aus und holte seine Sense hervor. Sein Lächeln war mörderisch.
Eneas kam zu ihnen und senkte Belas Waffe.
„Genug jetzt! Es ist nicht mehr weit… Ab jetzt konzentriert ihr euch und bleibt bei der Sache…“, ermahnte er sie und sah sehr angespannt aus.
Bela sah Eneas mit einem leicht traurigen Gesichtsausdruck an.
<Ich sollte Eneas keine weiteren Schwierigkeiten bereiten… Er hat sicher schon genug damit zu kämpfen seinem Vater gegenüberzutreten und ihn zu bekämpfen…>
„Da ist es…“, rief Liz nach hinten zu den anderen.
Die Gruppe trat hervor und erblickte das riesige, angsterweckende Anwesen.
„Sieht unheimlich aus…“, stellte Maris fest.
„Keine Angst, wir sind alle hier…“, versuchte sie Zoya zu beruhigen und legte eine Hand auf ihrer Schulter ab.
Maris lächelte sie sanft an und legte ihre Hand auf Zoyas.
„Oh, du kannst also doch sprechen?“, war Celine verwundert.
Zoya drehte sich weg und entfernte sich ein paar Schritte. Celine sah sehr angepisst aus.
„Hey! Ignorier mich nicht einfach!“, war sie sauer.
„Nimm es ihr nicht böse… Sie ist nicht wirklich gesprächig und kann mit sozialen Interaktionen nicht gut umgehen…“, erklärte Maris.
„Pfft!“, drehte sich Celine eingeschnappt um.
„Also… Lasst uns reingehen…“, sprach Eneas und lief entschlossen voraus.
<Nun ist es also so weit… Wir werden meinem Vater gegenübertreten… Ich kann es immer noch nicht fassen, dass er zu solchen Gräueltaten fähig sein soll… Ich hoffe ich bin bereit dafür…>
Sie öffneten die großen Flügeltüren und betraten das große Anwesen.
„Wer seid ihr? Was wollt ihr hier? Ihr habt hier nichts zu suchen!“, fragte eine der Wachen nach.
Die anderen Wachen machten sich bereit und brachten ihre Waffen in Position.
„Geht uns aus dem Weg oder wir werden Gewalt anwenden müssen! Ihr werdet uns nicht aufhalten können!“, entgegnete Liz ganz forsch und erhob ihre Lanze.
„Lasst keinen durch! Der Boss darf jetzt nicht gestört werden!“, rief einer der Wachen den anderen zu.
Sie gingen in den Angriff über und stürmten los. Zion positionierte sich an der Front, um die erste Scharr wieder direkt nach hinten zu katapultieren.
„Los jetzt!“, rief er den anderen zu.
Liz, Zoya, Eneas, Bela, Ilay und Ria stürmten vor und schalteten einige Gegner aus.
„Wir sollten uns aufteilen! Wenn wir alle hier zu lange zurückgehalten werden, könnte uns der General entkommen!“, rief Ilay als er einen Angriff blockierte.
„Da hast du Recht…“, stimmte Liz zu und stach einen Gegner mit ihrer Lanze nieder.
In dem Augenblick regnete ein Pfeilhagel auf die Gruppe nieder. Erschrocken sahen sie in die besagte Richtung, aus der sie kamen. Celine war blitzschnell und errichtete eine große Barriere, welche die Pfeile allesamt abprallen ließ.
„Kümmert euch nicht darum!“, rief ihnen Celine mit einem selbstsicheren Grinsen zu.
„Wir haben hier alles unter Kontrolle!“, rief Maris hinterher, welche gekonnt in wenigen Augenblicken alle feindlichen Bogenschützen mit ihrem Bogen ausgeschaltet hatte.
"Oh mein Gott!", war die Königin schockiert.
„Beruhigt euch… Solange ihr in meiner Nähe seid, wird euch nichts widerfahren…“, beruhigte sie Celine mit einem sanften Lächeln, während sie einen großen Schild als Deckung vor der Königin positionierte.
„Ich danke dir…“, bedankte sich die Königin.
Liz blockte einen Angriff ab doch wurde direkt von Hinten attackiert. Erschrocken sah sie sich um als plötzlich Bela vor ihr stand und den Angreifer ausschaltete. Seine Augen funkelten dämonisch und durch sein Grinsen konnte man seine spitzen Zähne blitzen sehen. Die Art und Weise wie er vor ihr stand hatte etwas Majestätisches und ließ Liz nur staunen.
„Jetzt weiß ich, warum Eneas dich so mag…“, gab sie mit einem verschmitzten Grinsen von sich.
„Wie bitte?“, war Bela schockiert.
„Kein Grund es zu verheimlichen! Du bist total Eneas‘ Typ! Und dass da was zwischen euch ist, merkt man an eurer Dynamik!“, lachte sie auf.
Bela lief augenblicklich rot an im Gesicht, während die Beiden Rücken an Rücken standen und von Gegnern umzingelt wurden.
„Ist das so offensichtlich?“, fragte Bela leicht beschämt nach.
„Mir entgehts fast nichts, mein Freund!“, gab sie von sich, während sie sich auf zum nächsten Angriff machte.
Bela grinste schelmisch und stürmte auch wieder los.
„Das sind ganz schön viele Gegner…“, stellte Ria fest. „Und es werden immer mehr!“
Gekonnt blockte sie einen Angriff, brachte den Angreifer mit einer geschickten Drehung zu Boden und schaltete den Gegner hinter ihr aus. Seren schloss zu ihr auf.
„Ich helfe dir!“, rief er ihr zu, während er auch ein paar Gegner blitzschnell beseitigte.
„Du bist ganz schön gut geworden Ser!“, lobte sie ihn mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht.
„Das habe ich dem schweißtreibenden und intensiven Training zu verdanken und vor allem Laisa, sie holt das Beste aus mir heraus!“, grinste er stolz zurück.
Verlegen blickte Laisa in ihre Richtung, nachdem sie das hörte.
„Na aber Hallo, dafür bin ich doch schließlich da!“, merkte sie an.
„Also weiter…“, lächelte Seren Laisa an.
„Gut!“, stimmte sie zu und wandte ihre Unterstützungstechnik auf Seren an.
Eneas und Ilay griffen in der Zwischenzeit eine große Menge an Gegnern synchron an. Sie waren ein gut eingespieltes Team und ließen sich gegenseitig ein wissendes Lächeln zukommen.
„Eneas, jetzt!“, rief Ilay ihm zu.
Zusammen schnitten sie eine Schneise zwischen ihre Gegner und machten den Weg frei. Doch plötzlich standen einige Elitesoldaten vor ihnen und schleuderten beide zurück.
Ilay schleuderte es direkt in die Zwillinge, welche seinen harten Aufprall verhinderten. Eneas hingegen flog mit voller Wucht gegen eine Wand und landete hart auf dem Boden. Mit einem schmerzverzogenen Gesicht fasste er sich an seine Schulter.
„Tsk! Scheiße!...“
Ria stand nicht weit weg von ihm und kam direkt auf ihn zu.
„Eneas… Deine Schulter…“, war sie besorgt.
Sie half Eneas wieder auf die Beine, doch ihre Gegner fackelten nicht lange und einer von ihnen stürmte direkt auf die Beiden zu. Ria konterte mit einer perfekten Drehung diesen Schlag und konnte ihn zurückwerfen. Sie wandte sich wieder Eneas zu.
„Wir müssen weiter! Geht es bei dir?“, fragte sie ihn.
„Ja…“, rappelte sich Eneas wieder auf und stürmte mit Ria nach vorn. „Macht uns Platz!“, schrie er.
Alle reagierten. Liz warf sich auf die Gegner vor ihr, um sie aus dem Weg zu werfen, während Bela die nächsten Gegner mit einer eleganten Drehung seiner Sense eliminierte. Cerise schnappte sich die Königin und lief ebenfalls weiter, dicht gefolgt von Celine. Die Nächsten Gegner schaltete Marin aus mit der geschickten Handhabung ihres Bogens. Der Weg wurde immer freier.
Auf einmal kamen von außen immer mehr Soldaten zu ihnen gestürmt. Zion stellte sich ihnen in den Weg. Es waren so viele, dass Zion damit zu kämpfen hatte alle aufzuhalten.
„An mir führt kein Weg vorbei!“, schüchterte er sie mit seiner muskulösen und großen Gestalt ein.
Dann wurde Marin von ein paar Gegnern überwältigt. Zoya sah das sofort und stürmte auf sie zu.
„Marin!“, rief sie.
In dem Augenblick flogen einige Rauchbomben durch die Luft und erschwerten für die Gegner die Sicht. Die Zwillinge warfen sie zu den letzten verbleibenden Gegnern, die ihnen den Weg versperrten.
„Fresst das!“
„Eneas! Lauft weiter! Wir halten sie hier auf! Seht zu, dass ihr dem ein Ende bereitet!“, schrie Liz und rannte auch Richtung Maris, Zoya und Zion.
„Verlass dich auf uns!“, rief er zurück.
Einer der Gegner richtete sich noch einmal auf, um sie am Durchkommen zu hindern. Bela sprang mit einem Satz nach vorn und entledigte sich diesem. Er öffnete die große Tür und lies alle durch. Eneas und die anderen rannten an ihm vorbei. Er warf ihm noch einen Blick zu und Bela erwiderte diesen.
„Überlebt“, ließ Bela ihm noch zu kommen, bevor er die Tür schloss, und auf der anderen Seite verblieb, während eine große Anzahl an Gegnern auf ihn zukam.
Sie sahen noch einem Moment Richtung Tür doch setzten ihren Weg fort.
Als sie in einer riesigen Halle ankamen mussten sie sich entscheiden in welche Richtung es weiter geht.
„Wir müssen uns aufteilen…“, stellte Ilay fest.
„Ja… Ilay, Aeden und Arian ihr geht nach rechts… Ria, Celine, Cerise und Ginevra, wir gehen nach links…“, befahl Eneas.
Ilay sah unglücklich mit dieser Entscheidung aus, äußerte sich aber nicht dazu. Eneas sah Ria und Ilay an.
„Ihr zwei… Ihr habt doch sicher immer noch diese Pager, oder? Du hast deinen sicher nicht Seren zurückgegeben oder, Ilay?“, fragte Eneas nach.
Beide zückten die Pager hervor.
„Stimmt… Ich habe ihn immer noch…“, bestätigte Ilay.
„Gut… So können wir uns erreichen, falls eine Gruppe Probleme bekommt oder meinen Vater zuerst findet…“, stellte Eneas klar.
Ilay und Ria sahen sich an.
„Wir sehen uns dann später, okay?“, sprach Ria sanft.
Ilay lächelte und nickte, dann teilten sich die Gruppen auf.
„Kann es sein, dass ihr ein Paar seid?“, fragte Aeden frech nach.
„Ihr wirkt so vertraut miteinander, wie ein Paar eben…“, warf Arian mit ein.
Ilay warf ihnen einen überraschten Blick zu als sie den Gang entlang rannten.
„Ja… Wieso?“, wollte er wissen.
„Wir fanden es nur seltsam… Ein Dämon und eine Gottheit… Das ist schon ziemlich außergewöhnlich…“, stellte Aeden fest.
„So außergewöhnlich nun auch wieder nicht… Das gab es früher sicher ganz oft und in dem Buch stand ja auch dass der Dämonen Lord eine Gottheit zur Frau hatte…“, gab Arian von sich.
„Ihr wisst davon? Was ist das für ein Buch?“, wurde Ilay neugierig.
„Wir haben in der Bibliothek der militärischen Einrichtung ein geheimes Zimmer gefunden mit Informationen von vor dem langanhaltenden Krieg… Dort waren viele Bücher und Aufzeichnungen, welche wir verschlungen haben… Wir wissen, dass die Dämonen, Gottheiten und Menschen früher friedlich miteinander lebten...", erklärte Arian.
„Und warum seid ihr dann trotzdem in der Armee?“, fragte Ilay weiter.
„Naja… In der Armee kommt man eben an Informationen, an die man sonst so nicht kommt als normaler Bürger, außerdem bekommen wir so unsere Studien und Experimente bezahlt und Fördermittel dafür…“, gab Aeden preis.
„Verstehe…“, gab Ilay von sich.
<Sie wissen zu viel… Vor ihnen darf ich definitiv nicht meine Flügel zeigen sonst wüssten sie sofort, wer ich wirklich bin…>
Sie Bogen um die Ecke und folgten der Treppe in den Keller hinunter. Geschockt sahen sie sich um.
Kapitel 37
„W-Was ist das für ein Ort?“, stellte Arian eine Frage, die sich selbst erübrigte bei dem Anblick der sich ihnen bot.
Von den Decken hingen lauter kleine Kerker hinab in denen Frauen zusammen gekauert saßen. Sie waren teilweise nicht einmal mehr ansprechbar, so schlecht waren sie beieinander. Die Drei sahen sie sich genauer an. Ilay verzog seine Miene und sah sie erst mitleidig an, bis die Wut in ihm hochkochte.
Die Mädchen und Frauen waren teilweise blutüberströmt und wiesen viele tiefe Wunden auf. Als Ilay in einen der Käfige hineinlangte, um nach einem Mädchen zu sehen wurde diese direkt apathisch und schrie fürchterlich.
„Nein! Aufhören! Tun Sie mir bitte nicht mehr weh! Ich will nicht mehr!“
„Beruhige dich… Wir sind hier, um euch zu helfen!“, versuchte Ilay sein Bestes das Mädchen zu beruhigen.
Aeden inspizierte in der Zwischenzeit einige andere Käfige. Er fand eine leblose Frau vor. Ihr Blick war glasig und voller Schmerz gezeichnet.
„Die hier ist bereits tot…“, stellte er fest. „Lasst uns die noch Lebenden befreien und ihnen helfen…“
„Haben wir überhaupt etwas dabei, um ihnen helfen zu können?“, fragte Ilay nach, während er den Käfig gewaltsam öffnete und dem Mädchen heraushalf.
„Wir sind vorbereitet… Wir wussten in etwa was auf uns zukommt…“, sprach Aeden.
„Wir wussten nur nicht, dass es so viele sein würden… Mal sehen ob unsere Vorräte ausreichen werden…“, steuerte Arian bei und kramte in seiner Tasche herum.
Zum Vorschein kamen lauter kleine Ampullen. Fragwürdig sah Ilay sie an. Arian gab ihm auch welche.
„Spritz das allen noch Lebenden… Das wird ihnen helfen ihren Kreislauf wieder zu stabilisieren, sodass sie wieder auf die Beine kommen…“, erklärte Aeden ihm, der sich auch welche aus Arians Tasche nahm.
Ilay nahm welche entgegen und ging auf das erste Mädchen zu, um ihr eine Dosis zu verabreichen.
„Gleich geht es dir etwas besser…“, sprach er sanft zu ihr und verabreichte ihr den Inhalt der ersten Ampulle.
Er sah zu den Brüdern rüber.
„Hey… Wenn euch ein in etwa 12 Jahre altes, blondes Mädchen auffällt, sagt mir Bescheid… Wir suchen nach ihr, ihr Name ist Caroline…“, gab Ilay ihnen Bescheid.
„Ist gut… Sag du den anderen mittels des Pagers Bescheid was wir gefunden haben…“, antwortete Aeden.
Währenddessen waren die anderen unterwegs im linken Flügel des Anwesens.
„Das Anwesen ist ganz schön groß, ich hoffe wir übersehen nichts…“, sagte Ria, während sie sich umsah.
„Keine Sorge, wir schauen uns alle um, da würde es sicher irgendjemanden auffallen, wenn wir etwas übersehen würden…“, antwortete Eneas.
„Da vorn! Weitere Wachen!“, stellte Celine fest.
„Dann sind wir wohl auf der richtigen Spur! Macht euch kampfbereit!“, befahl Eneas.
Ria und Eneas stürmten vor und kämpften sich durch die gegnerischen Reihen. Celine stellte sicher, dass sie unverletzt durchkamen, indem sie eine Barriere um die Beiden aufbaute. Cerise schützte weiterhin die Königin.
Sie drangen immer weiter vor doch eine allmähliche Erschöpfung machte sich langsam breit nach all diesen Kämpfen.
Dann piepste Rias Pager, gespannt sah sie sich die Nachricht an.
„Eneas! Die anderen haben den Keller gefunden und sind dabei die dort eingesperrten Mädchen und Frauen zu befreien!“, überbrachte sie die Botschaft.
„Sehr gut… Wir gehen weiter! Mein Vater dürfte nicht mehr weit sein!“, erklärte Eneas der mit den anderen einen großen Saal erreichte.
„Ups…“, kam es von hinter ihnen von einer tiefen, dunklen Stimme.
Erschrocken sahen sie sich alle um.
„Kyaaa!“, schrie die Königin, die vor Schreck zu Boden ging und hastig versuchte Abstand zwischen sich und diesen Mann zu bekommen.
Cerise ging zu Boden. Hinter ihr kam ein Mann zum Vorschein der Cerise’s Herz in seiner Hand begutachtete, bevor er es auf den Boden klatschen lies und es respektlos mit seinem Fuß zerquetschte. Geschockt beobachteten sie dieses Geschehen.
„Eneas… Was für eine Überraschung dich hier zu sehen… Mein nichtsnutziger, unzuverlässiger Sohn…“, sprach der Mann, während er einige Schritte näherkam.
„Vater!!“, äußerte sich Eneas wutentbrannt.
„Was bringt euch hier her? Was wollt ihr hier?“
Die Stimme von Enil klang gnadenlos und kalt. Der Ausdruck in seinen Augen schrie geradezu nach Mordlust.
„Wir sind hier, um dir das Handwerk zu legen… Wir wissen, dass du der Drahtzieher hinter all den Entführungen bist… Deine schandhaften und abartigen Machenschaften werden wir hiermit ein für alle Mal beenden!“, drohte Eneas seinem Vater.
Enil brach in Gelächter aus.
„Und ihr glaubt wirklich ihr könntet mich aufhalten? Ihr seid lediglich ein Haufen Amateure! Nutzlos und inkompetent!“
Er sah Eneas mit seinem messerscharfen Blick direkt in die Augen.
„Dumme, kleine Kinder, die sich in Angelegenheiten einmischen, die sie nichts angehen!“
Enil umkreiste Eneas.
„Ich gebe dir hiermit eine letzte Chance dich zurückzuziehen, ansonsten wirst du hier deinen Tod finden wie einst schon deine Mutter…“
„Meine Mutter?“, war Eneas geschockt.
„Sie war eine törichte, kleine Göre… Sie hatte es gewagt sich mir zu widersetzen, sich zu wehren, zu rebellieren… Selbst in ihrem Tod noch war sie aufmüpfig und lächelte mich voll höhnender Verachtung an… Du bist wie sie… Der Ausdruck in deinen Augen ist der Ihre…“, sah er Eneas verschmäht an.
„Warum hast du mich dann aufgezogen, wenn du sie doch so sehr hasstest?“, wollte Eneas wissen.
„Versteh das nicht falsch, ich hasste sie nicht… Ihre Ausdauer und Hingabe waren in der Tat eindrucksvoll… Jedoch war sie nur eine kleine Sklavin welche ich aus persönlichem Vergnügen hier lies… Und nachdem ich sie geschwängert hatte, stellte sie Ansprüche… Dich habe ich nur behalten, weil ich dachte du könntest mir von Nutzen sein… Immerhin bist du dank meines Blutes eine Halbgottheit mit 50-prozentiger Göttlichkeit und dazu noch einer der wenigen verbleibenden Blutengel, die es noch gibt…“, erklärte Enil.
„Blutengel? Was soll das sein?“, war Eneas entsetzt.
„Wir gehören zu einer fast ausgestorbenen, speziellen Spezies der Gottheiten… Wir Blutengel sind wohl die Stärksten der Gottheiten und können uns unser Blut zunutze machen, um damit zu kämpfen! Eine Gottheit ist nicht gleich Gottheit, auch bei uns gibt es unterschiedliche Spezies… Seraphim - die Urgötter, Cherubim - die Wächter, Thrones - die Sehenden, Blutengel - die Kämpfer, Erzengel - die Überbringer, Memoriaengel - die Gelehrten, die normalen Engel und die Mischlinge…“, gab Enil weitere Erklärungen ab. „Jedoch wurden die meisten speziellen Spezies nahezu ausgerottet, so dass das ursprüngliche, einst so mächtige Volk der Gottheiten fast nur noch aus normalen Gottheiten und Mischlingen besteht…“
„Erkläre mir, was dein Ziel hier ist… Wozu dient das alles hier?“, fragte Eneas weiter nach.
„Das alles dient einzig und allein dem Ziel den Letzten der Seraphim zu finden, um genau zu sein die letzte verbleibende Urgottheit ausfindig zu machen… Ursprünglich ließ ich nur einige, wenige Mädchen entführen, um sie ausfindig zu machen, doch mit den Jahren entstand ein sehr lukratives Geschäft daraus und bot sich prima an, um die Suche auszuweiten… Mittlerweile sollte die besagte Urgottheit Volljährig sein, weshalb nun auch das Alter erweitert wurde…“
Ria wich einen Schritt zurück und versuchte ihre Nervosität zu verstecken. Sie erntete einen bösen Blick von Celine.
<Sei nicht so auffällig, oder willst du dass sie es herausfinden?!>
<Entschuldige… Das hat mich total nervös gemacht…>
Sie ergriff die Chance und benachrichtigte Ilay über die momentane Situation.
„Also ist die Urgottheit, nach dem jeder sucht, in Wirklichkeit eine Frau? Gäbe es nicht bessere Methoden nach ihr zu suchen?", fragte Eneas argwöhnisch nach.
"Andere Methoden ja, ob diese aber nun genauso effektiv wären wie die Meine, sei mal dahingestellt…“, antwortete Enil gelassen auf die Frage und positionierte sich direkt vor Eneas.
„Im Prinzip wollen wir doch alle diese Urgottheit finden… Wir alle wollen, dass dieser Krieg mit den Dämonen endlich beendet wird… Warum also hast du diesen Weg gewählt? Du bist der Anführer unserer Armee, eine öffentliche Suchaktion wäre im Rahmen des Möglichen gewesen… Ich hatte mich immer gefragt, warum so etwas nie in Betracht gezogen wurde…“, war Eneas misstrauisch.
„Das muss dich nicht weiter kümmern und ich bin das ewige Gerede langsam leid… Entscheide dich nun, zieht euch zurück oder sterbt!“, wurde Enil langsam wütend.
Eneas sah ihn argwöhnisch an, bereit jederzeit seine Waffe zu ziehen.
<Recht viel länger kann ich ihn nicht hinhalten… Ich hoffe Ilay und die anderen Beiden kommen bald, wir brauchen sie hier… Mit Ria allein werde ich ihm wahrscheinlich nicht Stand halten können nachdem nun klar ist das er auch eine reine Gottheit ist… Und all das, was er erzählte… Über meine Mutter… Über meine Herkunft… Ob das alles stimmt? Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, was es alles für Spezies unter den Göttern gab…>
„Du hast Recht, wir haben genug Small-Talk gemacht… Wir werden uns aber nicht zurückziehen! Wir sind hier, um das hier zu beenden!“, machte sich Eneas kampfbereit.
„So sei es!“, antwortete Enil und formte mit seinen Fähigkeiten ein gewaltiges Schwert.
„Celine, kümmere dich um Ginevra und Ria, du kämpfst mit mir!“, befahl Eneas.
„Alles klar“, gab Ria von sich und stellte sich zu Eneas.
Gemeinsam stürmten sie los und griffen den Brigadegeneral an. Sie verständigten sich allein mit ihren Blicken und griffen immer wieder abwechselnd an, um ihn nicht zum Zug kommen zu lassen. Er wehrte jeden einzelnen Angriff lässig ab.
„Ist das alles, was ihr draufhabt? Das wird definitiv nicht ausreichen!“, lachte Enil und schwang sein Schwert.
Mit einem Schlag beförderte er Beide aus der Bahn und sie donnerten direkt gegen die Wand.
„Ria! Alles gut?“, war Celine in Sorge.
„Kümmere dich nicht um mich, du hast deine eigene Aufgabe!“, rief ihr Ria mit einem schmerzerfüllten Gesichtsausdruck zu, während sie sich langsam wieder aufrichtete.
„Unterschätz mich nicht!“, gab Celine genervt von sich.
Sie faltete ihre Hände und begann eine Melodie zu singen. Ria und Eneas sahen sich an. Sie fühlten eine wohlige Wärme, welche sie durchdrang und ihre Wunden verschwanden allmählich. Ihre Stärke kehrte zurück und ihre Ausdauer regenerierte sich augenblicklich.
„Vielen Dank für den netten Boost“, bedankte sich Eneas mit einem frechen Grinsen.
„Unglaublich! Ich wusste gar nicht, dass Gottheiten so etwas können!“, wunderte sich Ria.
„Das Gottheiten das können wusste ich schon, nur nicht so präzise und effektiv“, ergänzte Eneas. „Und sieh nur Ria…“, deutete er in Richtung seines Vaters, der in die Knie sank und sich die Ohren schmerzerfüllt zuhielt.
„Das ist unsere Chance!“, rief Ria und sprintete los.
Eneas folgte ihr und zusammen griffen sie den General erneut an. Ria schwang ihr Schwert und zog es voll durch, doch Enil gelang es sie gerade so abzuwehren, sodass sie einige Meter durch die Luft flog. Kurz darauf stand aber bereits Eneas vor seinem Vater und verpasste ihm einen Schnitt quer über die Brust mit seiner Glefe. Vor Schmerzen schrie er auf und schleuderte ebenfalls Eneas zurück.
Enil sah auf und seine Augen leuchteten Blutrot. Mit seinen feuerroten Schwingen flog er in Windeseile auf Celine und Ginevra zu, er visierte sie direkt an. Er holte mit seinem Schwert aus und schlug zu doch prallte an einer massiven Barriere ab. In dem Augenblick erschien Ria hinter ihm und beförderte ihn mit einem gezielten Kick auf den Boden.
Sie kam zu ihm hinunter.
„Ergib dich!“, drohte sie ihm und hielt ihm ihre Klinge an die Brust direkt auf Herzhöhe. Enil fing an zu kichern.
In dem Augenblick gingen Celine und Ginevra zu Boden. Ihnen wurden magische Handschellen angelegt von zwei Individuen die urplötzlich auftauchten.
„Hab ich euch schon meine zwei treuesten Untergebenen, Farlo und Isel, vorgestellt?“
Geschockt sahen Ria und Eneas zu ihnen.
Kapitel 38
„Was sollen wir mit ihnen machen? Wäre umbringen nicht einfacher Farlo?“, fragte Isel.
„Da hast du durchaus Recht Isel… Aber mit diesen Handschellen können sie sowieso nichts mehr ausrichten, nicht einmal mehr diese Gottheit hier…“, lächelte Farlo verschlagen.
„Also… Geh von unserem Boss runter oder wir töten deine Freunde!“, forderte Isel.
„Tsk!“, gab Ria genervt von sich und lies langsam vom General ab.
Dieser richtete sich wieder auf und seine Untergebenen kamen zu ihm.
„Die Frau könnt ihr von mir aus getrost töten, doch diese Gottheit kommt mit mir… Sie ist die Einzige die weiß wo sich diese Seraphim aufhält… Hab ich nicht recht, Celine?“, sah er sie messerscharf an.
Celine sah ihn ungläubig an.
„Du fragst dich sicher, woher ich das weiß… Naja das ist nicht wirklich wichtig, was wirklich wichtig ist, ist die Tatsache, dass du damals die letzte Urgottheit versteckt hast… Und nun werde ich es aus dir heraus foltern…“, erläuterte Enil weiter.
„W-Was? Celine? Ist das wahr?“, sah sich Eneas fragend um und blieb mit seinem Blick an Ria hängen deren Nervosität er wahrnahm.
<Ria? Ist sie diese Urgottheit, nach der jeder sucht? Warum sollte sonst Celine bei uns sein und sie beschützen wollen? Nun verstehe ich… Aber das bedeutet ja das Ilay hier ist, um Ria zu töten? Weiß er es bereits? Weiß sie, warum Ilay in Wirklichkeit hier ist? Weiß sie von ihrer befleckten Seele und dass sie die Welt vernichten könnte und hielt sich deshalb versteckt? Wenn das alles Wahr ist, was Ilay und Bela mir erzählten, dann haben wir aber keine andere Wahl als sie zu töten… Verdammt!>
Eneas stürmte blitzschnell los und überraschte seinen Vater mit seinem Manöver. Er zog seine Glefe voll durch und erwischte seinen Vater im Gesicht. Er verpasste ihm einen Schnitt direkt über sein rechtes Auge. Schmerzerfüllt trat der General einen Schritt zurück und Eneas gewann mit Ria etwas Abstand zu den Gegnern.
„Eneas! Wir müssen die Beiden befreien!“, sprach sie ganz in Panik.
„Halt dich zurück, oder willst du, dass sie dein Geheimnis herausfinden?“, sah er sie ernst an.
„W-Was?“, war Ria ratlos.
„Er muss Celine von früher kennen und hat sie erkannt, das bedeutet er könnte auch deine leiblichen Eltern kennen und wenn du ihnen ähnlich sehen solltest…“, sprach Eneas weiter.
„Du weißt es?“, fragte Ria geschockt nach.
„Man muss nur eins und eins zusammen zählen… Wir müssen zusehen, dass sie nicht dahinter kommen…“, erklärte er. „Die anderen sollten jeden Augenblick hier sein also halt dich zurück!“
Ria resignierte und blieb in Deckung hinter Eneas, welcher seine Glefe in Position brachte.
„Vernichtet die Beiden!!“, befahl Enil erbost und hielt sich seine getroffene Gesichtshälfte.
Isel und Farlo stürmten los und griffen die Beiden an. Beide wehrten die Angriffe erfolgreich ab. Farlo ging weiter auf Ria los.
„Gebt lieber gleich auf! Ihr habt keine Chance gegen uns!“, drohte er ihr und schwang sein großes Schwert.
Ria wich aus und trat zum Gegenangriff an. Sie sprang mit ihrem Schwert auf Farlo zu, doch er blockte diesen Angriff ganz leicht ab.
Währenddessen kämpfte Eneas mit Isel.
„Du scheinst zwar der Stärkere zu sein, aber du kommst trotzdem nicht gegen uns an, wir sind reine Erzengel während du nur ein Halbblut bist!“, stichelte sie gegen Eneas.
„Seid euch da mal nicht zu sicher!“, konterte Eneas ihren Angriff.
„Bild dir nichts ein, ich muss dich nur lang genug aufhalten, denn eigentlich ist Farlo der Stärkere von uns Beiden und sobald er deine kleine Freundin ausgemerzt hat, können wir dich gemeinsam besiegen!", verriet sie den Plan als sie zu einem neuen Angriff ansetzte.
„Ahhhh!“
Eneas sah geschockt rüber zu Ria die am Boden lag und vor Schmerzen schrie. Farlo hatte sie zu Boden gebracht und spießte sie eben mit seinem Schwert auf.
„Hier spielt die Musik!“, ermahnte Isel ihn und ging wieder zum Angriff über. Sie schlug unermüdlich ohne Pause zu und Eneas musste sich konzentrieren jeden einzelnen Schlag abzuwehren.
„Jetzt ist es vorbei mit dir!“, rief Farlo und lachte manisch auf.
„Wenn du überleben willst, solltest du endlich auf mich hören und meine Hilfe in Anspruch nehmen…“
<“Was?“>
„Ich kann dir helfen… Ich kann all deine Probleme lösen, du musst es nur zulassen…“
<“Aber…“>
„Dir läuft schon wieder die Zeit davon…“
Ria krümmte sich vor Schmerzen, die ihr das Schwert zufügte. Celine konnte nichts tun als sich das Spektakel anzusehen. Sie biss sich auf ihre Lippe und flehte innerlich.
<Kasperoz… Es tut mir so unendlich leid… Ich hatte versprochen sie immer zu beschützen, aber nun sitze ich hier und kann nichts weiter tun als zuzusehen… Ich… Ich wünschte…>
Enil trat Celine zu Boden. Er sah sie bitterböse an.
„Es wäre besser, wenn du es gleich ausspuckst, wo sich diese Seraphim aufhält… Wäre doch eine Schande eine der letzten Thrones zu Tode quälen zu müssen für ein paar Informationen…“, lächelte Enil hinterhältig.
„Aus mir bekommst du kein Wort heraus…“, antwortete Celine schnippisch. „Ich erinnere mich endlich an dich… Ist es nicht verboten für Mitglieder des göttlichen Rats sich in die Belange der Menschen und Mischwesen einzumischen? Sich ins Militär einzumischen, gehört da definitiv nicht dazu…“
„Sieh an, du erinnerst dich also…“
„Was hast du vor? Was willst du mit ihr, wenn du sie gefunden hast? Warum habt ihr diese Unwahrheiten über sie verbreitet? Sie zu verstecken, war die beste Entscheidung, so ist sie sicher vor dir und dem Rest des Rates, sicher vor den Dämonen, die hier sind, um sie zu töten, weil ihr ihnen gar keine andere Möglichkeit gegeben habt… Das Ritual damals welches Janus und Annea vollzogen haben, um den Dämonen Lord zu versiegeln, welches ihr vom Rat angeordnet hattet, war eine List, nicht wahr? Es diente nicht dazu alle zu beschützen… Es war eine Lüge, dass die Dämonen uns angreifen und ausrotten würden, wenn wir ihnen das Kind nicht übergeben würden, oder? Es war geplant, dass Janus und Annea bei diesem Ritual ihre Leben lassen würden, um ihre beiden Kinder zu beschützen und ihr wusstet, dass Kasperoz sein Leben geben würde, um seine Schwester und mich zu schützen… Ihr habt systematisch alle aus dem Weg geräumt, die euch aufhalten hätten können… Alle… Janus und Annea, die Urgottheiten… Kasperoz, meinen Verlobten… Und Bael, den Mann meiner verstorbenen Schwester Riza, den Dämonen Lord… Ihr habt mir alles genommen… Wofür? Was erhofft ihr euch durch die Apokalypse, die dieses Kind in sich trägt? “
Alle hörten Celines Monolog gespannt zu. Auch Ilay, Bela und Liz hörten diese Worte als sie den Raum betraten und standen wie erstarrt da.
Enil brach in Gelächter aus.
„Hahahaha! Als ob wir dir oder irgendjemand anderem eine Erklärung für unsere Taten schuldig wären!“
„Hey! Was ist los mit dir?!“, fragte Isel, da Eneas wie weggetreten wirkte und doch jeden einzelnen Angriff mit Leichtigkeit parierte.
Auch Farlo kam nach diesem langen Monolog wieder zur Besinnung und widmete sich wieder Ria zu.
„Wo waren wir stehengeblieben? Achja, bei deinem Tod!“
Ilay war wutentbrannt, die Mordlust, die er empfand, spiegelte sich sogar in seiner Aura wider. Enil drehte sich erschrocken um. Ilay stand in voller Dämonenmontur da und sprang mit einem Satz nach vorn in Richtung Enil. Er schleuderte ihn quer durch den Raum. Enil rappelte sich wieder auf und sah Ilay fassungslos an.
„Ilay… Du… Ich hätte es wissen müssen… Der Ausdruck in deinen Augen, unter all dieser dämonischen Natur, die dich umgibt, erkenne ich sie klar und deutlich wieder… Hahaha… Warum ist mir das nicht früher aufgefallen… Du siehst ihr sehr ähnlich, deiner Mutter Riza…“
Erschrocken sahen alle Ilay an.
„Was? Das heißt du bist…“, sah ihn Celine mit Tränen in den Augen an.
„Ja, dass ist richtig… Meine Mutter hieß Riza und verstarb leider bei meiner Geburt und mein Vater ist Bael, der Dämonen Lord höchstpersönlich!“, gab sich Ilay zu erkennen, während er seine Sense auf Enil richtete. „Doch werde ich niemals zulassen, dass du die letzte Urgottheit in deine dreckigen Griffel bekommst!“
Damit sprang Ilay wieder auf Enil zu, um ihn anzugreifen. Im selben Augenblick erwachte auch Eneas wieder und entledigte sich mit einem einzigen Schlag aus Isels Angriffen, um auch auf Enil loszustürmen.
Liz sah die Leiche ihrer Kameradin Cerise mitleidig an und wandte sich dann der Königin zu.
„Geht es ihnen gut?“, fragte sie nach, während sie die Fesseln löste.
„J-Ja… Aber Cerise…“, stotterte die Königin.
„Machen sie sich keine Sorgen, wir wussten auf was wir uns einlassen… Der Tod ist in unserem Berufszweig unabdingbar…“, erklärte Liz und löste nun auch von Celine die Fesseln.
„Celine… Könntest du bitte auf die Königin Acht geben? Wir kümmern uns nun hierum…“, fragte Liz nach.
Celine nickte.
„Bitte… Rettet Ria…“
„Natürlich… Bela ist schon dabei… Die letzte Seraphim zu schützten sollte wohl unsere oberste Priorität haben“, lächelte Liz.
Ungläubig sah Celine Liz an.
„Wenn selbst der Bengel des Dämonen Lords die letzte Seraphim so dringend schützen will, liegt es wohl klar auf der Hand, wer sie sein muss“, zwinkerte Liz ihr zu.
Währenddessen stürmte Bela auf Farlo zu und katapultierte ihn aus dem Weg. Danach drehte er sich um und sah Ria bitterböse an.
„Also bist du es nach der wir die ganze Zeit gesucht haben… Du bist diejenige die wir ausschalten sollten!“, sprach Bela sauer und zeigte mit seiner Sense in Rias Richtung. „Wie lange weiß Ilay schon, dass du es bist?“
„Ich weiß es nicht… Aber jetzt weiß ich zumindest, warum ihr hier seid…“, antwortete Ria mit einem schmerzerfüllten Lächeln, während sie sich selbst das Schwert aus der Brust zog.
Währenddessen griffen Ilay und Eneas Enil zusammen an. Sie ließen Enil keinen Augenblick Zeit sich Gedanken zu machen. Er hatte alle Hände voll damit zutun ihre Angriffe zu blockieren und parieren.
„Zusammen wart ihr schon immer ein unschlagbares Team, nur leider wird das gegen mich nicht ausreichen solange ihr beiden nicht euer maximales Potenzial erreicht!“, entgegnete Enil auf ihre Angriffe und lächelte arrogant vor sich hin. „Also ist deine kleine Freundin die Seraphim nach der jeder gesucht hat…“
Ilay sah ihn sehr erzürnt an.
„Wage es ja nicht, Hand an sie anzulegen!!“, drohte er Enil.
Auf einmal funkelten Eneas‘ Augen richtig und seine Flügel fingen an sich rot einzufärben. Er verfiel in eine Art Raserei und dreschte immer weiter auf Enil ein. Mit jedem Angriff wurde er stärker und stärker, schneller und schneller. Doch dann fixierte Eneas Ilay und fing an ihn anzugreifen.
„Spinnst du Eneas! Wir sind hier, um deinen Vater dingfest zu machen!“, rief Ilay ihm zu.
Doch Eneas hörte ihn nicht mehr, er war in einer Art Trancezustand und bekam von seiner Umwelt nichts mehr mit.
„Das hat keinen Sinn!“, lachte Enil vor sich hin. „Er hat sein Blut nicht unter Kontrolle und sein Blut gibt ihm vor, dass alle Gottheiten beschützt werden müssen, Dämonen hingegen ausgeschaltet werden müssen, da spielt es keine Rolle, ob ihr nun Freunde seid oder nicht! So ergeht es jedem Blutengel, der seine Fähigkeiten noch nicht unter Kontrolle hat!“
Klack
Geschockt sah Enil hinter sich und erblickte Liz.
„Genug gelacht, alter Mann… Hiermit bist du offiziell festgenommen!“, grinste Liz hinterhältig als sie Enil die magischen Handschellen anlegte.
Eneas drängte Ilay immer weiter in die Enge. Ilay schaffte es kaum mit Eneas mitzuhalten.
„Eneas! Komm zu dir!“, rief er ihm zu. „Ich will dir nicht wehtun müssen!“
Eneas zeigte keine Reaktion darauf.
Ilay teleportierte sich hinter Eneas und zog mit seiner Sense voll durch, sodass Eneas zu Boden ging. Doch es dauerte keinen Augenblick und Eneas stand wieder auf den Beinen und katapultierte Ilay gegen eine Wand. Er stürmte los und hätte beinahe Ilay seine Glefe durch die Brust gerammt, direkt auf Herzhöhe, wenn nicht Liz dazwischen gesprungen wäre. Eneas stoppte augenblicklich.
„Eneas! Hör endlich auf damit! Ich glaube nicht, dass du so schwach bist, dass du nicht einmal mehr dir wichtige Wesen erkennst! Sie ihn dir genau an! Erkennst du ihn wirklich nicht? Ilay? Erinnere dich! Du sagtest mir, dass er der kleine Bruder ist, den du immer gewollt hast, aber nie hattest! Wie oft du mir ganz stolz von ihm erzählt hast! Wie glücklich es dich gemacht hat und wie froh du für ihn warst als Ria in sein Leben trat und ihm nicht mehr alles so gleichgültig erschien… Wie traurig es dich machte, dass er sich dir nie anvertraute, dass er dir nie wirklich vertraute, dass du für ihn nie so wichtig warst wie er für dich…“, erzählte Liz.
„Eneas…“, gab Ilay traurig von sich. „Verzeih mir…“
Eneas sackte zu Boden. Die Waffe warf er aus seiner Hand und blickte in seine Handinnenflächen welche leicht zitterten. Er sah sich um und blickte dann Ilay und Liz an.
„Entschuldigt…“
Die Beiden lächelten ihn an.
„Schön, dass du wieder da bist!“, freute sich Liz.
Ilay legte seine Hand auf Eneas Schulter als er an ihm vorbei ging.
„Und nun zu dir, Bela…“, sprach er erzürnt als er sich zwischen Bela und Ria stellte.
Kapitel 39
Ilay sah Bela mit ernster Miene an.
„Nimm die Waffe runter…“, ermahnte Ilay Bela ganz ruhig.
„Warum sollte ich? Sie ist der Ursprung allen Übels! Sie ist der Grund, warum wir hier sind! Sie ist die Zielperson, welche wir ausschalten müssen! Sie muss sterben damit die Welt nicht untergeht!“, schimpfte Bela lautstark.
„Das lasse ich nicht zu!“, baute sich Ilay vor ihm auf und legte seine Hand auf die Spitze von Belas Sense nieder.
„Bist du dumm?! Wenn sie nicht deinen Vater versiegelt hätten, wären wir nicht in dieser Situation! Sie sind selbst schuld an dieser Misere!“, schimpfte Bela weiter.
„Das sehe ich nicht so! Sie können nichts dafür, der Rat ist allein dafür verantwortlich! Ich bin mir nun sicher, dass der Rat vorsätzlich verschwiegen hat, dass mein Vater angeboten hatte die Befleckung auf sich zu nehmen, um Rias Leben zu retten, immerhin stand zu der Zeit bereits fest, dass wir uns Versprochen sind, weshalb sie schon für ihn zur Familie zählte, aber das weißt du besser als sonst irgendjemand immerhin sind wir wie Brüder aufgewachsen…“, erklärte Ilay.
„Warte…Was? Ihr seid euch bereits Versprochen?“, fiel Seren aus allen Wolken.
„Jetzt mal langsam… Würdet ihr uns bitte aufklären? Was geht hier vor sich?“, fragte Laisa, welche mit Seren soeben auch den Raum betrat.
„Die Anderen sind bei den Opfern und kümmern sich um alles weitere also wollten wir euch noch zur Hilfe kommen…“, ergänzte Seren das Ganze.
Liz lehnte mit Verschränkten Armen neben dem Eingang, nachdem sie alle Gefangenen mit magischen Handschellen Dingfest gemacht und zur Tür geschleift hatte.
„Wollt ihr die Kurzfassung? Unsre liebe Ria ist besagte Urgottheit und unser lieber Ilay hier ist der Sohn des Dämonen Lords... Eigentlich sind Ilay und Bela hier, um Ria zu töten denn sie ist anscheinend nicht die Hoffnung für uns, sondern der Untergang und könnte uns alle ins Verderben stützen… Jedoch weigert sich Ilay nun seinen Auftrag auszuführen… E Voila, hier sind wir…“
Ilay schnaufte einmal tief durch.
„Wir können sie nicht töten!“, behaarte er auf seiner Aussage.
„Du vielleicht nicht, ich schon!“, war Bela sichtlich angepisst.
„Nein!“, entgegnete Ilay.
Die Situation war sichtlich angespannt und nur ein kleiner Funke hätte gereicht, um das Fass zum Überlaufen zu bekommen.
„Ich glaub‘s nicht! Du stellst sie über das Wohl der gesamten Lebewesen hier auf diesem Planeten! Das ist nicht richtig! Und dass nur weil sie dir Versprochen ist?“, stellte ihn Bela zur Rede.
„Nein, nicht weil sie mir Versprochen ist, sondern weil ich sie liebe! Ich wusste nicht, wer sie war als ich sie kennen lernte, aber ich hätte mich so oder so in sie verliebt…“, lächelte er Ria sanft an als er sich zu ihr umdrehte, bevor er sich wieder Bela zuwandte. „Erst vor wenigen Tagen erlangte ich Sicherheit bezüglich ihrer Herkunft durch eine vergessen geglaubte Erinnerung… Ich werde nicht zulassen, dass ihr irgendjemand ein Haar krümmt!“
Bela war richtig sauer und eingeschnappt.
„Bela, beruhige dich… Ich könnte es auch nicht ertragen, wenn wir Ria einfach so opfern würden… Wie ich dir schon sagte, gehören die Mitglieder meiner Einheit zu meiner Familie… Ich bin mir sicher, dass es einen anderen Weg gibt…“, mischte sich nun Eneas mit ein.
„Das ist ja das Problem, es gibt keinen anderen Weg! Der einzige Ausweg für sie wäre unser Dämonen Lord, der aber immer noch versiegelt in seinem Palast verweilt und glaube mir, wenn ich dir sage, dass wir in den letzten 300 Jahren weiß Gott alles versucht haben, um ihn daraus zu befreien!“, erklärte Bela bissig.
„Ich glaube dir, Bela… Aber bitte beruhige dich…“, legte Eneas sanft seine Hände auf Belas Schultern ab.
Er kam ihm ganz nah, fixierte Belas Gesicht und wischte ihm die Tränen, welche ihm plötzlich über die Wangen kullerten, weg.
„Ich… Ich möchte doch nur… Meine Familie…“, schluchzte Bela.
„Bela…?“, war Ilay ratlos.
„Oh mein Gott! Sagt mir nicht, dass das niemand schnallt! Er ist ganz offensichtlich auch ein Sohn des Dämonen Lords, hat 300 Jahre lang an Papis versiegeltem Körper Wache gehalten und dann Sehnsucht nach seinem Bruder bekommen! Dass er kein normaler Dämon ist, habe ich bereits gemerkt als ich gegen ihn kämpfte… Ihr seid nicht nur wie Brüder aufgewachsen, ihr seid Brüder!“, klärte Liz die Situation genervt auf.
Geschockt sahen sie zu Bela.
„Was? Warum hast du nie etwas gesagt? Warum wusste ich davon nichts?“, überhäufte Ilay ihn mit Fragen.
„Weil es ein Geheimnis ist… Ich bin ein uneheliches Kind und quasi mehr ein Unfall als gewollt gewesen… Auch wenn mich Vater bei sich behielt und im Palast leben ließ, auch wenn er immer gut zu mir war und mich nicht recht viel anders behandelte als dich Ilay, so wurde mir trotzdem aufgetragen nie jemandem etwas davon zu erzählen, nicht einmal dir… Das wäre wohl nicht so gut angekommen denn kurz nach meiner Geburt heiratete er deine Mutter und schon wenig später war sie mit dir schwanger…“, gestand Bela.
Ria rappelte sich auf, ging direkt auf Bela zu und schloss ihn in die Arme. Ganz verdutzt stand er da und wusste nicht was da gerade passierte.
„Ria…?“
„All diese Jahre warst du ganz allein mit einem Geheimnis, von dem Niemand wissen durfte… Ich kann gut nachvollziehen, wie es sein muss seinen Bruder zu vermissen… Auch wenn ich erst kürzlich erfahren habe, dass ich einen Bruder habe, so habe ich doch mein ganzes Leben lang gespürt, dass da etwas in meinem Leben fehlt und nachdem ich mich nun wage an ihn erinnern kann, kann ich nun endlich diese Sehnsucht zuordnen, welche ich schon so lange verspüre…“, sprach Ria und löste leicht die Umarmung um Bela anzulächeln. „Aber du bist nicht mehr allein Bela, wir alle hier sind bei dir…“
Ria musste an ihre Ziehmutter denken und grinste.
„Du bist etwas Besonderes… Du bist du und somit einzigartig, vergiss das nicht…“
„Du bist viel zu nett zu mir, dafür dass ich dich gerade eben noch töten wollte…“, lächelte Bela sie an.
„So ist das eben in einer Familie, auch wenn man sich manchmal an den Kragen gehen will, man liebt einander was auch immer geschieht…“, lächelte Ria zurück.
„Schön für euch das alles wieder Friede-Freude-Eierkuchen ist, aber wir haben noch mehr, worum wir uns kümmern müssen…“, ergriff nun Liz das Wort. „Informationen bezüglich euch, Ria, Ilay, Bela, bleiben erst einmal unter Verschluss und werden nicht an die Öffentlichkeit geraten… Das könnte einen Aufruhr, wenn nicht sogar einen Bürgerkrieg hervorrufen, wenn sich herumspricht, dass hier die Söhne des Dämonen Lords frei herumlaufen oder die Urgottheit die Welt auslöschen könnte… Das mit dem frei herumlaufen hat sich sowieso erst einmal erledigt für euch, ihr kommt alle mit ins Hauptquartier und müsst erst kleinlichst befragt werden zu allem, bevor wir es riskieren können euch wieder auf freien Fuß zu lassen…“
Verärgert sahen Bela und Ilay in ihre Richtung.
„Versteht das nicht falsch, dass ihr geholfen habt diese Machenschaften hier aufzudecken, rechnen wir euch natürlich mit an, genauso wie eure Bereitschaft im Sinne des göttlichen Richterordens zu handeln und dass ihr keine Gegenwehr leistet, wenn wir euch mitnehmen… Aber nichtsdestotrotz gehört zumindest ihr Zwei hier zu unseren Feinden und dementsprechend müssen eure Aussagen erst geprüft und verifiziert werden…“, erklärte Liz weiter.
„Wir verstehen und wir werden natürlich freiwillig mitkommen, keine Frage… Aber einsperren müssen wir sie nicht, wenn sie wirklich so gefährlich für uns wären, hätten sie mehr als genug Chancen gehabt uns zu eliminieren...“, versuchte Eneas die Lage zu entschärfen.
„Ich halte mich nur ans Protokoll und solange wir keinen neuen General eingesetzt haben, richten wir uns alle danach“, damit ging Liz Richtung Ausgang.
An der Tür zögerte sie einen Moment und sah die Königin an.
„Und Sie halten sich bitte an unsere Abmachung, okay?“
„Natürlich…“, bejahte die Königin Liz stechenden Blick und verließ mit ihr den Raum.
Seren und Laisa kamen auf die anderen zu.
„Wir kümmern uns um die Gefangenen, dann habt ihr noch ein wenig Zeit für euch…“, schlug Laisa vor.
„Dankeschön…“, wollte sich Eneas bei ihnen bedanken als plötzlich Ria ihr Gleichgewicht verlor und zurück in Belas Arme sank.
„Ria!“
Bela übergab Ria in Ilays Armen. Ilay sah sie besorgniserregend an und streichelte ihr sanft über ihre Wange.
„Die Wunden, die ihr zugefügt wurden, waren doch ganz schön heftig… Zum Glück ist sie eine reine Gottheit, als Mischwesen wäre das wohl tödlich gewesen…“, stellte Eneas klar als er nach Ria sah. „Es tut mir leid, dass ich sie nicht besser beschützen konnte, Ilay…“
„Mach dir deswegen keinen Kopf Eneas, dir hat der heutige Tag wohl am meisten abverlangt…“, sprach Ilay als er Ria hochhob und sie nach draußen trug.
Auch Seren und Laisa packten sich die Gefangenen und brachten sie raus. Auch sie waren sichtlich besorgt wegen Ria. Eneas und Bela sahen ihnen einen Augenblick lang nach, dann wandte sich Eneas Bela zu.
Er ging auf ihn zu und schloss ihn in seine Arme. Bela nahm die Umarmung nur zu gern an. Zusammen sanken sie auf den Boden nach diesem nervenaufreibenden Tag.
Eneas griff nach Belas Gesicht, sah ihm kurz in die Augen und ließ ihm einen intensiven und leidenschaftlichen Kuss zukommen.
„Das war ein ganz schön harter Tag, nicht wahr?“, stellte Bela fest als er Eneas über die Wange streichelte.
„Das kannst du laut sagen… Ich bin so froh, dass wir das endlich hinter uns haben…“, gestand Eneas und legte seine Hand auf Belas, um sich noch weiter mit seiner Wange daran schmiegen zu können. „Und ich bin froh, dass du hier bist und dir nichts passiert ist…“
„Mich kann man nicht so leicht umbringen du Dummkopf!“, schmollte Bela.
Darauf hin musste Eneas loslachen.
„Meinst du wirklich, dass es einen anderen Weg gibt, um Ria retten zu können?“, fragte Bela neugierig nach.
„Da bin ich mir sicher… Erst einmal sollten wir mit Ria reden und sie fragen, ob sie diese Befleckung überhaupt spürt, um herauszufinden womit wir es eigentlich zu tun haben… Ich denke, dass es irgendetwas geben muss, was es auslöst denn sie ist mittlerweile 18 Jahre alt und nichts ist bis jetzt passiert… Vielleicht ist es kontrollierbar und das würde bedeuten, dass es vielleicht nie zu einem Ausbruch kommt...", mutmaßte Eneas.
„Ilay sagte mal so etwas ähnliches… Das er denkt, dass es einen Trigger dafür geben muss aber die Bedingungen dafür einfach noch nicht erfüllt worden sind…“, fügte Bela seine Gedanken hinzu.
„Wenn das der Fall ist, müssen wir einfach nur herausfinden was es auslösen könnte und Gegenmaßnahmen treffen... Und dann sollten wir dafür sorgen, einen Weg zu finden, die Versiegelung eures Vaters aufzuheben… Ich denke, dass es uns möglich sein könnte mit Ria an unserer Seite…“, erzählte Eneas.
Bela wurde ganz hellhörig.
„Meinst du wirklich, dass das funktioniert mit ihr? Darüber habe ich noch nie nachgedacht…“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Ria und Ilay gemeinsam schaffen könnten immerhin ist Ria die Tochter der Urgottheiten, welche euren Vater versiegelt haben und Ilay besitzt nicht nur das mächtige Blut des Dämonen Lords in seinen Adern, sondern auch göttliches Blut und nicht nur irgendwelches Blut… Celines Schwester Riza war eine hohe Gottheit der Thrones soweit ich richtig verstanden habe und somit könnte Ilay noch wesentlich mächtiger sein…“, erklärte Eneas weiter.
„Wenn wir uns alle zusammen auf den Weg machen würden, könnten wir es versuchen… Vielleicht wenn wir alle zusammenhelfen, könnten wir meinem Vater helfen… Endlich… Nach über 300 Jahren…“, sammelte Bela seine Gedanken zusammen und ihm entwich ein sanftes Lächeln.
„Also gut… Zuerst beenden wir das hier und dann helfen wir euch…“, lächelte Eneas Bela an, stand auf und reichte ihm die Hand.
Gerade als Bela die Hand ergreifen wollte, sprang aus einer Ecke ein kleines rothaariges Mädchen heraus und flog mit ihren blutroten Flügeln direkt auf Eneas zu, dabei zückte sie ein Messer.
Bela sah sie geschockt an, während sich Eneas zu ihr umdrehte. Gekonnt fing Eneas das Mädchen im Flug und entwaffnete sie im nächsten Augenblick.
Das Mädchen sah ihm tief in die Augen mit einem sehr unschuldigen Gesichtsausdruck.
„Wer bist du?“, fragte er nach.
„Der böse Mann sagte, dass ich alle Eindringlinge bekämpfen solle, also tat ich dies mein Leben lang, doch heute musste ich mich selbst aus meinem Käfig befreien, weil er gar nicht kam…“, erklärte das kleine Mädchen.
Eneas starrte sie einfach nur ungläubig an.
Kapitel 40
Eneas starrte das kleine Mädchen einfach nur ungläubig an.
<Das kann kein Zufall sein… Sie ist genauso wie ich und Vater, ihre roten Haare, diese intensiv rotleuchtenden Augen und ihre blutroten Flügel... Sie ist auch ein Blutengel... Sie ist ganz sicher ein Kind von Vater und somit meine kleine Schwester…>
„Wie ist dein Name?“, wollte Eneas wissen.
„Einen Namen?“, fragte sie unwissend nach.
„Ja… Ein Name ist etwas, womit man gerufen wird… Mein Name zum Beispiel ist Eneas… Und das dort ist Bela…“, erklärte er ganz sacht.
„Achso… Dann ist mein Name wohl Vier…“, lächelte sie Eneas an.
„Vier? Nein, das ist kein Name, das ist eine Nummer…“, war Eneas entsetzt.
„Aber genauso nannte mich der böse Mann immer…“
„Meinst du mit dem bösen Mann denjenigen der genauso aussieht wie wir beide?“, fragte Eneas nach und zeigte auf seine Haare und Augen.
Das kleine Mädchen nickte.
„Warum nennst du ihn den bösen Mann?“, fragte er weiter.
„Weil er immer sagte, dass mir dasselbe wie Eins und Drei passieren würde, wenn ich nicht höre…“, antwortete sie.
„Eins und Drei? Was ist mit ihnen passiert und was ist mit Zwei?“, fragte er neugierig nach.
„Eins und Drei sind tot, Zwei hatte das Privileg beim bösen Mann aufwachsen zu können…“, erklärte sie.
„Du musst dir über den bösen Mann keine Gedanken mehr machen…“, lächelte er sie mitleidig an und tätschelte ihr den Kopf. „Ich bringe dich hier raus und sorge dafür, dass dir nie wieder so etwas widerfährt, das verspreche ich dir, ab sofort passe ich, dein großer Bruder, auf dich auf!“
Das kleine Mädchen strahlte bis über beide Ohren und fiel Eneas um den Hals.
„Hey! Das ist meiner!“, rief Bela ihr sauer zu.
Sie streckte ihm frech die Zunge entgegen.
„Mein Aniki!“
Eneas und Bela brachten die Kleine raus und erblickten das Tageslicht. Ganz geblendet von der hellen Sonne hielt sich das kleine Mädchen reflexartig die Arme vors Gesicht.
„Was ist das?“, fragte sie nach.
„Das ist der Himmel und dort scheint die Sonne…“, erklärte er ihr, während er behutsam ihre Arme runterdrückte. „Sieh’s dir an!“
Langsam gewöhnte sie sich an das helle Licht und freute sich richtig. Ganz verliebt schmiegte sie sich an Eneas an.
„Oh! Habt ihr noch ein Opfer gefunden?“, fragte Liz ganz erschrocken nach als sie Eneas mit dem Kind im Arm sah.
Als sie näherkam und das Kind genauer ansah, wurde sie skeptisch.
„Moment… Sie sieht dir ähnlich Eneas…“, stellte sie fest.
„Ja… Sie ist meine Schwester…“, bestätigte Eneas.
„Wie bitte? Enil hat hier noch mehr Kinder gezeugt?“, war Liz fassungslos.
Sie widmete sich dem kleinen Mädchen mit einem Lächeln zu welche sich gleich umso mehr an Eneas klammerte, um sich zu verstecken.
„Du musst keine Angst vor mir haben… Wie alt bist du?“, fragte Liz behutsam nach.
„Ich bin 8…“, antwortete sie zögerlich.
„Und dein Name?“, fragte Liz weiter.
„Ich habe keinen Namen…“
„Dann wird das nun die erste Aufgabe für deinen großen Bruder sein, dir einen schönen Namen zu geben“, lächelte sie Liz ganz liebevoll an. „Sie zu, dass du sie untersuchen lässt, wenn wir zurück sind, dann sehen wir, was wir mit ihr machen…“
Liz wandte sich allen zu.
Also Abflug! Sehen wir zu, dass wir zurückkommen!“
Damit machten sich alle Startklar und flogen los. Ilay hielt Ria fest in seinen Armen da sie immer noch nicht aufgewacht war. Ilay sah sie schmerzerfüllt an.
<Halte durch Ria…>
Dort angekommen wurde Ria direkt auf die Krankenstation gebracht und Ilay und Bela sofort eingesperrt.
Ilay und Bela redeten kein Wort. Keiner von Beiden wusste, wo er hätte anfangen sollen, doch dann brach Bela das Eis.
„Ilay… Es… Tut mir leid…“
Ilay blickte auf und sah Bela an. Er seufzte.
„Du musst dich doch nicht entschuldigen… Wenn ich genauer darüber nachdenke, hätte es mir viel früher auffallen müssen… Deine Gesichtszüge sind Vaters sehr ähnlich…“
Ilay lächelte in sich hinein.
„Ich wollte immer Geschwister haben und war traurig darüber, dass ich keine hatte und jetzt stellt sich heraus, dass das nicht stimmte… Ich bin so ein Idiot… Ich dachte immer nur an mich selbst und habe nicht einmal versucht mich in die Lage anderer hineinzuversetzen… Ich habe jeden enttäuscht der mir was bedeutet…“
„Das stimmt doch gar nicht! Auch wenn du nicht wusstest das wir in Wirklichkeit Brüder sind, waren wir immer wie Geschwister! Wie oft wir uns wegen Kleinigkeiten gezankt haben… Wir uns bei Donner zusammen unter einer Decke versteckt haben… Uns gegenseitig getröstet haben… Wir zusammen Spaß hatten… Wir waren immer füreinander da und ist es das nicht, was Geschwister ausmacht?“
Verblüfft sah er Bela an, dann entwich ihm ein sanftes Lächeln.
„Du hast Recht… Auch wenn ich mich immer einsam gefühlt habe, war das nie der Fall… Ich hatte dich… Jamin… Eneas… Ihr alle seid wie Brüder für mich… Ihr wart immer da für mich… Habt mir immer geholfen und mich unterstützt… Und auch wenn wir gestritten haben, war das im nächsten Moment schon wieder vergessen… Dass ich das erst jetzt begreife…“, sprach Ilay, während er sich nach hinten lehnte und seinen Kopf gegen die Wand beugte. „Ich war nie allein…“
„Und du wirst es auch nie sein!“, lächelte Bela ihn an.
„Ich danke dir Bela…“
„Nichts zu danken… Und jetzt lass uns zusehen, dass wir Vater aus seiner Versiegelung befreien damit wir Ria und den Rest der Welt retten können!“
„Das werden wir, versprochen!“, grinste Ilay Bela siegessicher an.
Liz entwich ein kleines Grinsen, bevor sie aus dem Schatten trat und vor den Gittern auftauchte.
„Also Jungs… Ab zum Verhör…“
Währenddessen kam Eneas mit seiner Schwester auf die Krankenstation, um nach Ria zu sehen.
„Aniki? Warum schläft das schöne Mädchen?“, fragte sie nach.
„Weil sie schwer verwundet wurde… Sie braucht etwas Ruhe, um sich zu erholen…“, erklärte Eneas, während er sich auf den Sessel neben dem Bett niederließ.
Das Mädchen sah ihren Bruder verwundert an welcher tief in Gedanken zu sein schien.
„Machst du dir Sorgen um sie?“, fragte sie weiter.
„Ja… Immerhin ist es meine Schuld, dass sie so schwer verletzt wurde…“
„Mach dir keine Sorgen, ihr geht es gut und sie wird gleich aufwachen…“, stellte das Mädchen fest, während sie bei Ria auf dem Bett saß.
Verblüfft sah Eneas sie an.
„Woher willst du das Wissen?“, fragte er nach.
„Kannst du es denn nicht spüren?“, fragte sie verwundert nach.
In dem Augenblick regte sich Ria und öffnete ihre Augen.
„Wo… Wo bin ich?“, fragte sie noch total benommen nach.
„Alles ist gut, du bist hier in Sicherheit!“, lächelte sie das kleine Mädchen freudestrahlend an.
„Und wer bist du?“, wunderte sich Ria, als sie sich aufrichtete.
„Ich bin Vier… Halt nein, Aniki meinte das wäre kein Name…“, grübelte sie nach.
„Aniki? Was meinst du damit?“, fragte Ria weiter.
„Na meinen großen Bruder!“, deutete sie auf Eneas.
Ria sah sich um und erblickte Eneas der sichtlich erleichtert wirkte.
„Bin ich froh, dass es dir wieder besser geht…“, freute sich Eneas. „Das Mädchen bei dir ist meine kleine Schwester… Unser Vater hielt sie gefangen und nannte sie nur Vier…“, erklärte er.
„Vier?“
„Ja… Anscheinend bin ich Zwei…“, sah er leicht bedrückt auf den Boden.
„Das heißt…“, war Ria schockiert.
„Ja, es gab noch mehr Geschwister doch die anderen sind bereits tot…“, erklärte er weiter.
„Dann brauchen wir einen wunderschönen Namen für dich… Wie wäre es mit Karina?“, überlegte Ria und lenkte vom Thema ab.
Das Mädchen schüttelte ihren Kopf.
„Hmm… Und wie wäre es mit Alina?“
Das Mädchen sah Ria ganz böse an. Eneas bemerkte dass und erinnerte sich an den Augenblick als er sie zum ersten Mal sah, an das Feuer in ihren Augen.
„… Eysa…“, gab Eneas von sich.
Die Zwei drehten sich zu Eneas um.
„Wie gefällt dir Eysa?“, fragte er nach.
Ihre Augen begannen zu funkeln und freudestrahlend hüpfte sie vom Bett in Eneas Schoß um ihm um den Hals zu fallen.
„Ein Name ganz für mich allein von meinem großen Bruder!“
„Na also da haben wir doch einen ganz besonderen Namen für ein ganz besonderes Mädchen!“, freute sich Ria für sie und kicherte leicht.
„Danke, danke, danke…“, bedankte sie sich bei ihrem Bruder.
Eneas war erst überrascht, doch schloss sie dann in seine Arme.
Liz kam gerade aus dem Verhörraum als Seren und Laisa vor ihr standen.
„Liz!“, sprach Seren zielstrebig.
„Was gibt’s?“, fragte sie nach.
„Es geht um Ilay und Bela…“, fing er an.
„Lasst mich raten, ich soll sie rauslassen, oder?“, schlussfolgerte Liz.
„Ja…“, bestätigte Seren.
„Es weiß doch so gut wie niemand wer sie wirklich sind und sie haben so viel für uns getan… Sie haben uns mit ihren Leben beschützt, sie sind gute Wesen!“, erklärte Laisa.
„Selbst wenn dem so wäre, kann ich sie einfach nicht raus lassen… Auch Ria gehört sich eigentlich eingesperrt, solange wir nicht mehr über ihren Zustand wissen…“, seufzte Liz.
„Ilay ist hier aufgewachsen, seit sechs Jahren dient er in er Armee, er hat immer alles getan, um dieses Land und ihre Bewohner zu schützen… Und ohne Bela hätten wir es niemals so weit geschafft. Er ist wirklich verdammt stark und hätte uns alle lockerleicht besiegen können, wenn er das wirklich gewollt hätte… Auch er hat uns beschützt und viel auf sich genommen nur um uns zu helfen… Jeder andere hätte wohl nach solchen Verdiensten einen Orden bekommen und ihr sperrt sie zum Dank ein…“, protestierte Seren.
„Du hast Recht und ich verstehe, worauf du hinauswillst, aber das sind nun mal die Bestimmungen… Ohne einen neuen General müssen wir uns strikt an die Vorschriften halten…“, erklärte Liz und wandte sich ab.
Seren und Laisa blieben betrübt zurück als plötzlich Liz ein Schlüssel aus der Tasche fiel.
„Ach… Irgendwie sind meine Augen heute so schlecht, vermutlich habe ich mich heute etwas zu sehr überanstrengt und ich habe schon wieder die Schlüssel zu den Zellen verloren… Was bin ich nur für ein Schussel… Naja, der Schlüssel wird schon wieder auftauchen…“, sprach sie vor sich hin als sie zur Tür hinaus verschwand und ihnen im letzten Moment zuzwinkerte.
Seren und Laisa freuten sich tierisch und fielen sich um den Hals als sie auf und ab hüpften.
Kapitel 41
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 42
Der nächste Morgen brach an und alle versammelten sich außerhalb des Gebäudes, abfahrbereit. Eneas sah durch die Runde, um zu überprüfen, ob alle anwesend sind, während Eysa auf seinen Schultern herumturnte.
„Ria… Wo ist Celine?“, fragte er nach als er sie nicht erblicken konnte.
Ratlos sah sich Ria um.
„Ich weiß es nicht… Ich habe sie zuletzt gestern auf der Feier gesehen…“, antwortete sie.
„Seltsam… Celine ist niemand der zu spät kommt… Ich hab jedem gestern persönlich gesagt wann wir aufbrechen werden…“, rätselte Eneas.
Plötzlich kam Liz auf sie zu gerannt.
„Ihr müsst hier augenblicklich verschwinden!“, befahl sie.
„Warum die Hektik?“, fragte Ilay nach.
„Die Nachtwache hat Celines leblosen Körper heute Morgen im Garten entdeckt… Nähere Umstände sind uns noch nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, dass es jemand auf euch abgesehen hat, vermutlich speziell auf Ria, Ilay und Bela… Geht… Wir kümmern uns hierum…“, erklärte sie.
Alle waren geschockt.
„Celine? Das kann nicht sein, niemals!“, verleumdete Ria die Wahrheit.
„Ich kann hier nicht länger für eure Sicherheit garantieren, ihr müsst augenblicklich von hier weg… Wir werden den Schuldigen schon finden, keine Sorge…“, drängte Liz.
„Kommt!“, befahl Eneas und alle machten sich auf den Weg.
Ria liefen ein paar Tränen die Wangen hinunter.
<Celine… Warum nur? Wer könnte so etwas furchtbares nur getan haben? Wenn sie den Schuldigen gefunden haben, dann…>
Ria ballte ihre Fäuste. Ilay bemerkte dies und ergriff ihre Hand.
„Keine Sorge, wir lassen den Schuldigen nicht ungestraft damit davonkommen!“, versicherte er ihr mit einem ernsten Gesichtsausdruck.
Ria nickte.
„Bleibt es trotzdem bei dem Plan?“, fragte Bela nach.
„Ja, am Plan ändert sich nichts… Wir machen uns auf zum dämonischen Kontinent Riftan…“, bestätigte Eneas.
„Na dann, lasst uns keine Zeit verlieren“, kam von Zoya.
Alle sahen sie überrascht an.
„Was?“, fragte sie peinlich berührt nach.
„N-Nichts… Nur dich reden zu hören ist ungewöhnlich…“, gab Laisa von sich.
Marin kicherte.
Sie waren einige Wochen lang unterwegs, durchquerten Wälder und Täler bis sie einige Dörfer und kleinere Städte des Dämonenreiches durchquerten.
„Durch wie viele Städte sind wir nun? Dauert es noch lang?“, fragte Seren nach.
„Fünf… Seht nur, da vorne sind bereits die Mauern der Hauptstadt… Riftania…“, erklärte Bela.
Zusammen gingen sie durch ein großes Tor und betraten endlich die Hauptstadt.
„Es sieht alles so anders aus…“, wunderte sich Ilay als er sich umblickte.
„Kein Wunder, es ist ja immerhin fast 20 Jahre her als du hier zuletzt warst…“, erklärte Bela.
„Stimmt… In 20 Jahren kann sich einiges ändern…“, gab Ilay hinzu.
„Denkt bitte daran keine göttlichen Fähigkeiten zu aktivieren…“, erinnerte sie Eneas.
„Schon klar… Solange wir sie nicht einsetzten, gehen wir als ganz normale Dämonen durch und erregen keine unnötige Aufmerksamkeit…“, bestätigte Laisa.
„Ich hatte mir das hier alles ganz anders vorgestellt, aber es ist gar nicht so anders als bei uns…“, staunte Ria.
„Warum sollte es hier auch arg anders sein? Haltet ihr uns Dämonen echt für so schrecklich?“, fragte Bela leicht genervt nach.
„Nein, nein, keineswegs Bela… Aber man stellt es sich halt einfach anders vor…“, erklärte Ria.
„Dafür das unsere Nationen im Krieg sein sollten, sind wir auch erschreckend gut über die Grenze gekommen…“, merkte Marin an.
„Das ist ja kein Wunder, immerhin habt ihr mich dabei und ich kenne jeden einzelnen Meter unserer Grenze in und auswendig, daher weiß ich genau, wo ich mit euch am besten durchkomme…“, prahlte Bela stolz.
„Oberst Bela? Bist das wirklich du?“, fragte ein Soldat, der anscheinend gerade auf Patrouille war.
„Oh nein, das ist schlecht… Geht vor, Ilay kennt den Weg sicher noch gut genug…“, flüsterte Bela Eneas zu.
„Ah Ryde… Schön dich zu sehen…“, ging Bela auf ihn zu und fuchtelte herum damit er die Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte.
„Ich dachte du wärst auf Mission, um die Göttlichen zu infiltrieren… Was machst du hier?“
„Also… Weißt du…“, fing Bela an.
„Kommt…“, sprach Eneas und führte die Gruppe einige Meter weit weg. „Ilay… Bela meinte du wüsstest noch ungefähr, wo lang wir müssen, also bitte führe uns doch…“
„Natürlich…“, bestätigte Ilay und ging voraus.
Ria folgte ihm.
„Und hier bist du also aufgewachsen? Zumindest die ersten Jahre, oder?“, fragte Ria interessiert nach.
„Ja…“, lächelte Ilay sie an. „Ich war sechs Jahre alt als ich von hier fort ging… Ich bin so gespannt wie es allen ergangen ist und was alles passiert ist…“, war Ilay leicht aufgeregt.
„Muss aufregend für dich sein…“, lächelte sie Ilay an als sie seine Hand ergriff.
Er lächelte liebevoll zurück.
Sie betraten eine große, offene Fläche, die fast menschenleer war. Sie sahen sich um und erblickten auf der anderen Seite einen Mann, der auf einer Brüstung saß. Der Mann sah sie an und bekam große Augen.
„Euch kenne ich doch… Wie seid ihr hierhergekommen? Wie seid ihr an all diesen Wachen vorbei gekommen auf dem Weg hierher? Wenn ihr euch hier einschleichen wolltet, ist das Wohl gründlich schief gegangen…“, sprach er noch ruhig als er sich aufrichtete und auf sie zukam.
„Und ich sehe ihr zwei lebt also immer noch… Ich dachte ich hätte zumindest dein Herz erwischt und du wärst drauf gegangen…“, erklärte der grünhaarige Kerl und packte seine Waffe aus die er sogleich auf Ilay richtete.
„An mir kommt ihr jedenfalls nicht vorbei, das verspreche ich euch!“, wurde er bedrohlich.
Der Kerl sprang auf die Gruppe zu und griff an. Ilay stellte sich schützend vor Ria und blockte den Angriff geschickt ab.
„Warte… Wir sind nicht hier, um zu kämpfen…“, versuchte Ilay die Lage zu entschärfen.
„Halt dein Maul! Ich lasse keinen Abschaum wie euch auch nur in die Nähe unseres heiligen Palasts!“, schimpfte der Kerl und holte erneut aus.
Der Kerl schlug Ilay seine Sense aus der Hand und griff Frontal an, doch der Angriff kam nicht durch den Ria schützte ihn mit einer starken Barriere. Stinksauer sah der Kerl sie an.
„Misch dich nicht ein!“, beschwerte er sich.
„So warte doch, hör uns doch wenigstens zu!“, forderte Eneas, welcher sich nun auch einmischte und dazu stellte.
Der Kerl holte mit seinem Großschwert aus und schleuderte alle drei einige Meter nach hinten. Eneas sah ihn wütend an und seine Augen fingen an zu funkeln. In dem Moment sprang Eysa auf seinen Rücken.
„Nicht Aniki! Du hast diese Kraft noch nicht unter Kontrolle oder willst du wieder deinen Freund Ilay angreifen?“, ermahnte sie ihn.
„Nein, natürlich nicht…“, resignierte er. „Maris, Zoya, Laisa und Seren, sichert den Platz ab, wir wollen hier keine Zuschauer und noch mehr Aufmerksamkeit auf uns ziehen!“, befehligte er.
„Jawohl!“, rannten die vier los und taten wie ihnen befohlen wurde.
Ilay richtete sich wieder auf und sah, wie dieser Kerl auf Ria zuging.
„Ich hätte dich schon das letzte Mal zuerst ausschalten sollen!“
Damit sprintete er los und zog das Schwert voll durch, doch er wurde geblockt. Ilay stand in voller Dämonenmontur vor ihm und sah ihn bitterböse an.
„Ich werde nicht zulassen, dass du ihr auch nur ein Haar krümmst, hörst du?“, drohte Ilay.
Erschrocken wich der Kerl einen Meter zurück.
„Du bist ein Dämon? Warum? Warum beschützt du eine Göttliche?“, fragte er entsetzt nach.
„Ganz einfach… Weil ich sie liebe!“, gab Ilay kurz und knapp von sich, als er sich vor Ria aufbaute.
Dann bemerkte der Kerl Ilays Flügel.
„Flügel? Du hast Flügel? Heißt das…? Du bist…?“, war der Kerl fassungslos und ließ seine Waffe fallen.
„Ganz Recht, ich heiße Ilay Varga und bin der Sohn von Bael, unserem Dämonen Lord!“, gab er sich zu erkennen.
„… I… Lay…“, ging der Dämon in die Knie, während er ihn ungläubig anstarrte.
Verwundert blickte Ilay zurück.
„Man man man… Da fehlt man nur fünf Minuten und dann passiert sowas…“, gab Bela von sich als er auf sie zukam. „Euer Widersehen hatte ich eigentlich anders geplant, aber was solls…“
„Unser Widersehen?“, war Ilay ratlos, als er sich Bela zuwandte.
„Ja… Natürlich sieht er nun anders aus als du ihn in Erinnerung hast, immerhin hast du ihn zuletzt vor über 300 Jahren gesehen, bevor du versiegelt wurdest, um nach Resparia zu gehen… Darf ich vorstellen, dein bester Freund J…“
„Jamin…“, erkannte Ilay ihn endlich.
Ilay ging auf ihn zu und ging auch auf die Knie, um seinem besten Freund in die Augen zu sehen.
„Es ist lange her…“, lächelte Ilay ihn an.
„Ilay…!“, heulte Jamin los und Ilay gab ihm eine feste Umarmung.
„Ich bin froh, dass es dir gut geht…“, sprach Ilay.
„Und ich bin froh, dass du wohlbehalten zu uns zurückgekommen bist!“, freute sich Jamin.
Bela seufzte aber freute sich für die Beiden genauso wie Ria und Eneas.
„Ihr habt euch sicher viel zu erzählen, aber das sollten wir nicht hier tun… Jamin, bring uns nach Hause…“, sprach Bela.
„Nichts lieber als das, folgt mir!“, grinste Jamin und führte die Gruppe zum Palast.
Kaum im Palast angekommen wurden sie von Wachen und Bediensteten belagert. Jamin machte mit nur einer Handbewegung Platz.
„Hört her, der Sohn unseres Dämonen Lords Bael, Thronerbe Ilay, ist zurückgekehrt!“, kündigte Jamin Ilay an.
Alle Wachposten und Angestellten gingen auf die Knie vor ihm.
„Er hat Begleiter dabei die vollste Immunität besitzen und genießen, ihnen wird kein Haar gekrümmt!“, befahl er.
„Jawohl Generalleutnant!“, bejahten sie Jamins Befehl.
Er führte die Gruppe in den Thronsaal, wo alle Platz nahmen und sich ausruhten. Ein paar Bedienstete bedienten die Gruppe mit Trinken und Essen. Ilay saß auf seinem Platz während Bela und Jamin bei ihm standen.
„Du sag mal Ilay… Du sagtest vorhin du liebst diese Frau… Ist das wahr? Obwohl sie eine Gottheit ist?“, fragte Jamin nach.
„Ja, das tue ich… Und sie ist nicht nur irgendeine Gottheit, sie ist die letzte Urgottheit…“, erklärte Ilay die Lage.
Geschockt sah Jamin in an.
„Ist das dein Ernst? Aber…“
„Ich weiß… Und sie weiß auch, was meine Mission ist, aber ich werde nicht zulassen, dass sie stirbt, wir werden einen anderen Weg finden…“, war es Ilay sehr ernst.
Jamin erkannte das sofort.
„Und wie wollt ihr das anstellen?“, fragte er nach.
„Ganz einfach… Wir befreien unseren Dämonen Lord aus seiner Versiegelung!“, grinste Bela.
Kapitel 43
Jamin brach in Gelächter aus.
„Ist das euer Ernst? Ihr wollt einfach mal so mir nichts dir nichts den Dämonen Lord aus der Versieglung befreien, was wir in 300 Jahren nicht vollbracht haben, um sie zu retten? Weißt du in was für eine Lage du mich gerade bringst mit dieser Information?“
„Dessen bin ich mir durchaus bewusst, aber wir hatten uns damals versprochen keine Geheimnisse voreinander zu haben also bin ich ehrlich mit dir…“, erklärte Ilay.
„Du machst es dir einfach Ilay… Wir sind keine Kinder mehr…“, schüttelte Jamin mit dem Kopf. „Warum hast du sie mit hergebracht? Wenn herauskommt, wer sie wirklich ist, kann ich nicht für ihre Sicherheit garantieren… Hier wollen sie alle Tod sehen, nicht nur weil sie den Weltuntergang verursachen könnte, sondern weil hier alle die Urgottheiten hassen für dass, was sie unserem Dämonen Lord angetan haben…“
„Das wissen wir aber in ihrem Reich war es auch nicht mehr sicher für sie… Der göttliche Rat hat dort alle angelogen und Unwahrheiten verbreitet. Wir haben noch nicht herausgefunden, was ihr eigentliches Ziel ist, aber es wäre fatal, wenn sie Ria in ihre Hände bekommen… Außerdem könnte Ria in der Lage sein die Versieglung zu lösen da sie das Kind der Urgötter ist, welche diesen Bann gewirkt haben…“, klärte Bela auf.
„Seit wann bist du so gnädig mit den Gottheiten Bela?“, fragte Jamin angefressen nach.
„Ich schätze seitdem er was mit unserem lieben Eneas hat…“, grinste Ilay ihn spitzbübisch an.
Bela drehte sich verlegen weg.
„Was? Du auch mit einem Göttlichen? Seid ihr beide nicht mehr ganz bei Trost?“, fragte Jamin ungläubig nach.
„Es ist wie es ist… Beruhige dich, es sind nicht die Göttlichen an sich, die unsere Feinde sind, es ist die Apokalypse in ihr und der göttliche Rat…“, wollte Ilay das Thema beenden.
„Wie du meinst, die Entscheidungsfreiheit hast natürlich du…“, gab sich Jamin geschlagen. „Und im Übrigen wollte ich mich noch bei dir Entschuldigen Ilay… Ich hätte euch damals fast getötet…“
„Es ist ja zum Glück nichts passiert also Schwamm drüber… Was wolltest du überhaupt an der Grenze zum göttlichen Kontinent?“, fragte Ilay nach.
„Meine Aufgabe war es Bela einzuschleusen, sodass er unbemerkt über die Grenze gehen konnte, um dich zu suchen… Hat allem Anschein nach ja gut geklappt…“, antwortete Jamin mit einem Lachen.
„Offensichtlich, ja“, lachten die anderen Beiden mit.
„Gut… Da du wieder da bist, werde ich dich nun über die neuesten Geschehnisse in Kenntnis setzen…“, fing Jamin an.
Währenddessen spielten Ria und Seren mit der kleinen Eysa. Alle hatten diesen kleinen Wirbelwind richtig ins Herz geschlossen.
„Du Ria?“
„Hmm?“, antwortete Ria, während sie mit Eysa ein Händeklatschspiel spielte.
„Ich bin froh, dass Ilay sich nun doch dazu entschlossen hat seine Mission nicht auszuführen… Das wäre ganz fürchterlich geworden, wenn wir gegen ihn hätten Kämpfen müssen…“, erklärte Seren.
„Ich hätte nicht gegen ihn gekämpft…“, antwortete Ria mit einem sachtem Lächeln.
Seren sah sie ganz verdutzt an.
„Das hätte ich nicht über mich gebracht gegen ihn zu kämpfen auch wenn ich sehr an meinem Leben hänge…“, fuhr sie fort.
„Ihr scheint euch sehr lieb zu haben“, warf Eysa ein.
„Das stimmt…“, gab Ria zu und tätschelte Eysa den Kopf.
„Spürst du diese sogenannte Befleckung eigentlich? Aniki wollte das wissen“, fragte Eysa nach.
Eneas gesellte sich zu ihnen, nahm platz und Eysa sprang auf seinen Schoß.
„Danke für die Erinnerung Eysa. Spürst du es Ria? Wie wirkt es sich auf dich aus?“, fragte Eneas nach.
„Das kann ich euch gar nicht so genau sagen, ich spüre das nicht, zumindest nicht, dass ich es wüsste, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass etwas in mir mit mir spricht… Meist in Notsituationen und dann bietet es mir mehr Kraft an um einer Gefahr entkommen oder jemanden retten zu können… So wie bei Leif…“, erklärte Ria.
„Eine innere Stimme? Was ist diese Befleckung nur?“, fragte Seren ratlos nach.
„Also hat diese Befleckung ein Bewusstsein…“, schlussfolgerte Eneas.
„Das gilt es nun herauszufinden…“, mischte sich nun Ilay in das Gespräch mit ein. „Vielleicht ist das der Grund, warum es noch nicht aus dir herausgebrochen ist, weil es dazu vielleicht Kontrolle über dich erlangen muss…“
„Solange wir noch nichts genaueres wissen, solltest du diese Stimme konsequent ignorieren, egal wie verlockend das Angebot auch sein mag…“, gab Jamin von sich.
„Das stimmt… Zuallererst sollten wir unseren Vater besuchen gehen, oder Bela?“, lächelte Ilay Bela an.
„Ja!“, freute sich Bela.
„Euren Vater?“, fragte Jamin argwöhnisch nach.
„Genau… Bela ist ebenfalls ein Sohn von Bael und somit ebenfalls königlicher Abstammung. Ich werde das nicht weiter geheim halten so wie alle anderen hier. Das werden wir auch auf dem Bankett für meine Rückkehr öffentlich machen, sobald es stattfindet…“, gab Ilay klar von sich.
„Bist du dir sicher dass das eine gute Idee ist?“, fragte Bela besorgt nach.
„Ich werde die Wahrheit erzählen, es ist mir egal was Vater dazu sagt und was auch immer er für vermeintlich gute Gründe hatte es geheim zu halten“, behaarte Ilay.
„Echt jetzt? Ist das wahr?“, war Jamin perplex.
Ilay und Bela nickten.
„Oh man, ihr macht mich fertig Jungs!“, lachte Jamin. „Ihr seid nicht mal einen Tag zurück und bombardiert mich regelrecht mit Tatsachen! Nun gut, lasst mich euch zum Dämonen Lord führen…“
Aufgeregt folgte der Trupp Jamin zu einer großen Halle. In der Mitte stand ein großer, prächtiger Kristall, in dem man die Umrisse eines Menschen sehen konnte.
„Wow! So sieht also eine Versiegelung aus?“, fragte Laisa ungläubig nach.
„Hast du noch nie Eine gesehen?“, fragte Bela nach.
„Nein, nicht wirklich… So oft kommt das nun auch wieder nicht vor das jemand versiegelt wird…“, erklärte sie sich.
„Ich glaube wir haben alle noch keine versiegelten Leute gesehen…“, gab Marin hinzu.
„Na gut, und wie wollt ihr das jetzt bewerkstelligen?“, fragte Jamin nach.
„Wir dachten Ria und Ilay könnten es schaffen. Ria ist das Kind der Urgötter welche ihn versiegelt haben und Ilay stammt mütterlicherseits von hochrangigen Gottheiten ab… Wir dachten…“, fing Eneas an zu erklären.
„Die göttliche Versieglung mithilfe von göttlichen Wesen brechen… Das ist gar nicht mal so dumm, das könnte klappen…“, schlussfolgerte Jamin und beendete Eneas Satz.
„Genau und das werden wir jetzt ausprobieren…“, bestätigte Ilay.
„Wartet, was?“, wunderte sich Jamin erneut. „Deine Mutter war eine Gottheit Ilay? Ich packs nicht mehr! Ich stell einfach keine Fragen!“
„Das kann ich dir später genauer erklären, jetzt kümmern wir uns um Vater“, stellte sich Ilay entschlossen vor den Kristall.
Ria stellte sich an seine Seite. Die beiden sahen sich an.
„Bist du bereit es zu probieren?“, wollte Ilay sicher gehen.
„Natürlich!“, bejahte sie es.
„Also gut…“
Ilay wandte seinen Blick wieder auf den Kristall. Zusammen streckten sie ihre Hände in Richtung des Kristalls uns berührten ihn.
Der Kristall fing an zu glühen und funken sprangen durch die Luft. Auf einmal blitzte es regelrecht und Ilay wurde brutal gegen die Wand geschleudert.
„Ilay!“, rief Ria.
Bela eilte sofort zu Ilay hinüber.
„Alles okay bei dir?“
„Ja… Es geht schon…“, fasste sich Ilay schmerzerfüllt an den Kopf.
„Ich glaube der Kristall hat dich abgelehnt, weil du dämonisches Blut besitzt, Ilay… Die Versieglung ist gut konzipiert, allem Anschein nach können diese nur reine Gottheiten aufheben und eben solche gibt es nicht in eurem Königreich, kein Wunder, das niemand bei euch in der Lage war, sie aufzuheben…“, erklärte Eneas.
Die Blitze wurden immer heftiger bei Ria. Sie sackte ein wenig zusammen.
„Ria, lass es! Du wirst es allein nicht schaffen!“, rief Ilay besorgt.
„Vergiss es! Ich werde das hier beenden! Für euch!“, rief sie zurück.
Ria war sichtlich erschöpft, wollte aber nicht aufgeben. Der Kristall fing an zu pulsieren. Ein paar kleine Splitter lösten sich von dem Kristall, trafen Ria und verletzten sie.
„Hör auf!“, schrie Seren sichtlich besorgt.
Ria zitterte stark und wurde sichtlich schwächer. Auch die Blitze trafen sie nun ab und zu.
„Ah!“
<Wenn du meine Hilfe annehmen würdest, könnten wir mit Leichtigkeit diese Barriere zerstören…>
Wieder diese Stimme… Verzieh dich!
<Es wird der Moment kommen in dem du meine Hilfe nicht mehr ablehnen kannst… Wo du sie brauchen wirst…>
Niemals! Ich werde nicht zulassen, dass du die Kontrolle über mich bekommst, um dann die Welt zu zerstören!
<Und wer sagt, dass ich das will?>
„Wir müssen sie aufhalten!!“, flehte Seren der versuchte näher heranzukommen aber die Blitze hielten ihn auf Abstand.
Ilay versuchte aufzustehen, sackte aber sofort wieder zusammen.
„Scheiße!!“, fluchte er.
Eine Druckwelle ging vom Kristall aus und schleuderte alle ein paar Meter weg. Ria verlor ihr Bewusstsein und war dabei zusammen zu sacken als Jamin blitzschnell reagierte, sie packte und wegsprang in dem Moment als weitere Splitter durch die Luft gefegt wurden.
„Du bist ganz schön lebensmüde, oder Täubchen?“, fragte Jamin während er sie in seinen Armen hielt.
Jamin brachte sie zu Ilay der sichtlich erleichtert war, dass ihr nichts geschehen war.
„Ich danke dir Jamin…“, bedankte sich Ilay, während er Ria eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
„Nichts zu Danken mein Freund“, lächelte Jamin leicht.
„Verdammt!“, klopfte Bela verzweifelt auf den Boden.
„Es hat zwar leider nicht geklappt, aber der Ansatz war gut…“, stellte Eneas fest der den Kristall ansah.
„Du hast Recht, der Kristall hat zumindest etwas Schaden davongetragen… Vielleicht wenn wir mehr Gottheiten hätten oder Ria mächtiger wäre beziehungsweise ihre Kräfte besser unter Kontrolle hätte…“, stellte Ilay fest.
„Zuerst bringen wir euch in eure Zimmer damit ihr euch ausruhen könnt… Darüber machen wir uns dann später Gedanken…“, schlug Bela vor.
Laisa lehnte sich an einem Balkon gegen die Brüstung und sah in die Ferne. Seren kam auf sie zu.
„Ein schöner Ausblick, nicht wahr?“, fragte er sie als er sich neben sie stellte.
„Ja…“, bejahte sie dies als sie sich eine Strähne hinter ihre Ohren strich und sich aufrichtete. „Ich hoffe es ist die richtige Entscheidung den Dämonen Lord aus seiner Versiegelung zu befreien… All unser Leben lang haben wir beigebracht bekommen wie bösartig die Dämonen doch seien und das hat nie einer angezweifelt genauso wenig wie wir nun anzweifeln dass das Wahr ist was uns Ilay und Bela erzählt haben…“
„Machst du dir Sorgen?“, fragte Seren nach.
„Nein… Ich hoffe einfach nur dass wir das richtige tun…“, lächelte sie ihn an.
Seren lächelte zurück und griff nach ihrer Hand, um sie festzuhalten.
„Solange wir zusammen sind und unseren Freunden beistehen, müssen wir kein schlechtes Gewissen haben… Ich bin mir sicher dass wir alles hinkriegen werden“, gab Seren ganz liebevoll von sich.
Er wandte sich ihr zu, kam ihr näher, streichelte ihr mit seiner freien Hand über ihre Wange und gab ihr anschließend einen liebevollen Kuss.
Kapitel 44
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Kapitel 45
Bela öffnete seine Augen und fand sich in Eneas Armen wieder. Ihm entwich ein leichtes Lächeln als er Eneas beim Schlafen beobachtete und ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischte.
Eneas öffnete seine Augen und lächelte Bela an.
„Guten Morgen“
„Dir auch einen guten Morgen“, erwiderte Bela den Morgengruß.
Sanft streichelte Eneas Belas Wange, um ihm dann einen Kuss zukommen zu lassen. Belas Augen wurden dämonisch.
„Na, einen Nachschlag gefällig?“, neckte Eneas ihn mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.
„Keine Chance…“, entgegnete Bela angefressen und deutete aufs Bettende wo Eysa tief und fest schlief.
„Oh man, mit einem Kind hat man keine ruhige Minute mehr… Das heißt dann wohl raus aus den Federn“, stellte Eneas lachend fest und sprang aus dem Bett.
Bela schmachtete ihm hinterher.
„Aniki?“, gähnte Eysa vor sich hin während sie aufwachte und ihre Augen rieb.
„Guten Morgen Sonnenschein“, grüßte sie ihr großer Bruder mit einem Tätscheln am Kopf.
Eysa freute sich über diese Zuneigung und lächelte überglücklich, während Bela immer noch im Bett liegend vor sich hin schmollte.
„Aniki! Heute werden wir trainieren! Ich werde versuchen dir beizubringen, wie du deine Blutengelkräfte kontrollieren kannst! Dafür brauchen wir auch dich Onkelchen um zu sehen wie weit er kommt ohne einen Dämon angreifen zu wollen!“, schlug Eysa vor.
Währenddessen machte es sich Ilay im Thronsaal auf seinem Thron gemütlich. Ria schlenderte um den Thron herum.
„Ich kanns immer noch nicht glauben, dass du ein Prinz bist…“, merkte sie an.
„Was soll das denn heißen?“, fragte er angefressen nach.
„Naja… Du kamst mir nie irgendwie prinzenhaft rüber… Eher wie so ein Penner der gerne mal einen Streit vom Zaun gebrochen hat…“, gab sie ganz trocken von sich.
„Hey! Das ist nicht witzig!“, antwortete er mit einem bitterbösem Grinsen als er Ria zu sich zog und sie auf seinen Schoß plumpste damit er sie kitzeln konnte.
„Schon gut, schon gut, ich nehms ja zurück!“, lachte sie lauthals und versuchte Ilay abzuwehren.
Dann betrat Jamin den Saal und kam auf die Beiden zu.
„Ach, verliebt zu sein muss schön sein…“, begrüßte er die Beiden.
„Jamin, guten Morgen“, grüßte Ilay zurück.
Auch Seren, Laisa, Zoya und Marin stießen dazu.
„Guten Morgen Leute!“, grüßte Ria sie.
„Das Frühstücksbuffet war der Wahnsinn!“, staunte Marin, während sie von Zoya ein zustimmendes Nicken erhielt.
„Das stimmt! Und auch die Betten waren superbequem! Ich hab lang nicht mehr so gut geschlafen!“, pflichtete Laisa bei.
„Auch die Bediensteten sind total zuvorkommend, ich hatte mit mehr Schwierigkeiten gerechnet aufgrund unserer Herkunft!“, freute sich Seren.
„Freut mich zu hören“, lächelte Ilay sanft. „Immerhin seid ihr meine Gäste, ihr dürft euch hier ganz wie zuhause fühlen.“
Auf einmal stürmte ein Soldat den Saal gefolgt von einigen Bediensteten.
„Entschuldigen sie werter Prinz, er hat sich einfach nicht aufhalten lassen…“, sprach eine Magd ziemlich atemlos.
„Ryde? Was ist los?“, fragte Jamin nach als er sich nach dem Tumult umdrehte.
„Schön sie endlich kennen zu lernen werter Prinz Ilay und entschuldigt meine Störung, aber uns haben wieder massenweiße Berichte ereilt über Hungersnöte und Tode… Die Blutknappheit wird immer schlimmer… Und es verschwinden leider auch immer mehr Menschen…“, verbeugte er sich vor Ilay.
„Ist es so schlimm geworden?“, wandte sich Ilay Jamin zu.
„Leider ja… Wir haben in unserem Königreich leider viel zu wenig Menschen die Blut spenden können… Es muss sich langsam was tun sonst wird das Königreich langsam aber sicher im Chaos versinken…“, erklärte Jamin. „Das nun immer mehr Menschen spurlos verschwinden, wundert mich nicht. Sie werden wahrscheinlich entführt wegen ihres Blutes…“
„Da Sie nun zurück sind, haben sie doch die Befehlsgewalt und tragen die Verantwortung für das Königreich… Ich bitte Sie, unternehmen sie etwas…“, forderte Ryde demütigst.
Ilay stand auf und wandte sich seinen Freunden zu.
„Düfte ich euch um einen Gefallen bitten?“
„Natürlich…“, sprach Seren.
„Wärt ihr so freundlich etwas Blut spenden zu gehen? Da ihr quasi fast alle Mischwesen seid, würde euer Blut von großem Wert sein da es wesentlich effektiver wäre als normales Menschenblut… Das heißt davon würden schon geringere Mengen ausreichen…“, erklärte Ilay.
„Das ist kein Problem, wir helfen gerne“, antwortete Marin und bekam zustimmendes Kopfnicken von Zoya.
„Ich danke euch“, lächelte Ilay.
„Auch wir danken euch im Namen unseres Königreichs“, verbeugte sich die Magd. „Wenn ihr mir bitte folgen würdet…“
Die Gruppe fing an ihr zu folgen und so wollte auch Ria ihnen folgen, um zu helfen. Jamin hielt sie am Arm fest.
„Täubchen, nicht so schnell…“, sprach er zu ihr.
„Hey, was soll das? Ich will auch helfen gehen!“, war Ria erbost und zog ihren Arm weg.
„Nein, du nicht!“, sah Ilay sie ernst an.
„Wieso denn nicht?“, war Ria leicht sauer.
Ilay kam nah an sie heran, sodass die Anderen das nicht hören konnten.
„Allein schon aufgrund deiner Herkunft kann ich dich das nicht tun lassen… Schon vergessen? Umso göttlicher der Anteil des Blutes, umso stärker sind dessen Kräfte auf uns! Selbst ich konnte mich nicht zügeln als ich das erste Mal von deinem Blut kostete… Darum kann ich dein Blut hier nicht in Umlauf bringen!“, beharrte Ilay.
„Okay… Ich habs verstanden…“, resignierte Ria.
„Außerdem kommt ihr Beide mit mir, wir werden uns ein wenig in der Stadt umsehen gehen und recherchieren… Mal sehen, was wir in Erfahrung bringen können bezüglich der verschwunden Menschen…“, wandte sich Ilay an Ria und Jamin.
In der Zwischenzeit standen Eneas, Bela und Eysa im Hof des Palastes.
„Also gut Aniki…“, sprach Eysa. „Konzentrier dich auf dein Blut, merke wie es durch deinen Körper fließt…“
Konzentriert stand Eneas da. Er öffnete seine Augen und sie fingen an zu glühen.
„Gut so… Sieh mich an… Wie fühlst du dich? Bist du noch bei klarem Verstand?“, fragte Eysa nach.
„Ja…“, antwortete Eneas. „Aber ich fühle Wut… Und Hass… Es fällt mir schwer mich auf dich zu konzentrieren, vor allem weil Bela dort drüben steht…“
Bela beobachtete das ganze aus einiger Entfernung mit verschränkten Armen.
„Ich weiß… Fixiere dich trotzdem weiterhin auf mich… Versuche diese Wut und diesen Hass zu kanalisieren und lenke sie in deine Brust… Veratme sie von dort aus in jeden Winkel deines Körpers, aber langsam…“, erklärte Eysa weiter. „Diese Wut und dieser Hass sind der Ursprung der Kraft der Blutengel… Du musst lernen sie zu kontrollieren, um dein Potenzial ausschöpfen zu können…“
„Es fühlt sich anders an als beim letzten Mal…“, gestand Eneas, während er seine Fingerspitzen befühlte.
„Kein Wunder, das letzte Mal hast du diese Kraft auch einfach nur unkontrolliert durch dich hindurchfließen lassen…“, umkreiste Eysa nun Eneas. „Du machst das gut, besser als erwartet dafür, dass du es gerade zum ersten Mal versuchst…“
„Wieso fällt es dir so leicht? Ich tue mich gerade verdammt schwer damit mein Bewusstsein aufrecht zu erhalten…“, fragte Eneas nach der sichtlich angestrengt wirkte.
„Das liegt daran, dass ich das schon seit klein auf übe… Du machst das aber besser als ich damals…“, gestand Eysa.
Eneas verfolgte Eysa mit seinem Blick, dann blieb sie plötzlich stehen.
„Gut… Nun blicke auf…“, befahl sie.
Eneas hob seinen Blick und sah nun Bela hinter Eysa stehen. Eneas Mimik verfinsterte sich.
„Konzentrier dich! Lass dich von diesen Gefühlen nicht zerfressen, lenke sie! Sie ihn an und sag mir was du siehst…“, rief Eysa Eneas zu.
„Tsk! Verdammt! Ich… Ich kann es nicht mehr kontrollieren… Dieses Blut wallt in mir, es pulsiert, es wird stärker… Dieses Verlangen diesen Dämon dort auszuschalten!“, war Eneas wütend.
„Beruhige dich! Das ist nicht irgendein Dämon! Sieh ihn an! Sag mir, wer er ist! Was bedeutet er dir?“, forderte Eysa.
Auf einmal schwand Eneas Bewusstsein und er sprintete auf Bela zu. Bela blockte den Angriff ab und schleuderte Eneas von sich. Eneas rollte sich nach hinten ab nur um im nächsten Augenblick wieder auf Bela zuzuspringen und ihm mit seiner Glefe eine zu verpassen. Bela ging in die Knie. Die Palastwachen kamen auf die Beiden zu gerannt und zückten ihre Waffen.
„Halt! Mischt euch nicht ein!“, befahl Bela und richtete sich wieder auf.
Augenblicklich blieben die Wachen stehen. Eysa sprang auf Eneas Rücken.
„Nicht Aniki! Komm wieder zu dir! Das ist Bela!“, rief sie.
Eneas packte sie und warf sie weg, um wieder auf Bela zustürmen zu können. Bela parierte den Angriff.
„Wenn du dich nicht an mich erinnern willst, dann werde ich dich eben dazu bringen dich an mich zu erinnern!“, rief er ihm zu.
Bela entwaffnete Eneas mit einer geschickten Drehung und sprang auf Eneas zu. Er fixierte sein Gesicht und gab ihm einen Kuss. Als er von ihm ab ließ sah er ihm tief in seine Augen.
„Eneas! Sieh mich an! Ich liebe dich und daran wird sich auch nichts ändern!“, lächelte Bela.
Eneas sah geschockt aus und lies seine Waffe fallen.
„Bela…“, sprach er.
Eneas Augen leuchteten noch doch sein Bewusstsein kam wieder. Er schloss Bela in seine Arme.
„Es tut mir leid Bela…“, entschuldigte er sich.
„Alles gut…“, antwortete Bela beruhigt Eneas wieder bei Verstand zu haben.
„Eysa!“, erschreckte sich Eneas und blickte sich um.
Schon kam sie angerannt und hüpfte Eneas in die Arme.
„Super Aniki! Du hast es geschafft!“, freute sie sich.
Bela lächelte sanft.
Eneas umarmte sie liebevoll.
„Verzeih mir Eysa…“
„Das macht doch nichts Aniki… Ich bin froh dir behilflich gewesen zu sein!“, lächelte sie. „Das solltest du jetzt täglich mit Onkelchen üben damit du auch wirklich Übung darin kriegst!“
Zur gleichen Zeit waren Ilay, Jamin und Ria in der Stadt unterwegs.
Jamin sprang schützend vor Ria und fing einen Armbrustpfeil ab. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht sank er zu Boden.
„Jamin!“, rief Ria geschockt.
Kapitel 46
Ria, Ilay und Jamin standen in einer Seitengasse mit Blick auf den Marktplatz.
„Wie sollen wir vorgehen Ilay?“, fragte Jamin nach.
„Wir sollten uns umhören zwecks den verschwunden Menschen oder irgendwelchen illegalen Verkäufen… Vielleicht können uns die Händler weiterhelfen… Wir sollten uns aufteilen und uns hier später wieder treffen…“, schlug Ilay vor.
„Alles klar…“, bestätigte Ria.
Die Gruppe teilte sich auf und infiltrierte den Markt. Ria sah sich um.
<Auf den ersten Blick wirkt das wie ein ganz gewöhnlicher Markt… Nichts Auffälliges bis jetzt zu sehen…>
Ria fiel eine seltsame Person auf. Sie blieb auf Abstand doch folgte ihr ganz unauffällig bis zu einem Marktstand. Dort wurde diese Person auf die Seite gewunken und erhielt ein komisches Paket. Ziemlich zügig verzog sich diese Gestalt auch wieder.
Ria nahm die Verfolgung auf. Sie folgte der Person durch mehrere enge Gassen. Dieser Mensch verschwand hinter der nächsten Ecke, Ria wollte sich beeilen und ging schneller auf die Ecke zu. Auf einmal wurde sie auf die Seite gezogen. Erschrocken sah sie die Person an nur um festzustellen dass es Jamin war, welcher ihr den Mund zuhielt und gegen die Wand drückte.
„Psst!“, nahm er seinen Zeigefinger vor den Mund und lies langsam mit der Anderen von ihrem ab.
Jamin spähte um die Ecke. Argwöhnisch sah er sich um. Mit einer Geste zeigte er Ria, dass sie ihm folgen solle. Ria verstand und tat wie ihr befohlen.
Heimlich schlichen sie sich durch ein Fenster in ein Haus rein und fanden sich in einer Art Arbeitszimmer wieder.
„Was denkst du was das hier ist?“, fragte Ria nach.
„Ich denke das hier könnte uns zu einem illegalen Blutmarkt führen… Ich habe ebenfalls gesehen, wie diese Gestalt das Päckchen von dem Stand erworben hat… Wir sollten ihn finden und ausquetschen…“, erklärte Jamin.
„Gut“, bestätigte Ria.
So machten sie sich auf die Suche nach diesem Kerl und durchkämmten das Haus. Sie fanden eine Treppe die in den Keller führte und folgten ihr. Unten fanden sie dann diese Person. Jamin schlich sich an und überwältigte den Kerl, der gerade damit beschäftigt war, das Blut aus diesem Beutel zu trinken.
„Keine Bewegung! Kein Laut! Ich frage, du antwortest! Klar soweit?“, stellte Jamin klar.
Hastig nickte der Kerl, der von Jamin am Boden fixiert wurde.
„Gut… Was weißt du über den illegalen Bluthandel?“, fragte Jamin forsch.
„Nichts! Wirklich!“, sprach der Kerl hastig.
„Lüg mich nicht an, sonst wird es unschön für dich!“, bog er seinen Arm nach hinten, sodass der Kerl vor Schmerz aufschrie und dann wimmerte. „Erzähl uns alles, was du weißt!“
„Schon gut, schon gut… Ich rede ja…“, wimmerte der Kerl weiter. „Ich kaufe schon seit einiger Zeit bei diesem Stand mein Blut ein weil es so verdammt knapp ist… Was hätte ich denn tun sollen? Irgendwie müssen wir doch an Blut kommen! Ich bin nur ein Käufer, ich habe keine Ahnung woher der seine Blutreserven bekommt!!“
Jamin wurde wütend und trat dem Kerl mehrmals ins Gesicht.
„Aufhören bitte!!“, flehte der Kerl. „Arvid! Arvid Reyes ist sein Name! Sucht nach ihm!!“
„Geht doch…“, ließ Jamin endlich von ihm ab und wandte sich Ria zu.
„Woher wusstest du, dass er was weiß?“, fragte Ria nach.
„Ganz einfach Täubchen… Er hat den Beutel nur entgegengenommen aber nichts dafür bezahlt… Das weckte in mir die Vermutung das er ebenfalls in das Geschäft verwickelt ist und bezahlt wird mit regelmäßigen Blutkonserven…“, schlussfolgerte Jamin.
„Oh du hast recht, ist mir gar nicht aufgefallen das er nichts bezahlt hatte…“, war Ria verwundert.
Auf einmal stürmten ein paar Männer den Keller und schossen mehrere Schüsse mit ihren Armbrüsten ab. Blitzschnell reagierte Jamin und warf sich schützend vor Ria während der Kerl am Boden sofort getötet wurde. Jamin sank mit einem schmerzverzerrten Gesicht zu Boden.
„Jamin!!“, rief Ria geschockt und kniete sich ebenfalls hin.
„Geht es dir gut?“, fragte er nach und fixierte ihr Gesicht.
„Ja, aber was ist mit dir?!“, war Ria ratlos.
„Die leben noch! Ausschalten! Sofort!!“, befahl einer der Männer.
Die Gruppe lud ihre Waffen nach.
„Scheiße verdammt!!“, rief Jamin. „Zieh mir den Pfeil raus!“
Gesagt, getan. Ria zog ihm den Pfeil aus seinem Rücken und plumpste dabei auf den Boden. Jamin richtete sich auf doch in dem Moment schossen sie erneut mit ihren Armbrüsten und trafen Jamin direkt in der Brust mit 4 weiteren Pfeilen. Jamin fiel nach hinten um in Rias Schoß. Geschockt sah sie ihn an während einer der Männer sein Schwert zog und angriff. Ria sah sie bitterböse an und erschuf eine Barriere um sich und Jamin.
Verwundert sahen sie sie an.
„Eine Göttliche?“, schlussfolgerten sie.
„Schnappt sie! Sie ist wertvoll!!“, befahl einer von ihnen.
Ria war richtig sauer, sodass ihre Augen anfingen zu leuchten. Sie ließ die Barriere nach Außen explodieren und setzte zum Angriff an. Sie war blitzschnell und schaltete einen nach dem anderen aus. Gnadenlos schlachtete sie die Meute ab, als ob sie kein Gewissen mehr hätte. Jamin beobachtete dies, während er sich die 4 Pfeile aus der Brust zog und sich aufrichtete.
„Täubchen?“
Ria hörte ihn nicht. Sie erstach den Letzten und ließ dann ihre Waffe fallen. Sie griff sich schmerzerfüllt an den Kopf.
„Nein! Lass das!“, rief sie.
Jamin kam von hinten auf sie zu und schloss sie fest in seine Arme.
„Täubchen! Beruhige dich! Atme tief ein und aus!“
Rias Gesichtsausdruck wechselte von geschockt zu verzweifelt. Ria rannten ein paar Tränen über ihre Wangen und sah dann an sich hinunter, in ihre blutüberströmten Hände und Klamotten.
„Jamin? Was… Was ist passiert?“, fragte sie überwältigt nach.
„Mach dir keinen Kopf deswegen…“, sprach Jamin noch bevor er nach hinten umfiel.
Ria drehte sich schnell nach ihm um.
„Oh mein Gott! War ich das?! Was hab ich getan?“, beugte sich Ria zu ihm hinunter.
„Das warst nicht du, keine Sorge… Aber der eine Pfeil hat mein Herz erwischt… Scheiße…“, lachte Jamin schmerzerfüllt.
„D-Du darfst nicht sterben!! Trink von mir! Schnell!!“, befahl sie ihm.
„Das… Kann ich nicht… Du gehört zu Ilay… Er hat den Besitzanspruch auf dein Blut…“, erklärte er und spuckte dann Blut aus.
„Was? Das ist jetzt völlig egal! Ich werde dich sicher nicht sterben lassen!“, sprach sie, während sie ihn in eine aufrechte Position zog.
„Täubchen… Nicht…“, versuchte er sie noch aufzuhalten.
Schon brachte Ria Jamins Gesicht in die Nähe ihres Halses. Jamin konnte ihren Puls pulsieren hören. Seine Augen wurden dämonisch und er schloss sie verkrampft als er ihr seine Zähne in den Hals rammte. Er umklammerte sie und zog sie noch näher an sich. Ria verzog leicht ihr leicht gerötetes Gesicht.
<Jamin ist viel grober und stürmischer als Ilay… Wie viel Blut er wohl benötigt, um wieder genesen zu können?>
Jamin presste Ria richtig an sich als er sie auf seinen Schoß hob.
<Ilay hat Recht… Ihrem Blut kann man sich nicht entziehen… Es schmeckt wirklich wahnsinnig gut… Zu gut… Ich kann nicht aufhören… Ich will nicht aufhören…>
Jamin schnaufte immer heftiger und schwerer. Ria krallte sich in den Klamotten an seiner Brust fest.
„Jamin! Hör auf! Stopp!!“, rief sie und versuchte sich aus seinem festen Griff zu winden doch sie hatte keine Chance.
Endlich ließ Jamin von ihrem Hals ab und drückte ihr augenblicklich einen Kuss auf. Es war ein sehr intensiver und langer Kuss.
„Entschuldige Täubchen… Ich hab nicht widerstehen können… Ilay hat Recht, deinem Blut kann man sich nicht entziehen…“, lächelte er sie spitzbübisch an und leckte sich die Lippen.
Ria sah ihn total überrascht und rot bis über beide Ohren an.
In der Zwischenzeit beobachtete Ilay aufmerksam den Markt. Er stand im Schatten eines Daches für eine gute Übersicht.
Ilay beobachtete wieder eine Übergabe eines seltsamen Päckchens auf diesem Marktstand an dem vorher schon Ria und Jamin zu tun hatten. Er sprang vom Dach und ging auf diesen Stand zu. Heimlich manövrierte er sich hinter den Händler und hielt ihm ein Messer an den Rücken.
„Keinen Mucks, wenn dir dein Leben lieb ist!“, drohte Ilay ihm mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck.
Der Händler blieb regungslos doch locker.
„Was willst du?“, fragte er Ilay.
„Informationen… Erzähle mir alles was du weißt…“, forderte Ilay, während keiner der umstehenden Leute mitbekam was eigentlich vor sich ging.
„Glaubst du allen Ernstes, dass ich dir einfach so Informationen aushändige? Wenn ich sie dir nicht gebe, tötest du mich, wenn ich sie preisgebe, sterbe ich sowieso… Also macht es für mich keinen Unterschied, ob ich diese Informationen für mich behalte oder nicht…“, entgegnete der Händler.
„Wenn es für dich sowieso keinen Unterschied macht, warum gibst du mir nicht einfach die gewünschten Informationen? Damit würdest du dein Leben verlängern und hättest eine Chance vor den anderen zu entkommen, diese würde ich dir gewähren…“, sprach Ilay eiskalt.
„Tsk!“, schnalzte der Händler als er sich plötzlich umdrehte und Ilay mit einem Messer angriff welches er sich blitzschnell aus seinem Halfter holte.
Ilay wich zurück und brachte den Händler mit einer geschickten Drehung zu Boden. Er fixierte ihn mit seinem Stifel auf dem Boden.
„Du gibst mir jetzt lieber die Informationen sonst muss ich noch ernst machen!“, drohte Ilay.
In dem Augenblick kamen aus der Masse der Menschen die auf dem Markt vertreten war, einige Leute auf den Stand zugeeilt und schossen mit ihren Armbrüsten auf Ilay um ihn auszuschalten.
Ilay reagierte Instinktiv und wandelte sich in seine Dämonenform. Mit seinen Flügeln schützte er sich vor den herannahenden Pfeilen und sie prallten ab. Angepisst sah er den Händler an.
„D-Der Thronprinz?!“, war der Händler geschockt. „I-Ihr seid zurückgekehrt?!“
„Also? Hast du mir irgendetwas zu sagen?“, war Ilay forsch.
„I-Ich erzähle ihnen alles, was ich weiß!!“, war der Händler immer noch total perplex.
Währenddessen sahen sich auch Eneas, Bela und Eysa in der Stadt um. Eysa lief ein paar Schritte voraus und inspizierte die ganze Umgebung. Es machte sie sehr glücklich so frei herumlaufen zu können was man ihrem breiten Lächeln entnehmen konnte.
„Sie wirkt so glücklich, dass macht mich richtig froh“, freute sich Eneas und lächelte Bela an.
„Das glaube ich dir… Es ist wirklich schön zu sehen dass es ihr so gut geht nach allem was sie durchmachen musste…“, pflichtete Bela bei.
„Wir drei wirken wahrscheinlich wie eine glückliche, kleine Familie“, schmunzelte Eneas während er nach Belas Hand griff und sie drückte.
Bela entwich ein sanftes Lächeln.
„Ich bin froh dir begegnet zu sein Eneas… Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich das letzte Mal so glücklich gefühlt habe… Dafür möchte ich dir danken…“, gestand Bela.
Eneas war überglücklich über diese Worte, was man an seinem liebevollen Gesichtsausdruck gut erkennen konnte. Er blieb stehen, wandte sich Bela zu, fixierte mit seiner freien Hand sein Gesicht und gab ihm einen Kuss den Bela nur allzu gern annahm.
Sie lächelten sich gegenseitig an und wollten ihren Weg fortsetzten, doch dann sahen sie geschockt umher.
„Eysa?“, rief Eneas.
„Eysa? Wo bist du?“, rief Bela.
Eysa war auf einmal verschwunden.
Kapitel 47
Ilay unterhielt sich mit zwei Wachen, welche gerade damit beschäftigt waren, den Markthändler zu fesseln. Als er sich abwandte erblickte er Ria, welche Jamin beim Gehen stützte. Augenblicklich ging er zu ihnen.
„Ist alles okay bei euch? Was ist passiert?“, fragte er sofort nach als er Jamin Ria abnehmen wollte.
„Schon gut, nicht der Rede wert… Wir haben einen Namen… Arvid Reyes… Den sollten wir uns vorknüpfen…“, erklärte Jamin kurzerhand und richtete sich wieder selbstständig auf.
„Du bist schwer verletzt aber deine Wunden, sie schließen sich bereits…“, stellte Ilay fest, während er Jamin ungläubig anstarrte. „Was hast du getan?“
Ilay sah richtig finster aus. Jamin verzog keine Miene. Nun mischte sich auch Ria ein.
„E-Es war nicht seine Schuld, er wäre fast gestorben, was hätte ich denn tun sollen?“, versuchte sie die Situation zu klären.
Ilay sah Ria an und bemerkte die Bissspuren an ihrem Hals. Im nächsten Augenblick schlug Ilay Jamin zu Boden. Er setzte sich auf ihn drauf und schlug noch einmal zu, bevor er ihn am Kragen packte.
„Ilay! Stopp! Hör auf damit!“, rief Ria die fassungslos danebenstand.
„Wie kannst du es wagen sie zu markieren?!“, war Ilay richtig wütend.
„Verzeih mir, das war nicht meine Absicht…“, erklärte Jamin, welcher leicht betrübt dreinschaute.
„Arghh!“, konnte Ilay seine Wut nicht unterdrücken.
„Markiert? Was soll das heißen?“, war Ria ratlos.
„Jamin hätte nicht von dir Trinken dürfen…“, stand Ilay wieder auf.
„Was? Aber warum? Ich verstehe das nicht! Er war in großer Lebensgefahr!“, argumentierte Ria.
„Zeig es ihr…“, befahl Ilay.
Jamin stand auf und ging auf Ria zu. Mit seinen Fingerspitzen fuhr er ihr leicht über die Stelle, an der er sie gebissen hatte. Dann machte er Platz damit sie sich im Schaufenster betrachten konnte.
„W-Was ist das?“, war Ria leicht schockiert als sie ein leuchtendes Mal an den Bissspuren von Jamin entdeckte und anfing es zu befühlen.
„Eine dieser Markierungen… Normalerweise können nur Dämonen diese Markierungen sehen, man kann sie jedoch sichtbar werden lassen… Wir Dämonen sind sehr besitzergreifend und können andere Wesen als unseren Besitz markieren, sodass kein anderer Dämon die Befugnis hat Hand an einen zu legen…“, erklärte Bela der gerade mit Eneas zur Gruppe dazustieß.
„Bela?“, war Ilay überrascht.
„Aber das kann man doch sicher wieder weg machen, oder?“, fragte Ria nach.
Ilay und Jamin sahen weg.
„So leicht ist das leider nicht… Wir können nicht jedes x-beliebige Wesen markieren… Das Problem an der Sache ist, dass wir nur Jemanden markieren können für den unsere Gefühle stark genug sind…“, erklärte Bela weiter.
„Diese Markierung wird sich erst wieder lösen, wenn seine Gefühle für dich nachlassen… Oder wenn er stirbt…“, ergänzte Ilay das Ganze.
„Was? Aber warum?“, wandte sich Ria fragend an Jamin.
„Warum ich Gefühle für dich entwickelt habe? Frag mich was leichteres…“, rümpfte Jamin sich mit einem traurigen Lächeln. „Deshalb wollte ich auch so vehement nicht von dir Trinken…“
„Du wusstest, dass du mich markieren würdest…“, schlussfolgerte Ria, während sie noch die Markierung befühlte.
„Hab ich auch so eine Markierung?“, wandte sich Eneas fragend an Bela.
„Natürlich… Sieh…“, strich ihm Bela über den Hals sodass Eneas seine Markierung im Spiegelbild betrachten konnte.
„Wofür sind solche Markierungen überhaupt gut?“, fragte Eneas nach.
„Sie sind praktisch und schützen seinen Träger normalerweise vor Übergriffen anderer Dämonen da es strengstens Verboten ist sich am Besitz eines Anderen zu vergreifen… Außerdem dienen sie auch als Liebesbeweis, weil sie beweisen, dass die Gefühle wirklich echt und stark sind… Und hier haben wir jetzt das Problem, dass Jamin mit dieser Markierung Ilay den Besitz streitig macht… Das macht sie nun zu Rivalen und Ilay müsste diese Herausforderung annehmen…“, erklärte Bela.
„Und was heißt das jetzt genau?“, fragte Ria nach.
„Das Jamin am Arsch ist… Er hat soeben dem Thronprinzen den Besitz streitig gemacht und er wird es nicht wagen gegen Ilay zu kämpfen… Niemand würde es wagen den Thronprinzen herauszufordern… Ilay würde gewinnen und Jamin würde verbannt werden…“, erläuterte Bela das Ganze.
„Verbannt? Ist das nicht ein wenig zu hart?“, äußerte sich Ria dazu.
„So ist es nun mal… Das sind die Regeln…“, verschränkte Bela seine Arme.
„Deshalb bist du so sauer… Du möchtest Jamin nicht verbannen müssen… Ich verstehe…“, schlussfolgerte Ria als sie sich Ilay zuwandte.
„Darum kümmern wir uns später… Unsere Priorität ist erst einmal unsere Mission…“, beendete Ilay das Gespräch und wandte sich ab während er ein paar Schritte ging.
Bela ging auf Jamin zu.
„Du machst vielleicht Sachen… Warum ausgerechnet Ria?“, fragte er nach.
„Ich weiß es nicht, es ist einfach passiert… Es ist nicht so, dass ich mir das ausgesucht hätte…“, beantwortete Jamin diese Frage mit einem bitteren Lächeln.
„Meine Güte… Dir ist nicht mehr zu helfen…“, seufzte Bela lautstark.
„Wo ist überhaupt Eysa?“, fragte Ria verdutzt nach.
„Wir haben sie aus den Augen verloren…“, gestand Eneas. „Sie ist zwar sehr stark für ihr Alter aber ein wenig Sorgen mache ich mir doch…“
„Wir werden sie finden, keine Sorge“, wollte Ria Eneas beruhigen und ergriff seine Hand.
„Danke, aber ihr solltet euch lieber um eure Angelegenheit kümmern, wir werden sie schon finden“, lächelte Eneas Ria an.
Währenddessen ließen sich die anderen ihr Blut abnehmen.
„Meint ihr sie kommen ohne uns zurecht?“, fragte Seren in die Runde.
„Ach sicher, was soll schon schief gehen?“, lachte Marin.
„Eben… Die werden sich wohl kaum gegenseitig an die Gurgel gehen“, lachte Laisa mit.
Ria lief Ilay hinterher.
„Ilay, warte…“
Ilay blieb stehen und Ria holte auf. Sie umarmte ihn von hinten.
„Es tut mir leid…“
„Ich gebe dir keine Schuld Ria… Dass du ihn nicht sterben lassen wolltest, ist verständlich… Aber ich weiß wie sich dein Blut auf uns auswirkt und bin mir sicher, dass es nicht nur bei dem Biss blieb…“
Ilay drehte sich zu ihr um und sah ihr direkt in ihre Augen.
„Es macht mich rasend, dass er dir so nahe kam… Der Gedanke daran, dass er dich geküsst hat, dich angefasst hat… Ich kann meine Wut kaum im Zaum halten…“, gestand er als er ihr sanft über die Wange strich. „Ich sagte bereits, dass ich sehr besitzergreifend bin…“
„Ich weiß, es tut mir trotzdem leid dich in so eine Lage gebracht zu haben…“, umklammerte sie seine Hand und schmiegte sich an ihr.
„Ich will nicht gegen ihn kämpfen und erst recht nicht verbannen… Ich habe keine Ahnung wie wir aus dieser Sache wieder heraus kommen können…“, gestand er.
„Wir finden sicher eine Lösung dafür…“, lächelte sie ihn an. „Wie sieht eigentlich die Markierung von dir aus?“
Ilay lächelte und stellte sich hinter sie, sodass sie ein Schaufenster vor sich hatten. Langsam strich er ihr sanft über ihren Hals und ließ die Markierung erscheinen. Seine Hand wanderte weiter bis an ihr Dekolleté.
„Das ist der Beweis meiner unendlichen Liebe für dich…“, flüsterte er ihr in ihr Ohr.
Ria wandte ihren Blick vom Schaufenster ab und Ilay hin. Während Ilay sie fest in seinem Armen hielt, ließ sie eine Hand auf seine Hände nieder und mit der anderen umgriff sie seinen Kopf, um ihm dann einen leidenschaftlichen Kuss zukommen zu lassen den Ilay nur allzu gerne erwiderte.
< Sollte ich Ilay davon erzählen? Das ich die Kontrolle für einen kurzen Augenblick verloren hatte? Das ich nicht ich selbst war? Was wenn das jetzt öfter vorkommt? Was mache ich dann?>
Zur selben Zeit überschlugen sich die Ereignisse in Resparia.
„Hey! Das könnt ihr nicht machen!“, rief Liz, während sie sich an die Gitterstäbe ihrer Zelle klammerte.
„Und ob wir das können!“, antwortete eine der Wachen.
„Spinnt ihr?! Ich bin die Generalin! Ihr untersteht alle meinem Kommando!“, erwiderte sie.
Die Wachen lachten und verließen den Zellenblock.
„Scheiße! Was ist hier überhaupt los?“, sprach sie ihre Gedanken laut aus.
„Bemühen Sie sich nicht, werte Generalin…“, sprach eine Stimme aus der Nachbarszelle.
Geschockt sah sie herüber.
„Eure Majestät?! Was machen Sie und Ihre Gemahlin denn hier?“, fragte Liz erstaunt nach.
„Wir wurden genauso wie Sie hier eingesperrt… Es ist ein Putsch… Und dreimal dürfen sie raten wer diesen Putsch anführt…“, sprach der König mit betrübter Miene.
Liz sah ihn fragend an, in dem Moment öffnete sich die Eingangstür und Enil Hoxia stand vor ihnen.
„Stefano, mein guter alter Freund, mitsamt deiner Gemahlin Ginevra und auch unsere verehrte neue Generalin Elizabeth… Schön euch hier anzutreffen… Schade, dass uns Lucin und Keno durch die Lappen gegangen sind… Dann können sie ja der großen Feier gar nicht beiwohnen welche wir extra für euch arrangieren… Die Krönung des Prinzen und eure Hängung!“, lachte Enil boshaft.
Geschockt sahen sie alle Enil an. Sie konnten ihren Ohren kaum trauen.
Währenddessen rannten Keno und Lucin verschleiert durch einige Gassen. Sie blieben an einer Ecke stehen und sahen sich um.
„Die Luft ist rein, wir sollten weiter…“, flüsterte Keno.
„Aber wohin denn? Jede einzelne Wache sucht nach uns, wir werden wegen Hochverrats angeklagt und letztendlich gehängt… Und wir müssen meine Eltern da rausholen, aber alleine schaffen wir das niemals!“, verzweifelte Lucin.
„Das wird schon, keine Sorge…“, versuchte sie Keno zu beruhigen und fixierte ihr Gesicht. „Erst einmal muss ich dich in Sicherheit bringen, danach werden wir weitersehen… Wir hatten pures Glück, dass wir entkommen konnten…“
„Ja, das stimmt… Zum Glück waren wir gerade spazieren als sie meine Eltern in Gewahrsam nahmen… Sonst hätten sie uns auch erwischt…“, sprach Lucin.
„Mich würde nur interessieren, warum das alles geschieht… Es macht keinen Sinn, deine Eltern und wir haben überhaupt nichts getan, womit wir uns die Todesstrafe verdient hätten…“, war Keno skeptisch.
In der Nähe der Gasse, in welcher sich Keno und Lucin versteckt hielten, standen ein paar Leute die sich sehr angeregt unterhielten. Keno und Lucin gingen etwas näher heran, um sie zu belauschen.
„Könnt ihr euch das vorstellen? Das ist eine bodenlose Frechheit des Königshauses!“, war Passant A erzürnt.
„Das stimmt… Das hätte ich niemals für möglich gehalten, dass sie uns so hinters Licht führen würden…“, stimmte Passant B zu.
„Zum Glück hat uns der göttliche Rat aufgeklärt und ist ihnen auf die Schliche gekommen! Dass sie allesamt gehängt werden, geschieht ihnen recht…“, gab Passant C hinzu.
„Definitiv! Ihrem eigenen Sohn einen Attentäter auf den Hals zu hetzen, um ihn aus dem Weg zu räumen, nur weil er herausgefunden hatte, dass das Königshaus hinter all diesen Entführungen dieser jungen Mädchen stand und er dagegen vorgehen wollte…“
„Und dann schieben sie es im Nachhinein unserem ehrenwerten General in die Schuhe…“
„Ihn wollten sie sicherlich auch beseitigen lassen, damit das nicht herauskommt…“
„Schrecklich! Was sind das nur für Menschen?!“
„Und dass nur um diese Erbin der Urgottheiten ausfindig zu machen, allem Anschein nach ist es ja eine junge Frau…“
„Ja… Das Königshaus soll wohl auf der Suche nach ihr gewesen sein, um sie zu töten! Vermutlich stecken sie mit den Dämonen unter einer Decke…“
„Erinnert ihr euch an das Bankett? Das Mädchen, mit dem unser Prinz tanzte, soll wohl diese Urgottheit gewesen sein und er wollte sie vor seiner eigenen Familie beschützen… Bin ich froh, dass der göttliche Rat uns endlich die Wahrheit erzählt hat…“
„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass Major Hoxia mit der Königsfamilie zusammengearbeitet hat und er wissentlich diese Urgottheit in seine Obhut nahm, um sie der Königsfamilie auszuhändigen… Sobald sie aufgefunden werden, wird die komplette Gruppe mitgehängt…“
„Und auch unsere neue Generalin soll mit ihnen zusammengearbeitet haben…“
„Bin ich froh, dass das Attentat fehlschlug und unser Prinz wohlauf sein soll… Ich freue mich auf die Krönungsfeier, wenn er seinen rechtmäßigen Platz einnimmt und wir die Verräter am Galgen baumeln sehen…“
Keno und Lucin waren geschockt.
„Leif… Lebt…?“
Kapitel 48
Eysa lief voraus und blieb dann stehen, um nach Eneas und Bela zu sehen. Sie drehte sich um und sah, wie sie sich einen Kuss gaben. Verschämt hielt sie sich ihre Hände vors Gesicht, kicherte aber.
<Brüderchen und Onkelchen sind so kitschig! Ich stör sie mal lieber nicht…>
Dann nahm sie ein Wimmern wahr und folgte den Geräuschen. Sie landete in einer kleinen Seitengasse und fand dort ein kleines Mädchen vor, welches in einer Ecke kauerte, weinend und schluchzend. Langsam ging sie auf das Mädchen zu.
„Hey du… Warum weinst du denn?“, fragte sie vorsichtig nach.
Ganz erschrocken sah sie das kleine Mädchen an.
„Ich… Ich hab mich verlaufen und finde nicht mehr nach Hause…“, antwortete das Mädchen zögerlich.
„Weine nicht… Ich werde dir helfen…“, tätschelte Eysa ihr den Kopf und lächelte sie sanft an.
„Wie ist denn dein Name?“, wollte Eysa wissen.
„Himari… Himari Nakamura…“, antwortete sie. „Und dein Name?“
„Ich heiße Eysa Hoxia“, lächelte Eysa. „Es freut mich dich kennen zu lernen…“
Eysa streckte ihr ihre Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen. Zusammen machten sie sich auf den Weg.
„Kannst du mir etwas über dein Zuhause sagen? Wie sieht die Gegend dort aus? Kommt dir hier irgendetwas bekannt vor?“, fragte Eysa nach.
„Wir haben einen großen und prächtigen Baum im Garten stehen mit rosafarbenen Blüten… Wir haben ein großes Haus… Riesig… Und eine hohe Mauer um das Grundstück…“, erklärte Himari.
„Hmm… Das sieht nicht gerade aus, wie eine Gegend wo so ein prachtvolles Haus stehen würde… Ich denke wir werden uns ein wenig umsehen müssen…“, mutmaßte Eysa.
Sie gingen einige Meter als sie an eine Gruppe dubioser Männer vorbeikamen. Gerade als sie vorbeilaufen wollten, hielt einer der Männer Himari fest.
„Na das haben wir denn da? Das Gör vom Beautysalon der Nakamuras… Und heute sogar ohne Aufpasser unterwegs…“, sprach der Mann, der das Mädchen festhielt.
„Hey! Lass sie los!“, befahl Eysa.
„Misch dich nicht ein Gör! Zieh Leine!“, schubste sie einer der anderen Männer weg.
Eysa fiel dabei hin und sah die Männer ganz böse an.
„Für das Gör könnten wir ein sattes Lösegeld verlangen… Damit hätten wir erst einmal ausgesorgt…“, stellte ein Anderer fest.
„L-Lasst mich los!“, stotterte Himari mit Tränen in den Augen.
„Ich hab gesagt ihr sollt sie loslassen!“, war Eysa richtig wütend.
„Was willst du schon ausrichten Kleine!“, lachten die Männer.
Einer ging auf sie zu und schlug zu, sodass Eysa erneut hinfiel. Als sie aufblickte, glühten ihre Augen. Erschrocken sahen die Männer sie an.
„Kann das sein? Ist das Gör eine mit göttlichem Blut? Wie überaus selten!“, grinste einer der Männer schelmisch boshaft in sich hinein.
„Mit der könnten wir viel Geld verdienen und müssten selbst nicht mehr zusehen, wie wir an Blut kommen!“, leckte sich ein Anderer die Lippen.
Einer packte sie an den Haaren und zog sie herbei. Eysa trat ihm zwischen die Beine, befreite sich damit aus seinem Griff und sprintete auf die anderen Beiden zu. Mit einem gezielten Kick traf sie einen mitten ins Gesicht, welcher daraufhin Himari losließ und sie auf den Boden plumpste. Der Andere zückte ein Messer und verletzte Eysa damit an ihrem Arm, worauf sie daraufhin wegsprang.
Der Mann sprang auf Eysa zu und wollte sie mit dem Messer attackieren, doch Eysa wich geschickt aus und trat ihm das Messer aus der Hand. Einer der anderen Männer schlug in dem Moment bereits zu und Eysa klatschte gegen eine Wand.
„Die ist ganz schön hartnäckig…“
„Nützt ihr nur nichts, früher oder später wird sie klein bei geben…“
Die beiden Männer gingen auf Eysa zu. Himari sammelte all ihren Mut zusammen und warf einem der Männer einen Stein an den Kopf.
„Lasst Eysa in Ruhe!“, rief sie leicht zögerlich.
Wütend drehten sich die Männer zu ihr um. In dem Moment stürmte Eysa auf die Beiden zu und knockte beide mit einem Doppelkick aus. Gerade als Eysa auf dem Boden ankam, hörte sie ein Klacken.
„Miststück!“, rief der dritte der Männer und ließ den Pfeil aus seiner Armbrust, welche auf Eysa gerichtet war, losschnalzen.
Währenddessen waren Ilay, Ria und Jamin unterwegs zum Anwesen von Arvid Reyes. Ilay lief ein paar Schritte voraus.
„Kennst du diesen Arvid Reyes Jamin?“, fragte Ria nach.
„Ja… Er ist einer der reichsten Dämonen hier in der Gegend… Er lebt in einer riesigen Villa am Rande der Stadtmitte… Dorthin sind wir unterwegs…“, erklärte Jamin.
„Ich bin gespannt was uns dort erwartet und was wir dort in Erfahrung bringen werden…“, gab Ria zu.
„Mir war dieser Kerl schon immer suspekt… Er war früher ein armer Schlucker und wurde quasi über Nacht stinkreich… Vielleicht weil er den illegalen Blutmarkt etabliert hat… Wir werden sehen…“, antwortete Jamin.
„Ich hoffe wir können ihn aufhalten… Und danach kümmern wir uns um das Problem mit der Blutknappheit…“, war Ria fest entschlossen.
Jamin grinste leicht in sich hinein.
„Warum kümmert dich das so sehr?“, fragte Jamin nach.
Was meinst du?“, war sich Ria unsicher.
„Unsere Probleme… Ihr Gottheiten hasst doch eigentlich unser Volk… Wie kam es dazu, dass du und Ilay ein Paar wurdet? Kam mir damals nicht so vor, als ob ihr euch gut verstanden hättet…“, wurde Jamin neugierig.
„Naja… Anfangs verstanden wir uns wirklich nicht sonderlich gut und haben meist gestritten aber irgendetwas an ihm fand ich anziehend… Nachdem er mir mein Leben gerettet hatte, indem er wohlgemerkt deinen Speer für mich abfing, schlief er ganze vier Tage. Als er aufwachte war ich bei ihm und wollte ihm einen Apfel aufschneiden, schnitt mir dabei aber leider in den Finger. Einem ausgehungerten Dämon einen blutenden Finger vor die Nase zu halten war wohl keine sonderlich gute Idee, aber so fand ich heraus, was er war…“, erzählte Ria mit einem sanften Lächeln.
„Ein Paar wurden wir einige Zeit später nach einer Mission… Ilay befreite mich aus den Fängen eines perversen Aufsehers der junge Mädchen entführte und als ich Ilay dann erblickte, wurde mir klar, was ich für ihn fühlte… Ich war wahnsinnig froh und überglücklich als er auf mich zukam… Mein Herz pochte wie wild als er mir seine Jacke umlegte und mir damit so nah kam…“, erzählte Ria weiter.
„Du hast Recht… Früher hasste ich Dämonen… Uns wurde von klein auf beigebracht, dass Dämonen böse seien und sie die Welt zerstören wollen, das war auch der Grund, warum ich ursprünglich der Armee beitrat. Ich wollte euch aufhalten, um diese Welt zu beschützen, wenn es schon nicht der Erbe der Urgottheiten tun konnte, welcher als immer noch verschollen galt… Ich wusste sehr lange nicht, dass ich der Erbe bin…“, erklärte Ria.
„Ah, verstehe… Du liebst ihn sehr, nicht wahr?“, fragte er weiter.
Ria nickte leicht verlegen. Jamin kicherte.
„Das freut mich für euch, wirklich…“
„Wir sind da…“, unterbrach Ilay die Beiden.
Schon standen sie vor dem riesigen Anwesen. Ria staunte nicht schlecht.
„Wie sollen wir vorgehen Ilay?“, fragte Jamin nach.
„Wir fallen mit der Tür ins Haus…“, antwortete Ilay ganz trocken.
Sie gingen auf die Eingangstür zu und mehrere Wachen stellten sich ihnen in den Weg.
„Halt! Keinen Schritt weiter!“, versperrte ihnen einer den Weg mit gezogenem Schwert.
„Lasst uns durch!“, befahl Jamin. „Anordnung des Königshauses!“
„Nichts da! Ohne Durchsuchungsbefehl lassen wir euch keinen Schritt weiter!“, wehrte er sie ab.
„Meine Anwesenheit ist ausreichend genug und einem Durchsuchungsbefehl mehr als gleichgestellt!“, stellte Ilay klar und holte seine schwarzen Schwingen hervor. „Ich bin Thronerbe Ilay und bestehe auf Einlass!“
Die Wachen wichen erschrocken einen Schritt zurück.
„Es tut mir leid werter Prinz, aber wir wurden angehalten ausnahmslos keinem Eintritt zu gewähren… Unser Boss befindet sich mitten in den Vorbereitungen zu seiner Brautschau…“, erklärte eine der Wachen.
„Hab ich mich nicht klar genug ausgedrückt?! Öffnet das Tor, jetzt!“, sprach Ilay bedrohlich.
Die Wachen sahen sich gegenseitig an.
„Wir sind unserem Boss treu ergeben und werden seinen Befehlen folge leisten…“, sprach einer der Wachleute.
„Das ist Hochverrat an eurer Königsfamilie! Ihr wisst was euch da blüht, oder?!“, stellte Jamin klar.
„Sie…“, sprach eine er Wachen.
„Wie bitte?“, fragte Jamin skeptisch nach.
„Sie… Sie könnten wir einlassen… Nur Frauen ist es erlaubt einzutreten… Ihr könntet sie nutzen, um euch einzuschleusen, um an unseren Boss Arvid Reyes heranzukommen…“, schlug die Wache mit leiser Stimme vor.
Ungläubig sahen die Drei die Wachen an.
„Aber sie sollte sich dafür etwas herrichten… Immerhin ist dies eine Brautschau…“, ergänzte ein anderer.
„Ilay…“, sprach Ria.
„Nein, nicht schon wieder! Ich werde es nicht zulassen dich erneut einer solchen Gefahr auszusetzen!“, wandte sich Ilay Ria zu.
„Sie muss das dieses Mal aber nicht allein tun…“, sprach eine weibliche Stimme hinter ihnen.
Sie drehten sich um und erblickten Laisa, Marin, Zoya und Seren.
„Wir machen das zusammen!“, bestätigte Marin Laisas Aussage.
„Leute…“, freute sich Ria.
„Und ihr könnt uns wirklich nicht einfach durchlassen?“, wandte sich Jamin noch einmal an die Wachen.
„Es tut uns wirklich leid… Wir können nicht, auch wenn wir wollten… Wir… Unsere Familien…“, antwortete einer.
„Ist gut, wir haben verstanden…“, gab Ilay zu verstehen und wandte sich seinen Leuten zu.
„Dann putzen wir euch mal heraus!“, klatschte Seren in die Hände.
„Und wo?“, fragte Laisa nach.
„Nicht unweit von hier gibt es einen Beautysalon, bei dem könnten wir unser Glück versuchen…“, schlug Jamin vor.
„Warte… Doch nicht der von Nakamura-Sensei, oder? Den gibt es noch?“, fragte Ilay ungläubig nach.
„Genau, den gibt es noch, und das Geschäft läuft wahnsinnig gut… Ist einer der beliebtesten Läden hier…“, erklärte Jamin.
„Hat er dann überhaupt noch Zeit für Schüler?“, fragte Ilay weiter.
„Natürlich, es ist genauso wie früher nur gibt es nun mehr zu tun… Bela und ich lernten lange bei ihm, bis wir unsere Kampfkünste perfektionieren konnten…“, antwortete Jamin.
„Hätte nicht gedacht, dass sich dieser unscheinbare Beautysalon so lange hält, beziehungsweise so hip wird…“, war Ilay immer noch fasziniert.
„Du wirst dich wundern, wie der Laden heutzutage aussieht, das letzte mal hast du ihn kurz vor deiner Versieglung gesehen, das ist schon einige Tage her…“, schmunzelte Jamin.
Schon standen sie vor dem Eingang. Ilay staunte, wie sich der Laden gemacht hatte und wie groß er geworden war. Ein mehrstöckiges Gebäudekomplex mit allem, was mit Beauty zu tun hat. Die Leute standen Schlange, es war viel los.
„Ein ganz schöner Trubel hier…“, merkte Marin leicht verunsichert an und ging einen Ausweichschritt nach hinten.
Zoya stand hinter ihr und legte ihr sanft ihre Hände auf die Schultern.
„Keine Sorge, ich bin hier…“, sprach Zoya mit sanfter Stimme.
Marin lächelte sie sie an ergriff eine ihrer Hände. „Ich danke dir…“
„Sensei? Sind sie hier?“, rief Jamin in Richtung des Gebäudes.
Die Türen schwangen auf und vor ihnen stand ein großer Mann gekleidet in einem Yukata der finster dreinschaute. Aus seinem Ärmel zog er ein paar Wurfsterne und feuerte sie in Richtung der Gruppe.
Kapitel 49
„S-Sensei?!“, fragte Jamin skeptisch nach als er all den Wurfsternen, die auf ihn abgefeuert wurden, auswich.
„Das du dich hier her traust…“, sprach der Mann und sah Jamin ganz finster an.
„Was hast du angestellt?“, fragte Laisa mit skeptischem Blick nach.
„N-Nichts…“, grinste Jamin nervös.
„Das nennst du nichts?!“, war er zornig.
Auf einmal flog eine Pfanne an dem Sensei vorbei direkt in Jamins Gesicht, sodass er zu Boden ging.
„Lustmolch!“, rief eine Frau, die hinter dem Sensei auftauchte und ihre Arme verschränkte.
„Warte… Misaki? Bist das du?!“, fragte Ilay nach.
Die Frau drehte sich nach Ilay um.
„Ilay?!“, freute sich die Frau und sprang damit Ilay in die Arme. „Es ist so schön dich endlich wieder zu sehen!“
„Auch schön dich zu sehen…“, lächelte Ilay.
Auch der Sensei kam nun auf Ilay zu und tätschelte ihm den Kopf.
„Du bist groß geworden…“, lächelte er. „Und du warst fleißig, du siehst gut trainiert aus…“
Misaki ging daweil auf Jamin zu und zog ihn an seinem Ohr hoch.
„Es wird Zeit, dass du endlich Verantwortung übernimmst, hörst du?!“, war sie sauer. „Schließlich ist sie auch deine Tochter!“
Entsetzt sahen sie zu Jamin rüber.
„Du hast eine Tochter?!“, war Ilay fassungslos.
„Was soll ich sagen… Wir hatten mal was miteinander und naja…“, gab Jamin achselzuckend von sich.
Dann flog Jamin ein Schuh ins Gesicht.
„Wir waren ein Paar du Arsch! Und als ich Schwanger wurde hast du kalte Füße bekommen und bist abgehauen!“, war Misaki immer noch aufgebracht.
„Das ist mein Engel! Zeig ihm, wo der Haken hängt!“, war der Sensei stolz und nippte von einer Teetasse.
„Auch wenn deine Gefühle für mich verschwunden sind, braucht Himari dich… Sie braucht ihren Vater…“, sprach Misaki ganz sacht, während sie sich über ihren Hals fasste.
„Es tut mir leid Misaki…“, entschuldigte er sich mit einem traurigen Gesichtsausdruck. „Wo ist Himari überhaupt?“
Fragend sah sich Misaki um.
Währenddessen schnalzte der Pfeil aus der Armbrust, welche auf Eysa gerichtet war. Eysa war zu schockiert, um noch rechtzeitig ausweichen zu können.
Im letzten Augenblick sprang Eneas schützend vor sie während Bela den Kerl zu Boden trat und fixierte.
„Was fällt euch ein euch an Kindern zu vergreifen?!“, war Bela stinksauer.
Dann drehte er sich zu Himari um.
„Alles gut Himari… Wir bringen dich nach Hause“, lächelte er sie sanft an als er sie auf seinen Arm nahm.
Himari umklammerte ihn.
„Belalein… Ich hatte solche Angst! Aber das nette Mädchen dort hat mir geholfen…“, lächelte sie.
„Du kennst dieses Kind?“, fragte Eneas nach.
„Ja… Sie ist das Kind einer alten Kindheitsfreundin von mir… Und Jamins Tochter…“, klärte er die Situation auf.
„Was? Jamins Tochter? Der Kerl kam mir nicht gerade so rüber, als ob er für sowas geschaffen wäre…“, gab Eneas mit einem nervösen Lachen von sich.
Dann sprang ihm Eysa in die Arme.
„Alles gut Eysa?“, fragte er nach.
„Ja Brüderchen!“, freute sie sich ihren großen Bruder wieder bei sich zu haben.
„Himari… Was machst du hier überhaupt so ganz allein?“, fragte Bela nach.
„Ich habe mich mit Mama gestritten wegen Papa… Ich vermisse ihn…“, gestand sie. „Dann bin ich weggelaufen, weil ich Papa suchen gehen wollte und hab mich dann verlaufen…“
„Du Dummkopf…“, drückte Bela sie fest.
Währenddessen riefen Ria und die anderen nach dem kleinen Mädchen und durchsuchten das Grundstück.
„Himari? Wo bist du?“, rief Misaki.
„Himari! Komm raus!“, rief Jamin.
In dem Augenblick kamen Bela, Himari, Eneas und Eysa um die Ecke. Als Himari ihre Eltern entdeckte, rannte sie los.
„Mama!!“
Misaki drehte sich um und kniete sich hin. Den Tränen nahe schloss sie ihre Tochter in ihre Arme.
„Mama! Mama! Es tut mir leid!“, entschuldigte sie sich weinend.
„Was machst du denn für Sachen?! Ich habe mir Sorgen um dich gemacht…“, war Misaki immer noch aufgeregt.
Dann ging Jamin auf die Knie.
„Hallo Himari…“
Himari sah ihn an, dann wurde ihr Blick gleichgültig.
„Wer warst du nochmal?“
Das traf Jamin schwer, sodass er wie versteinert dasaß.
„Sei lieb zu deinem Vater…“, ermahnte sie ihre Mutter.
Dann sprang Himari ihm doch in die Arme.
„Du bist total blöd!“, weinte Himari.
„Ich weiß… Ich weiß…“, tätschelte er ihr den Kopf.
Dann nahm er sie auf den Arm und richtete sich auf.
„Ihr habt sie gefunden? Vielen Dank…“, bedankte sich Jamin bei Bela und Eneas.
„Keine Ursache Kumpel…“, sprach Bela.
„Warum seid ihr überhaupt hierhergekommen?“, fragte der Sensei nach, nachdem alle wieder beisammen waren.
„Wir brauchen eure Hilfe…“, wandte sich Ilay an ihn.
„Verstehe… Kommt rein…“, bot er ihnen Einlass in sein Heim.
Ria und die Mädels machten es sich gemütlich während Bedienstete sie herrichteten, während Eysa mit Himari im Garten spielte. Jamin saß am Boden der Terrasse und beobachtete sie dabei. Misaki setzte sich zu ihm.
„Sie kommt ganz nach dir, weißt du…“, fing sie ein Gespräch an.
Verwundert sah er sie an.
„Ihre Schönheit hat sie aber von dir…“, schmeichelte er ihr.
„Du alter Charmeur…“, kicherte Misaki. „Es wäre schön, wenn du öfter für sie da wärst…“
„Ich werde mir Mühe geben, versprochen… Ich kann nicht für immer davonlaufen… Nur weiß ich nicht ob ich in Zukunft für sie da sein kann…“, war Jamin ehrlich mit ihr.
„Es geht um das Mädchen, oder? Ist sie Ilays Freundin? Sie trägt zwei Markierungen und eine davon ist deine…“, fasste sie sich an ihren Hals.
„Scharfsinnig wie eh und je…“, lächelte Jamin gekränkt.
„Das heißt… Du wirst verbannt…“, wurde es Misaki klar und sah traurig nach unten.
„Vermutlich ja… Ich wüsste keinen Ausweg aus dieser Situation…“, sprach Jamin.
„Halte Abstand von ihr… Umso mehr du mit ihr zutun hast, umso schwieriger wird es für dich deine Gefühle für sie zu vergessen… Sowas braucht Zeit…“, erklärte Misaki.
„Du hast Recht aber…“, fing Jamin an.
„Liebst du sie wirklich so sehr?“, war Misaki überrascht.
Jamin musste dies nicht beantworten, sie konnte es in seinem Gesicht sehen.
„Verstehe…“
Währenddessen warteten Ilay, Bela und Eneas im Wohnzimmer als der Sensei auf sie zukam.
„Fühlt euch hier wie Zuhause…“
„Danke Sensei…“, bedankte sich Bela, lehnte sich zurück und legte seine Füße auf der Tischplatte ab.
Der Sensei briet ihm eins mit einer Zeitschrift über.
„Nicht zu sehr Bela…“, grinste der Sensei genervt, während sich Bela den Kopf rieb.
„Autsch…“
„Und ihr glaubt das Arvid Reyes der Übeltäter ist, welcher hinter dem illegalen Blutmarkt steckt?“, fragte der Sensei nach.
„Allem Anschein nach, ja…“, bestätigte Ilay diese Information.
„Selbst wenn es Reyes ist und ihr ihn festnehmen könnt, wird es aber das Problem nicht lösen… Wenn er den Markt nicht mehr versorgt, wird es ein anderer tun…“, stellte Nakamura fest.
„Das stimmt schon… Das Problem der Blutknappheit wird sich aber nicht so leicht lösen lassen, solange es nicht genügend Blutspender in unserem Königreich gibt…“, gab Bela hinzu.
„Dazu müssten Resparia und Riftania sich wieder verbünden und die Kriege beenden…“, stellte Eneas klar.
„Das wird nicht leicht, solange der göttliche Rat die Fäden in der Hand hält…“, ergänzte Ilay.
„Hoffen wir, dass während unserer Abwesenheit nichts Schlimmes passiert… Wir werden zurück gehen müssen, um das Ganze zu beenden…“, sprach Eneas.
„Das stimmt…“, sagte Ilay.
„Deine Freundin ist die Urgottheit mit der befleckten Seele, richtig?“, mutmaßte der Sensei.
„Woher?“, war Ilay baff.
„Dein Vater ist ein guter Freund von mir und er erzählte mir damals von der Verlobung zwischen dir und dem Kind der Urgottheiten und dass ihr Name Iturria wäre… Die Kurzform wäre dann wohl Ria… Das ist ein äußerst seltener Name, welcher nicht sehr geläufig ist… Ich dachte mir, dass das kein Zufall sein kann…“, erklärte er.
„Unserem Sensei kann man nichts vormachen…“, wandte sich Bela mit ein.
„Sieh zu, dass du sie hier wegschaffst und zurück nach Hause bringst… In der momentanen Lage hier ist es zu gefährlich für sie…“, ergänzte der Sensei.
„Wenn wir Zuhause verkünden würden, wer Ria wirklich ist, wäre sie auch eine großartige Option, um für Frieden zwischen unseren Königreichen zu sorgen… Immerhin waren ursprünglich die Urgottheiten die Herrscher des Landes und ihr würde man dann Gehör schenken… Wenn wir das Volk damit auf unsere Seite bringen könnten…“, überlegte Eneas.
„Das stimmt… Wer könnte dafür besser geeignet sein als sie? Und du könntest hier dafür sorgen, dass der Hass auf die Göttlichen abnimmt…“, stimmte Bela zu.
„Es wäre zumindest einen Versuch wert… Sobald wir die Lage hier geklärt haben sollten wir zurückkehren…“, sprach Eneas.
Kapitel 50
„Ist der Aufzug wirklich nötig?“, fragte Ria in die Runde.
„Es ist immerhin eine Brautschau… Umso freizügiger, umso besser…“, erklärte Laisa. „Immerhin wollen wir so nahe an Reyes herankommen wir nur irgendwie möglich…“
„Stimmt schon… Aber ganz wohl fühle ich mich in dem Outfit nicht…“, moserte Ria.
„Ich mich auch nicht aber wenn wir so helfen können, dann ist es das wert!“, fügte Marin hinzu.
„Das ist die richtige Einstellung!“, lobte sie Zoya.
„Dir steht dein Outfit wahnsinnig gut Zoya!“, staunte Ria.
„Ja, du hast Recht… Ich denke Zoya hat die besten Chancen ausgewählt zu werden!“, bestätigte Laisa.
Zoya lief rot an und blickte verschämt weg.
„Ich finde auch dass du wahnsinnig toll aussiehst Zoya…“, lächelte sie Marin liebevoll an.
Zoya streichelte ihr über die Wange.
„Ich danke dir…“, lächelte sie ganz sanft.
„Ihr zwei seid so süß… Wenn man euch so zusieht, bekommt man glatt einen Zuckerschock!“, kicherte Laisa.
„Ihr wirkt wie ein Paar, seid ihr zusammen?“, fragte Ria ganz unverblümt nach.
Marin und Zoya sahen sich an und wurden dann rot bis über beide Ohren.
„Das heißt dann wohl ja“, lachte Laisa.
„Seid ihr soweit?“, betrat Seren den Raum und fing an zu staunen als er Laisa zu Gesicht bekam. „… Wow…“
Laisa sah ihn ganz verschmitzt an. Seren lächelte.
„So viel zu wir wären süß!“, kicherte Marin.
„Seid ja vorsichtig, wenn ihr da reingeht… Ihr seid mir alle ans Herz gewachsen und ich will nicht das irgendjemandem von euch was passiert…“, wandte sich Seren an alle.
„Am allersüßesten ist unser Ser…“, sprach Ria, während alle eine Gruppenumarmung machten.
Die Frauen machten sich auf den Weg. Sie standen vor dem großen Anwesen.
„Jetzt wird’s ernst…“, sprach Ria.
„Wir sollten so gut es geht zusammen bleiben…“, brachte sich Marin ein.
Zoya nickte zustimmend.
„Gut, dann los…“, sprach Laisa.
Sie gingen auf den Eingang zu, wo die Wachen sie durchlotsten. Im inneren angekommen wurden sie in Empfang genommen und in ein Zimmer geführt, in dem schon etliche Frauen warteten.
„Wartet hier, bis ihr dran seid…“
Zusammen setzten sie sich auf eine Couch in der Ecke des Zimmers.
„Sollen wir warten oder auf eigene Faust losgehen?“, fragte Zoya leise.
„Ich hätte gesagt wir warten noch ein wenig… Es stehen hier zu viele Wachen herum, nicht das es einen Tumult gibt und Reyes verduften kann, bevor wir ihn in die Finger bekommen…“, gab Ria einen Plan vor.
„Oder wir zetteln absichtlich einen Tumult an, um ihn abzupassen… Einen der ihm sicherlich gefallen wird…“, sprach Marin.
Verdutzt blickten die anderen Frauen sie an. Laisa grinste.
„Wie wäre es mit einer Kissenschlacht?“, hob Laisa ein Kissen.
Alle grinsten. Danach packten sich alle ein Kissen und fingen eine Schlacht an. Die anderen Frauen in dem Zimmer zogen mit und es dauerte nicht lang da stürmten ein paar Wachen das Zimmer, um nachzusehen was los war.
„Hey! Was ist denn hier los?“
„Solche aufgekratzten Hühner! Lasst uns den Tumult beenden!“
Während die Wachen allesamt damit beschäftigt waren die Weiber wieder zu beruhigen, schlichen sich Ria und die anderen heimlich zur Tür hinaus. Leise sahen sie sich um. Ria zeigte auf ein Fenster am Ende des Flures. Zoya nickte, ging darauf zu und öffnete es, ohne einen Mucks zu machen. Danach schlichen sie sich die Treppe rauf. Als sie um die Ecke abbogen liefen sie geradewegs in ein paar Wachen hinein, welche sie augenblicklich festhielten.
„Na? Könnt ihrs gar nicht mehr erwarten?“, lachte einer von ihnen.
Allesamt wurden sie in ein Zimmer geschleppt und in einer Reihe aufgestellt. Dann betrat ein dicker Mann mittleren Alters den Raum, der bereits eine Halbglatze hatte.
„Ihr seid also die nächsten die unbedingt meine Braut werden wollen? Na dann, umgarnt mich und zeigt, was ihr könnt, zieht euch aus…“, befahl er als er sich auf einer äußerst bequemen Couch niederlies.
„Wir sind nicht deshalb hier… Wir sind hier, um dir das Handwerk zu legen! Wir wissen, dass du hinter dem illegalen Blutmarkt steckst!“, drohte Ria.
Arvid Reyes brach in Gelächter aus.
„Und was wollt ihr schon dagegen tun? Ihr seid eine Handvoll Weiber ohne Waffen!“
„Wir sind ausreichend genug, um deine Machenschaften zu beenden!“, gab Laisa hinzu.
In dem Augenblick wollte eine der Wachen Laisa eine mitgeben, doch Ria stellte sich dazwischen, sodass sie den Schlag abbekam. Sie fiel hin und knallte mit ihrem Kopf gegen eine Tischkante. Der Duft von Rias Blut durchströmte den Raum. Geschockt sahen die Wachen und Reyes sie an.
„Dein Blut… Es duftet so gut… Du bist kein Dämon, du hast göttliches Blut in dir!“, stellte er fest. „Ab in den Keller mit ihnen, vielleicht sind sie alle so, wären gute Zugaben für unser Geschäft…“
Die Wachen schnappten sich die Frauen. Als sie den Raum verlassen wollten, griff Reyes noch einmal ein.
„Die nicht, die Kleine bleibt bei mir...“, leckte er sich die Lippen.
Ria wehrte sich. „Laisa!! Lasst sie in Ruhe! Wehe ihr tut ihr etwas an!!“
Laisa sah ihren Freundinnen geschockt hinterher und verblieb allein im Raum mit Reyes.
Zur selben Zeit warteten die Jungs in der Nähe der Villa. Seren lief ganz nervös auf und ab.
„Seren, setz dich! Du machst uns alle ganz hibbelig!“, ermahnte in Bela.
„Ich muss einfach irgendwas tun… So tatenlos dazusitzen kann ich nicht während die wichtigsten Personen meines Lebens wohlmöglich in Gefahr schweben!“, erläuterte Seren sein Verhalten.
„Das wissen wir doch, meinst du uns geht es da anders?“, patzte Ilay Seren an.
„Tut mir leid…“, entschuldigte sich Seren.
„Mir tut es leid… Ich wollte dich nicht so angehen…“, entschuldigte sich Ilay direkt.
„Macht nichts, ich weiß, dass ihr euch auch Sorgen macht…“, lächelte Seren Ilay an.
„Es sind bereits mehrere Stunden vergangen… Wir sollten los…“, stand Eneas auf.
Sie standen auf und schlichen sich aufs Grundstück.
„Überprüft die Fenster…“, befahl Eneas.
„Hier drüben…“, winkte Jamin die Gruppe zu sich.
Über das bereits geöffnete Fenster verschafften sie sich Zutritt. Langsam schlichen sie sich den Flur entlang. Im großzügigen Eingangsbereich machten sie halt. Der Tumult der Mädchen im Nebenraum dauerte immer noch an. Bela nahm Laute aus dem Keller war und deutete nach unten. Auf einmal hallte ein Schrei aus dem Keller nach oben. Gemeinsam rannten sie die Treppe hinunter.
Kaum unten angekommen kamen ihnen ein paar Wachen entgegen.
„Hey! Wie kommt ihr hier rein?!“
„Geht uns aus dem Weg! Sofort!“, befahl Ilay, der bereits schon wieder Schlimmes erahnte.
Die Wachen gingen in Angriffsaufstellung über und sprinteten auf die Gruppe zu. Ilay holte mit seiner Sense aus und zog einmal durch. Daraufhin rollte sich Bela über Ilays Rücken ab und zog ebenfalls mit seiner Sense voll durch. Sofort sprangen die nächsten Wachen auf die Gruppe zu, welche Eneas mit einer geschickten Drehung mit seiner Glefe davon fegte.
Die nächste Welle räumte Jamin auf Seite mit seinem Großschwert. Während alle auf die Truppen vor ihnen fixiert waren, näherte sich ein Feind von Hinten. Seren bemerkte dies und warf sein Schwert gezielt nach hinten, haarscharf an seinen Freunden vorbei und erwischte den Feind. Die Freunde blickten erschrocken nach hinten während Seren mit einem selbstbewussten Grinsen vor ihnen stand.
„Nicht schlecht Seren, du bist wirklich gut geworden!“, lobte ihn Eneas mit einem breiten Grinsen.
„Das Training hat sich bezahlt gemacht!“, kam auch ein Lob von Ilay.
„So viel Zielsicherheit hätte ich dir gar nicht zugetraut…“, lachte Jamin.
„Gut gemacht!“, war auch Bela zufrieden mit Serens Leistung.
„Jetzt lasst uns zusehen, dass wir hier schnellstens durchkommen!“, führte Ilay die Gruppe an.
Zusammen stürmten sie weiter. Ein Gegner nach dem Anderen fiel, bis sie einen großen Raum erreichten, in dem viele Betten standen in denen allerlei Leute lagen denen Blut abgepumpt wurde. Die Mitarbeiter sahen die Gruppe schockiert an.
„Hört sofort auf damit! Damit ist es jetzt vorbei!!“, ermahnte sie Ilay. „Das ist eine direkte Anweisung von mir!“
Damit holte er seine schwarzen Schwingen heraus. Die Mitarbeiter ließen schockiert ihr Arbeitsmaterial fallen.
„Der Thronprinz?!“
„Alle leben noch, die meisten sind nur Ohnmächtig… Anscheinend wird den Meisten zu viel Blut abgenommen…“, stellte Seren fest, während er sich umblickte.
„Findet die anderen, dann kümmern wir uns um die hier…“, befahl Ilay.
„Marin ist hier!“, rief Bela und befreite sie von den ganzen Anschlüssen.
„Bela…“, war Marin erschöpft.
„Ich hab Zoya gefunden…“, berichtete Eneas und tat es Bela gleich.
„Wo ist Marin?“, war das Erste, was Zoya wissen wollte, nachdem Eneas sie aufrichtete.
„Keine Sorge, ihr geht es gut, sie ist bei Bela…“, beruhigte Eneas sie.
Ilay blickte sich um doch konnte Ria nirgends auffinden.
„Wo ist Ria?“, bekam Ilay Panik.
Jamin stand etwas abseits und roch auf einmal ihr Blut. Er riss die Augen auf und rannte los. Am Ende des Raumes war eine Tür, die in einen Nebenraum führte. Jamin riss die Tür auf und fand Ria vor, kurz vor der Bewusstlosigkeit, blutüberströmt und voller Blessuren. Jamin war so rasend vor Wut, dass man ihm seine Mordlust regelrecht ansehen konnte. Zwei Mitarbeiter labten sich an ihr. Den ersten riss er von ihr Weg und klatschte ihn so sehr gegen die Wand, das Blut spritzte. Den zweiten riss er ebenfalls von ihr runter, gab ihm einen heftigen Kinnhaken und packte ihn am Kragen.
„Was glaubt ihr was ihr hier tut?! Hat euch niemand beigebracht, wie man mit einer Lady umgeht?! Du erzählst mir jetzt haargenau, was das hier soll, oder ich schwöre dir, ich mach dich kalt!!“
„V-Verzeihen Sie mir! Das Blut! Es war so unfassbar gut! Wir konnten einfach nicht mehr aufhören! Sie hatte sich oben beim Boss den Kopf gestoßen und blutete bereits als sie hier ankam… Es roch so verführerisch… Sie hatte sich so stark gewehrt, dass wir ihr nur mit Gewalt beikommen konnten…“, versuchte sich der Kerl zu erklären.
Jamin sah ihn kurz eiskalt an und klatschte ihn dann ebenfalls mit voller Kraft an die Wand. Dann wandte er sich Ria zu.
„Täubchen? Hörst du mich? Bleib bei mir!“
„Ja…Min…“, versuchte sie zu sprechen.
Er drückte Ria ganz fest an sich und verzog sein Gesicht schmerzerfüllt.
„Alles wird gut Täubchen… Ich bringe dich zu Ilay…“
Darauf hin verlor Ria das Bewusstsein. Jamin nahm Ria in seine Arme und trug sie rüber. Ilay war schockiert von diesem Anblick. Augenblicklich rannte er auf die Beiden zu.
„Ria?!“
„Sie ist bewusstlos… Ein paar Mitarbeiter machten sich über sie her aufgrund ihres Blutes…“, erklärte Jamin die Situation kurz und übergab Ria in Ilays Arme.
Ilay legte sie in eines der Betten und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ich wusste doch, dass das eine Scheißidee ist…“, bereute er dem Plan zugestimmt zu haben.
„Sie ist zu schwach… Sie muss hier weg…“, wandte sich Ilay an Jamin.
„Wenn du willst, bringe ich sie sofort zum Palast…“, bot Jamin an.
„Ja, tu das… Beeile dich… Bitte…“, sah Ilay traurig zu Ria.
„Natürlich… So schnell ich nur kann…“
Jamin nahm Ria wieder auf den Arm und rannte los während Seren auf Ilay zukam.
„Wo ist Laisa?!“, fragte Seren aufgebracht.
Alle sahen sich um.
Kapitel 51
Jamin rannte mit Ria im Arm wie von einer Tarantel gestochen. Er sah sie an und knirschte mit den Zähnen.
<Halte durch Täubchen…>
Jamin stürmte in den Palast.
„Ich brauche einen versierten Arzt, augenblicklich!!“, schrie er.
Die Bediensteten waren in Aufruhr und ein wilder Tumult entstand. Jamin legte Ria auf einem Bett ab während ein paar Wachen und ein Mann in einem Arztkittel das Zimmer betraten.
„Was ist passiert?“, wollte der Arzt wissen.
„Sie wurde regelrecht ausgesaugt! Sie hat das Bewusstsein verloren und atmet sehr flach!“, erklärte Jamin.
„Dieser Duft? Ihr Blut? Was ist sie?“, fragte der Arzt ungläubig nach.
„Sie ist eine reine Gottheit! Könnt Ihr ihr helfen?“, war Jamin sehr aufgebracht.
Der Arzt trat näher heran. Er fühlte nach ihrem Puls mit seinen Fingern, doch als er die Hand wieder hob konnte er nicht anders und leckte sich die Finger ab. Auch er konnte sich Rias Blut nicht widersetzen und wollte Ria packen. Jamin reagierte blitzschnell und schlug ihn von ihr runter.
„Unterstehe dich!!“, baute er sich bedrohlich vor Rias Bett auf.
Auch die anderen Wachen stürmten aufs Bett zu und Jamin katapultierte jeden einzelnen wieder zurück.
„Verdammte Scheiße! Gibt es hier denn niemanden der ihr helfen kann?“
Die Tür ging auf und ein weiterer Soldat betrat den Raum. Jamin machte sich bereit auch ihn, wenn nötig, aus dem Verkehr zu ziehen. Doch der Soldat war nicht von Rias Blut angetan.
„Ich kann helfen…“, sprach der rothaarige Kerl.
„Estes? Du bist eine normale Palastwache, wie willst du bitte helfen können?“, war Jamin überfragt.
„Ganz einfach, ich bin nicht wie ihr… Eher wie sie…“, antwortete er.
Der Soldat ging an Jamin vorbei und trat an Ria heran.
„Sie ist wirklich sehr schwach, das wird schwierig…“, sprach er vor sich hin.
„Schwierig?“
„Ja schwierig, aber nicht unmöglich“, grinste Estes Jamin an.
Estes breitete seine Hände über Rias Körper aus, konzentrierte sich. Als er die Augen wieder öffnete, glühten sie regelrecht und auch seine Hände und Rias Körper begannen zu glühen.
„Was ist das? Etwa eine Art Heilmagie?“, war Jamin erstaunt.
„Richtig… Eine alte Art der Heilmagie die auch jede Menge Kraft kostet… Das wird eine Weile dauern… Könntest du bitte dafür sorgen dass uns niemand stört und sieht und diese Idioten aus dem Zimmer schaffen? Eigentlich hatte ich nicht vor mein Geheimnis preis zu geben…“, forderte Estes.
„Klar… Aber erklär mir mal, wie jemand mit göttlichem Blut es geschafft hat hier Palastwache zu werden… Wo kommst du her und was tust du hier?“, war Jamin ziemlich neugierig.
„Da gibt es nicht viel zu erzählen… Meine Geburt war quasi ein Unfall, ich bin das Produkt einer Vergewaltigung und für meinen sogenannten Vater war ich nur ein Abfallprodukt. Da ich nicht sehr hörig war schlug er so lange auf mich ein, bis ich mich nicht mehr rührte und lies mich zum Sterben zurück… Ich starb aber nicht… Ich floh, lies Resparia hinter mir, kam hierher und baute mir ein neues Leben auf… Meine wahre Identität geheim zu halten war schwer, aber hier fühle ich mich zuhause…“, erklärte der junge Mann.
„Oh man, da hast du aber schon ne ganze Menge mitgemacht…“, war Jamin sprachlos. „Erinnert mich irgendwie an Eneas und Eysa, wenn ich so darüber nachdenke… Ilay hat mir erzählt, dass sie auch sowas durchgemacht haben…“
„Auch wenn ich bezweifle, dass andere Kinder dieser Hölle entkommen konnten, aber wie ist ihr Nachname?“, war Estes neugierig.
„Hoxia…“, beantworte Jamin die Frage.
Geschockt sah Estes ihn an.
In der Zwischenzeit suchten die anderen nach Laisa. Seren stand total unter Strom.
„Ich vermute mal, dass sie noch bei Reyes ist, oben… In seinen Privatgemächern…“, richtete sich Zoya auf, klappte aber wieder zusammen.
„Dann los! Seren, Bela, ihr kommt mit mir! Eneas du kümmerst dich um die Verletzten hier!“, sprach Ilay und lief los, dicht gefolgt von Seren und Bela.
Zusammen stürmten sie die Treppe hinauf, wo sich ihnen einige Wachen in den Weg stellten.
„Ich glaub’s ja nicht, wie viele Wachen hat der Kerl bitte?!“, war Bela sauer.
„Zu viele, liegt wohl daran, dass die Autorin noch nicht mal bei der Hälfte des Kapitels angekommen ist und deshalb etwas Zeit schinden will!“, machte sich Ilay kampfbereit.
„Muss sie das gerade jetzt tun, wo es um Laisa geht?! Hör auf uns Barrikaden in den Weg zu stellen!“, war Seren sichtlich sauer.
„Später im Yonkoma können wir ihr das zurückzahlen, jetzt müssen wir aber zusehen, dass wir hier durchkommen!“, sprach Ilay und stürmte auf die Wachen zu.
Ilay schlug mit einer geschickten Drehung eine Schneise zwischen die Gegner. Sie stürmten weiter vor, bis sie an der besagten Tür ankamen. Ilay trat sie augenblicklich ein.
Zu Gesicht bekamen sie Reyes, welcher Laisa genüsslich ihr Blut aussaugte und sie dabei fest umklammerte.
„Ser…En…“, flüsterte Laisa sichtlich erschöpft.
Geschockt sah Reyes die Gruppe an.
„Wie kommt ihr hier rein?! Wachen!!“, rief er, doch niemand reagierte mehr.
Seren sprintete auf die Beiden zu und kickte Reyes mit einem gezieltem Kick von Laisa weg.
„Wie kannst du es wagen Hand an mein Mädchen zu legen?!“, funkelte Seren Reyes mit finsterer Miene an.
Dann wandte sich Seren Laisa zu und nahm sie fest in seine Arme.
„Laisa…“, sprach er ganz sacht mit schmerzverzerrter Miene.
„Seren… Ich… Ich krieg keine Luft mehr…“, wurde es Laisa ganz duselig.
„Woah! Entschuldige!!“, lies er erschrocken etwas von ihr ab.
Laisa kicherte leicht. Sie presste ihre Stirn an seine.
„Bin ich froh dich zu sehen…“, freute sie sich.
Währenddessen fixierte Bela Reyes auf dem Boden.
„Lasst mich sofort gehen! Was glaubt ihr denn wen ihr hier vor euch habt?! Wer seid ihr überhaupt euch anmaßen zu können so mit mir umzugehen?!“, war Reyes angepisst.
„Ein wenig mehr Respekt alter Sack! Vor dir steht unser Thronprinz Ilay! Wer bist du dir anmaßen zu können in solch einem Ton mit ihm zu sprechen?!“, funkelte Bela eiskalt zurück.
„D-Der Thronprinz?!“, war Reyes schockiert.
„Du hast ausgespielt Reyes… Für dich geht es jetzt hinter Gitter!“, sah ihn Ilay eiskalt an.
Wenig später erreichten einige Palastwachen den Ort, halfen den Verletzten und machten Reyes und seine Leute Dingfest.
Die Jungs trugen die Mädels in Richtung Palast, dabei wurde Laisa von Seren, Marin von Bela und Zoya von Ilay getragen.
„Eneas kommt dann mit Eysa nach, nachdem er sie bei Himari abgeholt hat…“, erklärte Bela.
„Verstehe…“, gab Ilay von sich.
„Es ist mir ziemlich unangenehm getragen zu werden…“, war es Zoya sichtlich peinlich.
„Keine Widerworte! Ihr habt alle zu viel Blut abgezapft bekommen und könnt euch ja kaum auf den Beinen halten! Bis zum Palast ist es nicht mehr weit…“, blieb Ilay stur als er zu Zoya herunterblickte.
Sie kamen am Palast an und übergaben die Mädchen den Untergebenen, welche sich sofort um sie kümmerten.
„Wo sind Ria und Jamin?“, wollte Ilay sofort wissen.
„Hier entlang bitte werter Prinz…“, führte ihn eine Magd zum besagten Zimmer.
Ilay trat hinein und sah wie Estes seine glühenden Hände über Ria hielt, während Jamin mit dem Rücken gegen die Brüstung am Fenster lehnte und hinaussah.
„Was ist hier los?“, fragte Ilay argwöhnisch.
„Ilay? Ihr seid zurück? Habt ihr das mit Reyes klären können?“, stand nun Jamin auf und ging in Richtung von Ilay.
„Ja… Erklär mir was hier vor sich geht…“, fragte er erneut.
„Mach dir keine Sorgen, das hier ist Estes, eine unsere Palastwachen und er heilt sie…“, erklärte Jamin.
„Warte… Du bist kein Dämon… Wie?“, wurde Ilay neugierig.
„Das ist richtig… Ich habe göttliches Blut in mir… Sogar seltenes…“, grinste Estes Ilay an so wie es Eneas immer tat.
Ilay sah ihn geschockt an.
„Wer bist du? Du siehst aus wie…“, war Ilay schockiert.
„… Wie dein Freund Eneas… Kein Wunder, sein voller Name lautet Estes Hoxia…“, klärte Jamin auf.
„Aber wie?“, war Ilay baff.
„Ich wusste zwar, dass ich einen großen Bruder habe, aber hätte nie damit gerechnet ihn jemals kennen lernen zu können, vor allem nicht hier…“, lächelte Estes melancholisch. „… Und dann habe ich auch noch eine kleine Schwester…“
Währenddessen lief Eneas mit Eysa zum Palast.
„Wie wars bei Himari? Versteht ihr euch gut?“, fragte Eneas nach.
„Ja, sie ist sehr lieb… Sie ist zwar etwas jünger als ich, aber es ist schön mal mit anderen Kindern einfach nur zu spielen…“, lächelte Eysa ihn an.
„Das freut mich… Vielleicht kannst du ja öfter mit ihr spielen…“, überlegte Eneas.
„Ja, das wäre schön!“, grinste sie.
„Eysa… Was hältst du davon, wenn du hierbleiben könntest?“, schlug Eneas vor als er stehen blieb.
Eysa drehte sich zu ihm um und sah ihn an.
„Wie meinst du das?“, fragte sie verwundert nach.
„Naja… Du könntest hier sorgenfrei Leben ohne andauernd in Gefahr zu geraten… Du könntest hier viele Freunde finden und sicher auch im Palast leben… An meiner Seite wärst du nur ständig in Gefahr und ich wünsche mir für dich ein friedliches und auch glückliches Leben…“, kniete sich Eneas hinunter zu ihr.
„Und was ist mit dir?“, fragte sie nach.
„Ich werde bald von hier fort gehen, zurück nach Resparia… Deswegen wollte ich dich fragen ob du nicht lieber hier bleiben wollen würdest…“, griff er nach ihrer Hand und sah sie direkt an.
„Du willst mich verlassen?! Was?! Warum?! Lass mich nicht allein!“, lief sie ihm in die Arme und klopfte mit ihrer Faust gegen seine Brust, während sie schluchzte. „Du bist alles, was ich habe! Du und Onkelchen seid meine Familie! Wenn du gehst, möchte ich mitkommen! Es ist mir egal ob es gefährlich wird oder nicht! Mein Zuhause ist bei dir!“
Eneas war baff. Er brauchte einen kurzen Augenblick doch schloss Eysa dann in seine Arme.
„Verzeih mir Eysa… Ich wusste nicht, wie du darüber fühlst… Ich werde dich niemals allein lassen, versprochen!“
Zur selben Zeit wachte Laisa auf. Sie richtete sich auf und sah sich um nur um dann Seren zu erblicken, welcher mit seinem Kopf auf ihrem Bett eingeschlafen war.
„… Seren…“, lächelte sie ihn sanft an und tätschelte ihm den Kopf.
Das weckte Seren und er schreckte auf. Mit weit aufgerissenen Augen sah er sie an und packte sie dann an den Schultern.
„Laisa! Geht es dir gut?! Alles okay bei dir?! Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht!“
„Alles gut, beruhige dich!“, lachte sie.
Sie fasste ihm an seine Wange.
„Ich danke dir…“, lächelte sie und wurde etwas rot im Gesicht.
Seren lächelte liebevoll zurück. Dann beugte er sich vor und ließ ihr einen Kuss zukommen.
„Sowas macht ihr nie wieder! Wir waren nicht nur krank vor Sorge, sondern euch ist allen auch noch was passiert…“
„Wie geht es den anderen?“, fragte Laisa nach.
„Marin und Zoya erholen sich gerade, Ria wird momentan noch geheilt, sie hat es ziemlich schwer erwischt…“, erklärte Seren. „Aber es gibt auch erfreuliche Neuigkeiten… Einer von Eneas‘ Brüdern lebt…“
Kapitel 52
Eneas und Eysa standen gerade vor der Palasttür, als diese aufging und Bela sie in Empfang nahm. Breit grinsend sah er sie an.
„Bela? Alles in Ordnung? Wie geht es den anderen?“, fragte Eneas nach.
„Alle werden versorgt, keine Sorge… Aber ich habe Neuigkeiten für euch zwei…“, hielt Bela das Geheimnis noch einen Moment zurück.
„Für uns zwei? Was?“, fragte Eneas nach.
„Kommt mit, dass solltet ihr lieber selbst sehen…“, führte er die Beiden herein.
Fragend sahen sich Eneas und Eysa an aber folgten sofort.
In einem Wohnzimmer wartete Estes bereits auf sie mit dem Rücken zur Tür gewandt. Als er merkte, dass jemand den Raum betrat, drehte er sich um. Eneas und Eysa sahen ihn unglaubwürdig an.
„Hallo… Mein Name ist Estes… Estes Hoxia… Freut mich euch kennen zu lernen!“, lächelte er die beiden an.
„Was? Wie?“, war Eneas geschockt.
„Soweit mir mitgeteilt wurde, seid ihr ebenfalls Kinder von Enil… Früher wurde ich nur mit der Nummer drei angesprochen… Dann müsst ihr wohl zwei und vier sein…“, grinste er schelmisch.
Eneas und Eysa gingen schnurstracks auf ihn zu und nahmen ihn in den Arm.
„Ich kanns nicht glauben! Ich hätte nie für möglich gehalten, dich kennen lernen zu können!“, freute sich Eneas.
„Ich hab noch ein Brüderchen! Wie schön!“, freute sich Eysa ebenfalls.
Estes war erst verdutzt, freute sich aber dann und erwiderte die Umarmung.
„Familienzusammenführungen, das ist was Schönes!“, lachte Bela mit einem breiten Grinsen. „Ich kenne Estes schon länger, habe aber nie in Betracht gezogen, dass er mit euch verwandt sein könnte… Wenn ich das schon früher geschnallt hätte…“
„Mach dir nichts draus, offiziell gelte ich ja als Tod, von daher…“, lächelte Estes.
„Aber das ist interessant, anscheinend hat euer Vater alle 10 Jahre ein Kind gezeugt… 28, 18 und 8…“, überlegte Bela so vor sich hin.
„Jetzt wo du’s sagst, ist mir vorher gar nicht aufgefallen…“, sprach Eneas.
„Und alle unsere Namen fangen mit E an!“, lächelte Eysa. „Wäre schön, wenn unser anderer Bruder auch noch leben würde…“
„Das stimmt, aber dann müssten wir Enils Fähigkeiten stark anzweifeln!“, lachte Eneas.
„Ja, dann hätte er versagt, weil er keinen von uns umbringen konnte!“, scherzte Estes mit.
Zur selben Zeit musste Enil niesen. Verwundert sah er sich um.
„Spricht da jemand über mich?“
„Ist alles in Ordnung Meister?“, fragte eine altbekannte Stimme.
„Natürlich…“, beantwortete Enil die Frage. „Wo waren wir stehen geblieben? Achja… Die Gruppe meines Sohnes ist laut meinen Informationen ins Reich der Dämonen gegangen… Dort kommen wir natürlich nicht an sie heran aber mein Gefühl sagt mir, dass sie bald zurückkehren werden… Sobald sie wieder hier sind, nehmen wir sie gefangen und werden sie mit der restlichen Königsfamilie hinrichten… Jetzt gilt es nur noch deine Schwester und ihren Freund zu finden…“
„Ich kanns gar nicht erwarten… Sie werden alle bezahlen für dass, was sie angerichtet haben…“, trat Leif aus dem Schatten heraus. „Und wenn wir endlich diese Urgöttin aus ihren Fängen befreit haben können wir dieses Dämonenpack ein für alle Mal ausrotten…“
Ein mörderisches Grinsen war in Leifs Gesicht zu erkennen.
„Ich möchte derjenige sein, welcher diese Verräter exekutiert… Ich werde sie alle eigenhändig töten so wie bereits diese Gottheit!“
In Riftania liefen bereits die Vorbereitungen für das Fest auf Hochtouren. Alle Bediensteten rannten in Windeseile durch das Schloss, um alles rechtzeitig fertig zu bekommen.
Ilay stand in seinem Ankleidezimmer, umgeben von ein paar Mägden, welche sein Outfit präparierten.
„Sie sehen gut aus werter Prinz…“, sprach eine der Mägde.
„Wir sind froh sie endlich wieder bei uns zu haben!“, lächelte eine andere.
„Sie werden doch jetzt hierbleiben, oder?“, fragte die nächste.
Ilay sah erst mit einem leicht traurigen Gesichtsausdruck auf den Boden, bevor er seinen Blick anhob.
„Ja…“, bejahte er die Frage. „…Das werde ich…“
Die Mägde freuten sich und kicherten.
„Du hast dich also bereits entschieden?“, betrat Jamin den Raum.
Ilay sah ihn an während die Mägde den Raum verließen.
„Das habe ich… Meine Mission war es die Urgottheit zu finden und zu töten, doch das kann ich nicht. Ich werde hierbleiben und die Unterlagen meines Vaters durchforsten, um herauszufinden wie ich diese Befleckung auf mich nehmen kann…“, erklärte Ilay.
„Stimmt, dein Vater hatte ursprünglich ja geplant sie auf sich zu nehmen…“, fiel es Jamin wieder ein.
„Genau, also sollte ich auch in der Lage sein sie aufzunehmen… Damit rette ich ihr Leben und kann die Apokalypse aufhalten… Ich habe vor nachzukommen, sobald ich die nötigen Informationen gefunden habe…“, erklärte Ilay weiter.
Ilay ging auf Jamin zu und blieb direkt vor ihm stehen.
„Ich möchte, dass du etwas für mich tust…“, sah ihn Ilay ernst an.
Verwundert blickte Jamin ihn an.
Zur selben Zeit saß Ria auf einer Terrasse, während Eneas auf sie zukam.
„Schön dich wohlauf zu sehen…“, setzte er sich neben sie.
„Mir geht es schon viel besser dank deines Bruders… Unglaublich, dass er lebt…“, lächelte Ria ihn an.
„Das stimmt… Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit…“, lächelte Eneas sanft.
„Wir brechen morgen auf, nicht wahr?“, fragte Ria nach.
„Ja… Aber es werden nicht alle mitkommen…“, fing er an. „Maris und Zoya würden gerne hierbleiben, um weiterhin den Leuten hier helfen zu können… Ihr Blut ist hier sehr wertvoll… Dafür hat Estes angeboten uns zu begleiten…“
„Das ist gut…“, freute sich Ria.
Dann kam eine Magd auf die Beiden zu.
„Miss Iturria, würden sie mir bitte folgen?“, fragte sie sehr höflich.
„D-Das Miss ist nicht nötig… Ria reicht vollkommen…“, war das Ria sichtlich unangenehm und fuchtelte mit ihren Händen herum.
„Sie anders anzusprechen, käme für uns nicht in Frage Miss Iturria… Sie sind immerhin die Freundin des werten Prinzen…“, verbeugte sich die Magd.
„Also wir sehen uns dann später… Dann mach dich mal hübsch für deinen Prinzen“, verabschiedete Eneas sie und zwinkerte ihr zu.
Mit einer leichten Rötung im Gesicht winkte sie ihm zu, bevor sie der Magd folgte. Zusammen betraten sie ein Gemach und die Magd holte ein wunderschönes Kleid aus dem Nebenraum hervor.
„Das ist atemberaubend…“, staunte Ria.
„Das hat der werte Prinz höchstpersönlich für sie ausgesucht…“, hielt die Magd ihr das Kleid hin.
Ria grinste melancholisch.
<Das erinnert mich alles sehr an das Bankett mit Leif… Ist das alles wirklich schon so lange her? Seit seinem Tod ist so viel Zeit vergangen, so viele Dinge passiert… Was er wohl von all diesen Dingen halten würde?... Das werde ich wohl nie erfahren…>
Zur selben Zeit versammelten sich alle im großen Bankettsaal es Schlosses. Alle Anwesenden waren aufgeregt endlich den Prinzen zu Gesicht zu bekommen. Es wurde viel getuschelt und es war eine lockere und heitere Atmosphäre.
Eneas ging zusammen mit Eysa durch den Raum, als sie Estes sahen, welcher als Wachposten platziert war, winkten sie ihm zu. Lächelnd winkte er zurück.
Marin und Zoya standen am Buffett und ließen es sich gut gehen.
Seren und Laisa standen nicht unweit von ihnen und unterhielten sich fröhlich.
Bela stand zusammen mit Jamin auf der Anhöhe wo später Ilay und Ria Platz nehmen sollten und plauderten etwas.
Ilay stand vor der Eingangstür, versucht seine Nervosität zu verstecken. Er drehte sich um und erblickte Ria, welche gerade die Treppe herunterkam. Ilay war wie weggetreten von ihrem Anblick und konnte nur staunen während Ria leicht angespannt lächelte. Als sie vor ihm stand, streckte Ilay ihr seine Hand entgegen.
„Bist du bereit?“, fragte er nach, während er sich hinunter beugte und ihr einen Handkuss zukommen ließ.
„Ich denke schon…“, lächelte sie nervös.
„Ich bin auch nervös…“, gab Ilay zu. „Aber es gibt nichts, was wir zu zweit nicht schaffen können, oder?“
„Das stimmt!“, kicherte sie.
Zusammen stellten sie sich vor die Tür, während die Wachen die großen Flügeltüren aufschwangen. Im Saal wurde es leise als Ilay mit Ria eintrat.
„Das ist also der Prinz?“
„Das muss wohl seine Freundin sein.“
„Sie ist wirklich hübsch…“
„Ob sie eine Gottheit ist? Soweit ich gehört habe, hat er sie vom Kontinent der Gottheiten mitgebracht…“
Nachdem sie die Anhöhe betreten hatten, drehten sie sich gemeinsam um und Ilay ergriff das Wort.
„Guten Abend verehrte Gäste, es ist mir eine Ehre euch heute hier begrüßen zu dürfen…“
Während Ilay die Rede anfing, sammelten sich die Freunde vor der Anhöhe.
„… Wie ihr sehen könnt, habe ich von meiner langen Reise auch Freunde mitgebracht… Sie alle kommen vom Kontinent Respon und fast alle besitzen göttliches Blut… Sie alle waren so freundlich uns einiges von ihrem für uns so kostbarem Blut zu spenden und sie haben auch dabei geholfen den Übeltäter zu fassen der hinter den Entführungen der Menschen hier und hinter dem illegalen Blutmarkt steckte…“
Lautes Raunen ging durch den Raum gefolgt von Applaus.
„… Während meiner Zeit in Resparia erfuhr ich einige Dinge, unter anderem, dass der göttliche Rat dort Unwahrheiten über die Jahrhunderte verbreitete und die Bürger dieses Kontinents glauben ließ, dass die zu diesem Zeitpunkt verschollene Urgottheit gebraucht werde, um den Dämonen Lord zu besiegen der vorhat die Welt zu vernichten…“
Buh-Rufe ertönten aus dem Publikum.
„… Das ist leider noch nicht alles… Der göttliche Rat fädelte damals eine List ein und log die Urgottheiten an. Sie erzählten ihnen, dass mein Vater das Kind mit der Befleckung ausgehändigt haben will, sonst würde er zum Angriff übergehen und alle töten… Der göttliche Rat zielte darauf ab, dass sie meinen Vater versiegeln würden und sich damit selbst auslöschen nur um selbst an das Kind mit der Befleckung zu kommen… Warum sie all das taten und warum sie an das Kind kommen wollten, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber…“
Ilay machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach.
„… Damit sind nicht die Menschen, Mischwesen oder Gottheiten unsere Feinde, lediglich der göttliche Rat! Das ist der Grund, warum ich ab sofort jegliche Angriffe auf den Kontinent Respon unterbinde! Wir werden lediglich eine Verteidigungslinie halten! Ich strebe ein freundschaftliches Verhältnis mit den anderen Rassen an wie in alten Zeiten einmal und dies ist auch möglich! Meine Freunde und ich werden das Unmögliche möglich machen! Morgen werden sie sich, begleitet von meinem Bruder Bela – ebenfalls Sohn von Bael und somit Prinz, Jamin – unser Generalleutnant und Estes – eine fähige und loyale Palastwache, auf den Weg zurück in ihr Heimatland machen und wir werden die Konflikte ein für alle Mal aus der Welt schaffen!“
Die Gäste waren erst geschockt und einige Zeit war es still, doch dann begann ein Jubel.
„Bela ist ebenfalls ein Prinz?!“
„Das war mir klar, seht ihn euch doch an, er kommt ganz nach seinem Vater…“
„Wenn wir wieder freundschaftliche Verbindungen nach Respon hätten, wäre die Blutknappheit aus der Welt geschafft!“
„Unser Prinz ist der Beste! Er wird ein absolut würdiger Thronfolger sein!“
„Und nun lasst uns Feiern! Auf alte Freunde, auf neue Freunde, auf eine erfreuliche Zukunft!“, rief Ilay ihnen noch zu und erhob sein Glas.
Kapitel 53
Die Feier war im vollen Gange. Es wurde viel getanzt, viel gequatscht und ausgelassen gefeiert. Die Stimmung war heiter und locker.
„Ich will auch tanzen!“, war Eysa von den Tänzen ganz angetan.
„Na dann, dürfte ich bitten…“, streckte Bela seine Hand nach ihr aus.
Freudig griff sie nach seiner Hand und verschwand mit Bela auf der Tanzfläche. Eneas sah ihnen mit einem Lächeln im Gesicht hinterher. Auch Marin schleppte Zoya auf die Tanzfläche. Jamin gesellte sich zu Eneas.
„Na, amüsiert ihr euch gut?“, wandte er sich an Eneas.
„Ja…“, beantwortete er die Frage. „Und du kommst mit uns mit?“
„Es war Ilays Wunsch… Anstatt mich zu verbannen übertrug er mir die Aufgabe Ria unter allen Umständen zu beschützen…“, erklärte er.
„Verstehe… Aber das wird eure Situation nicht gerade einfacher werden lassen…“, vermutete Eneas.
„Das stimmt… Meine Güte, Gefühle sind etwas lästiges…“, lachte Jamin. „Ich frage mich, warum Ilay mir diese Aufgabe anvertraut hat…“
„Das ist doch einfach zu erklären… Gerade weil du sie auch liebst, würdest du es nicht zulassen, dass ihr jemand ein Haar krümmt, auf der anderen Seite schätzt er dich sehr und vertraut dir… So sehr, dass er dir Ria anvertraut…“
Jamin war überwältigt von Eneas Schlussfolgerung.
„Erstaunlich wie gut du Ilay verstehst…“
„Er ist mein bester Freund und wie ein Bruder für mich, wir sind einige Jahre zusammen aufgewachsen und ich war immer an seiner Seite…“, erklärte sich Eneas mit einem Lächeln. „Auch wenn er mir viel verheimlicht hat, ist unsere Bindung etwas Besonderes…“
„Du hast recht, Ilay war früher ganz anders, weinerlich, zögerlich, ich habe ihn noch ganz anders in Erinnerung. Dass er so selbstbewusst und stark geworden ist, hat er vor allem dir zu verdanken. Ihr zwei ergänzt euch prima und versteht euch auch ohne Worte. Ihr seht die Dinge im selben Licht und packt sie gleich an, das hat man bei Reyes gut gesehen. Für euch spielt es keine Rolle, wer von euch das Sagen hat, das macht eure Teamarbeit so außergewöhnlich…“, lobte Jamin die beiden.
„Das liegt vor allem daran, dass wir so lange zusammen trainiert haben… Und da wir quasi nie voneinander getrennt waren wird es komisch sein, nun ohne ihn aufzubrechen…“, sprach Eneas.
„Das glaube ich dir, aber dafür habt ihr jetzt ja mich!“, lachte Jamin.
„Mal sehen, ob du auch ein würdiger Ersatz für ihn bist…“, sah ihn Eneas mit kalter Miene an.
Jamin wirkte wie versteinert und wusste nicht, was er darauf hätte sagen sollen. Dann brach Eneas in Gelächter aus und gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
„Das war ein Witz! Ich bin froh dich dabei zu haben!“, kicherte Eneas, während Jamin sich nervös den Kopf kratzte.
Zur selben Zeit saßen Ilay und Ria oben auf der Anhöhe.
„Und? Gefällt dir der Platz hier oben?“, fragte Ilay neckisch nach.
„Ungewohnt, andauernd von allen beäugt zu werden aber solange du hier bist, stört mich das nicht…“, lächelte sie ihn an.
Ilay blickte sie zunächst verdutzt an, lächelte aber dann.
„Ist auch kein Wunder, dass wir hier angestarrt werden, immerhin sind das die Sitzplätze des Königs und der Königin auf welchen wir sitzen… Irgendwann wird dies wirklich mal mein Platz sein und ebenso deiner, wenn du das willst…“, sah er sie ernst an und ergriff ihre Hand.
Ria sah ihn total verdutzt an, unfähig irgendetwas zu sagen, sie fühlte sich total überrumpelt.
Dann stand er auf und half ihr auf. Ilay holte eine kleine Schachtel aus seiner Tasche und ging vor ihr auf die Knie. Im Raum wurde es zunehmend stiller und immer mehr Blicke richteten sich auf die Zwei.
„Ilay?! W-Was…?!“, war Ria total perplex und lief feuerrot an.
„Ria…“, fing Ilay an und fixierte sie mit seinem Blick. „Als ich dich kennen lernte, hätte ich es nie zu träumen gewagt, dass du so eine wichtige Rolle in meinem Leben einnehmen würdest... Wir verstanden uns nicht so gut und wir stritten viel aber als ich dein Lächeln sah, konnte ich nicht anders als mich in dich zu verlieben… Auch wenn ich mir lange Zeit nicht eingestehen wollte, was ich für dich empfinde, wurde es mir von Tag zu Tag immer bewusster… Wir haben so viel zusammen durchgestanden und ein Leben ohne dich wäre für mich nicht lebenswert… Ich liebe dich Ria…“
Damit öffnete er die kleine Box und zum Vorschein kam ein diamantbesetzter, femininer Ring in einem schönen goldenen Ton. Ria war überwältigt.
„Ich möchte mein gesamtes Leben mit dir an meiner Seite verbringen und deshalb…“, sprach er sacht und holte den Ring aus der Schachtel und hielt ihn ihr hin. „… Möchtest du meine Frau werden?“
Ria schossen Tränen in die Augen und sie hatte einen riesengroßen Kloß in ihrem Hals stecken.
„J-Ja…“, stotterte sie und nickte ganz heftig mit ihrem Kopf.
Ilay war sichtlich erleichtert und seine Nervosität, welche er schon den gesamten Tag über gespürt hatte, war mit einem Mal weg. Er stülpte ihr den Ring über ihren Ringfinger, richtete sich auf und schloss sie in seine Arme. Er drehte sich mit ihr einmal im Kreis und strahlte dabei wie ein kleiner Junge der gerade ein paar seiner Lieblingssüßigkeiten bekommen hatte. Danach setzte er sie wieder auf dem Boden ab, sah sie sanft an und gab ihr einen Kuss.
Der Saal war gefüllt von Jubel, Getuschel und Klatschen.
Etwas später saß Seren auf einer Bank draußen auf einer Terrasse und sah sich den Mond an. Laisa kam auf ihn zu.
„Hier bist du also…“, sprach sie sacht als sie sich neben ihn setzte.
„Laisa…“, freute sich Seren sie zu sehen. „Alles okay bei dir?“
„Klar…“, lächelte sie. „Morgen geht’s also los… Ich bin ganz aufgeregt, weil es schon so lange her ist, dass wir Zuhause waren…“
„Mir geht es ähnlich, ich hoffe wir können das Volk davon überzeugen, dass die Dämonen keinerlei Gefahr für uns darstellen… Zum Glück haben wir Verbindungen zum Königshaus, das wird uns vieles erleichtern und wenn sie uns glauben, dann könnten wir das Volk noch viel leichter überzeugen…“, schlussfolgerte Seren.
„Du hast Recht… Dann sollte unser erster Stopp beim königlichen Palast sein… Ich bin so gespannt wie es Lucin und Keno ergangen ist…“, lächelte Laisa.
„Ja… Ob sie wohl endlich zueinander gefunden haben?“, witzelte Seren.
„Bestimmt…“, kicherte Laisa vor sich hin.
„Und jetzt sind Ria und Ilay auch noch so richtig verlobt… Pass auf, so schnell schauen wir gar nicht da bekommen die ihr erstes Kind!“, lachte Seren.
„Die sind alle irgendwie viel weiter in ihren Beziehungen als wir…“, sprach Laisa ganz unbedacht ihre Gedanken aus.
Seren sah sie erstaunt an, bevor er ihr ein neckisches Grinsen zukommen lies und ihre Hand packte. Dann zog er sie näher heran. Laisas Gesicht wurde so rot, dass man sie leicht mit einer reifen Tomate hätte verwechseln können.
„Wenn du dir mehr wünscht, musst du es einfach nur sagen…“, neckte er sie.
„Ich… Also… Ähm…“, war Laisa verunsichert.
„Hmm?“, kam er mit seinem Gesicht ganz nah an ihres heran.
„Ich… Will auch mehr…“, gab Laisa ganz kleinlaut von sich.
Damit packte er Laisa und küsste sie. Er hob sie auf seinen Schoß und ließ ihr noch mehr Küsse zukommen. Eine Hand wanderte unter ihr Kleid am Bein entlang Richtung Gesäß. Seren fing an schwerer zu Atmen und auch bei ihm war eine leichte Rötung im Gesicht erkennbar.
„Seren…! Doch nicht hier!!“, war Laisa sprachlos.
„Warum nicht? Wir sind allein…“, wandte er neckisch grinsend ein.
Dann fixierte er mit seiner noch freien Hand ihr Gesicht und gab ihr weitere Küsse. Ihnen wurde heißer und heißer, die Luft dünner und dünner. Als Seren in Laisa eindrang, stöhnte sie leise auf. Ihr Gestöhne dämmte er mit weiteren Küssen ein. Seren packte Laisa richtig an, um das Gefühl noch intensiver werden zu lassen, was Laisa nur lauter werden ließ.
<Was ist nur los mit ihm? So wild und stürmisch kenne ich ihn ja gar nicht… Aber irgendwie… Gefällt mir das…>
Als das Fest seinem Ende zuging und die Gäste sich allmählich auf den Weg nach Hause machten, spazierten Eneas und Bela noch ein wenig durch die Gärten des Palastes.
„Kaum zu glauben, dass Eysa so schnell eingeschlafen war!“, lachte Eneas. „Das ganze rumgetanze muss sie ja unglaublich müde gemacht haben…“
„Das war schon anstrengend, ich dachte schon wir würden niemals mehr aufhören zu Tanzen…“, jammerte Bela und streckte sich.
„Ich finde es schön, dass ihr so gut miteinander klarkommt“, lächelte Eneas Bela sanft an.
„Na klar, mit Kindern komme ich in der Regel ziemlich gut klar… Ich weiß auch nicht, warum mich alle Kinder mögen…“, gab Bela überlegend von sich.
„Kein Wunder, bei einem solch süßen Gesicht, wer kann dir da schon widerstehen?“, neckte Eneas ihn.
Bela schoss sofort eine Röte ins Gesicht.
„Ich kann das zumindest nicht…“, hielt Eneas an, packte Bela am Arm, zog ihn heran und funkelte ihn mit seinem Blick an.
„Sagt der Richtige, du bist hier doch der Unwiderstehliche… Die Fangirls liegen dir reihenweise zu Füßen…“, schmollte Bela und zeigte auf die ganzen Fangruppen, welche zu Eneas‘ Ehren Plakate in die Luft hielten mit lauter Liebesbekundungen.
„Dann musst du eben mein ‚Number One Fangirl‘ werden… Mein ‚Number One Fanboy‘ ist schon Seren…“, scherzte Eneas mit einem leichten Lachen.
„Ich bin einfach allgemein dein ‚Number One‘…“, sah Bela ihn scharf an.
„Das bist du sowieso…“, streichelte Eneas ihm sanft seine Wange und küsste ihn dann.
Diesen nahm Bela nur allzu gern an. Als sie sich ansahen, waren Belas Augen dämonisch. Eneas hob ihn an, lehnte sich gegen den Baum und ließ sich zusammen mit ihm auf den Boden plumpsen. Bela öffnete sein Hemd und rammte Eneas seine spitzen Zähne in den Hals. Bela windete sich in Eneas Armen und beiden wurde heißer. Während Eneas anfing, erregt zu keuchen, fing Bela an leicht zu stöhnen. Sie entledigten sich immer mehr Klamotten, bis Eneas in Bela eindrang.
<Bin ich froh das Bela uns auch zurück nach Hause begleitet… Ohne ihn wäre es nicht dasselbe gewesen… Ich bin so wahnsinnig verliebt in diesen Kerl… Ich möchte nicht mehr ohne ihn sein…>
Zur selben Zeit waren auch Ria und Ilay noch unterwegs und machten sich auf den Weg zum Schlafzimmer.
„Uff… Das war ein ganz schön anstrengender Tag heute…“, gab Ria von sich und zog sich ihre Schuhe aus. „… Viel besser…“
Plötzlich hob Ilay sie hoch und trug sie den restlichen Weg.
„I-Ilay?! Das musst du nicht tun…“, war Ria verdutzt.
„Ich weiß, ich trage dich aber gern… Und für mich war es heute der schönste Tag von allen…“, lächelte er sie liebevoll an und presste seine Stirn an ihre. „Du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt…“
Ilays breites Lächeln war so zuckersüß da konnte Ria nicht anders und musste kichern.
„Du bist wundervoll Ilay…“
„Nicht so wundervoll wie du…“, gab Ilay das Kompliment zurück.
„Gute Nacht werter Prinz, gute Nacht Miss Iturria…“, verabschiedeten sie die Wachposten vor Ilays Gemach.
„Eine angenehme Nachtruhe wünsche ich euch…“, antwortete Ilay, bevor er Ria durch die Tür trug und die Wachen die Türen schlossen.
Behutsam legte Ilay Ria auf dem Bett ab, dann streifte er sich sein Sakko ab, legte es über einen Stuhl und lockerte sein Ascot. Ria nahm ihren Schmuck ab und legte ihn auf dem Nachtkästchen ab. Ilay setzte sich neben Ria aufs Bett.
„Das ist wohl unsere vorerst letzte Nacht zusammen…“, sprach Ria sacht.
„Stimmt…“, bejahte Ilay dies, dann wandte er sich ihr zu und streichelte ihr über ihre Wange.
Er beugte sich zu ihr hinüber und gab ihr einen Kuss. Als er sie wieder ansah, waren seine Augen bereits in ihrer dämonischen Form. Immer noch fasziniert von diesem Anblick, befühlte Ria sein Gesicht, dann lächelte sie sanft. Ilay lehnte sich wieder zu ihr und ließ sich mit ihr aufs Bett nieder. Ein Kuss jagte den nächsten. Ilay küsste sie am Hals entlang und biss letztendlich zu. Genüsslich saugte er ihr Blut, während er sich an sie presste. Ihnen wurde immer heißer. Ilay drang in sie ein und Ria fing an zu stöhnen. Auch Ilay entfuhren ein paar Laute. Sie sahen sich gegenseitig an und küssten sich dann.
<Bei Ilay bin ich am glücklichsten… Es wird seltsam sein, morgen ohne ihn aufbrechen zu müssen… Ich hoffe er findet, was er sucht und ich hoffe wir können den göttlichen Rat aufhalten und irgendwie meine Befleckung lösen… Wir müssen diese sinnlosen Kriege ein für alle Mal beenden…>
Kapitel 54
Der nächste Morgen brach an. Verschlafen öffnete Marin ihre Augen und rieb sie erst einmal.
„Guten Morgen…“, grüßte sie Zoya, welche bereits wach im Bett lag mit einem sanften Lächeln.
„Guten Morgen…“, lächelte Marin sie an.
„Kaffee?“, bot ihr Zoya eine Tasse an.
„Oh ja, sehr gerne!“, richtete sich Marin auf und setzte sich neben Zoya mit ihrer Tasse.
„Ich glaube wir sollten uns langsam ranhalten…“, sprach Zoya ganz ruhig.
Marin blickte auf die Uhr und erschrak sich.
„Oh weia! So spät schon?! Warum hast du mich nicht geweckt?“, sprang Marin aus dem Bett.
„Na, weil du so süß geschlafen hast…“, nippte Zoya gemütlich und leicht grinsend von ihrer Tasse.
„Beeil dich lieber, ich will nicht, dass wir sie verpassen und nicht verabschieden können!“, forderte Marin, während sie sich hastig fertig machte.
Auch Ilay erwachte aus seinem Schlaf. Er sah nach Ria, welche noch tief und fest schlief. Ilay lächelte sanft, rutschte zu ihr rüber und nahm sie in seine Arme. Ria wachte dadurch auf und kuschelte sich ebenfalls an Ilay heran.
„Guten Morgen Ilay…“
„Guten Morgen Sonnenschein…“, gab er glücklich zurück.
„Wie viel Zeit haben wir noch?“, fragte sie noch verschlafen nach.
„Alle Zeit der Welt…“, streichelte er ihr sanft über ihren Kopf und küsste ihre Stirn.
„Ich möchte die anderen aber nicht warten lassen…“, gab sie von sich.
„Ich weiß…“, umarmte er sie fest. „Dann sollten wir langsam aufstehen…“
Wenig später versammelten sich alle im Hof des Palasts.
„Sind wir vollzählig?“, fragte Eneas in die Runde, als er sich umsah und Eysa mal wieder auf seinen Schultern herumturnte.
„Nicht ganz, Ria und Ilay fehlen…“, wandte sich Bela ein.
„Da sind sie schon…“, zeigte Laisa in Richtung der Palasttoren, aus welchen Ria und Ilay heraustraten.
„Guten Morgen!“, grüßte Seren sie freudig.
Ria winkte ihren Freunden zu.
„So, da wir nun vollzählig sind, lasst uns los!“, brachte sich Jamin mit ein.
Ria wandte sich noch einmal Ilay zu. Leicht traurig aber mit einem Lächeln sah er sie an und streichelte ihr noch einmal über ihre Wange.
„Pass gut auf dich auf…“
„Das werde ich…“, lächelte sie zurück.
Dann zog er Ria noch einmal zu sich her und gab ihr einen langen und leidenschaftlichen Kuss. Danach wandte er sich an alle.
„Bitte passt gut auf euch auf… Sobald ich hier fertig bin, folge ich euch… So lange müsst ihr ohne mich auskommen… Was wir vorhaben birgt viele Risiken also geht kein Risiko ein, sodass wir uns bald gesund und munter wiedersehen können…“
„Natürlich…“, lächelte Eneas.
„Nur weil du nicht dabei bist, heißt das nicht, dass wir schwach wären…“, verzog Bela seine Mimik leicht angefressen.
„Wir wünschen euch viel Glück!“, winkte Marin ihnen zu, während Zoya zustimmend nickte.
Die Gruppe winkte allen noch einmal zu und machte sich dann auf den Weg. Sie waren wieder einige Wochen unterwegs, ehe sie den Grenzübergang zum göttlichen Kontinent überquerten.
„So, damit haben wir anscheinend offiziell die Mauern der Königshauptstadt überschritten…“, merkte Jamin an.
„Stimmt…“, stimmte Seren zu.
„Ab hier werden wir uns aufteilen… Ihr werdet auf direktem Wege zum königlichem Palast gehen, während Bela, Eysa, Estes und ich ein paar Nachforschungen anstellen bezüglich des göttlichen Rats…“, erklärte Eneas.
„Verstanden… Bis zum Palast erwarten uns sowieso keine Gefahren mehr…“, bestätigte Laisa.
„Also, wir schließen später wieder zu euch auf…“, winkte Eneas ihnen noch einmal zu, bevor die vier davonflogen.
„Dann sehen wir mal zu, dass wir weiter kommen…“, merkte Jamin an.
„Hier lang…“, gab Seren die Richtung vor.
Sie gingen einige Meter weiter und kamen an einer Hauptstraße raus auf der ein paar Wachen patrouillierten.
„Da! Da sind sie ja! Fasst sie!“, rief eine der Wachen.
Geschockt sah die Gruppe auf die annähernden Wachen, die von überall zu kommen schienen.
„Was ist hier los?!“, fragte Laisa geschockt.
„Ich habe keinen Schimmer, aber sie scheinen nicht gerade sehr freundlich gesinnt zu sein!“, merkte Seren an.
„Lauft!“, rief Jamin und zusammen flüchteten sie durch mehrere Seitengassen.
Nach kurzer Zeit kamen sie in einer Sackgasse an mit nähernden Fußtritten der Soldaten. Die Tür des anliegenden Hauses schwang auf.
„Hier entlang! Schnell!“, rief eine Stimme und die Freunde rannten durch die offene Tür.
Währenddessen landeten Eneas und seine Gruppe in einer Seitengasse, dort hörten sie wie sich ein paar Soldaten unterhielten.
„Wie lange sollen wir denn noch warten, bis Major Hoxia mit seiner Gruppe hier auftaucht?“
„Das weiß keiner… Erinnert euch nur an die Anweisung sie schnell zu überrumpeln sonst haben wir keine Chance sie festzusetzten und einzusperren…“
„Das stimmt… Major Hoxia ist verdammt stark, ihn klein zu kriegen wird schwer…“
„Hauptsache wir können die Urgottheit aus ihren Fängen befreien…“
Ungläubig sah sich die Gruppe an.
„Was ist hier bitte los?“, war Bela fassungslos.
„Gute Frage… Ich bin mir ziemlich sicher, dass da der göttliche Rat dahinter steckt… Wir sollten unauffällig bleiben…“, schlug Eneas vor.
„Was ist mit den anderen?“, fragte Estes nach.
„Ich hoffe sie schaffen es allein… Wir können nicht mehr umdrehen und wenn sie schon gefasst wurden, wäre es eh zu spät… Solange sie nur eingesperrt werden, können wir uns auch immer noch später darum kümmern…“, befahl Eneas.
Damit machten sie sich auf den Weg und schlichen heimlich durch die Seitengassen in das Viertel der Gottheiten. Es dauerte nicht lange und sie gelangten an das Anwesen, welches der göttliche Rat nutzte. Es war atemberaubend riesig.
„Und was machen wir jetzt hier?“, fragte Eysa nach.
„Wir schleichen uns rein und suchen nach Informationen… Vielleicht auch belastende Beweise, womit wir sie überführen können… Wir müssen so unauffällig vorgehen, wie es nur irgendwie geht…“, erklärte Eneas.
„Dann sollten wir uns nochmal aufteilen… In Zweiergruppen wären wir unauffälliger und zügiger unterwegs…“, stellte Estes klar.
„Gut… Eysa du gehst mit Estes… Ihr sucht den Nordflügel ab… Bevor ihr auffliegen solltet, zieht ihr euch zurück, klar?“, stellte Eneas klar.
„Verstanden!“, lächelte Eysa siegessicher und zusammen mit Estes machte sie sich auf den Weg.
„Dann gehen wir in den Südflügel…“, sah er Bela an.
„Alles klar…“, bejahte Bela seine Entscheidung.
Zusammen machten sie sich auf den Weg und sahen sich um.
„Seltsam, dass wir bis jetzt noch niemandem begegnet sind… Wo sind die denn nur?“, fragte sich Bela.
Das ist eine Gute Frage… Ich hätte zumindest mit ein paar Widersachern gerechnet, aber gar keiner ist wirklich nicht normal…“, merkte Eneas an.
„Dieser Trackt hier sieht auch ziemlich verlassen aus…“, merkte Bela an.
„Irgendwie wirkt es so, als ob er nur den Anschein erwecken soll, dass er verlassen ist… Hier liegt viel zu wenig Staub rum…“, rätselte Eneas.
„Vielleicht verstecken sie hier ja irgendwas…“, sah sich Bela weiter um.
„Oder irgendjemanden… Hörst du das?“, sprach Eneas während er stehen blieb.
Bela kam auf Eneas zu und horchte, dann vernahm er eine leise, singende Stimme. Sie sahen sich an und machten sich auf dem Weg der Stimme zu folgen. Sie folgten den Treppen des Turmes hinauf und kamen letztendlich an einer verbarrikadierten Tür an.
„Hier ist es…“, stellte Eneas fest. „Mal sehen, was wir hier finden…“
„Überlass das mir!“, grinste Bela schelmisch, während er dämonisch mit seinen Augen funkelte.
Mit einem gezielten Tritt riss er die Tür aus ihrer Verankerung und stand mitten im Raum. Zu Gesicht bekam er einen Mann mit langen, blonden Haaren der einsam und allein in diesem verkommenen Zimmer saß.
Der Mann sah Bela erst unverwandt an, bevor er sich erhob.
„Wer seid ihr?“, fragte der Mann ganz sanft.
„Wer bist du?!“, fragte Bela ganz verblüfft.
„D-Du bist ein Dämon?! Geh! Ich möchte dich noch nicht einmal ansehen müssen!“, war der Mann stur und drehte sich um.
„Dankt man so seinen Rettern?! Wenn wir die Tür nicht eingetreten hätten, wärst du immer noch hier eingesperrt!!“, war Bela sichtlich angepisst.
Eneas sah sich die Tür genauer an.
„War vielleicht sogar gut, dass du sie eingetreten hast… Soweit ich das beurteilen kann, liegt auf der Tür ein Bann, der allen mit göttlichem Blut riesige Schmerzen bereitet, wenn man sich an der Tür zu schaffen macht…“, mutmaßte Eneas und hielt ein Stück der Tür in der Hand. „… Deshalb hast du nicht versucht zu fliehen, obwohl du keine magischen Handschellen trägst…“
„Das ist richtig… Mir war es unmöglich von hier zu entkommen, ich danke dir…“, richtete sich der Mann an Eneas.
„Hey! Das war immer noch ich!“, war Bela immer noch sauer.
„Warum agierst du mit einem Dämon?“, fragte er.
„Dein Hass auf Dämonen muss ja riesig sein…“, war Eneas erstaunt. „Er… Er ist mein Freund…“
„Wartet mal… Du kommst mir bekannt vor…“, sah Bela den Mann argwöhnisch an. „Ich hab dich schon mal gesehen, aber das war vor über 300 Jahren…“
Eneas sah Bela ungläubig an.
„Ich erinnere mich… Das war noch vor Ilays Geburt… Du warst in unserem Palast zu Besuch, um unsere schwangere Königin zu besuchen…“, fiel es Bela wie Schuppen von den Augen.
„Du warst das kleine Balg damals?“, war der Mann geschockt als er Bela doch mal eines Blickes würdigte.
Währenddessen stöberten Eysa und Estes im anderen Trackt herum.
„Hier gibt es wirklich nichts Interessantes oder Brauchbares…“, stellte Estes fest.
„Stimmt… Bin ich froh, dass mir Brüderchen das Lesen beigebracht hat, das macht vieles so viel leichter…“, sprach Eysa.
„Du hast Eneas wirklich gern, oder?“, fragte Estes nach.
„Ja!“, grinste sie. „Er und Onkelchen haben mich aus dieser Hölle befreit, seitdem bin ich bei ihnen… Brüderchen hat mir auch meinen Namen gegeben…“
„Da hat er dir einen schönen Namen ausgesucht…“, lächelte Estes sie an.
Auf einmal ging die Tür auf. Estes reagierte blitzschnell, schnappte sich Eysa und versteckte sich mit ihr unter dem Schreibtisch, während ein paar Ratsmitglieder eintraten.
Kapitel 55
Ria und die anderen waren sichtlich aus der Puste als sie kurz einmal durchschnaufen konnten. Dann blickte sie auf und entdeckte Keno und Lucin. Voller Freude sprang sie ihnen in die Arme.
„Lucin! Keno! Es tut so gut euch zu sehen!“, freute sich Ria.
„Auch schön euch zu sehen…“, lächelte Lucin.
„Wo sind Eneas, Ilay und Bela?“, fragte Keno nach.
„Ilay verblieb im Dämonenreich, Eneas und Bela haben sich auf den Weg gemacht Informationen über den göttlichen Rat zu sammeln…“, erklärte ihnen Seren.
„Dafür haben wir nun ihn hier bei uns…“, deutete Laisa auf Jamin.
„Ich kenne dich! Du warst doch der Dämon, der uns damals angriff?!“, war Keno erstaunt.
„Jep, das ist richtig!“, grinste Jamin.
„Er war Ilays bester Freund, bevor er zu uns hierherkam, nun begleitet er uns…“, erklärte Seren.
„Ich bin Rias Leibwache, denn unser Täubchen kann man ja kaum aus den Augen lassen… Und als Urgottheit kann sie jede Hilfe gebrauchen, die sie kriegen kann…“, neckte er sie schelmisch grinsend.
„Hey!“, war Ria sichtlich angefressen und verschränkte ihre Arme.
„Dann stimmt es also, du bist die Urgottheit…“, sprach Keno.
„Stimmt…“, bejahte Ria das.
„Könnt ihr uns sagen was hier eigentlich los ist?“, fragte Jamin nach.
„Der göttliche Rat hat bekannt gegeben, dass wir Ria in unsere Gewalt gebracht haben, um sie vor ihnen zu verstecken und das die Königsfamilie hinter den Entführungen der Mädchen steckte, einzig und allein um Ria zu töten. Nun werden wir alle wegen Hochverrats gesucht und werden geköpft, sobald sie uns in ihre Finger bekommen…“, fasste Keno zusammen.
„Meine Eltern und Liz sitzen momentan schon hinter Gittern, sie hatten nur darauf gewartet, dass ihr zurück kommt…“, ergänzte Lucin.
„Und jetzt, wo euch ein paar Wachen bereits gesehen haben, werden sie hier alles auf den Kopf stellen, um uns zu fassen… Und das war noch nicht alles…“, sprach Keno weiter.
„Leif… Er soll wohl leben… Er arbeitet allem Anschein nach für den göttlichen Rat…“, sprach Lucin traurig.
„Was? Er lebt? Aber wie?“, war Seren geschockt.
„Das kann doch gar nicht sein! Wir haben doch alle gesehen, wie er gestorben ist!“, merkte Laisa an.
„Das wissen wir leider auch nicht, zu Gesicht haben wir ihn auch noch nicht bekommen… Das ist nur das, was sich alle hier erzählen…“, erklärte Lucin.
„Vielleicht ist das auch nur eine List des göttlichen Rates, würde zumindest erklären warum sie so lange und auf unbestimmte Zeit warten, um den König und die Königin hinzurichten…“, schlussfolgerte Seren.
„Das dachte ich mir auch schon… Aber ein paar Soldaten sollen ihn schon gesehen haben…“, erzählte Keno.
„Das ist unfassbar… Warum sollte er dann mit dem göttlichen Rat gemeinsame Sache machen?“, rätselte Ria.
„Herumzurätseln hat keinen Sinn, sobald wir ihn finden, fragen wir ihn das selbst…“, gab Keno von sich. „Wichtig wäre jetzt wohl dich so gut es geht versteckt zu halten, damit die Soldaten dich nicht in ihre Hände bekommen, wer weiß was der Rat mit dir vorhat, wenn sie dich so dringend suchen…“
„Das stimmt, ich lasse nicht zu, dass sie dich in ihre Finger bekommen…“, mischte sich Jamin mit ein.
Ria warf ihm einen verstohlenen Blick zu, bevor sie sich abwandte.
„Was ist denn bei euch los? Ihr verhaltet euch komisch…“, stellte Laisa fest.
„Das hab ich mich schon die ganze Zeit über gefragt… Seit wir aufgebrochen sind herrscht da irgendeine Spannung zwischen euch…“, ergänzte Seren.
„Wir haben uns geküsst, seit dem ist’s komisch…“, gab Jamin trocken von sich.
„Was? Und was ist mit Ilay?“, war Lucin fassungslos.
„Wann ist das denn passiert? Vor der Verlobung mit Ilay oder danach?“, war auch Laisa geschockt.
„Verlobung?“, sah Lucin nun Laisa an.
Ria war überfordert und wusste nicht, wie sie das am besten erklären hätte können. Dann wurde es laut vor der Tür und Wachen sammelten sich.
„Scheiße! Wir müssen hier weg!“, sprach Keno und zusammen flohen sie aus dem Gebäude.
Sie rannten durch etliche Seitengassen hindurch, doch überall waren Soldaten. Letztendlich wurden sie eingekesselt.
„Da sind sie! Schnappt sie euch und befreit die Urgottheit aus ihren Fängen!“, riefen sie.
„Verdammt!“, gab Seren von sich.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Laisa nach.
„Wir verhelfen Ria zur Flucht!“, sprach Lucin und stellte sich vor die Gruppe. „Es ist wichtig, dass sie entkommt!“
„Wie du wünscht, meine Liebe…“, stellte sich Keno zu ihr.
Auch Laisa und Seren stellten sich vor Ria.
„Pass bitte gut auf sie auf…“, drehte sich Seren noch einmal um und wandte sich an Jamin.
„Versprochen!“, sprach er, packte sich Ria und floh.
„Warte! Wir können sie nicht zurücklassen! Wenn sie gefangen werden, werden sie alle getötet!“, wehrte sich Ria.
„Sei nicht dumm! Sie wussten genau, worauf sie sich einlassen!“, patzte sie Jamin an. „Wenn du jetzt zurück gehst, wäre ihr Opfer völlig bedeutungslos!“
„Du bist herzlos!“, rief Ria ihm zu.
Jamin wurde sauer, packte sich Ria und trat nah an sie heran.
„Ich mag vieles sein, aber sicher nicht herzlos! Meinst du mir fällt es leicht sie zurückzulassen? Tsk!“, sprach Jamin mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Ich habe auch sicher nicht vor sie ihrem Schicksal zu überlassen, aber um sie da überhaupt rausholen zu können brauchen wir einen Plan und definitiv Eneas und Bela… Und ich habe Ilay versprochen, dass dir nichts geschieht…“
„Entschuldige… Du hast ja Recht…“, war Ria nun einsichtig.
„Du warst das kleine Balg damals?“, war der Mann fassungslos.
„Aber das kann nicht sein! Du müsstest tot sein! Celine meinte, dass du dich geopfert hattest, um sie und Ria zu schützen!“, sah Bela ihn ungläubig an.
„Du kennst Celine und Ria? Geht es ihnen gut? Sind sie wohlauf?“, schüttelte der Mann Bela am Kragen.
Traurig sah Bela auf die Seite, langsam ließ der Mann von Bela ab.
„Celine wurde vor einiger Zeit ermordet… Vermutlich im Auftrag vom göttlichen Rat… Ria ist in unserer anderen Gruppe…“, erklärte Bela.
„Celi ist tot?“, sackte der Mann auf den Boden. „Meine geliebte Celi…“
„Warte, heißt das du bist Rias Bruder? Wie war der Name noch gleich? Kasperoz?“, war Eneas verwundert.
„Ja… Ich starb nicht, war jedoch dem Tod recht nahe… Der Rat sperrte mich ein um mich später einmal als Druckmittel benutzen zu können, damit meine kleine Schwester hörig ist…“, erklärte er.
„Unglaublich! Das heißt Ria ist gar nicht die letzte Urgottheit!“, staunte Eneas. „Du bist genau dass, was wir gesucht haben!“
Kasperoz sah Eneas an.
„Du lebst schon wesentlich länger als Ria und hast deine Kräfte sicher wunderbar unter Kontrolle, mit deiner Hilfe könnten wir den Dämonen Lord endlich aus seiner Versiegelung befreien!“, erzählte Eneas weiter.
„Was? Warum sollte ich das tun?! Dieser Bastard wollte uns alle auslöschen!“, war Kas zornig.
„Hey! Sprich nicht so über meinen Vater! Niemand wollte euch auslöschen! Mein Vater wollte Rias Befleckung auf sich nehmen, um ihr das Leben zu retten! Er wollte Ria und Ilay eine gemeinsame Zukunft ermöglichen!“, pampte Bela ihn an.
„Deinem Vater? Ich dachte du wärst der Bengel der Hofdame…“, sah ihn Kas an.
„Bin ich auch… Aber Bael ist auch mein Vater…“, erklärte Bela sich.
„Dich hat der Rat die ganze Zeit über hier eingesperrt und du hast niemals in Frage gestellt, was sie euch damals erzählt haben?“, stellte Eneas die offensichtliche Frage. „Sie hatten euch angelogen, um einen Zwist zu planen, sie wollen Ria in ihre Finger bekommen und wer weiß was mit ihr anstellen… Es war geplant das eure Eltern ihre Leben dabei lassen den Dämonen Lord aus dem Verkehr zu ziehen… Celine brachte Ria damals in Sicherheit vor dem Rat und begleitete uns sogar eine Zeit lang… Ria hat schon versucht die Versiegelung zu brechen, hat es aber nicht geschafft… Die Befleckung nimmt aber immer mehr Besitz von ihr… Nun sitzt Ilay, der Sohn des Dämonen Lords, daran, herauszufinden wie man diese Befleckung übernehmen kann, um Ria damit das Leben zu retten und den Weltuntergang zu verhindern…“
„Ihr wollt uns nicht töten?“, war Kas fassungslos.
„Das hatten wir nie vor! Aber dass nun unser ganzes Königreich richtig angepisst auf euch ist, wirst du wohl nachvollziehen können, oder?“, resignierte Bela in einer Abwehrhaltung.
„Ich möchte Ria sehen, wenn sie mir eure Geschichte bestätigen kann, dann werde ich euch helfen… Bringt mich bitte zu ihr!“, fragte Kas forsch nach.
„Gern, Ria wird sich sicher freuen…“, lächelte Eneas.
Als sie unten am Turm angelangt waren, rannte Eysa auf sie zu.
„Eysa! Alles in Ordnung?“, fragte Eneas nach.
„Brüderchen, beeilt euch! Brüderchen zwei steckt in der Klemme! Er hat dafür gesorgt, dass ich fliehen konnte, kämpft aber im Moment mit ein paar Ratsmitgliedern!“, zog Eysa Eneas in besagte Richtung.
Gemeinsam rannten sie los und erreichten Estes gerade als er das letzte Mitglied aus dem Verkehr zog.
„Wow! Brüderchen zwei ist ja auch total stark!“, staunte Eysa und rannte auf ihn zu, um ihn zu umarmen.
Estes ging auf die Knie, um die Umarmung erwidern zu können.
„Unterschätz mich nicht! Königliche Palastwache wird man nicht einfach so…“, tätschelte er ihr den Kopf. „Ich bin nur froh, dass dir nichts passiert ist…“
„Das hast du gut gemacht…“, lobte ihn sein großer Bruder mit einem zufriedenen Lächeln.
Estes grinste breit. „Danke.“
„Habt ihr irgendetwas herausfinden können?“, fragte Bela nach.
„Nein, leider nicht… Sie sind zu sauber, das sind keine typischen Antagonisten, welche ihr Tagebuch offen herumliegen lassen…“, verneinte Estes Belas Frage.
„Schade, dann sollten wir zusehen, dass wir die anderen wiederfinden…“, schlug Eneas vor.
Währenddessen saß Ilay in der privaten Bibliothek seines Vaters. Er zermarterte sich den Kopf über all diesen Büchern. Dann betrat Misaki das Zimmer und brachte Ilay eine Tasse.
„Hier, Kaffee für dich… Und langsam solltest du dich etwas ausruhen… Du sitzt hier seit Wochen, ohne einmal richtig geschlafen zu haben…“, merkte sie an.
„Dankeschön… Ich weiß, aber umso schneller ich die nötigen Informationen finde, umso eher kann ich zu den anderen aufschließen… Ich hab ein leicht mulmiges Gefühl…“, erklärte sich Ilay, welcher einmal von der Tasse nippte.
„Machst du dir Sorgen, weil Jamin bei ihr ist? Ich dachte du vertraust ihm und hast ihm deshalb diese Aufgabe übertragen…“, fragte Misaki nach.
„Natürlich vertraue ich ihm, wir sind uns aber auch ähnlich und wenn ich in seiner Situation wäre, wüsste ich nicht, ob ich die Finger von ihr lassen könnte…“, war Ilay angespannt.
„Ihr habt euch früher schon alles geteilt, warum sollte es heutzutage anders sein?“, lachte Misaki.
Ilay sah sie leicht genervt an.
„Ria ist nichts, was ich teilen will…“, sprach er eiskalt.
„Ich weiß, ich weiß…“, kicherte sie noch vor sich hin. „Ich werde dir helfen Ilay… Zusammen sind wir schneller und wenn wir gefunden haben, was du suchst, dann begleite ich dich…“
Ilay sah sie verwundert an, während sie ihn selbstsicher anlächelte.
„Warum und was ist mit Himari?“, fragte Ilay nach.
„Himari bleibt bei meinem Vater, das ist kein Problem, außerdem können wir unseren Thronprinzen ja nicht komplett ohne Schutz zum göttlichen Kontinent reisen lassen…“, antwortete sie.
„Ich glaube vielmehr, dass du Jamin im Auge behalten willst, damit er nichts dummes anstellt…“, ertappte er sie.
„Bin ich so leicht zu durchschauen?“, fragte sie nervös nach.
„Definitiv… Wir hatten uns zwar lange nicht mehr gesehen, aber ich konnte dir schon immer ansehen, was du denkst…“, antwortete Ilay.
„Das stimmt… Wir vier hatten früher als Kinder jede Menge Spaß…“, erinnerte sich Misaki zurück. „Wie verliebt ich damals in dich war…“
„Ich weiß… Du bist mir ständig gefolgt und wolltest ständig in meiner Nähe sein… Jamin tat mir damals richtig leid, weil ich wusste das er ein Auge auf dich geworfen hatte… Wie eifersüchtig er jedes Mal war, wenn wir zusammen gespielt haben…“, kicherte Ilay.
„Stimmt, ich erinnere mich… Das ist alles schon so lange her und jetzt ist alles anders…“, stellte Misaki fest.
Kapitel 56
Keno, Lucin, Laisa und Seren und wurden gerade eingesperrt als Enil durch die Tür trat.
„Na, da seid ihr ja endlich… Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wo ihr die Urgottheit versteckt, habt…“, sah er sie böse an.
„Als ob wir dir das sagen würden!“, war Seren zornig.
„Vielleicht redet ihr eher bei eurer Hinrichtung, wenn einer nach dem anderen von euch ins Gras beißen muss…“, lachte Enil schelmisch und verließ den Raum.
„Lucin, mein Schatz… Keno…“, war die Königin froh ihre Tochter zu sehen und schloss sie ihn ihre Arme.
„Mutter!“, sprang Lucin ihr in ihre Arme.
„Was macht ihr denn hier? Warum seid ihr nicht untergetaucht?“, sprach der König aufgebracht zu Keno und tätschelte seiner Tochter den Kopf.
„Verzeihen Sie mir wehrte Majestät…“, entschuldigte sich Keno demütigst vor dem König.
„Er kann nichts dafür, es war meine Schuld… Wir haben damit unserer Freundin zur Flucht verhelfen können…“, sprach Lucin.
„Ich bin mal gespannt, ob wir hier wieder raus kommen können…“, fragte sich Laisa.
Zur selben Zeit versteckten sich Ria und Jamin in einem Hinterhof. Ria saß etwas erschöpft in einer Ecke. Jamin ging auf sie zu.
„Alles gut Täubchen?“, fragte er nach als er sich neben sie setzte.
„Ja, alles gut… Meine Energie ist nur etwas erschöpft…“, antwortete sie.
„Verstehe… Du bleibst bitte hier und ich sehe zu, dass ich etwas zum Mampfen für uns organisieren kann… Da mich hier niemand kennt, sollte das kein Problem sein mich unbemerkt an den Wachen vorbei zu schmuggeln…“, lächelte er sie an.
„Sei aber vorsichtig…“, ermahnte sie ihn.
„Keine Sorge, ich bin in Windeseile wieder bei dir“, zwinkerte er ihr zu und machte sich auf den Weg.
Ria stand auf und ging auf das Blumenbeet zu. Sie kniete sich hin und roch an ihnen. Ein Lächeln zierte ihr Gesicht.
Aus dem Schatten trat Leif hervor, welcher sie beobachtete.
<Das soll also diese Urgottheit sein? Sie sieht nicht gerade so aus, als ob sie gegen ihren Willen gefangen wäre…>
Er ging ein Stück näher an sie heran, als er auf ein Ästchen trat und das Knacksen Ria aufschrecken ließ. Sie richtete sich auf und drehte sich zu dem Geräusch um nur um dann Leif zu Gesicht zu bekommen.
Ria sah ihn geschockt an.
„Was? Wie kann das sein? Du lebst? Leif…“, sprach sie mit Tränen in ihren Augen und einem bittersüßem Lächeln im Gesicht, genauso wie sie ihn ansah als er im Sterben lag.
Leif sah sie ungläubig an, sein Kopf fing an zu Schmerzen und ein kleiner Erinnerungsfetzen manifestierte sich, der Moment als er im Sterben lag und Ria ihm einen Kuss gab.
<Dieser Blick, dieses Gesicht… Es kommt mir so bekannt vor… Aber warum? Was ist das?>
Ria ging auf ihn zu, bis sie direkt vor ihm stand.
„Wie ist das möglich? Wie kannst du am Leben sein?“, fragte sie nach.
„Du kennst mich?...“, war Leif noch immer neben der Spur.
„Erinnerst du dich denn nicht? An gar nichts mehr?“, fragte sie bedrückt nach und trat noch einen Schritt näher an ihn heran.
„Ich… Ich weiß nicht… Was geht hier vor sich? Warum kenne ich dein Gesicht? Dein Lächeln… Warum schlägt mein Herz so heftig?“
Leif war absolut überfordert mit dieser Situation. Sie legte ihre Hand an seiner Wange ab, sodass er sie ansehen musste.
„Ich bin so froh dich wohlauf zu sehen…“, lächelte sie ihn glücklich an.
Auf einmal lief ihm eine Träne über seine Wange. Er schloss sie ganz fest in seine Arme.
<Dieses Gefühl… Diese Wärme… Sie in meinen Armen zu halten ist ein unsagbar schönes Gefühl… Und so vertraut… Ich verstehe überhaupt nichts mehr…>
„Wer bist du? Warum bedeutest du mir so viel?“, fragte er entsetzt nach.
„Mein Name ist Iturria, aber du und unsere Freunde nennen mich nur Ria…“, erklärte sie.
„Ria…?“, sah er sie an, dann fasste er ihr an ihre Wange.
Er fixierte ihr Gesicht und drückte ihr einen Kuss auf. Es war ein langer und intensiver Kuss. Als er von ihr abließ, sah er ihr direkt in ihre Augen.
„Wir haben uns schon mal geküsst… Ich erinnere mich daran…“, stellte Leif fest als er in Rias errötetes Gesicht blickte. „Aber das kann nicht sein, mein Meister meinte ich hätte nichts mit euch zu tun gehabt… Er sagte nur dass ich dich aus ihren Fängen retten wollte und dafür fast mein Leben gelassen hätte…“
Als Jamin das sah, sprang er zwischen die Beiden, hielt Ria in seinem Arm und richtete seine Waffe gegen Leif.
„Was fällt dir ein Hand an Ilays Verlobte zu legen!?“, war Jamin zornig. „Wenn ihm einer seinen Besitz streitig macht, dann bin das ich, klar!?“
„Achja…?“, sah Ria ihn etwas entnervt an.
„Misch dich nicht ein und lass sie los! Ich bin hier, um sie zu befreien!“, zog Leif sein Schwert.
„Befreien? Von mir? Das ich nicht lache! Du willst sie doch nur dem Rat übergeben! Das wäre ihr Ende!!“, zeterte Jamin zurück.
„Jamin, hör auf!“, stellte sie sich zwischen die Beiden. „Leif ist ein guter Freund von uns, tu ihm nichts! Er kann nichts dafür, er erinnert sich nicht!“
In dem Augenblick packte Leif Ria und hielt sie in seinen Armen.
„Dann werde ich dafür sorgen, dass er sich wieder erinnert!“, rief er und sprang auf beide zu.
Mit seinen Klauen und seinem dämonischen Blick griff er direkt an. Leif schloss schützend seine Arme um Ria und zusammen flogen sie einige Meter durch die Luft, ehe sie am Boden aufkamen.
„Na? Klingelts? Genau dort hatte ich dich bereits einmal!“, zog er Ria hoch und schob sie hinter sich.
„Ein Dämon?“, war Leif überrascht.
Er sprang auf und zog einmal voll durch mit seinem Schwert, damit verpasste er Jamin eine tiefe Schnittwunde. Dann dröhnte wieder sein Kopf, weitere Erinnerungsfetzen durchfluteten seine Gedanken.
„Scheiße! Was ist das nur?“, hielt sich Leif schmerzerfüllt seinen Schädel.
Jamin packte Ria an der Hand und lief los.
„Halt! Wir können ihn hier nicht so zurücklassen!“, protestierte sie.
„Keine Chance Täubchen! Solange er für den Rat arbeitet, lasse ich ihn nicht noch mal in deine Nähe! Solange er sich nicht erinnern kann, ist er eine Gefahr für dich!“, erwiderte Jamin stur.
„Aber…“, erwiderte Ria.
Jamin blieb stehen, drückte sie gegen eine Hauswand und kam ihr ganz nah. Er sah sie mit seinen dämonischen Augen direkt an.
„Nichts da… Ich bin für deine Sicherheit verantwortlich…“, starrte er sie an.
Ria schoss eine leichte Röte ins Gesicht, da Jamins Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt war. Dann sackte er zusammen aufgrund der Wunde, welche ihm Leif zufügte.
„Jamin?!“, ging Ria auf die Knie.
„Was war das für ein Schwert verdammt! Das war kein Gewöhnliches!“, windete sich Jamin vor Schmerzen.
„Das hört ja gar nicht mehr auf zu bluten!“, erschrak sich Ria.
„Das muss verzaubert gewesen sein… Es lässt mich regelrecht ausbluten…“, stellte Jamin fest.
Ria wischte ihre Haare auf eine Seite, um ihren Hals freizumachen.
„Täubchen, Stopp! Nicht schon wieder! Ich weiß, dass ich mich nicht beherrschen kann!“, weigerte sich Jamin.
„Was sollen wir sonst machen? Es ist niemand hier der uns helfen kann und in der Geschwindigkeit, in der du Blut verlierst… Dann lerne gefälligst dich zu beherrschen!“, sprach Ria ernst.
Jamin streichelte ihr sanft über ihre Wange.
„Und wenn ich es nicht schaffe?“, war es ihm ernst.
„Du musst es schaffen…“, war es auch Ria ernst.
Er legte ihren Kopf auf die Seite und biss zu. Er saugte und saugte. Er presste Ria an sich und fing an erregt zu schnaufen. Er ließ sich mit ihr auf dem Boden nieder und fing an sie zu betatschen.
„Jamin!“, ermahnte ihn Ria.
Es war wirkungslos. Jamin drückte ihr mehrere Küsse auf, einer leidenschaftlicher als der andere, bevor er ihr in ihre andere Halsseite biss. Er war nicht mehr aufzuhalten. Seine Hände wanderten unter ihre Klamotten. Er ließ von ihrem Hals ab und sah sie direkt an.
„Ich liebe dich Ria…“, sprach er sanft mit gerötetem Gesicht, bevor er sich wieder zu ihr hinunterbeugte und ihr einen liebevollen Kuss gab.
Auf einmal packte jemand Jamin und zog ihn von Ria herunter.
„Was fällt dir ein dich an meiner Schwester zu vergehen du Dämon!“, sprach Kas sauer.
Eneas half Ria auf die noch total perplex war und nicht mehr wusste wo oben und unten war.
„Alles gut bei dir?“, fragte er sanft nach.
„J-Ja…“, stotterte sie.
„Was meinst du mit Schwester?“, fragte Jamin mit bösem Blick nach als Kas ihn immer noch am Kragen gepackt hielt.
„Darf ich vorstellen… Das hier ist Kasperoz, Rias großer Bruder, welcher in den letzten Jahrhunderten in Gefangenschaft beim göttlichen Rat lebte…“, übernahm Bela die Vorstellung.
„Was?“, war Ria verwirrt.
„Es ist schön dich zu sehen Ria… Du siehst Mutter sehr ähnlich…“, lächelte Kas sanft und stieß Jamin von sich.
„Aber ich dachte du wärst…“, war Ria geschockt.
„Ich bin nicht gestorben…“, kam Kas auf Ria zu und nahm sie in seine Arme. „Ich bin so glücklich, dass du wohlauf bist…“
„I-Ich kanns nicht glauben!“, sah sie ihn an und befühlte sein Gesicht. „Du bist genauso wie in meiner Erinnerung!“, strahlte Ria glücklich.
„Was sollte das Jamin?“, fragte Bela zornig und beiläufig.
„Ich… Ich konnte mich nicht beherrschen… Ich kann mich ihr nicht entziehen… Ich bin überfordert…“, erklärte sich Jamin, welcher sein Gesicht unter seiner Hand versteckte.
„Das sehe ich auch… Du musst dich zusammenreißen! Sie ist Ilays Verlobte und wird Königin werden, sobald sie heiraten…“, ermahnte ihn Bela.
„Das weiß ich doch… Verdammt!“, boxte Jamin gegen die Wand.
„Wo sind überhaupt die anderen abgeblieben?“, fragte Eneas, als er sich umsah.
„Zusammen mit Lucin und Keno verhalfen sie uns zur Flucht, ich denke die Wachen haben sie gekriegt und eingesperrt… Sie sollen alle hingerichtet werden…“, war Ria traurig. „Und Leif lebt… Wir haben ihn vorhin getroffen aber er erinnert sich an nichts mehr…“
„Was? Er lebt? Wie das?“, fragte er ungläubig nach.
„Das wissen wir nicht… Aber er arbeitet für den göttlichen Rat und ist damit momentan unser Feind…“, ergänzte Jamin das Ganze.
„Was sollen wir jetzt tun Brüderchen?“, fragte Eysa nach.
„Das ist eine gute Frage…“, war Eneas leicht überfragt.
Kapitel 57
Ria saß auf dem Dach eines Gebäudes als sich Kasperoz neben sie setzte.
„Ist dieser Dämon dein Freund?“, fragte Kas nach.
„Jamin? Nein!“, verneinte sie ganz vehement mit schwingenden Armen doch eine leichte Röte war in ihrem Gesicht erkennbar. „Aber mein Freund ist in der Tat ein Dämon…“
Ria spielte mit dem Ring, den ihr Ilay angesteckt hatte.
„Stimmt, dieser andere Dämon sprach von einem Ilay… Verlobter sagte er… Der Sohn des Dämonen Lords, dem du versprochen wurdest…“, erinnerte sich Kas.
„Genau… Schon ein Zufall, dass wir uns trotz allem gefunden haben… Als wären wir füreinander bestimmt…“, lächelte Ria sanft.
„Ja, vielleicht war es Schicksal…“, grinste Kas. „Also stimmt es was die anderen mir erzählten, dass die Dämonen uns nie auslöschen wollten…“
Ria nickte.
„Verstehe… Wenn das so ist, werde ich euch helfen…“, bot er an. „Ich kann versuchen, ob ich die Versieglung brechen kann…“
„Das würdest du tun?“, war Ria überrascht.
„Natürlich, denn das früher war ja dann nicht ihre Schuld, sondern die des Rates… Ich habe diesem großem Blutengel schon alles erzählt, was ich über den Rat in den letzten Jahrhunderten in Erfahrung bringen konnte… Ich hoffe euch helfen diese Informationen weiter…“, sprach Kas sacht.
„Das ist lieb von dir…“, lächelte Ria ihn liebevoll an. „Ich finde es faszinierend, dass ich zu dir eine so starke Bindung spüre, obwohl wir uns eigentlich nicht wirklich kennen…“
„Das stimmt… Wir Gottheiten spüren wirklich eine tiefe Bindung und Verbundenheit innerhalb unserer Blutlinie… Ganz anders als bei den Menschen…“, erklärte Kas.
„Das trifft aber wohl nicht auf alle zu, immerhin wollte unser Vater jeden einzelnen von uns umbringen…“, gesellte sich Eneas dazu.
„Dann ist euer Vater eine reine Gottheit?“, fragte Kas nach.
„Ja…“, bestätigte Eneas.
„Ich kenne ihn zwar nicht, aber vielleicht war es kein Zufall, dass ihr alle überlebt habt… Vielleicht hat er euch mit Absicht überleben lassen… Ich kann mir nicht vorstellen, dass er keine Bindung zu euch spürt…“, rätselte Kas.
„Vielleicht… Ich lernte meinen Vater auch nicht so kennen wie meine anderen Geschwister, zu mir war er immer gut, er ließ mich bei sich aufwachsen und ich hatte ein gutes Leben… Bis ich hinter seine Machenschaften kam, dann wandte sich das Blatt…“, erzählte Eneas.
„Steht der Plan schon für später?“, gesellte sich nun auch Bela zur Gruppe und setzte sich neben Eneas. „Es bleiben nur noch wenige Stunden…“
„So in etwa habe ich mir schon was überlegt, ja… Ist aber mehr unserem Glück geschunden, ob es klappt oder nicht da wir zu wenig Leute sind und es viel zu viele Wachen geben wird…“, erzählte Eneas angespannt. „Ich hoffe, wir können alle unversehrt da rausholen…“
„Dann sag mal an, wie wir das Anstellen sollen…“, mischte sich auch Jamin ein, welcher Estes und Eysa im Schlepptau hatte.
Währenddessen warteten die anderen ungeduldig in ihrer Zelle.
„Also langsam wird es Zeit, dass uns die anderen hier rausholen… Die Hinrichtung ist bald…“, war Seren nervös.
„Immer mit der Ruhe… Sie werden schon was unternehmen…“, versuchte Keno ihn zu beruhigen.
„Vielleicht stecken sie selbst gerade in Schwierigkeiten, wichtig wäre das Ria geschützt bleibt und dass der Rat sie nicht bekommt…“, sprach Laisa.
„Eben, wer weiß wozu sie die Apokalypse in ihr nutzen wollen… Ich kann es immer noch nicht glauben, dass sie den Weltuntergang herbeiführen kann…“, war Lucin entsetzt.
Dann sprang die Tür auf und Enil kam mit ein paar Wachen herein.
„So, dann wollen wir euch mal auf eurer letzten Reise begleiten!“, grinste Enil.
Jedem wurden magische Handschellen angelegt und abgeführt. Sie wurden mitten auf den Marktplatz geführt und betraten die Anhöhe, auf welcher sie hingerichtet werden sollten. Nachdem alle aufgereiht wurden, ergriff ein Ratsmitglied das Wort.
„Wehrte Gäste, wir haben uns heute hier versammelt, um der Hinrichtung dieser Verräter beizuwohnen. Sie werden alle beschuldigt massenweise junge Mädchen und Frauen entführt und misshandelt zu haben. Deswegen werden sie angeklagt, unter anderem auch wegen versuchten Mordes an unserem Thronprinzen Leif und der Urgottheit Namens Iturria, Verschleierung der Wahrheit und Sabotage. Diese Verbrechen sind Hochverrat am Volke und deshalb werden sie bestraft mit der Todesstrafe!“
Das Publikum jubelte bei der Ansprache.
„Die Urgottheit konnten wir leider immer noch nicht ausmachen, doch dafür sind heute zwei Geschädigte hier, um diese Verbrechen zu bestätigen… Bitte kommt her…“, winkte er Enil und Leif auf die Bühne.
Leif zögerte. Enil beäugte ihn.
„Ist alles gut bei dir?“, fragte er nach.
„Ja Meister, alles ist gut…“, antwortete Leif und betrat zusammen mit Enil die Anhöhe.
Die Gruppe war geschockt, Leif putzmunter zu sehen. Zusammen stellten sie sich auf die Seite. Leif beäugte die Angeklagten, welche ihm traurige und auch geschockte Blicke zuwarfen.
<Diese Urgottheit… Diese Ria, sie sprach von unseren Freunden… Meinte sie damit die hier anwesenden? Sind das wirklich auch meine Freunde? Ich… Ich weiß es nicht… Ich bin mir nicht sicher… Ihre Gesichter kommen mir zwar bekannt vor, aber ich fühle bei ihrem Anblick nichts… Nicht so wie bei ihr… Wo sie wohl gerade ist und was sie macht?>
„Reiß dich zusammen Junge! Du darfst jetzt nicht abgelenkt sein!“, ermahnte ihn Enil in einem bösen Ton.
„Jawohl Meister, verzeihen Sie…“, antwortete er.
<Wenn das wahr ist, was mir diese Ria erzählte… Kann es wirklich sein dass mich mein Meister anlügt? Warum sollte er dies tun? Er hat doch überhaupt keinen Grund dazu, oder? Erinnere dich Leif… Erinnere dich an die Wahrheit…>
Leif wachte urplötzlich mit einem Schock auf und fand sich in einem Sarg wieder. Er bekam Panik und klopfte gegen den Deckel, bevor er den Deckel gewaltvoll vom Sarg fegte. Er richtete sich auf und sah sich um.
„Wo… Wo bin ich hier? Und wer bin ich?“, war er sich unsicher und sah an sich hinunter.
Dann sah er auf und erblickte Enil.
„Hallo Leif, schön dich zu sehen…“, grüßte Enil ihn mit einem kaltem Gesichtsausdruck.
„Wer sind sie?“, fragte Leif nach. „Können Sie mir sagen, wer ich bin? Leif? Ist das mein Name?“
„In der Tat und ich bin dein Meister… Du bist schon seit langem Schüler bei mir und hattest die Aufgabe angenommen die letzte verbleibende Urgottheit aus den Fängen der Feinde zu befreien, dabei wurdest du sehr schwer verletzt, sodass wir dachten, wir hätten dich verloren… Wir sind sehr froh, dass dem doch nicht so ist…“, erklärte Enil ihm die Lage.
„Und wer ist unser Feind?“, fragte Leif nach.
„Deine und meine Familie… Wir sind gleich Leif, unsere Familien haben sich vom Guten abgewandt und müssen durch unsere Hände gerichtet werden!“
Leif sah Enil argwöhnisch an, wie er da oben mit ihm auf der Anhöhe stand.
<Habe ich eine falsche Entscheidung getroffen, indem ich ihm mein Vertrauen geschenkt habe, ohne es zu hinterfragen? Was ist die Wahrheit?>
Zur selben Zeit positionierten sich auch Eneas und die anderen auf ihre vorhergesehenen Plätze rund um den Marktplatz. Jeder hatte einen Knopf im Ohr mit denen sie sich verständigen konnten.
„Seid ihr auf euren Plätzen?“, fragte Eneas nach.
„Ja“
„Natürlich“
„Selbstverständlich“
„Gut… Wie ich es mir dachte, wird der direkte Platz der Anhöhe von einer Barriere geschützt, um Außeneinwirkungen fernzuhalten, das heißt Fernangriffe haben keinen Effekt, wir müssen direkt drauf…“, fing Eneas an. „Jamin und Bela, ihr seid die Vorhut und müsst die Barriere zerstören… Wenn das fehlschlägt, haben wir unsere Chance vertan und werden nicht mehr an sie heran kommen können…“
„Verstanden…“
Eneas drehte sich um und wandte sich an Ria.
„Du hältst dich bitte bedeckt, du bist das Ass, welches wir ausspielen werden, falls Plan A fehlschlägt, dann bist du die Einzige, die noch etwas ausrichten kann…“
„Alles klar!“
„Kas, du wirst sie Schützen so gut du kannst, versuch dabei auf Abstand von ihr zu bleiben, immerhin ist sie leichte Beute, wenn sie allein unterwegs ist…“, grinste Eneas.
„Nichts leichter als das!“, grinste Kas zurück.
„Es wird schwierig werden da mich Vater sehr gut kennt… Ich hoffe er ist uns keinen Schritt voraus…“, zweifelte Eneas.
<Vor allem liegt auch viel an Leif, wie er sich entscheiden wird… Das ist der unkalkulierbare Glücksfaktor… Wenn er nicht für uns kämpfen wird, dann…>
„Wir schaffen das Brüderchen!“, ballte Eysa freudig ihre Fäuste.
„Genau, immerhin sind wir drei gegen einen!“, zwinkerte Estes.
Beruhigt lächelte Eneas sie an und wandte seinen Blick dann wieder der Tribüne zu.
„Also gut, auf mein Kommando…“
Das Ratsmitglied hob seine Hände.
„Fangen wir mit den ersten beiden an, unser einst so verehrtes Königspaar, König Stefano und seine Gemahlin Ginevra…“
Die Beiden wurden nach vorn gebracht, wo schon zwei Henker warteten mit ihren großen Äxten. Sie knieten sich hin.
„Lucin liebes, sieh nicht hin…“, wandte sich ihre Mutter noch einmal an sie.
„Nein! Hört auf! Mutter! Vater!“, schrie Lucin.
Die Wache hatte Schwierigkeiten Lucin im Zaum zu halten und stieß sie auf den Boden, um sie dort zu fixieren.
„… Für den Verrat an eurem Volke ereilt euch nun die Todesstrafe am Block!“
Die Henker brachten ihre Äxte in Position.
„Los!!“, rief Eneas den Beiden durch den Knopf im Ohr zu.
Jamin und Bela sprangen von links und rechts geradewegs auf die Barriere zu und versuchten sie zu durchbrechen. Mehrere Blitze ereilten sie und sie wurden in die umliegenden Gebäude katapultiert, nachdem sie die Barriere berührten. Enil grinste schelmisch in sich hinein.
„Scheiße! Geht es euch gut?!“, rief Eneas, doch es kam keine Antwort.
In dem Augenblick schwangen die Äxte der Henker hinunter und köpften den König und die Königin. Alle waren geschockt.
„Ria! Los!“, rief ihr Eneas zu.
„… Den nächsten bitte…“, rief das Ratsmitglied und einer führte Laisa zum Block.
„Nein! Nicht sie! Nehmt mich!! Bitte!!“, flehte Seren.
Ria rannte auf den Platz, geradewegs auf die Anhöhe zu.
„… Die nächste Angeklagte ist Laisa Jensen… Bestraft mit Todesstrafe durch den Block!“, fuhr das Ratsmitglied fort.
„Hört auf! Das könnt ihr nicht tun!! Lasst sie gehen!!“, schrie Seren und wurde ebenso am Boden fixiert, nachdem er sich heftig wehrte.
Laisa sah unter Tränen zu Seren.
„Ich liebe dich Seren, vergiss das nicht…“
„Hört sofort auf!“, schrie Ria aus der Masse.
Jeder drehte sich zu ihr um. Einige Wachen rannten auf Ria zu, um sie abzuführen, doch sie wurde von einer Barriere geschützt, die so stark war, dass nichts und niemand hätte durchkommen können.
„Ich bin die Urgottheit, Iturria! Hört auf meine Freunde umzubringen!!“, schrie sie.
Das Volk war still und verstand nicht was hier los war.
Das Ratsmitglied sank seine Arme und so sank auch die Axt in Windeseile auf Laisa zu.
Kapitel 58
„Nein!!“, rief Ria geschockt.
Der Henker kickte Laisas leblosen Körper vom Block runter.
„… Laisa… Bitte nicht…“, war Seren total verstört und die Tränen kullerten nur so sein Gesicht entlang.
Als Leif Laisa so sah stieg in ihm Trauer und Wut hoch. Er ballte seine Fäuste.
<Mir ist egal was richtig oder falsch ist, wer die Wahrheit erzählt und wer lügt… Wer Ria so zum Verzweifeln bringt, ist mein Feind, mehr muss ich nicht wissen…>
Daraufhin sprang Leif los und eliminierte den Typen, der für die Barriere zuständig war. Als er fiel, fiel auch die Barriere.
„Leif! Was tust du da?!“, war Enil erbost.
„Das, was ich schon die ganze Zeit über hätte tun sollen!“, sprach Leif kalt als er sich zu Enil umdrehte.
In dem Augenblick sprang Estes zwischen die Beiden und warf seinem Vater ein Grinsen zu.
„Moin Papi, na wie wär‘s mit einer herzlichen Umarmung?“, fragte er sarkastisch als er auf Enil zusprang und mit seinem Schwert voll durchzog.
Enil konnte gerade noch rechtzeitig ausweichen.
„Nummer drei?!“, war er fassungslos.
In dem Augenblick sprang auch Eysa auf die Bühne, schaltete die Wachen hinter Seren, Keno und Lucin aus, nahm ihnen den Schlüssel ab und befreite sie.
„Lang nicht mehr gesehen, Papa…“, lächelte auch Eysa erbost in Richtung von Enil.
„Nummer vier?!“, warf er ihr einen ungläubigen Blick zu.
Seren krabbelte apathisch auf Laisa zu, heftig schluchzend und umklammerte ihren Körper. Keno nahm Lucin in seine Arme, welche auch bitterlich weinte.
Nun sprang auch Eneas auf die Bühne, direkt vor Enil. Erschrocken wich er einen Schritt zurück.
„Das Spielchen ist vorbei, Vater…“, sah Eneas ihn bitterböse an.
„Eneas…“, war Enil immer noch geschockt.
Eneas zog mit seiner Glefe voll durch und verpasste seinem Vater einen tiefen Schnitt über die Brust. Der Rat zog sich augenblicklich zurück und verschwand vom Platz. Auch Enil flüchtete. Ria, begleitet von Kasperoz, fand sich jetzt auch auf der Tribüne ein. Mit einem schmerzerfüllten Gesicht ging sie auf Seren zu.
„Ria…“, sah er sie trauernd an.
Sie ging auf die Knie und nahm ihren besten Freund fest in ihre Arme.
„Es tut mir so unendlich leid Ser…“, weinte sie mit ihm.
Seren krallte sich in ihren Klamotten fest und weinte bitterlich, während Ria ihm den Kopf tätschelte.
Das Volk war fassungslos und still.
Eneas knirschte erst mit seinen Zähnen, bevor er sich dem Volk zuwandte.
„Seid gegrüßt, für alle die mich nicht kennen, ich bin Major Eneas Hoxia. Ich kann euch versichern, dass wir die Urgottheit niemals entführt hatten, wir haben sie beschützt vor dem göttlichen Rat und meinem Vater, Enil Hoxia. Der Rat hat euch angelogen, sie lügen schon seit Jahrhunderten. Iturria ist nicht die letzte Urgottheit, zusammen konnten wir ihren Bruder Kasperoz aus der Gefangenschaft des Rates befreien. Der Rat sorgte dafür, dass sich ihre Eltern damals opferten, und ich kann euch versichern, dass die Dämonen nicht unser Feind sind, sie streben ein friedvolles Miteinander genauso sehr an wie wir. Der Rat wollte lediglich an Iturria herankommen da sie eine befleckte Seele hat, die in den falschen Händen verheerende Folgen hätte. Wir müssen den göttlichen Rat und meinen Vater aufhalten, bevor es zu spät ist!“
Das Volk war entsetzt und durcheinander. Viele trauerten nun um den Tod des Königs und der Königin, viele waren verunsichert.
Während der Rede machte sich Leif auf ins Gebäude, in welches Jamin geschleudert wurde. Jamin sah ihn ungläubig an.
„Na, kannst du eine helfende Hand gebrauchen?“, reichte Leif Jamin eine Hand.
Jamin schnaufte mit einem kleinen Grinsen und ergriff sie dann.
Gleichzeitig war auch Eysa unterwegs zum Gebäude in dem Bela lag.
„Onkelchen?“, rief sie nach ihm.
„Hier!“, machte er auf sich aufmerksam.
Eysa reichte ihm ihre Hand.
„Komm!“, lächelte sie. Bela lächelte zurück und ergriff sie.
„Es ist zum Haare raufen!!“, war Ilay aufgebracht und sank mit seinem Kopf auf den Tisch.
„Na, na… Wer wird denn da gleich den Kopf in den Sand stecken?“, neckte ihn Misaki.
„Wir sitzen hier seit Wochen herum und haben alles durchforstet… Kein einziges Schriftstück schneidet das Thema Befleckung auch nur im Geringsten an…“, war Ilay eingeschnappt.
Misaki tätschelte ihm den Kopf, der immer noch auf dem Tisch lag.
„Vielleicht müssen wir nach etwas anderem suchen oder dein Vater hat darüber keinerlei Aufzeichnungen…“, schätzte sie.
„Wenn es darüber nichts gibt, wäre das schrecklich…“, blickte Ilay sie traurig an.
Misaki seufzte.
„Jetzt schau nicht so süß…“, stand sie auf und ging auf die Regale zu.
Sie wischte einmal mit ihrer Hand über die Rückbände der Bücher.
„Vielleicht ist das Buch, in dem das steht, nicht hier… Du sagtest dein Vater wollte die Befleckung ursprünglich übernehmen… Dann könnte es doch sein, dass er besagtes Buch entweder bei sich hatte oder es in seinem Schlafgemach liegen könnte…“, schlussfolgerte sie.
„Du hast recht, das könnte sein…“, wurde Ilay hellhörig.
„Na dann, worauf warten wir noch, lass uns nachsehen!“, lächelte Misaki ihn an.
Zusammen betraten sie das Schlafgemach des Dämonen Lords. Ilay schaltete das Licht ein.
„Es ist seltsam hier zu sein…“, merkte Ilay an.
„Das glaube ich dir… Muss schwer sein…“, war Misaki mitfühlend.
„Kannst du dort drüben suchen? Ich werde mir diesen Bereich hier vornehmen…“, schlug Ilay vor.
„Natürlich…“, fing Misaki an einige Schränke zu durchforsten.
In die Hand fiel ihr ein altes, sehr abgegriffenes Buch. Sie sah es sich genauer an.
„Ilay? Könnte es das sein?“, fragte sie nach und hielt das Buch nach oben.
Ilay kam schnurstracks auf sie zu und sah es sich an. Ilays Gesicht durchzog ein Grinsen.
„Ich glaube das ist es! Du bist die Beste Misaki!“, freute er sich.
Er nahm sie in den Arm und sie drehten sich einmal im Kreis, bevor er sie wieder runterließ. Dann beugte sie sich zu ihm rüber, um ihm einen Kuss zu geben. Gerade noch rechtzeitig hielt er seinen Zeigefinger vor ihre Lippen bevor diese seine berührten.
„Was soll das werden?“, fragte Ilay forsch nach.
„Entschuldige, ich habe mich mitreißen lassen…“, rieb sie sich verlegen ihren Kopf.
„Das ist das Problem… Das ist der Grund warum sich Jamin von dir abgewandt hat… Weil du immer noch etwas für mich empfindest… Jamin hat es nicht verdient nur die Nummer Zwei zu sein…“, stellte Ilay klar.
„Du hast recht, das war auch in erster Linie der Trennungsgrund… Ich habe dich nie wirklich aus meinem Kopf bekommen…“, gab Misaki traurig zu. „Es tut mir leid Ilay…“
„Bei mir brauchst du dich nicht entschuldigen… Deine Entschuldigung sollte Jamin gelten… Er mag zwar nun Ria lieben aber seine Gefühle für dich sind nicht komplett weg… Es ist nur sehr schwach, aber erkennbar, seine Spur… Dass du dich nicht von mir lossagen konntest, hat ihm wohl das Herz gebrochen…“, erklärte Ilay.
Er wandte sich Misaki zu.
„Vergiss mich endlich… Es hat keinen Sinn darauf zu warten, dass ich mich in dich verliebe, das habe ich nie und das werde ich nie… Für mich bist du eine gute Freundin und nicht mehr… Ria ist die Frau meines Herzens und daran wird sich auch nichts ändern…“, tätschelte er ihr den Kopf.
Misaki fing an zu schluchzen und die Tränen liefen an ihren Wangen herunter. Ilay nahm sie in den Arm.
„Es tut mir leid, dass ich deine Gefühle nicht erwidern kann…“
„Schon gut, das macht nichts…“, weinte sie bitterlich.
Währenddessen machten Marin und Zoya einen Stadtbummel.
„Das war heute ein echt schöner Tag!“, freute sich Marin breit lächelnd.
„Freut mich, wenn er dir gefallen hat…“, lächelte Zoya leicht.
„Ich frage mich wie es wohl den anderen geht… Es sind schon einige Wochen vergangen…“, sprach Marin.
„Ich bin mir sicher, ihnen geht es gut…“, beruhigte Zoya sie.
„Die Mädels vermiss ich schon ein wenig, die Mädels Abende haben immer so viel Spaß mit ihnen gemacht!“, lächelte Marin.
„Das stimmt… Wie beschämt Laisa immer geguckt hat, wenn wir über Seren sprachen…“, kicherte Zoya.
„Ja! Wie so ein kleines Mädchen das zum ersten Mal verliebt ist! Zu goldig!“, lachte Marin.
„Aber auch Ria und ihr Männerharem… Bei ihr ist immer was los!“, kicherte Zoya weiter.
„Genau! Schon faszinierend, wie sich alle Kerle in Ria verlieben! Das liegt wohl an ihrer Herzlichen und immer hilfsbereiten Art!“, ergänzte Marin.
„Solange du dich nicht in sie verliebst…“, blieb Zoya vor ihr stehen und sah sie direkt an.
„Keine Sorge, für mich gibt es nur dich!“, lächelte Marin liebevoll.
Damit beugte sich Zoya nach vorn und gab Marin einen sanften Kuss.
„Das ist gut…“, lächelte Zoya und streichelte Marin über ihre Wange.
Seren stand an Laisas Grabstein. Sein Blick leer. Er ließ sich auf die Knie fallen und klopfte mit seinen Fäusten auf den Boden.
„Warum? Wieso? Ich… Ich…“, Seren weinte bitterlich und war mit seinen Nerven am Ende.
„Magst du nicht zu ihm rüber gehen?“, wandte sich Jamin an Ria, welche nicht unweit entfernt stand.
„Kein Trost dieser Welt könnte seinen Schmerz linden den er momentan spürt…“, war Ria traurig. „Er weiß, dass ich da bin, wenn er mich braucht…“
Auch Lucin kniete am Grab von ihren Eltern. Keno legte ihr sanft seine Hände auf die Schultern und drückte sie an sich.
„Es tut mir leid, dass ich sie nicht retten konnte…“, entschuldigte er sich.
„Du kannst nichts dafür und ich gebe dir auch keine Schuld… Ich bin froh, dass dir nicht auch was passiert ist…“, liefen Lucin ein paar Tränen über ihre Wange, während sie nach seiner Hand griff.
Nicht unweit von ihnen stand Leif.
„Willst du nicht auch zum Grab deiner Eltern?“, fragte Eysa nach.
„Nein… Das käme mir nicht richtig vor… Ich empfinde nichts, wenn ich ihren Grabstein sehe und dann bin ich auch noch schuld daran, dass sie starben… Wenn ich früher eingegriffen hätte…“, erklärte Leif.
„Das ist doch nicht deine Schuld…“, mischte sich Estes mit ein. „Du kannst doch nichts dafür, dass du dein Gedächtnis verloren hast…“
„Genau! Du kannst aber versuchen ein guter Bruder zu sein… Sie braucht dich…“, sah sie Lucin an.
„Ja, zumindest das… Könnte ich tun…“, ging Leif auf Lucin zu.
Keno bemerkte ihn und machte ihm mit einem Lächeln im Gesicht Platz. Leif kniete sich zu Lucin und umarmte sie von hinten.
„Es tut mir so leid…“, entschuldigte er sich.
Lucin schluchzte nun noch mehr, drehte sich um, und fiel ihrem Bruder in die Arme.
„… Leif…“
Eneas saß etwas abgelegen unter einem Baum in einer Wiese und sah in die Ferne.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll…“, gab Bela von sich.
Er setzte sich neben Eneas.
„Du musst nichts sagen, bleib einfach hier bei mir…“, sprach Eneas ziemlich kleinlaut.
Bela sah Eneas mitleidig an und nahm ihn dann in seine Arme. Auch Eneas lief eine Träne übers Gesicht. Beruhigend tätschelte Bela ihm den Kopf.
„Sie wird mir auch fehlen, der kleine Wirbelwind…“, sprach Bela sacht.
Kapitel 59
Ilay hatte Misaki in seinen Armen, während er durch die Lüfte flog.
„Wow! Die Aussicht ist atemberaubend schön!“, staunte sie.
„Du hättest wirklich nicht mitkommen müssen… Allein wäre ich schneller und nicht so schnell erschöpft…“, war Ilay etwas angefressen.
„Jetzt sei doch nicht so!“, grinste sie ihn an. „Es ist sowieso ein Wunder, dass du gehen durftest ohne jegliche Schutztruppe…“
„Ich brauche keine Schutztruppe und die hätten mich eh nur aufgehalten, weil keiner von euch Flügel hat…“, erklärte er.
„Ach wie gern wäre ich eine Urdämonin!“, sehnte sie sich nach dieser Kraft. „Dann könnte ich überall hinfliegen, wohin mich der Wind auch trägt…“
„Wir müssen dann langsam mal eine Rast machen… Meine Energie ist an ihrem Limit…“, gab Ilay etwas angestrengt von sich.
„Kein Problem, dann koche ich dir was leckeres!“, gab sie breit grinsend von sich.
„Du kannst kochen?“, war Ilay überrascht.
„Natürlich! Was denkst du denn von mir?!“, war Misaki etwas angepisst.
„Zumindest nicht, dass du eine gute Köchin bist!“, ärgerte Ilay sie und streckte ihr die Zunge entgegen.
„Na warte, ich beweise es dir! Du wirst schon sehen!“, war sie sauer und stur.
„Da bin ich aber gespannt…“, grinste Ilay nervös.
Wenig später saß er auf dem Boden und stöberte gespannt in dem Buch seines Vaters, als Misaki ihm plötzlich einen Teller hinhielt mit vielen Leckereien.
„Bitteschön…“, sah sie ihn gespannt an.
„Danke… Und du bist dir sicher, dass ich das Essen kann?“, fragte Ilay skeptisch nach.
„Natürlich!“, haute sie ihn mit einer Zeitschrift.
„Schon gut, schon gut… Ich probier’s ja…“, resignierte er und aß widerwillig.
Ganz gespannt sah sie ihn an.
„Ja, ist ganz gut… Du kannst also doch kochen…“, gab er zu.
Misaki freute sich richtig und hüpfte auf und ab.
„… Ich hätt’s aber besser hingebracht…“
Dafür kassierte er noch eine mit der Zeitschrift. Ilay rieb sich seinen Kopf.
„Genug herumgealbert, wir sollten zusehen, dass wir eine Mütze voll Schlaf bekommen…“, gab Ilay von sich.
„Stimmt, ich habe uns auch schon das Zelt vorbereitet!“, preiste Misaki das perfekt arrangierte Zelt an.
Ilay deckte sich zu und drehte sich um.
„Gute Nacht!“
Genervt sah sie drein.
Am nächsten Morgen erwachte Ilay. Langsam öffnete er die Augen nur um zu bemerkten das Misaki an ihn gekuschelt schlief. Genervt schnipste er ihr gegen die Stirn.
„Aua!“, rief sie und rieb sich die Stelle.
„Was machst du da?“, fragte er argwöhnisch nach.
„Es war kalt verdammt!“, sah sie ihn böse an. „Hätte ich denn erfrieren sollen?“
Dafür kassierte sie einen zweiten Schnipser.
„Wir sind Dämonen, wir können nicht erfrieren!“, gab er patzig von sich.
„Aber warm schläfts sich halt einfach besser!“, fuchtelte sie ihm hinterher als er aufstand.
„Mach dich fertig, wir müssen weiter!“, befahl Ilay.
„Ja ja… Hast du eigentlich schon gefunden, was du im Buch gesucht hast?“
„Ja habe ich, ich weiß nun, wie ich Rias Befleckung übernehmen kann…“, antwortete er.
„Wie bitte? Du willst sie übernehmen?“, war Misaki geschockt.
„Ja natürlich, sonst hätte ich nicht so vehement nach dem Buch gesucht…“, sah er sie verstohlen an.
„Aber was macht das dann mit dir? Was passiert mit dir, wenn du sie übernimmst?“, war sie aufgeregt.
„Das werden wir dann sehen…“, war seine Antwort.
„Was? Nein! Bist du bescheuert? Das kannst du nicht tun! Was wenn es dich verschlingt oder gar dein Leben kostet?“, war sie aufgebracht.
„Dann ist das eben so…“, blieb Ilay stur und verschränkte seine Arme.
„Du bist von allen guten Geistern verlassen! Was stimmt nicht mit dir? Ist dir dein Leben so wenig wert?“, wurde sie sauer.
„Für Ria würde ich alles tun!“, kam er ganz nah an sie heran und warf ihr einen ernsten Blick zu.
„Wie sollen wir jetzt weiter machen Eneas?“, fragte Estes nach.
„Das ist eine gute Frage… Leifs Gedächtnis ist immer noch nicht zurück und ich bezweifle das Seren in seiner Verfassung mithalten könnte…“, bezweifelte Eneas.
„Mir geht’s gut…“, betrat Seren den Raum und stellte sich auf die Seite.
„Seren?“, stand Ria auf.
„Schon gut, wirklich… Wir haben wichtigeres zu tun, also los…“, blieb er stur und hielt damit Ria auf Abstand.
„Und ich brauche mein Gedächtnis nicht zwingend, kämpfen kann ich auch so…“, mischte sich auch Leif ein, der gerade den Raum betrat.
„Es wäre aber schön, wenn du dich wieder erinnern könntest…“, wandte Lucin sich ihm zu.
Leif nahm neben Ria Platz und legte seinen Arm um sie.
„Es ist wie es ist… Das einzige, an das ich mich Wage erinnern kann, ist, dass ich anscheinend in Ria verliebt bin… Du warst sicher meine Freundin, oder?“, wandte er sich ihr zu mit einem süßen Lächeln und kam ihr dabei ganz nah.
„Fass sie nicht an!“, zog Jamin sie mit bösem Blick zu sich.
„Jetzt langts aber mal!“, mischte sich nun Ria ein und schob mit ihren Händen beide auf die Seite. „Ich mag euch beide, ja, sogar recht gern, aber ich liebe Ilay! Ihr könnt nicht immer mit mir machen, was ihr wollt!“
Beide schmachteten sie an während Bela sich genervt die Augen rieb.
„Ria ist ja ein ganz schöner Männermagnet!“, lachte Keno vor sich hin.
Lucin klammerte sich um seinen Arm und warf ihm einen bösen Blick zu. Verwundert sah er sie an. Dann lächelte er und tätschelte ihr den Kopf.
„Keine Sorge, ich bin dein!“
„Ihr sagtet doch das Leif starb… Warum lebt er dann eigentlich noch?“, fragte Estes unverblümt in die Runde.
„Das würden wir alle gern wissen… Es war ein Attentat… Die Beiden Attentäter hatten es auf dem Bankett von Leif auf Leif und Ria abgesehen… Leif schützte Ria mit seinem Leben und starb vor unseren Augen…“, erklärte Eneas.
„Genau… Ria gab dir sogar noch einen Abschiedskuss, um dir deinen letzten Wunsch zu erfüllen…“, merkte Lucin mit an.
Peinlich berührt und mit rotem Gesicht sah Ria auf den Boden.
„Was wisst ihr eigentlich über die Kräfte der Urgottheiten?“, fragte Kas nach.
„Was hat das damit zu tun?“, stellte Eneas verwundert eine Gegenfrage.
„Ganz einfach… Wenn uns eine uns nahestehende Person, mit der wir eine tiefere Verbundenheit spüren, im Angesicht des Todes steht, können wir den Sterbeprozess außer Kraft setzen, dafür müssen wir diese Person berühren, dabei zählt ein Kuss auch als Berührung. Das geht aber nur wenn diese Person im Sterben liegt und nicht plötzlich stirbt und funktioniert auch nicht bei einem natürlichem Tod…“, erklärte Kas. „Es ist quasi eine extreme Art der Heilmagie… Die betreffende Person wirkt dann erstmal Tod bis der Heilprozess abgeschlossen ist und sie wieder erwachen… Das Leif letztendlich sein Gedächtnis verloren hat, könnte daran liegen, dass meine Schwester ihre Kräfte nicht voll unter Kontrolle hat und sie diese Fähigkeit nur zufällig aktiviert hat… Normalerweise braucht es etliche Jahre, bis man diese Fähigkeit meistern kann…“
„Also verdanke ich dir mein Leben…“, lächelte Leif Ria liebevoll an. „Vielen Dank…“
„Was meinst du mit tiefere Verbundenheit? Etwa dass sie ihn liebt?“, war Jamin leicht angefressen.
„Dass sie Gefühle für ihn hat, ja… Liebe ist nicht gleich Liebe mein Freund, sie zeigt sich in vielen Variationen und ist facettenreich…“, klärte Kas auf.
„Das stimmt… Man kann seinen Freund lieben aber auch seinen Bruder, nur eben auf unterschiedliche Art und Weise… Doch beides ist Liebe…“, ergänzte Lucin.
„Ebenso fühlt man auch für nahestehende Freunde eine Art Liebe, das ist sicher dass, was Ria für Leif empfindet!“, lächelte Eysa.
„Das weiß nur Ria… Das tut jetzt aber auch nichts zur Sache…“, wandte sich Keno ein.
„Also zurück zum Thema…“, wollte Eneas das Thema wieder lenken.
Leif warf Ria einen verstohlenen Blick zu.
<Also empfindet sie doch was für mich… Ich will herausfinden, was genau sie für mich fühlt… In ihrer Nähe fühle ich mich wohl… Mir ist egal wer dieser Ilay sein soll, ich will, dass sie bei mir bleibt…>
Enil wurde zu Boden gedrückt und fixiert.
„Enil… Ich dachte du hättest alles unter Kontrolle…“, sprach ein Mann dessen Gesicht mit einer Kapuze verdeckt war. „War es nicht deine Aufgabe die Störfaktoren aus dem Weg zu räumen? Du hast versagt…“
„Verzeiht mir, beim nächsten Mal…“, begann Enil zu sprechen.
„Schweig still!“, war der Mann erzürnt. „Du hattest deine Chance, ich wüsste nicht, warum wir dir eine Weitere zugestehen sollten!“
„Wir sollten endlich zusehen, dass wir diese Urgottheit in unsere Hände bekommen, damit unser Plan endlich Früchte tragen kann…“, mischte sich ein weiteres Ratsmitglied ein.
„Wir warten schon viel zu lang darauf…“, wandte sich ein weiteres Mitglied ein.
„Vielleicht sollten wir Enil doch noch eine letzte Chance geben… Immerhin ist er uns seit Jahrhunderten treu ergeben… Und ich bin mir sicher, dass er weiß, was ihm blüht, wenn er uns wieder enttäuschen sollte…“, sprach ein weiterer.
„Na gut… Enil…“, wandte sich der Mann an Enil.
Demütigst verbeugte er sich.
„Vielen Dank, ihr werdet es sicher nicht bereuen…“
Damit verließ Enil den Raum. Angepisst fletschte er die Zähne.
„Tsk! Seit Jahrhunderten bin ich nur deren Fußabstreifer! Wenn diese Thrones nicht so verdammt mächtig wären…“, schimpfte er vor sich hin.
„Meister!“, rief ihm Isel zu.
„Isel, Farlo… Es wird Zeit, dass wir unseren Plan in die Tat umsetzen…“, war Enil erzürnt.
„Wird aber auch Zeit…“, grinste Isel.
„Gut… Dann schnappen wir uns mal die Urgottheit… Wenn sie erst mal in unserem Besitz ist, können die Thrones einpacken!“, grinste Farlo.
„Dann vernichten wir sie ein für alle Mal!“, fügte Isel hinzu.
„Dann wars das mit denen und wir haben dann die Fäden in der Hand!“, ergänzte Farlo.
„Schnappt sie euch, aber seht zu, dass ihr außerhalb der Reichweiter der Thrones agiert… Und nehmt Nummer Eins mit, er wird sich freuen eine Aufgabe zum Erledigen zu haben…“, funkelte er seine Untergebenen an.
„Natürlich Meister!“, verbeugten sie sich und verschwanden.
„Jetzt wird es ernst! Mal sehen, ob wir ihnen einen Schritt voraus sind oder ob sie unsere Pläne durchkreuzen werden…“, sah Enil finster drein.
Kapitel 60
Ria saß sich gerade auf ihre Bettkante. Sie war gerade dabei sich umzuziehen als die Stimme zu ihr sprach.
Warum bist du so traurig? Weil du sie nicht retten konntest?
<Verschwinde endlich aus meinem Kopf!>
Mit meiner Hilfe hättest du sie retten können… Warum verwehrst du dich mir noch immer?
<Schon vergessen, was beim letzten Mal passiert ist? Ich habe nicht vor dir zu vertrauen…>
Ich habe nie gesagt, dass es angenehm wird mich zuzulassen…
<Beantworte mir mal lieber meine Frage vom letzten Mal… Wer oder was bist du? Du hast ein Bewusstsein, also müsstest du doch erklären können, was du bist…>
Was ich bin? Ich bin du… Wir sind eins… Und doch irgendwie nicht… Wir waren eins, dann trennten wir uns und dann nahmst du mich in dir auf…
<Was soll das heißen?>
Das sind die ersten Erinnerungen, die ich an uns habe… Aber ich bin das ewige Warten langsam leid… Es wird Zeit, dass ich das Steuer langsam mal übernehme… Ob du nun willst oder nicht…
Rias Kopf dröhnte wieder heftig. Schmerzerfüllt presste sie ihre Hände gegen ihren Schädel.
„Hör auf damit! Das tut weh!“, rief sie.
Rias Sicht wurde immer verschwommener.
„Nein! Nicht…“
„Täubchen!!“, rief Jamin, der auf einmal durch die Tür kam und direkt auf Ria zu ging.
Er fixierte ihr Gesicht.
„Bleib hier! Lass das nicht zu! Ich bin hier! Hörst du mich?“, rief er ihr zu und rüttelte an ihr.
Jamin merkte, wie Ria schwächer wurde.
„Täubchen, bitte… Konzentrier dich auf mich! Du kannst das!“, sprach er ihr zu.
„Ja…Min?“, sprach Ria, verlor darauf das Bewusstsein und sank in Jamins Arme.
Er drückte sie an sich und streichelte ihr über den Kopf.
„Wenn ich doch nur irgendetwas tun könnte… Ich bin so machtlos…“, badete er in Selbstmitleid.
Am nächsten Morgen erwachte Ria. Erschrocken stellte sie fest, dass sie in Jamins Armen lag, welcher noch schlief.
„Ja-Jamin?!“, stotterte sie mit errötetem Gesicht.
Jamin öffnete seine Augen und sah Ria direkt an. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Er lächelte sie liebevoll an.
„Täubchen… Geht es dir wieder gut?“, fragte er sanft nach während er ihr über die Wange strich.
„J-Ja…“, war Ria verunsichert.
„Das ist gut… Ich hab mir Sorgen um dich gemacht…“, nahm er sie fest in seine Arme, bevor er sie wieder ansah. „Dich so leiden zu sehen zerreißt mir das Herz…“
Er fixierte ihr Gesicht, beugte sich rüber und gab ihr einen sanften Kuss.
Verschmitzt grinste er sie an.
„Ich mags, wenn du wegen mir rot wirst…“
Ria schob ihn weg von sich.
„Jetzt reichts aber mal! Mach dich nicht ständig über mich her!“, war sie angefressen aber immer noch rot im Gesicht.
„Ach komm, dir gefällt das doch…“, schmachtete er sie an.
„Außerdem…“, packte er sie am Arm und zog sie wieder zu sich. „… Brauche ich hier doch jemanden der mich mit ausreichend Blut versorgt während meinen Aufenthalt hier…“, zwinkerte er ihr zu.
„Dann nimm dir eine Blutkonserve!“, schmiss sie ihm eine peinlich berührt ins Gesicht.
Jamin sah ihr mit einem traurigen Hundeblick hinterher.
Auf einmal vernahmen sie einen großen Knall. Gemeinsam stürmten sie zur Tür hinaus und trafen Isel und Farlo an.
„Hallöchen!“, grüßte sie Isel mit einem bösartigen Grinsen.
„Lange nicht gesehen!“, grinste Farlo schelmisch.
„Was wollt ihr hier?!“, fragte Eneas wütend.
Jamin stellte sich schützend vor Ria.
„Ach wir sind nur hier, um Unruhe zu stiften…“, grinste Isel und griff an.
Eneas blockte den Angriff und Bela stürzte sich sofort auf sie. Gekonnt sprang sie auf die Seite, während Farlo mit seiner Waffe voll durchzog und Bela mit Eneas in die Hauswand katapultierte.
Jamin packte sein Schwert aus und machte sich kampfbereit. Estes stürmte auf Isel los und verletzte sie am Arm als sie davonsprang. Dann sprang Farlo dazwischen und katapultierte ebenfalls Estes davon.
„Und während dieser Unruhe werdet ihr unachtsam…“, grinste Farlo frech.
In dem Augenblick sprang ein Mann auf Ria zu, packte sie, warf sie über seine Schulter und sprang davon. Das ging so schnell, dass Jamin nicht mehr reagieren konnte.
„Täubchen!“, rief er.
Als er abgelenkt war, nutzte Isel die Chance und schlug mit ihrem Schwert zu. Rechtzeitig stand Leif vor ihm und blockte den Angriff ab. Doch Farlo war schneller und schlug beide ebenfalls in die Hauswand.
So schnell wie sie gekommen waren, waren sie auch wieder weg, und mit ihnen Ria.
„Ria!“, riefen ihr ihre Freunde noch hinterher.
„Verdammt!“, schlug Bela gegen die Wand als er aus der Hauswand herauskam.
„Scheiße! Täubchen…“, boxte Jamin verzweifelt auf den Boden.
„Wir müssen ihnen hinterher!“, protestierte Leif, während er sich aus den Trümmern hievte.
„Keine Chance, sie sind längst weg…“, erklärte Eneas mit einem wütenden Gesichtsausdruck. „Wir müssen wohl den göttlichen Rat stürmen, um sie wieder zu bekommen…“
„Um wen wieder zu bekommen? Wo ist Ria? Was ist hier los?“, stand auf einmal Ilay vor ihnen, welcher gerade gelandet war.
„Ilay…?“, war Eneas erstaunt.
Ilay ging auf ihn zu und reichte ihm seine Hand. Eneas ergriff sie.
„Es tut mir leid… Sie wurde eben entführt…“, erklärte Eneas.
Geschockt sah Ilay ihn an.
„Enils Untertanen haben sie eben mitgenommen… Es ging schnell, wir konnten nichts ausrichten…“, erklärte Bela.
Als Ilay sich umblickte, erkannte er Leif. Verblüfft sah er ihn an.
„Leif? Du lebst? Wie kann das sein?“, war Ilay fassungslos.
„Das verdanke ich einzig und allein Ria… Sie rette mir das Leben…“, erklärte er.
„Schön dich wiederzusehen…“, lächelte Ilay ihn an. „Schön euch alle wiederzusehen…“, blickte er sich weiter um.
„Wo ist Laisa? Und wer ist das?“, deutete Ilay auf Kas.
„Es ist eine Menge passiert…“, sprach Eneas.
Zur selben Zeit flüchtete der Mann mit Ria auf seinen Schultern.
„Hey!! Lass mich sofort los!“, befahl sie und klopfte mit ihren Fäusten gegen ihn.
„Keine Chance, wir brauchen dich…“, gab er von sich.
Farlo und Isel schlossen zu ihnen auf.
„Wir sind weit genug entfernt, du solltest von hier aus problemlos fliegen können…“, gab Farlo in Richtung des Mannes ab.
„Na dann, legen wir mal einen Zahn zu!“, grinste er und packte seine roten Schwingen aus, während er Ria nun vor seiner Brust festhielt.
„W-Wer bist du?“, war Ria geschockt.
„Mein Name ist Enzo“, lächelte er frech. „Und du vermutest richtig, ich bin Nummer Eins!“
„Was? Warum hilfst du Enil? Weißt du denn nicht, dass er versucht hat, jeden einzelnen deiner Geschwister zu töten?“, war Ria aufgebracht.
„Wenn er sie wirklich hätte töten wollen, hätte er es auch gemacht, also keine Sorge… Er mag zwar andere Ansichten und Prioritäten haben aber nach über 2.500 Jahren hat man eben einen anderen Blickwinkel auf die Welt und den Dingen, die in ihr Vorgehen…“, erklärte er. „Du wirst es noch verstehen…“
Enzo brachte sie in eine Art Wohnzimmer in einem abgeschiedenen Gebäude.
„Machs dir bequem, Vater müsste bald eintreffen…“, erklärte er.
„Ich verstehe gar nichts mehr… Enil kam mir immer so boshaft rüber, aber du bist ganz anders, so nett… So wie Eneas…“, sah sie sich im Raum um.
„Meinst du Nummer Zwei?“, fragte er nach.
„Ja…“, sah sie ihn an.
„Wir sind gar nicht so anders als Vater… Früher war er genauso… Das hab ich in seiner Vergangenheit sehen können…“, sprach er.
„In seiner Vergangenheit?“, war Ria neugierig.
„Ja, ich bin nur zur Hälfte ein Blutengel, mütterlicherseits bin ich ein Thrones…“, erklärte er.
„So wie Celine?“, war Ria erstaunt.
„Ja… Der göttliche Rat hat meinen Vater dazu gezwungen sie auszuschalten, er konnte es nicht so übernahm Leif diese Aufgabe…“, sah er leicht traurig aus.
„Leif hat sie umgebracht?“, war Ria schockiert.
„Genau… Ich sah dass sie sterben würde aber dennoch macht mich das traurig, sie war eine der letzten lebenden Verwandten mütterlicherseits…“, fuhr er fort.
„Was?“
„Sie war meine Tante…“, grinste er.
„Aber das bedeutet…“, riss Ria ihre Augen weit auf.
„Stimmt… Riza war meine Mutter… Das macht deinen Freund Ilay, zu meinem Halbbruder… Die Cherubims, also der göttliche Rat, waren mit der Verbindung meiner Eltern nicht einverstanden, wussten aber nicht, dass sie bereits mit mir Schwanger war… Riza war die große Liebe von Enil… Sie brachte mich heimlich zur Welt und Enil versteckte mich vor dem Rat… Der Rat belegte Enil mit einem Fluchmal mit welchem sie ihm unsagbare Schmerzen erleiden lassen können, seitdem ist er ihnen hörig… Sie beauftragten ihn meine Mutter umzubringen, aber er konnte es nicht, er verhalf ihr zur Flucht und der Rat ließ ihm ein Jahrzehnt lang unterbrochen Höllenqualen leiden… Meine Mutter floh zu den Dämonen und so lernte sie den Dämonen Lord kennen…“, erzählte er.
„Wie bitte? Das ist unglaublich…“, war Ria immer noch sehr schockiert.
„Dem Rat passte es überhaupt nicht, dass meine Mutter ein Kind für den Dämonen Lord gebären sollte und so belegten auch sie sie mit einem Fluch, der sie letztendlich umbrachte… Es war nicht Ilays schuld, dass unsere Mutter starb… Du musst wissen das der Rat einen riesengroßen Groll gegen das Dämonenvolk hegt und sie den Plan verfolgen sämtliche andere Rassen außer den Göttlichen den Erdboden gleich zu machen…“, fuhr er fort.
„Aber warum war Enil dann so schrecklich zu den anderen?“
„Ich vermute, dass er nicht wollte, dass sie in ihm eine Vaterfigur sehen, sie sollten ihn hassen um ihn, wenn nötig, ausschalten zu können, wenn er sich dem Rat nicht widersetzen kann…“, erklärte Enzo.
„Genug aus meiner Vergangenheit Nummer Eins…“, betrat Enil das Zimmer.
„Nenn mich bitte Enzo… Du weißt, dass ich diese Nummerierung nicht mag… Außerdem hat Mutter mir diesen Namen gegeben, ich möchte das gerne wertschätzen…“, war Enzo etwas sauer.
„Ist gut… Und hier bist du also endlich, die Urgottheit mit der Befleckung…“, sah er Ria an.
Als sie ihn sah bekam sie leicht Panik und wich einen Schritt zurück.
Enil ging auf sie zu und blieb kurz vor ihr stehen.
„Du musst mich nicht so angsterfüllt ansehen, wenn ich dich töten hätte wollen, wäre das längst passiert…“
Dann ging er an ihr vorbei, setzte sich in einen Sessel und bot Ria mit einer Handbewegung einen Platz nicht unweit von ihm an.
„Ich glaube wir sollten reden…“, sah er sie an.
Kapitel 61
„Was? Laisa ist tot? Und auch der König und die Königin?“, war Ilay geschockt.
Traurig sah Eneas auf die Seite.
„Wir konnten sie nicht retten… Keinen von ihnen… Sie waren zu gut vorbereitet…“, war auch Bela traurig.
Dann lief Seren bewaffnet an ihnen vorbei.
„Seren! Halt! Was hast du vor?“, rief ihm Eneas hinterher.
„Ria retten, was denn sonst?“, patzte er die Gruppe an.
Ilay hielt ihm am Arm fest.
„Lass mich los!!“, schrie er Ilay an.
Ilay drückte Seren an sich.
„Es tut mir so unsagbar leid Seren… Wenn ich es könnte, würde ich alles tun, um es zu verhindern…“, sprach er sacht.
„Hör auf mich daran zu erinnern, sonst kann ich nicht mehr aufhören zu weinen…“, schluchzte Seren.
Eneas kam dazu und tätschelte Seren den Kopf.
„Es ist okay zu weinen Seren… Wir sind alle für dich da… Lass dir von uns helfen…“, redete er ihm gut zu.
Seren weinte los, bitterlich und heftig schluchzend. Auch Eneas und Bela umarmten ihn und machten darauf eine Gruppenumarmung.
„Gruppenknuddeln!“, grinste Eneas.
„Muss das sein?“, war das Ilay unangenehm.
„Dankeschön…“, weinte und kicherte Seren gleichzeitig.
Die Jungs lächelten sanft.
„Und nun machen wir uns dran Täubchen zu befreien!“, grinste Jamin schelmisch als er in der Tür stand.
Ria sah Enil nervös an.
„Was habt ihr nun mit mir vor?“, fragte sie nach.
„Ich möchte deine befleckte Seele nutzen, um die Cherubim auszulöschen…“, antwortete er prompt.
„Aber das wäre sicher auch anders gegangen, ihr hättet mich nicht entführen müssen! Der göttliche Rat ist auch unser Feind, macht uns das dann nicht eigentlich zu Verbündeten?“, war Ria leicht zornig.
„Wie mans nimmt… Wir möchten ja auch die Befleckung nutzen, und diese kann die gesamte Welt auslöschen… Euer Ziel ist also eigentlich etwas anderes, oder?“, stellte Enil eine Gegenfrage.
„Außerdem kontrollieren sie Vater permanent, um nicht aufzufliegen muss er eben den Anschein erwecken zu gehorchen…“, ergänzte Enzo.
„Die Frage ist nun, ob du uns helfen wirst…“, wandte sich Enil an sie.
„Ich weiß nicht, ob ich das kann… Diese Befleckung hat ein Bewusstsein und ich kann nicht sagen was passiert, wenn ich sie frei agieren lasse…“, antwortete Ria.
„Dir hat noch nie jemand erklärt, was eine befleckte Seele ist, oder?“, fragte Enil nach.
„Nein… Weißt du da mehr darüber?“, wurde Ria neugierig. „Sie sagte wir wären eins gewesen, trennten uns dann nahm ich sie in mir auf… Was bedeutet das?“
„Das bedeutet das ihr eineiige Zwillinge seid… Diese Befleckung ist deine Zwillingsschwester…“, erklärte Enil kurz und knapp. „Es ist also keine gewöhnliche Befleckung wie man sie normalerweise vorfindet und das bedeutet, dass der Dämonen Lord sie auch nicht hätte in sich aufnehmen können…“
„Was? Und was bedeutet das jetzt für mich?“, war Ria schockiert.
„Dass dir auch dein werter Freund nicht helfen kann, selbst wenn er herausfindet, wie man eine reguläre Befleckung aufnimmt… Normalerweise bedeuten Befleckungen nicht die Apokalypse oder den Weltuntergang, als ich aber damals erfuhr was Celine über deine Befleckung aussagte, stellte ich eigenmächtig Nachforschungen an… So ein Fall ist bis jetzt nur ein einziges Mal aufgetreten da dieser spezielle Fall nur in der Urgottfamilie stattfinden kann, weil ihr so mächtig seid… Und damals wurde dieses Kind einfach getötet bevor etwas Schlimmes hätte passieren können…“, erzählte Enil.
Ria sah ihn immer noch geschockt an.
„Wenn du dich aber vehement wehrst, diese Befleckung zuzulassen, gäbe es eine Methode sie aus dir zu entfernen… Ich vermute aber, dass das mit unsagbaren Schmerzen verbunden wäre, da eure Seelen schon zu lange miteinander verworren sind…“, schlug er vor.
„Was ist das für eine Methode?“, fragte Ria.
„Die Methode wurde entwickelt und niedergeschrieben, nachdem das damalige Kind getötet wurde, um zukünftig solch einen Fall zu vermeiden… Es war verdammt schwer an diese Informationen zu kommen, die Cherubim hielten sie sehr gut bewacht versteckt… Ihnen ist es ja egal da sie sowieso alles Leben auf dieser Welt auslöschen wollen, außer die Gottheiten, deshalb weiß niemand sonst davon… Wir können deinen Zwilling extrahieren… Enzo wird dies ausführen, durch sein Thrones-Blut wäre er dazu in der Lage…“, erklärte er.
„Ich weiß nicht… Ich weiß nicht, ob ich euch vertrauen kann, immerhin tragt ihr Schuld am Tod von Celine, dem König und der Königin und an Laisas Tod… Und was würde dann mit meinem Zwilling passieren? Was wenn sie dann nicht mehr zu kontrollieren wäre?“, war sich Ria unsicher.
„Ich bin ehrlich mit dir, Celines Tod war auch für mich nicht einfach, die anderen jedoch interessieren mich nicht… Ich weiß, dass sie deine Freundin war aber für mich waren sie nur ein Mittel zum Zweck… Das mag hart klingen, aber so ist es nun mal… Wenn ich mich zwischen meinem Leben und das Leben eines Fremden entscheiden müsste, würde ich immer mich wählen…“, stellte er klar. „Und dein Zwilling würde nichts tun können in ihrer reinen Form, sie braucht eine Hülle, um die Apokalypse auslösen zu können… Solange sie sich nicht manifestieren beziehungsweise materialisieren kann, droht keine Gefahr…“
„Eine letzte Frage… Wenn mein Zwilling ja eigentlich so wie ich ist, wie kann sie dann die Apokalypse überhaupt heraufbeschwören?“, war Ria neugierig.
„Sie ist nicht umsonst befleckt… Das bedeutet das Böse hat von ihr Besitz ergriffen und hat sie verdorben… Warum, weiß ich nicht…“, gab er als Antwort.
„Okay… Darf ich mir das Ganze durch den Kopf gehen lassen?“, forderte Ria Bedenkzeit.
„Natürlich…“, stand Enil auf und ging Richtung Tür. „… Aber lass dir nicht zu lange Zeit, deine Freunde werden sicher bald hier auftauchen, um dich befreien zu wollen und ich kann nicht für die Unversehrtheit eines jeden Einzelnen garantieren, wenn du verstehst, was ich meine…“
„Habe verstanden…“, antwortete sie.
„Wenn du was brauchst, dann ruf nach mir…“, lächelte sie Enzo an und verließ mit Enil den Raum.
Ria sah aus dem Fenster raus.
<Was soll ich tun? Was ist die richtige Entscheidung? Ich weiß, dass ich meinem Zwilling nicht mehr lange standhalten kann, und wenn sie mich als Hülle nutzt, könnte sie wirklich die Welt auslöschen… Dann würden alle sterben… Wenn das stimmt, was Enil erzählt, wäre diese Methode wohl die beste Option… Aber kann ich ihm trauen? Woher will ich wissen, ob er mir die Wahrheit erzählt? Was wenn er lügt? Ich hatte aber nicht das Gefühl, als ob er mich anlügen würde… Wofür soll ich mich entscheiden?>
In der Zwischenzeit machten sich die Anderen auf den Weg.
„Wohin gehen wir?“, fragte Estes nach.
„Wenn ich Vater richtig einschätze, dann weiß ich, wo er ist… Es gibt da eine abgelegene Villa die im Familienbesitz ist, aber seit Ewigkeiten leer steht und nicht genutzt wird… Wäre ein prima Versteck…“, mutmaßte Eneas.
„Wieso sollte er sich versteckt halten? Glaubst du nicht, dass er Ria zum Rat bringen wird?“, fragte Bela nach.
„Es ist so ein Gefühl, das ich habe… Irgendetwas stimmt nicht… Die Art und Weise wie Isel und Farlo gegen uns kämpften… Sie haben aufgepasst, dass sie keinen von uns umbringen…“, ließ er die Anderen an seinen Gedanken teilhaben.
„Jetzt wo dus sagst… Als wir das letzte Mal gegen sie kämpften, waren sie erbarmungsloser…“, stimmte Ilay zu.
„Ich hoffe Ria ist noch nichts passiert…“, machte sich Eysa Sorgen.
„Es wird sicher alles gut gehen…“, legte ihr Lucin lächelnd eine Hand auf die Schulter.
„Ria ist stark, viel stärker als sie aussieht, sie ist sicher wohlauf…“, ergänzte Keno.
„Ich hoffe es, ich habe meine Schwester eben erst wieder zurückbekommen, nochmal lasse ich sie mir nicht wegnehmen…“, war Kas besorgt.
„Ich mache mir trotzdem Sorgen, erst Gestern hatte sie wieder einen Anfall durch die Befleckung…“, war Jamin sichtlich besorgt. „Und dieser Anfall war schon heftig…“
„Was ist passiert?“, wollte Ilay wissen.
„Die Befleckung wollte sie übernehmen, ich hätte es fast nicht geschafft sie zurückzuholen…“, antwortete Jamin, doch vermied Augenkontakt.
Ilay sah ihn argwöhnisch an.
„Ich weiß, was du getan hast! Wenn wir Ria gerettet haben, bekommst du deine verdiente Abreibung!“, war Ilay sauer.
Während Ilay das aussprach, schlug Misaki schon mit ihrer Zeitschrift zu und briet Jamin eins über.
„Du sollst dich nicht ständig an Ilays Verlobte ranmachen du Lustmolch!“, tadelte sie ihn.
„Aua!“, verzog er schmerzerfüllt sein Gesicht. „Wir haben doch nur zweimal rumgeknutscht und eine Nacht miteinander verbracht…“, zählte er an seinen Fingern ab.
„Wie bitte?!“, war Ilay stinksauer.
Ilay drehte sich um und gab Jamin einen solch gewaltigen Kinnhaken, dass er einige Meter durch die Luft geschleudert wurde.
„Ich muss gestehen, sie auch geküsst zu haben… Aber ich wusste ja zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie einen Freund hat…“, erzählte Leif so vor sich hin.
„Ahhh! Könnt ihr mal bitte eure Griffel von meiner Verlobten lassen?! Das ist ja zum Kühe melken!! Ich bezweifle, dass dieser Manga als Reverse-Harem geplant war, sonst wären wir nicht so schnell zusammengekommen, also hört auf einen daraus machen zu wollen!“, war Ilay erzürnt.
„Ich glaube da kennst du die Autorin schlecht, die steht auf so ein Zeug…“, erklärte Jamin lässig.
„Woher willst du das Wissen?“, war Ilay immer noch sauer.
„Na, während ihr hier schön eure Abenteuer Kapitel für Kapitel erlebt habt, hatte ich genügend Zeit sie kennen zu lernen… Sogar Eneas sollte eigentlich auf Ria stehen und war ursprünglich als dein größter Love-Rival geplant, aber das bin ja jetzt ich!“, grinste er siegessicher.
„Eneas gehört mir!“, warf Bela ihnen einen finsteren Blick zu.
Eneas tat so, als hätte er nichts gehört.
„Und was ist mit mir?! Lasst mich nicht außen vor!“, war Leif sauer.
„Genug davon! Wir haben jetzt Wichtigeres zu tun!“, ermahnte sie Eneas.
Währenddessen saß Ria immer noch in diesem Zimmer. Enzo kam zur Tür herein.
„Enzo, kannst du mir eine Frage beantworten?“, wandte sie sich an ihn.
„Natürlich, was willst du wissen?“, setzte er sich neben sie.
„Dein Thrones-Blut verleiht dir ja die Gabe in die Zukunft zu sehen… Sag mir was ich tun soll… Wofür soll ich mich entscheiden?“, war Ria ratlos.
„Das kann ich, ja… Aber diese Entscheidung nehme ich dir nicht ab, du sollst dich bewusst für eins entscheiden… Diese Entscheidung sollte von dir kommen und nicht aufgrund einer Vorhersage der Zukunft… Das könnte sonst zukünftig gravierende Folgen haben…“, erklärte er.
Ria wandte ihren Blick ab und sah auf den Boden.
„Entscheide dich für das, wo dir dein Bauchgefühl sagt, dass es das Richtige sei… Triff deine Entscheidung so, dass du sie am wenigsten bereuen musst…“, fügte er hinzu.
Daraufhin sah sie ihn wieder an.
„Genau das gleiche hat Ilay schon mal zu mir gesagt…“, erinnerte sie sich mit einem Lächeln zurück.
Dann stand sie auf.
„Also gut, ich tus! Extrahiere meinen Zwilling!“, war sich Ria sicher.
„Gut… Dann folge mir bitte…“
Kapitel 62
Ria lag auf einer Liege.
„Ich würde dich jetzt fixieren zu deiner eigenen Sicherheit… Wenn das wirklich so viele Schmerzen verursacht, wie Vater sagt, dann wäre das wohl besser…“, schlug Enzo vor.
Ria nickte. Dann wurden ihre Arme und Beine fixiert.
Was tust du da?!
<Dich extrahieren damit du keine Gefahr mehr darstellen kannst…>
Was? Nein! Tu das nicht! Du kannst mich doch nicht einfach so entfernen!
<Mir bleibt keine andere Wahl… Aber ich überlasse dich nicht den Händen von Enil, ich werde dich trotzdem bei mir tragen, bis ich einen Weg gefunden habe, dir helfen zu können…>
Bitte tu das nicht! Du bist alles, was ich kenne! Alles, was ich habe! Stoße mich nicht ab!
<Es wird alles gut werden, ich werde dich nicht verlassen… Ich werde einen Weg finden dich von der Dunkelheit zu befreien, Zwillings-Ich…>
„Bist du soweit?“, fragte Enzo.
„Ja… Lass uns anfangen…“, war sich Ria sicher.
„Also gut…“, breitete Enzo seine Hände über ihr aus und konzentrierte sich.
In dem Augenblick, als Enzo anfing, fing Ria an fürchterlich laut zu Schreien. Die Schmerzen waren schier unerträglich. Die Schreie waren so laut, dass man sie bis nach draußen hören konnte. Als Ilay Rias schrillen und lauten Schreie vernahm, erschrak er sich und wurde äußerst sauer und ungehalten. Seine Aura verfinsterte sich augenblicklich.
Ilay stürmte Blind drauf los, dicht gefolgt von Jamin, Leif, Kas und Seren. Keiner von ihnen konnte Rias Schreie nur einen Moment länger aushalten.
„Hey! Wartet!“, reif ihnen Keno noch hinterher.
„Verdammt! Der Plan funktioniert so nicht mehr, machen wir das Beste draus! Keno, Lucin, Misaki…“, befahl Eneas und lief den Jungs hinterher.
„Verstanden, verlass dich auf uns!“, riefen sie ihm hinterher.
Zusammen stürmten sie das Anwesen und wurden von Enil, Isel und Farlo in Empfang genommen.
„Wir können euch nicht weiter lassen! Verschwindet oder bereut es!“, drohte Enil.
„Ich werde hier nicht ohne Ria gehen! Geht mir aus dem Weg oder ihr werdet es bereuen!“, stand Ilay zornig an der Front, seine Waffe auf Enil gerichtet.
„Also dann eben auf die harte Tour… Isel, Farlo, los!“, streckte Enil seine Hand aus und die Beiden stürmten los.
Isel sprang auf Leif zu, doch Leif konnte diesen Angriff abblocken, während Farlo auf Jamin losging. Ilay sprang auf Enil zu und zog mit seiner Sense voll durch. Enil katapultierte ihn zurück.
Dann kamen Eneas, Bela, Estes und Eysa dazu.
„Du kannst uns nicht alle ausschalten!“, sprach Eneas.
„Das muss ich auch gar nicht mein törichter Sohn, wir müssen nur genug Zeit schinden…“, antwortete Enil.
Eneas stürmte auf Enil los und sie kreuzten ihre Waffen.
„Warum Vater? Warum versteckt ihr euch? Was ist dein Ziel?“, fragte Eneas mit finsterem Blick.
„Das muss euch nicht weiter kümmern…“, schlug er Eneas nach hinten.
Dann sprang Estes auf ihn los.
„Sprich endlich! Wir alle haben Antworten verdient!“, war er sauer und zog mit seinem Schwert durch.
Enil wich gekonnt aus als plötzlich Eysa hinter ihm war, ihm die Beine wegzog und ihn zu Fall brachte. Zu dritt standen sie nun vor ihm.
In dem Moment ging Isel zu Boden. Vor Schmerzen krümmte sie sich, sie hatte keine Chance gegen Jamin und Ilay. Farlo war geschockt.
„Isel! Ihr Arschlöcher!“, war er sauer und sprang auf die Beiden zu. Bevor er bei ihnen ankam, wurde er auf den Boden geschleudert durch einen Angriff von Bela der aus der Luft kam. Farlo blickte auf und wusste, dass er gegen vier Leute gleichzeitig keine Chance hatte. Unfreiwillig resignierte er.
„Es ist vorbei!“, sprach Eneas. „Ihr seid geschlagen!“
Enil grinste schelmisch.
In dem Augenblick wurden alle einige Meter nach hinten geschleudert. Als sie aufblickten, stand ein Mann mitten im Raum. Geschockt sahen sie ihn an.
„Guten Tag, mein Name ist Enzo… Ich bin Nummer Eins!“, stellte er sich mit einem Lächeln vor.
„Du lebst auch noch?“, war Eneas fassungslos.
„Warum hilfst du diesem Scheißkerl?!“, war Estes aufgebracht.
„Ihr seid noch jung und versteht nicht die komplette Tragweite… Aber irgendwann werdet ihr schon verstehen… Nichtsdestotrotz kann ich euch nicht durchlassen… Nicht, solange die Extraktion nicht vollständig beendet wurde…“, erklärte er.
„Extraktion? Was soll das heißen?“, war Ilay sauer und richtete sich auf.
„Wir trennen Rias Seele von ihrer Zwillingsschwester, der befleckten Seele…“, antwortete Enzo, während Enil sich aufrichtete und zu ihm stellte.
„Zwillingsschwester?“, fragte Ilay überfragt nach.
„Sehr wohl… Du könntest ihre Befleckung nicht übernehmen, selbst wenn du wollen würdest, da es keine normale Befleckung ist…“, erklärte Enil kurz und knapp.
„Woher weißt du davon?“, fragte er sofort nach.
„Deine Freundin und ich hatten ein langes und ausführliches Gespräch…“, richtete Enil seinen Anzug. „Letztendlich hat sie eingewilligt die Prozedur über sich ergehen zu lassen…“
„Red keinen Scheiß! Ria würde das nicht freiwillig machen!“, protestierte Ilay.
„Natürlich würde sie das Ilay… Du kennst sie doch, besser als alle anderen hier… Sie hätte nie zugelassen, dass du die Befleckung übernimmst und in Gefahr geraten könntest…“, erklärte Enzo mit einem leichten Lächeln.
„Woher kennst du meinen Namen?“, fragte Ilay verunsichert nach.
„Ich kenne all eure Namen, jeden einzelnen… Ich weiß auch, dass eure Freunde Keno, Lucin und Misaki durch den Hintereingang durch sind, um Ria zu erreichen und zu befreien, doch sie werden nicht durchkommen, dafür habe ich gesorgt…“, erklärte er.
„Wehe du tust ihnen was an!“, war Eneas sauer.
„Keine Sorge Eneas, ihnen geschieht nichts… Meine Barriere ist nur undurchdringbar… Ich werde auch euch nichts tun, nur aufhalten… “, lächelte er. „Es wird sich alles zusammenfügen, wenn die Zeit reif dafür ist…“
„Genug Enzo, wir sind nicht hier, um Freundschaften zu schließen…“, mischte sich Enil ein.
„Verzeih mir Vater, aber mich macht es glücklich all meine Geschwister hier zu haben und mich endlich mal mit ihnen unterhalten zu können… “, lächelte er seinen Vater an.
Seren stürmte auf die Beiden zu, doch er kam noch nicht einmal in ihre Nähe. Er wurde augenblicklich wieder zurückgeschleudert. Daraufhin stürmte er erneut los, um wieder weggeschleudert zu werden. Wütend sah er sie an.
„Ihr seid schuld! Dafür werdet ihr büßen!“
„Es hat keinen Sinn Seren… Ich verstehe deinen Schmerz, den du gerade empfindest, die Lücke die Laisa hinterlassen hat, aber ich kann dich nicht durchlassen… Es tut mir leid…“, sah Enzo ihn mitleidig an.
Ilay sah Enzo argwöhnisch an.
„Was ist das für ein Gefühl, dass ich habe, wenn ich dich ansehe?“
„Fällt es dir auf, ja?“, fragte Enzo nach.
„Ich hab das Gefühl dich zu kennen obwohl wir uns nie begegnet sind…“, war Ilay stutzig.
„Dasselbe Gefühl hab ich auch wenn ich ihn ansehe…“, bestätigte Eneas. „Das ist dasselbe Gefühl, dass ich bei Eysa und Estes hatte, als ich sie zum ersten Mal sah… Aber warum fühlst du das, wenn du ihn ansiehst?“
„Er fühlt das, weil er genauso mein kleiner Bruder ist wie du… Ilay und ich haben dieselbe Mutter, während wir vier denselben Vater haben… Das Gefühl der Verbundenheit gegenüber Blutsverwandten das nur göttliche Wesen so stark spüren…“, erklärte Enzo.
„Was? Das kann doch nicht…“, war Ilay geschockt.
„Es ist aber wahr, Riza war auch meine Mutter… Ria war genauso geschockt als ich es ihr erzählt habe…“, lächelte er melancholisch.
„Enzo, lass es!“, befahl Enil.
„Meine Güte, bei euren Verwandtschaftsverhältnissen blickt doch bald keiner mehr durch…“, war Jamin leicht genervt.
„Nein, Vater! Sie müssen verstehen, warum all das passiert, warum wir tun was wir tun…“, protestierte Enzo.
„Selbst wenn du es ihnen erklärst, wären sie dagegen und das weißt du… Also lass den Small-Talk…“, war Enil stur.
Dann verhalten Rias Schreie.
„Es ist soweit…“, drehte Enzo der Gruppe den Rücken zu und verschwand durch die Tür, dicht gefolgt von Enil, Isel und Farlo.
Ilay stämmte sich gegen die Barriere und schlug wie wild zu.
„Lass mich durch! Lass mich zu ihr!“, schrie er wütend.
Die Barriere löste sich auf und Ilay rannte ihnen hinterher und mit ihm der Rest der Gruppe. Er betrat den Raum und fand Ria vor. Über ihr erstrahlte ein helles Licht das von einem kleinen, kugelähnlichen Ding ausging.
Enzo warf der Kugel ein leicht trauriges Lächeln zu und legte diese behutsam in einem Medaillon ab.
Ilay stürmte auf Ria zu, nahm sie in den Arm und befühlte ihr Gesicht.
„Ria! Mach die Augen auf! Hörst du mich? Ria!!“, flehte er.
„Warum hast du sie durchgelassen?“, war Enil sauer. „Sie sollten nicht hier sein!“
Ria öffnete langsam ihre Augen.
„W-Wo bin ich?“
„Ria! Geht es dir gut? Ist alles in Ordnung?!“, lächelte Ilay sie liebevoll an.
Ria blickte ihn an und Ilay war schockiert.
„Du bist nicht Ria…“, stammelte er vor sich hin.
Ria sprang auf und schubste Ilay weg.
„Ich… Ich habe einen Körper… Ich bin hier! Wie wunderbar sich das anfühlt!“, lachte sie manisch.
Sie sprang auf und ab.
„Was ich wohl alles tun kann?“, fragte sie sich.
„Was ist hier los? Was ist mit Täubchen los?!“, fragte Jamin sauer.
„Das ist nicht Ria…“, blickte Ilay traurig drein.
Schockiert blickten sie sie an.
ZwillingsRia blickte sich um und entdeckte das Medaillon in Enzos Hand. Mit einem hops sprang sie auf ihn zu und riss es ihm aus der Hand.
„Ich lasse nicht zu, dass ihr sie oder mich in eure Hände bekommt! Keiner von euch!“, sprach sie und schoss ein Loch in die Decke, bevor sie hindurchflog und verschwand.
„Täubchen!“, rief Jamin ihnen hinterher.
Leif und Serens Blick war traurig. Kas war geschockt.
„Was bedeutet das jetzt? Heißt das jetzt, dass die befleckte Seele Rias Körper hat?“, war Bela fassungslos.
„Nicht die Befleckung wurde extrahiert, sondern Ria…“, war Eneas geschockt.
„Was habt ihr getan?!“, war Eysa sauer.
„Das, was Eneas gesagt hat… Nun ist die befleckte Seele ganz allein in Rias Körper und sie hat Rias Seele mitgenommen…“, erklärte Enzo.
„Warum?!“, mischte sich Estes ein.
„Weil das passieren musste…“, ergänzte Enzo.
Er kassierte eine Backpfeife seines Vaters.
„Wie konntest du sie gehen lassen?! Mit einer Hülle kann sie jederzeit ihre Kraft entfalten! So war das nicht geplant! Du solltest sie einsperren, bis wir sie zum Rat geschafft hätten damit sie alle auslöschen kann!“, war Enil mehr als wütend.
„Ich tue nur was getan werden muss… Was geschehen soll, wird geschehen…“, war Enzos Antwort.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Eysa nach.
Kapitel 63
ZwillingsRia flog noch und war schon sehr weit weg von den anderen. Sie sah sich das Medaillon in ihrer Hand an und legte es sich dann um den Hals.
„Was mache ich jetzt? Mir liegt die gesamte Welt zu Füßen! Ich fliege, ich sehe, ich höre, ich atme… Es ist ein unsagbar schönes Gefühl…“, sprach sie mit sich selbst.
Sie hielt an und landete.
„Und dennoch… Ist da in mir diese Wut, dieser Hass… Ich hasse diese Welt! Diese Welt ist grausam! Ich sollte mich rächen und sie auslöschen!!“, ballte sie ihre Fäuste.
<Wo bin ich…?>
Erschrocken sah sich ZwillingsRia um.
<Es ist so dunkel… So einsam… Ist hier irgendjemand?>
ZwillingsRia sah sich das Medaillon an.
Ria? Bist du das?
<Wer war das? Wo bist du?>
Ich kann immer noch mit dir kommunizieren? Unglaublich…
<Du bist mein Zwillings-Ich… Was ist passiert?>
Sie haben nicht mich aus dir extrahiert, sondern dich… Eigentlich geschieht dir das ganz recht, nachdem du mich los werden wolltest…
<Warum bin ich dann immer noch bei dir?>
Weil ich dich mitgenommen habe… Ich wollte dich keinem von ihnen überlassen… Denn obwohl ich dich hasse, weil du frei warst, während ich eingesperrt war… Weil du glücklich warst, während ich im Dunkeln war… Weil du alles hattest, was ich nie hätte haben können… Liebe ich dich trotzdem… Ich wollte Leben, die Welt kennen lernen, lachen, weinen, das Leben spüren, doch niemand erfüllte mir diesen Wunsch… Ich bekam nie eine Chance dazu… Warum? Ist das denn nicht ungerecht? Wieso durftest du Leben, während ich allein in der Dunkelheit ausharren musste? Diese Welt verdient den Untergang!...
<Und dennoch zögerst du, warum?>
Ich weiß es nicht… Ich… Genug jetzt! Ich möchte jetzt mal kurz diese Freiheit genießen…
Dann sah sich ZwillingsRia um und erkannte das sie in einem riesigen Blumenfeld stand. Der Duft, der ihr in die Nase stieg, war atemberaubend, genauso wie den Ausblick, den sie hier genießen konnte. Sie hörte Vögel zwitschern, den Wind durch die Baumkronen ziehen. All ihre Sinne, die sie nun endlich wahrnehmen konnte, bereiteten ihr ein süßes Grinsen im Gesicht. Zum ersten Mal konnte sie richtig fühlen. Die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut waren wunderbar warm. Der Wind, der ihre Haare zum Wehen brachte, kitzelte sie. Diese ganzen Eindrücke, die auf sie einwirkten, machten diesen einzigartigen Moment unbeschreiblich.
Zur selben Zeit standen die Anderen immer noch in der Villa herum. Auch Keno, Lucin und Misaki waren wieder da.
„Wir müssen sie finden! Sofort!“, behaarte Ilay.
„Wo willst du denn bitte mit der Suche anfangen? Sie könnte überall sein… Es wird unmöglich sein, sie aufzuspüren…“, antwortete Bela.
„Das ist doch egal! Wir müssen irgendwas tun!“, sprach Ilay erbost.
„Ich gebe Ilay recht… Sie aufzuspüren, hat nun oberste Priorität…“, stimmte Jamin zu.
„Wenn jetzt die befleckte Seele in Rias Körper ist, wo ist dann Ria hin?“, fragte Seren nach.
„Sie war in dem Medaillon, welches sie mitgenommen hat…“, erklärte Ilay.
„Was können wir tun, um meinen Schwestern zu helfen?!“ wandte sich Kas an Enzo. „Du bist zur Hälfte ein Thrones, also sag uns, was wir tun sollen!“
Auf einmal sank Enil zu Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Überall auf seinem Körper wurden Male sichtbar.
„Vater? Nutzen sie schon wieder den Fluch? Solche verdammten Schweine!“, beugte sich Enzo zu seinem Vater.
„Verschwindet! Sie kommen…“, sprach Enil erschöpft.
„Ist gut…“, stand Enzo wieder auf und drehte sich zu den anderen. „Ihr habt ihn gehört, nichts wie weg von hier!“
„Was ist mit Vater?“, fragte Eneas argwöhnisch nach, während sie alle auf der Flucht waren.
„Die Cherubim, also der göttliche Rat, hat ihm ein Fluch Mal auferlegt, sodass er ihnen hörig sein muss… Wenn er ihre Befehle nicht ausführt, lassen sie ihn Höllenqualen erleiden… Als er meine Mutter damals nicht töten konnte, sondern ihr zur Flucht verhalf, ließen sie ihn ein Jahrzehnt leiden… Die Schmerzen sind schlimmer als die schrecklichste Folter, die du dir vorstellen kannst…“, erklärte Enzo.
„Was? Er verhalf Mutter zur Flucht?“, fragte Ilay nach.
„Ja denn sie war die Liebe seines Lebens, er hätte alles für sie getan… Und es war auch nicht deine Schuld das Mutter starb… Auch sie wurde mit einem Fluch Mal versehen, welches ihr das Leben nahm, nachdem sie dich zur Welt brachte… Der göttliche Rat hasst jede Rasse, die nicht zu den Göttlichen gehören und verfolgt das Ziel eben diese dem Erdboden gleich zu machen… Ihr Stolz ließ es nicht zu, dass eine Göttliche das Kind des Dämonen Lords austragen sollte…“, fuhr Enzo fort.
„Aber warum hat er uns dann so schäbig behandelt?“, wollte Estes wissen.
„Er wollte, dass ihr alle stark werdet, unabhängig, dass ihr ihn hasst, sodass ihr ihn ausschalten könnt wenn es sein muss…“, erklärte Enzo. „Ich weiß, seine Methoden waren falsch, euch solche Dinge anzutun war nicht richtig, aber er tat es dennoch, um euch zu schützen…“
„Beschützt habe ich mich nicht gerade gefühlt…“, warf Eysa ein.
„War er auch so zu dir wie zu uns? Und warum war Eneas eigentlich der Einzige von uns den er anders behandelt hatte?“, fragte Estes nach.
„Nein zu mir war er nicht so, aber ich wusste auch schon alles über ihn, bevor ich sprechen konnte… Ich wusste, was er vorhatte und was er wollte, ihn zu durchschauen war ein Kinderspiel für mich… Das er Eneas bevorzugt hat, liegt wohl daran, dass er ihm von uns allen am ähnlichsten ist… Er hat sich in Eneas selbst wiedergesehen, sein ursprüngliches Ich… Vielleicht war das ein Versuch sich selbst zu retten, indem er Eneas rettete…“, antwortete Enzo.
„Das klingt schräg!“, sah Eysa sie komisch an.
„Wer weiß schon was in einer 2.500 Jahren alten Gottheit vor sich geht…“, sprach Enzo.
„Was passiert jetzt mit ihm?“, fragte Eneas nach.
„Die Cherubim kommen und holen ihn… Er hat seinen Auftrag nicht erfüllt… Es nicht geschafft ihnen die Urgottheit auszuhändigen damit sie alles auslöschen können… Er hat versagt…“, erklärte Enzo.
Zur selben Zeit traten die Cherubim an Enil heran.
„Na Enil, tuts weh?“, fragte einer sarkastisch nach.
Das Oberhaupt unterband das mit einer einfachen Handbewegung.
„Wie kannst du es wagen, uns so zu enttäuschen?... Ich dachte du wüsstest, was dir blüht, wenn du versagst?“
Enil sah sie einfach nur erbost, unter Schmerzen, an.
„Zumindest konntest du die Inhaberin der Hülle entfernen und der Befleckung Platz schaffen… Glaube nicht, wir wüssten nicht, was du die ganze Zeit über geplant und getan hast… Und da du deinen Kindern ja so schön zur Flucht verholfen hast, werde ich davon absehen dich mit Höllenqualen zu bestrafen, ich habe eine bessere Idee…“
Enil riss seine Augen weit auf. Sein Mal begann hell zu leuchten.
„Hiermit befehle ich dir, jedes einzelne deiner Kinder, eigenhändig den Gnadenstoß zu verpassen! Du wirst sie jagen und einen nach dem anderen ausschalten, bis du ganz allein zurückbleibst!“
Enil sah geschockt auf den Boden.
„Ihr macht euch auf den Weg und fangt das Mädchen ein… Es wird langsam Zeit…“, befahl der Mann seinen Leuten.
ZwillingsRia lag auf der Blumenwiese, genoss den Tag und sah den Wolken beim Vorüberziehen zu. Dann schreckte sie auf.
„Da kommt jemand…“, sah sie sich um.
Auf einmal stand Seren vor ihr. Langsam kam er auf sie zu.
„Wer bist du und was willst du?“, fragte sie skeptisch nach.
Seren ging auf die Knie und sah sie direkt an.
„Ich bin so froh dich gefunden zu haben…“, umarmte er sie.
„Hey! Was soll das werden?!“, war sie irritiert.
Fühlt sich so eine Umarmung an? Dieser sanfte Druck… Diese Wärme… Das ist nicht unangenehm…
„Kannst du mir sagen, was mit Ria passiert ist?“, fragte er und sah sie traurig an.
„Was bist du denn für ein belämmerter Hund? Sie ist in Sicherheit, hier!“, hielt sie das Medaillon hoch.
Vorsichtig nahm er den Anhänger des Medaillons in seine Hände.
„Hier bist du also… Bin ich froh…“, lächelte und weinte er zur selben Zeit.
<Ser? Bist das du?>
Geschockt sah er den Anhänger an.
„Was war das?“
„Mit dir kann sie also auch Kommunizieren? Vermutlich, weil du das Medaillon berührst… Wenn du mit ihr reden willst, dann tu das aber beeil dich…“, war sie argwöhnisch.
Ich kanns mir nicht erklären, aber dieser Junge… Ich fühle, dass er eine reine Seele besitzt… Dieses Gefühl… Absolute Loyalität und pure Liebe… Empfindet er das für Ria? Es ist sicher nicht schlimm, wenn ich ihn mit ihr reden lasse…
<Ria? Hörst du mich?>
<Ser? Bist das wirklich du?>
<Ja… Es ist so schön deine Stimme zu hören… Ein Lebenszeichen von dir zu bekommen…>
<Ich freue mich auch… Ser… Ich habe eine wichtige Aufgabe für dich…>
<Um was geht’s?>
<Beschützte sie! Beschützte meine Zwillingsschwester! Bleib bei ihr und zeige ihr wie schön die Welt sein kann! Hilf ihr! Sie ist nur ein ganz normales Mädchen, das auch einfach nur Leben wollte und da ihr dies verwehrt blieb, entwickelte sich dieser Hass zu Groll und verdarb so ihre Seele… Sie kann gerettet werden und dafür brauche ich dich!>
<Aber was ist mit dir?>
<Das kann warten… Wir müssen zuerst ihr helfen… Bitte Ser…>
<Ich versuche es…>
„Jetzt langts aber mal!“, riss sie Seren den Anhänger aus der Hand.
Seren sah sie verdutzt an und lächelte dann.
„Mein Name ist Seren… Es ist schön dich kennen zu lernen…“, stellte er sich vor und reichte ihr seine Hand.
Argwöhnisch sah sie ihn an, doch ergriff seine Hand.
„Ich… Ich habe keinen Namen…“, sprach sie.
„Dann wird es Zeit, dass du einen bekommst…“, grinste er sie neckisch an.
„Was? Du willst mir jetzt einfach so einen Namen geben?“, war sie irritiert.
„Na klar! Warum auch nicht? Jeder braucht einen Namen…“, lächelte er sanft.
Er sah sie an und sah, wie schön sie sich in das Blumenfeld einfügte. Der schöne Abendhimmel porträtierte ihre Präsenz und ihr Gesicht wunderbar.
„Und?“, sah sie ihn hoffungsvoll an.
„Leilani!“, lächelte er.
„Leilani?“, sah sie ihn verwundert an und überlegte. Dann machte sich ein sanftes Lächeln in ihrem Gesicht bemerkbar.
Ein Name… Ein Name ganz für mich allein… Warum freue ich mich so darüber?
„Schön dich kennen zu lernen Leilani! Macht es dir was aus, wenn ich dich Leila nenne?“, fragte Seren lächelnd nach.
„Nein, überhaupt nicht…“, lächelte sie zurück und kicherte etwas. „Ich danke dir…“
„Also gut, dann bin ich jetzt dein erster Freund… Was möchtest du tun? Was auch immer du vorhast, ich begleite dich…“, sprach Seren.
„Das würdest du tun?“, war sie verblüfft.
„Natürlich! Freunde sind füreinander da! Wenn du mich brauchst, dann werde ich hier sein, an deiner Seite!“, lächelte Seren breit grinsend.
Leilani staunte nur verblüfft.
Diese wohlige Wärme, woher kommt die nur? Wenn er hier so sitzt, wirkt er wie ein leuchtender Stern in einem sternenlosen Nachthimmel… Wie jemand der mich aus dieser Dunkelheit rausführt?
Kapitel 64
Die Gruppe durchsuchte das gesamte Gebäude.
„Er ist weg!“, rief Eneas.
„Wie weg? Abgehauen?“, fragte Leif.
„Er wird doch wohl nicht Ria, beziehungsweise ihren Zwilling auf eigene Faust suchen gegangen sein?“, war Estes schockiert.
„Naja… Seren ist momentan noch sehr durcheinander… Ich kann mir gut vorstellen, dass er allein los gegangen ist, egal ob es gefährlich ist oder nicht…“, schlussfolgerte Eneas.
„Er ist nicht der Einzige… Jamin und Misaki sind auch spurlos verschwunden…“, stellte Bela fest als er auf sie zukam.
„Lucin und Keno sind auch gegangen, zurück zum Palast… Jetzt wo der König und die Königin nicht mehr sind, braucht das Volk eine verlässliche Führung…“, wandte Leif mit ein.
„Bist du nicht der Thronprinz? Solltest du das dann nicht übernehmen?“, fragte Eysa nach.
„Ich wäre nicht der Richtige dafür, nachdem was ich getan habe…“, antwortete Leif.
„Das kann doch nicht sein! Im Team wären wir doch wesentlich schneller!“, war Eneas gereizt. „Macht denn hier jetzt jeder, was er will?!“
Währenddessen saß Ilay oben auf dem Dach. Traurig blickte er in die Ferne.
<Ria… Wo bist du nur?... Was, wenn ich sie nie wiedersehe?... Wenn sie nie wieder zu mir zurückkommt?... Was soll ich nur ohne sie machen?... Ihre Seele ist ganz allein und schutzlos… Ich… Ich weiß nicht, was ich tun soll… Wo ich anfangen soll… Ich fühle mich hilflos…>
Ilay ließ den Kopf hängen und ein paar Tränen rinnten ihm die Wange hinunter.
Kas kam auf ihn zu und tätschelte ihm den Kopf. Mitleidig sah er ihn an.
„Ich weiß wie dir zumute ist… Ihrer Seele geht es sicher gut, ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr Zwilling ihr etwas antun würde… Ich bin mir sicher, dass ihr sie finden und wohlbehalten zurück bringen werdet… Und ich habe beschlossen in der Zwischenzeit dir einen Gefallen zu tun… Zusammen mit Enzo mache ich mich auf den Weg nach Riftania und da werden wir deinem Vater einen Besuch abstatten… Wir sind zwei reine Gottheiten und schaffen es sicher deinen Vater zu befreien…“
„Das würdet ihr tun?“, sah Ilay ihn an.
„Natürlich… Ich habe es Ria versprochen… Sobald wir das erledigt haben, kommen wir zurück und helfen euch…“, lächelte er Ilay an.
Ilay rieb sich sein Gesicht.
„Und jetzt Kopf hoch und geb dein Bestes!“, motivierte Kas ihn. „Wer hätte gedacht, dass der Sohn des mächtigen Dämonen Lords so eine Heulsuse sein kann?“, kicherte er.
„Ach, sei doch still…“, schubste Ilay ihn leicht, während Kas lachte.
„Du schaffst das, da bin ich mir sicher!“, ermutigte ihn Kas.
Zur selben Zeit ging Jamin einen engen Pass entlang. Seinem Gesicht konnte man förmlich ablesen, dass er genervt war.
„Misaki… Was machst du hier?“
„Na was wohl? Ich begleite dich! Es ist zu gefährlich, allein zu gehen!“, war sie wütend und klammerte sich an die Wand neben sich, während sie dem Pass folgte.
„Geh zurück, du hältst mich nur auf!“, war Jamin stur.
„Das kannst du vergessen!“, bleckte sie ihm die Zunge entgegen.
In dem Moment verlor sie ihr Gleichgewicht und drohte abzustürzen. Gerade noch rechtzeitig griff Jamin nach ihrem Arm und zog sie nah ran.
„Du bist für sowas nicht gemacht! Geh zurück nach Hause! Wie soll ich das Himari erklären, wenn dir hier etwas passiert?!“, war Jamin angepisst.
„Sie braucht ebenso ihren Vater! Was, wenn dir was passiert, nur weil du allein losgestürmt bist?“, erwiderte sie bissig.
„Mir passiert nichts! Ich bin ein ausgezeichneter Kämpfer und Überlebensspezialist! Ich bin solche Umstände gewohnt, du aber nicht!“, sah er sie böse an.
„Ich lass dich trotzdem nicht allein!“, blieb sie stur.
„Mach doch was du willst…“, drehte sich Jamin seufzend um und setzte seinen Weg fort.
Die Wochen zogen ins Land. Keine der Gruppen hatte auch nur ein Anzeichen oder eine kleine Fährte von Rias Zwilling finden können. Doch Leilani war glücklich, sie hatte die Zeit ihres Lebens.
Leilani schlief noch tief und fest, während Seren gerade zurück ins Zelt kam. Er kicherte, als er sie noch schlafen sah und setzte sich neben sie. Dabei hatte er einen Korb mit Brot und voller verschiedener Obstsorten. Leilani wachte dadurch auf.
„Guten Morgen Seren!“, freute sie sich ihn zu sehen.
„Guten Morgen Leila!“, lächelte er sie an und hielt ihr einen Apfel hin.
„Vielen Dank!“, grinste sie und biss in den Apfel hinein.
„Was möchtest du denn heute tun?“, fragte er neugierig nach.
„Ehrlich gesagt weiß ich es nicht… Wir haben die ganzen Wochen über so viel erlebt und gesehen, dass mir nichts mehr einfällt…“, sah sie ihren Apfel an. „Schlag du doch was vor, ich möchte mal etwas machen, was dir Spaß macht…“
„Hmm… Also wenn‘s nach mir ginge, mir macht Lesen Spaß…“, überlegte Seren.
„Lesen? Was ist das?“, fragte sie neugierig nach.
„Achja stimmt… Du kannst ja noch gar nicht Lesen, das müsste ich dir erst beibringen“, lächelte er sie an. „Lesen ist was ganz Wunderbares… Bücher zu lesen, in andere Welten abtauchen, mit den Protagonisten mitfiebern, sie über ihr Abenteuer über zu begleiten und in den Geschichten zu versinken…“
„Das klingt schön… Bring es mir bitte bei!“, lächelte sie ihn an.
„Gerne…“, grinste er zurück und nahm sie an der Hand. „Dann lass uns los gehen!“
Leilani war überglücklich und lächelte. Sie gingen in ein Buchgeschäft und sie staunte bei dem Anblick er vielen Bücher. Seren lief mit ihr durch einige Reihen.
„Was für ein Buch willst du denn haben? Magst du lieber Romanzen oder Fantasiegeschichten?“, fragte Seren nach. „Es gibt auch Bücher über Dramen oder actionhaltige Werke oder wenn man es mag auch Düster…“
„Hmm… Fantasiegeschichten hört sich gut an…“, überlegte sie.
„Dann sollten wir hier suchen… Das alles hier sind Fantasiegeschichten…“, bog er mit ihr um die Ecke.
Leilani sah sich gespannt um und nahm dann ein Buch aus dem Regal.
„Ah, das Wandelnde Schloss… Gute Wahl…“, sprach er zu ihr als er ihr über die Schulter sah.
Leilani wurde leicht rot im Gesicht, angesichts der Tatsache das Seren ihr so nah war.
„Können wir das mitnehmen und kannst du mir das Vorlesen?“, fragte sie nach.
„Klar…“, grinste er. „Aber zuerst müssen wir es bezahlen… Wenn wir Bücher kaufen, unterstützen wir den Autor damit, der sich seinen Lebensunterhalt damit verdient uns mit schönen Geschichten zu bereichern…“
Freudig nickte Leilani mit dem Kopf. Zusammen gingen sie zur Kasse und Seren bezahlte ihr das Buch. Dann drückte er es ihr in die Hand.
„Hier, jetzt ist es deins!“
„Mein erstes Geschenk! Ich danke dir!“, bedankte sie sich mit einem ganz liebevollem Lächeln bei ihm.
Seren sah sie überrascht an, nervös drehte er sich weg.
„Dann komm, wir gehen in den Park!“
Eilig griff sie nach seiner Hand, um ihn nicht zu verlieren. Seren konnte nicht anders und lief leicht rot im Gesicht an. Zusammen setzten sie ich unter einen Baum und Seren fing an aus dem Buch vorzulesen. Gespannt hörte sie ihm dabei zu.
„Hey! Ist sie das nicht?!“ - „Doch, ich glaub schon! Schnappt sie euch!“
Seren und Leilani schreckten auf.
„Verdammt! Wir müssen hier weg!“, packte er sie am Arm und rannte los.
Zusammen flüchteten sie durch viele kleine Nebengassen und wichen verschiedensten Hindernissen aus wie Kisten, Tonnen oder Menschen. Tollpatschig wie Seren nun einmal eben war, stolperte er mehr durch als das es gekonnt aussah.
„Bleibt sofort stehen!“, schrien die Männer ihnen hinterher.
„Wir müssen zusehen, dass wir Land gewinnen!“, war Seren aufgebracht.
„Ich könnte sie auch einfach umbringen, wenn du das willst, dann müssten wir nicht mehr fliehen…“, schlug sie ihm vor.
„Das würde zu viel Aufmerksamkeit auf uns lenken und bestimmt noch mehr von ihnen anlocken! Ich will nicht, dass sie dich kriegen! Ich werde dich vor dem Rat beschützen!“, warf er ihr einen ernsten Blick zu.
Leilani konnte nicht anders als Seren verdutzt, mit einer deutlichen Rötung im Gesicht, anzusehen.
Ein paar Ecken weiter, verloren die Verfolger die Spur, während die Beiden gerade die Stadt verließen in Richtung ihres Zeltes.
„Das war heute knapp… Sie werden immer aufmerksamer… Wir sollten Städte wohl in Zukunft meiden…“, merkte Seren an.
„Wie ich böse Leute verabscheue…! Ich will sie auslöschen!“, war Leilani aufgebracht.
Seren hielt sie an ihren Schultern fest.
„Beruhige dich Leila… Ich habe dir doch schon mal gesagt das es riskant ist, deine Macht einzusetzen… Ja, es gibt viel Böses auf dieser Welt, aber auch viel Gutes, oder etwa nicht?“, lächelte er sie sanft an.
„Ja…“, beruhigte sie sich wieder.
„Gut… Dann hole ich mal eben Feuerholz fürs Abendessen, okay?“, wandte er sich ab und ging in den Wald.
Leilani sah ihm hinterher.
<Er ist immer lang weg, wenn er Feuerholz holen geht… Was er wohl macht?...>
Leilani umklammerte ihr Buch und beschloss ihm zu folgen. Es dauerte etwas, bis sie ihn wiederfand. Als sie näherkam, sah sie, wie Seren auf einem Felsen saß und er traurig in die Ferne sah. Langsam kam sie auf ihn zu.
„Seren?“, sprach sie ganz sacht.
Erschrocken blickte er zu ihr.
„Leila? Was machst du hier?“, rieb er sich seine Augen.
„Das gleiche wollte ich dich gerade fragen…“, stellte sie sich zu ihm.
„Entschuldige… Ich wollte dir keine Sorgen bereiten… Es ist nur…“, fing Seren an.
„Du vermisst das Mädchen, das getötet wurde, oder? Laisa?“, fragte sie nach.
„Ja…“, sah Seren traurig drein.
„Was hat es für einen Sinn, das Leben, wenn es dich so leiden lässt? Wieso lässt die Welt zu, dass so ein toller und liebevoller Mensch wie du so sehr leiden muss? Die Welt… Sie ist so ein grausamer Ort…“, steigerte sie sich rein.
Seren ergriff ihre Hand.
„Du hast Recht, die Welt ist grausam… Aber dennoch gibt es Augenblicke, die das Leben lebenswert machen… Ja ich leide darunter, dass sie starb, aber ich bin auch dankbar, dass ich so viele tolle und schöne Momente mit ihr erleben durfte… Wir haben so viel durchgestanden, so viel zusammen erlebt… Wir hatten eine schöne Zeit zusammen und ich bin froh, dass sie ein Teil meines Lebens ist…“, erklärte Seren.
„Ob ich dir auch mal eines Tages so viel bedeuten werde?“, sprach sie ihre Frage offen aus und drückte seine Hand.
Erschrocken sah er sie an, damit hatte er nicht gerechnet. Sie kam näher an ihn heran. Ihre Gesichter waren sich sehr nah. Seren wurde rot. Sie lehnte sich rüber und drückte ihm einen Kuss auf. Rot bis über beide Ohren sah sie ihn an. Seren hingegen war wie versteinert so überrumpelt hatte ihn das.
„Weißt du Seren… Jedes Mal, wenn du meine Hand nimmst, wenn du mich berührst, fängt mein Herz an schnell zu schlagen… Ich werde nervös, wenn du in meiner Nähe bist und den ganzen Tag denke ich an nichts anderes mehr als an dich… Du hattest mich heute Morgen gefragt, was ich gerne tun möchte und eigentlich…“, setzte sie sich auf seinen Schoss. „… Möchte ich das hier…“
Sie griff nach seinem Gesicht und zog es zu sich heran, um ihm noch einen Kuss zu geben. Seren packte sie an ihren Armen.
Warte Leila… Das… Das geht nicht…“
„Magst du… Mich etwa… Nicht?“, fragte sie verunsichert.
„Daran liegt es nicht… Ich mag dich, wirklich… Sogar recht gern… Aber das ist immerhin Rias Körper… Das finde ich nicht richtig…“, sah Seren peinlich berührt auf die Seite.
„Aber Ria ist jetzt nicht hier… Ich bin hier… Auch wenn das eigentlich Rias Körper ist, so bin das alles momentan ich… Jede einzelne Berührung spüre nur ich…“, streichelte sie ihm über seine Handinnenfläche, bevor sie ihm direkt in die Augen sah. „Bitte Seren… Berühre mich…“
Seren streichelte über ihre Wange. Leilani wurde richtig rot im Gesicht. Er strich ihr mit der anderen Hand über ihren Arm hinab und übers Bein. Sie zuckte bei den Berührungen. Sie schmiegte sich an seine Hand. Seren packte und küsste sie, wieder und wieder, presste sie an sich. Als Leilani anfing lustvoll zu stöhnen, packte Seren sie an ihren Schultern und drückte sie etwas weg.
„So gern ich das jetzt auch tun würde… Es geht einfach nicht… Ich könnte Ria nie wieder in ihre Augen sehen, wenn wir jetzt weiter machen…“, sah Seren total beschämt und rot bis über beide Ohren auf die Seite.
„Verstehe…“, blickte sie traurig weg.
„Sei nicht traurig…“, streichelte er ihr sanft über ihre Wange. „Vielleicht können wir einen Weg finden, dir einen eigenen Körper zu beschaffen…“
„Das wäre wunderbar…“, kuschelte sie sich an ihn.
Kapitel 65
Leilani wachte auf und sah in Serens Gesicht. Sie kicherte und wischte ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Seren öffnete seine Augen und lächelte.
„Guten Morgen Leila…“
Sie schmiegte sich an ihn. Er streichelte ihr über den Kopf.
„Ich könnte den ganzen Tag hier so mit dir verbringen!“, klang sie überglücklich.
„Aber irgendwann müssen wir auch mal was essen, zumindest ich, ich bin ja nur ein normaler Mensch und habe Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen!“, kicherte Seren.
„Stimmt ja…“, kicherte sie.
Dann sah sie zu ihm hoch und befühlte sein Gesicht. Sie streckte sich hoch und gab ihm einen Kuss, dann warf sie ihm einen verstohlenen Blick zu.
„So sehr mir das auch gefallen mag, aber solange du in Rias Körper steckst, fühlt sich das nicht richtig an… Ich möchte dich küssen und nicht Rias Körper…“, war es ihm ernst.
Leilani war erst überrascht, lächelte aber dann.
„Und du bist dir sicher?“, fragte Eneas nach.
„Ja… Sie wurde gestern hier gesehen…“, sah sich Ilay um.
„Was denkt sich Seren dabei sie seit so vielen Monaten vor uns zu verstecken?“, fragte Bela argwöhnisch nach.
„Es ist zumindest beruhigend zu wissen das Seren noch lebt und beide wohlauf zu sein scheinen…“, fügte Leif hinzu.
„Es macht trotzdem keinen Sinn… Was hat Seren davon?“, fragte Bela weiter.
„Er wird schon seine Gründe haben… Seren würde uns nie hintergehen…“, erklärte Eneas.
„Es macht mich trotzdem wütend… Immerhin geht es um Ria… Sie muss unbedingt in ihren Körper zurück, wer weiß was passiert, wenn sie zu lange von ihrem Körper getrennt ist…“, war Ilay angepisst.
„Wir sollten trotzdem in Bewegung bleiben… Wenn unser Vater uns hier aufspürt, greift er wieder an…“, fügte Estes hinzu.
„Stimmt… Dieses blöde Fluch Mal… Da können wir nur hoffen das wir nicht so eins abbekommen…“, fürchtete sich Eysa.
„Soweit mir Enzo erzählt hatte, brauchen sie dafür etwas, was DNA von uns beinhaltet, so wie ein Bündel Haare oder sowas…“, erklärte Eneas.
„Solange sie uns also nicht im Schlaf die Haare abschneiden, sollten wir wohl außer Gefahr sein…“, schlussfolgerte Bela.
„Klingt ja fast wie schwarze Magie…“, fragte sich Eysa.
„Das ist schwarze Magie und verboten… Sowohl hier als auch in Riftania…“, korrigierte sie Estes.
Kaum ausgesprochen, flog auch schon ein Speer in rasender Geschwindigkeit auf Eysa zu. Blitzschnell sprang Ilay auf sie zu und rollte sich mit ihr auf die Seite.
„Wie bescheuert seid ihr eigentlich, hier so viel Zeit zu verplempern? Kein Wunder, dass ich euch so schnell eingeholt habe…“, flog Enil oben in der Luft.
„Da ist er schon wieder!“, fletschte Bela mit den Zähnen.
„Das gibt’s doch nicht! Mit jedem Mal wird er schneller!“, war Eneas angepisst.
„Also los Ilay!“, rief Bela und zusammen stürmten sie auf Enil los, während die anderen voraus rannten.
Es war ein hitziger Luftkampf. Abwechselnd griffen Ilay und Bela ihn an, um ihn nicht zum Zug kommen zu lassen. Enil wich entweder aus oder blockte ihre Angriffe ab.
„Jetzt macht doch endlich mal ernst! Das ist ganz schön ermüdend!“, forderte Enil.
Zusammen zogen sie mit ihren Sensen voll durch, kanalisierten in ihren Händen ungeheuer viel Energie und schossen diese auf Enil ab, dabei schleuderte es Enil weit weg in die Pampa.
„Seitdem wir unsere Energie so kanalisieren können, ist es viel einfacher, ihn auf Abstand zu halten…“, sah Bela seine Hand an.
„Das stimmt… Aber da wir unsere eigene Energie dafür nutzen werden wir schneller müder umso öfter wir das einsetzen…“, erklärte Ilay.
„Gut, sehen wir zu, dass wir zu den anderen wieder aufstoßen…“, flog Bela voraus.
In der Zwischenzeit saßen Jamin und Misaki an einem Lagerfeuer. Misaki versuchte sich an den Flammen zu wärmen und rieb sich ihre Hände.
„Wo sollen wir als nächstes hin?“, fragte sie nach.
„Nach Süden… In dem Dorf vorhin wurde erzählt, dass Täubchen dort in einer Stadt gesichtet wurde…“, erklärte er, während er nachdenklich in die Flammen sah.
„Du machst dir große Sorgen, oder?“, fragte sie behutsam nach und sah ihn an.
Jamin seufzte mit einem gequältem Lächeln, während er seinen Kopf mit seiner Hand stützte und sich dann durch die Haare fuhr.
Misaki stand auf, legte ihm eine Decke über seine Schultern und ließ ihm eine Umarmung von Hinten zukommen.
„Wir werden sie finden, ganz sicher!“, versuchte sie ihn zu beruhigen.
Er griff nach ihrer Hand und drückte sie.
„Ich danke dir Misaki…“
Verwundert sah sie ihn an.
„Ach, für was denn? Es gibt doch nichts, wofür du dich bedanken müsstest…“, lächelte sie.
„Doch… Dafür, dass du da bist… Dafür, dass du Himari so eine gute Mutter bist… Ich habe dir nie gedankt und mich auch nie entschuldigt… Es tut mir leid, dass ich dich im Stich ließ…“, wandte er sich ihr zu. „Du bist eine tolle Frau, ich hoffe du weißt das…“
„Danke…“, lächelte sie ihn sanft an.
Sie streichelt ihm über seine Wange, beugte sich rüber und gab ihm einen Kuss. Erschrocken sah er sie an.
„Aber…“, fing er an.
„Ich weiß das du sie liebst, das ist mir egal…“, antwortete sie.
Daraufhin schnappte sich Jamin Misaki am Arm und zog sie zu sich heran. Ein Kuss jagte den nächsten und sie entledigten sich immer mehr Klamotten. Jamin biss ihr in den Hals und sie errötete. Leise begann sie zu stöhnen. Jamin presste sie an sich und drang in sie ein. Beide funkelten sich mit ihren dämonischen Blicken an und küssten sich weiter. Jamin hielt sie fest umschlossen, während sie sich in seinen Armen windete. Rhythmisch bewegten sich ihre Körper auf und ab. Es wurde schneller. Intensiver. Jamin packte sie am Hals und sah sie an, während sie feuerrot und erregt gar nicht mehr zu stöhnen aufhören konnte. Er packte sie fester an und stieß schneller und härter zu. Misaki stöhnte richtig laut auf, während Jamin heftig schnaufte. Sie sahen sich an.
Sanft streichelte sie ihm seine Wange.
„Ich hatte glatt vergessen, wie schön das mit dir war…“, sprach sie außer Puste aber mit einem süßen Lächeln im Gesicht.
Jamin lächelte sanft zurück und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Keno und Lucin saßen in einem Arbeitszimmer mit massenweise Papierkram, der sich auf dem Schreibtisch stapelte.
„Meine Güte… Das ist alles so viel Arbeit… Wie haben das meine Eltern geschafft und trotzdem noch Zeit gefunden für so viele andere Dinge? Und wie behältst du hier bloß einen Überblick?“, moserte Lucin rum.
„Indem man dem ganzen eine Struktur gibt und sich nicht so leicht ablenken lässt wie du…“, blätterte Keno gewissenhaft durch einige Papiere.
„Was kann ich dafür, dass diese Aufgabe so langweilig ist…“, lümmelte sich Lucin auf der Couch herum.
„Das ist nicht langweilig, und selbst wenn, muss sie so oder so erledigt werden…“, sprach Keno sacht und legte einen weiteren Papierstapel ab.
„Ich bin immer wieder sehr beeindruckt von deiner Gewissenhaftigkeit und deinem Durchhaltevermögen…“, sah sie zu ihm rüber. „Du bist wie gemacht für dieses Amt…“
Keno stand auf und saß sich neben sie auf die Couch. Er legte seinen Arm um sie und lächelte sie an.
„Meine Fähigkeiten entsprechen wohl eher denen eines Beraters… Das hatte ich mir als Kind zumindest immer gewünscht, an deiner und Leifs Seite hier zu sein… Nur dafür habe ich mich all die Jahre so ins Zeug gelegt, damit ich immer bei euch beiden sein kann…“, erklärte er.
„Ob sich Leif jemals wieder an seine Vergangenheit erinnern kann? An uns? Unsere Kindheit? Ob er zurückkommt und seinen vorhergesehenen Platz als König einnehmen wird?“, rätselte Lucin, während sie in Kenos Armen lag und mit seiner Hand herumspielte.
„Ich weiß es nicht… Er gibt sich die Schuld an allem, was passiert ist… Dass er sich dazu auch nicht an seine Vergangenheit erinnern kann, wird ihn schon sehr belasten, vermute ich… Es wird nicht leicht für ihn sein mit der Schuld klarzukommen, sie anzunehmen und damit zu Leben…“, erklärte er weiter.
„Also steht ihm letztendlich sein Stolz im Weg… Ich hoffe er erwartet nicht, dass ich den Platz als Königin einnehme… Ich kann das überhaupt nicht…“, gab Lucin von sich.
„Zweifel nicht an dir, du wärst eine gute Königin… Du bist gutherzig und denkst immer an das Wohl anderer… Fähigkeiten sind erlernbar, Charaktereigenschaften nicht…“, lächelte er sie sacht an.
Lucin drehte sich um und sah ihn an. Sie kam ihm näher und gab ihm einen Kuss. Sie drückte ihn auf die Couch runter und setzte sich auf ihn drauf.
„Ich mags, wenn du so stürmisch und bestimmend bist…“, grinste sie Keno frech an und packte sie an ihrer Hüfte.
Ein verführerisches Lächeln zierte Lucins Gesicht, ehe sie mit ihrer Hand auf seinem Brustkorb entlangstrich. Sie beugte sich hinunter, um ihm noch mehr Küsse zu geben, fixierte dabei sein Gesicht, während er mit einer Hand ihren Kopf zu sich hinunter drückte und die andere Hand sie fest am Bein anpackte. Lucin erregten die Berührungen von Keno so sehr, dass sie leise zu stöhnen anfing. Sie entledigten sich ihrer Klamotten, bevor Keno in sie eindrang. Umso intensiver es wurde, umso lauter wurde Lucin. Auch Keno keuchte lustvoll, fixierte ihr Gesicht und küsste sie leidenschaftlich, um die Laute etwas einzudämmen. Als Lucin kam, stöhnte sie laut auf, fing an zu zittern und krallte sich in der Couch fest.
„Du bist wundervoll Lucin…“, lächelte er sie erschöpft an.
„Ich liebe dich auch Keno…“, lächelte sie zurück und legte sich auf seiner Brust ab, dann streichelte er ihr sacht durchs Haar.
Seren las gerade aus dem Buch vor als er nach Leilani sah. Als er bemerkte, dass sie bereits tief und fest eingeschlafen war, musste er lächeln. Sanft streichelte er ihr über ihren Kopf. Dann bemerkte er das Medaillon, welches Leilani immer noch um ihren Hals trug. Vorsichtig nahm er den Anhänger in die Hand.
<Ria?>
Ser? Bist das du? Wie viel Zeit wohl vergangen ist? Ich habe mein Zeitgefühl verloren… Wie geht es voran? Und wie geht es dir?
<Gut, würde ich wohl sagen… Sie findet an immer mehr Dingen gefallen und wir hatten viel Spaß zusammen… Du hättest ihr süßes Lächeln sehen müssen als ich ihr ein Buch schenkte… Wie glücklich sie das machte… Manchmal lässt sie sich fast von ihren Gefühlen überrumpeln, wenn sie etwas für grausam hält und wütend wird aber bis jetzt hab ich das ganz gut unter Kontrolle…>
Das ist gut… Ich danke dir Ser… Es war sicher hart für dich nach allem, was passiert ist… Ich bin froh, dass du wieder lächeln kannst…
<Es ist komisch, aber ich muss nur an Leila denken und schon lächle ich von ganz allein… Allein ihre Anwesenheit macht mich glücklich… Aber trotzdem habe ich ständig ein schlechtes Gewissen… Darf ich überhaupt glücklich sein? Darf ich solche Gefühle für sie haben? Ist das richtig? Irgendwie kommt es mir falsch vor… Als würde ich Laisa hintergehen… Umso mehr Zeit ich mit Leila verbringe… Umso stärker meine Gefühle für sie werden… Umso mehr habe ich das Gefühl, dass Laisa verschwindet… Aus meinem Kopf und auch aus meinem Herzen… Ich… Ich fange an sie zu vergessen… Die Erinnerungen an sie werden immer blasser… Immer unscheinbarer… Das ist Laisa gegenüber doch nicht fair… Und auf der anderen Seite ist es Leila gegenüber nicht fair, wenn ich so oft an Laisa denke…>
Ser… Setz dich selbst nicht so unter Druck… Wenn Leilani dich so glücklich macht, wäre Laisa die Letzte, die dir dein Glück nicht gönnen würde… Laisa hätte nie gewollt dass du dich selbst unglücklich machst, sie hätte gewollt dass du dir ein neues Glück suchst, und wenn dieses Glück Leilani ist, dann ist das für Laisa sicher okay… Sie freut sich sicher für dich… Dass du weiter machst… Wieder Lächeln kannst… Du bist erst 18 Ser, du hast dein ganzes Leben noch vor dir also genieße es in vollen Zügen!
<Ich danke dir Ria… Du weißt gar nicht wie sehr ich es vermisse, mich mit dir zu unterhalten… Wie sehr ich dich vermisse… Ich muss unbedingt einen Weg finden, Leilani einen eigenen Körper zu beschaffen, damit du wieder zurückkannst, zurück zu uns…>
Ich kann warten Ser… Solange du glücklich bist, bin ich es auch… Und wenn es dann soweit ist und ich zurück kann, freue ich mich darauf euch alle widersehen zu können…
Seren liefen ein paar Tränen das Gesicht hinunter, doch er lächelte.
Kapitel 66
"Wie laufen die Vorbereitungen?“, fragte Liz, während sie in ein paar Papieren herumblätterte.
„Sehr gut, wir sind fast soweit…“, sprach ein Untergebener zu ihr.
„Fast klingt aber nicht sehr gut… Sie zu, dass die Vorbereitungen am besten Gestern schon abgeschlossen sind!“, befahl sie und wandte sich ab.
„J-Jawohl!“, salutierte er und machte sich auf den Weg.
„Es hat sich nichts verändert, sie sind genauso langsam wie eh und je…“, sprach Liz.
„Das stimmt wohl, aber sie sind alle froh, dass du wieder da bist und den Posten als Generalin weiterhin übernimmst…“, erklärte ihr Zion.
„Davon merke ich aber nichts…“, sprach Liz gleichgültig.
„Vertrau mir, alle freuen sich und wer sich nicht freut, den bringe ich schon dazu!“, trat er näher an sie heran und gab ihr einen Handkuss.
„Ich glaube eher, dass du der Einzige bist, der sich freut, mich zu sehen…“, zog sie ihre Hand wieder weg.
„Und wenn dem so wäre?“, lächelte er sie verschmitzt an.
„Du warst wohl der Sonne zu lange ausgesetzt!“, trat sie ihn zu Boden. „Mit einem Sonnenstich ist nicht zu spaßen, lass dich untersuchen!“
„Was immer du willst!“, rieb sich Zion freudig seine Wange.
„So, wenn die Vorbereitungen endlich abgeschlossen sind, geht’s dem Rat an den Kragen!“, grinste Liz bösartig.
„Habt ihr sie immer noch nicht gefunden?!“, war das oberste Ratsmitglied sehr erbost. „Wie schwer kann es bitte sein, sie einzufangen?!“
„Entschuldigen Sie…“
„Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan! Unternehmt endlich etwas, oder es rollen Köpfe!!“, schimpfte er.
„Sehr wohl…“, zogen sich einige zurück.
„Wir brauchen sie dringend, bevor jemand etwas gegen uns unternehmen kann!“, setzte er sich auf seinen Stuhl.
„Lassen Sie mich gehen… Ich werde sie in Windeseile einfangen und herbringen…“, verbeugte sich ein Ratsmitglied.
„Gut Nile… Enttäusche mich nicht!“, sandte er ihn mit einer Handbewegung aus.
„Niemals…“, lächelte er siegessicher.
„Wir sollten uns langsam auf den Weg machen und einen neuen Lagerplatz suchen bevor uns hier jemand findet…“, sprach Seren und packte einige Dinge zusammen.
„Du hast recht, wir sind schon ziemlich lange hier…“, antwortete Leilani und verließ das Zelt.
„Wo möchtest du denn als nächstes hingehen Leila?“
Seren folgte ihr mit einem Rucksack unter seinem Arm. Kaum draußen angekommen, wurde er am Kragen gepackt. Geschockt sah er sich um.
„Endlich haben wir euch gefunden!“
Vor ihm standen Eneas und die anderen. Bela und Estes hielten Leilani fest, während Leif Seren am Kragen hatte.
„Du bist uns ein paar Antworten schuldig Seren…“, sprach Eneas.
Ilay ging auf Leilani zu. Er sah sie böse an, Leilani war sichtlich nervös.
„Tut Leila nichts! Bitte!“, streckte Seren seine Hand nach ihr aus, sichtlich in Sorge.
„Leila also…“, sprach Ilay, dann ging er auf die Knie.
„Wie… Wie geht es Ria? Geht es ihr gut?“, sah er sie traurig an.
Leilani sah ihn erschrocken an.
<Er… Er leidet… Leidet dieser Kerl so wegen mir? Nicht die Welt ist es, welche grausam zu ihm ist… Ich bin es…>
Eneas gab Bela und Estes einen Blick und sie ließen Leilani los.
„Sie muss dir ja wahnsinnig viel bedeuten…“, ging sie ebenfalls auf die Knie.
Sie öffnete den Verschluss vom Medaillon und sah es noch einmal an, bevor sie es ihm in seine Hände legte.
„Hier ist sie… Ihr geht es gut…“, sprach sie sanft.
Ilay streichelte behutsam über den Anhänger.
„Ria…“
Ilay? Bist das wirklich du?
Ganz erschrocken sah er auf das Medaillon. Er drückte es fest an sich während ihm eine Träne die Wange hinunterlief.
„Solange du den Anhänger des Medaillons berührst, kannst du mit ihr sprechen…“, erklärte Leilani. „Es tut mir leid, dass du so leidest wegen mir… Dessen war ich mir nicht bewusst…“
„Schon gut, ich bin einfach nur froh und dankbar sie in Sicherheit zu wissen…“, lächelte er leicht.
„Natürlich leidet er, immerhin bist du mit der Seele seiner Verlobten einfach abgehauen… Nicht umsonst hast du da so einen Klunker am Finger…“, erklärte Bela schnippisch.
„Ich hab mich schon die ganze Zeit gefragt warum Ria so einen Ring trägt…“, sah sie den Ring an und spielte mit ihm am Finger.
<Ria? Hörst du mich?>
Ilay… Es ist so schön deine Stimme zu hören…
<Du weißt gar nicht wie sehr du mir fehlst… Sobald du wieder deinen Körper zurückhast, lass ich dich keine Sekunde mehr aus den Augen…>
Ich vermisse dich auch…
<Die ganze Zeit, die wir über getrennt waren, war umsonst… Ich hätte mir nicht die Mühe machen brauchen diese Informationen zu sammeln, letztendlich war es für die Katz… Wenn ich doch nur hier gewesen wäre… Tsk… Und wie bekommen wir dich jetzt zurück? Was passiert, wenn du zu lange außerhalb deines Körpers bist? Was, wenn du nicht mehr zurückkannst?>
Ich werde zurückkommen, ganz sicher…
<Aber wie? Wie bekommen wir deine Seele zurück in deinen Körper?>
Das weiß ich leider auch nicht… Aber ich werde es irgendwie schaffen… Vielleicht könntet ihr Ser helfen… Er versucht einen Weg zu finden Leilani einen eigenen Körper zu beschaffen… Sie braucht unsere Hilfe… Sie ist nicht willentlich böse und kann sicher von der Befleckung geheilt werden…
<Du willst, dass wir ihr helfen, nachdem was sie getan hat? Wo sie jederzeit die Welt auslöschen könnte?>
Ja… Sie hätte in all der Zeit die Apokalypse starten können, hat sie aber nicht und das verdanken wir Ser… Sie hält die Welt für grausam und will sie deshalb zerstören während Ser ihr all das Schöne in der Welt zeigt…
<Ist gut, wenn du das willst, dann helfe ich ihr…>
Ich danke dir…
Ilay stand auf und hielt Leilani das Medaillon hin.
„Behalte sie bitte stehts bei dir und pass gut auf sie auf Leila… Ich möchte nicht riskieren, dass sie nie mehr zurückkann, wenn sie zu weit von ihrem Körper entfernt ist…“, erklärte er sich.
Leilani nahm das Medaillon entgegen und legte es sich wieder um den Hals. Ilay drehte sich zu Seren um.
„Wir werden dir helfen Seren…“
Mit großen Augen sah Seren ihn an.
„Wirklich?“, war er baff.
„Ja… Ria wünscht es sich so… Ich habe aber keinen Schimmer wie wir Leila einen Körper beschaffen können…“, antwortete er.
„Da weiß man ja gar nicht mehr, wo man anfangen soll bei so vielen Baustellen…“, gab Eysa hinzu.
„Das stimmt… Da haben wir einige To-Dos abzuhaken…“, stimmte Estes zu.
„Na gut, da kann man nichts machen…“, sprach Eneas und wandte sich Leilani zu. „Schön dich kennen zu lernen Leila… Mein Name ist Eneas…“, reichte er ihr seine Hand und lächelte.
„M-Mein Name ist Leilani, ihr könnt mich aber gern Leila nennen…“, ergriff sie zögerlich seine Hand.
Dann flog ein Speer auf sie zu und durchbohrte Estes‘ Brustkorb. Schmerzerfüllt ging er zu Boden. Geschockt sah die Gruppe in den Himmel.
„Schade, leider etwas zu weit rechts…“, sprach Nile sarkastisch. „Ich weiß gar nicht was sich die anderen so abtun… Euch aufzuspüren war wesentlich leichter als erwartet…“
„Wer bist du?“, fragte Bela angepisst, während Eneas Estes den Speer hinauszog.
„Nile Heynes, wenn ihr es unbedingt wissen müsst, merkt euch den Namen eures Henkers!“, antwortete er. „Denn das ist nun das Letzte, was ihr zu hören bekommen habt!“
Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit flog er auf die Gruppe zu und schwang mit seinem zweiten Speer umher, sodass alle einige Meter durch die Luft flogen. Reflexartig schützte Ilay Leila vor dem Aufprall.
„Leila!“, rief Seren, stand auf und rannte auf sie zu.
„Seren…“, antwortete sie erschrocken und warf sich in seine Arme, während er ihr Gesicht fixierte und überprüfte, dass ihr auch nichts geschehen war.
Irritiert sah Ilay die Beiden an.
Nile sprang auf Eneas zu, doch er konnte den Angriff blocken.
„Übergebt sie einfach und ich denke darüber nach euch zu verschonen…“, bot er an.
„Ihr bekommt sie nicht!“, stieß Eneas Nile zurück.
Sofort stürmte Bela auf ihn zu und schwang seine Sense. Durch eine geschickte Drehung konnte Nile rechtzeitig ausweichen, bevor er seinen Speer mit Spitzengeschwindigkeit durch Bela hindurch katapultierte. Bela sackte auf die Knie, bevor er zu Boden ging, fing ihn Eneas auf. Im selben Moment sprang Nile auf sie zu und Eneas blockte den Angriff gerade noch so ab, während er Bela an sich drückte.
Dann sprang Ilay dazwischen und katapultierte Nile mit einer Energiekugel weg. Sofort stürmte Leif auf ihn los und zog mit seinem Schwert durch. Nile grinste schelmisch und knockte Leif mit nur einem Tritt aus. Als Leif zu Boden sank wollte Nile mit einem seiner Speere zustechen, doch Eysa krallte sich Leif als sie blitzschnell vorbeiflog. Nile warf ihnen den Speer hinterher und erwischte Eysa, welche sofort auf dem Boden aufschlug.
Jetzt standen nur noch Ilay, Eneas und Seren, der Rest der Gruppe war ausgeknockt.
„So eine Scheiße!“, schimpfte Ilay.
Seren stand schützend vor Leilani.
„Dieser Kerl macht mich wütend…“, ballte Leilani ihre Fäuste und sah richtig finster aus.
„Beruhige dich Leila…“, packte Seren ihre Faust und drückte sie sanft.
„Da waren’s nur noch drei…“, legte Nile seinen Kopf in den Nacken und ließ es knacken, während er mit seinen Speeren in den Händen rotierte.
Plötzlich durchbohrte ein Speer den Rücken von Nile. Ziemlich gleichgültig sah er an sich hinunter und drehte sich dann langsam um. Enil stand nicht unweit von ihnen entfernt.
„Entschuldige, du standest mir in der Schussbahn…“, sprach Enil mit kalter Miene.
„Sieh zu, dass das nicht noch einmal passiert, sonst müsste ich ja annehmen, dass das Absicht war…“, antwortete Nile kühl und zog sich den Speer aus der Brust.
Auf einmal wirkte Nile geschockt und ging in die Knie.
„Was war das für ein Speer?“, fragte er noch aber ging dann zu Boden.
„Ups…“, sprach Enil trocken, dann sah er Eneas an und breitete seine Arme aus. „Ihr solltet euch beeilen, lange hält dieser Zustand leider nicht an…“
„Verstanden…“, antwortete Eneas. „Wir werden sie ausschalten…“
Eneas warf Ilay einen Blick zu. Enil grinste leicht. Ilay kanalisierte seine Energie und schoss sie auf Enil ab, welcher einige Kilometer zurück in die Pampa geschleudert wurde.
„Wir sollten uns beeilen, noch einen Kampf mit diesem Kerl überstehen wir momentan nicht…“, sah Eneas auf Nile herab.
Kapitel 67
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 68
„Ab hier sollten wir zu Fuß weiter… Die Stadtmauern sind gleich dort drüben…“, sprach Kas.
„Mach dir keinen Stress Kas… Alles wird gut, vertrau mir!“, legte Enzo locker seinen Arm um Kas‘ Schultern und grinste breit.
„Du tust fast so, als wären wir beste Freunde…“, beäugte Kas ihn ganz argwöhnisch.
„Aber das sind wir doch auch! Ich habs in der Zukunft gesehen!“, lachte Enzo.
„Achja?“, war Kas misstrauisch, äußerte sich aber nicht weiter dazu.
Am großen Stadttor kam eine Wache auf die Beiden zu.
„Halt! Wer seid ihr? Ich habe euch hier noch nie gesehen…“, stellte er sich ihnen in den Weg.
„Wir sind auch nicht von hier… Wir kommen aus Resparia und sind auf Geheiß von eurem Thronprinzen Ilay hier…“, händigte Enzo ein Papier aus.
Der Wachmann sah sich das Schriftstück an.
„Woher soll ich wissen, dass dieses Papier hier echt ist?“, war der Wachmann vorsichtig.
„Das ist alles, was er uns hierfür mitgegeben hat… Er meinte, wir sollen uns an jemanden Namens Ryde wenden…“, erklärte sich Enzo.
„Ryde ist momentan nicht hier, das könnte etwas dauern…“, sah der Wachmann überlegend umher. „Was machen wir jetzt mit euch? Wir vertrauen euch Göttlichen nicht sonderlich…“
„Das verstehen wir durchaus… Meine Schwester Ria war bereits hier vor gar nicht all zu langer Zeit und hatte versucht die Versieglung des Dämonen Lords aufzuheben, deshalb sind wir hier, wir wollen sie endgültig durchbrechen…“, erklärte sich Kas.
„Meinst du Miss Iturria? Die Verlobte unseres Thronprinzen?“, wurde der Wachmann hellhörig.
„Genau! Ich bin ihr Bruder, Kasperoz…“, stellte sich Kas vor.
„Und mein Name ist Enzo…“, tat es ihm Enzo gleich.
„Du siehst Estes sehr ähnnlich…“, stellte der Wachmann fest.
„Kein Wunder, ich bin einer seiner Brüder…“, lächelte Enzo.
„Hmm…“, war sich der Wachmann immer noch unschlüssig. „Kommt mit… Ich werde euch in eine Unterkunft bringen und diese mit Wachposten versehen bis Ryde zurück ist, er soll dann entscheiden was mit euch passiert… Versucht ja keine Dummheiten, hört ihr?“
„Natürlich, das ist kein Problem…“, verbeugte sich Enzo und folgte ihm.
Währenddessen war Liz in Begleitung von Zion im Palast angekommen. Sie betraten das Büro des Königshauses und fanden Keno und Lucin vor.
„Guten Tag ihr Zwei…“, grüßte Liz die Beiden nett.
„Liz, schön dich zu sehen!“, grüßte Keno zurück und stand vom Schreibtisch auf. „Was führt dich zu uns?“
„Ich wollte euch wissen lassen das alle Vorbereitungen abgeschlossen sind… Wir warten theoretisch nur noch auf euer Zeichen, dass wir loslegen können…“, setzte sich Liz bequem auf eins der Sofas und kreuzte ihre Beine.
„Das ist gut… Aber wann wäre denn ein guter Zeitpunkt den Rat anzugreifen?“, fragte sich Lucin.
„Jetzt leider noch nicht… Momentan wäre es viel wichtiger Ria, beziehungsweise ihren Zwilling in Sicherheit zu bringen bevor der Rat sie findet…“, überlegte Keno.
„Ich habe einige Gruppen dafür abgestellt, bis jetzt leider ohne Erfolg… Genauso schnell wie sie gesichtet wird, verschwindet sie auch wieder…“, erklärte Liz.
„Das ist ein ernsthaftes Problem… Am besten wäre ein Angriff genau dann, wenn wir Rias Zwilling in Obhut genommen haben, noch bevor der Rat davon Wind bekommt und sich Formieren kann… Wir brauchen den Überraschungseffekt auf unserer Seite und sie müssen so unvorbereitet wie nur irgendwie möglich dafür sein…“, klügelte sich Keno einen Plan zurecht.
„Ein Überraschungskommando auf Abruf also… Deswegen wolltest du es so Mobil wie nur irgendwie möglich haben, verstehe…“, schlussfolgerte Liz.
„Da wäre noch eine weitere Sache, über die ihr euch Gedanken machen solltet…“, mischte sich nun auch Zion mit ins Gespräch mit ein.
„Und dies wäre?“, wurde Lucin neugierig.
„Die Krönung des nächsten Königs, beziehungsweise Königin, je nach dem, wofür ihr euch entscheidet… Das Volk ist sehr unruhig geworden… Es sind nun schon etliche Monate verstrichen ohne konsequente Führung… Es haben sich bereits kleinere Gruppen gebildet, welche eine Rebellion anstreben… Das Volk braucht eine offizielle Führung oder das Königshaus und alles, was damit verbunden ist, wird fallen und zu Grunde gehen…“, erklärte Zion.
„Das stimmt… Dann würde das Königreich im Chaos versinken und wir haben weiß Gott andere Probleme, um die wir uns zu kümmern haben… Was ist mit Leif? Wenn er die Thronfolge so vehement ablehnt, bleibt euch nichts übrig als selbst den Thron zu besteigen…“, sah Liz die Beiden ernst an.
„Ich würde die Entscheidung nur ungern ohne ihn treffen… Es ist leider schon lange her, dass wir Leif zuletzt gesehen haben…“, streichelte sich Lucin unbewusst über ihren Bauch während Liz das mitbekam.
„Wollt ihr meinen Rat haben? Tretet die Krönung an… Solange jemand an der Macht ist, hat das Volk nichts zu meckern und ihr könntet den Titel später immer noch an Leif abgeben, falls er sich umentscheiden sollte… Und außerdem solltet ihr noch Heiraten, bevor das Kind kommt, das gehört sich einfach so…“, sprach Liz zu ihnen.
„Kind? Wovon redest du?“, war Keno perplex.
Liz sah ihn geschockt an bevor beide Lucin ansahen, welche sich verschämt das Gesicht zuhielt.
„Ist das wahr? Bist du schwanger?“, ging Keno vor Lucin auf die Knie und griff nach ihren Händen.
„Entschuldige Keno… Ich… Ich wollte es dir schon längst sagen, aber…“, war Lucin den Tränen nahe.
Keno packte sie und schloss sie fest in seine Arme.
„Ich weiß, wir hatten viel zu tun und es gibt noch einige Probleme, die wir aus der Welt schaffen müssen, aber sowas wichtiges musst du mir doch sagen!“, sah Keno sie ernst an.
Keno seufzte und lächelte sie liebevoll an.
„Deshalb bist du also ständig so müde…“, presste er seine Stirn an ihre.
„Es tut mir leid…“, entschuldigte sich Lucin.
„Kein Grund sich zu entschuldigen…“, streichelte er ihr sanft über ihre Wange. „Ruh dich aus, ich übernehme das hier…“
„Entschuldigt, ich wollte jetzt keine Bombe platzen lassen…“, stand Liz auf. „Dann machen wir uns mal auf den Weg…“
Währenddessen kamen Jamin und Misaki in einer Stadt an. Es war bereits abends und sie sahen sich nach einer Unterkunft um.
„Ob wir um diese Uhrzeit noch etwas finden?“, fragte Misaki nach.
„Ich hoffe es… Eine warme Dusche wäre schon mal wieder etwas…“, sah Jamin leicht angefressen aus.
„Da hast du recht… Ein seltenes Vergnügen momentan…“, kicherte sie.
„Lass es uns dort versuchen…“, zeigte Jamin auf ein Gasthaus, wo noch Lichter brannten.
Sie traten ein und gingen an den Tresen.
„Guten Abend“, grüßte sie eine Frau, die aus einem Nebenzimmer hervorkam und sich hinter den Tresen stellte.
„Habt ihr noch zwei Zimmer über für heute Nacht?“, fragte er nach.
„Es ist leider nur noch eins frei…“, antwortete die Frau.
„Dann teilen wir uns das eben…“, warf Misaki ein.
„Bleibt uns ja nichts übrig…“, drehte sich Jamin um und ließ sich zusammen mit Misaki in besagtes Zimmer führen.
„Dusch du zuerst… Ich kann warten…“, setzte sich Jamin auf die Bettkante.
„Wie du willst…“, betrat sie das kleine Badezimmer, wandte sich aber noch mal schelmisch Grinsend Jamin zu. „Ich hätte auch nichts gegen eine gemeinsame Dusche…“
Jamin seufzte leicht grinsend.
„Kannst wohl nicht genug von mir kriegen, hm?“, neckte er sie, stand auf und kam auf sie zu.
„Dir gefällt das doch auch…“, gab sie zurück und strich mit ihrem Finger über seine Brust, während sie ihm einen wissenden Blick zuwarf.
Jamin grinste zurück und seine Augen nahmen ihre dämonische Form an. Daraufhin zog sie ihn zu sich ins Badezimmer und küsste ihn. Ein Kuss folgte auf den nächsten und ehe sie sich versahen, entledigten sie sich ihrer Klamotten und standen zusammen in der Dusche. Während das Wasser an ihnen hinter prasselte, hob Jamin Misaki an, presste sie gegen die Wand und drang in sie ein, während er ihren Kopf auf die Seite zog und zubiss.
Misaki stöhnte immer lauter. Jamin stieß immer härter zu. Auch Jamin stöhnte einmal auf. Völlig außer Atem sah er sie direkt an. Sie fixierte sein Gesicht, sah ihm tief in die Augen und küsste ihn liebevoll. Vorsichtig trug er sie zum Bett und legte sie behutsam ab.
„Misa…“, beugte er sich über sie, streichelte ihr über ihre Wange und sah sie intensiv an.
„So hast du mich schon lange nicht mehr genannt…“, freute sie sich und lächelte.
Dann beugte sich Jamin zu ihr hinunter und lies ihr noch mehr Küsse zukommen.
Der nächste Morgen brach an. Misaki öffnete langsam ihre Augen. Ein sanftes Lächeln entwich ihr. Jamin und Misaki lagen zusammen gekuschelt im Bett. Vorsichtig strich sie ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor sie aufstand und im Badezimmer verschwand. Sie ging am Spiegel vorbei doch blieb dann plötzlich stehen. Behutsam langte sie an die Stelle an der Jamin sie biss und bemerkte dass Jamins Mal wieder da war. Ungläubig starrte sie in den Spiegel.
Eine Träne lief ihr über das Gesicht und ein Lächeln zierte ihr Gesicht.
„Er… Er empfindet wieder was für mich… Ich darf es dieses Mal nicht vermasseln…“
„Misa? Alles okay bei dir?“, rief Jamin ihr zu.
Sie wischte sich die Träne weg und kam aus dem Badezimmer heraus.
„Alles in Ordnung…“, lächelte sie ihn liebevoll an. „Machen wir uns fertig, wir haben noch eine Aufgabe zu erledigen…“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
„Wohin gehen wir als nächstes?“, Frage Misaki nach.
„Nach Süden, das sagt mir mein Gefühl…“, beantwortete Jamin die Frage.
„Irgendetwas stimmt hier nicht… Hier ist nichts… Kein Laut zu hören…“, wurde sie unruhig.
„Du hast Recht… Bleib nah bei mir… Das gefällt mir nicht…“, sah er sich um.
Dann vernehmen sie ein gewaltiges Brüllen das beide aufschrecken ließ.
„Was war das?!“, fragte sie schockiert nach.
„Ich bin mir nicht sicher, aber es kam aus dieser Richtung…“, deutete Jamin nach links.
„Sollten wir nachsehen?“, zog sie an seinem Ärmel.
„Ja… Mich beschleicht ein sehr ungutes Gefühl…“, war er argwöhnisch.
Zusammen liefen sie nach links und kamen immer näher. Umso weiter sie vordrangen, umso lauter wurde es, umso mehr vibrierte der Boden unter ihren Füßen. Dann hören sie es jämmerlich aufschreihen.
„Ob es besiegt wurde?“, rätselte Misaki.
„Das werden wir gleich sehen, komm mit!“, nahm er sie an der Hand und rannte los.
Eilig rannten sie los und kamen an einem Abhang an. Fassungslos sahen sie sich um. Vor ihnen befanden sich ihre Freunde, ein geköpfter Behemoth und sie erblickten Nile, welcher gerade Eneas aufspießte, am Boden fixierte und seine Elektro-Energiekugel Richtung Leilani schoss.
Kapitel 69
„Ilay! Seren!!“, rief Leilani.
Seren windete sich vor Schmerz. Ilay lag immer noch regungslos da.
Alle waren fassungslos. In dem Augenblick sprang Jamin vom Anhang hinab, stürmte auf Nile zu und schlug mit seinem Großschwert zu. Nile versuchte noch auszuweichen und daraufhin wurde ihm der Arm abgetrennt. Mit einem Schmerzverzehrtem Gesicht wich er einige Meter zurück.
„Das wirst du bitterböse bereuen!!“, sah Jamin ihn hasserfüllt an und zog Eneas den Speer aus der Brust.
„… Danke“, bedankte sich Eneas schmerzerfüllt und ließ sich von Jamin aufhelfen.
Was ist passiert?!
<Ich… Seren… Und Ilay… Ich glaube Ilay ist tot…>
Was?! Lass mich zu ihm! Bitte!!
<Das geht nicht! Seren braucht mich! Ich muss ihm helfen!>
Aber wenn Ilay wirklich tot ist!! Das kann ich nicht zulassen!! Ich muss zu ihm!
<Vergiss es! Für ihn ist es längst zu spät! Hör auf mich zu behindern damit ich zu Seren kann!>
Nein!
Auf einmal glühte das Medaillon und Rias Seele sprang aus dem Anhänger hinaus und flog zurück in ihren Körper. Ein helles Licht umgab sie und blendete alle.
Ich muss zu Ilay!
<Ich muss zu Seren!>
Diese Lichtkugel von der sie verschluckt wurden, teilte sich und klang ab. Zum Vorschein kamen zwei Menschenkörper welche identisch aussahen. Ria richtete sich auf und hielt sich den Kopf.
„Was …?“
Auch Leilani richtete sich auf und sah sich um. Dann stoppte ihr Blick bei Seren und sie rannte los.
„Seren!!“
Als sie bei Seren ankam, ließ sie sich auf den Boden plumpsen und griff nach seinem Gesicht.
„Seren! Seren!!“, rüttelte sie ihn.
„Lei…La…“, brachte Seren nur noch hervor.
Sein Gesicht war blutüberströmt und er war mit Blessuren übersäht. Leilani breitete ihre Handflächen über Seren aus und tat ihr Bestes, um Seren zu heilen.
Währenddessen richtete sich Ria auf und erblickte Ilay. So schnell sie konnte lief sie auf ihn zu. Sie schmiss sich auf den Boden und nahm ihn in seine Arme.
„Ilay…!“, schluchzte sie.
<Ist das ein Traum? Träume ich? Ist das Rias Stimme? Es ist alles so dunkel… Ich kann nichts sehen… Ich kann mich nicht bewegen… Alles ist so taub… Ist das das Ende? ... Ria…>
„Ich lasse dich nicht sterben!“, protestierte Ria, beugte sich hinab und gab Ilay einen Kuss.
Jamin war immer noch stinksauer und auch Leif und Estes gesellten sich zu ihm. Zusammen kesselten sie Nile ein.
„Jetzt ist es aus mit dir!“, sprach Jamin und richtete seine Waffe auf ihn.
In dem Augenblick sprang Enil dazwischen und packte sich Nile.
„Ich KANN ihn euch nicht töten lassen…“, richtete sich Enil an die Gruppe und verschwand mit Nile im Schlepptau.
Dann wandten sich Eneas, Jamin, Leif und Estes Ria und Ilay zu.
„Hat es… Geklappt?“, wollte Eneas in Erfahrung bringen.
„Ich… Ich weiß es nicht…“, weinte Ria während sie Ilay fest an sich drückte.
Dann kamen auch Bela und Eysa hinzu und Eneas ließ sich von ihr heilen, während Bela nur kurz seine Hand auf Eneas Schulter sinken ließ, um sich dann ebenfalls zu Ilay hinzuknien.
„Wie war das bei dir Leif? Weiß da irgendjemand was darüber?“, stellte Estes seine Fragen.
„Ich hab keinen Schimmer… Das letzte, was ich sah, war Ria und dann bin ich wieder aufgewacht…“, beantwortete Leif die Frage.
„Kasperoz könnte uns wohl mehr darüber sagen, wenn er hier wäre…“, wandte sich Jamin mit ein.
Leilani plumpste erschöpft nach hinten. Misaki kam auf sie zu und hielt ihr ein paar Klamotten hin.
„Hier… Zieh das an…“, bot sie ihr ihre Wechselklamotten an. „Es ist zwar nicht viel, aber besser als nichts…“
„Vielen Dank…“, bedankte sich Leilani und nahm die Klamotten entgegen und zog sie sich über.
Seren richtete sich wieder auf, sah aber noch etwas benommen aus. Dann erblickte er Leilani. Staunend sah er sie an.
„Leila…?“, wandte er sich an sie.
Sie wandte sich ihm zu und brach in Tränen aus, bevor sie ihm um den Hals fiel.
„Bin ich froh!! Ich hatte solche Angst um dich!“, schluchzte sie.
Seren tätschelte ihr den Kopf.
„Alles gut… Vielen Dank…“, drückte er sie an sich. „Wo ist Ilay? Geht es ihm gut?“
Seren erschrak als er rüber zu den anderen sah. Er packte Leilani an der Hand und ging auf die Gruppe zu. Misaki folgte ihnen.
„Ist er tot?“, fragte Seren geschockt nach als sie die Gruppe erreichten.
„Wir wissen es nicht… Das wird sich wohl erst noch zeigen ob Rias Kräfte eine Wirkung erzielt haben…“, wandte sich Eneas ihnen zu.
Dann erblickte er Leilani und bekam große Augen.
„Moment! Was?!“, war Eneas sprachlos.
Die Gruppe sah sich um und schnallte endlich, dass dort zwei „Rias“ standen.
„Wie habt ihr das gemacht? Hat Leila nun einen eigenen Körper?!“, staunte Leif.
„Ich dachte Ria hat nur die Kontrolle übernommen! Wahnsinn!“, staunte ebenso Estes.
„Ich… Ich weiß es ehrlich gesagt nicht wirklich…“, sprach Leilani. „Es ist einfach passiert…“
Dann kniete sie sich ebenfalls zu Ria, gab ihr von hinten eine Umarmung und ließ ihren Kopf auf Rias Schulter sinken.
„Es tut mir so leid… Ich hätte nicht so egoistisch sein sollen… Ich wollte unbedingt Seren retten und habe dabei keine Rücksicht auf deine Gefühle genommen…“, entschuldigte sich Leilani aufrichtig.
„Schon gut…“, drückte Ria Leilanis Hand. „Seren zu retten war ebenso wichtig, dich trifft keine Schuld…“
„Was machen wir jetzt?“, fragte Eysa in die Runde, die soeben die Heilung an Eneas beendete.
„Wir kehren sofort zum Palast zurück… Wir müssen uns endgültig um den göttlichen Rat kümmern bevor sie uns zuvorkommen!“, befahl Eneas.
Zur selben Zeit saßen Kaz und Enzo zusammen am Tisch und plauderten miteinander, um sich die Wartezeit zu verkürzen.
„Enzo… Du kannst doch in die Zukunft sehen… Wie wird es ausgehen? Können wir den göttlichen Rat besiegen? Was passiert mit meinen Schwestern?“, fragte Kaz ungeduldig.
„Das ist nicht so einfach zu beantworten…“, sah Enzo ihn direkt an.
„Wieso?“, wurde er neugierig.
„Ich sehe keine einfache, direkte Zukunft… Ich sehe viele Variablen, welche sich ständig ändern je nachdem wer welche Entscheidung trifft… Es gibt nicht die eine Zukunft, das hängt von vielen Faktoren ab…“, versuchte er es so gut es ging zu erklären.
„Aber Celi sagte uns damals voraus, dass Ria die Apokalypse herbeiführen würde…“, hakte er nach.
„Das, was sie sah, war nur eine der vielen Variablen… Sie hat sich täuschen lassen… Denn nicht Ria wäre für die Apokalypse verantwortlich, sondern Leilani…“, stellte er klar.
„Leilani?“, fragte Kaz nach.
„Der Name deiner anderen Schwester, diesen Namen hat sie bekommen… Und ich kann dir sagen, dass die Zukunft eingetreten ist, in der es Ria und Leila vollbracht haben, sich erfolgreich zu trennen und beide nun ihren eigenen Körper haben…“, nippte Enzo von seiner Tasse.
„Woher weißt du, dass diese Zukunft eingetreten ist?“, fragte Kaz weiter.
„Weil wir hier in Ruhe und Frieden sitzen und einen Tee trinken können, während wir warten… Schmetterlingseffekt… Jede Aktion führt zu einer Reaktion… Es wäre auch möglich gewesen, dass wir nun hinter Gitter sitzen würden…“, erklärte Enzo weiter.
„Interessant… Hast du deshalb damals Leila mit Ria im Medaillon fliehen lassen? Damit diese Zukunft hier erst überhaupt stattfinden kann?“, bohrte er weiter.
„Unter anderem, ja… Aber dieser Weg, diese Entscheidung, hat vor allem dazu beigetragen, dass wir Freunde werden, sonst wären wir Erzfeinde geworden…“, sprach er weiter.
„Das hört sich alles sehr kompliziert an…“, kochte Kaz der Kopf und er rieb sich seine Augen.
„Es ist auch sehr kompliziert… Der kleinste Eingriff kann verheerende Folgen herbei führen… Deshalb versuche ich mich eigentlich weitestgehend herauszuhalten, um nichts zu meinen Gunsten hinzuverändern… Aber ich habe bereits bewusst eingegriffen…“, umklammerte Enzo seine Tasse. „Ich wollte dem Schicksal seinen lauf lassen… Dachte mir, was geschehen wird, wird geschehen… Du musst wissen, dass ich euch alle schon seit ewigen Zeiten in meinen Visionen mitverfolge… Auch wenn ich keinen von euch je persönlich kennen gelernt hatte, so habe ich eine tiefe Bindung zu jedem einzelnen von euch aufgebaut…“
Kaz sah ihn ganz erstaunt an.
„Ich wollte lange Zeit nicht eingreifen, doch dann wurden die Variationen der Zukunft immer ungewisser, nebeliger, düsterer… Das wollte ich nicht… Ich wollte, dass alle eine Chance auf eine glückliche Zukunft haben… Das bedeutete für mich, meine Tante, deine Verlobte, Celine sterben zu lassen… Das bedeutete bei Laisas Hinrichtung nicht eingreifen zu dürfen… Das bedeutete dich nicht selbst aus der Gefangenschaft befreien zu dürfen… Das bedeutete mich meinem Vater anzuschließen und dreckige Aufgaben für den Rat zu erledigen… Das bedeutete meinen Vater Jahrhunderte lang leiden zu lassen… Das bedeutete den Rat nicht selbstständig frühzeitig aus dem Verkehr ziehen zu dürfen… Das bedeutete Ria aus ihrem eigenen Körper zu extrahieren und sie Höllenqualen dabei erleiden zu lassen… Das bedeutete, dass Ilay und ich unsere Mutter verlieren mussten… Das bedeutete, dass Ilay eine viel zu große Bürde allein tragen musste… Das bedeutete, dass er Ria verlieren musste… Nur für diesen einen kleinen Zukunftsfetzen, den ich sah…“, fuhr Enzo fort und sah sehr mitgenommen aus.
„Ich wollte die bestmögliche Zukunft und habe euch allen dafür viel zu viel zugemutet… Zu viel erleiden lassen… Ich bin verantwortlich für all euren Schmerz… All euer Leid… Es tut mir leid…“, entschuldigte sich Enzo aufrichtig.
Kaz klopfte ihm sanft auf die Schulter. Enzo sah ihn verwundert an.
„Ich verstehe… Mir tut es leid, dass du das alles ganz allein durchleben musstest… Diese Entscheidungen allein treffen musstest… Aber ab jetzt bist du damit nicht mehr allein… Ich werde dir helfen so gut ich kann…“, lächelte Kaz ihn an.
„Ich danke dir…“, bedankte sich Enzo. „Es ist aber noch nicht vorbei… Es werden nicht alle diese Zukunft erleben…“, sah er ihn traurig an.
„Erzähl mir davon… Was hast du gesehen?“, war Kaz fordernd.
„Ilay…“, fing Enzo an zu erzählen.
Zur selben Zeit trafen gerade Marin und Zoya im Palast ein.
„Ich möchte gerne wissen warum Ryde uns unbedingt treffen will…“, rätselte Marin vor sich hin.
„Gute Frage… Wir mussten dafür sogar extra unsere wöchentliche Blutspende unterbrechen…“, gab Zoya hinzu.
„Da seid ihr ja…“, kam Ryde auf sie zu.
„Ryde! Schön dich zu sehen! Was gibt es denn?“, fragte Marin freudig nach.
„Wir haben Besucher aus Resparia hier… Ihr wart ja mit dem Thronprinzen und seiner Gruppe einige Zeit lang zusammen unterwegs… Ich dachte ich frage zuerst bei euch nach, bevor ich mich entscheide, was mit ihnen geschehen wird…“, erklärte er die Situation.
„Ja waren wir, aber wie können wir dir dabei behilflich sein? Was möchtest du wissen?“, fragte Zoya nach.
„Der eine behauptet ein Bruder von Estes, Eneas und Eysa zu sein… Der andere wiederum der Bruder von Miss Iturria zu sein…“, fuhr er fort.
„Okay…“, sahen sich die beiden Mädchen an. „Wir wissen zwar das Ria einen Bruder hat, aber der galt, soweit wir wissen, als tot genauso wie der älteste Bruder von Eneas… Haben sie euch ihre Namen genannt?“
„Enzo und Kasperoz…“, antwortete er.
„Genau! So hießen sie! Wenn du magst, kommen wir mit…“, schlug Marin vor.
„Das wäre wunderbar, folgt mir bitte…“, führte sie Ryde hinaus. „Wenn das Schwindler sind, werden sie sofort weggesperrt, dann soll sich Prinz Ilay um die Beiden kümmern, sobald er zurückkehrt…“
Kapitel 70
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 71
Enil tauchte mit dem verletzten Nile im Schlepptau im Unterschlupf des göttlichen Rates auf. Das oberste Ratsmitglied trat hervor.
„Gut gemacht Enil… Du bist wohl doch nicht so nutzlos wie du immer tust…“, sprach er.
Enil schluckte seinen Frust einfach herunter und schwieg.
„Nile… Du bist eine Enttäuschung… Du warst dir so sicher die Seraphim einfangen zu können und hast uns bitter enttäuscht… Nun haben die anderen sie…“, fuhr er fort.
„Aber…“, wollte Nile sich verteidigen.
„Nichts aber!“, war das Oberhaupt erzürnt. „Das ist eine Schande! Eine Blamage!“
Er wandte sich an die anderen.
„Brennt ihm den Stummel aus! Dann greifen wir an! Wir müssen ihnen zuvorkommen!“
Die Gruppe zuckte bei der Explosion zusammen. Liz stürmte zur Tür herein.
„Schnell! Wir werden angegriffen!“, rief sie ihnen zu.
Sie rannten in Windeseile aus dem Palast.
„Verdammt! Jemand sollte Seren und Leila suchen und sie verstecken! Sie darf nicht in die Hände des Rates fallen!“, befahl Eneas.
„Ist gut…“, sprach Bela und flog in Windeseile davon.
„Ria! Du spielst unseren Köder! Sie müssen denken, dass du Leila bist!“, befahl Eneas.
„Verstanden!“, bejahte Ria dies.
„Jamin, du bleibst bei ihr! Lauft in der Nähe herum und tut so, als ob ihr euch versteckt halten wolltet!“, rief Eneas Jamin zu.
Jamin nickte, packte Ria am Arm und lief los.
„Der Rest folgt mir!“, lief Eneas voraus, mit dem Rest der Gruppe im Schlepptau.
Sie kamen nicht recht weit. Plötzlich tauchte Nile vor ihnen auf mit einem bestialischen Grinsen und schleuderte seinen Speer direkt durch die Mitte. Das war so schnell und unerwartet, dass niemand ausweichen konnte. Der Speer verletzte Eneas‘ Arm, über Eysa fegte er hinweg, schnitt in Leifs Arm und schoss schließlich durch Keno und Lucin, welcher sich noch schützend vor ihr platzierte, durch.
Geschockt wandte die Gruppe ihre Blicke nach hinten als Keno und Lucin zu Boden gingen.
„Lucin!! Keno!!“, schrie Leif und rannte auf die Beiden zu.
Lucin und Keno sahen sich an und streckten ihre Hände zum jeweils anderen.
„Ich liebe dich Keno…“, sprach Lucin schwach.
„Ich liebe dich auch… Lucin…“, ergriff Keno mit letzter Kraft ihre Hand und schloss die Augen.
Leif nahm seine Schwester in seine Arme und drückte sie an sich, während im eine Träne die Wange hinunterlief. Auch auf Keno ließ er eine Hand sinken und tätschelte ihm den Kopf.
„Machs gut Bruderherz…“, sprach Lucin mit letzter Kraft, streichelte ihm sanft über die Wange, bevor sie ihre Augen schloss und ihre Hand zu Boden fiel.
Dann blickte er auf und pure Mordlust war in seinem Blick. Er legte Lucin zu Keno und flog in Spitzengeschwindigkeit auf Nile mit gezückter Glefe zu.
Estes und Eysa eilten daweil zu Keno und Lucin und waren geschockt bei dem Anblick. Eysa fiel auf die Knie.
„Was ist mit dem Baby?!“, war Eysa schockiert.
„Es wird wohl mit der Mutter sterben…“, legte Estes behutsam seine Hände auf ihren Schultern ab.
„Nein! Das dürfen wir nicht zulassen!“, war es Eysa ernst.
„Du kannst nichts dagegen tun Eysa…“, drückte er sie.
Leif zog voll durch und verpasste Nile eine tiefe Einkerbung über dem Brustkorb.
„Bastard!! Das wirst du bereuen!!“, schrie Leif und setzte sogleich zum nächsten Schlag an.
Nile konnte gar nicht mehr reagieren so schnell und bestialisch schlug er zu. Der nächste Schlag trennte ihm das Bein ab. Mit schmerzverzehrtem Gesicht ging Nile zu Boden. Leif kannte kein Halten mehr. Er schlug solange auf Nile ein dass das Blut nur so durch die Gegend spritzte. Blutüberströmt dreschte Leif weiter auf ihn ein. Nile war bereits total entstellt.
Eneas griff sich Leif und hielt ihn fest.
„Das reicht jetzt Leif! Er ist bereits tot!“, sah er ihn ernst an.
Leif hielt inne. Auf einmal liefen ihm immer mehr Tränen über das Gesicht bis er zusammen sackte und schluchzte. Eneas legte ihm sanft seine Hand auf die Schulter.
„Ich weiß, es ist viel verlangt, aber kannst du weiter kämpfen?“, sprach Eneas einfühlend.
„Natürlich!“, wischte sich Leif die Tränen aus dem Gesicht und richtete sich wieder auf.
Währenddessen erreichte Bela Seren und Leilani.
„Los! Kommt!“, rief er ihnen zu.
Zusammen eilten sie die Flure des Palastes entlang.
„Was ist passiert!?“, war Seren aufgebracht und zog Leilani an der Hand hinter sich her.
„Der Rat kam uns wohl zuvor und greift uns momentan an!“, erklärte Bela die Situation, während die Wände des Palastes erschüttert wurden. „Mit ihren Angriffen werden sie den ganzen Palast in Schutt und Asche legen!“
„Wir sollten Ilay holen und verschwinden!“, rief Leilani.
Belas Miene verfinsterte sich. Betrübt blickte er zu Boden.
„Das können wir nicht, dafür haben wir keine Zeit mehr! Am wichtigsten ist es Leila von hier fort zu bringen! Wenn der Rat sie kriegt, wäre alles umsonst gewesen!“, befahl Bela.
„Aber…“, wandte Leilani ein.
„Meinst du ich will das?! Er ist mein Bruder!! Verdammte Scheiße!“, knirschte Bela mit den Zähnen.
„Wir haben verstanden… Bring uns hier raus!“, war Seren einsichtig und drückte Leilanis Hand.
Zur selben Zeit liefen Jamin und Ria auf dem Gelände umher.
„Der Palast hat massiven Schaden genommen… Wenn das so weitergeht, stützt er bald ein…“, mutmaßte Jamin.
„Was?!“, war Ria schockiert. „Dann müssen wir Ilay dort rausholen!!“
„Du hast Recht… Komm!“, zog er sie mit.
Kaum kamen sie um die Ecke, polterte und rumpelte es schrecklich laut. Der Einsturz des Palastes war unaufhaltsam. Geschockt sahen sie wie der Palast in sich zusammenfiel und der ganze Boden durch die Wucht des Aufschlages erzitterte.
„Ilay!!!“, schrie Ria und wollte losrennen.
Jamin hielt sie am Arm fest und drückte sie an seine Brust.
„Es… Es ist zu spät…“, streichelte er ihr sacht über den Kopf während sie teilnahmslos gegen ihn lehnte.
„Sie haben die mobilen Schussanlagen komplett zerstört!“, rief Liz Eneas zu als sie auf ihn zugerannt kam.
„Scheiße!“, fletschte er mit den Zähnen.
„Wo ist Leila?“, fragte Liz nach.
„Bela bringt Sie in Sicherheit…“, erklärte er.
Dann tauchte der Rat vor ihnen auf. Mit ihnen Enil.
„Enil, Bring es zu Ende! Schalte sie aus!“, befahl der Oberste des Rates.
Enils Fluchmarkierung leuchtete und Enil ging auf die Gruppe zu.
„Vater…“, sprach Eneas und stellte sich vor die Gruppe.
Ein paar Ratsmitglieder zückten Waffen und stellten sich zu Enil. Gemeinsam stürmten sie los und hielten die Gruppe in Schach, während Enil auf Eneas zustürmte. Eneas blockte den Angriff ab und schleuderte seinen Vater nach hinten.
Auch Leif parierte erfolgreich einen Angriff eines Ratsmitglieds. Auf einmal attackierte ihn einer von hinten doch Misaki sprang dazwischen und konnte den Angriff abwehren. Estes und Eysa hatten genauso zu kämpfen mit zwei weiteren Mitgliedern. Eysa wich einem Angriff aus doch wurde mit dem nächsten brutal gegen eine Wand geklatscht.
„Eysa!!“, rief Estes und sah in ihre Richtung.
In dem Augenblick schlug der Angreifer zu und verpasste Estes eine tiefe Schnittwunde die ihn zu Boden gehen ließ. In dem Augenblick katapultierte Jamin das Mitglied mit einem gezielten Tritt aus dem Weg.
„Gerade noch rechtzeitig, was?“, grinste Jamin ihn an.
„Danke…“, erwiderte Estes mit einem Schmerzverzehrtem Grinsen.
Ria flog auf den Angreifer von Eysa zu und schaltete ihn in einem Zug aus. Mutig baute sie sich vor ihr auf.
„Da ist sie! Ergreift sie!“, befahl das Oberhaupt.
Ein paar Mitglieder stürmten auf sie zu. Ria wich einigen aus doch der letzte konnte sie niederschlagen. An den Haaren zog er ihren Kopf hoch. Jamin versuchte noch sie zu erreichen aber bekam einen heftigen Schlag ab, welcher ihn auf die Knie zwang. Das oberste Ratsmitglied schnappte sich Ria und lachte schelmisch.
„Endlich!“, hob er sie an. „Gehorche uns oder deinen Freunden geht es an den Kragen!“
Noch mehr Mitglieder versammelten sich und kesselten die Gruppe ein, während Eneas immer noch verbittert mit Enil kämpfte.
„Ha! Ich bringe euch gar Nichts… Ich bin die Flasche…“, lachte Ria schelmisch.
Ungläubig sah er sie an. Dann verfinsterte sich seine Miene augenblicklich. Gewaltvoll schmiss er sie auf den Boden und trat mehrere Male heftig auf sie ein.
„Wo ist sie?! Sprich, wenn dir dein Leben lieb ist!!“, war er sehr erbost.
„Ich sag euch gar nichts!“, weigerte sich Ria.
Dann packte er ein Schwert aus und schlug zu. Die Freunde konnten nichts mehr tun als tatenlos zuzusehen. In diesem Moment flog jemand von oben rasend schnell auf die beiden zu und schlug ihn von Ria weg.
„Wie kannst du es wagen meiner Schwester solche Schmerzen zuzufügen?!“, war Kaz stinksauer.
„Kasperoz! Du bist wieder da?“, bekam Ria große Augen.
Kaz nahm sie in seine Arme.
„Ja… Zum Glück rechtzeitig…“, war er sichtlich erleichtert. „Und wir haben jemanden mitgebracht!“
Kas grinste spitzbübisch und zeigte nach oben. Alle Augen wanderten in die Luft. Jamin, Misaki, Enil und alle Ratsmitglieder erstarrten.
„Der Dämonen Lord!“
„Es wird Zeit euren Machenschaften endlich einen Schlussstrich zu verpassen!“, wirkte Bael bedrohlich.
Zur selben Zeit waren Bela, Seren und Leilani nicht unweit von ihnen unterwegs.
„Ich hab kein gutes Gefühl dabei unsere Freunde allein gegen den Rat kämpfen zu lassen…“, gab Seren unbedacht von sich.
„Ich auch nicht… Wir müssen ihnen helfen! Was, wenn sie sterben, nur weil wir nicht da waren?“, war Leilani mitgenommen.
„Ihr sollt euch ruhig verhalten… Wenn wir uns jetzt zeigen, war alles umsonst!“, ermahnte sie Bela erneut. „Mir gefällt das ebenso wenig wie euch aber wir müssen uns bedeckt halten!“
„Es war doch auch nicht umsonst aber ich kann nicht zulassen dass sich alle für mich opfern!“, widersprach Leilani.
„Das kann ich nicht zulassen!“, funkelte Bela sie böse an.
Leilani stand auf und wirkte sehr entschlossen.
„Entweder du hilfst uns oder du bleibst hier, aber stell dich uns nicht in den Weg!“, war es ihr ernst.
Bela kratzte sich genervt den Kopf.
„Ihr nervt, wisst ihr das?“, stand Bela auf und lief voraus, dann drehte er sich noch einmal herum. „Was ist jetzt? Kommt ihr nun, oder nicht?“
Sofort machten sich die drei auf den Weg.
Kapitel 72
„Enil! Töte sie sofort! Fang mit deinem Sohn an!“, befahl das Oberhaupt.
Enil blickte schockiert. Seine Male glühten richtig. Mit einem Satz sprang er auf Eneas zu und verpasste ihm eine mit seinem Schwert. Eneas wich zurück, doch sogleich setzte Enil einen Schlag hinterher, sodass Eneas hart auf dem Boden aufschlug und Blut spuckte. Als Enil auf Eneas zuging und seine Waffe bereithielt, schoss Bela im richtigen Moment herbei und brachte Enil mit einem geschickten Manöver zu Fall.
„Ich lasse nicht zu, dass du Eneas noch mehr antust!“, stand Bela schützend vor Eneas.
Damit stürmte Enil auf Bela los. Bela bemerkte gar nicht, dass sein Vater mittlerweile eingetroffen war.
Währenddessen kämpfte Bael mit dem obersten Ratsmitglied als er Bela bemerkte.
„Bela…?!“, war er kurz abgelenkt, doch wurde dann von einem Angriff aus seinen Gedanken gerissen.
Die anderen kämpften in der Zwischenzeit mit den anderen Mitgliedern. Leif erstach gerade einen von ihnen. Als der leblose Körper zu Boden fiel erhaschte Leif einen Blick auf das Gesicht.
„Isel?!“, war er verwundert.
In dem Augenblick ging eine andere Person auf ihn los. Leif tat sich schwer den Angriff zu blocken und wurde einige Meter nach hinten katapultiert als die Gestalt erneut auf ihn losging.
„Dafür wirst du bezahlen!“, war die Person wutentbrannt und die Kapuze flog von seinem Kopf.
„… Farlo…“, realisierte nun Leif wen er da vor sich hatte.
Leif ließ Farlo auf sich zukommen, machte im letzten Moment einen Ausweichschritt und katapultierte ihn auf direktem Wege zu Boden. Das ließ sich Farlo nicht gefallen, rollte sich zur Seite, zog Leif die Beine weg und stach mit seinem Schwert zu.
„Leif!“, rief Eysa und rannte auf die Beiden zu.
Sie kickte Farlo von Leif runter, zog ihm das Schwert raus und begann sofort mit einer Heilung.
„Da rettest du mir schon wieder das Leben… Ich bin dir echt was schuldig Kleine…“, lächelte Leif.
„Ach was…“, blushte Eysa ein wenig.
Schon stürmte Farlo wieder auf die Beiden zu, doch Estes war rechtzeitig vor Ort und schützte sie mit einer Barriere.
Enil ging weiter auf Bela los und ließ ihm keine Möglichkeit für einen Gegenangriff. Enil war wahnsinnig schnell und Bela hatte sichtlich Schwierigkeiten Schritt zu halten. Enil bemerkte das und verschaffte sich einen Vorteil indem er das Tempo noch mehr steigerte. Dadurch gelang es ihm Bela zu überrumpeln und verpasste ihm einen gewaltigen Schnitt über dem Brustbereich. Bela schlug am Boden auf und Enil sauste auf ihn zu und spießte ihn auf. Bela schrie vor Schmerzen laut auf.
„Nein!!“
Eneas war fassungslos. Sein Körper bewegte sich wie von allein. Er sprang auf Enil zu und schubste ihn von Bela hinunter. Sie rollten ein paar Meter und Enil hatte die Oberhand. Nun saß er mit gezogener Waffe auf seinem unbewaffneten Sohn. Er brachte die Waffe in Position. Doch es passierte nichts. Enil zögerte. Seine Hände zitterten. Überrascht sah Eneas ihn an. Umso länger er zögerte, umso mehr zitterte er, umso heftiger schienen die Schmerzen zu werden welche er verspürte.
„Nun liegt es an euch… Beschütze deine Geschwister…“
Damit stieß er mit der Waffe zu und durchbohrte sein eigenes Herz. Enil fiel zu Boden, leblos.
„Vater!“, rief Eneas noch und sah nach ihm.
Wut stieg in Eneas auf. Seine Augen glühten. Er riss sich zusammen, besann sich und rannte zu Bela, welcher bereits in einer großen Lache aus Blut lag. Er nahm ihn in seine Arme.
„Dir geht es gut, ein Glück…“, sprach Bela sehr angeschlagen und streichelte ihm über seine Wange.
„Du darfst nicht sterben! Bitte… Ich… Ich muss doch irgendetwas tun können…“, war Eneas aufgewühlt.
„Bringt es zu Ende… Ich kann euch leider nicht mehr begleiten, aber… Ihr könnt es schaffen…“, grinste Bela mit zugekniffenen Augen um seine Schmerzen zu verstecken.
„Nein! Verlass mich nicht!“, flehte Eneas mit Tränen in den Augen.
„Ich liebe dich Eneas…“, keuchte Bela.
„Ich lass dich hier nicht sterben!“, rief Eneas und seine Augen glühten erneut.
Bela durchzog eine wohlige Wärme und seine Wunden begannen sich zu schließen. Verblüfft sah Eneas Bela an, welcher sich langsam aufrichtete, während ihm eine Träne das Gesicht hinunter lief. Bela war ebenfalls sehr erstaunt.
„Du besitzt Heilkräfte?“, fragte Bela ungläubig nach und tastete seine Wunde ab.
Eneas drückte Bela fest an sich und sackte dann vor Anstrengung zusammen.
„Ich habe keine Kraft mehr über…“, keuchte Eneas kraftlos.
Auch Ria und Kaz hatten zu kämpfen und hielten sich gegenseitig den Rücken frei.
„Du kämpfst echt gut Schwesterchen“, lobte er sie.
„Du bist auch gar nicht Mal so schlecht…“, gab sie das Kompliment grinsend zurück.
„Meine Kampfausbildung liegt zwar schon ewig lang zurück aber gelernt ist gelernt“, lächelte er zurück, während er einen Gegner zurück schlug.
„Na dann gib mir Mal eine Kostprobe deines Könnens!“, forderte sie.
<Ich muss jetzt konzentriert bleiben! Dieser Kampf ist zu wichtig als mich von meinen Emotionen Übermannen zu lassen… Alle hier geben ihr Bestes! Ich muss durchhalten…>
Ria ging wieder zum Angriff über und konnte einen von ihnen Niederstrecken. Doch kaum ausgeschaltet, überwältigen sie ein anderer und brachte sie zu Boden. Das war der Moment in dem Leilani Eingriff und den Angreifer mit ihrem Schwert niedermähte. Helfend streckte sie Ria ihre Hand entgegen.
„Hilfe gefällig?“, lächelte Leilani sie liebevoll an.
„Was machst du hier?! Du solltest nicht hier sein!“, war Ria geschockt. „Wenn dir was passiert, wenn sie dich kriegen, dann war’s das!“
„Hier bin ich genau richtig! An der Seite meiner Freunde und liebsten Menschen! Hier will ich sein und euch helfen!“, grinste sie entschlossen.
Ria seufzte mit einem Lächeln.
„Du Dummkopf! Ich bin froh dich zu sehen!“, erwiderte sie das Lächeln.
Zusammen stellten sie sich den Angreifern.
„Jetzt ist es soweit!“, gab das Oberhaupt von sich und stützte im Sturzflug auf Ria und Leilani zu. In dem Moment stellte sich Seren schützend vor die beiden.
Jamin parierte einen Angriff. Auch Misaki hatte alle Hände voll zu tun. Ihre Blicke trafen sich. Dann bemerkte Jamin wie mehrere Leute auf Misaki zueilten. Er reagierte blitzschnell, entledigte sich seines Angreifers und sprang auf Misaki zu. Er packte sie, zog sie zu sich und schwang mit seinem Großschwert einmal voll durch.
„Finger weg von meiner Frau! Wie könnt ihr es wagen sie so in Bedrängnis zu bringen? Hat euch denn keiner beigebracht wie man mit einer Lady umgeht?!“, war Jamin stinkig.
Mit weit aufgerissen Augen sah sie ihn an. Er tat es ihr gleich. Beiden schoss eine Röte ins Gesicht. Verlegen drehte er sich weg, sah aber noch einmal verstohlen zu ihr rüber.
„Sieh zu dass du in meiner Nähe bleibst Misa…“, gab er ihr zu Verstehen.
Misaki kicherte leicht und nickte während Jamin das sichtlich unangenehm war. Zusammen stellten sie sich den nächsten Angreifern.
Das Ratsmitglied griff sich Seren und hielt ihn fest.
„Seren!“, rief Leilani geschockt.
„Was bist du denn? Ein Mensch? Ein mickriges Menschlein? Du hast noch nicht einmal göttliches Blut in dir… Was ist deine Lebenserwartung? 80, 90 Jahre? Jämmerlich… Einfach nur jämmerlich…“, beäugte er Seren argwöhnisch. „Und du denkst, du könntest mich aufhalten indem du dich mir in den Weg stellst? Wie töricht…“
„Einen Versuchs wars wert…“, grinste Seren ihn voller Hohn an.
Das Ratsoberhaupt brach in Gelächter aus und packte ihm an Hals fest.
„Ihr Menschen denkt wirklich euer Leben wäre von Bedeutung… Das ihr etwas Besonderes wärt… Ihr Menschen seid nichts…“, sprach er. „Eure Körper halten nichts aus… Sieh nur, so leicht bricht bei euch ein Ärmchen…“
Und schon brach er mit einer kleinen Bewegung locker leicht Serens Arm durch. Seren schrie auf vor Schmerzen.
„Hör auf! Lass ihn gehen!“, schrie Leilani.
„Dir liegt wohl etwas an diesem Menschlein, nicht wahr?“, weckte das das Interesse des Ratsmitglieds. „Es ist ganz einfach… Gib uns was wir wollen und ich lass ihn am Leben…“
„Hör nicht auf ihn! Wenn sie dich kriegen sterbe ich sowieso und alle anderen dann auch!“, rief ihr Seren zu.
Leilani und Ria waren geschockt.
„Lass den Jungen los…“, kam Bael hinzu und stand bei Ria und Leilani und legte seine Hände auf ihren Schultern ab. „Er hat hiermit nichts zu tun…“
„Vergiss es… Dieses Menschlein ist genau das Druckmittel, das ich brauche…“, sprach der Oberste ernst. „Also… Komm zu mir oder das Nächste, was bricht wird sein Genick sein…“
„Wenn du ihn nicht sofort gehen lässt, wird es dir leidtun…“, sah Bael ihn böse an.
„Halt dich endlich da raus!“, patzte das Ratsmitglied Bael an. „Deine hochnäsige Haltung fand ich schon immer zum Kotzen! Du hast dich schon immer für etwas Besseres gehalten! Es wird Zeit, dass dir das ausgetrieben wird!“
Verdutzt blickte Bael ihn an, dann änderte sich sein Gesichtsausdruck zu geschockt.
„Kann das sein…? Amducias…?“, war Bael verwundert.
„Ich dachte schon du hättest uns gänzlich vergessen…“, lüftete das oberste Ratsmitglied sein Geheimnis und nahm die Kapuze ab.
Zum Vorschein kam ein gehörnter Dämon mit spitzen Zähnen. Alle sahen in geschockt an.
„Was?! Der Anführer des göttlichen Rates ist in Wirklichkeit ein Dämon?!“, sprach Ria geschockt.
Auch Bela richtete nun seine Aufmerksamkeit auf sie und bemerkte endlich seinen Vater.
„Vater…?“, sprach er leise und geschockt vor sich hin.
Er lächelte sehr glücklich und freute sich, dass es endlich geklappt hatte.
„Nicht nur irgendein Dämon…“, sprach Bael. „Ein Urdämon der mit zu den legendären Erzdämonen gehört, so wie ich… Mein Bruder… Amducias…“
„Ich dachte du wärst vor langer Zeit im unendlichen Schein versiegelt worden… Es hätte nichts geben sollen, was diese Versiegelung hätte aufheben können…“, wandte sich Bael an Amducias.
„Dessen wart ihr euch so sicher…“, kicherte er. „Da habt ihr wohl falsch gedacht…“
„Das kann nicht sein! Vater hatte damals höchstpersönlich für eure Versieglung gesorgt!“, war Bael erzürnt.
„Tja… Die Versieglung hing aber zusammen mit dem Leben des amtierenden Dämonen Lords… Das du versiegelt wurdest, war für uns wohl ein Schlupfloch, was unsere Versieglung aufhob… Damit wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, unser Entkommen und das Verschwinden der mächtigen Urgottheiten und dir…“, erklärte Amducias.
„Unmöglich…“, war Bael geschockt.
„Nicht unmöglich… Wir wurden alle befreit…“, lachte er boshaft. „Und nun werde ich meinen Plan in die Tat umsetzen und alles Leben auf den Kontinenten Respon und Riftan auslöschen! So dass nur noch unsere Anhänger auf dieser Welt umher wandeln können!“
„Und wo sind Astaroth und Eurynome?!“, fragte Bael erbost nach.
„Unsere Schwestern verfolgen ihren eigenen Plan, das muss dich nicht weiter kümmern!“, winkte Amducias ab. „Ihr werdet das sowieso nicht mehr miterleben!“
Damit hob er Seren in die Luft und ließ seine verbleibende Hand die Form einer Klinge annehmen. Er setzte sie Seren an die Brust und sah Leilani an.
„Letzte Chance!“, ermahnte Amducias sie.
Leilani ging einen Schritt nach vorn, wurde aber von Bael zurückgehalten. Er sah sie an und schüttelte den Kopf.
„Mir bedeutet Seren alles auf dieser Welt! Lasst mich gehen!“, flehte Leilani.
„Lasst sie bitte gehen! Ich würde mich an ihrer Stelle auch nicht aufhalten lassen!“, bat Ria Bael, dann wandte sie sich lächelnd Leilani zu. „Wenn es um Ilay gehen würde, könnte mich auch nichts aufhalten! Dir würden sie auch zunächst nichts antun, da sie dich brauchen, das würde uns Zeit verschaffen…“
„Ich verstehe eure Gefühle durchaus, aber es wäre dennoch zu gefährlich dich auszuhändigen…“, wandte sich Bael an Leilani. „Das Wohlergehen unserer beiden Kontinente steht dabei auf dem Spiel… Es wäre unverantwortlich von mir dich gehen zu lassen…“
„Das dauert mir zu lange…“, wurde Amducias ungeduldig und wandte sich Seren zu. „Du bist ihnen wohl doch nicht so wichtig…“
Seren grinste ihn mit einem schmerzverzogenem Gesicht an. In dem Moment als Amducias zustach, riss sich Leilani los und rannte auf sie zu.
„Nein!!“
Amducias ließ Seren fallen und Leilani fing ihn auf. Geschockt sah sie Seren an.
Kapitel 73
Leilani streichelte Seren sanft über das Gesicht, während ihr eine Träne nach der anderen über das Gesicht lief. Seren gab keine Reaktion mehr von sich. Sanft beugte sie sich zu ihm hinunter und gab ihm noch einen Kuss, bevor sie ihn fest an sich drückte.
Ria war genauso geschockt. Wie erstarrt stand sie da, unfähig auch nur irgendeine Gemütsregung zu zeigen.
Auch die anderen sahen nur schockiert auf Seren.
„Jetzt hab ich dich!“, freute sich Amducias und wollte nach Leilani greifen.
„Nicht anfassen!“, rief Bael, doch Amducias hörte nicht auf ihn.
In dem Moment als er sie berührte nahm die schwarze Aura von Leilani rasant zu und zog Amducias hinein. Er verschwand spurlos.
„Was zur Hölle…?!“, kam von Jamin.
„Es war ein Fehler ihr diesen Jungen zu nehmen… Damit wurde die Apokalypse in ihr aktiviert und alles und jeder der sie berührt wird eingesaugt und verschwindet für immer… Es ist quasi eine Art ‚Schwarzes Loch‘…“, erklärte Bael.
„Und es wächst rasant an…“, bemerkte Eneas, welcher immer noch sehr mitgenommen in Belas Armen lag.
„Das ist nicht gut, wir müssen hier weg…“, schlug Bael vor.
„Leila!! Hörst du mich?! Bitte!“, ging Ria vorsichtig auf sie zu.
„Nicht Iturria… Sie ist in einem tranceähnlichen Zustand… Momentan kann sie wohl nichts und niemand aufhalten…“, mutmaßte er.
„Aber ich muss es zumindest versuchen! Sie ist meine Schwester!“, war Ria stur.
„Es hat keinen Sinn… Wir sollten uns zurückziehen und dann sehen, was wir tun können…“, schlug Bael vor. „Es ist übrigens schön dich zu sehen… Du hast die Schönheit deiner Mutter und das Temperament deines Vaters geerbt… Komm…“
Zur selben Zeit flog Enzo durch die Luft. Er machte am eingestürzten Palast halt und sank auf die Trümmer.
„Es hat wohl schon angefangen, ich kann ihre Aura spüren…“, drehte er sich in die Richtung in der Leilani zu sein schien.
Dann wandte er sich wieder dem Trümmerfeld zu und bewegte einige Brocken auf die Seite.
„Ah… Hier bist du also… Ich war mir unsicher in welcher Variation wir gerade stecken… Es wird Zeit Bruder…“, streckte Enzo seine Hand in Richtung des Trümmerfeldes.
Ilay griff nach seiner Hand und hievte sich aus den Trümmern heraus.
„Was ist passiert…?“, fragte Ilay noch leicht benommen nach. „Mir war, als hätte ich Mutters Stimme gehört…“
„Das kann gut sein, immerhin warst du an der Schwelle des Todes…“, half er Ilay auf. „Wir sollten uns beeilen, ich werde dir unterwegs alles erklären…“
Zusammen flogen sie zu dem Sammelplatz, an dem alle anderen bereits ausharrten. Als sie landeten, zogen sie alle Aufmerksamkeit auf sich.
Ria stand auf und Tränen liefen ihr über das Gesicht. Ilay warf ihr ein kleines Lächeln zu. In Windeseile rannte sie auf ihn zu und sprang ihm in die Arme. Auch er war sehr froh sie wiederzusehen und schloss seine Arme um sie.
„Du bist es wirklich!! Du kannst dir gar nicht vorstellen wie unsagbar glücklich mich das macht!“, freute sich Ria und befühlte sein Gesicht.
Er packte sie an ihren Armen und gab ihr einen liebevollen Kuss.
„Ohne dich wäre das nicht möglich gewesen… Ich danke dir dafür…“, bedankte sich Ilay mit einem überglücklichem Lächeln im Gesicht.
Nun kam auch Bela auf sie zu und gab Ilay eine Umarmung, sichtlich erleichtert. Ilay war erst verdutzt aber erwiderte die Umarmung. Auch Eneas schloss sich dieser Umarmung an.
„Schön dich wieder da zu haben Kumpel…“, freute sich ebenfalls Jamin und gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
„Es ist so schön euch alle endlich wiedersehen zu können…“, freute sich Ilay.
Dann bemerkte Ilay seinen Vater. Geschockt sah er ihn an.
„Vater…“
„Mein Sohn… Schön dich wohlauf zu sehen…“, lächelte Bael.
Ilay ging auf ihn zu und fiel seinem Vater in die Arme.
„Es hat also geklappt… Bin ich froh…“, sprach Ilay erleichtert.
„Ein Glück geht es euch beiden gut…“, freute sich auch Bael und winkte ebenfalls Bela zu sich.
Bela ließ sich das nicht zweimal sagen und lief ihm ebenfalls in die Arme. Fest drückte er seine beiden Jungs.
„Und jetzt müssen wir uns was einfallen lassen wegen Leila…“, merkte Eneas an.
„Als ob wir da irgendetwas ausrichten könnten… Was sollte die Apokalypse jetzt noch aufhalten?!“, zweifelte Bela.
„Bela hat recht, es sieht nicht gut aus…“, stimmte Estes zu.
„Ich bezweifle, dass man sie noch retten kann… Mittlerweile sollte sie ebenfalls von der Finsternis verschluckt worden sein…“, fügte Kaz traurig hinzu.
„Aber wir müssen sie retten! Sie würde dasselbe auch für uns tun!“, wandte Ria ein.
„Ria hat Recht! Wir können sie nicht im Stich lassen!“, stimmte Ilay zu.
„Um die Apokalypse noch aufzuhalten, müsstet ihr sie töten, aber das könnt ihr nicht mehr da ihr nicht mehr nah genug an sie herankommt…“, erklärte Bael.
„Enzo…“, sprach Kaz und wandte sich Enzo zu.
Alle Blicke fielen auf ihn.
„Es gäbe eine Möglichkeit…“, sprach Enzo behutsam. „Aber das ist sehr gefährlich…“
„Was für eine?“, klang Ria fordernd.
Enzo schloss seine Augen und atmete einmal tief durch.
„Jemand muss in die Finsternis und sie ausschalten… Die Optionen, die wir haben, wären, sie entweder davon zu überzeugen Selbstmord zu begehen oder sie zu töten… Je nachdem wie wir vorgehen, gäbe es mehrere mögliche Enden dafür, die meisten enden leider damit, dass der- oder diejenigen, welche gehen, nicht wiederkehren werden, aber es besteht eine Möglichkeit zurück kommen zu können, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering ist…“, erklärte Enzo.
„Einzelheiten Enzo… Einzelheiten…“, drängte Kaz.
„Schon gut, schon gut… Da alle Entscheidungen bewusst von denen getroffen werden müssen, welche gehen, kann ich nicht sagen, wofür ihr euch entscheiden müsst, aber so viel sei gesagt, die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit besteht, wenn Ilay und Ria gehen…“, fuhr Enzo fort.
„Nur die Beiden?!“, war Bela außer sich.
Enzo nickte.
„Ich sehe viele Variablen der Zukunft und diese Vorgehensweise hat die meisten Erfolgsaussichten mit gerade einmal 49 %... Schwer, aber machbar… Jede andere Variable mit mehr Leuten liegt gerade einmal im Durschnitt bei 22% wovon 98% davon ohne Wiederkehr wären...“, gab Enzo ruhig, aber ernst von sich.
„Warum kannst du uns nicht einfach sagen was Ria und Ilay tun müssen?! Du siehst die Zukunft doch, also weißt du doch auch was getan werden muss!“, war Bela sauer.
„Das kann er nicht… Wenn Enzo das verrät, handeln sie nur noch nach dem, was Enzo sagte und nicht nachdem, was sie wollen… Das könnte die Wahrscheinlichkeit wieder senken, indem sie vielleicht was Falsches sagen was ein negatives Ergebnis herbeiführen könnte… Es ist kompliziert zu erklären, aber Enzo weiß genau, was er sagen kann und darf…“, erklärte Kaz.
„Kaz hat Recht… Wenn Enzo uns mehr sagen könnte, würde er das auch tun… Es ist gefährlich in die Zukunft einzugreifen…“, stimmte Jamin Kaz und Enzo zu.
„Also… Wie entscheidet ihr euch?“, fragte Enzo nach.
Ilay und Ria blickten sich an und nickten.
„Wir tun es!“, kam einstimmig.
„Seid ihr euch sicher? Eine falsche Entscheidung könnte dazu führen, dass ihr nie wieder zurück kehren könnt…“, wollte Enzo sicher gehen.
„Ja… Solange wir uns haben, können wir alles schaffen…“, lächelte Ilay Ria an und drückte behutsam ihre Hand.
„Das stimmt! Wir schaffen das!“, lächelte Ria auch Ilay an.
„Nun denn… Ich bringe euch bis zur Finsternis, ab da müsst ihr allein weiter…“, kam Enzo auf die Beiden zu.
„Passt bitte gut auf euch auf…“, legte Bael seine Arme um die Beiden und tätschelte ihnen den Kopf. „Kommt wohlbehalten zurück…“
„Das werden wir!“, grinste Ilay seinen Vater selbstsicher an.
Zusammen flogen sie zu der mittlerweile riesigen schwarzen Kugel. Enzo stand direkt vor ihnen.
„Weiter kann ich nicht mit, sonst zieht mich der Zog mit ein…“, wandte er sich den Beiden zu.
Es war sehr windig, als ob dieses schwarze Loch alles Mögliche in der Umgebung einsaugen wollen würde.
„Vielen Dank Enzo…“, bedankte sich Ria lächelnd.
Ilay und Ria liefen an ihm vorbei. Plötzlich griff Enzo nach Ria, drückte sie nah an sich und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Verwundert sah Ilay die Beiden an. Enzo ließ von ihr ab und Ria schloss zu Ilay wieder auf. Schon verschwand Enzo.
„Was hat er gesagt?“, wurde Ilay neugierig.
„Ich glaube das darf ich nicht sagen… Ich weiß auch nicht genau, was er mir damit sagen wollte aber da er es nur mir gesagt hat, sollte ich es wohl für mich behalten…“, sah sie ihn leicht verwundert an.
„Also dann… Auf geht’s…“, nahm Ilay Ria an der Hand und zusammen sprangen sie in das schier endlos wirkende Schwarze Loch.
Kapitel 74
Ria wachte auf. Müde streckte sie sich erst einmal und blickte sich um. Es war ein schöner Tag und sie konnte die Vögel vor ihrem Fenster zwitschern hören.
Sie legte ihre Decke auf die Seite, ging aufs Fenster zu und öffnete es. Sie genoss die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut, während eine sanft angenehme Brise durch die Fensteröffnung zu ihr hereinkam.
„Ria? Bist du schon wach?“, rief ihre Mutter. „Seren ist jeden Augenblick hier, um dich abzuholen…“
„Ich komme gleich…“, rief sie ihrer Mutter zu.
Ria setzte sich an ihren Tisch und nahm ihre Haarbürste in die Hand. Dann sah sie in den Spiegel.
„Abholen…? Wofür?“, fragte sie sich selbst, kümmerte sich aber nicht weiter darum und machte sich fertig.
Als sie die Treppen hinunter ging, stand auch schon Seren in der Eingangstür.
„Ria!“, begrüßte er sie freudig. „Komm, lass uns los! Sonst kommen wir noch zu spät…“
„Bin schon da…“, lächelte sie Seren an und folgte ihm.
„Viel Spaß!“, rief ihr ihre Mutter noch zu.
Ria drehte sich noch einmal um, um ihrer Mutter zurückzuwinken und wandte sich dann Seren zu.
„Wohin gehen wir denn?“, wurde sie neugierig.
„Na, in die Schule du Dummerchen!“, lachte Seren. „Hast du dich gut vorbereitet? Herr Philips deutete doch einen Test für heute an…“
„Oh, wirklich? Das habe ich wohl nicht mitbekommen…“, gab Ria überlegend von sich.
„Macht nichts, du wirst sowieso wieder die Beste sein, so wie immer!“, grinste Seren breit.
Kaum kamen sie in der Schule an, wurden sie von einigen Klassenkameraden belagert.
„Ria! Ria! Kannst du uns Mathe noch mal erklären? Wir steigen da einfach nicht durch…“, fragten die Mädels nach.
„Was? Ich denke nicht…“, gab Ria verdutzt von sich.
„Man, Ria ist immer so gemein… Nie hilft sie einem…“
„Das stimmt… Obwohl sie so gut ist…“
„Beruhigt euch mal!“, ging Seren dazwischen. „Wenn ihr eure Hausaufgaben selbst machen würdet, würdet ihr auch mehr kapieren! Vom ständigen Abschreiben ist euch nicht geholfen!“
„Und da ist er wieder, Rias kleiner Schoßhund…“, warfen sie Seren verächtliche Blicke zu.
„Ständig muss er sich einmischen… Das geht dich doch überhaupt nichts an! Verschwinde!“, fingen sie an ihn zu schubsen.
„Hört auf!“, ging Ria sofort dazwischen. „Lasst Ser in Ruhe!“
In der Rangelei schubste Ria ein Mädchen dabei so sehr, dass das Mädchen mit ihrem Kopf auf dem Fenstersims aufschlug und zu Boden ging. Binnen Sekunden verteilte sich ihr Blut auf dem Boden. Geschockt sah Ria das Mädchen an. Die anderen Mädchen fingen an zu kreischen.
„Weg hier!“, packte Seren Ria an der Hand und lief mit ihr davon.
Sie rannten einige Straßen entlang, bis sie an einem Park angelangten. Zusammen flüchteten sie hinein und kamen völlig aus der Puste bei einem Pavillon an.
„Verdammt!“, gab Seren von sich, während er sich auf der Bank niederlies. „Das gibt bestimmt eine Menge Ärger…“
Ria setzte sich neben ihn und starrte auf ihre Hände. Seren sah sie an.
„Alles gut Ria?“, fragte er nach.
„J-Ja… Denke schon… Irgendwie habe ich das Gefühl dass hier schon einmal erlebt zu haben…“, antwortete sie zögerlich.
„Wie meinst du das? So eine Art Deja-Vu?“, wurde Seren neugierig. „Ich hab schon oft von Leuten gehört dass sie eine Situation bereits im Traum erlebt haben bevor sie eintraf und die Erinnerung an den Traum erst wieder aufkam als diese Situation erlebt wurde…“
„Nein, nicht so… Es fühlt sich wirklich so an, als ob ich das hier schon einmal erlebt habe… Ich kann es nicht beschreiben…“, versuchte Ria sich auszudrücken.
„Irgendwie bist du heute komisch Ria… Sicher, dass alles gut mit dir ist?“, sah Seren sie besorgt an.
<Ria…>
Ria zuckte zusammen. Augenblicklich stand sie auf und sah sich um.
„Ilay… Ilay sollte bei mir sein…. Glaube ich…“, war Ria nervös.
„Was? Ilay? Wer soll das sein? Etwa der Oberklässler der dir seit einiger Zeit schöne Augen macht?“, kicherte Seren vor sich hin.
„Nein, Ilay ist… Er ist…“, wirkte Ria überfordert. „Dieser Name kommt mir so vertraut vor… Aber wer ist er?“
„Wenns wirklich wichtig ist, fällt es dir schon wieder ein… Lass uns zurück gehen…“, stand Seren auf und lief voraus.
Ria folgte ihm eilig. Seren brachte Ria bis an die Haustür. Winkend verabschiedete er sich und verschwand bei sich im Nachbarhaus. Ria sah ihm noch einen Moment lang hinterher, bevor sie die Tür öffnete.
Kaum stand die Tür offen, stand auch schon ihre Mutter vor ihr und gab ihr eine Ohrfeige. Ria fiel zu Boden und sah ihre Mutter geschockt an, während sie sich ihre Wange hielt.
„Mutter…“, sprach Ria zögernd.
„Die Schule hat mich angerufen! Was denkst du eigentlich was du tust?! Das arme Mädchen so heftig zu Schubsen, dass es ins Krankenhaus muss, wo sie doch nur nach deiner Hilfe bat? Was stimmt nicht mit dir?“, war ihre Mutter sehr zornig.
„Aber…“, wollte sich Ria erklären.
„Nichts da! Das liegt sicher an Seren! Der Umgang mit ihm tut dir nicht gut! Das werden wir ab sofort unterbinden! Ständig stellst du irgendetwas an, wenn du mit ihm zusammen bist! Das geht so nicht weiter! Jetzt sogar schon in der Schule, das geht zu weit! Sieh zu, dass du auf dein Zimmer kommst, du hast Hausarrest!“, schimpfte ihre Mutter sie.
Ria liefen ein paar Tränen die Wange hinunter. Sie stand auf und rannte davon.
„Ria!!“, schrie ihr ihre Mutter hinterher.
Ria lief und lief. Sie rannte so schnell sie konnte. Sie wollte einfach nur noch weg. Sie fühlte sich so allein. So klein. Sie wollte einfach nur verschwinden. Es fing an wie aus Eimern zu gießen. Sie suchte Unterschlupf in einem Tunnel auf einem Spielplatz. Es wurde kühl. Sie fror. Traurig, einsam und allein saß sie da. Ihr Blick leer.
<Ich kann es meinen Eltern nie recht machen… Ständig verlangen sie mehr von mir… Ständig nur Höchstleistungen… Ich genüge meinen Eltern nicht… Außer Ser habe ich sonst niemanden… Er ist mein einziger Freund und selbst er wäre vermutlich besser dran, wenn ich nicht wäre… Ständig kommt er in Schwierigkeiten, weil er mit mir befreundet ist… Meine bloße Existenz ist eine Bürde… Ein Fluch… Warum lebe ich? Warum bin ich auf dieser Welt? Vielleicht wäre es besser, wenn ich nicht hier wäre… Wenn ich nicht existieren würde…>
<„Zweifel nicht an dir, ich weiß das du es schaffen kannst… Ich wünsche euch viel Glück…“>
„Enzo…“, schreckte Ria auf.
„Stimmt… Wir sind hier, um Leila zu retten… Ob Ilay gerade etwas ähnliches durchmacht?“, lächelte sie traurig vor sich hin.
Auf einmal leuchtete eine Taschenlampe in den Tunnel und Seren stand vor ihr.
„Da bist du also! Ich hab dich schon überall gesucht!“, war Seren sauer aber auch erleichtert.
Seine gesamten Klamotten trieften richtig, so nass waren sie geworden. Er kroch zu ihr in die Röhre und zitterte richtig, so kalt war ihm gewesen.
„Was machst du hier?! Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht! Ich dachte schon dir wäre etwas passiert!“, sah Seren sie ernst an.
„Ich danke dir Ser… Für alles… Ich liebe dich…“, umarmte sie ihn weinend.
„Ich liebe dich doch auch Ria…“, umarmte er sie auch.
„Ich werde dich so sehr vermissen…“, fuhr sie fort.
„Aber ich bin doch immer bei dir…“, lächelte er. „Für immer, versprochen…“
Er packte sie an den Schultern, sah sie an und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Und nun rettet Leila… Sie wartet auf euch…“
„Ria!! Wach auf!!“, rief Ilay.
Plötzlich kam Ria zu sich, während Ilay sie durchschüttelte.
„Was ein Glück…“, seufzte Ilay erleichtert. „Alles gut?“
Ria flossen etliche Tränen die Wangen hinunter. Sie bemerkte es und versuchte sie wegzuwischen.
„Ich dachte schon ich bekomme dich nicht mehr wach…“, half er ihr die Tränen wegzuwischen.
„Ser… Ich hab mir Ser gesprochen… Ich… Ich habe mich verabschiedet… Er meint, Leila würde auf uns warten…“, erklärte sie.
Ilay packte sie und schloss sie fest in seine Arme.
„Ich verstehe…“
Dann nahm er sie an der Hand und half ihr auf. Entschlossen lächelte er sie an.
„Hattest du auch einen Traum aus der Vergangenheit?“, fragte Ria nach. „Wie konntest du dich daraus befreien?“
„Bei mir war es eine grausame Endlosschleife, in der ich gezwungen wurde, dich jedes Mal zu töten… Ich konnte es einfach nie… Es wirkte so real… Es dauerte, bis ich begriff was vor sich ging… Um zu entkommen, musste ich aber deine Projektion töten… Vielleicht hat Seren dich davor bewahrt…“, erklärte Ilay.
„Ja…“, lächelte Ria sanft. „Das würde zu ihm passen… Aber warum gerade diese Erinnerung? Es hätte so viel Schönere gegeben… Warum hat er mich an den Unfall mit dem Mädchen erinnert und den Streit mit meiner Mutter?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht musste es ja etwas Grausames sein oder er hatte keinen Einfluss darauf…“, mutmaßte Ilay. „Wir sollten weiter… Wenn wir es geschafft haben, dieser Illusion zu entkommen, schaffen das sicher auch andere und wir sind hier sicher nicht allein…“
Eilig machten sie sich auf den Weg. Plötzlich schoss eine Energiekugel direkt auf die Beiden zu. Ilay reagierte blitzschnell und sprang mit Ria im Arm auf die Seite. Amducias lachte Hönisch.
„Was ein Zufall, dann bin ich doch nicht allein hier… Die Apokalypse hat also gestartet und löscht endlich alles aus… Wenn es so weit ist werde ich mich hieraus befreien, doch zuvor werde ich euch wohl ausschalten müssen… Noch habt ihr die Chance euch mir anzuschließen… Es wäre ein Jammer meinen Neffen und seine Freundin töten zu müssen…“, sprach er.
„Vergiss es! Wir sind hier, um Leila zu retten!“, rief Ria erbost.
„Was für eine Verschwendung, aber nun gut… Dann geht es euch jetzt an den Kragen!“, machte er sich zum Angriff bereit.
Mit einem Satz flog er auf die Beiden zu. Ria und Ilay sprangen zur Seite.
„Ihr braucht euch keine Mühe zu geben, ich gehöre zu den legendären Erzdämonen, ihr habt keine Chance gegen mich…“, lachte er hinterhältig.
Damit sprang er auf Ria zu, packte sie und stieß ihr seine Klingenhand direkt durch den Bauch. Er warf sie zu Boden und holte direkt erneut aus. Damit sprang Ilay auf ihn zu und zog mit seiner Sense voll durch. Amducias hielt die Sense mit bloßer Hand auf und schleuderte Ilay davon.
„Es sind immer die Weiber, welche Probleme verursachen, also werde ich mich deiner zuerst entledigen!“, sah er Ria an.
Ria rollte sich nach hinten, doch Amducias war zu schnell und kam ihr zuvor. Bevor sie ihr Schwert in der richtigen Position hatte, entwaffnete er sie und zog sie an ihren Haaren herbei.
„Ich lass dich noch ein wenig leiden, bevor ich dir den Gar ausmache, immerhin möchte ich meine Zeit hier gut nutzen und ein wenig Spaß haben!“, grinste er teuflisch und schlug mehrere Male auf Ria ein.
Ria versuchte sich mit einer Barriere zu schützen, aber jedes Mal zerschlug er sie einfach so, als ob da gar nichts wäre.
„Du hältst ganz schön viel aus… Liegt wohl daran dass du eine Urgottheit bist… Das ist schön…“, fuhr er fort, während er sie am Hals packte, in die Luft hielt und mehrere Male zustach.
Ilay startete einen neuen Versuch und griff Amducias an, doch er wich leicht aus, trat Ilay heftig zu Boden und kickte ihn beiseite.
„Na warte… Du kommst auch gleich dran… Immer nach der Reihe…“, amüsierte sich Amducias.
„Ria…“, war Ilay schon sehr mitgenommen und versuchte sich aufzurichten, doch klappte sofort wieder zusammen.
„So Liebes… Das wars nun mit dir, genug gespielt…“, wandte sich Amducias wieder Ria zu.
Er drückte mit seiner Hand immer fester zu, welche immer noch um ihren Hals war, und brachte die Klingenhand in Position.
Ilay sah schockiert zu ihnen rüber. In dem Augenblick leuchteten seine Augen richtig hell.
Kapitel 75
Ilays Augen fingen an hell zu leuchten. Aus seinen Dämonenflügeln wurden schwarz gefederte Schwingen. Er rappelte sich wieder auf.
<Diese Energie… Diese Kraft… Ich fühle mich wie regeneriert… Sie ist so warm…>
Dann fühlte sich Ilay von hinten umarmt. Zunächst war er geschockt, doch dann breitete sich ein trauriges Lächeln über seinem Gesicht aus.
<Ilay mein Liebling… Ich weiß, dass du es schaffen kannst… Nutze deine Fähigkeiten Weise und mit Bedacht… Auch wenn du mich nicht sehen kannst, war und bin ich immer bei dir mein Sohn… Du bist das Licht…>
„Mutter…“
Damit sprang Ilay erneut auf Amducias und Ria zu, doch dieses Mal konnte er seinem Gegenschlag ausweichen und ihn gezielt auf die Seite kicken.
„Wie hast du das gemacht?!“, war Amducias verblüfft. „Was ist mit dir passiert?!“
Ilay wandte sich Ria zu und breitete seine Hand über sie aus. Ria fühlte sich augenblicklich besser und konnte sich selbstständig aufrichten.
„Ilay…“, sah sie ihn erschrocken an.
Ilay gab ihr ein sanftes Lächeln, bevor er sich Amducias zuwandte.
„Nun bin ich es, der die Oberhand hat… Endlich habe ich Zugang zu meinen göttlichen Fähigkeiten…Nun kann ich jeden Angriff von dir vorhersehen, das heißt du hast keine Chance mehr gegen mich…“, stellte Ilay klar.
„Deine Mutter ist eine Thrones?!“, war Amducias geschockt.
„Ria… Geh… Suche Leila, das ist deine Aufgabe… Das hier ist meine…“, klang Ilay ernst.
„Verstehe…“, stand Ria auf und lief los.
„Was?! Nein!“, schrie Amducias und schnellte auf sie los, doch Ilay stand bereits im Weg und konnte ihn mit einem gezielten Kick auf den Boden katapultieren.
„An mir kommst du nicht mehr vorbei…“, wirkte Ilay bedrohlich.
„Tsk!“, schnaufte Amducias angespannt.
„Wie wäre es, wenn ich jetzt mit dir ein bisschen spiele?... Nicht, dass mir noch langweilig wird…“, grinste Ilay ihn mit einem mörderischen Blick an und ließ seine Finger knacken.
Plötzlich brach Amducias in Gelächter aus. Gleichgültig sah Ilay ihn an.
„Du bist der Hybrid! Hahahaha! Ich dürfte dich nicht töten, selbst wenn ich wollen würde! Sie werden kommen und dich holen wollen, wenn du nicht freiwillig zu ihnen gehst! Aber das weißt du wahrscheinlich schon längst, weil du es gesehen hast, nicht wahr? Welche Zerstörung sie über die Königreiche bringen würden…“, sprach Amducias. „Du bist genau das, was sie suchen! Los! Töte mich, wenn du willst! Das macht nun keinen Unterschied mehr!“
„Du hast Recht… In dem Augenblick als diese Kräfte in mir erwacht sind, sah ich die Zukunft… Viele möglichen Variablen… Und auch deinen Tod…“, kam Ilay langsam auf ihn zu. „Aber ihn nur gesehen zu haben, befriedigt mich nicht ansatzweise genug…“
In Ilays Blick lag regelrechte Mordlust. Er packte seinen Onkel an seinen Hörnern und zog ihn hoch.
„Wird Zeit, dass hier zu beenden… Aber schön langsam und qualvoll, ich möchte unsere verbleibende gemeinsame Zeit ja nicht verschwenden…“, erschuf Ilay eine Klinge und stieß sie ihm einmal durch den Hals. „Also sieh zu, dass du schön lange durchhältst…“
Zur selben Zeit irrte Ria in diesem endlos schwarzen Nichts umher.
<Ich muss sie finden! Unbedingt!>
Nach einigen Minuten bemerkte Ria in der Dunkelheit einen kleinen Lichtschimmer. Vorsichtig ging sie darauf zu.
„Leila?! Bist du hier?“, rief Ria.
Ria? Was tust du hier? Du solltest nicht hier sein…
„Wo bist du? Ich kann dich nicht sehen… Wir sind hier, um dich zu retten!“, sah sich Ria um.
Ihr seid zu spät… Ich kann nicht mehr gerettet werden… Außerdem will ich nicht gerettet werden… Verschwinde von hier…
„Selbst wenn ich wollte, wüsste ich überhaupt nicht wie wir hier jemals wieder heraus kommen könnten… Und was heißt überhaupt, dass wir dich nicht retten könnten? Ich will dich nicht auch noch verlieren…“, suchte Ria weiter.
Aber genau das wird unweigerlich passieren… Ich wollte nicht, dass die Apokalypse ausbricht… Es passierte einfach… Durch Seren habe ich diese Welt lieben gelernt, ich will nicht, dass sie untergeht… Ich habe meine Macht dazu genutzt, mich mit der Apokalypse zu verschmelzen, um sie einzudämmen… Das bedeutet sie wird momentan nicht größer, aber ich habe nicht genügend Energie übrig, um sie zu vernichten…
„Was heißt das?!“, war Ria geschockt.
Das ich nicht wiederkehren kann… Mein Leben ist mit der Apokalypse gekoppelt… Verschwindet sie, verschwinde ich… Da ich nun aber keinen Körper mehr habe, gibt es keinen Weg die Apokalypse über meinen Tod zu beenden…
„Was?! Das lasse ich nicht zu! Ich werde einen Weg finden, dich hieraus zu befreien!“, war Ria empört.
Lass es Ria, das ist nicht nötig… Wichtiger wäre es, die Apokalypse endgültig zu beseitigen… Finde einen Weg mir mehr Energie zukommen zu lassen, dann werde ich es beenden… Ich werde diese Welt retten!
„Ist gut, wir besorgen dir mehr Energie aber wir werden dich nicht im Stich lassen!“, protestierte Ria.
Zur selben Zeit standen die anderen in der Näher der finsteren Kugel herum.
„Seit einiger Zeit ist sie nicht mehr größer geworden…“, merkte Eneas an.
„Das stimmt… Ob Ilay und Ria wohl gut vorankommen?“, fragte Bela, welcher sich gegen den sitzenden Eneas lehnte.
„Hoffen wir es… Dass das Wachstum unterbrochen wurde, deute ich mal als gutes Zeichen…“, saß Leif auf der Seite.
Er wirkte ziemlich mitgenommen, rieb sich einmal über seine Augen und ließ den Kopf dann hängen. Eysa beobachtete ihn besorgt, dann ging sie auf ihn zu, setzte sich neben ihn und umarmte ihn. Erschrocken blickte er auf und sah sie dann an.
„Es tut mir so leid Leif… Ich konnte überhaupt nichts tun…“, sprach sie einfühlsam.
„Es ist doch nicht deine Schuld Kleine… Vielen Dank…“, lächelte er sie an und tätschelte ihr den Kopf.
„Leif tut mir leid… Er hat alles verloren…“, bemitleidete Misaki ihn.
„Das stimmt… Als ob er nicht schon genug durchmachen musste… Jetzt hat er auch noch seine Schwester, seinen besten Freund und deren Baby verloren… Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ihm nun zumute sein muss…“, stimmte Jamin ihr zu und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
Misaki griff nach seinem Arm, lächelte sanft und schmiegte sich an seiner Hand. Er zog sie zu sich her und gab ihr einen Kuss.
„Seit wann habt ihr denn wieder zueinander gefunden?“, stichelte Bela neckisch grinsend.
Beide liefen rot an und sahen nervös weg.
„Stellt euch nicht so an, ihr tut ja fast so als ob das eure erste Beziehung wäre!“, lachte Bela. „Ihr seid doch hier diejenigen mit einem Kind!“
„Bela… Ein wenig mehr Feingefühl bitte…“, ermahnte ihn Estes und deutete auf Leif.
„Entschuldige…“, entschuldigte sich Bela sogleich. „Das war arschig von mir…“
„Nicht so schlimm, ich weiß doch dass du es nicht böse gemeint hattest…“, sprach Leif, doch man merkte ihm an dass es ihn mitnahm.
„Das entschuldigt trotzdem nicht mein Fehlverhalten…“, setzte sich Bela mit zu Leif und legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Wenn ich irgendetwas tun kann, lass es mich wissen…“
„Das ist nett, Danke…“, lächelte Leif traurig.
Plötzlich schnellte ein Speer durch ihre Mitte, direkt auf Leif, Eysa und Bela zu. Leif legte schnell schützend seine Arme um Eysa, während Bael mit nur einer Handbewegung den Speer zerstören konnte.
„Was?“, sah sich Eneas um und bemerkte Farlo, welcher auftauchte.
„Das verzeihe ich dir niemals!!“, stürmte Farlo auf Leif zu.
Leif schob Eysa hinter sich und blockte den Angriff mit seiner Glefe ab.
„Warum ist der so pissig?“, fragte Bela sauer nach.
„Weil Leif vorhin Isel getötet hat… Die beiden kämpften gegen uns mit dem Rat…“, erklärte Estes.
„Genug jetzt!“, mischte sich Bael ein und hielt Farlo fest.
„Lass mich los! Ich will mich rächen!!“, funkelte Farlo Bael finster an.
„Keine Rache der Welt wird dir Isel wiederbringen oder den Schmerz lindern, welchen du verspürst… Wieso habt ihr überhaupt für den Rat gekämpft? Wieso seid ihr nicht geflohen?“, wandte sich Bael ihm zu.
„Wir hatten keine andere Wahl… Das… Das ist nicht fair!“, sackte Farlo zu Boden und schlug mit seiner Faust auf den Boden, während ihm die Tränen kamen. „Wir waren 2000 Jahre zusammen… Wie soll ich nur ohne sie weitermachen?! Mir wurde der Sinn meines Lebens genommen! Alles, wofür ich mich die ganze Zeit so angestrengt habe… Wofür ich diese Pein ertragen habe… Alles umsonst… Sie hatten Isel ein Mahl verpasst, uns blieb gar nichts anderes übrig als ihnen hörig zu sein…“, erklärte sich Farlo.
„Es tut mir leid…“, wandte sich Leif an ihn. „Wenn wir gewusst hätten…“
„Ihr konntet es nicht wissen, das weiß ich ja… Aber trotzdem…“, schluchzte Farlo. „Isel wollte das alles nicht mehr… Sie war müde… Sie hat aufgegeben und sich töten lassen… Und das alles nur für mich, damit ich wieder frei sein kann…“
„Das klingt ganz nach ihr…“, ließ Bael seine Hand auf Farlos Schulter nieder. „Deine Schwester hätte alles für dich getan…“
„Kennt ihr euch?“, fragte Bela nach.
„Ja… Ihre Eltern und ich waren befreundet…“, bestätigte Bael. „Sie starben vor langer Zeit im ersten großen Krieg…“
„Wie schrecklich…“, sprach Eysa.
„Dann geht es dir ganz genauso wie Leif… Auch er hat heute seine Schwester verloren und mit ihr ihr Kind und seinen besten Freund…“, stand nun Eneas vor Farlo, bevor er sich Leif zuwandte. „Und was hat dir letztendlich die Rache an Nile gebracht?“
„Nichts… Es hat rein gar nichts gebracht…“, sah Leif geknickt zur Seite.
„Aus Rache zu töten ist nie richtig… Vielleicht mag es sich im ersten Augenblick richtig und gut anfühlen doch hinterlässt es nichts als eine große Leere…“, streckte Eneas Farlo seine Hand entgegen und lächelte ihn an. „Wir sollten lieber zusammen an einer besseren Zukunft arbeiten als uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen…“
Zögernd ergriff Farlo seine Hand und stand auf.
Bald werde ich wieder mit Seren vereint sein… Sobald ich diese Apokalypse beendet habe, um Ria und unseren Freunden eine schöne Zukunft zu ermöglichen, werde ich aufhören zu existieren… Ob ich dafür schon bereit bin?
Ria sah sich fragend um.
„Wie schaffe ich es bloß Leila genügend Energie zur Verfügung zu stellen?“, rätselte sie vor sich hin. „Vielleicht, wenn ich ihr meine Energie zukommen lasse… Ob sie ausreichend sein wird?“
Sie schloss ihre Augen, konzentrierte sich und erschuf eine Energiekugel.
Ria, was machst du da?
„Wir haben es zusammen begonnen, also werden wir es zusammen beenden…“, klang Ria selbstsicher, streckte ihre Hände in die Luft und ließ ihre Energie fließen.
Nicht! Lass das! Wenn du deine komplette Energie verbrauchst, wirst du hier sterben!
„Ich habe nicht vor hier zu sterben! Aber genauso wenig habe ich vor, dich oder Ilay hier zu verlieren! Also gebe ich, was mir möglich ist!“, sprach Ria leicht angespannt.
Tu das nicht! Es ist ausreichend, wenn ich mein Leben hier lasse! Deine Energie reicht für dein Vorhaben niemals aus!
„Das werden wir sehen!“, ging Ria bereits angeschlagen in die Knie. „Ich gebe nicht auf!“
Immer weiter ließ Ria ihre Energie fließen. Sie zitterte doch zwang sich wieder aufzustehen.
<Noch mehr! Ich brauche noch mehr! Ich muss durchhalten! Ich muss es schaffen!>
Ria!!
Ria fiel nach hinten um.
Kapitel 76
Im richten Augenblick kam Ilay wie ein Blitz angeflogen und fing Ria auf.
„Ich bin hier…“, sprach er sacht zu Ria, während er ihr über ihre Wange strich.
Ilay… Ria hat mir all ihre Energie zur Verfügung gestellt, damit bin ich in der Lage die Apokalypse zu beseitigen… Das bisschen Restenergie, die sie noch hat, braucht sie, um zu überleben… Ihr müsstet aber zuerst hier verschwinden, bevor ich loslegen kann… Ich hoffe deine Energie reicht aus, um euch beide hieraus zu befreien…
„Leila… Dann ist das wohl der Abschied… Ich danke dir… Tu mir einen Gefallen und grüße Seren von uns…“, lächelte Ilay sanft, drückte Ria fest an sich und flog in Windeseile nach oben.
Das werde ich… Lebt wohl…
Währenddessen versuchte Ilay angestrengt durch den Rand der Apokalypse durchzubrechen. Ilay kostete es sehr viel Kraft, doch letztendlich schaffte er es. In rasender Geschwindigkeit flog er da raus hoch in die Lüfte und nur wenige Augenblicke danach implodierte das schwarze Loch.
„Seht! Da!“, rief Bela und zeigte in die Luft.
Alle sahen auf. Ilay verließ die Kraft, drückte Ria schützend an sich und zusammen stürzten sie hinab. Der Aufprall aus dieser Höhe war sehr hart und Ilay trug ein paar Blessuren davon. Beide waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ansprechbar.
Die Gruppe eilte zu ihnen.
„Sind sie tot?“, war Eysa geschockt.
„Nein, mach dir keine Sorgen…“, tätschelte ihr Enzo den Kopf. „Sie haben nur all ihre Energie verbraucht, sie werden vermutlich ein paar Tage durchschlafen…“
„Ein Glück…“, war Eneas beruhigt und ging in die Hocke.
„Wo ist Leila?“, wollte Eysa wissen.
„Sie hat sich selbst geopfert für uns damit wir die Chance auf ein glückliches Leben haben…“, erklärte Enzo, während Kaz betrübt dreinschaute.
„Was sind das für Flügel?!“, sah Estes Ilay genauer an.
„Also hat Ilay es endlich geschafft seine göttlichen Kräfte zu aktivieren…“, sprach Bael. „Damit ist er nun ein Hybrid und der Erste seiner Art…“
Verwundert sahen sie Bael an.
„Was soll das heißen?“, fragte Jamin nach.
„Das Ilay nun der erste einer neuen Rasse ist… Früher gab es öfters Paare zwischen Gottheiten und Dämonen welche Kinder bekamen aber all diese Kinder bekamen nur eine Seite vererbt… Ilay ist der Erste der beide Seiten bekam… Und dazu noch ziemlich mächtige Seiten…“, erklärte Enzo.
„Von väterlicher Seite aus ein Urdämon, von mütterlicher Seite aus ein Thrones…“, ergänzte Bela.
„Und jetzt lasst mal Ria und Ilay noch Kinder kriegen… Was wohl passiert, wenn man da noch etwas Urgottheit reinmischt?“, rätselte Jamin kichernd.
Meine Lieben…
Verwundert blickten sich alle um.
„Leila?“, rief Eysa.
Ich danke euch… Für eure Freundschaft… Eure Wärme… Eure Liebe… Obwohl mein Leben auf dieser Welt so kurz war, könnte ich nicht glücklicher sein… Freude, Liebe, Hass, Trauer… All diese Emotionen, die ich durch euch kennen lernen durfte… All diese wunderbaren Erinnerungen, die wir zusammen geschaffen haben… Trotz dieser kurzen Dauer war es ein erfülltes Leben und ich bereue nichts… Euch alle kennen lernen zu dürfen war das größte Geschenk, das man mir hat machen können… Diese Welt ist nicht grausam, sie ist wunderschön… Für diese Erkenntnis danke ich euch… Mit dem letzten bisschen Energie, welche ich übrighabe, hinterlasse ich euch ein Zeichen der Hoffnung… Ich bin so froh euch begegnet zu sein… Lebt wohl…
Leilas Worte verhallten und plötzlich hörte man Schreie. Leif schreckte ungläubig auf und rannte wie von einer Tarantel gestochen darauf zu. Er kam bei Lucin und Keno an und zwischen ihnen lag ein kleines Baby.
Langsam lief er darauf zu. Er ging in die Knie und nahm das Kind an sich. Augenblicklich hörte es auf zu schreien. Leif lief eine Träne die Wange hinunter und er drückte es fest an sich.
„Wie soll er heißen?“, fragte Jamin nach.
„Oliver…“, gab Leif von sich.
„Der Verbreiter der Hoffnung also…“, lächelte Jamin.
„Ich danke dir Leila… Ich danke dir so sehr…“, schluchzte Leif.
Alle freuten sich für Leif.
Ein paar Tage später öffnete Ilay seine Augen. Leicht benommen blickte er sich um, dann richtete er sich mit einem Schreck auf.
„Ria!“
„Er ist wach!“, verkündete Bela als er in Richtung des Flures rief, bevor er sich Ilay zuwandte. „Na? Ausgeschlafen?“
„Wo ist sie?“, forderte Ilay eine Erklärung.
„Immer mit der Ruhe, ihr geht es gut, keine Sorge…“, setzte sich Bela zu ihm. „Aber eigentlich müsstest du das ja wissen du Hybrid…“
Neckend sah Bela ihn an und streckte ihm die Zunge entgegen.
„Nicht, wenn er diese Kraft nicht aktiviert… Es braucht viel Übung sie unbewusst dauerhaft aktiviert zu halten…“, erklärte Enzo, welcher gerade zur Tür hereinspazierte. „Ich hab dafür mehrere Jahre gebraucht… Umso mehr Übung man darin hat, umso weiter kann man in die Zukunft sehen… Momentan sollte er noch nicht so weit in die Zukunft sehen können…“
„Enzo…“, sah Ilay ihn an.
„Schön dich zu sehen…“, lächelte Enzo liebevoll. „Müh dich nicht ab, diese Kraft braucht viel Energie, die du im Moment noch nicht über hast…“
„Was ist passiert?“, fragte Ilay nach, als er aufstand und sich anzog.
„Ihr habt es geschafft zu entkommen und Leila hat die Apokalypse erfolgreich aufgehalten…“, erklärte Bela.
„Und Leif hat sie ein einzigartiges Geschenk gemacht… Lucin und Kenos Kind überlebte dank ihr… Leif hat ihn Oliver genannt…“, fügte Enzo hinzu.
Überrascht sah Ilay die Beiden an und lächelte dann.
„Der Palast ist auch wieder so gut wie aufgebaut… Scheint so als hätten wir alle Probleme überstanden…“, sprach Bela weiter.
„Nicht alle…“, korrigierte in Enzo. „Eure Tanten werden in Zukunft ein Problem darstellen…“
„Du meinst Astaroth und Eurynome? So nannte Vater sie doch, oder?“, überlegte Bela.
„Genau…“, bejahte Enzo. „Die anderen beiden verbleibenden legendären Erzdämonen… Sobald sie von Ilay wissen, werden sie kommen, um ihn zu holen…“
„Und wann wird das sein?“, wollte Ilay wissen.
„Wir haben 10 Jahre… In dieser Zeit müsst ihr alle viel trainieren und stärker werden… Die Zwei zu besiegen, wird nicht einfach…“, erklärte Enzo.
„Warum sollten sie Ilay wollen?“, fragte Bela nach.
„Weil er der erste Hybrid ist… Eine Brücke zwischen den Dämonen und Gottheiten… Er ist der Schlüssel, den sie brauchen, um die Gegebenheiten des Weltenbaums umzuschreiben… Vor vielen Jahrtausenden lebten Dämonen, Menschen und Gottheiten auf dem Weltenbaum bis sich diese Gruppierungen irgendwann außerhalb ansiedelten… So entstanden unsere Königreiche Resparia und Riftania… Der Weltenbaum geriet in Vergessenheit und nur die allerwenigsten Wesen wissen noch von ihm…“, lehnte sich Enzo an den Fenstersims.
„Was? Das klingt ganz schön an den Haaren herbeigezogen…“, war Bela misstrauisch. „Wieso sollte Ilay der Schlüssel dazu sein? Und wie soll das gehen einen Baum umzuschreiben?“
„Es heißt, dass der Weltenbaum für alle lebenden Wesen verantwortlich sei… Er hat quasi unsere Rassen erschaffen… Mit der Mischung aus Ilays Blut was halb göttlich, halb dämonisch ist, ist das eine Mischung aus den ersten Rassen, die erschaffen wurden, den Urrassen… Der Mensch kam erst später dazu und hat deshalb hierbei keine Bedeutung, deshalb sehen sie uns so ähnlich, weil sie nach unserem Vorbild erschaffen wurden… Götter und Dämonen sind Gegensätze und Ilay vereint dies… Yin und Yang…“, fuhr Enzo fort.
„Also ist mein Blut der Schlüssel, den sie benötigen, um alles Leben auf dieser Welt auszulöschen…“, schlussfolgerte Ilay.
„Nicht auszulöschen… Umzuschreiben… Sie könnten unsere DNA soweit beeinflussen, dass niemand mehr eine Gefahr für sie wäre und sie die einzigen wären mit Kräften… Sie wären dann unbesiegbar und unaufhaltsam und könnten diese Welt unterwerfen… Sie wollen ein Königreich, das nur ihnen gehört und niemanden der ihnen einen Strich durch die Rechnung machen könnte… Die ganze Weltordnung würde in Gefahr geraten…“, erklärte Enzo.
„Aber wenn sie die Welt unterjochen wollen, warum haben sie dann zugelassen, dass Amducias unsere beiden Königreiche auslöschen wollte?“, stocherte Bela weiter nach.
„Weil unsere Königreiche nicht wichtig dafür sind und sie nicht wussten das sich der Hybrid hier befindet… Der Weltenbaum liegt auf dem vergessenen Kontinent Reitan… Und dort gibt es genug Lebewesen… Viele Menschen, die dank des Weltenbaumes über sehr viel Magie verfügen und sich Magier oder Hexen nennen… Eine Vielzahl an Demis, das sind Tier-Mensch-Mischlinge… Auch gibt es dort ein paar neuartige dämonische Rassen, die nicht ganz so mächtig sind, wie unsere Dämonen hier da diese wiederum aus Menschen entstanden sind aber trotzdem sehr gefährlich sein können… Vampire und Yokais zum Beispiel und die Göttlichen hinterließen Rassen wie Elfen und Feen…“, sprach Enzo weiter.
„Wie bitte? Wieso weiß hier darüber niemand etwas? In den ganzen Jahrhunderten hätte es doch möglich sein müssen…“, war Bela überrascht.
„Naja… Wie sucht man nach etwas von dem man nicht weiß das es existiert?“, gab Enzo als Antwort. „Auf ihrem Kontinent ist unsere Existenz der Gottheiten und Dämonen auch mehr eine Legende da dort drüben keine mehr von uns leben…“
„Das klingt ganz schön abenteuerlich…“, gab Eneas hinzu, nachdem er den Raum betrat und grinste dann breit. „Dann lasst uns jetzt der Krönungsfeier von Leif beiwohnen und dann geht’s ans Eingemachte…“
„Geht schon mal vor, ich komme dann nach…“, gab Ilay von sich und verließ den Raum.
„Er kann echt keinen Moment ohne seine Ria, oder?“, kicherte Bela und die anderen Beiden kicherten mit.
Ilay lief geradewegs auf den Friedhof zu. Dort fand er Ria vor, welche gerade an Serens und Leilas Grabstein stand. Ria strich einmal mit ihrer Hand über den Stein, bevor sie sich umdrehte und Ilay erblickte. Er lief auf sie zu und nahm sie fest in seine Arme.
„Ich hab dich vermisst… Ich bin so froh dich wieder bei mir zu haben…“, sprach Ilay sacht.
„Ich bin auch froh, wieder bei dir sein zu können…“, fixierte sie sein Gesicht und lächelte ihn sanft an.
Ilay beugte sich nach vorn und gab ihr einen intensiven Kuss. Danach sah er ihr tief in die Augen.
„Von nun an lass ich dich keinen Zentimeter mehr von mir weg…“, war es Ilay ernst.
Ria kicherte und umarmte ihn dann.
„Es ist so schön dich endlich wieder umarmen zu können… Dir nah sein zu können… Deine Wärme zu spüren…“, sprach Ria absolut zufrieden.
Ilay lächelte sanft und seine Wangen wurden leicht rot. Er hob Ria hoch, sprang in die Luft und flog mit Ria davon. Er brachte sie auf einen Hügel mit einer wunderbaren Aussicht auf die Stadt. Doch die Aussicht interessierte sie nicht weiter, sie hatten nur Augen für sich.
Sanft streichelte er ihre Wange und zog sie nah an sich. Ein Kuss jagte den nächsten. Er presste Ria an sich und seine Hände wanderten unter ihre Klamotten. Ria errötete und langsam fing sie an zu stöhnen. Es wurde zunehmend hitziger zwischen ihnen. Ilay konnte und wollte nicht länger warten. Er streifte ihr ihre Klamotten ab, bevor er sich seiner entledigte und ließ sich mit ihr auf dem Boden nieder. Ria setzte sich auf seinem Schoß, während Ilay sie fest in seinen Armen hielt. Er Drang in sie ein, während er ihren Brustbereich liebkoste, dabei entfuhren ihm ein paar Laute und auch Ria wurde lauter.
Ilay zog Rias Kopf an ihren Haaren nach hinten und biss ihr genüsslich in den Hals. Rhythmisch bewegten sie sich auf und ab. Immer schneller. Immer intensiver. Ria stöhnte laut auf und war sichtlich außer Puste. Er fixierte ihr Gesicht und zog es nah zu sich.
„Ich bin noch nicht fertig mit dir…“, lächelte er frech und drückte ihr weitere intensive Küsse auf, während er sie zu Boden brachte und sich auf ihr niederließ.
Er packte sie fest am Oberschenkel an und stieß zu, ungehemmt und stürmisch. Für Ilay gab es kein Halten mehr. Schneller. Härter. Tiefer. All diese Emotionen, all diese Lust, welche sich in den letzten Monaten angestaut hatte, ließ Ilay freien Lauf. Er konnte sich nicht mehr zurück halten und stieß ein letztes Mal tief zu als er sie richtig fest an sich presste. Stöhnend und keuchend hob er seinen Kopf an und blickte in Rias erregtes und errötetes Gesicht. Sanft strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
„Du bist der Wahnsinn…“, gab Ilay erschöpft von sich mit einem zufrieden Lächeln.
Ria packte sein Gesicht und drückte es zu sich hinunter um ihm einen Kuss zukommen zu lassen.
„Ich liebe dich Ilay…“
„Ich liebe dich auch Ria…“
Kapitel 77
„Oliver?“, lief Leif umher und hielt Ausschau. „Oliver! Wo bist du?“
Ratlos sah er sich um.
„Wo steckt dieser kleine Frechdachs nur wieder?“
Oliver saß in der Zwischenzeit hoch oben in einem Baum als er Leif rufen hörte. Er erschreckte sich, verlor das Gleichgewicht und stützte hinab. In Windeseile flog eine hübsche junge Frau auf ihn zu und fing ihn in letzter Sekunde noch auf.
„Das war mal wieder ganz schön knapp…“, lächelte sie ihn erleichtert an.
„Dankeschön Tantchen…“, kicherte Oliver nervös. „Du wirst es doch nicht meinem Onkel erzählen, oder?“
Sanft stupste sie ihm die Nase und lächelte.
„Werd ich nicht, aber sei das nächste Mal vorsichtiger…“
Zusammen machten sie sich auf den Weg zu Leif. Als Oliver ihn entdeckte, lief er auf ihn zu.
„Da bist du ja mein Großer… Wo hast du dich wieder herumgetrieben?“, hob Leif ihn hoch.
„Ich war nur im Garten und hab die Zeit vergessen, entschuldige…“, gab Oliver von sich.
Argwöhnisch beäugte Leif ihn doch lächelte dann.
„Na los, rein mit dir… Unser Schneider wartet schon auf dich…“, ließ Leif ihn runter und schickte ihn nach drinnen.
Freudig lief Oliver los, dann wandte sich Leif an die junge Dame.
„Vielen Dank Eysa… Du bist mir wirklich eine große Hilfe…“, lächelte er sie glücklich an.
„Gern geschehen…“, lief sie leicht rot an und blickte nervös umher.
Er kam ihr näher und tätschelte ihr den Kopf.
„Ich mein das ernst, ich wüsste nicht wie ich das ohne dich schaffen würde… Du bist wirklich toll!“, lobte er sie.
Eysas Herz klopfte wie wild. Sie fasste all ihren Mut zusammen, lehnte sich zu Leif hinüber, zog sein Gesicht heran und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Erschrocken sah er sie an, unfähig auch nur einen Ton von sich zu geben.
„Für dich tue ich das gern…“, lächelte die kokett und ließ Leif stehen.
Leif sah ihr verdutzt hinterher und fasste sich an die Wange.
„Da lass ich meine Schwester ein paar Jahre bei dir und du verdrehst ihr so den Kopf?“, erschien Eneas aus der Luft.
„Eneas, schön dich zu sehen…“, freute sich Leif. „Ich kann da nichts dafür, muss wohl mein Charisma sein!“
Beide lachten.
„Jetzt wo sie endlich den Mut gefasst hat dir ihre Liebe zu zeigen muss ich mir vielleicht nicht mehr dauerhaft ihre Schwärmerei für dich anhören…“ kicherte Eneas.
„So schlimm?“, war Leif verblüfft.
„Es ist keine bloße Schwärmerei mehr, sie liebt dich wirklich…“, lächelte Eneas sanft. „Sie hat vermutlich nur darauf gewartet volljährig zu werden, ehe sie den ersten Schritt wagt damit du sie nicht mehr als Kind, sondern als Frau wahrnimmst…“
„Was?!“, war Leif geschockt. „Ich dachte immer…“
„Nimm ihre Gefühle bitte ernst und sag ihr woran sie ist… Mach ihr keine Hoffnungen wo keine sind…“, war Eneas ernst.
Immer noch geschockt blickte Leif zur Tür.
<Eysa als Frau sehen? Das ist unmöglich… Das sie für mich schwärmt weiß ich schon seit langer Zeit aber ich habe es nie ernst oder für echt gehalten… Ich dachte immer dass das irgendwann aufhören würde… Ich hätte nie gedacht dass sie wirklich so für mich fühlt…>
„Eure Majestät… Wenn ich bitten dürfte…“, kam ein Bediensteter auf Leif zu.
„Natürlich…“, folgte er ihm.
Eneas seufzte mit einem leichten Lächeln, dann kam Bela auf ihn zu.
„Langsam sollten wohl alle eintrudeln…“, machte Bela sich bemerkbar.
Eneas drehte sich um und ging auf Bela zu. Sanft streichelte er ihm über die Wange.
„Du hast recht… In wenigen Tagen ist es soweit, dann hat Oliver Geburtstag und die 10 Jahre sind vorbei…“, klang Eneas recht ernst, was man seinem Blick ansah. „Hoffen wir, dass uns die Zeit ausgereicht hat uns vorzubereiten…“
„Wir dürfen nur die Hoffnung nicht verlieren… Ich bin mir sicher, dass wir auch das Überstehen werden…“, lächelte Bela glücklich.
„Ich hoffe es wirklich…“, lächelte Eneas zurück. „Seit fünf Jahren kann weder Enzo noch Ilay in die Zukunft blicken… Der Ausgang ist ungewiss…“
„Ich frage mich, warum das so ist… Was ist passiert, dass sie diese Fähigkeit nicht mehr benutzen können?“, fragte sich Bela.
„Das ist eine gute Frage… Mal sehen, ob sie uns etwas Neues dazu sagen können, sobald sie hier eintreffen…“, antwortete Eneas.
„Und?“, wandte sich Kaz nippend von seinem Cocktail an Enzo, welcher sich gerade zu ihm setzte. „Hast du die Kleine noch klären können?“
„Sie gab mir leider eine Abfuhr…“, grinste Enzo schelmisch. „Aber ich Liebs… Seitdem ich nicht mehr in die Zukunft sehen kann, reizt mich das Ungewisse ungemein…“
„Das glaube ich dir“, lachte Kaz belustigt.
„Und du? Konntest du bei einer landen?“, fragte Enzo neckisch grinsend nach und beugte sich zu ihm rüber.
„Nada… Keine Chance…“, winkte Kaz ab. „Celi würde sich bei meiner Erfolgsquote den Arsch ab lachen!“
„Das glaub ich gleich!“, lachte Enzo los. „Versteh ich gar nicht, du bist doch ein attraktiver Kerl…“
„Für diese Gegend wohl nicht!“, grinste Kaz achselzuckend.
„Dann müssen wir wohl doch was miteinander anfangen…“, wandte sich Enzo Kaz zu.
„Das hättest du wohl gern…“, neckte Kaz ihn zurück.
„Zumindest hätte ich nichts dagegen, für ein wenig Spaß bin ich immer zu haben…“, antwortete Enzo zwinkernd.
„Na dann los…“, stand Kaz auf und sah Enzo an. „Bevor ichs mir noch anders überlege…“
„So gefällt mir das…“, grinste Enzo und lief Kaz hinterher.
Ria wachte auf. Sie sah sich um und kuschelte sich wieder an Ilay. Dieser nahm sie daraufhin fest in seine Arme.
„Guten Morgen meine Schöne…“, sprach er noch ganz schläfrig.
„Guten Morgen!“, freute sie sich und lächelte. „Heute müssen wir los, oder?“
„Ja… Aber nicht jetzt…“, lehnte er sich weiter zu ihr rüber und gab ihr einen Kuss. „Wir haben sicher noch ein wenig Zeit…“
Schon lag er auf ihr und überhäufte sie mit weiteren Küssen. Dann klopfte es an der Tür.
„Was gibt’s?“, schnaufte Ilay genervt.
„Ehrenwerter Prinz… Ihr Vater erwartet euch…“, ertönte es durch die Tür. „Das Frühstück ist angerichtet…“
„Ist gut…“, antwortete er und wandte sich wieder Ria zu.
„So viel Zeit haben wir schon noch…“, grinste er neckisch und küsste sie weiter.
Währenddessen saßen Bael und Estes bereits am Tisch.
„Wo bleiben denn alle?“, tippte Bael leicht genervt mit seinem Finger auf den Tisch.
„Ist doch nichts neues… Ilay und Ria brauchen immer ewig und ich wette das Enzo und Kaz gestern viel zu lange unterwegs waren und immer noch pennen…“, erklärte Estes und fing mit dem Frühstück an.
„Du hast Recht… Zumindest ist auf dich verlass…“, lächelte Bael ihn an. „Kannst du sie dann wecken gehen, sobald du fertig bist?“
„Natürlich…“, antwortete Estes.
„Sehr schön… Dann kann ich mich wieder an die Arbeit machen, wir sehen uns dann später…“, stand Bael auf und verließ das Esszimmer.
Dann stand Estes auf und machte sich auf den Weg. Zuerst ging er zu Ilays Zimmer.
„Ilay? Ria? Seid ihr wach?“, klopfte er gegen die Tür.
Mit der Hand im Nacken und einem leicht geröteten Gesicht öffnete Ilay die Tür.
„Entschuldige… Wir haben die Zeit vergessen…“, gestand Ilay leicht verschämt.
„Das dachte ich mir schon“, lachte Estes. „Lasst uns die anderen holen…“
Zusammen machten sie sich auf den Weg zu Enzos Zimmer.
„Enzo? Bist du wach?“, klopfte Ilay an die Tür, doch es kam keine Reaktion.
Er öffnete die Tür und zusammen betraten sie das Zimmer. Verblüfft sahen sie sich um.
„Enzo und Kaz?!“, sprach Estes ungläubig.
„Nicht so laut…“, richtete sich Enzo auf.
„Unsere Brüder haben was miteinander…“, kicherte Ria.
„Nichts ungewöhnliches, mein anderer Bruder hat ja auch was mit seinem Bruder…“, kicherte Ilay mit.
„Viel zu kompliziert…“, rieb sich Estes seine Augen.
„Chillt mal… Nur weil wir ab und an miteinander schlafen heißt das nicht, das wir ein Paar wären… Wir haben nur Spaß miteinander… Wir haben halt auch Bedürfnisse, die gestillt werden wollen… Als Single ist es nicht immer sehr befriedigend…“, erklärte Enzo.
„Ihr Pärchen könnt bei sowas nicht mitreden…“, mischte sich nun Kaz mit ein.
„Kein Wunder das ihr niemanden mehr abschleppen könnt wenn ihr die Stadt mittlerweile schon durch habt…“, grinste Ilay höhnisch.
„Und wie läuft’s bei dir Estes?“, wandte sich Enzo an ihn. „Immer noch keine Freundin in Sicht?“
„W-Was?! N-Nein!“, lief Estes unmittelbar rot an und fuchtelte mit den Händen hin und her.
„Ach, deinem großen Bruder kannst du das doch sagen!“, bohrte Enzo weiter nach, stand auf und legte seinen Arm um ihn.
„Enzo… Bedeck dich bitte!“, hielt Ilay Ria die Augen zu während sie beschämt zur Seite blickte.
„Es gibt niemanden!“, verneinte Estes vehement.
„Du flunkerst!“, grinste Enzo ihn spitzbübisch an.
„Hast du es nicht mitbekommen wie er Himari immer hinterher sieht? Aber solange sie nicht volljährig ist, muss er die Finger von ihr lassen!“, lachte Kaz. „Außerdem hat Jamin da bereits ein Auge drauf geworfen und lässt den beiden keine freie Minute!“
„Echt? Himari?“, war Enzo erstaunt. „Ach, das Alter ist doch nur eine Zahl und überhaupt nicht relevant! Schnapp sie dir Tiger!“
Estes Kopf war so rot das er bereits kochte.
„Nur über meine Leiche!“, funkelte Jamin Estes böse an, als er zur Tür herein kam und lässig gegen die Tür lehnte.
„Jamin, hallo…“, grüßte ihn Ria, froh darüber einen Grund zu haben sich umzudrehen.
„Hey Täubchen…“, erwiderte er diesen Gruß winkend.
„Stell dich nicht so an Jamin! Estes wäre doch ein toller Schwiegersohn!“, lachte Enzo.
„Meine Prinzessin ist zu jung, um mit einem Kerl nach Hause zu kommen!“, protestierte er und wandte sich dann Estes zu, um ihm eine Genickschelle zu geben. „Außerdem bist du viel zu Alt für sie! Du bist schon 28 und sie erst 16! Unterstehe dich und Finger weg!“
„I-Ich hab gar nichts gemacht!“, zuckte Estes zusammen.
„Genug jetzt! Was für ein Kindergarten!“, stand Misaki mit ihrem Baby im Arm in der Tür und mit ihr Himari, welche sichtlich verlegen auf die Seite sah.
Estes war wie versteinert, während Enzo ihm vor dem Gesicht mit seiner Hand rumfuchtelte.
„Wir sind hier, um euch zu holen… Langsam, aber sicher solltet ihr euch auf den Weg machen!“, sprach Misaki.
„Ist es für dich wirklich okay, wenn Jamin mit uns geht? Euer Baby ist erst wenige Wochen alt…“, fragte Ilay nach, während Jamin liebevoll mit dem Baby spielte.
„Das ist kein Problem, immerhin habe ich Himari die ersten Jahre auch komplett allein aufgezogen… Da sollte es kein Problem sein Ren aufzuziehen…“, gab sie genervt von sich, während sie Jamin einen entsprechenden Blick zuwarf.
„Aber dieses Mal ist es anders…“, streichelte Jamin ihr über ihre Wange und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.
„Das stimmt…“, kicherte sie.
„Also gut… Dann lasst uns mal los…“, sprach Jamin.
Kapitel 78
Die Gruppe versammelte sich im Thronsaal, wo Bael sie bereits erwartete.
„Schön, euch alle noch einmal zu sehen, bevor ihr aufbrecht…“, sprach Bael. „Ihr werdet leider eine beschwerliche Reise auf euch nehmen und die Gegner, die euch gegenüberstehen werden, sind alles andere als leicht zu besiegen… Meine Schwestern sind hinterlistig und trickreich… Sie sind sehr mächtig also seid auf der Hut…“
Bael ging langsam auf die Gruppe zu.
„Ihr müsst sie besiegen… Das wird nicht so leicht werden, wie bei meinem Bruder, denn Amducias hat sich freiwillig töten lassen… Astaroth und Eurynome sind wesentlich stärker als er…“
Er nahm Ilay und Ria in seine Arme.
„Ich wünsche euch viel Glück… Seht zu, dass ihr wohlbehalten zurück kehren werdet…“
„Ihr alle…“, wandte er sich allen zu und sie lächelten zurück.
Kaum vor den Palasttoren wurden sie von etlichen Bürgern verabschiedet. Gemeinsam hoben sie ab und flogen davon, dabei schnappten sich Ria und Ilay jeweils einen Arm von Jamin der leider keine Flügel besaß und Enzo und Kaz schleppten ein paar Koffer mit. In rasender Geschwindigkeit flogen sie auf den göttlichen Kontinent zu und erreichten in Windeseile die Hauptstadt.
Gemeinsam landeten sie in den Gärten des Palastes, wo sie von Eneas, Bela, Leif, Oliver und Eysa bereits erwartet wurden. Oliver versteckte sich ein wenig hinter Leifs Bein.
„Leif…“, ging Ilay auf ihn zu und umarmte ihn.
„Schön, euch zu sehen…“, freute sich Leif ebenfalls.
Ria ging in die Knie und wandte sich dem Kind zu.
„Du bist ganz schön groß geworden Oliver!“, freute sie sich und lächelte ihn sanft an. „Als wir dich zuletzt sahen, warst du noch sehr klein…“
„Du musst keine Angst haben, dass alles sind unsere Freunde…“, tätschelte Leif Olivers Kopf.
Oliver war sich unsicher und flüchtete sich in Eysas Arme. Sanft drückte sie ihn an sich.
„Es ist alles gut…“, lächelte sie ihn liebevoll an.
„Eysa kann wohl ganz gut mit dem Kleinen, oder?“, freute sich Estes.
„Ja, wenn ich sie nicht hätte, wäre ich wohl aufgeschmissen!“, lachte Leif und Eysa bekam rote Wangen. „Sie nimmt mir viel ab!“
„Du bist eine richtige Schönheit geworden Eysa!“, lächelte Jamin sie an. „Zu schade, dass ich schon eine Frau habe!“
Dafür erntete er böse Blicke von Enzo, Eneas, Estes und Leif.
„Schaut mich nicht so böse an, das war ein Witz…“, kicherte Jamin und zuckte mit den Schultern. „Ich werd sie schon nicht anrühren!“
„Wäre besser für dich…“, kam von Eneas.
„Nicht lustig…“, pflichtete Enzo bei.
„Also gut, lasst uns reingehen!“, winkte Leif sie rein.
Zusammen saßen sie in einem großen Wohnzimmer. Für Speis und Trank war ausreichend gesorgt und es war eine lockere und heitere Stimmung.
„Leif bringt gerade Oliver ins Bett… Morgen in aller Frühe solls losgehen, oder?“, fragte Eysa nach und setzte sich zu Eneas und Bela.
„Stimmt… Da wir ja nicht mehr in die Zukunft sehen können, hatten wir beschlossen so früh wie möglich aufzubrechen…“, bestätigte Ilay und nippte von seiner Kaffeetasse.
„Und Kaz und ich werden hierbleiben, um Leif zu vertreten während seiner Abwesenheit…“, sprach Enzo.
„Bekommt ihr es hin, ein Königreich zu führen?“, stichelte Bela nach.
„Was denkst du denn von uns?!“, sah Kaz ihn böse an.
„Ihr schafft das schon, da bin ich mir sicher“, lächelte Ria.
„Nicht, wenn ihr wieder nur dauernd in Bars rumhängt!“, kicherte Estes.
„Wir nehmen unseren Job schon ernst, keine Sorge!“, warf Enzo seinen Arm um ihn und zog ihn her, um ihm mit seiner Faust den Kopf zu reiben.
Eysa stand auf und verließ den Raum. Jamin sah ihr nach und folgte ihr.
Sie ging einen Flur entlang und begegnete Leif.
„Und? Ist er gut eingeschlafen?“, wollte sie wissen.
„Ja…“, lächelte er sie an. „Alles gut… Und du willst auch ganz sicher mitkommen? Du könntest auch bei Oliver bleiben…“
„Ja…“, lächelte sie sanft. „Auch wenn es schwer wird, Oliver allein zu lassen, möchte ich gern an deiner Seite bleiben…“
„Mir wäre es lieber, wenn du hier bleiben würdest…“, seufzte Leif und sah sie ernst an. „Dann wüsste ich das er in guten Händen wäre und du würdest dich keiner Gefahr aussetzen…“
„Soweit ich mich erinnere…“, kam sie ganz nah an ihn heran und stupste mit ihrem Zeigefinger gegen seine Brust. „… War es ich, die dich immerzu gerettet hat, also brauchst du meine Hilfe dringender als du zugeben magst…“
Leif schnaufte lächelnd und packte ihre Hand.
„Trotzdem mache ich mir Sorgen um dich… Es wird sehr gefährlich werden und wenn du hier wärst, hätte ich eine Sorge weniger…“, kam er ihr noch näher, um seiner Ernsthaftigkeit mehr Ausdruck zu verleihen.
„Du wirst mich trotzdem nicht los…“, lächelte sie entschlossen mit einer deutlichen Rötung im Gesicht.
Das entlockte Leif ein süßes Lächeln.
„Du machst doch eh, was du willst…“, ging er an ihr vorbei und Eysa grinste in sich hinein.
Leif bog um die Ecke und bemerkte Jamin.
„Was machst du hier?“, wollte Leif wissen.
„Ich? Was machst du hier?“, stellte er eine Gegenfrage und ging auf Leif zu. „Ich für meinen Teil wollte zu Eysa… Oder hast du da was dagegen?“
„Du sollst doch die Finger von ihr lassen…“, war Leif genervt und sah Jamin böse an.
„Und warum? Hast du etwa Interesse an ihr? Sie ist nicht deine Freundin, also hast du mir nichts zu verbieten…“, stichelte Jamin weiter. „Wenn du mich also entschuldigen würdest…“
Damit ging Jamin an Leif vorbei.
„Tsk!“, kam von Leif und verließ das Feld.
„Interessant…“, sah Jamin Leif amüsiert hinterher und lief zu Eysa.
Der nächste Morgen brach an und alle versammelten sich im Hof des Palastes. Es war noch duster.
„Haben wir alles?“, sah sich Ilay um.
„Sieht so aus…“, kam von Eneas, welcher einen Koffer zu den restlichen stellte.
„Brauchen wir echt so viel? Scheinen mir ein wenig viele Koffer zu sein…“, fragte Bela.
„Anscheinend… Die Koffer wurden gestern für uns gepackt damit wir so früh aufbrechen können…“, antwortete Ilay.
„Also, dann los…“, sprach Leif und schnappte sich einen der Koffer.
Auch Eneas, Ilay, Eysa und Estes schnappten sich einen Koffer und flogen los, während Bela und Ria Jamin an seinen Armen packten.
Sie waren einige Zeit lang unterwegs.
„Seht! Da vorn sieht man schon den Kontinent!“, rief Eneas der voraus flog.
„Sehr gut… Ich wäre für eine kleine Rast dann, mein Koffer ist wirklich schwer…“, sprach Estes.
„Na, machst du schon schlapp?“, kicherte Jamin.
„Du hast gut reden, du musst auch keinen Koffer schleppen!“, beschwerte sich Estes.
„Meiner ist auch ziemlich schwer…“, klagte Eysa.
„Willst du tauschen? Meiner ist eigentlich ganz leicht…“, flog Leif neben ihr.
„Es geht schon, danke…“, lächelte sie.
„Irgendwie sind wir viel zu einfach hier her gekommen… Hieß es nicht, dass Astaroth und Eurynome auf dem Weg zu uns wären wegen dir?“, sah sich Eneas argwöhnisch um.
„Du hast recht… Vielleicht sind wir zu früh dran, hoffen wir mal, dass wir sie nicht verpasst haben…“, blickte sich auch Ilay um.
Dann bemerkte Estes wie sich etwas im Koffer bewegte.
„Leute… Irgendwas stimmt da nicht… Wir haben doch nichts Lebendes mit, oder?“, war er stutzig.
„In deinem hat sich auch gerade etwas bewegt…“, stellte Leif fest und inspizierte den Koffer von Eysa.
Leif öffnete ihn und Oliver fiel ihm entgegen. Gerade noch so konnte er ihn auffangen.
„Oliver! Was zur Hölle tust du hier?!“, schimpfte Leif.
„Oliver?!“, war Eysa überrascht.
Überrascht sahen ihn alle an.
„Ich wollte mitkommen! Ich wollte nicht allein zurückbleiben!“, sprach Oliver traurig.
„Du solltest zuhause bleiben damit dir nichts passiert! Hier ist es gefährlich!“, schimpfte Leif weiter.
„Hahaha!“, lachte Jamin los. „Hast du das Kind nicht besser unter Kontrolle?“
Leif sah ihn böse an.
„Du anscheinend auch nicht Jamin…“, sprach Ilay, welcher seinen Koffer Eneas in die Hand drückte und Estes Koffer öffnete und ihm Himari in die Arme fiel.
„Was?!“, fiel Jamin aus allen Wolken. „Was soll das werden?! Wenn das deine Mutter erfährt, bringt sie mich um!“
Leif lachte boshaft.
„Ich wollte dich eben nicht allein gehen lassen! Wenn das wirklich so gefährlich wird, könnt ihr doch jede helfende Hand gebrauchen!“, protestierte Himari. „Außerdem sorge ich dafür, dass du wohlbehalten zu uns zurückkommst!“
„Nicht euer Ernst…!“, rieb sich Bela die Augen.
Ria kicherte nervös.
„Was machen wir jetzt mit den blinden Passagieren? Zurückkehren können wir nicht mehr…“, sprach Bela.
„Wir werden sie wohl oder übel mitnehmen müssen…“, sprach Ilay leicht genervt.
„Ihr haltet euch zurück! Seht zu, dass ihr euch aus Kampfsituationen heraushaltet!“, ermahnte sie Eneas.
Auf einmal wurde es richtig windig und stürmisch. Binnen Sekunden verdunkelte sich der Tag und heftige Winde erreichten die Gruppe.
„Vorsicht!“, rief Ria noch.
Doch die Warnung kam zu spät. Ehe sie sich versahen, befanden sie sich in einem massiven Wirbelsturm, welcher die Gruppe auseinanderriss.
„Himari!“, rief Jamin noch, doch er wurde davongefegt.
Himari wurde aus Ilays Armen gerissen, doch Estes packte sie noch bevor auch sie weggewirbelt wurden. Damit packte sich Ilay noch Ria, bevor auch sie verschwanden. Leif konnte Oliver nicht festhalten, doch Eysa schaffte es Oliver noch zu erreichen, bevor Leif und Eysa mit Oliver davon gefegt wurden. Eneas griff noch nach Bela und auch sie wurden letztendlich davon gewirbelt.
„Oh, das war wohl ein wenig zu viel des Guten, oder Asta?“, kicherte Eurynome.
„Ja Eury, ein wenig… Welcher von diesen wohl der Hybrid war, den wir brauchen? Jetzt dürfen wir sie wieder suchen gehen…“, sprach Eurynome gleichgültig.
„Naja, zumindest müssen wir nicht mehr zu ihnen hinüberfliegen… Wir werden sie schon finden…“, lachte Astaroth boshaft.
„Das stimmt… Also lass uns zurückkehren…“, stand Eurynome auf und flog voraus.
Astaroth eilte ihr hinterher.
Kapitel 79
Estes wachte auf. Er befand sich an einem Strandabschnitt. Langsam erhob er sich und sah sich um.
„Wo…?“, fasste er sich an seinen Kopf als er sich geschockt umblickte. „Himari!“
Eilig rannte er umher und fand sie einige Meter weiter im Sand liegen. Er rannte auf sie zu und nahm sie in den Arm.
„Himari! Wach auf!“, versuchte er sie wachzurütteln.
Langsam öffnete sie ihre Augen und erblickte ihn.
„Estes…?“
„Ein Glück…“, freute er sich und lächelte sanft.
„Wo sind wir hier?“, sah sie sich um.
„Ich weiß es nicht… Wir sollten zusehen, dass wir die anderen schleunigst finden…“, schlug er vor und half ihr auf. „Vorräte haben wir nun auch nicht mehr… Mal sehen wo wir welche auftreiben können…“
Zusammen liefen sie durch einen Waldabschnitt.
„Was mach ich nur wenn ich wieder Blut brauche?“, fragte sie nach. „Ein wenig halte ich es noch aus, aber ich weiß nicht wie lange…“
„Dann musst du eben von mir trinken…“, sprach Estes, während er vorauslief.
Himari blieb stehen und sah ihn leicht beschämt an. Er drehte sich nach ihr um und blickte verdutzt.
„Ist das ein Problem für dich?“, fragte er nach.
„N-Nein, das ist es nicht… Das wäre nur das erste Mal, das ich direkt von jemandem trinken würde…“, sah sie nach unten.
„S-Sag einfach Bescheid, wenn du Blut brauchst…“, lief auch Estes leicht rot an und kratzte sich am Kopf. „Und sobald wir eine Stadt erreichen, sehen wir nach, ob wir Konserven für dich auftreiben können…“
„Sag mal Estes… Warum magst du mich eigentlich?“, wurde sie direkt und kam etwas auf ihn zu.
„Was? Also… Ähm… Naja…“, stotterte Estes herum.
„Hm?“, stand sie nun vor ihm und blickte ihn hoffnungsvoll an.
„Also… Weißt du… Weil du immer so nett und lieb bist… Du hast uns immer zum Training Verpflegung gebracht und mir so ein süßes Lächeln geschenkt…“, lächelte Estes sanft mit einem roten Gesicht. „Außerdem mochte ich es, dass du dich in den Pausen immer mit mir unterhalten hast…“
„Und warum liebst du mich?“, stocherte sie weiter.
„Das… Ähm…“, Estes Kopf war roter als eine überreife Tomate und wild fuchtelte er mit seinen Armen umher.
„Schon gut…“, kicherte Himari vor sich hin. „Du musst darauf nicht antworten, wenn du nicht willst…“
Damit lief sie an ihm vorbei. Er sah ihr hinterher und biss sich auf die Unterlippe.
„Ich liebe dich, weil du es bist…“, fing er an.
Wie angewurzelt blieb sie stehen und lauschte seinen Worten.
„Ich… Ich weiß selbst nicht genau warum oder wie… Ich weiß nur dass es so ist… Ich war selbst ganz überrascht als ich verstand, was ich für dich empfinde… Anfangs beobachtete ich dich einfach nur gern, doch umso öfter ich dich sah, umso mehr wir uns unterhielten, umso glücklicher machte mich das… Jedes Mal, wenn ich dir begegne, schlägt mein Herz wie wild…“, fuhr er fort.
Plötzlich kam Himari auf ihn zu geilt und warf ihn um. Estes knallte mit seinem Kopf gegen den Baum, gegen den er nun lehnte und kniff seine Augen zusammen. Doch keinen Moment später fixierte Himari sein Gesicht und drückte ihm einen Kuss auf. Völlig geschockt und rot bis über beide Ohren sah er sie an. Auch sie war sehr rot im Gesicht und kicherte.
„Mir geht es wie dir Estes… Ich fühle genauso für dich wie du für mich…“, gab sie zu. „Ich habe nur auf einen Moment gewartet indem uns mein Vater nicht stören kann…“
Damit beugte sie sich wieder vor und gab ihm noch mehr Küsse. Estes wusste gar nicht wie ihm geschieht. Sie ließ von ihm ab, packte seinen Kopf an den Haaren, drückte ihn zur Seite und biss ihm in den Hals, dabei drückte sie sich noch enger an ihn. Genüsslich gönnte sie sich einige großzügige Schlucke seines Blutes. Estes keuchte laut auf als Himari begann sich rhythmisch an ihm zu reiben.
„Himari! Stopp!“, packte Estes sie an ihren Armen.
„Warum denn? Dir gefällt das doch ganz offensichtlich auch!“, bewegte sie ihre Hüfte auf seinem Schoß, während sie sich die Lippen leckte und ihn spitzbübisch ansah.
„Natürlich gefällt mir das aber das geht nicht… Du bist erst sechszehn! Ich kann mich an keiner Minderjährigen vergreifen, davon abgesehen das mich dein Vater töten wird!“, sah Estes beschämt aus.
„Ach komm schon…“, flehte sie kokett. „Außerdem bin ich schon sechszehn… Ich bin kein Kind mehr…“
Damit gab sie ihm noch einen leidenschaftlichen Kuss und ließ ihre Hand von seinem Brustbereich aus hinunter zu seinem Schritt gleiten.
„Du machst es mir verdammt schwer anständig zu bleiben, weißt du das?“, riss sich Estes so gut es eben ging, zusammen.
„Dann lass es doch einfach sein…“, packte sie ihn an und grinste verwegen.
„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir deine versaute Art nicht gefallen würde, aber trotzdem…“, drückte er sie von sich runter und stand auf. „Entschuldige mich für einen Moment…“
„Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir deine Bemühungen, anständig zu bleiben, nicht gefallen würden… Aber wenn du willst, gehe ich dir gerne zur Hand…“, zwinkerte sie ihm hinterher, als er angespannt von dannen zog.
Zur selben Zeit stampfte auch Bela durch die Pampa.
„Wo sind denn nur alle hin?“, wunderte er sich als er sich umsah. „Ich hoffe ihnen ist nichts passiert… Sie könnten überall sein und wir kennen uns hier überhaupt nicht aus…“
Es dauerte nicht lange und Bela kam an einer Lichtung an. Geblendet von den durchdringenden Sonnenstrahlen, hielt er sich seinen Arm vors Gesicht. Dann sah er dort Eneas, welcher sich ausruhte und unter einem Baum saß. Eneas drehte sich um und bemerkte Bela. Augenblicklich sprang er auf und rannte auf Bela zu, um ihn in seine Arme zu nehmen.
„Bela… Gott sei Dank…“, streichelte er seinen Kopf, während er ihn ganz fest an sich drückte. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht… Der Sturm hat dich einfach von mir weggerissen…“
„Bin ich froh dich zu sehen…“, schmiegte sich Bela an ihn. „Geht’s dir gut?“
„Bei mir ist alles in Ordnung…“, streichelte er Bela über seine Wangen. „Ich hab überall nach dir und den anderen gesucht und wollte kurz mal durchschnaufen…“
Sanft zog er Bela zu sich und gab ihm einen Kuss. Bela grinste neckisch, stieß Eneas nach hinten, sodass er zu Boden plumpste und setzte sich auf seinen Schoß.
„Ungewohnt stürmisch…“, neckte ihn Eneas, packte ihn bei der Hüfte und presste ihn an sich.
„Ich hab einfach grad Bock auf dich…“, drückte Bela ihn zu Boden, drehte Eneas‘ Kopf auf die Seite und leckte ihm über den Hals, bevor er zubiss.
„Zum Glück haben wir uns zuerst gefunden… Ich würde nicht wollen, dass du dich von jemand anderem nährst und jemandem so nahe kommst…“, gab Eneas schwer atmend mit einer leichten Rötung im Gesicht von sich.
„Keine Sorge…“, wandte sich Bela ihm zu, auch deutlich rot im Gesicht. „Du bist der Einzige für mich…“
Das brachte Eneas zum Grinsen und so drückte er Belas Kopf mit einer Hand zu sich hinunter und küsste ihn, während er mit seiner anderen Hand fest an Belas Gesäß zupackte. Bela öffnete Eneas‘ Hemd, küsste ihn dort und öffnete dabei Eneas‘ Hose. Mit seinen Küssen wanderte er immer weiter hinab, bis er letztendlich am Glied ankam und daran leckte, bevor er daran saugte.
„Ngh…!“, stöhne Eneas auf und packte Bela an den Haaren.
Das Gefühl wurde immer intensiver, denn Bela verstand sein Handwerk nur zu gut. Es dauerte nicht lang und Eneas kam, dabei richtete er sich leicht auf, stützte sich auf seinem Ellenbogen ab und presste mit der anderen Hand Bela an sich. Keuchend und stöhnend rang er nach Luft. Dann kam Bela wieder nach oben und grinste neckisch.
„Du bist so verdammt gut darin… Damit bekommst du mich jedes Mal…“, schnaufte Eneas ebenfalls mit einem Grinsen im Gesicht.
Dann setzte sich Bela auf Eneas‘ Glied und ließ ihn eindringen, dabei stöhnte er leise auf. Während Bela sich auf und ab bewegte, packte Eneas ihn mit der einen Hand an der Hüfte, während die andere Hand Belas Glied umfasste. Rhythmisch rieb er an Belas Glied, was Bela immer lauter werden ließ.
„Ahh… Mnh…“
Eneas hob das Tempo an und stieß intensiver und tiefer zu. Immer schneller. Immer härter. Beide konnten sich nicht mehr zurückhalten und spritzten ab. Außer Atem ließ Bela sich auf Eneas‘ Brust fallen und Eneas streichelte ihm sanft über den Kopf.
„Ich liebe dich Eneas…“, rang Bela nach Luft.
„Ich liebe dich auch…“, antwortete Eneas sanft und gab Bela einen Kuss auf die Schläfe.
Leif flog angespannt durch die Pampa.
„Oliver! Eysa!“, rief er, doch bekam keine Antwort. „Verdammt!“
Er landete wieder auf dem Boden, setzte sich an ein Bächlein und trank einen Schluck, bevor er sich umsah.
<Ich suche schon seit Stunden ununterbrochen und hab noch niemanden gefunden… Sind wir alle wirklich so weit voneinander entfernt weggeschleudert worden? Das war zumindest kein normaler Wirbelsturm… Ob das wohl unser Begrüßungsgeschenk war?>
Auf einmal flog etwas mit Spitzengeschwindigkeit auf Leif zu. Gerade noch rechtzeitig wich er aus und sah in die Richtung aus der es kam. Aus dem Schatten traten drei seltsame Gestalten und funkelten Leif böse an.
„Was bist du?“, fragten sie ernst nach.
Leif richtete sich auf und warf ihnen einen ebenso ernsthaften Blick zu.
„Wer will das wissen?“
„Antworte, oder dir wird es Leid tun!“, drohten sie ihm.
„Ich glaube kaum dass ihr in einer Position seid mir solche Fragen zu stellen…“, packte Leif seine Glefe aus und machte sich kampfbereit.
Die drei begaben sich ebenfalls in Kampfposition doch so schnell schauten sie gar nicht, flog Leif auf sie zu und zog voll durch. Haarscharf wichen sie aus und sahen Leif geschockt an.
„Hab ich’s euch nicht gesagt?! Der Mensch hat Flügel!!“, rief einer der drei seinen Leuten zu.
„Außergewöhnlich! Flügel wie sie nur alte Gottheiten haben!“, sprach der zweite.
„Wir müssen ihn in Gewahrsam bringen! Greift an aber lasst ihn am Leben!“, befahl der dritte.
„Als ob ich mich so leicht gefangen nehmen lassen würde!“, war Leif erbost und preschte erneut drauf los.
Er sprang auf einen von ihnen zu und holte mit seiner Glefe aus. Dieser duckte sich rechtzeitig und grinste boshaft, während ihm ein paar spitze Reiszähne aus den Mundwinkeln blitzten.
„Ihr seid Dämonen?!“, war Leif verblüfft.
„Um genauer zu sein, Vampire!“, sprang einer siegessicher auf Leifs Rücken, doch er packte ihn, riss ihn nach vorn und warf ihn weg.
„Also eine dieser dämonischen Unterrassen welche sich hier etabliert haben, verstehe…“, dachte Leif laut vor sich hin. „Also nichts, womit ich nicht fertig werden kann…“
Der dritte sprang auf Leif zu doch er wich mit einer geschickten Drehung aus und schlug den Angreifer zu Boden.
„Im Gegensatz zu Ilay, Bela oder Jamin seid ihr nichts…“, schwang Leif seine Glefe und verletzte ersteren.
Während Leif noch mit dem ersten beschäftigt war, sprangen die anderen beiden wieder auf ihn zu. In dem Moment sprang Jamin dazwischen und fegte die beiden mit einem Kick weg. Jamin grinste schelmisch und ließ seine Reiszähne hervorblitzen. Ganz ehrfürchtig sahen die drei Jamin an, wie er da stand in seiner Dämonenmontur.
„Von allen denen ich hätte begegnen können, musste es ja ausgerechnet du sein…“, begrüßte Jamin Leif. „Dachte du könntest vielleicht eine helfende Hand gebrauchen…“
„Auch schön dich zu sehen Jamin…“, grüßte Leif zurück. „Wäre nicht nötig gewesen, ich hatte es ganz gut im Griff…“
„E-Ein Dämon?! So ein richtig echter Dämon?!“, stotterte einer der drei.
„Wer seid ihr und warum greift ihr einen meiner Freunde an?“, wandte sich Jamin den Angreifern zu.
„Verzeiht uns! W-Wir dachten er wäre einer dieser Vampirjäger, die uns seit geraumer Zeit Probleme bereiten! Es kommen immer mehr hierher um uns auszurotten!“, erklärte der dritte.
„Da sie mit jedem Mal stärker werden, wenn sie uns angreifen, dachten wir, wenn wir einen allein antreffen und ihn zum Reden bringen könnten, könnten wir so an mehr Informationen kommen und ihnen Mal einen Schritt voraus sein…“, fuhr der zweite fort.
„Wir sollten sie zu Roy bringen!“, schlug der erste vor.
„Roy? Wer soll das sein?“, fragte Leif skeptisch nach.
„Unser Anführer! Er ist auch ein richtiger Dämon!“, erklärte der erste.
„Roy… Hmm… Gut, bringt uns zu ihm…“, war Jamin einverstanden.
„Moment!“, griff Leif ein. „Wir haben keine Zeit zu verlieren! Wir müssen die anderen finden bevor ihnen etwas zustößt!“
„Warte ab… Ich hab da so ein Gefühl…“, grinste Jamin.
Kapitel 80
Eysa wachte auf. Noch ganz benommen griff sie sich an ihren Kopf, bevor sie an sich hinunter sah. Ein Lächeln entwich ihr.
„Oliver, wach auf… Geht es dir gut?“, rüttelte sie ganz behutsam an ihm.
Oliver rieb sich seine Augen und sah dann Eysa an.
„Tantchen… Was ist passiert?“, war er noch ganz irritiert.
„Wir sind in einen Wirbelsturm geraten und wurden anscheinend von den anderen getrennt…“, sah sie sich um und richtete sich auf. „Ein Glück, dass ich dich nicht verloren habe…“
„Wo ist mein Onkel?“, sah er sich suchend um.
„Hab keine Angst, ich bin doch da…“, griff sie nach seiner Hand, drückte sie sanft und lächelte ihn an. „Wir werden ihn finden!“
„Ich… Ich hab keine Angst!“, widersprach er ihr und sah verlegen zur Seite, doch hielt ihre Hand ganz fest.
„Zuerst einmal sollten wir etwas zu essen suchen, du musst sicher hungrig sein…“, lief sie los.
„Schon… Aber wie sollen wir hier etwas zu essen finden?“, fragte Oliver überlegend nach.
„Sieh doch, hier!“, zeigte Eysa auf einen Baum. „Dort wachsen ein paar Früchte…“
Sie klettere auf den Baum und pflückte ein paar Früchte. Mit einem Satz sprang sie wieder auf Oliver zu und überreichte ihm welche. Genüsslich biss er hinein. Eysa lächelte sanft. Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort.
„Und was tun wir jetzt?“, fragte Oliver ratlos nach.
„Wir suchen einen Unterschlupf für die Nacht… Es dämmert bereits, wir werden morgen weiter gehen…“, sprach sie und bemerkte eine Höhle. „Hier…“
„Du meinst hier drinnen?!“, war Oliver sichtlich nervös.
„Nur keine Sorge, es ist nur für eine Nacht, wir haben leider keine andere Möglichkeit und diese Höhle bietet uns einen guten Schutz gegen Wetterverhältnisse und wilden Tieren…“, erklärte sie, ging in die Knie und tätschelte ihm den Kopf. „Jetzt werde ich erst einmal Feuerholz für uns besorgen, bitte warte hier solange auf mich…“
„O-Okay…“, sprach Oliver zurückhaltend.
Eysa machte sich auf den Weg und Oliver blieb zurück. Zunächst setzte er sich auf die Seite und sah zum Höhlenausgang. Die Dämmerung war bereits weit fortgeschritten und unheimliche Geräusche kamen aus dem Waldabschnitt. Verängstigt kauerte er sich zusammen.
Als Eysa zurück kam, ließ sie das Feuerholz fallen und sah sich um.
„Oliver? Oliver! Wo bist du?!“
Voll Panik stürmte sie los. Währenddessen war Oliver im Wald unterwegs. Bei jedem Geräusch zuckte er zusammen.
„Tantchen?“, rief er, doch keine Antwort.
Angsterfüllt sah sich um.
<Was mach ich jetzt nur?! So ganz allein war es viel zu unheimlich… Ich hätte da bleiben sollen… Ich finde nicht mehr zurück weil es viel zu dunkel ist… Was, wenn ich Eysa nicht mehr wiederfinde? Ob ich meinen Onkel je Wiedersehen werde? Ich… Ich hab Angst…>
Oliver hörte ein lautes Geräusch. Er kauerte sich auf dem Boden zusammen und schluchzte. Auf einmal packte ihn etwas am Arm.
„Mama!!“, schrie Oliver.
Wie erstarrt blickte er auf. Eysa packte ihn und nahm ihn in den Arm.
„Oliver! Was machst du bloß? Ich hab mir große Sorgen um dich gemacht…“, drückte sie ihn an sich.
„E-Eysa… Es tut mir so leid…“, kullerten ihm ein paar Tränen die Wangen hinunter.
„Alles gut, ich hätte dich erst gar nicht allein lassen sollen…“, fixierte sie ihm das Gesicht und wischte ihm die Tränen ab. „Komm…“
Eysa nahm in an der Hand und Oliver beruhigte sich wieder. Ein leichtes Lächeln entwich ihm und er drückte ihre Hand ganz fest. Überrascht blickte sie ihn an und lächelte dann auch.
„Du, sag Mal Tantchen… Werden du und Onkel Leif heiraten?“, fragte er sehr direkt.
„W-Was?! Wie kommst du denn darauf?!“, war sie sehr irritiert und lief knallrot an.
„Ihr habt euch doch gern, oder etwa nicht?“, war Oliver verdutzt.
„J-Ja, das schon aber zum heiraten braucht es viel mehr als sich nur zu mögen…“, antwortete sie verlegen.
„Was denn?“, wurde er neugierig.
„Also… Ähm…“, wusste sie nicht, wie sie das beantworten sollte.
„Ich will aber dass du Onkel Leif heiratest… Ich möchte keine andere Mama haben… Weißt du, für mich ist Onkel Leif mein Papa und ich hätte gerne dass du meine Mama bist… Ich will keine andere Mama bekommen…“, sprach Oliver seine Gedanken aus.
„Ach Oliver…“, wandte sie sich ihm zu. „Selbst wenn Leif mich nicht heiraten sollte, bleibe ich für immer an deiner Seite…“
„Versprochen?“, fragte er nach.
„Versprochen!“, bejahte sie es.
Plötzlich schnellte eine Gestalt auf die beiden zu. Schützend stellte sich Eysa vor Oliver und blockte den Angriff mit ihrem Dolch.
„Wer seid ihr? Was wollt ihr von uns?“, sondierte sie die Lage.
„Das selbe könnten wir euch fragen… Was sucht ihr in unserem Waldabschnitt?“, sprach eine der Gestalten.
„Wir verfolgen hier keine bösen Absichten, wir sind nur auf der Durchreise…“, erklärte Eysa ruhig aber kampfbereit.
„Tja… Wir gestatten aber keine Durchreise…“
Damit stürmten mehrere auf die beiden zu. Eysa gab sich alle Mühe. Erfolgreich konterte sie die ersten Angriffe doch plötzlich schnappte sich einer der Gestalten Oliver und hielt ihn fest.
„Tantchen!!“, rief Oliver und streckte seine Hand nach ihr aus.
„Gib auf oder er stirbt!“, drohte der Kerl und hielt Oliver ein Messer an die Kehle.
Eysa war sichtlich angepisst doch resignierte letztendlich. Sofort entwaffneten sie die Leute und fixierten Eysa.
Ilay öffnete seine Augen. Augenblicklich richtete er sich auf und sah sich um.
„Ria?!“, rief er.
„Endlich bist du aufgewacht…“, betrat eine Frau das Zimmer.
„Wo bin ich hier?“, fragte er nach.
„Ich habe dich gefunden und dich hierher gebracht… Du hast wohl einiges abbekommen, ich war mal so frei und habe mich um deine Wunden gekümmert…“, lächelte sie. „Mein Name ist übrigens Fenrir…“
„Ria… Wo ist sie?“, fragte Ilay sofort nach.
„Ist das eine Freundin von dir? Es tut mir leid aber ich habe dich allein aufgefunden…“, erklärte Fenrir.
„Scheiße…“, gab Ilay von sich und stand auf.
„Vorsichtig! Nicht so schnell! Deine Wunden!“, positionierte sie sich vor ihm und hielt ihm die Hand an seine Brust.
„Ist schon gut… Halb so wild…“, schob er ihre Hand auf die Seite.
Irritiert und geschockt sah sie ihn an als sie ihm das Hemd auf die Seite riss.
„Wie kann das sein?! Du hattest massive Wunden!“, fing sie an erstaunt seine Brust zu befühlen. „Was bist du? Ein Gott?“
„… Nicht ganz“, antwortete Ilay darauf, dann fielen ihm Fenrir’s Ohren auf.
„Was ist das denn?“, stupste er diese pelzigen Ohren, die aus ihrem Kopf herausragten.
„Hey! Lass das! Das sind meine Ohren!“, versteckte sie erschreckt ihre Ohren. „Hast du denn noch nie einen Demi gesehen?“
„Ein Demi also… Halb Mensch, halb Tier… Ein Wolfsmädchen…“, stellte Ilay fest. „Nein, ich hab wirklich noch nie einen Demi gesehen, ich komme nicht von hier…“
„Woher bist du denn?“, fragte Fenrir neugierig mit ihrem Schwanz wedelnd nach.
„Meine Freunde und ich stammen aus den Kontinenten Riftan und Respon… Ich muss los und sie finden…“, stellte Ilay fest und wollte zur Tür raus.
„Warte… Die Dämmerung hat schon angefangen… In der Nacht ist diese Gegend nicht sicher… Du solltest zumindest für heute Nacht hier bleiben, dich erholen und stärken und morgen früh aufbrechen…“, schlug sie vor.
„Gerade deswegen muss ich los! Ich habe Ria schon einmal verloren, noch einmal lasse ich das nicht zu!“, war es Ilay ernst.
„Sie muss dir sehr wichtig sein… Ich kann das durchaus verstehen aber dennoch muss ich darauf bestehen dass du bleibst… Ich kenne sie zwar nicht aber sie ist sicher wohlauf…“, sprach Fenrir.
„Woher willst du das wissen?“, fragte Ilay stutzig nach.
„Das sagt mir mein Instinkt… Ich würde es spüren wenn jemand in der Nähe in Gefahr wäre… Wenn sie schlau ist hält sie sich bis zum Morgengrauen bedeckt und versteckt sich…“, erklärte Fenrir.
„Das beruhigt mich trotzdem kein bisschen…“, gestand Ilay.
„Komm… Lass uns erst Mal was essen, dann sehen wir weiter…“, lief sie voraus.
Zusammen verließen sie die kleine Hütte und kamen an einem Vorplatz an wo sich einige Demis um ein Lagerfeuer versammelten. Angespannt und verblüfft sahen sie Ilay an.
„Der sieht ja topfit aus… Ich dachte er hätte schlimme Verletzungen…“, sprach einer von ihnen.
„Die hatte er auch, ich hab’s gesehen…“, sprach ein anderer.
„Wie kann das sein? Fenrir! Du wirst doch wohl keinen von diesen blutrünstigen Vampiren gerettet haben!?“, war der nächste außer sich.
„Was wenn das wirklich einer dieser boshaften Dämonen ist?!“, brachte sich ein weiterer mit ein.
„Vampire?“, fragte Ilay nach.
„Beruhigt euch! Er heißt Ilay und er meinte er kommt nicht von hier…“, versuchte Fenrir die Lage zu entschärfen, bevor sie sich ihm zuwandte. „Du musst wissen dass wir Probleme mit Vampiren haben… Immer wieder kommen sie in unser Dorf, entführen Leute und lassen sie spurlos verschwinden…“
„Dieses elende, blutsaugende Dämonenpack...!“, schimpfte einer.
„Sie sind grausam und brutal… Sie kennen keine Gnade und empfinden keine Empathie…“, fuhr Fenrir fort.
„Ich komme zwar nicht von hier aber glaubt ihr wirklich dass alle gleich sind? Dass es keine guten Dämonen beziehungsweise Vampire gibt?“, fragte Ilay unverblümt nach.
Fenrir sah ihn ganz entgeistert an.
<Dämonen haben hier nicht gerade einen hohen Stellenwert… Das könnte schwierig für mich werden wenn ich länger hier bleibe… Ich muss zusehen dass ich los komme…>
Auf einmal durchzog ein lauter, bestialischer Aufschrei den naheliegenden Wald.
„Verdammt! Bringt die Kinder rein!“, rief Fenrir und wandte sich Ilay zu. „Diese Vampire sind nicht unser einziges Problem… Hier in den Wäldern leben auch riesige Bestien und die sind sicher nicht zum kuscheln gekommen…“
„Ich helfe euch!“, kam Ilay auf Fenrir zu. „Wo ist meine Waffe?“
„Waffe? Meinst du diesen kleinen Stab hier?“, holte sie seine Waffe hervor.
„Genau die!“, nahm er sie entgegen und drückte auf den Knopf.
Damit sprang seine Sense heraus und Fenrir sah überrascht aus.
„Was ist das denn für eine Technologie? Sowas habe ich noch nie gesehen…“, war sie verwundert.
„Los, komm! Wir haben keine Zeit zum herumtrödeln…“, lief Ilay in Richtung der Bestie.
Gerade als die beiden ankamen, flogen ihnen einige von Fenrirs Kameraden um die Ohren. Vor ihnen stand ein riesiger Bär, so groß wie die Bäume selbst.
„Irgendetwas muss ihn verärgert und hier her gelockt haben! Die Bärbestien sind normalerweise nicht in unserem Gebiet unterwegs!“, klärte Fenrir auf.
Die Männer und Frauen hatten damit zu kämpfen das Biest in Schach zu halten damit es nicht noch näher ans Dorf gelangen konnte. Ilay und Fenrir stürmten darauf zu. Er konnte einen gewaltigen Schlag mit seiner Sense landen was den Bären nur noch mehr in Rage versetzte und viele Kameraden von Fenrir zur Flucht veranlasste.
Fenrir griff den Bären ebenfalls an und stieß ihr Messer in den Rücken des Bärs. Der Bär schrie auf, schleuderte sie nach vorn und schlug mit seinen Klauen zu. Er erwischte Fenrir an ihrer Schulter doch bevor er erneut zuschlagen konnte, stand Ilay direkt vor ihr und schützte sie vor diesem Schlag.
„E-Ein Dämon?!“, war sie perplex als sie Ilay sah, welcher mit seinen schwarzen Schwingen, Hörnern und dämonischen Augen vor ihr stand und sich ihr zuwandte nachdem er das Biest nach hinten stieß.
Kapitel 81
Ria öffnete ihre Augen. Benommen richtete sie sich auf und hielt sich ihren Kopf.
„Was ist passiert?“, fragte sie sich selbst, bevor sie sich hastig umblickte. „Ilay?!“
„Ich… Ich erinnere mich… Der Sturm zog uns fort und wir wurden gegen Felsen geschleudert…“, stand sie auf. „Wo… Wo bin ich hier?“
„Endlich aufgewacht?“, sprach eine männliche Stimme zu ihr. „Für eine Frau kannst du ziemlich gut einstecken…“
„Wer bist du?“, wandte Ria sich ihm zu.
Der Mann trat aus dem Schatten heraus und kam auf sie zu.
„Mein Name ist Drakon, du kannst mich aber Drake nennen…“, stellte er sich kühl vor. „Ich habe dich zwischen den Felsspalten aufgelesen und dich hier her gebracht…“
„… Vielen Dank“, war Ria perplex. „Mein Name ist Iturria, aber du kannst mich Ria nennen…“
„Bilde dir nichts darauf ein, ich habe dich nur gerettet weil du nützlich sein könntest…“, sprach er kalt.
„Wie meinst du das?“, fragte Ria nach.
„Du kommst offensichtlich nicht von hier, außerdem besitzt du Flügel wie einst die großen Gottheiten, es wäre Verschwendung gewesen dich einfach krepieren zu lassen… Du siehst gut trainiert aus und hältst anscheinend wahnsinnig viel aus, das könnte hilfreich sein…“, erzählte er.
„In wie weit hilfreich? Was hast du mit mir vor?“, war sie argwöhnisch.
„Ich möchte meine Zwillingsschwester vom Thron stürzen!“, wandte Drake sich ihr zu.
Ria wurde hellhörig und riss ihre Augen auf.
„Als Dank für deine Rettung wirst du mir helfen…“, klang er fordernd.
„Und was erwartest oder erhoffst du dir von mir?“, fragte Ria weiter.
„Loyalität… Meine Schwester ist wahnsinnig und muss aufgehalten werden ansonsten wird unser Reich untergehen! Das Erbe unseres Vaters darf nicht so mit Füßen getreten werden!“, saß er sich neben sie.
„Wie du richtig vermutet hattest komme ich nicht von hier also musst du mir schon wesentlich mehr erklären… Ich kenne weder euch noch euer Königreich noch weiß ich wo ich mich im Moment befinde…“, sprach Ria ernst.
„Also gut, dann hole ich etwas weiter aus…“, fing Drake an zu erzählen.
Währenddessen schlenderten Estes und Himari durch die Wälder.
„Ob wir die anderen wiederfinden werden?“, fragte sie.
„Das werden wir, irgendwann… Es wäre einfacher wenn wir eine Karte von dem Kontinent gehabt hätten um uns wenigstens ein wenig zurecht finden zu können…“, lief er voraus.
„Zumindest bin ich froh nicht alleine hier gelandet zu sein…“, hakte sie sich bei ihm ein und lächelte verschlagen.
„Darüber bin ich auch froh…“, lächelte Estes sacht.
„Wenn wir aber nicht bald einen Unterschlupf finden müssen wir die Nacht wohl hier draußen verbringen… Das könnte gefährlich werden in einer Gegend, in welcher wir uns überhaupt nicht auskennen…“, fuhr er fort als er sich umblickte.
„Du hast Recht… Und noch dazu sieht hier alles gleich aus… Wie schaffst du es dich hier zu orientieren?“, fragte Himari.
„Übung… Eine gute Ausbildung und viel Erfahrung…“, antwortete Estes amüsiert.
Sie betraten ein großes Feld auf dem es funkelte und glitzerte. Kleine Leuchtkugeln schwebten knapp über der Wiese und den Blumen hinweg. Fasziniert von dem Anblick liefen sie darauf hinzu.
„Sieh nur! Was ist das nur?“, fragte sie und ließ sich aufs Feld locken.
„Warte! Nicht so schnell, das könnte gefährlich sein!“, eilte er ihr hinterher.
Himari ging auf eine der Leuchtkugeln zu, kniete sich hin und stupste sie neugierig an. Auf einmal ploppte die Kugel auf und ein kleines feenartiges Ding kam zum Vorschein.
„Hey! Was soll das?!“, war das kleine Wesen empört.
„Oh mein Gott, ist das niedlich! Estes! Komm her!“, rief sie ganz aufgeregt, bevor sie sich wieder dem Ding zuwandte. „Was bist du?“
„Ihr kommt wohl nicht von hier, was? Wir sind Pixies und leben hier in diesem Wald“, erklärte das kleine geflügelte Wesen.
„Ein Pixie? Was ist das?“, fragte Himari neugierig nach, während Estes ebenfalls neugierig in die Hocke ging.
„Ihr seid wirklich nicht von hier…“, ploppte eine zweite Pixie auf. „Komm mit uns mit, bei uns seid ihr in Sicherheit und könnt euch ausruhen, ihr seht erschöpft aus…“
Die Pixies flogen voraus und Himari folgte ihnen mit Estes.
„Ich glaube wir haben ganz schön Glück dass wir diese Wesen gefunden haben, sie scheinen nett zu sein…“, freute sich Himari.
„Ja, scheint so…“, war Estes skeptisch. „Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl dass irgendetwas nicht stimmt…“
„Was meinst du?“, wandte sie sich ihm zu.
„Ich weiß es nicht genau es ist einfach ein Gefühl dass ich habe…“, blickte Estes ernst drein.
Sie kamen an einer Lichtung an.
„Hier, setzt euch, wir bringen euch etwas zu essen…“, bot eine ihnen einen Sitzplatz an.
Sie setzten sich und lauter kleine Pixies schwirrten durch die Luft.
„Seltsam… Warum gibt es hier Stühle in unserer Größe wenn diese Wesen hier so klein sind?“, wurde Estes misstrauischer.
„Jetzt wo du’s sagst… Das ist wirklich seltsam…“, wunderte sich nun auch Himari.
„Ihr braucht euch nicht zu fürchten…“, sprach eine freundliche, feminine Stimme ganz sacht.
Estes und Himari drehten sich nach ihr um. Vor ihnen stand eine junge, wunderschön aussehende Frau welche ebenfalls solche Flügel wie die Pixies hatte.
„Wer sind Sie?“, war Estes verwundert.
Sie setzte sich ganz nah zu Estes und lehnte sich aufreizend rüber.
„Mein Name ist Navaeh, ich bin eine Elfe…“, stellte sie sich kokett vor.
Himaris Eifersucht war nicht zu übersehen. Als Estes zu ihr hinüberschauen wollte, drehte Navaeh seinen Kopf wieder in ihre Richtung. Währenddessen brachten die Pixies lauter kleine Köstlichkeiten. Navaeh schob einen Teller zu Estes hinüber.
„Probiere doch mal, es ist köstlich…“
„N-Nein danke, ich bin nicht hungrig…“, schob Estes den Teller nervös lächelnd auf die Seite.
„Och, ich bestehe darauf, du musst doch sicher hungrig sein…“, flirtete sie sehr offensichtlich mit ihm, legte eine Hand auf seinem Oberschenkel ab und rutschte noch näher an ihn heran.
„Ich danke Ihnen, aber wir möchten ihre Gastfreundschaft nicht noch weiter überstrapazieren, wir sollten wohl besser gehen…“, versuchte Estes aufzustehen.
Augenblicklich drückte sie ihn wieder hinunter und rutschte mit ihrem Bein über seinen Schoß.
„Du bist doch gerade erst gekommen, wäre es nicht unhöflich gleich wieder zu verschwinden?“, funkelte sie ihn böse an.
„Es tut mir leid, aber ich habe kein Interesse an Ihnen, also könnten Sie bitte von mir runter gehen?“, wurde Estes forscher.
„Kein Interesse an mir? Ha!“, lachte sie amüsiert, setzte sich auf seinen Schoß und kam ihm ganz nah. „Aber an der Kleinen, oder wie? Ich sehe tausendmal besser aus also vergiss sie!“
„Runter von mir!“, wurde Estes fordernd und sah sie kalt an.
„Ich bringe dich schon dazu sie zu vergessen, keine Sorge…“, fixierte sie ihn.
Estes wollte sich wehren, doch die Pixies hielten ihn fest und Naveah drückte ihm einen Kuss auf. Als sie von ihm abließ, wirkte Estes wie benommen. Schelmisch kichernd amüsierte sie sich.
„Nun bist du mein…“
Sie drehte sich zu den Pixies um und legte einen sehr herrischen Ton an.
„Bringt das Gör endlich weg… Beseitigt sie!“, befahl sie.
„Wie Ihr wünscht…“, bestätigten die Pixies den Befehl.
Himari klopfte gegen die Blase, in der sie eingesperrt war.
„Estes!! Was hast du mit ihm gemacht?! Lass mich hier raus!!“, protestierte sie.
Die Blase fing an zu schweben und die Pixies brachten sie weg.
„Wo bringt ihr mich hin?! Was habt ihr vor?! Was macht die da mit Estes?!“, war Himari außer sich vor Wut.
Die Blase schwebte über einem tiefen, dunklen Abhang.
„Unsere Herrin nährt sich ausschließlich von Männern also hast du wohl die bessere Variante erwischt… Du kannst in den Tod stürzen während er nach dem Geschlechtsverkehr aufgefressen wird…“ erklärten sie.
„Was?! Warum?!“, war Himari entsetzt.
„Das ist ihre Art der Rache… Sie wurde früher immer wieder von Menschen misshandelt und vergewaltigt, nachdem sie ihnen Hilfe angeboten hatte… Es tut uns leid aber wir haben keine Wahl… Ohne sie sterben wir also verzeih uns bitte…“, fuhren sie fort.
„Halt! Wartet! Lasst mich gehen, bitte! Ich…“, flehte Himari.
Damit ließen sie die Blase platzen und Himari stürzte in die Tiefe.
Eysa und Oliver wurden in einem Käfig eingesperrt. Oliver fing an fürchterlich zu weinen. Eysa nahm ihn sofort in ihre Arme.
„Halt das Balg ruhig oder wir werden für Ruhe sorgen!“, ermahnte sie einer der Angreifer.
Eysa sah sie böse an, während sie versuchte Oliver zu trösten.
„W-Was haben die nun mit uns vor? Tantchen! Ich will wieder nach Hause! Werden wir jetzt sterben?“, wimmerte er.
„Beruhige dich… Alles wird gut werden… Ich lasse nicht zu, dass dir etwas geschieht…“, drückte sie ihn nah an sich und streichelte über seinen Kopf.
Eysa sah sich scharf um. Sie bemerkte zwei Kerle, die sich unterhielten und versuchte zu lauschen.
„Was machen wir nun mit den beiden Gefangenen?“, fragte der eine.
„Gute Frage… Wir sollten dem Anführer bescheid geben, zumindest als Futter könnten sie herhalten…“, sprach der andere.
„So viel Blut werden die zwei nicht haben, der eine ist ja noch ein Kind und das Mädchen ist sehr zierlich… Wenn man da aus Versehen zu viel Blut abzapft, sterben die ja gleich…“, moserte der erste.
„Du hast Recht, viel ist an denen wirklich nicht dran… Mal sehen, uns wird schon was einfallen…“, antwortete der zweite.
<Blut abzapfen? Sind das etwa Dämonen? Halt, nein, was sagte Enzo? Vampire… Eine dämonische Unterart… Das darf Oliver auf keinen Fall zustoßen! Ich lasse nicht zu, dass er, wie ich damals, als Sklave herhalten muss! Ich muss einen Weg hier rausfinden!>
Währenddessen wurden Jamin und Leif in ein Lager gebracht.
„Das ist ja schäbig hier!“, stellte Leif fest.
„Das stimmt… Ich hatte mir irgendwie mehr vorstellt…“, stimmte Jamin zu.
„Was erwartet ihr? Wir sind ständig auf der Flucht vor diesen Vampirjägern… Als ob uns die Beschaffung von Blut nicht schon genügend Mühe kosten würde…“, verteidigte sich einer von den drei Männern.
Zusammen liefen sie mitten über den Platz als ein anderer Mann auf die Gruppe zukam.
„Hey! Wir haben heute zwei Gefangene machen können! Sie sind zwar recht mager aber für eine Weile könnte das schon reichen!“, verkündete der Kerl.
„Habt ihr dem Boss schon bescheid gegeben?“, fragte einer aus der Gruppe nach.
„Nein, noch nicht… Wir haben sie eben erst eingesperrt…“, fuhr er fort.
„Na gut, wir sind sowieso auf dem Weg zu ihm also berichte ich ihm davon…“, setzte er seinen Weg fort.
Sie betraten ein großes Zelt. Am Ende saß ein älterer Mann auf einem Stuhl und rauchte gemütlich eine Zigarre, als er seine Aufmerksamkeit auf die hereintretenden Menschen richtete.
„Boss, wir haben ein paar Interessante Funde heute gemacht… Sieh mal, das hier ist sogar ein echter Dämon genau wie du!“, stellte er Jamin vor.
Jamin trat hervor und ging auf den Anführer zu. Argwöhnisch wurde er von Roy beäugt.
„Yo, alter Saftsack! Sei mal so nett und hilf uns aus!“, sprach Jamin ganz unverblümt mit ihm.
Geschockt sahen ihn alle Anwesenden an.
„Was fällt dir ein so mit unserem Anführer zu sprechen?!“, war einer sauer.
Roy erhob sich und ging auf Jamin zu mit eiskalter Miene.
Kapitel 82
Fenrir sah Ilay entsetzt an.
„D-Du bis ein Dämon?!“, erschauderte sie.
„Unter anderem, ja…“, wandte er sich ihr zu.
Er kniete sich zu ihr hin. Vor Angst zuckte sie zusammen. Ilay breitete seine Hand über ihre Schulterverletzung aus und heilte sie. Erstaunt sah sie dabei zu. Nachdem die Wunde wieder verschlossen war, richtete sich Ilay wieder auf und stellte sich dem Bären gegenüber.
„Und nun zu dir…“, brachte er seine Sense in Position.
Ilay sprang auf das Vieh zu und zog voll durch. Mit seiner Sense verpasste er ihm einen gewaltigen Schnitt quer über die Brust. Der Bär schrie auf und schlug nach Ilay. Dieser wich der Pranke gerade noch so aus, rollte sich ab und stürmte wieder los.
Mit dem nächsten Angriff schnitt er noch tiefer zu. Der Bär wurde rasend vor Wut. So schnell konnte Ilay gar nicht ausweichen, schon schlug der Bär gewaltig zu und verpasste ihm gewaltige Einkerbungen in der Brust.
Ilay rappelte sich mit schmerzerfülltem Gesicht wieder auf. Fenrir war wie erstarrt, doch konnte ihren Blick nicht von Ilay abwenden. Ilays geradezu majestätische Aura zog sie vollkommen in seinen Bann. Das Blut rinnte geradezu durch Ilays Finger, als er sich die Wunde zudrückte.
„Tsk…“, verzog Ilay seine Miene.
Mit seinen Flügeln flog er auf das Vieh zu und holte erneut aus. Dieser Schnitt ging direkt über das Gesicht. Der Bär jaulte vor Schmerzen, schleuderte Ilay davon und ergriff die Flucht. Ilay donnerte geradewegs gegen einen Baum und schlug am Boden auf.
Fenrir stand nun auf und eilte auf Ilay zu.
„Das sieht schlimm aus… Alles gut?“, fragte sie nach als sie sich zu ihm setzte.
„Was sind das bitte für Tiere? Nicht nur dass die riesengroß sind, sie sind auch verdammt zäh und stark…“, versuchte er sich aufzusetzen.
„Diese Wesen gibt es schon seit Urzeiten… Sie sind so alt wie das Land selbst… Einige nennen sie Urbestien und sie waren früher neben den Gottheiten und Dämonen die Herrscher dieses Landes…“, erklärte Fenrir und versuchte die Blutung von Ilay zu stoppen. „Kannst du aufstehen? Ich bringe dich zurück in meine Hütte…“
„Es wäre wohl nicht so gut, wenn ich wieder in euer Dorf kommen würde… Außerdem muss ich weiter und meine Freunde finden…“, lehnte Ilay ab und zog sich am Baum hoch.
„Bist du bescheuert? In dieser Verfassung kommst du keinen Meter weit! Außerdem kann jedes Biest hier in der Nähe dein Blut riechen und wird dich angreifen da sie dich für leichte Beute halten, vor allem da dein Blut so besonders riecht!“, meckerte Fenrir.
„Noch ein Grund mehr, warum ich nicht in euer Dorf gehen sollte, sonst fallen dort noch mehr Bestien ein… Ich danke dir für deine Hilfe, aber ich mach mich nun auf den Weg…“, stand Ilay nun und brach in eine Richtung auf.
Mitleidig sah Fenrir ihm hinterher. Ilay schleppte sich durch den Wald. Immer wieder nahm er knurren von kleineren Tieren war, vermutlich Wölfe oder Füchse, aber Ilays Erscheinung wirkte trotz der Verletzung so bedrohlich, dass sich kein Tier näher an ihn hin getraut hatte.
„Scheiße… Die Wunde fühlt sich nicht normal an… Sie hört auch gar nicht auf zu bluten… Vor diesen Bestien muss man sich echt in Acht nehmen…“, sprach Ilay mit sich selbst.
Er fühlte sich immer schwerfälliger. Mühselig schleppte er sich an eine Höhle. Dort ging er dann auf die Knie, drehte sich um und lehnte sich gegen die Höhlenwand, schwer atmend.
„Fühlt sich an wie eine Vergiftung… Ich… Ich muss mich kurz ausruhen…“, schloss Ilay krampfhaft seine Augen.
Ria und Drake standen auf einem Dach und sahen hinunter auf den Marktplatz. Dort standen ein paar Soldaten.
„Halt dich bedeckt, sie dürfen uns nicht sehen…“, sprach Drake.
Ria nickte und ging hinter dem Schornstein etwas in Deckung.
„Was tun wir hier?“, fragte Ria nach.
„Wir beschatten sie… Meine Schwester sollte auch bald auftauchen…“, erklärte er knapp.
„Wie war ihr Name noch gleich?“, fragte Ria nach.
„Drakhan…“, antwortete Drake. „Da ist sie schon…“
Auf einmal durchdrang ein gewaltiges Gebrüll den Himmel. Erschrocken blickte Ria auf. Ein großer Drache flog über sie hinweg und landete inmitten des Marktplatzes. Kurz nach der Landung verwandelte sich der Drache in eine schöne, junge Frau. Geschockt sah Ria Drake an.
„Was seid ihr?“
„Wir gehören zum Geschlecht der Drachen… Wir sind mittlerweile fast ausgestorben doch noch herrschen wir hier… Was dachtest du denn was ich bin? Sind meine Hörner, Schwanz und Augen nicht aussagekräftig genug?“, wandte er sich Ria zu.
„Ich dachte du wärst ein Demi oder so…“, lächelte Ria nervös. „Und ihr könnt die Gestalt eines Menschen annehmen? Können das alle Drachen?“
„Normalerweise ja… Es gibt nur einen Fall bei dem es nicht mehr möglich ist, und zwar wenn man von einer Urbestie vergiftet wird… Dieses Gift frisst sich durch das Gehirn und nimmt dir den Teil, der dich ausmacht… Das ist für uns Drachen nicht tödlich, aber wir vergessen, wer wir waren und auch dass wir uns in diese Gestalt wandeln können… Wenn das Gift zu lange in unserem Körper verweilt, gibt es aber keine Möglichkeit mehr uns zu heilen und wir werden einfach nur wilde Bestien, die alles angreifen… Das Gift vermischt sich dann mit unserem Blut und wir werden selbst höchst giftig über die Jahre… Uns bleibt dann nur noch der Tod, um uns von dieser Pain zu befreien…“, wurde er etwas ausschweifender.
„Ist dir das schon einmal passiert?“, wurde Ria neugierig.
„Nein, mir nicht… Aber unserem Vater… Er verteidigte unsere Stadt vor einfallenden Bestien… Es wurde zu spät bemerkt und mein Vater verlor seinen Verstand… Letztendlich wurde er vertrieben und nie mehr gesehen… Das ist mittlerweile mehrere Jahrhunderte her…“, fuhr er fort.
„Was macht das Gift mit anderen Lebewesen?“, fragte Ria weiter.
„Die Meisten sterben daran qualvoll… Urbestien sind sehr gefährlich und man sollte ihnen, wenn möglich, aus dem Weg gehen…“, warnte Drake.
„Verstehe…“, sah Ria wieder auf den Marktplatz.
„Sie setzten sich in Bewegung, wir folgen ihnen… Los!“, nahm Drake die Verfolgung auf.
Ria eilte ihm hinterher. Vorsichtig schlichen sie von Gebäude zu Gebäude. Zusammen drangen sie in das Schloss ein. Mit einer Handbewegung schickte Drakhan ihre Untergebenen weg und betrat einen Balkon, auf welchem bereits zwei Gestalten auf sie warteten.
„Eurynome, Astaroth… Ihr seid früh dran…“, grüßte Drakhan die beiden Frauen.
„Drakhan… Hast du deinen Auftrag ausführen können?“, kam Astaroth gleich zur Sache.
„Natürlich, genauso wie ihr es wolltet… Hier ist die Krone…“, warf sie ihr eine Krone in die Arme.
„Sehr gut…“, inspizierte Asta die Krone.
Ria sah sie geschockt an, während Drake ihr einen fragenden Blick zuwarf.
„Alles okay?“, fragte er nach.
„Das… Das ist… Die Krone… Gehört dem Vater meines Freundes!“, war Ria aufgelöst.
„Und du bist dir sicher, dass du unserem Bruder den Gar ausgemacht hast?“, hakte Eury noch einmal nach.
„Sehr sicher… Der steht nicht mehr auf…“, bestätigte Drakhan.
„Somit haben wir nun fast alle Seelen zusammen…“, sah Eury Asta an.
„Perfekt… Alle Seelen der Erzdämonen und drei von vier Seelen der Erzengel sind nun somit in unserem Besitz… Dann fehlt uns nur noch dieser Hybrid…“, erzählte Asta.
„Da sind wir schon dran, ich habe einige Krieger ausgesandt, um nach diesen Wesen zu suchen, welche von den anderen Kontinenten hierher kamen…“, mischte sich Drakhan mit ein.
„Und?“, hakte Eury nach.
„Bis jetzt leider noch nichts, ihr habt sie ziemlich weit verstreut mit eurem Willkommensgeschenk… Das Gebiet ist viel zu weitläufig, um schnelle Ergebnisse erzielen zu können…“, erklärte Drakhan.
„Na gut… Sieh zu dass ihr sie bald findet… Ihr dürft alle töten außer den Hybriden, den brauchen wir lebend…“, sprach Asta.
„Jawohl…“, verneigte sich Drakhan.
„Und wenn du das geschafft hast, können wir uns gern um deine Belohnung kümmern…“, grinste Eury.
„Vielen Dank, ihr seid zu gütig…“, bedankte sie sich.
Asta warf ihr die Krone wieder in die Hände.
„Das brauchen wir nicht, mach damit, was du willst…“
Damit verschwanden Eurynome und Astaroth und Drakhan warf einen Blick auf die Krone.
„Ich kann damit auch nichts anfangen…“
Sie warf sie zum Balkon hinunter und verschwand im Inneren ihres Schlosses. Kaum verschwunden eilte Ria an die Brüstung.
„Was tust du da?“, wollte Drake sie aufhalten.
„Ich brauche diese Krone!“, sprang sie hinunter.
Drake fletschte mit den Zähnen, sprang ihr aber hinterher.
Zur selben Zeit arbeiteten Enzo und Kaz akribisch einen Stapel Anfragen ab als die Türen des Zimmers aufschwangen.
„Kaz, Enzo! Der Dämonen Lord! Er wurde ermordet!“, betrat Liz ganz aufgeregt das Zimmer in Begleitung von Zion.
„Was?“, war Kaz fassungslos.
„Wie?“, war auch Enzo geschockt.
„Die Nachricht ereilte uns gerade erst, anscheinend wurde ein Drache gesichtet!“, erklärte Liz weiter.
„Das kann nicht sein! Bael ist sehr mächtig!“, verleumdete Enzo die Wahrheit.
„Einer von euch muss gehen und die Dämonen unterstützen… Es ist niemand mehr da der das Reich führen könnte…“, mischte sich Zion mit ein.
„Ich werde gehen…“, stand Enzo auf. „Ilay ist mein Bruder, ich werde ihn vertreten, bis er zurück ist, um den Platz seines Vaters einnehmen zu können…“
„Sehr gut, ich werde dir eine Eskorte zur Seite stellen…“, eilte Liz voraus.
„Schaffst du es ohne mich?“, wandte sich Enzo an Kaz.
„Natürlich…“, grinste Kaz sicher. „Immerhin regierte meine Familie einst dieses Land, es ist zwar lange her aber ich erinnere mich noch an alles…“
„Sehr gut…“, lächelte Enzo erleichtert. „Lass uns unser Bestes geben!“
Eneas und Bela wanderten im dunklen Wald umher.
„Es ist schon dunkel…“, merkte Bela an.
„Stimmt… Wir sollten uns ein Lager zurecht machen und morgen weiter suchen…“, stimmte Eneas zu.
„Sieh nur, eine Lichtung!“, ging Bela darauf zu.
Bevor er die Lichtung betreten konnte, hielt ihn Eneas auf. Fragend blickte er ihn an.
„Was hast du?“, fragte Bela.
„Irgendetwas stimmt hier nicht… Hier sind zwar Glühwürmchen, aber hörst du das? Es ist kein einziger Laut zu hören… Kein Zirpen, kein Zwitschern, nichts…“, sah sich Eneas um.
„Du hast Recht… Totenstille… Das heißt hier lebt etwas gefährliches, was alle anderen Lebewesen vertrieben hat…“, schlussfolgerte Bela.
„Das glaube ich auch…“, nahm Eneas einen Stein in die Hand und warf ihn im hohen Bogen aufs offene Feld.
Diese Glühwürmchen schwirrten sofort darauf zu. Eins nach dem anderen ploppte auf und Pixies kamen zum Vorschein.
„Was war das?“
„Ich weiß nicht…“
„Solange es kein Mann ist, brauchen wir uns nicht weiter darum zu kümmern, also zurück auf eure Posten…“
„Mir tut der Mann von heute irgendwie leid, er war irgendwie süß…“
„Das stimmt, ich hab auch noch nie einen Mann gesehen mit so rot leuchtenden Haaren…“
„Schade, dass Navaeh sie alle auffrisst… Er schien ein guter Kerl zu sein und seine Begleiterin sehr zu mögen…“
„Er wurde bestimmt schon verspeist und sie ist tot also denkt nicht weiter darüber nach, zurück an die Arbeit!“
Geschockt sahen sich Bela und Eneas an.
„Estes und Himari?!“
Kapitel 83
Navaeh machte es sich auf Estes Schoß gemütlich. Sie fing an sein Hemd zu öffnen und ihm über seine Brust zu streichen.
„Eigentlich eine Schande, dass du das nicht überleben wirst, du bist echt süß und zur Abwechslung mal kein Arschloch, aber gut, da kann man nichts machen…“, grinste sie schelmisch und zwang ihm noch mehr Küsse auf.
<W-Wo bin ich? Was passiert hier mit mir?... Ich kann mich nicht rühren… Diese Frau… Was tut sie da? Küsst sie mich? Warum zieht sie mich aus? Was werde ich nicht überleben? Ich muss hier weg! Ich muss zu Himari!>
Estes Finger fingen an zu Zucken, während sich Navaeh über ihn hermachte.
„Erst einmal werde ich ein wenig Spaß mit dir haben, bevor ich dich verschlinge!“, zog sie sich ihr Kleid aus und fing an sich rhythmisch auf Estes‘ Schoß zu bewegen.
Navaeh fing an lustvoll zu stöhnen und leckte sich ihre Lippen.
„Ich möchte gern wissen wie gut so ein Schönling wie du bestückt ist… Das werde ich jetzt heraus finden…“, strich sie mit ihren Händen seinen Oberkörper entlang nach unten, bis sie am Bund der Hose ankam.
Gerade als sie die Hose öffnen wollte, packte Estes sie an ihren Armen, warf sie zu Boden, holte ein Messer aus seinem Stiefel und hielt es ihr an die Kehle, als er auf sie sprang.
„Himari… Wo…?“, keuchte er sichtlich angestrengt.
„Oh wow! Du musst ziemlich stark sein, wenn du meinen Bann so schnell durchbrechen konntest!“, war Navaeh fasziniert.
„… Antworte!“, bedrohte Estes sie.
Amüsiert grinste sie und stieß ihn von sich hinunter. Er knallte hart gegen einen Baum und ging zu Boden. Noch nicht ganz Herr seiner Sinne konnte er ihr nichts entgegenbringen und genauso schnell saß sie auch schon wieder in seinem Schoß.
„All deine Stärke nützt dir nichts, solange du dich hier in meinem Reich befindest… Solange du hier bist, habe ich die Kontrolle…“, rekelte sie sich auf ihm, drückte ihn restlos zu Boden und wollte ihm noch einen Kuss aufzwingen.
In dem Moment schnellte eine Sense in ihre Richtung und Navaeh sprang von Estes hinunter, um sich zu retten.
„Miststück!“, schimpfte Bela und sprang auf den Griff seiner Sense, bevor er sie bitterböse anvisierte.
Bela griff nach seiner Sense und sprang auf sie zu, um sie erneut anzugreifen. Währenddessen eilte Eneas zu Estes hin und brachte ihn in eine Aufrechte Position.
„Estes! Geht es dir gut?!“, machte sich Eneas sichtlich Sorgen um seinen kleinen Bruder.
„Hi… Mari…“, mehr brachte Estes nicht hervor und kniff schmerzerfüllt seine Augen zusammen.
„War Himari bei dir? Wo ist sie?“, fragte Eneas fassungslos nach.
„Weiß… Nicht…“, strengte Estes sich sichtlich an.
„Wir kümmern uns darum, keine Sorge… Ruh dich aus…“, stand Eneas auf und wandte sich Bela und Navaeh zu.
„Was hast du mit Estes und Himari angestellt?! Sprich, wenn dir dein Leben lieb ist!“, wirkte Eneas bedrohlich.
„Ihr seht lecker aus! Euch werde ich zuerst fressen, bevor ich mich wieder meinem Leckerbissen widme!“, zeigte sie nun ihr wahres Gesicht und riss ihr, mit messerscharfen Reißzähnen bestücktes Maul, weit auf.
„Widerlich!“, war Bela angewidert und schnellte mit seiner Sense auf sie zu.
Er zog voll durch und sie sprang auf die Seite, nur um dann von Eneas überrascht zu werden, welcher ebenfalls mit seiner gezückten Glefe auf sie zueilte. So schnell konnte sie gar nicht ausweichen schon schlug Eneas zu und verletzte sie am Arm. Gerade als Bela ebenfalls auf sie zusprang, stellten sich ihm die Pixies in den Weg. Bela brach den Angriff ab und blieb vor ihnen stehen.
„Das können wir nicht zulassen! Wenn sie stirbt, sterben wir auch!“, riefen sie.
„Aus dem Weg! Dieses Monster muss beseitigt werden!“, war Bela angepisst.
Schon schnellte Navaeh auf Bela zu und stieß ihm ihren Dolch in die Brust. Damit hatte sie Eneas‘ Hass auf sich gezogen. Blitzschnell flog er auf sie zu und schlitzte ihren Rücken auf. Vor Schmerzen schrie sie auf und sprang auf Eneas zu, welcher ihren Angriff parierte.
„Bitte! Hört auf!“, flehten die Pixies. „Sie war nicht immer so böse! Lasst sie gehen und verschwindet einfach!“
Bela sprang auf und zog sich den Dolch aus der Brust.
„Das tat weh!“, war er wütend und funkelte mit seinen dämonischen Augen.
Geschockt sah sie ihn an.
„Was seid ihr?!“, war sie entsetzt.
„Darf ich vorstellen? Wir sind eine buntgemischte Gruppe aus Gottheiten und Dämonen aus den Kontinenten Respon und Riftan…“, schlug Eneas Navaeh mit der stumpfen Seite seiner Waffe zu Boden.
„Gottheiten und Dämonen?!“, war sie fassungslos.
„Sag uns jetzt wo Himari ist oder dir wird es leid tun überhaupt geboren worden zu sein!“, bedrohte Bela sie und trat sie einmal.
„Für sie seid ihr zu spät… Die Pixies haben sie längst die Klippen hinuntergeworfen, ich bezweifle, dass ihr sie wiederfinden werdet…“, lachte sie trotz der Schmerzen.
Estes richtete sich wieder auf. Leicht benommen stützte er sich am Baum ab und lief dann ein paar Schritte.
„Ich muss zu ihr…“, taumelte er.
„Übernimm dich nicht Estes! Du bist grad nicht in der besten Verfassung!“, wandte sich Eneas an ihn.
„Das ist egal! Jede Sekunde zählt!“, war es Estes ernst.
Damit holte er seine Flügel hervor und hob ab.
„Estes hat recht, wir sollten hier nicht unsere Zeit mit diesem Miststück verschwenden…“, pflichtete Bela bei.
„Das stimmt…“, sah Eneas auf sie herab und stieß ihr seine Glefe mitten durchs Herz.
Danach eilten sie Estes hinterher. Sie kamen an dem Abhang an und flogen in die Tiefe. Estes kam zuerst unten an.
„Himari!!“, rief er und sah sich um.
Aus der Dunkelheit bewegte sich jemand auf die drei zu.
„Guten Abend…“, grüßte sie diese mysteriöse Frau.
„Wer bist du?“, fragte Eneas.
„Mein Name ist Nyx… Und keine Sorge, eurer Freundin geht es gut…“, sprach sie ruhig.
„Wo ist sie?!“, ging Estes auf sie zu.
„Ich habe sie zu mir gebracht… Ich bringe euch gleich dahin, aber zuerst muss ich mich noch um etwas kümmern…“, ging sie an ihnen vorbei und schwebte die Felswand einfach wieder hinauf.
Fragend sahen sich die Jungs an und folgten ihr dann. Nyx ging auf den leblosen Körper von Navaeh zu und kniete sich hin. All die Pixies saßen daneben und wussten nicht, was sie tun sollten. Nyx breitete ihre Hand über ihr aus und sammelte leuchtende Partikel zusammen, welche aus Navaehs Körper emporstiegen. Als sie eine große, leuchtende Kugel zusammengesammelt hatte, stand sie auf.
„Was machst du da?“, fragte Bela neugierig nach. „Und was bist du?“
„Ich bin eine Nekromantin und habe eben ihre Seele eingesammelt… Die Pixies sind auf sie angewiesen also nehme ich sie mit, reinige sie und ermögliche ihr eine Widergeburt…“, erklärte sie.
„So etwas kannst du?“, war Eneas baff.
„Ja… Aber es braucht unheimlich viel Energie und Magie, weswegen die Nutzung dieser Kräfte sehr limitiert ist…“, antwortete sie und wandte sich dann den Pixies zu. „Keine Sorge, nach der Reinigung ist sie wieder wie früher und dann könnt ihr wieder in Frieden und Ruhe leben und euren eigentlichen Aufgaben nachkommen…“
Die Pixies freuten sich und fingen an zu tanzen.
„Vielen Dank dass ihr sie ausgeschaltet habt… Ihre Seele war bereits so sehr verdorben, dass es nicht mehr möglich gewesen wäre sie in diesem Zustand zu retten, damit habt ihr zukünftigen Opfern ihre Pain erspart…“, verneigte sie sich. „Und nun bringe ich euch zu eurer Freundin…“
Mit einem Fingerschnippen befanden sie sich plötzlich in einem Haus. Irritiert sahen sie sich um.
„Wow! Was war das?“, war Eneas verblüfft.
„Das war keine Teleportation wie wir es tun…“, stellte Bela klar.
„Das, was ihr unter Teleportation kennt, ist auch eigentlich keine richtige Teleportation… Bei euch ist das quasi ein superschneller Sprint in einem bestimmten Radius in einer Umgebung, die ihr bereits kennt… Ich teleportiere wirklich und kann mehrere Wesen gleichzeitig mit mir nehmen… Für mich gibt es an sich keine Regulation, ich brauche nur genügend Energie und Magie…“, erklärte Nyx.
„Wo ist sie nun?“, wurde Estes ungeduldig.
„Ich bin hier…“, kam Himari um die Ecke.
Als Estes sie zu Gesicht bekam ging er schnurstracks auf sie zu und nahm sie in seine Arme.
„Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht…“, drückte er sie fest an sich.
Himari blushte leicht und genoss die Umarmung sehr. Eneas und Bela warfen ihnen ein zufriedenes Lächeln zu. Er fixierte ihr Gesicht und sah sie direkt an.
„Geht es dir wirklich gut?“, streichelte er ihr über ihre Wangen.
„Ja…“, lächelte sie überglücklich. „Ich bin so froh, dass du wohlauf bist…“
Estes entspannte sich und drückte seine Stirn gegen ihre.
„Du sagtest doch du könntest uns überallhin teleportieren… Kannst du uns dann zu den anderen teleportieren oder auch jemanden wieder zu uns nach Hause teleportieren?“, wurde Eneas neugierig.
„Theoretisch ja… Aber jetzt geht das leider nicht, meine Energie ist erschöpft und ich brauche meine Nächste für die Reinigung und Wiederbelebung von Navaeh… Doch ich kann euch hier einen sicheren Unterschlupf für die Nacht bieten…“, erklärte Nyx.
„Gut, ich verstehe… Wir danken dir für das freundliche Angebot…“, sprach Eneas.
„Das Gästezimmer ist oben, macht es euch dort gemütlich… Es sind zwar leider nur zwei Betten aber da ihr jeweils ein Pärchen zu sein scheint, wird das wohl genügen…“, drehte sie sich um. „Zum Abendessen rufe ich euch dann…“
Zusammen sahen sie sich im Zimmer um. Als Estes und Himari vor einem der Betten standen, wirkten sie nervös.
„Alles gut bei euch?“, fragte Eneas nach.
„J-Ja…“, stotterte Estes und wandte sich Himari zu. „Nimm du ruhig das Bett, ich kann auf dem Boden schlafen…“
„S-Stell dich doch nicht so an… Wir schlafen doch eh nur, da gibt es doch gar kein Problem…“, sprach Himari verschämt mit einer Rötung im Gesicht.
Eneas und Bela sahen sich an und kicherten.
„Sie hat Recht… Im Prinzip ist es nichts Schlimmes sich ein Bett zu teilen…“, war Eneas amüsiert.
„Wir werden Jamin auch nichts verraten!“, kicherte Bela immer noch vor sich hin.
Estes kratzte sich peinlich berührt am Hinterkopf als Eneas um beide einen Arm legte und sie an sich drückte.
„Ich bin nur froh, dass wir euch rechtzeitig gefunden haben und euch nichts passiert ist… Morgen früh werden wir die anderen suchen gehen…“
Alle lächelten.
„Das Essen ist fertig, kommt ihr?“, rief Nyx nach ihnen.
Zusammen setzten sie sich an den Tisch, während Nyx das Essen auf den Tisch stellte. Sie wollte sich gerade setzten, als es an der Tür klopfte.
„Nyx? Bist du da?“
„Wir wissen das du da bist, mach dir Tür auf!“
Erschrocken sah sich die Gruppe an.
Kapitel 84
„Kein Laut, ihr bewegt euch keinen Millimeter…“, stand Nyx auf und ging zur Tür, um sie zu öffnen.
„Astaroth… Eurynome… Was führt euch zu mir?“, fragte sie nach.
„Hast du nun endlich die letzte Seele gefunden, die wir benötigen?“, klang Eury fordernd.
„Wir haben Michael, Raphael und Gabriel… Uns fehlt nur noch Uriel als letzte der heiligen vier Erzengelseelen…“, erklärte Asta.
„Es tut mir leid, aber ich habe sie nicht…“, antwortete Nyx gelassen.
„Verarsch uns nicht! Wir haben nun endlich alle vier legendären Erzdämonenseelen beisammen, das und der Hybrid ist alles, was wir noch benötigen! Du bist so mächtig, du solltest sie längst ausfindig gemacht haben! Lass uns nicht wütend werden!“, war Eury sauer.
„Das heißt ihr konntet Bael besiegen?“, fragte Nyx nach.
„Ja… Drakhan hat ihn eliminiert… Jetzt sieh zu, dass du die letzte Seele für uns besorgst oder wir werden sehr ungehalten…“, drohte Asta.
Bela stand mit einem Ruck auf und sah wutentbrannt aus. Eneas legte ihm seine Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen. Das Rucken des Stuhls zog allerdings die Aufmerksamkeit von Astaroth und Euryome auf sich.
„Was war das? Ist hier jemand?“, drängten sie sich an Nyx vorbei.
Sie sahen den gedeckten Tisch und sahen sich argwöhnisch um.
„Hier ist niemand… Ich erwarte allerdings noch Besuch…“, blieb Nyx ruhig, während die Gruppe, welche immer noch am Tisch saß, nicht verstand, warum sie nicht gesehen wurde.
Die zwei Frauen drehten sich wieder zu Nyx um.
„Enttäusche uns besser nicht…!“, kamen sie Nyx nah.
„Ihr seid hier auf meine Hilfe angewiesen also geduldet euch… Ich werde euch benachrichtigen, sobald ich etwas habe… Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet…“, zeigte sie ihnen den Ausgang und Asta verschwand mit Eury.
Nyx ging wieder zu Tisch und setzte sich.
„Esst, bevor es kalt wird…“, sprach sie sacht.
„Du arbeitest mit ihnen zusammen?! Was ist hier los?!“, war Bela sichtlich aufgebracht. „Stimmt das?! Was haben sie mit Vater gemacht?!“
„Du bist also Baels Sohn?“, stellte Nyx ruhig eine Gegenfrage.
„Einer seiner Söhne…“, antwortete Eneas.
„Verstehe… Ihr habt es doch gehört, allem Anschein nach haben sie ihn getötet, um an seine Seele zu kommen… Ihr wisst sicher, dass Astaroth und Eurynome den Weltenbaum umschreiben wollen, dafür benötigen sie nicht nur das Blut des Hybrids, sondern auch die Seelen der 4 legendären Erzdämonen und der 4 heiligen Erzengel… Und Uriel ist der letzte, der ihnen fehlt…“, ließ Nyx eine leuchtende Kugel erscheinen.
„Ist sie das?“, fragte Estes erstaunt nach, während Bela Tränen hinunterliefen und Eneas ihn versuchte zu trösten.
„Ja… Das ist Uriels Seele… Ich möchte sie ihnen nicht aushändigen… Wenn sie die volle Kontrolle über den Weltenbaum erlangen, hätte das katastrophale Folgen für die gesamte Welt… Vor fünf Jahren hatten sie schon einmal versucht etwas am Weltenbaum zu verändern, dabei kam es zu einem Unfall, wo Eurynome ihr Leben verlor, da sie nicht alle nötigen Dinge zusammen hatten…“, erzählte Nyx.
„Aber…“, fiel Himari ein.
„Das war die Zeit wo Enzo und Ilay nicht mehr in der Lage waren in die Zukunft zu blicken…“, schlussfolgerte Eneas.
„Selbst wenn man nicht alles beisammenhat, ist man in der Lage etwas verändern zu können… Weswegen es so wichtig ist, dass sie Uriel nicht kriegen… Noch einmal werden sie es nicht probieren, ohne alles beisammenzuhaben… Seit diesem Vorfall arbeiten sie für meinen Meister, Thanatos, den Gott des Todes… Er belebte Eurynome wieder und sicherte sich so die Loyalität der Schwestern…“, fuhr sie fort.
„Dein Meister?“, fragte Estes nach.
„Ja… Bei ihm habe ich gelernt… Das ist bereits viele Jahre her… Er ist nicht in der Lage Uriel zu finden da er bereits in meinem Besitz ist weswegen die Schwestern nun mich damit behelligen… Aber ich weiß, dass sie bereits vermuten das ich ihn habe, es wird nicht mehr lange dauern, bis sie mich angreifen werden…“, sprach sie weiter. „Weswegen ich euch um einen Gefallen bitten möchte…“
Nyx ließ eine Halskette mit einem kleinen Gefäß erscheinen, in der sie die Seele von Uriel einfüllte und überreichte sie Estes. Verwundert nahm er sie entgegen.
„Nehmt seine Seele mit und lasst nicht zu, dass sie in ihre Hände fallen…“, war sie ernst.
„Warum versteckst du sie nicht einfach? Du scheinst sehr mächtig zu sein…“, fragte Eneas, während Estes sich die Kette um den Hals legte.
„Sie muss im Besitz von jemandem sein, um nicht von meinem Meister gefunden werden zu können… Das heißt sie muss immer am Körper getragen werden… Mein Meister kennt mich gut und weiß alles über mich, doch er wird nicht erahnen können, dass ich sie euch mitgegeben habe… Ich weiß, dass ihr hier seid, um sie aufzuhalten, weswegen ich euch vertraue und euch diese Last auferlegen muss…“, erklärte sie. „Und da gibt es noch etwas, was ihr Wissen solltet, etwas, was selbst Astaroth und Eurynome nicht wissen… Sie wollen die Macht nutzen um Herrscher über alles zu werden, mein Meister hingegen ist besessen vom Tod und will alles Leben auslöschen, um die Welt zu bereinigen… Um die Kräfte des Weltenbaumes zu aktivieren, müssen auch Astaroth und Eurynome sterben da ihre Seelen benötigt werden, das wissen sie jedoch nicht…“
„Warum sagst du es ihnen dann nicht einfach? Vielleicht würden sie dann aufhören…“, fragte Eneas nach.
„Weil es keinen Unterschied machen würde… Thanatos hat sie in seiner Hand… Eine bereits einmal verstorbene Seele ist von ihm markiert, wenn er sie wiederbelebt… Das heißt er könnte sie jederzeit einfach sterben lassen, wenn er Lust darauf hätte…“, beantwortete Nyx die Frage.
„Verstehe…“, sah Eneas überlegend aus.
Roy erhob sich und ging auf Jamin zu mit eiskalter Miene.
„Jamin, spinnst du?! Was tust du da?“, pampte Leif ihn an.
Verschlagen grinste Jamin vor sich hin. Als Roy vor ihm stand, packte er ihn an den Schultern und nahm ihn in seine Arme. Verdutzt wurden sie von allen beobachtet.
„Jamin… Ich dachte, ich würde dich nie wiedersehen…“, sprach Roy.
„Das dachte ich auch…“, erwiderte Jamin die Umarmung.
„Wobei brauchst du Hilfe mein Sohn?“, fragte er nach.
Alle Anwesenden waren sprachlos.
„Wir suchen unsere Freunde… Wir waren eine größere Gruppe und wurden verstreut, als wir hier ankamen…“, erklärte Jamin.
„Kein Problem… Lasst uns zu den Käfigen gehen und sehen ob nicht schon welche eurer Freunde gefunden worden sind… In der Zwischenzeit kannst du mir erzählen was ich verpasst hab… Wie geht es deiner Mutter?“, führte Roy sie hinaus.
„Ihr geht es gut… Es war hart für sie, als du verbannt wurdest, aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen…“, erzählte Jamin.
„Das ist gut… Es waren wilde Zeiten als Bael versiegelt wurde… Wir wurden angehalten uns gegen die Göttlichen zu stellen, doch ich weigerte mich…“, sprach Roy.
„Wurdest du deshalb verbannt?“, war Leif neugierig.
„Genau… Ich glaubte nicht daran, dass die Göttlichen uns so hinterrücks angegriffen hatten ohne triftigen Grund… Ich wollte die Wahrheit, doch die bekam ich nie…“, sprach Roy weiter.
„Die Wahrheit war, dass der göttliche Rat hinter allem steckte… Sie wollten das Dämonenreich vernichten, doch letzten Endes konnten wir sie aufhalten… Nun sind wir hier, um Astaroth und Eurynome aufzuhalten, denn sie sind hinter Ilay her, um den Weltenbaum umschreiben zu können…“, erklärte Jamin.
„Baels Sohn? Ist er der Hybrid?“, war Roy verwundert.
„Richtig…“, bestätigte Jamin. „Er ist auch irgendwo hier… Es ist wichtig, dass wir uns alle schnellstens wiederfinden…“
„Verstehe…“, sprach Roy.
„Was ist das hier eigentlich? Und warum sperrt ihr Leute in Käfige ein?“, fragte Leif ernst nach.
„Hier laufen die Dinge etwas anders als in Riftania… Es mag grausam klingen aber jeder, der sich in unserem Territorium verläuft ist quasi nur Futter… Früher war das anders, Vampire waren angesehene Kreaturen und etwas, was man sein wollte dank der Unsterblichkeit… Viele hoch angesehene Leute und Reiche ließen sich verwandeln, um nicht mehr sterben zu können und frei von Krankheit zu sein, doch irgendwann wandte sich das Blatt und aus Vampiren wurden Gejagte da viele durchdrehten und wahllos Menschen anfielen und ganze Landstriche vernichteten… Seitdem leben sie hier im Verborgenen und es mangelt an Blut für alle…“, erklärte Roy.
„Das gibt euch noch lange nicht das Recht so mit anderen Lebewesen umzuspringen! So tut ihr nur das, was man von euch eh erwartet, und so wird keine Besserung der Umstände eintreten!“, war Leif leicht sauer.
„Du musst wissen das mein Freund Leif hier der König von Resparia ist… Er kann so ein Verhalten einfach nicht ab…“, erklärte Jamin.
„Du bist ein König? Interessant…“, war Roy fasziniert.
„Was soll das heißen?“, war Leif angefressen.
„Nichts… Das du Adelig bist, sieht man dir an aber mit einem König habe ich nun nicht gerechnet…“, erklärte Roy. „Nun denn, das hier sind die Käfige…“
Jamin und Leif sahen sich um und entdeckten dann Eysa und Oliver. Leif rannte direkt auf sie zu und werkelte am Schloss rum.
„Macht den Käfig auf!“, rief Jamin.
„Onkelchen!!“, rief Oliver, als er Leif in die Arme sprang.
Leif drückte ihn ganz fest an sich.
„Bin ich froh, dass es dir gut geht…“, war Leif sichtlich erleichtert.
Jamin half in der Zwischenzeit Eysa aus dem Käfig.
„Schön, dass ihr wohlauf seid…“, freute er sich und tätschelte ihr den Kopf.
„Ich bin froh euch zu sehen…“, lächelte Eysa.
„Bevor ihr weitere Gefangene macht, möchte ich sie erst sehen, bevor ihr mit ihnen wie üblich weiterverfahrt…“, ordnete Roy an und wandte sich dann Jamin zu. „Euren Freunden wird natürlich nichts geschehen, wenn sich noch mehr zu uns verirren sollten…“
„Vielen Dank Vater…“, bedankte sich Jamin.
„Das ist dein Vater?“, war Eysa baff.
„Eine lange Geschichte…“, grinste er sie an.
Währenddessen vegetierte Ilay in der Höhle vor sich hin.
<Meine Sicht verschwimmt immer mehr… Mir ist heiß… Ich muss irgendetwas tun, bevor es nicht mehr geht…>
Ilay versuchte sich aufzurappeln, rutschte aber sofort wieder zu Boden. Schmerzverzerrt blickte er in Richtung des Höhleneingangs, als er einen Schatten wahrnahm, der auf ihn zukam.
„Ilay!“, rief dieser Schatten.
Er versuchte zu erkennen, wer es sein könnte. Er erkannte Ria.
„Ria? Bist das du?“, rief er.
Die Frau setzte sich neben ihn.
„Du siehst gar nicht gut aus! Die Vergiftung muss dich massiv erwischt haben! Ich habe etwas dabei, was dir helfen wird!“
„Ria…“, packte er sie und zog sie zu sich.
Er küsste sie.
„Ich hab dich so vermisst Ria…“, gab er von sich und küsste sie erneut.
Sie versuchte sich aus diesem Griff zu winden, aber Ilay presste sie an sich. Mit einer Hand griff er ihr in den Nacken, drehte ihren Kopf auf die Seite und biss ihr letztendlich in den Hals. Genüsslich saugte er ihr Blut.
<Es schmeckt anders als sonst…>
Ilay wanderte mit seiner anderen Hand an ihre Hüfte und rutschte unter ihr Oberteil. Bevor er sie richtig befummeln konnte, riss sie sich los und gab Ilay eine Backpfeife. Ilay hielt sich seine Wange und blickte auf nur um dann zu bemerken, dass es gar nicht Ria war. Vor ihm stand Fenrir, rot bis über beide Ohren.
„Fenrir…?“, war nun auch Ilay geschockt.
Kapitel 85
„W-Was fällt dir ein?! Ich bin gekommen, um dir zu helfen und dann machst du dich über mich her?!“, war Fenrir aufgebracht.
„E-Entschuldige… Ich dachte du wärst sie…“, schnaufte Ilay beschwerlich.
„Kein Wunder, das Gift steigt dir bereits zu Kopf…“, setzte sie sich wieder vorsichtig neben ihn und hielt ihm eine Flasche hin. „Trink das, dann sollte es dir besser gehen…“
Ilay nahm es entgegen und trank es in einem Zug aus. Erschöpft sank er zu Boden und ihm fielen die Augen zu.
„Ruh dich aus… Ich kümmere mich um den Rest…“, sprach Fenrir.
Bela stand draußen und sah in den Nachthimmel hinauf. Eneas kam auf ihn zu.
„Hier bist du also…“, legte er sacht seine Arme um ihn.
„Ich kann es einfach nicht glauben…“, sprach Bela, griff nach Eneas Armen und hielt sich daran fest.
„Ich auch nicht… Es tut mir so leid…“, sprach Eneas sanft.
„Ob Ilay es schon weiß?“, rätselte Bela.
„Wer weiß… Wir sollten zusehen, dass wir ihn so schnell wie möglich finden bevor er in die Hände von euren Tanten fällt…“, war Eneas besorgt.
„Das stimmt…“, drehte sich Bela um und sah Eneas direkt an.
Eneas streichelte ihm sanft über seine Wange und gab ihm dann einen Kuss.
„Die Beiden sind ein perfektes Paar, findest du nicht auch?“, kicherte Himari vor sich hin.
„Das stimmt… Sie passen gut zueinander…“, pflichtete Estes bei und lehnte sich gegen die Brüstung des Balkons, auf dem sie standen.
„Ob wir auch so ein süßes Pärchen abgeben würden?“, wandte sie sich ihm zu.
„Vielleicht… Wenn du alt genug bist…“, zog Estes sie amüsiert auf.
Dafür boxte sie ihm einmal sauer in die Magengrube und Estes verzog sein Gesicht. Dann lächelte sie, packte ihm an Kragen und zog ihn zu sich, um ihm einen Kuss zu geben. Verdutzt blickte er sie an. Dann griff er nach ihrem Gesicht und zog es wieder her, um ihr noch einen Kuss zu geben. Das überraschte sie, aber sie genoss es. Beide wurden rot und sahen sich in die Augen.
„Hey ihr Nachahmer! Zeit fürs Bett!“, rief ihnen Eneas amüsiert zu.
Augenblicklich entfernten sich die Beiden voneinander, sichtlich peinlich berührt erwischt worden zu sein. Auch Bela entwich daraufhin ein kleines Lächeln.
Als Ilay wieder erwachte, richtete er sich auf und sah sich um. Ein Lagerfeuer stand nicht unweit von ihm und er bemerkte, dass sein Oberkörper einbandagiert war, als er sich mit seiner Hand abtastete. Er nahm die Decke von sich herunter und stand auf. In dem Moment betrat Fenrir die Höhle.
„Na? Ausgeschlafen?“, wandte sie sich ihm zu und brachte ein paar Früchte und einen toten Hasen mit.
„Wie lange war ich weg?“, fragte Ilay nach.
„Drei Tage… Die Vergiftung war ziemlich heftig, aber ich hab es geschafft sie zu beseitigen…“, erklärte sie.
„Verstehe… Vielen Dank…“, bedankte er sich. „Und verzeih mir, ich wollte dir nicht zu nahetreten und erst recht nicht über dich herfallen…“
„Ist okay…“, ging sie an ihm vorbei zum Feuer hin. „Ich bin dir nicht böse, das Gift hat deinen Verstand vernebelt…“
„Warum hilfst du mir eigentlich? Ihr hasst doch Dämonen…“, wandte er sich ihr zu.
„Weil du uns geholfen hast… Ohne deine Hilfe wäre diese Bärbestie in unser Dorf eingefallen und es hätte viele Opfer gegeben… Also zeige ich dir so unsere Dankbarkeit…“, erklärte Fenrir.
„Das musst du nicht, ihr seid mir nichts schuldig… Ich habe euch geholfen, weil ich es wollte, nicht weil ich musste…“, gab Ilay von sich.
„Das weiß ich, genau deshalb helfe ich dir nun… Du hättest fliehen können, bist es aber nicht… Das war sehr selbstlos von dir…“, lächelte sie.
„Was hast du mir da eigentlich gegeben?“, fragte Ilay nach.
„Eine Tinktur mit bestimmten Heilkräutern die selbst Vergiftungen von Urbestien neutralisieren… Das ist ein geheimes Rezept, das schon seit Urzeiten in unserem Dorf weitergereicht wird… Unsere Rasse stammt ursprünglich von den Urbestien ab, deshalb wissen wir so viel über sie…“, erklärte Fenrir.
„Verstehe…“, gab Ilay von sich. „Ich schulde dir was… Wenn du was brauchst, lass es mich wissen…“
„Da gäbe es tatsächlich etwas…“, sah sie ihn an.
Zur selben Zeit waren Ria und Drake in der Stadt unterwegs und schlichen heimlich durch die Gassen.
„Was hast du jetzt vor?“, fragte Ria nach. „Dein Gesicht ist hier überall bekannt, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie dich finden werden…“
„Das stimmt… Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich öffentlich suchen lassen würde… Ich möchte sie immer noch ausschalten, aber allein hab ich da wohl kaum eine Chance, besonders nicht, nachdem ich nun weiß dass sie mit den Erzdämonen unter einer Decke steckt… Wenn das stimmt, was du mir erzählt hast, wäre es fatal, wenn sie ihr Ziel erreichen sollten…“, sprach Drake.
„Ich möchte dich ja nicht von deinem Plan abhalten deine Schwester zu besiegen, aber wenn du willst, könntest du mit mir kommen… Wenn sie nicht aufgehalten werden, dann gäbe es sowieso keine Zukunft für euch…“, gab Ria hinzu.
„Du hast recht… Das wäre wohl die klügste Entscheidung… Ich kann es aber nicht mit ansehen, wie sie unser Volk verkommen lässt… Sie lebt in Saus und Braus während das gemeine Volk in Hunger und Armut dahinvegetiert… Das macht mich wütend…“, ballte er seine Fäuste.
„Das glaube ich dir, doch manchmal ist Rückzug der bessere Weg… Ich bin mir sicher, dass wir eine Lösung finden werden, sobald wir Astaroth und Eurynome besiegt haben…“, lächelte sie.
„Also gut… Suchen wir deine Freunde und halten Astaroth und Eurynome auf…“, wandte er sich Ria zu. „Verschwinden wir von hier…“
Er packte Ria am Arm und zog sie mit. Sie liefen ein paar Seitengassen entlang. Am Ende der letzten Gasse standen auf einmal ein paar Krieger von Drakhan im Weg.
„Da ist er! Schnappt ihn!“, riefen sie.
„Scheiße!“, fluchte Drake.
„Das ging ja nicht gut…“, scherzte Ria.
Drake sprang auf die Leute zu und trat sie auf die Seite. Ria folgte ihm dicht. Es kamen noch mehr Wachen auf sie zugeeilt.
„Wenn ihr ihn nicht fangen könnt, dann schießt ihn ab!“, rief einer.
Damit luden die Wachen ihre Waffen und zielten auf ihn. Ein paar kickte er auf die Seite doch die anderen schossen los. Ein paar Kugeln konnte er ausweichen doch nicht allen. Ria reagierte blitzschnell und schützte ihn mit einer Barriere, welche die Kugeln mühelos abfing. Verwundert riss sie alle Blicke auf sich.
Ria sprintete los, packte Drake am Kragen, holte ihre Flügel hervor und versuchte davon zu fliegen.
„Man bist du schwer…“, klagte Ria.
„Los! Schießt!“, befahl einer.
„Was bist du? Bist du wirklich eine Gottheit?“, fragte Drake nach.
„Ja, das bin ich… Um genau zu sein gehöre ich sogar zu den Urgöttern…“, lächelte sie ihn an.
Sie waren bereits weit oben in der Luft als plötzlich mehrere Schüsse auf sie abgegeben wurden. Ria hielt sie erneut mit ihrer Barriere auf. Doch dann schoss jemand ein Netz mithilfe einer Kanone auf sie und Rias Flügel verhedderten sich darin. Im Sturzflug ging es rasend schnell nach unten.
„Ich krieg das Netz nicht ab!“, rief Ria und zerrte daran herum.
„Nur keine Panik!“, schloss er seine Arme um sie und verwandelte sich in einen riesengroßen Drachen.
In Null Komma Nichts stiegen sie empor. Ria saß nun auf dem Rücken des Drachen und hielt sich an den Schuppen fest. Sie staunte regelrecht. Eine weitere Kanone wurde abgefeuert und traf Drake, was ihn einmal zum Aufheulen veranlasste, doch er flog unbeirrt weiter. Nur wenige Sekunden später war er außerhalb ihrer Reichweite.
„Sie haben dich erwischt!“, rief Ria und versuchte nach der Wunde zu sehen.
„Halb so wild… Darum kümmern wir uns später… Ich bringe uns erst an einen sicheren Ort, an dem die Drachenkrieger uns nicht finden können…“, klangen Drakes Worte mächtig in dieser Gestalt.
Ria sah sich währenddessen um und genoss es auf Drakes Rücken durch die Lüfte getragen zu werden.
„Auf deinem Rücken mitzufliegen, fühlt sich wahnsinnig toll an!“, freute sie sich.
„Du hast doch selbst Flügel und kannst fliegen… Was ist daran so besonders?“, war er verdutzt.
„Ich weiß es nicht, es fühlt sich einfach unfassbar toll an!“, schloss sie ihre Augen, hob ihre Arme und ließ sich den Wind um die Ohren peitschen.
„Außerdem fühlst du dich trotz deiner harten Schuppen angenehm warm und weich an…“, strich sie ihm über den Rücken.
Verlegen schloss Drake kurz die Augen und lief leicht rot an.
„Könntest du das bitte unterlassen? Das ist mir leicht unangenehm…“
„Oh, entschuldige…“, kicherte Ria.
Drake setzte zur Landung an. Sie versteckten sich hoch oben in den Bergen in einer Höhle.
„Hier sollten wir vorerst in Sicherheit sein…“, ließ er Ria von seinem Rücken hinuntergleiten.
Ria ging um seine Beine herum und näherte sich der Wunde, welche ihm zugefügt worden war. Vorsichtig inspizierte sie sie.
„Was tust du da?“, fragte er nach.
„Ich werde dich heilen, halt still…“, legte sie sanft ihre Hand auf seinem Brustkorb ab.
Ihre Augen und Hände begannen zu glühen. Fasziniert beobachtete er sie dabei. Es dauerte nur wenige Augenblicke und die Wunde schloss sich wieder. Ria fing an zu taumeln. Augenblicklich verwandelte sich Drake zurück und hielt sie fest. Dabei schlang er seine Arme um sie.
„Alles okay bei dir?“, fragte er nach.
„Ja… Es war nur eine sehr große Wunde, das hat mich einiges an Kraft gekostet…“, lächelte Ria.
Er drückte sie an sich bevor sie umfiel und setzte sich mit ihr hin.
„Ruh dich erst einmal aus… Danach sehen wir, wie es weiter geht…“, sprach Drake sacht.
Ria fielen die Augen zu und sie schlief in seinem Schoss gegen ihn gelehnt ein.
Während Oliver und Leif am Essen waren, vertrat sich Eysa ein wenig die Beine außerhalb des Zeltes. Jamin kam auf sie zu.
„Na? Möchtest du das jetzt durchziehen?“, fragte er nach.
„Was meinst du?“, fragte sie verwundert.
„Unser Gespräch, bevor wir aufgebrochen sind… Wenn du willst, helfe ich dir sein Herz zu erobern…“, zwinkerte er ihr zu.
„Achso… Ich weiß nicht…“, zögerte Eysa.
„Ich weiß das er Gefühle für dich hat, dessen muss er sich nur bewusstwerden und am effektivsten ist da immer noch die gute alte Eifersucht!“, lachte er.
„Sagst du das, weil du es auch so meinst oder weil du ihn einfach nur ärgern willst?“, sah Eysa ihn misstrauisch an.
„Mhm… Beides…“, grinste Jamin breit.
„Hätte ich mir ja denken können…“, kam von Eysa.
„Vor allem möchte ich dir einfach nur helfen… Leif ist so sehr in seiner Welt involviert, dass er gar nicht merkt was ihm da durch die Lappen geht…“, fuhr er fort.
„Das stimmt wohl… Er hat wahnsinnig viel um die Ohren und hetzt von einem zum nächsten Termin… Er nimmt sich kaum Zeit für irgendetwas anderes, das Königreich steht bei ihm an erster Stelle, aber genau das mag ich so an ihm… Genau das macht ihn zu einem so guten König…“, schwärmte Eysa mit einem sanften Lächeln.
„Da hast du Recht, er macht seinen Job wirklich verdammt gut…“, pflichtete Jamin bei. „Noch ein Grund mehr ihn an andere Dinge zu erinnern…“
„Und du glaubst wirklich das ist der richtige Weg?“, sah sie ihn an.
„Hundert Prozent!“, wandte er sich ihr zu. „Also? Er sieht uns gerade zu, steht da hinten in der Ecke…“
„Wie sieht der Plan den aus?“, fragte sie nach.
Jamin grinste schelmisch. Er packte sie an ihren Armen, zog sie zu sich heran und küsste sie. Als er von ihr abließ, sah er ihr tief in die Augen.
„Aber verlieb dich nicht aus Versehen in mich, ich bin nämlich glücklich vergeben!“, zwinkerte er ihr zu und ließ sie stehen.
Eysa sah Jamin hinterher und wurde rot im Gesicht. Mit ihren Fingern fuhr sie sich leicht über ihre Lippen.
<Das war mein erster Kuss… Und den hat mir Jamin nun gestohlen…>
Leif wurde rasend vor Wut. Er ballte seine Fäuste.
<Was fällt ihm ein?! Er hat Frau und Kinder! Wie kann er es wagen Hand an Eysa zu legen! Aber warum?… Warum stört mich das nur so sehr?>
Kapitel 86
„Und du möchtest uns diese Seele wirklich anvertrauen?“, fragte Eneas noch einmal nach.
„Ja…“, bestätigte Nyx. „Ihr solltet nun aufbrechen…“
„Was wirst du nun tun?“, fragte Bela nach.
„Ich bringe die gereinigte Seele von Navaeh zurück und tauche dann unter… Aber keine Sorge, wir werden uns wiedersehen…“, antwortete sie.
„Also gut, dann machen wir uns auf den Weg!“, lief Eneas voraus.
Estes und Himari winkten ihr noch einmal zum Abschied zu, bevor sie sich Eneas und Bela anschlossen.
„Wir sollten fliegen, so wären wir schneller und hätten einen besseren Überblick…“, merkte Bela an.
„Ich kann aber nicht fliegen…“, wandte Himari ein.
„Keine Sorge, ich trage dich…“, lächelte Estes.
„Gut, dann los…“, flog Eneas hoch. „Diese Höhe ist gut… Bela, du deckst rechts ab, Estes und Himari, ihr links…“
„Verstanden!“
Zusammen flogen sie einige Kilometer lang und selbst nach einigen Stunden konnten sie niemanden ausfindig machen.
„Dieser Kontinent muss wohl verdammt groß sein, wir fliegen seit Stunden und haben noch nicht einmal eine Stadt ausfindig machen können…“, war Himari verwundert.
„Das stimmt… Wir hätten Nyx vielleicht nach einer Karte fragen sollen…“, kam von Bela.
„Lasst uns da vorn eine Rast einlegen…“, steuerte Eneas einen Berg an.
Auch bei Leif und den anderen hatte der Tag bereits begonnen. Während Eysa mit Oliver spielte, liefen Jamin und Leif gemeinsam über das Gelände. Beide schwiegen sich an.
„Na? Möchtest du irgendetwas loswerden?“, stichelte Jamin und lächelte amüsiert.
„Kein Bedarf…“, war Leif sauer.
„Warum gestehst du es dir nicht endlich ein? Bei Ria hast du damals nicht so lang gezögert…“, stichelte er weiter.
„Was meinst du?“, sah Leif ihn böse an.
„Deine Gefühle für Eysa… Wenn du zu lange wartest, verliebt sie sich vielleicht noch in jemand anderen… Bei ihrem Aussehen stehen die Männer sicher Schlange also wird es wohl nicht an Auswahl mangeln…“, legte Jamin sich die Hände in den Nacken.
„So wie du, oder was? Ich dachte du liebst deine Frau…“, war Leif immer noch angepisst.
„Das tue ich auch… Aber gegen etwas Spaß hatte ich doch noch nie etwas einzuwenden… Du kennst mich doch…“, grinste er Leif schelmisch an.
„Das ist der Grund, warum ich dich nicht ab kann…“, sprach Leif.
„Achja? Dabei fühlt sich das gerade so nostalgisch an, wie in alten Zeiten als wir alle noch auf Ria standen…“, lachte Jamin.
Leif warf ihm einen verächtlichen Blick zu.
„Und damit hier endlich mal was geschieht…“, schubste er Leif gegen Eysa und packte sich Oliver. „… Sorge ich dafür, dass ihr ein wenig Zeit zu zweit habt…“
Er warf sich Oliver über seine Schulter und lief davon.
„Hey! Was soll das?!“, war Oliver sauer und klopfte ihm auf die Schulter.
„Beruhig dich, du willst doch auch dass die Beiden ein Paar werden, oder nicht?“, wandte er sich ihm zu.
„J-Ja schon…“, sah Oliver ihn verwundert an.
„Na, also… Dann lass uns was spielen während die Beiden ein wenig Zeit zusammen verbringen…“, kitzelte er ihn.
Leifs Griff war fest um Eysas Arme. Beide liefen rot im Gesicht an. Leif nahm schnell einen Meter Abstand von ihr und kratzte sich am Hinterkopf, während Eysa verlegen zur Seite blickte.
„Leif… Ich…“, fing Eysa an.
„Eysa…“, unterbrach Leif sie.
Erwartungsvoll blickte sie ihn an.
„Ich habe dich nie als Frau wahrgenommen… Für mich warst du immer ein Kind, welches beschützt werden muss… Doch ganz plötzlich… Über Nacht… War das nicht mehr der Fall… Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll… Wenn ich dich jetzt ansehe… Dann sehe ich eine junge, hübsche Frau… Stark… Mutig… Liebevoll… Und wunderbar… Eysa…“, nahm er ihre Hand und eine deutliche Rötung war in seinem Gesicht erkennbar. „Jamin hat Recht… Und ich kann und will diese Gefühle nicht länger ignorieren… Ich habe mich in dich verliebt, Eysa…“
Er griff nach ihrem Gesicht und streichelte ihr über ihre Wange. Eysas Herz klopfte wie wild. Leif trat näher an sie heran. Er zog sie heran und gab ihr einen Kuss. Eysa rinnten ein paar Tränen über ihre Wangen. Leif fixierte ihr Gesicht.
„Alles in Ordnung?“, sah er ihr liebevoll in die Augen.
„Ja…“, lächelte sie. „Ich bin nur so glücklich…“
Danach zog er sie erneut heran, um ihr noch mehr Küsse zu geben.
„Siehst du… Sie brauchten nur ein wenig Zeit zu zweit und schon sind sie vereint…“, lachte Jamin, während Oliver staunte.
Oliver eilte auf die Beiden zu und umklammerte ihre Beine. Erschrocken sahen sie nach unten.
„Werdet ihr jetzt heiraten?!“, freute er sich und strahlte.
„Immer langsam großer…“, war Leif verlegen.
„Ich hab dir doch gesagt, dass sowas Zeit braucht…“, lächelte Eysa und ging dabei auf die Knie.
Dabei streichelte sie ihm über den Kopf.
„Ich bin so glücklich! Dann werden wir eine glückliche Familie!“, sprang er ihr in die Arme.
„Das sind wir doch schon längst…“, tätschelte auch Leif seinen Kopf, als er sich dazusetzte.
Zusammen lachten sie. Zufrieden lehnte sich Jamin gegen einen Baum und beobachtete sie dabei.
Auf einmal wurde es düster. Leif sprang auf und sah sich um. Roy kam auf sie zu.
„Versteckt euch! Sie sind sicher auf der Suche nach euch!“, rief Roy ihnen zu.
„Wer?“, fragte Jamin.
„Die Drachenritter… Unsere Späher haben gemeint, dass sie überall unterwegs sind, um die Fremden zu finden…“, erklärte Roy.
Leif nahm Oliver auf den Arm und Eysa an der Hand und lief in eins der Zelte, dicht gefolgt von Jamin. Jamin verschloss hinter ihnen das Zelt und spähte aus einem kleinen Schlitz hinaus.
„Oliver… Du musst jetzt ruhig bleiben, das ist sehr wichtig… Schaffst du das?“, wandte sich Eysa ihm zu.
Oliver nickte, doch klammerte sich fest an seinen Onkel. Leif drückte ihn an sich.
„Alles wird gut, keine Sorge… Ich lass nicht zu, dass dir was passiert…“, versuchte Leif ihn zu beruhigen.
Währenddessen landeten die Drachen scharenweise auf dem Platz. Die Vampire waren alle sehr nervös und angespannt. Kampfbereit positionierten sie sich.
Einer ging auf Roy zu.
„Hast du hier das sagen?“, legte er einen Befehlston an.
„Das geht euch nichts an… Was habt ihr hier zu suchen?“, nahm Roy eine Abwehrhaltung ein.
„Ihr seid unserem Königreich schon lange ein Dorn im Auge… Wenn ihr kooperiert, könnten wir einen Waffenstillstand arrangieren…“, bot er an.
„Kein Bedarf, danke… Verschwindet von hier…“, blieb Roy stur.
„Ihr wollt es also auf die harte Tour, die könnt ihr haben…“, hob er seinen Arm. „Greift sie an und durchsucht das Lager!“
„Wir bleiben unabhängig! Vertreibt sie!“, befahl Roy seinen Männern.
Damit griffen sich beide Gruppierungen an.
„Ich werde ihnen helfen…“, wandte sich Jamin seinen Freunden zu. „Ich falle nicht auf, da ich ein Dämon bin, ihr solltet hierbleiben und euch versteckt halten…“
„Du willst ihnen helfen? Nachdem sie so unmenschlich mit ihren Gefangen umgehen?“, sah Leif ihn ernst an.
„Ich weiß, dass es hier nicht so toll läuft wie bei dir, aber er ist mein Vater!“, war es Jamin ernst.
„Ich verstehe… Pass auf dich auf…“, klopfte Leif ihm auf die Schulter.
Gerade als Jamin nach draußen gehen wollte, fiel einer der Gegner geradewegs in das Zelt hinein. Als er sich umsah und die Gruppe entdeckte, sprang er ruckartig wieder auf.
„Hier! Hier sind welche!“, rief er seinen Leuten zu.
Geschockt sahen sie sich an.
Zur selben Zeit wanderten Ilay und Fenrir umher.
„Und du bist dir sicher, dass du dein Dorf einfach so verlassen willst?“, fragte Ilay nach.
„Ja…“, bestätigte Fenrir. „Ich hatte immer das Gefühl, dass das Leben mehr für mich bereithalten würde als in meinem Dorf zu versauern, bis ich alt werde... Und dann kamst du daher mit einer wichtigen Mission… Ich möchte euch helfen… Das Schicksal der Welt ist in Gefahr, da kann ich nicht tatenlos herumsitzen und Nichtstun…“
„Es ist nicht dein Kampf und es wird gefährlich werden, du könntest auch sterben, darüber solltest du dir im Klaren sein…“, wandte sich Ilay ihr zu und blieb direkt vor ihr stehen.
„Dessen bin ich mir durchaus bewusst…“, war es Fenrir ernst.
„Gut…“, entwich Ilay ein Lächeln.
„Wir sollten höher gehen, um uns einen besseren Überblick zu verschaffen… Dort könnten wir hoch klettern…“, zeigte sie auf eine Felswand.
„Wir könnten auch einfach fliegen immerhin habe ich Flügel…“, deutete Ilay auf seine Flügel.
„F-Fliegen?!“, reagierte sie leicht panisch.
„Hast du Höhenangst?“, war Ilay verwundert.
„Überhaupt nicht!“, protestierte sie mit verschränkten Armen.
„Also dann…“, stellte sich Ilay hinter sie und legte seine Arme um sie, um sie anzuheben.
„L-Lass mich ja nicht los, hörst du!“, krallte sie sich an seinen Armen fest.
„Keine Sorge, ich kann das…“, grinste er und hob ab.
Zusammen flogen sie hoch und hatten so eine wunderschöne Aussicht über das Plateau, welches sich nun vor ihnen erstreckte.
„Wow!“, staunte sie. „Atemberaubend!“
„Nicht schlecht, was?“, neckte er sie.
„Dort! Von da drüben nehme ich fremde Gerüche wahr, dort sollten wir nachsehen!“, zeigte sie in eine Richtung.
„Ist gut…“, flog Ilay los.
Sie landeten und sahen sich um.
„Hier war jemand vor kurzem…“, schnüffelte Fenrir in der Luft herum.
„Deine Nase ist Wahnsinn!“, stellte Ilay fest. „Du kannst alles erschnüffeln, oder?“
„Ja schon…“, lief sie ein paar Schritte.
Ilay folgte ihr. Sie ging auf eine ca. drei Meter hohe Felswand zu und kletterte sie hoch. Sie hievte sich hoch und sah plötzlich einem jungen Mädchen direkt ins Gesicht, welche nur wenige Zentimeter von ihr entfernt war.
„Huch? Wer bist du?“, fragte das Mädchen.
Fenrir erschreckte sich fürchterlich und fiel die Felswand wieder hinunter. Sie landete direkt auf Ilay, welcher noch versuchte sie aufzufangen. Dort lag sie nun auf ihm, Ihre Gesichter nur Millimeter voneinander entfernt. Beide rissen ihre Augen weit auf.
„Alles gut?“, fragte er nach.
„J-Ja… Entschuldige…“, wurde sie leicht rot.
„Du weißt, das Ilay eine Verlobte hat, oder?“, sprach ein Kerl.
Ilay und Fenrir blickten auf und entdeckten Bela. Auch Eneas und Estes mit Himari landeten neben ihnen.
Eneas half Fenrir auf während Bela Ilay aufhalf.
„Es ist schön euch zu sehen…“, freute sich Ilay und schloss Bela in seine Arme.
„Auch schön, dich wieder zu haben…“, legte Eneas seinen Arm um ihn.
„Wer ist sie?“, fragte Himari nach.
„Darf ich vorstellen, das ist Fenrir…“, sprach Ilay.
Kapitel 87
Ria öffnete ihre Augen. Noch immer saß sie im Schoß von Drake.
„Gut geschlafen?“, spitzte Drake sie aus seinen Augenwinkeln an.
„J-Ja…“, stotterte sie. „Vielen Dank das du auf mich aufgepasst hast…“
„Kein Problem… Ich sollte mich für die Heilung bedanken…“, entwich ihm ein Lächeln.
„Du bist unglaublich warm!“, stellte sie erstaunt fest.
„Kein Wunder, wir Drachen haben von Natur aus eine höhere Körpertemperatur…“, erklärte er.
„Total angenehm…“, rieb sie ihr Gesicht an seiner Brust.
„Hey! Was soll das?!“, war es Drake sichtlich unangenehm.
„Sorry!“, lachte Ria los, stand auf und reichte ihm ihre Hand.
Er ließ sich aufhelfen.
„Wir sollten weiter… Umso schneller wir deine Freunde finden, umso eher können wir Astaroth und Eurynome besiegen…“, lief er zum Höhlenausgang und sah in die Ferne.
„Das stimmt…“, stimmte Ria zu und stellte sich zu ihm.
„Also dann, spring auf!“, lächelte er sie leicht an und verwandelte sich wieder.
Ria kletterte auf seinen Rücken und mit einem Satz flogen sie los.
„Wo sollen wir suchen?“, fragte er nach.
„Ich kenne mich hier überhaupt nicht aus, es wäre besser, wenn du das Entscheiden würdest…“, antwortete Ria.
„Ist gut…“, drehte Drake nach links ab.
„Während wir suchen, könntest du mir doch irgendwas von dir erzählen…“, schlug sie vor.
„Was willst du denn wissen?“, fragte er nach.
„Nichts bestimmtes, ich möchte dich einfach nur besser kennen lernen… Wir sind doch nun Freunde… Verrate mir doch wie alt du bist, was du gerne machst, ob es etwas gibt, was du nicht magst… Sowas eben…“, stellte Ria klar.
„Hmm…“, überlegte Drake. „Ich bin ungefähr 3800 Jahre alt… Ich gehe gerne Angeln, weil ich gerne Fisch esse, außerdem schwimme ich recht gern… Was ich nicht mag, sind Gewitter… Ich wurde schon einmal im Flug von einem Blitz getroffen als kleiner Drache, das war ein unschönes Erlebnis…“
„So alt? Da fühle ich mich ja wie ein kleines Kind mit meinen 28 Jahren!“, lachte sie. „Fisch hab ich schon lang nicht mehr gegessen, das wäre mal wieder was!“
„Wenn du willst, zeige ich dir, wie ich die Fische fange!“, grinste er frech.
„Gerne!“, lächelte sie.
„Dann halt dich gut fest!“, stürzte er im Sturzflug nach unten zu dem großen See, der sich unter ihnen befand.
Mit einem Satz tauchte er in das Wasser ein, sammelte mit seinem Maul einen Haufen Fische und tauchte schlagartig wieder auf. Er flog ein, zwei Runden über den See und machte eine gute Stelle zum Landen aus. Er lies dort die Fische fallen und sah auf seinen Rücken.
„Alles okay da hinten?“, fragte er nach.
Ria war erst noch baff aber brach dann in lautem Gelächter aus.
„Das war das Letzte, womit ich gerechnet hatte!“, kriegte sie sich kaum noch ein.
Sie rutschte von seinem Rücken hinab und wringte sich ihre Haare aus, während Drake sich zurück verwandelte.
„Dann lass uns mal ein Lagerfeuer machen!“, fing er an Holzstücke in der Nähe zu sammeln.
Es dauerte nur wenige Minuten und schon war ein Lagerfeuer an. Ria und Drake steckten die Fische auf Äste und hielten sie ins Feuer.
„Hmm! Lecker!“, freute sich Ria.
„Es gibt nichts besseres!“, pflichtete Drake bei.
„Du liebst Fisch echt sehr! Das ist schon dein Zehnter!“, kicherte sie.
„Als Drache braucht man eben viel Nahrung!“, lächelte er süffisant.
„Ob uns diese Drachenritter immer noch suchen?“, rätselte Ria.
„Vermutlich ja… So schnell gibt meine Schwester nicht auf…“, antwortete er.
„Ich frage mich was es ihr bringt dich einzusperren… Und das jetzt so plötzlich… All die Jahre hat sie dich doch in Ruhe gelassen…“, überlegte sie.
„Gute Frage… Vermutlich steckt dahinter irgendein perfider Plan… Ich weiß schon lange nicht mehr, was in ihr vorgeht…“, biss er den Rest seines Fisches ab.
„Ist sicher hart für dich gegen deine Zwillingsschwester vorgehen zu müssen… Ich hatte auch eine Zwillingsschwester und auch wenn wir uns anfangs nicht wirklich vertrauten so waren wir doch eng verbunden und hätten uns für den jeweils anderen geopfert…“, erzählte Ria.
„Was ist mit ihr passiert?“, fragte er nach.
„Sie hat sich geopfert damit unsere Freunde und ich weiterleben konnten…“, lächelte Ria sanft. „Ich vermisse sie sehr… Wir konnten leider nicht viel Zeit miteinander verbringen…“
„Verstehe…“, sah Drake ins Feuer.
Plötzlich wurde dieser Moment gestört von herannahenden, fliegenden Drachen. Mit Gebrüll flogen sie auf Ria und Drake zu. Drake sprang augenblicklich auf.
„Sie haben uns schneller gefunden als gedacht!“, fletschte er die Zähne.
Sie schossen mit Gewehren nach ihnen. Drake rannte auf Ria zu, packte sie, warf sie in die Luft, verwandelte sich zurück in einen Drachen und Ria landete auf seinem Rücken. Sofort hob er ab und versuchte die Verfolger abzuschütteln.
„Sie sind zu schnell!“, rief Ria, als sie sich nach hinten umblickte.
„Ich weiß!“, antwortete Drake.
Ria sah sich weiter um.
„Hier muss es doch irgendetwas geben… Da! Siehst du die Felsformationen da vorn? Schaffst du es dort durchzufliegen?“, zeigte sie auf die Felsen vor ihnen.
„Willst du uns umbringen? Ich bin viel zu groß dafür!“, meckerte er.
„Schaffst du es oder nicht?“, klang Ria ernst.
„Ich werds versuchen… Was hast du vor?“, war er angespannt.
„Das siehst du dann schon, vertrau mir!“, rief sie ihm zu.
Zusammen schnellten sie auf die Felsen zu. Drake hatte sichtlich Mühe allen Felsen auszuweichen, so nahm er auch seine Beine und Arme zur Hilfe und sprang mehr durch das Felslabyrinth. Damit schüttelten sie schon einige Verfolger ab, doch nicht alle, aber sie hatten sich zumindest einen kleinen Vorsprung verschafft. Am Ende angekommen sprang Drake in das offene Areal.
„Jetzt! Verwandle dich zurück!“, rief Ria.
Augenblicklich verwandelte er sich zurück und Ria fing ihn auf. In Windeseile flog sie aus dem Sichtfeld der Restlichen Verfolger, die so die Spur zu ihnen verlor. Erschöpft sank Ria zu Boden und ließ Drake ab.
„Wie schwer bist du bitte? Schon beim letzten Mal warst du so unglaublich schwer…“, war sie sichtlich außer Puste.
„Was erwartest du denn? Ich bin ein Drache, also habe ich auch das Gewicht eines Drachen, daran ändert mein Erscheinungsbild nichts…“, erklärte er sein Gewicht.
„Ich muss mich mal kurz setzten…“, saß sich Ria auf einen Stein.
„Nichts da!“, packte er sie und warf sie sich auf den Rücken. „Wir müssen weiter, die Drachenritter sind immer noch in der Nähe!“
Im Huckepack ging es nun weiter.
Jamin stürmte aus dem Zelt hinaus. Leif gab Oliver in Eysas Arme.
„Pass auf ihn auf!“, eilte er Jamin hinterher.
Zusammen stellten sie sich diesen Drachenrittern in den Weg.
„Also dann, legen wir mal los…“, grinste Jamin.
„Wetten, dass ich mehr erledigen kann?“, war sich Leif sicher.
„Oh ho, siegessicher, was? Das werden wir sehen!“, stürmte Jamin los.
Leif lies nicht auf sich warten und tat es Jamin gleich. Sie standen sich in Nichts nach und eliminierten einen nach dem anderen. Die Vampire staunten bei ihren Fähigkeiten und auch Roy war sehr fähig und konnte einige Gegner ausschalten.
Die Drachenritter machten nun ernst und einige verwandelten sich in große Drachen. Einige der Vampire fielen ihnen zum Opfer, dann stellten sich zwei gegen Leif. Er hatte sichtlich mit ihnen zu kämpfen und wich einigen Attacken gerade noch so aus, doch dem letzten Angriff hielt er nicht stand und wurde hart auf den Boden geschleudert. Als er aufschlug, schlug ein Drache mit seiner Pranke zu und verpasste ihm einige tiefe Wunden.
Eysa war fassungslos und lies Oliver ab.
„Onkel Leif!!“, rief Oliver.
„Du versteckst dich bitte hier!“, packte sie ihn an die Schultern.
Schluchzend nickte Oliver. Daraufhin stürmte auch Eysa hinaus. Jamin war selbst zu sehr beschäftigt als das er hätte Leif helfen können. Leif war sichtlich angeschlagen und richtete sich wieder auf. Einer Pranke wich er aus, doch dann schnappte ein Drache mit seinem Maul nach ihm. Der Drache erwischte ihn an den Beinen und hob ihn hoch.
„Scheiß Vieh!“
Mit schmerzverzerrtem Gesicht stach er mit seiner Glefe zu und erwischte das Auge des Drachen. Dieser jaulte vor Schmerz auf und biss weiter zu. Leif schrie auf. Eysa kam blitzschnell auf sie zu, stach mit ihrem Messer in das andere Auge des Drachen, der daraufhin sein Maul lockerte. Eysa sprang nach hinten, rollte sich ab und zog Leif aus dem Maul heraus, um ihn einige Meter weiter hinten abzulegen.
„Was tust du da? Du sollst doch auf Oliver aufpassen!“, keuchte Leif.
„Sei nicht dumm! In der Verfassung kannst du nicht mehr weiterkämpfen, also übernehme ich jetzt!“, sah sie ihn ernst an.
„Aber…“
„Nichts aber! Du weißt, wie stark ich bin! Ich kann das!“, lächelte sie, drehte sich um flog auf die Feinde zu.
In dem Augenblick hing Jamin mit seinem Arm in Maul eines Drachens fest. Schmerzerfüllt schrie er auf als der Drache ihm den Arm abbiss und Jamin dann auf dem Boden aufklatschte.
Bevor der Drache erneut etwas tun konnte, stand Roy schützend vor seinem Sohn und schlug den Drachen erfolgreich zurück.
„Geht’s bei dir?“, fragte er nach und sah aus den Augenwinkeln zu ihm hinunter.
„Geht schon…“, rappelte Jamin sich auf.
Eysa war rasend schnell, kappte die Sehnen an den Beinen eines Drachens, sodass er zu Boden fiel und schlug ihm im Sturzflug den Kopf mit einem Schwert ab. In dem Moment erwischte sie eine Pranke eines anderen Drachen und sie wurde gegen ein paar Bäume geschleudert.
Angsterfüllt sah sich Oliver dieses Spektakel an. Er lief ein paar Schritte darauf zu als Leif ihn mit seinem Arm aufhielt.
„Unterstehe dich! Du bist zu schwach, um etwas ausrichten zu können!“, war Leifs Ton scharf.
Erschrocken und traurig sah Oliver Leif an. Leif lächelte und tätschelte ihm den Kopf.
„Überlass das uns!“
Damit flog Leif wieder aufs Schlachtfeld geradewegs auf Eysa zu. Bevor der Drache nach ihr schnappen konnte, erreichte er sie und rollte sich mit ihr auf die Seite ab. In dem Moment, als sie stoppten, stampfte ein Drache auf sie und begrub sie unter sich.
„Nein!“, rief Oliver.
Er wurde wütend. Hass stieg in ihm auf.
Der Fuß des Drachen hob sich etwas an. Leif stemmte sich mit voller Kraft dagegen. Die Lücke war nicht groß und er zitterte vor Anstrengung. Das Blut spritzte und lief nur so aus seinen Wunden raus. Eysa sprang raus und wollte sogleich die Sehne des Beines durchschneiden als ein anderer Drache nach ihr Schnappte und sie an einem Bein erwischte.
Leif sink langsam in die Knie und konnte der Gewalt des Drachens nicht mehr viel entgegenbringen. In dem Augenblick rannte Oliver auf sie zu.
„Lasst meine Familie in Ruhe!“, schrie er.
Die Drachen sahen sich nach ihm um. Auf einmal standen alle Drachen still, keiner rührte sich mehr. Sie wirkten wie versteinert. Olivers Augen strahlten richtig. Leif kam unter der Pranke hervor und sah zu ihm.
„Lucin…“, brabbelte er vor sich hin.
Kapitel 88
„Schaltet sie aus! Jetzt!“, rief Roy.
Die restlichen Vampire stürzten auf die Drachen und schalteten einen nach dem anderen aus, bis keiner mehr übrig war. Oliver sah sich verblüfft um.
„Was ist passiert? War ich das?“, war er fassungslos.
Jamin quälte sich zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Das war sehr stark und sehr mutig von dir Oliver! Du hast uns das Leben gerettet!“, lobte er ihn.
Oliver freute sich richtig und lächelte breit. Leif fiel zu Boden. Eysa krabbelte auf ihn zu und breitete ihre Hände über ihm aus.
„Lass das! Du hast selbst kaum noch Energie übrig…“, hielt er ihren Arm fest.
„Wenn ich das jetzt nicht heile, stirbst du an diesen Verletzungen!“, machte Eysa unbeirrt weiter.
Mitten unter der Prozedur verließ sie jedoch ihre Kraft und sie kippte um.
„Eysa!“, rappelte sich Leif auf und nahm sie in seine Arme.
Fest drückte er sie an sich. Er sah sie an und streichelte ihr über ihr Gesicht. Oliver rannte auf die Beiden zu.
„Wird sie sterben?“, war Oliver in Panik.
„Ich weiß es nicht, ihre Verletzungen sind schlimm…“, ging es Leif sichtlich immer noch nicht besser. „Warum kann ich nicht heilen?! Warum habe ich keine Heilkräfte!“
Leif sah verzweifelt aus. Oliver legte beiden seine Hände auf und sie begannen zu glühen. Erstaunt sah Leif ihn an und Eysa regte sich wieder.
„Du kannst heilen?“, war Leif verblüfft.
„Ich glaube schon…“, sprach Oliver.
„Das hast du gut gemacht…“, lobte Eysa ihn, als sie ihre Augen wieder öffnete.
Oliver fiel beiden in die Arme.
„Uff! Nicht so stürmisch großer!“, tätschelte er ihm den Kopf.
„Hey… Vergesst mich nicht…“, rief Jamin, welcher sich immer noch schmerzerfüllt auf die Wunde des fehlenden Armes drückte.
Auch Ria und Drake waren immer noch unterwegs.
„Du kannst mich wieder runter lassen…“, sprach sie.
„Wie du willst…“, ließ er sie von seinem Rücken. „Das war ein echt guter Plan…“
„Dankeschön… Ich hatte einfach das Gefühl, dass wir sie nie abschütteln würden, solange du dich in deiner Drachengestalt befinden würdest… Einen Drachen verliert man nicht so schnell aus seinen Augen wie zwei menschlich aussehende Wesen…“, antwortete Ria.
„Da hast du wohl recht… Dann sollten wir erst einmal zu Fuß weitergehen…“, überlegte Drake.
„Riechst du das?“, sah sich Ria um.
Geschockt drehte er sich in die Richtung, aus der der Geruch zu kommen schien. Augenblicklich fing er an loszurennen.
„Was ist denn los?“, lief ihm Ria hinterher.
„Das ist der Gestank verwesender Drachen! Ich möchte sehen was passiert ist!“, erklärte Drake.
Sie rannten durch den Wald, bis sie an eine Lichtung kamen auf der haufenweise dampfende Drachenskelette lagen.
„Wie schrecklich! Was ist hier passiert?“, war Ria entsetzt und hielt sich ihre Nase zu.
„Ein Kampf… Noch gar nicht so lange her…“, inspizierte er das Areal.
„Sicher? Immerhin sind das Skelette, das wirkt nicht unbedingt frisch…“, fragte sie nach.
„Drachen zersetzten sich innerhalb weniger Stunden komplett und übrig bleibt nur ihr Skelett… Der Prozess ist noch nicht ganz abgeschlossen, was man an dem Dämpfen hier feststellen kann… Dieser Prozess stinkt fürchterlich…“, sah er sich weiter um. „Dasselbe gilt für Vampire nur dass sie nicht so stinken, sieh nur, alle bereits zersetzt… Das war anscheinend ein Lager und durch den ungeheuren Gestank haben sie es abgebaut und sind weitergezogen…“
„Warum sie wohl gekämpft haben?“, war Ria neugierig.
„Wenn ich raten müsste, würde ich behaupten, dass mindestens einer deiner Freunde bei den Vampiren war… Die Drachenritter wurden doch ausgesandt, um deine Freunde zu finden, ansonsten hätten sie das Lager hier nicht angegriffen… Außerdem muss jemand verdammt starkes hier gewesen sein, so wie es aussieht wurde die gesamte Einheit der Drachenritter niedergemetzelt… Vampire allein hätten das niemals bewerkstelligen können…“, erklärte er.
„Kannst du Spuren lesen? Wenn wir uns beeilen, holen wir sie vielleicht noch ein…“, wandte sie sich ihm zu.
„Einen Versuch ist es wert… Hoffen wir nur dass wirklich einer deiner Freunde bei ihnen ist, mit Vampiren ist ansonsten nämlich nicht gut Kirschen essen…“, schlug er eine Richtung ein.
Ilay saß niedergeschlagen an einem Abhang mit gesenktem Kopf gestützt von seinen Händen. Ihm lief eine Träne die Wange entlang, während er sich durch die Haare fuhr. Eneas ließ sich neben ihm nieder.
„Es tut mir wirklich leid…“, sprach er sacht, packte Ilay am Nacken und zog ihn zu sich damit er sich anlehnen konnte.
„Wenn wir es vorher schon gewusst hätten, vielleicht hätten wir es verhindern können… Wenn ich es vorher schon gewusst hätte, hätte ich nicht so oft das ihm immer so wichtige gemeinsame Frühstück geschwänzt… Hätte mehr Zeit mit ihm verbracht… Wenn ich die Zeit doch nur zurück drehen könnte…“, schluchzte er.
„Ich weiß wie dir zumute ist… Mach dich selbst nicht so fertig… Dein Vater war sehr stolz auf dich… Auf euch…“, warf er Bela ein Lächeln zu. „Er hätte nicht gewollt, dass ihr so viel bedauert…“
„Ich weiß… Ich… Ich brauch kurz einen Moment…“, äußerte sich Ilay.
„Natürlich…“, stand Eneas auf und ging zur Gruppe, während Bela sich nun hinsetzte.
„Lasst uns ein Stück gehen…“, wandte sich Eneas an die Gruppe.
„Und Ilays Vater war der amtierende Dämonen Lord? Das heißt er ist ein Prinz?“, war Fenrir verwundert.
„Genau… Ilay und Bela sind Nachkommen der Urdämonen und Prinzen… Doch im Gegensatz zu Bela besitzt Ilay noch zusätzlich hochrangiges Blut der Gottheiten… Er hat beides vererbt bekommen was ihn zum ersten Hybriden seiner Art macht…“, erklärte Eneas.
„Unglaublich… Also eine dämonische Gottheit oder ein göttlicher Dämon dann? Klingt interessant…“, überlegte Fenrir vor sich hin.
„Verfall ihm nicht, hörst du? Ria und er sind ein perfektes Paar, nichts und niemand könnte die beiden trennen…“, wandte sich Himari mit ein.
„Nein, nein, keine Sorge…“, fuchtelte Fenrir mit ihren Händen. „Ich hab gar kein Interesse an einer Beziehung!“
„Sobald sich Ilay wieder gefangen hat, sollten wir ihm wohl hiervon erzählen…“, sah sich Estes die Halskette an, welche er von Nyx übergeben bekommen hatte.
„Ja… Lasst ihnen noch einen Moment…“, sah Eneas in ihre Richtung.
Ria und Drake folgten eilig den Spuren.
„Wir kommen ihnen immer näher…“, merkte er an. „Die Abdrücke werden immer deutlicher…“
„Sehr gut…“, antwortete Ria. „Ich bin so gespannt…“
„Ich auch…“, sah er ernst aus.
Auf einmal sprangen ihnen ein paar Vampire in den Weg.
„Wer seid ihr?“, waren sie vorsichtig.
„Der Kerl! Der gehört zu den Drachen! Schnell! Sagt den anderen Bescheid!“, schickte einer ein paar von ihnen vor.
„Halt! Wartet! Wir sind nicht böse!“, versuchte Ria die Situation unter Kontrolle zu bringen.
„Lasst sie nicht durch!“, stellten sie sich in den Weg.
„Das lief nicht so wie geplant…“, wurde Ria nervös, als die Vampire ihre spitzen Zähne zeigten und in Angriffsstellung gingen.
„Jetzt beruhigt euch mal! Wir sind nicht hier, um zu kämpfen! Es stimmt, ich bin ein Drache, aber ich gehöre nicht zu den Drachenrittern!“, stellte sich Drake schützend vor Ria.
„Und das sollen wir einfach so glauben? Vielleicht spioniert ihr auch nur um unsere Position durchgeben zu können!“, war der Vampir sehr verhalten.
„Wir sollten sie angreifen, bevor sie etwas unternehmen können!“, sprach ein anderer Vampir.
„Schluss jetzt!“, trat Ria wieder hervor. „Ich bin kein Drache! Ich bin eine Gottheit und auf der Suche nach meinen Freunden! Wir hatten gehofft das welche bei euch sein könnten und sind euch deshalb gefolgt!“
Argwöhnisch sahen sie sie an.
„Beweise es!“
Ria ließ ihre Flügel erscheinen und ließ sie einmal aufschlagen. Die Vampire rissen ihre Augen weit auf.
„Sie scheint wirklich eine Gottheit zu sein…“
„Stimmt…“
In dem Augenblick schloss Roy zu ihnen auf.
„Was ist hier los?“, fragte er forsch nach.
„Sie ist anscheinend eine Gottheit und auf der Suche nach ihren Freunden…“
Roy warf ihr einen ernsten Blick zu.
„Wie heißen deine Freunde?“, stellte er eine Frage.
„Ähm… Ich bin auf der Suche nach Ilay, Eneas, Bela, Estes, Himari, Eysa, Leif, Jamin und Oliver…“, sprach Ria.
„Einen Teil von ihnen haben wir bei uns…“, wurde Roy gelassener.
Dann briet er seinen Vampiren eins über.
„So schnell kann man eine Situation entschärfen, ihr Idioten! Haben wir heute nicht bereits genügend Leute verloren? Einen Kampf mit ihm hättet ihr definitiv nicht überlebt und wäre vollkommen sinnlos gewesen!“, schimpfte er seine Leute.
„Roy… Lange nicht gesehen…“, grüßte Drake ihn.
„Drake… Ich dachte du wolltest deine Schwester stürzen, was tust du hier?“, fragte Roy nach.
„Ich habe mich ihr angeschlossen denn wenn wir die Erzdämonen nicht aufhalten, dann wars das sowieso…“, erklärte er sich.
„Das stimmt… Sehr wohl überlegt von dir, wie immer…“, schloss Roy seine Augen und wandte ihnen den Rücken zu. „Kommt, ich bringe euch zu euren Freunden…“
Ria und Drake sahen sich an und folgten Roy dann.
Es dauerte eine Weile aber nach einigen Minuten kamen sie an einer steilen Felsformation an, welche einen wunderbaren Schutz bot und man auf den ersten Blick nicht erkennen konnte, dass hier jemand leben würde. Erstaunt sahen sie sich um und betraten das Lager. Dann erblickten sie Jamin, welcher gerade mit Oliver spielte und einige Meter weiter saßen Leif und Eysa gemeinsam auf einer Bank und kuschelten, während sie sich unterhielten.
Leif blickte auf und entdeckte Ria.
„Ria…“, stand er auf und ging in ihre Richtung.
Eysa folgte ihm sogleich. Nun bemerkte auch Jamin sie, drehte sich um und lächelte.
„Täubchen…“
Leif nahm Ria in seine Arme.
„Schön, dass du wohlauf bist…“, freute er sich.
„Ich freu mich, euch gefunden zu haben!“, war Ria glücklich.
Danach fiel sie Eysa in die Arme und gab ihr eine herzliche Umarmung. Zuletzt drehte sie sich zu Jamin um lief ihm in die Arme. Als er sie nur mit einem Arm umarmte, sah sie nach seinem anderen Arm.
„Was ist passiert?“, war sie geschockt.
„Das war ein Drache…“, grinste er. „Zumindest kann ich das nun von meiner To-Do-Liste streichen!“
„Mit einem Drachen gekämpft zu haben oder einen Arm zu verlieren?“, scherzte Ria.
Jamin lachte.
„Es tut gut dich zu sehen, Täubchen…“
„Ich bin nicht allein, ich habe jemanden mitgebracht…“, zeigte sie auf Drake.
Kapitel 89
Leif stand draußen, etwas außerhalb und sah in den Himmel hinauf, als Eysa von hinten auf ihn zukam.
„Alles okay?“, fragte sie nach, als sie sich neben ihn stellte.
„Ja, alles gut…“, lächelte er sie an, als er sich ihr zuwandte und nach ihrer Hand griff.
„Ich kanns gar nicht glauben…“, gab er von sich.
„Was denn?“, wurde sie neugierig.
„Das hier… Das mit uns… Dass das wirklich passiert… Das ich dich so berühren darf…“, streichelte er ihren Arm entlang, griff ihr an die Wange und streichelte sie.
„Das fühlt sich schön an…“, legte sie ihre Hand auf seine und schmiegte sich an seiner Hand.
Er lächelte glücklich und zufrieden. Er kam ihr ganz nah und gab ihr einen sanften und langen Kuss. Eysa lief rot an und war überglücklich. Sie lehnte sich an seiner Brust ab, um ihm noch einen Kuss geben zu können. Das überraschte ihn zunächst, doch er erwiderte nur zu gern den Kuss.
Ein Kuss führte zum nächsten und zum nächsten. Eysa drückte sich an ihn. Ihr wurde heißer und sie schlang ihre Arme um seinen Nacken. Er ließ etwas von ihr ab.
„Ist dir das nicht zu schnell? Wir können gerne warten, wenn du das willst…“, sprach er sanft.
„Das hier ist genau das, was ich will…“, küsste sie ihn weiter.
Mit diesen Worten packte er sie fest an und drückte sie an sich. Seine Hand fuhr ihren Rücken entlang nach unten. Jede Berührung von ihm erregte sie mehr. Auch Leif ließ das nicht kalt. Zusammen ließen sie sich auf dem Boden nieder und Eysa fand auf Leifs Schoß Platz. Nach ein paar weiteren Küssen entledigte sie sich ihres Oberteils, während er sein Oberteil abstreifte.
Sanft berührte er sie, bevor er sie wieder zu sich zog. Sanft drang er in sie ein. Sie verzog ihr Gesicht dabei leicht.
„Alles gut?“, fragte er nach, als er ihr Gesicht fixierte.
„J-Ja…“, stöhnte sie.
„Ich bin vorsichtig, versprochen…“, sah er ihr in die Augen und küsste sie.
Nach einigen Momenten ging es und Eysa fing an sich rhythmisch auf und ab zubewegen. Sie stöhnte immer lauter. Es wurde immer schneller. Leif küsste sie am Hals entlang nach unten, während sie ihren Rücken durchstreckte. Es war sehr intensiv. Als Eysa kam zitterte ihr ganzer Körper. Doch Leif ließ nicht lange auf sich warten und presste sie in diesem Moment fest an sich als er kam und stöhnte auch leise vor sich hin.
„Ich liebe dich Leif… So sehr…“, keuchte Eysa, während sie seinen Kopf fest umklammert hielt.
„Ich liebe dich auch Eysa…“, schmiegte er sich sanft an sie und umarmte sie fest.
Am nächsten Morgen erwachten die beiden fest umschlungen in einem Bett im Zelt. Er streichelte ihr sanft über die Wange und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.
„Onkel! Tantchen! Aufstehen!“, kam Oliver an das Bett geeilt. „Das Frühstück ist fertig!“
„Wir kommen schon, großer!“, grinste Leif und wuschelte ihm durch die Haare.
Zur selben Zeit deckten Ria, Jamin und Drake zusammen die Tische ein.
„Was die anderen wohl gerade machen? Ob alle noch wohlauf sind?“, fragte Jamin so vor sich hin. „Wir haben schon einiges hier einstecken müssen, da möchte ich kaum wissen was die anderen hinter sich haben…“
„Sei nicht so negativ Jamin… Ihnen geht es sicher gut, da bin ich mir sicher…“, blieb Ria positiv.
„Ich hoffe es…“, erwiderte Jamin.
„Wir sollten hier nicht all zu viel Zeit vertrödeln, nach dem Essen brechen wir besser auf…“, gab Drake hinzu.
„Du hast’s ganz schön eilig, was?“, stichelte Jamin.
„Natürlich! Es gibt viel zu tun!“, blieb Drake stur. „Umso eher wir eure Freunde finden, umso besser ist es…“
„Woher kennst du eigentlich meinen Vater?“, fragte Jamin nach.
„Du meinst Roy? Ich verfolge schon lange den Plan meiner Schwester das Handwerk zu legen und kam dabei viel herum, um Allianzen gegen sie zu schmieden… Leider haben die meisten viel zu viel Angst vor den Drachen oder sind zu schwach ihnen die Stirn bieten zu können… Alles hier im Osten steht unter der Kontrolle von ihnen…“, erklärte Drake.
„Verstehe… Nachdem die Gottheiten und Dämonen nahezu alle hier verschwunden sind, sind die Drachen wohl die mächtigsten Geschöpfe hier auf diesem Kontinent…“, mutmaßte Jamin.
„Das stimmt… Abgesehen von den Urbestien wären die Drachen in der Lage alle hier zu unterjochen trotz ihrer mittlerweile dezimierten Zahl…“, fuhr Drake fort. „Früher war das Königreich der Drachen nicht so groß… Meine Schwester hat es in den letzten Jahrhunderten stark erweitert…“
„Das stimmt…“, mischte sich Roy mit ein. „Das ist auch der Grund, warum die Vampire heimatlos sind… Ihr Territorium lag nah am Königreich der Drachen und wurde in kürzester Zeit von den Drachen überrannt… Das war die letzte Festung der Vampire, nachdem sie überall anders vertrieben worden waren… Aber unterschätze die Menschen nicht… Sie siedeln nah am Weltenbaum, wodurch sie in der Lage sind an ungeheuer viel Mana zu kommen… Ihre Magier sind sehr stark und es ist noch niemandem gelungen ihre Barrieren zu durchdringen…“
„Das ist wohl einer der Gründe, warum meine Schwester dort noch nicht eingefallen ist, weil sie ihnen nichts entgegenzusetzen haben…“, sprach Drake.
„Dort suchen mittlerweile viele verschiedene Rassen Zuflucht, weshalb der halbe Kontinent fast unbewohnt wirkt…“, erklärte Roy.
„Das ist also der Grund, warum wir unterwegs kaum auf Gruppen gestoßen sind…“, fügte sich Ria ein.
„Richtig…“, bestätigte Roy. „Ich hatte Drake damals gesagt, dass wir uns ihm nur anschließen würden, wenn er genügend andere Allianzen in der Tasche hätte… Die Vampire allein hätten nämlich keine Chance… Und so wie es aussieht, hattest du bis heute noch kein Glück…“
„Leider… Aber ich bin das Warten leid… Sobald Astaroth und Eurynome gestoppt sind werde ich mich meiner Schwester entgegenstellen und wenn ich es allein tun muss…“, war es Drake ernst.
„Wir werden eine Lösung finden Drake, keine Sorge…“, lächelte Ria ihn an.
Enzo lief einen langen Flur im Palast der Dämonen entlang.
„Enzo!“, kam Ryde auf ihn zugeeilt.
„Was gibt es Ryde?“, fragte er nach.
„Die Vorbereitungen für die Beisetzung des Dämonen Lords sind abgeschlossen… Wann sollen wir die Trauerfeier veranstalten?“, fragte er nach und hielt sein Klemmbrett und Stift bereit.
„Eigentlich wollte ich dafür gern auf Ilay und Bela warten, aber es ist leider nicht absehbar, bis wann sie wieder hier sein werden… So lange können wir leider nicht warten…“, überlegte Enzo vor sich hin.
„Das stimmt… Es wird traurig sein die Beisetzung, ohne seine Kinder durchführen zu müssen…“, fügte Ryde hinzu.
„Aber leider nicht anders machbar… Die Leute brauchen das… Ich hätte gesagt morgen wäre gut…“, überlegte Enzo.
„Das wird ein Schock für die Beiden, wenn sie wieder nach Hause kommen…“, fügte Ryde hinzu.
„Ja… Ilay wird dann wohl als König zurückkehren…“, sprach Enzo. „Aber er wird das Hinkriegen, auch wenn er noch recht jung ist…“
„Das glaube ich auch… Dann gebe ich den anderen Bescheid und lass eine Nachricht durchs Königreich geben…“, wandte sich Ryde ab und lief los.
Enzo lief zum Fenster hinüber und blickte hinaus. Er lehnte sich an den Fenstersims und stützte sich mit seinen Armen ab.
„Noch nie wollte ich so gern in die Zukunft sehen… Nicht zu wissen, was ihnen widerfährt… Es ist schrecklich so machtlos zu sein… Ich hoffe sie schaffen es und kommen wohlbehalten zurück…“
Eneas saß mit Estes, Himari und Fenrir etwas abseits, um Ilay und Bela etwas Zeit zu geben.
„Sollten wir in der Zwischenzeit etwas zu Essen besorgen?“, fragte Himari nach.
„Ja, tut das…“, bestätigte Eneas.
„Ich begleite dich…“, schlug Fenrir vor.
Gemeinsam machten sich die Mädels auf in den Wald.
„Bin mal gespannt was Jamin zu euch sagen wird…“, neckte Eneas seinen kleinen Bruder.
Estes zuckte zusammen.
„W-Wir haben nichts gemacht!“, war er panisch.
„Mir musst du das nicht sagen!“, lachte Eneas und klopfte ihm auf die Schulter. „Von mir aus könnt ihr tun und lassen, was ihr wollt…“
Estes war sichtlich verlegen und rot bis über beide Ohren. Er legte sich die Hand in den Nacken und kratzte sich am Hinterkopf.
„Es ist doch schön, wenn ihr glücklich seid! Genießt das! Wir machen genug durch, da haben wir es auch mal verdient, glücklich zu sein!“, lächelte Eneas.
„Zum Genießen hab ich Zeit bis ich Jamin über den Weg laufe! Danach tötet er mich sicherlich!“, kicherte Estes.
„Wenn‘s so weit ist, sorge ich für eine ordentliche Bestattung! Versprochen!“, scherzte Eneas weiter.
„Danke…“, bedankte sich Estes kleinlaut.
In dem Augenblick schnellte ein Speer auf die Beiden zu und Eneas sprang mit Estes auf die Seite. Sofort die Glefe gezückt, sah er sich um.
„Verfehlt, schade…“, sprach Astaroth.
„Nicht so schlimm… Solange wir nicht wissen, wer der Hybrid ist, dürfen wir sowieso keinen von ihnen töten…“, sprach Eurynome.
„Das nervt… Die Wahrscheinlichkeit gleich den Hybriden zu erwischen ist doch verschwindend gering…“, war Asta genervt.
„Astaroth und Eurynome…“, sah Eneas sie böse an.
„Oh, sie wissen, wer wir sind… Unser Ruf eilt uns wohl voraus…“, kicherte Eury.
Den Tumult bekamen auch Bela und Ilay mit und rannten auf die anderen beiden zu.
„Das sind sie also…“, sah Ilay sie böse an.
„Unsere Tanten…“, fügte Bela scharf hinzu.
„Ihr seid also die Bälger unseres Bruders…“, sahen sie die Beiden an. „Wer ist denn jetzt dieser Hybrid? Übergebt ihn gleich und der Rest wird verschont…“
„Vergesst es! Wir sind doch nicht komplett bescheuert!“, packte Bela seine Sense aus.
„Dann verfahren wir eben nach dem Ausschlussverfahren… Ihr zwei seht göttlich aus, wirkt aber kein bisschen dämonisch also seid ihr es schon mal nicht…“, deuteten sie auf Eneas und Estes.
„Vielleicht einer von euch beiden? Wäre natürlich typisch, wenn es einer von euch wäre… Mal sehen ob einer von euch etwas göttliches hat…“, stürmte Asta auf Ilay und Bela los.
„Dann kümmere ich mich um die anderen beiden… Die können wir ja getrost töten…“, flog Eury auf Eneas und Estes zu.
Bela blockte den Frontalangriff von Asta.
„Na, zeigt mal her… Wer von euch hat etwas göttliches an sich?“, grinste sie schelmisch.
Er stieß sie zurück und flog direkt auf sie zu. Asta wich geschickt nach oben aus und stieß Bela zu Boden. Ihren Speer stieß sie direkt mittig durch seine Brust. In dem Augenblick sprang Ilay auf sie zu und zog mit seiner Sense durch. Sie wich aus, sprang hinter ihn und rammte ihm den Speer durch den Rücken. Er zog sich den Speer raus, im selben Atemzug auch den von Bela, drehte sich um und funkelte sie böse an.
Zur gleichen Zeit kämpfte Eury mit Eneas und Estes. Sie war schnell und bösartig. Sie kickte gerade Estes aus dem Weg, wandte sich Eneas zu, welcher gerade auf sie zugeeilt kam, und warf ihren Speer auf ihn zu. Sie erwischte ihn direkt an der Schulter.
„Dann wische ich mal mit dir den Boden!“, amüsierte sie sich, packte sich Estes und stampfte ihn tief in den Boden.
Eneas zog sich den Speer aus der Schulter und warf ihn weg. Sofort flog er wieder auf Eury zu und konnte einen Treffer auf ihrem Rücken landen. Genervt ließ sie Estes fallen, drehte sich um und kickte Eneas in die nächste Felswand.
Dann kamen Himari und Fenrir wieder zurück. Fenrir stürmte auf Asta los und biss ihr in den Nacken. Wütend packte Asta sie und warf sie auf Ilay, um auf Bela zuzustürmen. Währenddessen rannte Himari zu Estes und half ihm auf. Er sah sehr mitgenommen aus.
„Estes…“, war sie fassungslos.
Eury kannte keine Gnade und packte sich Himari am Kragen. Gerade als sie ihre Dämonenklauen in Position brachte, schlug Estes zu und trennte ihren Arm ab. Eury schrie auf und schleuderte Himari auf ihn. Dann war auch schon Eneas da und sie hatte Mühe, den Angriff zu blocken.
Asta sah das mit an, stampfte Bela zu Boden und sprang auf Eneas zu. Eneas hatte mit Eury zu tun und konnte nicht ausweichen. Mit ihren Klauen durchbohrte sie Eneas Brust. Er spuckte Blut. Alle sahen ihn geschockt an. Als Asta ihre Klaue zurückzog, ging Eneas regungslos zu Boden.
„Eneas!“, schrie Bela.
Kapitel 90
Alle waren geschockt. Bela rappelte sich mit schmerzverzehrtem Gesicht auf und stolperte auf Eneas zu. Bevor er ihn erreichen konnte, packte ihn Asta am Kragen. Bela sah sie richtig finster an.
„Du hast nichts Göttliches an dir, du bist es nicht…“, klang sie kalt und durchbohrte ebenso seine Brust mit ihrer Klaue, bevor sie ihn wegwarf.
„Du hast mein Herz verfehlt, du dumme Schlampe…“, fluchte Bela, als er sich leicht aufrichtete.
Währenddessen wurde die Blutlache, in der Eneas lag, immer größer und größer. Ilay rappelte sich auf und stürmte auf seine Tanten zu. Er war so wahnsinnig schnell, dass Eury nicht reagieren konnte und mit einem Streich enthauptete er sie. Im selben Atemzug rammte er Asta die Spitze seiner Sense durch ihren Bauch. Fassungslos sah sie ihn an. Ilay stand vor ihr mit seinen schwarzgefiederten Schwingen.
„Du bist es… Du bist der Hybrid!“, lachte sie los.
Dann kickte sie ihn auf die Seite, zog sich die Sense aus dem Bauch und rammte sie ihm in die Magengegend, um ihn am Boden zu fixieren.
„Du bleibst hier, um dich kümmere ich mich gleich…“, wandte sie sich ab und sah nach den anderen. „Euch erledige ich noch schnell, damit ihr uns nicht mehr in die Quere kommt…“
In dem Augenblick durchzog ein gewaltiges Gebrüll den Himmel. Alle sahen nach oben. Ein großer Drache war im Sturzflug auf dem Weg zu ihnen.
„Wer ist das?“, fragte sich Asta.
Kurz bevor er auf dem Boden aufschlug, öffnete er seine Flügel und katapultierte Asta einige Meter aus dem Weg.
Ria, Jamin, Leif und Eysa sprangen von seinem Rücken herunter und waren geschockt bei dem Anblick der sich ihnen bot.
„Ria!! Eneas!...“, keuchte Bela.
Ria verstand sofort und flog in Windeseile auf ihn zu. Sie kniete sich zu Eneas hin und sah ihn an.
„Halte durch, Eneas!“, fixierte sie sein Gesicht und küsste ihn.
„Ria…“, gab Eneas noch von sich, bevor er sein Bewusstsein verlor.
Währenddessen entfernte Jamin die Sense aus Ilay.
„Ich würde dir ja gerne eine Hand reichen, aber naja…“, kicherte Jamin, als Ilay sich aufrappelte.
„Was ist mit dir passiert? Und wieso in aller Welt habt ihr einen Drachen bei euch?“, war Ilay schockiert.
„Eine lange Geschichte, später mehr… Erst einmal sollten wir uns hierum kümmern…“, zog Jamin sein Schwert, nachdem er Ilay seine Sense hinhielt.
IIay stellte sich neben ihn und Asta fühlte sich eingekesselt. Schnippisch schnalzte sie mit der Zunge.
„Das nächste Mal kommen wir besser vorbereitet und dann gehörst du uns Hybrid!“, klang sie erzürnt, schnappte sich Eurys Körperteile und verschwand fluchtartig in einem Wirbelsturm.
„Das wars wohl erstmal…“, senkte Leif seine gezückte Glefe.
Nun kam auch Oliver hervor, indem er vom Rücken des Drachens sprang und lief zu ihm.
„Gut gemacht, du bist schön in Deckung geblieben…“, streichelte er ihm über den Kopf, bevor er sich dem Drachen zuwandte. „Und dir danke Drake, dass du auf ihn aufgepasst hast…“
„Nicht der Rede wert…“, sprach er und wandelte sich in seine Menschengestalt zurück.
Dann ging er auf Ria zu während Jamin seine Tochter in die Arme schloss.
„Das ist also dein Freund? Ich hatte ihn mir anders vorgestellt, nachdem was ihr mir erzählt habt…“, sprach er unverblümt.
„Nein… Das hier ist Eneas… Ich habe ihn geküsst, um ihn zu retten… Als Urgottheit bin ich in der Lage einen gewaltsam herbeigeführten Tod mit einem Kuss zu stoppen, solange ich eine tiefe Verbundenheit meinem Gegenüber empfinde…“, erklärte sie.
„Ach stimmt ja, die Urgottheiten haben spezielle Kräfte… Ist Jahrtausende her, als ich zuletzt eine Urgottheit sah…“, gab Drake von sich.
Bela kam, mehr kriechend, auf sie zu und nahm seinen Eneas in die Arme.
„Ich danke dir Ria…“, sprach er sacht und leise während er ihn an sich presste.
„Nicht dafür…“, legte Ria sanft ihre Hand auf seine Schulter.
„Ria…“, vernahm sie eine ihr sehr bekannte Stimme.
Ilay kam auf sie zu. Ria sprang auf und lief in seine Arme. Überglücklich umarmte er sie ganz fest, anschließend fixierte er ihr Gesicht und streichelte ihr über ihre Wangen um ihr anschließend einen Kuss zukommen zu lassen.
„Bin ich froh dich zu sehen…“, lächelte er liebevoll.
„Ich auch…“, lächelte sie zurück.
Dann flog aus heiterem Himmel ein Speer auf die Beiden zu und durchbohrte Rias Rücken. Geschockt sah sie Ilay an und ging in die Knie. Ilay war fassungslos.
„Ria!!“, schrie er und wollte sich gerade zu ihr hinunterbücken als der nächste Speer angesaust kam und ihn am Boden fixierte.
Das alles passierte so wahnsinnig schnell dass keiner der anderen hätte reagieren können. Mitten im Himmel schwebte eine gigantische Gestalt mit einer gewaltigen und angsteinflößenden Aura. In aller Ruhe sah er sich um.
„Und das ist der Hybrid? Bist du dir sicher?“, stellte er eine Frage.
Seine Stimme klang tief mächtig. Astaroth kam hinter seinem Rücken hervor.
„Ja Meister…“, bestätigte sie demütig.
„Was hängst du hier dann noch so herum?! Einsammeln!“, klang er befehlend.
„S-Sehr wohl…“, gab sie kleinlaut von sich und flog in Richtung zu Ilay.
„Halt!“, rief Bela und stellte sich vor Ria und Ilay um sie aufzuhalten.
„Geh aus dem Weg du Balg oder du wirst es bereuen…“, rief dieser massive Kerl ihm zu.
„Das kann ich nicht zulassen!“, stellte sich Bela tapfer in den Weg auch wenn ihm seine Instinkte rieten zu fliehen.
Verbissen versuchte er seine Angst zu kaschieren.
„Wer nicht hören will…“, sprach der Kerl sacht, bevor er blitzartig auf ihn zusprang, ihm am Kopf packte und mit einer gewaltigen Wucht in den Boden schmetterte. Im nächsten Moment manifestierte er einen Speer und rammte ihn Bela in die Brust, mitten durchs Herz.
„Bela! Nein!“, schrie Ilay, welcher sich gerade den Speer aus der Brust zog.
IIay war außer sich vor Wut. Bela zuckte noch ein wenig bevor er reglos am Boden liegen blieb. Als die anderen nun endlich dazu stießen, waren sie fassungslos.
„Tja… Ich bin nicht so nachlässig wie diese nutzlosen Erzdämonen…“, zog er den Speer wieder aus Belas Brust und wandte sich Ilay zu. „Nun zu dir…“
Langsam lief er auf ihn zu doch dann stellte sich Ria ihm in den Weg.
„Wage es nicht ihm noch einen Schritt näher zu kommen…“, funkelte sie ihn bitterböse an.
„Noch jemand der sich das Ende schnell herbeisehnt…“, grinste er schelmisch.
„Ria! Hör auf! Sieh zu dass du weg kommst!“, klang Ilay fordernd und dennoch sehr besorgt.
„Vergiss es! Wenn er dich bekommt ist alles zu Ende! Dann gibt es keine Hoffnung mehr!“, war es Ria sehr ernst.
„Sie hat recht! Sieh zu dass du hier verschwindest!“, standen Jamin und Leif bei ihm.
„Aber…“, erwiderte Ilay.
„Nichts da! Geh, bevor wir dich hier Ausknocken müssen!“, sah Jamin ihn sehr ernst an.
„Astaroth, kümmere dich endlich um diese Schwächlinge!“, befahl er.
Sie tat wie ihr befohlen und schnellte auf die Gruppe zu. Währenddessen saßen Eysa und Oliver abseits bei Eneas. Sanft streichelte sie ihrem Bruder über seine Stirn.
„Ich möchte auch helfen gehen!“, protestierte Oliver.
„Keine Chance! Das ist ein Schlachtfeld und du bist erst 10!“, blieb Eysa stur.
„Das ist unfair! Du warst damals noch jünger als ich heute! Warum darf ich nicht?! Ich kann doch hilfreich sein!“, wurde er wütend.
„Ich weiß das aber nicht jetzt! Ich hab es mit Müh und Not geschafft dich und Eneas aus dieser Gefahrenlage zu holen und Bela… Er…“, fing Eysa an zu schluchzen. „Wie soll ich das nur Eneas mitteilen?! Ich… Ich…“
Oliver sah sie mitleidig an und umarmte sie von hinten, dabei legte er behutsam seinen Kopf auf ihrer Schulter ab und verschränkte seine Arme vor ihrer Brust. Eysa griff nach seiner Hand und drückte sie fest, während ihr die Tränen die Wange entlangliefen.
Zur selben Zeit kämpften die anderen mit Astaroth und diesem Kerl. Sie lieferte sich einen Schlagabtausch mit Estes welcher bereits sehr mitgenommen aussah. Himari saß einige Meter weiter auf dem Boden und konnte nicht mehr.
„Dieses Weib ist wohl deine Schwachstelle…“, grinste Astaroth schelmisch.
„Komm ihr noch einmal zu nahe dann zeige ich dir was Höllenqualen sind!!“, warf Estes ihr einen sehr bösen Blick zu.
„Uh!! Ich zittere vor Angst!“, belustigte sie sich, als plötzlich Jamin hinter ihr auftauchte und zuschlug.
„Das solltest du auch du Miststück! Wenn du meine Tochter noch einmal anfasst, dann knallts!“, wirkte Jamin bedrohlich.
Astaroth wich aus, schnalzte einmal mit der Zunge und beförderte Estes mit einem gezielten Kick gegen einen Baum nur um danach auf Jamin zuzustürmen, ihm die Klinge aus der Hand zu treten und ihn in den Boden zu stauchen. Danach drehte sie sich um, holte aus und warf einen Speer direkt auf Himari.
„Himari!“, rief Jamin noch ungläubig.
Gerade noch rechtzeitig sprang Estes dazwischen und wehrte dem Speer mit Müh ab, nur um im nächsten Augenblick von Astaroth mit einer Klinge erdolcht zu werden. Sie traf ihn mitten ins Herz. Ungläubig sah Estes mit weit aufgerissenen Augen an sich hinab, nur um daraufhin in die Knie zu gehen und regungslos auf dem Boden aufzuklatschen.
„Estes!!“, krabbelte Himari weinend auf ihn zu.
Im nächsten Augenblick flog auch schon Astaroths Kopf durch die Luft und ihr Körper ging zu Boden. Jamin kickte ihn wutentbrannt auf die andere Seite herum und rammte ihr sein Schwert mitten durchs Herz.
„Blöde Fotze…“, sah er angewidert zu ihr hinab, während Himari den leblosen Körper von Estes an sich drückte.
Leif, Drake und Fenrir stellten sich in der Zwischenzeit der anderen Bedrohung in den Weg. Alle Drei waren bereits sichtlich mitgenommen, während Thanatos nicht mal einen Kratzer zu haben schien.
„Gebt lieber auf, das hat doch keinen Sinn…“, lachte er.
„Ich weiß ja nicht, wie es mit ihm hier aussieht, aber ich für meinen Teil, habe mich gerade erst aufgewärmt…“, grinste Drake schelmisch, aber doch sichtlich erschöpft in Richtung von Leif.
„Ha!“, lachte Leif und wischte sich über seinen Mundwinkel. „Dir stehe ich sicherlich in nichts nach!“
„Hört auf mit dieser Ego-Kacke und konzentriert euch lieber!“, ermahnte sie Fenrir.
„Das Weib hat recht, sonst mache ich euch schneller euren Gar aus, als dass ihr schauen könnt!“, griff er an und stürmte auf Leif zu.
Leif konnte diesem Angriff nicht standhalten und wurde durch die Luft geschleudert. Im nächsten Augenblick griff auch schon Drake an um ihm keine Zeit zum nachdenken zu lassen. Er holte mit seinem Schwert aus und verpasste ihm einen Schnitt quer über den Oberarm. Dann schlug auch noch Ria mit ihrem Schwert zu und verpasste ihm eine Wunde an seinem Oberschenkel.
Ilay war dabei sich immer weiter von den anderen zu entfernen als er plötzlich inne hielt und seine Fäuste ballte.
„Ich… Ich kann nicht einfach gehen… Ich weiß dass ich das tun sollte aber wenn sie alle sterben gibt es für mich nichts mehr wofür es sich zu kämpfen lohnt… Verdammt… Ich kann das nicht… Ich bin so ein Idiot…“
Mit diesen Gedanken drehte er um und kehrte zu den anderen zurück.
„Ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist…“, flehte er innerlich.
Gerade als die anderen wieder in Sichtweite waren, riss Ilay seine Augen weit auf. Blitzschnell flog er auf sie zu und landete.
„Hör auf!“, schrie Ilay in Richtung von Thanatos, welcher Ria an ihrer Kehle gepackt in die Luft hielt.
Ria versuchte sich zu wehren aber es war zwecklos, sein Griff war viel zu fest.
„Da bist du ja wieder…“, grinste Thanatos neckisch zu Ilay.
„Lass sie los!“, befahl Ilay.
Leif lag nicht unweit blutüberströmt und regungslos am Boden während Drake versuchte sich aufzurappeln. Fenrir ging es nicht besser.
„Nein…“, grinste er in sich hinein holte mit seiner freien Hand aus und durchbohrte Rias Brust.
Ilay ging geschockt auf die Knie, unfähig sich noch irgendwie zu rühren. Sein Blick fixiert auf den schrecklichsten Anblick den er sich je hätte vorstellen können. Thanatos zog seine Faust wieder aus ihr hinaus und ließ sie wie einen nassen Sack Kartoffeln auf den Boden aufklatschen. Leblos lag sie da während sich die nähere Umgebung mit ihrem Blut rot einfärbte.
Kapitel 91
Ilay war mehr als fassungslos. Bewegungsunfähig saß er einfach nur da und konnte seinen Blick nicht von Rias leblosen Körper abwenden. Drake hingegen packte die Wut. Er stand auf, wandelte sich in seine Drachenform und biss sich in Thanatos Schulter fest. Seine riesigen Klauen fügten ihm einige tiefe Schnittwunden zu, doch Thanatos war davon nicht sehr beeindruckt. Er packte sich Drake am Kopf und warf ihn über seine Schulter nur um ihn im Anschluss den linken Arm auszureißen. Drake schrie auf vor Schmerz.
Die Verwüstung, welche Thanatos hinterließ, nachdem er auf Ilay zuging, ihn am Kragen packte und mitschleifte, war gnadenlos. Bevor er den Schauplatz verließ, ging er noch auf Asaroths Leichnam zu, sammelte augenscheinlich ihre Seele ein und verschwand dann mit Ilay im Gepäck.
Jamin sah sich um, der Anblick war schrecklich.
„Eysa!!“, rief er nach ihr.
Zusammen mit Oliver an der Hand und Eneas auf dem Rücken kehrte sie zurück und war schockiert.
„Ihr könnt doch heilen? Kümmert euch um Leif und Drake! Zumindest für sie ist es noch nicht zu spät…“, plumpste Jamin zu Boden, sehr erschöpft.
Eysa legte Eneas behutsam auf dem Boden ab und wandte sich augenblicklich Leif zu, um mit der Heilung zu beginnen. Oliver ging in der Zwischenzeit zu Drake und versuchte sein Bestes. Er strengte sich sehr an und seine Mühe lohnte sich. Nicht nur dass sich Drakes Verletzungen schlossen, auch war er in der Lage Drakes herausgerissenen Arm wiederherzustellen. Verblüfft sah er dem Prozess zu. Auch Jamin sah überrascht hinüber.
„Deine Heilkräfte sind ja phänomenal… Ob du das auch bei meinem Arm hinbekommen würdest?“, war er fasziniert.
„Ich kann es gern versuchen…“, wandte sich Oliver Jamin zu.
„Du besitzt wohl einen überragend großen Mana Speicher… Ich wusste nicht das Mischlingsgottheiten solch Heilkräfte verwenden können…“, war Drake ebenfalls verblüfft, als er sich wieder in seine Menschengestalt wandelte.
„Aber ich frage mich, woher er einen solch großen Speicher haben sollte… Lucin war schon nur ein Mischling, Keno hingegen nur ein ganz gewöhnlicher Mensch…“, rätselte Jamin.
„Vielleicht ist es etwas, was er von seinem Vater hat… Keno war zwar ein normaler Mensch…“, richtete sich Leif langsam wieder auf mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Aber er konnte auch Dinge die normale Menschen nicht hätten tun können… Die blitzschnelle Analyse von Gegnern oder Gefahrensituationen…“
„Das stimmt… Das wirkte immer etwas übernatürlich…“, pflichtete Eysa bei. „Zu was er wohl in der Lage gewesen wäre, wenn er auch göttliches Blut gehabt hätte? …“
„Das werden wir nie erfahren… Die wohl wichtigere Frage ist, was wir jetzt tun sollten…“, sah sich Jamin um sah sich das Elend an in welchem sie standen.
„Täubchen…“, ging er auf Ria zu, strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wirkte sehr traurig.
Zur selben Zeit schleppte Thanatos Ilay zum Weltenbaum und fesselte ihn an eine Wand in seinem Unterschlupf. Dann ging er zu seinem Arbeitstisch, öffnete eine Schatulle und fügte die zwei Seelen von Astaroth und Eurynome ein.
„Der Hybrid… Die vier Erzdämonenseelen und drei Erzengelseelen… Jetzt fehlt mir nur noch die Letzte der Erzengel und ich habe alles beisammen…“, lachte Thanatos schelmisch.
Ilay rührte sich noch immer nicht. Der Ausdruck in seinen Augen war leer. Es wirkte so, als ob er aufgegeben hätte.
Jamin und Leif legten gerade Estes Leichnam zu den anderen im Vampirlager ab.
„Jetzt haben wir alle…“, wischte sich Leif etwas Schweiß von der Stirn und sah sich um.
Himari saß sich neben Estes Körper und weinte. Fenrir streichelte ihr sanft über ihre Schultern.
„Schade, dass Oliver deinen Arm nicht auch retten konnte…“, wandte sich Drake Jamin zu.
„Ja… Vielleicht klappt das nur mit frischen Wunden und meine war einfach schon zu alt…“, grinste Jamin ihn an.
Auf einmal stolperte Eneas noch sehr benommen auf die Gruppe zu.
„Was um Himmels Willen ist geschehen?!“, war Eneas fassungslos und sackte zusammen.
„Nicht so schnell Bruderherz…“, eilte Eysa ihm hinterher. „Du bist gerade erst zu dir gekommen, du solltest dich noch nicht überanstrengen…“
Eneas sah sich um und konnte es nicht fassen.
„Wir hatten keine Chance… Thanatos ist einfach zu mächtig für uns… Ich bezweifle, dass wir ihn aufhalten können, besonders jetzt, nachdem er den Hybriden in seine Finger bekommen hat…“, erklärte Drake.
„Was ihm jetzt noch fehlt, ist die letzte Erzengelseele, welche Estes hat…“, wandte Himari ihren Blick auf und erschreckte sich. „Da Estes nun Tod ist, kann Thanatos nun die Seele aufspüren?“
Alle wandten ihren Blick erschrocken zu Estes.
„Das kann gut sein… Nyx meinte, dass die Seele im Besitz sein muss…“, fuhr Eneas fort.
Himari versuchte in Panik die Kette von Estes Hals zu lösen, als dieser plötzlich ihre Hand ergriff und seine Augen öffnete.
„Finger weg von mir!“, sah er sie böse an.
Alle erschreckten sich. Estes sprang auf mit einer Rolle nach hinten, griff nach einer Waffe, fixierte Himari am Boden und bedrohte sie.
„Eine Dämonin! Was willst du von mir?“, stellte er fordernd Fragen.
„Estes! Lass das! Erkennst du sie etwa nicht?“, kam Eysa auf ihn zu.
„Ein Blutengel?!“, sah er sie verwundert an. „Was fällt dir ein mir Befehle zu erteilen?! Weißt du denn nicht, wo dein Stand ist?! Wo ist nur Michael, wenn man ihn mal braucht? Er wird dir gehorsam einbläuen…“
„Michael?“, war Eysa verwirrt und hielt inne.
Jamin war erzürnt und hielt seine Klinge an Estes Hals.
„Lass sofort die Waffe fallen! Was fällt dir ein?!“, war er sichtlich angepisst.
„Noch so ein Dämon?!“, wurde Estes sauer, drehte sich geschickt und katapultierte Jamin aus dem Weg.
Dann ließ er in seiner Hand eine lodernde Flamme entstehen und zielte auf ihn.
„Stopp!“, stellte sich Eneas in den Weg. „Du bist nicht Estes, nicht wahr?“
„Estes? Wer soll das sein?“, stellte Estes eine Gegenfrage. „Was ist hier los?“
„Ich nehme an, dass du wohl Uriel sein musst, oder?“, fragte Eneas weiter. „Du steckst im Körper meines Bruders…“, klärte Eneas die Situation auf.
Uriel sah an sich hinab und begutachtete seine Arme und Hände.
„Deswegen fühlt sich dieser Körper so komisch an… Ich merke, wie dieser Körper langsam zerfällt… Ein Halbblut…“, sprach er und wandte sich Eneas zu. „Du! Kläre mich auf… Was ist hier los?“
„Das werde ich übernehmen…“, kam Nyx auf die Gruppe zu.
„Nyx…“, sah Uriel überrascht aus.
„Ich habe doch gesagt, wir werden uns wiedersehen…“, lächelte sie sanft.
Uriel ließ alles stehen und liegen und ging geradewegs auf sie zu, um sie in seine Arme zu schließen.
„Es tut so gut, dich zu sehen…“, wirkte er glücklich. „Ich dachte, ich würde dich nie wieder sehen… Dein Vater…“
„Muss aufgehalten werden…“, sah sie ihn ernst an.
„Vater?!“, waren die anderen geschockt.
„Das stimmt… Thanatos ist in Wirklichkeit mein Vater…“, klärte Nyx die Situation endlich auf. „Und Uriel und ich…“
„Wir sind ein Paar…“, fuhr er fort.
„Mein Vater war mit dieser Verbindung nicht einverstanden und auch er war es der die anderen Erzengel auslöschte… Uriels Seele nahm ich vor Jahrtausenden in meinem Besitz, damit er ihm das nicht antun konnte… Die Erzengel sind genauso, wie die Erzdämonen im Dämonenreich, der Ursprung der jeweiligen Rasse, was die Erzengel wohl zu den Mächtigsten Gottheiten macht…“, fing sie an zu erklären. „Michael war der Anführer der Streitgruppen und beherrschte ein riesiges Heer… Ihm waren alle normalen Gottheiten untergestellt und in ihm finden die Thrones ihren Ursprung… Er konnte den Wind bändigen und hatte Kontrolle über den gesamten Luftraum… Raphael ist der Ursprung der Seraphim, den mächtigsten Wesen nach den Erzengeln… Er führte alle mit Weisheit an und kann mit seinem Wasser wirklich alles und jeden heilen… Außerdem gingen von ihm auch die Cherubim hervor… Gabriel ist der Ursprung der Memoriaengel… Alle vertrauten auf seinen Rat… Er konnte ganze Berge versetzen und war sehr im Einklang mit der Erde und der Natur… Und zu guter Letzt haben wir hier Uriel, der Ursprung der Blutengel… Die Macht seines Feuers spiegelt sich in eurem Äußeren und euren Urinstinkten wider…“
„Stimmt… Ich erinnere mich wieder… Das war die einzige Möglichkeit damit mich dein Vater nicht aufspüren konnte… Aber da ich jetzt wieder im Besitz eines Körpers bin…“, schlussfolgerte Uriel.
„Wird er jetzt wissen, wo du bist…“, beendete sie den Satz.
„Dann sollten wir hier schleunigst verschwinden…“, brachte sich Fenrir mit ein.
„Aber wohin? Außerdem haben wir keine Chance… Wir haben schon so viele verloren…“, argumentierte Jamin.
„Sie sind nicht verloren…“, sprach Nyx und alle sahen sie erstaunt an.
„Kannst du sie wieder auferstehen lassen? So wie bei Navaeh damals?“, wurde Eneas neugierig.
„Ich habe sie nicht wieder auferstehen lassen, sondern ihr nur eine Widergeburt ermöglicht… Meine Magie reicht für eine Widerauferstehung noch nicht aus…“, erzählte Nyx.
Eneas blickte traurig drein.
„Aber mein Vater hat die Seelen eurer Freunde nicht eingesammelt… Das bedeutet er hat sie nicht in der Hand und sie sind nun vermutlich im Totenreich angekommen… Was würdet ihr davon halten, wenn ich euch erzähle, dass es eine Möglichkeit gibt Tode wiederzuerwecken?“, lächelte Nyx.
„Wirklich? Wie?“, war Eysa überrascht.
„Dafür müssen wir nach Lüpan… Die Hauptstadt der Menschen, die am Weltenbaum siedeln…“, fuhr Nyx fort.
Zur selben Zeit traf Drakhan beim Unterschlupf von Thanatos ein.
„Ihr habt persönlich nach mir rufen lassen? Wie komme ich zu dieser Ehre?“, verneigte sie sich demütig, während die Handvoll wandelte Tode, welche sie begleitet hatten, sich zurück in eine Ecke stellten und regungslos stehen blieben.
„Kein Grund für diese übertriebene Höflichkeit…“, drehte er sich zu ihr um und ging ein paar Schritte auf sie zu. „Eurynome und Astaroth sind tot, es ist also niemand hier der uns stören könnte…“
„Und was ist mit dem da?“, deutete sie auf Ilay.
„Beachte ihn nicht weiter… Seitdem ich seine Freundin getötet habe, ist er wie weggetreten…“, erklärte er und drückte sie an sich.
„Na, na, na… Nicht so stürmisch…“, drückte sie ihn mit einem verschmitzten Lächeln leicht etwas von sich weg und fuhr mit ihrem Zeigefinger über seinen Brustbereich. „Selbst wenn er geistig nicht anwesend ist, mag ich keine Zuschauer…“
Zusammen verließen sie den Raum und ließen Ilay allein zurück. Thanatos lief voraus, während Drakhan ihm folgte. Bevor sie hinter der Tür verschwand, blickte sie sich noch einmal nach Ilay um.
Als endlich etwas Ruhe einkehrte und Ilay ganz sich selbst überlassen war, fing er an zu schluchzen und Tränen rollten über seine Wangen hinab.
„Ria…“, war er fix und fertig.
Er hing einfach nur noch in den Seilen. Er hatte aufgegeben. Ohne Ria war sein Leben einfach nicht mehr lebenswert.
<Was soll ich jetzt nur tun? Ohne Ria… Bela… Vater… Ich hätte mich besser gleich ausliefern sollen, dann wäre nichts von all dem passiert… Dann würden sie alle noch leben… Ich habe meine Motivation verloren, ich will nichts mehr hören und sehen und vor allem nichts mehr fühlen… Ich bin fertig, ich will nicht mehr… Und doch…>
Ilay hob allmählich seinen Kopf an und es kochte in ihm Wut hoch. Wut gegen Thanatos. Er knirschte mit seinen Zähnen und seine Miene verfinsterte sich.
<Ich muss hier raus! … Die anderen brauchen mich! … Ich werde ihn töten! … TÖTEN!!>
Ria öffnete ihre Augen. Sie stand vom Boden auf und blickte sich total verwirrt um. Allem Anschein nach befand sie sich in einem Palast. Die gesamte Gegend wirkte zwar sehr hell aber auch sehr vernebelt umso weiter man sah.
„W-Wo bin ich hier? …“, sprach sie mit sich selbst.
„Ria?!“, rief eine ihr doch sehr vertraute Stimme. „Was um Himmels Willen tust du hier?!“
Ria drehte sich zu dieser Stimme um und erblickte Seren. Sie riss ihre Augen weit auf und konnte es einfach nicht glauben. Ohne weiter darüber nachzudenken, rannte sie auf ihn zu und sprang ihm in seine Arme.
„Seren?! Warum? Wieso?“, war sie fassungslos.
Kapitel 92
„Ria, was tust du hier?“, sah Seren sie mitleidig an.
„Ich… Ich weiß es nicht… Was ist das hier für ein Ort? Wo sind wir hier?“, sah sie sich ratlos um.
„Du solltest nicht hier sein…“, sah Seren traurig aus.
„Mein Gott, Ria also auch?“, stieß Laisa hinzu.
„Oh nein… Was ist mit dir passiert?!“, war Leila geschockt und rannte auf Ria zu, um sie zu umarmen.
„Laisa… Leila…“, war Ria überrascht.
„Wir sind alle hier…“, winkte ihr Keno zu, welcher Lucin im Schlepptau hatte.
„Du machst vielleicht Sachen…“, seufzte Lucin.
„Leute…“, lächelte Ria mit Tränen in ihren Augen. „Es tut so gut euch alle wiedersehen zu können…“
Auch Bela und Estes kamen hinzu.
„Es ist echt ätzend zu sterben…“, wirkte Bela sehr unzufrieden.
„Da kann man leider nichts machen…“, lächelte Estes gezwungenermaßen.
„Wir sind tot?“, war Ria schockiert.
„Sonst wären wir nicht hier, ja…“, bestätigte Bela.
„Das hier ist Val…“, erklärte Seren.
„Das Reich der Toten…“, war Ria schockiert. „Was ist mit Thanatos? Und den anderen?“
„Sie sind auf dem Weg nach Lüpan, der Stadt, die am Weltenbaum siedelt, sie wollen euch wiederholen…“, sprach eine feine feminine Stimme.
Ria drehte sich nach ihr um und war sprachlos. Sie rannte ihr in die Arme und ließ sich umarmen.
„Du bist so groß geworden, meine kleine süße Iturria…“, lächelte sie sanft und strich Ria über den Kopf.
„Sie kommt ganz nach dir…“, tätschelte ihr zufrieden ein Mann den Kopf.
„Mutter… Vater… Seid ihr es wirklich?“, weinte Ria vor Freude.
„Ja mein Schatz…“, lächelte Annea sanft.
„Wir sind sehr stolz auf dich…“, lobte sie Janus.
„Was bedeutet ‚sie wollen uns wiederholen‘?“, fragte Bela argwöhnisch nach.
„Dass es dort in dieser Stadt ein Ritual gibt, mit dem man Tode wieder auferstehen lassen kann…“, erklärte Bael, welcher sich auch hinzugesellte.
„Was? Warum erfahren wir erst jetzt davon?“, war Bela schockiert und sauer. „Dann hätten wir euch alle bereits wiederbelebt…“
„Weil jede Wiederbelebung ihren Preis hat, mein Sohn… Einen Preis, den wir euch nicht zumuten wollten…“, erklärte er ernst.
„Was für einen Preis?“, hakte Ria nach.
Ilay hing immer noch gefesselt an dieser Wand. Er zerrte an den Ketten, doch egal wie sehr er es versuchte, sie lösten sich einfach nicht.
„Tsk! …“, gab Ilay einen verärgerten Laut von sich und blickte sich um, um etwas hilfreiches entdecken zu können.
Langsam öffnete sich die Tür und Ilay blickte auf. Drakhan betrat mucksmäuschenstill das Zimmer.
„Psst…“, nahm sie ihren Zeigefinger vor ihre Lippen, um ihm zu signalisieren ruhig zu bleiben.
Argwöhnisch beobachtete er sie dabei, wie sie langsam auf ihn zukam.
„Du musst Ilay sein, nicht wahr? Der Hybrid…“, flüsterte sie.
„Warum willst du das Wissen?“, sprach Ilay sehr ruhig.
„Hast du meinen Bruder gesehen? Drakon? Geht es ihm gut? Ist er wohlauf?“, sprach sie hastig.
„Deinen Bruder? Ich bin mir nicht sicher… Wenn es der Drache war, den meine Freunde mitbrachten, dann ja, er lebt noch…“, beantwortete Ilay ihre Frage.
„Ein Glück…“, atmete sie auf. „Für ihn ertrage ich all das hier… Wenn ihm etwas zustoßen würde, wüsste ich nicht, was ich tun sollte…“
Ilay sah geknickt zur Seite.
„Es tut mir leid mit deiner Freundin…“, war sie mitfühlend. „Aber ich habe eine Bitte an dich…“
Er wurde hellhörig.
„Befreie dich noch nicht… Ich habe einen Plan, um Thanatos aufzuhalten, aber damit das funktionieren kann, bin ich auf deine Mithilfe angewiesen…“, erklärte sie.
„Wie bitte? Ich dachte, ihr wärt…“, war Ilay überrascht.
„Das ist alles nur Tarnung… Nur so komme ich nah genug an ihn heran…“, erzählte sie weiter. „Unser Volk wurde beinahe von ihm ausgelöscht, weil keiner der vorherigen Könige mit ihm gemeinsame Sache machen wollte… Das mein Vater von einer Urbestie vergiftet wurde, ist seine Schuld… Ich möchte nicht, dass diese Welt hier ausgelöscht wird… Mein Bruder hat eine fantastische Zukunft verdient, die ich ihm gerne ermöglichen würde…“
„Aber wenn ich hier festgekettet bleibe… Um ihn aufzuhalten, sollte ich besser verschwinden, damit er nicht in der Lage ist den Weltenbaum umzuschreiben…“, war Ilay skeptisch.
„Genau deshalb sollst du aber hier bleiben… Ich hole ihm die letzte der vier Erzengelseelen und dann, wenn er am verwundbarsten ist, kann ich zuschlagen und alles beenden… Er konnte Uriel aufspüren, nun kann ich diese Seele an mich bringen…“, erklärte sie.
„Aber…“, wurde Ilay nachdenklich.
„Genau… Dein Leben wäre hiermit verwirkt, aber die Welt gerettet…“, legte sie ihm sanft eine Hand auf die Schulter. „Und du wärst mit deiner Liebsten dann endlich wieder vereint in Val…“
Ilay sah auf den Boden hinab.
„Lass es dir durch den Kopf gehen… Ich komme bei Gelegenheit wieder auf dich zu…“, stand sie auf und verschwand wieder.
Zur gleichen Zeit kamen die anderen gerade am Rande der Stadt an. Nyx hatte sie teleportiert.
„Da wären wir…“, rieb sich Nyx angestrengt die Schultern.
„Deine Teleportation ist echt wahnsinnig cool…“, staunte Himari mal wieder.
„Warum nicht direkt in die Stadt?“, fragte Fenrir nach.
„Weil das nicht geht… Die Stadt wird von einer Schutzbarriere geschützt, die das nicht zulässt…“, erklärte Nyx.
„Und was müssen wir jetzt tun?“, fragte Jamin nach.
„Wir müssen das Oberhaupt der Familie Stiten aufsuchen… Das sind die mächtigsten Magier und wohl die einflussreichste Familie hier… Auch wenn dieser Ort hier demokratisch ist, wird wohl nichts beschlossen, solange diese Familie nicht einwilligt…“, klärte Nyx auf.
„Also fangen wir gleich ganz oben an… Gefällt mir…“, grinste Jamin.
„Wir brauchen die Zustimmung von Nikolaus von Stiten dafür, denn nur seine Familie ist dazu in der Lage das Tor zu Val zu öffnen und eure Freunde wiederzubeleben… Eure Freunde habe ich mit einem Zauberspruch belegt was uns 48 Stunden Zeit verschafft das hier zu erledigen, ansonsten wars das und eure Freunde können nicht widerkehren…“, fuhr Nyx fort.
„Ansonsten ist der Verwesungsprozess zu weit fortgeschritten und diese Körper unbrauchbar außer dieser hier…“, fügte Uriel hinzu und deutete auf sich.
„Aber was passiert dann mit dir Uriel?“, wandte sich Leif an ihn. „Um Estes wiederzuholen, müsstest du seinen Körper verlassen…“
„Dafür habe ich einen Plan B aber das bedeutet, dass wir uns trennen werden müssen… Uriel muss mich zur Stadtkirche begleiten dafür…“, erklärte Nyx.
„Wenn das klappt, bin ich dann wieder im Besitz meines eigenen Körpers…“, grinste Uriel schelmisch.
„Also gut, dann machen wir uns auf den Weg…“, streckte Eneas Nyx die Hand entgegen. „Vielen Dank Nyx…“
„Keine Ursache…“, schüttelte sie freudig seine Hand.
Dann trennten sie sich und betraten die Stadt. Nyx und Uriel liefen eine Straße entlang.
„Warum hast du ihnen nichts gesagt?“, fragte Uriel nach.
„Weil ich dich schnellstens hier her bringen wollte… Hier sind wir geschützt und mein Vater bekommt dich nicht in seine Finger… Wenn ich ihnen erzählt hätte, was es für einen Preis kostet, jemand Verstorbenen wiederzubeleben, weiß ich nicht, ob sie mit hierhergekommen wären oder wie lange es gedauert hätte…“, erklärte Nyx ihre Gedanken.
„Verstehe… Das wird sie voll aus der Bahn werfen…“, gab er von sich.
„Das ist nicht weiter wichtig… Um meinen Vater aufzuhalten, brauchen wir sie nicht zwingend… Astaroth und Eurynome sind Geschichte und außer Drakhan hat er keinen Geleitschutz mehr… Nun sollten wir ihn auch allein aufhalten können… Dafür möchte ich dir gerne deinen Körper zurückgeben, den ich hier vor langer Zeit versteckte, damit du das volle Potenzial deiner Kräfte nutzen kannst…“, fuhr sie fort.
„Du denkst wirklich an alles…“, blieb er stehen und strich ihr sanft mit seiner Rückhand über ihre Wange.
„Nicht an alles, aber ich versuche es zumindest…“, lächelte sie zurück.
Die anderen schlenderten ebenfalls durch die Stadt.
„Eine Ahnung, wo wir anfangen sollten zu suchen?“, warf Jamin ein.
„Wir sollten uns sputen, unser Zeitlimit ist begrenzt…“, gab Leif hinzu.
„Das stimmt… Umso eher wir diese Familie ausfindig machen, umso besser ist es…“, fügte Eysa hinzu.
„Sie sind sehr bekannt, wir könnten einfach ein paar Passanten fragen…“, kam von Drake.
„Das wäre wohl am geschicktesten…“, sah sich Eneas um und ging auf jemanden zu.
Eneas fragte freundlich nach und bekam eine Richtungsanweisung. Zusammen machten sie sich auf den Weg und landeten in einer sehr noblen Gegend. Umso weiter sie kamen, umso prunkvoller wirkten die Gebäude, an denen sie vorbeiliefen. Letztendlich kamen sie an einem riesigen Anwesen an. Massive Statuen mit Namensverzierungen und eine riesengroße Auffahrt, begleitet von einem wahnsinnig großem Torbogen ließ unsere Freunde vermuten, dass es sich hierbei um das richtige Haus handelte.
Sie liefen diese schier nie enden wollende Auffahrt hinauf, bis sie das Haus erreichten. Kaum angekommen, fanden sie auf der riesigen Treppe einen älteren Mann, der allem Anschein nach gestürzt ist. Sofort eilten sie zu ihm.
„Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragte Eneas sofort nach und stützte den Mann beim Aufstehen.
„Mein Bein ist verletzt… Ich kann nicht stehen…“, verzog er schmerzerfüllt das Gesicht.
„Lasst mich das tun! Ich möchte auch helfen!“, eilte Oliver herbei.
Eneas setzte den Mann in eine aufrechte Position und Oliver setzte sich vor diesen Mann und begann mit der Heilung.
„Wer seid ihr?“, war der Mann sprachlos.
„Wir sind Reisende von den Kontinenten Respon und Riftan…“, erklärte Eneas.
„Die Kontinente der Gottheiten und Dämonen?“, sah er sich die Gruppe genauer an, bis sein Blick an Oliver hängen blieb. „Junge… Deine Aura…“
„Hm?“, wandte sich Oliver mit seinem Blick ihm zu.
„Wer ist dieser Junge?“, fragte der Mann.
„Das ist der Sohn meiner verstorbenen Schwester und meines verstorbenen besten Freundes, warum?“, stellte sich Leif näher an Oliver.
„Könnte es sein…?“, murmelte der Mann, bevor er sich aufrichtete, nachdem Oliver seine Verletzung geheilt hatte und sprach die Gruppe an. „Tretet ein… Ich möchte euch eure Güte vergelten…“
Sie betraten das Anwesen.
„Ihr seid also Reisende…“, sprach der Mann. „Ihr seid sicher nicht ohne Grund hier, richtig? Es wirkt nicht so als ob ihr nur für einen Spaziergang hier in der Gegend seid…“
„Das ist richtig… Wir sind hier, um die Hilfe der Familie Stiten zu erbitten…“, antwortete Eneas.
„Dann seid ihr hier wohl richtig… Willkommen in unserem Anwesen…“, drehte er sich zu der Gruppe um als sie im großen Foyer ankamen. „Mein Name lautet Nikolaus von Stiten, ich bin das Oberhaupt… Worum handelt eure Bitte?“
„Wir wollten Sie bitten uns den Weg nach Val aufzuzeigen… Wir haben dort Verstorbene…“, fing Eneas an zu erklären.
„Die ihr gerne wiedersehen würdet, nicht wahr?“, fiel ihm Nikolaus ins Wort.
„Ja, schon…“, antwortete Eneas etwas verzögert.
„Da ließe sich sicher etwas einrichten… Zunächst möchte ich aber diesen Jungen hier überprüfen lassen…“, forderte Nikolaus.
„Überprüfen?“, schob Leif Oliver schützend hinter sich.
„Nichts schlimmes, keine Sorge… Ich vermute, dass er ein Träger unserer Blutlinie sein könnte… Seine Aura verriet mir dies… Mein Neffe wird das Überprüfen…“, erklärte er sich.
„Und wen dem so wäre? Was dann?“, war das Leif nicht geheuer.
„Dann würden wir ihn gerne herzlich Willkommen heißen in unserer Familie…“, lächelte Nikolaus.
Kapitel 93
Die Gruppe saß zusammen in einem großen und gemütlichen Aufenthaltsraum. Einige Bedienstete brachten etwas zu essen und zu trinken für ihre Gäste.
„Und was ist mit uns? Wir brauchen auch etwas zu essen…“, verwies Jamin auf sich und seine Tochter und wandte sich dann schelmisch grinsend an Eysa. „Eysa… Leih mir doch mal bitte deinen Nacken, ja?“
„Hände weg von meiner Freundin!“, zog Leif Eysa näher heran.
Eysa stand auf und setzte sich neben Himari.
„Du kannst von mir trinken Himari“, lächelte Eysa sie an.
„Vielen Dank Eysa…“, lächelte Himari zurück und begann von ihr zu Trinken.
„Hey! Und was ist mit mir?“, sah er schmachtend herüber.
„Hier…“, öffnete Eneas angespannt seinen Kragen. „Du kannst von mir Trinken, ich bin es ja gewohnt halb ausgesaugt herumzulaufen… Aber übertreib es nicht!“
„Von einem Mann? Naja, mir bleibt wohl nichts übrig…“, zuckte Jamin mit den Schultern, stand auf, kam von hinten auf Eneas zu, beugte sich über die Sofastütze und biss zu.
Eneas knirschte mit den Zähnen und kniff die Augen zu.
Als Himari von Eysa abließ, sank sie etwas zusammen und lehnte sich erschöpft gegen Leif, welcher sie sogleich stützte.
„War das zu viel? Entschuldige…“, entschuldigte Himari sich sofort und wirkte sichtlich besorgt.
„Kein Problem… Ich bin diese Blutarmut nur nicht gewohnt…“, lächelte Eysa.
„Ruh dich etwas aus…“, streichelte ihr Leif sanft über ihren Oberarm.
Auch Jamin lies nun von Eneas ab.
„Meine Güte bist du grob…“, rieb sich Eneas über die Bissstelle.
„Verzeih…“, kicherte Jamin. „Aber dein Blut schmeckt wirklich gut… Kein Wunder das Bela immer so verrückt danach war…“
„Bela… Ja…“, lächelte Eneas traurig vor sich hin.
„Wir sollten endlich los… Wir wissen nicht, wie lange das dauern wird…“, brachte sich Drake mit ein.
„Er hat recht, die Zeit wird knapp… Wenn Thanatos Uriel nun wirklich aufspüren kann, weiß er wo wir sind und ist vielleicht schon auf dem Weg hier her…“, ergänzte Fenrir.
„Also gut…“, öffnete Nikolaus die Tür und trat ein. „Lasst uns beginnen…“
Zur selben Zeit betraten Nyx und Uriel die Kirche. Sie gingen einen langen Flur entlang und am Ende standen sie vor einer Wand an der augenscheinlich nichts Ungewöhnliches war. Nyx sah sich noch einmal um und betätigte dann einen Mechanismus, welcher eine Tür in der Wand zum Vorschein brachte. Diese Tür verschloss sich sofort wieder, nachdem sie hindurch gegangen waren und sie folgten den endlosen Stufen in die Tiefe. Unten angekommen fanden sie sich in einem großen, runden Raum wieder in dem mittig ein Glassarg stand, gefüllt mit einer Flüssigkeit und Uriels Körper.
„Nyx… Das ist ja… Wahnsinnig…“, sah er sie besorgt an.
„Ich weiß… Diesen Zauber aufrecht zu erhalten, für die letzten Jahrtausende kostete mich täglich Unmengen an Kraft und Energie… Ich bin es mittlerweile gewohnt und es wird sicher ein komisches Gefühl sein wieder auf meine volle Kraft zugreifen zu können…“, lächelte sie und stellte sich neben ihn, bevor sie ihn ansah. „Bist du bereit?“
„Das bin ich…“, lächelte er zurück.
„Also gut…“, wandte sich Nyx wieder dem Sarg zu und ließ ihn durch einen Zauber zerbersten. Uriels Körper schwebte in der Luft und die Augen von Estes Körper begannen zu leuchten, was dann in einem Flackern überging und letztendlich erlosch. Estes Körper ging zu Boden und die Augen von Uriels Körper flackerten, bis sie schließlich hell aufleuchteten. Diese Prozedur dauerte nur wenige Minuten, doch Nyx vollbrachte es und Uriel war wieder in seinem eigenen Körper.
„Dieses Gefühl…“, stand Uriel auf. „Endlich…“
Nyx war sehr erschöpft und ging in die Knie. Sofort ging Uriel auf sie zu und hob sie hoch.
„Ich danke dir Nyx…“, lächelte er.
„Schon gut…“, streichelte sie sanft seine Wange. „Bin ich froh, dass du wieder da bist…“
Dann gab es einen Knall und Schutt und Asche flog durch die Gegend. Drakhan stand vor ihnen.
„Da bist du… Komm lieber freiwillig mit und erspare mir diesen unnötigen Kampf…“, grinste sie.
„Dann musst du wohl Drakhan sein… Thanatos letzter verbleibender Geleitschutz…“, grinste Uriel zurück. „Du hast keine Chance gegen mich, ich bin ein Erzengel und im Besitz meiner vollen Kräfte…“
„Ich lass es gern drauf ankommen…“, sprintete sie los.
Uriel blockte den Angriff mit einer Feuerwand, setzte Nyx auf die Seite und wandte sich Drakhan wieder zu. Er stürmte auf sie los, sprang durch die Flammenwand und katapultierte sie in die Wand. Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit aus diesem Loch wieder herauszukrabbeln, denn Uriel feuerte augenblicklich weitere Feuerbälle auf sie ab, einer heißer als die anderen.
Drakhan fiel aus dem Loch und hielt sich ihre verletzte Schulter. Sie ließ ihn immer näherkommen, bis er nah genug war, dann zückte sie ihre Dolche und griff frontal an. Dieser Angriff überraschte ihn und sie konnte ihm ein paar Schnittwunden zufügen, welche ihn aber nicht weiter kümmerten. Ganz im Gegenteil, aus diesen Schnittwunden loderten heiße Flammen, was es Drakhan unmöglich machte, näher an ihn heranzukommen, umso mehr Wunden sie ihm zufügte.
„Drakhan, hör auf!“, rief Nyx und richtete sich wieder auf.
„Misch dich nicht ein!“, patzte Drakhan sie an.
„So warte doch…“, blieb Nyx stur. „Du musst das nicht tun… Ich bin mir sicher, dass du Thanatos genauso sehr aufhalten willst wie wir… Ich kenne dich seitdem du klein bist… Wir könnten sicher gemeinsame Sache machen, wenn du dich uns anschließen würdest…“
„Selbst wenn das so wäre, vertraue ich euch überhaupt nicht immerhin bist du seine Tochter… Da kannst du viel sagen, wenn der Tag lang ist…“, rümpfte Drakhan ihre Nase.
„Wenn dich das nicht überzeugt, dann vielleicht dein Bruder…“, kam Nyx näher.
„Was meinst du damit?“, wurde Drakhan hellhörig.
„Er und unsere Gruppe sind bei der Familie Stiten… Sie wollen nach Val, um ihre Freunde wiederzuholen…“, fing Nyx an.
„Ja und?“, blieb Drakhan abwehrend.
„Ria ist eine der Toten und die erste Freundschaft, die dein introvertierter und einsamer Bruder geschlossen hat… Auch wenn man es ihm nicht anmerkt, hängt er sehr an ihr und ich würde sogar behaupten, dass er ihren Platz einnehmen würde…“, fuhr Nyx fort.
„Nein…“, war Drakhan geschockt. „Red keinen Stuss! Du willst nur dass ich verschwinde, damit du Uriel in Sicherheit bringen kannst!“
„Überhaupt nicht… Du kannst uns gern begleiten, wir sind hier fertig und würden wieder zu den anderen aufstoßen…“, lief Nyx an ihr vorbei. „Du solltest mitkommen, wenn dir zumindest etwas an deinem Bruder liegt…“
Drakhan knirschte mit den Zähnen und folgte dann widerwillig.
Die anderen standen in einem großen Raum, in der Mitte ein Portal, welches eben von der Familie aktiviert wurde.
„Die Überprüfung ist abgeschlossen… Der kleine Oliver gehört wirklich zu unserer Blutlinie… Wenn er etwas hierbleiben dürfte, könnten wir ihm jede Menge beibringen über unsere Magie…“, erklärte Nikolaus. „Außerdem ist das Portal nach Val nun geöffnet… Dort könnt ihr eure toten Freunde besuchen… Bedenkt aber dass ihr nur wenige Minuten Zeit habt und dann durch die erscheinende Öffnung gehen müsst, sonst kommt ihr nie wieder zurück und Val kann nur ein einziges Mal auf diesem Weg betreten werden… Sobald ihr zurück seid, sind die Tore für euch verschlossen…“
„Wir wollen sie nicht nur besuchen, wir wollen sie rausholen… Wir brauchen sie, um Thanatos aufzuhalten…“, stellte Eneas klar.
Verdutzt sah Nikolaus sie an.
„Ihr habt anscheinend keine Ahnung… Ihr könnt sie da nicht einfach so herausholen… Diese Welt in der Val liegt, wird von einem Todesgott bewacht und das ist Thanatos… Er bemerkt jedes Eindringen in diese Welt und wird auch euch bemerken… Und vor allem könnt ihr dort niemanden einfach so herausholen…“, wurde Nikolaus Ton ernster. „Ihr könnt höchstens ihren Platz dort einnehmen, sodass sie hierher zurück kehren können… Einen äquivalenten Tausch nennt man das… Alles hat seinen Preis…“
„Was?!“, waren Eneas und die anderen geschockt.
„Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ihr da hineinspazieren und einfach so Tode herausholen könnt? Dann würde es keine Tode mehr geben und das gesamte Weltgefüge würde in sich zusammenbrechen, ganz davon abgesehen, dass die Welt in Windeseile überbevölkert werden würde und man nicht mehr genügend Nahrung für sterbliche Wesen aufbringen könnte…“, erklärte Nikolaus weiter. „Tod ist Tod… Für jede Seele, die ihr dort hinausholt, muss eine andere zurückbleiben…“
„Was machen wir denn dann jetzt?“, fragte Himari entsetzt nach.
„Also gut, dann gehe ich jetzt und hole Bela zurück…“, lief Eneas schnurstracks durch das Portal.
„Und ich hole Ria…“, lief Drake ihm hinterher.
„Wartet!“, rief Eysa und lief einige Schritte hinterher, bis Leif sie an ihrer Schulter festhielt.
„Du gehst da nicht rein…“, sah er sie ernst an.
„Aber meine Brüder…“, sah sie sehr traurig aus.
In diesem Moment rannte Oliver an ihnen vorbei.
„Oliver! Halt!“, rief Leif und eilte ihm hinterher.
„Endlich kann ich Mama und Papa sehen!“, verschwand er im Portal dicht gefolgt von Leif.
„Junger Herr!“, rief ein Bediensteter der Familie Stiten hinterher.
Himari packte all ihren Mut und machte sich ebenfalls auf den Weg zum Portal. Jamin hielt sie fest.
„Unterstehe dich dort hindurchzugehen…“, ermahnte er sie.
„Aber ich kann Estes nicht einfach dort lassen!“, sah sie ihn ernst an.
„Dessen bin ich mir bewusst…“, seufzte Jamin, wandte sich ihr zu und tätschelte ihr liebevoll den Kopf. „Sag deiner Mutter, dass ich sie Liebe und knuddel Ren von mir…“
Damit verschwand er ebenfalls in dem Portal und Himari sah ihm traurig hinterher.
Dann stürmten Drakhan, Nyx und Uriel diese Halle.
„Wo ist Drakon?!“, rief sie und sah sich nach ihrem Bruder um.
„Er ist durch das Portal…“, sah Eysa sie verdutzt an.
„So ein Idiot!“, rannte sie an den Freunden vorbei mitten durchs Portal.
„Die anderen sind durch das Portal gegangen, oder?“, fragte Nyx nach.
„Ja…“, sah Eysa traurig aus. „Warum hast du uns das nicht gesagt? Du wusstest sicher, dass wir sie nicht so einfach da rausholen können…“
„Es ging leider nicht anders… Ich hätte euch sonst nie rechtzeitig in diese schützende Stadt bekommen…“, rieb sich Nyx über ihren Arm. „Jetzt können wir nur noch abwarten, wer es zurück schafft…“
Währenddessen hing Ilay immer noch gefesselt an der Wand und tat so, als ob er geistig nicht anwesend wäre. Thanatos schöpfte keinen Verdacht und lief an ihm vorbei.
„Sobald mir Drakhan Uriels Seele bringt, habe ich endlich alles zusammen… Dann muss der Hybrid nur noch ausbluten und sterben und die Macht des Weltenbaums ist endlich mein!“, grinste er besessen in sich hinein und ging in das Nebenzimmer.
<Ich vertraue dieser Drakhan nicht… Das könnte eine Falle sein damit ich einfach geopfert werden kann… Ich muss hier raus, ich kann nicht noch länger hierbleiben!>
Gerade als Ilay an seinen Ketten erneut rüttelte, stürmte Thanatos in das Zimmer.
„Verdammt, was ist passiert?! Warum ist Drakhan auf einmal in Val?! Wurde sie getötet?!“, führte er sich auf und demolierte ein paar Einrichtungsgegenstände. „Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig…“
Er löste Ilays Fesseln und packte ihn am Kragen, um ihn mitzuschleifen.
„Dann werde ich jetzt das Ritual ohne die letzte Erzengelseele beginnen und hoffen das meine Stärke ausreichend genug ist, damit nichts schief geht…“, war er wütend.
Ilay riss geschockt seine Augen auf.
<Wenn ich jetzt nicht fliehe, wars das mit mir! Aber ich muss ihn auch aufhalten! Was soll ich tun?! Was ist die richtige Entscheidung? …>
Thanatos Unterschlupf war direkt am Weltenbaum, weswegen es nur wenige Augenblicke dauerte, bis sie ihr Ziel erreichten. Thanatos packte sich ein scharfes Messer, schnitt Ilay umgehend die Kehle auf und warf ihn auf den Ritualstein, welcher dort am Boden verankert war. Augenblicklich fing er an sich zu erleuchten und eine Art Käfig für Ilay zu sein. Egal wie sehr er es auch versuchte, er konnte sich nicht von diesem Stein lösen.
„Blute aus Hybrid!“, rief Thanatos.
Während Ilay dort so vor sich hin blutete, packte sich Thanatos die gesammelten Seelen und steckte sie in die vorhergesehenen Löcher in der Wand direkt bei dem Ritualstein. Auch diese begannen nun hell zu erleuchten.
<Ich bin gefangen! Ich kann mich keinen Millimeter bewegen! Scheiße!! Irgendwie… Ich muss irgendetwas tun können!!>
Kapitel 94
„Wir gehen…“, sprach Nyx zu Eysa und Himari, nachdem sie alle Körper ihrer Freunde zurechtgelegt hatten. „Wir werden nun meinen Vater aufhalten…“
„Wartet doch bis die anderen zurück sind, dann sind doch unsere Chancen viel besser…“, wandte sich Eysa ihnen zu.
„Das schaffen wir auch zu zweit, keine Sorge… Uriel hat seinen Körper zurück und ich kann nun meine gesamte Kraft wieder nutzen… Ihr habt gute Arbeit geleistet, vielen Dank dafür…“, bedankte sie sich mit einem Lächeln und verließ mit Uriel den Raum.
„Dann kümmern wir uns jetzt endlich um deinen Vater… Dann können wir in Ruhe zusammen sein…“, lächelte Uriel sie an.
„Natürlich…“, lächelte sie sacht zurück.
Sie verließen die Stadt und Nyx teleportierte sie zum Unterschlupf ihres Vaters. Zusammen sahen sie sich um.
„Niemand hier…“, stellte Uriel fest.
„Stimmt… Er wird doch noch nicht mit dem Ritual angefangen haben?“, überlegte sie und lief hastig voraus.
„Aber ohne meine Seele funktioniert es doch gar nicht…“, antwortete er.
„Das stimmt nicht so ganz… Man kann etwas am Weltenbaum verändern, selbst wenn man nicht alles zusammen hat, aber das Ergebnis wird nicht das sein, welches man sich erhofft…“, erklärte sie.
„Dann sollten wir uns wohl sputen…“, lief Uriel schneller.
Sie bogen um die Ecke und erblickten Thanatos, welcher geduldig wartete, als er plötzlich Uriel und seine Tochter erblickte. Auf einmal sah Uriel geschockt aus und sank zu Boden. Nyx hatte ihn hinterrücks zur Strecke gebracht. Thanatos war zunächst überrascht aber lächelte dann süffisant vor sich hin.
„Bist du deinem Vater nun doch endlich gehorsam?“, ging er langsam auf sie zu.
Nyx beugte sich zu Uriel hinunter, um ihm den Dolch aus dem Rücken zu ziehen.
„Warum…?“, fragte er mit letzter Kraft.
„Es tut mir leid Liebster, aber zum Wohle dieser Welt bleibt mir wohl doch keine andere Wahl…“, zog sie den Dolch heraus und bemächtigte sich seiner Seele. „Hier Vater… Damit dein Ritual auch wirklich glücken kann…“
Erfreut nahm er Uriels Seele entgegen und steckte sie zu den anderen, bereits eingesetzten Seelen. Er nahm ein paar Schritte abstand und sah zu wie sich alle verbanden.
Ilay hob schwer geschafft und angestrengt seinen Kopf, dann verließ ihn das Bewusstsein und er fiel in Ohnmacht.
Währenddessen erreichte Eneas Val und hielt Ausschau nach Bela.
„Bela!!“, rief er laut.
Ein paar Schritte weiter konnte er ihn entdecken. Eneas hielt nichts mehr auf, so schnell er konnte, rannte er auf ihn zu. Bela erschreckte sich, stand auf und schon nahm ihn Eneas in seine Arme.
„Eneas?! Was tust du hier?!“, war Bela schockiert.
„Ich bin hier, um dich zurückzuholen…“, lächelte Eneas sanft, während er Bela sanft über seine Wange strich.
„Du kannst mich nicht zurückholen! Ich bin Tod!“, antwortete Bela.
„Ich weiß…“, lächelte Eneas betrübt. „Aber ich kann dafür sorgen, dass du es zurück schaffst…“
„Nein!“, löste sich Bela und nahm einen Schritt abstand. „Das kannst du nicht tun! Das ist nicht richtig!“
„Natürlich ist es das!“, packte Eneas ihn an seinen Schultern. „Du wirst gebraucht… Dein Leben ist wichtiger als meins…“
Daraufhin kassierte Eneas eine Ohrfeige von Bela. Erschrocken sah er ihn an.
„Bist du bescheuert?! Was bringt dich zu der Annahme das mein Leben mehr Wert wäre als deins?! Weil ich ein Prinz bin?! Weil ich theoretisch Unsterblichkeit besitze?! Du Vollidiot!!“, war Bela außer sich vor Wut und versuchte seine Tränen zurückzuhalten. „Du wirst dein Leben sicher nicht für meins opfern, hörst du?! Dein Leben ist mindestens genauso viel Wert wie meins…“
Eneas rieb sich über seine Wange, grinste gequält und nahm Bela dann erneut in seine Arme.
„Verzeih mir Bela…“, drückte er ihn fest an sich.
Bela klammerte sich an ihn und weinte. Plötzlich hob Eneas Bela an und warf ihn durch das Portal, welches ihn zurückbringen hätte sollen. Bela kullerte hindurch und mit einem Ruck erwachte er wieder in seinem Körper. Sofort richtete er sich auf und holte einmal tief Luft. Eysa kniete sich sofort zu ihm und stützte ihn.
„Bela… Wie fühlst du dich?“, lächelte Eysa, aber Tränen liefen ihr über ihre Wangen.
„Ich bin zurück?“, sah Bela sie geschockt an, dann sprang er auf und wollte zum Portal laufen.
„Das bringt nichts…“, sprach Nikolaus sacht. „Du bist ein Wiederkehrer, du kannst über diesen Weg Val nicht mehr erreichen… Respektiere die Entscheidung deines Freundes…“
„Ich soll mich damit abfinden?!“, wurde Bela wieder sauer, dann sank er zu Boden und schlug mit der Faust darauf und weinte los. „Das ist nicht fair! Das wollte ich nicht! Ich…“
Auch Jamin erreichte zwischenzeitlich Val.
„Estes! Wo bist du?! Wir haben noch eine Rechnung offen!“, rief er durch die Gegend.
„Jamin? Was tust du hier?“, kam Estes auf ihn zu.
„Ich hab dir noch gar nicht deine Abreibung verpasst!! Glaub bloß nicht, ich hätte das mit Himari nicht mitbekommen! Ich bin ihr Vater, ich weiß alles!“, schlug er ihm heftig auf den Oberarm.
„Autsch!!“, rieb sich Estes die Stelle am Arm mit schmerzverzerrtem Gesicht.
„So…“, klatschte Jamin Estes erneut auf die Schulter. „Und jetzt sieh zu, dass du zurückkommst, sonst verpasse ich dir auch noch einen Arschtritt!“
„Was?!“, war Estes irritiert.
„Du hast mich schon verstanden…“, packte Jamin ihn an seiner Schulter und lächelte sanft. „Pass bitte gut auf sie auf… Und wenn du ihr weh tun solltest, komme ich persönlich aus der Hölle zurück, um dich Höllenqualen leiden zu lassen!“
Damit stieß er Estes durchs Portal und sah zu wie er verschwand. Jamin seufzte und legte sich die Hand in den Nacken.
„Und was nun? …“, sah er sich in der weiten Leere um.
„Du kehrst zurück zu deiner Familie, was denn sonst?“, erklang eine ihm bekannte Stimme.
„Vater?!“, drehte sich Jamin augenblicklich um. „Was zum…?“
„So überraschend ist das doch gar nicht… Du glaubst doch nicht, dass ich dich hier sterben lasse?“, lächelte Roy breit. „Meine Vampir-Jungs waren der Meinung ich sollte euch Folgen und helfen und hiermit helfe ich dir…“
„So ein Quatsch! Ich hab meine Entscheidung getroffen und ich bereue sie keinesfalls!“, argumentierte Jamin.
„Deine Tat war in der Tat sehr Nobel und dafür ermögliche ich dir eine zweite Chance… Nutze sie mein Sohn!“, packte er Jamin, nahm in noch einmal in den Arm und schubste ihn dann durch das Portal.
Jamin kullerte regelrecht heraus und bremste seinen Sturz mit seinem Gesicht.
„Autsch…“, drückte er sich vom Boden ab.
Himari fiel ihm sofort um den Hals und weinte bitterlich.
„Du Idiot!“, schimpfte sie. „Wie konntest du mich einfach so verlassen?!“
„Aber…“, war er verblüfft.
„Natürlich bin ich dir Dankbar für das, was du für Estes getan hast, aber… Ich brauche dich doch Papa!!“, sah sie ihn unter Tränen an.
Jamin nahm sie sacht in seinen Arm und drückte sie.
„Ria!!“, rief Drake auf der Suche nach ihr.
„Drake! Was suchst du hier?“, war Ria verblüfft.
„Dich…“, sah er auf die Seite und vermied Blickkontakt.
„Was?“, war Ria verwundert wurde aber dann ernst. „Vergiss das ganz schnell wieder, dreh um…“
„Du bist wichtig da draußen, du wirst gebraucht… Es macht Sinn, dass du zurückkehrst…“, wandte er sich ihr doch zu. „Außerdem hab ich dir noch nicht gedankt…“
„Wofür?“, war sie überrascht.
„Dass du trotz meiner ruppigen Art so nett warst und meine Freundin geworden bist… Du bist das erste Wesen, mit dem ich Freundschaft schließen konnte und das bedeutet mir wirklich viel…“, erklärte er sich. „Ich danke dir Ria…“
„Dafür musst du dich nicht bedanken… Wir werden für immer Freunde sein…“, lächelte sie ihn sanft an. „Und nun geh zurück, du hast doch immer noch eine Aufgabe vor dir…“
„Das stimmt…“, lächelte er zurück und umarmte sie.
Ria erwiderte diese Umarmung doch ehe sie sich versah, versuchte er sie durch das Portal zu werfen. Ria reagierte blitzschnell, nahm ihm das Gleichgewicht und warf ihn stattdessen durch.
„Ich lasse es nicht zu, dass sich jemand für mich opfert! Richte Ilay aus, dass ich ihn liebe!“ rief sie ihm noch hinterher und blieb allein zurück.
Drake fiel durch das Portal zurück. Fassungslosigkeit. Augenblicklich sprang er auf und eilte zurück zum Portal nur um daran abzuprallen.
„Scheiße! Ria!“, rief er.
„Das ist zwecklos…“, saß Bela nicht unweit von ihm und sah verzweifelt Richtung Boden.
„Was sollen wir nun tun?“, wandte sich Eysa traurig an die anderen.
Zur selben Zeit geisterte Drakhan durch die unendliche Weite von Val.
„Drakon! Wo bist du?!“, rief sie nach ihrem Bruder, doch bekam keine Antwort. „Scheiße! Wo ist er nur?! Er bringt meinen ganzen Plan durcheinander! Thanatos hat mein eintreten hier sicherlich bereits gemerkt… Wie soll ich das nur erklären? Ich muss schnell zurück bevor es zu spät ist!“
„Bist du nicht… Drakhan?“, fragte eine feminine Stimme leicht entsetzt.
Drakhan drehte sich zu ihr um und entdeckte Ria.
„Wer bist du?“, war Drakhan argwöhnisch.
„Das ist nicht weiter wichtig… Die wichtigere Frage ist, was du hier willst…“, kam Ria näher auf sie zu.
„Auch wenn es dich nichts angeht aber ich bin hier um meinen Bruder zurückzuholen, der meinte irgend so eine Gottheit retten zu wollen…“, nahm Drakhan eine abwehrende Haltung ein.
„Warum?“, war Ria skeptisch.
„Was warum?“, war Drakhan verwirrt.
„Warum solltest du ihn retten wollen? Es schien so als ob dir nicht viel an ihm liegen würde nachdem er so viel Leid in eurem Reich durchleiden musste… Nachdem er aus dem Palast geworfen wurde… Nachdem er auf der Flucht vor dir war… Nachdem er mitansehen musste wie du euer Volk verkümmern und verhungern lässt… Nachdem du ihn jagen lassen hast…“, erläuterte Ria ihre Gedanken.
„Was geht dich das an?!“, war Drakhan aufgebracht. „Alles, was ich tue, tue ich für ihn! Ich liebe meinen Bruder doch er ist zu naiv und einfältig… Unser Vater hat uns ein zu Grunde gerichtetes Königreich überlassen… Es ist karg und unfruchtbar durch die ganzen Gifte die er damals abgesondert hatte… Das Königreich ist nur noch ein Schatten seiner selbst, das alles wieder zu bereinigen wird noch weitere Jahrhunderte andauern… Und dann ist da auch noch Thanatos, welcher Dringend aufgehalten werden muss, sonst gibt es keine Zukunft!! Er versteht das einfach nicht! Er hat sich damals gegen uns gestellt als er von den Umständen erfuhr, seitdem sind mir die Hände gebunden und er wird als Verbrecher gesucht! Ich wollte ihn gefangen nehmen um ihn beschützen zu können!“
„Verstehe…“, lächelte Ria vor sich hin, ging auf Drakhan zu und legte ihr sanft ihre Hand auf ihre Schulter. „Ihr solltet unbedingt miteinander reden um diese Missverständnisse aus der Welt zu schaffen… Er ist bereits zurück, ich habe es nicht zugelassen dass er sich für mich opfert…“
„Du…?“, war Drakhan verwundert. „Dich wollte er retten?“
„Ja…“, lächelte Ria sie sanft an. „Beeil dich und vertragt euch wieder…“
„Ich Versuchs…“, entwich Drakhan ein sanftes, kleines Lächeln.
Die Frauen fingen gerade an sich zu verstehen als plötzlich ein Schatten von hinten auf sie zusprang und Angriff.
„Miststück!“, rief Nile als er auf Ria zueilte mit seinen ausgefahren Klauen.
Drakhan reagierte instinktiv packte Ria und warf sie hinter sich. Verdutzt blickte sie hinter sich als Ria verschwunden war und brach dann in Gelächter aus.
„Jetzt hab ich ihr tatsächlich unbeabsichtigter Weise das Leben gerettet… Wie dumm…“, kriegte sie sich nicht mehr ein.
Währenddessen lief Thanatos auf und ab.
„Wie lange soll ich noch warten?! Das Ritual dauert viel zu lang…“, moserte er herum.
„Gedulde dich Vater… Es braucht einfach seine Zeit… Alle Komponenten müssen sich erst einmal miteinander verbinden und dann muss der Hybrid sterben…“, klärte Nyx auf und sah argwöhnisch aus ihren Augenwinkeln zu ihm.
<Und sobald du versuchst diese Macht an dich zu nehmen, kann ich dich aufhalten… Ich musste nun schon Uriel opfern weil du mit dem Ritual bereits begonnen hattest… Das war nicht mein Plan und so musste ich zu Plan B greifen… Das verzeihe ich dir nie… Ich werde dafür sorgen, dass du aufgehalten wirst!>
„Verstehe…“, ging Thanatos auf den bewusstlosen Ilay zu. „Dann werde ich diesen Prozess ein wenig beschleunigen…“
Kaum ausgesprochen, packte er sich Ilay, drehte ihn auf den Rücken und stach mit seinem Schwert mitten durch seine Brust, direkt durch sein Herz. Nyx sah ihn ganz entgeistert an.
Kapitel 95
„Was tust du da Vater?! Bist du von allen Sinnen?!“, war Nyx aufgebracht und eilte zu ihm.
„Halte dich da raus!“, warf er ihr einen bedrohlichen Blick zu, welcher ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Sag mir lieber, was dich zum Umdenken bewegt hat… All die Jahre war Uriel nicht auffindbar und plötzlich taucht er mitten in der Pampa auf, genau dort wo ich den Hybriden in meinen Besitz nahm? Das war kein Zufall und ich bin mir sicher, dass du damit zutun hast!“
„Du hast Recht, ich hatte Uriel die ganze Zeit bei mir und habe ihn all die Zeit über versteckt gehalten… Aber…“, ging sie ein paar zaghafte Schritte auf ihn zu. „Wir sind Familie… Es hat lange gedauert, aber ich habe es endlich verstanden… Ich möchte das gemeinsam mit dir tun!“
Thanatos rümpfte seine Nase.
„Ich werde in der Zwischenzeit eine Schutzbarriere hierum errichten, damit uns niemand mehr stören kann… Wenn du nichts dagegen hast…“, lächelte Nyx.
„Von mir aus…“, wandte er sich ab und ließ seinen Blick über den Ritualstein mit Ilay darauf gleiten.
Währenddessen rannte Oliver in Val umher, rufend nach seinen Eltern.
„Mama! Papa! Wo seid ihr?“, sah er sich aufgeregt umher.
„Oliver!“, packte in Leif an der Schulter und hielt ihn fest, nachdem er ihn letztendlich eingeholt hatte. „Was fällt dir ein einfach hier reinzustürmen?!“
„Lass mich los!“, riss sich Oliver los. „Warum hältst du mich auf?! Endlich kann ich mal meine Mama und meinen Papa sehen und du stellst dich mir in den Weg?! Vermisst du sie denn gar nicht?!“
„Natürlich vermisse ich sie, jeden Tag…“, ging Leif in die Knie und legte ihm sanft seine Hand auf die Schulter. „Ich möchte mich dir auch gar nicht in den Weg stellen, aber ich bin für deine Sicherheit verantwortlich… Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn dir etwas passieren würde… Auch wenn ich nicht dein leiblicher Vater bin, bist du für mich wie mein Sohn…“
Sie schlossen sich fest in die Arme, während Oliver etwas schluchzte.
„Na, wer wird denn da weinen?“
Bei diesen Worten zuckte Leif zusammen und blickte auf. Vor ihnen standen Lucin und Keno, welche sanft lächelten. Langsam richtete sich Leif auf und fiel erst seiner Schwester in die Arme, bevor er Keno eine feste Umarmung zukommen ließ. Oliver beäugte sie zurückhaltend.
„Es tut so gut euch zu sehen…“, musste sich Leif die Tränen verdrücken.
„Auch schön dich zu sehen…“, pflichtete Keno bei.
Lucin ging auf die Knie und sah mit einem liebevollem Lächeln ihren Sohn an.
„Danke dass du dich so gut um unseren Sohn gekümmert hast…“, bedankte sich Lucin.
Oliver zögerte erst, sprang seiner Mama aber dann doch in die Arme. Fest umschloss sie ihn und drückte ihn nah an sich und auch Keno ging in die Knie und tätschelte seinen Kopf.
Eneas lief einige Schritte in Val entlang.
„Was mach ich jetzt nur mit meiner unendlichen Endlichkeit?“, seufzte er vor sich hin. „Ich bin zwar Tod, aber irgendwie fühlt sich das hier nicht wirklich so an, eher als wäre man eingesperrt…“
„Ich bezweifle auch dass hier irgendjemand Frieden finden kann…“, erklang eine nahende Stimme.
Eneas sah sich danach um und erblickte seinen Vater.
„Vater…?“, gab er fassungslos von sich.
„Du hast recht, der Schein trügt…“, kam Enil einige Schritte näher. „Dein Gespür für sowas war schon immer sehr ausgeprägt… Das hier würde ich wohl eher als eine Art Zwischenwelt bezeichnen…“
„Zwischenwelt?“, fragte Eneas skeptisch nach.
„Richtig… Eine Welt, welche zwischen der sterblichen Welt und dem richtigen Totenreich besteht… Eine Welt, welche Thanatos erschaffen hat, um die Toten nach ihrem Tod abzufangen…“, erklärte Enil. „Ich bin mittlerweile lange genug hier, um mir dessen Bewusst zu sein und hatte so manch interessante Unterhaltung…“
„Warum erzählst du mir das?“, wurde Eneas neugierig.
„Weil ich mir sicher bin, dass du in der Lage bist, hier einen Weg hinauszufinden… Wenn meine Vermutung stimmt und dass hier wirklich nicht das richtige Totenreich ist, gibt es einen Weg…“, stand Enil nun direkt vor Eneas. „Ich werde dir helfen von hier zu entkommen…“
„Was? Warum?“, war Eneas irritiert.
„Ich habe euch eine Menge zugemutet und viel durchleiden lassen… Ich erwarte nicht, dass ihr mir verzeiht, aber ich möchte zumindest ein wenig wieder gutmachen… Lass mich dir helfen…“, war es Enil ernst.
„Ich sollte wahnsinnig sauer auf dich sein… Du hast so viel Schreckliches getan… So viel Leid über so viele Menschen gebracht… Deine Taten sind in der Tat unverzeihlich und nicht wieder gut zu machen…“, seufzte Eneas, doch wandte sich dann wieder Enil zu. „Aber ich kann das nicht… Ich kann dir nicht böse sein… Um ehrlich zu sein, freue ich mich sogar darüber dich wiederzusehen… Uns verbindet nicht nur schlechtes, ich habe auch viele schöne Erinnerungen an dich…“
Enil sah ihn verblüfft an.
„Ich empfinde Mitleid für dich da auch du wahnsinnig viel durchmachen musstest… Ich wüsste nicht, wie ich an deiner Stelle gehandelt hätte… Und ich bin dir Dankbar Vater… Du bist ein absoluter Narzisst und trotzdem hast du dein Leben für mich gegeben…“, sprach Eneas weiter. „Es gab also doch etwas, was dir wichtiger war als dein eigenes Leben…“
„Auch wenn ich es nie zeigen konnte, ihr Kinder wart stets das Wichtigste in meinem Leben… Ich bereue es nicht euch stark und unabhängig gemacht zu haben, nur die Art und Weise wie es lief… Ich kann die Vergangenheit nicht mehr ändern aber zumindest versuchen dir eine Zukunft zu ermöglichen, komm…“, lief Enil voraus und Eneas folgte ihm.
Ria richtete sich langsam auf und hielt sich ihren Schädel.
„Was… Ist passiert?“, sah sie sich um.
Drake kam auf sie zugeeilt und stützte sie.
„Ria? Wie hast du das geschafft?“, fragte er verblüfft nach.
„Drakhan! Wo ist sie?“, erinnerte sich Ria und blickte umher.
„Was? Meine Schwester hat dich gerettet?“, war Drake irritiert.
„Ja, irgendwie schon… Sie kam um dich zu retten, doch als sie dich nicht fand, unterhielten wir uns… Dann griff uns Nile an und reflexartig schob sie mich schützend hinter sich und ich fiel durch das Portal…“, erklärte Ria.
„Was? Aber…“, war Drake schockiert.
„Ich wollte, dass sie zurückkehrt, um mit dir sprechen zu können… Sie war sehr besorgt um dich und wollte nur dass es dir gut geht, sie war nicht böse…“, erklärte Ria weiter und sah dem entsetzt blickenden Drake in die Augen. „Sie hat dich mehr geliebt als ihr eigenes Leben…“
„Ich verstehe gar nichts mehr…“, war Drake überfordert.
„Leif und Oliver sind immer noch nicht wieder zurück…“, war Eysa sichtlich in Sorge.
„Sie kommen sicher bald zurück…“, stellte sich Himari zu ihr, um ihr über ihre Schultern zu streicheln.
Bela rappelte sich endlich vom Boden auf.
„Wir müssen los… Ilay braucht uns…“, wandte er sich an die Gruppe und begab sich zur Tür.
„Er hat recht…“, schloss sich Jamin an. „Das Nyx und Uriel allein los sind, um Thanatos aufzuhalten bereitet mir Unbehagen… Wenn da etwas schiefläuft, hat er alles beisammen für den Weltenbaum…“
„Dann lasst uns lieber keine Zeit verlieren…“, folgte Estes und daraufhin machten sich alle anderen ebenso auf den Weg.
„Großvater? Was tun wir jetzt?“, wandte sich einer der Familienmitglieder an Nikolaus.
„Wir warten ab, was anderes können wir nicht tun… Ich hoffe der Junge kommt unversehrt zurück… Mit seiner Herkunft und dem richtigen Training wäre er weitaus mächtiger als wir alle zusammen… Er wäre eine Bereicherung für uns…“, sah Nikolaus unentwegt zum Portal.
„Haben wir überhaupt einen Plan?“, warf Ria ein.
„Nein…“, gab Bela ernst von sich. „Wir geben alles, was wir haben und hoffen auf das Beste, mehr bleibt uns nicht übrig…“
„Das hört sich nicht gerade sehr erfolgsversprechend an…“, grinste Jamin nervös.
„Das heißt dann wohl wir gehen alle drauf, aber das werden wir sowieso, wenn wir nichts unternehmen…“, gab Drake hinzu.
„Nicht so pessimistisch Drache…“, gab Fenrir genervt von sich.
„Das stimmt, deshalb werde ich euch helfen so gut ich kann!“, stimmte Himari zu.
„Nein!“, drehten sich Jamin und Estes synchron zu ihr und gaben ihr denselben bösen Blick.
„Aber…“, wollte sie widersprechen.
„Vergiss es Prinzesschen… Du bleibst schön in Deckung und überlässt es den Erwachsenen!“, war ihr Vater stur.
„Das ist nicht fair! Ich bin nicht mitgekommen, um Däumchen zu drehen! Ich bin hier, weil ich mein Leben liebe und ich dafür kämpfen will!“, war es Himari bitterernst.
„Dir ist der Ernst der Lage wohl noch nicht bewusst…“, fing Jamin an.
„Hör auf mich wie ein kleines Kind zu behandeln! Ich helfe, ob du willst oder nicht!“, beendete sie die Unterhaltung und ließ ihren Vater perplex stehen.
„Wann ist sie nur so groß und unabhängig geworden?“, sah er ihr geschockt hinterher.
„Sie kommt wohl ganz nach ihrem Vater würde ich mal behaupten…“, lächelte Ria ihm zu.
„So schlimm bin ich nicht, oder?“, wandte sich Jamin fragend an Ria, doch sie ließ ihn achselzuckend stehen. „Oder?!“
Währenddessen öffnete Ilay seine Augen und schreckte auf.
„Was zum…?“, sah er sich um.
„Willkommen in Val mein Liebling…“, grüßte ihn eine bezaubernde Stimme.
„Mutter…“, lief er ihr in ihre ausgebreiteten Arme. „Bin ich tot?“
„Nein…“, streichelte sie ihm liebevoll über seine Haare.
„Was Thanatos nicht weiß, ist, dass du als Hybrid über andere Fähigkeiten verfügst als ein normaler Dämon oder eine normale Gottheit…“, mischte sich Bael ebenfalls mit ein.
„Vater…“, wandte sich Ilay ihm mit einem traurigem Lächeln zu. „Was meinst du damit?“
„Sieh dich an, du bist hier aber irgendwie auch nicht…“, sprach Riza.
Ilay sah an sich hinab und begutachtete seine Arme und Hände, welche irgendwie echter erschienen als der Rest dieses Reiches mitsamt seinen Insassen.
„In dem Moment, in dem deine beiden Seiten miteinander unwiderruflich verworren wurden, hast du wahre Unsterblichkeit erlangt…“, erklärte sie.
„Bitte was?“, war Ilay schockiert.
„Einfacher ausgedrückt, du kannst nicht mehr sterben… Wenn du eine sonst eigentlich tödliche Wunde erleidest, kommst du zunächst hier ins Totenreich, kannst aber Wiederkehren indem du deinen Körper auf der anderen Seite findest und durch ihn hindurchgehst…“, erklärte sein Vater.
„Sei aber gewarnt mein Sohn, diese Macht hat seine Tücken… Umso öfter dies passiert, umso mehr verlierst du deinen Verstand, bis nichts mehr von dir übrig bleibt…“, streichelte sie ihm über seine Wange.
„Woher wisst ihr das?“, wollte Ilay wissen.
„Schon vergessen? Deine Mutter ist eine Thrones… Sie wusste damals schon, was alles auf dich zukommen würde, noch bevor wir uns überhaupt kannten…“, erklärte sein Vater.
„Ilay mein Liebling…“, lächelte Riza ihn an, während sie sein Gesicht fixierte. „Ich wünschte, ich hätte dir eine Zukunft mit weniger Leid ermöglichen können… Dir eine Welt voller Frieden geben können… Wie gern ich dich aufwachsen gesehen hätte und für dich da gewesen wäre… Es tut mir leid, dass ich dich zurücklassen musste, wo du mich so sehr gebraucht hättest… Es war mir nicht möglich die Zukunft zu verändern, ich hatte nicht die Kraft dafür, aber ich weiß, dass dir es gelingen wird, eine Welt zu schaffen in der ihr zusammen in Frieden leben könnt… Du musst dafür kämpfen!“
Ilay schmiegte sich an ihrer Hand.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann Mutter… Ich… Ich bin müde…“, gab er mit einem eher gezwungen Lächeln von sich.
„Du musst diese Kraft in dir selbst finden… Du musst nur einen Grund finden weiterzumachen… Einen Grund, der dich antreibt und diesen kleinen Funken in dir zum Lodern bringt… Du bist das Licht, was diese Welt braucht, um nicht in der Dunkelheit zu versinken…“, nahm sie ihren Sohn fest in ihre Arme. „Ich werde immer bei dir sein… Ich liebe dich…“
Ilay fühlte sich sichtlich wohl und geborgen in den Armen seiner Mutter. Dieses Gefühl, welches er verspürte, machte ihm einen Abschied nur umso schwerer. Ein Moment den er sich schon so lange herbeigesehnt hatte. Ein Moment den er niemals enden lassen wollte.
Kapitel 96
Eneas und Enil wanderten in Val umher.
„Du sagtest, du hattest so manch interessante Unterhaltung… Was hast du herausgefunden?“, fragte Eneas nach.
„Lass mich dir zuerst eine Frage stellen… Du bist nicht normal gestorben, sondern über ein Portal hierhergekommen, nicht wahr?“, sah Enil zu ihm rüber.
„Ja das stimmt…“, bejahte Eneas argwöhnisch.
„Das ist gut… Das bedeutet du bist mitsamt deinem Körper hier… Für Leute wie dich gibt es ein Schlupfloch, weil ihr nicht hierher gehört…“, erklärte Enil.
„Ein Schlupfloch?“, war Eneas irritiert.
„Dafür muss ich etwas ausholen… Vor vielen tausend Jahren, als Thanatos noch jung war und gerade erst den Posten des Todesgottes verliehen bekam, war er nicht allein… Er hatte einen guten Freund Namens Eros… Die Beiden gingen wahnsinnig gern zusammen mit ihren Bögen jagen und verbrachten allgemein sehr viel Zeit zusammen… Sie waren wie ‚Yin und Yang‘, während Thanatos eher griesgrämig und grummelig war, war Eros wie das blühende Leben selbst, immer ein Lächeln im Gesicht… Keiner Verstand, warum sie sich so gut verstanden aber sie ergänzten sich einfach und manch einer behauptete sogar dass sie weit mehr als nur Freunde waren…“, holte Enil aus. „Eines Tages entfachte ein Streit zwischen den Dämonen und Gottheiten und der erste große Krieg versenkte die Königreiche im Chaos… Thanatos und Eros kämpften tapfer für ihr Volk doch leider überlebte Eros diesen Krieg nicht…“
Eneas hörte ihm gespannt zu.
„Er schützte Thanatos und erlag seinen Verletzungen woraufhin Thanatos einen gewaltigen, von Schmerz erfüllten Schrei losließ und somit dieses Totenreich hier, Val, erschuf… Val war aber nicht dass, was sich Thanatos erhofft hatte… Er hoffte in diesem Reich hier Eros wiedersehen zu können aber Eros selbst ist dieses Reich hier… Thanatos hat zwar vollen Zugriff auf diese Welt, aber er kann niemanden gänzlich Töten, solange wir hier von Eros beschützt werden… Als ob er damals schon wusste, was aus Thanatos werden würde, nachdem er stirbt…“
„Also ist diese Welt hier quasi eine Art schützende Zuflucht…“, sprach Eneas.
„Richtig… Und dieser Ort hat eine Schwachstelle… Der Ort an dem Eros starb, an dem diese Welt hier erschaffen wurde, ist der Punkt, an dem der Übertritt zur irdischen Welt möglich ist, indem man durch einen Riss geht…“, lächelte Enil Eneas zu.
„So einfach ist das?“, war Eneas verwundert. „Und was ist mit dir? Kann jeder durch solche Risse dieser Welt entkommen?“
„Für mich ist es zu spät… Ich bin bereits seit vielen Jahren Tod, mein Körper existiert so nicht mehr…“, erklärte Enil seine Lage. „Nicht einmal, wenn ich wollte, wäre es mir möglich… Du kannst hindurch, weil du deinen Körper hierher mitgebracht hast, doch umso mehr Zeit verstreicht, umso schwerer wird es für dich werden zurückzukehren…“
„Woher weißt du das alles und wo finden wir diesen Ort?“, fragte Eneas weiter.
„Ich bin hier schon lange genug mein Sohn… Und diese Geschichte hat mir Eros höchstpersönlich erzählt… Man kann mit ihm sprechen, wenn man zu diesen Rissen geht…“, schnaufte Enil mit einem Lächeln.
„Du kennst also den Weg…“, grinste Eneas zurück.
„Ich kenne ihn nicht nur, wir sind bereits da…“, öffnete Enil seine Arme weit und Eneas sah sich erstaunt um.
Man konnte Umrisse von Jahrtausenden alten Ruinen sehen, welche Eneas gänzlich unbekannt vorkamen.
„Wo sind wir hier?“, sah sich Eneas weiter fragend um.
„Das sind die Ruinen, die hinter der alten Stadtkirche in Resparia liegen… Ein uraltes Vermächtnis aus vergangen Tagen…“, erklärte Enil.
Eneas sah sich um und entdeckte eine flackernde Stelle. Langsam ging er darauf zu. Kurz bevor er sie berührte, wandte sich Enil noch einmal an ihn.
„Nun heißt es wohl Abschied nehmen…“, sprach Enil gelassen.
„Vater…“, wandte sich Eneas seinem Vater noch einmal zu.
„Kein Grund für Sentimentalitäten mein Junge… Nutze deine Chance und ich werde, so gut es mir möglich ist, über euch wachen…“, wollte sich Enil bereits abwenden, doch plötzlich kam Eneas auf ihn zu und nahm ihn in seine Arme.
Ganz verdutzt blickte Enil ihn an, bevor er diese Umarmung freudig entgegennahm.
„Vielen Dank Vater…“, bedankte sich Eneas und verschwand im Riss.
„Dein Sohn besitzt wirklich eine reine Seele… Ich bin froh, dass ich ihm helfen konnte…“, ertönte es wie ein Echo.
„Ich sagte doch, ich lüge nicht… Wenn es einer verdient hat, dann er…“, lächelte Enil zufrieden, bevor er immer durchsichtiger wurde.
„Den letzten Funken magische Energie einzusetzen, welche dich hier in dieser Welt hält, um deinem Sohn die Freiheit zu ermöglichen, war wirklich sehr selbstlos von dir… Ich wünsche dir eine angenehme Überfahrt…“, sprach diese Stimme.
„Ich danke dir, dass du mir dies ermöglichen konntest… Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder…“, waren Enils letzten Worte, bevor er restlos verschwand.
„Eines Tages, ja…“, antwortete die Stimme von Eros darauf.
Ria und ihre Freunde waren auf dem Weg zum Weltenbaum. Als sie ihn erreichten, staunten sie nicht schlecht. Der Baum hatte in etwa einen Durchmesser so groß wie Resparia selbst.
„Kommt, beeilt euch! Umso eher wir da sind umso besser ist es!“, gab Bela den Ton an.
„Woher weißt du in welche Richtung wir müssen?“, fragte Estes nach.
„Das sagt mir mein Gefühl…“, antwortete Bela.
„Da vorn! Seht!“, zeigte Eysa nach vorn.
Sie entdeckten Thanatos kleine Hütte. Die Gruppe sah sich genauer um.
„Bis vor kurzem war hier noch jemand…“, stellte Jamin fest.
„Du hast Recht… Hier sind ganz klar Fußspuren von vier verschiedenen Leuten zu sehen…“, war Drake in der Hocke, um den Boden zu inspizieren.
„Wenn ich Raten müsste, würde ich sagen, dass dies die Spuren von Thanatos, Ilay, Nyx und Uriel sind…“, gab Estes hinzu.
„Stimmt… Ich kann Ilays Geruch ganz klar und deutlich wahrnehmen…“, bestätigte Fenrir.
„Sind wir also zu spät?“, war Eysa sichtlich besorgt.
„Ich hoffe nicht, lasst uns keine Zeit verlieren…“, nahm Bela die Verfolgung auf.
<Ich will Ilay nicht auch noch verlieren… Ich weiß noch nicht einmal, wie ich Eneas’ Tod verkraften soll… Ich darf darüber jetzt nicht nachdenken, sonst kann ich mich nicht mehr konzentrieren…>
Nyx beäugte von sicherer Distanz aus ihren Vater.
<Die Vorbereitungen sind abgeschlossen… Ich habe genügend Mana konzentriert, um meinen Vater auszuschalten, jetzt muss ich nur noch auf den richtigen Moment warten…>
„Nyx, komm her…“, rief ihr Vater.
„Was gibt es Vater?“, kam sie vorsichtig auf ihn zu.
„Es ist so weit, das Ritual kann beginnen…“, wandte er sich ihr zu. „Sieh zu, dass ich nicht gestört werde…“
„Sollte ich nicht lieber das Ritual für dich durchführen damit du dich auf den Empfang der Macht konzentrieren kannst?“, fragte sie nach.
„Mach dich nicht lächerlich! Seit Jahrhunderten warte ich auf das hier, ich bin genügend vorbereitet dafür…“, winkte er energisch ab.
„Natürlich…“, gab Nyx klein bei, aber gab sich nicht geschlagen. „Aber diese Kraft, die du in dir aufnehmen willst, ist immens, ich möchte nur verhindern, dass es zu Komplikationen kommt… Gerade weil du seit so langer Zeit darauf wartest, sollten wir alles dafür tun, dass es reibungslos abläuft…“
„Also gut…“, wandte sich Thanatos ihr zu. „Aber solltest du irgendetwas versuchen um mich aufzuhalten, werde ich nicht zurückschrecken dir das Licht auszuknipsen, auch wenn du meine Tochter bist…“
„Verstanden…“, tat Nyx gleichgültig, grinste aber innerlich in sich hinein.
<Sehr gut… Umso näher ich an ihm sein kann, umso effizienter kann ich ihn ausschalten… Bald ist es so weit…>
Die Gruppe kam bei Thanatos und Nyx an. Fassungslos blieben sie wie versteinert stehen, als sie Uriels Leiche und Ilay hinten auf dem Ritualstein liegen sahen.
„Ilay… Nein…“, ging Ria ein paar wenige Schritte auf sie zu.
Der Anblick von Ilays leblosem Körper schockierte jeden Einzelnen.
„Was habt ihr getan?!“, war Bela rasend vor Wut und sprang mit seiner Sense auf Thanatos und Nyx zu.
Thanatos wehrte diesen Angriffsversuch mit Leichtigkeit ab, während Bela einige Meter weiter wieder zu stehen kam und böse mit den Zähnen knirschte.
„Nyx! Was soll das hier?! Was ist hier los?!“, mischte sich Eysa mit ein. „Ich dachte du wärst unsere Freundin!“
„Macht euch nicht lächerlich!“, rümpfte Nyx ihre Nase. „Mein einziger Wunsch ist es, Vater zu helfen…“
„Aber…“, war Eysa schockiert.
„Wie kannst du nur?!“, schimpfte Bela sehr lautstark, als er erneut auf sie zusprang. „Wegen euch ist mein Vater tot! Du hast mir Ilay genommen! Und es ist deine Schuld das Eneas nicht mehr hier ist!“
„Und was interessiert mich das?“, gab Nyx gleichgültig von sich, als sie Bela durch eine Barriere abprallen ließ. „Eure persönlichen Probleme interessieren mich nicht im Geringsten…“
„Nyx… Kümmere dich um diese Störenfriede… Ich brauche Ruhe für das Ritual…“, klang Thanatos befehlend.
„Oh nein! Diese Ruhe gönnen wir euch nicht!“, stürmte Ria auf die Beiden zu, doch Thanatos holte mit seiner Rückhand aus und katapultierte sie davon.
„Täubchen!“, fing Jamin sie in der Luft ab und purzelte mit ihr auf den Boden.
Das machte Drake umso wütender. Er fletschte die Zähne und machte sich kampfbereit.
„Ihr könnt uns nicht alle aufhalten!“, rief er ihnen zu und wandte sich an die Gruppe. „Wir greifen sie gemeinsam an. Lasst ihnen keine Zeit zum Nachdenken oder Zurückschlagen. Schnell und präzise. Gebt alles denn, wenn wir sie hier jetzt nicht aufhalten…“
„Dann wars das…“, ergänzte Estes und grinste amüsiert.
„Ich hab echt Schiss aber was bleibt uns schon übrig…“, grinste Fenrir nervös.
Die Gruppe stürmte los. Jamin wandte sich an Ria welche noch auf ihm lag.
„Alles in Ordnung Täubchen?“, fragte er besorgt nach.
„Ja… Vielen Dank…“, lächelte sie und richtete sich auf, um sich der Gruppe anzuschließen.
„Unverwüstlich, wie eh und je…“, seufzte Jamin mit einem Lächeln und stand ebenso auf.
„Fang schon mal an Vater, ich habe das hier unter Kontrolle…“, wehrte Nyx sämtliche Angriffe ab.
„Gut…“, wandte sich Thanatos ab und lief zum Ritualstein.
„Wage es nicht!“, versuchte Bela ihn aufzuhalten, doch Nyx stellte sich dazwischen und ließ Bela nicht durch.
Thanatos drehte ihnen den Rücken zu und machte unbeirrt weiter.
„Sehr schön… Das Blut des Hybriden hat eine Verbindung zu allen Seelen geschaffen… Dann werde ich diese Macht nun an mich nehmen!“, streckte Thanatos seinen Arm aus und steckte sie in die Blutpfütze.
Thanatos wartete, und wartete doch nichts geschah.
„Was ist da los?! Warum funktioniert es denn nicht?!“, wurde er wütend.
Die Gruppe und Nyx sahen fassungslos zu ihm hinüber.
„Was? Warum?“, fragte Nyx perplex nach.
„Sehr gut! Das verschafft uns ein wenig Zeit!“, zog Bela voll durch und Nyx wich gerade noch so aus.
Sauer sah sie sich um.
<Verdammt was ist da los? Wenn er das Ritual nicht anfangen kann, dann kann ich ihn nicht ausschalten! Schon schlimm genug, dass sich diese Vollidioten jetzt einmischen mussten, das macht alles nur komplizierter! Ich kann ihnen aber auch nicht sagen, was mein Plan ist, das würde Vater sofort bemerken! Was mach ich denn jetzt?>
„Wir haben alles getan was getan werden musste! Wir haben alle Seelen an ihrem Platz! Der Hybrid ist tot und sein Blut hat alles miteinander verbunden! Warum funktioniert es dann nicht?!“, war Thanatos außer sich vor Wut.
„Weil ich nicht tot bin du Arsch…“, fasste sich Ilay an seinen Schädel und richtete sich langsam auf.
„Ilay?!“, war die Gruppe entgeistert und ebenso Thanatos sah ihn überrascht an.
„Wie?!“, stammelte er vor sich hin.
„Eine Sache, die dir wohl niemand erklärt hat…“, grinste Ilay schelmisch. „Ein Hybrid kann nicht sterben…“
Kapitel 97
„Was?!“, war Thanatos sehr erbost.
Ilay richtete sich auf und rieb sich seinen Nacken, ließ ihn ein-, zweimal knacksen und wandte sich Thanatos wieder zu.
„Damit hast du nicht gerechnet, was?“, lachte Ilay.
Bela fiel auf die Knie. Eine Träne rollte seine Wange hinab.
„Ilay…“, sprach Ria und ging auf ihn zu.
Ilay streckte seine Hand aus und hielt seine Freunde so auf Abstand.
„Nicht… Zieht euch zurück, ich werde diesen Wahnsinn hier beenden… Er kann mir nichts anhaben da ich nicht sterben kann, also geht bitte…“, warf er seinen Freunden einen verstohlenen aber durchaus ernsten Blick zu.
Thanatos kochte vor Wut. Unkontrolliert stieß er einen Schrei aus und schleuderte alle ein paar Meter weit weg.
„Das ist verarsche!! Wenn es so nicht geht, dann eben anders!“, wandte sich Thanatos der Wand zu und griff sich eine Seele nach der anderen und verschlang sie.
In Thanatos pulsierte es. So gewaltig, dass es sogar die anderen spürten.
„Scheiße!“, schimpfte Nyx. „Damit ist der ganze Plan hinüber!“
„Was war denn bitte dein Plan?! Deinen Freund und uns alle zu killen?!“, gab Jamin schnippisch von sich, während er schützend sein Arm um seine Tochter schlang.
Während Drake Fenrir aufhalf, wandte sich Ilay Ria zu und reichte ihr die Hand.
„Alles gut?“, fragte Ilay nach.
„Jetzt schon…“, lächelte Ria ihn liebevoll an, ergriff seine Hand und fiel ihm in die Arme.
„Wir müssen ihn aufhalten, jetzt! Das ist unsere einzige Chance!“, rief Nyx ihnen zu.
„Jetzt willst du wieder mit uns zusammenarbeiten?“, war auch Estes angepisst.
„Keine Zeit für lange Erklärungen! Los!“, stürmte Nyx voraus.
Als sie Thanatos näherkam, zückte sie ein Schwert, geformt durch ihre magische Energie und war bereit es zu beenden, doch Thanatos fing sie ab und packte sie an ihre Kehle.
„Zu spät mein missratenes Kind…“, hielt er sie in die Höhe.
Nyx schnappte nach Luft und Thanatos drückte immer fester zu.
„Du weißt ja, was dir blüht…“, grinste er hinterhältig.
In dem Augenblick sprang Ilay dazwischen und kickte Thanatos‘ Arm weg, sodass Nyx auf den Boden knallte. Als Thanatos zuschlagen wollte, blockte Ilay geschickt ab und Eysa brachte Nyx aus der Gefahrenzone.
Nyx war entgeistert. Sie sah sich den Dolch in ihrer Hand an der allmählich anfing sich aufzulösen, bis nichts mehr von ihm übrigblieb.
„Das wars… Es ist vorbei…“, stammelte sie vor sich hin.
„Wie meinst du das?“, fragte Eysa nach.
„Dass wir alle verdammt sind… Nachdem ich merkte, dass mein Vater mit Ilay bereits auf dem Weg hier her war, musste ich meinen Plan anpassen und Uriel opfern… Meine Hoffnung war es, meinen Vater auszuschalten während er am verwundbarsten ist, und das wäre der Moment gewesen indem er die Macht erhält… Jetzt ist es zu spät… Ich wusste nicht, dass er sich die Macht auch so einverleiben kann… Jetzt kann ihn nichts mehr aufhalten…“, erklärte Nyx.
„Nicht so negativ…“, klopfte Estes ihr sacht auf die Schulter. „Bis jetzt gab es noch kein Problem, dass wir zusammen nicht lösen konnten…“
„Das stimmt…“, pflichtete Jamin bei. „Und jetzt los, ich möchte langsam wieder zurück zu meiner Familie…“
Nyx sah die Gruppe ganz verdutzt an, während sie sich kampfbereit machten.
„Diese Macht…“, strecke Thanatos seinen Arm aus und begutachtete ihn. „Unglaublich…“
Die Gruppe stürmte vor und griff abwechselnd an. Zusammen schafften sie es ihn zumindest einige Meter weit weg vom Baum zu bringen.
„Lasst ihn nicht in die Nähe des Baumes!“, rief Ilay.
„Ihr könnt mich nicht aufhalten!“, lachte Thanatos manisch.
Bela wich einem Gegenschlag aus doch im nächsten Atemzug griff sich Thanatos Eysa, welche ihn gerade angriff. Er quetschte sie in seinen riesigen Pranken, sodass sie vor Schmerzen aufschrie. Bela konnte sich das nicht mitansehen. Er sprang rasend schnell auf ihn zu, schnitt Thanatos gezielt mit seiner Sense über den Arm und sprang schützend vor Eysa, welche zu Boden fiel.
„Mach dass du hier weg kommst!“, befahl Bela.
„Damit du wieder drauf gehst? Vergiss es!“, blieb Eysa stur und stellte sich neben ihn. „Wir sind eine Familie! Du hast mich mit großgezogen! Ich gehe nirgends hin!“
Bela konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen. In der Zwischenzeit kämpften die anderen mit Thanatos und einer nach dem anderen wurde weggeschleudert.
„Du jämmerliche Made!!“, wandte sich Thanatos wieder Bela zu und schlug auf die Beiden ein.
Im letzten Moment kam, wie ein Blitz, Eneas angeflogen, packte sich die Beiden und rollte mit ihnen einige Meter über den Boden, bevor Thanatos‘ Faust auf dem Erdboden aufschlug.
„Na, hat die Party etwa ohne mich angefangen?“, grinste Eneas neckisch die Beiden an als er sich versicherte, dass ihnen auch nichts fehlte.
„Brüderchen!! Du lebst!“, freute sich Eysa und fiel ihm um den Hals.
Sanft tätschelte Eneas ihr den Kopf, bevor er sich Bela zuwandte, welcher ihn wie erstarrt ansah.
„Schön dich zu sehen…“, streichelte Eneas ihm sanft über seine Wange.
„Wie?“, mehr brachte Bela nicht heraus.
„Dank Vater… Ohne ihn würde ich dort drüben immer noch festsitzen…“, stand Eneas auf. „Nun kümmern wir uns um das Problem hier…“
Ilay lächelte zufrieden, bevor er sich wieder Thanatos zuwandte.
„Schluss mit dem Kindergarten jetzt!“, rief Thanatos und kanalisierte eine meine Energie, welche er augenscheinlich aus dem Boden, den umliegenden Bäumen, Pflanzen und Blumen zog.
Winde trugen diese Energie direkt zu Thanatos und die Gruppe sah sich angespannt um. Thanatos‘ Aura nahm monströse Ausmaße an und jagte dem ein oder anderen einen kalten Schauer über den Rücken. Thanatos schrie einmal auf und eine Welle aus schlagenden Winden peitschte der Gruppe um die Ohren. Ilay hob seinen Arm vor das Gesicht, um sich zu schützen und sah böse zu ihm rüber.
Thanatos wurde größer und größer bis er weit über die normalen Bäume herausragte. Dann ging er auf die Gruppe los. Estes und Himari sprangen auf die Seite, während Jamin in die Luft sprang und mit seinem Schwert zuschlug. Schon schlug Thanatos mit seiner anderen Faust zu und katapultierte Jamin aus dem Weg.
Im nächsten Moment sprang auch schon Drake auf ihn zu und verpasste ihm einen Schnitt im Brustbereich, bevor er wieder zur Seite sprang. Sofort sprang Fenrir hinterher auf seinen Rücken und fügte ihm ein paar Schnittwunden mit ihren Klauen zu, nur um daraufhin von Thanatos gepackt und gegen Drake geworfen zu werden.
Im nächsten Moment schlug Thanatos mit seiner Faust drauf, doch Drake hielt der immensen Kraft stand und schützte so Fenrir vor Schlimmerem, indem er sich gegen die Faust drückte.
„Ria…“, wandte sich Ilay an Ria. „Wenn ich genügend Kraft konzentriert kann, kann ich etwas ausrichten… Könnt ihr mir genügend Zeit verschaffen? Er wird von Minute zu Minute stärker, wenn wir nicht langsam etwas unternehmen, sieht es schlecht aus…“
„Wir schaffen das… Zusammen…“, lächelte sie ihn liebevoll an und hielt seine Hand fest.
„Zusammen, ja…“, lächelte Ilay liebevoll zurück.
Daraufhin schloss er seine Augen und konzentrierte sich. Ria stürmte zu den anderen.
„Wir müssen Ilay etwas Zeit verschaffen!“, rief sie ihnen zu und flog um Thanatos herum um ihn abzulenken.
„Alles klar…“, lächelte Jamin und stürmte ebenfalls wieder auf Thanatos zu.
Jeder tat, was er konnte, um Thanatos abzulenken. Es funktionierte eine Zeitlang, aber irgendwann hatte Thanatos genug davon.
Er räumte einen nach dem anderen auf die Seite. Jamin und Eysa traf er mit der Faust und katapultierte sie davon. Estes knallte mit Himari gegen die Bäume, während er schützend seine Arme um sie schlang. Drake und Fenrir erwischte er mit einem gezieltem Kick und schleuderte sie durch die Lüfte. Eneas und Bela griffen ihn synchron an und Thanatos schleuderte auch sie davon mit seinem Fuß. Als letztes packte er sich Ria an ihren Flügeln und stauchte sie in den Erdboden.
In dem Augenblick öffnete Ilay seine Augen, welche hellblau aufleuchteten und eilte auf Thanatos mit rasender Geschwindigkeit zu. Nyx saß einige Meter weit weg und sah nur zu, unfähig irgendetwas ausrichten zu können.
<Woher nehmen sie nur diese ungeheure Kraft? Diesen unbändigen Mut? Dieses unerschütterliche Vertrauen? Ihre Chance zu gewinnen ist gleich Null… Wofür legen sie sich so ins Zeug, wenn es doch umsonst ist?>
Ilay zog mit seiner Sense voll durch. Thanatos blockte den Angriff gerade so ab, wurde aber dadurch einige Meter nach hinten gedrückt. Grimmig knurrte er ihn an. Ilay ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder griff er an.
„Du bist gut…“, gab Thanatos zu. „… Aber nicht gut genug!“
Thanatos wich einer Attacke aus und schmetterte Ilay mit seiner Faust davon. Ilay schlug am Boden auf und rutschte einige Meter über ihn, doch mit einer einfachen Drehung stand er gleich wieder, nur um dann wieder vorzupreschen.
„Wir werden dich diese Welt nicht vernichten lassen!“, schwang Ilay erneut seine Sense, während Thanatos schützend seine Arme hochhielt. „Das werden wir verhindern!“
Ilay wurde immer schneller und schneller. Umso öfter er angriff, umso stärker wurde er. Das bekam Thanatos gewaltig zu spüren. Mit Ilays letztem Schlag, stieß er Thanatos um und er fiel zu Boden. Richtig angepisst sah er zu Ilay auf, welcher vor ihm in der Luft schwebte.
Die anderen halfen sich gegenseitig auf und sahen angestrengt zu dem Kampf.
„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Estes nach.
„Ich glaube nicht, dass wir hier irgendetwas ausrichten können…. Es fühlt sich so an, als ob die letzten 10 Jahre Training Verschwendung gewesen wären…“, gab Jamin amüsiert von sich.
„Das waren sie sicher nicht…“, mischte sich Eysa ein. „Wir haben hart gekämpft, um nun dort zu sein, wo wir sind…“
„Ich weiß, ich weiß… So meinte ich das nicht…“, lächelte er nervös.
„Ilay kämpft so hart für uns…“, gab Fenrir nachdenklich von sich.
„Er opfert sich immer für uns auf…“, stellte Bela fest, stand auf und wandte sich dem Kampf zu. „Es wird Zeit, dass wir uns Revanchieren… Wir müssen ihm irgendwie helfen…“
„Aber wie?“, richtete sich Drake auf.
„Vielleicht wüsste ich da etwas…“, kam Nyx auf sie zu und hatte Nikolaus im Schlepptau.
In der Zwischenzeit kämpfte Ilay unerbittlich weiter mit Thanatos. Im nächsten Augenblick erwischte Thanatos ihn mit seiner Faust und Ilay wurde in den Boden gestaucht. Ilay stemmte sich mit aller Kraft dagegen.
<Verdammt! Ich bin zwar um einiges Stärker jetzt, aber es reicht noch nicht aus! Ich brauche mehr Kraft! Ich muss ihn aufhalten, komme was wolle!>
„Gib endlich auf du Wurm!“, drohte Thanatos.
„Niemals!“, weigerte sich Ilay und versuchte durchzuhalten.
Ilay legte sich richtig ins Zeug und schubste Thanatos Faust zurück. Sichtlich angestrengt richtete er sich wieder auf. In Thanatos kochte Wut hoch. Er wurde so wütend, dass sich seine Aura immer mehr verfinsterte und mit ihm auch der Himmel. Schockiert sahen sich alle um.
„Nyx! Bist du soweit?“, fragte Eneas angespannt nach.
„Einen Moment noch…“, schien sie sich sehr angestrengt zu konzentrieren.
„Bitte beeile dich…“, drängte Ria.
Thanatos wurde zu einem Monster. Sein ganzes Äußeres veränderte sich so als ob er mit einem Tintenfass übergossen wurde und sich eine Art Tentakeln bildete, die überall aus ihm herauskamen. Ein monströser Aufschrei erschütterte den gesamten Erdboden.
Thanatos ging auf Ilay los und schlug mehrere Male auf ihn ein und stampfte ihn weiter und tiefer in den Erdboden. Ilay konnte nichts dagegen ausrichten und so ließ er es über sich ergehen. Thanatos richtete ihn übel zu und Ilay war kurz davor sein Bewusstsein zu verlieren.
<Scheiße! Ich muss durchhalten! Ich darf nicht aufgeben! Alle zählen auf mich! Komm schon Körper! Bewege dich!!>
Thanatos Schläge hörten nach und nach auf, als Ilay sich gar nicht mehr bewegte. Langsam ließ er von ihm ab.
„Ilay!“, rief Ria und eilte auf ihn zu.
Thanatos drehte ihnen den Rücken zu und machte sich auf den Weg zum Baum. Ria blieb geschockt stehen, als Ilays Körper sich wieder in Bewegung setzte und sich langsam, aber allmählich wieder, blutüberströmt wie er war, aufrichtete. Er wirkte wie benommen und seine Augen leuchteten immer noch in diesem hellen blau auf. Er fixierte Thanatos regelrecht mit seinem Blick.
<Ich muss ihn aufhalten!>
Kapitel 98
„Oliver… Wir sollten langsam zurück…“, legte Leif behutsam seine Hand auf Olivers Schulter ab, welcher gerade noch mit seinen Eltern kuschelte.
„Was? Nein! Ich habe meine Eltern gerade erst wieder!“, drehte sich Oliver erbost zu Leif um.
„Ich weiß das es schwer ist, aber ich weiß nicht, wie lange wir uns hier aufhalten können… Außerdem… Die anderen warten auf uns und vielleicht brauchen sie unsere Hilfe…“, versuchte Leif einfühlsam zu sein.
„Leif hat Recht mein Schatz…“, tätschelte Lucin Olivers Kopf ganz behutsam und lächelte ihn liebevoll an. „Sie brauchen euch…“
„Meinen Onkel vielleicht ja aber nicht mich… Ich würde nur im Weg herum stehen…“, sah Oliver betrübt drein. „Also könnte ich auch einfach hier bei euch bleiben…“
„Dich brauchen sie auch…“, wandte sich Keno kniend an seinen Sohn. „Du hast Fähigkeiten, von denen du noch nichts weißt…“
„Wie meinst du das Papa?“, fragte Oliver neugierig nach.
„Deine magische Energie entwickelt sich exponentiell schnell und stark… Mit dem richtigen Training und Übung könntest du sehr mächtig werden…“, lächelte Keno ihn an. „In dir steckt viel mehr als man auf den ersten Blick sieht…“
„Aber ich will euch nicht schon wieder verlieren…“, begann Oliver zu weinen.
„Du hast uns nie verloren…“, sprach Keno sacht. „Wir waren und werden immer bei dir sein…“
„Das stimmt…“, stimmte Lucin zu.
Fest nahmen sie ihren Sohn noch einmal in ihre Arme.
„Und jetzt geht…“, fixierte Lucin ihren Sohn. „Sei mutig und rettet diese Welt…“
Leif… Oliver… Könnt ihr mich hören?...
Leif und Oliver sahen sich um konnten aber niemanden entdecken.
„War das etwa…?“, rätselte Leif.
„Nyx!“, ergänzte Oliver.
„Wir können dich hören, ja…“, sah Leif sich weiter um.
Sehr gut… Hört mir genau zu…
In der Zwischenzeit stand Ilay immer noch Thanatos gegenüber.
„Erledigt…“, gab Nyx von sich. „Hilfe ist unterwegs…“
„Und du glaubst, dass es klappt?“, fragte Eneas skeptisch nach.
„Es muss… Wir haben keine andere Option mehr…“, antwortete Nyx.
„Hoffen wir mal das Ilay noch so lange durchhalten kann…“, war Eneas sichtlich besorgt.
„Und wir können wirklich nichts weiter tun als zu warten?“, hakte Ria noch einmal nach.
„Momentan nicht, nein…“, sprach Nikolaus. „Spart euch eure Kräfte auf, diese werdet ihr dann brauchen…“
„Aber Oliver ist noch so klein… Ich glaube nicht, dass seine magische Energie ausreichend genug ist für euer Vorhaben…“, war Bela nicht überzeugt. „Und ich kann und werde Ilay sich nicht sich selbst überlassen… Ich ertrage es nicht ihn immer und immer wieder sterben zu sehen!“
Ria rannte in der Zwischenzeit bereits auf Ilay zu.
<Bela hat Recht, auch ich kann diesen Anblick nicht länger ertragen! Er leidet… Diese Schmerzen… Immer und immer wieder… Das muss ihn wahnsinnig machen! Mir hat das eine Mal sterben bereits genügt, doch er durchlebt es gerade im Sekundentakt! Ich muss etwas tun!>
Abermals erschien Ilay vor Thanatos. Er keuchte, war übersät mit Frakturen am ganzen Körper, doch standhaft und entschlossen stand er im Weg. Thanatos seufzte.
„Du langweilst mich du nerviges Steh-auf-Männchen… Aber so wie es aussieht, geht das Ganze doch nicht so spurlos an dir vorbei… Du verlierst langsam deinen Verstand, nicht wahr?“, grinste Thanatos schelmisch. „Mal sehen wie oft ich dich noch töten muss bevor dein Verstand vollkommen ausgelöscht ist…“
Ilay knurrte ihn böse an.
<Dieser Kerl hat Recht… Ich weiß gar nicht mehr warum ich überhaupt gegen ihn Kämpfe, ich weiß nur noch dass ich ihn unter allen Umständen aufhalten muss! Aber jeden Tod, den ich durchleide, macht es mir immer schwerer mich ihm entschlossen entgegenzustellen… Wenn ich nicht einmal mehr weiß warum ich das tue, ist es dann überhaupt wichtig?...>
Ilay stürmte erneut auf ihn zu und schwang seine Sense. Thanatos blockte den Angriff erfolgreich, doch wurde er durch den Aufprall weit nach hinten geschoben. Ilay setzte sofort noch einen Angriff nach und verletzte ihn an den Armen. Thanatos holte aus und schlug Ilay augenblicklich tief in den Erdboden als dieser gerade wieder am Boden aufsetzte. Der Aufprall war so heftig dass der gesamte Erdboden erschüttert wurde.
„Wenn ich den Weltenbaum schon nicht umschreiben kann, dann kann ich ihn zumindest zerstören damit ihn niemand mehr nutzen kann!“, lief Thanatos über Ilay hinweg. „Und dann kann ich diese Welt endlich zerstören, so wie sie es verdient hat!“
Ilay wachte auf und sah regungslos in den Himmel.
„Was mache ich hier?...“, fragte er sich selbst. „Ich hatte irgendeine wichtige Aufgabe, aber ich habe vergessen was es war…“
Ria kam gerade an und sah schockiert auf ihn. Langsam ging sie auf die Knie und streichelte ihm sanft über seine Wange.
„Ilay…“, sprach sie voll Trauer.
Ilay wandte ihr sein Gesicht zu, blickte sie aber unverwandt an.
„Warum weinst du? Ist alles okay mit dir?“, richtete sich Ilay leicht auf.
„Viel wichtiger ist doch, wie es dir geht… Es bricht mir das Herz dich so zu sehen… Deshalb…“, zog sie ihn zu sich und gab ihm sacht einen Kuss auf die Stirn, bevor sie ihn mit ihrem traurigen Lächeln ansah, aufstand und auf Thanatos zuging.
„Was tust du da?“, sah Ilay ihr perplex hinterher.
„Für dich kämpfen…“, sah sie noch einmal zu ihm. „Ich lasse es nicht zu, dass du dich selbst verlierst, um uns zu retten…“
Damit holte Ria ihre Schwingen und ihr Schwert hervor und raste auf Thanatos zu.
„Diese Frau…“, rappelte sich Ilay langsam wieder auf und sah ihr immer noch verblüfft hinterher. „… Ist was ganz Besonderes… Ich… Ich kann sie nicht allein kämpfen lassen…“
Ilay bewegte sich wie von selbst auf Thanatos zu, wurde immer schneller und schneller. Dabei fixierte er Ria mit seinem Blick.
<Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich es nicht zulassen darf, dass ihr etwas passiert… Als ob mein Leben davon abhängen würde…>
„Bleib stehen!“, rief Ria Thanatos zu.
„Du wieder… Ich dachte, dich hätte ich bereits getötet…“, wandte sich Thanatos ihr zu. „Dann werde ich dich wohl ein zweites Mal zerquetschen müssen!“
Thanatos holte aus und ließ einen Fäuste-Regen auf Ria niederprasseln. Ria wich den Attacken geschickt aus, sprang auf einen seiner Arme und sprintete hinauf, um ihm einen tiefen Schnitt im Gesicht zu verpassen, direkt über das Auge. Ria wollte augenblicklich wieder hinabspringen, doch Thanatos fing sie im Flug und stauchte sie in den Erdboden.
„Nicht!“, war Ilay fassungslos, sprang zu Ria hin und nahm sie hoch, um nach ihr zu sehen.
Er wandte ihr Gesicht ihm zu und merkte dann, wie ihm eine Träne die Wange hinablief. Ria strich ihm sanft über seine Wange und wischte die Träne weg, danach lächelte sie ihn sanft an. Sofort griff er nach ihrer Hand und schmiegte sich an ihr.
„Bitte tu das nicht mehr, verschwinde von hier… Wer auch immer du bist, dich sterben zu sehen könnte ich nicht ertragen…“, war Ilay sichtlich besorgt.
„Ich werde nicht gehen Ilay… Wir durchstehen das - Gemeinsam…“, richtete sich Ria wieder auf und visierte Thanatos an.
„Noch nicht genug?“, kicherte Thanatos schelmisch. „Mal sehen, wie der Hybrid dieses Mal reagiert, wenn ich seine Liebste erneut töte!“
Thanatos schlug zu, doch Ria vermochte es rechtzeitig auszuweichen.
„Na? Wirst du wieder um ihr Leben betteln?“, wandte er sich an Ilay und schlug mit seiner anderen Faust ebenfalls zu, doch auch diesem Angriff konnte Ria ausweichen.
Ilay wurde wütend. Er ballte seine Fäuste. Dann sprang er los, an Ria vorbei und auf Thanatos zu. Er zog mit seiner Sense voll durch und landete einen vollen Treffer. Thanatos gefiel das gar nicht und setzte sich zur Wehr.
„Wage es nicht auch nur in ihre Nähe zu kommen!“, sprang Ilay direkt vom Boden wieder ab, um erneut auf Thanatos einzuschlagen.
Thanatos blockte den Angriff ab und schleuderte Ilay nach hinten, um im nächsten Augenblick nach Ria zu treten. Ria wich dem Tritt aus und flog auf die Seite, doch im nächsten Moment schaffte es Thanatos sie an ihren Flügeln zu packen.
„Jetzt hab ich dich!“, lachte Thanatos boshaft auf.
Ria versuchte sich aus seinem festen Griff herauszuwinden, doch sie hatte keine Chance. Schon packte er mit seiner anderen Hand zu und quetschte sie, was Ria aufschreien ließ. Ilay flog rasend schnell auf sie zu und wollte Ria mit seiner Sense aus diesem Griff befreien, doch Thanatos rechnete damit, grinste amüsiert und schlug ihn davon.
„Bettel doch noch einmal, vielleicht überlege ich es mir ja…“, lachte er lauthals.
Ilay knirschte mit seinen Zähnen. Sofort wollte er Ria helfen und ging zum Angriff über. Thanatos kickte Ilay aus dem Weg und lachte manisch auf.
„Sieh zu wie ich deine Liebste ein zweites Mal töte!“, drückte Thanatos noch fester zu.
Ilay war schockiert, während Ria vor Schmerzen schrie. In dem Augenblick schnellte Bela auf sie zu und schnitt Thanatos tief in den Arm, sodass er Ria reflexartig losließ. Bela schwang zurück und fing Ria im Fall auf. Als er am Boden aufsetzte, sah er Thanatos bitterböse an.
„Du hast dich mit der falschen Familie angelegt!“, war Bela sehr erbost.
„Danke dir Bela…“, freute sich Ria über sein aufkreuzen.
„Schon gut…“, lächelte Bela sie an, bevor er aufstand, um sich Thanatos entgegenzustellen. „Und jetzt beenden wir das hier!“
Ilay stellte sich zu ihnen und gemeinsam standen sie nun diesem gewaltigen Gegner gegenüber. Thanatos lachte.
„Ihr hattet schon das letzte Mal keine Chance gegen mich und nun bin ich sogar noch mächtiger, warum sollte es jetzt anders sein?“, war er durchaus amüsiert.
„Weil wir dieses Mal zusammenarbeiten!“, rief Ria.
„Und gemeinsam können wir alles schaffen!“, pflichtete Bela bei.
Ilay schnaufte mit einem kleinen Lächeln.
„Ich kann mich vielleicht nicht daran erinnern, aber ich habe das Gefühl, dass mit euch alles möglich ist!“, war Ilay überzeugt.
„Ich habe keine Zeit für euer Freundschaftsgeschwafel… Sobald ihr platt seid, steht mir nichts mehr im Wege!“, ließ Thanatos seine Knöchel knacken.
Gemeinsam stürmten sie los. Belas Angriff blockte er ab. Er ließ sich nach hinten stoßen, ergriff im Flug Rias Hand und katapultierte sie nach vorn. Ria landete einen Treffer und wurde im nächsten Moment weggeschleudert. Doch Ilay war schon zur Stelle und landete den nächsten harten Treffer und kurz darauf schlug auch schon Bela zu. Die Freunde griffen immer schneller und schneller an.
Thanatos konnte bedingt durch seine enorme Größe nicht mithalten und musste viel einstecken. Das machte ihn wütender und wütender, bis er einen gewaltigen Schrei von sich gab. Erschrocken und argwöhnisch sahen sie ihn an. Er holte einmal aus und wischte alle drei mit einem Streich davon. Thanatos wirkte wie ausgewechselt. Seine Aura wurde pechrabenschwarz. Er kanalisierte eine Menge Mana in seinen Fäusten und schlug auf die Freunde ein.
Staub und Gesteinsbrocken wirbelten in der Luft umher. Thanatos prügelte weiter ungehemmt auf sie ein. Als er nachließ und der Staub sich legte, waren Bela und Ria zwar geschockt, aber vollkommen unversehrt, während sie von einer von Blitzen funkenden Lichtkugel geschützt wurden.
„Wie lange sollen wir noch warten?!“, war Estes mittlerweile sehr aufgebracht.
„Ich kann hier nicht länger herumstehen und nichts tun!“, kribbelte es auch Jamin in den Fingerspitzen.
„Wir müssen eingreifen! Ich will niemanden mehr sterben sehen!“, war auch Eneas sehr ungeduldig.
„Sie sind da…“, wandte Nyx ihren Blick ab und sah in die Richtung aus der Leif mit Oliver angeflogen kam.
Leif landete bei ihnen und trug Oliver in seinen Armen, welcher schon etwas erschöpft wirkte.
„Hier sind wir…“, ließ Leif Oliver herunter.
Eysa kam auf sie zugeeilt und Leif nahm sie sofort in seine Arme, bevor sie sich zu Oliver beugte.
„Was ist hier los?“, fragte sie fassungslos.
„Ich habe alle dabei!“, grinste Oliver angestrengt. „Sie sind alle hier!“
„Was meinst du damit?“, fragte Eysa besorgt nach.
„Eure Freunde aus dem Totenreich Val…“, sprach Nyx im ernsten Ton.
Kapitel 99
„Was meinst du damit?“, fragte Eysa besorgt nach.
„Eure Freunde aus dem Totenreich Val…“, sprach Nyx im ernsten Ton.
„Was? Wie?“, sah Eysa ratlos zu Leif.
„Um Thanatos aufzuhalten, brauchen wir alle…“, erklärte Nyx.
Leif… Oliver… Könnt ihr mich hören?...
Leif und Oliver sahen sich um konnten aber niemanden entdecken.
„War das etwa…?“, rätselte Leif.
„Nyx!“, ergänzte Oliver.
„Wir können dich hören, ja…“, sah Leif sich weiter um.
Sehr gut… Hört mir genau zu… Es ist viel verlangt, doch wir brauchen eure Hilfe, vor allem Olivers… Nikolaus erzählte mir von dir und deiner Herkunft und du bist genau das, was wir brauchen!... Mit deiner enormen magischen Kraft wärst du in der Lage all eure Freunde aus Val hier in die irdische Welt zu bringen damit sie uns bei diesem Kampf unterstützen können…
„Was?“, war Leif außer sich. „Aber das hat doch sicher auch einen Haken, oder?“
Ja… Oliver könnte dabei sterben, wenn er all seine magische Kraft restlos aufbrauchen würde…
„Vergiss es!“, lehnte Leif vehement ab. „Er ist erst 10! Es muss einen anderen Weg geben Thanatos aufzuhalten!“
Ich fürchte es gibt keinen anderen Ausweg mehr… Mein Vater hat sich alle Seelen der Erzdämonen und Erzengel einverleibt und dadurch unermessliche Macht erhalten… Euer Freund Ilay stellt sich ihm tapfer in den Weg, aber wenn es so weitergeht, verliert er seinen Verstand vollkommen… Das hier ist unsere letzte Option, um das Blatt zu unseren Gunsten zu wenden…
„Vergiss es! Ich werde Oliver sicher nicht opfern!“, war Leif wütend, als plötzlich Oliver an seinem Ärmel zog und Leif ihn überrascht ansah.
„Ich werde es tun! Wenn wir unsere Welt dadurch retten können, habe ich gar keine andere Wahl als es durchzuziehen!“, sprach Oliver und in seinem Blick lag eiserne Entschlossenheit.
„Und wo sind sie?“, fragte Jamin nach.
„Ihr könnt sie nicht sehen, aber sie sind hier…“, versicherte ihnen Leif.
„Ich zeig sie euch…“, wandte Oliver seine Illusionsmagie an und gab jeder Seele ihr Aussehen zurück.
Alle waren anwesend, die umliegende Wiese füllte sich allmählich mit all ihren Freunden. Leilani, Seren, Laisa, Lucin, Keno, Cerise, Celine, Ginevra, Stefano, Roy, Drakhan, Bael, Riza, Annea, Janus. Erstaunt blickten die Freunde in die Gesichter ihrer verstorbenen Freunde und Liebsten.
Oliver hielt der Belastung kaum stand. Nyx und Nikolaus legten beide jeweils eine ihrer Hände auf Olivers Schulter ab.
„Wir geben dir so viel Energie wie wir erübrigen können…“, lächelte Nikolaus den kleinen Oliver an, welcher sanft lächelnd nickte, bevor er sich seinen Freunden wieder zuwandte.
„Ihr müsst nun alle eure Kräfte kanalisieren, umso mehr, umso besser…“, sprach Nyx. „Wir nutzen Ria und Bela als unsere Blitzableiter, das bedeutet, dass alle Gottheiten ihre Energie Ria zusenden, während alle Dämonen Bela mit ihrer Energie versorgen… Die Urgottheit und der Urdämon müssen dann synchron die gesammelte Energie in den Hybriden leiten, damit er genügend Macht erhält, um meinen Vater ausschalten zu können!“
Alle nickten.
Ilay stand schützend vor Ria und Bela, welche noch geschockt um sich blickten.
„Was zum…?“, war Bela irritiert.
Ilays Blick wurde bestialisch und er knurrte nur noch, nachdem er so viel einstecken musste. Es wirkte fast so als ob sein Verstand nun vollkommen ausgelöscht worden wäre. Wie ein Tier lief er kampflustig auf und ab, um sein Gegenüber zu provozieren und einzuschüchtern. Doch auch Thanatos war nicht mehr Herr seiner Sinne und tat es ihm gleich.
„Ilay…“, war Ria aufgelöst.
Die Beiden gingen aufeinander los und griffen sich bestialisch an. Ilay sprang auf seinen Rücken und rammte ihm seine Klauen in den Nacken. Thanatos schrie auf, riss ihn runter und warf ihn weg, doch Ilay sprang gleich wieder auf ihn zu. Fassungslos sahen Bela und Ria zu.
Auf einmal merkten die Beiden eine warme Berührung auf ihrer Schulter und sahen sich um. Seren stand bei ihnen.
„Hey ihr Zwei…“, grüßte er sie sanft.
„Seren…“, war Ria gerührt.
Bela lächelte sanft.
„Ich habe eine wichtige Aufgabe für euch…“, grinste er frech.
Oliver ging schwer erschöpft in die Knie. Sofort sahen Leif und Eysa besorgt nach ihm.
„Oliver! Oliver! Mach deine Augen auf!“, nahm Leif ihn sofort in seine Arme und rüttelte an ihm.
Eysa war geschockt und Oliver rührte sich nicht.
Ilay und Thanatos kämpften immer noch unerbittlich. Thanatos schlug Ilay gerade zu Boden, doch er rappelte sich augenblicklich wieder auf, sprang auf seinen Arm und preschte nach vorn. Mit seinen Klauen schlitzte er ihm einmal quer über das Gesicht. Kurz darauf wurde er abermals hart in den Boden gestaucht von Thanatos Faust.
Ria und Bela bekamen in der Zwischenzeit all die Energie ihrer Freunde ab. Fasziniert sahen sie an sich hinab und wendeten ungläubig ihre Hände, während beide zu leuchten begannen.
Als Ilay sich wieder aufrappelte und mit seinen Zähnen fletschte, merkte er eine sanfte Berührung an seinem Rücken. Augenblicklich hielt er inne als Ria und Bela ihre Arme um ihn schlangen.
„Ilay, du musst wieder zur Besinnung kommen! Wir brauchen dich!“, sprach Bela.
„Wir sind hier! Bei dir! Du bist nicht allein… Du musst das nicht allein durchstehen…“, ergänzte Ria.
„Wir können Thanatos aufhalten, gemeinsam…“, sprach Bela weiter.
„Lass dir bitte von uns helfen! Diese Last ist nicht deine Bürde, lass sie uns gemeinsam tragen…“, fuhr Ria fort.
„All unsere Freunde sind hier und tun ihr Möglichstes uns zu unterstützen… Bitte Ilay… Erinnere dich…“, wurde Belas Griff fester.
„Vergiss uns nicht…“, flehte Ria und auch sie umarmte ihn fester.
<Du bist das Licht…>
Widerhallten Rizas Worte in Ilays Kopf.
<Ich weiß, dass es dir gelingen wird, eine Welt zu schaffen in der ihr zusammen in Frieden leben könnt… Du musst dafür kämpfen! Du musst diese Kraft in dir selbst finden und einen Grund finden weiterzumachen… Einen Grund, der dich antreibt und diesen kleinen Funken in dir zum Lodern bringt… Du bist das Licht, was diese Welt braucht, um nicht in der Dunkelheit zu versinken…>
Das brachte Ilay wieder zurück. Sein Blick wurde wieder klar und er wirkte zunächst geschockt, bevor er ein sanftes Lächeln hervorbrachte.
„Ich danke euch…“, sprach er sanft.
Ria und Bela sahen ihn verblüfft und erwartungsvoll an.
„Beenden wir es!“, trat Ilay einen Schritt nach vorn. „Zusammen!“
Ria und Bela lächelten und nickten, dann streckten sie ihre Hände in seine Richtung aus und gaben all diese gesammelte Energie zu Ilay. Als Ilay diese Energiewellen trafen, wurde alles in ein helles Licht getaucht, so blendend, als wäre er die Sonne selbst.
Thanatos nahm schützend seine Hände vor sein Gesicht und musste innehalten. Als sich die Energie in Ilay gesammelt hatte und der blendende Effekt abnahm, stand Ilay schwebend in der Luft, begleitet von einer leuchtenden Aura, welche ihn umgab und sein Haar färbte sich komplett weiß ein, was einen schönen Kontrast zu seinen hellblau leuchtenden Augen bildete.
Ria und Bela gingen zu Boden vor Erschöpfung, doch sahen erleichtert und zufrieden aus.
„Das Spiel ist aus…“, klang Ilay sehr mächtig. „Ich werde es nicht zulassen, dass du diese Welt auslöscht und mit ihr meine Liebsten… Deine Machenschaften enden hier und jetzt!“
Damit stürmte Ilay auf ihn zu. Er erschuf unterwegs durch seine Kräfte eine leuchtende, leicht durchsichtige, Seelensense und packte sie am Griff. Er musste Thanatos nicht einmal recht nahekommen, um sie zu schwingen und tiefschneidende, zerstörerische Schwungattacken auszuführen, welche durch die Lüfte sausten und ihr Ziel sicher trafen.
Thanatos wehrte ein paar Attacken ab, aber konnte nicht alle aufhalten. Ein paar Schläge trafen ihn und schnitten ihn tief ins Fleisch. Lautes Gebrüll durchzog die Gegend. Er wurde finsterer und seine Seele so schwarz, dass er zu einem grauenvollen Monster mutierte. Nach und nach kamen rankenähnliche Tentakeln aus seinem Körper heraus. Er vergrub sie in der Erde und diese schossen immer wieder willkürlich aus dem Erdboden hervor. Ria musste einem dieser Arme ausweichen und rollte gerade noch rechtzeitig auf die Seite, doch sie und Bela waren beide zu angeschlagen, um aufstehen zu können.
Auch das Wetter wurde unruhiger und stürmischer und wesentlich dunkler, als ob Thanatos darauf Einfluss hätte. Eine steile Briese fegte durch die Gegend, als Thanatos aufschrie und damit Bela und Ria einige Meter wegschleuderte. Die Tentakeln schossen immer schneller aus dem Boden empor und wurden richtige Waffen. Auch Blitze aus den Donnerwolken über ihnen schossen immer wieder auf den Boden. Thanatos Gestalt war mittlerweile furchteinflößend.
Eine der Tentakeln schoss aus dem Boden direkt unter Bela und erwischte ihn. Ria versuchte mit Müh und Not zu ihm zu kriechen.
„B-Bela…“, sprach sie erschöpft.
Ilay schnitt den Tentakel mit einem Schwung seiner Sense ab, sodass Bela wieder zu Boden fiel und Ria nahm in sofort in den Arm, um nach ihm zu sehen. Bela krümmte sich vor Schmerzen.
„Ihr müsst hier unverzüglich weg…“, wandte sich Ilay an die Beiden, sichtlich besorgt.
„Das sagst du so einfach…“, grinste Bela angeschlagen. „Wir sind am Limit unserer Kräfte…“
Keinen Moment später schnellten weitere Tentakeln aus dem Boden heraus und begruben Bela und Ria unter sich. Ilay schnalzte angespannt mit seiner Zunge, eilte auf sie zu und eliminierte diese Arme.
<Scheiße! Wenn ich ständig nach den anderen schauen muss, um sie zu beschützen, kann ich mich nicht auf den Kampf mit Thanatos konzentrieren! Ich darf diese Energie nicht aufbrauchen, sonst kann ich ihn nicht mehr schlagen! Was nun?!>
Ria und Bela waren ausgeknockt und lagen bewusstlos auf dem Boden. Die anderen sahen besorgt in die Richtung von Ilay und diesem Monstrum. Sie klammerten sich aneinander und hofften auf das Beste.
„Nun liegt es an dir, mein Liebling…“, sprach Riza sacht.
Bael nahm sie liebevoll in seinen Arm.
„Unser Junge schafft das schon…“, munterte er sie auf.
Leif hielt Oliver immer noch fest in seinem Armen und war sehr besorgt über seinen Zustand. Oliver regte sich noch immer nicht. Leifs Griff wurde fester und er schluchzte etwas. Eysa lehnte sich an ihn an und streichelte Oliver sacht über seinen Kopf, den Tränen nahe.
Eneas versuchte ein paar Meter zu krabbeln, war aber viel zu erschöpft und klappte wieder zusammen.
Kapitel 100
„Scheiße! Ich bin total erledigt! Aber wir müssen Bela und Ria dort sofort wegschaffen!“, ballte er seine Fäuste.
„Keiner von uns kann sich mehr rühren…“, war auch Estes total geschafft.
„Ich…“, richtete sich Jamin langsam auf. „Werde sie jetzt holen…“
„Mach dich nicht lächerlich Papa, du hast genauso wenig Energie wie wir…“, wandte sich Himari aufgebracht an ihn.
„Das ist egal, ich muss… So kann Ilay nicht kämpfen und beide könnten sterben…“, setzte sich Jamin in Bewegung aber sehr beschwerlich.
„Aber Papa!“, rief ihm Himari hinterher, als Roy ihr sanft seine Hand auf die Schulter legte.
„Mach dir keine Sorgen…“, lächelte er sanft. „Dein Opa kümmert sich darum…“
Roy stand auf und ging zu Jamin rüber. Er klopfte ihm gegen seine Schulter und grinste.
„Überlass das mir…“, sprach er sanft.
„Aber Vater, du könntest für immer verschwinden…“, war Jamin besorgt.
„Das macht nichts, ich bin doch schon Tod…“, lachte er. „Wartet hier…“
Jamin sackte vor Anstrengung wieder zu Boden und sah seinem Vater angespannt hinterher.
„Machs gut…“, gab Jamin noch von sich.
Roy merkte man die Anstrengung an, die jeder Schritt mit sich brachte, aber unbeirrt ging er zielstrebig auf Ria und Bela zu, während Ilay versuchte Thanatos in Schach zu halten, um sie zu beschützen.
„Ilay!“, rief Roy ihm zu.
Erschrocken sah Ilay zu ihm und warf ihm dann ein Lächeln zu.
„Jetzt kannst du loslegen! Du musst keine Rücksicht mehr nehmen!“, versicherte Roy ihm.
Mit einem breiten Grinsen wandte sich Ilay wieder Thanatos zu.
Roy legte erst Bela und dann Ria seine Hand auf, um ihnen sein letztes bisschen Energie zukommen zu lassen. Beide öffneten wieder ihre Augen und sahen sich um.
„Roy?“, war Bela überrascht.
„Passt gut auf euch auf…“, lächelte Roy zufrieden als er allmählich verschwand und sich auflöste.
Ria und Bela standen auf und nickten sich gegenseitig zu. Thanatos prügelte gerade auf Ilay ein, doch dann kamen Ria und Bela auf ihn zugeeilt. Bela kappte Thanatos Sehnen an den Armen durch während Ria gleichzeitig die Sehnen an Thanatos Fersen durchtrennte. Dadurch konnte Thanatos seine Gliedmaßen nicht mehr verwenden. Er schrie auf und mit seinen Tentakeln stieß er die Beiden davon, doch Ilay zerstörte diese augenblicklich.
Bela und Ria sprangen im Flug wieder auf ihn zu und fixierten ihn gleichzeitig mit ihren Waffen auf dem Boden, sodass Ilay sich direkt vor, beziehungsweise über ihm positionieren konnte, um all seine Macht zu kanalisieren. Ria und Bela strengten sich sehr an um ihn fixiert zu halten.
Ilays Kugel wurde immer heller und größer und umso größer und heller sie wurde, umso anstrengender wurde es für Ilay.
„Jetzt ist es vorbei!“, rief Ilay und preschte mit der Kugel vor, direkt auf Thanatos zu.
Im letzten Augenblick sprangen Ria und Bela zur Seite und Ilay streckte den Arm mit der Kugel direkt auf Thanatos zu. Alles wurde in einem hellen Licht getaucht. Augenblicklich nach dem Aufprall hörte man eine dumpfe Implosion, gefolgt von einer Explosion, welche alles wegschleuderte, was sich in der Nähe befand.
Auch das schlechte Wetter wurde weggepustet und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Ria und Bela richteten sich wieder auf, um nach Ilay zu sehen. Ilay schwebte mittig über dem Einschlagsloch und sank dann langsam zu Boden. Erschöpft ging auch er in die Knie. Ria und Bela eilten auf ihn zu und halfen ihm auf.
„Ilay…“, war Ria besorgt und streichelte ihm sanft über seine Wange.
„Ria… Bela…“, war Ilay erleichtert und lächelte sanft, nachdem er nach Rias Hand griff, um sich an ihr zu schmiegen und sich auch Bela zuwandte. „Ich danke euch… Ohne euch hätte ich es nicht geschafft…“
„Das wissen wir doch…“, kicherte Bela.
„Was?“, ertönte eine Stimme.
Erschrocken sahen sie sich nach ihr um und erblickten Thanatos, welcher entgeistert an sich hinabblickte. Er war wieder so wie zu beginn und durchsichtig. Dann tauchte eine zweite Gestalt aus dem nichts auf und ging auf Thanatos zu. Thanatos blickte auf und in seinem Blick lag Traurigkeit.
„Thanatos…“, sprach diese Person sanft und streckte seine Arme aus.
„Eros…“, fiel Thanatos ihm in die Arme. „Endlich… Nach all diesen Jahrhunderten…“
Sie umarmten sich fest und lächelten.
„All die Zeit… Ich wollte dich nur wiedersehen…“, war Thanatos erleichtert.
„Ich weiß mein Freund…“, lächelte Eros sacht. „Lass uns gehen…“
Zusammen verschwanden sie. Ilay, Ria und Bela wirkten ebenso erleichtert. Zusammen machten sie sich auf den Weg zu den anderen, welche sie bereits erwarteten. Die aus der Geisterwelt wurden immer durchsichtiger. Ilay und Bela warfen sich Bael in die Arme während Riza sacht Ilays Kopf tätschelte, während Ria sich ihren Eltern in die Arme warf.
„Das habt ihr gut gemacht…“, lobte Bael seine Kinder.
„Wir sind stolz auf dich…“, lobten auch Annea und Janus Ria.
„Ihr habt unglaubliches vollbracht…“, sprach ebenso Celine sacht und tätschelte anschließend Ria und Ilay den Kopf. „Passt gut auf Kaz auf, dass er nicht so viele Dummheiten anstellt…“
Ria nickte.
Daraufhin verschwanden Annea, Janus, Bael, Riza und Celine. Drake blickte traurig seine Schwester an.
„Jetzt zieh nicht so ein Gesicht…“, seufzte Drakhan. „Sieh lieber zu, dass du unser Königreich besser regierst als ich es getan habe…“
„Aber…“, trat er näher an sie heran.
„Nichts aber…“, lächelte sie sanft und legte ihm ihre Hand auf seine Schulter. „Du schaffst das und du kannst das, ganz sicher… Ich musste durch Thanatos und den Erzdämoninnen viele Entscheidungen treffen, welche ich bereue, doch nun da sie nicht mehr sind, kannst du es besser machen…“
„Ich… Ich will nicht, dass du gehst…“, wurde Drake sentimental.
„Abschiede fallen immer schwer, aber ich bin mir sicher, dass dieser nicht für immer ist… Irgendwann werden wir uns sicher wiedersehen…“, schloss sie ihn noch einmal fest in ihre Arme. „Machs gut Bruder…“
Damit löste sie sich auf und verschwand.
„Nyx…“, kam Uriel auf sie zu.
„Uriel…“, brach Nyx in Tränen aus.
Als sie Richtung Boden sank, fing sie Uriel jedoch ab und nahm sie in seine Arme.
„Ver-Verzeih mir Liebster! Ich… Ich wollte doch nur die Welt retten… Als ich sah, das Vater bereits aufgebrochen war und das Ritual seinen Lauf nahm, sah ich keinen anderen Ausweg mehr… Ich… Ich…“, weinte sie bitterlich.
„Ich weiß…“, streichelte er ihr sacht über ihren Kopf. „Für dich gab es nie etwas wichtigeres als das Allgemeinwohl… Deshalb wirst du dich auch ganz wunderbar machen als Nachfolgerin deines Vaters… Auch wenn der Verrat weh tat, bin ich sehr stolz auf dich…“
„Wie soll ich nur ohne dich weitermachen?“, war sie ratlos.
„Du brauchst mich nicht, mein Liebling… Das hast du nie… Du bist unheimlich stark und ich glaube an dich…“, streichelte er ihr noch einmal über ihre Wange, bevor er sich erhob. „Ich liebe dich Nyx…“
Damit lief er los zu seinen drei Brüdern und zusammen verschwanden sie.
„Pah! Es hätte so viel besser für uns laufen können…“, war Astaroth eingeschnappt.
„Das stimmt… Aber wenigstens sind wir zusammen…“, lächelte Eurynome.
„Da hast du Recht…“, lächele Astaroth ebenso. „Ich habe schon ein wenig Angst davor was nun mit uns geschehen wird…“
„Es mag seltsam sein, aber solange du an meiner Seite bist, fürchte ich mich vor nichts…“, ergriff sie ihre Hand.
Astaroth lächelte. Sie umarmten sich und verschwanden dann.
Auf einmal wachte Oliver mit einem Schreck auf und holte tief Luft. Leif und Eysa waren fassungslos.
„Oliver!“, drückte ihn Leif ganz fest an sich.
„Onkel… Tantchen… Was ist passiert?“, war Oliver ratlos.
„Wir dachten, wir hätten dich verloren…“, kuschelte sich Eysa ebenso an ihn.
„Ich bin so froh, dass du lebst Oliver… Du warst so tapfer! Ich bin unheimlich stolz auf dich!“, lobte ihn Leif. „Du hast dafür gesorgt, dass wir die Welt retten konnten!“
„Du bist wahrlich ein ganz besonderer junger Mann…“, gesellte sich Nikolaus mit hinzu. „Es wäre mir eine Ehre, dich unter meine Fittiche nehmen zu können…“
Oliver lächelte, dann wandten sich Lucin, Keno, Ginevra und Stefano an sie.
„Auch wir sind sehr stolz auf dich…“, sprach Lucin sacht.
Daraufhin lief ihr Oliver in ihre Arme.
„Mama, Papa…“, drückte er sie ganz fest.
„Du bist ein großartiger Junge und wir hätten uns keinen besseren Sohn wünschen können…“, sprach auch Keno.
„Ich will nicht, dass ihr geht…“, war Oliver traurig.
„Ich weiß, dass es schwer fällt…“, drücke Lucin ihn fest. „Aber wir gehören nicht mehr hier her… Außerdem sind wir uns sicher, dass du deinen Weg auch ohne uns schaffst… Du bist stark, stärker als du aussiehst… In dir steckt so viel mehr als man vermuten mag… Du bist unser ganzer Stolz!“
„Durch dich leben auch wir weiter, wir sind ein Teil von dir…“, sprach ihm auch Keno gut zu.
„Es wird Zeit…“, sprach Ginevra sanft.
Lucin und Keno gingen zu Ginevra und Stefano und winkten ihren Lieben noch einmal zu, bevor sie verschwanden.
Seren stand vor den anderen Verstorbenen und wandte sich den Lebenden noch einmal zu.
„Es war schön, euch alle noch einmal wiedersehen zu können… Wir werden uns jetzt auch auf den Weg machen… Auch wenn wir nicht wissen, was uns erwarteten wird, sind wir uns sicher, dass der Abschied nicht von Dauer sein wird… Wir glauben fest daran, euch alle eines Tages wiedersehen zu können… Bis dahin…“, verabschiedete sich Seren.
Alle winkten mit Seren und einer nach dem anderen verschwand. Die Gruppe sah sie lächelnd doch auch traurig an. Bela fiel Eneas in seine Arme. Eneas drückte ihn ganz fest an sich.
„Bin ich froh, dass das jetzt vorbei ist…“, sprach Bela erschöpft.
„Ich auch…“, sprach Eneas sanft.
„Endlich können wir wieder nach Hause…“, lehnte sich Himari an Estes an, welcher erst verdutzt wirkte, dann aber seinen Arm um sie schlang und sie herzlich drückte.
„Deine Mutter macht sich bestimmt schon Sorgen… Bin ich froh, dass ich dich wohlbehalten zurück bringen kann…“, tätschelte Jamin ihr erleichtert den Kopf.
„Ich kanns nicht glauben! Wir haben wirklich die Welt gerettet!“, freute sich Fenrir und stupste Drake mit ihrem Ellenbogen in die Seite.
„Woher nimmst du nur diese Energie?“, war Drake sehr verwundert, während Fenrir in allerbester Laune hin und her wippte, was Drake zum Kichern brachte.
Ria und Ilay sahen sich um und lächelten dann, bevor sie sich ansahen.
„An deinen neuen Look muss ich mich erst noch gewöhnen…“, kicherte Ria.
„So schlimm?“, war Ilay etwas angefressen.
Ria schüttelte ihren Kopf, hob ihren Arm und streichelte ihm über seine Wange. Ilay freute sich sehr darüber und schmiegte sich daran, bevor er sich zu ihr hinüberlehnte und ihr einen Kuss gab.
„Ich liebe dich Ria…“, sprach er sanft.
„Ich liebe dich auch Ilay…“, erwiderte sie glücklich.
„Für immer…“, fügte Ilay noch hinzu, bevor er sie wieder zu sich zog, um ihr noch mehr Küsse zukommen zu lassen.
Kapitel 101 - After the End
In Riftania waren alle im Schloss in heller Aufruhr. Die Mädge und Bediensteten liefen wild durcheinander um alles rechtzeitig vorbereitet zu bekommen. Sie schmückten alles festlich um pompös. Ilay lief währenddessen ganz aufgeregt in seinem Ankleidezimmer hin und her, als Bela das Zimmer betrat.
„Jetzt komm mal runter…“, kicherte er amüsiert. „Gibt für dich doch keinen Grund so nervös zu sein…“
„Dein Ernst?“, sah Ilay ihn entnervt an. „Ich werde heute Heiraten!! Und gleichzeitig auch noch gekrönt! Wie sollte ich da nicht nervös sein?!“
„Entspann dich!“, klopfte Bela ihm auf die Schulter. „Es wird alles gut gehen… Du wirst Ria heiraten, ihr werdet glücklich sein und du wirst ganz sicher ein fabelhafter König werden!“
„Das ist zwar nett gemeint, beruhigt mich aber überhaupt nicht…“, gestand Ilay, der immer noch auf und ab lief. „Was, wenn irgendetwas schiefläuft? Es gibt so viel, dass schieflaufen könnte!“
„Jetzt komm mal wieder runter!“, packte Bela Ilay an seinen Schultern und drückte ihn auf einen Stuhl. „Setz dich mal hin und atme tief durch! Das kann sich ja niemand mit ansehen!“
Ilay atmete einmal tief ein, als die Tür aufschwang und Enzo das Zimmer betrat.
„Leute, wir haben ein Problem…“, sprach Enzo im Ernsten Ton.
„Hab ich’s nicht gesagt? …“, wandte sich Ilay mit einem genervten Gesichtsausdruck an Bela, welcher nur nervös kicherte und sich verlegen an der Wange kratzte.
„Was gibt’s denn?“, fragte Bela nach.
„Ria ist verschwunden…“, gab Enzo nach leichtem Zögern zu.
„Was?!“, fiel Ilay aus allen Wolken.
Zur selben Zeit saß Ria draußen in einem der Gärten und seufzte vor sich hin, als Kaz von hinten auf sie zukam und sich neben sie setzte.
„Ist alles gut bei dir?“, legte er seinen Arm um sie und drückte sie an sich.
„Ach Kaz…“, schloss Ria ihre Augen und lehnte sich an ihn. „Die letzten Tage waren so stressig… Ich hatte gefühlt keine freie Minute mehr für mich, da ständig immer jemand etwas von mir wollte, geschweige denn dass ich Ilay mal zu Gesicht bekommen hätte… Wird das ab jetzt immer so sein? Und heute ist der Tag unserer Hochzeit, dass sollte doch der glücklichste Tag meines Lebens sein, oder nicht? Warum fühlt es sich dann im Moment nicht so an?“
„Das Leben einer Königin ist kein Zuckerschlecken, das stimmt… Mit diesem Titel kommen viele Verpflichtungen auf dich zu, aber ich bin mir sicher, dass wenn du dich erst einmal daran gewöhnt hast, du das mit Bravour meistern wirst…“, lächelte Kaz sanft. „Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann solltest du Ilay nur heiraten, wenn er dich auch wirklich glücklich macht... Was dann für Verpflichtungen auf dich zukommen, ist nicht wichtig, solange du dein Leben mit jemanden verbringst, den du wirklich liebst…“
„Du hast wohl recht… Jeder ist sein Glückes Schmied… Solange Ilay mich glücklich macht, ist alles andere nur Nebensache…“, lächelte Ria sanft. „Und trotzdem bin ich tierisch nervös…“
„Das vergeht sicher, sobald du Ilay gegenüberstehst…“, tätschelte er ihr den Kopf und kicherte. „Doch dafür solltest du dich erst einmal fertig machen, so solltest du nicht vor den Altar treten…“
„Oh weh, du hast Recht!“, schreckte Ria auf. „Die Zeremonie fängt wohl jede Sekunde an! Jetzt aber schnell!“
Ria begann loszulaufen, hielt aber noch einmal inne und drehte sich zu ihrem Bruder um.
„Vielen Dank Kaz!“, lächelte sie glücklich und lief weiter.
Währenddessen stand Ilay bereits an seinem Platz, noch nervöser als zuvor. Ihm gingen tausend Dinge durch den Kopf die ihn nicht zur Ruhe kommen ließen, das merkten auch seine Trauzeugen.
„Was, wenn sie nicht kommt?“, war Ilay besorgt und hibbelig.
„Jetzt halt mal die Luft an!“, ermahnte ihn Jamin und gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
Augenblicklich hielt Ilay still, überrascht von dem Schlag.
„Das absolut allerletzte, was passieren könnte, wäre, dass Ria nicht auftauchen würde! Jetzt reißt du dich mal zusammen und wartest, wie es sich für einen König gehört!“, tadelte Jamin ihn weiter.
„Meine Worte…“, pflichtete Leif bei, nickend.
Auf einmal startete die Musik. Gespannt blickten alle Anwesenden zum Eingang, um dort Ria vorzufinden, welche noch recht angespannt aussah. Doch als sie Ilay erblickte, wurde sie ganz ruhig und ebenso erging es Ilay. Kaz stellte sich an ihre Seite und bot ihr seinen Arm an. Sanft lächelte er und sie erwiderte dies, hakte sich bei ihm ein und gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Die Gäste staunten und freuten sich. Rias Herz klopfte ganz arg. Umso näher sie kam, umso stärker wurde es. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Ria vorn am Altar ankam, aber als die dastand, Ilay gegenüber, fühlte sie sich glücklich und wurde rot. Ilay lächelte sanft und auch bei ihm wurde eine leichte Röte im Gesicht erkennbar.
„Hey…“, grüßte er sie sanft.
„Hi…“, antwortete Ria verlegen.
Ilay nahm sanft ihre Hand und zusammen gingen sie in die Knie.
„Sehr verehrter Prinz Ilay, wollen Sie die hier anwesende Miss Iturria zu ihrer Frau nehmen und die Thronfolge antreten?“, fragte der Pastor.
„Ja, ich will…“, lächelte Ilay.
„Und wollen Sie, Miss Iturria, den hier anwesenden verehrten Prinz Ilay zu ihrem Mann nehmen und das Amt der Königin antreten?“, fragte er weiter.
„Ja, ich will…“, lächelte ebenso Ria.
„Dann erkläre ich Sie hiermit zu König und Königin… Sodass sie unser Reich mit Demut und Weisheit leiten werden…“, sprach der Pastor. „Ihr dürft euren Bund nun mit den Ringen und einem Kuss besiegeln…“
Ilay und Ria erhoben sich. Gegenseitig steckten sie sich ihre Ringe an die Finger, dann gab Ilay ihr einen sanften aber durchaus langen Kuss. Als sie sich voneinander lösten, streichelte ihr Ilay noch einmal über ihre Wange, bevor ihnen Bedienstete ihre Königskronen aufsetzten. Die Gäste jubelten und klatschten freudig in ihre Hände, als Ilay und Ria zusammen nach draußen traten, wo bereits eine offene Kutsche auf sie wartete.
Sie setzten sich gemeinsam hinein und unternahmen eine Rundfahrt durch das Königreich, sodass jeder Bewohner die Chance hatte, ein Blick auf das frischvermählte Königspaar werfen zu können. Lächelnd und winkend grüßten sie ihr Volk.
Ilay griff nach ihrer Hand und drückte sie fest, woraufhin Ria ihn erst verdutzt ansah.
„Du machst mich so unglaublich glücklich…“, lächelte Ilay sehr glücklich.
„Mir geht es genauso…“, lehnte sie sich an ihn an. „Auch wenn sich nun vieles ändern wird, solange du an meiner Seite bist, wird alles gut werden…“
Ilay war überglücklich und drückte sie nah an sich.
Ein paar Tage vergingen. Das Schloss war mal wieder in heller Aufruhr. Eilig liefen wieder die Bediensteten durch das Schloss. Jamin saß an seinem Schreibtisch und versank in Papierkram. Genervt kratzte er sich am Kopf und rutschte mit seinem Stuhl etwas nach hinten, nach einem lautstarken Aufseufzen.
„Jamin! Der König und die Königin sind verschwunden!“, betrat Ryde das Zimmer. „Was sollen wir tun?!“
„Entspann dich… Sie haben gerade erst geheiratet, sowas nennt man Flitterwochen…“, stand Jamin auf.
„Aber…“, war Ryde immer noch panisch.
„Ja, ich weiß… Sie dürfen nicht einfach so verschwinden ohne Bescheid zu geben. Wir werden nach ihnen suchen… Hol Enzo her, er soll solange als Vertretung fungieren…“, bestimmte Jamin und verließ das Zimmer.
„Ilay? Wo gehen wir hin?“, fragte Ria irritiert nach und ließ sich von Ilay mitziehen.
„Das siehst du gleich, wir sind jeden Augenblick da…“, grinste Ilay amüsiert.
„Aber dürfen wir denn einfach so gehen?“, war Ria besorgt.
„Die kommen sicher auch mal ein paar Tage ohne uns klar… Wir brauchen auch mal Zeit für uns…“, lächelte er sie an und blieb dann stehen. „Wir sind da…“
Ria sah sich um und erblickte ein einsames Strandhaus am Meer. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Es war wunderschön und sah traumhaft aus.
„Gefällt es dir?“, fragte Ilay nach.
„Ja!“, drehte sie sich wieder zu ihm um, freudestrahlend. „Es ist wunderschön hier!“
Sie griff nach seiner Hand und zusammen liefen sie zum Meer. Die Beiden liefen gemeinsam durch das seichte Wasser. Ria eilte etwas voraus, um dann Ilay mit etwas Wasser zu bespritzen und kicherte. Ilay eilte hinterher, schnappte sie sich, umklammerte sie von hinten und schwang sie einmal um sich herum. Als er sie wieder abließ, wandte sie sich ihm zu und er gab ihr einen liebevollen Kuss.
Sie sahen sich noch einmal an, bevor er sie mit weiteren Küssen verwöhnte und sie näher an sich drückte. Er hob sie schelmisch grinsend hoch und brachte sie in das Innere der Hütte. Dort angekommen legte er sie behutsam auf dem mittig platzierten Bett ab und beugte sich über sie.
Sanft presste er sich auf sie und glitt mit einer Hand hinunter bis zu ihrem Oberschenkel, was Ria sofort erröten ließ.
„Wir sind doch jetzt für immer zusammen, nicht wahr?“, fragte Ria sanft nach.
„Für immer…“, bejahte Ilay das mit einem kleinen Lächeln.
Dann drückte er ihr noch einen Kuss auf, bevor er ihren Hals hinabwanderte. Sanft streifte Ilay ihr ihr Kleid ab und liebkoste ihren Brustbereich, während die andere Hand in ihren Schritt glitt und er langsam seinen Finger in ihren Intimbereich schob. Ria erregte das sehr, so sehr, dass sie zu stöhnen anfing. Sie wurde immer feuchter und Ilay stieß mit seinem Finger immer intensiver zu.
„Ah! Ha, ha….“, stöhnte Ria immer lauter.
Ilay hob seinen Kopf wieder an, um ihr Gesicht sehen zu können.
„Du bist so sexy, wenn du erregt bist… Da fällt es mir schwer mich zurückzuhalten…“, war auch Ilay sehr gerötet im Gesicht und genoss den Anblick von Ria sehr.
„Ah… Ah… Tiefer…“, forderte Ria.
Das ließ sich Ilay nicht zweimal sagen und schob seinen Finger noch tiefer in sie und hob das Tempo an.
„Ah… Ja…“, stöhnte Ria und sah, wie Ilay sie beobachtete. „Sieh… Ah… Mich nicht so… Ahh… an… Uhh…“
„Ich möchte aber sehen, wie du kommst…“, grinste er verwegen.
Ria war an ihrem Limit angelangt. Sie griff nach Ilays Hand, presste sie so nah an sich wie nur irgendwie möglich und stöhnte laut auf. Sie brauchte einen Moment und verschnaufte etwas, dann ließ sie Ilays Hand los. Ilay zog langsam wieder seinen Finger heraus und leckte ihn ab, dabei sah er sie mit seinem intensiven Blick an, während sie ihn dabei beobachtete.
„Und jetzt legen wir richtig los…“, grinste er sie amüsiert an und spreizte ihre Beine.
Er packte sein Glied und schob es ihr immer tiefer zwischen ihre Beine, bis er bis zum Anschlag in ihr steckte, was Ria wieder aufstöhnen ließ. Auch Ilay ließ das nicht kalt und er fing an zu stöhnen, während er immer wieder rhythmisch zustieß.
„Ich kann es nicht glauben, wie unglaublich sexy du bist… Ich muss mich echt zusammenreißen nicht gleich abzuspritzen…“, stöhnte Ilay ihr ins Ohr.
Ria stöhnte nach diesen Worten erneut laut auf. Ihr ganzer Körper zitterte, was Ilay ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte. Dann zog er sein Glied heraus, drehte sie herum, hob ihre Hüfte an und drang von hinten in sie ein. Ria konnte vor lauter Erregung und zittern nicht mehr mithalten.
Ilay packte sie fest an ihren Hüften an und stieß immer härter und schneller zu. Es dauerte nicht lange und Ilay stieß ein letztes Mal tief zu und stöhnte laut auf, bevor er nach Luft ringte. Er verharrte kurz so und genoss das Gefühl in ihr zu stecken, bevor er seinen Penis wieder herauszog.
Ria rappelte sich auf, drehte sich zu ihm um und stieß ihn um, um dann auf ihn zu krabbeln.
„Wir sind noch nicht fertig, oder?“, stöhnte sie sichtlich aus der Puste.
„Noch lange nicht…“, grinste Ilay verwegen und packte sie wieder an der Hüfte, während sie sich laut aufstöhnend, auf sein Glied setzte und es langsam wieder eindringen ließ.
Der nächste Morgen brach an. Ilay wachte auf und lächelte in Richtung seiner wundervollen Frau. Sanft streichelte er über ihre Wange, was Ria aufwachen ließ.
„Guten Morgen meine Liebste…“, grüßte er sie.
„Guten Morgen mein Liebling…“, freute sich Ria und kuschelte sich wieder an ihn.
Plötzlich schwang die Tür auf und Jamin stand in ihr.
„Eure Majestäten… Wie könnt ihr es wagen einfach so verschwinden ohne Bescheid zu geben? Außerdem habt ihr Pflichten, um die ihr euch kümmern müsst…“, sprach Jamin so als ob er sie tadeln wollte, aber eigentlich war es ihm total egal.
„Ich weiß…“, richtete sich Ilay verschämt aus und kratzte sich am Schädel.
„Kommt mit… Wir gehen zurück…“, lehnte sich Jamin lässig gegen den Türpfosten.
„Ist gut, aber…“, richtete sich ebenfalls Ria auf aber hielt sich die Bettdecke vors Gesicht. „Dürften wir uns vorher noch anziehen?“
Jamin sah sie verdutzt an, lachte aber dann los.
„Natürlich, eure Hoheit…“, verneigte er sich und verließ den Raum.
„Also dann… Zurück an die Arbeit…“, grinste Ilay.
„Ja…“, antwortete Ria.