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Star Trek

USS Kirow
von

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USS Kirow - Prolog

USS KIROW PROLOG

San-Francisco- Flottenwerft Sternzeit 56172.9

Die Sektflasche zerbarst am Schiffsrumpf. Dann spielte man die Hymne der Vereinten Föderation der Planeten. Ein neues Schiff war in Dienst gestellt. Es war die Kirow, ein Schiff der Sovereign-Klasse. Mit ihren 700 Metern und 29 Decks war dieses Schiff eine imposante Erscheinung. Die Bewaffnung der Kirow bestand aus 16 Phaserbänken sowie 9 Rampen für Photonen- und Quantentorpedos. Zur Verteidigung hatte man das neueste Schiff der Föderation mit den neuesten Schutzschilden und einer Deflektorschüssel ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit der neuen Generation der Sovereign-Klasse lag bei Warp 8+.

Auf der Oberseite der Untertassensektion konnte man die Registratur-Nummer des Schiffes erkennen. NCC-75000 war dort zu lesen. Ebenso an der Unterseite. Benannt war das Schiff nach der Kirow, einem Raketenkreuzer der russischen Marine.

San-Francisco- Flottenwerft Sternzeit 56182.1

Die letzten Erprobungsflüge hatten stattgefunden. Alle Systeme arbeiteten normal. Nun war es an der Zeit, der Kirow eine Besatzung zu geben. Einen Großteil der Testcrew hatte man bereits abgezogen. Nur der erste Offizier und zwei zuständige Offiziere für die Transporterrräume 1 und 3 waren noch an Bord. Admiral Owen Paris, dessen Sohn seinerzeit auf der USS Voyager als Navigator gedient hatte, wollte aber, dass zumindest Eric McClusky, der erste Offizier an Bord blieb. Laut seiner Personalakte, war er ein absolut loyaler, fähiger und verlässlicher Offizier. Unter der richtigen Führung konnte aus ihm noch etwas werden.

An Bord der Kirow

Eric McClusky war gerade im Maschinenraum, als die Kom-Anlage losging.

„Eine wichtige Nachricht für Commander McClusky.“, ertönte eine Frauenstimme.

„Ich höre.“

„Die Nachricht lautet: „Commander McClusky bitte umgehend bei Admiral Paris melden.“ Wollen sie, dass ich sie wiederhole, Commander?“, fragte die Stimme.

„Nein. Bin schon auf dem Weg.“ 01

An den Chef der Technikcrew gewandt sagte er: „Admiral Paris wünscht mich zu sprechen. Machen sie inzwischen weiter.“

„Ja, Sir.“

In seinem Büro saß Admiral Paris an seinem Schreibtisch und ging einige Personalakten durch. Die Akte von Eric McClusky lag links von ihm. Dort sollten alle Akten hinkommen, die Owen Paris für einen Posten auf der Kirow vorgesehen hatte.

Admiral Owen Paris war ein 1,81 m großer Mann mit grauen Haaren und einer Halbglatze. Er besaß ein rundes Gesicht mit stechenden braunen Augen und einer dicken Knubbelnase. Trotz seines Alters, Owen Paris war schon 73 Jahre alt, hatte er nicht allzu viel an Gewicht zugelegt.

Er nahm eine weitere Akte aus einem Karteikasten und las sie durch. Sie gehörte zu Pablo Escobar, einem 26 Jahre alten Kolumbianer, dem Verbindungen bis in die höchsten Ebenen der Föderation nachgesagt wurden. Sein Vater, Emilio Escobar, war Mitglied im Föderationsrat. Doch offenbar reichte der Einfluss von Escobar Senior nicht aus, um den eigenen Sohn vor seiner gerechten Strafe zu schützen, wie mehrere Einträge in der Akte ergaben. Zuletzt hatte man Escobar Junior wegen einer Schlägerei für 5 Tage in die Arrestzelle gesteckt. Admiral Paris schüttelte den Kopf. So jemanden konnte er auf der Kirow nicht brauchen. Also legte er die Akte in den Kasten zurück.

Die nächste Akte, die Owen Paris aus dem Kasten holte, war die einer Ärztin. Es war die Akte von Beatrix Parsons, 35 Jahre alt aus Manchester. Ihre Akte war vorbildlich, denn Dr. Parsons war eine Medizinerin ohne Allüren. So jemand gehörte auf jeden Fall auf die Kirow. Die Akte von Miss Parsons wanderte auf den linken Stapel.

Als nächstes sichtete Admiral Paris die Akte von Keiko Tadashita. Sie war eine 25jährige Japanerin aus Sapporo, die nach der Akademie auf verschiedenen Schiffen gedient hatte. Da man die Kirow, wie seinerzeit im 22. Jahrhundert die legendäre USS Enterprise, mit einer Kommunikationskonsole ausgestattet hatte, war dies eine günstige Gelegenheit. Keiko würde also in Lieutenant Uhuras Fußstapfen treten.

Auch für Transporterraum 2 hatte Owen Paris die perfekte Lösung gefunden. Ein Ire namens Shaun O Shane würde dort die Zuständigkeit bekommen. Auch seine Akte landete auf dem Stapel links vom Admiral.

Die darauffolgende Personalakte, mit der sich Admiral Paris beschäftigte, war eine Fähnrichsakte. Es war ein weiblicher Fähnrich mit Schwerpunkt Medizin. Die junge Dame hatte die Akademie durchlaufen, und sollte nun 02

praktische Erfahrung sammeln. So ging Admiral Paris die Personalakten durch und suchte die entsprechenden Crewmitglieder für die Kirow aus. So wurde der 51jährige Nigel Palmer aus Stoke-on-Trent der neue Chief für Transporterraum 5, Eric Bristow, sollte den Posten des Chefingenieurs auf der Kirow bekleiden, nachdem sein letztes Schiff, die USS Cunningham außer Dienst gestellt worden war. Jettediah McKenna, aus Highlands Ranch in Colorado wurde der neue Chief für Transporterraum 4.

Für die Navigation und das Steuern der Kirow war Fallon Sherrock aus London zuständig. Sie war erst vor kurzem wieder für diensttauglich erklärt worden, nachdem sie fast zwei Jahre wegen einer seltenen Blutkrankheit außer Gefecht gesetzt war.

Den wichtigsten Posten hatte sich Admiral Paris bis zuletzt aufgehoben. Da die Kirow einen russischen Namen trug, fand es der Vater von Tom Paris nur rechtens, wenn das Schiff von einem Russen oder einer Russin kommandiert wurde. Dies schränkte den Kreis der potentiellen Kandidaten natürlich erheblich ein, sodass am Ende nur drei potenzielle Bewerber übrig blieben.

Der erste war Captain Anatoli Peskow, aus Kaliningrad. Doch leider stand er kurz vor der Pensionierung, weshalb er nicht infrage kam. Nummer zwei war Jekaterina Romanova, aus Smolensk. Sie war 33 und hatte das Kapitänspatent erst seit 2 Jahren. Der letzte im Bunde war Igor Fedorovitsch. Ein 48jähriger Captain aus Murmansk.

Owen Paris musste sich entscheiden. Entweder Jekaterina Romanova oder Igor Fedorovitsch. Der Personalakte von Fedorovitsch entnahm der Admiral, dass dieser ein hoffnungsloser Trunkenbold war und man des Öfteren ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet hatte. Einmal war ihm sogar das Kapitänspatent entzogen worden. Erneut schüttelte Admiral Paris den Kopf. Diesen Mann als Kommandant für die Kirow? Nur über seine Leiche! Dann nahm sich der Admiral die Akte von Jekaterina Romanova vor. Und was er las stimmte ihn zufrieden. Die 33jährige besaß eine tadellose Führungsakte. Ihr konnte er bedenkenlos das Kommando über das neueste Schiff der Föderation anvertrauen.

Danach erstellte der alte Admiral die Ernennungsurkunden für die Offiziere. Mit Jekaterina Romanova fing er an. Danach Fallon Sherrock. Admiral Paris hatte gerade die Ernennungsurkunde für Eric McClusky fertig geschrieben und unterzeichnet, als der Türsummer ertönte.

„Commander McClusky ist hier, Sir.“, sagte die weibliche Computerstimme.

„Er soll eintreten.“ 03

Eric McClusky trat ein. Admiral Owen Paris musterte ihn. Commander McClusky war ein 1,65 m großer athletisch gebauter Mann im Alter von 30 Jahren. Seine braunen Haare hatte er mit dem klassischen Bürstenhaarschnitt in Form gebracht. Der adrett zurückgeschnittene Bart ließ das markante Kinn des jungen Mannes noch stärker in Erscheinung treten. Eric McClusky hatte ein rundes Gesicht mit braunen Augen und einer breiten Nase.

Der junge Offizier salutierte.

„Commander McClusky meldet sich zur Stelle, Sir.“, sagte er.

„Setzen sie sich, Commander.“

„Danke, Sir.“, sagte Eric McClusky.

„Auf welchem Schiff sind sie zurzeit FEST stationiert, Commander?“

„Eigentlich… auf keinem, Admiral.“, sagte Commander McClusky.

„Sie haben die Erprobungsflüge der Kirow mitgemacht, Commander. Keiner kennt das Schiff besser als sie. Deshalb bleiben sie als erster Offizier an Bord. Hier ist ihre Ernennungsurkunde.“

„Vielen Dank, Sir.“, sagte Eric McClusky.

„Nicht der Rede wert, Commander. Sie haben viel Potenzial, Mister McClusky. Und es wäre eine sinnlose Verschwendung, würden sie weiterhin als Springer eingesetzt. So würden sie nie die Erfahrung sammeln können, die sie brauchen, um das Kapitänspatent zu erlangen. Und ich denke, dass dies ihr primäres Ziel ist. Sie wollen eines Tages den Platz in der Mitte einnehmen.“

„Ich verstehe, Sir.“, sagte Eric McClusky.

„Gut. Kehren sie auf die Kirow zurück, Commander. Viel Glück.“

„Ja, Sir.“, sagte Commander McClusky.

„Wegtreten.“

Nachdem der neue erste Offizier der Kirow gegangen war, befragte Admiral Paris seinen Computer.

„Computer,, wie lautet der gegenwärtige Aufenthaltsort von Captain Romanova?“, fragte er.

„Captain Romanova befindet sich zurzeit in der Asteroid Bar.“

„Computer, ein Kurier soll sofort in mein Büro kommen.“, sagte der alte Admiral. 04

„Ist schon unterwegs, Sir.“

„Danke.“, sagte Owen Paris.

Keine 10 Minuten später betrat ein junger Kadett den Raum.

„Sie haben einen Kurier angefordert, Admiral Paris?“, fragte der junge Mann.

„Ja. Ich habe hier die Ernennungsurkunde für Captain Romanova. Sie finden sie in der Asteroid Bar.“

„Wünschen sie, dass ich Captain Romanova die Urkunde gebe, Admiral?“, fragte der Kurier.

„Ja. Und sagen sie ihr, dass sie sich umgehend an Bord der Kirow zu begeben hat.“

„Wird erledigt.“, sagte der Kadett.

Asteroid Bar.

Jekaterina Romanova saß an der Bar und nippte an ihrem Getränk. Sie war eine 1,67 m große Brünette mit braunen Augen. Ihrem Kleidungsstil nach zu urteilen, war sich die 33jährige Russin ihres schönen Körpers durchaus bewusst. Denn an diesem Abend trug sie ein rotes, figurbetonendes Paillettenkleid und rote Plateauschuhe. Ihre brünetten Haare trug sie offen, sodass sie über ihre Schulter fielen und unterhalb ihrer Brüste endeten. Jekaterina hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase.

Ein paar Meter weiter saß ihr Mentor Anatoli Peskow. Von ihm hatte sie alles gelernt, was einen guten Raumschiffkommandanten ausmachte. Zusammen hatten sie auf der USS Cunningham ein gutes Führungsduo gebildet. Dann war sie zum Captain befördert worden, während er das Kommando auf der USS Concord übernommen hatte.

An diesem Abend war er zusammen mit ein paar anderen Raumschiffkommandanten zusammengekommen. Und offenbar ging es darum, ob man den Ferengi trauen sollte oder nicht.

„Bereits Ende des 23. Jahrhunderts haben die Ferengi Anzeichen für betrügerische Aktivitäten gezeigt. Doch es hieß: „Wartet ab.“ Wir haben gewartet. Und dann haben uns die Ferengi das erste Mal übers Ohr gehauen.“. sagte Anatoli.

„So wie damals die Japaner die Amis in Pearl Harbor?“

„Nein. Schlimmer. Bereits 2315 haben Agenten des 05

Föderationsgeheimdienstes herausgefunden, dass die Ferengi ein großes Ding planen. Admiral Cartwright hat vorhergesagt, was passieren wird. Sehr detailliert.“, sagte Kapitän Peskow.

„Wann war das?“

„2310 bereits. Aber viele haben gesagt: „Das ist zu früh. Wartets ab und lasst das die Profis machen. Am 8. März hatten wir den Salat. Die Unentschlossenen, die die Abwarten, sind schuld, wenn uns am Ende der Arsch aufgerissen wird.“, sagte Anatoli.

Jekaterina Romanova hob ihr Glas.

„Ja, darauf trink ich auch.“, sagte sie.

Das ist doch… Jekaterina Romanova.“

Anatoli Peskow ging auf seine ehemalige Nummer eins zu und die beiden umarmten sich.

„Schön dich zu sehen, Jekaterina. Seit wann sitzt du hier?“, sagte Anatoli.

„Seit den Beginn deiner Vorlesungen, alter Knabe. Geht’s dir gut?“

„Ich feiere meinen Geburtstag. So geht’s mir.“, sagte Anatoli Peskow.

„Ein Problem, dass wir alle einmal im Jahr haben. Mann, dass ich einen Bruder habe, der bald das Kommando auf deinem Schiff übernimmt. Macht sich der Junge gut?“

„Er ist ein ganz ausgezeichneter Offizier. Ich habe ihm das beigebracht, was ich dir auch beigebracht habe. Was bei Jewgeni allerdings nicht ganz den Erfordernissen entspricht, ist sein verdammtes Draufgängertum. Der Junge muss lernen, dass man ein Schiff nicht einfach so leichtfertig aufs Spiel setzt.“, sagte Anatoli.

„Du kennst Jewgeni.“

„Genau das meine ich.“, sagte Anatoli.

Dann fuhr er fort: „Man hat mir geflüstert, du gehst auf die Kirow.“

„Dann weißt du mehr als ich.“

„Das Gerücht hält sich, seit das Schiff in Dienst gestellt wurde.“, sagte Anatoli Peskow.

„Schön wärs. Aber ich glaube, dass das Kommando über die Kirow jemand anderes bekommt. Seit zwei Jahren bin ich nur Ersatz, falls jemand 06

krankheitsbedingt ausfällt. Ist er wieder dienstfähig, darf ich wieder gehen.“

In diesem Augenblick betrat der Kurier von Admiral Paris die Bar. Er fragte nach Jekaterina und wurde an die Bar geschickt. Keine 5 Minuten später stand er neben Jekaterina und Anatoli.

„Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich ihre Konversation so rüde unterbrechen muss, Captain Romanova. Aber Admiral Paris hat mich zu ihnen geschickt. Ich soll ihnen dies hier geben.“, sagte der Kadett.

Dann gab er Jekaterina ihre Ernennungsurkunde.

„Ich danke ihnen. Hat Admiral Paris sonst noch etwas gesagt?“

„Er sagte, dass sie sich umgehend an Bord der Kirow zu begeben haben.“, sagte der Kurier.

„Verstehe.“

An Anatoli Peskow gewandt sagte Jekaterina: „Okay, ich hau hab. Wär nett, wenn du weiterhin ein Auge auf Jewgeni hättest.“

„Passiert ihm schon nichts, Jekaterina.“

Nachdem die neue Kommandantin der Kirow die Bar verlassen hatte, wurde sie von einer Transportfähre zur Flottenbasis gebracht. Von dort wurde Jekaterina Romanova zum Orbitalkomplex gebeamt. Die letzte Etappe nahm Captain Romanova mit einem Transportshuttle in Angriff. Das Shuttle steuerte gerade das Dock an, um die Andockluke anzusteuern, da sah Jekaterina ihr neues Schiff. Ehrfurcht und Demut überkamen sie, als der mächtige Schiffsrumpf über ihr vorbeizog. Auf der Unterseite der Untertassensektion konnte die 33 jährige Russin den Namen des Schiffes lesen. USS KIROW.

Dann wendete der Pilot das Shuttle und ließ es rückwärts an der Luke andocken.

„Viel Glück da draußen, Captain.“, sagte er.

„Danke.“

Jekaterina ging ohne ein weiteres Wort von Bord und direkt an Bord der Kirow. Sie ging den Gang bis zum Ende und steuerte einen Turbolift an. Captain Romanova betrat die Kabine und betätigte die Sprechanlage.

„Brücke.“, sagte sie.

Die Tür schloss sich und die Kabine setzte sich in Bewegung. Als der Lift sein Ziel erreicht hatte, hielt er an und die Tür öffnete sich. Jekaterina Romanova beobachtete von ihrem Standpunkt aus die Szenerie. Ihr erster Offizier Eric 07

McClusky sprach gerade mit einem Techniker. An der Kommunikations- und der Navigationskonsole waren ebenfalls noch ein paar Techniker am werkeln.

„Na wunderbar.“, dachte Jekaterina.

Dann verließ sie den Turbolift.

„AAAAACHTUNG!", sagte Eric McClusky, als Jekaterina die Brücke der Kirow betrat.

Sofort standen alle Personen stramm, die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf der Brücke befanden.

„Rühren, Nummer eins.", sagte Jekaterina Romanova.

„Danke, Captain."

„Wie ist unser Status, Commander?“, sagte der Captain.

„Darf ich offen sprechen, Captain?“

„Nur zu.“, sagte Jekaterina.

„Wir sind nicht einsatzbereit.“

„Wie kommt das, Nummer eins?“, fragte Captain Romanova.

„Captain Romanova, ich… sag das nicht gern. Aber wir sind personell unterbesetzt.“

Eric McClusky rieb sich den Nacken. Ein klares Anzeichen von Nervosität. Jekaterina wusste, dass sie etwas tun musste, um die Situation zu entschärfen.

„Hören sie Commander McClusky. Ich weiß sehr wohl, dass die Situation nicht gerade rosig ist. Vielleicht bekommen wir noch Leute, bevor wir zu unserer ersten Mission aufbrechen.“, sagte Jekaterina.

„Mit Verlaub, Captain. Aber das glaube ich erst, wenn eine entsprechende Nachricht vom Oberkommando kommt.“

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür des Turbolifts und eine Frau betrat die Brücke. Jekaterina Romanova und Eric McClusky nahmen sie näher in Augenschein. Die Frau hatte schwarze Haare und braune Mandelaugen. Ein typisches Indiz für ihre asiatischen Wurzeln. Sie hatte ein rundes Gesicht und eine normale Nase. Der Neuankömmling war 1,65 m groß und hatte einen Modelkörper.

„Lieutenant Commander Keiko Tadashita meldet sich zum Dienst, Captain. Ich bin ihr neuer Kommunikationsoffizier.“, sagte die Frau. 08

„Willkommen an Bord der Kirow, Miss Tadashita.“

„Danke Captain. Bitte um Erlaubnis, meinen Dienst aufnehmen zu dürfen.“, sagte Keiko.

„Erlaubnis erteilt.“

Dann gab die Kommandantin der Kirow ihrem ersten Offizier ein Zeichen.

„Nummer eins, ich möchte sie gerne unter vier Augen sprechen.“, sagte sie um an die anderen gewandt fortzufahren: „Sie machen inzwischen weiter, Gentlemen.“

Im Bereitschaftsraum setzten sich die beiden Führungsoffiziere der Kirow zusammen.

„Sie sagten wir sind nicht einsatzfähig, Nummer eins. Welche Positionen sind noch vakant?“, fragte Jekaterina gerade heraus.

„Von allen wichtigen Rängen eigentlich fast alle. Im Moment sind wir gerade mal 5 Leute hier an Bord, die zur Stammbesatzung gehören. Wir beide, Miss Tadashita, Chief King und Chief Igualada.“

„Wie viele Fähnriche stehen uns zu?“, fragte Jekaterina.

„Minimal zwei, maximal drei, Captain.“

In diesem Moment meldete sich Keiko Tadashita über die Kom-Anlage.

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht vom Flottenoberkommando rein bekommen.“, sagte sie.

„Und wie lautet sie?“

„Sie lautet: „An USS KIROW: Fähnrich Anita Dark ist auf dem Weg zu ihnen.“, sagte Keiko.

„Verstanden.“

Jekaterina Romanova hatte gerade ihre Antwort zu Ende gesprochen, da ging die Kom-Anlage erneut los.

„Captain, hier ist Chief Igualada in Transporterraum 3. Melde zwei eingetroffene Personen. Ein Mann und eine Frau.“, sagte eine Frauenstimme.

„Verstanden, Commander. Mr. McClusky und ich sind schon unterwegs.“

Dort angekommen wurden die beiden bereits erwartet. 09

„Captain, Commander.“, sagte Mercedes Igualada.

„Stehen sie bequem, Commander Igualada.“

Dann richtete Jekaterina Romanova das Wort an die beiden Neuankömmlinge.

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Captain Jekaterina Romanova und dies mein erster Offizier Eric McClusky.“, sagte Captain Romanova.

Die Frau stellte sich zuerst vor. Sie war eine 1,65 m große Blondine mit grünen Augen. Die junge Frau war 21 Jahre jung und hatte ein halb rundes, halb ovales Gesicht mit einer eleganten Nase.

„Fähnrich Anita Dark meldet sich zum Dienst.“, sagte die Blondine.

„Willkommen an Bord. Wo befindet sich ihr Dienstbereich, Fähnrich Dark?“

„Krankenstation.“, sagte Anita.

„Commander, würden sie bitte Miss Dark zur Krankenstation begleiten?“

„Sehr wohl, Captain.“, sagte Eric McClusky.

Jekaterina wandte sich nun dem Mann zu. Er war 1,82 m groß und hatte ein rundes Gesicht mit blauen Augen. Anhand seines athletischen Körperbaus schloss die 33jährige Russin, dass der Neuankömmling viel Sport trieb. Jekaterina Romanova schätzte das Alters des Mannes auf Anfang 50, wie ihr der graue Schnauzbart und die zu einem Zopf gebundenen grauen Haare verrieten.

„Chief Nigel Palmer meldet sich zum Dienst, Captain Romanova.“, sagte der Mann.

„Chief Palmer, es ist mir eine Ehre, sie an Bord zu haben. Wo befindet sich ihr Arbeitsplatz?“

„Ich bin für Transporterraum Nummer 5 zuständig, Captain.“, sagte Nigel Palmer.

„Verstehe. Wenn sie wollen begleite ich sie dorthin.“

„Danke Captain. Aber ich finde mich schon zurecht.“, sagte Chief Palmer.

Jekaterina Romanova war gerade auf den Weg zum nächsten Turbolift, als sie an Transporterraum 1 vorbeikam. Dort hatte der zuständige Chief bereits den Transfer eingeleitet. Offenbar hatte man auf der Erde vergessen, die Kirow über den Transfer in Kenntnis zu setzen. Wie dem auch sei. Offensichtlich hatte man gerade ein neues Besatzungsmitglied für die Kirov herüber gebeamt.

Bei dem Neuankömmling handelte es sich um eine 1,65 m große Brünette 10

Mit einem ovalen Gesicht und braunen Augen. Die Frau hatte einen schlanken Körper und slawische Gesichtszüge, wie die elegante Nase verriet. Ihre Haare trug die Fremde offen und schulterlang.

„Hoffentlich ist das keine Zicke. Die kann ich am allerwenigsten brauchen.“, schoss es Jekaterina durch den Kopf.

Doch ihre Sorgen wurden schnell zerstreut.

„Doktor Beatrix Parsons, meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte die „Neue“.

„Willkommen an Bord Doktor.“

Jekaterina begleitete Dr. Parsons zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Und auf der Krankenstation zeigte sich einmal mehr, dass ihre Bedenken in Bezug auf die neue Ärztin unbegründet waren. Denn Beatrix Parsons und Anita Dark verstanden sich auf Anhieb. Jekaterina Romanova war erleichtert.

„Das läuft ja besser als erwartet.“, dachte sie.

Danach suchte die Kommandantin der Kirow ihr Quartier auf und zog sich um. Denn sie wollte nicht die ganze Zeit in einem Partykleid herumlaufen. Als nächstes erkundete Jekaterina Romanova ihr Schiff. Sie hatte gerade den Shuttlehangar erreicht, als sich wie von Geisterhand die Tore öffneten, und ein Shuttle zur Landung ansetzte.

„Welches hohe Tier erweist uns denn die Ehre eines Besuches?“, dachte die Kommandantin.

Sie hatte gerade den Hangar erreicht, als das Shuttle zum Stillstand kam. Die Seitentür öffnete sich und ein 1,85 m großer, athletischer Mann mit einem ovalen, wettergegerbten Gesicht kam heraus. Über seiner Uniform trug der Fremde eine schwarze Lederjacke mit Harley Davidson-Schriftzug und orangenen Schulterstücken. Die braunen Haare hatte er kurz geschnitten, ebenso seinen Bart, der an einigen Stellen bereits ergraute. Seine braunen Augen nahmen die neue Umgebung näher in Augenschein. Erst als Jekaterina sich räusperte, wandte sich der Mann zu ihr um.

„Willkommen an Bord der USS Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin des Schiffes.“, begrüßte sie den Neuankömmling.

„Commander Eric Bristow. Ich bin ihr neuer Chefingenieur, Captain. Bitte um Erlaubnis meinen Dienst aufnehmen zu dürfen.“

„Erlaubnis erteilt, Commander Bristow. Ich begleite sie zum Maschinenraum. Denn dort war ich noch nicht.“, sagte Jekaterina. 11

„Jetzt sagen sie bloß nicht, dass sie sich noch nicht mit dem Schiff vertraut gemacht haben, Captain. Denn das sollte das erste sein, was ein Raumschiffkommandant tun sollte.“

„Bis jetzt blieb keine Zeit dazu. Und ganz ehrlich, ich selbst bin auch erst seit ein paar Stunden an Bord.“, sagte Jekaterina, als sie zusammen mit Commander Bristow zum Turbolift ging.

„Woher stammen sie eigentlich, Captain?“

„Aus Smolensk. Und sie Mr. Bristow?“, sagte Jekaterina.

„Aus Washington D.C.“

Nachdem Jekaterina Romanova den neuen Chefingenieur ihres Schiffes zum Maschinenraum begleitet und sich vor Ort ein Bild gemacht hatte, kehrte sie auf die Brücke zurück, wo sich nur noch Eric McClusky und Keiko Tadashita aufhielten.

„Wirkt wie ausgestorben. Habe ich Recht, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Die Techniker haben hier alles erledigt, was angefallen ist. Vom technischen Standpunkt, sind wir voll einsatzfähig. Aber auf der personellen Seite ist immer noch Luft nach oben.“

„Immerhin haben wir noch einen Offizier für Transporterraum 5 und unseren neuen Chefingenieur bekommen.“, sagte die Kommandantin.

„Uns fehlt aber immer noch ein Navigator. Von einer Counselor will ich gar nicht erst reden. Und wann kriegen wir einen Wissenschaftsoffizier und einen Sicherheitsoffizier?“

„Das weiß der Teufel, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Captain. Ich habe gerade eine Nachricht von Admiral Paris empfangen.“

„Auf den Schirm, Miss Tadashita.“, sagte Jekaterina.

Kurz darauf erschien das Gesicht des alten Mannes.

„Captain Romanova.“, begrüßte er die Kommandantin der Kirow.

„Admiral Paris.“

„Wie ist ihr gegenwärtiger Status?“, fragte der Admiral.

„Technisch sind wir voll einsatzbereit. Aber viele wichtige Posten sind noch nicht besetzt.“ 12

„Ja, ich weiß, Captain. Ich habe getan was ich konnte, um ihre Situation zu verbessern. Miss Tadashita, ihre neue Kommunikationsoffizierin, habe ich persönlich ausgewählt. Auch ihren neuen Chefingenieur, Eric Bristow, habe ich ihrem Schiff zugewiesen. Ihre neue Navigatorin, Fallon Sherrock, müsste jeden Augenblick bei ihnen eintreffen, Captain Romanova.“, sagte Admiral Paris.

„Vielen Dank, Sir.“

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür des Turbolifts und eine Frau betrat die Brücke. Jekaterina nahm sie in Augenschein. Die Fremde war 1,75 m groß und schlank. Sie hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten Nase und braunen Augen. Ihre brünetten Haare trug sie offen, sodass sie über ihre Schultern fielen. Bekleidet war die Unbekannte mit einem schwarzen Dschellabakleid mit goldenen Stickereien und cremefarbnen High Heels.

„Commander Fallon Sherrock meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte sie.

„Willkommen an Bord, Miss Sherrock.“

„Darf ich meinen Dienst aufnehmen?“, fragte die neue Navigatorin.

„Erlaubnis erteilt, Commander Sherrock.“

Dann wandte sich Jekaterina wieder an Admiral Paris.

„Ich hoffe, dass sie noch mehr gute Nachrichten, für mich haben.“, sagte sie.

„Sie bekommen noch einen Offizier für Transporterraum 2 und einen für Transporterraum 4.“

„Ist das alles?“, fragte die Kommandantin.

„Mehr konnte ich in der kurzen Zeit leider nicht tun, Captain.“

„Das ist bitter.“, sagte Jekaterina Romanova.

„Ich kann ihnen noch eine Chefärztin versprechen. Sie heißt Juanita Garcia. Allerdings wurde noch nicht über ihre Rehabilitation entschieden.“

„Können sie uns auf dem Laufenden halten?“, fragte Jekaterina.

„Sobald ich was weiß, hören sie von mir, Captain Romanova.“

„Danke Sir.“

„Keine Ursache. Admiral Janeway wird sich mit ihnen bezüglich ihrer ersten Mission in Verbindung setzen. Admiral Paris Ende.“ 13

USS Kirow - Mission 1

USS KIROW MISSION 1

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56193.3 Captain Jekaterina Romanova, neuer Eintrag: Wir liegen noch immer im Dock. Der Grund ist ganz simpel. Es fehlen noch die beiden Offiziere für die Transporterräume 2 und 4. Den Grund für deren Fehlen kennen nur die beiden selbst. Solange die beiden nicht an Bord sind, können wir das Dock nicht verlassen.“

Jekaterina klappte das Computerlogbuch zu und legte es auf die Seite.

„Wo bleiben die beiden bloß?“, fragte sie sich selbst.

In diesem Moment summte der kleine Kommunikator an ihrer Uniformjacke.

„Brücke.“, sagte sie.

„Captain, hier ist Chief Merwyn King. Gerade wurde ein Transfer angekündigt. Soll ich die Person erfassen?“

„Tun sie das, Mr. King.“, sagte die Kommandantin.

Keine zwei Minuten später kam eine neue Nachricht aus Transporterraum 1.

„Captain, Zielperson ist bereit zum beamen.“

„Energie.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

Es dauerte nicht lange, da zirpte der kleine Kommunikator erneut.

„Captain, eine Person, männlich, erfolgreich an Bord gebeamt.“

„Verstanden. Ich komme sofort.“, sagte Jekaterina.

Nur kurze Zeit später hatte sie ein Turbolift auf die Ebene gebracht, auf der sich die Transporterräume befanden. Die Kommandantin der Kirow begab sich direkt zum ersten der 5 Räume. Dort traf sie dann Merwyn King und den Neuankömmling. Zuerst nahm sie den „Neuen“ in Augenschein.

Der Fremde war ein 1,70 m großer schlaksiger Mann mit blonden Haaren und einem ovalen Gesicht mit braunen Augen. Das Kinn wurde von einem dichten, blonden Vollbart bedeckt, der an den Spitzen bereits grau wurde. Jekaterina konnte Traurigkeit in den Augen des Mannes erkennen. Offenbar hatte ihn ein schwerer Schicksalsschlag ereilt.

„Chief Jettediah McKenna meldet sich zum Dienst. Ich bitte für meine verspätete Ankunft um Entschuldigung.“, sagte er. 14

„Willkommen an Bord, Chief. Und ihre Entschuldigung ist hiermit angenommen.“

Dann begleitete die Kommandantin Chief McKenna zu seinem Arbeitsplatz.

„Ich will nicht neugierig erscheinen, Mr. McKenna. Aber wie kommt es, dass sie drei Tage zu spät sind?“, fragte Jekaterina.

„Ich dachte mir schon, dass sie danach fragen würden. In meiner Familie gab es zwei Todesfälle. Zuerst mein jüngerer Bruder, dann meine jüngere Schwester. Die beiden wurden zwei Tage vor meiner Versetzung auf ihr Schiff beigesetzt.“

„Mein Beileid, Chief. Es tut mir leid, das zu hören. Sollten sie mal jemanden zum Reden brauchen, Chief, dann lassen sie es mich wissen. Ich komm dann vorbei und wir können gemeinsam eine Tasse Tee trinken.“, sagte Jekaterina Romanova.

„Danke, für ihr Angebot, Captain.“

Auf ihrem Rückweg zur Brücke schaute die Kommandantin der Kirow noch einmal bei Transporterraum Nummer 3 vorbei. Dieser wurde von Mercedes Igualada, einer 36jährigen Spanierin aus Sevilla, betreut. Mercedes war eine 1,69 m große Brünette mit braunen Augen und einem schlanken Körper. Ihr ovales Gesicht wurde von ihren brünetten Haaren eingerahmt, die die 36jährige stets offen trug. Die Nase war zwar etwas breit geraten, fügte sich aber dennoch harmonisch in Mercedes Gesicht ein.

„Captain!“, rief Mercedes die Kommandantin.

„Was gibt es, Mercedes?“

„Melde eine männliche Person bereit zum Beamen.“, sagte Mercedes.

„Holen wir ihn rüber.“

„Aye, Captain. Transferfokus ist ausgerichtet.“, sagte Chief Igualada.

„Energie.“

Vor ihren Augen materialisierte ein Mann. Er war 1,70 m groß und hatte einen athletischen Körperbau. Der Neuankömmling hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Seine dunkelbraunen Haare hatte der Fremde kurz geschnitten, sodass sie über seinen Ohren endeten. Auffällig war auch das kleine Grübchen am Kinn des Mannes.

Der Mann kam die Stufen herunter und salutierte vor Jekaterina.

„Chief Shaun O´Shane meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte er. 15

„Willkommen an Bord, Mr. O´ Shane.“

„Ich bitte meine verspätete Ankunft zu entschuldigen, Captain. Aber ich war bedauerlicherweise durch eine fiebrige Erkältung außer Gefecht gesetzt.“, sagte Shaun O´ Shane.

„Es freut mich, dass sie wieder gesund sind, Chief O´ Shane.“

Danach kehrte Jekaterina Romanova auf die Brücke zurück. Ihr erster Offizier saß auf seinem Platz zu ihrer Linken.

„AAAAACHHHTUNG!“, sagte er, als seine Vorgesetzte auf die Brücke kam.

„Rühren, Mr. McClusky.“

„Danke. Captain.“, sagte Eric McClusky.

„Irgendwelche Neuigkeiten vom Oberkommando?“

„Sie meinen, wegen unserer Anfrage für einen Sicherheitsoffizier, Captain?“, fragte der erste Offizier der Kirow.

„Da.“

„Admiral Paris meldet sich gleich.“, sagte Eric McClusky.

Dann senkte er die Stimme.

„Darf ich sie etwas fragen Captain?“, fragte er.

„Sicher, Nummer eins.“

„Auch etwas persönliches?“, fragte der junge Offizier.

„Von mir aus auch das.“

„Wieso sind sie eigentlich in einem Partykleid an Bord gekommen? Normalerweise trägt man als Kommandant seine Uniform.“, sagte Eric McClusky.

„Ich sollte UNVERZÜGLICH an Bord gehen. Wäre ich in mein Quartier im Hauptquartier gefahren und hätte mich umgezogen, hätte ich gegen meinen Befehl verstoßen. Warum Commander Sherrock auch in zivil statt in Uniform zum Dienst erschienen ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen.“

Eric McClusky beschloss, es dabei bewenden zu lassen. Doch dann meldete sich Keiko Tadashita zu Wort.

„Captain! Ich habe Admiral Paris für sie!“, sagte sie. 16

„Auf den Schirm!“

Auf dem großen Schirm, der zugleich auch als Fenster diente, erschien das Gesicht von Owen Paris.

„Captain, ich fürchte ich habe schlechte Nachrichten für sie.“, sagte er.

„Ich ahne schon, was los ist. Wir müssen ohne Sicherheitsoffizier aufbrechen.“

„Zumindest ohne einen Offizier mit entsprechender Erfahrung. Ich kann ihnen höchstens einen Fähnrich zur Verfügung stellen.“, sagte Admiral Paris.

„Zwar nicht das, was wir uns erhofft hatten, aber besser als gar nichts.“

„Er kommt in einer halben Stunde.“, sagte der Admiral.

„Wie ist der Name des Fähnrichs?“

„Er heißt Alex Riley.“, sagte Owen Paris.

Nach besagter halber Stunde kam eine Meldung aus Transporterraum 1, denn Jekaterinas Kommunikator zirpte.

„Brücke.“, sagte sie.

„Hier ist Mr. King, Captain. Mir wurde gerade eine Person zum beamen angekündigt.“

„Energie.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

Dann verließ Jekaterina Romanova die Brücke und machte sich auf den Weg zu Transporterraum 1. Dort angekommen nahm sie zuerst den Neuankömmling in Augenschein. Der junge Mann war 1,91 m groß und athletisch gebaut. Er hatte ein rundes Gesicht mit braunen Augen und einer ziemlich breiten Nase. Seine braunen Haare hatte er kurz geschnitten und an den Schläfen sogar noch rasiert. So waren seine Segelohren zu sehen.

„Fähnrich Riley. Willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain. Ich stehe sozusagen noch unter Schock.“

Jekaterina stutzte und legte ihre Stirn in Falten.

„Darf ich nach dem Grund fragen, Mir Riley?“, fragte sie dann.

„Nun… wenn sie mich so fragen… ich… äh… hatte nicht damit gerechnet, dass ich schon jetzt in den aktiven Dienst berufen werde.“

„Unverhofft kommt oft. Na schön. Jetzt beziehen sie erst einmal ihr Quartier 17

und in 15 Minuten treffen wir beide uns zu einem Vier-Augen-Gespräch im Bereitschaftsraum.“, sagte Jekaterina.

Alex Riley nickte, dann machte er sich auf den Weg. Die Kommandantin wandte sich wieder an Chief King. Merwyn King war 1,78 m groß und hatte eine kräftige Statur, als würde er in seiner Freizeit Rugby spielen. Er hatte ein rundes Gesicht mit kurzen, braunen Haaren und braunen Augen. Seine Nase war nicht ganz so breit, wie die von Alex Riley, passte aber irgendwie in das Gesicht des 38jährigen Walisers.

„Wird Zeit, dass wir aufbrechen, Mr. King.“, sagte Jekaterina Romanova.

„Da gebe ich ihnen Recht. Wird Zeit, dass wir hier rauskommen. Ist nämlich immer noch besser, als hier tatenlos rumzudümpeln.“

Zurück auf der Brücke ging Jekaterina Romanova in den Bereitschaftsraum, der direkt hinter der Brücke lag. Über den Replikator, der sich im Raum befand, ließ sie sich eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone, ihr Lieblingsgetränk seit ihrer Kindheit, zubereiten. Allein schon der Duft hatte eine beruhigende Wirkung auf die junge Kommandantin. Sie hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen, da ertönte auch schon der Türsummer.

„Herein!“, sagte Jekaterina.

Die Tür öffnete sich und Fähnrich Alex Riley trat ein.

„Sie wollten mich sprechen?“, fragte er unsicher.

„Setzen sie sich, Mr. Riley.“

Nachdem sich der junge Mann gesetzt hatte begann Jekaterina Romanova das Gespräch.

„Ich weiß, dass sie nervös sind Fähnrich.“, sagte sie.

„Sieht man mir das an?“

„Glauben sie mir, das habe ich schon bemerkt, als wir uns im Transporterraum begegnet sind. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass man sie sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen hat, als man ihnen den Befehl gab zu uns zu stoßen. Aber wir brauchen jemanden an der taktischen Station, Mr. Riley. Ich werde mein Bestes tun, um ihnen eine ordentliche Ausbildung angedeihen zu lassen, solange sie an Bord sind.“, sagte Jekaterina.

„Danke Captain. Darf ich offen zu ihnen sein?“

„Nur zu.“, sagte Jekaterina. 18

„Die Frage ist wo anfangen, Captain.“

„Wie wäre es mit dem Naheliegendsten?“, schlug die Kommandantin vor.

„Tja… ich… ich hatte eigentlich gedacht, dass man mir noch soviel Zeit geben würde, mein Versprechen einzulösen.“

„Ich hoffe, es ist kein Versprechen, dass in irgendeiner Weise mit illegalem Glücksspiel zu tun hat.“, sagte Jekaterina Romanova.

„In dem Punkt kann ich sie beruhigen, Captain. Es ist ein Heiratsversprechen.“

„Verstehe. Und jetzt haben sie Angst, dass ihre zukünftige Ehefrau zur Witwe wird, noch bevor sie verheiratet ist.“, sagte Jekaterina.

„So könnte man es ausdrücken, Captain.“

„Ich mache grundsätzlich keine Versprechen, die ich am Ende nicht einhalten kann, Mr. Riley. Aber ich werde mein Bestes tun, damit sie noch vor unserer Abreise verheiratet sind.“, sagte Captain Romanova.

„Danke, Captain.“

In diesem Augenblick meldete sich Keiko Tadashita über die Sprechanlage.

„Captain, ich habe Admiral Janeway in der Leitung.“, sagte sie.

„Stellen sie durch, Miss Tadashita.“

Auf dem kleinen Bildschirm erschien das Gesicht von Katheryn Janeway, der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.

„Würden sie mich bitte allein lassen, Mister Riley?“, fragte die Kommandantin ihren Fähnrich.

„Ja, Ma´ am.“

Als Alex Riley den Raum verlassen hatte, widmete Jekaterina Romanova ihre vollen Aufmerksamt ihrer Gesprächspartnerin.

„Captain Romanova.“, sagte Katheryn Janeway.

„Admiral Janeway.“

„Ich habe einen Auftrag für sie und ihr Schiff.“, sagte Admiral Janeway.

„Ich höre.“

„In der Nähe der neutralen Zone wurde vor kurzem eine energetische Anomalie entdeckt. Fliegen sie dorthin und sehen sich das mal an.“, sagte die 19

ehemalige Kommandantin der Voyager.

„Verstanden, Admiral. Sonst noch etwas, was ich wissen müsste?“

„Ich möchte, dass sie auf dem Weg zur neutralen Zone, vorher die Jupiterstation ansteuern. Dort stößt ihr neuer Wissenschaftsoffizier dann zu ihnen.“, sagte Katheryn Janeway.

„In Ordnung. Gibt es etwas, was sie mir über unseren neuen Wissenschaftsoffizier sagen können?“

„Sie ist Romulanerin und heißt Jardanka.“, sagte Admiral Janeway.

„Eine Romulanerin?“

„Ja. Sie ist die Tochter von Commander Donatra.“, sagte Katheryn Janeway.

„Danke, Admiral.“

„Immer wieder gern. Und jetzt machen sie sich besser auf den Weg. Admiral Janeway Ende.“, sagte Katheryn Janeway.

Danach wurde die Verbindung getrennt. Jekaterina Romanova trank noch ihren Tee aus und ging dann auf die Brücke. Dort angekommen, nahm sie den Platz in der Mitte ein. Links von ihr saß Eric McClusky, ihr erster Offizier. Der Stuhl zu ihrer Rechten war noch leer, denn dort saß in der Regel die Counselor.

„Commander Sherrock, berechnen sie den schnellsten Kurs zur Jupiterstation.“, befahl Jekaterina.

„Aye, Captain.“

Doch bevor Jekaterina Romanova den Befehl geben konnte, das Dock zu verlassen, meldete sich Nigel Palmer aus Transporterraum 5. Jekaterina bemerkte dies am Zirpen ihres Kommunikators.

„Brücke.“, sagte sie.

„Captain hier ist Chief Palmer. Gerade wurde uns eine Person zum Beamen angekündigt. Ihr Name ist Cynthia Blake.“

„Verstanden. Haben sie die Dame bereits im Transferfokus?“, fragte die Kommandantin.

„Ist gerade geschehen, Captain.“

„Energie.“, sagte Jekaterina.

Kurze Zeit später erhielt die Kommandantin der Kirow die Bestätigung 20

für den erfolgreichen Transfer.

„Captain, Beamvorgang abgeschlossen. Eine weibliche Person an Bord.“

„Verstanden.“, sagte Jekaterina.

An Fallon Sherrock gewandt fuhr sie fort: „Manöverdüsen Miss Sherrock. Bringen sie uns raus.“

Dann wandte sich Jekaterina an Fähnrich Riley.

„Mr. Riley, würden sie mich bitte begleiten?“, fragte sie.

Dann verließ Jekaterina Romanova zusammen mit Alex Riley die Brücke und machte sich auf den Weg zu Transporterraum 5.

In Transporterraum 5 angekommen, nahm Alex Riley seine Verlobte in die Arme und die beiden gaben sich einen Kuss. Jekaterina nahm Cynthia Blake genauer in Augenschein. Sie war eine 1,70 m große Schwarzhaarige mit einem ovalen Gesicht und gütig und liebevoll dreinblickenden grünbraunen Augen. Die breite Nase fügte sich harmonisch in das Gesicht dieser Frau ein. Ihre Haare trug die zukünftige Ehefrau von Alex Riley offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Und offenbar war sich Cynthia ihres Modelkörpers bewusst, wie das schwarze, figurbetonende Kleid mit den Hibiskusblüten und die High Heels in derselben Farbe verrieten.

„Miss Blake, willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina und hielt Cynthia Blake die Hand hin.

„Danke Captain. Ich bitte mein verspätetes Eintreffen zu entschuldigen. Ich habe erst sozusagen gerade eben die Erlaubnis erhalten, an Bord zu kommen.“

Dann ergriff Cynthia die ihr dargebotene Hand und schüttelte sie ganz sanft.

Jekaterina wandte sich wieder an Fähnrich Riley.

„Nun, Mr. Riley. Da sie und Miss Blake so gut wie verheiratet sind, ist es nur rechtens, dass sie beide das Quartier teilen. Begleiten sie ihre Liebste dorthin. Aber dann brauche ich sie wieder auf der Brücke.“, sagte sie.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56196.06 Captain Jekaterina Romanova. Neuer Eintrag: Wir sind gerade an der Jupiterstation angekommen. Nun warten wir noch auf die IRW Valdore, mit der wir hier zusammentreffen sollen. Wenn Commander Jardanka zu uns gestoßen ist, werden wir zu unserer eigentlichen Mission aufbrechen.“

„Es ist das erste Mal, dass sich ein Raumschiff der Romulaner so nahe 21

an die Erde heranwagt. Früher wäre so etwas undenkbar gewesen, Captain.“, sagte Eric McClusky.

„Ein erstes Mal gibt es bekanntlich immer, Nummer eins.“

Jekaterina Romanova faltete die Hände und sah nachdenklich nach draußen. Dort konnte sie die Jupiterstation sehen, die mit ihren zwei dreistöckigen Gebäudekomplexen eine imposante Erscheinung darstellte. Jede Ebene war über einen Tunnel mit der anderen Seite verbunden. Auf der untersten Stationsebene waren auf beiden Seiten jeweils hochklappbare Energiekollektoren angebracht. Die Stege, an denen die Kollektoren montiert waren, beherbergten am Ende die Sensoren und die Kommunikationseinrichtungen. Am Fuße der mächtigen Säulen, auf denen die Station eigentlich ruhte, waren weitere Kommunikationsgeräte und weitere Energiekollektoren zu sehen. Sogar noch auf den Dächern, der beiden Stationskomplexe waren Antennen zu sehen, die der Kommunikation dienten.

Alex Rileys Stimme riss die junge Kommandantin aus ihren Gedanken.

„Captain, die Sensoren melden ein romulanisches Raumschiff, der Valdore-Klasse.“, sagte er.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien statt der Jupiterstation ein in grün gehaltenes Raumschiff. Das Schiff ähnelte von seinen Konturen her einem Raubvogel. Denn auf den Oberseiten der Flügel über den Gondeln an den Seiten hatte man Federmotive eingefräst. Das Schiff war 603,5 Meter lang. Bewaffnet war das romulanische Schiff mit 12 Disruptoren und 6 Abschussrampen für Photonentorpedos. Dazu kamen noch Schutzschilde. Im vorderen Teil, der auch die Kommandobrücke beherbergte brannten einige Lichter.

„Captain, darf ich sie was fragen?“, fragte Commander McClusky.

„Was?“

„Es geht das Gerücht, dass sie zu Commander Donatra eine ziemlich innige Freundschaft pflegen. Stimmt das?“

„Wir sind uns schon ein paar Mal begegnet. Und ja, wir duzen uns auch. Schließlich kennen wir uns schon eine Weile.“

Keiko Tadashita meldete sich zu Wort.

„Captain! Die Valdore ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“ 22

Auf dem großen Schirm erschien nun das runde Gesicht Donatras.

„Hallo Jekaterina.“, sagte die Romulanerin.

„Donatra.“

„Wie sagst du immer so schön: Long Time, no see?“, fragte Donatra.

„Ist schon ne Weile her, seit unserer letzten Begegnung.“

„Wohl wahr. Ich denke, wir beiden haben uns eine Menge zu erzählen.“, sagte die Romulanerin.

„Soll das eine Einladung sein, einen Trinken zu gehen, Donatra?“

„Könnte ich dich dafür begeistern, Jekaterina?“, wollte Commander Donatra wissen.

„Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich einem Drink nicht abgeneigt bin. Aber das Problem ist, wir sind ein bisschen in Eile.“

„Ich nehme an, man hat dir eine Mission zugewiesen, Jekaterina.“, sagte Donatra.

„Da. Meine erste Mission auf meinem eigenen Schiff.“

„Gratuliere! Und ganz ehrlich, das war schon lange überfällig. Ich würde sagen, das ist schon ein Grund, sich zu treffen und das ganze gebührend zu feiern.“, sagte die Romulanerin.

Die Kommandantin der Kirow lachte.

„Okay, okay. Du hast mich überredet, Donatra.“

Jupiterstation Ebene 1 Sternzeit 56196.7

Jekaterina hatte eine kleine Bar auf der obersten Ebene entdeckt, in der sie auf Commander Donatra wartete. Pünktlich um 19:35 Uhr irdischer Zeitrechnung erschien die Romulanerin. Doch Donatra kam nicht allein. Sie wurde von einer rothaarigen begleitet. Commander Donatra war 1,70 m groß und hatte dunkelbraune Haare, die bis zu den Nasenflügeln reichten. Das Gesicht der Romulanerin war rund mit blauen Augen. Auffällig waren auch die nach oben gerichteten dünnen Augenbrauen, die sehr denen der Vulkanier ähnelten. Doch auch wenn die Ohren der Romulaner eher denen der Menschen ähnelten, so waren sie doch mit den Bewohnern des Planeten Vulkan verwandt.

Commander Donatra trug wie immer ihre Uniform. Ganz anders ihre Begleiterin. Sie trug ein magentafarbenes Abendkleid und Plateauschuhe, in derselben 23

Farbe. Die Rothaarige war mit ihren 1,65 m kleiner als Donatra und hatte eine hellere Haut, als diese, und war auch nicht so kräftig gebaut, wie ihre Begleiterin. Ein weiteres Merkmal waren die rotbraunen Haare, die oberhalb der Brüste in einer Dauerwelle endeten. Auch ihre blauen Augen unterschieden sich deutlich von denen ihrer Begleiterin.

Die Begrüßung zwischen Jekaterina Romanova und Donatra fiel entsprechend herzlich aus. Die beiden Frauen umarmten sich und hielten einander erst einmal fest.

„Schön dich zu sehen, Donatra.“, sagte Jekaterina.

„Und ich freue mich dich zu sehen. Hast du schon einen Tisch für uns reserviert?“

„Du kennst mich.“, sagte Jekaterina.

„Du überlässt nichts dem Zufall.“

„Ich wäre kein guter Captain, wenn ich nachlässig wäre, Donatra.“

„Wohl wahr.“

Als die drei Frauen einen freien Tisch gefunden hatten, stellte Donatra der Kommandantin der Kirow ihre Begleiterin vor.

„Kennst du meine Tochter Jardanka noch?“, fragte sie Jekaterina.

„Wer könnte deine Tochter vergessen? Man hat mir gesagt, dass sie unsere neue Wissenschaftsoffizierin wird.“

„Das stimmt. Deswegen sind wir auch hier. Aber jetzt stoßen wir doch erst einmal auf dein neues Kommando an, Jekaterina. Ich bin sehr stolz auf dich.“

„Danke. Ich habe sehr lange auf diesen Moment gewartet.“, sagte Jekaterina und nahm einen Schluck von ihrem Getränk.

„Das mag ich dir glauben, Jekaterina. Also deine erste Mission. Kannst du mir sagen, worum es geht?“

„Wir sollen eine energetische Anomalie untersuchen, die in der Nähe der neutralen Zone entdeckt wurde.“, sagte Jekaterina.

„Dann haben wir sozusagen denselben Weg. Fliegen wir im Verband. Dann können wir uns gegenseitig den Rücken freihalten.“

„Einverstanden, Donatra.“, sagte Jekaterina.

Um 20:15 Uhr trennten sich die Wege des Trios. 24

„Machs gut, Donatra.“, sagte die Russin.

„Pass auf dich auf.“

„Mach ich.“, sagte Jekaterina.

Dann nahm sie Donatra noch einmal in die Arme.

Dann war es auch Zeit für Jardanka, sich von ihrer Mutter zu verabschieden.

„Leb wohl, Mutter.“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.

„Leb wohl, Kleines. Und viel Glück.“

„Ich liebe dich, Mutter.“, sagte Jardanka.

„Ich weiß, Jardanka. Meine Liebe wird dich immer begleiten. In Gedanken bin ich immer bei dir. Sei also nicht traurig, wenn ich dich jetzt verlasse und auf die Valdore zurückkehre. Captain Romanova wird dich unter ihre Fittiche nehmen.“

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56196.8 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind wie geplant mit der Valdore des romulanischen Sternenimperiums zusammengetroffen. Commander Donatras Tochter Jardanka hat sich uns als Wissenschaftsoffzier angeschlossen. Nun sind wir gemeinsam mit der Valdore auf dem Weg in Richtung der neutralen Zone, wo wir die energetische Anomalie untersuchen sollen.“

Die Kirow hatte ihr Ziel erreicht. Die Valdore war indes weitergeflogen und hatte bald die Grenze zu heimatlichem Territorium überquert. Die Kirow blieb zurück. Jekaterina Romanova saß auf ihrem Sessel und hatte die Hände gefaltet. Jardanka hatte mit einem Scan die Anomalie lokalisiert und vermessen. Keiko saß an ihrer Konsole und lauschte aufmerksam, ob sich im Weltraum etwas tat. Es herrschte eine gespannte Atmosphäre auf der Brücke. Die Stille war so unheimlich, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Doch dann meldete sich Fähnrich Riley von der taktischen Station.

„Captain!“, rief er.

„Was gibt es, Mr. Riley?“

„Unsere achteren Sensoren haben ein Ferengi-Schiff geortet.“, sagte der Fähnrich.

„Auf den Schirm!“

Auf dem Schirm erschien ein Raumschiff der D´Kora-Klasse. Jekaterina erkannte das Schiff an seinem bauchigen Heck und der sich nach vorn verjüngenden Front, wo die Waffensysteme untergebracht waren. 25

„Mr. Riley, aktivieren sie unsere Schilde und die Waffensysteme.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

„Aye, Captain.“

Alex Rileys Finger flitzten über die Schaltflächen seiner Konsole.

„Waffensysteme und Schilde aktiviert.“, meldete er.

Doch dann machte der junge Mann ein erstauntes Gesicht.

„Was zum Teufel ist das?“, fragte er sich.

„Was ist was, Mr. Riley?“

„Captain, aus dem Zentrum der Anomalie wurde gerade… auf das Ferengi-Schiff gefeuert.“, sagte Alex Riley.

„Jetzt sehe ich es auch Captain.“

„Was sehen sie, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Es sieht aus, wie eine Plasmakugel, Captain.“

Jekaterina Romanova wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Schirm zu. Und dann sah sie es auch. Eine Kugel aus purer Energie raste unaufhaltsam auf den Marauder zu. Das Ferengi-Schiff feuerte zwar noch einen Photonentorpedo ab, doch es war bereits zu spät. Das Geschoss traf das Schiff und hüllte es mit Energieblitzen ein. Kurze Zeit später war der Marauder einfach so verschwunden.

Jekaterina sah ungläubig auf den Schirm. Dann wandte sie sich an Alex Riley.

„Mr. Riley, gibt es Anzeichen für einen weiteren Angriff?“, fragte sie.

„Negativ, Captain.“

Keiko Tadashita sah plötzlich von ihrer Konsole auf.

„Captain! Ich empfange eine Nachricht.“, sagte sie.

„Wer schickt sie?“

„Das kann ich nicht sagen, Captain. Sie scheint aus dem Zentrum der Anomalie zu kommen.“, sagte Keiko.

„Und wie lautet die Nachricht?“

„Sie lautet: „Gebt mir einen Namen.“.“, sagte Keiko. 26

„Captain, darf ich offen sprechen?“

„Nur zu, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Ich finde, wir sollten vorsichtig sein. Wir haben gesehen, was mit dem Ferengi-Schiff passiert ist.“

„Ich weiß, Nummer eins. Aber es ist auch kein Weltuntergang, einem namenlosen Individuum zu einer Identität zu verhelfen.“, sagte die Kommandantin.

Dann wandte sie sich an Keiko.

„Senden sie folgenden Namen: DAYANI.“, sagte Jekaterina.

Keiko betätigte die entsprechenden Schaltflächen. Doch dann fiel ihr etwas ein.

„Schreibt man Dayani mit „J“ oder mit „Y“, Captain?“, fragte sie.

„Mit „Y“.“

Keiko tippte den Namen ein und sandte die Nachricht ins Weltall. Kurze Zeit später kam die Antwort.

„Ich habe eine Antwort.“, sagte Keiko zu Jekaterina.

„Und wie lautet sie?“

„Sie lautet: „Name akzeptiert.“, Captain.“

In diesem Moment ging der Alarm los.

„Captain! Jemand hat das Schiff betreten.“, sagte Alex Riley.

„Wo befindet sich unser Gast?“

„Mein Gott! Die Person befindet sich hier auf der Brücke!“

Eric McClusky entdeckte das Wesen als erster. Und auch was mit ihm passierte.

„Captain! Unser Besucher nimmt menschliche Formen an.“, sagte er.

„Ich sehe es, Nummer eins. Es scheint eine Frau zu sein.“

Jekaterina sollte Recht behalten. Denn vor den Augen verwandelte sich das Energiewesen in eine Frau. Zuerst sah man ein ovales Gesicht mit gütigen braunen Augen und einer etwas breiten, aber dennoch hübschen Nase. Danach kamen brünette Haare, die unterhalb der Schulterblätter in einer Dauerwelle endeten. Am Ende der Verwandlung stand eine junge Frau mit einem schwarzen Trägerkleid, das auf einer Seite einen großzügigen Blick auf das linke Bein gewährte, und schwarzen High Heels vor Jekaterina Romanova 27

und ihrer verblüfften Besatzung. Es war jedoch die Kommandantin der Kirow, die sich als erste fing.

„Willkommen auf der Kirow, Dayani.“, sagte Jekaterina.

„Ich danke, Mutter.“

„Wieso nennst du mich Mutter?“, fragte Jekaterina.

„Du hast mir meinen Namen gegeben. So wie einst James Kirk mir geholfen hat, mich weiterzuentwickeln, so hast du mich nun auf meinem nächsten Schritt begleitet, Mutter.“

„Wieso nennst du Captain Kirk deinen Vater?“, fragte Jekaterina Dayani.

„Ich war V´Ger.“

Eric McClusky ahnte, worauf Dayani hinaus wollte.

„Dann hat sich aus der Vereinigung zwischen Commander Decker und Ilia die energetische Anomalie gebildet, die wir untersuchen sollten.“, sagte er.

„Genauso ist es, Commander.“

Jekaterina fasste einen Entschluss.

„Kann ich dich unter vier Augen sprechen, Dayani?“, fragte sie.

„Nur zu.“

Die Kommandantin stand von ihrem Platz auf und ging Richtung Bereitschaftsraum. Auf dem Weg wandte sie sich noch einmal zu ihrem ersten Offizier um.

„Sie machen inzwischen weiter, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Im Besprechnungsraum setzten sich die beiden Frauen zusammen.

„Die Kirow ist personell immer noch unterbesetzt. Ich brauche dringend eine Counselor. Traust du dir zu, diesen Posten zu übernehmen, Dayani?“, fragte Jekaterina.

„Es wär mir eine… große Ehre, Mutter.“

„Es wäre allerdings nur so lange, bis mir eine richtige Counselor zur Verfügung steht. Danach könntest du andere Aufgaben übernehmen.“, sagte Jekaterina.

„Das ist schon in Ordnung. Mir ist nur wichtig, dass wir zusammen sind.“ 28

„Ich bin froh, dich hier zu haben, Dayani. Aber kannst du mir bitte einen Gefallen tun?“, fragte die Kommandantin das Energiewesen.

„Jeden.“

„Nenn mich in Gegenwart meiner Offiziere bitte nicht mehr „Mutter“. Vor allem dann, wenn du auf dem Platz zu meiner Rechten sitzt. Denn dann bin ich deine Vorgesetzte.“, sagte Jekaterina.

„Wie… soll ich dich denn dann ansprechen?“

„Captain ist in Ordnung. Und noch etwas: Wenn wir im Dienst sind, bitte einen förmlichen Umgangston. Wenn wir aber unter uns sind, so wie jetzt, dann kannst du mich ruhig duzen und mich „Mutter“ nennen.“, sagte Jekaterina.

„Einverstanden.“

Zurück auf der Brücke setzte sich Dayani auf den Platz zur Rechten der Kommandantin. Jekaterina informierte die Besatzung.

„Dayani wird vorübergehend als Counselor auf diesem Schiff fungieren, bis wir eine kriegen. Und nur damit sie Bescheid wissen, begegnen sie ihr jederzeit mit dem ihr zustehenden Respekt.“, sagte die Kommandantin.

In diesem Augenblick hob Keiko Tadashita den Kopf.

„Captain, Admiral Janeway will sie sprechen. Gerade kam eine Nachricht.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Captain Romanova, wir haben den verstümmelten Funkspruch eines Ferengi-Schiffes aufgefangen. Wissen sie etwas darüber?“, fragte sie.

„Wir haben beobachtet, wie das Schiff mit einer Plasmakugel angegriffen wurde, die aus dem Zentrum der Anomalie kam.“

„Was ist mit dem Ferengi-Schiff passiert?“, wollte Admiral Janeway wissen.

„Es wurde von blauen Energieblitzen umhüllt, ehe es von einem Augenblick auf den anderen spurlos verschwand.“

„Ist ein vergleichbares Phänomen denn schon einmal aufgetreten, Captain Romanova?“, fragte Kathryn Janeway.

„Admiral Janeway, es ist zweifelsfrei zu beweisen, dass wir auf die nächste Entwicklungsstufe von V´Ger gestoßen sind.“ 29

„Sie haben meine Frage nicht beantwortet, Captain Romanova. Ich habe sie gefragt, ob so ein vergleichbares Phänomen schon einmal aufgetreten ist?“, fragte Admiral Janeway.

Doch es war Dayani, die auf die Frage antwortete.

„Ja, Admiral. Es gab ein ähnliches Ereignis. Im Jahr 2273 haben drei klingonische D7-Kreuzer ein Wesen namens V´Ger angegriffen. Sie wurden durch eine Plasmakugel, genau wie das Ferengi-Schiff zerstört.“, sagte sie.

Admiral Janeway wandte sich wieder an die Kommandantin.

„Captain Romanova, sie sagten dass die energetische Anomalie, die wir registriert haben, die nächste Entwicklungsstufe von V´Ger ist. Wie sicher sind sie mit ihrer Theorie?“, fragte sie.

„So sicher, wie man sich nur sein kann. Und Dayani, unser neuestes Besatzungsmitglied, ist die letzte Entwicklungsstufe V´Gers.“

„In Ordnung, Captain Romanova. Ich habe eine neue Mission für sie.“, sagte Katheryn Janeway.

„Um was geht es?“

„In der Nähe der Douglas-Station ist ein fremdes Raumschiff gesichtet worden. Es wurden auch mehrere Ferengi-Schiffe dort gesichtet. Sehen sie sich dort um, Captain. Sollten die Ferengi versuchen, Schwierigkeiten zu machen, zeigen sie ihnen, wer der Herr im Haus ist.“, sagte Admiral Janeway. 30

USS KIROW MISSION 1

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56193.3 Captain Jekaterina Romanova, neuer Eintrag: Wir liegen noch immer im Dock. Der Grund ist ganz simpel. Es fehlen noch die beiden Offiziere für die Transporterräume 2 und 4. Den Grund für deren Fehlen kennen nur die beiden selbst. Solange die beiden nicht an Bord sind, können wir das Dock nicht verlassen.“

Jekaterina klappte das Computerlogbuch zu und legte es auf die Seite.

„Wo bleiben die beiden bloß?“, fragte sie sich selbst.

In diesem Moment summte der kleine Kommunikator an ihrer Uniformjacke.

„Brücke.“, sagte sie.

„Captain, hier ist Chief Merwyn King. Gerade wurde ein Transfer angekündigt. Soll ich die Person erfassen?“

„Tun sie das, Mr. King.“, sagte die Kommandantin.

Keine zwei Minuten später kam eine neue Nachricht aus Transporterraum 1.

„Captain, Zielperson ist bereit zum beamen.“

„Energie.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

Es dauerte nicht lange, da zirpte der kleine Kommunikator erneut.

„Captain, eine Person, männlich, erfolgreich an Bord gebeamt.“

„Verstanden. Ich komme sofort.“, sagte Jekaterina.

Nur kurze Zeit später hatte sie ein Turbolift auf die Ebene gebracht, auf der sich die Transporterräume befanden. Die Kommandantin der Kirow begab sich direkt zum ersten der 5 Räume. Dort traf sie dann Merwyn King und den Neuankömmling. Zuerst nahm sie den „Neuen“ in Augenschein.

Der Fremde war ein 1,70 m großer schlaksiger Mann mit blonden Haaren und einem ovalen Gesicht mit braunen Augen. Das Kinn wurde von einem dichten, blonden Vollbart bedeckt, der an den Spitzen bereits grau wurde. Jekaterina konnte Traurigkeit in den Augen des Mannes erkennen. Offenbar hatte ihn ein schwerer Schicksalsschlag ereilt.

„Chief Jettediah McKenna meldet sich zum Dienst. Ich bitte für meine verspätete Ankunft um Entschuldigung.“, sagte er. 14

„Willkommen an Bord, Chief. Und ihre Entschuldigung ist hiermit angenommen.“

Dann begleitete die Kommandantin Chief McKenna zu seinem Arbeitsplatz.

„Ich will nicht neugierig erscheinen, Mr. McKenna. Aber wie kommt es, dass sie drei Tage zu spät sind?“, fragte Jekaterina.

„Ich dachte mir schon, dass sie danach fragen würden. In meiner Familie gab es zwei Todesfälle. Zuerst mein jüngerer Bruder, dann meine jüngere Schwester. Die beiden wurden zwei Tage vor meiner Versetzung auf ihr Schiff beigesetzt.“

„Mein Beileid, Chief. Es tut mir leid, das zu hören. Sollten sie mal jemanden zum Reden brauchen, Chief, dann lassen sie es mich wissen. Ich komm dann vorbei und wir können gemeinsam eine Tasse Tee trinken.“, sagte Jekaterina Romanova.

„Danke, für ihr Angebot, Captain.“

Auf ihrem Rückweg zur Brücke schaute die Kommandantin der Kirow noch einmal bei Transporterraum Nummer 3 vorbei. Dieser wurde von Mercedes Igualada, einer 36jährigen Spanierin aus Sevilla, betreut. Mercedes war eine 1,69 m große Brünette mit braunen Augen und einem schlanken Körper. Ihr ovales Gesicht wurde von ihren brünetten Haaren eingerahmt, die die 36jährige stets offen trug. Die Nase war zwar etwas breit geraten, fügte sich aber dennoch harmonisch in Mercedes Gesicht ein.

„Captain!“, rief Mercedes die Kommandantin.

„Was gibt es, Mercedes?“

„Melde eine männliche Person bereit zum Beamen.“, sagte Mercedes.

„Holen wir ihn rüber.“

„Aye, Captain. Transferfokus ist ausgerichtet.“, sagte Chief Igualada.

„Energie.“

Vor ihren Augen materialisierte ein Mann. Er war 1,70 m groß und hatte einen athletischen Körperbau. Der Neuankömmling hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Seine dunkelbraunen Haare hatte der Fremde kurz geschnitten, sodass sie über seinen Ohren endeten. Auffällig war auch das kleine Grübchen am Kinn des Mannes.

Der Mann kam die Stufen herunter und salutierte vor Jekaterina.

„Chief Shaun O´Shane meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte er. 15

„Willkommen an Bord, Mr. O´ Shane.“

„Ich bitte meine verspätete Ankunft zu entschuldigen, Captain. Aber ich war bedauerlicherweise durch eine fiebrige Erkältung außer Gefecht gesetzt.“, sagte Shaun O´ Shane.

„Es freut mich, dass sie wieder gesund sind, Chief O´ Shane.“

Danach kehrte Jekaterina Romanova auf die Brücke zurück. Ihr erster Offizier saß auf seinem Platz zu ihrer Linken.

„AAAAACHHHTUNG!“, sagte er, als seine Vorgesetzte auf die Brücke kam.

„Rühren, Mr. McClusky.“

„Danke. Captain.“, sagte Eric McClusky.

„Irgendwelche Neuigkeiten vom Oberkommando?“

„Sie meinen, wegen unserer Anfrage für einen Sicherheitsoffizier, Captain?“, fragte der erste Offizier der Kirow.

„Da.“

„Admiral Paris meldet sich gleich.“, sagte Eric McClusky.

Dann senkte er die Stimme.

„Darf ich sie etwas fragen Captain?“, fragte er.

„Sicher, Nummer eins.“

„Auch etwas persönliches?“, fragte der junge Offizier.

„Von mir aus auch das.“

„Wieso sind sie eigentlich in einem Partykleid an Bord gekommen? Normalerweise trägt man als Kommandant seine Uniform.“, sagte Eric McClusky.

„Ich sollte UNVERZÜGLICH an Bord gehen. Wäre ich in mein Quartier im Hauptquartier gefahren und hätte mich umgezogen, hätte ich gegen meinen Befehl verstoßen. Warum Commander Sherrock auch in zivil statt in Uniform zum Dienst erschienen ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen.“

Eric McClusky beschloss, es dabei bewenden zu lassen. Doch dann meldete sich Keiko Tadashita zu Wort.

„Captain! Ich habe Admiral Paris für sie!“, sagte sie. 16

„Auf den Schirm!“

Auf dem großen Schirm, der zugleich auch als Fenster diente, erschien das Gesicht von Owen Paris.

„Captain, ich fürchte ich habe schlechte Nachrichten für sie.“, sagte er.

„Ich ahne schon, was los ist. Wir müssen ohne Sicherheitsoffizier aufbrechen.“

„Zumindest ohne einen Offizier mit entsprechender Erfahrung. Ich kann ihnen höchstens einen Fähnrich zur Verfügung stellen.“, sagte Admiral Paris.

„Zwar nicht das, was wir uns erhofft hatten, aber besser als gar nichts.“

„Er kommt in einer halben Stunde.“, sagte der Admiral.

„Wie ist der Name des Fähnrichs?“

„Er heißt Alex Riley.“, sagte Owen Paris.

Nach besagter halber Stunde kam eine Meldung aus Transporterraum 1, denn Jekaterinas Kommunikator zirpte.

„Brücke.“, sagte sie.

„Hier ist Mr. King, Captain. Mir wurde gerade eine Person zum beamen angekündigt.“

„Energie.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

Dann verließ Jekaterina Romanova die Brücke und machte sich auf den Weg zu Transporterraum 1. Dort angekommen nahm sie zuerst den Neuankömmling in Augenschein. Der junge Mann war 1,91 m groß und athletisch gebaut. Er hatte ein rundes Gesicht mit braunen Augen und einer ziemlich breiten Nase. Seine braunen Haare hatte er kurz geschnitten und an den Schläfen sogar noch rasiert. So waren seine Segelohren zu sehen.

„Fähnrich Riley. Willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain. Ich stehe sozusagen noch unter Schock.“

Jekaterina stutzte und legte ihre Stirn in Falten.

„Darf ich nach dem Grund fragen, Mir Riley?“, fragte sie dann.

„Nun… wenn sie mich so fragen… ich… äh… hatte nicht damit gerechnet, dass ich schon jetzt in den aktiven Dienst berufen werde.“

„Unverhofft kommt oft. Na schön. Jetzt beziehen sie erst einmal ihr Quartier 17

und in 15 Minuten treffen wir beide uns zu einem Vier-Augen-Gespräch im Bereitschaftsraum.“, sagte Jekaterina.

Alex Riley nickte, dann machte er sich auf den Weg. Die Kommandantin wandte sich wieder an Chief King. Merwyn King war 1,78 m groß und hatte eine kräftige Statur, als würde er in seiner Freizeit Rugby spielen. Er hatte ein rundes Gesicht mit kurzen, braunen Haaren und braunen Augen. Seine Nase war nicht ganz so breit, wie die von Alex Riley, passte aber irgendwie in das Gesicht des 38jährigen Walisers.

„Wird Zeit, dass wir aufbrechen, Mr. King.“, sagte Jekaterina Romanova.

„Da gebe ich ihnen Recht. Wird Zeit, dass wir hier rauskommen. Ist nämlich immer noch besser, als hier tatenlos rumzudümpeln.“

Zurück auf der Brücke ging Jekaterina Romanova in den Bereitschaftsraum, der direkt hinter der Brücke lag. Über den Replikator, der sich im Raum befand, ließ sie sich eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone, ihr Lieblingsgetränk seit ihrer Kindheit, zubereiten. Allein schon der Duft hatte eine beruhigende Wirkung auf die junge Kommandantin. Sie hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen, da ertönte auch schon der Türsummer.

„Herein!“, sagte Jekaterina.

Die Tür öffnete sich und Fähnrich Alex Riley trat ein.

„Sie wollten mich sprechen?“, fragte er unsicher.

„Setzen sie sich, Mr. Riley.“

Nachdem sich der junge Mann gesetzt hatte begann Jekaterina Romanova das Gespräch.

„Ich weiß, dass sie nervös sind Fähnrich.“, sagte sie.

„Sieht man mir das an?“

„Glauben sie mir, das habe ich schon bemerkt, als wir uns im Transporterraum begegnet sind. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass man sie sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen hat, als man ihnen den Befehl gab zu uns zu stoßen. Aber wir brauchen jemanden an der taktischen Station, Mr. Riley. Ich werde mein Bestes tun, um ihnen eine ordentliche Ausbildung angedeihen zu lassen, solange sie an Bord sind.“, sagte Jekaterina.

„Danke Captain. Darf ich offen zu ihnen sein?“

„Nur zu.“, sagte Jekaterina. 18

„Die Frage ist wo anfangen, Captain.“

„Wie wäre es mit dem Naheliegendsten?“, schlug die Kommandantin vor.

„Tja… ich… ich hatte eigentlich gedacht, dass man mir noch soviel Zeit geben würde, mein Versprechen einzulösen.“

„Ich hoffe, es ist kein Versprechen, dass in irgendeiner Weise mit illegalem Glücksspiel zu tun hat.“, sagte Jekaterina Romanova.

„In dem Punkt kann ich sie beruhigen, Captain. Es ist ein Heiratsversprechen.“

„Verstehe. Und jetzt haben sie Angst, dass ihre zukünftige Ehefrau zur Witwe wird, noch bevor sie verheiratet ist.“, sagte Jekaterina.

„So könnte man es ausdrücken, Captain.“

„Ich mache grundsätzlich keine Versprechen, die ich am Ende nicht einhalten kann, Mr. Riley. Aber ich werde mein Bestes tun, damit sie noch vor unserer Abreise verheiratet sind.“, sagte Captain Romanova.

„Danke, Captain.“

In diesem Augenblick meldete sich Keiko Tadashita über die Sprechanlage.

„Captain, ich habe Admiral Janeway in der Leitung.“, sagte sie.

„Stellen sie durch, Miss Tadashita.“

Auf dem kleinen Bildschirm erschien das Gesicht von Katheryn Janeway, der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.

„Würden sie mich bitte allein lassen, Mister Riley?“, fragte die Kommandantin ihren Fähnrich.

„Ja, Ma´ am.“

Als Alex Riley den Raum verlassen hatte, widmete Jekaterina Romanova ihre vollen Aufmerksamt ihrer Gesprächspartnerin.

„Captain Romanova.“, sagte Katheryn Janeway.

„Admiral Janeway.“

„Ich habe einen Auftrag für sie und ihr Schiff.“, sagte Admiral Janeway.

„Ich höre.“

„In der Nähe der neutralen Zone wurde vor kurzem eine energetische Anomalie entdeckt. Fliegen sie dorthin und sehen sich das mal an.“, sagte die 19

ehemalige Kommandantin der Voyager.

„Verstanden, Admiral. Sonst noch etwas, was ich wissen müsste?“

„Ich möchte, dass sie auf dem Weg zur neutralen Zone, vorher die Jupiterstation ansteuern. Dort stößt ihr neuer Wissenschaftsoffizier dann zu ihnen.“, sagte Katheryn Janeway.

„In Ordnung. Gibt es etwas, was sie mir über unseren neuen Wissenschaftsoffizier sagen können?“

„Sie ist Romulanerin und heißt Jardanka.“, sagte Admiral Janeway.

„Eine Romulanerin?“

„Ja. Sie ist die Tochter von Commander Donatra.“, sagte Katheryn Janeway.

„Danke, Admiral.“

„Immer wieder gern. Und jetzt machen sie sich besser auf den Weg. Admiral Janeway Ende.“, sagte Katheryn Janeway.

Danach wurde die Verbindung getrennt. Jekaterina Romanova trank noch ihren Tee aus und ging dann Brücke. Dort angekommen, nahm sie den Platz in der Mitte ein. Links von ihr saß Eric McClusky, ihr erster Offizier. Der Stuhl zu ihrer Rechten war noch leer, denn dort saß in der Regel die Counselor.

„Commander Sherrock, berechnen sie den schnellsten Kurs zur Jupiterstation.“, befahl Jekaterina.

„Aye, Captain.“

Doch bevor Jekaterina Romanova den Befehl geben konnte, das Dock zu verlassen, meldete sich Nigel Palmer aus Transporterraum 5. Jekaterina bemerkte dies am Zirpen ihres Kommunikators.

„Brücke.“, sagte sie.

„Captain hier ist Chief Palmer. Gerade wurde uns eine Person zum Beamen angekündigt. Ihr Name ist Cynthia Blake.“

„Verstanden. Haben sie die Dame bereits im Transferfokus?“, fragte die Kommandantin.

„Ist gerade geschehen, Captain.“

„Energie.“, sagte Jekaterina.

Kurze Zeit später erhielt die Kommandantin der Kirow die Bestätigung 20

für den erfolgreichen Transfer.

„Captain, Beamvorgang abgeschlossen. Eine weibliche Person an Bord.“

„Verstanden.“, sagte Jekaterina.

An Fallon Sherrock gewandt fuhr sie fort: „Manöverdüsen Miss Sherrock. Bringen sie uns raus.“

Dann wandte sich Jekaterina an Fähnrich Riley.

„Mr. Riley, würden sie mich bitte begleiten?“, fragte sie.

Dann verließ Jekaterina Romanova zusammen mit Alex Riley die Brücke und machte sich auf den Weg zu Transporterraum 5.

In Transporterraum 5 angekommen, nahm Alex Riley seine Verlobte in die Arme und die beiden gaben sich einen Kuss. Jekaterina nahm Cynthia Blake genauer in Augenschein. Sie war eine 1,70 m große Brünette mit einem ovalen Gesicht und gütig und liebevoll dreinblickenden braunen Augen. Die elegante Nase fügte sich harmonisch in das Gesicht dieser Frau ein. Ihre Haare trug die zukünftige Ehefrau von Alex Riley offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Und offenbar war sich Cynthia ihres Modelkörpers bewusst, wie das auberginefarbene, figurbetonende Kleid und die High Heels in derselben Farbe verrieten.

„Miss Blake, willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina und hielt Cynthia Blake die Hand hin.

„Danke Captain. Ich bitte mein verspätetes Eintreffen zu entschuldigen. Ich habe erst sozusagen gerade eben die Erlaubnis erhalten, an Bord zu kommen.“

Dann ergriff Cynthia die ihr dargebotene Hand und schüttelte sie ganz sanft.

Jekaterina wandte sich wieder an Fähnrich Riley.

„Nun, Mr. Riley. Da sie und Miss Blake so gut wie verheiratet sind, ist es nur rechtens, dass sie beide das Quartier teilen. Begleiten sie ihre Liebste dorthin. Aber dann brauche ich sie wieder auf der Brücke.“, sagte sie.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56196.06 Captain Jekaterina Romanova. Neuer Eintrag: Wir sind gerade an der Jupiterstation angekommen. Nun warten wir noch auf die IRW Valdore, mit der wir hier zusammentreffen sollen. Wenn Commander Jardanka zu uns gestoßen ist, werden wir zu unserer eigentlichen Mission aufbrechen.“

„Es ist das erste Mal, dass sich ein Raumschiff der Romulaner so nahe 21

an die Erde heranwagt. Früher wäre so etwas undenkbar gewesen, Captain.“, sagte Eric McClusky.

„Ein erstes Mal gibt es bekanntlich immer, Nummer eins.“

Jekaterina Romanova faltete die Hände und sah nachdenklich nach draußen. Dort konnte sie die Jupiterstation sehen, die mit ihren zwei dreistöckigen Gebäudekomplexen eine imposante Erscheinung darstellte. Jede Ebene war über einen Tunnel mit der anderen Seite verbunden. Auf der untersten Stationsebene waren auf beiden Seiten jeweils hochklappbare Energiekollektoren angebracht. Die Stege, an denen die Kollektoren montiert waren, beherbergten am Ende die Sensoren und die Kommunikationseinrichtungen. Am Fuße der mächtigen Säulen, auf denen die Station eigentlich ruhte, waren weitere Kommunikationsgeräte und weitere Energiekollektoren zu sehen. Sogar noch auf den Dächern, der beiden Stationskomplexe waren Antennen zu sehen, die der Kommunikation dienten.

Alex Rileys Stimme riss die junge Kommandantin aus ihren Gedanken.

„Captain, die Sensoren melden ein romulanisches Raumschiff, der Valdore-Klasse.“, sagte er.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien statt der Jupiterstation ein in grün gehaltenes Raumschiff. Das Schiff ähnelte von seinen Konturen her einem Raubvogel. Denn auf den Oberseiten der Flügel über den Gondeln an den Seiten hatte man Federmotive eingefräst. Das Schiff war 603,5 Meter lang. Bewaffnet war das romulanische Schiff mit 12 Disruptoren und 6 Abschussrampen für Photonentorpedos. Dazu kamen noch Schutzschilde. Im vorderen Teil, der auch die Kommandobrücke beherbergte brannten einige Lichter.

„Captain, darf ich sie was fragen?“, fragte Commander McClusky.

„Was?“

„Es geht das Gerücht, dass sie zu Commander Donatra eine ziemlich innige Freundschaft pflegen. Stimmt das?“

„Wir sind uns schon ein paar Mal begegnet. Und ja, wir duzen uns auch. Schließlich kennen wir uns schon eine Weile.“

Keiko Tadashita meldete sich zu Wort.

„Captain! Die Valdore ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“ 22

Auf dem großen Schirm erschien nun das runde Gesicht Donatras.

„Hallo Jekaterina.“, sagte die Romulanerin.

„Donatra.“

„Wie sagst du immer so schön: Long Time, no see?“, fragte Donatra.

„Ist schon ne Weile her, seit unserer letzten Begegnung.“

„Wohl wahr. Ich denke, wir beiden haben uns eine Menge zu erzählen.“, sagte die Romulanerin.

„Soll das eine Einladung sein, einen Trinken zu gehen, Donatra?“

„Könnte ich dich dafür begeistern, Jekaterina?“, wollte Commander Donatra wissen.

„Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich einem Drink nicht abgeneigt bin. Aber das Problem ist, wir sind ein bisschen in Eile.“

„Ich nehme an, man hat dir eine Mission zugewiesen, Jekaterina.“, sagte Donatra.

„Da. Meine erste Mission auf meinem eigenen Schiff.“

„Gratuliere! Und ganz ehrlich, das war schon lange überfällig. Ich würde sagen, das ist schon ein Grund, sich zu treffen und das ganze gebührend zu feiern.“, sagte die Romulanerin.

Die Kommandantin der Kirow lachte.

„Okay, okay. Du hast mich überredet, Donatra.“

Jupiterstation Ebene 1 Sternzeit 56196.7

Jekaterina hatte eine kleine Bar auf der obersten Ebene entdeckt, in der sie auf Commander Donatra wartete. Pünktlich um 19:35 Uhr irdischer Zeitrechnung erschien die Romulanerin. Doch Donatra kam nicht allein. Sie wurde von einer rothaarigen begleitet. Commander Donatra war 1,70 m groß und hatte dunkelbraune Haare, die bis zu den Nasenflügeln reichten. Das Gesicht der Romulanerin war rund mit blauen Augen. Auffällig waren auch die nach oben gerichteten dünnen Augenbrauen, die sehr denen der Vulkanier ähnelten. Doch auch wenn die Ohren der Romulaner eher denen der Menschen ähnelten, so waren sie doch mit den Bewohnern des Planeten Vulkan verwandt.

Commander Donatra trug wie immer ihre Uniform. Ganz anders ihre Begleiterin. Sie trug ein magentafarbenes Abendkleid und Plateauschuhe, in derselben 23

Farbe. Die Rothaarige war mit ihren 1,65 m kleiner als Donatra und hatte eine hellere Haut, als diese, und war auch nicht so kräftig gebaut, wie ihre Begleiterin. Ein weiteres Merkmal waren die rotbraunen Haare, die oberhalb der Brüste in einer Dauerwelle endeten. Auch ihre blauen Augen unterschieden sich deutlich von denen ihrer Begleiterin.

Die Begrüßung zwischen Jekaterina Romanova und Donatra fiel entsprechend herzlich aus. Die beiden Frauen umarmten sich und hielten einander erst einmal fest.

„Schön dich zu sehen, Donatra.“, sagte Jekaterina.

„Und ich freue mich dich zu sehen. Hast du schon einen Tisch für uns reserviert?“

„Du kennst mich.“, sagte Jekaterina.

„Du überlässt nichts dem Zufall.“

„Ich wäre kein guter Captain, wenn ich nachlässig wäre, Donatra.“

„Wohl wahr.“

Als die drei Frauen einen freien Tisch gefunden hatten, stellte Donatra der Kommandantin der Kirow ihre Begleiterin vor.

„Kennst du meine Tochter Jardanka noch?“, fragte sie Jekaterina.

„Wer könnte deine Tochter vergessen? Man hat mir gesagt, dass sie unsere neue Wissenschaftsoffizierin wird.“

„Das stimmt. Deswegen sind wir auch hier. Aber jetzt stoßen wir doch erst einmal auf dein neues Kommando an, Jekaterina. Ich bin sehr stolz auf dich.“

„Danke. Ich habe sehr lange auf diesen Moment gewartet.“, sagte Jekaterina und nahm einen Schluck von ihrem Getränk.

„Das mag ich dir glauben, Jekaterina. Also deine erste Mission. Kannst du mir sagen, worum es geht?“

„Wir sollen eine energetische Anomalie untersuchen, die in der Nähe der neutralen Zone entdeckt wurde.“, sagte Jekaterina.

„Dann haben wir sozusagen denselben Weg. Fliegen wir im Verband. Dann können wir uns gegenseitig den Rücken freihalten.“

„Einverstanden, Donatra.“, sagte Jekaterina.

Um 20:15 Uhr trennten sich die Wege des Trios. 24

„Machs gut, Donatra.“, sagte die Russin.

„Pass auf dich auf.“

„Mach ich.“, sagte Jekaterina.

Dann nahm sie Donatra noch einmal in die Arme.

Dann war es auch Zeit für Jardanka, sich von ihrer Mutter zu verabschieden.

„Leb wohl, Mutter.“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.

„Leb wohl, Kleines. Und viel Glück.“

„Ich liebe dich, Mutter.“, sagte Jardanka.

„Ich weiß, Jardanka. Meine Liebe wird dich immer begleiten. In Gedanken bin ich immer bei dir. Sei also nicht traurig, wenn ich dich jetzt verlasse und auf die Valdore zurückkehre. Captain Romanova wird dich unter ihre Fittiche nehmen.“

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56196.8 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind wie geplant mit der Valdore des romulanischen Sternenimperiums zusammengetroffen. Commander Donatras Tochter Jardanka hat sich uns als Wissenschaftsoffzier angeschlossen. Nun sind wir gemeinsam mit der Valdore auf dem Weg in Richtung der neutralen Zone, wo wir die energetische Anomalie untersuchen sollen.“

Die Kirow hatte ihr Ziel erreicht. Die Valdore war indes weitergeflogen und hatte bald die Grenze zu heimatlichem Territorium überquert. Die Kirow blieb zurück. Jekaterina Romanova saß auf ihrem Sessel und hatte die Hände gefaltet. Jardanka hatte mit einem Scan die Anomalie lokalisiert und vermessen. Keiko saß an ihrer Konsole und lauschte aufmerksam, ob sich im Weltraum etwas tat. Es herrschte eine gespannte Atmosphäre auf der Brücke. Die Stille war so unheimlich, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Doch dann meldete sich Fähnrich Riley von der taktischen Station.

„Captain!“, rief er.

„Was gibt es, Mr. Riley?“

„Unsere achteren Sensoren haben ein Ferengi-Schiff geortet.“, sagte der Fähnrich.

„Auf den Schirm!“

Auf dem Schirm erschien ein Raumschiff der D´Kora-Klasse. Jekaterina erkannte das Schiff an seinem bauchigen Heck und der sich nach vorn verjüngenden Front, wo die Waffensysteme untergebracht waren. 25

„Mr. Riley, aktivieren sie unsere Schilde und die Waffensysteme.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

„Aye, Captain.“

Alex Rileys Finger flitzten über die Schaltflächen seiner Konsole.

„Waffensysteme und Schilde aktiviert.“, meldete er.

Doch dann machte der junge Mann ein erstauntes Gesicht.

„Was zum Teufel ist das?“, fragte er sich.

„Was ist was, Mr. Riley?“

„Captain, aus dem Zentrum der Anomalie wurde gerade… auf das Ferengi-Schiff gefeuert.“, sagte Alex Riley.

„Jetzt sehe ich es auch Captain.“

„Was sehen sie, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Es sieht aus, wie eine Plasmakugel, Captain.“

Jekaterina Romanova wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Schirm zu. Und dann sah sie es auch. Eine Kugel aus purer Energie raste unaufhaltsam auf den Marauder zu. Das Ferengi-Schiff feuerte zwar noch einen Photonentorpedo ab, doch es war bereits zu spät. Das Geschoss traf das Schiff und hüllte es mit Energieblitzen ein. Kurze Zeit später war der Marauder einfach so verschwunden.

Jekaterina sah ungläubig auf den Schirm. Dann wandte sie sich an Alex Riley.

„Mr. Riley, gibt es Anzeichen für einen weiteren Angriff?“, fragte sie.

„Negativ, Captain.“

Keiko Tadashita sah plötzlich von ihrer Konsole auf.

„Captain! Ich empfange eine Nachricht.“, sagte sie.

„Wer schickt sie?“

„Das kann ich nicht sagen, Captain. Sie scheint aus dem Zentrum der Anomalie zu kommen.“, sagte Keiko.

„Und wie lautet die Nachricht?“

„Sie lautet: „Gebt mir einen Namen.“.“, sagte Keiko. 26

„Captain, darf ich offen sprechen?“

„Nur zu, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Ich finde, wir sollten vorsichtig sein. Wir haben gesehen, was mit dem Ferengi-Schiff passiert ist.“

„Ich weiß, Nummer eins. Aber es ist auch kein Weltuntergang, einem namenlosen Individuum zu einer Identität zu verhelfen.“, sagte die Kommandantin.

Dann wandte sie sich an Keiko.

„Senden sie folgenden Namen: DAYANI.“, sagte Jekaterina.

Keiko betätigte die entsprechenden Schaltflächen. Doch dann fiel ihr etwas ein.

„Schreibt man Dayani mit „J“ oder mit „Y“, Captain?“, fragte sie.

„Mit „Y“.“

Keiko tippte den Namen ein und sandte die Nachricht ins Weltall. Kurze Zeit später kam die Antwort.

„Ich habe eine Antwort.“, sagte Keiko zu Jekaterina.

„Und wie lautet sie?“

„Sie lautet: „Name akzeptiert.“, Captain.“

In diesem Moment ging der Alarm los.

„Captain! Jemand hat das Schiff betreten.“, sagte Alex Riley.

„Wo befindet sich unser Gast?“

„Mein Gott! Die Person befindet sich hier auf der Brücke!“

Eric McClusky entdeckte das Wesen als erster. Und auch was mit ihm passierte.

„Captain! Unser Besucher nimmt menschliche Formen an.“, sagte er.

„Ich sehe es, Nummer eins. Es scheint eine Frau zu sein.“

Jekaterina sollte Recht behalten. Denn vor den Augen verwandelte sich das Energiewesen in eine Frau. Zuerst sah man ein ovales Gesicht mit gütigen braunen Augen und einer etwas breiten, aber dennoch hübschen Nase. Danach kamen brünette Haare, die unterhalb der Schulterblätter in einer Dauerwelle endeten. Am Ende der Verwandlung stand eine junge Frau mit einem schwarzen Trägerkleid, das auf einer Seite einen großzügigen Blick auf das linke Bein gewährte, und schwarzen High Heels vor Jekaterina Romanova 27

und ihrer verblüfften Besatzung. Es war jedoch die Kommandantin der Kirow, die sich als erste fing.

„Willkommen auf der Kirow, Dayani.“, sagte Jekaterina.

„Ich danke, Mutter.“

„Wieso nennst du mich Mutter?“, fragte Jekaterina.

„Du hast mir meinen Namen gegeben. So wie einst James Kirk mir geholfen hat, mich weiterzuentwickeln, so hast du mich nun auf meinem nächsten Schritt begleitet, Mutter.“

„Wieso nennst du Captain Kirk deinen Vater?“, fragte Jekaterina Dayani.

„Ich war V´Ger.“

Eric McClusky ahnte, worauf Dayani hinaus wollte.

„Dann hat sich aus der Vereinigung zwischen Commander Decker und Ilia die energetische Anomalie gebildet, die wir untersuchen sollten.“, sagte er.

„Genauso ist es, Commander.“

Jekaterina fasste einen Entschluss.

„Kann ich dich unter vier Augen sprechen, Dayani?“, fragte sie.

„Nur zu.“

Die Kommandantin stand von ihrem Platz auf und ging Richtung Bereitschaftsraum. Auf dem Weg wandte sie sich noch einmal zu ihrem ersten Offizier um.

„Sie machen inzwischen weiter, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Im Besprechnungsraum setzten sich die beiden Frauen zusammen.

„Die Kirow ist personell immer noch unterbesetzt. Ich brauche dringend eine Counselor. Traust du dir zu, diesen Posten zu übernehmen, Dayani?“, fragte Jekaterina.

„Es wär mir eine… große Ehre, Mutter.“

„Es wäre allerdings nur so lange, bis mir eine richtige Counselor zur Verfügung steht. Danach könntest du andere Aufgaben übernehmen.“, sagte Jekaterina.

„Das ist schon in Ordnung. Mir ist nur wichtig, dass wir zusammen sind.“ 28

„Ich bin froh, dich hier zu haben, Dayani. Aber kannst du mir bitte einen Gefallen tun?“, fragte die Kommandantin das Energiewesen.

„Jeden.“

„Nenn mich in Gegenwart meiner Offiziere bitte nicht mehr „Mutter“. Vor allem dann, wenn du auf dem Platz zu meiner Rechten sitzt. Denn dann bin ich deine Vorgesetzte.“, sagte Jekaterina.

„Wie… soll ich dich denn dann ansprechen?“

„Captain ist in Ordnung. Und noch etwas: Wenn wir im Dienst sind, bitte einen förmlichen Umgangston. Wenn wir aber unter uns sind, so wie jetzt, dann kannst du mich ruhig duzen und mich „Mutter“ nennen.“, sagte Jekaterina.

„Einverstanden.“

Zurück auf der Brücke setzte sich Dayani auf den Platz zur Rechten der Kommandantin. Jekaterina informierte die Besatzung.

„Dayani wird vorübergehend als Counselor auf diesem Schiff fungieren, bis wir eine kriegen. Und nur damit sie Bescheid wissen, begegnen sie ihr jederzeit mit dem ihr zustehenden Respekt.“, sagte die Kommandantin.

In diesem Augenblick hob Keiko Tadashita den Kopf.

„Captain, Admiral Janeway will sie sprechen. Gerade kam eine Nachricht.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Captain Romanova, wir haben den verstümmelten Funkspruch eines Ferengi-Schiffes aufgefangen. Wissen sie etwas darüber?“, fragte sie.

„Wir haben beobachtet, wie das Schiff mit einer Plasmakugel angegriffen wurde, die aus dem Zentrum der Anomalie kam.“

„Was ist mit dem Ferengi-Schiff passiert?“, wollte Admiral Janeway wissen.

„Es wurde von blauen Energieblitzen umhüllt, ehe es von einem Augenblick auf den anderen spurlos verschwand.“

„Ist ein vergleichbares Phänomen denn schon einmal aufgetreten, Captain Romanova?“, fragte Kathryn Janeway.

„Admiral Janeway, es ist zweifelsfrei zu beweisen, dass wir auf die nächste Entwicklungsstufe von V´Ger gestoßen sind.“ 29

„Sie haben meine Frage nicht beantwortet, Captain Romanova. Ich habe sie gefragt, ob so ein vergleichbares Phänomen schon einmal aufgetreten ist?“, fragte Admiral Janeway.

Doch es war Dayani, die auf die Frage antwortete.

„Ja, Admiral. Es gab ein ähnliches Ereignis. Im Jahr 2273 haben drei klingonische D7-Kreuzer ein Wesen namens V´Ger angegriffen. Sie wurden durch eine Plasmakugel, genau wie das Ferengi-Schiff zerstört.“, sagte sie.

Admiral Janeway wandte sich wieder an die Kommandantin.

„Captain Romanova, sie sagten dass die energetische Anomalie, die wir registriert haben, die nächste Entwicklungsstufe von V´Ger ist. Wie sicher sind sie mit ihrer Theorie?“, fragte sie.

„So sicher, wie man sich nur sein kann. Und Dayani, unser neuestes Besatzungsmitglied, ist die letzte Entwicklungsstufe V´Gers.“

„In Ordnung, Captain Romanova. Ich habe eine neue Mission für sie.“, sagte Katheryn Janeway.

„Um was geht es?“

„In der Nähe der Douglas-Station ist ein fremdes Raumschiff gesichtet worden. Es wurden auch mehrere Ferengi-Schiffe dort gesichtet. Sehen sie sich dort um, Captain. Sollten die Ferengi versuchen, Schwierigkeiten zu machen, zeigen sie ihnen, wer der Herr im Haus ist.“, sagte Admiral Janeway. 30

USS Kirow - Mission 2

USS KIROW MISSION 2

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56197.2 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir haben unsere erste Mission erfolgreich absolviert. Nun sind wir auf dem Weg zur Douglas-Station um uns das fremde Raumschiff genauer anzusehen. Leider wurden auch des Öfteren die Raumschiffe der Ferengi in diesem Gebiet gesichtet. Mein Instinkt sagt mir, dass sich diese Piraten das Schiff und alles was sich noch an Bord befindet, unter den Nagel reißen wollen.“

Die Kirow näherte sich der Douglas-Station. Jekaterina Romanova hatte erhöhte Alarmbereitschaft angeordnet. Denn wenn es zu einem Aufeinandertreffen mit den Ferengi kam, wollte sie auf alles vorbereitet sein. Die Station kam in Sicht. Und irgendwie erinnerte sie von der Form her an einen Pilz. Oben der breite Hut, unten der Stängel. Jekaterina ließ ihr Schiff langsam an die Station heran gleiten. Als sich die Kirow in einem stationären Orbit um die Douglas-Station befand, ließ die Kommandantin die Umgebung scannen. Und während der Scan lief, ließ Jekaterina die Reise noch einmal Revue passieren. Zuallererst waren sie auf ein Raumschiff der Borg getroffen. Die Kommandantin der Kirow hatte daraufhin die Schutzschilde und die Waffensysteme ihres Schiffes aktivieren lassen.

Die Borg hatten umgehend das Feuer auf die Kirow eröffnet. Jekaterina Romanova hatte mit einer Salve aus den Phaserbänken der Kirow eine entsprechende Antwort geschickt. Die Borg feuerten erneut. Die Kirow erzitterte, als die Phasersalve das Schiff traf. Jekaterina ließ einen Quantentorpedo abfeuern, der noch einmal schwere Schäden am Borg-Kubus verursachte. Gerade, als die Borg ein drittes Mal gefeuert hatten, kam Dayani eine Idee.

„Wir sollten den Borg einen Energiestoß versetzen.“, sagte sie.

„Wozu soll das gut sein?“

„Ist das nicht offensichtlich, Commander McClusky? Der Energiestoß wird die gesamte Energieversorgung des Borg-Schiffes derart überlasten, dass dort alles zusammenbricht. Dann können wir den Borg den Rest geben.“, sagte Dayani.

„Versuchen wirs.“

„Wenn sie mich kurz entschuldigen würden.“, sagte Dayani, ehe sie in einem weißen Lichtblitz verschwand.

Auf der Oberseite der Untertassensektion tauchte sie wieder auf. Sie breitete ihre Arme aus und schloss die Augen. Sofort wurde sie von einer Wolke 31

kosmischer Energie umgeben. Diese Wolke schleuderte Dayani dem Borg-Schiff entgegen. Blaue Energieblitze zuckten um den Borg-Kubus, ehe dessen Energiesysteme in einem Funkenregen ihren Dienst quittierten. Danach reichten zwei Photonentorpedos der Kirow, um das Borg-Schiff zu zerstören.

Danach waren sie auf die USS Laconia getroffen. Das Schiff befand sich noch in der Erprobungsphase, weshalb es das Kürzel NX statt des NCC, das Schiffe im aktiven Dienst kennzeichnete, trug. Kommandiert wurde das Schiff von Captain Igor Fedorovitsch. Dieser war mit der aktuellen Situation alles andere als zufrieden. Man hatte ihm zwar das Kapitänspatent gelassen, aber man hatte ihn zu den Testcrews versetzt. Das bedeutete, dass er nur dann auf dem Sessel in Mitte Platz nehmen durfte, wenn ein neues Schiff in Dienst gestellt wurde. Und selbst dann war noch nicht einmal gesagt, dass man ihn auch nehmen würde. Denn es gab noch mindestens drei weitere Kapitäne, die vor ihrer Pensionierung standen, und bei den Erprobungsmannschaften ihr Gnadenbrot fraßen. Nein. Er, Igor Fedorovitsch, gehörte dort nicht hin. Er hatte so auf den Kapitänsposten auf der Kirow spekuliert, doch dann hatte Admiral Paris Jekaterina Romanova ihm vorgezogen. Dementsprechend kühl war die Konversation zwischen den beiden Kommandanten ausgefallen.

Jardankas Stimme holte Jekaterina Romanova uns Hier und Jetzt zurück.

„Captain, der Scan ist abgeschlossen.“, sagte die Romulanerin.

„Haben sie etwas gefunden, Commander Jardanka?“

„Ja, Captain. Die Sensoren haben ein fremdes Raumschiff erfasst. Es befindet sich etwa zwei Kilometer von unserer Gegenwärtigen Position entfernt.“, sagte Jardanka.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien ein kleiner weißer Punkt.

„Vergrößern.“, befahl Jekaterina.

Der Ausschnitt vergrößerte sich. Statt des kleinen, weißen Punktes war nun das Schiff zu sehen. Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

„Herrje ist das ein Brocken.“, sagte er.

„Nicht ganz, würde ich sagen, Nummer eins. Wir sind größer.“

Das fremde Schiff besaß eine Gesamtlänge von 140,1 Metern. Im vorderen Teil, der auch die Kommandobrücke beherbergte, waren drei Luken eingelassen. Dieses Bauteil war als Kugel konzipiert worden. Dahinter schloss sich ein 32

weiteres Modul an, das im inneren von selbst eine Rotationsbewegung erzeugte. Danach kamen mehrere baugleiche Teile, die man hintereinander angeordnet hatte. Sechs Stück zählte Jekaterina. Doch dann kam ein achteckiges Bauteil, auf dem sich die einzige Antenne des Schiffes befand. Nach diesem Modul waren noch einmal vier Teile angeordnet, die genauso aussahen, wie die sechs Teile vor dem Antennenmodul. Direkt dahinter ein Stück, das dem oberen Ende einer Zentrifuge ähnelte. Als nächstes konnte Jekaterina Romanova eine elliptische Trennwand erkennen, der sich ein achteckiger Anbau anschloss, der aussah, als wäre er in einer Schrottpresse gewesen. Danach kamen drei Röhren, die in drei nebeneinander angeordneten sechseckigen Triebwerkskammern endeten. In jeder dieser Kammern waren zwei Triebwerke übereinander angeordnet.

„Miss Sherrock, berechnen sie einen Kurs, der uns backbord querab des fremden Schiffes bringt.“, befahl Jekaterina.

„Aye, Captain.“

Kurze Zeit später lag die Kirow direkt neben dem fremden Schiff, welches im Gegensatz zum Föderationsschiff eher einer Nussschale glich.

„Keiko, rufen sie das fremde Schiff. Fragen sie nach, was passiert ist, und ob wir helfen können.“, befahl die Kommandantin.

„Ja, Captain. „An das fremde Schiff: Hier ist die USS Kirow, ein Raumschiff der Sternenflotte der Vereinten Föderation der Planeten. Können sie uns sagen, was passiert ist und ob wir ihnen helfen können?“

Keiko wiederholte die Botschaft noch weitere drei Mal. Doch sie bekam keine Antwort.

„Zwecklos, Captain. Ich erhalte keine Antwort von dem Schiff. Vielleicht ist die Besatzung nicht mehr am Leben.“, sagte Keiko.

„Oder dort drüben versteht man unsere Sprache nicht.“

„Das wage ich zu bezweifeln, Nummer eins.“, sagte Jekaterina. An ihre romulanische Wissenschaftsoffizierin gewandt fuhr sie fort: „Commander Jardanka. Scannen sie das Schiff. Sehen sie nach ob dort noch irgendjemand am Leben ist.“

„Zu Befehl, Captain.“

Als der Scan beendet war, war die junge Romulanerin kreidebleich im Gesicht.

„Captain! Das Schiff… es… es… stirbt.“, sagte Jardanka. 33

„Was soll das heißen, das Schiff stirbt?“

„Nun ja, sämtliche Systeme werden nach und nach abgeschaltet. Soeben wurde die Energieversorgung für die Triebwerke abgeschaltet. Dieses Schiff wird nirgendwo mehr hinfliegen.“, sagte die Romulanerin.

„Lebenserhaltung?“

„Noch in Betrieb. Aber ich habe eine weibliche Lebensform lokalisieren können. Darf ich vorschlagen, sie rüberzuholen?“, sagte Jardanka.

„Einverstanden. Retten wir, was noch zu retten ist.“

Dann betätigte Jekaterina Romanova ihren Kommunikator.

„Transporterraum 3, hier ist die Brücke. Bereiten sie alles für einen Transfer einer weiblichen Lebensform vom fremden Schiff auf unser Schiff vor. Aber beeilen sie sich, wer weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt, bis die Lebenserhaltung ebenfalls deaktiviert wird.“, sagte sie.

An Bord des fremden Raumschiffes

Sie hatte Angst. Sie wusste, dass etwas nicht stimmte. Nach und nach hatte sich ein System nach dem anderen abgeschaltet. Zuerst hatte der Bordcomputer die Energieversorgung für die wissenschaftliche Station abgeschaltet. Danach die Energieversorgung für die Mannschaftsquartiere. Zuletzt sogar die Energieversorgung für den Antrieb. Sie wusste, dass dieses Schiff dem Untergang geweiht war. Und sie würde auch sterben, wenn nicht ein Wunder geschah. Normalerweise betete sie nie. Aber in dieser ausweglosen Situation war dies wohl das Einzige, was sie tun konnte. Sie faltete die Hände und sah an die Decke des Gangs.

„Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.“, sagte sie zu sich selbst.

In diesem Moment schaltete der Bordcomputer auch die Lebenserhaltung ab.

An Bord der Kirow

„Captain! Gerade eben wurde die Lebenserhaltung des Schiffes abgeschaltet. Die weibliche Lebensform ist noch an Bord.“, sagte Jardanka.

Jekaterina aktivierte wieder ihren Kommunikator. 34

„Transporterraum 3, wie weit sind sie?“, fragte sie.

„Ich bin gerade fertig geworden. Alles bereit für den Transfer.“

„Energie.“

An Bord des fremden Schiffes

Sie wusste gar nicht, wie ihr geschah. Wie aus dem Nichts erschien ein blaues Licht, dass sie einhüllte. Von einem Augenblick auf den anderen verschwand der Raum, in dem sie sich aufhielt vor ihren Augen. Und dann erschien auf einmal ein ganz anderer Raum. Das blaue Licht verschwand. Zuerst sah sie sich ihre Hände an. Sie fühlte ihre Haut. Es war real. Sie war an einem anderen Ort.

Auf der Brücke der Kirow

Jekaterinas Kommunikator zirpte.

„Brücke.“, sagte sie.

„Captain, der Transfer war erfolgreich. Eine weibliche Person an Bord.“

„Ich komme sofort.“, sagte Jekaterina.

In diesem Moment meldete sich Alex Riley zu Wort.

„Einen Moment noch, Captain. Unsere Sensoren haben drei Ferengi-Schiffe der D´Kora-Klasse geortet.“, sagte er.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschienen die drei Schiffe.

„Sie fliegen in Kampfformation Captain. Wäre es nicht sicherer, die Schilde und Waffensysteme zu aktivieren?“, sagte Fähnrich Riley.

„Tun sie das, Mr. Riley.“

„Captain! Ich habe auf einem der Schiffe eine weibliche Lebensform lokalisiert. Es ist eine Trill.“, sagte Jardanka.

„Na schön. Nummer eins, sie haben vorübergehend das Kommando. Wenn die Ferengi uns kontaktieren, versuchen sie herauszufinden, was sie von uns wollen.“

Nachdem sie ihre Anweisung erteilt hatte, verließ Jekaterina die Brücke und machte sich auf den Weg zu Transporterraum 3. Dort angekommen fand sie die einzige Person, die sie von dem fremden Schiff hatten retten können, wie ein Häufchen Elend an der Wand des Raumes sitzen. Jekaterina hatte Mitleid 35

mit dem armen Ding. Sie wusste, dass es nicht leicht sein würde, das Vertrauen der fremden Frau zu erringen.

An Bord der VIXEN, Krax Schiff

„DaiMon Krax. Die Sensoren haben ein Föderationsschiff geortet.“, sagte der Navigator der Vixen.

„Welches Schiff ist es?“

„Es ist ein Raumschiff der Sovereign-Klasse.“, kam die Antwort.

„Ich hab nach dem Namen gefragt, du Hohlhirn.“

„Es scheint ein neues Schiff zu sein, DaiMon.“, sagte der Navigator.

„Und was macht dich da so sicher?“

„Dieses Schiff steht nicht in unserer Liste von Föderationsschiffen.“, sagte der Navigator.

„Rufen wir es. Ich will wissen, was die Föderation hier zu suchen hat.“

„Zu Befehl.“, sagte der Navigator.

An Bord der Kirow

„Commander McClusky! Eines der Ferengi-Schiffe ruft uns. Es ist die Vixen.“, sagte Keiko Tadashita.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien Krax Gesicht. Eric McClusky musterte ihn genauer. Der Ferengi hatte eine orangene Haut und einen ziemlich breiten Schädel, der sich in zwei Auswüchsen am Kopf bemerkbar machte. Darunter befand sich ein Knochenwulst, der in die riesigen Ohren überging. Auch die breite Nase, typisch für Ferengi, und der kräftige Unterkiefer waren zu erkennen.

„Wer sind sie?“, fragte Krax gerade heraus.

„Commander Eric McClusky vom Föderationsraumschiff USS Kirow.“

„Sagten sie USS Kirow?“, fragte Krax nach.

„Ja, so heißt unser Schiff.“

„Wie kommt es, dass wir noch nie von ihrem Schiff gehört haben, Commander?“, fragte Krax.

„Die Kirow ist erst vor kurzem in Dienst gestellt worden. Ich bin der 36

erste Offizier.“

„Und wer ist der Kommandant?“, fragte Krax Eric McClusky.

„Captain Jekaterina Romanova.“

„Ich würde gerne mit ihrer Vorgesetzten sprechen, Commander McClusky.“, sagte Krax.

„Einen Moment. Ich versuche Captain Romanova zu erreichen.“

„Tun sie sich keinen Zwang an, Commander.“, sagte Krax.

„Miss Tadashita, schalten sie die Verbindung auf Stand By. Ich will nicht, dass die Ferengi mithören.“

„Ja, Sir.“, sagte Keiko.

An Bord der Kirow, Transporterraum 3

Jekaterina hatte sich vorsichtig der fremden Frau genähert. Diese hatte sie erst bemerkt, als sie sanft mit ihrer rechten Hand über ihre Wange strich. Die Frau hatte den Kopf gehoben und ihr in die Augen gesehen. Jekaterina hatte in ein ovales Gesicht geblickt. Aus großen, braunen Augen hatte ihr die Fremde hoffnungsvoll entgegen geblickt. Jekaterina richtete das Wort an die fremde Frau.

„Mein Name ist Jekaterina Romanova. Ich bin die Kommandantin auf diesem Schiff.“, sagte sie sanft.

„Welches Schiff ist das?“

Jekaterina hatte die Unsicherheit in der Stimme der Frau bemerkt. Jetzt galt es, behutsam vorzugehen.

„Die USS Kirow. Ein Raumschiff der Sternenflotte der Vereinten Föderation der Planeten.“, sagte Jekaterina.

„Die… Kirow? Ist ihr Schiff… ein Forschungsschiff oder ein Kampfschiff?“

„Eine Mischung aus beidem. Unser primärer Auftrag ist die Erforschung des Weltalls. Doch wenn wir es mit einer Spezies zu tun haben, die uns nicht freundlich gesinnt ist, dann dürfen wir uns auch verteidigen.“, sagte Jekaterina.

„Konnten… sie noch andere retten?“

Jekaterina seufzte. Wie sollte sie dieser verängstigten Frau beibringen, dass sie als einzige überlebt hatte? 37

„Ich befürchte nicht. Sie waren die einzige, die wir retten konnten.“, sagte sie.

„Warum ich? Warum nicht auch mein Mann?“

„Gehörte ihr Mann zur Besatzung des Schiffes, Miss…?“, begann Jekaterina ihre Frage.

„Abramova. Bozena Abramova. Und nicht nur mein Mann war Mitglied der Besatzung. Ich habe ebenfalls dazu gehört.“

„Was waren dort ihre Aufgaben?“, wollte Jekaterina von Bozena wissen.

„Mein Mann und ich waren Wissenschaftler. Ich war oft auf Außeneinsätzen dabei, habe Bodenproben genommen und wenn möglich, Pflanzen oder Tiere bestimmt. Die Analyse meiner Proben hat mein Mann dann an Bord erledigt.“

Gerade als Jekaterina ihre nächste Frage stellen wollte, zirpte ihr Kommunikator.

„Brücke an Captain.“, hörte sie die Stimme ihres ersten Offiziers.

„Was gibt es, Nummer eins?“

„Captain, der Kommandant des Ferengi-Schiffes Vixen wünscht mit ihnen zu sprechen.“, sagte Eric McClusky.

„Wann?“

„Jetzt.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.

„Na schön. Aber vorher muss ich noch einen Abstecher auf die Krankenstation machen.“

„Das wird dem Ferengi-Captain aber gar nicht passen, Captain.“, sagte Eric McClusky.

„Ich kann die einzige Überlebende des fremden Schiffes nicht einfach hier lassen. Sie braucht erst mal medizinische Behandlung.“

„Gehen sie ruhig Captain. Ich werde hier auf sie warten.“, sagte Bozena.

„Auf gar keinen Fall! Ich bringe sie auf die Krankenstation. Der Ferengi-Kommandant soll gefälligst warten.“

Jekaterina half Bozena auf die Beine. Nun hatte sie die Möglichkeit, die Wissenschaftlerin genauer in Augenschein zu nehmen. Bozena Abramova war 1,61 m groß und war sich wie Jekaterina selbst, ihres schönen Körpers bewusst, wie ihre Kleidung verriet. Bozena trug ein Partykleid auf dessen Vorderseite schwarze Muster in Form von Kastanienblättern, durch die weiße 38

Stoffschicht durchschienen. Dazu trug sie schwarze High Heels. Ihre schwarzen Haare trug die Wissenschaftlerin offen, sodass sie bis unterhalb der Schultern reichten. Jekaterina fiel auf, dass Bozena Abramova kaukasische Gesichtszüge hatte, wie die elegante Nase verriet.

Auf dem Weg zum nächsten Turbolift unterhielten sich die beiden Frauen. „Woher kommen sie eigentlich, Miss Abramova?“, fragte Jekaterina.

„Nennen sie mich ruhig Bozena, Captain. Und um ihre Frage zu beantworten, ich komme aus Prag. Und sie? Woher kommen sie?“

„Ich bin Russin. Ich komme aus Smolensk. Genau wie meine Ahnin.“, sagte Jekaterina.

„Ihre Ahnin?“

„Da. Meine Ahnin war Jelena Romanova. Die berühmte Privatermittlerin und Juniorpartnerin des großen Paul McLain.“, sagte Jekaterina.

Schließlich erreichten die beiden Frauen den Turbolift. Jekaterina betätigte die Sprechanlage.

„Krankenstation.“, sagte sie.

Der Lift setzte sich in Bewegung. Als er sein Ziel erreicht hatte, glitten die Türen auf und die Kommandantin betrat mit Bozena die Krankenstation. Dr. Parsons bemerkte die beiden und kam auf sie zu.

„Fehlt ihnen etwas, Captain?“, fragte sie.

„Alles im grünen Bereich, Dr. Parsons. Aber vielleicht sehen sie sich mal Miss Abramova an. Nicht, dass sie irgendwelche Krankheiten eingeschleppt hat.“

„Jawohl, Captain.“, sagte Beatrix Parsons.

Erneut zirpte Jekaterinas Kommunikator.

„Brücke an Captain. Unser Ferengi-Freund wird langsam unruhig.“, sagte Eric McClusky.

„Bin schon unterwegs.“

Nur kurze Zeit später erschien Jekaterina auf der Brücke. Auf dem großen Schirm war Krax Gesicht zu sehen. Und anhand des Gesichtsausdrucks des Ferengi konnte die junge Russin erkennen, dass er sehr ungehalten war, dass sie ihn hatte warten lassen.

„Da sind sie ja endlich, Captain Romanova. Lassen sie ihre 38

Gesprächspartner immer so lange warten?“, fragte Krax.

„Wenn es einen medizinischen Notfall gibt, dann ja. Der hat dann Vorrang. Wer sind sie überhaupt?“

„Ich bin Krax, Captain Romanova.“, sagte der Ferengi.

„Was haben sie hier zu suchen, Krax?“

„Dasselbe wollte ich sie fragen, Captain.“, sagte Krax.

„Hören sie, Krax…“

„DaiMon Krax, wenn ich bitten darf, Captain Romanova!“, sagte Krax wütend.

Jekaterinas Antwort fiel entsprechend kühl aus.

„Also schön. Dann eben DaiMon Krax, wenn sie unbedingt darauf bestehen.“

„Ich kann sie nicht leiden, Captain Romanova.“, sagte Krax.

„Das beruht dann wohl auf Gegenseitigkeit. Aber auf einem ihrer Schiffe befindet sich eine Trill.“

„Und? Wollen sie, dass ich ihr die Freiheit schenke?“, fragte Krax.

„Es liegt nicht an mir, dass zu entscheiden.“

„Schön, dass sie klug genug sind, dass einzusehen.“, sagte Krax.

Die Verbindung wurde unterbrochen.

„Ehrlich Captain, ich kann diesen Kerl nicht leiden.“, sagte Eric McClusky zu Jekaterina.

„Mir geht es nicht anders, Nummer eins.“

In diesem Augenblick erschien eine Anzeige auf dem Display der taktischen Station. Alex Riley reagierte sofort.

„Captain! Unsere Langstreckensensoren melden ein romulanisches Kriegsschiff. Es ist die Valdore.“, sagte er.

„Das sind gute Nachrichten, so kommen die Ferengi hoffentlich nicht auf krumme Gedanken.“

An Bord der Vixen

„DaiMon, ein romulanisches Raumschiff nähert sich. Valdore-Typ.“, sagte der Navigator.

„Was? Die Romulaner? Was machen die denn hier?“

„Wenn ich das wüsste, wäre ich ein Hellseher.“, sagte, der Navigator, ein Ferengi namens Dex.

„Ein Glück, dass du keiner bist, Dex.“

An Bord der Kirow

„Captain! Die Valdore ruft uns.“, meldete Keiko Tadashita.

Auf dem Schirm erschien Donatras Gesicht.

„Donatra. Gott bin ich froh, dich zu sehen.“, sagte Jekaterina.

„Machen dir die Ferengi etwa Probleme, Jekaterina?“

„Na aber sowas von glaub mir. Ich kann es nicht mit drei Ferengi-Schiffen gleichzeitig aufnehmen, Donatra.“, sagte Jekaterina.

„Ich komm rüber und dann reden wir über dein Problem, Jekaterina. Sie sollten an diesem Gespräch auch teilnehmen, Commander.“

„Wie komme ich zu dieser Ehre, Commander Donatra?“, fragte Eric McClusky.

„Als erster Offizier haben sie das Recht, sämtliche Informationen aus erster Hand zu erfahren. Außerdem ist ihre kompetente Meinung in dieser Angelegenheit hilfreich.“

„Danke für die Blumen, Commander.“, sagte Eric McClusky.

Keine 10 Minuten später saß Jekaterina Romanova zusammen mit ihrem ersten Offizier und Commander Donatra im Bereitschaftsraum.

„Die Situation droht mir über den Kopf zu wachsen. Ich meine, die Fakten sprechen eindeutig gegen uns. Die Ferengi sind uns zahlenmäßig überlegen. Sie sind zu dritt, wir nur zu zweit.“, sagte sie.

„Wir haben zwei, vielleicht auch drei Möglichkeiten, Captain. Die erste wäre, dass wir und die Valdore allein mit den Ferengi ins Gefecht gehen. Aber das wäre für beide Schiffe das sichere Ende. Die zweite wäre, dass wir warten, und auf ein drittes Schiff hoffen, das uns zu Hilfe kommt. Aber die Chancen sind sehr gering.“

„Und was wäre die dritte Möglichkeit, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Möglichkeit Nummer 3, und das ist in meinen Augen die sicherste Alternative, wäre ein Rückzug.“ 38

„Was meinst du, Donatra?“, fragte Jekaterina die Romulanerin.

„Vielleicht wäre ein strategischer Rückzug eher in Betracht zu ziehen, Jekaterina. Die Ferengi werden sich gegenseitig den Rücken freihalten.“

„Da stimme ich Commander Donatra zu, Captain. Ganz abgesehen davon, haben wir unsere Mission erfüllt. Wir sollten das fremde Schiff untersuchen. Und genau das haben wir getan.“, sagte Eric McClusky.

„Das mag zwar alles sein, Nummer eins. Aber als wir hier ankamen, habe ich eine Nachricht vom Flottenoberkommando bezüglich unseres Gesuchs Dayani als Counselor zu bestätigen, erhalten. Sie haben abgelehnt. Jetzt verstehen sie hoffentlich, warum ich mich um die Trill sorge, Commander.“

„Die Ferengi haben eine Trill in ihrer Gewalt, Jekaterina?“, fragte Donatra die Kommandantin der Kirow.

„Deine Tochter hat auf einem der drei Ferengi-Schiffe eine Trill lokalisiert, Donatra.“

„Ich habe gehört, dass die Trill neben den Betazoiden gute Counselor hervorgebracht haben, Captain. Speziell, wenn sie mit einem Symbionten vereinigt sind.“, sagte Eric McClusky.

Jekaterina rieb sich nachdenklich das Kinn. Dann sah sie ihren ersten Offizier und ihre romulanische Freundin an.

„Also schön. Wir werden folgendes tun, wir werden, wie von dir vorgeschlagen, einen strategischen Rückzug durchführen. Allerdings sollten wir das Ferengi-Schiff beobachten, auf dem die Trill gefangen gehalten wird. Ich habe vor, dieses Schiff abzufangen und die Trill da rauszuholen.“, sagte sie.

„Ich habe noch ein Schiff unserer D'deridex-Klasse, die Khazara mitgebracht. Sie wird das Ferengi-Schiff beschatten und uns den Kurs mitteilen.“

Nach der Gesprächsrunde blieben Jekaterina und Donatra noch allein.

„Bist du mit Jardankas Arbeit zufrieden?“, fragte die Romulanerin.

„Zufriedener geht’s nicht, Donatra. Deine Tochter ist sehr gewissenhaft und sie macht ihre Arbeit gründlich.

„Freut mich das zu hören, Jekaterina.“, sagte Donatra.

Kurz bevor Donatra auf die Valdore zurückkehrte, begegnete sie noch ihrer Tochter, die sich gerade mit Erlaubnis des ersten Offiziers eine Pause gönnte. Mutter und Tochter umarmten sich. 39

„Jekaterina ist voll des Lobes, was deine Leistungen angeht. Ich bin sehr stolz auf dich, Jardanka.“, sagte Donatra.

„Danke, Mutter. Ich vermiss dich so.“

„Ich dich auch Kleines. Aber irgendwann kommt man an einen Punkt im Leben, an dem man seinen eigenen Weg gehen muss, Jardanka. Bei dir ist dieser Zeitpunkt gekommen. Du musst jetzt ohne meine Hilfe zurechtkommen. Ich kann dich nicht immer beschützen, Jardanka.“, sagte Donatra.

Danach umarmten sich Mutter und Tochter noch einmal zum Abschied. Dann kehrte Commander Donatra auf die Valdore zurück.

An Bord der Vixen

Krax hatte eine audiovisuelle Verbindung zu den Kommandanten der beiden anderen Schiffe herstellen lassen.

„Wir müssen unsere Pläne ändern. Olunk, du fliegst mit deinem Schiff weiter, und triffst dich wie geplant mit den Jem´Hadar. Trok und ich nehmen dieses Schiff mit Traktorstrahlen in Schlepp und bringen es nach Ferenginar. Diese Gelegenheit auf zusätzlichen Profit lasse ich mir nicht entgehen.“, sagte er.

„Und was ist mit dem Föderationsschiff? Du hast wohl vergessen, dass dessen Kommandantin Interesse an unserer Gefangenen hat.“

„Sie wird dich nicht angreifen, Olunk. Dazu hat sie zu viel Angst.“, sagte Krax.

In diesem Moment entdeckte Dex, der Navigator, dass die Kirow und die Valdore abdrehten.

„DaiMon Krax, die beiden Schiffe drehen ab. Es hat den Anschein, als würden sie sich zurückziehen.“, sagte er.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschienen die Kirow und die Valdore, die den Ort des Geschehens verließen.

„Was mögen die vorhaben?“, fragte sich Krax.

An Bord der IRW Khazara

„Captain! Wir haben gerade eine Nachricht von der Valdore erhalten. Wir sollen das Ferengi-Schiff beschatten, auf dem die Trill gefangen gehalten wird und den Kurs an Valdore und Kirow melden.“, sagte der Nachrichtenoffizier.“

„Welches der drei Schiffe ist es?“ 40

„Es ist das Schiff in der Mitte, unterhalb der beiden anderen.“, sagte der Offizier.

„Verstehe. Wir warten ab. Zuerst sollten wir beobachten, was die Ferengi überhaupt vorhaben. Ich bin sicher, es hat etwas mit dem fremden Schiff zu tun.“

An Bord der Vixen

„DaiMon, wir sind bereit, das Schiff mit dem Traktorstrahl zu fassen.“, sagte ein Besatzungsmitglied.

„Was ist mit der Prator?“

„Sie ist auch bereit, DaiMon.“, sagte der Ferengi.

„Befehl an die Prator: Fremdes Schiff mit Traktorstrahlen festhalten.“

„Jawohl, DaiMon.“, erwiderte der Ferengi den Befehl.

Die beiden Ferengi-Schiffe nahmen das Schiff mit ihren Traktorstrahlen in die Mitte. Dann gab Krax das Zeichen zum Aufbruch.

„Signal an Prayton: Fliegen sie weiter zum Treffpunkt nahe der cardassianischen Grenze. Viel Glück und viel Profit.“, befahl er.

Das Ferengi-Schiff mit der Trill an Bord scherte aus der Formation aus. Die anderen beiden nahmen Kurs auf den Heimatplaneten der Ferengi. Doch keiner hatte die Khazara bemerkt, die außer Sichtweite geblieben war. Als die Prayton sich in Bewegung setzte erwachte auch das romulanische Schiff zum Leben. Das Schiff der D'deridex-Klasse heftete sich unbemerkt an die Fersen des Marauders.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit56197.3 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir haben von der Khazara die Meldung erhalten dass sich das Ferengi-Schiff Prayton in Richtung der cardassianischen Grenze bewegt. Der Weg dorthin führt durch ein Asteroidenfeld. Dort werden wir zusammen mit der Valdore einen Hinterhalt legen.“

Die Kirow und die Valdore hatten zwischen den Asteroiden Position bezogen. Nun warteten sie auf die Prayton. Jekaterina und ihre romulanische Freundin Donatra hatten gemeinsam einen Plan ausgearbeitet. Dayani sollte dem Ferengi-Schiff einen kleinen Energiestoß verpassen der die Energieversorgung für Antrieb, Schilde und Waffen lahmlegen sollte. Danach wollte Jekaterina die Trill auf die Kirow beamen lassen. Doch die beiden waren sich durchaus bewusst, dass die ganze Sache auch schiefgehen konnte. Denn die Ferengi-Schiffe waren von der Technik her zwar recht simpel, aber die Ferengi waren nicht auf den Kopf gefallen. 41

An Bord der Prayton

„Wir nähern uns dem Asteroidenfeld, DaiMon Olunk.“, sagte der Navigator ein Ferengi mit Namen Yok.

„Geschwindigkeit drosseln. Ich will nicht, dass wir jetzt schon von den Sensoren der Kirow erfasst werden.“

Im Weltall

Dayani stand auf einem der Asteroiden. Eingehüllt von einer Wolke kosmischer Energie. Einen kleinen Teil dieser Energie schleuderte sie dem Ferengi-Schiff entgegen.

An Bord der Prayton

Als der Energiestoß Olunks Schiff traf, wurde das Ferengi-Schiff erschüttert.

„Was zum Teufel war das?“, fragte Olunk aufgeregt.

„Wir wurden von einem Energiestoß getroffen.“

„Schadensmeldungen?“, fragte der junge DaiMon.

„Wir haben keine Energie für Schilde, Waffen und Antrieb.“

„Das ist nicht gut. Was ist mit der Arrestzelle?“, sagte Olunk.

„Sie ist auch durch den Energieausfall in Mitleidenschaft gezogen worden.“

An Bord der Kirow

„Captain! An Bord der Prayton ist sämtliche Energie ausgefallen. Nur die Lebenserhaltungssysteme arbeiten noch.“, sagte Alex Riley.

Auf diese Nachricht hatte Jekaterina Romanova gewartet.

„Brücke an Transporterraum 3.“, sprach sie in ihren Kommunikator.

„Ich höre sie klar und deutlich, Captain.“

„Unser Plan hat funktioniert. Bereiten sie alles für den Transfer vor.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Nur kurze Zeit später meldete sich Mercedes Igualada bei der Kommandantin.

„Alles bereit zum Beamen.“, sagte sie. 42

„Energie.“

An Bord der Prayton

Aus dem Raum, in dem sich die Arrestzelle befand kam eine aufgeregte Nachricht für Olunk.

„DaiMon, gerade hat sich jemand unsere Ware unter den Nagel gerissen.“, sagte der Wächter.

„WAS???“

„Rede ich Cardassianisch? Die Trill ist weg. Jemand hat sie auf sein Schiff gebeamt.“, kam die Antwort.

„Ich weiß schon, wer das war. Das war die Kirow.“

An Bord der Kirow

Aus Transporterraum 3 kam die Meldung über den erfolgreichen Transfer der Trill.

„Captain, ich habe die Trill jetzt hier.“, sagte Mercedes.

„Danke Chief. Ich komme sofort.“, sagte Jekaterina. An ihre Navigatorin gewandt fuhr sie fort: „Miss Sherrock wir verschwinden von hier. Bringen sie uns auf einen Kurs zum Raumlabor Regula 1.“

„Ja, Captain.“

Die Kommandantin verließ die Brücke und machte sich auf den Weg zum nächsten Turbolift. Nur kurze Zeit später kam Jekaterina in Transporterraum 3 an. Die Trill war schon von der Plattform gegangen und hielt nun mit Mercedes ein kleines Schwätzchen. Sie drehte sich um, als Jekaterina Romanova den Raum betrat. Die Kommandantin der Kirow sah in ein ovales Gesicht mit dankbar blickenden blauen Augen. Die Trill war mit ihren 1,66 m nur einen Zentimeter kleiner als Jekaterina. Ihre brünetten Haare trug sie offen und schulterlang. Die grazile Nase fügte sich harmonisch in das Gesicht der Trill ein. Natürlich fehlten auch nicht die rot-braunen Male an den Schläfen, die sich über den gesamten Rücken fortsetzten. Diese Male waren typisch für Trill. Bekleidet war die Trill mit einer schwarzen Uniformhose, schwarzen Lederstiefeln und einem roten Trägertop, das ihren grazilen Körper mehr zur Geltung brachte.

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, sagte Jekaterina.

„Ich danke ihnen für ihr schnelles Eingreifen, Captain. Die Ferengi 43

waren nicht gerade freundlich zu mir.“

„Das glaube ich ihnen aufs Wort, Miss…“, begann Jekaterina den nächsten Satz.

„Neriah Kahn.“

„Freut mich, ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Kahn. Und noch einmal: „Willkommen an Bord.“, sagte Jekaterina.

Die beiden Frauen gingen zum nächsten Turbolift.

„Ich begleite sie erst einmal auf die Krankenstation. Dort wird Dr. Parsons die medizinische Untersuchung vornehmen.“, sagte Jekaterina.

„Ich verstehe das voll und ganz, Captain Romanova. Sie sind sowohl für die Sicherheit, als auch für die Gesundheit ihrer Besatzung verantwortlich.“

Auf der Krankenstation kam Beatrix Parsons aus dem Büro, das normalerweise der Chefärztin vorbehalten war. Da dieser Posten jedoch vakant war, konnte sie sich dort ein wenig einrichten.

„Haben sie eine neue Patientin, Captain?“, fragte sie.

„Nur die übliche Untersuchung. Wie geht es Miss Abramova?“

„Alles in Ordnung.“, sagte Dr. Parsons.

„Das sind gute Nachrichten, Doktor.“

„Sie können mit ihr sprechen, wenn sie wollen, Captain.“, sagte Dr. Parsons.

„Danke, Doktor.“

Jekaterina fand Bozena im rückwärtigen Teil der Krankenstation. Die Wissenschaftlerin saß im Bett und sah sich Fotos aus einem Karton an, der neben ihrem Krankenbett stand. Als sie Jekaterina sah, strahlte sie über beide Backen.

„Wie geht es ihnen Bozena?“, fragte Jekaterina.

„Es geht mir gut. Dr. Parsons hat mir gesagt, dass ich die Krankenstation morgen verlassen kann.“

„Das freut mich.“, sagte Jekaterina.

„Darf ich sie um einen Gefallen bitten, Captain?“

„Nur zu.“, sagte die Kommandantin.

„Ich würde gerne als Wissenschaftlerin an Bord bleiben.“ 44

„Von meiner Seite aus gibt es keinerlei Einwände, Bozena. Aber das letzte Wort hat das Flottenoberkommando.“, sagte Jekaterina Romanova.

Bozena sah ihr in die Augen.

„Ich habe so etwas erwartet, Captain. Ich hoffe, dass ich bleiben kann.“, sagte Bozena.

„Ich tu mein bestes Bozena.“

Dann verließ Jekaterina die Krankenstation und machte sich auf den Weg zum nächsten Turbolift. Dort angekommen, betrat sie die Kabine und betätigte den Schalter der Kommunikationsanlage.

„Brücke.“, sagte sie.

Der Lift setzte sich in Bewegung. Als sich die Türen öffneten, begab sich die Kommandantin der Kirow in den Bereitschaftsraum hinter der Brücke und verfasste ihren Missonsbericht und reichte obendrein noch ein Gesuch um Bestätigung von Bozena Abramova als Wissenschaftlerin und Neriah Kahn als neue Counselor ein.

Es dauerte eine Weile, bis eine entsprechende Nachricht auf der Kirow eintraf. Nicht nur wegen der Distanz. Sondern auch wegen einer Intervention der Ferengi, die die Trill wieder zurück haben wollten.

An Bord der Kirow Sternzeit 56212.3

Die Kirow hatte gerade die Raumstation Regula 1 erreicht als die lang ersehnte Nachricht vom Flottenoberkommando eintraf. Bozena Abramova war als Wissenschaftlerin bestätigt worden. Auch Neriah Kahn hatte man als Counselor bestätigt.

Jekaterina saß wie immer auf ihrem Platz auf der Brücke und wollte gerade einen neuen Eintrag ins Computerlogbuch einsprechen, da erreichte eine neue Nachricht das Schiff.

„Captain! Admiral Janeway für sie.“, sagte Keiko Tadashita.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Kathryn Janeway.

„Admiral Janeway.“, sagte Jekaterina.

„Captain Romanova.“

„Haben sie eine neue Mission für uns?“, fragte Jekaterina. 45

„Wo befinden sie sich zurzeit, Captain?“

„Wir haben einen stationären Orbit um den Planeten Regula und die dazugehörige Raumstation Regula 1 bezogen.“

„Gut. In der Nähe von Regula ist ein Planet entdeckt worden. Machen sie einen Oberflächenscan um zu prüfen, ob er bewohnbar ist. Sollte dem so sein, soll ein Außenteam mit dem Shuttle noch einmal den Planeten überfliegen und ein genaueres Bild der Planetenoberfläche erstellen. Danach will ich einen ersten Zwischenbericht, Captain Romanova. Admiral Janeway Ende.“ 46

USS Kirow - Mission 3

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56215.3 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir befinden uns in einem stationären Orbit um den neu entdeckten Planeten in der Nähe von Regula. Wir wissen nicht, ob es ein Mond von Regula ist, oder ob er Planet neu entstanden ist. Der Scan der Oberfläche hat ergeben, dass es eine Atmosphäre auf diesem Planeten gibt. Demnach ist er bewohnbar. Was unser Außenteam da unten vorfindet, weiß der Teufel.“

Jekaterina hatte gerade die Eintragung im Computerlogbuch ihres Schiffes beendet, als der Türsummer des Bereitschaftsraumes erklang.

„Herein.“, sagte sie.

Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow, betrat den Raum.

„Was gibt es, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Mission soweit beendet, Captain.“

„Was fehlt noch?“, fragte die Kommandantin.

„Ihr Bericht ans Oberkommando, Captain.“

„Der ist aber noch nicht vollständig, Mister McClusky.“

„Dann bekommen sie jetzt die letzten Informationen, die sie brauchen, Captain.“

„Ich höre, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Der Planet ist zwar bewohnbar, aber nichts desto trotz ist er brandgefährlich, Captain.“

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf?“, fragte Eric McCluskys Vorgesetzte.

„Der gesamte Planet ist von Sumpf- und Moorgebieten überzogen. Außerdem regnet es ununterbrochen. Sie wissen wie gefährlich diese Kombination sein kann.“

„Ja ich weiß. Ich habe mit eigenen Augen mit ansehen müssen, wie mein Cousin in so einem Moorloch ums Leben gekommen ist. Meine Cousine und ich haben ihn noch vor den Gefahren gewarnt, aber er wollte nicht auf uns hören. Wir haben zwar seine Hilferufe gehört, aber wir kamen zu spät. Nadja und ich mussten hilflos zusehen, wie Kolja im Moor versunken ist. Ich habe jahrelang nicht darüber sprechen können.“, sagte Jekaterina.

„Verstehe. Meinen sie, man wird uns noch einmal auf die Oberfläche 47

schicken, Captain?“

„Es ist nicht auszuschließen. Haben sie sonst noch etwas gefunden?“, wollte Jekaterina wissen.

„Ja da war noch etwas. Wir haben ein paar Bauwerke entdeckt. Aber viel war wegen der Pflanzen nicht zu erkennen. Die Bauwerke lassen den Schluss zu, dass der Planet bewohnt war, oder bewohnt ist, Captain.“

„Mal sehen, was das Oberkommando sagt, wenn unser Bericht vorliegt, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56215.4 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir haben den Planeten untersucht, und festgestellt, dass er zumindest mal bewohnt war. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass er wieder bewohnt ist.“

Jekaterina saß im Bereitschaftsraum als eine neue Nachricht eintrudelte.

„Captain! Ich habe eine neue Nachricht von Admiral Janeway für sie.“, meldete sich Keiko Tadashita über die Sprechanlage.

„In Ordnung, stellen sie durch.“

Auf dem kleinen Schirm auf der Schreibtischplatte erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Captain Romanova.“

„Ich nehme an, dass das Oberkommando meinen Bericht erhalten hat.“, sagte Jekaterina.

„Ihr Bericht hat uns erreicht. Und wir haben ihn sehr genau studiert. Jetzt ist ihre Aufgabe auf der Oberfläche zu landen um nachzusehen, ob ihre Vermutung, dass der Planet wieder bewohnt ist, der Wahrheit entspricht.“

Bei diesen Worten Admiral Janeways bekam Jekaterina Romanova Magenkrämpfe. Sie wusste sehr wohl, dass ohne ein Sicherheitsteam als Backup den Mitgliedern des Außenteams schnell etwas zustoßen konnte, wenn die Situation außer Kontrolle geriet. Und auf der Kirow suchte man ein solches Team vergeblich.

„Ich bedaure ihnen das sagen zu müssen, Admiral, aber ich kann nicht einfach ein Außenteam runter schicken.“, sagte sie deshalb.

„Und warum nicht, Captain?“ 48

„Uns fehlt ein Sicherheitsteam. Ohne entsprechende Absicherung kann ich den Einsatz eines Außenteams nicht anordnen. Was, wenn die Situation eskaliert? Was wenn die Bewohner uns als Feinde ansehen? Es gibt einfach zu viele Risiken, die ich nicht eingehen kann und auch nicht will.“, sagte Jekaterina.

„Verstehe. Wie viel zusätzliche Männer brauchen sie?“

„Mindestens 200 Mann.“, sagte Jekaterina.

„Ich sehe, was ich tun kann. Ich melde mich wieder bei ihnen.“

An Bord der Kirow Sternzeit 56215.6

Jekaterina hielt sich gerade in ihrem Quartier auf. Sie hatte ein wenig geschlafen, war sie doch die ganze Zeit ununterbrochen auf den Beinen gewesen. Sie hatte sich gerade gestreckt, als die Sprechanlage losging.

„Brücke an Captain.“, hörte die Kommandantin die Stimme ihres ersten Offiziers.

„Was gibt’s, Nummer eins?“

„Captain, unsere Sensoren haben eines unserer Transportschiffe geortet.“, sagte Eric McClusky.

„Ich komme sofort.“

Nur kurze Zeit später erschien Jekaterina Romanova auf der Brücke.

„Welches Schiff nähert sich?“, fragte sie.

„Es ist die USS Equinox. Sie wird aber von der Titan und der Enterprise begleitet.“

„Auf den Schirm.“, befahl die Kommandantin.

Wo vorher noch die Sterne zu sehen waren, tauchten nun die USS Titan unter dem Kommando von Captain William T. Riker, die Equinox und die Enterprise E unter dem Kommando von Jean-Luc Picard auf.

„Captain! Titan und Enterprise rufen uns.“, meldete Keiko Tadashita.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschienen das bärtige Gesicht von Will Riker und das ergraute Gesicht von Jean-Luc Picard.

Die beiden Männer konnten nicht unterschiedlicher sein. Während William Thomas Riker braune Haare und blaue Augen hatte, hatte Jean-Luc Picard braune. Außerdem hatte der Kommandant der Enterprise ein schmaleres Gesicht, als sein ehemaliger erster Offizier. Und während der Captain der 49

Titan noch volles, dunkelbraunes Haar trug, lichteten sich bei Jean-Luc Picard bereits die Haare. Die Haare, die eine Halbglatze bildeten, waren bereits grau.

„Captain Riker, Captain Picard.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Schön sie zu sehen, Captain Romanova.“

„Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, Captain Picard.“, sagte Jekaterina. An Will Riker gewandt fuhr sie fort: „Ich freue mich, auch sie zu sehen, Captain Riker.“

„Danke, Captain Romanova. Man uns zu ihrer Unterstützung her beordert.“

„Gut zu wissen. Ich werde garantiert kein Außenteam auf die Planetenoberfläche schicken, ohne ein Sicherheitsteam in der Hinterhand.“, sagte Jekaterina.

„Die Equinox hat ihr Sicherheitsteam an Bord. Präsidentin Arikka hat sich dieser Sache persönlich angenommen. Sie bekommen ein handverlesenes 250 Mann starkes Sicherheitsteam. Das sind die Besten der Besten.“

„Dann muss ich mich entsprechend bei Präsidentin Arikka bedanken, Captain Picard.“, sagte Jekaterina.

Gerade als Jean-Luc Picard zu einer Antwort ansetzen wollte, empfing Keiko Tadashita eine neue Nachricht.

„Captain! Die Equinox hat uns kontaktiert.“, sagte Keiko.

„Auf den Schirm.“

Der Schirm teilte sich und zwischen Will Riker und Jean-Luc Picard erschien das Gesicht einer Frau. Auch wenn Jekaterina Romanova der Föderationspräsidentin noch nie begegnet war, so wusste sie dennoch, dass sie Präsidentin Arikka vor sich hatte.

„Präsidentin Arikka.“, begrüßte sie die Präsidentin.

„Captain Romanova.“

„Ich möchte ihnen dafür danken, dass sie für uns ein Sicherheitsteam organisiert haben.“, sagte Jekaterina.

„Gern geschehen, Captain.“

„Ich will nicht unhöflich erscheinen, Madam President. Aber ist es nicht zu gefährlich für sie, wenn sie uns persönlich die Aufwartung machen?“, fragte Jekaterina.

„Deswegen haben mich die Titan und die Enterprise begleitet. Sehen sie, ich 50

bin mir durchaus der Gefahren bewusst, die diese Mission birgt. Deswegen habe ich entschieden, Titan und Enterprise als Verstärkung mitzuschicken.“

„Danke, Präsidentin Arikka. Sie haben was gut bei mir.“, sagte Jekaterina.

„Nicht der Rede wert, Captain Romanova.“

„Wenn es Recht ist, Madam President, dann würde ich sie und auch meine beiden Kollegen gerne zu einem kleinen Empfang heute Abend auf meinem Schiff einladen.“, sagte Jekaterina.

„Ich komme gern, Captain.“

„Danke für die Einladung, Captain Romanova. Ich nehme mit Freuden an.“, sagte Jean-Luc Picard.

Auch Will Riker, der Captain der Titan, sagte sein Kommen zu.

An Bord der Kirow Sternzeit 56215.9

Jekaterina und ihr erster Offizier hatten den großen Raum auf dem Freizeitdeck für den Empfang vorbereitet. Shaun O Shane, der irische Chief von Transporterraum 2 hatte den Vorschlag unterbreitet, zusammen mit ein paar weiteren Besatzungsmitgliedern für ein bisschen musikalische Unterhaltung zu sorgen. Von den Erzählungen seines Vaters William O Shane wusste er, dass heitere Musik die Stimmung heben konnte. Jekaterina und ihr erster Offizier waren einverstanden. Doch zuvor wurde noch das neue Sicherheitsteam der Kirow von der Equinox auf Jekaterinas Schiff gebeamt. Das letzte Kontingent wurde um 19:00 Uhr auf die Kirow transferiert.

William Riker war der erste, der auf die Kirow gebeamt wurde. Jekaterina erwartete ihn bereits. An diesem Abend trug sie wieder das rote Paillettenkleid, das sie am Tag ihrer Ernennung zur Kommandantin der Kirow getragen hatte. Allerdings hatte sie die Plateauschuhe gegen farblich passende Schuhe mit flachen Absätzen getauscht. Denn Jekaterina wollte nicht, dass man von ihr dachte, sie hätte einen Minderwertigkeitskomplex.

Wie immer wurde der Kommandant der Titan von seiner Ehefrau Deanna, einer Betazoidin, und Chefcounselor auf der Titan, begleitet. Jekaterina nahm das ungleiche Ehepaar genauer in Augenschein. William T. Riker war ein athletisch gebauter Mann von 1,91 m Körpergröße. Seine Ehefrau Deanna maß 1,64 m und war vom Körperbau etwas schlanker. Und noch einen Unterschied stellte Jekaterina fest. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann hatte Deanna Troi ein ovales Gesicht und braune Augen. Ihre schwarzen, dauergewellten Haare trug die Betazoidin offen, sodass sie bis zur Achselhöhle reichten. 51

„Captain Riker, Commander Troi. Willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina.

„Danke für diesen freundlichen Empfang, Captain.“

Als nächster kam Jean-Luc Picard. Der Kommandant der Enterprise maß zwar immer noch stolze 1,78 m, war aber im Vergleich zu seinem ehemaligen ersten Offizier wesentlich kleiner. Auch vom Körperbau her, war der Franzose schmaler, war aber dennoch eine imposante Erscheinung.

„Captain Picard, willkommen an Bord der Kirow.“, begrüßte ihn Jekaterina freundlich.

„Ich danke für diesen freundlichen Empfang, Captain Romanova.“

Als letzte kam dann Arikka, die Präsidentin der Vereinten Föderation der Planeten. Die Ariantu war mit ihren 1,75 m zwar immer noch größer als Jekaterina selbst, aber dennoch wurde sie vom Captain der Enterprise E um 3 cm überragt. Präsidentin Arikka hatte einen schlanken Körper und ein ovales Gesicht mit großen braunen Augen. Ihre braunen Haare trug sie offen und schulterlang. Für diesen Empfang hatte Arikka ein schwarzes, schulterfreies Abendkleid mit tiefem Beinausschnitt und schwarze High Heels ausgewählt.

„Präsidentin Arikka, herzlich willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina freundlich.

„Es freut mich hier sein zu dürfen, Captain Romanova.“

Nach der Begrüßungszeremonie führte Jekaterina Romanova ihre Gäste in den Raum auf dem Freizeitdeck, wo der Empfang stattfand. Als das Quartett den Raum betrat, fing Cynthia Blake an, auf ihrer Geige ein altes irisches Volkslied anzustimmen. Alex Riley, ihr Verlobter setzte mit seinem Banjo ein, ehe Shaun O Shane auf seiner akustischen Gitarre dazu stieß und die erste Strophe zum Besten gab.

„In Banbridge Town in the County Down

One morning last July, from a boreen green came a sweet colleen

And she smiled as she passed me by“.

Als das Lied zu Ende war, gab es für die kleine Band den wohlverdienten Applaus.

„Ich wusste gar nicht, dass sie eine musikalische Crew haben, Captain Romanova.“, sagte Arikka.

„Bis heute wusste ich das selbst nicht. Die Idee war übrigens von Chief O Shane.“

„Ein kreativer Kopf, das muss man ihm lassen.“, sagte die Präsidentin 52

der Föderation.

Nach dem Empfang saß Jekaterina zusammen mit ihren Kollegen und Präsidentin Arikka im Bereitschaftsraum und besprach das weitere Vorgehen. Die Ariantu hielt sich zurück, denn auch wenn sie die Präsidentin der Föderation war, so war sie in erster Linie Politikerin. Und als solche, und das wusste sie sehr wohl, stand es ihr nicht zu, den Raumschiffkommandanten der Sternenflotte vorzuschreiben, wie sie ihren Job zu machen hatten. Dennoch wollte sie ihren Teil zum Gelingen dieser Mission beitragen.

„Wir wissen nicht, was uns da unten erwartet. Wir sollten also auf jeden Fall ein Sicherheitsteam mitnehmen.“, sagte Jekaterina.

„Ich würde vorschlagen, dass wir mit drei Shuttles auf der Planetenoberfläche landen. Jedes Shuttle nimmt ein Sicherheitsteam mit. Bis an die Zähne bewaffnet.“

Kaum hatte die Präsidentin ihren Satz beendet, ertönte der Türsummer.

„Herein!“, sagte Jekaterina.

Die Tür öffnete sich und Dayani betrat den Raum. In der Hand hatte sie einen Datenblock, den sie Jekaterina aushändigte. Die Kommandantin sah das Energiewesen fragend an.

„Commander Jardanka hat einen zweiten Scan der Planetenoberfläche durchgeführt, Captain. Sie hat die Scanner so kalibriert, dass sie nach Lebensformen suchen.“, sagte Dayani.

„Und das Resultat?“

„Wir konnten mehrere Tierarten ausmachen. Aber auch eine humanoide Lebensform.“, beantwortete Dayani Jekaterinas Frage.

„Danke, Dayani.“

Das Energiewesen nickte und verließ den Raum.

„Also ist der Planet bewohnt.“, nahm Jean-Luc Picard das Gespräch wieder auf.

„Wir wissen aber immer noch nicht, ob die Bewohner und friedlich oder feindlich gesinnt sind.“

„Captain Romanova hat Recht Jean-Luc. Es gibt zu viele unbekannte Faktoren. Kirow, Titan und Enterprise werden mit jeweils einem Shuttle ein Außenteam auf die Planetenoberfläche schicken, das von einem Sicherheitsteam geschützt wird. Ich selbst werde im Shuttle der Kirow mitfliegen.“, sagte Arikka. 53

Jekaterina musste sich arg zusammenreißen, damit man ihr den Schreck nicht ansah. Doch schließlich hatte sie sich wieder unter Kontrolle.

„Ich halte das für keine gute Idee, Präsidentin Arikka. Wenn ihnen etwas zustößt, dann ist die Föderation ohne Führung und somit geschwächt.“, gab Jekaterina zu bedenken.

„Wir Ariantu können mitunter ganz schön stur sein. Nichts desto Trotz sind ihre Argumente nicht von der Hand zu weisen. Aber mein Entschluss steht fest, Captain Romanova.

Jekaterina wusste, dass sie sich auf ziemlich dünnes Eis begab, wenn sie der Präsidentin widersprach. Nichts desto Trotz musste sie es zumindest versuchen.

„Madam President, es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich ihnen dringend davon abraten muss, mein Außenteam zu begleiten. Wenn ihnen etwas zustößt, zum Beispiel, dass sie in einem Gefecht durch einen Querschläger getötet werden, werde ich dafür zur Rechenschaft gezogen, da ich für ihre Sicherheit verantwortlich bin. Im schlimmsten Fall verliere ich mein Kommando und werde wahrscheinlich unehrenhaft aus der Sternenflotte entlassen.“, sagte sie.

Eine Zeitlang sprach niemand ein Wort. Doch dann ergriff William T. Riker von der Titan das Wort.

„Madam President, ich würde ihnen nicht widersprechen, wenn es nicht unbedingt sein müsste. Und schon gar nicht in Gegenwart meines jahrelangen Vorgesetzten. Aber in diesem Fall muss ich Captain Romanova Recht geben. Das Risiko für sie und auch ihr Leben ist zu hoch.“, sagte er.

Arikka sah ein, dass es wenig Sinn hatte, noch weiter an ihrer Position festzuhalten. Sie seufzte, ehe sie wieder sprach.

„Vor zwei Monaten haben die Ferengi ein Schiff aufgebracht. Mein Sohn und meine Tochter waren an Bord. Meine Späher haben den Kurs des Ferengi-Schiffes von unserer Heimatwelt Monte Christo bis hierher verfolgen können. Ab hier verliert sich die Spur meiner Kinder.“, sagte die Präsidentin.

„Deshalb möchten sie mein Team begleiten.“

„Nur deswegen bin ich hier.“, sagte Arikka.

USS Kirow Sternzeit 56217.3

Jekaterina saß gerade im Cockpit des Shuttles Gargarin und hatte kurz zuvor die Mitglieder des Außenteams und des begleitenden Sicherheitsteams kurz gebrieft. Nun wartete sie nur noch auf Arikka. Die Präsidentin der Föderation 54

Erschien nur kurze Zeit später. Die Tore des Shuttlehangars waren bereits offen. Jekaterina ließ die Triebwerke des Shuttles an und startete die Gargarin. Das Shuttle wendete und verließ kurz darauf die Kirow.

Jekaterina hatte gerade Kurs auf die Oberfläche des Planeten genommen, als ihr Kommunikator zirpte.

„Kirow an Captain.“, hörte sie die Stimme ihres ersten Offiziers.

„Ich höre, Nummer eins.“

„Die Valdore ist soeben eingetroffen. Commander Donatra wird sie dann auf der Planetenoberfläche treffen.“, sagte Eric McClusky.

„Verstanden, Nummer eins.“

„Viel Glück da unten, Captain. Kirow Ende.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.

Auf der Planetenoberfläche

Die Shuttles von Kirow, Titan und Enterprise setzten zur Landung an. Die Gargarin, das Shuttle der Kirow landete mittig, die beiden anderen links und rechts, allerdings etwas nach hinten versetzt. Die Mitglieder des jeweiligen Sicherheitsteams luden und entsicherten die mitgeführten Photonengewehre und gingen hinter den Shuttles in Deckung. Das Sicherheitsteam der Kirow jedoch bezog auf der Backbordseite des Shuttles links und rechts von der Luke und am Heck des Shuttles Position. Dann traf, angeführt von Donatra, das Außenteam der Valdore ein. Jardankas Mutter bezog ihren Posten an Bord der Gargarin.

„Du scheinst ein Gespür dafür zu haben, wenn ich in einer schwierigen Situation stecke.“, wurde Donatra von Jekaterina begrüßt.

„Ein kleines bisschen Schützenhilfe kann man immer brauchen.“

Jekaterina seufzte erleichtert. Dann sah sie durch eines der Seitenfenster der Gargarin nach draußen. Auf dem Platz waren dutzende von bewaffneten Kriegern aufgetaucht. Ihr Anführer sah von seinem Aussehen her aus, wie einst die Herrscher der Azteken. Der Mann war 1,92 m groß und sehr muskulös. Seine braunen Augen funkelten vor Hass. Der Ausdruck in seinem ovalen Gesicht war von Feindseligkeit geprägt. Jekaterina konnte erkennen, dass der Mann mit einer Machete mit einer 40 cm langen Klinge bewaffnet war. Er hob seine Waffe. Ein klares Zeichen dafür, dass gleich der Befehl zum Angriff kommen würde.

Der Anführer der Krieger ließ den Arm niedergehen. Sofort eröffneten die Bogenschützen das Feuer. Die Pfeile prallen jedoch an der Außenhaut der Shuttles ab. Jekaterina schob den Lauf ihres Photonengewehrs durch das 55

offene Seitenfenster und zielte auf den Krieger links vom Anführer. Dann drückte sie den Abzug durch. Ein Rückstoß fuhr durch die Waffe, der Jekaterina fast von den Füßen gerissen hätte. Ein Schrei wurde hörbar, der ihr verriet, dass sie einen Treffer gelandet hatte.

Doch dann hörte Jekaterina einen markerschütternden Schrei. Sie schaute aus dem Fenster. Der Anführer der Krieger hatte seine Machete erhoben. Dann richtete er die Klinge auf die Gargarin.

„Haku, Maschentä!“, sagte er dann.

Doch in dem Moment, als die Krieger losstürmen wollten ertönte aus dem Nichts eine weitere Stimme.

„HALT!“, sagte die Stimme, die Jekaterina als die Stimme einer Frau identifiziert hatte.

Dann erschien sie auf dem Platz. Sie hatte einen athletischen Körper und war mit einem Katana bewaffnet. Bekleidet war sie mit einem schwarzen Lederschurz, der von einer Kette aus Metall gehalten wurde, und einem ebenso schwarzen Oberteil, welches mit spitzen Stahldornen verziert war. Um den Hals trug die fremde Frau einen schwarzen Federbusch. Ihre hellbraunen Haare trug sie kinnlang. Jekaterina erkannte, dass die Frau ein ovales Gesicht und braune Augen hatte. Schuhe trug die Frau nicht, denn sie war barfuß unterwegs.

Jekaterina beobachtete, wie sich die Unbekannte vor den Kriegern und ihrem Anführer aufbaute, die Fäuste in die Hüften gestemmt.

„Nehmt sofort die Waffen runter!“, befahl sie.

Doch die Krieger kamen dem Befehl nicht sofort nach.

„WAFFEN RUNTER!“, befahl die Frau erneut.

Dieses Mal etwas deutlicher. Allerdings merkte Jekaterina, dass die Krieger dem Befehl der Frau nur widerwillig gehorchten.

„Kehrt ins Hauptquartier zurück. Unverzüglich!“, befahl die Frau in Schwarz.

Die Krieger gingen. Ihr Anführer machte Anstalten ihnen zu folgen. Doch die Fremde hielt ihn zurück.

„Ach Atahu.“, begann sie ein Gespräch.

„Ja, meine Gebieterin?“

„Wenn ich zurück bin, erwarte ich eine Erklärung von dir, warum du und deine Männer nicht, wie von mir befohlen auf euren Posten wart.“, sagte die Frau. 56

„Ja, Herrin.“

Atahu und seine Krieger verließen den Platz. Die Frau sah ihnen nach. Arikka wandte sich an Jekaterina.

„Ich werde versuchen, ein paar Takte mit dieser Frau zu reden. Ich erwarte nicht, dass sie uns gleich freundlich gesinnt ist, aber einen Versuch ist es wert.“, sagte die Präsidentin.

Die Anführerin der Planetenbewohner hatte sich inzwischen zu den Shuttles umgedreht. Noch nie im Leben hatte sie so merkwürdige Gebilde gesehen. „Was sind das für merkwürdige Dinger? Und viel wichtiger: Wer hat sie geschaffen?“ Als Arikka aus der Luke ins Freie trat, war sich die Frau sicher. Diese Metallgebilde konnten nur von Göttern geschaffen worden sein. „Ob es freundliche Götter sind?“, dachte sie.

Als die Ariantu näher kam, ging die Frau auf die Knie und warf sich voller Ehrfurcht auf den Boden.

„Erhebt euch. Ihr kniet vor niemandem nieder.“, sagte Arikka freundlich.

„Ihr seid eine Göttin. Ich nur eine Sterbliche. Wie kann ich euch da auf Augenhöhe begegnen?“

„Ich bin Arikka vom Volk der Ariantu. Ich bin vielleicht älter als ihr, das mag sein. Dennoch lebe auch ich nicht ewig.“, sagte Arikka.

Die Frau erhob sich. Arikka hielt ihr die Hand hin. Die Frau in schwarz streckte ihre Hand aus, nur um sie dann wieder zurückzuziehen. Arikka lächelte.

„Ich beiße nicht.“, sagte sie dann.

Zögernd nahm die Frau die Hand der Ariantu und schüttelte sie.

„Wie ist euer Name?“, fragte Arikka.

„Loreley.“

Jekaterina beobachtete von ihrem Posten im Cockpit der Gargarin wie sich die beiden Frauen voneinander lösten und einander ansahen. Dann bemerkte sie, wie Arikka ihr ein Zeichen gab. Dieses war jedoch nicht unbemerkt geblieben. Denn der Gesichtsausdruck von Loreley verdüsterte sich schlagartig.

„Wem habt ihr gerade ein Zeichen gegeben?“, fragte sie scharf.

„Captain Jekaterina Romanova. Kommandantin der USS Kirow. Die Gargarin ist eines der Shuttles des Schiffes.“ 57

„Glauben sie wirklich, dass ich ihnen diese Story glaube? Da sind sie bei mir aber verdammt schief gewickelt.“, sagte Loreley.

In diesem Augenblick trat Jekaterina aus der Luke des Shuttles, ihr Photonengewehr in den Händen. Ohne zu zögern richtete sie die Waffe auf die Frau in schwarz.

„Und jetzt wirfst du die Waffe weg. Dann runter auf die Knie und die Hände hinter den Kopf!“, befahl sie.

Loreley wandte ihr den Kopf zu. Trotz lag in ihrem Gesicht. Doch sie wusste, dass Jekaterina nicht zögern würde zu schießen, wenn es hart auf hart kam. Sie seufzte.

„Na schön. Ich glaube ihnen, Arikka. Ihre Begleiterin hat ja wohl die durchschlagenderen Argumente.“, sagte Loreley.

Jekaterina senkte ihre Waffe, um sie anschließend im Shuttle zu verstauen. Dann ging sie zielstrebig mit selbstbewussten Schritten auf Loreley zu. Und schließlich standen sich die Kommandantin der Kirow und die Anführerin der Planetenbewohner gegenüber. Jetzt erst bemerkte Jekaterina, dass sie und Loreley gleich groß waren. Es war also ein Staredown auf Augenhöhe, den sich die beiden Frauen lieferten. Schließlich brach Loreley das Schweigen.

„Hättest du wirklich mich mit deinem Schießprügel erschossen, Kleine?“, fragte sie.

„Wenn ich das Leben von Präsidentin Arikka gefährdet gesehen hätte, hätte ich nicht gezögert. Und nenn mich nicht „KLEINE“. Haben wir uns verstanden?“

Der Blick in Jekaterinas Augen reichte aus, Loreley gehörigen Respekt einzuflößen. Die Anführerin Vom Volk der Rulonen, wie sich die Einwohner des Planeten nannten, erkannte sofort, dass sie es mit einer Frau zu tun hatte, die nicht zögern würde, das Leben von Arikka zu beschützen, wenn sie dieses in Gefahr wähnte. Und Loreley traute Jekaterina Romanova durchaus zu, dass diese auch Ernst machte. Arikka meldete sich wieder zu Wort.

„Ich finde es reicht jetzt. Ihr beiden habt euch genug angegiftet.“, sagte sie streng.

Weder Jekaterina noch Loreley sagten ein Wort. Beide wussten, dass die Präsidentin der Föderation Recht hatte.

Doch mit dem, was als nächstes passierte, rechnete niemand. Denn ein weißer Lichtblitz schlug in den Boden ein und verschwand ebenso schnell, wie er aufgetaucht war. Zurück blieb Dayani, das Energiewesen. Eingehüllt in 58
 

eine Wolke kosmischer Energie starrte sie auf das Dickicht, das gegenüber der Landestelle der Shuttles lag.

„Sie sollten lieber starten, Captain, und auf die Schiffe zurückkehren. Denn gleich ist hier die Hölle los.“, sagte Dayani.

„Was hast du vor, Dayani?“

„Erklärungen später, Mutter. Jetzt ist dafür keine Zeit.“, sagte das Wesen.

Loreley und Arikka sahen Jekaterina fragend an.

„Erklär ich euch an Bord der Kirow. Jetzt sollten wir tun, was Dayani sagt.“, sagte Jekaterina.

Die Romulaner hatte man bereits auf die Valdore zurückgeholt, als das Shuttle der Enterprise startete. Dann startete die Gargarin, und zum Schluss das Shuttle der Titan.

Als die Shuttles die Atmosphäre verlassen hatten, sah Loreley zum ersten Mal in ihrem Leben ein Raumschiff. Ein ehrfürchtiger Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. „Nur Götter können so etwas erschaffen.“, dachte sie.

Als das Shuttle Gargarin, benannt nach dem berühmten Kosmonauten Juri Gargarin, wieder im Hangar geparkt und das Tor geschlossen war, öffnete Jekaterina die Luken. Das Sicherheitsteam ging über die Heckrampe von Bord, während die übrigen Insassen über den Seitenausstieg das Shuttle verließen. Loreley erschrak, als ihre nackten Füße den Boden des Hangars der Kirow berührten. Denn er fühlte sich kalt an. Für die Anführerin der Rulonen, die sonst das warme Klima auf dem Planeten gewohnt war, war dies ein Schock. Sie fühlte sich sichtlich unwohl. Als ob sie hier nicht hingehörte. Und auch auf der Krankenstation waren ihr die Prozeduren, die für die Menschen, die auf der Kirow arbeiteten, selbstverständlich waren, unangenehm.

Jekaterina blieb dieser Umstand nicht verborgen. Und sie konnte sehr gut nachvollziehen, wie sich Loreley fühlen musste. Für die Rulonin war dies eine Welt, die für sie fremd war, die sie nicht verstand. Sie musste ihr das Gefühl geben, dass sie ihr vertrauen konnte. Jekaterina beschloss, mit Loreley ein Gespräch unter vier Augen zu führen.

„Wenn es dir Recht ist, würde ich gerne mit dir ein Gespräch unter vier Augen führen.“, sagte sie zur Anführerin der Rulonen.

Diese sah hilfesuchend zu Dr. Parsons. Die Ärztin nickte stumm. 59

„Einverstanden.“, sagte Loreley.

Jekaterina führte die Rulonin zum nächsten Turbolift. Als die beiden Frauen an einem Fenster vorbeikamen, blieb Loreley stehen und sah nach draußen. Sie war sich sicher, sie war im Reich der Götter. Demütig senkte sie ihr Haupt und kreuzte die Arme vor der Brust. Jekaterina bemerkte das. Offenbar war die Rulonin sehr religiös.

In ihrem Quartier bot sie Loreley einen Sitzplatz und eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone an. Die Anführerin der Rulonen setzte sich auf eine schwarze Ledercouch und betrachtete als erstes den Raum. Auf der einen Seite, durch einen leicht transparenten Raumteiler verborgen, konnte sie einen Schreibtisch erkennen, über dem noch ein Regal angebracht war. Dort standen mehrere Bücher, die auf dem Buchrücken dasselbe Symbol besaßen, das auch Jekaterina an ihrer Uniform trug. Vor dem Schreibtisch stand noch ein Drehstuhl mit schwarzer Rückenlehne. Dann wanderte Loreleys Blick zurück in den Wohnbereich. An der gegenüberliegenden Wand gegenüber der Eingangstür stand ein Bett mit einer Länge von 1,80 m und einer Breite von 90 cm. Das Gestell war aus Bambus und hatte am Kopfende ein Dekoelement aus Metall, das einem japanischen Schrein nachempfunden war. Darüber hing ebenfalls ein Regal, mit mehreren Bildern. An der Wand gegenüber der Couch hing das Bild einer Stadt. Loreley erkannte eine Zitadelle, eine Kirche und ein prachtvolles Gebäude, dessen Nutzungsgrund sich ihr nicht erschließen wollte. Dass es sich um den Bahnhof von Smolensk und die Stadt Smolensk selbst handelte, wusste sie nicht. Vor der Couch und dem Stuhl, auf dem Jekaterina saß, stand ein kleiner quadratischer Tisch, der ebenfalls aus Bambus gefertigt war. Darauf standen zwei Tassen mit einer heißen, gut riechenden Flüssigkeit.

Loreley nahm ihre Tasse in die Hand und nippte vorsichtig an dem ihr unbekannten Getränk. Es schmeckte süßlich-bitter und hatte eine leicht saure, aber dennoch erfrischende Note.

„Die Stadt auf dem Bild ist Smolensk. Meine Heimatstadt.“, sagte Jekaterina.

„Eine große Stadt?“

„Smolensk hat knapp 330.000 Einwohner.“, sagte Jekaterina.

„Leben dort auch Götter?“

„Ich würde sagen, dort leben Menschen wie du und ich. Ich bin keine Göttin. Und das werde ich auch nie sein. Wenn meine Zeit dem Ende entgegen geht, werde ich keine Angst davor haben zu sterben.“, sagte Jekaterina.

„Du… bist keine… Göttin?“ 60

„Nein. Noch nie gewesen.“, sagte Jekaterina.

„Ich verstehe nicht. Du reist in ihrem Reich herum. Und die Götter bestrafen dich nicht dafür?“

„Hätten deine Götter denn einen Grund, mich zu bestrafen?“, wollte Jekaterina wissen.

„Nur, wenn du dich als unwürdig erweist, ihr Reich zu betreten.“

„Also wenn ich dich richtig verstehe, Loreley, dann ist der Weltraum das Reich der Götter, an die du und dein Volk glaubt.“, sagte Jekaterina.

„Ja. Alles was von den Sternen kommt, ist göttlich. Du und Arikka, ihr kamt von den Sternen. Und zu den Sternen seid ihr zurückgegangen. Und dennoch seid ihr keine Götter.“

„Vielleicht bin ich ja eine Halbgöttin.“, sagte Jekaterina.

„Eher eine Abgesandte.“

„Eine Frage noch, bevor wir uns mit Atahu, oder wie auch immer dein Widersacher heißen mag, befassen.“, sagte Jekaterina.

„Du weißt von unserer Rivalität?“

„Es war nicht schwer zu erraten. Aber bevor wir uns näher über Atahu unterhalten hätte ich noch gerne gewusst, was mit denen passiert, die sterben.“, sagte Jekaterina.

„Es freut mich, dass du versuchst, die Kultur meines Volkes zu verstehen, Jekaterina. Ein Rulone, der stirbt, wird verbrannt. Seine Seele geht zu den Sternen. Dadurch wird er göttlich.“

„Ich verstehe. Aber reden wir jetzt über Atahu. Ist er auch ein Rulone?“, wollte Jekaterina wissen.

„Nein. Niemand weiß, woher er wirklich kommt. Aber seitdem er bei uns ist, hat sich vieles verändert. So hat Atahu den Spinnenkult eingeführt. Du musst wissen, dass in den Sümpfen eine riesige Spinne lebt.“

„Und ihr huldigt er.“, sagte Jekaterina.

„Genau das. Jeden Monat verlangt er von meinem Volk, dass der Spinne die schönste Jungfrau geopfert wird. Wer sich weigert muss einen hohen Tribut als Gegenleistung zahlen. Ist er dazu nicht in der Lage, wird er auf Lebenszeit in die Sümpfe verbannt.“ 61

„Und was ist mit den Kriegern, die ihn begleiten?“, fragte Jekaterina.

„Sie sind mir unterstellt. Aber er zieht sie mehr und mehr auf seine Seite. Er will meinen Thron.“

„Und wie bewerkstelligt er das?“, wollte Jekaterina wissen.

„Er belegt sie mit einem Bann.“

„Einem Bann?“

„Ja. Wenn Atahu die Reihen der Krieger abschreitet, wird er von einer Frau begleitet, die ganz in schwarz gekleidet ist.“

„Und diese bannt dann den Krieger, der als nächstes zu Atahu überlaufen soll.“, sagte Jekaterina.

„Mehr oder weniger.“

„In Ordnung. Ich weiß jetzt, was ich wissen muss. Allerdings will ich dir keine falschen Hoffnungen machen, Loreley. Es gibt Vorschriften, an die ich mich zu halten habe.“, sagte Jekaterina.

In diesem Moment zirpte ihr Kommunikator.

„Brücke an Captain.“, hörte Jekaterina die Stimme ihres ersten Offiziers.

„Was gibt es, Nummer eins?“

„Unten auf dem Planeten geht die Post ab. Sie sollten sich das Mal ansehen.“, sagte Eric McClusky.

„Verstanden, Nummer eins. Ich komme sofort.“

An Loreley gewandt, sagte Jekaterina: „Du solltest besser auch mitkommen.“

Auf der Brücke angekommen, nahm Jekaterina in ihrem Sessel Platz. Loreley hielt sich im rückwärtigen Bereich der Brücke auf. Auf dem großen Schirm konnten alle sehen, wie die von Atahu gebannten Krieger auf Dayani schossen. Aber kein Pfeil traf sein Ziel. Neben dem Krieger stand eine Frau, die exakt der Beschreibung von Loreley entsprach. Der Ausdruck in ihrem eleganten Gesicht war zu einer hasserfüllten Fratze verzerrt. Offenbar versuchte sie, Dayani zu bannen, doch alle ihre Versuche blieben erfolglos. Die Antwort des Energiewesens ließ nicht lange auf sich warten. Dayani ballte die Hände zu Fäusten und stieß diese mit einem gewaltigen Hieb auf den Boden. Ein Energiestoß ging durch den Planeten. Dieser Energiestoß holte die gebannten Krieger zurück. Statt wie bisher das Energiewesen zu beschießen, gingen sie nun auf Atahus Begleiterin los. Diese flüchtete. Atahu versuchte die sie 62

verfolgenden Krieger zurückzurufen, doch diese gehorchten ihm nicht mehr. Denn Dayanis Energiestoß hatte den Bann gebrochen. Hasserfüllt starrte der Hühne das Energiewesen an.

„Ich weiß zwar nicht, wie du hinter mein Geheimnis gekommen bist, aber du wirst mir für diesen Frevel teuer bezahlen. Die Sumpfspinne soll sich an dir laben.“, sagte Atahu.

Als Antwort bekam er von Dayani ein höhnisches Lachen, ehe sie in einem weißen Lichtblitz wieder verschwand. Zurück blieb ein um seine Rache betrogener und wütender Atahu. Er wusste, es konnte für ihn noch eng werden. Denn jetzt, da ihm Loreleys Krieger nicht mehr gehorchten, lebte er gefährlich. Der Bann ließ sich nämlich nicht mehr erneuern, war er einmal gebrochen. Und das bedeutete auch, dass Loreley jetzt in der Lage war, ihn wegen versuchter Thronräuberei vor Gericht zu stellen, und zu verurteilen.

An Bord der Kirow

„Ich würde sagen, der finale Akt ist eingeläutet.“, sagte Jekaterina.

„Aber noch nicht gespielt, Captain.“

„Es ist nur noch eine Frage der Zeit, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

In diesem Moment meldete sich Keiko Tadashita zu Wort.

„Captain! Ich empfange eine Nachricht von Präsidentin Arikka auf der Equinox. Sie wünscht, uns einen Besuch abzustatten.“, sagte sie.

„Erlaubnis erteilt.“

Nachdem die Equinox Präsidentin Arikka an Bord der Kirow gebeamt hatte, wurde sie von zwei Soldaten der Sicherheitsteams zum Bereitschaftsraum geführt, wo Loreley und Jekaterina bereits auf sie warteten. Als die drei Frauen beisammen saßen begann Jekaterina zu erzählen.

„Ich denke, es ist an der Zeit, zu erklären warum Dayani mich auf der Planetenoberfläche „Mutter“ genannt hat. Sie sieht in mir nämlich genau das, ihre Mutter. Den Namen „Dayani“ hat sie nämlich von mir.“, sagte Jekaterina.

„Ich verstehe ehrlich gesagt noch weniger, als vorher. Dayani ist so… so… so mächtig. Als wäre sie eine Göttin. Und trotzdem nennt sie dich „Mutter.“

„Dayani ist im Grunde genommen ein Energiewesen. Sie sieht nur aus wie ein Mensch, in Wirklichkeit ist sie aber pure Energie.“, sagte Jekaterina. 63

„Wenn Dayani sie als ihre Mutter ansieht, Captain Romanova, wer ist dann der Vater?“

„Madam President, Dayanis Vater ist Captain James T. Kirk.“, sagte Jekaterina.

„Wie ist das möglich? Dayani ist doch ein Energiewesen.“

„Dazu muss ich ein bisschen in der Geschichte etwas zurückgehen, Loreley. Genauer gesagt ins Jahr 2273. In diesem Jahr haben die Klingonen ein Wesen ein Wesen namens V´Ger angegriffen. Sie haben an diesem Tag drei Kreuzer der D-7-Klasse verloren.“, sagte Jekaterina.

„Und was hat diese Geschichte mit Dayani zu tun, Captain?“

„Die USS Enterprise unter dem Kommando von James Kirk, damals im Rang eines Admiral, hatte den Auftrag V´Ger abzufangen. Auf dieser Mission verschwanden der erste Offizier der Enterprise, William Decker und Lieutenant Ilia spurlos. Zumindest ist das die offizielle Version. In Wirklichkeit hat sich Captain Decker geopfert und ist mit einer Sonde, die Ilia ähnelte, eine Verschmelzung eingegangen. Das Resultat dieser Vereinigung, war ein Lichtkreis, aus dem die USS Enterprise aufgetaucht ist. Doch als der Lichtkreis verschwunden war hat sich eine energetische Anomalie gebildet. Diese Anomalie sollten wir auf unserer ersten Mission untersuchen.“, sagte die Kommandantin.

„Das mag zwar alles sein, aber welchen Beweis gibt es, dass Dayani einmal V´Ger war?“

„Wir wurden Zeugen, wie ein Ferengi-Schiff vernichtet wurde. Sehen sie, Madam President, aus dem Zentrum der Anomalie wurde eine Waffe auf der Basis von Plasmaenergie auf den Marauder abgefeuert. Das Schiff wurde von Energieblitzen eingehüllt, und war von einem Augenblick auf den anderen verschwunden. Auf dieselbe Art und Weise sind auch die D-7-Kreuzer verschwunden.“, sagte Jekaterina.

„Das leuchtet ein. Und was passierte, nachdem das Ferengi-Schiff zerstört wurde?“

„Danach hat Unsere Kommunikationsoffizierin eine Nachricht mit dem Wortlaut „Gebt mir einen Namen“ empfangen.“, sagte Jekaterina.

„Und du hast den Namen „Dayani“ ausgewählt. Der Name ist weiblich, sonst hättest du einen Sohn statt einer Tochter.“

Auf der Oberfläche des Planeten 64

Atahus Schwester Shiva war vor den Kriegern der Rulonen in die Sümpfe geflohen. Sie wusste, sie konnte ihrem jüngeren Bruder nicht mehr helfen. Jetzt war es wichtig, dass Shiva zumindest ihre eigene Haut rettete. Sie war oft gegenüber Atahu die Stimme der Vernunft gewesen, und am Anfang hatte er auch auf sie gehört. Doch als er sich dazu entschieden hatte, sich den Thron der Rulonen mit Gewalt anzueignen, hatte er ihr unmissverständlich klar gemacht, dass sie, genau wie alle anderen, seinen Befehlen Folge zu leisten hatte. Jedes Mal, wenn sie ihm widersprochen hatte, hatte Atahu ihr mit brutaler Härte gezeigt, dass sein Wort Gesetz war.

Sie hatte zwar Angst, aber den Kopf verlor sie deshalb nicht. Das Reich der Sumpfspinne hatte sie wohl wissend gemieden. Ihr Ziel war ein abgelegenes Sumpfgebiet, das unbewohnt war. Bei einem ihrer zahlreichen Erkundungsausflüge hatte Shiva ein altes Raumschiff entdeckt. Dank des technischen Wissens, das ihr Bruder Atahu ihr vermittelt hatte, war sie in der Lage, das Schiff wieder instand zu setzen. Immer, wenn Shiva und Atahu sich heftig gestritten hatten, war sie dieses Sumpfgebiet aufgesucht und hatte an dem Schiff gearbeitet. Vor zwei Tagen hatte sie die letzten Arbeiten erledigt und einen kleinen Testflug gestartet.

Im Palast der Rulonen saß Atahu auf dem Thron, auf dem eigentlich Loreley sitzen sollte. Er wusste, er musste einen Weg finden, wie er an dieser mysteriösen Frau Rache nehmen konnte. Doch wie dies bewerkstelligen, wenn sie gar kein Mensch war? Er selbst hatte mit eigenen Augen gesehen, wie diese Frau in einem Blitz aus weißem Licht einfach verschwunden war. Sie musste also eine Göttin sein. Oder zumindest eine Abgesandte von Loreleys Göttern.

Im Sumpf hatte Shiva ihr Ziel erreicht. Ihr Schiff war startklar. Das Schiff, es handelte sich um einen Abfangjäger der F-302-Klasse stand auf Landekufen auf einer kleinen Lichtung. Über die leicht angewinkelten Flügel konnte man das Cockpit erreichen. Am Heck des Jägers waren zwei schräg angeordnete Heckflügel angebracht, die noch vor den beiden Triebwerken saßen. Die Cockpithaube konnte mit Hilfe eines Schalters an der Außenseite der Bordwand geöffnet werden.

Shiva zog ihre Kleider aus und ging in den Sumpf. Sie ging am Ufer entlang, denn sie wusste, dass nur ein falscher Schritt den sicheren Tod bedeuten konnte. Doch auch hier gab es tückische Stellen. Shiva erwischte einen dieser Spots und steckte bald bis zur Unterkante ihrer Brüste im Morast. Mit Hilfe einer Ranke schaffte sie es aber, sich aus dem Schlamm zu befreien und ihren Weg fortzusetzen.

An Bord der Kirow 65

„Jetzt wo Atahu keine Kontrolle mehr über deine Krieger hat, sollte er schnell seiner gerechten Strafe zugeführt werden.“, sagte Jekaterina zu Loreley.

„Das wird er auch. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn du und

Präsidentin Arikka dabei sein würdet. Dasselbe gilt natürlich auch für deine „Tochter“.“

„Es wäre mir eine große Ehre.“, sagte Jekaterina.

Arikka wandte sich nun an die Rulonin.

„Gestattet mir eine Frage.“, begann sie.

„Was wollt ihr wissen?“

„Ich suche nach meinen Kindern. Mein Sohn Roric und meine Tochter Mitena. Sie wurden vor zwei Monaten von den Ferengi entführt. Hier verliert sich ihre Spur. Könnt ihr mir etwas über den Verbleib meiner Kinder berichten?“, fragte die Präsidentin.

„Sie leben. Es ist meinen Ratgebern gelungen, ihre Identität vor Atahu geheim zuhalten.“

Arikka verkrampfte ihre Hände ineinander, bis die Knöchel weiß hervortraten.

„Was… was… hat… er mit meinen Kindern vor?“, fragte sie.

„Er hat vor, sie der Sumpfspinne als Opfer darzubieten. Er lässt wie besessen nach ihnen suchen.“

„Loreley… wäre es möglich die beiden hier auf die Kirow zu bringen? Hier wären sie sicher.“, warf Jekaterina ein.

„Wenn du den Transport veranlassen kannst, ist das kein Problem.“

„Ist so gut wie erledigt.“, sagte Jekaterina.

Auf der Planetenoberfläche

Die Sonne hatte bereits begonnen unterzugehen, als das zweite Shuttle der Kirow, die Komarow, auf dem Platz vor der Tempelruine landete. Die Leiche des toten Kriegers war mittlerweile abtransportiert worden. Als Jekaterina und die anderen das Shuttle verließen, sah die Kommandantin der Kirow den F-302-Jäger in den Himmel aufsteigen. Auch Loreley sah ihn.

„Shiva flieht.“, sagte sie knapp.

„Wer ist Shiva?“ 66

„Atahus ältere Schwester.“, sagte Loreley.

„Haben die beiden ein gutes Verhältnis zueinander?“

„Wohl kaum. Zumindest in den letzten drei Wochen. Die beiden haben sich immer heftig gestritten. Einmal habe ich gesehen, wie Atahu Shiva mit einer glühend heißen Eisenstange ihren Oberkörper malträtiert hat. Brust und Rücken sind mit Brandwunden übersät.“, sagte Loreley.

„Was für ein Scheusal.“

„Monster trifft es besser, Präsidentin Arikka.“, sagte die Rulonin.

Vom Balkon von Loreleys Arbeitszimmer sah auch Atahu den Start des Jägers. Seine Schwester floh also und ließ ihn im Stich. Diese Verräterin! Er ging wieder in den Raum, als sich die Tür öffnete und die rulonischen Krieger den Raum betraten und ihn umstellten. Ihr Anführer, von seiner Kleidung glich er einem römischen Zenturio, trat vor.

„Hauptmann Atahu, im Namen des Gesetzes, ihr seid verhaftet.“, sagte er dann.

„So einfach könnt ihr mich nicht verhaften. Ich bin euer Vorgesetzter.“

„Nicht mehr. Königin Loreley hat uns eine Nachricht zukommen lassen, wie mit euch zu verfahren ist. Ihr seid hiermit eures Postens enthoben. Ferner wird Anklage gegen euch erhoben.“, sagte der Zenturio.

„Was wirft man mir denn vor?“

„Versuchte Thronräuberei und Massenmord.“, war die knappe Antwort.

„Na schön klagt mich ruhig an. Aber vorher bestehe ich darauf, dass dieser komischen Frau, oder was immer sie auch sein mag, der Prozess gemacht wird.“

„Welche Frau meinst du, Atahu?“, fragte der Anführer der Rulonen-Krieger.

„Vorhin auf dem Platz vor dem Tempel ist eine Frau aufgetaucht. Sie hat einen Energiestoß durch die Planetenoberfläche geschickt und damit den Bann gebrochen, mit dem einige eurer Krieger belegt waren.“

„Pech für dich, würde ich sagen. Wie dem auch sei, Atahu. Du kommst jetzt mit und damit basta!“, sagte der Zenturio.

„Ja doch!“

Zwei Krieger nahmen Atahu in die Mitte, die übrigen postierten sich um ihn. So wurde er in den Thronsaal des Palastes gebracht. Als die kleine Gruppe den 67

Saal betrat staunte Atahu nicht schlecht. Denn auf Loreleys Thron saß Dayani, das Energiewesen. Lässig fläzte sie sich auf dem Thron herum, ein Bein lasziv über das andere gelegt. Atahu ahnte, dass sie ihn provozieren wollte.

„Du schon wieder.“, sagte er verächtlich.

„Ja, ich schon wieder. Glaubst du, ich lasse mir entgehen, wie man dich deiner gerechten Strafe zuführt?“

„Wer bist du, dass du dich auf einem Thron breit machst, der eigentlich mir gehört?“, fragte Atahu voller Zorn.

„Mein Name ist Dayani. Und dies ist nicht dein Thron, sondern der Thron von Tante Loreley.“

„Ich wusste gar nicht, dass die Königin der Rulonen eine so vorlaute und respektlose Nichte hat.“, sagte Atahu.

„Sie ist die Freundin meiner Mutter, Jekaterina Romanova, Kommandantin der USS Kirow.“

„Ach, was du nicht sagst.“, sagte Atahu gehässig.

„Du riskierst ne verdammt dicke Lippe, für jemanden dessen Lebensuhr schon längst abgelaufen ist.“

„Aber bevor ich sterbe, bist du dran. Die Sumpfspinne verlangt ein neues Opfer. Und was ist besser dafür geeignet, als eine rotzfreche Göre, wie du eine bist.“, sagte Atahu.

Dayani erhob sich. Und vor den Augen der anwesenden verwandelte sie sich in ihre eigentliche Form. Atahu erstarrte. Jetzt begriff er, warum er dieser Frau nicht habhaft werden konnte. Sie war ein Energiewesen. Wäre Shiva doch bloß hier! Dann könnte hätte sie Dayani bannen und unter Atahus Kontrolle bringen können. Als Dayani sich wieder zurückverwandelt hatte, öffnete sich die Tür und Loreley und ihre Begleiter betraten den Saal.

„Wie ich sehe, hat man dich bereits verhaftet. Sehr gut.“, sagte die Königin der Rulonen.

„Dank deiner neuen Freunde. Hättest du den Angriff nicht verhindert, hätten wir diese widerlichen Fremden vernichtet.“, sagte Atahu.

„Jedenfalls haben diese Fremden mehr auf dem Kasten, als du.“

„Ach was du nicht sagst.“, sagte Loreleys Feind verächtlich. 68

„Im Gegensatz zu dir haben die Götter mich als würdig angesehen, ihr Reich zu betreten.“

„Moment mal! Soll das etwa ein Witz sein? Die Götter erlauben keinem Sterblichen, ihr Reich zu betreten. Das hast du immer gesagt.“, sagte Atahu.

„Sieht so aus, als ob sie mir gnädig waren. Ich war im Reich der Götter. Ein Ort, an den du nie kommen wirst.“

„Ausgerechnet du!“, sagte Atahu und spuckte vor Loreley respektlos auf den Boden.

„Eben ist Schluss. Atahu, du wirst hiermit zum Tode durch die eiserne Jungfrau verurteilt.“

„Ich habe das Recht auf einen fairen Prozess.“, sagte Atahu trotzig.

„Bei der Liste deiner Vergehen? Niemals. Du hast versucht, mir meinen Thron zu stehlen. Und du hast viele Familien auseinandergerissen, als du ihre Töchter der Sumpfspinne geopfert hast. Der Spinnenkult ist mit sofortiger Wirkung abgeschafft.“

Atahu wollte noch etwas erwidern, doch Loreley gebot ihren Soldaten das Urteil sofort zu vollstrecken. Jekaterina und Arikka zogen es vor, bei der Vollstreckung von Atahus Urteil fern zu bleiben. Die Königin der Rulonen hatte dafür Verständnis.

An Bord der Kirow Sternzeit 56220.4

Jekaterina saß an ihrem Schreibtisch in ihrem Quartier. Sie hatte gerade den abschließenden Bericht für diese Mission fertig geschrieben, als die Gegensprechanlage losging.

„Brücke an Captain.“, hörte sie Eric McCluskys Stimme.

„Was gibt’s Nummer eins?“

„Captain, die Königin der Rulonen hat uns für heute Abend zu einem Empfang eingeladen.“, sagte der erste Offizier.

„Lassen sie ausrichten, dass wir die Einladung annehmen. Wann werden wir eigentlich erwartet?“

„Um 20:00 Uhr, Captain.“, sagte Eric McClusky.

„In Ordnung, Nummer eins. Suchen sie später bitte ihre beste Abendgarderobe zusammen.“ 69

„Aye, Captain.“

Später am Abend, die Sonne war bereits untergegangen, hatten sich die Führungsoffiziere von Kirow, Titan und Enterprise im großen Saal des Palastes zusammengefunden. Auch die Präsidentin der Föderation, Arikka, vom Volk der Ariantu war anwesend. Alle warteten auf Loreley. Die Königin der Rulonen kam allerdings nach irdischer Zeitrechnung 15 Minuten zu spät.

„Ihr seid zu spät, Majestät. Ihr lernt es wohl nie.“, sagte ihre Ratgeberin, eine schlanke dunkelhaarige Frau mit braunen Augen.

„Du weißt doch, Aurélie, die Königin kommt nie zu spät, die anderen sind zu früh da.“

Für diesen Satz erntete Loreley ein heiteres Lachen. Jekaterina wollte schon auf die Knie gehen, als Loreley sie zurückhielt.

„Du kniest vor niemandem nieder, „Joelina“. Dieser Name bedeutet im Rulonischen „Die Göttliche“. Er symbolisiert genau das, was du bist: Göttlich. Du kamst von den Sternen, und zu den Sternen wirst du wieder zurückgehen. Ich wünschte ich könnte dich begleiten und von dir lernen. Aber mein Platz ist hier.“, sagte Loreley.

„Ich danke dir, für diese Ehre. Wenn ich wieder in der Nähe bin, komme ich dich besuchen. Das verspreche ich.“

„Ich nehm dich beim Wort. Doch bevor sich unsere Wege trennen, habe ich ein Geschenk für dich, Jekaterina. Es soll dich an deine Zeit hier bei uns erinnern.“, sagte die Rulonin.

Dann klatschte sie in die Hände. Die große Doppeltür öffnete sich und ein Diener betrat den Raum. Auf den Händen trug einen in weißes Leinentuch gehüllten Gegenstand. Als der Mann neben seiner Herrin stand, wurde das Tuch zurückgeschlagen. Zum Vorschein kam ein Schwert mit einer 25 cm langen, wellenförmig geschliffenen Klinge. Der Griff war aus Messing und war mit drei Rubinen auf der Vorder- und drei Smaragden auf der Rückseite verziert.

„Dieses Schwert gehörte Rega. Dem ersten König von Rulon. Durch dieses Schwert wird mein Geist über dich wachen, Jekaterina. Wo immer du auch sein magst.“, sagte Loreley.

„Ich danke dir.“

Der Abend ging zu Ende. Doch bevor sich die Runde auflöste, löste Loreley ihre Versprechen ein, dass sie Arikka gegeben hatte. Auf ein Zeichen öffnete sich eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Eine mysteriöse 70

Gestalt, deren Gesicht durch einen weißen Umhang verdeckt war, führte zwei Kinder herein. Einen Jungen, und ein Mädchen.

„Wir Rulonen pflegen zu unserem Wort zu stehen. Ich versprach euch, eure Kinder wieder in eure Obhut zu geben, Präsidentin Arikka. Hiermit löse ich mein Versprechen ein.“, sagte Loreley.

An Bord der Kirow

Zurück an Bord ihres Schiffes begab sich Jekaterina in den Bereitschaftsraum. Regas Schwert lag neben ihr auf dem Tisch. Sie hatte gerade Platz genommen, als ihr Kommunikator zirpte, den sie an ihrem Paillettenkleid angeheftet hatte.

„Brücke an Captain.“, hörte sie Keikos Stimme.

„Was gibt es Keiko?“

„Admiral Janeway wünscht sie zu sprechen.“, sagte Keiko.

„Stellen sie durch.“

Auf dem kleinen Bildschirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Admiral Janeway.“, sagte Jekaterina.

„Captain Romanova.“

„Haben sie eine neue Mission für uns?“, fragte Jekaterina.

„Dazu komme ich gleich. Aber jetzt darf ich ihnen erst einmal meine Anerkennung aussprechen, wie sie die Mission gemeistert haben. Obwohl ich zugeben muss, dass diese Mission auch ein Fiasko hätte werden können. Ich frage mich allen Ernstes, wie es passieren konnte, dass man ihrem Schiff kein Sicherheitsteam zugewiesen hat.“

„Präsidentin Arikka hat sich dieser Sache persönlich angenommen, Admiral.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe davon gehört. Alles handverlesene Leute. Aber nun zu ihrer nächsten Mission. Fliegen sie in den Gamma-Quadranten. Unterwegs docken sie an der Raumstation Deep Space Nine an. Dort kommen ihre Chefärztin und ihr neuer Fähnrich an Bord.“

„Was sollen wir im Gamma Quadranten, Admiral Janeway?“, fragte Jekaterina.

„Botschafterin Wai Lin Luan wird vermisst. Ihr Schiff hat sich zuletzt im Gamma-Quadranten nach einem Zwischenhalt bei DS9 gemeldet. Seitdem haben wir nichts mehr von Botschafterin Luan gehört. Finden sie heraus, was passiert 71

ist. Admiral Janeway Ende.“ 72

USS Kirow - Mission 4

USS KIROW MISSION 4

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56229.5 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir haben den Gamma-Quadranten erreicht und haben nun Kurs auf Raumstation Deep Space Nine genommen. Hoffentlich bekommen wir ein paar Informationen, was mit Botschafterin Luan passiert sein Könnte. Außerdem bekommen wir endlich unsere Chefärztin. Was aber in keinster Weise bedeuten soll, dass Doktor Parsons keinen guten Job macht.“

Jekaterina klappte das Computerlogbuch ihres Schiffes zu und rieb sich dann die Schläfen.

„Ich bin todmüde.“, sagte sie.

„Wollen sie sich etwas hinlegen, Captain? Ich kann hier weitermachen.“

„Gern, Nummer eins. Ich könnte etwas Ruhe gebrauchen. Rufen sie mich, wenn wir Deep Space Nine erreichen.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Als Jekaterina die Brücke der Kirow verließ, hörte sie noch die Stimme von Eric McClusky.

„Kommandant verlässt die Brücke.“, sagte er.

In ihrem Quartier legte sich Jekaterina auf ihr Bett und schloss die Augen. Und schon bald kam der Schlaf. Und mit ihm die Träume. In ihrem Traum sah Jekaterina sich und Loreley auf dem Balkon ihres Palastes stehen. Die Königin der Rulonen trug wieder das weiße Satinkleid und die weißen Sandaletten, die sie am Abend des Empfangs für die Repräsentanten der Föderation getragen hatte. Jekaterina trug dieses Mal das Outfit, das Dayani immer zu tragen pflegte. Beide legten einen Arm um die Taille der anderen und sahen zum Himmel hinauf. Loreley wandte Jekaterina das Gesicht zu.

„Eines Tages, Kleine, wird meinem Volk der Warpantrieb zur Verfügung stehen. Dann wird das Volk der Rulonen der Föderation beitreten.“, sagte sie dann.

Um 21:15 Uhr irdischer Zeitrechnung erreichte die Kirow die Raumstation Deep Space Nine. Die Station war unverkennbar. Deep Space Nine war eine runde Konstruktion mit drei Andockbuchten auf der Oberseite und drei weiteren Andockbuchten auf der Unterseite, die mit Streben mit dem inneren Ring verbunden waren. Im Zentrum des inneren Ringes befand sich das Hauptquartier der Kommandantur, das über sechs weitere Streben mit dem inneren Ring verbunden war. Unverkennbar war auch der kuppelförmige 73

Aufbau auf der Oberseite des Kommandomoduls.

Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow, tippte an den kleinen Kommunikator an seiner Uniformjacke.

„Brücke an Captain.“, sagte er.

Die Antwort seiner Vorgesetzten kam umgehend.

„Was gibt’s, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.

„Captain, wir haben Deep Space Nine erreicht.“

„In Ordnung, Nummer eins. Lassen sie andocken. Ich komme sofort.“, sagte Jekaterina.

Jekaterina kam auf die Brücke, als die Kirow an einer der Andockstationen von Deep Space Nine festmachte.

„Ich werde mal dem Stationskommandanten meine Aufwartung machen, Nummer eins. Sie machen inzwischen weiter.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Doch gerade als die Kommandantin der Kirow die Brücke verlassen wollte, zirpte ihr Kommunikator.

„Transporterraum 4 an Brücke.“, hörte Jekaterina Chief McKennas Stimme.

„Ich höre, Mr. McKenna.“

„Captain, uns wurde eine weibliche Person zum Beamen auf unser Schiff angekündigt.“, sagte Jettediah McKenna.

„Verstanden. Veranlassen sie alles für den Transfer, dann melden sie sich noch mal bei mir.“

„Es ist alles soweit fertig, Captain.“, sagte Chief McKenna.

„Energie.“

Kurze Zeit später kam die Bestätigung für einen erfolgreichen Transfer.

„Transporterraum 4 an Brücke. Eine weibliche Person an Bord.“, sagte Jettediah McKenna.

„Danke, Mr. McKenna.“

Jekaterina wollte erneut die Brücke verlassen, als sich Keiko Tadashita zu Wort meldete. 74

„Captain! Ich habe gerade eine Nachricht von Major Kira erhalten.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Kira Nerys.

„Major Kira.“, begrüßte Jekaterina die Kommandantin von Deep Space Nine.

„Captain Romanova.“

„Was verschafft mir die Ehre dieses Gesprächs, Major?“, fragte Jekaterina.

„Sie wurden mir bereits angekündigt, Captain. Und ich hätte gerne einige Dinge mit ihnen erörtert.“

„Ich wollte mich gerade auf den Weg machen, um ihnen meine Aufwartung zu machen, als mir von einem meiner Chiefs, in den Transporterräumen der Transfer einer weiblichen Person angekündigt wurde.“, sagte Jekaterina.

„Verstehe. Und jetzt erwische ich sie sprichwörtlich auf dem Sprung.“

„Genau das, Major. Ich werde noch unser neues Besatzungsmitglied an Bord willkommen heißen, dann begebe ich mich direkt zu ihnen.“, sagte Jekaterina.

„Das ist doch ein Wort, Captain. Major Kira Ende.“

Jekaterina kam gerade aus dem Turbolift, als sie im Gang auf das neue Besatzungsmitglied traf. Jekaterina blickte in das runde Gesicht einer Frau, die sich ihrer Schönheit und auch ihrer Weiblichkeit durchaus bewusst war. Ihrer Uniform nach zu urteilen gehörte sie zum medizinischen Personal. Die Frau war 1,68 m groß und hatte haselnussbraune Augen. Ihre Nase war nicht zu dick und nicht zu dünn. Ihre brünetten Haare trug sie offen, sodass sie bis zu ihrer Achselhöhle reichten. Und wenn Jekaterina es nicht besser gewusst hätte, dann hätte sie ihr neues Besatzungsmitglied doch glatt für Penelope Cruz gehalten, sah sie dieser doch gespuckt ähnlich.

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, begrüßte sie die Frau.

„Doktor Juanita Garcia. Ich bin ihre neue Chefärztin. Bitte um Erlaubnis, meinen Dienst antreten zu dürfen, Capitán.“
 

„Erlaubnis erteilt, Doktor.“
 

Jekaterina begleitete ihre neue Chefärztin zu ihrem neuen Arbeitsplatz.
 

„Ich befürchte, dass sie eine personell unterbesetzte Krankenstation vorfinden werden.“, sagte Jekaterina. 75

„Das ist nicht gut. Haben wir wenigstens Fachärzte?“
 

„Wir haben nur eine Ärztin, Dr. Parsons. Und mit Anita Dark einen Fähnrich. Das ist das ganze Personal, das ihnen zur Verfügung steht, Dr. Garcia.“, sagte Jekaterina.
 

Die Ärztin lehnte sich an eine Wand und seufzte schwer.
 

„Madre mia! Das ist alles andere als gut.“
 

„Tut mir leid, Doktor. Aber mehr Personal hat man mir nicht zugeteilt.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich mache ihnen auch keinen Vorwurf, Capitán. Bueno. Dann kümmere ich mich eben selbst darum.”
 

„Und woher wollen sie die Leute nehmen?“, fragte Jekaterina.
 

„Das überlassen sie bitte mir. Ich weiß schon, was ich tun muss. Und ich werde dafür sorgen, dass alle ihren Job ernst nehmen.“
 

„Sie überlassen wohl nichts dem Zufall Doktor Garcia.“, sagte Jekaterina.
 

„Das tue ich nie, Capitán. Wer etwas dem Zufall überlässt, ist nachlässig. Und Nachlässigkeit führt zu Schlamperei. Und ich hasse Schlamperei.“
 

„Oh.“, sagte Jekaterina.
 

Die beiden Frauen erreichten die Krankenstation. Beatrix Parsons behandelte gerade eine leichte Schnittwunde, während Anita Dark die Medikamentenliste abarbeitete. Als Dr. Parsons mit ihrer Tätigkeit fertig war, sah sie auf. Und in das Gesicht ihrer neuen Vorgesetzten. Sofort nahm sie Haltung an.
 

„Stehen sie bequem, Dr. Parsons.“, sagte Juanita.
 

„Danke Chef.“
 

Jekaterina war erleichtert, dass die beiden Ärztinnen gut miteinander harmonierten.
 

„Okay, Ladies. Ich verschwinde, Major Kira erwartet mich.“, sagte sie.
 

Wenig später trat Jekaterina durch eine der Schleusen und befand sich im Inneren von Deep Space Nine. Da sie schon früher oft hier gewesen war, fand sie sich problemlos zurecht. Als sie durch die Gänge spazierte begegnete sie einem Sicherheitsbeamten.
 

„Captain Jekaterina Romanova?“, fragte er unverhofft. 76

„Die bin ich.“
 

„Folgen sie mir bitte. Major Kira erwartet sie schon.“, sagte der Beamte, ein zwei Meter großer Hüne mit roten Haaren.
 

„Vielen Dank.“
 

Der Mann ging voraus und führte Jekaterina zu ihrem Ziel. 2 Minuten später betrat Jekaterina das Büro des Kommandanten. Major Kira saß hinter ihrem Schreibtisch, stand aber auf, als Jekaterina eintrat. Kira war eine 1,72 m große Brünette vom Volk der Bajoraner. Jekaterina erkannte dies an den fünf Einschnitten in der Haut im Bereich des Nasenbeins. Major Kira hatte braune Augen und schulterlange Haare, die ihr ovales Gesicht stärker hervorhoben.
 

„Captain Romanova. Bitte nehmen sie Platz.“, sagte Major Kira.
 

„Spassiba.“
 

„Wie ich bereits sagte, hat man mir ihr Kommen bereits angekündigt, Captain. Und ich bin echt froh, dass sie hier sind.“, begann Kira das Gespräch.
 

„Warum denn dieses?“
 

„Ganz einfach. Vor zwei Tagen wurde die USS Concord schwer beschädigt. Das Schiff wurde aus dem Hinterhalt angegriffen.“, sagte Kira.
 

„Wer war es? Die Cardassianer?“
 

„Nein, Captain. Obwohl ich es ihnen durchaus zutrauen würde.“, sagte Kira.
 

„Die Ferengi? Die hätten allen Grund für so einen Angriff.“
 

„Wie darf ich das verstehen, Captain Romanova?“, fragte Kira.
 

„Ich hab den Ferengi auf unserer zweiten Mission das Geschäft vermiest. Meine neue Counselor war eine Gefangene der Ferengi.“
 

„Zugegeben, die Ferengi hätten wirklich allen Grund für so einen Hinterhalt. Aber sie waren es auch nicht. Die D´Kora-Schiffe kann man nicht verwechseln.“, sagte Kira.
 

In diesem Moment ging die Kom-Anlage auf dem Schreibtisch von Major Kira los.
 

„Krankenstation an Kira.“, hörte Jekaterina eine Männerstimme.
 

„Was gibt’s Doktor?“ 77
 

„Major, Captain Peskow hat soeben das Bewusstsein wieder erlangt.“, sagte der Arzt.
 

„Ist er ansprechbar?“
 

„Das schon. Aber ich würde dringend davon abraten, ihn zu besuchen.“, sagte der Doktor.
 

„Ist Captain Peskows Zustand so schlecht?“
 

„Bedauerlicherweise.“, sagte der Arzt.
 

Kira war nicht entgangen, dass Jekaterina bei der Erwähnung des Namens von Anatoli Peskow kreidebleich geworden war.
 

„Ich nehme an, dass sie Captain Peskow sehr gut kennen, so wie sie bei der Erwähnung seines Namens reagiert haben, Captain Romanova.“, sagte Kira.
 

„Er war mein Mentor, Major.“
 

„Es gibt allerdings noch etwas, dass sie wissen sollten, Captain Romanova.“, sagte Kira.
 

Jekaterina hatte das Gefühl, als würde sich ihr der Magen zusammenziehen. Sie ahnte, dass es schlechte Neuigkeiten von ihrem Bruder gab.
 

„Bei dem Überfall wurden der erste Offizier und die Counselor gefangen genommen.“, sagte Kira.
 

Jekaterinas Herz schlug schneller.
 

„Wie lautet der Name des ersten Offiziers der Concord?“, fragte sie.
 

„Jewgeni Romanova. Wieso fragen sie?“
 

„Er ist mein jüngerer Bruder, Major.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich kann verstehen, wie sie sich fühlen, Captain Romanova. Und ich ahne, dass ihr Zorn auf diese Kerle entsprechend groß sein muss. Ich möchte ihnen allerdings noch einen Rat mit auf den Weg geben, Captain. Wenn ihnen diese Kerle begegnen, verzetteln sie sich bitte nicht in eine Vendetta.“
 

„Keine Bange. Ich ziehe diesen Bastarden nur das Fell über die Ohren.“, sagte Jekaterina.
 

Deep Space Nine 20:40 Uhr
 

Jekaterina betrat die Krankenstation. Eine Krankenschwester brachte die 78

Kommandantin der Kirow in das Zimmer, in dem Anatoli Peskow untergebracht war.
 

„Bist du wach, Anatoli?“, fragte sie leise.
 

„Schläfst du mit offenen Augen?“
 

„Wie fühlst du dich?“, fragte Jekaterina.
 

„Wie ein alter Mann.“
 

„Ich bringe Jewgeni wieder nach Hause, das Versprechen gebe ich dir.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich wusste, dass du das sagen würdest. Sei vorsichtig, Jekaterina. Diese Mistkerle greifen an, wenn du am wenigsten damit rechnest.“
 

„Keine Bange, Anatoli. Es ist zwar erst unsere vierte Mission, aber nichts, was wir nicht meistern könnten.“, sagte Jekaterina.
 

„Hast du schon die erste der vier wichtigsten Lektionen vergessen, Jekaterina?“
 

„Du meinst, einen Feind niemals zu unterschätzen? Diese Lektion werde ich nie vergessen. Du hast sie mir oft genug eingebläut. Und keine Angst, ich habe einen Plan.“, sagte Jekaterina.
 

„Was um Himmels Willen hast du vor, Jekaterina?“
 

„Ich spiele mit den Brüdern Katz und Maus. Dieses Mal werden wir diese Kerle mit ihren eignen Waffen schlagen.“, sagte Jekaterina.
 

Auf dem Weg zurück zur Kirow begegnete Jekaterina einem jungen Fähnrich. Der junge Mann war 1,88 m groß und hatte braune Augen. Seine braunen Haare hatte er kurz geschnitten und einen kleinen Teil zu einem Zopf geflochten. Jekaterina schätzte das Alter des Fähnrichs auf 16 Jahre. Auffällig war auch der athletische Körperbau des jungen Mannes. Das ovale Gesicht mit der breiten Nase zeigte offene Nervosität.
 

„Kann ich ihnen helfen, Fähnrich?“, sprach Jekaterina den Fähnrich an.
 

„Ich soll mich an Bord der Kirow melden.“
 

„Dann haben wir dasselbe Ziel. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, sagte Jekaterina.
 

Sofort nahm der Fähnrich Haltung an.
 

„Fähnrich Justin Wichrowski meldet sich zum Dienst, Captain.“ 79

„Stehen sie bequem, Mr. Wichrowski.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Kirow führte Jekaterina den neuen Fähnrich auf die Brücke.
 

„Darf ich ihnen unser neuestes Besatzungsmitglied hier auf der Brücke, Fähnrich Justin Wichrowski vorstellen?“, fragte Jekaterina in die Runde.
 

Eric McClusky hielt dem Fähnrich die Hand hin.
 

„Willkommen an Bord, Fähnrich Wichrowski.“, sagte er.
 

„Danke, Sir.“
 

Nachdem sich der junge Fähnrich mit den anderen Brückenoffizieren bekannt gemacht hatte, bat Jekaterina ihn, Commander McClusky, sowie Counselor Kahn zum Gespräch in den Bereitschaftsraum.
 

„Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden, also fangen wir an. Major Kira hat mir mitgeteilt, dass die Concord vor zwei Tagen bei einem Angriff aus dem Hinterhalt schwere Schäden davon getragen hat. Der erste Offizier und die Counselor gerieten in Gefangenschaft.“, begann die Kommandantin das Gespräch.
 

„Sollen wir die beiden rausholen, Captain?“
 

„Nein, Nummer eins. Wir haben bislang keinerlei Befehle in dieser Hinsicht erhalten. Ab sofort gilt dauerhaft Gefechtsalarm. Die Schilde und die Waffensysteme bleiben bis auf Widerruf aktiviert. Die taktische Station wird mit sofortiger Wirkung mit zwei Mann besetzt. Wir müssen jetzt äußerst wachsam sein. Denn mir wurde von Captain Peskow berichtet, dass diese Bastarde gerade dann angreifen, wenn man es am wenigsten erwartet.“, sagte Jekaterina.
 

„Weiß man denn schon, wer den Hinterhalt gelegt hat, Captain?“
 

„Nein. Aber früher oder später werden wir diese Mistkerle aufspüren.“, sagte Jekaterina.
 

„Bekommen wir wenigstens einen Sicherheitsoffizier, Captain?“
 

„Bedauerlicherweise nein, Nummer eins. Zumindest keinen festen. Er wird uns aber für den Rest unserer Mission begleiten.“, sagte Jekaterina.
 

„Wird es ein Mann oder eine Frau?“
 

„Major Kira hat uns Lieutenant Jennifer Bond zugewiesen. Sie soll mit dem restlichen medizinischen Personal an Bord kommen.“, sagte Jekaterina.
 

„Restliches medizinisches Personal? Hab ich da was nicht mitgekriegt, 80

Captain?“
 

„Doktor Garcia, unsere neue Chefärztin, hat für die Krankenstation noch zusätzliches Personal angefordert. Was ich ihr ehrlich gesagt auch nicht verdenken kann. Im Prinzip haben wir nach wie vor noch nicht einmal unsere Soll-Stärke erreicht.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord eines fremden Schiffes irgendwo im Gammaquadranten
 

Jewgeni Romanova saß auf seiner Pritsche in der Arrestzelle des Schiffes. Im Gegensatz zu seiner älteren Schwester Jekaterina hatte er schwarze, bis zu den Ohrläppchen reichende Haare und haselnussbraune Augen. Er war mit 1,70 m 3 cm größer als seine Schwester und war athletisch gebaut. Jewgeni hatte ein ovales Gesicht und einen adrett rasierten Dreitagebart. Seine Nase war weder zu dünn noch zu dick. Jewgeni sah sich in der Zelle um, war er doch nicht allein. Direkt neben ihm auf der Pritsche saß seine Bordkameradin Counselor Maria Merryweather.
 

Maria war eine 1,68 m große Blondine mit braunen Augen. Wie jede Counselor stammte sie vom Planeten Betazed. Doch im Gegensatz zu Deanna Troi waren ihre telepathischen Fähigkeiten voll ausgebildet. Denn sowohl Mutter als auch Vater waren Betazoiden. Bekleidet war Maria mit einem schulterfreien, figurbetonenden, türkisenen Kleid und Schuhen mit flachen Absätzen, die farblich zum Kleid passten. Ihre blonden Haare trug sie offen, so dass sie bis zu den Schulterblättern reichten. Counselor Merryweather hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase. Ihren Körper hätte Jewgeni einem Model zugeordnet.
 

Die nächste Person, die Jewgeni in Augenschein nahm sah ganz anders aus. Sie hatte wie er schwarze Haare. Allerdings reichten ihre bis zur Achselhöhle. Und verglichen seiner Bordkameradin war diese Frau wesentlich graziler gebaut. Ja, sie wirkte fast zerbrechlich. Was Jewgeni besonders auffiel, waren ihre grünen Augen. Und natürlich ihr ovales Gesicht mit einer attraktiven Nase. Bekleidet war die 1,65 m große Frau mit einem transparenten Seidenkleid.
 

Jewgeni hatte sie zwar noch nie gesehen, doch er wusste genau, dass es sich um Botschafterin Wai Lin Luan handelte. Zorn stieg in ihm auf. Er hasste diese Schufte. Wie konnten sie nur so respektlos mit einer Diplomatin der Föderation umgehen? Jewgeni erinnerte sich noch sehr genau an diesen hinterhältigen Angriff. Die Concord war auf einer Routinemission unterwegs. Der Auftrag lautete einen unbekannten Planeten zu kartographieren. Sie hatten gerade damit begonnen, als ihr Schiff aus heiterem Himmel durch Photonentorpedos unter Beschuss genommen wurde. Danach hatten sich diese Bastarde die Energieversorgung vorgenommen und mit einer Phasersalve die Energie für die Waffensysteme und die Schilde außer Gefecht gesetzt. Die Concord war nun wehrlos. Danach war es ein leichtes, das Schiff zu entern.
 

Doch so einfach, wie sich diese Kerle das vorstellten, lief es dann doch nicht. Denn die Crew der Concord hatte erbitterten Widerstand geleistet. Doch 81

zu guter Letzt musste die Concord kapitulieren. Jewgenis Vorgesetzter weigerte sich zuerst, doch als er sah, dass sein erster Offizier und die Counselor unter den Gefangenen waren, war er schließlich eingeknickt. Doch diese Kerle hatten ihn dennoch eiskalt lächelnd über den Haufen geschossen.
 

Und der Grund lag glasklar auf der Hand. Diese Bastarde konnten keine Zeugen gebrauchen. Wenn etwas bis zum Flottenoberkommando durchsickerte, dann konnte es gut möglich sein, dass man dort jedes verfügbare Schiff zur Jagd auf diese kriminellen Schleimbeutel losschicken würde. Und genau darauf hoffte Jewgeni natürlich.
 

„Was glauben sie, haben diese Kerle mit uns vor, Commander?“, fragte Maria Merryweather Jewgeni.
 

„Keine Ahnung. Nichts Gutes nehme ich an. Wenn sie noch nicht einmal eine Diplomatin mit dem ihr zustehenden Respekt behandeln, warum sollte es dann bei uns anders sein. Wahrscheinlich wissen diese Burschen nicht einmal, was Respekt überhaupt bedeutet.“
 

„Aber wozu das Ganze?“, fragte Maria weiter.
 

„Ich weiß es nicht. Ich hoffe nur, dass man mittlerweile beim Flottenoberkommando Bescheid weiß, und die entsprechenden Maßnahmen ergreift. Starfleet Command kann nicht einfach wegsehen, und so tun als wäre nichts geschehen.“
 

„Das gäbe einen Skandal. Und einen Skandal kann sich die Raumflotte bestimmt nicht leisten.“, sagte Maria.
 

Kaum hatte sie ihren Satz beendet kam einer der Wärter in den Raum. Jewgeni musterte ihn. Der Außerirdische war 2,10 m groß und hatte eine stämmige Figur. Bewaffnet war er mit einer doppelläufigen Pistole und trug eine starke Lederrüstung. Der Fremde hatte einen ovalen Kopf und vier Augen sowie sechs Nasenlöcher. Auf der Kopfoberseite konnte Jewgeni mehrere knochige Auswüchse erkennen.
 

„Ich hab doch gesagt „Keine Gespräche“.“, sagte er mit einem tiefen Basston.
 

„Ja das hast du gesagt, du bajoranischer Haubentaucher. Aber deine Regeln interessieren mich ehrlich gesagt einen feuchten Dreck.“
 

„Ich bin Trakener, Erdenbewohner.“, sagte der Außerirdische.
 

„Ich hab auch einen Namen, mit dem du mich ansprechen kannst.“
 

„Und wie lautet er?“, fragte der Trakener.
 

„Jewgeni.“ 82

„Ich bin Kurek. Und ihr befindet euch an Bord der Hensa.“, sagte Kurek.
 

„Und was passiert jetzt mit uns?“
 

„Dasselbe, was mit jedem passiert, der in unsere Gefangenschaft gerät. Ihr werdet bis zu eurem Tod in den Minen auf Karshan unserer Heimatwelt arbeiten.“, sagte der Trakener.
 

„Fang schon mal an zu beten, du klingonischer Vollpfosten. Und zwar dafür, dass dir das Flottenoberkommando der Raumflotte euch nicht alle verfügbaren Schiffe auf den Hals hetzt.“
 

„Oh, jetzt hab ich aber Angst. Ich weiß sehr wohl, dass du Föderationsoffizier bist. Und ganz ehrlich: Ich hab keine Angst vor deiner Föderation. Auf die geb ich höchstens einen feuchten Furz.“, sagte Kurek.
 

„Arschloch.“
 

„Jetzt hör mir mal gut zu, Jewgeni. Ich hab eine Engelsgeduld. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig. Noch so eine Beleidigung und ich puste dir gleich den Schädel weg.“, sagte der Trakener.
 

„Aber lasst um Himmels willen die Botschafterin gehen. Was hat sie euch getan?“
 

„Sie hatte einfach Pech zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Und nur weil sie Botschafterin ist, sollen wir sie bevorzugt behandeln? So etwas gibt es bei uns nicht. Wir Trakener behandeln jeden Gefangenen gleich. Egal ob Diplomat, Krieger, oder sonst was.“, sagte Kurek.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina saß im Bereitschaftsraum. Sie war nach der Besprechung mit ihrem ersten Offizier, der Counselor und ihrem neuen Fähnrich dort geblieben. Vor wenigen Minuten hatten ihr Chief Igualada und Chief King mitgeteilt, dass alle neuen Mitarbeiter der Krankenstation an Bord gebeamt und wohl behalten an ihrem Arbeitsplatz angekommen waren. Zuletzt hatte ihr Chief O´Shane die Ankunft von Jennifer Bond, dem neuen Sicherheitsoffizier gemeldet. Kurz darauf ertönte der Türsummer.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina.
 

Die Frau, die eintrat, war eine 1,69 m große, schlanke, rothaarige mit einer üppigen Oberweite. Ihre Haare trug sie offen, sodass sie bis zur Achselhöhle reichten. Jennifer Bond hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase und braunen Augen. Die Offizierin salutierte.
 

„Lieutenant Jennifer Bond meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte sie. 83
 

„Willkommen an Bord, Lieutenant.“
 

„Bitte um Erlaubnis, meinen Dienst aufnehmen zu dürfen.“, sagte Jennifer Bond.
 

„Erlaubnis erteilt, Miss Bond.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Lieutenant Bond.
 

Zurück auf der Brücke gab Jekaterina den Befehl zum Ablegen der Kirow.
 

„Miss Sherrock, bringen sie uns raus.“, sagte sie.
 

„Aye, Captain.“
 

Als das Schiff der Sovereign-Klasse auf seinen neuen Kurs eingeschwenkt war, gab Jekaterina den Befehl die Schilde und die Waffensysteme zu aktivieren.
 

„Miss Bond, Mr. Riley. Ab sofort halten sie beide ihre Augen und Ohren offen. Wir können uns keine Nachlässigkeiten erlauben.“, sagte sie.
 

Kaum hatte Jekaterina ihren Satz beendet, da hob Keiko Tadashita den Kopf.
 

„Captain! Ich habe einen Notruf.“, sagte sie.
 

„Auf den Lautsprecher.“
 

Dann hörten es alle.
 

„Hier ist die Scorpion. Wir werden angegriffen und brauchen Hilfe. Unsere Position ist…“
 

Eine Explosion war zu hören. Dann war es still.
 

„Arme Schweine.“, sagte Eric McClusky.
 

„Fliegen wir trotzdem hin. Vielleicht finden wir heraus, wer für den Angriff verantwortlich ist, Nummer eins.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56229.7 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir haben einen Notruf der Scorpion aufgefangen. Leider wurde das Schiff zerstört, bevor es seine Position durchgeben konnte. Wer auch immer für die Vernichtung der Scorpion verantwortlich ist, auf dessen Konto geht auch der Angriff auf die Concord.“
 

Jekaterina lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Links von ihr saß dieses Mal Justin Wichrowski. Eric McClusky hatte auf eigene Bitte eine Pause eingelegt. Die Stimme des jungen Fähnrichs riss die Kommandantin der Kirow aus ihren Gedanken. 84
 

„Was meinen sie, Captain? Wie lange wird es noch dauern, bis wir auf diese Bande stoßen?“, fragte er.
 

„Schwer zu sagen, Mr. Wichrowski. Aber es ist nur eine Frage der Zeit.“
 

„Wenn sie Recht haben, Captain, und danach sieht es aus, dann gehen der Angriff auf die Concord und auf die Scorpion auf das Konto dieser Rotzlutscher.“, sagte Justin Wichrowski.
 

„Das habe ich so nicht gesagt, Fähnrich. Und achten sie gefälligst auf ihre Ausdrucksweise.“
 

Jardanka meldete sich von der wissenschaftlichen Station.
 

„Captain! Unsere Sensoren haben ein Trümmerfeld geortet.“, sagte sie.
 

„Wann erreichen wir es?“
 

„5 Minuten, nicht mehr.“
 

Schließlich befand sich die Kirow in sicherer Entfernung zu den Trümmern. Jekaterina fröstelte. Doch als ein Trümmerteil mit dem Namen „SCORPION“ ins Blickfeld schwebte, lief ihr ein eiskalter Schauer des Entsetzens den Rücken runter. Sie dachte an all die Menschen, die auf diesem Schiff den Tod gefunden hatten.
 

„Da scheint jemand keine Zeugen gebrauchen zu können, Captain.“, sagte Justin Wichrowski.
 

„Da. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wusste, dass irgendjemand den Notruf der Scorpion hört.“
 

„Die Täter sind bestimmt noch in der Nähe.“, sagte Fähnrich Wichrowski.
 

„Davon können wir ausgehen, Mr. Wichrowski. Die werden sicher wissen wollen, ob jemand auf den Notruf der Scorpion reagiert hat.“
 

Kaum hatte Jekaterina ihren Satz beendet, da meldete sich Alex Riley von der taktischen Station.
 

„Captain, unsere Langstreckensensoren haben ein Schiff erfasst. Position 2 Uhr.“, sagte er.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm wurden die Umrisse eines Schiffes sichtbar. 85
 

„Vergrößern.“, befahl Jekaterina.
 

Das fremde Schiff hatte einen schmalen Rumpf. Die Rumpfspitze stand etwas über. An den Seiten der unteren Rumpfhälfte waren zwei Wülste, in denen jeweils eine Einlassöffnung zu sehen war. Auch auf der oberen Hälfte des Rumpfes, deren Spitze den Überhang bildete, befanden sich zwei Öffnungen, die allerdings etwas kleiner waren. Hinter einer großen Glasfront, an der Spitze des Buges befand sich die Kommandobrücke. Ein Stück weiter hinten ragten zwei riesige kreisförmige Gebilde auf, die blau leuchteten. Eins befand sich auf der Rumpfoberseite, das andere auf der unteren Seite des Rumpfes.
 

„Blick achtern.“, befahl Jekaterina.
 

Hinter den beiden runden Aufsätzen verlief der Rumpf des fremden Schiffes gerade weiter. Am Heck ging der Rumpf in eine Art Zapfen über.
 

„Wie sieht es mit der Bewaffnung aus?“, fragte Jekaterina.
 

Es war jedoch Jennifer Bond, die antwortete.
 

„Das Schiff verfügt über 14 Turbolasertürme auf jeder Seite. Dazu kommen noch einmal 6 Abschussrampen für Photonentorpedos. Drei vorne, drei hinten. Der Rumpf besteht aus einer Duranium-Beskar-Legierung. Die Schilde sind schwach und leicht zu überwinden.“, sagte sie.
 

„Sonst noch etwas wissenswertes, was wir über das Schiff in Erfahrung bringen können?“
 

„Länge: 200 Meter. Breite:25 Meter. Höhe: 10 Meter. Durchmesser der runden Gebilde: 8 Meter. Von der Anordnung her, dürften das die Warpgondeln sein.“, sagte Jennifer Bond.
 

„Ein intergalaktischer Schrotthaufen ist das, Captain.“
 

An Bord der Hensa
 

„Kapitän Tarek!“, sagte der Waffenoffizier, ein Trakener namens Olek.
 

„Was gibt’s?“
 

„Offenbar hat doch jemand den Notruf der Scorpion empfangen. Unsere Sensoren haben ein Schiff geortet.“, sagte Olek.
 

„Können wir es identifizieren, Olek?“
 

„Es ist ein Föderationsschiff. Sovereign-Klasse.“, sagte Olek.
 

„Können wir es mit dieser Klasse aufnehmen?“86

„Unter normalen Umständen ja, Kapitän. Aber die haben die Waffensysteme und die Schilde aktiviert. Hoffen wir, dass man uns dort nicht schon geortet hat. Sonst sind wir verloren.“, sagte der Waffenoffizier.
 

„Was veranlasst dich zu dieser Meinung, Olek?“
 

„Kapitän, die Schiffe der Sovereign-Klasse erreichen Geschwindigkeiten jenseits von Warp 8. Die haben 16 Phaserbänke und 9 Abschussrampen für Photonen- und Quantentorpedos.“, sagte Olek.
 

„Na schön. Dann versuchen wir eben einen Bluff.“
 

An Bord der Kirow
 

„Captain! Das fremde Schiff ist in Kommunikationsreichweite.“, sagte Keiko Tadashita. Dann ergänzte sie: „Gerade eben haben sie uns kontaktiert.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm wich das Bild des Schiffes, dem Gesicht von dessen Kommandanten.
 

„Seid gegrüßt, Kapitän.“, sagte der Trakener.
 

„Wer sind sie?“
 

„Mein Name ist Tarek. Ich bin vom Volk der Trakener und der Kommandant auf der Hensa, einem Schiff der trakenischen Marine. Und mit wem habe ich die Ehre?“, sagte Tarek.
 

„Captain Jekaterina Romanova. Kommandantin des Föderationsraumschiffs USS Kirow.“
 

„Sehr erfreut ihre Bekanntschaft zu machen, Frau Kollegin. Sie kommandieren ein Schiff der Sovereign-Klasse, nicht wahr, Captain?“, fragte Tarek.
 

„Das stimmt. Und sie wären gut damit beraten, wenn sie folgendes bedenken: Ich werde nicht zögern, und ihr Schiff unter Beschuss nehmen, wenn es hart auf hart kommt.“
 

„Davon redet doch auch keiner. Aber ich möchte ihnen noch sagen, dass ich noch vier weitere Schiffe als Verstärkung mitgebracht habe. Wenn sie uns unter Beschuss nehmen, machen die ihnen den Garaus.“, sagte Tarek. Dann ergänzte er: „Da fällt mir ein: Einer meiner Gefangenen heißt mit Nachnamen auch Romanova. Er heißt mit Vornamen Jewgeni. Ist er vielleicht mit ihnen verwandt?“, sagte der Kapitän der Hensa.
 

„Er ist mein Bruder.“ 87

„Ihr Bruder? Dann möchte ich ihnen folgendes sagen: Ich werde ihren Bruder töten lassen, wenn sie mein Ultimatum nicht einhalten.“, sagte der Trakener.
 

„Was verlangen sie von uns?“
 

„Die bedingungslose Kapitulation. Sie hat innerhalb von 2 Stunden bei uns einzutreffen.“, sagte Tarek.
 

„Was macht sie so sicher, dass wir uns ergeben?“
 

„Die Realität, Captain. Und ich schätze sie so ein, dass sie wissen, wann eine Situation ausweglos ist. Seien sie also vernünftig, Captain Romanova und senken sie als Zeichen der bedingungslosen Kapitulation ihre Schilde und deaktivieren sie die Waffensysteme ihres Schiffes.“, sagte Tarek.
 

„Und was würde mit uns passieren, sollten wir uns ergeben?“
 

„Sie kommen als Gefangene auf unser Schiff und werden nach Karshan unserer Heimatwelt gebracht. Dort werden sie und ihre Crew für den Rest ihres Lebens in den Minen arbeiten.“, sagte der Trakener.
 

„Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich bin eine Romanova.“
 

„Sie scheine einer stolzen Familie zu entstammen, Captain Romanova. Aber nichts desto Trotz erwarte ich in zwei Stunden ihre Kapitulation.“, sagte der Kapitän der Hensa.
 

„Sie werden eine Antwort bekommen. In zwei Stunden. Kirow Ende.“
 

Die Verbindung wurde unterbrochen.
 

„Was meinen sie, Captain?“, fragte Justin Wichrowski.
 

„Der blufft. Er weiß, dass wir ihm haushoch überlegen sind. Er wird wissen, dass wir sein Schiff in Weltraumschrott verwandeln können.“
 

„Wie wird unsere Antwort aussehen, Captain?“, fragte Fähnrich Wichrowski.
 

„Unsere Antwort wird sprichwörtlich heiß.“
 

„Das heißt einen Einsatz der Phaserbänke?“, fragte Justin Wichrowski.
 

„Nein, Mr. Wichrowski. Zwei Photonentorpedos reichen.“
 

„Wenn sie meinen, Captain.“, sagte der Fähnrich.
 

An Bord der Hensa

88

„Haben die auf der Kirow angebissen, Kapitän?“, fragte Olek.
 

„Der Fähnrich ja. Aber nicht die Kommandantin. Captain Romanova ist nicht auf unseren Bluff reingefallen.“
 

„Darf ich offen sprechen, Kapitän?“, fragte Olek.
 

„Nur zu.“
 

„Die Kirow wird sich nicht ergeben. Captain Romanova wird auf uns feuern lassen.“, sagte Olek.
 

„Bereiten sie alles für ein Gefecht vor.“
 

An Bord der Kirow
 

Jennifer Bond, die neue Sicherheitsoffizierin meldete sich zu Wort.
 

„Captain, wenn sie den Vorschlag gestatten, würde ich die beiden Torpedos so umprogrammieren, dass sie ihr Ziel selbst anvisieren.“, sagte sie.
 

„Angenommen, ich würde ihrem Vorschlag zustimmen, Lieutenant Bond. Wie lange würden sie für die Umprogrammierung brauchen?“
 

„Wenn mir Fähnrich Riley hilft, vielleicht eine Stunde.“, sagte Jennifer.
 

„In Ordnung. Programmieren sie die Torpedos neu.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Jenny.
 

An Bord der Hensa
 

„Wie lange brauchen wir noch, bis wir die Kirow erreichen?“, fragte Tarek seinen Waffenoffizier.
 

„Bei unserer jetzigen Geschwindigkeit zweieinhalb Stunden, Kapitän.“
 

„Mann, ich gäbe was drum, wenn ich wüsste, was die Romanova jetzt tut.“, sagte Kapitän Tarek.
 

„Dasselbe wie wir, Kapitän. Sie schwätzt sicher.“
 

„Können wir unsere Geschwindigkeit nicht erhöhen?“, wollte Tarek wissen.
 

„Wenn sie wollen, dass uns unsere Warpgondeln um die Ohren fliegen, dann ja. Aber ich würde dringend davon abraten, Kapitän.“
 

„Captain Romanova hat einen mächtigen Verbündeten. Die Zeit. Solange wir 89

noch zu weit von der Position der Kirow entfernt sind, kann sie sich eine gemeine Überraschung für uns ausdenken, mit der wir nicht rechnen.“, sagte der Kommandant der Hensa.
 

An Bord der Kirow 1 Stunde später
 

Jekaterinas Kommunikator zirpte.
 

„Lieutenant Bond an Brücke.“, hörte sie die Stimme ihrer neuen Sicherheitsoffizierin.
 

„Hier Brücke.“
 

„Wir haben die Torpedos neu programmiert.“, sagte Jenny.
 

„In Ordnung, Lieutenant. Kommen sie und Fähnrich Riley zurück auf die Brücke. Wir brauchen sie hier.“
 

„Sind schon unterwegs, Captain.“, sagte die Sicherheitsoffizierin der Kirow.
 

„Die werden sich wundern, wenn sie zwei Photonentorpedos als Antwort erhalten.“
 

„Das will ich hoffen, Mr. Wichrowski. Dieser Tarek ist mit allen Wassern gewaschen. Ich werde ihnen jetzt eine Lektion beibringen, die mir beigebracht wurde. Also merken sie sich meine Worte gut, Fähnrich.“, sagte Jekaterina.
 

„Und wie lautet diese Lektion, Captain?“
 

„Diese Lektion ist vielleicht die wichtigste, die man ihnen je beigebracht hat. „Unterschätze niemals den Feind.“.“, sagte Jekaterina.
 

„Also so wie beim Katz-und-Maus-Spiel.“
 

„So in etwa. Aber das wichtigste beim Katz-und-Maus-Spiel ist zu wissen, wer die Katze ist.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Hensa
 

„Wie lange noch, bis wir auf die Kirow feuern können?“, fragte Tarek Olek.
 

„Eine Stunde. Vielleicht anderthalb. Wieso fragen sie, Kapitän?“
 

„Ganz einfach, Olek. Wir wissen nicht, wie groß die Reichweite der Waffen der Kirow ist. Wir könnten also schon innerhalb der Schussweite der Kirow sein, ohne es zu bemerken.“, sagte Tarek.
 

An Bord der Kirow 90

Jennifer Bond sah auf dem Display der taktischen Konsole, dass sich die Hensa in Schussweite befand.
 

„Wir haben den Bastard.“, sagte sie an Fähnrich Riley gewandt.
 

„Zeit die Torpedos scharf zu machen.“
 

„Ganz genau.“, sagte Jenny.
 

Dann wandte sie sich an die Kommandantin.
 

„Captain, das trakenische Schiff ist in Schussweite. Erbitte Erlaubnis, die Torpedos scharf machen zu dürfen.“, sagte sie.
 

„Erlaubnis erteilt.“
 

Lieutenant Bond aktivierte die Photonentorpedos.
 

„Bereit zum Abschuss, Captain.“, sagte Jenny.
 

„Feuer frei, Miss Bond.“
 

Jennifer Bond betätigte einige Kontrollen an der Konsole. Kurze Zeit später verließ der erste Photonentorpedo seine Abschussrampe. 10 Sekunden später der zweite.
 

An Bord der Hensa
 

Olek sah von seiner Konsole auf.
 

„Kapitän, die Kirow hat gefeuert.“, sagte er.
 

„Wann?“
 

„Gerade eben. Ich habe zweimal hintereinander einen kleinen elektrischen Impuls registriert.“, sagte Olek.
 

„Welche Art von Waffen?“
 

„Keine Ahnung. Die Symbole sind gleich nach dem Abschuss von meiner Anzeige verschwunden.“, sagte Olek.
 

„Wo ist der Impuls gemessen worden?“
 

„Bei den Abschussrampen für die Torpedos, Kapitän.“, sagte Olek.
 

„Dann haben sie mit Photonentorpedos gefeuert.“ 91
 

Im nächsten Augenblick wurde die Hensa kräftig durchgeschüttelt, als die Photonentorpedos der Kirow einschlugen.
 

„Diese Mistkerle.“, sagte Tarek.
 

„Was meinen sie, Kapitän?“
 

„Die haben die Torpedos neu programmiert. Und zwar so, dass sie ihr Ziel jederzeit treffen.“, sagte der trakenische Kapitän. Dann fuhr er fort: „Schadensmeldungen?“
 

„Strukturelle Schäden an der Hülle Ebene 3.“
 

Olek erschrak.
 

„Ebene 3? Dort befindet sich der Inhaftierungsblock.“, sagte er.
 

Tarek wandte sich wieder an den Offizier an der Sicherheitskonsole.
 

„Können wir die Schäden reparieren?“, fragte er.
 

„Nur notdürftig. Aber solange wir uns in Schussweite der Kirow befinden, halte ich das für keine gute Idee.“
 

„In Ordnung. Wir ziehen uns zurück. Navigator: Neuer Kurs 320.48.“, befahl Kapitän Tarek.
 

„Aye, Kapitän. Kurs 320.48.“
 

Die Hensa drehte ab.
 

An Bord der Kirow
 

Alex Riley bemerkte es als erster.
 

„Captain, die Hensa hat den Kurs geändert. Scheint so, als ob sich die Trakener aus dem Staub machen.“, sagte er.
 

„Welchen Kurs hat sie eingeschlagen?“
 

„Kurs 320.48, Captain.“, sagte Alex Riley.
 

Jekaterina wandte sich an Fallon Sherrock.
 

„Commander Sherrock, wohin führt dieser Kurs die Hensa?“, fragte sie.
 

Die Navigatorin betätigte einige Kontrollen.

92

„Der Kurs führt an den Rand der Bad Lands“, sagte Fallon Sherrock.
 

Jekaterina erschrak. Wenn die Hensa in die Bad Lands entkam, würde sie ihren Bruder vielleicht nie wiedersehen.
 

„Miss Sherrock, berechnen sie einen Abfangkurs.“, befahl Jekaterina.
 

„Ja, Captain. Neuer Kurs wäre 200.88. Wir würden die Hensa bei den großen Nebelbänken abfangen.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56234.8 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir befinden uns auf Abfangkurs zur Hensa, einem Raumschiff der trakenischen Streitkräfte. An Bord befindet sich mein jüngerer Bruder Jewgeni. Ich hoffe, dass wir die Hensa aufhalten können, bevor sie die Bad Lands erreicht und in den Deltaquadranten entkommt.“
 

Jekaterina klappte das Logbuch zu und sah nach draußen. Auf dem großen Schirm waren Nebelschwaden zu sehen. Links von ihr saß dieses Mal Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow. Fähnrich Wichrowski saß im Bereitschaftsraum und arbeitete an seinen Aufzeichnungen für das nächste Semester an der Akademie.
 

„Die Trakener werden uns nie in dieser Suppe finden.“, sagte Eric McClusky.
 

„Da wäre ich mir nicht so sicher Nummer eins.“
 

Jennifer Bond räusperte sich.
 

„Sie möchten etwas sagen, Miss Bond?“, fragte Jekaterina.
 

„Mit Verlaub, Captain, der Nebel wird die Sensoren der Hensa stören.“
 

„Unsere Sensoren werden auch betroffen sein, Lieutenant. Es sei denn, Dayani hat wieder ihr Unwesen getrieben und irgendwo dran rumgefummelt.“, sagte Jekaterina.
 

Eric McClusky wandte sich an seine Vorgesetzte.
 

„Jetzt übertreiben sie aber maßlos, Captain. Dayani hat sich, seit sie an Bord ist, ziemlich unauffällig verhalten. Also kann man nicht davon sprechen, dass sie irgendwo rumgepfuscht hat.“, sagte er.
 

„Sie haben Recht, Nummer eins. Ich bin wohl über das Ziel hinaus geschossen.“
 

An Bord der Hensa
 

„Kapitän Tarek. Wir erreichen jetzt die großen Nebelschwaden. Dort können wir uns verstecken, und unsere Schäden reparieren.“, sagte Olek. 93
 

„Immer vorausgesetzt, dass die Kirow nicht auf die Idee gekommen ist, sich

dort zu verstecken, um uns aufzulauern. Ich sage es ganz ehrlich, Olek. Die Kommandantin der Kirow ist ein ganz anderes Kaliber, als jeder Raumschiffkommandant, mit dem wir es vorher zu tun hatten.“
 

„Könnte es nicht eher sein, dass der Kommandant der Concord unseren Angriff überlebt und Captain Romanova gewarnt haben könnte?“, fragte Olek.
 

„Wie kommst du darauf, Olek?“
 

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kapitän, wie heißt er doch gleich…? Ah ja, Peskow. Ich bin sicher, dass Captain Peskow, die Kommandantin der Kirow gewarnt hat.“, sagte Olek.
 

„Worauf willst du hinaus, Olek?“
 

„Der erste Offizier der Concord, Jewgeni Romanova hat mir verraten, dass Anatoli Peskow ihn und auch seine Schwester ausgebildet hat. Deshalb sind wir auch auf erbitterten Widerstand gestoßen, als wir das Schiff geentert haben. Wir hätten die Concord zerstören sollen, wie ich es vorgeschlagen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Captain Romanova ihren ehemaligen Mentor noch einmal aufgesucht hat, bevor sie mit der Kirow Deep Space Nine verlassen hat.“, sagte Olek.
 

„Das würde auch erklären, warum Jekaterina Romanova nicht auf unseren Bluff reingefallen ist.“
 

An Bord der Kirow
 

Dayani kam auf die Brücke.
 

„Kann ich sie einen Augenblick unter vier Augen sprechen, Captain?“, fragte sie.
 

„Natürlich, Dayani.“
 

Dann verließen die Kommandantin und das Energiewesen die Brücke. Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte begann Dayani das Gespräch.
 

„Die Hensa ist hier, Mutter.“, sagte sie.
 

„Bist du sicher?“
 

„So sicher, wie man sich nur sein kann. Die elektronische Signatur ist unverkennbar.“, sagte Dayani.
 

„Unsere Sensoren haben aber nichts entdeckt, Dayani.“ 94
 

„Ich kann die Sensoren so kalibrieren, dass sie durch den Nebel nicht beeinträchtigt werden. Natürlich nur, wenn du einverstanden bist,

Mutter.“, sagte Dayani.
 

„Die Idee ist nicht schlecht. Aber dann würden die auf der Hensa wissen, dass wir hier sind. Eine Frage, Dayani.“
 

„Ich höre, Mutter.“, sagte das Energiewesen.
 

„Werden die Sensoren der Hensa durch den Nebel ebenfalls beeinträchtigt?“
 

„Darauf kannst du deinen Arsch verwetten. Die Hensa kann uns nicht aufspüren.“, sagte Dayani.
 

„Gut zu wissen.“
 

„Was hast du vor, Mutter?“, fragte Dayani.
 

„Ich muss nur wissen, wo bei der Hensa die Energieversorgung untergebracht ist. Dann kriegen diese Bastarde eine Phasersalve zu spüren.“
 

„Du kannst die Phaser aber nur einsetzen, wenn du die Hensa mit den Sensoren ortest. Damit würdest du aber unsere Position verraten und das Überraschungsmoment wäre zum Teufel.“, mahnte Jekaterinas „Tochter“.
 

„Und wenn wir die exakte Position der Hensa hätten?“
 

„Dann wäre das kein Problem. Ich weiß sehr genau, wo sich das Schiff befindet.“, sagte Dayani.
 

„Gut. Dann brauchen wir die Phaser nur noch auszurichten.“
 

„Darf ich das machen, Mutter?“, wollte Dayani wissen.
 

„Von mir aus.“
 

Zurück auf der Brücke gab Dayani die Position der Hensa in das Display der taktischen Konsole ein und richtete die Phaser aus.
 

„Fertig.“, sagte sie.
 

„Wo befindet sich eigentlich die Energieversorgung, Dayani?“
 

„Am Heck des Schiffes. Der Zapfen.“, sagte Dayani.
 

„Lieutenant Bond. Richten sie die Phaser auf exakt diese Stelle.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Jennifer Bond. 95
 

An Bord der Hensa, Inhaftierungsblock
 

Jewgeni saß immer noch auf der Pritsche. Seine Mannschaftskollegin Counselor Merryweather neben ihm. Allerdings waren noch zwei weitere Gefangene dazugekommen. Ein Klingone, und ein Romulaner. Er sah zu Kurek, der es sich auf seinem Sessel bequem gemacht hatte und die Gefangenen nicht aus den Augen ließ. Botschafterin Luan saß nach wie vor auf dem Boden, den Kopf vornüber gebeugt. Jewgeni kochte innerlich vor Zorn. Diese Trakener hatten es verdient, dass man ihnen den sprichwörtlichen Tritt in den Arsch verpasste.
 

Auf der Brücke der Hensa
 

„Irgendein Anzeichen für eine Anwesenheit der Kirow, Olek?“, fragte Tarek.
 

„Nichts. Unsere Sensoren werden durch den Nebel beeinträchtigt.“
 

„Und was ist mit der Kirow?“, fragte der Kommandant der Hensa.
 

„Denen ihre Sensoren dürften ebenfalls beeinträchtigt sein. Aber es kursiert innerhalb der Mannschaft das Gerücht, dass an Bord der Kirow ein Energiewesen weilen soll, das den Namen Dayani trägt.“
 

„Glaubt du jedes Gerücht, das dir zugetragen wird, Olek?“, fragte Kapitän Tarek.
 

„Nein, Kapitän. Ich wollte es nur erwähnt haben.“
 

„Wenn dieses Energiewesen wirklich existiert, dann könnten wir versuchen, es durch einen Handel mit der Kirow in unsere Hände zu bekommen. Rufen sie Captain Romanova.“, sagte Tarek.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko Tadashita hob den Kopf und wandte sich an ihre Vorgesetzte.
 

„Captain, die Hensa ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien wieder Tareks Gesicht.
 

„Captain Romanova.“, begrüßte der Trakener Jekaterina.
 

„Captain Tarek.“
 

„Ich muss zugeben, ihre Antwort auf meine Forderung hat nicht dem entsprochen, was ich erhofft hatte.“, sagte Tarek.

96

„Es tut mir nicht im geringsten Leid, dass ich sie derart enttäuscht habe. Und nur damit sie wissen, woran sie bei mir sind: Das war nur der Vorgeschmack, auf das was noch kommt. Ich habe nämlich noch ein paar Pfeile im Köcher.“
 

„Daran habe ich auch mittlerweile keinerlei Zweifel mehr. Nichts desto Trotz bin ich bereit mit ihnen zu verhandeln.“, sagte Tarek.
 

„Ich höre, Captain Tarek.“
 

„Ich bin bereit, alle meine Gefangenen frei zu lassen.“, sagte Tarek.
 

„Und was verlangen sie als Gegenleistung?“
 

„Dayani.“, sagte Kapitän Tarek.
 

„Schirm aus.“
 

„Werden sie der Forderung nachkommen, Captain?“, fragte Eric McClusky.
 

„Das glauben sie doch nicht im Ernst, Nummer eins.“
 

Dann wandte sie sich wieder an Keiko.
 

„Schirm an.“, befahl sie.
 

Auf dem Schirm erschien wieder das Gesicht des Trakeners.
 

„Captain Tarek. Es tut mir leid, dass ich unsere Konversation so rüde unterbrochen habe, aber ich musste erst einmal über ihre Forderung nachdenken.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich mache ihnen keinen Vorwurf, Captain Romanova. Sind sie zu einer Entscheidung gelangt?“
 

„Das bin ich in der Tat, Captain. Und ich bin mir ziemlich sicher, meine Antwort wird ihnen nicht gefallen. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

An Jennifer Bond gewandt sagte sie: „Feuer frei, Lieutenant.“
 

Die Sicherheitsoffizierin in Spe betätigte einige Kontrollen und die Phaser begannen ihr zerstörerisches Werk.
 

An Bord der Hensa
 

Das Schiff der trakenischen Marine erzitterte heftig, als die Phaser der Kirow ihr Ziel trafen. Jeder an Bord, auch die Gefangenen, wurde von seinem Platz gehoben. Jewgeni Romanova schlug mit dem Kopf auf dem Boden der Zelle auf und fing sich eine Platzwunde am Kopf ein. 97
 

„DAS ist meine Antwort auf ihren Vorschlag, Captain Tarek.“, sagte Jekaterina.
 

„Ihnen ist hoffentlich klar, dass sie mit diesem Angriff gegen geltendes

Recht verstoßen, Captain Romanova.“
 

„Das sagt grad der Richtige.“, sagte Jekaterina.
 

„Miststück.“
 

„Durak.“, entgegnete Jekaterina.
 

Danach unterbrach sie die Verbindung zur Hensa. Im gleichen Augenblick meldete sich Keiko Tadashita zu Wort.
 

„Captain! Wir wurden kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Von wem?“
 

„Es ist die Maranga IV, Captain.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht eines Klingonen. Der Mann hatte schwarze Haare, die bis zu den Schultern reichten und braune Augen. Das Nasenbein der grazilen Nase war von zwei kleinen Höckern durchzogen, die für die Klingonen ebenso typisch waren, wie der Schädelkamm an der Stirn. Der klingonische Kommandant hatte ein ovales Gesicht mit einem markanten Kinn, das von einem leichten schwarzen Vollbart bedeckt war.
 

„Captain Romanova. Es ist mir eine Ehre, sie kennenzulernen. Ich bin Lokvar vom klingonischen Angriffskreuzer Maranga IV.“, begrüßte der Klingone Jekaterina.
 

„Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Captain Lokvar.“
 

„Was verschlägt sie eigentlich in diese Gegend, Captain Romanova?“, fragte Lokvar.
 

„Dasselbe könnte ich sie fragen, Captain Lokvar.“
 

„Wir haben den Auftrag die Hensa, ein Schiff der trakenischen Streitkräfte, zu stellen und zu zerstören.“, sagte der Klingone.
 

„Wir haben das Schiff stellen und manövrier- und kampfunfähig machen können. Ich habe vor, die Hensa bald zu entern.“ 98
 

„Dann können sie und ihre Entermannschaft jede Hilfe brauchen, die sie kriegen können.“, sagte Kapitän Lokvar.
 

„Ich nehme ihr Angebot dankend an, Captain.“
 

„Rufen sie uns, wenn es losgehen soll, Captain. Lokvar Ende.“, verabschiedete sich der Klingone.
 

Kaum war die Verbindung zur Maranga IV beendet, da hob Keiko erneut den Kopf und wandte sich an Jekaterina.
 

„Captain, wir wurden erneut kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Wer ist es dieses Mal, Keiko?“
 

„Es ist die Valdore, Captain.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Donatras Gesicht.
 

„Donatra, es ist schön dich zu sehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Was hast du dieses Mal angestellt, Jekaterina?“
 

„Gar nichts. Die Trakener haben meinen Bruder gefangen genommen. Und ich werde ihn da raus holen. Das bin ich unseren Eltern schuldig.“, sagte Jekaterina.
 

„Verstehe. Dass die Trakener auch einen von uns in Gefangenschaft haben, ist dir bekannt?“
 

„Bis eben nicht, Donatra.“, sagte die Kommandantin der Kirow.
 

„Dann weißt du es jetzt. Unser Mann und auch ein Klingone waren an Bord der Scorpion.“
 

„Wir haben den Notruf der Scorpion aufgefangen, aber wir kamen leider zu spät.“, sagte Jekaterina.
 

„Darf ich davon ausgehen, dass das Schiff zerstört wurde, Jekaterina?“
 

„Ich muss diese Frage zu meinem tiefsten Bedauern bejahen, Donatra.“, sagte Jekaterina.
 

„Hast du schon einen Plan, Jekaterina?“
 

„Davon kannst du ausgehen. Ich werde das Schiff bald entern. Die Klingonen haben mir ihre Unterstützung zugesagt.“, sagte Jekaterina. 99
 

„Du kannst auch auf unsere Hilfe zählen.“
 

An Bord der Hensa 99
 

Der Kommunikationsoffizier, ein Trakener mit Namen Morek sah von seiner Konsole auf und wandte sich an Tarek.
 

„Kapitän, ich habe zwei Gespräche der Kirow mithören können. Das erste war zwischen Jekaterina Romanova und Lokvar. Er ist der Kommandant auf der Maranga IV.“, sagte er.
 

„Das ist ein Angriffskreuzer der Vor’cha-Klasse!“, sagte Olek.
 

„Und wer war der zweite Gesprächspartner von Captain Romanova, Morek?“
 

„Eine Romulanerin. Commander Donatra.“
 

In diesem Moment ging der Alarm los.
 

„Kapitän! Eindringlinge auf Ebene 3! Drei verschiedene Gruppen.
 

Inhaftierungsblock der Hensa
 

Kurek bekam von der Ankunft der drei Außenteams nichts mit. Umso überraschter war er, als er in Lokvars Gesicht sah. Der Klingone war mit seinen 1,88 m fast genauso groß wie er und kräftig gebaut. Aus dem Augenwinkel sah er noch, wie Jekaterina Romanova die energetische Barriere der Arrestzelle deaktivierte. Doch bevor der die Brücke informieren konnte, tauchte hinter dem Klingonen ein romulanischer Krieger auf und schoss mit seinem Phaser auf ihn.
 

Auf der Brücke
 

„Kapitän! Die Gefangenen wurden befreit!“, sagte Olek.
 

„Einen bewaffneten Trupp sofort zum Inhaftierungsblock.“
 

„Jawohl, Kapitän!“, sagte Olek.
 

Im Inhaftierungsblock
 

Jewgeni Romanova war erleichtert, als er seine ältere Schwester sah. Am liebsten hätte er sie umarmt und geknuddelt, aber er war sich im Klaren darüber, dass in der derzeitigen Situation eine solche Geste der Dankbarkeit unangebracht war. Rasch nahm er dem toten Kurek dessen Waffe ab.
 

Die drei Außenteams und die befreiten Gefangenen wollten sich gerade fertig machen, um von Bord zu gehen, da tauchte das bewaffnete Sicherheitsteam 100

der Hensa im Inhaftierungsblock auf und eröffnete das Feuer. Jekaterina riss ihr Photonengewehr hoch und schoss. Der Schuss traf einen Trakener direkt in die Brust und schleuderte ihn nach hinten. Ihr Bruder schoss mit der erbeuteten Pistole auf einen zweiten und tötete ihn mit einem gezielten Schuss ins Herz.
 

Auf der Brücke der Hensa
 

„Olek, Selbstzerstörungssequenz aktivieren.“, befahl Tarek.
 

„Jawohl, Kapitän.“
 

Im Inhaftierungsblock der Hensa
 

Ein Gongsignal ertönte, gefolgt von einer weiblichen Computerstimme.
 

„Achtung! Selbstzerstörungsmodus aktiviert.“
 

Jekaterina fluchte.
 

„Verdammte Scheiße! SOFORT RAUS HIER!!!!“, sagte sie.
 

Die Klingonen nahmen ihren gefangenen Stammesbruder in die Mitte und beamten sich zurück auf die Maranga IV. Die Romulaner verfuhren mit ihrem Landsmann genauso. Doch gerade, als Jekaterina den Befehl zum Transfer für ihre Gruppe geben wollte, tauchten Tarek und Olek auf.
 

„Die Ratten verlassen das sinkende Schiff wie? Es tut mir leid, Captain Romanova. Aber sie und ihr Bruder bleiben hier.“, sagte Tarek.
 

Doch wenn er gehofft hatte, Jekaterina oder ihren Bruder einschüchtern zu können, dann hatte sich der Trakener geirrt. Jekaterina zeigte einmal mehr, dass sie vor nichts und niemandem Angst hatte.
 

„Kraft meiner Befugnisse, als Kommandantin eines Raumschiffs der Sternenflotte, stelle ich sie, Captain Tarek, hiermit unter Arrest.“, sagte sie.
 

Doch der Kommandant der Hensa wollte sich nicht so einfach in sein Schicksal ergeben. Stattdessen gab er seinem Sicherheitsoffizier ein Zeichen. Olek wollte gerade seine Waffe ziehen, da wurde er von einem Mitglied des Sicherheitsteams der Kirow mit einem Photonengewehr in die ewigen Jagdründe geschickt.
 

„15 Minuten bis zur Selbstzerstörung.“, sagte die Computerstimme.
 

„Das Spiel ist aus Tarek. Sie kommen jetzt mit auf die Kirow. Dann sehen wir weiter.“
 

An die Mitglieder des Sicherheitsteams gewandt fuhr Jekaterina 101

fort: „Festnehmen.“
 

Vier Mitglieder des Sicherheitsteams der Kirow nahmen den Trakener in die Mitte. Dann gab Jekaterina den Befehl zum Beamen. Es dauerte nicht lange, da war die kleine Gruppe an Bord von Jekaterinas Schiff. Die Kommandantin berührte ihren Kommunikator.
 

„Captain an Brücke.“, sagte sie.
 

„Hier Brücke. Was gibt’s, Captain?“
 

„Wir nehmen Kurs auf Deep Space Nine. Dort werden wir diesen Mistkerl übergeben.“, befahl Jekaterina.
 

„Wird erledigt, Captain.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56242.2, Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir konnten die Hensa stellen und ihren Kommandanten festsetzen. Nach einem Sechs-Augen-Gespräch mit Captain Lokvar und Commander Donatra haben wir entschieden, dass Tarek nach den Gesetzen der Föderation, des romulanischen Sternenimperiums und des klingonischen Imperiums rechtmäßig verurteilt wird. Zusammen mit der IKS Maranga IV und der IRW Valdore sind wir nach Deep Space Nine gereist, wo wir mit Präsidentin Arikka zusammentreffen werden.“
 

Jekaterina saß im Bereitschaftsraum, als der Türsummer ertönte.
 

„Herein!“, sagte sie.
 

Umso überraschter war Jekaterina, als Botschafterin Wai Lin Luan eintrat.
 

„Kann ich sie einen Moment sprechen, Captain?“, fragte die Botschafterin.
 

„Gerne. Setzen sie sich, Madam Ambassador.“
 

„Ich wollte mich bei ihnen für ihre Rettung bedanken. Sollte ihnen jemals irgendein hochrangiger Admiral bei Starfleet etwas anlasten wollen, lassen sie es mich wissen. Dann sorge ich dafür, dass er in Zukunft bei Präsidentin Arikka die Türklinken putzt.“, sagte Wai Lin Luan.
 

„Ich danke ihnen, Madam Ambassador.“
 

Wai Lin lächelte sanft.
 

„Nicht der Rede wert. Ich werde mich auch für ihren Bruder einsetzen. Ich denke, er ist reif genug, um selbst Kommandant eines Raumschiffes zu werden.“, sagte sie dann.

102

„Das ist sehr freundlich von ihnen. Und ich kann ihnen nicht genug dafür danken, Madam Ambassador.“
 

„Nennen sie mich ruhig Wai Lin. Und diese alberne Förmlichkeit fällt weg. Zumindest, wenn wir wie jetzt unter uns sind.“, sagte die Botschafterin.
 

Raumstation Deep Space Nine 1 Stunde später
 

Die drei Raumschiffe boten einen imposanten Anblick. In der Mitte die Kirow. Zu ihrer linken die Maranga IV des klingonischen Imperiums. Der klingonische Angriffskreuzer der Vor'cha-Klasse war 481,32 Meter lang und 341,76 Meter breit. Die Höhe dieser klingonischen Kreuzer-Klasse betrug 106,87 Meter. Außerdem hatten diese Schiffe bis zu 30 Decks und konnten maximal 1.900 Mann Besatzung und 900 Passagiere mitführen.

Die Höchstgeschwindigkeit lag bei Warp 9,0. Allerdings waren diese Schiffe in der Regel mit Warp 6 unterwegs. Backbord und Steuerbord befanden sich die Warpgondeln des Kreuzers. Die Bewaffnung der Vor'cha-Klasse bestand aus 18 K-GDM-3-Disruptoren und einer K-GDM-5-Disruptor-Kanone vorne am Bug. Dazu kamen noch 16 Abschussrampen für Photonentorpedos, von denen die Kreuzer der Vor'cha-Klasse 250 Stück mitführen konnten.

Das Design der Kreuzer war auf Einschüchterung ausgelegt, wie man am langen Hals, der an die alten Kreuzer der D7-Klasse erinnerte, deren Nachfolge die Kreuzer der Vor'cha-Klasse offiziell angetreten hatten, erkennen konnte. Die Disruptor-Kanone befand sich direkt vorne am Bug in einem Vorbau, der stark an eine Klaue erinnerte. Vorne auf dem Hals war die Kommandobrücke aufgesetzt, ebenfalls von den alten D7-Kreuzern abgeschaut. Danach ging das Schiff in die Breite und die breiteste Stelle bildeten die Warpgondeln.
 

Rechts von der Kirow hatte die romulanische Valdore Position bezogen. Einige Bewohner von DS9, wie man Deep Space Nine auch umgangssprachlich nannte, waren erstaunt, denn normalerweise bekam man klingonische bzw. romulanische Kriegsschiffe so gut wie gar nicht zu Gesicht. Nun waren aber zusammen mit dem neuesten Schiff der Föderation zwei der besten Schiffe der Klingonen und Romulaner hier angekommen. Vorher hatte die USS Equinox hier angedockt und Präsidentin Arikka hatte sich an Bord der Raumstation begeben.
 

In Major Kiras Büro wartete sie zusammen mit der Stationskommandantin auf Jekaterina sowie Captain Lokvar von der Maranga IV und Commander Donatra von der Valdore. Der Klingone kam als erster. Gemäß der klingonischen Tradition zeigte er den Kriegergruß, indem er sich zuerst mit der Faust an den Brustkorb schlug, und seine Faust dann von sich streckte. Arikka und Kira erwiderten den Gruß.
 

Als nächste kam Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow. Begleitet von ihrem jüngeren Bruder Jewgeni, sowie Counselor Merryweather und 103

Botschafterin Luan. Tarek, der Trakener, und einziger Überlebender der Selbstzerstörung der Hensa wurde von vier Sicherheitskräften der Kirow und ebenso vielen Sicherheitskräften von Deep Space Nine ins Büro geführt. Er kochte innerlich vor Zorn, denn die Erinnerung an das Ende seines Schiffes würde ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr loslassen. Das Herz war ihm schwer geworden, als er mit ansehen musste, wie die Hensa von einer gewaltigen Explosion in mehrere Stücke gerissen wurde. Er dachte an seine Freunde, die ihr Leben gelassen hatten. Olek und Kurek. Morek und all die anderen. Er war der einzige, der Zeugnis über diese Tragödie ablegen konnte. Doch die Föderation, sowie das klingonische Imperium, als auch das romulanische Sternenimperium hatten bereits über sein Schicksal entschieden.
 

In Handschellen gefesselt saß Tarek auf der Anklagebank. Sein Verteidiger, ein Ferengi saß neben ihm.
 

„Was meinen sie, wie stehen die Chancen, dass ich diesen Saal als freier Mann verlasse?“, fragte Tarek den Ferengi.
 

„Nicht gut. Ihr habt jede Menge Verbrechen begangen. Ich werde natürlich mein Bestes geben, aber ich kann für nichts garantieren. Zumal Arikka, die Präsidentin der Vereinten Föderation der Planeten persönlich als Richterin fungiert.“
 

„Sind ja rosige Aussichten.“, sagte Tarek.
 

Es wurde still im Raum, als Arikka, die Föderationspräsidentin vom Volk der Ariantu, gefolgt von Major Kira den Raum betrat. Dahinter kam zuerst der klingonische Botschafter, gefolgt vom romulanischen Botschafter und zuletzt kam der Botschafter der Trakener. Dieser setzte sich ins Publikum um den Prozess zu verfolgen. Arikka eröffnete die Verhandlung mit drei Hammerschlägen auf einem Tisch aus Eichenholz, den man als Notbehelf aufgebaut hatte.
 

„Ladies and Gentlemen, wir haben uns heute hier zusammengefunden, um die Schuldfrage für die Ereignisse rund um das trakenische Schiff „HENSA“ zu klären. Ich bitte die Anklage nun um die Verlesung der Anklageschrift.“, sagte Arikka.
 

Als Vertreterin der Anklage fungierte Ezri Dax, vom Volk der Trill. Sie war die neunte Wirtin des Dax-Symbionten. Ezri war 1,59 m groß und hatte dunkelbraune, kurzgeschnittene Haare, die am Hinterkopf bis zum Kinn reichten. Die Trill hatte ein rundes Gesicht mit blauen Augen und einer etwas breiteren Nase. Vom Körperbau her war Ezri Dax eher der schlanke Typ. An den Schläfen und auf dem Rest ihres Körpers, der durch die Uniform jedoch verborgen war, befanden sich die typischen braunen Male, die eine Trill kennzeichneten. Ezri räusperte sich, um die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zu ziehen.
 

„Die Anklage wirft dem Angeklagten, Kapitän Tarek von der Hensa, 104

Freiheitsberaubung in mehreren Fällen, sowie Beschädigung von Föderationseigentum, nämlich des Raumschiffes USS Concord, und mehrfachen Mord vor.“, sagte Ezri.
 

„Kapitän Tarek, wie plädieren sie?“
 

„Nicht schuldig, euer Ehren.“, sagte Tarek.
 

„Dann würde ich jetzt bitte den ersten Zeugen hören.“
 

„Die Anklage ruft als erstes Commander Jewgeni Romanova in den Zeugenstand.“, sagte Ezri Dax.
 

Jekaterinas Bruder erhob sich und setzte sich auf einen Stuhl in der Mitte des Raumes.
 

„Commander, nennen sie uns bitte ihren vollen Namen und ihren Rang.“, sagte Arikka.
 

„Commander Jewgeni Romanova.“
 

„Sind sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert?“, fragte die Präsidentin.
 

„Zum Glück nicht. Wäre ja noch schöner, wenn ich mit so einem andorianischen Rotarschpavian verwandt wäre.“
 

„Sie scheinen ja nicht viel für den Angeklagten übrig zu haben, wenn sie ihn mit solchen Freundlichkeiten betiteln.“, sagte Arikka. Dann fuhr sie fort: „Und seien sie bitte so nett und schildern uns die Ereignisse, die zu ihrer und Counselor Merryweathers Gefangennahme führten.“
 

„Gern. Wir hatten den Auftrag, einen unbekannten Planeten zu kartographieren. Wir hatten gerade damit begonnen, als uns der Angeklagte und seine Besatzung aus dem Hinterhalt angegriffen haben.“
 

Sofort meldete sich Tareks Verteidiger zu Wort.
 

„EINSPRUCH! Ich verlange, dass die Aussage von Commander Romanova aus dem Protokoll gestrichen wird.“, sagte er.
 

„Würden sie uns bitte den Grund dafür mitteilen?“
 

„DIESER MANN LÜGT! DER ANGRIFF AUF DIE CONCORD HAT NIEMALS STATTGEFUNDEN!“, sagte der Ferengi.
 

„Einspruch abgelehnt. Die Daten aus dem Hauptcomputer der Concord sprechen eine andere Sprache.“ 105

An Jewgeni gewandt sagte Arikka: „Fahren sie bitte fort, Commander.“
 

„Sehr wohl, Madam President. Die Trakener haben den Angriff mit Photonentorpedos begonnen. Als sie genug Schäden am Rumpf angerichtet hatten, haben sie mit einer Phasersalve unsere Energieversorgung außer Gefecht gesetzt. Ab diesem Zeitpunkt, waren wir wehrlos. Nachdem unsere Energieversorgung ausgeschaltet war, haben Kapitän Tarek und ein 50 Mann starkes Enterkommando unser Schiff geentert und von Captain Peskow die bedingungslose Kapitulation gefordert. Captain Peskow hat lange Widerstand geleistet und erst nachgegeben, als er mich und Counselor Merryweather in Gefangenschaft wusste. Danach haben ihn diese Piraten eiskalt lächelnd über den Haufen geschossen.“
 

„Ihr Zeuge, Lieutenant Dax.“, sagte Arikka.
 

Ezri Dax neigte den Kopf, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Dann begann sie ihr Verhör.
 

„Commander Romanova. Was geschah, nachdem sie und Counselor Merryweather gefangen genommen wurden?“, fragte sie.
 

„Man brachte uns auf die Hensa. Und dort wurden uns die Augen verbunden.“
 

„Das heißt, sie konnten nicht sehen, wohin man sie gebracht hat?“, fragte Ezri.
 

„Da.“
 

„Als man ihnen und den anderen die Augenbinde abnahm, was haben sie gesehen?“, fragte die Trill.
 

„Ich sah, dass wir uns in einer Arrestzelle befanden. Und dort befand sich auch Botschafterin Luan.“
 

Allgemeines Entsetzen machte sich breit.
 

„Sind sie sicher, dass es Botschafterin Luan war? Ich meine wirklich sicher.“, sagte Ezri Dax.
 

„So sicher, wie man sich nur sein kann.“
 

„Keine weiteren Fragen.“
 

Arikka wandte sich an den Ferengi.
 

„Ihr Zeuge.“, sagte sie.
 

Lork, der Ferengi erhob sich. 106
 

„Commander, würden sie uns bitte schildern, wie sie und die anderen Gefangenen von meinem Mandanten und dessen Crew behandelt wurden?“, fragte er.
 

„Ohne jeden Respekt. Nicht mal seine Notdurft durfte man verrichten. Und die Verpflegung war der letzte Schlangenfraß.“
 

„Das sind recht schwere Anschuldigungen, Commander. Und die müssen sie erst mal beweisen.“, sagte Lork.
 

„Fragen sie, wen sie wollen. Jeder wird ihnen das gleiche erzählen.“
 

„Keine weiteren Fragen.“, sagte der Anwalt.
 

Als nächstes musste Botschafterin Wai Lin Luan in den Zeugenstand. Sie berichtete, dass ein Mitglied der Besatzung, die nur aus Männern bestand, eine mehr als gründliche Leibesvisitation bei ihr durchgeführt hatte, bei der er ihr an die Brust und zwischen die Beine gegriffen hatte. Die Botschafterin brach in Tränen aus, und konnte nicht weitersprechen. Anklage und Verteidigung verzichteten deshalb auf das Kreuzverhör. Doch der trakenische Botschafter drängte darauf, dass zumindest die Verteidigung Botschafterin Luan ins Kreuzverhör nahm. Doch Präsidentin Arikka wies seinen Antrag zurück.
 

Raumstation Deep Space Nine 4. April 2379 8:00 Uhr Bordzeit
 

Der Prozess war vorüber. Anklage und Verteidigung hatten am Vortag noch ihre Schlussplädoyers gehalten. Ezri Dax hatte für Tarek die Höchststrafe nach dem Gesetz der Klingonen gefordert. Lork hingegen hatte pflichtgemäß auf Freispruch plädiert. Um 7:30 Uhr hatte Präsidentin Arikka den Saal erneut betreten. Nun saß sie wieder am Richterpult und sah in die Runde.
 

„Ladies and Gentlemen. Das Gericht verkündet nun sein Urteil. Der Angeklagte Tarek, Kommandant der Hensa wird hiermit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe im klingonischen Straflager Rura Penthe verurteilt.“, sagte Arikka.
 

Der trakenische Botschafter erhob sich.
 

„Mit diesem Urteil haben sie dem trakenischen Kaiserreich den Krieg erklärt. Wir sind jedoch bereit von etwaigen Kampfhandlungen abzusehen, wenn uns die Kommandantin der Kirow ausgeliefert wird.“, sagte er.
 

„Ihr Angebot wird als unerhört und dreist abgelehnt.“
 

„Ganz wie sie wollen. Aber merken sie sich das gut: Es wird keinen Frieden geben, solange Jekaterina Romanova lebt.“
 

An Bord der Kirow 107
 

Jewgeni und seine ältere Schwester saßen in Jekaterinas Quartier bei einer Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone beisammen.
 

„Danke, dass du mich da rausgeholt hast, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„Du weißt, was wir Vater und Mutter in der Stunde ihres Todes versprechen mussten.“
 

„Wir mussten ihnen schwören, dass wir immer aufeinander aufpassen und uns gegenseitig aus beschissenen Situationen befreien. Du hast mich aus der Gefangenschaft der Trakener befreit. Wenn du mal richtig tief in der Scheiße sitzt, dann hole ich dich da raus.“, sagte Jewgeni.
 

„Weiß ich doch. Was machst du jetzt?“
 

„Ich bekomme mein eigenes Kommando.“, sagte Jewgeni.
 

„Welches Schiff?“
 

„Sie geben mir ein Schiff der Ambassador-Klasse. Die USS Laconia.“, sagte Jewgeni.
 

„Gratuliere, Kleiner.“
 

„Danke, big sis.“, sagte Jewgeni. 108

USS Kirow - Mission 5

USS KIROW MISSION 5
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56272.6 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Eine weitere Mission ist erfolgreich beendet. Wir sind zum Planeten Rulon aufgebrochen, der sich in der Nähe von Regula 1 dem Forschungslabor befindet. Ich habe vor Loreley, der Königin der Rulonen einen Besuch abzustatten.“
 

Jekaterina hatte gerade ihren Eintrag im Computerlogbuch ihres Schiffes beendet, da erreichte eine Nachricht vom Flottenoberkommando die Kirow. Keiko Tadashita hob den Kopf als die Nachricht eintraf.
 

„Captain! Ich habe eine neue Nachricht vom Flottenoberkommando. Sie stammt von Admiral Janeway.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Katheryn Janeway.
 

„Admiral Janeway.“, begrüßte Jekaterina die ehemalige Kommandantin der Voyager.
 

„Captain Romanova.“
 

„Ich nehme an, sie haben eine neue Mission für uns.“, sagte Jekaterina.
 

„In der Tat. Allerdings sollte diese Mission etwas weniger turbulent werden, wie ihre letzte.“
 

„Was müssen wir tun, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Sie sollen Botschafterin Luan auf ihrer Mission unterstützen. Alle weiteren Informationen erhalten sie von ihr.“
 

„Wann und wo treffen wir die Botschafterin?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Sie wird in zwei Tagen bei ihnen sein. Bleiben sie an Ort und Stelle. Admiral Janeway Ende.“
 

Die Verbindung wurde unterbrochen.
 

„Also bleiben wir noch 2 Tage.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ja, Nummer eins. Zwei Tage, in denen die Trakener wieder zuschlagen könnten. Vergessen sie nicht, wir befinden uns im Krieg mit dem trakenischen Kaiserreich. Also weiterhin Dienst.“ 109

„Gönnen sie der Mannschaft auch mal etwas Ruhe und Freizeit. Sonst jagen sie die restlichen Besatzungsmitglieder mit der Harpune.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„In Ordnung. Ich glaube, ich mach mal einen Abstecher auf den Planeten. Ich will Loreley besuchen.“
 

„Die Königin der Rulonen, Captain?“, fragte Eric McClusky.
 

„Was dagegen, Nummer eins?“
 

„Nein. Aber was soll ich machen, wenn Botschafterin Luan eintrifft?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Sollte ich zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Planeten weilen, dann rufen sie mich, Nummer eins.“
 

„Ja, Captain. Darf ich fragen, wann sie zum Planeten aufbrechen wollen?“, fragte Eric McClusky.
 

„Ich weiß es noch nicht genau. Ich muss vorher mit Loreley sprechen. Ich kann schließlich nicht unangemeldet bei ihr vorbeikommen.“
 

„Das ist wohl wahr, Captain.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

In diesem Moment meldete sich Keiko Tadashita zu Wort.
 

„Captain, ich habe Loreley, die Königin der Rulonen für sie.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Loreleys Gesicht.
 

„Hallo Joelina. Schön dich zu sehen.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Ich freue mich, dich zu sehen, Loreley. Hast du Zeit? Wenn ja, würde ich dich gerne besuchen kommen.“
 

„Für dich nehme ich mir gerne Zeit, Jekaterina. Wann kannst du da sein?“, fragte Loreley.
 

„Wenn ich noch Zeit zum Umziehen bekomme, in 10 Minuten.“
 

„Einverstanden. Bis nachher.“, sagte Loreley.
 

Auf der Planetenoberfläche 10 Minuten später
 

Jekaterina und Loreley, die Königin der Rulonen, standen auf dem 110

Balkon des königlichen Palastes. Genauso, wie Jekaterina es geträumt hatte. Loreley trug wieder das weiße Satinkleid und die dazugehörigen Sandaletten, wie einst auf dem Empfang, während Jekaterina, wie in ihrem Traum, das schwarze Trägerkleid mit dem tiefen Beinausschnitt trug. Die beiden Frauen legten einander einen Arm um die Taille und sahen zum Himmel hinauf. Und wie in Jekaterinas Traum wandte Loreley Jekaterina ihr Gesicht zu.
 

„Eines Tages, Kleine, wird meinem Volk der Warpantrieb zur Verfügung stehen. Dann wird das Volk der Rulonen der Föderation beitreten.“, sagte sie dann.

Jekaterina stemmte mit gespielter Entrüstung eine Hand in ihre Hüfte.
 

„Du sollst mich doch nicht „Kleine“ nennen.“, sagte sie.
 

„Was glaubst du wohl, wie alt ich bin, Jekaterina?“
 

„Ich würde sagen, so alt wie ich. 33 Aber nicht mehr.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich sehe vielleicht so aus. Aber in Wirklichkeit bin ich 135 Jahre alt.“
 

„Wie kommt das, Loreley?“, fragte Jekaterina.
 

„Es gibt ein Schlammquelle, die wie ein Jungbrunnen wirkt. Bade darin, und du wirst nie mehr altern. Wenn du willst, zeige ich sie dir.“
 

In Jekaterinas Kopf begannen sämtliche Alarmglocken zu schrillen. Was wenn das eine Falle war?
 

„Ein andermal gerne. Aber ich bin eigentlich auf einer Mission. Ich bin eigentlich nur hier, weil uns hier mit Botschafterin Luan treffen.“, sagte sie.
 

„Verstehe. Weißt du, wann sie hier eintrifft?“
 

„In zwei Tagen. Immer voraus gesetzt, dass die Trakener nicht dazwischen funken. Die Föderation befindet sich seit einigen Tagen im Krieg mit dem trakenischen Kaiserreich.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum denn das Joelina?“
 

„Ich habe in bester Kirk-Manier ein trakenisches Schiff so schwer beschädigt, dass die Crew am Ende genötigt war, es selbst zu zerstören. Aber vorher habe ich zusammen mit einem klingonischen und einem romulanischen Außenteam die Gefangenen befreit. Den Kommandanten haben wir vor Gericht gestellt. Er darf den Rest seines Lebens im Straflager auf Rura Penthe verbringen. Der trakenische Botschafter hat daraufhin meinen Kopf gefordert.“, sagte Jekaterina.
 

„Was hast du getan, dass du dir den Zorn der Trakener zugezogen hast?“ 111

„Ich habe meinen Bruder Jewgeni und unsere Botschafterin Wai Lin Luan, aus der Gefangenschaft der Trakener befreit.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich kenne dich zwar noch nicht so lange, aber du scheinst mir ein Mensch zu sein, der im Großen und Ganzen rational und vernünftig handelt. So eine Kurzschlussreaktion kann ich mir bei dir so gar nicht vorstellen.“
 

„Ich hatte keine Wahl, Loreley. Für meinen Bruder tu ich alles. Auch wenn es mich das Leben kostet.“
 

„Keiner kann von dir verlangen, dass du dein eigenes Leben aufs Spiel setzt. Auch nicht, um deinen Bruder zu retten, Jekaterina.“
 

„Das verstehst du nicht. Mein Bruder würde dasselbe für mich tun. Wir mussten unseren Eltern im Augenblick des Todes schwören, dass wir immer aufeinander aufpassen. Ich kann Jewgeni nicht einfach seinem Schicksal überlassen.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann werde ich dir jetzt mal etwas über die Trakener erzählen. Sie Überfallen bevorzugt Planeten mit wenig planetarer Verteidigung. Nur bei Raumschiffen greifen sie aus dem Hinterhalt an. Und wenn sie hochrangige Offiziere oder Diplomaten verschleppen, dann nur, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. Du hast ihnen mit deiner Befreiungsaktion eine Steilvorlage geliefert.“
 

„Aber wozu das Ganze?“, fragte Jekaterina.
 

„Keiner weiß es. Ich habe das, was ich über die Trakener weiß, an dich weiter gegeben.“
 

„Man bricht nicht einfach aus Jux und Dollerei einen Krieg vom Zaun. Das ist nicht logisch.“, sagte Jekaterina.
 

Loreley wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, da zirpte Jekaterinas Kommunikator.
 

„Kirow an Captain.“, hörte Jekaterina die vertraute Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Was gibt es, Nummer eins?“
 

„Gerade kam eine Nachricht vom Flottenoberkommando rein. Sie ist chiffriert, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Hat Miss Tadashita die Nachricht entschlüsselt, Nummer eins?“
 

„Sie ist noch dabei. Ich vermute, dass man bei Starfleet Angst hat, dass die Trakener unseren Funkverkehr mithören.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.
 

„Sie liegen zu 98% richtig, Nummer eins. Melden sie sich, wenn die Meldung 112

von Starfleet vollständig dekodiert wurde.“
 

„Ja, Captain. Kirow Ende.“, sagte Eric McClusky.
 

Loreley sah Jekaterina fragend an.
 

„Warum hat man beim Flottenoberkommando der Raumflotte eine Nachricht für dein Schiff verschlüsselt? Das versteh ich nicht.“, sagte sie.
 

„Du vergisst, dass sich die Föderation im Krieg mit dem trakenischen Kaiserreich befindet. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Solange der Feind nicht über die nötigen Dekodierschlüssel verfügt, kann er die Funksprüche vom Flottenoberkommando an die Schiffe der Föderation nicht knacken.“
 

„Sehr schlau.“, sagte Loreley.
 

Die Königin der Rulonen hatte kaum ihren Satz beendet, da zirpte erneut Jekaterinas Kommunikator.
 

„Kirow an Captain.“, hörte die Kommandantin Eric McCluskys Stimme.
 

„Ich höre, Nummer eins.“
 

„Keiko hat die Botschaft von Starfleet vollständig dechiffriert.“, sagte Eric McClusky.
 

„Wie lautet sie, Nummer eins?“
 

„Die Nachricht lautet: „Botschafterin Luan reist auf der USS Equinox. Eintreffen morgen Abend. Gefecht zwischen USS Titan und trakenischem Schiff Kotto. Kotto hat mittlere Schäden davongetragen. Titan klarer Sieger.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Das sind doch mal gute Nachrichten, Nummer eins.“
 

„Captain Riker hat sich bei uns gemeldet, kurz nachdem die Nachricht vom Oberkommando bei uns eingetrudelt ist. Ich soll ihnen liebe Grüße ausrichten.“, sagte Commander McClusky.
 

„Danke, Nummer eins. Aber eine Frage noch, bevor wir dieses Gespräch beenden.“
 

„Schießen sie los, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Wo hat das Gefecht zwischen Titan und Kotto stattgefunden?“
 

„Im Beta-Quadranten. An der Grenze zum klingonischen Imperium.“, sagte Jekaterinas erster Offizier. 113

„Danke, Nummer eins.“
 

„Kein Ding, Captain. Aber vergessen sie nicht, pünktlich wieder an Bord zu sein. Kirow Ende.“, sagte Eric McClusky.
 

Jekaterina sah Loreley in die Augen.
 

„Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit miteinander verbringen können, als nur ein paar Stunden.“, sagte sie.
 

„Beim nächsten Mal, Kleine.“
 

An Bord der Kirow 20:30 Uhr Bordzeit
 

Jekaterina war wieder auf der Brücke. Sie hatte, nachdem sie wieder an Bord ihres Schiffes war, ihr Quartier aufgesucht, und das schwarze Abendkleid gegen ihre Uniform getauscht. Nun saß sie wieder auf dem Platz in der Mitte, der ihr als Kommandantin zustand. Alex Riley, der Fähnrich, der seit der ersten Mission an Bord der Kirow war, stand an der taktischen Konsole und beobachtete jede Bewegung, die sich außerhalb des Schiffes ereignete.
 

„Captain, unsere Sensoren haben die Equinox lokalisiert. Sie nähert sich von achtern.“, sagte er.
 

Jekaterina wandte ihm den Kopf zu.
 

„Was denn jetzt schon? Ich dachte, sie kommt erst morgen Abend.“
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Captain, die Equinox ruft uns. Es ist Botschafterin Luan persönlich.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Wai Lin Luan.
 

„Captain Romanova. Es ist schön, sie zu sehen. Ich hoffe, sie und ihre Besatzung sind wohlauf.“, sagte sie.
 

„Wirt erfreuen uns bester Gesundheit, Madam Ambassador.“
 

„Freut mich, das zu hören, Captain.“, sagte die Botschafterin.
 

„Eine Frage, Madam Ambassador.“
 

„Nur zu.“, sagte Wai Lin.
 

„Wie kommt es, dass sie jetzt schon hier sind? Ihr Kommen wurde uns 114

erst für morgen Abend angekündigt.“
 

„Tut mir leid für dieses Täuschungsmanöver, Captain Romanova. Aber es ging nicht anders. Die Trakener kreuzen im Moment durch alle Quadranten. Sogar die Kazon Nistrim im Deltaquadranten haben Probleme mit ihnen. Wenn es ihnen Recht ist, Captain, würde ich mich gleich auf ihr Schiff beamen lassen. Wir sind bereits in Transporterreichweite. Würden sie bitte den Transfer in die Wege leiten?“, fragte die Botschafterin.
 

„Ist schon so gut wie erledigt, Madam Ambassador. Kirow Ende.“
 

Jekaterina tippte an ihren Kommunikator.
 

„Brücke an Transporterraum 2.“, sagte sie.
 

Shaun O´ Shane antwortete sofort.
 

„Ich höre, Captain.“
 

„Treffen sie umgehend alle Vorbereitungen für einen Transfer von Botschafterin Luan von der Equinox auf unser Schiff.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist schon so gut wie erledigt, Captain.“
 

Keine zwei Minuten später war alles fertig und Jekaterina befahl den Transfer.
 

„Energie.“, sagte sie.
 

Die Bestätigung erhielt sie kurz darauf.
 

„Transporterraum 2 an Brücke. Transfer erfolgreich. Botschafterin Luan ist an Bord.“
 

„Gut gemacht, Mr. O´ Shane.“, sagte Jekaterina.
 

Jekaterina wollte gerade den Befehl geben, die Schilde und die Waffensysteme zu aktivieren, da kam aus Transporterraum 3 die Nachricht, dass sich Loreley, die Königin der Rulonen zum Beamen angekündigt hatte. Die Kommandantin der Kirow fluchte innerlich. Was hatte sich Loreley eigentlich dabei gedacht, als sie sich zum Beamen angekündigt hatte? Wie dem auch sei, sie durfte der Königin der Rulonen die Erlaubnis nicht verweigern. Also gab sie den Befehl den Transfer durchzuführen. Unmittelbar nach Eintreffen von Loreley gab sie Fähnrich Riley sofort den Befehl die Schutzschilde und die Waffensysteme zu aktivieren.
 

„Nummer eins, ich bin im Bereitschaftsraum, falls mich jemand suchen sollte.“, sagte Jekaterina zu ihrem ersten Offizier. 115
 

„Aye, Captain.“
 

Mit dem üblichen „Kommandant verlässt die Brücke“ übergab Jekaterina das Kommando an Eric McClusky. Im Bereitschaftsraum ließ sich die Kommandantin der Kirow erst einmal eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone zubereiten. Sie hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen, da ertönte der Türsummer.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina.
 

Die Türen glitten auseinander, und Loreley, die Königin der Rulonen, trat ein. Dicht gefolgt von Botschafterin Wai Lin Luan.
 

„Setzt euch.“, sagte Jekaterina.
 

Als die drei Frauen zusammen saßen, begann die Kommandantin der Kirow das Gespräch.
 

„Also, Ladies, gibt es etwas, das ich wissen müsste?“, fragte Jekaterina in die Runde.
 

Die Botschafterin und die Königin der Rulonen sahen einander an.
 

„Du zuerst, Wai Lin.“, sagte Loreley.
 

„Es wird Zeit, sie in die Einzelheiten ihrer Mission einzuweihen, Captain Romanova.“
 

„Bitte, Madam Ambassador.“, sagte Jekaterina.
 

„Der Planet Malveel wird von einem Bürgerkrieg erschüttert. Für die Trakener eine günstige Gelegenheit.“
 

„Das heißt, der Planet wird in regelmäßigen Abständen von den Trakenern überfallen?“, fragte Jekaterina.
 

„Das nicht. Aber sie zeigen dort in letzter Zeit oft Präsenz. Kann sein, dass sie eine der Kriegsparteien unterstützen.“
 

„Wie viele Kriegsparteien gibt es eigentlich?“, stellte Jekaterina eine nicht unerhebliche Frage.
 

„Zwei. Das Lager um Artania auf der einen Seite, und das Lager um den derzeitigen Regenten Geron auf der anderen Seite.“
 

„Weiß man, woran sich dieser Bürgerkrieg auf Malveel entzündet hat?“, wollte Jekaterina wissen. 116
 

„Artania möchte der Föderation beitreten. Die Malveelier haben den Warpantrieb erforscht und damit das Hauptkriterium für einen Beitritt erfüllt. Geron ist dagegen. Und er wird alles in seiner Macht stehende tun, um einen Beitritt zu verhindern.“
 

„Das heißt im Klartext, dass Geron sterben muss, damit Malveel, Föderationsmitglied werden kann?“, hakte Jekaterina nach.
 

„Nicht unbedingt. Es würde reichen, wenn er den Planeten verlassen würde.“
 

„Denkt ihr, was ich gerade denke?“, fragte Jekaterina in die Runde.
 

„Du meinst, ihn an die Trakener ausliefern?“
 

„Warum nicht? Dann wäre der Weg für Artania frei.“, sagte Jekaterina.
 

„Das schon. Aber dann würden die Trakener vor Wut Zeter und Mordio schreien. Denn Malveel liegt in unmittelbarer Nähe zu Karshan, der Heimatwelt der Trakener.“
 

Dann richtete Wai Lin Luan das Wort an Loreley, die Königin der Rulonen.
 

„Bitte. Jetzt bist du dran.“, sagte sie.
 

Loreley nickte kurz.
 

„Es gibt noch etwas, das wichtig ist. Malveel ist nur einer von vier Planeten, die in unmittelbarer Nähe zum trakenischen Kaiserreich liegen. Rulon selbst gehört nicht dazu, deswegen lassen uns die Trakener in Ruhe. Aber sie haben ein reges Interesse daran, dass diese vier Planeten nicht der Föderation beitreten.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Das heißt, wenn Malveel der Föderation beitreten würde, könnten die anderen dem Beispiel der Malveelier folgen?“
 

„Ganz Recht, Jekaterina. Dann würde sich das Machtgefüge stark zu Gunsten eurer Föderation verlagern.“, sagte Loreley.
 

„Ich würde Artania ja gerne helfen. Aber die erste Direktive verbietet es mir, in einen bewaffneten Konflikt einzugreifen.“
 

Kaum hatte Jekaterina ihren Satz beendet, da meldete sich Keiko über die Sprechanlage.
 

„Captain, ich habe eine Nachricht für Botschafterin Luan. Sie stammt von Präsidentin Arikka persönlich. Sie ist mit „Top Secret“ gekennzeichnet.“, sagte Keiko. 117
 

„Stellen sie durch, Keiko.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Keiko.
 

„Wünschen sie, dass wir sie alleine lassen, Madam Ambassador?“
 

„Nein Captain. Bleiben sie ruhig. Dann bekommen sie die Informationen aus erster Hand.“, sagte Wai Lin Luan.
 

Dann hörten alle die Stimme der Präsidentin.
 

„Botschafterin Luan. Die Trakener haben offen in den Konflikt auf Malveel eingegriffen und unterstützen König Geron. Da wir uns jedoch im Krieg mit den Trakenern befinden, habe ich entschieden, dass die Föderation auf Artanias Seite in diesen Bürgerkrieg eingreift.“, sagte Arikka.
 

„Madam President, was ist mit der ersten Direktive? Ihr wisst, dass sie es den Kommandanten unserer Schiffe verbietet, sich in einen anderen Konflikt, wie dem Bürgerkrieg auf Malveel einzumischen.“
 

„Wenn es sich um eine Prä-Warp-Spezies handeln würde, dann würde ich ihnen zustimmen, Botschafterin. Aber die Malveelier haben den Warpantrieb. Außerdem hat unser Kriegsgegner, das trakenische Kaiserreich, auf Seiten der Regierung in den Bürgerkrieg eingegriffen. Ein Grund mehr, eine Ausnahme zu machen und die erste Direktive für dieses Mal außer Kraft zu setzen.“, sagte Arikka.
 

Jekaterina schaltete sich in das Gespräch ein.
 

„Madam President, ich würde gerne noch auf eine Besonderheit hinweisen.“, sagte sie.
 

„Bitte, Captain Romanova.“
 

„Wenn eine Partei, mit der wir uns im Krieg befinden, in einen Bürgerkrieg, wie er jetzt auf Malveel stattfindet, für eine der beiden Seiten Partei ergreift, ist die erste Direktive automatisch außer Kraft gesetzt. Dann ist die Föderation

mehr oder minder dazu gezwungen, auf Seiten der anderen Kriegspartei in diesen Konflikt einzugreifen.“, sagte Jekaterina.
 

„Nun gut. Sie werden jetzt folgendes tun, Captain Romanova. Sie fliegen

umgehend nach Malveel. Finden sie heraus, in welcher Art die Trakener

Geron unterstützen. Ich sende ihnen als Verstärkung die Titan und die

Ranger.“
 

„Die Ranger, Madam President?“, fragte Jekaterina.
 

„Das Schiff befindet sich noch im Bau und liegt noch im Raumdock. 118

Ranger wird also erst später zu ihnen stoßen.“
 

„Verstehe. Weiß man denn schon, wer das Kommando auf der Ranger übernehmen wird?“, fragte Jekaterina.
 

„Commander Robert Baker. Der Name wird ihnen nicht viel sagen, Captain.“
 

„Habe noch nie von ihm gehört. Was ist er denn so für ein Mensch?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Ein recht verlässlicher, nach allem, was ich gehört habe.“
 

„Das heißt, sie wissen so gut wie gar nichts über ihn.“, stellte Jekaterina Romanova fest.
 

„Er hat eine tadellose Führungsakte. Arikka Ende.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56273.14 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf den Weg zum Planeten Malveel. Wollen wir hoffen, dass kein trakenisches Raumschiff unseren Weg kreuzt. Denn ich habe nicht das Bedürfnis mit einem Schiff der trakenischen Marine ein Gefecht zu führen. Das Kräftemessen mit der Hensa hat mir gelangt. Vor Ort sollen wir mit der Anführerin der Beitrittsbefürworter, Artania, Kontakt aufnehmen und herausfinden, auf welche Weise das trakenische Kaiserreich die Beitrittsgegner um König Geron, unterstützt.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und legte es zur Seite. Dann begab sie sich in den Bereitschaftsraum um sich mit Wai Lin Luan, der Botschafterin der Föderation zusammenzusetzen.
 

„Sie übernehmen erst mal das Kommando Nummer eins. Wenn was ist, rufen sie mich.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Im Bereitschaftsraum ließ sich Jekaterina zuerst eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone zubereiten. Sie hatte gerade den ersten Schluck getrunken, da merkte sie, dass ihre Hände anfingen zu zittern. Als nächstes traten ihr Tränen in die Augen und sie begann zu schluchzen. Jekaterina berührte ihre Wange. Sie war feucht. Offenbar war eine Träne daran hinab gelaufen. Sie berührte auch die andere Wange. Auch diese war feucht. Nun wusste Jekaterina, dass sie anfing zu weinen. Ausgerechnet ihr, die vor nichts und niemandem Angst hatte, musste das passieren! Der Türsummer riss die Kommandantin aus ihren Gedanken.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina, bemüht sich nichts anmerken zu lassen.
 

Die Türen glitten auseinander, und Wai Lin Luan, die Botschafterin der 119

Föderation, betrat den Raum. Vor ihr wollte sich Jekaterina erst Recht keine Blöße geben und drehte rasch den Kopf zur Seite. Doch die Botschafterin hatte längst erkannt, wie es ihrer Retterin ging. Wai Lin legte Jekaterina eine Hand auf ihre Schulter.
 

„Du brauchst dich deiner Tränen nicht zu schämen, Jekaterina. Es ist keine Schande, wenn man weint.“, sagte sie.
 

„Das verstehst du nicht, Wai Lin. Vater hat immer gesagt, wer weint zeigt Schwäche. Und ein Mitglied der Familie Romanova zeigt niemals Schwäche.“
 

„Nun, es steht mir nicht zu über deinen Vater zu urteilen. Aber eines weiß ich: Man darf auch mal schwach und verletzlich erscheinen.“, sagte Wai Lin.
 

Jekaterina wandte der Botschafterin den Rücken zu. Sie atmete tief durch, dann sagte sie kaum hörbar: „Ich bin doch diejenige, die an diesem Krieg schuld ist.“
 

„Unsinn. Du hast getan, was du für richtig gehalten hast.“
 

„Ja. Aber zu welchem Preis? Was habe ich getan? Was habe ich erreicht? Um meinen Bruder zu retten, bin ich über Leichen gegangen. Meinetwegen ist ganze Raumschiffbesatzung tot. Und der Kommandant schuftet sich in einem klingonischen Straflager zu Tode. Wegen mir hat das trakenische Kaiserreich der Föderation den Krieg erklärt.“, sagte Jekaterina.
 

Wai Lin verstand zwar, worauf ihre Retterin hinaus wollte, doch so leicht gab sie sich nicht geschlagen.
 

„SO ETWAS DARFST DU NOCH NICHT EINMAL DENKEN! JEDER ANDERE RAUMSCHIFFKOMMANDANT HÄTTE GENAUSO GEHANDELT!“, fuhr die Botschafterin Jekaterina an.
 

Ihre Worte trafen die Kommandantin der Kirow wie ein Vorschlaghammer. Jekaterina schlug die Hände vors Gesicht und fing hemmungslos an zu weinen. Wai Lin nahm sie in die Arme und hielt sie fest.
 

„Weine ruhig. Lass all deinen Schmerz, all deine Trauer weichen.“, sagte die Botschafterin.
 

Es dauerte einige Zeit, bis sich Jekaterina wieder beruhigt hatte. Wai Lin reichte ihr ein Taschentuch.
 

„Geht es dir besser?“, fragte Wai Lin.
 

Jekaterina nickte stumm.
 

„Ich wasch mir nur schnell das Gesicht. Bin gleich wieder da.“, sagte 120

Jekaterina.
 

Kurze Zeit später kam sie zurück. Wai Lin merkte jedoch, dass Jekaterina am ganzen Leib zitterte.
 

„Du bist ganz schön fix und fertig, Jekaterina. Du solltest dich mal ausruhen. Commander McClusky kann dich vertreten. Er muss Erfahrung sammeln, sonst wird man ihn zur Prüfung für das Kapitänspatent nicht zulassen. Das weißt du genauso gut wie ich.“, sagte Wai Lin.
 

„Ja ich weiß. Aber kommen wir zu unserem Job zurück. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten, von denen ich was wissen sollte?“
 

„Die gibt es, Jekaterina. Heute Morgen um 4:00 Uhr hat der klingonische hohe Rat beschlossen, an unserer Seite in den Krieg gegen das trakenische Kaiserreich einzutreten.“, sagte Wai Lin.
 

„Was ist mit den Romulanern?“
 

„Die halten sich bedeckt. Obwohl sie wirklich einen triftigen Grund hätten, den Trakenern den Krieg zu erklären, wie ich offen zugeben muss.“, sagte die Botschafterin.
 

„Den hätten sie in der Tat, Wai Lin. Wenn man bedenkt, dass die Trakener einen Romulaner in Gefangenschaft hatten“
 

„Da stimme ich dir zu, Jekaterina. Wer weiß, vielleicht kommt die Kriegserklärung ja doch noch. Aber selbst wenn, dann wird das wahrscheinlich mit leisen Tönen kommuniziert werden.“, sagte Wai Lin.
 

„Mit anderen Worten, die Romulaner wollen die Sache nicht an die große Glocke hängen. Das wolltest du doch eigentlich sagen, Wai Lin?“
 

„Wenn wir beide nicht im Dienst wären, und auf Betazed durch einen der Parks spazieren würden, dann wäre das exakt meine Wortwahl. Aber wir sind im Dienst, und da haben wir beide auf unsere Wortwahl zu achten.“, sagte Wai Lin.
 

„Das leuchtet ein. Was mir aber nicht einleuchtet, ist die Zurückhaltung der Romulaner. Denn die scheuen eigentlich selten einen offenen Konflikt.“
 

„Das, was ich dir jetzt anvertraue, musst du für dich behalten. Niemand aus deiner Crew darf davon erfahren. Am allerwenigsten Jardanka, deine Wissenschaftsoffizierin.“, sagte Wai Lin.
 

„Warum ausgerechnet Jardanka?“
 

„Sie ist doch Romulanerin, nicht wahr?“, fragte die Botschafterin nach.
 

„Ja. Warum ist das so wichtig?“ 121

„Nun, es ist ein offenes Geheimnis, dass das romulanische Sternenimperium seinem Ende entgegengeht. Bereits Bereits in 5 Jahren, also 2384, wird das Reich der Romulaner, wie wir es kennen, nicht mehr existieren.“, sagte Wai Lin.
 

„Und du glaubst, dass diese Neuigkeit negative Auswirkungen, auf Jardankas Arbeitsfähigkeit haben könnte?“
 

„Ich will es nicht heraufbeschwören, aber ganz ausschließen will ich es auch nicht.“, sagte Botschafterin Luan.
 

Im nächsten Augenblick wurde die Kirow erschüttert.
 

„Was zum Henker?“, fluchte Jekaterina.
 

Die Komanlage ging los.
 

„Brücke an Captain.“, hörte Jekaterina die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Was gibt’s Nummer eins?“
 

„Wir wurden angegriffen.“, sagte Commander McClusky.
 

„Das war zu erwarten. Und ich habe eine Ahnung, wer uns angegriffen hat.“
 

„Dann lassen sie mich an ihrem Wissen teilhaben, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Es waren die Trakener. Wer sonst würde uns ohne Vorwarnung angreifen?“
 

„Das ist naheliegend, Captain. Vor allem, weil wir in Kürze Malveel erreichen.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.
 

„Dann wissen wir ja, was wir zu tun haben, Nummer eins.“
 

„Ich wollte gerade dasselbe vorschlagen, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„In Ordnung. Erwidern sie das Feuer. Setzen sie erst einmal ein paar Nadelstiche, Nummer eins“
 

„Ja, Captain.“, sagte Commander McClusky.
 

„Warum greifen die Trakener uns an? Klar, wir sind im Krieg mit ihnen, aber wieso wollen sie unsere Mission stören?“
 

„Ganz einfach, Wai Lin. Tritt Malveel der Föderation bei, folgen die anderen drei Planeten nach. Dann wird es für die Trakener schwierig, neue Sklaven für

Ihre Minen zu aufzutreiben.“, sagte Jekaterina. 122
 

„Das leuchtet ein. Und die Produktionskapazitäten gehen zurück. Dann könnten die Trakener weniger neue Schiffe bauen.“
 

„Und genau deshalb haben sie kein Interesse daran, dass Malveel der Föderation beitritt. Und noch ein weiterer Punkt. Sie haben Angst. Angst davor, dass die Föderation in ihrem Sektor mehr und mehr Einfluss gewinnt. Es geht hier um eine Art Vormachtstellung.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Tarek
 

Das Schiff erzitterte, als die Phasersalve der Kirow einschlug. Trotz aktivierter Schilde richtete dieser erste Treffer einige Schäden am Rumpf des Schiffes an. Die Tarek war ein Schiff der neuesten Generation der Hensa-Klasse. So waren Schilde und Warpantrieb verbessert worden. Statt bisher Warp 3 schaffte das Schiff nun Warp 4. Durak, Kommandant des Schiffes, war der Bruder von Tarek, dem Namensgeber. Am Tag der Fertigstellung war auf Karshan die Nachricht eingetroffen, dass Duraks älterer Bruder bei einem Fluchtversuch von den klingonischen Wächtern erschossen worden war. Es war ihm nicht gelungen, das Energiefeld, das die Strafkolonie schützte zu durchbrechen.
 

So war es naheliegend, das neue Schiff nach ihm zu benennen. Als es aber um die Vergabe des Kommandos ging, tat sich Kaiser Skulrik doch etwas schwer. Es gab so viele hoffnungsvolle Männer, die dieses Kommando verdient hätten. Doch letzten Endes blieb nur Durak übrig, der endlich beweisen wollte, dass er Tarek, seinem Bruder in nichts nachstand.
 

Diese Mission war seine erste. Und sie war recht einfach. Die Schiffe der Föderation sollten gehindert werden, sich dem Planeten Malveel zu nähern. Doch jedes Mal, wenn ein Schiff auf dem Radar erschien, war es nicht ein Raumschiff der Föderation, sondern einer der gefürchteten klingonischen Angriffskreuzer der Vor'cha-Klasse aufgetaucht. Und vor denen nahmen die Trakener lieber Reißaus. Aber auch die Raumschiffe der Föderation waren harte Gegner. Allein schon die Schiffe der Sovereign-Klasse konnten es mit zwei Hensas aufnehmen. Und gegen zwei solche Gegner würden die Trakener in diesem Krieg keinen Blumentopf gewinnen.
 

Durak war sich durchaus im Klaren darüber, dass seine Besatzung unzufrieden mit ihm war. Und das konnte er seinen Männern auch nicht verdenken. Sie wollten kämpfen, und zu Ruhm und Ehre gelangen. Doch er, Durak, würde seine Crew nicht in einem sinnlosen Gefecht mit einem klingonischen Angriffskreuzer verheizen. Nein. Durak hatte ein anderes Ziel im Sinn. Er wollte die Kirow! Deren Besatzung konnte ruhig den Tod finden, aber die Kommandantin, Jekaterina Romanova wollte er lebend. Sie sollte das Schicksal seines Bruders teilen. Dies war seine Art, für den Tod seines Bruders, Rache zu üben.
 

Als dann Jekaterinas Schiff von den Scannern der Tarek erfasst worden war,

Hatte Tareks Bruder sofort die Schilde und Waffensysteme seines Schiffes aktivieren lassen. Und als man den Kontakt als USS Kirow identifiziert hatte, 123

hatte er frohlockt. Der Augenblick der Rache war gekommen! Als die Kirow in Reichweite der Waffen der Tarek war, hatte Durak umgehend das Feuer eröffnen lassen. Allerdings hatte die Kirow Schilde und Waffensysteme bereits aktiviert, sodass seine Photonentorpedos keine Wirkung zeigten. Die Antwort des Feindes folgte prompt.
 

„Die Kirow hat das Feuer erwidert, Kapitän!“, sagte der erste Offizier, ein Mann namens Gerak.
 

„Schäden?“
 

„Bedauerlicherweise ja, Kapitän.“, sagte der erste Offizier.
 

„Und das obwohl unsere Schilde aktiviert sind?“
 

„Ja, Kapitän.“, sagte Gerak.
 

„Wie schlimm ist es?“
 

„Die Hülle hat schwere Schäden davon getragen. Sie ist auf Ebene 3 sogar gebrochen.“, sagte Duraks erster Offizier.“
 

„Wie ist das möglich, Gerak? Unsere Schilde sind doch aktiviert.“
 

„Unsere Schilde sind noch zu schwach. Die Schiffe der Föderation sind uns technologisch immer noch voraus.“, sagte Gerak.
 

Kaum hatte er seinen Satz beendet, da wurde die Tarek erneut erschüttert.
 

„Was zum…?
 

„Kapitän! Ausfall der Energieversorgung!“, sagte der leitende Ingenieur über die Sprechanlage.
 

„Danke, LI.“
 

„Kapitän, wir sind kampf- und manövrierunfähig.“, sagte der erste Offizier der Tarek.
 

Durak seufzte schwer. Bevor er aufgebrochen war, hatte der Flottenchef ihm noch gesagt, was zu tun war, sollte er nicht mehr kämpfen können.
 

„Ihr Schiff darf nicht in feindliche Hände fallen. Wenn der Feind sie im Kampf besiegt, müssen sie ihr Schiff selbst zerstören. Auch wenn das Leben aller an Bord kosten sollte.“, hatte der Admiral gesagt.
 

Nun war es also soweit. Die Kirow hatte sein Schiff in kurzer Zeit so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr weiter kämpfen konnten. Durak wandte sich 124

an seinen ersten Offizier.
 

„Leite die Selbstzerstörung ein, Gerak.“, sagte er.
 

„Jawohl, Kapitän.“
 

Auf der Krankenstation der Tarek
 

Alina hatte gerade alles für die OP des verletzten Trakeners vorbereitet. Als das Gongsignal ertönte, und die Stimme des Bordcomputers zu hören war.
 

„ACHTUNG! Selbstzerstörung aktiviert. Dieses Schiff wird in einer Minute zerstört.“
 

An Bord der Kirow
 

Jardanka sah von ihrer Konsole auf.
 

„Captain, ich habe eine menschliche Lebensform an Bord des trakenischen Schiffes lokalisiert.“, sagte sie und wurde dann kreidebleich.
 

„Die Selbstzerstörung wurde aktiviert!“, sagte die Romulanerin aufgeregt.
 

„Wie lange bis zur Selbstzerstörung?“
 

„45 Sekunden.“, sagte Jardanka.
 

„Brücke an Transporterraum 1. Sie haben 45 Sekunden, um eine humanoide Lebensform an Bord zu holen.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Merwyn King.
 

An Jennifer Bond gewandt sagte Jekaterina: „Lieutenant Bond, deaktivieren sie die Schilde.“
 

„Aye, Captain.“
 

Jennifer Bond betätigte schnell die entsprechenden Kontrollen.
 

„Schilde deaktiviert, Captain.“, sagte sie dann.
 

„Transporterraum 1, wie weit sind sie?“
 

„Ich warte nur noch auf ihren Befehl, Captain.“, sagte Merwyn King.
 

„Energie!“
 

Die Bestätigung für den erfolgreichen Transfer erhielt Jekaterina 125

kurze Zeit später.
 

„Transporterraum 1 an Brücke. Eine weibliche Person an Bord.“, meldete sich Chief King.
 

„Verstanden, Mr. King.“, sagte Jekaterina um an Jennifer Bond gewandt fortzufahren: „Lieutenant Bond, aktivieren sie die Schilde.“
 

Kaum waren die Schilde der Kirow aktiviert, da explodierte die Tarek. Eine gewaltige Explosion riss das Schiff, wie schon zuvor die Hensa in mehrere Stücke.
 

„In Ordnung. Wir fliegen weiter nach Malveel. Maximum an Warp. Dieses Gefecht hat uns wertvolle Zeit gekostet. Auch wenn es nur kurz war.“, befahl Jekaterina.
 

Dann verließ sie die Brücke. In Transporterraum 1 traf die Kommandantin die einzige Überlebende des Untergangs der Tarek. Die junge Frau, Jekaterina schätzte ihr Alter auf 23 Jahre, war eine 1,73 große Blondine mit braunen Augen, deren Haare bis zur Achselhöhle reichten. Die Frau hatte ein ovales Gesicht mit osteuropäischen Gesichtszügen. Jekaterina schätzte, dass sie Russin oder Ukrainerin war. Die Nase war zwar etwas breit, fügte sich aber dennoch harmonisch in das Gesicht der jungen Frau ein. Bekleidet war sie mit einer Uniform, die darauf schließen ließ, dass die Frau zumindest mal eine medizinische Ausbildung durchlaufen hatte.
 

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin des Schiffes.“, sagte Jekaterina.
 

„Alina Nadirova. Danke für ihre Hilfe. Ohne sie würde ich jetzt hier als Engel durch den Raum schweben.“
 

Jekaterina bemerkte, dass Alina Russin war. Also hatte sie sich nicht getäuscht.
 

„Es ist immer wieder schön, jemanden aus der Heimat zu treffen, Alina.“, sagte Jekaterina.
 

Alina verstand zuerst nicht, worauf ihre Retterin hinaus wollte, doch dann begriff sie.
 

„Also kommen sie auch aus Russland.“, sagte sie.
 

„Aus Smolensk, Alina. Und woher kommen sie?“
 

„Moskau.“, sagte Alina.
 

„Nun, nachdem wir uns gegenseitig beschnuppert haben, hätte ich noch gerne gewusst, was sie an Bord eines trakenischen Schiffes verschlagen hat.“ 126

„Ich war an Bord eines Frachters und war dort als Ärztin tätig. Die Trakener haben uns überfallen und die ganze Besatzung abgeschlachtet. Meinem Rang als Ärztin habe ich es zu verdanken, dass ich mich an Bord des trakenischen Schiffes frei bewegen konnte. Man ist mir auch mit dem mir gebührenden Respekt begegnet.“, sagte Alina Nadirova.
 

„Wundert mich nicht. Sie waren für die Trakener zu wertvoll, um sie so schäbig zu behandeln, wie es diese Kerle in der Regel tun.“
 

„Das kann ich bestätigen. Denn ich habe gesehen, wie die Besatzung mit Gefangenen umgegangen ist. Furchtbar.“, sagte Alina.
 

„Bevor wir uns weiter unterhalten, würde ich sie erst einmal auf die Krankenstation begleiten. Ich könnte noch eine Stellvertreterin für meine Chefärztin brauchen.“
 

„Spassiba.“, sagte Alina.
 

Jekaterina begleitete Alina Nadirova auf die Krankenstation, wo die junge Russin zuerst den obligatorischen medizinischen Check über sich ergehen lassen musste.
 

„Alles in Ordnung. Dr. Nadirova ist kerngesund. Keine Anzeichen, auf irgendwelche versteckten Infektionen.“, sagte Juanita Garcia zu Jekaterina.
 

„Sehr gut. Wenn das Flottenoberkommando Alina Nadirova als festes Crew-Mitglied bestätigen sollte, würde ich sie ihnen als Stellvertreterin zuteilen.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56281.6 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Das Gefecht mit dem trakenischen Schiff „Tarek“ und die damit verbundene Rettungsaktion hat uns leider etwas aufgehalten. Aber wie hätte ich den Tod einer unschuldigen Ärztin verantworten können? Wir sind nun wieder auf dem Kurs nach Malveel, wo wir schon sehnsüchtig erwartet werden. Gestern gab es ein Zusammentreffen mit der USS Titan und dem klingonischen Angriffskreuzer Maranga IV. Die Ranger hat gerade die letzten Erprobungsflüge absolviert und ist offiziell in Dienst gestellt worden. Wann sie bei uns sein wird, weiß der Teufel. Des Weiteren steht noch eine Antwort vom Flottenoberkommando bezüglich meiner Anfrage einer Bestätigung von Alina Nadirova als festes Crewmitglied der Kirow aus.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und rieb sich wieder einmal die Schläfen. Sie war so müde, dass sie gar nicht mehr klar denken konnte.
 

„Ich werde mich ein wenig hinlegen. Nummer eins, sie übernehmen.“, sagte sie zu Eric McClusky.
 

„Ja, Captain. Soll ich sie benachrichtigen, wenn sich was tut?“ 127
 

„Ja, bitte.“, sagte Jekaterina.
 

„Kommandant verlässt Brücke.“
 

In ihrem Quartier legte sich Jekaterina auf ihr Bett und schlief bald ein. Doch dieser Traum unterschied sich von ihrem letzten. Er war düster und furchteinflößend. Jekaterina sah ein brennendes trakenisches Schiff, dass von mehreren Explosionen erschüttert wurde. Dann veränderte sich die Szenerie und das Gesicht des trakenischen Botschafters erschien.
 

„Ich bin noch nicht fertig mit dir. Mit meinem letzten Atemzug schleudere ich dir meinen Hass entgegen, Jekaterina Romanova. Selbst in der tiefsten Hölle werde ich noch mit dir kämpfen.“, hörte sie seine Stimme.
 

Doch dann erschien Jekaterina das Gesicht ihres Vaters im Traum.
 

„Gut gemacht, meine Tochter. Du hast dem Namen unserer Familie alle Ehre gemacht. Ich bin stolz auf dich.“, sprach er mit einer tiefen Bassstimme.
 

Als Jekaterina wieder erwachte, war sie total durcheinander. Was hatte es mit dem brennenden Schiff und dem trakenischen Botschafter, der ihr ewige Feindschaft geschworen hatte auf sich? Egal, es galt sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Jekaterina war gerade auf dem Weg zur Brücke, als ihr Kommunikator zirpte.
 

„Brücke an Captain.“, hörte die Kommandantin die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Ich höre, Nummer eins.“
 

„Captain, die Ranger ist gerade zu uns gestoßen.“, sagte Eric McClusky.
 

„So schnell? Ich dachte, dass das Schiff erst die Erprobungsphase abgeschlossen hat.“
 

„Anscheinend hat man Commander Baker früher den Marschbefehl erteilt, als ursprünglich geplant, Captain.“, sagte der erste Offizier.
 

„Verstanden, Nummer eins. Ich bin gleich auf der Brücke.“
 

Die Türen glitten auseinander, als Jekaterina Romanova aus dem Turbolift auf die Brücke kam. Wie üblich nahm sie den Platz in der Mitte ein, der ihr als Kommandantin zustand.
 

„Captain, die Ranger befindet sich steuerbord querab.“, sagte Eric McClusky.
 

„Auf den Schirm.“
 

Wo vorher noch die Sterne zu sehen waren, hatte nun die USS Ranger den 128

Platz eingenommen. Das Schiff glich nur äußerlich der Intrepid-Klasse, war jedoch mit 630 Metern Länge und 120 Metern Breite viel größer. Außerdem hatte es 10 Decks mehr als Voyager & Co. Die Besatzung lag bei 400 Mann. Außerdem besaß es starre Warpgondeln, statt den schwenkbaren der Intrepid-Klasse. Die Höchstgeschwindigkeit lag jenseits von Warp 9.
 

„Captain, die Ranger ruft uns.“, meldete sich Keiko zu Wort.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht eines Asiaten. Jekaterina erkannte dies an den mandelförmigen Augen des Mannes. Seine braunen Haare hatte er bis zu den Ohren kurz geschnitten, allerdings hatte er seinen Pony adrett nach oben gekämmt. Robert Baker hatte ein rundes Gesicht mit einer leicht gewölbten Nase. Auch der leicht gebräunte Teint von Commander Baker verriet die asiatische Abstammung.
 

Links neben Robert Baker konnte Jekaterina eine Frau sehen. Sie hatte kinnlange, blonde Haare und braune Augen. Die erste Offizierin der Ranger hatte ein ovales Gesicht mit einer schmalen Nase. Robert Baker begann das Gespräch.
 

„Captain Romanova, ich grüße sie.“, sagte er.
 

„Die Freude ist ganz meinerseits, Commander Baker.“
 

„Ich muss sagen, sie kommandieren ein imposantes Schiff, Captain.“, sagte Commander Baker.
 

„Dasselbe kann man auch über ihr Schiff behaupten Commander. Wenn sie Zeit haben, würde ich sie und natürlich auch ihren ersten Offizier heute Abend zu einem kleinen Empfang auf die Kirow einladen.“
 

„Eine Einladung, die Miss Munro und ich nur schwer ablehnen können, Captain Romanova. Wann sollen wir uns auf der Kirow einfinden?“, sagte Robert Baker.
 

„Ist 19:30 Uhr Bordzeit genehm, Commander Baker?“
 

„Einverstanden. Sollen wir uns in Schale werfen, Captain?“, wollte der Kommandant der Ranger wissen.
 

„Es wäre nicht verkehrt, denke ich.“
 

USS Kirow Bordzeit 19:30 Uhr Bordzeit
 

Jekaterina hatte wieder den großen Raum auf dem Freizeitdeck für den Empfang herrichten lassen. Allerdings hatte sie eine weniger gute Laune. Denn das Oberkommando hatte noch nicht über ihre Anfrage bezüglich Alina 129

Nadirova als neue stellvertretende Chefärztin für die Kirow entschieden. Gott, wie sie diese Sesselfurzer hasste! Warum mussten diese Bürokraten immer alles verzögern? Es war nun wirklich nicht allzu schwer zu sagen „Alina Nadirova wird als neue stellvertretende Chefärztin der Kirow bestätigt.“ Aber anscheinend hatten diese Pappnasen anderes im Sinn. Wahrscheinlich bohrten sie in ihren Nasen herum.
 

Jekaterina war gerade auf den Weg in Transporterraum 1, als ihr Kommunikator zirpte. Keiko meldete sich zu Wort.
 

„Captain, gerade kam eine Nachricht vom Flottenoberkommando.“, sagte die Japanerin.
 

„Was wollen die Herrschaften?“
 

„Sie bestätigen Dr. Nadirova als stellvertretende Chefärztin.“, sagte Keiko.
 

Jekaterina war erleichtert.
 

„Das wurde verdammt noch mal Zeit.“, sagte sie dann.
 

Der erste Gast der eintraf, war Captain Will Riker, der wie immer von seiner Ehefrau Deanna Troi begleitet wurde.
 

„Captain Riker, Commander Troi, willkommen.“, sagte Jekaterina, die sich für diesen Empfang ein hautenges, schulterfreies Abendkleid und schwarze Schuhe mit flachen Absätzen ausgesucht hatte. Dazu trug sie schwarze Handschuhe, die bis über ihre Ellenbogen reichten.
 

„Danke für die Einladung, Captain.“, sagte Captain Riker.
 

Als nächstes erschienen Robert Baker und seine Nummer eins Alexandria Munro. Jekaterina nahm die beiden genauer in Augenschein. Robert Baker war 1,75 m groß und athletisch gebaut. Commander Munro war vom Körperbau her etwas graziler gebaut. Mit ihren 1,73 m war Alexandria Munro 2 cm kleiner als ihr Vorgesetzter. Allerdings hatte sie einen ziemlich festen Händedruck, wie Jekaterina schmerzhaft feststellen musste. Als letztes erschien Lokvar der Klingone. Wie bei den Klingonen üblich schlug er sich mit der Faust gegen den Brustkorb. Will Riker und Jekaterina erwiderten den Gruß. Auch Robert Baker und Commander Munro schlugen mit der Faust gegen den Brustkorb. Allerdings nur, um sich vor den anderen keine Blöße zu geben, hatten sie doch noch nie zuvor einem Klingonen gegenüber gestanden.
 

Jekaterina ging voraus zum nächsten Turbolift. Mit diesem fuhr die Gruppe auf das Freizeitdeck. Im großen Raum des Decks hatten sich alle eingefunden. Jekaterinas stellvertretende Chefärztin, Alina Nadirova, hatte die Uniform gegen ein figurbetonendes, schwarzes Partykleid und schwarze High Heels getauscht. Nur einer fehlte. Lieutenant Eric Barne. Er war einer der Techniker aus dem 130

Maschinenraum.
 

Der Techniker kam dann doch noch. Eric Barne war ein 1,84 m großer Mann mit einem ovalen Gesicht und braunen Augen. Der Mann war athletisch gebaut und trug einen schwarzen Schnurrbart. Seine braunen Haare hatte er adrett zurückgekämmt, sodass sie fast einen Mittelscheitel bildeten. Bekleidet war der Leutnant mit seiner schwarzen Uniformhose, den dazugehörigen Schuhen und einem lilanen Hemd. Einer seiner Kollegen aus der Abteilung sprach ihn an.
 

„Eric, gehst du nicht in weiß?“, fragte er.
 

„Warum denn? Der arme Mann hat keine Galauniform.“
 

Doch den verbalen Seitenhieb eines anderen Technikers konterte Eric Barne mit Leichtigkeit.
 

„Gala hab ich, aber keine Form.“, sagte er lässig.
 

Allgemeines Gelächter machte die Runde.
 

Nach dem Empfang, es war 21:30 Uhr Bordzeit, rief Jekaterina die Kommandanten von Ranger, Titan und Maranga IV zu einer kurzen Besprechung im Bereitschaftsraum hinter der Brücke. Zusammen. Als alle beisammen saßen begann sie das Gespräch.
 

„Unser Flottenoberkommando hat gemeldet, dass König Geron seit einigen Tagen auch Geschäfte mit den Ferengi macht.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Wissen die Trakener bereits davon?“
 

„Ich befürchte, ich muss ihnen die Antwort auf ihre Frage leider schuldig bleiben, Commander Baker. Aber wenn sie es nicht wissen, könnten wir diese Information vielleicht zu unserem Vorteil nutzen.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie meinen, dass wir dafür sorgen, dass König Geron bei den Trakenern in Ungnade fällt?“
 

„Gar keine schlechte Idee, Commander Baker. Aber diese Trumpfkarte spielen wir kurz vor Schluss aus.“, sagte Jekaterina.
 

William Riker meldete sich zu Wort.
 

„Wenn wir mit dieser Geschwindigkeit weiter fliegen, erreichen wir Malveel in den nächsten 48 Stunden.“, sagte er.
 

Der Planet Malveel 15. April 2379 19:20 Uhr Ortszeit 131
 

Geron, der König des Planeten stand auf dem Balkon seines Palastes und sah hinunter auf die Stadt. Er war ein Mann in den 60ern, der sich bester Gesundheit erfreute. Sein athletischer Körperbau bestätigte das. Geron war 1,91 m groß und hatte graue Haare. Er hatte ein ovales Gesicht mit stechend blauen Augen. Seine Nase war nicht zu dünn, aber auch nicht so breit, dass man sie als Knubbelnase hätte bezeichnen können. Sein grauer Vollbart verlieh dem König ein würdevolles Aussehen. Bekleidet war Geron mit einer schwarzen Uniform, über der er noch einen schwarzen Umhang trug, und schwarzen schweren Lederstiefeln.
 

Sorgenfalten machten sich im Gesicht des Königs breit. Denn vor kurzem hatte er erfahren, dass sowohl die Föderation, als auch das klingonische Imperium Schiffe nach Malveel entsandt hatten. Und das bedeutete, dass die Besatzungen der Schiffe höchstwahrscheinlich auf Seite von Artania, seiner ärgsten Rivalin in diesen Konflikt eingreifen würden. Denn, so hatte ihm der trakenische Botschafter mitgeteilt, sowohl die Vereinte Föderation der Planeten, als auch das klingonische Imperium befanden sich mit dem trakenischen Kaiserreich im Krieg.
 

König Geron war besorgt. Denn seit dem Malveel über den Warpantrieb verfügte, mehrten sich Stimmen, die einen Beitritt Malveels zur Föderation wünschten. Diesen lehnte er, Geron natürlich ab, versuchte sich mit dem trakenischen Kaiserreich gutzustellen. Er war sogar dagegen gewesen, den Warpantrieb überhaupt zu erforschen. Stur wie sein Vorgänger König Skyron nun einmal war, hatten Malveels beste Wissenschaftler innerhalb von 5 Jahren den Warpantrieb erforscht. Allein schon deswegen hatte Geron den alten König beiseite schaffen lassen, und sich selbst zum König ernannt. Dann war der Streit um einen möglichen Beitritt seines Planeten zur Vereinten Föderation der Planeten entbrannt.
 

Geron hatte verkünden lassen, dass es unter seiner Regentschaft keine Beitrittsverhandlungen mit der Föderation geben würde. Doch Artania hatte sich öffentlich für einen Beitritt zur Föderation eingesetzt. Der Zuspruch innerhalb der Bevölkerung war immens. Seitdem ließ Geron sie durch seinen Geheimdienst rund um die Uhr beobachten. Jeder Schritt Artanias wurde sofort an ihn weiter gemeldet. Außerdem hatte der König auf unbestimmte Zeit den Ausnahmezustand verhängt, in der Hoffnung, die Lage in den Griff zu bekommen. Doch das Gegenteil war eingetreten. Denn je mehr er Artania und ihre Mitstreiter mit neuen Repressionen unter Druck setzte, desto stärker wurde der Zuspruch für seine Feinde. Und nach den letzten Berichten war Artanias Beliebtheit innerhalb der Bevölkerung derart gestiegen, dass ihm keine andere Wahl mehr blieb, als seine größte Rivalin unter Hausarrest zu stellen.
 

Doch selbst diese Maßnahme hatte sich als Rohrkrepierer entpuppt. Denn wenn sich die Beitrittsbefürworter versammelten, wurde Artania einfach live zugeschaltet. Geron hatte sich eingestehen müssen, dass er die Situation auf Malveel ein nicht in den Griff bekam. Umso glücklicher war er, als Kaiser Skoolrik ihm 3 Bataillone a´ 300 Mann zur Unterstützung geschickt hatte. 132

Diese patrouillierten überall in Malveels Hauptstadt Carson City. Und ihre Präsenz diente nur dem Zweck, die Bevölkerung Malveels derart einzuschüchtern, dass sich kein Malveelier traute, das Wort gegen König Geron zu erheben.1
 

Der König war so in seine Gedanken vertieft, dass er gar nicht mitbekam, wie Ilva, seine engste Vertraute auf den Balkon trat.
 

„Probleme, Herr?“, fragte sie.
 

Geron drehte sich zu ihr um und musterte seine Ratgeberin. Ilva war eine 1,75 m große Frau mit einem runden Gesicht und braunen Augen. Ihre schwarzen Haare hatte sie an vielen Stellen in neonlila gefärbt. Ihr Körper war nicht schlank, hatte aber auch kein Gramm Fett zu viel. Ilva trug eine figurbetonende, schwarze Lederhose und dazu schwarze, langschäftige Lederstiefel. Ihr schwarzes Oberteil war im Fishnet-Look gehalten und gewährte einen großzügigen Blick auf ihre Brüste.
 

Geron sah seiner Ratgeberin weiter ins Gesicht, als er mit einer tiefen Bassstimme antwortete. „Ja, Ilva. Die Föderation hat gleich 3 ihrer besten Schiffe entsandt. Diese Schiffe sind auf dem Weg hierher. Sie werden vermutlich bald hier eintreffen.“, sagte er.
 

„Sie sind soeben eingetroffen, Herr. Es handelt sich um die USS Kirow, die USS Ranger und die USS Titan. Außerdem ist ein klingonischer Angriffskreuzer, die Maranga IV angekommen.“
 

„Die Klingonen. Auf wessen Seite stehen sie?“, fragte Geron.
 

„Sie kämpfen an der Seite der Föderation. Somit sind die Klingonen Feinde Karshans, und damit auch unsere Feinde, Herr.“
 

„Und was ist mit der Föderation?“, wollte Geron wissen.
 

„Herr, es besteht die Möglichkeit, dass die Kommandanten von Kirow, Ranger und Titan nicht in unseren Bürgerkrieg eingreifen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering.“
 

„Und was macht dich da so sicher, Ilva, dass sich die Föderation auch wirklich raushält?“, fragte Geron skeptisch.
 

„Herr, eine Gewähr gibt es natürlich nicht. Aber es gibt eine Dienstvorschrift, die für alle Raumschiffkommandanten ohne Ausnahme Gültigkeit besitzt. Sie nennen sie die „Erste Direktive“. Dort heißt es, dass es den Kommandanten der Raumflotte strengstens untersagt ist, in einen Konflikt wie den unseren einzugreifen, auch wenn eine der beiden Parteien um Hilfe ersuchen würde. Aber nach allem, was unser Nachrichtendienst in Erfahrung bringen konnte, hat Arikka, die Präsidentin der Föderation, in unserem Fall die erste Direktive 133

außer Kraft gesetzt.“
 

„Wie dieses?“, fragte Geron verblüfft.
 

„Herr, die Föderation befindet sich im Krieg mit dem trakenischen Kaiserreich. Den Rest könnt ihr euch sicher denken.“
 

„Natürlich kann ich das. Aber kommen wir zu einer anderen Frage. Von welchem Volk stammt Präsidentin Arikka eigentlich?“. Fragte Geron Ilva.
 

„Sie ist eine Ariantu, Herr.“
 

„Ich fasse noch einmal zusammen. Nur zum allgemeinen Verständnis. Präsidentin Arikka hat die erste Direktive außer Kraft gesetzt, was es den Kommandanten von Kirow, Ranger und Titan erlaubt, auf Artanias Seite einzugreifen.“, sagte Geron.
 

„Genau so verhält es sich, Herr.“
 

„Wer kommandiert eigentlich die drei Föderationsschiffe und die Maranga IV?“, wollte Geron wissen.
 

„Die Namen der Kommandanten von Kirow und Ranger kann ich euch bedauerlicherweise nicht nennen, Herr. Aber die Titan wird von Captain William Thomas Riker kommandiert. Der Captain der Maranga IV ist ein Klingone namens Lokvar.“
 

Geron wollte gerade zu einem neuen Satz ansetzen, da wurde er durch ein Räuspern unterbrochen.
 

„Was gibt es, Takmet?“m fragte der König seinen Sekretär.
 

„Sire, der trakenische Botschafter bittet um die Gnade einer Audienz.“
 

„Komm Ilva. Wir wollen den Botschafter nicht warten lassen.“, sagte Geron zu seiner Ratgeberin.
 

Als Geron und Ilva den Thronsaal betraten, ging der Botschafter der Trakener auf die Knie, so wie es das Protokoll verlangte.
 

„Erhebt euch, Botschafter Donrek.“, begann Geron das Gespräch.
 

„Danke, dass ihr euch für mich Zeit nehmt, mein König.“
 

„Was verschafft mir die Ehre, eures Besuches, Herr Botschafter?“, fragte der König weiter.
 

„Euer Hoheit wissen, dass drei Föderationsschiffe hier eingetroffen sind?“ 134

„Es wurde mir gerade durch meine Ratgeberin berichtet. Die Schiffe sind die Kirow, die Ranger und die Titan, kommandiert von William Thomas Riker.“, sagte Geron.
 

„Und hat euch eure Ratgeberin auch berichtet, dass die Kommandantin der Kirow den Krieg mit unserem Reich ausgelöst hat?“
 

„Woher soll sie das wissen? Die Kirow ist ja noch nicht mal in unserer Schiffsdatenbank. Sie sagten, das Schiff wird von einer Frau kommandiert. Wissen sie auch den Namen?“, fragte Geron nach.
 

„Die Kirow wird von Jekaterina Romanova, kommandiert.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko Tadashita empfing gerade eine Nachricht. Sofort hob sie den Kopf und wandte sich an Jekaterina.
 

„Captain! Ich habe gerade eine Nachricht von Artania empfangen. Sie wünscht sie zu sprechen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Artanias Gesicht. Gerons Gegnerin hatte ein ovales Gesicht und gütig drein blickende, braune Augen. Ihre dauergewellten braunen Haare trug Artania offen und schulterlang.
 

„Captain Romanova, ich grüße sie.“, begann Artania das Gespräch.
 

„Ich danke, Präsidentin Artania.“
 

„Schön wärs, Captain. Geron hat hier auf Malveel das Sagen. Leider, muss man sagen.“, sagte Artania.
 

„Inwiefern?“
 

„Die Sache ist die, Captain: Geron lehnt einen Beitritt zur Föderation vehement ab.“, sagte Artania zerknirscht.
 

„Da erzählen sie uns nichts Neues.“
 

„Hat man ihnen auch erzählt, dass Geron versucht, unsere Bewegung zu unterdrücken?“, fragte Artania gerade heraus.
 

„Das ist mir neu.“
 

„Mich hat er dabei besonders auf dem Kieker. Seine letzte Maßnahme gegen mich war, dass er mich unter Hausarrest gestellt hat. Aber das wird nicht 135

die letzte Einschränkung gewesen sein, das können sie mir glauben.“, sagte Artania.
 

„Wir könnten sie hierher auf die Kirow bringen. Dann wären sie in Sicherheit.“
 

„Ich danke ihnen führ ihr Angebot, Captain Romanova. Ich komme beizeiten darauf zurück.“, sagte Artania.
 

Im Regierungspalast auf Malveel
 

König Geron hatte gerade die Audienz mit dem trakenischen Botschafter beendet, da kam der Leiter des königlichen Sicherheitsdienstes hereingestürmt.
 

„Herr, Artania hat die Kirow kontaktiert.“, sagte er atemlos.
 

„Wann?“
 

„Vor circa 10 Minuten, Herr.“, sagte der Hauptmann.
 

„Danke. Ich weiß, was ich wissen muss. Kehre ins Hauptquartier zurück und warte meine Befehle ab.“
 

„Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.“, sagte der Mann.
 

Geron gab seiner Ratgeberin zu verstehen, dass sie ihm in sein Arbeitszimmer folgen sollte. Dort angekommen setzte sich der König an seinen Schreibtisch.
 

„Zeit für neue Maßnahmen, findest du nicht, Ilva?“, fragte er Ilva.
 

„Doch, Herr.“
 

„Was schlägst du vor?“, fragte Geron.
 

„Herr, da Artania mit dem Feind Kontakt aufgenommen hat, hat sie mit ihm konspiriert. Ihr solltet sie verhaften lassen.“
 

„Noch nicht. Ich werde ihr jeglichen Kontakt zu ihren Mitverschwörern untersagen. Sowie Artania sich zum ersten Mal widersetzt, dann lassen wir sie festnehmen.“, sagte Geron.
 

„Ihr seid der König, Herr.“
 

In ihrem Haus hatte Artania alles für die nächste Versammlung ihrer Mitstreiter vorbereitet, als ohne anzuklopfen Agenten des königlichen Geheimdienstes das Haus betraten und ohne einen Durchsuchungsbefehl vorzuzeigen, sämtliche Kommunikationsgeräte beschlagnahmten.
 

„Darf ich fragen, was dieser üble Scherz zu bedeuten hat?“, fragte Artania 136

den Anführer des Trupps.
 

„Das ist kein Scherz, Senatorin Artania. König Geron hat befohlen, dass sie mit niemandem mehr Kontakt haben dürfen.“
 

„Und warum, wenn ich fragen darf?“, wollte die Senatorin wissen.
 

2Sie haben mit dem Feind konspiriert, Senatorin. Normalerweise müssten wir sie deswegen verhaften. Sie können sich glücklich schätzen, Senatorin Artania, dass König Geron es nur bei diesem Kontaktverbot belässt. Aber seien sie gewarnt, Senatorin. Ein einziger Verstoß gegen dieses Gebot, und sie landen im Kerker.“
 

„Gerons Tage sind gezählt Und Ilvas auch.“, sagte Artania.
 

„Sie sollten aufpassen, was sie sagen, Senatorin. Denken sie dran, der Kerker schwebt wie ein Damoklesschwert über ihrem Kopf.“
 

Die Agenten gingen. Artania hingegen war verzweifelt. Sie musste der Kirow unbedingt über die neuen Sanktionen Gerons gegen sie berichten.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina saß mit geschlossenen Augen in ihrem Sessel auf der Brücke und hatte die Fingerspitzen aneinander gelegt. Das tat sie immer, wenn sie nachdachte. Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow, sah zu ihr hinüber. „Was mag in ihr vorgehen?“, dachte er. Doch als Jekaterina Romanova urplötzlich die Augen öffnete, zuckte Eric McClusky leicht zusammen. Jekaterina tippte an den Kommunikator an ihrer Uniform.
 

„Brücke an Transporterraum 4.“, sagte sie.
 

„Hier Transporterraum 4. Irgendwelche Befehle, Captain?“
 

„Ja, Chief McKenna. Lokalisieren sie Artania und bereiten sie alles für einen Transfer vor.“, sagte Jekaterina.
 

„Wird gemacht, Captain.“
 

Keiko hob den Kopf und wandte sich an Jekaterina.
 

„Captain, ich habe Artania für sie.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien wieder Artanias Gesicht.
 

„Offenbar muss ich ihre Hilfe schneller in Anspruch nehmen, als mir lieb ist, Captain Romanova.“, sagte Artania. 137

„Was ist passiert?“
 

„Geron hat befohlen, dass ich mit niemandem in Kontakt treten darf. Im Prinzip habe schon seinen Befehl missachtet, in dem ich sie kontaktiert und über seine neuesten Handlungen in Kenntnis gesetzt habe.“, sagte Artania.
 

„Wie viel bleibt uns, um sie auf die Kirow zu bringen?“
 

„Eine Minute, vielleicht auch zwei.“, sagte die Senatorin.
 

„Verstanden. Bis gleich. Kirow Ende.“
 

Nach dem Ende des Gesprächs aktivierte Jekaterina ihren Kommunikator.
 

„Transporterraum 4, hier ist die Brücke. Wie weit sind sie, Mr. McKenna?“, sprach sie in das kleine Gerät.
 

„Es ist alles bereit, Captain.“
 

„Gut.“
 

Jardanka räusperte sich.
 

„Captain, sie sollten sich mit dem Beamen beeilen. Ich habe mehrere Signaturen humanoider Lebensformen, die sich gerade Zutritt zum Haus verschafft haben.“, sagte sie.
 

Jekaterina reagierte sofort.
 

„Brücke an Transporterraum 4. Energie.“, sagte sie
 

In Artanias Haus hatten die königlichen Agenten gerade Artanias private Gemächer erreicht, als sie hilflos mit ansehen mussten, wie die Senatorin von einem Vorhang aus blauem Licht eingehüllt wurde, und vor ihren Augen verschwand. Ihr Anführer, ein ehemaliger Außendienstarbeiter im Rang eines Feldwebels bekam es mit der Angst zu tun.
 

„Durchsucht das Haus. Und zwar bis in die kleinste Ritze.“, befahl er.
 

Aber tief in seinem Innersten wusste er, dass die Suche umsonst war. Artania war ihnen entkommen. Zwei Stunden suchten Gerons Agenten im Haus nach der Senatorin, doch sie fanden nicht die geringste Spur. Für den Feldwebel bedeutete das gleich in doppelter Hinsicht Ärger. Zuerst würde er sich von seinem Vorgesetzten und dann von König Geron selbst eine Standpauke abholen.
 

An Bord der Kirow 138
 

Jekaterina hatte kurz nach dem Befehl zum Transfer von Artania die Brücke verlassen und sich auf den Weg gemacht um die Senatorin persönlich zu empfangen. Als sie den Transporterraum erreichte, sah sie Artania an der Wand lehnen und sich umsehen. Und offenbar war die Senatorin fasziniert von dem, was sie sah. Als sie sich aber zu Jekaterina umwandte bemerkte die Kommandantin der Kirow sofort, dass sie einer Person gegenübertrat, der man besser mit dem ihr zustehenden Respekt begegnete. Doch bevor sie das Gespräch begann, nahm Jekaterina ihren Gast erst einmal in Augenschein.
 

Artania war eine 1,70 m große Frau schwarzen, schulterlangen Haaren und braunen Augen. Auf Höhe eines Nasenflügels bemerkte Jekaterina einen kleinen, unscheinbaren Leberfleck im ovalen Gesicht. Außerdem, so schätzte Jekaterina Artania ein, war diese sich ihrer weiblichen Reize durchaus bewusst, wie das rote Abendkleid bewies. Zu diesem Kleid trug Artania noch cremefarbene Plateauschuhe. Der Ausdruck in ihrem Gesicht war voller Dankbarkeit. Jekaterina schätzte das Alter ihres Gastes auf Anfang/Mitte 40.
 

Dieser Frau konnte man nichts mehr vormachen. Jekaterina atmete noch einmal tief durch, und ging dann auf Artania zu.
 

„Präsidentin Artania, willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina und hielt Artania die Hand hin.
 

„Ich danke ihnen, für ihre schnelle Hilfe. Ohne sie würde ich wahrscheinlich jetzt in Gerons Kerker sitzen. Und ich war so nachlässig einen Irrtum zu korrigieren.“
 

„Welchen, Madam President?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich bin keine Präsidentin, Captain Romanova. Sondern nur Senatorin.“
 

„Proshu proshcheniya, Senatorin. Aber das habe ich nicht gewusst.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich weiß war nicht, was ihre ersten Worten zu bedeuten haben, aber ich glaube, dass war so etwas wie eine Entschuldigung. Und diese nehme ich auch an. Woher hätten sie auch wissen sollen, welches Amt ich bekleide.“
 

„Senatorin Artania, ich bringe sie erst einmal auf die Krankenstation. Danach können wir uns zusammensetzen. Und sie können mir berichten, wie auf Malveel der derzeitige Stand der Dinge ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist ihr Schiff, Captain. Sie haben hier das Kommando. Also gelten hier auch ihre Regeln. Und als ihr Gast habe ich mich daran zu halten. Und nennen sie mich bitte nicht immer Senatorin. Artania genügt mir schon.“
 

Die beiden Frauen begaben sich zum nächst gelegenen Turbolift. 139
 

„Sie scheinen ein imposantes Schiff zu befehligen, Captain.“, sagte Artania.
 

„Die Kirow ist ein Schiff der Sovereign-Klasse und im Moment das Beste, was die Föderation zu bieten hat, wenn man mal von der Ranger absieht.“
 

„Verstehe. Was mir aber nicht ganz in den Kopf will, ist, warum Geron unsere Bewegung unterdrückt.“, sagte Artania.
 

„Seine Motive kann ich nicht nachvollziehen. Die einzige logische Erklärung, mit der ich aufwarten kann, ist, dass Geron Malveel den Trakenern sprichwörtlich auf dem Silbertablett servieren will.“
 

In Gerons Palast
 

Der König saß auf seinem Thron und hörte dem Feldwebel zu, der ihm Bericht erstattete. Unmittelbar nachdem Artania die Kirow kontaktiert hatte, war in der nächst gelegenen Kaserne ein Alarm ausgelöst worden. Denn die Agenten hatten das einzig verbliebene Gerät in Artanias Haus mit einem unsichtbaren Sicherheitsschloss gesichert. So wie Artania das Gerät benutzte, ging sofort der Alarm los.
 

„Als wir Artania gestellt hatten, mussten wir zusehen, wie sie von einem Vorhang blauen Lichts umhüllt wurde und dann einfach von einem auf den anderen Augenblick verschwand. Ich habe befohlen das Haus zu durchsuchen, aber unsere Zielperson war nirgends aufzufinden.“, schloss der Feldwebel seinen Bericht.
 

„Damit habe ich gerechnet. Die Föderation hat Artania geholfen, sich eurem Zugriff zu entziehen. Na schön, damit muss ich erst mal leben. Aber jetzt hol mir unsere Geisel, Branka, aus dem Kerker und bringe sie her. Danach will ich mit der Kommandantin der Kirow sprechen.“
 

„Ja, Sire.“, sagte der Feldwebel.
 

„Wollen doch mal sehen, ob wir die Kommandantin der Kirow nicht doch zur Kooperation bewegen können.“
 

Eine halbe Stunde später kehrte der Feldwebel zurück. Unsanft trieb er eine junge Frau vor sich her, die man an den Händen mit Ketten gefesselt hatte. Geron betrachtete die Frau genauer. Sie war 1,65 m groß und hatte einen grazilen Körper. Außerdem hatte sie ein ovales Gesicht mit blau-grauen Augen. Ihre braunen dauergewellten Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Bekleidet war die junge Frau mit einem total zerfledderten Sträflingsanzug. Geron erinnerte sich noch sehr gut, als Branka das erste Mal vor ihn getreten war. Damals war sie stolz und mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein aufgetreten.
 

Geron war klar gewesen, dass er kein leichtes Spiel haben würde. Denn 140

freiwillig würde Branka niemals die Namen seiner Feinde verraten. Also hatte er seinen Soldaten den Befehl erteilt, Artanias engste Vertraute zu brechen. Sie sollten Branka weh tun. Sowohl körperlich, als auch seelisch. Gerons Geisel hob den Kopf und sah dem König ins Gesicht. Und noch immer sah er in ein selbstbewusstes Gesicht. Auch der Stolz war nicht verschwunden. Des Königs Gesichtszüge verdüsterten sich. Also hatten es seine Folterknechte nicht geschafft, Branka an Leib und Seele zugrunde zu richten.
 

„Ich habe dich herbringen lassen, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die dich betrifft.“, sagte Geron zu Branka.
 

„So? Kann ja nichts positives sein. Wahrscheinlich werde ich von deinen Schergen vor die Wand gestellt und exekutiert.“
 

„So düster siehst du deine Zukunft, Branka?“, fragte der König.
 

„Was anderes kann man bei dir Scheusal ja auch nicht erwarten.“
 

„Was würdest du sagen, wenn ich dir sage, dass ich dir die Freiheit schenke? Du kannst gehen, wohin es dir beliebt.“, sagte Geron.
 

„Einem falschen Fuffziger wie dir traue ich nicht einen Zoll über den Weg, Geron. Die Sache hat doch einen Haken.“
 

„Dein Scharfsinn überrascht mich immer wieder, Branka. Du kommst natürlich nur dann frei, wenn es dir gelingt, die Kommandantin der Kirow dazu zu bewegen, mit mir zu kooperieren. Wenn du allerdings versagst, dann wirst du zwar nicht wieder im Kerker landen. Sondern im königlichen Schweinestall.“, sagte Geron.
 

„Wusste ichs doch. Aber angenommen, ich könnte die Kommandantin der Kirow überzeugen, was verlangst du von ihr?“
 

„Na was wohl? Jekaterina Romanova soll mir Artania ausliefern.“, sagte der König.
 

„Lieber den Schweinestall, als dir zu helfen.“
 

„Wenn das dein Wunsch ist, dann soll er dir erfüllt werden. Aber vorher sollst du noch dem Gespräch zwischen Captain Romanova und mir beiwohnen.“, sagte Geron.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina war, nachdem sie Senatorin Artania auf die Krankenstation begleitet hatte, auf die Brücke zurückgekehrt, und saß nun auf dem Sessel in der Mitte, flankiert von ihrem ersten Offizier und ihrer Counselor. Keiko Tadashita hob den Kopf, als Gerons Nachricht eintraf. 141

„Captain! Ich habe gerade eine Nachricht von Geron empfangen. Er wünscht mit ihnen zu verhandeln.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Gerons bärtiges Gesicht.
 

„Captain Romanova.“, begann der König das Gespräch.
 

„König Geron.“
 

„Nun, Captain, sie können sich sicherlich vorstellen, weshalb ich sie sprechen will.“, sagte Geron.
 

„Ich nehme an, es geht um Senatorin Artania.“
 

„Ganz Recht. Und ich möchte an dieser Stelle meinen Unmut darüber bekunden, dass sie und ihre Kollegen offen meine Feinde unterstützen.“, sagte König Geron.
 

„Unser oberstes Gebot, die erste Direktive, ist in einem Fall wie diesem automatisch außer Kraft zu setzen.“
 

„Wie darf ich das verstehen, Captain?“, wollte Geron wissen.
 

„Ganz einfach. Unser Kriegsgegner, die Trakener unterstützen sie, Hoheit. Da sind wir dazu verpflichtet, auf Seiten der Gegenseite in diesen Konflikt einzugreifen.“
 

„Was mir überhaupt nicht gefällt, Captain Romanova. Aber lassen wir das. Ich schätze sie so ein, Captain, dass man vernünftig mit ihnen reden kann.“, sagte Geron.
 

„Meine Kommunikationsoffizierin sagte, dass sie mit mir verhandeln wollen. Also was haben sie zu bieten?“
 

„Ich nehme an, ihnen ist die junge Dame zu meiner Linken aufgefallen.“, sagte König Geron und machte eine entsprechende Kopfbewegung.
 

„Ja. Wollen sie sie etwa zum Tausch anbieten oder was?“
 

„Das Mädchen ist keine Ware, die man auf einem Sklavenmarkt verkauft. Ich wäre bereit, sie freizulassen. Allerdings, und da haben sie natürlich Recht, hat die Freilassung von Branka, so heißt die Kleine übrigens, wie alles einen Preis.“, sagte Geron.
 

„Was verlangen sie von mir?“ 142
 

„Ich verlange als Gegenleistung, dass sie mir bedingungslos Senatorin Artania und die Botschafterin der Föderation Wai Lin Luan ausliefern. Wie schon gesagt: Umsonst ist nichts. Nicht mal Gevatter Tod. Er kostet immer das Leben.“, sagte der König.
 

„SEHE ICH SO AUS, ALS KÖNNE MAN MIT MIR FEILSCHEN?“
 

„Kein Grund sich so aufzuregen. Zugegeben, ich habe den Bogen überspannt, als ich Botschafterin Luans Auslieferung von euch gefordert habe. Ich hätte es besser wissen sollen. Liefern sie mir Artania aus, dann lasse ich Branka frei.“, sagte Geron.
 

„Und was ist, wenn ich es nicht tue?“
 

„Dann landet Branka im Schweinestall. Unbekleidet versteht sich.“, sagte Geron.
 

„Noch einmal König Geron: Sehe ich so aus, als ob ich mit mir feilschen lasse? Das glauben sie doch nicht im Ernst.“
 

Gerons Gesichtszüge verdüsterten sich.
 

„So kann man sich täuschen. Ganz wie sie wollen, Captain Romanova. Dann darf Branka zukünftig den Schweinen Gesellschaft leisten.“, sagte er.
 

„Als wir noch auf dem Weg hierher waren, habe ich Nachforschungen über sie anstellen lassen. Und glauben sie mir, was meine Sicherheitsoffizierin über sie herausgefunden hat, reicht aus, um ihnen einen dauerhaften Aufenthalt auf Rura Penthe zu bescheren.“
 

„Meine Freunde, die Trakener werden mir helfen.“, sagte Geron.
 

„Ah ja? Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, wenn man auf Karshan erfährt, dass sie mit den Ferengi Geschäfte machen.“
 

„Die Ferengi verkaufen mir wenigstens trakenische Waffen für mein Militär.“, sagte Geron.
 

„Dann möchte ich erst Recht nicht in ihrer Haut stecken, König Geron.“
 

Geron knirschte mit den Zähnen.
 

„Sie sind eine Hämorride im Hintern, Captain Romanova. Normalerweise hätte ich meinen Soldaten schon längst den Befehl erteilt, Branka in den Schweinestall zu bringen. Weil ich aber kein Unmensch bin, bleibt sie vorerst auf freiem Fuß. Allerdings nur für 48 Stunden. Solange haben SIE Zeit, um ihre Haltung zu überdenken. Aber nach Ablauf dieses Ultimatums, wird Branka für den Rest ihres Lebens bei den Schweinen ihr Dasein fristen.“, sagte Geron. 143
 

„Sie können mir drohen, so oft sie wollen, König Geron, mich schüchtern sie nicht ein. Und fangen sie schon mal an zu beten.“
 

„Ich bete nie, Captain.“
 

„Na von mir aus. Aber eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Die Trakener reißen sie in Stücke, wenn sie erfahren dass sie von den Ferengi trakenische Waffen beziehen.“
 

„Wenn sie Botschafter Donrek auch nur ein Sterbenswörtchen davon erzählen, dann werde…“, begann Geron den nächsten Satz. Doch Jekaterina fuhr ihm erneut über das Mundwerk.
 

„Dann werden sie was tun? Mich verhaften und in den Kerker werfen lassen? Dazu müssten sie meiner erst mal habhaft werden. Und ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit auf der Planetenoberfläche zu erscheinen. Kirow Ende.“, sagte sie.
 

Geron kochte vor Zorn. Diese Raumschiffkommandantin war eine echte Nervensäge! Hätte er ihr nicht das Ultimatum gestellt, dann hätte Branka wie geplant in den Schweinestall werfen lassen können. So aber musste er 48 Stunden warten.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina war aufgestanden und hatte die Brücke verlassen. An der Tür zum Turbolift hatte sie sich noch einmal umgedreht und ihrem ersten Offizier das Kommando übergeben.
 

„Nummer eins, sie übernehmen. Ich bin in meinem Quartier, falls etwas sein sollte.“, hatte sie gesagt.
 

„Kommandant verlässt Brücke!“
 

Nachdem sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, ging Jekaterina zum nächsten Turbolift.
 

In ihrem Quartier schnappte sich Jekaterina eines ihrer Lieblingsbücher und setzte sich in ihren Lesesessel. Sie setzte ihre Brille auf und fing an zu lesen. Sie hatte gerade die zweite Seite umgeblättert, als der Türsummer ertönte.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Loreley, die Königin der Rulonen, trat ein.
 

„Hey, Kleine.“, sagte sie. 144
 

Jekaterina seufzte.
 

„Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du mich nicht „Kleine“ nennen sollst, Loreley? Ich mag das nicht.“
 

„Sorry, das habe ich nicht gewusst. Warum hast du nicht früher was gesagt?“, sagte Loreley.
 

„Ich dachte, das versteht sich von selbst.“
 

„Nettes Nasenfahrrad, by the way.“, sagte Loreley.
 

„Spassiba.“
 

„Hast du einen Augenblick Zeit?“, fragte die Königin der Rulonen.
 

„Für dich immer. Setz dich.“
 

Loreley setzte sich auf die Couch.
 

„Was verschafft mir die Freude deines Besuches?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich wollte mal nach dir sehen. Du wirkst etwas gestresst, wenn ich das mal so sagen darf.“
 

„Du hättest mal das Gespräch mit König Geron miterleben sollen.“, sagte Jekaterina.
 

„So schlimm?“
 

„Ganz ehrlich; Der Kerl ist ein richtiger Kotzbrocken. Ein Ekel vor dem Herrn.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist er etwa mit einer Forderung an dich herangetreten?“
 

„Ganz Recht. Er verlangt von mir, dass ich Artania an ihn ausliefere. 48 Stunden habe ich Zeit um seine Forderung zu erfüllen.“, gab Jekaterina Auskunft.
 

„Wie sehen die Konsequenzen für dich aus?“
 

„Wenn ich Artania nach Ablauf der Frist nicht an Geron ausgeliefert habe, wird eine von Gerons politischen Gefangenen nackt in den Schweinestall gesperrt. Ich möchte mir nicht ausmalen, was das Mädchen erwartet. Ihr Name ist übrigens Branka.“, sagte Jekaterina.
 

Loreley sah nachdenklich zum Fenster hinaus. Dann sah sie Jekaterina in die Augen. 145
 

„Ich habe eine Idee.“, sagte sie dann.
 

„Ich höre.“
 

„Lass Branka hierher auf die Kirow beamen. Dann kann König Geron dich nicht mehr unter Druck setzen.“, sagte Loreley.
 

„Ja, und dann lande ich splitternackt bei den königlichen Schweinen.“
 

„Jetzt übertreibst du aber.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Nehmen wir an, ich würde deine Idee in die Tat umsetzen. Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass Geron mir das durchgehen lässt. Der wird fordern, dass ich mich neben Artania ausliefere.“
 

„Geron überlässt du schön mir. Mit dem werde ich locker fertig.“, sagte Loreley.
 

„Unterschätze Geron nicht, Loreley. Der geht über Leichen, wenn es seinen Zwecken dient.“
 

„Mach dir keine Sorgen, Jekaterina. Geron ist bald Geschichte.“, sagte Loreley.
 

„Was meinst du damit, Loreley?“
 

„Gerade kam die Nachricht, dass Kaiser Skoolrik Geron des Hochverrats beschuldigt hat.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Also wissen die Trakener, dass Geron sich bei den Ferengi mit trakenischen Waffen versorgt.“
 

„Jedenfalls hat Kaiser Skoolrik den sofortigen Abzug aller auf Malveel stationierten trakenischen Truppen befohlen.“, sagte Loreley.
 

„Seit wann weiß man auf Karshan eigentlich über Gerons Machenschaften bescheid?“
 

„Seit zwei Tagen, Joelina.“, sagte Loreley.
 

„Und wieso hat Kaiser Skoolrik erst jetzt gehandelt?“
 

„Kannst du dir das nicht denken, Jekaterina? So einen Vorschlaghammer von schlechten Nachrichten glaubt kein Regent. Du weißt, wie verhasst die Ferengi in unserem Universum sind.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Sicher weiß ich das, Loreley.“
 

„Und jetzt versetz dich mal in die Lage von Kaiser Skoolrik, dem man gerade diese ziemlich schlechte Nachricht überbringt.“, sagte Loreley. 146
 

„Von wem hat Kaiser Skoolrik eigentlich erfahren, dass Geron über die Ferengi trakenische Waffen bezieht?“
 

„Vom romulanischen Botschafter. Aber frag nicht, wie er an diese Information gelangt ist. Das geht aus der Nachricht leider nicht hervor.“, sagte Loreley.
 

Auf Malveel
 

Branka ging gedankenverloren durch die Straßen der Hauptstadt. An ihrem linken Fußgelenk trug sie eine elektronische Fußfessel, mit der Geron sie auf Schritt und Tritt überwachte. Allerdings hatte der König beim Anlegen der Fessel nicht bedacht, dass die Kirow Branka wegen des elektronischen Signals ebenso orten konnte, wie er selbst. Es war also ein leichtes, Artanias rechte Hand auf das Schiff zu holen und so seinem Zugriff zu entziehen. Und sollte sich Jekaterina dafür entscheiden, Geron sein Druckmittel direkt unter der Nase zu stehlen, dann wahrscheinlich erst nach Ablauf des Ultimatums. Die Wirkung dieses dreisten Nadelstiches wäre dann stärker.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina sah ihre königliche Freundin an.
 

„Jetzt musst du mir eine Frage beantworten, Loreley.“, sagte sie.
 

„Bitte.“
 

„Wie hast du von dieser Nachricht Kenntnis erlangt?“, sagte Jekaterina.
 

„Über unseren Botschafter hier vor Ort. Als Diplomat darf er abhörsichere Kanäle nutzen. Und Geron kann ihn nicht dafür belangen, wenn er eine Nachricht an mich weitergibt.“
 

„Verstehe. Aber kommen wir zu deiner Idee zurück.“, sagte Jekaterina.
 

„Wirst du Branka an Bord holen?“
 

„Ich will mich noch nicht festlegen. Aber sollte ich mich dazu entschließen, dann erst, wenn Gerons Frist verstrichen ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum so spät?“
 

„Weil ich dann einen Nadelstich setze, der Geron richtig weh tun wird.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist deine Entscheidung, Jekaterina. Aber du spielst ein gefährliches Spiel.“
 

Kaum hatte Loreley ihren Satz beendet, zirpte der Kommunikator ihrer 147

Freundin.
 

„Ich höre, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.
 

„Captain, Botschafter Donrek wünscht sie zu sprechen.“
 

„In Ordnung. Stellen sie durch, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.
 

Auf einem kleinen Monitor, der aus der Tischplatte fuhr, erschien das Gesicht des trakenischen Botschafters.
 

„Mr. Ambassador, was verschafft mir die Ehre dieser Konversation?“, fragte Jekaterina Botschafter Donrek.
 

„Ich nehme an, die Nachricht ist bis zu ihnen durchgedrungen, Captain Romanova.“
 

„Sie meinen Gerons Verrat? Es stimmt, dass ich darüber, und den von Kaiser Skoolrik befohlenen Abzug aller auf Malveel stationierten trakenischen Truppen, Kenntnis habe.“, sagte Jekaterina.
 

„Nicht bloß das, Captain. Seine Majestät hat sämtliche diplomatischen Beziehungen zu Malveel auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.“
 

„Ist durchaus berechtigt. Ich meine, König Geron hat das Vertrauen von Kaiser Skoolrik aufs schändlichste missbraucht.“, sagte Jekaterina.
 

„Geron ist nicht der einzige, der bei seiner Majestät in Ungnade gefallen ist.“
 

„Oh. Wer denn noch?“, fragte Jekaterina.
 

„Botschafter Smolarek ist ebenfalls von seinem Amt als oberster Diplomat entbunden worden.“
 

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen, Mr. Ambassador?“, fragte Jekaterina.
 

„Sie dürfen, Captain Romanova. Botschafter Smolarek hat der Föderation den Krieg erklärt, ohne vorher mit dem Kaiser darüber gesprochen zu haben. Außerdem hätte er wissen müssen, dass eine Kriegserklärung immer in schriftlicher Form zu erfolgen hat.“
 

„Heißt das, dass Kaiser Skoolrik seinen Streitkräften den Rückzug befehlen wird?“, fragte Jekaterina Botschafter Donrek.
 

„In dieser Hinsicht hat seine Majestät noch keine Entscheidung getroffen, Captain. Ich hoffe aber sehr, dass er diesen Krieg ohne weiteres Blutvergießen beendet.“ 148
 

„Dem kann ich mich nur anschließen, Mr. Ambassador. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

„Eine Frage noch, Captain Romanova, bevor dieses Gespräch beendet wird.“
 

„Bitte, ich höre.“, sagte Jekaterina.
 

„Werden sie bleiben?“
 

„Ich verstehe den Sinn ihrer Frage nicht, Mr. Ambassador.“, sagte Jekaterina.
 

„Was ich meine ist, werden sie auch dann bleiben, wenn wir Malveel verlassen haben.“
 

„Nur, wenn ich keine anders lautenden Befehle von Starfleet Command erhalte.“, sagte Jekaterina wahrheitsgemäß.
 

„Verstehe. Ich wünsche ihnen viel Glück, Captain.“
 

Die Verbindung wurde unterbrochen. Jekaterina legte die Fingerspitzen aneinander und schloss die Augen. Loreley sah sie mit besorgtem Blick an. Was mochte in Jekaterina vorgehen?
 

Es dauerte 10 Minuten, ehe die Kommandantin der Kirow ihre Augen wieder öffnete.
 

„Alles in Ordnung?“, fragte Loreley.
 

„Ja, alles Okay. Ich hab nur nachgedacht.“
 

„Darf ich fragen worüber du nachgedacht hast, Joelina?“, wollte die Königin der Rulonen wissen.
 

„Ich hätte nie gedacht, dass die Trakener Geron schnell wieder haben fallen lassen, wie sie ihn unterstützt haben.“
 

„Du scheinst zu vergessen, dass zwischen einem Ereignis und dem Erhalt einer entsprechenden Nachricht immer ein bisschen Zeit vergeht. Fakt ist, Kaiser Skoolrik hat im alles entscheidenden Moment die Reißleine gezogen und seine Truppen von Malveel abgezogen. Geron ist jetzt auf sich alleine gestellt.“, sagte Loreley.
 

„Das ist mir schon klar, Loreley. Was mich aber noch beschäftigt, ist, wie wir den Trakenern signalisieren können, dass die Föderation ebenfalls ein Interesse daran hat, dass dieser Krieg beendet wird.“
 

„Dir fällt bestimmt was ein. Ich kenn dich inzwischen gut genug, um das beurteilen zu können, Jekaterina.“, sagte Loreley. 149

„Hoffentlich täuscht dich deine Menschenkenntnis nicht, Loreley.“
 

„Ich habe mich bisher ein einziges Mal bei einem Menschen getäuscht. Und das war Atahu. Aber wenn du einen Rat von mir willst, dann würde ich dir raten, als erstes den Namen des Ferengi in Erfahrung zu bringen, von dem Geron seine Waffen bezieht.“, sagte Loreley.
 

„Und was ist, wenn Geron mehrere Lieferanten hat?“
 

„Das wäre zu auffällig. In einem solchen Fall hätten die Trakener schneller Wind von der Sache bekommen und Geron wahrscheinlich gar nicht erst unterstützt.“, sagte Loreley.
 

„Da ist was Wahres dran.“
 

An Bord der Kirow 24 Stunden später
 

Jekaterina hatte eine Entscheidung gefällt. Sie würde Branka auf ihr Schiff holen. Doch erst dann, wenn Geron vom Balkon seines Palastes aus beobachten wollte, wie Branka ihrem Schicksal zugeführt wurde. Doch noch war es nicht soweit. Denn als nächstes hatte sich der trakenische Botschafter auf Malveel, Donrek zu einem Vier-Augen-Gespräch angekündigt. Um 14:30 Uhr Bordzeit hatten sich die Kommandantin der Kirow und Botschafter Donrek im Bereitschaftsraum zusammengesetzt. Der Botschafter hatte Jekaterina eröffnet, dass Kaiser Skoolrik entschieden hatte, den Sektor aufzugeben. Sollte einer der Planeten der Föderation beitreten wollen, würde er keine Schwierigkeiten machen. Jekaterina war verblüfft, über diese unerwartete Wendung, was sie auch zum Ausdruck brachte.
 

„Die Ferengi haben in den letzten Wochen in diesem Sektor zu oft ihr Unwesen getrieben. Unsere Transporter mussten ausweichen und andere Routen fliegen. Fragen sie mich bitte nicht, wie die Ferengi unsere neuen Routen in Erfahrung gebracht haben. Aber sie haben von jedem Transportschiff, das sie gestoppt haben, die Waffen per Beamen auf ihr Schiff gebracht und sind dann nach Malveel weitergeflogen.“, hatte Botschafter Donrek geantwortet.
 

„Sie wissen aber nicht, welches Schiff die Ferengi hier haben?“
 

„Bedauerlicherweise nein, Captain.“, sagte Donrek.
 

„Das ließe sich leicht in Erfahrung bringen. Wie sie wissen, haben wir drei Schiffe hier. Eins könnte nach dem Marauder suchen, die anderen beiden würden hier bleiben.“
 

„Wer ist der Kommandant der Ranger?“, hatte Botschafter Donrek gefragt.
 

„Commander Robert Baker. Er ist mir aber zu unerfahren für diese Art Mission. Es ist immerhin sein erstes Kommando. Ich denke, ich schicke die Titan.“ 150

„Letztendlich ist es ihre Entscheidung. Ich habe da nichts mitzureden, Captain Romanova.“, hatte der Botschafter gesagt.
 

Nach dem Gespräch mit dem trakenischen Botschafter hatte sich Jekaterina mit Will Riker zusammengesetzt und ihn gebeten, sich mit der Titan auf die Suche nach dem Ferengi-Schiff zu begeben. Eine Stunde später war die Titan aufgebrochen, während Kirow und Ranger auf ihren Positionen blieben.
 

Jekaterina saß wieder auf ihrem Platz in der Mitte der Brücke, als Geron sich meldete.
 

„Captain! Ich habe König Geron für sie.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des Königs. Anhand der Zornesfalten, die in Gerons Gesicht zu erkennen waren, konnte die junge Raumschiffkommandantin auf den Gemütszustand des Regenten schließen. Offenbar liefen die Dinge nicht so, wie es sich Geron wünschte. Entsprechend fiel seine Reaktion aus.
 

„Was ist, Captain Romanova? Noch keine Entscheidung getroffen?“, fragte er ungehalten.
 

„So einfach, wie sie sich das vorstellen, ist die Sache nicht, König Geron.“
 

„Ach, was sie nicht sagen, Captain.“, sagte Geron.
 

„So eine schwerwiegende und weitreichende darf ich nicht alleine treffen. Ich brauche dazu eine Erlaubnis vom Flottenoberkommando.“
 

„Ich werde ihnen jetzt mal etwas sagen, Captain. Also hören sie mir gut zu, denn ich sage das nur einmal. Morgen Abend, um 18:45 Uhr malveelischer Zeit endet mein Ultimatum. Wenn sie bis dahin immer noch zu keiner Entscheidung gelangt sind, dann wird Branka für den Rest ihres Lebens nackt in den Schweinestall gesperrt.“, sagte Geron.
 

„Ich will sie ja nicht enttäuschen, aber wir werden ja sehen, wer zuletzt lacht, König Geron.“
 

Süffisant zog Jekaterina eine Augenbraue nach oben.
 

„Ich warne sie, Captain Romanova. Machen sie keine Dummheiten. Sonst leisten SIE Branka Gesellschaft.“, sagte Geron.
 

„Prosto podozhdi i uvidish'. Das ist Russisch und bedeutet „Abwarten und Tee trinken.“ 151
 

„Bäh! Wie kann man nur so ein widerliches Gesöff zu sich nehmen?“, sagte König Geron.
 

„Ich bevorzuge Schwarztee. Aber die russische Variante mit einem Schuss Zitrone.“
 

„Verschonen sie mich mit dem Zeug. Am liebsten würde ich ihren Kopf auf einen Pfahl gespießt an der Stadtmauer zur Schau stellen.“, sagte Geron.
 

„Ich denke, es ist besser, wenn wir diese Konversation beenden. Kirow Ende.“
 

Malveel zum gleichen Zeitpunkt
 

Doch kaum war das Gespräch mit Jekaterina beendet hagelte es für Artanias Widersacher die nächste Hiobsbotschaft. Botschafter Donrek ließ ihn wissen, dass Kaiser Skoolrik den sofortigen Abzug aller trakenischen Truppen von Malveel angeordnet und den ganzen Sektor aufgegeben hatte.
 

Das durfte doch nicht wahr sein! Wieso ließen die Trakener, ihn, Geron, ausgerechnet jetzt, im entscheidenden Augenblick im Stich? Und noch wichtiger war die Frage, wer ihn verraten hatte. Doch eines stand unumstößlich fest: Ohne die Hilfe der Trakener, war seine Regentschaft zu Ende. Geron hatte nur noch Branka, die er als Druckmittel gegen die Kommandantin der Kirow einsetzen konnte, um diese zur Auslieferung seiner größten Rivalin zu zwingen. Doch was tun, wenn Jekaterina Romanova nicht mitspielte? Und das traute Geron der Kommandantin der Kirow durchaus zu. Allein schon die Tatsache, dass sie ihm in keinster Weise Respekt entgegenbrachte, war schon schlimm genug.
 

Malveel, Königspalast, 18. April 2379, 18:45 Uhr Ortszeit
 

Geron stand auf dem Balkon seines Palastes und blickte hinunter auf den Schweinestall. Seine Leibwache erschien gerade, Branka in ihrer Mitte. Auf ein Zeichen des Regenten öffneten zwei Gardisten das Gatter und führten das Mädchen hinein. Vor der Kotgrube blieben sie stehen und sahen zu Geron hinauf.
 

„Zieht sie aus! Dann schickt sie in die Grube!“, befahl Geron.
 

Branka sah trotzig zu ihm hinauf.
 

„Deine Zeit ist abgelaufen. Die Trakener haben dich wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Bald wirst du auf dem Schafott enden.“, sagte sie.
 

„Du kannst mir nicht mehr gefährlich werden. Meine Schweine werden sehr viel Spaß mit dir haben.“
 

Kaum hatte Geron seinen Satz vollendet, da wurde Branka von einem 152

Vorhang aus blauem Licht eingehüllt und verschwand direkt vor seinen Augen.
 

Das war zu viel für den König. Wutentbrannt ging er in sein Arbeitszimmer und kontaktierte die Kirow. Umso überraschter war er, als er in das Gesicht des ersten Offiziers Eric McClusky blickte.
 

„WO IST CAPTAIN ROMANOVA?“, brüllte Geron mit hochrotem Kopf den Commander an.
 

Dessen Antwort folgte prompt.
 

„WAS SOLL DAS GEBRÜLLE? BENEHMEN SIE SICH GEFÄLLIGST! WAS BILDEN SIE SICH WOHL EIN WER SIE SIND?“
 

„Ganz wie sie wollen, dann noch einmal ruhig. Wo ist Captain Romanova?“, fragte Geron.
 

„Soweit ich weiß ist sie auf dem Weg zu Transporterraum 3 um unseren Gast abzuholen und auf die Krankenstation zu begleiten.“
 

„Warum denn dieses?“, fragte der König.
 

„Ist so vorgeschrieben.“
 

„Und sie sind dann wohl ihr Stellvertreter, nehme ich mal an.“, sagte Geron.
 

„Commander Eric McClusky, stets zu Diensten.“
 

„Hoffentlich sind sie vernünftiger als ihre Vorgesetzte.“, sagte König Geron.
 

„Inwiefern?“
 

„Ich will, dass SIE mir ihre Vorgesetzte an mich ausliefern. Sie hat mich bestohlen.“, sagte Geron.
 

„Wenn sie das Mädchen meinen, dann sehe ich mich außerstande ihrer Forderung nachzukommen. Wir sind keine Diebe. Nur damit das klar ist.“
 

„In meinen Augen schon, Commander.“, sagte Geron.
 

In diesem Moment öffnete sich die Tür zur Brücke und Jekaterina betrat den Raum.
 

„Kommandant auf der Brücke!“, sagte Eric McClusky.
 

„Danke, Nummer eins. Ich übernehme wieder das Kommando.“
 

Geron räusperte sich. 153

„Sie haben mir etwas zu sagen, König Geron?“, fragte Jekaterina.
 

„In der Tat, das habe ich, Captain. Was fällt ihnen ein, mich zu bestehlen?“
 

„Ich habe sie nicht bestohlen, sondern ein unschuldiges Mädchen ihrem Zugriff entzogen.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie haben mich genug genervt. Sie kommen sofort hier runter und gehen ohne Kleidung in den Schweinestall. SIE werden Brankas Platz einnehmen.“
 

„Ich denke ja nicht dran. Und damit ist dieses Gespräch beendet, König Geron. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Der Planet Malveel, Königspalast, zwei Wochen später
 

Nach dem Abzug der trakenischen Truppen war in Malveel City ein Aufstand ausgebrochen. Ein wütender Mob war auf den Palast zu marschiert. Das Militär hatte sich angeschlossen. Geron blieb keine andere Wahl als abzudanken. Im Beisein von Artania, Kaiser Skoolrik, der extra von Karshan angereist war, und Jekaterina Romanova unterschrieb der abgesetzte Regent wutschnaubend die Abdankungsurkunde. Danach wurde er von den trakenischen Soldaten auf Skoolriks Schiff gebracht.
 

Am nächsten Tag wurde Artania in Amt und Würden vereidigt. Auf dem abendlichen Empfang, den die neue Regentin von Malveel veranstaltete, hatte Jekaterina auch die Gelegenheit mit dem trakenischen Kaiser persönlich zu sprechen.
 

Skoolrik sah aus, wie ein normaler Trakener, doch seine Kleidung und auch die Krone auf dem Kopf verrieten den Regenten. Jekaterina verneigte sich vor ihm, wie es die Etikette vorsah.
 

Nach dem Austausch der Formalitäten wurde ein Buffet aufgefahren, an dem sich jeder bedienen konnte. Und nach dem Essen, stand Jekaterina mit dem Kaiser auf dem Balkon, der auf den Schweinestall gerichtet war.
 

„Und dort wollte Geron einen unschuldigen Menschen splitternackt für den Rest seines Lebens einsperren.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich hätte nie gedacht, dass er zu solch perversen Grausamkeiten fähig ist, Captain Romanova. Und noch weniger hätte ich gedacht, dass er mit Dieben gemeinsame Sache macht.“
 

„Ich glaube, so etwas hätte keiner von uns vermutet, Hoheit. Leider konnte die Titan den Marauder nicht aufspüren.“, sagte Jekaterina zu Skoolrik.
 

„Marauder?“ 154
 

„So werden die Schiffe der D´Kora-Klasse auch genannt.“, gab Jekaterina Auskunft.
 

„Verstehe. Nun, es wird sie vielleicht interessieren, Captain Romanova, aber ich habe vor, mich mit ihrer Präsidentin, Arikka, zu Friedensgesprächen zu treffen. Der Ranger wurde der Auftrag zugewiesen, mein Schiff zu eskortieren.“
 

„Eine neue Chance, für Commander Baker, sich seines Kommandos als würdig zu erweisen.“, sagte Jekaterina.
 

„Halten sie ihn denn für unwürdig, Captain?“
 

„Keineswegs. Man hätte keinen besseren finden können.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich werde morgen ach Karshan zurückkehren. Ich wünsche ihnen weiterhin alles Gute.“
 

„Danke, Hoheit. Was wird jetzt mit Geron passieren?“, sagte Jekaterina zu Kaiser Skoolrik.
 

„Er wird in die Minen geschickt. Ich denke, diese Strafe ist angemessen.“
 

Malveel einen Monat später
 

Die Beitrittsverhandlungen waren abgeschlossen. Es fehlten nur noch die Unterschriften von Artania und Jekaterina. Auch der Föderationsrat hatte seine Zustimmung für einen Beitritt Malveels zur Föderation erteilt. Als erste unterschrieb Artania die Urkunde, danach Jekaterina.
 

Die Kirow machte sich auf den Weg nach Rulon, um Königin Loreley wieder nach Hause zu bringen.155

USS Kirow - Mission 6

USS KIROW MISSION 6
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56329.9 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Malveel hat gestern seinen permanenten Vertreter für den Föderationsrat zur Erde entsandt. Artania hat die Demokratie auf dem Planeten etabliert und ist nun Präsidentin. Die Friedensgespräche zwischen Präsidentin Arikka und dem trakenischen Kaiser Skoolrik dauern noch an. Doch es ist offensichtlich, dass es dem Kaiser ernst damit ist, diesen Krieg zu beenden.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu.
 

„Was werden sie tun, Captain?“, fragte Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow.
 

„Wahrscheinlich erst mal Urlaub. Ich brauch erst mal eine Pause. Mir geht es in letzter Zeit auch nicht besonders.“
 

„Haben sie sich schon untersuchen lassen, Captain?“, fragte Eric McClusky besorgt.
 

„Noch nicht, Nummer eins.“
 

„Lassen sie sich bitte mal gründlich durchchecken. Nicht das sie sich bei unserer letzten Mission irgendeine Krankheit eingefangen haben.“, sagte Eric McClusky.
 

„Sie haben Recht, Nummer eins. Ich gehe mal auf die Krankenstation. Ab sofort haben sie das Kommando, Commander McClusky.“
 

Jekaterina stand auf, verlor aber gleich das Gleichgewicht und stürzte der Länge nach hin.
 

„Scheiße!“, sagte Eric McClusky.
 

Dann tippte er an seinen Kommunikator.
 

„Brücke an Krankenstation.“, sprach er in das kleine Gerät.
 

„Hier ist die Krankenstation. Sind sie das, Commander McClusky?“
 

„Ja, wer denn sonst? Schicken sie sofort einen Sanitäter auf die Brücke. Captain Romanova ist gestürzt, Doktor Garcia.“, sagte der erste Offizier.
 

„Verstanden, Commander. Doktor Nadirova ist unterwegs.“
 

10 Minuten später erreichte die stellvertretende Chefärztin die Brücke. Nach einem ersten Check sagte sie: „Sie ist noch bei Bewusstsein. Aber wir müssen sie zur näheren Untersuchung auf die Krankenstation bringen.“ 156

„Veranlassen sie das bitte sofort, Doktor Nadirova.“
 

Alina Nadirova nickte zur Bestätigung.
 

Auf der Krankenstation wurde Jekaterina sofort eine Blutprobe entnommen, die zur weiteren Untersuchung ins Labor gebracht wurde. Danach scannte Alina die Kommandantin mit einem Tricorder. Und das Ergebnis war alles andere als beruhigend. Sofort holte Alina ihre Vorgesetzte und zeigte ihr das Ergebnis.
 

„Das sieht in der Tat nicht gut aus. Haben sie schon eine Blutprobe entnommen, Alina?“, fragte Juanita
 

„Gleich nachdem Captain Romanova eingeliefert wurde. Ich erwarte das Ergebnis der Analyse innerhalb der nächsten Stunde.“
 

„Gut. Halten sie mich bitte auf dem Laufenden.“, sagte Doktor Garcia.
 

„In Ordnung.“
 

Um 11:00 Uhr Bordzeit lag das Ergebnis der Blutprobe vor. Und das Resultat war niederschmetternd.
 

Alina kontaktierte die Brücke.
 

„Krankenstation an Brücke. Commander McClusky, kommen sie bitte umgehend in die Krankenstation.“, sprach die stellvertretende Chefärztin der Kirow in ihren Kommunikator.
 

„Bin schon unterwegs.“
 

Eine halbe Stunde später eilte der erste Offizier der Kirow in den Behandlungsraum, dicht gefolgt von Loreley, der Königin der Rulonen.
 

„Wie schlimm ist es?“, fragte Eric McClusky Alina Nadirova.
 

„Das ist eine extrem seltene Blutkrankheit. Und weil sie so selten auftritt, hat bisher noch keiner Forschungen zu einem Gegenmittel angestellt.“
 

„Mist! Gibt es keine Hoffnung, Doktor?“, wollte Commander McClusky wissen.
 

„Ich sehe derzeit keine Chance auf eine Genesung.“
 

Loreley räusperte sich. Eric McClusky und Alina Nadirova sahen sie an.
 

„Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, Captain Romanova zu heilen.“, sagte Loreley.
 

„Welche?“ 157
 

„Auf meiner Heimatwelt Rulon gibt es eine thermale Schlammquelle. Der Schlamm ist sehr mineralhaltig und besitzt heilende Kräfte.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

Alina wandte sich an Eric McClusky.
 

„Commander?“, fragte sie.
 

„Es ist einen Versuch wert. Zum Glück sind wir bald da.“
 

Der Planet Rulon 2 Stunden später
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Commander McClusky! Ich habe Admiral Janeway mit einer Nachricht für Captain Romanova.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht. Sie war überrascht, den ersten Offizier auf dem Platz in der Mitte sitzen zu sehen.
 

„Admiral Janeway.“, begann der erste Offizier der Kirow das Gespräch.
 

„Commander McClusky. Bevor wir zum eigentlichen Grund meiner Nachricht kommen, würde ich gerne wissen, wo Captain Romanova ist.“
 

„Sie befindet sich im Moment auf der Krankenstation.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ist es schlimm, Commander?“
 

„Ich will nichts schön reden, Admiral. Captain Romanovas Leben hängt sprichwörtlich am seidenen Faden.“, sagte Commander McClusky.
 

„Dauert es lange, bis Captain Romanova wieder genesen ist?“
 

„Schwer zu sagen. Warum fragen sie, Admiral Janeway?“, wollte Eric McClusky wissen.
 

„Ich habe eine neue Mission für euch.“
 

„Worum geht es, Admiral?“, fragte Commander McClusky.
 

„Ein unbekanntes Raumschiff wurde in der Nähe eines neu entdeckten Planeten gesichtet. Offenbar bombardiert es den Planeten in regelmäßigen Abständen. Ihre Aufgabe wäre es, dieses Schiff dazu zu bewegen sein Bombardement 158

abzubrechen und sich zurückzuziehen. Wenn der Kommandant nicht auf sie hört, dürfen sie ihn angreifen.“
 

„Verstehe. Hat der Kommandant des fremden Raumschiffes irgendwelche Forderungen an die Bewohner des Planeten gestellt?“, fragte der erste Offizier der Kirow.
 

„Bisher nicht.“
 

„Wann sollen wir aufbrechen?“, wollte Eric McClusky wissen.
 

„Eigentlich unverzüglich. Aber solange es Captain Romanova gesundheitlich nicht gut geht, schicke ich die Enterprise dorthin. Wenn es ihrer Vorgesetzten wieder gut geht, lösen sie die Enterprise ab. Admiral Janeway Ende.“
 

Auf der Planetenoberfläche eine Stunde später
 

Jekaterina öffnete die Augen. Über sich sah sie einen strahlend blauen Himmel. Dann wandte sie den Kopf. Loreley saß neben ihr.
 

„Wo bin ich?“, fragte Jekaterina ihre königliche Freundin.
 

„Erinnerst du dich an die Schlammquelle von der ich dir mal erzählt habe?“
 

„Natürlich. Warum fragst du?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Weil sie deine einzige Hoffnung ist, Kleine. Du bist schwer krank.“
 

„Wie schlimm ist es?“, fragte Jekaterina.
 

„Sehr schlimm. Das Dumme ist nur, dass es für diese Art von Krankheit kein Heilmittel gibt.“
 

„Ausgerechnet mir muss das passieren.“, sagte Jekaterina und zog einen Schmollmund.
 

An der Quelle sah Jekaterina Dunstschwaden aufsteigen.
 

„Ist das die Quelle?“, fragte sie Loreley.
 

„Ja, das ist sie.“
 

Die Königin der Rulonen bat Jekaterina, ihr zu folgen. Doch die Kommandantin der Kirow zögerte. Sie hatte Angst, ein ähnliches Ende zu finden, wir ihr Cousin Kolja. Loreley bemerkte das.
 

„Hast du Angst, Kleine?“, fragte sie Jekaterina. 159
 

„Ja. Ja, ich habe Angst.“
 

„Wovor fürchtest du dich?“, fragte Loreley.
 

„Davor im Schlamm zu versinken, und so zu enden, wie mein Cousin Kolja.“
 

„Verstehe. Hör zu, ich kann nicht von dir verlangen, dass du mir vertraust. Aber ich gebe dir mein Wort. Es kann dir nichts passieren.“, sagte Loreley.
 

Jekaterina war immer noch skeptisch, folgte der Königin der Rulonen dennoch. An der Quelle nahmen zwei von Loreleys Leibwächtern Jekaterina den weißen Bademantel ab, den sie die ganze Zeit getragen hatte. Die Königin der Rulonen bot der Kommandantin der Kirow ihre Hand. Jekaterina wollte danach greifen, zog sie aber wieder zurück. Zu groß war ihre Furcht.
 

„Hab keine Angst. Du bist nicht allein. Ich bin doch bei dir.“, sagte Loreley beruhigend.
 

Zögernd nahm Jekaterina Loreleys Hand und folgte ihr. Als ihr der Schlamm bis zu den Fußgelenken reichte, bekam sie Panik und traute sich nicht, weiterzugehen. Es kostete Loreley viel Überzeugungskraft, ihre „göttliche“ Freundin dazu zu bewegen, ihr weiter zu folgen.
 

Schließlich reichte der Schlamm Jekaterina bis über ihre Oberweite. Die junge Kommandantin konnte ihre Panik gerade so im Zaum halten.
 

„Was soll ich jetzt tun, Loreley?“, fragte sie unsicher.
 

„Entspann dich. Lehn dich zurück und mach die Augen zu. Und noch einmal: Es kann dir nichts passieren.“
 

Jekaterina tat, was Loreley ihr geraten hatte. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Sie atmete ein. Sie atmete wieder aus. Eine innere Ruhe machte sich in Jekaterina breit, die sie beinahe einschlafen ließ.
 

Wie lange sie in der Schlammquelle verbracht hatte, wusste Jekaterina nicht mehr. Denn als sie die Augen öffnete war die Sonne bereits untergegangen, und sie sah zu einem sternenklaren Himmel hinauf. „Ob sich meine Besatzung Sorgen um mich macht?“, dachte sie. Doch die nächste Frage, die sich für Jekaterina stellte, war, wie sie aus der Quelle wieder herauskommen sollte. Doch Loreleys Stimme riss sie aus ihren Gedanken.
 

„Na, endlich wach?“, fragte die Königin der Rulonen.
 

„Habe ich geschlafen?“
 

„Wie ein Murmeltier.“, sagte Loreley.
 

„Na wunderbar. Meine Haut wird wahrscheinlich runzlig sein, wie ein Elefantenarsch.“
 

„Mir scheint, du unterschätzt die heilsame Wirkung dieser Quelle. Aber jetzt komm erst mal raus. Der Schlamm muss ja auch wieder von deinem Körper runter.“, sagte Loreley.
 

Jekaterina stützte sich am Rand der Quelle ab und zog ihren Körper nach oben.
 

„So. Das wäre geschafft. Und was jetzt?“, fragte sie Loreley.
 

„Komm mit.“
 

Jekaterina folgte der Königin der Rulonen durch ein Moorgebiet, wie ein Hund seinem Herrchen. Loreley führte die Kommandantin der Kirow zu einer weiteren Quelle. Diese wurde zwar ebenfalls durch die Wärme unter der Planetenoberfläche erhitzt, führte aber klares Wasser. Jekaterina glitt in die Quelle und wusch sich den Schlamm aus der ersten Quelle ab. Das warme Wasser entspannte sie wieder.
 

„Du solltest nicht zu lange in der Quelle bleiben, Kleine. Die Hitze kann dich entkräften.“, warnte Loreley.
 

Jekaterina war klug genug um diese Warnung ernst zu nehmen. Anmutig stieg sie aus der Quelle und ließ sich von einem der Leibwächter ein Handtuch reichen, mit dem sie sich abtrocknete.
 

„Wie fühlen sie sich, Captain?“, fragte einer von Loreleys Wächtern.
 

„Ein bisschen erschöpft. Aber sonst… geht’s mir gut.“
 

„Sie sollten sich ausruhen, Captain. Sie werden viel Schlaf brauchen.“, sagte der Soldat.
 

Rulon drei Tage später
 

Jekaterina erwachte. Sie hatte tief und fest geschlafen. Aber jetzt war Jekaterina hungrig. Sie streckte sich und merkte nicht, dass ihr die Bettdecke von ihrem Oberkörper rutschte.
 

„Du solltest die Decke festhalten, Kleine.“, vernahm Jekaterina Loreleys Stimme.
 

„Wirklich zu komisch, Loreley.“
 

Dann sah Jekaterina in Loreleys Richtung. Die Königin der Rulonen lehnte an der Tür. Ein besorgter Ausdruck lag in ihrem Gesicht.
 

„Wie geht es dir, Jekaterina?“, fragte sie. 160
 

„Es könnte besser gehen.“
 

„Du hast es nicht mitbekommen, aber als du geschlafen hast, war Dr. Nadirova hier und hat dir noch einmal Blut abgenommen. Sie will die Werte der neuen Probe mit denen der alten vergleichen.“, sagte Loreley.
 

„Verstehe.“
 

Loreley kam näher.
 

„Ich habe dir was zum Anziehen mitgebracht.“, sagte sie.
 

„Danke.“
 

Loreley half Jekaterina beim Ankleiden.
 

„Eigentlich kann ich das alleine. Ich bin doch kein kleines Kind mehr.“, maulte die Kommandantin der Kirow.
 

„Jetzt mach mal halb lang. Du solltest, zumindest für den Moment, jedes Maß an Überanstrengung vermeiden.“
 

Jekaterina wusste Loreleys Fürsorge durchaus zu schätzen, aber auf der anderen Seite wollte sie auch nicht bemuttert werden.
 

„Ich weiß deine Fürsorge zu schätzen, Loreley. Aber ich komme mir vor, wie ein Kind, dem die Eltern nichts zutrauen.“, sagte sie.
 

An Bord der Kirow
 

„Was meinen sie, wann Captain Romanova wieder zurückkommt, Commander?“, fragte die Counselor den ersten Offizier.
 

„Schwer zu sagen. Wir wissen ja noch nicht mal, was der Vergleich der beiden Blutproben ergeben hat.“
 

„Hoffentlich gutes. Captain Romanova fehlt uns an allen Ecken und Enden.“
 

Eric McCluskys Kommunikator zirpte.
 

„Krankenstation an Brücke.“, vernahm Eric McClusky die Stimme von Alina Nadirova.
 

„Ich höre, Doktor.“
 

„Sir, die Blutwerte von Captain Romanova haben sich gegenüber der ersten Probe stark verbessert.“, sagte Alina. 161

„Inwiefern, Doktor Nadirova?“
 

„Captain Romanova hat wieder 85% rote Blutkörperchen. Bei der ersten Blutprobe lag er bei 15%. Und sie vermehren sich rasant. Aber so wie es aussieht, hat sich das Wachstum wieder verlangsamt.“, sagte Alina.
 

„Heißt das, dass Captain Romanova wieder dienstfähig ist?“
 

„Nein, Commander. Captain Romanova muss sich noch schonen. Aber sie wird in der Lage sein, ab und an, Das Kommando zu übernehmen.“, sagte Doktor Nadirova.
 

„Können sie abschätzen, für wie lange, Doktor?“
 

„Eine Stunde, wenns hoch kommt vielleicht auch zwei. Aber nicht mehr.“, sagte Alina Nadirova.
 

Auf dem Planeten Rulon
 

Jekaterina betrachtete sich im Spiegel. Sie trug ein blaues Kleid mit aufgestickten Pfauenfedern und dunkelblaue Sandaletten mit goldenen Ornamenten.
 

„Jetzt machst du deinem rulonischen Namen alle Ehre, Jekaterina. Du siehst aus wie eine Göttin.“, sagte Loreley.
 

„Danke für das Kompliment.“
 

Doch dann meldete sich Jekaterinas Magen mit einem lauten Knurren zu Wort.
 

„Scheint, als ob jemand Hunger hat.“, sagte Loreley.
 

„Na ja… Meine letzte Mahlzeit ist schon ne Weile her.“
 

„Dann komm. Zeit, dass du was zu dir nimmst.“, sagte Loreley.
 

Die Königin der Rulonen führte ihren Gast in ihr privates Frühstückszimmer. Dort stand ein Buffet mit allem, was das Frühstücksherz begehrte. Jekaterina nahm sich eine Scheibe Toast, dazu etwas Butter und Orangenmarmelade. Zum Trinken wählte Jekaterina schwarzen Tee mit einem Schuss Zitrone.
 

Nach dem Frühstück machten Loreley und Jekaterina einen Spaziergang im Garten des Palastes. Die Sonne schien und spendete Wärme.
 

„Darf ich dich was fragen, Loreley?“, fragte Jekaterina.
 

„Alles.“ 161
 

„Gibt es noch andere Außenweltler, die einen rulonischen Namen tragen?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Bis jetzt nicht. Du bist die erste, der diese Ehre zuteil wurde. Du bist in die Geschichte eingegangen. Nicht nur die Rulons sondern auch der Föderation. Du bist die erste Kommandantin eines Föderationsschiffs, die von der amtierenden Königin einen rulonischen Namen bekommen hat.“
 

„Warum ich?“, fragte Jekaterina weiter.
 

„Weil du etwas besonderes bist. Du warst es, die dieses dreckige Komplott gegen mich aufgedeckt und verhindert hat. Außerdem hatten wir bis zu jenem Tag, als du kamst, kaum Kontakt zur Außenwelt. Du hast mir auf deinem Schiff Zuflucht geboten. Du hast mich die Welt und alles drum herum mit anderen Augen sehen lassen. In meinem Herzen wirst du immer einen besonderen Platz einnehmen.“
 

An Bord der Kirow
 

Alex Riley wandte sich an Eric McClusky.
 

„Commander, unsere Sensoren haben die Laconia geortet. Sie befindet sich backbord querab.“, sagte er.
 

In diesem Moment hob Keiko Tadashita den Kopf.
 

„Commander McClusky! Die Laconia hat uns kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht von Jekaterinas Bruder.
 

„Captain Romanova.“, begann Eric McClusky das Gespräch.
 

„Commander McClusky.“
 

„Was verschafft uns die Ehre ihrer Anwesenheit, Captain?“, fragte der erste Offizier der Kirow.
 

„Als wir erfahren haben, wie es um meine Schwester steht, haben wir alles stehen und liegen lassen, und sind hierher aufgebrochen. Haben sie denn Neuigkeiten?“
 

„Unsere stellvertretende Chefärztin Dr. Nadirova hat noch einmal eine Blutprobe entnommen und sie mit der ersten verglichen.“, sagte Commander McClusky.
 

„Liegt schon das Resultat vor, Commander?“ 162

„Ja, Captain Romanova. Jekaterina hat wieder 70% mehr rote Blutkörperchen, als zu Beginn der Krankheit. Aber ich will ihnen auch sagen, dass ihre Schwester zwar aus dem gröbsten raus ist, aber noch weit entfernt davon ist, ihren regulären Dienst wieder aufnehmen zu können.“, sagte Eric McClusky.
 

„Was halten sie davon Commander McClusky, wenn wir meiner Schwester einen Besuch abstatten?“
 

„Ich sage nicht „Nein“. Aber wir sollten uns erst einmal ankündigen.“, sagte Commander McClusky.
 

„Da haben sie Recht, Commander. Wenn sie wollen, erledigen wir das.“
 

„Einverstanden, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

Auf dem Planeten Rulon
 

Jekaterina hielt sich noch im Garten auf, als ein weißer Lichtblitz in den Boden schlug. Die Kommandantin der Kirow ahnte, wer ihr die Aufwartung machte. Und ihre Ahnung hatte sie nicht betrogen. Vor ihr stand Dayani, das Energiewesen, das in ihr seine Mutter sah. Jekaterina sah Besorgnis im Gesicht des Wesens.
 

„Wie geht es dir, Mutter?“, fragte Dayani ohne Umschweife.
 

„Wesentlich besser. Aber ich werde mich an das halten müssen, was die Ärzte sagen, Dayani.“
 

„Wir vermissen dich, Mutter.“, sagte Dayani.
 

„Das glaube ich dir gern, Dayani. Ich denke, ich werde bald auf die Kirow zurückkehren.“
 

„Es wäre schön, wenn du wieder bei uns wärst. Es kursiert nämlich an Bord das Gerücht, dass wir ohne dich zu unserer nächsten Mission aufbrechen müssen.“, sagte Dayani.
 

„Weißt du um was es geht, Dayani?“
 

„Nein, Mutter.“, sagte Dayani.
 

In Loreleys Palast
 

Die Königin der Rulonen saß gerade in ihrem Arbeitszimmer, als ihre Ratgeberin Aurélie das Zimmer betrat.
 

„Was gibt es, Aurélie?“, fragte Loreley. 163
 

„Meine Königin, Commander McClusky und Captain Jewgeni Romanova von der USS Laconia bitten um die Gnade einer Audienz.“
 

„In Ordnung, Aurélie. Ich lasse bitten.“, sagte die Königin der Rulonen.
 

„Ja, meine Königin.“
 

Aurélie verließ das Zimmer und kam wenig später mit dem ersten Offizier der Kirow und dem Kommandanten der Laconia zurück. Loreley erhob sich.
 

„Gentlemen, bitte setzen sie sich doch.“, sagte die Königin und wies Eric McClusky und Jekaterinas jüngerem Bruder zwei Stühle zu, die auf der anderen Seite ihres Schreibtisches standen.
 

„Danke, Hoheit.“
 

„Was verschafft mir die Ehre ihres Besuches, meine Herren?“, fragte Loreley.
 

„Wir wollten Jekaterina besuchen, und ein paar Worte mit ihr wechseln.“
 

„Sie wissen nicht, wo sie sich aufhält?“, fragte Eric McClusky.
 

„Das weiß ich sehr wohl, Commander. Ihre Vorgesetzte ist im Garten.“
 

„Können wir mit meiner Schwester sprechen, Hoheit?“, fragte Jewgeni.
 

„Sicher. Ich werde sie zu ihr bringen.“
 

Loreley stand auf und bat die beiden Männer ihr zu folgen. Zielstrebig führte sie Eric McClusky und Jewgeni Romanova in den Garten. Jekaterina saß auf einer Bank in der Sonne und hatte die Augen geschlossen.
 

„Du hast Besuch, Jekaterina.“, sagte Loreley.
 

Jekaterina blinzelte und beschattete die Augen.
 

„Hoffentlich kein Verehrer.“, sagte sie.
 

Loreley lachte.
 

„In dem Punkt kann ich dich beruhigen. Der eine ist dein erster Offizier, und der andere dein Bruder.“
 

„Ist das dein Ernst, Loreley?“, fragte Jekaterina.
 

„So wahr ich hier stehe.“
 

„Bin gespannt, was es neues gibt.“, sagte Jekaterina und erhob sich 164

langsam.
 

Mit langsamen Schritten ging Jekaterina auf ihren Bruder und ihren ersten Offizier zu.
 

„Schön sie zu sehen, Nummer eins. Und schön dich zu sehen, Jewgeni.“, sagte sie.
 

„Es ist schön, sie zu sehen, Captain.“
 

Jewgeni umarmte seine ältere Schwester.
 

„Wie geht es dir, big sis?“, fragte er.
 

„Besser. Aber was verschlägt dich hierher?“
 

„Als wir gehört haben, was dir passiert ist, haben wir unseren Auftrag abgebrochen, und sind sofort hierher gereist.“, sagte Jewgeni.
 

„Mach dir keine Sorgen um mich. Ich werde schon wieder gesund.“
 

Dann wandte sich Jekaterina an ihren ersten Offizier.
 

„Haben sie Neuigkeiten für mich, Nummer eins?“, fragte sie Eric McClusky.
 

„Wir haben eine neue Mission. Aber aufgrund ihres Gesundheitszustands hat Admiral Janeway unser Schwesterschiff, die USS Enterprise, vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut.“
 

„Worin genau besteht unsere Aufgabe, Commander McClusky?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Ein unbekanntes Raumschiff bombardiert in regelmäßigen Abständen einen neu entdeckten Planeten. Aber der Kommandant stellt keine Forderungen an die Bewohner des Planeten. Unsere Aufgabe lautet, den Eindringling notfalls mit Waffengewalt zu vertreiben, Captain.“
 

„Hört sich ziemlich einfach an, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„So einfach ist die Sache nicht, Bruder.“
 

„Wir sollen aufbrechen, und die Enterprise ablösen, wenn sie wieder gesund sind, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Verstehe. Nun gut. Heute Abend um 18:00 Uhr werde ich auf die Kirow zurückkehren. Schicken sie bitte die Gargarin um 17:50 Uhr her.“
 

„Wird erledigt, Captain. Und wenn sie mir das Kompliment gestatten, 165

sie sehen aus, wie eine Göttin.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ich kann dem nur beipflichten, big sis.“
 

Jekaterina wandte sich an Loreley.
 

„Danke für deine Gastfreundschaft, Loreley.“, sagte sie.
 

„Hab ich doch gern gemacht, Joelina. Du bist hier immer willkommen. Dasselbe gilt auch für sie Captain Romanova.“
 

„Danke, Hoheit.“, sagte Jewgeni.
 

„Das alberne „Sie“ fällt weg. Und ab sofort darfst du mich Loreley nennen.“
 

Mit diesen Worten hielt die Königin der Rulonen Jekaterinas Bruder die Hand hin. Dieser drückte sie ganz sanft.
 

„Vielen Dank, Loreley.“, sagte Jewgeni.
 

Jekaterina wandte sich noch einmal Loreley zu und nahm sie in die Arme.
 

„Jetzt heißt es wohl Abschied nehmen, Loreley.“, sagte sie.
 

„Aber es wird kein Abschied für immer sein. Ich weiß, dass du wiederkommst, Jekaterina.“
 

An Bord der Kirow 18:00 Uhr Bordzeit
 

Jekaterina betrat die Brücke. Eric McClusky nahm sofort Haltung an und salutierte.
 

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte er.
 

„Rühren, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain. Und wenn ich offen sprechen darf, es tut gut, sie wieder an Bord zu wissen.“, sagte Commander McClusky.
 

„Danke, Nummer eins.“
 

Keiko Tadashita hob den Kopf.
 

„Captain, ich habe Admiral Janeway in der Leitung.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Katheryn Janeways Gesicht. 166

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova. Bevor wir zum eigentlichen Grund meiner Nachricht kommen, muss ich sie fragen, wie sie sich fühlen.“
 

„Schon viel besser, Admiral. Aber ich muss mich noch stark zurücknehmen. Commander McClusky wird auf dieser Mission das Schiff führen.“, sagte Jekaterina.
 

„Hoffentlich sind sie im entscheidenden Moment, wieder fit, Captain.“
 

„Ich werde mein bestes tun, Admiral Janeway.“, sagte Jekaterina.
 

„Eine Frage noch, bevor ich ihnen die Koordinaten zukommen lasse, zu denen sie aufbrechen sollen.“
 

„Ich höre.“, sagte Captain Romanova.
 

„Das Kleid, das sie tragen, zeugt von Geschmack. Aber warum tragen sie keine Uniform, wie sonst?“
 

„Das Kleid ist ein Geschenk von der Königin der Rulonen. Und eigentlich bin ich nicht im Dienst. Ich wollte nur mal schnell auf der Brücke vorbeischauen und meiner Crew „Hallo“ sagen.“, sagte Jekaterina.
 

„Für dieses Mal drücke ich mal ein Auge zu. Und lasse die Fünfe gerade sein, Captain Romanova. Aber beim nächsten Mal, bin ich nicht so nachsichtig.“
 

„Verstehe. Commander McClusky hat mich soweit in Kenntnis gesetzt. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten, diesbezüglich?“, fragte Jekaterina.
 

„Das fremde Raumschiff hat den Planeten erneut bombardiert. Captain Picard konnte den Eindringling nicht dazu bewegen, sich zurückzuziehen. Fliegen sie nach Arkon und machen sie dem Kommandanten klar, dass wir derartige Aktionen vor unserer Haustür nicht dulden und auch nicht tolerieren.“
 

„Verstanden, Admiral Janeway. Kirow Ende.“
 

Dann wandte sich Jekaterina an ihren ersten Offizier.
 

„Sie haben jetzt das Kommando, Nummer eins. Jetzt können sie zeigen, was sie drauf haben.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Jekaterina wandte sich um Gehen, da fuhr Eric McClusky fort.
 

„Und Captain…“, begann er seinen Satz. 167

„Ja?“
 

„Danke für ihr Vertrauen.“, sagte Eric McClusky.
 

Jekaterina lächelte.
 

„Schon in Ordnung. Sie werden das Kind schon schaukeln, Nummer eins.“
 

Eric McClusky kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
 

„Nun ja, Captain… Sie und ich… wir sind doch grundverschieden. Denken sie wirklich, ich bringe diese Mission heil über die Runden?“, sagte Commander McClusky.
 

„Ich kann ihnen nur eins sagen, Nummer eins. Sie handeln, wie sie es für richtig halten, und nicht wie ich gehandelt hätte. Bringen sie uns nach Arkon, finden sie den fremden Raumschiffkommandanten, und geben sie ihm, was er verdient. Das ist alles, was sie zu tun haben.“
 

In ihrem Quartier ließ sich Jekaterina erst einmal eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone zubereiten. Sie hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen, da ertönte der Türsummer.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und Bozena und Branka traten ein.
 

„Was verschafft mir die Ehre eurer Anwesenheit?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir wollten uns bei ihnen bedanken, Captain.“
 

„Nicht der Rede wert. Setzt euch.“, sagte Jekaterina und wie mit einer einladenden Handbewegung auf die Couch.
 

Die beiden Frauen nahmen Platz und Jekaterina nahm Branka genauer in Augenschein. Statt des völlig verdreckten Sträflingsanzugs trug sie nun ein schwarzes, figurbetonendes Miniträgerkleid und schwarze High Heels. Jekaterina sah Dankbarkeit in Brankas Augen.
 

„Möchtet ihr was trinken?“, fragte sie.
 

„Nein danke, Captain.“
 

Jekaterina verdrehte die Augen.
 

„Wir hatten uns doch auf etwas geeinigt, Bozena.“, sagte sie.
 

„Jas, das schon. Aber jetzt, wo Branka anwesend ist, finde ich das 168

irgendwie unangebracht.“
 

Jekaterina zog skeptisch die Stirn in Falten.
 

„Warum denn dieses?“, fragte sie.
 

„ich weiß nicht, Captain. Ich finde es irgendwie nicht richtig, in Brankas Gegenwart einen freundschaftlichen Umgangston anzuschlagen.“
 

„Ich seh das nicht so eng, Bozena. Ganz abgesehen davon, bin ich nicht im Dienst.“, sagte Jekaterina.
 

„Das schon, Captain. Aber es wäre ungerecht meiner Schwester gegenüber, würde ich von diesem Privileg Gebrauch machen.“
 

„Dann lass es mich so ausdrücken, Bozena. Es versteht sich ja wohl von selbst, dass für deine Schwester dasselbe gilt, wie für dich.“, sagte Jekaterina.
 

Bozena atmete erleichtert aus.
 

„Danke, Jekaterina.“, sagte sie dann.
 

„Schon in Ordnung. Also, was führt euch beide zu mir?“
 

„Als wir erfahren haben, was passiert ist, haben wir uns Sorgen gemacht. Branka hat sogar geglaubt, dass sie Schuld an deinem Zustand ist.“, sagte Bozena.
 

„Wie kommst du denn auf dieses schmale Brett, Branka?“
 

„Nun ja… wie soll ich das sagen…? Es war ein Schock für mich, als ich davon erfuhr. Zumal es unmittelbar danach passiert ist, nachdem ich an Bord kam. Verstehst du, worauf ich hinaus will??“, sagte Branka.
 

„Ja sicher. Ganz untermöbliert in der Denkstube bin ich auch nicht. Aber meine Krankheit muss nicht zwangsläufig etwas mit deinem Anbordkommen zu tun haben, Branka. Hast du dich diesbezüglich untersuchen lassen?“
 

„Ja. Die Ergebnisse kamen gerade eben.“, sagte Branka.
 

„Und?“
 

„Nichts. So wie die Dinge stehen, trage ich keine Erreger in mir.“, sagte Branka.
 

Bozena ergänzte: „Wenn du was brauchst, dann lass es uns wissen. Wichtig ist, dass du wieder auf die Beine kommst.“
 

„Danke, für eure Fürsorge. Aber ich komme ganz gut allein zurecht.“, sagte Jekaterina. 169

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56330.4 Commander Eric McClusky, erster Offizier, neuer Eintrag: Captain Romanova ist zwar aus dem gröbsten raus, dennoch ist sie nur bedingt dienstfähig. Auf dieser Mission wird mir die Führung unseres Schiffes obliegen. Hoffentlich wird Jekaterina schnell wieder gesund. Was nun aber unseren Auftrag angeht, so setzt Captain Romanova vollstes Vertrauen in meine Fähigkeiten. Hoffentlich enttäusche ich sie nicht.“
 

Eric McClusky klappte das Buch zu und sah nach vorne. Die Sterne flitzten am Schiff vorbei. Denn die Kirow flog mit Höchstgeschwindigkeit zu ihrem Ziel. Jennifer Bond räusperte sich.
 

„Commander, wir sollten unsere Schilde und die Waffensysteme aktivieren. Unsere Sensoren haben ein trakenisches Schiff geortet.“, sagte sie.
 

„Welcher Kurs, Lieutenant?“
 

„150,8.“, sagte Lieutenant Bond.
 

„Danke Lieutenant.“
 

„Commander, soll ich die Schilde und die Waffensysteme aktivieren?“, fragte die Sicherheitsoffizierin.
 

„Tun sie das, Miss Bond.“
 

In Jekaterinas Quartier
 

Jekaterina kam aus der Dusche. Sie hatte sich einen dunkelblauen Bademantel aus Seide angezogen und zugebunden. Denn sie wollte nicht, dass Besucher ihr auf die Brüste sahen. Sie hatte sich gerade in ihren Sessel gesetzt und hatte sich ihr Lieblingsbuch gegriffen, da erschien aus dem Nichts eine männliche Gestalt. Jekaterina musterte ihn.
 

Der Fremde war 1,98 m groß und athletisch gebaut. Seine rechte Gesichtshälfte war weiß geschminkt. Der Mann sah aus, wie ein Einwohner der karibischen Inseln. Zumindest dachte Jekaterina, dass er wegen seiner dunkelbraunen Hautfarbe von dort kam. Der Fremde hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und einer extrem breiten Nase. Bekleidet war er mit einem schwarzen Anzug und einem schwarzen Hemd mit weißen Punkten. Auf dem Kopf trug er einen schwarzen Krempenhut und dazu schwarze Herrenschuhe. In der linken Hand hielt der Fremde einen Stock.
 

Jekaterina bekam es mit der Angst zu tun. Doch sie ließ sich das nicht anmerken. Sie musste es irgendwie fertig bringen, den Fremden zu beeindrucken. Langsam und anmutig erhob sich Jekaterina aus dem Sessel und ging mit langsamen Schritten auf ihren ungebetenen Besucher zu. Als sie ihm gegenüberstand sah zu ihm auf und stemmte ihre Hände in die Hüften. 170
 

„Hat man ihnen nicht gesagt, dass man seinen Besuch vorher ankündigt, und nicht einfach unangemeldet reinplatzt?“, fragte sie streng.
 

„Zugegeben, das wäre vielleicht der bessere Weg gewesen.“
 

„Der einzig richtige. Nun gut. Für heute drücke ich noch mal beide Augen zu. Einfach auch deshalb, weil ich krank bin. Aber beim nächsten Mal bin ich nicht so nachsichtig mit ihnen.“, sagte Jekaterina.
 

Der Fremde neigte den Kopf.
 

„Ich werde es mir merken, Captain Romanova.“, sagte er dann.
 

Jekaterina wäre fast zusammengezuckt, hatte sich aber schnell unter Kontrolle.
 

„Da sie nun schon hier sind, wollen sie sich nicht setzen?“, fragte Jekaterina.
 

„Danke.“
 

Der Fremde setzte sich auf die Couch.
 

„Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten? Es soll keiner von mir behaupten, dass ich eine schlechte Gastgeberin bin.“, sagte Jekaterina.
 

„Was hätten sie denn anzubieten?“
 

„Hier an Bord sind keine alkoholischen Getränke erlaubt. Und ich selbst bevorzuge russischen Schwarztee mit Zitrone.“, sagte Jekaterina.
 

„Klingt interessant.“
 

Schließlich hatte jeder eine Tasse Tee vor sich stehen.
 

„Seien sie mir bitte nicht böse, Fremder. Aber ich befürchte ich kenne ihren Namen nicht.“, sagte Jekaterina.
 

„Oh, wie unhöflich von mir, dass ich mich nicht vorgestellt habe, Captain. Mein Name ist Dambala.“
 

„Der Name ist mir nicht bekannt. Ich würde mich erinnern, wenn wir uns schon mal begegnet wären.“, sagte Jekaterina.
 

„Daran zweifle ich nicht. Dennoch müssten sie schon öfters auf Individuen meiner Rasse getroffen sein.“
 

„Was meinen sie, Dambala?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich bin Mitglied des Q-Kontinuums.“ 171

Das hatte Jekaterina gerade noch gefehlt! Ausgerechnet ein Q machte ihr die Aufwartung. Na das konnte ja heiter werden.
 

„Sie sind also ein Q. Ich muss zugeben, dass ich schon die eine oder andere Begegnung mit einem Mitglied des Kontinuums hatte. Allerdings sollte ich erwähnen, dass diese Begegnungen alles andere als erfreulich verlaufen sind.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich verstehe. Aber sie sollten eines wissen, Captain Romanova. Nicht alle Q sind unausstehlich. Es gibt auch Individuen, die ihren Mitmenschen etwas freundlicher begegnen.“
 

„So wie sie?“, fragte Jekaterina Dambala.
 

„So wie ich.“
 

„Nun, jetzt, wo wir uns gegenseitig beschnuppert haben, würde ich gerne wissen, was sie zu mir führt, Dambala.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie und ihre Besatzung sind zurzeit auf dem Weg nach Arkon, wenn ich mich nicht irre.“
 

„Woher wissen sie davon? Außer mir und meiner Crew weiß keiner von unserer Mission.“, sagte Jekaterina.
 

„Das war nicht schwer zu erraten. Sehen sie, ein Raumschiff der Föderation, dass mit Höchstgeschwindigkeit irgendwo hin fliegt, und das dazu noch kampfbereit, so etwas fällt zwangsläufig auf, Captain.“
 

„Also schön, Dambala. Sie wissen von unserer Mission. Was wissen sie sonst noch?“, fragte Jekaterina.
 

„Das Schiff, das Arkon bombardiert, ist ein schwerer Kreuzer. Der Name des Schiffes lautet „Southern Cross“. Leider kann ich nicht sagen, was es damit auf sich hat, Captain.“
 

„Ich glaube, ich weiß, was gemeint ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann lassen sie mich an ihrem Wissen teilhaben, Captain Romanova.“
 

„Der Name nimmt Bezug auf ein Sternbild der südlichen Hemisphäre. Das Kreuz des Südens.“, sagte Jekaterina.
 

Dambala nickte anerkennend.
 

„Da wäre ich nie drauf gekommen.“, gestand er.
 

„Was wissen sie sonst noch über unseren Gegner?“ 172

„Sein Kommandant heißt Exegol. Man sagt, dass er Freude daran hat, harmlose Völker zu tyrannisieren.“, sagte Dambala.
 

„Unser Schwesterschiff, die USS Enterprise, hat uns vertreten, solange ich noch auf Rulon war. Captain Picard ist es nicht gelungen, Exegol zum Rückzug zu bewegen.“
 

„Es hätte mich überrascht, wenn er klein beigegeben hätte. Nein. Exegol können sie nur mit Waffengewalt dazu bringen, die Arkonaner ein für allemal in Ruhe zu lassen.“, sagte der Q.
 

„Was hat der davon, dass er dieses Volk so quält?“
 

„Es macht ihm Spaß, Völker, wie die Arkonaner in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber sie werden ihn nicht so einfach besiegen können, Captain.“, sagte Dambala.
 

„Und warum, wenn ich fragen darf, Dambala?“
 

„Die Southern Cross ist stark gepanzert und verfügt über extrem leistungsfähige Schilde. Dazu kommen noch 10 Phaserbänke, drei Abschussrampen für Photonentorpedos und 6 Turbolasertürme. Exegols Schiff hat eine enorme Feuerkraft.“
 

„Wir werden sehen.“
 

„Unterschätzen sie Exegol nicht. Er ist gefährlicher, als sie denken.“, sagte Dambala und hob warnend den Zeigefinger.
 

„Ich möchte an dieser Stelle gerne eine Regel zitieren, dir mir Anatoli Peskow, mein ehemaliger Mentor beigebracht hat.“
 

„Und wie lautet diese Regel, Captain?“, fragte Dambala.
 

„Sie lautet „Unterschätze niemals den Feind“. Und ich werde den Teufel tun, und diese Regel ignorieren.“
 

Dambala nickte anerkennend.
 

„Ich sehe, sie hatten einen guten Lehrmeister. Er hat gut daran getan, ihnen diese Lektion beizubringen.“, sagte er dann.
 

Dambala stand auf. Jekaterina tat das gleiche.
 

„Es ist an der Zeit, dass ich mich auf den Weg mache. Ich danke ihnen, dass sie mir dennoch einen Augenblick ihrer Zeit gewidmet haben, obwohl ich unangemeldet erschienen bin. Und ihr Tee war wirklich ausgezeichnet. Ich hoffe, dass ich ab und an mal auf eine Tasse Tee und ein Schwätzchen 173

vorbeikommen kann.“, sagte er.
 

„Wenn sie sich vorher ankündigen, gerne.“
 

„Nun denn. Ich wünsche ihnen eine schnelle Genesung, Captain. Leben sie wohl.“, sagte Dambala.
 

„Doswidanja.“
 

Beide gaben sich die Hand und schüttelten sie sanft. Dann verschwand der Q genau so, wie er auch erschienen war. Jekaterina fühlte sich müde. Sie zog den Bademantel aus und legte sich ins Bett.
 

Sie wusste gar nicht, wie lange sie geschlafen hatte, als der Türsummer ertönte. Jekaterina streckte sich und rieb sich den Schlaf aus den Augen.
 

„Wer ist da?“, fragte sie ganz verschlafen.
 

„Alina Nadirova. Ich komme um ihnen noch einmal Blut abzunehmen, für eine weitere Probe.“
 

„Kommen sie rein, Doktor.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und die stellvertretende Chefärztin der Kirow betrat Jekaterinas Quartier.
 

„Wie fühlen sie sich, Captain?“, fragte Alina.
 

„Ein bisschen besser. Aber um Wahrheit die Ehre zu geben, ich wäre lieber auf der Brücke, als hier in meinem Quartier. Mir fällt die Decke auf den Kopf.“
 

„Das kann ich gut nachvollziehen, Captain. Aber solange sie nicht zu 100% fit sind, werden sie tun, was ich ihnen rate.“, sagte Alina resolut.
 

„Sie sind die Ärztin.“
 

„Ganz genau. Ich bin die Ärztin. Und jetzt strecken sie bitte den Arm aus. Welcher ist egal.“, sagte Alina.
 

Jekaterina tat, worum Doktor Nadirova sie gebeten hatte. Die Ärztin reinigte die entsprechende Stelle und setzte die Nadel an. Nach 10 Minuten hatte Alina Nadirova genug Blut für eine weitere Probe.
 

„In Ordnung. Ich werde die Probe gleich im Labor untersuchen lassen. Danach kann ich einschätzen, wie lange sie Dienst tun können, Captain.“, sagte sie.
 

Jekaterina zog ihre Uniform an und las noch ein bisschen, ehe sie sich entschied, auf die Brücke zu gehen. Doch vorher wollte sie auf die 174

Krankenstation gehen, um sich von Doktor Nadirova grünes Licht geben zu lassen. Alina war überrascht, als sie die Kommandantin die Krankenstation betreten sah.
 

„Die Resultate dürften in circa einer halben Stunde vorliegen, Captain.“, sagte sie.
 

„Deswegen bin ich auch nicht hier, Doktor.“
 

„Weshalb denn dann?“, wollte Alina wissen.
 

„Ich will auf die Brücke und zeitweise meinen Dienst verrichten.“
 

„Und dafür wollen sie meine Erlaubnis, Captain?“, fragte Alina.
 

„Sonst wäre ich nicht hier.“
 

„In Ordnung. Erlaubnis erteilt.“, sagte Alina.
 

Jekaterina atmete erleichtert aus. Doch Alina hatte anderes im Sinn.
 

„Aber nur für zwei Stunden. Wenn die Werte entsprechend sind, vielleicht zweieinhalb bis drei.“, sagte sie.
 

„Einverstanden. Zwei Stunden. Halten sie mich bitte auf dem Laufenden, Doktor Nadirova.“
 

„Das hätte ich sowieso gemacht. Sie hören von mir, Captain.“, sagte Alina.
 

Jekaterina verließ die Krankenstation und steuerte den nächsten Turbolift an. Nachdem sich die Tür des Lifts geschlossen hatte, betätigte die Kommandantin der Kirow eine entsprechende Taste und nannte ihr Ziel.
 

„Brücke.“, sagte Jekaterina in das Gerät.
 

Der Lift setzte sich in Bewegung und brachte Jekaterina in Sekundenschnelle an ihr Ziel. Die Türhälften glitten auseinander und die Kommandantin kam auf die Brücke. Eric McClusky, der auf dem Platz in der Mitte saß sah seine Vorgesetzte und nahm sofort Haltung an.
 

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte er.
 

„Rühren, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ich übernehme für die nächsten zwei Stunden das Kommando, Nummer eins. Es können aber auch drei werden, je nachdem, was die Ergebnisse der 175

aktuellsten Blutprobe sagen.“
 

„In Ordnung, Captain. Es ist schön, dass sie wieder hier sind.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Danke, Nummer eins. Gibt es etwas, das ich wissen muss?“
 

„Ja, Captain. Unsere Sensoren haben ein trakenisches Schiff geortet, das sich auf Kurs 150,8 befindet.“, sagte Commander McClusky.
 

„Verstehe. Commander Sherrock, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Kurs des Trakeners kreuzen, wenn er seinen Kurs beibehält?“
 

„Nicht sehr hoch, Captain. Es sei denn, er würde mit seinen Sensoren gezielt nach uns suchen.“, sagte die Navigatorin.
 

Jekaterina nahm auf dem Sessel Platz, der ihr als Kommandantin zustand und wandte sich an ihren ersten Offizier.
 

„Ich habe auch ein bisschen etwas in Erfahrung bringen können. Es betrifft unseren Gegner.“, sagte sie.
 

„Ist die Quelle zuverlässig, Captain?“
 

„Ich habe die Informationen von einem Q namens Dambala.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist er uns feindlich gesinnt, Captain?“
 

„Er behauptet zumindest das Gegenteil. Aber lassen wir das mal außen vor, Nummer eins. Unser Gegner heißt Exegol und scheint eine sadistische Ader zu haben. Sein Schiff ist ein schwerer Kreuzer mit Namen „Southern Cross“, das über eine starke Panzerung und über enorme Feuerkraft verfügt.“, sagte Jekaterina.
 

„Sollten diese Informationen stimmen, Captain…“
 

„Dann was, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Dann müssen wir uns auf ein schweres Feuergefecht einstellen.“
 

„Sie schaffen das schon, Nummer eins. Ich habe vollstes Vertrauen in ihre Fähigkeiten.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke, Captain.“
 

„Wenn ich ehrlich sein darf, Nummer eins, dann fürchte ich mich vor dem Tag, an dem man ihnen ihr eigenes Kommando gibt.“, sagte Jekaterina.

176

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen, Captain?“
 

„Sie dürfen, Nummer eins. Und ganz ehrlich, wenn man sie zum Captain befördert, dann werden sich unsere Wege trennen.“, sagte Jekaterina.
 

„Wobei die Betonung auf „WENN“ liegt, Captain.“
 

„Hand aufs Herz, Nummer eins, sie haben das Zeug für den Platz in der Mitte.“, sagte Jekaterina.
 

Kaum hatte sie ihren Satz beendet, da zirpte ihr Kommunikator.
 

„Krankenstation an Captain.“, hörte Jekaterina die Stimme der stellvertretenden Chefärztin.
 

„Sprechen sie, Dr. Nadirova.“
 

„Ihre Blutwerte sind fast wieder in Ordnung. Die Anzahl ihrer roten Blutkörperchen liegt bei 95%“, sagte Alina.
 

„Heißt, das, das ich wieder dienstfähig bin?“
 

„Das heißt es keinesfalls, Captain. Sie können MAXIMAL 4 Stunden Dienst tun. Aber dann ist für sie Ruhe angesagt.“, sagte Alina.
 

„Besser als nichts, Doktor Nadirova.“
 

„Genau. Besser als nichts. Und nur damit wir uns klar verstehen, Captain. Auf dieser Mission werden sie so gut es geht schonen.“, sagte Alina.
 

„In Ordnung, Doktor.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternezeit 56330.7 Commander Eric McClusky, erster Offizier, neuer Eintrag: Captain Romanova war heute für einige Stunden auf der Brücke und hat zeitweise das Kommando übernommen. Es war gut, dass sie hier war. Außerdem hat sie von einem Q namens Dambala Informationen über unseren Gegner bekommen, die für uns sehr wertvoll sein können. Und sie hat mir einmal mehr ihr Vertrauen ausgesprochen. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Arkon, um Exegol, wie unser Gegner heißt, ein für allemal aus dem Alpha-Quadranten zu vertreiben.“
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Commander, ich empfange eine Nachricht.“, sagte sie.
 

„Was sagt die Nachricht, Keiko?“
 

„Es ist ein Hilferuf. Die Nachricht lautet: „Bitte helft uns!“.“, sagte Keiko. 177

Ales Riley meldete sich zu Wort.
 

„Commander, wir haben Gesellschaft bekommen. Ein romulanisches Kriegsschiff, Valdore-Typ.“, sagte er.
 

„Commander, die Valdore hat uns kontaktiert.“
 

„Auf den Schirm, Keiko.“, sagte Eric McClusky.
 

Auf dem großen Schirm erschien Donatras Gesicht.
 

„Commander Donatra.“, begann der erste Offizier der Kirow das Gespräch.
 

„Commander McClusky.“
 

„Commander, ich bedaure ihnen mitteilen zu müssen, dass Captain Romanova zurzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht voll dienstfähig ist. Auf dieser Mission habe ich das Kommando auf der Kirow.“, sagte Commander McClusky.
 

„Wie schlimm ist es, Commander McClusky?“
 

„Sagen wir es mal so, Commander Donatra. Captain Romanova ist zwar aus dem Schlimmsten raus, aber noch nicht 100%ig fit.“, sagte Eric McClusky.
 

Auf dem Planeten Arkon
 

Prinzessin Daena stand auf der Balustrade des Palastes und sah hinunter auf die Stadt. Sie war eine 1,60 m große schlanke Brünette im Alter von 26 Jahren mit braunen Augen und Haaren, die bis zu ihrer Achselhöhle reichten. Sie hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und einer durchschnittlichen Nase. Daena trug an diesem Tag ein magentafarbenes Kleid, das hinten am Nacken zusammengebunden war, und Schuhe mit flachen Absätzen in derselben Farbe.
 

Neben ihr stand ihre 2 Jahre jüngere Schwester Niemira. Daenas jüngere Schwester unterschied sich sehr von ihr. Niemira war eine 1,65 m große Blondine mit blauen Augen. Sie hatte ein ovales Gesicht mit einer breiten Nase. Ihre blonden Haare trug die 24jährige offen und schulterlang. Im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester Daena bevorzugte Niemira dunklere und knappere Kleider. Sie trug ein schwarzes, schulterfreies Kleid mit Oberarmstulpen, die mit Halteriemen am oberen Ende befestigt waren. An den Seiten waren dunkelblaue Streifen mit Rosenmuster eingearbeitet. Dazu trug sie schwarze, halterlose Nylons und Damenschuhe mit erhöhten Absätzen.
 

„Was meinst du, Daena? Wie lange müssen wir diese Bombardements noch über uns ergehen lassen?“, fragte Niemira ihre Schwester.
 

„Ich weiß es nicht, Niemira. Ich hoffe jeden Tag, dass jemand kommt und diesen Widerling vernichtet.“ 178

„Und wenn niemand kommt?“, fragte Niemira.
 

„Daran wage ich gar nicht zu denken, Niemira.“
 

„An die Oberfläche können wir sowieso nicht zurück.“, sagte Niemira.
 

„Ja, ich weiß. Erinnere mich bitte nicht daran, Niemira.“
 

Daena dachte an jenen schicksalhaften Tag zurück, an dem sie mit ihrer Schwester Niemira und ihrem Bruder Arkos in die geheime Stadt geflohen war. Es war nach Einbruch der Dunkelheit, als der Angriff begonnen hatte. Tausende Drohnen waren aus heiterem Himmel über der Planetenoberfläche aufgetaucht und hatten ein flächendeckendes Bombardement begonnen. Die Gärten und Felder wurden mit Brandbomben vernichtet, während die Gebäude, wie der Palast der königlichen Familie, mit Phosphorbomben zerstört wurden. In jener Nacht, die als „Nacht der tausend Feuer“ in die Geschichte Arkons einging, waren die Geschwister zu Vollwaisen geworden. Seitdem lebte das Volk der Arkonaner, wie sich die Bewohner Arkons nannten, in Furcht und Schrecken.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina saß in ihrem Lieblingssessel und trug wieder das Kleid mit den Pfauenfedern. Auf der Couch saß Donatra, die Kommandantin der Valdore. Sie war zu einer kurzen Besprechung auf die Kirow gekommen und machte nun ihrer Freundin ihre Aufwartung. Jekaterina freute sich, ihre romulanische Freundin zu sehen.
 

„Ich hab gehört, was dir passiert ist. Wie fühlst du dich?“, sagte Donatra.
 

„Ab sofort feiere ich meinen Geburtstag zweimal.“
 

„Schön, dass du deinen Humor nicht verloren hast, Jekaterina.“, sagte die Romulanerin.
 

„Ganz ehrlich, ohne Loreleys Hilfe wäre ich jetzt nicht hier.“
 

„Kann ich mir gut vorstellen. Der Schlamm hat deine Genesung sichtlich beschleunigt.“, sagte Donatra.
 

„Worauf willst du hinaus?“
 

„Normalerweise dauert es Jahre, bis solche Blutkrankheiten vollständig geheilt sind. Bei dir waren es nur ein paar Tage.“, sagte die Kommandantin der Valdore.
 

„Stimmt. Aber egal. Wichtig ist, dass ich fast wieder fit bin.“
 

„Ja. FAST, Jekaterina.“, sagte Donatra. 179
 

Später verabschiedeten sich die beiden Frauen.
 

„Ich muss wieder zurück auf die Valdore. Dir gute Besserung. Und wenn was ist, sag bescheid.“, sagte Donatra.
 

„Mach ich.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56338.1 Commander Eric McClusky, erster Offizier, neuer Eintrag: Wir haben den Planeten Arkon fast erreicht. Die Southern Cross ist von unseren Scannern erfasst worden. Doch es ist nicht auszuschließen, dass uns die Sensoren des feindlichen Schiffes ebenfalls erfasst haben, genauso wie die Valdore. Wir werden wohl bald in Kontakt mit Exegol, dem Kommandanten der Southern Cross treten. Mal sehen, wie er reagiert, wenn er merkt, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist, wenn uns jemand herausfordert.“
 

„Commander, die Southern Cross ist noch 2 Kilometer von unserer gegenwärtigen Position entfernt.“, sagte Jennifer Bond, die Sicherheitsoffizierin der Kirow.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien ein kleiner, weißer Punkt.
 

„Vergrößern.“, sagte Eric McClusky.
 

Der Ausschnitt vergrößerte sich und aus dem weißen Punkt wurde ein 115 m langes und 7,50 m breites Raumschiff. Eric McClusky fiel aus, dass die Erbauer des fremden Schiffes eher runde Formen bevorzugt hatten. Und offenbar hatten die Konstrukteure der Southern Cross ein bisschen bei der Föderation abgekuckt, wie die Warpgondeln verrieten, die auf der Unterseite des Schiffes nach vorne ragten. Eine weitere Ähnlichkeit zu den Föderationsschiffen der Miranda-Klasse bestand darin, dass das Triebwerk für den Impulsantrieb oberhalb der Kommandobrücke in einer Stützstrebe verbaut war. Allerdings bildete diese Strebe den tragenden Teil des Schiffes und eine Untertassensektion suchte man vergebens. Stattdessen hatte die Southern Cross auf der Oberseite des Rumpfes, der von der Strebe getragen wurde, zwei große Fenster, die einen großzügigen Blick auf die Brücke des Schiffes gewährten.
 

Der erste Offizier erkannte, dass im rückwärtigen Bereich der Brücke eine Konsole in die Wand eingelassen war, an der ein Ferengi saß. Auf der Seite gegenüber war eine ähnliche Konsole. An ihr saß eine leicht bekleidete Frau, ihrem Aussehen nach eine Asiatin. An der Frontseite waren zwei weitere Konsolen zu sehen. An der einen saß ein Borg, an der anderen ein Breen. Links und der beiden Konsolen befanden sich zwei schwenkbare Gefechtsstände. Der auf der rechten Seite wurde von einem Klingonen bedient. Der zweite, auf der Backbordseite von einem Vorta. Hinter dem Borg saß etwas erhöht eine 180

Trill. Eric McClusky erkannte sie an den rotbraunen Malen den ganzen Körper der Frau bedeckten. Versetzt zur Trill, aber dennoch etwas erhöht, saß auf der Backbordseite ein Mann. Dem ersten Offizier der Kirow fiel sofort die grüne Haut des Mannes auf. Anhand der Kleidung, der er trug, schloss Eric McClusky, dass dieser zumindest einigen Einfluss auf der Southern Cross hatte. Auf dem Kopf trug der grünhäutige Mann eine Krone, während der Rest seiner Kleidung aus edelsten, reich verzierten Stoffen bestand.
 

Über diesem Mann befand sich noch eine Empore, auf der in der Mitte ein Thron stand. Und auf diesem saß der Exegol, der Kommandant der Southern Cross. Exegol war ein furchteinflößende Erscheinung. Er hatte einen breiten Kopf, an dessen Schläfen zwei Mufflonhörner aus dem Kopf ragten. Außerdem besaß er diabolische rote Augen. Vom Körperbau her war Exegol eher schmächtig, wie die Klauenhände verrieten, die aus den Ärmeln seines blauen Gewandes hervorragten. Exegol lächelte und zeigte ein Gebiss mit messerscharfen Zähnen.
 

Eric McClusky konzentrierte sich wieder auf das Äußere des Schiffes. Die Abschussrampen für die Torpedos waren in der Bugspitze der Southern Cross untergebracht. Backbord und Steuerbord befanden sich jeweils drei der sechs Turbolasertürme. In den Hauptstreben waren die Phaserbänke installiert worden. 181
 

An Bord der Southern Cross
 

Der Ferengi wandte sich zu Exegol um.
 

„Herr, unsere Sensoren haben zwei Schiffe erfasst. Das eine ist ein Föderationsraumschiff der Sovereign-Klasse. Das zweite ein romulanisches Schiff der Valdore-Klasse.“, sagte er.
 

„Ein Föderationsschiff der Sovereign-Klasse?“
 

„Ja, Herr.“, sagte der Ferengi.
 

„Wie viele Schiffe der Sovereign-Klasse haben wir in unserer Datenbank, Dvorak?“
 

„Nur die USS Enterprise. Aber die Föderation hat noch das Typschiff und 10 weitere Schiffe dieser Klasse, Herr.“, sagte Dvorak.
 

„Waren es nicht 11?“
 

„Das ist richtig. Aber am 5. März 2379 wurde mit der USS Kirow das aktuellste Schiff dieser Klasse in Dienst gestellt.“, sagte der Ferengi.
 

Der Borg schaltete sich in das Gespräch ein. 181
 

„Herr, die Föderationsraumschiff hat seine Schilde und die Waffensysteme aktiviert.“, sagte er.
 

„Bist du dir sicher, Korvak?“
 

„Ja, Herr.“
 

„Herr, das Schiff ist noch 1,5 Kilometer von unserer gegenwärtigen Position entfernt. Geschätztes Zusammentreffen in einer halben Stunde.“, sagte der Breen.
 

Der Orbit um den Planeten Arkon 30 Minuten später
 

Die Kirow hatte in einer Entfernung von 800 Metern von der Southern Cross Position bezogen. Eric McClusky hatte die beiden vorderen Torpedorohre mit zwei Quantentorpedos bestücken lassen. Er wollte der Southern Cross so ein klares Signal der Stärke senden.
 

An Bord der Southern Cross
 

Korvak, der Borg, wandte sich an Exegol.
 

„Herr, das Föderationsschiff hat die beiden vorderen Torpedorohre bestückt. Soll ich feuern?“, sagte er.
 

„Nein. Das soll ein Signal der Stärke und eine Warnung für uns sein.“
 

Exegol wandte sich an die Frau an der Konsole gegenüber der des Ferengi.
 

„Komi, ruf das Föderationsschiff. Wollen doch mal sehen, wie abgebrüht dessen Kommandant ist.“, sagte er.
 

„Ja, Herr.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob ihren Kopf, als die Nachricht der Southern Cross eintraf.
 

„Commander, McClusky, die Southern Cross hat uns kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des Kommandanten der Southern Cross. Und es fiel dem ersten Offizier der Kirow alles andere als schwer, um zu erkennen, dass der gegnerische Captain, alles andere als erfreut war.
 

„Ich nehme an, sie sind Exegol.“, begann Eric McClusky das Gespräch. 182
 

„Der bin ich. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“
 

„Commander Eric McClusky. Erster Offizier des Föderationsschiffes USS Kirow.“, sagte Commander McClusky.
 

„Wo ist ihr Captain?“
 

„Captain Romanova ist zurzeit aus gesundheitlichen Gründen außer Gefecht gesetzt.“, sagte Eric McClusky.
 

„Verstehe. Nun denn. Vor einigen Tagen hatten wir ein unangenehmes Rendezvous mit einem anderen Schiff ihrer Klasse. Es war die USS Enterprise.“
 

„Man hat uns mitgeteilt, dass Captain Picard sie nicht zum Rückzug bewegen konnte, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Falls sie dasselbe vorhaben, Commander, dann lassen sie sich folgendes gesagt sein: Sie werden mich auch nicht verjagen.“
 

„Hören sie, Captain. Man hat uns ermächtigt, sie notfalls mit Waffengewalt zum Rückzug zu zwingen. Und glauben sie mir, ich werde nicht zögern und unsere Waffen gegen sie einsetzen, wenn es sein muss.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Wollen sie einen Krieg anzetteln, Commander?“
 

„Ich möchte eine Sache ein für allemal klarstellen, Exegol. Die Föderation wird solche ungerechtfertigten Bombardements vor ihrer Haustür auf keinen Fall dulden oder tolerieren.“, sagte Eric McClusky resolut.
 

„Jetzt hören sie mir mal gut zu, Commander. Ich setze ihnen dieselbe Frist, die ich Captain Picard gesetzt habe. Sie haben 24 Stunden, um von hier zu verschwinden. Sollten sie meine Forderung innerhalb dieser Frist nicht erfüllen, greife ich an. Und merken sie sich das gut, Commander: Mein Schiff ist unbesiegbar. Morgen Abend 18:24 Uhr sind sie verschwunden.“
 

Dayani, das Energiewesen, das links von Eric McClusky saß, erhob sich nun zu seiner vollen Größe.
 

„Du stinkst ja geradezu vor Überheblichkeit, du Pappnase.“, sagte sie.
 

Exegols Gesichtsausdruck verdüsterte sich. So hatte noch keiner mit ihm gesprochen. Noch nie hatte es jemand auch nur gewagt, sich ihm zu widersetzen. Dieses Mal war es jedoch anders.
 

„Commander, wenn ich ihnen einen guten Rat mit auf den Weg geben dürfte: Legen sie diese vorlaute Göre mal übers Knie und prügeln sie ihr Manieren ein.“, sagte Exegol. 183

„Bedaure, aber das ist leider nicht möglich. Wenn ich Hand an Dayani legen würde, bekäme ich von ihrer Mutter ordentlich eins übergebügelt. Kirow Ende.“, sagte Eric McClusky.
 

In Jekaterinas Quartier
 

Jekaterina hatte gerade ihr neuestes Kleid angelegt, und betrachtete sich im Spiegel. Sie trug ein blaues Kleid, in der Farbe ihres Bademantels, das mit goldenen Sternen bestickt war. Dazu trug sie Schuhe mit flachen Absätzen und um den Hals eine goldene Kette mit Tansanitsteinen. Um den Hals trug sie einen Seidenschal in demselben Blauton und demselben Sternenmuster und Armstulpen. Doch der Türsummer riss Jekaterina aus ihren Gedanken.
 

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Treten sie ein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und der Q trat ein. Im Gegensatz zu seinem letzten Besuch trug der dieses Mal einen weißen Anzug mit roter Krawatte und eine weißen Zylinder. Auch sein Stock war ein anderer. Dieser war aus Elfenbein und hatte einen gebogenen Griff. Dambala musterte die Kommandantin der Kirow mit einem bewundernden Blick. Jekaterina wandte sich zu ihm um.
 

„Ich hoffe, ihnen gefällt was sie bewundern durften.“, sagte sie.
 

„Sie überraschen mich immer wieder aufs neue, Captain. Sie sehen aus wie eine Lady.“
 

„Danke, für das Kompliment. Aber kommen wir zu dem Grund ihres Besuchs, Dambala. Ich hätte vieles für möglich gehalten, aber nicht, dass wir uns in so kurzer Zeit schon wieder sehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Nun, ich bin durch Zufall an einige Informationen gelangt, die ihnen und ihrer Crew, bei dieser Mission nützlich sein könnten.“
 

„Da mein erster Offizier auf dieser Mission das Kommando über die Kirow hat, finde ich es nur Rechtens, wenn er dabei ist, wenn sie ihre Informationen preisgeben.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist ihr Schiff, Captain. Ich bin hier nur Gast, und habe nicht das Recht ihre Entscheidungen infrage zu stellen.“
 

„Schön, dass sie das einsehen.“, sagte Jekaterina und aktivierte ihren Kommunikator.
 

„Captain an Brücke.“, sprach sie in das kleine Gerät. 184

„Ich höre sie klar und deutlich, Captain.“
 

„Nummer eins, kommen sie bitte in 10 Minuten in den Bereitschaftsraum. Es gibt Neuigkeiten.“, sagte Jekaterina.
 

„Aye, Captain.“
 

10 Minuten später
 

Eric McClusky saß auf seinem Platz, der ihm als erster Offizier zustand, als die Türhälften auseinander glitten und seine Vorgesetzte, dicht gefolgt von Dambala den Raum betrat. Dem Q entging der besorgte Gesichtsausdruck im Gesicht des ersten Offiziers nicht. Dementsprechend überraschte ihn die Frage von Jekaterinas Nummer eins nicht.
 

„Wie fühlen sie sich, Captain?“
 

„Ein wenig besser.“, sagte Jekaterina.
 

Dann wandte sie sich zu Dambala um.
 

„Nummer eins, das ist Dambala, der Q, der mir vor kurzem seine Aufwartung gemacht hat. Dambala, mein erster Offizier Eric McClusky.“, sagte die Kommandantin.
 

„Commander.“
 

Mit diesen Worten präsentierte der Q Eric McClusky sein, die dieser mit einem festen Händedruck ergriff.
 

Als sich jeder gesetzt hatte, eröffnete Jekaterina das Gespräch.
 

„Wie ich bereits sagte, Nummer eins, es gibt Neuigkeiten.“, sagte sie.
 

„Ich habe auch welche für sie, Captain.“
 

„Dambala, was haben sie für uns?“, fragte Jekaterina den Q.
 

„Exegol ist ein Moloch.“
 

„Wenn ich nich recht entsinne, war das der Name einer Gottheit im antiken Karthago, der man Kinder geopfert hat.“, sagte Eric McClusky.
 

„Richtig, Nummer eins. Und beschrieben wurde er als eine Kreatur mit großem Kopf und Mufflonhörnern an den Schläfen, Klauenhänden und einem Gebiss aus messerscharfen Zähnen.“
 

„Auf eurer Erde glaubt man, dass Moloch nur eine Figur in Gruselgeschichten ist, die man kleinen Kindern nachts bei Kerzenschein erzählt. Aber dem ist nicht so. Es gibt sie wirklich. Woher sie kommen weiß niemand so genau. Einst haben sie sogar ganze Galaxien beherrscht. Doch irgendwann haben sich die Bewohner der Planeten in diesen Galaxien gegen die Moloche erhoben und sie einen nach dem anderen vernichtet. Heute existiert nur noch eine Hand voll von ihnen. Exegol ist einer davon.“, sagte Dambala.
 

„Woher haben sie diese Informationen?“
 

„Ich habe sie von einem von Exegols Besatzungsmitgliedern, Captain Romanova. Sie ist von der Erde. Ihr Name ist Komi.“, sagte Dambala.
 

„Klingt asiatisch.“
 

„Komi ist Japanerin, Commander McClusky.“, sagte Dambala.
 

Jekaterina schaltete sich wieder in das Gespräch ein.
 

„Was hat Komi von ihnen als Gegenleistung für diese Informationen verlangt?“, fragte sie.
 

„Sie will von der Southern Cross fliehen. Wenn sie können, dann helfen sie ihr.“
 

„Ich mache keine Versprechen, von denen ich weiß, dass ich sie nicht einhalten werde.“, sagte Jekaterina.
 

„Das verlangt auch niemand.“
 

Eric McClusky räusperte sich.
 

„Stimmt sie hatten ja auch noch Neuigkeiten, Nummer eins. Berichten sie.“, sagte Jekaterina.
 

„Exegol hat uns kontaktiert und uns ein Ultimatum gestellt.“
 

„Was verlangt er, Mr. McClusky?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir müssen bis morgen Abend 18:24 Uhr verschwunden sein. Ansonsten nimmt er uns unter Beschuss.“
 

„Was haben sie vor, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir bleiben hier. Exegol mag zwar unser Schwesterschiff vertrieben haben, aber wir haben eine Mission zu erfüllen. Und genau das werden wir tun.“
 

„Sie haben das Kommando, Nummer eins. Handeln sie so wie sie für richtig halten.“, sagte Jekaterina. 185

„Da wäre noch etwas, Captain.“
 

„Ich höre.“, sagte Jekaterina.
 

„Dayani war zum Zeitpunkt unseres Gesprächs mit Exegol auf der Brücke.“
 

„Und?“, fragte die Kommandantin.
 

„Sie ist Exegol gegenüber frech geworden, als er gesagt hat, sein Schiff wäre unbesiegbar.“
 

„Was hat sie denn gesagt, Nummer eins?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Ich zitiere: „Du stinkst ja geradezu vor Überheblichkeit, du Pappnase.“ Das waren exakt Dayanis Worte.“
 

„Mutig. Ich schätze, Exegol dürfte nicht gerade sehr erfreut gewesen sein, als Dayani ihm das an den Kopf geknallt hat.“, sagte Dambala.
 

„Er hat Gift und Galle gespuckt.“
 

„Das war zu erwarten, Commander. Es gibt zwei Dinge, die einen Moloch schnell auf die Palme bringen.“, sagte Dambala.
 

„Und welche wären das?“
 

„Das erste was ein Moloch nicht leiden kann, ist, wenn man ihm gegenüber frech wird. So wie Dayani. Und das zweite, was einen Moloch verärgert, ist, wenn man ihm Überheblichkeit unterstellt.“, sagte der Q.
 

„Haben die Moloche Schwächen?“
 

„Nur eine, Captain. Ihre Überheblichkeit.“, sagte Dambala.
 

12 Stunden später
 

Jekaterina saß wieder auf ihrem Platz in der Mitte, der ihr als Kommandantin der Kirow zustand, als eine Nachricht der Southern Cross eintraf.
 

„Captain, die Southern Cross hat uns kontaktiert.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Molochs.
 

„Zeitvergleich, Commander.“, polterte Exegol.
 

„Hüten sie ihre Zunge, Exegol. Im Moment habe ich hier das Sagen.“ 186

„Ich schätze, sie sind dann Captain Romanova.“, sagte Exegol.
 

„Ganz Recht. Captain Jekaterina Romanova. Kommandantin des Föderationsschiffs USS Kirow.“
 

„Dann bitte ich vielmals um Entschuldigung, Captain. Es hieß, sie wären krank.“, sagte der Moloch.
 

„Ich befinde mich zwar noch im Zustand der Genesung, aber ich darf ab und zu doch meinen Dienst verrichten.“
 

„Dann wünsche ich ihnen an dieser Stelle gute Besserung, Captain.“, sagte Exegol.
 

„Danke.“
 

„Aber genug der Höflichkeiten. Sie wissen von meinem Ultimatum?“, sagte der Moloch.
 

„Da.“
 

„Es sind jetzt 12 Stunden vergangen, Captain. Aber sie haben es nicht für nötig gehalten, den Rückzug zu befehlen.“, sagte Exegol.
 

„Ich bin momentan eher nur Zuschauer. Das Kommando hat mein erster Offizier. Und er handelt so, wie er es für richtig hält. Ganz abgesehen davon, ich hätte vermutlich genauso gehandelt.“
 

„Na schön. Ganz wie sie wollen, Captain. Aber sagen sie am Ende nicht, ich hätte sie nicht gewarnt.“, sagte der Moloch.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56340.6 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Vor einer Stunde gab es ein Gespräch zwischen Exegol, dem Kommandanten der Southern Cross und mir. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich teile die Ansichten meines ersten Offiziers. Exegol ist dermaßen von sich überzeugt, dass er seine Augen vor der Realität verschließt. Meine 3-Stunden-Schicht endet gleich, doch ich wollte es mir dann doch nicht nehmen lassen, noch einmal einen Logbucheintrag zu machen.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und erhob sich.
 

„Sie haben wieder das Kommando, Nummer eins.“, sagte sie.
 

„Ich übernehme wieder das Kommando, Captain.“
 

Jekaterina verließ unter einem lauten „Kommandant verlässt Brücke“ die Brücke und ging in den nächsten Turbolift, dessen Türen sich hinter ihr schlossen. 187
 

Auf dem Planeten Arkon
 

Daena saß im Audienzsaal und ging gerade einige Dokumente durch. Sie hob kurz den Kopf, als es klopfte.
 

„Herein!“, sagte sie.
 

Ihr persönlicher Sekretär Seigo betrat den Raum.
 

„Professor Futura wünscht euch zu sprechen, Herrin.“, sagte er.
 

„Er soll eintreten.“
 

„Sehr wohl, Prinzessin.“, sagte der Sekretär.
 

Ein älterer Mann mit weißen Haaren, die eine Halbglatze bildeten, betrat den Raum. Anhand der Falten in seinem Gesicht, schätzte Daena sein Alter auf jenseits der 70. Er trug eine Brille mit einem quadratischen Gestell. In seinen braunen Augen konnte die Prinzessin Freude erkennen. Offenbar war ihm bei seinen Forschungen ein wichtiger Durchbruch gelungen. Bekleidet war er mit einem weißen Kittel, einer hellbraunen Cordhose, einem weißen Hemd, und hellbraunen Herrenschuhen.
 

„Was führt sie zu mir, Professor Futura?“, fragte Daena freundlich, nachdem der Wissenschaftler den obligatorischen Hofknicks vollführt hatte.
 

„Ich habe phantastische Neuigkeiten, Prinzessin.“
 

„Freut mich das zu hören, Professor. Setzt euch doch.“, sagte Daena.
 

Der alte Mann setzte sich.
 

„Nun, Professor Futura. Was haben sie denn für Neuigkeiten für mich?“, fragte die Prinzessin.
 

„Prinzessin Daena, euer Volk verfügt seit heute über den Warpantrieb. Das von euch zur Verfügung gestellte Versuchsschiff hat Warp 3 erreicht.“
 

„Ist das viel, Professor?“, fragte Daena.
 

„Jedenfalls mehr, als ich und mein Team erwartet hatten.“
 

„Ich gratuliere ihnen, Professor Futura.“, sagte Daena.
 

„Danke, Prinzessin.“
 

Professor Futura wandte sich zum Gehen. 188
 

„Darf ich euch noch einen guten Rat mit auf den Weg geben, Prinzessin Daena?“, fragte er.
 

„Gerne.“
 

„Jetzt, wo Arkon über den Warpantrieb verfügt, solltet ihr einen Antrag auf einen Beitritt zur Vereinten Föderation der Planeten stellen. Dann wird es für zukünftige Aggressoren schwieriger, euch zu überfallen.“, sagte der Professor.
 

„Ihr seid ein weiser Mann, Professor Futura. Danke für euren Rat.“
 

An Bord der Southern Cross
 

Dvorak wandte sich an Exegol.
 

„Herr, es wäre wieder Zeit, den Planten mit den Drohnen zu bombardieren.“, sagte der Ferengi.
 

„Nicht, wenn ein Föderationsschiff in der Nähe ist. Und so wie ich die beiden kommandierenden Offiziere einschätze, werden sie den Befehl geben, das Feuer auf uns zu eröffnen, wenn sie den Drohnenstart entdecken.“
 

12 Stunden später
 

Um 18:24 Uhr am 5. Mai 2379 endete Exegols Ultimatum. Weder Kirow noch Valdore waren den Forderungen des Molochs nachgekommen. Keiko Tadashita empfing die Nachricht der Southern Cross.
 

„Commander, die Southern Cross hat uns gerade kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Exegols Gesicht.
 

„Sie sind ja immer noch da.“, sagte der Moloch.
 

„In der Tat, das sind wir.“
 

„Sie haben meine Forderung also nicht erfüllt.“, sagte Exegol.
 

„Das haben sie sehr richtig erkannt.“
 

„Nun denn. Sie haben es nicht anders gewollt, Commander McClusky.“, sagte Exegol.
 

Die Verbindung wurde unterbrochen und wenig später erzitterte die Kirow, als eine Salve der Southern Cross das Schiff traf. Und genau auf diesen Augenblick hatte Eric McClusky gewartet. Sofort gab er den Befehl das Feuer zu 189

erwidern. Die Kirow antwortete mit einer Phasersalve, die die Schilde der Southern Cross durchbrach und die Turbolasertürme auf der Steuerbordseite unbrauchbar machte. Die Valdore griff ihrerseits in das Gefecht ein. Ihre Phaser verursachten schwere Schäden an der Außenhülle des feindlichen Schiffes.
 

An Bord der Southern Cross
 

Ein Stahlträger kam von oben und begrub fünf Besatzungsmitglieder unter sich. Die Luken mit denen die Drohnen normalerweise gestartet wurden, waren zuvor von einer Phasersalve der Kirow schwer beschädigt worden und hatten sich verklemmt. Der leitende Ingenieur rannte durch den Hangar und brüllte Befehle.
 

„Los, los! Beeilung! Räumt den Stahlträger da weg!“, schrie er.
 

Doch er merkte schnell, dass die Männer schnell an ihre Leistungsgrenze kamen. Denn die Schäden, die Kirow und Valdore angerichtet hatten, waren verheerend. Viele seiner Leute waren verwundet, einige sogar tot. Überall wüteten Feuer. Und hatte ein Brandbekämpfungskommando einen Brand unter Kontrolle, brach an anderer Stelle ein neuer aus. Von einer Sprechanlage im Hangar rief der die Brücke.
 

„Herr, wir müssen uns zurückziehen.“, sagte er.
 

„So und warum?“
 

„Die Schäden sind verheerend. Außerdem sind unsere Löschtrupps überfordert. Haben sie ein Feuer unter Kontrolle, bricht woanders ein neues aus. Wir haben auch viele Verwundete zu beklagen. Außerdem gibt es auch Tote. Wir haben keine Chance.“, sagte der LI.
 

„Ich verstehe. Also gut. Wir ziehen uns zurück.“
 

Auf der Brücke befahl Exegol, das Feuer einzustellen und einen nordöstlichen Kurs zu nehmen. So hatte er sich das Ganze nicht vorgestellt. Er hatte gedacht, dass er die Kirow mit Leichtigkeit würde besiegen können. Doch weit gefehlt. Er hatte schnell feststellen müssen, dass das Föderationsschiff ihm haushoch überlegen war. Zumal die Southern Cross gegen zwei Gegner hatte kämpfen müssen.
 

An Bord der Kirow
 

„Commander! Die Southern Cross hat den Kampf abgebrochen und ist auf einen nordöstlichen Kurs gegangen.“, sagte Alex Riley.
 

„Das dürfte Exegol für eine Weile beschäftigen.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56342.0 Commander Eric McClusky, erster Offizier, neuer Eintrag: Die Southern Cross hat uns nach Ablauf 190

von Exegols Ultimatum unter Beschuss genommen. Mit Hilfe der Valdore ist es uns jedoch gelungen, sie so schwer zu beschädigen, dass dem Kommandanten nichts anderes übrig geblieben ist, als den Rückzug zu befehlen.“
 

Eric McClusky tippte an seinen Kommunikator.
 

„Brücke an Captain.“, sagte er.
 

„Ich höre sie, Nummer eins. Irgendwelche Neuigkeiten?“
 

„Ja, Captain. Wir haben die Southern Cross in einem kurzen Gefecht ziemlich übel zugerichtet. Exegol musste den Rückzug befehlen.“, sagte Eric McClusky.
 

„Soviel zum Thema „Mein Schiff ist unbesiegbar“, Nummer eins.“
 

„Jede Wette, der leckt an einem stillen Ort seine Wunden.“, sagte Commander McClusky.
 

„Davon können wir ausgehen, Nummer eins.“
 

„Wie fühlen sie sich, Captain?“, fragte Eric McClusky.
 

„Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen.“
 

„Freut mich, das zu hören, Captain Romanova.“
 

„Spassiba, Nummer eins.“
 

Auf dem Planeten Arkon
 

Daena nahm gerade ein Bad, als ihre Schwester Niemira das Badezimmer betrat.
 

„Was führt dich zu mir Schwesterherz?“, fragte Daena.
 

„Die Southern Cross ist geflohen. Scheint so, als ob deine Gebete letztendlich doch erhört wurden.“
 

„Wunderbar. Wahrscheinlich ist Exegol an einen Raumschiffkommandanten geraten, der keine Angst vor ihm hat.“, sagte Niemiras ältere Schwester.
 

„An dem Gefecht waren außer der Southern Cross noch die USS Kirow und die IRW Valdore beteiligt. Die Valdore ist ein romulanisches Schiff, während die Kirow zur Raumflotte der Vereinten Föderation der Planeten gehört.“
 

Daena seufzte vor Erleichterung.
 

„Endlich haben wir Ruhe.“, sagte sie dann. 191
 

„Freu dich nicht zu früh. Exegol wird wiederkommen.“
 

„Und wenn er wieder hierher zurückkommt, werden wir Mitglied der Föderation sein.“, sagte Daena.
 

„Meinst du, die nehmen uns auf?“
 

„Wir haben den Warpantrieb. Damit ist das Beitrittskriterium erfüllt.“, sagte Daena zu ihrer jüngeren Schwester.
 

„Und wem verdanken, wir dieses Wunder?“
 

„Professor Futura.“, sagte Prinzessin Daena.
 

„Der alte Zausel?“
 

„Genau der. Und du wolltest ihn töten lassen, als er hier ankam.“, sagte Daena.
 

„Damals konnte ich ja auch nicht ahnen, wie wertvoll er sein würde.“
 

An Bord der Southern Cross irgendwo im Alpha-Quadranten
 

Exegol hatte seine wichtigsten Offiziere zu einer Besprechung zusammengerufen.
 

„Gentlemen, ich habe um diese Zusammenkunft gebeten, weil ich wissen will, was wir tun können, um uns an der Kirow zu rächen.“, sagte er.
 

„Da können wir gar nichts tun. Die Kirow ist uns in jeder Hinsicht überlegen. Sie ist stärker bewaffnet, hat stärkere Schilde und ist schneller als wir.“
 

„Was ist mit dem zweiten Schiff?“, fragte Exegol.
 

„Es handelt sich um ein romulanisches Kriegsschiff der Valdore-Klasse. Es ist sogar das Typschiff selbst.“
 

Exegol runzelte die Stirn.
 

„LI, was meinen sie, wie lange wird es dauern, bis wir wieder einigermaßen kampfbereit sind?“, fragte er seinen leitenden Ingenieur, einen Sindareen.
 

„Nach meiner Einschätzung zwei bis drei Monate. Mindestens zwei Monate.“
 

„Soviel Zeit haben wir nicht. Ich gebe ihnen einen Monat. Danach kehren wir nach Arkon zurück.“, sagte Exegol.
 

Die Trill meldete sich zu Wort. 192
 

„Herr, dann könnte es unter Umständen zu spät sein.“, sagte sie.
 

Exegol sah seine Counselor wutentbrannt an.
 

„Worauf wollen sie hinaus, Ilva?“, fragte er.
 

„Herr, wenn ihr euch erinnert ist uns doch dieser Wissenschaftler entkommen.“
 

„Sie meinen Professor Futura?“, wollte Exegol wissen.
 

„Ja, Herr. Irgendwie ist es ihm gelungen, bis nach Arkon zu gelangen. Kurz bevor wir das Gefecht abbrechen mussten, habe ich aus dem Augenwinkel an Dvoraks Konsole einen Raumschiffstart erkannt.“
 

„Sie meinen…“, begann Exegol den nächsten Satz.
 

„Ja, Herr. Arkon dürfte Stand jetzt über den Warp-Antrieb verfügen. Und wenn ich mich recht erinnere, ist der Warpantrieb das einzige Kriterium für einen Beitritt zur Föderation.“
 

„Wenn Arkon der Föderation beitritt, dann gute Nacht Marie.“, sagte Dvorak.
 

„Dvorak! Du weißt, dass ich solche unangebrachten Äußerungen nicht dulde.“
 

Der grünhäutige räusperte sich.
 

„Du hast etwas zu dieser Gesprächsrunde beizusteuern, Morlock?“, fragte Exegol.
 

„Mit Verlaub, euer Execellence. Aber isch befürchte, dass Dvorak Recht hat. Wenn Arkon in die Föderation aufgenommen wird, und wir die Bombardements wieder aufnehmen, dann wird uns Präsidentin Arikka die gesamte Flotte auf den Hals hetzen.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko Tadashita hob den Kopf, als eine Nachricht von Arkon eintraf.
 

„Commander, ich empfange eine Nachricht von Arkon.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Prinzessin Daenas Gesicht. Eric McClusky ahnte, dass er es mit einem Staatsoberhaupt zu tun hatte, zeigte den Kniefall und senkte demütig den Kopf.
 

„Ihr kniet vor niemandem nieder, Fremder.“, sagte Daena freundlich. 193
 

„Ich danke.“
 

„Würdet ihr mir freundlicherweise euren Namen verraten?“, fragte Daena.
 

„Commander Eric McClusky. Erster Offizier des Föderationsschiffes USS Kirow.“
 

„Es ist mir eine Freude, sie kennenzulernen, Commander. Und ich möchte mich bei ihnen im Namen meines Volkes bedanken.“, sagte Daena.
 

„Ich habe nur meine Pflicht getan. Es war unser Auftrag die Southern Cross zu vertreiben.“
 

„Den sie mit Bravour gelöst haben, Commander.“, sagte die Prinzessin.
 

„Bleibt zu hoffen, dass die Southern Cross nicht wiederkommt.“
 

„Exegol kommt wieder, Commander. Es wird vielleicht eine Zeit dauern, aber er wird zurückkehren.“, sagte Prinzessin Daena.
 

„Was macht sie da so sicher?“
 

„Glauben sie wirklich, dass Exegol so eine Schmach auf sich sitzen lässt, Commander McClusky?“, fragte Daena.
 

„Auch wieder wahr.“
 

„Commander, wir, das Volk der Arkonaner möchten der Föderation beitreten. Wir verfügen über den Warpantrieb.“, sagte Daena.
 

„Nun so einfach ist das nicht. Aber ich war wohl so nachlässig, sie nach ihrem Namen zu fragen.“
 

„Ich bin Prinzessin Daena.“, sagte Niemiras ältere Schwester.
 

„Nun Prinzessin, wie ich schon sagte, man kann nicht einfach so der Föderation beitreten, nur weil man über den Warpantrieb verfügt. Euer Volk muss GEEINT agieren. Und nicht in Form von vielen kleinen Fürstentümern.“
 

„Verstehe. Und ich möchte es mal so ausdrücken, Commander. Bis zu dem Zeitpunkt, als Exegol Arkon zum ersten Mal bombardiert hat, war unser Volk nicht geeint. Wir waren zerstritten. Erst durch Exegol sind wir wieder ein Volk geworden.“, sagte Daena.
 

„Ich verstehe, Prinzessin. Ich kann ihnen nur zusagen, dass wir ihr Beitrittsgesuch an den Föderationsrat weiterleiten. Mehr können wir in dieser Angelegenheit nicht tun. Was wir aber noch tun können, ist hierzubleiben und dafür zu sorgen, dass Exegol nicht zurückkehrt.“ 194
 

„Das wäre sehr freundlich von ihnen, Commander.“, sagte Daena.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit56355.2 Commander Eric McClusky, erster Offizier, neuer Eintrag: Heute Morgen um 10:00 Uhr kam die Nachricht vom Föderationsrat, dass man Beitrittsverhandlungen mit Arkon zugestimmt hat. Botschafterin Luan hat sich auf der USS Laconia eingeschifft und ist nun auf dem Weg hierher. Uns wurde befohlen solange vor Ort zu bleiben, bis die Laconia eintrifft.“
 

Arkon einen Monat später
 

Die Beitrittsverhandlungen waren beendet. Der Vertrag war unterschrieben. Neben Botschafterin Luan und Prinzessin Daena hatten auch Jekaterina Romanova, die Kommandantin und Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow ihre Unterschrift unter den Vertrag gesetzt. Nun musste der Föderationsrat den Vertrag noch absegnen. Jekaterina und ihr erster Offizier hofften inständig, dass die Southern Cross erst dann auftauchte, wenn man im Föderationshauptquartier den Vertrag abgesegnet hatte.
 

An Bord der Southern Cross
 

Exegol war müde. Doch er konnte nicht schlafen. Denn sein Hass auf die Kirow und ihre Besatzung hielten ihn wach. Der Moloch hatte die bittere Pille einer herben Niederlage schlucken müssen. Er hatte sich eingestehen müssen, dass sein Schiff eben doch nicht unbesiegbar war. In der Kirow hatte er seinen Meister gefunden. Seit dem Gefecht war ein ganzer Monat vergangen. Man hatte Reparaturen vorgenommen, um ein gewisses Maß an Kampfkraft zurückzuerlangen. So waren die Phaser und die Rampen für die Torpedos wieder einsatzbereit. Auch einen Turbolaserturm hatte man reparieren können. Das wichtigste aber, was die Southern Cross so bedrohlich machte, nämlich die Luken für die Drohnen, war leider nicht wieder funktionstüchtig. Der Treffer der Kirow hatte ziemlich großen Schaden angerichtet. Nun schleppte sich die Southern Cross mit Warp 1,5 nach Arkon.
 

Exegol erhob sich.
 

„Ich gehe in mein Quartier. Morlock du übernimmst vorübergehend das Kommando. Wenn was ist, ruf mich.“, sagte Exegol.
 

„Oui, euer Execellence.“
 

Exegol erlebte eine böse Überraschung als er seine Kabine betrat. Denn auf dem Bett saß Dambala, der Q, und zeigte ein diabolisches Grinsen.
 

„Wer bist du denn?“, fragte der Moloch.
 

Doch statt einer Antwort erhielt der Kommandant der Southern Cross nur ein diabolisches Lachen. 195

Danach verschwand der Q direkt vor Exegols Augen. Noch einmal konnte der Moloch das Lachen des Q hören.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56440.2 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir warten noch auf eine Antwort aus dem Föderationshauptquartier, bezüglich der Absegnung des Beitrittsvertrags zwischen Arkon und der Föderation. Solange der Vertrag nicht vom Föderationsrat abgesegnet wurde, ist Arkon noch kein vollwertiges Mitglied der Vereinten Föderation der Planeten. Und das gibt mir keine Handhabe, wenn die Southern Cross wieder hierher zurückkehren und Arkon wieder angreifen sollte.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu. Anfang Juni 2379 hatte Doktor Nadirova sie wieder für gesund erklärt. Nun saß sie wieder auf dem Platz in der Mitte, während Eric McClusky links von ihr Platz genommen hatte. Die beiden sahen einander an.
 

„Es ist gut, sie wieder gesund und munter auf der Brücke zu sehen, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Danke, Nummer eins.“
 

„Ich hoffe, dass ich sie würdig vertreten habe, Captain.“, sagte Jekaterina Nummer eins.
 

„Sie haben einen hervorragenden Job gemacht, Nummer eins. Ich werde dies in meine Beurteilung einfließen lassen.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Es ist nur gerecht, Nummer eins. Sie haben einen mehr als einen guten Job gemacht. Und da ist es nur rechtens, wenn ihre Arbeit gebührend honoriert wird.“
 

San Francisco Flottenwerft
 

Funken sprühten, als ein weiteres Bauteil der Rumpfsektion des neuen Schiffes verschweißt wurde. Präsidentin Arikka hatte nämlich den Bau von zwei weiteren Schiffen der Ranger-Klasse befohlen. Das erste war bereits im Bau. Auf einer anderen Werft der Föderation, der Oakland-Werft, stand ein weiteres Schiff vor der Fertigstellung. Es war die USS Imperator, ein Schiff der Nebula-Klasse.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko Tadashita hob den Kopf, als die Nachricht vom Flottenoberkommando eintraf.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht vom Flottenoberkommando 196

reinbekommen.“, sagte sie.
 

„Was sagt die Nachricht, Keiko?“
 

„Der Föderationsrat hat den Beitrittsvertrag zwischen der Föderation und Arkon einstimmig abgesegnet.“, sagte Keiko.
 

„Sehr schön.“
 

Jennifer Bond meldete sich zu Wort.
 

„Captain, unsere Sensoren haben gerade die Southern Cross geortet, sie ist auf dem Weg hierher. Geschätzte Ankunftszeit in zwei bis drei Stunden.“, sagte sie.
 

„Sagen sie mir, wenn die Southern Cross ihre endgültige Position erreicht hat. Keiko, sie senden eine Botschaft an die Southern Cross, dass sie unbefugt in Föderationsgebiet eingedrungen ist und das jede Aggression von uns als kriegerischer Akt angesehen wird.“
 

An Bord der Southern Cross
 

„Herr, wir nähern uns dem Planeten Arkon.“, sagte der Breen.
 

„Das wurde verdammt noch mal Zeit. Hoffentlich ist die Kirow nicht vor Ort.“
 

Dvorak der Ferengi meldete sich zu Wort.
 

„Herr, unsere Sensoren haben ein Föderationsschiff der Sovereign-Klasse geortet und den Kontakt als USS Kirow identifiziert.“, sagte er.
 

„Das hat uns gerade noch gefehlt. Wie ist der Status der Kirow?“
 

„Sie ist gefechtsbereit. Ihr Schilde und ihre Waffensysteme sind aktiviert.“, sagte Dvorak.
 

Die Asiatin, die auf der anderen Seite der Brücke an ihrer Konsole saß, sah plötzlich auf.
 

„Herr, ich empfange eine Audiobotschaft der Kirow.“, sagte sie.
 

„Auf den Lautsprecher, Komi.“
 

„Ja, Herr.“, sagte Komi.
 

Dann hörte alle die Nachricht der Kirow.
 

„Raumschiff Southern Cross, hier ist das Föderationsschiff Kirow. Sie sind unbefugt in Föderationsgebiet eingedrungen. Jede aggressive 197

Handlung ihrerseits wird von uns als kriegerischer Akt betrachtet, und zieht die entsprechenden Konsequenzen nach sich.“
 

An Bord der Kirow
 

„Glauben sie, die Southern Cross wird sich zurückziehen, Captain?“, fragte Eric McClusky seine Vorgesetzte.
 

„Wohl kaum, Nummer eins. Exegol lässt es drauf ankommen.“
 

„Spätestens, wenn wir ihn unter Beschuss nehmen, wird er wissen, dass wir es ernst meinen.“, sagte Commander McClusky.
 

„Bevor wir das Feuer eröffnen können, muss Exegol eine kriegerische Handlung begehen. Erst dann dürfen wir feuern.“
 

„Dann haben sie aber einen schwerwiegenden Fehler begangen, als damals ohne Vorwarnung die Hensa angegriffen haben.“, sagte Eric McClusky.
 

„Heute weiß ich das, wie könnte ich es auch bestreiten. Und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich das Rad der Zeit zurückdrehen, und ungeschehen machen, was ich damals getan habe.“
 

„Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass es damals um ihren Bruder ging. Und wie sagt man so schön: Blut ist dicker als Wasser.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Das stimmt, Nummer eins.“
 

An Bord der Southern Cross
 

Komi wandte sich an den Moloch.
 

„Was soll ich auf die Nachricht der Kirow antworten, Herr?“, fragte sie.
 

„Gar nichts. Wir ignorieren die Warnung der Kirow.“
 

„Dann geben wir Jekaterina Romanova aber einen triftigen Grund um uns anzugreifen.“, warf Komi ein.
 

„HAB ICH DICH NACH DEINER MEINUNG GEFRAGT???“
 

„Nein. Aber die Anwesenheit der Kirow stellt eine ernsthafte Gefahr für eure Pläne dar, Herr.“, sagte Komi.
 

„Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist, Komi. Und jetzt zum letzten Mal: Deine Meinung interessiert mich nicht. Hast du verstanden

Komi?“ 198

„Ja, Herr.“, sagte Komi.
 

„Dann halts Maul.“
 

„Nein, Herr.“, sagte Komi patzig.
 

„Was hast du gerade gesagt, Komi?“
 

„Ich sagte „Nein, Herr“. Ich lasse mich von euch nicht mehr rumschubsen, wie eine Sklavin.“, sagte die Asiatin und hob trotzig ihren Kopf.
 

„DU WAGST ES MEINE AUTORITÄT IN FRAGE ZU STELLEN, KOMI?“
 

„Nicht bloß das.“, sagte Komi und trat dem Moloch auf seinen Klumpfuß.
 

„Das wirst du mir büßen, Komi. Scher dich aus meinen Augen. Du bleibst ab sofort in deinem Quartier. Und zwar solange, bis du mir wieder gehorchst.“
 

„Ich geh ja schon, du Schlotterpalme.“, sagte Komi.
 

Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und verließ die Brücke. Exegol sah ihr wutentbrannt nach. Was für ein Miststück, dachte er. Allein schon die Tatsache, dass Komi ihm vor seiner Brückencrew widersprochen hatte, wäre schon Grund genug gewesen, um sie zu töten. Weil Komi aber in der Vergangenheit stets ihre Loyalität bewiesen, und ihm in kritischen Situationen den Rücken freigehalten hatte, war sein Urteil milder ausgefallen.
 

Komi ging den Korridor entlang zu den Quartieren. Dabei kam sie durch den Maschinenraum. Zum Glück waren der leitende Ingenieur und seine Wartungstrupps so beschäftigt, dass die Asiatin gar nicht bemerkten. Heimlich, still und leise löste Komi die Abdeckung eines Leitungsschachts, und machte sich an den Kabeln die dort verliefen zu schaffen. Ihre Absicht war, für einen Kurzschluss in der Elektrik zu sorgen, der die Energieversorgung der Southern Cross für einige Zeit lahmlegte. Danach suchte Komi ihr Quartier auf.
 

Auf der Brücke der Southern Cross wandte sich Exegol an seine Crew.
 

„Männer und Frauen der Southern Cross. Heute bin ich dazu gezwungen worden, euch zu erinnern, wem eure Loyalität zu gelten hat. Eure Bordkameradin Komi hat sich mir offen widersetzt. Dieses Mal sehe ich davon ab, ein Exempel zu statuieren. Aber seid gewarnt. Der nächste von euch, der es wagt, meine Autorität infrage zu stellen, wird lebendig ins Weltall befördert.“, sagte er.
 

Dann betätigte der Moloch einen Schalter in der Armlehne seines Sessels.
 

„Ist alles bereit, Telvor?“, fragte Exegol.

199

Der Sindareen antwortete in der für seine Rasse typischen Schlangensprache.
 

„Das hängt davon ab, von welchem Standpunkt aus man die Angelegenheit betrachtet, Herr.“
 

„Sprich nicht in Rätseln, Telvor.“, sagte der Moloch.
 

„Herr, ich kann euch das nicht so einfach über die Kom-Anlage erklären. Ihr müsst selbst sehen, wie es ´hier aussieht.“
 

„In Ordnung, Telvor. Ich komm rüber.“, sagte Exegol.
 

Dann wandte er sich an seinen Stellvertreter.
 

„Morlock, du übernimmst, solange ich bei Telvor bin.“, sagte der Moloch.
 

„Oui, euer Execellence.“
 

In ihrem Quartier hatte sich Komi die rechte Schulter aufgeschnitten und eine kleine Kapsel entfernt. Diese Kapsel hatte ihr Exegol seinerzeit injiziert, als sie auf die Southern Cross gekommen war.
 

„Sei nicht böse, jeder bekommt sowas hier.“, hatte der Moloch gesagt.
 

Diese Kapsel enthielt ein schnell wirkendes, tödliches Nervengift. Komi wusste, dass dieses Gift schnell auf andere Lebewesen überspringen und sie auch töten konnte. Auf diese Weise konnte man eine ganze Raumschiffbesatzung auslöschen. Sie war sich durchaus über die Gefahr im Klaren, der sie die Besatzung der Kirow aussetzte, wenn sie die Kapsel mit dem Nervengift nicht entfernte. Also hatte Komi nicht gezögert.
 

Im Maschinenraum sprach Exegol mit Telvor, seinem leitenden Ingenieur.
 

„Die Schäden auf der Backbordseite konnten wir reparieren. Die Drohnen dort sind wieder einsatzbereit. Soweit die guten Nachrichten.“, sagte der Sindareen.
 

„Und wie lauten die schlechten?“
 

„Die Schäden auf der Steuerbordseite sind irreparabel. Kommt mit, ich zeige euch, was gemeint ist.“, sagte Telvor.
 

Als die beiden auf der Steuerbordseite ankamen sah der Moloch sofort das ganze Ausmaß der Schäden, die die Kirow angerichtet hatte. Der Hangar, in dem die Drohnen untergebracht waren, war durch einen X-Träger vollends zerstört. Und damit auch die Drohnen selbst. Die Startrampen für die Drohnen waren durch schwere Trümmerteile, wie Stahlträger und Querbalken so verbeult und die Lukendeckel verkeilt, sodass ein Drohnenstart nicht mehr möglich war. Die Southern Cross hatte also die Hälfte ihres Angstpotentials eingebüßt. 200

„Können diese Schäden behoben werden?“, fragte Exegol den Sindareen.
 

„Das schon, Herr. Aber nicht ohne Raumdock.“
 

„Aber die Drohnen auf der Backbordseite sind einsatzbereit?“, fragte Exegol.
 

„Ja, Herr.“
 

„Lass die Drohnen mit Giftgas bestücken. Die Arkonaner sind unter die Planetenoberfläche geflohen. Dort sollen sie auch bleiben.“, sagte Exegol.
 

„In Ordnung, Herr.“
 

In ihrem Quartier hatte Komi die Wunde ihrer OP gesäubert, desinfiziert und anschließend verbunden. Dann hatte sie einen leistungsstarken Funkpeilsender aus ihrer Kommode geholt und hatte die Luke zu einer unter ihrem Quartier liegenden Schleuse für die Rettungskapseln geöffnet und war hineingeklettert.
 

Im Hangar waren die Drohnen fertig bestückt und hingen an den Förderstationen, die sie in die Luken bringen sollten. Die erste Batterie an Drohnen befand sich schon in den Startrampen, als die Außenluken geöffnet wurden. Diese waren gerade zur Hälfte offen, als überall auf dem Schiff der Strom ausfiel. Auf diesen Moment hatte Komi gewartet sie aktivierte den Sender und sandte ein Funksignal ins Weltall.
 

An Bord der Kirow
 

Jardanka entdeckte den Stromausfall als erste.
 

„Captain! Auf der Southern Cross ist der Strom ausgefallen!“, sagte sie aufgeregt.
 

Jennifer Bond schaltete sich in die Konversation ein.
 

„Captain, ich habe ein Funksignal geortet.“, sagte sie.
 

„Es ist eine humanoide Lebensform, Captain. Ich würde vorschlagen, sie herüberzuholen.“
 

„Was meinen sie, Nummer eins?“, fragte Jekaterina ihren ersten Offizier.
 

„Solange die Southern Cross ohne Strom ist, können wir einen Rettungsversuch wagen.“
 

„In Ordnung. Nummer eins.“, sagte Jekaterina.
 

Dann tippte sie an ihren Kommunikator. 201
 

„Brücke an Transporterraum 1. Alles bereit machen zum Beamen einer humanoiden Lebensform von der Southern Cross.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain. Person erfasst.“
 

„Energie.“, sagte Jekaterina.
 

Wenig später kam die Bestätigung.
 

„Brücke, hier Merwyn King. Transfer erfolgreich. Eine weibliche Person an Bord.“, sagte der Chief.
 

„Ich komme sofort, Mr. King.“
 

Komi war inzwischen von der Plattform herunter gestiegen und sah sich aufmerksam um. Der Raum war nicht gerade groß, und außerdem ziemlich funktional gestaltet. Ein Zischen ertönte hinter ihr, als sich die Türen öffneten. Sie hörte Schritte, als jemand den Raum betrat. Kurz darauf wieder das Zischen. Komi drehte sich um und sah eine Frau vor sich stehen. Exegols ehemalige Kommunikationsoffizierin ahnte, dass sie es mit der Kommandantin des Schiffes zu tun hatte, auf dem sie jetzt befand. Sie beobachtete, wie die Frau auf ein kleines Symbol an ihrer Uniform tippte.
 

„Lieutenant Bond, reaktivieren sie unsere Schilde. Ich will keine bösen Überraschungen erleben.“, sagte die Frau.
 

„Ja, Captain.“
 

Dann ging die Frau, von der Komi nun wusste, dass sie die Kommandantin des Schiffes auf sie zu und hielt ihr die Hand hin.
 

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, stellte sich die Frau vor.
 

„Komi Namura.“
 

„Freut mich, sie kennenzulernen, Miss Namura. Aber was hat sie dazu bewogen, Exegol in den Rücken zu fallen?“, fragte Jekaterina.
 

„Er hat mich in letzter Zeit ziemlich schlecht behandelt, Captain.“
 

Doch dann bemerkte Jekaterina die Wunde an Komis rechter Schulter.
 

„Um Himmels Willen! Sie sind ja verletzt!“, rief Jekaterina entsetzt.
 

„Halb so wild.“
 

„So was sollten sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich begleite 202

sie auf die Krankenstation. Die sollen sich das Mal genauer ansehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich danke ihnen für ihre Fürsorge Captain, aber das ist nicht nötig.“
 

„Ich will ihnen nicht zu nahe treten, Miss Namura. Aber dies ist mein Schiff. Und hier gelten meine Regeln. Wir gehen auf die Krankenstation.“, sagte Jekaterina resolut.
 

Komi schwieg. Sie wusste nur zu gut, dass Jekaterina Recht hatte. Als die beiden Frauen auf den nächsten Turbolift zusteuerten, musterte Jekaterina Komi. Sie war mit 1,64 m 3 Zentimeter kleiner als Jekaterina selbst. Ihr Körperbau war etwas graziler, als der der Russin. Komi hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase und mandelförmige, braune Augen. Ihre schwarzen Haare trug Komi offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten.
 

Auf der Krankenstation untersuchte Juanita Garcia Komi auf eventuelle Infektionskrankheiten. Doch sie fand nichts. Danach sah sie sich die Wunde an Komis rechter Schulter an.
 

„Das ist eine Op-Wunde. Offenbar wurde etwas sehr winziges entfernt.“, sagte die Spanierin.
 

„Ich kann ihnen sagen, um was es sich handelt, Doktor Garcia.“
 

Jekaterina und Juanita sahen Komi fragend an.
 

„Exegol injiziert jedem, der zur Crew der Southern Cross stößt, eine Kapsel mit einem Nervengift. Dieses Gift wirkt schnell und ist in der Lage auf andere Personen überzuspringen.“, sagte Komi.
 

„Und wer hat ihnen die Kapsel entfernt?“
 

„Ich habe es selbst getan, Captain.“, sagte Komi.
 

„Warum?“
 

„Um sie und ihre Crew zu schützen, Captain Romanova.“, sagte Komi.
 

Jekaterina sagte nichts. Diese Frau hatte sie und ihre Crew vor einem schlimmen Schicksal bewahrt.
 

„Ich werde ihnen das nie vergessen, Miss Namura.“, sagte sie.
 

„Nennen sie mich ruhig Komi.“
 

„Eins verstehe ich aber immer noch nicht. Was erhoffen sie sich von mir?“, sagte Jekaterina. 203

„Würden sie mich als zweite Navigatorin in ihre Crew aufnehmen?“
 

„Ich wäre die letzte, die „Nein“ sagt, Komi. Aber das letzte Wort hat das Flottenoberkommando.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich verstehe.“
 

Nach dem Besuch auf der Krankenstation hatte Jekaterina für Komi eine Uniform organisiert und sie mit auf die Brücke gebracht. Nun saß die Japanerin zusammen mit Fallon Sherrock an der Navigationskonsole.
 

An Bord der Southern Cross
 

Dvorak der Ferengi entdeckte das Funksignal als erster.
 

„Herr, aus Komis Quartier kommt ein Funksignal.“, sagte er.
 

„WAS??“
 

„Ihr habt richtig gehört, Herr. Aus Komis Quartier kommt ein Funksignal.“, sagte der Ferengi.
 

Der Moloch betätigte einen Schalter an der Armlehne seines Sessels.
 

„Telvor, dein Bruder Kalvor und Jinxx sollen mal in Komis Quartier nachsehen. Dvorak hat dort ein Funksignal entdeckt. Und schick mir sofort Rihanna auf die Brücke.“, sagte er.
 

„Verstanden.“
 

10 Minuten später betrat Rihanna, eine Betazoidin, die Brücke.
 

„Ihr habt mich rufen lassen, Herr?“, fragte sie.
 

„Ja. Ich will, dass du Komis Platz einnimmst.“
 

„Euer Wunsch ist mein Befehl, Herr.“, sagte Rihanna.
 

„Und jetzt rufe mir bitte die Kirow. Ich will mit dem Kommandanten sprechen.“
 

„Ja, Herr.“
 

Keine 10 Minuten später stand die Verbindung. Exegol war sichtlich überrascht, als er Komi in einer Föderationsuniform an der Navigationskonsole sitzen sah. Sie hatte ihn also verraten!
 

„Captain, ich fürchte, es sitzt jemand an ihrer Navigationskonsole, der dort eigentlich nicht hingehört.“, sagte der Moloch. 204

„Meinen sie Komi?“
 

„Na wen denn sonst? Ich warne sie, Captain Romanova. Versuchen sie nicht, mich zu verarschen. Sie würden es bitter bereuen.“, sagte Exegol.
 

„Bevor wir auf ihre Nachricht geantwortet haben, habe ich eine Anfrage ans Flottenoberkommando der Raumflotte, bezüglich einer möglichen Stationierung Komis als zweite Navigatorin hier an Bord geschickt.“
 

Exegol grinste diabolisch. Diese Närrin von Kommandantin ahnte offensichtlich nicht, in welche Gefahr sie sich und ihre Besatzung gebracht hatte.
 

„Sie haben den Tod an Bord geholt, Captain.“, sagte Exegol.
 

„Wie darf ich das verstehen, Exegol?“
 

„Komi trägt an der rechten Schulter eine Kapsel mit einem Nervengift unter ihrer Haut. Einmal freigesetzt, breitet es sich wie ein Flächenbrand aus. Schon bald wird die Kirow ein Geisterschiff sein.“, sagte Exegol.
 

„Falls sie mir drohen, Exegol…“
 

„Warten sie nur ab, Captain Romanova.“, sagte Exegol.
 

Dann betätigte der Moloch einen Schalter.
 

„Kalvor, Jinxx. Habt ihr was gefunden?“, fragte er.
 

„Negativ.“
 

„Ihr könnt Komi ja auch nicht finden, weil sie auf die Kirow desertiert ist. Habt ihr sonst noch was gefunden?“, fragte Exegol.
 

„Nein, Herr. Sollen wir das ganze Quartier durchsuchen?“
 

„Macht das.“, sagte der Moloch.
 

Dann wandte sich Exegol wieder an Jekaterina.
 

„Nun, Captain. Ich würde sagen, ihre Zeit läuft. Entweder, sie schicken Komi wieder zurück auf mein Schiff, oder ich aktiviere die Kapsel in Komis Schulter.“, sagte er.
 

„Ich muss bedauerlicherweise ablehnen, Exegol.“
 

„Ganz wie sie wollen, Captain Romanova. Sagen sie der Welt auf Wiedersehen.“, sagte der Moloch und betätigte einen weiteren Schalter. 205
 

Sofort ging auf der Southern Cross ein Alarm los, als das Gift in Komis Kapsel freigesetzt wurde. Der Moloch begriff sofort, was los war.
 

„Riegelt die Brücke hermetisch ab!“, befahl er.
 

Danach ließ der Moloch das Feuer auf die Kirow eröffnen. Doch das Raumschiff der Sovereign-Klasse feuerte zurück. Die erste Phasersalve der Kirow traf Exegols Schiff auf der Höhe des Maschinenraums und beschädigte den Warpkern der Southern Cross schwer.
 

„Komi, bringen sie uns auf eine sichere Distanz zur Southern Cross.“, befahl Jekaterina.
 

„Aye, Captain.“
 

An Bord der Southern Cross
 

„Herr, unser Warpkern wurde schwer getroffen.“, sagte Korvak, der Borg.
 

„Was?“
 

„Ihr habt richtig gehört, Herr. Unser Warpkern ist so schwer getroffen, dass ein Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht.“, sagte Korvak.
 

„Rihanna! Ruf mir die Kirow! Ich will eine Erklärung von denen.“
 

„Ja, Herr.“, sagte die Betazoidin.
 

Doch statt der Kommandantin bekam der Moloch wieder nur den Fremden Mann zu sehen, dem er schon in seinem Quartier begegnet war.
 

„Du schon wieder. Jetzt verrat mir endlich, wer du bist.“, sagte Exegol.
 

Doch statt einer Antwort des Fremden bekam der Moloch wieder nur dieses diabolische Lachen zu hören. Doch dieses Mal riss der Q seine Augen weit auf, was sein Lachen noch gespenstischer machte.
 

Als der Warpkern der Southern Cross zusammenbrach, war Jekaterinas Schiff auf der anderen Seite des Planeten. Eine gewaltige Explosion zerriss Exegols Schiff. Ein Feuerball breitete sich im All aus und dutzende Wrackteile regneten auf Arkon nieder.
 

Der Planet Arkon drei Tage später
 

Prinzessin Daena befand sich in ihrem Quartier, als ihr Bruder Arkos den Raum betrat. Arkos war ein Mann mit einer Körpergröße von 1,98 m und einem runden Gesicht. Die grauen Augen drückten Erleichterung aus. Vom Körperbau her war Arkos gebaut wie ein muskelbepackter Bodybuilder. Seine blonden 206

Haare endeten oberhalb der Ohren, was Arkos breite Nase stärker zum Ausdruck brachte. Bekleidet war Daenas jüngster Bruder mit einem Anzug in metallicgrün sowie einem schwarzen Pulli, schwarzen Socken und Herrenschuhen in derselben Farbe.
 

„Was führt dich zu mir, Bruderherz?“, fragte Daena Arkos.
 

„Ich wollte dich noch einmal unter vier Augen sprechen, bevor wir die Offiziere der Kirow treffen.“
 

„Was beschäftigt dich, Arkos?“, wollte Daena wissen.
 

„Es… kursiert das Gerücht, dass du mich als Repräsentanten Arkons im Föderationsrat auserkoren hast. Ist dem wirklich so, Daena?“
 

„Und wenn es so wäre, Bruder?“, fragte die älteste der drei Geschwister.
 

„Dann wäre ich traurig, Daena. Ich war noch nie weg von zu Hause.“
 

„Ich auch nicht, Arkos.“, gestand Daena.
 

„Du weißt, was Papa immer zu sagen pflegte?“
 

„Natürlich weiß ich das, kleiner Bruder. Papa hat immer zu dir gesagt, du wärest grob motorisch wie ein Hauklotz.“, sagte Prinzessin Daena.
 

„Und er hatte Recht, Daena. Ich habs nicht drauf. Als dein Leibwächter bin ich dir viel nützlicher.“
 

„Papa lebt aber nicht mehr, Arkos. Und damals warst du ein wilder, ungestümer Teenager, den man schwer bändigen konnte. Heute, bist du älter, ruhiger. Kurz und knackig, du bist gereift.“, sagte Daena zu ihrem Bruder.
 

„Denkst du wirklich, ich kann das? Ich meine Kompromisse eingehen?“
 

„Ich will es einmal so ausdrücken, Bruder. Was dir an diplomatischem Geschick fehlen mag, kannst du lernen.“, sagte Daena.
 

Arkos und Daena umarmten sich.
 

„Ich werde dich vermissen, Daena.“, sagte Arkos.
 

„Ich werde dich auch vermissen, kleiner Bruder. Aber ein Mensch braucht neue Erfahrungen. Sie erschüttern etwas…, tief in uns. Und lassen uns reifen. Trotz allen Wissens schläft etwas in uns, das nur selten erwacht. Das schlafende muss erwachen, Arkos.“
 

Später am Abend trafen sich die Geschwister und die Einwohner 207

des Planeten mit Jekaterina und der Brückenbesatzung der Kirow. Daena hatte als Dresscode eine zivile und elegante Abendgarderobe ausgegeben. Eric McClusky und Alex Riley trugen dem Dresscode entsprechend Anzug und Krawatte. Jekaterina selbst trug ihr neuestes Abendkleid, was ihr anerkennende Blicke bescherte.
 

Daena und ihre Geschwister waren gerade auf dem Weg in den großen Saal, als Arkos seine Schwester auf die Seite nahm.
 

„Hör zu Daena. Ich habe noch einmal darüber nachgedacht. Ich meine, dass du mich als permanenten Vertreter Arkons für den Föderationsrat auserkoren hast. Und ich danke dir für dein Vertrauen. Aber ich muss leider ablehnen.“, sagte er.
 

„Warum?“
 

„Ich kann das nicht. Du weißt, wie stur ich sein kann. Als Diplomat muss man Kompromisse eingehen. Und Kompromissbereitschaft war noch nie meine Stärke. Ich muss mit dem Kopf durch die Wand.“, sagte Arkos.
 

„Verstehe. Aber wer soll denn dann unser ständiger Vertreter im Rat sein?“
 

„Was ist mit Davide? Er kann sich ausdrücken und arbeitet eher mit Verstand, als mit Muskeln.“, sagte Daenas jüngster Bruder.
 

„Da ist was Wahres dran. Ich dachte halt nur, ich tu dir damit einen Gefallen.“
 

„Dir ist schon klar, dass du damit gegen unsere Verfassung verstößt?“, fragte Arkos.
 

„Du meinst…“
 

„Oh ja. Du hättest dich der Vetternwirtschaft schuldig gemacht. Und darauf steht die Todesstrafe. Noch kannst du deine Meinung ändern, Daena.“, mahnte Arkos.
 

„Das hast zwar Recht, Arkos. Aber das Problem ist, dass Davide Verrat begangen hat. Er hat Exegol hierher gelockt.“
 

„Dann muss er natürlich bestraft werden. Aber es gibt noch andere von seinem Kaliber. Man Lok zum Beispiel.“, sagte Arkos.
 

„Zugegeben, an den habe ich gar nicht gedacht. Ich denke, so mache ich es. Schicke ihn morgen früh nach dem Frühstück zu mir.“
 

„Wird erledigt, Schwesterherz.“, sagte Arkos
 

Im großen Saal trafen die Arkonaner auf die Brückencrew der Kirow. Daena ging vor Jekaterina und ihren Offizieren auf die Knie und beugte demütig das 208

Haupt.
 

„Eigentlich sollte es doch anders herum sein.“, sagte Jekaterina.
 

Daena erhob sich und sah der Kommandantin der Kirow in die Augen.
 

„Ihr habt uns in unserer dunkelsten Stunde zur Seite gestanden und uns vor einem Tyrannen beschützt.“
 

„Nicht der Rede wert. Wir hatten den Befehl, diese Kreatur zu vertreiben. Oder zu vernichten, wenn es sein muss. Leider musste es sein.“, sagte Jekaterina.
 

„Wieso „Leider“, Captain?“
 

„Ich hätte Exegol lieber vor einem Föderationsgericht gesehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Meinen sie, er wäre seiner gerechten Strafe zugeführt worden, Captain?“
 

Niemira hatte diese Frage gestellt.
 

„Für Verbrechen, wie Exegol sie begangen hat, gibt es eigentlich nur eine Strafe, die diesen auch gerecht wird. Lebenslange Haft im Straflager auf Rura Penthe.“, sagte Jekaterina.
 

Arkos meldete sich zu Wort.
 

„Rura Penthe. Gehört das nicht zum klingonischen Imperium?“, sagte er.
 

„Ganz Recht. Und die klingonischen Wärter sind dafür bekannt, dass sie nicht gerade zimperlich mit Gefangenen umgehen.“
 

„Das wäre in der Tat eine gerechte Strafe, für dieses Scheusal.“, sagte Niemira.
 

Später am Abend, die Diener hatten das Essen abgetragen, begann der unterhaltsame Teil des Festes. Zuerst sang ein Kinderchor die Nationalhymne Arkons. Nachdem der Beifall verebbt war, wandte sich Daena an Jekaterina.
 

„Bei uns ist es Brauch, dass ein Besucher der Außenwelt ebenfalls etwas zum Besten gibt. Egal ob in Form eines Gedichtes, oder eines Liedes.“, sagte sie.
 

Gerade als Jekaterina auf die Bühne gegangen war erschien aus dem Nichts Dambala, der Q. In der Hand hatte er eine akustische Gitarre.
 

„Wollen sie mir die Show stehlen, Dambala?“, fragte Jekaterina.
 

„Um Gottes willen, nein. Aber ein bisschen instrumentelle Begleitung wird doch wohl erlaubt sein.“ 209

„Einverstanden. Sind sie mit den Liedern von der Erde vertraut?“, fragte Jekaterina den Q.
 

„Bedauerlicherweise nein, Captain.“
 

Jekaterina dachte kurz nach. Dann wandte sie sich an den Q und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
 

„Klingt interessant.“, sagte Dambala.
 

Dann begann der Q auf der Gitarre zu spielen. Jekaterina stimmte mit ihrem Gesang ein.
 

„Step in Front of a runaway train

Just to feel alive again…“, sang sie mit einer Engelsstimme.
 

Später, als Jekaterina und ihre Besatzung auf die Kirow zurückkehren wollten, bat Daena die Kommandantin der Kirow noch einmal zum Gespräch. Die beiden Frauen gingen zu einer Lagune, an der sie ungestört waren.
 

„Also Prinzessin, wo drückt der Schuh?“, fragte Jekaterina.
 

„Bitte keine Förmlichkeiten mehr. Nenn mich bitte Daena.“
 

„Jekaterina.“, sagte Jekaterina und hielt Daena die Hand hin.
 

Diese ergriff sie mit ihrer linken Hand und legte ihre Rechte darüber.
 

„Ich möchte dich um einen Gefallen bitten, Jekaterina.“
 

„Welchen?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich möchte, dass mein Bruder Arkos dich für eine Mission oder auch zwei begleitet.“
 

„Was erhoffst du dir davon, Daena?“, fragte Jekaterina Arkos Schwester.
 

„Er soll noch etwas bei dir lernen. Ich weiß, er ist manchmal ein Raubein. Aber wenn man ihn kennt, dann ist er ein sehr netter Kerl.“
 

„Einverstanden. Aber nur für eine Mission.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke, Jekaterina. Du nimmst mir echt eine zentnerschwere Last von den Schultern.“
 

„Weiß dein Bruder schon davon, Daena?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich habe während des Essens mit ihm gesprochen.“ 210

Schließlich war es soweit. Jekaterina tippte an ihren Kommunikator und rief Chief O´Connor in Transporterraum 2.
 

„Captain an Transporterraum 2. Bereit machen zum Beamen in zwei Gruppen.“, sagte sie.
 

„Verstanden, Captain.“
 

Zuerst wurden vier Leute an Bord der Kirow gebeamt, darunter Arkos. Danach kamen die restlichen fünf.
 

An Bord der Kirow führte Jekaterina Arkos erst einmal herum und zeigte ihm das Schiff. Der junge Arkonaner staunte nicht schlecht.
 

„Da haben wir aber noch einiges aufzuholen, Captain.“, sagte er.
 

„Wie viel war das Maximum, Fähnrich?“
 

„Warp 3, Captain.“, sagte Arkos.
 

„Immerhin.“
 

Auf der Brücke kam gerade eine Nachricht von Admiral Janeway.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht von Admiral Janeway bekommen.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Haben sie wieder eine neue Mission für uns, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Zuerst möchte ich sie zum erfolgreichen Abschluss ihrer Mission beglückwünschen, Captain.“
 

„Danke, Admiral Janeway.“, sagte Jekaterina.
 

„Nun aber zum wahren Grund meines „Anrufs“. Und sie haben es schon erraten, Captain Romanova. Ich habe eine neue Aufgabe für sie und ihr Schiff.“
 

„Ich höre, Admiral.“, sagte Jekaterina.
 

„Fliegen sie an die Grenze zum Beta-Quadranten. Dort treffen sie die 211

Valdore und die Maranga IV. Auf einem Planeten in diesem Gebiet werden in letzter Zeit immer wieder Raumschiffe mit einem akustischen Laser beschossen und müssen notlanden. Die Besatzungen werden gefangen genommen.“
 

„Verstanden. Wir machen uns sofort auf den Weg.“, sagte Jekaterina.
 

„Viel Glück, Captain Romanova.“
 

„Danke Admiral. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina. 212

USS Kirow - Mission 7

USS KIROW MISSION 7
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56452.1 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zur Grenze zwischen Alpha- und Beta-Quadranten. Inzwischen haben wir über unseren permanenten Besucher Dambala, seines Zeichens ein Q, erfahren, dass der Betreiber der akustischen Laseranlage ein Mann namens Ronk ist. Ich frage mich wirklich, wie Dambala an seine Informationen kommt. Für diese Mission haben wir außerdem Königin Daenas jüngeren Bruder Arkos an Bord, der zurzeit das Sicherheitsteam begleitet.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und legte es auf die Seite.
 

„Was meinen sie Captain? Was erwartet uns auf dieser Mission?“, fragte Eric McClusky seine Vorgesetzte.
 

„Wenn ich das wüsste. Aber erst mal sehen, was die Maranga IV und die Valdore zu berichten haben.“
 

Alex Riley meldete sich zu Wort.
 

„Captain, unsere Sensoren haben gerade ein Raumschiff der D´Kora-Klasse geortet. Das Schiff befindet sich auf Abfangkurs.“, sagte er.
 

„Wann haben die Ferengi unsere Position erreicht?“
 

„In 15 Minuten, Captain. Ich empfehle die Schilde und die Waffensysteme zu aktivieren.“, sagte Alex Riley.
 

„In Ordnung, Fähnrich Riley.“
 

Alex Riley betätigte einige Kontrollen an seiner Konsole.
 

„Schilde und Waffensysteme aktiv, Captain.“, sagte er.
 

An Bord des Ferengischiffes Drexton
 

„DaiMon Krang, die Kirow hat ihre Schilde und die Waffensysteme aktiviert. Sie haben uns vorzeitig entdeckt.“, sagte der Bordschütze.
 

„Dann ist das eben so. Na schön. Gehen wir mit der Kirow ins Gefecht.“
 

Als die Drexton in Schussweite war eröffnete sie sofort das Feuer auf das Föderationsschiff. Aus dem hinteren, dem bauchigeren Teil, kam eine Phasersalve, die die Kirow auf der Steuerbordseite unterhalb der Deflektorschüssel traf. Jekaterinas Schiff erzitterte, als die Salve der Drexton einschlug. 212

„Mister Riley, Feuer erwidern.“, befahl Jekaterina.
 

„Feuer erwidern. Aye Captain.“
 

Die Kirow antwortete mit einer weiteren Phasersalve, die auf dem Ferengischiff schwere Schäden anrichtete.
 

„Captain, unsere Energieversorgung ist zusammengebrochen. Wir haben keine Waffen und keine Schilde.“, sagte der Bordschütze.
 

„Dauert es lange, die Schäden zu reparieren?“
 

„Wenn wir Glück haben, zwei Stunden, vielleicht auch 3. Hängt von der Schwere der Schäden ab.“, sagte der Ferengi an den taktischen Konsole.
 

An Bord der Kirow
 

„Captain, ich habe auf dem Ferengischiff einen Klingonen lokalisiert. Unser Gegner ist momentan ohne Energie. Eine gute Gelegenheit, den Klingonen rüberzuholen.“, sagte Jardanka.
 

„Mister Riley, senken sie die Schilde.“, befahl Jekaterina.
 

Dann tippte sie an den kleinen Kommunikator an ihrer Uniform.
 

„Transporterraum 3, hier ist die Brücke. Bereiten sie alles für den Transfer eines Klingonen vor.“, sagte sie.
 

„Hier Transporterraum 3. Geben sie mir zwei Minuten, und ich bin fertig.“
 

„Verstanden. Melden sie sich, wenn sie soweit sind, Chief Igualada.“, sagte Jekaterina.
 

Keine zwei Minuten später zirpte Jekaterinas Kommunikator.
 

„Brücke, hier Chief Igualada. Ich bin fertig, es kann losgehen.“, hörte Jekaterina die Stimme der Spanierin.
 

„Energie.“
 

Die Bestätigung kam umgehend.
 

„Captain, hier Chief Igualada. Der Klingone ist an Bord.“, sagte Mercedes.
 

„Sehr schön. Mister Riley, reaktivieren sie unsere Schilde.“
 

„Ja, Captain.“, bestätigte der junge Fähnrich. 213
 

Jekaterina erhob sich und wandte sich an ihren ersten Offizier.
 

„Nummer eins, sie übernehmen. Ich möchte ein paar Worte mit unserem klingonischen Gast wechseln.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Als Jekaterina den Raum betrat, in dem der Klingone angekommen war, zeigte dieser sofort den traditionellen Gruß der Klingonen, den Jekaterina sofort erwiderte. Die Kommandantin der Kirow musterte ihn genauer. Der Klingone besaß den für seine Rasse typischen Schädelkamm an der Stirn und die Höcker im Nasenbein. Außerdem trug er einen Kinnbart und dunkelbraune Haare, die fast bis zur Armbeuge reichten. Der Klingone war 1,90 m groß und kräftig gebaut.
 

„Willkommen an Bord der Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin des Schiffes.“, begrüßte Jekaterina den Klingonen.
 

„Danke, Captain. Mein Name ist Toprak.“
 

„Ich muss sie leider bitten, mit auf die Krankenstation zu kommen, das ist Vorschrift.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist ihr Schiff, Captain Romanova.“
 

Auf dem Weg zur Krankenstation stellte Jekaterina Toprak eine Frage, die ihr die ganze Zeit auf der Seele brannte.
 

„Was hat sie eigentlich auf ein Schiff der Ferengi verschlagen, Toprak?“, fragte sie.
 

„Die Ferengi haben einen unserer D7-Kreuzer angegriffen. Ich war dort als taktischer Offizier stationiert. Mich haben sie gefangen genommen. Den Rest der Crew haben sie getötet.“
 

„Das sieht den Ferengi gar nicht ähnlich. Denen geht es meistens nur darum Profit zu machen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich weiß. Dennoch haben sie es getan.“
 

„Wenn ich sie richtig verstanden habe, waren sie taktischer Offizier.“, sagte Jekaterina.
 

„Das war ich. Warum ist das für sie so wichtig, Captain?“
 

„Weil ich einen taktischen Offizier brauche. Und sie wären der richtige Mann für diesen Posten, Mister Toprak.“, sagte Jekaterina.

214

„Ich würde mich freuen, wenn ich ihnen mit meinem Wissen und meiner Erfahrung helfen kann.“
 

„Also sind wir uns einig, Mr. Toprak.“, sagte Jekaterina.
 

„Das sind wir.“
 

Nach dem Besuch auf der Krankenstation ließ Jekaterina ihrem neuen taktischen Offizier eine entsprechende Uniform in seiner Größe aushändigen. Jennifer Bond, die nun noch für die Sicherheit des Schiffes und seiner Besatzung verantwortlich war, atmete erleichtert aus. Die letzten Wochen waren nicht spurlos an der rothaarigen Britin vorüber gegangen. Die dunklen Ringe unter ihren Augen waren nicht zu übersehen. Jekaterina ahnte, dass sich Jennifer der Gefahr einen Burnout zu erleiden regelmäßig ausgesetzt hatte.
 

„Ruhen sie sich erst einmal aus, Miss Bond. Sie haben für die nächsten Tage frei.“, hatte Jekaterina zu Jennifer gesagt.
 

Jekaterina schickte noch die vorgeschriebene Anfrage bezüglich der Bestätigung von Toprak als neuem taktischem Offizier der Kirow ans Flottenoberkommando. Die Bestätigung kam, als Jekaterina mit Toprak auf die Brücke kam und ihm seinen Platz an der taktischen Konsole zuwies.
 

„Captain, ich habe Admiral Janeway für sie.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Wurde über meine Anfrage bezüglich Toprak als neuem taktischen Offizier entschieden?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Sie haben mal wieder ganze Arbeit geleistet, Captain. Der klingonische hohe Rat hat beschlossen sie mit dem Orden von Kahless zu ehren.“
 

„Das kommt ziemlich überraschend. Hat der hohe Rat sich zu Toprak geäußert?“, sagte Jekaterina.
 

„Sie haben zugestimmt. Und auch das Flottenoberkommando hat grünes Licht gegeben.“
 

„Gut zu wissen. Denn Miss Bond war schon ziemlich nahe an einem Burnout.“, sagte Jekaterina. 215

„Da fällt mir ein, sollten sie nicht schon längst auf dem Weg zur Grenze zum Beta-Quadranten sein?“
 

„Das sind wir. Aber ein Ferengi-Schiff hat uns aufgelauert. Wir haben die Kerle aber noch rechtzeitig entdecken, und Gegenmaßnahmen ergreifen können.“, sagte Jekaterina.
 

„Und an Bord des Ferengi-Schiffes war dann ihr neuestes Besatzungsmitglied, nehme ich an.“
 

„So ist es. Die Ferengi haben das letzte Schiff, auf dem Mister Toprak stationiert war, aus heiterem Himmel angegriffen.“, sagte Jekaterina.
 

„Das sieht ihnen gar nicht ähnlich. Aber lassen wir das, Captain. Kanzler Martok befindet sich auf der Maranga IV. Er wird das Ritual vollziehen, wenn sie zusammentreffen.“
 

„Verstehe. Gibt es sonst noch Neuigkeiten?“, sagte Jekaterina.
 

„Vor kurzem wurde eines unserer Forschungsschiffe, die USS Lexington, mit dem akustischen Laser angegriffen und musste notlanden. Die Besatzung wurde wie die anderen auch, gefangen genommen.“
 

„Was genau ist unsere Aufgabe, Admiral Janeway?“, fragte Jekaterina.
 

„Sie sollen die Gefangenen befreien. Aber sie werden das alleine nicht bewerkstelligen können. Deshalb sende ich zu ihrer Verstärkung noch die Laconia und die USS Hiryū.“
 

„Die Hiryū, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Ja. Das Schiff wurde vor zwei Tagen fertig gestellt. Es gehört zur Ranger-Klasse. Das Schwesterschiff, die Soryū, befindet sich noch im Bau. Außerdem wird auch noch die Imperator zu ihnen stoßen. Das Schiff befindet sich noch in der Erprobungsphase.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56467.7 Captain Jekaterina Romanova Neuer Eintrag: Wir haben unseren Rendezvous-Punkt erreicht. Gerade eben ist die USS Laconia eingetroffen. Es ist das erste Mal, dass ich mit meinem Bruder zusammenarbeite. Hiryū und Imperator sind schon früher angekommen. Dayani hat nach dem Eintreffen der Laconia die Schilde unserer Schiffe so moduliert, dass sie ihre Frequenz wechseln, wenn sie vom Laser auf der Planetenoberfläche beschossen werden. Jetzt warten wir noch auf die Maranga IV und die Valdore.“
 

Die Grenze zum Betaquadranten Sternzeit 56473.5
 

Die Valdore traf als erstes am Rendezvouspunkt ein. Keiko Tadashita, 216

die Kommunikationsoffizierin der Kirow, hob den Kopf, als das romulanische Schiff die Kirow kontaktierte.
 

„Captain, die Valdore hat uns kontaktiert.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht von Jardankas Mutter.
 

„Donatra.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Jekaterina. Schön, wieder mit dir zusammenzuarbeiten.“
 

„Ich freue mich auch.“, sagte Jekaterina.
 

„Die Föderation ist in dieser Angelegenheit ja sehr stark vertreten. Immerhin sind vier eurer Schiffe hierher beordert worden.“
 

„Jemand beschießt ohne triftigen Grund Raumschiffe mit einem akustischen Laser und zwingt sie zur Notlandung.“, sagte Jekaterina.
 

„Vor kurzem ist eines unserer Schiffe der D'deridex-Klasse, die Dezius verloren gegangen. Die letzte Meldung kam von hier.“
 

„Auch eines unserer Schiffe wird vermisst. Die letzte Meldung der USS Lexington lautete, dass sie notlanden müssen.“, sagte Jekaterina.
 

„Genau dasselbe hat die Dezius auch gemeldet, Jekaterina.“
 

„Ich würde dir gerne einen Vorschlag machen, Donatra.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann bitte.“
 

„Dayani hat unsere Schilde und die der anderen so kalibriert, dass sie die Frequenz ändern, wenn sie vom Betreiber der Laseranlage angegriffen werden. Ich würde vorschlagen, dass eure Schilde auch neu kalibriert werden.“, sagte Jekaterina.
 

„Die Idee ist nicht von schlechten Eltern. So haben wir wesentlich mehr Sicherheit.“
 

„Dann schicke ich Dayani gleich zu dir auf die Valdore.“, sagte Jekaterina.
 

„Einverstanden.“
 

Und während das Energiewesen auf dem romulanischen Kriegsschiff die Schilde neu kalibrierte, traf der klingonische Angriffskreuzer Maranga IV am vereinbarten Treffpunkt. Keiko hob den Kopf, als das klingonische Schiff 217

die Kirow kontaktierte.
 

„Captain, die Maranga IV hat uns kontaktiert. Es ist Kanzler Martok höchstpersönlich.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des klingonischen Kanzlers. Auffällig war, dass sein linkes Auge fehlte. Der Klingone hatte schulterlange schwarze, dauergewellte Haare und besaß, wie alle Klingonen den typischen Schädelkamm. Der Körper des klingonischen Kanzlers war kräftig, was auf eine militärische Laufbahn schließen ließ.
 

„Captain Romanova, ich grüße sie.“, begann Martok das Gespräch.
 

„Ich freue mich, sie zu sehen, Kanzler Martok.“
 

„Ihr Ruf ist inzwischen bis zu mir vorgedrungen. Es ist mir eine besondere Ehre, ihnen den Orden von Kahless zu verleihen, Captain.“, sagte der Klingone.
 

„Ich fühle mich geehrt und sage in aller Demut nuqneH.“
 

„Sie sind würdig, diese Auszeichnung zu empfangen, Captain Romanova. Und sollten sie sich auf dieser Mission noch einmal in besonderer Weise hervortun, so werden sie in den Orden des Bat´ Leth aufgenommen.“, sagte Kanzler Martok.
 

„Das ist zweifelsfrei eine große Ehre Kanzler. Aber wie kommt es, dass sie die Besatzung der Maranga IV auf dieser Mission begleiten? Ist das nicht etwas zu riskant?“
 

„Wir vermissen eines unserer Frachtschiffe. Die letzte Meldung besagte, dass sie notlanden müssen. Man hat uns noch die Koordinaten durchgegeben, ehe der Kontakt abriss. Mein Bruder war an Bord unseres Frachters. Deshalb ist diese Angelegenheit für mich persönlicher Natur.“, sagte der Klingone.
 

„Verstehe. Darf ich ihnen an dieser Stelle einen Vorschlag unterbreiten, Kanzler Martok?“
 

„Nur zu.“, sagte Martok.
 

„Eines meiner Besatzungsmitglieder, Dayani, das Energiewesen, hat auf allen Schiffen der Föderation, die zurzeit hier anwesend sind, die Schutzschilde neu kalibriert. Im Moment kalibriert sie die Schilde auf der Valdore neu. Ich würde vorschlagen, dass sie sie auch ihre Schilde neu kalibrieren lassen.“
 

„Was erhoffen sie sich davon, Captain Romanova?“, fragte der klingonische Kanzler. 218
 

„Sollten unsere Schiffe durch den Laser beschossen werden, würden die Schilde ihre Frequenz ändern.“
 

„Das würde uns mehr Sicherheit geben.“, sagte Kanzler Martok.
 

„Und bei der Gegenseite für Panik sorgen.“
 

„Da wäre ich mir nicht so sicher, Captain Romanova. Wer auch immer unsere Schiffe unter Beschuss genommen hat, egal ob Mann oder Frau, ist und bleibt eine große Unbekannte in diesem Spiel. Vielleicht ist das ja ein ganz abgebrühter Hund.“, gab der Klingone zu bedenken.
 

Fähnrich Riley hob den Kopf, als auf dem Display seiner Station ein Symbol aufblinkte.
 

„Captain, unsere Sensoren haben ein klingonisches Kriegsschiff entdeckt. Es ist ein Kreuzer der D7-Klasse.“, sagte er.
 

„Aus welcher Richtung nähert sich das Schiff, Mister Riley?“
 

„Er kommt von Steuerbord. Ein Uhr.“, sagte Alex Riley.
 

Eric McClusky stutzte.
 

„Was denn? Ein D7-Kreuzer? Ich dachte diese Schiffsklasse wurde außer Dienst gestellt.“, sagte er.
 

Toprak, der neue taktische Offizier der Kirow, meldete sich zu Wort.
 

„Offiziell ja, Commander. Aber ein paar Schiffe sind noch als Diplomatenschiffe im Einsatz.“, sagte der Klingone.
 

Keiko hob den Kopf, als der D7-Kreuzer das Föderationsschiff kontaktierte.
 

„Captain, das klingonische Schiff ruft. Es hat sich als IKS Boreth identifiziert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Der Schirm teilte sich und das Gesicht eines alten Klingonen erschien. Jekaterina erkannte sofort, dass sie es mit einem ranghohen, klingonischen Veteran zu tun hatte. Der alte Mann hatte weißes, schulterlanges Haar und hatte das linke Auge hinter einer Augenklappe verborgen. Neben ihm standen ein junger Klingone und eine Klingonin. Zumindest dem Jungen glaubte Jekaterina schon einmal begegnet zu sein. Aber sie wusste nicht wo. Als der alte Klingone das Gespräch eröffnete, fiel bei der Kommandantin der Kirow der Groschen.
 

„Ich grüße sie, Captain Romanova. Mein Sohn Narunak hat mir viel von 219

ihnen erzählt.“, sagte der Alte.
 

„Was hat er denn so über mich berichtet?“
 

„Nur positives, Captain. Und ich war wohl nachlässig, mich vorzustellen. Ich bin General Bhav´ Lor Zarrok. Oberhaupt des Hauses Zarrok und Mitglied des klingonischen hohen Rates.“, sagte der General.
 

Jekaterina verneigte sich in aller Demut, vor dem General und seinen Kindern. Denn sie war sich sicher, die Klingonin war Bhav´ Lors Tochter. Doch der alte General riss sie wieder aus ihren Gedanken.
 

„Ihnen und ihrem Bruder eilt bereits ein legendärer Ruf voraus. Sie wissen es vielleicht nicht, Captain, aber es war die USS Laconia, das Schiff ihres Bruders, das der Krios Prime, dem neuesten Schiff der Negh'Var-Klasse, zu Hilfe kam, als es von der Karshan, dem Schiff von Botschafter Smolarek, beschossen wurde.“, sagte Bhav´ Lor.
 

„Ich bin sicher, unser Vater wäre stolz auf meinen Bruder.“
 

„Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel, Captain. Meine Familie steht ihnen beiden gegenüber in der Schuld.“, sagte der alte Klingone.
 

„Was wir getan haben, haben wir gerne getan.“
 

„Sie und ihr Bruder haben meine Kinder vor der Sklaverei bewahrt. Mein Sohn Toprak dient unter ihnen als taktischer Offizier, Captain. Meinen Sohn Narunak, haben sie aus der Gewalt der Trakener befreit. Ihr Bruder war es, der meine Tochter Meghara, vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt hat. Was sie getan haben, kann man nicht hoch genug bewerten, Captain. Das Haus Zarrok steht in ihrer Schuld, da beißt die Maus keinen Faden ab.“, sagte der General.
 

Jekaterina schwieg. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit Topraks Vater zu diskutieren. Doch das war erstmal nebensächlich. Sie musste sicherstellen, dass auch die Schilde der Boreth neu kalibriert wurden. Sie räusperte sich kurz.
 

„Ich nehme an, dass sie mir etwas sagen möchten, Captain Romanova.“, sagte General Zarrok.
 

„Ich würde ihnen einen Vorschlag unterbreiten wollen, General Zarrok.“
 

„Ich bin ganz Ohr.“, sagte der Klingone.
 

„Dayani hat auf den hier anwesenden Raumschiffen der Föderation die Schilde neu kalibriert. Im Moment führt sie die Neukalibrierung auf der Valdore durch und wird dann auf der Maranga IV die Kalibrierung durchführen. Es wäre ratsam dies auch auf ihrem Schiff machen zu lassen, falls der Betreiber der Laseranlage auf die Idee kommt, auch ihr Schiff unter Beschuss zu nehmen.“ 220

„Ihre Argumente sind nicht von der Hand zu weisen, Captain. Ich würde mit meinen Kindern später mal rüber kommen. Und dann besprechen wir alles weitere. Bei diesem Gespräch sollte auch ihr Bruder anwesend sein.“, sagte der alte Klingone.
 

An Bord der Kirow 22. Juni 2379 22:00 Uhr Bordzeit
 

Jekaterina hatte nach dem Gespräch mit Topraks Vater ihren Bruder an Bord gebeten. Die beiden Geschwister hatten auf dem Holodeck miteinander trainiert. Jekaterina hatte dabei wie immer auf zwei Schwerter aus Damaststahl gesetzt, während ihr Bruder auf zwei dreizackige Sai vertraute. Den Nachteil bei der Reichweite, machte Jewgeni Romanova durch Schnelligkeit und sein Geschick wieder wett und hatte seine ältere Schwester zweimal am Rand einer Niederlage. Doch Jekaterina hatte sich jedesmal zurückgekämpft und hatte ihren Bruder mit kräftigen Hieben in die Enge getrieben. Am Ende der gemeinsamen Trainingseinheit musste sich Jewgeni seiner älteren Schwester einmal mehr geschlagen geben.
 

Danach hatten beide in Jekaterinas Quartier bei einer Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone entspannt. Die Kommandantin der Kirow hatte ihren Kampfanzug, bestehend aus einer schwarzen Lederhose, schwarzen, schweren Lederstiefeln und einem bauchfreien Tank-Top, gegen ihr neuestes Kleid eingetauscht. „Von der Raumschiffkommandantin zur Kämpferin und dann zur Lady.“, hatte Jewgeni zu seiner Schwester gesagt.
 

Nun saßen die Geschwister mit Toprak und seiner Familie im Bereitschaftsraum. Auf Bitte des Generals hatten beide ihre Waffen mitgebracht. Der alte General nahm zuerst eines von Jewgenis Sai auf. Und während er die Waffe begutachtete, nahm Jekaterina die Klingonin näher in Augenschein. Meghara war mit ihren 1,71 m für klingonische Verhältnisse nicht gerade groß. Dennoch verfügte sie über einen athletischen Körperbau. Auffällig waren auch die Arme. Denn Meghara hatte einen ordentlichen Bizeps, was darauf schließen ließ, dass sie enorme Kraft verfügte. General Zarroks Tochter hatte schulterlange, braune Haare mit roten Strähnen. Bekleidet war Meghara mit einer schweren klingonischen Rüstung, einer schweren Lederhose und schwarzen, schweren Lederstiefeln. Aus ihren braunen Augen schaute die Klingonin Jekaterina wohlwollend an. Dann deutete sie auf Jekaterinas Schwerter.
 

„Darf ich?“, fragte Meghara.
 

„Nur zu.“
 

General Zarroks Tochter nahm eines der Schwerter und wog es zuerst in ihrer linken Hand.
 

„Hervorragend ausbalanciert. Sehr gut.“, sagte Meghara anerkennend.
 

Dann sah sie sich die Klinge an.

„Die Klinge ist scharf, aber auch extrem widerstandsfähig. Allerdings wurde sie nicht aus klingonischem Stahl gefertigt.“, sagte Meghara.
 

„Wie auch? Das ist Damast-Stahl.“
 

Bhav´ Lor Zarrok wandte sich nun an Jekaterina.
 

„Davon höre ich heute zum ersten Mal. Können sie uns vielleicht mehr darüber erzählen, Captain?“, fragte er.
 

„Damast-Stahl ist eigentlich eine Legierung aus weichem und hartem Stahl.“
 

„Diese Sorten haben aber unterschiedliche Eigenschaften.“, sagte der alte Klingone.
 

„Das ist richtig, General. Der weiche Stahl ist flexibel, gibt also schneller nach. Und deshalb bricht die Klinge schneller. Harter Stahl hält vielmehr aus, weil er robuster ist. Kombiniert man beide, bekommt man eine Klinge, wie die, die ihre Tochter gerade bewundert hat.“
 

„Verstehe. Was ist mit den Waffen ihres Bruders?“, fragte General Zarrok.
 

„Man nennt sie Sai. Mein Bruder ist auf die fernöstlichen Waffen spezialisiert. Dazu gehören auch die Sai, von denen sie eines gerade in der Hand halten.“
 

Jewgeni ergänzte: „Die Sai gehören zu den Stich- und Wurfwaffen. Denn sie haben keine Klinge.
 

„Sie beide führen interessante Waffen. Ich würde gerne sehen, wie sich ihre Waffen im direkten Vergleich mit den traditionellen klingonischen Waffen bewähren.“, sagte Bhav´ Lor Zarrok.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56475.2 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zu dem unbekannten Planeten. Der Himmel weiß, was wir dort vorfinden werden. Aber ein Zuckerschlecken wird das Ganze ganz sicher nicht.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und legte es auf die Seite. Dann stand sie auf, um ihr Quartier aufzusuchen.
 

„Sie haben das Kommando, Nummer eins.“, sagte sie zu ihrem ersten Offizier.
 

„Ja, Captain.“
 

Als Eric McClusky den obligatorischen Satz „Kommandant verlässt Brücke“ aussprach, hatte Jekaterina die Tür zum Turbolift erreicht. Als sich diese hinter ihr schloss, lehnte sich die Kommandantin der Kirow an die Wand der Kabine. Oh Mann! Das konnte ja was werden! Jekaterina machte sich bewusst, 221

dass sie bisher leichte Aufgaben zugewiesen bekommen hatte. Aber diese Befreiungsmission war doch ein ganz anderes Kaliber. Aber, so gestand sich Jekaterina ein, schickte man sie ja nicht alleine los. Man hatte ihr gleich 3 Schiffe zur Unterstützung geschickt. Außerdem, und auch das machte sich Jekaterina klar, durften sie diese Zweifel nicht während des Trainings mit den Klingonen heimsuchen. Sie hatte zwar keine Probleme damit, gegen Narunak oder ihren taktischen Offizier Toprak zu kämpfen, aber die beiden hatten Vorteile bei Größe, Gewicht, Reichweite und Kraft. Es wäre also ein Leichtes für Megharas Brüder, Jekaterina zu besiegen. Es würde also auf ein Duell gegen Meghara hinaus laufen.
 

In ihrem Quartier tauschte Jekaterina ihre Uniform gegen ihr Trainingsoutfit. Sie hatte gerade ihre Waffen aus einem kleinen Schränkchen im rückwärtigen Bereich des Raumes geholt, als der Türsummer ertönte.
 

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dein Bruder, big sis.“
 

„Komm rein, Jewgeni.“
 

Die Türhälften glitten auseinander und Jewgeni Romanova betrat das Quartier seiner älteren Schwester. Jekaterina musterte ihn. Jewgeni trug eine lange Hose im Camouflage-Look und ein schwarzes T-Shirt. Dazu trug er schwarze, schwere Armeestiefel aus Leder. Seine Sai hatte Jewgeni in zwei Gürtelhalftern untergebracht.
 

„Wir sollten die Klingonen nicht warten lassen, big sis.“, sagte Jewgeni zu Jekaterina.
 

„Gehen wir.“
 

Doch bevor die Geschwister auch nur einen Schritt gemacht hatten, ertönte erneut der Türsummer.
 

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Kommen sie rein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und der Q betrat den Raum.
 

„Sie kommen ziemlich kurzfristig. Mein Bruder und ich haben gleich eine Trainingseinheit mit den Klingonen.“, sagte Jekaterina.
 

„Es tut mir leid, dass ich sie beide sprichwörtlich auf dem Sprung erwische, Captain. Aber es ging leider nicht früher.“ 222
 

„Wie kommt das?“, fragte Jewgeni den Q.
 

„Ich wollte sichergehen, dass die Informationen, die man mir anvertraut hat, auch der Wahrheit entsprechen.“
 

„Woher haben sie ihre Informationen?“, fragte Jekaterina Dambala.
 

„Von einem Ferengi. Und ich weiß sehr wohl, dass diese Kerle nicht gerade den besten Ruf haben.“
 

„Nun gut. Ich werde nach dem Training alle Kommandanten zu einer Besprechung zusammentrommeln. Dann können sie allen berichten, was sie in Erfahrung gebracht haben. Aber jetzt müssen wir wirklich los, Dambala. Die Klingonen warten schon.“, sagte Jekaterina.
 

„Würde etwas dagegen sprechen, wenn ich dieser Trainingseinheit beiwohne?“
 

„Ich wäre die letzte die „Nein“ sagt.“, sagte Jekaterina.
 

„Von meiner Seite gibt es auch keine Einwände.“
 

Jekaterina und Jewgeni suchten das Holodeck auf. Als sie, gefolgt von Dambala die Kammer betraten, drehte sich der alte Klingone zu ihnen um.
 

„Gut, gut. Dann können wir mit dem Duell beginnen.“, sagte General Zarrok.
 

Doch dann entdeckte er Dambala.
 

„Und wer ist ihr unbekannter Begleiter, Captain?“, fragte er Jekaterina.
 

„Ein Q. Sein Name ist Dambala. Er hat darum gebeten, bei diesem Duell anwesend sein zu dürfen.“
 

„In Ordnung.“, sagte Bhav´ Lor Zarrok.
 

Dann ließ er zuerst Jekaterina und Meghara gegeneinander antreten. Die Klingonin hatte sich für das Bat´ Leth entschieden. Jekaterina sah sich die Waffe genauer an. Das Bat´ Leth war eine mit beiden Händen geführte Waffe mit zwei messerscharfen Klingen zu beiden Seiten des Griffes. Jekaterina bemerkte, dass die Klingen gekrümmt waren. Anhand ihrer Beobachtungen und der Geschichten, die sie über klingonische Krieger gehört hatte, legte sie sich ihre Strategie zurecht.
 

Zuerst umkreisten sich die beiden Frauen, wie zwei Raubtiere, die sich gegenseitig belauerten, um den Gegner einzuschätzen. Jekaterina 223

schätzte General Zarroks Tochter so ein, dass diese ungestüm vorwärts stürmen, und ihre Waffe über dem Kopf schwingen würde. Und ihre Intuition hatte Jekaterina nicht getäuscht. Mit einem lauten Schrei stürmte Meghara los, das Bat´ Leth wild über dem Kopf schwingend. Und genau darauf hatte Jekaterina gewartet. Im entscheidenden Augenblick ging sie auf die Knie und kreuzte ihre Schwerter über dem Kopf. Ein lautes, metallisches Klirren erklang, als die Klinge des Bat´ Leth auf Jekaterinas Schwerter traf. Damit hatte die Kommandantin der Kirow der Klingonin den Angriffsschwung genommen. Und ehe sich Meghara davon erholt hatte, hatte Jekaterina sie zurückgestoßen, und war in die Gegenoffensive gegangen. Mit schnellen, aber präzisen Hieben, drängte sie General Zarroks Tochter zurück. Mehrmals durchbrach Jekaterina die Deckung ihrer Gegnerin, und hatte sie am Rand einer Niederlage. Doch Meghara war eine ebenbürtige Gegnerin, die selbst in ausweglosen Situationen noch irgendeine unvorhergesehene Aktion aus dem Hut zaubern konnte.
 

Aber Jekaterina wusste aus Erfahrung, dass auch ein übermächtiger Gegner eine Schwachstelle hatte. Diese galt es auszunutzen, wenn die Zeit reif war. Meghara selbst war genervt. Sie schaffte es einfach nicht, die Kontrolle in diesem Duell wieder an sich zu reißen. Sie musste eine andere Taktik versuchen.
 

„Du kannst dich noch so sehr anstrengen. Du bist mir nicht gewachsen. Ich bin unbesiegbar.“, sagte Meghara.
 

Doch mit Jekaterinas Konter hatte sie nicht gerechnet.
 

„Du stinkst ja geradezu vor Überheblichkeit, du Pappnase.“, sagte Jekaterina.
 

Ohne es zu ahnen, hatte die Kommandantin der Kirow die Schwachstelle ihrer Gegnerin entdeckt. Die Klingonin neigte also zur Überheblichkeit. Und mit ihrem verbalen Konter hatte Jekaterina einen weiteren Nadelstich gesetzt, der Meghara noch mehr in Rage versetzen musste. Und sie hatte sich nicht getäuscht. Denn jetzt griff die Klingonin erneut an. In ihrer Wut ließ sie jede Vorsicht außer Acht und rechnete nicht mit einem Salto über ihren Kopf hinweg. Umso überraschter war Meghara, als sie Jekaterinas Schwerter an ihrem Hals spürte. Sie wusste, dass es für ihre Gegnerin ein leichtes war, sie in dieser Situation zu töten. Jekaterina brauchte nur ihre Schwerter zurückzuziehen. Doch zum Glück bereitete der alte General dem Ganzen ein Ende.
 

„Genug! Das reicht.“, sagte Bhav´ Lor Zarrok.
 

Jekaterina senkte ihre Schwerter.
 

„Du hast meisterhaft und ehrenvoll gekämpft, Jekaterina Romanova. Dein klingonischer Name lautet ab sofort Jekara.“, sagte der alte Klingone.
 

Jekaterina verneigte sich in aller Demut. Dann wandte sich General Zarrok an Jekaterinas Bruder. 224
 

„Jewgeni Romanova, nun ist es an dir, dein Können unter Beweis zu stellen. Mein Sohn Narunak soll dein Gegner sein.“, sagte der Klingonengeneral.
 

„Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, Bruder. Narunak mag zwar größer sein als du, aber du bist der geschicktere von euch beiden. Vertraue auf deine Instinkte. Und vor allem hab Geduld. Du hast gesehen, was passiert, wenn ein Klingone den Kopf verliert.“
 

„Danke, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„Mach unserer Familie noch einmal alle Ehre.“
 

„Darauf kannst du deinen Allerwertesten verwetten, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„Danke, aber den brauch ich noch.“
 

Auf dem Planeten Korath
 

Während Jekaterinas Bruder sein Duell mit Narunak ausfocht war auf dem Planeten selbst etwas anderes im Gange. In einem steril eingerichteten Raum saßen Männer an mehreren Konsolen. Einer von ihnen, ein hagerer, ganz in schwarz gekleideter Mann, lief immer umher und sah auf die Anzeigen. Sein Gesicht hatte er geschickt unter einem schwarzen Umhang verborgen. Als er an einer Konsole ankam, die den Sektor zum Alpha-Quadranten aufklärte, sah der Mann auf dem Schirm sieben Symbole aufblinken. Kurz darauf erschien ein achtes Symbol.
 

„Was sind das für Symbole?“, fragte er den Operator, der die Konsole bediente.
 

Der Mann markierte die Symbole. Doch dann wurde er kreidebleich.
 

„General Thalaa, diese Symbole sind feindliche Schiffe.“
 

„Welche Schiffe?“, fragte der General.
 

„Einen Augenblick, General.“
 

General Thalaa beobachtete den Mann, wie er einige Kontrollen bediente. Kurze Zeit später erschienen mehrere Informationen auf dem Schirm.
 

„General Thalaa, vier der Symbole gehören zu Raumschiffen der Vereinigten Föderation der Planeten. Das fünfte Symbol ist ein romulanisches Kriegsschiff und die letzten drei Symbole kennzeichnen Schiffe des klingonischen Imperiums.“
 

„Namen?“, fragte der General.
 

„Das romulanische Schiff ist die Valdore. Von den Föderationsschiffen 225

konnte ich nur die Kirow identifizieren. Und die Schiffe der Klingonen sind die Maranga IV, die Boreth und die Krios Prime.“
 

„Und was ist mit den anderen drei Föderationsschiffen, Mann?“, fragte General Thalaa.
 

„Sie stehen noch nicht in unserer Datenbank. Sie müssen neu sein.“
 

„Gut. Behalte sie im Auge. Ich geh inzwischen zum Chef.“, sagte der General.
 

„Jawohl, General.“
 

General Thalaa machte kehrt und war bald aus der Sicherheitszentrale, denn um diesen Raum handelte es sich, verschwunden. Außerhalb des Raumes bestieg er eine Magnetbahn, die ihn in das Allerheiligste der unterirdischen Anlage brachte. Dort angekommen, musste der General erst einmal durch einen Vorraum, in dem er sich anmelden musste.
 

„Ich muss zu Ronk.“, sagte der General.
 

„Er hat darum gebeten, nicht gestört zu werden.“
 

„Es ist außerordentlich dringend.“, sagte General Thalaa.
 

Der Wachmann wies einen seiner Untergebenen an, den General zu Ronk zu bringen. Der General folgte seinem Führer bis sie vor einer goldenen Tür standen. Der Gardist trat zur Seite und ließ den General vorbei. Dieser öffnete die Tür und betrat die Privatgemächer von Ronk.
 

Als der Gardist die Tür hinter dem General geschlossen hatte, sah dieser seinen Herrn genauer an. Ronk war ein athletisch gebauter Mann mit einer Körpergröße von 1,84 m. Er hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Seine blonden Haare waren dauergewellt und gingen an den Ohren in einen blonden Vollbart über. Seine leicht knubbelige Nase wollte irgendwie nicht zu seinem Gesicht passen. Bekleidet war Ronk mit einer schwarzen Hose, silbernen Lederstiefeln und einer silbern-schwarzen Uniformjacke, die einen stilisierten Widderkopf zeigte. General Thalaa räusperte sich. Ronk wandte sich ihm zu.
 

„Wir haben ein Problem, Ronk.“, sagte General Thalaa.
 

„Dann löse es.“
 

„Wir bekommen Besuch, Ronk. Acht feindliche Schiffe nähern sich Korath. Darunter vier Raumschiffe der Vereinigten Föderation der Planeten. Eines davon ist die Kirow.“, sagte Thalaa.
 

„Was ist mit den anderen vier Schiffen?“ 226
 

„Eines davon ist die Valdore. Das Flaggschiff der romulanischen Flotte. Die anderen drei sind Schiffe des klingonischen Imperiums. Es sind die Maranga IV, die Boreth und die Krios Prime.“, sagte General Thalaa.
 

Ronk rieb sich nachdenklich das Kinn. Dann wandte er sich mit einem Befehl an seinen General.
 

„Du wirs jetzt folgendes veranlassen, Thalaa. Sobald die acht Schiffe den Orbit um Korath erreichen, beschießt du eines davon mit dem Laser und zwingst es zur Notlandung. Danach die übliche Vorgehensweise: Die Besatzung gefangen nehmen und in die Minen verschleppen.“, sagte Ronk.
 

„Wird gemacht.“
 

Zurück in der Sicherheitszentrale gab der General den Befehl weiter. Der Mann an der Konsole, der die kleine Flottille entdeckt hatte, wandte sich an Thalaa.
 

„General, ich habe noch zwei der Föderationsschiffe identifizieren können. Das eine ist die USS Laconia, ein Schiff der Ambassador-Klasse. Das zweite ist die USS Imperator, Nebula-Klasse.“, sagte der Mann.
 

„Wie hast du das geschafft?“
 

„Ich habe den Funkverkehr mithören können.“, sagte der Operator.
 

„Na gut. Richten wir den Laser auf die Laconia.“
 

Der Operator betätigte einige Kontrollen und die Laserkanone richtete sich auf ihr Ziel. General Thalaa gab den Befehl zum Feuern.
 

„Feuer frei!“, sagte er.
 

Der Mann an der Konsole betätigte einen Schalter.
 

An Bord der Laconia
 

Das Schiff erzitterte, als der Laser traf. Jack Striker, der erste Offizier, war sofort alarmiert.
 

„Schadensmeldung!“, rief er in seinen Kommunikator.
 

„Keine Schäden, Commander. Unsere Schilde haben gehalten.“
 

„Rufen sie die Kirow. Der Captain sollte erfahren, was gerade passiert ist.“, sagte Commander Striker.
 

„Aye Commander.“ 227
 

Auf Korath
 

Der Operator stutzte.
 

„Was glotzt du so blöd?“, herrschte ihn General Thalaa an
 

„Der Laserbeschuss hat keine Wirkung gezeigt.“
 

Der General baute sich vor ihm auf.
 

„Jetzt hör mir mal gut zu. Wehe, wenn du versuchst mich zu verarschen. Dann mach ich aus dir Hackfrikassee.“, sagte Thalaa.
 

„Es ist die Wahrheit. Der Laser hat keinerlei Schaden am Schiff angerichtet.“
 

„Lass mich mal sehen.“, sagte der General.
 

Als er sah, dass der namenlose Operator die Wahrheit gesagt hatte, aktivierte er ein Sprechgerät an seinem Handgelenk.
 

„Ronk, du solltest mal in die Sicherheitszentrale kommen.“, sprach General Thalaa in das Gerät.
 

„Bin schon unterwegs.“
 

Kurze Zeit später betrat Ronk die Sicherheitszentrale.
 

„Was gibt’s Thalaa?“, fragte er seinen General.
 

„Wir haben deinen Befehl ausgeführt, wie du es wolltest.“
 

„Welches Schiff habt ihr angegriffen?“, fragte Ronk.
 

„Die Laconia. Aber der Laser hat keinen Schaden angerichtet.“
 

„Die haben die Schilde aktiviert. Und wenn die Kommandanten keine halben Sachen machen, dann auch gleich die Waffensysteme.“, sagte Ronk.
 

„Was sollen wir machen, Ronk? Die rücken garantiert nicht in dieser Flottenstärke an, nur für ein Kaffeekränzchen.“
 

„Natürlich nicht. Die wollen unsere Arbeitskräfte befreien. Sag unseren Streitkräften, sie sollen sich auf eine Bodenoffensive vorbereiten.“, sagte Ronk.
 

An Bord der Kirow
 

Im Bereitschaftsraum hinter der Brücke hatten sich alle Führungsoffiziere versammelt. Jekaterina musterte sie der Reihe nach. Der erste war 228

Jewgenis Nummer eins. Commander Jack Striker war ein 1,87 m großer Mann mit stechenden blauen Augen. Seine blonden Haare hatte er zu einem Bürstenhaarschnitt zurückgeschnitten, sodass sein ovales Gesicht mit dem markanten Kinn noch stärker hervorgehoben wurde. Den Körperbau des Australiers hätte Jekaterina als athletisch bezeichnet Die leicht knubbelige Nase rundete den ersten Eindruck ab.
 

Der nächste im Bunde war Commander Quantez Robertson. Der 1,96 m große US-Amerikaner war ein Kraftpaket vor dem Herren. Seine schwarze Hautfarbe ließ darauf schließen, dass er zu den Afro-Amerikanern gehörte. Auffällig war auch die Glatze von Commander Robertson. Der kommandierende Offizier der Imperator hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und buschigen Augenbrauen. Jekaterina bemerkte auch die Knubbelnase in Quantez Robertsons Gesicht.
 

Der dritte Föderationsoffizier in dieser Runde, den Jekaterina in Augenschein nahm, war Commander Thierry Antoine, seines Zeichens Franzose. Seiner Personalakte hatte die Kommandantin der Kirow entnehmen können, dass er aus Rouen, einer Stadt in der Normandie, stammte. Thierry hatte einen athletischen Körperbau und ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Seine schwarzen Haare trug er kinnlang. Der französische Commander war 1,89 m groß und hatte eine eher durchschnittliche Nase und wulstige Lippen. Außerdem trug Thierry Antoine eine Brille mit einem Gestell in Mahagoniholz-Optik. Der 29jährige Franzose führte während der Testphase das Kommando auf der Hiryū.
 

Zu ihrer linken saß wie immer ihr erster Offizier. Ihr Bruder zu ihrer Rechten. Jekaterina spürte die erwartungsvollen Blicke auf sich ruhen. Sie sah in die Runde. Dann eröffnete sie die Besprechung.
 

„Ladies and Gentlemen. Ich habe um diese Zusammenkunft gebeten, weil wir unser zukünftiges Vorgehen abstimmen sollten. Dambala, unser Ehrengast in dieser Runde hat einige Informationen, die er uns gerne mitteilen möchte. Doch bevor wir anfangen, hat irgendjemand etwas zu berichten?“, sagte sie in die Runde.
 

Jack Striker, der erste Offizier der Laconia, meldete sich zu Wort.
 

„Man hat uns mit dem Laser beschossen. Aber unsere Schilde haben dem Treffer Stand gehalten.“, sagte der Australier.
 

„Gut zu wissen, Commander Striker. Hat sonst noch jemand etwas zu berichten? Denn wenn nicht, würde ich dann das Wort an Dambala übergeben.“
 

Der Q erhob sich.
 

„Ronk ist kein Korath. Er stammt von einem anderen Planeten.“, sagte Dambala.

229

„Weiß man, woher er kommt?“
 

„Ihre Frage ist durchaus berechtigt, Commander Robertson. Und ich will sie so gut es geht beantworten. Das einzige, was ich bisher über Ronk in Erfahrung bringen konnte, ist, dass er aus einer Galaxie im Gamma-Quadranten kommt. Der genaue Name seines Heimatplaneten ist unbekannt.“, sagte der Q.
 

„Sonst noch etwas, dass wir wissen müssten?“
 

„Als Ronk hier ankam, hat er sofort dafür gesorgt, dass seine Kommandozentrale unter der Planetenoberfläche angelegt wird. Er hat damit gerechnet, dass irgendwann jemand auf ihn aufmerksam und ihm einen Besuch abstatten würde.“, sagte Dambala.
 

„Wie sieht es mit Plänen für Ronks unterirdische Anlage aus?“
 

„Es gibt nur eine Person, die uns diese Pläne beschaffen könnte, Kanzler Martok.“, sagte der Q.
 

Jekaterina stellte die Frage, die wahrscheinlich jedem auf der Zunge lag.“
 

„Und wer ist das?“, fragte sie.
 

„Tanet. Sie ist die offizielle Regentin des Volkes der Korath.“
 

Jekaterinas Bruder, Jewgeni, der von den Klingonen Lorak genannt wurde, wandte sich mit der nächsten Frage an Dambala.
 

„Wäre Tanet bereit, uns zu helfen?“, fragte er den Q.
 

„Mehr als alles andere. Sie würde Ronk gerne los werden. Und das lieber gestern als heute.“
 

„Stellt sich nur die Frage nach dem „Warum“.“, sagte Eric McClusky.
 

„Die Frage ist schnell beantwortet, Commander McClusky. Tanet hasst Ronk.“
 

Donatra, Jekaterinas romulanische Freundin, wandte sich nun an Dambala.
 

„Ronk muss sich ja einiges zu Schulden haben kommen lassen, dass Tanet ihn am liebsten los werden will.“, sagte sie.
 

„Er hält ihr Volk als Geisel. Wenn sie tut, was er von ihr verlangt, dann bleiben Tanets Untertanen am Leben. Wenn sie aber nicht nach seiner Pfeife tanzt, stirbt solange ein Korath, bis sich Tanet Ronk bedingungslos unterwirft.“
 

Thierry Antoine, der bisher nichts zur Besprechung beizutragen hatte, ergriff nun das Wort. 230

„Ich bin sicher, dass Ronk es sich nicht leisten kann, dass Tanet auf unserer Seite kämpft, sollte es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung kommen. Er wird sie auf Schritt und Tritt bewachen lassen. Das macht für uns schwieriger, an sie heranzukommen, ohne dass Ronk etwas davon mitbekommt.“, sagte er.
 

„Ein Argument, dass nicht von der Hand zu weisen ist, junger Mann. Sie werden es noch sehr weit bringen.“
 

Diese Worte hatte der alte General Zarrok ausgesprochen.
 

Auf Korath
 

Ronk hatte den Oberbefehlshaber seiner Leibgarde in sein privates Gemach beordert.
 

„Ich will, dass du alle verfügbaren Männer zu Königin Tanets Bewachung abstellst. Sie darf nirgendwo alleine hingehen. Und was noch wichtiger ist: Deine Leute haben sich immer in Hörweite aufzuhalten, auch wenn die Königin einen anders lautenden Befehl erteilt. Mein Wort ist Gesetz.“, sagte Ronk.
 

„Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.“
 

Danach ließ Ronk eine audio-visuelle Verbindung zur Kirow herstellen.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als die Nachricht von Ronk eintraf. Sie wandte sich an Neriah Kahn, die zurzeit auf dem Sessel in der Mitte saß.
 

„Counselor Kahn, Ronk hat uns gerufen.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Ronks bärtiges Gesicht.
 

„Sind sie die Kommandantin, dieses Schiffes?“, fragte er gerade heraus.
 

„Nein. Mein Name ist Neriah Kahn. Ich bin die Counselor der Kirow. Captain Romanova befindet sich gerade in einer Besprechung mit den anderen Kommandooffizieren.“
 

„Holen sie ihre Vorgesetzte her.“, sagte Ronk barsch.
 

„Einen Moment.“
 

Die Counselor ließ die Verbindung unterbrechen. Dann tippte sie an ihren Kommunikator.

231

„Brücke an Captain.“, sprach sie in das kleine Gerät.
 

„Ich höre sie, Counselor. Was gibt es?“
 

„Ronk wünscht sie zu sprechen. Sie sollen sofort auf die Brücke kommen.“, sagte Neriah.
 

„Sagen sie Keiko, sie soll Ronk hierher durchstellen.“
 

„Aye, Captain.“, sagte die Counselor.
 

Dann ließ Neriah Kahn die Verbindung zu Ronk wieder laufen.
 

„Danke, dass sie gewartet haben. Ich stelle sie zum Captain durch.“, sagte sie.
 

„Sie kommt auf die Brücke, wie ich es verlangt habe.“
 

Neriah unterbrach die Verbindung und öffnete eine Leitung in den Besprechungsraum.
 

„Captain, die Leitung steht, sie können jetzt mit Ronk sprechen.“, sagte die Trill.
 

„Danke Neriah.“
 

Dann wandte Jekaterina ihre Aufmerksamkeit auf den kleinen Bildschirm, der vor ihr aus dem Schreibtisch gefahren war.
 

„Sie wollen mich sprechen?“, fragte sie freundlich.
 

„Allerdings. Aber bevor ich zu meinem Anliegen komme, möchte ich wissen, warum sie meine Forderung auf die Brücke zu kommen ignoriert haben.“
 

„Weil ich es nicht nötig habe, von jemandem wie ihnen Befehle entgegen zu nehmen. Die Kirow ist mein Schiff und hier habe ich das sagen. Und ich springe nicht wenn jemand zu mir sagt „SPRING“.“, sagte Jekaterina.
 

„Na schön. Ganz wie sie wollen, Captain. Wer meine Regeln nicht befolgt, ist ein Feind. Und mit Feinden mache ich kurzen Prozess.“
 

„Das will ich sehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich mag sie nicht, Captain. Aber nun zu meinem Anliegen. Ich verlange, dass sie und die anderen Schiffe sich zurückziehen und mich in Ruhe lassen.“
 

„Wir wurden geschickt, um die anderen Raumschiffbesatzungen zurückzuholen. Und Befehl ist Befehl.“, sagte Jekaterina.
 

„Auf Korath gelten meine Regeln. Lassen sie mich in Ruhe und 232

verschwinden sie. Ihre Gefährten bleiben meine Sklaven. Mir egal, ob sie von ihren Vorgesetzten Ärger bekommen oder nicht. Aber eines sage ich ihnen in aller Deutlichkeit, Captain. Wenn sie einen Befreiungsversuch unternehmen, dann werde ich Tanet und ihr Volk vernichten.“
 

„Ich verhandele nicht mit Tyrannen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich bin kein Tyrann. Ich bin ein König.“
 

„Wer gibt ihnen das Recht, unschuldige Menschen gefangen zu nehmen und gnadenlos auszubeuten?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich brauche Arbeitskräfte. Das Volk der Korath ist zu wertvoll dafür. Also hole ich mir Sklaven von außen.“
 

„Nur damit wir uns klar verstehen, Ronk. Die Freiheit der von ihnen gefangen genommenen Raumschiffbesatzungen ist nicht verhandelbar. Sie werden uns ihre Gefangenen bedingungslos aushändigen. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Auf Korath
 

Ronk kochte innerlich vor Zorn. Erst verweigerte ihm die Kommandantin der Kirow den Gehorsam, dann zeigte sie ihm gegenüber absolut keinen Respekt, und zu guter letzt hatte sie ihm unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie zu keinerlei Verhandlungen über das Schicksal der Gefangenen bereit war. Er hatte nach ihrer Pfeife zu tanzen. So hatte Ronk sich dieses Gespräch nicht vorgestellt. Er war es gewohnt, dass alles nach seinem Willen geschah. Jeder hatte sich ihm zu unterwerfen. Und die Kommandantin der Kirow hatte sich ihm offen widersetzt. Was Ronk allerdings nicht wusste war, dass Jekaterinas Gäste die Konversation zwischen ihm und Jekaterina offen mitgehört hatten. Auch wusste er nicht, dass er sich das klingonische Haus Zarrok zum Feind gemacht hatte.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56476.7 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf die andere Seite des Planeten geflogen, um sicherzustellen, dass Ronk uns nicht mit dem Laser unter Beschuss nimmt. Auf diese Weise können wir die Schilde deaktivieren und Tanet an Bord beamen. Nach dem ersten Gespräch mit Ronk, dass hoffentlich das einzige bleiben wird, muss ich ehrlich sagen: Ich habe keine gute Meinung von ihm. Mein Instinkt sagt mir, dass er gefährlich ist. Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass Ronk skrupellos genug ist, um einen Massenmord anzuordnen, wenn er in die Enge getrieben wird.“
 

Jekaterina klappte das Buch zu und legte es auf die Seite.
 

„Ich muss auf die Maranga IV, Nummer eins. Sie übernehmen. Wenn sich was tut, rufen sie mich.“, sagte sie zu ihrem ersten Offizier.

233

„Ja, Captain.“
 

An Bord der Maranga IV
 

Jekaterina war angespannt. Rings um sie standen alle, die an der Zeremonie teilnahmen. Zum einen ihre klingonische Familie. In einer Schale lag der Orden, der ihr verliehen werden sollte. Kanzler Martok stand ihr gegenüber, in der Hand ein D'k tahg. Mit diesem traditionellen Messer, dessen seitliche Subklingen bereits ausgeklappt waren, schnitt sich Martok in die Hand und ließ sein Blut auf den Orden tropfen. Dabei sprach er die Worte, mit denen das Ritual eröffnet wurde.
 

„Heute ehren wir unsere Schwester Jekara, auf die Art und Weise, wie uns Kahless gelehrt hat.“, sagte er.
 

Kanzler Martok gab das D'k tahg an Jekaterina weiter. Nun war sie an der Reihe.
 

„Ich akzeptiere diese Ehre im Namen des Zarrok. Den einzigen Wunsch, den ich habe ist, dass mir gestattet wird, dem Reich weiter dienen zu dürfen.“, sagte sie ihren Teil des Schwurs.
 

Danach schnitt auch sie sich in die Hand und ließ ihr Blut auf den Orden in der Schale tropfen. Der nächste, der sein Blut zu ihren Ehren vergoss, war General Bhav´ Lor Zarrok. Er schnitt sich mit dem Messer in die Hand und ließ sein Blut auf den Orden tropfen. Danach war die Reihe an Meghara, Jekaterinas klingonische Schwester. Ihr folgte Narunak. Dann Toprak. Der letzte in der Runde war Arkos, der jüngste Bruder von Königin Daena.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina betrat die Brücke. Ihre linke Hand hatte sie auf der Krankenstation bandagieren lassen. Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht von Tanet, der Königin der Korath eintraf.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht von Tanet empfangen. Sie wünscht sie zu sprechen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht einer Frau, deren Alter Jekaterina auf 33 Jahre schätzte. Tanet hatte rotbraune, weit über die Schultern fallende Haare, die ihrem ovalen Gesicht, einen stärkeren Ausdruck verliehen. Ihre braunen Augen blickten Jekaterina hilfesuchend an. Tanets Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengekniffen. Ein klares Indiz dafür, dass die Königin der Korath, nervös und angespannt war. Die Nasenflügel von Tanets Nase bebten. Offenbar war die Königin der Korath sehr aufgebracht.
 

„Captain Romanova.“, begann Tanet das Gespräch. 234

„Mylady.“
 

„Ich bin froh, dass sie und ihre Freunde uns beistehen.“, sagte Tanet.
 

„Nicht der Rede wert, Hoheit.“
 

„Ich meine das Ernst, Captain. Sehen sie, seit Ronk hier ist, ist nichts mehr so wie früher.“, sagte Königin Tanet.
 

„Dessen bin ich mir durchaus bewusst, meine Königin. Und keine Sorge. Ronk steht schon mit einem Bein vor einem Föderationsgericht.“
 

„Wie darf ich das verstehen, Captain Romanova?“, fragte Tanet.
 

„Ich finde, das liegt glasklar auf der Hand, Königin Tanet. Ronk hat einen Planeten, der sich im Territorium der Vereinigten Föderation der Planeten befindet, überfallen und widerrechtlich die Kontrolle an sich gerissen. Es überrascht mich, dass nicht schon viel früher Alarm gegeben wurde.“
 

„Wir sind eine Prä-Warp-Spezies. Vielleicht hat man uns deshalb keine Beachtung geschenkt, Captain.“, sagte Tanet.
 

„Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Föderation so nachlässig ist, und Prä-Warp-Welten ihrem Schicksal überlässt.“
 

„Ich sage ja auch nicht, dass die Föderation uns mit Absicht ignoriert hat. Aber es muss etwas getan werden. Sonst werden Planeten wie Korath Männern wie Ronk sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert.“, sagte Königin Tanet.
 

„Ich werde dies in einem Bericht an das Flottenoberkommando vorschlagen.“
 

„Gut. Aber sagen sie ihren Vorgesetzten auch, dass Ronk den Laser bald wieder einsetzen will. Er wartet auf zwei Schiffe. Einen bajoranischen Truppentransporter und die USS Equinox. Soweit ich weiß, befindet sich Botschafterin Wai Lin Luan an Bord.“, sagte Tanet.
 

„Danke, dass sie uns dies haben wissen lassen. Wir werden die Equinox warnen. Kirow Ende.“
 

Dann wandte sich Jekaterina an Keiko.
 

„Warnen sie die Equinox. Sagen sie Captain Ransom, dass sie den Planeten auf der Rückseite passieren sollen. Geben sie denen unsere Position durch, wenn es sein muss.“, sagte sie.
 

„Aye, Captain.“
 

Keine 5 Minuten später war die Warnung der Kirow an die Equinox 235

versandt. Deren Bestätigung kam prompt.
 

Auf Korath
 

In Ronks Sicherheitszentrale hatte der Operator an der Funkkonsole die Warnung der Kirow an die Equinox aufgefangen. Umgehend informierte er General Thalaa.
 

„Was ist?“, fragte Ronks rechte Hand.
 

„Die Kirow hat die Equinox Warnung der Kirow an die Equinox aufgefangen. Umgehend informierte er General Thalaa.
 

„Was ist?“, fragte Ronks rechte Hand.
 

„Die Kirow hat die Equinox gewarnt, General. Sie wird den Kurs ändern.“
 

„So ein Mist.“, sagte General Thalaa.
 

Dann aktivierte er den Kommunikator an seinem Handgelenk.
 

„Ronk, hier Thalaa. Die Kirow hat der Equinox eine Warnung zukommen lassen. Equinox wird eine Kursänderung vornehmen.“, sagte der General.
 

„Die Information kann die Kirow nur von Tanet bekommen haben. Was ist mit dem Bajoraner?“
 

„Der Flug wurde abgesagt, Ronk.“, sagte Thalaa.
 

„Weiß man denn warum?“
 

„Nein. Aber ein Ferengi-Schiff wird in zwei Tagen die Position unseres Lasers kreuzen.“, sagte General Thalaa.
 

„Nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber besser als gar nichts.“
 

„Sollen wir den Laser trotzdem einsetzen, Chef?“, fragte Thalaa.
 

„Natürlich. Und jetzt schickst du mir sofort eine Patrouille zu Tanet, mit dem Befehl, sie zu verhaften. Danach bringt sie in den Verhörsaal.“
 

„Zu Befehl, Ronk.“, sagte Thalaa.
 

In Tanets Gemächern
 

Die Königin der Korath hatte sich gerade fertig angekleidet, als sämtliche Alarmsirenen losgingen. Tanet wusste, was das zu bedeuten hatte. Ronk hatte eine Patrouilleneinheit in Gang gesetzt, um sie zu verhaften. Es war also 236

offensichtlich, dass seine Funker die Warnung der Kirow an die Equinox abgefangen, und an ihn weitergeleitet hatten. Ronk hatte dann 2 und zwei zusammengezählt, und war zu dem Schluss gekommen, dass nur sie, Tanet, die Kirow informiert haben konnte. Rasch änderte sie an ihrem Computerterminal die Codes für die Türen zu ihren Privatgemächern. Danach kontaktierte sie die Kirow. Auf dem Schirm an der Wand erschien Jekaterina Romanovas Gesicht.
 

„Königin Tanet. Was verschafft mir die Ehre, dieses unerwarteten Gesprächs.“, sagte die Kommandantin der Kirow.
 

„Ich brauche ihre Hilfe, Captain Romanova.“
 

„Was kann ich für sie tun, Königin Tanet?“, fragte Jekaterina.
 

„Können sie mich auf ihr Schiff bringen?“
 

„Was ist passiert?“, fragte Jekaterina.
 

„Das werde ich ihnen in aller Ruhe berichten, wenn ich mich an Bord ihres Schiffes befinde. Jetzt ist dafür einfach keine Zeit. Ronks Geheimpolizei wird gleich hier sein.“
 

„Verstehe.“, sagte Jekaterina.
 

Dann beobachtete Tanet, wie die Kommandantin der Kirow ein kleines Gerät an ihrer Schulter antippte und hineinsprach. Das letzte, was die Königin mitbekam war, dass die Kommandantin der Kirow einen Befehl erteilte. Denn als sich die Türen ihres Privatgemachs öffneten, und Ronks Männer hereinstürmten, wurde Königin Tanet von einem Vorhang blauer Energie umhüllt. Von einem Augenblick auf den anderen war wie verschwunden. Der Anführer des Trupps war bitter enttäuscht. Außerdem hatte er Angst. Denn er wusste, welches Schicksal einem Versager blühte, der einen Befehl nicht ordnungsgemäß ausgeführt hatte. Ronk pflegte solche Leute in der Regel im Verhörzimmer solange zu foltern, bis sie das Bewusstsein verloren.
 

Er wollte gerade Meldung machen, da öffnete sich die Tür und General Thalaa betrat den Raum. Ihm folgte Ronk. Der Truppführer schluckte. Wenn Ronk persönlich erschien, bedeutete das ganz sicher nichts Gutes. Jedenfalls nicht für ihn. Ronk sah den Mann an. Er ahnte, was los war. Der Truppführer, im Rang eines Hauptmanns, hatte es nicht geschafft, Tanet habhaft zu werden. Es war ganz offensichtlich, dass die Königin auf die Kirow geflohen war. Und deren Kommandantin hatte ihr dabei geholfen. Konnte er seinen Hauptmann dafür zur Verantwortung ziehen? Ronk musste sich eingestehen, dass der Truppführer, für das was passiert war, keinerlei Verantwortung trug. Der Hauptmann brach schließlich das Schweigen.
 

„Darf… darf ich fragen, … welche Strafe mich … jetzt erwartet?“, fragte er Ronk.

237

„Keine, Hauptmann. Sie konnten nicht ahnen, dass Königin Tanet auf die Kirow fliehen würde.“
 

„Danke, Herr.“, sagte der Hauptmann.
 

Man merkte ihm die Erleichterung an. Ronk wandte sich wieder an ihn.
 

„Sie konnten die Königin zwar nicht verhaften, aber vielleicht können sie mir sagen, wie Tanet die Flucht gelungen ist.“, sagte er.
 

„Als wir Königin Tanets Gemach gestürmt haben, konnte ich erkennen, wie die Königin von einem Vorhang blauer Energie umhüllt wurde. Und dann war da noch dieses merkwürdige Geräusch.“
 

„Ich nehme an, dass Königin Tanet vom einen auf den anderen Augenblick vor ihren Augen verschwunden ist, Hauptmann.“, sagte Ronk.
 

„Genauso hat es sich zugetragen, Herr.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina wartete in Transporterraum 4 auf ihren Gast. Vor ihren Augen erschien ein Vorhang aus blauer Energie. Als dieser verschwunden war, stand Tanet auf dem Feld, auf dem sie gerade angekommen war. Die Königin der Korath sah sich aufmerksam um. Dann kam sie mit eleganten Schritten die Stufen herab.
 

Jekaterina musterte sie. Königin Tanet war mit ihren 1,70 m drei Zentimeter größer als sie selbst, und schien sich ihres Traumkörpers sehr wohl bewusst zu sein. Jekaterina schloss dies aus dem schwarzen Trägerkleid, das viel von Tanets Beinen zeigte und den schwarzen High Heels. Die Königin der Korath trug ihre rotbraunen Haare offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Auf dem Kopf trug Tanet ein Diadem aus Gold mit zahlreichen Diamanten besetzt. Jekaterina fiel auf, dass Tanets Kleid unterhalb des Brustansatzes mit sechs Reihen Perlen besetzt war, ebenso die Schuhe, die allerdings nur vier Reihen besaßen. Um den Hals trug die Königin der Korath eine Kette aus schwarzen Perlen. Tanet hatte ein ovales Gesicht mit einer Nase, die an ihrer Spitze einen Knubbel bildete und braune Augen.
 

„Mylady, willkommen auf der Kirow.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich danke ihnen, dass sie meiner Bitte nachgekommen sind.“
 

„Das war das Mindeste, was wir tun konnten. Werden sie uns helfen, Ronk aufzuhalten?“, sagte Jekaterina.
 

„Oh ja. Ronk soll verschwinden. Das Volk der Korath soll wieder in Frieden leben können.“ 238

„Wie gut kennen sie seine unterirdische Festung?“, fragte Jekaterina die Königin der Korath.
 

„Besser als jeder andere.“
 

„In Ordnung. Darüber würde ich später gerne näher mit ihnen sprechen. Aber jetzt begleite ich sie erst einmal auf die Krankenstation.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist ihr Schiff, Captain Romanova. Und ich bin ihr Gast.“
 

Nach dem Besuch auf der Krankenstation hatte Jekaterina die kommandierenden Offiziere wieder im Bereitschaftsraum zusammengetrommelt. Bei dieser Besprechung war neben Dambala auch Königin Tanet anwesend. In der Mitte des Tisches war eine holografische Projektion des gesamten Komplexes zu sehen.
 

„In Ordnung, fangen wir an.“, eröffnete Jekaterina die Besprechung.
 

„Die Wachen dürften beim Laser postiert sein. Er ist immerhin Ronks Primärwaffe. Dort würde ich am ehesten einen Angriff vermuten und entsprechend Posten stationieren.“
 

„Gar nicht mal schlecht, Jewgeni. Aber so, wie ich Ronk einschätze, wird er an allen oberirdischen Eingängen zur Festung Wachen postiert haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Da haben sie Recht, Captain. Aber es gibt eine Schwachstelle in Ronks Verteidigungsbollwerk.“
 

„Welche, Königin Tanet?“, fragte Narunak.
 

„Es gibt einen geheimen Tunnel, auf der abgewandten Seite des Berges. Wenn wir dort eindringen, werden wir ihn überrumpeln können. Denn dort rechnet Ronk am allerwenigsten mit einem Angriff.“
 

„Alles schön und gut, Mylady. Aber Ronk kann im ganzen Komplex Sprengfallen versteckt haben. Er braucht also nur auf den Knopf zu drücken, wenn er Gefahr wittert.“, sagte Commander Robertson.
 

In diesem Moment ertönte der Türsummer.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina.
 

Die Türen glitten auseinander und Dayani, das Energiewesen betrat den Raum.
 

„Was gibt es, Dayani?“, fragte Jekaterina.
 

„Keiko hat gerade eine Nachricht vom Flottenoberkommando erhalten. 239

Sie teilen uns mit, dass die Bajoraner den Langstreckentest für ihren neuen Transporter wegen technischer Probleme auf unbestimmte Zeit verschoben haben.“
 

Königin Tanet meldete sich zu Wort.
 

„Erinnern sie sich, dass ich bei unserem ersten Gespräch erwähnte, dass Ronk außer der Equinox auch einen bajoranischen Truppentransporter erwartet?“, fragte sie Jekaterina.
 

„Ja, ich erinnere mich.“
 

„Ronk setzt den Laser nur dann ein, wenn er neue Sklaven braucht.“, gab Tanet Auskunft.
 

„Aber wozu braucht er sie?“
 

„Ronk baut in den Minen Titaniumerz ab. Dieses Erz verlädt er auf Frachter und schickt es in den Gammaquadranten.“, sagte Tanet.
 

„Weiß man wohin?“
 

„Ich wünschte, ich wüsste es, Dayani.“, sagte Tanet.
 

General Zarrok, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, erhob sich nun von seinem Sitzplatz und sah Jekaterina an.
 

„Es ist an der Zeit, eine Entscheidung zu fällen, Jekara.“, sagte er.
 

„Ja Vater, ich weiß.“
 

Der alte Klingone sah in die Runde.
 

„Hat irgendwer Vorschläge?“, fragte er.
 

Sein Sohn Narunak sprach als erster.
 

„Wir sollten über den geheimen Tunnel in die Festung eindringen. Alles andere wäre reiner Selbstmord.“, sagte er.
 

Dayani sah ihre Mutter fragend an. Jekaterina nickte.
 

Dann wandte sich das Energiewesen an die anderen.
 

„Wenn sie nichts dagegen haben, würde ich gerne den Laser außer Gefecht setzen.“, sagte Dayani.
 

„Und wie willst du das anstellen? Die Anlage ist schwer bewacht.“ 240

„Ich bin ein Energiewesen. Ich kann mich unsichtbar machen und durch einen Energiestoß die Systeme des Lasers so überlasten, dass sie zusammenbrechen. Und noch etwas: Ich kann genauso unerkannt verschwinden, wie ich gekommen bin.“, sagte das Energiewesen.
 

„Jekara, was meinst du?“
 

„Es wäre einen Versuch wert. Ganz abgesehen davon, würde die Vernichtung des Lasers für Panik unter Ronks Sicherheitskräften sorgen.“, sagte Jekaterina.
 

„Was uns sämtliche Trümpfe in die Hand spielen würde, big sis.“
 

„Dann wäre das soweit geklärt. Aber jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergeht, wenn wir den Tunnel betreten haben.“, sagte Meghara.
 

„Der Gang führt zu einer Stahltreppe. Diese wird am Treppenaufgang von einem Posten bewacht. Von dort aus gelangt man zu den Minen. Die Aufseher müssen ausgeschaltet werden, bevor die Befreiungsaktion beginnt. Das Volk der Korath steht auf eurer Seite.“
 

„Gut zu wissen. Und jetzt sollten wir einen Plan ausarbeiten. Und danach wird unser Plan von den Teams geprobt. Die Holodecks sollten entsprechend programmiert werden, damit wir uns zurechtfinden.“, sagte Jekaterina.
 

Arkos bekam die Leitung eines der Außenteams zugewiesen. Unter den Männern war auch ein Mann namens Richard Harris. Dieser war immer mit anderen Dingen beschäftigt. Arkos musste sich was einfallen lassen.
 

„Das Timing beim Eindringen in den Tunnel, die Geschwindigkeit mit der wir uns fortbewegen, genau davon hängt bei uns dieser Einsatz ab.“, sagte er zu seinen Männern.
 

Doch dann bemerkte Arkos, das ausgerechnet Harris aus der Reihe tanzte.
 

„Harris, hören sie mir überhaupt zu?“, raunzte er Harris an.
 

„Ja, Sir.“
 

„Dann kucken sie mich verdammt noch mal an.“, sagte Arkos.
 

„Ja, Sir.“
 

Das Training ging weiter. Und schon bald hatte Arkos erneut etwas auszusetzen. Doch dieses Mal, war nicht Harris der Übeltäter.
 

„Da sind über 600 Leute, deren Leben nur von uns abhängt. Und sie Sir haben diese Leiter angefasst, als wäre es ein Gong der zum Essen ruft. Wenn du das noch mal machst, fress ich deine Eier zum Frühstück.“, sagte Arkos zu dem Teammitglied.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56494.9 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir haben eine Woche intensiven Training hinter uns. Sobald wir auf der Planetenoberfläche angekommen sind und die Aufseher ausgeschaltet haben, wird Dayani die Laseranlage mit einem Energiestoß zerstören. Danach werden wir mit den Gefangenen und dem Volk der Korath einen Aufstand gegen Ronk und seine Männer anzetteln.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite.
 

„Sie haben das Kommando, Nummer eins. Denken sie daran, wenn ein anderes Schiff Hilfe braucht, dann brechen sie auf. Egal, was hier passiert.“, sagte sie zu Eric McClusky.
 

„Ich finde ihren Entschluss, diesen Außeneinsatz zu begleiten, alles andere als gut. Wäre es nicht besser, wenn ich an ihrer Stelle mitgehe?“
 

„Nein, Nummer eins. Sie bleiben hier. Sie bekommen noch früh genug ihre Chance, einen Außeneinsatz mitzumachen. Jetzt sammeln sie erst einmal die nötige Erfahrung, die sie für das Kapitänspatent brauchen. Ich vertraue ihnen, voll und ganz, Eric.“, sagte die Kommandantin.
 

„Danke, Captain.“
 

„Gern geschehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Viel Glück da unten, Captain.“
 

„Danke, Nummer eins. Das können wir auch brauchen.“, sagte Jekaterina.
 

Eric McClusky kramte in seiner Uniformhose und fischte eine Plakette mit einem Tigerkopf heraus.
 

„Nehmen sie die mit. Als Talisman. Es heißt nämlich: „Ein starker Tiger legt 1.000 Meilen in einer Nacht zurück. Sie sind dieser Tiger, Captain.“
 

„Danke, Eric. Erinnern sie mich bitte daran, sie ihnen wieder zurückzugeben.“, sagte Jekaterina.
 

Auf der Planetenoberfläche eine Stunde später
 

Dayani kauerte hinter einem Felsvorsprung und beobachtete die Laseranlage. Es war ein 150 Meter langes Metallrohr mit einem Durchmesser von 75 Metern an der breitesten Stelle. Die Laserspitze bildete ein Kegel mit einem Loch von der Größe von Dayanis kleinem Finger. Der Laser zeigte in einem Winkel von 45 Grad in den Himmel. Auf beiden Seiten der Anlage standen 241

jeweils vier bis an die Zähne bewaffnete Wachposten. Dayani wartete gespannt. Waren die anderen schon in den Tunnel eingedrungen?
 

Auf der anderen Seite des Berges hatten sich die Außenteams versammelt. Jekaterina würde die Führung des Teams übernehmen, das die Gefangenen befreite, ihr Bruder Jewgeni würde mit seinem Team Königin Tanet folgen. Bis zur Stahltreppe ging man noch gemeinsam. Auf dem Treppenabsatz zog Arkos ein Blasrohr aus seiner Weste und lud es mit einem Giftdorn. Dann zielte er auf den Nacken des Wächters. Einmal kurz und kräftig gepustet und das tödliche Geschoss war unterwegs. Der Wachmann hatte keine Zeit zu reagieren, als ihn der Dorn traf. Er zuckte kurz und brach dann leblos zusammen. So schnell es ging, stürmte die Gruppe die Treppe hinunter. Nachdem man den Gang hinter sich gelassen hatte, kam das Außenteam in einen weiteren Raum. Dort teilte sich der Gang.
 

„Links geht es zu den Minen. Rechts geht es in die Zitadelle, wo Ronk mein Volk als Geisel hält.“, sagte Tanet.
 

„Viel Glück, Bruder.“, sagte Jekaterina zu Jewgeni.
 

„Für dich auch, big sis.“
 

Jekaterinas Trupp wandte sich nach links. Nach 500 Metern hörte die Kommandantin der Kirow das Geräusch von Spitzhacken, die auf harten Fels trafen. Als sich die Gruppe weiter näherte, vernahm Jekaterina mehrere Stimmen, die Befehle gaben.
 

„Los, los! Beeilung! Nur keine Müdigkeit vorschützen! Wir liegen hinter dem Zeitplan! Also los jetzt! Macht gefälligst schneller, ihr faulen Säcke!“
 

Jekaterina spähte vorsichtig um die Ecke. Und was die junge Russin sah, brach ihr das Herz. Die Wächter trieben die Gefangenen mit Peitschenhieben unbarmherzig zur Eile an. Jekaterina wollte gerade einschreiten, da bemerkte sie über sich eine Bewegung. Unauffällig sah sie nach oben. Auf einem Sims stand Dambala. Doch im Gegensatz zu seinen üblichen Besuchen war er dieses Mal ganz anders gekleidet. Dambala trug eine weiße Leinenhose und schwarze, schwere Lederstiefel. Die Hose wurde von einem großen, schwarzen Ledergürtel gehalten. Dazu trug der Q einen cremefarbenen Umhang mit dunkelrotem Innenfutter. Außerdem trug er eine Brille mit einem ovalen Gestell aus Messing. Jekaterina bemerkte auch zwei Armschienen, in denen jeweils zwei Wurfmesser steckten. Die Schultern wurden durch einen braunen Lederkragen geschützt, an dem ebenfalls Wurfmesser hingen.
 

Jekaterina sah, wie sich Dambala einige seiner Wurfmesser nahm. „Was mag er bloß vorhaben?“, fragte sich Jekaterina in Gedanken. Als Dambala aber die Messer gegen die Aufseher einsetzte, wusste sie, was er vorhatte. Ein Wächter nach dem anderen ging tödlich getroffen zu Boden.

242

„Danke, Dambala. Du hast was gut bei mir.“, rief Jekaterina nach oben.
 

„Ich nehm dich beim Wort.“
 

Rasch befreiten Jekaterina und ihr Trupp die gefangenen Raumschiffbesatzungen.
 

„Sie schickt uns der Himmel, Captain.“, sagte Heather Anderson, die Kommandantin der Lexington.
 

„Danken sie mir nachher Frau Kollegin. Jetzt haben wir erst einmal wichtigeres zu tun.“
 

„Nach ihnen, Captain Romanova.“, sagte Heather Anderson.
 

Als das Außenteam mit den Gefangenen den Gang zurücklief, bemerkte Jekaterina eine Öffnung im Fels, aus der Licht drang.
 

„Was ist dort?“, fragte sie Heather Anderson.
 

„Das ist die Wachstube. Dort ist auch die Waffenkammer.“
 

„Schauen wir mal nach.“, sagte Jekaterina.
 

„Nach ihnen, Frau Kollegin.“
 

Jekaterina schlich leise vorwärts und legte sich flach auf den Boden, als sie Schritte hörte. Zwei Männer kamen vorbei. Jekaterina konnte sogar einen Teil des Gesprächs der beiden mithören.
 

„Wann ist Wachablösung in den Minen?“, fragte der eine.
 

„In zwei Stunden. Solange können wir noch entspannen.“
 

Als die beiden Aufseher außer Hörweite waren, zirpte Jekaterinas Kommunikator.
 

„Kirow an Captain.“, hörte Jekaterina die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Ich höre sie, Nummer eins. Was gibt es?“
 

„Unsere Sensoren haben ein Schiff der D´Kora-Klasse geortet. Falls Dayani den Laser noch nicht zerstört hat, sollte sie es jetzt tun, Captain. Sonst holt Ronk die Ferengi auch noch runter. Obwohl ich nichts dagegen hätte.“, sagte Eric McClusky.
 

„Äußerungen wie ihre letzte, können sie sich als Captain nicht mehr erlauben, Nummer eins.“ 243

Jekaterina beendete das Gespräch und rief Dayani.
 

„Dayani, hier ist Captain Romanova. Hören sie mich?“, sprach sie in ihren Kommunikator.
 

„Ich höre sie klar und deutlich, Captain.“
 

„Zerstören sie den Laser. Die Sensoren der Kirow haben einen Marauder der Ferengi geortet.“, sagte Jekaterina.
 

„Verstanden, Captain.“
 

„Aber beeil dich, Dayani.“, sagte Jekaterina.
 

„Mach dir keine Sorgen. Der Laser ist schneller unbrauchbar, als Ronk „Piep“ sagen kann.“
 

„Viel Glück, Dayani.“, sagte Jekaterina.
 

„Für dich auch.“
 

Von ihrem Versteck aus beobachtete Dayani noch einmal die Anlage. Die Posten hatten sie nicht bemerkt. Sie standen weiter stumm da, wie Statuen. Sie hatten noch nicht einmal mitbekommen, dass das Energiewesen sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Noch weniger, dass Dayani den Befehl erhalten hatte den Laser zu zerstören. Dayani formte einen kleinen Ball aus kosmischer Energie. Diesen schleuderte sie mit aller Kraft auf die Laseranlage und ließ die Systeme des Lasers durch einen elektro-magnetischen Impuls zusammenbrechen und in Flammen aufgehen.
 

In Ronks Hauptquartier ging sofort der Alarm los. Die Techniker versuchten, den Laser wieder zum Laufen zu bringen, doch alle Bemühungen waren umsonst. Denn Dayanis EMP-Angriff hatte irreparable Schäden an der Anlage angerichtet. In Ronks Festung brach Panik aus. Auch in der Wachstube wurden die Aufseher durch den Alarm aufgeschreckt. Diesen Umstand machte sich Arkos zu Nutze und schickte einen Aufseher mit seinem Photonengewehr in die ewigen Jagdgründe.
 

„Eindringlinge! Ergreift sie!“, rief der Hauptmann, der die Oberaufsicht hatte.
 

Die ihm unterstellten Wachsoldaten griffen zu ihren Waffen und stürmten nach draußen. Und damit in die Arme von Jekaterinas Außenteam. Ehe die Wächter wussten, wie ihnen geschah, waren sie entweder tot oder lagen tödlich verwundet auf dem Boden.
 

Jekaterina betrat die Wachstube. In ihren Händen hielt sie ihre Damaszenerschwerter.

244

„Überraschung!“, sagte sie und zog süffisant eine Augenbraue nach oben.
 

„Machst du dich etwa über mich lustig?“
 

„Wie könnte ich?“, konterte Jekaterina mit einer Gegenfrage.
 

Der Wachmann kochte innerlich vor Zorn. Dieses miese, kleine Flittchen zeigte ihm ´gegenüber nicht im Geringsten Respekt. Stattdessen verspottete sie ihn noch. Doch er würde ihr eine Lektion erteilen, die sie so schnell nicht vergessen würde. Jekaterina hatte den Mann die ganze Zeit über beobachtet. Fast hatte sie ihn soweit, dass er die Beherrschung verlor. Der Wächter nahm ein Katana mit Elfenbeingriff.
 

„Chung-Sha tötet dich!“, sagte er.
 

„Witz komm raus, du bist umzingelt.“
 

Mit einem lauten Schrei stürmte der Wächter auf Jekaterina zu, das Katana über seinem Kopf erhoben. Genau damit hatte die Kommandantin gerechnet. Im entscheidenden Moment ging sie auf die Knie, riss ihre Arme nach oben und kreuzte ihre Schwerter über dem Kopf. Ein lautes, metallisches Klirren wurde hörbar, als Chung-Shas Katana auf Jekaterinas Damaszener-Schwerter traf. Damit hatte der Oberaufseher nicht gerechnet. Umso überraschter war Chung-Sha, als seine Gegnerin ihm einen kräftigen Stoß verpasste, der ihn nach hinten taumeln ließ. Er verlor sein Gleichgewicht und fiel auf den Boden. Noch ehe er reagieren konnte, war Jekaterina über ihm und kreuzte ihre Schwerter an seiner Kehle. „
 

Was soll auf deinem Grabstein stehen, Chung-Sha?“, fragte Jekaterina.
 

„Fahr zur Hölle.“
 

„Wie passend. Grüß den Teufel von mir, wenn du ihn persönlich triffst.“, sagte Jekaterina.
 

Dann schnitt sie Chung-Sha die Kehle durch.
 

„In Ordnung. Holt die Waffen aus der Waffenkammer, und dann nichts wie raus hier.“, sagte Jekaterina an die befreiten Sklaven gewandt.
 

Diese kamen dieser Aufforderung sofort nach. Danach ging es den Gang zurück, bis alle den Raum erreichten, in dem sie sich von der anderen Gruppe getrennt hatten. Und es dauerte nicht lange, da erschien Jekaterinas Bruder Jewgeni mit seinem Außenteam.
 

„Schön dich zu sehen, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„Habt ihr es geschafft, das Volk der Korath zu befreien?“ 245

„Na selbstverfreilich, big sis. Und wie ich sehe, wart ihr auch erfolgreich.“, sagte Jewgeni.
 

„Wir haben noch ein paar Waffen für euch organisiert.“
 

„Danke, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

Schon okay. Aber jetzt sollten wir uns sputen, sonst spielt Ronk noch Begrüßungskommando für uns, statt umgekehrt.“
 

Unter der Führung von Tanet eilten die beiden Außenteams zusammen mit den Gefangenen und den Korath einen weiteren Gang entlang. Dieser mündete in einem großen Raum mit einer hohen Decke. Jekaterina brachte die Gruppe an strategisch wichtigen Punkten in Stellung. Ronks Armee rückte bald an. Mehrere Legionen rückten in Quadratform nach vorn. Das Stakkato ihrer Stiefel auf dem Boden hallte durch den ganzen Saal. Jekaterina hob den Arm und ließ ihn fallen, als die Truppen des Tyrannen in Schussweite waren.
 

„Feuer!“, rief Jekaterina.
 

Die Mitglieder der Außenteams sowie die Gefangenen und das Volk der Korath eröffneten das Feuer aus allen Rohren. Ronks Krieger waren durch dieses Sperrfeuer dermaßen überrascht, dass sie zu Beginn des Gefechts kaum Gegenwehr leisteten. Doch schließlich hatten sie sich gefangen und fingen an, heftige Gegenwehr zu leisten. Der Kampf tobte bereits eine Stunde, als Ronks Truppen einen Sturmangriff begannen. Und das bedeutete für Jekaterina und die anderen, in den Nahkampf überzugehen.
 

Jekaterina verließ ihre Deckung und griff den ersten Soldaten an, der ihr zu nahe kam. Ehe der Mann überhaupt wusste, was los war, hatte ihm die Kommandantin der Kirow mit einem gezielten Hieb die Halsschlagader durchtrennt. Doch den nächsten von Ronks Truppen konnte sie nicht mehr überraschen. Der Soldat führte einen Krummsäbel mit einer 40 cm langen Klinge. Außerdem war er ziemlich kräftig und athletisch gebaut. Jekaterina hatte alle Mühe sich diesen Kerl vom Lieb zu halten. Zum Glück beobachtete ihr jüngerer Bruder das Geschehen. Denn als ein zweiter Soldat Jekaterina von der Seite angriff, wandte sich Jewgeni an eine 12jährige Korath, die die ganze Zeit einen kleinen Jutebeutel mit sich herumgetragen hatte. Der Kommandant der Laconia wusste, was sich darin befand, hatte er doch in einem unbeobachteten Moment hineingeschaut.
 

„Gib mir einen Stern.“, sagte Jewgeni zu dem Mädchen.
 

Wortlos reichte ihm die Korath einen Wurfstern. Jewgeni lunzte kurz um eine Säule und warf den Stern, der den zweiten Soldaten ins Nirwana beförderte.
 

Doch Jewgenis Aktion war nicht unbemerkt geblieben. Denn er wurde von einem von Ronks Soldaten angegriffen. Wieder wandte sich Jekaterinas 246

Bruder an das Mädchen.
 

„Nunchaku.“, sagte er kurz.
 

Die Korath gab ihm die gewünschte Waffe.
 

Jewgeni kam hinter der Säule hervor, und ließ die Stäbe des Nunchaku durch die Luft wirbeln. Einer trieb dem verblüfften Krieger das Nasenbein ins Gehirn. Der Mann ging auf die Knie und kippte dann zur Seite weg.
 

Weitere Einheiten erschienen auf der Bildfläche. Das Mädchen zupfte an Jewgenis Ärmel.
 

„Und was jetzt?“, fragte es leise.
 

„Ein paar Rauchkugeln.“
 

Das Korath-Mädchen gab Jewgeni eine Hand voll kleiner, weißer Kugeln. Jekaterinas Bruder warf die Kugeln den neuen Kriegern in Bodenhöhe entgegen. Als die Kugeln explodierten, bildete sich ein dichter Rauchvorhang, der Ronks Soldaten die Sicht nahm. Durch den Rauch ihrer Orientierung beraubt, wurden die Soldaten unsicher. Diesen Umstand nutzten Jekaterina und die anderen um einen erneuten Gegenangriff zu starten. Sie hatten Ronks Streitkräfte gerade angefangen zurückzudrängen, da stürzte Commander James Talbot, der Chefingenieur der Lexington mit einem lauten Schrei zu Boden und rührte sich nicht mehr. Auf der Höhe des Herzens steckten mehrere Bolzen in seiner Brust.
 

General Thalaa hatte den Raum betreten. In der Hand eine Waffe, wie Jekaterina sie noch nie gesehen hatte. Neben ihm stand Ronk, eine Waffe desselben Typs in der Hand.
 

„Es reicht jetzt, ihr dreckigen Rebellen! Ich befehle euch, euch sofort zu ergeben.“, sagte Ronk.
 

Als Antwort feuerte Jekaterina mit ihrem Photonengewehr auf ihn. Und noch ehe Ronk zu einer Erwiderung ansetzen konnte, brach Thalaa neben ihm zusammen. In seinem Hals steckte eins von Dambalas Wurfmessern. Ronk feuerte mit seiner Waffe nun auf die Kommandantin der Kirow. Doch Narunak warf sich in die Schusslinie und wurde von Ronks Geschossen tödlich getroffen.
 

Jekaterina schoss noch einmal mit ihrem Photonengewehr auf Ronk, der aber floh. Dann beugte sie sich über ihren klingonischen Bruder und hob ihn sanft an.
 

„Jekara, nimm… mein Bat´ Leth. Es soll… dir gehören.“, sagte Narunak.
 

„Nein, Narunak. Es ist deine Waffe. Glaub mir, bald wirst du wieder damit kämpfen.“ 247

„Nein, Schwester. Mit mir… geht es zu Ende. Heute war … ein guter Tag. Denn der Kampf war… war ein ehrenhafter Kampf. Führe du das Bat´ Leth. Mach unserer Familie alle Ehre. Und wenn… du damit kämpfst… wird mein Geist mit dir kämpfen.“, sagte Narunak.
 

„Lebe frei, Bruder.“
 

„Stirb stolz, Jekara.“, sagte Narunak, ehe er seine Augen für immer schloss.
 

Jekaterina hielt ihn noch für eine Weile im Arm und weinte. Doch dann hob sie den Kopf zur Decke und stieß einen lauten Schrei der Trauer und auch der Wut aus, der von den Wänden widerhallte.
 

Dann richtete sie sich auf. Jekaterina war felsenfest entschlossen, den Mörder ihres Bruders, zu schnappen. Ronk hatte Narunak vor ihren Augen erschossen. Dafür sollte er büßen.
 

Sie wollte gerade die Verfolgung aufnehmen, als Tanet sie zurückhielt.
 

„Du kennst dich hier nicht aus. Ronk schon. Er kann dir überall auflauern. Meine Tochter wird dich begleiten.“, sagte Tanet.
 

Dann gab sie einer jungen Frau, Jekaterina schätzte ihr Alter auf 18 Jahre, ein Zeichen.
 

„Thais, ich möchte, dass du Captain Romanova unterstützt.“, sagte sie.
 

„Ja, Mutter.“
 

Unterdessen war Meghara, Jekaterinas klingonische Schwester, an die Seite der Kommandantin der Kirow getreten.
 

„Ich komme mit dir, Jekara. Du brauchst jemanden, der dir den Rücken freihält.“, sagte die Klingonin.
 

„Danke, Schwester.“
 

„Glaub mir, Jekara. Ich brenne genauso darauf, den Tod meines Bruders zu rächen, wie du.“, sagte Meghara.
 

Geführt von Tanets Tochter drangen die beiden ungleichen Schwestern in den Berg vor, in den sich Ronk geflüchtet hatte.
 

„Stellt sich die Frage, wohin Ronk eigentlich will, Jekara.“, sagte Meghara.
 

Doch es war Thais, die auf die Frage der Klingonin antwortete.
 

„Es gibt einen Raumschiffhangar auf der Nordseite. Dort hat er ein 248

Shuttle versteckt.“, sagte sie.
 

„Und mit diesem wird er fliehen wollen, Jekara.“
 

„Gibt es eine Abkürzung, Thais?“, fragte Jekaterina.
 

„Ja. Folgt mir.“
 

Thais nahm einen schmalen Gang auf der linken Seite. Dieser wurde nach der Hälfte des Weges glücklicherweise breiter und auch höher, sodass Jekaterina und Meghara aufrecht gehen konnten. Der Gang mündete in einer großen Höhle, in der mehrere Raumtransporter fein säuberlich aufgereiht standen. Einer startete gerade. In einer schattigen Ecke konnte Jekaterina ein kleines Shuttle entdecken.
 

„Das dürfte es sein.“, sagte sie zu Meghara.
 

„Ganz recht. Jagen wir das Ding in die Luft.“
 

„Hast du Sprengstoff dabei, Schwesterherz?“, fragte Jekaterina.
 

„Was denkst du?“
 

„So wie ich dich kenne, und ich kenn dich erst seit kurzem, überlässt du nichts dem Zufall.“, sagte Jekaterina.
 

„Da hast du recht, Jekara. Bin gleich wieder da.“
 

Damit verschwand die Klingonin und näherte sich dem Shuttle. Jekaterina beobachtete, wie Meghara dahinter verschwand.
 

Ronk hetzte durch das Labyrinth zu der Höhle. Er wusste, dass er verloren hatte. Durch das Eingreifen von Föderation, klingonischem Reich, und romulanischem Sternenimperium hatte sich das Volk der Korath gegen ihn erhoben. Er musste fliehen, solange noch Zeit dazu blieb. Ronk hatte gerade die Höhle erreicht, als er sah, wie sein Shuttle in einem orange-roten Feuerball explodierte. Also hatten seine Feinde die Abkürzung genommen, die er solange gesucht hatte.
 

Da sein Shuttle zerstört war, musste Ronk wohl oder übel einen der Frachter nehmen. Er wollte gerade zum ihm am nächst stehenden Schiff rennen, als Jekaterina sich ihm in den Weg stellte. Die Kommandantin der Kirow zögerte nicht lange und brachte ihr Photonengewehr in Anschlag.
 

„STEHENBLEIBEN!“, befahl Jekaterina.
 

„Geh mir aus dem Weg, du dreckige Rebellin.“
 

„Damit du dich deiner gerechten Strafe entziehen kannst, du Mörder?“, 249

fragte Jekaterina voller Zorn.
 

„Mörder? Was wirft sich dieser Dummkopf von Klingone direkt in die Schusslinie? Seine Schuld, dass er jetzt tot ist.“
 

Dann brachte Ronk seine Waffe in Position und zielte auf Jekaterinas Brust.
 

„So. Bald kannst du deinem klingonischen Busenfreund Gesellschaft leisten, Rebellenflittchen.“, sagte Ronk und grinste diabolisch.
 

Doch plötzlich spürte er die Klinge von Megharas D'k tahg an seiner Kehle.
 

„Schmeiß die Kanone weg, oder du hast nie mehr Zahnschmerzen.“, sagte Meghara.
 

Widerwillig senkte Ronk die Waffe. Er hasste es, sich zu ergeben. Aber er war schlau genug um zu erkennen, dass das Spiel verloren war. Denn selbst wenn es ihm gelänge sich die Klingonin vom Leib zu halten, würde die Rebellenführerin ihn eiskalt über den Haufen schießen.
 

An Bord der Kirow
 

Im Shuttlehangar hatte man den Leichnam von Commander Talbot aufgebahrt. Die Besatzungen aller Raumschiffe und auch das Volk der Korath standen still und ergriffen da, und lauschten Jekaterinas emotionaler Trauerrede. Als die junge Russin fertig war, begann Shaun O Shane auf seinem Dudelsack das Lied „Amazing Grace“ anzustimmen. Dayani, das Energiewesen sang den Text zur Melodie.
 

„Amazing grace! How sweet the sound; That saved a wretch like me!

I once was lost, but now am found; Was blind, but now I see.“

Doch als Dayani die zweite Strophe anstimmen wollte, stockte sie. Sie wusste nicht warum, aber sie konnte nicht mehr weitersingen. So blieb dem Iren nichts anderes übrig, als „Amazing Grace“ instrumental zu Ende zu spielen.
 

Nach der Trauerfeier für den Chefingenieur der Lexington fand auf der Maranga IV die Mahnwache für Narunak statt. Jekaterina, Jewgeni und Arkos nahmen daran teil.
 

Danach wurde Arkos der Orden von Kahless verliehen. Und wie schon bei der Zeremonie, bei der den Romanova-Geschwistern der Orden verliehen worden war, so wurde auch bei Arkos streng nach Protokoll das Ritual vollzogen.
 

Kirow, Laconia und die klingonischen Schiffe blieben noch solange, bis die gestrandeten Schiffe wieder repariert waren. Danach brach man zum Raumlabor Regula 1 auf, wo Ronk vor Gericht gestellt und ihm der 250

Prozess gemacht werden sollte. Auf dem Weg traf sich Jekaterina mit Heather Anderson, der Kommandantin der Lexington. In Jekaterinas Quartier saßen die beiden Frauen dann zusammen. Jede hatte eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone vor sich stehen. Jekaterina musterte ihre Kollegin.
 

Heather Anderson war eine zierlich gebaute Frau mit einer Größe von 1,68 m. Heather hatte ein ovales Gesicht mit blauen Augen und kinnlangen dauergewellten brünetten Haaren. Die beiden Frauen hatten sich nach der Trauerfeier auf das „Du“ geeinigt. Zumindest, wenn sie unter sich waren.
 

„Danke für alles, Jekaterina.“, sagte Heather.
 

„Das war unsere Aufgabe. Aber ohne die Hilfe der anderen hätten wir das nicht geschafft.“
 

„Ist mir schon klar. Aber was ich nicht ganz verstehe, ist, wozu Ronk das Titanium gebraucht hat.“, sagte Heather Anderson.
 

„Wir werden es wohl nie erfahren. Aber eins ist sicher. Ronk wird nie wieder andere Völker versklaven und deren natürliche Ressourcen ausbeuten.“
 

„Daran habe ich keinen Zweifel.“, sagte Heather.
 

Raumlabor Regula 1 3 Tage später
 

Man hatte die ehemalige Mensa des Raumlabors zu einem Gerichtssaal umfunktioniert. Ezri Dax vertrat wieder die Anklage. Ronks Verteidiger war dieses Mal jedoch ein Andorianer.
 

Nach Verlesung der Anklageschrift begann der Prozess.
 

„Ronk. Ihnen wird die Versklavung von Offizieren der vereinigten Föderation der Planeten, des klingonischen Imperiums und des romulanischen Reiches vorgeworfen. Wie bekennen sie sich?“, sagte Ezri.
 

„Nicht schuldig.“
 

Als erste Zeugin wurde Heather Anderson, die Kommandantin der USS Lexington in den Zeugenstand gerufen. Und was sie aussagte, ließ Jekaterina und ihrem Bruder die Haare zu Berge stehen. So berichtete Heather, dass sie abends nach getaner Arbeit in Ronks persönlichen Quartieren zu erscheinen hatte. Jekaterina ahnte, was sich dort abgespielt haben musste.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56505.8 Commander Eric McClusky neuer Eintrag: Wir sind zusammen mit der Laconia und den klingonischen Schiffen Maranga IV und Krios Prime auf den Weg nach Rura Penthe, wo wir Ronk abliefern werden. Er wurde wegen Morde an einem Föderationsoffizier, sowie Freiheitsberaubung und Sklaverei zu einer lebenslangen Haft auf 251

Rura Penthe verurteilt. Was unsere nächste Aufgabe sein wird, steht sprichwörtlich noch in den Sternen.“
 

Rura Penthe eine Stunde später
 

Man hatte den Verurteilten auf die Planetenoberfläche gebracht. Jekaterina ging noch bis zum Eingang des Straflagers mit. Dann sah sie Ronk noch einmal ins Gesicht.
 

„Hoffentlich können sie je wieder reinen Gewissens in den Spiegel sehen, Captain Romanova.“, sagte Ronk.
 

„Um sie ist es nicht schade. Sie haben meinen Bruder umgebracht. Auch wenn ich das eigentliche Ziel war. Mord bleibt Mord. Und die Klingonen werden ihnen das garantiert nicht verzeihen. Hier trennen sich unsere Wege. Doswidanja, Ronk. Ich hoffe, dass sie mich nicht vergessen.“
 

„Aber ich werde sie garantiert nicht in guter Erinnerung behalten, Captain. Sie waren es, die mein Imperium vernichtet haben. Und das verzeihe ich ihnen nicht.“, sagte Ronk.
 

„Dann lassen sie es. Und jetzt gehen sie lieber, sonst enden sie hier oben als Eiszapfen.“
 

„Wenn ich die Wahl hätte, würde ich dieses Ende vorziehen, als für den Rest meines Lebens Steine zu kloppen.“, sagte Ronk.
 

„Sie haben aber nicht die Wahl. Aber jetzt heißt es Abschied nehmen. Ich muss weiter.“
 

An Bord der Kirow
 

Im Bereitschaftsraum saß Jekaterina mit ihrem ersten Offizier zusammen.
 

„Sie haben auf unserer nächsten Mission allein das Kommando, Nummer eins. Mein Aufenthalt bei den Klingonen wird mehr als nur ein paar Stunden dauern.“, sagte sie.
 

„Ich verstehe, Captain. Hoffentlich wird das eine leichte Aufgabe.“
 

„Sie kennen doch sicher das Sprichwort „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt“.“, sagte Jekaterina.
 

„Sicher. Warum fragen sie?“
 

„Ganz einfach. Es kann passieren, dass sie eine Mission zugewiesen bekommen, die sie dazu zwingt, schwierige Entscheidungen zu treffen, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.252

USS Kirow - Mission 8

USS KIROW MISSION 8
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56516.2 Commander Eric McClusky neuer Eintrag: Meine Vorgesetzte, Captain Jekaterina Romanova, ist an Bord der USS Laconia, einem Schiff der Ambassador-Klasse, zusammen mit der Maranga IV und der Krios Prime nach Ty'Gokor aufgebrochen. Arkos, der Arkonaner ist ebenfalls mit von der Partie. Denn wie meiner Vorgesetzten wird auch ihm die Ehre zuteil, in den Orden des Bat´leth aufgenommen zu werden. Wir sind erst einmal auf dem Weg zur Jupiterstation, wo wir auf neue Befehle warten sollen.“
 

Auf Ty'Gokor
 

Jekaterina staunte voller Ehrfurcht. Sie hatte schon viele Geschichten über die Halle der Krieger auf Ty'Gokor gehört. Doch sie hätte es nie für möglich gehalten, diesen heiligsten Ort der Klingonen zu betreten. Sie nahm den Raum genauer in Augenschein. An den Wänden standen große Marmorstatuen berühmter klingonischer Krieger. So entdeckte Jekaterina auch General Zarroks Statue. Auch die von Kanzler Martok konnte die Kommandantin der Kirow finden. Meghara, die neben ihr stand, beugte sich zu ihr hinüber.
 

„Du bist so still. Ist alles in Ordnung?“, sagte die Klingonin.
 

„Ich bin überwältigt. Ich habe schon so viele Geschichten über diesen Ort gehört. Und jetzt bin ich hier und sehe alles mit eigenen Augen. Wenn mir das jemand mal prophezeit hätte, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“
 

Ein stämmiger Klingone kam auf Meghara und Jekaterina zu.
 

„Meghara. Schön dich zu sehen.“, sagte er und zeigte den traditionellen klingonischen Ehrengruß.
 

Jekaterina und Meghara erwiderten ihn. Dann fiel der Blick des Klingonen auf Jekaterina.
 

„Und wer ist deine Begleiterin?“, fragte er.
 

„Das ist meine Schwester Jekara.“
 

„Es ist mir eine Freude, die Schwester von Meghara kennenzulernen.“, sagte der Klingone.
 

Dann wandte sich der Klingone wieder an Meghara.
 

„Wo ist eigentlich Narunak? Er wollte doch anwesend sein, wenn die Aufnahme in den Orden beginnt.“, sagte er.
 

„Mein Bruder ist tot, Prakos.“ 254

„Mein Beileid, Meghara.“, sagte Prakos.
 

„Danke.“
 

„Ich hoffe er ist ehrenhaft aus dem Leben geschieden.“, sagte Prakos.
 

Jekaterina räusperte sich.
 

„Narunak hat ein Geschoss abgefangen, das eigentlich für mich bestimmt war, indem er sich in die Schusslinie geworfen hat. In meinen Armen ist er dann gestorben.“, sagte sie.
 

„Dann musst du ihm sehr viel bedeutet haben, wenn er für dich sein Leben aufs Spiel gesetzt hat.“
 

Durch die Aufnahme von Jekara und ihrem Bruder in unsere Familie war Narunak auch Jekaras Bruder.“, sagte Meghara.
 

„Eine Ehre, die nur sehr wenigen Nicht-Klingonen zuteil wird.“
 

Ein anderer Klingone löste sich auf der Menge und kam auf die kleine Gruppe zu. Vor Jekaterina baute er sich auf.
 

„Dieses Bat´ Leth gehörte einst Narunak. Wie kommst du dazu?“, fragte er Jekaterina barsch.
 

„Narunak hat es mir in der Stunde seines Todes vererbt.“
 

„DU LÜGST!“, sagte der Klingone.
 

„Jekara spricht die Wahrheit. Mein Bruder ließ in der Schlacht von Korath sein Leben. Er gab das seine, um Jekara zu retten.“, sagte Meghara.
 

Der Klingone wandte sich wieder an Jekaterina.
 

„Und du bist dann wohl Jekara.“, sagte er.
 

„In Person.“
 

„Da Meghara für deine Aussage bürgt, will ich dir Glauben schenken. Dennoch musst du dich deines Erbstücks als würdig erweisen.“, sagte der Klingone.
 

„Warum denn dieses?“
 

„Dies ist kein gewöhnliches Bat´ Leth, Jekara. Es wurde in den heiligen Hallen von Boreth geschmiedet. Und die Mönche von Boreth schmieden nur alle 25 Jahre eine solche Waffe. Dieses Exemplar ist sogar Kahless geweiht.“, erklärte der Klingone. 255

„Das heißt also, ich muss um mein Erbe kämpfen.“
 

„Wenn du nicht als feige und ehrlos gelten willst, dann schon, Schwester.“, sagte Meghara.
 

„Nun gut. Du willst einen ehrbaren Kampf, du sollst ihn bekommen.“
 

Jekaterina und ihr Herausforderer nahmen Aufstellung. Für diesen Kampf hatte sie, genau wie ihr Gegner, das Bat´ Leth gewählt. Zuerst umkreisten sich die Kontrahenten, wie zwei Raubtiere, die um Beute kämpften. Ab und zu wurden kurze Hiebe ausgeteilt, um eine geeignete Stelle für einen Angriff zu finden. Aber dann wurde es ernst. Der Klingone versuchte einen Hieb auf Jekaterinas rechte Seite. Doch die Kommandantin der Kirow duckte sich weg, und der Hieb ging ins Leere. Jetzt sah Jekaterina ihre Chance. Sie rammte dem verblüfften Klingonen ihr linkes Knie im spitzen Winkel in den Unterleib. Mit einem lauten Schmerzensschrei brach ihr Gegner zusammen. Und noch ehe der Klingone in der Lage war zu reagieren, war Jekaterina bereits über ihm und fixierte ihn mit ihrem rechten Knie am Boden. Dabei drückte sie ihrem Gegner ihres Bat´ Leth auf die Kehle.
 

„Gibst du auf?“, fragte Jekaterina.
 

Der Klingone nickte stumm. Jekaterina stand auf und half ihrem Gegner auf die Beine.
 

„War das Beweis genug?“, fragte sie den Klingonen.
 

„Aber kein ehrenhafter.“
 

„Ganz wie du willst. Dann fangen wir noch mal von vorn an.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky saß auf dem Platz in der Mitte. Rechts von ihm saß die Counselor, links Justin Wichrowski. Für den ersten Offizier war dies eine ungewohnte Situation. Auf dieser Mission der Kirow war Commander McClusky auf sich allein gestellt und konnte seine Vorgesetzte nicht um Rat fragen. Aber Jekaterina hatte ihm, seit sie zusammen arbeiteten, eine Menge beigebracht. Eric McClusky schätzte Jekaterina Romanova nicht nur als Vorgesetzte, sondern auch als Mensch. Besonders ihre gemeinsamen Schachpartien würden ihm fehlen, wenn er zum Captain befördert wurde, und sein eigenes Kommando bekam. Auf der anderen Seite musste er sich eingestehen, dass Admiral Paris Recht hatte. Und auch Jekaterina hatte das Potenzial, dass er, Eric McClusky, besaß erkannt, und ihre Ausbildungsmethoden entsprechend eingesetzt. Durch das Schachspielen hatte sie ihm mehrere Lektionen in Punkto Strategie und Taktik beigebracht.
 

Der erste Offizier der Kirow erinnerte sich an die letzte Partie Schach, die er zusammen mit Jekaterina gespielt hatte. Es war am Abend nach der 256

Trauerfeier für den Chefingenieur der Lexington gewesen, bevor Jekaterina auf die Maranga IV gegangen war, um an der Totenwache für Narunak teilzunehmen. An diesem Abend hatte Eric seine Vorgesetzte am Rand einer Niederlage gehabt. Doch Jekaterina hatte durch einen Zug, der als „sizilianische Verteidigung“ bekannt war, den Spieß umgedreht. Sie hatte als erstes seinen Springer geschlagen, und im nächsten Zug Erics König aus dem Spiel genommen, und ihren ersten Offizier Schach matt gesetzt.
 

Keikos Stimme holte Eric McClusky in die Gegenwart zurück.
 

„Commander McClusky, Admiral Janeway hat uns gerade kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann Eric McClusky das Gespräch.
 

„Commander McClusky.“
 

„Ich nehme an, sie haben wieder eine neue Mission für uns.“, sagte Commander McClusky.
 

„Da haben sie Recht, Commander. Es gibt einen Planeten am Rand unseres Hoheitsgebiets. Er ist allerdings nicht in unseren Karten verzeichnet.“
 

„Das würde bedeuten, dass wir die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen.“, sagte Eric McClusky.
 

„Das stimmt schon, Commander. Aber wenn sie dort sind, dann kartographieren sie den Planeten. Danach scannen sie die Planetenoberfläche und stellen fest, ob der Planet bewohnt ist.“
 

„Verstanden, Admiral. Sonst noch etwas, das wir wissen müssten?“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Das wäre im Moment alles, Commander McClusky. Viel Glück.“
 

„Danke, Admiral Janeway. Kirow Ende.“, sagte Eric McClusky.
 

Auf Ty'Gokor
 

Jekaterina trieb den Klingonen vor sich her. Mit präzisen, aber kraftvollen Hieben zwang sie ihn in die Defensive. Ihr Gegner versuchte immer wieder, ihre Deckung zu durchbrechen, aber Jekaterina roch jedes Mal den Braten und wehrte den Hieb ab. Einmal rollte sie sich nach vorne weg, und der Hieb des Klingonen traf den Boden. Als er jedoch nachsetzen wollte, kam ein 257

aus der Aufwärtsbewegung geführter Hieb, der den Klingonen ins Straucheln brachte und ihn schließlich stürzen ließ. Wieder war Jekaterina sofort zur Stelle und fixierte ihn mit ihrem rechten Knie am Boden. Dann schnellte ihre rechte Hand nach vorne und sie drückte dem Klingonen den Kiefer zusammen.
 

„War das ehrenhaft genug? Denn eines lass dir gesagt sein, Freundchen. Ein drittes Mal werde ich mich nicht mit dir duellieren.“, sagte Jekaterina.
 

Der Klingone nickte als Zeichen, dass er verstanden hatte. Jekaterina erhob sich und zog ihre Schwerter.
 

„Sonst noch jemand, der auf Krawall aus ist?“, fragte sie in die Runde.
 

Keiner der Klingonen, die dem Kampf zugeschaut hatten, traute sich vorzutreten. Sie hatten gesehen, wozu Jekaterina in der Lage war. Und wenn sie schon so meisterhaft mit dem Bat´ Leth umgehen konnte, dann war sie garantiert eine Koryphäe, was das Kämpfen mit ihren Schwertern anging. Jedem Anwesenden war klar, dass sie es mit einer mit allen Wassern gewaschenen Kriegerin zu tun hatten.
 

Der Klingone, der Jekaterinas Erbe in Zweifel gezogen hatte, trat nun vor sie. Und schlug sich mit der Faust an den Brustkorb. Die anderen machten es ihm nach. Wieder schlug er sich gegen die Brust. Und schon bald hallte der ganze Saal vom Stakkato der Schläge der Klingonen.
 

„Du hast ihren Respekt gewonnen, Jekara. Diese Männer und Frauen werden für dich durchs Feuer gehen, wenn es sein muss.“, sagte Meghara leise.
 

„Dann sage ich in aller Demut nuqneH.“
 

Jekaterina ging auf die Knie und senkte den Kopf.
 

„Du kniest vor niemandem nieder, außer dem Kanzler.“, sagte der Klingone, den sie gerade eben noch besiegt hatte.
 

Ty'Gokor am nächsten Morgen
 

Jekaterina musste sich schütteln. Die Feier hatte sie ganz schön geschafft. Dazu die Unmengen klingonischen Blutweins, die sie hatte trinken müssen, um ihr Gesicht nicht zu verlieren. Und Jekaterina vertrug so einiges, sogar mehr als ihr Bruder. Aber das hier war doch eine ganz andere Hausnummer. Prakos hatte ihr erklärt, dass bei der Aufnahmefeier in den Orden des Bat´ Leth der Blutwein in Strömen floss. Und dass nur die Krieger in den Orden aufgenommen wurden, die es schafften, mehr Blutwein zu vertragen, als die anderen. Und unter denjenigen, die ordentlich was vertragen hatten, waren auch Jekaterina, ihr Bruder Jewgeni und Arkos. Und zumindest Jekaterina hoffte, dass mit der Aufnahmezeremonie alles endete. Wie sehr sie sich irren sollte, sollte sie bald erfahren. 258

Kanzler Martok erschien. Ein lautes "Lange lebe der Kanzler! Lange lebe das Imperium! ", hallte durch den Saal, in das auch Jekaterina mit einstimmte. Der klingonische Kanzler bestieg die Plattform und wandte sich an die versammelten.
 

„Ich grüße euch, ihr tapferen Krieger. Heute ist ein großer Tag für das klingonische Imperium. Denn es werden die von euch geehrt, die dem Imperium Ruhm gebracht haben, und deren mutige Taten in unseren Liedern und Geschichten weiterleben werden.“, sagte Martok.
 

Dann bat er die Kandidaten einzeln auf die Plattform. Mit Arkos fing er an.
 

„Tritt vor, Arkos, Sohn des Igzorn.“, sagte der klingonische Kanzler.
 

Arkos trat vor und kam auf die Plattform. Als der junge Arkonaner vor dem Staatsoberhaupt des klingonischen Imperiums stand, hatte er sofort eine stolze Haltung angenommen. Kanzler Martok wählte eine der vielen Medaillen, und hängte sie Arkos um den Hals.
 

„Ruhm sei dir und deinem Haus!", sagte Martok.
 

Arkos gab einen scharfen Salut und verließ die Plattform. Dann war Jekaterina an der Reihe.
 

Tritt vor, Jekara, Tochter des Zarrok.“, sagte Martok.
 

Jekaterina kam auf die Plattform und machte es Arkos nach. Der Kanzler wählte eine andere Medaille, die an einem Gestell hing, und hängte sie der Kommandantin der Kirow um den Hals.
 

„Ruhm sei dir und deinem Haus!", sagte Kanzler Martok.
 

Als alle Kandidaten ihre Medaillen erhalten hatten, begann die Feier von neuem. Jekaterina schaffte es irgendwie, sich vor einem erneuten Trinkgelage mit Blutwein zu retten. Sie setzte sich auf den Fuß einer der neuen Statuen. Dass es ihre eigene war, merkte sie erst, als sie aufsah. Dann hörte sie Schritte. Es war der Klingone, mit dem sie noch am Vortag gekämpft hatte.
 

„Was dagegen, wenn ich dir Gesellschaft leiste, Jekara?“, fragte er.
 

„Warum nicht? Aber frag mich bitte nicht, warum ich mich von den Saufgelagen fernhalte. Das gestern hat mir vollauf gereicht.“
 

Der Klingone setzte sich neben Jekaterina. Dann sah er sie an.
 

„Du bist eine bemerkenswerte Frau, Jekara.“, sagte er dann.
 

„Warum das?“ 259

„Ich bin noch nie einer Frau begegnet, die so gut kämpfen kann wie du.“, sagte der Klingone.
 

„Ich kämpfe nur, weils nötig ist. Aber du hast mir noch nicht deinen Namen genannt.“
 

„Ich bin Joknar, Sohn des Hvorak. Meine Familie steht dem Haus Zarrok seit Generationen nahe. Da du und auch dein Bruder zur Familie Zarrok gehört, kannst du jederzeit auf mich zählen. Oder wie sagt man bei euch auf der Erde? „I´ll have your back.“.“, sagte Joknar.
 

„Danke, mein Freund.“
 

Doch dann gab es einen lauten Tumult. Joknar sprang auf. Jekaterina ebenso. Dann eilten die beiden auf die Quelle des Geschehens zu. Als sie ankamen, verschaffte sich Joknar erst einmal Platz, Jekaterina im Schlepptau. Als die beiden sahen, was sich abspielte, konnten sie gar nicht glauben, was sie gerade beobachteten. Ein anderer Klingone hatte versucht, Arkos seine Medaille zu stehlen. Dieser hatte ihm einen Schlag in die Magengrube verpasst. Nun hatte der Klingone sein D'k tahg gezogen und führte einen Stich gegen Arkos. Dieser wich aus und rammte dem Klingonen den Ellenbogen auf den Brustkorb. Dieser stürmte wutschnaubend vorwärts und blind in einen Konter Arkos. Der junge Arkonaner packte seinen Gegner, lud ihn sich auf die Schultern und stapfte mit ihm durch den Saal, ehe er sich nach hinten fallen ließ. Mit einem lauten Krachen landeten die beiden auf dem Boden.
 

An Bord der Kirow
 

Commander McClusky hatte nach dem Gespräch mit Admiral Janeway einen Westkurs setzen lassen. Nun flog die Kirow mit Warp 5 einem Ziel entgegen, dass man nicht kannte.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56521.2 Commander Eric McClusky neuer Eintrag: Wir haben einen neuen Auftrag bekommen. Wir sollen einen unbekannten Planeten kartographieren und anschließend feststellen, ob er bewohnt ist. Klingt auf den ersten Blick einfach. Aber Gefahren lauern überall. Wer weiß, was wir an unserem Ziel vorfinden. Vielleicht treffen wir auch ungewollt auf Smolareks Schiff. Man weiß nie, was kommt.“
 

Eric McClusky klappte das Buch zu und legte es zur Seite. Dann lehnte er sich zurück und trommelte mit den Fingern auf der Armlehne herum. Er war nervös. Und er hatte allen Grund dazu. Er stand unter Druck. Er wollte diese Mission erfolgreich zu Ende bringen und sich für ein eigenes Kommando empfehlen. Im nächsten Augenblick hob Keiko den Kopf.
 

„Commander McClusky! Ich empfange ein Notsignal.“, sagte sie.
 

„Woher kommt das Signal?“ 260

„Schwer zu sagen. Das Signal ist zu schwach.“, sagte Keiko.
 

„Behalten sie das Signal im Auge. Geben sie mir bescheid, wenn sie das Signal lokalisieren können, Keiko.“
 

„Ja, Commander.“, sagte Keiko
 

Das Anwesen der Familie Zarrok
 

Jekaterina ging im Garten spazieren. Sie war froh, dass die Zeremonie, und die damit verbundene Feier bei der Aufnahme in den Orden des Bat´ Leth vorbei waren. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie auf das Saufgelage beim ersten Teil der Feier verzichten können. Aber sie hatte die Klingonen nicht gegen sich aufbringen wollen. Von Toprak und Meghara hatte Jekaterina viel über die klingonischen Traditionen gelernt. Sie war sogar Mitglied einer klingonischen Familie. Und einer angesehenen noch dazu. Auch wenn es Jekaterina mit Stolz erfüllte, in die Analen der klingonischen Geschichte eingegangen zu sein, so wollte sie nicht länger als unbedingt notwendig hier bleiben. Auf einer Bank ließ sie sich nieder, faltete ihre Hände und schloss die Augen.
 

Jekaterina wusste gar nicht mehr, wie lange sie auf der Bank gesessen hatte. Doch sie wusste, dass sie nicht alleine war. Jemand saß neben ihr. Jekaterina öffnete die Augen und wandte sich um. Neben ihr saß Lady Lukretia, ihre klingonische Mutter. Die Kommandantin der Kirow musterte die Klingonin genauer. Lukretia hatte pechschwarze schulterlange Haare, braune Augen und besaß wie alle Klingonen den typischen Schädelkamm. Ihre Haut war stark gebräunt, wie bei vielen anderen Individuen ihrer Rasse. Doch im Vergleich zu vielen anderen Klingonen war Lukretia graziler gebaut. Und obwohl sie damit nicht dem typischen Klischee der klingonischen Frau entsprach, war sie mit ihren 1,81 m eine imposante Erscheinung. Bekleidet war Jekaterinas klingonische Mutter mit einem roten Satinkleid und roten Sandalen.
 

Lady Lukretia sah Jekaterina in die Augen.
 

„Seit deiner Ankunft hatten wir noch keine Gelegenheit miteinander zu sprechen.“, sagte sie.
 

„Ich war ja auch immer auf dem Sprung.“
 

„Du wirkst traurig, Jekara. Was ist los?“, fragte Lukretia.
 

„Mein Herz ist voller, Trauer, Mutter.“
 

„Um wen trauerst du?“, fragte Lady Lukretia.
 

„Um meinen Bruder. Narunak starb während der Schlacht von Korath. Es brach mir das Herz, als er in meinen Armen starb.“ 261

„Das versteh ich, Jekara. Mein Herz ist auch voller Trauer. Aber Narunak wird immer bei dir sein. Wenn du mit seinem Bat´ Leth kämpfst, dann ist sein Geist mit dir. Denn als ich mich am Tag der Abreise von Narunak verabschiedet habe, hatte ich das Gefühl, dass mein Sohn nicht zurückkehren würde. Ich vermisse ihn genauso sehr wie du, Jekara.“, sagte Lukretia.
 

„Du bist auch seine Mutter.“
 

„Und auch die deine. Auch wenn du nicht mein leibhaftiges Kind bist. Dennoch bin ich stolz, eine so tapfere und geschickte Kriegerin wie dich als Tochter zu haben. Aber ich merke, dass dich noch mehr beschäftigt, Jekara.“, sagte Lady Lukretia.
 

„Ich fange wieder an zu grübeln, Mutter.“
 

„Worüber, Jekara?“, fragte die Klingonin.
 

„Alles mögliche. Weißt du, wenn ich auf der Kirow bin, habe ich die Verantwortung für die Sicherheit des Schiffes und das Wohl der Besatzung. Jetzt, als Zivilist, habe ich soviel Zeit, dass meine Gedanken in meinem Kopf anfangen zu kreisen. Das macht mich total verrückt.“
 

„Manchmal ist es hilfreich, sich jemandem anzuvertrauen. Wenn du merkst, dass in dir ein Gefühlssturm tobt, komm zu mir. Du kannst mit mir über alles reden.“, sagte Lukretia.
 

„Danke, Mutter.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko lauschte angestrengt, in der Hoffnung, das Notsignal lokalisieren zu können. Schließlich hörte sie ganz klar die Nachricht.
 

„An alle Raumschiffe auf dieser Frequenz. Hier ist die City of Benares. Wir mussten notlanden Wenn ihr helfen könnt, kommt schnell, wir haben noch für 5 Stunden Sauerstoff.“
 

„Commander McClusky! Ich habe das Signal lokalisiert. Koordinaten 148,7.“, sagte Keiko.
 

Eric McClusky dachte nach. Dann wandte er sich an Komi.
 

„Komi, wie weit sind wir entfernt?“, fragte er.
 

„Wir sind das am nächsten stehende Schiff. Bei gleich bleibender Geschwindigkeit wären wir in 8 Stunden vor Ort.“
 

„Zu langsam. Wir müssen die Geschwindigkeit erhöhen.“, sagte 262

Eric McClusky.
 

„Commander, ich empfehle Warp 8. Dann bräuchten wir nur 3 Stunden.“
 

„Einverstanden. Kurs auf Koordinaten 148,7 und Warp 8.“, befahl der erste Offizier der Kirow.
 

„Aye, Commander. Kurs 161 liegt an. Schiff beschleunigt auf Warp 8.“
 

3 Stunden später
 

Die Kirow hatte ihr Ziel erreicht. Eric McClusky hatte Keiko Tadashita befohlen den exakten Standort des Notsignals zu bestimmen.
 

„Commander, das Signal befindet sich 3 Meilen nordöstlich von unserer gegenwärtigen Position.“, sagte die Japanerin.
 

„Komi, bringen sie das Schiff direkt über das Signal.“
 

„Ja, Commander.“, sagte Komi Namura.
 

Dann wandte sich der erste Offizier wieder an die Kommunikationsoffizierin.
 

„Keiko, wer hat das Signal ausgesandt?“, fragte Eric McClusky Keiko.
 

„Es kommt von der „City of Benares“. Sie dürften noch für ungefähr 2 Stunden Sauerstoff haben.“
 

Eric wandte sich an Jardanka, die Wissenschaftsoffizierin der Kirow.
 

„Commander Jardanka. Scannen sie bitte die nähere Umgebung um das Signal. Ich will wissen, ob es Überlebende gibt.“, sagte er.
 

„Ja, Sir.“
 

„Keiko, versuchen sie, die „City of Benares“ zu erreichen. Sagen sie denen, dass wir da sind. Und fragen sie vor allem, was passiert ist.“, sagte Eric McClusky zu Keiko.
 

„Jawohl, Commander.“
 

Dann öffnete Keiko einen Kanal und sandte ihre Botschaft.
 

„City of Benares. Hier ist die USS Kirow von der Raumflotte der Vereinigten Föderation der Planeten. Wir haben ihren Notruf empfangen und sind jetzt bei ihnen. Können sie uns sagen, was passiert ist?“, sagte sie.
 

Doch sie empfing nur ein statisches Rauschen. Keiko versuchte es noch 263

drei Mal, doch jedes Mal dasselbe Resultat. Die Japanerin schüttelte den Kopf.
 

„Zwecklos, Commander. Die „City of Benares“ antwortet nicht.“, sagte Keiko.
 

„Dann versuchen sie es weiter. Vielleicht sollten wir die Frequenz ändern.“
 

„Ja, Sir.“, sagte Keiko.
 

Jardanka meldete sich zu Wort.
 

„Commander, das Wrack der „City of Benares“ liegt auf einem Felsvorsprung. Möglich dass es in die Tiefe stürzt.“, sagte die Romulanerin.
 

„Was haben sie sonst noch, Jardanka?“
 

„Ich habe mehrere Lebensformen außerhalb des Wracks registriert. Humanoide und insektoide.“, sagte Jardanka.
 

„Welche Art von Insektoiden?“
 

„Arachniden, Commander.“, sagte Jardanka.
 

„Bewegen sich die Arachniden auf das Wrack zu, oder davon weg, Jardanka?“
 

„Sie haben die Absturzstelle umzingelt, Commander McClusky. Vermutlich haben sie es auf die beiden Humanoiden in der Mitte abgesehen.“, sagte die Romulanerin.
 

„Können sie mir das auf dem Schirm zeigen, Commander Jardanka?“
 

„Ja, Sir.“, sagte sie.
 

Jardanka betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole. Auf dem großen Schirm erschien eine bizarre Landschaft. In der Ferne konnte die Brückenbesatzung der Kirow Vulkane erkennen, die Lava in den Himmel spuckten. Außerdem konnten die Brückenoffiziere ein größeres Waldgebiet erkennen, das die Absturzstelle umgab. Am Auffälligsten war natürlich das Wrack der „City of Benares.“ Der Raumkreuzer war 175 Meter lang und schwer bewaffnet. Eric McClusky konnte mehrere schwere Lasertürme erkennen. Doch schnell war klar, dass die Waffen des Schiffes nie wieder feuern würden. Denn die Läufe der Kanonen zeigten nach unten. Außerdem lag das Wrack des Raumkreuzers auf einem Felsvorsprung, der sich über einem Lavasee befand. Eric McClusky bemerkte, dass eine kleine Menge Kieselsteine in die Tiefe stürzte. Das Wrack der „City of Benares“ bewegte sich auf den Lavasee zu. Nun wusste jeder auf der Brücke, dass das Schiff in den See stürzen würde.
 

Keiko hob den Kopf. 264
 

„Commander McClusky! Wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht eines Mannes. Eric McClusky schätzte ihn auf 45 Jahre. Sein markantes Kinn war mit Bartstoppeln übersät. Seine braunen Haare hatte der Mann zu einem Bürstenhaarschnitt getrimmt. Seine Augen hatte der Fremde hinter einer Sonnenbrille verborgen. In seinem linken Mundwinkel steckte ein Zahnstocher.
 

„Ich nehme an, sie sind der Kommandant.“, sagte der Mann.
 

„Ich bin der erste Offizier der Kirow. Commander Eric McClusky.“
 

„General Aloisius Duke. Freut mich sie kennenzulernen, Commander. Aber wo ist der Captain?“, fragte der General.

„Captain Romanova hält sich zurzeit auf Qo'noS, der Heimatwelt der Klingonen auf, General Duke.“

„Verstehe. Hören sie, Commander McClusky. Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Sie boten uns ihre Hilfe an. Sie würden uns schon weiterhelfen, wenn sie die Geschwister an Bord nehmen.“, sagte Aloisius Duke.

„Wir könnten auch sie und die anderen auf die Kirow bringen.“
 

„Nein, Commander. Für mich und meine Jungs können sie nichts mehr tun.“, sagte der General.
 

Der junge Offizier schluckte. Mit so einer Antwort hatte er nicht gerechnet.
 

„W- wie schlimm ist es?“, fragte Eric McClusky.
 

„Wir haben nicht mehr genug Munition um diese Spinnenviecher abzuwehren. Wenn einer von uns sein Magazin verballert hat, kommt eins von ihnen und macht dem armen Kerl den Garaus.“
 

„Was würde passieren, wenn ihnen und ihren Leuten die Munition ausgeht, bevor die Geschwister gerettet würden?“, fragte Commander McClusky.
 

„Dann würden die Spinnen sie erst mit ihrem Stachel betäuben, und sie dann woanders hinbringen. Aber fragen sie mich nicht wohin. Ich kann keinen meiner Männer entbehren. Das Leben der Zwillinge ist zu wichtig.“
 

„Die beiden sind Zwillinge, General?“, fragte Eric McClusky verblüfft.
 

„Ja, Commander. Zweieiige. Aber das ist jetzt nebensächlich. Holen sie die beiden an Bord ihres Schiffes, und dann hauen sie ab.“ 265

„In Ordnung, General Duke. Viel Glück für sie, Sir.“, sagte Eric McClusky.
 

„Danke, Söhnchen. Und für sie auch viel Glück.“
 

„Danke General. Kirow Ende.“, sagte Commander McClusky.
 

Dann tippte er an seinen Kommunikator.
 

„Brücke an Transporterraum 5. Mr. Palmer, hören sie mich?“, sprach er in das kleine Gerät.
 

„Klar und deutlich, Commander. Wo brennts?“
 

„Bereit machen zum hochbeamen von zwei Personen. Eine männlich, eine weiblich.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ja, Commander.“
 

Keine zwei Minuten später kam die Antwort des Stokeys.
 

„Alles bereit, Commander.“, sagte Nigel Palmer.
 

„Energie.“
 

Die Bestätigung von Nigel Palmer kam umgehend.
 

„Commander McClusky, Transfer erfolgreich. Zwei Personen an Bord.“, sagte der Engländer.
 

„Verstanden.“
 

Dann wandte sich Eric McClusky an die Counselor.
 

„Neriah, seien sie bitte so freundlich und begleiten sie unsere Neuankömmlinge auf die Krankenstation.“, sagte er.
 

„Wird erledigt, Commander.“
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Commander, ich habe den General noch mal für sie.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien wieder Aloisius Dukes Gesicht.
 

„Sie haben mir eine zentnerschwere Last von den Schultern genommen, Commander. Leben sie wohl.“, sagte der General und unterbrach 266

die Verbindung.
 

„Komi, gehen sie wieder auf den alten Kurs. Maximum an Warp.“, befahl Eric McClusky.
 

„Aye, Commander.“
 

Doch bevor Komi den Befehl ausführen konnte, meldete sich Jardanka, die Romulanerin.
 

„Commander, das sollten sie sich mal ansehen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm sahen alle wie ein Soldat seinen letzten Schuss abgefeuert hatte. Und wie aus dem Nichts tauchte eine gewaltige blaue Ornament-Vogelspinne auf und stach den wehrlosen Mann mit ihrem Stachel.
 

„Gott! Was für ein Monster!“, rief Komi aus.
 

„Machen wir lieber, dass wir wegkommen. Wir haben getan, was wir konnten.“
 

Komi betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole und die Kirow änderte den Kurs und verließ den Ort an dem die „City of Benares“ ihre letzte Ruhestätte fand. Niemand bekam mehr mit, wie das gewaltige Wrack des Raumkreuzers in den Lavasee stürzte und in der glühenden Lava versank. Zuerst verschwand das Heck. Dann folgte der mittlere Teil des Schiffes. Zum Schluss ragte nur noch die Kommandosektion aus der Lava empor. Doch sie verschwand bald in der glühend heißen Lava.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56528.7 Commander Eric McClusky neuer Eintrag: Wir haben ein Notsignal aufgefangen und sind zu Hilfe gekommen. Auf Bitten von General Duke haben wir ein Geschwisterpaar an Bord genommen. Ron DeSantis und seine Schwester Corinne. Mögen der General und seine Männer in Frieden ruhen. Was nun aber die Zwillinge betrifft, so haben sie keine Infektionskrankheiten eingeschleppt. Doch bevor ich mich weiter damit beschäftigen kann, wie es mit den beiden weitergehen soll, ob sie an Bord bleiben, oder ob sie uns verlassen wollen, kann ich erst nach einem Sechs-Augengespräch entscheiden.“
 

An Bord der USS Laconia
 

Jekaterina saß mit ihrem Bruder im Besprechungsraum hinter der Brücke. Jeder hatte eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone vor sich stehen.
 

„Wann haben wir zuletzt mal so entspannt Zeit miteinander verbracht, big sis?“, fragte Jewgeni. 267
 

„Ist schon ne Weile her. Aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung war, aufzubrechen. Arkos hat Heimweh.“
 

„Ist mir auch aufgefallen. Wie sehen, deine weiteren Pläne aus, wenn wir Arkos zuhause abgeliefert haben?“, sagte Jewgeni.
 

„Ich will noch nach Rulon. Ich will Loreley besuchen. Ich möchte so gern Zeit mit ihr verbringen und sie näher kennenlernen.“
 

„Du scheinst sie sehr zu mögen, big sis.“, sagte Jewgeni zu seiner Schwester.
 

„Oder sie mag mich.“
 

„Computerlogbuch der Laconia Sternzeit56530.5 Captain Jewgeni Romanova neuer Eintrag: Wir haben gerade Position im Orbit um den Planeten Arkon bezogen. Ich habe unser Eintreffen bereits angekündigt. Nicht, dass uns die Arkonaner doch noch vom Himmel holen.“
 

Die Navigatorin der Laconia, die gleichzeitig als Kommunikationsoffizierin fungierte, drehte sich zu Jewgeni um.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht von Königin Daena empfangen. Sie wünscht sie zu sprechen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm, Miss Rosenberg.“
 

„Ja, Captain.“
 

Catherine Rosenberg betätigte ein paar Schaltflächen an ihrer Konsole. Jewgeni betrachtete sie für einen kurzen Augenblick. Catherine war eine 1,64 m große Frau mit schulterlangen rotbraunen Haaren und großen, braunen Augen. Sie hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase.
 

Auf dem Schirm erschien Daenas Gesicht.
 

„Captain Romanova, ich grüße sie.“, sagte sie freundlich.
 

„Ich danke, Mylady.“
 

„Als ich den Namen Romanova hörte, habe ich sofort an Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow gedacht. Sie sind nicht zufälligerweise mit ihr verwandt, Captain?“, sagte Daena.
 

„Sie meine ältere Schwester, meine Königin.“
 

„Oh. Jekaterina hat mir nie von ihnen erzählt. Ich hoffe, ihrer Schwester geht es gut?“, sagte die Königin der Arkonaner. 268
 

„ Warum fragen sie sie nicht selbst? Jekaterina hält sich gerade in ihrem Quartier auf. Ich kann sie durchstellen lassen, wenn sie es wünschen.“
 

„Das ist sehr freundlich von ihnen, Captain Romanova. Aber wenn sie mir gestatten, würde ich mich sehr freuen, wenn sowohl sie, als auch ihre Schwester heute Abend meine Gäste sein würden.“, sagte Daena.
 

„Ich danke für diese freundliche Einladung, Hoheit.“
 

„Bevor ich es vergesse, wenn sie kommen, bitte zivile Abendgarderobe. Uniformen lösen bei meinen Untertanen Unbehagen aus. Ich hoffe, sie haben dafür Verständnis, Captain Romanova.“, sagte Daena.
 

„Ich kann das sehr gut verstehen, Königin Daena. Wann sollen meine Schwester und ich bei ihnen sein?“
 

„Ich hatte an 18:30 Uhr gedacht.“, sagte Königin Daena.
 

„Einverstanden, Mylady. Laconia Ende.“
 

Arkon, 18:30 Uhr Ortszeit
 

Jekaterina war nervös. Zum ersten Mal, seit sie Daena und ihr Volk vor einem bösartigen Despoten beschützt hatte, war sie an den Ort zurückgekehrt, an dem sie zusammen mit ihrer Crew ein Bollwerk gegen den Tyrannen gebildet hatte. Es dauerte nicht lange, und Daena und ihre Schwester Niemira erschienen. Die Königin der Arkonaner freute sich sichtlich, ihre Beschützerin von damals wiederzusehen.
 

„Jekaterina. Schön, dich zu sehen.“, sagte Daena und nahm die Russin in die Arme.
 

„Ich freue mich sehr, dass ich wieder hier sein darf.“
 

„Wie ist es dir in der Zwischenzeit ergangen? Erzähl! Erzähl! Erzähl!“, sagte Daena.
 

„Nur die Ruhe. Ich werde dir alles erzählen, was ich erlebt habe. Aber zuerst sollte ich dir noch meinen Bruder Jewgeni vorstellen.“
 

„Wir hatten schon das Vergnügen. Und da er dein Bruder ist, gilt für ihn dasselbe, wie für dich.“, sagte Daena.
 

Mit diesen Worten hielt Daena Jewgeni die Hand, die dieser ganz sanft schüttelte.
 

„So, aber jetzt erzähl mir alles, Jekaterina. Was hast du so erlebt, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?“, sagte Daena. 269

„Ich sollte deinen Bruder ja auf eine Mission mitnehmen. Es war unsere letzte. Ich hätte ihm das, war er erlebt hat, gerne erspart.“
 

„Wie geht es ihm?“, fragte Daena voller Sorge.
 

„Es geht ihm gut. Da kommt er übrigens.“
 

Daena sah in Richtung Haupteingang, durch den ihr jüngerer Bruder gerade kam. Arkos sah aus wie immer. Doch etwas hatte sich verändert. Nicht nur, dass er eine Medaille um seinen Hals trug, sondern auch in seinem Gesichtsausdruck hatte sich einiges verändert. Arkos wirkte nachdenklich.
 

„War es so schlimm, Jekaterina?“, fragte Daena.
 

Doch es war Jewgeni, der ihre Frage beantwortete.
 

„Es ist viel Blut vergossen worden. Leider zu viel. Jekaterina und ich haben bei der Schlacht von Korath unseren Bruder verloren.“, sagte er.
 

„Mein Beileid. Glaub mir, Jekaterina. Es immer schmerzhaft, wenn man eine Todesnachricht erhält.“
 

„Narunak ist in meinen Armen gestorben. Er hatte ein Geschoss abgefangen, das eigentlich mir galt.“, sagte Jekaterina.
 

„Wer ist Narunak?“
 

„Mein Bruder und ich wurden in eine klingonische Familie aufgenommen. Mein taktischer Offizier, Toprak, entstammt dieser Familie. Meghara ist seine Schwester, und Narunak war sein Bruder. Und auch meiner. Im Augenblick seines Todes hat er mir sein Bat'leth vererbt.“

Später am Abend, das Essen war abgetragen, bat Daena Jekaterina um ein Gespräch unter vier Augen. Die beiden Frauen gingen wieder zu der Lagune, an der sie das letzte Mal zusammengesessen hatten.
 

„Arkos hat sich verändert.“, begann Daena das Gespräch.
 

„Inwiefern?“
 

„Nun ja. Er wirkt so… nachdenklich.“, sagte Daena.
 

„Die Trauerfeier hat ihm zu schaffen gemacht. Ich denke, dass dein Bruder da erst richtig begriffen hat, wie vergänglich wir doch sind.“
 

„Ist noch jemand außer Narunak gefallen?“, fragte die Königin. 270
 

„Der Chefingenieur der Lexington.“
 

„Armer Kerl. Aber was ist das für eine Medaille, die mein Bruder um den Hals trägt?“, sagte Daena.
 

„Dein Bruder ist Mitglied im Orden des Bat'leth. Die Medaille wurde ihm von Kanzler Martok in der Halle der Krieger überreicht.“
 

„Die Halle der Krieger?“, fragte Daena entsetzt.
 

„Sie befindet sich auf Ty'Gokor, dem Allerheiligsten Ort der Klingonen. Der Traum eines jeden Klingonen ist es, eines Tages in diesen Orden aufgenommen zu werden.“
 

„Warst du auch dort?“, fragte Daena.
 

„Ja. Und glaub mir, ich hätte auf vieles verzichten können.“
 

„Worauf denn?“, wollte Daena wissen.
 

„Auf das Saufgelage bei der Feier am Abend vor der Aufnahmezeremonie zum Beispiel. Man ahnt als Mensch nicht, was für Mengen an Blutwein diese Klingonen in sich rein schütten können, ohne besoffen zu werden.“
 

„Sag bloß, Arkos musste das auch machen.“, sagte Daena.
 

„Bedauerlicherweise ja. Ich wünschte, ich hätte ihm das ersparen können.“
 

Dann sah Jekaterina der Königin der Arkonaner in die Augen.
 

„Glaub mir, wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich deinen Bruder garantiert nicht mit auf eine solche Mission nehmen.“, sagte sie dann.
 

„Ich denke, es war gut, dass Arkos mit den Grauen des Krieges konfrontiert wurde. Bevor er mit dir auf Reisen ging, hat er sich immer über Soldaten lustig gemacht, die in der Schlacht ihr Leben lassen mussten. Nun hat er selbst mit eigenen Augen gesehen, wie es ist, dem Tod auf dem Schlachtfeld zu begegnen.“
 

An Bord der Kirow
 

Counselor Neriah Kahn war auf dem Weg zum Quartier des Geschwister DeSantis. Eric McClusky hatte sie gebeten, bei den beiden vorstellig zu werden, und ihnen dabei zu helfen, sich auf dem Schiff einzuleben. Denn wie die Counselor in einem ersten Gespräch herausgefunden hatte, hatten Ron und Corinne den Wunsch geäußert, auf der Kirow bleiben zu dürfen. Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow, hatte dem erst einmal vorübergehend 271

zugestimmt, wollte aber noch einmal mit seiner Vorgesetzten in Rücksprache gehen, wenn sie wieder auf die Kirow kam.
 

Neriah atmete tief durch und betätigte den Türsummer.
 

„Wer ist da?“ hörte sie eine männliche Stimme.
 

„Counselor Kahn. Darf ich reinkommen?“
 

„Sicher.“, sagte die Stimme.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Neriah Kahn betrat den Raum Ron DeSantis saß auf einem Drehstuhl, während seine Schwester auf der Couch saß. Die Trill nahm zuerst Corinne DeSantis genauer in Augenschein. Ron DeSantis Schwester war eine 1,65 m große schlanke Frau mit hellbraunen Haaren und braunen Augen. Neriah Kahn bemerkte Unsicherheit und Angst in den Augen von Corinne DeSantis. Rons Schwester hatte ein ovales Gesicht, und eine leicht breite Nase. Bekleidet war Corinne mit einem roten Kleid, das viel von ihrem Körper zeigte und roten High Heels.
 

Ron DeSantis war ein ganz anderes Kaliber. Er war ein Mann mit 1,74 m Körpergröße und einem athletischen Körperbau. Er hatte lockige schwarze Haare und ein Gesicht mit markanten Gesichtszügen und braunen Augen. Bekleidet war Ron DeSantis mit einer schwarzen Leinenhose, sowie einem schwarzen Herrenpullover, unter dem er ein weißes Hemd trug. Dazu trug er schwarze Herrensocken und die entsprechenden Schuhe.
 

„Setzen sie sich, Counselor.“, sagte Ron DeSantis.
 

„Danke.“
 

Neriah zog sich einen Stuhl heran und setzte sich.
 

„Ich will ihnen nicht verheimlichen, dass meine Schwester befürchtet, dass wir die Kirow wieder verlassen müssen, Counselor Kahn.“, begann Ron DeSantis das Gespräch.
 

„Ich kann das nachvollziehen, Mr. DeSantis. Aber Commander McClusky kann eine so weitreichende und auch schwerwiegende Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit dem Captain treffen.“
 

„Dann sollte sie sich mal anhören, was Corinne zu erzählen hat, Counselor Kahn.“, sagte Ron DeSantis.
 

Corinne DeSantis begann zu erzählen.
 

„Seit unserem zwölften Lebensjahr sind mein Bruder und ich mehr oder minder auf der Flucht.“, sagte Corinne. 272

„Vor was?“
 

„Bevor ich ihnen diese Frage beantworte, Counselor, möchte ich sie noch darauf hinweisen, dass mein Bruder weiter erzählt, wenn ich aus emotionalen Gründen nicht weitersprechen kann.“, sagte Corinne.
 

Dann fuhr sie mit ihrer Erzählung fort.
 

„Es war ein schöner Frühlingstag, Ron und ich waren gerade zwölf geworden, als ein Trupp Soldaten in unser Dorf kam. Sie holten unseren Vater ab, der kurz zuvor seinen Einberufungsbefehl erhalten hatte. An diesem Tag sahen wir ihn zum letzten Mal. Mitten in der Nacht weckte uns unsere Mutter. Sie zog uns an und brachte uns zu einem geheimen Versteck. Wir haben sie danach zwar noch einige Male gesehen, aber am Abend, bevor wir aufbrechen wollten, tauchten merkwürdige Kreaturen auf.“, sagte Corinne.
 

„Können sie sich noch ungefähr an ihr Aussehen erinnern, Miss DeSantis?“
 

„Ja. Sie waren ziemlich groß, hatten eine grüne Haut und am Unterkiefer nach oben gerichtete Eckzähne. Orks. Ich glaube so haben sie sich genannt. Jedenfalls haben sie unsere Mutter gefangen genommen und sind davon geritten. So haben wir unsere Mutter verloren. Wir sind noch drei Tage in dem Versteck geblieben. Aber dann gingen die Vorräte, die dort gelagert waren zur Neige. Wir haben uns also in einer Nacht- und Nebelaktion heimlich, still und leise auf den Weg gemacht, denn in der Nähe unseres Verstecks war ein Lager von Kreaturen, die sich Magogs nennen. Zum Glück haben sie uns nicht bemerkt, und wir konnten uns bis zum nächsten Weltraumhafen durchschlagen.“, sagte Corinne.
 

„Wie ging es dann weiter?“
 

„Wir kamen auf ein Schiff. Es war die „Retriever“. Ihr Captain hat uns auf seinen Heimatplaneten mitgenommen. 3 Jahre haben wir dort gelebt. Doch dann sind die Orks wieder aufgetaucht. Sie haben es irgendwie geschafft herauszufinden, wohin wir geflohen sind. Der Captain der „Retriever hat uns dann auf einer Raumstation abgesetzt, und von dort ging die Reise auf einem anderen Schiff, der „Concordia“ weiter. Ihr Captain hat uns in einer alten Bergfestung untergebracht. Aber die Orks haben uns erneut schnell aufgestöbert, sodass wir wieder zur Flucht gezwungen wurden. Der Captain der „Concordia“ hat uns auf ein bajoranisches Schiff gebracht.“, sagte Corinne.
 

„Haben sie und ihr Bruder auf Bajor gelebt, Miss DeSantis?“
 

„Nennen sie mich bitte Corinne, Counselor. Aber um ihre Frage zu beantworten: Ja, wir haben auf Bajor gelebt. 2 ganze Jahre lang. Dann haben uns sie Orks wieder gefunden. Ron und ich kamen dann auf ein weiteres Schiff. Es war die „Nazca“. Ihr Captain hat uns auf einem unbewohnten Planeten abgesetzt, fernab jeder Zivilisation. 6 Jahre haben wir dort verbracht. Doch dann haben 273

uns die Orks wiedergefunden. Und dieses Mal kam uns niemand zu Hilfe. Wir wurden an Bord ihres Schiffes gebracht. Ron und ich dachten: Das wars. Aber dann wurde der Proviant knapp und das Ork-Schiff musste eine Raumstation ansteuern, um neue Lebensmittel an Bord zu nehmen. Dort ist uns erneut die Flucht geglückt. Und dieses Mal sind wir an die Ferengi geraten. Die wollten uns gegen ordentliche Bezahlung an den nächstbesten Sklavenhändler verkaufen. Zu unserem Glück hat die „City of Benares“ den Deal vereitelt.“, sagte Corinne.
 

„Und deren Captain hat sie dann an Bord genommen.“
 

„Ganz Recht, Counselor. Allerdings haben uns diese Weltraum-Orks aufgelauert. Vor zwei Tagen haben sie die „City of Benares“ aus heiterem Himmel angegriffen und hier zur Notlandung gezwungen. Den Rest kennen sie.“, sagte Corinne.
 

„Eines erschließt sich mir nicht so ganz.“
 

„Was, Counselor?“, fragte Ron DeSantis.
 

„Warum diese „Orks“, wie sie ihre Schwester die ganze Zeit genannt hat, sie beide die ganzen Jahre jagen.“
 

„Sie wollen uns töten.“, sagte Corinne.
 

„Aber… warum?“
 

„Sie wissen, dass Corinne und ich gesehen haben, wie sie unsere Mutter entführt haben. Die Orks können keine Zeugen gebrauchen.“, sagte Ron DeSantis.
 

„Das heißt, die Orks haben Angst?“
 

„So könnte man es ausdrücken. Sehen sie, Counselor, wenn wir die Entführung melden, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Piraten auffliegen.“, sagte Corinne.
 

An Bord der Laconia
 

Jekaterina und ihr Bruder Jewgeni saßen in dessen Quartier beisammen. Beiden war die Trauer anzusehen. Denn vor kurzem hatte die beiden Geschwister die Nachricht erreicht, dass ihr langjähriger Mentor, Anatoli Peskow, unerwartet verstorben war. Zum zweiten Mal musste Jekaterina um eine Person trauern, der sie nahe gestanden hatte. Sie hatte in Anatoli Peskow mehr als nur ihren Lehrer gesehen: Nämlich einen guten Freund.
 

„Hätte es nicht jemand anderen treffen können, Jewgeni?“, fragte Jekaterina ihren Bruder.
 

„Wen denn zum Beispiel, big sis?“ 274

„Igor Fedorovitsch zum Beispiel.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum denn ausgerechnet den, big sis?“
 

„Ganz ehrlich: Diese Schnapsdrossel braucht doch kein Mensch.“, sagte Jekaterina.
 

„Du scheinst ja nicht gerade viel von unserem Landsmann zu halten, big sis.“
 

„Das einzige wodurch der glänzt, ist sein übermäßiger Alkoholkonsum. Der Kerl könnte glatt Klingone sein, wenn man bedenkt, was für Mengen der sich hinter die Binde kippt.“, sagte Jekaterina.
 

„War Igor nicht auch ein Kandidat für das Kommando auf der Kirow?“
 

„Da. Aber letztendlich ging die Kirow an mich.“, sagte Jekaterina.
 

„ Weiß ich doch, big sis. Und von Bruder zu Schwester: Admiral Paris hat mit dir eine hervorragende Wahl getroffen, big sis.“
 

„Danke für die Blumen.“
 

An Bord der Valkona
 

Maskull saß auf seinem Sessel. Der Ork dachte angestrengt nach. Vor kurzem hatten er und seine Besatzung erfahren, dass Ron DeSantis und seine Schwester Corinne von der USS Kirow, einem Raumschiff der Raumflotte der Vereinigten Föderation der Planeten, gerettet worden waren. Die Geschwister hatten also wieder einmal Hilfe erhalten. Maskull war sich im Klaren darüber was dieser Umstand bedeutete. Imperator Krull, der oberste Anführer der Orks, würde Gift und Galle spucken. Maskulls Befehl lautete: Ron und Corinne DeSantis zu fangen und nach Düsterfurt zurückzubringen. Maskull war mit seinen 2 Metern Körpergröße für Ork-Verhältnisse ziemlich groß. Außerdem war er ein muskelbepacktes Kraftpaket. Maskull hatte die für seine Rasse typische grüne Haut und die am Unterkiefer nach oben ragenden Eckzähne. In seinen gelben Augen brannte Zorn. Wie sollte er dem Imperator beibringen, dass ihm die Geschwister immer wieder entwischten? Imperator Krull machte ihn glatt einen Kopf kürzer.
 

Die nächste Frage, die sich der Ork stellte, war, ob der Kommandant der Kirow die Zwillinge auf einem Planeten absetzen, oder an Bord behalten würde. Sollte die letzte Variante eintreten, dann hätte Maskull ein ernsthaftes Problem. Denn es wäre schwierig der beiden Geschwister habhaft zu werden. Auf einem Planeten wäre es einfacher. Es würde zwar einige Zeit dauern, aber früher oder später hätte Maskull Ron und Corinne gefunden.
 

An Bord der Laconia

275

„Captain, wir haben den Orbit um den Planeten Rulon erreicht.“, sagte Catherine Rosenberg.
 

„Danke, Miss Rosenberg.“
 

Jewgeni tippte an den kleinen Kommunikator an seiner Uniformjacke.
 

„Brücke an Captain Jekaterina Romanova.“, sprach Jekaterinas jüngerer Bruder in das Gerät.
 

„Ich hör dich, kleiner Bruder.“
 

„Wir sind da, big sis. Zeit sich fertig zu machen.“, sagte Jewgeni.
 

„Ich bin schon reisefertig.“
 

„Mr. Striker, sie übernehmen. Ich verabschiede mich nur schnell von meiner Schwester.“, sagte Jewgeni.
 

„Ja Sir. Kommandant verlässt Brücke.“
 

Im Gang traf Jewgeni Romanova auf seine Schwester Jekaterina.
 

„Wie lange bleibst du auf Rulon, big sis?“, fragte Jewgeni seine Schwester.
 

„Schwer zu sagen. Aber ich habe eine Bitte an dich.“
 

„Welche?“, fragte Jewgeni.
 

„Versuche bitte die Kirow zu erreichen. Sag Commander McClusky sie sollen mich nach Abschluss ihrer Mission auf Rulon abholen.“
 

„Ist geritzt, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

Auf der Planetenoberfläche
 

Loreley stand auf der Treppe und wartete. Sie freute sich, Jekaterina, ihre „göttliche“ Freundin wiederzusehen. Seit deren Krankheit hatte die Königin der Rulonen die Kommandantin der Kirow nicht mehr gesehen. Wie mochte Jekaterina gehen? Was hatte sie in der Zwischenzeit alles erlebt? Loreley war begierig zu erfahren, was Jekaterina zu erzählen hatte. Als ein Vorhang aus blauem Licht erschien, wusste die Rulonin, dass ihre Freundin angekommen war. Denn als der Lichtvorhang verschwunden war, stand Jekaterina auf dem Vorplatz. Loreley lächelte, als sie ihre Freundin sah. Voller Anmut kam sie die Treppe herunter und nahm Jekaterina in den Arm.
 

„Ich freue mich, dich zu sehen, Joelina.“, sagte Loreley.

276

„Es ist schön, wieder hier zu sein.“
 

„Seit deinem unfreiwilligen Besuch haben wir beide viel erlebt. Wir haben uns einiges zu erzählen.“, sagte Loreley.
 

„Das haben wir in der Tat.“
 

„Jetzt komm erst mal rein. Die Sonne geht bald unter, und dann wird es richtig kalt.“, sagte Loreley.
 

Jekaterina schulterte ihre Reisetasche, die sie mitgebracht hatte, und folgte Loreley in Innere des Palastes. Die Königin der Rulonen ging einen Korridor entlang und wandte sich dann nach links. Am Ende des Ganges öffnete sie eine Tür. Loreley ging voran und führte Jekaterina in ein großzügig ausgestattetes Zimmer. Die Kommandantin der Kirow sah sich aufmerksam um. Der Boden des Raumes war mit rotem Velours-Teppich ausgekleidet. Vor dem großen Fenster hing ein roter Brokatvorhang. Ihr Quartier besaß einen Balkon aus allerfeinstem Marmor. Jekaterina war das große Bett aufgefallen, das rechts von der Balkontür stand. Direkt daneben stand ein Kleiderschrank aus Mahagoniholz.
 

„Hier kannst du wohnen.“, sagte Loreley.
 

„Danke dir.“
 

„Probier doch mal das Bett. Und sag mir, wie du es findest.“, sagte Loreley.
 

Jekaterina setzte sich auf das Bett und stellte fest, dass die Matratze nicht zu hart und nicht zu weich war. Einen kleinen Scherz konnte sie sich dann doch nicht verkneifen.
 

„Ah! Die Granitmatratze. Eine hervorragende Wahl.“, sagte sie.
 

Loreley musste lachen.
 

„Den muss ich mir merken, Joelina.“, sagte die Rulonin.
 

Jekaterina packte ihre Reisetasche und legte zuerst ihr Kämpferoutfit in den Schrank. Loreley zog die Stirn in Falten.
 

„Seit wann hast du das?“, fragte sie Jekaterina.
 

„Was meinst du?“
 

„Das Outfit, das du gerade in den Schrank gelegt hast. Seit wann hast du es?“, sagte Loreley.
 

„Das ist ein Geschenk von Tante Irina. Onkel Dmitri hat mich und Jewgeni im Nahkampf ausgebildet. Außerdem war er ein begnadeter Schmied.“ 277

Jekaterina holte ihre Damaszener-Schwerter aus der Reisetasche.
 

„Die hat Onkel Dmitri für mich gemacht. Sie waren sein Geschenk an mich, als ich die letzte Prüfung bestanden hatte. Wenn du willst, können wir mal miteinander trainieren.“, sagte Jekaterina.
 

„Gern.“
 

Dann holte Jekaterina ihr Bat'leth aus der Reisetasche. Loreley staunte.
 

„Eine… beeindruckende Waffe.“, sagte sie.
 

„Das ist ein Erbstück meines Bruders Narunak.“
 

„Ich dachte, dein Bruder heißt Jewgeni.“, sagte Loreley.
 

„Jewgeni und ich wurden in eine klingonische Familie aufgenommen. So wurde Narunak mein Bruder. Er ist bei der Schlacht um Korath gefallen. Im Augenblick seines Todes hat er mir sein Bat'leth vererbt.“
 

„Habt ihr euch nahe gestanden, Joelina?“, fragte Loreley.
 

Jekaterina nickte.
 

„Er hat mir beigebracht, wie man mit dem Bat'leth kämpft.“
 

Loreley sah Jekaterina in die Augen.
 

„Weißt du, es gibt Dinge, die lassen sich nie ändern. Auf Leben folgt immer der Tod. Und beide sind untrennbar miteinander verbunden. So ist nun mal der Kreis des Lebens. Auch uns beide wird irgendwann der Tod ereilen.“, sagte sie.
 

„Ja, ich weiß, Loreley. Aber es ist eine Sache, einem Feind die Kehle durchzuschneiden, und eine andere wenn dein Bruder in deinen Armen stirbt, so wie Narunak in meinen Armen starb. Es hat mir das Herz zerrissen.“
 

„Ich weiß, was du meinst, Joelina. Aber damals war damals. Und jetzt ist jetzt.“, sagte Loreley mit Nachdruck.
 

An Bord der Laconia
 

Catherine Rosenberg wandte sich zu Jewgeni um.
 

„Captain, ich habe eine Nachricht von Admiral Janeway.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht. 278

„Admiral Janeway.“, begann Jewgeni das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Wo brennts denn?“, fragte Jewgeni.
 

„Am Rande unseres Hoheitsgebiets im Alphaquadranten wurde ein fremdes Schiff gesichtet. Sein Kommandant greift wahllos Raumschiffe an, und foltert deren Besatzung. Es ist ihre Aufgabe, dem Einhalt zu gebieten, Captain Romanova.“
 

„Sollen wir das Schiff zerstören, Admiral?“, fragte Jewgeni.
 

„Nur, wenn das fremde Schiff zuerst das Feuer eröffnet.“
 

„Verstanden. Wo genau wurde das Schiff gesichtet?“, hakte Jewgeni nach.
 

„Es hält sich in der Nähe der letzten bekannten Position der USS Kirow auf. Wie aus einem von Commander McClusky übermittelten Bericht hervorgeht, hat er ein Geschwisterpaar, Ron und Corinne DeSantis, von einem Planeten gerettet, auf dem sie gestrandet waren. Die Koordinaten habe ich ihnen bereits zukommen lassen, Captain. Fliegen sie zu diesem Planeten. Sollte ihnen das fremde Schiff begegnen, versuchen sie herauszufinden, was der Kommandant will. Sollte er hinter der Kirow her sein, dann halten sie ihn auf. Notfalls mit Waffengewalt.“
 

„Alles klar. Dann wissen wir was wir zu tun haben. Laconia Ende.“, sagte Jewgeni.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky hatte sich mit der Counselor im Besprechungsraum hinter der Brücke zusammengesetzt um über das weitere Vorgehen zu beraten.
 

„Was meinen sie, Neriah? Wäre es klug, die beiden an Bord zu behalten?“, fragte er.
 

„Wenn wir sie auf einem anderen Planeten absetzen, finden diese Weltraum-Orks sie wieder. Ich finde es ist besser, sie an ihr Ziel zu bringen.“
 

„Haben wir Koordinaten, Neriah?“, fragte der erste Offizier.
 

„Ja. Ron DeSantis hat sie mir übermittelt.“
 

„Hoffentlich ist das keine Falle. Denn ich will die Kirow nicht aufs Spiel setzen.“, sagte Eric McClusky. 279
 

„Wir könnten doch zu den Koordinaten fliegen, und uns dort umsehen. Möglicherweise finden wir dort den Planeten, den wir suchen

sollen, Commander.“
 

„Ihr Argument ist nicht von der Hand zu weisen, Neriah. Aber das sind mir zu viele „Wenns“ und „Vielleichts“. Ich hab kein gutes Gefühl bei der Sache.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ich kann ihre Zurückhaltung durchaus nachvollziehen. Aber wenn wir es nicht versuchen, dann würden sie unfreiwillig unsere Mission zum Scheitern bringen, wenn meine Vermutung sich bewahrheiten sollte.“
 

Eric McClusky seufzte schwer.
 

„Also schön, wir versuchen es. Aber nur damit wir uns klar verstehen: wenn die Sache schief geht, dann halten sie den Kopf hin, Counselor.“, sagte der erste Offizier.
 

„Ja, Sir.“
 

An Bord der Valkona
 

Maskull trommelte nervös mit den Fingern auf seiner Armlehne herum. Denn vor kurzem hatten die Sensoren seines Schiffes ein Föderationsschiff der Ambassador-Klasse geortet und als USS Laconia identifiziert. Was die Sache aus seiner Sicht verschlimmerte, war die Tatsache, dass die Laconia ihre Schilde und ihre Waffensysteme aktiviert hatte. Sie mussten also einen Tipp bekommen haben, dass sich die Valkona für die USS Kirow interessierte.
 

An Bord der Laconia
 

Chong Li, der taktische Offizier wandte sich an seinen Vorgesetzten.
 

„Captain, wir haben das fremde Raumschiff geortet.“, sagte er.
 

Jewgeni Romanova drehte sich zu ihm um.
 

„Auf den Schirm.“
 

„Ja, Sir.“, sagte Chong Li.
 

Auf dem großen Schirm erschien ein Schiff, das total zerklüftet war. Von der Rumpfmitte verliefen mehrere Stahlarme nach außen. In diesen waren die Phaserbänke untergebracht. Jewgeni zählte 19 Stück dieser Vorrichtungen. An der Vorderseite, die den Kauwerkzeugen einer Krabbe ähnelte, konnte Jekaterinas Bruder vier übereinander angeordnete Abschussrampen erkennen. Wahrscheinlich waren sie für Photonentorpedos gedacht. Das Schiff war 160 Meter lang und maß an der breitesten Stelle 75 Meter. 280

Catherine Rosenberg empfing einen Funkspruch des Schiffes.

„Captain, das fremde Schiff hat uns gerade kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Orks. Jewgeni empfand sofort eine starke Abneigung gegen ihn.
 

„Sind sie der Kommandant dieses Schiffes?“, fragte der Ork.
 

„Captain Jewgeni Romanova. Und wem habe ich das Vergnügen?“
 

„Mein Name ist Maskull.“, sagte der Ork.
 

„Was kann ich für sie tun, Maskull?“
 

„Kennen sie die gegenwärtige Position der USS Kirow?“, fragte Maskull.
 

„Nun, Maskull. Ich würde gerne wissen, warum sie ein solches Interesse an der Position der Kirow haben.“
 

„Weil ich die Kirow aufhalten muss.“, sagte Maskull.
 

„Darf ich nach dem Grund fragen?“
 

„Sie dürfen. Die Kirow hat ein Geschwisterpaar von einem Planeten gerettet. Und mein Befehl lautet die beiden zu töten.“, sagte Maskull.
 

„Ich will nicht unhöflich sein, aber es interessiert mich, wer so eiskalt lächelnd das Todesurteil der Geschwister unterschrieben hat.“
 

„Das war Imperator Krull unser Herrscher. Und wenn er Ron und Corinne DeSantis tot sehen will, dann hat es zu geschehen.“, sagte Maskull.
 

„Ich nehme an, dass der Imperator seine Gründe hat.“
 

„Die hat er allerdings. Sehen sie, wenn die beiden Geschwister den Planeten Khyber erreichen und Königin Elianne von der Entführung ihrer Mutter durch unsere Truppen berichten, dann wäre unser Reich vor anderen Völkern nicht mehr sicher. Und deshalb müssen Ron und Corinne sterben.“, sagte Maskull.
 

„Und ich habe den Befehl, genau das zu verhindern.“
 

„Ich dachte mir, dass sie das sagen würden, Captain Romanova. Und ich bedaure wirklich sehr, dass wir mit ihnen ins Gefecht gehen müssen, Captain. Valkona Ende.“, sagte Maskull.
 

Im nächsten Augenblick erzitterte die Laconia. 281
 

„Mr. Li: Feuer erwidern.“, befahl Jewgeni.
 

„Aye, Captain.“
 

Kurze Zeit später traf eine Phasersalve der Laconia die Valkona und richtete verheerende Schäden an. An Bord von Maskulls Schiff fiel mit einem Schlag die gesamte Energieversorgung aus. Auch die Lebenserhaltungssysteme funktionierten nicht mehr.
 

An Bord der Valkona
 

„Wir müssen die Flagge streichen, Maskull.“, sagte der taktische Offizier ein Ork namens Gobinda.
 

„Kommt nicht infrage. Lieber sterbe ich, als mich zu ergeben. Leite die Selbstzerstörung ein. Wir werden die Laconia mit in den Untergang reißen.“
 

„Ja, Maskull.“, sagte Gobinda.
 

Der Ork betätigte einige Anzeigen an seiner Konsole. Sofort ging ein Alarm los.
 

„Achtung! Selbstzerstörung!“, sagte eine Computerstimme.
 

An Bord der Laconia
 

Catherine Rosenberg bemerkte als erste den kleinen Impuls.
 

„Captain! Die Valkona hat die Selbstzerstörung eingeleitet“ Zeit bis zur Detonation: 10 Minuten.“, sagte sie.
 

„Ruder hart backbord. Beschleunigen auf Warp 8.“
 

Die Laconia änderte den Kurs und beschleunigte. Als das Schiff Warp 4 erreicht hatte, bat Jewgeni um eine Zwischenmeldung.
 

„Entfernung zur Valkona: 50 Yards. Zeit bis zur Detonation: 7 Minuten.“, sagte Catherine Rosenberg.
 

An Bord der Valkona
 

Maskull konnte nicht glauben, was er sah. Die Laconia drehte ab und beschleunigte. Dieser Captain war ein Schwächling.
 

„Wie weit ist die Laconia von uns entfernt?“, fragte er seinen Navigator.
 

„150 Rangas. Geschwindigkeit Warp 8.“ 282
 

Maskull schnaubte vor Zorn. Jetzt war alles verloren. Krull würde vielleicht einen anderen Kommandanten mit dieser Mission beauftragen. Nicht vielleicht. Er WÜRDE einem anderen Kapitän diese Mission zuweisen. Für ihn selbst war diese Reise zu Ende.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky saß in dem Sessel, der normalerweise seiner Vorgesetzten, Captain Jekaterina Romanova, zustand. Er fragte sich, wie sie wohl gehandelt hätte. Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin der Kirow, hob den Kopf. Als eine Nachricht der Laconia eintraf.
 

„Commander, ich habe gerade eine Nachricht der Laconia erhalten.“, sagte sie.
 

„Was wollen die denn?“
 

„Captain Romanova meldet uns, dass er und seine Besatzung auf ein feindliches Schiff getroffen sind, das nach uns sucht. Sie konnten das Schiff so schwer beschädigen, dass es die Selbstzerstörung einleiten musste.“, sagte Keiko.
 

„Sagen sie Jewgeni Romanova, er hat einen gut bei mir.“
 

„Ja, Sir.“, sagte Keiko.
 

Dann wandte sie sich erneut an Eric McClusky.
 

„Die Laconia hat uns noch eine weitere Nachricht geschickt, Commander. Wir sollen unsere Kommandantin auf Rulon abholen, wenn wir unsere Mission beendet haben.“, sagte Keiko.
 

„Alles klar. Hat die Laconia sonst Neuigkeiten für uns?“
 

„Sie haben uns noch den Namen des Planeten und dessen Koordinaten durchgegeben.“, sagte Keiko.
 

„Leiten sie die Koordinaten an Miss Sherrock.“
 

„Ja, Sir.“, sagte Keiko.
 

Fallon Sherrock, erste Navigatorin der Kirow, bestätigte den Empfang.
 

„Soll ich einen Kurs zum Planeten berechnen, Commander?“, fragte sie dann.
 

„Nein, Miss Sherrock. Vergleichen sie die Koordinaten mit denen, die wir von Ron DeSantis haben. Wenn sie identisch sind, fliegen wir nach Khyber.“
 

„Aye, Commander.“, sagte Fallon. 283
 

Sie betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole. Als das Ergebnis vorlag, wandte sie sich an Commander McClusky.
 

„Sir, die Koordinaten, die uns die Laconia übermittelt hat, stimmen mit denen von Mr. DeSantis überein. Unser Kurs wäre 260,3.“, sagte Fallon Sherrock.
 

„Miss Sherrock: Neuer Kurs 260,3. Maximum Warp.“
 

„Ja, Sir.“, sagte die Navigatorin.
 

Auf dem Planeten Khyber
 

Königin Elianne saß in ihrem Arbeitszimmer und ging ein paar Dokumente durch. Sie war 26 Jahre alt und 1,65 m groß und war ziemlich grazil gebaut. Elianne hatte ein ovales Gesicht mit blauen Augen und einer schmalen Nase. Ihre blonden Haare trug die Königin offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Elianne war sich ihres Traumkörpers sehr wohl bewusst, und trug bevorzugt Kleidung, die ihren Körper hervorhob. An diesem Tag trug sie ein schwarzes Minikleid und schwarze High Heels.
 

Ihr Bruder betrat den Raum. Etienne war ein 1,96 m großer, athletisch gebauter Mann mit schulterlangen, dauergewellten blonden Haaren. Er hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und einem markanten Kinn, das von einem Dreitagebart bedeckt wurde. Wie immer trug er eine schwarz-rote Lederhose und nichts darüber. Denn Eliannes Bruder liebte es, die Frauen mit seinem muskelbepackten Oberkörper zu beeindrucken.
 

„Hast du einen Augenblick Zeit für mich Schwesterherz?“, fragte Etienne.
 

„Für dich immer. Was hast du auf dem Herzen?“
 

„Du solltest dir mal langsam was einfallen lassen, wie du bei den Fürsten punkten willst.“, sagte Etienne.
 

„So einfach ist das aber nicht, Etienne.“
 

„Dann werde ich dir mal sagen, wie die Realität aussieht, Elianne. Du hast zwar die ganzen Stämme unter deinem Banner vereint, aber dieser innere Frieden wackelt. Und wenn du nicht bald den Beweis erbringst, dass du zu Recht unsere Königin bist, dann werden dich deine politischen Gegner stürzen.“, sagte Etienne.
 

„Erzähl mir mal etwas, das ich nicht weiß, Etienne.“
 

„Vielleicht begreifst du den Ernst der Lage, wenn ich dich auf den aktuellsten Stand bringe. Ein paar Fürsten planen einen politischen Umsturz. Im 284

Moment sind es nur zwei oder drei. Aber je länger du zögerst, werden es mehr. Und dann wird die ganze Angelegenheit wie ein Flächenbrand außer

Kontrolle geraten.“, sagte Etienne.
 

„Und wie stellst du dir das vor?“
 

„Es gibt nur eine Möglichkeit. Du musst Imperator Krull endlich anklagen. Und du musst uns dieses fremde Raumschiff vom Hals schaffen.“, sagte Etienne.
 

„Das ist leichter gesagt, als getan. Ohne Augenzeugenbericht kann ich gegen Krull nichts unternehmen. Und was das fremde Raumschiff angeht, so weiß ich nicht, seit wann es hier ist, und was dessen Kommandant von uns will.“
 

„Die Frage nach dem „seit wann“ kann ich dir beantworten, Schwesterherz. Das fremde Schiff befindet sich seit drei Tagen in einem stationären Orbit.“, sagte Etienne.
 

„Drei Tage sagst du?“
 

„Ja.“, sagte Etienne.
 

„Wenn mein Kalender stimmt, war das der 14. Juli.“
 

„Es WAR der 14. Juli. Ist das für unsere Konversation relevant?“, sagte Eliannes Bruder.
 

„Seit diesem Tag verfügen wir über den Warpantrieb.“
 

Etienne sah seine ältere Schwester erstaunt an.
 

„Du machst Witze, Elianne.“, sagte er dann.
 

„Das ist kein Witz. Sondern mein Ernst. Als ich noch für Wissenschaft und Forschung zuständig war, habe ich unsere besten Wissenschaftler damit beauftragt den Warpantrieb zu erforschen. Das Ganze ist jetzt 6 Jahre her. Und wie man sieht, hat sich diese Investition gelohnt.“
 

„Das ist zumindest schon mal innenpolitisch eine faustdicke Überraschung. Aber das dürfte deine Feinde aber nur vorübergehend beeindrucken. Du wirst auch außenpolitisch glänzen müssen.“, sagte Etienne.
 

„Das überlass bitte mir. Aber jetzt tu mir bitte einen Gefallen, Etienne.“
 

„Jeden.“, sagte Eliannes Bruder.
 

„Rufe alle Fürsten zu einer Versammlung. Ich will ihnen mitteilen, wie das Problem mit dem fremden Raumschiff zu lösen gedenke.“ 285
 

„Lässt du mich wenigstens vorher an deinem Wissen teilhaben?“, fragte

Etienne.
 

„Ich habe vor, der Vereinigten Föderation der Planeten beizutreten. Dazu müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein.“
 

„Welche wären das?“, wollte Eliannes jüngerer Bruder wissen.
 

„Erstens: Wir müssen ein geeintes Volk mit planetarer Regierung sein. Zweitens: Wir müssen die Grundrechtecharta der Föderation akzeptieren. Und drittens: Wir müssen über den Warpantrieb verfügen.“
 

„Das heißt wir erfüllen zurzeit die letzte der drei genannten Bedingungen.“, sagte Etienne.
 

„Ganz genau.“
 

„Na schön. Du hast einen Plan. Jetzt musst du ihn nur noch den Fürsten verkaufen.“, sagte Eliannes Bruder.
 

„Das kriege ich hin. In einer Stunde im großen Konferenzsaal.“
 

„Alles klar, Elianne. Bis nachher dann.“, sagte Etienne zu seiner Schwester.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56542.0 Commander Eric McClusky, erster Offizier neuer Eintrag: Auf unseren Scannern ist ein fremdes Schiff aufgetaucht, das sich in einem stationären Orbit um den Planeten Khyber befindet. Da wir nicht wissen, ob der Kommandant in friedlicher Absicht hier ist, habe ich befohlen, die Schilde und die Waffensysteme zu aktivieren.“
 

Eric McClusky legte das Buch zur Seite und wandte sich dann an Komi Namura, die Fallon Sherrock an der Navigationskonsole abgelöst hatte.
 

„Wie lange dauert es noch, bis wir das fremde Schiff erreichen, Miss Namura?“, fragte er.
 

„Bei gleichbleibender Geschwindigkeit 5 Minuten.“
 

Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht eintraf.
 

„Commander, wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des fremden Raumschiffkommandanten. Eric McClusky blickte in ein rundes aufgedunsenes Gesicht mit stechend blauen Augen. Die braunen Haare hatte der Mann zu einer Mönchsfrisur geschnitten. Eric McClusky ahnte, dass der fremde 286

Captain übergewichtig sein musste, denn er schwitzte sehr stark. Und anhand der Reaktion des Mannes, wusste der erste Offizier der Kirow, dass

sein Gegenüber alles andere als erfreut war, mit ihm zu reden.
 

„Wer sind sie, und was wollen sie?“, polterte der fremde Captain los.
 

„Commander Eric McClusky. Erster Offizier der USS Kirow, einem Schiff der Raumflotte der Vereinigten Föderation der Planeten.“
 

„Holen sie den Captain. Ich rede nicht mit der zweiten Garnitur.“, sagte der Kapitän.
 

„Bedaure, aber sie werden mit mir Vorlieb nehmen müssen. Denn unsere Kommandantin ist zurzeit nicht an Bord. Und deshalb habe ich das Kommando auf der Kirow.“
 

„Können sie ihre Vorgesetzte wenigstens zuschalten?“, fragte der fremde Kommandant.
 

„Leider nein, Sir. Wir sind zu weit vom gegenwärtigen Aufenthaltsort von Captain Romanova entfernt. Und deshalb werden sie ihr Anliegen mir vortragen. Da fällt mir ein, sie haben mir noch gar nicht gesagt, wie sie heißen.“
 

„Mein Name ist Flyke. Und sie sind im Begriff mich zu stören.“, sagte Flyke.
 

„Inwiefern stören wir sie? Und was auch noch entscheidend ist: Bei was?“
 

„Durch ihre Präsenz stören sie meine Pläne.“, sagte Flyke.
 

„Was für Pläne, Captain Flyke?“
 

„FÜR SIE IMMER NOCH IMPERATOR FLYKE, COMMANDER!“, blaffte Flyke.
 

„Na schön, dann eben Imperator, wenn ihnen das lieber ist.“
 

„Sie haben nach meinen Plänen gefragt, Commander. Welche Ziele ich genau verfolge geht sie nichts an. Das einzige, was ich ihnen sage, ist, dass ich Expansionspläne habe. Dieser Planet wird eine weitere Kolonie meines Reiches. Und niemand wird mich aufhalten. Das gilt auch für sie, Commander.“, sagte Flyke.
 

„Dann ist es meine Pflicht, sie in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass sie die Grenzen ihres Imperiums bis an unsere äußersten Grenzen ausdehnen wollen. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Präsidentin Arikka sich das lange gefallen lässt.“

287

„Hören sie, Commander McClusky. Ich sage ihnen das in aller Deutlichkeit. Noch so eine unverschämte Bemerkung, und ich puste sie und ihr Schiff in die Weiten des Weltalls.“, sagte Imperator Flyke.
 

„Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen, Imperator Flyke. Außerdem ich werde unser Gespräch in meinem Bericht an das Flottenoberkommando erwähnen und ihre Expansionspläne zur Meldung bringen. Kirow Ende.“
 

Dann wandte sich Eric McClusky an Keiko.
 

„Keiko, senden sie eine Nachricht ans Flottenoberkommando. Teilen sie denen mit, was der fremde Captain vorhat. Schicken sie noch den Namen und die Koordinaten des Planeten mit.“, befahl er.
 

„Ja, Sir.“
 

Kaum war die Nachricht durchgegeben, erzitterte die Kirow, als Flyke das Schiff unter massiven Beschuss nahm. Doch die Schilde des Föderationsschiffes hielten stand.
 

„Soll ich das Feuer erwidern, Commander?“, fragte Toprak, der taktische Offizier der Kirow.
 

„Feuern nach eigenem Ermessen, Mr. Toprak.“
 

„Aye, Commander.“, sagte der Klingone.
 

Das Schwesterschiff der Enterprise E feuerte eine Phasersalve auf seinen Gegner. Und diese richteten schwere Schäden auf Flykes Schiff an. Ein Treffer sorgte für einen Bruch der Hülle unterhalb der Brücke. Auch die Trägheitsdämpfer auf der Backbordseite waren durch einen Treffer der Kirow beschädigt. Flyke gab den Befehl zum Rückzug.
 

Auf dem Planeten Khyber
 

Elianne und ihr Bruder wollten gerade zur Besprechung mit den anderen Fürsten aufbrechen, als einer der Operatoren aus der Funkzentrale den Raum betrat.
 

„Mylady, das fremde Raumschiff hat sich zurückgezogen.“, sagte er.
 

„Zurückgezogen?“
 

„Ja, Mylady. Das Raumschiff, das vor drei Tagen hier aufgekreuzt ist, hat sich zurückgezogen?“, sagte der Operator.

288

„Warum?“
 

„Das Schiff wurde in einem kurzen Gefecht mit einem anderen Raumschiff stark beschädigt, Mylady.“, sagte der Mann.
 

Eliannes Bruder, der bisher nur zugehört hatte, richtete nun das Wort an den Operator.
 

„Haben wir irgendwelche Informationen über das neue Schiff?“, fragte er.
 

„Wir waren in der Lage ein Gespräch der beiden Kommandanten mitzuhören. Das neue Schiff, das als Sieger aus dem Gefecht hervorgegangen ist, ist ein Raumschiff der Föderation, die USS Kirow.“
 

„Die Kirow?“, fragte Elianne.

„Ja, Mylady. Kommandiert wird sie von einer Frau. Captain Romanova. Aber im Moment hat der erste Offizier, Commander Eric McClusky das Kommando.“
 

„Was konntet ihr sonst noch in Erfahrung bringen?“, fragte Eliannes Bruder Etienne.
 

„Der besiegte Kommandant heißt Flyke. Und seine Pläne sind alles andere als rosig für uns.“
 

„Was hat er vor?“, fragte Elianne.
 

„Wir sollen zu einer Kolonie seines Imperiums werden.“
 

Die Geschwister sahen einander an.
 

„Wirklich keine rosigen Aussichten, Schwesterherz.“, sagte Etienne.
 

„In der Tat. Die einzige Möglichkeit, diesem Schicksal zu entgehen, ist ein Beitritt unseres Planeten zur Föderation.“
 

Dann wandte sich Elianne an den Operator.
 

„Danke, dass du uns diese Informationen mitgeteilt hast, Durotar.“, sagte sie.
 

Der Operator verschwand und Elianne und Etienne machten sich auf den Weg. Lange Zeit sagte keiner ein Wort. Dann wandte sich Etienne an seine Schwester.
 

„Flykes Pläne könnten dir in die Karten spielen.“, sagte er.
 

„Hoffen wir, dass du Recht hast, Etienne.“
 

Als die beiden Geschwister den Konferenzraum betraten, wandten 289

die anderen Fürsten ihre Köpfe.
 

„Nun, Elianne. Ich hoffe, du hast einen triftigen Grund, so Knall auf Fall ein Treffen anzuberaumen.“, sagte einer von ihnen.
 

„Die Umstände zwingen mich leider dazu, Korba.“
 

„Uns wurde ein Dokument zugeschickt. Sie aus, wie eine Art Verfassung. Was hat es damit auf sich?“, sagte ein anderer.
 

„Das ist die Grundrechtecharta der Vereinigten Föderation der Planeten. Habt ihr ein Problem damit, sie anzuerkennen, Fürst Gundolf?“
 

„Ich nicht, aber was ist mit den anderen?“, fragte der Stammesfürst.
 

Korba ergriff wieder das Wort.
 

„Ich hätte auch kein Problem damit, die Charta zu akzeptieren. Mich interessiert allerdings, was du damit bezweckst.“, sagte er.
 

„Ich habe vor, Beitrittsverhandlungen mit der Föderation aufzunehmen.“
 

„Und was ist mit dem fremden Raumschiff, das seit drei Tagen in unserem Orbit präsent ist?“, fragte Korba.
 

„Es wurde von einem Raumschiff der Föderation, der USS Kirow erfolgreich vertrieben.“
 

„Das sind gute Nachrichten.“, sagte ein dritter Fürst.
 

„Bevor mein Bruder und ich zu dieser Besprechung aufgebrochen sind, haben uns noch einige Informationen erreicht. Der Kommandant des vertriebenen Raumschiffes heißt Flyke. Und die Kirow hat seine Absicht, uns zu einer Kolonie seines Imperiums zu machen, erfolgreich vereitelt.“
 

Kaum hatte Elianne ihre letzten Worte ausgesprochen, da brach unter den Versammelten eine hitzige Diskussion los. Alle redeten wild durcheinander. Elianne sah ihren Bruder hilfesuchend an. Dieser nickte, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Dann erhob sich Etienne, und nahm einen mächtigen Vorschlaghammer auf. Mit ordentlicher Wucht schlug er auf die Marmorplatte, von der sogar ein Stück absplitterte, das sogar durch die Luft flog.
 

„RUHE IM KARTON!!!“, brüllte er in die Runde.
 

Schlagartig verstummten alle.
 

„Was sind wir eigentlich? Zivilisierte Menschen oder unzivilisierte

Wilde?“, fragte Etienne streng. 290

Einer der Fürsten, der sich noch nicht zu Wort gemeldet hatte, erhob sich. Etienne wusste, wen er da vor sich hatte. Es war Fürst Gabor, Eliannes schärfster politischer Gegner. Gabor war ein 50jähriger, glatzköpfiger, korpulenter Mann von 1,60 m Körpergröße. In seinem runden Gesicht ruhten verschlagen dreinblickende, graue Augen. Etienne wusste nur zu gut, dass man Fürst Gabor auf gar keinen Fall unterschätzen durfte. Dieser Mann war gefährlich, und verfügte obendrein über nicht unerhebliche finanzielle Mittel um einen militärischen Putsch zu finanzieren.
 

„Nun…“, begann Gabor in einem hochnäsigen Tonfall, „Diese Ankündigung hat bei vielen Besorgnis ausgelöst. Wie will eure Schwester dieser Bedrohung überhaupt Herr werden?“, fuhr er fort.
 

„Indem ich Beitrittsverhandlungen mit der Föderation aufnehme.“
 

„Das dürfte sich als etwas schwierig erweisen „Königin“ Elianne.“, sagte Gabor.
 

„So, und warum?“
 

„Ich habe das Gefühl, dass ihr euch nicht im Geringsten Gedanken darüber gemacht habt, welche Voraussetzungen für einen Beitritt erfüllt sein müssen.“, sagte Gabor.
 

„Aber IHR wisst es, nehme ich an.“

„Natürlich weiß, ich es. Im Gegensatz zu euch, denke ich erst einmal nach, ehe ich irgendwelche Entscheidungen treffe, die sich am Ende als Rohrkrepierer erweisen werden.“, sagte der Fürst.
 

„Dann sagt mir doch bitte, welche Kriterien wir erfüllen müssen, Fürst Gabor.“
 

„Zum einen müssen wir, wie ihr schon sagtet die Grundrechtecharta akzeptieren. Womit ich ehrlich gesagt keinerlei Probleme habe. Dann müssen wir über den Warpantrieb verfügen. Und wir müssen ein geeintes Volk mit planetarer Regierung sein. Und wir sind weder ein geeintes Volk, noch verfügen wir über den Warpantrieb. Ich sehe schwarz für einen Beitritt zur Föderation.“, sagte Fürst Gabor.
 

„Dann erlaubt mir, dass ich euch und die anderen auf den aktuellsten Stand der Dinge bringe.“
 

„Nur zu.“, sagte Gabor.
 

„Seit dem Tag, an dem Flyke hier ankam, verfügen wir über den Warpantrieb. Das Versuchsschiff hat Warp 4 erreicht. Ich habe die Gelder für dieses Projekt während meiner Amtszeit als Leiterin des Dezernats für Forschung und Wissenschaft freigegeben. Und wie man sieht, können wir jetzt die Früchte unserer Arbeit ernten.“ 291
 

Etienne richtete seinerseits das Wort an die Fürsten.
 

„Nun? Wer von euch will sich jetzt noch gegen meine Schwester stellen? Der möge sich bitte an Gabors Seite stellen.“, sagte er.
 

Keiner der übrigen Fürsten erhob sich.
 

„Und wer ist bereit, meiner Schwester zu folgen?“, fragte Etienne.
 

Fast alle erhoben sich. Darunter auch Korba und Gundolf. Nur zwei blieben sitzen. Ein Mann und eine Frau. Die Frau war eine Brünette mit blauen Augen und einem wohl proportionierten Körper. Etienne wusste, dass es sich um Fürstin Lysandra vom Clan der roten Krabbe handelte. Und er wusste, dass man die Fürstin sehr leicht manipulieren konnte. Für Fürst Gabor, der ein Meister im Intrigen spinnen und manipulieren war, ein leichtes Unterfangen. Etienne sah ihr an, dass sie innerlich mit sich rang. Wem sollte sie folgen? Elianne, seiner Schwester? Oder doch Gabor, dem Verräter? Fürstin Lysandra sah Elianne in die Augen.
 

„Ich muss zugeben, dass ein Beitritt zur Föderation uns vor Aggressoren, wie Imperator Flyke schützen würde. Aber ich würde so ein Föderationsschiff gerne mit eigenen Augen sehen. Lernen, wie es funktioniert. Sehen wozu es imstande ist.“, sagte sie dann.
 

„Da sich mit der Kirow ein Raumschiff der Föderation vor Ort befindet, sollte es kein Problem sein, Commander McClusky zu kontaktieren, und um eine Führung zu bitten.“
 

„Würden sie mich dahingehend auf dem Laufenden halten?“, fragte Lysandra.
 

„Selbstverständlich, Fürstin Lysandra.“
 

Im Föderationshauptquartier, Paris, 18.07.2379, 13:30 Uhr Ortszeit
 

Präsidentin Arikka, vom Volk der Ariantu, saß in ihrem Arbeitszimmer und ging einige Dokumente durch, als Forlan, ihr persönlicher Assistent, vom Volk der Andorianer den Raum betrat. Erkennbar waren Andorianer an ihrer blauen Hautfarbe, den weißblonden Haaren und den fühlerartigen Auswüchsen am Kopf.
 

„Was gibt es, Forlan?“, fragte Arikka.
 

„Madam President, gerade ist eine Nachricht vom Flottenoberkommando eingetroffen.“
 

„Was sagt Starfleet Command?“, fragte Arikka.

292

„Eines unserer Schiffe, die Kirow, wurde ohne triftigen Grund unter Beschuss genommen, Madam President.“
 

„Wann war das?“, fragte Präsidentin Arikka.
 

„Gestern, Madam President. Allerdings hat Commander McClusky noch eine Nachricht geschickt, bevor der feindliche Captain, ein Mann namens Flyke, das Feuer auf die Kirow eröffnet hat. In dieser Nachricht waren auch die Koordinaten und der Name des Planeten enthalten. Außerdem war Commander McClusky so clever, und hat Starfleet Command wissen lassen, was Imperator Flyke vorhat.“
 

„Was hat dieser selbst ernannte Imperator vor, Forlan?“, wollte die Präsidentin wissen.
 

„Flyke hat vor, den Planeten zu unterwerfen. Sollte er das tun, dann würde er sein Territorium bis an unsere westlichen Außengrenzen ausdehnen.“
 

„Das werde ich auf keinen Fall dulden, Forlan. Haben sie sonst noch irgendwelche Neuigkeiten für mich?“, sagte Arikka.
 

„Königin Tanet, vom Volk der Korath, hat ein Beitrittsgesuch zur Föderation eingereicht. Die wichtigsten Beitrittskriterien sind erfüllt.“
 

„Nun gut. Botschafterin Luan soll sich auf der Ranger einschiffen. In der Zwischenzeit sollen Hiryū und Titan den Planeten ansteuern, an dem die Kirow angegriffen wurde. Wie heißt er eigentlich?“, sagte Arikka.

„Khyber, Madam President.“
 

„Danke, Forlan. Ich selbst werde an Bord der Laconia nach Khyber reisen. Imperator Flyke, soll wissen, dass ich es nicht gerne sehe, wenn jemand vor unserer Haustür sein Unwesen treibt.“, sagte Arikka.
 

An Bord der Kirow
 

„Commander McClusky! Ich empfange eine Nachricht von der Planetenoberfläche.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Eliannes Gesicht. Eric McClusky rieb sich den Hals, denn er hatte keine Ahnung, wie er sie begrüßen sollte. Doch die Anführerin der Drath Legion kam ihm zuvor.
 

„Seien sie gegrüßt, Commander McClusky.“, sagte Elianne.

293

„Ich grüße sie, Lady…“
 

„Elianne. Sie werden sich wahrscheinlich fragen, warum ich sie kontaktiere.“, sagte Elianne freundlich.
 

„Nun, ich nehme an, um sich bei mir zu bedanken?“
 

„Auch das, Commander. Und seien wir ehrlich. Sie haben mir durch ihr beherztes Eingreifen eine zentnerschwere Last von den Schultern genommen. Aber ich wollte sie fragen, ob die Möglichkeit besteht, ihr Schiff zu besichtigen.“, sagte Elianne.
 

„Nehmen wir an, ich würde zustimmen. Mit wie vielen Personen müsste ich rechnen?“
 

„Da Fürst Gabor es vorzieht, sein eigenes Süppchen zu kochen wahrscheinlich 7-8. Und das wären nur die Clan-Fürsten.“, sagte Elianne.
 

„Verstehe. Ich möchte euch an dieser Stelle auf etwas hinweisen, Lady Elianne.“
 

„Was wäre das, Commander?“, fragte Elianne.
 

„Es gibt zwei Wege, um zu uns auf die Kirow zu kommen.“
 

„Oh! Und welche wären das, Commander McClusky?“, wollte Elianne wissen.
 

„Die erste, das wäre auch die schnellere, wäre, wir beamen sie auf die Kirow. Aber dann würden sie das Schiff nur von innen, und nicht von außen sehen. Die andere Möglichkeit wäre, sie und ihre Begleiter mit dem Shuttle abzuholen.“
 

„Verstehe, Commander. Ich persönlich würde das Shuttle bevorzugen.“, sagte Elianne.
 

„Gestattet mir noch eine Frage, Lady Elianne.“
 

„Nur zu, Commander.“, sagte Elianne.
 

„Um welche Uhrzeit wollen sie und ihre Begleiter uns ihre Aufwartung machen, Mylady?“
 

„Hier auf dem Planeten haben wir jetzt 14:30 Uhr. Wie wäre es heute Abend um 17:30 Uhr?“, sagte Elianne.
 

„Das klingt gut. Fürs erste verabschiede mich, Lady Elianne. Kirow Ende.“
 

Auf dem Planeten Rulon
 

Jekaterina und Loreley lehnten an der Wand des Trainingsareals. Beide 294

atmeten schwer. Denn gerade eben hatten sie noch auf dem Übungsplatz miteinander trainiert. Die Königin der Rulonen hatte als Waffe ihr Katana gewählt, während Jekaterina ihre Damaszener-Schwerter eingesetzt hatte. Die Muskeln der beiden Frauen brannten. Denn bei ihrem Training hatten sie mit aller Kraft und Intensität gekämpft, die sie aufbringen konnten. Doch am Ende hatten Jekaterina und Loreley festgestellt, dass sie einander ebenbürtig waren.
 

„Ich hätte nie gedacht, dass du so gut kämpfen kannst.“, sagte Loreley.
 

„Stille Wasser gründen manchmal tief, Loreley.“
 

„Lass uns rein gehen. Es wird dunkel.“, sagte Loreley.
 

„KHOROSHO.“
 

„Was heißt das, Joelina?“, fragte Loreley.
 

„Das ist Russisch und bedeutet so viel wie „Einverstanden“.“
 

Jekaterina sah in den Himmel. Dunkle, schwarze Wolken türmten sich auf.
 

„Oh, oh! Ich fürchte, da kommt gleich was runter.“, sagte sie.
 

„Dann sollten wir uns beeilen.“
 

Und wie Recht Jekaterina mit ihrer Einschätzung haben sollte, zeigte sich, als die Wachen die Tür hinter den beiden Frauen geschlossen hatten. Eines der schwersten Unwetter, der rulonischen Geschichte, fegte über den Planeten hinweg. Blitze zuckten vom Himmel, denen laute Donnerschläge folgten. Der Wind blies mit über 100 km/h und fällte sogar eine kräftige Mangrove.
 

„Mein lieber Scholli! Das ist ja der reinste Orkan, Loreley.“, sagte Jekaterina.
 

„Und dieses Mal ist es besonders schlimm.“
 

„Passiert so was oft?“, fragte Jekaterina.
 

„Vielleicht alle 200 Jahre einmal.“
 

„Hoffentlich haben die Bewohner außerhalb des Palastes einen Unterschlupf gefunden. Denn mir tun die armen Teufel leid, die jetzt noch da draußen sind.“, sagte die Kommandantin der Kirow.
 

„Mach dir um mein Volk keine Sorgen, Joelina. Wir Rulonen sind schon mit schlimmerem fertig geworden.“
 

An Bord der Kirow

295

Eric McClusky stand im Shuttlehangar, als sich die mächtigen Hecktore des Schiffes öffneten. Kurze Zeit später glitt die Gargarin, eines der beiden Shuttles in den Hangar. Als sich die Tore wieder geschlossen hatten, öffnete sich die Seitenluke und eine kleine Prozession, angeführt von Elianne, verließ das Shuttle. Der erste Offizier ging vor Elianne und ihren Begleitern auf die Knie und senkte demütig das Haupt.
 

„Erhebt euch, Commander.“, sagte Elianne.
 

Eric McClusky erhob sich.
 

„Ladies and Gentlemen. Willkommen auf der Kirow.“, sagte er freundlich.
 

„Danke für diesen freundlichen Empfang, Commander. Und an dieser Stelle möchte ich ihnen meine Begleiter vorstellen.“
 

Nach der Vorstellungsrunde bat Eric McClusky Elianne und die anderen Fürsten ihm zu folgen. Als die kleine Gruppe durch einen Korridor zum nächsten Turbolift ging, sah sich Gundolf aufmerksam um.
 

„Ziemlich eintönig, Commander. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir ihre Farbauswahl gefällt.“, sagte er.
 

„Hier ist alles auf Funktionalität und schnelle Erreichbarkeit ausgelegt, Mylord. Aber wir haben immerhin die Möglichkeit, wenigstens unsere Quartiere zu verschönern.“
 

„Ich nehme an, dass sie nicht befugt sind, und die Quartiere zu zeigen.“, sagte Lysandra.
 

„Nur mit Erlaubnis der jeweiligen Bewohner, Mylady.“
 

Eric McClusky ließ Elianne und ihren Begleitern beim Betreten des Turbolifts den Vortritt, ehe er selbst die Kammer betrat. Dann nannte der erste Offizier der Kirow das Ziel.
 

„Krankenstation.“, sprach er in die Anlage.
 

Lysandra protestierte.
 

„Ich bin nicht krank.“, sagte sie streng.
 

„Tut mir leid, Mylady. Aber jeder Besucher, der hier an Bord kommt, muss sich ärztlich untersuchen lassen. Ist Vorschrift.“
 

Lysandra wollte zu einer wütenden Erwiderung ansetzen, aber Elianne kam ihr zuvor. 296
 

„Commander, jeder von uns ist sich im Klaren darüber, dass sie die Vorschriften nicht gemacht haben. Außerdem geht es auch um die Sicherheit der Besatzung ihres Schiffes. Und sie sind zurzeit für das Wohl der Crew verantwortlich. Dessen sind wir uns alle bewusst.“, sagte sie.
 

Fürstin Lysandra war verärgert. Schließlich war ihr Elianne, die Anführerin der Drath Legion in den Rücken gefallen. Korba nahm sie auf die Seite.
 

„Hör zu, Lysandra. Wir sind Gäste auf der Kirow. Und da gelten die Regeln des Gastgebers. Wenn wir uns einem medizinischen Check unterziehen müssen, dann machen wir das. Ohne wenn und aber. Und wahrscheinlich hätte Commander McClusky uns gar nicht an Bord lassen dürfen.“, sagte er leise.
 

„Meinst du, er hat Konsequenzen zu befürchten?“
 

„Keine Ahnung, Lysandra. Aber der Commander hat sich auf ziemlich dünnes Eis begeben, als er uns eingeladen hat.“, sagte Korba.
 

Lysandra schwieg. Auch wenn sie es nicht zugeben wollte, tief in ihrem Inneren wusste die Anführerin vom Clan der roten Krabbe, dass Korba Recht hatte. Und das letzte, was Fürstin Lysandra wollte, war, dass Commander McClusky Ärger mit seinen Vorgesetzten für sein eigenmächtiges Handeln bekam.
 

Nachdem die Besichtigungsgruppe den medizinischen Check überstanden hatte, führte Eric McClusky Elianne und die anderen zuerst in den Maschinenraum. Fürstin Lysandra staunte. All diese Apparaturen und anderen Geräte. Welchen Zweck hatten sie? Und dazu all diese Leute die im Raum herumliefen. Lysandra kam sich vor wie in einem Ameisenhaufen. Aus einem Nebenraum kam ein bärtiger Mann, den Eric McClusky als Commander Eric Bristow vorstellte.
 

„Welchen Posten haben sie hier an Bord, Commander Bristow?“, fragte Korba.
 

„Ich bin der Chefingenieur der Kirow, Mylord.“
 

„Ich nehme an, der Maschinenraum ist eine der wichtigsten Abteilungen hier an Bord, Commander.“, sagte Lysandra.
 

„Jede Abteilung hier ist wichtig, Mylady. Sonst würde ein Raumschiff wie die Kirow gar nicht funktionieren.“
 

„Das ist alles sehr beeindruckend, Commander Bristow. Was mich aber noch interessieren würde: Wie schnell ist ihr Schiff?“, sagte Gundolf.
 

„Die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits von Warp 8.“
 

An Bord der Laconia

297

Jewgeni saß zusammen mit Präsidentin Arikka im Besprechungsraum seines Schiffes, der direkt hinter der Brücke lag. Nach dem Gefecht mit der Valkona war die Laconia mit Höchstgeschwindigkeit nach Arkon geflogen, wo sie mit der Imperator zusammengetroffen war. Präsidentin Arikka hatte sich auf die Laconia gebeamt. Und nach dem erfolgreichen Transfer, hatte Jewgeni Kurs auf Khyber nehmen lassen.
 

„Madam President, gestatten sie mir die Frage, warum wir sie nach Khyber bringen sollen.“, begann Jewgeni das Gespräch.
 

„Ganz einfach, Captain. Auf euch Raumschiffkommandanten will der Imperator ja offensichtlich nicht hören. Also nehme ich die Sache lieber persönlich in die Hand.“
 

„Denken sie wirklich, dass Imperator Flyke wirklich so ein Dickkopf ist?“, fragte Jewgeni.
 

„Wer ohne Vorwarnung und ohne ersichtlichen Grund ein Raumschiff der Föderation unter Beschuss nimmt, hat nur ein Ziel: Eine Demonstration seiner Macht. Imperator Flyke hat mir den Fehdehandschuh hingeworfen, und bei allem was mir heilig ist, ich werde ihn aufnehmen.“
 

„Hat Commander McClusky nicht vorher einen Bericht ans Flottenoberkommando geschickt, und die Pläne des Imperators enthüllt? Denn dann hätte er Imperator Flyke einen triftigen Grund geliefert, die Kirow anzugreifen.“, wandte Jewgeni ein.
 

„Der Imperator kann nicht von Commander McClusky verlangen, dass er Starfleet Command die Invasionspläne des Imperators verschweigt. Eric McCluskys Loyalität hat in erster Linie der Föderation zu gelten.“
 

Auf dem Planeten Khyber
 

Fürst Gabor saß an seinem Schreibtisch in seinem Gemach in seinem Palast. Er hatte eine Verbindung zu Imperator Flyke hergestellt, um diesen über die letzten Entwicklungen in Kenntnis zu setzen.
 

„Was hast du für Neuigkeiten für mich, Gabor?“, fragte der Imperator.
 

„Es sind zwei weitere Föderationsschiffe hier eingetroffen. Die USS Titan und die USS Hiryū. Du musst sofort zurückkommen.“
 

„Das sind schlechte Neuigkeiten, die du da für mich parat hast.“, sagte Flyke.
 

„Das ist leider noch nicht alles. Aus einem abgefangenen Funkspruch geht hervor, dass der Bericht über deinen Angriff auf die Kirow inzwischen die Präsidentin der Föderation, Arikka, vom Volk der Ariantu, erreicht hat. Sie hat sich auf der Laconia eingeschifft und ist auf dem Weg hierher.“ 298

„Das passt mir gar nicht, Gabor. Denn wenn das stimmt, was man sich so über Präsidentin Arikka erzählt, dann ist mit ihr nicht gut Kirschen essen, wenn man sie raus fordert.“, sagte der Imperator.
 

„Und genau das hast du getan, als du die Kirow unter Beschuss genommen hast. Außerdem scheint dir entgangen zu sein, dass unser Planet an die Westgrenze des Föderationsterritoriums grenzt. Präsidentin Arikka wird alles tun, um zu verhindern, dass die territoriale Souveränität der Föderation bedroht wird.“
 

„Erzähl mir mal etwas, das ich nicht weiß, Gabor. Was gibt es sonst noch?“, sagte Imperator Flyke.
 

„Elianne ist mit einer kleinen Abordnung von uns Fürsten an Bord der Kirow. Fürstin Lysandra ist auch darunter.“
 

„Und?“, fragte der Imperator.
 

„Lysandra ist für uns wichtig. Wenn sie sich dafür entscheidet, Elianne zu unterstützen, dann wird es schwierig für uns Elianne aufzuhalten. Sie hat vor ein Beitrittsgesuch bei der Föderation einzureichen. Außerdem hat sie uns wissen lassen, dass unser Volk seit dem Tag deiner Ankunft den Warpantrieb hat.“
 

„Du musst das verhindern, Gabor. Notfalls putsche gegen Elianne.“, sagte Flyke.
 

„So einfach ist das aber nicht, Flyke. Die Mehrheit der Fürsten steht hinter Elianne. Darunter auch Korba und Gundolf. Und die beiden sind neben Lysandra die einflussreichsten Clanführer. Wir brauchen Lysandras Unterstützung, sonst haben wir verloren.“
 

„Und du glaubst, dass Lysandra nach der Führung auf der Kirow eher Elianne unterstützen wird?“, wollte Imperator Flyke wissen.
 

„Ausschließen will ich es nicht. Du darfst aber nicht vergessen, dass Elianne mit der erfolgreichen Erforschung des Warpantriebs innenpolitisch bei vielen Fürsten gepunktet hat. Uns bleibt erst mal nichts anderes übrig, als die weitere Entwicklung abzuwarten.“
 

„Hör zu Gabor. Das was ich dir jetzt sage, darf niemand erfahren. Schon gar nicht Elianne. Ich habe vor, neben Khyber auch den Planeten Arkon meinem Reich einzuverleiben.“, sagte der Imperator.
 

„Arkon ist aber ein vollwertiges Mitglied der Föderation.“
 

„WAS SAGST DU DA?“, brüllte Imperator Flyke Gabor an.
 

„Kein Grund so rumzubrüllen, Flyke. Oder willst du Etienne auf uns aufmerksam machen?“ 299
 

„Entschuldige bitte. Aber wiederhole bitte noch einmal, was du gerade eben gesagt hast, Gabor.“, sagte der Imperator.
 

„Arkon ist ein vollwertiges Mitglied der Föderation.“
 

„Seit wann?“, fragte Flyke aufgeregt.
 

„Seit dem 10. Juni 2379.“
 

„Mein Gott! Das ist ja schon über einen Monat her.“, sagte der Imperator fassungslos.
 

„Königin Daena ist der Föderation beigetreten nachdem die Kirow, das Schiff mit dem du auch Bekanntschaft gemacht hast, einen Despoten namens Exegol, vertrieben hat.“
 

„Dieser Vollidiot. Wenn ich den in die Finger kriege.“, sagte der Imperator.
 

„Das kannst du dir sparen. Die Kirow hat Exegol zusammen mit seinem Schiff vernichtet.“
 

„Schön, dass die Kirow für mich die Drecksarbeit erledigt hat.“, sagte Flyke.
 

„Das mag zwar stimmen Flyke. Aber wenn du deine Invasionstruppen auf Arkon landen lässt, dann wird Präsidentin Arikka dir die gesamte Flotte der Föderation auf den Hals hetzen. Und einen Krieg mit der Föderation kannst dir nicht leisten. Zumindest im Moment nicht.“
 

Der Imperator seufzte schwer. Er musste sich eingestehen, dass Fürst Gabor Recht hatte.
 

„In dem Punkt hast du wohl Recht, Gabor. Also gut. Ich gebe meine Pläne mit Arkon auf. Aber Khyber gehört mir.“, sagte Imperator Flyke.
 

„Alles wird so laufen, wie wir es geplant haben. Ich stelle Elianne und ihren Bruder kalt und ernenne mich selbst zum neuen Herrscher. Dann schließen wir uns dir an, und du hast neue Untertanen, die du besteuern kannst.“
 

„Gut. Sehr gut.“, sagte Flyke.
 

An Bord der Kirow
 

Die Besichtigungsgruppe hatte inzwischen die Brücke erreicht. Fürstin Lysandra hatte sich ganz beeindruckt von den vielen Freizeitmöglichkeiten, wie zum Beispiel dem Holodeck, gezeigt. Als Eric McClusky mit seinen Besuchern die Brücke betrat, kam Toprak, der taktische Offizier auf ihn zu.
 

„Commander, die Titan und die Hiryū haben backbord und steuerbord 300

von uns Position bezogen. Außerdem ist die Laconia unterwegs zu uns. Präsidentin Arikka hat sich dort eingeschifft.“, sagte der Klingone leise.
 

„Danke, Mister Toprak.“
 

Während Eric McClusky die Funktion der einzelnen Instrumente auf der Brücke erklärte beobachtete Elianne Fürstin Lysandra. War da nicht ein verliebter Blick in den grauen Augen der Fürstin? Fürs erste beschloss Elianne es dabei bewenden zu lassen, doch sie würde von an wachsam sein müssen. Denn wenn Fürstin Lysandra ihre Gefühle nicht im Griff hatte und wegen Liebeskummer den Kopf verlor, dann konnte das Ganze ein Fiasko werden. Und genau das galt es zu verhindern. Doch für Elianne stellte sich noch eine weitere Frage. Wenn Lysandra wirklich Liebesgefühle hegte, wem galten sie?
 

Am Ende der Führung nahm Eric McClusky Elianne noch einmal auf die Seite.
 

„Lady Elianne. Wir haben vor einigen Tagen ein Geschwisterpaar an Bord genommen. Könnten sie sich vielleicht bei Gelegenheit Zeit für die beiden nehmen und mit ihnen sprechen? Die beiden haben seit Jahrzehnten nichts anderes im Sinn.“, sagte er.
 

„Worum geht es, Commander?“
 

„Um Imperator Krull. Wieso fragt ihr, Mylady?“, sagte Commander McClusky.
 

„Weil wir auch Probleme mit ihm haben. Das Dumme ist nur, dass ich nichts gegen ihn unternehmen kann, solange ich keine Augenzeugenberichte habe. Aber wenn die beiden Geschwister etwas gesehen haben, dann bin ich gerne bereit mit ihnen zu reden.“
 

„Danke, Mylady.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

In Transporterraum 3 verabschiedete Eric McClusky seine Gäste. Als er Fürstin Lysandra die Hand gab, gab diese ihm einen Kuss auf die Wange.
 

„Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, Commander.“, sagte Lysandra.
 

„Ich würde mich freuen, Mylady.“
 

Elianne war der Kuss auf die Wange nicht entgangen. Auch nicht der verliebte Blick in Lysandras Augen. Also hatte sie sich in den ersten Offizier verguckt. Elianne musste sich eingestehen, dass Eric McClusky das gewisse Etwas hatte, was eine Frau faszinierte. Kein Wunder also, dass Lysandra Schmetterlinge im Bauch bekommen hatte. Doch Elianne entging auch nicht, der traurige Ausdruck in Eric McCluskys Gesicht, als er sich von Lysandra verabschiedete. Also hatte es ihn auch erwischt. Jetzt stellte sich die Frage, ob diese Romanze zwischen dem ersten Offizier der Kirow und Fürstin Lysandra Eliannes Zwecken dienlich war oder nicht.

„Computerlogbuch der Laconia, Captain Jewgeni Romanova Sternzeit 56382.4 neuer Eintrag: Gerade hat uns eine Subraumnachricht der Titan erreicht, die besagt, dass auf dem Planeten Khyber ein Clanfürst abtrünnig geworden ist. Unsere Kollegen konnten ein längeres Gespräch zwischen dem Verräter und Imperator Flyke mithören. Außerdem soll gegen Königin Elianne geputscht werden. Dies gilt es mit allen Mitteln zu verhindern.“
 

Jewgeni legte das Buch zur Seite. Dann wandte er sich an Catherine Rosenberg.
 

„Wie lange werden wir noch brauchen, bis wir unser Ziel erreichen, Miss Rosenberg?“, fragte Jewgeni.
 

„Bei jetziger Geschwindigkeit morgen.“
 

„Gut.“, sagte Jewgeni.
 

Sein erster Offizier, Jack Striker, wandte sich an ihn.
 

„Was meinen sie, Captain, was uns auf Khyber erwartet?“, fragte der erste Offizier der Laconia.
 

„Wenn ich das wüsste, wäre ich Hellseher, Nummer eins.“
 

„Glauben sie, dass Imperator Flyke anwesend sein wird, Captain? Immerhin hat Fürst Gabor seine sofortige Rückkehr verlangt.“, sagte Commander Striker.
 

„Das hängt davon ab, wie schwer die Schäden sind, die die Kirow an Flykes Schiff angerichtet hat, Mr. Striker.“
 

„Aus Commander McCluskys Bericht geht hervor, dass das Schiff ziemlich übel zugerichtet wurde.“, sagte Jack Striker.
 

„Rechnen wir lieber damit, dass Imperator Flyke vor Ort ist, wenn wir Khyber erreichen.“
 

An Bord der Ventress
 

Imperator Flyke war sauer. Nichts war so gelaufen, wie er es geplant hatte. Eigentlich hätte Gabor, seine rechte Hand vor Ort, auf Khyber an der Macht sein sollen. Doch stattdessen hatte man die Anführerin der Drath Legion, Elianne bevorzugt. Ausschlag gebend für diese Entscheidung war Fürstin Lysandras jüngste Schwester Inara gewesen, die jetzt im Kerker von Gabors Palast eingesperrt war. Seitdem hatte Lysandra immer getan, was Gabor wollte. Doch jetzt drohte die Fürstin wieder wankelmütig zu werden. Aber warum? Gabor hatte die Vermutung, dass der erste Offizier der Kirow, Eric McClusky, etwas damit zu tun hatte. Und auf den war Imperator Flyke ohnehin schlecht zu sprechen, hatte er doch dafür gesorgt. Dass Flyke seine Invasion auf Khyber hatte abbrechen müssen. Und nicht bloß deswegen. Commander 301

McClusky hatte die Expansionspläne des Imperators an die Föderation verraten. Auf die verbale Auseinandersetzung mit Präsidentin Arikka, die zwangsläufig folgen musste, konnte der Imperator getrost verzichten. Doch leider reiste die Föderationspräsidentin auf der Laconia mit, und würde bald eintreffen. Er hatte also keine Wahl. Und zu allem Übel hatte Arikka der Kirow auch noch die Föderationsschiffe Titan und Hiryū als Verstärkung geschickt. Gegen diese Übermacht konnte er nichts ausrichten.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky saß auf dem Platz in der Mitte. Neriah Kahn, die links von ihm saß, fiel auf, dass er geistesabwesend war. Er hatte auch gar nicht mitbekommen, dass mit der Maranga IV und der Krios Prime zwei klingonische Schiffe eingetroffen waren. Der Trill war klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie musste etwas unternehmen, und zwar schnell. Neriah vermutete Liebeskummer. Wenn Commander McClusky verliebt war, stellte sich die Frage, wer die glückliche war. Und diese Frage konnte nur Eric McClusky selbst beantworten. Neriah stand auf und verließ die Brücke. Eric McClusky sah ihr nach und kratzte sich voller Verwunderung am Kopf.
 

Im an die Kommandobrücke angrenzenden Besprechungsraum aktivierte sie ihren Kommunikator.
 

„Miss Bond, kommen sie bitte umgehend in den Besprechungsraum.“, sprach die Trill in das kleine Gerät.
 

„Bin schon unterwegs.“
 

Kurze Zeit später betrat die Sicherheitschefin der Kirow den Raum.
 

„Wo brennts denn?“, fragte sie.
 

„Setzen sie sich.“
 

Als Jennifer Bond Platz genommen hatte, nannte Neriah den Grund.
 

„Miss Bond, ich möchte sie bitten, vorübergehend das Kommando zu übernehmen. Ich muss meinen Pflichten als Counselor nachkommen.“, sagte die Trill.
 

„Verstehe. Aber warum ich? Gibt es ein Problem, von dem ich was wissen sollte?“
 

„Nun, Commander Bond, unser „Problem“ sitzt auf dem Platz in der Mitte.“, sagte die Counselor.
 

„Commander McClusky?“

301

„Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, Commander. Seit dem die Besichtigungsgruppe an Bord war, hat sich Eric auffallend verändert. Er ist oft mit den Gedanken überall, nur nicht da, wo er sein sollte. Haben sie eine Ahnung, was passiert sein könnte?“, sagte Neriah.
 

„Es ist nur eine Vermutung, Counselor, aber ich würde darauf tippen, dass Commander McClusky bis über beide Ohren verliebt ist.“
 

„Dann deckt sich ihre Einschätzung mit meiner. Aber wer könnte es sein? Jemand aus der Crew?“, sagte Neriah.
 

„Nein, Counselor, definitiv nicht. Es ist jemand aus der Besichtigungsgruppe.“
 

„Sind sie sicher, Miss Bond?“, fragte die Trill.
 

„So sicher, wie man sich nur sein kann, Counselor.“
 

„Haben sie eine Ahnung, wer Commander McClusky so den Kopf verdreht haben könnte?“, fragte die Counselor die Sicherheitschefin.
 

„Ich weiß es. Unter den Besuchern war eine Brünette mit einer ziemlich üppigen Oberweite. Die konnte man gar nicht übersehen. Sie und Commander McClusky haben sich die ganze Zeit über angesehen. Und am Ende, hat sie dem Commander einen Kuss auf die Wange gegeben.“
 

„Ja, ich erinnere mich. Fürstin Lysandra. Zugegeben, sie ist faszinierend. Aber stille Wasser gründen tief, Miss Bond.“, sagte die Trill.
 

„Ich weiß, was sie meinen, Counselor. Soll ich Commander McClusky unter Arrest stellen?“
 

„Nein, Commander Bond. Zumindest noch nicht. Lassen sie mich erst mit Commander McClusky sprechen. Dann setzen wir uns noch mal zusammen.“, sagte Neriah Kahn.
 

„In Ordnung.“
 

„Gehen sie auf die Brücke und lösen sie Commander McClusky ab. Sagen sie ihm, dass ich ihn gerne sprechen möchte. Aber kein Wort, dass wir miteinander gesprochen haben.“, sagte die Counselor.
 

„Geht klar.“
 

Kurze Zeit später betrat Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow, den Besprechungsraum.
 

„Setzen sie sich Eric.“, sagte Neriah.

302

„Commander Bond, sagte, dass sie mich sprechen wollen. Worum geht es?“
 

„Ich mache mir ernsthafte Sorgen um sie, Eric. Seit die Besichtigungsgruppe hier an Bord war, sind sie nicht mehr derselbe. Sie sind oft mit den Gedanken woanders. Nur nicht da wo sie sein sollten.“, sagte Neriah.
 

„Dazu muss man sagen, dass mir noch nie eine so atemberaubend schöne Frau begegnet ist, wie Fürstin Lysandra.“
 

„Dass sie attraktiv ist, habe ich selbst bemerkt, Eric. Was mir aber Sorgen bereitet, ist, dass Fürstin Lysandra sie für ihre eignen Zwecke benutzen könnte. Seien sie um Himmels Willen vorsichtig, Eric. Lassen sie sich nicht von Lysandra ausnutzen.“, mahnte Neriah.
 

„Ich weiß sehr wohl, worauf sie hinaus wollen, Neriah. Keine Angst, ich werde vorsichtig sein. Vielleicht ist es besser, wenn ich mal Pause mache.“
 

„Das hätte ich ihnen ohnehin geraten, Eric. Sie brauchen einen klaren Kopf. Und im Moment sind sie weit entfernt davon.“, sagte Counselor Kahn.
 

„Ja, ich weiß, Neriah. Aber heute Morgen habe ich eine persönliche Nachricht von Fürstin Lysandra erhalten, die mir Sorgen bereitet. Ich lasse sie ihnen zukommen. Und dann sagen sie mir bitte, was sie davon halten.“
 

In Lysandras Palast
 

Lysandra hatte sich in den Garten ihres Palastes zurückgezogen. Dort hatte sie ihren Lieblingsplatz aufgesucht. Den Pavillon im Rosengarten. Dort ging sie immer hin, wenn sie melancholisch wurde. So wie jetzt. Lysandra wusste nicht, was mit ihr los war. Denn seit sie Commander McClusky das erste Mal begegnet war, hatte sie ihn nicht mehr vergessen können. Ja, sie sehnte sich sogar nach ihm. Dieser Mann hatte ihr so den Kopf verdreht, dass sie nicht mehr in der Lage war, klar zu denken. Obwohl, Lysandra musste zugeben, dass der Commander durchaus etwas an sich hatte, dass eine Frau faszinieren konnte.
 

Sie wusste, dass sie nun gefährlich lebte. Denn wenn Fürst Gabor herausfand, dass sie Gefühle für einen anderen Mann hegte, dann würde er dies mit Sicherheit dem Tribunal melden. Zuzutrauen war ihm das allemal. Doch was sollte sie tun? Wenn sie ihren Gefühlen nachgab verlor sie womöglich ihre Schwester und landete selbst im Kerker. Wenn sie nun aber weiter zu Gabor hielt, wandte sich vielleicht dieser hübsche Sternenflottenoffizier von ihr ab. Und sie wollte ihn um nichts in der Welt verlieren. Lysandra spürte, wie eine Träne ihre Wange hinab lief. Es war schon eine gefühlte Ewigkeit her, dass sie geweint hatte. Nicht mehr seit dem Tod ihrer Mutter.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky saß in seinem Quartier und las sich einmal mehr den Anhang 303

Von Lysandras Nachricht durch. Er wusste, dass es sich um einen Liebesbrief handelte. Und Eric wusste auch, dass die Fürstin eine entsprechende Antwort von ihm erwartete. Doch wie sollte er das bewerkstelligen? Er hatte noch nie einen solchen Brief geschrieben. Doch in seiner Teenagerzeit hatte er das eine oder andere Liebesgedicht verfasst. Vielleicht konnte er damit punkten. Eric McClusky schnappte sich ein Blatt Papier und einen Stift und fing an zu schreiben.
 

Auf der Brücke der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht einging.
 

„Commander Bond, wir wurden kontaktiert.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Gabors Gesicht. Jennifer Bond sah in ein rundes Gesicht mit gelben Augen, einer Hakennase und weißen Haaren. Das markante Doppelkinn fiel der Sicherheitschefin der Kirow sofort auf.
 

„Wer sind sie denn?“, fragte Gabor streng.
 

„Lieutenant Commander Jennifer Bond. Ich bin die Sicherheitschefin hier auf der Kirow. Mit wem habe ich die Ehre?“
 

„Ich bin Fürst Gabor. Wo ist Commander McClusky?“, sagte der Fürst.
 

„In seinem Quartier.“
 

„Holen sie ihn her. Und zwar sofort.“, sagte Gabor.
 

„Ich würde gerne wissen warum.“
 

„Ich habe ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Ihr sauberer Commander hat einer einflussreichen Fürstin schöne Augen gemacht und ihr den Kopf verdreht.“, sagte Gabor.
 

„Ich werde nichts dergleichen veranlassen, Mylord. Lassen sie Commander McClusky in Ruhe. Kirow Ende.“
 

Kaum hatte Jennifer die Verbindung zu diesem Ekel getrennt, da hob Keiko erneut den Kopf.
 

„Ich habe Lady Elianne für Commander McClusky, Miss Bond.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“

304

Auf dem großen Schirm erschien nun das Gesicht von Königin Elianne. Die Anführerin der Drath Legion war überrascht, die Sicherheitschefin der Kirow auf dem Platz in der Mitte sitzen zu sehen.
 

„Mylady.“, begann Jennifer Bond das Gespräch.
 

„Commander Bond.“
 

„Wie kann ich ihnen helfen, Königin Elianne?“, fragte Jennifer Bond.
 

„Eigentlich hatte ich Commander McClusky erwartet. Können sie mir sagen, wo er ist?“
 

„Er hält sich zurzeit in seinem Quartier auf. Der Commander hat sich vorübergehend vom Dienst freistellen lassen.“, sagte die Sicherheitsoffizierin.
 

„Verstehe. Darf ich fragen, warum der Commander diese Freistellung beantragt hat?“
 

„Sie dürfen. Commander McClusky ist momentan mit seinen Gedanken ganz woanders. Nur nicht bei unserer Mission. Aber ich würde gerne wissen, weswegen sie mit ihm sprechen wollten.“, sagte Commander Bond.
 

„Zum einen wollte ich ihn fragen, ob es möglich ist, das Gespräch mit den Geschwistern bei ihnen auf der Kirow zu führen. Und zum anderen wollte ich ihm mitteilen, dass Fürstin Lysandra romantische Gefühle für ihn hegt.“
 

„Da scheinen sich zwei gesucht und gefunden zu haben, Mylady.“, sagte Jennifer.
 

„Das würde bedeuten…“
 

„Dass sich Commander McClusky in die Fürstin verliebt hat und umgekehrt.“, sagte die Sicherheitsoffizierin.
 

„Das erklärt alles, Lieutenant Commander. Hoffentlich weiß Fürst Gabor noch nichts davon.“
 

„Warum denn dieses?“, fragte Jennifer.
 

„Weil er sonst Lysandras Schwester Inara exekutieren lässt. Lysandra hat Commander McClusky darüber in einer persönlichen Nachricht in Kenntnis gesetzt.“
 

„Ich befürchte, dass Fürst Gabor bereits Kenntnis von der Liebe zwischen Fürstin Lysandra und Commander McClusky Kenntnis erlangt hat.“, sagte Jennifer Bond.

305

„Woher wissen sie das?“
 

„Weil ich vor zwei Minuten ein Gespräch mit Fürst Gabor geführt habe, in dem er mich genau das hat wissen lassen.“, sagte die Sicherheitsoffizierin der Kirow.
 

„Aber er hat ihnen nicht gesagt, wie er das rausgefunden hat?“
 

„Leider nein. Haben sie vielleicht eine Ahnung, Mylady?“, fragte Jennifer.
 

„Es gibt nur wenige Personen in Lysandras engstem Kreis, die Kenntnis davon haben können.“
 

„Aber wer?“, fragte Lieutenant Commander Bond.
 

„Eine ist Lysandras Schwester Aurora. Und für die lege ich meine Hand ins Feuer.“
 

„Wer sonst noch?“, fragte Jennifer Bond.
 

„Der nächste, der mir einfällt, ist Vorla, der Leiter von Lysandras Sicherheitsdienst.“
 

„Was ist mit ihm? Könnte er der Verräter sein?“, fragte Jennifer.
 

„Seine Familie steht Fürst Gabor sehr nahe. Es ist also denkbar.“
 

„Na schön. Ich werde mich mit Counselor Kahn und Commander McClusky zusammensetzen. Sie hören von mir. Kirow Ende.“, saget Jennifer.
 

Kaum hatte Jennifer Bond das Gespräch beendet, da meldete sich der taktische Offizier der Kirow, Toprak, der Klingone, zu Wort.
 

„Lieutenant Commander, unsere achteren Sensoren haben ein Föderationsschiff geortet.“, sagte er.
 

„Welches, Mister Toprak?“
 

„Es ist die Bellerophon, Miss Bond.“, sagte Toprak.
 

„Computerlogbuch der Kirow, Neriah Kahn, Counselor Sternzeit 56385.1 neuer Eintrag: Gerade ist die Laconia eingetroffen. Ich habe Commander McClusky darüber informiert, und den Transfer von Präsidentin Arikka auf unser Schiff angekündigt. Hoffen wir, dass Commander McClusky sich einigermaßen im Griff hat, wenn die Präsidentin hier eintrifft.“
 

Eric McClusky wartete in Transporterraum 2 auf die Präsidentin. Er war hin- und her gerissen. Auf der einen Seite wollte er bei der Raumflotte der 306

Föderation weiter die Karriereleiter hinauf klettern. Auf der anderen Seite wollte er Lysandra nicht verlieren. Eric McClusky hatte sich zwangsläufig eingestanden, dass er noch nie eine Frau so geliebt hatte, wie die Fürstin. Alles an ihr faszinierte ihn. Ihre wunderschönen grauen Augen, ihr hübsches Gesicht. Ihre brünetten Haare, die bis zu ihrer Hüfte reichten. Dazu dieses zauberhafte Lächeln. Das alles hatte ausgereicht um Eric McClusky fast um den Verstand zu bringen.
 

Die Präsidentin materialisierte. Eric McClusky nahm sofort Haltung an, als Präsidentin Arikka von der Plattform kam.
 

„Madam President. Willkommen auf der Kirow.“, sagte Commander McClusky.
 

„Stehen sie bequem, Commander.“
 

„Danke, Madam President.“, sagte Eric McClusky.
 

„Wo können wir miteinander reden, Commander?“
 

„Im Besprechungsraum, Madam President.“
 

„Dann bitte. Nach ihnen, Commander.“
 

Im Besprechungsraum kam Präsidentin Arikka zur Sache.
 

„Commander, es haben mich Besorgnis erregende Berichte erreicht, dass sie etwas neben der Spur sind.“, begann die Präsidentin das Gespräch.
 

„Ich mache mir Sorgen, Madam President.“
 

„Worüber, Commander McClusky?“, wollte Arikka wissen.
 

„Um das Wohlergehen einer der hiesigen Fürstinnen. Sie hat mir eine Nachricht zukommen lassen, deren Inhalt ebenfalls Besorgnis erregend ist.“
 

„Worauf wollen sie hinaus?“, fragte die Präsidentin weiter.
 

„Madam President, wir haben hier auf Khyber einen nicht zu unterschätzenden Gegenspieler, der mit Imperator Flyke unter einer Decke steckt. Ein Mann namens Gabor. Nach allem, was wir über ihn in Erfahrung bringen konnten, ist er sehr gefährlich und schreckt auch vor Mord nicht zurück, wenn es seinen Zwecken dient.“
 

„Was tut er, um seine Ziele zu erreichen, Commander?“, fragte Präsidentin Arikka.

307

„Aus Lysandras Nachricht geht hervor, dass Gabor ihre jüngste Schwester Inara als Geisel hält. Aber das ist noch nicht alles. Er droht Lysandra damit Inara zu exekutieren, sollte sie sich ihm wiedersetzen.“
 

„Verstehe. Und sie wollen Lysandra helfen, Commander?“, fragte Arikka.

„Sofern es mit meinen Dienstvorschriften vereinbar ist, ja.“
 

„Lieben sie Lysandra, Commander?“, fragte die Föderationspräsidentin.
 

Eric McClusky zuckte zusammen. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet.
 

„Aus ihrer Reaktion schließe ich, dass die Antwort „JA“ lautet. Keine Angst Commander McClusky. Ihr kleines Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben. Aber setzen sie bitte rechtzeitig ihre Vorgesetzte davon in Kenntnis. Haben sie schon einen Plan?“, sagte Arikka.
 

„Ich muss vorsichtig sein. Denn Fürst Gabor fordert meinen Kopf, auch wenn er es nicht so gesagt hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich als Rivalen um Lysandras Gunst sieht.“
 

„Was meinen sie, was passieren würde, wenn Gabor sein Ziel erreicht?“, fragte Arikka.
 

„Khyber würde an den Imperator fallen. Und dann hätten wir keine Garantie, dass Flyke Arkon nicht doch angreift.“
 

„Habe ich sie eben richtig verstanden, Imperator Flyke hat es auch auf unser jüngstes Mitglied abgesehen, Commander McClusky?“, fragte Präsidentin Arikka nach.
 

„Zumindest hatte er vor, sich Arkon unter den Nagel zu reißen. Bis Exegol aufgetaucht ist, und den Planeten bombardiert hat.“
 

„Jetzt wird mir einiges klar. Exegol hat Königin Daena und ihr Volk in unsere Arme getrieben. Wissen sie, wann der Imperator zurückkommt?“, sagte Arikka.
 

„Bedauere. Aber diese Frage muss ich verneinen, Madam President.“
 

An Bord der Ventress
 

„Mylord, wir können nach Khyber aufbrechen. Alle Schäden sind repariert.“, hörte Flyke die Stimme seines Chefingenieurs.
 

„Das ging ja schneller, als ich erwartet hatte. Aber jetzt sollten wir uns auf den Weg machen.“
 

Der Orbit um den Planeten Khyber 24. Juni 2379 20:00 Uhr 308
 

Als die Ventress Khyber erreichte, sah der taktische Offizier von seiner Konsole auf.
 

„Mylord, unsere Sensoren haben fünf Raumschiffe der Föderation und zwei Schiffe des klingonischen Imperiums geortet. Sie haben die Schilde

und die Waffensysteme aktiviert.“, sagte er.
 

„Jemand muss denen verraten haben, dass wir kommen.“
 

Als die Ventress ihre Position eingenommen hatte, befahl Imperator Flyke die Invasionstruppen bereit zu machen. Was er aber nicht wusste war, dass Elianne bereits Beitrittsverhandlungen mit Präsidentin Arikka führte. Außerdem hatte Eric McClusky entschieden, Lysandras Schwestern Aurora und Inara an Bord der Kirow zu bringen. Gabor selbst wusste nichts davon.
 

Doch Gabor wusste um die Liebe zwischen Fürstin Lysandra und Eric McClusky. Und diese war ihm ein Dorn im Auge. Nur weil Lysandra ihre Gefühle wegen diesem Sternenflottenoffizier nicht mehr unter Kontrolle hatte, hatte sie einen schwerwiegenden Fehler begangen, indem sie Eliannes Beitrittspläne offen unterstützt hatte. Nun würde Inara sterben müssen. Und nach ihr Lysandras zweite Schwester Aurora.
 

Gabor machte sich gerade fertig, um im Gerichtsgebäude von Khyber City das Tribunal einzuberufen, dem er die Ehre hatte vorzusitzen, als der Leiter seines persönlichen Sicherheitsdienstes sein Arbeitszimmer betrat.
 

„Was gibt es, Demmis?“, fragte Gabor.
 

„Euer Exzellenz, ich habe gerade die Meldung erhalten, das Prinzessin Inara spurlos verschwunden ist.“
 

„WAS?????“, brüllte Fürst Gabor.
 

„Mylord, ich habe die traurige Pflicht euch über das spurlose Verschwinden von Prinzessin Inara zu unterrichten.“
 

Gabor ließ sich vor Entsetzen in seinen Sessel fallen. Inara verschwunden! Und wenn sie schon verschwunden war, dann mit Sicherheit auch Lysandras zweite Schwester Aurora. Dahinter steckte doch mit Sicherheit dieser Föderationsoffizier!
 

In Lysandras Palast
 

Lysandra weinte. Sie vermisste nicht nur ihre Schwestern, sondern auch ihren Liebsten. Eric McClusky, den ersten Offizier der Kirow. Außerdem hatte sie Angst. Angst um ihr eigenes Leben. Denn Fürst Gabor hatte ihr durch Bote mitteilen lassen, dass er sie vor das Tribunal stellen würde. Und das würde mit Sicherheit den Tod für sie bedeuten. 309
 

Rasch änderte Lysandra die Codes zu ihren privaten Gemächern und sicherte die Türen mit zusätzlichen elektronischen Sicherheitsschlössern. Danach stellte sie eine abhörsichere Verbindung zu Eliannes Büro her, und war überrascht, den Bruder der Königin zu sehen.
 

„Fürstin Lysandra.“, begann Etienne das Gespräch.
 

„Seid gegrüßt. Ich hatte eigentlich gehofft, eure Schwester sprechen zu können.“
 

„Elianne weilt zurzeit an Bord der Kirow und verhandelt mit Föderationspräsidentin Arikka über einen Beitritt unseres schönen Planeten. Kann ich euch weiterhelfen?“, fragte Eliannes Bruder Lysandra.
 

„Mein Leben ist in Gefahr, Etienne. Fürst Gabor hat mir durch Boten mitgeteilt, dass ich vor das Tribunal gestellt werde. Und dort hat er den Vorsitz. Wir beide wissen, was das für mich bedeutet.“
 

„Was wirft Gabor euch vor, Fürstin?“, wollte Etienne wissen.
 

„Hochverrat.“
 

Ein ziemlich schwerwiegender Vorwurf. Dennoch ist es euer Verdienst, dass meine Schwester nun in der Lage ist, Beitrittsverhandlungen mit der Föderation zu führen.“, sagte Etienne.
 

„Wird Königin Elianne mich schützen?“
 

„Ich denke, das versteht sich von selbst, Lysandra. Ihr habt nicht nur die Position meiner Schwester gestärkt, sondern habt mir mit diesem Gespräch den entscheidenden Beweis geliefert, den ich brauche, um Gabor festzunehmen.“, sagte Eliannes Bruder.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht eintraf.
 

„Commander, wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Eliannes Bruder Etienne.
 

„Sind sie Commander McClusky?“, fragte Etienne.
 

„Der bin ich. Mit wem habe ich die Ehre?“ 310
 

„Wir wurden uns bisher nicht vorgestellt, Commander. Aber ihr kennt meine Schwester Elianne. Ich bin ihr Bruder Etienne.“, sagte Eliannes Bruder.
 

„Darf ich fragen, warum sie uns kontaktiert haben?“
 

„Sie dürfen, Commander. Es geht um Fürstin Lysandra.“, sagte Etienne. Eric McCluskys Herz schlug schneller.
 

„Was ist mit ihr?“, fragte er.
 

„Ihr Leben ist in Gefahr, Commander.“
 

„L- Liegt sie im Sterben?“, fragte Eric.
 

„So schlimm ist es Gott sei Dank nicht, Commander. Aber ihr Leben wird bedroht.“
 

„Von wem?“, fragte der erste Offizier der Kirow.
 

„Von Fürst Gabor. Er hat vor, Fürstin Lysandra vor das Tribunal zu bringen und wegen Hochverrat anzuklagen.“
 

„Welches Strafmaß hätte Lysandra im Falle einer Verurteilung zu erwarten, Mylord?“, fragte Eric McClusky.
 

„Die Todesstrafe, Commander McClusky. Und da Fürst Gabor dem Tribunal vorsitzt, wird er ein solches Urteil über die Fürstin fällen.“
 

„Lässt sich das verhindern, Mylord?“, fragte Commander McClusky.
 

„Sicher. Sie müssten Lysandra nur auf die Kirow holen.“
 

„Wenn es weiter nichts ist. Ich werde das sofort veranlassen. Aber wenn sie Fürst Gabor verhaften, wäre ich gerne dabei.“, sagte Commander McClusky.
 

„Gerne. Wie sagt man bei euch auf der Erde? Eine Hand wäscht die andere.“
 

Nach dem Gespräch mit Etienne aktivierte Eric McClusky seinen Kommunikator.
 

„Brücke an Transporterraum2.“, sprach er in das kleine Gerät.
 

„Hier Chief O Shane. Ich hör sie klar und deutlich, Commander.“
 

„Bereiten sie alles für den Transfer einer weiblichen Person auf unser Schiff vor.“, sagte Commander McClusky.
 

„Wen genau, Commander?“

311

„Fürstin Lysandra.“, sagte Eric.
 

„Verstanden. Sie hören von mir, wenn alles bereit ist.“
 

„Danke, Mister O Shane.“, sagte Eric McClusky.

An Bord der Ventress
 

Imperator Flyke hatte die Fingerspitzen seiner Hände aneinander gelegt und die Augen geschlossen. Das tat er immer, wenn er nachdachte. Fürst Gabor drohte außer Kontrolle zu geraten. Denn er hatte vor, Lysandra wegen Hochverrats anzuklagen und zum Tode zu verurteilen. Obwohl der Imperator Gabors Handlungsweise durchaus nachvollziehen konnte. Immerhin hatte Fürstin Lysandra Gabor im entscheidenden Augenblick fallen gelassen und sich Elianne angeschlossen. Dass Gabor sich von der Fürstin verraten und gekränkt fühlte, war durchaus nachvollziehbar. Aber in Flykes Augen rechtfertigte dies kein Todesurteil. Was die Sache noch zusätzlich verkomplizierte, war die Tatsache, dass Elianne bereits Beitrittsverhandlungen mit Arikka, der Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten, führte. Und so etwas konnte Flyke so unnötig brauchen wie Leibweh.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McClusky saß auf dem Platz, auf dem normalerweise seine Vorgesetzte Jekaterina Romanova saß. Er wartete auf Shawn O Shanes Nachricht, dass alles bereit war, Fürstin Lysandra, die Frau, die er über alles liebte, an Bord beamen zu können. Auf dem großen Schirm konnte er Imperator Flykes Schiff die ISS Ventress sehen. Das Schiff war 250 Meter lang und besaß einen schlanken Vorderteil. An der Stelle, an der der Rumpf in die breiteste Stelle überging befand sich die Brücke. Auf diesem Modul befand sich eine Antenne. Auf einem zweiten Modul eine zweite. Am Heck der Ventress war eine mächtige Strahlenkanone montiert. Auf der Rumpfunterseite konnte Eric McClusky schwenkbare, schwere Lasertürme erkennen. Verglichen Mit der Hensa-Klasse der Trakener, war die Ventress ein ganz anderes Kaliber. Auch wenn sie über weniger Geschütze verfügte, war sie wegen ihrer starken Panzerung ein schwerer Gegner.
 

Präsidentin Arikka kam auf die Brücke. Eric McClusky nahm sofort Haltung an und salutierte.
 

„Stehen sie bequem Commander.“, sagte Arikka.
 

„Danke, Madam President.“
 

In diesem Augenblick hob Keiko den Kopf.
 

„Commander McClusky, ich habe gerade eine Nachricht von der Ventress empfangen.“, sagte sie.

312

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Imperator Flyke.
 

„Madam President, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber ich

muss von ihnen den sofortigen Rückzug aller Föderationsschiffe und ihrer Verbündeten einfordern und diesen Planeten mir zu überlassen.“, sagte der Imperator.
 

„Imperator Flyke, ich muss ihnen zu meinem größten Bedauern mitteilen, dass ich nicht gewillt bin, ihrer Forderung auch nur im Geringsten nachzukommen.“
 

„Madam President, ich bitte sie eindringlich. Nehmen sie Vernunft an und geben sie den Planeten auf. Sie würden ein unnötiges Blutvergießen verhindern.“, sagte Imperator Flyke.
 

„Damit sie vor unserer Haustür ungestraft ihr Unwesen treiben können? Eher friert die Hölle zu, als dass ich ihnen Khyber kampflos überlasse.“
 

„Nun, Madam President, da sie vernünftigen Argumenten in keinster Weise zugänglich sind, muss ich wohl oder übel einen härteren Ton anschlagen. Ich untersage ihnen hiermit mit Nachdruck Beitrittsverhandlungen mit einer Kolonie meines Imperiums aufzunehmen.“, sagte Flyke.
 

„Die Verhandlungen laufen bereits.“
 

„Ich verlange von ihnen, dass sie die Verhandlungen ohne wenn und aber abbrechen.“, sagte der Imperator aufgebracht.
 

„So kurz vor dem Abschluss? Auf gar keinen Fall.“
 

Imperator Flyke seufzte schwer.
 

„Madam President, ich hatte gehofft, dass wir uns irgendwie einigen könnten. Aber sie haben mir mehr als deutlich klar gemacht, dass sie an keiner friedlichen Koexistenz interessiert sind. Ventress Ende.“
 

Im nächsten Augenblick erzitterte die Kirow, als eine Salve aus den schweren Lasertürmen das Schiff traf.
 

„Feuer erwidern, Mister Toprak.“, befahl Eric McClusky.
 

„Aye, Commander.“
 

Die Kirow erwiderte das Feuer mit einer Salve aus ihren Phasern. Auch die Laconia und die anderen drei Föderationsschiffe feuerten auf die Ventress. Flykes Schiff wehrte sich tapfer gegen diese Übermacht, nur um am Ende mit wehender Fahne unterzugehen. Die Ventress wurde durch die 313

Explosion in zwei Teile gerissen, die auf die Planetenoberfläche stürzten. Eines davon, nämlich der Bug, landete in Fürst Gabors prächtigem Garten im Seerosenteich.
 

Der böse Fürst saß gerade in seinem Arbeitszimmer und ging einige Dokumente durch, die zu unterzeichnen waren. Diese waren in zwei Stapel aufgeteilt. Links von ihm lagen diverse Pfändungsurkunden. Er liebte es die Leute aus ihren Häusern zu jagen und sich diese selbst anzueignen. Auf der rechten Seite lagen die Todesurteile. Diese armen Teufel hatten es gewagt, sich gegen ihn zu erheben. Nun mussten sie die Konsequenzen tragen. Alles in allem schien es mal wieder ein guter Tag zu werden. Denn mit jedem vollstreckten Todesurteil fiel der gesamte Besitz des Verurteilten automatisch an ihn, Fürst Gabor. Gabor sah auf, als sein persönlicher Sekretär den Raum betrat.
 

„Was gibt es, Korlak?“, fragte Gabor.
 

„Herr, ich bringe schlechte Neuigkeiten.“
 

„Wie schlecht?“, fragte der Fürst.
 

„Sehr schlecht, Herr.“
 

„Was ist passiert, Korlak?“, wollte Gabor wissen.
 

„Die Ventress wurde zerstört.“
 

Fürst Gabor wurde kreidebleich.
 

„Gab es Überlebende?“, fragte er.
 

„Nein, Herr.“
 

„Lass mich allein.“, sagte Gabor.
 

Gabors Sekretär verneigte sich und verließ den Raum. Der Fürst selbst stand unter Schock. Sein Freund, Imperator Flyke, den er immer so bewundert hatte, tot. Und es gab nur einen, der den Imperator auf dem Gewissen haben konnte. Es war Eric McClusky, der erste Offizier der Kirow. Derselbe Mann, der auch Fürstin Lysandra verführt hatte.
 

An Bord der Kirow
 

Eric McCluskys Kommunikator zirpte.
 

„Transporterraum 2 an Brücke.“, vernahm Eric Chief O Shanes Stimme.
 

„Ich höre sie klar und deutlich, Mister O Shane.“

314

„Es ist alles bereit zum beamen, Commander.“, sagte Shaun o Shane.
 

„Energie.“
 

„Ja, Sir.“, sagte der Ire.
 

Keine zwei Minuten später kam die Bestätigung.
 

„Transporterraum 2 an Brücke. Transfer erfolgreich. Fürstin Lysandra befindet sich an Bord.“, sagte Shaun O Shane.
 

„Danke, Chief. Ich komme sofort.“
 

In Transporterraum 2
 

Lysandra war erleichtert. Endlich in Sicherheit. Sie stieg von der Plattform herunter. Sie hatte gerade die letzte Stufe hinter sich gebracht, da öffnete sich die Tür und Eric McClusky, der Mann, dem ihr Herz gehörte, betrat den Raum. Lysandras Gesichtszüge hellten sich auf. Am liebsten wäre sie auf ihren Liebsten zugerannt und hätte sich ihm in die Arme geworfen. Aber sie riss sich am Riemen. Stattdessen reichte sie Commander McClusky die Hand.
 

„Ich freue mich, sie wiederzusehen, Commander.“, sagte Lysandra.
 

„Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Mylady.“
 

Mit diesen Worten hauchte Eric McClusky Fürstin Lysandra einen Kuss auf ihre rechte Hand. Allein schon das reichte aus, um Lysandra einen wohligen Schauer den Rücken runterzujagen. Eric McClusky bat Fürstin Lysandra ihm zu folgen. Lysandra hakte sich bei ihm unter.
 

„Wohin gehen wir eigentlich, Commander? Wieder auf die Krankenstation?“, fragte Lysandra.
 

„Nur wenn sie irgendwelche Infektkrankheiten haben. Aber der Check vom letzten Mal war ja negativ.“
 

„Gut zu wissen. Sehen sie, ich habe eine ziemliche Angst vor Spritzen.“, sagte Lysandra.
 

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf?“
 

„Als kleines Kind ist mir beim Spielen mal die Kniescheibe rausgesprungen.“, sagte Lysandra.
 

„Autsch!“
 

„Vaters Leibarzt hat mich ohne Narkose punktiert. Seitdem hasse 315

ich Spritzen.“
 

„Würde mir genauso gehen.“
 

„Ich muss mich bei ihnen bedanken, Commander.“, wechselte Lysandra das Thema.
 

„Wofür denn?“
 

„Sie haben mich Fürst Gabors Klauen entrissen. Er hat vor, mich vor dem Tribunal wegen Hochverrat anzuklagen.“, sagte Fürstin Lysandra.
 

„Ich weiß. Eliannes Bruder hat uns darüber informiert.“
 

Lysandras Gesichtszüge verdüsterten sich.
 

„Kann Etienne, denn auch gar nichts für sich behalten?“, fragte sie schroff.
 

„Seien sie froh, dass er es getan hat. Sonst hätten wir sie nicht schützen können.“
 

„Das schon, Commander. Aber um welchen Preis.“, sagte Lysandra.
 

„Was meinen sie, Mylady?“
 

„Nun, da Gabor mich nicht anklagen kann, wird er meine Schwester Inara vor das Tribunal stellen. Und nach ihr meine andere Schwester Aurora.“, sagte Lysandra.
 

„Das soll Fürst Gabor ruhig versuchen. Er wird bald feststellen, das sein Schicksal besiegelt ist.“
 

Lysandra blieb stehen und sah Eric McClusky in die Augen.
 

„Wie darf ich das verstehen, Commander?“, fragte sie.
 

„Was glauben sie, wo Inara ist?“
 

„Im Kerker von Gabors Palast.“, sagte Lysandra.
 

„Da WAR sie. Aber wir haben sowohl sie, als auch Aurora an Bord geholt, bevor die Ventress eingetroffen ist.“
 

„Das würde ja bedeuten…“, begann Lysandra den nächsten Satz.
 

„Das Gabor nichts mehr gegen dich in der Hand hat, Babe.“
 

Lysandra umarmte Eric und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. 316

„Danke, Liebling.“, sagte sie.
 

„Schon okay. Bei uns auf der Erde sagt man „I´ ll have your back“.“
 

„Was heißt das, Eric?“, fragte Lysandra.
 

„Dass ich dir den Rücken freihalte, wenn du in Schwierigkeiten bist.“
 

Lysandra hob den Kopf und sah Commander McClusky in die Augen.
 

„Hör zu, Eric. Ich möchte nicht, dass du meinetwegen Ärger mit deinen Vorgesetzten bekommst. Das bin ich nicht wert.“, sagte sie dann.
 

In Gabors Palast
 

Gabor kochte vor Zorn. Lysandra war seinen Truppen entkommen. Natürlich hatte ihr der erste Offizier der Kirow, Commander Eric McClusky geholfen. Für diese Unverschämtheit sollte der Commander büßen. Das Dumme war halt nur, dass Commander McClusky von Präsidentin Arikka geschützt wurde. Dies war aus einem Gespräch mit der Föderationspräsidentin hervorgegangen. Und was das Ganze noch schlimmer machte, war die Tatsache, dass sein Vertrauter unter den Fürsten, Fürst Loknah, nach der Zerstörung der Ventress Suizid begangen hatte. Man hatte seine Leiche in der Bibliothek seines Palastes gefunden. Loknah hatte sich erschossen.
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56547.0 Commander Eric McClusky, erster Offizier neuer Eintrag: Fürst Gundolf hat uns kontaktiert, und uns mitgeteilt, dass Fürst Loknah, der Stammesfürst vom Clan der blauen Vogelspinne, Suizid begangen hat. Die Gründe dafür werden wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten. Heute Abend um 19:45 Uhr werden Königin Elianne und Präsidentin Arikka den Beitrittsvertrag unterzeichnen. Als ständige Vertreterin Khybers im Föderationsrat hat Elianne Lysandras jüngste Schwester Inara benannt. Lysandra selbst hat die Führung des Clans der roten Krabbe an ihre jüngere Schwester Aurora übergeben.“
 

„Counselor, sie übernehmen. Ich muss mich mal ein bisschen ausruhen. Ich will heute Abend fit sein, wenn der Vertrag unterschrieben wird.“, sagte Eric zu Neriah Kahn, der Counselor.
 

„Verstanden, Commander.“
 

In Commander McCluskys Quartier wanderte Lysandra auf und ab. Sie war nervös, weil sie nicht wusste, was die Zukunft für sie und Eric bereithalten würde. Würden sie es auf Dauer miteinander aushalten, oder würden sie sich irgendwann auseinanderleben? An einem Sideboard, das den Arbeitsbereich vom privaten Bereich trennte, entdeckte sie ein Foto, das Eric 317

McClusky mit zwei Frauen zeigte. Auf der Rückseite stand „In stillem Gedenken an meine verstorbene Schwester Amanda.“ Also war eine der beiden Frauen Amanda McClusky. Aber welche? Lysandra sah sich das Foto noch einmal an. Und dann sah sie es. Über dem Kopf der Frau in der Mitte war ein Kreuz. Und darunter ein Datum. 1.5.2376 war dort zu lesen. Also war Amanda an diesem Tag gestorben.
 

Lysandra stellte das Foto wieder an seinen Platz. Die Türhälften glitten auseinander und Eric McClusky kam herein. Lysandra ging auf ihn zu, umarmte ihn und beide rieben ihre Nasen zärtlich aneinander. Dann gaben sie sich einen liebevollen und zärtlichen Kuss.
 

„Alles in Ordnung, Liebling? Du siehst so traurig aus.“, sagte Lysandra.
 

„Schön wärs Lysandra. Seit einigen Tagen schlaf ich nicht mehr richtig, Babe. Mich plagen schlimme Träume.“
 

„Was bedrückt dich, Eric?“, fragte Lysandra.
 

„Du hast wahrscheinlich das Foto von mir und meinen Schwestern gesehen.“
 

Lysandra nickte stumm.
 

„Das links ist Brittany, meine ältere Schwester. Das Foto entstand 3 Tage vor Amandas Tod. Seitdem ist das Verhältnis zwischen mir und Brittany zerrüttet.“
 

„Warum?“, wollte Lysandra wissen.
 

„Brittany hasst mich.“
 

„Sie hasst dich?“, hakte Lysandra nach.
 

„Vor ungefähr sechs Jahren, da… da fing ich mit dem Klettern an. Das war eine Möglichkeit um Stress abzubauen und in Form zu bleiben. Amanda hat sich dann auch dafür interessiert. Wenn wir loszogen, dann… dann war immer was los. A-aber sie ist nicht so geübt wie ich gewesen. Ich weiß auch nicht. Als Lehrer war ich wohl nicht so besonders, hab sie immer getrieben. Nicht, dass sie auf mich gehört hätte. Sie war eine McClusky. Wir lassen uns nichts sagen.
 

Weißt du, was das witzige am Fallen ist? Es passiert so schnell. Und wenn das Seil einen auffängt, ist es, als wär nichts gewesen. Amandas Seil hat sie aber nicht aufgefangen. Es… ging alles so schnell. Brittany… gibt mir die Schuld an dem Unglück. Nur, falls du dich fragst, warum sie mich so hasst.“
 

„Du kannst nicht ewig vor den Dämonen deiner Vergangenheit davonlaufen, Eric. Früher oder später kommt der Zeitpunkt, wo du dich ihnen stellen, und das Gespräch mit Brittany suchen musst.“, sagte Lysandra.

318

Auf der Kirow 19:45 Uhr Bordzeit
 

Im großen Saal hatten sich alle eingefunden. Die Besatzungen der Schiffe, Die Präsidentin, die Fürsten und ihre Clans und Königin Elianne und ihr Bruder Etienne. Nur einer fehlte. Fürst Gabor. Er hatte sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen lassen. Doch die Personen, die in diese Angelegenheit involviert waren, wussten sehr gut, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Viel mehr wollte Gabor nicht den Moment von Eliannes größtem Triumph miterleben. Außerdem wussten viele, dass Lysandra und ihre Schwestern Aurora und Inara nun sehr gefährlich lebten.
 

Während der Zeremonie sah sich Eric McClusky im Raum um. Die erste Person, die ihm ins Auge fiel, war Inara, Khybers neue Repräsentantin im Föderationsrat. Inara war eine 1,62 m große Blondine mit grauen Augen. Ihre Haare trug sie offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Inara hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten Nase und hübsch anzusehenden Lippen. Inaras Körper war nicht zu dünn, hatte aber auch kein Gramm Fett zu viel. Bekleidet war Inara mit einem dunkelblauen, figurbetonenden Kleid und dunkelblauen Sandaletten mit goldenen Ornamenten.
 

Aurora war eine 1,78 m große Brünette mit einem ovalen Gesicht und braunen Augen. Auch sie hatte eine elegante Nase und ebenso hübsche Lippen, wie ihre Schwester Inara. Und genau wie sie, war auch Aurora mit einer üppigen Oberweite gesegnet. Auch Auroras Haare hatten dieselbe Länge, wie Inaras. Und genau wie bei Inara, hatte auch Lysandras jüngere Schwester einen Körper, der kein Gramm Fett zu viel hatte. Auch Aurora bevorzugte figurbetonende Kleidung. Allerdings zeigte sie mehr von ihren Beinen. Denn sie trug ein rotes Miniträgerkleid mit Spitzen am Dekollteansatz und rote Schuhe mit flachen Absätzen.
 

Außerdem konnte er seine Schwester Brittany in der Menge entdecken. Sie war eine 1,70 m große Brünette mit dauergewellten Haaren, die genauso lang waren, wie die von Lysandras Schwestern. Brittany hatte ein ovales Gesicht mit stechend blauen Augen. Ihre Nase war etwas zu breit geraten, aber ihre Lippen waren richtige Hingucker. Eric wusste, dass Brittany einen Modelkörper hatte, den sie auch gerne hinter figurbetonenden Kleidern verpackte. An diesem Abend trug sie ein bordeauxrotes Abendkleid mit einem tiefen Beinausschnitt und schwarze High Heels. Um den Hals trug sie eine Diamantkette.
 

Das hatte ihm gerade noch gefehlt! Eric McClusky ahnte, dass es wieder eine lautstarke, verbale Auseinandersetzung zwischen ihm und Brittany geben würde. Und das Thema würde wieder Amandas Tod sein. Es würde also so laufen wie immer. Brittany würde ihn wieder einmal für Amandas Tod verantwortlich machen. Und darauf konnte Eric McClusky gut und gerne verzichten.
 

Nach der Zeremonie suchte der erste Offizier der Kirow den Bereitschaftsraum auf. Er wollte alleine sein. Denn er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass seine ältere Schwester, bei der Vertragsunterzeichnung 319

anwesend sein würde. Aber er wusste nicht, dass Brittany zum diplomatischen Corps der Föderation gehörte und mit der Bellerophon eigentlich nach Hause reisen sollte, und dass kurzfristig entschieden wurde, das Schiff nach Khyber zu schicken. Eric McClusky musste sich eingestehen, dass es nichts mehr brachte, seiner älteren Schwester aus dem Weg zu gehen. Lysandra hatte Recht. Er und Brittany mussten sich aussprechen, sonst würden die Dämonen, die ihn seit Amandas Tod verfolgten, nie verschwinden.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Lysandra betrat den Raum.
 

„Hier steckst du. Da kann ich dich ja lange suchen, Liebling.“, sagte sie.
 

„Ich wollte Brittany aus dem Weg gehen, Babe. Ich bin nicht gerade versessen darauf, mir wieder ihre Anschuldigungen bezüglich Amandas Tod anzuhören. Außerdem will ich dabei sein, wenn Fürst Gabor verhaftet wird.“
 

Lysandra erschrak.
 

„Tus nicht, Liebling.“, sagte sie.
 

„Nenn mir einen vernünftigen Grund, warum ich nicht gehen sollte.“
 

„Gabor wird dich umbringen. Als du mich und meine Schwestern hierher auf die Kirow geholt hast, hast du seine Pläne zerstört. Zugegeben, mit der Vernichtung der Ventress hast du ihm schon die erste bittere Niederlage beigebracht. Aber lange Rede, kurzer Sinn, Liebling. Du hast Gabors Zorn auf dich gezogen. Er hat bei seiner Ehre geschworen, dich umzubringen.“, sagte Lysandra.
 

„Bei seiner Ehre? Na dann hab ich ja nichts zu befürchten.“
 

„Nimm die Sache nicht auf die leichte Schulter, Liebling. Du kennst Gabor nicht. Der ist zu allem fähig. Er würde sogar vor Mord nicht zurückschrecken, wenn es seinen Zwecken dienlich ist.“, sagte Lysandra mit Nachdruck.
 

„Ich will diesem Bastard im Augenblick der Niederlage in die Augen sehen.“
 

„Ich werde dich begleiten. Und nur, damit du weißt, woran du bei mir bist, was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe, das bringe ich zu Ende. Ich will Gabor auch gegenübertreten, wenn man ihm die Handschellen anlegt.“, sagte Lysandra.
 

1 Stunde später
 

Eric machte sich bereit. Jennifer Bond, die Leiterin der Sicherheitsabteilung hatte ihm ein Photonengewehr mitgegeben und noch einmal 50 Mann des Sicherheitsteams der Kirow. Er wollte gerade zu den anderen stoßen, als seine ältere Schwester Brittany den Bereitschaftsraum betrat.

320

„Man sagte mir, dass ich dich hier finden würde.“, begann Brittany das Gespräch.
 

„Lass mich bitte allein.“
 

„Wir müssen miteinander reden.“, sagte Brittany mit Nachdruck.
 

„Das denkst du vielleicht. Aber ich seh das anders. Ich habe dir nichts zu sagen, und du hast mir nichts zu sagen. So einfach ist das, Brittany.“
 

Brittany riss der Geduldsfaden. Sie hatte es im Guten versucht, aber ihr Bruder hatte abgeblockt.
 

„Du versuchst schon seit 3 Jahren dich zu killen, nicht wahr? Seit Amanda tot ist. Als wäre auf diese Weise so was wie ein Ausgleich möglich.“, fuhr sie ihn an.
 

„Du hast ja keine Ahnung wovon du da sprichst.“

Brittany schlug einen sanfteren Tonfall an. Einfach um Eric zu zeigen, dass er immer noch ihr Bruder war, und sie ihn über alles liebte.
 

„Es war ein Unfall, Eric. Es war nicht deine Schuld.“, sagte sie.
 

„Woher weißt du das? Du warst doch nicht da!“

Brittanys Tonfall wurde wieder wütender.
 

„Weil ich Amanda gut kannte, und weil ich dich kenne. Du versuchst immer alles zu kontrollieren, als wärst du Gott oder so was in der Art.“, sagte sie wütend.

„Das ist doch Schwachsinn.“

Brittany schlug wieder einen sanfteren Ton an.
 

„Es gibt Dinge, die sind nicht unter Kontrolle zu bringen. Amandas Tod ist eines davon.“, sagte sie.

„Ich muss los. Fürst Gabor wird bald verhaftet.“
 

Brittany seufzte. Dann wandte sie sich um und ging. In der Tür drehte sie sich noch einmal um.
 

„Komm heil zurück, Kleiner. Und was noch wichtiger ist: Lebend.“, sagte sie.
 

„Mach ich.“
 

In Gabors Palast
 

Der böse Fürst saß in seinem Arbeitszimmer. Er war verzweifelt. 321

Denn den ganzen Tag war eine Hiobsbotschaft nach der anderen eingetroffen. Zuerst hatte ihm sein persönlicher Sekretär darüber in Kenntnis gesetzt, dass Königin Elianne Gabor den Vorsitz über das Tribunal entzogen und Lysandras Schwester Aurora zugesprochen hatte. Das an sich hatte schon einen großen Machtverlust mit sich gebracht. Außerdem war bekannt geworden, dass Lysandra als Clanfürstin zurückgetreten war und Aurora zu ihrer Nachfolgerin bestimmt hatte. Na das konnte ja heiter werden! Ausgerechnet Aurora! Gabor wusste, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen war, wenn man ihrer Familie ein Leid zufügte. Und er war realistisch genug um zu erkennen, dass Aurora und Lysandra ihm die Inhaftierung ihrer Schwester Inara garantiert nicht verziehen hatten. Und zu guter letzt, und das war das Schlimmste für Gabor, hatte Aurora seine Verhaftung angeordnet.
 

Doch so leicht gab er sich nicht geschlagen. Wenn man ihm schon alles genommen hatte, was ihm lieb und teuer war, dann blieb ihm nur noch eines. Sich der Gerechtigkeit zu entziehen. Er wollte gerade die Schublade seines Schreibtisches öffnen, um die Zyankalikapsel zu nehmen, als sich die Doppeltüren öffneten und mehrere bewaffnete Leute eintraten. Die meisten trugen auf ihren Rüstungen einen rote Krabbe, die übrigen ein Symbol, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Doch es musste das Signet der Vereinigten Föderation der Planeten sein. Und dann entdeckte er Lysandra, die an der Seite eines Mannes ging. Auch wenn er ihn noch nie zuvor gesehen hatte, so wusste Gabor, dass er Commander Eric McClusky vor sich hatte. Und wie sollte es auch anders sein, waren auch Aurora und Eliannes Bruder Etienne mit von der Partie. Er musste also gute Miene zum bösen Spiel machen. Vielleicht half es ja was, sich bei Fürstin Aurora einzuschmeicheln.
 

Gabor ging vor Aurora und den anderen auf die Knie.
 

„Fürstin Aurora, ich bin erfreut euch zu sehen.“, sagte er.
 

Doch einer von Auroras Soldaten machte alle seine Pläne zunichte.
 

„Ey! Mach dich ma grade, du Fleischwurst!“, sagte er.
 

Aurora selbst schaltete sich nun ein.
 

„Fürst Gabor, im Namen des Gesetzes. Ihr seid verhaftet.“, sagte sie.
 

Als Gabor mit Handschellen gefesselt vor Eric und Lysandra stand, sah er dem ersten Offizier der Kirow wutentbrannt in die Augen.
 

„Du hast so einen Dusel, dass du Königin Elianne und eure Präsidentin auf deiner Seite hast. Denn sonst hätte ich dich schon längst in den Kerker geworfen.“, sagte er.
 

An Bord der Kirow
 

Gabor war gleich nach der Ankunft an Bord in eine Arrestzelle 322

gesperrt worden. Eric McClusky hatte die Mission erfolgreich zu Ende gebracht. Nun flog die Kirow mit Höchstgeschwindigkeit nach Rulon, um Jekaterina Romanova abzuholen.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56565.0 Commander Eric McClusky erster Offizier, neuer Eintrag: Wir haben den Planeten Rulon erreicht. Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns. Imperator Krull wurde von Königin Elianne angeklagt und zu guter Letzt seiner gerechten Strafe zugeführt. Fürst Gabor wurde vor ein Föderationsgericht gestellt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe auf dem klingonischen Straflager Rura Penthe verurteilt, wo wir ihn bereits abgeliefert haben. Dies wird wohl der letzte Eintrag von mir als kommandierender Offizier sein.“
 

Eric McClusky und Lysandra warteten in Transporterraum 4 auf die Kommandantin. Die Kommandantin materialisierte. Dann trat sie von der Plattform herunter und ging auf ihren ersten Offizier zu, der sofort Haltung annahm.
 

„Captain Romanova, willkommen an Bord.“, sagte Eric.
 

„Danke, Nummer eins. Stehen sie bequem.“
 

„Danke, Captain. Darf ich ihnen meine Gattin Lysandra vorstellen?“, sagte Eric McClusky.
 

„Meine Glückwünsche für sie beide.“
 

„Danke, Captain Romanova.“, sagte Lysandra.
 

„Gern geschehen.“
 

Dann wandte sich Jekaterina wieder an ihren ersten Offizier.
 

„Haben wir neue Befehle, Nummer eins?“, fragte sie.
 

„Wir haben den Auftrag zur Erde zurückzukehren, Captain. Wir dürfen mal Urlaub machen.“
 

„Den haben sie auch sicher nötig, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.323

USS Kirow - Mission 9

USS KIROW MISSION 9
 

Long Beach, Kalifornien, 30. Juli 2379
 

Eric McClusky ging die Hafenpromenade entlang. Plötzlich blieb er stehen und sah zur Queen Mary hinüber, jenem berühmten Ozeanriesen aus den 30er Jahren des 20sten Jahrhunderts. Auch wenn das Schiff schon über 400 Jahre alt war, war es immer noch majestätisch und beeindruckend. Er entdeckte seine Schwester Brittany, die auf ihn zu kam. Sie lächelte, als sie ihren Bruder sah.
 

„Hey.“, begann Eric das Gespräch.
 

„Hey.“
 

Eric zeigte auf die Queen Mary.
 

„Weißt du noch, als wir Kinder waren? Da hat Amanda immer gesagt, sie würde sich eines Tages ein Schiff kaufen und damit um die Welt segeln.“, sagte er.
 

„Ja, ich erinnere mich.“
 

„Dieses Schiff hätte ihr sicher gefallen.“, sagte Eric.
 

„Ja, das denke ich auch.“
 

Eric machte eine kurze Pause, dann sah er Brittany in die Augen.
 

„Was du über Amanda vor Gabors Verhaftung gesagt hast. War das dein Ernst? Du gibst mir nicht die Schuld an ihrem Tod?“, fragte er seine Schwester.
 

„Nein, ich gebe dir nicht die Schuld. Ich habe dir nie die Schuld gegeben. Amanda hätte dort nicht klettern dürfen, das Seil ist abgerutscht. Du hättest überhaupt nichts machen können.“
 

„Warum fühl ich mich schuldig?“, fragte Eric Brittany.
 

„Vielleicht, weil du mit niemandem darüber sprechen wolltest. Du hast… immer alles in dich rein gefressen.“
 

„Ich bin ein McClusky.“, sagte Eric.
 

„Oh ja, wie richtig.“
 

Dann legte Brittany ihre Hand auf die Schulter ihres Bruders.
 

„Aber eins will ich klar stellen. Ich werde nur so wütend auf dich, wenn du dein Leben riskierst, weil ich schon meine Schwester verloren habe. Und ich will 324

nicht auch noch meinen Bruder verlieren.“, sagte sie.
 

Eric schwieg. Er konnte Brittany sogar verstehen. Er war alles, was ihr noch von ihrer Familie geblieben war.
 

An Bord der Imperator
 

Commander Robertson erhob sich, als die Türhälften auseinanderglitten und die Kommandantin in Begleitung eines Mannes die Brücke betrat.
 

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Stehen sie bequem, Commander.“
 

„Danke, Captain. Willkommen auf der Imperator.“, sagte Commander Robertson.
 

„Danke, Commander Robertson. Darf ich ihnen meinen ersten Offizier Seigo Asada vorstellen?“
 

Quantez Robertson sah sich den Begleiter seiner Vorgesetzten genauer an. Seigo Asada war 1,71 m groß und hatte einen athletischen Körperbau. Er hatte ein rundes Gesicht mit braunen, mandelförmigen Augen. Es war offensichtlich, dass Commander Asada Asiate war. Quantez Robertson tippte auf Japan. Auffällig bei Seigo Asada war sein Bart. Captain Suzukis angeblicher erster Offizier hatte einen Schnurrbart und einen schwarzen Kinnbart, der in Koteletten überging. Auch seine Kopfhaare waren schwarz. Den Pony hatte sich Seigo Asada komplett abgeschnitten, sodass man seine Stirn sehen konnte.
 

Dann musterte Quantez Robertson Mikuru Suzuki. Die neue Kommandantin der Imperator war mit ihren 1,67 m kleiner als Seigo Asada und wesentlich graziler gebaut. Sie hatte ein ovales Gesicht mit braunen mandelförmigen Augen, die ebenfalls auf eine asiatische Abstammung schließen ließen. Mikuru Suzuki hatte hüftlange, braune Haare, die sie offen trug.
 

Quantez Robertson wusste nicht was er tun sollte. Denn eigentlich war er der erste Offizier auf der Imperator. Denn Admiral Paris hatte ihm die Ernennungsurkunde eigenhändig ausgehändigt.
 

„Captain Suzuki, ich möchte sie freundlich darauf hinweisen, dass ich ihnen als erster Offizier zugewiesen wurde. Hier ist meine Ernennungsurkunde.“, sagte er.
 

Mikuru Suzuki las sich das Dokument durch. Dann wandte sie sich wieder an Commander Robertson und Seigo Asada.
 

„Commander Robertson, Commander Asada. Kommen sie bitte mit, ich möchte sie beide allein sprechen.“, sagte sie.

325

Im Besprechungsraum hinter der Brücke kam die neue Kommandantin der Imperator dann zur Sache.
 

„Gentlemen, ich habe um dieses 6-Augen-Gespräch gebeten, weil wir zu einer Lösung in dieser Angelegenheit kommen müssen, mit der wir alle leben können.“, sagte sie.
 

Quantez Robertson sah sie fragend an.
 

„Commander Robertson, ihrer Personalakte entnehme ich, dass sie ein fähiger und verlässlicher Offizier sind. Dasselbe gilt allerdings auch für Commander Asada. Ich arbeite schon lange mit ihm zusammen und möchte ihn nicht an meiner Seite missen. Deswegen habe ich ihn als meine Nummer eins mit auf dieses Schiff gebracht. Es tut mir leid, Commander Robertson.“, sagte Captain Suzuki.
 

„Oh nein, Captain. Es tut ihnen nicht leid. Nicht ein bisschen.“
 

„Captain, ich würde sie gerne unter vier Augen sprechen.“, sagte Seigo Asada zu seiner Vorgesetzten.
 

Die beiden verließen den Raum. Außerhalb des Raumes sah Seigo Asada Mikuru Suzuki ins Gesicht.
 

„Captain, sie haben Commander Robertson gekränkt, als sie mich ihm vorgezogen haben. Sie haben damit auch gegen den Befehl eines Vorgesetzten verstoßen. Denn Admiral Paris hat ihnen Commander Robertson als ersten Offizier zugeteilt. Und der wird beim Admiral eine Beschwerde gegen sie einreichen. Ich werde die Imperator verlassen und um die Versetzung auf ein anderes Schiff bitten.“, sagte er.
 

„Nein, Nummer eins. Ich möchte sie an meiner Seite. Nichts gegen Commander Robertson. Fähig ist er, daran zweifle ich keine Sekunde. Aber ich kann ihn nicht gebrauchen. Auf der anderen Seite wäre es unfair, ihn einfach von Bord zu schicken. Haben sie eine Idee, was wir tun können, um eine Beschwerde seinerseits abzuwenden?“
 

„Bieten sie ihm an, ihn einem anderen Kommandanten als ersten Offizier vorzuschlagen. Und soweit ich weiß, ist auf der Kirow der Posten des ersten Offiziers frei. Commander McClusky wurde zum Captain befördert und hat das Schiff verlassen.“, sagte Commander Asada.
 

„Wer kommandiert die Kirow?“
 

„Captain Jekaterina Romanova.“, sagte Seigo Asada.
 

„Na schön. Dann werden wir versuchen, Commander Robertson dort unterzubringen.“ 326

Zurück im Besprechungsraum, präsentierte Mikuru Suzuki Quantez Robertson ihren Kompromissvorschlag.
 

„Commander Robertson, ich habe mit Commander Asada nach einer Lösung gesucht. Und ich denke, wir haben einen Kompromiss gefunden, mit dem wir alle leben können. Und der hoffentlich auch ihnen zusagt.“, sagte sie.
 

„Was haben sie sich denn ausgedacht? Mich zu degradieren?“
 

„Das nicht. Ich würde die Kirow kontaktieren, und Captain Romanova fragen, ob sie den vakanten Posten des ersten Offiziers auf ihrem Schiff haben können.“, sagte Mikuru.
 

„Moment. Ist der erste Offizier der Kirow nicht Eric McClusky?“
 

„Er wurde zum Captain befördert und hat das Schiff bereits verlassen.“, sagte Commander Asada.
 

„Das wäre eine Alternative. Aber ich halte mir die Option offen, diesen Vorfall bei Admiral Paris doch zur Meldung zu bringen.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als ihr eine Nachricht der Imperator angezeigt wurde.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht von Captain Mikuru Suzuki, der neuen Kommandantin der USS Imperator empfangen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Mikurus Gesicht.
 

„Captain Suzuki, was verschafft uns die Ehre ihres „Anrufs“?“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Ich müsste sie um einen Gefallen bitten, Frau Kollegin.“
 

„Was können meine Crew und ich für sie tun, Captain Suzuki?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich habe von meinem letzten Schiff meinen ersten Offizier Commander Seigo Asada mit auf die Imperator gebracht. Ich arbeite schon lange mit ihm zusammen und möchte ihn auch nicht an meiner Seite missen. Wenn sie nichts dagegen haben, Captain Romanova, würde ich Commander Robertson auf die Kirow schicken und Commander Asada auf der Imperator behalten.“
 

„Das wäre eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Dennoch muss ich sie in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass sie gegen einen direkten Befehl 327

verstoßen haben. Sie hätten Commander Robertson als ihren ersten Offizier akzeptieren müssen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ungefähr dasselbe hat auch Commander Asada zu mir gesagt, Captain Romanova.“
 

„Haben sie schon Starfleet Command über ihr Ersuchen informiert?“, fragte Jekaterina.
 

„Noch nicht. Ich wollte erst einmal mit ihnen sprechen, bevor ich Admiral Paris kontaktiere.“
 

„Ich verspreche nichts. Wenn Admiral Paris sein Okay gibt, stimme ich zu. Wenn nicht, beißen sie in den sauren Apfel und behalten Commander Robertson. Commander Asada könnte dann auf die Kirow wechseln. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Imperator
 

Mikuru Suzuki war enttäuscht von ihrer Kollegin. Sie hatte darauf gehofft, dass die Kommandantin der Kirow ihr helfen, und Commander Robertson mit Kusshand nehmen würde. Doch Jekaterina Romanova hatte sich bedeckt gehalten und keine definitive Zusage abgegeben. Sie wollte gerade Admiral Paris kontaktieren, als der Türsummer ertönte.
 

„Herein.“, sagte Captain Suzuki.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und Quantez Robertson betrat den Raum.
 

„Haben sie einen Augenblick Zeit für mich, Captain?“, fragte er geradeheraus.
 

„Setzen sie sich, Commander.“
 

„Was kann ich für sie tun, Commander fragte Mikuru, nachdem ihr eigentlicher erster Offizier ihr gegenüber saß.
 

„Ich werde ihrem Wunsch entsprechen, und von der Imperator auf die Kirow wechseln. Allerdings muss ich massive Bedenken bezüglich ihrer Entscheidung zugunsten von Commander Asada vorbringen.“
 

„Bitte, ich höre.“, sagte die Kommandantin.
 

„Commander Asada mag durchaus ein kompetenter und zuverlässiger Offizier sein. Aber er ist, wie sie, mit dem Schiff nicht vertraut.“
 

„Darf ich fragen, wie lange sie an Bord sind, Mr. Robertson?“, fragte Mikuru Suzuki.

328

„Seit die Imperator in Dienst gestellt wurde. Ich war auch während der Erprobungsphase an Bord. Und deswegen hat Admiral Paris mich der Imperator, und somit auch ihnen, Captain, als ersten Offizier zugeteilt.“
 

„Commander Asada hat bereits Erfahrungen mit der Nebula-Klasse. Er ist also nicht ganz unerfahren.“, sagte Mikuru.
 

„Das mag zwar alles sein, Captain Suzuki. Aber die Imperator ist ein neues Schiff. Weder sie, noch Commander Asada kennen sie nicht mal ein Zehntel so gut wie ich.“
 

Mikuru Suzuki schwieg. Sie wusste, dass Quantez Robertson Recht hatte. Und eigentlich hätte sie ihn behalten müssen. Nicht nur, weil er ihr neues Schiff in- und auswendig kannte, sondern auch, weil Admiral Paris es so befohlen hatte. Doch sie wollte ihre langjährige Nummer eins nicht missen. Was hatten sie und Seigo Asada nicht schon alles erlebt.
 

„Wie lange wird es dauern, bis Commander Asada und ich mit dem Schiff vertraut sind?“, fragte Mikuru dann.
 

„Mindestens 3 Monate. Eher 6.“
 

„Soviel Zeit haben wir nicht. Die Kirow befindet sich zurzeit in der San Francisco Flottenwerft, wo sie überholt wird, wie ich durch Admiral Janeway erfahren habe. Sie soll Ende der Woche wieder aufbrechen. Bis dahin, müssen sie Commander Asada und mich soweit eingewiesen haben, dass wir einigermaßen mit dem Schiff vertraut sind.“, sagte Mikuru.
 

„Aye, Captain.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina saß wieder auf dem Platz in der Mitte. Es tat gut, wieder an Bord zu sein und in Gesichter zu sehen, die einem vertraut waren. Neben ihr, auf dem Platz des ersten Offiziers, saß Dayani, das Energiewesen. Sie und Jekaterina waren allein auf der Brücke. Die übrigen Offiziere hatten um eine kleine Verschnaufpause gebeten. Jekaterina sah zu Dayani hinüber. Sie stellte überrascht fest, dass das Energiewesen nicht dasselbe Outfit trug wie sonst. Dayani trug zwar wieder ein Kleid mit tiefem Beinausschnitt, allerdings nicht ihr schwarzes, sondern eines in Bordeauxrot. Nur ihre schwarzen High Heels waren die alten.
 

„Hab ich irgendwas verpasst, Dayani?“, fragte Jekaterina.
 

„Du meinst auf der letzten Mission?“
 

„Ja. Was habt ihr so erlebt?“, sagte Jekaterina.

329

„Es war einiges los. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“
 

„Was dir grad einfällt, Dayani.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann sollte ich wohl mit unserer Rettungsaktion anfangen, Mutter.“
 

„Rettungsaktion?“, fragte Jekaterina.
 

„Ja. Wir haben einen Notruf erhalten. Er kam von einem Raumkreuzer namens „City of Benares“. Wir haben ein Geschwisterpaar, Ron und Corinne DeSantis an Bord geholt. Für den Rest konnten wir nichts mehr tun.“
 

„Sowas kommt vor, Dayani. Wer sein Leben lassen muss, und wer weiter leben darf, ist nie gerecht. Wie ging es dann weiter, Dayani?“, sagte Jekaterina.
 

„Danach ist etwas sehr merkwürdiges passiert.“
 

„Was denn?“, fragte Jekaterina.
 

„Ein fremdes Schiff hat sich für uns interessiert.“
 

„Und was ist daran merkwürdig?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Nun ja… der Kommandant hat reihenweise Raumschiffe aufgebracht, und deren Besatzungen gefoltert, um unsere Position herauszufinden. Onkel Jewgeni hat ihm den Garaus gemacht.“
 

„Das ist in der Tat kurios. Was hast du sonst noch zu berichten?“, sagte Jekaterina.
 

„An unserem Zielort hatten wir ein Zusammentreffen der etwas unangenehmeren Art.“
 

„Worin genau bestand diese Mission der Kirow, Dayani?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir sollten einen Planeten an den westlichen Außengrenzen des Föderationsgebietes suchen und kartographieren. Aber dann gab es die Auseinandersetzung mit der „Ventress“.“
 

„Was ist passiert, Dayani?“, fragte Jekaterina aufgeregt.
 

„Die Ventress hat uns ohne Vorwarnung angegriffen. Und das nur, weil Mr. McClusky eine Nachricht an Starfleet Command geschickt und die Pläne des Kommandanten enthüllt hat.“
 

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, Dayani.“, sagte Jekaterina.
 

„Doch, Mutter. Oder was glaubst du, warum Präsidentin Arikka sich 330

höchstpersönlich der Sache angenommen hat?“
 

„Was hat sie gemacht?“, fragte Dayanis „Mutter“.
 

„Sie hat dem Kommandanten der Ventress unmissverständlich klar gemacht, dass sie es nicht duldet, wenn jemand sein Hoheitsgebiet bis an die Außengrenzen der Föderation ausdehnt. Und auf diese Ansage hat die Ventress wieder mit Beschuss geantwortet. Aber viel gebracht hats nicht.“
 

„Wieso nicht?“, fragte Jekaterina ihre Tochter.
 

„Die Ventress wurde in diesem Gefecht zerstört. Außerdem haben wir den Handlanger des Kommandanten der Ventress hoch gehen lassen. Der fristet für den Rest seines Lebens sein Dasein im Straflager auf Rura Penthe.“
 

„Geschieht ihm Recht, würde ich sagen. Gab es auch etwas erfreuliches, Dayani?“, sagte Jekaterina.
 

„Na aber sowas von glaub mir. Captain McCluskys Hochzeit. Seine Frau hast du ja noch kennengelernt, als du wieder an Bord kamst.“
 

„Ich erinnere mich. Lysandra scheint perfekt zu Eric zu passen. Als wären die beiden füreinander bestimmt.“, sagte Jekaterina.
 

„Wenn man bedenkt, was Lysandra alles für Captain McClusky aufgegeben hat.“
 

„So ist das halt, wenn man in einer Beziehung lebt. Man muss auch bereit sein, Opfer zu bringen, Dayani. Und genau das hat Lysandra getan.“, sagte Jekaterina.
 

„So, Mutter. Jetzt bist du dran mit erzählen.“
 

„Hast du schon mal von Ty'Gokor gehört, Dayani?“, fragte Jekaterina.
 

„Nein. Warum fragst du?“
 

„Ich war dort.“
 

„Ist das so etwas, wie das, was man in der Bibel die Hölle nennt?“
 

„Nein, Dayani. Das ist der heiligste Ort der Klingonen. Und der Traum eines jeden Klingonen ist es an diesem geheiligten Ort in den Orden des Bat'leth aufgenommen zu werden.“, sagte Jekaterina.
 

„Klingt interessant.“
 

„Glaub mir, das was ich erlebt habe, willst du nicht wissen, Dayani.“, sagte Jekaterina.

331

„Du weißt, ich bin von Natur aus neugierig, Mutter.“
 

„Das weiß ich. Aber was ich auf Ty'Gokor miterlebt habe, übertrifft alles, was ich bisher miterlebt habe.“, sagte Jekaterina.
 

„Tu mir bitte einen Gefallen, Mutter. Red nicht wie die Katze um den heißen Brei.“
 

„Im Großen und Ganzen besteht der Großteil der Feierlichkeiten aus Saufen. Wenn du einen Rat von mir willst, lass dich bloß nicht auf ein Saufgelage mit einem Klingonen ein. Es ist schon erstaunlich, wie viele Liter Blutwein diese Kerle vertragen.“, sagte Jekaterina.
 

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür zur Brücke und Keiko kam zurück.
 

„Melde mich wieder zum Dienst, Captain.“, sagte sie.
 

„Danke, Keiko.“
 

Die Japanerin nahm wieder an ihrer Konsole Platz. Als Admiral Paris die Kirow kontaktierte, hob Keiko den Kopf.
 

„Captain, ich habe Admiral Paris für sie.“, wandte sich Keiko an die Kommandantin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des alten Mannes.
 

„Admiral Paris.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Was verschafft mir die Ehre dieser Konversation, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Sie führen die Kirow seit mehr als vier Monaten. Und in dieser kurzen Zeit haben sie sich sehr hervor getan. Ich bin sehr stolz auf sie.“
 

„Danke für dieses Lob, Admiral.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie haben es verdient. Aber es tut mir leid, dass sie ihren ersten Offizier verlieren.“
 

„Commander McClusky hat die Beförderung und damit sein eigenes Kommando verdient.“, sagte Jekaterina.
 

„Eine Frage, Captain Romanova. Hat Captain Suzuki sie schon wegen Commander Robertson kontaktiert?“ 332
 

„Ja Admiral. Stimmen sie der Versetzung zu?“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain. Stand jetzt bleibt Commander Robertson bis kurz vor Schluss an Bord der Imperator. Er wird erst am Tag ihrer Abreise zu ihnen stoßen, da er Captain Suzuki und Commander Asada noch mit dem Schiff vertraut macht.“
 

„Verstehe. Sonst noch etwas, das ich wissen müsste?“, sagte Jekaterina.
 

„Das wäre im Augenblick alles. Admiral Paris Ende.“
 

In seinem Büro saß Admiral Paris an seinem Schreibtisch und ging die Listen der arbeitslosen Raumschiffkommandanten und der zur Verfügung stehenden Schiffe durch. Die Imperator war schon vergeben. Die Soryū war noch im Bau. Nur ihr Schwesterschiff, die Hiryū war noch ohne Kommandant. Admiral Paris entschied, das Kommando über dieses Schiff an Eric McClusky zu geben. Allerdings hatte dieser Urlaub eingereicht, da er vor kurzem geheiratet hatte. Also musste diese Angelegenheit erst mal warten, denn das frisch getraute Paar sollte in Ruhe seine Flitterwochen genießen dürfen. Die Hiryū würde also erst einmal weiterhin im Raumdock waren müssen.
 

Curaçao , südliche kleine Antillen
 

Lysandra und ihr Ehemann gingen Hand in Hand am Strand spazieren. Während der ehemalige erste Offizier der Kirow nur eine Badeshorts anhatte, trug seine Gattin ein weißes Strandkleid. Weil Lysandra auf der Wasserseite ging, war ihr Kleid im Bereich der Fußknöchel durchnässt. Die ehemalige Clan-Fürstin lächelte. Noch nie in ihrem Leben war sie so glücklich gewesen. Nicht nur, weil ihr Ehemann ein wahres Paradies als Urlaubsort für ihre Hochzeitsreise gewählt hatte, sondern auch, weil Eric sie so liebte wie sie war. Lysandra spürte, wie die Wellen des Ozeans ihre nackten Füße umspülten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und schloss die Augen. Vor ihrem geistigen Auge erschienen wieder die Bilder ihrer Hochzeit. Lysandra sah sich noch einmal in ihrem Brautkleid. An jenem Tag hatte sie ein eng anliegendes, schulterfreies weißes Satinkleid getragen. Dazu weiße Schuhe mit flachen Absätzen und weiße Armstulpen in Fishnet-Optik, die bis zu ihren Ellenbogen reichten. Passend zur Farbe ihres Brautkleids hatte Lysandras Brautstrauß aus weißen Rosen bestanden. Sie erinnerte sich noch an die Traurede, die Jewgeni Romanova gehalten hatte, bevor er sie beide miteinander vermählt hatte.
 

Bei der anschließenden Hochzeitsfeier hatte ihre Schwägerin Brittany ihr Gesangstalent unter Beweis gestellt, und das Lied „I want to know what Love is“ zum Besten gegeben. Lysandra erinnerte sich, wie ihr ein wohliger Schauer den Rücke hinunter gelaufen war und sie dazu noch ein paar Tränen vergossen hatte.
 

Ein leichtes Zwicken holte sie in die Gegenwart zurück. 333
 

„AU!“, sagte sie.
 

„Was ist denn los, Babe?“
 

„Mich hat etwas gezwickt.“, sagte Lysandra.
 

„Lass mal sehen, Lysandra.“
 

Lysandra hob ihren rechten Fuß. Ein kleiner Krebs zappelte an ihrem kleinen Fußzeh.
 

„Halt jetzt bitte still. Sonst verletze ich den kleinen Racker.“
 

„Du weißt doch, dass ich kitzlig bin, Liebling.“, sagte Lysandra.
 

„Genau das meine ich, Babe.“
 

Vorsichtig löste Eric McClusky den Krebs vom Zeh seiner Gemahlin.
 

„Was ist das?“, fragte Lysandra leicht ängstlich.
 

„Eine Strandkrabbe. Die sind harmlos.“
 

„Harmlos? HARMLOS? Dieses Mistvieh hat mich in den Zeh gezwickt.“, sagte Lysandra aufgebracht.“
 

„Nur wenn man sie aufschreckt. Oder wenn man ihrer Brut zu nahe kommt.“
 

„Soll das etwas heißen, es gibt noch mehr davon?“, fragte Lysandra.
 

„Höchstwahrscheinlich. Und dieser kleine Schlingel hier ist definitiv noch nicht ausgewachsen. Strandkrabben werden größer. Ich schätze, du hast diesen kleinen Burschen hier beim Fressen gestört.“
 

„Meinst du, Liebling?“, fragte Lysandra.
 

„Ist für mich die logischste Erklärung, Lysandra. Aber jetzt wollen wir diesen kleinen Kerl wieder seinem Element übergeben.“
 

Eric McClusky setzte den Krebs wieder ins Wasser. Dieser wandte sich gleich einem mit Algen bewachsenen Stein zu, und fing an, den Bewuchs mit seinen Scheren zu verspeisen. Lysandra sah ihm fasziniert dabei zu.
 

An Bord der Imperator
 

„Funktioniert diese Energiespule denn nun endlich?“, fragte Quantez Robertson den Chefingenieur.

334

„Ach, in den verdammten Dingern ist der Wurm drin.“
 

„Dann holen sie den Wurm raus, und sorgen sie dafür, dass diese Spule richtig arbeitet. Sonst schmeißen wir den Mist aus allen Schiffen dieser Klasse raus, ist das klar?“, sagte Commander Robertson.
 

„Ja, Sir.“
 

Seigo Asada betrat den Raum.
 

„Gibt es ein Problem, von dem ich was wissen sollte, Commander Robertson?“, fragte er.
 

„Eine Energiespule arbeitet nicht richtig. Besser wir beheben das hier, als das ihr Schiff später aus heiterem Himmel antriebslos im Weltall herumtreibt.“
 

„Leuchtet ein. Um welche Art von Spule handelt es sich?“, sagte Seigo Asada.
 

„Die Spule erzeugt die Energie für die Warpgondeln.“
 

„Dann weiß ich, welche gemeint ist, Commander. Wenn mich mein Wissen nicht täuscht, leistet sie 45.000 Terawatt.“, sagte Commander Asada.
 

„Das war bei der alten Version der Fall. Das hier ist die neueste Generation. Damit sollte die Imperator sich im Bereich der Voyager bewegen.“
 

„Also Warp 9,975.“, sagte Mikurus erster Offizier.
 

„Ganz genau. Allerdings wurden diese Spulen erst Anfang des Monats für den Regelbetrieb freigegeben.“
 

„Das würde bedeuten, dass wir die ersten sind, die die neue Spule bekommen haben.“, sagte Seigo Asada.
 

„Ganz recht. Die Imperator ist das erste Schiff der neuen Generation der Nebula-Klasse.“
 

„Wann treten die Probleme auf, Commander Robertson?“, wollte Commander Asada wissen.
 

„Wenn Warp 9,6 überschritten wird. Dann läuft die Spule heiß und drosselt automatisch die Leistung.“
 

„Dann werden wir die Reise zur San Francisco Flottenwerft mit Warp 9,6 bestreiten. Das ist immer noch schnell genug.“, sagte der Japaner.
 

„Sie können es wohl nicht abwarten, mich loszuwerden, Commander Asada.“ 335
 

Der giftige Unterton in der Stimme des Amerikaners war nicht zu

überhören. Seigo Asada wusste sehr wohl, dass Mikuru Suzuki Quantez Robertson ordentlich vor den Kopf gestoßen hatte, als sie ihm ihre langjährige Nummer eins vorgezogen hatte. Nichts, was Commander Asada sagen würde, würde Commander Robertson besänftigen. Also beschloss er Thema zu wechseln.
 

„Was meinen sie, wie lange es dauern wird, die Spule zu reparieren?“, fragte er.
 

„Wenn wir den Fehler schnell finden, vielleicht zwei Tage. Rechnen sie eher mit vier.“
 

„Tun sie ihr bestes Chief.“, wandte sich Seigo Asada an den Chefingenieur.
 

„Ja, Sir.“
 

Curaçao , südliche kleine Antillen
 

Es war ein warmer Sommerabend. Eric McClusky und seine Frau Lysandra hatten es sich in der Hollywoodschaukel auf der Terrasse gemütlich gemacht, und sahen sich den Sonnenuntergang an. Jeder hatte ein Glas Rotwein in der Hand.
 

„So etwas schöne habe ich noch nie in meinem Leben gesehen.“, brach Lysandra das Schweigen.
 

„Als Kind war ich oft hier. Dieses Haus hat mein Großvater gebaut. Und das ohne Architekturstudium.“
 

„Dann war er ein Naturtalent, Liebling.“, sagte Lysandra.
 

„Du hättest ihn gemocht. Grandpa war ein dufter Kerl.“
 

Lysandra lächelte. Doch dann wurde ihr Gesichtsausdruck ernst.
 

„Hast du noch mal mit Brittany gesprochen?“, fragte sie.
 

„Ja, habe ich. Am Tag als wir zu unserer Hochzeitsreise aufgebrochen sind.“
 

„Und wie ist das Verhältnis zwischen euch?“, fragte Lysandra.
 

„Besser als je zuvor.“
 

„Schön, dass ihr euch wieder versöhnt habt.“, sagte Lysandra.
 

„Meine Schwester hat mit einigen Irrtümern aufgeräumt, denen ich aufgesessen bin, Babe.“ 336
 

„Was meinst du, Liebling?“, wollte Lysandra wissen.
 

„Erinnerst du dich an unser Gespräch in meinem Quartier?“
 

„Ja natürlich. Du hast mir damals erzählt, dass Brittany dir die Schuld an Amandas Tod gibt.“, sagte Lysandra.
 

„Brittany hat mir nie die Schuld gegeben.“
 

„Aber warum hast du dann immer in dem Glauben gelebt, dass sie dich dafür verantwortlich macht?“, fragte Lysandra.
 

„Ich wusste einfach nicht, mit wem ich über Amandas Tod hätte sprechen können. Ich hatte immer Angst, Brittany reißt mir den Kopf ab, wenn ich ihr erzähle was damals wirklich passiert ist. Aber sie hat es trotzdem erfahren.“
 

„Gerade ihr hättest du es als erstes erzählen sollen. Immerhin ist Brittany deine Schwester.“, sagte Lysandra.
 

„Ich weiß, Lysandra. Aber…, ich hatte damals nicht den Mut und die Kraft mit Brittany darüber zu sprechen.“
 

„Ich wünschte wir hätten uns früher kennengelernt. Ich hätte dir geholfen.“, sagte Lysandra.
 

„Jetzt bist du ja an meiner Seite.“
 

„Du kannst immer auf mich zählen, Liebling. Ich halte dich in meinen Armen, wenn du traurig bist. Ich bin zärtlich zu dir, wenn du Liebe brauchst. Ich werde dein Fels in der Brandung sein.“, sagte Lysandra.
 

An Bord der Kirow 1. August 2379
 

Der Tag der Abreise war näher gerückt. Die Wartungsarbeiten waren fast abgeschlossen. Jekaterina saß auf ihrem Platz auf der Brücke. Die taktische und die wissenschaftliche Konsole, sowie die Navigationskonsole waren nicht besetzt. Nur Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin saß an ihrer Konsole. Die Japanerin aus Sapporo hob den Kopf.
 

„Captain, ich habe Admiral Janeway für sie.“, sagte Keiko.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“ 337
 

„Ich nehme an, dass sie eine neue Mission für uns haben.“, sagte

Jekaterina.
 

„Ganz Recht, Captain. An den östlichen Grenzen zum Territorium der Föderation wurden mehrfach Ferengi-Schiffe gesichtet. Es wäre ihre Aufgabe herauszufinden, was die Ferengi in diesem Sektor zu suchen haben.“
 

„Die Ferengi müssen ein profitables Geschäft wittern. Sonst würden sie nicht scharenweise ihre gesamte Flotte in diesen Sektor schicken, Admiral.“, sagte Jekaterina.
 

„Wäre denkbar. Aber nach den letzten Berichten, die wir erhalten haben, scheint ein Planet ganz besonders das Interesse der Ferengi geweckt zu haben, Captain Romanova.“
 

„Darf ich nach dem Namen des Planeten fragen?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Der Planet heißt Bataria. Finden sie heraus, warum die Ferengi ein solches Interesse an dem Planeten haben.“
 

„Wann sollen wir aufbrechen?“, fragte Jekaterina.
 

„Eigentlich sofort. Aber die Imperator hat technische Probleme. Eine Energiespule überhitzt und regelt zurück auf Warp 9,6. Das Schiff ist dennoch aufgebrochen. Stand jetzt sollte die Imperator morgen bei ihnen eintreffen.“
 

„Verstehe, Admiral. Dann bekommen wir morgen unseren neuen ersten Offizier.“, sagte Jekaterina.
 

„Commander Robertson, nicht wahr?“
 

„Ja. Sonst noch etwas, das ich wissen müsste?“, sagte Jekaterina.
 

„Ihre ehemalige Nummer eins hat das Kommando auf der Hiryū bekommen. Das Schiff wartet bei Sternenbasis G6. Würden sie Captain McClusky dorthin bringen, Captain Romanova? Danach brechen sie bitte zu ihrer eigentlichen Mission auf.“
 

„Verstanden, Admiral Janeway. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Curaçao , südliche kleine Antillen
 

Die Koffer waren gepackt. Alles war bereit für die Abreise. Wehmütig blickte Lysandra McClusky auf den Ozean. Sie würde dieses Paradies vermissen. Vor allem die Spaziergänge mit ihrem Mann am Strand würden ihr fehlen. Lysandra hatte so viel Neues gesehen, von dem sie ihren Schwestern Aurora und Inara erzählen konnte. Sie erinnerte sich an ihren ersten Besuch auf dem Markt 338

am Hafen von Willemstad, der Hauptstadt Curaçaos. An diesem Tag hatte

Lysandra zum ersten Mal in ihrem Leben Ananas probiert. Nie würde sie diesen süßen Geschmack der Frucht vergessen. Doch Lysandra wusste dass sie und Eric, wann immer sich die Gelegenheit bot, in das Haus am Meer auf Curaçao zurückkehren würden. Auch wenn es für den Moment bedeutete Abschied von diesem tropischen Paradies nehmen zu müssen.
 

Lysandra erinnerte sich, dass an diesem Morgen ein Kurier aus dem Flottenhauptquartier eingetroffen war, und ihrem Mann seine Ernennungsurkunde als Kommandant der Hiryū ausgehändigt hatte.
 

„Die Kirow holt sie und ihre Gattin heute Abend um 20:00 Uhr ab.“, hatte der Kurier gesagt.
 

An Bord der Kirow 18:00 Uhr Bordzeit
 

Toprak der Klingone, seines Zeichens taktischer Offizier der Kirow stand wieder an der taktischen Konsole. Die Navigationskonsole wurde von Komi Namura, Keikos Landsfrau aus Kure besetzt. Ein grünes Dreieckssymbol erschien auf dem Display der Konsole. Darüber konnte Toprak den Namen des Schiffes lesen. USS Imperator. Das Symbol zeigte die Imperator backbord querab von der Kirow. Toprak wandte sich an die Kommandantin.
 

„Captain, die Imperator befindet sich backbord querab.“, sagte er.
 

„Jetzt schon? Ich dachte sie kommt erst morgen.“
 

Doch dann erinnerte sich Jekaterina an das Gespräch mit Admiral Janeway früher am Tag.
 

„Also haben sie ihre technischen Probleme noch rechtzeitig in den Griff bekommen.“, sagte Jekaterina zu sich selbst.
 

„Was meinen sie, Captain?“
 

Jekaterina wandte sich an ihren taktischen Offizier.
 

„Die Imperator hatte Probleme mit einer Energiespule. Deswegen konnte das Schiff nur Warp 9,6 erreichen. Dass die Imperator dennoch früher angekommen ist, kann nur bedeuten, dass man an Bord die Probleme mit der Spule in den Griff bekommen hat, Mister Toprak.“, sagte sie.
 

Im nächsten Augenblick zirpte Jekaterinas Kommunikator.
 

„Transporterraum 3 an Brücke.“, hörte Jekaterina die Stimme von Mercedes Igualada.
 

„Hier ist die Brücke. Was gibt’s Mercedes?“ 339

„Captain, die Imperator hat uns Commander Robertson zum Beamen angekündigt.“, sagte Mercedes.
 

„Verstanden. Sagen sie der Imperator, dass alles bereit ist, Chief.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Mercedes.
 

Kurze Zeit später kam die Bestätigung der Spanierin.
 

„Transporterraum 3 an Brücke. Captain, der Transfer war erfolgreich. Eine männliche Person an Bord.“, sagte Mercedes.
 

„Danke, Chief Igualada.“
 

15 Minuten später betrat Jekaterinas neuer erster Offizier die Brücke. Als er seiner Vorgesetzten gegenüberstand salutierte er sofort.
 

„Commander Quantez Robertson meldet sich zum Dienst, Captain.“, sagte er.
 

„Willkommen an Bord, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain. Darf ich meinen vorgesehenen Platz einnehmen?“, fragte Commander Robertson.
 

„Erlaubnis erteilt, Commander.“
 

Der US-Amerikaner setzte sich auf den Platz, auf dem bis vor kurzem Eric McClusky gesessen hatte. Dann wandte er sich an Jekaterina.
 

„Wurden wir schon gebrieft, Captain?“, fragte er.
 

„Ja, Nummer eins. An den östlichen Grenzen des Föderationsterritoriums wurden mehrfach Ferengi-Schiffe gesichtet.“
 

„Die Ferengi? Was haben die denn so dicht vor unseren Grenzen verloren?“, fragte Quantez Robertson.
 

„Genau das sollen wir herausfinden. Aber vorher sollen wir noch Captain McClusky und seine Frau abholen und sie zur Hiryū bringen.“
 

„Verstehe. Gibt es sonst noch etwas, das wichtig ist?“, sagte Commander Robertson.
 

„Nach den jüngsten Berichten, die Starfleet Command an uns weitergeleitet hat, interessieren sich die Ferengi für einen ganz bestimmten Planeten in diesem Sektor, der Bataria heißt.“
 

„Nun denn. Ich würde vorschlagen, dass wir aufbrechen, Captain.“, sagte 340

Jekaterinas neuer erster Offizier.
 

„Nicht so voreilig, Nummer eins. Erst müssen wir die Klarmeldung des

Werftleisters abwarten.“
 

Utopia-Planitia-Flottenwerft
 

Der Leiter der Werft hatte gerade das Gespräch mit Arikka, der Präsidentin der Föderation beendet. Die Präsidentin hatte ihm den Auftrag erteilt, ein weiteres Schiff der Intrepid-Klasse zu bauen. Das neue Schiff sollte später als USS Suzuya unter der Registraturnummer 74666 geführt werden. Der Leiter sah aus dem Fenster seines Büros. In einem der vielen Docks hatte gerade der Bau der Suzuya begonnen. Funken sprühten, als die Roboter die erste Rumpfsektion zusammenschweißten.
 

„Wer wird dieses Schiff eines Tages kommandieren?“, dachte der Werftleiter.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als die Nachricht des Werftleiters der San Francisco Flottenwerft eintraf.
 

„Captain, ich habe gerade eine Nachricht der Werftleitung erhalten. Wir haben die Erlaubnis, das Dock zu verlassen.“, sagte sie.
 

„Nun denn. Komi, bringen sie uns raus.“
 

„Aye, Captain.“, sagte Komi Namura.
 

Dann betätigte sie einige Kontrollen an ihrer Konsole. Die Kirow setzte sich in Bewegung.
 

„Haben sie eine Ahnung, wo sich Captain McClusky aufhält?“, fragte Commander Robertson seine Vorgesetzte.
 

„Er wollte mit seiner Frau die Flitterwochen auf Curaçao verbringen, Nummer eins.“
 

„Kennen sie Miss McClusky?“, fragte Quantez Robertson.
 

„Ich bin ihr begegnet, als mich die Kirow auf Rulon abgeholt hat.“
 

Curaçao , südliche kleine Antillen
 

Eric McClusky und seine Frau Lysandra standen am Strand und warteten. Das Shuttle musste jeden Augenblick ankommen. Pünktlich um 20:00 Uhr landete die Gargarin, eines der beiden Shuttles der Kirow. Die Seitenluke der Gargarin öffnete sich, und Jennifer Bond, die Sicherheitsoffizierin der Kirow trat ins 341

Freie.
 

„Hat hier jemand ein Taxi bestellt?“, fragte sie auf ihre gewohnt humorvolle Art.
 

„Wenn dieses „Taxi“ zur Kirow fliegt, dann ja.“
 

„Gut gekontert, Captain McClusky.“, sagte Jennifer.
 

„Ich kenne doch ihren Humor, Commander, Bond.“
 

„Touche´, Captain.“, sagte Commander Bond.
 

An Bord der Kirow
 

Um 20:15 Uhr öffneten sich die Tore des Hangars und die Gargarin schwebte in den Hangar. Eric McClusky sah durch ein Seitenfenster und entdeckte das zweite Shuttle der Kirow, die Komarow. Die Tore schlossen sich wieder. Als Eric McClusky und seine Frau Lysandra das Shuttle verließen, wurden sie bereits von Jekaterina und Quantez Robertson erwartet.
 

„Schön, sie wieder zu sehen, Captain McClusky.“, sagte der neue erste Offizier der Kirow.
 

„Danke, Commander Robertson.“
 

„Ich habe ihnen und ihrer Frau bereits ein Quartier reserviert, Eric.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke Captain.“
 

Als sich die Kirow auf dem Weg zu Sternenbasis G6 und damit zu ihrem Rendezvous, mit der Hiryū befand, saß Jekaterina mit ihrem ehemaligen ersten Offizier im Besprechungsraum hinter der Brücke.
 

„Es ist schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, Eric.“. sagte Jekaterina.
 

„Seit sie als Gast auf die Laconia gewechselt sind. Ich nehme an, wir haben uns viel zu erzählen, Captain.“
 

„Wohl wahr. Aber die Zeit dazu werden wir nicht haben. Denn in drei Tagen werden sich unsere Wege trennen. Sie gehen auf die Hiryū. Ich bleibe hier.“, sagte Jekaterina.
 

„Gewähren sie mir noch eine letzte Partie Schach, Captain?“
 

„Gern. Ich werde unsere gemeinsamen Schachabende vermissen, Eric.“, sagte Jekaterina. 342
 

„Was glauben sie, wie es mir geht, Captain.“
 

Jekaterina seufzte.
 

„Ich habe gern mit ihnen gearbeitet, Nummer eins. Und seien wir ehrlich, Eric. Jeder, der nach ihnen auf die Kirow versetzt wird, wird an ihnen gemessen werden.“, sagte sie.
 

„Ich weiß, Captain. Und ich verlasse die Kirow mit einem lachenden, und einem weinenden Auge. Sie haben mir sehr viel beigebracht.“
 

Später am Abend
 

Eric McClusky und seine Frau Lysandra saßen Jekaterina am Couchtisch im Quartier der Kommandantin gegenüber. Zwischen ihnen stand ein Schachbrett aus Teakholz. Jekaterina hatte wie immer weiß gewählt und die Partie eröffnet. Eric McClusky hatte ebenfalls einen Bauern gezogen. Allerdings einen anderen, als den, den er sonst zog. Dieser Zug zwang Jekaterina dazu, ihre ursprüngliche Strategie über den Haufen zu werfen, und zu improvisieren. Denn mit diesem Zug als Eröffnung hatte sie nicht gerechnet. Eric McClusky hatte seine ehemalige Vorgesetzte auf dem linken Fuß erwischt. Nun galt es, dies taktisch auszunutzen. Eric zog einen seiner beiden Springer. Jekaterina zog ihre Dame, und tappte in die Falle, die Eric McClusky gestellt hatte. Den entscheidenden Zug machte allerdings Lysandra. Mit dem am strategisch günstigsten stehenden Turm schlug sie Jekaterinas König.
 

„Schach matt, Captain Romanova.“, sagte sie.
 

„Schach matt. Sie haben mich heute wirklich überrascht, Captain McClusky.“
 

„Wenn man eine so gute Lehrmeisterin hat, wie meine Frau, kein Wunder.“, sagte Eric McClusky.
 

„Es war mein Großvater mütterlicherseits, der mir das Schachspielen beigebracht hat. Ich war damals 6 Jahre alt.“
 

„Dann spielen sie ja schon gefühlt eine halbe Ewigkeit, Captain.“, sagte Eric McClusky.
 

„Ja. Ich habe sogar mehrfach das große Schachturnier in meiner Heimatstadt Smolensk gewonnen. Bis heute habe ich noch nie eine Partie verloren.“
 

„Jede Siegesserie endet einmal, Captain.“, sagte Lysandra.
 

Sternenbasis G6 3 Tage später
 

Jekaterina stand mit ihrem ehemaligen ersten Offizier und dessen Ehefrau 343

an einem der Fenster und sah zu dem Schiff hinüber, das dort wartete.
 

„Jetzt heißt es Abschied nehmen, Eric. Ich wünsche ihnen viel Glück.“, sagte Jekaterina.
 

„Das wünsche ich ihnen auch, Captain.“
 

Jekaterina hielt ihrer scheidenden Nummer eins die Hand zum Abschied hin.
 

„Leben sie wohl, Eric. Hoffentlich sehen wir uns wieder.“, sagte sie.
 

„Garantiert, Captain.“
 

1 Stunde später
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56596.1 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel, dem Planeten Bataria. Die Hiryū unter meinem ehemaligen Offizier soll nach Rulon aufbrechen, und Königin Loreley über die Kriterien für einen Beitritt zur Föderation aufklären. Was nun das Schwesterschiff, die Soryū angeht, so wurde diese gestern fertiggestellt. Das Schiff wird nun in die Erprobungsphase gehen. Hoffen wir, dass Hiryū und Soryū auch glückliche Schiffe werden, wie wir eines sind. Was nun aber unsere Mission angeht, so werden wir durch die Valdore und die Krios Prime sowie die Maranga IV verstärkt.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite und lehnte sich zurück. Die Kirow flog nicht mit Höchstgeschwindigkeit. Sondern mit Warp 3. Für Jekaterina erst mal ausreichend. Außerdem waren die Schilde gesenkt und die Waffensysteme deaktiviert. Denn solange sich die Kirow auf Föderationsgebiet befand, hatten Jekaterina und ihre Besatzung nichts zu befürchten. Allerdings war die taktische Konsole wieder doppelt besetzt und es herrschte erhöhte Alarmbereitschaft. Quantez Robertson fragte sich, warum die Kommandantin so vorsichtig war.
 

„Captain.“, sprach er Jekaterina an.
 

„Was gibt es Nummer eins?“
 

„Darf ich sie was fragen?“, fragte Commander Robertson.
 

„Nur zu.“
 

„Die taktische Konsole ist doppelt besetzt. Und wir haben erhöhte Alarmbereitschaft. Darf ich den Grund dafür erfahren?“, sagte Quantez.
 

„Sie dürfen. Sie wissen so gut wie ich, dass es Weltraumpiraten gibt, denen die territoriale Souveränität der Föderation nichts bedeutet. Wir können also, ohne es zu ahnen, aus heiterem Himmel angegriffen werden.“

344

„Leuchtet ein, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Es gibt eine Lektion, die mir mein Mentor, Captain Anatoli Peskow beigebracht hat. Und diese habe ich auch ihrem Vorgänger beigebracht. Und auch ihnen, werde ich diese Regel beibringen, Nummer eins. Also vergessen sie meine Worte nicht.“
 

„Und wie lautet diese Regel, Captain?“, fragte Jekaterinas neuer erster Offizier.
 

„Unterschätze niemals den Feind.“
 

„Ich schätze, dass Captain Peskow ihnen diese Lektion bestimmt über hundert mal rezitiert hat.“, sagte Commander Robertson.
 

„Eher umgekehrt. Mein Bruder und ich mussten ihm diese Lektion immer wieder in einem Vier-Augen-Gespräch wiederholen.“
 

„Schätze mal, dass Captain Peskow, ein guter Lehrer war.“, sagte Jekaterinas neue Nummer eins.
 

„Captain Peskow hat sowohl mich als auch meinen jüngeren Bruder Jewgeni ausgebildet. Jewgeni kommandiert die Laconia. Ein Schiff der Ambassador-Klasse.“
 

Sie und ihr Bruder scheinen ja vom Glück gesegnet zu sein, wenn man ihnen beiden zwei so schlagkräftige Schiffe anvertraut.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Ich denke, das hat nicht nur mit Glück zu tun, Nummer eins. Können gehört auch dazu. Und vergessen sie eines nicht Commander: Als Raumschiffkommandant wird man ständig beobachtet und kritisiert. Von Freund und Feind. Und Neutralen.“
 

„Was meinen sie, Captain?“, fragte der Amerikaner.
 

„Neutrale über Kritik, wenn man sie in einer brenzligen Situation im Stich lässt. Und sie tun es, wenn man ihnen unaufgefordert zu Hilfe kommt.“
 

„Verstehe. Ich schätze, die Ferengi werden nicht sehr erfreut sein, uns zu sehen.“, sagte Commander Robertson.
 

„Mit Sicherheit, Nummer eins. Und sie werden nicht gerade Freudensprünge machen, wenn sie die Klingonen sehen.“
 

Kaum hatte Jekaterina ihren Satz beendet, da meldete sich Toprak der taktische Offizier.
 

„Captain, unsere Sensoren haben zwei weitere Föderationsschiffe erfasst.“, sagte er. 345

„Welche Schiffe?“
 

„Die Laconia und die Soryū, Captain.“, sagte der Klingone.
 

Keiko hob ihren Kopf.
 

„Captain, die Laconia ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Jekaterinas Bruder.
 

„Schön dich zu sehen, kleiner Bruder.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Was glaubst du, wie es mir geht, big sis.“
 

„Was verschafft uns die Ehre eurer Anwesenheit, Jewgeni?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir haben den Befehl, dich zusammen mit der Soryū zu unterstützen. Und glaub mir Jekaterina, du wirst unsere Hilfe bitter nötig haben.“
 

„Gibt es etwas, dass ich wissen müsste?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„An deinem Zielort wimmelt es nur von Ferengi-Schiffen.“
 

„Die führen bestimmt etwas im Schilde. Was haben sie bisher unternommen?“, sagte Jekaterina.
 

„Bisher gar nichts. Aber sie lassen kein Schiff in die Nähe des Planeten Bataria.“
 

„Und so etwas nennst du nichts unternehmen? Wirklich sehr witzig. Aber egal. Wie viele Marauder befinden sich im Moment vor Ort, Jewgeni?“ sagte Jekaterina.
 

„Da gibt es widersprüchliche Meldungen. Starfleet Command spricht von 5, die Romulaner von 10, und die Klingonen von 4 Schiffen.“
 

„Jedenfalls genug um Aufmerksamkeit zu erregen.“, sagte Jekaterina.
 

„Wie darf ich das verstehen, big sis?“
 

„Die Klingonen haben ebenfalls zwei Schiffe entsandt. Die Krios Prime und die Maranga IV.“, sagte Jekaterina.
 

„Die Ferengi müssen den Klingonen ja ganz schön auf den Schlips getreten sein, wenn Kanzler Martok schon so schweres Geschütz auffahren lässt.“
 

„Oder unser klingonischer Vater hat seine Hand im Spiel.“, sagte Jekaterina. 346

„Meinst du, big sis?“
 

„Wär doch möglich.“, sagte Jekaterina.
 

„Weißt du eigentlich, was die Ferengi vorhaben, Jekaterina?“
 

„Genau das sollen wir herausfinden. Bataria scheint für die Ferengi von ganz besonderem Interesse zu sein.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum fragst du nicht Dambala? Der kriegt doch viel mit.“
 

Jekaterinas neuer erster Offizier, Quantez Robertson, runzelte die Stirn. Dann wandte er sich an seine Vorgesetzte.
 

„Darf ich sie was fragen, Captain?“, fragte er dann.
 

„Nur zu, Nummer eins.“
 

„Wer ist Dambala?“, fragte Commander Robertson.
 

„Er ist ein Q.“
 

„Ein Q?“, fragte Quantez Robertson nach.
 

„Ein Q, Nummer eins.“
 

„Kann man sich auf ihn verlassen, Captain Romanova?“, wollte Jekaterinas erster Offizier wissen.
 

„Dambala ist eine sehr zuverlässige Informationsquelle. Wenn sie mal ihr eigenes Kommando haben, und er macht ihnen seine Aufwartung, hören sie sich an, was er zu sagen hat.“
 

„Werds mir merken, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

Eine Stunde später
 

In ihrem Quartier hatte Jekaterina gerade begonnen, ihr Schachbrett aufzubauen. Sie hatte ihrer neuen Nummer eins das Kommando übergeben, mit der Bitte, sie sofort zu rufen, wenn es etwas Neues gab.
 

Sie war gerade fertig geworden, als der Türsummer ertönte.
 

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Komm rein.“, sagte die Kommandantin der Kirow. 347

Die Türhälften glitten auseinander und Dambala betrat den Raum. Dieses Mal wieder mit einem weißen Anzug mit weißem Zylinder. Der Q lupfte seinen Hut.
 

„Setz dich.“, sagte Jekaterina.
 

Dambala setzte ich ihr gegenüber.
 

„Ich wusste gar nicht, dass du Schach spielst.“, sagte der Q.
 

„Seit meinem 6. Lebensjahr.“
 

„Dann hast du sicher auch schon viele Turniere gewonnen, Jekaterina.“, sagte Dambala.
 

„Ja. Aber meine letzte Partie habe ich verloren.“
 

„Darf ich nach deinem Gegner fragen?“, fragte der Q.
 

„Du kennst ihn. Eric McClusky.“
 

„Wo ist er eigentlich? Ich seh ihn nirgends.“, sagte Dambala.
 

„Eric darf sich jetzt „Captain“ nennen. Sie haben ihm das Kapitänspatent und auch sein erstes Kommando gegeben.“
 

„Welches Schiff, Jekaterina?“, fragte Dambala.
 

„Die Hiryū.“
 

„Welche Klasse?“, fragte der Q.
 

„Ranger-Klasse. Das Schwesterschiff, die Soryū befindet sich gerade in der Erprobungsphase. Und Commander McCluskys Nachfolger heißt Quantez Robertson.“
 

„Das wäre meine nächste Frage gewesen.“, sagte Dambala.
 

„Es gibt noch weitere erfreuliche Neuigkeiten, Dambala.“
 

„Ich höre.“, sagte der Q.
 

„Eric McClusky hat geheiratet. Seine Ehefrau heißt Lysandra.“
 

„Warst du bei der Hochzeit anwesend, Jekaterina?“, fragte der Q.
 

„Leider nein. Ich hab die Hochzeit dummerweise verpasst. Aber ich habe Lysandra noch kennen gelernt.“
 

„Ist sie hübsch?“, wollte Dambala wissen.
 

„Lysandra ist eine Augenweide. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, meine ehemalige Nummer eins hätte keine bessere Ehefrau als sie finden können.“
 

„Freut mich für die beiden.“, sagte der Q.
 

„Was ist der wahre Grund, warum du mir einen Besuch abstattest, Dambala?“
 

„Es geht um deine Mission, Jekaterina. Ich kann Licht in einen Umstand bringen, der damit zu tun hat.“, sagte der Q.
 

„Hast du etwas in Erfahrung bringen können?“
 

„Ja. Aber viel ist es nicht gerade.“, sagte Dambala.
 

„Jede Information ist wertvoll, Dambala. Egal wie viel du erfährst.“
 

„Ich weiß, warum die Ferengi ein so hohes Interesse, an Bataria haben.“, sagte der Q.
 

„Immerhin etwas.“
 

„Die Batarianer, wie sich die Bewohner des Planeten selbst nennen, sind eine technologisch weit fortgeschrittene Rasse. Vor kurzem haben sie eine neue Technologie entwickelt. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, um welche Art es sich handelt.“, sagte Dambala.
 

„Das ist nicht schlimm, Dambala. Ich denke, dass die Regierung der Batarianer das Gespräch mit uns suchen wird, sobald wir eintreffen. Aber wäre es möglich, dass diese neue Technologie der Batarianer der Grund für dieses gesteigerte Interesse der Ferengi am Planeten sein könnte?“
 

„Wir können zu 99% davon ausgehen, dass das der Grund ist, Jekaterina. Denn anders lässt sich diese große Anzahl an Ferengi-Schiffen nicht erklären.“, sagte der Q.
 

„Weißt du, wie viele Schiffe der Ferengi zurzeit in diesem Sektor operieren?“
 

„Stand jetzt sind es 7.“, sagte Dambala.
 

„Das würde bedeuten, dass wir zu fünft wären, wenn wir mit den Klingonen zusammentreffen.“
 

„Die Romulaner haben ihr bestes Schiff, die Valdore, in diesen Sektor beordert. Ihr wärt also 6 gegen 7. Welche Schiffe haben die Klingonen geschickt?“, sagte der Q.

348

„Die Krios Prime und die Maranga IV.“
 

„War nicht anders zu erwarten“., sagte Dambala.

„Tut mir leid, Dambala. Aber ich kann dir nicht ganz folgen.“

„Der Knackpunkt ist die Lage von Bataria. Verstehst du, worauf ich hinaus will?“, sagte Dambala.
 

„Nicht ganz.“
 

„Der Planet liegt an den Außengrenzen des Föderationsgebiets.“, sagte der Q.
 

„Das tun viele Planeten, Dambala.“
 

„Das mag zwar sein, Jekaterina. Was Bataria aber so prekär macht, ist die Tatsache, dass der Planet nicht allzu weit von den Außengrenzen der Klingonen entfernt ist. Und die Romulaner sind auch nicht weit weg. Du kannst also davon ausgehen, dass das urplötzliche Auftauchen der Ferengi in solcher Stärke beiden Völkern nicht verborgen geblieben ist.“, sagte Dambala.
 

„So etwas muss ja zwangsläufig auffallen.“
 

„Ganz Recht, Jekaterina. Eine Sache konnte ich noch in Erfahrung bringen, bevor ich mich auf den Weg zu dir gemacht habe.“, sagte der Q.
 

„Jetzt bin ich neugierig, Dambala. Was kannst du mir noch berichten?“
 

„Der Oberbefehlshaber der Ferengi-Flottille heißt DaiMon Nork. Sein Schiff ist die Brexit.“, sagte Dambala.
 

„Und so etwas nennst du nicht viel? Du ahnst nicht, wie sehr du mir und meiner Besatzung weitergeholfen hast.“
 

„Immer wieder gern.“, sagte Dambala.
 

Auf Bataria
 

Königin Keyra saß zusammen mit DaiMon Nork im Konferenzraum des Palastes. Der Ferengi, in elegantes Schwarz gekleidet musterte die Königin der Batarianer. Keyra war eine 1,63 m große Brünette mit braunen Augen. Sie hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten und grazilen Nase. Ihren schlanken Körper hielt sie mit ausgewogener Ernährung und täglichem Training in Form. Ihre Haare trug die Königin der Batarianer offen, sodass sie an der Oberkante ihrer Brüste endeten. Wie üblich trug die Königin ein figurbetonendes Kleid in einem dunklen Rot-Ton.
 

Keyra beobachtete ihren Gesprächspartner. DaiMon Nork hatte die 349

Fingerspitzen aneinander gelegt. Doch die Königin konnte Anspannung und Ungeduld im Gesicht des Ferengi erkennen. Es war offensichtlich, dass sich die Dinge nicht so entwickelt hatten, wie er sich das gewünscht hatte. Die Ferengi versuchten schon seit zwei Monaten, die neueste technische Errungenschaft der Batarianer in ihren Besitz zu bringen. Bisher allerdings ohne Erfolg. Keyra machte sich bewusst, dass DaiMon Nork ungehaltener wurde, je mehr Tage ergebnislos verstrichen. Der Ferengi brach schließlich das Schweigen.
 

„Mylady, ihr könnt euch sicher vorstellen, dass man bei uns auf Ferenginar nicht gerade sehr erfreut darüber ist, dass euer Volk uns seine neueste technologische Errungenschaft eiskalt lächelnd vorenthält. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betonen, dass das Volk der Batarianer kein besseres Angebot, als das unsere bekommen wird. Von niemandem.“, sagte der Ferengi.
 

„Ich habe euer „Angebot“ unserem Obersten Rat vorgelegt, wie ich es versprochen habe. Deren Entscheidung kam heute Morgen.“
 

„Euer Rat hat sich mit der Entscheidung mehr Zeit gelassen, als von unserer Seite zugestanden wurde. Aus diesem Grund wäre es eine faire Geste von Seiten des Rates, wenn die Entscheidung positiv ausfällt.“, sagte DaiMon Nork.
 

„Der Oberste Rat von Bataria hat euer Angebot mit der Begründung abgelehnt, dass wir selbst entscheiden, ob, und wenn ja, wem wir unsere technischen Errungenschaften zur Verfügung stellen.“
 

Die Gesichtszüge des Ferengi verdüsterten sich. Keyra wusste, dass sie DaiMon Nork gerade übelst vor den Kopf gestoßen und ihn gekränkt hatte.
 

„Der Oberste Rat von Bataria hat einen Fehler begangen, der noch schwerwiegende Konsequenzen für euer Volk nach sich ziehen wird, Königin Keyra.“, sagte DaiMon Nork.
 

„Seit wann ist es üblich, dass das Volk der Ferengi anderen Rassen vorschreiben darf, ob, und mit wem sie Handel treiben?“
 

„Ihr wärt gut damit beraten, wenn ihr folgendes in Erwägung zieht, Königin Keyra. Wir Ferengi kriegen in der Regel, was wir wollen.“, sagte der Ferengi.
 

„Und wenn nicht?“
 

„Das werdet ihr in Bälde erfahren. Aber merkt euch das gut, Königin Keyra. Wir schachern nicht, wir kassieren.“, sagte DaiMon Nork.
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56604.8 Commander Quantez Robertson, erster Offizier neuer Eintrag: Heute Morgen hat uns eine Nachricht von Starfleet Command erreicht. Darin wurde uns mitgeteilt, dass die 350

Ferengi die Tochter von Königin Keyra, der Regentin auf Bataria, als Geisel genommen haben. Ich habe die Geschwindigkeit von Warp 3 auf Warp 6 erhöhen lassen, damit wir schneller vor Ort sind, um dem Ganzen eine Ende zu bereiten. Vielleicht ziehen sich die Ferengi zurück. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie es nicht tun werden. Captain Romanova würde eine Weltraumschlacht liebend gerne vermeiden, und auch ich bin nicht erpicht darauf mit den Ferengi in ein Gefecht zu gehen. Zumindest, wenn sich diese Angelegenheit friedlich regeln lässt. Sollten die Ferengi jedoch nicht an einer friedlichen Lösung interessiert sein, wäre eine bewaffnete Auseinandersetzung unausweichlich.“
 

Der erste Offizier hatte gerade das Logbuch beiseite gelegt, als die Türhälften auseinanderglitten, und Jekaterina Romanova, seine Vorgesetzte auf die Brücke kam.
 

„Kommandant auf der Brücke!“, sagte Quantez Robertson und salutierte zackig.
 

„Stehen sie bequem, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Ich übernehme wieder das Kommando, Commander Robertson.“
 

„Sehr wohl, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Gibt es Neuigkeiten, Nummer eins?“
 

„Während sie sich ausgeruht haben, kam eine Nachricht von Starfleet Command. Die Ferengi haben die Tochter von Königin Keyra, Prinzessin Lanea als Geisel genommen.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Wer ist Königin Keyra?“
 

„Die Regentin auf Bataria, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Verstehe. Fliegen wir deshalb mit Warp 6, Commander?“
 

„Ich hielt es für angemessen, die Geschwindigkeit zu erhöhen, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Dann sollten wir uns gefechtsbereit machen, Nummer eins.“
 

„Dann wandte sich Jekaterina an ihren taktischen Offizier.
 

„Mr. Toprak, aktivieren sie unsere Schilde und die Waffensysteme.“, sagte sie.
 

„Jawohl, Captain.“

351

Der Klingone betätigte einige Schaltflächen auf dem Display seiner Konsole. Auf dem kleinen Schirm erschien der Status der Kirow.
 

„Schilde und Waffensysteme sind aktiv, Captain.“, meldete Toprak.
 

Danke, Mr. Toprak.“
 

An der Grenze zum klingonischen Imperium
 

Das Ferengi-Schiff Castor war auf Patrouille. Vor zwei Tagen hatte die Crew ein anderes Schiff, die Apex, abgelöst. Die Mission war relativ einfach. Der Befehl lautete, alle Bewegungen der klingonischen Flotte in diesem Gebiet zu melden. Doch der Kommandant der Castor wusste nur zu gut, dass die Klingonen die Außengrenzen ihres Reiches sehr genau im Auge behielten. Außerdem wusste der Ferengi, dass die klingonischen Raumschiffkommandanten nicht viel Federlesens machten, wenn man entweder ungefragt in das Hoheitsgebiet des klingonischen Imperiums eindrang, oder den äußersten Grenzen des Imperiums zu nahe kam. Der Ferengi-Captain war sich durchaus im Klaren darüber, dass er und seine Besatzung jederzeit einem klingonischen Raumkreuzer begegnen konnten. Und DaiMon Mirk wusste aus Erfahrung, dass die Schiffe der klingonischen Flotte schwer bewaffnet waren.
 

Einer der beiden Brückenoffiziere, die vor dem Kommandanten saßen, wandte sich zu DaiMon Mirk um.
 

„DaiMon Mirk, unsere Sensoren haben zwei klingonische Schiffe erfasst. Die Schiffe wurden als Krios Prime und Maranga IV identifiziert.“, sagte er.
 

„Welcher Kurs?“
 

„Kurs 160,3.“, sagte der Offizier.
 

„Mach sofort Meldung.“
 

„Jawohl, DaiMon.“, sagte der Ferengi.
 

Gerade als die Castor anfing, ihre Botschaft zu übermitteln, tauchten zwei weitere klingonische Kreuzer auf. Es waren die IKS Boreth, ein Kreuzer der D7-Klasse, und die Negh'Var II, der neueste Kreuzer der Negh'Var-Klasse. Die klingonischen Schiffe hatten den Funkspruch des Ferengi-Schiffes aufgefangen, und machten sich gefechtsbereit. Doch General Bhav´ Lor Zarrok hatte befohlen, dass Feuer erst nach einer eindeutigen Warnung an den Marauder zu eröffnen. Der Kommandant der Boreth ließ eine entsprechende Nachricht versenden.
 

An Bord der Castor
 

Der zweite Brückenoffizier wandte sich an DaiMon Mirk. 352

„DaiMon Mirk, wir wurden kontaktiert.“, sagte er.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht von General Zarrok. DaiMon Mirk erkannte sofort, dass er ein hohes Tier vor sich hatte. Da konnte er nicht einfach lospoltern. Doch der alte Klingonen-General ersparte ihm diese Peinlichkeit.
 

„Ich bin General Bhav´ Lor Zarrok, Mitglied des klingonischen hohen Rates. Sie haben widerrechtlich Bewegungen von Schiffen unserer Flotte an feindliche Kräfte weitergegeben. Erklären sie das.“, sagte der alte Klingone.
 

„Ich bin DaiMon Mirk, und dies ist die Castor. Und auf eine Erklärung hoffen sie vergebens, General Zarrok.“
 

DaiMon Mirk ließ die Verbindung unterbrechen, und nahm die Boreth ins Visier. Dann gab er den Feuerbefehl. Und genau darauf hatte Jekaterinas klingonischer Vater gewartet. Die beiden klingonischen Kreuzer erwiderten das Feuer mit Photonentorpedos. Jedes der beiden Schiffe feuerte zweimal- Den entscheidenden Treffer erzielte jedoch die Boreth. Ihr Torpedo traf direkt in den Maschinenraum. Dabei wurde der Warpkern der Castor schwer beschädigt.
 

An Bord der Castor
 

Der Alarm ging los, als der Warpkern des Marauders in seine kritische Phase eintrat. Eine Computerstimme ertönte.
 

„Achtung! Warpkernbruch! Geschätzte Zeit bis zum Zusammenbruch 2 Minuten 30 Sekunden.“
 

DaiMon Mirk wusste, das Schiff war verloren. Jetzt blieb nur noch eines übrig: Die Evakuierung zu veranlassen. Er wollte gerade einen entsprechenden Befehl erteilen, als Mirk von einem Vorhang aus orangenem Licht umhüllt wurde. Von einem Augenblick auf den anderen fand er sich an Bord des D7-Kreuzers in einer Arrestzelle wieder. Direkt davor standen zwei bis and die Zähne bewaffnete Wachposten. Ein Zischen wurde hörbar, als sich eine Tür öffnete. General Bhav´ Lor Zarrok betrat den Raum. Er baute sich vor DaiMon Mirk auf. Der Ferengi konnte Wut im Gesicht des alten Klingonen erkennen.
 

„Nur damit du weißt, was dich erwartet, Freundchen. Du wirst vor Gericht gestellt, und wegen Hochverrats angeklagt.“, sagte der alte General.
 

„Ich habe nur meine Befehle befolgt, General Zarrok.“
 

„Sag das nicht mir, sondern dem Richter. Und fang schon mal an zu beten.“, sagte der General.
 

„Wofür?“ 353

„Dass du an einen Richter gerätst, der noch mit sich reden lässt. Denn dann verlässt du als freier Mann den Gerichtssaal, und kannst zu deinem Volk zurückkehren. Gerätst du aber an einen Richter, der für seine Gnadenlosigkeit bekannt ist, dann war es das für dich.“, sagte Bhav´ Lor Zarrok.
 

An Bord der Castor
 

Die restliche Besatzung hatte, in Panik geraten, völlig den Kopf verloren. Jeder handelte nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“. Der Weg zu den Rettungskapseln war durch einen Torpedotreffer der Negh'Var II versperrt. Als der Warpkern zusammenbrach, zerriss eine starke Explosion das Schiff.
 

An Bord der Brexit
 

DaiMon Nork saß auf seinem Sessel, als die Nachricht vom Verlust der Castor eintraf. Damit hatte er einen wichtigen Späher verloren, den er nicht ersetzen konnte. Und Quarks Bruder Rom, seines Zeichens der amtierende große Nagus, würde den Teufel tun, und ein weiteres Schiff entsenden. Auf der anderen Seite, so musste sich Nork eingestehen, hatte DaiMon Mirk voreilig gehandelt, als er das Feuer auf die Boreth eröffnet hatte. Und DaiMon Nork war Realist genug, um zu wissen, das Mirk von den Klingonen keine Gnade zu erwarten hatte.
 

Nork ahnte, dass dieser Auftrag für ihn in einem Fiasko enden konnte. Denn vor zwei Tagen war die IRW Valdore, das beste Schiff der romulanischen Flotte, in diesem Sektor aufgetaucht. Die Föderation hatte gleich drei Schiffe, darunter die Kirow, entsandt. Und auch die Klingonen hatten mit der Krios Prime und der Maranga IV zwei schlagkräftige Schiffe geschickt. Der Verlust der Castor kam also zum ungünstigsten Zeitpunkt. DaiMon Nork mochte sich gar nicht ausmalen, welche Konsequenzen er zu erwarten hatte, wenn er beim großen Nagus Rom in Ungnade fiel. Nach den Misserfolgen bei den letzten drei Missionen war der DaiMon angezählt. Wenn er diese Mission auch noch in den Sand setzte, dann war er erledigt, soviel stand fest.
 

An Bord der Soryū
 

Commander Martin Schindler saß auf dem Platz in der Mitte. Denn das Kommando auf der Soryū war noch nicht vergeben. Genau wie ihr Schwesterschiff die Hiryū, die nach der HIJMS Hiryū benannt war, war das Schiff nach der HIJMS Soryū benannt, einem japanischen Flugzeugträger, der von der US Navy bei der Schlacht um Midway am 4. Juni 1942 versenkt worden war. Auch die Namengeberin der USS Hiryū, ebenfalls ein japanischer Flugzeugträger, hatte in derselben Schlacht ein nasses Grab gefunden.
 

Martin Schindler, der erste Offizier auf der Soryū, war ein 1,93 m großer Mann mit athletischem Körperbau. Der Deutsche aus Wiesbaden hatte ein ovales Gesicht und grünbraune Augen. Martin Schindler hatte dunkelbraune dauergewellte Haare und eine etwas zu breit geratene Nase. Diese wurde durch den Schnauzbart des Wiesbadeners noch einmal stärker hervorgehoben. 354
 

Martin Schindler befand sich mit seinen 35 Jahren in der Blütezeit seines Lebens.
 

Nach der Fertigstellung des Schiffes hatte man die obligatorische Testcrew an Bord geschickt. Bis auf ein paar Fähnriche und Kadetten würden alle an Bord bleiben, und mit dem neuen Kommandanten die Stammbesatzung bilden. Es war Admiral Paris gewesen, der die Besatzung für Soryū ausgewählt hatte. Und er wollte um jeden Preis vermeiden, dass sich ein Szenario, wie das der Kirow wiederholte.
 

Für Commander Schindler war diese Mission eine Chance, sich beizeiten für ein eigenes Kommando zu empfehlen. Doch jetzt musste er vorübergehend die Befehle ausführen, die er von Jekaterina Romanova, der Kommandantin der Kirow bekam. Denn sie war von den kommandierenden Offizieren die Dienstälteste und damit die ranghöchste. Martin Schindler wusste nur zu gut, dass viel von Jekaterinas Beurteilung für seine Leistungen auf dieser Mission abhing.
 

An Bord der Kirow, eine Stunde später
 

Jekaterina hatte die Führungsoffiziere aller drei Schiffe zu einer Besprechung auf der Kirow zusammengetrommelt. Links von ihr saß Quantez Robertson, Eric McCluskys Nachfolger als erster Offizier. Zu ihrer Rechten saß ihr Bruder Jewgeni, der Kommandant der Laconia. Neben ihm saß Jack Striker, Jewgenis Nummer eins. Neben ihrem ersten Offizier saß Martin Schindler, zurzeit der Kommandant der USS Soryū, dem Schwesterschiff der Hiryū, die jetzt Eric McCluskys Zuhause war.
 

„Gentlemen, ich habe um diese Zusammenkunft gebeten, um mit ihnen unsere Strategie zu besprechen und um ihnen meine persönliche Beurteilung der Lage mitzuteilen.“, sagte Jekaterina in die Runde.
 

„Gibt es Neuigkeiten, Captain?“
 

„Starfleet Command hat uns eine Nachricht geschickt, Commander Schindler. Die Klingonen haben ein Ferengi-Schiff so schwer beschädigt, dass der Warpkern zusammengebrochen ist. Das Schiff wurde dadurch zerstört.“, sagte Jekaterina.
 

„Gab es Überlebende, Captain?“
 

„Nur den Kommandanten, Nummer eins. Ein Ferengi namens Mirk, im Rang eines DaiMon.“, sagte Jekaterina.
 

„Demnach dürften ihn die Klingonen gefangen genommen haben, big sis.“
 

„DaiMon Mirk befindet sich zurzeit an Bord der IKS Boreth, einem 355

Kreuzer der D7-Klasse. Das Schiff ist auf dem Weg nach Qo'noS.“, sagte Jekaterina.

„Dann wird man ihn vor Gericht stellen. Und das Urteil und auch das Strafmaß dürften bereits feststehen, Captain.“
 

„Was macht sie da so sicher, Commander Striker?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Wir kennen doch die Klingonen, Captain. Und wir wissen auch, wie gnadenlos die klingonischen Richter sein können. Das Urteil wird „schuldig“ lauten. DaiMon Mirk wandert ins Straflager auf Rura Penthe.“
 

„Da wäre ich mir nicht so sicher, Nummer eins. Mirk ist ein Ferengi. Rom, der große Nagus, wird von Kanzler Martok die Auslieferung von Mirk verlangen. Martok weiß das. Und er wird nichts unternehmen, was Rom dazu veranlassen könnte, dem klingonischen Imperium den Krieg zu erklären.“, sagte Jewgeni.
 

„Ganz abgesehen davon, wird kein klingonischer Richter DaiMon Mirk zu einer Haftstrafe auf Rura Penthe verurteilen, nur weil er Befehle ausgeführt hat.“
 

„Ich würde sagen, wir sollten unter dieses Thema einen Schlussstrich ziehen. Fakt ist, dass die Ferengi durch den Verlust der Castor nur sechs Schiffe hier haben. Sie wissen, dass ihre Marauder unseren Schiffen, sowie denen der Klingonen und Romulaner hoffnungslos unterlegen sind.“, sagte Jekaterina.
 

„Wie beurteilst du die Lage anhand der vorhandenen Fakten, big sis?“
 

„Die Ferengi wollen die neueste Technologie der Batarianer in ihre Finger bekommen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sie diese Technologie dann gewinnbringend weiterverkaufen wollen. Und wir alle, die in diesem Raum versammelt sind, wissen, wie skrupellos die Ferengi in solchen Fällen vorzugehen pflegen. Dass sie nun ein Schiff weniger haben, wird den Oberbefehlshaber der Ferengi-Flottille gehörig unter Druck setzen. “, sagte Jekaterina.
 

„Meinen sie, Captain?“
 

„Ein Ferengi kann es sich nicht leisten, mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Denn die Konsequenzen wären fürchterlich.“, sagte Jekaterina.
 

Auf Bataria
 

Königin Keyra war verzweifelt. Die Ferengi hatten sie wissen lassen, dass sie ihre Tochter Lanea in ihrer Gewalt hatten. DaiMon Nork hatte damit gedroht, die Prinzessin umzubringen, sollte Keyra seinen Forderungen nicht nachkommen. Mehrfach hatte sie seitdem den obersten Rat darum ersucht, seine ablehnende Haltung aufzugeben. Doch ohne Erfolg.

356

An Bord der Brexit
 

DaiMon Nork rieb sich die Hände. Mit Prinzessin Lanea als Geisel würde er die Königin der Batarianer bald weich gekocht haben. Doch er musste vorsichtig sein. Denn sowohl die Föderation, als auch die Klingonen und die Romulaner konnten seinen Plan noch vereiteln. Denn wenn er hatte, was er wollte, würde sein Wort, das er der Königin gegeben hatte, ihre Tochter wieder freizulassen, nicht einhalten. Denn diese Chance auf zusätzlichen Gewinn wollte er sich nicht entgehen lassen. Eine Schönheit, wie Prinzessin Lanea, noch dazu eine designierte Thronfolgerin, brachte ordentlich was ein. Schon bald würde sich Bataria im Würgegriff der Ferengi winden.
 

DaiMon Nork wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen, als einer der beiden Brückenoffiziere, die vor ihm saßen, ansprach, und ihm meldete, dass sie von der Kirow kontaktiert worden waren.
 

„Auf den Schirm.“, sagte Nork.
 

Auf dem Schirm erschien Jekaterina Romanovas Gesicht.
 

„Captain Romanova.“, begann der Ferengi das Gespräch.
 

„Ich nehme an, sie sind der Kommandant des Schiffes.“
 

„DaiMon Nork, zu ihren Diensten.“, sagte Nork.
 

„Ihnen ist schon klar, dass ihre verstärkte Präsenz in diesem Sektor der Föderation nicht entgangen ist.“
 

„Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst, Captain. Und ich bin mir auch darüber im Klaren, dass unsere Aktivitäten die Klingonen und die Romulaner interessieren.“, sagte DaiMon Nork.
 

„Ihre verstärkte Aktivität in diesem Sektor und ihr gesteigertes Interesse am Planeten Bataria ist alles andere als gewöhnlich. Mich würde interessieren, warum.“
 

„Die Batarianer haben eine neue Technologie entwickelt, die uns unbekannt ist. Wir wissen nur, dass es um Schall geht.“, sagte der Ferengi.
 

„Und sie möchten diese Technologie gern erwerben.“
 

„So lautet mein Auftrag.“, sagte DaiMon Nork.
 

Dann ließ er die Verbindung unterbrechen.
 

An Bord der Kirow

357

Keiko hob den Kopf. Als sie ein akustisches Signal empfing.
 

„Captain, wir wurden kontaktiert. Die Quelle befindet sich auf dem Planeten.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Königin Keyras Gesicht. Jekaterina erkannte sofort, dass die Regentin der Batarianer geweint hatte.
 

„Mylady.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Wäre es möglich, den Kommandanten zu sprechen? Es ist sehr dringend.“
 

„Captain Jekaterina Romanova. Ich bin diejenige, die hier auf der Kirow das Kommando hat.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie schickt mir der Himmel. Ich brauche ihre Hilfe. Die Ferengi haben meine Tochter Lanea in ihrer Gewalt. Sie drohen damit sie zu töten, wenn ich mich ihren Forderungen nicht beuge.“
 

„Ich nehme an, dass ihre neueste technische Errungenschaft eine zentrale Rolle spielt.“, sagte Jekaterina.
 

„Da haben sie Recht, Captain.“
 

„DaiMon Nork hat uns verraten, dass ihre technische Errungenschaft auf Schall basiert.“, sagte Jekaterina.
 

„Das ist in der Tat korrekt. Sehen sie, diese Technik ist vielfältig einsetzbar. Sie können in einem Bergwerk mit Hilfe einer Schallkanone einen neuen Stollen öffnen. Aber leider ist unser Schallmodul auch militärisch einsetzbar. Unser oberster Rat hegt die Befürchtung, dass ein Aggressor unsere eigene Technologie gegen uns einsetzen könnte. Deswegen sperren sie sich dagegen, den Ferengi das Schallmodul zu überlassen.“
 

„Aus gutem Grund, Mylady. Die Ferengi schließen nur dann einen Handel ab, wenn sie selbst was davon haben. Hat DaiMon Nork ihnen gegenüber noch mit anderen Konsequenzen gedroht?“, sagte Jekaterina.
 

„Nicht das ich wüsste. Er hat nur damit gedroht Lanea umzubringen, wenn ich mich ihm weiterhin widersetze.“
 

„Das mit dem Umbringen war ein Bluff. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Nork eure Tochter eher verkauft. Lebend würde sie ihm mehr einbringen, als tot.“, sagte Jekaterina.
 

„Was macht sie da so sicher, Captain?“ 358

„DaiMon Nork ist garantiert nicht so dumm, einen Mord zu befehlen. Er würde sich damit euren Zorn bis in alle Ewigkeit zuziehen. Außerdem handeln die Ferengi mit allem, was ihnen in die Hände kommt. Auch mit Menschen und anderen Spezies.“, sagte Jekaterina.
 

„Und was macht sie da so sicher, Captain Romanova?“
 

„Den Ferengi geht es in erster Linie darum, möglichst viel Profit zu machen. Ihnen ist es gelichgültig, mit was sie handeln. Hauptsache, sie sind diejenigen, die von einem Geschäft am meisten profitieren.“, sagte Jekaterina.
 

„Wenn das, was sie mir gerade über die Ferengi gesagt haben, wirklich zutrifft, dann brauche ich erst Recht ihre Hilfe, Captain.“
 

„Keine Sorge, Mylady. Wir werden DaiMon Nork die bittere Pille eines Misserfolges schlucken lassen. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Nach dem Gespräch mit Königin Keyra traf sich Jekaterina mit Dayani im Besprechungsraum hinter der Brücke.
 

„Was hast du auf dem Herzen, Mutter?“, fragte das Energiewesen.
 

„Wir müssen verhindern, dass die Ferengi mit ihrer Geisel das Weite suchen, Dayani.“
 

„Kleinigkeit. Ein Energiestoß und du kannst den Ferengi ihre Geisel abluchsen, ohne, dass sie etwas dagegen unternehmen können.“, sagte Dayani.
 

„Würdest du mir helfen?“
 

„Du weißt, dass ich dich niemals im Stich lasse. Allerdings möchte ich dich dieses Mal im Gegenzug um einen Gefallen bitten, Mutter.“, sagte das Energiewesen.
 

„Du weißt, dass ich dir nie einen Wunsch abschlagen würde, Dayani. Solange er mit meinen Vorschriften vereinbar ist.“
 

„Ich weiß. Aber es ist nicht viel, was ich mir wünsche.“, sagte Dayani.
 

„Ich höre.“
 

„Ich möchte ein Mensch sein. So wie du, Mutter.“, sagte das Energiewesen.
 

„Geht das denn überhaupt?“
 

„Es ist möglich. Aber für mich mit Gefahren verbunden.“, sagte Dayani.
 

„Nehmen wir an, ich würde dir helfen, ein Mensch zu werden. Was 359

würde mit dir passieren?“
 

„Das weiß ich nicht, Mutter. Oder sagen wir besser: Noch nicht.“, sagte Dayani.
 

„Wenn du es herausgefunden hast, lass es mich wissen. Dann setzen wir uns noch einmal zusammen. Aber jetzt sollten wir uns um das Naheliegende kümmern.“
 

Dayani nickte kurz, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Dann umarmte sie die Kommandantin der Kirow.
 

„Pass auf dich auf, Dayani.“, sagte Jekaterina.
 

„Mach dir um mich keine Sorgen, Mutter.“
 

Dann verließ Dayani den Raum. Jekaterina sah mit einem sorgenvollen Blick nach. Sie musste sich eingestehen, dass sie eine emotionale Bindung zu dem Energiewesen, das in ihr seine Mutter sah, aufgebaut hatte. Die Kommandantin der Kirow war hin und her gerissen. Auf der einen Seite wollte sie Dayani bei der Erfüllung ihres Wunsches helfen. Aber auf der anderen konnte, ja durfte sie nicht die Sicherheit ihres Schiffes und auch die Sicherheit ihrer Besatzung unnötig gefährden.
 

Im Orbit um den Planeten Bataria
 

Dayani hatte sich hinter einem Asteroiden versteckt und wartete. Zuerst hatte sie die Standorte der Ferengi-Schiffe festgestellt. Denn sie wollte sichergehen, dass der Rest der Flottille weit genug entfernt war, wenn sie DaiMon Norks Schiff den Energiestoß verpasste. Als Dayani sicher sein konnte, dass die anderen Schiffe der Ferengi nicht rechtzeitig zu Hilfe kommen konnten, wenn sie ihren Angriff startete, tauchte sie hinter dem Asteroiden auf und schleuderte eine kleine Wolke kosmischer Energie auf DaiMon Norks Schiff.
 

An Bord der Brexit
 

Das Schiff erzitterte, als Dayanis Energiestoß die Brexit traf. Die Schutzschilde brachen zusammen und die Waffensysteme fielen aus. DaiMon Nork wurde aus seinem Sessel geschleudert.
 

„Was zum Teufel war das?“, fragte er.
 

„Wir wurden von einem Energiestoß kosmischer Energie getroffen.“
 

„Wo kam der her?“, fragte Nork.
 

„Urplötzlich und aus dem Nichts.“
 

„Machst du Witze, Morek?“, fragte DaiMon Nork. 360

„Nein, DaiMon Nork.“
 

DaiMon Nork hatte gerade wieder in seinem Sessel Platz genommen, als sein zweiter Brückenoffizier den Transfer von Prinzessin Lanea auf die Kirow entdeckte.
 

„DaiMon Nork! Jemand hat die Prinzessin von unserem auf sein Schiff gebeamt!“, sagte er aufgeregt.
 

„WAS?“
 

„Unsere Geisel wurde auf ein anderes Schiff gebeamt.“, sagte der Brückenoffizier.
 

„Jetzt wird mir alles klar. Dieser Energiestoß war ein Ablenkungsmanöver. Er hatte nur den Zweck unsere Verteidigung lahmzulegen, um uns um unser Faustpfand zu betrügen. Ruf mir die Kirow. Ich bin sicher, dass deren Kommandantin hinter dieser hinterhältigen Aktion steckt.“
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als sie den Kontakt der Brexit empfing.
 

„Commander Robertson, wir wurden von der Brexit kontaktiert. Deren Kommandant ist ziemlich sauer.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Ferengi.
 

„Wie kann ich ihnen helfen, DaiMon Nork?“, begann Quantez Robertson das Gespräch.
 

„Ich will unsere Geisel wieder zurück haben. Ich weiß genau, dass sie sich auf ihrem Schiff befindet.“
 

„Das ist eine Behauptung, die sie erst einmal beweisen müssen. Ohne einen hieb- und stichfesten Beweis, glaube ich ihnen kein Wort.“, sagte Commander Robertson.
 

„Für mich ist die Sache eindeutig, Commander. Den Energiestoß auf mein Schiff kann nur ihre Vorgesetzte befohlen haben. Und damit ist sie auch für das Verschwinden unserer Geisel verantwortlich. Sie bekommen exakt 10 Minuten, um mir Prinzessin Lanea wieder auszuhändigen. Ansonsten werde ich ihr Schiff zerstören müssen.“
 

„Darf ich sie freundlich darauf aufmerksam machen, dass ihr Schiff zurzeit kampfunfähig ist, DaiMon Nork?“, fragte Commander Robertson. 361

„Wir mögen vielleicht kampfunfähig sein, aber wir können Hilfe herbeirufen. Sie hingegen nicht.“
 

„Ihnen ist vielleicht klar, dass die Klingonen und die Romulaner auf unserer Seite stehen.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

In diesem Augenblick meldete sich Toprak, der taktische Offizier der Kirow.
 

„Commander, die Maranga IV hat die Apex schwer beschädigt. Die haben selbst alle Hände voll zu tun, um ihr Schiff wieder zu reparieren. Die Valdore ist derzeit im Gefecht mit der Minion. Und auch da sieht nicht gut für das Ferengi-Schiff aus.“, sagte der Klingone.
 

„Da hören sie es selbst DaiMon Nork. Ihre Kavallerie ist selbst in Schwierigkeiten. Wie wollen sie uns denn da noch drohen? Ihr Schiff ist kampfunfähig, ein weiteres ebenfalls. Ein drittes steht ebenfalls vor dem der Kampfunfähigkeit. Das ist die Realität, DaiMon Nork.“, sagte Quantez Robertson.
 

In Transporterraum 4 war die Prinzessin von der Plattform herunter gestiegen und sah sich aufmerksam um. Ein leises Zischen riss sie aus ihren Gedanken. Eine Frau betrat den Raum. Und anhand ihres selbstbewussten Auftretens, gab sich Königin Keyras Tochter keinen Illusionen hin, dass sie diese Person nach Belieben herum kommandieren konnte. Die Prinzessin gestand sich ein, dass sie hier nur Gast war, und es die klügere Wahl war, die Anweisungen dieser Frau nicht infrage zu stellen.
 

Als sich die beiden Frauen gegenüberstanden, nahm Jekaterina die Königstochter genauer in Augenschein. Prinzessin Lanea war 1,70 m groß und hatte lange über die Schultern fallende schwarze Haare und grün-braune Mandelaugen. Um den Hals trug sie eine Goldkette. Bekleidet war die junge Prinzessin, mit einem schwarzen, figurbetonenden Kleid und schwarzen Sandaletten mit goldenen Ornamenten.
 

Der Planet Bataria 3 Tage später
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56620.8 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Die Ferengi haben sich zurückgezogen, nachdem noch die Minion zerstört wurde. Bataria hat um Aufnahme in die Föderation gebeten. Der Hiryū wurde die Mission zugewiesen, Botschafterin Luan nach Bataria zu bringen. Eine weitere Gelegenheit für unsere ehemalige Nummer eins, sein Können unter Beweis zu stellen. Wir werden bald zu einer neuen Mission aufbrechen. Doch heute Abend sind wir noch auf das Bankett eingeladen, dass zu unseren Ehren veranstaltet wird.“
 

Um 19:30 Uhr hatten sich die Offiziere der Föderationsschiffe sowie die Offiziere der klingonischen Schiffe sowie der romulanischen Valdore im großen Saal eingefunden. Die mächtigen Doppeltüren öffneten sich, und Königin Keyra betrat den Raum. Neben ihr ging ihre Tochter Lanea. Jekaterina trug 362

Ein rotes Kleid mit tiefem Beinausschnitt und rote Sandaletten mit silbernen Ornamenten.
 

„Seid willkommen.“, sagte die Königin.
 

Dann wandte sie sich an ihren persönlichen Sekretär. Dieser schlug mit seinem Stock auf den Boden. Ein Diener trat aus den Reihen hervor, ein silbernes Tablett in den Händen haltend. Königin Keyra nahm eine Medaille und hängte sie Captain Lokvar, dem Kommandanten der Maranga IV um den Hals. Dann wies sie den Klingonen an, niederzuknien. Dann nahm sie einen Bi-Händer und legte die Klinge zuerst auf die rechte Schulter. Danach auf die linke Schulter und anschließend berührte der kalte Stahl der Klinge die Stirn des Klingonen.
 

„Kraft meines Amtes, ernenne ich, Königin Keyra, Regentin aller Batarianer, euch, Captain Lokvar zum Ritter der Schwerter von Langley. Erhebt euch, Sir Lokvar.“, sagte die Königin.
 

Auch die anderen Offiziere erhielten den Ritterschlag. Alle, bis auf Jekaterina. Die Kommandantin der Kirow war ein bisschen neidisch. Doch als die Königin vor sie trat, und ihr ein goldenes Diadem auf den Kopf setzte, blieb Jekaterina fast das Herz stehen.
 

„Dich, Jekaterina Romanova, ernenne ich hiermit zur Herzogin.“, sagte Königin Keyra.
 

Danach trat Prinzessin Lanea vor sie und hängte ihr eine Goldkette mit einer Perle in der Größe eines Taubeneis um den Hals.
 

„Diese Kette gehörte einst meiner Großmutter. Sie soll nun dir gehören. Trage sie mit Würde und mit Stolz.“, sagte Lanea.
 

Später am Abend, das Essen war abgetragen, bat die Königin Jekaterina noch einmal zu einem Vier-Augen-Gespräch in ihre privaten Gemächer.
 

„An dem Tag, als die Ferengi sich zurückzogen, hat DaiMon Nork mir ewige Rache geschworen. Er hat geschworen, Lanea zu töten, um zu verhindern dass sie den Thron besteigt.“, sagte Keyra.
 

„Das sind keine guten Nachrichten, Mylady.“
 

„Meinst du er macht ernst?“, fragte die Königin.
 

„Ich kenne ihn nicht so gut. Aber ich könnte deine Tochter auf eine Mission mitnehmen. Wäre dir damit geholfen?“
 

„Das wäre nicht schlecht. Dann kann Lanea noch etwas lernen.“, sagte Keyra.
 

Auf Ferenginar 363

DaiMon Nork wurde, die Hände in Ketten gelegt, dem großen Nagus vorgeführt. Nork wusste, dass dies nichts Gutes für ihn zu bedeuten hatte. Roms Gesichtsausdruck bestätigte das.
 

„DaiMon Nork. Euer Auftrag war klar und deutlich. Ihr solltet auf keinen Fall mit leeren Händen zurückkommen. Stattdessen verliert ihr ein Schiff und ich musste mich vor Kanzler Martok rechtfertigen. Da dies aber nun die vierte Mission in Folge ist, die ihr in den Sand gesetzt habt, sehe ich mich gezwungen, eure Handelsprivilegien zu beschneiden. Statt wie bisher 10% müsst ihr in Zukunft 45% eures Gewinns an die Gilde entrichten. Und zwar bis auf weiteres. Da ihr allerdings in der Vergangenheit oft gute Geschäfte gemacht habt, von denen auch die Händlergilde profitiert hat, so bin ich geneigt, euch in 2 Monaten eine Möglichkeit zur Rehabilitation zu gewähren.“, sagte der große Nagus.
 

DaiMon Nork schluckte schwer. 45% musste er der Gilde zahlen. Damit kam er gerade so über die Runden. Und an allem war Jekaterina Romanova schuld. Irgendwann würde er sie dafür zur Rechenschaft ziehen. 364

USS Kirow - Mission 10

USS KIROW MISSION 10
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56637.9 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Da wir zurzeit keine Mission haben, sind wir nach Rulon zurückgekehrt. Loreley, die Königin der Rulonen hat mir angeboten mich und Dayani bei der Recherche nach einer Möglichkeit, den Herzenswunsch meiner Tochter wahr werden zu lassen, zu unterstützen. Doch sollten wir eine neue Mission bekommen, dann werden wir ohne zu zögern aufbrechen.“
 

Jekaterina wollte gerade das Shuttle besteigen, als Prinzessin Lanea in den Shuttlehangar kam. Sie bemerkte die Prinzessin erst, als sie neben ihr stand.
 

„Was dagegen, wenn ich mitkomme, Herzogin?“, fragte Lanea.
 

„Ich wäre die letzte, die „Nein“ sagt. Aber eines sollte an dieser Stelle klar gestellt sein. Hier auf der Kirow möchte ich nicht mit meinem neuen Adelstitel angesprochen werden. Wenn wir unter uns sind, kannst du gerne Jekaterina zu mir sagen und mich duzen. Ansonsten möchte ich bitte mit „Captain“ angesprochen werden.“
 

„Alles klar. Darf ich dich noch etwas fragen, bevor wir aufbrechen, Jekaterina?“, sagte die Prinzessin.
 

„Nur zu.“
 

„Was erhoffst du dir von diesem Besuch?“, fragte Prinzessin Lanea.
 

„Dayani verspürt den Herzenswunsch ein Mensch zu werden. Ich weiß nicht warum, aber sie wünscht es sich. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, damit Dayanis Wunsch Wirklichkeit wird.“
 

„Und du hoffst, dass die Königin der Rulonen dir bei deiner Suche nach Antworten weiterhelfen kann?“, fragte Lanea.
 

„Sie hat es mir angeboten. Und das Angebot einer Freundin nehme ich gerne an.“
 

„Königin Alaia, die Anführerin vom Volk der YOR, kann dir vielleicht weiterhelfen.“, sagte Königin Keyras Tochter.
 

„Kennst du sie?“
 

„Sie ist meine Patentante. Aber weiß Gott, ich hab Tante Alaia auch schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Als ich sie das letzte Mal getroffen habe, war ich 10 Jahre alt.“, sagte die Prinzessin.
 

An Bord der Imperator 365

Auf der Konsole des wissenschaftlichen Offiziers erschien ein Symbol, als die Sensoren des Schiffes eine seismische Anomalie registrierten.
 

„Captain, unsere Sensoren haben gerade eine seismische Anomalie auf der Oberfläche des Planeten festgestellt, den wir gerade passieren.“, sagte er.
 

„Wie ist der Name des Planeten, Mr. Thornton?“
 

„Yor, Captain.“, sagte Richard Thornton.
 

„Na schön. Mister Crouch, schicken sie eine Nachricht ans Flottenoberkommando. Teilen sie mit, dass wir auf Yor eine seismische Anomalie registriert haben. Schicken sie auch die Koordinaten des Planeten mit. Danach machen wir mit unserer eigentlichen Mission weiter.“
 

„Aye, Captain.“, sagte der Navigator.
 

Auf Rulon
 

Loreley, die Königin der Rulonen strahlte, als sie ihre Freundin, Jekaterina Romanova sah.
 

„Joelina. Schön dich wieder zu sehen.“, sagte sie und nahm die Kommandantin der Kirow in die Arme.
 

„Ich freue mich auch, wieder hier zu sein.“
 

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass deine Tochter den Wunsch verspürt ein Mensch zu werden. Stimmt das?“, sagte Loreley.
 

„Ja, das ist richtig. Sie ist auf unserer letzten Mission damit an mich herangetreten, als es darum ging, Königin Keyras Tochter, Prinzessin Lanea aus der Gewalt der Ferengi zu befreien.“
 

„Leider kann ich dir nicht viel sagen. Das einzige Dokument, das ich in unserer Bibliothek finden konnte, besagt, dass Dayani vor dem großen Orakel erscheinen, und seinen Wunsch kund tun muss. Und da sie dich als ihre Mutter ansieht, musst du als Dayanis Fürsprecherin fungieren.“, sagte Loreley.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht von Admiral Janeway eintraf.
 

„Commander, ich habe Admiral Janeway in der Leitung.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht. 366

„Admiral Janeway.“, begann Quantez Robertson das Gespräch.
 

„Commander Robertson.“
 

„Was verschafft uns die Ehre, dieser Konversation?“, fragte der erste Offizier der Kirow.
 

„Die Imperator hat eine seismische Anomalie auf dem Planeten Yor, registriert. Sie haben eine Nachricht geschickt und haben dann mit ihrer eigentlichen Mission weitergemacht. Ihre Aufgabe wäre es, diese Anomalie zu untersuchen.“
 

„Ist diese Anomalie schon in der Vergangenheit öfter aufgetreten?“, fragte Commander Robertson.
 

„Das ist nicht bekannt. Sehen sie nach, was da los ist. Wenn es Schwierigkeiten geben sollte, sagen sie Bescheid.“
 

„Machen wir, Admiral. Kirow Ende.“, sagte Quantez Robertson.
 

Dann tippte er an den Kommunikator an seiner Uniformjacke.
 

„Kirow an Captain.“, sagte er.
 

„Ich höre, Nummer eins.“
 

„Wir haben eine neue Mission bekommen, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Um was geht es, Nummer eins?“
 

„Die USS Imperator hat auf dem Planeten Yor eine seismische Anomalie entdeckt. Wir sollen uns das mal ansehen, Captain. Außerdem sollen wir uns melden, wenn es Probleme gibt.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Verstanden, Nummer eins. In einer halben Stunde brechen wir auf. Captain Ende.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56638.1 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zum Planeten Yor. Allerdings haben wir von meinem klingonischen Vater die Nachricht erhalten, dass dort gerade geputscht wurde und Königin Alaia abdanken musste. Die politische Lage dort ist im Moment unsicher. Am liebsten würde ich die Mission abbrechen.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite. Sie hatte ein ungutes Gefühl. Was wenn die Kirow ohne ersichtlichen Grund festgesetzt wurde? Wie würde Präsidentin Arikka reagieren? Würde sie Hilfe schicken, oder würde sie die Kirow ihrem Schicksal überlassen? Auf der anderen Seite, so machte sich Jekaterina Mut, konnte es sich die Präsidentin nicht leisten, Jekaterina und ihre 367

Besatzung im Stich zu lassen. Sollte etwas Derartiges passieren, würde Präsidentin Arikka Hilfe schicken.
 

Auf dem Planeten Yor
 

Kanzler Goran, der gegen Königin Alaia geputscht hatte, saß auf dem Thron, der eigentlich der Königin zustand. Goran war ein 1,80 m großer, athletisch gebauter Mann. Er war ein Herrscher in den 60er Jahren. Sein graues Haar verriet das. Auf dem Kopf trug er einen Lorbeerkranz. Die Hakennase in seinem ovalen Gesicht passte irgendwie zum gesamten Erscheinungsbild des Kanzlers. Gekleidet war Goran wie ein römischer Feldherr. Mit Brustpanzer, einer soliden Lederhose, Sandalen, Beinschienen und einem roten Umhang.
 

Der Kanzler war schlecht gelaunt. Denn sein seismisches Experiment war nicht unentdeckt geblieben. Glück für das fremde Schiff, dass es weitergeflogen war. Doch am Morgen hatte sein oberster Militärführer bei ihm vorgesprochen, und ihm mitgeteilt, dass ein zweites Raumschiff nach Yor unterwegs war. Und as schmeckte Kanzler Goran ganz und gar nicht. Der Kanzler hatte beschlossen, Schiff und Besatzung bis auf weiteres festzuhalten. Er hoffte, dass er es mit einem Kommandanten zu tun bekam, der vorsichtig war, und lieber tat, was man ihm befahl, als einen selbstbewussten Raumschiffkapitän, der sich nicht herum schubsen ließ.
 

An Bord der Kirow
 

„Wann erreichen wir Yor, Miss Sherrock?“, fragte Jekaterina.
 

„Bei gleichbleibender Geschwindigkeit wahrscheinlich morgen Abend.“
 

„Ab sofort gilt erhöhte Alarmbereitschaft.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Auf Yor
 

Königin Alaia wusste nicht, was sie tun sollte. Sie hatte das Bedürfnis, auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, oder alle Raumschiffe zu warnen, dass sie den Planeten Yor meiden sollten. Aber Kanzler Goran hatte ihr persönliches Kommunikationsgerät verschlüsselt. Und das bedeutete, dass sie niemanden warnen konnte. Ein Raumschiff mit Kurs auf Yor würde unausweichlich in Gorans Falle geraten.
 

Um 18:00 Uhr am Folgetag erreichte die Kirow Yor. Jekaterina hatte alles für einen Scan der Planetenoberfläche vorbereiten lassen. Sie wollte gerade mit der Mission beginnen, als wie von Geisterhand die Triebwerke den Dienst quittierten. Danach wurde das Schiff von einem gitterähnlichen Kraftfeld umhüllt.

368

„Ich schätze, wir sind gefangen, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Ja. Ich hätte die Mission abbrechen sollen, Nummer eins.“
 

„Dann hätte es ein anderes Schiff unserer Flotte erwischt, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Ich wäre lieber zu Hilfe gekommen, als auf Hilfe zu hoffen.“
 

„Wir konnten nicht ahnen, dass so etwas passieren würde.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

Keiko wandte sich an die Kommandantin.
 

„Wir werden gerufen, Captain.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Gorans Gesicht.
 

„Sind sie die Kommandantin dieses Schiffes?“, fragte der Kanzler.
 

„Captain Jekaterina Romanova. Kommandantin der USS Kirow, einem Schiff der Raumflotte der Vereinigten Föderation der Planeten. Wer sind sie?“
 

„Ich bin Kanzler Goran. Sie und ihre Besatzung sind ab sofort meine Gefangenen. Und ich warne sie. Kommen sie nicht auf die Idee, sich meinen Befehlen zu widersetzen.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Ich nehme nur Befehle von meinen Vorgesetzten entgegen. Aber ganz bestimmt nicht von ihnen.“
 

„Sie tun, was ich anordne, Captain Romanova. Und nur, damit wir uns verstehen, wenn sie Starfleet Command eine Nachricht schicken, lasse ich die Kirow entern.“ Außerdem werde ich ihren Funkverkehr überwachen.“, sagte Goran.
 

„Ich sagte schon, dass ich von ihnen keine Befehle entgegen nehme. Meine Loyalität gilt nur der Föderation. Kirow Ende.“
 

Auf Yor
 

Kanzler Goran kochte vor Zorn. Er ahnte, dass es mit dieser Frau schwierig werden würde. Denn Jekaterina Romanova hatte unmissverständlich klar gemacht, dass sie keine Befehle von ihm entgegen nahm. Und keiner konnte sagen, was sich diese Bitch noch alles einfallen lassen würde, um ihn zu provozieren. Und sie wollte ihn provozieren, dessen war er sich sicher. Jetzt galt es, klug zu taktieren. Goran wusste, dass er die Kommandantin der Kirow nicht unterschätzen durfte. Er rief seinen Nachrichtenoffizier und seinen 369

militärischen Oberbefehlshaber.
 

Die Türhälften zum Thronsaal glitten auseinander, und zwei Männer traten ein. Melnik, Gorans Nachrichtenoffizier war ein 1,79 m großer schlaksiger Mann mit stechend blauen Augen. Sein ovales Gesicht war von einem dichten Vollbart bedeckt. Seine blond gefärbten Haare wurden schon etwas weniger. Bekleidet war Melnik mit einem weinroten Hanfu und schwarzen Sandalen. Yozza war das krasse Gegenteil. Er war ein 1,90 m großer dicker Mann mit roten Haaren und braunen Augen. Die dicke Nase in seinem ovalen Gesicht, schien irgendwie zu ihm zu passen. Bekleidet war Gorans Militärchef mit einem schwarzen Kampfanzug, der speziell für den Einsatz in der Wüste konzipiert war.
 

„Ihr habt nach uns schicken lassen, Herr?“, sagte Melnik.
 

„Das habe ich. Denn ich habe wichtige Aufgaben für euch?“
 

„Was sollen wir tun, euer Exzellenz?“, fragte Yozza.
 

„Du, Yozza, stellst sofort ein Enterkommando zusammen. Nimm 25 deiner besten Männer. Und du, Melnik, Hörst mit deinen Leuten ab sofort jeglichen Funkverkehr der Kirow ab. Sobald du eine Nachricht des Schiffes an Starfleet Command auffängst, gib mir sofort Bescheid.“
 

Melnik verneigte sich leicht.
 

„Ja, Herr.“, sagte er und ging.
 

Nur Gorans oberster General blieb noch.
 

„Gestattet mir noch eine Frage, euer Exzellenz.“, sagte Yozza.
 

„Bitte.“
 

„Denkt ihr wirklich, dass 25 Mann ausreichen?“, fragte Yozza.
 

„Natürlich. Warum fragst du überhaupt, Yozza?“
 

„Weil wir damit rechnen müssen, dass sich ein Sicherheitsteam an Bord der Kirow befindet. Wenn das der Fall ist, dann werden die 25 Männer nicht ausreichen.“, sagte Gorans Militärführer.
 

„Papperlapapp. Die Kirow hat kein Sicherheitsteam. Und wenn, dann sind das Feiglinge und Schlappschwänze. Und jetzt geh, und stell das Enterkommando zusammen.“
 

„Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.“, sagte Yozza.
 

An Bord der Kirow 370

Jardanka, die romulanische Wissenschaftsoffizierin der Kirow, entdeckte auf dem Display ihrer Konsole die Vitalanzeige von Königin Alaia.
 

„Captain, ich habe eine weibliche Lebensform geortet.“, sagte sie.
 

„Wo genau, Commander?“
 

„Im hinteren Teil des Palastes. Das scheinen die Privatgemächer der Königin zu sein.“, sagte Jardanka.
 

Jekaterina dachte einen Augenblick nach. Dann schnippte sie mit den Fingern.
 

„Das ist die Idee.“, sagte sie und tippte an ihren Kommunikator.
 

„Transporterraum 1, alles bereit machen für den Transfer einer weiblichen Person.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Als die Meldung von Merwyn King kam, gab Jekaterina den Befehl die Königin an Bord zu holen.
 

„Energie.“, sagte sie.
 

Die Bestätigung eines erfolgreichen Transfers erhielt sie kurz darauf.
 

Jekaterina wandte sich an ihren ersten Offizier.
 

„Ich möchte, dass sie unsere Leidensgenossin auf die Krankenstation begleiten. Danach weisen sie ihr bitte ein Quartier zu.“, befahl sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Kaum hatte Quantez Robertson die Brücke verlassen, meldete sich Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin zu Wort.
 

„Captain, Kanzler Goran ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des Putschisten. Jekaterina erkannte, dass er innerlich vor Zorn kochte.
 

„Ich kann mich nicht erinnern, ihnen die Erlaubnis erteilt zu haben, Königin Alaia an Bord ihres Schiffes zu bringen. Ich wünsche eine Erklärung von ihnen, Captain Romanova.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Nun, ich dachte, dass Königin Alaia die Decke auf den Kopf 371

Fällt. Und da sie, genau wie wir, ihre Gefangene ist, fand ich, dass ihr etwas Gesellschaft ganz gut tun würde.“
 

„Fürs denken bin ich zuständig, Captain. Und damit sie wissen, woran sie bei mir sind: Dieses Mal lasse ich noch mal Gnade vor Recht ergehen. Aber beim nächsten Mal bekommen sie Besuch von meinem Enterkommando.“, sagte Goran.
 

„Wenn sie glauben, dass sie mich mit ihrer Drohung einschüchtern können, dann muss ich sie bitter enttäuschen. Denn ich sagte es schon: Ich nehme von ihnen keine Befehle entgegen. Auf der Kirow gelten die Regeln von Starfleet. Kirow Ende.“
 

Nachdem die Verbindung getrennt war, wies Jekaterina Chief Bristow an, den Hauptcomputer so zu programmieren, dass feindliche Waffen in dem Augenblick deaktiviert wurden, wenn der Feind auf der Kirow ankam. Nachdem dies erledigt war, ließ Jekaterina die Computer ihres Schiffes vor einer Übernahme durch außenstehende schützen. Denn sie war sich sicher, dass Kanzler Goran so etwas versuchen würde, wenn sie ihm weiterhin auf der Nase herumtanzte. Und sie war fest entschlossen, diesem Kriminellen gegenüber standhaft zu bleiben.
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 24. August 2379, 10:00 Uhr Ortszeit
 

Admiral Paris Adjutant ging die letzten Meldungen durch. Sie betrafen sämtliche Schiffe, die gerade im Einsatz waren. Eine Meldung erregte seine Aufmerksamkeit. Sie betraf die Kirow. Die USS Ranger hatte von einem bajoranischen Aufklärer die Nachricht erhalten, dass das Schwesterschiff der Enterprise-E unter Umständen in Schwierigkeiten steckte. Commander Baker hatte es aber unterlassen, genauere Nachforschungen anzustellen. Der Lieutenant schnappte sich den Datenblock und suchte seinen Vorgesetzten auf.
 

Der alte Mann wollte sich gerade einer Videokonferenz zuschalten lassen, als sein Adjutant das Büro betrat.
 

„Sollten sie nicht die Lageberichte durchgehen, Mr. Parker?“, fragte Admiral Paris.
 

„Das habe ich, Admiral. Dabei bin ich über diese Meldung der USS Ranger gestoßen.“
 

Lieutenant reichte Admiral Paris den Datenblock. Dieser las sich die Nachricht der Ranger durch.
 

„Wie sicher sind diese Informationen, Mister Parker?“, fragte der Admiral.
 

„Dummerweise hat Commander Baker keine Nachforschungen 372

angestellt, Sir.“
 

„Na schön. Wir warten noch drei Tage. Sollten bis dahin keine anders lautenden Berichte über die Kirow ankommen, können wir davon ausgehen, dass an der Nachricht was Wahres dran ist. Behalten sie das im Auge, Lieutenant Parker. Sowie es etwas Neues gibt, sagen sie mir umgehend Bescheid.“, sagte Admiral Paris.
 

„Ja, Sir.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina wandte sich an Keiko Tadashita.
 

„Keiko, schicken sie eine Nachricht ans Flottenoberkommando. Teilen sie denen mit, dass wir ohne triftigen Grund von Kanzler Goran gefangen gehalten werden und Hilfe brauchen. Geben sie auch unsere Position durch.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Kaum war die Nachricht versandt, meldete Keiko den Eingang einer Anfrage von Kanzler Goran.
 

„Captain, Kanzler Goran ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Kanzlers.
 

„Hatte ich ihnen nicht strengstens untersagt, mit Starfleet Command in Kontakt zu treten, Captain Romanova?“, fragte der Kanzler.
 

„Doch, das hatten sie, Kanzler.“
 

„Und warum halten sie sich nicht an das, was ich ihnen befehle?“, fragte Goran.
 

„Ich bin ihnen keinerlei Loyalität und auch keinerlei Rechenschaft schuldig, Kanzler Goran.“
 

„Da sie meine Autorität bereits zum zweiten Mal infrage gestellt haben, werde ich ihr Schiff entern lassen. Goran Ende.“, sagte Kanzler Goran.
 

Doch als das Enterkommando an Bord der Kirow materialisierte, wurde es schon von Jennifer Bond, der Sicherheitsoffizierin, und einigen Mitgliedern des Sicherheitsteams erwartet. Sofort brachten Gorans Leute ihre Waffen in Anschlag.
 

„Wir übernehmen ab sofort die Kontrolle über dieses Schiff. Legen sie 373

die Waffen auf den Boden, und nehmen sie die Hände hinter den Kopf. Tun sie, was wir ihnen sagen, und es wird niemand zu Schaden kommen. Wer Widerstand leistet, wird erschossen.“, sagte der Anführer.
 

Jennifer Bond brachte ihr Photonengewehr in Anschlag und lud durch.
 

„Ganz wie sie wollen, Miss.“, sagte der Anführer des Enterkommandos und drückte ab.
 

Doch nichts geschah. Auch die übrigen Teammitglieder gaben einen Schuss ab. Doch auch ihre Waffen feuerten nicht.
 

„Nehmt diese Leute fest.“, befahl Jennifer Bond.
 

Die Festnahme von Gorans Enterkommando dauerte eine halbe Stunde. Auf dem Hangardeck befanden sich bald 25 Arrestzellen, die schwer bewacht wurden. Deren Insassen waren an Händen und Füßen gefesselt.
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 2 Stunden später
 

Lieutenant Brian Parker stürmte atemlos und in heller Aufregung in Admiral Paris Büro.
 

„Eine Nachricht von der Kirow, Sir.“, sagte er aufgeregt.
 

„Sind sie sicher, Mr. Parker?“
 

„Absolut, Admiral. Es war ihr Rufzeichen.“, sagte Lieutenant Parker.
 

„Was ist dort los, Lieutenant?“
 

„Sir, die Kirow und ihre Besatzung werden ohne ersichtlichen Grund von einem Despoten namens Goran gefangen gehalten. Sie brauchen Hilfe.“, sagte Brian Parker.
 

„Welche Schiffe wären zurzeit verfügbar?“
 

„Die Titan, die Hiryū, die Soryū, die Laconia und die USS Enterprise.“
 

„Schicken sie eine Nachricht an diese Schiffe. Sie sollen sich bereit halten. Ich selbst werde Präsidentin Arikka benachrichtigen.“
 

„Ja, Sir.“, sagte Lieutenant Parker.
 

„Eine Frage noch, Lieutenant Parker.“
 

„Sir?“, fragte Owen Paris Adjutant.

374

„Hat die Kirow auch ihre Position gemeldet?“
 

„Ja, Sir. Sie befindet sich im Orbit um den Planeten Yor, Admiral.“, sagte Brian Parker.
 

Paris, Föderationshauptquartier, 24. August 2379, 21:00 Uhr Ortszeit
 

Präsidentin Arikka wollte gerade ihr Terminal deaktivieren, als eine Anzeige auf dem Bildschirm aufploppte. „Admiral Paris ruft an“ war dort zu lesen. Eigentlich wollte Arikka ins Bett gehen. Aber wenn der Admiral sich schon persönlich meldete, war es sicher dringend. Die Präsidentin nahm den Anruf an.
 

„Madam President, ich bitte, die Störung zu so später Stunde zu entschuldigen. Ich weiß sehr wohl, dass es bei ihnen bereits 21:00 Uhr ist. Aber die Situation erfordert diese Maßnahme.“, begann Owen Paris das Gespräch.
 

„Schon gut. Was gibt es?“
 

„Madam President, eines unserer Schiffe, die Kirow, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten.“, sagte Admiral Paris.
 

„Was ist passiert, Admiral?“
 

„Wir haben noch keinen genauen Bericht. Was wir aber definitiv wissen, ist, dass die Kirow ohne einen triftigen Grund festgesetzt wurde, und ihre Besatzung gefangen gehalten wird.“, sagte der Admiral.
 

„Weiß man denn, wer die Kirow festhält?“
 

„Ja, Madam President. Der Regent auf Yor, so heißt der Planet, in dessen Orbit sich die Kirow befindet, Kanzler Goran, hält das Schiff fest. Aber wie ich schon sagte, wir haben noch keinen genauen Bericht von der Kirow. Sie war es auch, die uns die Nachricht geschickt hat.“, sagte Owen Paris.
 

„Werden sie etwas unternehmen, Admiral Paris?“
 

„Das versteht sich ja wohl von selbst, Madam President. Es gibt fünf Schiffe, deren Besatzungen zurzeit nicht im Einsatz sind.“, sagte Admiral Paris.
 

„Und welche wären das?“
 

„Die Laconia, die Titan, die beiden Schwesterschiffe Hiryū und Soryū und die Enterprise-E.“, sagte Admiral Owen Paris.
 

„Ich denke, das dürfte bei Kanzler Goran für ordentlichen Respekt sorgen. Ich werde mich auf der Hiryū einschiffen. Aber jetzt möchte ich gerne ins Bett. Der Tag war lang, und ich bin hundemüde. Aber dennoch danke, dass sie mich umgehend informiert haben, Admiral Paris.“ 375

„Gern geschehen. Ich wünsche ihnen eine gute Nacht, Madam President.“, sagte Owen Paris.
 

„Danke, Admiral. Arikka Ende.“
 

Auf dem Planeten Yor
 

Goran saß im Besprechungsraum des Palastes. Der Raum war funktional eingerichtet. Die Wände waren ganz in weiß gehalten. Dekorationen, wie Bilder, Büsten von bedeutenden Würdenträgern oder Statuen suchte man vergebens. Ein einfacher Stahltisch mit einer Platte aus schwarzem Marmor und drei Drehstühle waren die einzigen Möbelstücke in diesem Raum. Auf den beiden Stühlen vor dem Schreibtisch saßen Melnik und Yozza.
 

„Was habt ihr zu berichten?“, fragte Goran.
 

Melnik antwortete als erster.
 

„Herr, die Kirow hat Starfleet Command ein zweites Mal kontaktiert. Während die erste Meldung nur eine kurze Schilderung war, war diese Nachricht länger und präziser. Ich schätze, das war ein genauer Bericht über die bisherigen Ereignisse.“
 

„Das war nicht anders zu erwarten, Melnik. Captain Romanova ist eine sehr starrsinnige, wie attraktive Frau. Und was hast du für Neuigkeiten, Yozza?“, sagte Goran.
 

„Euer Exzellenz, unser Enterkommando wurde auf der Kirow unter Arrest gestellt. Ihre Waffen wurden deaktiviert, als sie an Bord kamen. Danach war es ein Leichtes für das Sicherheitsteam, unsere Leute festzunehmen.“
 

Goran fluchte innerlich. Wie hatte er sich nur so täuschen können?
 

„Wie stark ist dieses Sicherheitsteam, Yozza?“, fragte der Kanzler.
 

„Da bin ich überfragt, euer Exzellenz.“
 

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf, Yozza.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Der einzige, der Auskunft geben kann, ist Tulsa, der Anführer des Trupps. Aber er meldet sich nicht. Wie auch die anderen.“
 

„Wie lange ist es her, dass sich Tulsa hätte melden sollen, Yozza?“, fragte Goran.
 

„3 Stunden, euer Exzellenz. Er würde nie einen Befehl missachten.“
 

„Das weiß ich, Yozza.“, sagte Goran.

376

Dann seufzte er schwer.
 

„Diese Frau ist lästiger als eine Horde Schwiegermütter.“, sagte er dann
 

An Bord der Hiryū
 

Aksana Oreskova hob den Kopf, als Admiral Paris sich meldete.
 

„Captain McClusky, Admiral Paris ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Admirals.
 

„Admiral Paris. Was verschafft uns die Ehre, dieses Gesprächs?“, begann Eric McClusky das Gespräch.
 

„Es gibt wichtige Neuigkeiten. Ihr ehemaliges Schiff, die Kirow, wird von einem Despoten, der sich an die Macht geputscht hat, ohne einen triftigen Grund festgehalten.“
 

„Was zum…?“, begann Captain McClusky seine Frage.
 

Doch Admiral Paris unterbrach ihn.
 

„Die Kirow befindet sich im Orbit um den Planeten Yor. Ich schicke sie dorthin, um die Situation zu klären. Aber alleine werden sie das nicht schaffen. Deswegen werden sie Verstärkung bekommen, Captain.“
 

„Wer kommt denn noch mit?“, wollte Eric McClusky wissen.
 

„Ich schicke ihnen noch Titan, Laconia, Soryū und die Enterprise-E. Sie brechen auf, wenn Präsidentin Arikka sich bei ihnen eingeschifft hat. Viel Glück, Captain.“
 

„Danke, Admiral Paris. Hiryū Ende.“
 

Auf Qo'noS
 

Die Mitglieder des klingonischen hohen Rates machten gerade eine Pause, als ein Offizier des klingonischen Nachrichtendienstes den Raum betrat. Es war Prakos, der Jekaterina bei der Aufnahme in den Orden des Bat'leth begegnet war. Er schlug sich mit der Faust an den Brustkorb und erwies mit dieser Geste gegenüber Kanzler Martok und General Zarrok seinen Respekt.

„Kanzler Martok, General Zarrok.“

377

„Was gibt es, Prakos?“, fragte Kanzler Martok.
 

„Wir haben eine Nachricht von Starfleet Command an das Föderationshauptquartier mitgehört. Eines ihrer Raumschiffe wird ohne triftigen Grund im Orbis des Planeten Yor festgehalten.“
 

„Welches Schiff, Prakos?“, fragte General Zarrok.
 

„Die Kirow General. Die Kommandantin, Jekaterina Romanova, gehört doch zu eurer Familie.“
 

„Auch wenn sie keine Klingonin ist, sie eine Tochter, auf die mancher Vater stolz wäre.“, sagte der alte General.
 

„Werdet ihr Jekara zu Hilfe kommen, General?“
 

„Ich werde meine Tochter nicht im Stich lassen, Kanzler Martok.“, sagte General Zarrok.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina versuchte sich irgendwie zu beruhigen. Seit mittlerweile vier Tagen waren sie und ihre Besatzung in der Gewalt dieses Usurpators. Und ein Ende schien nicht in Sicht. Was, wenn sie nie wieder freikamen? Jekaterina spürte, wie sie von Zweifeln geplagt wurde. Doch vor der Besatzung durfte sie das keinesfalls zeigen. Denn wenn die anderen merkten, dass sie begann, die Hoffnung zu verlieren, würde dies wie ein Flächenbrand auf die übrige Crew übergreifen. Und genau das durfte sie nicht riskieren. Nein! Sie musste stark sein. Und unnachgiebig.
 

Keiko Tadashita hob den Kopf.
 

„Captain, Kanzler Goran wünscht sie zu sprechen.“, wandte sie sich an die Kommandantin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien wieder das Gesicht des Kanzlers.
 

„Captain Romanova. Was soll ich nur mit ihnen machen?“, fragte er schwer seufzend.
 

„Vielleicht uns freilassen?“
 

„Auf gar keinen Fall, Captain.“, sagte Goran.
 

„Dann verraten sie uns doch, warum sie uns einfach so festhalten.“

378

Sie haben ihre Nase zu tief in meine Angelegenheiten gesteckt. Sie wissen zu viel.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Ich weiß gar nichts über ihre Pläne.“
 

„Aber sie hätten schnell herausgefunden, dass die seismische Anomalie keinen natürlichen Ursprung hat, sondern künstlich erzeugt wurde. Ich kann keine Mitwisser gebrauchen.“, sagte der Kanzler.
 

„Die Föderation wird uns Hilfe schicken.“
 

Ihre Präsidentin wäre gut damit beraten, von diesem Schritt abzusehen.“, sagte Goran.
 

„So, und warum?“
 

„Weil ich die Kirow sonst mit allen an Bord vernichten würde. Goran Ende.“
 

Nach dem Gespräch mit Jekaterina lehnte sich Goran zurück. Sein oberster General wandte sich an ihn.
 

„Glauben sie wirklich, dass das die Föderation abschreckt?“, fragte er Goran.
 

„Natürlich nicht, Yozza. Präsidentin Arikka schickt wahrscheinlich vier oder fünf Schiffe.“
 

„Werden wir uns die vom Hals halten können, euer Exzellenz?“, fragte Yozza.
 

„Wenn es nur zwei wären, dann ja. Aber nicht bei dieser Flottenstärke.“
 

Gerade als Kanzler Goran seinen Satz beendet hatte, öffneten sich die Türen, und der Chef der Radarüberwachung trat ein.
 

„Was gibt es Oswin?“, fragte der Kanzler.
 

„Herr, unsere äußeren Sensoren haben fünf klingonische Schiffe geortet. Es handelt sich um einen Kreuzer der D7-Klasse, zwei Kreuzer der Vor'cha-Klasse, und zwei Schiffe der Negh'Var-Klasse.“

„Welcher Kurs?“, fragte Goran
 

„Sie sind auf dem Weg hierher, Herr.“
 

„Wann werden sie hier sein, Oswin?“, fragte Kanzler Goran.
 

„Bei gleichbleibender Geschwindigkeit in 3 Stunden, Kanzler.“

379

An Bord der Hiryū
 

Eric McClusky und sein erster Offizier saßen im Besprechungsraum hinter der Brücke mit der Föderationspräsidentin zusammen.
 

„Hat man ihnen gesagt, was los ist, Captain McClusky?“, fragte Präsidentin Arikka.
 

„Ja, Madam President. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich wäre auf eigene Faust aufgebrochen. Ich verdanke Captain Romanova viel. Ich hätte sie nicht im Stich gelassen.“
 

„Nun, Captain. In der Zwischenzeit hat sich eine Menge ereignet. Kurz bevor ich mich bei ihnen eingeschifft habe, hat mich eine Nachricht von Kanzler Martok erreicht. General Zarrok ist nach Yor aufgebrochen.“, sagte Arikka.
 

„Ich glaube, er hat dasselbe vor, wie wir, Madam President.“
 

„Kanzler Martok hat so etwas angedeutet, Captain McClusky.“, sagte die Präsidentin.
 

An Bord der Imperator
 

„Captain, ich habe Präsidentin Arikka für sie.“, sagte Dennis Crouch, der für Navigation und Kommunikation zuständig war.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht der Ariantu.
 

„Captain Suzuki.“, begann die Föderationspräsidentin das Gespräch.
 

„Madam President.“
 

„Ich weiß, dass sie mit einer Mission betraut sind, Captain. Aber jetzt habe ich andere Befehle für sie.“, sagte Arikka.
 

„Was sollen wir tun, Madam President?“
 

„Fliegen sie unverzüglich nach Yor zurück, Captain Suzuki.“, sagte die Präsidentin.
 

„Aber was ist mit unserer Mission?“
 

„Die ist jetzt erst mal nebensächlich, Captain Suzuki. Die Kirow braucht Hilfe. Also befolgen sie gefälligst meine Befehle.“, sagte Präsidentin Arikka.
 

„Ja, Madam President. Imperator Ende.“ 380

Mikuru Suzuki wandte sich an ihren ersten Offizier, nachdem die Verbindung getrennt worden war.
 

„Was meinen sie, Commander Asada?“, fragte sie.
 

„Die Befehle sind eindeutig. Ganz abgesehen davon kamen sie von der Präsidentin persönlich. Und diese Art von Befehlen hat Vorrang vor allen anderen. Wir haben keine andere Wahl, Captain.“
 

„Ich weiß. Mr. Crouch. Setzen sie den schnellsten Kurs nach Yor. Maximum Warp.“, befahl Mikuru Suzuki.
 

„Ja Captain.“
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56653.2 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Seit vier Tagen werden wir gegen unseren Willen von Kanzler Goran gefangen gehalten. Vor zwei Stunden hat uns eine Nachricht von Starfleet Command erreicht. Präsidentin Arikka ist auf dem Weg hierher. Auch Kanzler Martok hat Hilfe geschickt. General Zarrok, mein klingonischer Vater, befindet sich wieder an Bord der Boreth. Hoffentlich sieht Kanzler Goran ein, dass sich das Glück gegen ihn gewendet hat.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite. Dann wandte sie sich an ihren ersten Offizier.
 

„Nummer eins, sie übernehmen bis auf weiteres. Ich brauche etwas Ruhe.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain. Soll ich sie rufen, wenn etwas Wichtiges passiert?“
 

„Ja machen sie das, Commander Robertson.“, sagte Jekaterina.
 

Kaum hatte sie die Brücke verlassen, hob Keiko den Kopf.
 

„Commander, der Kanzler will wieder was vom Captain.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Gorans Gesicht. Er war erstaunt, den ersten Offizier auf dem Platz in der Mitte zu sehen.
 

„Wo ist ihre Vorgesetzte, Commander?“, fragte er.
 

„Sie hat ihr Quartier aufgesucht. Und nein, ich werde sie nicht zu ihr durchstellen. Captain Romanova ist im Moment nicht zu sprechen. Jedenfalls nicht für sie.“ 381

„Na schön. Dann von Mann zu Mann. Ich verlange die unverzügliche und bedingungslose Freilassung meines Enterkommandos.“, sagte der Kanzler.
 

„Das hatte ich nicht anders erwartet. Aber Captain Romanova hat mir eine klare Anweisung erteilt.“
 

„Und welche, Commander?“, fragte Goran.
 

„Ihre Leute unter keinen Umständen freizulassen. Aber das hätte ich sowieso nicht angeordnet. Erst lassen sie uns frei, dann beamen wir ihre Leute zurück auf die Planetenoberfläche.“
 

„Das kommt überhaupt nicht infrage, Commander.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Dann bleiben ihre Leute unsere Gefangenen. So einfach ist das. Unsere Freiheit ist nicht verhandelbar.“
 

„Sie sind genauso eine Nervensäge, wie ihre Vorgesetzte, Commander.“, sagte der Kanzler.
 

„Und sie sind ein hinterhältiger, krimineller Schleimbeutel. Kirow Ende.“
 

An Bord der Boreth
 

General Bhav´ Lor Zarrok saß auf dem Platz in der Mitte auf der Brücke. Der alte Klingone war nur äußerlich ruhig. Doch in seinem inneren kochte er vor Zorn. Dieser selbst ernannte Kanzler wagte es, seine Tochter, Jekara, gegen ihren Willen gefangen zu halten. Doch das würde nicht lange so bleiben. Denn nach den letzten Meldungen würde das Föderationsgeschwader auch bald hier eintreffen. Aber bis dahin würde noch Zeit vergehen. Und diese Zeit wollte der alte General nutzen. Zuerst wollte er mit Jekara sprechen, um sicher zu gehen, dass es ihr gut ging. Danach wollte sich General Zarrok Kanzler Goran vorknöpfen.
 

Auf dem Schirm erschien Quantez Robertsons Gesicht, als die Verbindung zur Kirow stand.
 

„Ich grüße sie, Commander. Ich glaube wir hatten noch nicht das Vergnügen. Ich bin General Bhav´ Lor Zarrok. Oberhaupt des Hauses Zarrok und Mitglied des klingonischen hohen Rates“, sagte der alte General.
 

„Es ist mir eine Ehre und eine Freude zugleich, sie kennenzulernen, General Zarrok. Ich bin Commander Quantez Robertson. Ich bin der neue erste Offizier hier auf der Kirow.“
 

„Ich kenne noch ihren Vorgänger, Eric McClusky. Was ist eigentlich aus ihm geworden, Commander?“, sagte General Zarrok.

382

„Er darf sich jetzt „Captain“ nennen, General. Er kommandiert die Hiryū.“
 

„Verdient hat er es, Commander Robertson. Aber wie geht es ihrer Vorgesetzten, Jekaterina Romanova?“, sagte der alte Klingone.
 

„Sie hat ihr Quartier aufgesucht, General Zarrok. Ich kann sie zu ihr durchstellen, dann sie persönlich mit ihr sprechen.“
 

„Danke, Commander.“, sagte der alte General.
 

In ihrem Quartier hatte sich Jekaterina eine Tasse russischen Schwarztee mit Zitrone zubereiten lassen. Sie hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen, als wie von Geisterhand ein Monitor aus der Schreibtischplatte fuhr. Auf dem Bildschirm war das Gesicht ihres klingonischen Vaters zu sehen.
 

„Vater.“, sagte Jekaterina leise.
 

„Jekara.“
 

„Schön dich zu sehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Wie geht es dir, mein Kind?“
 

„Ich bin mit den Nerven fast am Ende. Ich versuche vor meiner Crew keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn ich will vermeiden, dass meine Mannschaft die Hoffnung verliert.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich versteh dich. Als Kommandantin hast du eine Vorbildfunktion. Aber du bist auch nur ein Mensch, Jekara.
 

„Ich weiß, Vater. Aber mir fällt nichts mehr ein, was ich noch tun kann, um Kanzler Goran dazu zu zwingen, uns freizulassen.“, sagte Jekaterina.
 

„Mach dir keine Sorgen, Jekara. Bald hat euer Martyrium ein Ende.“
 

„Danke, Vater. Hab dich lieb.“, sagte Jekaterina.
 

„Du bist meine Tochter. Und ich liebe dich so, als wärst du mein leibhaftiges Kind. Wie könnte ich dich in so einer Situation im Stich lassen?“
 

„Sehen wir uns später?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich würde mich freuen, wenn du uns besuchst.“
 

„Wenn ich schon so charmant eingeladen werde, sage ich garantiert nicht „nein“.“, sagte Jekaterina.
 

Nach dem Gespräch mit dem Klingonengeneral wollte Jekaterina 383

sich frisch machen. Doch das Summen des Türsummers hielt sie davon ab.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und eine Frau trat ein. Obwohl die Kommandantin die Fremde noch nie zuvor gesehen hatte, wusste sie instinktiv, dass sie Königin Alaia persönlich gegenüberstand. Jekaterina nahm ihre Besucherin genauer in Augenschein.
 

Königin Alaia war eine 1,60 m große Frau mit langen blonden Haaren und braunen Augen. Die Königin hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten Nase. Alaias Körper war grazil, aber nicht zu zerbrechlich gebaut. Und dass sich die Regentin vom Volk der Yor ihr Weiblichkeit bewusst war, zeigte ihr rotes Kleid, das zu beiden Seiten einen tiefen Beinausschnitt aufwies. Dazu trug die Königin schwarze High Heels.
 

Da Jekaterina schon oft einer Königin gegenüber gestanden hatte, wusste sie sehr genau, was jetzt von ihr erwartet wurde. Sie wollte den obligatorischen Kniefall zeigen, doch Königin Alaia hielt sie davon ab.
 

„Du gehst vor niemandem auf die Knie.“, sagte die Königin.
 

Ihr freundschaftlicher und liebevoller Umgangston überraschte Jekaterina. Sie wollte etwas erwidern, aber sie hatte einen Kloß im Hals und war nicht mehr in der Lage zu sprechen. Alaia lächelte sanft.
 

„Ich bin wie du. Eine Gefangene dieses Wahnsinnigen.“, sagte Alaia.
 

„Was meint ihr, Mylady?“
 

„Keine Förmlichkeiten bitte. Wir sitzen im selben Boot. Wir sind beide Gefangene eines durchgeknallten, machthungrigen Putschisten.“, sagte Königin Alaia.
 

Jekaterina nickte, unfähig auch nur ein weiteres Wort zu sprechen. Zu groß war ihre Überraschung. Als Königin Alaia ihr die Hand als Geste der Freundschaft anbot, griff sie zögerlich zu.
 

„Nenn mich Alaia.“, sagte die Königin.
 

„Jekaterina.“
 

„Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen, Jekaterina.“, sagte Alaia.
 

„Eigentlich wollte ich gerade ein Bad nehmen, Alaia.“
 

„Was dagegen, wenn ich dir Gesellschaft leiste? Ich fühle mich schrecklich einsam in letzter Zeit.“, sagte Königin Alaia. 384

„Gerne.“
 

Auf dem Planeten Yor
 

Kanzler Goran ging gerade einige Dokumente durch, als von der Decke ein Monitor in sein Blickfeld schwebte. Und das bedeutete, dass ihn jemand sprechen wollte. Diese unliebsame Störung seiner Geschäfte ging dem Kanzler gehörig gegen den Strich, doch es blieb ihm nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Widerwillig nahm Goran das Gespräch entgegen. Er wollte schon lospoltern, doch er riss sich gerade noch zusammen, als er sah, dass er nicht Jekaterina Romanova vor sich hatte. Denn auf dem Bildschirm war das Gesicht eines alten Klingonen zu sehen. Und der Ausdruck in dessen Gesicht verriet dem Kanzler, dass sein Gesprächspartner nicht gerade gut auf ihn zu sprechen war.
 

„Ich grüße sie. Was kann ich für sie tun?“, begann Kanzler Goran das Gespräch.
 

„Ich bin General Bhav´ Lor Zarrok. Oberhaupt des Hauses Zarrok und Mitglied des klingonischen hohen Rates. Und wie ich hörte, halten sie meine Tochter gegen ihren Willen gefangen. Stimmt das?“
 

„Ihre Tochter, General?“, fragte Goran.
 

„Ja, meine Tochter. Sie kennen sie als Jekaterina Romanova. Und ich würde ihnen empfehlen, sie und ihre Besatzung ohne wenn und aber unverzüglich freizulassen.“
 

„Und wenn ich das nicht tue?“, wollte der Kanzler wissen.
 

„Dann komme ich höchstpersönlich runter und werde dir eins überbügeln, Freundchen.“
 

Kanzler Goran schluckte. Er wusste sehr genau, dass der Klingone es ernst meinte.
 

„Bitte gebt mir ein wenig Bedenkzeit, General Zarrok.“, sagte Goran.
 

„Wie lange brauchen sie, um zu einer Entscheidung zu kommen, Kanzler Goran?“
 

„Einen Monat. Eher zwei.“, sagte der Kanzler.
 

„So viel Zeit kriegen sie garantiert nicht, sie Armleuchter. Sie kriegen exakt 48 Stunden. Und nicht eine Sekunde mehr. General Zarrok Ende.“
 

Kanzler Goran saß wie versteinert da. So hatte er sich das Gespräch mit dem alten Klingonen nicht vorgestellt. Und schon gar nicht hatte er damit gerechnet, dass der alte General ihn so unter Druck setzen, und ihm ein Ultimatum 385

stellen würde. Er wusste, dass er das Spiel im Prinzip verloren hatte. Doch noch wollte er nicht aufgeben.
 

An Bord der Hiryū
 

Eric McClusky wandte den Kopf, als die Türhälften, die die Brücke vom übrigen Teil des Schiffes trennten, mit einem leisen Zischen auseinander glitten. Präsidentin Arikka betrat den Raum. Sofort nahm der frisch gebackene Kapitän Haltung an.
 

Madam President.“, sagte er.
 

„Stehen sie bequem, Captain McClusky.“
 

„Danke, Madam President.“, sagte Eric McClusky.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Captain?“
 

„Ja, Madam President. Wir konnten ein Gespräch zwischen General Zarrok und Kanzler Goran mithören. Der General hat Goran ein Ultimatum gestellt. Der Kanzler hat 48 Stunden Zeit, um die Kirow samt Besatzung freizugeben. Weigert sich Goran, kriegt er eins aufs Dach.“, sagte der Captain.
 

„Na dann wollen wir den Druck noch mal erhöhen. Die Batarianer haben zwei Transportschiffe mit schweren Einheiten geschickt. Sie warten nur auf meinen Befehl die Panzer abzusetzen.“
 

„Soll ich Kanzler Goran rufen lassen, Madam President?“, fragte Captain McClusky.
 

„Ich bitte darum, Captain McClusky.“
 

„Ja, Madam President.“, sagte Eric McClusky.
 

Dann wandte er sich an die Kommunikationsoffizierin.
 

„Miss Oreskova, rufen sie Kanzler Goran.“, befahl der Captain.
 

„Ja, Captain.“
 

5 Minuten später schüttelte Aksana Oreskova den Kopf.
 

„Zwecklos, Captain. Ich komme nicht durch. Scheint, als ob sich der Kanzler gerade im Gespräch befindet.“, sagte sie.
 

„Dann versuchen sie es weiter.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Aksana Oreskova. 386

An Bord der Kirow
 

Quantez Robertson verdrehte entnervt die Augen. Denn der Kanzler hatte ihn die ganze Zeit mit einer Schimpftirade überzogen. Goran wollte gerade nachlegen, da fuhr ihm Commander Robertson mit einer kleinen Rap-Einlage über das Mundwerk.
 

„Mann, Alder, was willst du von mir? Mensch, denkst du wirklich du rulst hier?“, sagte er.
 

Das Gesicht des Kanzlers lief vor Zorn dunkelrot an.
 

„Ich habe langsam genug von ihren Eskapaden und denen ihrer Kommandantin. Wozu erteile ich Befehle, wenn sie beide diese nicht befolgen, Commander?“
 

„Weil ihre Autorität auf Föderationsgebiet endet. Und die Kirow IST Föderationsgebiet. Kirow Ende.“, sagte Quantez Robertson.
 

Auf dem Planeten Yor
 

Goran war stinksauer. Es lief überhaupt nicht so, wie er sich das Ganze vorgestellt hatte. Erst tanzte ihm die Kommandantin der Kirow auf der Nase herum, indem sie seine Befehle permanent missachtete, und nun hatte er zu allem Überfluss auch noch die Klingonen im Genick sitzen. Doch als der Monitor erneut anging, ahnte Goran, dass es dieses Mal wahrscheinlich mit einem diplomatischen Vertreter der Föderation zu tun bekommen würde. Als er Arikkas Gesicht auf dem Monitor erblickte, bemühte er sich um Fassung und einen freundlichen Umgangston.
 

„Madam Ambassador.“, begann Goran das Gespräch.
 

„Madam President, wenn ich bitten darf, Kanzler. Ich bin Arikka vom Volk der Ariantu, die Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten. Und warum ich hier bin, dürfte ihnen bekannt sein.“
 

„Wegen der Kirow, nehme ich an, Madam President.“, sagte Goran.
 

„Ganz Recht, Kanzler Goran. Und wenn ich richtig informiert bin, wurde ihnen von den Klingonen eine Frist gesetzt.“
 

„Das ist in der Tat korrekt, Madam President.“, sagte der Kanzler.
 

„Dann können sie sich ja wohl vorstellen, was ich von ihnen fordere.“
 

„Das Schiff selbst gebe ich ihnen natürlich zurück. Die Kirow ist immerhin Föderationseigentum. Aber die Besatzung bleibt hier.“, sagte Kanzler Goran.
 

„Oh nein, Kanzler Goran. Sie werden auch die Besatzung freilassen.“ 387

„Warum sollte ich, Madam President?“, fragte Goran.
 

„Weil ich sonst eine Bodenoffensive anordne. Sie haben es vielleicht nicht bemerkt, Kanzler Goran. Aber ich habe noch zwei batarianische Transportschiffe dabei, die mit Hydropanzern plus Besatzung beladen sind. Sie warten nur auf meinen Einsatzbefehl. Die Uhr tickt Kanzler. Also sollten sie nicht zu viel Zeit vertrödeln. Arikka Ende.“
 

Goran hatte nun endgültig die Gewissheit, dass er verloren hatte. Er brauchte sich nichts vormachen. Die Präsidentin der Föderation würde ihren Worten Taten folgen lassen, wenn er das Ultimatum verstreichen ließ, und die Kirow und ihre Crew nicht freigab. Schweren Herzens betätigte Kanzler Goran die Gegensprechanlage.
 

„Euer Exzellenz.“, hörte der Kanzler die Stimme seines militärischen Oberbefehlshabers.
 

„Yozza, deaktiviere die Anlage, die die Kirow festhält.“
 

„Soll das heißen, dass ihr aufgebt, euer Exzellenz?“, fragte Yozza entsetzt.
 

„Ja, Yozza. Ich gebe auf. Arikka, die Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten, ist hierher gekommen, und hat noch schwere Bodeneinheiten mitgebracht. Sie hat mit einer Bodenoffensive gedroht, sollte ich Schiff und Besatzung nicht freigeben.“
 

„Ich denke, die Präsidentin blufft nur.“, sagte Yozza.
 

„Nein, Yozza. Die Präsidentin meint es ernst.“
 

„Was macht euch da so sicher, euer Exzellenz?“, fragte Yozza.
 

„Weil Präsidentin Arikka nicht viel Federlesens macht, wenn man die Raumschiffe der Föderation ohne Grund festhält oder angreift.“
 

„Verstehe. Ich wünsche euch viel Glück, euer Exzellenz.“, sagte General Yozza.
 

„Danke, Yozza. Aber jetzt führe diesen letzten Befehl aus.“
 

„Wie ihr befehlt, euer Exzellenz.“, sagte Yozza.
 

An Bord der Kirow
 

Commander Robertson tippte an seinen Kommunikator, als die Triebwerke des Schiffes wieder mit Energie versorgt wurden, und sich das Kraftfeld abbaute.
 

„Brücke an Captain.“, sprach er in das kleine Gerät.

388

„Ich sehe es auch, Nummer eins.“
 

„Sieht so aus, als ob Kanzler Goran endgültig aufgegeben hat.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Endlich frei.“
 

Der Planet Yor 3 Tage später
 

Unmittelbar nach Gorans Kapitulation hatte Jekaterina die Freilassung des 25köpfigen Enterkommandos befohlen. Die Mitglieder des Trupps wurden auf den Planeten zurückgebracht, während man Kanzler Goran an Bord geholt hatte. General Yozza hatte sich der Gerechtigkeit entzogen, indem er mit einer Zyankali-Kapsel Suizid begangen hatte. Goran selbst wurde vor Gericht gestellt, und dort zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe auf Rura Penthe verurteilt.
 

Jekaterina und Königin Alaia unternahmen eine Erkundungstour durch die geheimen Tunnel, die unter dem Palast verliefen. Vor einer, mit einem Codeschloss gesicherten, Tür blieb Alaia stehen. Sie tippte eine Kombination über eine Schalttafel in den Computer und die Tür öffnete sich. Königin Alaia führte die Kommandantin der Kirow in einen Gang, der in einer riesigen Kaverne endete. Über einem Abgrund hing von Stahlseilen gehalten, ein metallischer Zylinder, den Jekaterina als eine Ultraschallkanone identifizierte.
 

„Das verursacht die seismischen Anomalien, wie sie die Imperator entdeckt hat. Goran hat sie entwickelt.“, sagte die Königin.
 

„Aber wozu, Mylady?“
 

„Er wollte einen Satelliten mit dieser Waffe ausrüsten, und in der Galaxis für ein Machtvakuum sorgen.“, sagte Alaia.
 

„Ob er uns deshalb als Geiseln genommen hat, Mylady?“
 

Alaia wandte Jekaterina das Gesicht zu. In ihren braunen Augen lag Traurigkeit.
 

„Warum so förmlich, Jekaterina? Hast du schon vergessen, was an Bord deines Schiffes zwischen uns gewesen ist?, fragte sie mit einem leisen Schluchzen in der Stimme.
 

„Nein, Mylady. Aber damals war die Situation eine andere. Ihr wart entthront. Aber jetzt, wo ihr wieder in Amt und Würden seid…“
 

Alaia nahm Jekaterinas Hände in ihre.
 

„Du wirst immer die Person sein, der ich mein Leben anvertrauen würde. Es gibt niemanden, zu dem ich mehr Vertrauen habe, als zu dir. Du bist nicht nur meine engste Vertraute, sondern auch meine beste Freundin.“, sagte Alaia. 389

Jekaterina wollte etwas erwidern, doch die Königin ließ sie nicht zu Wort kommen. Ehe Jekaterina wusste, was los war, fand sie sich in einer freundschaftlichen Umarmung wieder. Und dann tat Königin Alaia etwas, was Jekaterina nie in ihrem Leben erwartet hätte- Sie gab der Kommandantin der Kirow einen liebevollen und zärtlichen Kuss, den Jekaterina sofort erwiderte.
 

Als sich die Lippen der beiden Frauen voneinander lösten, glaubte Jekaterina einen verliebten Blick in Alaias Augen zu sehen. Sie wollte etwas sagen, doch sie war total durcheinander. Alaias Stimme riss Jekaterina aus ihren Gedanken.
 

„Was hast du?“, fragte die Königin.
 

„Tut mir leid, aber… ich bin wohl gedanklich abgedriftet.“
 

„Hab ich gemerkt. Also, was ist los?“
 

„Ich… ich weiß es nicht. Ich bin vollkommen durcheinander.“
 

„Dann solltest du noch ein bisschen mehr Zeit mit mir verbringen.“, sagte Königin Alaia.
 

Dann bat sie Jekaterina, ihr zu folgen.
 

Die beiden Frauen gingen in die oberen Stockwerke von Alaias Palast. Jekaterina bewunderte das Panorama, das sich ihr bot. Unter sich sah sie wundervoll angelegte Gärten mit Rosen, Chrysanthemen, Pfingstrosen und anderen schönen Blumen. In einem der Gärten stand in der Mitte ein Brunnen aus reinstem Marmor.
 

„Gefällt dir, was du siehst?“, fragte Alaia.
 

„Ich bin sprachlos.“
 

„Diesen Bereich habe ich noch niemandem gezeigt. Du bist die erste.“, sagte Alaia.
 

„Du hast mir aber immer noch nicht verraten, wo wir eigentlich hin wollen.“
 

„Sei nicht so ungeduldig. Nur soviel sei gesagt: Dort, wo wir hingehen, hat außer uns beiden niemand Zutritt.“, sagte Königin Alaia.
 

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen?“
 

Alaia lachte.
 

„Du willst aber alles sehr genau wissen.“, sagte sie.
 

„Ich mag nun mal keine Geheimniskrämerei.“ 390

„Und ich mag es nicht, wenn mir permanent meine Leibwächter auf der Pelle kleben.“, sagte Alaia.
 

„Du bist eine Königin.“
 

Schließlich hatten Alaia und Jekaterina ihr Ziel, den Wintergarten im obersten Stockwerk des Palastes erreicht. Nachdem die Kommandantin der Kirow die Tür hinter sich geschlossen hatte, sah sie sich um. Sie entdeckte Palmen, Eukalyptusbäume, Pinien und andere mediterrane Pflanzen. Aber auch botanische Kleinode aus der Karibik, wie Hibiskus entgingen Jekaterinas Augen nicht. Sie konnte sich gar nicht an diesen vielen Pflanzen satt sehen, und vergaß die Zeit.
 

„Wo bleibst du denn, Jekaterina? Oder willst du Wurzeln schlagen?“, hörte Jekaterina Alaias Stimme.
 

„Komm schon.“
 

Jekaterina setzte ihren Weg fort. Sie zuckte kurz zusammen, als ein Kolibri dicht an ihrer Nase vorbeiflog. Die Kommandantin der Kirow sah fasziniert zu, als der kleine Vogel in den Schwebeflug ging, und Nektar aus einer Hibiskusblüte trank.
 

„Wäre es möglich, dass du deine Augen von dem Vogel losreißen, und mir Gesellschaft leisten könntest?“, vernahm sie Alaias Stimme.
 

Der ungeduldige Unterton in der Stimme der Königin war nicht zu überhören. Jekaterina wusste nur zu gut, dass sie die Geduld von Yors Regentin nicht über das Maß überstrapazieren durfte.
 

„Was hat dich denn so in den Bann gezogen, dass du derart getrödelt hast?“, fragte Alaia.
 

„Mir fehlen für soviel Schönheit die Wort, Alaia.“
 

„Ja, hier kann man abschalten und die Seele baumeln lassen. Darf ich dich bitten, dich deiner Kleidung zu entledigen?“, sagte Königin Alaia.
 

„Erst will ich wissen warum, Alaia.“
 

„Wir nehmen ein Bad.“, sagte die Königin.
 

Jekaterina folgte der Königin zu einem 1,50 m tiefen und 5x10 m großen Becken. Alaia nahm aus einem Regal einen 10 cm großen Würfel und warf ihn ins Wasser. Sofort fing die Oberfläche an zu brodeln. Nach einer kurzen Zeit, in der sich der Würfel aufgelöst hatte, war das Becken mit schwarzem Schlamm gefüllt.
 

„Komm mit.“, sagte Alaia und ging voran. 391

Jekaterina folgte ihr, obwohl sie Angst hatte. Aber sie wusste, dass sie diese gerade vor der Königin verbergen musste. Außerdem durfte sie Königin Alaia nicht den Wunsch abschlagen, mit ihr ein Schlammbad zu nehmen. Denn damit würde sie Alaia vor den Kopf stoßen und sie kränken.
 

Schließlich reichte der Schlamm bis über die Oberkante von Jekaterinas Brüsten.
 

„Ich muss mich für mein Benehmen in der Höhle entschuldigen, Jekaterina. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle und habe dich sehr verunsichert. Bitte verzeih mir.“, sagte Alaia.
 

„Du hast es also gemerkt?“
 

„Natürlich. Genau wie deine Angst.“, sagte die Königin.
 

„Was hat es mit diesem Kuss auf sich?“
 

„Ich sage es dir.“, sagte Alaia.
 

„Ich höre.“
 

„Der Kuss, den wir ausgetauscht haben, war der Königskuss.“, sagte Alaia.
 

„Der Königskuss?“
 

„Ja. Du hast ihn erwidert. Damit kannst du dich, wann immer du hier bist, frei und ohne Begleitung einer Wache im Palast bewegen. Du darfst Bereiche betreten, die sogar für meine Dienerschaft tabu sind.“, sagte Königin Alaia.
 

„Gut zu wissen.“
 

„Allerdings musst du sichtbar ein Zeichen tragen, dass dich als vertrauenswürdig ausweist.“, sagte Alaia.
 

„Na prima. Und damit kommst du erst jetzt.“
 

Nach dem Jekaterina und Alaia eine Stunde in dem Becken verbracht hatten, ging es dann weiter. Alaia führte ihre neue Freundin zu einem ihrer Bediensteten, der auch ein begnadeter Maler war. Dieser malte Jekaterina einen kleinen roten Rhombus auf die Mitte ihrer Stirn.
 

„Dieses Zeichen weist dich als Vertrauensperson von mir aus. Es wird immer auf deiner Stirn zu sehen sein.“, sagte Alaia.
 

Yor, 2 Monate später
 

Nach dem Sturz von Kanzler Goran, hatte Königin Alaia auf 392

Jekaterinas Rat hin Beitrittsverhandlungen mit der Föderation aufgenommen. Die Kommandantin der Kirow hatte dabei als Vermittlerin fungiert. Nun war der Vertrag unterschriftsreif.
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 56755.9 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Heute Morgen wurde der Beitrittsvertrag zwischen Yor und der Föderation unterzeichnet. Königin Alaia hat mir als Geste ewiger Freundschaft ein paar Badwürfel geschenkt. Ich selbst habe sie eingeladen, mich mal in meiner Heimatstadt Smolensk zu besuchen.“ 393

USS Kirow - Mission 11

USS KIROW MISSION 11
 

Smolensk, 6. Dezember 2379
 

Jekaterina ging an den Ufern des Dnepr entlang. Sie hatte nach der Gefangenschaft erst einmal Urlaub eingereicht, um das Martyrium verarbeiten zu können. Die Kommandantin der Kirow hatte sich in ihrem ehemaligen Elternhaus eingerichtet. Jeden Morgen joggte sie die Strecke von ihrem Haus zur Uspensky Kathedrale und zurück. Danach nahm sie ein heißes Bad und frühstückte dann. Bis zum frühen Nachmittag verbrachte Jekaterina die Zeit mit Lesen oder ein bisschen Geige spielen. Danach machte sie ihren alltäglichen Nachmittagsspaziergang an den Ufern des Flusses, ehe sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause ging.
 

An diesem Tag war es besonders kalt, weshalb sich Jekaterina für eine dicke Winterjacke, Winterstiefel, eine Wollmütze, sowie eine Skihose und dicke Handschuhe entschieden hatte. Jekaterina blieb stehen und blickte über den Dnepr auf die andere Seite von Smolensk, ihrer Heimatstadt. Es tat gut, wieder heimischen Boden unter den Füßen zu spüren. Jekaterina seufzte. Wie sollte sie wieder einen klaren Kopf bekommen? Denn seit sie wieder in Smolensk war, hatte sie nur an Alaia gedacht. Jekaterina musste zugeben, dass diese Frau sie faszinierte.
 

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, wie jemand neben sie trat, seinen Arm um ihre Taille legte, und seinen Kopf an ihre Schulter lehnte. Ein leichter Parfumduft wehte in Jekaterinas Nase. Und es gab nur eine Person in der ganzen Galaxis, die Rose und Kirsche bevorzugte.
 

Jekaterina wandte den Kopf und sah in Alaias Gesicht.
 

„Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja. Ich bin hier. Deiner Einladung konnte ich einfach nicht widerstehen.“
 

„Seit wann bist du hier?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich bin gerade angekommen. Dein Bruder Jewgeni hat mich zur Erde gebracht.“
 

„Hoffentlich hat er dich nicht mit Fragen gelöchert.“, sagte Jekaterina.
 

„Die einzige Frage, die Jewgeni mir gestellt hat, war die, was es mit dem Zeichen auf sich hat, das du auf deiner Stirn trägst.“
 

Die beiden Frauen setzten ihren Weg fort. Eine Zeit lang sagte keine ein Wort. Doch Jekaterina wurde das Gefühl nicht los, dass Alaia nur wegen ihr gekommen war. 394

„Weißt du schon, wo ich dich erreichen kann, Alaia?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich hatte gehofft, dass ich bei dir wohnen kann.“
 

„Ich hätte gar nicht zu fragen gewagt, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum denn das, Jekaterina?“
 

„Ich hatte Angst, ich würde dich kränken, wenn ich dir anbiete, bei mir zu wohnen.“, sagte Jekaterina.
 

„So ein Blödsinn. Ich bin wunschlos glücklich, wenn ich mit dir zusammen sein kann.“
 

„Das klingt wie eine Liebeserklärung, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Und wenn es eine wäre?“
 

„Dann wäre das eine faustdicke Überraschung für mich, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich habe Gefühle für dich, das stimmt. Aber es sind freundschaftliche.“
 

Nachdem Spaziergang wollte Jekaterina erst einmal eine Tasse ihre Lieblingstees zu sich nehmen. Da sie jedoch einen Gast beherbergte, bereitete sie gleich zwei Tassen zu. Nur das es dieses Mal echte Teeblätter waren, die sie verwendete. Als ein Feuer im Kamin brannte, saßen Jekaterina und Alaia auf zwei gegenüberstehenden Stühlen, zwischen sich einen Beistelltisch, auf dem die Tassen abgestellt waren.
 

„Wann gehst du wieder auf die Kirow zurück?“, brach die Regentin der Yor das Schweigen.
 

„Nach Neujahr. Ich habe eine längere Auszeit beantragt.“
 

„Glaubst du wirklich, das Starfleet Command solange wartet?“, fragte Alaia.
 

„Notfalls muss die Kirow mal ohne mich auf eine Mission gehen. Was übrigens nicht das erste Mal wäre.“
 

„Verstehe.“, sagte Alaia.
 

Dann holte sie aus ihrer Reisetasche einen Datenblock hervor, den sie Jekaterina gab.
 

„Was ist das?“, fragte die Kommandantin der Kirow.
 

„Du hast mich doch um bestimmte Informationen gebeten. Ich habe alles zu dem Thema zusammengetragen, was ich finden konnte.“ 395

„Danke, Alaia.“
 

„Nicht der Rede wert. Aber ich habe noch etwas für dich.“
 

Alaia holte aus ihrer Tasche ein schwarzes Kleid, das einen tiefen Beinausschnitt besaß, und auf der linken Seite schulterfrei war. Die rechte Schulter und der Arm wurden komplett von Stoff verdeckt. Zu der schulterfreien Seite, gehörte noch eine Armstulpe in Fishnet-Optik. Dazu gehörten schwarze High Heels.
 

„Willst du es mal anprobieren? Ich glaub ich bin zu klein dafür.“, sagte Alaia.
 

„Warum nicht?“
 

Nachdem Jekaterina das Kleid anprobiert hatte, meldete sich mit einem Knurren ihr Magen zu Wort. Auch bei Königin Alaia knurrte der Magen. Jekaterina sah auf die Uhr. Sie zeigte 18:25 Uhr. Kein Wunder also, dass Jekaterina und Alaia Hunger hatten.
 

„Ich glaube, wir sollten langsam aber sicher was essen, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Wo du Recht hast, hast du Recht. Was schlägst du denn vor?“
 

„Entweder traditionelle russische Küche, oder frei Schnauze.“, sagte Jekaterina.
 

„Also russische Küche frei interpretiert.“
 

„So in etwa.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich glaube, letzteres sagt mir eher zu.“
 

„Oki Doki.“, sagte Jekaterina.
 

Dann verschwand sie in der Küche.
 

Nach 10 Minuten kam Alaia in die Küche.
 

„Kann ich dir was helfen?“, fragte sie Jekaterina.
 

„Geht schon. Ich bin sowieso gleich mit dem Gemüse fertig. Aber du kannst schon etwas Butterschmalz in den Topf tun.“
 

„Wird erledigt.“, sagte Alaia.
 

Als das Abendessen auf kleiner Flamme vor sich hin köchelte, saßen Jekaterina und Alaia wieder vor dem Kamin.
 

„Bisher kannte ich deine Heimatstadt nur aus deinen Erzählungen. Das alles jetzt mit eigenen Augen zu sehen, und die Kälte des russischen Winters am 396

Eigenen Leib zu spüren ist faszinierend. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Schnee gesehen.“, sagte Alaia.
 

„Ernsthaft?“
 

„Ja. Auf Yor gibt es keinen Winter, keinen Frühling, keinen Herbst. Nur Sommer.“, sagte die Königin.
 

„Ich kann mir eine Welt ohne Frühling, Herbst und Winter gar nicht vorstellen.“
 

Das laute Rappeln des Küchenweckers unterbrach rüde die Unterhaltung der beiden Frauen.
 

„Ich glaube, das Abendessen ist fertig.“, sagte Jekaterina.
 

Keine 2 Minuten später kam sie mit zwei Tellern zurück. Jekaterina hatte ein Gulasch mit einer Zimt-Koriander-Rotwein-Sahne-Sauce gezaubert, zu dem sie noch Rotkraut und selbst gemachte Klöße reichte. Alaia nahm einen Bissen und nickte dann anerkennend.
 

„Ich muss sagen, deine Kochkünste sind phänomenal.“, sagte sie dann.
 

„Danke für die Blumen. Das war übrigens das erste Gericht, mit dem ich mir das Kochen selbst beigebracht habe.“
 

„Mit oder ohne Kochbuch?“, fragte Alaia.
 

„Bei uns in der Familie wird nie mit Kochbuch gekocht. Die Rezepte werden nur mündlich weitergegeben.“
 

Nach dem Gulasch gab es als Dessert noch eine Kumquatzlikör-Creme.
 

„Hast du dir das auch ausgedacht, Jekaterina?“, fragte Alaia, nachdem sie den ersten Löffel probiert hatte.
 

„Das war die Krönung des Ganzen.“
 

„Ganz ehrlich, an dir ist eine mehr als gute Chefköchin verloren gegangen.“, sagte Alaia.
 

„Danke für das Kompliment. Aber ich bin dem Stress nicht gewachsen. Ich hab als 17jährige in den Ferien öfter im Restaurant meiner Großeltern väterlicherseits in der Küche ausgeholfen. Das war Stress pur, das kannst du mir glauben, Als ich 18 war habe ich dann gesagt „Das wars“. Ich hatte einfach keine Lust mehr.“
 

„Das verstehe ich.“, sagte Alaia.

397

Nach dem Abendessen saßen die beiden Frauen wieder vor dem Kamin. Jekaterina hatte das Feuer neu angefacht. Eine Zeitlang sagte keine ein Wort. Doch schließlich brach Alaia das Schweigen.
 

„Ich sollte dir noch etwas über die kleinen Würfel erzählen, die ich dir geschenkt habe.“, sagte sie.
 

„Gibt es etwas, dass ich vor der Anwendung wissen sollte?“
 

„Falls du Bedenken hast, dass sie gefährlich sein könnten, so kann ich dich beruhigen. Ich möchte dich vielmehr darüber aufklären, was die einzelnen Farben zu bedeuten haben.“, sagte Königin Alaia.
 

„Dann bitte.“
 

„Wenn du einen schwarzen Würfel ins Wasser wirfst, dann machst du dir ein Schlammbad gegen Rheuma und Gicht. Braun ist gegen Arthrose. Ocker, gegen Hautkrankheiten, um mal ein paar Beispiele zu nennen.“, sagte Alaia.
 

„Und was ist mit den grünen Würfeln?“
 

„Die haben keine besonderen Heilkräfte. Sie sind so was wie deine Duftbäder.“, sagte Alaia.
 

„Ah ja. Darf man fragen, wie viele Duftnoten es schon gibt?“
 

„Bis jetzt nur meinen Lieblingsduft.“, sagte die Königin.
 

„Also Rose/Kirsche.“
 

„Ja. Ich habe diese Reise auch deshalb unternommen, weil ich noch ein paar Duftmuster bräuchte.“, sagte Alaia.
 

„Das bringt mich auf eine Idee, Alaia.“
 

„Jetzt machst du mich aber neugierig.“, sagte Alaia.
 

„Man könnte doch unterschiedliche Farben verwenden. Rot für Erdbeere, orange für Orangenduft, zitronengelb für Zitrone, um mal ein paar Beispiele zu nennen.“
 

„Eine geniale Idee von dir.“, sagte Alaia.
 

Dann holte sie einen grünen Würfel aus der Tasche.
 

„Wie sieht’s aus, Jekaterina? Kann ich dich für ein schlammiges Duftbad begeistern?“, fragte sie.

398

„Einem so charmanten Angebot kann ich mich wohl schlecht entziehen.“
 

15 Minuten später saßen sich die Kommandantin der Kirow und die Königin der Yor in der alten Familienbadewanne gegenüber. Alaia ließ den Würfel in die Wanne fallen. Wie schon damals auf dem Planeten fing das Wasser an zu blubbern. Ab und zu spürte Jekaterina ein leichtes Prickeln an ihren Beinen. Als sich der Würfel auflöste. Als sich der Würfel aufgelöst hatte, waberte und wogte grüner Schlamm in der Wanne hin und her. Jekaterina und Alaia sahen sich in die Augen. Eine Zeitlang sagte keine ein Wort. Doch schließlich brach Jekaterina das Schweigen.
 

„Wenn mir jemand prophezeit hätte, dass ich meine Meinung bezüglich Schlammbädern ändere, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“, sagte sie.
 

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf?“
 

„Es gibt ein Ereignis in meinem Leben, über das ich immer noch nicht richtig sprechen kann,“, sagte Jekaterina.
 

„Ein trauriges Ereignis?“
 

„Ja. Mein Cousin Kolja ist in einem Moor ums Leben gekommen. Ich habe die letzten Augenblicke seines Todeskampfes mit eigenen Augen gesehen. Sein Tod hat mich bis heute schwer mitgenommen.“, sagte Jekaterina.
 

„Du konntest deinen Cousin nicht retten, habe ich Recht?“
 

Jekaterina nickte stumm.
 

„Ich mache mir immer noch Vorwürfe, dass ich es nicht einmal versucht habe.“, gestand sie.
 

„Du hättest bei dem Versuch, Kolja zu retten, selbst dein Leben verlieren können.“
 

„Das weiß ich. Aber ich habe das Gefühl, dass ich Kolja im Stich gelassen habe. Obwohl meine Cousine und ich ihn vor den Gefahren, die ein Herbstmoor birgt, gewarnt haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Wenn dein Cousin weder auf dich, noch auf seine Schwester hören wollte, dann trifft dich nicht die geringste Schuld. Ganz abgesehen davon scheinst du einen wichtigen Grundsatz nicht zu kennen. „Es ist besser ein paar Sekunden lang feige zu sein, als ein Leben lang tot.“. Diese Regel lernen wir auf Yor schon als kleines Kind.“
 

„Was willst du mir damit sagen, Alaia?“, fragte Jekaterina.
 

„Ganz einfach. Du wusstest um die Gefahren, deine Cousine auch. Aber 399

Kolja war zu stolz, um einzusehen, dass ihr Recht hattet. Diese Uneinsichtigkeit hat dein Cousin mit dem Leben bezahlt. Aber vielleicht verstehst du besser, worauf ich hinaus will, wenn ich dir die Geschichte meiner Tante erzähle.“
 

„Tu was du nicht lassen kannst.“, sagte Jekaterina schwer seufzend.
 

„Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen. Eigentlich hätte Tante Ignissa statt Mutter auf dem Thron sitzen sollen. Als Ältere hat ihr das Recht zugestanden. Aber sie war genau so ein Sturkopf wie Kolja. Es ist auf einem Jagdausflug passiert. Es hatte am Tag davor geregnet. Die Jagdgesellschaft, der meine Tante angehörte, hatte eine Horde Hasen verfolgt. Eines der Tiere, ein stattlicher Rammler, durchbrach die Sperre und floh in ein Moorgebiet. Meine Tante verfolgte ihn. Sie kehrte nie zurück.“
 

Jekaterina sagte nichts. Sie begriff, dass Alaias Worte, der Lebensgrundsatz von Yor, durchaus der Wahrheit entsprachen. Jekaterina gestand sich ein, dass sie Kolja nicht hätte retten können. Jeder Versuch hätte ihren eigenen Tod bedeutet.
 

„Danke Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Wofür?“
 

„Für deine Hilfe.“, sagte Jekaterina.
 

„Wobei habe ich dir geholfen?“
 

„Meinen Frieden zu finden, und dieses dunkle Kapitel in meinem Leben abzuschließen.“, sagte Jekaterina.
 

„Gern geschehen. Es ist manchmal schwierig, die richtige Person zu finden, der man sich anvertrauen kann.“
 

Jekaterina nickte.
 

San Francisco Flottenwerft, an Bord der Kirow
 

Die letzten Tests waren abgeschlossen. Admiral Paris hatte diese angeordnet, um sicherzustellen, dass das Schiff durch de Einsatz von Gorans Anlage keinen Schaden davon getragen hatte. Die Besatzung hatte Urlaub beantragt, um die Ereignisse der vergangenen Monate verarbeiten zu können. Außerdem hatte niemand, außer der Kommandantin und dem ehemaligen ersten Offizier, seit der Indienststellung der der Kirow Urlaub gehabt. Und da fand Admiral Paris es nur Recht, dass die Besatzung mal frei nehmen, und abschalten konnte. Außerdem konnte man die Gelegenheit nutzen, und einige Systeme der Kirow modernisieren. Das Schiff würde also erst Anfang 2380 auf Mission gehen können. Das bot Gelegenheit einige frisch gebackene Raumschiffkommandanten zu testen. Eric McClusky von der Hiryū 400

machte seine Sache gut und würde das Kommando behalten. Auf dem Schwesterschiff hatte die Spanierin Ginebra Bellucci das Kommando übernommen. Und im Moment hatte die Crew der Soryū nichts zu tun. Eine gute Gelegenheit dem Schiff eine Mission zuzuweisen. Da kam es gerade Recht, dass die Nautilus vor kurzem einen neuen Planeten kartographiert hatte. Diesen Planeten sollte sich die Soryū genauer ansehen.
 

Im Straflager auf Rura Penthe
 

Goran saß auf seiner Pritsche. Vor einer Stunde war die Arbeit für diesen Tag zu Ende gegangen. Eigentlich hatte er sich an diesem Abend mit anderen Mithäftlingen treffen wollen, um die Planungen für eine geplante Revolte voranzutreiben, doch irgendwie waren die Klingonen auf seine Gruppe aufmerksam geworden. Es musste einen Verräter unter den restlichen Häftlingen geben. Aber wer? Goran musste von nun an vorsichtig sein. Denn erst gestern hatten die klingonischen Aufseher einen weiteren seiner Waffenbrüder abgeholt und fortgebracht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch ihn holen würden.
 

Ein großer und kräftig gebauter Mann mit blonden Haaren trat in sein Blickfeld.
 

„Bist du Goran?“, fragte er.
 

„Wer will das wissen?“
 

„Mein Name ist Marlox.“, sagte der Mann.
 

„Du suchst Goran? Du hast ihn gefunden. Was willst du von mir Marlox?“
 

„Ich weiß, wer dich und deine Freunde verraten hat.“, sagte Marlox.
 

Goran deutete mit dem Kopf auf die gegenüberliegende Pritsche.
 

„Setz dich.“
 

Marlox setzte sich ihm gegen über und der einstige Regent von Yor sah in ein ovales Gesicht mit einem kantigen Kinn und braunen Augen. Seine blonden Haare hatte Marlox schulterlang geschnitten.
 

„Also Marlox, ich bin ganz Ohr.“, sagte Goran.
 

„Der Name des Verräters ist Gabor.“
 

„Woher weißt du das, Marlox?“, wollte Goran wissen.
 

„Habs durch Zufall mitbekommen. Nimm dich vor diesem falschen Fuffziger in Acht. Gabor ist brandgefährlich.“

401

„Keine Bange. Ich nehme so etwas nie auf die leichte Schulter. Aber jetzt habe ich eine Aufgabe für dich Marlox.“, sagte Goran.
 

„Die da wäre?“
 

„Behalte Gabor im Auge. Beschatte ihn und achte darauf mit wem er sich trifft. Ich warte jeden Abend um diese Zeit Bericht von dir, Hast du das verstanden, Marlox?“, sagte Goran.
 

„Hey! Ich bin zwar Blond, aber nicht blöd!“
 

Utopia Planitia Flottenwerft
 

Das letzte Stück der Untertassensektion war gerade mit dem Rest des Schiffes verschweißt worden. Damit war die USS Suzuya fertiggestellt und konnte in den Testbetrieb überstellt werden. Das NX vor der Schiffsnummer wies darauf hin.
 

An Bord der Soryū
 

Captain Ginebra Bellucci saß auf dem Platz in der Mitte, der ihr als Kommandantin zustand. Links von ihr saß Martin Schindler, der erste Offizier. Der Wiesbadener musterte seine Vorgesetzte. Ginebra Bellucci war eine 1,66 m große Blondine mit braunen Augen. Das runde Gesicht mit der etwas breiten Nase wirkte fast kindlich.
 

Kaitlyn Leeb, die Kommunikationsoffizierin, hob den Kopf, als Admiral Owen Paris das Schiff kontaktierte.
 

„Captain, ich habe Admiral Paris für sie.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des Admirals.
 

„Admiral Paris.“, begann Ginebra Bellucci das Gespräch.
 

„Captain Bellucci.“
 

„Ich nehme an, dass sie eine Mission für uns haben?“, fragte Captain Bellucci.
 

„Das habe ich in der Tat, Captain. Die Nautilus hat vor kurzem einen unbekannten Planeten kartographiert. Ihre Aufgabe ist es, festzustellen, ob der Planet bewohnbar ist, und falls das der Fall sein sollte, In Erfahrung zu bringen, ob er bewohnt ist.“
 

„Eine Frage noch, Admiral Paris.“, sagte Ginebra Bellucci.
 

„Bitte, Captain.“ 402

„Wie sollen wir uns verhalten, wenn man uns kontaktiert?“, fragte die Kommandantin der Soryū.
 

„Wenn man sie um aktive Hilfe bitten sollte, verweisen sie auf die erste Direktive. Alles andere bleibt ihnen überlassen, Captain Bellucci.“
 

„Ich nehme an, dass wir unverzüglich aufbrechen sollen, Admiral.“, sagte Ginebra.
 

„Genau das. Viel Glück, Captain. Admiral Paris Ende.“
 

Smolensk, 24.12.2379, 10:00 Uhr Ortszeit
 

Jekaterina hatte ihre allmorgendliche Joggingrunde beendet. Auch die Dusche hatte sie hinter sich. Nun stand sie vor dem großen Spiegel im Ankleidezimmer ihrer Mutter. Sie trug wieder das dunkelblaue Kleid, das sie sich auf der sechsten Mission der Kirow zugelegt hatte. Jekaterina war eine Frau, der Traditionen, die mit Feiertagen verbunden waren, viel bedeuteten. Sie erinnerte sich, dass ihre Mutter, Galina, gerade an Weihnachten immer Wert darauf gelegt hatte, dass ihre Kinder immer ordentlich gekleidet waren. Jekaterina erinnerte sich auch daran, dass Mama immer Wert darauf gelegt hatte, dass die Familie den Weihnachtsgottesdienst in der Uspensky Kathedrale besucht hatte. Und als Kind hatte Jekaterina die Weihnachtsmesse Spaß gemacht. Später im Teenager-Alter hatte sie dann zunehmend dass Interesse verloren. Zumal Jekaterina ohnehin nicht an Gott glaubte, wie es ihre Mutter immer getan hatte. Vielmehr glaubte sie an eine Macht im Universum, die sich mit Wissenschaft nicht erklären ließ, und die man mit Gott gleichsetzen konnte.
 

Die Klingel an der Haustür holte die Kommandantin der Kirow ins Hier und Jetzt zurück. Jekaterina verließ das Zimmer und ging die Treppe hinunter, um ihren Besucher zu empfangen. Doch als sie sah, wer vor der Tür stand, als sie diese öffnete, verdüsterten sich ihre Gesichtszüge. Ohne ein Wort zu sagen, schlug sie dem Mann, der ihr seine Aufwartung gemacht hatte, die Tür vor der Nase zu. Jekaterina hasste diesen Kerl. Denn er hatte ihr das Herz gebrochen, als sie 16 war. Er hatte sie damals mit den Worten „Du bist für mich nur ein Statussymbol“ abserviert. Und jetzt nach all den Jahren, wagte es dieses herzlose Individuum, an Weihnachten bei ihr aufzukreuzen. Jekaterina sah, wie der Mann mit gesenktem Kopf im Schneetreiben verschwand.
 

Keine 10 Minuten später klingelte es erneut. Doch von ihrem Beobachtungsplatz aus sah Jekaterina, dass ihr jüngerer Bruder Jewgeni sie besuchen wollte.
 

„Frohe Weihnachten, big sis.“, sagte Jewgeni, als Jekaterina ihm die Tür geöffnet hatte.
 

„Danke, dir auch. Komm erst mal rein. Dann musst du nicht in der Kälte bibbern.“ 403

„Sag mal, war das nicht Michail Golowko, big sis?“, fragte Jewgeni, nachdem die Tür zu war und er seine Jacke an die Garderobe gehängt hatte.
 

„Ja, das war er. Warum fragst du?“
 

„Er wollte von mir wissen, warum du ihn so überaus liebenswürzig abgewiesen hast.“, sagte Jewgeni.
 

„Diese Frage kann sich dieser miese Drecksack selbst beantworten. Bricht mir das Herz, taucht 17 Jahre später wieder hier auf, und erwartet, dass ich ihm freudestrahlend um den Hals falle? Du kennst mich gut genug, kleiner Bruder, um zu wissen, wie ich auf sowas reagiere.“
 

„Ungefähr dasselbe hab ich ihm auch gesagt, big sis.“, sagte Jewgeni Romanova.
 

„Wie hat er reagiert, Jewgeni?“
 

„Hat geguckt, wie ne Kuh wenns donnert, und ist dann weiter gegangen.“, sagte Jekaterinas jüngerer Bruder.
 

Später am Tag, die Sonne hatte den Mittagszenit erreicht, kam Königin Alaia. Jekaterina freute sich, die Königin der Yor wiederzusehen. Die beiden Frauen umarmten sich lang und innig.
 

„Schön dich zu sehen, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist schön, wieder hier zu sein.“
 

„Wie ist es dir nach deiner Heimkehr ergangen?“, fragte Jekaterina.
 

„Frag nicht nach Sonnenschein. Es gab Tage, da hätte ich dich an meiner Seite gebraucht.“
 

„War es so schlimm?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Du hast ja keine Ahnung, was bei uns zuhause los ist.“
 

„Sag bloß, du bist innenpolitisch angeschlagen.“, sagte Jekaterina.
 

„Zum Glück nicht. Aber es ist einfach so, dass einige hochrangige Adlige Gorans Projekt wieder reaktivieren wollen. Bisher habe ich sie davon abhalten können. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Gruppe Zugang zu den Tunneln verschafft.“
 

„Im Prinzip hast du nur eine Option, Alaia.“, sagte Jekaterina.
 

„Und welche?“

404

„Du musst die Ultraschallkanone zerstören, bevor sie in die falschen Hände fällt.“, sagte Jekaterina.
 

„Du hast Recht, Jekaterina. Ich werde die unverzügliche Zerstörung sofort anordnen.“
 

Nach dem Abendessen führte Jekaterina die Königin der Yor in einen anderen Gebäudeflügel ihres Elternhauses. Die Zerstörung der Ultraschallkanone hatten sie noch per Videoschalte live mit verfolgt. Doch nun stand die Besichtigung auf dem Programm.
 

„Ich wusste gar nicht, dass das Haus so groß ist.“, sagte Alaia.
 

„Jede Generation meiner Familie hat diesem Haus etwas Eigenes hinzugefügt. Den Wintergarten, den ich dir vorhin gezeigt habe, hat mein Bruder Jewgeni gebaut.“
 

„Und was ist von dir?“, fragte Alaia.
 

„Das zeige ich dir jetzt.“
 

Jekaterina bog in einen Korridor ab, um dann vor einer massiven Eichentür stehen zu bleiben.
 

„Wir sind da.“, sagte sie dann.
 

„Bin jetzt schon gespannt, was du mir zeigst.“
 

Jekaterina öffnete die Tür und führte Alaia in einen Raum. An zwei Wänden hingen die Porträts von Mitgliedern der Familie, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan hatten. In der Mitte des Raumes, umgeben von Blumen und Kränzen stand ein Beistelltisch. Auf diesem Tisch stand ein Foto, das eine Frau zeigte, die nur unwesentlich älter aussah, als Jekaterina. Sie hatte braune Haare, wie Jekaterina, nur einen Ticken heller. Außerdem trug sie ihre Haare schulterlang, während Jekaterinas Haare hinten weit über die Schultern fielen. Beide hatten ein ovales Gesicht, nur mit dem Unterschied, dass die Frau auf dem Bild ein schmaler geschnittenes Gesicht hatte. Beide hatten braune Augen, allerdings bestand der Unterschied darin, dass Jekaterinas Schwester haselnussbraune Augen hatte. Was noch auffiel war, dass die Frau auf dem Foto eine Brille mit einem schwarzen Plastikgestell trug.
 

Alaia ahnte, dass es bei der Frau auf dem Bild um Jekaterinas Schwester handeln musste. Denn als sie auf der Kirow geweilt hatte, hatte ihr Jekaterina oft von ihrer Schwester erzählt. Jekaterina sprach ein paar leise Worte. Doch anhand der Lippenbewegungen konnte Alaia erahnen, was ihre Freundin sagte. „Anastasia, wo bist du?“
 

Doch mit dem, was als nächstes passierte, hatte die Königin der Yor nicht 405

gerechnet. Denn Jekaterina ging vor dem Foto ihrer Schwester auf die Knie, schlug die Hände vor ihr Gesicht, und fing an zu weinen. Alaia legte ihr eine Hand auf die Schulter.
 

„Ich helfe dir, Anastasia zu finden.“, sagte sie.
 

Jekaterina sah zu ihr auf.
 

„Das würdest du für mich tun?“
 

„Ich bin dir einiges schuldig. Das ist das mindeste, was ich für dich tun kann.“, sagte Alaia.
 

„Danke, Alaia.“
 

„Gern geschehen. Und überhaupt: Wozu hat man Freunde?“, sagte die Königin der Yor.
 

„Ja.“
 

An Bord der Kirow
 

Dayani, das Energiewesen, stromerte durch die Gänge des Schiffes. Das Schiff war menschenleer, seitdem die Techniker die Kirow verlassen hatten. Dayani fühlte sich einsam, denn sie hatte niemanden, mit dem sie reden konnte. Als sie auf die Brücke kam, sah sie an Keikos Konsole eine Rote Lampe aufleuchten. Für das Energiewesen ein klares Zeichen, dass jemand die Kirow rief. Dayani war hin und her gerissen. Auf der einen Seite wollte sie schon wissen, wer der mysteriöse Anrufer war. Auf der anderen Seite wollte sie nicht gegen die Dienstvorschriften verstoßen. Das Energiewesen, entschied, die Kommandantin der Kirow zu kontaktieren. Dayani tippte an ihren Kommunikator.
 

„Kirow an Captain.“, sprach sie in das kleine Gerät.
 

„Ich hör dich klar und deutlich, Dayani. Was gibt’s?“
 

„Wir wurden gerade kontaktiert. Aber außer mir ist niemand an Bord. Bekomme ich deine Erlaubnis, das Gespräch anzunehmen, Mutter?“, sagte Dayani.
 

„Einverstanden. Melde dich, wenn das Gespräch vorüber ist.“
 

„Mach ich Mutter.“, sagte Dayani.
 

Dann betätigte das Energiewesen einige Kontrollen und auf dem großen Schirm erschien Admiral Paris Gesicht.
 

„Admiral Paris.“, begann Dayani das Gespräch.

406

„Hallo Dayani.“
 

„Ich nehme an, dass wir eine neue Mission zugewiesen bekommen haben, Admiral.“, sagte Dayani.
 

„Noch nicht. Aber gerade eben ist ein Bericht von Captain Bellucci von der Soryū auf meinem Schreibtisch gelandet. Sowie ich den studiert habe, werde ich entscheiden, ob ich die Kirow oder ein anderes Schiff zur näheren Beobachtung schicke.“
 

„Verstehe, Admiral Paris. Können sie uns den Bericht zukommen lassen?“, sagte das Energiewesen.
 

„Das versteht sich ja wohl von selbst, Dayani. Aber haltet euch bereit. Admiral Paris Ende.“
 

Nachdem Gespräch mit Dayani las sich Owen Paris den Bericht von Captain Bellucci durch. Und wie er dem Dossier entnehmen konnte lautete der Name des Planeten Draconia, denn die Kommandantin der Soryū hatte ihn in einem Gespräch mit einem der vielen Stammesfürsten herausgefunden. Doch aus diesem Gespräch ging auch hervor, dass Draconia vor einem Bürgerkrieg stand. Diese Mission erforderte Weitsicht und Einfühlungsvermögen. Und dafür kam nur die Kirow infrage. Denn Jekaterina Romanova, die Kommandantin, war die Einzige, der Admiral Paris es zutraute, dass sie die Situation entschärfte.
 

Smolensk, 25.12.2379, 9:45 Uhr Ortszeit
 

Jekaterina und Alaia saßen gerade beim Frühstück, als es an der Tür klingelte.
 

„Ich geh schon.“, sagte Jekaterina.
 

Sie war überrascht, als sie Jewgeni vor der Tür stehen sah. Sein Gesichtsausdruck war sehr ernst.
 

„Was hast du, Jewgeni?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich muss dich warnen, bis sis.“
 

„Was ist los?“, fragte Jekaterina.
 

„Rate mal, wer auf dem Weg hierher ist.“
 

„Doch nicht etwa…?“, begann Jekaterina ihre nächste Frage.
 

„Leider doch. Michail Golowko ist auf dem Weg zu dir.“
 

„Wie viel Zeit habe ich, um mir selbst das Leben zu nehmen?“, fragte Jekaterina sarkastisch. 406
 

„Keine 10 Minuten, big sis.“
 

Und Jewgeni behielt Recht. Denn kaum, dass es sich das Trio im Wohnzimmer gemütlich gemacht hatte, klingelte es auch schon.
 

„Eben ist bei mir endgültig der Ofen aus. Dieses Mal kommt mir Michail nicht so leicht davon.“, sagte Jekaterina wutschnaubend.
 

„Noch einen Schritt weiter, Blauauge, und es gibt was mit der Kelle.“, sagte sie.
 

„Ist das die Art einen alten Freund zu begrüßen?“
 

„Das ich nicht lache, Michail. Am liebsten würde ich dir die Visage polieren.“, sagte Jekaterina.
 

Der Unterton in ihrer Stimme war so kalt und schneidend wie der Schneesturm vor dem Haus.
 

„Okay, okay. Ich hab verstanden. Ich werde gehen, und nicht wieder kommen.“
 

„Sehr gut. Denn ich will dich nie wieder zu Gesicht bekommen. Tritt mir noch einmal vor mein Antlitz und ich kratz dir die Augen aus.“, sagte Jekaterina.
 

„Okay. Doswidanja, Jekaterina. Und viel Glück bei der Suche nach deiner Schwester.“
 

„Was weißt du darüber, Michail?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich weiß, warum sie verschwunden ist. Ich wollte es dir eigentlich schon gestern beichten, aber du hast mir, auf deine ziemlich liebenswerte Art, die Tür vor der Nase zugeschlagen.“
 

„Na schön. Komm rein. Aber eines sag ich dir. Dies ist das erste, und auch das letzte Mal, dass du über diese Schwelle trittst.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke, dass du mir doch einen Augenblick deiner Zeit widmest.“
 

Im Wohnzimmer bot Jekaterina ihrem unliebsamen Besucher einen Sitzplatz und eine Tasse Tee an. Als Michail den ersten Schluck zu sich genommen hatte, wurde sie jedoch wieder kratzbürstig.
 

„Also Michail, nur damit du weißt, woran du bei mir bist. Verzichte bitte auf Nebensächlichkeiten. Und fass dich kurz.“, sagte sie.
 

„Wenn das dein Wunsch ist.“
 

„Natürlich ist es das.“, sagte Jekaterina schroff. 407

„Na schön. Anastasia war auf der Flucht. Sie hatte Angst.“
 

„Anastasia und Angst? Fällt mir schwer, das zu glauben.“, sagte Jekaterina.
 

„Es ist aber so.“
 

„Und woher weißt du das so genau?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich habe sie zwei Tage vor ihrem Verschwinden noch mal gesehen. Sie meinte, dass sie von jemandem verfolgt würde, und deshalb Smolensk auf unbestimmte Zeit verlassen müsste.“
 

Jewgeni schaltete sich in das Gespräch ein.
 

„Du weißt jetzt aber nicht den Namen von Anastasias Verfolger, Michail?“, fragte er.
 

„Leider nein. Aber ich habe den Kerl gesehen.“
 

„Wie sah er aus?“, fragte Jekaterina.
 

„Er war ziemlich kräftig gebaut. Hatte ein ziemlich kantiges Gesicht mit goldenen Augen. Seine Haut war lila. Er hatte einen Krempenhut auf dem Kopf. Dazu einen schwarzen Umhang, eine schwarze Stoffhose und schwere, schwarze Lederstiefel.“
 

„Ist das alles?“, fragte Jekaterina.
 

„Mehr weiß ich nicht.“
 

„Dann hast du die Erlaubnis zu gehen.“, sagte Jekaterina.
 

„Computerlogbuch der Kirow, Sternzeit 57007.00, Captain Jekaterina Romanova, neuer Eintrag: Wir haben zwar noch keine neue Mission zugewiesen bekommen, aber alle Crewmitglieder sind wieder an Bord. Den Bericht meiner Kollegin von der USS Soryū haben wir erhalten. Und nach einem eingehenden Studium habe ich eine Besprechung mit meinen Offizieren einberufen.“
 

Im Besprechungsraum hinter der Brücke saß Jekaterina mit ihren kommandieren Offizieren zusammen. Jekaterina sah in die Runde.
 

„Ladies and Gentlemen. Uns wurde ein Bericht der USS Soryū übermittelt. Wir sollten uns darauf einrichten, dass es bald wieder losgeht.“, sagte sie.
 

„Meinen sie, dass man uns nach Draconia schicken könnte, Captain?“
 

„Es ist nicht auszuschließen Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

408

„Nehmen wir an, man weist uns diese Mission zu, Captain. Was wäre unsere Aufgabe?“
 

„Ich denke, dass werden wir früh genug erfahren, Miss Kahn.“, sagte Jekaterina.
 

Kaum hatte sie ihren Satz beendet, da ertönte ein akustisches Signal aus der Gegensprechanlage.
 

„Brücke an Captain.“, vernahm Jekaterina die Stimme ihrer Kommunikationsoffizierin.
 

„Ich höre sie klar und deutlich, Keiko.“
 

„Captain, ich habe Admiral Paris für sie.“, sagte Keiko.
 

„In Ordnung, stellen sie durch.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Keiko.
 

Aus der Schreibtischplatte fuhr ein Monitor. Auf dem Schirm war das Gesicht von Admiral Paris zu sehen.
 

„Admiral Paris.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Haben sie eine neue Mission für uns, Sir?“, fragte Jekaterina.
 

„In der Tat, das habe ich.“
 

„Worin besteht unsere Aufgabe, Admiral?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Brechen sie unverzüglich nach Draconia auf, und versuchen sie, wenn möglich, die Situation dort zu entschärfen.“
 

„Wie ist die politische Situation dort?“, fragte Jekaterina.
 

„Im Moment ruhig. Aber der Planet ist ein Pulverfass, dass jederzeit hochgehen kann.“
 

„Wurden wir aufgefordert in den Konflikt einzugreifen? Sie wissen, dass uns die erste Direktive genau das untersagt. Es sei denn, wir werden von einer der Konfliktparteien ausdrücklich um Beistand ersucht.“, gab Jekaterina zu bedenken.
 

„Vorerst wurden wir nicht um Beistand ersucht, Captain Romanova. Fürs erste besteht ihre Aufgabe darin, die Situation dort zu beobachten. Sollte die Situation eskalieren, bieten sie sich, wenn alle Stricke reißen, als 409

Vermittlerin an. Ich weiß, dass sie das können. Admiral Paris Ende.“
 

Auf Rura Penthe
 

Goran fluchte innerlich vor Wut. Denn die Klingonen hatten auch ihn verhaftet. Aber auch Gabor teilte dasselbe Schicksal. Denn auch er hatte Besuch von den Wächtern bekommen. Goran empfand Schadenfreude, als er sah, dass man auch seinen Rivalen verhaftet hatte. Er ahnte, dass die Lagerkommandantur auf Rura Penthe kein Risiko eingehen wollte, und Gabor der Einfachheit halber gleich mit verhaftet hatte
 

Auf Draconia
 

Keros saß auf einem Findling an einem See. Ihm gegenüber, auf einem Baumstumpf, saß Frunse, ein Drache, der aufrecht auf zwei Beinen ging. Der Drachenkrieger musterte Keros. Keros war 1,85 m groß und athletisch gebaut. Er hatte schulterlange, dunkelbraune Haare und einen dichten Vollbart. Keros hatte ein ovales Gesicht mit einer etwa breiten Nase und braunen Augen. Bekleidet war Frunses Gesprächspartner mit einer Khaki-Hose, schwarzen, schweren Lederstiefeln, einem aquamarinfarbenen Hemd, und einem robusten, gefütterten Anorak, um den er eine kleine, lederne Umhängetasche trug.
 

„Was hat dein Gespräch mit Eros ergeben?“, fragte Frunse.
 

Keros musterte seinen Gesprächspartner bevor er antwortete. Frunse war extrem kräftig gebaut und hatte Beine wie Säulen. Sein Körper war überall mit Schuppen bedeckt, die noch nicht einmal von einer Lanze oder einem Speer durchdrungen werden konnten. Seine gelben Augen blickten ernst drein. Wie alle Drachen war auch Frunse mit einem kräftigen Gebiss mit messerscharfen Zähnen ausgestattet. An seinem Kopf hatten sich im Laufe seines Lebens mehrere knöcherne Auswüchse gebildet und sein Haupthaar war bereits ergraut. Bekleidet war er mit einer Rüstung aus dem besten Stahl, den die Drachen Draconias je geschmiedet hatten.
 

„Gar nichts.“, sagte Keros.
 

„Was soll das heißen „Gar nichts“?“
 

„Das was es heißt: Gar nichts! König Eros meinte nur, ich soll nicht immer schwarz sehen.“, sagte Keros.
 

Frunse schnaubte verächtlich. Kleine Rauchwölkchen stiegen aus seinen Nüstern auf.
 

„Der hat gut reden. Er sitzt mit seinem fetten Arsch auf dem Thron und lässt uns und die anderen Stämme im Stich. Eros kann die Überfälle auf unseren Planeten nicht länger ignorieren. Und das weiß er auch.“, sagte der Drache.

410

„Erzähl mir mal etwas, das ich nicht weiß, Frunse.“
 

„Eros muss gestürzt werden.“, sagte Frunse.
 

„So schlau bin ich auch, stell dir vor. Aber solange Ayla, die Hohepriesterin, hinter diesem Fettsack steht, wird keine militärische Operation Erfolg haben.“
 

„Ayla ist nicht das Problem, Keros. Das eigentliche Problem ist Tabea, Eros Seherin. Sie ist diejenige, die wir beseitigen müssen.“, sagte Frunse.
 

„Und wie sollen wir das anstellen, du Stratege?“
 

Frunse beugte sich vor, und senkte die Stimme.
 

„Lass mich nur machen, Keros. Ich habe schon einen Plan.“, sagte er.
 

„Und wie sieht dein Plan aus, Frunse?“
 

„Wir erden uns Tabeas größte Schwäche zu Nutze machen, und sie in eine tödliche Falle locken.“, sagte der Drache.
 

„Ach. Und woher weißt du das so genau, wenn ich fragen darf.“
 

Frunse zeigte ein diabolisches Grinsen.
 

„Mir scheint, du hast vergessen, wie gut ich im Tempel und im Palast vernetzt bin. Amena, eine von Aylas Dienerinnen, hat mir verraten, dass Tabea eine Schwäche für attraktive Frauen hat. Und für eine ganz besonders.“, sagte er dann.
 

„Die Frau, die von den Sternen kam.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57012.6 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg nach Draconia. Vor kurzem erreichte uns eine Nachricht der Hiryū. Captain McClusky ließ uns wissen, dass auf dem Planeten bald ein politischer Supergau in Form einer Revolution stattfinden könnte. Ich habe daher befohlen, die Geschwindigkeit auf Warp 7,5 zu erhöhen, sowie das Schiff gefechtsbereit zu machen.“
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Captain, wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des fremden Kommandanten. Jekaterina blickte in ein ovales Gesicht von dessen blauen Augen eines mit einer schwarzen Augenklappe verdeckt war. Die dunkelbraunen Haare 411

trug der Fremde offen und schulterlang. Ein leichter Vollbart bedeckte das Gesicht des Mannes. In seinem Mundwinkel steckte ein Zahnstocher.
 

„Ich grüße sie, Captain.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Und ich grüße sie.“
 

„Mit wem habe ich das Vergnügen?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich bin Captain Bill Paxton. Und wer ist meine attraktive Gesprächspartnerin?“
 

„Captain Jekaterina Romanova. Kommandantin des Föderationsraumschiffes USS Kirow.“, sagte Jekaterina.
 

„Mein Schiff ist die Goliath. Und ich möchte kurz erwähnen, dass ihr Raumflottenkapitäne bei Leuten von meinem Schlag nicht gerade beliebt seid.“
 

„Sie sind also ein Weltraumpirat.“, stelle Jekaterina fest.
 

„Ganz Recht. Aber ich habe sie nicht gerufen, um ihnen den Fehdehandschuh hinzuwerfen.“
 

„Weswegen denn dann?“, fragte Jekaterina.
 

„Weil ich sie warnen muss. Ein Raumschiff ist nach Draconia unterwegs.“
 

„Wie ist der Name des Schiffes, Captain Paxton?“, fragte Jekaterina.
 

„Das Schiff heißt Relentless und sein Kommandant Ramirez.“
 

„Bevor wir weiterreden, Captain Paxton, hätte ich gerne gewusst, warum sie uns warnen wollen.“, sagte Jekaterina.
 

„Das hat persönliche Gründe, Captain Romanova.“
 

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Sie dürfen. Zum einen habe ich ein persönliches Interesse daran, dass König Eros gestürzt wird.“
 

„Wie kommt das?“, fragte Jekaterina.
 

„Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich auf meinem Heimatplaneten zum Outlaw erklärt wurde.“
 

Jekaterina ahnte, dass diese Angelegenheit sehr emotional werden konnte, wenn sie den Weltraumpiraten seine Geschichte erzählen ließ. Deshalb beschloss sie, das Thema zu wechseln. 412

„Ihre Fehde mir König Eros ist sicher nicht das Einzige, was sie dazu bewogen hat, uns zu kontaktieren.“, sagte sie.
 

„Das stimmt, Captain Romanova. Der andere Grund ist der, dass ich jemanden kaltstellen muss, bevor er zu gefährlich wird.“
 

„Wer ist es?“, fragte Jekaterina.
 

„Bei den meisten von uns Weltraumpiraten ist er als „Der dunkle Lord“ bekannt. Keiner von uns bekommt ihn zu Gesicht. Nur die, die für ihn arbeiten, bekommen ihn zu sehen.“
 

„Mich würde eines interessieren, Captain Paxton.“, sagte Jekaterina.
 

„Bitte, ich höre.“
 

„Warum hat Ramirez so ein gesteigertes Interesse an Draconia?“, fragte Jekaterina.
 

„Weil er einer von denen ist, die für den dunklen Lord arbeiten. Sehen sie, Captain Romanova, der dunkle Lord hat überall seine Spitzel und Spione. Und im Moment ist er hinter einer Erdenfrau her.“
 

„Wie heißt die Dame?“, fragte Jekaterina.
 

„Ihr Name ist Anastasia Romanova.“
 

Jekaterina wurde kreidebleich. Also hatte Michail Golowko, dieses Scheusal, doch Recht gehabt. Captain Paxton nahm das Gespräch wieder auf.
 

„Anhand ihrer Reaktion möchte ich behaupten, dass sie Anastasia Romanova kennen.“, sagte er.
 

„S-sie ist meine Schwester, Captain Paxton.“
 

„Verstehe. Ich gehe mal davon aus, dass sie ihre Schwester vor dem dunklen Lord finden wollen.“, sagte Captain Paxton.
 

„Ich muss, Captain. Das bin ich Anastasia schuldig.“
 

„Hören sie Captain. Sie haben eine Mission zu erfüllen. Wenn sie wollen, behalte ich den dunklen Lord im Auge. Sollte ich etwas über den Aufenthaltsort ihrer Schwester in Erfahrung bringen, hören sie von mir.“, sagte Bill Paxton.
 

„Ich danke ihnen für ihre Hilfe, Captain Paxton. Aber gestatten sie mir noch eine Frage, Sir.“
 

„Nur zu.“, sagte der Kommandant der „Goliath“. 413

„Welches Schicksal würde meine Schwester erwarten, wenn sie in die Hände des dunklen Lords fällt?“
 

„Das wollen sie nicht wissen, Captain Romanova.“, sagte der Weltraumpirat.
 

„Sagen sie es mir bitte, Captain.“
 

Der Weltraumpirat seufzte schwer, ehe er antwortete.
 

„Eure Schwester würde in die große Brutkolonie auf dem Heimatplaneten des dunklen Lords gebracht. Dort wäre ihre Aufgabe, neue Aliens zu gebären. Und wenn sie ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen kann, endet sie wie alle anderen vor ihr. Dann beendet Anastasia ihr Leben im Schmerzverstärker.“, sagte Bill Paxton.
 

„Dann muss ich erst Recht schneller sein. Sie boten mir ihre Unterstützung an, Captain. Und ich nehme dankend an. Kirow Ende.“
 

Auf Draconia im Königspalast
 

König Eros saß im Arbeitszimmer an seinem Schreibtisch und ging einige Dokumente durch. Er war ein 1,73 m großer fettleibiger Mann, der stattliche 180 Kilo auf die Waage brachte. Seine Haare hatte er schon lange verloren. Sein ursprünglich ovales Gesicht war durch den vielen Zuckerkonsum in Form von Schokolade und anderen Süßspeisen extrem aufgequollen wie ein Schwamm. Seine braunen Augen zeigten keinerlei Emotionen, wie der Rest seines Gesichts. Neben dem Schreibtisch stand Eros mobile Gehhilfe, auf die der König wegen seines Übergewichts angewiesen war. Sein Leibarzt hatte ihn mehrfach gewarnt. So auch an diesem Morgen.
 

„Ihr werdet bald einen Rollstuhl brauchen, wenn ihr weiterhin so exzessiv dieses süße Teufelszeug in euch reinstopft.“, hatte er gesagt.
 

Und im Grunde hatte der Arzt auch Recht. Aber Eros konnte der süßen Versuchung einfach nicht widerstehen. Ein Klopfen ließ den Regenten aufhorchen.
 

„Herein.“, sagte er.
 

Die Tür öffnete sich, und Erebor, Eros Mentor trat ein.
 

„Was führt dich zu mir, Erebor?“, fragte Eros seinen Besucher.
 

„Mein Herr und Gebieter, ich habe Tabea, eure Seherin einem Test unterzogen, um herauszufinden, ob sie ihre seherischen Fähigkeiten eventuell verloren hat.“
 

„Und wie lautet das Resultat, Erebor?“, fragte Eros.

414

„Herr, Tabea hat ihre Gabe definitiv verloren.“
 

„Bist du dir sicher?“, fragte der König.
 

„So sicher, wie man sich nur sein kann, mein Gebieter.“
 

„Dann weißt du ja, was du zu tun hast, Erebor.“, sagte Eros.
 

„Ich kann einen Meuchelmörder dingen, der Tabea tötet. Es würde aussehen, wie ein natürlicher Tod.“
 

„Nein, Erebor. Das ist zu riskant. Tabea muss verschwinden. Ich meine, ENDGÜLTIG.“
 

„Dann bleibt nur eine Treibjagd übrig. Eine passende Gelegenheit, um den Behemoth loszulassen, Mylord.“
 

Auf Eros Gesicht erschien ein diabolisches Grinsen.
 

„In 3 Tagen, bei Sonnenuntergang.“, sagte der König.
 

„Es wird geschehen, mein Herr und Gebieter. Aber gestattet mir noch eine Frage, bevor ich mit den Vorbereitungen beginne.“
 

„Ich höre.“, sagte Eros.
 

„Werdet ihr wieder persönlich anwesend sein, wenn die Jagd beginnt?“
 

„Nein, Erebor. Dieses mal nicht.“, sagte König Eros.
 

An Bord der Kirow
 

Keiko hob erneut den Kopf, nachdem Jekaterina das Gespräch mit dem Weltraumpiraten beendet hatte.
 

„Captain, Admiral Janeway ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Kathryn Janeway.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Haben sie Neuigkeiten für mich und meine Crew?“, fragte Jekaterina.
 

„Das habe ich in der Tat. Die politische Situation auf Draconia hat 415

sich verändert. Die Rebellen haben uns offen um Unterstützung ersucht. Ich habe mit Präsidentin Arikka Rücksprache gehalten. Sie hat einem Eingreifen in diesen Konflikt von unserer Seite, auf Seite der Rebellen, zugestimmt. Deshalb habe ich noch zwei weitere Schiffe entsandt. Die Laconia und die Hiryū werden sie bei dieser Sache unterstützen.“
 

„Danke, Admiral Janeway. Aber wer ist eigentlich unser Ansprechpartner vor Ort?“, sagte Jekaterina.
 

„Eine Frau namens Kalinka. Ihr werdet sie nicht finden, sie findet euch.“
 

„Wenn ich das richtig verstehe, wird Kalinka mit uns in Kontakt treten, wenn sie den Zeitpunkt für richtig hält.“, sagte Jekaterina.
 

„Das stimmt, Captain. Kann sein, dass sie zuerst einen Parlamentär schickt. Kalinka ist sehr vorsichtig. Admiral Janeway Ende.“
 

An Bord der Relentless
 

Kapitän Ramirez war genervt. Er war ein Mann, der es nicht ertragen konnte, wenn etwas nicht so lief, wie gewünscht. Erst hatte die USS Soryū ihn aus dem Orbit um den Planeten vertrieben, und kam noch eine weitere Hiobsbotschaft direkt danach. Denn vor kurzem hatte Ramirez erfahren, dass auf Draconia ein Bürgerkrieg ausgebrochen war, in dem die Föderation auf Seiten der Rebellen eingriff. Zu allem Überfluss hatte Starfleet Command gleich seine drei besten Schiffe geschickt. Über den Kommandanten der Hiryū wusste Ramirez nur, dass dieser als erster Offizier auf der Kirow gedient hatte, dem zweiten Schiff aus diesem Trio. Und deren Kommandantin würde er als Weltraum-Amazone einstufen.
 

Nichts desto trotz, so gestand sich Kapitän Ramirez ein, war Jekaterina Romanova brandgefährlich. Viele Tyrannen und Despoten verdankten ihr einen lebenslangen Aufenthalt im klingonischen Straflager auf Rura Penthe. Und zu allem Überfluss hatte Bill Paxton, genannt „Die Klapperschlange“ gegenüber Jekaterina aus dem Nähkästchen geplaudert. Dieser verdammte Koyote!
 

Der Kommunikationsoffizier der Relentless, ein Ferengi namens Donk, wandte sich an Ramirez. Er musterte ihn, bevor er ihn ansprach. Ramirez war 1,85 m groß und hatte ein rundes Gesicht. Eines seiner braunen Augen wurde von einer Augenklappe verdeckt. Seine linke Hand verdeckte ein schwarzer Handschuh. Seine schwarzen Haare standen wirr vom Kopf und bildeten an den Schläfen Koteletten, die in einem schwarzen Lippen- und Kinnbart endeten. Auffällig war auch der etwas kräftige Körperbau des Kapitäns. Bekleidet war der Mann mit einem schwarzen Tankshirt in Fishnetoptik, einer roten Leinenhose und schweren, schwarzen Lederstiefeln. Seine Stirn verbarg der Pirat hinter einem roten Stirnband. Sein rechtes Handgelenk war mit einer weißen Stoffbandage verbunden.

416
 

„Kapitän?“, fragte der Ferengi.
 

„Was gibt es Donk?“
 

„Unsere achteren Sensoren haben ein Föderationsschiff geortet.“, sagte Donk.
 

„Welche Klasse?“
 

„Intrepid-Klasse. Aber dieses Schiff steht nicht in unserer Datenbank.“, sagte der Ferengi.
 

„Hat das Schiff seine aktiven Sensoren aktiviert?“
 

„Nein. Es scheint, als ob dieses Schiff auf einem Testflug ist. Ich glaube nicht, dass die gezielt nach uns suchen.“, sagte Donk.
 

„Ich trau dem ganzen Braten nicht. Am besten wir verhalten uns ruhig. Schiff stoppen!“
 

„Schiff stoppen! Aye, Captain.“, sagte der Navigator und betätigte einen alten Maschinentelegrafen.
 

Auf der Brücke war die Anspannung spürbar, als das Schiff gestoppt hatte. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Doch als die Suzuya, die sich auf einem weiteren Testflug befand, weiter flog, ohne die Relentless zu bemerken, atmete Kapitän Ramirez erleichtert aus.
 

„Mein lieber Scholli. Da hatten wir aber grad noch mal Dusel. Mr. Pyke, nehmen sie wieder Kurs auf Draconia.“, befahl er.
 

„Aye, Captain.
 

Donk, der Kommunikationsoffizier des Schiffes, meldete sich zu Wort.
 

„Kapitän, ich habe den Chef für sie.“, sagte Donk.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des dunklen Lords. Kapitän Ramirez und seine Brückenbesatzung blickten in ein Gesicht mit kantigem Unterkiefer und goldenen, wütend funkelnden Augen. Aus dem Kopf des Dämons ragten zwei mächtige, schwarze Hörner. Eine Maske schützte den Kopf auf Höhe der Augen. Ramirez konnte sogar die schweren Schulterstücke erkennen, die den Nacken des dunklen Lords schützten.
 

„Mylord.“, begann Ramirez das Gespräch.

417

„Kapitän Ramirez.“
 

„Was verschafft uns die Ehre, dieses Gesprächs?“, fragte der Kapitän.
 

„Sollten sie nicht schon längst von König Eros eine Information erhalten haben, Kapitän Ramirez?“
 

„Es ist nahezu unmöglich, den Planeten Draconia anzusteuern, Mylord.“, sagte Ramirez.
 

„So, und warum, wenn ich fragen darf, Kapitän?“
 

„Es werden verstärkt Raumschiffe der Föderation in diesem Sektor gesichtet. Das letzte war die USS Soryū, ein Schiff der Ranger-Klasse. Sie wissen, was das für Leute wie mich bedeutet.“
 

„Das sind in der Tat beunruhigende Nachrichten, Kapitän Ramirez. Was haben sie sonst noch zu berichten?“
 

„Auf Draconia ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Die Föderation hat sich eingemischt und unterstützt die Rebellen. Starfleet Command hat drei Raumschiffe entsandt, Mylord.“, sagte der Kapitän der Relentless.
 

„Welche, Kapitän Ramirez?“
 

„Die Kirow, die Hiryū und die Laconia. Und falls es sie interessiert, die Kirow wird von Jekaterina Romanova kommandiert.“, sagte Ramirez.
 

„Das passt mir gar nicht. Aber nun gut. Es waren nicht die Informationen, die ich haben wollte, aber jetzt weiß ich, wer meine Feinde sind.“
 

„Da fällt mir ein, der Kommandant der Laconia ist auch ein Romanova. Jewgeni. Er ist der jüngere Bruder von Jekaterina Romanova. Aber ihr denkt nicht, was mir gerade in den Sinn kommt.“, sagte Ramirez.
 

„Doch Kapitän. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden mit Anastasia Romanova verwandt sind. Aber jetzt fliegen sie nach Draconia und beschaffen mir von König Eros den aktuellen Aufenthaltsort von Anastasia. Vengeance Ende.“
 

An Bord der Suzuya
 

Der Kommunikationsoffizier hob den Kopf, als er auf die Frequenz der Relentless stieß. Er wandte sich an den Kommandanten. Captain Ned Lynch war ein 1,80 m großer leicht korpulenter Mann mit blaugrauen Augen. Der Mann aus Killarney hatte ein rundes Gesicht dessen Kinn mit einem Dreitagebart bedeckt wurde. Seine kurzen, dunkelbraunen Haare wurden bereits an einigen Stellen grau. Deshalb trug der 53jährige Ire auch eine Brille mit einem viereckigen Gestell aus Plastik. Die Nase von Ned Lynch war an der Spitze etwas zu breit geraten, fügte sich aber dennoch ins Gesicht ein.
 

„Captain, ich habe gerade ein Gespräch zwischen einem Weltraumpiraten und seinem Auftraggeber abgefangen. Eines der beiden Schiffe, das des Auftraggebers, heißt Vengeance.“, sagte er.
 

„Und was ist mit dem anderen?“
 

„Da kennen wir nur den Namen des Kommandanten.“, sagte Michael Manousakis.
 

„Und wie heißt dieses ehrlose Individuum?“
 

„Der Mann heißt Ramirez, Captain.“, sagte Michael Manousakis.
 

„Schauen sie mal in unserer Datenbank nach, Mr. Manousakis. Vielleicht finden wir so den Namen des Schiffes heraus.“
 

„Ja, Captain.“, sagte der Kommunikationsoffizier der Suzuya.
 

Die Finger des Offiziers betätigten einige Schaltflächen an der Konsole. Dann wandte er sich wieder an Captain Lynch.
 

„Captain, der Name von Ramirez Schiff lautet „Relentless“.“, sagte Michael Manousakis.
 

„Na schön. Schicken sie eine kurze Nachricht ans Flottenoberkommando, Mr. Manousakis.“
 

„Aye, Captain.“, sagte Michael Manousakis.
 

An Bord der Relentless
 

Donk, der Ferengi, und Kommunikationsoffizier auf der Relentless, wandte sich an Ramirez.
 

„Captain, ich konnte einen Funkspruch des fremden Föderationsschiffes an Starfleet Command abhören. Das Schiff hat sich als USS Suzuya identifiziert.“, sagte er.
 

„Das passt mir gar nicht. Die müssen unser Gespräch mit Lord Vorlock mitgehört haben.“
 

San Francisco, Hauptquartier Starfleet Command, 7. Januar 2380, 10:00 Uhr Ortszeit
 

Admiral Paris ging gerade einige Dokumente durch, als sein Adjutant 418

Lieutenant Brian Parker, das Büro betrat. Der alte Mann sah auf, als sein Adjutant vor ihm stand.
 

„Was gibt es, Mr. Parker?“, fragte der Admiral.
 

„Sir, gerade kam eine Meldung von der Suzuya. Sie haben ein Gespräch zwischen einem Piraten namens Ramirez und dessen Auftraggeber mit gehört. Sie haben auch die Namen der Schiffe erwähnt.“
 

„Und wie heißen die Schiffe?“, fragte Owen Paris.
 

„Ramirez Schiff heißt Relentless. Das Schiff seines Auftraggebers Vengeance.“
 

„Ist das alles?“, fragte Admiral Paris.
 

„Ja, Sir. Aber es gab bereits ein Aufeinandertreffen der Relentless mit der Soryū. Es scheint, als ob Ramirez den Auftrag hat, auf Draconia herumzuschnüffeln.“
 

„Schon möglich. Wir brauchen die Suzuya so schnell wie möglich. Wie viele Test müssen noch absolviert werden?“, sagte der alte Admiral.
 

„Nur der Geschwindigkeitstest für die Höchstgeschwindigkeit.“
 

„Für wann ist er geplant?“, fragte Admiral Paris.
 

„Für nächste Woche, Admiral. Und zwar für Mittwoch.“
 

„Captain Lynch soll den Test auf morgen vorziehen.“, sagte Owen Paris.
 

„Ja, Admiral.“
 

„Computerlogbuch der Kirow, Sternzeit 57017.6, Commander Quantez Robertson, erster Offizier, neuer Eintrag: Wir haben den Planeten Draconia erreicht und vorerst Position bezogen. Heute Morgen sind Laconia und Hiryū zu uns gestoßen. Die Rebellen halten sich noch zurück. Also heißt abwarten. Captain Romanova hat sich nach dem Zusammentreffen und der anschließenden Besprechung in ihr Quartier zurückgezogen, um sich auszuruhen, und mir für diese Zeit das Kommando übertragen.“
 

In ihrem Quartier hatte sich Jekaterina in ihrem Lieblingssessel zurückgelehnt, und die Augen geschlossen. Sie hatte sich, seit sie wieder an Bord war, auf die Arbeit gestürzt, und sich keine Ruhepause gegönnt. Sie wollte nicht zulassen, dass ihre Sorge um Anastasia, ihre ältere Schwester, von ihr Besitz ergriff. Allerdings, so gestand sich Jekaterina ein, musste sie auch mal ihren ersten Offizier Verantwortung übernehmen lassen.
 

Der Türsummer riss sie aus ihren Gedanken.

419

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q betrat den Raum. Wie immer war er in eleganter Robe erschienen.
 

„Schön dich zu sehen, mein Freund.“, begrüßte Jekaterina ihren Besucher.
 

„Es ist das erste Mal, dass du mich als Freund betitelst.“
 

„Sind wir denn keine Freunde?“, fragte Jekaterina.
 

„Wenn du das wünschst.“
 

„Ich würde mich glücklich schätzen, dich zu meinen Freunden zählen zu dürfen, Dambala.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann soll es so sein.“
 

„Was führt dich zu mir, Dambala?“, fragte Jekaterina nachdem sie und der Q sich umarmt hatten.
 

„Ich wollte ein paar Gerüchten auf den Grund gehen.“
 

„Was für Gerüchte?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Nun ja, es gibt ein paar verdammt böse Zungen, die behaupten, dass du suizidgefährdet sein sollst.“
 

„Das ist jetzt ein schlechter Scherz, oder?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich wünschte dem wäre so, Jekaterina.“
 

„Wer ist dieser Mistkerl, der solche Unwahrheiten über mich verbreitet?“, fragte Jekaterina.
 

„Igor Fedorovitsch.“
 

„Der soll mir bloß in die Finger kommen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ihr scheint euch ja nicht besonders zu mögen.“
 

„Wer kann so einen Neidhammel und Säufer schon groß leiden?“, fragte Jekaterina.

420

„Wie dem auch sei. Ich stelle mit Erleichterung fest, dass die Gerüchte ins Reich der Fabeln verbannt werden können. Aber ich sehe auch Sorgen in deinen Augen. Willst du mit mir darüber reden?“
 

„Es geht um Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Wer ist Anastasia?“
 

„Meine ältere Schwester.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich wusste gar nicht, dass du noch eine Schwester hast.“
 

„Jetzt weißt du es. Aber ich habe Anastasia auch schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, geschweige denn mit ihr gesprochen.“, sagte Jekaterina.
 

„Für diesen Kontaktabbruch gibt es doch sicher einen Grund, Jekaterina.“
 

„Wir haben uns überworfen. Ich war damals 17 und wurde von einem Jungen, den ich geliebt habe, bitter enttäuscht. Der Kerl hat mir das Herz gebrochen, wenn du verstehst, was ich meine, Dambala.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich bin vieles, aber nicht auf den Kopf gefallen, Jekaterina.“
 

„Na ja, nach dieser ziemlich derben Abfuhr, habe ich angefangen, mich mehr für Mädchen, als für Jungs zu interessieren. Anastasia war not amused. Ihre kleine Schwester, die schönste Frau an der ganzen Schule, ne Lesbe. Für Anastasia ein absolutes No-Go.“, sagte Jekaterina.
 

„Du brauchst nicht weiter zu erzählen, den Rest kann ich mir zusammenreimen.“
 

„Nicht ganz. Denn nach unserem Streit, hat sich Anastasia von mir abgewandt. Früher hat sie sich immer für mich eingesetzt. Damit war schluss. Denn für meine Schwester war ich die Schande der Familie.“, sagte Jekaterina.
 

„Wenn ich du wäre, würde ich die Aussprache mit Anastasia suchen.“
 

„Das versuche ich schon seit Jahren, Dambala. Aber ohne Erfolg. Meine Schwester ist ein Sturkopf.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich kann versuchen, zwischen euch zu vermitteln, wenn du das möchtest.“
 

„Ich hätte dich ohnehin darum gebeten.“, sagte Jekaterina.
 

„Einverstanden.“
 

Doch dann zeigte Dambala auf das Zeichen auf Jekaterinas Stirn.
 

„Weißt du, was es mit diesem Zeichen auf sich hat?“, fragte der Q. 421

„Damit kann ich mich in Alaias Palast ohne Eskorte frei bewegen und Bereiche aufsuchen, die sogar für die Dienerschaft tabu sind.“
 

„Nicht bloß das, Jekaterina.“, sagte Dambala.
 

„Was denn noch?“
 

„Dieses Zeichen macht dich zu einer der mächtigsten Frauen in der Galaxis. Jeder Regent, ob gut oder böse, wird gezwungen sein, auf dich zu hören.“, sagte der Q.
 

„Und wenn er sich weigert?“
 

„Dann trägt er die Konsequenzen.“, sagte Dambala.
 

„Meinst du, dass dieses Zeichen Anastasia vor dem Zugriff des dunklen Lords schützt?“
 

„Du meinst Lord Vorlock?“, fragte Dambala.
 

„Seinen richtigen Namen kenne ich nicht. Ich weiß ja nicht einmal, wie er aussieht.“
 

„Er ist ein Dämon. Aber leider auch ziemlich stur.“, sagte der Q.
 

Auf der Brücke der Kirow hob Keiko Tadashita den Kopf.
 

„Commander Robertson, wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Keros Gesicht.
 

„Sind sie der Kommandant dieses Schiffes?“, fragte der Rebell.
 

„Nicht ganz. Commander Quantez Robertson. Erster Offizier auf der USS Kirow, einem Raumschiff der Vereinigten Föderation der Planeten.“
 

„Freut mich, sie kennenzulernen, Commander. Mein Name ist Keros. Ich bin ihre Kontaktperson.“, sagte Keros.
 

„Verstehe. Können sie uns über die aktuelle Lage informieren?“
 

„Im Moment müssen wir sehr vorsichtig sein. Der Behemoth wurde losgelassen.“, sagte Keros.
 

„Der Behemoth?“

422

„Eros Haustier. Er nutzt den Behemoth, um seine innenpolitischen Gegner zu vernichten.“. sagte der Rebell.
 

„Wie sieht diese Kreatur eigentlich aus?“
 

„Das könnten ihnen nur die Leute berichten, die dem Behemoth begegnet sind. Und die leben nicht mehr.“, sagte Keros.
 

„Wieso hat Eros sein Haustier eigentlich losgelassen?“
 

„Der Grund dürfte der sein, dass Eros Seherin, Tabea, ihre seherischen Fähigkeiten verloren hat. So ist sie für ihn nicht mehr von Nutzen und stellt auch gleichzeitig eine Gefahr für ihn dar.“, sagte Keros.
 

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf?“
 

„Meinen sie, weshalb Tabea für unseren Feind nicht mehr von Nutzen ist, oder warum sie eine Gefahr für Eros darstellt, Commander?“, fragte Keros.
 

„Beides.“
 

„Dann fangen wir mit dem Naheliegendsten an, Commander Robertson. Tabea hat lange an Eros Seite gestanden. Sie war nicht nur seine Seherin, sondern auch seine engste Vertraute. Würde Eros vor Gericht gestellt, dann wird Tabea in den Zeugenstand gerufen. Und dann wird sie garantiert aus dem Nähkästchen plaudern. Für Eros würde das den politischen Genickbruch bedeuten. Und damit kommen wir zum zweiten Teil ihrer Frage, Commander Robertson. Solange Tabea ihre seherischen Fähigkeiten besaß, hatte König Eros, Ayla, die Hohepriesterin in unserem Tempel, unter Kontrolle. Aber vor kurzem ist Ayla zu uns übergelaufen. Deswegen ist die Seherin für den König nicht mehr von Nutzen. Und deshalb muss sie sterben.“, sagte Keros.
 

„Wie hat Tabea ihre seherischen Fähigkeiten eigentlich verloren?“
 

„Sie wurde verführt, Commander Robertson.“, sagte Keros.
 

„Von wem?“
 

„Von einer Frau. Wir Rebellen kennen sie nur als „die Frau, die von den Sternen kam“.“, sagte Keros.
 

„Verstehe. Da dieser Behemoth offensichtlich eine Gefahr für uns alle darstellt, ist es vielleicht sicherer, wenn wir einen Unterhändler schicken.“
 

„Den würde der Behemoth aber auch zerfleischen, Commander.“, warf Keros ein.
 

„Ich hatte auch nicht an ein Mitglied der Stammbesatzung gedacht.“ 423

„An wen denn sonst, wenn ich fragen darf?“, fragte Keros.
 

„Dayani.“
 

„Wer bitte schön ist Dayani?“, fragte der Rebell.
 

Die Türen auf der Brücke glitten auseinander, und Dayani betrat den Raum. Vor dem großen Schirm blieb sie stehen.
 

„Ich bin Dayani.“, sagte sie dann.
 

Keros räusperte sich.
 

„Ach, Commander Robertson… sie haben doch nicht wirklich vor, diese junge Maid, dem Behemoth zu opfern?“, fragte er.
 

Doch es war Dayani, die antwortete.
 

„Der Eindruck täuscht, Keros. Ich bin nicht das, was ihr zu sehen glaubt.“, sagte sie.
 

„Tut mir leid, aber da komm ich nicht ganz mit.“
 

„Ich darf erläutern, was gemeint ist.“, sagte Dayani.
 

Vor Keros Augen nahm sie ihre wahre Form an, nur um kurz darauf wieder in ihrer menschlichen Gestalt auf der Brücke der Kirow zu stehen. Der Rebell rieb sich vor Erstaunen die Augen.
 

„Bei allem was mir heilig ist. So etwas habe ich noch nie gesehen. Keros Ende.“, sagte er.
 

Auf der Planetenoberfläche
 

Kalinka, die Anführerin der Drachenkriegerrebellion, saß an ihrem Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer im geheimen Stützpunkt. Sie war eine 1,50 m große Frau mit einem grazilen Körperbau. Ihre braunen Haare trug Kalinka offen, sodass sie bis zu ihrer Achselhöhle reichten. Die braunen Mandelaugen in Kalinkas ovalem Gesicht waren voll Kummer. Eros, diese miese Pestbazille, hatte den Behemoth wieder losgelassen! Sie wusste, was das zu bedeuten hatte. Entweder hatten Eros Agenten einen weiteren ihrer Spione hochgehen lassen, oder einer seiner Gefolgsleute war beim Tyrannen in Ungnade gefallen.
 

Ihre Kleidung war dem warmen Klima auf Draconia geschuldet. Denn Kalinka trug einen schwarzen, einteiligen Catsuit, der einen großzügigen Blick auf ihre Brüste gewährte und schwarze Sandaletten.
 

Außerhalb des Stützpunktes

Tabea rannte um ihr Leben. Sie wusste, der Behemoth war hinter ihr her. Sie hatte dieses Ungeheuer schon bei früheren Hetzjagden gesehen, wenn Eros sein Monster Witterung hatte aufnehmen lassen. Der Behemoth war ein knapp 2 Meter großes Biest mit diabolischen roten Augen, messerscharfen Zähnen und langen, dolchartigen Krallen. Der Kopf dieser Bestie war mit dichtem weißem Haar bedeckt, ebenso wie der mächtige Unterkiefer. Der restliche Körper bestand aus einer dicken ledernen Haut. Der Behemoth ging zwar auf zwei Beinen, aber nicht aufrecht, wie ein Mensch, sondern leicht gebeugt. Die Beine dieses Ungeheuers waren dick wie Säulen, und besaßen zwei messerscharfe Klauen.
 

Wieder ertönte das laute Brüllen des Behemoth. Tabea wusste, dass dieses Ungeheuer sehr nah war. Denn der Behemoth konnte sich trotz seiner Größe, seines Körperbaus und auch seines Gewichts erstaunlich schnell fortbewegen.
 

Tabea erschrak, als der Boden unter ihr nachgab. Oh Nein! Sie war in ein Moorloch geraten! Tabea gelang es nicht ihre Panik unter Kontrolle zu halten. Stattdessen versuchte die Seherin, sich irgendwie zu befreien. Doch Tabea sank rasch tiefer. Schon bald steckte sie bis zu Unterkante ihrer Brüste im Moor. Als dann noch Keros und Frunse mit ihren Kriegern das Loch umzingelten, wusste Tabea, dass sie in der Falle saß. Und aus dieser gab es kein Entrinnen. Sie schaffte es gerade so, ihre Panik so weit unter Kontrolle zu halten, dass sie nicht noch tiefer im Morast versank. Als sie aber den fauligen Atem des Monsters roch, zuckte Tabea kurz zusammen, und sank sofort wieder tiefer.
 

Und es kostete Eros nutzlos gewordene Seherin viel Selbstbeherrschung, um nicht erneut zusammenzuzucken, als ein weißer Blitz in den Boden einschlug. Frunse gab einer Kriegerin ein Zeichen. Tabea wusste, um wen es sich handelte. Es war Latoya, eine von Kalinkas besten Kriegerinnen. Sie war eine Blondine mit einer Körpergröße von 1,88 m. Ihre blonde Mähne reichte offen bis zur Achselhöhle. Ihr kräftiger Körper und die Stahlrüstung, die Latoya trug, verrieten Tabea, dass die Blondine zu den Elitekämpfern gehörte. Die Seherin konnte Misstrauen in Latoyas ovalem Gesicht lesen. Auch ihre grünen Augen beäugten die fremde Frau mit Argwohn.
 

Tabea blieb fast das Herz stehen, als sie sah, was als nächstes passierte. Denn als Latoya die fremde Frau berühren wollte, wurde deren Haut auf einmal durchsichtig. Wo normalerweise die Organe sein müssten, waberten weiße und blaue Energieblitze. Endgültige Gewissheit hatten alle, als die Fremde dem Behemoth einen Energieblitz verpasste. Das Monster schrie laut auf, drehte sich um, und rannte davon. Doch weit kam der Behemoth nicht. Denn ein Außenteam der Laconia erwartete Eros tierischen Scharfrichter bereits. Die Mitglieder des Teams machten kurzen Prozess. Sie luden ihre Photonengewehre und eröffneten das Feuer. Es dauerte nicht lange, und Eros monströser Chefhandlanger lag tot am Boden.
 

Im Königspalast

424

Eros saß wie immer an seinem Schreibtisch. Neben ihm stand ein Teller mit Zimtschnecken. Ihm gegenüber saß Erebor. Eros Mentor hatte schlechte Nachrichten mitgebracht. Erst waren die Streitkräfte desertiert und dann musste er auch den Tod des Behemoth verkraften. Und was aus Tabea geworden war, ob sie bereits tot war, oder noch lebte, wusste natürlich auch keiner. Aber wehe dem, der es wagte seiner ehemaligen Seherin das Leben zu retten. Demjenigen würde er den Arsch aufreißen.
 

Im Moor
 

Tabea beobachtete von ihrem sehr gefährlichen Platz im Moorloch aus das Geschehen. Die Rebellen redeten wild durcheinander. Doch Frunse brachte sie mit einer gebieterischen Geste zum Schweigen.
 

„Könnt ihr mal aufhören, wild durcheinander zu schnattern, wie eine Horde aufgescheuchter Gänse, und euch benehmen, wie zivilisierte Menschen?“, fragte er streng in die Runde.
 

Eine weitere Kriegerin trat vor. Es Lyra, Latoyas jüngere Schwester. Sie war mit ihren 1,86 m zwar etwas kleiner als ihre Schwester, aber dennoch eine imposante Erscheinung. Lyra trug ebenfalls eine Stahlrüstung, wie Latoya. Also gehörte auch sie zu den Elitesoldaten. Allerdings war sie athletisch gebaut, und nicht so kräftig wie ihre Schwester. Ihre hellblonden Haare reichten bis zur Schulter. Auch in Lyras ovalem Gesicht konnte Tabea Misstrauen erkennen. Und wem dies galt, wusste sie nur zu gut. Es galt ihr selbst. Denn Lyra hatte aus ihrem Misstrauen gegenüber Tabea keinen Hehl gemacht. Die Seherin konnte denselben Argwohn in den braunen Augen von Latoyas Schwester sehen.
 

„Wir wissen nicht, ob wir Tabea trauen können.“, sagte Lyra.
 

„Das konnten wir bei Ayla auch nicht, als sie zu uns kam.“
 

„Wer ist Ayla?“, fragte Dayani.
 

„Die Hohepriesterin. Aber ich wüsste nicht, dass sie das was angeht. Wer seid ihr überhaupt?“
 

„Ich bin Dayani, die Unterhändlerin der Föderation.“, sagte das Energiewesen.
 

„Ich bin Latoya und das ist meine Schwester Lyra. Seid uns nicht böse, aber bei Fremden weiß man nie so genau, auf wessen Seite sie stehen.“
 

„Ich versteh das. Ich kann euch nur mein Wort anbieten.“, sagte Dayani.
 

„Was soll jetzt mit Tabea passieren?“
 

„Wir lassen sie im Moor versinken.“, sagte ein Rebell.

425

„Dann seid ihr aber nicht besser als Eros.“
 

„Was weißt du schon?“, fragte der Rebell das Energiewesen.
 

„Genug! Dayani soll entscheiden, was mit Tabea passieren soll.“
 

Es war Lyra, die diese Worte ausgesprochen hatte.
 

„Du hast meine Schwester gehört, Dayani. Tabeas Leben liegt in deiner Hand. Entscheide weise.“
 

„Ich bin sicher, dass Tabea Antworten auf einige Fragen hat, die das Schicksal von Anastasia Romanova betreffen.“, sagte Dayani.
 

„Holt euch meinetwegen die Antworten aber danach wird Tabea im Moor ihr Ende finden.“
 

„Halt den Mund Ladril.“, sagte Latoya.
 

„Wer ist überhaupt diese Anastasia Romanova?“
 

„Sie ist die ältere Schwester von Jekaterina Romanova, der Kommandantin der Kirow. Und von Jewgeni Romanova, dem Kommandanten der Laconia. Ihre Spur hat uns hierher geführt.“, sagte Dayani.
 

„Die Frau, die von den Sternen kam.“, sagte Ladril.
 

Lyra ergriff wieder das Wort.
 

„Wird die Kommandantin der Kirow uns auch mit ihrer Anwesenheit beehren?“, fragte sie.
 

„Ich sehe keinen Grund, warum Mutter eine Einladung ablehnen sollte.“
 

„Moment. Du bist Jekaterinas Tochter?“, fragte Latoya fassungslos.
 

„Zumindest sehe ich sie als meine Mutter. Denn sie hat mir meinen Namen gegeben, und aus mir ein Individuum gemacht.“
 

„Und wer ist dein Vater?“, fragte Frunse.
 

„Mein Vater ist der verstorbene Captain James T. Kirk.“
 

„Das kann nicht stimmen.“, sagte Ladril.
 

„Lass Dayani weiter erzählen.“
 

„Ich war einmal V´Ger.“ 426

„Eine recht üble Story.“, kommentierte Ladril Dayanis Aussage.
 

„Schnauze, Ladril.“
 

Tabea war überrascht, wie zerstritten die Rebellen in dieser Hinsicht waren.

Aber schließlich machte Frunse dem Ganzen ein Ende.
 

„Wenn du dich nicht gleich am Riemen reißt, Ladril, versenken wir dich selbst im Moor. Hast du mich verstanden?“, fuhr er Ladril an.
 

Latoya wandte sich wieder an Dayani.
 

„Also wie hast du entschieden, Dayani?“, fragte sie.
 

„Holt sie raus.“
 

„Wenn ihr Tabea aus dem Moor zieht, ist das unser aller Untergang.“, sagte Ladril.
 

„Bitte vergib ihm. Ladril ist sehr oft vorsichtig, und das trübt oft sein Urteil.“
 

„Meine Vorsicht hält uns alle am Leben.“, sagte Ladril.
 

„Hat jemand mit dir geredet, Verräter?“
 

Alle starrten Lyra an, die anklagend mit ihrem Finger auf Ladril zeigte.
 

„Ich wusste von Anfang an, dass du ein falsches Spiel treibst, Ladril. Spätestens seitdem Kalinkas Bruder von einer Mission nicht zurückgekehrt ist, weiß ich dass du hinter seinem Verschwinden steckst. Ayla hat meine Vermutung bestätigt. Du hast nicht Jazon verraten sondern noch viele andere von uns.“, sagte Lyra.
 

„Ayla lügt, Lyra. Wir hätten sie niemals in unserer Mitte aufnehmen dürfen.“
 

„Ach ja? Wie erklärst du dann den Umstand, dass man bei dir den imperialen Sicherheitscode gefunden hat?“, fragte Lyra.
 

„Den hat man mir untergeschoben.“
 

Eine weitere Frau trat ins Bild. Dayani und Tabea schätzten ihre Größe auf 1,70 m und ihr Alter auf 30 bis 33 Jahre. Die Frau hatte einen sehr grazilen Körperbau und hüftlange, dunkelbraune Haare. Die Fremde hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Ihre Lippen hatte sie rot geschminkt. Bekleidet war die fremde Frau mit einem luftigen Kleid, das viel von ihrer alabasterfarbnen Haut zeigte. Der Saum wurde von einem leichten Brustpanzer aus Gold gehalten. Außerdem besaß das Kleid der Fremden Rüschen an den Ärmeln, die im Wind flatterten. Bewaffnet war sie mit einem metallenen Stab, der an einem Ende eine extrem scharfe Sensenklinge besaß. Am anderen Ende befand sich ein Messer, das 427

dem klingonischen Bat’leth etwas ähnelte. An den Füßen trug die Frau goldene Sandaletten.
 

„Wer ist das?“, wandte sich Dayani an Latoya.
 

„Das ist Nikita. Sie ist die Anführerin von Kalinkas persönlicher Garde.“
 

„Verstehe.“, sagte Dayani.
 

Dayani beobachtete, wie Nikita Lyra ein Schriftstück übergab.
 

„Das haben wir in Ladrils Quartier gefunden, Lyra.“, sagte sie.
 

„Danke, Nikita. Damit haben wir den endgültigen Beweis.“
 

Dann wandte sich Latoyas Schwester wieder an Ladril.
 

„Nun… ich denke, es hat keinen Sinn deine Schuld noch länger zu leugnen, Ladril.“, sagte Lyra.
 

„Das gehört mir nicht. Ich hab mit der ganzen Sache nichts zu tun. Das ist die Wahrheit, ich schwöre es.“
 

„Schwör so viel, du willst. Es nützt dir nichts. Diese Liste ist der abschließende Beweis für deinen Verrat. Und du weißt, welches Strafmaß bei uns auf Verrat steht.“, sagte Lyra.
 

Dayani meldete sich zu Wort.
 

„Könnten wir uns erstmal um das Naheliegende kümmern, und Tabea aus ihrer misslichen Lage befreien?“, fragte sie in die Runde.
 

Kalinkas Soldaten warfen der Seherin ein Seil zu, das diese auch zu fassen bekam. Gemeinsam zogen sie Tabea aus dem Moorloch. Dann wandte sich Dayani an Ladril.
 

„Was hat Eros dir versprochen, wenn du die Rebellen verrätst?“, fragte sie ihn.
 

„Geht dich nichts an.“
 

Schnell war Latoya bei ihm und hielt dem verblüfften Ladril einen Dolch mit einer 20 cm langen, gravierten Klinge aus Damaststahl und einem schwarzen Ledergriff mit goldenen Schnüren durchzogen an die Kehle.
 

„Wenn du nicht gleich das Maul aufmachst, lasse ich dich wie einen Hasen ausbluten.“, zischte sie.
 

428

„Okay, okay. Ihr habt gewonnen, ich gebe auf. Ja, ich habe euch an Eros verraten. Er hat mir diese Liste ausgehändigt. Und hat mir noch als Belohnung die Verwaltung über das gesamt Rebellengebiet versprochen, wenn ich ihm helfe, eure Bewegung niederzuschlagen.“
 

Dayani hatte inzwischen Eros ehemalige Seherin in Augenschein genommen. Tabea war eine 1,74 m große Frau mit dunkelblonden Haaren, die über die Schulter fallend, bis zur Oberkante ihrer Taille reichten. Die Verurteilte hatte ein ovales Gesicht mit graublauen Augen. Den Körper hätte das Energiewesen als durchschnittlich beschrieben, hatte er an den entsprechenden Stellen kein Gramm Fett zu viel. Dayani hatte Mitleid mit der ehemaligen Seherin, war sie doch fast am ganzen Körper mit Moorschlamm bedeckt.
 

Dann wandte sich das Energiewesen wieder an die Rebellen.
 

„Ihr wolltet diesen Verräter doch im Moor versenken. Also worauf wartet ihr noch?“, sagte Dayani in die Runde.
 

San Francisco, Starfleet Command, Hauptquartier, 10. Januar 2380, 10:30 Uhr Ortszeit
 

Admiral Paris studierte gerade den aktuellsten Bericht der Kirow zur Situation auf Draconia, als Lieutenant Brian Parker, sein Adjutant, das Büro betrat.
 

„Was gibt’s denn, Mr. Parker?“, fragte der alte Admiral.
 

„Admiral, Präsidentin Arikka wünscht sie zu sprechen. Sie wird in Kürze hier sein.“
 

„Hat die Präsidentin gesagt, was sie will?“, fragte Admiral Paris.
 

„Sie möchte mit ihnen über eine neue Raumschiffklasse sprechen, Sir.“
 

„Mehr hat sie nicht zu ihnen gesagt, Mr. Parker?“, wollte Owen Paris wissen.
 

„Nein, Sir.“
 

Kaum hatte der Lieutenant seinen Satz beendet, betrat die Föderationspräsidentin Admiral Paris Büro. Wie immer trug die Ariantu ein figurbetonendes Kleid mit tiefem Beinausschnitt und High Heels in der entsprechenden Farbe. Der Admiral und sein Adjutant schlugen die Hacken zusammen, und salutierten.
 

„Stehen sie bequem, Gentlemen.“, sagte Arikka.
 

„Danke, Madam President.“
 

Die Ariantu wandte sich an Admiral Paris. 429

„Hat ihr Adjutant sie über den Grund meines Besuches informiert, Admiral Paris?“, fragte sie.
 

„Ja, Madam President.“
 

„Würden sie so freundlich sein, und ihren Vorgesetzten und mich einen Augenblick allein lassen, Lieutenant?“, fragte Arikka Lieutenant Parker.
 

„Wenn Admiral Paris mich nicht braucht.“
 

„Im Moment nicht, Mr. Parker. Genehmigen sie sich ruhig mal einen Kaffee.“, sagte Admiral Paris.
 

„Danke Sir.“
 

Präsidentin Arikka setzte sich dem alten Admiral gegenüber.
 

„Kommen wir zur Sache, Admiral. Die technischen Details des neuen Schiffstyps sind noch geheim. Aber soviel kann ich ihnen verraten Admiral Paris: Diese Raumschiffe werden im Ernstfall an vorderster Front kämpfen.“, sagte die Präsidentin.
 

„Also ein Kriegsschiff.“
 

„Ein Schlachtkreuzer, wenn sie es genau wissen wollen, Admiral.“, sagte die Ariantu.
 

„Wie viele Einheiten haben sie eingeplant, wenn ich fragen darf, Madam President.“
 

„zunächst mal fünf. Plus eine Option für drei weitere, sollte dies erforderlich sein.“, sagte Arikka.
 

„Steuern wir etwa auf einen neuen militärischen Konflikt zu, Madam President.
 

„Die Entwicklungen der letzten Monate sind Besorgnis erregend. Viele Planeten haben sich uns angeschlossen, weil die Machthaber der Meinung waren, dass sie besser dran sind, wenn sie der Föderation beitreten. Und das sorgt bei vielen anderen Völkern für Unbehagen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand einen Krieg vom Zaun bricht.“, sagte Präsidentin Arikka.
 

Und die neuen Schiffe, sollen als Abschreckung dienen, nehme ich an, Madam President.“
 

„Zumindest sollen sie eine Warnung an andere Regenten sein, dass mit uns nicht zu spaßen ist, Admiral.“, sagte Arikka.
 

Im Moor 430

Die Rebellen, hatten Ladril, den Verräter an den Händen gefesselt und trieben ihn nun vor sich her. Einmal hatte eine Kriegerin, eine 1,70 m große Blondine einen Dolch nach ihm geworfen. Und es gab nur eine, die einen weißen Drachen auf ihrer Rüstung trug. Es Deirdre, Kalinkas persönliche Leibwächterin. Ladril wusste, dass sie in der Regel als Waffe einen Bi-Händer bevorzugte, aber auch, dass sie gut mit dem Dolch umgehen konnte. Man sah Deirdre ihre Kraft gar nicht an, verfügte sie doch über einen schlanken Körperbau. Ihre dauergewellten, blonden Haare endeten oberhalb der Brüste und wurden von einem metallenen Stirnreif mit einem eingelassenen schwarzen Obsidian gehalten. Ladril kannte den Stein. Man nannte ihn „Das Auge der Wahrheit“. Deirdre bevorzugte leichte, aber dennoch robuste Rüstungen.
 

Ein Pfeil zischte ganz knapp an Ladrils Ohr vorbei. Ladril wandte sich nach links und rannte in eines der vielen Moorlöcher. Sofort ergriff die Panik Besitz von ihm. Ladril versuchte sich zu befreien, aber er sank immer tiefer. Es dauerte nicht lange, und der Kopf des Verräters verschwand im Morast.
 

Im Hauptquartier der Rebellen
 

Kalinka stand an einem der Fenster des Unterschlupfs, indem sie und ihre Mitstreiter ihr Versteck eingerichtet hatten. Neben ihr stand Ayla, die übergelaufene Hohepriesterin. Sie war eine 1,66 m große Blondine mit schulterlangen Haaren. Ayla hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und einer grazilen Nase. Ihre Lippen waren wulstig, was der Schönheit der Hohepriesterin keinen Abbruch tat. Bekleidet war sie mit einem schwarzen Kleid, das an der Vorderseite einen großzügigen Blick auf ihre Beine freigab, und schwarzen High Heels. An ihren Unterarmen trug Ayla rote Armschienen. Im Bereich der Taille hatte der Schneider lederne Verstärkungen aus Drachenleder eingearbeitet, die ein X bildeten und dieselbe Farbe wie die Armschienen hatten. Im Bereich der Schulter bildeten die Lederverstärkungen einen Schutz.
 

Kalinka wandte sich an die Überläuferin.
 

„Was meinst du, Ayla? Wird dieser Konflikt noch lange dauern?“, fragte sie.
 

„Ich glaube nicht. Für Eros ist die Messe gelesen. Und das weiß er auch.“
 

„Wie meinst du das?“, fragte Kalinka.
 

„Das was ich dir jetzt sage, wird dich aus den Fundamenten hauen, Kalinka.“
 

„Ich hasse es, wenn Leute nicht gleich zur Sache kommen.“, sagte Kalinka mürrisch.
 

„Ganz wie du willst, Kalinka. Was glaubst du, warum Eros die Überfälle der Weltraumpiraten in deiner Grafschaft nie verfolgt hat?“
 

„Du meinst…?“, begann Kalinka ihre nächste Frage. 431

„Allerdings. Eros macht mit den Piraten gemeinsame Sache. Und nicht bloß das. Er verdient auch kräftig mit.“
 

„Unfassbar.“, sagte Kalinka.
 

„Ich wollte es zuerst auch nicht glauben. Bis ich ein Gespräch zwischen Eros und einem Mann namens Lord Vorlock belauscht habe.“
 

„Der dunkle Lord?“, fragte Kalinka.
 

„Ja. Er entlohnt Eros, wenn dieser ihm die schönsten Jungfrauen aushändigt. Speziell dich hat er dabei im Visier.“
 

„Dieses Ungeheuer.“, sagte Kalinka mit Tränen in den Augen.
 

„Ein Ungeheuer unter vielen Ungeheuern.“
 

Kaum hatte Ayla ihren Satz beendet, da betrat Frunse in Dayanis Begleitung den Raum. Kalinka drehte sich zu ihm um.
 

„Ah! Ich sehe du und die anderen seid wohlbehalten von eurer Patrouille zurück. Habt ihr Neuigkeiten?“, sagte sie.
 

„Der Behemoth ist tot, Kalinka.“
 

„Das ist gut.“
 

„Leider habe ich auch schlechte Nachrichten. Wir konnten den Verräter in unseren Reihen ausfindig machen.“
 

„Wer ist es, Frunse?“, wollte Kalinka wissen.
 

„Es war Ladril. Aber mach dir um diese Ratte keine Sorgen. Ladril ist in einem Moorloch versunken.“
 

„Sehr gut. Dann haben wir schon mal zwei Probleme weniger.“, sagte Kalinka.
 

Doch dann entdeckte sie das Energiewesen.
 

„Und wer ist deine Begleiterin, Frunse?“, wollte Kalinka wissen.
 

„Das ist Dayani. Sie ist die Unterhändlerin der Vereinigten Föderation der Planeten.“
 

„Sei mir Willkommen, Dayani.“, sagte Kalinka.
 

Dayani neigte den Kopf, als Zeichen, dass sie verstanden hatte.

432

„Da fällt mir ein, wer ist eigentlich für den Tod des Behemoth verantwortlich?“, fragte Kalinka.
 

„Ein Außenteam der Laconia hat ihm den Garaus gemacht.“
 

„Die Laconia ist ein Föderationsschiff nehme ich an.“, sagte Kalinka.
 

„Das stimmt. Es ist ein Schiff der Ambassador-Klasse.“
 

„Sind noch mehrere Schiffe hier?“, wollte Kalinka wissen.
 

„Ja. Die USS Kirow und die USS Hiryū. Die Kirow gehört zur Sovereign-Klasse, während die Hiryū ein Schiff der Ranger-Klasse ist.“
 

„Wer kommandiert diese Schiffe eigentlich?“, fragte Kalinka.
 

„Die Kirow wird von Jekaterina Romanova befehligt. Dayani sieht in ihr ihre Mutter. Die Laconia steht unter dem Kommando von Jewgeni Romanova. Jekaterinas Bruder. Die Hiryū wird von Eric McClusky, dem ehemaligen ersten Offizier der Kirow kommandiert.“
 

„Verstehe. Nun denn. Kannst du in meinem Namen den Kommandanten der Schiffe eine Einladung zum Abendessen aussprechen, Dayani?“, fragte Kalinka.
 

„Mit dem größten Vergnügen.“
 

In einem weißen Energieblitz verschwand das Energiewesen. Zurück blieben eine verblüffte Hohepriesterin und eine ebenso verblüffte Rebellenanführerin.
 

„Unglaublich.“, sagte Ayla.
 

„Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich sagen, ich leide an Halluzinationen.“
 

Frunse räusperte sich.
 

„Es gibt noch mehr zu berichten, Kalinka.“, sagte er.
 

„Ich höre Frunse.“
 

„Tabea, Eros Seherin, wurde vom Behemoth gejagt. Sie ist in ein Moorloch geraten.“, sagte der Drache.
 

„Ist sie tot?“
 

„Nein, Ayla. Dayani hat entschieden, dass sie weiterleben darf.“, sagte Frunse.
 

„Wieso das denn, Frunse?“ 433

„Dayani ist wohl der Meinung, dass Tabea vielleicht Antworten hat, die das Schicksal von Anastasia Romanova betreffen.“, sagte Frunse.
 

„Die Frau, die von den Sternen kam. Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie sich so genannt.“
 

„Ich denke, heute Abend erfahren wir mehr, Ayla.“, sagte Kalinka.
 

Dann wandte sie der Hohepriesterin und Frunse den Rücken zu und kaute an einem Fingernagel. Das tat sie immer wenn sie nachdachte. Dann drehte sie sich zu Ayla und Frunse um.
 

„Die einzige Chance, Eros zu stürzen, ist, die desertierten Militäreinheiten aufzuspüren. Aber wo könnte sich ihr Versteck befinden?“, sagte Kalinka.
 

„Es gibt nur einen Ort, wohin Eros Soldaten geflohen sein können.“
 

Ayla trat an eine große Karte, die an der Wand hing und zeigte auf eine große sandfarbene Fläche.
 

„Hier.“, sagte sie.
 

„In der Goyoma-Wüste? Jeder Mensch, der auch nur einen Funken Verstand besitzt, würde den Weg in die Wüste gar nicht erst antreten. Die Reise ist mit vielen Gefahren verbunden.“
 

„Du spielst wahrscheinlich auf die Sandwürmer an, Kalinka.“, sagte Ayla.
 

„Ganz Recht, Ayla. Und von ihnen existieren Massen. Es ist ein Glücksspiel es bis zu den großen Bergen zu schaffen.“
 

„Normalerweise würde ich dir rech geben, Kalinka. Aber es gibt noch den Weg zu Wasser. Nur sehr wenige wissen davon.“, sagte Ayla.
 

„Ist der Fluss auf der Karte verzeichnet, Ayla?“
 

Die Hohepriesterin zeigte auf eine blaue Linie, die sich von Königspalast in Richtung Süden schlängelte.
 

Das ist er. Aber der Eingang zur Höhle ist nur sehr schwer zu entdecken. So unscheinbar ist er. Man muss schon sehr genau hinsehen.“, sagte Ayla.
 

„Das mag zwar alles sein, Ayla. Aber in den Palast kommen wir nicht so einfach rein. Eros hat überall seine Wachen postiert.“
 

Frunse räusperte sich.
 

„Wir sollten vielleicht noch eine dritte Möglichkeit in Erwägung ziehen.“, 434

sagte er.
 

„Was schwebt dir vor, Frunse?“
 

„Nun, da weder der Land- noch der Seeweg infrage kommen, bleibt nur noch der Luftweg.“, sagte Frunse.
 

„Auf den ersten Blick keine schlechte Idee. Aber wie bewerkstelligen wir das Frunse?“
 

„Wir könnten die kommandierenden Offiziere der Föderationsschiffe, fragen, ob wir eines der Schiffe besichtigen dürfen. So finden wir heraus, ob sie noch so etwas wie eine Art „Beiboot“ mitführen.“, sagte Frunse.
 

„Gar nicht mal schlecht, Frunse. Aber kann man denn so nah an den großen Bergen landen?“
 

„Ich komme von dort. Ich kenne die Gegend da unten wie meine Westentasche.“, sagte der Drache.
 

„Aber Eros wird den Bereich mit seinem Superradar absuchen lassen.“
 

„Aber nur am Tag. Nachts ist die Anlage außer Betrieb. Tagsüber kann Eros keine Männer für die Wartung entbehren.“, sagte Frunse.
 

Kosmodrom Baikonur
 

Der Leiter der Werft staunte nicht schlecht, als der die Nachricht erhielt. Der Befehl zum Bau eines neuen Schiffes war eingegangen. Dies war das erste Schiff, seit 20 Jahren, das seit dem Bau der USS Tsiolkovsky, in Baikonur gebaut wurde. Der Werftleiter bekam Stielaugen, als er die technischen Daten des neuen Schiffes sah. Herrje, wird das ein Brocken., dachte er.
 

Auf Draconia, 19:15 Uhr Ortszeit
 

Kalinka war nervös. Denn zum ersten Mal traf sie ihre Verbündeten. Als sie Jekaterina zum ersten Mal sah, blieb ihr die Spucke weg. Die Kommandantin der Kirow trug wieder das dunkelblaue Kleid mit dem goldenen Sternenmuster sowie die dazugehörigen Schuhe, die Armstulpen und den Seidenschal und ihre Kette. Die Anführerin der Drachenkrieger erstarrte vor Ehrfurcht, als Jekaterina den Festsaal im Stützpunkt der Rebellen betrat. Nein. Sie betrat ihn nicht, sie schwebte regelrecht hinein, umgeben von einer göttlichen Aura. Als Kalinka aber Alaias Zeichen auf Jekaterinas Stirn entdeckte, wusste sie, dass man sich diese Frau besser nicht zum Feind machte.
 

Als Kalinka der Kommandantin der Kirow von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand, warf sie sich unterwürfig auf den Boden. Lyra und Latoya bemerkten, wie Jekaterina einer anderen Frau einen fragenden Blick 435

zuwarf, und von dieser ein Schulterzucken als Antwort erhielt.
 

„Wer ist sie?“, fragte Lyra ihre ältere Schwester.
 

„Gute Frage, Lyra.“

Aber lange mussten die beiden Schwestern nicht auf eine Antwort warten. Denn als Eric McClusky begrüßt wurde sage er „Darf ich ihnen meine Ehefrau Lysandra vorstellen?“
 

Später am Abend
 

Jekaterina stand an einem der Fenster und sah hinaus auf den undurchdringlichen Dschungel. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte wie jemand neben sie trat. Es war Frunse.
 

„Können sie einen Augenblick ihrer Zeit für mich erübrigen, Captain?“, fragte der Drache.
 

Jekaterina wandte sich zu ihm um.
 

„Was kann ich für sie tun?“
 

„Wir hatten noch nicht die Ehre einander vorgestellt zu werden, Captain. Ich bin Frunse.“, sagte der Drache.
 

„Jekaterina Romanova. Ich bin die Kommandantin der USS Kirow.“
 

„Wie ich schon sagte, Captain Romanova, ich hätte gerne einen Augenblick ihrer Zeit in Anspruch genommen.“, sagte Frunse.
 

„Worüber wollen sie mit mir sprechen, Frunse?“
 

„Eros gesamtes Militär ist desertiert. Wir kennen den ungefähren Standort ihres Verstecks, aber…“, sagte Frunse.
 

„Aber? Ich habe das Gefühl, da müsste noch was kommen.“
 

„Wir haben ein Problem. Und wir hoffen, dass sie uns dabei helfen können, Captain.“, sagte der Drachenkrieger.
 

„Wie können wir helfen, Frunse?“
 

„Bevor ich ihnen auf ihre Frage antworte, Captain, hätte ich gerne gewusst, ob man eines ihrer Schiffe besichtigen kann.“, sagte Frunse.
 

„Das lässt sich mit Sicherheit einrichten. Wir werden ja nicht so schnell auf eine andere Mission gerufen. Ganz abgesehen davon, hat Starfleet ja 436

mehrere Schiffe.“
 

„Mich würde noch interessieren, ob die Raumschiffe der Föderation eine Art „Beiboot“ mit sich führen.“, sagte der Drache.
 

„Jedes Schiff verfügt über einen Shuttlehangar in dem zwei Shuttles untergebracht sind. Aber warum wollen sie das alles wissen, Frunse?“
 

„Das ist ganz einfach, Captain Romanova. Wir vermuten Eros Streitkräfte im Süden, bei den großen Bergen in der Goyoma-Wüste. Und eigentlich gibt es nur zwei Wege, um dorthin zu gelangen. Den Weg zu Wasser, und den Landweg. Aber beide kommen nicht infrage. Der Luftweg ist am sichersten.“, sagte Frunse.
 

„Und da kämen wir ins Spiel, Frunse.“
 

„Das ist richtig, Captain Romanova.“, sagte Frunse.
 

„Jetzt bin ich diejenige, die ein Umstand interessiert. Wieso sind sie der Meinung, das nur der Luftweg infrage kommt, Frunse?“
 

„Man kann die großen Berge auf dem Seeweg nur von Eros Palast aus erreichen. Und der ist streng bewacht. Es wäre also ein leichtes für Eros, unsere Pläne zu durchkreuzen.“, sagte der Drachenkrieger.
 

„Das leuchtet ein. Aber was ist mit dem Weg über Land?“
 

„Der Weg ist voller Gefahren. Jeder Reisende muss zum Beispiel eine Schlucht überqueren, über die eine Hängebrücke führt. Aber die ist schon alt und marode. Und selbst wenn man es über die Brücke schafft, muss man noch durch das Tal der Wilddruden.“
 

„Wilddruden? Davon habe ich noch nie gehört.“
 

„Kennen sie Harpyien, Captain?“, fragte Frunse.
 

„Sie tauchen in den nordischen Sagen auf.“
 

„Die Wilddruden, sind etwas Ähnliches. Allerdings auch sehr gefährlich. Sie tauchen dann auf, wenn man am wenigsten mit einem Angriff von ihnen rechnet. Und dann kommen sie in Schwärmen. Ihre bevorzugte Angriffstaktik ist die Zangentaktik. Ein Schwarm kommt von links, der andere von rechts. Und jeder Schwarm zählt bis zu 50 Tiere.“, sagte Frunse.
 

„Klingt ziemlich übel.“
 

„Ist es auch. Und selbst wenn man die Wilddruden überlebt kommt noch der Krokodilfluss. Und warum er seinen Namen trägt, brauche ich nicht extra zu erwähnen, Captain Romanova.“, sagte der Drache. 437

„Ich schätze mal, weil es in diesem Fluss von Krokodilen nur so wimmelt, Frunse.“
 

„Allerdings. Aber selbst wer diese Gefahren übersteht, spätestens bei den Sandwürmern ist Schluss mit lustig.“, sagte Frunse.
 

„Sandwürmer? Was muss ich mir denn darunter vorstellen?“
 

„Sie leben unter dem Sand der Wüste. Man könnte sagen, sie sehen aus, wie ein Regenwurm im XXL-Format. Aber sie sind nicht ohne. Und vor allem verdammt schnell. Das blöde ist aber, dass diese Viecher die leisesten Vibrationen an der Oberfläche spüren können. Und dann greifen sie an. Wer allerdings ein geschultes Auge hat, und weiß worauf er zu achten hat, kann einem Angriff der Sandwürmer entkommen.“, sagte der Drachenkrieger.
 

„Gibt es irgendwelche sichtbaren Anzeichen, wenn so eine Attacke kommt?“
 

„Und ob. Bevor ein Wurm angreift, erscheint auf der Oberfläche ein Wurmzeichen. Und um ihrer Frage zuvor zu kommen, es sieht aus wie ein Blitz. Danach hat man vielleicht 5 Minuten, um sich einen erhöhten Platz zu suchen. Denn der Wurm kommt diagonal nach oben und reißt beim Auftauchen sein Maul auf. Sie sollten wissen, dass das Maul eines Sandwurms aus drei Kieferklappen besteht. Und dahinter befinden sich mehrere ringförmige Reihen mit spitzen Zähnen die bis zum Schlund reichen.“, sagte Frunse.
 

„Wie groß wird so ein Wurm eigentlich, Frunse?“
 

„Wir haben nur einen Filmchip über eine ihrer kleinen Spezies, die nur 125 Meter lang sind.“, sagte Frunse.
 

„NUR?“
 

„Aber es wurden auch schon Sandwürmer gesehen mit einer Länge von 450 Metern. Der mächtigste von ihnen ist Shai Hulud.“, sagte Frunse.
 

„Shai Hulud?“
 

„Ja. Er ist der größte Sandwurm, der je gesehen wurde. Über 900 Meter lang.“, sagte der Drachenkrieger.
 

„Reife Leistung. Und deswegen glauben sie, dass der Luftweg die sicherste Option ist, nehme ich mal stark an.“
 

„Genau. Mit einem ihrer Shuttles wäre es ein leichtes zu den großen Bergen zu gelangen. Aber nur nach Einbruch der Dunkelheit.“, sagte Frunse.
 

„Warum nicht tagsüber?“
 

„Weil Eros da seine Radaranlage in Betrieb hat. Es ist ein Radar, das 438

einen ziemlich großen Bereich abdecken kann. Nachts wird die Anlage gewartet und ist deshalb außer Betrieb.“, sagte der Drache.
 

„Einverstanden. Wir werden ihnen helfen. Ein Shuttle der Hiryū wird sie abholen.“
 

„Vielen Dank, Captain.“, sagte Frunse.
 

„Halten sie sich morgen Abend nach Einbruch der Dunkelheit bereit.“
 

Das Gespräch mit den desertierten Soldaten lief besser als erwartet. Denn Jekaterinas Zeichen auf der Stirn beseitigte alle Zweifel. Die Anführerin der Deserteure, eine 1,70 m große Brünette mit ovalem Gesicht und braunen Augen hatte Jekaterina in die Augen geblickt und gesagt: „Wenn sie auf Seiten der Rebellen kämpfen, dann werden wir uns anschließen.“
 

Am 15. Januar 2380 hatte Eros Schreckensherrschaft ein Ende. Allerdings hatte er mit den Steuern, die er den Stämmen abgeknöpft hatte, den Warpantrieb erforschen lassen. So wollte er die Fürsten, die ihm gegenüber loyal waren, bei Laune halten, damit sie ihm gegen die Rebellen halfen. Doch mit dem Überlaufen der Streitkräfte zu den Rebellen, war auch die Unterstützung der anderen weggefallen. Um 12:00 Uhr hatten die Rebellen unterstützt von den Sicherheitsteams der Föderationsschiffe und Eros ehemaligen Soldaten den Palast gestürmt und die Palastwache überwältigt. Auch Eros persönliche Leibwache musste sich der schieren Übermacht geschlagen geben.
 

Der Tyrann saß in seinem Arbeitszimmer, als die Doppeltür aufgestoßen wurde, und Kalinka in Begleitung von Jekaterina und ihrem Bruder Jewgeni, sowie Eric McClusky den Raum.
 

„König Eros, ihr seid verhaftet.“, sagte Jekaterina.
 

„Man kann einen König nicht einfach verhaften. Außerdem haben sie mir gar nicht gesagt, welcher Vergehen ich überhaupt beschuldigt werde.“
 

„Die Anklage lautet auf Massenmord, Hochverrat und Korruption.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich habe niemanden umgebracht.“
 

„Ihr habt aber euren Behemoth losgelassen, damit dieser für euch die Drecksarbeit erledigt. Und damit klebt das Blut der Toten an euren Händen. Außerdem habt ihr mit Lord Vorlock gemeinsame Sache gemacht. Allein das reicht schon aus, um euch anzuklagen.“, sagte Jekaterina.
 

Eros musste einsehen, dass er verloren hatte. Nur widerwillig unterschrieb er die Abdankungsurkunde. Am Abend dieses denkwürdigen Tages, der einen Wendepunkt in der Geschichte Draconias darstellte, sprach Jekaterina 439

mit Tabea. So erfuhr sie, dass ihre Schwester, für die Dauer von zwei Monaten auf Draconia gelebt hatte. Tabea erzählte der Kommandantin der Kirow, dass es Anastasia war, die dafür gesorgt hatte, dass die Seherin ihre Fähigkeiten verloren hatte. Danach sprach Jekaterina mit Kalinka.
 

„Ich danke dir.“, sagte die Anführerin der Rebellen.
 

„Ich habe nur meine Befehle ausgeführt, Kalinka.“
 

„Aber du warst es, die die Soldaten dazu gebracht hat, auf unserer Seite zu kämpfen.“, sagte Kalinka.
 

„Ich glaube eher, es war das Zeichen auf meiner Stirn.“
 

„Das Zeichen absoluten Vertrauens.“, sagte Kalinka.
 

„Was machen wir mit Eros? Ich meine, dass er für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden sollte.“
 

„Ich weiß, was du sagen willst. Du würdest Eros am liebsten vor einem Föderationsgericht sehen, mit dem Urteil lebenslange Haft im Straflager auf Rura Penthe. Aber er hat seine Verbrechen hier begangen. Also muss er auch nach unseren Gesetzen bestraft werden. Und für das, was Eros getan hat, gibt es nur ein Strafmaß, dass diesem auch gerecht wird.“, sagte Kalinka.
 

„Und welches wäre das?“
 

„Die Todesstrafe. Wir werden ihn in der Wüste aussetzen. Soll ihn sich ein Sandwurm holen.“, sagte Kalinka.
 

„Wobei du es am liebsten hättest, das es Shai Hulud ist, der ihn verschlingt.“
 

„Ganz Recht. Aber ich muss darauf bestehen, mich für deine Hilfe erkenntlich zu zeigen.“, sagte Kalinka.
 

„Also eine Belohnung?“
 

„Eine Art Belohnung. Ich gebe dir eine Leibwächterin an die Seite.“, sagte Kalinka.
 

„Ich habe unser Sicherheitsteam, Kalinka.“
 

„Das mag zwar alles sein, aber du kannst eine Leibwächterin gut gebrauchen.“, sagte Kalinka.
 

„Du lässt wohl nicht locker, Kalinka.“
 

„Ich mache mir Sorgen um deine Sicherheit, Jekaterina. Du hast dir viele 440

einflussreiche Tyrannen zum Feind gemacht. Die werden dich durch die Milchstraße und wieder zurück jagen. Dein Sicherheitsteam mag durchaus kompetent sein, aber verstärkt durch eine Leibwächterin hast du einfach mehr Sicherheit. Ernsthaft, Jekaterina, ich sage das nicht einfach nur so. Du brauchst eine Leibwächterin an deiner Seite, die dir den Rücken freihält.“, sagte Kalinka eindringlich.
 

„Na schön, du hast gewonnen.“
 

„Gut. Komm mit.“, sagte Kalinka.
 

Die angehende Königin Draconias führte Jekaterina in den Innenhof des Palastes. Dort standen in Reih und Glied die besten Kriegerinnen von Kalinkas Gruppe.
 

„Welche soll es werden, Jekaterina?“, fragte Kalinka.
 

Die Kommandantin der Kirow schritt die Reihe ab, und kam sich vor, wie ein General bei einer Truppeninspektion. Aber dann fiel Jekaterina eine Frau auf, die aus der Reihe heraus stach. Sie war von einer Aura der Wildheit umgeben. Ihre dauergewellten blonden Haare, die bis zu den Schulterblättern reichten, wehten im Wind. Die blauen Augen im ovalen Gesicht dieser Frau brannten vor Entschlossenheit. Mit ihren 1,75 m war sie deutlich größer als Jekaterina. Auch der sportliche Körper musste jeden Gegner beeindrucken, der es wagte, dieser wilden Schönheit den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bekleidet war die Blondine mit einer starken Lederrüstung, und schweren schwarzen Lederstiefeln. Als Waffe trug sie ein Krummschwert mit einer 35 cm langen Klinge. Um den Hals trug sie ein ledernes Band mit einem Drachenkopf als Anhänger. Jekaterina war klar, dass diese Frau für die, denen sie diente, durch die Hölle und wieder zurückgehen würde.
 

„Sie.“, sagte Jekaterina an Kalinka gewandt.
 

„Eine gute Wahl. Ihr Name ist Cassandra.“
 

Dann wandte sich die einstige Anführerin der Rebellen an die Auserwählte.
 

„Cassandra. Würdest du bitte vortreten?“, sagte Kalinka.
 

Die Angesprochene trat nach vorn.
 

„Nun denn, Cassandra. Für dich bricht jetzt ein neuer Lebensabschnitt an. Denn du bist ab sofort die persönliche Leibwächterin von Captain Jekaterina Romanova, der Kommandantin des Föderationsraumschiffs USS KIROW. Schwörst du, dass du immer an ihrer Seite sein, und ihr Leben schützen wirst?“, sagte Kalinka.
 

„Du hast mein Wort, Kalinka. So wie ich einst dein Leben geschützt habe, 441

so werde ich auch ihr Leben schützen.“
 

Jekaterina wandte sich an ihre neue Leibwächterin.
 

„Du führst eine interessante Waffe. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass du eine kampferprobte Kriegerin bist. Aber auch ich beherrsche die Kunst des Kämpfens. Wir sollten irgendwann einmal miteinander trainieren.“, sagte sie.
 

„Ich freue mich schon auf unsere erste gemeinsame Trainingseinheit. Ich bin neugierig, welche Waffen sie benutzen, Captain.“
 

Draconia am 16. Januar 2380 10:00 Uhr Ortszeit
 

Das Shuttle der Hiryū, die Hirohito, landete auf einer Sanddüne. Eros der abgesetzte Tyrann wurde unsanft nach draußen befördert. In einiger Entfernung konnte Jekaterina einen Blitz erkennen, der über den Boden zuckte.
 

„Ein Wurmzeichen. Das ist doch ein Wurmzeichen, oder?“, sagte sie.
 

„Ja, von einem sehr großen. Sie haben gute Augen, Captain.“
 

„Der Wurm nimmt direkten Kurs auf uns. Wir sollten lieber starten und reichlich Höhe gewinnen, solange wir noch Zeit haben.“, sagte Dayani.
 

„In Ordnung. Machen wir das wir rein kommen, und dann hauen wir ab.“
 

Doch dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. Das Shuttle war nicht in der Lage abzuheben.
 

„Verdammt! Die Triebwerke sprechen nicht an!“, sagte der Pilot.
 

„Dann versuchen sie es noch mal. Wir müssen sehen, dass wir hier weg kommen.“
 

Wertvolle Minuten vergingen. Und der Wurm kam näher.
 

„Der Wurm ist jetzt noch 8 Minuten entfernt, Captain.“, sagte Cassandra.
 

„Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Wieso dauert das denn so lange?“
 

Doch das Shuttle Hirohito wollte partout nicht starten. Dann sah Kalinka den Teil eines gewaltigen Leibes.
 

„Da ist er! Wir müssen starten!“, schrie sie.
 

Und in diesem Augenblick erwachten die Triebwerke des Shuttles zum Leben. Der Pilot betätigte einige Kontrollen und die kleine Fähre gewann schnell an Höhe. 442

„Gepriesen sei der Wurm und sein Wasser. Gepriesen sein Kommen und gehen. Möge sein Vorbeiziehen die Welt ordnen.“, sagte Cassandra leise.
 

Dann teilte sich der Sand, und ein gewaltiger Sandwurm tauchte aus der Tiefe auf. Sein Maul öffnete sich und der gestürzte Tyrann verlor das Gleichgewicht. Als Eros einen der Zähne berührte, schloss sich das Maul des Wurms und ein lautes Geräusch ertönte, das nach einem Rülpsen klang.
 

„Gott, was für ein Monster!“, entfuhr es Dayani.
 

„Das ist er. Das ist Shai Hulud.“
 

„Also wenn ich das meiner Crew erzähle, die werden denken, ich bin Balla Balla.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina betrat in Begleitung ihrer neuen Leibwächterin die Brücke, nachdem diese die obligatorischen medizinische Untersuchung bestanden hatte.
 

„Gentlemen, darf ich ihnen unser neuestes Besatzungsmitglied Cassandra vorstellen? Königin Kalinka, hat sie mir als meine persönliche Leibwächterin zugewiesen.“, sagte Jekaterina.
 

„Willkommen an Bord. Ich bin Commander Quantez Robertson, der erste Offizier.“
 

„Freut mich sie kennenzulernen, Commander.“, sagte Cassandra.
 

„Nummer eins, weisen sie Cassandra bitte ein Quartier zu. Danach kommen sie bitte wieder auf die Brücke.“443

USS Kirow - Mission 12

USS KIROW MISSION 12
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57046.4 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Gerade eben kam eine Nachricht aus dem Föderationshauptquartier. Der Föderationsrat hat den Beitrittsvertrag mit Draconia einstimmig angenommen. Aber kurz nach unserer Abreise von Draconia erreichte mich eine Nachricht von Captain Paxton. Meine Schwester befindet sich auf einem Frachter, der sich am Rande der neutralen Zone aufhält. Der dunkle Lord hat noch keine Kenntnis von Anastasias momentanen Aufenthaltsort.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite. Dann erhob sie sich von ihrem Platz.
 

„Nummer eins, sie übernehmen. Ich muss mich ein bisschen ausruhen.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Kaum hatte Jekaterina die Brücke verlassen, da hob Keiko den Kopf.
 

„Commander, ich habe Präsidentin Arikka, in der Leitung.“
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht der Ariantu.
 

„Madam President.“, begann Commander Robertson das Gespräch.
 

„Commander Robertson.“
 

„Ich nehme an, es ist dringend, wenn sie sich persönlich mit uns in Verbindung setzen.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Es ist in der Tat wichtig, Commander. Ich möchte sie mit einer Mission betrauen. Alle anderen Missionen, die man ihnen zuteilt haben nur zweite Priorität.“
 

„Worin besteht unsere Aufgabe, Madam President?“, fragte Quantez Robertson.
 

„An der Grenze zwischen unserem Hoheitsgebiet und dem romulanischen Sternenimperium wurden mehrfach fremde Schiffe gesichtet. Darunter auch ein Schiff mit dem Namen Vengeance.“
 

„Und wir sollen nachsehen, was es damit auf sich hat, nehme ich an, Madam President.“, sagte Commander Robertson.
 

„Genau das ist mein Befehl an sie. Viel Glück, Commander.“ 444
 

„Danke, Madam President. Kirow Ende.“, sagte der Commander.
 

„Commander, gerade wurde uns die exakte Position des verdächtigen Schiffes durchgegeben.“
 

„Geben sie die Koordinaten an Miss Namura. Und dann los. Maximum Warp.“, sagte Quantez Robertson. An Toprak, den klingonischen taktischen Offizier, gewandt, fuhr er fort: „Mister Toprak, aktivieren sie unsere Schilde und die Waffensysteme.“
 

Justin Wichrowski, der junge Fähnrich, der auf Deep Space Nine zur Besatzung gestoßen war, saß links vom ersten Offizier. Er hatte während der Überholungsphase der Kirow seinen 20. Geburtstag gefeiert. Nach seiner Rückkehr auf das Schiff, er hatte die Zeit nach Beendigung der zehnten Mission auf der Akademie verbracht, hatten seine Bordkameraden eine zünftige Geburtstagsfete für den jungen Kadetten organisiert. Aber jetzt begann wieder der Ernst des Lebens für den jungen Mann aus Nashville, Tennessee.
 

In ihrem Quartier saß Jekaterina an ihrem Schreibtisch und machte einen Eintrag in ihr persönliches Tagebuch. Sie war gerade fertig, als der Türsummer ertönte.
 

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q trat ein. Dieses Mal war er mit einem schwarzen Smoking mit Fliege, einem weißen Hemd bekleidet. Dazu trug er schwarze Herrensocken und schwarz-weiße Brogues im Stil der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Auf dem Kopf trug er einen schwarzen Zylinder und hielt einen Spazierstock aus Mahagoniholz mit Messingknauf in der Hand.
 

„Setz dich.“, bot ihm Jekaterina einen Platz an.
 

„Danke.“
 

„Was führt dich zu mir, Dambala?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Ich habe mit deiner Schwester gesprochen und ihr gesagt, dass du dich gerne mit ihr versöhnen möchtest.“
 

„Wie hat sie reagiert?“, fragte Jekaterina.
 

„Nach meinem Eindruck zu urteilen, war sie einer Versöhnung zwischen euch nicht abgeneigt. Sie meinte nur, dass sie noch etwas Zeit braucht.“ 445

„Immerhin ein Anfang, Dambala. Aber ganz ehrlich, seitdem ich weiß, dass der dunkle Lord hinter ihr her ist, schlaf ich nicht mehr so gut. Anastasia ruft in meinen Träumen nach mir und bittet mich um Hilfe.“, sagte Jekaterina.
 

„Du machst dir Sorgen. Und das ist nachvollziehbar. Anastasia ist immerhin deine Schwester.“
 

„Das ich mir Sorgen mache ist untertrieben. Ich habe Angst um meine Schwester.“, sagte Jekaterina.
 

„Versteh ich. Aber wenn du willst, streu ich in regelmäßigen Abständen Falschmeldungen, wo sich das Schiff befindet, auf dem deine Schwester mit reist.“
 

„Mach das. Hoffen wir, dass die Weltraumpiraten, die für den dunklen Lord arbeiten, den Köder auch schlucken.“, sagte Jekaterina.
 

„Lass mich nur machen. Du wirst sehen, schon bald wirst du deine Schwester wieder in die Arme schließen können.“
 

Utopia Planitia Flottenwerft
 

Der Leiter der Werft kam aus dem Staunen nicht heraus, als er die Nachricht von Präsidentin Arikka las. Er sollte sofort mit dem Bau des neuen Schiffstyps beginnen. Denn die USS Cumberland, die im Kosmodrom Baikonur gebaut wurde, war das Typschiff und man hatte den neuen Typ als Cumberland-Klasse ins Flottenregister aufgenommen.
 

„Knapp 900 Meter Länge und soviel Feuerkraft. Man könnte meinen, dass der Föderation ein neuer Krieg bevorsteht.“, dachte der Werftleiter.
 

An Bord des Schiffes in der Nähe der neutralen Zone
 

Anastasia Romanova saß auf ihrem Bett und dachte nach. Im Prinzip, so musste sie sich eingestehen, hatte der Q, der sie besucht hatte, Recht. Jahrelang hatte sie sich ihrer Schwester nie gestellt. Und jetzt war Jekaterina ihre einzige Hoffnung, dem dunklen Lord nicht in die Hände zu fallen. Wie mochte es ihr wohl gehen? Dachte sie noch an ihre Schwester, oder hatte sie längst mit ihr gebrochen? Doch die letzte Frage konnte sich Anastasia eigentlich selbst beantworten. Wenn Jekaterina mit ihr gebrochen hätte, dann würde sie sich nicht die Mühe machen und nach ihr suchen. Und noch etwas musste sich Anastasia eingestehen. Sie hatte Jekaterina nie die Chance gegeben, zu erklären, wieso sie eine Lesbe geworden war. Aber spielte das in dieser Situation überhaupt eine Rolle? Sie war in Gefahr!
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 20. Januar 2380, 11:15 Uhr Ortszeit

446

Admiral Paris saß in seinem Büro und ging einige Dokumente durch, als Admiral Janeway eintrat.
 

„Setzen sie sich Admiral Janeway.“, sagte Owen Paris.
 

„Danke, Sir.“
 

„Was kann ich für sie tun, Admiral?“, fragte Owen Paris.
 

„Heute Morgen kam eine Nachricht aus dem Föderationshauptquartier. Das Volk der Hellenen hat ein Beitrittsgesuch zur Föderation eingereicht.“
 

„Das ist doch nicht ungewöhnlich.“, sagte Admiral Paris.
 

„Gerade eben kam eine Nachricht von einem klingonischen Kreuzer der D7-Klasse. Es ist die Boreth, General Zarroks Schiff. Offenbar gibt es jemanden, dem ein möglicher Beitritt des Planeten Hellas zur Föderation ein Dorn im Auge ist. Jedenfalls werden gezielt Föderationsschiffe ohne Vorwarnung angegriffen.“
 

„An welches haben sie gedacht, das diese Aufgabe übernehmen könnte, Admiral Janeway?“, wollte Admiral Paris wissen.
 

„Die Kirow.“
 

„Die steht uns im Moment aber nicht zur Verfügung. Präsidentin Arikka hat sie mit einer Mission betraut. Das einzige Schiff, dass wir zurzeit erübrigen können, ist die Suzuya.“, sagte der alte Admiral.
 

„Na schön. Dann eben die Suzuya. Aber Captain Lynch soll nur feuern, wenn er selbst attackiert wird. Primär soll er versuchen, den Funkverkehr abzuhören, und so Informationen zu sammeln. Wenn die Kirow ihre Aufgabe erledigt hat, dann soll sie sich darum kümmern.“
 

An Bord der Kirow
 

Dambala konnte sehen, wie fertig Jekaterina war. Sie hatte geweint, als sie berichtet hatte, was diese rüde Abfuhr mit ihr gemacht hatte. Nun sah die Kommandantin der Kirow dem Q in die Augen und drehte die Unterseite ihrer Unterarme nach oben. Dambala konnte mehrere Narben erkennen.
 

„Weißt du, was sie bedeuten, Dambala?“, fragte Jekaterina.
 

Der Q schüttelte den Kopf.
 

„Ich hatte das Borderline Syndrom. Ich hab mich mit einer Rasierklinge in beide Arme geschnitten. Ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte. Niemand hat mich aufgefangen, als ich von Michail Golowko in dieses mentale schwarze Loch gestoßen wurde. Keiner hat mir je eine helfende Hand gereicht. Ich 447

war psychisch am Boden zerstört. Diese Narben auf meinen Unterarmen sind stumme Zeugen eines verzweifelten Hilferufs, der nie gehört wurde.“, schloss Jekaterina ihren seelischen Bericht.
 

Dambala schwieg. Das hier war nicht die selbstbewusste Weltraumamazone, vor ihm saß die wahre Jekaterina Romanova. Der Q sah in das Gesicht einer Frau, die von einem Mann, den sie geliebt hatte, seelisch aufs übelste misshandelt worden war. Dambala wusste, dass es an Jekaterina war, ihrer Schwester davon zu erzählen, und ihr auch die Narben zu zeigen. Er selbst konnte nur versuchen, Anastasia schonend auf das vorzubereiten, was sie bei der Aussöhnung mit ihrer Schwester zu erwarten hatte. Jekaterina brauchte Hilfe, soviel stand fest. Und es gab nur eine, die helfen konnte. Anastasia Romanova.
 

An Bord des fremden Schiffes
 

Anastasia bekam einen kleinen Schreck, als Dambala, der Q auf einmal vor ihr stand.
 

„Bitte setzen sie sich.“, sagte sie.
 

„Danke. Ich komme gerade von einem Besuch bei ihrer Schwester.“
 

„Wie geht es Jekaterina?“, fragte Anastasia.
 

„Nicht gut. Körperlich ist sie bei bester Gesundheit. Aber es sind ein paar alte seelische Wunden wieder aufgebrochen. Jekaterina braucht sie, Anastasia. Und jetzt mehr denn je. Söhnen sie sich mit ihrer Schwester aus, ich bitte sie.“
 

„Hat sie ihnen alles erzählt, Dambala?“, fragte Anastasia den Q.
 

„Sie hat mir einen Blick hinter die Fassade der knallharten Weltraumamazone gewährt, Anastasia. Heute habe ich die wahre Jekaterina Romanova kennengelernt.“
 

„Sagen sie mir, was damals passiert ist.“, sagte Anastasia.
 

„Ich wünschte ich könnte es. Aber es ist nicht an mir, ihnen die ganze Geschichte zu enthüllen. Es ist Aufgabe ihrer Schwester, ihnen alles zu erzählen. Aber bekommen sie keinen Schreck, wenn sie Jekaterina sehen, Anastasia. Ihre Angst um sie, und diese erneute Konfrontation mit den Dämonen ihrer Vergangenheit, machen ihrer Schwester sehr zu schaffen. Bevor ich zu ihnen aufgebrochen bin, hatte ich noch ein Gespräch mit dem ersten Offizier der Kirow, Quantez Robertson. Er wird bis auf weiteres das Schiff führen. Denn Jekaterina ist im Moment nicht dienstfähig.“
 

„Steht es wirklich so schlimm um Jekaterina?“, fragte Anastasia.
 

„Sie würden diese Frage nicht stellen, wenn sie dabei gewesen wären.“ 448

An Bord der Kirow
 

Keiko hob den Kopf, als eine Nachricht vom Planeten Yor eintraf.
 

„Commander, ich habe Königin Alaia für Captain Romanova.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Alaias Gesicht.
 

„Mylady.“, begann Commander Robertson das Gespräch.
 

„Commander Robertson.“
 

„Was verschafft uns die Ehre, dass sie uns kontaktieren?“, fragte der erste Offizier der Kirow.
 

„Ich habe eine erfreuliche Nachricht für ihre Vorgesetzte, Commander. Und deswegen bin ich überrascht, dass sie statt Jekaterina auf dem Platz in der Mitte sitzen.“
 

„Captain Romanova ist zurzeit nicht dienstfähig, Mylady.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Ist es schlimm, Commander Robertson?“
 

„Ich will nichts schönreden, meine Königin. Aber meine Vorgesetzte ist mental sehr stark angeschlagen.“, sagte Commander Robertson.
 

Alaias Gesicht erstarrte vor Schreck.
 

„Oh Nein! Bitte sagen sie mir, dass das nicht wahr ist, Commander.“, sagte sie.
 

„Wenn ich das täte, würde ich lügen. Fakt ist, Captain Romanova braucht Hilfe. Sie braucht jemanden, der sie auffängt, und den freien Fall, in dem sie sich befindet, beendet. Sie könnten ihr helfen. Aber dazu müssten sie zu uns auf die Kirow kommen.“
 

„Was mir nichts ausmacht, Commander Robertson. Sehen sie, meine Cousine Elvira ist aus dem Exil zurück. Da ihr der Thron rechtmäßig zusteht, muss ich abdanken.“, sagte Alaia.
 

„Gestatten sie mir die Frage, wie ihre Cousine, reagiert hat, als sie ihr mitteilen mussten, dass meine Vorgesetzte das „Zeichen absoluten Vertrauens“ trägt?“
 

„Sie meinte, sie hätte es nicht anders gemacht. Außerdem, war es der Wunsch ihrer Mutter, das YOR der Föderation beitritt. Sie war froh, dass ich dem Wunsch nachgekommen bin.“, sagte Alaia. 449

„Wann haben sie unsere gegenwärtige Position erreicht, Mylady?“
 

„Wenn sie ihre Geschwindigkeit auf Impulskraft reduzieren können, in weniger als 10 Minuten.“, sagte Alaia.
 

„Verstanden. Miss Sherrock, Geschwindigkeit auf Impulskraft verringern.“
 

„Ja, Commander.“, sagte die erste Navigatorin der Kirow.
 

10 Minuten später hatte die Kirow ihre Geschwindigkeit soweit gedrosselt, dass das Raumschiff, auf dem Alaia mit gereist war, längsseits gehen konnte. Der Transfer der einstigen Regentin von Yor verlief ohne nennenswerte Probleme. Nachdem dies erledigt war, aktivierte die Kirow wieder ihre Schilde und beschleunigte auf ihre maximale Geschwindigkeit. Quantez Robertson, der erste Offizier der Kirow brachte Alaia zuerst auf die Krankenstation, bevor er sie zu Jekaterinas Quartier geleitete. Er betätigte den Türsummer. Es dauerte eine Weile, bis er die Stimme seiner Vorgesetzten hörte.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Quantez Robertson betrat, gefolgt von Alaia das Quartier der Kommandantin. Er räusperte sich.
 

„Was führt sie zu mir, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Da ist jemand, der gekommen ist… um zu bleiben.“
 

„Was meinen sie?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Königin Alaia ist hier, Captain.“
 

Commander Robertson trat zur Seite und gab den Blick auf eine besorgte Alaia frei. Die einstige Regentin von Yor ging auf ihre Freundin zu und nahm sie in die Arme.
 

„Mensch Jekaterina, was machst du nur für Sachen?“, fragte Alaia.
 

„Die alten seelischen Wunden sind wieder aufgebrochen.“
 

„Was meinst du, Schatz?“, fragte Alaia.
 

Wortlos zeigte Jekaterina ihr ihre Narben.
 

„Die sind aber nicht frisch, Jekaterina.“, sagte Alaia.
 

„Nein. Die sind schon 17 Jahre alt, Liebling.“
 

„Wer hat dir das angetan? Wer hat der Frau, die ich von ganzem 450

Herzen liebe, seelisch so weh getan?“, fragte Alaia.
 

„Du bist ihm begegnet, als du mich letztes Jahr an Weihnachten besucht hast. Michail Golowko.“
 

„Der soll mir bloß in die Finger kommen. Niemand hat das Recht, dir weh zu tun, Schatz.“, sagte die einstige Königin der Yor.
 

Alaia nahm Jekaterina wieder in die Arme und drückte sie ganz fest. Nach einer Weile lösten die beiden Frauen die Umarmung. Jekaterina wandte sich an ihren ersten Offizier.
 

„Danke, Nummer eins.“, sagte sie.
 

„Danken sie nicht mir, Captain. Danken sie Alaia.“
 

„Das meinte ich nicht, Nummer eins. Sie müssen mich in letzter Zeit sehr oft vertreten. Und das machen sie mehr als gut. Und dafür bin ich ihnen dankbar. Da fällt mir ein, haben wir einen Auftrag?“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain. Wir haben den Befehl von der Präsidentin persönlich.“
 

„Was sollen wir tun, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Wir sollen im Grenzgebiet zwischen unserem und dem romulanischen Territorium nachsehen. Denn dort wurden mehrere fremde Schiffe gesichtet. Darunter auch ein Schiff namens Vengeance.“
 

„Das ist das Schiff des dunklen Lords.“, entfuhr es Alaia.
 

„Denkst du, was ich denke, Alaia?“
 

„Oh ja. Er sucht nach deiner Schwester. Und er will vor dir da sein.“, sagte Alaia.
 

Jekaterina wandte sich wieder an ihren ersten Offizier.
 

„Wäre das im Moment alles, Nummer eins?“, fragte sie.
 

„Ja, Captain. Sehe ich sie bald wieder auf der Brücke?“
 

„Ja. Jetzt, da ich dank Alaia nicht mehr alleine bin, werde ich wieder besser schlafen können.“, sagte Jekaterina.
 

„Vielleicht holen sie besser den verlorenen Schlaf nach, Captain.“
 

„Das mache ich, Nummer eins. Halten sie mich bitte auf dem Laufenden.“
 

„Ja, Captain.“ 450

Kaum hatte der erste Offizier das Quartier der Kommandantin verlassen, gaben sich Jekaterina und Alaia einen liebevollen und zärtlichen Kuss. Doch der Türsummer machte diesen kostbaren Moment wieder zunichte.
 

„Herein!“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Jekaterinas persönliche Leibwächterin Cassandra betrat den Raum.
 

„Verzeih bitte die Störung Herrin. Ich wollte fragen, wie es dir geht, und ob du etwas brauchst.“, sagte sie.
 

„Ich bin noch weit entfernt davon, wieder dienstfähig zu sein. Aber trotzdem, danke der Nachfrage.“
 

„Wenn du etwas brauchst, Herrin, dann lass es mich wissen.“, sagte Cassandra.
 

„Ja, mach ich, Cassandra.“
 

Grenze zwischen Föderation und romulanischem Sternenimperium 25. Januar 2380
 

Die Kirow hatte ihre Position bezogen und wartete. Jekaterina saß auf dem Platz in der Mitte, der ihr als Kommandantin zustand, aber ihre seelischen Wunden waren immer noch präsent. Sie merkte dies am Zittern ihrer linken Hand. Außerdem trommelte sie mit ihrer rechten Hand nervös auf der Armlehne herum. Draußen schimmerten Myriaden von Sternen. Eine Sternschnuppe flog dicht an der Kirow vorbei.
 

„Heißt es nicht, dass man sich etwas wünschen kann, wenn man eine Sternschnuppe sieht, Captain?“, fragte Quantez Robertson seine Vorgesetzte.
 

„Ja, das stimmt, Nummer eins.“
 

„Haben sie einen Wunsch, Captain?“, fragte Commander Robertson.
 

„Der einzige Wunsch, den ich habe, ist, meine Schwester vor dem dunklen Lord zu retten, Nummer eins.“
 

„Nun ja, vielleicht erfüllt er sich ja, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

Nach und nach kamen mehrere Schiffe. Manche waren schwer bewaffnete Kampfmaschinen, die zum Teil größer waren als die Kirow. Manche waren die reinsten Nussschalen. Und gegen ein Schiff wie die Kirow konnten sie nicht lange bestehen. Als jedoch der Stolz der romulanischen Flotte, die Valdore auftauchte, nahmen viele Kommandanten Reißaus.
 

Keiko hob den Kopf, als sie einen Funkspruch an die Kirow 451

auffing.
 

„Captain, wir werden gerufen.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht eines Mannes.
 

„Ich nehme an, sie sind die Kommandantin.“, begann er das Gespräch.
 

„Captain Jekaterina Romanova. Und dies ist die USS Kirow, ein Raumschiff der Vereinigten Föderation der Planeten.“
 

„Ihr Ruf ist schon bis zu mir vorgedrungen. Viele Raumschiffkommandanten und Regenten fürchten sie, Captain.“, sagte der Fremde.
 

„Da fällt mir ein, sie haben sich noch nicht vorgestellt.“
 

„Oh, wie unhöflich von mir. Ich bin Daron.“, sagte Jekaterinas Gesprächspartner.
 

„Und zu welcher Rasse gehören sie, Daron?“
 

„Ich bin Marxianer, Captain.“, sagte Daron.
 

„Von den Marxianern habe ich noch nie gehört.“
 

„Wir zeigen uns nur sehr selten, Captain. Aber ich habe sie nicht kontaktiert, für ein bisschen Small Talk.“, sagte Daron.
 

„Weswegen denn dann?“
 

„Ich bin Händler, Captain. Und als solcher muss ich mein täglich Brot verdienen.“, sagte der Marxianer.
 

„Und mit was handeln sie so, Daron?“
 

„Mit allem möglichen, Captain. Heute sind es Sklaven. Wären sie interessiert, Captain Romanova?“, sagte der Händler.
 

„Ich finde es abscheulich, mit menschlicher Ware zu handeln, Daron.“
 

„Das ist ihr gutes Recht, Captain. Aber als Händler muss ich nehmen, was gerade angeboten wird. Und ganz ehrlich, wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich einen anderen Auftrag angenommen, als diesen.“, sagte der marxianische Händler.
 

„Falls sie sich bei mir einschmeicheln wollen, Daron, dann sind sie bei mir derbe schief gewickelt.“ 452

„Daran habe ich keinerlei Zweifel Captain. Aber ich möchte ihnen einen Handel vorschlagen.“, sagte Daron.
 

„Abgelehnt.“
 

„Hören sie mir bitte erst mal zu. Danach mögen sie entscheiden.“, sagte der Marxianer.
 

„Na schön. Dann erzählen sie mal.“
 

„Sehen sie, Captain, unter den Sklaven befindet sich eine Frau, von atemberaubender Schönheit. Sie können sich darauf verlassen, dass der dunkle Lord sie in seine Brutkolonie bringt, sollte er ihrer habhaft werden. Und das, was ich ihnen jetzt sage, sage ich ihnen im Vertrauen, Captain Romanova. Als Altagracia, so heißt die Dame, an Bord meines Schiffes kam, hat sie mich angefleht, sie nicht an den dunklen Lord zu verkaufen. Und den anderen Raumschiffkommandanten, die hier sind, traue ich weniger als einer halben Tüte Knoblauch. Lange Rede, kurzer Sinn, Captain Romanova. Sie sind die einzige Person, der ich die Kleine guten Gewissens für einen anständigen Preis überlassen würde.“, sagte Daron.
 

„Als Mensch würde ich ihren Vorschlag annehmen. Aber ich bin eine Offizierin der Raumflotte. Und Sklavenhandel wird von Seiten der Föderation nicht toleriert, Daron. Vom rechtlichen Standpunkt aus müsste ich sie sogar melden.“
 

„Das verstehe ich. Aber haben sie denn eine bessere Idee, wie wir Altagracia vor dem dunklen Lord schützen können?“, fragte der Marxianer.
 

„Sie geben mir Altagracia einfach so. Ohne Bezahlung. Aber keine Angst, sie werden entlohnt werden, wenn sie mir ein paar Informationen liefern.“
 

„Wenn wir uns über die Art und Weise der Bezahlung einigen können, bin ich einverstanden, Captain.“
 

„Haben sie schon mal Diamanten gesehen, Daron?“
 

„Diamanten?“
 

„Diamanten.“
 

„Ich hab schon davon gehört, Captain. Aber ich kenn mich damit überhaupt nicht aus.“
 

„Ich auch nicht. Das einzige, was ich weiß, ist, das der Wert eines Diamanten von seiner Größe und dem Reinheitsgrad abhängt. Je größer und reiner, desto wertvoller.“
 

„Das hört sich gut an, Captain.“, sagte Daron. 453

„Meine Lebensgefährtin Alaia hat mir bei meinem Besuch auf Yor ein paar dieser Edelsteine mitgegeben. Fünf Stück von jeder Sorte.“
 

„Einverstanden, Captain.“
 

Eine halbe Stunde später materialisierte Jekaterina in Begleitung ihrer Leibwächterin und 25 Leuten des Sicherheitsteams der Kirow auf Darons Schiff. In der Hand hielt sie einen Jutebeutel mit den vereinbarten Edelsteinen. Sie musterte Altagracia. Sie war eine 1,70 m große Brünette mit einem schlanken Körperbau. Ihre dauergewellten Haare trug sie offen und schulterlang. Altagracia hatte ein ovales Gesicht und braune Augen in denen sich Angst wiederspiegelte. Die Nase war etwas zu breit geraten, aber dies tat Altagracias Schönheit keinen Abbruch. Ihre Lippen, die Jekaterina als sinnlich bezeichnet hätte, waren vor Anspannung zu einem Strich zusammengekniffen.
 

Dann wandte sich die Kommandantin der Kirow an Daron.
 

„Würden sie Altgracia den Reif abnehmen und sie von ihren Fesseln befreien?“, fragte Jekaterina.
 

„Sowie sie mir den Empfang bestätigt haben.“
 

„Ich nehme an schriftlich.“, sagte Jekaterina.
 

„Ganz Recht, Captain Romanova. Sie können das Dokument natürlich nur unterschreiben. Aber ein Siegel wäre mir lieber.“
 

„Meine Familie besitzt leider keinen Siegelring. Also werden sie mit meiner Unterschrift vorlieb nehmen müssen.“, sagte Jekaterina.
 

Nachdem sie die Empfangsbestätigung für Altagracia unterschrieben hatte, schüttete Jekaterina den Inhalt des Beutels auf den Tisch.
 

„Ich habe meinen Teil unserer Vereinbarung erfüllt. Jetzt erfüllen sie bitte ihren.“, sagte sie.
 

„Selbstverständlich. Wir Marxianer stehen zu unserem Wort.“
 

Dann befreite Daron Altagracia von ihren Fesseln und dem Reif um ihren Hals.
 

„Sie wollten doch noch einige Informationen.“, sagte der Marxianer.
 

„Ganz Recht, Daron. Präsidentin Arikka hat mich mit dem Auftrag hierher geschickt, herauszufinden, warum hier in letzter Zeit so viele Raumschiffe gesichtet wurden. Und eines wurde besonders oft gesichtet. Die Vengeance. Präsidentin Arikka stößt das ziemlich übel auf.“
 

„Im Prinzip ist dieser Ort ein interstellarer Marktplatz. Jeder, der kaufen 454

oder verkaufen will, kann hierher kommen.“, sagte Daron.
 

„Was ist mit der Vengeance? Warum kommt sie so oft hierher?“
 

„Ist das nicht naheliegend, Captain? Sowie Lord Vorlock erfährt, dass ein Sklavenhändler hier ist, macht er sich sofort auf den Weg. Die Vengeance hat Katmai vor 3 Tagen verlassen.“, sagte der Marxianer.
 

„Was ist mit dem Schiff selbst Daron?“
 

„Damit werden sie locker fertig. Die Schilde sind zu schwach, um ihren Waffen standzuhalten. Als Bewaffnung hat sie lediglich ein paar leichte Lasertürme.“, sagte Daron.
 

„Verstehe. Was wissen sie sonst noch?“
 

„Kommt drauf an, was sie wissen wollen, Captain Romanova.“, sagte der Marxianer.
 

„Ich weiß, dass der dunkle Lord meine ältere Schwester Anastasia jagt. Wissen sie auf welchem Schiff sie momentan als Passagier mitreist?“
 

„Das weiß ich sehr wohl, Captain. Aber sämtliche Informationen, die ihre Schwester betreffen, müssen unverzüglich an den dunklen Lord weitergeleitet werden.“, sagte der marxianische Händler.
 

„In diesem Fall muss ich darauf bestehen, dass sie mir diese Information als erste mitteilen.“
 

„Ich merke schon, sie werden nicht locker lassen, bis sie haben, was sie wollen. Das Schiff auf dem sich ihre Schwester aufhält heißt Lafayette.“, sagte Daron.
 

„Und wo befindet sich die Lafayette, Daron?“
 

„Im Moment ist sie auf dem Weg Richtung klingonische Grenze. Aber sie wird in einem Sicherheitsabstand im Orbit verharren, damit die Klingonen sie nicht gleich auf dem Radar haben.“, sagte Daron.
 

„Sollte das Worst Case Szenario wirklich eintreffen, und die Vengeance die Lafayette wirklich verfolgen, dann wären die Klingonen in der Lage schnell einzugreifen. Nun gut. Ich weiß, was ich wissen will. Und deswegen sehe ich von einer Meldung im Föderationshauptquartier ab. Aber beim nächsten Mal bin ich nicht so nachsichtig.“
 

Zurück auf der Kirow begleitete Jekaterina Altagracia auf die Krankenstation. Sie hatte dem Marxianer Daron noch dazu überredet, der Befreiten noch etwas zum Anziehen mitzugeben. Und nach dem medizinischen Check brachte die Kommandantin Altagracia zu einem Quartier, das noch nicht 455

bewohnt wurde.
 

„Hier kannst du dich einrichten wie du willst, Altagracia. Du bist frei. Wenn du nicht bei uns bleiben willst, dann kannst du gehen. Niemand wird dich aufhalten.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich würde gerne bei ihnen an Bord bleiben. Sie können eher für meine Sicherheit garantieren. Außerdem können die Informationen, die mir geschickt wurden, für die Föderation wichtig sein.“
 

Jekaterina runzelte die Stirn.
 

„Was sind das für Informationen?“, fragte sie dann.
 

„Sie betreffen die Brutkolonie des dunklen Lords auf Katmai. Allerdings wird es etwas dauern, bis ich die Daten aufbereitet habe.“
 

„Können sie ungefähr abschätzen, wie lange sie brauchen?“, wollte Jekaterina wissen. „Schwer zu sagen, Captain. Erst muss ich die Daten entschlüsseln. Und je nachdem, wie groß die Datenmenge ist, kann es länger oder kürzer dauern. Ich halte sie auf dem Laufenden, Captain.“
 

Zurück auf der Brücke wandte sich Keiko an Jekaterina.
 

„Captain, ich habe Präsidentin Arikka für sie.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht der Ariantu.
 

„Madam President.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Was verschafft uns die Ehre, mit ihnen sprechen zu dürfen?“, fragte Jekaterina.
 

„Bevor ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme, Captain Romanova, hätte ich gerne gewusst, wie es ihnen geht?“
 

„Körperlich ist alles im grünen Bereich. Aber psychisch bin ich angeschlagen. Ein paar alte seelische Wunden sind wieder aufgebrochen, Madam President.“, sagte Jekaterina.
 

„Tut mir leid das zu hören, Captain. Hoffentlich geht es ihnen bald wieder besser. Aber jetzt zu meinem Anliegen. Was haben sie herausgefunden?“
 

„Wir haben einen Marxianer befragt. Sein Name ist Daron. Er hat mir einiges erzählt. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist dieser Ort eine 456

Art interstellarer Marktplatz.“, sagte Jekaterina.
 

„Was die vielen Sichtungen fremder Raumschiffe erklären würde. Aber was ist mit der Vengeance?“
 

„Sie kommt nur hierher, wenn Sklaven zum Verkauf angeboten werden. Daron hatte welche an Bord. Ich habe ihm klar zu verstehen gegeben, dass Sklavenhandel von der Föderation nicht toleriert wird.“, sagte Jekaterina.
 

„Sehr gut, Captain. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum das Schiff ausgerechnet dann auftaucht, wenn Sklaven zum Verkauf angeboten werden.“
 

„Mir ist aufgefallen, dass die Sklaven nur weiblich waren.“, sagte Jekaterina.
 

„Heißt das, sie waren an Bord?“
 

„Ja, Madam President. Ich habe mir die Informationen selbst geholt. Aber das hat mich was gekostet. Ursprünglich wollte mir Daron eine der Sklavinnen verkaufen. Aber ich habe ihm ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass ich mich nicht auf so einen Handel einlasse.“, sagte Jekaterina.
 

„Gut gemacht, Captain Romanova. Aber wozu braucht der Kommandant der Vengeance weibliche Sklaven?“
 

„Der Kommandant heißt Lord Vorlock. Aber viele kennen ihn nur als den dunklen Lord. Ich habe noch in Erfahrung bringen können, dass es auf seinem Heimatplaneten Katmai eine Brutkolonie gibt, Madam President.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich glaube, ich ahne, was sie meinen, Captain. Der dunkle Lord braucht die Sklavinnen für die Brutkolonie.“
 

„Ganz genau, Madam President. Die Aufgabe dort besteht darin, als Gebärmaschine für Aliennachwuchs herzuhalten. Wer dieser Tätigkeit nicht mehr nachkommen kann, beendet sein Leben im Schmerzverstärker. Was immer das auch sein mag.“, sagte Jekaterina.
 

„Klingt nicht gerade rosig, Captain Romanova.“
 

„Und wenn ich den dunklen Lord nicht aufhalte, dann wird meine ältere Schwester dieses Schicksal auch erleiden.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist das der Grund für ihr seelisches Leiden, Captain Romanova?“
 

Jekaterina nickte stumm. Arikka bemerkte, dass Tränen in den Augen der jungen Russin schimmerten.
 

„Tun sie, was sie tun müssen, Captain. Aber denken sie an ihre 457

Vorschriften. Nichts desto Trotz haben sie einen hervorragenden Job gemacht. Sie haben mehr in Erfahrung bringen können, als ich erwartet hatte.“, sagte die Präsidentin.
 

„Danke, Madam President.“
 

„Nicht der Rede wert, Captain Romanova. Aber halten sie sich bereit. Admiral Janeway wird sich in Bälde mit ihnen in Verbindung setzen. Arikka Ende.“, sagte Arikka.
 

Jekaterina wandte sich an Fallon Sherrock, die erste Navigatorin.
 

„Miss Sherrock, lokalisieren sie die exakte Position der Lafayette.“, sagte die Kommandantin.
 

„Ja, Captain.“
 

Fallon Sherrock betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole. Dann wandte sie sich an Jekaterina.
 

„Die Lafayette befindet sich ca. 150 Meilen vor der klingonischen Grenze entfernt. Unser Kurs wäre 150,7.“, sagte sie.
 

„Wie weit sind wir entfernt?“
 

„Wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit fliegen, sind wir in 20 Minuten vor Ort.“, sagte die Navigatorin.
 

„Miss Sherrock, Kurs 150,7. Maximum Warp.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Fallon Sherrock.
 

Jekaterina erhob sich.
 

„Nummer eins, sie übernehmen. Ich fühl mich, als wäre ich unter eine Büffelherde geraten.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

In ihrem Quartier rieb sich Jekaterina die Schläfen. Sie hatte ein leichtes Ziehen bemerkt. Und das war ein Zeichen großer Anspannung.
 

„Ich werd noch wahnsinnig.“, sagte sie zu sich selbst.
 

Doch ihre Lebensgefährtin Alaia hatte die Stimme ihrer Liebsten gehört. Denn die einstige Königin von Yor kam aus dem Badezimmer und nahm Jekaterina in die Arme.

458

„Du bist mental an deine Grenzen gestoßen, hab ich Recht, Schatz?“, fragte Alaia.
 

„Ich kann einfach nicht mehr, Liebling. Was soll ich nur machen? Ich hab mich in meinem ganzen Leben noch nie so hilflos und machtlos gefühlt, Alaia. Die Angst um meine Schwester droht mich innerlich zu zerbrechen.“
 

Alaia gab Jekaterina einen liebevollen Kuss.
 

„Du bist nicht allein, Schatz. Ich bin bei dir. Ich lass dich nicht allein. Wir stehen das gemeinsam durch.“, sagte sie.
 

Jekaterina wollte etwas erwidern, aber die Gegensprechanlage ertönte. Alaias Lebensgefährtin betätigte eine Taste.
 

„Wer spricht da?“, sprach sie in den Lautsprecher.
 

„Altagracia, Captain. Ich konnte einen Teil der Daten aufarbeiten und auswerten. Wollen sie sich mal ansehen, was ich herausgefunden habe?“
 

„Sicher.“, sagte Jekaterina.
 

„Bin gleich bei ihnen, Captain.“
 

10 Minuten später betrat Altagracia Jekaterinas Quartier.
 

„Bitte setz dich, Altagracia.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke, Captain.“
 

„Wir sind unter uns. Also lass das alberne Gesieze und sprich mit meinem Vornamen an. Ich heiße Jekaterina.“
 

„In Ordnung, Jekaterina.“
 

„Was zu trinken, Altagracia?“, fragte Jekaterina.
 

„Gern.“
 

„Was darfs denn sein?“, fragte Jekaterina.
 

„In meiner Heimat gibt es ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, das aus Bitterorange und Wermutkraut hergestellt wird. Wir Malteser nennen unser Nationalgetränk Kinnie.“
 

„Du kommst aus Malta?“, fragte Jekaterina.
 

„Ja. Aus Marsaskala. Dort leben knapp 16.000 Einwohner.“ 459

„Also, Altagracia. Was hast du für mich?“, sagte Jekaterina.
 

Die Malteserin reichte Jekaterina einen Datenblock.
 

Jekaterina setzte ihre Lesebrille auf und ging die Daten durch. Nach einer Weile setzte sie die Brille ab und sah Altagracia an.
 

„Wenn ich das richtig verstehe, verfügt der dunkle Lord über drei Schiffe.“, sagte sie.
 

„Richtig. Sein Flaggschiff, die Vengeance, dann noch die Dauntless und die Vanguard.“
 

„Was ist mit der Dauntless, Altagracia?“, fragte Jekaterina.
 

„Ein unbewaffneter Späher. Die Vanguard ist im Prinzip eine Weiterentwicklung der Vengeance. Sie hat die Aufgabe, die Regenten neutraler Planeten dazu zu zwingen, sich dem Willen des dunklen Lords zu unterwerfen.“
 

Jekaterina zeigte auf ein Gebilde, das sehr stark einer Kuppel ähnelte.
 

„Was ist das hier, Altagracia?“, fragte sie.
 

„Das ist das Innerste der Brutkolonie. Das „Nest“. Es gibt noch Videomaterial davon, aber das ist noch nicht vollständig entschlüsselt.“
 

„Kann ich das mal behalten? Ich muss einen Bericht ans Föderationshauptquartier schicken.“, sagte Jekaterina.
 

„Kein Problem. Aber bevor ich mich wieder an die Arbeit mache, solltest du darüber nachdenken, die Dauntless zu zerstören. Denn ohne sie wäre der dunkle Lord sprichwörtlich blind.“
 

„Er könnte so keine neutralen Planeten aufspüren, und würde Gefahr laufen, seine Schiffe zu verlieren.“, sagte Jekaterina.
 

„Richtig. Also dann. Ich geh wieder an die Arbeit. Wenn ich was Neues habe, melde ich mich.“
 

Kaum hatte Altagracia Jekaterinas Quartier verlassen, zirpte der Kommunikator an ihrer Uniformjacke.
 

„Brücke an Captain.“, vernahm Jekaterina die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Sprechen sie, Nummer eins.“
 

„Wir befinden uns Steuerbord querab von der Lafayette. Wie lauten ihre Befehle, Captain?“, fragte Quantez Robertson. 460

„Scannen sie die Umgebung. Vielleicht sind ein paar klingonische Schiffe in der Nähe.“
 

„Ja, Captain.“
 

Kurze Zeit später erschien Jekaterina wieder auf der Brücke der Kirow.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Nummer eins?“, fragte sie.
 

„Ja, Captain. Wir haben Besuch bekommen.“
 

Auf dem großen Schirm konnte Jekaterina fünf klingonische Schiffe erkennen. Darunter einen Kreuzer der D7-Klasse. Und dieses Schiff erkannte sie sofort wieder. Es war die Boreth, das Schiff ihres klingonischen Vaters General Bhav´ Lor Zarrok.
 

„Keiko, rufen sie die Boreth.“, befahl Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Die Japanerin betätigte einige Schaltflächen. Dann wandte sie sich an Jekaterina.
 

„Verbindung steht, Captain.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des alten Klingonen.
 

„Hallo Vater.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Jekara. Ist schon ne Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.“
 

„Wohl wahr.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich sehe, dass dich etwas bedrückt, Jekara. Kann ich dir irgendwie helfen?“
 

„Du würdest mir eine große Last von den Schultern nehmen, wenn das Schiff neben uns die Erlaubnis bekommt, sich auf klingonisches Territorium zu retten.“, gab Jekaterina Auskunft.
 

„Du weißt, ich würde dir selten eine Bitte verweigern, Jekara. Aber in diesem Fall muss ich Fragen stellen.“
 

„Nur zu, Vater.“
 

„Zunächst müsste ich mal den Namen des Schiffes wissen, und warum es deiner Meinung nach unseren Schutz braucht.“ 461

„Das Schiff ist ein Raumfrachter mit Namen „Lafayette“. Es wird von einem anderen Schiff, der „Vengeance“ verfolgt. Bisher hat die Vengeance die Lafayette noch nicht aufgespürt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Vengeance auf dem Weg hierher ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Soweit, so gut, Jekara. Aber warum bist der Meinung, dass die Lafayette unseren Schutz braucht?“
 

„An Bord des Raumfrachters befindet sich eine weibliche Person, hinter der der Kommandant der Vengeance her ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Kannst du mir sagen, was passieren würde, wenn der Kommandant der Vengeance dieser Frau habhaft wird?“
 

„Er bringt sie nach Katmai, seinem Heimatplaneten. Dort wird sie in Brutkolonie gesteckt, wo sie dazu dienen soll, Aliennachwuchs zu gebären. Kann sie die Aufgabe nicht mehr erfüllen, endet ihr Leben im Schmerzverstärker.“, sagte Jekaterina.
 

„Kennst du diese Frau, Jekara?“
 

„Ja. Ihr Name ist Anastasia Romanova.“, sagte Jekaterina.
 

„Du und dein Bruder heißt mit eurem richtigen Familiennamen doch auch Romanova, oder irre ich mich, Jekara?“
 

„Nein, Vater. Anastasia ist unsere Schwester.“, sagte Jekaterina.
 

„Jetzt verstehe ich, Jekara. Du willst eure Schwester vor dem Kommandanten der Vengeance beschützen.“
 

„Ja, Vater. Denn wenn ich versage, werde ich mir das nie verzeihen.“, sagte Jekaterina.
 

„Lass den Kopf nicht hängen, Jekara. Wir werden der Lafayette auf unserem Hoheitsgebiet Schutz gewähren. Sollte die Vengeance ihr nachfolgen, werden wir sie ohne mit der Wimper zu zucken vernichten.“
 

„Danke, Vater.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist schon okay, Jekara. Boreth Ende.“
 

Jekaterina wandte sich an Keiko.
 

„Keiko, rufen sie die Lafayette.“, befahl sie.
 

„Ja, Captain.“

462

Bald darauf erschien auf dem großen Schirm das Gesicht des Kommandanten. Jekaterina schätzte sein Alter auf 50 Jahre oder drüber, wie das runde, kahlköpfige Gesicht mit den braunen Augen verriet.
 

„Ich hoffe, ich habe das Vergnügen, mit Jekaterina Romanova zu sprechen.“, sagte der Kommandant der Lafayette.
 

„Die bin ich.“
 

„Ganz ehrlich, Captain. Ich war noch nie so froh, ein Föderationsschiff zu sehen, wie jetzt. Darf ich fragen, warum sie uns kontaktiert haben?“, fragte der Kommandant weiter.
 

„Bevor wir weiter reden, hätte ich doch gerne gewusst, wer sie sind.“
 

„Wie unhöflich von mir, Captain. Mein Name ist Ezekiel Jackson.“, sagte der Kapitän der Lafayette.
 

„Freut mich sie kennenzulernen, Captain Jackson.“
 

„Darf ich sie nochmals nach dem Grund ihres Kontakts fragen, Captain Romanova?“, fragte Captain Jackson.
 

„Ich habe gerade ein Gespräch mit General Zarrok, seines Zeichens Mitglied des klingonischen hohen Rates geführt. Wenn die Vengeance sie doch hier aufspüren sollte, haben sie die Erlaubnis, auf dem Hoheitsgebiet des klingonischen Imperiums Schutz zu suchen.“
 

„Sie ahnen nicht, wie viel mir das bedeutet. Das gibt mir und meiner Crew wenigstens etwas Luft zum atmen. Und unserem Passagier ebenso.“, sagte Ezekiel Jackson.
 

„Wie geht es meiner Schwester, Captain Jackson?“
 

„Anastasia Romanova ist ihre Schwester, Captain?“
 

„Ja. Also, wie geht es ihr?“
 

„Warum fragen sie sie nicht selbst? Wenn sie wollen, stelle ich sie durch.“, sagte der Kommandant der Lafayette.
 

„Das wäre sehr nett von ihnen.“
 

In diesem Moment hob Keiko den Kopf und wandte sich an Jekaterina.
 

„Captain, ich hab Admiral Janeway für sie.“, sagte sie.
 

„Captain Jackson, könnten sie mit dem Durchstellen solange warten, ich 463

muss ein Gespräch mit meiner Vorgesetzten führen.“
 

„Mach ich, Captain. Und vielen Dank für ihre Unterstützung.“, sagte Ezekiel Jackson.
 

„Immer wieder gern.“
 

Dann wandte sich Jekaterina an Keiko.
 

„In Ordnung, Keiko. Öffnen sie die Leitung für Admiral Janeway.“
 

„Ja, Captain.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht von Kathryn Janeway.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Ich gehe mal fest davon aus, dass wir eine neue Mission bekommen haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Das ist korrekt, Captain. Fliegen sie unverzüglich nach Hellas. Die Hellenen wünschen der Föderation beizutreten. Allerdings treibt sich ein fremdes Raumschiff dort herum, dass ohne Vorwarnung Föderationsraumschiffe angreift.“
 

„Das müsste die Vanguard sein. Denn sie ist das einzige Schiff, in der Nähe des Planeten.“, sagte Jekaterina.
 

„Woher wissen sie das, Captain Romanova?“
 

„Auf unserer Sondermission für die Präsidentin, kam eine junge Frau aus Malta zu uns an Bord. Sie hatte einen Filmchip, den sie unter ihrem Fingernagel versteckt hatte. So sind wir an diese Information gelangt.“, sagte Jekaterina.
 

„Gibt es noch mehr, was sie an Informationen haben, Captain?“
 

„Die Vanguard gehört Lord Vorlock. Man kennt ihn aber nur als den dunklen Lord. Auf seinem Heimatplaneten Katmai gibt es eine Brutkolonie. Aber zusätzlich zur Vanguard und seinem Flaggschiff Vengeance besitzt er noch ein drittes Schiff, die Dauntless.“, sagte Jekaterina.
 

„Gut das zu wissen. Hören sie Captain. Wenn sie ihren Bericht für Starfleet Command abfassen, packen sie bitte alle Informationen, die sie bezüglich des dunklen Lords haben, mit rein.“
 

„Ja, Admiral. Dazu sollte ich aber anmerken, dass noch nicht alle 464

Daten vorliegen.“, sagte Jekaterina.
 

„Macht nichts, Captain. Aber jetzt machen sie sich bitte auf den Weg.“
 

„Verzeihen sie, Admiral. Aber darf ich wenigstens noch mit meiner Schwester sprechen? Sie befindet sich an Bord der Lafayette, neben der wir Position bezogen haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Einverstanden. Aber machen sie nicht zu lange. Denken sie an ihren Auftrag. Admiral Janeway Ende.“
 

Jekaterina ließ den Kom-Kanal zur Lafayette wieder öffnen und wurde direkt zu ihrer Schwester durchgestellt. Da sie dieses Gespräch alleine führen wollte, bat sie Keiko in den Besprechungsraum durchzustellen. Auf dem kleinen Monitor erschien Anastasias Gesicht.
 

„Hey, Anastasia.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Na du? Wie stehen die Aktien?“
 

„Frag nicht nach Sonnenschein, Schwesterherz. Ich bin psychisch angeschlagen. Eigentlich hätte ich gar nicht auf der Brücke sein dürfen.“, sagte Jekaterina.
 

„Du siehst auch nicht gut aus, Jekaterina. Du machst dir Sorgen um mich. Hab ich Recht?“
 

„Jede Nacht erscheinst du in meinen Träumen und rufst nach mir.“, sagte Jekaterina.
 

„Hör zu, Jekaterina. Wenn das hier vorbei ist, dann setzen wir beiden uns zusammen und reden miteinander. Aber bis dahin, versuch stark zu bleiben. Ich weiß, dass das leichter gesagt ist, als getan. Aber jetzt erfülle deine Mission. Ich weiß, du kommst wieder.“
 

„Garantiert. Ich werde dich nicht im Stich lassen. Du wirst nicht als Gebärmaschine für Aliens in der Brutkolonie auf Katmai enden, das Versprechen gebe ich dir.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich weiß. Und ich weiß auch, dass du mit dem Kopf durch die Wand gehst, wenn es um die Familie geht.“
 

„Hab ich eine andere Wahl, Anastasia?“, fragte Jekaterina ihre Schwester.
 

„Nein. Vater hat uns ja dazu verdonnert, aufeinander aufzupassen. Aber jetzt geh. Und pass auf dich auf.“
 

„Und pass du auf dich auf. Und sollte die Vengeance euch aufspüren, bevor wir da sind, dann darf die Lafayette auf dem Hoheitsgebiet der Klingonen 465

Schutz suchen. General Zarrok hat seine Zustimmung erteilt.“, sagte Jekaterina.
 

„Wie kommt das, wenn ich fragen darf, Jekaterina?“
 

„Du sprichst mit seiner Tochter, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Wenn wir uns wieder sehen, musst du mir alles erzählen. Aber jetzt, mach dich auf die Socken.“
 

„Hab dich lieb, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich dich auch, Jekaterina.“
 

Jekaterina kehrte zurück auf die Brücke.
 

„Miss Sherrock, setzen sie den schnellsten Kurs nach Hellas. Maximum Warp.“, befahl sie.
 

Dann wandte sie sich an ihren taktischen Offizier Toprak.
 

„Mr. Toprak. Aktivieren sie unsere Schilde. Aber nur unsere Schilde. Die Waffen aktivieren wir, wenn uns die Vanguard unter Beschuss nimmt.“, sagte sie.
 

Dann gab Jekaterina ihrem ersten Offizier den Befehl, das Kommando zu übernehmen. Sie wollte sich ausruhen. Auch wenn sie ihre Schwester vorübergehend in Sicherheit wusste, so war sich Jekaterina im Klaren darüber, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Vengeance die exakte Position der Lafayette herausfinden, und direkten Kurs auf sie nehmen würde. Und wenn dies geschah, würde die Kirow rechtzeitig vor Ort sein, um die Vengeance zu vertreiben?
 

Der Planet Hellas drei Tage später
 

Die Kirow hatte ihr Ziel erreicht, und auf der rückwärtigen Seite des Planeten Position bezogen. Jekaterina hatte einen codierten Funkspruch an Starfleet Command schicken lassen, mit der Bitte die Hiryū als Verstärkung zu schicken. Und ihre Intuition hatte sie nicht im Stich gelassen. Denn als die Verhandlungen zwischen der Föderation und dem Volk der Helenen begannen, hatte die Vanguard Jekaterinas Schiff angegriffen. Die Kirow hatte das Feuer erwidert und dem Schiff des dunklen Lords schwere Schäden zugefügt, sodass nichts anderes übrig blieb, als sich zurückzuziehen. Doch die von Eric McClusky kommandierte USS Hiryū wartete bereits als Begrüßungskommando. Die Vanguard feuerte mit den verbliebenen Waffen, nur um von der Hiryū zerstört zu werden.
 

Nach der Zerstörung der Vanguard traf Jekaterina dann zum ersten Mal die Regentin der Hellenen. Königin Ariadne war eine 1,63 m große Blondine mit einem runden Gesicht mit braunen Augen. Offen getragen, so wie es die Königin vorzog, reichten die Haare bis zur Achselhöhle. Königin Ariadnes Nase 466

war nicht zu breit und nicht zu schmal. Ariadne trug ein schwarzes Trägerkleid mit einem weißen Streifen an der Seite, das ihre üppige Oberweite stark zur Geltung brachte und auch ihren wohl proportionierten Körper hervorhob. Dazu trug sie High Heels in derselben Farbe.
 

Die Königin der Hellenen saß auf einem Thron aus purem Gold, der auf einer Empore stand. Ein klares Zeichen ihrer Macht. Doch als sie Jekaterina gegenüberstand, und Alaias Zeichen auf ihrer Stirn erblickte, wusste Ariadne, dass mit dieser Frau nicht gut Kirschen essen war, wenn man sich ihr widersetzte. Außerdem, so gestand sich die Königin ein, war es mitunter ratsamer, auf eine Frau wie Jekaterina zu hören.
 

Noch während die Verhandlungen zwischen Hellas und der Föderation liefen, hatte man der USS Ranger, unter dem Kommando von Commander Robert Baker, den Befehl erteilt, Lord Vorlocks Spähschiff die Dauntless zu zerstören.
 

An Bord der Vengeance
 

Morak, Lord Vorlocks Ratgeber, wandte sich an seinen Herrn.
 

„Herr, gerade kam die Meldung, dass die Vanguard zerstört wurde.“, sagte er.
 

„Von wem?“
 

„Von einem Raumschiff der Föderation. Es war die USS Hiryū, unter dem Kommando von Captain Eric McClusky.“, sagte Morak.
 

„Wie konnte das nur passieren, Morak?“
 

„Die Vanguard musste schwer beschädigt den Rückzug antreten, Herr. Und offenbar hat die Hiryū einen Hinterhalt gelegt.“, sagte Morak.
 

„Wer hat mein Schiff so schwer beschädigt, Morak?“
 

„Die Kirow, Herr. Die Vanguard hat das Schiff angegriffen, und die Kirow hat sich gewehrt.“, sagte der Ratgeber des dunklen Lords.
 

„Sagtest du Kirow, Morak?“
 

„Ja, Herr.“, sagte Morak.
 

„Jekaterina Romanova. Ich hätte es wissen müssen.“
 

„Was hättet ihr wissen müssen, Herr?“, fragte Morak.
 

„Dass man sie schicken würde, um die Beitrittsverhandlungen zu führen. Denn seit sie Alaias Zeichen trägt, das Zeichen absoluten Vertrauens, sollte man auf sie hören, wenn sie die Stimme der Vernunft ist.“ 467

„Werdet ihr auf sie hören, und ihre Schwester in Ruhe lassen?“, fragte Morak.
 

„Hältst du mich für so dämlich? Natürlich werde ich Anastasia nicht in Ruhe lassen. Ginge es nach mir, dann würden beide, Anastasia UND Jekaterina in der Brutkolonie landen.“
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57159.4 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Die Beitrittsverhandlungen mit den Hellenen schreiten gut voran. Ich bin guter Dinge, dass wir bald einen Abschluss erzielen werden. Danach werden wir uns wieder in Richtung klingonischer Grenze aufmachen. Hoffentlich schaffen wir es rechtzeitig.“
 

Jekaterina rieb sich die Schläfen. Sie musste zugeben, dass ihre seelischen Schmerzen und der Stress sie an den Rand eines Burnouts geführt hatten. Wenn sie nicht bald die Reißleine zog, und sich ausruhte, dann würde genau das dabei rauskommen.
 

„Nummer eins, sie übernehmen wieder. Ich muss mal wieder runterkommen.“, sagte sie.
 

„Das passiert in der letzten Zeit wieder ziemlich oft, Captain. Ist es so schlimm?“
 

„Leider, Nummer eins. Ich schätze, dieses Martyrium ist erst dann vorüber, wenn meine Schwester Anastasia hier auf der Kirow in Sicherheit ist, und uns mit ihrer Anwesenheit beehrt.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist ihre Schwester hübsch, Captain?“
 

„Sie ist eine Augenweide, Nummer eins. Hoffentlich schlagen wir dem dunklen Lord ein Schnippchen. Denn ich möchte schon das blöde Gesicht des dunklen Lords sehen, wenn wir ihm die sicher geglaubte Beute direkt vor der Nase wegschnappen.“, sagte Jekaterina.
 

„Das klingt ja fast, als hätten sie schon einen Plan, Captain.“
 

„Ich habe eine grobe Idee. Aber wenn es soweit ist Nummer eins, dann werde ich sie einweihen.“, sagte Jekaterina.
 

Dann verließ sie die Brücke. Im Turbolift, der sie auf das Deck brachte, auf dem sich ihr und seit kurzem auch Alaias Quartier befand, überlegte Jekaterina, was sie tun konnte, um ihre Schwester zu beschützen. Eines stand jedenfalls fest, wenn sie es rechtzeitig schaffen wollten, durften die Kirow und ihre Besatzung nicht zu lange bei den Hellenen bleiben.
 

Als Jekaterina ihr Quartier betrat, wurde sie von einer besorgten Alaia begrüßt.

468

„Ich mache mir ernsthafte Sorgen um dich, Schatz. Was kann ich tun, damit du wieder lachen kannst?“, fragte sie.
 

„Wie wärs wenn du meine Schwester herzauberst?“
 

„Ich wünschte ich könnte es, Schatz.“, sagte Alaia.
 

„Kriege ich einen Kuss von dir, Liebling?“
 

„Klar kriegst du den. Komm her, Schatz.“
 

Jekaterina und Alaia umarmten sich und küssten einander liebevoll und zärtlich. Dann rieben sie zärtlich ihre Nasenspitzen aneinander.
 

„Was wirst du jetzt machen, Schatz?“, fragte Alaia.
 

„Erst mal ein Entspannungsbad nehmen. Kannst du bitte dafür sorgen, dass mich niemand stört? Ich brauche meine Ruhe.“
 

„Mach ich.“
 

Jekaterina ging ins Badezimmer und nahm einen Flacon mit der Duftvariante Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume aus einem Regal, den sie ins Wasser schüttete. Sie hatte gerade in der Wanne Platz genommen, nachdem sie sich vorher ihrer Uniform entledigt hatte, als der Türsummer ertönte. Sie hörte Alaias Stimme.
 

„Moment.“, sagte ihre Freundin.
 

Dann hörte sie die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Ist der Captain zu sprechen, Mylady?“, fragte Commander Robertson.
 

„Im Moment nicht, Commander. Ihre Vorgesetzte steht in der letzten Zeit extrem unter Spannung. Gönnen sie ihr bitte etwas Ruhe.“
 

„Verstehe, Mylady. Helfen sie ihr so gut sie können. Ich weiß, sie tun schon ihr Bestes.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

An Bord der Ranger
 

Commander Robert Baker war genervt. Seit Tagen suchten sie nach der Dauntless. Aber das Spähschiff war wie vom Erdboden verschluckt.
 

„Da kommt man sich ja vor, wie bei der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.“, sagte er mürrisch.
 

Dermott O’Keafe, der Offizier an der taktischen Station hob den Kopf, 469

als er ein verräterisches Symbol auf seinem Display entdeckte.
 

„Commander Baker. Ich habe etwas. Ein fremdes Schiff direkt voraus.“, sagte er.
 

„Schiff stoppen.“
 

„Ja, Sir.“, sagte der Offizier an der Navigationskonsole, eine Capellanerin, namens Eileen.
 

Alexis Munro wandte sich an ihren Vorgesetzten.
 

„Warum stoppen wir, Commander Baker?“, fragte sie.
 

„Wenn dieses Schiff das Schiff ist, das wir suchen, dann möchte ich, dass wir bis zum letzten Moment unentdeckt bleiben.“
 

„Verstehe. Denken sie, dass der fremde Captain einen Fluchtversuch wagen könnte, wenn er uns vorzeitig entdeckt?“, fragte Commander Munro.
 

„Mit Sicherheit wird er das, Nummer eins.“
 

„Wir haben Sichtkontakt. Entfernung: 1,5 Kilometer.“, sagte der Offizier an der taktischen Station.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien ein kleiner grauer Punkt.
 

„Vergrößern.“, befahl Robert Baker.
 

„Ja, Commander.“
 

Aus dem kleinen Punkt wurde ein 100 Meter langes Schiff mit großen glatten Flächen. An der Vorderfront gab es eine Art Einstiegsluke und darüber zwei Fenster. Hinten am Heck waren zu beiden Seiten die Triebwerke angebracht. Diese wurden von einer Stützstrebe, die über die Breite des ganzen Hecks verlief mit dem Schiffskörper verbunden. An der Strebe und an der Unterseite der Triebwerke waren kleine Flügel zu sehen. Auf der Backbordseite gab es eine weitere Einstiegsluke. Oberhalb des Hauptteils der Hülle war noch einmal ein kleinerer Aufbau, auf dem eine gelbe Lufthutze montiert war.
 

„Mr. O’Keafe, versuchen sie herauszufinden, wie der Name des Schiffes lautet.“, befahl Robert Baker.
 

Der Ire aus Waterford betätigte einige Schaltflächen an seiner Konsole. Kurz darauf veränderte sich der Bildausschnitt und Auf der Backbordseite erschien unterhalb des Seitenfensters der Name des Schiffes. Er lautete „Dauntless“.

470

„Wir haben den Bastard.“, sagte Commander Baker.
 

Dann wandte er sich an Eileen, die Navigatorin.
 

„Eileen, berechnen sie einen Kurs, der uns möglichst lange im toten Winkel der Dauntless hält.“, befahl er.
 

„Ja, Commander.“
 

Die Capellanerin betätigte einige Schaltflächen, dan wandte sie sich an Commander Baker.
 

„Unser neuer Kurs wäre 213,9. Ich würde Warp 2 vorschlagen.“
 

„Gut. Kurs 213,9, Warp 2.“, befahl Robert Baker.
 

2 Stunden später hatte die Ranger hinter der Dauntless Position bezogen.
 

„Mr. O’Keafe aktivieren sie unsere Schilde und die Waffensysteme.“, befahl Commander Baker.
 

„Ja, Sir.“
 

Dermott O’Keafe betätigte die entsprechenden Schaltflächen.
 

„Schilde oben, Waffensysteme aktiv.“, sagte der Ire.
 

„Hat die Dauntless uns bemerkt?“
 

„Negativ, Commander. Ihre Sensoren sind abgeschaltet.“, sagte Dermott O’Keafe.
 

„Der ist so dämlich, dass ihn die Wildschweine beim Himbeeren pflücken beißen. Mr. O’Keafe, Feuer frei.“
 

„Ja, Commander.“, sagte der taktische Offizier.
 

Die Ranger eröffnete das Feuer mit den Phaserbänken. Die erste Salve richtete bereits verheerende Schäden an. So wurde unter anderem die komplette Energieversorgung lahmgelegt.
 

„Guter Schuss, Mr. O’Keafe. Photonentorpedos fertig machen.“, befahl Commander Baker.
 

„Ja, Sir.“
 

Die Ranger feuerte ein zweites Mal. Die beiden Torpedos des Schiffes durchschlugen die Hülle und explodierten im Maschinenraum 471

der Dauntless. Eine heftige Explosion zerriss das Schiff, und ein orange-roter Feuerball bildete sich. Als dieser verschwunden war, trieben die Wrackteile des zerstörten Spähschiffes durch das Weltall. Commander Robert Baker ließ einen entsprechenden Funkspruch an das Flottenoberkommando absetzen.
 

An Bord der Vengeance
 

Morak, der Ratgeber des dunklen Lords, suchte seinen Herrn in dessen Kabine auf.
 

„Herr, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Welche soll ich zuerst vorbringen?“, fragte er.472
 

„Die schlechte, dann haben wir wenigstens das hinter uns.“
 

„Herr, wir haben auch die Dauntless verloren.“, sagte Morak.
 

„Das passt mir gar nicht, innerhalb so kurzer zwei Schiffe zu verlieren. Wurde die Dauntless auch zerstört?“
 

„Ja, Herr. Erneut von einem Föderationsschiff.“, sagte Vorlocks Ratgeber.
 

„Wieder die Hiryū?“
 

„Nein, Herr. Dieses Mal war es die USS Ranger. Kommandiert von Commander Robert Baker.“, sagte Morak.
 

„Dieser Grünschnabel soll mir in die Finger kommen, den verarbeite ich zu einem Grillhähnchen.“
 

„Herr, die Ranger hat die Dauntless aus dem toten Winkel angegriffen. Captain Barnsdale hatte die Sensoren nicht aktiviert, um die Raumschiffe der Föderation nicht auf sich aufmerksam zu machen.“, sagte Morak.
 

„Man sieht ja, was dabei herauskommt. Ein Jungspund hat ihn in die ewigen Jagdgründer befördert. Wie lautet eigentlich die gute Nachricht?“
 

„Herr, wir haben die exakte Position der Lafayette.“, sagte Morak.
 

„Na sowas erfreut doch. Wo befindet sich das Schiff, Morak?“
 

„Sie befindet sich in der Nähe zur Grenze des klingonischen Imperiums, Herr.“, sagte Morak.
 

„Wie lange brauchen wir dorthin, Morak?“
 

„Zwei Tage, wenn wir mit dem Treibstoff haushalten. Vergesst bitte nicht, dass wir auf unserer ertragreichsten Kolonie, dieses Mal nur 1.800 Tonnen 472

Treibstoff bunkern konnten.“, sagte Morak.
 

„Ja ich weiß. Es war nicht mehr da. Na schön. Dann eben mit halber Kraft. Da fällt mir ein: Wie lange würde die Kirow von ihrer gegenwärtigen Position aus brauchen?“
 

„Selbst, wenn Captain Romanova Maximum Warp anordnen würde, käme die Kirow zu spät. 2 Stunden, wenn ihr es genau wissen wollt.“, sagte Morak.
 

„Gut zu wissen. Aber jetzt tu bitte folgendes: Lass den schnellsten Kurs zur Position der Lafayette setzen. Aber gib noch nicht den Befehl zum Aufbruch. Ich will wissen, wie die Verhandlungen zwischen Hellas und Föderation enden.“
 

„Ja, Herr. Da fällt mir ein: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Lafayette auf dem Hoheitsgebiet der Klingonen Schutz suchen wird, ist sehr groß.“, sagte Morak.
 

„Was macht dich da so sicher, Morak?“
 

„Herr, eure ärgste Rivalin, Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow, wurde in eine klingonische Familie aufgenommen. Ihr klingonischer Name ist Jekara. Sie ist Trägerin des Ordens von Kahless und Mitglied im Orden des Bat´ Leth.“, sagte Morak.
 

„Und was hat das damit zu tun, dass die Lafayette auf dem Hoheitsgebiet der Klingonen Schutz suchen wird?“
 

„Der Schluss liegt nahe, das Jekaterina, oder Jekara, ihren klingonischen Vater, General Zarrok, um Hilfe gebeten haben dürfte.“, sagte Morak.
 

„Leuchtet ein, Morak.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina kam gerade in ihren dunkelblauen Seidenbademantel gekleidet aus der Dusche, als der Türsummer ertönte.
 

„Herein.“, sagte sie.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und ihr erster Offizier, Quantez Robertson betrat den Raum.
 

„Was führt sie zu mir, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Die Verhandlungen sind abgeschlossen, Captain. Der Vertrag kann unterschrieben werden. Die Zeremonie sollte heute Abend um 19:00 Uhr hier an Bord stattfinden.“
 

„Danke, Nummer eins.“, sagte Jekaterina. 473

„Das ist noch nicht alles, Captain.“
 

„Was denn noch?“, fragte Jekaterina.
 

„Die Ranger hat die Dauntless aufgespürt und vernichtet. Das ist die gute Nachricht, Captain.“
 

„Und wie lautet die schlechte, Nummer eins?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Die Vengeance hat die Position der Lafayette herausgefunden. Aber sie sind noch nicht auf dem Weg.“
 

Jekaterina wurde kreidebleich.
 

„Das fehlte noch. Haben wir die Position der Vengeance?“, sagte sie.
 

„Ja, Captain. Ich habe Miss Sherrock angewiesen sowohl für uns, als auch für die Vengeance den schnellsten Kurs zu berechnen.“
 

„Und was kam dabei heraus?“, fragte die Kommandantin.
 

„Selbst wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit fliegen würden, wären wir 2 Stunden zu spät.“
 

„Gott verdamm mich. 2 lächerliche Stunden entscheiden über das Schicksal meiner Schwester.“, sagte Jekaterina.
 

„Werden sie bei der Vertragsunterzeichnung anwesend sein?“
 

„Das versteht sich ja wohl von selbst, Nummer eins. Aber sowie der Vertrag unterschrieben ist, brechen wir auf.“, sagte Jekaterina.
 

„Mit Verlaub, Captain. Aber man wird sie bei der Feier erwarten. Brechen wir auf, könnten wir Königin Ariadne vor den Kopf stoßen.“
 

„Das ist mir schon klar, Nummer eins. Aber hier geht es um die Sicherheit und das Wohlergehen meiner Schwester. Die Tatsache, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Wenn es mir nicht gelingt, Anastasia vor dem ihr zugedachten Schicksal zu bewahren, dann müsste ich mit der Schande leben, versagt zu haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Captain, ich möchte sie nicht ihres Kommandos entheben müssen.“
 

„Ich weiß. Aber ich darf meine Schwester nicht an den dunklen Lord verlieren. Vater hat meine Schwester, meinen Bruder und mich in der Stunde seines Todes schwören lassen, dass wir immer aufeinander aufpassen. Ich hab meinen Bruder aus der Scheiße geholt. Ich werde auch meine Schwester da raus holen. Fragen sie Königin Ariadne, ob sich die Feier vorziehen lässt. Sagen sie ihr 474

ruhig die Wahrheit.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

10 Minuten später kehrte Quantez Robertson zurück.
 

„Ich habe mit Königin Ariadne gesprochen, Captain.“, sagte er.
 

„Was hat sie gesagt, Nummer eins?“
 

„Sie hat Verständnis für ihre Situation. Aber sie möchte sie trotzdem ehren.“, sagte Commander Robertson.
 

„Wird das lange dauern?“
 

„Ich glaube nicht, Captain. Königin Ariadne wird die Ehrung in kleinem Rahmen abhalten.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Wie darf ich das verstehen, Nummer eins?“
 

„Nur sie beide werden anwesend sein, Captain. Außerdem, so hat Königin Ariadne mir verraten, sollen sie an ihrem Lieblingsort geehrt werden.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Wann werde ich erwartet, Nummer eins?“
 

„Wenn man keine Sternzeit als Berechnungsgrundlage heranzieht, um 15:00 Uhr, Captain.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Und wie spät ist es jetzt, Nummer eins?“
 

„13:50 Uhr, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Dann habe ich ja noch etwas Zeit. Aber ich sehe, dass sie von einem Bein auf das andere tippeln. Gibt es noch etwas, dass sie mir sagen möchten, Nummer eins?“
 

„Wenn sie mich so fragen, Captain. Da war etwas sehr merkwürdiges.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Und was wäre das, Nummer eins?“
 

„Königin Ariadne sagte etwas, dass mir Kopfzerbrechen bereitet, Captain.“, sagte der Commander.
 

„Was hat sie denn gesagt?“
 

„Sie sagte, ich zitiere wortwörtlich, „Passen sie auf meine kleine 475

Prinzessin auf, Commander.“ Das waren exakt die Worte der Königin, bevor sie

die Verbindung getrennt hat.“, sagte Commander Robertson.
 

„Ich denke, ich kann ihnen bei meiner Rückkehr mehr berichten, Nummer eins.“
 

Planet Hellas 15:00 Uhr Ortszeit
 

Königin Ariadne wartete vor dem Eingang ihres Palastes, als das Shuttle der Kirow, die Gargarin auf dem großen Vorplatz landete. Jekaterina trug wieder ihre dunkelblaues Sternenkleid und die dazu gehörigen Schuhe. Auf die Armstulpen hatte sie verzichtet. Denn Königin Ariadne sollte die Narben sehen, die von Jekaterinas seelischem Schmerz kündeten.
 

Königin Ariadne lächelte, als sie der Kommandantin der Kirow gegenüberstand.
 

„Ich freue mich, dass sie gekommen sind, Captain.“, sagte Ariadne.
 

„Es war mir eine Freude herzukommen, meine Königin.“
 

„Ich darf dann bitten, mir zu folgen?“, fragte die Königin der Hellenen.
 

Jekaterina folgte Königin Ariadne zu einem See, der etwas abseits des Palastes lag. An seinem Ufer stand auf einer Anhöhe ein Pavillon aus feinstem Marmor. Das Wasser des Sees war kristallklar, und man konnte den Grund sehen. Überall um das Seeufer standen Pappeln und Palmen. Auch ein paar Pinien waren darunter. Jekaterina hörte das leise Plätschern der Wellen, die sich am Seeufer brachen. Königin Ariadne führte die Kommandantin der Kirow zum Pavillon, wo sie ihr bedeutete, sich zu setzen.
 

„Nun, da wir allein sind, möchte ich dir sagen, warum ich mit dir hierher kommen wollte. Ich wollte, dass du diesen Ort siehst.“, sagte Ariadne.
 

„Es ist schön hier, meine Königin.“
 

Ariadne lächelte sanft. Dann nahm sie von einem Samtkissen ein Armband, das in der Mitte einen kleinen Kolibri besaß, der ganz aus Edelsteinen gefertigt war.
 

„Reiche mir bitte dein rechtes Handgelenk.“, sagte Ariadne.
 

Jekaterina tat, worum die Königin der Hellenen sie gebeten hatte. Doch dabei drehte sie die Unterseite ihres rechten Unterarms nach oben und die Narben kamen zum Vorschein. Ariadne strich mit ihren Fingern ganz sanft über Jekaterinas Narben. Dann sah sie ihr in die Augen. Wortlos zeigte Jekaterina ihrer Gastgeberin auch den linken Unterarm.
 

„Wer hat dir das angetan, meine Tochter?“, fragte Ariadne fassungslos.
 

„Diese Narben habe ich mir selbst beigebracht meine Königin.“ 476

Ariadne legte Jekaterina einen Arm auf die Schulter.
 

„Seit wann ist es üblich, dass eine Prinzessin ihre Mutter siezt und mit ihrem Titel anspricht?“, sagte sie.
 

„Ich… verstehe nicht, Mylady.“
 

Ariadne nahm das Armband und legte es Jekaterina um.
 

„Mit diesem Armband, bist du, Jekaterina Romanova, ein Teil meiner Familie. Trage es in Ehren und mit Stolz.“, sagte die Königin der Hellenen.
 

„Aber… warum?“
 

„Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, da sah ich in dir die Tochter, die ich vermisse. Du bist jetzt eine Prinzessin. Wer immer es wagt, Hand an dich zu legen, der wird meinen Zorn zu spüren bekommen.“, sagte Ariadne liebevoll.
 

„Danke, Mutter. Aber ich kann nicht lange bleiben. Du weißt warum.“
 

„Ja, ich weiß. Die Angst um deine Schwester. Würdest du mir einen Gefallen tun, und ihr das von mir geben?“, sagte Ariadne und legte ein weiteres Armband in Jekaterinas Hand.
 

„Wird meine Schwester…?“
 

„Ja, auch sie wird durch das Armband, das ich dir mitgegeben habe, zu einem Mitglied meiner Familie. Und ich habe sehr viel Einfluss. Ich kann dem dunklen Lord ordentlich Schwierigkeiten bereiten.“, sagte Ariadne.
 

„Du erinnerst mich sehr stark an meine leibhaftige Mutter. Sie war genau so ein herzensguter Mensch wie du.“
 

„Danke. Aber jetzt erzähl mehr von dir. Und vor allem erzähle mir, warum du dir deine makellose Schönheit so ruiniert hast.“, sagte Ariadne.
 

„Die Narben künden von seelischem Schmerz. Sie sind stumme Zeugen eines verzweifelten Hilferufs, der nie gehört wurde.“
 

„Du musst sehr einsam gewesen sein. Aber ich möchte, dass du eines weißt, mein Kind. Egal was passiert, egal ob hier, oder anderswo. Du bist nicht allein. Ich werde in meinen Gedanken über dich wachen, meine Tochter.“, sagte Ariadne.
 

Jekaterina wurde warm ums Herz. Doch sie fragte sich, warum die Königin ausgerechnet sie auserwählt hatte. Königin Ariadne schien ihre Gedanken zu lesen. 477
 

„Du erinnerst mich an meine Tochter. Ihr Name ist Jessica. Ich musste sie verstecken. Denn der dunkle Lord sucht auch sie. Deinen Bruder Marlon hat er umgebracht. Deswegen wünsche ich, dass du ihn zur Strecke bringst. Nun, da du ein Mitglied meiner Familie bist, muss sich der dunkle Lord deinem Willen beugen. Er wird nicht anders können.“, sagte Ariadne.
 

Um 17:00 Uhr kehrte Jekaterina auf die Kirow zurück. Sie hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können. Denn sie hatte jetzt die Macht, den dunklen Lord ein für allemal in die Knie zu zwingen. Und genau das würde sie tun. Auf der Brücke wandte sie sich an ihren ersten Offizier.
 

„Nummer eins, kann sie kurz unter vier Augen sprechen?“, fragte sie Quantez Robertson.
 

„Sicher, Captain.“
 

„Dann kommen sie bitte mit mir in den Besprechungsraum.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Im Besprechungsraum kam Jekaterina gleich zur Sache.
 

„Sie wurden doch aus einigen Worten nicht schlau, die Königin Ariadne zu ihnen gesagt hat, Nummer eins. Wie lauteten sie noch mal?“, sagte sie.
 

„Sie lauteten „Passen sie auf meine kleine Prinzessin auf, Commander“, Captain.“
 

„Nun, ich denke, ich weiß, was Königin Ariadne meinte.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann lassen sie mich an ihrem Wissen teilhaben, Captain.“
 

„Sehen sie das Armband an meinem rechten Handgelenk, Nummer eins? Es ist ein Geschenk der Königin.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist der Kolibri nicht das Wappentier der königlichen Familie, Captain?“
 

„Das ist er in der Tat. Seit ich das Armband trage, gehöre ich mehr oder minder zur Familie. Königin Ariadne wünscht, dass sie ihrer Tochter den Rücken frei halten, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.
 

„Das heißt, sie tragen jetzt offiziell den Titel einer Prinzessin, Captain?“
 

„Ja, Nummer eins. Aber nichts desto Trotz bin ich nach wie vor ihre Vorgesetzte, Nummer eins. Also sprechen sie mich weiterhin mit „Captain“ an.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“

478

Später am Abend, pünktlich um 19:00 Uhr fand im großen Saal auf dem Freizeitdeck die Zeremonie statt, bei der der Vertrag zwischen der Föderation und dem Volk der Hellenen unterzeichnet wurde. Jekaterina und ihr erster Offizier machten den Anfang. Danach setzte Königin Ariadne ihre Unterschrift unter das Dokument.
 

Nach der Vertragsunterzeichnung nahm die Königin der Hellenen Jekaterina noch einmal in den Arm.
 

„Leb wohl, meine kleine Prinzessin. Fang diesen Mistkerl und dann sorge dafür, dass er seiner gerechten Strafe zugeführt wird.“, sagte sie.
 

„Das mach ich, Mutter.“
 

An Bord der Vengeance
 

Morak suchte erneut seinen Herrn auf.
 

„Herr, der Vertrag zwischen der Föderation und dem Volk von Hellas ist unterzeichnet.“, sagte er.
 

„Dann machen wir uns auf den Weg.“
 

„Moment, Herr. Der Vertrag tritt erst in Kraft, wenn er vom Föderationsrat abgesegnet wird.“, sagte Morak.
 

„Solange werde ich garantiert nicht warten. Wir brechen auf. Unverzüglich.“
 

„Ja Herr.“, sagte Vorlocks Ratgeber.
 

Die Vengeance erzitterte, als ihre Triebwerke zündeten, und das Schiff in eine Vorwärtsbewegung versetzten. Auch die Kirow hatte sich auf den Weg gemacht. Das schicksalhafte Wettrennen zwischen den beiden Schiffen hatte begonnen. 479

USS Kirow - Mission 13

USS KIROW MISSION 13
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57170.5 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zur letzten bekannten Position der Lafayette. Auch die Vengeance ist auf dem Weg dorthin. Ich habe meinem Bruder auf der Laconia eine Nachricht zukommen lassen und ihn als Verstärkung angefordert. Sein Schiff ist näher an der Position der Lafayette als wir. Hoffen wir, dass er rechtzeitig da ist.“
 

Jekaterina legte das Buch zur Seite. Dann wandte sie sich an ihren ersten Offizier.
 

„Ich bin mal gespannt, wie der dunkle Lord reagiert, wenn er doch ein Föderationsschiff am Zielort vorfindet.“, sagte sie.
 

„Er wird erst einmal ziemlich dumm aus der Wäsche kucken. Aber dann dürfte er vor Wut mit den Zähnen knirschen, schätze ich.“
 

Keiko hob den Kopf.
 

„Captain, ich empfange eine Nachricht von der Lafayette. Sie sagen, dass die Vengeance schon in Sichtweite ist, aber ihren Traktorstrahl noch nicht einsetzen kann.“, sagte die Japanerin.
 

„Sagen sie Captain Jackson, dass er sofort über die Grenze auf das Hoheitsgebiet der Klingonen fliehen soll. Und dann rufen sie die Boreth.“
 

„Ja Captain.“, sagte Keiko.
 

An Bord der Lafayette
 

„Captain, ich habe gerade eine Antwort von der Kirow erhalten. Sie weisen uns an, sofort auf das Hoheitsgebiet des klingonischen Imperiums zu fliehen.“, sagte der Funker.
 

„Sehr gut. Kurs 150, volle Kraft voraus.“
 

An Bord der Boreth
 

„General Zarrok, ich habe gerade eine Nachricht von eurer Tochter auf der Kirow erhalten. Die Lafayette muss auf unser Territorium fliehen. Wir sollen sie nicht angreifen.“, sagte der Offizier an der Funkstation.
 

„In Ordnung. Rufen sie die anderen Schiffe. Sagen sie ihnen, es geht los.“
 

An Bord der Vengeance

480

„Herr, die Lafayette hat uns entdeckt. Sie haben die Triebwerke gestartet und sind auf dem Weg Richtung klingonisches Hoheitsgebiet. Außerdem ist ein zweites Föderationsschiff auf dem Weg hierher.“, sagte Morak.
 

„Ein zweites Föderationsschiff?“
 

„Ja, Herr. Es ist die Laconia, ein Schiff der Ambassador-Klasse. Sie steht unter dem Kommando von Jewgeni Romanova.“, sagte Vorlocks Berater.
 

„Wie lange braucht die Laconia bis zu unserem Zielort, Morak?“
 

„Sie wird anderthalb Stunden vor uns ankommen.“, sagte Morak.
 

„NEEEEEEEIIIIIIIIINNNNN!“
 

An Bord der Kirow
 

„Wie lange brauchen wir noch, Miss Sherrock?“, fragte Jekaterina ihre Navigatorin.
 

„Bei gleichbleibender Geschwindigkeit 4 Stunden, Captain.“
 

Toprak der taktische Offizier der Kirow räusperte sich.
 

„Darf ich einen Vorschlag machen, Captain?“, fragte er.
 

„Erlaubnis erteilt, Mr. Toprak.“
 

„Es gibt den klingonischen Horchposten Morska. Er ist nicht weit von hier. Wir könnten dort die Grenze zum Territorium des klingonischen Imperiums überqueren, und wären dann schon in Sicherheit. Denn ich bin mir sicher, dass die Vengeance uns angreifen wird, sowie wir Sichtkontakt haben.“, sagte Toprak.
 

„Die Idee ist gar nicht mal schlecht, Mr. Toprak. Aber dennoch hat sie einen Haken.“
 

„Welchen, Captain?“
 

„Was ist, wenn die Leute dort nicht unsere Sprache sprechen, Mr. Toprak?“
 

„Dann werde ich das Gespräch führen.“, sagte der Klingone.
 

„Gut.“
 

Horchposten Morska 30 Minuten später
 

Der Operator, der an der Konsole für die Raumüberwachung saß, wurde misstrauisch, als er ein fremdes Symbol auf seinem Schirm 481

entdeckte. Er beschloss, das fremde Schiff zu kontaktieren.
 

„Qovpatlh, ghovchu' 'ej qaSmeH qechlIj.“, sagte er.
 

„ghu'vam qelI'qam rur. yuQmeyDaq ghomHa'mo' nI'pu'.“
 

„nuq 'oH HeSDaj'e'?“, kam die nächste Frage des Operators auf Morska.
 

„tlhIngan wo' voDleH wa'DIch ghaH qeylIS'e'.“
 

„pIvan.“, sagte der Operator auf Morska.
 

„qatlho'qu'.“
 

Dann wandte sich Toprak an Jekaterina.
 

„Sie lassen uns passieren.“, sagte er.
 

„Sehr gut.“
 

An Bord der Laconia
 

„Wir haben unsere Position erreicht, Captain.“, sagte Catherine Rosenberg, die Navigatorin der Laconia.
 

„Sehr gut.“
 

Jekaterinas Bruder wandte sich an seinen taktischen Offizier.
 

„Mr. Li, aktivieren sie die Schilde und die Waffensysteme. Wenn die Vengeance hier ankommt, wollen wir vorbereitet sein.“, sagte er.
 

„Ja, Sir.“
 

An Bord der Vengeance
 

Lord Vorlock kam auf die Brücke. Er wandte sich an seinen Ratgeber.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Morak?“, fragte er.
 

„Wir haben zur Lafayette aufgeholt. Aber sie ist immer noch außerhalb der Reichweite unseres Traktorstrahls.“
 

„Was ist mit der Laconia?“, fragte der dunkle Lord.
 

„Sie ist schon vor Ort. In voller Gefechtsbereitschaft mit aktivierten Schilden und aktivierten Waffen.“

482

„Was ist mit den Klingonen?“, fragte Lord Vorlock.
 

„Unsere Scanner haben noch kein klingonisches Schiff erfasst. Aber ich sehe keinen Grund, warum sie nicht da sein sollten, Herr.“
 

„Und die Kirow?“, fragte der dunkle Lord.
 

„Sie wird nach wie vor zu spät kommen, Herr. Aber die letzten Berichte über ihre Kommandantin sind höchst beunruhigend.“
 

„Inwiefern, Morak?“
 

„Jekaterina Romanova wurde von Königin Ariadne in deren Familie aufgenommen, und darf jetzt offiziell den Titel einer Prinzessin führen. Ihr werdet euch wohl oder übel ihrem Willen beugen müssen.“
 

Lord Vorlock knirschte vor Wut mit den Zähnen.
 

Als die Vengeance das fliehende Schiff eingeholt hatte, hatte die Lafayette gerade die Grenze zum klingonischen Hoheitsgebiet überquert. Und kaum war das Schiff auf dem Territorium der Klingonen, tauchten ein Kreuzer der D7-Klasse, sowie 3 Schiffe der Vor'cha-Klasse und 3 Schiffe des Negh'Var-Typs auf.
 

Auf der Vengeance wandte sich Morak an seinen Herrn.
 

„Wir müssen stoppen, Herr. Die Klingonen sind schon da, und haben die Lafayette abgeschirmt. Und die Laconia hat uns ebenfalls im Visier.“, sagte er.
 

„Das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Es MUSS einen Weg an dieser Übermacht vorbei geben.“
 

„Nein, Herr. Wir haben verloren.“, sagte Morak.
 

„Ich hasse es, wenn nichts so läuft, wie ich will.“
 

An Bord der Kirow
 

„Captain, wir haben die Lafayette in Reichweite unserer Transporter.“, sagte Jardanka.
 

„Das freut doch. Machen sie die exakte Position meiner Schwester aus, und geben sie die Koordinaten an Mr. McKenna.“
 

„Ja, Captain.“
 

Kurze Zeit später hörte Jekaterina die Stimme des US-Amerikaners.
 

„Captain, alles bereit zum Beamen.“, sagte Chief McKenna. 483

„Energie.“
 

„Captain, eine weibliche Person an Bord.“, sagte Jettediah McKenna.
 

„Verstanden, Chief. Ich komme sofort.“
 

An ihren ersten Offizier gewandt sagte Jekaterina: „Sie machen inzwischen weiter, Nummer eins.“
 

„Ja, Captain.“
 

Als Jekaterina den Raum betrat, kam ihre Schwester Anastasia ihr entgegen. Und als die beiden Schwestern einander gegenüberstanden, konnte Chief McKenna Tränen in den Augen seiner Vorgesetzten sehen. Und als sich Jekaterina und ihre Schwester umarmten, lief eine Träne an seiner Wange hinab.
 

Dann sahen sich die beiden Schwestern an. Anastasia war mit ihren 1,70 m nur unwesentlich größer als Jekaterina und mit ihren 35 Jahren nur unwesentlich älter. Jekaterinas Schwester trug ein weinrotes Kleid, in das goldene Streifen eingenäht waren. Dazu trug Anastasia schwarze, halterlose Nylonstrümpfe und schwarze High Heels mit goldenen Verzierungen.
 

„Schön dich zu sehen, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Und ich bin froh, dich zu sehen, Jekaterina.“
 

„Gehen wir. Aber bevor ich dich rumführen kann, müssen wir auf die Krankenstation und dich untersuchen.“, sagte Jekaterina zu ihrer Schwester.
 

„Ich vertrau dir voll und ganz, Schwesterherz.“
 

Nach der Pflichtvisite begleitete Jekaterina ihre Schwester Anastasia durch die Gänge der Kirow.
 

„Darf ich dich was fragen, Jekaterina?“, fragte Anastasia ihre jüngere Schwester.
 

„Alles was du willst.“
 

„Meinst du, ich kann mal unter die Dusche? Ich habe das Gefühl, ich stinke wie ein Iltis.“, sagte Anastasia.
 

„Sicher. Du kannst die Dusche in meinem Quartier benutzen.“
 

„Danke, Jekaterina.“, sagte Jekaterinas Schwester.
 

„Schon Okay. Aber ich finde, ich könnte selbst ein Bad vertragen. Duschen wir gemeinsam. Und danach können wir miteinander reden.“

484

„Einverstanden.“, sagte Anastasia.
 

Auf der Brücke
 

Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin der Kirow hob den Kopf.
 

„Commander, Admiral Janeway ruft uns.“, sagte sie.
 

Quantez Robertson tippte an seinen Kommunikator.
 

„Brücke an Captain.“, sprach er in das kleine Gerät.
 

„Ich höre sie klar und deutlich, Nummer eins.“
 

„Könnten sie bitte auf die Brücke kommen, Captain?“, fragte Commander Robertson.
 

„Bin schon unterwegs.“
 

„Danke, Captain.“
 

Sekunden später betrat Jekaterina die Brücke. Anastasia wartete im Besprechungsraum.
 

„Was gibt’s denn, Nummer eins?“, fragte Jekaterina ihren ersten Offizier.
 

„Admiral Janeway hat uns gerufen, Captain.“
 

„Auf den Schirm.“, sagte Jekaterina.
 

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Haben sie eine neue Mission für uns, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Das habe ich in der Tat, Captain.“
 

„Was sollen wir tun?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„In der Nähe ihrer Position ist ein Schiff havariert. Dummerweise ist die Havarie auf der Grenze zum klingonischen Hoheitsgebiet passiert. Sehen sie nach, was passiert ist. Danach begeben sie sich bitte so schnell wie möglich zum Planeten Vetera. Dort gibt es politische Unruhen.“
 

„Ich verstehe. Aber zuerst will ich den dunklen Lord gefangen nehmen. Ich 485

habe nämlich vor, ihn vor Gericht zu stellen.“, sagte Jekaterina.
 

„So viel Zeit haben sie noch. Aber nach der Verhandlung brechen sie bitte auf.“
 

„Ja, Admiral. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

„Einen Moment noch, Captain Romanova.“
 

„Was ist denn noch, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich sehe, dass sie immer noch ihre Galauniform tragen. Darf ich erfahren, wieso?“
 

„Wenn sie mich so fragen, Admiral, sie haben mich auf dem Weg zur Dusche erwischt. Ist sonst noch was?“, sagte Jekaterina.
 

„Da wäre noch etwas. Den ersten Teil der ihnen überlassenen Informationen haben wir erhalten. Sie sagten aber noch, dass es Videomaterial gibt. Wie sieht es damit aus?“
 

„Altagracia hat sich noch nicht bei mir gemeldet. Offenbar gibt es Schwierigkeiten, oder die Dateien sind ziemlich groß. Aber jetzt würde ich doch gerne duschen, Admiral. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Dann wandte sie sich an ihren ersten Offizier.
 

„Errichten wir eine schöne, kleine Arrestzelle im Shuttlehangar. 4 Wachposten, schwer bewaffnet, rund um die Uhr. Sagen sie Chief Palmer, er sollen den dunklen Lord direkt in die Arrestzelle beamen.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

An Bord der Vengeance
 

Morak erstarrte, als er mit ansehen musste, wie Lord Vorlock aus heiterem Himmel von einem Vorhang aus blauem Licht umhüllt wurde und vom einen auf den anderen Augenblick verschwand. Der Mann an der taktischen Station wurde wütend.
 

„Was fällt denen ein? Klauen den Chef, und denken, dass sie damit durch kommen.“, sagte er.
 

Doch Morak sah ihn bitterböse an.
 

„Denk erst einmal nach, bevor du dein Mundwerk aufmachst. Wir können unseren Herrn und Gebieter nicht zurückholen, das weißt du genau so gut wie ich. Denn wenn die drüben auf der Kirow nicht gerade schlecht möbliert in der Denkstube sind, haben die garantiert schon wieder die Schilde aktiviert. 486

Ganz abgesehen davon, sitzt uns mit der Laconia noch ein zweites Föderationsschiff im Genick. Von den Klingonen will ich gar nicht erst reden. Die reißen uns in Stücke, wenn wir versuchen den dunklen Lord zu befreien.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina und ihre Schwester Anastasia saßen sich auf der Couch gegenüber. Die Dusche hatte ihnen beiden gut getan.
 

„Ich fühl mich wie neu geboren.“, hatte Anastasia gesagt.
 

Jekaterina musste lächeln. Doch dann wurde ihr Gesichtsausdruck ernst.
 

„Zeit das Unangenehme hinter uns zu bringen, meinst du nicht?“, fragte sie ihre Schwester.
 

„Je eher desto besser. Aber bevor wir uns aussprechen, möchte ich, dass du eines weißt, Jekaterina. Egal, was zwischen uns gewesen ist, wir bleiben zusammen. Ich lass dich nicht mehr allein.“
 

„Danke. Aber jetzt sollte ich wohl mal anfangen zu erzählen, sonst sitzen wir noch gefühlt eine halbe Ewigkeit hier.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann bitte.“
 

„Ich bin eine Lesbe geworden, weil ich nie wieder einem Mann vertrauen konnte. Und das ist bis heute so. Und ich kann dem Mann nicht verzeihen, der mir so weh getan hat.“, sagte Jekaterina.
 

„Wer war er?“
 

„Na wer wohl? Michail Golowko, diese Dreckratte.“, sagte Jekaterina.
 

„Den hast du doch abgöttisch geliebt. Was hat er getan, dass dein Hass ihn bis heute verfolgt?“
 

„Er hat mir auf grausamste und schäbigste Art und Weise das Herz gebrochen. Er hat zu mir gesagt, ich wäre für ihn nur ein Statussymbol. Kannst du dir vorstellen, wie weh mir das getan hat?“, sagte Jekaterina aufgebracht.
 

„Jetzt beruhig dich erst mal. Aber ich muss zugeben, dass hätte ich nicht von Michail gedacht, das er dir so eiskalt lächelnd das Herz bricht. Wie ging es dann weiter?“
 

„Danach habe ich angefangen, mich sexuell anders zu orientieren. Ich hab angefangen, eine Frau zu daten, die wirklich eine Außenseiterin hoch hundert war. Ihr Name war Raissa. Und keiner wollte etwas mit ihr zu tun haben, weil sie eine Transe war. Nur ich hab sie so akzeptiert, wie sie ist. Aber dir war 487

das ein Dorn im Auge. Eigentlich ist Michail Schuld an dem Ganzen. Hätte er mir nicht so weh getan, dann hätten wir uns nie überworfen.“, sagte Jekaterina.
 

„Hätte, hätte, Fahrradkette. Aber jetzt wo du mir erzählt hast, was damals passiert ist, fällt es mir leichter zu verstehen, warum du dich mehr für Frauen interessierst, als für Männer.“
 

„Vor allem, weil du die Erfahrung selbst gemacht hast, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Was meinst du?“
 

„Denk mal an deinen Aufenthalt auf Draconia zurück, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Du meinst Tabea, stimmt’s?“
 

„ Richtig. Du hast sie verführt. Und dadurch hat sie ihre seherischen Fähigkeiten verloren. Aber gibs zu, es hat dir gefallen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, hat es. Aber jetzt zurück zu unserem eigentlichen Thema. Wie ist es nach unserem Streit eigentlich weiter gegangen?“
 

Wortlos zeigte Jekaterina ihrer älteren Schwester ihre Unterarme. Anastasia schlug vor Entsetzen die Hände vor ihr Gesicht. Dann fing sie an zu schluchzen.
 

„Scheiße! Gott, was habe ich getan? Wie konnte ich mir anmaßen dein Leid noch zu verschlimmern? Statt dir zu helfen, und für dich da zu sein, habe ich dich mit all deinem Schmerz und deinem Leid allein gelassen. Ich schäme mich so.“
 

Anastasia drehte den Kopf zur Seite und fing an zu weinen. Es tat Jekaterina weh, ihre Schwester so zu sehen. Ganz sanft legte sie Anastasia eine Hand auf die Schulter.
 

„Es ist alles gut, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Nein, das ist es nicht. Ich habe jämmerlich versagt.“
 

„Jeder von uns macht Fehler, Anastasia. Glaubst du, ich mach keine? Um unseren Bruder zu retten, habe ich den Fehler begangen, und einen Krieg ausgelöst. Dieser Fehler hätte schlimme Konsequenzen für mich nach sich ziehen können. Verglichen damit, ist das was du getan hast ein Witz. Es ist eine Sache einen Fehler zu machen. Aber es ist immer noch etwas ganz anderes, seinen Fehler auch zuzugeben.“, sagte Jekaterina.
 

„Heißt das…?“
 

„Ja, Anastasia. Ich habe dir schon lange verziehen. In meinem Herzen 488

hast du nie aufgehört meine Schwester zu sein. Und du wirst es immer bleiben.“, sagte Jekaterina.
 

„Du hast mich vor dem dunklen Lord beschützt. Ich werde dir ewig dankbar sein.“
 

„Ich hab Jewgeni den Rücken frei gehalten. Warum hätte ich dasselbe nicht auch für dich tun sollen?“, sagte Jekaterina.
 

„Vielleicht aus… aus Rache?“
 

„Ich bin alles, Anastasia. Aber garantiert kein Racheengel.“, sagte Jekaterina.
 

„Was ist eigentlich mit Raissa passiert?“
 

„Kurz nach unserem Streit wollte ich mich mit ihr treffen. Aber sie war nicht zu erreichen. 2 Tage später hat man ihre Leiche gefunden. Der Mörder hat ihr den Schädel eingeschlagen. Aber vorher hat er sie noch vergewaltigt.“, sagte Jekaterina.
 

„Wer war er?“
 

Drei mal darfst du raten, Schwesterherz.“, sagte Jekaterina.
 

„Doch nicht etwa…?“
 

„Doch, Anastasia. Es war Michail Golowko. Man hat eine Spermaprobe entnommen, die man auf Raissas Scheide gefunden hat. Die Probe wurde einem DNA-Test unterzogen. So kam man ihm auf die Schliche.“, sagte Jekaterina.
 

„Wurde er dafür bestraft, Jekaterina?“
 

„Wo denkst du hin, Anastasia? Es gab noch nicht einmal einen Prozess. Man hat die Akte einfach geschlossen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich fass es nicht. Diese Drecksau ist jahrelang frei herumgelaufen. Es muss furchtbar für dich gewesen sein.“
 

„Es war die Hölle.“, sagte Jekaterina.
 

Im Shuttlehangar
 

Der dunkle Lord saß auf seiner Pritsche, seine Hände und Füße mit einer schweren Kette fixiert, die man um seinen Hals gelegt hatte. Um die Zelle waren 4 Wachposten aufgestellt, die mit Photonengewehren auf ihn zielten. Er wandte sich an einen der Sicherheitsleute.
 

„Könntet ihr mich raus lassen? Ich würde euch gut bezahlen.“, sagte er. 489

Dass die Chefin des Sicherheitsteams, Commander Jennifer Bond, oben auf der Brüstung stand, und alles mithörte, hatte er nicht bemerkt. Umso überraschter war Lord Vorlock, als er über sich eine Frauenstimme hörte.
 

„Am Arsch die Waldfee. Du bleibst wo du bist, du Schuft.“, sagte die Stimme.
 

Der dunkle Lord sah nach oben. Und was er sah, hätte ihn unter normalen Umständen frohlocken lassen. Denn über ihm stand eine rothaarige Sexbombe. Und diese hätte einen Platz in der Brutkolonie verdient gehabt. Doch in seiner derzeitigen Situation, war er alles andere als froh.
 

„Sind sie immer so herzlos? Und wer sind sie überhaupt?“, fragte der dunkle Lord.
 

„Lieutenant Commander Jennifer Bond. Ich bin die Sicherheitsoffizierin auf der Kirow. Und wenn ich sage, du kommst hier nicht raus, dann meine ich das auch.“
 

Der dunkle Lord grollte.
 

„Das wird ihre Vorgesetzte noch bereuen, Commander. Denn ich habe mächtige Freunde.“, sagte er.
 

„Ah ja? Wen denn?“
 

„König Eros…“, begann Lord Vorlock den nächsten Satz.
 

„Den gibt’s nicht mehr. Auf Draconia regiert jetzt Kalinka.“
 

„Machen sie Witze, Commander Bond?“, fragte Lord Vorlock.
 

„Seh ich so aus, du Flachpfeife? König Eros betrachtet sich die Radieschen von unten.“
 

„Wie ist er gestorben?“, fragte der dunkle Lord.
 

„Er hatte das Pech, bei Shai Hulud, dem größten Sandwurm auf Draconia, auf dessen Speisekarte ganz oben zu stehen.“
 

In Jekaterinas Quartier
 

„Du hast dich irgendwie verändert, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

„Wie kommst du denn auf dieses schmale Brett?“
 

„Ich weiß nicht. Ich kann es gar nicht beschreiben. Aber etwas ist anders an dir.“, sagte Jekaterinas Schwester.
 

„Ich bin älter, und damit auch reifer. Aber vom Charakter bin ich 490

immer noch dieselbe.“
 

„Das hab ich nicht gemeint, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

„Was denn dann?“
 

„Da ist zum einen dieses merkwürdige Zeichen auf deiner Stirn. Woher kommt es? Und was bedeutet es?“, fragte Anastasia.
 

Jekaterina rutschte auf ihre Schwester zu, und verlagerte das Gewicht so weit nach vorne, dass sie nach vorne kippte und ihre Schwester mit umriss. Anastasia revanchierte sich, indem sie ihre Beine hinter dem Rücken ihrer Schwester kreuzte. Die beiden Schwestern sahen sich einen kurzen Augenblick in die Augen. Dann senkte Jekaterina ihre Stimme zu einem Flüstern.
 

„Es ist das Zeichen absoluten Vertrauens. Jeder, egal ob Freund oder Feind, muss nach meiner Pfeife tanzen.“, sagte sie.
 

„Und wie kommst du dazu, Schwester?“
 

„Es wurde mir verliehen. So wie die ganzen anderen Ehrungen.“, sagte Jekaterina.
 

„Was für Ehrungen?“
 

Jekaterina zog ihre Schwester wieder in die Senkrechte.
 

„Jewgeni und ich wurden in eine klingonische Familie aufgenommen. Das Haus Zarrok. Ich bin eine Trägerin des Ordens von Kahless und ein Mitglied im Orden des Bat'leth. Die Klingonen nennen mich Jekara.“, sagte Jekaterina.
 

„Reife Leistung. Und was hast du sonst noch an Ehrentiteln eingeheimst?“
 

„Die Rulonen nennen mich Joelina, „Die Göttliche“. Ihre Königin ist eine Freundin von mir.“, sagte Jekaterina.
 

„Wird ja immer besser. Bin mal gespannt was du mir sonst noch für faustdicke Überraschungen präsentierst.“
 

„Bei den Batarianern trage ich den Titel einer Herzogin. Und die Königin von Draconia hat mir eine persönliche Leibwächterin an die Seite gestellt. Und Alaia, meine Lebensgefährtin, hat mir, als sie noch Königin der Yor war, das Zeichen auf meiner Stirn verliehen. Und vor kurzem wurde ich von der Königin der Hellenen, Ariadne in ihre Familie aufgenommen, und darf mich jetzt offiziell Prinzessin nennen.“, sagte Jekaterina.
 

„Wahnsinn.“

491

„Gib mir mal dein rechtes Handgelenk, Anastasia.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum denn das?“
 

„Frag nicht. Tu es einfach.“, sagte Jekaterina.
 

Anastasia reichte ihrer Schwester ihr rechtes Handgelenk. Jekaterina legte ihr dasselbe Armband um, das sie selbst trug.
 

„Heißt das etwa…?“, begann Anastasia ihre Frage.
 

„Ja, Schwesterherz. Auch du gehörst, genau wie ich, zu Königin Ariadnes Familie. Du darfst dich jetzt auch „Prinzessin“ nennen.“
 

„Das haut mich echt aus den Fundamenten, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

Ein leises Zischen ertönte, als Alaia, Jekaterinas Lebensgefährtin, von einem Besuch bei Altagracia zurückkehrte.
 

„Bin da, wer noch?“, rief sie gut gelaunt.
 

„Ich bin hier, Liebling.“
 

„Komm schon.“, sagte Alaia.
 

Kurze Zeit später kam sie in den separaten Raum, in den sie sich mit Jekaterina zurückzog, wenn sie sich ungestört einander hingeben wollten. Als sie ihre Liebste nackt sah, ließ die einstige Regentin von Yor die Hüllen fallen und setzte sich neben Jekaterina.
 

„Tja, Schwesterherz. Jetzt lernst du meine Lebensgefährtin Alaia kennen.“, sagte Jekaterina.
 

„Freut mich sehr.“
 

Anastasia hielt Alaia die Hand hin. Jekaterinas Lebensgefährtin nahm die ihr dargebotene Hand in ihre Hände.
 

„Die Freude ist auch auf meiner Seite. Deine Schwester hat mir viel von dir erzählt.“, sagte Alaia.
 

„Ihr beiden müsst viel Zeit miteinander verbracht haben, wenn ihr schon vertraut miteinander seid.“
 

„Das haben wir auch. Alaia war hier auf der Kirow. Und damals waren wir Leidensgenossinnen.“, sagte Jekaterina.
 

„Wir waren beide Gefangene einen rücksichtslosen Thronräubers, 492

der sich selbst zum Kanzler ernannt hat.“
 

„Jetzt wird mir einiges klar. Eure Liebe hatte viel Zeit zu gedeihen.“, sagte Anastasia.
 

„Obwohl Alaia und ich unsere Gefühle füreinander anfangs geleugnet haben. Erst seitdem wir zusammen leben, können wir unsere Liebe offen zeigen.“
 

Auf Katmai
 

Das Mädchen sah, wie eine Sklavin aus ihrer Brutkammer gehoben wurde. Schleim lief an ihrem nackten Körper herab und ihr Kopf hing nach vorn. Sie hatte das Bewusstsein verloren, nachdem sie Stunden zuvor noch ein Alienbaby auf die Welt gebracht hatte. Es war ihr letztes gewesen. Denn wie man ihr erklärt hatte, wurde jede Sklavin, die nicht mehr Aliens gebären konnte, aussortiert. Das Mädchen betrachtete die Unglückliche genauer. Sie war mal eine vollbusige, exotische Schönheit mit grünen Haaren gewesen. Ihr einst athletischer Körper war durch die vielen Geburten völlig abgemagert.
 

Doch verglichen mit ihr, kam sich das Mädchen ziemlich unscheinbar vor. Sie hatte keinen großen Busen, aber einen sexy Körper. Ihr blonden, dauergewellten Haare trug sie über die Ohren.
 

Noch vor ein paar Tagen hatte sie ihren 15. Geburtstag gefeiert. Es sollte ihr letzter Tag in Freiheit sein. Denn mitten in der Nacht waren fremdartige Wesen in ihr Zimmer eingedrungen, hatten sie an den Schultern gepackt und aus ihrem Bett gezerrt. Sie wusste nicht, was geschah, aber sie hatte Angst. Sie erinnerte sich, wie sie an Bord der Vengeance gebracht wurde. Genau wie die anderen Sklavinnen, die in dieser Nacht aus dem Kreis ihrer Liebsten gerissen worden waren, wusste das Mädchen, dass es seine Familie und seine Freunde nie wiedersehen würde. Und hier war sie nun.
 

An Bord der Vengeance
 

Morak, der jetzt die Nachfolge des dunklen Lords angetreten hatte, hatte entschieden, nach Katmai zurückzukehren. Er war Realist genug, um zu wissen, dass Arikka, die Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten nicht zögern würde, Starfleet Command eine Anweisung zu erteilen, nach der Vengeance zu suchen, und sie zu zerstören. Doch dabei würde sie es nicht belassen. Die Ariantu würde nicht eher Ruhe geben, bis auch die Brutkolonie auf Katmai zerstört war. So oder so, die Messe war gelesen. Katmai würde untergehen. Doch Lord Vorlock hatte klare Anweisungen erteilt, für den Fall das die Hauptbrutkolonie vernichtet würde. Morak sollte die Sklavinnen, die noch nicht in den Brutkammern steckten, auf die Vengeance bringen, und nach Sar Issus aufbrechen, wo der dunkle Lord eine zweite Brutkolonie errichtet hatte, die bis ins kleinste Detail der Kolonie auf Katmai glich. Der neue dunkle Lord wusste, dass er seinem Vorgänger nicht mehr helfen konnte.

493

Auf Katmai
 

Das Mädchen hatte immer noch Angst, denn sie wusste was jetzt kommen würde. Sie und die anderen mussten sich nackt in Reih und Glied aufstellen. Danach würde der Oberaufseher die Reihe abschreiten und wieder eine seiner demütigenden Reden halten. Wie immer würde er von einem in Schwarz gekleideten Mann begleitet werden, der einen Übersetzer vor dem Aufseher herumtrug. Die Tür öffnete sich, und der Oberaufseher betrat, von seinem Handlanger begleitet den Raum. Wie immer schritt er die Reihe ab.
 

„Ihr seid hier angetreten, weil eine von euch, Heather in der Kolonie ablösen wird. Freiwillige vor.“, sagte der Aufseher.
 

Doch keine der Sklavinnen traute sich.
 

„Ich erwarte etwas mehr Begeisterung, wenn ich sage „Freiwillige vor.“, sagte der Aufseher.
 

Doch noch immer wollte keine vortreten.
 

„Ich bin enttäuscht von euch. Früher haben sich die Weiber regelrecht darum gerissen, dem dunklen Lord dienen zu dürfen. Aber ihr, ihr seid Weicheier. Anscheinend ist euch verwöhnten Gören nicht bewusst, welche Ehre euch zuteil wird.“, sagte der Aufseher.
 

Doch wenn er gehofft hatte, damit die Sklavinnen zu motivieren, dann irrte er sich.
 

„Es ist immer das Gleiche. Na schön, dann werde ich eine von euch auswählen.“, sagte der Aufseher.
 

Wieder schritt er die Reihe ab, und sah jeder Sklavin ins Gesicht. Dann blieb er vor ihr stehen.
 

„Du. Du bist diejenige, die ich für den Dienst auswähle. Wie ist dein Name?“, sagte das Alien.
 

„Emilia.“
 

„Und wie alt bist du?“, wollte der Aufseher wissen.
 

„15.“
 

„WAS??? Wiederhole bitte, was du gerade gesagt hast.“, sagte das Alien.
 

„Ich bin 15.“
 

„Du bist nach den Gesetzen der Brutkolonie zu jung. Und nach diesen 494

bin ich verpflichtet, dich wieder dorthin zurückzuschicken, wo du her kommst.“, sagte der Alien-Aufseher.
 

„Werden eure Leute irgendwann wiederkommen, um mich zu holen?“
 

„Nein. Wer einmal in die Freiheit zurückkehrt, darf nie wieder hierher gebracht werden. So sagt es das Gesetz.“, sagte das Alien.
 

Emilia hätte die ganze Welt umarmen können. Doch ihr war nicht nach Freude zumute. Denn sie wusste, dass nun eine andere dieses Schicksal erleiden würde. Wieder schritt der Aufseher die Reihe ab und blieb vor einer schwarzhaarigen Frau mit grünen Mandelaugen stehen.
 

„Wie ist dein Name?“, fragte das Alien.
 

„Keiko.“
 

„Und wie alt bist du?“, wollte der Alien-Aufseher wissen.
 

„36. Aber ich bin unfruchtbar.“
 

„Das darf nicht wahr sein. Du bist auch frei.“, sagte der Aufseher.
 

Wieder schritt der Aufseher der Kolonie die Reihe ab. Immer wieder den Kopf schüttelnd. Dann blieb er vor einer rothaarigen mit blauen Augen stehen.
 

„Wie lautet dein Name?“
 

„Lara.“
 

„Und wie alt bist du?“
 

„45.“
 

„Zu alt.“
 

Vor einer vollbusigen Frau mit blauen Haaren und grünen Augenblieb er dann stehen.
 

„Nenn mir deinen Namen.“, sagte der Aufseher.
 

„Aura.“
 

„Darf ich fragen, wie alt du bist?“, fragte das Alien.
 

„20.“
 

„Du bist die Richtige. Nun geh, und tu deine Pflicht, Aura.“, sagte der 495

Aufseher.
 

Auf Qo'noS
 

Der dunkle Lord stand auf einem kreisrunden Podest, das mit einem massiven Geländer aus Eisen versehen war. Ein engmaschiges Geflecht sorgte für den Zusammenhalt. Er sah sich um. Auf den Tribünen saßen überall Vertreter der klingonischen Häuser. Er konnte auch Jekaterina und ihre Geschwister entdecken. Vorlock erinnerte sich an den Augenblick, als ihn Jekaterina zusammen mit ihrer Schwester Anastasia und ihrer Freundin Alaia besucht hatte. Vor seinem geistigen Auge spielte sich diese Konversation noch einmal ab.
 

Jekaterina hatte sich vor ihm aufgebaut und ihre Fäuste in die Hüfte gestemmt. Der Blick in ihren braunen Augen zeigte Verachtung, Wut und Hass zugleich. Der dunkle Lord wusste, dass seine Lebensreise dem Ende zuging. Denn die Kommandantin der Kirow hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er von ihr keine Gnade zu erwarten hatte.
 

Drei laute Schläge holten ihn in die Gegenwart zurück. Vor dem Podest stand Ezri Dax, die Trill, die wie in früheren Prozessen die Anlage vertrat. Sein Verteidiger war ein Klingone, der auf den Namen Torgal hörte. Vorlock blickte zur einer Empore hinauf, auf der ein alter Klingone saß, der eine schwere Stahlkugel in einer behandschuhten Hand hielt. Offenbar war er der Vorsitzende dieser Gerichtsverhandlung. Sein Verteidiger wandte sich ihm zu.
 

„Ich werde alles versuchen, was in meiner Macht steht. Aber die Chancen, dass ihr diesen Saal als freier Mann verlasst, sind hauchdünn.“, sagte Torgal.
 

„Was meinen sie, Torgal? Welches Strafmaß wird man über mich verhängen?“
 

„Bei einem Schuldspruch hängt vieles von der Laune des Richters ab. Im besten Fall kommen sie mit einer lebenslangen Haftstrafe auf Rura Penthe davon. Aber Jekaras Wunsch wird die Todesstrafe sein.“, sagte Vorlocks Verteidiger.
 

„So viel Macht kann eine einzelne Person gar nicht haben.“
 

„Jekara ist bei den meisten klingonischen Familien hoch angesehen. Viele Mitglieder des hohen Rates stehen hinter ihr. Allen voran ihr Vater, General Zarrok. Sogar Kanzler Martok steht auf ihrer Seite. Viele Söhne und Töchter von Kahless würden für sie sterben, als sie sterben zu lassen.“, sagte Torgal.
 

Auf Katmai
 

Emilia, Keiko und Lara betrachteten von einem separaten Raum, den weiteren Ablauf des Rituals. Sie bemitleideten Aura. Denn sie hatte es nicht verdient so zu enden. Emilia hätte am liebsten geschrien und verlangt, Aura freizulassen, aber das hätte nichts gebracht. Wahrscheinlich wäre sie dann doch in der Brutkammer gelandet. Aura wurde von zwei Wächtern zu einem 496

Steg gebracht, der zu der leeren Brutkammer führte, aus der man vor wenigen Minuten noch die grünhaarige Heather gezogen hatte.
 

Eine Schiebetür öffnete sich und die Wachen geleiten Aura hindurch, zogen sich aber selbst hinter die Tür zurück. Ganz langsam ging sie weiter. Am Ende des Stegs blieb sie stehen und sah kurz in die leere Kammer. Sie konnte mehrere schwarze Tentakel sehen, die wild hin und her zuckten. Dann ging Aura die Treppe hinab und trat in die Kammer. Sofort sank sie tiefer. Zuerst war sie nur bis zu den Oberschenkeln eingesunken. Bald schon bis zu den Hüften. Schließlich wurden auch ihre Brüste vom Schleim verschluckt. Aura breitete die Arme aus, die sofort von grünen Tentakeln festgehalten wurden. Sie schloss die Augen und ihr Körper entspannte sich. Wie schon viele Frauen vor ihr, hatte sich auch Aura in ihr Schicksal ergeben.
 

Auf Qo'noS
 

Im Gerichtssaal herrschte ein derartiger Tumult, dass der Richter gezwungen war, mit der Stahlkugel auf den Tisch zu schlagen. Schlagartig wurde es still.
 

„Lieutenant Dax. Haben sie noch weitere Fragen an den Zeugen?“, wandte sich der Richter an die Trill.
 

„Nein, euer Ehren. Stattdessen würde ich gerne General Zarroks Tochter Jekara befragen, denn sie war mehr oder minder auch betroffen. Wenn auch nur indirekt.“
 

„Dann möchte ich Jekara, Tochter des Hauses Zarrok in den Zeugenstand rufen.“, sagte der Richter an Jekaterina gewandt.
 

Diese nickte, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Mit der Anmut einer Elfe trat sie in den Zeugenstand.
 

„Lieutenant Dax, beginnen sie bitte mit der Befragung der Zeugin.“, sagte der Richter.
 

„Sehr wohl euer Ehren.“
 

Dann wandte sich Ezri Dax an Jekaterina.
 

„Captain Romanova, das Gericht würde es interessieren, wie sie erfahren haben, dass der Angeklagte ihre Schwester verflogt hat.“, sagte Ezri.
 

„Durch einen ehemaligen Mitschüler aus meiner Teenagerzeit.“
 

„Wären sie so freundlich, Captain, und nennen uns seinen Namen?“, fragte Lieutenant Dax.
 

„Michail Golowko.“ 497

„Eine Frage noch, Captain.“, sagte Ezri Dax.
 

„Bitte.“
 

„Sind sie dem Angeklagten in der Vergangenheit schon einmal begegnet?“, fragte Ezri.
 

„Nein, Lieutenant Dax.“
 

„Keine weiteren Fragen, euer Ehren.“, sagte die Trill.
 

„Ihr Zeuge, Mister Torgal.“
 

„Vielen Dank.“
 

Dann wandte sich Vorlocks Verteidiger an Jekaterina.
 

„Captain Romanova, ist es wahr, dass sie auf ihrer letzten Mission nahezu dienstunfähig waren?“, fragte er.
 

„Ja, es stimmt. Ich musste das Kommando oft an meinen ersten Offizier Quantez Robertson übergeben.“
 

„Und trifft es auch zu, dass sie in einer Liebesbeziehung mit einer Frau leben?“, fragte Torgal.
 

Diese Frage rief Ezri Dax auf den Plan.
 

„Einspruch!. Diese Frage hat nichts mit dieser Verhandlung zu tun.“, sagte sie.
 

„Statt gegeben.“
 

Vorlocks Verteidiger ärgerte sich. Er hatte hoch gepokert, indem er versucht hatte, General Zarroks Tochter zu diskreditieren. Aber Ezri Dax, die Trill, war ihm dazwischen gegrätscht. Er wusste, dass er mit der Befragung von Jekaterina keinen Blumentopf mehr gewinnen konnte.
 

„Keine weiteren Fragen.“, sagte Torgal.
 

„Dann soll nun das Urteil gefällt und verkündet werden. Der Angeklagte Lord Vorlock, besser bekannt als der dunkle Lord, wird der Entführung, sexuellen Erniedrigung, sowie des vorsätzlichen Massenmordes für schuldig befunden. Für diese Verbrechen gibt es nur eine Strafe, die ihnen gerecht wird. Den Tod. Ich bin schon sehr lange Richter. Und in meiner Laufbahn habe ich schon vieles erlebt. Aber selten musste ich einen Fall verhandeln, bei dem jemand auf der Anklagebank saß, den man als den Inbegriff des Bösen bezeichnen kann. Nur der Tod des Angeklagten stellt sicher, dass die Gefahr gebannt wird.“ 498
 

„Und wie soll ich sterben?“, fragte Vorlock.
 

„Das entscheidet Jekara.“
 

Auf dem Anwesen der Familie Zarrok
 

Lady Lukretia freute sich, ihre Tochter Jekara wiederzusehen.
 

„Schön, dass du wieder da bist. Wir haben dich sehr vermisst.“, sagte sie.
 

„Ich freue mich auch, mal wieder hier zu sein, Mutter.“
 

„Es ist sehr lange her, seit du hier warst.“, sagte Lady Lukretia.
 

„Ja, ich weiß. Und ich kann dieses Mal nicht lange bleiben, Mutter. Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sein, sondern müsste schon längst unterwegs sein, um eine Havarie zu untersuchen.“
 

„Verstehe. Aber würdest du Meghara auf diese Mission mitnehmen? Sie braucht etwas Abwechslung, sonst fällt ihr die Decke auf den Kopf.“, sagte Lukretia.
 

„Wenn du mich schon so lieb darum bittest, wie könnte ich da „Nein“ sagen. Aber ich hätte gerne eines gewusst, Mutter.“
 

„Was denn, meine Tochter?“, wollte Lady Lukretia wissen.
 

„Gehört meine Schwester Anastasia auch zu eurer Familie?“
 

„Natürlich. Ihr seid Geschwister. Ich habe sehr oft mit deinem Vater gesprochen, als du noch nach ihr gesucht hast. Anastasia muss nur noch ihren klingonischen Namen erhalten. Dann ist sie ein vollwertiges Mitglied unseres Hauses.“, sagte Lukretia.
 

„Und wann wäre das?“
 

„Heute Abend. Aber jetzt solltest du deine Schwester Meghara begrüßen, Jekara.“, sagte Lady Lukretia.
 

Jekaterina fand ihre klingonische Schwester auf dem familieneigenen Trainingsplatz. Als Meghara ihre menschliche Schwester erblickte, strahlte sie über beide Backen.
 

„Na wenn das mal nicht meine Schwester Jekara ist.“, sagte sie.
 

„Doch ich bins.“
 

„Du machst ja ganz schön von dir reden, Schwester.“, sagte die Klingonin nach einer kurzen Umarmung. 499

„Wie kommt das, Meghara?“
 

„Na ja… Deine kleine Auseinandersetzung mit den Ferengi zum Beispiel. Sie hat dir bei vielen Familien einen fetten Stein im Brett verschafft. Aber als wir von deiner Gefangennahme erfahren haben, da waren wir sehr in Sorge.“, sagte Meghara.
 

„Ist ja noch mal gut gegangen. Aber ganz ehrlich Meghara. Ich war zuletzt ziemlich angeschlagen.“
 

„Habs gehört. Du kannst einem ganz schön leid tun, Jekara.“, sagte Meghara.
 

Während Jekaterina mit ihrer klingonischen Schwester sprach, unterhielt sich Anastasia mit Lady Lukretia.
 

„Ich verstehe das alles nicht, Lady Lukretia. Ich meine, es ist doch normalerweise gar nicht üblich, dass eine klingonische Familie, Menschen in ihre Sippe aufnimmt. Vor allem, wenn sie soviel Ansehen genießt, wie die eure.“, sagte sie,
 

„Deine Geschwister haben unserem Haus beigestanden, als dessen Fortbestand in Gefahr war. Es war das mindeste, dass wir tun konnten, um uns erkenntlich zu zeigen.“
 

„Jekaterina hat mir nach der Gerichtsverhandlung erzählt, dass viele Familien dem Haus Zarrok sehr nahe stehen.“, sagte Anastasia.
 

„Und das stimmt. Oder was glaubst du, warum deine Schwester den Rückhalt eines Großteils des klingonischen hohen Rates hat?“
 

„Aber geht man nicht irgendwelche Verpflichtungen ein, wenn man einer klingonischen Familie beitritt, Lady Lukretia?“, fragte Anastasia.
 

„Als Mensch eher nein. Nur in ganz wichtigen Fällen ist die Anwesenheit aller Familienmitglieder erforderlich. Aber du kannst ruhig Mutter zu mir sagen.“
 

„Es ist schon lange her, dass dieses Wort über meine Lippen kam. Das letzte Mal war, als unsere Mutter starb.“, sagte Anastasia.
 

„Ich verstehe. Aber heute Abend hättest du wieder eine Familie. Immer vorausgesetzt, dass du deinen klingonischen Namen annimmst.“
 

Am Abend wurde dann Anastasia in die Familie Zarrok aufgenommen. Sie erhielt den klingonischen Namen Anikara. Bei der Zeremonie waren auch einige Vertreter anderer Familien anwesend. So hatte Jekaterina ihren Freund Joknar in der Menge entdeckt. Anastasia beobachtete, wie ihre Schwester und der Klingone miteinander sprachen. Und anhand der Körpersprache des Klingonen konnte sie erkennen, dass er ein schlechtes Gewissen hatte. 500

Doch Anastasia kannte Jekaterina nur zu gut, um zu wissen, dass sie nicht nachtragend war. Zugegeben, wer hätte voraussehen können, dass Jekaterinas seelische Wunden wieder aufbrechen würden? Anastasia beschloss zu ihrer Schwester zu gehen, und sich an ihrer Unterhaltung zu beteiligen. Als sie näher kam, konnte sie bereits einige Gesprächsfetzen mithören.
 

„Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen, Joknar. Keiner hätte ahnen können, dass das passiert. Außerdem kann ich dir nicht böse sein.“, hörte sie Jekaterina sagen.
 

„nuqneH, Jekara. Denn als die Nachricht von deinem seelischen Zustand hier eintraf, habe ich mich geschämt. Denn ich habe dir damals ein Versprechen gegeben. Und dieses habe ich nicht eingehalten. Du verstehst was ich meine?“
 

„Ich weiß. Aber jetzt ist alles wieder gut. Meine Schwester und ich sind wieder vereint. Wir haben uns ausgesprochen und uns versöhnt. Und letzten Endes ist es doch das, was zählt.“, sagte Jekaterina.
 

„Und wo du Recht hast, hast du Recht, Schwester.“
 

„Hey, meine ältere Schwester erweist uns die Ehre, sich an unserer Konversation zu beteiligen.“, sagte Jekaterina fröhlich.
 

„Nur, wenn es erwünscht ist.“
 

„Von meiner Seite gibt’s keine Einwände, sagte Jekaterina.
 

Joknar bestätigte seine Zustimmung mit einem Nicken.
 

„Worüber habt ihr eigentlich gesprochen?“
 

„Ahnst du es nicht, Anastasia?“, fragte Jekaterina.
 

„Doch. Und wenn sich jemand Vorwürfe zu machen hat, dann bin ich das.“
 

„Jetzt hört mir mal gut zu. Wenn ich eins nicht leiden kann, dann ist das, wenn man sich meinetwegen Vorwürfe macht. Keiner konnte ahnen, dass man mir auf die hinterhältigste und schäbigste Art und Weise das Herz brechen würde. Und niemand konnte voraussehen, dass diese alten Wunden wieder aufbrechen würden. Ich weiß, dass du mir damals in Ty'Gokor versprochen hast, immer für mich da zu sein, Joknar. Aber es ist schwierig, wenn ich mit der Kirow auf Mission bin. Und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem du dein Versprechen einlösen kannst.“, sagte Jekaterina.
 

„Da fällt mir ein, du hattest mich doch damals um einen Gefallen gebeten, Jekara.“
 

„Hast du ihn mitgebracht?“, fragte Jekaterina. 501

„Das versteht sich ja wohl von selbst, Jekara.“
 

„Dann darfst du ihn jetzt überreichen, Joknar.“, sagte Jekaterina.
 

Der Klingone holte einen in Stoff gewickelten Gegenstand hervor, schlug das Tuch zurück, und präsentierte Anastasia Narunaks D'k tahg.
 

„Was ist das?“, fragte Anastasia.
 

„Ein D'k tahg. Der klingonische Ritualdolch. Dieser hier gehörte einst Narunak, deinem verstorbenen Bruder. Deine Schwester bat mich damals, ihn aufzubewahren.“
 

„Und wem gehört er jetzt?“, wollte Anastasia wissen.
 

„Drei Mal darfst du raten, Schwesterherz.“
 

„Doch nicht etwa…?“, begann Anastasia ihre nächste Frage.
 

„Doch, Anikara. Jekara bat mich heute nach der Gerichtsverhandlung, dir Narunaks D'k tahg zu geben.“
 

„Aber… warum?“, stammelte Jekaterinas Schwester.
 

„Deine Schwester und dein Bruder haben beide ihren eigenen Dolch. Narunak wollte, dass sein D'k tahg an jemanden geht, der seiner würdig ist.“
 

„Ich… Das kann ich nicht annehmen.“, sagte Anastasia.
 

„Nimm es ruhig, Schwester. Es gehört jetzt dir. Und trage dein D'k tahg immer bei dir.“
 

„Ich habe das Kämpfen immer gehasst. Und deswegen fällt es mir schwer, Narunaks Dolch anzunehmen.“, sagte Anastasia.
 

„Es ist aber immer gut, wenn man sich verteidigen kann, Anikara. Dieses Mal hattest du noch Dusel, dass deine Schwester euren Vater davon überzeugen konnte, die Lafayette auf klingonischem Hoheitsgebiet Schutz suchen zu lassen.“
 

Zögerlich griff Anastasia nach dem Dolch. Als sie den Griff umfasste, löste sie den Mechanismus für die seitlichen Klingen aus, die sofort mit einem lauten Klicken ausklappten. Anastasia bekam einen Schreck und hätte um ein Haar das D'k tahg fallen gelassen.
 

„Du solltest lernen, wie man mit dem D'k tahg umgeht. Deine Schwester Meghara kann dir beibringen, was du wissen musst.“, sagte Joknar.

502

Am nächsten Morgen traf sich Jekaterina mit Jewgeni, ihrem Bruder, und ihrem klingonischen Vater zu einem kurzen Gespräch.
 

„Hoffentlich kriege ich von Admiral Janeway keinen Anschiss. Denn ich hätte nach der Gerichtsverhandlung aufbrechen sollen, Vater.“, wandte sie sich an den alten General.
 

„Mach dir deswegen keine Sorgen, Jekara. Ich habe mit Admiral Janeway gesprochen und alles geklärt. Aber jetzt ist wirklich der Zeitpunkt zum Aufbruch gekommen. Was hat man dir für Aufgaben zugewiesen, Jekara?“
 

„Zuerst sollen meine Crew und ich eine Havarie untersuchen, die auf der Grenze zum Territorium des klingonischen Imperiums passiert ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich habe davon gehört. Ich habe eine Verstärkung der Patrouillen in diesem Sektor angeordnet. Denn es wurden des Öfteren Ferengi-Schiffe gemeldet.“
 

„Die müssen ein lukratives Geschäft wittern, big sis.“, sagte Jewgeni.
 

„Da könntest du Recht haben, mein Sohn. Na schön. Ich werde euch bis zur Grenze begleiten. Ich will den Ferengi ein bisschen auf den Zahlfühlen.“
 

„Keine schlechte Idee. Wir kümmern uns um den Havaristen, und du und die anderen haltet die Ferengi auf Distanz.“, sagte Jekaterina.
 

Als die Kirow die Position des havarierten Schiffes erreicht hatte, konnte Jekaterina mehrere Schiffe der D’Kora-Klasse erkennen. Sie schätzte ihre Anzahl auf 8-10 dieser Marauder. Jekaterina beugte sich vor, ihre Fingerspitzen an ihre Lippen haltend.
 

„Was mögen diese Kerle bloß vorhaben?“, fragte sie sich.
 

„Vielleicht wollen sie angreifen, Captain.“
 

„Nein, Nummer eins. Erstens: Würden die Ferengi angreifen, würden sie eine Kampfformation bilden. Und das tun sie nicht. Zweitens: Die Ferengi werden schon gemerkt haben, dass wir zusammen mit den Klingonen in der Überzahl sind. Und die Ferengi sind garantiert nicht so dumm, dass sie das Feuer eröffnen, solange wir uns auf klingonischem Hoheitsgebiet befinden. Sie werden nicht das Risiko eingehen, einen Krieg mit den Klingonen vom Zaun zu brechen. Es sieht aus, als würden sie warten. Aber worauf?“, sagte Jekaterina.
 

Keiko hob den Kopf, als sie rein Rufsignal empfing.
 

„Captain, das fremde Schiff ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“

503

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des fremden Kommandanten.
 

„Sind sie die Kommandantin?“, fragte er.
 

„Captain Jekaterina Romanova. Und dies ist das Föderationsschiff Kirow.“
 

„Freut mich sie kennenzulernen, Captain. Ich bin Captain Robert Danton. Und mein Schiff ist die Genesis.“, sagte der Kapitän.
 

Jekaterina bemerkte, dass das Gesicht des fremden Kommandanten mit vielen roten Pusteln übersät war. Einige davon waren bereits aufgebrochen und bluteten.
 

„Sie sehen nicht gut aus, Captain Danton.“, sagte Jekaterina.
 

„Das ist ein Virus, gegen das es kein Heilmittel gibt. Im Endstadium treibt es den Befallenen in den Wahnsinn, Captain Romanova. Aber was noch schlimmer ist, es breitet sich rasend schnell aus. Wir haben den Passagierbereich bereits hermetisch abgeriegelt. Außerdem ist Besatzungsmitgliedern der Zutritt strengstens untersagt.“
 

„Gut zu wissen, Captain. Gibt es etwas, dass wir für sie tun können?“, sagte Jekaterina.
 

„Es gäbe tatsächlich etwas. An Bord befindet sich ein Passagier, der mit Königin Ariadne verwandt ist. Ihr Name ist Catherine Somerville.“
 

„Und in welchem Verhältnis steht sie zur Königin?“, fragte Jekaterina.
 

„Sie ist ihre Nichte, Captain.“
 

„Verstehe. Was können wir tun, Captain Danton?“, sagte Jekaterina.
 

„Holen sie Lady Catherine auf ihr Schiff. Dann ist wenigstens sie in Sicherheit. Die restlichen Passagiere werden langsam panisch.“
 

„Wir können auch die anderen Passagiere auf unser Schiff bringen.“, sagte Jekaterina.
 

„Das ist sehr freundlich von ihnen. Aber die übrigen Passagiere wollen das Schiff nicht verlassen.“
 

„Ich frage nicht nach dem „Warum“, Captain Danton. Aber ihre Passagiere werden ihre Gründe haben, weshalb sie bleiben wollen. Wir werden Lady Catherine an Bord holen.“ Da fällt mir ein: Weiß sie eigentlich, dass sie drei Mitglieder des klingonischen Hauses Zarrok als Verwandte hat?“, sagte Jekaterina.

504

„Nicht das ich wüsste, Captain. Aber ich nehme an, sie sind eines davon.“
 

„Das ist korrekt. Die anderen beiden sind meine Schwester Anastasia und mein Bruder Jewgeni. Er kommandiert die USS Laconia.“, sagte Jekaterina.
 

„Verstehe. Aber eines sollten sie wissen, Captain. Je länger diese Unterhaltung dauert, umso mehr wird kostbare Zeit verschwendet.“
 

„In Ordnung. Wir bereiten alles für den Transfer von Lady Catherine auf unser Schiff vor. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Dann tippte sie an ihren Kommunikator.
 

„Brücke an Transporterraum 5. Chief Palmer, hören sie mich?“, sagte Jekaterina.
 

„Klar und deutlich, Captain. Soll ich jemanden rüber beamen?“
 

„Ja, Mr. Palmer. Eine weibliche Person.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain. Aber das kann dauern. Ich mach so schnell ich kann.“
 

„Sagen sie mir, wenn sie soweit sind, Chief.“, sagte Jekaterina.
 

Nach 10 Minuten kam eine entsprechende Antwort von Nigel Palmer.
 

„Ich bin soweit, Captain.“, sagte der Mann aus Stoke-on-Trent.
 

„Energie.“
 

Kurz darauf erhielt Jekaterina die Bestätigung für den erfolgreichen Transfer.
 

„Transfer erfolgreich, Captain. Eine weibliche Person an Bord.“, sagte Chief Palmer.
 

„Verstanden, Chief. Ich komme sofort.“
 

An Commander Robertson gewandt fuhr Jekaterina fort: „Nummer eins, sie übernehmen.“
 

„Ja, Captain.“
 

Als Jekaterina den Raum betrat kam ihr die Fremde entgegen. Die Kommandantin der Kirow nahm den Neuankömmling in Augenschein. Die Frau, die auf Rat von Captain Danton von der Genesis auf die Kirow geholt worden war, war eine 1,77 Meter große Brünette mit einem ovalen Gesicht. Auffällig war auch der kleine Leberfleck über der Oberlippe. Lady Catherine trug ihre Haare offen und schulterlang. Ihr Gesicht hatte eine sehr elegante Nase und gütig dreinblickende braune Augen. Bekleidet war Catherine Somerville 505

mit einem roten, figurbetonenden Trägerkleid und roten High Heels.
 

„Lady Catherine, willkommen an Bord der Kirow.“, sagte Jekaterina freundlich.
 

„Ich nehme an, dass sie die Kommandantin sind.“
 

„Captain Jekaterina Romanova. Ich darf dann bitten, mir zu folgen, Lady Catherine.“, sagte Jekaterina.
 

„Nach ihnen, Captain.“
 

Die beiden Frauen begaben sich zum nächsten Turbolift. Kaum hatten sich die Türen geschlossen, tippte Jekaterina auf den Knopf für die Sprechanlage.
 

„Krankenstation.“, sprach sie in den kleinen Lautsprecher.
 

Der Lift setzte sich in Bewegung. Keine der beiden Frauen sprach ein Wort. Auf der Krankenstation wurde bei Königin Ariadnes Nichte der vorgeschriebene Gesundheitscheck durchgeführt. Aber Jekaterina wollte auf Nummer sicher gehen, und bat ihre Landsmännin, Alina Nadirova, noch eine Blutprobe zu nehmen, um sicher zu stellen, dass Lady Catherine nicht mit dem Virus infiziert war. Jekaterina atmete erleichtert aus, als DoktorNadirova mitteilte, dass alle Werte normal waren.
 

Danach ging Jekaterina mit Lady Catherine in den Besprechungsraum.
 

„Wie oft stehen sie mit ihrer Tante in Kontakt, Lady Catherine?“, fragte Jekaterina.
 

„Nicht sehr oft.“
 

„Wann war eigentlich das letzte Mal, dass sie und ihre Tante miteinander gesprochen haben?“, fragte Jekaterina weiter.
 

„Ist schon ne Weile her. Aber warum fragen sie mich das?“
 

„Das heißt, ihr wisst nichts von den jüngsten Ereignissen, Lady Catherine?“, fragte Jekaterina nach.
 

„Was für jüngste Ereignisse, Captain?“
 

„Der Planet Hellas, auf dem ihre Tante die Regentin ist, ist vor kurzem der Föderation beigetreten. Und eigentlich hätte die Feier etwas größer ausfallen sollen. Aber ich war in Eile, und so musste die Ehrungszeremonie kleiner ausfallen, als geplant.“, sagte Jekaterina.
 

„Darf ich fragen, wer geehrt wurde, Captain?“

506

„Das dürft ihr, Lady Catherine. Es ist so, dass ein fremdes Schiff, die Vanguard, ein Schiff aus der Flotte des dunklen Lords, sich im Orbit um Hellas aufgehalten hat, und ohne triftigen Grund Raumschiffe der Föderation angegriffen hat. Wir haben die Vanguard vertrieben, und so sichergestellt, dass die Beitrittsverhandlungen reibungslos zum Abschluss gebracht werden konnten. Ich bin eurer Tante begegnet, als die Sondierungsgespräche begonnen haben. Sie hat mir am Tag der Vertragsunterzeichnung gesagt, dass sie in mir ihre Tochter sieht, die sie so sehr vermisst.“, sagte Jekaterina.
 

„Verstehe. Aber meine Frage ist damit nur teilweise beantwortet, Captain.“
 

„Ich weiß, Lady Catherine. Das dumme ist halt nur, ich weiß nicht, wie ich euch die Frage beantworten soll, ohne das ihr aus der Haut fahrt.“, sagte Jekaterina.
 

„Also wenn ich sie richtig verstehe, dann waren sie es, die von meiner Tante die Ehrung erfahren hat, Captain.“
 

„Ja das ist wahr, Mylady. Und die Ehrung bestand darin, dass eure Tante mich in ihre Familie aufgenommen hat. Aber nicht nur mich, sondern auch meine Geschwister. Und wir drei gehören auch dem klingonischen Haus Zarrok an.“, sagte Jekaterina vorsichtig.
 

„Dann ist meine Familie durch die Aufnahme von ihnen dreien mit dem Haus Zarrok verbunden.“
 

„Ja, Lady Catherine. Mein Bruder Jewgeni und ich sind Träger des Ordens von Kahless und Mitglied im Orden des Bat'leth. Die Klingonen nennen mich Jekara und meine ältere Schwester Anastasia wird von den Klingonen Anikara genannt.“, sagte Jekaterina.
 

„Da habe ich ja eine Menge nicht mitgekriegt. Aber… wenn wir beiden Cousinen sind, wollen wir uns dann nicht duzen?“
 

„Ich hätte gar nicht zu fragen gewagt, Mylady.“, sagte Jekaterina.
 

„Das verstehe ich, Cousine. Aber jetzt lass dich mal drücken, Jekaterina. Ich muss meine neue Cousine einfach mal knuddeln.“
 

Jekaterina und Catherine umarmten sich, und hielten einander fest.
 

„Es gibt noch etwas, das du über mich wissen musst, Catherine. Es ist ein dunkles Geheimnis das ich seit Jahren mit mir herum trage. Ich habe kaum mit jemandem darüber gesprochen.“, sagte Jekaterina und drehte ihren Kopf zur Seite, unfähig, ihrer Cousine in die Augen zu sehen.
 

„Willst du es mir sagen, Cousine?“
 

„Hoffentlich wendest du dich nicht von mir ab, wenn ich dir mein 507

Geheimnis enthülle.“, sagte Jekaterina.
 

„Was glaubst du, wie viele Geheimnisse man mir schon anvertraut hat, Jekaterina? Da macht deins die Gans auch nicht fett.“
 

„Ich bin lesbisch.“, sagte Jekaterina.
 

„Und was ist so schlimm daran? Ich bin auch ne Lesbe. Denn nur eine Frau, kann eine Frau wirklich verstehen.“
 

„Ernsthaft, Catherine? Ich hätte jetzt gedacht, dass du auf Männer stehst.“
 

„Auf gar keinen Fall. Männer denken doch meistens nur mit ihrem Geschlechtsorgan.“
 

„Du ahnst nicht, wie recht du hast, Cousine.“, sagte Jekaterina.
 

„War dein Bekenntnis etwa nur die Spitze des Eisbergs, Jekaterina?“
 

„Was glaubst du, warum ich eine Lesbe geworden bin, Catherine?“, fragte Jekaterina.
 

„Keine Ahnung. Sag du es mir.“
 

„Aber nicht jetzt, Catherine. Ich muss vorsichtig sein. Denn was ich im Moment absolut nicht gebrauchen kann, ist, dass meine seelischen Wunden von damals erneut aufbrechen. Und das ist erst vor kurzem passiert.“, sagte Jekaterina.
 

Catherine legte Jekaterina eine Hand auf die Schulter und sah sie aus ihren braunen Augen liebevoll an.
 

„Du bist nicht allein. Du hast deine Schwester. Und du hast mich. Wir beide fangen dich auf.“
 

„Du hast meine Lebensgefährtin Alaia vergessen.“, sagte Jekaterina.
 

„WHAT? Jetzt verarschst du mich aber, Cousine.“
 

„Absolut nicht.“, sagte Jekaterina.
 

Zurück auf der Brücke staunte Jekaterina nicht schlecht, als sie die Genesis sah. Der Rumpf des Passagiertransporters besaß eine elegante Linienführung. Ab der Hälfte führte das Dach in einer leichten Kurve nach oben und endete in zwei mächtigen Flügeln, deren äußerste Oberkanten leicht nach oben gebogen waren. Darunter waren ebenfalls zwei Flügel angebracht, in denen jeweils ein gewaltiger Lüfter untergebracht war. An den unteren Flügeln konnte Jekaterina zwei Lufthutzen erkennen. Unmittelbar hinter dem Cockpit bildeten zwei kleinere Flügel die mit einer Stahlschiene mit den Hauptflügeln 508

am Heck verbunden waren, ein stabilisierendes Element, das der Verbesserung der Flugeigenschaften dienen sollte. Auch dort befanden sich am unteren Flügelelement zwei Lüfter. Die Cockpitsektion besaß auf der Backbord- sowie auf der Steuerbordseite jeweils drei Fenster und an der Vorderseite ein großes. Auffällig waren auch die drei Landekufen an der Rumpfunterseite. Auf einer Seite konnten Jekaterina und ihre Brückencrew den Namen des Schiffes erkennen. GENESIS.
 

„Commander Jardanka, scannen sie das Schiff, damit wir die technischen Daten herausfinden.“, befahl Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

10 Minuten später lag das Resultat vor.
 

„Captain, ich habe die technischen Daten. Länge: 85 Meter. Breite: 80 Meter. Höhe: 25 Meter. Masse: 3.120 Tonnen.“, sagte die Romulanerin.
 

„Verstanden, Commander. Miss Sherrock, setzen sie den schnellsten Kurs nach Vetera. Maximum Warp.“
 

„Ja, Captain.“, bestätigte die Navigatorin.
 

Fallon Sherrock betätigte einige Schaltflächen auf dem Display ihrer Konsole.
 

„Captain, unser Kurs wäre 175,6. Bei maximaler Geschwindigkeit bräuchten wir 17 Stunden.“, sagte die Frau aus London.
 

„In Ordnung, Miss Sherrock. Kurs 175,6. Maximum Warp. Nummer eins, sie dürfen mal wieder das Kommando übernehmen. Denn sie sollten soviel Erfahrung wie möglich sammeln. Es sei denn, sie wollen auf ewig erster Offizier bleiben.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

Jekaterina verließ die Brücke und machte sich auf den Weg zu ihrem Quartier.
 

Auf Vetera
 

Elenia hatte sich mit ihren Leuten in die geheime Stadt geflüchtet. Sie war eine der wenigen, die den genauen Standort kannte. Ihre grausame und machthungrige Tante Bavmorda hatte oft nach der Stadt suchen lassen, diese aber nie gefunden. Elenias Tante war jedes Mittel recht, um an diese Information zu gelangen. Auch vor Folter schreckte sie nicht zurück. Elenia erinnerte sich an jenen Tag, an dem Bavmorda die Macht auf Vetera an sich gerissen hatte. Alles hatte damit angefangen, dass sie die Wachen hatte ausschalten lassen. Denn Bavmorda wusste, dass die Palastwache ihrem Bruder treu ergeben war. Danach hatte sie ihre Garde, die Sarkai, damit beauftragt, ein Massaker 509

an der königlichen Familie zu verüben, und damit ein Exempel zu statuieren. Denn Bavmorda wollte sicherstellen, dass das Volk von Vetera begriff, dass sie nun die Regentin war. Jeder, der es wagte, sie wegen ihres Führungsstils offen zu kritisieren, wurde hart bestraft. Er verlor all seinen Besitz. Die Männer mussten bis zum Tod in den Minen arbeiten, während die Frauen als Sklavinnen im Palast dienen mussten. Weibliche Kinder mussten sogar die sexuellen Gelüste der Monarchin befriedigen, während Jungen in die Arena geschickt wurden, wo sie gegen Bavmordas liebstes Haustier, den Werwolf, eine Bestie in Wolfsgestalt, mit schwarzem Fell, diabolischen roten Augen und messerscharfen Reißzähnen, ohne Waffe kämpfen mussten. Auf diese Weise konnte Elenias Tante jeden Widerstand im Keim ersticken.
 

Doch dann war aus heiterem Himmel ihre Tochter Kyra verschwunden. Keiner hatte etwas bemerkt, bis sie vor dem hohen Rat, als Bavmordas Thronfolgerin vereidigt werden sollte. Erst vor kurzem war sie zurückgekehrt und hatte eine Rede ihrer Mutter vor den Ratsmitgliedern, auf brüskierende Art und Weise gestört, und Bavmorda offen angeklagt. Aber bevor die Sarkai Bavmordas Tochter habhaft werden konnten, war sie auch schon wieder verschwunden. Sie befreite Elenia aus dem Kerker. Holte die Sklavinnen aus dem Palast, ließ die jungen aus dem Verlies in der Arena, auch die Sklaven in den Minen hatte sie befreit, bevor sie die Bewohner der Städte aufrief ihr zu folgen. Die meisten, darunter auch viele reiche und einflussreiche Familien, folgten ihrem Aufruf. Zurück blieb nur eine Handvoll Loyalisten.
 

Damit hatte sich Kyra offen gegen ihre Mutter gestellt, und zur Rebellion aufgerufen. 2 Tage war das her. Elenia sah hinunter auf die Stadt. Sie war eine Frau von 1,63 m Körpergröße mit einem Modelkörper. Sie hatte ein ovales Gesicht mit blauen Augen und einer etwas zu breit geratenen Nase. Ihre brünetten Haare trug Elenia offen, sodass bis zur Oberkante ihrer Oberweite reichten und unten eine Dauerwelle bildeten. Bekleidet war sie mit einem schwarzen, figurbetonenden, schulterfreien Minikleid und schwarzen High Heels.
 

Kyra, ihre Cousine, stand neben ihr. Sie war eine 1,69 m große Frau mit blauen Augen und schulterlangen, schwarzen Haaren. Auch ihr Körper hätte der eines Models sein können, aber im Gegensatz zu ihrer Cousine Elenia, war Kyras Körper etwas athletischer. Allerdings war ihre Haut etwas leicht gebräunt. Auch sie hatte ein ovales Gesicht, allerdings war ihre Nase etwas graziler, als Elenias. Bekleidet war die mit einem purpurnen, schulterfreien Abendkleid, und schuhen mit flachen Absätzen in derselben Farbe. Auch ihre Handschuhe, die bis über die Ellenbogen reichten, waren Purpur.
 

„Wie sieht dein nächster Schachzug aus, Cousine?“, fragte Elenia.
 

„Wir werden dich als rechtmäßige Königin von Vetera ausrufen. Denn bevor ich Mutter vor den Kopf gestoßen habe, habe ich erfahren, dass ein Föderationsschiff auf dem Weg hierher ist. Die USS Kirow.“

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„Die Kirow?“, fragte Elenia verblüfft.
 

„Ja. Sie wird von Jekaterina Romanova befehligt. Mit der Föderation auf unserer Seite hätten wir eine Chance, Mutter zu stürzen.“
 

„Ja ich weiß, Kyra. Die Sarkai sind und zahlenmäßig überlegen. Was weißt du über Captain Romanova? Ich muss wissen, mit wem ich es zu tun habe, wenn ich, beziehungsweise, wenn WIR mit ihr sprechen.“, sagte Elenia.
 

„Sie ist eine mächtige und gefährliche Frau. Wer es sich mit ihr verscherzt, ist erledigt.“
 

„Was meinst du damit, Kyra?“, fragte Elenia.
 

„Jekaterina Romanova ist Trägerin des Ordens von Kahless, Mitglied im Orden des Bat'leth, zusammen mit ihren Geschwistern Angehörige des Hauses Zarrok, einer angesehenen klingonischen Familie. Das heißt, sie hat den klingonischen hohen Rat hinter sich. Zumindest den Großteil. Außerdem trägt sie den Titel einer batarianischen Herzogin. Und seit kurzem ist sie Angehörige der Familie von Königin Ariadne, und darf sich offiziell Prinzessin nennen. Die Rulonen nennen Jekaterina Romanova „Joelina“ „Die Göttliche“. Ihre Königin Loreley unterhält eine Freundschaft mit ihr. Und sie trägt das Zeichen absoluten Vertrauens. Reicht das an Informationen?“
 

„Fürwahr. Sie ist mächtig und gefährlich. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sie deine Mutter unterstützen sollte.“, sagte Elenia.
 

„Das wird sie nicht. Tyrannen, wie meine Mutter, sind ihr ein Dorn im Auge. Das mussten Leute wie Ronk oder Kanzler Goran am eigenen Leib erfahren.“
 

„Hoffentlich. Denn wenn du dich irrst, war alles umsonst.“, gab Elenia zu bedenken.
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57185.4 Commander Quantez Robertson, erster Offizier, neuer Eintrag: Captain Romanova ist fast wieder die Alte. So entspannt und fröhlich, wie in den letzten Tagen, haben wir sie schon lange nicht mehr gesehen. Wir sind nach Vetera aufgebrochen, wo wir gestern eingetroffen sind. Noch hat sich niemand mit uns in Verbindung gesetzt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand zu uns Kontakt aufnimmt.“
 

In ihrem Quartier war Jekaterina mal wieder nach einem ihrer Duftbäder. Sie hatte sich dieses Mal für die schlammige Variante entschieden. Kokos sollte es dieses Mal sein. Jekaterina wollte gerade nach einem weißen Würfel greifen, als der Türsummer ertönte. Rasch warf sie ihren blauen Bademantel über und band ihn zu, sodass man ihre Brüste nicht sehen konnte.

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„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.
 

„Dambala.“
 

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q trat ein. Wie immer erschien er in eleganter Kleidung.
 

„Schön dich zu sehen, Dambala. Was führt dich dieses Mal zu mir?“, sagte Jekaterina.
 

„Nun ich dachte, ich schau mal wieder vorbei. Ich hoffe es geht dir gut, Jekaterina.“
 

„Ich bin mental auf dem aufsteigenden Ast. Denn jetzt, wo Anastasia in Sicherheit ist, und wir uns endlich ausgesprochen haben, ist mir eine zentnerschwere Last von der Seele gefallen.“, sagte Jekaterina.
 

„Freut mich das zu hören.“
 

„Und Anastasia und ich haben uns versöhnt. Außerdem habe ich meine Cousine kennengelernt.“, sagte Jekaterina.
 

„Darf ich fragen, wer sie ist, Jekaterina?“
 

„Lady Catherine Somerville. Sie ist Königin Ariadnes Nichte. Und ich darf die Königin „Mutter“ nennen. Denn ich bin jetzt eine Prinzessin. Zumindest auf dem Papier.“, sagte Jekaterina.
 

„Das bedeutet, dass du eine mächtige und gefährliche Frau geworden bist. Wer es wagt, auch nur seine Hand gegen dich zu erheben, oder dir sonst irgendwie dumm zu kommen, hat ernsthafte Schwierigkeiten. Ein Fingerschnippen von dir, und die Person ist erledigt.“
 

Jekaterina verschränkte ihre Arme vor der Brust.
 

„Was würde dieser Umstand für unsere Mission bedeuten, Dambala?“, fragte sie dann.
 

„Bevor ich dir diese Frage beantworte, muss ich dich noch mit ein paar Hintergrundinformationen versorgen, damit du weißt, worauf du dich einstellen musst.“
 

„Schieß los.“, sagte Jekaterina, nachdem sie und der Q sich gesetzt hatten.
 

„Vor zwei Jahren hat die jetzige Regentin, ihr Name ist Bavmorda, gewaltsam die Macht an sich gerissen. Sie hat ein Massaker an der ganzen 512

königlichen Familie befohlen. Alle wurden von Bavmordas Elitesoldaten, den Sarkai, auf brutalste Art und Weise abgeschlachtet.“
 

„Alle?“, fragte Jekaterina.
 

„Alle. Außer Elenia. Bavmorda hat sie in den Kerker werfen lassen. Sie wusste, wenn sie ihre Nichte ins Exil schickt, würde Elenia eines Tages zurückkehren, und einfordern, was ihr rechtmäßig zusteht.“
 

„Und deshalb wollte Bavmorda Elenia im Kerker sterben lassen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ganz Recht. Bavmorda regiert Vetera mit eiserner Faust. Jeder der es wagt sie zu kritisieren wird sofort mundtot gemacht. Er verliert alles, was er besitzt. Bavmorda hat Angst, dass Elenia ihre Schreckensherrschaft beenden könnte.“
 

„Und was hat das mit mir zu tun?“, fragte Jekaterina.
 

„Durch deine Macht und deinen Einfluss bist du in der Lage, Bavmorda ohne triftigen Grund als Königin abzusetzen.“
 

Dambala schnippte mit den Fingern.
 

„Einfach so.“, sagte er dann.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Anastasia betrat das Quartier ihrer Schwester. Als sie ihre Schwester in ihrem Lieblingssessel sitzen sah, und Dambala, den Q, auf der Couch, zog sie sich einen Stuhl heran und setzte sich neben ihre Schwester.
 

„Es ist schön, euch beide vereint zu sehen.“, sagte Dambala.
 

„Wenn meine Schwester nicht gewesen wäre, dann würde ich jetzt auf Katmai in der Brutkolonie stecken, und müsste weiß Gott, was für sexuelle Handlungen über mich ergehen lassen.“
 

„Jekaterina hat mir von eurer Aussprache und eurer Aussöhnung erzählt.“, sagte der Q.
 

„Es hat mir das Herz zerrissen, als ich die Borderline-Narben auf den Unterarmen meiner Schwester gesehen habe.“
 

„Dambala und ich kennen uns schon etwas länger. Ich bin ihm begegnet, als wir mit der Kirow auf unserer sechsten Mission waren. Zu dem Zeitpunkt war ich schwer krank. Eine seltene Blutkrankheit hat mich außer Gefecht gesetzt. Ein Bad in der Schlammquelle auf Rulon hat meine Genesung erheblich beschleunigt.“, sagte Jekaterina.

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„Deine Schwester war immer stark und tapfer. Aber irgendwann musste sie unweigerlich an ihre mentalen Grenzen stoßen. Ich war dabei, als sie in Tränen ausbrach und geweint hat. Sie wirkte damals hilflos, wie ein kleines Kind, dass seine Eltern verloren hat, und verzweifelt nach ihnen sucht.“
 

„Ich verdanke meiner Schwester viel. Bevor wir uns ausgesprochen haben, habe ich Jekaterina versprochen, sie nie wieder im Stich zu lassen. Die Narben waren eine Lektion für mich, die ich nie vergessen werde.“, sagte Anastasia.
 

„Das ist gut. Aber vergiss nie dein Versprechen, das du deiner Schwester gegeben hast.“
 

„Natürlich nicht. Aber danke, dass du zwischen uns vermittelt hast. Ohne dich hätten diese Aussprache und unsere Versöhnung nicht stattgefunden. Aber jetzt, wo ich die ganze Geschichte kenne, fällt es mir leichter, zu verstehen, was meine Schwester damals dazu bewogen hat, eine Lesbe zu werden. Zumal ich diese Erfahrung selbst auch gemacht habe.“, sagte Anastasia.
 

Es zischte erneut, was Jekaterina verriet, dass noch jemand ihr Quartier betreten hatte, Und es gab nur eine Person an Bord der Kirow, der dieses Privileg zustand. Jekaterinas Lebensgefährtin Alaia. Doch es war nicht die einstige Königin der Yor. Es war Dayani, das Energiewesen, das in Jekaterina seine Mutter sah, Jekaterina bemerkte einen besorgten Gesichtsausdruck bei Dayani.
 

„Wie geht es dir, Mutter?“, fragte das Energiewesen.
 

Anastasia wollte Dayani schon eine Rüge erteilen, doch Jekaterina hielt sie zurück. Dann erhob sie sich, und nahm Dayani in die Arme.
 

„Hab keine Angst um mich, Dayani. Jeder von uns macht manchmal so etwas durch.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich weiß. Aber ich habe ein schlechtes Gewissen dir gegenüber, Mutter. Ich hätte für dich da sein sollen. Ich war es nicht.“
 

„Fängst du auch schon damit an, Dayani. Du musst dir meinetwegen keine Vorwürfe machen. Niemand hätte das vorhersehen können. Nicht einmal du, die mächtiger ist, als ich. Die mehr weiß als ich.“, sagte Jekaterina.
 

„Du sagst, ich habe Macht. Ich habe keine. Du sagst, ich weiß mehr als du. Ich tu es nicht.“
 

„Stell dein Licht nicht unter den Schemel, Dayani. Du hast mehr Macht, als ich je haben werde. Erinnerst du dich, was du mit Ronks Laseranlage gemacht hast? Oder was du bei dem Borgschiff angerichtet hast? Dazu werde ich nie in der Lage sein, dass weißt du genau so gut wie ich, Dayani.“, sagte Jekaterina.

514

„Ich lass dich nicht im Stich, Mutter. Du hast mir damals geholfen, dass zu werden, was ich jetzt bin. Ein Individuum. Ich habe einen Namen, und damit eine Identität. So wie damals James T. Kirk mir geholfen hat, den nächsten Schritt zu gehen, so wars du es, die mich auf meinem letzten Entwicklungsschritt begleitet hat, und die mich noch heute begleitet. Und dafür bin ich dir ewig dankbar, Mutter.“
 

Jekaterina nahm Dayani wieder in die Arme und hielt sie fest. Anastasia sah, wie Dayani ihren Kopf an die Schulter ihrer Schwester lehnte, und die Augen schloss.
 

„Ich liebe dich, Mutter.“, sagte Dayani leise.
 

„Ich dich auch , mein Kind.“
 

Anastasia räusperte sich.
 

„Entschuldigt bitte, Leute. Aber würde mir vielleicht mal jemand erklären, was hier los ist?“, fragte sie.
 

„Dayani ist ein Energiewesen, das in mir seine Mutter sieht.“
 

„Das versteh ich nicht, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

„Es war auf unserer allerersten Mission, Anastasia. Die Kirow war zu dem Zeitpunkt das neueste Schiff in der Flotte. Unser Auftrag war, eine energetische Anomalie zu untersuchen, die in der Nähe der neutralen Zone entdeckt worden war. Wir wurden Zeuge, wie ein Ferengi-Schiff von einer Energiewaffe, auf der Basis von Plasma, zerstört wurde. Danach hat Keiko Tadashita, unsere Kommunikationsoffizierin eine Nachricht empfangen.“
 

„Und wie lautete diese Nachricht?“, fragte Anastasia.
 

„Sie lautete „Gebt mir einen Namen“. Ich habe befohlen, den Namen Dayani zu senden. Und was ich in den Armen halte, ist das, was aus der Anomalie geworden ist. Ein Wesen aus purer Energie in menschlicher Gestalt, das in mir seine Mutter sieht. Es denkt, ja es fühlt sogar wie ein Mensch.“
 

„Dann bin ich also schon Tante. Darf ich meine Nichte auch mal in den Arm nehmen?“, sagte Anastasia.
 

Jekaterina sah das Energiewesen an, und bekam ein stummes Kopfnicken. Anastasia erhob sich, und ging auf Dayani. Zuerst strich sie dem Energiewesen sanft über die Wange. Dayani kam näher, legte ihre Arme um Anastasia und lehnte ihren Kopf nun an ihre Schulter. Anastasia nahm das Energiewesen in die Arme und hielt es fest.
 

„Ich bin glücklich, dich kennenzulernen, Tante Anastasia.“, sagte Dayani, und sah Anastasia aus ihren braunen Augen an. 515

„Und ich freue mich, dich kennenzulernen, Nichte Dayani.“
 

Auf Vetera
 

Königin Bavmorda kochte innerlich vor Zorn. Ihre eigene Tochter hatte sie verraten, indem sie Bavmordas ärgste Rivalin um die Herrschaft auf Vetera, Prinzessin Elenia, aus dem Kerker befreit hatte. Danach waren die beiden mit einem Großteil der Einwohner und den Gefangenen geflohen. Und es gab nur einen Ort, der als Zufluchtsort für die Rebellen infrage kam. Die geheime Stadt, nach der sie, Bavmorda, seit dem Beginn ihrer Tyrannei, suchen ließ. Auch die Produktion in den Minen war durch die Flucht zum Stillstand gekommen. Damit konnte Vetera seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen. Über die Strafen, die man für Vertragsbruch gegen den Planeten verhängen würde, mochte Bavmorda gar nicht erst nachdenken. Zu allem Überfluss war auch noch ein Föderationsschiff der Sovereign-Klasse, die USS Kirow hier aufgetaucht. Und über die Kommandantin, Jekaterina Romanova, hatte Bavmorda schon viel gehört. Über sie wurde berichtet, dass sie nicht nur attraktiv, sondern auch mächtig und gefährlich war. Und wenn sich Captain Romanova auf die Seite der Rebellen stellte, dass was Ende von Bavmordas Schreckensherrschaft besiegelt.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina hatte nur schnell geduscht. Das schlammige Duftbad musste wohl oder übel erst mal warten. Wieder in Uniform suchte sie, in Begleitung von Dambala die Brücke auf.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Nummer eins?“, fragte sie ihren ersten Offizier.
 

„Nein, Captain. Bis jetzt ist alles ruhig.“
 

Keiko Tadashita hob wieder einmal den Kopf als sie ein akustisches Signal empfing.
 

„Captain, wir werden gerufen.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Bavmordas Gesicht. Jekaterina sah in das Gesicht einer Frau, die sich ihrer Schönheit sehr wohl bewusst war. Bavmorda hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Ihre braunen, dauergewellten Haare trug die Königin offen und schulterlang. Jekaterina konnte Entschlossenheit in den Augen der Tyrannin erkennen. Diese Frau würde nicht klein beigeben.
 

„Ich nehme an, sie sind Captain Jekaterina Romanova.“, sagte Bavmorda.
 

„Die bin ich. Mit wem habe ich das Vergnügen?“

515

„Ich bin Königin Bavmorda. Und es passt mir nicht, dass sie hier sind, Captain.“, sagte die Königin.
 

„Wir wurden hierher beordert. Ich habe meine Befehle, meine Königin.“
 

„Dessen bin ich mir bewusst, Captain Romanova. Aber nichts desto Trotz verlange ich von ihnen, dass sie, wenn sie einen Bericht an Starfleet Command senden, lügen.“, sagte Königin Bavmorda.
 

„Und wenn ich das nicht tue?“
 

„Dann gibt’s mächtigen Ärger, Captain.“, sagte Bavmorda.
 

„Dann sage ich ihnen das gleiche, was ich damals Kanzler Goran gesagt habe. Meine Loyalität gilt nur der Föderation. Aber nicht ihnen.“
 

„Ich dache mir, dass sie so etwas sagen würden, Captain Romanova. Und ich würde ihnen dringend empfehlen, mich nicht herauszufordern. Bavmorda Ende.“, sagte die Königin.
 

„Was meinen sie, Nummer eins?“, fragte Jekaterina Commander Robertson.
 

„Die Frau meints ernst. Allein können wir nichts ausrichten, Captain.“
 

„Schön. Keiko rufen sie Starfleet Command. Teilen sie mit, dass wir Verstärkung benötigen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Auf Qo'noS
 

Die Sitzung des hohen Rates war gerade vorüber, als ein Bote vor General Zarrok trat. Er zeigte den traditionellen Kriegergruß, wie es der Kodex erforderte.
 

„General, gerade kam eine Nachricht von Starfleet Command. Eines ihrer Schiffe, die Kirow hat um Verstärkung gebeten. Wir wurden gefragt, ob wir ein paar Schiffe nach Vetera entsenden können.“, sagte der Bote.
 

„Kanzler Martok?“
 

„Wir haben genug Schiffe zur Verfügung, General Zarrok. Nehmen sie ihr Schiff, die Boreth, dann die Maranga IV und die Krios Prime. Das müsste reichen.“, sagte Kanzler Martok.
 

Auf Romulus
 

Kimara Cretak, die Vorsitzende des neuen Senats auf Romulus, saß

gerade in ihrem Büro und ging einige Dokumente durch, als Terak, der Prätor den Raum betrat. Bevor er sein Anliegen vorbrachte, nahm er die Senatorin noch einmal genauer in Augenschein. Senatorin Cretak war eine 1,70 m große Frau mit einem schlanken Körper, der nicht dem durchschnittlichen Körperbau der Romulaner entsprach. Ihre braunen Haare waren bis auf Höhe der Ohrläppchen kurz geschnitten. Kimara Cretak hatte ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase und braunen Augen. Sie sah auf, als sich der Prätor räusperte.
 

„Was gibt es Terak?“, fragte sie.
 

„Senatorin Cretak, ein Raumschiff der Föderation, die Kirow, hat Verstärkung angefordert. Gerade eben kam eine Nachricht von Starfleet Command.“
 

„Commander Donatra soll das übernehmen. Sie soll mit ihrem Schiff, der Valdore, und der Genorex aufbrechen. Da fällt mir ein: Wo befindet sich die Kirow eigentlich?“, sagte Kimara.
 

„Sie befindet sich im Orbit um den Planeten Vetera. Und die dortige Regentin hat wohl nicht die Absicht, von ihren Ämtern zurückzutreten.“
 

„Na schön. Commander Donatra soll sofort aufbrechen. Geben sie ihr die entsprechenden Befehle.“, sagte Senatorin Cretak.
 

„Sehr wohl, Senatorin.“
 

Auf Bataria
 

Königin Keyra ging gerade das Protokoll der letzten Ratssitzung durch, als ihre Tochter Lanea, den Raum betrat. Sie sah auf, als die Prinzessin sich räusperte.
 

„Was gibt es, Lanea?“, fragte Keyra.
 

„Gerade kam eine Nachricht von Starfleet Command. Eines der Schiffe, die Kirow, hat Verstärkung angefordert. Scheint so, als ob da jemand gehörig Ärger verursacht, Mutter.“
 

„Wir schulden Jekaterina viel, Lanea. Wir werden helfen.“, sagte die Königin.
 

„Welche Schiffe?“
 

„Unsere Truppentransporter. Vier von den neuen, zwei von den alten. Die alten sollen mit Infanterieeinheiten beladen werden, die neuen mit Hydropanzern und Infanterie. Und die Infanteristen sollen mit dem Schallmodul ausgerüstet werden.“, sagte Laneas Mutter.
 

„Ja, Mutter.“
 

516

„Und lass eine Meldung an Starfleet Command senden, dass unsere Schiffe Schutz brauchen.“, sagte Königin Keyra.
 

„Ja, Mutter.“
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier 10. März, 9:45 Uhr Ortszeit
 

Admiral Paris ging gerade einige Dokumente durch, als Lieutenant Parker, sein persönlicher Adjutant, das Büro seines Vorgesetzten betrat. Der alte Admiral sah auf, als er den Leutnant bemerkte.
 

„Was führt sie zu mir, Mr. Parker?“, fragte Owen Paris.
 

„Sir, gerade kam eine Nachricht aus dem batarianischen Flottenhauptquartier. Sie schicken sechs Truppentransporter, die unseren Schutz benötigen.“
 

„Welche Schiffe sind in der Nähe, des batarianischen Flottenverbandes.“, fragte Admiral Paris.
 

„Die Laconia, die Hiryū und die Cumberland, Sir.“
 

„Hat die Cumberland die Testphase beendet?“, fragte der alte Admiral.
 

„Vor zwei Tagen, Sir.“
 

„Na schön. Sie werden jetzt folgendes tun, Mr. Parker. Schicken sie eine Nachricht an besagte Schiffe. Sagen sie den Kommandanten, sie sollen den batarianischen Verband nach Vetera geleiten, und vor Ort neue Befehle abwarten. Und senden sie eine Nachricht an die Kirow, dass die angeforderte Verstärkung unterwegs ist.“, sagte Owen Paris.
 

„Ja, Sir. Da wäre noch etwas, Sir.“
 

„Was denn, Lieutenant?“, fragte der alte Admiral.
 

„Sir, die Klingonen und die Romulaner erbitten Erlaubnis, unsere Grenze passieren zu dürfen.“
 

„Erlaubnis erteilt.“, sagte Admiral Paris.
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57190.4 Commander Quantez Robertson, erster Offizier neuer Eintrag: Das erste Gespräch mit Königin Bavmorda, der derzeitigen Regentin auf Vetera verlief alles andere als zufriedenstellend. Diese Frau geht nicht nur mit dem Kopf durch die Wand, sondern auch über Leichen, wenn es sein muss. Aus diesem Grund hat Captain Romanova Verstärkung angefordert. Hoffen wir, dass diese bald hier 517

ist, denn wenn nicht, dann sieht es für uns alles andere als gut aus.“
 

Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin der Kirow, hob den Kopf als sie ein akustisches Signal empfing.
 

„Commander, man hat uns kontaktiert.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Elenias Gesicht.
 

„Seien sie gegrüßt, Captain.“, begann Elenia das Gespräch.
 

„Verzeihung, Mylady, aber ich bin nur der erste Offizier. Commander Quantez Robertson.“
 

„Freut mich, sie kennenzulernen, Commander. Darf ich ihnen eine Frage stellen?“, sagte Elenia.
 

„Nur zu, Mylady.“
 

„Hat ihre Vorgesetzte schon mit meiner Tante, Königin Bavmorda gesprochen, Commander Robertson?“, fragte Prinzessin Elenia.
 

„Es gab in der Tat eine Konversation zwischen Captain Romanova und ihrer Tante, Prinzessin Elenia.“
 

„Ich schätze mal, dieses Gespräch ist nicht nach Wunsch meiner Tante verlaufen.“, sagte Elenia.
 

„Für uns leider auch nicht. Wir sind uns durchaus bewusst, dass ihre Tante ernst macht, wenn es hart auf hart kommt. Wir haben schon Verstärkung angefordert.“
 

„Das heißt, es kommen noch mehr Raumschiffe der Föderation, Commander?“, fragte die Prinzessin.
 

„Uns wurden drei Schiffe des klingonischen Imperiums und zwei Schiffe des romulanischen Sternenimperiums angekündigt. Und vorhin kam die Meldung, dass noch sechs batarianische Truppentransporter auf dem Weg hierher sind, die von dreien unserer Schiffe eskortiert werden.“
 

„Das wird meiner Tante nicht gefallen, Commander. Ich bin sicher, dass sie gleich mit ihnen in Kontakt tritt, um ihnen die Leviten zu lesen.“, sagte Elenia.
 

Und wie Recht die Prinzessin hatte, zeigte sich, nachdem das Gespräch beendet war. Denn Keiko musste erneut einen Gesprächskanal öffnen. Auf dem Schirm erschien das Gesicht der Tyrannin. 518

„Das Wort Gehorsam kommt in ihrem Wortschatz wohl nicht vor, Commander.“, fauchte Bavmorda.
 

„Doch das tut es sehr wohl, königliche Hoheit. Aber wie schon Captain Romanova gesagt hat, wir sind ihnen gegenüber in keinster Weise zu Loyalität verpflichtet.“
 

„Ach ja, und wieso nicht, wenn ich fragen darf, Commander?“, fragte Bavmorda.
 

„Ganz einfach, meine Königin. Ihrer Autorität sind Grenzen gesetzt. Ihre Gesetze gelten nur bis an die äußersten Grenzen von Vetera.“
 

„Sie gelten noch darüber hinaus. Auch auf ihrem Schiff, Commander.“, sagte Bavmorda streng.
 

„Oh nein, Königin Bavmorda. Hier auf der Kirow gelten die Regeln der Föderation. Und auch auf allen anderen Schiffen der Föderation. Und auf den klingonischen Schiffen, gelten die Regeln des klingonischen Imperiums.“
 

„Soso. Mich interessiert, wieso meiner Macht auf so dreiste Art Grenzen gesetzt werden.“, sagte Königin Bavmorda.
 

„Das ist schnell erklärt, meine Königin. So wie auf Vetera die hiesigen Gesetze gelten, weil der Planet das veterianische Hoheitsgebiet ist, so sind es auch die Schiffe der Föderation. Und auf Föderationsgebiet, besitzen ihre Gesetze keine Gültigkeit.“
 

„Dass sie sich nicht schämen, mir so eine Unverschämtheit an den Kopf zu werfen. Und was die Sache noch verschlimmert ist die Tatsache, dass sie Kontakt mit meinen Feinden hatten. Ich warne sie ein letztes Mal, Commander Robertson. Und sie täten besser daran, diese Warnung ernst zu nehmen. Noch irgendeine Form von Ungehorsam, und ihre Vorgesetzte wird meine persönliche Sex-Sklavin.“, sagte Bavmorda drohend.
 

„Dann habe ich die Pflicht, ihnen mitzuteilen, dass bereits Verstärkung auf dem Weg hierher ist, Königin Bavmorda. Kirow Ende.“
 

Bavmorda raste vor Wut. Nicht nur, weil man ihrer Macht Grenzen gesetzt hatte, sondern auch, weil die Kirow Kontakt mit Prinzessin Elenia und ihren Anhängern gehabt hatte. Für Königin Bavmorda war es unerheblich, wer den Kontakt hergestellt hatte. Und was noch schlimmer war, die Kirow hatte Verstärkung angefordert, die sich schon auf dem Weg befand. Die Königin wusste, dass ihr langsam aber sicher die Optionen ausgingen. Sie musste versuchen, irgendwie Zeit zu schinden. Die Tür öffnete sich, und ihre Ratgeberin Kaia trat ein.
 

„Was gibt es, Kaia?“, fragte Bavmorda.
 

„Meine Königin, es gibt erfreuliche Nachrichten.“ 519

„Wenigstens etwas positives an diesem schlechten Tag.“, sagte Königin Bavmorda.
 

„Was meint ihr, meine Königin?“
 

„Die befehlshabenden Offiziere der Kirow tanzen mir auf der Nase herum, und untergraben meine Autorität. Und zu allem Überfluss hat man noch Verstärkung angefordert. Aber jetzt berichte mir, was es an guten Neuigkeiten gibt.“, sagte die Königin.
 

„Es ist uns gelungen, den Warpantrieb zu erforschen. Die Nachricht kam heute Morgen.“
 

„Das sind wirklich gute Nachrichten. Wie hoch war das Maximum, Kaia?“, sagte Königin Bavmorda.
 

„Warp 5, meine Königin.“
 

„Sehr gut. Jetzt steht einem Beitritt zur Föderation nichts mehr im Wege.“, sagte Bavmorda.
 

„Ich befürchte doch, meine Königin.“
 

„Was sollte mich daran hindern, in Beitrittsverhandlungen zu treten, Kaia?“, fragte die tyrannische Königin.
 

„Es gibt eine Grundrechte-Charta, die ihr akzeptieren müsstet. Und ich kenne euch besser, als jeder andere. Deshalb kann ich sagen, dass ihr damit Probleme haben werdet.“
 

„Was macht dich da so sicher, Kaia?“, fragte Bavmorda.
 

„Dieses Dokument würde eure Macht sehr stark einschränken. Und nicht bloß das. Die Föderation könnte euch diktieren, wie ihr Vetera zu regieren habt. Aber wenn ich mich nicht täusche, meine Königin, hat die Föderation noch nie Tyrannen und Despoten aufgenommen.“
 

„Du meinst, die Föderation könnte mir den Beitritt verweigern, Kaia?“, wollte die Königin wissen.
 

„Höchst wahrscheinlich ja, meine Königin. Präsidentin Arikka gilt als unerbittlich. Und sie wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um einen Beitritt Veteras unter eurer Herrschaft zu verhindern.“
 

Vetera 3 Tage später

Die Laconia, die Hiryū und die Cumberland hatten über- und unterhalb der Kirow Position bezogen. Die batarianischen Truppentransporter hatten sich 520

so positioniert, dass jedes der vier Föderationsschiffe sie schützen konnte. Jekaterina saß wieder auf dem Platz in der Mitte, als sich Toprak, der taktische Offizier zu Wort meldete.
 

„Captain, unsere Sensoren haben zwei romulanische Schiffe erfasst. Die Valdore und die Genorex.“, sagte der Klingone.
 

„Was ist mit den Klingonen, Mr. Toprak? Laut der letzten Nachricht von Starfleet Command, hat Kanzler Martok doch drei Schiffe hierher beordert.“
 

„Sie werden bald hier sein, Captain. Die Romulaner haben soeben neben uns Position bezogen.“, sagte Toprak.
 

Irgendwo im Weltraum
 

Die Maranga IV, ein Angriffskreuzer der Vor'cha-Klasse, und die Krios Prime, ein Kriegsschiff des Negh'Var-Typs, hatten das Flaggschiff der kleinen Flottille, die IKS Boreth, einen Kreuzer der D7-Klasse flankiert und näherten sich langsam aber sicher ihrem Ziel. Es dauerte noch ungefähr anderthalb Stunden, bis General Zarrok den Orbit um den Planeten Vetera erreicht hatte.
 

Bavmorda saß in ihrem Arbeitszimmer, und ging die letzten Berichte durch, die die Suche nach der geheimen Stadt betrafen. Keiner stimmte sie zufrieden. Denn statt die Stadt zu finden, hatte Bavmorda 3 Bataillone Pioniere verloren. Ein Klopfen riss die Tyrannin aus ihren Gedanken.
 

„Herein.“, sagte die Königin.
 

Der Oberbefehlshaber der Sarkai, General Chen trat ein.
 

„Was gibt es General?“, fragte die tyrannische Königin.
 

„Hoheit, es sind drei weitere Schiffe der Föderation eingetroffen. Dazu sechs batarianische Truppentransporter und zwei romulanische Kriegsschiffe.“
 

„Namen?“, wollte die Königin wissen.
 

„Die Namen der Föderationsschiffe lauten Laconia, Cumberland und Hiryū.“
 

„Und die romulanischen?“, fragte Bavmorda.
 

„Valdore und Genorex.“
 

„Das gefällt mir nicht. Sonst noch was, General Chen?“, sagte die Tyrannin.
 

„Es sind noch drei klingonische Schiffe auf dem Weg hierher. Ankunft in einer Stunde.“ 521
 

„Wissen sie, was diese massive Flottenpräsenz bedeutet, General Chen?“, fragte Bavmorda den General.
 

„Jedenfalls nichts Gutes, nehme ich an.“
 

„Jekaterina Romanova, will mich stürzen, damit Elenia an die Macht kommt. Sie weiß, dass sie es alleine nicht mit mir aufnehmen kann. Deshalb diese Übermacht. Sie will mich in die Knie zwingen.“, sagte die Tyrannin.
 

An Bord der Imperator
 

Mikuru Suzuki, die Kommandantin, und Seigo Asada, der erste Offizier, saßen im Besprechungsraum mit Präsidentin Arikka zusammen. Die Ariantu hatte vor, nach Vetera zu reisen, um gegenüber Königin Bavmorda Stärke zu demonstrieren. Denn Arikka duldete keine Tyrannen im Föderationsrat.
 

„Glauben sie wirklich, dass Bavmorda nicht klein beigibt, Madam President?“, fragte Captain Suzuki.
 

„Definitiv nicht, Captain Suzuki. Bavmorda ist sturer als eine Herde Maulesel. Und ihre Kollegin, Jekaterina Romanova, kann nicht ohne weiteres eine Bodenoffensive anordnen. Sie braucht die Autorisierung durch einen Vorgesetzten. Und diese Bodenoffensive ordne ich dann doch lieber selbst an.“
 

„Das heißt, unsere Aufgabe wäre es, sie nach Vetera zu bringen, Madam President.“, sagte Seigo Asada.
 

„Hat man ihnen denn eine Mission zugewiesen?“
 

„Im Moment nicht, Madam President.“, sagte Mikuru Suzuki.
 

„Dann haben sie jetzt eine. Wir brechen sofort auf.“
 

„Ja, Madam President.“, sagte die Kommandantin der Imperator.
 

Vetera 5 Stunden später
 

Die Imperator hatte unterhalb der Valdore Position bezogen. Arikka, die Ariantu, Präsidentin der Föderation, war auf die Kirow gewechselt und hatte umgehend Königin Bavmorda kontaktiert. Das Gespräch war ein verbaler Schlagabtauch der beiden Frauen.
 

„Na schon, Königin Bavmorda. Ich habe es im Guten versucht. Aber da sie vernünftigen Argumenten nicht zugänglich sind, regeln wir das auf die harte Tour.“, sagte Arikka.
 

„Sie bluffen doch nur, Madam President.“ 522
 

„Wir werden sehen.“, sagte die Föderationspräsidentin.
 

Dann wandte sie sich an Keiko Tadashita.
 

„Miss Tadashita, schicken sie eine Nachricht an die batarianischen Truppentransporter. Sie sollen landen, und ihre Einheiten absetzen. Diese sollen sofort mit der Bodenoffensive beginnen.“, sagte die Ariantu, um sich dann wieder der Tyrannin zuzuwenden.
 

„Glauben sie immer noch, dass ich bluffe, Königin Bavmorda? Wenn sie richtig zugehört haben, habe ich gerade eine Bodenoffensive befohlen. Und ich wage zu bezweifeln, dass sie genug Einheiten haben, um meinen Streitkräften Paroli bieten zu können.“, sagte Arikka.
 

2 Stunden später rumpelten die Hydropanzer durch die Straßen von Veteras Hauptstadt, dicht gefolgt von den batarianischen Infanteristen. Auf dem großen Platz vor dem Königspalast kamen die Panzer zum Stehen. Die Infanteristen gingen vor den Panzern in Position und brachten ihre Schallmodule in Anschlag. General Chen, der den Truppenaufmarsch beobachtet hatte, wusste, dass die Situation ausweglos war. Bavmorda war gezwungen, bedingungslos zu kapitulieren. Tat sie das nicht, würde es ein unnötiges Blutvergießen geben.
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina saß im Besprechungsraum mit der Präsidentin zusammen. Die beiden Frauen erörterten, wie mit Königin Bavmorda verfahren werden sollte, sobald sie abgesetzt war. Es war jedoch Jekaterina, die den entscheidenden Einwand vorbrachte.
 

„Wir sollten Prinzessin Elenia die Entscheidung überlassen, Madam President.“, sagte sie.
 

Präsidentin Arikka nickte.
 

In der geheimen Stadt
 

Elenia saß gerade im Kaminzimmer und las in ihrem Lieblingsbuch. Es war schon eine Ewigkeit her, seit sie das Buch zum letzten Mal in der Hand gehabt hatte. Die Prinzessin hatte das Buch zusammen mit ihren persönlichen Habseligkeiten bei ihrer Flucht in die geheime Stadt vorher dort versteckt. Prinzessin Elenia blätterte gerade die nächste Seite um, als es an der Tür klopfte.
 

„Herein!“, sagte sie.
 

Die Tür öffnete sich und der Oberbefehlshaber der veterianischen Streitkräfte, General Bradley Hollis betrat den Raum.
 

„Was gibt es General, Hollis?“, fragte Elenia. 523

„Mylady, es gibt Neuigkeiten aus der Hauptstadt.“
 

„Bitte.“, sagte die Prinzessin.
 

„Prinzessin Elenia, so wie die Dinge stehen, ist es mit der Tyrannei eurer Tante vorbei.“
 

„Wie sicher, sind diese Informationen, General?“, wollte Prinzessin Elenia wissen.
 

„Ziemlich sicher, Mylady. Sehen sie, Arikka, die Präsidentin der Föderation, hat eine Bodenoffensive befohlen. Der Palast ist umstellt. Die Sarkai haben sich ergeben. Eure Tante kann sich der Gerechtigkeit nicht mehr entziehen.“
 

„Noch ist die Messe nicht gelesen, General Hollis. Es ist lediglich der finale Akt in diesem Drama eingeläutet.“, sagte Elenia.
 

„Mylady, die Niederlage eurer Tante wurde soeben vermeldet. Es war Bavmorda selbst, die ihre Niederlage selbst eingeräumt hat.“
 

„Dann müssen die feindlichen Bodentruppen aber ziemlich gut aufgestellt sein, General. Welche Einheiten sind überhaupt im Einsatz und wie hoch ist deren Stärke?“, sagte die Prinzessin.
 

„200 Hydropanzer und 200.000 Mann Infanterie. Die Infanteristen wurden mit batarianischen Schallmodulen ausgerüstet, Mylady.“
 

„Kein Wunder, dass sie Sarkai es vorgezogen haben, sich zu ergeben. Lassen sie mich bitte allein, ich möchte mit der Kirow sprechen.“, sagte Elenia.
 

Im Königspalast
 

Bavmorda weinte. Sie hatte öffentlich ihre Niederlage einräumen müssen. Von einem Augenblick auf den anderen hatte sich ihre heile Welt in einen Scherbenhaufen verwandelt. Und das alles nur, weil die Kommandantin der Kirow Verstärkung angefordert hatte. Ihre Tage als Königin waren gezählt, soviel stand fest. Und man würde sie, Königin Bavmorda, für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen. Sie wusste zwar nicht, welche Strafe sie zu erwarten hatte, aber sie würde grausam sein.
 

Eine Stunde später
 

Bavmorda saß auf dem Thron im großen Saal. Sie wollte ihrer Gegnerin in die Augen blicken. Und diese hieß Jekaterina Romanova. Bavmorda hatte diese Frau vom ersten Augenblick an gehasst. Seit dem Gespräch, bei dem ihr die Kommandantin der Kirow rotzfrech die Stirn geboten hatte. Und jetzt war dieses Miststück auch noch ihr eigener Untergang. Die abgesetzte Königin erhob sich, als sich die große Doppeltür öffnete, und Jekaterina, begleitet von 524

ihrer Lebensgefährtin Alaia, ihrer Cousine Catherine, Cassandra ihrer persönlichen Leibwächterin, Prinzessin Elenia und Präsidentin Arikka den Thronsaal betrat. Dieses Mal trug Jekaterina ihr blaues Kleid mit den Pfauenfedern und die dazu gehörigen Sandaletten.
 

Jetzt wo Bavmorda Jekaterina zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, wuchs ihr Hass auf die junge Russin noch mehr. Wie konnte sie es nur wagen, schöner zu sein, als die abgesetzte Königin selbst? Elenias Tante baute sich noch einmal vor Jekaterina auf und spuckte vor ihr auf den Boden.
 

„Runter auf die Knie und auflecken, Captain.“, befahl sie barsch.
 

„Prinzessin, wenn ich bitten darf, Bavmorda.“
 

„Für sie immer noch KÖNIGIN BAVMORDA.“, sagte Bavmorda.
 

„Sie sind keine Königin mehr. Es ist vorbei. Ab sofort wird Elenia Vetera regieren. Denn sie ist die rechtmäßige Thronerbin.“
 

„Ich hasse sie, Captain! Ich hasse sie! Ich hasse sie!“, keifte Bavmorda Jekaterina an.
 

„Ich komme nicht als Raumschiffkommandantin hierher. Sondern als Königin Ariadnes Tochter. Und als solche haben sie mich gefälligst mit Prinzessin anzusprechen. Verstanden?“
 

„Ja doch, PRINZESSIN.“, sagte Bavmorda zähneknirschend.
 

„Gut. Will ich doch wohl auch hoffen.“
 

Cassandra wandte sich an Jekaterina.
 

„Hast du schon über die richtige Strafe für dieses ehrlose Individuum nachgedacht, Herrin?“, fragte sie.
 

„Die Entscheidung liegt nicht bei mir, Cassandra. Sondern bei Königin Elenia.“
 

„Wie kannst du es wagen, meine Rivalin mit MEINEM Titel anzusprechen, du mieses, kleines Flittchen?“
 

„Ein bisschen mehr Respekt, wenn ich bitten darf. Sie sprechen hier mit Tante Ariadnes Tochter.“, sagte Catherine.
 

„Halt du dich da raus!“
 

„Schluss jetzt! Es wird Zeit, dass über euch gerichtet wird.“, sagte Präsidentin Arikka.

525

„Ich möchte eine Sache zu bedenken geben, Madam President.“
 

„Bitte, Prinzessin.“, sagte die Föderationspräsidentin.
 

„Vetera ist noch kein vollwertiges Mitglied der Föderation. Deswegen können wir Bavmorda nicht vor einem Föderationsgericht anklagen.“
 

„Dessen bin ich mir vollauf bewusst, Prinzessin Jekaterina.“, sagte Arikka.
 

Jekaterina wandte sich an Elenia.
 

„Was soll mit eurer Tante geschehen, Königin Elenia?“, fragte sie.
 

„Macht mir einen Vorschlag, Prinzessin.“
 

„Habt ihr schon mal vom Planeten Katmai gehört, meine Königin?“, fragte Jekaterina.
 

„Der Planet ist mir nicht ganz unbekannt. Gibt es dort nicht eine Brutkolonie des dunklen Lords?“
 

„Ganz Recht, Mylady.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich denke, dass ist die gerechte Strafe, für diese Tyrannin.“
 

Bavmorda sah ihre Nichte entgeistert an. Das konnte nicht Elenias Ernst sein. Doch der Blick in ihren Augen verriet der einstigen Königin, wie ernst es Elenia war. Bavmorda ahnte, dass die neue Königin sie demütigen wollte. Sie, eine Adlige, sollte zu einer Gebärmaschine für Aliennachwuchs herabgestuft werden. Doch es gab kein Zurück mehr. Das Urteil war gesprochen. 526

USS Kirow - Mission 14

USS KIROW MISSION 14
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57243.4 Commander Quantez Robertson neuer Eintrag: Die Verhandlungen mit Vetera sind abgeschlossen. Gestern Abend wurde der Vertrag in einer feierlichen Zeremonie unterschrieben. Jetzt muss nur noch der Föderationsrat zustimmen. Unsere Arbeit hier ist beendet. Aber da wir keine Mission haben, werden wir erst einmal bleiben.“
 

Jekaterina schlenderte zusammen mit Königin Elenia durch die Straßen der Hauptstadt. Lange Zeit sagte keine ein Wort. Doch dann brach die rechtmäßige Königin Veteras das Schweigen.
 

„Ich bin noch nie einer so tapferen und außergewöhnlichen Frau begegnet, wie dir, Prinzessin.“, sagte sie.
 

„Wieso außergewöhnlich, Elenia?“
 

Die Königin sah Jekaterina an.
 

„Du hast bereits einen legendären Ruf. Viele Tyrannen, wie meine Tante, und viele Despoten fürchten dich. Ich wäre so gern wie du, Prinzessin.“, sagte Elenia.
 

„Mit anderen Worten, du willst lieber ein Föderationsschiff kommandieren, als hier auf Vetera die Herrschaft zu übernehmen. Du bist dazu bestimmt zu herrschen. Und du kannst vor deinem Schicksal nicht davonlaufen.“
 

Elenia seufzte.
 

„Ja, du hast Recht, Jekaterina. Und du hast mir in der Zeit, die du hier bist, schon soviel beigebracht. Auch wie man Schach spielt. Danke für alles, Prinzessin.“, sagte Elenia.
 

„Ich bin gern hier gewesen, Elenia. Aber ich würde mich freuen, wenn du mich mal in meiner Heimatstadt Smolensk, auf der Erde besuchst. Gerade im Frühling, wenn die Bäume anfangen zu blühen, ist es dort sehr schön.“
 

„Danke für die Einladung, Prinzessin. Und ich werde kommen. Das verspreche ich.“, sagte Königin Elenia.
 

„Was machen wir mit deiner Tante? Ich kann sie nicht an die Vengeance übergeben. Denn das wäre Menschenhandel. Und den toleriert die Föderation nicht.“
 

„Wir werden schon einen Weg finden, Prinzessin.“, sagte Elenia.
 

An einem Brunnen blieb die neue Königin Veteras stehen. 527

Jekaterina fiel auf, dass er aussah, wie die Fontana di Trevi in Rom, Italiens Hauptstadt. Elenia setzte sich an den Brunnenrand, und Jekaterina daneben. Die neue Königin Veteras sah Jekaterina aus ihren blauen Augen an. Dann griff sie nach ihrer Tasche, die sie die ganze Zeit getragen hatte, und holte ein in Leder gebundenes Buch heraus.
 

„Das ist für dich.“, sagte Elenia.
 

„Was ist das?“
 

„Eine Sammlung unserer schönsten Märchen und Sagen. Aber das ist nicht das einzige Geschenk, dass ich für dich habe.“, sagte Elenia und holte einen Siegelring aus ihrer Tasche.
 

Das Wappen erinnerte an Engelsflügel.
 

„Dieser Siegelring trägt das Wappen der Romanovas.“, sagte Königin Elenia.
 

„Warum tust du das, Elenia?“
 

„Du hast mir gesagt, dass deine Familie kein eigenes Wappen hat. Jetzt habt ihr eins.“, sagte Elenia.
 

„Danke.“
 

„Schon gut. Ich weiß, du musst auf dein Schiff zurück. Leb wohl Prinzessin. Lebe frei.“, sagte Elenia.
 

„Herrsche gut.“
 

Dann tippte Jekaterina an ihren Kommunikator.
 

„Captain an Kirow.“, sprach sie in das kleine Gerät.
 

„Wir hören sie klar und deutlich, Captain.“
 

„Beamen sie mich hoch.“, befahl Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Dann kam die Bestätigung, dass alles zum Beamen bereit war.
 

„Energie.“, sagte Jekaterina.
 

Ein Vorhang aus blauem Licht umhüllte sie, und von einem Augenblick auf den nächsten veränderte sich ihre Umgebung.
 

10 Minuten später erschien Jekaterina auf der Brücke. Sie trug wieder 527

Ihre Dienstuniform, wie es die Vorschrift erforderte. Ihr erster Offizier, Quantez Robertson, nahm Haltung an, als seine Vorgesetzte erschien.
 

„Kommandant auf der Brücke!“, sagte er.
 

„Rühren, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Ich übernehme wieder das Kommando.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Nummer eins?“
 

„Nein, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

Kaum hatte er seinen Satz beendet, hob Keiko den Kopf.
 

„Captain, ich habe Admiral Janeway für sie.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Captain Romanova.“
 

„Ich nehme stark an, dass sie wieder eine Mission für uns haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Da haben sie Recht, Captain. Es geht um den Planeten Drengin. Er befindet sich in der Nähe des bajoranischen Wurmlochs.“
 

„Worum geht es, Admiral?“, fragte Jekaterina.
 

„Im Orbit wurden mehrere Schiffe gesichtet. Und Stand jetzt wissen wir, dass es sich bei den Schiffen um eine Invasionsflotte handelt.“
 

„Das heißt die Schiffe sind allesamt Transportschiffe, Admiral.“, sagte Jekaterina.
 

„Ganz Recht, Captain. Aber sie haben noch vier Schiffe als Eskorte dabei. Zwei schwere Kreuzer und zwei leichte Kreuzer.“
 

„Die leichten Kreuzer könnten wir ohne weiteres allein erledigen, Admiral. Was mir aber Sorgen bereitet, sind die beiden schweren Kreuzer. Immerhin sind es vier Schiffe gegen eins.“, sagte Jekaterina. 528

„Deswegen bekommen sie die Cumberland als Verstärkung. Ihrer beider Feuerkraft wird ausreichen, um die feindlichen Truppen zu vertreiben.“
 

„Verstehe, Admiral. Eine Frage noch: Wer regiert zurzeit auf Drengin?“. Sagte Jekaterina.
 

„Königin Kalindra.“
 

„Hat Königin Kalindra uns um Hilfe ersucht?“, fragte die Kommandantin.
 

„Hat sie. Ich habe vorübergehend die Titan und die Ranger dorthin beordert, damit sie Zeit haben, den dunklen Lord seiner gerechten Strafe zuzuführen. Wenn ich richtig informiert bin, wurde er zum Tode verurteilt.“
 

„Das ist richtig, Admiral. Ich habe vor ihn auf Draconia in der Goyoma-Wüste auszusetzen. Entweder verdurstet Lord Vorlock, oder er wird von einem Sandwurm gefressen. Wobei mir letzteres ehrlich gesagt lieber wäre.“, sagte Jekaterina.
 

„Verstehe. Da fällt mir ein, was passiert eigentlich mit Königin Elenias Tante?“
 

„Sie wird nach Katmai in die Brutkolonie gebracht. Aber nicht auf meinem Schiff.“, sagte Jekaterina.
 

„Sehr gut Captain. Aber jetzt fliegen sie erst mal nach Draconia und vollstrecken das Urteil. Danach eskortieren sie das Schiff mit Bavmorda nach Katmai und sehen sich in der Brutkolonie um. Und wenn sie damit fertig sind, brechen sie nach Drengin auf.“
 

„Ja, Admiral. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.
 

Dann wandte sich Jekaterina an Komi, die Fallon Sherrock an der Navigationskonsole abgelöst hatte.
 

„Miss Namura. Berechnen sie den schnellsten Kurs nach Draconia. Maximum Warp.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

Die Japanerin aus Kure betätigte einige Schaltflächen, auf dem Display. Dann wandte sie sich an Jekaterina.
 

„Unser Kurs wäre 240,2. Bei Maximum Warp wären wir in 6 Stunden dort.“, sagte sie.
 

„In Ordnung. Programmieren sie den Kurs und dann brechen wir auf.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Komi. 529

Draconia 6 Stunden später
 

Kalinka war außer sich vor Freude, als sie hörte, dass die Kirow angekommen war. Draconias Königin warf sich extra in Schale, um Jekaterina gebührend zu empfangen. Auf dem großen Platz vor dem Palast trafen sie sich wieder. Jekaterina trug wieder das rote Paillettenkleid, das sie am Tag ihrer Ernennung zur Kommandantin der Kirow getragen hatte. Nach einer innigen Umarmung sahen Kalinka und Jekaterina einander an.
 

„Es ist schön dich wiederzusehen, Jekaterina. Und ich sehe, dass du deinen Frieden gefunden hast. Ich habe gehört, was passiert ist. Tief in meinem Inneren habe ich mit dir gelitten.“, sagte Kalinka.
 

„Ja, es war eine schwere Zeit für mich. Aber noch ist dieses Kapitel nicht abgeschlossen.“
 

„Ich weiß. Du bist hier, um den dunklen Lord Shai Hulud zu opfern.“, sagte Kalinka.
 

„Ja. Und danach soll ich dafür sorgen, dass Königin Elenias Tante nach Katmai gebracht wird. Und mich in der Brutkolonie umsehen.“
 

„Ist das nicht ein bisschen zu riskant? Ehrlich Jekaterina. Ich werde das Gefühl nicht los, dass jemand scharf auf dein Kommando ist.“, sagte Kalinka.
 

„Oder hast du Angst, dass man mich überwältigen, und in eine Brutkammer im Nest stecken könnte?“
 

„Genau das meine ich. Ich will nicht, dass dir etwas zustößt.“, sagte Kalinka.
 

„Warum machst du dir um mein Wohlergehen und meine Sicherheit eigentlich so viel Sorgen? Du kennst mich doch kaum.“
 

„Weil ich in dir die Schwester sehe, die ich immer haben wollte, aber nie hatte.“, sagte Kalinka.
 

„Verstehe. Hast du mir deswegen Cassandra an die Seite gestellt?“
 

„Ja. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir etwas passieren würde.“, sagte Kalinka.
 

„Ich pass schon auf mich auf. Und so sehr ich die Brutkolonie meiden würde, habe ich meine Befehle. Und die lauten, dass ich mich dort umsehen soll.“
 

„Du kannst doch einen Befehl verweigern, wenn du dein Leben und das deiner Besatzung in Gefahr siehst.“, gab Kalinka zu bedenken.
 

„Das stimmt. Und einmal habe ich von diesem Recht Gebrauch machen 530

müssen.“
 

„Dann tu es mir zuliebe noch mal. Und wenn du wirklich in die Kolonie gehen solltest, dann pass bloß auf dich auf.“, sagte Kalinka.
 

„Das mach ich sowieso. Außerdem nehme ich Cassandra und ein paar Leute unseres Sicherheitsteams mit.“
 

„Gut. Aber jetzt sollten wir keine Zeit verschwenden. Lass uns den dunklen Lord auf seine letzte Reise schicken.“, sagte Kalinka.
 

Während des Fluges zur Goyoma-Wüste hing jeder seinen Gedanken nach. Besonders Jekaterina, die immer noch eine Antwort auf die Frage wollte, wie der dunkle Lord auf ihre Schwester aufmerksam geworden war. Sie beschloss alles auf eine Karte zu setzen, und sprach Lord Vorlock an.
 

„Wie sind sie eigentlich auf Anastasia aufmerksam geworden?“, fragte sie ihn direkt.
 

„Ahnst du es nicht, Prinzessin?“
 

„Hat sie jemand auf meine Schwester aufmerksam gemacht?“, fragte Jekaterina.
 

„Ja. Und du kennst denjenigen, der mir von deiner Schwester vorgeschwärmt hat.“
 

„Michail Golowko. Na der kann was erleben.“, sagte Jekaterina.
 

„Das hast du sehr richtig erkannt, Prinzessin. Und bevor du nach dem „Warum“ fragst, will ich es dir verraten. Auch wenn ich damit meinen Eid breche und Michail Golowko sprichwörtlich ans Messer liefere.“
 

„Ich höre.“, sagte Jekaterina.
 

„Michail wusste, dass du und Anastasia euch irgendwann aussprechen und wieder versöhnen würdet.“
 

„Das heißt, er wollte unsere Versöhnung verhindern?“, fragte Jekaterina fassungslos.
 

„Du bist ein sehr heller Kopf, Prinzessin. Michail hat dir nur deshalb von mir erzählt, weil er wollte, dass es ein Wettrennen zwischen uns wird, wer Anastasia als erstes erreicht. Sein Plan war, dass ich vor dir ankommen sollte, und du hilflos mit ansehen solltest, wie Anastasia auf mein Schiff gebracht wird.“
 

„Dann ist sein Plan wohl nicht aufgegangen. Denn wie du siehst, haben sowohl die Aussprache als auch unsere Versöhnung statt gefunden. Michail kriegt sein Fett weg, darauf geb ich dir Brief und Siegel.“, sagte Jekaterina. 531

„Willst du ihn töten, Prinzessin?“
 

„Ich mach mir an so einem miesen Stück Dreck doch nicht die Finger schmutzig. Nein. Entweder schicke ich ihn nach Rura Penthe, oder Michail erleidet dasselbe Schicksal wie du und Eros.“, sagte Jekaterina.
 

„Du bist grausam, Prinzessin.“
 

„Nur weil ich mich bei meinem Peiniger für das was er mir angetan hat revanchieren will? Er hat dir nicht die ganze Wahrheit erzählt, stimmt’s?“, fragte Jekaterina.
 

„Er hat mir nur von deiner Schwester erzählt.“
 

„Dann sieh her.“, sagte Jekaterina und zeigte Lord Vorlock die Narben auf ihren Unterarmen.
 

„Sind die… von einem Kampf?“
 

„Nein. Die habe ich mir selbst beigebracht. Der Schmerz, den die Rasierklinge verursacht hat, war die einzige Linderung für meine seelischen Qualen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich verstehe, Prinzessin. Aber ich möchte dir noch eines sagen, bevor ich meinen letzten Gang antrete. Ich bin nicht das Monster, für das du mich hältst.“
 

„Und das soll ich dir glauben? Das alles hätte nicht sein müssen, hättest du meine Schwester in Ruhe gelassen.“, sagte Jekaterina.
 

„Jetzt, wo mein Ende naht, habe ich begriffen, dass es keine gute Idee war, Anastasia zu verfolgen. Ich habe deinen Zorn auf mich geladen. Genauso wie Michail deinen Hass auf sich geladen hat.“
 

„Der schon 17 Jahre anhält.“, sagte Jekaterina.
 

„Reife Leistung, Prinzessin.“
 

Jekaterina erhob sich und ging. Der dunkle Lord sah ihr hinterher. Irgendwie empfand er Mitleid mit ihr. Diese Frau musste durch die Hölle gegangen sein. Was mochte sie wohl durchgemacht haben?
 

Als das Shuttle Gargarin seine Position erreicht hatte, öffnete Jekaterina die Luke und zwei Mitglieder des Sicherheitsteams der Kirow stießen Lord Vorlock unsanft nach draußen. Dann stieg das Shuttle um Höhe zu gewinnen.
 

Als ein Sandwurm aus der Tiefe auftauchte, geriet der dunkle Lord ins Straucheln und fiel, wie schon zuvor Eros in den Rachen des Wurms. Die Kieferklappen schlossen sich und die Kreatur verschwand wieder 532

unter der Sandoberfläche. Erneut gab der Sandwurm ein Geräusch von sich, das an ein Rülpsen erinnerte.
 

„Mein Gott. Was für ein Monster.“, sagte Anastasia.
 

„Das war Shai Hulud.“
 

„Der größte je auf Draconia gesichtete Sandwurm.“, sagte Kalinka.
 

Zurück auf der Kirow machte sich Jekaterina auf den Weg zur Brücke, nachdem sie ihr Partykleid gegen ihre Dienstuniform getauscht hatte. Als sie auf der Brücke erschien, nahm Commander Robertson sofort Haltung an.
 

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte er.
 

„Rühren, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Irgendwelche Neuigkeiten, Mr. Robertson?“
 

„Es gibt in der Tat Neuigkeiten, Captain.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.
 

„Bitte.“
 

„Man hat uns die Koordinaten des Rendezvouspunkts mit der Vengeance durchgegeben. Ich habe schon den schnellsten Kurs berechnen lassen, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Gut. Wie lautet unser Kurs, Nummer eins?“
 

„Unser Kurs wäre 168,7. Mit Höchstgeschwindigkeit wären wir in einer halben Stunde vor Ort.“, sagte Quantez Robertson.
 

Jekaterina wandte sich an Fallon Sherrock, die wieder ihren Platz an der Navigationskonsole eingenommen hatte.
 

„Miss Sherrock. Setzen sie Kurs 168,7. Maximum Warp. Ich will die Vengeance nicht unnötig warten lassen.“, sagte sie.
 

„Ja, Captain.“
 

30 Minuten später hatte die Kirow neben der Vengeance Position bezogen. Jekaterina wollte gerade einen Logbucheintrag einsprechen, als Keiko Tadashita den Kopf hob.
 

Wir wurden gerade gerufen, Captain.“, sagte sie.

533

„Auf den Schirm.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Keiko.
 

Auf dem großen Schirm erschien Moraks Gesicht.
 

„Ich grüße sie, Captain Romanova.“, sagte er.
 

„Darf ich fragen, wer sie sind?“
 

„Ich bin Lord Morak, der nächste dunkle Lord.“, sagte der dunkle Lord.
 

„Wir haben den Auftrag sie nach Katmai zu eskortieren. Und ich habe zusätzlich die Order, mich in der Brutkolonie umzusehen. Aus diesem Grund möchte ich sichergestellt wissen, dass die Leute dort mich nicht in eine Brutkammer stecken.“
 

„Keine Sorge, Captain. Ich habe bereits eine Nachricht nach Katmai geschickt, mit der Order, sie unbehelligt zu lassen. Ich hoffe, dass der Chefaufseher, das den dortigen Wachen auch mitteilt.“, sagte Lord Morak.
 

Auf Katmai
 

Der Oberaufseher hatte das Wachpersonal zusammengerufen. Viele fragten sich, was der Grund sein mochte. Alle schwiegen, als ihr Vorgesetzter anfing zu sprechen.
 

„Also Leute. Ich habe euch zusammengetrommelt, weil ich eine Nachricht vom Chef bekommen habe. Unsere Kolonie bekommt Zuwachs. Bavmorda, die ehemalige Königin von Vetera. Und um sicherzustellen, dass unser prominenter Neuzugang unterwegs nicht verloren geht, wird die Vengeance von der Kirow eskortiert. Und das bringt mich zum zweiten, und wichtigen Teil von Lord Moraks Nachricht. Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow, wird Bavmorda bis ins Innerste der Kolonie begleiten. Wir haben den Befehl sie unbehelligt zu lassen. Denn zum einen bürgt der Chef für ihre Sicherheit, und zum anderen besteht die Gefahr, dass uns die Föderation und das klingonische Imperium einen Besuch abstatten, wenn Jekaterina Romanova in einer Brutkammer endet. Und das können wir uns nicht leisten. Also Leute: Lasst eure Griffel bei euch. Wenn auch nur einer seine Waffe gegen die Romanova zieht, schieße ich ihn über den Haufen.“, sagte der Oberaufseher.
 

Jekaterina ging neben Lord Morak durch einen Gang, essen Wände aus Granit bestanden. Cassandra, ihre Leibwächterin, ging an ihrer Seite, während die Mitglieder des Sicherheitsteams die Kommandantin abschirmten. Eine Zeitlang sprach keiner ein Wort. Doch dann schoss eine Frage durch den Kopf, und sie brach das Schweigen.
 

„Könnt ihr mir etwas über die Brutkolonie erzählen. Lord Morak?“, fragte 534

sie. „Sicher. Kommt darauf an, was sie wissen wollen.“
 

„Mich würde interessieren, welche Funktion die Kolonie hat, und wozu sie errichtet wurde.“, sagte Jekaterina.
 

„Kennen sie das Straflager auf Rura Penthe, Captain?“
 

„Natürlich. Ich bin schon dort gewesen, aber nicht als Gefangene.“, sagte Jekaterina.
 

„Die Kolonie ist etwas Ähnliches. Allerdings sind die Insassen alle weiblich. Hier finden sie alles. Angefangen vom kleinen Dieb, bis zu rücksichtslosen Weltraumpiratinnen. Kennen sie Corinne Dury?“

„Wer kennt nicht den „Schwarzen Engel“.“, sagte Jekaterina.
 

„Sie war die Erste, die hierher kam. Und sie war auch die erste, die im Schmerzverstärker starb.“
 

„Was ist das überhaupt, Mylord?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Wir kommen gleich daran vorbei. Dann werde ich ihnen die Funktion erläutern.
 

Vor einem großen Fenster blieb Lord Morak stehen.
 

„Das ist er. Das ist der Schmerzverstärker.“, sagte der dunkle Lord und deutete auf eine Wanne in der Mitte des Raumes.
 

Darin lag eine grünhaarige Frau. Jekaterina konnte anhand der Lippenbewegungen erkennen, dass sie einen Schmerzensschrei ausstieß. An der Wand hing ein Schild mit einem Namen. Jekaterina las Heather White. Und der Name sagte ihr etwas. Diese Frau war eine der brutalsten Sklavenhändlerinnen. Viele kannten Heather auch unter ihrem Spitznamen „Die Wespe“. Moraks Stimme holte Jekaterina in die Gegenwart zurück.
 

„Sie ist erst seit einigen Tagen im Schmerzverstärker, aber in der Kolonie ist sie schon acht Jahre.“, sagte er.
 

„Wie alt ist sie jetzt?“
 

„40, Captain Romanova.“, sagte Morak.
 

„Das heißt, sie ist mit 32 hierher gekommen.“
 

„Ganz Recht, Captain. Als wir sie erwischt haben, hat sie eine Betazoidin zu Tode gequält, die sich gegen sie aufgelehnt hatte.“, sagte Lord Morak.

535

Dann ging er weiter. Doch Jekaterina hielt ihn zurück.
 

„Sie wollten mir doch erklären, wie der Schmerzverstärker funktioniert.“, sagte sie.
 

„Stimmt, da war ja etwas. Wie sie sehen können, ist die Wanne mit einem Gel gefüllt, das elektrischen Strom gut leiten kann. Sehen sie Handfesseln, Captain? Sie haben auf der Innenseite ein feuchtes Stoffkissen. Mittels dieser Metallstäbe, die im Gel stecken, wird ein elektrischer Impuls erzeugt, der durch das Gel verstärkt wird. Die Handfesseln sind mit diesem Steuerpult dort drüben verbunden. Der Operator, das ist der Mann in rot der davor sitzt, kann mittels Regler, die Amperezahl erhöhen.“
 

„Und je höher die Amperezahl, desto stärker der elektrische Schlag.“, sagte Jekaterina.
 

„Und damit wird auch der Schmerz verstärkt, den Heather White zu spüren bekommt.“
 

Die Gruppe ging weiter, bis der Gang zu Ende war, und in einer großen Höhle mündete.
 

„Das ist das Nest. Und wie sie sehen können, gibt es zwei Stück davon.“
 

Jekaterina lief ein Schauer über den Rücken. Doch sie ließ sich nichts anmerken. Begleitet von ihrer Leibwächterin brachte Jekaterina die entmachtete Königin zu einer der vielen Kammern des zweiten Nestes. Dort sah sie der ehemaligen Tyrannin in die Augen.
 

„Zeit Abschied zu nehmen, Mylady. Aber keine Bange, ich werde noch bleiben, und zusehen, wie sie ihre letzte Reise antreten.“, sagte Jekaterina.
 

„Du glaubst, du hast triumphiert, Prinzessin. Aber du irrst dich. Wir werden uns wiedersehen. Denn ich werde zurückkehren. Und meine Rache wird grausam sein, das schwöre ich dir.“
 

Der Oberaufseher räusperte sich.
 

„Wie alt seid ihr, Mylady?“, fragte er.
 

„Was geht dich das an?“
 

„Ich muss fragen. Ist Vorschrift hier.“, sagte der Aufseher.
 

„Also schön. Ich bin 50.“
 

Der Aufseher seufzte.

536

„Eigentlich müsste ich euch unseren Gesetzen nach wieder freilassen, aber weil man euch dazu verurteilt hat, hier euer Ende zu finden, sind mir die Hände gebunden, Mylady.“, sagte er.
 

Dann gab er zwei Wächtern ein Zeichen, und bedeutete ihnen, Bavmorda ihren Bademantel abzunehmen. Cassandra beugte sich zu Jekaterina.
 

„Besser wir gehen. Wir sollten nicht länger als unbedingt nötig hier draußen bleiben.“, flüsterte sie ihrer Herrin ins Ohr.
 

Jekaterina sah zum dunklen Lord hinüber, und bekam ein Kopfnicken als Antwort. Gemeinsam machte sie sich mit den anderen auf den Weg in den Panoramaraum, von dem aus man das innere der Kolonie überblicken konnte. Jekaterina beobachtete, wie die einstige Königin von Vetera einen Steg entlang ging und vor einer leeren Brutkammer stehenblieb. Sie sah, wie Bavmorda vor Angst zitterte. Doch schließlich ging die Verurteilte weiter. Als sie in der Brutkammer steckte, sank sie sofort tiefer. Schon bald war Bavmorda bis zu den Hüften eingesunken. Und schon bald wurden auch ihre Brüste vom Schleim verschluckt. Instinktiv breitete die einstige Königin die Arme aus.
 

Sofort kamen von oben grüne Tentakel, die sich um Bavmordas Handgelenke wickelten. Die entmachtete Regentin wand sich, und versuchte, sich loszureißen. Doch vergeblich. Die Tentakel hielten sie fest. Jekaterina konnte erkennen, wie Bavmorda die Augen schloss, und sich ihr Körper entspannte.
 

„Sie hat sich in ihr Schicksal ergeben, Captain.“, sagte Morak.
 

„Ich weiß. Vielen Dank, dass ich die Kolonie besichtigen durfte, Mylord.“
 

„Es war mir eine Ehre, sie ihnen zeigen zu dürfen.“, sagte Morak.
 

Wieder an Bord der Kirow befahl Jekaterina den schnellsten Kurs zum bajoranischen Wurmloch zu berechnen. Als Fallon Sherrock fertig war, befahl Jekaterina den Kurs zu programmieren und ordnete Maximum Warp an. Dann übergab sie das Kommando an ihren ersten Offizier. Denn sie musste das Gesehene verarbeiten. Und sie wollte endlich ihr schlammiges Entspannungsbad nehmen.
 

In ihrem Quartier löste Jekaterina erst einmal ihre Haare. Sie wollte gerade ihren Uniformpulli ausziehen, als ihre Lebensgefährtin Alaia auf sie zukam.
 

„Du wirkst ziemlich erschöpft, Schatz.“, sagte sie.
 

„So fühle ich mich auch, du kleine Maus.“
 

Alaia lachte.
 

„Warum entspannen wir uns nicht ein bisschen?“, fragte sie. 537

„An was hast du gedacht, Liebling?“
 

„Wie wärs mit einem schlammigen Duftbad?“, schlug Alaia vor.
 

„Danach ist mir schon die ganze Zeit, Alaia.“
 

„Ist auch schon eine Weile her.“, sagte die einstige Königin von Yor.
 

„Seit letztem Jahr, als du mich das erste Mal besucht hast.“
 

„Genau. Aber bevor wir unser Schlammbad genießen, will ich dich was fragen, Jekaterina.“, sagte Alaia.
 

„Was wäre das, Liebling?“
 

„Schatz, willst du mich heiraten?“, fragte Jekaterinas Lebensgefährtin.
 

Jekaterina lächelte.
 

„Und ob ich will, Liebling.“, sagte sie.
 

Dann umarmten sich die beiden Frauen, und gaben einander einen liebevollen und zärtlichen Kuss und rieben ihre Nasenspitzen aneinander.
 

„Ich liebe dich, Jekaterina.“, sagte Alaia.
 

„Und ich liebe dich, Alaia.“
 

Der Türsummer holte Jekaterina und Alaia ins Hier und Jetzt zurück.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Tür öffnete sich und Anastasia kam herein. Jekaterina sah, dass ihre Schwester aufgewühlt war.
 

„Anastasia, was ist los? Du bist ja ganz aufgeregt.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich brauche deine Hilfe, Schwester.“
 

„Was bedrückt dich, Schwesterherz?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich bin total durcheinander. Ich habe Angst.“
 

„Wovor fürchtest du dich, Anastasia?“, fragte Alaia.
 

„Vor mir selbst.“
 

„Gibt es dafür überhaupt einen Grund?“, fragte Alaia. 538

„Genau das weiß ich nicht.“
 

„Jetzt erzähl doch erstmal, was lost ist, Schwesterherz.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich war bei Altagracia. Sie bringt mir nämlich seit einiger Zeit Backgammon bei.“
 

„Das ist doch nichts wovor du dich fürchten musst.“, sagte Alaia.
 

„Als ich auf die Kirow kam, hat Altagracia mir geholfen, mich zu akklimatisieren. Und irgendwann haben wir uns angefreundet. Aber wie das so ist, irgendwann waren wir die besten Freundinnen. Aber jetzt… scheint es anders zu sein.“
 

„Wie äußert sich das, Schwesterherz?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Na ja… Zuerst hat alles damit angefangen, dass Altagracia und ich einfach nur miteinander geschmust und gekuschelt haben. Ich hab mir nichts groß dabei gedacht, weil ich dachte, dass das beste Freundinnen auch mal machen. Irgendwann haben wir auch nackt miteinander gekuschelt. Und auch da dachte ich, dass so etwas für beste Freundinnen normal ist.“
 

„Und wann hast du diese Veränderung zum ersten Mal festgestellt, Anastasia?“, fragte Alaia.
 

„Vor zwei Tagen. Altagracia und ich haben eng aneinander gekuschelt geschlafen. Aber irgendwann habe ich ihre Lippen auf meinen gespürt. Mir war klar, dass sie mich küssen will. Ich hab den Kuss erwidert. Und urplötzlich war es da. Dieses Gefühl, als hätte ich tausend Schmetterlinge in meinem Bauch.“
 

Jekaterina und Alaia tauschten einen wissenden Blick. Jekaterina bat ihre Schwester auf der Couch Platz zu nehmen. Dann seufzte sie schwer. Denn Jekaterina wusste nicht, wie sie Anastasia beibringen sollte, dass sie lesbisch war. Sie wusste, dass, egal was sie sagen würde, die heile Welt ihrer Schwester nur noch ein Scherbenhaufen war.
 

Der Türsummer riss Jekaterina aus ihren Gedanken.
 

„Herein.“, sagte sie.
 

Die Tür öffnete sich und Königin Ariadnes Nichte trat ein. Sie merkte schnell, dass etwas nicht stimmte.
 

„Alles in Ordnung bei euch, Leute?“, fragte sie.
 

Jekaterina nahm Catherine auf die Seite und erkläre ihr die Situation.
 

„Ich glaube, meine ältere Schwester ist auch lesbisch. Aber ich weiß nicht, wie ich es ihr beibringen soll.“, sagte sie leise. 539

„Das kriegen wir schon hin. Vielleicht sollten wir für eure Gesprächsrunde einen entspannenden Rahmen schaffen.“
 

„Du bringst mich auf eine Idee, Cousine.“, sagte Jekaterina.
 

„Die da wäre?“
 

„Wie wärs wenn wir zu viert ein Bad nehmen?“, schlug Jekaterina vor.
 

„Ich sage nicht „Nein“, Cousine.“
 

Jekaterina griff einen weißen Würfel.
 

„Kannst du fangen, Schwesterherz?“, fragte sie und warf Anastasia den Würfel zu.
 

„Was ist das?“
 

„Du kennst doch meine Flacons.“, sagte Jekaterina.
 

„Für die Duftbäder, ich weiß.“
 

„Das ist etwas ähnliches.“, sagte Jekaterina.
 

„Und jetzt hättest du gern, dass wir zu viert ein solches Bad nehmen.“
 

„Nur wenn du möchtest, Schwesterherz.“, sagte Jekaterina.
 

„Warum nicht? Aber erst möchte ich wissen, was mit mir los ist.“
 

Jekaterina seufzte.
 

„Eigentlich wollte ich die Situation erst ein bisschen entspannen, damit du dich beruhigt hast, wenn ich, oder besser gesagt, WIR dir unsere Einschätzung mitteilen.“, sagte sie.
 

„Okay. Machen wir es so.“
 

„Also Ladies, raus aus den Klamotten und rein in den Pool.“, sagte Jekaterina.
 

In diesem Moment zirpte ihr Kommunikator.
 

„Brücke an Captain.“, vernahm sie die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Sprechen sie, Nummer eins.“
 

„Captain, wir wurden von dem unbekannten Aggressor kontaktiert. Er verlangt unseren bedingungslosen Rückzug.“, sagte Commander Robertson. 540

„Und was haben sie ihm geantwortet, Nummer eins?“
 

„Das wir nicht gegen unsere Befehle verstoßen können. Daraufhin hat er mit Krieg gedroht.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Jede Wette, das ist ein Bluff, Nummer eins. Er weiß wahrscheinlich, dass wir von einem Schiff begleitet werden, dass in der Lage ist, seine ganze Flotte im Alleingang zu vernichten.“
 

„Meinen sie, Captain?“, fragte der erste Offizier.
 

„Ich möchte es einmal so ausdrücken, Nummer eins. Jeder Bösewicht, der sich hier im Weltall herumtreibt, hat meistens ein gut funktionierendes Spionagenetzwerk. Er würde sogar Bescheid wissen, wenn ein Klingone den Ort aufsucht, an den Kanzler Martok zu Fuß hingeht. Haben sie sonst noch etwas, das ich wissen müsste?“
 

„Ja, Captain. Präsidentin Arikka hat noch Laconia und Hiryū zu unserer Unterstützung her beordert.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Danke Nummer eins, dass sie mich umgehend informiert haben.“
 

Dann entledigte sich Jekaterina ihrer Uniform und schloss sich den anderen an.
 

Im Pool ließ sie den Würfel ins Wasser fallen, der sich sofort mit einem Blubbern und Zischen aufzulösen begann. Als 10 Minuten verstrichen waren, war das Becken mit weißem Schlamm gefüllt, und es duftete verführerisch nach Kokos.
 

„Eine ziemlich schlammige Angelegenheit, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

„War Alaias Idee.“
 

„Ich glaube, da kann ich mich dran gewöhnen.“, sagte Anastasia.
 

Catherine räusperte sich.
 

„Deine Schwester hat mich eingeweiht, und mir kurz geschildert, was dich bedrückt, Cousine.“, sagte sie.
 

„Ich ahne schlimmes.“
 

„Was denn Schwesterherz?“, fragte Jekaterina.
 

„Jede Wette, gleich wird mir eröffnet, dass ich auch lesbisch bin.“
 

„Wäre das so schlimm für dich, Cousine?“, fragte Catherine.
 

„Na ja… ich wollte eigentlich immer Kinder haben, und eine 541

Familie gründen.“
 

„Und was hindert dich daran, Anastasia?“, fragte Alaia.
 

„Wie soll das denn gehen? Wie soll Altagracia mich denn schwängern?“
 

„Es gibt doch auch andere Möglichkeiten, Kinder zu kriegen. Eine künstliche Befruchtung zum Beispiel. Oder eine Adoption.“, sagte Jekaterina.
 

„Was soll ich jetzt machen?“
 

„Keine von uns kann dir sagen, was du tun sollst. Aber du solltest deine Gefühle für Altagracia nicht verleugnen, Cousine.“, sagte Catherine.
 

Jekaterina hatte die Augen geschlossen und die Fingerspitzen aneinander gelegt. So wie sie es immer tat, wenn sie nachdachte. Dann öffnete sie die Augen.
 

„Ich denke, ich kann mit definitiver Sicherheit sagen, wann es angefangen hat.“, sagte sie.
 

„Was?“
 

„Dass du lesbisch geworden bist, Anastasia. Ich bin ziemlich sicher, es hat auf Draconia angefangen. Du hast es nur nicht bemerkt, weil du dir nichts dabei gedacht hast. Du wolltest sexuell etwas Neues ausprobieren. Und ohne es zu merken, bist du auch eine Lesbe geworden. Und als du dich hier auf der Kirow mit Altagracia angefreundet hast, da war das Ganze noch nichts Ernstes, weshalb du dir keine Sorgen gemacht hast. Aber jetzt ist es ernst geworden, weil du Gefühle für Altagracia entwickelt hast, so wie sie für dich. Und jetzt weißt du nicht, wie du damit umgehen sollst.“, sagte Jekaterina.
 

„Sehr scharfsinnig. Du könntest glatt Privatdetektivin sein, Schatz.“
 

„Unter unseren Vorfahren war eine. Jelena Romanova. Die Juniorpartnerin von Paul MacLain.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord der Cumberland
 

Captain Lolita Moreno saß auf dem Platz in der Mitte der Brücke. Sie hatte gerade einen Logbucheintrag eingesprochen, als ihr taktischer Offizier Amiri, ein Vulkanier, etwas auf seinem Display entdeckt hatte.
 

„Captain, ich habe die Signatur der Kirow entdeckt. Sie befindet sich steuerbord querab.“, sagte er.
 

„Danke, Mr. Amiri.“

542

Der Vulkanier nahm seine Vorgesetzte näher in Augenschein. Lolita Moreno war 1,67 m groß. Außerdem hatte sie blonde Haare, die bis zur Achselhöhle reichten und einen Modelkörper. Die Kommandantin der Cumberland hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten Nase und haselnussbraunen Augen. Doch leider war Lolita mit einer üppigen Oberweite gesegnet, was ihr in der Schule und an der Sternenflottenakademie nicht nur bewundernde Blicke, sondern auch sehr oft einen „gewissen“ Pfiff eingebracht hatte. Mit ihren 32 Jahren war die Italienerin aus Venedig ein Jahr jünger als Jekaterina.
 

Ihr Schiff, die USS Cumberland, war das neueste, was die Föderation zu bieten hatte. Die Cumberland, nach man die gleichnamige Klasse benannt hatte, war ein Schlachtkreuzer mit einer Länge von 880 Metern. Das Schiff war 160 Meter breit und besaß 55 Decks. Vom untersten Punkt bis zum höchsten Punkt auf der Oberseite der Untertassensektion, war die Cumberland 88 Meter hoch. Auch die Bewaffnung konnte sich sehen lassen. Denn Lolitas Schiff war mit 24 Phaserbänken ausgerüstet und mit 5.500 Photonentorpedos, sowie 4.700 Quantentorpedos bestückt. Dazu kamen noch 44 isokinetische Kanonen. Im Gefecht konnten sich die Schilde der Cumberland automatisch neu kalibrieren und die Frequenz ändern.
 

Die Cumberland war das erste Schiff der Föderation, das über Transwarpantrieb verfügte. Im 23. Jahrhundert hatte man damit experimentiert und die USS Excelsior während der Testphase versuchsweise damit ausgerüstet. Doch als das Schiff in den regulären Dienst überstellt wurde, hatten die Verantwortlichen entschieden, auf einen Einsatz zu verzichten, da man bei Starfleet Command der Meinung war, dass die Technologie noch nicht ganz ausgereift war. Nun, ein Jahrhundert später, stand mit der Cumberland das erste Schiff zur Verfügung, das Transwarp 1 erreicht hatte.
 

Lolita Moreno, die Kommandantin der Cumberland, war sich im Klaren darüber, dass sie für die Sicherheit und das Wohlergehen von 2.800 Männern und Frauen Besatzung verantwortlich war. Und bei sovielen Leuten war es schwierig den Spagat zwischen Führungsstärke und Menschlichkeit zu schaffen. Führte Lolita das Schiff zu streng, drohte unter Umständen eine Meuterei. Und so etwas kam bei Starfleet Command gar nicht gut an. Auf der anderen Seite durfte sie gegenüber ihren Offizieren keinen Mangel an Autorität zeigen, sonst würden diese sie nicht ernst nehmen, und ihr auf der Nase herumtanzen. Und Führungsschwäche wurde im Hauptquartier von Starfleet Command ganz und gar nicht gern gesehen.
 

Lolita Moreno kannte Jekaterina Romanova noch aus der gemeinsamen Zeit an der Akademie. Damals hatten beide eine innige Freundschaft gepflegt, bis jede ihren eigenen Weg gegangen war. Doch Lolita war ihrer Freundin von damals immer noch dankbar, hatte Jekaterina ihr im entscheidenden Augenblick den Rücken freigehalten, als es darum ging, einen Kadetten, der sich an Lolita sexuell vergreifen wollte, seiner gerechten Strafe zuzuführen. Dessen Familie hatte versucht, Jekaterina zu bestechen, doch sie hatte sich nicht kaufen lassen. Und es kam, wie es kommen musste. Der Kadett wurde der 543

Sternenflottenakademie verwiesen. Damit waren alle seine Hoffnungen, eines Tages mal ein Raumschiff zu kommandieren, ein für allemal zunichte gemacht.
 

An Bord des Flaggschiffs der Invasionsflotte
 

Imperator Aurelius saß auf seinem Sessel. Er war ein kräftig gebauter Mann in den 50ern. Aurelius hatte ein rundes Gesicht mit braunen Augen, und einem schwarzen Kinnbart. Seine Kleidung erinnerte an die eines römischen Zenturios. Auf seinem Kopf trug er einen Helm mit einem roten Federkamm. Er wollte gerade die Kirow kontaktieren, als auf einmal der Alarm losging. Sein taktischer Offizier entdeckte den Kontakt auf seinem Display. Er wandte sich an Aurelius.
 

„Herr, zwei weitere Föderationsschiffe nähern sich. Es sind die Laconia, ein Schiff der Ambassador-Klasse und die Hiryū, ein Schiff der Ranger-Klasse.“, sagte er.
 

„Und was ist mit dem anderen Föderationsschiff, das aus heiterem Himmel hier aufgetaucht ist?“
 

„Wir konnten ein Gespräch zwischen den Kommandantinnen beider Schiffe mithören. Dabei fiel auch der Name USS Cumberland. Die Kommandantinnen scheinen sich von früher zu kennen, Herr.“, sagte der taktische Offizier, der wie ein Dekurion gekleidet war.
 

„Woraus schließt du das, Caracalla?“
 

„Der Ton zwischen den beiden Damen war… freundschaftlich und locker.“, sagte Caracalla.
 

„Dann werden die sich gegenseitig den Rücken freihalten. Technische Daten der Cumberland?“
 

„Länge 880 Meter. Breite: 160 Meter. Höhe: 88 Meter. Bewaffnung: 24 Phaserbänke, 44 isokinetische Kanonen, 5.500 Photonentorpedos, und 4.700 Quantentorpedos.“, sagte Caracalla.
 

„Ganz schön viel Feuerkraft.“
 

Auf dem Planeten Drengin
 

Königin Kalindra nahm gerade ein Bad, als ihr persönlicher Sekretär, Li Jiang den Raum betrat. Bevor er seine Herrin auf sich aufmerksam machte, musterte er sie. Königin Kalindra war eine 53jährige Frau, deren brünette dauergewellten Haare bis zur Achselhöhle reichten. Die Königin hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen und einer ziemlich dicken Nase. Dies tat ihrer Schönheit aber keinen Abbruch. Königin Kalindra war 1,67 m groß.
 

Die Königin sah auf, als ihr Sekretär sich räusperte. 544

„Was gibt es, Li Jiang?“, fragte Kalindra.
 

„Hoheit, Aurelius ist nach wie vor hier. Aber er verhält sich merkwürdig still.“
 

„Das heißt, er hat seine Invasionspläne aufgegeben?“, fragte die Königin.
 

„Das wage ich zu bezweifeln, Hoheit. Aber die Anwesenheit von zwei Föderationsschiffen, bald werden es vier sein, dürfte Aurelius gehörige Kopfschmerzen bereiten.“
 

„Das erklär mir mal genauer.“, sagte Königin Kalindra.
 

„Aurelius hat keine andere Wahl, als zu den Waffen zu greifen, um seine Chancen auf eine erfolgreiche Invasion zu wahren. Das Problem dabei ist, dass Präsidentin Arikka, einen Angriff des Imperators auf ein Raumschiff der Föderation als kriegerischen Akt werten wird. Den Rest könnt ihr euch sicher denken, Hoheit.“
 

„Was meinst du, Li Jiang, wie gut stehen unsere Chancen, der Föderation beizutreten?“, wollte Kalindra wissen.
 

„Wenn ihr die Grundrechtecharta der Föderation noch anerkennt, sehe ich keine nennenswerten Probleme, Hoheit.“
 

Auf Aurelius Flaggschiff
 

Aurelius Kommunikationsoffizier, der wie ein römischer Stadthalter gekleidet war, hob den Kopf, als er den Eingang von Jekaterinas Nachricht empfing.
 

„Herr, die Kirow ruft uns.“, sagte er.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien das Gesicht der jungen Russin.
 

„Ich grüße sie, Captain.“, begann Aurelius das Gespräch.
 

„Meine Grüße auch an euch, Imperator.“
 

„Was verschafft mir die Ehre, dieser Konversation, Captain?“, fragte Aurelius.
 

„Ich hätte gerne von Angesicht zu Angesicht mit euch gesprochen.“
 

„Und worüber wollen sie mit mir sprechen, Captain?“, fragte Imperator Aurelius.
 

„Das ist eine sehr heikle Angelegenheit, Imperator. Und ich möchte sie freundlich darum bitten, ihren ersten Offizier mitzubringen, denn mein erster Offizier wird bei diesem Gespräch ebenfalls anwesend sein.“ 545

„In Ordnung, Captain. Wann werden wir erwartet?“, sagte Aurelius.
 

„Sind 10 Minuten für sie in Ordnung, Imperator?“
 

„Das ist mir sehr Recht, Captain.“, sagte der Imperator.
 

An Bord der Kirow, 10 Minuten später
 

Jekaterina und ihr erster Offizier Quantez Robertson warteten in Transporterraum 2 auf ihre Gäste. Jekaterina trug wieder ihr nachtblaues Kleid mit dem Sternenmuster. Als die beiden Führungsoffiziere des fremden Flaggschiffs materialisierten zeigten Jekaterina und Commander Robertson den traditionellen Kriegergruß der Klingonen, den diese sofort erwiderten.
 

Nach der protokollarischen Begrüßung und dem vorgeschriebenen Besuch auf der Krankenstation führte Jekaterina ihre Gäste in den Besprechungsraum hinter der Brücke. Und nachdem jeder ein Getränk seiner Wahl vor sich stehen hatte, begann Jekaterina das Gespräch.
 

„Bevor ich den Kontakt zu ihnen hergestellt habe, hat mich eine meiner Navigatorinnen, Komi Namura, auf einen Umstand aufmerksam gemacht, der diese Angelegenheit so heikel macht, Imperator Aurelius. Sehen sie, der Planet Drengin liegt in der Nähe der Raumstation Deep Space Nine. Wenn sie ihn besetzen, würden sie einen kriegerischen Akt begehen. Aber nicht bloß das. Der Planet liegt auch in der Nähe der äußersten Grenzen der cardassianischen Union. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man dort in so einem Fall wegsieht. Die Cardassianer werden ihre Patrouillen verstärken, wenn nicht sogar einen direkten Angriff auf ihre Flottille starten.“, sagte sie.
 

Seneca, der erste Offizier, der Imperium Romanum, der dem römischen Philosophen der römischen Antike, wie ein Ei dem anderen glich, meldete sich zu Wort.
 

„Das sind bittere Neuigkeiten für uns. Aber das Problem ist, dass es auf unserem Heimatplaneten Romanum in der letzten Zeit mehrere Naturkatastrophen gegeben hat. Fast unsere gesamten Ernten wurden vernichtet. Zu allem Überfluss haben zwei zerstrittene Häuser, den Planeten verlassen und fast unsere ganzen Vorräte mitgenommen. Und nicht bloß das, Captain Romanova. Sie haben auch fast alle Bestände an unseren Bodenschätzen gestohlen. Wir stehen also mit leeren Händen da. Wir haben nichts womit wir handeln können, um für unsere Bevölkerung Nahrungsmittel zu bekommen.“, sagte er.
 

„Aber rechtfertigt das überhaupt eine illegale Invasion?“
 

„Wir hätten es auch gern anders, Commander Robertson, das können sie mir glauben. Es bleibt aber eine unverrückbare Tatsache, dass unsere Zivilisation dem Untergang geweiht ist, wenn wir nicht schnell Hilfe bekommen.“, sagte der Imperator. 546

„Ich kann ihnen im Moment nur eines versprechen, Imperator Aurelius. Ich werde mit Königin Kalindra sprechen und ihr die prekäre Lage auf Romanum darlegen. Danach werde ich mich mit meiner Kollegin auf der Cumberland, Lolita Moreno zusammensetzen und mit ihr das weitere Vorgehen abstimmen. Und ich werde einen detaillierten Bericht an Starfleet Command schicken, in dem ich auf ihre missliche Lage aufmerksam mache, und werde vorschlagen, ihnen Hilfe zukommen zu lassen.“
 

„Das ist sehr freundlich von ihnen, Captain Romanova.“, sagte Seneca.
 

Auf Drengin
 

Kalindra saß auf ihrem Thron, als Li Jiang, ihr persönlicher Sekretär den Saal betrat. Sie trug ein smaragdgrünes Kleid mit tiefem Beinausschnitt, transparenten Ärmeln, die von der Schulter bis zur Armbeuge reichten, und cremefarbene Schuhe mit flachen Absätzen. Kalindras Sekretär ging vor seiner Herrin auf die Knie und neigte das Haupt.
 

„Du weißt doch, dass du vor mir nicht auf die Knie zu gehen brauchst, Li Jiang.“, sagte Kalindra.
 

„Verzeiht, Hoheit. Aber Jekaterina Romanova, die Kommandantin des Föderationsschiffes USS Kirow bittet um die Gnade einer Audienz.“
 

„Der Ruf dieser Frau ist mittlerweile legendär. Und werde ihr den Wunsch nicht abschlagen. Du kannst sie einlassen.“, sagte Königin Kalindra.
 

„Sehr wohl, meine Königin.“
 

Kurze Zeit später betrat Jekaterina den Raum. Kalindra erkannte anhand von Jekaterinas Körperhaltung und auch ihrer Körpersprache, dass es besser war, sich anzuhören, was die Kommandantin der Kirow vorzubringen hatte. Als Jekaterina den vorgeschriebenen Kniefall zeigen wollte, hielt die Königin von Drengin sie zurück.
 

„Eine Prinzessin geht vor einer Königin nicht auf die Knie.“, sagte Kalindra freundlich.
 

„Danke, Mylady.“
 

„Ich nehme an, dass ihr mich privat sprechen wollt, Prinzessin.“, sagte die Königin.
 

„Das wäre sehr freundlich von euch, Mylady.“
 

„Es gibt einen Ort, an dem wir beide ungestört miteinander reden können. Prinzessin. Wenn ihr mir bitte folgen wollt.“, sagte Kalindra.

547

Die Königin von Drengin führte Jekaterina in einen weitläufigen Park. An einem Teich mit vielen Seerosen setzte sie sich auf eine Bank aus feinstem Marmor. Jekaterina nahm ihr gegenüber Platz.
 

„Was führt euch zu mir, Prinzessin?“, fragte Königin Kalindra.
 

„Ich habe mit Imperator Aurelius gesprochen, der euch bedroht. Um mir ein genaues Bild der Situation zu verschaffen. Ich habe die Schilderungen des Imperators auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen lassen. Und ich muss zu euch zu meinem Bedauern mitteilen, dass die Berichte von Imperator Aurelius und Senator Seneca der Wahrheit entsprechen. Der Planet Romanum steht vor einer humanitären Katastrophe, Mylady.“
 

„Verstehe. Und jetzt hofft ihr auf Hilfe von unserer Seite.“, sagte Kalindra.
 

„Sonst wäre ich nicht hier, Mylady. Mir ist daran gelegen, ein unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Wenn ihr helfen könnt, dann helft. Auch wenn es nicht viel ist.“
 

„Ich werde sehen, was ich tun kann, Prinzessin. Aber ich muss auch an mein Volk denken.“, sagte Kalindra.
 

„Das verstehe ich, Mylady.“
 

„Nun, ihr seid mit eurer Bitte an mich herangetreten. Lasst mich euch meine Bitte vortragen, Prinzessin.“, sagte Königin Kalindra.
 

„Dann bitte, Mylady.“
 

„Mein Planet möchte der Föderation beitreten. Wir haben den Warpantrieb, wir sind ein geeintes Volk mit einer Planetaren Regierung und wir haben die Grundrechtecharta der Föderation akzeptiert. Wir würden gerne ein Beitrittsgesuch bei der Föderation einreichen.“, sagte Kalindra.
 

„Ich bin mir sehr wohl im Klaren darüber, welche Hoffnungen ihr in einen Beitritt legt, Mylady. Und ich hasse es, euren Hoffnungen einen herben Dämpfer zu verpassen. Aber die Sache ist die, Mylady. Euer Planet liegt nicht weit von den äußersten Grenzen der cardassianischen Union entfernt. Und wenn die Cardassianer schon einmal hier ansässig waren, obwohl Drengin neutral war, werden sie Ansprüche auf den Planeten geltend machen.“
 

„Ich wusste, dass ihr so etwas sagen würdet, Prinzessin. Und ich habe bereits nachforschen lassen. Aus unseren Chroniken geht nicht hervor, dass die Cardassianer je hier waren.“, sagte Kalindra.
 

„Das wären perfekte Voraussetzungen, Mylady. Aber es ist besser sich abzusichern. Lassen wir von der Kirow einen Gegencheck durchführen.“
 

„Einverstanden, Prinzessin.“, sagte Drengins Königin.
 

Jekaterina tippte an ihren Kommunikator.
 

„Captain an Kirow.“, sprach sie in das kleine Gerät.
 

„Hier ist die Kirow. Was gibt’s, Captain?“
 

„Gehen sie mal unsere Datenbanken durch, und sehen nach, ob die Cardassianer schon mal auf Drengin waren, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain. Aber das kann ein bisschen dauern.“
 

„Melden sie sich, wenn sie etwas haben.“, sagte Jekaterina.
 

„Ja, Captain.“
 

Eine Stunde später, die Jekaterina wie eine Ewigkeit vorkam, zirpte ihr Kommunikator.
 

„Kirow an Captain.“, vernahm sie die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Sprechen sie, Nummer eins.“
 

„Wir haben unser Datenarchiv durchforstet. Auch auf den anderen Schiffen hat man die Archive durchsucht. Mit demselben Ergebnis.“, sagte Commander Robertson.
 

„Was haben sie für mich, Commander?“
 

„Es deutet nichts darauf hin, dass die cardassianische Union Drengin besiedelt hat. Aber das ist nicht alles, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Schießen sie los, Nummer eins.“
 

„Wir haben Besuch bekommen. Zwei cardassianische Schiffe der Galor-Klasse.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.
 

„Wurden wir schon kontaktiert, Nummer eins?“
 

„Negativ, Captain. Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Verstanden, Nummer eins. Ich komme wieder an Bord. Beamen sie mich hoch.“
 

Verstanden, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

An Bord der Kirow 548

Als Jekaterina auf der Brücke erschien, wandte sich Keiko, die Kommunikationsoffizierin, an sie.
 

„Captain, wir wurden von einem der cardassianischen Schiffe kontaktiert.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des cardassianischen Kommandanten. Das Aussehen des Cardassianers mit den knochigen Auswüchsen am Kopf und im Bereich des Nasenbeins war unverkennbar.
 

„Ich grüße sie, Captain Romanova. Ich bin Gul Danar von der Aldara“, begann der Cardassianer das Gespräch.
 

„Die Freude ist ganz meinerseits, Gul Danar. Womit kann ich dienen?“
 

„Ich möchte es einmal so ausdrücken, Captain. So eine massive Präsenz von Raumschiffen der Föderation in diesem Sektor bleibt uns natürlich nicht verborgen. Und wir hätten schon gern gewusst, was es damit auf sich hat.“, sagte Gul Danar.
 

„Meine Kollegin Captain Moreno von der Cumberland wurde mir als Verstärkung zugewiesen, um den Aggressor, der Drengin bedroht von einer Invasion abzuhalten. Ich habe mir in der Zwischenzeit ein genaueres Bild der Situation verschaffen können. Und seien wir ganz ehrlich, Danar, auf Romanum, dem Heimatplaneten von Imperator Aurelius, droht eine humanitäre Katastrophe. Ich habe das schon nachprüfen lassen.“
 

„Damit wäre dieser Punkt schon mal geklärt. Ich nehme es ihnen nicht übel, dass sie versuchen, ein unnötiges Blutvergießen zu verhindern, was auch in unserem Interesse ist. Aber es gibt noch etwas, worüber ich gerne mit ihnen gesprochen hätte, Captain Romanova.“, sagte der Cardassianer.
 

„Dann bitte.“
 

„Uns ist zu Ohren gekommen, dass der Planet Drengin einen Beitritt zur Föderation in Erwägung zieht. Ich brauche nicht extra erwähnen, dass man auf Cardassia darüber alles andere erfreut ist.“, sagte Danar.
 

„Ich bin mir dessen durchaus bewusst, Gul. Ich habe dies Königin Kalindra auch mitgeteilt.“
 

„Ich sehe, sie haben ihre Hausaufgaben gemacht, Captain, und die entsprechenden Argumente vorgebracht.“, sagte der cardassianische Kommandant.
 

„Nun, ich habe ihre Fragen beantwortet, Danar. Nun hätte ich 549

gerne eine Antwort auf meine Frage.“
 

„Die da wäre?“, fragte der Cardassianer.
 

„War ihre Spezies in der Vergangenheit schon einmal auf Drengin ansässig? Denn weder in den Archiven des Planeten, noch in unseren Datenbanken findet sich ein Hinweis darauf.“
 

„Ich werde mal die Datenarchive meines Schiffes durchgehen. Sie hören von mir. Aldara Ende.“, sagte Danar.
 

Nach dem Gespräch mit dem cardassianischen Kommandanten der Aldara, ließ Jekaterina wieder ihren ersten Offizier das Kommando übernehmen. Denn sie wollte anfangen, den Bericht an Starfleet Command abzufassen. Sie hatte gerade die ersten Zeilen verfasst, als der Türsummer ein akustisches Signal von sich gab.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander, und Lolita Moreno, die Kommandantin der Cumberland trat ein.
 

„Na wenn das mal nicht Lolita Moreno ist.“, sagte Jekaterina gut gelaunt.
 

„Here I am.“
 

Die beiden Frauen umarmten sich.
 

„Es ist schön dich mal wieder zu sehen, nach so langer Zeit.“, sagte Jekaterina.
 

„Ist schon ne Weile her. Aber jetzt sollten wir uns um das naheliegende kümmern.“
 

„Ich wollte gerade den Bericht an Starfleet Command schreiben.“, sagte Jekaterina.
 

„Und wie schätzt du die Situation ein?“
 

„Was die Sache mit Romanum angeht, sollten wir alles tun, um die humanitäre Katastrophe abzuwenden. Sorgen machen mir die Cardassianer.“, sagte Jekaterina.
 

„Du meinst wegen den beiden Schiffen der Galor-Klasse?“
 

„Du weißt, wie aggressiv und verschlagen die Cardassianer sind, Lolita. Es wird nicht bei den beiden Schiffen bleiben. Da kommen noch mehr.“, sagte Jekaterina.

550

Wie um ihre Worte zu unterstreichen, zirpte Jekaterinas Kommunikator, und sie vernahm die aufgeregte Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Brücke an Captain!“, sagte der Commander.
 

„Was gibt’s, Nummer eins?“
 

„Captain, die Cardassianer haben weitere Schiffe geschickt. Drei Schiffe der Keldon-Klasse und noch mal zwei Schiffe der Galor-Klasse.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Jetzt beruhigen sie sich erst mal, Nummer eins. Wenn sie in einer Situation wie dieser den Kopf verlieren, dann verlieren sie das Vertrauen ihrer Crew. Ich komme auf die Brücke.“
 

Jekaterina wandte sich an Lolita Moreno.
 

„Komm mit. Jetzt werden wir erfahren, was die Cardassianer vorhaben, Lolita.“, sagte sie.
 

Kurze Zeit später erschienen Jekaterina und Lolita auf der Brücke der Kirow. Keiko Tadashita, die für die Kommunikation zuständig war, wandte sich an ihre Vorgesetzte.
 

„Captain, die Aldara ruft uns.“, sagte sie.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Gul Danars Gesicht. Jekaterina erkannte sofort, dass der Cardassianer auf Krawall gebürstet war.
 

„Genug der Höflichkeiten, Captain Romanova.“, sagte Gul Danar.
 

Damit waren alle Zweifel ausgeräumt.
 

„Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, hätte ich gerne erfahren, ob ihr Volk auf Drengin ansässig war, oder nicht.“, sagte Jekaterina.
 

„Waren wir nicht. Und ich habe ihnen noch eine Information zukommen lassen, die Dayanis Wunsch ein Mensch zu werden, entscheidend voranbringen wird. Diese Information hätte ich ihnen eigentlich gar nicht geben dürfen. Aber ab jetzt wird Klartext geredet.“
 

„Ganz wie sie wollen. Aber ich sage ihnen gleich, dass ich keine Versprechungen mache, die ich nicht einhalten werde.“, sagte Jekaterina.
 

„Die cardassianische Union wird einen Beitritt Drengins zur Föderation als kriegerischen Akt ansehen. Wir werden nicht nur den Planeten 550

besetzen, sondern auch Terok Nor wieder in unseren Besitz bringen. Das dort stationierte Personal der Föderation hat drei Monate Zeit, die Station nach unserer Übernahme zu räumen. Danach werden wir an den Offizieren ein Exempel statuieren.“
 

„Wie war das, sie sind an einem unnötigen Blutbad nicht interessiert?“, fragte Jekaterina.
 

„Das war vorhin. Aber jetzt haben sich die Umstände geändert.“
 

„Na schön. Aber eines sollte ich an dieser Stelle noch klar stellen. Mein Ermessensspielraum lässt mir kaum noch Entscheidungsfreiheit. Ich werde tun, was noch mit meinen Dienstvorschriften vereinbar ist, und was meine Kompetenzen als Raumschiffkommandantin nicht übersteigt.“, sagte Jekaterina.
 

Gul Danars Gesichtszüge verdüsterten sich. Das war nicht die Antwort, die sich der Cardassianer erhofft hatte.
 

„Hören sie, Captain…“, begann er drohend seinen nächsten Satz, doch Jekaterina unterbrach ihn rüde.
 

„Sie werden mir mal zu hören. Ich trage zwar das Zeichen absoluten Vertrauens, was mir in der Galaxis viel Macht und Einfluss verschafft. Aber selbst dieses Zeichen gibt mir nicht das Recht, mich über meine Dienstvorschriften hinwegzusetzen und meine Befehle zu missachten. Ich kann nicht eigenmächtig Entscheidungen treffen, die meine Kompetenzen überschreiten.“, sagte sie.
 

Gul Danar wollte etwas erwidern, doch Jekaterina schnitt ihm mit einer gebieterischen Geste das Wort ab.
 

„Haben sie schon mal was von Insubordination gehört, Gul Danar? Denn wenn ich meine Befehle missachte, dann kann man mich vor einem Föderationsgericht deswegen anklagen. Bei einem Schuldspruch verliere ich mein Kommando und werde unehrenhaft aus der Raumflotte der Föderation entlassen. Ist es wirklich allen Ernstes das, was sie wollen?“, sagte die Kommandantin der Kirow.
 

Der böse Unterton in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
 

Doch mit dem, was als nächstes passierte, rechnete niemand. Jekaterina hielt sich die Schläfen, ehe sie nach hinten kippte. Lolita und Commander Robertson handelten geistesgegenwärtig und fingen sie auf.
 

„Wir müssen den Nacken stabilisieren, Commander. Organisieren sie mir bitte ein Kissen.“, sagte die Kommandantin der Cumberland.
 

„Ja, Captain.“

551

Quantez Robertson aktiviere seinen Kommunikator, und rief Alaia, Jekaterinas Lebensgefährtin.
 

Kurze Zeit später kam Alaia auf die Brücke, in der Hand das Lieblingskissen ihrer Verlobten. Lolita hob kurz Jekaterinas Kopf, und Alaia schob das Kissen darunter. Die Kommandantin der Cumberland bettete den Kopf ihrer Freundin auf das Kissen. Dann wandte sich Lolita an Quantez Robertson.
 

„Messen sie mal bitte den Puls, Commander.“, sagte sie.
 

Der erste Offizier der Kirow hob das rechte Handgelenk seiner Vorgesetzten und drückte sanft die Adern zusammen. Er sah auf seine Armbanduhr und zählte eine Minute lang die Pulsschläge.
 

„95er Puls, Captain Moreno.“, sagte Commander Robertson.
 

„Rufen sie mir bitte einen Sanitäter mit einem Blutdruckmessgerät auf die Brücke, Commander Robertson.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

Kurze Zeit später kam Juanita Garcia, die Chefärztin der Kirow auf die Brücke. Gul Danar, der Kommandant der Aldara, schaute teilnahmslos zu. Ihn interessierte es nicht, dass man ihn für den Vorfall verantwortlich machen würde. Er tat nur das, was von ihm verlangt wurde. Und sein Befehl lautete, Jekaterina enorm unter Druck zu setzen, bis sie einknickte und Partei für die cardassianische Union ergriff.
 

Die Spanierin hatte unterdessen das Blutdruckmessgerät an Jekaterinas Oberarm befestigt und das Kissen mit Luft gefüllt. Nach dem die Luft entwichen war, schnellte der rote Zeiger der Messuhr nach oben.
 

„Blutdruck 141 zu 95.“, sagte Doktor Garcia.

„Ist das gut oder schlecht, Doktor Garcia?“

„Captain Romanovas Blutdruck ist leicht erhöht, aber nicht gefährlich.“, sagte Juanita Garcia.
 

Dann tippte sie an ihren Kommunikator.
 

„Doktor Nadirova, hier ist Doktor Garcia. Kommen sie bitte sofort auf die Brücke und bringen sie eine Decke mit.“, sprach die Spanierin in das kleine Gerät.
 

10 Minuten später kam die stellvertretende Chefärztin mit der gewünschten Decke auf die Brücke. Quantez Robertson und Lolita Moreno breiteten die Decke über Jekaterinas Körper aus.

552

„Was ist überhaupt passiert, Commander?“, fragte Juanita Garcia Quantez Robertson.
 

„Es gab eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Captain und seinem cardassianischen Pendant. Danach hat sich Captain Romanova die Schläfen gehalten, bevor sie nach hinten gekippt ist. Captain Moreno und ich konnten schlimmeres verhindern.“
 

„Muy bien. Und wie ich sehe, haben sie auch schon soweit erste Hilfe geleistet. Está bien. Lassen sie Captain Romanova erst einmal so liegen. Aber sorgen sie dafür, dass niemand, wirklich NIEMAND Captain Romanova anspricht.“, sagte Juanita Garcia.
 

„Alles klar Doktor. Sollen wir uns melden, wenn der Captain wieder zu sich kommt?“
 

„Tun sie das, Commander.“, sagte Doktor Garcia, ehe sie zusammen mit Alina Nadirova die Brücke verließ.
 

Lolita Moreno stand auf, verschränkte ihre Arme vor der Brust und bedachte Gul Danar mit einem eisigen Blick.
 

„Gratuliere, Gul Danar. Sie haben ganze Arbeit geleistet.“, sagte Lolita.
 

Ihre Stimme war so kalt und schneidend, wie ein scharf geschliffenes Messer.
 

„Wer sind sie denn?“
 

„Captain Lolita Moreno. USS Cumberland.“, sagte Lolita.
 

„Na schön, Captain. Aber wieso machen sie mich für den Zustand ihrer Kollegin verantwortlich. Captain Romanova hätte uns gegenüber nur weitreichende Zugeständnisse machen brauchen.“
 

„Damit sie und Ihresgleichen sich nehmen können, was sie wollen? Versuchen sie nicht, mich für dumm zu verkaufen, Gul Danar. Das hasse ich nämlich wie die Pest.“, sagte Lolita.
 

„Passen sie mal auf, sie dummes Blondchen. In so einem Ton reden sie nicht mir. Haben wir uns verstanden?“
 

„Ich bin zwar blond, das mag sein. Aber dumm bin ich noch lange nicht. Ich habe die ganze Zeit die Konversation zwischen ihnen und meiner Freundin mit verfolgt. Sie haben versucht Jekaterina so zu provozieren, dass sie sich zu einer unbedachten Handlung verleiten lässt.“, sagte Lolita.
 

„Ich tu nur, was mir gesagt wird. Und mein Befehl lautet, einen Beitritt Drengins zur Föderation zu verhindern. Außerdem hat man mir befohlen, ihre 553

Kollegin unter Druck zu setzen, und eine Entscheidung zu erzwingen.“
 

„Auch wenn das bedeuten würde, dass Jekaterina ihre gesamte Karriere bei der Raumflotte aufs Spiel setzen müsste?“, fragte Lolita.
 

„Mir ist egal, wie diese Situation gelöst wird. Nur eines ist sicher, Captain Moreno: Drengin wird kein Mitglied der Föderation. Falls doch, wird es Krieg geben.“
 

„Noch ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht gesprochen. Und falls sie jetzt denken, dass ich meine Karriere vor die Wand fahre, dann sollen sie sich noch nie so geirrte haben. Meine Loyalität, und auch die meiner Kollegin, gelten nur Präsidentin Arikka und der Föderation. Aber garantiert nicht der cardassianischen Union. Sie schubsen keinen von uns herum. Comprendo, Chico?“, sagte Lolita.
 

Gul Danar kochte vor Zorn, denn so wie Jekaterina und Lolita hatte noch nie jemand mit ihm gesprochen. Diese beiden Frauen waren schlimmer, als eine Horde cardassianischer Schwiegermütter.
 

„Captain Moreno, ich sage das in aller Deutlichkeit. Ich finde ihren Mangel an Respekt ziemlich unhöflich.“, sagte Gul Danar.
 

„Erzählen sie mir nichts von Respekt. Alles, was diese Mission betrifft, liegt erst mal auf Eis. Keiner von uns rührt sich vom Fleck. Sie nicht, und wir auch nicht. Außerdem gilt ab sofort eine Kontaktsperre zwischen den Cardassianern und der Föderation. Und sie lassen ihre Waffen deaktiviert. Wir tun dasselbe. Es wird sich friedlich verhalten. Kirow Ende.“, sagte Lolita.
 

An Bord der Aldara
 

Gul Danar war hin und her gerissen. Auf der einen Seite wollte er Lolita Moreno noch einen weiteren Schuss vor den Bug verpassen, doch er lief Gefahr, dass sein Kontaktversuch Starfleet Command gemeldet würde. Im Moment waren ihm die Hände gebunden. Wenn er gegen die Anordnung der Kommandantin der Cumberland verstieß, konnte er unbeabsichtigt einen Krieg mit der Föderation auslösen. Die Frage war nur, konnte die cardassianische Union sich das leisten?
 

An Bord der Kirow
 

Lolita Moreno saß auf dem Platz in der Mitte, auf dem normalerweise in einem Fall wie diesem der erste Offizier saß. Doch Quantez Robertson hatte es ihr erlaubt. Die beiden Offiziere wurden zur weiteren Behandlung nicht benötigt und konnten anderen Aufgaben nach gehen. Quantez Robertson wandte sich an die Kommandantin der Cumberland.
 

„Was meinen sie, Captain Moreno? Werden sich die Cardassianer an 553

ihre Anordnung halten?“, fragte er.
 

„Es würde mich überraschen, wenn sie es tatsächlich täten.“
 

„Das heißt, sie glauben, dass die Cardassianer die Regeln brechen werden?“, fragte Quantez Robertson.
 

„Für die cardassianische Regierung steht viel auf dem Spiel, Commander Robertson. Wenn Drengin der Föderation beitritt wird sich der Machtbereich der Föderation quasi bis vor die Haustür der cardassianischen Union ausbreiten. Verständlich, dass man auf Cardassia genau das fürchtet.“
 

„Darf ich fragen, wie lange sie Captain Romanova schon kennen, Captain Moreno?“, fragte Commander Robertson.
 

„Seit der Akademie. Wir beiden waren damals die dicksten Freundinnen. Jekaterina hat mir damals geholfen. Ich würde alles für sie tun. Oder sagen wir, fast alles.“
 

Kaum hatte Lolita ihren Satz beendet, da schlug Jekaterina langsam die Augen auf und sah in das Gesicht ihrer Verlobten.
 

„Wie geht es dir, Schatz?“, fragte Alaia.
 

„Ich hab Kopfschmerzen und mir ist schwindelig.“
 

„Ich glaube, ihre Vorgesetzte ist gerade eben wieder zu sich gekommen, Commander.“, sagte Lolita.
 

Quantez Robertson kniete neben seiner Vorgesetzten.
 

„Sie sollten vielleicht was trinken, Captain.“, sagte er.
 

„Im Besprechungsraum steht ein Wasserspender. Die Karaffe daneben ist gefüllt. Holen sie sie bitte und bringen sie ein Glas mit.“
 

„Ja, Captain.“, sagte der erste Offizier und verließ den Raum.
 

Kurze Zeit später kam er zurück und füllte das Glas mit etwas Wasser, das er Jekaterina reichte. Alaia hob leicht den Kopf, damit ihre Verlobte leichter trinken konnte.
 

„Hat sich in der Zwischenzeit was weltbewegendes getan?“, fragte Jekaterina.
 

„Bis auf das verbale Scharmützel von Gul Danar mit Captain Moreno eigentlich nicht viel.“
 

„Hör ich mit Interesse, Nummer eins.“, sagte Jekaterina. 554

„Gul Danar war gegenüber ihrer Freundin ganz schön unverschämt, Captain.“
 

„Was hat er denn gesagt, Nummer eins?“, fragte Jekaterina.
 

„Dieser Lümmel hat mich als dummes Blondchen betitelt.“
 

„Wie feinfühlig.“, sagte Alaia.
 

Jekaterina sah ihrer Nummer eins in die Augen.
 

„Würden sie mir bitte aufhelfen, Nummer eins?“, fragte sie.
 

„Selbstverständlich, Captain.“
 

Mit Hilfe ihres ersten Offiziers schaffte es Jekaterina, sich wieder aufzurichten. Ganz langsam stand sie wieder auf. Sie war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber dennoch wollte Jekaterina ihre Mission beenden. Ihr erster Offizier riet ihr davon ab.
 

„Ich halte das für keine gute Idee, Captain. Vergessen sie bitte nicht, dass sie einen Schwächeanfall erlitten haben. Ruhen sie sich aus. Ich werde in dieser Zeit das Kommando übernehmen.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Sie haben Recht, Nummer eins. Aber ich will noch wenigstens den Bericht für Starfleet Command abfallen, und ich will eine Offiziersbesprechung hier auf der Kirow abhalten. Und beides, bevor ich mich in mein Quartier zurückziehe.“
 

„Auf ihre Verantwortung, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

Eine Stunde später hatten sich alle Führungsoffiziere im Besprechungsraum versammelt. Jekaterina sah jeden von ihnen an. Jewgeni und sein erster Offizier Jack Striker saßen rechts von ihr. Eric McClusky, ihr ehemaliger erster Offizier, und seine Nummer eins, Thierry Antoine, den Jekaterina auf ihrer siebten Mission kennengelernt hatte, direkt daneben. Links von ihr hatten Lolita Moreno und ihr erster Offizier Dragan Tadic. Jekaterina nahm ihn genauer in Augenschein.
 

Der Mann aus Malinska war ein 1,94 m großer Hüne mit einem runden Gesicht. Lolitas erster Offizier hatte braune Augen und einen Bodybuilder-Körper. Das Kinn seines Gesichts war mit einem dunklen Vollbart bedeckt, den der 30jährige Kroate adrett zurückgeschnitten hatte. Sein Kopfhaar war so kurz, dass seine Ohren ganz frei lagen. Auffällig war auch die breite Nase.
 

Jekaterina eröffnete die Gesprächsrunde.
 

„In Ordnung, Ladies and Gentlemen. Ich habe diese Besprechung anberaumt, um ihnen meine persönliche Einschätzung unserer derzeitigen Lage mitzuteilen. Wir kämpfen zurzeit an zwei Fronten. Auf der einen Seite haben wir 555

genug damit zu tun, Imperator Aurelius davon abzuhalten, Drengin zu besetzen. Und dann sind da noch die Cardassianer, die einen Beitritt Drengins um jeden Preis verhindern wollen.“, sagte sie.
 

„Wobei ein Beitritt ohnehin nicht nötig ist. Der Planet liegt schon auf Föderationsgebiet. Imperator Aurelius hätte eigentlich schon abgefangen werden müssen, als er mit seiner kleinen Flottille auf unser Territorium vorgedrungen ist, big sis.“
 

„Da stimme ich dir zu, Jewgeni. Aber wir dürfen die Cardassianer nicht vergessen, die uns jetzt ebenfalls im Genick sitzen.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich habe erst einmal diese Mission auf Eis gelegt, bis wir von Starfleet Command neue Anweisungen bekommen. Wir sollten unter allen Umständen eine Eskalation vermeiden. Ich habe auch eine Kontaktsperre zwischen uns und den Cardassianern verhängt. Und ich habe die Cardassianer dazu verdonnert, ihre Waffen deaktiviert zu lassen.“
 

„Meinst du, die Cardassianer halten sich daran, Lolita?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich glaube, wir haben keine Garantien, dass sie Captain Morenos Anordnung nicht doch missachten.“
 

„Da gebe ich ihnen Recht, Eric. Wir brauchen Verstärkung, wenn wir die Cardassianer zum Rückzug zwingen wollen.“, sagte Jekaterina.
 

Thierry Antoine meldete sich zu Wort.
 

„Wir bräuchten noch ein Schiff, wie die Cumberland.“, sagte er.
 

„Sehe ich auch so, Commander.“
 

Nach der Besprechung verfasste Jekaterina ihren Bericht und schickte ihn ans Hauptquartier von Starfleet Command in San Francisco. Danach suchte sie ihr Quartier auf.
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 21. März 2380 10:10 Ortszeit
 

Admiral Owen Paris saß wieder in seinem Büro und ging einige Berichte von Föderationsschiffen durch, als sein Adjutant, Lieutenant Brian Parker den Raum betrat. In der Hand hielt er einen Datenblock. Der Admiral sah auf, als der Lieutenant sich räusperte.
 

„Was gibt es, Mister Parker?“, fragte Owen Paris.
 

„Admiral, gerade kam ein Bericht der Kirow. Sie befindet sich im Orbit um den Planeten Drengin.“

556

„Hat Captain Romanova etwa wieder Probleme?“, fragte der alte Admiral.
 

„Admiral, Captain Romanova hat einen Schwächeanfall erlitten, nachdem sie sich heftig mit Gul Danar, dem Kommandanten der Aldara, einem cardassianischen Schiff, der Galor-Klasse, einen verbalen Schlagabtausch geliefert hat.“
 

„Das klingt alles andere als gut. Worum ging es in diesem Streitgespräch, Lieutenant Parker?“, sagte Owen Paris.
 

„Offenbar wollte Gul Danar, dass Captain Romanova sich über ihre Dienstvorschriften hinwegsetzt, und einen Beitritt Drengins zur Föderation verhindert. Captain Romanova hat ihm dies aber nicht zugesichert. Daraufhin ist er sehr wütend geworden, und hat Druck auf Captain Romanova ausgeübt. Und dieser Druck hat dann Captain Romanova so auf die Palme gebracht, dass sie nach dieser Auseinandersetzung den Schwächeanfall erlitten hat. Sie hat sich in ihr Quartier zurückgezogen, um sich von dem Anfall zu erholen.“
 

„War das alles?“, fragte der Admiral.
 

„Nein, Sir. In der ersten Hälfte des Berichts schildert Jekaterina Romanova den Verlauf ihres Gesprächs mit dem Aggressor, der Drengin bedroht. Sie hat den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Imperator Aurelius und Senator Seneca überprüft.“
 

„Und?“, wollte Owen Paris wissen.
 

„Die Informationen stimmen, Admiral. Auf Romanum, dem Heimatplaneten von Imperator Aurelius droht eine humanitäre Katastrophe. Sie bittet alle Mitglieder der Föderation, mit Nahrungsmitteln zu helfen. Sie sagt, es muss nicht viel sein. Man soll soviel geben, wie man erübrigen kann.“
 

„Verstehe. Ich werde Präsidentin Arikka unverzüglich darüber in Kenntnis setzen. Danke, dass sie mich so schnell informiert haben, Mister. Parker.“, sagte Admiral Paris.
 

Paris, Föderationshauptquartier, 21. März 2380 19:10 Uhr Ortszeit
 

Arikka, die Präsidentin der Föderation, hatte gerade das letzte Sitzungsprotokoll durchgelesen, als auf dem Monitor an ihrem Schreibtisch eine Anzeige aufploppte. „Admiral Paris ruft an“ war dort zu lesen. Die Ariantu nahm den Anruf entgegen. Auf dem Monitor erschien das Gesicht von Owen Paris.
 

„Ich grüße sie, Madam President.“, sagte der alte Admiral.
 

„Danke, Admiral Paris. Ich nehme an, es gibt wichtige Neuigkeiten?“
 

„In der Tat, Madam President.“, sagte Admiral Paris. 557

„In Ordnung, Admiral. Was haben sie für mich?“
 

„Gerade ist ein Bericht von der Kirow auf meinem Schreibtisch gelandet. Ich habe ihn genauestens studiert. So wie die Dinge stehen, bahnt sich auf dem Planeten Romanum eine humanitäre Katastrophe an, wenn sie nicht schon eingesetzt hat. Captain Romanova bittet, alle Föderationsmitglieder mit soviel Nahrungsvorräten zu helfen, wie sie erübrigen können.“, sagte Owen Paris.
 

„Ich werde für morgen eine Dringlichkeitssitzung anberaumen und das Thema zur Sprache bringen. Haben sie sonst noch Neuigkeiten, Admiral?“
 

„Ja. Madam President. Es geht um den Planeten Drengin. Er befindet sich zwar auf Föderationsgebiet, aber doch ziemlich nahe an den Außengrenzen der cardassianischen Union. Natima Lang, die Anführerin der Cardassianer hat mehrere Schiffe entsandt, um auf Captain Romanova Druck auszuüben. Sehen sie, der Kommandant des cardassianischen Schiffes Aldara, Gul Danar, hat von Captain Romanova indirekt gefordert, ihre gesamte Karriere bei Starfleet aufs Spiel zu setzen indem sie ihre Dienstvorschriften missachtet und eigenmächtig einen Beitritt zur Föderation verhindert.“, sagte der Admiral.
 

„Ganz schön unverschämt. Wie hat Captain Romanova eigentlich reagiert?“
 

„Sie hat nur das zugesichert, was mit ihren Dienstvorschriften vereinbar ist. Aber das war Gul Danar wohl nicht genug. Denn er hat versucht, Captain Romanova zu drohen. Ende vom Lied: Captain Romanova hat einen Schwächeanfall erlitten, von dem sie sich zurzeit erholt.“, sagte Owen Paris.
 

„Wie ist derzeit der Stand der Dinge, Admiral Paris?“
 

„Captain Moreno von der Cumberland, die zu diesem Zeitpunkt als Gast auf der Kirow war, hat alles Drengin betrifft, auf Eis gelegt. Sie hat außerdem die Cardassianer dazu verdonnert, jeglichen Kontakt zur Kirow zu unterlassen. Und sie hat angeordnet, dass die Cardassianer sich friedlich verhalten.“, sagte Owen Paris.
 

„Meinen sie, dass Gul Danar sich daran hält, Admiral?“
 

„Bis jetzt tut er es. Aber es besteht die Gefahr, dass er irgendwann Captain Morenos Anordnung ignoriert, um Captain Romanova noch weiter unter Druck zu setzen.“, sagte Admiral Paris.
 

„Welche Schiffe sind zurzeit vor Ort, Admiral?“
 

„Die Kirow, die Cumberland, die Laconia und die Hiryū.“, sagte der alte Admiral.
 

„Welche Schiffe der Cumberland-Klasse sind zurzeit einsatzbereit?“
 

„Neben der Cumberland selbst, nur die USS Texas. Sie hat gerade 558

erst die Erprobungsphase abgeschlossen.“, sagte Admiral Paris.
 

„Wer kommandiert die USS Texas?“
 

„Captain Dean O’Banion, Madam President.“, sagte Owen Paris.
 

„In Ordnung. Geben sie der Texas den Befehl unverzüglich nach Drengin aufzubrechen, und die anderen Schiffe zu unterstützen. Wollen doch mal sehen, ob den Cardassianern nicht doch das Herz in die Hose rutscht. Ich selbst werde eine Protestnote an Natima Lang schicken.“
 

An Bord der Texas
 

Dean O’Banion saß auf seinem Platz in der Mitte der Brücke. Der in Galway geborene Ire war 47 Jahre alt und 1,91 m groß. Captain O’Banion hatte einen athletischen Körperbau. Seine roten Haare, die für die Einwohner der grünen Insel, wie Irland auch genannt wird, typisch sind, hatte Dean O’Banion etwas gekürzt. Der irische Kommandant der Texas hatte ein ovales Gesicht mit blaugrauen Augen. Sein roter Bart zog sich vom Oberkiefer bis zu den Ohren, wo sie als Koteletten weiter bis zum Haaransatz verliefen. Oberhalb des Kinns hatte Dean O’Banion noch ein kleines Bärtchen.
 

Links von ihm saß seine Nummer eins. Maureen O’Hara, die wie ihr Vorgesetzter aus Irland kam, war 1,73 m groß und hatte einen schlanken Körper. Im Gegensatz zu ihrem Vorgesetzten hatte die in Kilkenny geborene erste Offizierin blonde Haare, die bis zur Achselhöhle reichten. Maureen hatte ein ovales Gesicht mit grünblauen Augen.
 

Moran, der Kommunikationsoffizier der Texas, ein Capellaner, hob den Kopf, als er den Eingang von Admiral Paris Nachricht erhielt.
 

„Captain, Admiral Paris höchstpersönlich will sie sprechen.“, sagte er.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht des alten Mannes.
 

„Admiral Paris.“, begann Dean O’Banion das Gespräch.
 

„Captain O’Banion, ich habe eine Mission für sie und ihre Crew.“
 

„Worin besteht unsere Aufgabe, Admiral?“, fragte der Ire.
 

„Fliegen sie unverzüglich nach Drengin. Die Cardassianer machen ihrer Kollegin Jekaterina Romanova das Leben schwer. Sie vor kurzem einen Schwächeanfall erlitten, weil der Kommandant eines cardassianischen Raumschiffes mehr verlangt hat, als Captain Romanova ihm zugesichert hat. Die beiden sind verbal aneinander geraten. Präsidentin Arikka möchte, dass sie dort Präsenz 559

zeigen, und den Cardassianern Respekt einflößen.“
 

„Verstanden, Admiral. Texas Ende.“, sagte Captain O’Banion.
 

Der Orbit um den Planeten Drengin 2 Tage später, an Bord der Aldara
 

Gul Danar standen die Schweißperlen auf der Stirn. Am Tag zuvor war das Schwesterschiff der Cumberland, die Texas, eingetroffen. Es gab eine Videokonferenz zwischen den Föderationskommandanten, bei der auch Jekaterina Romanova zugeschaltet war. Da sie aufgrund ihres Schwächeanfalls dienstunfähig war, musste jemand anderes das Gespräch mit Königin Kalindra suchen. Lolita Moreno hatte sich dazu bereit erklärt.
 

Drengin eine Stunde später
 

Königin Kalindra saß in ihrem Arbeitszimmer und ging ein paar Dokumente durch, als ihr persönlicher Sekretär Li Jiang, anklopfte.
 

„Herein.“, sagte Kalindra.
 

Li Jiang betrat den Raum, Lolita Moreno folgte ihm.
 

„Meine Königin, Captain Moreno von der USS Cumberland, wünscht euch zu sprechen.“, sagte er.
 

„In Ordnung. Lass uns bitte allein, Li Jiang.“
 

„Sehr wohl.“, sagte Kalindras Sekretär.
 

„Was führt sie zu mir, Captain Moreno?“, fragte Kalindra nachdem ihr Sekretär gegangen war.
 

„Mylady, gestattet mir die Frage, ob sie immer noch vorhaben, ein Beitrittsgesuch an die Föderation einzureichen.“
 

„Ich spiele mit dem Gedanken, ja. Warum wollen sie das wissen, Captain?“, sagte Kalindra.
 

„Weil ich ihnen dringend davon abraten muss, Hoheit. Sie werden wahrscheinlich mitbekommen haben, dass die Cardassianer mehrere Schiffe der Galor- und der Keldon-Klasse hierher beordert haben.“
 

„Das ist uns nicht entgangen, Captain Moreno. Aber ich wüsste gern den Grund für diese massive Flottenpräsenz.“, sagte die Königin.
 

„Die Cardassianer wollen verhindern, dass Drengin der Föderation beitritt. Und das werden sie auch tun. Notfalls mit Gewalt, wenn es sein muss. Gul Danar, der Kommandant der Aldara, hat gegenüber meiner Kollegin und 560

Freundin Jekaterina Romanova ganz offen mit einer Invasion auf Drengin und auch der Raumstation Deep Space Nine gedroht.“
 

„Ich verstehe. Aber wie kommt es, dass sie mit diesem Anliegen zu mir kommen, und nicht Jekaterina Romanova?“, sagte Kalindra.
 

„Weil Jekaterina sich zurzeit von einem Schwächeanfall erholt, den sie unmittelbar nach dem Gespräch mit Gul Danar erlitten hat.“
 

„Ich nehme an, sie waren dabei, als es passiert ist.“, sagte Kalindra.
 

„Das stimmt. Und wenn Jekaterina statt mir mit ihnen sprechen würde, sie würde ihnen dasselbe raten. Die Cardassianer machen Ernst. Und die Invasion von Drengin und Deep Space Nine wären die Auslöser für einen Krieg zwischen der Föderation und der cardassianischen Union. Aber, und da sind wir uns Föderationskommandanten alle einig, braucht Drengin der Föderation nicht beizutreten.“
 

„Darf ich nach dem „Warum“, fragen, Captain Moreno?“, wollte Königin Kalindra wissen.
 

„Sie dürfen. Ihr Planet liegt auf dem Hoheitsgebiet der Föderation. So gesehen, ist Drengin mehr oder minder ein Protektorat. Ich möchte noch einmal an ihre Vernunft appellieren, Mylady. Geben sie ihre Beitrittspläne für die Föderation auf. Es liegt in ihrer Hand, ob unnötig Blut vergossen werden muss.“
 

Kalindra drehte Lolita den Rücken zu. Sie seufzte schwer. Die Königin rang innerlich mit sich, was Lolita anhand der Körpersprache der Königin erkennen konnte. Dann drehte sich Kalindra wieder zu ihr um.
 

„Sie haben Recht, Captain Moreno. Es war töricht von mir zu glauben, dass ein Beitritt unseres Planeten zur Föderation keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen würde. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass das Blut Unschuldiger vergossen wird.“, sagte sie.
 

„Eine weise Entscheidung, Mylady. Ich werde einen Bericht an das Flottenoberkommando senden, dass sie es sich anders überlegt haben.“
 

„In Ordnung. Und sagen sie Captain Romanova liebe Grüße von mir, ich wünsche ihr gute Besserung.“, sagte Kalindra.
 

Auf Cardassia
 

Natima Lang saß in ihrem Büro. Vor ihr lag die Protestnote von Arikka, der Präsidentin der Föderation. Natima wusste, dass sie ihre Schiffe zurückbeordern musste. Sie hatte keine andere Wahl. Denn, und das ging aus Arikkas Nachricht hervor. Wenn sie die Schiffe nicht zurückrief, würde Präsidentin Arikka massiv aufrüsten und hauptsächlich Schiffe der Cumberland-Klasse 561

in diesem Sektor des Alphaquadranten stationieren. Ungeachtet aller Konsequenzen. Und Arikka machte Ernst.
 

Der Chef der Flotte betrat den Raum.
 

„Die Föderation hat noch ein Schiff der Cumberland-Klasse geschickt. Soll ich den Befehl zum Angriff geben?“, fragte er.
 

„Rufen sie unsere Schiffe zurück.“
 

„WAS??? Was ist mit unseren Interessen?“, fragte der Flottenchef.
 

Natima Lang erhob sich und stemmte ihre Fäuste auf die Schreibtischplatte.
 

„Ich sagte ZURÜCKRUFEN.“, sagte sie mit Nachdruck.
 

„Aber wir dürfen nicht einfach so aufgeben.“
 

„Lesen sie das, Admiral.“, sagte Natima und reichte dem Admiral Arikkas Nachricht.
 

Die Gesichtszüge des Flottenchefs verdüsterten sich. Dann seufzte er schwer.
 

„In Ordnung. Ich werde die Operation abbrechen.“, sagte er schließlich.
 

„Das ist auch besser, Admiral. Denn das letzte was wir brauchen, ist eine massive Konzentration von Schiffen der Cumberland-Klasse.“
 

„Was mag das für ein Schiffstyp sein?“, fragte Cardassias oberster Admiral.
 

„Ein Schlachtkreuzer, wenn sie es genau wissen wollen, Admiral. Und jetzt stellen sie sich mal 4 oder 5 davon in unmittelbarer Nähe zu unseren Grenzen vor. Ein Schiff der Cumberland-Klasse kann es mit drei Schiffen der Keldon-Klasse aufnehmen.“
 

An Bord der Aldara
 

Der Kommunikationsoffizier wandte sich an Gul Danar.
 

„Gul Danar. Eine Nachricht vom Flottenoberkommando. Wir sollen unverzüglich nach Hause zurückkehren.“, sagte er.
 

„Wie bitte?“
 

„Sie haben schon richtig gehört. Wir haben den Befehl unverzüglich nach Cardassia zurückzukehren. Dieser Befehl kommt von ganz oben.“, sagte der cardassianische Offizier.

562

Gul Danar seufzte schwer.
 

„Rufen sie die anderen Schiffe. Sagen sie ihnen, dass wir uns zurückziehen.“, sagte er.
 

Drengin vier Tage später
 

Natima Lang hatte ihrer Kollegin Arikka eine Nachricht geschickt, in der sie die Präsidentin der Föderation wissen ließ, dass die cardassianische Union einem Beitritt Drengins zur Föderation nicht mehr im Weg stehen würde. Nachdem man Königin Kalindras Beitrittsgesuch geprüft hatte, wurden sofort Verhandlungen aufgenommen, die von Dean O’Banion moderiert wurden. Jekaterina hielt sich zurück, denn es ging ihr zwar besser, aber so ganz auf dem Damm war sie noch nicht. Der Schwächeanfall hatte doch deutliche Spuren hinterlassen.
 

In einer Pause unterhielt sich Jekaterina mit dem Iren.
 

„Wie geht es ihnen, Captain Romanova?“, fragte Dean O’Banion.
 

„Schon besser. Aber ich werde noch viel Zeit brauchen, um mich vollständig zu erholen, Captain O’Banion.“
 

„Dann hoffe ich, dass sie schnell wieder fit sind, Captain. Denn wir brauchen sie.“, sagte der Kommandant der Texas.
 

„Ein bisschen Heimaturlaub wird mir ganz gut tun.“
 

„Heißt?“, fragte Captain O’Banion.
 

„Ich werde einige Zeit in meinem Elternhaus in meiner Heimatstadt Smolensk verbringen. Kommen sie mich doch mal besuchen, wenn sie wollen.“
 

„Wenn ich von einer liebreizenden Kollegin so charmant eingeladen werde, da muss ich einfach annehmen. By the Way, wir könnten uns auch duzen, wenn sie damit einverstanden sind.“, sagte der Ire.
 

„Gern. Ich bin Jekaterina.“
 

„Dean. Dann bleibt mir nichts anderes übrig als dir gute Besserung zu wünschen, Jekaterina. Aber eine Frage noch, bevor die Pause vorbei ist.“, sagte Dean O’Banion.
 

„Ich höre.“
 

„Wie mache ich mich eigentlich als Moderator?“, fragte der Kommandant der Texas.

563

„Bis jetzt hast du die Situation im Griff. Mach weiter so. Und merke dir meine Worte. Lass dir zu keinem Zeitpunkt die Initiative nehmen.“
 

„Danke, Jekaterina.“, sagte Dean O’Banion.
 

Dann hielt er Jekaterina die Hand hin. Die junge Russin legte die seine Hand in ihre.
 

„Schon Okay. Und zu guter letzt noch ein guter Rat von mir. Wenn dir ein Q namens Dambala mal seine Aufwartung macht, hör dir an, was er zu sagen hat. Er ist eine sehr gute Informationsquelle.“, sagte Jekaterina.
 

„Werds mir merken.“564

USS Kirow - Mission 15

USS KIROW MISSION 15
 

Jekaterina und ihre ältere Schwester Anastasia schlenderten durch die Straßen von Smolensk. Seit sie wieder in ihrer Heimatstadt weilten, hatte es die beiden Schwestern an die Orte gezogen, die ihre Kindheit geprägt hatten. An der Uspensky Kathedrale blieb Jekaterina stehen.
 

„Weißt du noch, wie wir hier mit Mama und Papa den Weihnachtsgottesdienst besucht haben, Anastasia?“, fragte sie.
 

„Das werde ich nie vergessen, Jekaterina. Und ich weiß noch, wie sehr du Mutter enttäuscht hast, weil du nie so richtig an Gott glauben wolltest.“
 

„Da war ich aber auch schon älter. Ich glaube ich war 14 oder 15. Da kann man mir nicht mehr aufs Ohr erzählen, dass Gott als weiser Mann mit Rauschebart, Eibenstab und Sandalen erscheint.“, sagte Jekaterina.
 

„Weißt du noch, wie du Sandalen immer genannt hast?“
 

„Siamesische Tempelflitzer.“, sagte Jekaterina.
 

„Und das Jahr drauf ist dann die Episode mit Michail passiert, die dich zur Lesbe hat werden lassen.“
 

„Apropos Lesbe. Wie gehst du jetzt damit um?“, sagte Jekaterina zu Anastasia.
 

„Du meinst, dass ich mit einer Frau in einer Beziehung lebe?“
 

„Genau.“, sagte Jekaterina.
 

„Ich habe es akzeptiert, dass ich auch lesbisch bin. Und irgendwo muss was Wahres dran sein, dass nur eine Frau eine Frau verstehen kann.“
 

„Unsere Cousine, Catherine, hat damals, als sie zu uns stieß, folgendes gesagt: „Männer denken doch meistens nur mit ihrem Geschlechtsorgan.“ Und wie recht sie mit dieser Aussage hat, sieht man bei Michail Golowko. Jede sexy Hexi ist für ihn doch nur ein Betthäschen.“, sagte Jekaterina.
 

Jekaterina und ihre Schwester setzten ihren Weg fort, bis Anastasia einen Schatten bemerkte.
 

„Sieh mal unauffällig hinter dich.“, raunte sie ihrer Schwester zu.
 

„Hab ihn schon gesehen. Der Sauerkohl in Michails Gesicht ist zum Brüllen komisch.“
 

„Sollen wir ihn direkt konfrontieren, Jekaterina?“, fragte Anastasia. 565

„Noch nicht. Es ist noch zu früh. Warte bis wir wieder zuhause sind. Dann ist die Wirkung dieses Stichs ins Herz noch größer.“
 

Michail Golowko konnte nicht glauben, was er sah. Jekaterina und Anastasia waren wieder vereint. Und er brauchte sich nichts vormachen. Die beiden hatten sich ausgesprochen und wieder versöhnt. Der dunkle Lord hatte also versagt. Aber woher hatte Jekaterina diesen Joker gezogen. Und wer war überhaupt dieser Joker? Michail hasste es, wenn etwas nicht nach Plan lief. Und überhaupt: Was hatte dieses merkwürdige Zeichen auf Jekaterinas Stirn zu bedeuten? Fragen über Fragen. Und nur Jekaterina konnte sie beantworten. Aber das würde sie garantiert nicht tun, so wie sie ihn hasste. Und diesen Hass hatte sie ihn schon vergangenes Jahr spüren lassen. Und wahrscheinlich hatte Jekaterina längst über ihn gerichtet und ein Urteil gefällt, das für ihn nichts Gutes bedeuten konnte. Bestenfalls kam er in ein Straflager. Aber Jekaterina Romanova konnte man alles zutrauen.
 

Die beiden Schwestern hatten gerade die Tür ihres Elternhauses hinter sich geschlossen, als sich Catherine aus dem ersten Stock bemerkbar machte.
 

„Sag mal, erwarten wir Besuch, Cousine?“, fragte sie Jekaterina.
 

„Nicht, das ich wüsste. Aber ich habe eine Ahnung, wer gleich hier anklopfen wird.“
 

Und Jekaterina sollte Recht behalten. Denn kurze Zeit später klopfte es tatsächlich an der Tür, des alten Hauses, das noch aus der Gründerzeit stammte. Allerdings war es kein freundliches Klopfen, sondern ein wütendes Hämmern. Jekaterina wandte sich an ihre Leibwächterin.
 

„Casandra, sei bitte so freundlich, und lass unseren ungebetenen Besucher herein.“, sagte sie.
 

„Ja, Herrin.“
 

Jekaterinas Leibwächterin öffnete die Tür, packte den verblüfften Michail Golowko am Handgelenk, und beförderte ihn unsanft in den Flur, bevor sie ihn ins Wohnzimmer schleifte.
 

Michail wusste überhaupt nicht, was los war, aber er schluckte schwer, als er Jekaterinas Stimme über sich vernahm.
 

„Na sieh mal einer an. Michail Golowko erweist uns die Ehre seiner Anwesenheit.“, sagte sie.
 

Michail wollte gerade etwas Schmeichelndes erwidern, als er von Lady Catherine rüde unterbrochen wurde, die, Adelstitel hin oder her, jegliche Contenance verloren hatte.

566

„Ey, mach dich ma grade, du Fleischwurst.“, sagte sie schroff.
 

„Shut up, Bitch.“
 

Doch ehe Michail Golowko wusste, wie ihm geschah, hatte ihn Cassandra am Kragen gepackt, und unsanft in die Höhe gezogen.
 

„Hüte deine Zunge, sonst kannst du deine Brötchen in Zukunft nur noch aus der Schnabeltasse lutschen.“, sagte Cassandra.
 

„Na warte, bis ich dich gezähmt habe.“
 

„Vergiss es, Michail. Meine Leibwächterin kriegst du nicht gezähmt.“, sagte Jekaterina.
 

„Oho. Jekaterina Romanova ist so feige, dass sie sich hinter einer Leibwächterin verstecken muss.“
 

„Eine Prinzessin braucht eben Schutz.“, sagte Catherine.
 

„Jekaterina. Eine Prinzessin? Nette Story. Aber leider unglaubwürdig.“
 

„Es gibt vieles, was du nicht glauben wirst, Michail. Aber dennoch ist es wahr. Ja, ich darf offiziell den Titel einer Prinzessin führen. Ebenso Anastasia. Ich bin eine Trägerin des Ordens von Kahless, Mitglied im Orden des Bat'leth. Reicht das?“, sagte Jekaterina.
 

„Und was passiert jetzt mit mir?“
 

„Du stirbst.“, sagte Jekaterina.
 

„Willst du mich etwa mit einem Phaser einfach so abknallen?“
 

„Nein. Dich zu erschießen, wäre zu human. Ich habe etwas anderes im Sinn. Cassandra ist eine draconianische Drachenkriegerin. Du bekommst einen Teil ihrer Heimat zu sehen, Michail.“, sagte Jekaterina.
 

„Bringst du mich etwa dorthin?“
 

„Ganz Recht. Und auf Draconia wirst du dein Ende finden. Das ist die gerechte Strafe.“, sagte Jekaterina.
 

Ihre Stimme war ruhig und gelassen. Michail hatte sich also nicht getäuscht. Jekaterina hatte nicht nur bereits über ihn gerichtet, sondern ihn auch gleich zum Tode verurteilt. Wie war das möglich? Es musste etwas mit dem geheimnisvollen Zeichen auf Jekaterinas Stirn zu tun haben.
 

„Darfst du das überhaupt, Jekaterina?“, fragte Michail. 567

„Was?“
 

„Na was wohl? Du hast über mich gerichtet, und ein Urteil gefällt. Dir ist hoffentlich klar, dass du dich über die Justiz gestellt hast.“, sagte Michail Golowko.
 

„Die Justiz hat mich im Stich gelassen und mich verhöhnt. Man hat dich frei herumlaufen lassen, anstatt dich zu verurteilen, und dich für deine Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Ich habe kein Vertrauen mehr in unsere Gerichte. Deshalb nehme ich das lieber selbst in die Hand. Damit ich endlich die Gerechtigkeit bekomme, die mir damals vorenthalten wurde.“
 

„Was du Gerechtigkeit nennst, ist in Wirklichkeit doch nichts weiter als Rache.“, sagte Michail.
 

„Nenn es wie du willst. Aber an deinem Schicksal ändert das nichts.“
 

Jekaterinas Kommunikator zirpte.
 

Kirow an Captain.“, vernahm sie die Stimme ihres ersten Offiziers.
 

„Sprechen sie, Nummer eins.“
 

„Captain, ich wurde gebeten, ihnen auszurichten, sie mögen ihren geplanten Erholungsurlaub von drei Wochen auf vier Tage verkürzen.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Das ist jetzt nicht ihr Ernst, Nummer eins.“
 

„Leider doch, Captain. Sie haben sich unverzüglich wieder auf die Kirow zu begeben.“, sagte der Commander.
 

„Denken die bei Starfleet Command auch mal an meine Gesundheit? Oder haben die den Bericht von Doktor Garcia und Doktor Nadirova nicht gelesen?“
 

„Das habe ich Admiral Simmons auch gesagt, Captain. Aber er meinte, er kann darauf keine Rücksicht nehmen.“, sagte Commander Robertson.
 

„Na der kann was erleben.“
 

„Ich bin ganz bei ihnen, Captain. Aber lassen sie ihre Laune nicht an mir aus. Ich habe nur einen Befehl ausgeführt.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Ihnen mache ich auch keinen Vorwurf, Nummer eins.“
 

„Danke, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Nicht dafür, Commander. Aber erinnern sie mich bitte daran, bei 568

Präsidentin Arikka eine Beschwerde gegen Admiral Simmons einzureichen, wenn wir von unserer Mission zurück sind.“
 

„Mach ich, Captain. Kirow Ende.“, sagte Commander Robertson.
 

Jekaterina war wütend. Sie wusste sehr wohl, warum Admiral Simmons sie aus dem Urlaub holte.
 

„Was meinst, warum der Admiral das angeordnet hat, Cousine?“, fragte Catherine.
 

„Admiral Simmons hat mich auf dem Kieker.“
 

„Was hätte er davon, Schatz?“, fragte Alaia.
 

„Ich wäre wegen eines Burnouts auf unbestimmte Zeit dienstunfähig. Dann könnte er den Platz auf der Kirow mit einem Kommandanten seiner Wahl besetzen.“
 

„Wollen wir hoffen, dass deine Beschwerde bei der Präsidentin kein Bumerang wird, Jekaterina.“, sagte Anastasia.
 

„Ich kann so etwas aber auch nicht auf mir sitzen lassen, Schwesterherz. Doktor Garcia und Doktor Nadirova haben einen umfassenden medizinischen Bericht eingereicht, mit der Empfehlung, dass ich drei Wochen eine Auszeit nehme. Aber Admiral Simmons ignoriert den ärztlichen Rat und holt mich vom Krankenbett wieder in den aktiven Dienst zurück.“
 

„Ich weiß, meine Meinung interessiert dich nicht, Jekaterina. Aber so etwas geht gar nicht. Wenn du krank bist, bis du krank. Da beißt die Maus keinen Faden ab.“, sagte Michail.
 

„Das ist der erste brauchbare Satz, den ich von dir höre.“
 

An Bord der Kirow 4 Tage später
 

Jekaterina saß im Besprechungsraum. Links von ihr saß ihr erster Offizier. Auf der rechten Seite Admiral Peter Simmons. Der Admiral war ein Afro-Amerikaner in den 60er Jahren, wie das dünner werdende Kopfhaar und der am Kinn ergraute Bart verrieten. Außerdem trug Admiral Simmons eine Brille mit einem viereckigen Messinggestell. Sein ovales Gesicht wirkte reumütig. Peter Simmons wusste sehr wohl, dass er einen schweren Fehler begangen hatte, als er Jekaterina aus ihrem Genesungsurlaub in den aktiven Dienst zurückgeholt hatte. Und das bedeutete, dass er der Kommandantin der Kirow nach Abschluss der Mission den Genesungsurlaub zugestehen musste. Tat Admiral Simmons dies nicht, konnte das ernsthafte Folgen für ihn haben. Bestenfalls kam er mit einer Rüge von Präsidentin Arikka davon. Denn Jekaterina hatte ihm gegenüber schon eine Beschwerde bei der Präsidentin angekündigt. Und diese

war auch berechtigt. Es blieb dem Admiral nichts anderes übrig, als Jekaterina und Quantez Robertson gegenüber mit der Wahrheit rauszurücken.
 

„Hören sie, Captain Romanova. Ich hätte nicht zu dieser drastischen Maßnahme gegriffen, wenn ich eine andere Möglichkeit gesehen hätte.“, sagte Peter Simmons.

„Darf ich nach dem Grund fragen, Admiral?“
 

„Sie dürfen, Captain. Sehen sie, im Moment gibt es einen Engpass an einsatzbereiten Schiffen. Die AJAX wird demnächst außer Dienst gestellt. Es wird zwar ein neues Schiff mit diesem Namen gebaut. Aber es wird sehr lange dauern, bis uns die neue Ajax zur Verfügung steht. Die Ranger wurde in einem Gefecht ziemlich übel zugerichtet, und ist zur Reparatur in der Werft. Die Titan wird generalüberholt. Bei Imperator und Enterprise E werden die Systeme modernisiert. Und bei der Suzuya steht die Inspektion an. Auf diese Schiffe kann ich nicht zurückgreifen. Unsere neuesten Schiffe Cumberland und Texas sind auf Mission, ebenso HiryūundSoryū. Das dritte Schiff der Cumberland-Klasse, die South Carolina, befindet sich noch im Bau, und bei der Kaga hat gerade erst die Kiellegung begonnen. Die neu gebaute Exeter befindet sich noch in der Erprobungsphase, kann also auch nicht eingesetzt werden. Sie sehen also, dass ich keine andere Alternative als die Kirow habe.“, sagte Admiral Simmons.
 

„Ich will es mal so ausdrücken, Admiral Simmons. Ich habe Verständnis dafür, dass ihnen aufgrund der momentanen Situation nur die Kirow für dieses Mission bliebt. Wofür ich allerdings überhaupt kein Verständnis habe, ist die Tatsache, dass ich dafür meinen Genesungsurlaub abbrechen muss, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Commander Robertson ist soweit, dass er die Kirow alleine führen kann.“
 

„Ich zweifle nicht an Commander Robertsons Fähigkeiten. Sie haben ihn gut ausgebildet. Aber auf dieser Mission wird jemand gebraucht, der nicht gleich mit der Hau-drauf-Knüppel-aus-dem-Sack-Methode ins Haus fällt.“, sagte der Admiral.
 

„Wollen sie damit andeuten, dass mein erster Offizier ein Hitzkopf ist, Admiral Simmons?“
 

„Das nicht, Captain Romanova. Aber ich teile ihre Meinung bezüglich der Eignung von Commander Robertson, das Schiff alleine zu führen, nur zu 90%. Blicken sie ihm bei dieser Mission noch über die Schulter, und sehen, wie er sich schlägt. Danach sollte Commander Robertson wirklich in der Lage sein, die Kirow auf einer Mission alleine zu führen.“, sagte Peter Simmons.
 

Jekaterina seufzte. Dann wandte sie sich an Admiral Simmons. 569
 

„Na schön. Ich werde auf dieser Mission an Bord der Kirow sein. Aber danach nehme ich mir die Auszeit, die mir von Doktor Garcia und Doktor Nadirova verordnet wurde.“, sagte sie.

Quantez Robertson, der erste Offizier der Kirow, stellte eine nicht unerhebliche Frage.
 

„Worin genau besteht unser Auftrag, Admiral Simmons?“, fragte er.
 

„Auf dem Planeten Altaria droht die politische Lage außer Kontrolle zu geraten. Der derzeitige Machthaber Kratos soll gestürzt werden.“
 

„Dann dürfte er ein Tyrann wie König Eros oder Königin Bavmorda sein.“, sagte Jekaterina.
 

„Das genaue Gegenteil ist der Fall, Captain. Kratos ist bei seinem Volk sehr beliebt. Sein Widersacher ist der Tyrann. Ist Kratos entmachtet, kann er das einfache Volk auspressen, während der Adel in Saus und Braus lebt.“
 

„Also so wie in Frankreich zurzeit von Ludwig dem XIV.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Ein Vergleich, der den Nagel auf den Kopf trifft, Commander Robertson.“
 

„Und was genau sollen wir tun, Admiral?“, fragte Commander Robertson.
 

„Sie sollen Kratos Gegner Garlox ausschalten. Denn Kratos verhandelt zurzeit mit Botschafterin Luan über einen Beitritt zur Föderation. Seinem Feind Garlox ist das ein Dorn im Auge. Wenn er die Macht an sich reißt, wird er die Verhandlungen abbrechen und die Texas angreifen.“
 

„Hat dieser Garlox das entsprechend kommuniziert?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Hat er. Als Reaktion auf seine Drohungen hat Präsidentin Arikka die Patrouillen in diesem Sektor verstärkt. Unter den Schiffen, die dorthin geschickt wurden, war auch die Ranger.“
 

„Das würde bedeuten, das Garlox Commander Baker angegriffen hat, um ein Exempel zu statuieren.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Leider haben sie Recht, Commander Robertson. Deswegen wurde ich beauftragt, ihr Schiff mit dieser Mission zu beauftragen.“
 

„Dann ist in diesem Fall die Hau-drauf-Knüppel-aus-dem-Sack-Methode die einzige Wahl. Wenn dieser Größenwahnsinnige nur die harte Tour kennt, dann bitte.“, sagte Quantez Robertson.
 

Jekaterina pflichtete ihm bei. 570
 

„In diesem Fall würde sogar ich die harte Gangart bevorzugen. Denn solche miesen Individuen muss man so anfassen. Das ist die einzige Sprache, die sie verstehen.“, sagte sie.

„Wie auch immer. Schalten sie Garlox aus.“
 

„Wann soll es losgehen?“, fragte Quantez Robertson.
 

„Heute Abend um 18:00 Uhr brechen sie auf.“
 

Long Beach, Kalifornien, 10.April 2380, 14 Uhr Ortszeit
 

Jekaterina ging die Promenade entlang. Einmal sah sie nach oben, und sah über sich den Bug der Queen Mary aufragen. Der englische Ozeanriese war eine imposante Erscheinung. Direkt daneben lag ein weiterer berühmter Ozeanriese. Es war die United States, der letzte Transatlantikliner, der das „blaue Band“, die begehrte Trophäe für die schnellste Atlantiküberquerung gewonnen hatte. Und dieser Rekord hatte noch heute, 428 Jahre nach der Jungfernfahrt, nach wie vor Bestand. Eigentlich hätte das Schiff als künstliches Riff enden sollen, doch mehrere amerikanische Milliardäre hatten den Liner erworben und wieder restauriert. Ihre einzige Fahrt nach Ende der Restaurierungsarbeiten, hatte die United States nach Long Beach geführt. Jekaterina kreuzte ehrfürchtig die Arme vor der Brust. Diese Schiffe waren Legenden.
 

Die junge Russin betrachtete die United States genauer. Der einstige Stolz Amerikas war 301,80 m lang und 31 m breit. Der schlanke Rumpf des Liners mit den eleganten Aufbauten und den zwei Schornsteinen verlieh der United States ein majestätisches Aussehen.
 

Jekaterina war so fasziniert vom Anblick dieses majestätischen Luxusliners, dass sie gar nicht merkte, wie jemand neben sie trat.
 

„Hallo, Captain.“, sagte eine Männerstimme.
 

Jekaterina fuhr herum und sah in das Gesicht von Imperator Aurelius.
 

„Imperator Aurelius. Haben sie mich aber erschreckt.“, sagte sie.
 

„War keine Absicht, Captain.“
 

„Was hat sie hierher verschlagen, Imperator?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich wollte mich bei ihnen bedanken, Captain Romanova. Dank ihrer Initiative konnte mein Volk gerettet werden.“
 

„Es freut mich das zu hören, Imperator Aurelius.“, sagte Jekaterina.

571

„Sonst geht es ihnen gut, Captain?“
 

„Eigentlich hätte ich im Urlaub sein sollen. Doktor Garcia und Doktor Nadirova haben mir eine Auszeit verordnet.“, gab Jekaterina Auskunft.
 

„Wegen ihrem Schwächeanfall. Ich habe davon gehört. Unverzeihlich, dass die Cardassianer sie so unter Druck gesetzt haben.“
 

„Sie versuchen halt, ihre Interessen notfalls mit Gewalt durchzudrücken.“, sagte Jekaterina.
 

„Mag sein. Was aber noch unverzeihlicher ist, ist die Tatsache, dass man sie aus dem Urlaub holt, bevor er überhaupt richtig angefangen hat.“
 

Der Imperator deutete zu den beiden Ozeanriesen hinüber.
 

„Ein prachtvoller Anblick.“, sagte er dann.
 

„Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Sie zeugen von Tagen, als man den atlantischen Ozean mit dem Schiff überquert hat. Damals war die Konkurrenz durch Flugzeuge noch nicht so groß.“
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57275.4 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Kurz nach unserem Aufbruch kam ein Update zu unserem Auftrag. Obwohl die Verhandlungen noch laufen, hat Garlox die USS Texas angegriffen. Außerdem hat er angedroht das Hauptquartier von Starfleet Command und alle Schiffe der Föderation zu zerstören, wenn der Föderationsrat den Beitrittsvertrag absegnet.“
 

Jekaterina rieb sich die Schläfen. Dieser Garlox war eine Hämorride im Hintern. Diese Mission drohte ihr und ihrem ersten Offizier über den Kopf zu wachsen. Jekaterina hatte als Vorsichtsmaßnahme die Schilde aktiviert und ihr Schiff in ein Asteroidenfeld manövriert. Dort verharrte die Kirow regungslos. Aus dem Missionsupdate ging hervor, dass Garlox alle Raumschiffe der Föderation gnadenlos jagte. Und das bedeutete nichts Gutes. Bisher hatte die Föderation es geschafft, den einen oder anderen Achtungserfolg zu erzielen, und so ein paar Nadelstiche zu setzen. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis Garlox ein Schiff der Föderation mit Mann und Maus zerstören würde.
 

An Bord der Avalon 1
 

Garlox saß auf seinem Sessel. Er war ein muskelbepackter Hüne von 2,39 m Körpergröße. Er war nur sehr spärlich bekleidet. Denn er nur einen Lendenschurz auf Büffelfell. Seine Unterarme seine Schultern, sowie seine Beine waren dicht behaart. Das dunkelbraune Kopfhaar ging an den Schläfen in einen ebensolchen Vollbart über, was dem runden Gesicht des Rebellen ein martialisches Aussehen verlieh. Dazu passte auch die riesige Knubbelnase 572

im Gesicht des Hünen.
 

Garlox war wütend. Denn nichts lief so wie geplant. Bei Starfleet Command wusste man von seinem Angriff auf die Texas und hatte alle übrigen Schiffe gewarnt. Diese griffen nun aus dem Hinterhalt an, nur um dann zu verschwinden. Aber sein Schiff war gezwungen den Kurs zu ändern. Garlox war davon überzeugt, dass man versuchen wollte, sein Schiff, die Avalon 1 so schwer zu beschädigen, dass die Jagd auf die Föderationsschiffe eingestellt werden musste. Außerdem würde das Kratos Zeit verschaffen, um die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Die Raumschiffe der Föderation waren für seine Pläne, Altaria in eine Diktatur umzuwandeln eine ernst zu nehmende Bedrohung.
 

Sein taktischer Offizier sah vom Display seiner Konsole auf, als ein akustisches Signal in Form eines „PING“ erklang.
 

„Mylord, unsere Sensoren haben wieder ein Föderationsschiff geortet. Sovereign-Klasse.“, sagte der Mann.
 

„Welches Schiff, Norok?“
 

„Die Kirow, Mylord.“, sagte Norok.
 

„Wer kommandiert es?“
 

„Captain Jekaterina Romanova. Erster Offizier: Commander Quantez Robertson.“, sagte der taktische Offizier.
 

„Exakte Position, Norok?“
 

„Sie befindet sich in diesem Asteroidenfeld. Aber elektromagnetische Störungen beeinträchtigen unsere Sensoren. Das einzige, was ich noch mit definitiver Sicherheit sagen kann, ist, dass die Kirow ihre Schilde aktiviert hat.“, sagte Norok.
 

„Versuch die ungefähre Position der Kirow herauszufinden, Norok. Und dann alle Waffen Feuererlaubnis.“
 

„Ja, Lord Garlox.“, sagte Norok
 

An Bord der Kirow
 

Das Schiff erzitterte, als die Salve der Avalon 1 traf. Jekaterina befahl sofort, das Feuer zu erwidern. Und die erste Salve der Kirow richtete verheerende Schäden an. So wurde unter anderem die große Kanone am Bug zerstört. Auch ein paar kleinere Geschütze wurden zerstört. Die Hülle war an mehreren Stellen gebrochen.

573

An Bord der Avalon 1
 

Garlox wurde aus seinem Sessel geschleudert.
 

„Schadensmeldung!“, rief er.
 

„Bruch der Hülle auf den Ebenen 5,6,8 und 10. Unsere Primärwaffe wurde zerstört, sowie einige kleinere Geschütze.“
 

„Wie viel an Kampkraft haben wir eingebüßt, Norok?“, fragte Garlox.
 

„Durch die Zerstörung der großen Kanone 55%. Denn gerade kam die Meldung, dass wir auch noch die schweren Lasertürme auf der Backbordseite verloren haben.“
 

„Das passt mir gar nicht. Aber das zeigt auch, dass die Kirow ein ganz anderes Kaliber ist, als die anderen“, sagte Kratos Gegner.
 

In diesem Augenblick erzitterte die Avalon 1 erneut. Denn unbemerkt hatten die IRW Valdore und der klingonische Angriffskreuzer Maranga IV hinter Garlox Schiff Position bezogen und sofort das Feuer eröffnet.
 

„Mylord, wir haben die Triebwerke 1 und 3 verloren. Ein romulanischer Warbird des Valdore-Typs und ein klingonischer Angriffskreuzer der Vor'cha-Klasse haben hinter uns Position bezogen.“
 

„Welches Schiff dieser Klasse.“, wollte Garlox wissen.
 

„Die Maranga IV. Das andere Schiff ist die Valdore, Mylord.“
 

„Als ob wir mit der Kirow nicht schon genug Probleme hätten.“, sagte Garlox.
 

Das Schiff erzitterte erneut, als ein Energiestoß die Avalon 1 traf. Dieser Stoß, den Dayani, das Energiewesen auf Garlox Schiff geschossen hatte, setzte die Energieversorgung für die Waffensysteme des Schiffes außer Gefecht.
 

„Was zum Henker ist passiert?“, fragte Garlox aufgeregt.
 

„Mylord, wir haben die Energie für unsere verbliebenen Waffensysteme verloren. Ein Energiestoß hat uns getroffen.“
 

„Wo kam der her, Norok?“, fragte der Rebell.
 

„Es scheint so, als ob er aus dem Nichts kam.“
 

„Verdammter Mist. Das hat uns gerade noch gefehlt. Korax, wir ziehen uns zurück. Kurs 174, Höchstgeschwindigkeit.“, sagte Garlox.

574

An Bord der Kirow
 

Toprak, der taktische Offizier sah es als erstes.
 

„Captain, das feindliche Schiff dreht ab.“, sagte der Klingone.
 

„Auf den Schirm.“
 

„Ja, Captain.“, sagte Toprak.
 

Auf dem großen Schirm erschien Garlox Schiff. Alle auf der Brücke konnten die Schäden sehen, die die Avalon 1 davongetragen hatte. Der 260 Meter lange Rumpf war an mehreren Stellen gebrochen, wie die vielen tiefen Risse verrieten. Die Kanone vorne am Bug war aus ihrer Halterung gerissen und hing zur Seite. Schließlich kam der Namenszug ins Bild. „Avalon 1“ war dort zu lesen. Als das Heck in Sicht kam, sahen alle die beschädigten Triebwerke der Avalon 1.
 

„Der ist ganz schön übel zugerichtet, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Das stimmt. Dem haben wir ordentlich einen mitgegeben. Ich denke, es wird einige Zeit dauern, bis die Avalon 1 wieder einsatzfähig und kampfbereit ist.“
 

„Was jetzt, Captain?“, fragte Commander Robertson.
 

„Wir fliegen nach Altaria. Es ist sinnvoll sich ein genaues Bild der Situation zu machen, ehe man handelt.“
 

„Ist das wieder eine Regel ihres verstorbenen Mentors?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Wie viele habe ich ihnen bis jetzt beigebracht, Tez?“
 

„Nur die erste, Captain.“, sagte Tez Robertson.
 

„Das war Nummer zwei. Merken sie sich meine Worte gut, Nummer eins. Denn ich bin sicher, dass man ihnen schon sehr bald ihr eigenes Kommando geben wird.“
 

„Dann müssen sie sich aber ranhalten, wenn sie mir noch die anderen beiden Regeln beibringen wollen.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Keine Bange, Nummer eins. Die beiden Regeln werde ich sie noch lehren, solange sie noch an Bord sind. Aber jetzt machen sie weiter. Ich muss einen Bericht über unser Gefecht abfassen.“
 

„Ja, Captain.“, sagte der Commander.

575

Im Besprechungsraum hatte Jekaterina gerade angefangen, den Bericht zu schreiben, als der Türsummer ertönte.
 

„Herein.“, sagte Jekaterina.
 

Die Türhälften glitten auseinander und Dambala, der Q, betrat den Raum.
 

„Schön dich zu sehen, Dambala.“, begrüßte Jekaterina den Q.
 

„Ich dachte, ich schau mal wieder vorbei. Geht’s dir gut?“
 

„Eigentlich hätte ich Urlaub gehabt. Aber ich wurde nach vier Tagen in den aktiven Dienst zurückgeholt. Das ich da alles andere als erfreut bin, brauche ich nicht extra zu erwähnen.“, sagte Jekaterina.
 

„Eine bodenlose Frechheit. Aber sonst geht’s dir gut, Jekaterina?“
 

„Kursieren wieder irgendwelche Gerüchte über mich, Dambala?“, fragte Jekaterina.
 

„Wenn, dann wüsste ich davon. Aber ich sehe einen Ring an deinem linken Ringfinger.“
 

„Dir entgeht aber auch nichts, Dambala. Alaia und ich haben uns verlobt.“, sagte Jekaterina.
 

„Gratuliere.“
 

„Danke. Aber du bist doch nicht vorbei gekommen, nur um mit mir ein bisschen Smalltalk zu betreiben. Du hast doch bestimmt ein paar Informationen.“, sagte Jekaterina.
 

„Woher nimmst du nur diesen Scharfsinn?“
 

„Unter meinen Vorfahren war eine Privatermittlerin. Jelena Romanova. Wäre sie noch am Leben und sie würde neben mir stehen, du könntest uns nicht unterscheiden. Denn ich gleiche ihr, wie ein Ei dem Anderen. Aber jetzt setz dich erstmal. Und dann berichte mir bitte, was du heraus gefunden hast.“, sagte Jekaterina.
 

„Garlox ist Kratos Cousin. Und das Verhältnis der beiden ist, gelinde gesagt, nicht das Beste.“
 

„Das heißt, die beiden bekriegen sich bis aufs Messer.“, sagte Jekaterina.
 

„Mehr oder minder. Der Grund für diesen Umstand ist eine Frau.“
 

„Und wie lautet der Name der Angebeteten?“, wollte Jekaterina wissen. 576

„Ylenia. Sie ist die Tochter des mächtigsten Stammesfürsten auf Altaria, und oben drein auch noch die schönste Frau auf dem ganzen Planeten.“
 

„Verstehe. Was mich aber noch interessiert, ist, ob das Verhältnis zwischen Garlox und Kratos von vornherein so schlecht war, oder erst seit dem die beiden auf Ylenia aufmerksam geworden sind.“, sagte Jekaterina.
 

„Kratos und sein Cousin konnten sich noch nie leiden. Jeder glaubt, der andere würde ihm vorgezogen. Es gibt aber noch etwas, dass du wissen solltest, Jekaterina.“
 

„Das da wäre?“, fragte Jekaterina.
 

„Auf Altaria wird der König vom Volk gewählt. Er kann sich nicht selbst zum Herrscher ernennen.“
 

„Und Garlox will Kratos stürzen um die Macht an sich zu reißen, und die Wahl des Königs abschaffen.“, sagte Jekaterina.
 

„Genau das. Und mit der Unterstützung von Ylenia und ihrer Familie wäre es ein leichtes Unterfangen. Aber die Familie will sich in diesen Machtkampf nicht hineinziehen lassen.“
 

„Sehr weise. Was ich aber nicht verstehe, warum Garlox unsere Flotte jagt und angreift.“, sagte Jekaterina.
 

„Die Föderation ist eine Gefahr für ihn und seine Pläne. Im Falle eines Beitritts könnte Kratos seine Macht festigen und seinen Cousin ein für allemal kaltstellen.“
 

„Computerlogbuch der Kirow 57288.2, Commander Quantez Robertson, erster Offizier, neuer Eintrag: Dank der Informationen von Dambala, einem Mitglied des Q-Kontinuums, konnten einige Umstände aufgeklärt werden. Wir sind nun auf dem Weg nach Altaria, nachdem wir die Avalon 1, das Schiff von Garlox, Kratos Widersacher, in einem Gefecht schwer beschädigt haben. Aber mein Instinkt sagt mir, dass das nicht die letzte Begegnung mit ihm war.“
 

Quantez Robertson lehnte sich zurück. Neben ihm saß Neriah Kahn, die Counselor, auf ihrem angestammten Platz. Links von ihm saß Justin Wichrowski, den man zu Beginn des Jahres zum Leutnant befördert hatte.
 

„Mal sehen, was wir auf Altaria vorfinden.“, sagte der junge Leutnant.
 

„Das werden wir früh genug erfahren, Lieutenant.“
 

Auf Altaria
 

Kratos war beunruhigt. Sein verachtenswerter Cousin hatte es 577

Tatsächlich gewagt, die Raumschiffe der Föderation anzugreifen. Der Grund lag auf der Hand. Garlox wollte die Föderation daran hindern, seinen geheimen Stützpunkt ausfindig zu machen. Außerdem wollte er die Föderation ihrer besten Verteidigung berauben, wenn mal wieder jemand einen Krieg vom Zaun brechen wollte. Genauer gesagt wollte Garlox die Föderation vernichten. Nur ein Beitritt konnte seine Pläne vereiteln.
 

Kratos Ratgeberin trat ein. Bevor sie ihn ansprach, musterte sie ihn aufmerksam. Kratos war ein kräftiger muskelbepackter Mann mit einer Körpergröße von 1,93 m. Seine blonden Haare trug er offen und schulterlang. Sein ovales Gesicht war mit einem leichten Vollbart bedeckt. In seinen braunen Augen lag wilde Entschlossenheit. Die Nase in Kratos Gesicht war groß und knubbelig.
 

Kratos sah auf.
 

„Du brauchst nicht denken, dass ich dich nicht längst bemerkt habe, Lyranna.“, sagte er.
 

„Herr, ein zweites Föderationsschiff ist auf dem Weg hierher.“
 

„Welches?“, fragte Kratos.
 

„Die Kirow, Herr.“
 

„Das ist Jekaterina Romanovas Schiff. Gibt es Neuigkeiten von der Avalon 1?“, wollte Garlox Cousin wissen.
 

„Das Schiff eures Cousins wurde in einem Gefecht schwer beschädigt.“
 

„Son kann er mir wenigstens nicht dazwischen funken.“, sagte Garlox Rivale.
 

„Herr, einer der Gegner war die Kirow.“
 

„Und wer waren die anderen?“, wollte Kratos wissen.
 

„Die Maranga IV, ein klingonischer Angriffskreuzer, und die Valdore, ein Schiff der romulanischen Flotte.“
 

„Das wird Garlox erst mal beschäftigen.“, sagte Kratos.
 

Auf Garlox geheimem Stützpunkt
 

Der Stützpunktleiter sah, wie sich die Avalon 1 in den Hangar schleppte. Die Schäden, die in ihrem Gefecht mit der Kirow, der Valdore und der Maranga IV davon getragen hatte, waren verheerend. Es würde Monate dauern, bis das Schiff wieder zu 100% einsatzfähig war. Die Avalon 1 fuhr die Landekufen aus. Der Leiter des Stützpunkts betrachtete das Schiff genauer, während es 578

die letzten Meter des Landeanflugs hinter sich brachte. Garlox Raumkreuzer war 260 Meter lang und maß an der breitesten Stelle 60 Meter. Das Schiff war 28 Meter hoch. An der Unterseite des Rumpfes waren ein paar der leichten Lasertürme montiert. Auf der Backbord- und der Steuerbordseite waren die Warpgondeln angebracht. Backbord und Steuerbord konnte man die schweren Lasertürme sehen. Doch die Rohre der Türme waren geborsten. Am Heck, über den Feststoffboostern, war die Brücke als zweiteilige Einheit. Auch zwei der vier Feststofftriebwerke waren zerstört, wie die großen Löcher verrieten. Doch es gab noch weitere Schäden. Unterhalb der Brücke klaffte ein Loch mit einem Durchmesser von 25 Metern. Denn Garlox Schiff hatte noch ein weiteres Gefecht ausgefochten.
 

Auf dem Heimweg war der Raumkreuzer auf die Laconia und die Hiryū getroffen. Garlox hatte sofort das Feuer eröffnen lassen, doch die Laconia, kommandiert von Jewgeni Romanova, hatte gleich mit der ersten Salve die Energieversorgung für die Schilde zerstört. Danach war es für Eric McClusky und seine Crew auf der Hiryū ein leichtes gewesen, die Avalon 1 zur Flucht zu zwingen.
 

Der Leiter von Garlox Stützpunkt sah, wie sich die seitliche Luke des Raumkreuzers öffnete, und Kratos Cousin das Schiff verließ. Und wie immer vergaß Garlox sich beim Aussteigen zu bücken. Es kam, wie es kommen musste. Garlox schlug sich den Kopf an.
 

An Bord der Texas
 

Captain Dean O’Banion saß gerade im Bereitschaftsraum und aß eine Portion Irish Stew. Der Mann aus Galway wusste die Küche seines Heimatlandes sehr zu schätzen. Auch die irischen Feiertage wurden bei der Familie O’Banion gefeiert. Dazu gehörte auch der St. Patricks Day, der am 17. März begangen wurde. Dean O’Banion wollte gerade einen weiteren Löffel zu sich nehmen, als sich die Kom-Anlage bemerkbar machte.
 

„Kann man denn nicht mal in Ruhe essen?“, grollte der Ire.
 

„Brücke an Captain.“, vernahm Dean O’Banion die Stimme von Maureen O’Hara.
 

„Ich höre Maureen. Was gibt’s?“
 

„Captain, wir haben gerade eine Nachricht von der Kirow erhalten. Sie sind auf dem Weg hierher.“, sagte die erste Offizierin.
 

„Verstanden. Sonst noch etwas, Nummer eins?“
 

„Garlox Schiff wurde schwer beschädigt.“, sagte Maureen O’Hara.
 

„Danke, Maureen. Rufen sie mich, wenn die Kirow eingetroffen ist.“ 579

„Ja, Captain.“, sagte Maureen.
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier 16. April 9:15 Uhr Ortszeit
 

Admiral Owen Paris saß gerade in seinem Büro und trank eine Tasse Kaffee. Dabei las er den letzten Bericht der Kirow. Er sah auf, als sein Adjutant, Lieutenant Parker, das Büro betrat.
 

„Was gibt es, Mr. Parker?“, fragte der alte Admiral.
 

„Präsidentin Arikka ist auf dem Weg hierher, Sir.“
 

„Worum geht es?“, fragte Admiral Paris.
 

„Das hat sie nicht gesagt, Admiral. Aber sie meinte, dass einige wichtige Entscheidungen anstehen.“
 

„Verstehe. Wann kann ich mit ihr rechnen, Lieutenant Parker?“, sagte Owen Paris.
 

„Sie dürfte jeden Augenblick hier sein, Sir.“
 

Wie um seine Worte zu unterstreichen, öffneten sich die Türhälften, und die Ariantu trat ein. Admiral Paris und Lieutenant Parker salutierten.
 

„Stehen sie bequem, Gentlemen.“, sagte Arikka.
 

„Danke, Madam President.“
 

„Brauchen sie mich noch, Admiral?“, fragte Brian Parker.
 

„Im Moment nicht, Mr. Parker.“
 

„Danke, Sir.“, sagte Brian Parker
 

Er wandte sich zum Gehen, doch Präsidentin Arikka hielt ihn zurück.
 

„Darf ich sie was fragen, Lieutenant Parker?“, fragte sie.
 

„Was immer sie wollen, Madam President.“
 

„Jedesmal, wenn ich hier bin, sehe ich sie immer irgendwo mit einem Datenblock in der Hand herumlaufen. Machen sie auch mal Pause?“, fragte die Präsidentin.
 

„Ich würde ja gerne, aber…“
 

„Aber?“, fragte Arikka. 580

„Aber ich komme selten dazu, Madam President. Ständig kommt irgendjemand und will, dass ich ein Dokument zu Admiral Paris bringe. Und das lieber gestern als heute.“
 

„So etwas geht gar nicht, Lieutenant. Ich komme nach dem Gespräch mit ihrem Vorgesetzten mal in die Kantine, und seh mir das mal an. Wär ja wohl gelacht, wenn wir diese Situation nicht geregelt kriegen.“, sagte Präsidentin Arikka.
 

Nachdem Lieutenant Parker Admiral Paris Büro verlassen hatte, setzte sich die Föderationspräsidentin dem alten Admiral gegenüber.
 

„Was verschafft mir die Ehre ihres Besuchs, Madam President?“, begann Admiral Paris das Gespräch.
 

„Zum einen wollte ich wissen, wie es mit diesem Widerling läuft. Wie heißt er doch gleich?“
 

„Garlox, Madam President.“, sagte Owen Paris.
 

„Danke, Admiral. Also, was können sie mir berichten?“
 

„Sein Schiff, der Name lautet „Avalon 1“, wurde in zwei kurzen Gefechten so schwer beschädigt, dass es nicht einsatzfähig ist, Madam President.“, sagte Admiral Paris.
 

„So was hör ich gern. Waren Schiffe von uns beteiligt?“
 

„Im ersten Gefecht die Kirow, Madam President. Im zweiten die Laconia und die Hiryū.“, sagte der Admiral.
 

„Das wird Garlox eine Lehre sein. Was gibt es sonst noch zu berichten, Admiral Paris?“
 

„Die South Carolina ist fertig gestellt und ist gerade in die Erprobungsphase übergegangen. Die Kaga befindet sich noch im Bau, ebenso wie die Exeter. Die Arbeiten an der neuen Ajax wurden aus unerklärlichen Gründen unterbrochen.“, sagte Admiral Owen Paris.
 

„Dann kann ich etwas Licht ins Dunkel bringen, Admiral Paris.“
 

„Ich bin ganz Ohr, Madam President.“, sagte Owen Paris.
 

„Die Sovereign-Klasse ist seit Indienststellung ein wichtiger Teil unserer Flotte. Ich finde, dass eine Modernisierung angebracht ist. Genauer gesagt ist mein Plan, die Schiffe auf Transwarp 1 zu ertüchtigen. Welches Schiff würden sie als Erprobungsträger vorschlagen, Admiral Paris?“

581

„Die Kirow, Madam President. Wenn sie von der jetzigen Mission zurückkehrt, könnte man mit den Modernisierungsarbeiten beginnen.“, sagte der Admiral.
 

„Eine hervorragende Idee. Dann kann die Crew mal Urlaub machen.“
 

„Den sie sich auch verdient hat. Gerade Captain Romanova hat es am meisten verdient.“, sagte Admiral Paris.
 

„Da bin ich ganz bei ihnen, Admiral Paris. Captain Romanova hat mir schon eine schriftliche Beschwerde gegen Admiral Simmons angekündigt.“
 

Auf Garlox Stützpunkt
 

Garlox kochte innerlich vor Zorn. Denn der Werftleiter hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, dass die Schäden, die die Avalon 1 erlitten hatte, nicht mehr repariert werden konnten. Damit saßen er und seine Untertanen in ihrem Exil fest. Und wer war daran schuld? Sein missratener Cousin Kratos. Aber nicht nur er. Sondern auch Jekaterina Romanova. Sie hatte sein Schiff als erstes angegriffen. Und hier auf diesem kargen Felsen waren die Rebellen dem Untergang geweiht. Garlox musste etwas einfallen, und zwar schnell. Denn einige seiner Gefolgsleute fingen an, Fluchtpläne zu schmieden. Ein klares Zeichen von Misstrauen.
 

An Bord der Texas
 

Dean O’Banion saß im Besprechungsraum und moderierte eine weitere Verhandlungsrunde. Zu seiner linken saß Kratos, der Anführer der Altarianer. Zu seiner rechten die Botschafterin der Föderation, Wai Lin Luan. Die Gegensprechanlage machte sich bemerkbar.
 

„Brücke an Captain.“, vernahm Dean O’Banion die Stimme seiner ersten Offizierin.
 

„Sprechen sie Nummer eins.“
 

„Captain, die Kirow ist soeben eingetroffen.“, sagte Maureen O’Hara.
 

„Verstanden Maureen.“
 

Kratos wandte sich an den Iren.
 

„Die Kommandantin der Kirow ist doch Jekaterina Romanova, Captain O’Banion?“, fragte er.
 

„Das stimmt, Mylord. Warum wollen sie das wissen?“
 

„Nur so.“, sagte Kratos.

582

„Sie scheinen sehr an ihr interessiert zu sein, Kratos.“
 

„Es lässt sich nicht bestreiten, dass ihre Kollegin bereits einen legendären Ruf besitzt, Captain.“, sagte Kratos.
 

„Das stimmt. Man sollte sich Jekaterina besser nicht zum Feind machen.“
 

Auf Altaria
 

Terok, Garlox Spion auf dem Planeten, hatte gerade die Nachricht über den Zustand von Garlox einzigem Schiff erhalten. Und was er las, fand er gar nicht zum Lachen. Zum Glück war es Terok und einigen von Garlox Loyalisten gelungen, einen Raumfrachter, der mit Titanium und Duranium beladen war, zu stehlen. Dieses Raumschiff würde Garlox helfen, ein neues Schiff zu bauen. Er musste seinem Mann an Bord nur das Codewort übermitteln.
 

Doch Terok musste dabei vorsichtig sein. Denn die Hunter, Kratos Elite-Sturmtruppen waren überall in der Stadt präsent. Und sie galten als unerbittlich. Vor allem waren die Hunter für ihre brutalen Verhörmethoden bekannt. Es gab keinen Mann, den sie nicht brechen konnten. Wenn er, oder einer seiner Mitstreiter, in die Fänge der Hunter gerieten, war die Mission zum Scheitern verurteilt. Teroks Headset knackte.
 

„He Boss!“, hörte Terok die Stimme seines besten Freundes Merlot.
 

„Ich hör dich, Merlot.“
 

„Es ist alles bereit. Wir können starten.“, sagte Merlot.
 

„Erklimmt den Berg Taranaki.“
 

„Machs gut, Boss. Und lass dich nicht von den Huntern erwischen.“, sagte Merlot.
 

„Mach dir um mich keine Sorgen, Merlot. So schnell kriegen mich die Hunter nicht.“
 

An Bord der Kirow
 

Jekaterina hatte ihren ersten Offizier abgelöst, und den Platz in der Mitte eingenommen, als Keiko Tadashita den Kopf hob.
 

„Captain, die Texas ruft uns.“, sagte die Japanerin.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem Schirm erschien Dean O’Banions Gesicht.

583

„Hallo Dean.“, begrüßte Jekaterina den Iren.
 

„Schön dich zu sehen, Jekaterina.“
 

„Du siehst etwas zerknirscht aus, Kollege.“, sagte Jekaterina.
 

„Hab auch allen Grund dazu, Jekaterina.“
 

„Was ist los?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich habe das Gefühl, dass dieser Kratos nicht mit offenen Karten spielt.“
 

„Woraus schließt du das, Dean?“, fragte Jekaterina.
 

„Ich weiß nicht, Jekaterina. Irgendwas sagt mir, dass er etwas verheimlicht.“
 

„Wie äußert sich das, wenn ich fragen darf?“, fragte Jekaterina.
 

„Manchmal weicht er diversen Fragen aus. So als wären sie ihm unangenehm.“
 

„Ich kann Kratos ein bisschen auf den Zahn fühlen. Aber es ist nicht gesagt, dass er aus dem Nähkästchen plaudert. Ganz abgesehen davon, gibt es Leute, die nicht gerne über unangenehmes sprechen, weil sie Angst haben, dass über sie gerichtet wird.“, sagte Jekaterina.
 

An Bord des Raumfrachters Minerva
 

Die Startvorbereitungen waren abgeschlossen. Der Navigator betätigte einige Kontrollen, und die Triebwerke des Frachters erwachten mit einem lauten Donnern zum Leben. Allerdings war der Start des Raumfrachters nicht unbemerkt geblieben. Überall auf dem Gelände des Raumhafens schrillten die Alarmsirenen. Die Piloten der Abfangjäger rannten zu ihren Maschinen. Einige schafften es noch, zur Minerva aufzuschließen, doch Teroks Leute behielten, trotz massivem Dauerbeschuss durch die Jäger, den Kurs bei und hatten bald die Grenzen von Altaria hinter sich gelassen.
 

An Bord der Texas
 

Jekaterina ging durch die Gänge des Schiffes. Neben ihr ging Kratos, der Altarianer. Lange hatte keiner ein Wort gesprochen. Doch dann brach Jekaterina das Schweigen.
 

„Glaubt ihr, dass euer Cousin zurückkehrt, Mylord?“, fragte sie.
 

„So wie sie und ihre Crew sein Schiff zugerichtet haben? Wohl kaum.“
 

„Ich habe von meinem Bruder gehört, dass die Avalon 1 nicht 584

mehr einsatzfähig ist.“, sagte Jekaterina.
 

„Darf ich fragen, welches Schiff euer Bruder kommandiert, Prinzessin?“
 

„Die Laconia. Meine ehemalige Nummer eins Eric McClusky die Hiryū.“, sagte Jekaterina.
 

„Dann sagen sie ihrem Bruder und Captain McClusky mal Danke von mir.“
 

„Mach ich. Darf ich euch etwas fragen, Kratos?“, wollte Jekaterina wissen.
 

„Wenn es mich nicht zu sehr belastet gern, Prinzessin.“
 

„War das Verhältnis zwischen euch und eurem Cousin schon immer so zerrüttet?“, fragte Jekaterina.
 

„Nein, Prinzessin. Es gab mal eine Zeit, da hätten wir uns gegenseitig den Rücken freigehalten. Bis mein verachtenswerter Cousin gegen unsere Gesetze verstoßen hat. Und mit Hilfe seiner Freunde wurde er nie für seine Verbrechen belangt.“
 

„Verstehe. Es muss etwas schwer Wiegendes gewesen sein.“, sagte Jekaterina.
 

„Garlox hat einen Mord begangen.“
 

„Habt ihr das Opfer gekannt, Mylord?“, fragte Jekaterina vorsichtig.
 

„Und ob, Prinzessin. Es war mein Bruder Rega. Unmittelbar danach ist meine Schwester verschwunden. Das einzige, was ich noch in Erfahrung bringen konnte, ist, dass Kitana den Planeten verlassen hat.“
 

„Ich verstehe. Ich werde versuchen, Kitana zu finden.“, sagte Jekaterina.
 

„Danke, Prinzessin.“
 

In diesem Moment entdeckte Kratos die fliehende Minerva.
 

„Dieser verdammte Hundesohn.“, grollte er.
 

„Was ist, Mylord?“
 

„Seht ihr das Frachtschiff unter uns, Prinzessin?“, fragte Kratos.
 

„Und ob.“
 

„Das ist einer von unseren Raumfrachtern. Und zwar einer von den größeren.“, sagte der Altarianer.

585

„Darf ich fragen, wie hoch die Ladekapazität ist, Mylord?“
 

„15.000 Tonnen. Unsere größten Frachter können 45.000 Tonnen transportieren.“, sagte Kratos.
 

„Und was macht sie so sicher, dass ihr Cousin dafür verantwortlich ist?“
 

„Weil er schon zwei andere Schiffe gestohlen hat.“, sagte Kratos.
 

„Das versteh ich nicht. Was hat Garlox davon?“
 

„Zum einen kann er meine Position schwächen, in dem er mich vor meinem Volk als unfähigen Trottel hinstellt. Und zum anderen, und das ist das wichtigste, Prinzessin, kann er ein neues Schiff bauen.“, sagte der König.
 

„Damit wäre Garlox in der Lage, seine Jagd auf die Flotte der Föderation wieder aufzunehmen.“
 

„Das habt ihr sehr richtig erfasst, Prinzessin.“, sagte Kratos.
 

Auf Altaria
 

Eine Stunde, nach dem sie mit Kratos gesprochen hatte, war Jekaterina in den Straßen von Cro Magnon, der Hauptstadt Altarias unterwegs. Wie immer wurde sie von einem Kontingent des Sicherheitsteams der Kirow, und ihrer persönlichen Leibwächterin Cassandra begleitet. Doch Kratos hatte darauf bestanden, dass Jekaterina noch zusätzlich von einem Kontingent seiner Hunter begleitet wurde. Und das aus gutem Grund. Denn als sie auf eine der prachtvollen Alleen kamen, stießen sie auf eine kleine Gruppe Hunter, die von einer Frau im Rang eines Seargents angeführt wurde. Neben ihr, ging ein Sturmtruppler mit einer Peitsche in der Hand. Cassandra beobachtete ihn misstrauisch. Der Mann, im Rang eines Lieutenants, hatte ein rundes Gesicht mit stechend braunen Augen. Auf der linken Seite lief eine Narbe über das Auge und seine Haare hatte er kurz rasiert. Der Körperbau des Lieutenants war athletisch. Der Sturmtruppler war 1,70 m groß. Als sich der Lieutenant an seine Vorgesetzte wandte, war Cassandra alarmiert.
 

„Seargent Harley, erbitte Erlaubnis, die Prinzessin verhaften zu dürfen.“, sagte er.
 

„Negativ, Lieutenant Wilkins. Erlaubnis verweigert.“
 

Doch Lieutenant Wilkins dachte nicht daran, dem Befehl Folge zu leisten, denn er hatte anderes im Sinn. Er baute sich vor Jekaterina auf und hob drohend seine Peitsche.
 

„Prinzessin Jekaterina. Im Namen des Gesetzes, ihr seid verhaftet. Nehmt unverzüglich die Hände hoch.“, sagte er kalt. 586

Doch Jekaterina verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah Lieutenant Wilkins bitterböse an.
 

„Die Hände hoch, Prinzessin.“, befahl der Lieutenant.
 

Doch Jekaterina reagierte nicht. Sie sah den Hunter weiterhin böse an. Da platzte Lieutenant Wilkins der Kragen. Er schlug mit der Peitsche auf den Boden.
 

„SIND DIE FLOSSEN JETZT BALD OBEN???“, herrschte er Jekaterina an.
 

Doch ehe der Lieutenant wusste, wie ihm geschah, hatte ihm Cassandra eine Schelle verpasst, die ihn von den Beinen holte. Lieutenant Wilkins verlor nun vollends die Beherrschung. Er wollte Cassandra am Handgelenk packen, doch Jekaterinas Leibwächterin schüttelte ihn unwirsch ab. Ein Peitschenhieb folgte, der die linke Schulter traf. Und normalerweise wäre das Schlüsselbein durch die Wucht des Hiebes irreparabel zerstört. Doch Cassandra zuckte noch nicht einmal vor Schmerz zusammen.
 

Den nächsten Peitschenhieb von Lieutenant Wilkins fing Cassandra ab. Sie zog ihren Gegner zu sich, und rammte dem verblüfften Wilkins ihren Ellenbogen mit voller Wucht auf den Solarplexus. Dann stemmte sie den wehrlosen Leutnant über den Kopf und schleuderte ihn auf seine Kameraden, die sofort auf den Boden fielen.
 

„Das dürfte den Kerlen eine Lektion sein, Herrin.“, sagte Cassandra an Jekaterina gewandt.
 

„Hoffentlich hast du dich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, Cassandra.“
 

Lieutenant Wilkins Vorgesetzte ging vor Jekaterina auf die Knie und senkte demütig das Haupt.
 

„Prinzessin, ich möchte mich bei euch in aller Form für respektlose Verhalten von Lieutenant Wilkins euch gegenüber entschuldigen.“, sagte Seargent Harley.
 

„Ihr müsst euch nicht entschuldigen, Seargent. Es ist Sache von Lieutenant Wilkins sich bei mir zu entschuldigen.“
 

An Bord der Kirow
 

Quantez Robertson salutierte, als seine Vorgesetzte auf der Brücke erschien.
 

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte der US-Amerikaner.
 

„Rühren, Nummer eins.“

587

„Danke, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Haben sie Neuigkeiten für mich, Commander?“
 

„Wir konnten den Kurs des gestohlenen Raumfrachters nachverfolgen. Wir haben den Zielpunkt auf der Karte markiert.“, sagte Commander Robertson.
 

„Verstehe. Was haben sie sonst noch für mich, Nummer eins?“
 

„Starfleet Command hat die USS Ajax zur näheren Untersuchung geschickt. Der Bericht wurde uns zusammen mit unseren neuen Befehlen übermittelt.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Und wie lauten sie, Nummer eins?“
 

„Wir haben den Befehl, zusammen mit der South Carolina, Garlox geheimen Stützpunkt zu zerstören.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Tja, Nummer eins, diesen Part der Mission werden sie allein erledigen müssen. Ich muss hier als Zeugin im Prozess gegen Lieutenant Wilkins aussagen.“
 

„Hoffentlich kriegt er die Strafe, die er verdient, Captain.“, sagte Commander Robertson.
 

„Sie wissen doch, Nummer eins: Ein Wort von mir genügt, und Lieutenant Wilkins betrachtet sich die Radieschen von unten.“
 

„Viel Glück, Captain.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Für sie auch, Nummer eins.“
 

An Bord der South Carolina
 

Captain Joana Benavides saß auf ihrem Platz in der Mitte der Brücke. Sie war eine attraktive Mittvierzigerin mit braunen Augen. Ihre Haare trug die portugiesische Kommandantin offen und schulterlang. Joana Benavides hatte ein ovales Gesicht mit einer sehr eleganten Nase. Und obwohl sie nur 1,58 m groß war und über einen femininen Körperbau verfügte, hatte Joana eines: NÄMLICH BISS! Wer es wagte, sich mit ihr anzulegen, konnte sich schnell einen neuen Job suchen.
 

Sie ging gerade die Liste für die Tests des Schiffes durch, als ihr Kommunikationsoffizier den Kopf hob.
 

„Captain, ich habe Admiral Janeway für sie.“, sagte Hilary Damon.
 

„Auf den Schirm.“ 588

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.
 

„Admiral Janeway.“, begann die Portugiesin das Gespräch.
 

„Captain Benavides.“
 

„Haben sie eine Mission für uns?“, fragte Captain Benavides.
 

„Bedauerlicherweise ja, Captain.“
 

„Was sollen wir tun, Admiral Janeway?“, fragte Joana Benavides.
 

„Sie sollen einen geheimen Stützpunkt zerstören. Aber ihnen wurde noch ein weiteres Schiff zur Unterstützung geschickt.“
 

„Darf ich fragen, welches, Admiral Janeway?“, fragte die Kommandantin der South Carolina.
 

„Die Kirow, Captain Benavides.“
 

„Ich nehme das mal zur Kenntnis, Admiral. Allerdings muss ich darauf verweisen, dass wir uns noch in der Erprobungsphase befinden. Solange die South Carolina nicht vollständig getestet ist, habe ich massive Bedenken.“, sagte Joana Benavides.
 

„Ich verstehe ihre Situation, Captain. Können sie wenigstens ein paar Tests vorziehen?“
 

„Möglich ist das schon, Admiral Janeway. Aber ich weiß nicht, ob das ratsam ist.“, sagte die Portugiesin.
 

„Welche Tests stehen noch aus?“
 

„Der Geschwindigkeitstest und der Waffentest sind als nächstes dran. Danach nur noch der Andocktest zwischen Rumpf- und Untertassensektion.“. sagte Captain Benavides.
 

„Für wann sind der Geschwindigkeits- und der Waffentest angesetzt, Captain?“
 

„Der Geschwindigkeitstest für morgen. Der Waffentest leider erst in zwei Wochen.“, sagte Joana Benavides.
 

„Ziehen sie den Waffentest auf übermorgen vor. Der Andocktest kann warten. Wir brauchen die South Carolina dringend.“
 

„Ich habe verstanden, Admiral. South Carolina Ende.“, sagte Joana Benavides.

589

Kosmodrom Baikonur
 

Der Leiter des Kosmodroms sah hinaus zu den Baudocks. Eines davon war abgedunkelt. Denn dort wurde die neue Ajax gebaut. Aber aus unerklärlichen Gründen hatte man die Arbeiten unterbrechen lassen. Der Leiter des Kosmodroms frage sich, wann die Arbeiten wieder aufgenommen wurden. Denn die Ajax blockierte das Baudock. In einem zweiten hatte die Kiellegung des nächsten Schiffes der Cumberland-Klasse stattgefunden. Projekt Los Angeles war als nächstes dran.
 

Utopia Planitia Flottenwerft
 

Der Werftleiter las den letzten Bericht der South Carolina. Joana Benavides hatte die letzten Tests vorgezogen. Und diese waren reibungslos verlaufen. Damit war das Schiff einsatzbereit und konnte in den aktiven Dienst überstellt werden. Leider war die South Carolina zurzeit auf Mission, sodass die Taufzeremonie warten musste. Ein leises Zischen verriet, dass jemand den Raum betreten hatte. Der Leiter der Utopia Planitia Flottenwerft drehte sich zu seinem Besucher um.
 

„Ah, Mister Donnell. Was kann ich für sie tun?“, sagte er.
 

„Sir, die Kaga wurde soeben fertig gestellt. Die Kiellegung der Akron hat begonnen.“
 

„Das sind gute Nachrichten, Mister Donnell. Die South Carolina hat ihre Testphase früher als geplant abgeschlossen.“, sagte der Werftleiter seinem Besucher.
 

„Warum denn das?“
 

„Das Schiff wird dringend gebraucht. Der Befehl kam von Admiral Janeway.“, sagte der Werftleiter.
 

Auf Garlox Stützpunkt
 

Kratos Cousin beobachtete zusammen mit seinen Untertanen die Landung der Minerva. Ihre Ladung würde helfen, ein neues Schiff zu bauen. Ein diabolisches Grinsen erschien auf Garlox Gesicht. Endlich konnte er seinem Cousin und der Föderation zurückzahlen, was man ihm angetan hatte. Durch seine Agenten wusste Garlox, dass ein neues Schiff, die South Carolina, vor kurzem in den aktiven Dienst überstellt worden war. Es gehörte, wie die Texas, zur Cumberland-Klasse. Und an der Texas hatten sich Garlox Leute die Zähne ausgebissen. Ihre Schilde hatten jedes Mal die Frequenz gewechselt. Und jetzt war mit der South Carolina ein drittes Schiff dieser Klasse in Dienst gestellt worden. Nicht gut.
 

Garlox war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht merkte, 590

Wie jemand neben ihn trat. Es war seine Gattin Marika.
 

„Was beschäftigt dich, Garlox?“, fragte sie.
 

„Die Föderation hat jetzt drei Schiffe der Cumberland-Klasse. Und mit diesen Schiffen wird man einfach nicht fertig.“
 

„Zwei Schiffe der Föderation sind auf dem Weg hierher. Die Kirow, und die South Carolina.“, sagte Marika.
 

„Wie um alles in der Welt, hat die Föderation das herausgefunden?“
 

„Offenbar ist es einem der Schiffe gelungen, den Kurs der Minerva vorauszuberechnen.“, sagte Marika.
 

„Bist du dir sicher, Marika?“
 

„Zu 95% ja, Liebling. Aber für mich gibt es auch keine logischere Erklärung, Garlox.“, sagte Marika.
 

„Wenn das der Fall sein sollte, dann sind wir verloren. Sag dem Werftleiter, er soll sofort mit dem Bau des neuen Schiffes beginnen. Da fällt mir ein, wann werden die Kirow und die South Carolina hier sein?“
 

„Da die Kirow nicht transwarpfähig ist, wird das die South Carolina einbremsen.“, sagte Marika.
 

„Lass mich bitte allein, Marika. Ich muss nachdenken.“
 

Garlox begann im Raum auf und ab zu wandern. Allerdings musste er aufpassen, wo er hintrat. Denn der ganze Boden im Raum war übersät mit Golfbällen, einer Sportart von der Erde, die einige seiner Offiziere für sich entdeckt hatten. Er selbst konnte diesem Sport nur wenig abgewinnen. Ohne es zu merken, rollte ein solcher Golfball direkt vor seine Füße. Fast wäre Garlox darauf ausgerutscht. Wutentbrannt drehte er sich zu einer kleinen Gruppe um, die gerade eine kleine Trainingsrunde spielte, und deutete mit beiden Händen auf den kleinen Ball.
 

„WAS HAT DER GOLFBALL HIER ZU SUCHEN? WOLLT IHR MICH UMBRINGEN ODER WAS???“, brüllte Garlox seine Leute an.
 

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 19. April 2380, 9:20 Uhr Ortszeit
 

In der Abteilung für eingehende Nachrichten gingen nacheinander die Berichte aus dem Kosmodrom Baikonur und von der Utopia Planitia Flottenwerft ein. Der Abteilungsleiter nahm die beiden Datenblöcke und gab sie einem Kurier. 591
 

„Geben sie die Lieutenant Parker und sagen sie ihm, dass diese Dokumente unverzüglich zu Admiral Paris müssen, Lieutenant Dixon.“, sagte er.
 

„Ja, Sir.“
 

In der Kantine im Hauptquartier übergab der Kurier die beiden Datenblöcke an Brian Parker.
 

„Bringen sie das bitte unverzüglich zu ihrem Vorgesetzten. Befehl von Captain Barnsdale.“, sagte Lieutenant Dixon.
 

„Ich bin gerade am Frühstücken. Lassen sie die Dokumente da, ich nehm sie nachher mit.“
 

„Lieutenant Parker, ich denke, das Wort „unverzüglich“ lässt keinen Zweifel offen.“, sagte Lieutenant Dixon.
 

„Lieutenant Dixon, ich werde das nicht mit ihnen ausdiskutieren. Ich nehme die Dokumente nach meiner Frühstückspause mit. Sagen sie das Captain Barnsdale.“
 

„Dann ziehen sie sich schon mal warm an, Lieutenant Parker. Denn auf sie kommt jede Menge Ärger zu.“, sagte Lieutenant Dixon.
 

Keine 10 Minuten später kam Captain Barnsdale wutschnaubend in die Kantine. Er baute sich vor Admiral Paris Adjutant auf.
 

„Wenn ich sage, sie sollen wichtige Dokumente unverzüglich zu ihrem Vorgesetzten bringen, dann haben sie die Hufe zu schwingen, Lieutenant.“, sagte der Captain.
 

„Wer bin ich denn, Captain Barnsdale? Etwas ihr persönlicher Bote? Das nächste Mal bewegen sie ihren Arsch gefälligst selbst zum Admiral.“
 

„So eine Unverschämtheit. Ich werde sie bei ihrem Vorgesetzten melden. Und jetzt beenden sie SOFORT ihre Pause und bringen diese Dokumente zu Admiral Paris. Und keine Wiederrede.“, sagte Captain Barnsdale.
 

Doch kaum hatte er seinen Satz beendet, hörte er hinter sich eine Frauenstimme.
 

„Es reicht, Captain Barnsdale. Sie haben sich genug geleistet. Lieutenant Parker hat ein Recht darauf, auch mal Pause zu machen. Also lassen sie ihn gefälligst in Ruhe.“, sagte die Stimme.
 

Captain Barnsdale drehte sich um. Vor ihm stand Arikka, die Föderationspräsidentin. Und der Ausdruck in ihrem Gesicht sagte 592

dem Captain, das die Ariantu die Art und Weise, wie er die Adjutanten der Admiräle behandelte missbilligte. Und jetzt hatte sie ihn direkt dabei erwischt, wie er Lieutenant Parker, den Adjutanten von Admiral Paris, einem der ranghöchsten Offiziere bei Starfleet Command, wie ein Stück Dreck behandelt, und ihn gnadenlos herum gescheucht hatte. Captain Barnsdale wusste, dass Präsidentin Arikka ihm das nicht durchgehen lassen würde.
 

„Hören sie, Madam President. Die beiden Berichte aus Baikonur und von Utopia Planitia sind gerade erst reingekommen. Und ich bin der Meinung, dass Admiral Paris sie sofort haben sollte. So etwas gibt mir das Recht, seinem Adjutanten die Pause zu verweigern.“, versuchte sich Captain Barnsdale zu rechtfertigen.
 

„Darf ich mal sehen?“
 

Lieutenant Parker reichte ihr die beiden Datenblöcke.
 

Arikka sah sich die Dokumente an. Dann schüttelte sie den Kopf.
 

„Das hat Zeit, Captain Barnsdale.“, sagte sie knapp.
 

Der Leiter der Abteilung für eingehende Nachrichten sah die Präsidentin entgeistert an. Hatte er eben richtig gehört? Hatte Präsidentin Arikka wirklich gesagt, dass die Berichte der beiden Werften warten konnten?
 

„Darf ich fragen, warum sie dieser Meinung sind, Madam President?“, fragte Captain Barnsdale vorsichtig.
 

„Das ist ganz einfach. Beide Berichte tragen keinen Dringlichkeitsvermerk und haben auch keine Priorisierung. Also müssen sie auch nicht sofort auf Admiral Paris Schreibtisch landen. Und jetzt zu ihnen selbst, Captain. Es haben mich in der jüngeren Vergangenheit Beschwerden bezüglich ihres Verhaltens gegenüber den Adjutanten der mir unterstellten Admiräle erreicht. Und ich war so naiv zu glauben, dass sie dieses schäbige Verhalten ablegen würden. Aber so wie es aussieht, habe ich mich geirrt. Wie auch immer. Ich werde mit diesem bedauernswerten Fehler nicht immer leben müssen.“
 

„Worauf wollen sie hinaus?“, fragte Captain Barnsdale.
 

„Captain Barnsdale, sie sind gefeuert.“
 

An Bord der Kirow
 

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57300.2 Commander Quantez Robertson, erster Offizier, neuer Eintrag: Wir haben mit der South Carolina unser Ziel erreicht. Wir haben einen Scan der Planetenoberfläche vorgenommen und mehrere Industrieanlagen entdeckt. Darunter auch eine Werft für den Bau von Raumschiffen. Die Werft und die Fabriken 593

müssen zerstört werden, soviel ist sicher.“
 

Quantez Robertson war nervös. Denn er stand an einem Scheideweg. Auf der einen Seite waren seine Befehle eindeutig. Er hatte den Auftrag, zusammen mit der South Carolina, den Stützpunkt zu zerstören. Auf der anderen Seite wollte der erste Offizier der Kirow nicht das Blut unschuldiger Menschen vergießen. Zumal der Planet über keine planetare Verteidigung verfügte. Alles in allem eine beschissene Situation. Kommunikationsoffizierin Keiko Tadashita hob den Kopf.
 

„Commander, ich habe die Präsidentin für sie.“, wandte sie sich an Commander Robertson.
 

„Auf den Schirm.“
 

Auf dem großen Schirm erschien Arikkas Gesicht.
 

„Madam President.“, begann Quantez Robertson das Gespräch.
 

„Commander Robertson.“
 

„Wie kommen wir zu der Ehre, dass sie uns kontaktieren?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.
 

„Bevor wir zum eigentlichen Grund meines Anliegens kommen, muss ich sagen, dass sie ziemlich nervös sind, Commander.“
 

„Hab auch allen Grund dazu, Madam President.“, sagte der Commander.
 

„Ich kann mir denken, was sie beschäftigt, Commander Robertson. Sie sind hin und her gerissen. Habe ich Recht?“
 

„Ja, Madam President.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Ich ahne es schon Commander. Auf der einen Seite wollen sie ihre Befehle nicht missachten, weil ihre Karriere dadurch Schaden nehmen würde, und ihre Hoffnungen, eines Tages zum Captain befördert zu werden, einen herben Dämpfer erleiden würden.“
 

„So ist es, Madam President.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Aber auf der anderen Seite wollen sie keine Zivilisten töten, die mit dieser Rebellion nichts zu tun haben.“
 

„Das ist korrekt, Madam President.“, sagte der erste Offizier der Kirow.
 

„Ich gebe ihnen eine Stunde, um herauszufinden, ob Garlox Leute gezwungen hat, ihm zu folgen. Sollte das der Fall sein, haben sie die Erlaubnis 594

diese unschuldigen Seelen an Bord der Kirow zu bringen. Aber nach Ablauf dieser Stunde führen sie ihre Befehle aus, Commander Robertson. Und nun zu meinem Anliegen. Nach Beendigung dieser Mission wird die Kirow modernisiert. Sie wird als Versuchsträger für Ertüchtigungstests der Sovereign-Klasse für Transwarp dienen.“
 

„Ich verstehe, Madam President. Und danke für den Aufschub.“, sagte Quantez Robertson.
 

„Schon in Ordnung. Melden sie sich, wenn sie Neuigkeiten haben, Commander. Arikka Ende.“
 

Nachdem die Verbindung mit Präsidentin Arikka getrennt worden war, wurde die Kirow erneut gerufen. Commander Robertson ließ die Verbindung herstellen. Auf dem Schirm erschien das Gesicht einer attraktiven Brünetten mit braunen Augen.
 

„Ich hoffe, sie können mir helfen, Captain.“, sagte sie.
 

„Ich würde gerne erst einmal ihren Irrtum korrigieren, Mylady. Ich bin der erste Offizier dieses Schiffes. Commander Quantez Robertson. Aber nun zurück zu ihrem Anliegen. Wie können wir ihnen helfen?“
 

„Ich bin Ylenia. Sehen sie, Garlox hat nicht nur meine Familie gezwungen, mit ihm zu gehen, sondern noch vier andere.“, sagte Ylenia.
 

„Das muss doch einen Grund haben, warum Garlox das getan hat, Lady Ylenia.“
 

„Mein Vater hat sich vehement geweigert, Garlox öffentlich zu unterstützen. Er wollte einfach nur seine Ruhe, weswegen er auch Kratos nicht unterstützt. Die anderen Familien haben mit Kratos sympathisiert.“, sagte Lady Ylenia.
 

„Und wir sollen ihnen und den anderen zur Flucht verhelfen, nehme ich an, Mylady.“
 

„Das hoffen wir, Commander Robertson. Sehen sie, Garlox weiß, warum sie hier sind. Er hat den kollektiven Selbstmord befohlen. Uns ist die Flucht in die Berge gelungen. Aber seine Gardisten suchen schon nach uns.“, sagte Ylenia.
 

„In Ordnung, Mylady. Wie viele Personen seid ihr insgesamt?“
 

„10 Commander.“, sagte sie.
 

„In Ordnung, Mylady. Ich werde alle nötige sofort veranlassen.“
 

„Danke, Commander Robertson.“, sagte Ylenia.

595

Nachdem die Verbindung getrennt war, wies Jekaterinas Nummer eins Merwyn King und Shaun O Shane an, Ylenia und ihre Gruppe zu lokalisieren. Als dies geschehen und der Transferfokus ausgerichtet war, gab Commander Robertson den Befehl, die Flüchtigen auf die Kirow zu beamen.
 

Auf dem Planeten
 

Eine kleine Brigade erreichte den Lagerplatz. Auf Anweisung ihres Führungsoffiziers, einem Colonel durchsuchten die Soldaten das Lager. Doch sie fanden keinen der Gesuchten. Der Colonel holte sein Funkgerät hervor und erstattete Garlox Bericht.
 

„Es ist niemand mehr hier, Lord Garlox. Obwohl das Lager bis vor kurzem noch bewohnt war. Ich habe Anweisung erteilt, die nähere Umgebung abzusuchen.“, sagte er.
 

„Sie können die Suche abbrechen, Colonel. Unsere Vögel werden nicht ins Nest zurückkehren.“
 

„Ja, Mylord.“, sagte der Colonel.
 

An Bord der Kirow
 

Nachdem Commander Robertson die Präsidentin per Subraum-Nachricht von der geglückten Rettungsaktion in Kenntnis gesetzt hatte, bekamen er und Joana Benavides auf der South Carolina den Befehl zum Angriff. Die beiden Föderationsschiffe eröffneten das Feuer und begannen ihr zerstörerisches Werk.
 

In Garlox Stützpunkt
 

Die Arbeiter im Baudock hatten keine Chance, sich in Sicherheit zu bringen, als das isokinetische Geschoss der South Carolina einschlug. Das im Bau befindliche Raumschiff und die Avalon 1 wurden zerstört. Auch die gestohlenen Frachter, die im Hangar nebenan untergebracht waren hatte die South Carolina in einen Haufen Schrott verwandelt. Es gab kein Entkommen mehr für die Rebellen. Die Kirow hatte sich die Industrieanlagen vorgenommen. Ihre Quantentorpedos sprengten eine Fabrik nach der anderen in die Luft. Als sich der Rauch verzogen hatte, hatte die Kirow nur verkohlte Ruinen hinterlassen.
 

In den unteren Gewölben hatte Garlox seine Getreuen zusammen gerufen. Er sah in ihre Gesichter. Entschlossenheit und Trotz waren zu erkennen. Der finale Akt war eingeläutet. Und jeder wusste das. Für Garlox und die anderen gab es nur eine Möglichkeit, sich der Gerechtigkeit zu entziehen. Den Tod. Ein letztes Mal wandte sich Garlox an seine Mitstreiter.
 

„Meine lieben Freunde. Man hat uns alles genommen, was uns lieb 596

und teuer ist. Und die Föderation hat uns an diesen trostlosen Ort gebunden. Doch wir werden uns nicht ergeben. Lieber den Freitod, als eine lebenslange Haftstrafe auf Rura Penthe.“, sagte er.
 

Ein zustimmendes Gemurmel wanderte durch den Raum. Kratos Cousin öffnete ein Fass, in dem sich vergifteter Traubensaft befand. Den Saft hatten die Rebellen von einem Schmuggler erworben. Doch nun war es an der Zeit den letzten Schritt zu gehen. Garlox wandte sich noch einmal um. Er suchte nach Marika, seiner Frau. Doch sie hatte sich in die Berge geflüchtet, nachdem ihr Mann den kollektiven Selbstmord angeordnet hatte. Bisher hatte Marika immer zu ihm gehalten, doch jetzt, in den letzten Stunden, ließ sie ihn allein.
 

Garlox reichte jedem seiner Gefolgsleute einen großen Kelch mit dem Saft. Ein letztes Mal innehalten. Ein letzter stiller Abschiedsgruß. Dann hob Garlox seinen Kelch.
 

„Zeit zu gehen, meine Freunde.“, sagte er.
 

Dann trank er seinen Kelch aus. Die anderen taten es ihm gleich.
 

Als eine Stunde später ein Außenteam den Raum betrat, fand man nur noch die Leichen. Um die Würde zu wahren, wurden die Toten auf einem Felsplateau beigesetzt. Der Anführer des Teams sprach das Vaterunser, bekreuzigte sich und gab den Befehl zum Aufbruch. Es wurde still auf dem Planeten. Von einem anderen Aussichtspunkt sah Marika auf die Trümmer und Ruinen hinunter, von denen noch Rauch aufstieg. Neben ihr saß ein Wesen mit dichtem schwarzen Fell, langen Krallen an Händen und Füßen und langen messerscharfen Zähnen. Die beiden sahen einander an.
 

„Lass uns gehen, mein Freund. Dort wo wir hingehen, werden wir alles vorfinden, was wir zum Leben brauchen.“, sagte Marika.
 

Das Wesen nickte nur. 597

USS Kirow - Mission 16

USS Kirow Mission 16

Smolensk, 30. April 2380, 10:00 Uhr Ortszeit

Jekaterina hatte sich gerade fertig angezogen. Sie trug einen schwarzen Minirock und ein weißes T-Shirt. Dazu schwarze Flip Flops. Dieses Outfit trug sie immer, wenn sie etwas im Garten machen wollte. Diesen hatten ihre Eltern seinerzeit begonnen, ihn aber nie fertiggestellt. Auf der einen Seite, war das natürlich schade. Aber auf der anderen Seite konnte jeder dem Garten seine persönliche Note verleihen. Und Jekaterina hatte zumindest zwei Ideen, die sie umsetzen wollte. Das eine war ein Pavillon, der dem von Königin Ariadne ähnelte. Das andere war ein Badehaus im asiatischen Stil, wie sie es auf Altaria gesehen hatte.

Jekaterina dachte an ihre Zeit zurück, die sie auf dem Planeten verbracht hatte. Kratos hatte sich sehr aufgeschlossen gezeigt, wenn sie ihm Vorschläge unterbreitet hatte, die halfen, die Zufriedenheit der Bevölkerung zu verbessern. Er hatte sich auch ihren Rat zu Herzen genommen, was man mit Verbrechern tun sollte, die aus purer Not heraus gehandelt hatten. Als Zeichen seiner Wertschätzung und seiner Anerkennung hatte ihr Kratos eine goldene Blume geschenkt, die auf einem Sockel aus feinstem schwarzem Marmor ruhte. In der Mitte dieser Blume befand sich eine Perle, so groß wie ein Taubenei.

Jekaterina dachte auch an den Prozess gegen Lieutenant Wilkins zurück, den man am Ende in eine Sandgrube geworfen hatte, die eigentlich der Schlund eines Monsters war, das unter dem Sand lebte. Und sie erinnerte sich daran, wie man Michail Golowko auf Draconia in der Goyoma-Wüste unsanft aus dem Shuttle gestoßen hatte. Vor ihrem geistigen Auge tauchten noch einmal die Bilder auf, als Shai Hulud aus dem Sand auftauchte und Michail Golowko in seinen Schlund stürzte. Als sich die Kieferklappen des mächtigen Sandwurms wieder schlossen, und er wieder unter dem Sand verschwand, hatte Jekaterina Erleichterung gefühlt. Die Dämonen ihrer Vergangenheit, die sie zuletzt immer wieder heimgesucht und gequält hatten, waren verschwunden. Und sie würden nicht wiederkommen.

Es klopfte an der Tür. Die Kommandantin der Kirow stutzte, denn sie erwartete keinen Besuch. Umso überraschter war sie beim Öffnen der Tür, als sie Imperator Aurelius in Begleitung einer jungen Frau vor der Tür stehen sah.

„Imperator Aurelius. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie mich zu Hause besuchen würden.“, sagte Jekaterina.

„Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen, Captain.“

„Nein, Imperator. Allerdings bitte ich sie, meine Garderobe zu entschuldigen, aber ich wollte gerade raus in den Garten.“, sagte Jekaterina.

„Sie müssen sich vor mir nicht rechtfertigen, Captain Romanova.“ 598

„Kommen sie und ihre Begleiterin doch rein.“, sagte Jekaterina.

Im Wohnzimmer bot sie ihren Besuchern einen Sitzplatz und eine Tasse Tee an.

„Also, Imperator. Was führt sie und ihre Begleiterin zu mir?“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Ich komme nicht als Staatsoberhaupt zu ihnen, Captain. Sondern als Privatperson.“

„Sie sehen sehr besorgt aus, wenn ich das mal so sagen darf, Aurelius.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe auch allen Grund besorgt zu sein, Captain. Und der Grund für meine Besorgnis sitzt neben mir.“

Jekaterina betrachtete die junge Begleiterin des Imperators. Die junge Frau, deren Alter Jekaterina auf Anfang Mitte 20 schätzte, hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Ihre lockigen Haare, die sie offen trug, reichten bis zur Achselhöhle. Der Körperbau von Aurelius junger Begleiterin war sehr grazil. Auch ihre Körpergröße war für Erwachsenenverhältnisse mit knappen 1,60 Metern relativ klein. Jekaterina bemerkte, dass die junge Frau traurig war.

„Das ist meine jüngere Tochter Aurelia. Sehen sie, laut unseren Gesetzen hätte meine Tochter bereits im Säuglingsalter unseren Göttern als Opfer dargebracht werden müssen. Aber als Vater, der sein Kind liebt, habe ich es nicht übers Herz gebracht, sie zu opfern. Ich habe sie vor der Öffentlichkeit versteckt. So musste Aurelia bei offiziellen Anlässen in den Garten verschwinden. All die Jahre ist mein Täuschungsmanöver geglückt. Aber jetzt weiß man von Aurelia. Und sie können sich vorstellen, was das bedeutet.“

„Man verlangt, dass ihre Tochter geopfert wird.“, sagte Jekaterina.

Der Imperator nickte.

„Wann soll Aurelia geopfert werden?“, fragte Jekaterina.

„Eigentlich morgen, Captain. Aber ich habe noch mit dem Hohepriester gesprochen, bevor ich abgereist bin. Er sagte, dass er bereit ist, Aurelias Leben zu verschonen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass ich jemanden finde, der sich ihrer annimmt.“

„Und da haben sie ausgerechnet an mich gedacht?“, wollte Jekaterina wissen.

„Um ehrlich zu sein, sind sie die Einzige, die mir eingefallen ist. Ich wüsste sonst niemanden, an den ich mich wenden könnte.“

„Verstehe. Einverstanden, Imperator. Ich werde mich eurer Tochter annehmen.“, sagte Jekaterina, an Aurelia gewandt fuhr sie fort: „Das bedeutet aber auch, dass du auf mich hören solltest, wenn ich dir was sage, junge Dame.“ 599

Aurelia nickte.

„Danke, Captain Romanova. Sie haben mir einmal mehr eine schwere Last von meinen Schultern genommen.“, sagte Imperator Aurelius.

Der Abschied zwischen Vater und Tochter war herzzerreißend. Aurelia weinte hemmungslos, als ihr Vater sie noch einmal in den Arm nahm, und ihr Lebewohl gesagt hatte. Doch alle wussten, dass es keine andere Möglichkeit gab, wollte man verhindern, dass Aurelia geopfert wurde. Jekaterina ahnte, was in Aurelius Tochter vorging. Sie war ein Leben ohne ihren Vater nicht gewohnt, weil sie es nicht anders kannte. Und jetzt wurde ihr Leben von einem Augenblick auf den anderen komplett auf den Kopf gestellt.

An Bord der Kirow

Die letzten Tests waren abgeschlossen. Auch den Testflug mit Transwarp 1 hatte das Schiff der Sovereign-Klasse unbeschadet überstanden. Man hatte der Besatzung eine leichte Mission zugewiesen, auf der Commander Robertson alleine das Kommando führte. Danach sollte er noch für eine Mission an Bord der Kirow bleiben, ehe er für die Prüfung zum Kapitän zugelassen wurde.

Quantez Robertson saß auf dem Platz in der Mitte, auf dem normalerweise die Kommandantin saß. Er erinnerte sich daran, als Jekaterina ihm auf dem Weg nach Hause zur Erde die dritte der vier wichtigsten Lektionen beigebracht hatte.

„Zeigen sie gegenüber ihrer Crew niemals Schwäche.“, hatte sie gesagt.

Quantez Robertson wusste nur zu gut, dass seine Vorgesetzte Recht hatte. Und er hatte das auch schon auf den Schiffen erlebt, auf denen er früher gedient hatte. In solchen Fällen war eine Meuterei das Resultat des Ganzen. Und als die Kirow und ihre Besatzung von Goran als Geiseln gehalten wurden, da hatte er gesehen, dass man schnell an seine mentalen Grenzen stoßen konnte, wenn man versuchte stark zu bleiben. Es war also ein Spagat, den man als Kommandant eines Raumschiffs der Föderation erst einmal schaffen musste.

Keiko Tadashita hob den Kopf, als die Kirow kontaktiert wurde.

„Commander, ich habe Admiral Janeway für sie.“, sagte Keiko.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien das Gesicht der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.

„Admiral Janeway.“, begann Quantez Robertson das Gespräch.

„Commander Robertson.“

„Ich nehme an, sie haben ein Update für unsere Mission, Admiral.“, sagte Der erste Offizier der Kirow. 600

„Sie haben eine komplett neue Mission bekommen, Commander.“

„Um was geht es, Admiral Janeway?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.

„Die Ferengi riegeln den Mutara-Sektor ab. Warum wissen wir nicht. Aber sie haben schon des Öfteren Föderationsschiffe angegriffen.“

„Hat Präsidentin Arikka denn schon bei Rom, dem großen Nagus, eine Protestnote eingereicht?“, fragte Quantez Robertson.

„Selbstverständlich hat sie das. Und Rom hat die Schiffe auch unverzüglich zurückgerufen. Aber die Kommandanten haben ihm den Gehorsam verweigert. Es ist ihre Aufgabe, die Ferengi notfalls mit Waffengewalt aus unserem Hoheitsgebiet zu vertreiben.“

„Von wie vielen dieser Marauder reden wir hier? Ich muss das wissen, weil wir sonst Verstärkung brauchen.“, sagte Commander Robertson.

„Es wurden 9 Schiffe gesichtet. Sie bekommen die South Carolina zur Verstärkung, Commander Robertson.“

„Danke Admiral. Gibt es einen Treffpunkt, wo wir mit der South Carolina zusammentreffen sollen?“, fragte der erste Offizier der Kirow.

„Sie treffen sich an der Jupiterstation. Aber eine Frage noch, Commander.“

„Bitte, Admiral Janeway.“, sagte Quantez Robertson.

„Wie ist der Transwarp-Testflug eigentlich verlaufen?“

„Laut dem Testbericht reibungslos, Admiral.“, sagte Quantez Robertson.

„Gut. Aber jetzt brechen sie zu ihrer Mission auf. Sie wollen doch nicht zu spät zu ihrem Rendezvous kommen. Admiral Janeway Ende.“

Jupiterstation eine Stunde später

Die Kirow und die South Carolina lagen nebeneinander. Quantez Robertson und seine portugiesische Kollegin hatten ihr weiteres Vorgehen abgestimmt. Der Plan sah vor, dass die South Carolina die Ferengischiffe aus heiterem Himmel angreifen, und so die Aufmerksamkeit der Ferengi auf sich ziehen sollte. Die Kirow würde den Schiffen dann aus dem Hinterhalt den Rest geben.

San Francisco, 01.Mai 2380 10:30 Uhr Ortszeit

Einige Föderationsoffiziere hatten die Leiche von Captain Robert Barnsdale im Hafenbecken entdeckt. Dieser hatte sich, nach seiner Entlassung durch Präsidentin Arikka, in einer nahegelegenen Kneipe die Kante gegeben, und war dann ins Hafenbecken gestürzt. Für viele war klar, dass Captain Barnsdale seine Entlassung nicht verkraftet, und Selbstmord begangen hatte. Doch Mitleid hatte bei Starfleet Command keiner. Denn Captain Barnsdale hatte es sich selbst zuzuschreiben, dass er mit Präsidentin Arikka aneinander geraten war. 601

Smolensk, 05. Mai 2380 9:45 Uhr Ortszeit

Jekaterina arbeitete mit Aurelia im Garten. Zum einen wollte sie die Tochter des Imperators näher kennenlernen. Zum anderen wollte sie die junge Prinzessin beschäftigen, damit diese auf andere Gedanken kam. Aurelia hatte von ihrem Heimatplaneten ein paar Rosenstecklinge mitgebracht. Darunter auch ihre Lieblingssorte „Black Baccara“, deren Blüten in dem dunkelsten Rot erblühten, das es gab. Mit diesen Rosen wollte Imperator Aurelius Tochter einen Rosenbogen erschaffen. Den Bogen hatte ein alter Freund von Jekaterinas Familie geschweißt. Eine andere Nachbarin half der jungen Prinzessin, die Rosenstecklinge in Form zu bringen. Aurelias Rosenbogen sollte nämlich das Tor zu einem Pfad bilden, der zu Jekaterinas geplantem Badehaus führte. Der Pfad selbst sollte mit Kieselsteinen aufgeschüttet werden. Das Badehaus, das auf einer Plattform aus feinstem Marmor ruhte, stand kurz vor der Fertigstellung. Jekaterinas Bruder Jewgeni und ihr ehemaliger erster Offizier waren gerade mit der Inneneinrichtung beschäftigt, während Lysandra McClusky für einige stilistische Elemente sorgte, die dem Gebäude einen gewissen Charme verliehen.

Im Mutara-Sektor

Die 9 Ferengi-Schiffe hatten zu ihrer Verteidigung eine Kampfformation gebildet. Denn die Kommandanten wussten, dass Arikka, die Präsidentin der Föderation, die Blockade des Sektors durch die Ferengi keinesfalls dulden, und jedes verfügbare Schiff in den Mutara-Sektor beordern würde. Denn, und das war jedem an Bord der Marauder klar, mit ihrer Blockade hatten die Besatzungen die territoriale Souveränität der Föderation verletzt. Und das rechtfertigte durchaus die Vertreibung der Ferengi, notfalls mit Waffengewalt.

Paris, Föderationshauptquartier, 08. Mai 2380, 14:00 Ortszeit

Arikka, die Ariantu, die amtierende Präsidentin der Föderation saß an ihrem Schreibtisch und ging einige Berichte durch, als ihr Sekretär Forlan, ein Andorianer, ihr Büro betrat. Er räusperte sich kurz. Die Präsidentin sah auf.

„Was gibt es, Forlan?“, fragte Arikka.

„Madam President, gerade hat Starfleet Command die Zerstörung aller im Mutara-Sektor operierenden Schiffe der D'kora-Klasse gemeldet.“

„Sehr gut. Das wird eventuelle Nachahmer abschrecken.“, sagte die Präsidentin.

Ihr Sekretär nickte.

An Bord der Kirow

Quantez Robertson nahm Haltung an, als seine Vorgesetzte in Begleitung von Aurelia auf der Brücke erschien.

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte er. 602

„Rühren, Nummer eins.“

„Danke, Captain.“, sagte Commander Robertson.

„Irgendwelche Neuigkeiten, Commander?“

„Ein paar abtrünnige Ferengi haben den Mutara-Sektor blockiert.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Wurde etwas dagegen unternommen, Nummer eins?“

„Wir wurden zusammen mit der South Carolina beauftragt, die Ferengi zu vertreiben. Aber diese Kerle haben nicht mit sich reden lassen, weshalb wir gezwungen waren, die Ferengi anzugreifen.“, sagte Quantez Robertson.

„Gibt es sonst noch etwas, das ich wissen müsste, Nummer eins?“

„Ich werde noch für die kommende Mission bei ihnen bleiben, Captain. Danach darf ich mich zur Prüfung für das Kapitänspatent anmelden.“, sagte Tez Robertson.

„Es freut mich das zu hören, Nummer eins.“

„Dann haben sie nur noch diese Mission, um mir die letzte der vier wichtigsten Regeln beizubringen, Captain.“, sagte Quantez Robertson.

„Wissen sie noch, wie die anderen drei lauten?“

„Nummer eins. Unterschätze niemals den Feind.“, sagte Commander Robertson.

„Sehr gut, Commander. Und wie lautet Nummer zwei?“

„Mach dir an deinem Zielort ein genaues Bild der Lage, bevor du handelst.“, sagte der Commander.

„Auch das ist korrekt, Nummer eins. Und wie lautet die dritte Regel?“

„Zeige gegenüber deiner Besatzung niemals Schwäche, Captain.“, sagte Quantez Robertson.

„Das war sehr gut, Nummer eins. Und jetzt merken sie sich meine Worte. Regel Nummer vier: Lass dir in einem Gefecht nie den Überraschungsmoment nehmen.“

„Danke, Captain.“, sagte Quantez Robertson.

Doch dann entdeckte er Aurelia, die ehrfürchtig die Arme vor der Brust gekreuzt hatte.

„Darf ich fragen, wer ihre junge Begleiterin ist, Captain?“, wandte er sich an Jekaterina.

„Sie dürfen, Nummer eins. Die junge Dame ist Imperator Aurelius Tochter Aurelia.“ 603

Doch bevor Commander Robertson seine nächste Frage stellen konnte, hob Keiko Tadashita den Kopf.

„Captain, ich habe Admiral Janeway.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Captain Romanova.“

„Haben sie wieder eine Mission?“, fragte Jekaterina.

„Das habe ich in der Tat, Captain. Ein fremdes Schiff greift reihenweise Planeten an. Zwei sind schon unbewohnbar. Jetzt ist das Schiff auf dem Weg zu seinem nächsten Ziel. Ihre Aufgabe ist es, das Schiff abzufangen, bevor es den Planeten erreicht.“

„Ich wüsste schon gern, mit wem wir es zu tun haben. Von den Koordinaten ganz zu schweigen.“, sagte Jekaterina.

„Die Koordinaten müssten sie schon erhalten haben, Captain Romanova. Was ich ihnen noch sagen kann, ist der Name des Planeten.“

„Und wie lautet er, Admiral?“, fragte Jekaterina.

„Der Planet heißt Tikal. Sie haben unverzüglich aufzubrechen.“

„Verstanden, Admiral Janeway. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.

An Bord des fremden Schiffes

Keira Wight saß auf ihrem angestammten Platz. Sie war eine 1,64 m große Frau im Alter von 31 Jahren, mit grünen Augen und einem hübschen ovalen Gesicht. Keira hatte einen athletischen Körperbau. Ihre dauergewellten Haare trug sie offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Sie war eine Frau, die ihre Dienste an denjenigen verkaufte, der am meisten bezahlte. Und im Moment hatte sie zwei Aufträge, die sie zu erfüllen hatte. Der erste lautete drei Planeten für immer unbewohnbar zu machen. Tyros und Ipsos waren schon verseucht. Tikal war als nächstes dran. Keiras zweiter Auftrag sah vor. Dass sie Prinzessin Kitana und Prinzessin Aurelia ausfindig machte und sie tötete. Doch eine Meldung bereitete ihr Sorgen. Denn sie hatte erfahren, dass die Föderation ein Raumschiff entsandt hatte, um ihr Schiff, die Golden Knight, abzufangen. Es war die Kirow. Und das bedeutete, dass Keira es mit Jekaterina Romanova zu tun bekam. Ein interessantes Duell, dachte Keira, sah sie die Kommandantin der Kirow doch als ebenbürtige Gegnerin an. Doch genau da lag der Hase im Pfeffer. Denn, so hatte Keira der Nachricht entnommen, befand sich Prinzessin Aurelia, eine der beiden Zielpersonen an Bord der Kirow. Das verkomplizierte das Ganze. Aber wenn es ihr gelang, auch Tikal durch einen Gasangriff zu verseuchen, dann wäre zumindest 604

Prinzessin Kitana erledigt.

Auf Tikal

Ein neuer Tag brach an. Über einem Sumpfgebiet ging gerade die zweite Sonne auf. Auf einer der vielen Inseln ragte ein schwarzer Monolith in den Himmel. Welche Geheimnisse barg er? Es gab bestimmt ein paar abenteuerlustige, die den Monolithen gerne näher untersucht hätten. Doch eine dichte Nebelbank lag über dem Sumpf, dessen tierische Bewohner langsam erwachten.

In den Ästen eines Mangrovenbaums erwachte eine 15 Meter lange grüne Anakonda zum Leben. Ihre gespaltene Zunge züngelte. Jemand näherte sich. Wieder züngelte die Schlange. Es waren zwei Frauen. Eine davon war gefesselt. Die zweite trug eine Peitsche, mit der sie ihre Gefangene unerbittlich vor sich her trieb. Ein drittes Mal kam die gespaltene Zunge aus dem Maul des Reptils. Die Frau mit der Peitsche musste sterben! Als die Anakonda ein viertes Mal mit ihrer Zunge Witterung aufnahm, waren die beiden Frauen in Hörweite.

„Wie kannst du es wagen, Makani, dem Prinzen den Kopf zu verdrehen? Er ist mein! Mein! Mein! Mein! Und das für immer.“, sagte die Frau mit der Peitsche.

Ein Peitschenknall folgte.

„Und jetzt geh in den Sumpf. Geh in den Tod, den du verdient hast.“, sagte sie.

Unbemerkt war die Schlange von ihrem Platz im Mangrovenbaum hinab geglitten und schlängelte sich langsam durch das hohe Gras.

Die Frau mit der Peitsche erschrak, als aus dem Nichts der Kopf der Anakonda auftauchte. Noch ehe sie überhaupt reagieren konnte, hatte sich der gewaltige Schlangenleib um ihren Körper geschlungen. Das mächtige Reptil begann, seinen Körper enger zu ziehen, um sein Opfer zu erwürgen. Die Frau versuchte, sich zu befreien, doch es war umsonst. Sie war im tödlichen Würgegriff der Anakonda gefangen. Bald brachen die ersten Knochen. Die Frau streckte hilfesuchend eine Hand nach ihrer Verurteilten aus. Doch ihre Gefangene sah tatenlos zu.

„Das ist die gerechte Strafe, Taria.“, sagte sie leise.

An Bord der Golden Knight

Keira war genervt. Die Präsenz der Kirow gefährdete ihre Aufträge. Sie hatte sich gegenüber ihren Auftraggebern schon rechtfertigen müssen. Zum Glück sollte die Prinzessin Kitana nicht mehr töten, sondern als Sklavin verkaufen, was ihr auch noch ein hübsches Sümmchen einbringen würde. Doch um Tikal bombardieren zu können musste sie erst die Kirow zerstören. Und damit wäre auch Prinzessin Aurelia tot. Sie hätte also zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Allerdings war das leichter gesagt, als getan. Denn 605

Jekaterina Romanova machte nie den Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen. Außerdem war sie in der Lage, selbst in ausweglosen Situationen ein Ass aus dem Ärmel zu ziehen. Und sie hatte als Mitglied einer klingonischen Familie einen Großteil des klingonischen hohen Rates hinter sich.

Auf dem Planeten Tikal

Königin Mara saß auf dem Thron im Palast. Sie hatte vor kurzem die Macht an sich gerissen. Mara erinnerte sich, wie sie ihren Vorgänger, den Tyrannen Axacoatl, gezwungen hatte, abzudanken. Vor ihrem geistigen Auge erschien noch einmal der Moment, als der tyrannische König mit wutverzerrtem Gesicht die Abdankungsurkunde unterschrieben hatte. Maras erste Amtshandlung, als neue Regentin, war gewesen, sämtliche Dekrete und Erlasse, die ihr verhasster Vorgänger verabschiedet hatte, zurückzunehmen. Axacoatls Freunden war das natürlich ein Dorn im Auge. Weswegen sie sich mit dem Auftrag, Tikal unbewohnbar zu machen, an Keira Wight, die man auch als „The black Scorpion“ kannte, gewandt hatten.

Die mächtigen Doppeltüren zum Thronsaal öffneten sich, und zwei von Maras Soldaten traten ein. Sie flankierten die Frau, die bis vor kurzem Tarias Gefangene gewesen war. Mara betrachtete sie genauer. Die Unbekannte war 1,71 m groß und hatte einen schlanken Körper. Sie hatte ein ovales Gesicht mit einer eleganten Nase und blauen Augen. Ihre schwarzen Haare trug sie offen, sodass sie bis zu ihrer Armbeuge reichten. Die einst elegante Kleidung war an mehreren Stellen zerrissen, und gewährte einen großzügigen Blick auf die Brüste und den Schambereich der Fremden.

„Wie ist dein Name?“, sprach Mara die junge Frau an.

Das Mädchen hob den Kopf. Mara, die Königin der Maya, war mit ihren 1,72 m nur einen Ticken größer als Makani. Auch sie hatten einen schlanken Körper, aber nicht so grazil wie Makani. Ihr ovales Gesicht war etwas voller. Auch ihre Nase war etwas breiter als Makanis. Die braunen Augen in Maras Gesicht zeugten von Güte, Weisheit und ehrlicher Zuneigung. Ihre brünetten Haare trug die Königin offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Bekleidet war die Königin der Maya mit einem dreifarbigen Kleid, mit einem Umhang verbunden war, und von zwei Armbändern gehalten wurde, die Mara an ihren Handgelenken trug. Auf dem Kopf trug die Maya-Königin einen Reif, auf dem ein roter Federbusch ruhte, der an die aufgehende Sonne erinnerte.

„Ich sehe, dass man dich misshandelt hat, Makani. Wer hat es gewagt, dir das anzutun?“, sagte Mara.

„Lady Taria, meine Königin.“

„Taria. Ich hätte es wissen müssen. Gab es einen Grund, warum sie dich so schäbig behandelt hat?“, sagte Mara.

„Bevor ich auf diese Frage antworte, Mylady, solltet ihr noch wissen, dass Lady Taria mich im Sumpf spurlos verschwinden lassen wollte.“ 606

„Dafür wird sie büßen. Das schwöre ich, Makani.“, sagte Mara.

„Das ist nicht mehr nötig, Mylady. Taria wurde bereits ihrer Strafe zugeführt.“

„Ist sie gestorben, Makani?“, wollte die Königin der Maya wissen.

„Ja, Hoheit. Eine grüne Anakonda hat sie verschlungen.“

„Dann hat dieses Miststück bekommen, was es verdient hat. Aber du hast meine Frage von vorhin nicht beantwortet.“, sagte Mara.

„Lady Taria hat behauptet, ich hätte einem Prinzen den Kopf verdreht. Aber ich bin sicher, dass sie den nur erfunden hat, um einen Vorwand zu haben, mich zu töten.“

„Jetzt wird mir einiges klar. Aber wozu das Ganze?“, sagte die Maya-Königin.

„Ich kenne das Geheimnis des Monolithen.“

An Bord der Kirow

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57368.9, Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir haben den Planeten Tikal erreicht und eine Position außerhalb der Radarposten bezogen. Unsere Schilde und Waffensysteme sind aktiviert. Für den Fall, dass unser Gegner selbst gefechtsbereit ist. Leider wissen wir immer noch nicht, mit wem wir es zu tun haben. Aber an Bord kursieren Gerüchte, dass wir es mit Margo Winchester, einer skrupellosen Kopfgeldjägerin zu tun haben. Gerüchte sind aber nichts Halbes und nichts Ganzes.“

Jekaterina saß im Besprechungsraum. Vor ihr stand eine Tasse russischen Schwarztees mit Zitrone. Sie hatte vor kurzem eine Nachricht von Captain Paxton, dem Weltraumpiraten erhalten, in der dieser ein paar technische Details des gegnerischen Schiffes verraten hatte. Das Schiff, der Größe nach urteilen ein Schlachtschiff, verfügte über eine enorm starke Panzerung. Auch die Bewaffnung hatte es in sich. 112 schwere Turbolasertürme auf jeder Seite. Dazu kamen noch einmal 300 mittlere Geschütze und 350 leichte Geschütze. Gegen diese geballte Feuerkraft konnte die Kirow allein nichts ausrichten. Und das bedeutete, dass Jekaterina Verstärkung anfordern musste.

Sie hatte den Bericht gerade abgeschickt, als der Türsummer ein Signal von sich gab.

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.

„Dambala.“

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q trat ein. Wie immer in eleganter Kleidung.

„Schön dich zu sehen, Dambala.“, sagte Jekaterina. 607

„Ich muss einer guten Freundin doch mal wieder einen Besuch abstatten.“

„Hast du wieder ein paar Informationen für mich?“, fragte Jekaterina den Q.

„Kommt ganz drauf an, was du wissen willst, Jekaterina. Da fällt mir ein, solltest du nicht eigentlich im Urlaub sein?“

„Doch war ich. Aber dann kam wieder was dazwischen.“, sagte Jekaterina.

„Wie lange warst du im Urlaub?“

„Anderthalb Wochen.“, sagte Jekaterina.

„Immerhin länger als vier Tage. Aber du siehst ziemlich besorgt aus, wenn ich das mal so sagen darf.“

„Sieh dir das mal an.“, sagte Jekaterina und reichte dem Q den Datenblock.

„Sieh an, sieh an. Die Golden Knight.“

„Die Golden Knight? Der Name sagt mir nichts.“, sagte Jekaterina.

„Das ist das Schiff von Keira Wight.“

„Der schwarze Skorpion.“, sagte Jekaterina.

„Ganz Recht. Ist sie auf dich angesetzt?“

„Nicht das ich wüsste, Dambala. Aber ich bin sicher, dass sie den Auftrag hat, Tikal zu bombardieren.“, sagte Jekaterina.

„Und da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Auf Tikal gab es nämlich vor kurzem einen Machtwechsel. Mara, die jetzige Regentin, hat ihren Vorgänger Axacoatl gestürzt. Er selbst hat sich nach seiner Entmachtung das Leben genommen. Aber seine Freunde sinnen jetzt auf Rache.“

„Das ergibt für mich keinen Sinn, Dambala. Axacoatls Freunde würden doch mit in den Tod gehen. An ihrer Stelle würde ich vor dem Bombardement doch die Flucht ergreifen.“, sagte Jekaterina.

„Das nehmen sie in Kauf. Die Bombardements der anderen beiden Planeten sollen Königin Mara eine Warnung sein. Wenn sie abdankt, und einem neuen Tyrannen Platz macht, wird Tikal verschont. Andernfalls…“

„Wird auch Tikal untergehen.“, vollendete Jekaterina den Satz des Q.

„Ganz genau. Was aber die Golden Knight angeht, nehme ich mal an, dass du bereits Verstärkung angefordert hast.“

„Ja. Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir es alleine mit der Golden Knight nicht aufnehmen können.“, sagte Jekaterina.

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier 15. Mai 2380 8:25 Uhr Ortszeit

Alicia Silverstone, die Nachfolgerin von Robert Barnsdale hatte gerade 608

wieder einen kleinen Stapel an eingegangenen Nachrichten erhalten, als die Nachricht der Kirow eintraf. Anhand der roten Markierung und dem Vermerk P0 erkannte Alicia, dass diese Nachricht Vorrang vor allen anderen hatte. Da Lieutenant Parker zurzeit wegen einer fiebrigen Erkältung zu Hause bleiben musste, beschloss sie, die Nachricht selbst zu Admiral Paris zu bringen.

Owen Paris staunte nicht schlecht, als die junge Abteilungsleiterin sein Büro betrat. Alicia Silverstone hatte ein rundes Gesicht mit braunen Augen und einen schlanken Körper. Die Nase war etwas breit, schien aber trotzdem zum Gesicht der 22jährigen zu passen. Ihre braunen, dauergewellten Haare trug Alicia offen, sodass ihr bis zur Achselhöhle reichten.

„Captain Silverstone, was führt sie denn hierher?“, fragte Admiral Paris.

„Sir, gerade kam eine Nachricht von der Kirow. Sie ist mit P0 und einer roten dreieckigen Markierung versehen. Was das bedeutet, wissen sie.“

„Geben sie mir bitte mal die Nachricht, Captain Silverstone.“, sagte Owen Paris.

Die junge Abteilungsleiterin reichte dem alten Admiral den Datenblock. Tom Paris Vater las sich die Nachricht durch.

„Die Golden Knight.“, sagte er zu sich selbst.

„Verzeihung, Sir?“

„Das Schiff, auf das die Kirow getroffen ist, trägt den Namen „Golden Knight“. Der Name sagt ihnen wohl nicht, Captain Silverstone.“, sagte Admiral Paris.

„Sollte er, Sir?“

„Die Golden Knight wird von Keira Wight kommandiert. Der Name dürfte ihnen wohl auch nicht viel sagen, Captain.“, sagte der Admiral.

„Leider nein, Sir.“

„Keira Wight ist Weltraumpiratin, Kopfgeldjägerin und Söldnerin, die ihre Dienste an denjenigen verkauft, der am meisten bezahlt. Die meisten Raumschiffkommandanten kennen sie unter ihrem Spitznamen „The black Scorpion“.“, sagte Owen Paris.

„Ich… verstehe, Sir.“

„Welche Schiffe stehen uns im Moment als Verstärkung für die Kirow zur Verfügung, Captain Silverstone?“, fragte Admiral Paris.

„Die Cumberland, die Texas, die Laconia und die Hiryū, Admiral Paris.“

„Schicken sie eine Nachricht an diese Schiffe. Sie sollen die Position der Kirow anfliegen.“, sagte der Admiral.

„Ja, Sir.“ 609

An Bord der Golden Knight

Keira hatte gerade ein weiteres Gespräch mit Montezuma, ihrem Auftraggeber auf Tikal beendet. Montezuma war verärgert, hatte aber Verständnis, dass Captain Wight nichts unternehmen konnte, solange ein Föderationsschiff in der Nähe war. Denn einen bewaffneten Konflikt mit der Föderation konnten sich beide Parteien nicht leisten. Zu allem Überfluss hatte Bill Paxton, „Die Klapperschlange“ einige technische Details über die Golden Knight an die Kirow weitergegeben. Dieser Verrat würde nicht ungesühnt bleiben. Mitena, Keiras rechte Hand und engste Vertraute kam zu ihr.

„Hast du Zeit, Keira?“, fragte sie.

„Sicher. Was hast du auf dem Herzen, Mitena?“

„Wir haben eine Nachricht der Kirow an Starfleet Command abgefangen. Jekaterina Romanova hat Verstärkung angefordert.“, sagte Mitena.

„Das war zu erwarten, Mitena. Jetzt wo Jekaterina Romanova einige technische Details unseres Schiffes kennt, wird sie die entsprechenden Schlüsse gezogen haben.“

„Was weiß sie? Und wie ist sie an diese Informationen gekommen?“, fragte Mitena entsetzt.

„Bill Paxton hat der Kirow Informationen über die Länge, Panzerung und die Bewaffnung der Golden Knight geschickt. Ich frage mich, woher er diese Informationen hat.“

„Wir konnten auch eine Nachricht von Starfleet Command an die Kirow abfangen. Sie haben noch vier weitere Schiffe in diesen Sektor beordert.“, sagte Keiras rechte Hand.

„Welche Schiffe?“

„Die Cumberland, die Texas, die Hiryū und die Laconia.“, sagte Mitena.

„Hiryū und Laconia sagen mir was. Aber von Cumberland und Texas habe ich noch nie etwas gehört. Was sagt unsere Datenbank?“

„Cumberland und Texas sind Schlachtkreuzer. Die Cumberland ist das Typschiff dieser Klasse. Das Problem bei diesen Schiffen sind die Schilde. Sind sie aktiviert, kalibrieren sie sich nach jedem Treffer automatisch neu.“, sagte Mitena.

„Das heißt, wir haben nur eine Chance, wenn die Schilde unten sind, und man dort nicht mit einem Angriff rechnet.“

„Bedauerlicherweise ja, Keira.“, sagte ihre engste Vertraute.

„Das kann ja heiter werden. Sonst noch etwas, das ich wissen müsste, Mitena?“

„Worauf du deinen Arsch verwetten kannst.“, sagte Mitena. 610

„Danke, aber den brauch ich noch, Mitena. Also was hast du für mich?“

„Die Klingonen haben auch eine größere Streitmacht entsandt. Drei Schiffe der Vor'cha-Klasse , fünf Schiffe der Negh'Var-Klasse und das Flaggschiff. Ein Kreuzer der D7-Klasse, die Boreth.“, sagte Mitena.

„Das schaffen wir nie und nimmer. Wann werden die Schiffe hier sein?“

„Cumberland und Texas innerhalb der nächsten Stunde. Die Cumberland-Klasse schafft Transwarp 1.“, sagte Mitena.

„Heiliger Ofenkäse. Das ist nicht gut.“

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 15. Mai 2380 10:45 Uhr Ortszeit

Admiral Paris staune nicht schlecht, als die Präsidentin der Föderation, Arikka, vom Volk der Ariantu sein Büro betrat. Er wollte schon salutieren, doch die Präsidentin hielt ihn zurück.

Lassen sie dieses alberne salutieren, Admiral Paris. Zumindest mal heute.“, sagte Arikka.

„Danke, Madam President.“

„Sie können sich sicher vorstellen, warum ich hier bin, Admiral.“, sagte die Präsidentin, als sich beide gegenüber saßen.

„Wieder eine neue Schiffsklasse, Madam President?“

„Das ist richtig, Admiral Paris. Ein neuer schwerer Kreuzer.“, sagte Arikka.

„Und wie soll das Typschiff heißen, Madam President?“

„Ich hatte an den Namen Renown gedacht, Admiral. Denn laut unserem Flottenverzeichnis existiert kein Schiff mit diesem Namen.“, sagte Präsidentin Arikka.

„Was sagt der Föderationsrat, Madam President?“

„Der Beschluss war einstimmig, Admiral.“, sagte die Ariantu.

„Verstehe. Wie viele Einheiten sind geplant?“

„Sechs. Da fällt mir ein: Wie viele Schiffe der Cumberland-Klasse sind bis jetzt in Dienst gestellt?“, sagte Arikka.

„Bis jetzt drei. Cumberland, Texas und South Carolina. Die Kaga befindet sich noch in der Erprobungsphase. Los Angeles und Macon sind noch im Bau, wobei die Los Angeles kurz vor der Fertigstellung steht.“

„Wann steht uns die Kaga zur Verfügung?“, fragte die Präsidentin.

„In zwei bis drei Wochen.“

„Lässt sich das nicht beschleunigen, Admiral Paris?“, fragte Arikka. 611

„Es ließe sich einrichten. Aber ich halte das für keine gute Idee, Madam President.“

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen, Admiral?“, wollte die Ariantu wissen.

„Wir haben bei der South Carolina Dusel gehabt, das deren Erprobung fast beendet war. Aber bei der Kaga sind noch ein paar Tests mehr zu absolvieren. Und ich möchte die Indienststellung der Kaga nicht übereilt übers Knie brechen, Madam President.“

An Bord der Kirow

Toprak der taktische Offizier der Kirow entdeckte zwei grüne Symbole auf seinem Display, die mit USS Cumberland und USS Texas gekennzeichnet waren.

„Captain, die Cumberland und die Texas sind soeben eingetroffen.“, sprach der Klingone seine Vorgesetzte an.

„Was ist mit Hiryū und Laconia, Mister Toprak?“

„Vor heute Abend sind sie auf keinen Fall hier, Captain.“, sagte Toprak.

„Und die klingonische Flotte?“

„Wenn alles glatt geht, morgen, Captain.“, sagte der Klingone.

In diesem Augenblick hob Keiko Tadashita den Kopf.

„Captain, die Golden Knight ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Keira Wights Gesicht.

„Endlich begegnen wir uns, Prinzessin.“, begann der schwarze Skorpion das Gespräch.

„Es überrascht mich, dass sie unsere erste und hoffentlich auch letzte Begegnung so sehr herbeigesehnt haben, Keira.“

„Na, na. So vertraut, dass ihr mich mit meinem Vornamen ansprechen dürft, sind wir aber nicht, Prinzessin.“, sagte Keira.

„Und?“

Hört gut zu, Prinzessin. Eure Präsenz hier behindert die Ausführung eines meiner Aufträge.“, sagte Keira Wight.

„Das Leben ist kein Wunschkonzert, Keira. Immer ein Freispiel ist nicht, gewöhn dich dran.“

„Ich habe euch nicht erlaubt, mich zu duzen, Prinzessin.“, sagte der schwarze Skorpion.

„Immer mit der Ruhe. Kein Grund so einen Wind zu machen, Keira.“ 612

„Ihr seid echt eine Nervensäge, Prinzessin. Aber lassen wir das. Die Tatsache, dass sich Prinzessin Aurelia an Bord eures Schiffes befindet, gefährdet meinen Auftrag.“, sagte Keira Wight.

„Ich ahne schlimmes, Keira. Du hast den Auftrag sie zu töten.“

„Genau, Prinzessin. Und ich will mir keine 18.000 Sesterzen entgehen lassen.“, sagte Keira.

„Nehmen wir an, ich würde mit etwas bezahlen, dass das Zehnfache wert ist. Würdest du die Prinzessin dann am Leben lassen?“

„Jetzt bin ich aber gespannt, Prinzessin.“, sagte der schwarze Skorpion.

Jekaterina tippte an ihren Kommunikator.

„Alaia, kannst du bitte auf die Brücke kommen, und einen von den Diamanten mitbringen?“, sprach sie in das kleine Gerät.

„Bin schon unterwegs.“

„Diamanten? Erst will ich den Stein sehen.“, sagte Keira.

Einen Augenblick später glitten die Türhälften auseinander und Jekaterinas Verlobte betrat die Brücke. In der Hand hielt sie einen weißen Diamanten. Jekaterina hielt den Stein hoch.

„Da ist das Juwel.“, sagte sie. Der schwarze Skorpion staunte.

„Der ist mindestens das Fünfzehnfache von dem wert, was ich mit meinen Auftraggebern ausgemacht habe, Prinzessin.“, sagte Keira.

„Er gehört dir, wenn du Prinzessin Aurelias Leben verschonst.“

„Das ist ein verlockendes Angebot, Prinzessin. Ich werde darüber nachdenken. Golden Knight Ende.“, sagte Keira.

Später am Abend trafen dann auch die Laconia und die Hiryū ein. Die Klingonen waren noch etwas weiter entfernt. Jekaterina nutzte die Zeit, um sich mit den anderen Kommandanten zu besprechen.

„Also, Ladies and Gentlemen. Ich habe dem schwarzen Skorpion etwas auf den Zahn gefühlt.“, eröffnete sie die Runde.

„Konntest du etwas rausfinden, big sis?“

„Erstmal so viel, dass sie den Auftrag hat, Imperator Aurelius jüngere Tochter Aurelia zu töten, Jewgeni.“, sagte Jekaterina.

„Was hast du unternommen, Jekaterina?“

„Ich habe den eigentlichen Auftraggeber überboten Lolita.“, sagte Jekaterina.

„Ein verwegener Schachzug, Captain. Allerdings besteht die Gefahr, dass der eigentliche Auftraggeber sie dafür auch tot sehen will.“ 613

„Sie sollten mich gut genug kennen, um zu wissen, dass ich auch mal zu unkonventionellen Methoden greife, Eric.“, sagte Jekaterina.

„Ich bin mir sicher, dass Keira Wight nicht bloß wegen Aurelia hier ist.“

„Sie hat den Auftrag, den Planeten Tikal unbewohnbar zu machen, wenn Königin Mara die Herrschaft nicht wieder an einen Tyrannen zurückgibt, Dean.“, sagte Jekaterina.

„Ich nehme mal an, dass sie diese Information von Dambala, unserem Freund aus dem Q-Kontinuum haben, Captain.“

„Das stimmt, Eric.“

In diesem Moment zirpte der Kommunikator der Kommandantin.

„Brücke an Captain.“, vernahm Jekaterina die Stimme ihres taktischen Offiziers.

„Sprechen sie, Mister Toprak.“

„Captain, gerade ist die Imperium Romanum hier eingetroffen.“, sagte der Klingone.

„Was will denn Imperator Aurelius hier?“

„Das kann ich noch nicht sagen, Captain.“, sagte Toprak.

An Bord der Imperium Romanum

Marozia, Aurelius älteste Tochter, kam auf die Brücke. Sie war eine 1,66 m große Frau mit schwarzen Haaren. Diese hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Marozia hatte ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Die frischgebackene Imperatorin hatte einen schlanken Körperbau, war an den entsprechenden Stellen wohl proportioniert. Marozia war gekleidet wie eine römische Adlige. Auf dem Kopf trug sie den goldenen Lorbeer-Kranz, der ihr als Regentin zustand. Marozia wandte sich an Cicero, ihren Kommunikationsoffizier.

„Ruf die Kirow, Cicero.“, befahl sie.

„Ja, Hoheit.“

An Bord der Kirow

Jekaterina hatte die Besprechung auf die Brücke ihres Schiffes verlegt, als Keiko Tadashita den Kopf hob.

„Captain, die Romanum ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Marozias Gesicht.

„Sie sind Captain Romanova nehme ich an.“, sagte sie. 614

„In Person. Darf ich fragen, mit wem ich es zu tun habe?“

„Ich bin Marozia. Aurelius älteste Tochter. Vater hat oft von ihnen erzählt.“, sagte Marozia.

„Wie geht es ihm?“

Jekaterina sah, wie Marozia nach Worten suchte. Und sie bemerkte die Tränen in den Augen der Imperatorin.

„Vater… Vater ist… tot.“, sagte Marozia.

„Es tut mir leid, das zu hören. Und ich denke, dass es in Ordnung ist, wenn ich euch im Namen aller Kommandanten und den Besatzungen der anwesenden Föderationsschiffe unser tiefstes Mitgefühl ausspreche.“

„Danke, Captain Romanova. Ich weiß ihre Anteilnahme zu schätzen.“, sagte die Imperatorin.

„Ich bin Captain Dean O’Banion von der USS Texas. Wenn die Frage gestattet ist, würden meine Kollegen und ich gerne erfahren, wie ihr Vater verstorben ist.“

„Vater ist einem feigen Mordanschlag zum Opfer gefallen.“, sagte Marozia.

„Konnten die Attentäter gefasst werden?“

„Es war eine Gruppe von Priestern, Captain O’Banion. Sie haben Vater mit vergiftetem Schmuck getötet. Sie waren es auch, die Keira Wight den Auftrag erteilt haben, meine Schwester umzubringen.“, sagte Marozia.

„Ich habe diese ehrlosen Individuen überboten. Und zwar hiermit.“

Jekaterina hielt den Diamanten hoch.

„Ein kostbares Juwel, Captain Romanova. Aber das ist nicht der Grund, warum ich sie kontaktiert habe.“, sagte Imperatorin Marozia.

„Weswegen denn dann?“

„Ich würde meiner kleinen Schwester gerne einen Besuch abstatten.“, sagte die Imperatorin.

„Wenn wir uns außerhalb der Reichweite der Geschütze der Golden Knight befinden, sehe ich da kein Problem, Marozia.“

Toprak, der taktische Offizier, räusperte sich.

„Captain, die klingonische Flotte ist soeben angekommen.“, sagte er.

An Bord der Golden Knight

Keira Wight und ihre Crew sahen sich mit einer gewaltigen Übermacht konfrontiert. Gerade Keira, der schwarze Skorpion, wusste, dass es vorbei war. Es gab jetzt zwei Möglichkeiten. Die erste war zu kämpfen, und 615

mit wehender Fahne unterzugehen. Die zweite, bedingungslos zu kapitulieren. In diesem Moment kam eine Nachricht, dass die Golden Knight von der Imperium Romanum kontaktiert worden war. Keira nahm das Gespräch an, und kurz darauf erschien Imperatorin Marozias Gesicht auf dem großen Schirm.

„Ich nehme an, sie sind Keira Wight.“, sagte Marozia.

„Die bin ich. Mit wem habe ich die Ehre?“

„Ich bin Imperatorin Marozia. Tochter und Nachfolgerin des verstorbenen Imperator Aurelius.“, sagte die Imperatorin.

Keira schluckte. Das hatte gerade noch gefehlt. Aurelias ältere Schwester war höchstpersönlich hergekommen. Und es war so sicher, wie das Amen in der Kirche, dass die Imperatorin, ihr, dem schwarzen Skorpion, nicht erlauben würde, ihren Auftrag, Aurelia zu töten, zu erfüllen. Blut war bekanntlich dicker als Wasser.

„Ich weiß, dass sie von einer Bande von Hardlinern den Auftrag haben, meine Schwester Aurelia zu töten. Ich möchte sie freundlich darauf aufmerksam machen, dass sie nach unseren Gesetzen eine Straftat begehen, wenn sie ihren Auftrag ausführen.“, fuhr Marozia fort.

„Also wurde das Gesetz, nachdem das jüngst geborene Kind bereits als Säugling geopfert werden muss, abgeschafft.“

„Das war meine erste Amtshandlung als Imperatorin. Außerdem habe ich per Dekret angeordnet, dass allein schon die Anordnung, einer Tötung oder Opferung, als kriminelle Handlung gilt und entsprechend geahndet wird.“, klärte Imperatorin den schwarzen Skorpion auf.

„Das heißt, meine Auftraggeber…“

„… sitzen nun im Gefängnis und warten auf ihren Prozess.“, vollendete Marozia Keiras Satz.

„Das bedeutet, die vereinbarten 18.000 Sesterzen sind zum Teufel.“

„Hat ihnen Jekaterina Romanova nicht etwas geboten, das viel mehr wert ist?“, fragte Marozia.

„Einen Diamanten.“

„Nehmen sie ihn. Und wenn sie ihn verkaufen wollen, lassen sie sich bloß nicht über den Tisch ziehen.“, sagte Marozia.

„Keine Bange, ich handele grundsätzlich nicht mit den Ferengi.“

„Es gibt noch ein paar andere Gauner, die, wie die Ferengi nur ihren eignen Vorteil im Kopf haben. Vergessen sie meine Worte nicht, Miss Wight. Imperium Romanum Ende.“, sagte Marozia. 616

An Bord der Kirow

Jekaterina wartete in Transporterraum 1 auf die Imperatorin. Neben ihr stand ihre Freundin aus Akademiezeiten Lolita Moreno.

„Was meinst du, Jekaterina? Wie wird Aurelia auf den Tod ihres Vaters reagieren?“, brach Lolita das Schweigen.

„Diese Nachricht wird ihr den Rest geben. Ihre einst heile Welt hat schon Risse. Jetzt könnte sich ihr Leben in einen Scherbenhaufen verwandeln. Aurelia ist sehr sensibel, Lolita.“

„Das glaub ich gern, Jekaterina. Du kennst sie schon eine Weile.“, sagte Lolita.

Kaum hatte die Kommandantin der Cumberland ihren Satz beendet, materialisierte Aurelias Schwester. Mit der Anmut einer Göttin verließ sie die Plattform.

Auf Tikal

Makani führte Mara durch den Sumpf. Ihr Ziel war die Insel mit dem Monolithen. Denn, so hatte Makani herausgefunden, der Monolith hatte eine heilende Wirkung, wenn man ihn berührte. Und sie gestand sich ein, dass es ein Fehler gewesen war, Taria davon zu erzählen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Taria die Kontrolle über den Monolithen erlangt hätte. Doch Makani wusste, dass sie keinesfalls sicher war. Denn wenn der heilende Effekt bei Maras jüngerer Schwester Karena nicht eintrat, war sie erledigt. Dann würde die Königin der Maya nicht zögern, und Makani im Sumpf verschwinden lassen.

Als die kleine Gruppe den Monolithen erreicht hatte, tauchte aus der Baumkrone einer Sumpfzypresse die grüne Anakonda auf. Sie verharrte zunächst, beobachtete. Karena wurde von ihrer Schwester zu dem merkwürdigen Objekt geführt. Von ihrem Beobachtungsplatz aus verfolgte die Schlange das Geschehen. Im Hintergrund standen zwei Personen in schwarzen Kutten. Sehr verdächtig. Karena legte ihre rechte Hand auf die Oberfläche des Monolithen und wurde sofort von einem grünen Lichtschimmer umhüllt. Maras Schwester lag still da, und hatte die Augen geschlossen. Alle, auch die Würgeschlange, wurden Zeuge, wie sich Karenas Körper wieder regenerierte.

Als es vorbei war, verschwand der grüne Lichtschimmer. Karena blieb erst einmal liegen. Für die beiden vermummten Gestalten offenbar eine günstige Gelegenheit. Denn sie zückten aus heiterem Himmel zwei Dolche und wollten sich auf die immer noch schwache Karena stürzen. Doch mit einem Überraschungsangriff der Anakonda rechneten sie nicht. Sie waren vor Schreck erstarrt, als die Schlange nach vorne schoss und ihren Leib um die Körper der beiden Attentäter schlang. Wie schon bei Taria zog das Reptil seinen Leib enger und drückte den beiden die Luft ab. 617

An Bord der Kirow

Aurelia war noch immer geschockt. Die Nachricht vom Tod ihres Vaters hatte sie komplett aus der Bahn geworfen, wie Jekaterina es prophezeit hatte. Es tat Marozia in der Seele weh, ihre kleine Schwester so am Boden zerstört zu sehen. Und es hatte ihr keinen Spaß gemacht, Aurelia diese traurige Nachricht zu überbringen. Allerdings hatte es sein müssen. Aurelia schüttelte den Kopf. Dann sah sie ihrer Schwester in die Augen.

„Du musst dieser Verräter bestrafen, Marozia. Sie sollen für ihre Tat büßen.“, sagte sie.

„Das werden sie auch. Aber bevor sie sterben, werden sie noch einmal Höllenqualen erleiden.“

„Was meinst du?“, fragte Aurelia.

„Tod durch hinterher schleifen, Aurelia.“

„Gut. Sehr gut. Das ist die gerechte Strafe für diesen Verrat.“, sagte Prinzessin Aurelia.

„Aber nur für die Handlanger. Die Rädelsführer erwartet ein anderes Schicksal.“

„Und was hast du dir für diese Schmeißfliegen ausgedacht, Marozia?“, wollte Aurelia wissen.

„Achte bitte auf deine Wortwahl, kleine Schwester. Vergiss nicht, dass du nach wie vor eine Prinzessin bist.“

„Eine Prinzessin ohne richtige Heimat. Also Marozia. Welches Schicksal blüht diesen Bastarden?“, sagte Marozias jüngere Schwester.

„Sie werden in der Arena mit bloßen Händen gegen die wilden Tiere kämpfen.“

„Ich würde gerne anwesend sein, wenn die Urteile vollstreckt werden. Ich will diesen niveaulosen Witzfiguren noch einmal ins Gesicht sehen.“, sagte Aurelia.

„Als Imperatorin sehe ich da keine Probleme. Du kannst auch bei Vaters Begräbnis dabei sein. Auch wenn es einigen von den Priestern nicht passen wird.“

Im Besprechungsraum sprach Jekaterina mit Keira Wight. Sie hatte dem schwarzen Skorpion den Diamanten ausgehändigt. Und eigentlich hätte Keira wieder auf die Golden Knight zurückkehren können. Doch sie wollte bleiben, und Jekaterina ihre Geschichte erzählen. Keira hoffte, dass Jekaterina verstehen, und sie nicht ans Messer liefern würde.

„Also Keira. Was hast du mir zu erzählen?“, fragte Jekaterina. 618

„Ich war mal eine Gefangene des dunklen Lords. Ich bin die einzige, der die Flucht aus der Kolonie auf Katmai gelungen ist.“

„Ich frage besser nicht nach. Denn das Letzte was ich will, ist, dass alte seelische Wunden wieder aufbrechen. Ich weiß wovon ich rede.“, sagte Jekaterina.

„Deine Schwester. Habe ich Recht, Prinzessin?“

„Ja, Keira. Als ich noch nach ihr gesucht habe, habe ich Qualen durch stehen müssen, die für mich die Hölle auf Erden waren.“, sagte Jekaterina.

„Ich wünschte, wir hätten uns unter angenehmeren Umständen kennengelernt, Prinzessin. Denn wir sind mehr oder minder Seelenverwandte.“

„Wie darf ich das verstehen, Keira? Und hör bitte auf, mich mit Prinzessin anzusprechen. Jekaterina reicht mir.“, sagte Jekaterina.

„Wir haben beide seelische Qualen durchstehen müssen.“

Bevor Jekaterina eine Frage stellen konnte, entblößte der schwarze Skorpion sein linkes Bein. Die Kommandantin der Kirow konnte die Narben sehen.

„Die habe ich mir selbst beigebracht, nachdem man mich zu Hause rausgeworfen hat. Ich habe Jahre gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber meine Stiefmutter hat alles zunichte gemacht. Ihre eigene Karriere und die ihrer Tochter waren wichtiger. Der Rauswurf aus meinem Elternhaus war nur der Anfang. Ich wollte auf die Akademie. Aber meine Stiefmutter hat dafür gesorgt, dass meine Stiefschwester den Platz bekommt. Ich hab der Erde den Rücken gekehrt. Und jetzt sitze ich hier. In der Hoffnung, dass du mich nicht einem Föderationsgericht auslieferst.“, sagte Keira.

„Bis jetzt hast du mir keinen Grund dafür gegeben. Aber ich ahne, was du durchgemacht hast. Nichts desto trotz habe ich eine ähnliche Geschichte zu erzählen.“

Wortlos präsentierte Jekaterina ihre Unterarme.

„Die habe ich mir selbst mit einer Rasierklinge beigebracht. Ich war damals 16, und wurde von einem Mann verletzt, den ich abgöttisch geliebt habe. Wegen ihm bin ich eine Lesbe und habe ich mich deswegen mit meiner Schwester überworfen. Danach war ich mental im freien Fall. Und es gab niemanden, der mir die helfende Hand gereicht hat, um mich aus diesem Schwarzen Loch zu retten. Diese Narben sind stumme Zeugen eines verzweifelten Hilferufs, der nie gehört wurde.“, sagte Jekaterina.

„Kenn ich den Typen?“

„Wohl kaum. Aber das ist Schnee von gestern. Er ist tot. Genau wie Lord Vorlock.“, sagte Jekaterina. 619

„Ernsthaft? Diese miese Drecksau hat ins Gras gebissen? Wie ist er gestorben, Jekaterina?“

„Er wurde auf Draconia von Shai Hulud, dem größten gesichteten Sandwurm, bei lebendigem Leib gefressen. Und mein Peiniger auch.“, sagte Jekaterina.

„Das sind wirklich gute Nachrichten. Jetzt können wir beide unseren Frieden machen.“

„Ich habe meinen Frieden schon gefunden, Keira. Und ich wünsche mir, dass du deinen Frieden auch findest. Aber was ist mit deiner Crew? Welchen Grund hatten die anderen Frauen, dir zu folgen?“, sagte Jekaterina.

„Sie haben alle Angehörige an den dunklen Lord verloren. Die Nachricht von deren Tod hat sie hart getroffen. Sie wollten dasselbe wie ich. Rache.“

„Dann dürften sie froh sein, das Lord Vorlock seiner gerechten Strafe zugeführt wurde.“, sagte Jekaterina.

„Das werden sie auch. Verlass dich drauf. Aber hast du dich nie gefragt, warum Lord Vorlock auch unschuldige in die Brutkolonie verschleppt hat?“

„Ehrlich gesagt nein, Keira.“

„Der Grund warst du, Prinzessin.“

„Ich? Aber… warum?“, fragte Jekaterina fassungslos.

„Vorlock wusste, dass du irgendwann eine Gefahr für ihn darstellen würdest, wenn du erst einmal Raumschiffkommandantin bist. Deswegen hat er mit deinem Peiniger gemeinsame Sache gemacht. Deine Schwester sollte nur der Köder sein, um dich in eine Falle zu locken.“

„Aber sein Plan ist nicht aufgegangen, wie man sieht.“, sagte Jekaterina.

Auf Tikal einen Tag später

Montezuma war frustriert. Man hatte die Leichen seiner Meuchelmörder im Sumpf gefunden. Das bedeutete, dass Karena noch am Leben war. Und das bedeutete auch, dass Mara umfassende Ermittlungen durchführen lassen würde. Früher oder später, eher früher, würde man ihm auf die Schliche kommen. Zu allem Überfluss, so hatte Montezuma erfahren, wurde Mara von der Föderation unterstützt. Das war nicht gut. Aber vielleicht bot sich doch noch eine Gelegenheit, Maras Schwester zu töten. Denn, so war aus dem Bericht auch noch hervorgegangen, Karena führte die Kommandanten der Föderationsschiffe durch die Stadt. Das wäre eigentlich die perfekte Chance. Das Problem waren allerdings die Sicherheitsleute der Kirow, und diese große, wilde Blondine. Von dieser ging die größte Gefahr aus. Laut dem Bericht handelte es sich um Cassandra, die persönliche Leibwächterin von Jekaterina Romanova, der Kommandantin der Kirow. Montezuma war sich bewusst, dass er Cassandra als erstes ausschalten musste, um an Karena heranzukommen. Aber das war leichter gesagt, als getan. Montezumas Plan, Mara zu 620

stürzen, war gefährdet. Denn der Geheimbericht, sagte auch, dass Keira Wight, der schwarze Skorpion, einen Rückzieher gemacht hatte. Und dazu noch diese militärische Übermacht von Föderation und klingonischem Imperium. Gerade die Klingonen waren brandgefährlich. Wenn sie ihn, Montezuma in die Hände bekamen, würden sie ihm den Kopf abreißen.

Mara hatte Gewissheit, dass Montezuma, ihr schlimmster Feind, ihrer Schwester nach dem Leben trachtete. Und was das bedeutete, war nicht schwer zu erraten. Er wollte ihrer Herrschaft mit Gewalt ein Ende setzen. Denn Maras Agenten hatten den Geheimbericht an Montezuma abgefangen. Und dadurch wusste die Königin, dass Montezumas ursprünglicher Plan, alles Leben auf Tikal auszulöschen, durch den Rückzieher von Keira Wight, gescheitert war. Und deswegen musste Karena sterben. Mara wusste, ihr musste etwas einfallen, damit auch dieser Plan von Montezuma fehlschlug. Es gab im Prinzip nur eine Möglichkeit, Karena zu beschützen. Sie musste auf eines der Föderationsschiffe. Denn Mara traute den Klingonen nicht. Makani kam ins Arbeitszimmer. Mara sah auf.

„Was hast du auf dem Herzen, Makani?“, fragte sie.

„Ich habe zwei Anliegen, meine Königin.“

„Lass hören, Makani.“, sagte Mara.

„Montezuma hat seine Geheimpolizei losgeschickt, mit dem Auftrag eure Schwester zu töten.“

„War zu erwarten. Und was kann ich sonst noch für dich tun?“, sagte die Königin der Maya.

„Darf ich euch einen Rat geben, Hoheit?“

„Gern.“, sagte Mara.

„Mein Rat an euch, meine Königin: Nehmt Beitrittsverhandlungen mit der Föderation auf.“

„Eine gute Idee. Aber wir sind eine Prä-Warp-Spezies. Und der Warpantrieb ist eine Grundvoraussetzung für einen Beitritt.“, sagte die Mayakönigin.

„Jetzt nicht mehr. Unser Versuchsschiff hat Warp 2 erreicht.“

„Ich dachte, der Warpantrieb sollte nie erforscht werden.“, sagte Mara.

„Euer Vorgänger, Axacoatl, hat die Erforschung befohlen, um seine Macht zu festigen.“

„Und du meinst, dass es Montezuma ein Dorn im Auge sein könnte, wenn ich ein Beitrittsgesuch bei der Föderation einreiche?“, fragte Königin Mara.

„Unter anderem, meine Königin. Montezuma dürfte vielmehr Angst davor haben, dass Karena als ständige Repräsentantin Tikals in den Föderationsrat entsandt wird.“ 621

„Dir ist schon klar, dass das Vetternwirtschaft ist, Makani?“, fragte Mara.

„Mir schon, Hoheit. Die Frage ist, ob sich Montezuma dessen auch bewusst ist.“

In der Stadt

Cassandra ging neben Karena. Aber sie hatte auch nicht vergessen, wem ihre Loyalität galt. Sie hatte damals geschworen, Jekaterinas Leben um jeden Preis zu schützen. Die Drachenkriegerin musterte Maras jüngere Schwester. Karena war eine zierliche Brünette mit grünen Augen. Mit ihren 1,60 m war sie um ein vielfaches kleiner, als Cassandra. Ihre lockigen Haare trug Maras Schwester offen, sodass sie bis zu ihrer Achselhöhle reichten, was ihr ovales Gesicht stärker zur Geltung brachte. Karena trug ein hautenges, rotes Kleid, das auf einer Seite schulterfrei war und rote Sandaletten.

Auf dem Marktplatz traf die Gruppe um Karena auf Montezumas Meuchelmörder, Zwei von ihnen griffen mit gezogenen Säbeln an. Doch Karena wich aus, Cassandra verpasste dem vermummten Mann einen Schlag ins Gesicht. Dann wandte sie sich dem zweiten Mann zu.

„Komm her, dir werde ich auch einen vorn Ständer kleistern.“, sagte Jekaterinas Leibwächterin, ehe sie den Mann mit einem Schlag ins Gesicht ins Reich der Träume schickte.

Doch viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht. Denn ein paar Meter weiter wurde Karena erneut angegriffen. Doch Cassandra reagierte wieder geistesgegenwärtig und schubste Maras Schwester unsanft in einen Hauseingang. Die beiden Geheimpolizisten versuchten die Drachenkriegerin zu verhaften, doch diese konnte sich befreien. Der erste bekam einen Schlag ins Gesicht und prallte an die Hauswand. Den Schlag seines Partners fing Cassandra ab und schlug dessen Faust dem anderen ins Gesicht.

„Und jetzt die Tür auf!“, sagte Jekaterinas Leibwächterin, ehe Karena die Tür aufstieß. Diese schickte den Polizisten in Reich der Träume.

Cassandra war jetzt äußerst wachsam. Und auch Jekaterina hielt ihre Augen offen.

Danach war erstmal Ruhe. Doch auf dem alten Markt fing der ganze Ärger von vorne an. Ein Polizist, offenbar in leitender Position wollte sich auf Karena und Jekaterina stürzen. Cassandra schickte beide in einen Hauseingang. Dann folgte sie nach. Die Drachenkriegerin wollte gerade die Tür schließen, als der Polizist angestürmt kam. Mit einem lauten Krachen durchbrach der Kopf des Offiziers die geschlossene Tür.

„Manieren sind das hier! Das nächste Mal klopfst du an!“, sagte Cassandra, ehe sie dem Polizeioffizier einen Schlag ins Gesicht verpasste.

Karena zitterte am ganzen Leib.

„Was sind das für Kerle? Was wollen die von mir?“, fragte sie ängstlich.

„Die sollen dich töten.“

Cassandra spähte durch das Loch in der Tür nach draußen. Es war niemand zu sehen. Doch die Draconianerin war misstrauisch.

„Wartet hier, ich sehe nach, ob die Luft rein ist.“, wandte sie sich an die anderen.

„Wäre es nicht besser, Karena auf eines unserer Schiffe zu bringen? Dann wäre sie in Sicherheit.“

„Das wäre eine Option Herrin. Trotzdem sehe ich mal nach. Schaden kann’s nicht.“, sagte Cassandra.

Als Jekaterinas Leibwächterin das Haus wieder verließ, gingen zwei von Montezumas Söldnern auf sie los. Einer hatte einen schweren Balken in der Hand, der andere hatte seinen Säbel gezogen. Cassandra fing den Balken ab, und der Säbel blieb im Holz stecken. Dann rammte die Drachenkriegerin den beiden den Balken vor den Bauch und warf diesen einem dritten Polizisten, der gerade heranstürmte mitten ins Gesicht. Ein kurzer Schlag in die Gesichter der beiden Handlanger genügte, um ihnen erneut den Angriffsschwung zu nehmen. Cassandra drehte die beiden um, und packte sie am Kragen.

„Komm her! Ab mit euch! Gemischtes Doppel!“, sagte die Draconianerin und warf die beiden durch ein hölzernes Ziergitter.

Doch plötzlich tauchten aus dem Schatten 10 Männer mit schwarzem Kaftan und weißem Turban auf dem Kopf auf, und zückten ihre Dolche. Sie bewegten sich auf Jekaterinas Leibwächterin zu und trieben sie in die Enge. An einem Brunnen in der Mitte des Platzes, ließ sich die Drachenkriegerin hineinfallen, und eine Wassersäule tauchte auf. Ihre Verfolger, die glaubten, dass Cassandra in der Falle saß, sprangen hinterher, und erlebten ein böses Erwachen. Denn einer nach dem anderen kam zusammengeschlagen wieder heraus geflogen.

Kurze Zeit später kletterte Cassandra wieder aus dem Brunnen.

„Das ganze fängt an, mir auf die Nerven zu gehen.“, sagte sie zu sich selbst.

Doch plötzlich tauchte aus heiterem Himmel der Polizeioffizier auf. Er versuchte die draconianische Drachenkriegerin mit ein paar angedeuteten Karateschlägen zu beeindrucken. Doch Jekaterinas Leibwächterin gab dem Offizier einen Stoß und dieser prallte gegen eine geschlossene Haustür. Er taumelte herum und deutete auf Cassandra.

„Dich hab ich doch schon mal gesehen.“, sagte er total benommen.

Doch die Drachenkriegerin schleuderte ihn durch ein Hoftor.

„Na sicher kennen wir uns.“, sagte Cassandra. 622

In seinem Palast wanderte Maras Erzrivale, Montezuma unruhig im Besprechungszimmer auf und ab. Er hasste es, wenn etwas nicht nach Plan verlief. Erst machte Keira Wight einen Rückzieher. Dann der Tod seiner Meuchelmörder durch die Anakonda. Und zu guter letzt der Vorfall heute. Es war offensichtlich, dass er, Montezuma, Cassandra gehörig unterschätzt hatte. Denn so, wie sie seine Sicherheitskräfte zusammengeschlagen hatte, war klar, dass er es nicht mit einer blutigen Anfängerin zu tun hatte. Diese Frau gefährlicher als er gedacht hatte. Montezuma wusste, dass er sich nichts vorzumachen brauchte. Es würde ihm nicht gelingen, Cassandra dazu zu bewegen, ihren Eid, den sie gegenüber Jekaterina geschworen hatte zu brechen. Aber man hatte ihm zugetragen, dass unter den Besatzungsmitgliedern der Kirow ein Energiewesen, war, das auf den Namen Dayani hörte. Wenn Montezuma das Wesen korrumpieren, und auf seine Seite ziehen könnte dann… Nein, schalt Montezuma sich selbst, Dayani sieht in Jekaterina Romanova ihre Mutter. Und welche Tochter verrät freiwillig ihre Mutter?

Montezuma konnte es drehen und wenden wie er wollte, aber er war gescheitert. Und das war alles andere als gut. Denn viele einflussreiche Familien würden jetzt zu Mara überlaufen. Wenn sie es nicht schon getan hatten. Es blieb nichts anderes übrig. Montezuma musste sich selbst ausliefern, und sich der Gerechtigkeit stellen. Das hatte man davon, wenn man hoch pokerte indem man alles auf eine Karte setzte.

Als Montezuma den Regierungspalast betrat, traf er auf Jekaterina Romanova von der Kirow und ihre Freundin und Kollegin Lolita Moreno von der Cumberland. Die blonde Italienerin bedachte den Verräter mit einem bitterbösen Blick.

Eine Woche nach Montezumas missglücktem Putschversuch wurden die Beitrittsverhandlungen zwischen Tikal und der Föderation abgeschlossen. Mara hatte entschieden, mit der Vollstreckung des gegen Montezuma verhängten Todesurteils zu warten, damit dieser Zeuge seiner endgültigen Niederlage wurde. Denn Axacoatls Nachfolgerin wollte ihren schärfsten Widersacher noch einmal demütigen.

Am Morgen nach der Vertragsunterzeichnung wurde das Urteil vollstreckt. Montezuma wurde der mächtigen Anakonda geopfert, die seinerzeit Karena beschützt hatte. 623

USS Kirow - Mission 17

USS Kirow Mission 17

Der Planet Romanum 2. Juni 2380

Aurelia stand am Grab ihres Vaters. Tränen standen ihr in den Augen. Neben ihr standen ihre ältere Schwester Marozia und Maras jüngere Schwester Karena, mit der sich Aurelia angefreundet hatte. Gemäß den Bestattungsriten der Römer, wie sich die Einwohner Romanums nannten, hatte man das Grab des Verstorbenen Imperators mit den prächtigsten Grabbeigaben, darunter seinen Schild und sein Gladius, ausgestattet. Ein Priester sprach noch einen Schutzzauber, um das Grab des Aurelius vor Grabräuberei zu schützen.

Unter den Trauergästen waren auch die Kommandanten der Föderationsschiffe, die stellvertretend für ihre Besatzungen dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen. Auch der ganze römische Senat, und andere Würdenträger waren bei der Begräbniszeremonie anwesend. Nur ein paar niedere Adelsfamilien, die den alten Traditionen und Gesetzen nachtrauerten, fehlten. Sie hatten es Marozia nicht verziehen, dass sie eines der ältesten Gesetze, nämlich dass das jüngere Kind bereits im Säuglingsalter geopfert werden sollte, unwiederbringlich abgeschafft hatte. Und nicht bloß das. Nein, Aurelius Nachfolgerin war sogar noch viel weiter gegangen, und hatte den Adel stärker zur Kasse gebeten. Dem Hochadel machte das nichts aus, denn diese Familien badeten regelrecht in Geld. Und von daher hatten diese Sippen auch nichts dagegen, dass die sozial schwachen am Ende doch ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen hatten. Leute, die die niederen Adelsgeschlechter als Abschaum bezeichneten. Mit dem Fernbleiben signalisierten diese Sippen, dass sie mit Marozias Politik alles andere als einverstanden waren.

Doch diese Familien waren nicht die einzigen, die auf Aurelius Beerdigung durch permanente Abwesenheit glänzten. Auch Quantez Robertson, der erste Offizier der Kirow, fehlte. Er hatte das Schiff nach der Rückkehr von seiner letzten Mission verlassen, um sein neues Kommando anzutreten. Nach auf der Heimreise hatte man den US-Amerikaner zum Captain befördert, und ihn auf die USS Exeter versetzt. Die neue Exeter gehörte, wie ihre Vorgängerin, der Ambassador-Klasse an. Nur mit dem Unterschied, dass Quantez Robertsons Schiff als Zusatz ein „A“ hinter seiner Schiffsnummer führte. Der neue erste Offizier war ein Neuseeländer. Aber Jekaterina kannte weder den Namen, noch wusste sie, wie er aussah. Er würde erst auf der Jupiterstation an Bord der Kirow kommen.

Später am Abend sprach Jekaterina mit den beiden Schwestern. „Hast du keine Angst, dass man dir jetzt auch nach dem Leben trachten könnte, Marozia?“, fragte die Kommandantin der Kirow Aurelius älteste Tochter, die Aurelias Mentorin das „Du“ angeboten hatte.

„Wenn diese Clans glauben, dass ich Angst vor ihnen habe, und 624

mich in meinem Palast verstecke, dann sollen sie sich noch nie so geirrt haben.“

„Pass auf dich auf, Marozia. Und wenn was ist, melde dich.“, sagte Jekaterina.

„Mach ich. Allerdings habe ich eine Bitte an dich.“

„Welche, wäre das, Marozia?“, wollte Jekaterina wissen.

„Ich bitte dich, mein Beitrittsgesuch für einen Beitritt zur Föderation, mitzunehmen, und Präsidentin Arikka zu übergeben. Vater hätte es so gewollt.“

„Darf ich nach dem „Warum“ fragen?“, fragte Jekaterina.

„Es gibt einige Familien, denen meine Regentschaft ein Dorn im Auge ist. Wir haben den Warpantrieb. Unter meinem Vater wurde das Volk geeint. Und ich habe auch kein Problem damit, die Grundrechtecharta der Föderation zu akzeptieren.“

„Damit sind alle Voraussetzungen für einen Beitritt erfüllt. Aber es ist nicht gesagt, dass ich die Verhandlungen führen werde.“, sagte Jekaterina.

Kosmodrom Baikonur

Der Leiter des einstigen Weltraumbahnhofs sah hinauf zu den Baudocks. In einem davon war gerade das vierte Schiff der Cumberland-Klasse, die Los Angeles fertig gestellt worden. Noch während der Bauphase war mit der neuen USS Ajax das nächste Schiff der Sovereign-Klasse in Dienst gestellt worden. Das nächste Schiff, dessen Kiellegung im Kosmodrom erfolgt war, die USS Indianapolis, das fünfte Schiff der Cumberland-Klasse. Doch noch immer standen drei Schiffe aus, die zu bauen waren. Macon war schon lange zur Kiellegung vorgesehen, allerdings hatte man diese zugunsten anderer Bauprojekte, wie der neuen Exeter zurückgestellt. Aber auch die Ranger- und die Intrepid-Klasse sollten weiter aufgestockt werden. Dann war da noch der neue schwere Kreuzer, die Renown-Klasse. Alles in allem ein massiver Ausbau der Flotte. Und der Grund lag auf der Hand. Im vergangenen Jahr waren viele Planeten der Föderation beigetreten. Für viele Weltraumschurken der Super-Gau schlechthin. Denn sie konnten nicht mehr ihren Geschäften nachgehen, ohne dass man bei Starfleet Command davon etwas mitbekam. Deswegen häuften sich die Angriffe auf Raumschiffe der Föderation. Und dem wollte Präsidentin Arikka mit aller Entschlossenheit entgegentreten. Aber das war nicht alles. Einige Despoten fühlten sich durch die Expansion der Föderation in die Enge getrieben. Man konnte nicht einen Planeten annektieren, ohne Gefahr zu laufen, seinen Machtbereich bis an die Außengrenzen der Föderation auszudehnen. Denn auch in diesem Fall pflegte Präsidentin Arikka nicht viel Federlesens zu machen. Alles in allem waren die Zeiten für Feinde der Föderation alles andere als rosig, solange dort Arikka das Sagen hatte. 625

Auf Tikal

Mara setzte ihre Unterschrift unter den Vertrag, den zuvor Lolita Moreno, die Kommandantin der Cumberland unterzeichnet hatte. Denn die USS Cumberland war nach der Beerdigung von Imperator Aurelius nach Tikal aufgebrochen, während die Kirow heimwärts gereist war. Jetzt musste der Vertrag nur noch vom Föderationsrat abgesegnet werden. Und die Zustimmung galt als reine Formsache. Sollte der Rat zustimmen, hatte Mara entschieden, Makani als ständige Vertreterin Tikals in den Rat zu entsenden. Denn die Königin der Maya war sich bewusst, dass eine Ernennung ihrer Schwester Karena für den Ratsposten als Vetternwirtschaft gedeutet werden konnte, worauf auf Tikal die Todesstrafe stand.

Jupiterstation

Die Kirow war in einem stationären Orbit um die Raumstation eingeschwenkt, auf der Donatras Tochter Jardanka als neue Wissenschaftsoffizierin an Bord gekommen war. Jetzt holte Jekaterina ihre neue Nummer eins dort ab. Die junge Russin wartete in Transporterraum 4 auf ihren neuen ersten Offizier. Und sie staunte nicht schlecht, als der „Neue“ auf der Plattform materialisierte. Jekaterinas neue rechte Hand war ein athletisch gebauter Hüne mit einer Körpergröße von 1,93 m. Seine Haare trug er offen, sodass sie bis zum Ansatz des Brustkorbs reichten. Der braune Vollbart ließ das ovale Gesicht des Neuankömmlings markanter wirken, in das sich die breite Nase harmonisch einfügte. Seine braunen Augen wanderten aufmerksam umher und nahmen jeden Zentimeter der neuen Umgebung unter die Lupe. Am Kehlkopf konnte Jekaterina eine Tätowierung erkennen, die sie als Stammeszeichen deutete.

Ein Räuspern von ihr lenkte die Aufmerksamkeit ihres neuen ersten Offiziers auf sie.

„Willkommen an Bord der Kirow, Nummer eins.“, begrüßte Jekaterina ihr neues Besatzungsmitglied.

„Danke, Captain. Commander Russell Crowe meldet sich zum Dienst.“

„Es freut mich sie an Bord zu haben, Commander Crowe.“, sagte Jekaterina.

„Habe ich die Erlaubnis meinen Dienst aufzunehmen, Captain? Den medizinischen Check habe ich noch auf der Jupiterstation absolviert. Die Ergebnisse müsste man ihnen schon übermittelt haben.“

„Ich habe den medizinischen Bericht bekommen, Nummer eins. Sie dürfen ihren Dienst, wie vorgesehen aufnehmen.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain Romanova.“

Kurze Zeit später betrat Jekaterina in Begleitung des neuen ersten Offiziers die Brücke.

„Ladies and Gentlemen. Ich möchte ihnen unseren neuen ersten Offizier, Commander Russell Crowe vorstellen.“, sagte sie. 626

Auf einem unbekannten Planeten

Sie wanderte ziellos umher. Auf der Suche nach einer Quelle oder einem Bach, an der sie ihre Trinkflasche auffüllen konnte. Aber das war gar nicht so leicht. Denn viele Wasserläufe waren durch ausgelaufene Chemikalien verseucht. Die Frau war die einzige Überlebende einer schrecklichen Katastrophe. Es hatte damit begonnen, dass in einem chemischen Betrieb ein Gasleck entstanden war. Aber anstatt es ordentlich zu reparieren, hatten die Behörden nur eine provisorische Abdichtung angeordnet. 3 Monate war das gut gegangen. Doch vor drei Wochen war das Leck wieder aufgebrochen. Ein unachtsamer Wachmann hatte versucht, sich eine Zigarette anzuzünden. Doch als er das Feuerzeug betätigte, entstand ein Funke, der das Gas sofort entzündete. Eine gewaltige Explosion war die Folge. Eine weitere folgte, die die Tanks zerstörte, in denen die Chemikalien gelagert waren. Eine grüne, phosphoreszierende Brühe bahnte sich ihren Weg durch die Straßen der Kolonie, während überall die Alarmsirenen heulten. Überall liefen Menschen umher und riefen nach Hilfe.

Aber das war erst der Anfang gewesen. Die chemische Brühe war im Boden versickert, und hatte sämtliche Wasserreservoirs vergiftet. Und wer dem Inferno in der Kolonie entkommen war, der starb eines qualvollen Todes, wenn er von dem Wasser trank. Es gab aber noch mehr Gefahren. Und die Frau hatte sie alle gesehen. Denn sie hatte zu der einzigen Gruppe gehört, die dem Inferno in der Kolonie entkommen war. 50 Kolonisten hatten sich retten können. Darunter auch der Direktor des Chemieunternehmens, das die Katastrophe ausgelöst hatte.

Er hatte sich der Gerechtigkeit entzogen, indem er sich als Priester verkleidet hatte. Doch an der einzigen Pumpstation war er aufgeflogen, als er sich das ganze Wasser aneignen und es nicht mit den übrigen Flüchtlingen teilen wollte. Er versuchte sogar sie daran zu hindern, ihre Trinkflaschen zu füllen. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Ein kräftiger junger Mann packte den Geschäftsmann und hielt ihn fest, und hinderte ihn, sich vorzudrängeln. Der Rest der Gruppe füllte seine Flaschen, während der skrupellose Industrietycoon hilflos zusehen musste. Als er endlich seine Flasche auffüllen konnte, reichte das verbliebene Wasser gerade mal um den Behälter zu einem Viertel aufzufüllen. Es kam, wie es kommen musste. An einem Bach, dessen Wasser verseucht war, musste der Industriemagnat Rast machen und trinken, während die übrigen weiterzogen, Keiner, außer der Frau, bekam mit, wie der Mann zusammenbrach, seine Haut sich grün färbte, und er dann qualvoll erstickte.

49 Überlebende waren noch übrig. Der nächste Todesfall, der die Zahl der Überlebenden auf 44 reduziert hatte, hatte sich in einem Wüstengebiet ereignet. Eine 5köpfige Familie war an Dehydrierung gestorben. Sie hatten sich eine Flasche geteilt. Ihre restlichen Trinkbehälter wurden als Notration mitgenommen. Der Rest marschierte weiter. Sie trauten sich kaum 627

zu rasten. Denn jeder hatte Angst, dass es ihn als nächstes erwischte.

An Bord der Kirow

Jekaterina und Russell Crowe kamen wieder auf die Brücke. Sie hatten im Besprechungsraum hinter der Brücke ein Vier-Augen-Gespräch geführt. Denn Jekaterina hatte der Personalakte des Neuseeländers entnommen, dass dieser schon seit 5 Jahren als erster Offizier diente. Und obwohl Commander Crowes Leistungen durchweg positiv beurteilt worden waren, und er schon eine Mission allein durchgeführt hatte, hatte kein Kommandant den Mann aus Christchurch zur Kapitänsprüfung vorgeschlagen. Jekaterina wollte das ändern. Das bedeutete aber auch, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb, um Russell Crowe etwas beizubringen. Aber zu ihrer Erleichterung hatte Jekaterina festgestellt, dass ihre neue Nummer eins bereits drei der vier wichtigsten Regeln in- und auswendig kannte. Nur die erste, und damit wichtigste hatte man ihm bedauerlicherweise nicht beigebracht.

Keiko Tadashita hob den Kopf, als sie eine Nachricht empfing.

„Captain, ich habe gerade eine neue Nachricht erhalten. Es gibt einen Planeten in der Nähe der romulanischen Grenze. Wir sollen nachsehen, was dort passiert ist. Wenn es Überlebende gibt, sollen wir sie retten.“, sagte die Japanerin.

„Haben wir die Koordinaten, Keiko?“

„Ja, Captain. Sie lauten 188,2.“, sagte Keiko.

Jekaterina wandte sich an Komi Namura, die zurzeit die Schicht an der Navigationskonsole inne hatte.

„Komi, berechnen sie bitte den schnellsten Kurs zu den gesendeten Koordinaten. Maximum Warp.“, sagte sie.

„Unser Kurs wäre 150,1. Bei Höchstgeschwindigkeit wären wir in einer Stunde vor Ort.“

„Kurs 150,1, Komi. Maximum Warp.“, befahl Jekaterina.

„Aye, Captain.“

Auf dem Planeten

Sie wusste gar nicht mehr, wie sie es geschafft hatte, auf dieses Felsplateau zu gelangen. Aber sie war oben. Die Frau sah auf ihre Hände, die mit Schürfwunden übersät waren. Sie fühlte jeden Muskel. „Mein Gott, ich muss meinen Körper ganz schön geschunden haben.“, dachte sie. Doch dann fiel es ihr wieder ein. Sie hatte in einer Oase an einem Teich gerade ihre Trinkflasche aufgefüllt, als aus den Fluten ein Riesenbasilisk auftauchte und nach ihr schnappte. Dann war sie gerannt. Aber der Giftstachel eines mächtigen Skorpions zwang sie zu einem Ausweichmanöver. Sie rannte weiter, doch der Skorpion folgte ihr. Dann hatte sie den Felsen erreicht. Ohne zu 628

zögern war sie daran hochgeklettert. Sie sah nicht zurück, auch nicht, als der Skorpion mit einer Schere ein Stück aus dem Gestein schlug. Sie kletterte weiter. Auch als ihre Arme zu schmerzen begannen, und ihre Hände und Füße kaum Halt fanden. Aber sie hatte es geschafft. Oben fiel sie auf den Rücken, und ihre Augen fielen zu. Und dann tauchten sie wieder auf. Die Bilder der weiteren Flucht.

Die verbliebenen 44 Überlebenden hatten es durch die Wüste geschafft. Sie waren müde und mit ihren Kräften total am Ende. Aber Ausruhen kam nicht infrage. Und irgendwie schafften sie es in ein weitläufiges Tal. Und nichts deutete auf die Gefahr hin, in der die Gruppe schwebte. Aber die Frau, die von allen nur Berenice genannt wurde, fühlte, dass man sie und die anderen beobachtete. Zwei Tage passierte nichts. Aber die Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Tagsüber blieb es ruhig, doch nachts, wenn die Tiere des Tals erwachten, hörten sie schaurige Geräusche, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. Am dritten Tag passierte es dann. Die Gruppe wurde von zwei Raubsauriern, die Berenice als Deinonychus identifiziert hatte, angegriffen. Die Saurier packten zwei Mitglieder der Gruppe und bissen ihnen die Kehle durch. Der Rest ergriff die Flucht. Doch plötzlich schossen mehrere Tentakel aus dem Boden und schlangen sich um die Füße einer älteren Frau.

Berenice sah, wie die Frau von den Tentakeln in den Sand gezogen wurde. Sie war verloren. Denn jeder Versuch, ihr zu helfen, hätte für den Helfer selbst den sicheren Tod bedeutet. Die übrigen 41 konnten das Tal durch eine Schlucht verlassen. Der Träger der Notrationen hatte gerade einen Felsvorsprung passiert, als von diesem ein massiver Steinschlag niederging, der weitere 10 Leute das Leben kostete. 31 hatten das Tal überlebt. Drei Tage marschierten sie weiter, bis sie drei weitere Menschen zurücklassen mussten, die an Entkräftung starben. 28 Überlebende zählte die Gruppe noch. Doch als Berenice und die anderen einen Wald durchquerten, wurden vier Männer mit einem Netz in die Höhe gezogen. Ein 12jähriges Mädchen wurde mit einem Giftdorn betäubt.

„KANNIBALEN“, rief Berenice den anderen zu.

Die verbliebenen 23 rannten um ihr Leben.

An Bord der Kirow

Komi wandte sich an Jekaterina.

„Wir haben unser Ziel erreicht, Captain.“, sagte die Japanerin aus Kure.

„Danke, Komi.“

Jekaterina wandte sich an Jardanka, ihre Wissenschaftsoffizierin.

„Commander Jardanka, ich möchte, dass sie einen Oberflächenscan durchführen. Zeit, unseren Auftrag auszuführen.“, befahl sie.

„Ja, Captain.“ 629

Donatras Tochter betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole. Doch kaum hatte sie den Scan gestartet, da meldete sich Alex Riley, der stellvertretende taktische Offizier zu Wort.

„Captain, wir haben Gesellschaft. Romulanisches Kriegsschiff, Valdore-Typ.“, sagte er.

„Verstanden, Mr. Riley.“

In diesem Moment hob Keiko Tadashita den Kopf.

„Captain, die Valdore ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Donatras Gesicht.

„Hallo Donatra.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Jekaterina.“

„Ich nehme an, du hast den Befehl, nachzusehen, was ein einzelnes Föderationsschiff so nah, an der romulanischen Grenze zu suchen hat.“, sagte Jekaterina.

„So ist es. Und ich bin echt froh, dass du es bist. Nichts gegen deinen Bruder oder deine ehemalige Nummer eins, Eric McClusky, die beiden sind, zusammen mit dir, die kompetentesten Offiziere, die bei der Raumflotte im aktiven Dienst stehen.“

„Danke für die Blumen Donatra. Aber ich kenne noch drei weitere Kollegen, die mindestens genauso gut sind.“, sagte Jekaterina.

„Hör ich mit Interesse. Darf ich fragen, wen du meinst?“

„Captain Lolita Moreno von der USS Cumberland. Captain Dean O’Banion von der USS Texas. Und Captain Quantez Robertson von der USS Exeter.“, sagte Jekaterina.

„War Captain Robertson nicht der Nachfolger von Captain McClusky?“

„Doch. Und der Herr zu meiner Linken ist sein Nachfolger, Commander Russell Crowe.“, sagte Jekaterina.

„Freut mich, sie kennenzulernen, Commander Crowe. Und wenn ich ihnen einen guten Rat mit auf den Weg geben darf: Hören sie auf Jekaterina, und merken sie sich ihre Worte.“

„Ich freue mich auch, sie kennenzulernen, Commander Donatra. Und vielen Dank für ihren Ratschlag.“, sagte der Neuseeländer.

„Gern geschehen, Commander.“

„Warum setzen wir uns nicht mal zusammen, Donatra? Vielleicht habt ihr ja was mitgekriegt, was uns weiterhelfen könnte.“, sagte Jekaterina. 630

„Gute Idee. Wird deine Nummer eins, bei diesem Gespräch auch anwesend sein?“

„Sicher. Ich würde sagen, wir sehen uns in 10 Minuten. Passt das für dich?“, sagte Jekaterina.

„Auf jeden Fall. Bis nachher.“

Auf dem Planeten

Berenice sah vor ihrem geistigen Auge die Bilder, als sie und die übrigen 22 Überlebenden des Infernos in der Kolonie eine felsige Einöde durchquerten. Hier hatte ein Schwarm Harpyien seine Brutkolonie. Und dass diese die Gruppe als Eindringlinge ansahen, war nur eine logische Konsequenz für den Angriff, der bald folgte. Diesem fielen 6 der Flüchtigen zum Opfer. Die übrigen 16 marschierten weiter. Aber schon bald kamen sie an einen See, an dessen Ufer zwei lange Kanus lagen. Berenice, die von den Anderen seit der Flucht zur Anführerin bestimmt worden war teilte ihre Gefolgsleute gleich auf die beiden Kanus auf, sodass 8 Leute in jedem Kanu saßen. Sie fuhr im ersten Kanu mit, das führte. Berenice hatte ihren Leuten geraten, die Paddel mit Stoff zu umwickeln, damit man sie nicht hören konnte. Leider war der Führer des zweiten Kanus ein besserwisserischer Sturkopf. Und es kam, was kommen musste. Eine monströse Seeschlange tauchte aus dem Wasser auf und zertrümmerte das Kanu. Dann tauchte sie wieder ab und erzeugte einen Strudel, aus dem es kein Entrinnen gab. Die acht Insassen ertranken. Darunter auch der Träger mit den wichtigen Notrationen Wasser.

Die übrigen 8 wanderten am anderen Seeufer weiter. Aber bald kamen sie in ein Moorgebiet, in dem es vor kurzem geregnet hatte. Berenice, die führte, war einigen zu langsam. Diese verließen die Gruppe auf eigene Faust. Berenice folgte einer jungen Frau mit ihrer Tochter. Das Mädchen konnte sie noch retten. Aber für dessen Mutter war die Reise beendet. Die Frau geriet in ein Moorloch und begann rasch tiefer zu sinken. Als sie das bemerkte, geriet sie in Panik und versuchte sich zu befreien. Aber je mehr sie kämpfte, umso tiefer sank sie. Bald schlug der Morast über ihrem Kopf zusammen, und die Frau war verschwunden.

4 Leute waren noch übrig. Sie zogen weiter, bis sie eine Siedlung erreichten. Doch die Bewohner waren alle weiblich. Berenice erinnerte sich noch, wie sie als Anführerin der verbliebenen Überlebenden gegen die beste Kriegerin des Amazonenstammes die Kraftprobe zeigen musste. Mit einer kräftigen Schelle hatte sie die Amazone, eine kräftige Blondine, zu Boden geschickt. Die anderen Kriegerinnen schlugen mit ihren Waffen gegen ihre Schilde, und erkannten so Berenices Sieg an. Darunter auch eine Amazone, mit einem ordentlichen Sixpack.

Berenice erinnerte sich noch an die Schamanin des Amazonenstammes, Afrodita. Sie war eine gütige Person. Und als spirituelle Führerin des Stammes hatte sie mehr zu sagen, als Ariadna, die die Kriegerinnen auf dem 631

Schlachtfeld führte. Berenice erinnerte sich noch, wie sie mit Afrodita einen Deal ausgehandelt hatte. Die Amazonen erklärten sich bereit, den letzten Überlebenden, soviel Nahrungsvorräte mitzugeben, wenn sie als Gegenleistung das verwaiste Mädchen in die Obhut des Stammes geben würden. Schweren Herzens hatte Berenice zugestimmt, und damit den Zorn der beiden anderen Überlebenden der Katastrophe auf sich gezogen. Denn nach Verlassen der Siedlung behielten die beiden den Großteil für sich, und speisten ihre einstige Weggefährtin mit einer Miniration ab.

Nun war Berenice in Sicherheit. Zumindest hoffte sie das. Sie hoffte, dass sie jemand holen würde.

An Bord der Kirow

Jekaterina war in Begleitung von Donatra und ihrem ersten Offizier auf die Brücke ihres Schiffes zurückgekehrt. Donatras Tochter hatte ihr die Resultate des Oberflächenscans mitgeteilt. Sie hatte Berenices exakte Position lokalisiert, und vorgeschlagen, ein Shuttle loszuschicken, um sie zu bergen. Außerdem hatte sie eine Wolke bemerkt, die vom Ort des Infernos in Richtung Amazonendorf zog. Die Messung dieser Wolke hatte ergeben, dass sie jedes Lebewesen auf ihrem Weg vernichtete. Sie mussten das Dorf evakuieren.

Auf dem Planeten

Berenice bekam zuerst einen Schreck, als ein metallisches Objekt auf dem Plateau aufsetzte. Sie fragte sich, was das sein mochte, doch als sie den Namen Gargarin auf der Seite las, beruhigte sie sich etwas. Denn der Name Gargarin war ihr ein Begriff. Juri Gargarin war ein russischer Kosmonaut. Also war dieses kleine Schiff ein Schiff von der Erde. Als sich die Seitenluke öffnete sah sie eine Frau in Uniform und mehrere Männer, die bis an die Zähne bewaffnet waren. Auf ein Zeichen der Frau kamen mehre uniformierte Leute aus dem Schiff, deren Uniformjacke in Blau gehalten war. Ehe Berenice wusste, wir ihr geschah, hatte man sie auf eine Bahre gehievt, und in das kleine Raumschiff gebracht. Die Luke wurde geschlossen, und das kleine Schiff hob ab. Die fremde Frau saß neben ihr und hielt sanft ihre Hand. Berenice fragte sich, was dieses merkwürdige Rautenzeichen auf ihrer Stirn zu bedeuten hatte. Aber war das denn wirklich wichtig? Sie konnte froh sein, dass diese Fremden sie gerettet hatten.

„Ich muss mich bei Gelegenheit erkenntlich zeigen.“, sagte Berenice leise zu sich selbst.

Doch Jekaterina hatte ihre Worte gehört.

„Wie fühlen sie sich?“, fragte sie.

„Es geht.“

„Ich bin Jekaterina Romanova. Ich kommandiere die USS Kirow, ein Raumschiff der Sovereign-Klasse.“, sagte die fremde Frau. 632

„Freut mich, Captain. Ich bin Berenice De Laar.“

„Hören sie, Berenice. Wir können später weiterreden. Jetzt sollten wir ihnen erstmal eine ordentliche medizinische Versorgung angedeihen lassen.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain.“

Zurück auf der Kirow wurde Berenice sofort auf die Krankenstation gebracht, wo sie den vorgeschriebenen medizinischen Check über sich ergehen lassen musste. Außerdem hatte Jekaterina eine umfassende Untersuchung bezüglich eines Kontakts mit der giftigen Gaswolke angeordnet.

Im Dorf der Amazonen

Der Stamm stand im Kreis um Afrodita, die Schamanin, und Ariadna, die militärische Führerin. Die Schamanin hatte um die Zusammenkunft gebeten, nachdem sie die Sterne gedeutet, und mit der Generalin zusammen gesessen hatte. Afrodita sah allen in die Augen.

„Der grüne Tod kommt immer näher. Wenn wir hier bleiben, nimmt er uns den Atem. Ariadna und ich haben lange darüber gesprochen. Und es gibt nur eine Möglichkeit: Wir müssen den Planeten verlassen.“, sagte die Schamanin.

Eine der umstehenden Kriegerinnen fasste sie scharf ins Auge. Es Darla, neben Ariadna die beste Kriegerin des Stammes. Afrodita war eine 1,65 m große Frau mit braunen Haaren, die sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Ihr Körperbau war zierlich. Ihre blauen Augen waren mit verschiedenen Augenmalereien verziert. Das runde Gesicht mit der knubbeligen Nase strahlte Güte aus. Doch im Moment hatten sich die Gesichtszüge der Schamanin verdüstert. Bekleidet war Afrodita mit einem Schurz aus Leopardenfell und einem ledernen Oberteil, das von einem Pelzkragen bedeckt wurde. Ihre Unterarme waren mit Armstulpen bedeckt, die vor der Armbeuge endeten. Um ihre Stirn war ein Reif aus kleinen Muscheln gezogen. In ihren Händen hielt Afrodita ihren Schamanenstab, der aus Bambusrohr hergestellt worden war.

„Bist du noch bei Sinnen, Afrodita? Ist dir klar, was du von uns verlangst?“, fauchte Darla Afrodita an.

„Ich war noch nie so klar im Kopf. Du weißt, die Sterne lügen nie.“

„Komm mir nicht damit. Wir bleiben hier. Basta!“, sagte Darla.

„Das hast du nicht zu entscheiden, Darla.“

Eine Amazone trat aus dem Kreis und stellte sich neben Afrodita und Ariadna. Sie war eine 1,74 m große Blondine mit einem markanten ovalen Gesicht mit braunen entschlossen dreinblickenden Augen. Im Gegensatz zur Schamanin war sie sehr muskulös, wie die kräftigen Oberarme und der Waschbrettbauch verrieten. Ihre Brüste wurden von einer massiven Minirüstung aus bestem Beskarstahl verdeckt. An ihren Unterarmen trug sie metallene 633

Armschienen, die Handgelenke schützten. Wie auch die Schamanin trug diese Amazone Stiefel aus feinstem Leder, aus dem auch ihr Lendenschurz gefertigt war, der an der Rückseite länger war. In der linken Hand hielt sie ihren Schild, in der rechten ein zweischneidiges Messer, bei dem eine Klinge mit einer Lederkappe zur Hälfte verdeckt war.

„War mir klar, dass ausgerechnet du mir in den Rücken fallen würdest, Lara.“, sagte Darla.

„Lara hat Recht, Darla. Du hast für dich entschieden hier zu bleiben. Aber du hast nicht das Recht für uns alle zu sprechen.“

Eine weitere Amazone verließ den Kreis und stellte sich zu Afrodita, Ariadna und Lara. Es war Brynn, die jüngste der Kriegerinnen. Sie war eine 1,66 m große Frau im Alter von 19 Jahren mit rotbraunen, schulterlangen Haaren, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Brynn hatte smaragdgrüne Augen, und ein ovales Gesicht mit einer breiten Nase. Ihr Körperbau war grazil, aber dennoch war sie flink und beweglich, wie eine Gazelle. Bekleidet war sie mit einer leichten, braunen Lederhose und einem Top aus demselben Material in derselben Farbe. Um den Hals trug sie einen Anhänger aus Gold in Form einer Lindwurmfigur mit einer schwarzen Perle. An ihren Unterarmen trug sie Lederstulpen, die unterhalb der Ellenbogen endeten. Ober halb der Ellenbogen trug sie noch zwei Lederriemen. Brynns bevorzugte Waffe war ein Claymore. Ein Bi-Händer mit einer langen Klinge.

„Du Verräterin. Auch du brichst den Eid, den du einst geschworen hast.“, fauchte Darla.

Kriegerin um Kriegerin stellte sich zu den anderen, bis Darla am Ende allein dastand.

„Der Stamm der Malmori, wird weiter existieren. Vielleicht nicht hier, aber woanders. Nur ohne dich.“, sagte Lara.

An Bord der Kirow

Jekaterina betrat die Krankenstation. Sie hatte das Kommando an ihren ersten Offizier Russell Crowe übergeben, und ihre Uniform gegen ihr dunkelblaues Sternenkleid getauscht. Sie sah Berenice auf dem Krankenbett sitzen. Sie war eine zierliche Blondine mit einer Größe von 1,68 m und graublauen Augen. Die 38jährige hatte ein ovales Gesicht und trug die Haare offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Die grazile Nase fügte sich harmonisch in ihr Gesicht ein. Bekleidet war Berenice De Laar mit einem schwarzen Minirock, einem rosemarmorierten T-Shirt und schwarzen Flip Flops. Jekaterina zog sich einen Stuhl heran, und setzte sich zu Berenice.

„Wie geht es ihnen, Berenice?“, fragte sie.

„Jetzt, wo ich mich ausgeruht habe, schon besser.“

„Was hat die Untersuchung bezüglich der Giftwolke ergeben?“, fragte 634

Jekaterina.

„Das Resultat ist negativ, Captain.“

„Gut zu wissen. Meinen sie, sind in der Lage, mir zu berichten, was passiert ist?“, wollte Jekaterina wissen.

„Brauchen sie meine Schilderungen für ihren Bericht, Captain?“

„Unter anderem auch das. Aber ich wüsste schon gern, was sich ereignet hat.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe zusammen mit weiteren Menschen in einer Kolonie hier gelebt Ich war sogar unter den ersten die Star Heaven aufgebaut haben.“

„Also eine Pionierin.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

„Ja. Nach und nach kamen weitere Kolonisten. Und mit ihnen Industriebetriebe, wie Stahlwerke, Aluminiumgießereien und Chemiebetriebe. Es lief jahrelang alles reibungslos. Die Star Heaven-Kolonie hat sich gut entwickelt, und es gab schon Pläne eine zweite Kolonie zu gründen.“

„Bevor sie weiter erzählen, hätte ich gerne gewusst, woher sie eigentlich kommen.“, sagte Jekaterina.

„Ich bin Belgierin. Ich komme eigentlich aus Knokke-Heist. Aber jetzt mal weiter. Wie gesagt, es gab Pläne für eine zweite Kolonie. Aber dann gab es in einem der Chemiebetriebe ein Gasleck. Ich weiß davon, weil sich der Sicherheitsbeauftragte des Betriebs direkt an mich gewandt hat. Ich war zu dem Zeitpunkt noch für die Sicherheit in der Kolonie verantwortlich.“

„Wieso „Noch“, Berenice?“, wollte Jekaterina wissen.

„Man hat mich quasi gefeuert, und durch einen korrupten Arschkriecher ersetzt. Man wollte einfach nicht auf die Stimme der Vernunft hören. Denn anstatt eine ordentliche Reparatur vorzunehmen, hat man lediglich eine provisorische Abdichtung angebracht. Im Prinzip war das der Anfang vom Ende von Star Heaven. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zur Katastrophe kommen würde. Nach knapp vier Monaten ist das Gasleck wieder aufgebrochen. Ein Wachmann, der in unmittelbarer Nähe des Lecks stand, hat durch seine Unachtsamkeit eine gewaltige Explosion ausgelöst. Kurz darauf gab es eine zweite. Und diese Explosion hat das endgültige Ende von Star Heaven besiegelt. Überall rannten Menschen herum und riefen um Hilfe. Das Heulen der Alarmsirenen habe ich auch jetzt noch in meinen Ohren. Zu allem Überfluss haben die Chemikalien sämtliche Wasserspeicher und Pumpstationen verseucht. Nur 50 von uns konnten dem Inferno entkommen. Ich bin die letzte, die noch davon berichten kann.“

„Was ist mit den anderen passiert?“, fragte Jekaterina.

„Bis auf ein junges Mädchen im Alter von 11 Jahren, sind sie alle gestorben. Das Mädchen lebt jetzt bei den Malmori.“ 635

„Den Malmori?“, entfuhr es Jekaterina.

„Die Malmori sind ein Stamm von Amazonen, Captain.“

Im Dorf der Malmori

Darla stand auf dem heiligen Hügel, auf dem der Stamm die traditionellen Feste gefeiert hatte, und auf dem Afrodita mit den Göttern in Kontakt getreten war. Normalerweise, so sagte es der Kodex der Malmori, durfte nur die Schamanin diesen heiligen Ort aufsuchen. Aber diese Zeiten waren seit dem Zerwürfnis für immer vorbei. Darla sah in den Himmel, wo zwei metallene Objekte aufgetaucht waren. Sie sahen aus, wie Raumfähren. Auf den Seitenwänden war ein Abzeichen in Form einer Parabel zu erkennen, und die Namen Gargarin und Komarow. Die beiden kleinen Schiffe verschwanden aus Darlas Blickfeld. Aber sie wusste, wo sie landen würden. Es gab ein kleines Wäldchen, nicht weit vom Dorf.

Die Malmori hatten sich auf der einzigen Lichtung des Wäldchens versammelt, als die beiden Shuttles der Kirow landeten. Die seitlichen Luken öffneten sich, und aus der Luke der Gargarin traten zwei Frauen. Eine elegant gekleidete Brünette und eine groß gewachsene Blondine. Auffällig war auch das rote Rautenzeichen auf der Stirn der Brünetten. Afrodita wusste, wenn sie vor sich hatte. Jekaterina Romanova und ihre Leibwächterin Cassandra. Jekaterina kam näher, und streckte ihre Hand aus. Die Schamanin legte Jekaterinas Hand in ihre.

„Mein Stamm und ich sind euch sehr dankbar.“, sagte Afrodita.

„Bei uns auf der Erde gibt es eine Redewendung. „Was tut man nicht alles für seinen Nächsten? Meistens viel zu wenig.“

„Worte, die sehr zutreffend sind, Prinzessin.“, sagte Afrodita.

„Ich will nicht unhöflich sein, aber wir sollten uns sputen. Die Wolke kann jeden Augenblick hier sein.“

„Ihr habt Recht, Prinzessin.“, sagte die Schamanin.

Dann wandte sie sich an die Amazonen, und gab ihnen zu verstehen, dass es an der Zeit war aufzubrechen. Der Stamm teilte sich, und die Amazonen gingen in zwei Gruppen an Bord der Shuttles. Die Luken wurden geschlossen und die Fähren hoben ab.

Auf dem Hügel sah Darla die Shuttles in den Himmel steigen und davon fliegen.

„Ja, haut nur ab! Ihr seid nicht mehr meine Stammesschwestern.“, rief sie den anderen hinterher.

Dann blickte sie wieder an den Horizont. Darla sah, wie die Wolke mit großer Geschwindigkeit näher kam. 636

„Du machst mir keine Angst. Ich bin standhaft, wie ein Fels in der Brandung.“, sagte sie.

Umso überraschter war Darla, als die Wolke über sie hereinbrach. Ihre Haut fing an zu brennen, wie Feuer und färbte sich grün. Sie hatte Schwierigkeiten zu atmen, und alles verschwamm vor ihren Augen. Verdammt! Afrodita hatte Recht gehabt. Und Lara und Brynn ebenfalls.

„Ich hätte auf die anderen hören sollen.“, war ihr letzter Gedanke, bevor ihr schwarz vor Augen wurde, und sie der Länge nach hinfiel.

An Bord der Kirow

Die Tore des Shuttlehangars hatten sich geschlossen. Jekaterina hatte die Seitenluke der Gargarin geöffnet und das Shuttle verlassen. Cassandra, ihre Leibwächterin folgte ihr. Danach kam Afrodita, die Schamanin der Malmori. Weil sie aber ihre Lederstiefel beim Verlassen des Dorfes ziemlich übel zugerichtet hatte, musste Afrodita diese auf dem Planeten zurücklassen. Als ihre nackten Füße den kalten Boden berührten, zuckte sie leicht zusammen. Denn der kalte Boden des Shuttlehangars bildete einen starken Kontrast zum warmen Waldboden auf dem Planeten. Afrodita wünschte sich für einen Augenblick auf den Planeten zurück. Doch sie war realistisch genug, um zu wissen, dass eine Rückkehr den sicheren Tod bedeutet hätte.

Jekaterina brachte den Amazonenstamm zuerst auf die Krankenstation, wo Berenice ein wenig unterstützte. Als Afrodita die Belgierin sah, war sie erleichtert. Denn sie hatte gesehen, wie die beiden anderen Überlebenden Berenice um ihre Ration betrogen hatten. Als Strafe hatte die Schamanin einen Fluch über die beiden verhängt.

Alina Nadirova, die stellvertretende Chefärztin auf der Kirow, wandte sich an die Belgierin.

„Berenice, ich bräuchte mal deine Hilfe.“, sagte sie.

„Komm schon!“

„Hier geht’s ja zu, wie in einem Ameisenhaufen.“, sagte Ariadna.

„Aber ohne das ganze Personal wären wir nicht in der Lage, eine ordentliche medizinische Versorgung zu gewährleisten.“

„Ich verstehe, Captain.“, sagte Ariadna.

In diesem Moment zirpte Jekaterinas Kommunikator.

„Brücke an Captain.“, vernahm sie die Stimme ihres ersten Offiziers.

„Sprechen sie Nummer eins.“

„Wir haben eine neue Mission, Captain. Dieses Mal von der Präsidentin persönlich.“, sagte Russell Crowe. 637

„Was genau sollen wir tun, Mr. Crowe?“

„Auf dem Planeten Cougar ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen, Captain. Und Präsidentin Arikka befürchtet eine Destabilisierung des gesamten Sektors.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Wann sollen wir aufbrechen, Commander?“

„Sofort, Captain. Texas, Cumberland und Kaga sind schon vor Ort.“, sagte Commander Crowe.

„Von der Kaga habe ich noch nichts gehört, Nummer eins.“

„Sie wurde vor kurzem in den aktiven Dienst überführt. Die Los Angeles befindet sich noch in der Testphase.“, sagte Mr. Crowe.

„Das wären 6 Schiffe der Cumberland-Klasse.“

„Von denen fünf im aktiven Dienst stehen., Captain. By the Way: Brauchen sie noch lange auf der Krankenstation?“, sagte Russel Crowe.

„Es wird noch etwas dauern, Nummer eins. Aber wenn ich hier fertig bin, komme ich sofort.“

„Verstanden, Captain.“, sagte Commander Crowe.

Jekaterina musterte Ariadna. Die militärische Führerin der Malmori war eine 1,70 m große Frau mit braunen Augen. Auf dem Kopf trug sie eine Haube aus Waschbärenfell, die Ariadnas ovales Gesicht stärker zur Geltung brachte. Ihre durchschnittliche Nase schien irgendwie zu Ariadnas Gesicht zu passen. In der linken Hand hielt die militärische Führerin einen Stab aus Eichenholz mit einem aufgesetzten Hirschgeweih. Im Stirnbereich der Haube waren mit einem Reif aus Elfenbein ebenfalls zwei Hirschgeweihe angebracht. Bekleidet war Ariadna mit einem Lederrock, der im Bereich der Taille mit einem verlängerten Lederschurz verstärkt wurde. Dazu kamen schwere, solide Lederstiefel mit einem Absatz. Ihre Brüste wurden durch einen leichten Lederschutz verdeckt.

Nach dem der medizinische Check bei den Amazonen erledigt, und diese ein großes Quartier zugewiesen bekommen hatten, hatte sich Jekaterina auf den Weg zur Brücke gemacht. Dort angekommen hatte sie von ihrem ersten Offizier das Kommando über die Kirow übernommen, und saß nun auf dem Platz in der Mitte, der ihr als Kommandantin zustand.

„Ich habe bereits den Kurs nach Cougar setzen lassen, Captain.“, sagte Russel Crowe.

„Wie schnell fliegen wir, Nummer eins?“

„Transwarp 1, Captain.“, sagte der erste Offizier.

„Wann wären wir vor Ort?“ 638

„In 15 Minuten, Captain.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57430.9 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Seit dem Begräbnis von Imperator Aurelius ist auf unserer letzten Mission eine Menge passiert. Es ist uns gelungen, einige Bewohner des Planeten in der Nähe des romulanischen Imperiums vor dem sicheren Tod zu bewahren. Jetzt müssen wir nach Abschluss dieser Mission eine neue Heimat für die Malmori, einen Amazonenstamm, finden.“

Als die Kirow neben den anderen Schiffen Position bezogen hatte, bat Jekaterina alle Kommandanten zu einer Besprechung. Russell Crowe, ihr erster Offizier, saß zu ihrer Linken. Lolita Moreno, die Kommandantin der Cumberland, neben ihm. Zu Jekaterinas rechter Seite saß der Kommandant des ersten Schwesterschiffes der Cumberland, der Texas, Dean O’Banion. Neben ihm saß die Kommandantin der frisch in Dienst gestellten USS Kaga. Jane Barnet. Die Frau aus Oxford war eine 1,71 m große Frau mit einem ovalen Gesicht mit braunen Augen. Allerdings war sie mit ihren lila Haaren, die bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten, ein wahrer Exot. Ihr Körper war nicht zu dick, aber an der Hüfte wohl proportioniert. Jane Barnet hatte eine elegante Nase.

„In Ordnung, Ladies and Gentlemen. Fangen wir an. Welche Parteien sind in diesen Krieg verwickelt?“, sagte Jekaterina.

„Auf der einen Seite die Echsenkrieger, geführt von einer Frau namens Aine.“

„Aines Gegner heißt Tartan und führt die Werwölfe.“, sagte Lolita.

„Woran hat sich dieser Konflikt eigentlich entzündet?“

„Aine will bilaterale Beziehungen zur Föderation aufbauen, während Tartan am liebsten Krieg führen möchte, Commander Crowe.“, sagte Jane Barnet.

„Worin genau besteht unsere Aufgabe?“

„Wir sollen erst einmal Präsenz zeigen. Sollte der Konflikt eskalieren, haben wir freie Hand, Jekaterina.“, sagte Dean O’Banion.

In diesem Augenblick glitten die Türhälften auseinander, und Ariadna, die Anführerin der Malmori betrat den Raum. Dieses Mal hatte sie ihre zeremonielle Kluft gegen eine massive Rüstung eingetauscht. Captain O’Banion wollte sie schon rügen, doch Jekaterina hielt den Iren zurück.

„Was kann ich für dich tun, Ariadna?“, fragte Jekaterina.

„Sollte der Konflikt eskalieren, Captain, und das wird er, dann werden wir Malmori an eurer Seite kämpfen.“

Lolita wandte sich an die militärische Führerin des Amazonenstammes.

„Was macht euch da so sicher?“, fragte sie.

„Wir Malmori kennen Leute wie Tartan, Captain Moreno. Die einzige 639

Sprache, die diese Despoten kennen, ist die Sprache der Gewalt.“

„Dann wären noch ein Bataillon Hydropanzer und zwei Kompanien batarianische Infanterie hilfreich.“, sagte Jekaterina.

„Von den Hydropanzern der Batarianer habe ich schon gehört, Captain Romanova.“

„Ich habe sie sogar schon im Einsatz gesehen, auch wenn kein Schuss abgefeuert wurde, Captain Barnet.“, sagte Jekaterina.

„Zugegeben, das wäre eine faustdicke Überraschung für Tartan und seine Werwölfe. Aber erstmal müssen wir diese Panzer anfordern. Und Tartan wird ganz sicher den Funkverkehr mithören.“

„Nicht, wenn die Botschaft verschlüsselt ist, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Klingt nach einem Plan, Jekaterina.“

„Du kennst mich gut genug, Lolita.“, sagte Jekaterina.

Auf dem Planeten Cougar

Die Schlacht tobte. Ein Werwolf hatte einen von Aines Echsenkriegern in Stücke gerissen. Er drehte sich um, und sah, wie ein anderer durch eine silberne Wurfaxt getötet wurde. Und so wie es aussah, gab es kein Mittel gegen Waffen aus Silber. Von Fern ertönte ein lautes Heulen. Es war der Befehl zum Rückzug. Denn solange Aines Truppen über Waffen aus Silber verfügten, war jede militärische Aktion für die Katz.

In Aines Hauptquartier

Aine stand an der großen Wandkarte und studierte den Verlauf an der Front. Und noch konnten ihre Truppen die Angriffe von Tartans Werwölfen abwehren. Doch irgendwann würden die Werwölfe es schaffen, und die feindlichen Linien durchbrechen. Sie fragte sich, wie hoch die Schlachterrechnung heute sein mochte. Aine war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, dass Kara, ihre Stellvertreterin und engste Vertraute, den Raum betreten hatte. Kara, eine Brünette mit bernsteinfarbenen Augen, musterte Aine.

Die Anführerin der Echsenkrieger war eine attraktive Frau im Alter von 50 Jahren. Die 1,65 m große Brünette hatte einen schlanken Körper und ein ovales Gesicht mit gütigen braunen Augen. Ihre Haare trug sie offen, sodass sie bis zu ihren Brüsten reichten. Ihre elegante Nase verlieh ihrem Gesicht ein charmantes Aussehen. Bekleidet war Aine mit einem weißen Faltenkleid, und weißen Schuhen mit flachen Absätzen. An ihrem rechten Handgelenk trug sie ein Armband aus Messing. Um ihren Hals trug Aine eine Kette aus ineinander verschachtelten Messingplättchen.

Aine war eine herzensgute Frau, der das Wohlergehen der Menschen in ihrer Grafschaft sehr am Herzen lag. Deswegen war sie bei der Bevölkerung 640

beliebt. Im Gegensatz zu Tartan, ihrem großen Rivalen, der seine Untertanen versklavte und knechtete. Und der jeden Aufstand brutal niederschlagen ließ. Die Anführer ließ er in der Regel durch einen Biss binden. Denn bei Vollmond würden sie sich in Werwölfe verwandeln, die ihm bedingungslos folgten.

Aine bemerkte Kara erst, als diese sich räusperte.

„Was gibt es, Kara?“, fragte Aine.

„Gerade kam die letzte Meldung vom Schlachtfeld, Aine. Die Werwölfe haben ein weiteres Mal den Rückzug angetreten. „Wie viele tapfere Krieger haben wir verloren?“, fragte Aine.

„30. Tartans Werwölfe nur 15.“

„Was meinst du, wie lange wir die östliche Linie noch halten können, Kara?“, wollte Aine wissen.

„Nicht mehr lange fürchte ich. Ein oder zwei dieser Angriffe können wir noch abwehren, Aine. Aber dann ist Ende Gelände.“

„Was können wir tun, Kara?“, fragte Gouverneurin Aine.

„Wir müssen die Dörfer evakuieren, wollen wir die Leute retten. Denn die Werwölfe werden bei einem erfolgreichen Durchbruch nicht lang fackeln und die Dorfbewohner durch einen Biss zu einem der ihren machen.“

„In Ordnung, Kara. Du wirst die sofortige Evakuierung im Osten anordnen. Die Menschen sollen hier in der Festung Schutz suchen.“, sagte Aine.

An Bord der Kirow

Nach der Besprechung hatte Jekaterina eine Nachricht an Starfleet Command geschickt, mit der Bitte durch Unterstützung durch batarianische Bodeneinheiten. Die Antwort ließ auf sich warten, da man in San Francisco die Nachricht nach Bataria weiterleiten musste. Aber schließlich traf eine Nachricht von Königin Keyra höchstpersönlich. Sie sicherte drei Transportschiffe mit Hydropanzern und Infanterie zu- Ein klingonisches Geschwader und die romulanische Valdore sollten die Truppentransporter schützen. Die Schiffe sollten nach drei Tagen hier eintreffen. Damit hatte Jekaterina getan, was sie konnte.

In Tartans Festung

Tartan kochte innerlich vor Zorn. Denn erneut war eine militärische Offensive gescheitert. Aber Aines Armee hatte doppelt so viele Krieger verloren, wie seine Werwölfe. Die Linie an der Ostflanke würde wahrscheinlich bald fallen. Aber solange die Echsenkrieger die Stellung halten konnten, würde Aine, seine große Rivalin genügend Zeit haben, die dortigen Siedlungen zu räumen. Und noch hielt sich die Föderation zurück. Es sein denn, die Besatzungen der vier Föderationsschiffe entschlossen sich, auf Aines Seite in diesen Krieg einzutreten. Sollte dieses Szenario eintreten, wäre das eine Katastrophe. 641

Tartan, der selbst ein Werwolf war, wanderte unruhig hin und her. Sein dichtes schwarzes Fell glänzte im Licht der aufgehenden Sonne. Seine diabolischen roten Augen glühten vor Wut. Am liebsten würde er Aine höchstpersönlich beißen und sie mit dem Werwolfgen infizieren. Tartan war sehr damit beschäftigt, einen neuen Plan zu schmieden, dass er gar nicht bemerkte, wie sein Adjutant den Konferenzraum betrat. Er bemerkte ihn erst, als sein Adjutant ihn ansprach.

„Meister?“, fragte er.

Tartan wandte sich um. Vor ihm stand ein Werwolf mit dichtem braunen Fell und bernsteinfarbenen Augen.

„Was gibt es, Ruk?“, fragte Tartan.

„Wir konnten eine Nachricht von einem der Föderationsschiffe an Starfleet Command abfangen, Meister.“

„Von welchem Schiff, Ruk?“, fragte der Ober-Werwolf.

„Von der Kirow, Meister Tartan.“

„Der Name Kirow sagt mir was, Ruk. Wer hat dort das Kommando?“, sagte Tartan.

„Jekaterina Romanova, Meister.“

„Was steht eigentlich in der Nachricht?“, fragte der schwarze Werwolf.

„Mit Verlaub, Meister…“

„Red ruhig weiter, Ruk.“, sagte Tartan.

„Der Inhalt ist ein ziemliches Kauderwelsch, Meister.“

„Darf ich mal sehen, Ruk?“, fragte Tartan.

Wortlos reichte Ruk Tartan die Nachricht. Der Anführer der Werwölfe studierte die Nachricht sehr genau. Dann legten sich Zornesfalten auf seine Stirn.

„Kein Wunder, dass dir der Inhalt wie belangloser Schwachsinn vorkommt, Ruk.“, sagte Tartan zerknirscht.

„Was meint ihr, Meister?“

„Die Nachricht der Kirow, an das Flottenoberkommando der Föderation ist chiffriert. Nur dort kann man Jekaterina Romanovas Nachricht entschlüsseln.“, sagte Ruks Vorgesetzter.

„Ich verstehe, Meister.“

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 10. Juni 2380, 14:00 Uhr Ortszeit 642

Admiral Paris hatte gerade eine kurze Besprechung mit einem Kollegen im selben Rang beendet, als sein Adjutant Brian Parker sein Büro betrat.

„Guten Morgen, Sir.“, sagte Mr. Parker.

„Gleichfalls guten Morgen. Wie war ihr Urlaub?“

„Erholsam, Sir. Es war gut mal wieder zu Hause zu sein, Admiral.“, sagte Lieutenant Parker.

„Sie sind Kanadier, nicht wahr?“

„Ja, Sir. Ich komme aus Whistler.“, sagte Brian Parker.

„Sie haben nicht viel verpasst, während sie weg waren.“

„Und was gibt es sonst für Neuigkeiten, Admiral?“, fragte Owen Paris Adjutant.

„Die Kaga ist jetzt im aktiven Dienst, während sich die Los Angeles noch in der Testphase befindet. Akron und Macon sind noch im Bau und die Indianapolis wurde vor kurzem auf Kiel gelegt.“

„Verstehe. Kann ich irgendwas für sie tun, Sir?“, wollte Brian Parker wissen.

„Kommen sie erstmal an, Mr. Parker. Es ist ihr erster Tag nach dem Urlaub. Also machen mal langsam.“

„Ja, Sir. Da wäre noch eine Kleinigkeit, die ich zu berichten hätte, Admiral.“, sagte Lieutenant Parker.

„Die da wäre?“

„Wir haben eine neue Kido Butai, Sir.“, sagte Brian Parker.

„ Was wollen sie mir damit sagen, Mr. Parker?“

„Die historischen Namensgeber von Akagi, Kaga, Hiryū und Soryū gehörten zu einer maritimen Eliteeinheit, die als Kido Butai bekannt war.“, sagte der Adjutant des Admirals.

„Jetzt verstehe ich, was sie meinen.“

In diesem Augenblick glitten die Türhälften auseinander, und Präsidentin Arikka betrat Admiral Paris Büro. Als der Admiral und sein Adjutant salutieren wollten, kam die Präsidentin den beiden zuvor, in dem sie sie zurückhielt.

Lassen sie bitte dieses alberne Salutieren, Gentlemen“, sagte Arikka.

„Danke, Madam President.“

„Ich haben ihnen die Liste für die Einheiten der Renown-Klasse mitgebracht, Admiral Paris.“, sagte die Präsidentin und reichte Brian Parkers Vorgesetzten einen Datenblock. Admiral Paris ging die Liste durch, bis er auf einen Namen stieß.“

„Zuikagu.“, las er vor. 643

„Das namensgebende Schiff dürfte die HIJMS Zuikagu sein, ein Flugzeugträger der Japaner im 2. Weltkrieg. Das Schiff war am Überraschungsangriff auf den Marinestützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 beteiligt. Ebenso Akagi, Kaga, Hiryū und Soryū.“

„War die Zuikagu auch ein Teil dieser Eliteeinheit? Wie hieß sie doch gleich, Mr. Parker?“, fragte Owen Paris.

„Kido Butai. Und ja, die HIJMS Zuikagu gehörte dazu, Sir.“

Arikka begriff gar nichts mehr.

„Nichts gegen diese Nachhilfestunde in der Geschichte der Erde. Aber was hat es mit dieser Spezialeinheit auf sich?“, sagte sie.

„Wir haben mit Akagi, Kaga, Hiryū und Soryū vier Schiffe, deren historische Namensgeber Bestandteile eben dieser Kido Butai waren. Mit der Indienststellung der Kaga haben wir, ohne es zu wissen, die Kido Butai wieder zum Leben erweckt, Madam President.“

„Danke für die Aufklärung, Lieutenant Parker.“, sagte Arikka.

Auf Cougar

Tyrion stand auf einer Lichtung. Er war ein 2 Meter großer Echsenkrieger mit grüner Haut und gelben Augen. Ober- und Unterkiefer seines Gebisses besaßen mehrere Reihen mit messerscharfen Reißzähnen. Tyrion besaß einen für die Echsenmenschen athletischen Körperbau. Sein Schwanz zuckte, ein Zeichen dafür, dass er nervös war. Neben ihm stand sein bester Freund seit Kindertagen, Tartyron. Dieser war mit seinen 1,98 m nur unwesentlich kleiner. Auch sein Ober- und Unterkiefer was mit messerscharfen Reißzähnen bestückt. Genau wie Tyrion besaß er gelbe Augen. Tartyron war ein muskelbepackter Krieger mit blauer Haut und weißem Haar, der als Waffe eine doppelschneidige Streitaxt trug, während sein Freund ein Schwert mit mittlerer Klinge und einen Schild führte. Auffällig war auch die Narbe unterhalb des Auges auf der rechten Seite. Diese hatte sich Tyrion in einem früheren Kampf gegen einen anderen Echsenkrieger eines verfeindeten Stammes eingehandelt. Hinter ihm und Tartyron standen noch zwei weitere Echsenkrieger.

Dann hörten es alle. Es war ein langgezogenes Heulen.

„Sie kommen.“, sagte Tartyron.

„Ja, mein Freund. Sie kommen.“

„Was wollen sie von uns?“, fragte Tyrions Freund.

„Wenn ich das wüsste, Tartyron. Wenn ich das wüsste.“

Dann sahen Tyrion und seine Begleiter sechs diabolisch leuchtende rote Augen.

„Haltet euch bereit.“, befahl Tyrion. 644

Aus der Dunkelheit tauchten drei Werwölfe auf. Zwei blieben zurück, während ihr Anführer auf einem Felsen sitzen blieb. Tyrion musterte ihn misstrauisch. Auf dem Fels saß ein 2 m großer Werwolf mit grauem Fell. Seine Pfoten waren mit scharfen Krallen bestückt. Sein mächtiges Gebiss entblößte messerscharfe Reißzähne.

Tyrion legte eine Hand an den Griff seines Schwertes. Er misstraute den Werwölfen nach wie vor.

„Seid ihr Tyrion?“, fragte der Werwolf.

„Der bin ich. Und wer seid ihr?“

„Ich bin Forkan.“, sagte der graue Werwolf.

„Ich muss zugeben, dass uns eure Nachricht mit der Bitte um dieses Treffen ziemlich überrascht hat.“

„Dennoch war es wichtig, euch zu treffen, Tyrion.“, sagte der alte Werwolf.

„Was will Tartan von uns? Die bedingungslose Kapitulation?“

„Wir gehören nicht zu diesem Schwachkopf. Wir sind die alten Werwölfe. Die, die schon da waren, bevor ihr geboren wurdet.“, sagte Forkan.

Tyrion wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte schon von den alten Werwölfen gehört, aber er hätte nie gedacht, ihnen zu begegnen.

„Was wollen die alten Werwölfe von uns?“, fragte er.

„Wir schlagen einen Pakt vor. Die alten Werwölfe wünschen sich ein friedliches Miteinander mit den Echsen.“

„Verzeiht mir meine Skepsis, Forkan. Aber euer Paktangebot klingt zu schön um wahr zu sein.“, sagte Tyrion.

„Ich versteh das, Tyrion. Ich kann euch nur unser Wort anbieten. Darf ich fragen, wo Tartan zuletzt angegriffen hat?“

„An unserer Ostflanke. Aber warum wollt ihr das wissen?“, sagte Tyrion.

„Bevor ich auf diese Frage antworte hätte ich gerne gewusst, ob dieser Schwachkopf dort öfter angegriffen hat.“

„7-8 Mal innerhalb der letzten sechs Wochen.“, sagte Tyrion.

Forkan rieb sich nachdenklich das Kinn.

„Tartan ist verzweifelt. Sonst würde er seinen Fokus nicht auf die Ostflanke richten. Denn dort gibt es viele menschliche Siedlungen. Das heißt, dass er dringend neue Rekruten braucht.“, sagte er.

„Hat er diesen Krieg deswegen angefangen?“

„Das hab ihr sehr richtig erkannt, Tyrion. Tartan, dieser Schwachkopf 645

hat den Fehler gemacht, dass er die Länder von Puyama überfallen hat.“, sagte der graue Werwolf.

„Wir reden jetzt nicht über den Gott Puyama, oder?“

„Doch das tun wir. Tartan war so dumm, Puyamas Bruder Bantha zu töten, und die Untertanen seiner Lordschaft zu verschleppen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass Puyama deswegen stinksauer ist, Tyrion.“, sagte Forkan.

„Kann ich ihm nicht verdenken. Ich schätze, dass Puyama auf Vergeltung aus ist.“

„Würde er sonst seine besten Krieger aufmarschieren lassen? Eins ist sicher, Tyrion. Wenn Puyama Tartan in die Finger kriegt, reißt er ihm den Kopf ab.“, sagte der alte Werwolf.

„Und Tartans Verbrechen sind den alten Werwölfen ein Dorn im Auge.“

„Genau so ist es, Tyrion. Deshalb schlagen wir euch diesen Pakt vor.“, sagte Forkan.

„Unter diesen Umständen sind wir diesem Pakt nicht abgeneigt, Forkan. Allerdings kann ich so eine schwerwiegende und weitreichende Entscheidung nicht alleine treffen. Ich muss erst mit unserer Anführerin Aine sprechen.“

„Aine wäre gut damit beraten, noch weitere Verbündete zu suchen. Tartan lässt nicht locker.“, sagte der alte Werwolf.

An Bord der Kirow

Aine saß mit Jekaterina im Besprechungsraum hinter der Brücke. Die Kommandantin der Kirow beeindruckte die Anführerin der Echsenkrieger über alle Maßen.

„Setzt ihr euch nicht über die oberste Direktive hinweg, Captain Romanova?“, fragte Aine.

„Da Präsidentin Arikka meinen Kollegen und mir freie Hand gelassen hat, hat sie die erste Direktive automatisch außer Kraft gesetzt.“

„Würdet ihr uns helfen?“, fragte Aine.

„Sonst hätte ich mir die Mühe sparen können. Drei batarianische Truppentransporter als Verstärkung anzufordern.“

„Von was für Einheiten reden wir eigentlich, Captain.“, wollte Aine wissen.

„Jeder dieser Transporter hat drei Bataillone Hydropanzer und drei Infanteriebrigaden zu jeweils 200 Mann dabei. Die Infanteristen sind mit Schallmodulen ausgerüstet.“

„Bei Puyama, das wird Tartan komplett auf dem linken Fuß erwischen.“, sagte Aine. 646

„Es wird einiges geben, womit er nicht rechnet.“

„Und was wäre das?“, fragte die Anführerin der Echsenkrieger.

„Da wären zum einen die Malmori.“

„Noch nie gehört.“, sagte Aine.

„Ein Amazonenstamm, den wir gerettet haben.“

„Werden sie sich euch anschließen, Captain Romanova?“

„Ich habe zumindest das Wort ihrer Oberbefehlshaberin Ariadna.“

„Gut zu wissen, Captain. Aber was ist mit dem klingonischen Geschwader?“, sagte Aine.

„Es ist das Geschwader von General Zarrok.“

Gerade als Aine zu ihrer nächsten Frage ansetzen wollte, ertönte der Türsummer.

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.

„Dambala.“

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q trat ein. Dieses Mal trug er einen schwarzen Anzug und einen schwarzen Zylinder. In der Hand trug einen Stock aus schwarz gebeiztem Eichenholz mit einem Silberknauf.

„Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?“, fragte Jekaterina.

„Die Anwesenheit deines Vaters bleibt nicht lange unbemerkt, Jekaterina.“

Aine war verblüfft. Der alte Klingonengeneral war Jekaterinas Vater?

„Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Aber Captain Romanova sieht nicht wie eine Klingonin aus.“, sagte sie.

„Wie dumm von mir, euch beide nicht miteinander bekannt zu machen. Aine, darf ich vorstellen: Dambala, ein Mitglied des Q-Kontinuums. Dambala, das ist Aine, die Anführerin der Echsenkrieger.“

Der Q lupfte seinen Zylinder.

„Sehr erfreut, ihre Bekanntschaft zu machen, Aine.“, sagte er.

„Die Freude ist auf meiner Seite.“

„Ich denke, ich schulde ihnen eine Erklärung, Aine. Meine Geschwister und ich gehören dem Haus Zarrok an. Die Klingonen nennen mich Jekara. Mein Bruder Jewgeni und ich sind beide Träger des Ordens von Kahless und Mitglied im Orden des Bat'leth. Außerdem habe ich durch meine Verbundenheit mit dem Haus Zarrok einen Großteil des 647

klingonischen hohen Rates hinter mir. Viele klingonische Krieger würden für mich durch die Hölle gehen.“, sagte Jekaterina.

„Aber so weit wollen wir dann lieber nicht gehen.“

„Dann will ich es mal so ausdrücken, Aine. Jeder der dumm genug ist, sich mit Jekaterina anzulegen, hat gleich die Klingonen im Genick sitzen.“, sagte Dambala.

Auf Cougar

Die Dunkelheit war hereingebrochen. Alles war ruhig. Doch aus dem Unterholz eines nahe gelegenen Wäldchens an der Ostflanke der Frontlinie leuchteten zwei blaue Augen auf. Ein Werwolf aus Tartans Heer hatte sich angeschlichen, um zu spionieren. Es war Korx, Tartans jüngerer Bruder. Er war mit seinen 2 Metern genau so groß wie sein Bruder. Allerdings hatte er ein blaues Fell und blaue Augen. Korx zog es sehr oft an die frische Luft, obwohl er sich des Risikos bewusst war, dass er ungewollt einer Patrouille der Echsenkrieger in die Arme laufen konnte. Allerdings, und das wusste Korx, war es wichtig, dass sein älterer Bruder wusste, wie es an der Front aussah. Der blaue Werwolf beobachtete die Front. Und was er sah, beunruhigte ihn. Denn an der Ostflanke landete ein Raumschiff. Es trug einen roten Adler auf der linken Seite unterhalb der Cockpitkanzel, das Zeichen des batarianischen Königshauses. Der Werwolf beobachtete, wie sich die hintere Ladeluke öffnete, und nacheinander Panzer entladen wurden. Insgesamt zählte Korx drei Bataillone. Der Spion ahnte sofort, dass die Föderation Aine und ihrer Echsenkrieger mit batarianischen Hydropanzern unterstützte.

So schnell er konnte, eilte der Wolf zur Hauptflanke der Front. Auch dort das gleiche Bild. Ein batarianischer Truppentransporter entlud Panzerbataillone, die an den strategisch wichtigen Punkten postiert wurden. Auch an der Westflanke war es so. Die Verstärkungen an der Front waren kein gutes Zeichen. Leise schlich sich Korx davon. Er musste seinen Bruder warnen. Denn die Hydropanzer hatten eine große Reichweite, und stellten damit eine ernst zu nehmende Bedrohung dar. Aber es gab noch einen zweiten Faktor, der Tartans Kriegspläne zum Scheitern bringen konnte. Wo die batarianischen Hydropanzer waren, war auch bestimmt die batarianische Infanterie nicht weit, die wegen ihrer Schallmodule bei vielen Aggressoren so gefürchtet war.

Es dauerte ein bisschen, bis Korx die Festung seines Bruders erreicht hatte. Denn er musste vorsichtig sein. Überall musste er mit einem patrouillierenden Echsenkrieger rechnen. Als Tartans Bruder am Haupttor auftauchte, kreuzten zwei Wächter ihre Hellebarden.

„Wer begehrt Einlass?“, fragte einer von ihnen.

„Korx.“

„Wie lautet die Parole?“, fragte der zweite. 648

„All makt to Tartan.”
 

„Du darfst passieren.“, sagte der erste Wächter.
 

Korx trat durch das Tor und begab sich direkt zur Kommandantur, wo sich Tartan in der Regel aufzuhalten pflegte. Der schwarze Werwolf stand an der großen Wandkarte, auf der der Verlauf der Front eingezeichnet war. Er bemerkte seinen Bruder erst, als dieser neben ihn trat.
 

„Na, kleiner Bruder? Ich hoffe dein kleiner Ausflug war wieder beruhigend.“, sagte Tartan.

„Das war er in der Tat, Bruder.“

„Wie weit bist du dieses Mal gelaufen?“, wollte Tartan wissen.

„Bis an das kleine Wäldchen in der Nähe von Aines Ländereien.“

„Dir ist schon klar, dass du dich sprichwörtlich in die Höhle des Löwen begeben hast, Korx.“, sagte der schwarze Werwolf.

„Ich bin mir dessen durchaus bewusst, Tartan. Allerdings waren die Informationen, die ich für dich habe, dieses Risiko wert.“

Tartan sah Korax fragend an.

„Jetzt bin ich neugierig, Korx.“, sagte er.

„Die Föderation hat auf Aines Seite in den Krieg eingegriffen, Bruder.“

„Wie kommst du darauf?“, fragte Tartan seinen Bruder.

„Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie drei batarianische Truppentransporter auf Aines Territorium gelandet sind. Und Bataria ist Mitglied der Föderation.“

„Ist das alles, Korx?“, fragte der Anführer der Werwölfe.

„Bei weitem nicht, Bruder. Ich hab gesehen, wie die Transporter entladen wurden. Und die Ladung dieser Schiffe sollte Grund zur Besorgnis sein.“

„Von was für Einheiten reden wir?“, fragte Tartan.

„Batarianische Hydropanzer. Jeder dieser Raumfrachter hat drei Bataillone davon abgeladen.“

„Das ist in der Tat nicht gut, Korx. Wo sind die Panzer eigentlich postiert?“, sagte Korx Bruder.

„Die ersten drei Bataillone stehen hier. Das zweite Kontingent hier, und die letzten drei Bataillone hier.“

Korx zeichnete die Positionen auf der Karte ein.

„Ausgerechnet an den strategisch wichtigen Punkten. Das könnte 649

unsere gesamte Strategie über den Haufen werfen.“, sagte Tartan.

An Bord der Kirow

Jekaterina hatte das Kommando an ihren ersten Offizier übergeben, und die Brücke verlassen. Sie brauchte Ruhe und die Zärtlichkeiten ihrer Verlobten. Alaia hatte ihr in einem Vier-Augen-Gespräch eröffnet, wie einsam sie sich manchmal fühlte, wenn Jekaterina auf der Brücke war. Aber jetzt wollte Jekaterina mal runter kommen. Denn die ganzen letzten Wochen hatten sehr an ihrem Nervenkostüm gezerrt. Die Kommandantin der Kirow merkte, wie eine Träne an ihrer Wange hinab lief.

Als Jekaterina ihr Quartier betrat, standen ihr bereits die Tränen in den Augen. Alaia sah sofort, dass es ihrer Verlobten nicht gut ging. Sie eilte auf Jekaterina auf Jekaterina zu und nahm sie in die Arme. Alaia spürte, wie Jekaterinas Tränen an ihrem Körper hinab rannen, als bei der jungen Russin alle Dämme brachen, und sie hemmungslos anfing zu weinen. Die einstige Königin der Yor ahnte, dass die letzten Wochen nun ihren Tribut gefordert hatten. Alaia wusste, dass ihre Verlobte sie jetzt brauchte. Und sie wusste, was sie tun musste, um ihre Liebste wieder aufzurichten. Alaia legte ihre Arme um Jekaterinas Hals und gab ihr einen liebevollen, zärtlichen Kuss.

„Ruh dich aus, Schatz.“, sagte sie.

„Sorg bitte dafür, dass mich niemand stört.“

„Keine Bange. Und sollte jemand hartnäckig sein, dann wird er sein blaues Wunder erleben.“, sagte Alaia.

„Ich kenn dich, Liebling. Du packst das Katana aus und machst denjenigen einen Kopf kürzer.“

„Das ist untertrieben, Schatz. Ich schneide den Ruhestörer in Scheibchen. Im übertragenen Sinn.“, sagte Alaia.

„Weiß ich doch, Alaia. Du kannst keiner Fliege was zuleide tun.“

„Aber wenn es um dich geht, verstehe ich keinen Spaß.“, sagte Alaia.

Auf Cougar

Aine saß gerade an ihrem Schreibtisch, und ging einige Dokumente durch, als Tyrion, gefolgt von Forkan, ihr Büro betrat. Die Anführerin der Echsenkrieger bekam einen Schreck, als sie den grauen Werwolf erblickte. Doch sie fing sich, und rügte Tyrion scharf.

„Hört euch an, was Forkan zu sagen hat.“, sagte der Echsenkrieger, als Aine geendet hatte.

„Mir bleibt ja wohl nichts anderes übrig, nachdem du ihn hierher gebracht hast, Tyrion.“

„Ich kann euch nicht verdenken, dass ihr glaubt, dass wir mit Tartan 650

und seiner ehrlosen Bande zusammen arbeiten. Aber seid versichert, Lady Aine, dass wir Tartan, diesen Schwachkopf genau so wenig leiden können wie ihr. Wir alten Werwölfe würden Tartan am liebsten in Stücke reißen.“, sagte Forkan.

Aine war überrascht. Hatte dieser Werwolf, Tartan, ihren Feind, wirklich als Schwachkopf bezeichnet?

„Ist es nicht vermessen, einen Artgenossen als Schwachkopf zu bezeichnen?“, fragte sie vorsichtig.

„Tartan ein Artgenosse? Soll ich lachen, oder weinen, Lady Aine?“

„Nun ich dachte, weil sowohl Tartan als auch ihr Werwölfe seid…“, begann Aine ihren nächsten Satz, wurde aber von Forkan unterbrochen.

„Tartan, dieser Schwachkopf, ist alles, aber kein Artgenosse, Lady Aine.“, sagte der graue Werwolf. Dann hob er den Zeigefinger seiner rechten Pfote und ergänzte: „Artgenosse darf sich nur nennen, wer zu den alten Werwölfen gehört.“

Aine erstarrte in Ehrfurcht. Sie hatte immer gedacht, dass diese Kreaturen nur in den alten Legenden existierten, die sie von ihrer Mutter immer als Gute-Nacht-Geschichte erzählt bekommen hatte. Und nun sprach sie mit einem von ihnen.

„Nun,… ich bin mir sicher, dass Tyrion euch nicht für ein bisschen Small Talk hierher gebracht hat.“, sagte Aine.

„Die alten Werwölfe bieten euch einen Friedenspakt. Sollte Tartan diesen Krieg verlieren, wäre es uns eine Ehre, in friedlicher Koexistenz mit den Echsen zusammenzuleben.“

Aine war überrascht. Die alten Werwölfe boten ihr nicht nur ihre Hilfe an, nein, sie boten ihr Frieden, wenn alles vorüber war.

„Es wäre mir eine Freude, und eine Ehre zugleich, die alten Werwölfe an meiner Seite zu wissen. Als Verbündete, und auch als Freunde.“, sagte sie und senkte demütig das Haupt. Forkan hielt ihr eine Pfote hin, die Aine zögerlich ergriff.

„Ihr seid sehr weise, Lady Aine. Wenn der Tag der Entscheidung kommt, werden die alten Werwölfe an eurer Seite sein, und darüber hinaus zu euch stehen.“, sagte der alte Werwolf.

An Bord der Kirow

Jekaterina lag in ihrem und Alaias Refugium auf der Couch. Ihre Schwester Anastasia und ihre Cousine Catherine waren die einzigen, die Alaia zu ihr vorgelassen hatte. Jekaterina starrte gedankenverloren an die Decke. Anastasia und Catherine wechselten einen ratlosen Blick. Was mochte in ihr vorgehen? Was war passiert? Und warum? Catherine hörte den 651

Türsummer. Dann vernahm sie die Stimmen von Juanita Garcia, der Chefärztin, und Alina Nadirova, ihrer Stellvertreterin. Kurze Zeit später betraten die beiden Ärztinnen den Raum.

„Wie fühlen sie sich, Captain?“, fragte Dr. Garcia.

„Hundeelend. Ich hab das Gefühl, dass ich dem Ganzen nicht mehr gewachsen bin.“

„Sie haben die letzten Wochen aber auch immer viel Verantwortung übernommen, Captain. Vielleicht zu viel Verantwortung.“, sagte Alina Nadirova.

„Heißt?“

„Nehmen sie sich mal zurück, und lassen sie Commander Crowe mal machen. Er weiß schon, was zu tun ist.“, sagte Juanita Garcia.

„Da haben sie wohl Recht.“

„Sagen wir es mal so, Captain. Sie haben einen Nervenzusammenbruch erlitten. Einen besonders schweren sogar. Damit ist nicht zu spaßen.“, sagte Dr. Nadirova.

„Also ist erst mal Ruhe angesagt.“

„So ist es Captain. Und nach dieser Mission werden sie sich mindestens sechs Wochen schonen. Wir empfehlen acht.“, sagte die Chefärztin.

„Man wird mich aber wieder nicht lassen.“

„Keine Sorge, Captain. Alina und ich werden eine Nachricht an Präsidentin Arikka schicken.“, sagte Juanita.

Paris, Föderationshauptquartier 15. Juni 2380, 14:00 Uhr Ortszeit

Präsidentin Arikka las sich gerade das Protokoll der letzten Sitzung des Föderationsrates durch. Und sie konnte zufrieden sein. Die Renown-Klasse, der neue schwere Kreuzer war vom Rat einstimmig angenommen worden. Damit stand einem Bau der Klasse nichts mehr im Weg. Doch leider gab es auch unangenehme Themen, die es zu besprechen gab. Ein Despot hatte ohne triftigen Grund den Orbit um seinen Planeten für die Schiffe der Föderation gesperrt. Und auch wenn ein Schiff den Planeten weiträumig umflog, wurde es dennoch angegriffen. Das jüngste Opfer war die South Carolina. Aber ihre Schüsse hatten dem Laserbeschuss standgehalten. Danach hatte Captain Benavides das Hauptquartier des Bösewichts ausgeschaltet und ihn dabei getötet. Dessen Familie hatte eine Protestnote eingereicht, und eine harte Bestrafung von Joana Benavides gefordert. Doch der Rat hatte die Beschwerde abgewiesen.

Arikka sah überrascht auf, als ein Ping eine Nachricht von der Kirow ankündigte. Diese war mit dem Vermerk „DRINGEND“ gekennzeichnet. 652

Die Präsidentin öffnete die Nachricht und sah, dass sie von den beiden Chefärztinnen der Kirow verfasst worden war.

„Madam President, unsere Kommandantin hat vor kurzem einen ziemlich schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Nach Abschluss unserer derzeitigen Mission empfehlen wir eine Schonzeit von 6-8 Wochen. Es gibt aber noch etwas, das wir an dieser Stelle erwähnen müssen. Beim letzten Mal, als Captain Romanova im März ihren Schwächeanfall hatte, wurde unserer medizinischen Expertise keinerlei Beachtung geschenkt. Schlimmer noch, man hat Jekaterina Romanova nach nur vier Tagen in den aktiven Dienst zurückbeordert, und sie nach dem Ende ihres Erholungsurlaubs mit Missionen betraut, die weit über das hinaus gehen, was Captain Romanova mental verkraften kann. Ein Umstand, den wir als besorgniserregend empfinden, und den wir so nicht tolerieren können und auch werden. Wenn unsere Kommandantin erneut gezwungen wird, die von uns vorgeschlagene Schonzeit nicht einzuhalten, besteht die Gefahr eines Burnouts. Außerdem werden wir in einem solchen Fall eine formelle Beschwerde gegen den Führungsoffizier einreichen, der sich unserer Anordnung widersetzt hat. Eine Maßnahme, die wir gerne vermeiden möchten. Madam President, wir bitten sie deshalb eindringlich, gegenüber den Führungsoffizieren bei Starfleet Command ein Machtwort zu sprechen. Dr. Juanita Garcia, Chefärztin USS Kirow, Dr. Alina Nadirova, Stellv. Chefärztin USS Kirow“

Arikka erschrak. Innerhalb von drei Monaten hatte Jekaterina Romanova zweimal schwere gesundheitliche Probleme. Die Ariantu wusste, sie musste diese Nachricht ernst nehmen. Sie schickte dem ranghöchsten Offizier bei Starfleet Command, Admiral Owen Paris, eine Nachricht, in der sie ihn wissen ließ, dass sie am Folgetag im Hauptquartier von Starfleet Command um 10:00 Uhr im großen Konferenzraum einen Treffen mit allen Führungsoffizieren wünschte.

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 10:00 Uhr Ortszeit, 1 Tag später

Alle ranghohen Offiziere hatten sich versammelt. Der Platz, auf dem normalerweise Owen Paris saß, war leer, denn heute war er Präsidentin Arikka vorbehalten. Viele fragten sich, was die Präsidentin wollte.

Die Türhälften glitten auseinander, und die Präsidentin trat ein. Nachdem sie sich gesetzt hatte, sah die Ariantu in die Runde. Die fragenden Blicke in den Gesichtern der meisten Offiziere entgingen ihr nicht.

„Ladies and Gentlemen, sie alle werden sich vermutlich fragen, warum ich diese Konferenz einberufen habe.“, eröffnete die Präsidentin die Sitzung.

„Ich gehe mal davon aus, dass es extrem wichtig ist, wenn sie so kurzfristig eine solche Sitzung anberaumen, Madam President.“

„Das ist richtig, Admiral Harris. Aber leider hat mich die Nachricht, 653

um die es heute geht, erst gestern erreicht. Und deren Inhalt ist höchst alarmierend.“, sagte die Ariantu.

„Befinden wir uns wieder mit einem fremden Volk im Krieg?“

„In diesem Punkt kann ich sie beruhigen, Ladies and Gentlemen. Die Nachricht wurde von den leitenden Ärztinnen eines unserer Schiffe verfasst. Es handelt sich um die Kirow, wenn sie es genau wissen wollen.“, sagte Arikka.

„Ist auf dem Schiff eine Seuche ausgebrochen?“

„Nein, Admiral Richardson. Jekaterina Romanova, die Kommandantin hat erneut gesundheitliche Probleme.“, sagte Präsidentin Arikka.

„Hat sie wieder einen Schwächeanfall erlitten, Madam President?“

„Nein, Admiral Janeway. Dieses Mal war es ein Nervenzusammenbruch.“

„Das sind keine guten Nachrichten, Madam President. Captain Romanova gehört zu den fähigsten Offizieren, die das Kommando über ein Raumschiff haben.“

„In der Tat, Admiral Simmons. Fakt ist aber, das wir einen Präzedenzfall haben. Ich weiß sehr wohl, dass keiner von uns perfekt ist, und dass wir alle einmal Fehler machen. Ich bilde da keine Ausnahme. Mein Fehler war es, die Kirow auf ihre derzeitige Mission zu schicken.“, sagte die Föderationspräsidentin.

„Wie sollen wir jetzt vorgehen, Madam President?“

„Wir sollten in solchen Situationen, Kommandanten, die gerade aus ihrem Erholungsurlaub kommen, erst einmal leichtere Missionen zuweisen, damit sie sich wieder langsam ran tasten können.“, sagte Kathryn Janeway.

„Hat noch jemand Vorschläge?“

Kopfschütteln.

„Gut. Dann ist das ab jetzt eine klare Vorschrift. Ich möchte ihnen allerdings mitteilen, dass ich sehr genau hinsehen werde. Wenn ich mitkriege, dass jemand von ihnen diese Vorschrift verletzt, dann rappelts im Gebälk. Ich hoffe, ich muss nicht noch deutlicher werden. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“, sagte Arikka und verließ den Saal.

Auf Cougar

Jekaterina stand auf einem Felsvorsprung und sah an den Horizont. Neben ihr stand Brynn, die junge Malmori. Sie wandte sich an Jekaterina.

„Wie geht es nun weiter mit mir?“, fragte die Amazone unsicher.

„Warum fragst, du Brynn?“

„Du hast mich besiegt, Jekaterina. Und du hast mein Leben verschont, obwohl ich dich aufgefordert hatte, mich zu töten. Laut dem Kodex der 654

Malmori muss ich den Stamm für immer verlassen.“, sagte Brynn.

„Was würde das für dich bedeuten?“

„Keine Malmori darf mich jetzt noch unterweisen. So sagt es der Kodex.“, sagte die Malmori.

„Dann nehme ich dich unter meine Fittiche. Aber hast du dich nie gefragt, warum ich dich nicht getötet habe?“

„Doch. Aber ich hatte Angst zu fragen.“, sagte Brynn.

„Ich konnte es nicht. Du bist noch so jung. Du kannst noch soviel lernen. Soviel entdecken.“

„Das schon. Aber die Malmori werden mir fehlen.“, sagte die Amazone.

„Wir alle müssen irgendwann Abschied nehmen, Brynn. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ich dich nicht töten konnte.“

„Welchen?“, fragte Brynn.

„Tief in meinem Herzen sehe ich dich als meine Schwester. Eine Schwester, für die ich immer da sein werde. Die zu mir kommen kann, wenn sie etwas bedrückt. Die ich in den Arm nehme, wenn ihr nach weinen zumute ist.“

Brynn stockte der Atem, und in ihrem Hals bildete sich ein Kloß. Damit hatte sie nicht gerechnet.

„Ist d- das dein Ernst?“, fragte sie unsicher.

„Nur wenn du willst. Ich werde dich zu nichts zwingen.“

„Ich hätte gerne eine Schwester wie dich, Jekaterina. Aber du musst erst an Ariadne vorbei. Sie wird zwar ihr Wort halten, und an deiner Seite kämpfen. Aber du musst ihr beweisen, dass du würdig bist, meine Schwester zu sein.“, sagte Brynn.

An Bord der Kirow eine Stunde später

Jekaterina war bereit. Sie hielt ihre Damastschwerter in der Hand und hatte ihren Körper leicht seitwärts gedreht. Sie fixierte Ariadna, die ihr gegenüber stand und ihr Katana in der Hand hielt. Die Malmori hatte, wie von Brynn prophezeit, Jekaterina zum Zweikampf herausgefordert.

Ariadna hatte versucht, ihre Gegnerin mit verbalen Sticheleien zu provozieren, wie sie es immer tat, wenn sie einen Kampf ausfocht. Doch Jekaterina hatte nicht reagiert. Sie hatte sich noch nicht einmal zu einem verbalen Konter hinreißen lassen. Das bedeutete, dass die Kommandantin der Kirow ziemlich abgebrüht war. Ariadna wusste, diese Frau war ein ganz anderes Kaliber, als frühere Gegner. Der konnte man nichts vormachen.

Ariadne griff an, und versuchte einen seitlichen Hieb auf Jekaterinas rechte Flanke. Doch die junge Russin wehrte den Hieb mit Leichtigkeit ab. 655

Nun war Jekaterina an der Reihe. Mit einer Reihe kräftiger Schläge drängte sie die Malmori zurück. Mehrere Male durchbrach Jekaterina die Deckung der Amazone. Ein leises Zischen lenkte Ariadna ab, als die Türhälften auseinander glitten, und Brynn gefolgt von Afrodita, Dambala und Jekaterinas klingonischer Schwester Meghara die Holokammer betrat. Die Malmori nahm aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Sie versuchte noch zu reagieren, doch es war zu spät. Ariadna spürte einen brennenden Schmerz, als die Klinge eines von Jekaterinas Schwertern sie an der linken Schulter traf. Sie fuhr herum und sah Jekaterina verblüfft an.

„Lektion Nummer eins: Nie ablenken lassen.“, sagte Jekaterina.

Der Kampf ging mit unverminderter Härte weiter. Sowohl Jekaterina als auch Ariadna mussten ihr ganzes Können aufbieten. Die Malmori wollte einen Hieb an den Hals ihrer Gegnerin setzen, entschied sich aber dagegen. Stattdessen täuschte sie einen Schlag auf die linke Flanke an, um dann nach rechts zu wechseln. Doch Jekaterina duckte sich, und rollte sich nach vorne ab. Aus der Bewegung heraus setzte sie einen weiteren Treffer am Oberschenkel ihrer Gegnerin.

„Lektion Nummer zwei: Nie fair sein, wenn’s ums Kämpfen geht.“, sagte Jekaterina.

Ariadna verlor erneut die Beherrschung und lief direkt in einen Konter ihrer Gegnerin. Jekaterina kreuzte ihre Klingen am Hals der Malmori.

„Und Lektion Nummer drei: Wer seine Waffe gegen mich führt, muss auch bereit sein zu sterben.“, sagte sie.

Nach dieser Trainingseinheit saßen sich Jekaterina und Ariadna gegenüber.

„Du bist eine sehr begnadete Kämpferin. Ich musste wirklich mein ganzes Können aufbieten. Ich schätze das. Und ich habe dich in den letzten Tagen als Mensch kennengelernt. Als Mensch mag ich dich sehr. Was mir an dir aber nicht gefällt, ist deine Überheblichkeit, Jekaterina.“, sagte die Amazone.

„Inwiefern?“

„Bei diesen drei Lektionen, da fand ich dein Verhalten überheblich. Gerade bei der Letzten.“, sagte die Malmori.

„Dann lass es mich so ausdrücken: Es ist eine Sache überheblich zu SEIN, es ist aber etwas ganz anderes, seine Überheblichkeit zu SPIELEN.“

„Was meinst du damit?“, fragte Ariadna.

Ich habe meine Überheblichkeit nur vorgetäuscht, um dich aus der Reserve zu locken. Und es ist genau das eingetreten, was ich erwartet hatte. Nach jeder dieser „Lektionen“ hast du die Beherrschung verloren, und bist blind in meine Konter gelaufen.“

„Du hast Recht, Jekaterina. So etwas hätte einer erfahrenen Kriegerin 656

wie mir nicht passieren dürfen.“, sagte Ariadna.

Afrodita schaltete sich in das Gespräch ein.

„Du bist nicht nur würdig, Brynns Schwester zu sein. Du bist auch würdig, in unseren Stamm aufgenommen zu werden. Auch wenn du nicht immer bei uns sein kannst.“, sagte die Schamanin.

Ariadna legte eine Hand auf Jekaterinas Schulter.

„Es wäre mir eine Ehre, mit dir an einer Seite zu kämpfen. Und ich wäre mehr als glücklich, deine Stammesschwester zu sein.“, sagte sie.

Cougar, 3 Tage später

Die Entscheidungsschlacht war in vollem Gange. Die Hydropanzer und batarianischen Infanteristen hatten bereits einen Großteil von Tartans Streitkräften in die ewigen Jagdgründe. Aber es gab immer noch genug Werwölfe, die die Verteidiger in Nahkämpfe verwickelten. Ein roter Werwolf stürzte sich auf Lara, bekam aber zuerst ihren Schild ins Gesicht dann rammte ihm die Amazone ihr Schwert in den Hals. Tartans Bruder Korx griff Jekaterina an. Doch die Kommandantin schlitzte ihm erst den Bauch auf, und schnitt ihm im Anschluss die Kehle durch. Brynn rammte einem rotbraunen Werwolf ihr Claymore in den Bauch, und wendete sich einem anderen Werwolf zu. Dabei achtete sie nicht auf den schwarzen Werwolf der hinter ihr aufgetaucht war. Jekaterina, die gerade zwei weitere Werwölfe getötet hatte, fuhr herum, und erkannte sofort die Gefahr.

„Brynn! Vorsicht!“, warnte sie die junge Malmori.

Die junge Amazone rollte sich auf die Seite, und der Angriff des Werwolfs ging ins Leere.

Doch plötzlich tauchte aus heiterem Himmel ein blaugrauer Werwolf mit gelb funkelnden Augen und elfenähnlichen Ohren auf. Der schwarze Werwolf wollte Brynn einen Tritt ins Genick verpassen, doch dieser neue Gegner fing den Tritt ab.

„Für dich ist Ende Gelände mein Freund. Denn hier kommt mein Kniebrecher.“, sagte der Werwolf.

Mit einem kräftigen Schlag schlug er auf das linke Knie seines Gegners. Ein lautes Heulen erklang, als die Kniescheibe des schwarzen Werwolfes zertrümmert wurde. Danach konnte man ein lautes Krachen hören, und der Blick des schwarzen Wolfes brach. Eine schwarzhaarige Amazone, hatte ihm mit ihrer Axt den Schädel gespalten. Zwei weitere Werwölfe aus Tartans Heer hatten sich auf Lara gestürzt. Doch wieder erschien der fremde Werwolf und eilte der Malmori zu Hilfe.

Er legte die linke Pfote des einen über die rechte Pfote des anderen. 657

„Für euch ist die Messe gelesen, Jungs. Denn jetzt gibt’s die verschränkte Kopfnuss.“, sagte er.

Ein Schlag auf die Pfoten seiner Gegner reichte und die beiden prallten mit den Köpfen zusammen. Dann bekämpften sich die beiden Werwölfe gegenseitig.

Aus einem See tauchte urplötzlich ein schwarzroter Werwolf mit weißen Augen auf. Er hatte es auf Meghara die Klingonin abgesehen. Sein Plan war, Jekaterinas klingonische Schwester in den See zu locken, und sie dort mit einem Biss in die Kehle zu töten. Doch es war Brynn, die die Gefahr bemerkte. Sie zog einen Wurfstern aus ihrem Stiefel, und schleuderte ihn mit aller Kraft der Bestie entgegen. Das Wurfgeschoss der jungen Amazone traf den Werwolf genau zwischen den Augen. Mit einem lauten Heulen fiel der Wolf nach hinten, und versank in den Fluten. Tartan schlug eine Pfote vor die Augen.

„Ich Tartan kam, sah… und traute meinen Augen nicht.“, sagte er zu sich selbst.

Ein ockerfarbener Werwolf wollte Ariadna mit seiner Peitsche von hinten erwürgen, doch erneut grätschte der blaugraue Werwolf dazwischen. Er nahm einen Stock auf, und fing den Hieb ab. Sein Gegner zog und zerrte an seiner Waffe, doch der Werwolf gab Zug auf die Leine der Peitsche, sodass diese sich spannte. Dann ließ er den Ast los, und die Peitsche schnellte nach hinten. Es gab ein lautes Knacken, als der Ast das Kinn des ockerfarbenen Werwolfs traf und dessen Kopf nach hinten drückte. Das Genick war gebrochen.

Ein weißer Werwolf verletzte Jekaterinas Leibwächterin, Cassandra, mit einem Dolch an der Schulter. Die Drachenkriegerin konterte mit einem Hieb. Der Kopf des Werwolfs flog durch die Luft. Doch was als nächstes passierte, ließ alle vor Schreck erstarren. Denn Cassandra wuchs in die Höhe, und verwandelte sich vor den Augen aller in einen schwarzgelben Drachen. Mit einem starken Ausatmen schleuderte sie Tartans verbliebenen Kriegern einen breitgefächerten Feuerstrahl entgegen. Der schwarze Werwolf musste hilflos mit ansehen, wie seine Streitmacht bis zum letzten Mann aufgerieben wurde.

Er bekam es mit der Angst zu tun, denn Tartan wusste, dass man jetzt nach ihm suchen würde. So schnell er konnte, rannte er davon. Tartan rannte und rannte, bis er über eine Wurzel stolperte. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich jemand über ihn beugte. Der schwarze Werwolf hob den Kopf und sah in Forkans Gesicht.

„Lord Forkan. Es ist mir eine Ehre, euch persönlich zu treffen.“, sagte er schmeichelnd.

Doch dann erschien Tyrion in seinem Blickfeld.

„Ey, mach dich ma grade du Fleischwurst.“, sagte der Echsenkrieger.

Forkan packte Tartan im Genick, und zog ihn unsanft nach oben. 658

Dann drückte er den bösen Werwolf an einen Felsen. Tyrion stellte sich auf die andere Seite. Von beiden Seiten flankiert, sah Tartan vom einen zum anderen.

„Ihr denkt doch wohl nicht, dass die Sache damit erledigt ist.“, sagte er ängstlich.

„HmHm, nein.“

„Nein.“, ergänzte Tyrion.

Dann schlugen der Echsenkrieger und der alte Werwolf zu, und verpassten Tartan eine doppelte Kieferquetsche. Es krachte laut, als die Kieferknochen des bösen Werwolfs zertrümmert wurden.

„Hauen wir ab, Forkan. Sollen sich andere mit ihm beschäftigen.“, sagte Tyrion.

Auf dem Schlachtfeld war inzwischen Ruhe eingekehrt. Jekaterina ging an den vielen Toten und Verwundeten entlang. An manchen Stellen hatte man die Toten aufgeschichtet und angezündet. Jekaterina fröstelte bei diesem Anblick. Cassandra, ihrer Leibwächterin, die neben ihr ging, entging das nicht.

„So etwas ist auf Draconia Alltag, Herrin.“, sagte sie.

„Aber es gibt dort keine Kriege.“

„Das nicht. Aber den einen oder anderen Aufstand schon. Und manchmal kommt auch eine Seuche dazu.“, sagte Cassandra.

„Lass uns dieses Thema bitte nicht weiter vertiefen, Cassandra.“

„Wie du willst, Herrin.“, sagte Cassandra.

„Du hast mir vorhin einen ordentlichen Schrecken eingejagt.“

„Weil ich mich in einen Drachen verwandelt habe?“, fragte die Drachenkriegerin.

„Ja.“

„Das ist meine spezielle Fähigkeit.“, sagte die Draconianerin.

„Ich wusste gar nicht, dass du eine hast.“

„Jede Drachenkriegerin hat eine. Und je nach Geburtsjahr sogar zwei.“, sagte Jekaterinas Leibwächterin.

„Ich schätze mal, dass du zwei Fähigkeiten hast.“

„Ich hatte das Glück, in einem solchen Jahr geboren worden zu sein. Meine zweite Fähigkeit nennt man auf Draconia „Die Stimme“.“, sagte Cassandra.

„Du machst mir Angst, Cassandra, weißt du das?“

„Dir gehört mein Leben, Herrin.“, sagte Cassandra. 659

„Weiß ich, Cassandra.“

Ein leiser Hilferuf erregte Jekaterinas Aufmerksamkeit. Als sie und ihre Leibwächterin näher kamen, erkannte die Kommandantin der Kirow, dass es sich um einen Echsenkrieger handelte. Neben ihm kniete der blaugraue Werwolf, durch dessen Unterstützung dieser Sieg überhaupt erst möglich geworden war.

„Kann man ihm helfen?“, sprach Jekaterina den Werwolf an.

Doch dieser schüttelte langsam den Kopf, ehe er sich Jekaterina zuwandte.

„Nein, Prinzessin. Für ihn kommt jede Hilfe zu spät. Oder sagen wir mal so: Die einzige Möglichkeit, diesem armen Kerl zu helfen, ist ihn zu töten.“, sagte der Werwolf.

„Aber… aber warum?“

„Er wurde mit dem Werwolfgen infiziert. Was das bedeutet wisst ihr, Prinzessin.“, sagte Wolf.

„Er wird sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandeln. Und dann wird er eine unberechenbare Tötungsmaschine.“

„Ganz Recht, Prinzessin. Aber dieser arme Bursche ist ein Echsenkrieger. Und ein Echsenkrieger, der mit dem Werwolfgen infiziert ist, ist um ein vielfaches gefährlicher, als Tartans gesamte Armee.“, sagte der Werwolf.

„Dann tun wir, was getan werden muss.“

„Wenn du möchtest, übernehme ich das, Herrin.“, sagte Cassandra.

„Mach ruhig.“

„Dann möchte ich dich, und auch unseren blaugrauen Freund, bitten, mal ein paar Schritte zur Seite zu treten. Denn das letzte was ich will, ist, dass ihr beide auch noch was abkriegt, Herrin.“, sagte die Drachenkriegerin.

Jekaterina und der Werwolf gingen ein Stück zurück. Von ihrem Beobachtungsplatz aus verfolgten sie das Geschehen. Cassandra stellte sich über den Verfluchten und ballte ihre Hände zu Fäusten.

„Was passiert jetzt?“, der Werwolf Jekaterina.

„Ich schätze sie wird ihre zweite spezielle Fähigkeit einsetzen, um diesen armen Teufel von seinem Fluch zu erlösen.“

„Verstehe. Übrigens: Ich heiße Zoltan, Prinzessin.“

„Freut mich. Ich hoffe nur, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Heute wurde viel Blut vergossen. Zuviel.“

„MUADIB!“

Jekaterina und Zoltan zuckten zusammen. 660

„Unglaublich.“, sagte Zoltan.

„Beängstigend.“

„Wer ist sie überhaupt, Prinzessin?“, wollte der Werwolf wissen.

„Das ist Cassandra. Meine persönliche Leibwächterin. Eigentlich sollte ich ihr vertrauen, aber jetzt habe ich noch mehr Angst vor ihr.“

„Ich sagte doch, „Dir gehört mein Leben“, Herrin. Ich würde lieber für dich sterben, als zuzusehen, wie du für immer die Augen schließt.“, sagte Cassandra, die unbemerkt dazu gekommen war.

„Ich weiß. Aber warne mich bitte das nächste Mal vor.“

Am Tag danach

Der Amazonenstamm hatte sich auf dem heiligen Hügel zusammengefunden, an dem die alten Werwölfe ihre Rituale abhielten. Forkan und Zoltan hatten Afrodita ihre Zustimmung, den Hügel für das heilige Aufnahmeritual der Malmori zu nutzen, unter der Bedingung erteilt, bei dem Ritual anwesend sein zu dürfen. Die Schamanin der Malmori hatte zugestimmt. Nun saßen die Amazonen im Kreis, während die Werwölfe ihre angestammten Plätze auf den Steinthronen eingenommen hatten, die den heiligen Steinkreis umgaben. Auf einer Stele in der Mitte des Kreises lag der heilige Dolch der Malmori. Es war alles bereit für die Zeremonie. Nur eine fehlte. Jekaterina.

In Begleitung ihrer Leibwächterin erschien die Kommandantin der Kirow. Sie trug ihr Kämpfer-Outfit, ihre Schwerter in der Hand. Afrodita bat die junge Russin zu sich.

„Jekaterina, würdest du bitte näher kommen?“, fragte sie freundlich.

Langsam, und mit Anmut durchschritt Jekaterina den Bogen der den Weg ins Innere des heiligen Tempels wies. Als sie vor der Schamanin stand, wies diese sie an, ihre Schwerter gekreuzt auf den Boden zu legen und niederzuknien. Jekaterina tat, was von ihr verlangt wurde. Afrodita nahm den Dolch und segnete dessen Klinge mit einem Zauber.

„Jekaterina Romanova. Du hast bewiesen, dass du würdig bist, ein Mitglied unseres Stammes zu sein. Du hast tapfer an unserer Seite gekämpft. Es erfüllt uns mit Stolz, dich in unserer Mitte zu wissen. Auch wenn du nicht immer unter uns weilen wirst. Empfange nun aus meiner Hand unser Stammeszeichen.“, sagte die Schamanin.

Dann kniete sich Afrodita neben Jekaterina und fing an, mit dem Dolch ein Muster in Jekaterinas linke Schulter zu ritzen. Die Kommandantin der Kirow zuckte nicht einmal mit der Wimper, als die Klinge des Dolches in ihr Fleisch schnitt. Als die Schamanin fertig war, trug Jekaterina auf ihrer Schulter die Harpyie, das Stammeszeichen der Malmori.

„Du bist jetzt eine von uns, Jekaterina. Wir, der Stamm der 661

Malmori sind nun deine Stammesschwestern.“, sagte die Schamanin der Malmori.

Am Abend fand dann noch ein weiteres Ereignis statt, mit dem so eigentlich niemand gerechnet hatte. Jekaterina und ihre Verlobte Alaia gaben sich das Ja-Wort. Aine hatte den großen Festsaal entsprechend herrichten lassen. Als „Standesbeamter“ fungierte der Kommandant der Texas Dean O’Banion. Alaia stand bereits vor dem Altar, als Jekaterina kam. Sie trug wieder ihr Sternenkleid und als Brautstrauß einen Strauß weißer Rosen. Dann war es soweit.

„Liebe Gäste. Wir sind heute hier zusammengekommen, um die Eheschließung von Jekaterina Romanova, der Kommandantin der Kirow und ihrer Verlobten Alaia, der ehemaligen Königin der Yor zu feiern. Ein jeder, der der Meinung ist, dass diese beiden nicht heiraten sollten, möge bitte jetzt sprechen, oder für immer schweigen.“, sagte der Ire.

Als keiner widersprach fuhr er fort. Doch bevor der Ire seine Rede fortsetzen konnte, zirpte Russell Crowes Kommunikator.

„Kirow an Commander Crowe.“, hörte der Neuseeländer die Stimme von Keiko Tadashita.

„Ich höre sie, Keiko. Was gibt’s?“

„Commander gerade sind die Föderationsschiffe Laconia, Exeter und Hiryū eingetroffen. Die Show kann beginnen.“, sagte Keiko.

Nacheinander materialisierten Jekaterinas Bruder Jewgeni und ihre einstigen ersten Offiziere Eric McClusky und Quantez Robertson. Dann konnte Dean O’Banion fortfahren.

„Nun, da unsere Runde komplett ist, möchte ich gerne weitermachen. Jekaterina, Alaia. Eure Liebe stand am Anfang unter keinem guten Stern. Ihr wart Gefangene eines Wahnsinnigen. Alaia, du hast eine Menge aufgegeben, um bei deiner Liebsten zu sein. Jekaterina du hast eine Menge durchmachen müssen, aber du fandest Halt in Alaias Liebe.“, sagte der Ire.

Dann sah Captain O’Banion noch einmal in die Runde. Als er sich der Aufmerksamkeit aller Anwesenden sicher sein konnte, richtete Dean O’Banion das Wort zuerst an Jekaterina.

„Jekaterina Romanova. Willst du Alaia zu deiner rechtmäßigen Ehefrau nehmen? Wirst ihr deine Liebe schenken, in guten, wie in schlechten Tagen? Dann antworte bitte mit „JA“.“, sagte der Kommandant der Texas.

„Ja, das will ich.“

„Alaia. Willst du Jekaterina Romanova zu deiner rechtmäßigen Ehefrau nehmen? Wirst du ihr deine Liebe schenken, in guten, wie in schlechten Tagen? Dann antworte bitte mit „JA“.“, sagte Dean O’Banion.

„Ich will.“

„Dann erkläre ich euch hiermit zu Frau und Frau. Alaia, du darfst deine 662

Ehefrau jetzt küssen.“, sagte der Ire.

Jekaterina und Alaia umarmten sich und tauschten einen liebevollen Kuss und rieben zärtlich ihre Nasenspitzen aneinander. Die Umstehenden spendeten Applaus. Hier und da wurde eine Träne vergossen.

Später am Abend, die Feier war etwas ruhiger, stand Jekaterina an einem der Fenster und sah hinaus. Sie bemerkte ihren Bruder erst, als dieser neben ihr stand.

„Wurde auch langsam Zeit, big sis.“, sagte Jewgeni.

„Was?“

„Das du in den Hafen der Ehe einläufst. Obwohl Mama und Papa nicht gerade erfreut über deine Wahl gewesen wären.“, sagte Jekaterinas Bruder.

„Ja, ich weiß, Jewgeni. Aber es ist, wie es ist. Und wenn unsere Eltern noch leben würden, sie hätten es verstanden, obwohl es ihnen ein Dorn im Auge gewesen wäre.“

„Was wirst du jetzt machen, big sis?“, fragte der Kommandant der Laconia seine Schwester.

„Erst mal ab in die Flitterwochen. Und danach ist erstmal Erholung angesagt.“

„Habs gehört. Ich find das Scheiße, big sis, wie man auf Führungsebene mit dir umgeht. In meinen Augen ist das ein absolutes No Go.“, sagte Jewgeni,

„Erzähl mir mal etwas, das ich nicht weiß, Jewgeni.“

„Du musst noch den Brautstrauß werfen, big sis.“, sagte Jewgeni.

„Kommt alles noch, Bruderherz. Aber jetzt brauche ich mal etwas Ruhe von dem ganzen Trubel.“

Nachdem Jewgeni gegangen war leisteten die Malmori Jekaterina Gesellschaft.

„Gemäß unserer Tradition musst du uns von dir erzählen, Jekaterina.“, sagte Lara.

„Weiß eine von euch, was seelischer Schmerz ist?“

Die Amazonen sahen ihr neue Stammesschwester fragend an. Wortlos drehte Jekaterina ihre Unterarme nach oben, und die Narben, die sie sich selbst beigebracht hatte kamen zum Vorschein.

„Da wo ich herkomme, gibt es Menschen, die sich so etwas antun. Und manchmal ist körperlicher Schmerz die einzige Möglichkeit seine seelischen Qualen auszuhalten. Diese Narben sind stumme Zeugen eines verzweifelten Hilferufs, der nie gehört wurde. Ich war allein. Keiner hat mir die helfende Hand gereicht, nach der ich mich so sehr gesehnt habe. Niemand hat mich aufgefangen, als ich seelisch im freien Fall war.“, sagte Jekaterina. 663

„Unfassbar. Wurdest du seelisch verletzt?“

„Ja, Brynn. Mir wurde auf die schäbigste Art und Weise das Herz gebrochen. Und der, der mir so weh getan hat, hat sich noch an meinem Leid ergötzt. Seinetwegen haben meine Schwester Anastasia und ich uns überworfen.“, sagte Jekaterina.

„Wer unserer Stammesschwester so weh tut, der wird dem Schwert überantwortet.“

„Lass gut sein, Kira. Mein Peiniger lebt nicht mehr. Er wurde seiner gerechten Strafe bereits zugeführt.“, sagte Jekaterina.

Gut so. Denn ich hätte diesen Mistkerl in Scheibchen geschnitten, wenn er mir über den Weg gelaufen wäre.“

„Das glaub ich gern, Lara. Aber es gibt auch schöne Momente, an die ich mich erinnere.“, sagte Jekaterina.

„Erzähle uns davon.“

„Ich erinnere mich an Weihnachten. Ich bin in dem Jahr 14 geworden. Meine Oma mütterlicherseits, Swetlana, hat mir diesen Armreif geschenkt. Er ist meine einzige Erinnerung an sie.“, sagte Jekaterina.

Am Morgen nach ihrer Hochzeit ging Jekaterina mit ihrer Cousine Catherine in einem der vielen Parks des Palastes spazieren. Sie waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie gar nicht mitbekamen, dass sie Gesellschaft bekommen hatten. Erst ein lautes Räuspern holte sie in die Gegenwart zurück. Catherine und Jekaterina drehten sich um. Vor ihnen stand eine unbekannte Blondine mit braunen Augen und schulterlangen, dauergewellten Haaren. Jekaterina schätzte ihre Größe auf 1,72 m. Die Fremde hatte ein schlanken Körper und ein ovales Gesicht mit einer grazilen Nase. Auf dem Kopf trug sie ein goldenes Diadem mit vielen Diamanten und einem Rubin in der Mitte. Bekleidet war die Frau mit einem fliederfarbenen Kleid das einen großzügigen Blick auf ihre Beine gewährte, und das im Brustbereich mit Perlen verziert war, die in goldene und schwarze Fassungen eingearbeitet waren und schwarzen Sandaletten.

„Dich trifft man aber auch überall, Catherine.“, sagte die Blonde.

„Ich komm halt viel rum, Jessica.“

Dann wandte sich Jessica zu Jekaterina um.

„Ist das deine neue Gespielin, Catherine?“, fragte sie.

„Nein. Du hast eine Schwester. Obwohl es das nicht ganz trifft. Du hast zwei Schwestern und einen Bruder.“

Jessica setzte sich auf eine der Bänke und sah ungläubig zu Catherine auf.

„Sie… ist meine Schwester?“, fragte sie ihre Cousine. 664

„Deine Mutter hat Jekaterina und ihre Geschwister in unsere Familie aufgenommen.“

„Das… das haut mich echt aus den Fundamenten.“, sagte Jessica.

Dann wandte sie sich an Jekaterina.

„Würdest du dich zu mir setzen, Schwester?“, fragte sie.

Jekaterina zögerte.

„Ich beiße nicht, Jekaterina.“, sagte Jessica mit einem sanften Lächeln.

Zögerlich kam Jekaterina näher und setzte sich neben Ariadnes leibhaftige Tochter. Diese nahm ihre Hand und sah ihr in die Augen.

„Ich bin froh, eine so tapfere Frau wie dich als Schwester zu haben, Jekaterina. Du bist das, was ich nie sein kann.“, sagte Jessica.

„Was meinst du?“

„Du kannst mit dem Schwert umgehen, ich bin nicht mal in der Lage eine Orange zu schälen.“, sagte Prinzessin Jessica.

„Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen. Ich zum Beispiel habe mehrfach meine Kompetenzen als Raumschiffkommandantin bis ans äußerste ausgereizt, um Anastasia und Jewgeni zu retten. Seinetwegen habe ich sogar einen Krieg ausgelöst.“

„Ich würde beide gerne kennenlernen. Und ich bin froh, dass du dein Glück gefunden hast. Auch wenn du eine Frau liebst.“, sagte Jessica.

„Danke, Jessica. Aber es gibt etwas, dass du wissen sollst. Es ist ein Teil meiner Vergangenheit. Vielleicht der dunkelste Teil.“

Mit diesen Worten drehte Jekaterina ihre Unterarme nach oben und zeigte Ariadnes leibhaftiger Tochter ihre Narben.

„Sie sind stumme Zeugen eines verzweifelten Hilferufs, der nie gehört wurde.“, sagte Jekaterina.

„War es so schlimm?“

„Es war die einzige Möglichkeit, meinen seelischen Schmerz auszuhalten.“, sagte Jekaterina.

Dann fing sie an zu schluchzen. Jessica ahnte, was gleich passieren würde. Fragend sah sie Catherine an.

„Nimm sie in den Arm.“, sagte Lady Catherine.

Jessica nahm ihre neue Schwester in den Arm. Schon bald fing Jekaterina an zu weinen. Jessica wusste, dass ihre Schwester Hilfe brauchte.

„Ist es so schlimm?“, fragte eine Frauenstimme. 665

Catherine wusste genau, zum wem sie gehörte.

„Deiner Ehefrau wurde wohl stärker weh getan, als wir ahnen können, Alaia. Das, was sie uns erzählt hat, war nur die Spitze des Eisbergs. Sie braucht uns.“, sagte sie.

„Ich weiß. Ich mache mir Sorgen.“

„Das tun wir alle, Alaia.“, sagte Catherine.

Jessica sah auf.

„Ich bleibe bei euch.“, sagte sie.

„Und dein Thron? Tante Ariadne lebt nicht ewig.“

„Meine Tochter Rhiana wird Mutter ablösen. Sie ist darauf vorbereitet. Seit wir hier im Exil leben, habe ich sie mit ihren Pflichten als Regentin vertraut gemacht. Rhiana weiß, welche politische Linie Mutter eingeschlagen hat. Und sie hat mir hoch und heilig versprochen, sie fortzusetzen. Meine Tochter hat sogar einen Eid abgelegt.“, sagte Jessica.

In der Zwischenzeit hatte sich Jekaterina einigermaßen erholt. Ein paar Tränen liefen noch über ihre Wangen.

„Geht’s dir besser?“, fragte Jessica.

„Ein bisschen. Ich glaube Doktor Garcia und Doktor Nadirova haben Recht. Ich brauch dringend mal eine Auszeit.“

„Die du dir mehr als verdient hast, Schatz.“, sagte Alaia.

„Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir aufbrechen. Wir waren lange genug hier. Außerdem musst du wieder nach Hause, Jessica.“

„Ich habe mich entschieden, bei dir zu bleiben. Deine Nichte, Rhiana, wird Mutter auf den Thron folgen.“, sagte Jessica.

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57479.8, Captain Jekaterina Romanova, neuer Eintrag: Wir haben Rhiana nach Hellas gebracht, und ihrer Amtseinführung beigewohnt. Meine Nichte hat einen Eid auf die hellenische Verfassung geschworen, weise und gerecht zu regieren. Hoffentlich bricht sie ihn nicht. Unsere nächste Etappe hat uns zu den Klingonen geführt. Denn der ganze Stamm der Malmori wurde in den Orden des Bat’leth aufgenommen. Etwas, was nicht alle Tage vorkommt. Nun haben wir einen unsere Position in einem stationären Orbit um einen Nachbarplaneten von Rulon, Ortega, bezogen. Meine Stammesschwestern werden uns in Kürze verlassen.“

Jekaterina klappte das Buch zu und legte es zur Seite. Dann wandte sie sich an ihren ersten Offizier.

„Zeit, ihnen etwas beizubringen. Diese Lektion sollten sie niemals vergessen. Also merken sie sich meine Worte. Denn diese Lektion wird die 666

wichtigste sein, die ihnen beigebracht wurde.“, sagte sie.

„Was steht heute auf dem Lehrplan, Captain?“

„Die erste der vier wichtigsten Regeln. Die anderen hat man ihnen schon beigebracht.“, sagte Jekaterina.

„Und wie lautet Regel Nummer 1?“

„Unterschätze niemals den Fein. Diese Lektion kann ihnen und ihrer Crew das Leben retten, wenn sie sie beherzigen.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain.“

„Nummer eins, sie übernehmen vorübergehend das Kommando. Afrodita und Ariadna wollen mich noch mal sprechen, bevor sich unsere Wege trennen.“, sagte Jekaterina.

Im Besprechungsraum traf die Kommandantin Afrodita, Ariadne und Brynn.

„Brynn hat uns auf Qo'noS erzählt, dass sie bei dir bleiben möchte. Wir geben sie hiermit in deine Obhut. Lehre sie. Und kümmere dich gut um sie. So wie es eine Malmori tun sollte.“, sagte Afrodita.

„Das mach ich. Felsenfest versprochen.“

„Dann ist es an der Zeit Abschied zu nehmen. Mögen die Götter über euch wachen.“, sagte Ariadna.

Brynn und Jekaterina sahen zu, wie sich die Tore des Shuttlehangars öffneten, und nacheinander die Gargarin und die Komarow starteten.

„Werden wir sie wiedersehen, Jekaterina?“, fragte Brynn unsicher.

„Ich wüsste nicht, warum. Aber für uns beide beginnt ein neues Kapitel.“

„Bleibst du lange weg?“, fragte Brynn.

„Nur zwei Wochen. In der Zwischenzeit hörst du bitte auf die anderen.“

„Mach ich.“667

USS Kirow - Mission 18

USS Kirow Mission 18

Casale Marittimo 4. Juli 2380

Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel. Jekaterina und ihre Ehefrau Alaia schlenderten Hand in Hand durch die Straßen von Casale Marittimo, einem Dorf in der Toskana mit 1.076 Einwohnern. Beide trugen ein Sommerkleid. Alaia hatte sich für ein schwarzes Trägerkleid mit rotweißen Hibiskusblüten entschieden. Jekaterina trug dasselbe Kleid in weiß. In der Zeit, die die beiden Frauen hier verbracht hatten, waren sie mit den Einwohnern ins Gespräch gekommen, und hatten sich mit einigen sogar angefreundet. Und diese waren sehr tolerant. Ihnen war es egal, ob die beiden lesbisch waren, oder nicht. Auf dem Markt hatte das Paar Stefania, eine Frau Ende 80, kennengelernt, die dort an ihrem Stand handgemachte Halstücher aus Seide verkaufte. Sie hatte Jekaterina und Alaia von Chiara, der schönsten Frau im Dorf erzählt.

„Sie wird wegen ihrer sexuellen Neigung von einem der Händler hier diskriminiert.“, hatte Stefania gesagt.

„Wie heißt denn dieser krumme Vogel?“

„Michele. Das ist der Schmuckhändler hier.“, sagte Stefania.

Und an diesem Tag bekamen Jekaterina und Alaia live mit, wie Chiara vom Schmuckhändler verbal angegriffen wurde.

„Ich verkauf nicht an Lesben! Scher dich zum Teufel, Lesbenhure.“, wurde die junge Frau angeschnauzt.

„Unfassbar!“

„Dem verpassen wir eine Lektion, Liebling. Und zwar eine, die er für den Rest seines Lebens nicht vergisst.“, sagte Jekaterina.

Als der Händler, ein Mann Mitte 40, Chiara auch noch niederschlug, war für die junge Russin Schluss mit lustig.

„Du bist echt erbärmlich, Durak. Eine Frau zu schlagen, die sich nicht wehren kann.“, sprach sie den Mann an.

„Halt dich da raus, das ist gesünder.“

„Empfiehlst du mir.“, sagte Jekaterina.

„Würd ich raten.“

„Weißt du eigentlich, dass du ein Brett vorm Kopf hast, Michele?“, fragte Jekaterina.

„Auch noch frech werden. Jetzt hör mir mal gut zu. Noch so eine freche Bemerkung, und du hast eine sitzen.“ 668

„Oh jetzt hab ich aber Angst. Ich bin schon mit schwereren Kalibern fertig geworden, als mit dir zerzaustem Bettvorleger.“, sagte Jekaterina.

„Du kannst von Glück sagen, dass ich heute meinen guten Tag habe. Aber warum ergreifst du für dieses Stück Dreck eigentlich Partei?“

„Warum diskriminierst du sie?“, fragte Jekaterina.

„Weil sie lesbisch ist. Wieso?“

„Meine Frau Alaia und ich sind auch Lesben. Und wir stehen auch dazu. Also halt bloß die Schnauze, Freundchen. Sonst hast DU nämlich eine sitzen.“, sagte Jekaterina.

„Dann haut ab. An Leute wie euch verkauf ich nicht.“

„Bei dir würden wir auch nichts kaufen, du taube Nuss.“, sagte Alaia.

Michele kochte vor Zorn. Jekaterina hatte ihm gezeigt, dass sie keine Angst vor ihm hatte. Außerdem hatte sie seine verbalen Attacken schlagfertig gekontert. Aber auch ihre Partnerin Alaia war aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Am Abend saßen Jekaterina und Alaia in einem kleinen Cafe´, das noch geöffnet hatte, und sahen sich den Sonnenuntergang an.

„Findest du nicht, dass du heute ein bisschen zu weit gegangen bist, Schatz?“, fragte Alaia.

„Nein, Liebling. Diese Backpflaume hat eine Frau geschlagen. Und das nur, weil sie, wie wir, ne Lesbe ist. Ich hab eine Engelsgeduld, du weißt das besser als jeder andere. Aber bei so was ist bei mir der Ofen aus.“ „Und dann wirst du zur Furie und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.“, sagte Alaia.

„Also so schlimm bin ich nun auch wieder nicht, Alaia.“

„Wenn du gut gelaunt bist, dann ja. Aber wehe du bist auf 180. Dann Gnade Gott demjenigen, der es wagt sich mit dir anzulegen.“, sagte Jekaterinas Ehefrau.

Am Morgen nach diesem Zwischenfall schlenderten Jekaterina und Alaia wieder durch die Straßen von Casale Marittimo. Wieder hatten sie sich für Sommerkleider entschieden. Jekaterina trug ein blaues Kleid mit goldenen Stickereien nach griechischem Muster, während ihre Ehefrau ein blaulilanes Kleid mit vielen Schmetterlingen ausgesucht hatte. In einer kleinen Boutique trafen sie Chiara. Jekaterina betrachtete die junge Italienerin genauer. Chiara war eine Brünette mit einer Größe von 1,68 m. Sie hatte ein ovales Gesicht mit haselnussbraunen Augen und einer durchschnittlichen Nase. Ihre Haare, die an den Spitzen eine Dauerwelle bildeten, trug sie offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Sie hatte einen Modelkörper, und schien sich ihrer Schönheit bewusst zu sein, wie ihre Kleidung verriet. Bekleidet war Chiara mit einem hautengen, schwarzen Clingkleid und 669

schwarzen Sandaletten. Jekaterina ging zu einem der vielen Kleiderständer im Verkaufsraum und tat so, als würde sie nach einem passenden Kleidungsstück suchen. Als sie einen weißen Pullover mit einem roten Hummer herausholte, machte sich Chiara bemerkbar.

„Scusi, Signora. Aber auf den hatte ich auch ein Auge geworfen.“, sagte sie.

„Du kannst ihn gerne haben. Das einzige, was ich möchte, ist mit dir zu reden. Mich würde interessieren, wie lange Michele dich schon so schäbig behandelt.“

„Wieso interessiert sie das?“, fragte Chiara.

„Das gestern war nur der Anfang. Michele wird den Tag verfluchen, an dem er angefangen hat, dich zu diskriminieren. Denn niemand behandelt eine junge, attraktive Frau, wie du eine bist, so schäbig und kommt ungestraft davon.“

„Uno Momento. Sie sind doch nicht…“, begann Chiara ihren nächsten Satz.

„Doch. Ich habe gestern für dich Partei ergriffen. Denn ich hab was gegen solche Galgenvögel, wie Michele.“

Chiara rannte um den Kleiderständer herum und warf sich Jekaterina in die Arme.

„Mille Grazie! Mille Grazie! Mille Grazie!“, sagte sie schluchzend.

„Ist schon Okay. Egal was auch passieren mag, du bist nicht allein.“

„Hast du denn keine Freunde, die dir in solchen Situationen den Rücken freihalten?“, fragte Alaia.

Chiara schüttelte den Kopf.

„Heutzutage hast du nur Freunde, wenn du dein wahres Ich hinter einer Maske verbirgst, und eine Rolle spielst, die nicht zu dir passt.“, sagte sie.

„Alaia?“

„Mich musst du nicht fragen, Schatz. Wenn wir abreisen, kann Chiara gerne mitkommen. In deinem Elternhaus ist genug Platz.“, sagte Alaia.

„Ich komme mit. Mich hält hier nichts mehr.“

„Dann ist das abgemacht. Aber meine Frage ist immer noch nicht beantwortet. Seit wann geht das schon?“, sagte Jekaterina.

„Seit 4 Monaten.“

„Ich sagte ja schon, das gestern war nur der Anfang. Dem Kerl reiß ich die Eier ab.“, sagte Jekaterina.

In diesem Moment betrat eine Person den Laden, die Jekaterina nur zu gut kannte. Es war Dambala, der Q. 670

„Na sowas. Was machst du denn hier, Dambala? Dich trifft man wirklich überall.“, sagte Jekaterina.

„Ich wollte dich nur warnen. Der Typ, mit dem du gestern aneinander geraten bist, ist ziemlich sauer. Ich bin mir sicher, der will dir ans Leder.“

„Das soll er mal versuchen. Ich bin eine Malmori. Diese Vogelscheuche verspeise ich zum Frühstück.“, sagte Jekaterina.

„Sei trotzdem vorsichtig.“

„Mach dir keine Sorgen, Dambala. Verglichen mit früheren Gegnern, ist Michele ein Waisenkind.“, sagte Jekaterina.

Am frühen Nachmittag gingen Jekaterina und Chiara durch die Stadt. Die junge Russin hatte ihr Sommerkleid gegen ihr Kämpferoutfit getauscht. Chiara bewunderte das Harpyiensymbol auf Jekaterinas Schulter.

„So ein schönes Tattoo hätte ich auch gerne.“, sagte sie.

„Das ist kein Tattoo, Chiara. Es ist ein Stammeszeichen. Und es wurde mir nicht in die Haut gestochen, sondern geritzt.“

Chiara wollte schon zu einer Erwiderung ansetzen, doch eine Männerstimme hinter ihnen ließ ihr den Satz im Hals stecken. Eine Stimme, die Chiara und Jekaterina vertraut war.

„Na wenn das mal nicht die beiden Lesbenfotzen von gestern sind.“, sagte Michele.

Jekaterina drehte sich zu ihm um.

„Hast du was gesagt, Schnullerbacke?“, fragte sie und zog süffisant eine Augenbraue nach oben.

„Ich hab mich heute auf eine Menge Ärger vorbereitet.“

„Ah ja? Wie denn?“, fragte Jekaterina gelassen.

„Zum Beispiel hiermit. Ist das nichts?“

Mit diesen Worten zog der Schmuckhändler ein Stilett aus seiner Weste, und ließ die Klinge herausspringen.

„Den Zahnstocher? Das ist ein armseliges Symbol der jugendlichen Bewunderung der Gewalt, du Arschgeige.“, sagte Jekaterina und zog ihre Schwerter.

Dabei zeigte sie Michele die Narben auf ihren Unterarmen.

„Sieht so aus, als könntest du mit deinen Tortensäbeln nicht umgehen. Aber ich kann mit dem Messer umgehen.“ Michele fing an, überheblich zu lachen. Dann stürmte er auf Jekaterina zu, sein Messer wild hin und her schwingend, wobei er sein Stilett zur Seite drehte. Aber seine Gegnerin hatte 671

dies vorausgesehen. Sie wich seitlich aus, und setzte aus der Bewegung einen diagonalen Schnitt auf Micheles Unterarm. Der Schmuckhändler ließ sein Messer fallen, als ein brennender Scherz durch seinen Arm fuhr. Michele starrte Jekaterina entgeistert an.

„Wie war das, ich kann mit meinen „Tortensäbeln“ nicht umgehen? Es haben schon so viele den Stahl dieser Klingen gekostet, Michele. Aber nur eine Malmori-Amazone kann davon berichten.“, sagte Jekaterina.

„Wie zum Teufel ist das möglich, du hinterhältiges Miststück?“

„Weißt du wer Jekara ist?“, fragte Jekaterina den Schmuckhändler.

„Ist das nicht die menschliche Tochter von General Zarrok, dem berühmten Klingonen?“

„Ganz Recht, du elender Haubentaucher.“, sagte Jekaterina.

„Warum fragst du mich das überhaupt, Bitch?“

Ich BIN Jekara, du rigelianische Wanze.“, sagte Jekaterina.

„Was zum…?“

der Rest des Satzes blieb dem Händler im Hals stecken.

„Jetzt weißt du wie es ist, sich mit jemandem anzulegen, der ein paar Nummern zu groß für einen ist. Du warst gestern dumm genug, mir den Fehdehandschuh hinzuwerfen, du Lackaffe. Und zu deinem Pech habe ich ihn aufgenommen.“, sagte Jekaterina.

„Und die Schnittwunde?“

„Sie wird heilen. Aber es wird eine Narbe zurückbleiben, die dich an mich erinnert.“, sagte Jekaterina.

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 5. Juli 2380, 7:30 Uhr Ortszeit

Admiral Gene Richardson packte seine Aktentasche zusammen. Er hatte am Vortag um 18:30 Uhr mit der Arbeit angefangen. Unter anderem war eine Menge Papierkram angefallen. Die Los Angeles, das sechste Schiff der Cumberland-Klasse, hatte die Testphase erfolgreich beendet, und war nun einsatzbereit. Akron war fertiggestellt und war in die Testphase übergegangen. Macon stand kurz vor der Fertigstellung. USS Indianapolis war noch im Bau, und bei der Royal Oak, dem neuesten Schiff der Ranger-Klasse, war die Kiellegung erfolgt. Admiral Richardson hatte Captain Gina Lollobrigida kontaktiert, und dem Schiff eine Mission zugewiesen, die es in die Nähe des Mutarasektors führte. Am liebsten hätte er die Kirow geschickt, und ihre Kommandantin aus ihrem Urlaub geholt. Aber die Drohung von Präsidentin Arikka, jeden Verstoß gegen die neue Vorschrift mit aller Härte zu bestrafen, hing wie ein Damoklesschwert über ihm. Und wenn er 672

keinen Ärger mit der Präsidentin haben wollte, war es geschickter, Jekaterina Romanova in Ruhe zu lassen. Zumal sie gerade auf Hochzeitsreise war.

An Bord der Los Angeles

Gina Lollobrigida saß auf ihrem Platz in der Mitte der Brücke. Sie war eine 1,70 m große Blondine mit stechenden blauen Augen. Ihre Haare trug die Italienerin offen, sodass sie bis zur Oberkante ihres Busens reichten. Auch ihr sportlicher Körper war nicht zu verachten. Ihr halbrundes Gesicht hatte eine leicht breite Nase. Ginas nordisches Aussehen irritierte viele. Und wenn man sie darauf ansprach, verriet sie einem, das ihre Mutter, Astrid, Norwegerin war und aus Svolvær kam.

Gina Lollobrigida erinnerte sich an das Briefing mit Admiral Richardson. Die erste Mission für Gina und ihre Besatzung hörte sich auf den ersten Blick relativ einfach an, aber, so hatte es der Admiral gesagt, die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass die Mission komplizierter werden könnte, weshalb er lieber die Kirow geschickt, und deren Kommandantin aus ihrem Erholungsurlaub geholt hätte. Als Gina Lollobrigida das hörte, wies sie Admiral Richardson scharf zurecht. Nicht nur, weil er ihre Kompetenz anzweifelte, sondern auch, weil er ihre Kollegin, Jekaterina Romanova nicht schonen wollte. Gina kannte Jekaterina zwar nicht persönlich, aber die Kommandantin der Los Angeles war der Meinung, dass es sich nicht gehörte, Offiziere, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten, auf Mission zu schicken. Daher hatte Captain Lollobrigida eine Beschwerde bei der Präsidentin eingereicht. Danach gab sie den Befehl zum Aufbruch.

Paris, Föderationshauptquartier am selben Tag, 15:30 Uhr Ortszeit

Präsidentin Arikka kam gerade von einer weiteren Sitzung zurück, als sie auf dem Bildschirm ihres Computerterminals die Nachricht von der Los Angeles entdeckte. Die Ariantu öffnete die Nachricht.

„Madam President, ich sehe mich gezwungen, eine formelle Beschwerde gegen Admiral Richardson einzureichen. Er hat mir und meiner Besatzung zwar eine Mission zugewiesen, aber keinen Hehl daraus gemacht, dass er diese Aufgabe lieber meiner Kollegin Jekaterina Romanova zugewiesen hätte, auch wenn er sie aus ihrem Erholungsurlaub hätte holen müssen. Ich empfinde es als den sprichwörtlichen Schlag ins Gesicht, dass meine Kompetenz als Raumschiffkommandantin derart angezweifelt wird. Admiral Richardson ist der Meinung, ich hätte das Kommando über die Los Angeles mit Glück, oder durch Beziehungen, aber nicht durch Können erhalten. Ich muss sie deshalb schweren Herzens bitten, gegen Mr. Richardson die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Denn es verletzt mich doch sehr, dass Admiral Richardson mir nichts zutraut. Gina Lollobrigida, Kommandantin USS Los Angeles.“

Die Gesichtszüge der Ariantu verdüsterten sich. Da war wohl ein persönliches Gespräch mit dem Admiral notwendig. 673

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, am selben Tag, 10 Uhr Ortszeit

Gene Richardson wollte gerade sein Büro verlassen. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, noch einmal zu frühstücken, bevor er nach Hause ging. Der Türsummer ertönte.

„Herein.“, sagte Admiral Richardson.

Als die Türhälften auseinanderglitten und die Präsidentin sein Büro betrat, ahnte Admiral Gene Richardson schlimmes.

„Was muss ich denn da hören, Admiral Richardson? Sie hätten ohne mit der Wimper zu zucken eine gesundheitlich angeschlagene Raumschiffkommandantin aus ihrem Erholungsurlaub geholt, und auf Mission geschickt.“, sagte Arikka gerade heraus und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich habe mich an die Vorschrift gehalten, und der Los Angeles die Mission zugeteilt.“

„Deren Kommandantin sie nichts zutrauen. Captain Lollobrigida hat eine formelle Beschwerde gegen sie bei mir eingereicht.“, sagte die Präsidentin.

„Ich werde dafür sorgen, dass Captain Lollobrigida nie wieder ein Raumschiff kommandieren wird.“

„Sie werden nichts dergleichen tun, Admiral. Sie sind hiermit entlassen.“, sagte Arikka scharf.

Gene Richardson bekam einen Schreck.

„D- Das können sie nicht tun, Madam President.“, stammelte er.

„Oh doch, ich kann. Ich kann eine Beschwerde nicht einfach ignorieren. Ganz abgesehen davon, haben sie bei den Raumschiffkommandanten keinen guten Ruf Admiral. Sie gelten als Leuteschinder. Und es haben auch schon ein paar gute Kommandanten wegen ihnen hingeschmissen, Admiral Richardson. Ich erinnere nur an Captain Atkinson. Sie haben bis übermorgen Zeit, ihr Büro zu räumen, Admiral. Ihre Codes für sämtliche Abteilungen und den Haupteingang werden mit sofortiger Wirkung gesperrt. Ich will sie nicht mehr antreffen, wenn ich hier zu Besuch bin.“, sagte die Präsidentin.

Arikka verließ den Raum, und ließ einen niedergeschlagenen Admiral Richardson zurück. Die Karriere innerhalb eines Augenblicks zerstört.

Smolensk, 7. Juli 2380, 11:00 Uhr Ortszeit Aurelia saß auf der Terrasse und zeichnete. Neben ihr saß Jekaterinas ältere Schwester Anastasia, und beschrieb einen Seerosenteich, den sie auf Draconia in den Gärten des Tempels gesehen hatte. Jekaterina arbeitete zusammen mit Ehefrau Alaia und ihrer Schwester Jessica an dem kleinen See, in dessen Mitte der Pavillon stehen sollte. Ariadnes leibhaftige Tochter freute sich, dass ihre 674

neue Schwester, einen Teil von ihrem Heimatplaneten bei sich zu Hause nachbauen wollte. Deshalb half Jessica auch gerne mit. Catherine unternahm derweil mit Chiara eine Erkundungstour durch die Stadt. Seit Chiaras Ankunft gab es keine Minute, die die beiden Frauen nicht miteinander verbrachten.

An Bord der Los Angeles

Gina Lollobrigida hatte den ersten Eintrag in das Computerlogbuch ihres Schiffes eingesprochen, als der Alarm losging. Die Italienerin aus Volterra ließ sofort die Schilde und die Waffensysteme aktivieren. Und das gerade noch rechtzeitig. Denn wenige Augenblicke erzitterte das Schiff, als zwei Photonentorpedos einschlugen. Aber die Schilde hielten.

„Was zum Teufel war das?“, fragte Gina aufgeregt.

„Ein Schiff der Peregrine-Klasse hat uns angegriffen, Captain.“

„Das sind doch Schiffe des Maquis. Aber meines Wissens existiert diese Gruppierung nicht mehr.“, sagte Gina Lollobrigida.

„Sie wurde 2.373 vom Dominion ausradiert, Captain.“

„Danke, Miss Ketikidou.“, sagte die Kommandantin.

Benedita Pereira, die Kommunikationsoffizierin hob den Kopf.

„Captain, der Kommandant ruft uns.“, sagte die Portugiesin.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des anderen Kommandanten.

„Ich hätte gerne den Captain gesprochen.“, sagte er.

Gina Lollobrigida erhob sich.

„Captain Gina Lollobrigida. Und dies ist das Föderationsschiff Los Angeles.“, sagte sie.

„Sie und ihre Besatzung sind ab sofort unsere Gefangenen. Deaktivieren sie ihre Waffensysteme und ihre Schilde. Wir kommen an Bord und übernehmen das Schiff. Wenn sie sich unserer Forderung widersetzen, werden wir die Los Angeles zerstören.“

„Das möchte ich sehen, Captain. Sie haben es vielleicht nicht bemerkt, aber mein Schiff ist ein Schiff der Cumberland-Klasse. Ich gestatte ihnen und ihrer Besatzung jedoch, sich zurückzuziehen. Da fällt mir ein: Sie haben sich noch gar nicht vorgestellt.“, sagte Gina. „Wie unhöflich von mir. Ich bin Husband Vinson, Anführer des neuen Maquis. Da sie sich weigern, sich in unsere Gefangenschaft zu begeben, müssen wir ihr Schiff vernichten. Captain Vinson Ende.“

Im nächsten Moment erzitterte die Los Angeles erneut. Gina Lollobrigida wandte sich an ihren taktischen Offizier, einen Klingonen. 675

„Feuer erwidern, Mister Paka.“, sagte sie.

„Ja, Captain.“

Die Los Angeles antwortete mit einer Salve aus ihren Phaserbänken. Diese durchdrangen die Schilde des Maquis-Schiffes und richteten verheerende Schäden an. So war die Hülle des kleinen Schiffes an drei Stellen gebrochen. Benedita Pereira hob den Kopf, als die Los Angeles erneut gerufen wurde.

„Captain, Captain Vinson ruft uns.“, sagte sie

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Maquis-Kommandanten.

„Sind sie bescheuert, Captain Lollobrigida? Was fällt ihnen ein, mein Schiff unter Beschuss zu nehmen?“, fragte er aufgebracht.

„Erwartest du etwa, dass wir uns nicht zur Wehr setzen, Beavis?“

„Wie dem auch sei, Captain Lollobrigida. Wegen der Schäden, die sie verursacht haben, sind wir gezwungen, uns zurückzuziehen.“, sagte Captain Vinson.

„Pech für dich, Stronzo.“

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 9. Juli 2380, 11:00 Uhr Ortszeit

Admiral Richardsons Nachfolger, Amie Custer, saß an ihrem Schreibtisch, an dem bis vor kurzem noch Gene Richardson gesessen hatte. Admiral Custer war eine Schönheit mit feuerroten Haaren. Sie hatte ein rundes Gesicht mit einer breiten Nase und grünblauen Augen. Ihre Haare trug Amie offen, sodass sie bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. Geboren und aufgewachsen war sie in Lafayette, im Bundesstaat Indiana. Und obwohl sie die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, waren ihre irischen Wurzeln nicht zu übersehen. Denn ihre Mutter, Máiréad, kam ursprünglich aus Killarney, im County Kerry.

Sie ging gerade einige Berichte und Nachrichten durch, als der Türsummer ertönte.

„Herein.“

Die Türhälften glitten auseinander, und ihre Adjutantin trat ein.

„Was führt sie zu mir, Lieutenant?“, fragte Amie. „Ich wollte mich kurz vorstellen, Admiral Custer. Ich bin ihre Adjutantin Elektra Pyke. Ich habe vorher unter Admiral Richardson gedient.“

„Dann auf eine gute Zusammenarbeit, Lieutenant Pyke.“, sagte Amie.

„Danke, Admiral.“ 676

„Ich sehe, dass sie einen Datenblock dabei haben. Was hat es damit auf sich?“, sagte Admiral Custer.

„Das ist eine Nachricht von der Los Angeles, Admiral. Sie ist noch an ihren Vorgänger adressiert.“

„Darf ich sie sehen, Lieutenant Pyke?“.fragte Amie.

„Ja, Admiral.“

Elektra Pyke reichte ihrer Vorgesetzten den Block. Amie Custer studierte die Nachricht von Gina Lollobrigida.

„Lieutenant Pyke, besorgen sie mir bitte alle Informationen, die es über den neuen Maquis gibt.“, sagte Amie.

„Ja, Admiral.“

An Bord des Maquis-Schiffes

Husband Vinson war genervt. Die Los Angeles hatte sein Schiff so übel zugerichtet, dass er gezwungen war, den Rückzug anzuordnen. Damit war seine Gruppe schwer angeschlagen, bevor es überhaupt richtig los gegangen war. Man hatte nur eine Hand voll Schiffe zur Verfügung, und obendrein keine feste Basis. Und nach dieser Niederlage würde auch kein Starfleetoffizier zum neuen Maquis überlaufen. Obwohl einen Raumschiffoffizier der Sternenflotte zum Überlaufen zu bewegen, war ohnehin unmöglich. Es sei denn, die Besatzung würde eine Meuterei anfangen. Aber das war eher unwahrscheinlich, wenn der Kommandant seine Besatzung mit Respekt behandelte. Es musste einen anderen Weg geben. Aber welchen?

Smolensk, 10. Juli 2380, 13:00 Uhr Ortszeit

Jekaterina war zufrieden. Der See und die Insel waren fertig. Es fehlte nur noch der Pavillon. Auch Anastasias Seerosenteich, der einen Teil der Terrasse umgab, war fertig. Brynn hätte den Garten auch mitgestalten können, hatte aber vorübergehend darauf verzichtet. Jekaterina saß auf den Stufen der Terrasse, und schälte eine Clementine, als ihre Schwester Jessica zu ihr kam.

„Was dagegen, wenn ich mich zu dir setze?“, fragte sie.

„Gern. Willst du die Hälfte?“

Jekaterina hielt Jessica eine Hälfte der Clementine hin.

„Ich sage nicht „Nein“, Schwester.“, sagte Jessica. Die beiden saßen auf den Stufen der Terrasse und sahen hinaus auf den Garten.

„Es ist schön zu sehen, dass du aufblühst. Der Urlaub scheint dir gut zu tun.“, sagte Jessica.

„Es ist schön, mal nichts zu tun. Die Seele baumeln zu lassen. Und keine schwerwiegenden Entscheidungen treffen zu müssen.“ 677

„Das macht etwas mit einem, wenn man permanent eine Menge Verantwortung als Bürde auf die Schultern geladen bekommt. Ich hab das gesehen, als du auf Cougar in meinen Armen gelegen, und geweint hast. Du warst völlig fertig, Jekaterina.“, sagte Jessica.

„Ich versuche immer stark zu sein, Jessica.“

„Du kannst nicht immer stark sein, Schwester. Du hast auch das Recht zu weinen, wenn dir danach ist.“, sagte Jessica.

In diesem Moment kam Alaia auf die Terrasse. In der Hand hielt sie einen Würfel.

„Kannst du fangen, Schatz?“, fragte Jekaterinas Ehefrau und warf ihrer Liebsten den Würfel zu.

„Was ist denn das?“

„Ein Duftwürfel, Jessica. Du wirfst ihn ins Wasser, damit er sich auflösen kann. Und wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, dürfte das Blutorange sein.“, sagte Jekaterina.

„Es IST Blutorange, Schatz. Also was ist? Kann ich dich dafür begeistern?“

„Ich hör mich nicht „Nein“ sagen, Liebling.“, sagte Jekaterina.

„Was dagegen, wenn ich euch Gesellschaft leiste? Ich möchte schon gern wissen, was mit dem Würfel auf sich hat.“

„Wüsste nicht, das was dagegen spricht, liebste Schwägerin.“, sagte Alaia.

Pisa, 10 Juli 2380, 11:00 Uhr Ortszeit

Catherine und Chiara schlenderten gemächlich durch die Stadt. Jekaterinas Cousine hatte die junge Italienerin lieb gewonnen. Sie wollte Chiara schon gar nicht mehr missen. Es schien, als ob die beiden Frauen füreinander bestimmt waren. Vor Pisas Wahrzeichen, dem schiefen Turm, blieb Chiara unverhofft stehen. Sie sah Catherine ins Gesicht.

„Ti Amo.“, sagte sie leise.

„Was bedeutet das?“

„Ich liebe dich.“, sagte Chiara.

„Mir geht es genauso, Chiara.“ Catherine und Chiara umarmten sich und hielten einander fest.

„Catherine?“m fragte Chiara leise.

„Was?“

„Bist du jemand, der an das Schicksal glaubt?“, fragte Chiara.

„Ich weiß nicht. Aber was ich weiß, ist, dass ich mit dir 678

zusammenleben will.“

„Ich bin mir sicher, dass es eine Fügung des Schicksals war, dass Amor gerade uns beide erwählt hat, und seine Pfeile uns getroffen haben.“, sagte Chiara.

„Meinst du?“

„Si.“, sagte Chiara.

San Francisco Flottenwerft Sternzeit 57526.1

Die Cumberland hatte gerade angedockt. Das Schiff war zur Inspektion fällig, und sollte dabei modernisiert werden. Für Captain Moreno und ihre Besatzung eine willkommene Pause. Lolita hatte gerade ihre Sachen für ihren Landurlaub gepackt, als ihr erster Offizier Amiri das Quartier seiner Vorgesetzten betrat.

„Von Anklopfen haben sie wohl noch nichts gehört, Mr. Amiri.“, schalt Lolita Moreno ihren ersten Offizier.

„Tut mir leid, Captain.“

„Schon in Ordnung, aber achten sie das nächste Mal bitte darauf.“, sagte Lolita.

„Ja, Captain.“

„Was kann ich für sie tun, Nummer eins?“, fragte Captain Moreno.

„Ich wollte ihnen einen schönen Urlaub wünschen, Captain.“

„Danke, Mr. Amiri. Haben sie auch eine erholsame Zeit.“, sagte Lolita Moreno.

„Darf ich fragen, wie ihre Urlaubspläne aussehen?“

„Ich werde meine Freundin Jekaterina Romanova besuchen. Ich habe es ihr versprochen, als wir auf der Akademie waren. Und was haben sie vor, Nummer eins?“, sagte Lolita.

„Ich werde nach Hause, nach Vulkan reisen, und meine Familie besuchen.“

Smolensk, 14. Juli 2380, 14:45 Uhr Ortszeit

Jekaterina und Brynn saßen auf den Stufen der Terrasse und sahen sich den Garten an. Jede hatte die Hälfte einer Clementine in der Hand. Die junge Amazone war zunächst skeptisch, hatte sie noch nie zuvor eine solche Frucht gesehen. Aber dann hatte doch die Neugier gesiegt, und sie hatte ein Stück probiert. Brynn war überrascht, wie süß die Frucht schmeckte. Sie sah Jekaterina an. 678

„Ich glaube, ich weiß, wie mein Beitrag für diesen Garten aussehen soll.“, sagte die Malmori.

„Und was schwebt dir vor, Brynn?“

„Ich möchte einen Baum pflanzen, der diese Früchte trägt.“, sagte 679

Jekaterinas Stammesschwester.

„Eine tolle Idee. Aber es wird etwas Zeit vergehen, bis wir die ersten Früchte ernten können, Brynn.“

„Ich weiß.“, sagte Brynn.

Auf einem Planeten im Mutara-Sektor

Die kleine Flotte des neuen Maquis landete auf der Planetenoberfläche. Eines der Schiffe hatte ein paar Gebäude entdeckt, die man vor einiger Zeit aus dem Fels gehauen hatte. Ein Scan hatte ergeben, dass die Gebäude unbewohnt waren. Aber dennoch war Vorsicht geboten. Denn es gab keine Sicherheit, dass sich in den Gebäuden nicht doch ein paar giftige Tiere versteckt hielten. Also hatte Husband Vinson die Schiffe außerhalb der Gebäude landen lassen. Der nächste Schritt war, einen Rover mit einer Kamera auszurüsten, und ins Innere der Gebäude zu schicken.

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 17. Juli 2380, 9:45 Uhr Ortszeit

Admiral Paris ging gerade einige Dokumente durch, als ihn der Türsummer aus seinen Gedanken riss.

„Herein.“, sagte er.

Die Türhälften glitten auseinander, und Amie Custer betrat das Büro.

„Was kann ich für sie tun, Admiral Custer?“, fragte Tom Paris Vater.

„Ich habe gerade die letzten Berichte aus dem Mutara-Sektor erhalten, Admiral Paris.“

„Was gibt es denn da so besonderes?“, fragte Owen Paris.

„Eine Art Rebellengruppe ist dort im Moment besonders aktiv. Sie nennen sich „Der neue Maquis“, Admiral.“

„Noch nie gehört. Aber was haben diese Kerle im Mutara-Sektor zu suchen?“, wollte Admiral Paris wissen.

„Die Präsenz unserer Flotte in diesem Sektor ist seit der Blockade durch die Ferengi intensiviert worden. Vor kurzem hat ein Schiff des neuen Maquis eines unserer Schiffe, die USS Los Angeles aus heiterem Himmel angegriffen. Aber Captain Lollobrigida hat das Maquis-Schiff ziemlich schwer beschädigt.“

„Ganz schön vorwitzig, diese Bengel. Na schön. Schicken sie die Laconia, die Exeter und die Hiryū in den Mutara-Sektor. Sie sollen diese Bande im Auge behalten.“, sagte Owen Paris.

„Ja, Admiral.“

An Bord der Laconia 680

Terry Carmichael hob den Kopf, als Admiral Custer die Laconia kontaktierte.

„Captain, Admiral Custer ruft uns.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien Amie Custers Gesicht.

„Admiral Custer.“, begann Jewgeni das Gespräch.

„Captain Romanova.“

„Womit kann ich dienen, Admiral?“, fragte Jekaterinas Bruder.

„Haben sie zurzeit eine Mission?“

„Nein. Wieso?“, wollte Jewgeni wissen.

„Dann haben sie jetzt eine, Captain.“

„Und worin besteht unsere Aufgabe, Admiral Custer?“, fragte der Kommandant der Laconia.

„Fliegen sie zusammen mit Hiryū und Exeter in den Mutara-Sektor. Eine Rebellengruppe, die sich „Der neue Maquis“ nennt, ist dort aktiv. Ihre letzte Aktion war ein Angriff aus dem Hinterhalt auf die Los Angeles.“

„Sind diese Kerle danach noch einmal in Erscheinung getreten?“, fragte Jewgeni.

„Genau das sollen sie herausfinden. Und sollten die Rebellen wieder aktiv werden, dann hängen sie sich an diese Bande ran. Folgen sie diesen Brüdern unauffällig.“

„Verstanden, Admiral Custer. Laconia Ende.“, sagte Jewgeni.

An Bord der Exeter

Garthe Knight, der auf der Exeter für die Navigation und die Kommunikation zuständig war, wandte sich an seinen Vorgesetzten. Dieser musterte Commander Knight. Er war ein 1,93 m großer Mann mit einem athletischen Körperbau und braunen dauergewellten Haaren. Garthe Knight hatte ein rundes Gesicht mit stechenden grünen Augen. Auffällig waren auch der Schnurrbart und der Kinnbart von Commander Knight.

„Captain, Admiral Custer will sie sprechen.“, sagte Garthe Knight.

„Auf den Schirm.“

„Ja, Captain.“ Auf dem Schirm erschien Admiral Custers Gesicht.

„Captain Robertson.“, begann Amie Custer das Gespräch.

„Admiral Custer.“

„Ich habe eine neue Mission für sie, Captain.“, sagte Admiral 681

Custer.

„Worin genau besteht unsere Aufgabe?“

„Sie fliegen mit der Laconia und der Hiryū in den Mutara-Sektor. Eine Rebellengruppe treibt sich dort herum.“, sagte Amie Custer.

„Und wie heißen diese Vogelscheuchen?“

„Vorsicht, Captain. Achten sie bitte auf ihre Wortwahl. Aber um ihre Frage zu beantworten, Captain Robertson: Die Rebellen nennen sich „Der neue Maquis“.“, sagte Admiral Richardsons Nachfolgerin.

„Sind diese Burschen schon einmal auffällig geworden, Admiral Custer?“

„Ihre letzte Aktion liegt noch gar nicht solange zurück. Sie haben aus dem Hinterhalt die USS Los Angeles, ein Schiff der Cumberland-Klasse, angegriffen.“, sagte Amie.

„Die müssen ziemlich schlecht möbliert in der Denkstube sein. Jeder Bösewicht, der auch nur annähernd ein bisschen Grips im Kopf hat, würde freiwillig Reißaus nehmen, wenn seine Sensoren ein Schiff der Cumberland-Klasse orten.“

„Mag sein. Noch etwas. Wenn sie vor Ort sind, dann halten sie die Augen offen, Captain Robertson. Und sollte es notwendig sein, dann aktivieren sie die Schilde und auch die Waffensysteme.“, sagte Amie Custer.

„Ja, Admiral. Exeter Ende.“

An Bord der Hiryū

Eric McClusky war gerade auf die Brücke zurückgekehrt, als ein „PING“ die Aufmerksamkeit seiner Kommunikationsoffizierin erregte. Aksana Oreskova, eine 32jährige Russin aus Murmansk, wandte sich an Quantez Robertsons Vorgänger.

„Captain, ich habe Admiral Custer für sie.“, sagte Aksana.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Amie Custers Gesicht.

„Admiral Custer, ich grüße sie.“ Begann Eric McClusky das Gespräch.

„Und ich grüße sie, Captain McClusky.“

„Ich vermute mal, dass sie eine Mission für uns haben.“, sagte Captain McClusky. „In der Tat, Captain.“

„Was genau sollen wir tun?“, fragte Eric.

„Sie werden sich zusammen mit der Laconia und der Exeter in den Mutara-Sektor begeben.“ 682

„Was sollen wir dort tun, Admiral Custer?“, fragte Eric McClusky.

„Sie sollen sich dort umsehen.“

„Hört sich ziemlich einfach an.“, sagte Captain McClusky.

„Ja. Wenn sie wissen, wonach sie suchen sollen, Captain. Die erhöhte Präsenz unserer Flotte, seit die Ferengi den Mutara-Sektor blockiert haben, hat wohl eine Rebellengruppe aufgescheucht.“

„Eine Rebellengruppe, Admiral?“, wollte der Kommandant der Hiryū wissen.

„Sie nennen sich selbst „Der neue Maquis“, Captain McClusky.“

„Und was haben diese Rebellen im Mutara-Sektor verloren?“, fragte Eric.

„Genau das wissen wir nicht. Und genau das sollen sie und ihre Kollegen herausfinden.“

„Sind diese krummen Vögel schon irgendwie aktiv gewesen, Admiral Custer?“, hakte Eric McClusky nach.

„Das mit den krummen Vögeln hab ich jetzt mal überhört, Captain. Aber ja. Sie haben vor kurzem die USS Los Angeles, unter dem Kommando von Gina Lollobrigida, aus dem Hinterhalt angegriffen. Glücklicherweise hat Captain Lollobrigida noch die Schilde und die Waffensysteme aktiviert.“

„Welchen Raumschifftyp haben diese Kerle eingesetzt?“, fragte Captain McClusky.

„Einen Raider der Peregrine-Klasse.“

„Das sind doch intergalaktische Schrotthaufen. Was mich aber noch interessiert, ist, ob die Rebellen irgendwelche Forderungen an die Los Angeles gestellt haben.“, sagte Eric McClusky.

„Sie haben die bedingungslose Kapitulation verlangt. Die Besatzung sollte sich in die Gefangenschaft des neuen Maquis begeben, das Schiff selbst wollten die Rebellen übernehmen.“

„Ich kenne Gina Lollobrigida ein bisschen, Admiral. Sie kämpft lieber bis zum letzten Blutstropfen, als sich den Forderungen von solch größenwahnsinnigen Hornochsen zu beugen.“, sagte der Kommandant der Hiryū.

„Und genau das hat sie getan. Captain Lollobrigida hat das Feuer erwidert, und das Maquis-Schiff gleich mit der ersten Salve ziemlich über zugerichtet.“

„Ganz ehrlich, Admiral Custer. Ich hab mit dem Kommandanten des Maquis-Schiffes kein Mitleid. Wenn der so beknackt ist, sich mit einem Schiff der Cumberland-Klasse anzulegen, ist er so dämlich, dass ihn die Wildschweine beim Himbeeren pflücken beißen. Was wissen wir eigentlich über diese Gruppe.“, sagte Eric McClusky.

„So gut wie gar nichts, Captain McClusky. 683

Die einzige Information die wir haben, kommt von der Los Angeles. Der Anführer des neuen Maquis ist ein Mann namens Husband Vinson. Aber bevor wir dieses Briefing beenden habe ich noch eine Information für sie. Admiral Paris hat noch die Suzuya in den Mutara-Sektor beordert. Er bittet sie, Captain Robertson und Captain Romanova an der Jupiterstation mit der Suzuya zusammenzutreffen, und gemeinsam in den Mutara-Sektor zu fliegen.“

„Verstanden, Admiral. Hiryū Ende.“, sagte Captain McClusky.

Paris, Föderationshauptquartier, 19. Juli 2380, 8:00 Uhr Ortszeit

Arikka, die Präsidentin der Föderation, hatte sich gerade den Bericht von Admiral Paris bezüglich der Aktivitäten des neuen Maquis im Mutara-Sektor durchgelesen. Sie fragte sich, warum gerade dieser Sektor so im Fokus anderer Mächte stand. Erst die Ferengi, jetzt der neue Maquis. Eine Gruppe, über die man eigentlich nichts wusste. Vielleicht konnten die Los Angeles, die Hiryū, die Laconia, die Exeter und die Suzuya vielleicht noch ein bisschen mehr herausfinden. Arikka beschloss, Rat bei Jekaterina Romanova zu suchen. Vielleicht half ihre fachliche Expertise.

Smolensk, 20 Juli 2380, 10:00 Uhr Ortszeit

Jekaterina hatte sich gerade fertig angezogen. Sie trug eine figurbetonende Jeans und ein weißes T-Shirt mit einer roten Rose. Sie suchte gerade nach den passenden Schuhen, als ein Klopfen sie aus ihren Gedanken riss. Da sie den Besucher nicht lange warten lassen wollte, griff sie sich ihre Flip Flops, die sie immer trug, wenn sie im Garten arbeitete.

Als Jekaterina die Tür öffnete, war sie überrascht, als Arikka, die Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten vor ihr stand. Elegant gekleidet wie immer.

„Madam President… bitte entschuldigen sie mein Outfit. Wenn ich gewusst hätte, dass sie mich besuchen, hätte ich…“, begann Jekaterina ihre Begrüßung, wurde aber von der Ariantu unterbrochen.

„Sie sind zuhause, Captain Romanova. Sie können tragen, was sie wollen.“, sagte Arikka.

„Kommen sie rein, Madam President. Ich nehme an, sie wollen mich allein sprechen.“

„Das ist richtig, Captain.“, sagte die Präsidentin.

„Kommen sie, Madam President. Im Garten sind wir ungestört. Allerdings sollte ich sie vorwarnen. Alaia hat manchmal die Angewohnheit urplötzlich zu erscheinen.“

„Hab ich grad meinen Namen gehört, Schatz?“, hörte Jekaterina ihre Ehefrau fragen.

„Speaking of the Devil.“ 684

Doch dann bemerkte Alaia die Präsidentin der Föderation.

„Madam President.“, sagte sie.

„Schön sie zu sehen, Lady Alaia. Ich hoffe es geht ihnen gut.“

„Ich kann mich nicht beklagen. Danke der Nachfrage.“, sagte Alaia.

„Nun, zuerst möchte ich ihnen beiden zu ihrer Hochzeit gratulieren und ihnen alles Gute wünschen.“

„Danke, Madam President.“, sagte Jekaterina.

„Ich nehme mal an, dass sie Jekaterina allein sprechen wollen. Ich versteh das.“

„Sie können ruhig dabei sein, Lady Alaia. Sie haben ihre Gattin schon auf so vielen Missionen begleitet, da haben sie sicher einiges mitbekommen. Ganz abgesehen davon ist es immer gut, sich mehrere Meinungen anzuhören.“, sagte Arikka.

Im Garten saßen Jekaterina, ihre Ehefrau und Präsidentin Arikka im frisch fertig gestellten Pavillon.

„Nun, Madam President. Was führt sie zu mir?“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Ich hätte gerne ihre Meinung bezüglich der Ereignisse im Mutara-Sektor gehört.“

„Wir wissen ja überhaupt nicht, was dort los ist.“, sagte Alaia.

„Eine Rebellengruppe, die sich „Der neue Maquis nennt, ist im Mutara-Sektor sehr aktiv. Sie setzen, wie die Vorgänger-Gruppe, auf Schiffe der Peregrine-Klasse. Aber vor kurzem haben sie wieder zugeschlagen, und eines unserer Schiffe, die USS Los Angeles, ohne ersichtlichen Grund angegriffen. Captain Lollobrigida konnte noch rechtzeitig reagieren, und die Schilde und die Waffensysteme aktivieren. Wie aus dem Bericht auch hervorgeht, hat der Kommandant, der auch der Anführer des neuen Maquis ist, von Captain Lollobrigida die bedingungslose Kapitulation gefordert. Sie sollte ihm das Schiff übergeben, während sie und ihre Besatzung in die Gefangenschaft der Rebellen gehen sollten. Captain Lollobrigida hat das Feuer erwidert, und den Raider schwer beschädigt. Als Reaktion auf diesen Vorfall wurden die Suzuya, die Hiryū, die Exeter und die Laconia in den Mutara-Sektor beordert.“

„Eine Frage, Madam President. Sind die Rebellen vor dem Angriff auf die Los Angeles in irgendeiner Form auffällig in Erscheinung getreten?“, fragte Jekaterina.

„Wenn ja, dann wissen wir nichts davon. Es gibt auch keine Informationen über die Gruppe. Das Einzige, was ich ihnen mit definitiver Sicherheit sagen kann, ist, dass der Anführer des neuen Maquis Husband Vinson heißt.“ 685

Jekaterina legte die Fingerspitzen aneinander und schloss die Augen.
 

Wie immer, wenn sie nachdachte. Die Ariantu sah Alaia fragend an. Jekaterinas Ehefrau legte ihren Zeigefinger an die Lippen. Arikka verstand. Aber die Ariantu erschrak, als Jekaterina urplötzlich die Augen öffnete.

„Also, Madam President. Ich denke, ich habe eine Erklärung für die Ereignisse im Mutara-Sektor.“, sagte die Kommandantin der Kirow.

„Dann bitte.“

„Der Angriff auf die Los Angeles war eine Provokation, Die Rebellen hoffen, unsere ganze Flotte im Mutara-Sektor binden zu können. Denn dann wären unsere äußeren Grenzen ungeschützt.“, sagte Jekaterina.

„Was es potenziellen Invasoren leichter machen würde uns anzugreifen.“

„Ganz Recht, Madam President. Wenn man das Ganze im Zusammenhang mit der Blockade des Sektors durch die Ferengi betrachtet, dann gibt es dafür nur eine Erklärung. Die Ferengi haben die Rebellen unterstützt. Und um sicherzustellen, dass der neue Maquis nicht vorzeitig entdeckt wird, haben diese Halsabschneider den Sektor abgeriegelt.“, sagte Jekaterina.

„Macht Sinn.“

„Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Rebellen nicht schon vorher aktiv waren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Kerle die Blockade genutzt haben, um im Mutara-Sektor heimlich, still und leise eine Basis zu errichten.“, sagte Jekaterina.

„Das leuchtet ein, Captain.“

„Wie wäre es, wenn du mal deinen Vater fragst, Schatz.“, schlug Alaia vor.

„Einen Versuch ist es wert, Alaia. Aber ich befürchte, dass General Zarrok dafür die Zustimmung des klingonischen hohen Rates benötigt.“

„Meinst du?“, fragte Alaia.

„Das ist eine äußerst prekäre Situation, Liebling. Vater begibt sich auf verflixt dünnes Eis, wenn er das vor den Rat bringt. Es gäbe vielleicht eine Möglichkeit, wenn die Anfrage von mir kommt.“

„Meinen sie, dass der klingonische hohe Rat auch mich anhören würde? Ich bin die Präsidentin der Föderation.“, sagte die Ariantu. „Unter Umständen ja, Madam President.“

„Versuchen wirs. Wann ist die nächste Sitzung des Rates, Captain?“, sagte Präsidentin Arikka.

„Der hohe Rat tagt nur, wenn Bedarf besteht, oder wenn militärische Konflikte das Imperium bedrohen, Madam President.“ 686

Auf Qo'noS

In der großen Halle der ersten Stadt auf Qo'noS war die Ratssitzung in vollem Gange. Der Rat wollte gerade zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung übergehen, als der Protokollführer ein akustisches Signal empfing, das den Eingang einer Nachricht ankündigte.

„Kanzler Martok, General Zarroks Tochter Jekara bittet um die Erlaubnis, dieser Sitzung zugeschaltet zu werden. Offenbar gibt es ein Problem im Mutara-Sektor.“, sagte er.

„Auf den Schirm.“

Aus der Decke des Sitzungssaals wurde ein Monitor herabgelassen. Ein kurzes Flackern, dann erschien Jekaterinas Gesicht auf dem Bildschirm.

„Wir grüßen dich, Jekara.“, sagte Kanzler Martok.

„Meine Grüße auch ein euch.“

„Du hast ein Anliegen, das du vorbringen willst?“, fragte Martok.

„Ganz Recht. Besser gesagt, ist es ein Anliegen unserer Präsidentin.“

„Dann mag Präsidentin Arikka sprechen, Jekara.“, sagte der Kanzler.

Auf dem Schirm erschien das Gesicht der Ariantu.

„Madam President, uns wurde berichtet, dass die Föderation ein Problem im Mutara-Sektor hat.“, sagte Martok.

„Das ist bedauerlicherweise korrekt, Kanzler Martok. Vor kurzem wurde eines unserer Schiffe, die Los Angeles von einer Rebellengruppe, die sich der neue Maquis nennt, angegriffen. Glücklicherweise war unser Schiff in der Lage, den Raider so schwer zu beschädigen, dass er den Rückzug antreten musste. Als Reaktion wurden noch vier weitere Schiffe in den Mutara-Sektor beordert, Kanzler Martok. Lange Rede, kurzer Sinn, Kanzler. Ich kann es nicht riskieren, unsere äußersten Grenzen ungeschützt zu lassen. Wäre es möglich, ein klingonisches Geschwader als Unterstützung zu bekommen?“

„Bevor wir über euer Anliegen entscheiden, Madam President, hätten wir gerne Jekaras Einschätzung gehört.“, sagte der Kanzler.
 

Auf dem Schirm erschien wieder Jekaterinas Gesicht.

„Wir haben das Anliegen von Präsidentin Arikka gehört, Jekara. Nun hätten wir gerne deine Meinung gehört.“, sagte Kanzler Martok.

„Der Angriff auf die Los Angeles war eine Provokation, mit dem Ziel, unsere gesamte Flotte im Mutara-Sektor zu binden. Außerdem bin mir sicher, dass die Ferengi, den neuen Maquis unterstützt haben. Die Blockade hatte nur den 687

Zweck, eine vorzeitige Entdeckung der Rebellen durch die Föderation zu verhindern.“

„Eine plausible Erklärung, Jekara.“, sagte General Zarrok.

„Danke, Vater. Aber ich stimme Präsidentin Arikka zu, Wir können unsere Flotte nicht im Mutara-Sektor konzentrieren, ohne unsere Grenzen ungeschützt zu lassen.“

„Wenn diese Sitzung vorüber ist, wird dein Vater in den Mutara-Sektor aufbrechen. Präsidentin Arikka mag bitte dafür sorgen, dass unsere Schiffe die Grenze ungehindert passieren dürfen.“, sagte Kanzler Martok.

„Ist schon erledigt.“

„Danke, Madam President.“, sagte der klingonische Kanzler.

Auf dem Planeten im Mutara-Sektor

Die Schiffe der Maquis-Flotte waren nun in unterirdischen Hangars abgestellt. Denn nachdem der Rover nichts gefunden hatte, hatten die Rebellen die Gebäude in Besitz genommen. Nun saß die Gruppe einem Raum mit großen Fenstern, die viel Licht hereinließen. Alle starrten aus Husband Vinson, der am Kopfende des Tisches saß. Einer der Rebellen ergriff das Wort.

„Ich denke, es ist an der Zeit, dass du uns endlich verrätst, gegen wen wir kämpfen, Husband.“, sagte er.

„Jetzt, wo wir einen Unterschlupf haben, kann ich euch verraten, wer unser Gegner ist.“

„Dann raus damit, Husband.“, sagte ein weiterer Rebell.

„Die Föderation. Die Politik, die Präsidentin Arikka betreibt, ist mir ein Dorn im Auge. Es sind so viele neue Völker der Föderation beigetreten. Und damit hat die Präsidentin den Einflussbereich der Vereinigten Föderation der Planeten ziemlich ausgedehnt. Die Föderation hat sich unter Arikka zu einer ernsten Bedrohung entwickelt. Unsere Aufgabe ist die Zerstörung der Bedrohung. Und genau das werden wir tun.“

„Dir ist schon klar, dass jetzt fünf Schiffe hier im Sektor patrouillieren.“, sagte ein dritter.

„Ja, ich weiß. Aber diese Schiffe fehlen jetzt bei der Verteidigung der Grenzen. Wenn es uns gelingt, die gesamte Flotte der Föderation hierher zu locken, dann sind die Grenzen ungeschützt, und Invasoren, Plünderer und andere können ungestört brandschatzen, unterrücken und morden.“ „Dein Plan ist gut, Husband. Aber er hat eine entscheidende Schwäche.“, sagte der Rebell, der als erstes gesprochen hatte.

„Was meinst du, Kirk?“ 688

„Präsidentin Arikka ist nicht auf den Kopf gefallen. Sie wird wahrscheinlich Jekaterina Romanova konsultieren. Wenn sie es nicht schon getan hat. Und wir alle wissen, wie gefährlich Jekaterina Romanova ist.“, sagte Kirk.

„Wenn ich mich nicht irre, kommandiert sie die Kirow, ein Schiff der Sovereign-Klasse.“

„Ganz Recht. Und noch etwas, dass wir bedenken sollten. Jekaterina Romanova und ihre Geschwister sind Mitglied einer klingonischen Familie. Was aber noch erschwerend hinzukommt, ist die Tatsache, dass Jekaterina einen Großteil des klingonischen hohen Rates hinter sich hat. Und wenn sie ihre Karten richtig ausspielt, dann werden die Klingonen mindestens ein Geschwader hierher schicken.“, sagte Kirk.

„Das ist nicht gut. Vor allem, weil die Föderation und das klingonische Imperium Verbündete sind.“
 

„Es kommt noch besser, Husband. Jekaterina ist Trägerin des Ordens von Kahless, Mitglied im Orden des Bat'leth und trägt das Zeichen absoluten Vertrauens.“, sagte Kirk.

„Und seit kurzem gehört sie zu den Malmori, einem Amazonenstamm.

„Fassen wir zusammen, Husband. Die Kommandantin der Kirow ist weitaus gefährlicher, als die Föderation selbst. Jeder, der ihren Zorn auf sich zieht, kann sich die Radieschen von unten betrachten.“, sagte Kirk.

„Willst du die Romanova umbringen? Vergiss es Kirk. Die Klingonen reißen uns den Arsch auf, wenn sie einem Mordanschlag zum Opfer fällt.“

„Mork hat Recht, Kirk. Ganz abgesehen davon stehen sowohl die Kirow, als auch ihre Kommandantin der Föderation nicht zur Verfügung.“, sagte Husband Vinson.

„In einem Punkt irrst du dich Husband. Jekaterina Romanova ist zurzeit krank geschrieben, und steht der Raumflotte nicht zur Verfügung. In diesem Punkt hast du also Recht. Ihr Schiff, die Kirow, steht der Flotte sehr wohl zur Verfügung. Denn die Kirow ist zurzeit nicht im Dock. Und zweitens: Jedes Schiff der Raumflotte hat noch einen ersten Offizier, der das Schiff führt, wenn dessen Kommandant ausfällt.“

„Bist du sicher Mork?“, fragte Husband.

„Sicherer als sicher. Das einzige Schiff, das der Föderation zurzeit nicht zur Verfügung steht, ist die Cumberland, das Schwesterschiff der Los Angeles und Typschiff dieser Klasse.“ „Was für ein Schiffstyp ist die Cumberland-Klasse überhaupt?“, fragte Husband Vinson. 689

„Ein Schlachtkreuzer, Husband. Im Moment des beste, was die Flotte der Föderation zu bieten hat.“

Smolensk, 21. Juli 2380, 9:00 Uhr Ortszeit
 

Jekaterina saß wieder auf den Stufen der Terrasse. Sie war so in ihre Gedanken vertieft, dass sie gar nicht merkte, wie sich jemand neben sie setzte.

„Zeigst du mir später die Stadt, Jekaterina?“, hörte sie eine wohl bekannte Stimme.

Sie wandte den Kopf, und sah in das Gesicht ihrer Freundin aus Akademiezeiten, Lolita Moreno.

„Ich freue mich, dass du mich mal zu Hause besuchst, Lolita.“, sagte Jekaterina.

„Ich habs dir damals auf der Akademie versprochen, Jekaterina. Und eine Moreno steht zu ihrem Wort.“

Eine Zeitlang sahen die beiden Freundinnen in den Garten hinaus.

„Hast du noch Ideen, die du umsetzen willst, Jekaterina?“, fragte Lolita.

„Ich möchte den anderen auch die Möglichkeit geben, ihre Ideen umzusetzen.“

Lolita deutete auf einen Erdhügel.

„Was ist das?“, fragte sie.

„Wenn alles glatt geht, dann wächst dort ein Clementinenbaum. Das war Brynns Idee.“

„Wer ist Brynn?“, fragte Lolita.

„Die junge Malmori, die bei mir geblieben ist.“

„Ja, ich erinnere mich. Sie ist sehr tapfer.“, sagte Lolita.

„Ja. Aber Brynn muss noch lernen, dass das Leben nicht nur aus kämpfen besteht.“

„Fehlt dir dein Schiff, Jekaterina?“, wollte Lolita wissen.

„Im Moment nicht. Ich genieße meine freie Zeit und tu, worauf ich gerade Lust habe.“

„Und im Moment verbringst du deine Zeit mit Nachdenken.“, sagte Lolita Moreno.

„Nein, Lolita. Ich genieße nur den Morgen.“ Später am Tag schlenderten Jekaterina und Lolita durch Smolensk. Jekaterina trug wieder ihr 690

dunkelblaues Sommerkleid mit den goldenen, griechischen Stickereien und schwarze Sandaletten.

„Wie mag es wohl im Winter hier aussehen.“, sagte Lolita.

„Komm mich doch auch mal im Winter besuchen, Lolita.“

„Das mach ich.“, sagte Lolita.

Die beiden Raumschiffkommandantinnen setzten ihren Weg fort, und hatten bald die Uspensky-Kathedrale erreicht.

„Bist du eigentlich sehr religiös, Jekaterina?“, fragte Lolita. „Zumindest nicht so, wie meine Mutter es sich zu Lebzeiten gewünscht hat. Ich glaube an eine Macht im Universum, die sich mit Wissenschaft nicht erklären lässt, und die man mit Gott gleichsetzen kann. Aber ich glaube nicht an Gott, wie er in unserer heiligen Schrift beschrieben wird. Als alter Mann mit weißen Haaren, einem langen weißen Rauschebart, einem Eibenstab, ganz in weiß gekleidet und Sandalen. Ich habe die Sandalen immer als siamesische Tempelflitzer bezeichnet.“

Lolita musste lachen.

„Den muss ich mir merken.“, sagte sie.

Kosmodrom Baikonur

Der Leiter des ehemaligen Weltraumbahnhofs, von dem aus in der Vergangenheit die mächtigen Sojus-Raketen der Russen ins All gestartet waren, sah zu den Baudocks hinauf. In einem davon sprühten Funken. Dort wurde das letzte Schiff der Cumberland-Klasse, die Long Beach gebaut, die nach dem ersten atomaren Kreuzer der U.S. Navy benannt worden war. Die Akron war vor kurzem in Dienst gestellt worden, die Macon war fertiggestellt und für die Testphase freigegeben worden. Die Indianapolis befand sich noch im Bau.

Utopia Planitia Flottenwerft

In einem der Baudocks sprühten Funken. Denn die Werft hatte den Auftrag erhalten, das Typschiff des neuen schweren Kreuzers, die Renown zu bauen. Das Schiff bekam die Rumpfsektion der Ranger-Klasse und die Untertassensektion der Galaxy-Klasse. Auch die Renown-Klasse konnte Transwarp 1 erreichen. Und auch die Ranger-Klasse bekam mit der Taihō eine neue Einheit. Die Intrepid-Klasse sollte ebenfalls durch ein neues Schiff, die Ark Royal, verstärkt werden. Es war aber abzusehen, dass diese Verstärkung der Föderationsflotte feindlichen Mächten nicht verborgen bleiben würde. Vor allem die Rebellen des neuen Maquis mussten beunruhigt sein. Denn wenn die Akron auf ihrer ersten Mission in den Mutara-Sektor geschickt wurde, musste bei den Rebellen die Panik ausbrechen.

An Bord der Akron 691

„Ihre Aufgabe besteht darin, unsere bisher im Mutara-Sektor operierenden Einheiten zu unterstützen. Und sollte ein Maquis-Schiff sie angreifen, machen sie kurzen Prozess. Admiral Custer Ende.“, schloss Amie Custer das Briefing ab.

Captain Dennis Rodman wandte sich an seinen ersten Offizier, Morena Alvarez.

„Was mag uns wohl im Mutara-Sektor erwarten, Nummer eins?“, fragte er.

„Jedenfalls eine Menge Aufregung, Captain. Zu schade, das die Kirow noch keine Mission bekommen hat.“

„Jede Wette das kommt noch, Nummer eins.“, sagte Dennis Rodman.

„Captain Romanova soll krank sein, Captain.“

„Zumindest ist sie im Moment dienstunfähig, Nummer eins. Aber ganz ehrlich, es ist ein Unding, dass nur sie die schweren Missionen zugewiesen bekommt. Auf der letzten hat sie einen ziemlich schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Aber wie sollen wir uns beweisen, wenn man uns nur leichte Aufgaben gibt, frage ich mich.“, sagte Captain Rodman.

An Bord der Kirow

Russell Crowe, der erste Offizier der Kirow, saß auf dem Platz in der Mitte. Rechts von ihm saß Neriah Kahn, die Counselor. Links von ihm saß Justin Wichrowski, der das Schiff nach Abschluss dieser Mission verlassen würde, weil er zur Prüfung für das Offizierspatent zugelassen worden war. Sollte er bestehen, würde der junge Fähnrich in den Rang eines Lieutenants aufsteigen, und auf ein anderes Schiff wechseln. Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin der Kirow, hob den Kopf, als das Schiff kontaktiert wurde.

„Commander, Admiral Custer will sie sprechen.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien Amie Custers Gesicht.

„Ich grüße sie, Admiral Custer.“, begann Russell Crowe das Gespräch.

„Danke, Commander. Aber jetzt sollten sie mir zuhören.“

„Haben sie eine Mission, die wir erledigen sollen?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.

„Nur, wenn sie sich das zutrauen, Commander Crowe.“

„Sagen sie mir doch bitte erst einmal worum es geht. Und dann sage ich ihnen, ob ich das hinkriege oder nicht.“, sagte Commander Crowe.

„Haben sie das Geschehen im Mutara-Sektor verfolgt, Commander?“ 692

„Natürlich, Admiral Custer. Hat der neue Maquis etwa wieder zugeschlagen?“, sagte der erste Offizier der Kirow.

„Sehr richtig, Commander Crowe. Allerdings sollte ich vorher noch erwähnen, dass die Rebellen Zuwachs bekommen haben.“

„Alles andere hätte mich überrascht, Admiral. Also, was haben diese Rebellen verbrochen?“, sagte der Neuseeländer.

„Sie haben den Planeten Laxos besetzt. Uns ist schleierhaft, wie 50 Rebellen es geschafft haben, die Sicherheitskräfte und die Armee zu überwinden.“

„Mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung lässt sich sowas leicht bewerkstelligen, Admiral. Allerdings muss man die Leute gegen die dortige Regierung aufwiegeln, sonst ist die Messe gelesen.“, sagte Russell Crowe.

„Das leuchtet ein, Commander.“

„Was genau sollen wir tun, sollten wir die Mission annehmen, Admiral Custer?“, fragte Commander Crowe.

„Nehmen sie die Rebellen fest, und bringen sie sie nach Deep Space Nine. Dort sollen sie vor Gericht gestellt werden. Danach begeben sie sich unverzüglich in den Mutara-Sektor, und helfen dort. Tun sie was getan werden muss, sollten die Rebellen die Kirow angreifen.“

„Das tun sie garantiert, Admiral, wenn sie erfahren, dass sich die anderen vor einem Föderationsgericht verantworten müssen. Die werden ihre Gesinnungsgenossen freipressen wollen.“, sagte Russell Crowe.

„Also was ist, Commander? Trauen sie sich diese Mission zu oder nicht?“

„Das kriegen wir hin, Admiral.“, sagte der erste Offizier der Kirow.

„Gut. Dann viel Glück, Commander Crowe. Admiral Custer Ende.“

Auf dem Stützpunkt des neuen Maquis

Husband Vinson, der Anführer der Rebellen, hatte gerade den Nebenraum neben dem Besprechungsraum als sein Büro eingerichtet, als Kirk den Raum betrat. Husband bemerkte ihn erst, als er sich räusperte.

„Was gibt es Kirk?“, fragte Mr. Vinson.

„Ein Problem, Husband. Ein klingonisches Geschwader wurde gesichtet.“

„Bitte sag, dass das ein Scherz ist, Kirk.“, sagte Husband Vinson.

„Leider kein Scherz, Husband. Die Silhouetten der klingonischen Schiffe kann man nicht verwechseln.“

„Das ist doch nicht alles, Kirk?“, fragte Husband.

„Leider nein. Ein weiteres Raumschiff der Föderation ist soeben eingetroffen.“ 693

„Welches?“, fragte Husband Vinson.

„Die Akron.“

„Sagt mir nichts, Kirk.“, sagte der Anführer des neuen Maquis.

„Sie ist das neueste Schiff der Föderation im aktiven Dienst.“

„Weißt du sonst noch etwas über die Akron?“, fragte Mr. Vinson. „Sie ist ein Schwesterschiff der Los Angeles. Kommandant ist ein Mann namens Dennis Rodman.“

„Zu welcher Klasse gehört die Los Angeles noch mal?“, fragte Husband.

„Zur Cumberland-Klasse.“

„Scheiße. Jetzt haben wir zwei von diesen Schiffen im Genick sitzen. Gibt es sonst noch was?“, sagte Colonel Vinson.

„Bevor uns einer der klingonischen Kreuzer dazwischen gefunkt hat, konnten wir zumindest Bruchteile eines Gesprächs zwischen Starfleet Command und einem Schiff der Raumflotte mithören.“

„Welcher Kreuzer hat gestört?“, fragte Husband.

„Es war die Maranga IV.“

„Und welches Schiff hat man bei Starfleet Command kontaktiert?“, wollte der Colonel wissen.

„Die Kirow. Sie wird auf dieser Mission vom ersten Offizier, einem Neuseeländer, namens Russell Crowe befehligt.“

„Weißt du, welchen Auftrag die Kirow bekommen hat?“, fragte Husband.

„Bedauerlicherweise nein, Husband. Denn zwischen den Gesprächsfetzen war des Öfteren ein lautes Rauschen zu hören. Und genau in dem Moment, als Commander Crowe gebrieft wurde, war wieder dieses Rauschen zu hören.“

„Ich bin sicher, dass die Kirow den Auftrag hat, nach Laxos zu fliegen. Eine andere Erklärung gibt’s nicht.“, sagte Husband Vinson.

Auf Laxos

Die Rebellen hatten es wieder einmal richtig krachen lassen. Sie hatten eine Orgie gefeiert, die denen im antiken Rom in nichts nachstand. Die Konsequenzen ließen auch nicht lange auf sich warten. Denn als die Gruppe am nächsten Morgen erwachte, hatten alle einen Brummschädel von ihrem Stützpunkt bis nach Laxos. Ihr Anführer sah auf, als ein junger Nachrichtendienstoffizier in sein Gemach stürmte.

„Von Anklopfen hast du wohl noch nichts gehört, du Lackaffe.“, schnauzte er den Offizier. 694
 

„Bitte um Verzeihung, Herr. Aber gerade kam die Meldung, dass ein Föderationsschiff auf dem Weg hierher ist.“

„WAS???“, fragte der Rebell.

„Ein Föderationsschiff ist auf dem Weg hierher. Es wird weniger als 10 Minuten hier sein.“

„Welches Schiff? Und wieso so schnell?“, fragte der Anführer. „Das Schiff fliegt mit Transwarp 1.“

„Dann kann es nur ein Schiff der Cumberland-Klasse sein.“, sagte der Anführer der kleinen Rebellengruppe.

„Nein, Herr. Es ist ein Schiff der Sovereign-Klasse. Die Kirow.“

„Ich dachte, Jekaterina Romanova ist dienstunfähig.“, sagte der Rebellenführer.

„Der erste Offizier, Russell Crowe, hat zurzeit das Kommando inne.“

„Vermaledeit. Na schön. Lass alle verfügbaren Männer in Alarmbereitschaft versetzen. So leicht kriegen uns diese Speichellecker nicht zu fassen.“, sagte der Rebell.

An Bord der Akron

Morena Alvarez, Dennis Rodmans Nummer eins, musterte ihren Vorgesetzten. Dennis Rodman war ein muskelbepackter Hüne von 2,39 m Körpergröße. Das dunkelbraune Kopfhaar ging an den Schläfen in einen ebensolchen Vollbart über, was dem runden Gesicht des US-Amerikaners ein martialisches Aussehen verlieh. Dazu passte auch die riesige Knubbelnase im Gesicht des Hünen.

„Glauben sie, dass die Rebellen uns angreifen werden?“, fragte Morena ihren Vorgesetzten.

„Sonst hätte ich wohl kaum den Befehl erteilt, die Schilde und die Waffensysteme zu aktivieren, Nummer eins.“

„Aus den letzten Nachrichten ging hervor, dass die Kirow mit der Befreiungsmission auf Laxos beauftragt wurde. Commander Crowe führt das Schiff.“, sagte Morena.

„Ein fähiger Mann. Er hat mal unter mir gedient. Der kriegt das schon auf die Reihe.“

„Hoffen wir, dass er diese Mission nicht in den Sand setzt, Captain.“, sagte Commander Alvarez.

„Wenn überhaupt jemand, dann schafft er es. Russell Crowe ist ein ausgezeichneter Stratege und ein hervorragender Taktiker.“

Auf Laxos

Batista saß auf einer der vielen Pritschen im Verlies des Palastes. Er war ein 1,74 Meter großer Mann mit braunen Augen und einem ovalen Gesicht. Seine dunkelbraunen Haare reichten bis zur Oberkante der Ohren und waren 695

adrett mit Haargel zurückgekämmt. Auffällig waren auch der dezente Schnurrbart und sein Kinnbärtchen. Sein athletischer Körper hätte manche Frau beeindruckt. Seine elegante Kleidung, bestehend aus einer schwarzen Stoffhose, einer blauen Samtjacke mit goldenen Stickereien an der Knopfleiste, einem weißen Hemd mit verstärktem Kragen und schwarzen, schweren Lederstiefeln verriet jedem, dass er es mit dem Herrscher auf Laxos zu tun hatte. An der Wand gegenüber hatte man eine Frau mit Ketten, die von der Decke hingen, an den Handgelenken gefesselt. Ihr Name war Melissa

Conway. Sie war eine 1,63 m große Blondine mit einem atemberaubenden Körper. Am Tag ihrer Ankunft war Batista aufgefallen, dass Melissa graue Augen hatte. Auch bei der Oberweite war sie gut gesegnet. Ihre Haare trug Melissa Conway offen, sodass sie bis zu ihren Brüsten reichten, und so ihr volles ovales Gesicht stark zur Geltung brachten. Die elegante Nase schien wie für dieses reizvolle Antlitz gemacht. Bekleidet war sie mit etwas, das mal ein blaues Kleid mit vielen aufgestickten Perlen war.

Batista dachte an den Tag zurück, als die Rebellen ihn und seine Familie überrascht, und mit brutaler Gewalt ins Verlies gebracht hatten. Seitdem verlangten sie immer wieder die Abdankung des Regenten zu ihren Bedingungen. Doch er weigerte sich standhaft, den Forderungen der Rebellen nachzukommen. Und dafür zahlte Batista einen hohen Preis. Denn jedes Mal, wenn er sich weigerte, wurde seine zweite Tochter Shina Fay mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Seine erstgeborene Tochter Liasanya, sie war 10 Minuten älter als Shina Fay, ließen die Rebellen allerdings in Ruhe. Batista hasste diese Kerle. Sie schlugen sich auf Kosten seines Volkes die Bäuche voll, während die Laxonen Hunger leiden mussten. Wenn er könnte, würde er diesen Rebellen am liebsten den Hals umdrehen.

Der Riegel wurde zurückgezogen, und Schlüssel drehten sich im Schloss. Die Tür öffnete sich, und der Anführer der Maquis-Rebellen betrat die Zelle. Batista sah Ungeduld und Wut in den Augen des Mannes.

„Wie lange willst du uns noch hinhalten? Du weißt ganz genau, dass du das unvermeidliche verzögerst. Du wirst zu unseren Bedingungen abdanken, so oder so.“, sagte der Rebell.

„Ich werde mich deinen Forderungen niemals beugen.“

„Das sagst du jedes Mal, Batista. Hast dir den Rücken deiner Tochter mal angesehen? Ich bin mit meiner Geduld am Ende.“, sagte der Mann.

„Dann ist das halt so. Ich bin derjenige, der damit leben muss, nicht du. Und ja, ich sehe Shina Fays Rücken jedes Mal, wenn du sie auspeitschen lässt. Du bist kein Mensch, du bist ein Monster!“

„Pass bloß auf, Batista. Noch so eine saublöde Bemerkung, und mir reißt endgültig der Geduldsfaden.“, sagte der Rebellenanführer.

„Was willst du machen, du dreckiger Rebell? Uns vergiften?“ 696

„Am liebsten würde ich das, du arrogantes Arschloch. Das blöde ist nur, lebendig nützt ihr mir mehr, als tot.“, sagte der Maquis-Rebell.

„Kann es sein, dass dir dein Rebellenarsch auf Grundeis geht?“

Der Maquis beugte sich vor und sah den Regenten der Laxonen bitterböse an.

„Am liebsten, würde ich dir alle Knochen brechen, Batista. Aber leider muss ich vorsichtig sein. Wir haben nämlich ungebetenen Besuch bekommen.“, sagte der Maquis.

„Wen denn?“

„Ein Raumschiff der Vereinigten Föderation der Planeten ist hier. Es ist die Kirow. Nur falls es dich interessiert.“, sagte der Rebell des neuen Maquis.

„Dann werde ich erst Recht nicht abdanken. Denn ich will zusehen, wir du und deine Rebellen-Freunde eurer gerechten Strafe zugeführt werdet.“

Der Anführer der kleinen Maquis-Schar schlug dem Regenten der Laxonen mit dem Handrücken ins Gesicht.

„Eben ist bei mir der Ofen aus. Wenn du dich noch einmal weigerst, dann stirbt als erstes deine Frau. Und danach bringen wir solange ein Mitglied deiner Familie um, bis du klein beigibst. Aber fürs erste begnüge ich mich damit, deine liebreizende Tochter Shina Fay höchstpersönlich auszupeitschen.“, sagte der Rebell.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ließ sich der Rebell des neuen Maquis von seinem Handlanger die Peitsche geben. Es handelte sich dabei um eine mehrsträngige Peitsche, in deren Stränge man drei Knoten geknotet hatte. Auf Befehl des Anführers wurde Shina Fay auf brutale Art und Weise mit den Armen an gekreuztes Gestell gefesselt. Der jungen Prinzessin wurde das Kleid buchstäblich vom Leib gerissen, auch der darunter liegende Verband wurde unsanft entfernt. Der Führer der Maquis-Gruppe sah den vernarbten Rücken von Batistas Tochter.

„Zeit, noch ein paar Narben mehr hinzuzufügen, findest du nicht, Batista?“, fragte er mit einer vor Spott triefenden Stimme.

Ohne eine Antwort des Regenten abzuwarten, schlug der Rebell das erste Mal zu. Dabei wendete er seine ganze Kraft auf, sein Gesicht zu einer vor Wut verzerrten Fratze entstellt. Shina Fay schrie vor Schmerzen lauf auf, als der Peitschenhieb das erste Mal ihren Rücken traf. Ein zweiter Hieb, ein zweiter Schmerzensschrei der Prinzessin. Der Maquis-Rebell schlug immer wieder auf die Prinzessin ein, bis dieses das Bewusstsein verloren hatte.

„So, Batista. Das ist meine allerletzte Warnung an dich. Beim nächsten Mal bist du Witwer.“, sagte der Mann.

An Bord der Kirow 697

Russell Crowe saß im Besprechungsraum und ging einige Berichte durch. Er hob den Kopf, als der Türsummer ertönte.

„Wer ist da?“, fragte er.

„Dambala.“

„Kommen sie rein.“, sagte Russell Crowe.

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q betrat den Raum.

Elegant gekleidet, wie immer. Commander Crowe erhob sich.

„Sie sind also Dambala. Meine Vorgesetzte hält große Stücke auf sie.“; sagte er.

„Wenn ich ehrlich sein darf, Commander, dann hatte ich eigentlich eine etwas freundlichere Begrüßung erwartet.“

„Bitte um Entschuldigung. Es freut mich natürlich, sie kennenzulernen. Aber bitte, setzen sie sich doch.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Danke.“

„Also, Dambala. Was haben sie mir zu berichten?“, fragte Commander Crowe, nachdem sich der Q gesetzt hatte.

„Die Rebellen versuchen, die Macht auf dem Planeten an sich zu reißen, damit sie von der Föderation nicht bestraft werden können. Sie würden politische Immunität genießen.“

„Feige Bande.“, sagte Russell Crowe.

„Der Anführer dieser Gruppe heißt Tyrone. Er gilt als äußerst rücksichtslos und brutal.“

„Der Kerl wird mir immer sympathischer. Achtung, Sarkasmus.“, sagte der erste Offizier der Kirow.

„Ich habe noch in Erfahrung bringen können, dass er den Druck auf Batista, den Regenten auf Laxos, erhöht hat. Er hat damit gedroht, nacheinander die Familie umzubringen. Mit Königin Lumira will er anfangen.“

„Der kommt mir nicht ungestraft davon. Hat er sonst irgendwas getan, was eine Bestrafung rechtfertigt?“, sagte Russell Crowe.

„Er hat Prinzessin Shina Fay, Batistas jüngste Tochter, mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht, bis sie das Bewusstsein verloren hat.“

Russell Crowe hieb mit der Faust auf den Tisch.

„Das wird diesen Bastard teuer zu stehen kommen. Dafür sorge ich, und wenn ich ihn zusammenschlagen muss.“, sagte er.

„Davon würde ich dringend abraten, Commander Crowe. Ihr seid Offizier, vergesst das nicht.“ 698
 

„Und wer soll diesem Mistkerl sonst zeigen, wo der Hammer hängt?“, fragte Commander Crowe.

„Ich wüsste jemanden, der bereit wäre, uns zu helfen.“

„Und wer ist das, Dambala?“, fragte Jekaterinas Nummer eins.

„Ein Mann namens Kane. Er ist der Oberbefehlshaber der laxonischen Streitkräfte. Er und Hauptman Corleone, der Chef der Palastwache, brennen nur darauf, die Rebellen wieder loszuwerden.“ „Darf ich nach dem „Warum“ fragen, Dambala?“, fragte der erste Offizier der Kirow.

„Natürlich Commander. Die Maquis-Rebellen feiern auf Kosten der Bevölkerung täglich wilde Orgien im Palast und nehmen es auch mit der Hygiene nicht so genau.“

„Verstehe. Was mich allerdings noch interessiert, ist, wie es 50! Rebellen gelungen ist, sowohl die Armee, als auch die Palastwache und auch die Leibgarde der königlichen Familie zu überwältigen.“, sagte Russel Crowe.

„Ganz einfach, sie haben ein lang anhaltendes Betäubungsgas benutzt. Sie haben die Leute in die Mannschaftsunterkünfte geschafft und die Türen verrammelt. Dann haben sie die Eingänge mit einem Kraftfeld gesichert.“

„Und wie haben sie herausgefunden, dass uns Kane und Corleone wohl gesonnen sind, Dambala?“, fragte Commander Crowe.

„Ich kann einfach so aus dem Nichts erscheinen. Genau so wie Dayani.“

Auf Laxos

Tyrone ließ Batista und dessen Familie nach oben bringen. Auf dem Marktplatz hatte man eine Frau an Händen und Füßen gefesselt. Die Seile, mit denen sie gefesselt war, hatte man an vier Pferde gebunden. Shina Fay erkannte sie als ihre Kammerzofe Marion. Die Prinzessin schluckte und ihr lief es eiskalt den Rücken runter, Denn sie wusste, was gleich passieren würde. Die Stimme des Rebellen durchschnitt die Stille wie ein scharfes Messer.

„Ich nehme an, du fragst dich, warum ich dich hier rauf habe bringen lassen.“, sagte Tyrone.

„Ich kann es mir aber denken. Du willst ein Exempel statuieren, um mir zu zeigen, dass deine Worte keine leeren Drohungen sind.“

„Ganz Recht.“, sagte der Maquis-Rebell.

Dann hob er einen Arm und senkte ihn anschließend mit einer schnellen Bewegung. Die Pferde wurden mit Peitschenhieben angetrieben und rannten in alle Richtungen davon. Shina Fay weinte, als sie hilflos zusehen musste, wie Marion in Stücke gerissen wurde. 699

„So, Batista. Ich gebe dir drei Tage zum Nachdenken. Danach ist deine Frau dran.“, sagte Tyrone.

„Am liebsten würde ich dich vergiften.“

„Sicher möchtest du das. Das Dumme ist nur, ich habe dich in der Hand.“, sagte Tyrone.

Dass er bald vor einem Föderationsgericht stehen würde, ahnte er nicht.

An Bord der Kirow

„Was ich aber noch nicht verstanden habe, ist, wie es den Rebellen gelungen ist, das Gas reinzuschmuggeln.“, sagte Russell Crowe.

„Sie haben einen Helfer, bei der Palastwache. Ein Mann namens Malabance.“

„Dieser Verräter soll mir bloß nicht in die Finger kommen, sonst garantiere ich für nichts mehr.“, sagte Commander Crowe.

„Commander Crowe, machen sie sich bewusst, dass solche Aktionen für sie zum Bumerang werden könnten.“

„Ich weiß, Dambala. Aber wenn ich es nicht tue, wer dann?“, sagte der erste Offizier der Kirow.

In diesem Moment ertönte wieder der Türsummer.

„Wer ist da?“, fragte Commander Crowe.

„Zoltan.“

„Kommen sie rein.“, sagte Russell Crowe.

Die Türhälften glitten auseinander und der alte Werwolf trat ein.

„Was kann ich für sie tun, Zoltan?“, fragte Russell Crowe.

„Mein Bruder Forkan hat mich geschickt. Er will, dass ich ihnen ein wenig zur Hand gehe, und die bösen Buben ein bisschen in die Mangel nehme.“

„Woher weiß er eigentlich von meinem Dilemma?“, wollte der erste Offizier der Kirow wissen.

„Ihre Vorgesetzte hat ihm damals vor der Aufnahmezeremonie der Malmori ein bisschen vom Alltag eines Raumschiffoffiziers erzählt. Was er darf, und was er nicht darf. Forkan weiß, was hier passiert, und wie die Maquis-Rebellen die Laxonen tyrannisieren. Und da er sie ein wenig kennt, Commander Crowe, weiß er, dass sie den Rebellen am liebsten persönlich in den Arsch treten würden, sich dies aber nicht leisten können, da ihr Verhalten Konsequenzen für sie nach sich ziehen könnte. Man kann also sagen, dass ich ihr Mann fürs Grobe bin.“

„Sagen sie ihrem Bruder liebe Grüße von mir. Ich danke für seine Unterstützung.“, sagte Russell Crowe. 700

„Schon in Ordnung.“

Smolensk, 22. Juli 2380, 10:45 Uhr Ortszeit

Jekaterina und ihre ältere Schwester Anastasia saßen auf den Stufen der Terrasse. Die Kommandantin der Kirow hatte ihren Kopf an die Schulter ihrer Schwester gelehnt.

„Du scheinst dieses Auszeit dringend nötig zu haben, Schwesterherz.“, sagte Anastasia.

„Darauf kannst du deinen Arsch verwetten, Anastasia.“

Anastasia lachte,

„Nix gibt’s Jekaterina. Mein Arsch gehört mir, und den brauch ich noch.“, sagte sie.

„Es tut gut, mal richtig abzuschalten, und zu tun, worauf man gerade Lust hat.“

„Wohl wahr.“, sagte Anastasia.

„Ich würde gerne mal wieder was im Garten machen. Aber ich weiß nicht was.“

„Frag doch meine Verlobte Altagracia. Sie hat bestimmt eine Idee.“, sagte Anastasia.

„Mach ich bei Gelegenheit, Anastasia.“

„Da fällt mir was ein. Wenn wir wieder auf der Kirow sind, wirst du jemanden brauchen, der sich um Brynns Bäumchen kümmert. Sonst war es das mit dem Clementinenbaum.“, sagte Anastasia.

„Du solltest mich besser kennen, als die anderen. Ich habe bereits vorgesorgt.“

„Was würden Mutter und Vater sagen, wenn sie sehen würden, was wir hier im Garten erschaffen haben?“, fragte Anastasia ihre Schwester.

„Ich denke, es würde ihnen gefallen.“

Auf Laxos

Tyrone saß auf dem Thron des Königs. Er wusste, dass ihm etwas einfallen musste, wollte er seiner Verhaftung entgehen. Und genau das würde passieren. Denn warum hatte man die Kirow sonst nach Laxos beordert?

Im Verlies

Batista und seine Familie hörten laute Schreie, und das Geräusch schneller Schritte die sich entfernten. Kurz darauf wurde die Tür aus den Angeln gerissen, und Zoltan, der Werwolf, betrat die Zelle. Dem König der Laxonen kroch die Angst in die Glieder. Er war unfähig, sich zu bewegen. Auch 701

seiner Frau und seinen Töchtern sah man die Angst an. Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn des Königs. Aber nicht, weil es heiß war. Sondern, weil er Angst hatte.

„Wollt ihr euren Thron zurück, oder wollt ihr hier Wurzeln schlagen, Mylord?“, fragte der Werwolf mit einer tiefen furchteinflößenden Stimme-

„W-w-w wer seid ihr?“

„Ich bin Zoltan. Aber jetzt kommt. Ihr wollt doch sicher miterleben, wie Tyrone verhaftet wird.“, sagte Zoltan.

„Können wir euch trauen?“

„Wenn ich mit „JA“ antworten würde, würdet ihr mir glauben?“, konterte Zoltan mit einer Gegenfrage.

„Nun… Nein.“

„Kann ich euch nicht verdenken.“, sagte Zoltan, den die Antwort des Königs gekränkt hatte.

Der Werwolf wandte sich zum Gehen.

„Hey, Zoltan! Warten sie ne Sekunde. Ich habe nie gesagt, dass ich nicht versuchen könnte ihnen zu trauen.“, sagte der König der Laxonen.

„Wer spielt denn jetzt ein Spielchen?“

„Es ist kein Spiel. Ne Abmachung, sonst nichts. Ich denke, ihr seid mir und meiner Familie nicht wohl gesonnen. Beweist mir, dass ich mich irre. Aber sobald ihr anfangt, mich und meine Angehörigen zu verraten, habt ihr keine Gnade zu erwarten.“, sagte Batista.

„In Ordnung. Aber jetzt sollten wir uns sputen, ehe Tyrone und seine verachtenswerten Komplizen türmen.“

Im Thronsaal hörte sich Tyrone den Bericht der geflohenen Gefängniswärter an.

„Ein Werwolf? Seid ihr sicher?“, fragte er ungläubig.

„Nur ein Werwolf geht auf zwei Beinen.“

Tyrone sah, wie alle Farbe aus den Gesichtern der Wachsoldaten wich. Denn er hörte es selbst. Ein tiefes, dunkles, furchteinflößendes Grollen. Schritte hallten durch den Korridor, der zum Thronsaal führte. Schwere Schritte, die den Boden erzittern ließen. Einer der beiden Wächter drehte sich um, als Zoltan den Raum betrat.

„D- d- d DA IST ER!“, schrie der Soldat.

Tyrone bekam es mit der Angst zu tun. Denn die Bestie hatte ihre Krallen ausgefahren. Speichel rann aus den Mundwinkeln. Tyrone wusste, dass 702

ein Werwolf äußerlich behäbig wirkte. Doch der Schein trug. Diese Monster waren verdammt schnell. Tyrone durfte sich seine Angst auf gar keinen Fall anmerken lassen.

„Wenn du mich töten willst, dann mach es lieber gleich, du Scheusal.“, sagte er.

Ein furchterregendes Grollen ertönte, das wohl ein Lachen sein sollte.

„Nicht doch, nicht doch. Würde ich dich töten, du Erbsenhirn, dann könnte Commander Crowe seine Mission nicht erfüllen. Und das macht sich nicht gut in der Personalakte.“, sagte Zoltan. „Als ob mich das interessiert.“

„Störrisch wie ein Maulesel. So hab ich das gern.“, sagte der alte Werwolf.

„Du solltest besser auf deinen Rücken aufpassen, du Bastard. Ich hab nämlich noch ein Ass im Ärmel.“

„Wenn du denkst, dass du mich damit beeindrucken kannst, dann liegst du falsch, du ehrloses Individuum.“, sagte Zoltan.

„Das werden wir sehen. Kommt raus, Jungs!“

Mehrere Krieger erschienen aus dem Dunkel der Wände und umzingelten den Werwolf.

„Deine Papiertiger, die du gerade gerufen hast, zerfetz ich mal gerade im Vorbeigehen.“, sagte der Werwolf.

„Dann pass mal auf.“

Der Rebell zog an einer goldenen Schnur und ein Baldachin, der an der Decke aufgespannt war, fiel herab. Die Krieger und Zoltan verschwanden darunter. Das Geräusch von mehreren Schlägen wurde hörbar, als sich Tyrones Verstärkung eine Schlägerei mit dem Werwolf lieferte. Doch Tyrone musste schnell feststellen, dass der alte Werwolf recht hatte. Die Krieger, die der Maquis-Rebell rekrutiert hatte, waren dieser Kreatur nicht gewachsen. Tyrone rutschte das Herz in die Hose. Wenn er nicht schnell das Weite suchte, dann war alles verloren.

So schnell er konnte, stürmte er vom Thron. Doch als er am Baldachin vorbei kam zerriss der Werwolf den Stoff und packte den Rebell am Kragen.

„Komm her! Du hast einen Kopf wie ein Hauklotz! Also muss man draufhauen.“, sagte Zoltan und begann, Tyrone mit Schlägen auf den Kopf zu bearbeiten.

„Dir spitz ich den Spargel an, bis man dich fürn Pfirsich hält. Komm her!“

Weitere Schläge auf den Kopf des Maquis-Mannes, ehe er nach draußen in den Palasthof geschleift wurde, wo Batista und seine Familie warteten.

„Jetzt geht’s ein bisschen an die frische Luft! Komm her.“, sagte der 703

Werwolf.

Der König der Laxonen musste, seine Leibgarde in Schach halten, damit sie Zoltan nicht festnahmen. Der Werwolf schlug weiter auf Tyrone ein.

„Die Fresse werde ich dir nicht einschlagen! Sonst muss ich dich in Gips nachformen lassen, damit man dich im Gericht erkennt! Steh auf! Komm her!“ sagte Zoltan.

Dann hörte er die Stimme von Prinzessin Shina Fay hinter sich.

„Überlass mir diesen Wurm! Sein Tod soll langsam und qualvoll sein, damit meine Zofe Marion gerächt wird.“, sagte sie.

„Tut mir leid, aber die Made gehört mir.“

Shina Fay trat auf den Werwolf und den Rebellen zu und zog einen Säbel, den sie sich von einem der Gardisten geliehen hatte.

„Warum soll er im Gefängnis weiter leben, wenn die Wüste für seine Bestattung sorgen kann? Überlassen wir ihn doch lieber den Geiern.“, zischte sie.

„Das geht nicht, dann werden die lieben Tierchen vergiftet.“

Shina Fay seufzte schwer.

„Ich werde dein Gesetz leider nie verstehen.“, sagte sie dann.

Am Abend

König Batista saß mit dem ersten Offizier der Kirow in seinem Konferenzzimmer.

„Nun, Commander. Ich würde ja sehr gerne persönlich vor dem Föderationsgericht aussagen. Aber ich kann hier nicht weg. Ich muss Recht und Ordnung wieder herstellen. Aber meine jüngste Tochter Shina Fay kann die Gräueltaten dieser Verbrecher ebenfalls bezeugen.“, sagte der König.

„Ich verstehe, Hoheit.“

„Was glauben sie, was diese Rebellen im Falle eines Schuldspruchs erwarten könnte, Commander Crowe?“, wollte Batista wissen.

„Kommt drauf an. Wer geständig ist, und wichtige Informationen preis gibt, könnte eine mildere Strafe bekommen. Wer sich uneinsichtig zeigt und auch noch stolz auf seine Verbrechen ist, dem kann entweder eine lebenslange Haftstrafe auf Rura Penthe blühen, oder, wenn es sich um eine Frau handelt, eine Ende in der Brutkolonie auf Katmai.“

„Beides würde den Verbrechen von diesen Leuten an meinem Volk gerecht werden. Ich wünsche ihnen viel Glück, Commander.“, sagte König Batista.

„Danke, Mylord.“ 704

Raumstation Deep Space Nine drei Tage später

Im großen Saal hatte man wieder ein paar Stühle, einen Tisch für die Verteidigung der Rebellen, einen für die Anklage und erhöhte einen als Richterpult aufgebaut. Ezri Dax, die Trill, trat wieder als Vertreterin der Anklage auf, während Arikka, die Ariantu, und Präsidentin der Föderation, als Richterin fungierte. Der Verteidiger war ein Andorianer. Nach drei Hammerschlägen und der Eröffnung wandte sich die Ariantu an Ezri Dax.

„Lieutenant Dax, verlesen sie bitte, die Anklageschrift.“, sagte sie.

„Ja, Madam President.“

Dann fuhr Ezri fort.

„Den angeklagten Mitgliedern der Gruppe „Neuer Maquis werden folgende Verbrechen vorgeworfen: Freiheitsberaubung, Erpressung, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“, sagte sie.

„Danke, Lieutenant.“

Arikka wandte sich an die angeklagten Rebellen, als deren Sprecher Tyrone fungierte.

„Tyrone, plädieren sie und ihre Mitangeklagten auf schuldig oder nicht schuldig?“, fragte sie den Rebell.

„Nicht schuldig, euer Ehren.“

„Lieutenant Dax, bitte rufen sie den ersten Zeugen auf.“, sagte Arikka.

„Ja Madam President.“

Ezri rief als erstes Shina Fay, Batistas jüngste Tochter in den Zeugenstand.

„Prinzessin Shina Fay. Wäret ihr so freundlich, und schildert uns die Ereignisse seit der Ankunft der Rebellen?“, sagte sie.

Die Prinzessin schilderte die Ereignisse und zeigte dabei auch ihren mit Narben übersäten Rücken. Ezri Dax erschrak, und auch die Präsidentin der Föderation sah ungläubig drein.

„Mylady, ihr müsst auf meine nächste Frage nicht antworten, wenn ihr emotional nicht dazu in der Lage seid.“, sagte Ezri.

„Nein, ist schon in Ordnung. Fragen sie mich ruhig Lieutenant Dax.“

„Würdet ihr uns freundlicherweise verraten, wer von den Rebellen euch das angetan hat?“, fragte Ezri Dax.

„Tyrone, der Anführer dieser Gruppe.“

„Danke, Prinzessin. Keine weiteren Fragen.“ 705

Der andorianische Verteidiger versuchte alles, um die Aussage der Prinzessin als unglaubwürdig darzustellen, doch er scheiterte kläglich.

Als nächstes rief Ezri einen der Rebellen, einen Mann namens Jose´, in den Zeugenstand. Der Maquis-Rebell strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. Und so verwunderte es nicht, dass er sich hartnäckig weigerte, Ezris Fragen zu beantworten. Als die Türhälften auseinander glitten, wurde es still im Saal. Einige der Anwesenden wurden vor Schreck kreidebleich. Denn der Neuankömmling war kein geringerer als Zoltan, der Werwolf. Tyrone wurde beim Anblick dieser Kreatur angst und bange, Er hatte nicht vergessen was der Werwolf mit ihm gemacht hatte. Zoltan baute sich vor dem Rebellen auf,

„An deiner Stelle würde ich die Fragen der Anklage lieber beantworten.

Denn die Konsequenzen, die auf dich zukommen, sind nicht gerade angenehm.“, sagte er.

Jose´ schüttelte trotzig den Kopf.

„Entweder du redest, oder ich werde die Wahrheit aus dir heraus prügeln.“, sagte der Werwolf.

Wieder bekam er eine trotzige Reaktion des Rebellen. Doch plötzlich packte Zoltan den Maquis-Mann am Ausschnitt seines Hemds und riss ihn unsanft nach oben.

„Willst du sprechen Mann, oder lass ich dich vor eine Phaserbank binden.“, sagte Zoltan.

Auch wenn er seine Drohung nicht ernst meinte, so verfehlte sie ihre Wirkung nicht. Denn Jose´ brach im Zeugenstand zusammen, und berichtete, wie der Anführer den Tod der Laxonen befohlen hatte. Wie er und die anderen die Nahrungsmittel plündern sollten.

Als nächstes rief Lieutenant Dax eine Frau namens Gilian in den Zeugenstand. Und ehe Ezri ihre erste Frage stellen konnte, legte die Rebellin ein umfassendes Geständnis ab. Tyrone sah sie ungläubig an, denn Gilian erzählte alles. Sie verriet sogar die exakte Position des Rebellenstützpunkts. Tyrone wusste, dass es vorbei war. Gilians Verrat hatte dem neuen Maquis den Todesstoß versetzt. Das Dumme war nur, dass er sie dafür nicht zur Rechenschaft ziehen konnte. Denn der Werwolf würde nicht zögern und ihn mit seinen mächtigen Klauen in Stücke reißen.

Das Urteil fiel entsprechend aus. Alle männlichen Rebellen bekamen eine lebenslange Haftstrafe im Straflager auf Rura Penthe, während die Frauen in die Brutkolonie nach Katmai überführt werden sollten. Nur Gilian kam mit einer einjährigen Haftstrafe und anschließender Verbannung auf Lebenszeit das mildeste Strafmaß aufgebrummt.

Nach der Urteilsverkündung brach die Kirow in den Mutara-Sektor auf. Denn dieser Teil der Mission war erledigt. Und die Befehle waren eindeutig. 706

Doch Prinzessin Shina Fay befand sich noch an Bord des Schiffes. Aber die Befehle ließen keine Verzögerung zu. Es war also unmöglich, König Batistas Tochter vorher nach Hause zu bringen. Russell Crowe passte das gar nicht. Es gab schon genug Zivilisten auf der Kirow. Obwohl die meisten davon aus dem Umfeld seiner Vorgesetzten kamen und nicht an Bord waren, wie sich Commander Crowe eingestehen musste, war er kein Freund davon, dass Zivilisten auf einem Raumschiff lebten.

Auf dem Planeten der Rebellen

Husband Vinson ging gerade einige Berichte durch, als sein Mork, sein Berater, den Raum betrat.

„Hast du Zeit, Husband?“, fragte Mork.

„Gibt es Neuigkeiten?“

„Sonst wäre ich nicht hier.“; sagte der Berater.

„Unsere Freunde auf Laxos wurden verhaftet.“, sagte Mork.

„WAS???“

„Tyrone und die anderen wurden verhaftet. Auf Deep Space Nine wurde sie vor ein Föderationsgericht gestellt. Gilian war die einzige, die einigermaßen glimpflich davon gekommen ist.“, sagte Mork.

„Wenigstens das.“

„Freu dich nicht zu früh, Husband.“, sagte Mork.

„Warum denn dieses?“

„Gilian hat uns verraten.“, sagte Mork.

„Bitte sag, dass das nicht wahr ist, Mork.“

„Leider doch, Husband.“, sagte Mork.

„Das hätte ich nicht gedacht. Nicht von meiner engsten Vertrauten.“

„Ich glaube eher, dass sie Angst gehabt hat.“, sagte Mork.

„Warum glaubst du das?“

„Weil vor ihr dein Cousin Jose´ im Zeugenstand war. Er wurde von einem Monster zur Aussage gezwungen. Wie ich dem Bericht entnehmen konnte, sah es aus wie ein Wolf der auf zwei Beinen geht.“, sagte Husbands Berater.

„Du willst mir tatsächlich weis machen, dass mein Cousin von einem Werwolf derart eingeschüchtert wurde, dass er angefangen hat zu singen?“

„Der Bericht lässt keine Zweifel zu. Und wie ich schon sagte, ist Gilian die einzige, die ein wirklich mildes Strafmaß bekommen hat. Tyrone und die 707

anderen Männer wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe auf Rura Penthe verurteilt.“, sagte Mork.

„Damn Shit. Und was ist mit Anna und Delicia?“

„Sie kommen in die Brutkolonie auf Katmai.“, sagte Mork.

„Wer war der Richter?“

„Präsidentin Arikka persönlich.“, sagte Mork.

„Wieso wundert mich das nicht, Mork?“

An Bord der Kirow

Russell Crowe saß in seinem Quartier und sah sich alte Fotos seiner Familie an. Er erinnerte sich an die vielen Feste die man damals zusammen gefeiert hatte. Seine Finger strichen über eine Figur aus Jade, die Tangaroa, den Gott des Meeres darstellte. Seine Schwester Moana hatte sie ihm vor 5 Jahren zu Weihnachten geschenkt. Und am heutigen Tag, den 27. Juli, jährte sich der Tod seiner Familie zum vierten Mal. Besonders seine Schwester fehlte ihm. Russell Crowe erinnerte sich daran, wie Moana in seinen Armen gestorben war.

Der Türsummer riss den ersten Offizier der Kirow aus seinen Gedanken.

„Herein.“, sagte Russell Crowe.

Die Türhälften glitten auseinander, und Shina Fay, König Batistas jüngste Tochter betrat den Raum. Der Neuseeländer nahm die Prinzessin näher in Augenschein. Prinzessin Shina Fay war mit ihren 1,91 m eine imposante Erscheinung. Sie hatte einen schlanken Körper und braune Haare, die bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten. In ihren braunen Augen lag Dankbarkeit. Die grazile Nase fügte sich harmonisch in Shina Fays Gesicht ein. Bekleidet war die Prinzessin mit einem Kleid aus weißer Seide, das mit goldenen Stickereien verziert war. Dazu trug sie weiße Sandaletten mit goldenen Ornamenten, die farblich zum Kleid passten. Commander Crowe wollte schon den protokollarischen Kniefall machen, doch Batistas Tochter hielt ihn zurück.

„Nein, Commander. Ihr kniet vor niemandem nieder.“, sagte Shina Fay.

„Danke, Mylady.“

Shina Fay entdeckte die Jadefigur, die auf dem Sideboard stand.

„Eine wunderschöne Figur. Wen stellt sie dar, Commander Crowe?“, sagte die Prinzessin.

„Das ist Tangaroa. Er ist der Gott des Meeres.“

„Ich dachte immer, der Gott des Meeres wäre Poseidon.“, sagte Shina Fay.

„Nicht bei den Maori.“ 708

„Verstehe.“, sagte die Prinzessin.

Dann nahm sie ein Foto vom Sideboard, dass Russell Crowe mit seiner Familie zeigte.

„Ist das ihre Familie, Commander?“, fragte sie.

„Ja. Der Herr ganz rechts ist mein Vater, Alexander Crowe. Ein aufrechter und ehrenvoller Mann.“

„Er muss sehr stolz auf sie sein.“, sagte Shina Fay.

„War er. Die Dame links von mir ist meine Schwester Moana. Und ganz links meine Mutter Patricia. Das Foto wurde einen Monat vor ihrem Tod aufgenommen.“

„Es tut mir leid, das zu hören, Commander.“, sagte Prinzessin Shina Fay.

„Danke für eure Anteilnahme, Mylady.“

„Gern geschehen.“, sagte Shina Fay.

Doch was die Prinzessin dann tat, überraschte Russell Crowe. Denn sie schlang ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen zärtlichen und liebevollen Kuss. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, fehlten Jekaterinas Nummer eins die Worte.

„Ich weiß, dass ich gegen die Etikette verstoßen habe, aber ich konnte nicht anders. Gib mir Zeit.“, sagte Shina Fay.

Russell Crowe wollte etwas erwidern, doch die Prinzessin legte ihm einen Finger auf die Lippen.

„Sag nichts. Bitte sag nichts. Gib mir einfach die Zeit, die ich mir erbten habe.“, sagte die Prinzessin.

Dann strich sie Russell über die Wange und verließ den Raum. Zurück blieb ein verblüffter Russell Crowe.

Auf dem Rebellenstützpunkt

Husband Vinson stand an einem der großen Fenster. Er dachte nach. Der Anführer des neuen Maquis wusste, dass er noch irgendwie ein Ass aus dem Ärmel ziehen musste. Doch ihm fiel nichts ein. Denn am gestrigen Tag war die Kirow eingetroffen. Doch vorher hatte er mehrfach versucht die Überwachung durch die Föderation und die Klingonen zu durchbrechen. Doch seine Schiffe wurden immer entdeckt und mit Waffengewalt zur Umkehr gezwungen. Der Rebellenführer seufzte schwer. Im Prinzip hatten er und seine Mitstreiter verloren.

An Bord der Kirow

Russell Crowe saß auf dem Platz in der Mitte, auf dem normalerweise Jekaterina Romanova saß. Er hatte seit dem Besuch der 709

Prinzessin jeglichen Kontakt mit ihr vermieden. Er wusste, es war falsch eine Frau wie sie zu lieben, war sie doch edlen Geblüts. Er hingegen kam aus einfachen Verhältnissen. Seine Familie hatte keine Beziehungen, die sie hätte nutzen können, um ihn an die Akademie zu bringen. Also hatte er hart gearbeitet, um an der Akademie der Sternenflotte aufgenommen zu werden. Und sein Ehrgeiz und seine Beharrlichkeit hatten sich ausgezahlt. Er hatte die Akademie als Jahrgangsbester abgeschlossen, und war schnell die Karriereleiter hochgeklettert. Sehr zum Verdruss vieler einflussreicher Familien.

Aber auf der anderen Seite fühlte Russell Crowe sich sehr oft allein, und hatte niemanden, dem er sich anvertrauen konnte. Er sehnte sich nach jemandem, der ihm zuhörte, und der ihn in seine Arme nahm und ihm den Halt gab, wenn er anfing die Hoffnung zu verlieren. Jemanden wie Prinzessin Shina Fay. Und das drohte ihn innerlich zu zerbrechen. Aber er hatte eine Mission zu Ende zu bringen, und konnte, ja durfte sich jetzt keine Schwäche leisten. Keiko Tadashita, die Kommunikationsoffizierin hob den Kopf, als eine Nachricht der Rebellen eintraf.

„Commander, der Anführer des neuen Maquis ruft uns.“, sagte Komi.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien Husband Vinsons Gesicht.

„Endlich begegnen wir uns, Commander Crowe. Endlich lerne ich den Mann kennen, der meine Freunde ins Verderben gestürzt hat.“, sagte der Rebell.

„Ich würde ihnen raten, mal vor der eigenen Haustür zu kehren. Sie haben diese Mission angeordnet. Obwohl sie wussten, dass das Ganze auch in einem Fiasko für ihre Gruppe enden könnte. Und jetzt stehen sie vor einem Scherbenhaufen und wollen mir die Schuld geben. Sie machen es sich sehr einfach, Mr. Vinson.“

Der Anführer der Rebellengruppe wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken, als Prinzessin Shina Fay auf die Brücke kam. Der Blick in ihren braunen Augen war hart und unerbittlich. Husband Vinson wusste: Von dieser Frau hatte er keine Gnade zu erwarten.

„Ich sehe schon, dass sie erkannt haben, dass ich ihnen das, was sie mir und meiner Familie angetan haben, niemals verzeihe. Ich hoffe nur, dass ihr Tod langsam und qualvoll ist.“, sagte die Prinzessin kalt.

Husband Vinson schluckte. Sein Instinkt hatte ihn nicht betrogen. Der Hass der Prinzessin würde ihn bis an sein Lebensende verfolgen. Dann wandte er sich wieder an Jekaterinas Nummer eins.

„Commander Crowe. Ich habe mit meinen Gesinnungsgenossen gesprochen, bevor ich mich mit ihnen in Verbindung gesetzt habe. Der neue Maquis kapituliert bedingungslos.“, sagte er dann. 710

„Ich akzeptiere ihre Kapitulation, Sir.“

„Danke, Commander. Und bevor ich diese Verbindung trenne, möchte ich ihnen noch etwas Persönliches sagen.“, sagte Husband Vinson.

„Ich höre.“

„Bevor die Prinzessin auf die Brücke kam, habe ich in ihrem Gesicht so etwas wie Kummer gesehen. Vielleicht auch Ratlosigkeit. Und ich kann ihnen nur eines sagen, Commander. Von Mensch zu Mensch, selbst als ihr Feind. Es stimmt mich traurig sie in so einer Lage zu sehen. Nicht zu wissen, wie sie sich entscheiden sollen.“, sagte der Maquis-Führer.

„Danke.“

Am Abend wurden die Mitglieder der Rebellengruppe vor Gericht gestellt. Präsidentin Arikka war höchstpersönlich an Bord der Imperator angereist, um wie üblich als Richterin zu fungieren, während Ezri Dax wie immer die Anklage vertreten würde. 711

USS Kirow - Mission 19

USS Kirow Mission 19

„Die Verhandlung ist geschlossen.“, sagte Arikka und schlug mit dem kleinen Holzhammer auf das provisorische Richterpult. Die meisten der Rebellen hatten Haftstrafen erhalten. Viele davon auf Rura Penthe. Wer geständig war, kam mit einer milden Strafe davon. Das härteste Strafmaß bekam jedoch der Anführer selbst. Er sollte auf Draconia in der Goyoma-Wüste dem mächtigen Sandwurm Shai Hulud als Opfer dargebracht werden. Den Transport der neuen Häftlinge für Rura Penthe übernahm die Los Angeles. Die Kirow brachte Husband Vinson nach Draconia. Russell Crowe erinnerte sich, wie der Rebellenführer aus der Komarow, dem zweiten Shuttle der Kirow, direkt in den Schlund des mächtigen Sandwurms gestoßen wurde. Doch jetzt galt es nach Hause zu fliegen, und Jekaterina Romanova abzuholen.

Smolensk, 9. August 2380, 15:00 Uhr Ortszeit

Jekaterina und die anderen warteten vor den Stufen von Jekaterinas Elternhaus auf das Eintreffen der Gargarin. Anastasias jüngere Schwester war wieder voller Tatendrang. Aber sie war sich auch darüber im Klaren, dass sie nicht gleich wieder Vollgas geben konnte. Sie musste es langsam angehen lassen. Und das bedeutete auch, Missionen abzulehnen. Auch wenn damit Ärger vorprogrammiert war. Pünktlich um 15:00 Uhr landete das Shuttle auf der Straße vor dem Haus. Die Seitenluke öffnete sich, und Prinzessin Shina Fay kam nach draußen.

„Captain Romanova, Commander Crowe lässt sich entschuldigen. Ihm geht es zurzeit nicht so gut, und er hat mich gebeten, sie abzuholen.“, sagte sie.

„Es tut mir leid das zu hören. Ich werde Commander Crowe bei Gelegenheit aufsuchen.“

„Ich denke, er kann ein bisschen Zuspruch gebrauchen, Captain. Ich tue schon, was ich kann, um ihn ein bisschen aufzumuntern, aber ich bin auch nur ein Mensch.“, sagte Shina Fay.

Alaia schaltete sich in die Unterhaltung ein.

„Ich muss schon sagen, dass es nicht gerade höflich ist, dass sie sich noch nicht vorgestellt haben.“, schalt sie Shina Fay.

„Bitte um Verzeihung, Captain Romanova. Ich bin die jüngste Tochter von König Batista, dem Regenten auf Laxos, Prinzessin Shina Fay.“

„Freut mich euch kennenzulernen, Mylady.“, sagte Jekaterina.

Auf der Kirow angekommen suchte Jekaterina sofort das Quartier ihres ersten Offiziers auf. Auf dessen Erlaubnis einzutreten, betrat die Kommandantin der Kirow den Raum.

„Wie geht es ihnen, Nummer eins?“, fragte sie besorgt. 712

„Nicht so gut, Captain. Alte seelische Wunden fangen an, wieder aufzubrechen.“

„Es tut mir leid, das zu hören, Nummer eins. Aber ich weiß, wie sich das anfühlt. Mein seelisches Martyrium hat auf unserer zwölften Mission begonnen, Nummer eins. Sie waren damals noch nicht bei uns. Damals war Captain Robertson noch mein erster Offizier.“, sagte Jekaterina.

„Und wann hat es aufgehört, Captain?“

„Auf unserer dreizehnten Mission. Der Grund für diesen seelischen Schmerz war die Angst um meine Schwester, Commander Crowe.“, sagte Jekaterina.

„Ihre Ehefrau hat mir mal erzählt, dass ihre seelischen Qualen sogar bis in ihre Teenagerzeit zurückgereicht haben.“

„Das stimmt, Nummer eins. Sehen sie her.“, sagte Jekaterina.

Dann krempelte sie die Ärmel ihrer Uniformjacke nach oben und zeigte Russell Crowe ihre Unterarme.

„Ich könnte diese Narben von Dambala, dem Q, entfernen lassen, aber das will ich nicht. Sie sind ein Teil von mir, und stumme Zeugen eines Hilferufs, der nie gehört wurde.“, sagte Jekaterina.

„Ich verstehe, Captain. Und ich würde sie gerne etwas fragen, wenn es recht ist.“

„Ich höre.“, sagte Jekaterina.

„Sie sagten, sie hatten Angst um ihre Schwester, Captain. Was haben sie damit gemeint?“

„Meine Schwester sollte in die Brutkolonie auf Katmai gebracht werden. Als ich das erfahren habe, haben meine Albträume angefangen. Meine Schwester hat nach mir gerufen. Und jedes Mal habe ich im Hintergrund ein diabolisches Lachen gehört.“, sagte Jekaterina.

„Sind sie dem dunklen Lord schon mal begegnet, Captain?“

„Ja. Ich habe sogar vor einem klingonischen Gericht gegen ihn aussagen müssen. Er war mein Rivale, als es um meine Schwester ging.“, sagte Jekaterina.

„Verstehe. Aber danke, dass sie mit mir gesprochen, und mir von sich erzählt haben. Wir sind im Prinzip Leidensgenossen.“

„Das sind wir, Nummer eins.“, sagte Jekaterina.

„Da fällt mir ein: Sie sollen Admiral Custer aufsuchen, sie wird uns eine Mission zuweisen.“

„Hoffentlich nichts Schweres. Ich will mich nicht gleich wieder überarbeiten. Sie wissen, dass ich gerade erst aus meinem Erholungsurlaub nach 713

meinem Nervenzusammenbruch zurück bin.“, sagte Jekaterina.

„Ich bin sicher, dass Admiral Custer das berücksichtigen wird. Sie ist nämlich nicht so ein Leuteschinder, wie Admiral Richardson.“

„Gut zu wissen, Nummer eins. Und wenn sie jemanden zum Reden brauchen, sie wissen, wo sich mich finden.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain. Ich weiß ihre Hilfe zu schätzen.“

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 10. August 2380, 14:00 Uhr Ortszeit

Amie Custer ging gerade einige Berichte durch, als der Türsummer ein akustisches Signal von sich gab.

„Herein.“, sagte Amie.

Die Türhälften glitten auseinander, und Jekaterina trat ein. Sie trug wieder ihr dunkelblaues Sternenkleid, ihre blauen Schuhe und den Seidenschal.

„Ich will nicht unhöflich erscheinen, Captain Romanova, aber ich hatte eigentlich erwartet, dass sie Uniform tragen.“, sagte Admiral Custer.

„Ich hatte vorher noch ein Gespräch mit König Batistas jüngster Tochter, Prinzessin Shina Fay. Und da fand ich es besser, ein etwas eleganteres Outfit zu wählen.“

„Klingt logisch. Und unter diesen Umständen, werde ich noch einmal darüber hinweg sehen, dass sie nicht in Uniform erschienen sind. Aber jetzt setzen sie sich bitte, Captain Romanova.“, sagte Amie.

„Commander Crowe sagte, sie haben eine neue Mission für uns.“, sagte Jekaterina.

„Unter anderem auch das, Captain. Aber ich wollte sie persönlich kennenlernen, denn ihr Ruf ist mittlerweile legendär. Und ich habe noch eine wichtige Information für sie, Captain. Sie betrifft ihren ersten Offizier.“

„Hoffentlich keine schlimmen Neuigkeiten, Admiral, Custer.“, sagte Jekaterina.

„Commander Crowe wurde zur Prüfung für das Kapitänspatent zugelassen. Wahrscheinlich teilt man ihm die Renown zu. Das Schiff ist zwar noch im Bau, steht aber kurz vor der Fertigstellung.“

„Was für eine Mission haben sie für uns, Admiral?“, fragte Jekaterina.

„In der Nähe von Regula 1 ist ein Schiff havariert. Genaueres wissen wir nicht. Sehen sie nach was los ist. Und versuchen sie zu retten, was noch zu retten ist, Captain Romanova.“

„Verstehe, Admiral Custer. Gibt es sonst noch etwas, das ich wissen müsste?“, sagte Jekaterina. 714

„Sie haben in der letzten Zeit eine Menge durchgemacht, Captain Romanova. Ich wünsche ihnen viel Glück. Und wenn was ist, zögern sie nicht, mich zu kontaktieren.“

„Danke, Admiral Custer.“, sagte Jekaterina.

„Ich sagte eingangs, dass ich sie gerne näher kennenlernen möchte. Sie sind eine sehr bemerkenswerte Frau, Captain. Immerhin haben sie einen Großteil des klingonischen hohen Rates hinter sich, und die Klingonen singen in ihren Liedern von ihren Taten. Und einige sprechen sie sogar mit „Prinzessin“ an. Viele unserer weiblichen Kadetten wollen so sein wie sie, Captain.“

„Das ehr mich Admiral. Aber was wollen sie sonst noch über mich wissen?“, sagte Jekaterina.

„Ich habe beim Eintreten auf ihrer Schulter dieses Tattoo entdeckt. Was hat es damit auf sich?“

„Das ist kein Tattoo. Die Harpyie ist das Stammessymbol der Malmori. Ihre Schamanin hat mir das Zeichen in die Schulter geritzt.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe schon von den Malmori-Amazonen gehört. Aber ich dachte immer… sie seien nur eine Legende.“

„Bei weitem nicht, Admiral Custer. Die Geschichten, die man sich über die Malmori erzählt, sind alle wahr. Ich habe Seite an Seite mit ihnen gekämpft. Meine Stammesschwestern sind begnadete Kriegerinnen.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe gehört, dass ihnen die Familie wichtig ist, Captain.“

„So sollte es ja auch sein. Wenn jemand schlecht über meine Familie redet, sehe ich rot.“, sagte Jekaterina.

„Und Diskriminierung ist ihnen auch ein Dorn im Auge?“

Jekaterina beugte sich nach vorn. Amie Custer sah ein wütendes Funkeln in ihren Augen.

„Es ist noch nicht so lange her, da musste ich miterleben, wie jemand wegen seiner sexuellen Neigung auf offener Straße verbal attackiert, und dann brutal niedergeschlagen wurde. Das Opfer ist heute die Lebensgefährtin von Lady Catherine Somerville.“, sagte Jekaterina.

„Ich merke schon, mit ihnen ist nicht gut Kirschen essen, wenn es um dieses Thema geht.“

„In der Tat. Chiara, so heißt das Opfer, ist lesbisch. Ich bin auch ne Lesbe. Aber deswegen bin ich kein schlechter Mensch.“, sagte Jekaterina.

„Sie brauchen sich mir gegenüber nicht zu rechtfertigen. Ich urteile nicht über andere.“

„Gut zu wissen, Admiral.“, sagte Jekaterina. 715

An Bord der Kirow erschien Jekaterina auf der Brücke. Diesmal in Uniform. Russell Crowe, ihr erster Offizier, nahm sofort Haltung an.

„Kommandant auf der Brücke!“, sagte der Neuseeländer.

„Rühren, Nummer eins.“

„Danke, Captain.“, sagte Commander Crowe.

„Meinen Glückwunsch, Commander Crowe. Ich habe die Neuigkeiten vernommen.“

„Danke, Captain. Wenn ich ehrlich sein darf, Captain, dann gehe ich mit einem lachenden, und einem weinenden Auge.“, sagte Russell Crowe.

„Das kann ich verstehen, Nummer eins. Aber sie haben sich ihr eigenes Kommando redlich verdient. Es ist Zeit, dass sie den nächsten Schritt gehen.“

„Ich bleibe noch für diese Mission bei ihnen, Captain. Danach werde ich die Kirow verlassen. Es war mir eine Ehre, mit ihnen zu arbeiten, und unter ihnen zu dienen.“, sagte Jekaterinas erster Offizier.

„Noch haben wir unsere Mission nicht ausgeführt, Commander. Nach Abschluss können wir noch mal darüber sprechen.“

„Mit Verlaub, Captain. Wissen sie worum es bei dieser Mission geht?“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Ein Schiff ist in der Nähe von Regula 1 havariert. Über die genauen Umstände ist nichts bekannt. Wir sollen versuchen, genau das herauszufinden, und zu retten, was noch zu retten ist.“

„Verstehe, Captain. Ich übergebe das Kommando.“, sagte der Neuseeländer.

„Ich übernehme das Kommando.“

„Darf ich offen sprechen, Captain?“, fragte Russell Crowe.

„Nur zu.“

„Es ist gut, sie wieder an Bord zu sehen.“, sagte Commander Crowe.

„Danke, Nummer eins.“

Jekaterina wandte sich an Fallon Sherrock.

„Miss Sherrock, berechnen sie den schnellsten Kurs nach Regula 1“, befahl sie.

„Ja, Captain.“

Fallon Sherrock betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole. Dann wandte sie sich an Jekaterina.

„Unser Kurs wäre 140,1. Ich würde Transwarp 1 vorschlagen. Dann bräuchten wir nur 15 Minuten nach Regula 1.“ 716

„Einverstanden. 140,1, Transwarp 1, Miss Sherrock.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

In der Nähe von Regula 1

Ein weiteres Teil des Rumpfes riss mit einem lauten Kreischen ab. Die Menschen, die sich dort aufgehalten hatten, wurden hinaus ins All gezogen. Auf einer der Ebenen über der Bruchstelle sah eine Frau, wie ihr Mann und der gemeinsame Sohn, dieses Schicksal erleiden mussten. Ihre Tochter hielt sie eng umschlungen. Das Mädchen weinte. Auf der Brücke des Raumkreuzers wurde man langsam nervös.

„Welche Sektion haben wir verloren?“, fragte der Kommandant.

„Sektion 16.“

„Was war dort untergebracht?“, fragte der Kommandant, ein Mann Mitte 30 im Rang eines Kapitänleutnants.

„Ein Teil der Forschungslabore und unsere Backbordsensoren, Herr Kaleu.“

„Wie viele Sektionen haben wir bereits verloren?“, fragte der Kommandant.

„Mit Sektion 16 bereits fünf, Herr Kaleu.“

Der Kommandant des Raumkreuzers wandte sich an den Funker.

„Wurde schon auf unseren Notruf reagiert, Heini?“, fragte er.

„Negativ, Herr Kaleu.“

„Dann sende ihn noch mal.“, sagte der Kommandant.

„Jawohl, Herr Kaleu.“

An Bord der Kirow

Keiko Tadashita hob den Kopf, als sie den Notruf des Schiffes empfing.

„Captain, ich empfange einen Notruf.“, sagte sie.

„Auf den Lautsprecher.“

„Ja, Captain.“

Die Japanerin aus Sapporo betätigte einen Schalter. Bald hörten alle auf der Brücke den Notruf.

„Hier ist die Eclaire. An alle Raumschiffe auf dieser Frequenz. Das Schiff bricht immer mehr auseinander. Wir wissen nicht wie viel Zeit uns noch bleibt, bis wir mit der Eclaire untergehen. Bitte beeilt euch!“

Jekaterina wandte sich an Fallon Sherrock.

„Wie lange brauchen wir noch, Miss Sherrock?“, fragte sie. 717

„Eine Minute, Captain.“

Jekaterina wandte sich an Keiko.

„Keiko, schicken sie eine Antwort. Sagen sie der Eclaire, dass wir in einer Minute da sind.“, befahl sie.

„Ja, Captain.“

„Commander Jardanka. Sie führen bitte einen kompletten Scan der Eclaire durch. Vielleicht gibt es Leute, die wir retten können.“, sagte Jekaterina.

„Ja, Captain.“

An Bord der Eclaire

Heini, der Funkoffizier, wandte sich an seinen Vorgesetzten.

„Herr Kaleu, ich habe eine Antwort auf unseren Notruf erhalten. Ein Schiff ist auf dem Weg hierher, wird in einer Minute eintreffen.“, sagte er.

„Welches Schiff, Heini?“

„Die Kirow, Herr Kaleu.“, sagte Heini.

„Die Kirow?“

„Ja, Herr Kaleu.“, sagte Heini.

Eine Minute später hatte die Kirow backbord querab der Eclaire Position bezogen. Jardanka, die romulanische Wissenschaftsoffizierin, hatte das Schiff gescannt, und die Frau und ihre Tochter lokalisieren können. Jekaterina hingegen hatte bestürzt mit ansehen müssen, wie ein weiteres Teil aus dem Rumpf der Eclaire brach. Keiko wandte sich an Jekaterina, als sie ein akustisches Signal empfing, das ihr anzeigte, dass jemand die Kirow kontaktiert hatte.

„Captain, der Kommandant des havarierten Schiffes möchte sie sprechen.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem Schirm erschien das Gesicht eines Mannes mit stechenden blauen Augen. Auffällig war auch der dichte Bart, des Mannes, der wie der Kommandant eines deutschen U-Bootes aus dem zweiten Weltkrieg gekleidet war. Jekaterina erhob sich zu ihrer vollen Größe.

„Ich nehme an, sie sind die Kommandantin.“, sagte der Mann.

„Captain Jekaterina Romanova. Mit wem habe ich die Ehre?“

„Ich bin Kapitänleutnant Hans-Werner Aufrecht. Wie sie selbst gesehen haben, bricht die Eclaire Stück für Stück auseinander.“, sagte Kapitänleutnant Aufrecht.

„Gibt es irgendetwas, das wir tun können, um ihnen zu helfen?“

„Sie können etwas tun, Kapitän Romanova. Allerdings ist es nicht mehr viel.“, sagte Hans-Werner Aufrecht.

„Was wäre das, Kapitänleutnant Aufrecht?“

„In Sektion 17 befinden sich zwei Zivilisten. Ein Mutter-Tochter-Gespann. Denise Summerwell und ihre Tochter Leanne. Wenn sie die beiden auf ihr Schiff holen könnten, wäre uns schon geholfen.“, sagte der Kapitänleutnant.

„Ich habe gesehen, wie ein Teil abgebrochen ist. Welche Sektion war das?“

„Sektion 15. Und deshalb müssen sie Denise und ihre Tochter auf die Kirow bringen. Sehen sie, Kapitän Romanova, Derek Summerwell, der Vater von Leanne, und Matthew Summerwell, der Bruder, waren in Sektion 16. Beide haben nicht überlebt. Von den Zivilisten sind nur noch Denise und ihre Tochter übrig. Vergeuden sie keine weitere kostbare Zeit, Frau Kapitänin, ich bitte sie darum.“, sagte Hans-Werner Aufrecht.

„In Ordnung. Sonst können wir nichts tun?“

„Leider nein. Leben sie wohl, Frau Kapitänin. Eclaire Ende.“, sagte der Kapitänleutnant.

Nach dem das Gespräch beendet war, wies Jekaterina Jardanka an, die Koordinaten an Chief O´ Shane in Transporterraum 2 zu übermitteln. Die Bestätigung, dass alles zum Beamen bereit war, kam bald danach. Jekaterina befahl umgehend, Mutter und Tochter auf die Kirow zu beamen.

An Bord der Eclaire

Leanne erschrak, als sie und ihre Mutter von einem Vorhang aus blauem Licht umhüllt wurden. Der Raum schien sich in Luft aufzulösen. Doch im nächsten Augenblick erschien ein anderer Raum.

An Bord der Kirow

Der Vorhang aus blauem Licht verschwand allmählich. Als der der blaue Lichtvorhang vollständig verschwunden war, wusste Leanne, dass sie und ihre Mutter auf einem anderen Schiff waren. An der Konsole im Raum stand ein Mann, den Leanne noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. Sie sah, wie der Mann in ein kleines Gerät sprach, dass an seiner Uniformjacke befestigt war. Wo waren sie? Und was mochte sie und ihre Mutter hier erwarten? Wie würde man sie behandeln? Das leise Zischen der sich öffnenden Türen riss Leanne aus ihren Gedanken. Eine Frau betrat den Raum. Die Farbe ihrer Uniformjacke unterschied sich deutlich von der des Mannes an der Konsole. Während seine in gelb gehalten war, trug die fremde Frau eine rote Uniform. Das musste die Kommandantin dieses Schiffes sein. Denise Summerwell hatte bemerkt, dass ihre Tochter verängstigt war. Aber konnte man das Leanne verübeln?

„Warte hier, Kleines. Ich werde mit dieser Frau sprechen. Vielleicht 718

ist es nicht so schlimm, wie du denkst.“, sagte sie ruhig.

Jekaterina nahm die ältere Frau genauer in Augenschein, als diese auf sie zuging. Sie hatte feuerrote Haare und ein ovales Gesicht mit braunen Augen. Ihr Körper war jetzt kein Modelkörper, wie Jekaterina einen hatte, sondern etwas kurviger. Um ihren Hals trug sie eine vergoldete Kette. Jekaterina fiel auch auf, dass die Brüste dieser Frau etwas üppiger ausfielen, als durchschnittlich. Und das weckte bei Jekaterina Erinnerungen an die Ehefrau ihres einstigen ersten Offiziers, Eric McClusky, Lysandra. An ihren Handgelenken trug die Frau Armreifen, aus demselben Material wie die Kette. Bekleidet war sie mit einem hellblauen Trägerkleid und Schuhen mit flachen Absätzen in derselben Farbe.

„Willkommen an Bord der Kirow, Miss Summerwell. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Freut mich sie kennenzulernen, Captain.“

Jekaterina merkte schnell, dass sich Denise Summerwell kühl und distanziert verhielt. Sie misstraute ihr. Und Jekaterina hatte dafür Verständnis.

„Meine Tochter hat Angst, dass wir ihre Gefangenen sind.“, nahm Denise das Gespräch wieder auf.

„Wir sind keine Weltraumpiraten! Die Kirow ist ein Schiff der Raumflotte der vereinigten Föderation der Planeten.“

Denise Summerwell wusste, dass sie einen schwer wiegenden Fehler gemacht, und die Kommandantin gekränkt hatte.

„Bitte verzeihen sie, Captain. Ich hatte nicht die Absicht, sie zu verletzen.“, sagte sie.

„Schon in Ordnung, Miss Summerwell. Aber jetzt möchte ich sie und ihre Tochter bitten, mich auf die Krankenstation zu begleiten.“

„Ich bin nicht krank, du Miststück.“, sagte Leanne.

Denises Tochter machte nicht einmal den Versuch, ihre Feindseligkeit gegenüber Jekaterina zu verbergen.

„Hüte deine Zunge, junge Dame. Der Besuch auf der Krankenstation ist für jeden, der an Bord kommt Pflicht. Und als Kommandantin dieses Schiffes bin ich für die Sicherheit und das Wohlbefinden aller hier an Bord verantwortlich. Und jetzt will ich nichts mehr hören.“, wies Jekaterina Leanne scharf zurecht.

Diese wollte schon zu einer weiteren bösartigen Erwiderung ansetzen, doch ihre Mutter ließ sie nicht zu Wort kommen.

„Leanne Caroline Summerwell. Wir tun, was man von uns verlangt. Und wenn es heißt, wir gehen auf die Krankenstation, dann gehen wir auf die Krankenstation. Komm jetzt. Und keine Widerrede. Haben 719

wir uns verstanden?“, sagte Denise.

Der wütende Unterton in ihrer Stimme war unüberhörbar.

„Ja, Mom.“

Widerwillig erhob sich Leanne.

Auf der Krankenstation legte Leanne Summerwell gegenüber dem medizinischen Personal dieselbe Feindseligkeit an den Tag, wie Jekaterina gegenüber. Nur widerwillig ließ sie sich untersuchen. Ihre Mutter war da viel kooperativer. Nach dem Besuch auf der Krankenstation wies Jekaterina Mutter und Tochter ein Quartier zu. Danach ging sie, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Kaum war die Tür zu, brach zwischen Denise und ihrer Tochter Leanne ein heftiger Streit aus. Denise wies ihre Tochter scharf zurecht und gab ihr unmissverständlich zu verstehen, dass sie ein solch unverschämtes Verhalten, wie es Leanne an den Tag legte, auf keinen Fall dulden würde. Im Affekt schlug Leanne ihrer Mutter mit dem Handrücken ins Gesicht. Am Ende stürmte Denise aus dem Raum und ließ ihre Tochter zurück.

Die Tage danach waren für Mutter und Tochter die Hölle, da sie kein Wort miteinander sprachen. Jede gab der anderen die Schuld an der ganzen Misere. Man sah Denise Summerwell oft in der Bar, wo sie traurig die Myriaden von Sternen beobachtete, die an der Kirow vorbeizogen, während man ihre Tochter Leanne im Quartier weinen hören konnte.

Am Tag vor der Ankunft der Kirow an der Jupiterstation erfuhr Jekaterina von diesem Mutter-Tochter-Konflikt. Sie bat Neriah Kahn, ihre Counselor, sich der Sache anzunehmen. Am Folgetag, als Russel Crowe die Kirow verließ, suchte die Trill Jekaterina auf.

„Haben sie einen Augenblick Zeit, Captain?“, fragte Neriah.

„Nur kurz, Neriah. Commander Crowes Nachfolgerin kommt gleich. Und auch ein zweiter Wissenschaftsoffizier.“

„Verstehe. Dann muss ich ihnen eine Zusammenfassung geben. Leanne glaubt, dass ihre Mutter sie nicht mehr liebt, und sie allein zurücklassen wird. Sehen sie, Captain, Denises Tochter wurde als Kind von den Großeltern beider Elternteile emotional vernachlässigt. Ihr Bruder Matthew war das goldene Kind.“, sagte die Counselor.

„Und er hat die ganze Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen.“

„Während Leanne hinten runter gefallen ist. Was das Gefühl ihre Mutter zu verlieren, erklärt.“, sagte Neriah.

„Gibt es sonst irgendwelche Symptome für eine Bipolare Persönlichkeitsstörung, wie emotionale Instabilität, oder mangelndes Selbstwertgefühl?“

„Ich habe nichts dergleichen feststellen können, Captain.“, sagte die Trill. 720

In diesem Moment zirpte Jekaterinas Kommunikator. Mercedes Igualada teilte ihr mit, dass alles zum Beamen bereit war.

„Ich muss los, Neriah. Bleiben sie bitte an der Sache dran. Und sprechen sie auf jeden Fall mit der Mutter.“

„Ja, Captain.“, sagte Neriah Kahn.

In Transporterraum 3 wartete Jekaterina auf ihre neue Nummer eins und ihren neuen Wissenschaftsoffizier. Der Wissenschaftsoffizier, ein Andorianer materialisierte zuerst. Jekaterina musterte den Neuankömmling. Der Andorianer war 1,80 m groß und hatte die für dieses Volk typische blaue Haut, sowie die Fühler am Vorderkopf. Sein weißblondes Haar endete oberhalb der Ohren. Auffällig waren auch die weißen Augenbrauen. Die blauen Augen im runden Gesicht strahlten etwas Beruhigendes aus. Die breite Nase des Mannes fügte sich harmonisch in das Gesamtbild des Mannes ein. Jekaterina schätzte das Alter des Andorianers auf 45 bis 50 Jahre. Außerdem besaß er einen kräftigen Körperbau. Bekleidet der Jekaterinas neuer Wissenschaftsoffizier mit einer dunkelblauen Uniform.

„Lieutenant Commander Gali erbittet Erlaubnis seinen Dienst aufnehmen zu dürfen.“, sagte er.

„Erlaubnis erteilt. Ich bin froh, sie an Bord zu haben.“

„Danke, Captain.“, sagte Gali.

„Finden sie sich zurecht, Commander Gali? Ansonsten wird unsere Sicherheitsoffizierin, Jennifer Bond, sie begleiten.“

„Ich war oft auf Schiffen der Sovereign-Klasse. Ich finde meinen Weg. Aber trotzdem vielen Dank, Captain.“, sagte der Andorianer.

Nachdem der neue Wissenschaftsoffizier den Raum verlassen hatte, materialisierte Jekaterinas neue Nummer eins. Die „Neue“ war eine 1,67 m große Irin mit dauergewellten roten Haaren. Sie hatte ein ovales Gesicht mit grünen Augen. Die kleine Stupsnase passte irgendwie zu diesem Gesicht. Jekaterina fielen auch die vielen Sommersprossen im Gesicht ihrer neuen ersten Offizierin auf. Außerdem besaß sie einen Modelkörper, wie Jekaterina selbst. Jekaterina musste zugeben, dass ihre neue Nummer eins von einer Aura der Wildheit umgeben war, genau wie Cassandra, Jekaterinas persönliche Leibwächterin.

„Commander Deirdre De Courcy meldet sich zum Dienst, Captain.“

„Willkommen an Bord, Commander.“, sagte Jekaterina.

„Danke, Captain.“

Doch dann war es Zeit für Jekaterina, sich von Russell Crowe zu verabschieden. 721

„Leben sie wohl, Captain.“, sagte Commander Crowe.

„Ich wünsche ihnen viel Glück, Commander Crowe. Hoffentlich arbeiten wir mal wieder auf einer Mission zusammen.“

„Ganz sicher. Denn es würde mich überraschen, wenn man uns keine gemeinsame Mission zuteilen würde.“, sagte der Neuseeländer.

„Viel Glück, Russ.“

„Für sie auch, Captain.“, sagte Commander Crowe.

Dann wandte er sich an seine Nachfolgerin.

„Hören sie auf das, was Captain Romanova sagt. Und merken sie sich vor allem die vier wichtigsten Regeln. Und ganz speziell die erste.“, sagte er, bevor er und seine Lebensgefährtin auf die Jupiterstation gebeamt wurden.

Deirdre wandte sich an ihre neue Vorgesetzte.

„Was meinte Commander Crowe mit den vier wichtigsten Regeln?“, fragte sie.

„Alles zu seiner Zeit, Commander De Courcy.“

Auf der Brücke hielt Jekaterina eine kleine Rede.

„In Ordnung, Ladies and Gentlemen. Wir haben zwei neue Besatzungsmitglieder. Ich möchte sie ihnen kurz vorstellen. Da wären zum einen unser zweiter Wissenschaftsoffizier, Lieutenant Commander Gali, und zum anderen Commander Deirdre De Courcy, unsere neue erste Offizierin. Bitte behandeln sie beide mit demselben Respekt, den sie auch mir entgegenbringen. Hat irgendjemand Fragen?“, sagte sie.
 

Als niemand sprach, fuhr Jekaterina fort.
 

„In Ordnung. Dann weitermachen.“, sagte sie.
 

In dem Moment wurde die Kirow kontaktiert.

„Captain, Admiral Janeway ruft uns.“, sagte Keiko.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Captain Romanova.“

„Ich gehe mal schwer davon aus, dass sie eine neue Mission für uns haben.“, sagte Jekaterina.

„Das stimmt, Captain.“ 722

„Hoffentlich keine Schwere. Ich bin nämlich erst seit kurzem wieder aus meinem Erholungsurlaub zurück. Und ich möchte nicht schon wieder

Urlaub nehmen müssen.“, sagte Jekaterina.

„Keine Angst, Captain Romanova. Diese Mission sollte sprichwörtlich ein Spaziergang für sie und ihre Crew werden. Ich weiß sehr wohl, dass sie zwei neue Besatzungsmitglieder dazu bekommen haben, und diese noch Zeit brauchen um sich einzuleben.“

„Danke, Admiral Janeway. Aber worin genau besteht unsere Aufgabe?“, sagte Jekaterina.

„Es geht um den Planeten Sting. Und nein, es gibt keine poltischen Unruhen. Aber es könnte dazu kommen, wenn nicht beschwichtigend eingegriffen wird. Sie sollen die Anführer beider Parteien beraten.“

„Einverstanden. Wo liegt Sting eigentlich?“, sagte die Kommandantin der Kirow.

„An unseren westlichen Außengrenzen. Die Koordinaten habe ich ihnen bereits zukommen lassen.“

„Danke, Admiral Janeway. Kirow Ende.“, sagte Jekaterina.

Dann wandte sie sich an Komi Namura, die Fallon Sherrock an der Navigationskonsole abgelöst hatte.

„Miss Namura, berechnen sie bitte den schnellsten Kurs nach Sting. Transwarp 1.“, befahl Jekaterina.

„Ja, Captain.“

Komi betätigte einige Schaltflächen auf dem Display ihrer Konsole.

„Captain unser Kurs wäre 101,0. Bei Transwarp 1 wären wir in 20 Minuten vor Ort.“

„Kurs 101,0 Transwarp 1.“, befahl Jekaterina.

„Ja, Captain.“

„Computerlogbuch der Kirow Sternzeit 57613.3 Captain Jekaterina Romanova neuer Eintrag: Wir sind auf dem Weg zum Planeten Sting. Was uns dort erwartet vermag ich nicht zu sagen. Es gibt aber noch ein Problem, dass die Sicherheit und das Wohl von uns allen gefährden könnte. Der Konflikt zwischen Denise Summerwell und ihrer Tochter Leanne. Ich werde diesbezüglich ein Gespräch mit Counselor Kahn und meiner neuen Nummer eins Deirdre De Courcy führen. Hoffen wir, dass dieser Konflikt beendet ist, bevor wir mit unserer eigentlichen Mission beginnen.“ 723

Die Kirow befand sich schon am Zielort, als Jekaterina sich mit ihrer ersten Offizierin und ihrer Counselor zusammensetzte. Neriah fasste für die junge Irin die bisherigen Geschehnisse zusammen.

„Was meinen sie, Deirdre? Was können wir tun, damit das Ganze nicht außer Kontrolle gerät?“, fragte Jekaterina ihre neue Nummer eins.

„Suchen sie das Gespräch mit Leanne. Am besten auf neutralem Boden. Ich würde ein unbewohntes Quartier vorschlagen. Und sie sollten keine Uniform tragen, Captain. Denn so wie ich die Sache sehe, hat Leanne Summerwell ein Problem mit Uniformen.“

„Ihre Meinung, Counselor?“, fragte Jekaterina die Trill.

„Der Vorschlag von Commander De Courcy ist sehr gut durchdacht. Ich denke, so können sie das Eis brechen, dass Miss Summerwells Tochter um ihr Herz errichtet hat.“

„Gut. Dann mache ich es so. Aber eine Frage hätte ich noch, Counselor.“, sagte Jekaterina.

„Fragen sie ruhig, Captain.“

„Was hat das Gespräch mit Leannes Mutter gebracht?“fragte Jekaterina.

„Leanne wurde von ihrem eigenen Bruder seelisch schwer misshandelt. Das hat bei ihr ein schweres Trauma hinterlassen. Außerdem hat mir Miss Summerwell verraten, dass der Vater, Derek, nichts getan hat, um seine Tochter zu schützen. Er hat sie ihrem älteren Bruder schutzlos ausgeliefert.“

„Ganz schön feige, wenn sie mich fragen, Captain.“, sagte Deirdre.

„Wohl wahr Nummer eins. Konnten sie sonst noch etwas in Erfahrung bringen, Neriah?“

„Allerdings. Derek Summerwell hat seine Tochter sexuell missbraucht. Und wenn er wütend war, ich meine richtig wütend, dann hat er Leanne fast tot geprügelt.“, sagte Neriah Kahn.

„Heiliger Strohsack! Das übersteigt meine Vorstellungskraft.“

„Meine auch, Deirdre. Aber Vater und Bruder sind tot. Sie haben bekommen, was sie verdient haben.“, sagte Jekaterina.

Eine halbe Stunde später stand Jekaterina in einem leeren Quartier, das an das ihrer ersten Offizierin grenzte und betrachtete die Sterne. Sie wartete auf Leanne Summerwell. Jekaterina trug ihr Kleid mit den Pfauenfedern und die dazugehörigen Sandaletten. Ein leises Zischen verriet ihr, dass jemand den Raum betreten hatte. Sie vernahm eine Stimme hinter sich.

„Sie wollten mich sprechen, Ca…“ 724

Jekaterina wusste, wer hinter ihr stand. Ganz langsam drehte sie sich um, und sah Leanne im Raum stehen. Ihr Mund stand vor lauter Staunen weit offen. Jekaterina musterte Leanne. Denise Summerwells Tochter war ein 1,67m großer Teenager im Alter von 17 Jahren. Sie hatte brünette Haare, die sie offen trug, und die bis zur Oberkante ihrer Brüsten reichten. Leanne hatte braune Augen und ein rundes Gesicht mit einer breiten Nase, die aber irgendwie zu diesem Gesicht zu passen schien. Ihr Körper war schlank und sportlich. Was bedeutete, dass Leanne sehr auf ihre Figur achtete, wie ihre schlanken Beine verrieten. Bekleidet war die junge Frau mit einer Jeansshorts und einer weißen Tunika im Stil der späten 60er Jahre, sowie schwarzen Flip Flops. An ihrem rechten Handgelenk trug Leanne Summerwell ein Armband aus kleinen Scharkowskysteinen im indianischen Stil.

Jekaterina bemerkte, dass Leanne verunsichert war. Offenbar war sie davon ausgegangen, dass sie wieder auf die strenge Raumschiffkommandantin treffen würde, und sich ihre Worte entsprechend zu Recht gelegt. Und jetzt stand sie einer Frau gegenüber, die von einer Aura des mystischen umgeben war. Deren Schönheit jede andere Frau neben sich verblassen ließ. Durch ihr Erscheinungsbild

hatte Jekaterina Leannes verbales Drehbuch komplett über den Haufen geworfen. Jetzt wusste sie nicht, was sie sagen sollte.

Doch irgendwann fand Leanne ihre Stimme wieder.

„Sie… sie… h… h… hätten mich nicht… auffordern lassen… müssen. Ich… ich… wäre von selbst… zu ihnen gekommen, Captain.“, sagte sie.

Die Nervosität in ihrer Stimme war Jekaterina nicht entgangen.

„Wollen wir uns nicht setzen?“, fragte sie.

Leanne nickte stumm. Jekaterina merkte, dass Leanne immer noch verunsichert war.

„Bevor wir uns unterhalten, Leanne, möchte ich eine Sache ein für allemal klarstellen. Du hast nichts vor mir zu befürchten.“, sagte sie.

„Wirklich nicht?“

„Wirklich nicht.“

Leanne atmete erleichtert aus.

„Es tut mir leid, Captain. Mein feindseliges Verhalten ihnen und den Crewmitgliedern auf der Krankenstation gegenüber ist unentschuldbar.“, sagte sie.

„Ist schon Okay. Die ganze Situation hat dich emotional total überfordert. Du hast deinen Vater und deinen Bruder verloren, auch wenn du kein gutes Verhältnis zu ihnen hattest.“ 725

„Ja, das stimmt, Captain. Aber es ist jemand ums Leben gekommen, dem ich sehr nahe gestanden habe. Summer war ihr Name.“, sagte Leanne.

„Ich schätze mal, ihr beiden habt euch sehr nahe gestanden.“

„Summer hat mich vor meinem Bruder, diesem Ekel beschützt. Es gab auf unserer Reise auf der Eclaire keinen Tag an dem die beiden nicht aneinander geraten sind. Und einmal hat Summer meinem Bruder dermaßen eine verpasst, dass er fast ausgeflippt ist.“, sagte Leanne.

„Und das hat deinen Vater auf den Plan gerufen, nehme ich an.“

„Worauf sie ihren Arsch verwetten können, Captain. Er war es, der Summer in diese Zelle in Sektion 16 gesperrt hat. Dann ist die Sektion abgebrochen.“, sagte Leanne.

„Gibt es etwas, dass dich mit Summer verbunden hat?“

„Unsere Leidenschaft für Schach. Summer war eine ernst zu nehmende Gegnerin.“, sagte Leanne wehmütig.

„Dann sollten wir beiden Mal eine Partie spielen. Was meinst du, Leanne?“

„Ich wusste gar nicht, dass sie auch Schach spielen, Captain.“, sagte Leanne Summerwell.

Als Jekaterina ihr die Hand hinhielt, war Denises Tochter wieder verunsichert. Sie wollte die Hand der Kommandantin berühren, zuckte aber zurück, als hätte sie sich verbrannt. Zögerlich griff sie erneut nach Jekaterinas Hand, doch dieses Mal nahm sie sie. Als sich Jekaterinas Finger sanft um Leannes Hand legten, merkte sie, wie die Anspannung der letzten Tage von ihr abfiel.

„Wenn wir alleine sind, so wie jetzt, dann darfst du mich duzen, und mich Jekaterina nennen.“, sagte Jekaterina.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Jekaterina.“

„Ist schon okay. Und wenn du merkst, dass du wieder emotional wirst, dann kannst du zu mir kommen. Egal ob ich dann Uniform trage oder nicht. Mir ist nur wichtig, dass du eines weißt, Leanne. Du bist nicht allein.“, sagte Jekaterina.

„Du bist wirklich sehr nett. Wie konnte ich mich so in dir täuschen? Du hattest Recht, als du mir an den Kopf geknallt hast, dass du als Kommandantin für die Sicherheit und das Wohl aller hier an Bord verantwortlich bist.“

Auf dem Planeten Sting

She-Ra, die die Skorpion-Krieger anführte, saß wie immer im Audienzsaal ihres Palastes. Sie hatte gerade den letzten Fall hinter sich gebracht, als ihr Haushofmeister den Raum betrat. Seh-Ra sah ihn an.

„Was gibt es Serefos?“, fragte sie. 726

„Mylady, ein Föderationsraumschiff ist eingetroffen.“

„Welches Schiff?“, wollte She-Ra wissen.

„Die Kirow, Mylady.“

„Wer kommandiert das Schiff?“, fragte She-Ra.

„Jekaterina Romanova. Und wenn ich offen sprechen darf: Diese Frau ist bereits eine lebende Legende.“

„Ich weiß, Serefos. Und ich weiß, wie mächtig sie ist.“, sagte die Anführerin der Skorpion-Krieger.

„Hoffentlich weiß euer Erzfeind, Gamon, das auch, Mylady.“

„Natürlich weiß er das. Was denkst du denn Serefos? Gamon ist alles, aber nicht auf den Kopf gefallen.“, sagte She-Ra.

„Da wäre noch etwas, Mylady.“

„Ich höre, Serefos.“, sagte She-Ra.

„Euer Dauerbesucher, Radnor, wünscht euch zu sprechen.“

„Schick ihn rein, Serefos.“, sagte Königin She-Ra.

„Sehr wohl, Mylady.“

Kurze Zeit später betrat ein Mann den Raum, den She-Ra als eine Mischung aus Kröte und Fuchs bezeichnet hätte. Radnor musterte die Anführerin der Skorpion-Krieger. She-Ra war eine 1,65 m große Frau mit blonden Haaren, die bis zur Oberkante ihrer Brüste reichten, und braunen Augen. Ihr rundes Gesicht hätte das Meisterwerk eines Bildhauers sein können. Ihr Körper war zwar nicht der eines Models, aber dennoch nicht zu verachten. Um den Hals trug She-Ra zwei Ketten. Eine aus Gold mit einem Kreuz als Anhänger, und die andere mit einem Revolver als Anhänger, die aus Silber gefertigt worden war. Ihre Fingernägel waren mit schwarzem Nagellack lackiert, und an ihrem rechten Handgelenk trug die Königin ein Armbändchen, das aus kleinen Perlen bestand, sowie ein Armband aus kleinen Scharkowskysteinen. Dazu kam noch ein kleines Lederarmband. An ihrem linken Handgelenk trug She-Ra ebenfalls zwei Armbänder. Eines davon war unscheinbar, bestand es doch aus einem einfachen goldenen Faden. Das zweite Armband war wieder aus Silber und hatte mehrere unterschiedliche Zieranhänger. Bekleidet war She-Ra mit einem Kleid, das zwei verschiedene Grüntöne aufwies. Der Saum war dunkelgrün und ging fließend in ein sehr helles grün über, während das Kleid unterhalb der Brüste wieder in dunkelgrün gehalten war. Dazu trug sie dunkelgrüne Schuhe mit flachen Absätzen. Denn wenn es eins gab, dass She-Ra hasste, dann waren das High Heels.

„Bevor ich mich eurem Anliegen widme will ich eines unmissverständlich klarmachen, Radnor. Dieses Gespräch wird unser letztes 727

sein.“, sagte She-Ra.

Der Unterton in ihrer Stimme war so kalt, wie ein abgekühltes Stück Stahl.

„Wie ihr wünscht, Lady She-Ra.“

„Noch etwas, Radnor. Fasst euch bitte kurz. Ich will dieses Gespräch nicht länger als unbedingt notwendig führen.“, sagte She-Ra.

„Natürlich, Mylady.“

„Also sprecht.“, sagte She-Ra.

Der Ton in ihrer Stimme war immer noch kalt und abweisend.

„Ich muss euch darüber in Kenntnis setzen, dass Gamon…“

„Fangt nicht schon wieder mit dieser abscheulichen Lüge an, Radnor.“, unterbrach She-Ra ihren Besucher rüde.

„Lüge… wieso Lüge, She-Ra?“

„Lady She-Ra für euch, Radnor! Aber jetzt weiter. Haltet ihr mich wirklich für so nachlässig, dass ich euch nicht habe durchleuchten lassen? Ich weiß, wer ihr seid, Radnor. Und ich weiß, was ihr seid. Eines weiß ich genau. Leuten wie euch kann man nicht trauen.“, sagte She-Ra.

Ihr Ton war noch einmal kälter geworden.

„Wie ihr meint, Lady She-Ra.“

Radnor rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. She-Ra ließ sich einfach nicht beeinflussen- Auch bei Gamon kam er nicht voran. Keiner der beiden fiel auf seine Lügen herein. Zu allem Überfluss war auch noch ein Raumschiff der Föderation aufgetaucht. Und als ob das noch nicht genug wäre, musste es ausgerechnet die Kirow sein. Radnor wusste, dass er es bei der Kommandantin gar nicht erst versuchen brauchte. Er war sich durchaus im Klaren darüber, dass Jekaterina Romanova ihn ohne mit der Wimper zu zucken vernichten konnte.

An Bord der Kirow

Jekaterina saß im Besprechungsraum und las eine Nachricht, die ihr Justin Wichrowski, ihr ehemaliger Fähnrich geschickt hatte.

„Hallo Captain. Es ist schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, Ich habe inzwischen die Prüfung zum Leutnant bestanden, und wurde auf die neue Ajax versetzt. Captain Garland ist sehr umgänglich und weiß es zu schätzen, wenn jemand seinen Job mehr als ordentlich macht. Dann ist sie voll des Lobes.

Ich hoffe, dass es ihnen gut geht, und sie sich von ihrem Nervenzusammenbruch erholen konnten. An dieser Stelle möchte ich sie bitten, ihre Ehefrau Alaia ganz lieb von mir zu grüßen. Ich werde nie 728

den Tag vergessen, als sie beide sich das JA-Wort gegeben haben. Sie waren die schönste Braut ever, Captain.

Und ich hoffe, dass ich eines Tages wieder auf die Kirow versetzt werde, und sie mich weiter unterrichten. Ich habe gern unter ihnen gedient, Captain, und wenn ich ehrlich sein darf: Sie sind eine gute Lehrerin.

Abschließend möchte ich ihnen für zukünftige Missionen alles Gute wünschen.

In aller Freundschaft

Justin Wichrowski

P.S. Ich hoffe, dass ich sie mal in ihrer Heimatstadt Smolensk besuchen kann. Ich würde so gerne diese Stadt sehen, und auch ihren Garten bewundern, von dem sie immer erzählt haben.“

Jekaterina war gerührt. Sie würde diese Nachricht bei nächster Gelegenheit vor der ganzen Mannschaft vorlesen. Sie war gerade am Überlegen, was sie ihrem einstigen Fähnrich antworten konnte, als sie der Türsummer aus ihren Gedanken riss.

„Wer ist da?“, fragte Jekaterina.

„Dambala.“

„Komm rein.“, sagte Jekaterina.

Die Türhälften glitten auseinander, und der Q trat ein. Dieses Mal trug er einen weißen Anzug, und dazu einen farblich passenden Krempenhut. In der Hand hielt er einen Stock aus Elfenbein.

„Ist schon ein bisschen her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, mein Freund.“, sagte Jekaterina.

„Seit dem Kurzbesuch auf deiner Hochzeitsreise nicht mehr. Wie geht’s dir?“

„Ich bin gerade erst aus meinem Erholungsurlaub zurück. Und deswegen werde ich es auf dieser Mission langsam angehen lassen.“, sagte Jekaterina.

„Worum geht’s eigentlich, Jekaterina?“

„Ich soll als Beraterin fungieren.“

„Aber leicht wird das nicht. Du hast einen nicht zu unterschätzenden Gegenspieler. Er ist ein Klong.“

„Was bitte schön ist denn ein Klong?“, wollte Jekaterina wissen.

„Sie sehen aus wie eine Mischung aus Kröte und Fuchs. Aber sie sind verschlagen. Und verglichen mit den Klong, sind die Ferengi Waisenkinder. Aber Radnor ist der Schlimmste von allen.“

„Radnor?“, fragte Jekaterina. 729

„Nimm dich bloß in Acht vor ihm, Jekaterina. Radnor ist gefährlicher als du denkst. Allein deine Anwesenheit reicht schon aus, um seine Pläne ernsthaft zu gefährden. Du kannst sicher sein, dass dieser Klong auch vor Mord nicht zurückschrecken wird, wenn es seinen Zielen dienlich ist.“

„Was genau hat er vor, Dambala?“, fragte Jekaterina.

„Er will She-Ra, die Anführerin der Skorpion-Krieger, und Gamon, den Anführer der Bärenkrieger, gegeneinander ausspielen.“

„In der Hoffnung, dass ein Bürgerkrieg ausbricht.“, stellte Jekaterina fest.

„Das hast du sehr richtig erkannt, meine Liebe. Radnors Plan ist, Im entscheidenden Moment, beiden in den Rücken zu fallen, und die Kontrolle über den Planeten an sich zu reißen. Hat er das geschafft, ist kein Planet mehr sicher. Auch dann nicht, wenn er sich auf Föderationsgebiet befindet, oder sogar ein Mitglied der Föderation ist. Aber zum Glück hat She-Ra die Reißleine gezogen. Sie weigert sich noch weiter mit Radnor zu sprechen.“

„Und was ist mit Gamon, mein Freund?“, fragte Jekaterina.

„Dasselbe in grün. Er wird Radnor nicht mehr empfangen.“

„Aber was bedeutet das jetzt für mich, Dambala?“, fragte Jekaterina.

„Radnor weiß, dass du ihn ohne weiteres vernichten kannst. Oder hast du das Zeichen auf deiner Stirn vergessen?“

„Ich sehe es jedes Mal, wenn ich in den Spiegel sehe.“, sagte Jekaterina.

„Radnor ist nicht dumm, Jekaterina. Er braucht nur zwei und zwei zusammenzuzählen, um zu wissen, wie gefährlich du bist. Er wird dir ab jetzt nach dem Leben trachten, und versuchen, dich bei jeder sich bietenden Gelegenheit umzubringen.“

Auf Sting, in Gamons Palast

Gamon stand an einem der Fenster des Besprechungsraums, Er war ein athletisch gebauter Mann in den 70ern. Seine bereits ergrauten Haare hatte er zu einem Bürstenhaarschnitt kürzen lassen. Mit seinen 1,80 Metern war Gamon eine imposante Erscheinung. Hinter ihm standen Andolf, sein persönlicher Sekretär, und Percy, sein Mentor.

„Was gibt es meine Herren?“, fragte Gamon.

Percy antworte als erster.

„Mylord, She-Ra, eure ärgste Rivalin hat Radnor auch abblitzen lassen.“, sagte er.

„Auch wenn ich She-Ra nicht leiden kann, finde ich, hat sie die richtige Entscheidung getroffen. Dieser Radnor ist ein falscher Fuffziger. Der führt bestimmt etwas gegen mich und She-Ra im Schilde.“ 730

Gamons Sekretär räusperte sich.

„Ja, Andolf?“, wandte sich Gamon zu ihm um.

„Wenn ihr gestattet, Sire, würde… ich gerne einen Vorschlag machen.“

„Dann bitte.“, sagte Gamon.

„Mylord, warum schließt ihr mit Lady She-Ra nicht Frieden?“

Was veranlasst dich, mir diesen Vorschlag zu unterbreiten?“, fragte Gamon.

„Nun… ich bin der Meinung, dass ein Friedensbündnis mit She-Ra und ihren Skorpion-Kriegern, es Radnor unmöglich macht, seine Pläne in die Tat umzusetzen.“

„Du denkst also, dass wir mit vereinten Kräften eher in der Lage wären, Radnor Paroli zu bieten.“, sagte Gamon.

„Mit Respekt, Sire, genau darauf kommt’s an.“

„Deine Argumente sind durchaus nachvollziehbar, Andolf. Aber ich bin nicht überzeugt davon.“, sagte Gamon.

Sein Mentor meldete sich zu Wort.

„Mit Verlaub, Mylord, aber Andolfs Vorschlag macht durchaus Sinn. Vielleicht wäre es besser, einen neutralen Vermittler zu konsultieren.“, sagte Percy.

„Eine gute Idee, Percy. Das Problem ist aber, wer käme dafür infrage.“

„Sire, ein Raumschiff der Föderation befindet sich im Orbit unseres Planeten. Dessen Kommandant wäre neutral und könnte als Vermittler fungieren.“, sagte Andolf.

„Ein Föderationsschiff? Welches genau, Andolf?“

„Die Kirow, Sire.“, sagte Gamons Sekretär.

„Und wer kommandiert die Kirow?“

„Jekaterina Romanova, Mylord.“, sagte Gamons Mentor.

„Also wenn Captain Romanova als Vermittlerin fungiert, bin ich bereit mit She-Ra zu verhandeln.“

In Radnors Festung

Radnor war unzufrieden. Denn die Dinge hatten sich nicht so entwickelt, wie er es sich erhofft hatte. Zu allem Überfluss schwebte die Gefahr, dass Jekaterina Romanova seine Pläne durchkreuzte, wie ein Damoklesschwert über ihm. Es blieb nur zu hoffen, dass Gamon und She-Ra nicht auf die Idee kamen, Frieden miteinander zu schließen. Denn das wäre der absolute Supergau für ihn. Er musste handeln, und zwar schnell. Aber wie? Radnor wusste, dass nur ein Mordanschlag infrage kam. Und das Ziel 731

dieses Anschlags musste Jekaterina Romanova sein. Denn so konnte er den Mord an der Kommandantin der Kirow entweder She-Ra oder Gamon in die Schuhe schieben. Und das würde, so hoffte Radnor, den Konflikt derart eskalieren lassen, dass es zum Krieg zwischen Gamon und She-Ra kommen musste. Und dann würde er beiden im entscheidenden Moment in den Rücken fallen, die Kontrolle auf Sting übernehmen, und dann die Welten der Föderation in diesem Gebiet besetzen.

An Bord der Kirow

Keiko hob den Kopf, als die Kirow von She-Ra und Gamon kontaktiert wurde.

„Captain, ich habe Lady She-Ra und Fürst Gamon für sie.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschienen die Gesichter von Gamon und She-Ra.

„Mylady, Mylord.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Wir grüßen sie, Captain Romanova.“

„Meine Grüße auch an sie beide.“, sagte Jekaterina.

„Wir hoffen, dass sie uns bei der Lösung einer Krise helfen können, Captain.“

„Ich gehe mal davon aus, dass sie und Fürst Gamon Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden führen wollen, Lady She-Ra.“, sagte Jekaterina.

„Das ist korrekt, Captain. Und wir wären ihnen sehr dankbar, wenn sie die Rolle des Vermittlers übernehmen würden.“

„Ich denke, das lässt sich einrichten. Ich schlage vor, dass sie ihre Verhandlungen an Bord meines Schiffes führen.“, sagte Jekaterina.

„Das leuchtet ein, Captain Romanova. Wann erwarten sie unsere Ankunft?“

„Sind 15 Minuten für sie beide akzeptabel, Fürst Gamon?“, fragte Jekaterina.

„Das kommt uns sehr gelegen, Captain. Bis nachher.“

In Radnors Festung

Radnor ging unruhig auf und ab. Wenn man überhaupt von Gehen sprechen konnte. Seine Bewegungen glichen eher dem Watscheln einer Ente. Außerdem hatte er seit seiner Geburt einen verkrüppelten Arm. Die ganzen Jahre hatte man ihn herum geschubst, und ihn behandelt wie ein Stück Dreck. Abschaum hatte man ihn genannt, oder unnützen Ballast. Die ganzen Armleuchter, die ihn damals verspottet hatten, würden bald vor Angst zittern, wenn seine Flotte im Orbit ihrer Planeten auftauchte, und ein flächendeckendes Bombardement beginnen würde. Aber im Gegensatz zu Exegol, dem Moloch, würde Radnor gerade dann zuschlagen, wenn alle friedlich an der Matratze lauschten. Und dazu musste er sich erst mal zu einem Herrscher aufschwingen, den man ernst nehmen musste. Um dieses Ziel zu erreichen, musste Radnor erst 732

einmal Sting an sich reißen, was leichter gesagt war, als getan. Er wandte sich um, als sein Adjutant den Raum betrat.

„Was gibt es, Ramses?“, fragte Radnor.

„General, einer unserer Funküberwacher hat ein Gespräch von Gamon und Lady She-Ra mit Jekaterina Romanova mitgehört.“

„Ich ahne, was besprochen wurde.“, sagte Radnor.

„Gamon und She-Ra wollen über einen dauerhaften Frieden verhandeln.“

ARGH! Das hatte gerade noch gefehlt! Das Worst-Case-Szenario war eingetreten. Radnor stand nun mit dem Rücken zur Wand. Der General wandte sich an seinen Adjutanten.

„Rufe Olek und Bolek. Ich habe eine Aufgabe für sie.“, sagte er.

„Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.“

An Bord der Kirow

Jekaterina wartete in Transporterraum 1 auf Fürst Gamon und Lady She-Ra, deren Friedensverhandlungen sie als Vermittlerin begleiten sollte. Sie hatte sich dazu entschieden, für die Dauer der Verhandlungen, eine elegantere Garderobe zu tragen. Dieses Mal trug sie ihr Kleid mit den Pfauenfedern und die dazugehörigen Sandaletten. Obwohl sie äußerlich ruhig war, war Jekaterina dennoch nervös. Sie hatte zwar schon oft zwischen zwei Konfliktparteien vermittelt, aber das hier fühlte sich ganz anders an. Jekaterina merkte, wie ihre Hand zitterte. Sie atmete noch einmal tief durch, als ihre Besucher auf der Plattform materialisierten. Als She-Ra und Gamon von der Plattform stiegen, wollte Jekaterina den protokollarischen Kniefall machen, wie es sich gehörte, wenn man hochrangige Gäste empfing. Doch überraschenderweise wurde sie von She-Ra zurückgehalten.

„Ihr legendärer Ruf ist bereits zu uns vorgedrungen, Captain Romanova. Sie führen die Titel einer Prinzessin und einer Herzogin. Damit begegnen wir uns auf Augenhöhe. Und keine Prinzessin kniet vor jemandem nieder, dem sie als Gleichgestellte gegenübertritt.“, sagte She-Ra.

„Lady She-Ra hat Recht, Captain. Und wenn ich das so sagen darf: Sie sind eine bemerkenswerte, und attraktive Frau.“

„Danke für das Kompliment Fürst Gamon. Aber jetzt muss ich sie beide bitten, mir auf die Krankenstation zu folgen. Vorschrift.“, sagte Jekaterina.

„Es ist ihr Schiff, Captain. Und hier gelten ihre Regeln.“

In Radnors Festung

Radnor saß an seinem Schreibtisch, und ging einige Dokumente durch. Wenn es etwas gab, was er wirklich stehen und liegen lassen würde, dann Büroarbeit. Aber die machte sich nun mal leider nicht von alleine. Der 733

Klong sah auf, als Olek und Bolek den Raum betraten. Sie nahmen Haltung an, und skandierten Radnors Parole. „Wir sind die Macht des Reiches! Hurra!“

„Ihr könnt euch sicher vorstellen, warum ich euch habe kommen lassen, Jungs.“, sagte Radnor.

„Ihr habt einen Auftrag für uns.“

„Ganz Recht. Ihr sollte jemanden umbringen.“, sagte der Klong.

„Wer soll sterben?“

„Jekaterina Romanova.“, sagte Radnor.

„Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.“

„So und jetzt ab mit euch. Und nur damit wir uns klar verstehen, Jungs. Wenn ich eins nicht leiden kann, dann ist es das Wort „Misserfolg“. Dieses Wort gibt es bei mir nicht.“, sagte Radnor.

Olek und Bolek verneigten sich, und verließen den Raum.

An Bord der Renown

Himie Weiss, der erste Offizier der Renown, nahm Haltung an, als Russell Crowe, sein neuer Vorgesetzter, die Brücke betrat.

„Kommandant auf der Brücke.“, sagte er.

„Rühren, Nummer eins.“

„Danke, Captain.“, sagte Himie Weiss.

„Wie ist unser Status, Commander Weiss?“

„Wir sind einsatzbereit, Captain.“, sagte Commander Weiss.

„Sehr gut, Nummer eins. Haben wir schon eine Mission?“

„Nein, Captain.“, sagte Himie Weiss.

„Das kommt noch, Nummer eins. Das kommt noch.“

„Darf ich was fragen, Sir?“, fragte Commander Weiss.

„Bitte.“

„Sie haben zuletzt unter Jekaterina Romanova gedient. Wie ist sie so?“, sagte Himie Weiss.

„Sie ist eine sehr gute Kommandantin. Und auch sehr umgänglich. Sie wird von den anderen Crewmitgliedern sehr geschätzt. Aber sie selbst hat auch Momente, in denen sie ihre Emotionen übermannen. Ich war nämlich dabei, als Jekaterina ihren Nervenzusammenbruch erlitten hat. Obwohl ich ihn nicht live miterlebt habe. Aber die Auswirkungen habe ich gesehen. Captain Romanova war ziemlich angeschlagen. Sogar ihre Hände haben gezittert.“ 734

„Vermissen sie sie, Captain?“, fragte der erste Offizier der Renown.

„Ein bisschen schon. Ich habe mal eine Partie Schach gegen sie gespielt. Es ist erstaunlich, was man alles aus diesem Spiel lernen kann. Jekaterina hat mich geschlagen. Sie ist eine sehr gerissene Spielerin. Und sollten sie je unter ihr dienen, Nummer eins, dann hören sie auf Jekaterina. Und merken sie sich ihre Worte gut.“

„Werds mir merken, Captain.“, sagte Himie Weiss.

In diesem Moment hob Ashley Roberts, die für die Kommunikation auf der Renown zuständig war, den Kopf.

„Captain, ich habe Admiral Paris für sie.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

Auf dem großen Schirm erschien das Gesicht von Tom Paris Vater.

„Ich grüße sie, Admiral Paris.“, begann Russell Crowe das Gespräch.

„Danke, Captain Crowe.“

„Haben sie eine Mission für uns, Admiral?“, fragte Captain Crowe.

„Ganz Recht. Sie fliegen zum Raumlabor Regula 1. Einer der benachbarten Planeten, Ortega, wurde vor kurzem widerrechtlich besetzt. Die meisten Siedlungen hat der Aggressor schon unter seine Kontrolle gebracht. Obwohl dies nicht ganz

der Wahrheit entspricht, Captain. Bis auf ein Dorf sind alle Siedlungen auf dem Planeten an diesen Usurpator gefallen.“

„Wer lebt in diesem Dorf?“, fragte der Kommandant der Renown.

„Ein Amazonenstamm. Die Malmori. Ihre Aufgabe ist es, das Amazonendorf zu verteidigen. Wenn sie batarianische Bodentruppen als Unterstützung brauchen, dann sagen sie Königin Keyra bescheid.“

„Die Malmori sind die Stammesschwestern von Captain Romanova. Warum lässt sie ihre Schwestern im Stich?“, sagte Captain Crowe.

„Ihre derzeitige Mission lässt das nicht zu, Captain. Sie hat um Ablösung gebeten, damit sie ihren Schwestern bestehen kann. Aber ihr wurde befohlen, ihre Mission zu Ende zu bringen, bevor sie zu den Malmori aufbricht. Deshalb hat ihre ehemalige Vorgesetzte darum gebeten, sie mit dieser Mission zu beauftragen.“

„Verstehe. Danke Admiral. Renown Ende.“, sagte Russell Crowe.

An Bord der Kirow 735

Jekaterina rieb sich die Schläfen. Sie hatte dort ein Ziehen bemerkt, ein klares Zeichen von Anspannung. She-Ra und Gamon war dies nicht verborgen geblieben.

„Geht es ihnen nicht gut, Captain?“, fragte She-Ra.

„Ein Ziehen an den Schläfen. Ich befürchte ich bin wieder angespannt. Meine Stammesschwestern brauchen meine Hilfe, aber man befiehlt mir sie im Stich zu lassen. Was werden Ariadna und Afrodita von mir denken?“

„Falls es ihnen etwas hilft, Captain, wenn die Verhandlungen abgeschlossen, und der Vertrag unterzeichnet ist, dann werden She-Ra und ich sie begleiten, und diesem Mistkerl die Hölle heiß machen. Oder wie siehst du das She-Ra?“, sagte Gamon.

„Ganz deiner Meinung.“

„Vielen Dank. Aber vielleicht sollten wir weitermachen, sonst werden wir nie fertig.“, sagte Jekaterina.

„Im Prinzip sind wir uns doch in allen Punkten einig, die sie vorgeschlagen haben, Captain. Sie haben uns sehr geholfen. Gamon hat die besten Wissenschaftler, ich habe das technische Know How. Ich habe Fürst Gamon zugesichert, dass seine Leute Zutritt zu meinen Anlagen bekommen. Und bin eine Regentin, die zu ihrem Wort steht.“, sagte She-Ra.

Auf dem Planeten Sting 3 Stunden später

Die Vertragsunterzeichnung fand im goldenen Saal in She-Ras Palast statt. Jekaterina hatte vorsichtshalber ihre Leibwächterin Cassandra und ihre Stammesschwester Brynn mitgenommen. Sie hatte gerade ihre Unterschrift unter den Vertrag gesetzt, als sie einen Schatten hinter einer Säule wahrnahm. Der Lauf eines Revolvers vom Typ Peacemaker erschien aus dem Dunkel.

Olek machte sich gerade fertig zum Feuern, als er die Klinge von Brynns Claymore an seinem Hals spürte.

„Schmeiß die Kanone weg, oder du hast nie mehr Zahnschmerzen.“, zischte die Amazone.

Widerwillig ließ Olek seinen Revolver fallen.

Bolek war nun an der Reihe. Doch Cassandra machte ihm ebenfalls einen Strich durch die Rechnung.

„Was du vorhast ist nicht nett. Komm ich halt das für dich.“, sagte sie und nahm Radnors Handlanger den Revolver weg.

In Radnors Festung

Der Klong hielt sich gerade in der Bibliothek auf, und las in einem Buch, über Guerilla- und Partisanentaktiken, als die beiden großen Türen mit einem lauten Knall aufgestoßen wurden, und Jekaterina in Begleitung von 736

She-Ra, Gamon sowie Cassandra und Brynn und einigen Mitgliedern des Sicherheitsteams der Kirow, den Raum betrat.

„Was fällt euch ein????“, fragte Radnor brüskiert.

„Ich bin hier, um euch zu verhaften, Radnor. Ihr werdet des Hochverrats und des versuchten Mordes beschuldigt.“

„Ihr könnt mir nichts nachweisen, Prinzessin.“, sagte Radnor.

„Wir haben die Aussagen eurer Handlanger, die den Auftrag hatten, mich zu töten. Das genügt vollauf, um euch anzuklagen.“

„Das wird den beiden noch leid tun.“, sagte der Klong, mit den Zähnen knirschend.

„Da wäre ich mir nicht so sicher, Radnor. Cassandra.“

Mit einem Kopfnicken in Radnors Richtung gab Jekaterina ihrer Leibwächterin ein Zeichen. Die Drachenkriegerin packte den Klong am Kragen und hob ihn hoch.

„Na? Und jetzt?“, sagte sie mit einem süffisanten Lächeln.

Radnor zappelte und strampelte, doch es half nichts. Er war im Griff von Jekaterinas Leibwächterin gefangen. Widerwillig ergab sich der Klong.

„In Ordnung, ihr habt gewonnen, Prinzessin. Ich gebe auf.“, sagte er.

„Das möchte ich dir auch geraten haben, Radnor.“

An Bord der Kirow

Jekaterina saß wieder auf ihrem angestammten Platz in der Mitte der Brücke. Sie hatte Kurs auf das Raumlabor Regula 1 genommen, um dort mit der Texas von Dean O’Banion zusammenzutreffen. Nachdem die Kirow Radnor übergeben hatte, brach Jekaterina nach Ortega auf. Sie wollte ihre Stammesschwestern, die Malmori, auf keinen Fall alleine in die Schlacht ziehen lassen.

Der Planet Ortega 1 Stunde später

Russell Crowe staunte nicht schlecht, als seine ehemalige Vorgesetzte auf dem heiligen Dorfplatz materialisierte. Sie trug wieder ihr Kämpferoutfit.

„Schön sie wiederzusehen, Captain.“, sagte Russell Crowe.

„Hat der Aggressor in der Zwischenzeit etwas unternommen?“

„Nein. Aber seine Armee hat das Dorf umzingelt. Es kommt niemand rein, und es kommt auch niemand raus.“, sagte der Neuseeländer.

Kaum hatte er seinen Satz beendet, ertönte ein Fanfarensignal.

„Sieht so aus, als ob bald Blut fließt, Russ.“, sagte Jekaterina. 737

„Was meinen sie, Captain?“

„Nennen sie mich Jekaterina.“, sagte Jekaterina.

„Danke. Aber was hat es mit diesem Fanfarensignal auf sich?“

„Das ist das Zeichen, zum Sammeln der Truppen. Wenn unser Gegner nicht auf den Kopf gefallen ist, wird er keine massive Konzentration am Haupteingang zum Dorf befehlen. Apropos: Wie heiß er eigentlich?“, sagte Jekaterina.

„Sein Name ist Demanas. Niemand hat je von ihm gehört, oder weiß, woher er kommt.“

Wieder ertönte das Fanfarensignal. Kurz darauf erschienen die Krieger. Jekaterina erkannte drei Reihen, im Quadrat angeordnet.

„Dieser Dummkopf. Anstatt seine Legionen auf die Flanken zu verteilen, macht er den Fehler und konzentriert seine Truppen auf den Haupteingang.“, sagte Jekaterina.

„Jekaterina?“

Jekaterina erkannte diese Stimme. Sie gehörte ihrer Stammesschwester Lara. Ganz langsam drehte sie sich um. Lara stand auf dem großen Platz. Sie strahlte, als sie ihre Stammesschwester erblickte. Dann wandte sie den Kopf.

„Mädels! Jekaterina, unsere Stammesschwester ist gekommen.“, rief sie.

Bald kamen die anderen Amazonen. Alle umarmten die Kommandantin der Kirow und bombardierten sie mit Fragen. Nur eine fehlte. Afrodita, die Schamanin. Ariadna trat vor und legte Jekaterina eine Hand auf ihre Schulter.

„Schön, dass du doch noch gekommen bist. Wir hatten schon Angst, ohne dich kämpfen zu müssen.“, sagte sie.

„Deswegen habe ich meine ehemalige Nummer eins geschickt, falls ich es nicht rechtzeitig geschafft hätte.“

Doch dann fiel Ariadnas Blick auf She-Ra und Gamon.

„Und wen hast du mitgebracht?“, fragte sie.

„Lady She-Ra und Fürst Gamon. She-Ra hat eine Kompanie ihrer besten Bogenschützen dabei. Und Gamon hat eine Kompanie Berserker mitgebracht.“

„Das würde Demanas Strategie über den Haufen werfen. Zumindest hoffe ich das.“, sagte Ariadna.

„Ist er so schlimm?“

„Du hast keine Ahnung, Jekaterina. Jeden gottverdammten Tag, versucht er Afrodita davon zu überzeugen, dass du nicht kommst.“, sagte Ariadna.

„Mal sehen, wie sie reagiert, wenn sie mich sieht.“ 738

„Sie wird vor Freude weinen.“, sagte Ariadna.

„Da kommt sie übrigens.“

Brynn deutete mit dem Kopf auf die Schamanin der Malmori, die gerade den Haupteingang durchschritt. Jekaterina sah, dass sie niedergeschlagen war. Offenbar war es Demanas gelungen, die Schamanin der Malmori davon zu überzeugen, dass Jekaterina nicht kommen, und ihre Stammesschwestern im Stich lassen würde. Auch wenn Afrodita leise sprach, als sie von einer Amazone namens Ashlyn angesprochen wurde, konnte Jekaterina hören, was sie sagte: „Jekaterina wird uns im Stich lassen, Ashlyn. Der Stamm der Malmori ist verloren.“

„Ich bin doch hier, Afrodita. Und ich habe Verstärkung mitgebracht.“, sagte Jekaterina.

Die Schamanin der Amazonen wandte den Kopf, und sah Jekaterina, von den anderen umgeben, vor dem Heiligtum der Malmori stehen. Afroditas Gesichtszüge hellten sich auf. Die Schamanin und die Kommandantin der der Kirow gingen aufeinander zu, und lagen sich bald in den Armen. Und wie Ariadna es prophezeit hatte, brachen bei Afrodita alle Dämme, und sie fing an zu weinen.

„Ich werde nie von eurer Seite weichen, Afrodita. Das weißt du.“, sagte Jekaterina.

„Ich weiß.“

„Wenn ich in Rente gehe, und die Kirow für immer verlassen, werde ich hierher zurückkehren, und nie wieder fortgehen.“, sagte Jekaterina.

In Demanas Lager

Demanas sah wieder in seine magische Kugel, die er immer benutzte, wenn er den Widerstand besonders willensstarker Gegner brechen musste. So wie Afrodita. Sie war die bisher stärkste von allen gewesen. Und heute war es ihm endlich gelungen, ihren Widerstand zu brechen. Aber was er jetzt sah, schmeckte Demanas überhaupt nicht. Denn er sah, wie sich Jekaterina Romanova und Afrodita in den Armen lagen. Ausgerechnet heute, musste Jekaterina hier auftauchen, und seine ganzen Pläne zunichte machen. Gott, wie er diese Frau hasste!

Im Dorf der Malmori

„Du bist zwar eine von uns, Jekaterina. Aber du musst zu Hause nicht alle Zelte abbrechen. Deine Heimat ist die Erde.“, sagte Afrodita.

„Ich weiß. Aber manchmal vermisse ich meine Heimat gar nicht.“

„Das glaub ich dir gern. Und es ehrt mich, dass du uns so verbunden bist. Aber dass du alles aufgibst, nur um bei uns zu sein, dass sind wir nicht wert.“, 739

sagte Afrodita.

Doch dann fiel ihr Blick auf She-Ra und Gamon.

„Sind das Freunde von dir, Jekaterina?“, fragte die Schamanin.

„Im Moment würde ich eher Verbündete sagen.“

She-Ra, die jetzt eine grüne Rüstung aus Beskarstahl trug, trat vor Jekaterina und hängte ihr eine goldene Kette mit einem umgekehrten Fächer als Anhänger um den Hals.

„Nimm dies, als Zeichen ewiger Freundschaft.“, sagte sie.

„Ich danke dir.“

Gamon wandte sich an die junge Russin.

„Du hast geholfen, eine Jahrzehnte lange Feindschaft zu beenden. Und du hast geholfen, ein perfides Komplott gegen mich und She-Ra aufzudecken.“, sagte der Fürst.

Dann nahm er aus einem Beutel, den er die ganze Zeit mit sich herum getragen hatte, ein kleines Döschen. Von dem Inhalt, der an rote Farbe erinnerte, nahm Gamon etwas, und malte einen Sonnensymbol auf Jekaterinas rechte Schulter, das der japanischen Kriegsstandarte der kaiserlichen japanischen Marine im 2. Weltkrieg ähnelte. Jekaterina spürte ein heftiges Brennen, als die rote Farbe ihre Haut berührte.

„Die aufgehende Sonne steht für den Weg in eine neue Ära. Du hast diese Ära eingeläutet, in dem du uns den Weg gewiesen hast. Deshalb will ich mit diesem Symbol ehren, auf das es noch lange von deinen Taten künden möge.“, sagte Gamon.

Erneut ertönte das Fanfarensignal. Demanas Legionen zogen sich zurück. Brynn, die am Haupteingang stand, und alles beobachtete, runzelte die Stirn.

„Jekaterina, komm doch mal bitte.“, sagte sie.

Kurze Zeit später trat ihre Schwester neben sie.

„Sieh dir das an.“, sagte Brynn und zeigte auf die abziehenden Soldaten.

„Was zum Teufel hat das denn zu bedeuten?“

„Wenn ich das wüsste.“, sagte die junge Malmori.

Jekaterina rieb sich das Kinn.

„Die Maus soll mich beißen.“, sagte sie leise.

Doch Brynn hatte ihre Worte gehört.

„Was meinst du, Schwester?“, fragte sie.

„Das war ein Täuschungsmanöver, Brynn. Demanas hat seine 740

Truppen aufmarschieren lassen, um einen Angriff vorzutäuschen. Aber so leicht lasse ich ihn nicht von der Angel. Demanas weißt nicht, was ihn erwartet. Noch nicht.“

„Der führt doch was im Schilde, Jekaterina.“, sagte die junge Malmori.

„Überraschen würde es mich nicht.“

In Demanas Lager

Demanas saß am Lagerfeuer. Das leise Knistern verbrennenden Holzes hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn. Aber tief in seinem Inneren war er angespannt. Die Kirow war hier. Und er hatte ihre Kommandantin zusammen mit Afrodita durch seine Glaskugel gesehen. Demanas wusste, wenn das Amazonendorf nicht fiel, würde es in den anderen Dörfern eine Rebellion geben. Und in so einem Fall würde man ihn entweder verjagen, oder töten. Wobei es wohl eher auf letzteres hinauslaufen würde. Außerdem sprach es sich herum, dass die Malmori-Amazonen nach wie vor erbitterten Widerstand leisteten. Und das spielte seinen Feinden natürlich in die Karten. Demanas musste den Amazonenstamm in einer alles entscheidenden Schlacht vernichten. Denn wenn er Jekaterina Romanova umbringen ließ, würden ihm sehr bald die Klingonen im Genick sitzen, und ihren Tod rächen. Auch die Föderation würde Fragen stellen. Und auch Jekaterinas Stammesschwestern, die Malmori, würden blutige Rache nehmen.

Im Dorf der Malmori

She-Ra hatte ihre Bogenschützen auf dem Wehrgang der Palisade, die das Amazonendorf umgab, postiert. Gamon und seine Berserker bauten gerade eine Carnyx zusammen. Ariadna und Afrodita wechselten einen fragenden Blick, der Jekaterina nicht verborgen blieb.

„Das ist eine Carnyx. Ein historisches Volk auf der Erde, die Kelten haben sie benutzt, um damit die römischen Legionen einzuschüchtern.“, sagte sie.

„Hoffentlich funktioniert das.“

„Wüsste nicht, warum die Carnyx keine Wirkung zeigen sollte.“, sagte Jekaterina.

„Ich habe eine Idee, Jekaterina. Und zwar eine, die uns mehr Zeit verschafft.“

„Sprechen sie, Captain Crowe.“, sagte Afrodita.

„Ich bin zur Hälfte Maori. Es gibt einen Kriegstanz, den wir HAKA nennen.“

„Und sie wollen mit uns einen solchen Haka aufführen, nehme ich an.“, sagte Afrodita.

„Das war meine Idee.“

„Die Idee an sich ist gut, Russ. Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass wir höchstwahrscheinlich nicht die Zeit haben werden, um ihn zu üben.“,

sagte Jekaterina.

Und wie Recht Russell Crowes ehemalige Vorgesetzte haben sollte, zeigte sich am nächsten Morgen. Es war noch neblig, als das Geräusch schwerer Stiefel auf festem Untergrund zu hören war. Ein klares Zeichen, dass Demanas Truppen aufmarschierten. Die Bogenschützen waren schon auf ihren Posten, und warteten auf das Zeichen ihrer Herrin. Und dann erschienen aus dem Nebel die feindlichen Soldaten. Sie waren in mehrere Formationen aufgeteilt. Demanas ritt auf einem Rappen an ihrer Spitze. Gekleidet, wie ein römischer Feldherr.

„Ergebt euch! Wenn ihr es nicht tut, werde ich euren Stamm auslöschen, und euer Dorf dem Feuer überantworten!“, rief er.

Die Malmori-Amazonen kamen nach draußen. An ihrer Spitze: Ariadna und Jekaterina. Demanas streckte sein Schwert nach vorn und wollte gerade den Befehl zum Angriff geben, als aus dem Wäldchen, dass das Amazonendorf umgab, der schauerliche Klang der Carnyx zu hören war. Demanas Legionen rutschte das Herz in die Hose. Doch ihr Anführer hatte sie im Griff.

„Zur Attackeeeee!“, befahl er laut.

Seine Soldaten stürmten nach vorn.

Doch der Angriff kam jäh ins Stocken, als She-Ras Bogenschützen zum ersten Mal feuerten. Ein Pfeilhagel, dem auch Demanas Pferd zum Opfer fiel, ging auf die feindlichen Soldaten nieder. Und wer es nicht rechtzeitig schaffte, seinen Schild nach oben zu reißen, um den Pfeil abzuwehren, der starb auf der Stelle. Aus dem Wäldchen und einem der Seiteneingänge erschienen Gamons Berserker und nahmen eine weitere Legion in die Zange. Demanas Krieger hatten keine Chance, sich von ihrem Schock zu erholen, denn die Berserker befanden sich in einem regelrechten Blutrausch. Dennoch konnten sie Freund und Feind voneinander unterscheiden.

Demanas Zorn wuchs mit jedem Soldaten, der entweder tot, oder so schwer verwundet war, dass er nicht mehr kämpfen konnte. Er sammelte seine verbliebenen Krieger und startete einen letzten Angriff. Und dieser galt den Amazonen, die sich bisher zurückgehalten hatten. Die Malmori stürmten Demanas und seinen Soldaten mit lautem Gebrüll entgegen. Das laute Klirren von aufeinander treffenden Klingen wurde hörbar, als die Amazonen und Demanas Soldaten aufeinander trafen. Jekaterina nahm sich Demanas selbst vor, denn Ariadna, der der Angriff eigentlich galt, hatte alle Hände voll zu tun, um sich zwei von seinen Soldaten vom Hals zu halten. Brynn sorgte für etwas Entspannung, in dem sie einen der beiden Legionäre fast in zwei Teile schlug. Die Klinge des Claymores fuhr in einem 45°-Winkel durch den Körper des Kriegers. Knochen splitterten, während lebenswichtige Organe schwer verletzt wurden.

Am nächsten Morgen, es war noch neblig, ging Jekaterina über das 741

Schlachtfeld. She-Ra begleitete sie, damit die junge Russin nicht alleine war. Jekaterinas Herz wurde schwer, als sie an Ariadnas Leichnam vorbeikamen. Ein Pfeil steckte in ihrer Brust. Auch Kira war in der Schlacht gefallen. Einer von Demanas Soldaten hatte sie mit seinem Wurfspeer, einem Pilum, getötet. Der nächste Tote, an dem Jekaterina und She-Ra vorbei kamen, war Demanas selbst. Die Kommandantin der Kirow erinnerte sich an den Kampf zwischen ihr und dem Tyrannen, den beide mit unerbittlicher geführt hatten. Einmal hatten sich ihre Klingen gekreuzt, und Jekaterina hatte Demanas mit einem bitterbösen Blick bedacht.

„Wieso warst du kein braves Mädchen, und bist weggeblieben?“, hatte er gefragt.

„Und meine Stammesschwestern im Stich lassen und sie zu verraten? Eher friert die Hölle zu.“

Jekaterina stieß ihren Gegner zurück, und drosch mit kräftigen Hieben auf ihn ein. Demanas war überrascht, wie stark seine Gegnerin war. Und wie gut sie mit ihren Damastschwertern umgehen konnte. Der Tyrann merkte, dass er es mit einer Frau zu tun hatte, der man in Punkto kämpfen nichts mehr vormachen konnte. Jekaterina war eine mit allen Wassern gewaschene Kriegerin. Das Duell ging mit unverminderter Härte weiter. Jekaterina zwang ihren Gegner mit kräftigen Schlägen immer mehr in die Defensive. Erneut trafen sich ihre Klingen.

„Du bist so töricht, wie du stolz bist. Wer bist du überhaupt, dass du es wagst, dich mir in den Weg zu stellen?“, sagte Demanas wütend.

„Ich bin Jekara. Tochter von General Zarrok. Trägerin des Ordens von Kahless und Mitglied im Orden des Bat’leth.“

„Du bist keine Klingonin.“, sagte Demanas.

„Ich bin aber ein Mitglied des Hauses Zarrok, du Pappnase. Und dadurch, dass viele Familien dem Haus Zarrok nahe stehen, habe ich einen Großteil des klingonischen hohen Rates hinter mir, du Armleuchter.“

„Egal, wer du bist. Du bist gleich tot.“, sagte Demanas und spuckte, als Zeichen der Respektlosigkeit, vor Jekaterina auf den Boden.

Diese riss ihre Arme nach oben, und schleuderte das Gladius, das römische Kurzschwert, ihres Gegners in hohem Bogen davon. Dann kreuzte sie ihre Klingen am Hals des Tyrannen.

„Doswidanja, Arschloch.“, sagte Jekaterina.

Dann zog sie ihre Schwerter zurück.

„Alles in Ordnung, Jekaterina?“, fragte She-Ra, und holte die junge Russin in die Gegenwart zurück.

„Alles okay. Ich habe nur gerade meinen Kampf, mit diesem 742

ehrlosen Individuum Revue passieren lassen.“

„Verstehe.“, sagte She-Ra.

Jekaterina verfiel erneut in Trauer, als sie und She-Ra an einer rothaarigen Amazone vorbeikamen, die im Sterben lag. Die Kommandantin der Kirow wusste, wer dort lag. Es war Edita. Jekaterina kniete nieder und hielt ihre Hand.

„Heute war ein guter Tag, Jekaterina.“, sagte die Amazone. „Ja. Heute war ein guter Tag. Wir haben diesen Tyrannen vernichtend geschlagen, Edita.“

„Zeit… Abschied zu nehmen.“, sagte Edita.

„Du kommst schon wieder auf die Beine, Edita.“

„Nein, Jekaterina. Für mich… ist es Zeit… Ungh… meine… letzte Reise… über die Regenbogenbrücke… nach Nyanmar… anzutreten. Vergiss mich nicht, Schwester.“, sagte Edita.

„Wer könnte dich je vergessen, du rothaariger Wildfang?“

„Rothaariger Wildfang. Wie… schön das klingt.“, sagte Jekaterinas Stammesschwester.

Edita hob einen goldenen Schulterreif vom Boden, den sie an ihrer rechten Schulter getragen hatte.

„Nimm ihn. Er gehört jetzt dir. Leb wohl… Schwester.“

Mit diesen Worten schloss Edita für immer ihre Augen. Jekaterina weinte nun um ihre verstorbenen Stammesschwestern.

Die Trauerfeier verlief ruhig und ohne großes Tamtam. Jede Malmori legte drei rote Rosen auf die Gräber. Demanas hatte man anonym im Wald verscharrt. Nichts sollte an ihn erinnern. Dann wurde Lara das goldene Schwert übergeben, das ihr als militärische Führerin des Amazonenstammes zustand. Jekaterina half ihr noch beim Umzug in Ariadnas ehemalige Hütte, da diese nur der Anführerin zustand. Danach war es an der Zeit aufzubrechen. Die Renown brachte Gamon und She-Ra nach Sting zurück, während die Kirow zu einer neuen Mission aufbrach.743

USS Kirow - Mission 20

USS Kirow Mission 20

Die Kirow erzitterte erneut, als zwei weitere Phasersalven das Schiff trafen. Auf der Brücke schrillte der Alarm. Toprak, der taktische Offizier, und Jekaterinas klingonischer Bruder wandte sich an die Kommandantin.

„Captain, die Kapazität unserer Schilde ist auf 15% gefallen. Wir können diesem massiven Dauerfeuer nicht mehr lange standhalten.“, sagte der Klingone.

„Verstanden.“

Dann wandte sich Jekaterina an Fallon Sherrock, ihre erste Navigatorin.

„Fallon, berechnen sie den schnellsten Kurs mit Maximalgeschwindigkeit. Die Mission ist abgebrochen.“, sagte sie.

„Ja, Captain.“

Fallon Sherrock betätigte einige Schaltflächen an ihrer Konsole.

„Unser Kurs ist 160,4. Wir können noch mit Warp 8,5 fliegen.“, sagte die Navigatorin.

„Miss Sherrock, Kurs 160,4. Warp 8,5.“

„Ja, Captain.“, sagte Fallon Sherrock.

Die Kirow drehte ab, und beschleunigte. Gerade noch rechtzeitig, denn eines der drei Schiffe, der die Kirow gegenüber gestanden hatte, feuerte noch zwei Photonentorpedos, die ihr Ziel ganz knapp verfehlten. Jekaterina hasste es, die Mission abzubrechen. Auch wenn ihre Befehle anders lauteten. Da sie aber die Sicherheit ihres Schiffes und aller an Bord gefährdet gesehen hatte, hatte sie schweren Herzens die Entscheidung getroffen, den Abbruch zu befehlen, und sich zurückzuziehen. Jekaterina wusste nur zu gut, dass ihre Entscheidung Konsequenzen nach sich ziehen konnte. Im besten Fall musste sie sich nur vor der Admiralität für diesen Schritt rechtfertigen. Trat aber das Worst-Case-Szenario ein, dann drohte ihr ein Gerichtsverfahren. Allerdings, so gestand sich Jekaterina ein, war es ein Ding der Unmöglichkeit, ein Gefecht gegen drei borelianische Schlachtschiffe zu überstehen. Die Kommandantin der Kirow war sich sicher, dass Admiral Dixon, der ihr und ihrer Besatzung die Mission zugewiesen hatte, von vorn herein gewusst hatte, dass diese drei Schiffe im Einsatzgebiet operierten, und Jekaterina bewusst falsch informiert. Nicht einmal eine Eskorte hatte er mitgeschickt, sondern die Kirow unvorbereitet ins offene Messer geschickt.

„Captain, unsere achteren Sensoren haben eines der Schiffe geortet. Es folgt uns.“

Die Worte des taktischen Offiziers holten Jekaterina in hier und jetzt zurück. 744

„Gibt es ein Gebiet, wo wir Schutz suchen können, Mr. Toprak?“, fragte Jekaterina.

„Das Territorium des klingonischen Imperiums, Captain.“

„Wie lange brauchen wir dorthin?“, wollte Jekaterina wissen.

„Bei gleichbleibender Geschwindigkeit eine Stunde.“

„Wann hätte uns das borelianische Schiff eingeholt, Mr. Toprak?“, fragte die Kommandantin.

„In drei Stunden. Aber das Schiff ist größer als wir, und damit auch schwerer. Aber ich kann ihnen nicht garantieren, dass sie uns nicht doch einholen, bevor wir die Grenze passiert haben.“

An Bord des borelianischen Schiffes

Der Kommandant trommelte nervös mit seinen Krallenhänden auf der Armlehne seines Sessels herum. Seine Rasse hatte ein Gesicht mit einem Maul, das mit zwei Reihen messerscharfer Reißzähne bestückt war, und das in einem verlängerten Schweinerüssel endete. Die Borelianer waren 2,50 Meter groß und hatten einen schuppigen Leib, der von keiner Waffe durchdrungen werden konnte. Ihre Ohren glichen den Schwimmhäuten eines Spinosaurus aegyptiacus, und der Rücken wurde von einem Dornenkamm geschützt. Alles in allem waren die Borelianer eine furchteinflößende Erscheinung. Allerdings nahmen sie es mit der territorialen Souveränität ihres Hoheitsgebietes sehr genau. Und wenn sich ein unbekanntes Schiff näherte, wurde gleich das Feuer eröffnet. Denn die Borelianer handelten nach der Maxime „Erst schießen, dann Fragen stellen.“

Der borelianische Kapitän war enttäuscht, dass Jekaterina das Gefecht abgebrochen hatte. Aber er wollte zumindest wissen, wohin sie floh. Der Kapitän hätte die Kirow ohne Mühe einholen, und mit einem Traktorstrahl festhalten können, aber das wäre zu riskant gewesen. Denn sie befanden sich in der Nähe des klingonischen Hoheitsgebietes. Und die Klingonen gingen nicht gerade zimperlich mit ihren Feinden um.

Über Jekaterina erzählte man sich auch, dass sie die Unterstützung eines Großteils des klingonischen hohen Rates hatte, da sie nicht nur einer klingonischen Familie angehörte, sondern auch Trägerin des Ordens von Kahless und Mitglied im Orden des Bat'leth war. Wenn er die Kommandantin der Kirow gefangen nahm, würden ihm die Klingonen eine ordentliche Streitmacht auf den Hals hetzen, und ihn in Stücke reißen.

An Bord der Kirow

„Captain, wir haben die Außengrenzen des klingonischen Imperiums erreicht.“, sagte Komi Namura, die Fallon Sherrock an der Navigationskonsole abgelöst hatte. 745

„Danke, Komi.“

Dann wandte sich Jekaterina an ihre Kommunikationsoffizierin.

„Keiko, rufen sie die Klingonen. Sagen sie ihnen, dass wir auf ihrem Hoheitsgebiet Schutz suchen müssen, und von einem borelianischen Schlachtschiff verflogt werden.“, sagte sie.

„Ja, Captain.“

Kurze Zeit später traf die Antwort der Klingonen ein.

„Captain, wir haben die Erlaubnis, die Grenze zu passieren. Ihr Vater kommt uns entgegen.“, sagte Keiko Tadashita.

Die Kirow überquerte die Grenze. Gerade noch rechtzeitig, denn das borelianische Schiff hatte sehr schnell aufgeholt.

An Bord des borelianischen Schiffes

Der Kommandant ließ das Schiff stoppen. Denn er sah sich einer gewaltigen Flotte von 30 klingonischen Schiffen gegenüber. Und er wusste nur zu gut, dass er in einem Gefecht den Kürzeren ziehen würde. Der Borelianer schloss die Augen und dachte nach. Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow, war eine bemerkenswerte Frau. Wenn auch die Hälfte von dem stimmte, was man sich über sie erzählte, dann war sie eine attraktive, tapfere und kampferprobte Frau. Und zumindest hatte sie ihre Tapferkeit unter Beweis gestellt. Denn sie hatte das Gefecht ohne zu zögern aufgenommen, nachdem man ihr Schiff ohne Vorwarnung unter Beschuss genommen hatte.

Jekaterina Romanova hatte ihr Fell so tapfer wie möglich verkauft, doch dann hatte die Vernunft gesiegt, und sie hatte den Kampf abgebrochen. Auch wenn der borelianische Kommandant enttäuscht über diese Entscheidung war, musste er zugeben, dass es die einzig richtige war. Denn er hätte selbst genauso gehandelt.

„Hoffentlich hat Captain Romanova keine Konsequenzen zu befürchten.“, schoss es ihm durch den Kopf.

Wie sehr er sich irren sollte.

Auf dem Anwesen der Familie Zarrok

Jekaterina hielt sich im Arbeitszimmer ihres klingonischen Vaters auf und war gerade dabei ihren Bericht zu schreiben, als die Tür aufging.

„Hey, big sis.“, vernahm sie die Stimme ihres Bruders.

Jekaterina legte den Datenblock zur Seite, und drehte sich um. Im Raum standen ihr Bruder, Lolita Moreno, Dean O’Banion, ihre drei ehemaligen ersten Offiziere, und ihre aktuelle Nummer eins.

„Was verschafft mir die Ehre, dass ihr mich so unerwartet mit eurer 746

Anwesenheit beehrt, Leute?“, fragte Jekaterina.

„Wir wollen dich schützen, big sis.“

„Mich schützen? Vor wem?“, fragte Jekaterina.

„Nicht vor wem. Vor was.“

„Setzt euch erstmal. Und dann erzählt mir alles.“, sagte Jekaterina.

Lolita Moreno ergriff als erste das Wort.

„Bei Starfleet Command herrscht totaler Aufruhr. Flurfunkmeldungen zufolge wird ein Court Martial gegen dich vorbereitet.“, sagte sie.

„Was sagst du da, Lolita?“

„Du hast richtig gehört, Jekaterina. Es hält sich das Gerücht, dass du dich für deinen Missionsabbruch vor einem Kriegsgericht verantworten musst.“, sagte Lolita.

„Von wem hast du eigentlich deine Befehle bekommen, big sis?“

„Admiral Parker Dixon. Wieso?“, sagte Jekaterina.

Dean O’Banion beugte sich vor.

„Ganz böse Zungen behaupten, dass er derjenige ist, der dich vor das Kriegsgericht bringen will.“, sagte der Ire.

„Sonst geht’s dem aber noch ganz hallo.“

„Wollen sie wissen, weswegen sie angeklagt werden sollen, Captain?“, fragte Quantez Robertson.

„Sagen sie es mir.“

„Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind.“, sagte Eric McClusky.

„WAS???“

„Sie haben richtig gehört, Captain. Die Information kam gerade eben.“, sagte Deirdre De Courcy.

„Dieser dreckige Bastard.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür erneut, und Jekaterinas klingonischer Vater, General Zarrok trat ein. Gefolgt von seiner Ehefrau Lukretia.

„Wir haben gehört, was passiert ist, Jekara. Deine Mutter wird deine Verteidigung übernehmen.“, sagte der alte Klingone.

„Ist das dein Ernst, Vater?“

„Mein voller. Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich tatenlos zusehe, wie der Ruf meiner Tochter aufs übelste besudelt wird. Wir werden dich da raus boxen, Jekara.“, sagte Bhav´ Lor Zarrok. 747

In diesem Moment zirpte Jekaterinas Kommunikator.

„Kirow an Captain.“, hörte sie die Stimme ihrer Kommunikationsoffizierin.

„Sprechen sie, Keiko.“

„Captain, gerade kam die Meldung, dass die Klage gegen sie eingereicht wurde.“, sagte Keiko Tadashita.

„Dieser verfluchte Mistkerl.“

Dean O’Banion wandte sich an General Zarrok.

„Verzeihen sie, General. Aber dürften wir vielleicht ihr Computerterminal benutzen? Wir müssen Präsidentin Arikka über diese Angelegenheit in Kenntnis setzen.“, sagte der Kommandant der Texas.

„Sie haben meine Erlaubnis, Captain O’Banion.“, sagte der alte Klingone.

„Vielen Dank, Sir.“,

„Keine Ursache.“, sagte Jekaterinas klingonischer Vater.

Paris, Föderationshauptquartier 31. August 2380, 16 Uhr Ortszeit

Arikka wollte gerade ihr Computerterminal ausschalten, da sie sich auf den Weg zu einer weiteren Ratssitzung machen wollte, als ein Ping eine Nachricht ankündigte, die mit dem Vermerk „DRINGEND“ gekennzeichnet war. Präsidentin Arikka nahm sich Zeit und öffnete die Nachricht. Sie sah, dass die Nachricht von den Kommandanten der Cumberland, der Renown, der Hiryū, der Exeter, der Texas, der Laconia und der ersten Offizierin der Kirow geschickt worden war.

„Madam President, unserer geschätzten Kollegin und Vorgesetzten soll der Prozess gemacht werden, nur weil sie von ihrem Recht, ihre Mission, trotz anders lautender Befehle, abzubrechen, Gebrauch gemacht hat. Sie sah die Sicherheit ihres Schiffes, und aller an Bord gefährdet, was einen Missionsabbruch durchaus rechtfertigt. Captain Romanova werden folgende Verstöße zur Last gelegt: Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Prozess nur dazu dient, unsere Kollegin und Vorgesetzte ihres Kommandos zu entheben, und sie unehrenhaft aus der Raumflotte zu entlassen. Der Kläger ist Admiral Parker Dixon. Wir möchten sie deshalb darum bitten, sich dieser Sache persönlich anzunehmen. Captain Jewgeni Romanova, Kommandant USS Laconia, Captain Lolita Moreno, Kommandantin USS Cumberland, Captain Eric McClusky, Kommandant USS Hiryū, Captain Quantez Robertson, Kommandant USS Exeter, Captain Dean O’Banion, Kommandant USS Texas, Captain Russell Crowe, Kommandant USS Renown, Commander Deirdre De Courcy, erste Offizierin USS Kirow.“

Arikka erschrak. Das konnte nicht wahr sein! Ausgerechnet Jekaterina Romanova sollte der Prozess gemacht werden. Gut, dass ihre Freunde ihr diese Nachricht geschickt hatten. 748

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier 31. August 2380, 5:00 Uhr Ortszeit

Admiral Parker Dixon saß in seinem Büro an seinem Schreibtisch. Ihm gegenüber saß Ezri Dax.

„Lieutenant Dax. Ich habe sie um dieses Gespräch gebeten, weil ich sie gerne als Vertreterin der Anklage in einem Gerichtsverfahren hätte.“, sagte er.

„Wen klagen sie an, Admiral?“

„Captain Romanova von der Kirow.“, sagte Admiral Dixon.

„Und weswegen wenn ich fragen darf?“

„Wegen Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind. Hören sie Lieutenant Dax, es ist wichtig, dass sie bei dieser Verhandlung die Anklage vertreten.“, sagte Parker Dixon.

„Warum ich?“

„Weil sie die Beste sind, Lieutenant.“, sagte der Admiral.

„Ich bedaure, Admiral. Aber ich muss ablehnen. Denn ich bin zurzeit mit einem anderen Fall beschäftigt. Anordnung von der Präsidentin.“

Die Trill stand auf, und verließ Admiral Dixons Büro. Zurück ließ sie einen verärgerten Admiral. Dieser musste sich nun nach Ersatz umsehen. Parker Dixon hatte es Jekaterina Romanova nie verziehen, dass sein Neffe von der Akademie geflogen war. Jetzt hatte er endlich die Gelegenheit sich für diese Schmach zu rächen. Der Türsummer riss den Admiral aus seinen Gedanken.

„Herein.“, sagte er.

Die Türhälften glitten auseinander und ein junger Fähnrich im Alter von 22 Jahren trat ein.

„Sie haben ich rufen lassen, Sir?“, fragte er.

„Ja, Mr. O'Donnell. Ich habe eine Aufgabe für sie.“

„Welche, Admiral Parker?“, fragte der Fähnrich.

„Sie vertreten Jekaterina Romanova in einem Gerichtsprozess als Verteidiger.“

„Aber Sir, ich habe noch nie bei einem Gerichtsprozess als Verteidiger fungiert.“, sagte der junge Mann.

„Genau deswegen habe ich sie ausgesucht, Mr. O'Donnell. Ich will, dass Jekaterina Romanova schuldig gesprochen wird, und damit ihr Kommando verliert, und zusätzlich noch unehrenhaft aus der Sternenflotte entlassen wird.“

„Ich werde nicht nach dem Grund fragen, Admiral Dixon.“, sagte Fähnrich O'Donnell. 749

„Glauben sie mir, Mr. O'Donnell, das ist auch besser so, wenn sie jeglichen Ärger vermeiden wollen. Machen sie ihren Job, und alles ist in Ordnung.“

„Ja, Sir.“, sagte der junge Fähnrich.

Kaum hatte er das Büro verlassen, klingelte es erneut.

„Wer ist da?“, fragte Admiral Dixon.

„Commander Dennis Fitzpatrick, Sir.“

„Kommen sie rein, Commander.“, sagte Parker Dixon.

Ein athletisch gebauter Afroamerikaner mit feuerroten Haaren betrat den Raum.

„Setzen sie sich, Commander.“, sagte Admiral Dixon.

„Was kann ich für sie tun, Sir?“

„Ich möchte, dass sie als Richter in einem Gerichtsprozess fungieren, Commander.“, sagte der Admiral.

„Wer sitzt auf der Anklagebank?“

„Jekaterina Romanova, die Kommandantin der Kirow.“, sagte Admiral Dixon.

„Warum ausgerechnet sie?“

„Sagen wir es mal so, Commander Fitzpatrick: Ich habe mit Captain Romanova noch eine persönliche Rechnung offen.“, sagte Parker Dixon.

„Sie wollen sie also fertig machen. Habe ich recht Admiral?“

„Genau so ist es, Commander. Also was ist? Kann ich mich auf sie verlassen? Es reicht schon, dass Lieutenant Dax mich hat hängen lassen.“, sagte der Admiral.

„Keine Bange, Sir. Jekaterina Romanova bekommt, was sie ihrer Meinung nach verdient.“

„Gut. Sehr gut sogar. Sie hören von mir, wenn es soweit ist.“, sagte Admiral Dixon.

„Ja, Sir.“

Smolensk, 1. September 2380, 10:30 Uhr Ortszeit

Jekaterina saß mit ihrer Ehefrau Alaia, ihren Schwestern Jessica und Anastasia, sowie ihrer Cousine Catherine auf der Terrasse. Lady Lukretia saß am Tisch und studierte aufmerksam die Aufzeichnungen aus dem Bordcomputer der Kirow. Die Kommandantin der Kirow runzelte die Stirn, als an der Tür ihres Elternhauses klopfte.

„Ich geh mal nachsehen, Jekaterina.“, sagte Jessica. 750

Wenig später kehrte sie in Begleitung eines jungen Mannes zurück. Jekaterina bemerkte, dass er nervös von einem Bein auf das andere tippelte.

„Was kann ich für sie tun, junger Mann?“, fragte Jekaterina freundlich.

„Captain Romanova, ich bin Fähnrich Justin O'Donnell, ihr Rechtsbeistand.“

„Es war sehr umsichtig von Admiral Dixon, bereits nach einem Rechtsbeistand für mich zu suchen. Aber ich habe, wie sie sehen, selbst einen Rechtsbeistand benannt. Darf ich ihnen Lady Lukretia Zarrok vorstellen?“, sagte Jekaterina.

„Aber ich soll sie doch vertreten.“

„Ich brauche ihre Dienste nicht, Fähnrich. Lady Lukretia ist meine Verteidigerin.“, sagte Jekaterina.

Fähnrich O'Donnell verließ das Haus, ohne ein weiteres Wort.

San Francisco, Starfleet Command Hauptquartier, 4. September 2380, 9:17 Uhr Ortszeit

Der große Konferenzraum war in einen Gerichtssaal umgewandelt worden. Admiral Parker Dixon und sein Vertreter für die Anklage, ein Ferengi namens Lok, waren bereits anwesend. Admiral Dixon rieb sich vergnügt die Hände, erwartete er doch seine persönlich ausgesuchte Truppe. Die Tür auf der linken Seite öffnete sich und Jekaterina Romanova betrat gemeinsam mit ihrem Rechtsbeistand den Raum. Wie immer trug sie ihr dunkelblaues Sternenkleid und die dazu passenden Schuhe. Parker Dixon fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er sah, dass nicht Fähnrich O'Donnell sie begleitete, sondern eine Klingonin. Es war ganz offensichtlich, dass eine andere Macht ihre Hände im Spiel hatte. Und das war mit Sicherheit der klingonische hohe Rat, von dem der Admiral wusste, dass er zum Großteil hinter der Kommandantin der Kirow stand.

Als sich die Tür auf der rechten Seite öffnete, erstarrte der Admiral. Denn nicht Commander Fitzpatrick betrat den Raum, sondern Präsidentin Arikka höchstpersönlich. Das bedeutete nichts Gutes. Die Ariantu bestieg die Empore, auf der das Richterpult stand. Sie sah sich im Raum um. Dann ergriff sie das Wort.

„Ich erkläre die Verhandlung gegen Jekaterina Romanova wegen Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind für eröffnet. Ich bitte nun die Anklage um die Verlesung der Klageschrift.“, sagte die Präsidentin.

Nachdem der Ferengi die Anklageschrift verlesen hatte, wandte sich die Ariantu an Jekaterina.

„Captain Romanova. Sie sind wegen Befehlsverweigerung und Feigheit vor dem Feind angeklagt. Wie bekennen sie sich?“, fragte sie.

„Nicht schuldig, Madam President.“ 751

War klar, dass Jekaterina sich nicht schuldig bekennen würde.

Arikka sprach wieder.

„Ladies and Gentlemen, Ich bitte Anklage und Verteidigung um ihre Eröffnungsplädoyers.“, sagte die Ariantu.

Der Ferengi begann.

„Die Angeklagte Jekaterina Romanova hat gegen ihre Befehle verstoßen, als sie ihre Mission, trotz anders lautender Order abgebrochen hat. Danach hat sie das Weite gesucht, und ist auf das Territorium des klingonischen Imperiums geflüchtet. Dieser Umstand rechtfertigt den Anklagepunkt „Feigheit vor dem Feind“. Die Anklage fordert Captain Romanova ihres Kommandos über das Föderationsschiff USS Kirow zu entheben, sowie eine unehrenhafte Entlassung aus der Sternenflotte. Kommandanten wie Jekaterina Romanova sind eine Schande für die Sternenflotte.“, sagte Lok.

Danach war Jekaterinas Verteidigerin an der Reihe.

„Meine Mandantin sah die Sicherheit ihres Schiffes und aller an Bord befindlichen Personen gefährdet. Und dies gibt ihr das Recht, eine Mission abzubrechen, auch wenn die Befehle anders lauten. Hätte Captain Romanova die Mission nicht abgebrochen, wäre die Kirow mit wehender Fahne untergangen. Meine Mandantin ist daher freizusprechen.“, sagte Lady Lukretia.

Danach wurden die Zeugen vernommen. Darunter auch Jekaterinas ehemaligen ersten Offiziere, und ihre aktuelle Nummer eins. Und im Kreuzverhör, zeigte sich Lady Lukretia unerbittlich. Aber auch Arikka war Admiral Dixon und seinem Anklagevertreter alles andere als wohl gesonnen. Denn sie wies alle Einsprüche des Ferengi ab.

Irgendwann musste Jekaterina selbst in den Zeugenstand. Lok begann sofort mit dem Kreuzverhör.

„Captain Romanova. Sie führen die Kirow seit dem 13. März letzten Jahres. Hatten sie schon damals ein Autoritäsproblem?“, fragte der Ferengi.

Lady Lukretia reagierte umgehend.

„Einspruch! Meine Mandantin ist eine loyale und gewissenhafte Frau. Sie hatte zu keinem Zeitpunkt ein Autoritätsproblem.“, sagte die Klingonin.

„Statt gegeben.“

Danach begann Lukretia ihr Kreuzverhör. Und dort war sie genau so unerbittlich wie bei den anderen Zeugen.

Ganz am Schluss musste Admiral Parker Dixon in den Zeugenstand. Lok, der die Anklage vertrat, stellte seine Fragen, ohne dass er von Lady Lukretia unterbrochen wurde. Als der Ferengi sein Kreuzverhör beendet hatte, 752

durfte Jekaterinas Verteidigerin ihre Fragen stellen.

„Admiral Dixon. Als sie meiner Mandantin ihre Mission zugewiesen haben, haben sie sie wahrheitsgemäß gebrieft, und ihr den richtigen Lagebericht zukommen lassen?“, sagte Lady Lukretia.

„Natürlich, Lady Lukretia.“

„Auf ihrem Computerterminal in ihrem Büro wurde aber ein ganz anderer Bericht gefunden. Eigentlich hätten beide Berichte übereinstimmen müssen. Oder sehe ich das falsch?“, sagte die Klingonin.

„Normalerweise ja.“

„Warum sind sie dann nicht identisch, Admiral?“, fragte Lukretia.

„Vermutlich, weil einer der beiden gefälscht wurde, nehme ich an.“

„In der Tat. Es ist der, den sie an die Kirow gesandt haben. Sie wussten ganz genau, was Schiff und Besatzung am Einsatzort erwartet. Und sie haben meine Mandantin BEWUSST angelogen.“, sagte General Zarroks Ehefrau.

„Ich habe nicht gelogen.“

„Ach wirklich? Dann erklären sie uns doch bitte, warum man sie dabei ertappt hat, als sie den Bericht für die Kirow umgeschrieben haben.“, sagte Lukretia.

Damit war die Bombe geplatzt. Es war nun offensichtlich, dass Parker Dixon nicht nur gelogen, sondern auch Berichte gefälscht hatte, um Jekaterina zu diskreditieren. Arikka stand auf und richtete das Wort an alle Anwesenden.

„Da, wie wir gerade erfahren haben, die Angeklagte mit voller Absicht falsch informiert wurde, und die entsprechenden Dokumente gefälscht wurden, wird dieses Verfahren mit sofortiger Wirkung eingestellt, und Captain Romanova vollständig rehabilitiert.“, sagte Arikka.

Dann wandte sie sich an Admiral Dixon.

„Admiral Dixon, was haben sie sich eigentlich dabei gedacht, als sie die Kirow auf dieses Himmelfahrtskommando geschickt haben?“, fragte sie.

„Ich brauchte einen Vorwand für ein Court Martial.“

„So und warum, wenn ich fragen darf, Admiral?“, fragte die Ariantu.

„Captain Romanova hat meiner Familie Unrecht zugefügt. SIE ist dafür verantwortlich, dass mein Neffe der Akademie verwiesen wurde. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass ich ihr dass verzeihe, Madam President.“

„Aha. Dieses Kriegsgericht diente also nur dazu, um ihre persönliche Rache zu befriedigen. Schämen sie sich nicht, Admiral Dixon?“, sagte die Präsidentin.

„Ich bereue nichts. Und ich würde jederzeit wieder so handeln.“

„Dann sind sie nicht der richtige Mann für den Admiralsrang. Ich 753

fungiere ja nicht sehr oft als Richterin, aber so etwas ist absolut unterste Schublade. Und eins kann ich ihnen jetzt schon garantieren, Admiral Dixon: Aus dieser Angelegenheit kommen sie nicht mit einem blauen Auge davon. Sie werden die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen. Und nur damit sie wissen, was auf sie zukommt: Sie werden sich bald selbst vor einem Court Martial verantworten müssen.“, sagte Arikka.

Jekaterina fiel eine zentnerschwere Last von der Seele. Admiral Dixon war in sich zusammen gesunken. Er hatte sich an Jekaterina rächen wollen, nun traf ihn die Härte des Gesetzes selbst. Und das mit voller Wucht. Er war sich im Klaren darüber, dass sein Plan in dem Moment gescheitert war, als die Präsidentin auf der Seite aus der Tür gekommen war, durch die Richter den Gerichtssaal betraten.

Nach dem Prozess, trat Jekaterina zusammen mit ihrer Mutter Lady Lukretia ins Freie.

„Bin ich froh, dass es vorbei ist. Du hast gesehen, wie unwohl ich mich gefühlt habe, Mutter. Ich meine, ich habe noch nie auf der Anklagebank eines Court Martial sitzen müssen.“, sagte sie.

„Es gibt immer ein erstes Mal, Jekara. Aber ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ein hochrangiger Sternenflottenoffizier seinen Posten dazu missbraucht, um dich fertig zu machen.“

„Dank dir ist diese miese Dreckratte jetzt selbst fällig. Admiral Dixon ist so gut wie erledigt. Aber ich befürchte, ich werde bei dieser Verhandlung als Zeugin aussagen müssen, Mutter.“, sagte Jekaterina.

„Soll ich dich als moralische Unterstützung begleiten, wenn es soweit ist?“

„Bitte, Mutter.“, sagte Jekaterina.

Smolensk 3 Tage später

Jekaterina saß auf den Stufen der Uspensky Kathedrale und blickte hinunter auf ihre Heimatstadt. Dieser politisch motivierte Prozess hatte ganz schön an ihren Nerven gezehrt. Außerdem war die Kirow noch wegen Reparaturarbeiten im Dock. Jekaterina machte es nichts aus, mal frei zu haben. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, dass sich jemand neben sie gesetzt hatte.

„Ich wünschte, wir hätten uns unter angenehmeren Umständen kennen gelernt, Captain Romanova.“, sagte eine fremde Stimme.

Jekaterina wandte den Kopf, und sah in ein Gesicht, dass sich keiner ihr bekannten Rasse zuordnen ließ.

„Ich bin Borelianer, wenn sie es genau wissen wollen, Captain.“, sagte der Fremde.

„Was führt sie zu mir?“

„Verzeihung, dass ich mich nicht vorgestellt habe, Captain. Ich bin Konteradmiral Gardan. Und was mich zu ihnen führt ist ganz einfach. Ich habe von dem Prozess gegen sie gehört. Ein Jammer, dass ich nicht dabei war. Ich hätte diesen Windhund von Admiral am liebsten in Stücke gerissen.“, sagte der Borelianer.

„Warum, Gardan?“

„Sie sind eine bemerkenswerte Frau, Captain. Und tapfer. Sie waren die härteste Gegnerin, mit der ich je ein Gefecht ausgefochten habe. Mein Schiff ganz schön was abgekriegt.“, sagte Gardan.

„Meins aber auch.“

„Seien wir ehrlich, Captain Romanova. Sie haben das richtige getan. Ich hätte genauso gehandelt, wenn ich in ihrer Position gewesen wäre. Denn kein Vorgesetzter hat das Recht, von uns Raumschiffkommandanten zu verlangen, dass wir unsere Schiffe mit allen an Bord ins Verderben führen.“, sagte der Borelianer.

„Das gebe ich ihnen Recht, Admiral. Aber warum sind sie wirklich hier?“

„Unser Regent, Kaiser Iron, hat sie eingeladen. Seine Frau erwartet ein Kind.“, sagte Gardan.

„Ich fühle mich geehrt. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Kirow wieder einsatzbereit ist.“

„Ich bin mit meinem Schiff hier. Wenn sie wollen, können wir sofort aufbrechen.“, sagte der Borelianer.

„Können meine Ehefrau, meine Geschwister und meine Cousine auch mitkommen?“

„Das versteht sich von selbst, Captain.“

Smolensk 4 Tage nach dem Besuch auf Borelia

Jekaterina saß wieder auf den Stufen der Uspensky Kathedrale. Sie erinnerte sich an ihren kleinen Ausflug auf den Planeten der Borelianer. Sie war erstaunt, wie friedlich und gastfreundlich diese Rasse war. Auch wenn sie so aussah, als würde sie einen im nächsten Augenblick fressen. Kaiser Iron hatte sie durch einen der vielen Parks der Hauptstadt von Borelia geführt, nachdem sie ihm vom Garten ihres Elternhauses erzählt hatte. Eine Vogelvoliere mit vielen Kolibris darin hatte ihre Aufmerksamkeit erregt. Diese wollte sie nun im Garten nachbauen.

Jekaterina erinnerte sich auch, wie Catherine und Anastasia bei der Geburt der borelianischen Prinzessin mitgeholfen hatten. Nach der Entbindung wurde die Kleine auf den Namen Martika getauft. Jekaterina hatte bei der Taufzeremonie die kleine Borelianerin über das Taufbecken gehalten und die Patenschaft für Kaiser Irons Tochter übernommen.

Und Jekaterina erinnerte sich auch daran, wie Kaiserin Aurora ihr verraten hatte, dass es in der Nähe des Planeten einen Asteroiden gab, der eine Höhle beherbergte, in der Jekaterina vor dem allwissenden Orakel als Fürsprecherin für Dayani fungieren musste, wenn ihre „Tochter“ ihren Wunsch, ein Mensch zu werden, dem Orakel kund getan hatte. Doch es gab einen Haken, sollte das Orakel Dayanis Wunsch erfüllen. Das Energiewesen, musste an Bord der Kirow sein, oder etwas, dass zum Schiff gehörte, bevor die Transformation einsetzte. Wenn sie es nicht schaffte, würde sie für immer im Weltall verschwinden.

An Bord der Kirow eine Woche später

Jekaterina erschien auf der Brücke. Es tat gut, wieder an Bord der Kirow zu sein. Alle auf dem Schiff waren erleichtert, als sie vom Freispruch ihrer Vorgesetzten erfahren hatten. Jekaterina hatte gerade auf dem Platz in der Mitte Platz genommen, als Keiko Tadashita den Eingang einer Nachricht ankündigte.

„Captain, ich habe Admiral Janeway.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

„Ja, Captain.“, sagte die Japanerin aus Sapporo.

Auf dem Schirm erschien das Gesicht der ehemaligen Kommandantin der USS Voyager.

„Admiral Janeway.“, begann Jekaterina das Gespräch.

„Captain Romanova.“

„Haben sie eine neue Mission für uns?“, fragte Jekaterina.

„In der Tat, Captain. Aber bevor ich sie briefe, will ich ihnen persönlich sagen, dass es mich zu tiefst erschüttert hat, als ich von diesem Schauprozess gegen sie erfahren habe. Ich hätte zu gern Admiral Dixons blödes Gesicht gesehen, als er diese bittere Niederlage kassiert hat.“

„Er hat dagesessen, wie ein Häufchen Elend.“, sagte Jekaterina.

„Ich schätze mal, er wird sich jetzt selbst vor einem Court Martial verantworten müssen.“

„Genau so sieht’s mal aus. Aber jetzt hätte ich schon gerne gewusst, was wir tun sollen.“, sagte Jekaterina.

„Auf dem Planeten Korax ist eine humanitäre Katastrophe ausgebrochen. Ich habe mehrere batarianische Transportschiffe angefordert. Sie werden von der Laconia und der South Carolina beschützt. Ihre Aufgabe ist es, vorauszufliegen, und sich ein genaues Bild der Lage zu machen.“

„Verstehe. Wer ist zurzeit der Machthaber aus Korax, Admiral?“, sagte Jekaterina. 754

„Ein Mann namens Torak.“

„Was wissen wir über ihn?“, fragte Jekaterina.

„Er soll ein sehr begnadeter Kämpfer sein, Captain Romanova.“

„Ein Mann nach meinem Geschmack. Ich liebe Herausforderungen.“, sagte Jekaterina.

„Wollen sie sich ernsthaft mit ihm messen, Captain?“

„Ein bisschen trainieren. Ich will sehen, wie gut er ist.“, sagte Jekaterina.

„Tun sie, was sie nicht lassen können. Aber verlieren sie ihre Mission nicht aus dem Blick. Admiral Janeway Ende.“

„Komi, berechnen sie den schnellsten Kurs nach Korax. Transwarp 1.“, sagte Jekaterina, an ihre zweite Navigatorin gewandt.

„Ja, Captain.“

Die Japanerin aus Kure betätigte eine Schaltflächen an ihrer Konsole.

„Unser Kurs wäre 111,6. Bei Transwarp wären wir in knapp einer Stunde vor Ort.“, sagte Komi.

„Kurs 111,6. Transwarp 1.“

„Ja, Captain.“, sagte Komi Namura.

Auf Korax

Torak sah zum Fenster hinaus, und sah einen blühenden Garten. Er schämte sich, dass er solche Schönheit bewundern durfte, während sein Volk verhungerte und verdurstete. Der Herr der Korax war ein 1,85 m großer, athletisch gebauter Mann Ende 50. Seine braunen Haare hatte er bis oberhalb der Ohrläppchen kurz geschnitten, sodass seine Ohren besonders hervorgehoben wurden. Seine grünbraunen Augen, in denen sonst ein freundlicher und gütiger Blick lag, waren nun voller Kummer. Sein Kinn war von einem leichten Vollbart bedeckt. Bekleidet war Torak in der Regel mit einer leichten, aber robusten Lederrüstung mit goldenen Zierplatten und goldenen Schulterstücken. Außerdem führte der Anführer der Korax immer zwei Säbel mit sich, mit denen er gut umgehen konnte.

Torak war ein Mensch, dem das Wohl seines Volkes sehr am Herzen lag. Niemand sollte leiden. Die ganzen Jahre musste man sich keine Sorgen machen, weil es Nahrung und Wasser im Überfluss gab. Aber von einem Tag auf den anderen war die ganze Nahrungsversorgung zusammengebrochen, weil auf einmal kein Wasser mehr da war. Torak hatte sich deshalb an die Föderation gewandt, und ein Hilfsgesuch eingereicht. Und das beschämte ihn zusätzlich, denn Torak war ein stolzer Mann, der sich nun wie ein Bittsteller vorkam. Aber zum Glück hatte Präsidentin Arikka Hilfe geschickt. Die Korax konnten also weiterleben. Torak wusste aber auch, dass die 755

batarianischen Transportschiffe Weltraumpiraten anziehen würden, wie ein Magnet. Und einen ganz besonders. Nasumbata. Dieser Mann galt als skrupellos und brandgefährlich.

An Bord der Kirow

„Captain, können wir die Geschwindigkeit auf Impulskraft reduzieren? Unsere Sensoren haben ein Schiff geortet. Wir sollten uns das mal näher ansehen.“, sagte Jardanka.

Jekaterina nickte. Dann wandte sie sich an Fallon Sherrock.

„Miss Sherrock drosseln sie unsere Geschwindigkeit auf Impulskraft.“, sagte sie.

„Ja, Captain.“

Als die Kirow nur noch mit Impulskraft unterwegs war, hob Keiko den Kopf.

„Captain, ich empfange ein Notsignal. Es kommt von dem unbekannten Schiff.“, sagte sie.

„Auf den Lautsprecher.“

Dann hörten es alle.

Drei kurze Signale. Dann drei in langen Abständen, und dann wieder drei in kurzen Intervallen.

„Das sind Morsezeichen, Captain.“, sagte Alex Riley, der gerade an der taktischen Konsole Dienst hatte.

Jekaterina ging das Morsealphabet durch. Dann wandte sie sich an Jardanka.

„Jardanka, führen sie bitte einen umfassenden Scan des Schiffes durch. Ich will wissen, was da los ist.“, befahl sie.

„Ja, Captain.“

Kurze Zeit später lag das Ergebnis des Scans vor.

„Captain, das Schiff brennt. Das Feuer hat schon die Mannschaftsunterkünfte erreicht.“, sagte die Romulanerin.

„Irgendwelche Lebenszeichen?“

„Im achteren Teil des Schiffes, Captain. In der Nähe der Maschinenräume befindet sich ein hermetisch abgeriegelter Raum. Aber dieser könnte zu einer tödlichen Falle werden, wenn wir nicht helfen.“, sagte Donatras Tochter.

„Kohlendioxid?“

„Richtig, Captain. Im Moment liegt der Kohlendixiodgehalt bei 28%. Wenn er mit dieser Geschwindigkeit weiter steigt, ist in einer Stunde keiner mehr am Leben.“, sagte Jardanka. 756

„Na schön, tun wir, was getan werden muss. Jardanka, übermitteln sie die Koordinaten an Chief McKenna.“

„Ja, Captain.“, sagte die romulanische Wissenschaftsoffizierin.

An Bord des unbekannten Schiffes

Die Frau schüttelte sich erneut. Ihr war schwindelig und der Raum verschwamm vor ihren Augen. Sie wusste, dass die Luft immer giftiger wurde. Sie hoffte, dass bald Rettung kam, und sie aus dieser misslichen Lage gerettet wurde. Im nächsten Augenblick wurde sie von einem Vorhang aus blauem Licht umhüllt. Der Raum schien sich aufzulösen. Offenbar wurde sie an einen anderen Ort gebracht. Aber wohin?

Das man sie an einen anderen Ort gebracht hatte, wurde der Frau klar, als ein anderer Raum sichtbar wurde. Auch der blaue Lichtvorhang löste sich langsam auf. Als dieser ganz verschwunden war, wusste die Frau, dass sie sich an einem anderen Ort befand. An der Konsole sah sie einen Mann stehen. Auf dessen Uniform das Zeichen der Föderation zu sehen war. Also war sie auf einem Raumschiff oder einer Raumstation der Föderation.

Die Türhälften glitten auseinander und eine Frau trat ein. Und anhand der Uniform ahnte die Frau, dass sie es mit einer Raumschiffkommandantin zu tun hatte. Also war sie auf einem Föderationsschiff. Aber auf welchem?

„Willkommen an Bord der USS Kirow. Ich bin Jekaterina Romanova, die Kommandantin.“, sagte die Frau.

„Ich danke ihnen, Captain. Ich bin Serena.“

Jekaterina musterte ihr Gegenüber. Die gerettete Frau war 1,70 m groß und hatte einen Körper, der an den entsprechenden wohl proportioniert war. Auffällig waren auch die blauen Haare, die bis zur Achselhöhle reichten, und das runde Gesicht stärker zur Geltung brachten. Serena hatte eine leicht breite, grazile Nase, die sich harmonisch in ihr Gesicht einfügte. In den braunen Augen konnte Jekaterina Dankbarkeit erkennen.

„Ich hoffe, ich stoße sie nicht mit meiner Frage vor den Kopf, Serena. Aber sind sie Betazoidin?“, sagte Jekaterina.

„Nein, Captain. Ich bin El-Aurianerin. Warum fragen sie?“

„Weil ich dringend eine zweite Counselor brauche. Neriah stößt mental an ihre Grenzen.“, sagte Jekaterina.

„Wir El-Aurianer können gut zuhören, und sind in der Lage emotionale Konflikte zu erkennen. Dadurch, dass wir schon lange leben, sind wir auch sehr weise. Und wir können Veränderungen in der Zeitlinie oder im Kontinuum wahrnehmen.“

„Ich hätte sie gerne als zweite Counselor, Serena.“, sagte Jekaterina. 757

„Es wäre mir eine Ehre, zu bleiben, und sie zu unterstützen.“

„Danke. Aber das letzte Wort hat das Flottenoberkommando.“, sagte Jekaterina.

„Ich weiß. Und sollten sich unsere Wege wieder trennen, dann werden sie einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen, Captain.“

Danach ging es auf die Krankenstation, wo die El-Aurianerin den vorgeschriebenen medizinischen Check über sich ergehen lassen musste. Jekaterina schickte im Besprechungsraum eine Nachricht an Starfleet Command, mit der Bitte, Serena als zweite Counselor zu bestätigen. Und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Admiral Paris hatte grünes Licht gegeben.

Kurze Zeit später betrat die Kommandantin, in Begleitung von Serena, die Brücke. Die gesamte Brückencrew musterte die El-Aurianerin. Serena trug eine schwarze hautenge Lederjeans, ein weißes bauchfreies Top, eine schwarze Lederjacke mit buntem Blumenmuster, und schwarze, langschäftige Lederstiefel. Um den Hals trug die El-Aurianerin eine Silberkette mit einem Diamanten als Anhänger.

„Ladies and Gentlemen. Ich möchte ihnen unsere neue zweite Counselor vorstellen. Serena ist El-Aurianerin. Und ich hoffe, dass sie ihr mit genau demselben Respekt begegnen, wie der übrigen Besatzung.“, sagte Jekaterina.

Serena wandte sich an Neriah Kahn.

„Miss Kahn, wenn sie wollen, dann löse ich sie ab, damit sie sich ausruhen können.“, sagte sie.

„Danke, Serena. Ich brauche dringend eine Auszeit. Und willkommen an Bord.“

„Danke.“, sagte Serena.

Die Kirow machte sich wieder auf den Weg nach Korax. Keiko hob den Kopf, als das Schiff gerufen wurde.

„Captain, Admiral Janeway wünscht sie zu sprechen.“, sagte sie.

„Auf den Schirm.“

„Ja, Captain.“, sagte Keiko.

Auf dem Schirm erschien Kathryn Janeways Gesicht.

„Sollten sie nicht schon vor Ort sein, und sich ein genaues Bild von der Lage auf Korax machen?“, fragte Kathryn Janeway etwas ungehalten.

„Wir können einen Notruf nicht einfach ignorieren, Admiral.“

„Was genau ist passiert, Captain Romanova?“, fragte Admiral Janeway.

„Auf dem Schiff, das den Notruf abgesetzt hat, ist ein Feuer ausgebrochen. 758

Unsere neue Counselor war die einzige Person, die wir retten konnten.“

„Verstehe, Captain. Sie haben getan, was getan werden musste. Gut, dass sie geholfen haben. Admiral Janeway Ende.“, sagte Kathryn Janeway.

Der Planet Korax eine halbe Stunde später

Die Kirow war in einen stationären Orbit um den Planeten eingeschwenkt. Gali hatte Jardanka an der wissenschaftlichen Station abgelöst. Jekaterina hingegen hatte das Kommando an Deirdre, ihr Nummer eins übergeben, und ruhte sich aus. Die junge Irin war verunsichert, hatte sie noch nie ein Schiff alleine geführt. Und das Offizierspatent hatte sie auch noch nicht so lange. Sie hätte zwar des Öfteren das Kommando übernehmen sollen, wie es die Vorschriften verlangten, aber sie hatte sich das nicht zugetraut. Deshalb hatte Neriah Kahn, die Counselor, das Kommando inne gehabt. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Irgendwann musste sie Verantwortung übernehmen. Deirdre hatte sich vor der Kommandoübernahme ihrer Vorgesetzten anvertraut.

„Wenn sie sich immer davor drücken, Verantwortung zu übernehmen, dann werden sie nie den Platz in der Mitte auf der Brücke eines Raumschiffs einnehmen.“, hatte Jekaterina gesagt.

In ihrem Quartier hatte Jekaterina es sich in ihrem Lesesessel bequem gemacht. Sie trug wieder ihren dunkelblauen Bademantel aus Seide, den sie wie immer so zugebunden hatte, dass man ihre Brüste nicht sehen konnte. Jekaterina hatte zusammen mit ihrer Ehefrau Alaia ein schlammiges Duftbad genommen, und roch jetzt verführerisch nach Erdbeere. Sie hatte gerade die nächste Seit von Herman Melvilles „Moby Dick“ umgeblättert, als der Türsummer ertönte.

„Herein.“, sagte Jekaterina.

Die Türhälften glitten auseinander und Leanne trat ein.

„Hallo, Leanne.“, sagte Jekaterina.

„Hey.“

„Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?“, fragte Jekaterina.

„Ich wollte fragen, ob wir eine Partie Schach spielen können. Es ist schon ne Weile her, das ich zum letzten Mal gespielt habe.“

„Gern. Ich zieh mir nur schnell etwas an.“, sagte Jekaterina.

Bevor Leanne antworten konnte, war Jekaterina aufgestanden und im Nebenraum verschwunden. Kurze Zeit später kam sie wieder zurück. Bekleidet mit ihrem weißen T-Shirt mit dem Rosenmotiv und einer dunkelblauen figurbetonenden Jeans.

Auf Korax 759

Torak hatte die wichtigsten Würdenträger zusammengerufen.

„Meine Herren, ich habe diese Konferenz anberaumt, weil ich ein paar Neuigkeiten habe.“, begann er die Besprechung.

„Wir haben auch etwas zu berichten.“

„Ich habe die Föderation um Hilfe ersucht. Stand jetzt sind vier batarianische Transportschiffe auf dem Weg hierher.“, sagte Torak.

„Das ist gut. Wenn sie Lebensmittel an Bord haben, sind wir gerettet.“

„Präsidentin Arikka hat mir ihr Wort gegeben. Und laut ihrer eigenen Aussage steht eine Ariantu zu ihrem Wort.“, sagte Torak.

„Das Wort der Präsidentin ist schon etwas wert. Aber es ist Nasumbata, der uns Sorgen bereitet.“

„Die Transporter haben eine Eskorte. Ein Schiff der Ambassador-Klasse, die Laconia, und die South Carolina, ein Schiff der Cumberland-Klasse. Und Nasumbata ist garantiert nicht so dumm, und legt sich mit zwei Kriegsschiffen der Föderation gleichzeitig an.“, sagte Torak.

„Hab t ihr noch mehr dieser guten Neuigkeiten, Fürst Torak?“

„Ich warte noch auf neue Nachrichten. Was habt ihr zu berichten?“, sagte Torak.

„Wir wissen, warum unsere ganzen Wasservorräte verschwunden sind.“

„Dann bitte.“, sagte Torak.

„Euer Cousin hortet es, Fürst Torak.“

„Und wozu das Ganze?“, fragte Torak.

„Ganz einfach, mein Fürst. Euer Cousin will euch stürzen. Wenn er der Bevölkerung das Wasser vorenthält, dann kann er eure Untertanen gegen euch aufwiegeln.“

„Das soll er mal versuchen.“, sagte Torak.

„Moment, mein Fürst. Das Becken, in das Fürst Gmorg das Wasser umgeleitet hat, gehört euch.“

„Dreckskerl.“, sagte Fürst Torak.

An Bord der Kirow

„Schach matt, Jekaterina.“, sagte Leanne.“

„Mist. Die Partie auch noch verloren. Die wievielte war das?“

„Die dritte.“, sagte Leanne Summerwell.

„Drei Partien am Stück. Das ist mir noch nie passiert.“ 760

„Obwohl du es mir richtig schwer gemacht hast, Jekaterina. Ich hatte noch nie eine so starke Gegnerin.“, sagte Leanne.

„Wie lange spielst du schon, wenn ich fragen darf.“

„Seit ich 8 bin.“, sagte Denises Tochter.

„Kein Wunder, dass du mich dreimal hintereinander geschlagen hast. Aber beim nächsten Mal könnte sich das Blatt wenden.“

In diesem Augenblick ertönte die Gegensprechanlage.

„Brücke an Captain.“, vernahm Jekaterina die Stimme ihrer ersten Offizierin.

„Sprechen sie Deirdre.“

„Captain, gerade sind die batarianischen Transporter eingetroffen. Außerdem wünscht Torak sie zu sprechen.“, sagte Deirdre.

„Geben sie mir 10 Minuten zum Umziehen, Nummer eins.“

„Der Fürst wird nicht gerade erfreut sein, dass sie ihn warten lassen, Captain.“, sagte Jekaterinas Nummer eins.

„Ich kann auch in Jeans und T-Shirt auf die Brücke kommen, womit ich keinerlei Probleme habe. Aber bei Starfleet Command dürfte man damit Probleme haben.“

„In Ordnung. Ich bitte Fürst Torak um ein bisschen Geduld.“, sagte die junge Irin.

10 Minuten später erschien Jekaterina auf der Brücke. Auf dem großen Schirm konnte sie Toraks Gesicht sehen. Und der Ausdruck sah alles andere als wohlwollend aus. Offenbar, war der Fürst es gewohnt, dass man zur Stelle war, wenn er ein Anliegen hatte. Die Kommandantin wandte sich an Keiko.

„Keiko, öffnen sie bitte die Leitung.“, sagte sie.

„Ja, Captain.“

Als die Leitung stand, eröffnete Jekaterina das Gespräch.

„Mylord, es tut mir leid, dass ich sie habe warten lassen. Aber ich glaube, dass es keinen guten Eindruck auf sie gemacht hätte, wäre ich in sportlich-legerer Freizeitkleidung und Flip-Flops auf die Brücke gekommen.“, sagte sie.

„1:0 für sie, Captain.“

„Wie kann ich ihnen helfen, Mylord?“, fragte Jekaterina.

„Gibt es einen Ort, an dem wir ungestört reden können, Captain Romanova?“

„Wir könnten ihr Problem hier auf der Kirow besprechen, Fürst Torak. Aber warum fragen sie?“, sagte Jekaterina.

„Weil das Risiko besteht, dass mein missratener Cousin Gmorg unser 761

Gespräch mithört.“

„Verstehe. Wenn sie wollen, können wir sie gleich an Bord beamen. Allerdings müssen sie sich ärztlich untersuchen lassen, bevor ich mich ihrem Problem widmen kann. Ist Vorschrift.“, sagte Jekaterina.

„Es ist ihr Schiff, Captain.“

In Gmorgs Schloss

Toraks Cousin tobte. Irgendwie hatten die Inspektoren herausgefunden, wohin das Wasser umgeleitet wurde, und von wo die Pumpen bedient wurden. Zu allem Überfluss hatte die Föderation vier Transportschiffe geschickt, die Lebensmittel an Bord hatten. Und die Transporter waren noch das kleinste Problem. Das weitaus größere Problem waren die drei Föderationsschiffe. Speziell die South Carolina bereitete Gmorg Kopfzerbrechen. Sie war nahezu unbesiegbar. Doch die größte Gefahr ging von der Kommandantin der Kirow, Jekaterina Romanova aus. Diese Frau war brandgefährlich, wenn man den Fehler machte, sie zu unterschätzen. Und einige Tyrannen und Despoten hatten dafür mit ihrem Leben bezahlt. Bavmorda hatte es am härtesten getroffen. Sie war in der Brutkolonie auf Katmai gelandet. Goran hatte nach seinem Sturz den Rest seines Lebens in der Strafkolonie auf Rura Penthe verbracht. Und Gmorg wusste, dass Jekaterina Romanova auch ihn vernichten konnte. Toraks Cousin wusste auch, dass diese Frau nicht zögern würde, wenn sich die Chance dazu bot.

An Bord der Kirow

Jekaterina saß mit ihrem Bruder Jewgeni, Joana Benavides und Torak im Besprechungsraum hinter der Brücke zusammen. Sie besprachen, wie man die Lebensmittelrationen verteilen konnte, ohne dass Gmorg sich alles unter den Nagel riss. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass eine öffentliche Verteilung nicht infrage kam. Zum einen wegen fehlender Einheiten batarianischer Hydropanzer, zum anderen würde eine öffentliche Verteilung Gmorgs Aufmerksamkeit erregen.

„Im Prinzip haben wir nur eine Option. Wir müssen Gmorg auffliegen lassen. Erst dann können wir die Lebensmittel verteilen.“, sagte Jekaterina.

„Das stimme ich dir zu, big sis. Aber wie sollen wir das angehen?“

„Ich befürchte, dass wir uns Zugang zu den Pumpstationen verschaffen müssen. Und die dürften ziemlich schwer bewacht sein.“, sagte Joana Benavides.

„Da haben sie Recht, Captain Benavides. Mein Cousin überlässt nichts dem Zufall.“

„Aber wie sollen wir die Wachen ausschalten?“, fragte Jewgeni in die Runde.

Seine Schwester sah ihm in die Augen. Ein diabolisches Flackern war 762

darin zu erkennen.

„Dayani könnte das für uns erledigen. Dann hat sie wieder eine Aufgabe.“, sagte Jekaterina.

„Hast du mich deshalb so diabolisch angesehen, big sis?“

„Aus versehen, Bruderherz. Ich habe mir gerade Gmorgs saublödes Gesicht vorgestellt.“, sagte Jekaterina.

„Du meinst, wenn bei ihm die Erkenntnis einsetzt, dass er verloren hat, big sis?“

„Da.“, sagte Jekaterina.

Torak war total verwirrt, wie der Ausdruck in seinem Gesicht verriet. Und das war Jekaterina nicht entgangen.

„Jewgeni und ich sind Geschwister. Ich bin die ältere. Deswegen nennt er mich big sis.“, gab sie Torak Auskunft.

„Das habe ich mir schon gedacht, Captain. Aber wer ist Dayan, wenn die Frage gestattet ist.“

„Dayani ist ein Energiewesen, das in mir seine Mutter sieht.“, sagte Jekaterina.

In diesem Augenblick glitten die Türhälften auseinander, und Dayani betrat den Raum.

„Was gibt es Dayani?“, fragte Jekaterina.

„Mir fällt die Decke auf den Kopf, Mutter. Gibt es irgendetwas, das ich tun kann?“

„Es gibt tatsächlich etwas, was du tun könntest.“, sagte Jekaterina.

Dann wandte sie sich an Torak.

„Können sie uns zeigen, wo sich die Pumpstationen befinden, Mylord?“, fragte Jekaterina.

„Wenn es weiter nichts ist.“

Auf dem Planeten

Der Wächter starrte gebannt auf die Anlage. Hinter einer Plexiglasscheibe konnte er fünf mächtige Pumpen sehen, die bis zur Decke reichten. Auf der anderen Seite der Scheibe befanden sich drei Steuerungskonsolen, die von fünf Operatoren bedient wurden. Außerdem standen an jeder Konsole zwei weitere Wächter mit Energielanzen in Form eines Dreizacks. Die Aufgabe war einfach. Die Wächter hatten dafür zu sorgen, dass diese Leute ihren Posten nicht verließen.

Der Wächter war zufrieden. Denn es war nahezu unmöglich in die Station einzudringen. Denn überall waren Wachposten stationiert. Und wo 763

keine Wachen waren, hatte Gmorg Bewegungsmelder installieren lassen, die einen Alarm auslösten, wenn jemand die Laserschranke durchbrach. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nahezu unüberwindbar. Aber für ein Energiewesen wie Dayani war selbst so etwas eine Kleinigkeit. Unbemerkt näherte sie sich dem Wächter von hinten. Dieser rechnete nicht mit einem Eindringling. Als sich aber die Schnur einer Energiepeitsche um seinen Hals wickelte, wurde er aber eines Besseren belehrt. Also war es doch jemandem gelungen, unbemerkt hierher vorzudringen. Ein kurzer Ruck an der Peitsche zwang den Wächter, sich umzudrehen. Kurze Zeit später blickte er in Dayanis Gesicht. Der Blick aus den braunen Augen des Energiewesens durchbohrte ihn regelrecht.

„Wer bist du?“, fragte der Wächter mit schwacher Stimme.

„Nenn mich Dayani.“

Der Wächter erstarrte.

„Bist du das Energiewesen, über das man so oft spricht?“, fragte er.

„Die bin ich. Und nur damit hier eins herrscht, nämlich Klarheit: Dein Herr und Meister ist erledigt, genau wie du und deine Kollegen.“

Mit diesen Worten zog Dayani die Peitsche fester und erwürgte den Wächter. Dann ging sie auf die anderen Wächter los. Einer warf seine Energielanze nach ihr, doch das Energiewesen absorbierte die gesamte Energie. Dann ging es zum Gegenangriff über. Dayani schickte einen Energieblitz. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen, sahen die hilflosen Wächter, was auf sie zukam. Einer nach dem anderen starb. Dann nahm sich Dayani die Operatoren zur Brust.

„Wenn ihr nicht geröstet werden wollt, dann solltet ihr tun, was ich sage.“, sagte das Energiewesen.

„Und w- was sollen wir tun?“

„Schaltet die Pumpen um. Und zwar so, dass das ganze Wasser in Gmorgs Zisterne landet. Und nur damit ihr wisst, woran ihr bei mir seid: Ich lasse meinen Worten Taten folgen.“, sagte Dayani.

Die ersten beiden Konsolen entsprechend neu programmiert. Doch als der erste Operator an der dritten Konsole diese neu programmieren wollte, schlug ihm sein Nebenmann auf die Finger.

„Du lässt das. Diese Bitch hat hier gar nichts zu melden.“, sagte er leise.

Doch das Energiewesen hatte ihn gehört.

„Mir scheint, ich muss wohl ein Exempel statuieren.“, sagte sie.

Dann schleuderte sie dem verblüfften Operator eine Wolke kosmischer Energie entgegen. Der Mann schrie kurz auf, dann fiel er bis zur Unkenntlichkeit verbrannt auf den Boden. 764

„Hat sonst noch jemand was dagegen, meinen Anweisungen Folge zu leisten?“, fragte Dayani.

Keiner der verbliebenen Operatoren an Konsole 3 wagte zu widersprechen. Stattdessen kam der erste Operator Dayanis Aufforderung nach, und programmierte die Anlage neu.

„Startet die Pumpen.“, sagte Dayani.

Die Operatoren gehorchten. Aber an einer der Nebenstationen, die mit der Hauptanlage verbunden waren, ging sofort ein Alarm los. Der Chefoperator versuchte, über seine Konsole die Kontrolle zurückzugewinnen. Aber es war zwecklos. Denn mit der Neuprogrammierung wurde auch ein Algorithmus aktiviert, der die Kontrolle über alle Nebenstationen an die Hauptstation übertrug. Der Wächter, der hinter ihm stand verlor die Beherrschung.

„Verdammt noch mal, tu doch was.“, sagte er barsch.

„Was glaubst du, was ich grade mach? Ich komme an den Kontrollmechanismus nicht mehr ran.“

„Was soll das heißen?“, fragte der Wächter wütend.

„Das bedeutet, dass die Hauptanlage neu programmiert wurde. Und damit werden sämtliche Nebenanlagen von dort kontrolliert. Ist die Kontrolle erst einmal dorthin übertragen, gibt es kein Zurück mehr.“

„VERDAMMT!“, schrie der Wächter außer sich vor Wut.

In Gmorgs Schloss

Toraks Cousin schrak auf, als eine Warnleuchte an einer großen Schalttafel aufblinkte. Er sah sofort, dass etwas nicht in Ordnung war. Denn das Wasser in Toraks Zisterne wurde weniger, während der Wasserstand in seiner Zisterne stieg. Jemand hatte in der Hauptpumpenstation ein Programm installiert und gleich die Kontrolle über die anderen Pumpstationen mit übernommen. Das hatte gerade noch gefehlt! Er rief den Oberwächter, in der Hauptanlage, um ihm zu befehlen, die Programmierung der wieder auf die alte Konfiguration umzuschreiben. Doch er war überrascht, als jemand anderes antwortete.

„Hallo, mit wem habe ich die Ehre?“, vernahm Gmorg die Stimme einer Frau.

„Ich bin Gmorg. Wer zum Teufel sind sie?“

„Dayani, Jekaterina Romanovas Tochter. Und meine Mutter ist nicht gerade erfreut, über das, was sie hier veranstalten, Gmorg.“, sagte das Energiewesen.

„Ihre Mutter wäre gut damit beraten, sich aus dieser Angelegenheit rauszuhalten. Aber wo ist Meridon, mein Oberwächter?“

„Ich habe nur sein Leben beendet.“, sagte Dayani ganz nebenbei, als würde sie über das Wetter auf der Erde sprechen. 765

„Hier auf Korax nennt man so etwas Mord.“

„Nennen sie es wie sie wollen. Fakt ist, dass sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen. Sie lassen die Bevölkerung des Planeten eiskalt lächelnd dem Hungertod aussetzen, während sie sich ihren Mund mit weiß der Geier welchen Köstlichkeiten vollstopfen. Dass sie nicht schämen.“, sagte Dayani, die aus heiterem Himmel vor einem verblüfften Gmorg stand.

„Wie um alles in der Welt, sind sie so schnell hierher gekommen. Ein Mensch, der gut zu Fuß ist, braucht normalerweise eine Stunde von der Hauptpumpe hierher.“, sagte Toraks Cousin.

„Was sehen sie, Gmorg?“

„Eine Frau, an deren Händen das Blut meiner Leute klebt.“, sagte Gmorg.

„Das ist das, was sie zu sehen glauben, Gmorg. In Wirklichkeit bin ich pure, kosmische Energie.“

„Was reden sie da für einen Blödsinn, Dayani?“, fragte Gmorg.

„Das ist kein Blödsinn, Gmorg. Ich darf erläutern, was ich meine.“

Vor den Augen des Verräters verwandelte sich das Energiewesen in seine wahre Gestalt. Gmorg konnte nicht glauben, was er sah.

„Das ist unmöglich.“, sagte er.

Dayani lupfte eine Augenbraue.

„Nichts ist unmöglich.“, sagte sie.

„Schade, dass du kein Mensch bist, du mieses kleines Flittchen. Denn dann würde ich dir den Schädel spalten.“

„Beiß nicht mehr ab, als du in der Lage bist zu kauen, du Spatzengehirn.“, sagte Dayani süffisant.

Gmorg wollte etwas erwidern, als die Tür aufgestoßen wurde, und Torak, gefolgt von Jekaterina und seinen Soldaten den Raum betrat.

„Hallo Cousin.“, sagte Torak.

„Du mieser Scheißkerl. Du hast die Pumpen durch dieses Energiewesen umschalten lassen.“

„Da irrst du dich, Durak. Ich habe Dayani den Befehl erteilt.“, sagte Jekaterina.

„Dann hast du auch die Ehre, als erste zu sterben.“

Mit diesen Worten zog Gmorg einen mächtigen Bi-Händer. Jekaterina zog ihre Damast-Schwerter. Mit einem lauten Brüllen stürmte Toraks Cousin auf die Kommandantin der Kirow zu. Doch Jekaterina ging in die Knie, und riss im entscheidenden Augenblick ihre Schwerter nach oben. Ein lautes Klirren erklang, als Metall auf Metall traf. Die junge Russin nutzte das 766

Überraschungsmoment, als sie Gmorg den Angriffsschwung genommen hatte, und stieß ihn zurück. Dann ging sie zum Gegenangriff über und drängte ihren Gegner mit präzisen aber kräftigen Hieben vor sich her. Mehrfach durchbrach sie die Gmorgs Deckung und schaffte es sogar dem Verräter eine Schnittwunder auf der Rechten Backe zu verpassen.

„Du miese Bitch! Das wirst du bereuen.“, sagte Gmorg.

„Hat meine Tochter dir nicht geraten, nicht mehr abzubeißen, als du kauen kannst?“

„Deine angebliche „Tochter“ ist eine vorlaute, respektlose Göre. Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich ihr mal ordentlich Manieren einprügeln.“, sagte Gmorg.

„Aber vorher musst du erst einmal an mir vorbei, holder Cousin.“

Torak stand vor ihm mit gezogenen Schwertern.

„Mit euch zwei Witzfiguren werde ich doch locker fertig.“, sagte Gmorg.

Doch er hatte sich gewaltig überschätzt. Denn es zeigte sich schnell, dass er gegen zwei Gegner, die schnell und geschickt waren, nicht allzu viele Chancen hatte. Gmorg griff Jekaterina frontal an, doch diese sprang mit einem Salto über ihn hinweg, und schnitt ihm Fall noch in den Rücken. Toraks Cousin stieß einen lauten Schmerzensschrei aus, doch im nächsten Augenblick stieß ihm Torak eines seiner Schwerter mitten ins Herz. Gmorgs Blick brach sich, dann stürzte er leblos zu Boden.

„Ein Jammer, dass er tot ist, Torak. Ich hätte ihn gern vor einem Föderationsgericht gesehen.“, sagte Jekaterina.

„Ich hätte nichts dagegen gehabt, glaub mir. Aber wenn Gmorg meint, das Schicksal herausfordern zu müssen, dann muss er dann auch den entsprechenden Preis zahlen.“

„Wohl wahr. Aber mal was anderes: Mir wurde gesagt, dass du ein hervorragender Kämpfer bist.“, sagte Jekaterina.

„Wir sollten mal gemeinsam trainieren.“

„Das wollte ich auch vorschlagen.“, sagte Jekaterina.

Zwei Stunden später standen sich die Kommandantin der Kirow und Fürst Torak auf einem Trainingsplatz gegenüber. Beide mit gezückten Schwertern.

„Zeit zu sehen, ob wir ebenbürtig sind.“, sagte Jekaterina.

„Mach dich auf was gefasst.“

Zuerst umkreisten sich die beiden. Jeder wartete auf den Angriff des anderen. Jekaterina beobachtete Torak genau und achtete auf jede seiner Bewegungen. Doch auch Torak behielt sie im Auge. 767

Ihm war klar, dass er sie nicht unterschätzen durfte. Er hatte mit eigenen Augen gesehen, was sie im Kampf mit Gmorg geleistet hatte. Das hier war keine blutige Anfängerin, sondern eine mit allen Wassern gewaschene Kriegerin. Als ihm Jekaterina ihre linke Schulter mit dem Harpyiensymbol präsentierte, wusste Torak, dass diese Trainingseinheit eine harte Prüfung für ihn werden würde. Denn er hatte es mit einer Malmori-Amazone zu tun.

Aber dann wurde es ernst. Jekaterina und Torak gingen aufeinander los. Das Klirren der Schwerter war über das ganze Areal zu hören. Rings um den Übungsplatz hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt. Darunter auch Brynn und Dayani.

Torak kämpfte mit allem was er hatte. Zweimal gelang es ihm die Deckung seiner Gegnerin zu durchbrechen, doch jedes Mal hatte Jekaterina einen entsprechenden Konter gesetzt.

Als am Abend die Sonne am Horizont unterging, und den Himmel blutrot färbte, war der Kampf vorüber. Jekaterina und Torak standen sich gegenüber. Sie waren erschöpft, und atmeten schwer. Schweiß lief an ihren Körpern hinab und ihre Muskeln brannten vor Schmerz.

„Du bist die härteste Gegnerin, gegen die ich je angetreten bin. Wir sind ebenbürtig. Du bist würdig, meine Schwester zu sein.“, sagte Torak.

Dann nahm er einen Dolch und schnitt zuerst Jekaterina in die Hand, dann sich selbst. Er presste die Handinnenflächen aufeinander und das Blut beider vermischte sich.

„Unser Blut ist jetzt vermischt. Jetzt sind wir Bruder und Schwester. Und ich könnte mir niemand besseren an meiner Seite wünschen, als dich.“, sagte Torak.

Jekaterina lächelte.

„Wie wärs, wenn du mich auf meiner nächsten Mission begleitest, Bruder?“

„Ich hör mich nicht „Nein“, sagen, Jekaterina.“, sagte Torak.

„Nun, jetzt wo wir Geschwister sind, solltest du wissen, dass du jederzeit auf die Klingonen zählen kannst. Denn du gehörst jetzt ebenso wie deine Geschwister Jewgeni und Anastasia zum klingonischen Haus Zarrok.“

„Gut das zu wissen. Aber jetzt lass dich drücken, Schwester.“, sagte Torak und umarmte Jekaterina.

Als die Nacht hereinbrach standen die beiden immer noch auf dem Übungsplatz und umarmten einander.

„Zeit schlafen zu gehen, findest du nicht Torak?“, fragte Jekaterina.

„Ja, ich könnte eine ordentliche Mütze voll Schlaf brauchen.“768



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