Kapitel 1
Zorn und Schamgefühl wüteten wie Säure in Sasukes Eingeweiden. In seinem Magen schäumte diese vertraut gewordene Hitze, die neuerdings jedem Wutausbruch vorausging, seine Hände zitterten vor mühsam unterdrückter Rage und er ballte sie in den Taschen seiner Jacke zu Fäusten, bis der Schmerz, den seine Fingernägel in die Handflächen stanzten, grell genug war, um sich darauf zu konzentrieren. In letzter Zeit war er ständig wütend, die permanente Aggression war wie ein nervöses Flattern dicht unter der Oberfläche, leicht zu reizen und dann kaum mehr zu halten, doch dieses Mal war er vor allem wütend auf sich selbst, denn er war auf dem Weg zu seiner ersten Nachhilfestunde bei einer gewissen Sakura Haruno.
Er wusste kein Gesicht zum Namen, hatte diesen allerdings regelmäßig unter den Top Fünf auf der Liste mit den besten Prüfungsergebnissen gelesen. Dank ihm hatte sie es diesmal unter die Top Drei geschafft, er selbst war auf Platz siebenunddreißig abgerutscht, was auch der Grund war, dass er nun Nachhilfe bei ihr nehmen musste. Dabei war sie nicht mal die erste Wahl. Unangefochtener Jahrgangsbester war Shikamaru Nara, dem man einen IQ von über zweihundert nachsagte, gefolgt von Ino Yamanaka, unter deren straff gebundenem Zopf ein überraschend scharfer Verstand schlummerte, den man dem wimpernklimpernden Puppengesicht gar nicht zutraute. Nachdem Sasuke in der vergangenen Zeit in mehrere Schlägereien verwickelt gewesen war, hatte sein Vater offenbar beschlossen, dass eine weibliche Tutorin die sicherere Wahl war, und da er beruflich oft mit Inos Vater zu tun hatte – und Ino eine stadtbekannte Tratschtante war –, kam Ino selbst ebenfalls nicht infrage. Sakura Haruno war ausgewählt worden, weil sie ein unbedeutender Niemand war. Sicherlich zahlte sein Vater ihr ein für ihre Verhältnisse unvorstellbar hohes Sümmchen, das sie nicht nur für ihre Zeit vergüten, sondern vor allem für ihre Diskretion garantieren sollte.
Sakura Haruno – der Name allein triggerte ihn bereits. Sasuke knirschte mit den Zähnen, redete sich selbst besänftigend zu, dass es keinen Grund gab, auf dieses Mädchen wütend zu sein, doch vor sein geistiges Auge schob sich immer wieder eine beliebige Frauengestalt, die ihn herablassend anlächelte, bis er fast vergessen hatte, dass es sich dabei keineswegs um die reale Sakura Haruno handelte, sondern ein bloßes Fantasiegebilde.
Er fragte sich, wie viel sie wusste. Sein Vater hatte Unsummen gespendet, damit er nicht der Schule verwiesen wurde und der Name Uchiha nicht noch weiter durch den Dreck gezogen wurde. Aber natürlich redeten die Leute und Sasukes Ausrutscher, wie seine Vertrauenslehrerin es beschönigend nannte, waren freilich nicht verborgen geblieben. Verdammt, er hatte einen seiner Mitschüler windelweich geprügelt. Vermutlich hätte er ihn sogar ins Krankenhaus befördert, wenn sein dämlicher Köter ihn nicht in die Wade gebissen hätte. Die Zähne des Hundes waren kaum durch den Stoff seiner Hose gedrungen und hatten seine Haut lediglich angeritzt, doch der winselnde Welpe, der sich vor lauter Angst selbst vollgeschissen hatte, hatte ihn rechtzeitig zur Besinnung kommen lassen, ehe Sasuke etwas hatte anstellen können, das er vielleicht wirklich bereut hätte.
Jedenfalls konnte Sasuke dieses Mädchen schon jetzt nicht leiden. Entweder war sie eine von diesen selbstgerechten Streberinnen, die sich viel darauf einbildeten, unpopulär zu sein und sich nicht für ihre beliebteren Mitschüler zu interessieren, oder sie war ein selbstgefälliges Miststück, das einen hautnahen Blick auf den großen Sasuke Uchiha werfen wollte, der so tief gefallen war. Er vermutete Letzteres, denn eigentlich konnte er sich kaum vorstellen, dass sie im Verlauf der vergangenen Wochen nicht wenigstens seinen Namen aufgeschnappt haben sollte. Wahrscheinlich ging ihr bei der ganzen Macht, die sie gerade über ihn hatte, einer ab. Die Phantomfrau aus seiner Vorstellung kicherte albern, während sie unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit herumposaunte, dass Sasuke Uchiha Nachhilfe bei ihr nehmen musste. Es war ihm egal, redete er sich ein, sollte sie mit ihm angeben, sollte sie rumerzählen, was sie wollte. Es gab dutzende Mädchen, die für ihre fünf Minuten Schulberühmtheit behaupteten mit ihm im Bett gewesen zu sein, aber letztlich war es nicht sein Ruf, der darunter litt.
Er erreichte das alte Chemie-Klassenzimmer im Keller, in dem sie verabredet waren, das ungenutzt und abseits der üblichen Wege lag, seit vor zwei Jahren ein moderneres Labor eingerichtet worden war, da die Schulaufsichtsbehörde den Raum nach neusten Sicherheitserkenntnissen für ungeeignet erklärt hatte. Irgendwas mit potenziell schädlichen Dämpfen, die im Ernstfall nicht ordnungsgemäß abziehen konnten, wenn er sich korrekt erinnerte. Ohne anzuklopfen stieß er die grau lackierte Stahltür auf, die leider zu schwer für einen angemessen dramatischen Auftritt war, und walzte düster und bedrohlich wie ein plötzliches Sommergewitter in den Raum, um ihr gleich den richtigen Eindruck seiner Laune zu vermitteln.
In der ersten Reihe – ganz die strebsame Schülerin, die sie sicherlich war – zuckte das Mädchen erschrocken zusammen, das, den Kopf gemütlich auf die Handfläche gestützt, gerade noch in einem Buch gelesen hatte. Sasuke nahm ihre Erscheinung binnen einiger Herzschläge in sich auf. Er war normalerweise gut darin, Menschen auf den ersten Blick einzuschätzen, und dieses Mädchen machte geradezu beleidigend offensichtlich einen auf verschrecktes Mauerblümchen. So offensichtlich, dass er sich automatisch fragte, ob sie nicht womöglich bewusst diesen Eindruck erwecken wollte.
Sie trug eine für seinen Geschmack ziemlich altbackene rosa Wollstrickjacke mit bunten Holzknöpfen über ihrer Schuluniform, die Bluse war bis zum Hals zugeknöpft, die Knie zusammengepresst, die Knöchel artig überkreuzt. Ihr helles rosa Haar war zu einem unordentlichen Knoten gebunden, einige wellige Strähnen hatten sich daraus gelöst und wurden von einem scharlachroten Haarband aus ihrem Gesicht gehalten. Schwarze Make-up-Rückstände klebten unter ihren Augen und in den inneren Augenwinkeln, die sie aussehen ließen, als hätte sie geheult oder einen verdammt harten Tag hinter sich, obwohl sie ansonsten keine Schminke aufgelegt hatte. Ihre Nägel waren kurz und unlackiert, ebenso trug sie keinen sichtbaren Schmuck, nicht mal Ohrstecker. Offenkundig hatte sie sich kein bisschen Mühe mit ihrem Aussehen gegeben und etwas daran war wie ein Schwall kaltes Wasser auf das lodernde Brennen in seiner Brust. Der rote Abdruck, den ihre Hand auf ihrer Wange hinterlassen hatte, und der geradezu comichaft erschrocken-überraschte Gesichtsausdruck verliehen ihr überdies eine gewisse Komik.
„Sakura Haruno?“, fragte er in einem Ton, den die meisten Menschen zu Recht unfreundlich gefunden hätten.
Sie blinzelte einmal, zweimal, dann erholte sie sich von ihrem Schreck, richtete die Augen auf das Buch vor ihr, presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und nickte knapp, während sie ein Lesezeichen in besagtes Buch legte und es anschließend zuklappte. Sasuke erhaschte einen flüchtigen Blick auf einen englischsprachigen Titel und einen fremdländischen Autornamen, den er auf Anhieb sicherlich nicht korrekt aussprechen würde. Vermutlich las sie hochtrabende zeitgenössische Literatur, in der es um Rassismus, Feminismus, Umweltverschmutzung oder alles zusammen ging, und fühlte sich ihren Mitmenschen aufgrund dessen überlegen.
„Ich bin Sasuke Uchiha, wir haben einen Termin.“
Termin klang besser als Nachhilfe und unverbindlicher als Verabredung. Er stand noch immer in Türnähe, machte nun jedoch einen Schritt auf sie zu, was dazu führte, dass sie sich leicht, aber für ihn deutlich sichtbar auf ihrem Stuhl zusammenkrümmte. Sasuke zog unweigerlich die Brauen zusammen, wissend, wie bedrohlich es ihn aussehen ließ, was der Situation sicherlich nicht half, hielt jedoch in seiner Bewegung inne. Was war ihr Problem? Hatte sie Angst vor ihm? Dann hätte sie wohl besser nicht zustimmen sollen, ihm Nachhilfe zu geben. Diese Reaktion war neu für ihn – jedenfalls von einer Frau kommend – und er wusste tatsächlich nicht recht, wie er damit umgehen sollte, schließlich war er kein Unmensch, der kleine Mädchen gern zum Spaß einschüchterte. Normalerweise reagierten Frauen immer auf die gleiche Art und Weise auf ihn: mit flirten. Sie wickelten sich Haarsträhnen um den Finger, klimperten kokett mit den Wimpern, warfen ihm schmachtende Blicke zu und lächelten verheißungsvoll. Nicht, dass er besagtes Verhalten besonders genoss, aber immerhin wusste er, wie er damit umzugehen hatte.
„Hast du ein Problem?“, fragte er barsch, seine Stimme angespannt von der Wut, die erneut in ihm zu brodeln begann.
Sakura kniff die Lippen noch fester zusammen und schüttelte nach wie vor schweigend den Kopf.
„Wie du meinst.“ Er schnaubte und beschloss, dass ihr Problem nicht sein Problem war, überlegte, ob er einfach gehen sollte, da er von einer Tutorin, die die Zähne nicht auseinanderbekam, ohnehin nichts lernen konnte. Allerdings würde sein Vater ihr Problem garantiert zu seinem machen und ihm sonst was vorwerfen, dass alles zu seiner Schuld wurde.
Just in diesem Moment hörte er, wie die Tür aufgerissen wurde und eine schrille Mädchenstimme plärrte: „Expresslieferung für dich, Breitstirn.“
Sasuke fehlte die Zeit sich umzudrehen, als ihn auch schon etwas hart im Rücken traf, mit einem feuchten Schmatzen zerplatzte und auf den Boden klatschte. Binnen einer Sekunde umhüllte ihn ein bestialischer, fauliger Gestank und obgleich er sich nicht für zartbesaitet hielt, ließ der Geruch in beinahe würgen. Angeekelt riss er sich das Jackett von den Schultern. Das Mädchen kreischte auf und als er sich zu ihr umdrehte, stand natürlich – natürlich! – Karin samt ihrer Entourage in der Tür, die Hände vor den aufgerissenen Mund geschlagen. Er hatte sie sofort an ihrer Stimme erkannt, obzwar ihre Tonlage, wenn sie mit ihm sprach, eher einem dunklen Schnurren glich. Früher waren sie mal eine Zeit lang miteinander ausgegangen, oder was auch immer, jedenfalls hatten sie es verdammt oft miteinander getrieben, was die einzig adäquate Beschreibung dafür war, was sie gemacht hatten, aber das war, bevor er gemerkt hatte, dass Karin Uzumaki gefährlich nah am Abgrund zum Wahnsinn tanzte. Inzwischen war sie offensichtlich splitterfasernackt und kopfüber hineingesprungen, denn ihm fiel ansonsten keine Erklärung ein, weshalb sie einer Mitschülerin einen verdammten Kadaver ins Gesicht werfen wollen sollte. Denn genau da hätte sie Sakura erwischt, hätte er nicht zufällig zwischen ihr und Karins absurd starkem Hammerwerferarm gestanden.
„Dein Scheißernst?!“, knurrte er und schleuderte das besudelte Jackett von sich. Zu seinen Füßen lag eine von Verwesungsflüssigkeit durchweichte Papiertüte, in denen sich die Überreste von etwas befanden, das vermutlich mal eine Ratte gewesen war. Der Körper war durch den Zusammenprall mit seinem Rücken aufgebrochen und hatte eine Flut von blau schillernden Gedärmen, gelb-weißen Maden und anderem Gewürm befreit, aber zu genau wollte er nicht hinsehen.
„Sasuke, Liebling“, seufzte sie mit einer Stimme, die nun mehr an samtigen Honig erinnerte. „Dich wollte ich doch nicht treffen.“ Dann blitzte urplötzlich etwas Dunkles in ihren rubinroten Augen auf. „Was machst du überhaupt hier, mit ihr?“
„Dass du jemand anderes mit dem Scheiß da bewerfen wolltest, macht es besser“, höhnte er und ignorierte geflissentlich ihre Frage. Karins krankhafte Eifersucht war nur einer von zahlreichen Gründen, weshalb er sich von ihr getrennt hatte, dennoch schien sie noch immer Besitzansprüche an ihn zu stellen.
„Sie hat es verdient“, fauchte sie und warf mit einer überheblichen Geste ihr Haar zurück. Im Hintergrund murmelten Karins Freundinnen ihre Zustimmung.
Sasuke warf einen Blick auf Sakura. Das Mädchen war kreidebleich geworden und starrte mit hochgezogenen Schultern auf seinen Schoß, den Kopf hielt sie so tief gesenkt, dass ihr Pony ihre Augen wie ein fransiger Vorhang bedeckte. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ausgerechnet dieses Mauerblümchen irgendetwas getan haben sollte, um so eine Behandlung zu verdienen.
„Weshalb?“
Die Frage brachte Karin für einen Moment sichtlich aus dem Konzept. Ihr Mund klappte stumm auf und zu, dann stieß sie einen trotzigen Laut aus und blökte an Sakura gewandt: „Na los, sag es ihm, Breitstirn.“
„Es reicht, Karin“, knurrte er leise und schob sich in ihr Sichtfeld, um ihre Aufmerksamkeit von Sakura auf ihn zu lenken. Wie erwartet funktionierte es. „Du machst diese Schweinerei sauber und danach verziehst du dich, kapiert?“
„Seh ich aus wie ‘ne Putzfrau“, echauffierte sie sich, schob jedoch ihre Brille mit dem Mittelfinger den Nasenrücken hoch, was sie immer dann tat, wenn sie verunsichert oder nervös war.
„Wenn ich der Direktorin stecke, was für Scheiße du abziehst, kannst du froh sein, wenn es dafür noch reicht“, drohte er. „Oder soll ich gleich meinen Vater anrufen? Umino wird entzückt sein.“
Karins Gesicht wurde erst blass und dann sehr rot. „Das machst du nicht.“
„Sicher? Du klingst nicht überzeugt.“
Ihre Augen flitzten durch den Raum. Von einer Sekunde auf die andere war die angriffslustige Karin zu dem verstörten Mädchen geworden, das unter der taffen Schale kauerte. Sasuke fühlte sich schäbig, diese Karte bei ihr auszuspielen, weil er Dinge über sie wusste, die sie ihm im Vertrauen erzählt hatte, schlimme Dinge, die erklärten, wieso es in ihrem Dachstübchen nicht ganz richtig lief. Und er wusste, dass sie allein auf der Welt war, dass hinter ihr niemand mit einem dicken Bankkonto stand, um sie vor etwaigen Konsequenzen ihrer Taten zu bewahren. Iruka Umino, der Sozialpädagoge, der für sie verantwortlich war, meinte es sicherlich gut mit ihr, war mit einem Problemkind von Karins Kaliber jedoch überfordert, und da sie achtzehn war, würde eine Suspendierung automatisch zur Folge haben, dass sie aus ihrer Wohngruppe flog. Für Karin würde das mit ziemlicher Sicherheit in Obdachlosigkeit münden. Sasuke hatte nicht wirklich vor, der treibende Keil zu sein, der ihre letzte Chance auf ein halbwegs normales Leben zerstörte; er hoffte, dass die Erinnerung, wie viel sie zu verlieren hatte, ausreichte, um sie nachgeben zu lassen.
„Du warst dir nicht zu fein, das Vieh vom Straßenrand zu kratzen, also kannst du die Sauerei jetzt auch wegputzen“, fuhr er fort. Seine Stimme war schon fast sanft, als würde er ein kleines Kind mit logischen Argumenten zu überzeugen versuchen. Ein Fehler, wie er unverzüglich feststellte, denn Karins Miene nahm augenblicklich wieder einen kämpferischen Ausdruck an. Sein ohnehin dauerhaft überstrapazierter Geduldsfaden war kurz davor zu reißen. Er verschränkte die Arme vor der Brust, damit er sie nicht im Genick packte und wie einen unartigen Hund mit dem Gesicht in ihren angerichteten Dreck drückte. An Karin konnte man sich wahrlich die Zähne ausbeißen; sie kämpfte selbst dann bis aufs Blut weiter, wenn sie längst verloren hatte. Eine Eigenschaft, die er mal zu schätzen gewusst hatte, unterdessen aber nur noch nervig fand. Sasuke seufzte enerviert und warf einer ihrer Freundinnen, die sich nach wie vor im Türrahmen rumdrückten, einen finsteren Blick zu. „Du da, mach das weg.“
„Ich?!“, fragte die Angesprochene naserümpfend und trat einen Schritt zurück. „Verzichte.“
Die Wut, die Sasuke bis zu diesem Moment zurückgehalten hatte, schlug über ihm zusammen wie eine Welle. Ihm wurde heiß und in seinen Ohren entstand ein schrilles Fiepen. Ohne sich erinnern zu können, seinen Beinen den Befehl erteilt zu haben, stand er plötzlich vor Karins Freundin, packte sie am Kragen und zerrte sie in den Raum. Das Mädchen zeterte halb ängstlich, halb empört. Ihre kleinen Frauenfäuste hieben nutzlos auf ihn ein, indes Karin das Szenario mit der Neugier einer Wissenschaftlerin – oder einer Sadistin – beobachtete.
„Wisch das auf, bevor ich den Boden mit dir aufwische“, fuhr er sie an und brachte ihr Gesicht nahe an seines. Sie kam ihm bereitwillig entgegen, indem sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um den Druck, den ihre Bluse auf ihren Hals ausübte, zu reduzieren. Aus der Nähe konnte er die Pickel und verstopften Poren sehen, die dick mit Make-up überschminkt waren. Ihr hektischer, nach Fruchtkaugummi riechender Atem stieg ihm unangenehm in die Nase, vermischte sich mit dem zuckrigen Geruch ihres Parfums und dem süßlichen Fäulnisgeruch des Kadavers. „Menschen wie ihr kotzt mich an“, schnappte er und stieß sie grob von sich, sodass sie mit der Hüfte gegen das Lehrerpult knallte, was sie – vielleicht vor Schreck, vielleicht vor Schmerz oder Empörung – aufschreien ließ.
„Tu, was er sagt“, befahl Karin und wedelte mit der Hand durch die Luft, als würde sie ein Insekt verscheuchen wollen. Es war die hoheitlich-gelangweilte Geste einer Königin.
Das Mädchen sah aus, als würde es widersprechen wollen, fügte sich dann jedoch murrend in sein Schicksal. Ihr einziger Protest bestand darin, die Schränke laut und langsam nach Putzutensilien zu durchsuchen; ihre karge Ausbeute bestand in einer halb aufgebrauchten Rolle Papierhandtücher und einem Kehrblech, das aussah, als wäre damit schon Ekligeres zusammengefegt worden.
Unwillig näherte sie sich dem Kadaver und warf einen Blick zu Karin, als hoffte sie, dass die Rothaarige für sie in die Bresche springen würde, doch Karin, die sich in der Zwischenzeit wie auf einer Chaiselongue auf das Lehrepult gelümmelt hatte, betrachtete gelangweilt ihre spitz gefeilten Fingernägel. Das Mädchen schluckte mehrmals heftig, ehe sie versuchte, das Kehrblech mit der Fußspitze unter das tote Tier zu schieben, was misslang und lediglich dazu führte, dass der Körper endgültig auseinanderfiel. Das Mädchen weinte jetzt vor Ekel. „Ich will das nicht machen“, heulte sie an Karin gewandt. „Das war deine Idee, du solltest…“
„Wenn ich mich korrekt erinnere, hast du das Vieh gefunden und uns davon erzählt“, unterbrach Karin sie kühl. „Also stell dich nicht an. Ist doch nur ein bisschen Gammelfleisch. In Nordkorea würden sie das noch essen.“
Das Mädchen würgte trocken. Beige Tränen tropften von ihrem Kinn, als sie ungelenk in die Hocke ging und das Kehrblech auf Armeslänge von sich hielt, um den verwesenden Körper aufzuschippen.
Sasuke schloss die Augen, genervt und gereizt von der zähen Prozedur, die mit ein, zwei beherzten Kehrbewegungen erledigt sein könnte. Er atmete flach durch die Nase, weil es immer noch besser war, den widerlichen Gestank olfaktorisch zu ertragen, als ihn auf der Zunge zu schmecken, doch unterdessen schien er jeden Winkel seines Körpers auszufüllen. Seine Haut kribbelte beim Anblick der sich windenden Maden und zuckenden Gedärme, und fast glaubte er, das glitschige Gewusel, mit dem sie sich geschäftig durch das verwesende Fleisch fraßen, hören zu können. Sasuke Uchiha ekelte sich – ein Gefühlserlebnis mit dem er bisher nicht allzu oft und noch nie in dieser Intensität konfrontiert worden war – und wie sich herausstellte, machte ihn das verdammt wütend.
Sein Herz klopfte kräftig gegen sein Brustbein, so irritierend und unmöglich zu ignorieren wie das überlaute Ticken einer Uhr während einer Prüfung. Das Jammern des Mädchens trieb ihn zur Weißglut. Er fand kein Fünkchen Mitleid für sie in sich.
Sasuke ging auf sie zu – das Mädchen war zu sehr mit Heulen beschäftigt, um es zu merken, doch Karin funkelte ihn mit dem bösen Schmunzeln einer Giftnatter an –, griff ein Büschel ihres Haares und drückte sie runter. Das Mädchen geriet aus dem Gleichgewicht, seine Knie donnerten mit einem schmerzhaft klingenden Geräusch auf den grau melierten Linoleumboden, die Beweglichkeit seiner Schulterblätter machten denen einer Katze Konkurrenz, als es seine Arme weit nach hinten verdrehte. Sie jaulte schrill auf, indes Sasuke ihren Kopf unerbittlich gen Kadaver drückte, bis ihre Haarspitzen bereits den Boden berührten.
„Was denn? Ich dachte, du findest das lustig“, sagte er kalt.
Die Antwort war ein verschleimt klingendes, hysterisches Wimmern, das ihn noch mehr anstachelte.
„Genug.“
Sasuke nahm den leise gesprochenen Einwand lediglich unterbewusst wahr, erst als er ein leichtes Ziehen am Arm spürte, lenkte er seine Aufmerksamkeit von dem Zeter und Mordio kreischenden Weibsbild fort und blickte jäh in Sakura Harunos grasgrüne Augen. Etwas in seinen Eingeweiden schlug einen Salto. Vermutlich hatte jeder schon einmal gehört, wie man in den Augen eines Menschen versinken konnte, doch Sasuke hatte das bis zu genau diesem Moment in seinem Leben stets für blümeranten Schwachsinn gehalten. Nun fiel er kopfüber in diese leuchtenden Seelenspiegel, die eine Geschichte erzählen zu wollen schienen, die nicht zum Rest der unscheinbaren Gestalt passten.
Sakura hielt seinen Oberarm umklammert und zog noch immer leicht an ihm. „Genug“, sagte sie abermals, leise und ernst, unterstrichen von der Eindringlichkeit ihres Blickes.
Er hatte nicht gemerkt, wie sie sich von ihrem Platz erhoben und auf ihn zugegangen war. Wer auch immer behauptet hatte, dass Zorn blind machte, hatte nicht gelogen. Blind und offensichtlich taub. Wütend – vornehmlich auf sich selbst – schüttelte er ihre Hände ab, die sich umstandslos abschütteln ließen, schluckte jedoch hart an dem Kloß, der sich urplötzlich in seiner Kehle gebildet hatte. Sasuke war eigentlich nicht der Typ, der sich von gutem Aussehen beeindrucken ließ, und Sakura war nicht mal hübsch. Sie war ein unscheinbares Mädchen mit gefälligen Zügen, aber etwas in ihren Augen berührte einen Punkt in ihm, von dem er nicht gewusst hatte, dass er existierte. Er knirschte mit den Zähnen, dann blaffte er: „Du hast Dreck im Augenwinkel, sieht eklig aus.“
Prompt lief Sakura puterrot an und drehte ihm den Rücken zu, um sich im Gesicht rumzuwischen.
Das Mädchen hatte die Gunst des Augenblickes genutzt, um sich seinem Griff zu entziehen. Schon halb durch die Tür geflüchtet kreischte sie: „Verdammter Psycho!“
Karin schwang gackernd ihren knochigen Hintern vom Lehrerpult. „Bis bald, mein Herz“, flötete die Rothaarige und warf ihm einen Luftkuss zu, ehe auch sie aus dem Klassenzimmer rannte.
Sasuke blieb mit dem unangenehmen Gefühl zurück, dass sie ihm gedroht hatte.
*~*+*~*
Sasuke warf Sakura ein Erdbeermilchpäckchen zu, das sie mit der unkoordinierten Hektik eines zutiefst unsportlichen Menschen auffing, und setzte sich mit einem Platz Abstand auf einen der angegrauten Plastikstühle neben sie.
„Was ist bei dir verkehrt, dass du dir sowas bieten lässt?“, fragte er.
Im Hintergrund rumpelte die Industriewaschmaschine des Selbstbedienungswaschsalons, in dem Sasuke sein Jackett wusch. Seiner Mutter würde der chemische Geruch des billigen Waschpulvers, das im Hause Uchiha garantiert nicht verwendet wurde, höchstwahrscheinlich auffallen. Vielleicht würde sie ihn sogar darauf ansprechen, doch jede Lüge wäre zahmer, als ihr erklären zu müssen, weshalb seine Kleidung nach Verwesungsflüssigkeit stank.
Sakura zupfte abwesend an der Plastikfolienverpackung des Strohhalms und sagte nichts. Sasuke schnaubte verächtlich, was sie aufsehen ließ. Abermals blickte er in diese faszinierend grasgrünen Augen, deren Wirkung ihn so unvorbereitet wie beim ersten Mal traf. Seine Kopfhaut prickelte und ein angenehmer Schauer rieselte seine Wirbelsäule entlang. Grundgütiger, das Mädchen war nicht mal besonders hübsch und erst recht nicht sein Typ. Er rieb sich über den Nacken und löste sich von ihrem Blick, ehe er etwas Dummes sagen oder – noch schlimmer – tun konnte.
„Ich will nicht, dass es noch schlimmer wird“, antwortete sie schließlich leise. „Genau genommen hast du mir keinen Gefallen getan.“
„Warst du mental nicht anwesend, als die dir einen Kadaver ins Gesicht werfen wollten“, sagte er. „Wie viel schlimmer als das kann es werden?“
„Du hast keine Ahnung“, erwiderte Sakura. Sie zitterte, die Brust in der altbackenen Omastrickjacke hob und senkte sich rasch, als würde ihr Herz aus ihrem Brustkorb ausbrechen wollen. Sie erinnerte ihn an eine Pusteblume vor dem Windstoß.
„Okay“, meinte er gleichgültig, schließlich ging ihn nichts an, was zwischen Karin und Sakura lief, vor allem wenn Sakura seine Hilfe nicht wollte. Er sollte sich sowieso mehr Sorgen um sich selbst machen, denn das Letzte, was er gebrauchen konnte, waren noch mehr Probleme und erfahrungsgemäß würde Karin den heutigen Tag nicht ungesühnt auf sich sitzen lassen. Sasuke trank von seinem Dosenkaffee – das bittere, lauwarme Gesöff unterstrich seine Laune hervorragend – und schaffte es ungefähr drei weitere Sekunden, das leise Schniefen neben sich zu ignorieren, dann sah er zu Sakura, deren Schultern im Rhythmus ihrer verschleimt klingenden Schluchzer bebten. „Ach, Scheiße“, murmelte er genervt. „Jetzt heul doch nicht.“
„Tut mir leid.“ Sie drehte ihm den Hinterkopf zu, während sie sich mit dem Unterarm über die Augen wischte. Der helle rosa Stoff wurde in bedenklich viele Tränen getränkt und obwohl es ihr gelang, leise zu sein, zuckten ihre Schultern noch immer unkontrolliert.
Sasuke stöhnte tonlos. Weinende Frauen machten ihm normalerweise nicht zu viel aus, jedenfalls nicht genug, um sich von Tränen erpressen zu lassen, doch sie waren ihm unangenehm. Und er fühlte sich nun aus irgendeinem Grund für Sakura verantwortlich. Vielleicht weil ausgerechnet Karin sie mobbte. Vielleicht weil sie etwas derart Argloses und Unverdorbenes ausstrahlte, was er selbst so gar nicht war. „Ist schon gut“, sagte er und tätschelte überfordert die Armlehne ihres Stuhls. „Du musst keine Angst haben.“
„Ich habe keine Angst“, krächzte sie kläglich, doch als sie ihm das Gesicht zuwandte, lächelte sie schüchtern. Die Welt schien sich einen Augenblick ohne ihn weiterzudrehen. Ihr Lächeln, der warme Ausdruck in ihren Augen, die von geweinten Tränen verschleiert und glasig waren, waren wie ein heißes Bad an einem kalten Wintertag. Seine Seele ächzte. „Ich habe mich noch gar nicht bei dir bedankt.“
„Ich dachte, ich hätte dir keinen Gefallen getan.“ Seine Stimme klang rau, wie gleich nach dem Erwachen.
„Hast du auch nicht.“
Sakura atmete übertrieben tief ein, ihre Brust puffte sich wie bei einem Superhelden auf, dann ließ sie die Luft mit einem Herabsacken der Schultern entweichen und nahm abermals die leicht gekrümmte Sitzhaltung ein, in der sie sich am wohlsten zu fühlen schien. Ihre Schneidezähne blitzten zwischen den Lippen hindurch, als sie ihm abermals dieses schüchterne Lächeln schenkte. „Aber du hast dich für mich eingesetzt.“ Ihre Wangen färbten sich rot. „Ich bin sowas nicht gewohnt und ich hätte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet du…“ Sie unterbrach sich selbst. Offenbar fiel ihr auf, dass überhaupt nicht nett war, was sie hatte sagen wollen. „Danke.“
Sasuke wusste nichts mit ihrem Dank anzufangen. Die Verlegenheit gab seiner Stimme einen gereizten Klang, als er sagte: „Das hatte nichts mit dir persönlich zu tun. Aber irgendwelche Loser kommen ansonsten auf die Idee, dass ich mir so ein Verhalten bieten lasse.“
„Muss schwer sein, sich ständig behaupten zu müssen“, murmelte sie und fing an, gedankenverloren an ihrem Daumennagel zu knabbern.
Ihre Worte waren wie ein Eimer kaltes Wasser, den man über seinem Kopf ausschüttete. Sie hatte recht und normalerweise war das Grund genug, um verdammt wütend zu werden, doch wie sie es gesagt hatte, ließ ihn sich besiegt fühlen.
Sakuras Wangen nahmen einen tiefen Rotton an, wahrscheinlich weil er sie ansah wie der Wolf das Lamm, befeuchtete nervös ihre Lippen und klemmt sich anschließend ein paar lose Haarsträhnen hinter die Ohren. Es war offensichtlich, dass sie nicht wusste, wohin mit ihrer nervösen Energie.
„Ich weiß nicht, was bei dir los ist, und es geht mich nichts an…“ Sie unterbrach sich, schüttelte leicht den Kopf, als wäre sie von sich selbst irritiert, dann setzte sie neu an: „Ich will ehrlich mit dir sein. Dein Vater bezahlt mich, damit ich dir Nachhilfe gebe.“ Sasuke schnaubte sarkastisch; das Geständnis überraschte ihn nicht, doch Sakura hob die Hand, als wäre das nicht der Punkt, auf den sie hinausgewollt hatte. „Sein Angebot ist überaus großzügig, aber es ist an gewisse Bedingungen geknüpft, und ich brauche das Geld dringend. Ich wurde an der Johns Hopkins University angenommen, aber… meine Eltern können die Gebühren nicht bezahlen.“ Sie presste die Lippen kurz aufeinander, ihre Augen glitzerten leicht. „Es ist mein Traum. Was ich eigentlich sagen will, ist, dass ich nicht weiß, wo ich bei dir ansetzen soll. Deine Noten waren immer besser als meine. Du bist nicht abgestürzt, weil du den Unterrichtsstoff plötzlich nicht verstehst. Etwas ist passiert.“
Sasuke hörte die unausgesprochene Frage hinter den Worten. Er wischte sich in einer fahrigen Geste über die Lippen. „Mein Bruder ist krank, sehr krank. Er wird sterben.“ Bisher hatte er mit noch niemandem darüber gesprochen und er überraschte sich selbst, wie mühelos die Worte bei Sakura gekommen waren.
„Fuck.“
Sie sah ihn an, aber in ihrem Blick lag kein Mitleid und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit fühlte er sich von einem anderen Menschen verstanden.
„Er arbeitet Undercover für die PSIA¹. Ich habe ihn seit zwei Jahren nicht mehr gesehen und das nächste Mal, dass ich ihn sehen werde, wird er in einem Sarg liegen.“
„Du bist wütend auf deinen Bruder.“
„Scheiße ja, ich bin wütend auf ihn. Jeder normale Mensch würde seine letzten Tage mit seiner Familie verbringen wollen, aber nicht mein verdammter, pflichtbesessener Bruder. Ich verstehe nicht, wie er uns das antun kann, und ich kann nicht mal was dagegen sagen, weil meine Eltern ihn für ach so selbstlos und heroisch halten und mich für infantil und egoistisch.“
Sasuke ballte die Fäuste, doch es war reine Gewohnheit, denn er merkte, dass die Wut zum ersten Mal seit Wochen schwieg.
Kapitel 2
Das Klingeln durchfuhr Sakura wie ein Schlag. Das flaue Gefühl, das sie seit dem Aufstehen in der Magengegend gehabt hatte, verwandelte ihre Eingeweide schlagartig in Wirbel der Nervosität. Sasuke Uchiha bei ihr zuhause!
Mit geschlossenen Augen atmete sie tief ein und durch gestülpte Lippen aus, dann klappte sie das Mathebuch zu, in dem sie Aufgaben für die heutige Nachhilfe markiert hatte, erhob sich steifbeinig von ihrem Schreibtischstuhl und überprüfte ihr Aussehen ein letztes Mal im Spiegel. Sie trug eine dunkelblaue Jeans, die ihre schlanken Beine betonte und einen guten Hintern machte, dazu eine beige Satinbluse, die sie locker in den Hosenbund gesteckt hatte, und ihr scharlachrotes Haarband. Den Fehler, sich unnötig aufzutakeln, beging sie kein zweites Mal, denn bei ihrem letzten Aufeinandertreffen hatte sie sich hübsch zu machen versucht, doch im Gegensatz zu Ino, die mit Lockenstab und Make-up ihre Vorzüge zu unterstreichen wusste, hatte Sakura lediglich skurril und irgendwie schief ausgesehen, ergo die ganze Schminke auf der Schultoilette vom Gesicht geschrubbt und das mühsam gelockte Haar hochgebunden, was ihr ein beschämend ungepflegtes Aussehen verliehen hatte.
Sakuras Herz schlug hart und schnell gegen ihr Brustbein, als sie den Türöffner betätigte und die Wohnungstür entriegelte. Sasukes Schritte hallten im Treppenhaus und dann stand er vor ihr. Sie spürte ihren Puls im Hals und sie hatte unsinnigerweise Angst, er könnte ihr Herzklopfen hören, wenn sie den Mund öffnete. Wie genau sollte sie sich auf etwas derart Nebensächliches wie Infinitesimalrechnung konzentrieren, wenn Sasuke Uchiha sie mit diesen unergründlichen dunklen Augen anstarrte?
Schon so lange war sie heimlich in ihn verliebt und nun stand er hier vor ihr, strahlend schön wie ein griechischer Gott in seiner schwarzen Jeans und dem dunkelgrauen T-Shirt, das sich straff um seine muskulösen Oberarme spannte. Sein schwarzes Haar war windzerzaust und hing ihm in die blasse Stirn. Aber nichts toppte die vollkommene Schönheit seines Gesichtes, den markanten Kiefer, die vollen hellroten Lippen, die schmale gerade Nase, die helle feinporige Haut und die onyxfarbenen Augen, die just in diesem Moment über ihr eigenes, viel weniger vollkommenes Gesicht wanderten.
„Dein Haar ist anders“, stellte er mit seiner basslastigen Stimme fest.
Prompt errötete sie und schlug die Augen nieder.
„Hmm“, machte sie verlegen und bemerkte, dass sie ihm den Weg in die Wohnung versperrte. „Bitte komm rein“, sagte sie, ließ die Wohnungstür los, die sie mit beiden Händen festgehalten hatte, und trat beiseite.
Sasuke trat an ihr vorbei in den Flur. Sein Geruch stieg ihr in die Nase, frisch, herb und ein bisschen süß, wie Grapefruits oder eine frisch gemähte Sommerwiese. Sie könnte in seinem Duft ertrinken.
Sakura ging voraus in ihr Zimmer. Sie hatte den gesamten Vormittag aufgeräumt und geputzt, doch der Raum sah dennoch schmuddelig aus, weil alles alt und verschlissen war. „Setz dich doch“, bot sie an und deutete auf ihr Bett, während sie sich selbst auf den einzigen Stuhl im Raum setzte und das Mathebuch an der markierten Stelle aufschlug.
Sasuke blieb stehen und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, sein Blick war eindringlich und trieb Sakura abermals die Röte auf die Wangen. Dachte er etwa, sie wollte ihn verführen?
„Du wirst ziemlich oft rot“, sagte er mit einem schmalen Halblächeln. „Ist irgendwie ganz niedlich.“
„I-ich“, stammelte sie überrumpelt. Was hatte sie sich dabei gedacht, Sasuke Uchiha einen Platz auf ihrem Bett anzubieten – dem Mann, der angeblich mit jedem hübschen Mädchen ihrer Schule geschlafen hatte. Nicht, dass Sakura abgeneigt wäre, doch auf die Demütigung, dass er dachte, sie dachte, sie hätte Chancen bei ihm, konnte sie verzichten. Er grinste maliziös, als könnte er ihre Gedanken lesen. Sakuras Herz, das sich kaum beruhigt hatte, begann abermals, wie wild zu klopfen. Sasuke war so schön, aber da war auch diese traurige Verlorenheit in seinem Blick. Sie hatte keine Sekunde vergessen, was er ihr im Waschsalon gebeichtet hatte, und plötzlich schämte sie sich für ihre niederen Triebe. Er hatte definitiv andere Sorgen als sie.
„Tut mir leid.“
„Wofür entschuldigst du dich?“
Er sah sie an, als wollte er sie fressen. Seine überwältigende Energie ließ sie hektisch keuchen. „Weiß nicht“, nuschelte sie verlegen und kniff die Augen zusammen. Warum musste sie so sein? Warum konnte sie nicht wie ein normaler Mensch mit anderen reden? „Ich meine, wenn du reden willst, höre ich dir gern zu. Wir kennen uns nicht so gut, aber manchmal ist es einfacher mit Außenstehenden über gewisse Dinge zu sprechen. Ich verspreche, dass ich nichts weitererzählen werde.“ Sie legte die Hand unbewusst aufs Herz, um die Aufrichtigkeit ihrer Intention zu unterstreichen.
Sasuke sah sie ausdruckslos an, dann bedeckte er die Augen mit der Hand, seine Schultern zuckten und Sakura setzte sich rasch neben ihn auf die dünne Matratze und legte vorsichtig die Hand auf seinen bebenden Rücken. Das Mathebuch lag vergessen auf ihrem Schreibtisch. Er sah sie zwischen gespreizten Fingern an und erst da erkannte sie, dass er nicht weinte, sondern amüsiert gluckste. „Du bist wahrscheinlich der einzige Mensch, dem ich das sogar glaube.“
„Wie meinst du das?“, fragte sie irritiert.
Sasuke lachte noch mehr. „Von welchem Stern bist du nur gekommen, Sakura Haruno, und hast du dort einen Freund?“ Er hörte auf zu lachen und sah sie wieder mit diesem hungrigen Halblächeln an, das Dinge in ihr machte, die ein Lächeln nicht bewirken können sollte.
„Einen Freund? Du meinst wie Doraemon?“
„Nein, nicht wie Doraemon“, gluckste er.
„Oh!“, machte Sakura, zog ihre Hand rasch zurück und verschränkte die Finger auf ihrem Schoß wie zum Gebet. „Ich hatte noch nie einen Freund. Ich habe auch keine Freunde, also ist die Antwort auf beides Nein.“ Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, da wurden ihre Ohren heiß. Weniger Ehrlichkeit hätte es wohl auch getan.
„Wieso nicht?“, fragte er interessiert, indes er sich nach hinten auf die Ellbogen fallen ließ. Die Federn in der durchgelegenen Matratze ächzen.
„Niemand legt sich gern mit Karin an“, gestand sie nüchtern. „Wir sollten anfangen.“
Sakura machte Anstalten, sich zu erheben, doch Sasuke setzte sich auf und legte eine Hand auf ihre Wange. „So schlimm, hm?“
Sie merkte, wie schnell ihr Herz pochte. Seine Finger waren kühl gegen ihre Haut. Sie befeuchtete unbewusst die Unterlippe und seine Augen nahmen wieder diesen animalischen Glanz an. Für eine Sekunde dachte sie, er würde sie küssen, einfach weil er es konnte, weil sie gerade da und verfügbar war und weil sie bequemerweise dicht beieinander auf einem Bett saßen, das zwar nicht gemütlich war, seine Funktion aber ausreichend erfüllen würde. Sakura sprang auf die Füße. „Wir sollten wirklich anfangen mit Lernen“, sagte sie schnell, griff das Schulbuch und presste es wie einen Schutzschild gegen die Brust. „Ich dachte, wir fangen mit Infinitesimalrechnung an, wenn das okay ist.“ Ihre Knie fühlten sich weich und wackelig an. Sie schluckte trocken. Sie fühlte sich kurzatmig. In ihrem Bauch kribbelte es. Sie wollte Sasuke küssen, sie wollte Sasuke seit Jahren küssen und kurz überlegte sie, was passieren würde, wenn sie es einfach tat. Nur eine kleine, trockene Berührung der Lippen, keine Zunge, kein Speichel. Ob er arg böse wäre?
„Mache ich dich nervös, Sakura?“, fragte er rau, und noch ehe sie sich umdrehte, spürte sie, dass er aufgestanden war und hinter ihr stand. Sein Atem kitzelte ihren Nacken. Sakura drehte sich wie eine Ballerina um einhundertachtzig Grad und war seinem Gesicht plötzlich sehr nahe.
„Ja“, hauchte sie.
„Gut.“ Er grinste selbstzufrieden und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sakura schmiegte ihre Wange mit genießerisch geschlossenen Augen gegen seine Finger und seufzte leise. Seine Hand umfing ihre Gesichtshälfte, sein Daumen strich über ihre Lippen, die sich leicht öffneten. Sasuke atmete hörbar ein. „Jemanden wie dich habe ich noch nie getroffen. Du bist so…“ Sakura öffnete die Augen und begegnete seiner nachdenklich gerunzelten Stirn. Wie sie war, erfuhr sie nicht mehr von ihm, stattdessen küsste er sie.
Sakura keuchte gegen seine Lippen, doch als sich seine Zunge in ihren Mund schob, wich sie unweigerlich zurück, überwältigt und überrascht von dem Gefühl. Sasuke ließ von ihr ab und kämmte fahrig mit den Fingern durch seine Haare. „Scheiße, tut mir leid.“
Sie konnte lediglich stumm den Kopf schütteln, um ihm zu signalisieren, dass ihm nichts leidzutun bauchte. Die Wahrheit war, dass jedes Nervenende in ihrem Körper vor Verzückung geschrien hatte, laut genug, um sie in ihre Einzelteile zerspringen zu lassen. Lieber Gott, Sasuke hatte sie geküsst. Ihr Herz war zum Bersten voll von ihm und in der kleinen Ecke ihres Gehirns, die noch rational funktionierte, wusste sie, dass sie sich lächerlich machte. Seine Hand lag noch immer an ihrer Wange und Sakura rieb ihr Gesicht tiefer in seine Handfläche, unfähig, ihre Augen geöffnet zu lassen, und hoffend, dass es die gleiche Wirkung wie zuvor haben würde. Das Gefühl seiner Haut gegen ihre war berauschend und erneut kam ein kleines Seufzen über ihre Lippen. „Das braucht es nicht, ich bin es nur nicht gewohnt, geküsst zu werden.“ Oder berührt zu werden. Oder so zu fühlen.
„Noch nie?“ Sein Tonfall ließ sie die Augen öffnen.
„Ist das wichtig?“, fragte sie verunsichert.
„Nur für den Ersten. Den meisten Männern geht dadurch automatisch einer ab, obwohl das keiner zugeben würde, weil es oberflächlich ist.“
„Und dir?“
„Hmm“, brummte er lasziv, „lass mich das noch mal testen.“
Ihre Lippen trafen aufeinander und diesmal küsste Sakura so viel wie sie sich küssen ließ. Seine Zunge glitt in ihren Mund und verteilte den Geschmack nach Zitrone. Sie presste sich an ihn und das Nächste, was sie mitbekam, waren die Federn ihrer Matratze, die gegen ihren Rücken drückten und Sasuke, dessen Körper gegen ihren Bauch drückte. Mit einer Hand stützte er sich neben ihrem Kopf ab, mit der anderen knöpfte er ihre Bluse auf und schob den Stoff beiseite.
Sasuke unterbrach den Kuss, ein leichtes Schmunzeln um die Mundwinkel, als Sakura seinen Lippen nachhaschte, und streichelte ihre Wange mit den Fingerkuppen, über den Kiefer, den Hals hinab. Als er ihr Schlüsselbein mit dem Indexfinger nachzeichnete, hatte sie Gänsehaut und ihre Brustwarzen drückten sichtbar durch den schlichten weißen Baumwoll-BH.
„Du hast schöne Haut“, sagte er, während er seinen Mund langsam auf ihren Hals senkte, ihn erst sanft küsste, die Haut dann aber zwischen die Lippen sog. Sie spürte seine Zunge, sie spürte Zähne. Sakura dehnte den Hals. Es tat ein bisschen weh und irgendwie fühlte es sich gerade deswegen gut an.
Seine Hand wanderte weiter ihren Körper entlang, zwischen ihren Brüsten hindurch zu ihrem Bauchnabel und zurück. Sakura wölbte sich ihm entgegen und endlich kratzte sein Fingernagel über ihre Brustwarze. Das Gefühl war derart intensiv, dass sie es im ersten Moment mit Schmerz verwechselte.
„Sasuke“, stöhnte sie, gefolgt von einigen gutturalen Lauten.
Er schob ihren BH nach oben und betrachtete ihre entblößten Brüste. Sakura wurde noch röter. Noch nie hatte jemand ihren Busen gesehen, geschweige denn angefasst und bisher hatte sie sich nie Gedanken darum gemacht, wie ihre Brust verglichen mit anderen Frauen wohl abschnitt, doch seine Daumenkuppe umkreiste ihre Brustwarze und sie fand, dass jetzt auch nicht der richtige Moment war, um darüber nachzudenken.
Sasukes Lippen umschlossen ihre Brustwarze. Sakura stöhnte auf und in den Tiefen ihres Unterleibes entstand ein warmes Ziehen, das ihn in sich vergraben wollte. Sie konnte nicht genug von ihm kriegen. Und sie wollte sein Gesicht sehen, wenn sie ihn erregte. Sie erregte einen Mann, und nicht irgendeinen Mann. Sasuke Uchiha fühlte sich von ihr erregt. Sein Penis, das Beweisstück, drückte hart und unmissverständlich gegen ihren Bauch. Sakura wölbte sich ihm entgegen, presste ihre Brüste gegen sein Gesicht, während ihr Kopf von einer Seite auf die andere rollte und sie seinen Namen seufzte.
„Ich schwöre, ich vögel dich, bis einer von uns beiden bewusstlos wird, wenn du nicht damit aufhörst.“
Sie spürte seinen warmen Atem auf ihrer Brust.
„Ich will dich so“, gestand sie hilflos und rieb ihre Mitte, die kribbelte und pulsierte und sich anfühlte, als würde sie schmelzen, an ihm.
Er schob sich an ihr empor, bis sein Gesicht dicht über ihrem schwebte, und sagte grinsend: „Wie könnte ich da widerstehen?!“ Sakura gefiel nicht, wie er aussah, wenn er grinste – er wirkte kalt, falsch und herablassend –, deswegen küsste sie ihn stürmisch. Ihre Zähne krachten klackend und ein wenig schmerzhaft gegeneinander und sie umfasste sein Gesicht extra liebevoll.
Seine Finger arbeiteten sich langsam in den Bund ihrer Hose, glitten zwischen ihre Schamlippen und streichelten vorsichtig über ihre Klitoris. Sakura bog den Rücken durch, eine Silbe seines Namens auf den Lippen, für mehr reichte ihr Atem nicht. Hatte sie die Berührung ihrer Brust als intensiv empfunden, stand ihr Körper nun binnen Sekunden in Flammen, als würde sie nur noch aus ihrer Körpermitte und einem wild pochenden Herzen bestehen. Er rieb mit zwei Fingern kreisend über die empfindlichen Nervenenden, ließ sie wie unter Stromschlägen zucken. Und dann explodierte vor ihren Augen Licht, für ein paar Sekunden konnte sie das Zimmer um sich herum nicht mehr sehen. Sasukes Augen bohrten sich wie zwei schwarze Löcher in ihre Seele und Sakura schloss die Augen, weil die Intimität zu viel für sie war.
Er rollte sich von ihr herunter, während Sakura keuchend zu verarbeiten versuchte, was soeben geschehen war. „Das war…“ Sie hatte keine Worte dafür, stattdessen drehte sie ihm den Kopf zu und blinzelte verschlafen. In ihr zuckte sich ein Fünkchen Angst, dass er sie nun anders behandeln oder aufstehen und gehen würde, doch er lag entspannt auf der Seite, den Kopf in die Handfläche gestützt. Seine Finger glänzten von ihr und etwas, das wie Hüttenkäse aussah, klebte an ihnen. Sakura wollte sich bereits schämen, doch dann leckte er seine Finger grinsend sauber, und sie dachte, dass es ihr wohl doch nicht peinlich zu sein brauchte, und dieses Grinsen war nicht herablassend und distanziert, sondern hatte etwas Lausbubenhaftes, das sie seinen gehobenen Mundwinkel berühren ließ.
Vorsichtig rutschte sie näher, überbrückte die paar Zentimeter, die zwischen ihnen lagen. Die alte Matratze knarzte. Sasuke legte einen Arm über ihre Hüfte und küsste sie. Sakura schmeckte sich auf seinen Lippen, etwas leicht Säuerliches, ungewohnt, aber nicht unangenehm, und legte anschließend die Stirn gegen seine. Eingehüllt in seine Wärme und seinen Körpergeruch dämmerte sie schließlich in den Schlaf.
Kapitel 3
Er hatte von ihr geträumt und nun fühlte sich ihre Abwesenheit umso lauter an. Sasuke verfluchte den Tag, ehe er die Augen blinzelnd geöffnet hatte. Dünnes Morgenlicht fiel durch die geöffneten Vorhänge und die Luft war noch frisch und klar von der Nacht. Die Wut saß bereits wie ein rotes Blitzen in seinem Kopf, heftiger als zuvor, als wollte sie sich dafür rächen, dass Sakura sie gezähmt hatte. Seine Haut juckte unerträglich und er kratzte sich über das Brustbein, bis blutige Striemen seine sonst so makellose, helle Haut verunzierten.
Sasuke hatte das Bedürfnis, sich zu bewegen, zu zerstören, er wollte sich verausgaben, bis er kotzen musste. Mit einem Kick beförderte er die Bettdecke von seinen Beinen und wälzte sich von der Matratze. Er dachte an das durchgelegene, gammelige Ding, auf dem Sakura schlief, und wäre dennoch lieber dort aufgewacht. Sakura. Allein an ihr Gesicht zu denken, war wie ein Quell der Ruhe. Er schloss die Augen und inhalierte mehrmals den Morgen, bis der Zorn zu einem schwachen Glimmen abflaute.
Im Haus war noch alles ruhig. Leise ging Sasuke in den Trainingsraum im Keller, stutzte jedoch, weil bereits Licht in dem Zimmer brannte. Verdammt. Er wollte sich unauffällig zurückziehen, als Fugaku sagte: „Auch mal wieder hier!“ Seine schweißnasse Haut glänzte im künstlichen Licht und obwohl er bereits fünfzig Jahre war, spannten sich seine Muskeln wie Taue unter der Haut. Seine körperliche Fitness stand der eines jüngeren Mannes in Nichts nach. Angeblich trainierte er seit seinem sechsten Lebensjahr drei Stunden täglich und Sasuke hatte wenig Grund daran zu zweifeln.
„Ich komme später wieder“, sagte Sasuke nur, doch sein Vater schnitt ihm den Weg mit Worten ab: „Nein, ich will deinen Trainingsstand überprüfen. Komm her.“ Er winkte ihn mit den Fingern ran, eine Geste, die Sasuke dermaßen herablassend vorkam, dass er keine zweite Aufforderung brauchte.
Sasuke bereitete sich auf den Trainingskampf vor, indem er seine Fäuste bandagierte und einen Mundschutz einsetzte, dann ging er in Position. Es erinnerte ihn an früher, als Itachi und er mit ihrem Vater gekämpft hatten, als Sasuke Fugaku in den Bauch geboxt hatte und dieser dramatisch ächzend zu Boden gegangen war, obwohl Sasukes Arme dünn und labbrig wie Nudeln und Fugakus Bauchmuskeln wie Stahl gewesen waren. Dieser Kampf würde anders werden, kein spielerisches Geplänkel. Fugaku wollte ihm eine Lektion erteilen.
Beide umkreisten sich, täuschten an, wichen aus. Sasuke war flink auf den Füßen, immer in Bewegung, während Fugaku eher wie ein alter Tiger war, gemächlich und kraftvoll, und keinen Schritt zu viel machte. Plötzlich brach Fugaku aus seinem Bewegungsmuster aus und trat ihm mit Schwung gegen die Brust. Sasuke keuchte überrascht und taumelte einen Schritt nach hinten. Der Tritt war nicht zu brutal gewesen, dennoch hatte Sasuke insgeheim nicht damit gerechnet.
„Konzentrier dich!“, tadelte Fugaku und zog ein unzufriedenes Gesicht. Sasuke kannte den Ausdruck darauf zur Genüge: Enttäuschung.
Rasende Wut brodelte seine Speiseröhre empor und verlieh seiner Welt einen rot getönten Tunnelblick. Wie er es hasste, nie gut genug zu sein. Er scharrte mit dem Fuß über den Boden und schnaubte, dann rannte er wie ein Stier auf seinen Vater zu, während er zu einer kraftvollen Linken ausholte. Fugaku machte einen Satz nach vorn und holte seinerseits mit der Rechten aus; er war schneller und traf ihn an der Lippe. Sasuke spuckte Blut.
„Ich bin keiner von deinen Rowdies, mit denen du dich sonst prügelst. Fühlst du dich stark, wenn du ein paar betrunkene Schwachköpfe in einer Bar aufmischst, hm? Aber bei mir musst du dich schon mehr anstrengen.“
Sasuke knirschte mit den Zähnen, die sich nach dem Hieb wie Gelee anfühlten. Er holte blind nach ihm aus, wollte ihm das Gesicht einschlagen, trat nach seinen Schienbeinen, stieß mit seinen Ellbogen. Sein ganzer Körper kämpfte gegen seinen Vater.
Fugaku traf ihn an der Schläfe. Sasukes Kopf dröhnte und er schüttelte sich wie ein Hund, als könne er den Schmerz so einfach loswerden.
Fugaku war größer, stärker und erfahrener, und eine Winzigkeit langsamer als Sasuke, doch er blockte Sasukes Schläge mit reiner Körperkraft. Sasuke wich den Hieben seines Vaters um Haaresbreite aus. Es war ein hin und her, bis ihrer beider Atem pfeifend ging.
Sasuke wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und überlegte fieberhaft, wie er Fugaku besiegen konnte, während er sich aus dessen Reichweite hielt. Er brauchte eine List, die seinen Gegner in eine kompromittierende Lage brachte und ihn zum Aufgeben zwang. Er leckte sich die Lippen, dann machte er einen Satz nach vorne, ließ eine schnelle Abfolge von Faustschlägen auf Fugaku niederregnen und während dieser noch auf seine Faust blickte, schwang er sich blitzschnell hinter ihn und nahm ihn in den Schwitzkasten. „Gut“, würgte sein Vater krebsrot im Gesicht, fasste jedoch nach hinten und schleuderte Sasuke über seine Schulter auf den Boden. „Aber nicht gut genug. Deine Arroganz macht dich zu selbstsicher.“
Sasuke stöhnte auf, als er mit dem Rücken auf die Matte knallte. Die Sekunden flossen zäh dahin, während er nach Atem rang. Fugaku schaute auf ihn hinab. Sasuke knurrte und kickte aus seiner liegenden Position nach Fugakus Schienbeinen. Der Ältere ging zu Boden und Sasuke schwang sich auf ihn, presste seine Arme mit den Schenkeln an die Seiten seines Körpers und schlug blind vor Raserei rechts und links auf sein Gesicht ein.
Fugaku verpasste ihm eine Kopfnuss und Sasuke sah Sternchen vor den Augen kreisen.
Fugakus Auge schien anzuschwellen, was Sasuke selbstzufrieden grinsen ließ, bis sein Vater schnell wie eine Speerspitze mit einem Sprungkick auf ihn zuflog. Der Tritt traf ihn an der Schulter und Schmerz explodierte in seinem Gelenk. Er ging in einen Drehkick über, unter dem sich Sasuke wegducken konnte, doch der nächste Kick traf ihn am Kinn und schickte ihn zurück auf die Matte.
„So kenne ich dich, große Klappe und nichts dahinter.“
„Sei still, alter Mann“, fauchte Sasuke und ging mit einer Kombination aus Tritten und Schlägen auf ihn los.
Fugaku wich beinahe gelangweilt aus. „Du denkst nicht nach, sondern drischst drauf los wie in einer Kneipenprügelei“, erklärte er oberlehrerhaft, als wäre das noch ein Trainingskampf und keine Schlägerei. Sasuke knurrte, duckte sich abermals unter einem von Fugakus Tritten weg und diesmal gelang es ihm, ihm den Ellbogen in die Rippen zu stoßen. Sein Vater taumelte mit einem überraschten Uff zur Seite und hielt sich die getroffene Stelle.
Keuchend stand Fugaku da. Sasuke bewegte sich auf der Stelle und fing an zu glauben, dass er eine reelle Chance hatte. Sein Vater war ein exzellenter Kämpfer, aber das war er im Grunde auch, und er war jünger.
Fugaku kam auf ihn zu. Sasuke täuschte erst nach links an und wich dann nach links aus, wobei er ihm den Ellbogen in dieselbe Stelle wie zuvor rammte. Fugaku trat ihm die Beine weg, doch Sasuke rollte den Sturz geschickt ab und kam auf die Füße.
Fugakus Faust verpasste ihn um zwei Zentimeter, der Schwung zog ihn in Sasukes Richtung und in die richtige Position für einen linken Haken. Sasukes Faust krachte gegen sein Ohr, ließ ihn taumeln, gefolgt von einer Rechten gegen den Kiefer.
Er hatte ihn x-Mal getroffen und Fugaku stand vor ihm, als hätte er ihn mit Wattebällchen beworfen. Er müsste bewusstlos sein, oder wenigstens benommen, aber da war kein Schmerz, keine Sorge. Fugaku war leichtfüßig und zuversichtlich. Der Kampfesmut wich aus Sasuke. „Was hast du, Sasuke, oder macht es dir keinen Spaß, Leute zu verprügeln, die sich wehren können?“
Sasuke wollte widersprechen, aber er konnte nicht und Fugaku lächelte kühl, weil er genau wusste, was Sasuke dachte.
Fugaku kam blitzschnell auf ihn zu. Sasuke wich mühelos nach rechts aus, doch Fugaku hatte es kommen sehen und sein Handballen traf genau gegen sein Brustbein. Für einen Moment glaubte er, sein Herz würde stehenbleiben. Er ging in die Knie, keuchte wie ein alter Mann und schließlich erbrach er Magensaft, der in zähen Fäden von seinen Lippen tropfte.
„Erbärmlich“, sagte Fugaku indifferent, wandte sich ab und trocknete sich das schweißnasse Gesicht mit einem Handtuch.
„Wärst du nicht so ein beschissener Vater, würde Itachi nicht lieber in der Gosse verrecken, statt bei uns zu sein“, schrie Sasuke ihm in verzweifelter Wut nach. Die erste Runde ihres Kampfes hatte er womöglich verloren, doch die zweite hatte gerade erst begonnen.
Fugaku blieb abrupt stehen. „Geht es darum?“, fragte er kalt, ohne sich umzudrehen. „Itachis Opfer ist ehrenhaft und wir sind stolz auf ihn. Aber davon verstehst du nichts, weil du ein Kind bist.“
„Was weißt du schon von Ehre“, fauchte Sasuke entrüstet.
Damit traf er offenbar einen wunden Punkt bei seinem Vater, denn dieser wirbelte auf dem Absatz herum und funkelte ihn nun seinerseits aufgebracht an. „Was ich von Ehre verstehe?! Was fällt dir ein? Du bist ein verweichlichter, kleiner Scheißkerl und ich schäme mich, dich meinen Sohn zu nennen.“ Fugaku ließ seinen Blick missbilligend über die frischen Kratzwunden auf Sasukes Brust wandern. „Du bist schwach.“ Mit diesen Worten ließ er seinen Sohn zurück, der starr vor Schock auf den Boden starrte. Er hatte es immer geahnt, aber ausgesprochen zu hören, dass sein Vater sich für ihn schämte, war dennoch unerwartet schmerzhaft.
*~*+*~*
Sasuke wütete in Itachis ehemaligem Zimmer. Er fegte die ausgestellten Trophäen und Medaillen von den Regalbrettern, die sein älterer Bruder routinemäßig für sportliche, akademische und berufliche Leistungen verliehen bekommen hatte. Dieser verdammte Streber, dieser Angeber, dieses beschissene perfekte Wunderkind, das ihn selbst stets wie einen Versager aussehen ließ, weil es absolut unmöglich war, mit Itachi mithalten zu wollen. Sasuke griff nach einem gerahmten Foto, auf dem sein Bruder und er zu sehen waren. Das Bild war bei einem Familienpicknick entstanden, als er ungefähr sechs Jahre alt gewesen war; Itachi hatte den Arm um ihn gelegt, Sasuke winkte breit grinsend in die Kamera, auf seinem weißen Shirt war ein Schokoladeneisfleck und oben in der Ecke verdunkelte der Finger seiner Mutter den strahlend blauen Sommerhimmel. Er hatte nie verstanden, weshalb sein älterer Bruder ausgerechnet dieses Foto so geliebt hatte, aber jetzt erkannte er, wie glücklich und unbeschwert er aussah. Itachi lächelte ihm aus dem Bilderrahmen entgegen. Was würde sein perfekter Bruder denken, wenn er wüsste, dass Sasuke nicht nur durch die Aufnahmeprüfung der Uni gefallen war, sondern sich mehrmals betrunken geprügelt hatte und obendrein aus dem Leichtathletik-Team geflogen war. Würde er erkennen, dass es seine Schuld war? Nein, vermutlich würde er ihm einen seiner Vorträge halten, wie jeder für sein eigenes Schicksal verantwortlich war. Bla, bla, bla. Aber dem war nicht so; manchmal nahmen die Taten anderer Menschen einem die Entscheidungsgewalt ab. Itachi war krank. Das war Scheiße. Und das war Schicksal. Aber dass er lieber eine kriminelle Organisation beschattete, statt bei ihnen zu sein, war seine Entscheidung. Sasukes Knöchel wurden weiß, als seine Finger sich um den schweren Silberrahmen verkrampften. Er konnte einfach nicht nachvollziehen, was in Itachis Kopf vorhing. Hielt er sich für einen beschissenen Helden?! Es war leicht, für ein vermeintlich hehres Ziel zu sterben, aber für Sasuke war er lediglich ein Feigling. Rasender Zorn drückte von allen Seiten auf ihn ein und er stellte den Bilderrahmen auf das Regal zurück, ehe er etwas damit anstellte, was er bereuen könnte.
Keuchend ließ er sich mit dem Rücken an der Wand hinabgleiten, vergrub das Gesicht in den Händen und atmete kontrolliert durch das Chaos in seinem Kopf. Was dachte er sich dabei? Sasuke konnte ihn nicht fragen. Er konnte ihn nicht bitten, es sich anders zu überlegen. Er wünschte, Itachi würde es sich anders überlegen, aber so sehr er seinen Bruder auch liebte, hasste, liebte, er war nie ein besonders guter großer Bruder gewesen und würde sich wenig für Sasukes Wünsche interessieren. Seine Finger gruben sich in sein Haar und rissen an den glänzenden schwarzen Strähnen. Er wollte sie sehen, mit ihr reden. Er brauchte Sakura, um das Brennen in seiner Brust zu ersticken. Sie linderte den Zorn und sie war ein bisschen kaputt, ebenso wie er.
Sasuke zog sein Telefon aus der Hosentasche, doch plötzlich dämmerte ihm, dass er Sakuras Handynummer nicht hatte. Besaß sie überhaupt ein Handy? Und warum hatte er sich nicht ihre Nummer geben lassen? Warum hatte sie ihn nicht nach seiner gefragt? Der Druck auf seine Brust nahm abermals zu, er atmete gezielt dagegen an. Kein Problem, redete er sich zu, er wusste schließlich, wo sie wohnte. Er würde sie besuchen, wieso auch nicht, sie würde sich freuen. Und er brauchte sie. Jetzt.
Sasuke schnappte sich seine Autoschlüssel und stürmte aus dem Haus, ohne auf seine Mutter zu achten, die ihm hinterherrief, dass das Frühstück gleich fertig sei, setzte sich in sein Auto und fuhr zu Sakura.
Bei ihr angekommen betätigte er den Klingelknopf. Eine halbe Minute verstrich, dann eine, er hämmerte auf die Klingel ein, doch es änderte nichts daran, dass ihm niemand öffnete. Wo, verdammte Scheiße, war Sakura an einem Sonntagmorgen?! Noch schlafen konnte sie nicht, denn sein Geklingel hätte sicherlich einen Toten aus dem Grabe auferstehen lassen. War ihr etwa etwas geschehen?
Aufgewühlt wählte er die Nummer seines entfernten Cousins, der bei der Kriminalpolizei arbeitete. Shisuis fröhliche Stimme meldete sich bereits nach dem zweiten Klingeln. „Na, wenn das nicht mein liebster Cousin ist. Was gibt’s?“
„Du musst mir einen Gefallen tun“, sagte Sasuke unumwunden und, ehe Shisui nachhaken konnte: „Ich brauche die Handynummer einer gewissen Sakura Haruno.“
Ein Moment der Stille verging, dann sagte Shisui belustigt: „Ich bin keine Dating-Agentur. Wieso bittest du das Mädchen nicht einfach darum?“
„Es ist dringend.“ Er kniff sich in die Nasenwurzel, um sich zu beruhigen. „Ich stehe bei ihr vor der Tür, aber sie ist nicht da.“
„Seit wann bist du so ein Stalker“, sagte er lachend. Sasuke presste das Telefon derart fest gegen sein Ohr, dass es schmerzte. „Jedenfalls kann ich dir nicht einfach Daten über Privatpersonen rausgeben. Das ist illegal, und unethisch ist es außerdem.“
„Einige Menschen würden es unethisch finden, einen Mann mit deinen Neigungen bei der Polizei zu sehen“, erwiderte er leise.
„Wie bitte?“, fragte Shisui scharf, aber noch mit der leisen Hoffnung, sich verhört zu haben.
„Du hast mich verstanden.“
„Ich weiß nicht, wovon du redest“, entgegnete er kühl.
Sasuke schnaubte. „Dann helfe ich deinem Gedächtnis auf die Sprünge: Du und mein Bruder, ich habe euch gesehen.“
„Dafür hast du keine Beweise“, sagte Shisui.
„Wir wissen beide, dass die bloße Andeutung deine Kariere beenden könnte“, erwiderte Sasuke selbstsicher.
Sein Cousin lachte trocken und humorlos am anderen Ende der Leitung. „Du bist ein Schwein, Sasuke.“ Er hörte ihn förmlich mit den Zähnen knirschen und dann, nach einigen Herzschlägen des Schweigens, sagte er: „Ich schicke dir ihre Nummer über eine private Mailadresse.“
Kapitel 4
Sakura saß auf ihrem üblichen Platz in der Bibliothek. Ihr Kopf war nach vorne geneigt, sodass ihr Haar einen Vorhang um ihr Gesicht bildete und sie von ihrer Umwelt abschirmte.
Vor ihr lag ein Stapel Lernkarten über die Rolle Japans im Zweiten Weltkrieg, doch es waren bereits mehrere Minuten vergangen, seit sie etwas darauf notiert hatte. Ihre Augen waren zwar auf das Papier gerichtet, doch ihr Blick ging nach innen, ihre Gedanken wanderten immer wieder zurück zum gestrigen Tag und zu Sasuke.
Die Demütigung brannte wie Feuer in ihrem Bauch und auf ihren Wangen, vor lauter Scham kniff sie die Augen zusammen. Was war geschehen?! Was hatte sie bloß getan?!
Sasuke hatte sie lediglich angeatmet und sie hatte angefangen sich an ihm zu reiben wie eine rollige Katze und seinen Namen – oder Teile davon – gestöhnt, als wäre sie besessen. Und wie schnell sie zum Orgasmus gekommen war. Sakura hatte nicht nur keine Erfahrung mit Männern, sie hatte sich auch noch nie selbst berührt, daher wusste sie nicht, ob das normal war, aber sie schämte sich, sie schämte dich für alles, vor allem für die Geräusche, die sie von sich gegeben hatte, und die Feuchtigkeit, die aus ihrer Mitte gelaufen war und noch lange ihren Slip durchtränkt hatte.
Als wäre das nicht schlimm genug, war sie auch noch eingeschlafen. Sasuke hatte eindeutig Sex mit ihr haben wollen, während sie sich wie eine Klette an ihn gehangen und geschlafen hatte. Wie enttäuscht er sein musste. Erst biederte sie sich ihm förmlich an, säuselte etwas davon, wie sehr sie ihn wollte – die Erinnerung ließ ihr Gesicht besonders heiß werden –, und dann fiel sie quasi unverzüglich ins Koma.
Sakura kniff die Lider noch fester zusammen und als sie die Augen wieder öffnete, saß Sasuke ihr gegenüber. Im ersten Moment glaubte sie, einer Halluzination erlegen zu sein.
„Sa-Sasuke“, stammelte sie überrascht. Sein Anblick ließ ein Ziehen in ihrem Unterleib entstehen. „Oh Gott, was ist mit deinem Gesicht passiert?“, fragte sie erschrocken, als sie seine aufgeplatzte Lippe bemerkte.
Er winkte unwirsch ab. „Ich war bei dir zuhause. Du warst nicht da.“ Er klang angepisst und verschränkte die Arme abweisend vor der Brust.
„Tut mir leid“, sagte sie automatisch. „Waren wir verabredet?“
Sasukes Ausdruck wurde weicher und er griff nach ihren Händen, die sie auf der Tischplatte zu zitternden Fäusten verkrampft hatte. „Du musst dich nicht entschuldigen. Ich mag es nur nicht, wenn ich nicht weiß, wo du bist.“
„Das ist ein gutes Stichwort. Woher wusstest du, wo ich bin?“, fragte sie irritiert, aber insgesamt erfreut, obgleich sie nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte, nachdem er die Finger in ihrem Höschen gehabt hatte. Ein Teil von ihr war überzeugt, dass er sich jeden Augenblick über sie lustig zu machen beginnen würde.
„Ich musste einen Bekannten bei der Polizei anrufen, aber er konnte deine Nummer herausfinden und dich orten.“ Er nahm ihr Handy, das auf dem Tisch lag, und tippte darauf herum. „Mit eingeschaltetem GPS war es geradezu lächerlich einfach dich zu finden. Du musst vorsichtiger sein.“
„Oh“, machte sie überrascht. Sie sollte vermutlich wütend und entsetzt sein, doch insgeheim war sie nur glücklich, wie viel er für sie auf sich genommen hatte. Das Lächeln stahl sich von ganz allein auf ihre Lippen.
„Lass uns nach Hause gehen.“
Beinahe traumwandlerisch erhob sie sich, während er ihre Sachen in ihre Tasche stopfte und sich diese über die Schulter warf. Ihr Puls hämmerte in ihren Ohren und sie verlor sich in der hungrigen Intensität seiner unergründlichen onyxfarbenen Augen. Ihre kleine Hand schob sich in seine größere und gemeinsam verließen sie die Bibliothek.
*~*+*~*
Der Heimweg schien schier endlos und kaum hatten sie Sakuras Wohnung betreten, hob Sasuke sie hoch, sodass sie ihn mit den Beinen umschlingen musste, und kickte die Tür mit der Ferse hinter ihnen zu. Sakura rollte die Hüfte automatisch gegen seine Erektion und sein zittriges Stöhnen wärmte die empfindliche Haut unterhalb ihres Ohres. Ihre Tasche landete irgendwo zwischen Haustür und Bett auf dem Boden und dann presste sein muskulöser Körper sie tief in die dünne Matratze.
„Du hast mir gefehlt“, sagte er und zog ein Gesicht, als würde ihn so viel Ehrlichkeit enorme Überwindung kosten.
„Das merke ich“, sagte Sakura mit einer Forschheit, die sie sich normalerweise nicht erlaubte, die sich aber ziemlich gut anfühlte. Sie grinste frech und bewegte ihre Hüfte gegen seinen steifen Penis, was ihn abermals leise aufstöhnen ließ.
„Du legst es echt darauf an“, erwiderte er dunkel und mit einem Hunger in den Augen, der sie ansteckte und verzehrte.
„Ich habe nicht gelogen, als ich gesagt habe, dass ich dich will, und es tut mir leid, was gestern war. Ich habe… Naja, ich habe dich Dinge machen lassen, die implizieren, dass mehr zwischen uns passieren würde, und dann bin ich wie die letzte Idiotin eingeschlafen.“ Sakura wurde so dunkelrot, dass ihre Haut vor Wärme ausstrahlte.
Sasukes Blick nahm eine gewisse Schärfe an. „Ich bin bestimmt kein Gentleman, aber ich finde trotzdem, dass eine Frau sich nicht für sowas entschuldigen sollte.“
„Aber es ist mir peinlich. Sowas ist dir bestimmt mit noch keiner passiert.“
„Es spielt keine Rolle, was mit irgendwelchen Mädchen vor dir war, denn jetzt gibt es nur noch dich“, sagte er nachdrücklich.
„Was ist mit K-Karin?“, fragte Sakura nervös und richtete sich derart abrupt auf, dass sie fast mit der Stirn gegen Sasukes knallte.
„Sie ist niemand mehr“, erwiderte er abweisend.
„Aber sie war mal jemand für dich?“, bohrte Sakura nach.
Sasuke wälzte sich seufzend von ihr herunter, setzte sich auf die Bettkante und vergrub das Gesicht in den Händen. „Wozu willst du das wissen?“, fragte er gequält.
Sakura, die es hasste, ihn so zu sehen, und es noch mehr hasste, schuld daran zu sein, schmiegte sich von hinten an seinen Rücken, küsste seinen Nacken, der von einer leichten Schweißschicht überzogen war, und stellte dabei fest, dass er ganz wunderbar schmeckte. „Du weißt, wie sie zu mir steht. Ich… ich habe Angst vor ihr.“
Sasuke seufzte. „Karin ist meine Ex, wenn man das so nennen möchte. Ich habe damals was mit ihr angefangen, weil mein Vater sie gehasst hätte, und ich bin bei ihr geblieben, weil sie genauso kaputt war wie ich. Wenn ich mit ihr zusammen war, musste ich nicht nachdenken. Wir haben jegliche Sorgen einfach weggevögelt. Ich glaube, ihr ging es auch so, allerdings habe ich unterschätzt, wie gestört Karin wirklich ist.“
Sasuke seufzte abermals und Sakura wurde schlecht. Sie hatte sich gedacht, dass zwischen den beiden etwas gelaufen war, doch es aus Sasukes Mund zu hören, war wie ein Messerstich ins Herz. Sie wollte nicht weinen, spürte ihre Augen jedoch feucht werden. „Aber das spielt keine Rolle mehr. Karin nicht und auch sonst keine Frau. Nicht wahr? Ich meine, du hältst mich nicht für einen schlechten Menschen deswegen, oder? Ich wusste doch nicht, dass es dich gibt, Sakura.“
Unweigerlich keuchte Sakura auf. Sie war bereits so lange in ihn verliebt, dass seine Worte unabsichtlich grausam waren. Sasuke drehte den Kopf über die Schulter zurück und sah schlagartig sehr nervös aus. „Sakura?“
Sie umarmte ihn fest, drängte sich gegen seinen Rücken und vergrub ihr Gesicht an seinem Nacken, damit er ihre vor Tränen schimmernden Augen nicht sehen konnte. „Ich könnte dich niemals für einen schlechten Menschen halten“, sagte sie heiser.
„Ich werde nicht zulassen, dass Karin dir etwas antut. Sie wird nie wieder Hand an dich legen. Ich bring sie um, wenn es sein muss, das verspreche ich dir. Du bist meine Freundin und ich werde dich mit meinem Leben beschützen“, sagte er plötzlich und löste ihre Arme, die um seinen Bauch lagen, damit er sich zu ihr umdrehen konnte.
Sakura keuchte vor Erregung. Er hatte sie seine Freundin genannt. Sie, die feste Freundin von Sasuke Uchiha. Wahrscheinlich war sie gestorben und im Himmel, denn ansonsten gab es keine Erklärung, was der Held der Schule von und mit ihr wollte. „Deine Freundin?“, fragte sie schüchtern. Halb rechnete sie noch immer damit, dass er jeden Augenblick in Gelächter ausbrechen und sie für ihre Naivität verspotten würde. Sie verstand nicht, was passierte und wie schnell es passierte. Es sollte keinen Sinn machen, aber es geschah trotzdem. Er wollte sie. Und sie fühlte die Sogkraft, die zwischen ihnen herrschte, ebenfalls.
„Ich bin so verdammt wütend, die ganze Zeit“, sagte er. „Aber du sorgst dafür, dass die Wut verschwindet. Du gibst mir Frieden, wie könnte ich da nicht mit dir zusammen sein wollen.“ Sasuke drängte sie zurück, bis sie abermals auf dem Rücken lag, und kniete sich zwischen ihre Beine. Sakuras Herz pochte in ihrer Kehle, seine Lippen an ihrem Hals sorgten dafür, dass sich ihre Weiblichkeit vor Lust zusammenzog. Sie keuchte, zog ihn näher heran, um so viel wie möglich von ihm zu spüren. Seine Hände schoben den knielangen, grauen Wollrock über ihre Hüfte. „Hmm, jemand hat eine Sauerei in seinem Höschen angerichtet.“
„Sasuke!“, quietschte sie beschämt und schlug die Hände vors Gesicht. Ihre Haut glühte vor Hitze, doch in ihrer Mitte pulsierte ihr Herzschlag vor Verlangen nach ihm. Sie konnte spüren, wie noch mehr Flüssigkeit den weißen Baumwollslip tränkte. Die Innenseiten ihrer Schenkel wurden feucht.
„Nicht schämen“, sagte er und biss sanft in ihren Oberschenkel, um die Stelle gleich darauf mit der Zungenspitze zu kitzeln. „Es ist heiß, wie empfindlich du bist.“
Sakura biss sich auf die Unterlippe. Sie verzehrte sich nach seiner Berührung und fühlte sich, als müsste sie platzen, wenn er sie nicht gleich anfasste. Unbewusst hob sie ihm das Becken entgegen und Sasuke erhöhte ihr wortloses Flehen, indem er ihren Slip beiseite schob und mit der Zunge durch ihre Schamlippen fuhr. Sakura stöhnte laut auf, ihre Schenkel klappten von selbst zusammen und klatschten geräuschvoll gegen Sasukes Wangen. Sein warmer Atem streichelte ihre Klitoris, als er lachte, und dann drückte er ihre Beine mit den Händen auseinander und presste den Mund gegen ihre Mitte.
„Sa-“, stöhnte sie, gefolgt von einem kehligen Laut.
Sasuke spreizte sie mit den Fingern auseinander und seine Zunge streichelte wieder und wieder über ihre empfindlichste Stelle, ließ sie keuchen und sich winden. Sakura spürte, wie sich der Orgasmus in ihrem Unterleib aufbaute. „Bitte“, flehte sie und presste sich ihm entgegen. Seine Lippen schlossen sich um ihren Kitzler, saugten an dem pulsierenden Fleisch und in ihr explodierten Sterne.
Sakura fühlte sich leicht schwindelig, ihre Muskeln schienen aus Gelee zu bestehen und abermals senkte sich schlagartig Müdigkeit über sie herab, die sie mühsam abzuschütteln versuchte.
„Und da wirft man Männern vor, sie würden nach einem Orgasmus sofort einschlafen“, sagte Sasuke grinsend und wischte sich Sakura aus dem Gesicht.
Sakura rutschte an ihn heran, bis sie Nasenspitze an Nasenspitze lagen, und kämmte mit den Fingern durch sein seidenweiches, schwarzes Haar. Er hatte noch immer eine Erektion; sie überlegte, ob es nun nicht an ihr wäre, ihm Erleichterung zu verschaffen, doch er hielt die Augen entspannt geschlossen und atmete, als wäre er selbst auf dem besten Weg einzuschlafen.
„Das ist schön“, sagte sie leise und küsste vorsichtig seinen Mundwinkel, der sich unter der Berührung ihrer Lippen unmerklich hob.
„Ja“, erwiderte er und öffnete die Augen einen Spalt breit. „Ich weiß, wie abgedroschen das klingt, aber ich habe noch nie so für jemanden empfunden. Ich wusste nicht mal, dass ich so für einen Menschen empfinden kann.“ Er zögerte, dann sagte er: „Schwöre, dass du mich nicht verlassen wirst.“
„Ich schwöre“, antwortete sie, bedeckte die Augen mit der Hand und brach prompt in Tränen aus.
Sasuke zog sie an sich, obwohl ohnehin kaum ein Blatt Papier zwischen sie gepasst hatte, und wiegte sie unbeholfen in seinen Armen hin und her. „Nicht weinen“, murmelte er und küsste hilflos ihren Scheitel.
„Tut mir leid“, schluchzte sie und wischte sich mit dem Handrücken die Nase. „Aber ich musste plötzlich an meine Eltern denken.“
„Du wohnst allein hier, richtig?“, hakte Sasuke vorsichtig nach.
Sie nickte, indes sie geräuschvoll die Nase hochzog. „Mama ist kurz nach meinem Geburtstag mit ihrem neuen Freund nach Tokio gezogen. Sie hat gesagt, dass sie sich achtzehn Jahre um mich gekümmert hat und es an der Zeit wäre, mal an sich selbst zu denken.“
„Und dein Vater?“
„Abgehauen, als ich eingeschult wurde. Er liebt mich, aber er ist ein arbeitsloser Alkoholiker, der mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt ist.“ Sakura zuckte die Achseln, als würde es ihr nicht ausmachen. Sasukes blasses Gesicht wurde weiß vor Zorn.
„Deswegen verstehst du mich so gut, weil wir beide von den Menschen hintergangen wurden, die uns lieben sollten.“
„Hmm“, machte Sakura und schmiegte das tränennasse Gesicht an seine Halsbeuge, wo sie sich warm und geborgen fühlte. Und er roch so gut. Das Herzklopfen spülte die Traurigkeit fort. Sie war schließlich nicht allein, sie hatte Sasuke und obgleich sie ihre Eltern liebte, war das kein schlechter Tausch. Eine Vergangenheit gegen eine Zukunft. „Ich werde für immer bei dir bleiben, wenn ich darf.“
„Ich will, dass du bei mir bleibst, und ich will bei dir bleiben“, sagte er und küsste sich langsam von ihrem Kiefer zum Ohr. Sein warmer Atem kitzelte ihre Ohrmuschel, dann wisperte er: „Ich finde, wir sollten zusammenziehen.“
Kapitel 5
Sasuke betrat das Schulgebäude und um ihn herum brach ein Tumult aus. Mädchen kicherten und fächelten sich Luft zu, Jungs grölten und klopften ihm kameradschaftlich auf die Schulter. Er hasste diesen Zirkus, der jedes Mal um seine Person veranstaltet wurde. Wahrscheinlich mochten diese Menschen ihn nicht mal – kennen taten sie ihn jedenfalls nicht –, sondern feierten ihn lediglich für seine sportlichen Leistungen, die der Schule einst Prestige gebracht hatten, und obwohl er nicht mehr zum Team gehörte, war sein Stern im Angesicht der Schülerschaft noch nicht gefallen.
Es dauerte einige Momente, bis die Menge seine Hand in Sakuras bemerkte. Binnen Sekunden war die junge Frau das Zentrum der Aufmerksamkeit. Jeder Kopf auf dem Gang wandte sich ihr zu. Schüler tuschelten, fragten sich, wer sie sei, woher sie kam, was sie hatte, das sie nicht hatten. Sie urteilten über ihr Aussehen, ihre Frisur und ihre Figur. Sasuke konnte ihre Hand schweißnass werden spüren.
Schlagartig wurde ihm der Fehler bewusst, den er begangen hatte. Karin und er hatten sich nie gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt, sodass er das Interesse an der Frau an seiner Seite unterschätzt hatte. Am liebsten würde er auf dem Absatz kehrtmachen und sie den neugierigen, lauernden und abschätzigen Blicken entziehen. Er hatte sie auf den Präsentierteller gesetzt und dabei keine Sekunde bedacht, wie furchterregend all die plötzliche Aufmerksamkeit für sie sein musste. Ihre Hand zitterte in seiner.
„Es tut mir leid, ich habe nicht bedacht, dass sie sich wie Geier auf dich stürzen würden“, murmelte er ihr aus dem Mundwinkel zu.
Sie drückte seine Hand. „Schon okay, sie starren dich an.“
Sasuke stockte. „Nein, sie starren dich an.“
„Mich?“ Sakura grinste matt. „Mich hat noch nie jemand angestarrt.“
„Weil du dich versteckt gehalten hast, aber ich habe dich gerade ins Rampenlicht gezerrt und jetzt sehen alle, wie umwerfend du bist.“ Und das fand er wirklich, auch wenn Sakura die Art Attraktivität besaß, die erst auf den zweiten Blick auffiel, dafür aber umso intensiver war. Außerdem strahlte sie von innen heraus, jene Schönheit, die man nur bekam, wenn man sehr glücklich war.
Reue drehte ihm den Magen um. Er hatte sie alle aufmerksam auf Sakura gemacht. Binnen weniger Minuten hatte er sie zu der begehrtesten Frau der Schule gemacht. Er wusste, was jeder dachte: Sie musste etwas besonderes sein, wenn er – Sasuke – sie zu seiner offiziellen Freundin machte. Und das war sie natürlich, aber er wollte nicht, dass andere das ebenfalls wussten. Scheiße! Er knurrte und Sakura drückte besorgt seine Hand.
„Oi Sasuke“, brüllte jemand über den Flur.
Sasuke schloss für eine Sekunde indigniert die Augen. Das hatte gerade noch gefehlt, dass das Großmaul Naruto noch mehr Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Der Blonde schob sich durch die gaffenden Schüler; im Schlepptau hatte er seine Freundin, deren Namen Sasuke vergessen hatte.
„Uzumaki“, grüßte Sasuke so kühl, das keinerlei Zweifel an seiner üblen Laune bestand. Sie waren nicht befreundet, mochten sich nicht mal besonders, ergo hatte die Neugier ihn angetrieben. Naruto wollte Sakura abchecken, wofür Sasuke ihm die Faust ins Gesicht rammen wollte. Er legte ihr besitzergreifend den Arm um die Taille und zog sie näher.
„Sasuke hat ein Mädchen“, plärrte Naruto und grinste breit. Seine großen blauen Augen funkelten wie bei einem Raubtier und Sasuke könnte schwören, dass sie gierig über Sakuras zarten Körper wanderten. Unweigerlich schirmte er Sakura mit seinem breiten Körper ab. „Wunder geschehen immer wieder. Willst du uns nicht vorstellen?“
Die Augen der Freundin klebten auf seinem Arm um Sakura, doch sie besaß genügend Anstand zu erröten, als sie Sasukes bohrenden Blick bemerkte. Vorsichtig lächelte sie Sakura an, die es ebenso zaghaft erwiderte. Sasuke erinnerte sich, dass Narutos Freundin harmlos war, das typische nette Mädchen von nebenan. „Das ist Sakura Haruno“, antwortete sie an Sasukes Stelle und auf Narutos verblüfften Blick fuhr sie grinsend fort: „Wir sind in einer Klasse. Sakura ist die unangefochtene Klassenbeste.“
„Ne Streberin?“, rief Naruto erstaunt aus, wofür er den Ellbogen der Freundin in die Rippen bekam. Sasukes Augen wurden eiskalt.
„Hör nicht auf ihn. Für Naruto ist jeder, der mehr als sechzig Punkte in Tests bekommt ein Streber.“ Die Freundin streckte frech die Zunge raus und Sakura musste unweigerlich leise kichern. „Er könnte sich ein Scheibchen von dir abschneiden.“
„Niemand schneidet sich irgendwas von meiner Freundin ab“, fauchte Sasuke hitzig.
„Wow, chill mal. Das ist doch nur so ‘ne Redensart“, sagte Naruto verärgert und drückte seiner Freundin einen Kuss auf die Schläfe.
„Ich wollte niemanden beleidigen“, entschuldigte sie sich verstört.
„Hast du nicht“, versicherte Sakura lächelnd.
Sasuke presste die Lippen aufeinander. Er versuchte, Narutos Freundin einzuschätzen. War sie wirklich nur nett oder plante sie etwas? Obwohl sie offenbar in einer Klasse waren, waren sie offensichtlich nicht befreundet, das bedeutete ihr Interesse an Sakura lag an ihm, was sie ihm prompt unsympathisch machte. Allerdings konnte Sakura wohl eine Freundin gebrauchen, dachte er zähneknirschend, und Narutos Freundin war da wahrscheinlich noch die beste Wahl. Seine Gedanken wurden von der Schulglocke unterbrochen.
Die Freundin entwand Sakura seinem Griff und hakte sich bei ihr ein. Sakura war eindeutig überfordert von der Situation. Sasukes Puls schlug in seinem Hals. Er musste an sich halten, nicht an Sakuras Arm zu zerren, als wäre sie eine Lumpenpuppe.
„Gehen wir gemeinsam zum Unterricht?“, fragte die Freundin.
Sasuke küsste Sakuras Stirn, inhalierte den süßen Apfelgeruch ihres Shampoos und den cremigen Vanilleduft ihrer Haut. „Ich könnte dich bringen.“
„Dann kommst du zu spät“, wiegelte Sakura ab. Und das kannst du dir nicht leisten, schwebte ungesagt zwischen ihnen. „Ich komme schon zurecht.“ Sie lächelte so strahlend wie die Sonne.
Widerwillig ließ er sie los und beobachtete wie sie und die Freundin zwischen den noch immer gaffenden Schülern verschwanden. Sakura drehte sich noch mal zu ihm um und winkte flüchtig. Er wollte ihr nachrennen und sie zurück in seine Arme reißen. Sie war so zart und er hatte das untrügliche Gefühl, dass ihr etwas zustoßen würde, wenn er nicht bei ihr war. Was, wenn sie Karin begegnete?! Das verrückte Miststück würde vollends ausrasten, wenn sie hörte, dass Sakura seine feste Freundin war.
*~*+*~*
Hinata war nett, obgleich sie für Sakuras Geschmack etwas zu viel über Naruto redete. Das andere Mädchen – Ino Yamanaka – betrachtete sie wie ein exotisches, aber hässliches Zootier. Ino und Sakura hatten eine komplizierte Vergangenheit und keiner an ihrer Schule würde wohl auch nur vermuten, dass die beiden unterschiedlichen Frauen mal beste Freundinnen gewesen waren, ehe sie aufgrund ihrer jeweiligen Schwärmerei für Sasuke miteinander gebrochen hatten.
„Warum reden wir mit ihr?“, fragte Ino reserviert und warf ihr langes blondes Haar mit einer eleganten Kopfbewegung über die Schulter zurück. Alles an ihr schien eine feindselige Autorität auszustrahlen, die Sakura angespannt schlucken ließ.
„Na, wir müssen Sasukes Freundin doch unter unsere Fittiche nehmen“, sagte Hinata mit einem lieben Grinsen, offenbar vollkommen unempfänglich für Inos miese Laune.
„Ach, jetzt, da sie Sasukes Tussi ist, sind wir plötzlich ihre Freundinnen?“, ätzte Ino und warf Sakura einen giftigen Blick zu.
Hinata wurde rot und war offensichtlich um eine diplomatische Antwort verlegen, als die Blondine an Sakura gewandt fortfuhr: „Mich würde aber tatsächlich interessieren, wie du ihn klargemacht hast. Man hört ja von haufenweise Mädels, die angeblich mit ihm in der Kiste waren, aber insgeheim dachte ich immer, er wäre schwul.“
„Ino!“, quietschte Hinata, die ihr Gesicht hinter den Händen versteckte. „Nicht jeder Typ, der dir nicht zu Füßen liegt, ist automatisch schwul.“
„Aber die meisten“, beharrte sie, warf ihr Haar abermals zurück und stützte die Hand in die Taille. Mit der verknoteten Schuluniformbluse, die ihren beeindruckend straff trainierten Bauch unbedeckt ließ, sah sie aus wie ein Model, das für ein Magazincover posierte. „Also, pack aus, wie du zu Sasuke Uchiha gekommen bist.“
„Lass sie in Ruhe, Ino“, intervenierte Hinata, gab ihr allerdings einen freundschaftlichen Klaps auf den Oberarm. „Sasuke wird nicht gefallen, wenn du sie so in die Mangel nimmst.“
„Weil die kleine Breitstirn sich nicht selbst helfen kann, oder was.“
„Ino“, zischte Hinata durch die Zähne und sah Sakura entschuldigend an.
Sakuras Magen fühlte sich an, als wäre er mit Blei gefüllt. Sie wollte weglaufen, blieb jedoch, wo sie war, und straffte die Schultern, um sich mental gegen die Gehässigkeiten der Blondine zu wappnen. „Schon gut“, sagte sie zu Hinata und rang sich ein unbeschwertes Lächeln ab.
„Um ehrlich zu sein, würde mich aber auch interessieren, wie das mit dir und Sasuke zustande gekommen ist. Ich finde ihn so kalt und unnahbar“, sagte die Blauhaarige und schüttelte sich, als würde sie beim Gedanken an den Uchiha wahrhaftig frieren.
„Du siehst so bieder aus“, stichelte Ino weiter.
„Lass sie in Ruhe“, sagte Hinata abermals.
„Ich meine es doch bloß gut mit der Breitstirn. Da Sasuke offenbar doch auf Frauen steht, wird er sich bald eine suchen, die auch wie eine aussieht, und nicht… so.“
„Vielleicht ist das sein Typ“, warf Hinata zögerlich ein.
„Das ist niemandes Typ“, sagte Ino unwirsch. „In der Mittagspause könnte ich dich ein bisschen aufpimpen. Ich habe Make-up dabei, ein paar Handgriffe an der Uniform schaden auch nicht, ansonsten bist du ja kein Totalschaden.“
Sakura war nicht dumm genug, um anzunehmen, dass Ino ihr Bestes im Sinn hatte. Angeblich datete sie unterdessen zwar einen Kunststudenten, aber sie hatte Sasuke schon immer für sich selbst gewollt. Allerdings würde sie fortan wohl mehr Zeit mit diesen Mädchen verbringen, vielleicht würden sie und Hinata sogar Freundinnen werden – ein Gedanke, der Sakura positiv aufregte –, da schadete sicherlich nicht, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben. Wenn sie nicht länger die Außenseiterin sein wollte, musste sie sich anpassen, und Ino bot ihr genau das an. Neben diesen Mädchen fiel erst so richtig auf, wie unfertig Sakura war. Und würde man von Sasukes Freundin nicht mehr erwarten, würde sie ihn mit ihrer Schlichtheit nicht beschämen?
Sakura schluckte hart und dachte an Karin, von der eine aggressive Weiblichkeit ausgegangen war. „Okay“, stimmte sie schließlich tonlos zu.
*~*+*~*
„Scheiße, wer ist das heiße Weib?“, fragte Hidan. „Der Arsch bettelt darum, von mir gefickt zu werden.“
Sasuke verdrehte kommentarlos die Augen und hielt stattdessen nach Sakura Ausschau. Sie hatte ihm geschrieben, dass sie später zum Mittagessen kommen würde, aber nicht wieso, und er fragte sich, ob Narutos Freundin ihr etwas getan hatte.
„Hey, das ist doch Sasukes Mädchen“, sagte Naruto nervös. „Die sah vorhin aber noch anders aus.“
Etwas Ekliges und Kaltes breitete sich von Sasukes Scheitel über sein Rückgrat aus. Sasukes Mädchen – sie sprachen über Sakura. Er würde Hidans Genick für diese verdammte Respektlosigkeit brechen. Was fiel diesem schmierigen Typen überhaupt ein, über Sakura zu fantasieren?! Er sollte nicht mal dieselbe Luft wie sie atmen dürfen. Seine Brust fühlte sich eng und heiß an, als er Sakura endlich erblickte und feststellte, dass nicht nur Hidan und Naruto mit offenen Mündern gafften.
Um ihn herum wurde es still und das Nächste, was er mitbekam, war, dass er auf halbem Weg durch die Mensa gestürmt war. Sakura blickte ihm scheu und ängstlich entgegen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. „Wer war das?“, brüllte er und stieß einen jüngeren Mitschüler beiseite, der dumm genug war, ihm im Weg zu stehen.
Sakura vergrub die Zähne in ihrer rubinrot geschminkten Unterlippe. Ihr Uniformrock war hochgerollt, die Bluse unter der Brust verknotet, sodass ihr flacher, sehr blasser Bauch entblößt wurde. Sasukes Penis zuckte, obwohl er hasste, sie so zu sehen. In ihm brüllte ein wildes Tier; sie gehörte ihm – ihm! –, niemand sonst hatte sie so zu sehen.
Grollend vor Zorn riss er sich das Jackett von den Schultern und warf es ihr um die Schultern. Absolut jeder in der Mensa starrte in ihre Richtung und wer Sakura nicht schon vorher angeglotzt hatte, war durch seinen Auftritt auf sie aufmerksam geworden. Er wollte schreien, er wollte der Person, die das getan hatte, das Gesicht einschlagen. Seine Sakura war zum Objekt degradiert worden und kompetitive Männer wie Hidan, die in stetem Wettstreit mit ihm steckten, würden sie nun für sich haben wollen.
„Wer war das, verdammte Scheiße“, knurrte er erneut und entknotete grob ihre Bluse, um so viel Haut wie möglich unter Kleidung zu verstecken. Sakura ließ es mit bebenden Lippen geschehen.
„Bleib mal locker, wir haben uns doch nur ein bisschen amüsiert“, schnappte Ino und warf mit einer für sie typischen Kopfbewegung das Haar über die Schulter zurück.
Ino natürlich. Das hätte er sich denken können, schließlich sah Sakura wie eine kleine Kopie von ihr aus. Sasuke knurrte und packte die Blonde am Hals. „Was fällt dir ein, Dreckstück!“
„Hey“, quiekte sie und obwohl es wohl empört klingen sollte, war ihre Stimme dünn und furchtsam. „L-lass mich los“, röchelte sie.
„Sasuke“, quietschte Sakura und versuchte ihn gemeinsam mit Hinata von Ino wegzubekommen, doch sein Griff war eisern und erst Naruto gelang es ihn zurückzuziehen.
„Hast du ‘n Schaden, Mann“, keifte Naruto. „Als hättest du nicht genug Scheiße am dampfen.“
Hinata legte vorsichtig den Arm um Ino, die sich mit krebsrot angelaufenem Gesicht den Hals hielt. Sasukes Finger zeichneten sich als purpurne Flecke auf der milchweißen Haut ab. „Du Psycho“, keuchte Ino und verpasste ihm eine zwiebelnde Ohrfeige, was in der Mensa mit einigen anerkennenden Pfiffen kommentiert wurde.
„Bist du verrückt geworden?“, wisperte Sakura aufgeregt und zerrte in aus dem vollen Speisesaal. Er legte den Arm um sie und küsste ihre Stirn.
„Kann man wohl sagen, schließlich hat sie dir das angetan.“
Und es war Inos schuld, dass jeder auf Sakura aufmerksam geworden war.
„Du hast vollkommen überreagiert“, schimpfte sie leise. „Du kannst doch niemanden würgen. Außerdem wollte sie nur helfen.“
„Du brauchst keine Hilfe und schon gar nicht von jemandem, der wie eine Nutte rumläuft.“
„Hast du keine Augen im Kopf“, hauchte sie und ihre Stimme klang gefährlich brüchig. „Wir sind so verschieden.“
Er blieb wie angewurzelt stehen, sodass Sakura in seinem Arm kurz strauchelte. „Wovon redest du?“ Sie presste die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. Tränen glitzerten in ihren Augenwinkeln. „Sag schon!“ Er klang panisch, er wollte wissen, was in ihrem Kopf vorging. Es schien übel zu sein, er hasste es. Sasuke drehte sich ihr zu und packte sie bei den Schultern. „Sag es mir!“, verlangte er.
„Ich weiß nicht“, schniefte sie. „Ich glaube, ich dachte einfach, dass du dich vielleicht für mich schämst. Du siehst so viel besser aus als ich und Mädchen wie Ino passen optisch viel mehr zu dir. Ich meine, sieh mich an.“ Sie ließ den Kopf hängen.
„Das tue ich und ich sehe das verdammt schönste Geschöpf auf diesem Planeten.“
„F-findest du wirklich“, stammelte sie verlegen und konnte ihm kaum in die Augen sehen.
Er legte die Hände auf ihre Wangen und zwang sie mit sanfter Gewalt ihn anzusehen. „Du bist perfekt, aber mir ist ganz recht, wenn andere das nicht sofort merken, vor allem nicht, indem du deinen Körper auf dem Silbertablett präsentierst.“
„Entschuldige, Sasuke, das war eine dumme Idee.“
„Entschuldige dich nicht für Inos Fehler“, sagte er unwirsch, strich ihr jedoch liebevoll ein paar Strähnen hinter das Ohr.
„Ich wollte es so. Du kannst Ino nicht die ganze Verantwortung zuschieben“, widersprach sie trotzig und schob die Unterlippe vor.
Sie war so sexy, dass seine Hosen eng wurden. „Weißt du, was ich will?“, brummte er und führte ihre warmen Finger zwischen seine Beine.
„I-ich habe eine Vorstellung“, krächzte Sakura und lief puterrot an, was ihn grinsen ließ. Wenn er sie nicht bald bekam, würde er garantiert platzen.
Sasuke küsste sie und dann küsste er sie noch mal, weil Sakura ihren Mund für ihn öffnete und ihre süße Zunge gegen seine stupsen ließ. Die Schulglocke unterbrach sie und murrend zog er sich von ihr zurück. Sakuras Augen leuchteten, als sie ihm einen letzten kleinen Kuss auf die Lippen drückte und sich zum Unterricht verabschiedete.
Kapitel 6
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 7
Von all den verabscheuungswürdigen Gedanken, die ihn seit der Erkrankung seines Bruders plagten, löste Sakura die unanständigsten aus. Sasuke betrachtete die junge Frau, die friedlich an seiner Schulter ruhte. Ihre Augen waren geschlossen und sie war bis auf einen grauen Baumwollslip unbekleidet. Ihre kleinen, runden Apfeltitten hoben und senkten sich bei jedem Atemzug, die Brustwarzen streckten sich ihm keck entgegen. Er kratzte mit dem Finger über den harten, rosafarbenen Nippel und sah sie wohlig erschaudern.
Sein Penis hatte sich abermals zu einer beinahe schmerzhaften Erektion aufgerichtet und er konnte nur daran denken, wie leicht es wäre, sie hier und jetzt zu nehmen. Niemand war hier, niemand würde sie hören. Sie würde sich nicht wehren, weil sie besessen von ihm war. So besessen, wie er von ihr war. Der Gedanke, wie leicht sie feucht wurde, machte ihn rasend. Sakura war süchtig nach Körperkontakt mit ihm, es machte sie geil und willig. Er bräuchte nur ein bisschen mit ihr rummachen und sie würde ihn anflehen, noch mal mit ihr zu schlafen.
Sasukes Hand rutschte zu ihrem kleinen festen Hintern und massierte ihre Pobacke. Sakura stöhnte leise unter der Berührung und fing an sich an ihm zu reiben. Er wollte sie so sehr, dass er beinahe durchdrehte. Er wollte ihren Körper, ihr Herz, dass sie sich ihm voll und ganz verschrieb. Die Lust brannte in ihm, es war wie Folter und er liebte es. Er dachte daran, wie eng sie gewesen war, wie sie sich für ihn gedehnt hatte, wie sie sich unter ihm gewunden und gestöhnt hatte. Wie ihr Körper randvoll mit seinem Samen war und an das Baby, das sie vielleicht gemacht hatten. Er berührte die flache Stelle unterhalb ihres Bauchnabels, die sich hoffentlich bald über seinem Kind wölben würde.
Mit einem Ruck zog er Sakura an sich, die quietschend vor Lachen ein Bein über seine Hüfte schwang und endlich ihre wunderschönen grasgrünen Augen für ihn öffnete. Für den Rest seines Lebens wollte er verliebt von diesen Augen angesehen werden. Ihre Fingerkuppen zeichneten seine Bauchmuskeln nach und hinterließen eine brennende Spur. Sein Penis drückte gegen ihren Oberschenkel und zeichnete diese entzückende Röte auf ihre Wangen. Er grinste. Ihre süße, unschuldige Art war so verdammt sexy.
Sakura schlug unglücklich aussehend die Augen nieder. Er runzelte die Stirn und wälzte sie auf den Rücken. „Was hast du?“
„Nichts.“
„Lüg mich nicht an“, knurrte er und packte ihr Kinn mit Daumen und Zeigefinger, sodass sie ihn ansehen musste. Sein Gewicht drückte sie tief ins weiche Gras. „Lüg mich niemals an.“
Sie wurde ein bisschen blass und wandte beschämt die Augen ab. „D-dein“, stammelte sie. „Also, dein…“
„Mein Schwanz.“
„Ja.“ Sie nickte knallrot. „Wir hatten doch. Hat es dir nicht gefallen, dass du wieder…? Ich meine, habe ich was falsch gemacht?“
Sasuke lachte rau auf. „Fragst du mich gerade, ob du schlecht beim Sex bist?“ Ihr Teint wurde, falls das überhaupt möglich war, noch dunkler und er erwartete eine bissige Entgegnung, doch stattdessen standen ihr plötzlich Tränen in den Augen.
„Ich will dich nicht enttäuschen.“
Sein Herz setzte einen Schlag aus, kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und prickelte auf seinem Rücken. „Du könntest mich niemals enttäuschen“, beeilte er sich zu sagen.
„Was magst du?“
„Ich mag dich“, platzte er heraus. Übelkeit ballte sich in seinem Bauch zusammen, als er an das dachte, was vor Sakura gewesen war – Karins Haut auf seiner, ihr Atem in seinem Ohr, ihre Zunge in seinem Mund. „Bitte, ich will nicht darüber sprechen. Lass uns zusammen neu anfangen.“
„In Ordnung“, sagte sie lächelnd und ihre perlweißen Zähne blitzten in der Sonne, die den Horizont allmählich in kräftigem Pink und Orange färbte. Dann wurde sie ernst und drückte ihn sanft, aber bestimmt, von sich herunter. Knurrend gab er nach. „Was wirst du wegen Ino tun?“
„Nichts.“
Sakura seufzte. „Ich küsse dich, wohin du willst, wenn du mir eine ordentliche Antwort gibst.“
„Wohin ich will?“ Seine Augen funkelten und sie nickte bestätigend. „Deal. Nichts.“
„Sasuke!“ Sakura schlug ihm empört gegen den Oberarm.
„Das ist eine ordentliche Antwort, es ist nur nicht die, die dir gefällt“, sagte er grinsend. „Küss meinen Hals.“ Sakura verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und nun war es an Sasuke zu seufzen. „Wenn es dir so wichtig ist, entschuldige ich mich bei ihr, obwohl ich nicht glaube, dass es was ändert.“
„Wenn es mir wichtig ist?“ Sie zog die Brauen hoch.
Er deutete auf seinen Hals und bedeutete ihr anschließend mit dem Zeigefinger näherzukommen. Sakura rollte gereizt mit den Augen, gab ihm jedoch einen harten, kleinen Schmatz.
„Ich würde es wieder tun; sie hat es verdient, weil sie dich so zugerichtet hat.“
„Du könntest von der Schule fliegen. Du könntest eine Anzeige wegen Körperverletzung bekommen.“
„Umso wichtiger, dass du mir intensiv Nachhilfe gibst.“ Sie runzelte die Stirn. „Ein Kuss für eine ordentliche Antwort“, erinnerte er sie.
„Fein. Wohin?“
„Auf den Hals, aber diesmal nicht so lieblos.“
Sakura rutschte auf den Knien näher an ihn heran. Ihr Brüste schaukelten leicht und Sasukes Penis, der die gesamte Zeit hart und steif gewesen war, zuckte, seine Hoden krampften sich bei ihrem Anblick zusammen. Ihre kleinen Hände legten sich auf seine Schultern und dann drückte sie ihre weichen Lippen auf die Haut unterhalb seines Ohres. Er spürte, wie sie scheu seinen Duft einatmete. Sasuke drückte sie an sich, ließ nicht zu, dass sie Distanz zwischen sie brachte.
„Weder werde ich suspendiert werden noch bekomme ich eine Anzeige. Mein Vater wird nicht zulassen, dass ich noch mehr Schande über unsere Familie bringe“, sagte er und zum Ende hin war seine Stimme immer bitterer geworden.
„Das klingt irgendwie, als wärst du traurig darüber“, sagte sie mit gerunzelter Stirn.
„Ich hätte nichts dagegen, dem Ruf meiner Familie ein paar Dellen zu verpassen. Nach jeder kleinen Eskapade, die ich mir geleistet habe“, er malte mit den Fingern Anführungszeichen in die Luft, „hat mein Vater sehr viel Geld gespendet, damit mein Verhalten keine Konsequenzen für die Familie hat. Mein Trainer, Gai, hat mich trotzdem aus dem Team geschmissen. Er hat gesagt, dass Alkoholmissbrauch und Gewaltausbrüche dem Feuer der Jugend schaden, oder so ein Scheiß. Und dann bin ich durch den Aufnahmetest der Uni gefallen und meinem Vater ist der Kragen geplatzt; er wollte mich enterben. Ich glaube, Mutter hat sich den Mund fusselig geredet, damit er mir noch eine Chance gibt, also hat er dich engagiert.“ Er lachte kalt.
„Aber du brauchst mich nicht.“
Sasuke musste aufpassen, dass er sie nicht zerdrückte, als er sie gegen seine Brust zog. Seine Finger kletterten in ihren Nacken und vergruben sich in ihrem Haar. „Du bist alles, was ich brauche.“
„Du weißt, was ich meine. Du brauchst mich nicht, um den Unterrichtsstoff zu verstehen.“ Sie lächelte und schlag die Arme um seinen Hals, während sie sagte: „Deine Leistungen waren immer besser als meine.“
Der Stolz in ihrer Stimme traf ihn tief. Er brauchte kein Leichtathletik-Team. Er brauchte Harvard nicht. Er brauchte seine Familie nicht. Sollte sein Vater ihn enterben. Sollte Itachi in der Gosse krepieren. Er lebte nur für Sakura. Der Schmerz in seinem Magen wurde beinahe unerträglich, als ihre Brustwarzen über seine Brust strichen, als sie sich für einen Kuss zu ihm lehnte.
„Bereust du gar nicht? Es ist ja eine Sache, dem Ruf deiner Familie schaden zu wollen, aber du hast hauptsächlich anderen und dir selbst geschadet.“ Der leise Hauch von Vorwurf ließ ihn schwitzen. Bitte nicht, dachte er und schluckte hart. Sakura durfte nicht gegen ihn sein.
„Ich kann nichts davon bereuen, weil es mich zu dir geführt hat. Aber ich verspreche, dass ich ein besserer Mann für dich werde.“
„Ich will nicht, dass du dich für mich veränderst“, sagte sie und stemmte sich mit den Handflächen von seiner Brust ab. Es gefiel ihm nicht, wie sie Distanz zwischen sie zu bringen versuchte, obwohl ihm auffiel, dass ihre Blicke immer wieder gierig über seinen Körper wanderten, egal wie sehr sie ihm nur ins Gesicht schauen wollte. „Ich will, dass du nicht mehr so unglücklich bist“
„Ich bin nicht unglücklich“, widersprach er.
„Doch, das bist du.“ Sie lächelte traurig und schmiegte den Kopf an seine Halsbeuge. Es fühlte sich an, als wäre sie ein kleines Vögelchen. „Und in deiner Situation ist das absolut verständlich.“
„Du machst mich glücklich, aber ich verstehe, was du meinst.“ Er seufzte müde. „Ich liebe Itachi, aber ich kann ihn nicht besonders gut leiden. Warum verhält er sich so?“
Sakura zögerte, dann sagte sie vorsichtig: „Ich weiß es nicht und vielleicht musst du dich damit abfinden, dass du es niemals erfahren wirst. Er wird seine Gründe haben, aber das heißt nicht, dass es gute oder nachvollziehbare Gründe sind.“
Sasuke verfiel in brütendes Schweigen, dann nahm sein Blick etwas Trotziges an und er sagte: „Du schuldest mir noch einen Kuss.“
Sie schüttelte den Kopf, doch es war mehr eine fassungslos-amüsierte denn eine ablehnende Geste. Für heute hatte er genug Seelen-Striptease hingelegt und er fand, dass er sich diesen Kuss wirklich verdient hatte.
„Wohin willst du ihn haben?“
Er war versucht, einen weiteren Kuss auf den Mund zu verlangen, denn er war süchtig nach der Weichheit ihrer Lippen, ihrem Geschmack und dem Gefühl ihrer Zunge gegen seiner, doch seine Hoden waren schwer vor Sehnsucht nach ihr. „Auf meinen Schwanz.“
„Auf d-d-deinen…“ Sie schluckte nervös und er konnte sehen, wie die Farbe aus ihrem erschrockenen Gesicht wich. Ihre Augen huschten zu der beachtlichen Beule seiner Boxershorts und als er seinen Penis herausholte, wich sie erschrocken zurück.
Blitzschnell packte er sie, damit sie nicht weiter zurückweichen konnte, und senkte seinen Mund an ihr Ohr. „Vertrau mir. Ich habe dir nicht wehgetan, oder?“
„N-nein“, stammelte sie, entspannte sich jedoch merklich. Ihre Stirn fiel gegen seine, ihr Atem beruhigte sich. „Ich vertraue dir.“
„Du gehörst mir“, knurrte er und verwickelte sie in einen verlangenden, harten Kuss, den sie mit gleicher Leidenschaft zurückgab.
„Ich gehöre dir“, murmelte sie gegen seinen Mund, während sie mit den Fingernägeln beruhigend über seine Kopfhaut kratzte. Es fühlte sich so gut an, dass er für einen Moment genießerisch die Augen schloss und die kleinen Küsse auf seine Lippen und Mundwinkel entgegennahm. Ja, sie gehörte ihm, und er würde es mit jedem aufnehmen, der sich zwischen sie zu stellen versuchte. Sein Körper schrie ihn an, es ihr noch mal zu besorgen, doch er befürchtete, dass er zu grob mit ihr umgehen würde, wenn er dem Drängen jetzt nachgab.
Sakuras Wangen waren rosig, als sie schüchtern auf ihre Unterlippe biss. „Ich will ihn küssen“, wisperte sie. „Ich will wissen, wie du schmeckst.“
Danach gab es für ihn kein Halten mehr. Er schälte sich aus seiner Unterwäsche und ließ zu, dass sie ihn mit dem Rücken ins Gras drückte. Sein Penis streckte sich wie ein Ausrufezeichen dem Himmel entgegen und Sakura betrachtete ihn mit großen, glasigen Augen. Langsam leckte sie sich die Lippen. Er wollte sie am Kopf packen und sich in ihren kleinen, glänzenden Mund zwingen, also verschränkte er die Hände hinter dem Kopf. Ihre Brust hob und senkte sich vor Aufregung schnell. Er verstand ihre Nervosität; aktiv Lust zu bereiten war etwas anders, als diese ausschließlich zu empfangen.
Sie ließ sich nach vorne auf die Ellbogen fallen, ihr Haar fiel über ihr Gesicht und ihr warmer Atem streifte sein Glied. Schon das war beinahe mehr, als er ertragen konnte, und er biss sich auf die Lippe, bis er Blut schmeckte. Vorsichtig hob er die Hüfte an und ließ sich gegen ihren leicht geöffneten Mund stupsen. Sakura spitzte die Lippen und küsste seine Eichel zaghaft, woraufhin er ein kehliges Stöhnen ausstieß, dann ließ sie die Zungenspitze langsam kreisen.
Er keuchte, als sie ihn ein Stückchen in ihrer Mundhöhle versenkte und die Zunge langsam an ihm auf und ab gleiten ließ. Ihr Haar kitzelte seine Haut in rhythmischen Bewegungen. Stück für Stück schluckte sie mehr von ihm. Sasuke beobachtete sie fasziniert und dann nahm sie seine Hoden in die Hand und begann sie fest zu massieren. Ein erstickter Laut entwich seiner Kehle, seine Beine zitterten vor Anstrengung, sich zurückzuhalten.
„Ich komme gleich“, sagte er und ließ den Kopf zurückfallen. Über ihm zogen Schönwetterwolken dahin, die er nicht sah.
Sakura nahm in tiefer auf und im nächsten Augenblick spürte er, wie sein Penis gegen ihren Rachen knallte. Er schrie auf und verlor die Beherrschung, fickte ihren Mund bis zur Besinnungslosigkeit. Im Hintergrund waberte die Angst, dass er sie verletzte, dass er das Vertrauen in ihn ruinierte.
Und dann platzte der Orgasmus aus ihm heraus, nicht wie sonst in sanften Wellen, sondern als Orkan. Seine Muskeln verkrampften sich, seine Hoden ballten sich zusammen und pumpten noch das letzte Tröpfchen Samen in ihren Mund. Sie schluckte schmatzend. Ihre Augen brannten sich in seine. Es war das Heißeste, was er jemals gesehen hatte.
Schwer atmend lag er auf dem Rücken und kam langsam wieder zur Besinnung. Was hatte er getan?! Er war viel zu grob gewesen. Schuldbewusst biss er sich auf die Lippe und blickte scheu zu Sakura, die mit der Wange auf seinem Oberschenkel lag, das Gesicht jedoch von ihm abgewandt hielt.
„Sakura es tut mir leid. Geht es dir gut? Ich wollte nicht…“
„Es geht mir großartig“, sagte sie atemlos und drehte den Kopf so, dass er ihr vor Stolz leuchtendes Gesicht sehen konnte. „Es war wundervoll. Ich wusste nicht, dass ich die Macht habe, sowas mit dir anzustellen.“
Sasuke war erleichtert, aber verblüfft. Sakura war eindeutig viel, viel mehr, als man auf den ersten Blick glauben mochte. „Ich werde dich heiraten“, sagte er und strich über ihr verschwitztes rosa Haar. „Ich werde einen dicken Diamanten auf deinen kleinen Finger stecken.“
Kapitel 8
Die darauffolgenden zwei Wochen waren geprägt vom Lernen für die Trimester-Abschlussprüfungen. Für beide hing viel von Sasukes Erfolg ab und so hatte Sakura einen straffen Lernplan erstellt.
Sasuke war, ganz wie er prophezeit hatte, nicht der Schule verwiesen worden, ob obgleich Sakura sich darüber freute, wusste sie nach wie vor nicht ganz, was sie davon halten sollte. Bei Ino entschuldigt hatte er sich nicht und sie hatte ihn nicht noch mal darum gebeten.
Die Nächte verbrachten sie eng umschlungen, obwohl die Augusthitze unerträglich war. Die Luft war heiß und schwül und legte sich wie ein Leichentuch über den Körper. Er hielt sie in den Armen und fragte sie nach ihrem Leben vor ihm, nach ihren Hoffnungen und Träumen und Geheimnissen. Er wollte wissen, was ihre Leibspeise war, was sie gern trank, er erkundigte sich nach ihrer Lieblingsmusik, nach Lieblingsfilmen, ihrer Lieblingsfarbe. Er verhörte sie, was sie gern mochte, wo sie gern berührt wurde, was sie empfand, wenn er sie küsste.
In der Schule sprühte er sie mit seinem Parfum ein und immer war sie randvoll mit seinem Samen – damit andere Männer ihn in ihr rochen und keinen Anspruch auf sie erhoben, wie er sagte. Die anderen Schüler starrten und tuschelten, stellten Spekulationen über sie und ihre Beziehung zu Sasuke an. Anfangs war es ihr unangenehm gewesen, doch nach einer Weile begann sie, sich unantastbar zu fühlen.
Sie war verliebt. Sie war bis über beide Ohren verliebt in diesen Mann.
Am Morgen der letzten Prüfung erwachte Sakura allein im Bett. Schlaftrunken strich sie das rosa Haar aus dem Gesicht und streckte die Glieder, ehe sie Sasuke über eine Tasse Kaffee gebeugt vorfand, wie er seine Notizen ein letztes Mal durchging. Seine Lippen bewegten sich beim Lesen und er war derart konzentriert, dass er zuerst gar nicht bemerkte, wie sie im Türrahmen zur Küche stand. Dann blickte er auf, entdeckte sie und seine dunklen Augen nahmen einen warmen Ausdruck an.
„Du wirst stolz auf mich sein“, sagte er zuversichtlich. „Ich werde nicht nur bestehen, ich werde der Beste sein.“ Er legte den Arm um ihre Taille und zog sie halb auf seinen Schoß, um ihre Wange zu küssen. Sakura lächelte glücklich, während sie sich einen Schluck von seinem Kaffee gönnte.
„Itachi wäre auch stolz auf dich und du solltest es ebenfalls sein. Du hast so hart gearbeitet.“
Seine Lippen verteilten kleine Küsse von ihrer Wange zu ihrem Ohr. „Ich weiß“, sagte er und fuhr ihre Ohrmuschel mit der Zunge nach. „Aber ohne dich wüsste ich nichts davon zu schätzen. Ich werde dir die Welt zu Füßen legen.“
Ihre Münder fanden zueinander. Sasuke biss ihr leicht auf die Unterlippe, damit sie seiner Zunge Einlass gewährte. Sakura presste sich an ihn, rieb sich an ihm. Keuchend zog er sich zurück. „Verdammt, wenn du so weiter machst, bleibt mir nicht genug Hirnleistung, um eine Prüfung zu schreiben.“
„Ich glaube fest an deine Selbstbeherrschung.“ Sakura grinste; sie spürte, dass sein Blut in tiefere Regionen abgewandert war, und ließ sehnsüchtig ihre Hüfte kreisen.
Du Biest“, knurrte er gegen ihre Lippen. „Dafür lasse ich dich büßen.“
„Ich kann es kaum erwarten“, erwiderte Sakura und versuchte sich an einem koketten Augenaufschlag.
*~*+*~*
„Was habt ihr bei Aufgabe sieben geschrieben?“, fragte Naruto weinerlich, dessen normalerweise sonnengebräuntes Gesicht eine leicht gräuliche Farbe angenommen hatte. „Und bei Aufgabe zehn?“
„Ist doch scheißegal“, ätzte Hidan und imitierte Narutos jammernden Tonfall. „Nu‘ ist’s eh zu spät.“
„Mist, ey, ich glaube, ich habe voll verkackt“, klagte der Blondschopf. „Prüfungen sind einfach nicht meine Stärke.“
Sasuke, der überaus zufrieden mit seiner Leistung war, hörte nur mit halbem Ohr dem Geplänkel seiner ehemaligen Mannschaftskameraden zu. Er war sicher, an ehemals hervorragende Ergebnisse angeknüpft zu haben, und obgleich er Shikamaru wohl nicht geschlagen hatte, war er zuversichtlich, nicht viel schlechter gewesen zu sein. In einigen Tagen würden die Ergebnisse aushängen; er würde Sakura stolz machen – und die eine oder andere Belohnung für seine Mühe einheimsen. Der Gedanke zupfte an seinen Mundwinkeln.
Erst Hidans anzüglicher Pfiff holte ihn ins Hier und Jetzt zurück. Sakura stand in einer kleinen Gruppe mit Hinata, Ino und einem genervt aussehenden Mädchen mit vier blonden Zöpfen, und lächelte ähnlich schüchtern wie Narutos Freundin, während Ino dramatisch gestikulierend irgendwas erzählte.
„Wo hast du eigentlich das heiße Babe aufgegabelt, Uchiha?“, wollte Hidan wissen. Sasuke gefiel nicht, mit welchem Blick der Grauhaarige Sakura betrachtete. Die violetten Augen starrten gierig und lüstern. Unbewusst leckte er sich die schmalen Lippen. „Der würde ich es auch zu gern mal besorgen“, tönte er und machte eine eindeutige Bewegung mit der Hüfte.
Sasuke spürte Schweiß auf seine Stirn treten und es kostete ihn beinahe übermenschliche Anstrengung, ihm keine reinzuhauen. Hidan war genau der Typ Mann, der Sakura erst recht haben wollen würde, wenn er merkte, wie wichtig sie Sasuke war. Mehrmals atmete er tief durch, um sich zu beruhigen. „Die lohnt den Aufwand nicht“, sagte er bemüht kalt. „Glaub mir, ich habe sie gevögelt und die Kleine ist eine richtige Schlaftablette.“
Naruto machte ein betretenes Gesicht, aber Hidan lachte dreckig. „Wieso hängst du dann mit der ab? Einmal ficken, weiterschicken.“
Sasuke zuckte dramatisch die Achseln. „Fürs Image“, log er und hoffte, dass Sakura niemals von dem Dreck, den er gerade in die Welt entsandte, erfuhr. „Ich hatte in letzter Zeit so viel Stress, dass so ein unscheinbares Mauerblümchen gut für den Ruf ist.“
„Das ist ganz schön gemein“, sagte Naruto im gleichen Moment, in dem Hidan „Bro!“ grölte und seine Faust gegen Sasukes Oberarm schlug. Der Schwarzhaarige schluckte hart, zumal Sakura ihn in diesem Moment entdeckte und ihm ihr süßes Lächeln schenkte. Er fühlte sich wie Schmutz und konnte es kaum erwidern, was ihren Blick flackern und eine tiefe Sorgenfalte auf ihrer Stirn erscheinen ließ.
„Wie lief es?“, fragte sie zaghaft und sah ihn doch mit diesem tiefen Vertrauen an, dass er es nicht vermasselt haben konnte.
„Gut“, sagte er einsilbig und zwang sich ein mattes Lächeln ab, indem er seinen linken Mundwinkel einige Millimeter anhob.
Sakura merkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte, doch Hidans Blick klebte auf ihnen und Sasuke wollte um keinen Preis, dass er merkte, wie außergewöhnlich sie war, ansonsten würde er sich schamlos an sie ranmachen, also packte er sie am Ellbogen und dirigierte sie zum Ausgang.
„Hey, geht ihr schon? Wir wollten alle zusammen noch was Trinken gehen“, rief Naruto ihnen hinterher, doch Sasuke winkte lediglich ab, ohne sich umzudrehen.
„Ist alles okay?“, fragte Sakura leise und sah aus großen grasgrünen Augen besorgt zu ihm auf.
„Jetzt schon.“ Nun gelang ihm ein ehrliches Lächeln. „Ich mag bloß nicht, wie Hidan dich angafft. Als wärst du das Lamm und er der Wolf.“
„Oh“, entfuhr es ihr verblüfft, doch dann lachte sie leise auf. „Ich hatte für einen Moment Angst, dass die Prüfung nicht gut lief.“
„Ach, das war doch Kinderkram“, erwiderte er und genehmigte sich endlich, den Arm um seine Freundin zu legen.
Sakura grinste so breit, dass es wehtun musste. „Ich bin so stolz auf dich.“
„Noch haben wir das Ergebnis nicht, aber“, er grinste verschlagen, „das kannst du sein.“
Sie verließen das Schulgebäude und traten in den gleißenden Nachmittagssonnenschein. Sasuke erkannte den schwarzen BMW sofort und blieb derart abrupt stehen, dass Sakura ins Straucheln geriet. Für einen Augenblick schrumpfte die Welt auf ihn und das Auto zusammen, schloss selbst Sakura aus.
„Warte im Wagen“, befahl er und drückte ihr den Autoschlüssel in die Hand.
„Was ist denn los?“, fragte sie panisch, empfänglich für seinen schlagartigen Stimmungswechsel.
„Warte im Wagen“, herrschte er sie an, streichelte auf ihren erschrockenen Ausdruck hin jedoch sanft ihr Gesicht. „Tu bitte, was ich sage.“
Sakura gehorchte; er wartete, bis sie aus seinem Sichtfeld verschwunden war, dann ging er auf den Wagen zu, dessen Scheibe heruntergelassen wurde, als er sich näherte.
„Vater“, grüßte Sasuke emotionslos.
„Steig ein“, ordnete der Ältere an und fuhr das Fenster wieder hoch.
Sasuke überlegte, ob er einfach gehen, in sein Auto steigen und nach Hause fahren sollte, tun, als wäre nichts gewesen, kam jedoch zu dem Schluss, dass sein Vater vermutlich nicht aufgeben und Sakura nur unnötig mit in die Sache hineingezogen werden würde. Er ging um das Auto herum und stieg ein.
„Ist das die junge Dame, bei der du Unterschlupf gefunden hast?“, fragte er desinteressiert.
„Halt sie da raus“, knurrte Sasuke.
Sein Vater schnaubte. „Hast du Angst, ich nehme sie fest, weil sie meinen flüchtigen Sohn versteckt?“ Er klang spöttisch.
„Ich bin achtzehn, es war mein gutes Recht auszuziehen.“
„Interessant“, höhnte Fugaku. „Um dein gutes Recht von meinem Geld zu bestreiten, bist du dir nicht zu schade. Sie hat mehr als genug davon, nehme ich an.“
„Rede nicht so über sie“, fauchte Sasuke wütend du ballte die Fäuste.
Fugaku schnaubte erneut. „Ich bin eigentlich nur wegen deiner Mutter hier. Sie sorgt sich. Und sie erwartet tatsächlich noch so viel von dir, dass sie enttäuscht ist, wenn ihr Sohn einfach verschwindet und sich wochenlang nicht meldet.“
Der Seitenhieb traf Sasuke dort, wo es wehtat. „Wie geht es Mutter?“
„Das kannst du sie selbst fragen, denn du kommst wieder nach Hause.“
„Nein, aber ich werde sie bald besuchen.“
Sasuke erwartete, dass sein Vater wütend wurde, doch er blieb ganz ruhig. „Hör zu, ich mache es dir leicht: Du kommst nach Hause oder du brauchst gar nicht mehr zu kommen.“
*~*+*~*
Sasuke kam schnellen Schrittes auf das Auto zu, seine Miene düster und verschlossen. Sakura merkte sofort, dass etwas nicht stimmte, und knibbelte nervös am Daumennagel.
„Alles in Ordnung?“, fragte sie, als er die Fahrertür öffnete und einstieg. Er ließ die Tür derart brutal zuknallen, dass sie zusammenzuckte. Wortlos überprüfte er, dass sie angeschnallt war, indem er ein paar Mal an dem Sicherheitsgurt zog, dann ließ er den Wagen an und fuhr mit halsbrecherischer Geschwindigkeit vom Parkplatz. Sakura schluckte, ihre Finger zuckten zum Haltegriff.
„Sasuke?“, versuchte sie es erneut und erhielt ein tiefes, gutturales Knurren als Antwort. Sein Kiefer mahlte sichtlich, seine Hände am Lenkrad zitterten und er atmete hektisch. Sie wollte ihn berühren, hatte aber Angst, dass er vor Anspannung das Lenkrad verreißen könnte, und er fuhr ohnehin so schnell, dass sie ein flaues Gefühl im Magen hatte. Sie erkannte ihn kaum wieder.
Schweigend rasten sie nach Hause, während sie ihm immer wieder besorgte Seitenblicke zuwarf. Sein Gesicht war blass, Schweiß stand auf seiner Stirn. Vielleicht wurde er krank? Sie knabberte an ihrer Unterlippe und als er hart vor ihrem Haus bremste, biss sie sich versehentlich und schmeckte Blut. Was war nur passiert, das ihn derart aufgewühlt hatte?
In ihrer Wohnung küsste er sie hart und kompromisslos. Seine Finger rissen an ihrem Haar, ihrer Kleidung. Ihre Hände lagen auf seiner Brust und drücken ihn fest von sich.
„Sasuke?“
Er antwortete noch immer nicht, drängte sie jedoch auf die Matratze, während er auf ihr hockte und sich das Hemd achtlos über den Kopf zog. „Tu das nicht“, sagte er schließlich. „Sag meinen Namen nicht, als wärst du nervös.“
Aber sie war nervös. Er war nicht er selbst, er war grob und lieblos und sie hatte ein bisschen Angst, dass er ihr wehtun würde. „Sasuke“, wimmerte sie erneut und Tränen schossen ihr in die Augen. Sein Blick flirrte unfokussiert zwischen ihrem Gesicht und ihrer aufgerissenen Bluse hin und her. „Ich weiß nicht, was passiert ist, aber du kannst dich nicht an mir abreagieren.“
„Abreagieren?“, echote er monoton und blinzelte. Zwischen seinen dunklen Brauen bildete sich eine steile Falte. „Ich hatte nicht vor…“ Er schluckte und schloss die Augen. „Es tut mir leid.“
Sakura stützt sich auf die Ellbogen und küsste sanft seine Oberlippe, doch es dauerte einen Moment, bis er sich entspannte und den Kuss erwiderte.
„Das vorhin war mein Vater. Er wollte, dass ich mich zwischen ihm und dir entscheide. Er… er hat mich verstoßen.“
„Oh Sasuke“, sagte sie und umarmte ihn so fest, dass er einen erstickten Laut von sich gab. „Das tut mir so leid.“
„Ich werde mir einen Job suchen müssen.“
„Mach dir keine Sorgen, wir finden eine Lösung“, sagte sie, während sie beruhigend über seinen breiten Rücken streichelte. „Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich“, entgegnete er und küsste sie hungrig.
Sakura erwiderte den Kuss mit allem, was sie hatte. Sie wusste, dass Sasuke sich um sie kümmern würde. Sie fühlte sich sicher und geliebt. Nichts würde sich jemals zwischen sie stellen können. Nichts.
Kapitel 9
Sasuke hatte die Badezimmertür seit fünfzehn Minuten angestarrt, als Sakura in ein scharlachrotes Crêpe-Kleid gekleidet aus dem Wasserdampf gefüllten Raum trat. Er hatte auf sie gewartet, versucht, lange genug zu atmen, während sie duschte und sich anzog. Es klappte nicht besonders – Atmen fiel ihm zusehends schwerer, wenn sie getrennt waren. Seine Brust hatte sich schmerzhaft zusammengezogen, Verlustängste tobten in ihm, doch in dem Augenblick, in dem er sie sah, legten sich seine hässlichen Gefühle zur Ruhe.
Er umarmte sie und küsste sie so innig wie sich lang getrennt Liebende küssen würden. Die Lust war auch da, sie war immer da. Er hatte sie im Bett geliebt, gegen die Wand und auf dem Boden genommen, in der Dusche und auf dem Tisch gefickt, doch es war nie genug. Er wollte sie noch mal und noch mal und noch mal. Sogar jetzt, wo Naruto und Hinata jeden Moment vor der Tür stehen mussten, konnte er an nichts anderes denken, als ihr das Kleid vom Körper zu reißen. Und Sakura würde es gefallen, sie war so leicht erregbar. Ihre Pupillen weiteten sich, verdrängten das klare Grasgrün ihrer Iriden, und aus ihrem Mund kam ein leiser Seufzer.
„Du willst ein Kleid anziehen?“, fragte Sasuke skeptisch und betrachtete sie in dem kurzen, roten Kleidungsstück, dessen gesamte Fronseite mit kleinen Knöpfen versehen war. Dieses Kleid bettelte geradezu darum ausgezogen zu werden.
„Ja“, antwortete sie zögerlich. „Gefällt es dir nicht?“
„Es gefällt mir zu gut“, sagte er düster. „Mir und allen anderen Männern, die dich darin sehen werden. Bitte zieh dir eine Hose an.“
„Wir haben fast vierzig Grad“, protestierte Sakura und strich unsicher über ihr Kleid. Sie sah unglaublich darin aus, das intensive Rot brachte alles an ihr – ihre milchweiße Haut, ihre grasgrünen Augen, ihr bonbonrosa Haar – zum Strahlen und der Crêpe-Stoff ließ sie noch schlanker, als sie ohnehin war, aussehen.
„Es ist ein Fick-mich-Kleid“, hielt Sasuke dagegen.
Ehe Sakura etwas erwidern konnte, klingelte es an der Tür. Sie warf Sasuke lediglich einen vielsagenden Blick zu und ging in den Flur, um den Türöffner zu betätigen. Er lief ihr nach und packte sie am Ellbogen. „Das Gespräch ist noch nicht vorbei.“
„Naruto und Hinata sind da, um uns für das Schulfest abzuholen. Wir haben keine Zeit mehr, über mein Outfit zu debattieren“, sagte sie mit einem Grinsen. Er ärgerte sich darüber, dass sie ihn nicht ernst zu nehmen schien, denn er hatte keinesfalls vor, sie in diesem Fetzen Stoff auf die Straße zu lassen. Selbst wenn er die ganze Zeit bei ihr blieb, würden andere Männer sie mit den Augen ausziehen. Natürlich konnte er das nicht per se verhindern, aber er konnte wenigstens dafür sorgen, dass sie die männliche Aufmerksamkeit nicht zusätzlich provozierte. Sein Herzschlag pulsierte in seinen Ohren.
Es klopfte an der Tür. Sakura öffnete und Narutos breites Grinsen erschien im Türspalt, dann drückte Sasuke die Tür mit den Worten: „Noch fünf Minuten“, zu.
„Ich kann dich so nicht rauslassen“, sagte er leise und knöpfte, die Stirn gegen ihre gelegt, das Kleid auf. Es war so leicht, ein Ruck und sie stünde entblößt in der Öffentlichkeit – und jemandem wie Hidan traute er sowas durchaus zu. Er traute Hidan noch ganz andere Dinge zu, und er – Sasuke – konnte sie nicht rund um die Uhr beschützen.
Sakura wimmerte, ihre Lippen haschten gierig nach seinen, indes er ihr das Kleid von den Schultern streifte, das sich um ihre Füße bauschte. Ihre Finger streichelten über die Beule in seiner Jeans; die federleichte Berührung schien ihn zu verbrennen. Mit einem Ruck riss er ihr Höschen herunter. Sakura hatte es kaum von ihren Knöcheln geschüttelt, als er sie bereits hochhob und gegen die Wand drückte. Er holte seinen Penis aus der Hose und versenkte sich in ihr. Sie presste die Lippen aufeinander, um ihr Stöhnen zu unterdrückten, biss ihm fest in die Schulter und bei jedem Stoß vergruben sich ihre Zähne tiefer in seiner Haut. Der süße Schmerz ließ ihn keuchen, ließ ihn vergessen, dass Naruto und Hinata jenseits der Tür standen und vermutlich alles hören konnten. Das Klatschen von Haut auf Haut und ihr kombiniertes Stöhnen erfüllten den Raum.
Das war es, was er gesucht hatte, ohne es zu wissen. Autorität. Eine Beziehung, die so fest verwebt war, dass sie weder getrennt noch hinterfragt werden konnte. Er war kein Macho, der auf Machtspielchen stand, er wollte lediglich der einzige Mann in ihrem Leben sein. Für sie wollte er heller strahlen als die Sonne und lebensnotwendiger sein als Sauerstoff. Er wollte derjenige sein, an den sie sich mit allem wenden konnte. Er wollte, dass sie seine Frau war, das war alles.
Sie kamen gleichzeitige, fest aneinandergeklammert und schnappten keuchend und rasselnd nach Atem. Er bedeckte ihr Gesicht mit Küssen, streichelte durch ihr Haar und berührte jeden Zentimeter Haut, den er erreichen konnte. Knallrote Fingerabdrücke zierten die Rückseiten ihrer Oberschenkel, die sich im Verlauf der nächsten Stunden zu dunklen Hämatomen verfärben würden. Da sie ein Kleid trug, würden sie für jedermann sichtbar sein. Gut. Sollte jeder wissen, dass diese Frau gesättigt wurde. Aber es war nicht genug. Nichts war jemals genug.
„Eh… Leute…?“, hörte er Naruto zaghaft rufen.
„M-moment noch“, rief Sakura mit zittriger Stimme zurück. Ihre Knie zitterten ebenfalls und ihre Hände, während sie versuchte, die zahlreichen kleinen Knöpfe ihres Kleides zu schließen.
Sasuke ging zu der kleinen Kommode, die sie ihm bei seinem Einzug freigeräumt hatte, und holte ein samtenes Schmuckkästchen heraus. Unzeremoniell steckte er ihr den Verlobungsring an den Finger – ein schmales weißgoldenes Band mit einem hellgrünen Smaragd. Der Stein war groß und funkelnd genug, dass er jedem sofort auffallen musste. Mittlerweile wusste vermutlich jeder, dass sie liiert waren, doch dieser Ring war das Zeichen, wie ernst es ihm mit ihr war.
Er küsste ihren offenstehenden Mund. Sie blinzelte.
„Du kannst nicht überrascht sein“, sagte er und küsste sie noch mal, doch ihre Zunge war ein totes Gewicht in ihrem Mund. „Du weißt, wie sehr ich dich brauche. Du gehörst mir, Sakura.“
Er lehnte sich zurück und betrachtete sie eingehend. Plötzliche Panik durchdrang ihn, dass sie nicht derselben Meinung waren. „Du wirst mich heiraten, nicht wahr?“
„Ich…“ Sakura schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. „Ja“, krächzte sie schließlich verschnupft klingend. „Natürlich will ich dich heiraten.“ Sie fang an zu weinen und die Panik in seiner Brust wandelte sich in Glückseligkeit.
Seine Lippen fanden ihre, küssten sie hungrig. Sakura schlang die Arme um seinen Hals und drängte sich ihm entgegen. Sein Penis schwoll erneut an. Sie waren noch immer feucht von sich. Er wollte noch mal, nur noch einmal.
Naruto hämmerte verärgert gegen die Wohnungstür. „Sasuke, Mann, jetzt kommt endlich.“
Die beiden sahen sich an und Sakura lächelte dieses freche kleine Grinsen, bei dem ihre Schneidezähne sichtbar wurden. Ihr Lächeln war wie Sonnenschein.
Er strich eine Strähne ihres fluffigen rosa Haares zurück, das nach grünen Äpfeln roch, rieb mit dem Daumen über ihre Unterlippe.
„Bereit?“, fragte er und drehte den Verlobungsring an ihrem Finger zurecht.
„Bereit.“
Kapitel 10
Sakura spürte die missgünstigen Blicke der anderen Schüler auf sich und schmiegte sich mit geschlossenen Augen an Sasukes Seite. Sie alle starrten das unwahrscheinliche Pärchen an, und sie – Sakura –, das Mädchen, das auf dem Nichts gekommen zu sein schien. Für Sakura, die Zeit ihres Lebens unscheinbar und nahezu unsichtbar gewesen war, war noch immer seltsam, dass nun jeder ihren Namen kannte, obwohl sie sich überhaupt nicht verändert hatte. Sie drängte sich tiefer in den Schutz von Sasukes Nähe und lächelte leicht, als er ihren Scheitel küsste. Er und Naruto führten bereits seit einer halben Stunde eine hitzige Diskussion darüber, ob Sasuke Sensei Gai bitten sollte, endlich wieder ins Team aufgenommen zu werden.
Naruto argumentierte, dass Sasuke die zweitbesten Prüfungsergebnisse ihrer Stufe erzielt hatte, auch sonst wieder auf einem guten Weg war und Sport doch sowieso das beste Mittel war, um mit etwas wie Sasukes kleinen Ausrutschern umzugehen, was Sensei Gai unbedingt verstehen musste.
Sasuke beharrte stur, dass er sich seinen Platz im Team nicht erbetteln würde.
„Ich finde, du solltest wenigstens mal mit Sensei Gai sprechen“, sagte Naruto zum wiederholten Male. „Wir veranstalten später den Hürdenlauf…“
„Nein“, wiegelte Sasuke kühl ab. „Wenn Gai mich zurückhaben will, muss er mich bitten.“
Naruto stöhnte genervt auf. „Du bist ein arroganter Scheißkerl, Sasuke. Nach allem, was du dir geleistet hast, solltest du dankbar sein, wenn Sensei Gai es überhaupt in Erwägung zieht, dich wieder ins Team zu holen.“
„Dann muss ich auch nicht mit ihm sprechen“, sagte er nüchtern.
„Du elender Sturkopf“, brauste Naruto auf. „Sagt ihr doch auch mal was dazu“, wandte er sich an Sakura und Hinata.
Die Blauhaarige zog den Kopf ein, es war ihr sichtlich unangenehm, dass sie in diese Sache hineingezogen werden sollte. „Naja, es ist erst mal nur der Sommerfest-Hürdenlauf und kein offizieller Wettkampf.“
„Es würde Sensei Gai daran erinnern, was er an dir hat. Wir brauchen dich, Mann, du bist unser bester Läufer.“ Naruto sah Sakura auffordernd an.
„Ich halte das für eine tolle Idee“, stimme Sakura lächelnd zu. „Dir fehlt das Laufen doch, oder?“
Sasuke gab einen brummenden Laut von sich, den man als Zustimmung deuten konnte, wenn man wollte.
„Komm schon, Sasuke, bitte, bitte, bitte“, bettelte der Blonde mit gespielt weinerlicher Stimme und zog nun wie ein Kleinkind an Sasukes Arm. Sasuke sah aus, als würde er Naruto gleich eine runterhauen.
„Und was ist mit Sakura?“
„Was soll mit ihr sein?“, fragte Naruto verwundert. „Sie und Hinata gucken uns bewundernd zu, was sonst.“
Sasuke drückte Sakura fester an sich, während er in der gleichen Bewegung Naruto abschüttelte. „Ich lasse sie nicht allein.“
„Ach, Hinata ist doch auch noch da“, sagte der Blondschopf fröhlich und klopfte Besagter kumpelhaft auf die Schulter, was die zarte junge Frau ein Stückchen in die Knie gehen ließ.
„Eben“, intervenierte Sakura unverzüglich, obwohl der Gedanke, von Sasuke getrennt zu sein, ihr förmlich die Luftröhre zudrückte. „Hinata und ich setzen uns auf die Tribüne und feuern euch an. Richtig, Hinata?“
„Richtig, und ich verspreche, dass ich gut auf Sakura aufpassen werde“, sagte sie mit ihrer sanften Stimme.
Trotz aller Beteuerungen – und Sakura konnte in seinen Augen lesen, dass er laufen wollte – schien es ihm zu widerstreben, sie mit Hinata alleinzulassen. Wenn Sakura nicht völlig irrte, warf er Narutos Freundin überaus misstrauische Blicke zu, die die junge Frau Sakuras Meinung nach sicherlich nicht verdient hatte. Sie hob die Lippen an sein Ohr und wisperte: „Du solltest es machen. Ich bestehe darauf.“
Er seufzte, als hätte sie ihm eine schwere Bürde auferlegt. „Ich will, dass du die ganze Zeit in Sichtweite bleibst.“
*~*+*~*
Sasuke war unglaublich. Ihm dabei zuzusehen, wie er mit der Mühelosigkeit und Eleganz eines Panthers über die einzelnen Hürden sprang, versetzte sie in sprachloses Staunen. Seine Muskeln arbeiteten, alles an ihm war Kraft, Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit. Sakuras Herz raste, als würde sie selbst laufen.
„Du liebst ihn sehr, nicht wahr?“
Sakura riss sich unwillig von seinem Anblick los, um Hinata ein verhaltenes Lächeln zu schenken. „Ich liebe ihn mehr als alles andere.“ Etwas daran ließ Hinata rasch den Blick senken.
„Man sieht es deinem Gesicht an“, sagte sie mit einem seltsamen Unterton, der Sakura die Stirn runzeln ließ.
„Hmm“, machte Sakura lediglich und wandte sich abermals der Rennstrecke zu. Sie mochte die Blauhaarige, wollte sich aber auf Sasukes Lauf konzentrieren, im Gegensatz zu Hinata, die sich nicht sonderlich dafür zu interessieren schien, obwohl ihr eigener Freund Sasuke dicht auf den Fersen war.
Naruto holte gut auf, war maximal eine Nasenlänge hinter Sasuke zurück, als dieser noch mal schneller wurde. Sakura keuchte vor unterdrückter Erregung und schlug die Hand vor den Mund.
„Oh, was für ein hübscher Ring“, rief Hinata aus. „Ein Erbstück?“
Sakura zögerte einen Moment, dann sagte sie mit klopfendem Herzen: „Mein Verlobungsring.“
Hinatas Reaktion fiel nicht aus, wie Sakura eigentlich erwartet hatte. Statt Glückwünsche auszusprechen, blätterte der jungen Frau buchstäblich das Lächeln aus dem Gesicht. „Oh“, machte sie abermals, der Mund ein perfektes Rund.
Sakura, deren Augen auf Sasuke klebten, bemerkte es kaum, da er genau in diesem Moment die Ziellinie als Erster überquerte und wilder Applaus ausbrach. Naruto kam als Zweiter ins Ziel und klopfte seinem Freund anerkennend auf den Rücken. Ein Mann in einem grünen Trainingsanzug stieß mehrmals jubelnd die Faust in die Luft und ging anschließend auf Sasuke zu, um ihm den Arm um die Schulter zu legen. Sakura hielt vor Spannung die Luft an – das musste Sensei Gai, der Trainer des Teams sein, und seinem breiten Grinsen nach zu urteilen, standen Sasukes Chancen, wieder ins Team aufgenommen zu werden, wenigstens nicht schlecht.
Sasukes Atmung war kaum beschleunigt und er strich sich mit einer Geste durch sein schwarzes Haar, die an einen Halbgott denken ließ. Wie war diese Maschine auf dem Sportplatz derselbe Mann, der sie zärtlich in den Armen hielt? Er wirkte so fern und für einen Moment war Sakura sicher, dass die letzten Wochen nur ein Tagtraum gewesen waren, dass sie nur blinzeln musste und sich im alten Chemie-Labor sitzend wiederfinden würde. Er war ihre Fantasie, also vielleicht hatte sie sich alles nur eingebildet.
Aber nein! Sie presste die Hand mit dem Ring ans Herz. Alles, was zwischen ihnen war, überstieg ihre wildeste Vorstellungskraft. Sie liebte ihn so sehr, dass es schmerzte. Sie wusste nicht, wie sie auch nur einen Tag ohne ihn überstehen sollte, ohne seine Arme, die sich um sie legten, ohne seinen Körper, der ihren wärmte. Wie hätte sie sich diese alles verschlingende Leidenschaft vorstellen können, diesen tintenschwarzen Abgrund der Obsession, in den sie gemeinsam mit Sasuke immer tiefer hineinstrudelte? Sakura hörte jeden Herzschlag laut und klar in ihren Ohren hallen. Sie hatte Gänsehaut und zwischen ihren Beinen sickerte Feuchtigkeit in ihren Slip. Sie fühlte sich entblößt und leicht. Hinata sagte etwas zu ihr, doch sie dachte nur an Sasuke, der in Begleitung von Naruto und ihrem Coach zu den Umkleiden verschwand, nicht ohne vorher die Tribüne mit den Augen nach ihr abzusuchen, bis er sie in der Menge gefunden hatte.
Sakura war glücklich für ihn. Er brauchte das. Er musste lernen, dass er das Laufen an sich liebte und nicht nur, weil er sich mit seinem älteren Bruder messen musste. Sie konnte es kaum erwarten, ihm zu sagen, wie stolz sie auf ihn war.
Hinata berührte sie leicht am Arm und Sakura schreckte aus ihren Gedanken. „Ich treffe die Mädels. Kommst du mit?“
„Ich soll vor den Umkleiden auf Sasuke warten.“
„Der redet bestimmt noch eine ganze Weile mit Sensei Gai. Sasuke war toll. Er bietet ihm bestimmt wieder einen Platz im Team an, aber vorher wäscht er ihm noch mal gründlich den Kopf. Das wird dauern, also komm doch mit.“
Wahrscheinlich hatte sie recht, aber Sakura wusste instinktiv, dass Sasuke ausrasten würde, wenn sie verschwand – und dann auch noch ohne es vorher mit ihm abzusprechen. Er war kontrollsüchtig und überbesorgt, doch sie würde nicht tun, als würde sie seine Fürsorge nicht genießen. Viel zu lange hatte sie kaum existiert, nun war sie die ganze Welt für jemanden.
„Danke, aber Sasuke hat mich gebeten, vor den Umkleiden auf ihn zu warten.“
Die Blauhaarige strich eine ihrer dicken, dunklen Strähnen hinter das Ohr zurück und nickte ergeben. „Das verstehe ich. Dann lass uns gehen.“
„Huh? Aber ich…“
„Ich habe ihm versprochen, auf dich aufzupassen, da kann ich dich jetzt doch nicht sitzenlassen“, sagte Hinata bestimmt.
„Oh, mach dir meinetwegen bitte keine Umstände.“
„Das sind keine Umstände“, erwiderte Hinata, während sie auf ihrem Telefon herumtippte. Vermutlich schrieb sie Nachrichten an ihre Freundinnen, dachte Sakura, der nicht recht war, dass Hinata ihre Pläne ihretwegen änderte – obwohl sie Sasuke tatsächlich und sogar wortwörtlich versprochen hatte, dass sie auf sie aufpassen würde.
Gemeinsam liefen sie zu den Umkleidekabinen, vor denen sich bereits eine Horde Fans tummelte. Schaudernd stellte Sakura fest, wie viele hübsche, leicht bekleidete Frauen unter ihnen waren, als ein silberhaariger Mann auf sie zusteuerte, den sie als einen von Sasukes Teammitgliedern erkannte.
„Da ist ja unsere heimliche Heldin“, sagte er und legte einen Arm um Sakura, die für einen Augenblick stocksteif vor Schreck wurde und sich anschließend unverzüglich aus seiner Berührung zu winden versuchte, doch sein Arm lag wie ein Schraubstock um ihre Hüfte. „Hey Leute“, brüllte er den Umstehenden zu, „das ist das Mädchen, deretwegen Uchiha wieder dem Team beitritt.“
Sakura war sprachlos, als die Menge ihr zujubelte, aber dann gab er ihr einen schmerzhaften Klaps auf den Po, der sie zischend Luft einsaugen ließ. Sein Lächeln war ekelhaft. „Daten Uchiha und du immer noch, wenn er wieder ins Team kommt?“
„W-wie meinst du das?“, fragte sie unsicher und spürte seine Augen auf ihren Brüsten.
Er zog sie derart ruckartig an sich, dass sie mit der Schulter gegen ihn prallte. „Ach, ich meine damit nur, dass er dich abgegriffen hat, ehe einer von uns eine Chance hatte“, sagte er und zog einen gespielten Schmollmund. „Aber bald bist du ja wieder auf dem Markt, richtig, Schätzchen?“
„Hidan“, zischte Hinata leise und sah ihn eindringlich an.
Besagter grinste diabolisch. „Wir wissen doch alle, dass es nur Show ist.“
Sakuras Kopfhaut begann unangenehm zu prickeln. „Wie bitte?“
„Uchiha hat es uns gesagt“, sagte er im selben Moment, in dem Hinata abermals „Hidan!“, ausrief.
„Was hat Sasuke euch gesagt?“, fragte Sakura, die sich plötzlich wackelig und unsicher auf den Beinen fühlte. Ihr Magen krampfte sich zusammen und ihr wurde schlecht.
Hidan sah sie an, als wisse sie, was er meinte, als teilen sie ein gemeinsames Geheimnis miteinander. „Dass er dich für seinen Ruf datet, damit das Mauerblümchen – seine Wort, nicht meine – sich gut auf sein angekratztes Image auswirkt. Der Plan ist prima aufgegangen, nicht.“ Er betrachtete ihren Körper unverblümt und leckte sich die Lippen. „Ich wüsste dich mehr zu schätzen.“
Sakuras Herz holperte schmerzhaft in ihrer Brust, ihre Ohren klingelten. Nein. Nein, das war nicht wahr. Sie grinste fast, weil Hidans Unterstellung zu absurd war, doch dann kreuzte sie Hinatas Blick, die ihr schnell auswich und die blassen Augen beschämt gen Boden richtete. Da wusste Sakura, dass Hidan nicht gelogen hatte.
„W-was?“, krächzte sie heiser und schluckte gegen den Brechreiz an. Süßlicher Speichel sammelte sich in ihrem Mund.
„Das war doch der Deal zwischen euch. Oder hast du es etwa nicht gewusst?“, fragte er gespielt mitleidig. „Wie hinterfotzig.“ Er lachte auf, genoss ihr Leid offensichtlich.
Sakura fühlte sich wie betäubt. Aber Sasuke hatte ihr einen Antrag gemacht. Nur leider änderte das nichts daran, dass Hidan nicht log. War sie tatsächlich dermaßen dumm, derart naiv, geglaubt zu haben, dass er sie schlicht so sehr liebte?! Wer verlobte sich schon nach ein paar Wochen und dann auch noch mit einer Vogelscheuche wie ihr? Sasuke war viel zu gut für sie. Sakura betrachtete all die jungen Frauen in ihren knappen Outfits, die so viel besser an seine Seite passten. Sie kam sich unendlich dumm vor.
Schamesröte kroch ihr vom Dekolleté über den Hals ins Gesicht. Leute starrten sie an. Sakura schlug die Hand mit dem Verlobungsring vor den Mund und erbrach sich, heißer Magensaft spritzte zwischen ihren Fingern hindurch. Ein paar Frauen kreischten angeekelt. Hinatas Stimme drang als dumpfer Ton zu ihr durch.
Sie musste hier weg.
Sakura machte auf dem Absatz kehrt und rannte in die anbrechende Nacht.
*~*+*~*
Blind vor Tränen wiegte Sakura sich vor und zurück, die Knie hatte sie an die Brust gezogen und mit den Armen umschlungen. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort, an dem sie sich zusammenrollen und weinen konnte, war sie ins leere Schulgebäude geflüchtet, hatte es jedoch nur bis ins Treppenhaus geschafft, als sie förmlich zusammengebrochen war. Durch die Scheiben drang schwindendes Abendlicht, doch die Flure lagen bereits in tintenschwarzer Dunkelheit. Ein einzelner Schluchzer riss sich von ihren Lippen, Tränen liefen ihr über die Wangen und tropften vom Kinn.
Wie hatte sie dermaßen dumm sein können? Sie kam nicht dazu, sich die Frage selbst zu beantworten, als ein Geräusch sie aufschrecken ließ. Schritte, dachte sie mit klopfendem Herzen, Schritte, die sich bemühten, keinen Laut zu verursachen.
„Hallo? Wer ist da?“, rief sie krächzend und musste gleich darauf an sämtliche Horrorfilme denken, die sie jemals gesehen hatte und in denen immer irgendein Trottel den Killer auf seinen Standort aufmerksam machte. Sie war nicht besonders intuitiv, aber plötzlich riet ihr eine eindringliche innere Stimme, das Weite zu suchen. Ihr Atem ging hektisch und gepresst, doch die Tränen waren fürs Erste versiegt.
Sakura zog die Nase hoch, was ein viel zu lautes Geräusch in der Dunkelheit verursachte. Nun fiel ihr auch auf, dass die Musik des Sommerfestes verstummt war. Es musste bereits mehr Zeit vergangen sein, als sie angenommen hatte. Ihre Augen schwollen erneut vor Tränen an, als sie an Sasuke dachte und dass er unterdessen bemerkt haben musste, dass sie fort war.
Langsam, wie in Zeitlupe erhob Sakura sich aus ihrer sitzenden Position und wischte sich die verklebten, verweinten Augen, um besser sehen zu können. Angestrengt lauschte und spähte sie ins Dunkel.
Der Stoß kam völlig unerwartet von hinten. Sakura gab vor Überraschung einen erstickt klingenden Laut von sich, ehe sie vornüberkippte und die Treppe hinunterfiel. Ihr Kopf knallte mit dem Geräusch einer platzenden Wassermelone auf Stein. Eine Sekunde lang war der Schmerz überwältigend. Dann wurde alles schwarz und still.
Kapitel 11
Sensei Gais Moralpredigt dauerte an, bis der grün gewandete Mann ganz heiser geworden war. Am Ende war Sasuke probehalber wieder Teil des Leichtathletikteams und Naruto hopste aufgeregt um ihn herum, legte dabei mehrmals den Arm in einer skurrilen Geste um seinen Rücken, als könne er sich nicht entscheiden, ob er ihn umarmen oder kameradschaftlich auf die Schulter klopfen wollte. Selbst Sasuke, der normalerweise sparsam mit seinem Lächeln umging, konnte es sich nicht gänzlich verkneifen, dass seine Mundwinkel sich hoben. Seine Brust fühlte sich an, als könnte sie jeden Moment vor Stolz platzen, doch als er an Narutos Seite die Umkleide verließ und ins orange-violette Abendlicht trat, verging ihm das Lachen.
Hinata stand allein unter einer Motten umschwirrten Laterne. Ihr dunkelblaues Haar verschmolz mit den lang gewordenen Schatten, ihre blasse Haut ließ sie beinahe geisterhaft erscheinen. Die Tribüne war leer, die Zuschauer hatten sich auf dem Gelände verlaufen oder waren nach Hause gegangen.
„Wo ist sie?“, brüllte Sasuke, machte sich von Narutos Arm los und rannte auf Hinata zu. Naruto setzte ihm nach, war jedoch zu langsam, um ihn einzuholen. Die junge Frau zog eingeschüchtert den Kopf ein, als Sasuke in vollem Sprint auf sie zu lief, das Gesicht eine Maske aus Panik und Wut. Sasuke würde Hinata in Stücke reißen, wenn sie Sakura verloren hatte, schwor er sich. Furcht fraß an seinen Knochen.
„Wo ist sie?“, fragte er erneut und packte Hinata am Kragen. Nur eine halbe Sekunde später wurde er energisch von Naruto zurückgerissen. Tränen sammelten sich in den großen farblosen Augen der jungen Frau. Sein Herz schlug irgendwo im Hals und schien aus seinem Mund brechen zu wollen.
Schweigen prasselte wie ein plötzliches Sommergewitter auf ihn ein. Panik, wie er sie nie zuvor erlebt hatte, schnitt tief in seine Seele. Etwas war passiert.
„Es tut mir leid“, sagte Hinata schließlich weinerlich und schmiegte sich wie ein verängstigtes Kätzchen an Naruto, der beschützend den Arm um sie legte und ihren Scheitel küsste. Sie machte diese alberne Sache, wo sie die Spitzen der Zeigefinger gegeneinander stupsen ließ, und schaute elendig drein. Sasuke wollte ihr die blöden Zeigefinger brechen.
„Du hast versprochen, auf sie aufzupassen“, röhrte er. Naruto streckte ihm die Handfläche entgegen.
„Ich…“, fiepte Hinata und verstummte.
„Sie ist bestimmt nur auf dem Klo“, intervenierte Naruto rasch.
„Sie wollte auf Sakura aufpassen“, fauchte der Schwarzhaarige giftig, obwohl er sich nur verzweifelt fühlte. Wo war Sakura? Wäre sie nur auf der Toilette, würde Hinata nicht wie ein geprügelter Hund zu Boden blicken.
„Sakura kann auf sich selbst aufpassen“, erwiderte Naruto gereizt und zog Hinata noch ein Stückchen näher zu sich heran. „Sie ist eine erwachsene Frau.“
„Halts Maul“, knurrte Sasuke durch zusammengebissene Zähne, ehe er sich abermals an die Blauhaarige wandte. „Wo ist sie? Antworte.“
Sie war sichtlich nervös, hob den Blick jedoch weit genug, um ihm in die Augen zu sehen. „Sie ist weggelaufen. Ich wollte ihr nach, aber sie war zu schnell für mich.“
„Aber warum…?“, murmelte Sasuke, dessen Zunge sich plötzlich taub und schwer in seinem Mund anfühlte. Seine Stimme war schwach, konnte kaum die Worte formen. Jede Zelle seines Körpers schien zu Eis zu erstarren. „Warum sollte sie weglaufen? Ist was passiert? Hast du was zu ihr gesagt?“
Irgendwie wusste er ihre Antwort bereits. Er wusste, was passiert war.
„Hidan.“
Der Name fiel wie eine Bombe, raste ihn um wie ein Zug. Er schluckte zähen, dicken Speichel. Sein Hals schmerzte vor Trockenheit. Er verdiente es. Er war ein Idiot, diese Lüge überhaupt erzählt zu haben, und jetzt rächte es sich.
„Ich habe gehört, wie er ein paar gemeine Sachen zu ihr gesagt hat.“ Sie tauschte einen Blick mit Naruto, der die Lippen zu Strichen presste.
„Gemeine Sachen…“, echote er schwach. Er zerrte an seinem Kragen, weil er keine Luft bekam. Sakura, seine Sakura war weggelaufen, allein und verletzt. Sie hatte ihm nicht mal die Chance geben wollen, sich zu erklären. Er hatte sie verloren.
„Er hat… er hat angedeutet, dass du sie nur benutzt.“ Ihre Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden, doch in Sasukes Ohren klang jedes Wort wie ein Trommelfeuer der Anschuldigung. Seine Knie zitterten und er musste sich zusammenreißen, nicht zu Boden zu gehen. Was sollte er tun? Er konnte nicht klar denken. In seinem Kopf schrillte ein hohes Fiepen, die Welt verschwamm vor seinen Augen, sein Magen rebellierte, sodass er sich fast erbrechen musste.
„Mann, alles klar? Du bist total blass geworden“, sagte Naruto und packte seine Schulter, als fürchtete er, Sasuke könnte jeden Augenblick ohnmächtig werden.
Sasuke hörte ihn nicht durch das Rauschen in seinen Ohren. Er kniff die Augen zusammen und alles, was er sehen konnte, war Sakuras Gesicht. Wahrscheinlich weinte sie sich gerade die Augen aus dem Kopf. Seinetwegen. Weil sie dachte, dass er sie belogen hatte. Bitte nicht. Das durfte nicht sein. Warum vertraute sie ihm bloß nicht? Warum hatte sie nicht zuerst mit ihm gesprochen? Sasuke knirschte mit den Zähnen.
Er würde Hidan umbringen. Denn ja, die Situation war zwar seine Schuld, doch er zweifelte keine Sekunde daran, dass Hidan ihr die Information nicht vor lauter Nächstenliebe unter die Nase gerieben hatte. Hidan wollte, was ihm gehörte. Wut kochte in ihm über, hilflose, rasende Wut.
Er musste sie finden, musste sich zusammenreißen. Sie war ganz allein. Es war Abend, wurde dunkel, bald Nacht. Sie konnte in Gefahr sein. Plötzlich hatte er das untrügliche Gefühl, dass Sakura in Gefahr war, dass es sich nicht nur um eine paranoide Furcht handelte.
*~*+*~*
Sakura kam mit explosionsartigen Kopfschmerzen zu sich. Das Hämmern und Pochen schien ihren Schädel spalten zu wollen. Ihr Hinterkopf fühlte sich feucht an. Ihr war speiübel.
Weiße Blitze zuckten vor ihren Augen und es dauerte ein paar Momente, bis ihr verklebter Verstand realisierte, dass sie die Lider noch geschlossen hatte. Es fiel ihr besorgniserregend schwer, die Augen zu öffnen, und als sie es endlich geschafft hatte, befand sie sich noch immer in nahezu perfekter Dunkelheit. Ein paar Schemen konnte sie ausmachen, doch die Anstrengung, das Gesehene ordentlich zu erkennen, verursachte ihr noch mehr Übelkeit. Sie musste würgen und just in diesem Moment erkannte sie auch, dass sie geknebelt worden war. Panik durchlief sie heiß und kalt. Ihr war unglaublich schlecht und wenn sie sich erbrechen musste, würde sie schlimmstenfalls ersticken.
Verängstigt versuchte sie ihre Situation zu analysieren. Sie war geknebelt, das war schlecht, sehr schlecht. Bei dem Versuch, den Knebel, der sich wie ein alter Tafellappen anfühlte und auch so schmeckte, zu entfernen, stellte sie überdies fest, dass sie ihre Arme nicht bewegen konnte. Sie konnte sie Arme nicht bewegen, weil sie gefesselt war.
Möglichst unauffällig zerrte Sakura an ihren Fesseln, doch es half nichts. Ihre Bemühungen sorgten lediglich dafür, dass sich ein scharfer Schmerz in ihre Handgelenke fraß. Kabelbinder, dachte sie verzweifelt, und zog abermals, obwohl sie wusste, wie aussichtlos die Chancen, sich selbstständig zu befreien, waren.
Ihre Gelenke waren links und rechts an den Armlehnen des Stuhls, auf dem sie saß, angebunden. Die Kabelbinder saßen eng, so eng, dass ihre Blutzufuhr abgeschnitten wurde und ihre Hände kribbelten. Ihre Füße waren ebenfalls beidseitig an die Stuhlbeine gefesselt. Sakura atmete tief durch die Nase ein und versuchte sich zu beruhigen.
Sie war gestürzt. Sie war die Treppe hinuntergestürzt. Nein, sie war gestoßen worden. Jemand hatte sie die Treppe hinuntergestoßen. Und dieser Jemand hatte sie vermutlich auch gefesselt. Sie wusste nicht, wie lange sie bewusstlos gewesen war, aber wahrscheinlich nur ein paar Minuten, da das Blut an ihrem Hinterkopf noch feucht war. Und wenn sie davon ausgehen wollte, nur ein paar Minuten ohnmächtig gewesen zu sein, musste sie sich nach wie vor im Schulgebäude befinden.
Plötzlich stieß sie ein Wimmern aus. Oh Gott, sie blutete. Sie war gefesselt. Wer auch immer das getan hatte, war ihr garantiert nicht freundlich gesinnt. Ihre Stimme klang abartig laut in ihren Ohren. Sie zuckte zusammen. Sie spitzte die Ohren, um die Augen zu ersetzen. Hörte sie nicht jemanden atmen? Raschelte nicht etwas in der Dunkelheit?
„Ich glaube, sie wird wach“, hörte Sakura eine vage vertraute Stimme murmeln.
„Endlich.“
Diese Stimme kannte sie auf jeden Fall. Karin Uzumaki. Sakura atmete ein, dann aus, beinahe war es tröstlich, der unnatürlichen Stille entkommen zu sein. Sie überlegte, ob sie sich weiterhin bewusstlos stellen sollte, um Zeit zu schinden, doch ihr Körper verriet sie. Und wozu? Niemand würde sie suchen kommen. Sasuke… Der Gedanke an ihn rieselte durch ihr Rückgrat und bereitete ihr Gänsehaut. Der Knebel wurde unsanft aus ihrem Mund gerissen.
„K-karin?“, stotterte sie heiser. Inzwischen raste ihr Herz vor Furcht und ihre Hände waren voller Schweiß. Sie dachte, dass sie sich vielleicht befreien könnte, wenn ihre Haut nur glitschig genug wurde.
„K-karin“, äffte die Rothaarige sie nach und lachte ihr grausames Lachen. Kurz darauf erklang das Klicken eines Feuerzeuges und eine Zigarette wurde mit einem leisen Knistern entzündet. Karins Gesicht wurde für einen Augenblick erhellt, ihre Augen funkelten dämonisch im Feuerschein und waren mir beängstigender Präzision auf Sakura gerichtet.
„Was mache ich nur mit dir, Breistirn?“, sagte sie nonchalant. Die rote Glut hüpfte auf Sakura zu, die nervös mit ihren Fesseln spielte. „Glaubst, dass du mir einfach so den Mann wegnehmen kannst und ungeschoren davonkommst, hm?“ Die Zigarette zischte, als Karin daran zog. Sakura konnte ihr boshaftes Lächeln hören.
„Sasuke gehört dir nicht. Er ist kein Ding“, kreischte Sakura impulsiv, während sie verzweifelt an dem Stuhl ruckelte. Die Hinterbeine hoben sich ein paar Zentimeter vom Boden, doch es nützte nichts.
„Halts Maul, Fotze“, fauchte Karin, gefolgt von einem grellen Schmerz, als Karin ihre Zigarette auf Sakuras Stirn drückte. Die Rosahaarige schrie, Glutfunken stoben dicht an ihren Augen vorbei, die sie rasch zusammenkniff. Es roch nach verkohltem Fleisch. Der Geruch, gepaart mit dem Geschmack nach altem Tafellappen auf der Zunge, sorgte dafür, dass Magensaft aus ihr heraussprudelte.
„Igitt“, kreischte die rothaarige Brillenträgerin und schüttelte die besudelten Schuhe. „Das widerliche Miststück hat mich angekotzt.“
„Karin“, sagte die andere Stimme zögerlich. „Du hast gesagt, wir jagen ihr nur einen Schrecken ein. Das hier geht zu weit. Das ist, du hast… Scheiße, das ist schwere Körperverletzung.“
„Dann verpiss dich eben“, blökte Karin und zündete sich eine neue Zigarette an. Der Rauchgeruch ließ Sakura erneut würgen.
„Karin, bitte, lass uns einfach abhauen“, bettelte das andere Mädchen, doch die Angesprochene winkte lediglich gelangweilt ab.
„Du warst ganz schön lange k.o., Breistirn“, sagte Karin mit einem neckenden Tonfall. „Es wird Zeit, dass ich entscheide, was mit dir passiert.“
*~*+*~*
Sasuke gratulierte sich selbst, dass er damals in der Bibliothek eine Ortungs-App auf Sakuras Handy installiert hatte, denn genau diese führte ihn nun zielsicher bis in den Keller des Schulgebäudes. Er rannte durch die Dunkelheit, das grelle Licht seiner Handy-Taschenlampe erleuchtete ihm den Weg. Wo konnte sie sein? Er checkte gerade abermals das Display, als ein markerschütternder Schrei die Finsternis zerriss. Das alte Chemie-Labor!
Er stieß die schwere Tür auf und schaltete das Licht ein, das flackernd und knisternd zum Leben erwachte. Für einen Moment musste er die Augen ob der plötzlichen Helligkeit zusammenkneifen.
„Komm nicht näher oder ich steche sie ab“, drohte Karin und zog ein Klappmesser aus der Hosentasche, fummelte jedoch derart lange daran herum, dass Sasuke sie längst erreicht hatte und sie an der Taille zu Boden riss. Sie knallte mit dem Rücken gegen einen Tisch, der polternd umfiel.
Sie rollte sich herum, doch er war bereits über ihr. Karin riss das Knie hoch, als er nach ihrem Hals griff, und trat ihm in den Schritt.
Sasuke stöhnte auf und kippte zur Seite weg, während Karin kreischend und heulend aufsprang, einen Stuhl packte und über den Kopf hob. „Sasuke, Baby, bitte“, flennte sie mit tränennassem Gesicht. „Sie will uns auseinanderbringen. Sie hat es verdient.“
Knurrend warf er sich dem Stuhl entgegen, mit dem sie ihn schlagen wollte. Es tat weh, doch ihren mageren Armen fehlte der Wille, um wirklichen Schaden anzurichten.
Karin kam zwei Schritte weit, als er sie erneut zu Boden warf. Sein Haar geriet in seinen Mund. Sie schrie, als sie fiel, mit den Händen voran, gefolgt von ihrem Gesicht, das hart auf den Boden knallte.
Sie schrie abermals auf, als er hart an ihren Haaren riss und sie herumdrehte. Ihr linker Arm war unter ihrem eigenen Körper gefangen, der rechte wurde von seinem Gewicht zu Boden gedrückt.
Mit einem heiseren Schrei rammte sie ihren Kopf gegen seinen. Sasukes Hand fuhr automatisch zu seiner Nase, aus der Blut quoll. Er kniff die Augen zusammen, ließ sie jedoch nicht los, obwohl sie sich wand und zappelte und versuchte von ihm wegzukriechen. Blut tropfte auf ihre Wange.
Sasuke riss die Augen auf. Sein Gesicht schmerzte und verband sich mit seinem Zorn, bis er rot sah. Sie unternahm einen erneuten Versuch, ihn zu schlagen, doch er kam ihr zuvor und legte die Hände um ihren Hals. Karins Mund klappte stumm auf. Sie wand ihren Körper, versuchte, sich hochzuschieben, weg von ihm, hin zum Sauerstoff, den er ihr aus dem Körper drückte. Im Hintergrund hörte er ein Kreischen, doch er nahm es kaum wahr. Karins panisch verzerrtes Gesicht verschwamm in seiner Wut und er sah rot und rot und rot.
Epilog: Achtzehn Monate später
Sakura blickte aus dem Fenster und zupfte ihre Ponyfransen zurecht, die die rautenförmige, violett vernarbte Brandwunde auf ihrer Stirn verdeckten, die Karin ihr im vergangenen Sommer zugefügt hatte. Vor dem Gerichtsgebäude tummelten sich zahlreiche Journalisten, sogar einige internationale Nachrichtensender waren vertreten. Sie war nicht glücklich darüber und zog eine Grimasse. In den vergangenen Monaten hatte sie gelernt, dass sie Reporter nicht besonders gut leiden konnte. Sie hasste Interviews, aber noch mehr hasste sie diese Berichterstatter, die ihre kleine Familie wie Aasgeier umschwärmten.
Nachdem Sasuke Karin versehentlich erwürgt hatte, hatte es angefangen, dass Journalisten ihnen rund um die Uhr nachstellten, um ein Exklusivinterview zu bekommen. Nicht über den tragischen Unfall, der Karin das Leben gekostet hatte, sondern über ihre Beziehung. Ihre Liebe war zu einem Quell der Faszination in der breiten Öffentlichkeit geworden und das Interesse an ihnen versiegte nicht. Sakura, die schüchterne und gequälte Schönheit, und Sasuke, der gut aussehende und vielversprechende Starsportler, der ihre Peinigerin in einem Akt heißblütiger Liebe getötet hatte.
Sakura küsste ihre kleine Tochter auf die Stirn und gab sie an Mikoto Uchiha, Sasukes Mutter, weiter, die das schlafende Bündel Mensch beschützend an die Brust drückte. Mikoto war zu Sakuras wichtigster Vertrauter geworden, einer Art Ersatzmutter, die sich nach Sasukes Verhaftung ihrer angenommen hatte. Es war ihre Idee gewesen, einem Interview zuzustimmen; sie hofften, dass dadurch die endlosen Nachfragen aufhören würden, vor allem hofften sie, dass die Paparazzi endlich aufhören würden, Sakura nachzustellen und sie überall hin zu verfolgen. Erst letzte Woche war sie derart geblendet von dem Blitzlicht gewesen, dass sie beinahe einen Autounfall gebaut hatte.
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Meinst du wirklich, das klappt?“, wandte sie sich an Mikoto, die das schlafende Mädchen sanft in den Armen wiegte.
„Es ist eure beste Chance“, erwiderte die dunkelhaarige Frau. „Nach dem Urteilsspruch heute wird sich sowieso einiges ändern, so oder so.“
Sakura nickte zustimmend. Heute, nach achtzehn Monaten Untersuchungshaft, würde sich entscheiden, ob Sasuke des Totschlages verurteilt wurde oder nicht. In den vergangenen Verhandlungen war die Stimmung mal hierhin, mal dorthin gekippt. Einige behaupteten, dass Sasuke Karin kaltblütig getötet hatte, andere sprachen von Notwehr, wieder andere gaben zu bedenken, dass es sich bei ihm um ein halbes Kind handelte, das unter der psychischen Belastung seiner familiären Situation zerbrochen war.
Sie schloss die Augen und atmetet durch die Wellen der Panik, die sie jedes Mal erfassten, wenn sie daran dachte, dass Sasuke verurteilt werden könnte. So viel und doch so wenig stand hier und jetzt zwischen einem gemeinsamen Leben mit Sasuke, mit ihrem Ehemann.
„Frau Uchiha?“, wurde sie von hinten angesprochen. Sakura drehte sich um und fand sich Auge in Auge mit einem der geschniegelten Gerichtsdiener, der sie mit einer Handbewegung ihm zu folgen bat. Sie drückte Mikotos Schulter im Vorbeigehen und folgte ihm in einen der Pressesäle.
Sasuke war bereits anwesend und Sakura warf sich unter den missbilligenden Blicken der beiden Polizisten in seine Arme und küsste ihn stürmisch. In ihrer Brust entstand ein Knoten. Sasukes Anwältin räusperte sich verhalten und grüßte Sakura, die sich mit roten Wangen und atemlos von Sasuke löste. „Sind Sie bereit?“
„Bereit“, bestätigte Sakura und entfernte ein paar imaginäre Flusen von Sasukes maßgeschneidertem dunkelblauem Anzug, der seine breiten Schultern betonte und ihren Mund trocken werden ließ. Sie selbst hatte sich in ein cremeweißes Designerkleid gekleidet, fühlte sich neben ihm jedoch noch immer wie eine unscheinbare graue Maus, obwohl die Presse sie bereits mehrfach als Schönheit tituliert hatte.
„Ich kann nicht glauben, dass du mich dazu überredet hast“, knurrte Sasuke, während er ihre Hand in seine nahm. Einer der Polizisten, die zur Bewachung abgestellt worden waren, schien etwas sagen zu wollen, beließ es jedoch bei einem strengen Blick. Sakura lächelte ihn versöhnlich an, woraufhin er sagte: „Ich bin nicht wütend auf dich, sondern auf die.“
„Ich weiß“, erwiderte sie und gab ihm einen kleinen Klaps gegen die Brust. Seine Muskeln waren fest und definiert unter ihrer Handfläche und Sakura ließ die Hand einen Moment zu lange liegen.
„Sie verfolgen dich.“
„Ich weiß“, sagte sie erneut.
„Gibt es kein Scheißgesetz, das das verbietet?“, fauchte er an seine Anwältin gerichtet.
„Sasuke“, wisperte Sakura beschwichtigend und ließ die Finger zärtlich durch seine dunklen Haare gleiten, darauf bedacht, die ordentlichen Strähnen nicht durcheinanderzubringen. „Tief durchatmen und bis zehn zählen.“
In den vergangenen Monaten hatte Sasuke mit einem Therapeuten an seinen Aggressionsproblemen gearbeitet. Sakura unterstützte ihn so gut sie konnte und obwohl seine Wut oftmals noch überkochte, hatte er sich schon wesentlich besser im Griff. Gemeinsam zählten sie bis zehn und als Sasuke die Augen öffnete, hatte er sich wieder beruhigt.
Nichtsdestotrotz war Sakura selbst von dem enormen Medieninteresse schockiert. Im Internet kursierten Videos, wie Karin einen Kadaver auf sie warf und Sasuke anschließend eine ihrer Freundinnen büßen ließ. Das Video war über Nacht viral auf TikTok gegangen und die beiden hatten eine riesige Fan-Gemeinde gewonnen. Sakura war zu einer Gallionsfigur gegen Mobbing geworden, Sasuke zu einem dunklen Rächer. Das Interesse hatte sich sogar nochmals zugespitzt, nachdem Sakuras Schwangerschaft offensichtlich geworden war. Sasuke und sie waren ein Phänomen geworden. Die Menschen waren fasziniert von ihrer Liebe, und obgleich einige ihn als Mörder bezeichneten, romantisierten die meisten seine Tat.
„Wir erzählen ihnen nur genug, um ihre Neugier zu befriedigen“, bestimmte Sasuke. Sakura nickte, das hatten sie bereits besprochen, ebenso, dass sie nicht über Sarada reden würden. Er legte den Arm um sie und sie kuschelte sich in seine Armbeuge. Sie war nervös, aber das wollte sie ihn nicht wissen lassen.
Die Saaltür schwang auf und der Gerichtsdiener betrat abermals den Raum, diesmal gefolgt von einer Horde Journalisten, die unverzüglich begannen, Fotos von dem Paar zu machen. Sasuke drückte sie fester an sich, beschützend, verdeckte sie halb mit seinem Körper.
Plötzlich verspürte Sakura das tiefe Bedürfnis, die Welt wissen zu lassen, dass sie alles für Sasuke tun würde. Dass sie ihre Seele verkaufen würde, damit er das Gerichtsgebäude als freier Mann verlassen konnte. Ihre Liebe für ihn war so stark, dass sie diese nicht verstecken konnte, nicht verstecken wollte. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und lehnte den Kopf gegen seine Schulter.
Blitzlicht erhellte den Saal. In der ersten Reihe saß ein grauhaariger Reporter, um dessen Mundwinkel ein Lächeln spielte, doch Sakura hatte nur Augen für Sasuke.
„Sasuke“, sprach der Journalist, „bereuen Sie, dass Karin Uzumaki sterben musste?“
„Ja“, sagte Sasuke, ohne ihn anzusehen. „Aber ich würde es immer wieder tun, um meine Ehefrau zu beschützen.“