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Das Gold von den Sternen

Minako Aino & Kunzite [Winterwichteln 2o2o]
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Wie bereits in der Beschreibung erwähnt:

WICHTIG:
In diesem Text werden sensible und traumatische Inhalte thematisiert. Mit dieser fiktiven Geschichte möchte ich niemandem zu nahe treten, kränken, angreifen oder solche Situationen beschönigen oder ins Lächerliche ziehen.
Wer sich dennoch angesprochen/angefasst fühlt, möge bitte aus Eigenschutz Abstand zu dieser Geschichte nehmen.
Themen, die in dieser Geschichte auftauchen:
+ MASSENPANIK + FLUCHTINSTINKT + BEKLEMMUNG + FURCHT + ANGST + KATASTROPHE + Komplett anzeigen

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1


 

Kapitel 1

K

Vom Navy-SEAL zum Bodyguard
 

Der Qualm wurde immer dichter und nahm mir die beinahe vollkommen die Sicht. Frauen schrien ihre Angst und Verzweiflung heraus, Männer brüllten wie Tiere, erkämpften sich ihren Weg ins Freie, ohne Rücksicht auf andere.

Es sollte mir, in so einer Situation, nicht in den Sinn kommen, doch vor einiger Zeit sah ich eine Reportage über eine Gruppe junger Leute, die an Halloween, als Mutprobe, in einem alten, eigens für diesen Bericht, umgebauten Gemäuer eingepfercht wurden. Die Schausteller - Freiwillige, die sich an dieser Show beteiligten - mimten Zombies und allerlei andere, dunkle Kreaturen, um den Teilnehmern den Besuch so schaurig und furchteinflößend wie nur irgend möglich zu gestalten. Das Ende vom Lied und diesem Test, wie sich eine Zombie-Apokalypse auf die Menschen auswirke:

Jeder, der anwesenden Männer, schubste seine Frau, Freundin – kurzum die Begleitung - vor die Horde wütender, gierender Gestalten, nur um den eigenen Hintern zu retten.

Und dieser Moment glich diesem kleinen, psychologischen Film bis ins kleinste Detail.

Warum ich hier war? Ausgerechnet in einem der teuersten Clubs der Stadt, in dem das Chaos vorherrschte? Weil mein Schützling, ein kleines, blondes Pop-Sternchen auf dem Weg zum Ruhm, eine Pause brauchte. Ob ihr Ausgleich aus einer Line Koks bestand oder sie Pillen warf, sollte mir egal sein. Ich war dazu angehalten, dieses Mädchen zu beschützen, es - wenn möglich - am Leben zu erhalten. Doch die Panik in diesem Raum engte auch mich ein.

Mein geschulter Blick schweifte über die Menge. Da war er, der blonde Schopf, am anderen Ende der Lokalität. Wie ein Bulldozer schlug ich eine Schneise durch die keifenden Männer, klaubte eine Frau auf, deren zerschundenes Gesicht Todesangst zierte. Sie hatte einen Stoß abbekommen und war mir vor die Füße gefallen.

Wie Tiere – der Kampf ums nackte Überleben!

»Bleib ruhig!«, knurrte ich der Fremden zu. »Ich bringe dich hier raus.«

Kurz flackerte Hoffnung ihren Augen auf, zumindest glaubte ich das, allerdings schwoll ihr die rechte Hälfte des, vielleicht und bis eben noch ansehnlichen, Gesichts zu. Es war eine Schande.

»Wo, wo willst du hin? Es geht da hinten raus!«, rief sie mir zu. Mit aller Macht stemmte sie sich gegen meinen Griff.

»Du dummes Mädchen, du wirst zertrampelt!« Ohne auf den halbherzigen Protest einzugehen, der an meine Ohren drang, zerrte das Häufchen Elend in Richtung meines Schützlings.

Erleichterung überkam mich. Sie hatte sich so verhalten, wie ich es ihr angeraten hatte:

Bei Panik, schwimm nicht mit dem Strom! Menschen werden zu Monstern, wenn sie ihr Leben in Gefahr sehen – das ist der Urinstinkt. Drücke dich an der Wand entlang, suche nach Schutz, ob nun in einer Nische, unter einem Tisch oder ähnliches.

Da war sie. Ihr goldblondes Haar war wie ein Leuchtfeuer in diesem Nebel aus Rauch. Ich fasste nach ihrem Handgelenk und kassierte einen Schlag mit der flachen Hand. Das fremde Mädchen, das sich noch immer meinem unerbittlichen Klammergriff ausgesetzt sah, keuchte auf, versuchte sich abermals zu wehren.

»K?« Selten habe ich so viel Furcht in ihrer Stimme vernommen. »K, ich – es ...«

»Halt den Mund!« Mein Blick rutschte von der jungen Frau ab, deren Miene schiere Angst beschrieb, und ich versicherte mich meiner Umgebung. Ich kannte diesen Club, nur habe ich ihn noch nie so brennen sehen. »Wir müssen hier weg, Mina! Los, lauf in Richtung der Küche!«

»Bist du wahnsinnig, das ist unser Tod!« Ihr Protest trieb mir, trotz dieser verheerenden Situation, ein Lächeln auf die Lippen.

»Was habe ich dir gesagt? Und jetzt: Lauf!« Sie leistete meinen Worten Folge, schien sich an die kleine Schulung zu erinnern, auch wenn dieses Gespräch bereits Wochen zurücklag.

Ich trieb das Mädchen vor mir her, versuchte den anderen Leuten, die auf uns einströmten, auszuweichen und uns zugleich abzuschirmen. Brav tastete sie sich, wenngleich etwas unbeholfen, an der Wand entlang. Sie hustete, Tränen liefen ihr über die Wangen, da der Drang nach Luft ihr die Atemwege blockierte.

»Weiter, Mina!«, rief ich ihr zu und blickte auf das andere Mädchen hinab. Schweigend, die Augen fest geschlossen, hielt sich die Fremde auf den Beinen, um unser Vorankommen nicht noch mehr zu behindern. Frauen waren in solchen Situationen unberechenbar. Entweder kam die rationale, logisch denkende Hälfte zum Vorschein oder sie verfielen in Lethargie und Schockstarre. Wenn dieses Mädchen wüsste, wenn ich da gerade zur Eile und im Kampf ums Überleben anbrüllte, sie würde es wahrscheinlich nicht glauben.

Denn um Mina Love zu beschützen, brauchte es jemanden wie mich.

Ich war ihr Bodyguard.
 

Wir konnten einander nicht ausstehen. Es heißt, jeder wäre in der Lage, innerhalb der ersten sieben Sekunden sagen zu können, ob ihm sein Gegenüber sympathisch sei oder nicht. Und das erste Treffen mit diesem blonden Gör, zeigte mir, dass es nicht nicht einmal drei Sekunden benötigte.

'Wen das Auge nicht überzeugen kann, überredet auch der Mund nicht.' Diesem sehr zutreffenden Sprichwort des österreichischen Poeten Franz Grillparzer, stimmte ich ohne Wenn und Aber zu.

Es hieß, dieses Mädchen habe einen regen Verschleiß an Leibwächtern und das nicht etwa, weil sie sich der charmanten Art dieser Frau nicht verweigern konnten. Nein. Eine Beziehung zu dem oder der Zuschützenden war streng verboten. Freundschaften galten als schwierig, doch erlaubt. Aber wer nahm schon Maß am Band einer Beziehung?

Dieses Exemplar Frau war, trotz der erst jungen Lebensjahre, in eine Welt hineingeplatzt, wie es selten der Fall gewesen sein mochte. Ich sprach ihr das vorhandene Talent nicht ab, denn sie sang wie eine Lerche, kämpfte wie ein Rottweiler um eine Rolle und stolzierte mit der Grazie eines Schwans über die Laufstege der Modemetropolen.

Doch ihr Weg war keinesfalls von Leichtigkeit geprägt. Ich hatte Achtung vor ihr und sie ließ mir dieselbe Wertschätzung zukommen. Doch mögen – nein! Es war mein Job, sie zu beschützen, so wie es an ihr war, mich dafür zu bezahlen. Bekam sie keine Rollenangebote, Plattenverträge oder Fotoshootings, wäre es auch um meine Dienste geschehen.
 

Meine Zeit bei den Navy-SEALs hatte mir viel abverlangt. Ich gehörte der Naval Special Warfare Group 4 an, war im Team Special Boat Team 22, bis mir ein dummer Fehler unterlief und ich meinem Dienst enthoben wurde. Dieser dumme Fehler zierte mehr meine Brust, als es eines der Abzeichnen tat, die ich für meine Leistungen erhielt. Ich war ein guter Schwimmer, bin auch heute noch trainiert und kampferfahren. Himmelarsch, ich kann sogar aus einem verdammten Flugzeug springen, doch das Leben hat in den wenigsten Fällen ein Glückslos für jeden parat.

Drei Wochen vor meinem zweiunddreißigsten Geburtstag geriet mein Team, beim Überbringen der Einsatzkräfte, unter Beschuss. Unser Schiff drohte zu kentern. Man sagte uns nicht, wem wir unseren Beinaheuntergang zu verdanken hatten. Die Regierung betriebe Aufklärungsarbeit. Doch nicht viele von uns kamen mit heiler Haut davon. Ein Schrapnell traf mich, gerade als ich meinen Kameraden Joe zu Boden warf und schlitzte mir den Brustkorb auf, wie mit einem Winkelmesser angelegt, von rechts nach links empor. Diese Narbe bedeutete wochenlanges Liegen, dahin vegetieren und meinen Austritt bei den SEALs, da nicht nur Fleisch und Rippen, sondern auch meine Lunge in Mitleidenschaft gezogen wurde. Man bot mir einen Platz als Schreibkraft, was erhebliche, finanzielle Einbußen bedeutete. Das Leben in der Navy war kein Zuckerschlecken, doch hinter einem Schreibtisch versauern, kam für mich nicht infrage. Ich hatte meinem Land gedient und war ihm nun nicht mehr länger würdig.

Also kehrte ich Mississippi den Rücken und zog nach Los Angeles. Meine Heimat, Kalifornien, zu verlassen, fiel mir nicht schwer, umso seltsamer war es, wieder dorthin zurückzugehen. Ich hatte versucht, mich in die Gesellschaft einzugliedern, doch leider ließ sich ein ehemaliger Navy-SEAL nicht auf Fingerschnippen unterbringen. So saß ich zwischen Müttern, die ihre Kinder stillten und frustrierten Bankangestellten auf den harten Plastikstühlen des Job Centers und wartete darauf, dass meine Nummer aufgerufen wurde. Politik und Wirtschaft machten es der Bevölkerung schwer. Das einst so hochgelobte Land, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sollte für jemanden wie mich keinen Platz finden? Unvorstellbar, und doch bittere Realität. Doch vielleicht war Fortuna gnädig mit mir?

Der Hollywood Walk of Fame war nur dann ansehnlich, wenn wieder irgendjemand einen Stern darauf erhielt. Sonst glich er jedem anderen Bürgersteig, mit Flecken, Dreck und rissigen, abgeplatzten Steinen. Ich wollte nie berühmt sein und Menschen mit aller Macht dazu bewegen, mich zu mögen. Dennoch schien ich diesem Kerl, der sich mir als Talentsucher Mitchell Fellows vorstellte, bei meinem täglichen Rundgang ins Auge gefallen zu sein.

Er beschrieb mich als groß, stattlich, sportlich und gutaussehend. Ein Gesicht, das Werbetafeln zieren sollte, würde ich die mir dargebotene Visitenkarte annehmen. Nie hatte ich etwas vom Showbiz gehalten. Zu aufgesetzt, zu affektiert, zu viel Ellenbogenmentalität, wenn man dem Glauben schenkte, was einem über Castings zugetragen wurde. Ich hatte mehr durchgemacht und mehr auf mich genommen, als dieser Mann würde begreifen können, doch in den USA ließ sich Geld mit bekanntlich allem verdienen. Ich nahm seine Karte, versicherte, mich bei ihm zu melden und warf das Aushängeschild seiner Agentur in den nächsten Papierkorb. Ruhm hatte mich noch nie gelockt und ein ansehnliches Erscheinungsbild genügte kaum, um vom Hungertuch wegzukommen.

Nach etlichen Umwegen fand ich eine Anstellung in einem Fitnesscenter. Doch auch dort tummelten sich allerhand Gestalten, die sich ein wenig von Glanz und Gloria erhofften. Statt einem schmächtigen Mann, schob sich mir eine kleine Frau in den Weg, die die Wucht des Sandsacks zu bremsen wusste, auch wenn sie mehr an dem Gerät hing, als dass sie es zum Halten bewegen konnte.

Sie stellte sich mir als Amberly Kenna vor. Agentin. Doch schwatzte sie mir keine Shootings auf oder bot mir eine Rolle in einer Sitcom an. Amberly Kenna, die, trotz Ehering und einem Alter jenseits der vierzig, mit Miss anzusprechen war, sagte, sie habe mich beobachtet. Ich sei gut trainiert und vielleicht an einem Job interessiert. Ein lautes Lachen quoll mir aus der Kehle hervor. Ich versicherte ihr, keinerlei Interesse an Escort oder sonst einem dieser Dienste zu hegen oder jenes Gewerbe auszuüben. Ihr Gesicht verriet, dass ich sie beleidigt haben musste.

»Nicht Escort«, schimpfte sie empört. »Als Leibwächter.«

»Leibwächter?«, schnaubte ich. »Und für wen?«
 

Bei einer Tasse Kaffee in dem kleinen Bistro in der unteren Etage des Gebäudes sitzend, erzählte Amberly von ihren Klienten, den kleineren Sternen am großen, weiten Himmel der Filmindustrie. Doch sie betreue auch Sänger und Sängerinnen und Models. Ob sie mir meine Abneigung ansah, vermochte ich nicht zu sagen. Hastig ruderte sie zurück und erklärte, dass ihr Schützling sich nun mehr auf dem US-amerikanischen Markt etablieren wolle. Jenes Mädchen sei ein Hit im asiatischen Raum und habe auch bereits Europa erfolgreich von seinem Talent überzeugt.

»Und was hofft Ihr Schützling dann hier zu finden? Die amerikanische Filmindustrie ist frauenfeindlich und verachtend und dasselbe gilt wohl auch für das Modelbusiness und nicht zuletzt die Musikbranche.« Etwas glomm in den Augen der Frau auf, als sie meine Worte vernahm.

War es Spott? Oder waren es Dinge, die sie bereits wusste und nun hoffte, es anders als alle anderen aufziehen zu können? Ich wusste nicht viel von diesen Angelegenheit, verteidigte jedoch meine Meinung, auch wenn ich selbst nie Luft innerhalb dieser Geschäfte geschnuppert hatte.

Ein schiefes, forsches Grinsen zierte ihre Lippen. »Sie gehen ziemlich hart mit Ihrem Land ins Gericht, Mister ...«

»K«, antwortete ich knapp. Keine Namen, nie.

Eine akkurat gezupfte Augenbraue hüpfte zum haselnussbraun-gefärbten Haaransatz. »Waren Sie beim Militär?«

»So ähnlich«, versicherte ich ihr.

Amberly Kenna räusperte sich vernehmlich und beugte sich dann über den Tisch hinweg in meine Richtung. »Mister K, ich beobachte Sie seit gut und gern zwei Wochen und bin mir sicher, dass Ihnen Ihr tristes Leben in einem Fitnesscenter nicht die Abwechslung bietet, die wir Ihnen bieten können.«

»Misses Kenna -«, hob ich an und wurde jäh durch ein lauteres, empörtes Räuspern unterbrochen. »Miss Kenna, stalking ist strafbar.« Ihr protestierendes Auflachen versuchte ich zu überhören. »Gute Frau, Sie sind nicht die Erste, die mich mit solch einem Angebot zu ködern versucht.«

Amberly ließ von mir ab und sich wieder in den Sessel sinken. »Lernen Sie sie doch erst einmal kennen.«

War es die Verzweiflung oder der flehende Ton? Was auch immer dieser Frau zu schaffen machte, es fiel schwer, sich diesem Fall nicht anzunehmen.

Ein Seufzer entfuhr mir. »Wer sagt Ihnen, dass ich für diesen Job geeignet bin?«

»Niemand. Nicht einmal meine Erfahrung.« Amberly lachte schnaubend. »Es war nicht meine Idee, dieses Mädchen hierherzubringen. Sie ist ehrgeizig und willensstark. Und es gibt nicht viele Dinge, die sie aufhalten können.«
 

Was auch immer mich dazu bewogen hatte, nun saß ich, in geliehenem Anzug, in einem großen, ledernen Sessel im Foyer eines der nobelsten Hotels, das diese Stadt aufbot. Drei Tage waren nach dem Aufeinandertreffen mit Miss Kenna vergangen und ich hatte, trotz Widerwillen, einem ersten Kennenlernen zugestimmt.

Der smarten Technologie mächtig, hatte ich Erkundigungen über das Mädchen eingeholt. Die Riege an singenden Schauspielerinnen, schauspielernden Models und modelnden Sängerinnen war groß und die Liste lang. Das, was Mina Love jedoch so außergewöhnlich machte, war nicht nur der von Amberly prophezeite Ehrgeiz. Es war ihre Herkunft, die dieser Frau etwas Spezielles verlieh. Sie war kein kleines Mädchen vom Lande oder eine Großstadtpflanze, die eine Eliteschule nach der anderen absolvierte.

Miss Mina, wie sie von ihren Fans und treuen Begleitern genannt wurde, war eine englische Japanerin. Die Gene der englischen Vorfahren erwiesen sich als durchsetzungsstark. Blondes Haar, blaue Augen. Ihre Familie ließ sich in Tokio nieder, sie besuchte dort die Schule und war sprachlich und künstlerisch sehr begabt. Seit ihrem siebzehnten Lebensjahr war Mina bei diversen Agenturen unter Vertrag, wurde jedoch erst vor fünf Jahren unter Amberly Kennas Fittiche zum Star.

Kenna selbst war kein unbeschriebenes, unerfahrenes Blatt der Branche. Es hieß, sie ginge über Leichen, was die Arrangements ihrer Mandanten anbelangte. Einige betitelten sie als skrupellos. Und vielleicht war es dieser Reiz, dieser Nervenkitzel, der mir seit meinem Austritt bei der Navy fehlte.

Mein Blick huschte zu der Drehtür, wann immer jemand den Eingangsbereich betrat. Doch von den Damen fehlte bisher jede Spur. Erst ein feines, beinahe liebliches Räuspern war es, das mich dazu anhielt, mich der entgegengesetzten Richtung zuzuwenden. Amberly Kenna erkannte ich sofort und erhob mich aus dem Sessel. Hinter der Agentin kam ein Mädchen zum Vorschein, das in ein weißes Leinenkleid gehüllt, eher einer Waschpulverwerbung entsprang. Im Geiste ging ich jeden Werbespot durch und schauderte, da mir das Gesicht, nun mehr live und leibhaftig und tatsächlich aus einem Werbefilm bekannt war.

Ihr Englisch war mehr angepasst statt angenehm. Als ich, der Etikette und Höflichkeit wegen, meine Hand ausstreckte, verneinte sie mit der Aussage, dass sie niemandem die Hand reiche. Es mochte ihrer Herkunft geschuldet sein und meinem vielleicht zu forschem Auftritt, dennoch war da etwas in ihrem Verhalten, das jegliche Wärme oder Zuneigung zunichte machte. Ein Blick? Eine Bewegung? Die abschätzige Musterung meiner Erscheinung?

Ich musste es Amberly zugute halten, dass sie versuchte, das Eis, das wohl ewig bestehen sollte, zu brechen. Später redete ich mir ein, dass ich dieser ersten Begegnung nicht allzu viel Bedeutung beizumessen hatte. Dieses Mädchen war schüchtern, sittsam und hatte eine andere Kultur kennengelernt. Doch die nächsten Wochen sollten mich eines besseren belehren.
 

Ein Probemonat, der wie der Beginn eines Abonnements klang, versprach mir einen Einblick in das, was sich so viele erträumten und nur den wenigsten gelang.

2


 

Kapitel 2

Mina

On her way to L.A.
 

Blitzlichter, Scheinwerfer, die Rufe der Reporter …

Ein wohliges Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus.

Das war es, was sie sich immer erträumt hatte, das, was sie immer gewollt hatte.

Berühmt sein.

Menschen, die ihren Namen kannten, kleine Mädchen, die mit großen Augen, bewundernden Blicken und rosigen Wangen zu ihr aufsahen und junge Frauen, die so sein wollten, wie sie.

Einst war sie jedem Star hinterhergelaufen und nun stand sie neben ihren Idolen aus Kindheit und Jugend.

Nicht einmal die frostigen Temperaturen vermochten es, dem Feuer, das ihr innewohnte, etwas entgegenzusetzen.

Sie war hier, hatte es geschafft.

Das blonde, lange Haar zu einem kunstvollen Flechtwerk aufgesteckt, das Blau ihrer Augen wurde mit einem Make-up unterstrichen, das dem Funkeln des Kleides in nichts nachstand. Strasssteinchen und Pailletten ließen sie strahlen und die Reporter verzweifeln. Sie stach heraus, verdrängte die anderen Starlets auf die hinteren Ränge.

Ihr Auftritt war glamourös, ihre Aufmachung elegant.

Sie stahl allen anderen die Show und zu ihrem großen Glück fehlte ihr nur noch eine Auszeichnung, die ihr Schaffen und ihren Erfolg würdigte.
 

Das stetige Brummen weckte sie weit weniger sanft, als sie gehofft hatte. Die langen Finger schlüpften unter der wärmenden Decke hervor, suchend und tastend nach dem Störenfried auf dem kleinen Holztisch, der neben dem großen Bett zu ihrer Linken auch einen Radiowecker und eine Lampe im Vintagestil beherbergte. Murrend hob sie den Kopf aus dem weichen Kissen und wusste sofort, dass es an ein Wunder grenzte, sollte sie ihre Mähne noch zu bändigen wissen.

Dieses vermaledeite Telefon hatte ihren schönen Traum zerplatzen lassen wie eine Blase aus klebrigem Kaugummi. Ein schneller Blick auf das energisch blinkende Display verriet ihr, dass es dem Anrufer sehr ernst sein musste.

Amberly Kenna – ihre Agentin, die ihr wie eine Freundin war und der sie viel zu verdanken hatte, erwies sich als hartnäckig. Immer schon. Doch ohne Amberlys Eifer und Enthusiasmus wäre ihr der lange, kurvenreiche Weg zum Showbiz längst nicht so geebnet worden. Talent allein genügte in diesem knallharten Business wenig. Aussehen, Vielseitigkeit und ein engagiertes Team waren nötig, um ganz nach oben zu gelangen.

»Am?«, nuschelte sie in den Hörer.

»Hey, my dear -« Amberly Kenna hegte eine große Affinität für das Britische. Gern betitelte sie ihren Schützling mit Kosenamen wie Darling, My dear oder gar Child of Love.

Ihre Freundschaft und Geschäftsbeziehung bestand seit über fünf Jahren und in all dieser Zeit machte sich Amberly einen Spaß daraus, ihrem Child of Love beim Aufstehen behilflich zu sein. Weckanrufe um halb sechs Uhr morgens waren nicht selten, wusste die Agentin doch um das Vergnügen ihres aufstrebenden Stars, erst zu später Stunde ins Bett zu kriechen um den halben Tag lang dem Schönheitsschlaf zu frönen. Doch wie oft ihr Amberly begreiflich machen wollte, der frühe Vogel fange den Wurm, sie stieß auf Granit.

»Miss Mina«, holte Amberly sie wieder zurück in den Morgen. »Bleib ruhig und hör mir genau zu!« Zu ihrem Glück sah Amberly nicht, dass ihr Schützling theatralisch die Augen verdrehte. Wer britisch sein wollte, kaufte wohl auch das Drama-Paket. »Ich habe sie. Nein, wir haben sie. Du hast sie!«

»Du meinst Augenringe?« Der kleine Scherz ging einem entrüsteten Schnauben unter.

»Nein, Darling«, begann Amberly von Neuem, »du verstehst nicht!«

»Ich verstehe, dass du mich um …« Ihr Blick huschte zum Fenster, das dank der bodenlangen Vorhänge keinen Lichtstrahl ins Zimmer ließ. »Wie spät ist es? Halb sechs aus dem Schlaf gerissen hast.«

»Sei nicht so pathetisch! Ich habe Neuigkeiten für dich.« Die Freude und Erregung, mit der Amberly sprach, ließ den schwelenden Unfrieden verpuffen. »Sie wollen dich, Miss Mina. Du sollst das weibliche Pendant in dem neuen Film von Brett Ratner übernehmen.«
 

Mit dieser neugewonnenen Information war es Mina ein Leichtes, dem Bett zu entkommen. Hastig war sie in den Morgenmantel gefahren und dem Schlafzimmer entflohen, als ihr ein spitzer Schrei entfloh.

»K, verdammt! Schlafen Sie denn nie?«, fauchte sie und rauschte an dem hochgewachsenen Mann vorbei, der ihr jedes Mal aufs Neue wie ein Berg erschien. Eine unüberwindbare Mauer, einzig und allein zu ihrem Schutz. »Woher, zum Henker, haben Sie überhaupt einen Schlüssel? Gibt es in Ihrem Land nicht auch so etwas wie Privatsphäre

Ihrer Schimpftirade schenkte er keinerlei Beachtung. Es mochte ein feiner Zug sein, ruhig und gelassen zu bleiben, doch es missfiel ihr, dass jemand sie ungeschminkt und ohne ordentliche Aufmachung zu Gesicht bekam.

Schweigend verharrte der Leibwächter in der Mitte des Zimmers. Vor drei Tagen erst war er seinen Dienst angetreten, dennoch hatte Amberly darauf bestanden, dass er, trotz seiner Kampferfahrung, einen Kurs für Personenschützer besuchte und diesen mit einem Zertifikat absolvierte. Die Jahre bei der Navy kamen ihm zugute und so konnte er binnen kürzester Zeit einen weiteren Job seiner Vita hinzufügen.

Er schwieg noch immer und sah sich abermals einem kritischen Blick ausgesetzt. Dieses Mädchen mochte ein Star sein und Allüren waren ihr längst nicht mehr fremd.

Ein weißes Hemd, eine schwarze, kugelsichere Weste, eine dunkle Hose sowie ein Jackett und polierte Schnürschuhe komplettierten seine Arbeitsbekleidung. Er sah aus, wie alle anderen, die in den letzten Wochen und Monaten auf sie achten sollten. Und doch war da etwas an ihm, was die anderen Männer nicht hatten. Alle waren sie von hoher Statur, stark wie Bären, kräftig und ihrem Alter und dem Beruf entsprechend erfahren. Fähige Männer, in Amberlys Alter, mit Ring am Finger und einer Familie daheim.

K hingegen war eine Erscheinung, wie sie ihr selten unter die Augen kam. Vielleicht war es die Frisur? Waren es die langen, hellblonden Haare, die er zu einem Zopf im Nacken gebunden trug und die ihn so verwegen wirken ließen? Oder war es der Drei-Tage-Bart, der sie an einen urigen Holzfäller aus den Wäldern erinnerte?

Mina schüttelte die Gedanken ab. Er mochte vielleicht ein wenig älter sein, als sie selbst. Und natürlich hatte Amberly ihn überprüfen lassen und Mina Einsicht in die Akte dieses Mannes verschafft, denn sie sollte wissen, wer für ihre Sicherheit verantwortlich war und bis auf ein paar kleine Reibereien hatte dieser Mann nichts, was ihn oder sein Tun in Verruf brachte. Dennoch gab es einen kleinen, feinen Unterschied:

Gemäß Amberlys Aufzeichnungen war er Single. Und das machte ihr die Zusammenarbeit nicht erträglicher, denn dem Reiz des Ungebundenseins stand eine große Portion Arroganz gegenüber. Mina mochte Männer mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung und dem Streben nach Mehr. An K jedoch biss sie sich die Zähne aus. Er sprach wenig, beobachtete nur und hatte, gemäß den Anforderungen, das, was einen guten Bodyguard ausmachte.

Ein Zwiespalt, doch ergab sich in der letzten Zeit nicht häufig die Gelegenheit, einem Mann näher zu kommen. Das, was zwischen ihr und seinen Vorgängern gesehen war, hatte nichts mit Liebe oder Fürsorge zu tun, geschweige denn Anziehung.

Vielleicht hatte ihn Amberly mit Bedacht ausgewählt? Jedoch nicht, um sie auf eine falsche, fatale Spur zu locken. Er war ungebunden, kinderlos und hatte, wenn sie den Angaben auf den Papieren Glauben schenken durfte, nur noch einen Großonkel auf einer Farm in Iowa vorzuweisen. Ein schweres Schicksal. Doch dieser Mann trug es mit Fassung und schien geradezu prädestiniert für eine solch heikle Aufgabe.

Mina seufzte und bemerkte, dass sich ihre Finger in der unordentlichen, blonden Mähne verfingen. »K?«, hob sie an. »Seien Sie so gut und besorgen Sie mir einen Espresso?«

Ihre Worte und dem einhergehenden Wunsch quittierte er mit einer emporgezogenen Augenbraue.

»Haben Sie mich nicht verstanden?« Mina neigte den Kopf und blinzelte irritiert, da der Mann noch immer tatenlos blieb. »Sie sprechen doch Englisch, oder?«

Statt sich hastig in Bewegung zu setzen, verharrte er wie angewurzelt.

»Gut, dann einen Latte macchiato?«, fragte sie. »Einen Kaffee mit Milch? Ich brauche etwas, um wach zu werden.«

»Dann empfehle ich eine Dusche«, sagte er mit einem knappen Zucken der Schultern.

Mina öffnete die Lippen, doch nicht ein Laut drang daraus hervor. K schien zu bemerken, dass sie still und leise bis zehn zu zählen versuchte. Sie schmälerte den Blick. »Danke für den Tipp, ich werde ihn nach meinem Kaffee beherzigen.«

Die Sekunden verstrichen, ohne, dass er sich regte.

»Sie sind ein ziemlich arroganter Vertreter Ihres Standes.« Mina stützte die Hände in die Hüften, sodass der überaus farbenfrohe Pyjama gefährlich auf Brusthöhe spannte.

K prustete lauthals. »Meines – meines Standes? Sie verwechseln Arroganz mit Ignoranz.«

Wut kroch ihr in die blassen Wangen. »Sie können mich nicht ignorieren. Sie sind für mein leibliches Wohl verantwortlich!«

Sein Lachen hallte durch den Wohnbereich des Hotelzimmers, das ihr Amberly für ihren Aufenthalt verschafft hatte.

»Nein, nur für Ihren Leib. Um Ihr Wohl müssen Sie sich schon selbst kümmern, kleines Mädchen.« K ließ die gefallenen Worte wirken, doch fanden sie wenig Anklang bei der jungen Frau, deren Gesicht Empörung zierte. »Sie wollen einen Kaffee? Dann suchen Sie sich einen persönlichen Assistenten, der Ihnen einen Kaffee bringt, denn Sie bezahlen mich lediglich dafür, dass Ihnen niemand eine Kugel zwischen die Augen jagt oder Ihre kleinen Fans Ihnen nicht die Extensions von Ihrem hübschen Kopf reißen.«

»Das sind keine Extensions!«, fauchte Mina erbost.

K kam ihrer verbalen Explosion mit einem erneuten Zucken der Schultern nach. »Sollten Sie nicht eher Wasser bevorzugen? Ich dachte, Milch schadet Ihrer Haut? Und Ihrem Gewicht.«

Ihre Lippen bogen sich zu einem gefährlichen Lächeln. »Holen Sie mir einen Kaffee, mit Milch!«

»Gibt es in Ihrem Land keine höflichen Umgangsformen? Benehmen? Respekt?« Er wusste zu provozieren, denn ganz plötzlich wurde aus dem wortkargen Berg, bei genügend Reibungspunkten, ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand.

»Einen Kaffee, bitte.« Das letzte Wort entlockte ihm eine wohlwollende Geste, die in einem schwachen, annehmenden Kopfnicken mündete.

»Das ist das erste und letzte Mal«, sagte er und machte Anstalten, das Zimmer zu verlassen. K streckte seine Finger nach der Türklinke aus, wandte sich dann jedoch nochmals nach ihr um. »Schwarz, ohne Zucker. In einer Viertelstunde haben Sie Ihren Kaffee.«

Den protestierenden Laut ihrerseits vernahm er längst nicht mehr.
 

Ein Pappbecher, mit dem Emblem der nächstgelegenen Tankstelle darauf, verharrte auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer. Lauwarm und nicht den Wünschen der jungen Frau entsprechend. Sein Zeitmanagement war außerordentlich präzise, doch als K ins Hotelzimmer zurückkehrte, war von der jungen Frau nichts zu sehen. Mit der Geschmeidigkeit eines Tigers strich er durch die Räumlichkeiten und vernahm erst im Schlafzimmer Geräusche aus dem dort angrenzenden Bad.

Ein winziger Lichtstrahl, der durch den kleinen Spalt der Tür in seinen Fokus rückte, sowie das stetige Rauchen des Wassers versicherten ihm, dass sie seinen Rat befolgte. Und der Kaffee würde auch in der Mikrowelle wieder Temperatur bekommen.

K wandte sich von der Szenerie, die in dem Schlafbereich vorherrschte, ab. Das Bett, mit den vielen Kissen und der dicken Decke, sah aus wie ein Schlachtfeld. Auch knäulten sich Pyjama und Wäsche auf dem Boden. Zu seinem Glück dämpfte der Teppich seine Schritte, denn der stetige Wasserstrom verebbte und trieb ihn zur Eile an, rasch das Heiligtum dieser Frau zu verlassen.

Gelassen und die Arme über die Rückenlehne des Sofas gelegt, wartete er geduldig auf Minas Ankunft. Mit tapsenden Lauten, in einen Bademantel gehüllt und das Haar mit einem Handtuch zu einem Turban-ähnlichen Gebilde geschlungen, nahm sie seine Präsenz weit weniger hysterisch auf, als es noch vor gut einer halben Stunde der Fall gewesen war.

»Ihr Kaffee«, sagte er mit einem saloppen Fingerzeig und versicherte sich ihrer Gestalt rechts im Augenwinkel.

»Danke.« Kein Knurren, kein Fauchen, kein Ausruf zur Lynchjustiz. Offenbar machte eine Dusche wirklich aus einem verdrießlichen Geschöpf einen neuen Menschen. Sie ließ sich neben ihn in den Sessel sinken und langte nach dem Becher. K tat desinteressiert, dennoch nahm er jede ihrer Regungen wahr.

Er wartete darauf, dass sie den Kaffee auf ihn warf oder quer durch das Zimmer schleuderte, stattdessen nahm sie den Plastikdeckel ab und schnupperte an dunklen Gebräu. Die Nase kräuselte sich bereits und die Lippen bogen sich zu einer angewiderte Grimasse. K konnte das Knirschen der aufeinandergepressten Zähne förmlich hören, auch wenn sie sich um Beherrschung bemühte.

Mit einem klickenden Laut wurde der Deckel wieder auf die Pappe gesetzt und der Becher auf den Tisch zurückgestellt.

»Ich habe in vierzig Minuten einen Termin im Salon Anastasia Beverly Hills«, verkündete Mina und warf ihm einen auffordernden Blick.

»Dann sollten Sie sich beeilen«, gab K knapp zurück und war versucht, sich das Grinsen zu verkneifen, das sich ihm geradewegs aufdrängte.

»Wären Sie bereit, mir ein Taxi zu organisieren? Bitte.« Seine Worte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt und dieses kleine Sternchen auf den Boden der Menschlichkeit zurückbefördert.

Sein leises, zustimmendes Brummen versicherte ihr, dass es ihr gelungen war, das Fettnäpfchen erfolgreich zu umgehen.

Keine fünfzehn Minuten später wartete das Taxi auf die Fahrgäste. Ein laues Sommerkleid mit Riemchensandalen und einem hastig gebundenen Zopf gehörten wohl nicht zum Standardbild eines Superstars. Nervös zupfte sie an den Rüschen des Trägerkleides. Als ihr Smartphone unaufhörlich summte, warf K ihr einen fragenden Blick zu. Mina biss sich auf die Lippen und nahm den eingehenden Anruf entgegen.

Mit lautstarker Stimme verlangte Amberly nach ihrem Aufenthaltsort und erinnerte ihren Schützling mit Nachdruck daran, den Termin bei Anastsia nicht zu versäumen. Auch legte ihr Amberly nahe, sich nicht zu verspäten, denn gegen elf Uhr war ein wichtiges Fotoshooting angesetzt, das ihr vielleicht aufs Cover der nächstgrößeren Modezeitschrift verhalf.

Der Morgen in Los Angeles war für dieses Jahreszeit bereits von angenehmen Temperaturen begleitet. Unter wachsamen Blicken führte K das Mädchen durch die Eingangshalle des The Mayfair Hotels auf den Gehsteig hinaus, schenkte dem Taxifahrer einen schnellen Blick, ehe er ihr die Tür aufhielt und beide auf den Rücksitz schlüpften. Und so fädelte sich das Cab in den Verkehr ein, mit dem Bedford Drive als Ziel.

3


 

Kapitel 3

K

Vom Leben eines aufgehenden Sterns
 

Hätte man mir gesagt, welch eine Tortur es sein würde, eine Berühmtheit zu beschützen, ich hätte es nicht geglaubt und vermutlich sogar abgelehnt. Es war angenehmer, mein Pensum im Fitnessstudio zu absolvieren, als diesem Mädchen dabei zuzusehen, wie es zurechtgemacht und eingekleidet wurde, um für Fotos ins rechte Licht gerückt zu werden.

Mit der Zusage der Hauptrolle für den nächsten Blockbuster, würde sie Hollywood im Sturm erobern. Romantik, Drama und und eine Prise Action - Ein fulminantes Feuerwerk, das noch vor Drehbeginn und Kinostart als heißer Anwärter für einen Academy Award of Merit - kurzum Oscar - gehandelt wurde.

Und Mina war es wahrhaftig gelungen, die anderen Bewerberinnen auszustechen. Dass sie Talent besaß, stand außer Frage. Neben einer Karriere als Model für Bademode und Sängerin großer Charterfolge, war diese Chance eine weitere Sprosse auf der Leiter, die sie mühsam erklimmen musste.

Sie wollte Hollywood - sie bekam die Traumfabrik mit all ihren Facetten. Ich war lediglich dazu angehalten, ihr Ärger zu ersparen und sie von illegalen Substanzen fernzuhalten.

Hatte ich sie zu Beginn meiner Arbeit noch für ein kleines, blondes Ding gehalten, das vielleicht ein wenig talentiert war, wurde ich in den nachfolgenden Wochen eines Besseren belehrt.

Diese Frau ackerte wie eine Wilde und trug trotz allem noch immer ein Lächeln spazieren.

Neben Shootings und den ersten Dreharbeiten, vervollkommnete sie ihren Weg, indem sie mit den verschiedensten Genies der Musikbranche arbeitete.

Dass sie in Asien und Europa ein Hit war, bezweifelte ich nicht länger, denn die Liste mit Interessenten war lang und Mina bereits vom Erfolg geküsst, dass sie sich ihre Kollaborationspartner aussuchen durfte. Weltbekannte DJs wie Halvin Carris oder Gavid Duetta etablierten sie am nordeuropäischen Musikmarkt. Mit Gesangsbeiträgen für Sängerinnen wie BeOnSay und Carriah Marey schnupperte sie bereits Luft in der US-amerikanischen Musikindustrie.

Ihr Terminkalender platzte aus allen Nähten. Und Paparazzi waren, zu unserem Leidwesen, nie weit entfernt. Zeit, um Luft zu holen, gab es kaum. Da wünschte selbst ich mir meine Zeit bei der Navy zurück. Wir hetzten von einer Probe zum nächsten Termin. Und manchmal, wenn ihr die Mundwinkel für einen kleinen, flüchtigen Augenblick gen Süden sanken und die Erschöpfung kurz Einzug hielt, gönnte ich ihr diese kleinen Momente, in denen sie nicht pausenlos lächeln, lachen und charmante Witze reißen musste.

War sie überfordert? Vielleicht. War sie erschöpft und ausgebrannt? Auch das schloss ich nicht aus. Wir verbrachten vierundzwanzig Stunden täglich miteinander. Seit drei Wochen jetteten wir durch die USA und Südamerika. Nie blieben wir länger als zwei Tage an einem Ort.

In Austin, Texas, wurden Werbeaufnahmen für eine neue Fastfood-Kette gedreht, mit Mina auf einem Bullen sitzend und genüsslich in einen Burger beißend. Für mich wäre diese Situation völlig unproblematisch, für sie jedoch schien das triefende Burgerpatty einer immensen Herausforderung gleichzukommen.

The windy city lud sie zu einem Shooting für Wintermode ein. Dass die Außentemperaturen alles andere als frostig zu bezeichnen waren, war für die Profis nicht von Belang. Doch, wenn die letzten Bilder geschossen und das Make-up von ihrem Gesicht verschwunden war, glitt Chicago ebenso an ihr vorüber, wie es Phoenix und Cabo San Lucas taten. Zu wenig Pause, zu viel Arbeit. Doch Mina schien, trotz der allmählich schwindenden Kräfte, noch immer munter, fröhlich und lernwillig.
 

Die Fans warteten vor den Hotels, checkten aufgeregt ihre Telefone, ob von ihrem neugewonnenen Liebling nicht wieder ein neues Bild geposted oder ein Tweet in die weite Welt hinausgespült wurde.

Denn es brachte die neue Zeit mit sich, dass Berühmtheiten längst nicht mehr nur in Film, Fernsehen, auf den Bühnen dieser Welt oder über Musik- und Radiosendungen Bekanntheit erlangten. Social-Media hieß Kontakt zu den Fans halten und sie zugleich am Leben eines Stars teilhaben lassen.

Neben sehr skurrilen Gestalten, die sich ein Autogramm auf den unmöglichsten Körperstellen erhofften oder den hartnäckigen Anhängern, denen nur schwer beizukommen war, bemühte ich mich darum, Mina von allem Schädlichen zu bewahren.

Zu ihrem Glück achtete Amberly beinahe peinlich genau darauf, auf welchen Events Mina anzutreffen war. In meiner dritten Woche als ihr Leibwächter hielt es Amberly für angemessen, mich einem erneuten Training zu unterziehen. Abermals schickte sie mich zu einem Sportstudio, dieses Mal im Herzen Brooklyns, wo ein kahlgeschorener Verschnitt eines Action-Helden meine Fähigkeiten als Personenschützer auf die Probe stellte.

Mir war nicht wohl dabei, dass Mina sich als tatsächliches Opfer zur Verfügung stellte. Hatte Amberly ihr doch endlich einmal ein wenig Zeit für sich und ihre Interessen erübrigt. Dass sie ihre Freizeit damit zubrachte, zu sehen, wie der knapp einen Meter siebzig kleine Mann mich vermöbelte, schien den Damen eine willkommene Abwechslung zu sein.

Der Trainer, der sich uns als Glenn Brockster vorstellte, erwartete von mir, dass ich in der Lage war, das Gelernte abzurufen und meinen Schützling in Härtefällen dazu bewog, sich einfacher Überlebensstrategien zu erinnern. Dass uns dieses Training einmal nützlich werden sollte, daran glaubten weder ich, noch Mina oder Amberly.

Ich hatte es, in meiner bisherigen Karriere, mit schwereren Geschützen aufnehmen müssen, doch Brockster war wendig, klein und gemein. Es gelang ihm spielend, mich in die Knie zu zwingen und der laute Knall, der ertönte, wann immer die Masse meines Körpers auf die Trainingsmatte traf, ließ Mina zusammenzucken.

Ich wischte mir den Schweiß aus dem Gesicht und versuchte, das breite Grinsen in Glenns Gesicht zu ignorieren. Das, was sich jedoch schwerer ignorieren ließ war der Moment, in dem Mina auf uns zukam und sich als Partner zur Verfügung stellte.

Die Szenerie glich einem Schauspiel, wie sie es bereits oft genug über sich hatte ergehen lassen müssen. Ich war erstaunt, wie schnell es Mina gelang, in diesem riesigen Raum, der nur vier Seelen und jede Menge Sport-Equipment beherbergte, eine zweite Emmy-Verleihung heraufzubeschwören. Und wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich geschworen, selbst die Rufe und das Klicken der Kameras zu hören.

Doch es war Amberly, die sich einen schlechten Scherz mit mir erlaubte und über ihr Telefon kurze Sequenzen vergangener Events abspielte.

Die nächsten zwei Stunden waren von Nahkampf geprägt. Immer wieder versuchte ich, Mina den gierenden Händen Glenns zu entreißen, doch etwas hinderte mich daran, diesem Mann zu zeigen, was ich gelernt hatte.

»Dein Respekt in allen Ehren, mein Junge«, sagte Glenn und warf mir eine Flasche Wasser zu, »doch wenn es zum Ausnahmezustand kommt, wirst du es nicht schaffen.«

Seine Worte sollten mich anstacheln und zugleich zur Beherrschung zwingen. Meine Faust fuhr aus und brach ihm, während der letzten Übung, die Nase.
 

Zitternd und aufgewühlt saß Mina neben mir im Cab auf dem Weg zum Flughafen. Es schien, als habe sie dieser kleine Ausflug aus dem ermüdenden und erschöpfenden Trott herausgezerrt.

»Er sagte, es ginge ihm gut und es wäre nicht sein erster Bruch«, erklärte ich mich ein weiteres Mal. Mina machte es mir nicht gerade einfach, Worte zu finden, die ihre aufgekratzte, wütende Stimmung beschwichtigten.

»Ich habe ihn nicht umgebracht«, erhob ich erneut das Wort und wurde mit Schweigen bestraft. »Aber ich hätte es gekonnt. Was wäre dir lieber?«

Als uns das Taxi gegen neun Uhr Abends am JFK International Airport absetzte, damit wir wieder nach Los Angeles zurückfliegen konnten, blieben ihr die Lippen noch immer versiegelt. Auch wenn ich für einen flüchtigen Augenblick glaubte, so etwas wie ein kleines Lächeln auf ihren Lippen gesehen zu haben, blieb Mina eisern.

»Ich will feiern gehen!«, sagte sie, sobald wir in L.A. landeten.

Ich war mir nicht sicher, was es zu feiern galt und wohl war mir bei ihrer Aussage und dem Wunsch, einmal herauszukommen, auch nicht. Dass Amberly erst am nächsten Morgen zurück in der Stadt war, nutzte ihr Schützling gekonnt zu seinem Vorteil. Keine Managerin, die mit Argusaugen über jede Aktion Wache hielt, nur ein dummer, großer Kerl im Anhang, der darauf trainiert war, dass das Goldstück nicht verloren ging.
 

Zähneknirschend hatte ich ihrem Vorschlag entsprochen und ließ es zu, dass sie sich in ihrem Hotelzimmer zurechtmachte und in nicht weniger als neunzig Minuten nach unserer Ankunft in einem kurzen, glitzernden Fetzen, auf hohen Absetzen und einer Frisur, die so gar nicht ihr entsprach, auf mich zu kam, als würde sie geradewegs zu den Grammys stolzieren. Rockig, verwegen und ein wenig Punk strömte ihr aus den Poren. Ich wusste nicht, wem sie etwas beweisen wollte, doch ein Hauch von Kampfgeist und Widerstand schwang in ihren Bewegungen mit.

Mina verlangte, dass ich sie in einen Club ausführte, und als Junge dieser engelsgleichen-teuflischen Stadt wusste ich genau, wohin ich sie in diesem Outfit bringen musste.

Niemand würde sie erkennen oder glauben, dass diese Göre als weiterer Stern am Himmel ihres hochgelobten Hollywoods gehandelt wurde. Die Fotografen und Reporter würden sich ihre Finger nach einem Schnappschuss lecken, umso achtsamer musste ich sein.
 

Die Sonne versank allmählich hinter den Hügeln und die Stadt erwachte, wie jede Metropole, im Schutze der Dunkelheit zu neuem Leben. Sollte ich Angst um dieses Mädchen haben, das auf schwindelerregend hohen Hacken neben mir herging? Meinem Rat, nicht allzu sehr Model zu sein, kam sie mit einem widerwilligen Knurren nach. Ich sagte ihr, dass ihr Aufzug noch lang kein Garant für ein erfolgreiches Entern des Clubs sein würde. Ein knappes Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln. Überheblich und provozierend.

»Hier gibt es keinen VIP-Status«, erklärte ich und vernahm die Bässe bereits, noch ehe der Club in Sichtweite kam. Ob diese Musik ihren Geschmack traf, bezweifelte ich. Es waren harte Riffs und scharfe Klänge in einem Mix aus wilden Elektro-Beats und nicht der Kaugummi-Pop den sie einzusingen pflegte. »Die werden deinen Ausweis verlangen.«

Ruckartig stoppte Mina und hielt mich am Arm zurück. Ihren Blick wusste ich nicht einzuordnen. Hatte sie Angst, dass der Türsteher sie nicht einließ, weil er an ihrer Bekanntheit zweifelte? Meiner Erkenntnis nach, war dieses Mädchen bereits einundzwanzig, durfte also in diesem Land nicht nur legal Autofahren, sondern auch in Clubs gehen und Alkohol konsumieren.

»Du siehst in dieser Aufmachung wesentlich älter aus, glaub mir«, seufzte ich und kassierte einen frustrierten Schlag gegen den Oberarm.

Ich lotste sie weiter, doch statt sich brav in die Schlange zu stellen, gingen wir an der wartenden Meute vorüber. Mina wollte soeben zum Türsteher abbiegen, als ich eiligst nach ihrer Hand fasste. »Nicht hier.«

Meine knurrenden Worte ließen sie blinzeln. Ich warf dem Türsteher einen Blick zu, der, für die Gäste unbemerkt, nur ein knappes Nicken für uns übrig hatte. Ich legte dem Mädchen meinen Arm um die Hüfte und tat, als sei ich ein staunender Tourist, ehe ich uns an der nächsten Ecke in eine Gasse führte. Mülltonnen und Unrat machten sich auf dem glänzenden Asphalt breit. An einer Seitentür des Gebäudes, kaum sichtbar, hielt ich inne und ließ von Mina ab.

Zwei knappe Schläge gegen das Eisen der Tür genügten und uns wurde Einlass gewährt. Verblüfft von meiner Tat sah ich noch, wie Mina eiligst die Lippen schloss.

Ein Kerl, ein wenig größer als ich, mit einem Piercing in der Augenbraue, begrüßte mich lachend. »K? Und ich dachte, Pete will mich verarschen.«

Minas Blick und der geneigte Kopf verrieten mir, dass sie versucht war, unserem Geplänkel zu folgen.

»JJ, lässt du uns rein?« Mit einem saloppen Kopfnicken auf meine Begleitung, nahm JJ Mina in Augenschein.

»Klar, Mann. Aber du musst mir unbedingt erzählen, seit wann du wieder hier bist und was du so getrieben hast und mit wem du es getrieben hast. Alles klar, Mann?« JJ machte uns Platz und ich bemerkte, wie er das Mädchen von oben bis unten scannte.

Ich machte einen Schritt zur Seite, sodass Mina nun mehr vor uns hergehen musste, und nahm meinen alten Freund, als Geste des Wiedersehens, in den Schwitzkasten. »Geht klar, Alter. Aber lass die Finger von ihr, kapiert?«

Aus meinen Worten troff nichts Freundschaftliches. Sollte dieser Frau etwas zustoßen, würde ich nie wieder irgendwo Fuß fassen.

»K-klar«, krächzte JJ. Grund genug für mich, von ihm abzulassen.
 

Wir bogen zwei Mal ab, ehe sich vor uns eine kleine Küche auftat. Das Brummen der Kühl- und Gefrierschränke wollte nicht zu den wummernden Bässen passen, die aus dem Hauptsaal an unsere Ohren gelangten. Eine Frau, deren pechschwarzes Haar unter einem Netz verborgen war, sah von ihrer Arbeit, Südfrüchte für die Cocktails und Drinks in Stücke zu schneiden, auf, sagte jedoch nichts zu den ungebetenen Gästen.

Ein Flatterband, das ich erst bemerkte, als Mina stoppte, versperrte uns den Weg.

»Sorry«, sagte JJ, schob sich erst an mir vorbei nur um dann, mit einer Dienerbewegung in Minas Richtung, die provisorische Öse von dem Haken zu lösen, der das Band zu beiden Seiten hin spannte wie die Sehne eines Bogens. »Bitte.«

Mina schenkte ihm ein knappes, dankbares Lächeln und zog an ihm vorbei. Ich blieb ihr dicht auf den Fersen.

Je näher wir dem Hauptraum kamen, desto eindringlicher und lauter wurde die Musik. Ich nickte JJ noch ein letztes Mal zu, legte dem Mädchen meine Hand zwischen die Schulterblätter und dirigierte Mina in das Zentrum des Sündenpfuhls.

Es gab vier Bars, die sich auf zwei Etagen verteilten. Im oberen Bereich der Gebäudes ging es ruhiger zu, als in diesem Bienenstock feierwütiger Mittzwanziger. Mein Blick schweifte umher. Diesen Gestalten wollte man weder bei Tag noch in der Nacht begegnen. Ich sah knutschende, sich beinahe verschlingende Paare beiderlei Geschlechts, Drogen vertickende Dealer an den Türen zu den Toiletten und tanzende Subjekte, die sich die Langeweile oder den Frust aus den Körpern schüttelten.

Auch Mina versuchte, sich einen Überblick zu verschaffen. Ihr Gesicht zeigte mir, was ihre Worte, über die kreischenden Klängen von Gitarren und der jubelnden Masse hinweg, nicht vermochten.

Ich drängte mich an ihre Seite und beugte mich so zu ihr herab, dass meine Lippen dicht über ihrem linken Ohr schwebten. »Du wolltest doch in einen Club.«

Sie warf mir einen Blick zu, der meine Aussage bestätigte und doch Zweifel an meiner Auswahl zurückließ.

»Möchtest du etwas trinken?« Schwach nickte sie meine Frage ab. Ohne ein weiteres Wort schob ich sie in Richtung Tresen.
 

Wir waren erst zehn Minuten hier und ich hatte bereits das Gefühl, alles gesehen zu haben. Wann war mir das Feiern so abgegangen? Hatte mich das Leben tatsächlich zu einem eiskalten Arschloch geformt, das nicht einmal mehr einen guten Club zu schätzen wusste?

Mina klammerte sich an ihren Drink als sei er eine Rettungsleine. Und vielleicht erging es mir in diesem Augenblick ähnlich. Vielleicht waren wir beide für diese Art der Gesellschaft nicht gemacht?

Mina jedoch besaß das Talent, mich allzu oft zu überraschen. Nachdem der erste Drink ihre goldene Kehle hinabgeflossen war, schien sie sich den Vibes zu ergeben und verschwand von meinem Radar. Dieses Mädchen war schneller als ein Floh auf Speed.

Ich verharrte an Ort und Stelle, suchte die Menge nach einer großen Blondine ab. Dann und wann erhaschte ich einen Blick auf sie. Sie versuchte sich von der Atmosphäre mitreißen zulassen, ihre Bewegungen wirkten jedoch ein wenig steif und mechanisch, doch das kümmerte Mina wenig. Sie hatte Spaß und das vielleicht zum ersten Mal seit Jahren.

Die Zeiger schritten voran, ohne, dass ihr die Puste ausging. Ich war bereits bei meinem dritten Glas, als sie auf mich zukam, mit erhitzten Wangen und einer Frisur, die mehr und mehr an eine britische Soul-Sängerin erinnerte.

»Das sollten wir öfter tun«, rief sie mir zu, nahm mir das Glas aus der Hand und kippte den restlichen Inhalt ihre trockene Kehle hinab. Mina verzog das Gesicht.

»Ich trinke nicht«, sagte ich und unterstrich meine Aussage mit einem Kopfschütteln. Sie leckte sich die klebrigen Lippen und reichte das leere Glas an mich zurück.

Wortlos, doch mit vielerlei Gestik suggerierte sie mir, dass sie kurz verschwinden müsse, um sich zu erleichtern. Wir beide ahnten nicht, dass die Welt binnen zwei Minuten aus den Fugen geraten würde.

Mina verschwand mit wippenden, tänzelnden Bewegungen in Richtung Toiletten. Sowie sie hinter der hölzernen Tür verschwand, brach die Hölle los.
 

Ich scheuchte sie vor mir her, wild entschlossen, uns hier herauszubringen. Denn nicht nur das Leben dieses Superstars hing davon ab, auch wollte ich nicht mit der Schuld leben müssen, die unweigerlich auf mich niederging, wäre ich für das Elend einer Unbeteiligten verantwortlich.

Es ging so schnell und die Panik war allumfassend. Sobald ich Mina habhaft wurde, suchte ich nach einer Möglichkeit, uns vor dem Tode zu bewahren.

Wir erreichten den Durchgang, den wir vor gut zwei Stunden passiert hatten. Mina nestelte verzweifelt an dem Absperrband herum. Ich übergab ihr das Mädchen, das wimmernd an meiner Seite hing und versetzte der Absperrung einen gezielten Tritt. Scham und Tränen flossen ihr über die Wangen doch ich rief Mina harsch zur Vernunft.

Andere schienen unserem Pfad gefolgt zu sein und eine Traube brüllender Menschen schob sich an uns vorbei in Richtung Küche.

»Hier geht es raus«, rief ein Mann, der nicht zum Personal gehörte, sondern als Gast zu erkennen war. Eine Faust hatte wohl sein Kinn getroffen.

Von der Küchenfrau fehlte jede Spur. Ich hoffte, dass sie sich in Sicherheit bringen konnte.

»Zwei Mal nach rechts«, rief ich dem Mann zu, der sich und sein Gefolge aus dem Club zubringen versuchte. »Dann durch die Metalltür!«

Wieder trieb ich Mina zur Eile an. Das Mädchen, das sich zuvor an mich geklammert hatte, heftete sich nun mehr an die Fersen der Gruppe und folgte dem Tross mit schwankenden Schritten.

Metall schlug gegen Backstein, Kalte Nachtluft erfüllte den Gang vor uns. Nur noch wenige Meter, dann wären wir in Freiheit.

Ein Strom an Menschen ergoss sich in die kleine Gasse. Wir schafften es gerade noch hinaus, als ein ohrenbetäubender Lärm mein Gleichgewicht in Mitleidenschaft zog.

4


 

Kapitel 4

Mina

Hotel California
 

Die Explosion erschütterte Mid City. In den Nachrichten und Berichterstattungen würde es später heißen, dass mehrere Faktoren zu diesem Unglück beigetragen hätten. Die Elektronik der Mischpulte im oberen Teil des Clubs hätte durch einen Riss im Wassertank auf dem Dach des Gebäudes, und des daraus resultierenden Wasserschadens, zu einem Brand geführt. Trotz der vorschriftsmäßigen Wartung von Haus, Dach und Geräten kam zu allem Überfluss auch noch ein Gasleck hinzu, das fünfzig Menschen das Leben gekostet hatte.

Auf nackten Sohlen lief Mina neben ihm her. K hatte Mühe, die wimmernden Worte der jungen Frau zu verstehen, da ihm noch immer die Wucht der Detonation durch Mark und Bein ging. Der Kraft und dem Druck der Welle, die das Gebäude beinahe unbegehbar machte, konnte ein menschlicher Körper wenig entgegenbringen.

Sirenen von Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei drangen dumpf an sein Gehör. Einzig die blinkenden Lichter und das sorgenvolle Gesicht Minas zeigten ihm das Grauen, das diese Stadt vor wenigen Minuten erleben musste.

Die Knie waren ihm butterweich, doch er verbot sich jegliche Schwäche. Das Mädchen jedoch sackte kraftlos neben ihn auf den Gehweg zusammen.

»Es tut mir leid«, wimmerte Mina und sah mit tränennassem Gesicht zu ihm auf. »Es war eine dumme Idee und jetzt … jetzt ….«

Ihm schwante Übles. Dieses Mädchen stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch und würde innerhalb weniger Sekunden kollabieren. Sie hyperventilierte, rang krampfhaft nach Atem.

K sank vor ihr auf die Knie, langte nach ihren zitternden Schultern, zwang sie, ihn anzusehen und beschwor sie eindringlich, ruhig und konzentriert zu atmen.
 

Er führte sie in das nächstgelegene Hotel, das ihnen auf ihrem Weg durch die Stadt begegnete. Es war nicht das Mayfair, in dem Mina residierte, doch es war nah und würde die Augenblicke des Schreckens erst einmal einzudämmen wissen.

Welchen Anblick diese zwei auch boten, es war der jungen Frau gleich. Sie wollte Schutz, Schlaf und Halt. Der Dame am Empfang blieb beinahe das Herz stehen, als das Gespann in das kleine Foyer stolperte.

Zu Minas Erleichterung hatte sich K rasch gefangen und in knappen Worten die Situation erklärt. Der mitfühlende Blick der Dame, trieb ihr die Scham in die Wangen.

K langte in die Innentasche seines Jacketts, brachte ein flaches Portemonnaie zum Vorschein und zahlte das Zimmer, wie groß es auch immer sein mochte.

Das leise Klirren eines Schlüssels war es, das Erleichterung versprach.

Die Frau rief einen jungen Pagen zu sich, der das Duo auf ein Zimmer in der ersten Etage brachte. Flackernd erwachte die Deckenbeleuchtung zum Leben. Trotz der geringen Größe verfügte der Raum über ein kleines Wohnzimmer mit angrenzendem Schlaf- und Badezimmer. Der Page trollte sich und ließ die Gäste allein.

Mina löste sich von ihm, doch das Interieur des Zimmers verschwamm ihr vor den Augen. K langte nach ihr, wandte sich zur rechten Seite und fand die Tür zum Schlafzimmer vor. Mit langen Schritten war die Distanz überbrückt und das Licht im Zimmer entflammt.

Ein murrender Laut entkam ihr. Hastig bugsierte er die junge Frau auf das Bett, das beinahe das gesamte Zimmer einnahm und wandte sich der nächsten Tür zu, hinter der sich ein kleines Bad mit Dusche verbarg. Er ließ lauwarmes Wasser in das Waschbecken ein, langte nach einem Handtuch und tauchte es ins Nass. K drückte den weichen, vollgesogenen Stoff leicht aus und kehrte mit dem improvisierten Lappen zu Mina zurück.

Er legte ihr das Tuch auf den Schoß, entwand sich seiner Jacke, dem Schulterholster mit Magazin und der Glock 17 darin und schob sich die Ärmel des Hemds in die Armbeugen hinauf, um besser hantieren zu können.

Mina hatte vielleicht schon bessere Tage erlebt. Das, was bis vor wenigen Stunden noch ein Kleid gewesen sein mochte, war Zeuge von der Flucht durch die Massen aus Menschen und Panik und hing ihr wie ein leidiger Fetzen am Leib.

Um Vorsicht bemüht, nahm er sich des Handtuchs und Minas an und versuchte ihr die Spuren der letzten Stunde aus dem Gesicht zu wischen.

Kraftlos ließ Mina die Schultern hängen und seine Bemühungen über sich ergehen. Ob es ihm ähnlich erging wagte Mina nicht zu fragen. K blieb tapfer und standhaft, auch wenn seine Welt womöglich in Scherben lag. Hatten es seine Freunde aus dem Club geschafft? Hatten sich die Besucher retten können? Wie vielen war die Panik zum Verhängnis geworden?

Sie schauderte bei dem Gedanken, die Zähne gruben sich ihr in die Unterlippe während ihr stumme Tränen von den Wangen flossen. Mina verbarg ihr Gesicht in den Händen, schluchzte und weinte bitterlich.

»Es ist nicht deine Schuld.« Seine Stimme klang belegt. Auch K hatte mit der Situation zu kämpfen. Er ließ von ihr ab. Schmutz und Staub würden auch später noch da sein, um fortgewischt zu werden.
 

Er blieb solang bei ihr, bis der Schock langsam von ihr abfiel. Mina wischte sich die Augen und bemühte sich, das, was sich vor ihr befand, zu erkennen. K hatte sich an der Wand ihr gegenüber niedergelassen und starrte auf die Waffe, die unbenutzt im Holster steckte.

»Warum hast du sie nicht benutzt?« Brüchig wichen ihr die Worte von den Lippen.

K sah auf. »Es gab keine Veranlassung«, erklärte er, dann jedoch huschte ein knappes, klägliches Lächeln über sein Gesicht. »Wäre es zum Äußersten gekommen, hätte ich sie abgefeuert. Allerdings liegt das Augenmerk eines Leibwächters auf der zuschützenden Person. Wäre dein Leben in Gefahr, hätte ich für nichts garantiert.«

Schwach nickte Mina. »Es -«

»Wir hätten nichts tun können, Mina.« Er langte nach dem Jackett, wühlte darin nach seinem Mobiltelefon. Die Nachrichten überschlugen sich. K hielt es ihr entgegen, doch Mina registrierte nur das leuchtende Display und nicht, was der Newsticker ihr über dieses schreckliche Missgeschick verriet. »Sie sprechen jetzt schon von einem Gasleck. Das würde die Explosion erklären.«

Sie biss sich auf die Lippen und nickte schwach.

Sein plötzliches Schnauben ließ sie dennoch zusammenfahren. »Da gehe ich ein Mal mit einem Mädchen weg und dann passiert so etwas.«

»Vielleicht sollten wir das nicht mehr machen«, murmelte Mina und zupfte an dem Überbleibsel des schimmernden Trägers herum.

Unter krächzenden Lauten rappelte er sich auf und nestelte an dem von Ruß befleckten Hemd herum. »Lass uns später darüber reden, in Ordnung? Mir klingeln immer noch die Ohren.«

Irritiert blinzelte Mina gegen sein Vorhaben an. Knopf um Knopf entblößte mehr freie Stellen seines Körpers.

»Was hast du vor?« Ihr zitterte die Stimme.

»Bleib ruhig, okay?« Ein Seufzen entrang sich ihm. Unter dem hellen Stoff kam ein schwarzes Shirt zum Vorschein. Kevlar, wie K erklärte und auch diesem entwand er sich. Übrig blieb lediglich ein dunkles Unterhemd, das er sich über den Kopf zog und ihr reichte. »Ich denke nicht, dass du in diesem Fetzen schlafen möchtest.« Mit einem auffordernden Nicken deutete er auf das Stückchen Glitzerfummel, das ihr mehr schlecht als recht anlag.

Mina senkte den Blick. Warm war ihr der Stoff zwischen den Fingern.

K räusperte sich. »Tut mir leid, dass es kein Seidenpyjama ist.«

»Schon gut, ich – danke«, murmelte sie, erhob sich wankend und stolperte in das kleine Badezimmer.

»Ich bin im Wohnzimmer«, rief er ihr nach, ehe die Tür klickend ins Schloss fiel.
 

K saß wartend auf dem kleinen Sofa, knetete die Hände im Schoß und schien tief in Gedanken. Das Zimmer lag im Dunkeln, einzig ihr Schatten, der dem Lichtschein der Lampe auf dem Nachttisch im Schlafzimmer geschuldet war, sorgte dafür, dass beide einander bemerkten.

Mina verharrte im Türrahmen. Das dunkle Hemd wirkte übergroß an ihr. Sie wagte einen Schritt vor, ehe ihre Finger nach seiner nackten Schulter tasteten.

K wandte sich zu ihr um. »Ich bleibe hier.«

Doch Mina schüttelte den Kopf und bat stumm um seine Begleitung. Ihre Füße trugen sie ins Schlafzimmer. Sie schlug die Bettdecke zurück und haderte mit sich. Erst, als K hinter ihr erschien, krabbelte sie auf die Matratze und blickte abwartend zu ihm.

Tief rang er nach Atem, trat auf das Bett zu und ließ sich darauf nieder. Die zweite Bettdecke schubste er beiseite und gebot ihr somit den Vorrang, sich darin einzuhüllen. Er begnügte sich mit dem äußersten Flecken, streckte sich der Länge nach auf dem weichen Polster aus und zupfte ungelenk an der schwarzen Hose herum, ehe er seufzend die Arme hinter dem Kopf verschränkte.

»Darf ich?« Ihre leisen Worte hatte er kaum wahrgenommen. Sein Gehör litt noch immer unter der Intensität der Detonation. K warf ihr einen Blick zu. Noch immer saß sie wie ein Häufchen Elend in der Mitte des Bettes. Sein knappes Nicken ließ die Anspannung aus ihren Schultern weichen.

Mina wickelte sich in die schwere Bettecke und wirkte wie ein riesiger Burrito, während sie an seine Seite robbte. Diesem Gedanken folgend, umspielte ein Schmunzeln seine Lippen.

»Was?« Sie blickte mit großen, fragenden Augen zu ihm auf.

K schnaubte lachend. »Nichts, nur … du erinnerst mich an eine gefüllte Tortilla.«

Mina schürzte empört die Lippen. »Willst du mich beleidigen?«

Er linste neben sich und schüttelte, amüsiert grinsend, den Kopf. Doch als K Anstalten machte, das Licht zu löschen, war Mina alarmiert.

»Nein! Bitte, ich … bitte.« Die Decke raschelte vernehmlich, als Mina versuchte, sich aufzusetzen. »Bitte entschuldige, es ist nur ...«

»Es ist okay.« K brachte sich wieder in die zuvor gewählte Position und starrte zur Zimmerdecke hinauf.

Beklommen senkte Mina den Blick, kam jedoch nicht umhin, den Mann neben sich, und sei es auch nur von der Seite, in Augenschein zu nehmen. Eine Strieme, die sich hell von der leicht gebräunten Haut abhob, schlängelte sich von rechts unten über den Bauch bis hoch zum Herzen hinauf. »Woher hast du sie?«

Abermals linste er zu ihr herab. »Du meinst die Narbe? Dir entgeht nichts, hm?«

»Nun ja, ich … komme selten einem Mann so nahe, wenn du das meinst. Es sei denn, es ist für einen Dreh oder ein Shooting«, murmelte Mina und spürte, wie ihr das Blut in die Wangen wanderte.

»Heißt das, dass du Frauen bevorzugst?« Seine Annahme quittierte sie mit einem entrüsteten Schnappen nach Luft.

»Nein, ich … es ergab sich bisher nicht Gelegenheit, es zu testen, allerdings tendiere ich – Wieso kannst du mir nicht meine Frage beantworten?« Ihr Gesicht zierte Empörung.

»Schon gut, schon gut«, murrte er beschwichtigend. »Ich habe sie von meinem letzten Einsatz. Mein Kamerad hatte leider nicht so viel Glück.«

»Einsatz?«, fragend blickte sie zu ihm auf.

Seine Lippen zierte ein leichtes Lächeln. »Bei der Navy, aber ich glaube, dass du das schon weißt.«

Mina biss sich auf die Lippen.

»Okay, ich bin dran«, erklärte er unumwunden.

»Dran? Womit?« Sie konnte sich keinen Reim auf seine Worte hin machen.

»Mit der Fragerunde«, fuhr K fort. »Also: Warum hast du dann so einen regen Verschleiß an Leibwächtern?«

Mina schlug die Augen nieder und schwieg, doch sie war ihm eine Antwort schuldig. »Du hältst mich für egoistisch, wenn es ich dir erzähle.«

Ein grunzender Laut entkam ihm. »Das tue ich auch, ohne, dass du es mir erzählst.«

»Hey!« Sie war versucht, ihm einen Knuff in die Seite zu verpassen, doch das Vorhaben scheiterte kläglich. »Sie … sie sind Väter, verstehst du? Sie haben Familie. Und sie riskieren ihr Leben für mich und das … wollte ich nicht verantworten.«

»Und ich bin da die bessere Partie?« Skepsis zierte sein Gesicht. »Vielleicht habe ich irgendwo eine Frau mit fünf Kindern. Oder fünf Frauen mit einem Kind?«

Mina grub die Zähne in die Unterlippe und linste zu ihm auf. »Hast du nicht. Wir haben dich überprüfen lassen.«

Anerkennend hob sich ihm eine Augenbraue. »Kenna und du, ihr seid schlimmer als das FBI.«

»Amberly hat Kontakte zum FBI«, erklärte Mina.

»Das überrascht mich nicht.« Sein kehliges Lachen erfüllte das Zimmer.
 

Irgendwann waren ihre Worte verstummt und Mina der Erschöpfung erlegen. Es war das stetige Summen seines Smartphones, das ihn dazu anhielt, aus dem Bett zu steigen, nach dem Telefon zu greifen und das Zimmer zu verlassen. Auf dem Display leuchtete Amberly Kennas Name auf.

»Amberly«, sagte er und schloss die Tür zum Schlafzimmer hinter sich.

»WO IST SIE?« K hielt das Mobiltelefon auf Abstand. Sein Gehör hatte er gerade erst wiedererlangt, da war ihm beim Gedanken an einen erneuten Hörsturz alles andere als wohl.

»Beruhige dich! Sie ist bei mir«, erklärte er.

»Und wo soll das sein?« Der herrische Ton bereitete ihm Kopfschmerzen.

K sah sich im Wohnzimmer um. Auf dem Couchtisch fand er einen Notizblock vor. »Rotex Plaza, Olympic Boulevard. Hey, Amberly, bist du im Mayfair

»Wo sollte ich sonst sein? Ich komme hier an und von Mina ist nichts zu sehen.« Amberlys Angst und Wut waren beinahe greifbar. »Auf meine Anrufe reagiert sie auch nicht.«

K holte tief Luft und hoffte, dass Amberly es ihm gleichtat. »Am, beruhige dich. Es geht ihr gut. Pack ihr bitte ein paar Klamotten ein.«

»Warum sollte ich das tun?«, zischte es am anderen Ende.

»Weil sie sonst splitterfasernackt herumlaufen muss.« Mit diesen Worten war das Gespräch für ihn beendet.
 

Keine zwanzig Minuten später klopfte es energisch an der Tür. K war es gelungen, still und heimlich seine Kleidung aus dem Schlafzimmer zu holen. Hastig war er in Schuhe und Shirt gefahren, ehe er die Tür öffnete und einen Schritt zur Seite trat, als das erzürnte Gesicht Amberlys vor ihm auftauchte.

In der Hand einen kleinen Koffer haltend, suchte sie das Innere des Wohnzimmers ab. Seufzend deutete K auf die Tür zum Schlafbereich.

Behutsam drückte Amberly die Klinke hinab, lugte in den Raum. Noch immer war die Nachttischlampe entflammt und Mina in der Mitte des Bettes auszumachen. Erleichtert schloss Amberly die Tür.

»Was ist passiert?« Abermals bediente sie sich eines scharfen Tons.

»Sie wollte ausgehen«, sagte K wahrheitsgemäß.

»Ausgehen?«, echote Amberly halb lachend, halb brüllend. »Hast du auch nur die leiseste Vorstellung davon, was passiert, wenn ihr etwas zustößt?«

K schwieg. Dass die junge Frau im Nebenzimmer lag, schien den Zorn der Managerin nicht zu mildern.

Amberly taxierte ihn mit wütendem Blick und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich will eine Erklärung.«

»Ich sagte doch schon: Wir waren aus.« Ks Miene blieb wachsam und doch schien es, als prallten seine Worte an Amberly ab.

Ihre Augenbraue schoss zum gefärbten Haaransatz hinauf. Sie hatte das Smartphone griffbereit und hielt es ihm entgegen. Ein Foto, in der letzten Nacht aufgenommen, zeigte Mina ausgelassen zwischen den tanzenden Menschen. »Ihr ward dort? Vor oder während?«

K presste die Zähne zusammen. »Wir waren mittendrin.«

Amberly rang nach Luft. Langsam nickte sie die Information ab. »Ihr – ihr ward in diesem Club. Sie hat sich amüsiert und dann sind euch die Backsteine um die Ohren geflogen?!« Es fiel ihr sichtlich schwer, die Ruhe aufrechtzuerhalten.

»Am?« Minas Stimme ließ beide zucken.

»My dear!«, rief Amberly aus und schloss die verwirrt dreinblickende Mina in die Arme. Tränen rannen der Frau über die blassen Wangen. »Ist dir etwas passiert? Wir fahren sofort zu einem Arzt, ins Krankenhaus und lassen dich von Kopf bis Fuß untersuchen. Wie siehst du bloß aus?« Die letzten Worte gingen in einem Schniefen unter.

»Am, mir geht es gut, wirklich. K hat es schlimmer erwischt«, murmelte Mina betreten.

»Er kann auf sich selbst aufpassen. Im Übrigen, Mister Smith, Sie sind gefeuert. Los, Mina, zieh dir etwas an.« Amberly trieb die junge Frau zur Eile an, doch verharrte stocksteif auf der Schwelle zum Wohnzimmer.

Mit großen Augen starrte Mina erst zu ihrer Managerin, dann rutschte ihr Blick zum Leibwächter. »Nein, das - das kannst du nicht machen. Du kannst ihn nicht feuern.«

Amberly winkte ab, als hätten Minas Worte keinerlei Bedeutung. »Schon geschehen, so, und nun wollen wir dich anziehen und dann -«

»Nein, Schluss! Amberly, er … wäre K nicht gewesen, dann wäre ich vielleicht nicht hier.« Minas Protest fand jedoch kein Gehör. Sie entwand sich Amberlys klammerndem Griff.

»Jetzt werd nicht melodramatisch! Spar dir das für Mister Ratner und die Hauptrolle auf!« Amberly langte nach den Schultern des jungen Starletts und scheuchte ihren Schützling in Richtung Badezimmer davon.

Doch Mina stellte sich stur und stemmte sich gegen den Versuch, sie im Bad einzupferchen.

»Mina, jetzt sei vernünftig!« Amberly zwang sich zur Ruhe, doch in ihrem Innern, so wusste Mina, brodelte es gefährlich.

»Bitte«, hauchte sie und wandte sich zu K und ihrer Agentin um. »Er hat alles richtig gemacht. Er hätte ... sogar auf jemanden geschossen. Bitte, Am!«

Auch Amberly warf ihm einen Blick über die Schulter zu, dann seufzte sie. »Ich bin zu alt für dieses ganze Drama. Hat er dich angefasst?«

»Was?«, rief Mina entrüstet. »Nein, wie – wie kommst du darauf? Am, was zum -? Brauchst du so dringend einen Grund, ihn zu feuern?«

Die Antwort mündete lediglich in einem irritierten Blinzeln.

»Ich bin schuld. Es war meine Idee, auszugehen, nicht Ks. Und dass es zu diesem Unglück kam, es -« Mina rang nach Atem und Fassung.

Es war Amberly anzusehen, wie viel Kraft es sie kostete, nicht den Verstand zu verlieren. »Zieh dich an. Wir lassen dich trotzdem durchchecken, in Ordnung?«

Mina traute der plötzlich schwankenden Stimmung nicht. »Und K?«

»Auch er wird, wenn er es möchte, untersucht«, sagte Amberly, dann wandte sie sich an den Mann, der noch immer abwartend die Szenerie beobachtete.

Welche Gedanken ihr auch immer keimten, K war auf der Hut. Mit dieser Frau war nicht zu spaßen. Da konnte dieses Mädchen noch so sehr bitten und betteln.

»Sehen Sie es als Zeichen Minas Güte«, spie Amberly aus. »Es war ohnehin Ihre letzte Woche, nicht wahr? Und nach diesem Spektakel werden Sie sich sicherlich nach etwas anderem umsehen.«
 

Amberly war vielleicht als hartnäckig zu beschreiben, doch einem kleinen, aufstrebenden Sternchen, das den roten Teppich als Ziel so beharrlich verfolgte, hatte selbst eine so gestandene Frau schwer etwas entgegenzusetzen.

Schürfwunden und ein paar Hämatome an Armen und Beinen zeugten von dem vergangenen Tag. Es war nichts, was sich nicht mit einer doppelten Schicht Make-up übertünchen ließe. Für K jedoch ging der Besuch im Dignity Health-California Hospital Medical Center nicht so glimpflich aus:

Prellungen am Rücken, eine angeknackste Schulter und man hielt ihn dazu an, sein Gehör alle drei Wochen überprüfen zu lassen.

Es war Amberly nicht recht, dass Mina darauf bestand, diesen Mann ihrer Seite zu wissen.

Amberly tat sich schwer, zugeben zu müssen, dass Furcht und Angst nicht nur auf geschäftlicher Ebene stetige Begleiter waren. Mina war ihr wie eine Tochter und diese Verbindung, die über Jahre hinweg anhielt, wäre dann durch dumme Einfälle und Ideen gekappt.

Mina zeigte sich einsichtig, legte ihr jedoch nahe, dass es nicht an Amberly war, sie zu beschützen, denn für diesen Job gab es jemand anderen.



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Kommentare zu dieser Fanfic (4)

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Von: ChiaraAyumi
2021-02-09T19:05:12+00:00 09.02.2021 20:05
Und direkt weiter mit dem letzten Kapitel:

Man erfährt, was zu dem Unglück geführt hat und 50 Menschen sind umgekommen. Das ist echt krass, aber bei einem vollen Club wahrscheinlich noch eine geringe Opferzahl. Dass das die beiden so krass mitnimmt ist absolut verständlich. Da zieht man los, um zu feiern und dann passiert so eine Katastrophe. Da wäre jeder fertig danach. Vor allem, wenn man anfängt zu realisieren, was da gerade passiert ist und sich die schlimmstmöglichen Szenarien ausmalt, was einem selbst hätte passieren können und was anderen passiert ist.

Ich fand du hast die Situation gut beschrieben. Man kann spüren, in welchem Schockzustand sich die beiden befinden und wie K versucht für Mina da zu sein, obwohl er selbst darunter leidet, was sie gerade erlebt haben. Und das Mina in so einem Zustand nicht alleine sein will, ist völlig verständlich. Ich kann mir Mina als gefüllte Tortilla wirklich gut vorstellen, wie sie dann an K's Seite liegt und beide die Nähe des anderen gerade einfach nur brauchen und sie sich über irgendwelche Dinge unterhalten, bis Mina einschläft.

Amberly reagiert dann ein wenig über, aber sie ist ja auch ein echtes Muttertier und das ist ja auch eigentlich etwas Positives. Schade, dass sie es trotzdem erstmal an K auslässt. Aber Mina steht ihm ja zur Seite, denn sie weiß jetzt, dass sie sich auf K verlassen kann und das passt als Ende. Auch wenn mir der letzte Absatz etwas überstürzt vorkam, hat es als Ende gepasst. Ich hätte zwar noch ewig weiterlesen können, aber der Probemonat ist durch. Mina hat ihren Bodyguard gefunden und sie haben durch das traumatische Erlebnis Zugang zueinander gefunden. Das reicht völlig. Ich war auf jeden Fall völlig damit zufrieden und mit so einer lange Geschichte hast du mir eh eine riesige Freude gemacht. Es hat Spaß gemacht sie zu lesen, die Charaktere wären wunderbar ausgestaltet und lebensnah und die Story war mir jetzt nicht zu traumatisch (ich schreibe selbst oft genug krasse Sache ^^') und hat wunderbar zu den Charakteren gepasst.

Also noch einmal tausend Dank für diese wunderbare Geschichte! Du bist eine wundervolle Wichtelmama gewesen und ich hoffe ich kann mich irgendwann dafür revanchieren :)
Antwort von: irish_shamrock
14.02.2021 17:15
Hallo ChiaraAyumi :) ...

vielen Dank, dass du auch dem letzten Kapitel einen würdigen Abschluss verpasst hast :3 ...

Ich kann nichts versprechen, aber vielleicht lasse ich mich noch einmal, irgendwann, zu einer weiteren Geschichte bzw. eines weiteren Kapitels hinreißen.

Vielen lieben Dank für deine Worte ♥
Von: ChiaraAyumi
2021-02-09T18:45:09+00:00 09.02.2021 19:45
Im dritten Kapitel hast du mich direkt am Anfang zum Lachen gebracht mit Halvin Carris; Gavid Duetta, BeOnSay und Carriah Marey. Da hab ich wirklich herrlich bei gelacht xD

Ich fand schön, dass K merkt, dass das Leben eines Star nicht einfach, sondern harte Arbeit hat und wie er Stück für Stück sie mehr respektiert für das was sie da macht und sein anfängliches Urteil sich langsam ändert, ohne dass es von heute auf morgen passiert. Du beschönigst das Leben von Stars nicht und zählst auch die harten Seiten auf. Es ist immer gut sowas realistisch darzustellen und das ist dir gut gelungen.

Dann das erneute Training (hier übrigens wieder ein Fehler da steht nämlich erneuten Ztaining), wo K mit sich und vor allem den Trainer zu kämpfen hat, fand ich auch sehr interessant. Das er dem Trainer am Ende die Nase bricht, passt auch zu K's Charakter. Der nimmt halt nur so und so viel hin, bevor es mit ihm durchgeht.

Und die arme Mina muss wirklich überall mitmachen, aber zum Glück haben sie das Training ja gemacht. Hier ist mir dann auch ein zeitlicher Fehler aufgefallen. Du schreibst im ersten Kapitel, dass das Training mehrere Wochen zurückliegt, aber hier im dritten Kapitel gehen sie am selben Tag in den Club. Wenn sie nicht also das ganze zweimal gemacht haben, kommt es nicht hin.

Ich fand an dieser Stelle etwas schade, dass man gar nicht mehr aus Minas Sicht erfährt, wie sie das Training wahrgenommen hat und warum sie eigentlich losgezogen ist, um zu feiern. Du deutest es zwar an, aber hier hätte mir ein Perspektivwechsel nochmal gefallen, aber ist ja auch nicht weiter schlimm. Man ahnt ja genug, was in ihrem Kopf vorgeht. Wichtig ist ja nur, dass sie jetzt in dem Club landen aus dem ersten Kapitel.

Mir gefiel, dass K trotz seiner eigenbrötlerischen Art Freunde hat und man so einen kurzen Blick auf eine andere Seite von ihm werfen konnte. In Zeiten von Corona eine Clubszene zu lesen, fühlt sich so realitätsfern an xD

Und dann geht die Massenpanik los und K rettet Mina (und das andere Mädchen) in letzter Sekunde aus dem Club. Wie spannend das Ende dieses Kapitels war. Ich eile mal schnell zum letzten Kapitel weiter!
Antwort von: irish_shamrock
09.02.2021 20:02
Du bist ja fix :') ...

Danke für deinen Kommentar und das Aufmerksammachen der Fehler.
Du hast natürlich recht und der Fauxpas mit den zeitlichen Unterschieden fällt mir jetzt auch wie Schuppen aus den Haaren x.x ... das ist mir wirklich unangenehm und unglücklich verlaufen ...
Ich werde beizeiten Verbesserungen vornehmen, denn so kann ich das ja nicht stehen lassen :') ...

Danke für deine Worte <3
Von: ChiaraAyumi
2021-02-09T13:23:15+00:00 09.02.2021 14:23
Und hier kommt der Kommentar zum zweiten Kapitel:

Es war schön das zweite Kapitel mit Minas Sicht zu beginnen und sie nicht mehr nur mit den Augen von K zu sehen. Der Wunsch nach dem Berühmtsein passt wie schon erwähnt super zu ihr und sie fühlt sich damit auch wirklich wie die Minako aus Sailor Moon an, auch wenn das Setting ja ein ganz anderes ist. Ich mochte auch, dass sie eine Halbjapanerin ist und sie sich erst einen Namen in der asiatischen Welt gemacht hat, bevor sie nach Amerika gekommen ist. Und dass sie auch nicht mehr am Anfang ihrer Karriere steht, sondern schon mit ihrem Ehrgeiz weitgekommen ist und jetzt kein naives Blondchen ist. Das hätte nicht zu ihr gepasst. So ist dir Mina aber wunderbar gelungen :)

Ich mochte die erste Interaktion zwischen Mina und K. Er macht seinen Standpunkt deutlich und sie lernt zurückzustecken und ihn zu respektieren. Passt auch zu K, das er ihren Befehlston und Wünsche nicht entspricht, weil es nicht sein Job ist.
Du hast mich auf jeden Fall neugierig gemacht, wie es mit den beiden weitergeht. Sie zeigen ja schon Interesse aneinander, sind aber noch nicht auf einem grünen Zweig. Wäre auch seltsam, wenn sie sich sofort die Klamotten vom Leib reißen und übereinander herfallen. Bin kein so großer Fan von solchen Szenen und dir unendlich dankbar, dass du darauf verzichtet hast. Du baust ihre Beziehung zueinander langsam auf und das ist großartig. Vielen Dank dafür!

Ihre Beziehung zu Amberly ist auch schön
Antwort von: irish_shamrock
09.02.2021 17:50
Hallo die 2. (: ...

Ich freue mich, dass du mir den Perspektivwechsel nicht übel nimmst. Ich bin auch eher selten ein Fan davon, aber bei Mina und K wusste ich mir nicht anders zu helfen ^^' ...

Ich denke, dass Mina, mit den richtigen Leuten an ihrer Seite, schon weiß, wie sie die Dinge angehen muss. Ich halte auch nichts vom naiven Blondchen und traue auch ihr durchaus zu, taff zu sein, ihr Ziel zu verfolgen und auch gewisse Sachverhalte zu hinterfragen.

Was Minas Staatsbürgerschaft anbelangt, wollte ich an ihre Zeit in England erinnern. (auch müssen ja irgendwie die blonde Wallemähne und die blauen Augen erklärt werden :') ...)

Ehrlich gesagt hätte ich mir bei einer näheren Beziehung der Beiden wahrscheinlich die Augen ausgekratzt. In dieser Geschichte, zumindest dem, was zu lesen ist, wäre mir eine engere Verbindung der Protas sehr schwer gefallen, eben weil sich so Ebenen verschoben hätten und es hätte Ausmaße angenommen, deren Fertigstellung die Grenzen von Gut und Böse gesprengt hätten.
Ich freue mich, dass dir auch dieses Kapitel zusagt und bedanke mich 🧡lichst für deinen Kommentar C:

PS: ... Ich werde mich bestimmt die krätze ärgern, weil ich übers Handy antworte >_<
Von: ChiaraAyumi
2021-02-09T12:41:47+00:00 09.02.2021 13:41
So hier kommt mein Kommentar (nun doch etwas später als geplant). Musste mich im Schneechaos austoben gehen und den Winter genießen. Wer weiß wann wir wieder so viel Schnee haben^^

Als ich mein Wichtelgeschenk geöffnet habe, hab ich definitiv nicht mit diesem Paar gerechnet und auch schon wieder völlig vergessen, dass mir mal Fragen bezüglich AU gestellt wurden ^^' Das AU passt vor allem zu Minako mit ihrem Wunsch ein Idol zu werden, den sie ja auch in Sailor Moon hat, aber auch Kunzite kann ich mir als ehemaligen Navy Seal vorstellen. Also passt das AU für mich auf jeden Fall :)

Der Einstieg ist dir sehr gut gelungen. Vor allem, wenn man später zur Anfangsszene zurückkommt und man dann weiß, wie Mina und K dort gelandet sind. Ich hab beim Lesen der späteren Szene auch nochmal zurück gescrollt, um die Anfangsszene nochmal zu lesen, um sie dann viel besser zu verstehen und einordnen zu können.

Der Rückblick in K's Vergangenheit, generell sein Ton, hat mir eine super gute Vorstellung davon gegeben, was für ein Mensch er ist. Hut ab vor der Art und Weise wie du ihn so toll charakterisiert hast. Auch seine Jobsuche mit dem Satz "So saß ich zwischen Müttern, die ihre Kinder stillten und frustrierten Bankangestellten auf den harten Plastikstühlen des Job Centers und wartete darauf, dass meine Nummer aufgerufen wurde." zu beschreiben war wunderbar. Jeder, der schon mal auf Jobsuche war, kennt diesen Moment glaub ich. Ich konnte die Situation auf jeden Fall super nachvollziehen xD

Amberly wirkt auch wie ein ziemlich taffer, cooler Charakter. Auch bei ihr schaffst du es wieder großartig mir in wenigen Sätzen das Gefühl zu vermitteln, das ich genau weiß, was für ein Mensch sie ist und wie so drauf ist.
Und dann die erste recht eisige Begegnung zwischen Mina und K und der letzte Satz des Kapitels mit dem Probemonat haben mich erst recht neugierig auf den Rest der Geschichte gemacht und daher wandere ich mal weiter zum nächsten Kapitel, um das zu kommentieren.

An dieser Stelle schon mal ein Dankeschön für diese tolle, lebendige Geschichte ^^

Nochein Fehlerchen, der nicht schlimm ist, aber der den Lesefluss etwas störte:
"deren Gesicht zerschundenes Gesicht Todesangst zierte" an der Stelle, wo K das andere Mädchen im Club aufliest.
Wollte dich nur darauf hinweisen.
Antwort von: irish_shamrock
09.02.2021 17:38
Liebe ChiaraAyumi,

Ich bin sehr erleichtert, dass dir das Geschenk zusagt, denn ich wollte schon eine Ewigkeit für dich schreiben und immer wurde dir jemand anderes zugeteilt.
Aus diesem Grund wollte ich auch etwas Längeres abliefern, und auch wenn sicherlich noch mehr aus der Story herauszuholen wäre, wollte ich wirklich bis kurz vor Schluss abbrechen, weil mir das Thema "Massenpanik" dann doch eine Spur ZU VIEL wurde, besonders da in den letzten Jahren so viel Mist in der Welt geschah, dass ich sehr unsicher wurde, ob sich nicht jemand tief verletzt fühlt oder erinnert wird.
Ich hatte auch schon mit TvP-Story zu Madge x Gale begonnen - wobei diese sehr Madge-lastig geworden wäre, weil ich Gale partout nicht leiden mag.
Aber wie du liest, ist es dann doch eine Konstellation geworden, die auch ich auf der Liste habe ;)

Ich freue mich, dass es einigermaßen gelungen ist, die Charaktere getreu zu gestalten. Auch dass du mir das 'leicht herrische' Ks nicht allzu übel nimmst.

Danke für den Tipp @.@ - ich habe den Fehler echt übersehen und da ich betalos bin, stehe ich zum sehr großen Teil mit mir allein auf weiter Flur :) ... wenn dir noch etwas auffällt, einfach Bescheid geben.

Und vielen, lieben Dank für deine Worte <3

PS: am Handy tippen ist so dooof T.T


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