Wichtelziehen
Ami saß auf einer Bank und las ein Buch. Sie wartete auf Usagi, um mit ihr gemeinsam zur Schule zu gehen. Da sie heute erst zur zweiten Stunde hatten, standen die Chancen gut, dass Usagi rechtzeitig zum Treffpunkt kommen würde. Aber untätig herumsitzen wollte sie auch nicht. Daher hatte sie sich eines der Schulbücher der älteren Klassen aus der Bibliothek ausgeliehen.
Sie blätterte gerade eine der Seiten um, als sie aus den Augenwinkeln Usagi zu dem Treffpunkt laufen sah. Kurz überlegte sie, ob sie das Kapitel zu Ende lesen sollte, klappte dann aber das Buch zu. Gut gelaunt setzte sich Usagi neben Ami.
„Und, freust du dich schon auf die Schule?“
Normalerweise würde Usagi bei einer solchen Frage an dem Verstand ihrer Freundin zweifeln. Oder zumindest daran zweifeln, dass ihre Freundin sie kennt. Doch stattdessen lautete ihre Antwort: „Ja, irgendwie schon.“
„Dann sollten wir uns auf dem Weg machen.“ Ami erhob sich von der Bank, packte das Buch zurück in ihre Schultasche und lief in Richtung Schule. Usagi folgte ihr.
„Ist es nicht deutlich entspannter, wenn du nicht zur Schule laufen musst, um noch rechtzeitig anzukommen?“ Sie betraten gerade das Schultor.
„Ach Ami, hast du eine Ahnung, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, früh aufzustehen. Und dennoch hat es nur sehr selten funktioniert.“
„Wie wir gestern besprochen haben, werden wir heute die Wichtel ziehen. Jeder von euch wird der Person, die sie gezogen hat, ein kleines Geschenk besorgen. Ihr habt Zeit dafür bis zum 24. Dezember.“ Ihre Lehrerin erklärte noch einmal das Vorgehen vom Wichteln, weil die Schule beschlossen hatte, ihren Schülern einige ausländische Bräuche näherzubringen. Sie hatte bereits Zettel mit den Namen ihrer Schüler in einem Topf deponiert und reichte diesen durch die Reihen. „Sollte jemand von euch sich selber ziehen, dann sollte dieser sich sofort melden.“ Dies traf aber auf keinen der Schüler zu.
Usagi schaute sich den Namen auf ihrem Zettel an. Eigentlich hatte sie gehofft, einen ihrer Freunde zu ziehen, da sie dann zumindest eine Ahnung von den jeweiligen Interessen hatte. Doch Sakura war neu auf der Schule, und bis jetzt hatte Usagi noch kein Wort mit ihr gewechselt. Die Suche nach einem passenden Wichtelgeschenk konnte spannend werden. Das Problem war nur, dass sie jetzt nicht den Versuch starten konnte, Sakura kennenzulernen. Denn in dem Fall könnte Sakura erraten, dass Usagi ihr Wichtel war. Etwas ratlos schaute sie daher zu Ami hinüber.
Auch Minako hatte jemanden gezogen, bei dem ihr keine Idee kam. Sie hob ihre Hand. „Was machen wir, wenn wir den Klassenkameraden noch nicht gut genug kennen, um ein Geschenk für ihn zu besorgen?“
„Dann lernt ihr den Klassenkameraden eben kennen.“, war das einzige, was ihre Lehrerin dazu sagte.
„Ist das nicht etwas auffällig, wenn wir versuchen, diesen einen Klassenkameraden ab jetzt kennenzulernen?“
„Dann werdet ihr euch wohl etwas anderes einfallen lassen müssen.“ Die Lehrerin wartete einen Augenblick, bevor sie weitersprach. „Aber um eines mal klarzustellen. Ihr solltet auch nicht mit euren Freunden über euren Wichtel sprechen. Denn sonst können eure Freunde euch als euren Wichtel ausschließen.“
Dieser Satz machte Usagis Idee, Ami auf Sakura anzusetzen, zunichte. Sie konnte Sakura nicht direkt in ein Gespräch verwickeln, aber auch keine von ihren Freundinnen darum bitten. Sie würde ihr Wichtel daher selber beschatten müssen.
Nach der Schule versuchte Usagi daher, Sakura im Auge zu behalten. Sie musste herausfinden, wofür ihr Wichtel sich interessierte. Doch dies war nicht so einfach.
„Was machst du da?“ Ami, Makoto und Minako hatten Usagi beim Beschatten beobachtet. Sie waren ihr gefolgt, als sie das Schleichen ihrer Freundin bemerkt hatten. Nur dass sie dies eher für den Modus Feind-ausspähen hielten, als den Erfahre-etwas-über-den-Wichtel-Modus.
„Ich beobachte jemanden“ Usagi lugte hinter einer Wand hervor.
„Das ist offensichtlich, Usagi. Nur wen? Freund oder Feind?“ Minako wurde langsam ungeduldig. Wenn es ein Freund war, wäre alles in Ordnung. Und wenn der Freund dann auch noch ein süßer Junge war, umso mehr. Dann würde sie sich den Süßen schnappen.
„Keines von beiden. Aber ich muss mehr herausfinden.“ Usagi lehnte sich an der Hauswand an. Sie hatte Sakura durch diese Unterhaltung aus den Augen verloren. „Und leider kann ich das nicht mehr, weil ihr mich zu lange abgelenkt habt.“
„Diese Antwort ist aber sehr unbefriedigend.“ Makoto spähte jetzt ebenfalls an der Hauswand vorbei. Aber wen Usagi auch beschattete, sie konnte ihn nicht erkennen.
„Es geht um das Wichtelgeschenk. Ich habe keine Ahnung, was ich meinem Wichtel schenken soll.“, gab Usagi zu.
„Hey Leute, was macht ihr denn hier?“ Rei war ebenfalls auf die Beschattungsaktion aufmerksam geworden, nur wirkte Usagi auf sie eher neugierig als besorgt. Daher dachte sie als erstes, dass ihre Freundinnen wieder irgendwelchen süßen Jungs hinterher schnüffelten.
Die anderen erzählten ihr von der Wichtelaktion. Usagi fügte hinzu, dass sie nichts über denjenigen wusste, den sie bewichteln sollte.
„Was weißt du denn über dein Wichtelopfer?“ Reis Frage klang harmlos.
„Was soll das denn jetzt wieder heißen?“ Doch für Usagis Ohren war dies eine Beleidigung.
„Na, dass man sich bei dir meistens sicher sein kann, dass deine Geschenke nichts taugen.“ Rei war kurz davor, das Wort Hündchen zu erwähnen.
Es war durchaus so, dass Usagi sich bei den Geschenken immer Mühe gab. Aber ihre handwerklichen Fähigkeiten waren nicht gut genug, so dass man bei Usagi immer raten musste, um was es sich handeln sollte.
„Das war jetzt aber gemein, Rei.“ Minako dachte an Usagis selbst genähten Hasen-Rucksack für deren zukünftige Tochter, der für Usagis Verhältnisse sehr gut gelungen war.
„OK, ich nehme das Opfer zurück. Aber jetzt mal im Ernst, was weißt du über die Person, die du bewichteln sollst?“ Dieses mal war keine Angriffslust in Reis Stimme zu hören.
„Na ja, eigentlich gar nichts. Das ist ja das Problem. Sie ist neu in der Klasse.“ Usagi verzichtete darauf, die Dinge, die sie wusste, mit ihrer Hand abzuzählen. Bei nur einer Sache würde es sich sowieso nicht lohnen.
„Also können wir schon einmal festhalten, dass es sich um ein Mädchen handelt. Weiter?“ Ami begann, gedanklich eine Liste aufzustellen. Ein einziger Punkt stand bereits drauf.
„Nichts weiter. Deswegen wollte ich sie ja beschatten. Um sehen zu können, für was sie sich interessiert.“ Usagi schaute zu Boden, als sie dies zugab.
„Als wenn du genug Geld hättest, um jemanden ein kleines Geschenk kaufen zu können.“ stichelte Rei wieder.
„Jetzt fängt das wieder an.“, konnten die anderen Ami, Makoto und Minako fast im Chor hören.
„Und wir wissen inzwischen, dass es sich um eine der drei neuen Klassenkameradinnen handelt. Also kannst du uns jetzt auch sagen, wen du gezogen hast.“ Makoto ging vor Usagi in die Hocke und versuchte es mit einem Hundeblick. Allerdings merkte sie schnell, dass dies lächerlich aussah, weshalb sie wieder aufstand.
„Ja, ist es Amaya, Ichika oder Sakura?“ Minako richtete ihren Blick auf Usagi, um vielleicht bei der Erwähnung eines der Namen eine Reaktion in ihrem Gesicht ablesen zu können. Doch Usagis Gesicht verriet nichts.
„Aber wenn Usagi dies verrät, ist es nicht mehr so spannend, wer wen bewichtelt hat.“ Ami wollte nicht, dass den anderen die Überraschung verdorben wird.
„Sie bewichtelt keine von uns. Also können wir ihr helfen, ein Geschenk für ihren Wichtel zu besorgen.“ Die Überraschung war Minako egal. Die Neugier überwog den möglichen Überraschungseffekt deutlich.
„Ich an Usagis Stelle würde darauf spekulieren, mit dieser Person während des Zoo-Ausflugs in derselben Gruppe eingeteilt zu werden. Dies bietet eine gute Gelegenheit, den Wichtel besser kennenzulernen, ohne sich zu erkennen zu geben.“ Ami war die meiste Zeit während der Unterhaltung recht still gewesen, um über eine Lösung für Usagis Problem nachdenken zu können. Diesen Vorschlag fand sie fürs erste am brauchbarsten.
„Also gut, ich warte den Tag übermorgen ab. Aber was ist, wenn ich nicht in dieselbe Gruppe mit meinem Wichtel komme.“ Noch immer machte Usagi sich Sorgen, dass ihr nichts passendes einfiel.
„Wie kommt es, dass du soweit im Voraus denkst?“
„Ab und an habe ich auch gute Ideen.“ verteidigte Usagi sich. „Wir brauchen einen anderen Plan. Ami, du bist doch bekannt dafür, viele Sachen im Kopf durchzugehen. Bei dir würde die Frage nicht auffallen, was die neuen Schüler so bevorzugen.“
„Aber hat Minako nicht schon versucht, diesbezüglich nachzufragen, und eine Antwort der Sorte, 'Lernt ihn besser kennen' bekommen? Aber gut, ich frage morgen im Unterricht einmal nach, sollten wir noch einmal auf das Thema Wichteln zu sprechen kommen.“ Auch wenn Ami ihrer Freundin helfen wollte, fand sie diese Vorgehensweise zu offensichtlich, da sie nicht vor dem Ziehen der Wichtel danach gefragt hatte. Daher hoffte sie, dass das Thema Wichteln morgen nicht drankommen würde, auch wenn sie dies Usagi gegenüber nicht zugeben würde.
Am nächsten Tag kam die Lehrerin nicht auf das Thema Wichteln zu sprechen. Der Unterricht lief normal ab, abgesehen von der Gruppeneinteilung für den Zooausflug morgen.
Ami blickte zu Usagi, als deren Gruppenmitglieder genannt wurden. Sie wartete auf ein Zeichen, ob sie das Thema mit der Vorstellung der neuen Klassenkameraden ansprechen musste oder nicht. Diese zeigte hinter der Schulbank einen nach oben gerichteten Daumen.
Ausflug zum Zoo
„Usagi, aufstehen“ Ikuko bereitete gerade Pfannkuchen zum Frühstück vor. Sie glaubte nicht, dass ihre Tochter es wirklich schaffte, rechtzeitig in die Schule zu gelangen. „Sonst kommst du zu spät zum Bus.“
„Was für ein Bus“, murmelte Usagi in ihrem Bett, bevor sie sich umdrehte und die Augen wieder schloss. Nicht einmal der Duft nach frischem Frühstück schien sie zu wecken.
Nach einigen Minuten sprang Luna zu Usagi ins Bett. „Der Wecker hat schon zweimal geklingelt, und du hast es nicht einmal bemerkt!“ Ihre Pfote stupste Usagis Schulter an. Dann wurde sie energischer. Sie versuchte, Usagi wach zu schütteln. „Der Bus! Du vergisst den Ausflug und dass du nicht mitgenommen wirst, wenn du den Bus verpasst.“ Wirklich schreien konnte Luna nicht, da sie sonst als Katze, die sprechen kann, enttarnt werden würde. „Und du wolltest doch etwas über deinen Wichtel herausfinden.“
„Wichtel?“ Dieses Wort scheuchte die Müdigkeit von Usagi fort, so dass sie aufschrak. „Stimmt ja, ich wollte den heutigen Ausflug nutzen, um Sakura besser kennen zu lernen.“ Hastig zog sich Usagi ihre Schuluniform an, stürmte nach unten, schnappte sich ihr Frühstück und rannte aus dem Haus raus.
Ami schaute auf die Uhr, als der Schulbus einbog. Usagi war noch nicht gekommen, und in fünf Minuten sollten alle Schüler einsteigen, damit der Bus abfahren kann. „Ob Usagi es noch rechtzeitig schafft?“
„Sie weiß, dass wir heute in den Zoo fahren.“ Makoto stellte sich mit Ami in die Reihe.
„Aber du kennst sie doch. Wie oft sie schon zu spät gekommen ist.“ Minako drehte sich zu ihren Freundinnen um.
„Oft genug, um nicht mehr mitzuzählen. Aber glaubst du nicht, dass sie es bei den Ausflügen schafft, rechtzeitig aufzustehen?“ Ami stieg gerade hinter Makoto in den Bus ein, der soeben seine Türen geöffnet hatte.
„Gegenfrage, wie oft ist sie bei den Ausflügen den Bus hinterhergelaufen?“ Makoto erblickte Usagi, welche gerade um die Ecke gerannt kam. Sie zeigte auf ihre Freundin. „Da hinten kommt sie gerade.“
Die Türen des Busses schlossen sich. Der Motor startete. Usagi schaute zu dem Bus. „Hallo! Wartet auf mich!“ Dann bemerkte Usagi, dass sie keine Zeit hatte, um zu rufen, und rannte mit den Händen wild gestikulierend und winkend noch schneller.
„Sollten wir nicht noch kurz auf Usagi warten?“ Minako stand wieder auf und zeigte auf Usagi, während sie die Lehrerin ansah. Diese erblickte nun ebenfalls ihre rennende Schülerin. Sie nickte dem Busfahrer zu.
„Puh, doch noch geschafft.“ Außer Atem setzte Usagi sich neben Minako.
„Du weißt aber schon, dass wir bereits gestartet waren, oder.“
„Ja“ Usagi hechelte immer noch etwas. „Ich habe es gesehen. Da dachte ich schon, dass ich es nicht mehr schaffe, aber dann habt ihr ja doch noch gehalten.“ Langsam beruhigte sie sich wieder.
„Vielleicht sollten die Gruppen sich schon einmal zusammensetzen, um ihre Recherche vorzubereiten.“
„Aber Frau Haruna. Wir können doch sowieso erst im Zoo mit der Recherche beginnen.“
Nach etwa einer halben Stunde hielt der Bus vor dem Zoo. Die Schüler stiegen aus und fanden sich in den geplanten Gruppen zusammen. Usagi stand mit Naru, Umino und der neuen Sakura in einer Gruppe, während Makoto und Ami mit drei anderen in einer anderen Gruppe waren. Minako war einer komplett anderen Gruppe zugeteilt, ebenfalls mit einer der neuen Schülerinnen.
„Jetzt wissen wir, wer Usagis Wichtel ist.“ flüsterte Makoto Ami ins Ohr. „Die anderen beiden neuen sind schließlich nicht in Usagis Gruppe.“
„Aber ob Usagi es schafft, Sakura einige Informationen zu entlocken, ist noch eine andere Frage.“
„Ich denke schon. Immerhin hat sie sich damals auch direkt neben mich gesetzt, als ich neu in der Schule war.“ Auch wenn vielleicht eher mein Essen der Grund dafür war, dachte Makoto grinsend.
Frau Haruna verteilte einige Arbeitsblätter an die einzelnen Gruppen. Die Schüler sollten für die Fragen jeweils im Zoo recherchieren, daher hatten alle Fragen einen Bezug zu den Informationstafeln an den Tiergehegen. Anschließend gingen die Schülergruppen in den Zoo.
„Wo gehen wir als erstes hin?“
„Was ist denn die erste Frage?“ Umino versuchte, das Blatt von Usagi so zu drehen, dass er die Fragen ebenfalls lesen konnte.
„Wie entstehen Haselnussbäume? Welchen Anteil hat welches Tier?“ Nachdem Usagi die Fragen vorgelesen hatte, beschloss sie, dass jemand anderes die Bearbeitung vornehmen sollte. Daher übergab sie Naru den Zettel.
Doch Sakura riss den Zettel an sich. Sie wollte den anderen beweisen, dass sie die Antworten kannte. „Hätte gedacht, dass die Fragen schwerer waren. Dafür brauchen wir den Zoobesuch nicht.“ Sie holte einen Stift aus ihrem Rucksack. „Ich schlage vor, dass ich die Antworten direkt aufschreibe, damit wir uns während des Zoobesuchs nicht weiter um die Fragen zu kümmern brauchen.“
„Dies halte ich für keine gute Idee.“ Naru wollte sich den Zettel zurückholen, um selbst einen Blick auf die Fragen werfen zu können. Doch Sakura steckte den Zettel in ihre Hosentasche. „Wir bekommen alle dieselbe Note, und ich möchte zumindest eine Zwei haben.“
„Traust du mir etwa nicht zu, einige Fragen zu beantworten?“
„Du bist noch nicht lange genug bei uns, um deine schulischen Leistungen einschätzen zu können.“ versuchte Naru ihre Sicht zu erklären.
„Von mir aus kann sie die Fragen beantworten.“ Usagi befürchtete nicht, dass ihre Noten durch Sakura noch schlechter werden würden. Andererseits wusste sie aber auch, dass sie mit Umino in der Gruppe gute Aussichten auf die Bestnote hatte.
„Bei deinen schulischen Leistungen kann es ja kaum noch schlimmer werden.“ Dieser Satz hätte auch gut von Rei kommen können, dachte Naru, nachdem sie ihn ausgesprochen hatte.
„Das war jetzt aber fies, Naru.“ Für einen kurzen Augenblick wirkte Usagi so, als wenn sie beleidigt wäre. Doch dann grinste sie schelmisch. „Aber stimmt. Viel schlechter wird Sakura schon nicht in der Schule sein als ich.“
„Aber selbst dich würde ich mit den Fragen nicht alleine lassen wollen, wenn auch meine Note davon abhängt.“ Auch Naru grinste. Dann fingen beide an zu lachen.
Usagi richtete ihren Blick auf Sakura. „Ich würde aber trotzdem vorschlagen, dass wir alle die Antworten gemeinsam besprechen. Wenn auch nur, damit wir die Antworten einmal gehört haben, falls wir ebenfalls gefragt werden.“
Ihre erste Station war das Elefantengehege. Usagi stellte sich direkt an den Zaun. Sie streckte die Arme zu einem der Elefanten aus. Irgendetwas an Usagi erweckte das Interesse des Elefanten. Er trottete zu ihr. Einen halben Meter vor ihr blieb er stehen. Sein Rüssel griff nach einem von Usagis Zöpfen und zog diesen zu sich heran.
„Hey, das ist kein Rüssel.“ Usagi versuchte, sich ihre Haare zurückzuholen. Doch der Elefant hielt sie fest. Nach kurzer Zeit lockerte der Elefant seinen Griff um ihre Haare. Diese glitten durch den Rüssel wieder zu ihr zurück. Dann legte sie ihre Hand auf den Rüssel, und streichelte ihn. Dem Elefant schien dies zu gefallen.
Naru fand dieses Bild entzückend. Sie ging zu Umino, schnappte sich die Kamera von seiner Schulter und richtete das Objektiv auf Usagi und den Elefanten.
„Weiß du, dass es verschiedene Arten von Kameras gibt. Früher haben Maler die Arbeit der Kamera erledigt, dann wurden die Schwarz/Weiß Kameras entwickelt. Die einzelnen Grautöne werden durch eine chemische Reaktion hervorgerufen, welche durch den Lichteinfall im Gang gesetzt wird. Dann...“
„Ist Umino immer so oberlehrerhaft?“ unterbrach Sakura ihn. Diese Frage klang vom Tonfall her wie ein Befehl, was Naru unangebracht fand.
„Er weiß eben recht viel. Auch wenn die meisten Informationen, die er von sich gibt, eher sinnlos erscheinen, braucht man ihn nicht so rigoros zu unterbrechen.“ Auch Naru hatte ihren Freund schon mehrfach unterbrochen. Sie konnte sich aber nicht erinnern, ihn deswegen angeschrien zu haben.
Von diesem Streit bekam Usagi nur sehr wenig mit. Sie bemerkte lediglich, dass die Stimmung in der Gruppe schlechter war, nachdem sie sich von dem Elefanten gelöst hatte und wieder bei ihrer Gruppe stand. Naru drehte sich demonstrativ von Sakura weg.
„Was ist denn mit euch los?“ flüsterte Usagi Naru ins Ohr.
„Sakura ist soooo unmöglich. Ich weiß zwar auch, dass man Umino bei seinem Vorträgen manchmal stoppen muss, aber deswegen braucht sie ihn doch nicht anzuschreien.“
„Ich habe ihn nicht angeschrien.“ wieder redete Sakura lauter, als sie es geplant hatte. Sie ging auf Naru zu.
„Doch, hast du.“ Naru ballte ihre Fäuste.
„Es ist doch egal, ob Sakura mich angeschrien oder laut unterbrochen hat. Deswegen braucht man sich doch nicht zu streiten.“ Umino war das Thema unangenehm. Er war nicht besonders mutig, doch jetzt stellte er sich zwischen den Streithennen. Zu seinem Glück hatte keines der Mädchen wirklich vor, der anderen eine reinzuhauen.
Wenn das so weitergeht, weiß ich heute Abend immer noch nicht, was ich Sakura zum Wichteln schenken soll, dachte Usagi. Auch sie wollte die Stimmung in der Gruppe wieder in andere Bahnen lenken. „Und, was ist unsere nächste Station?“
„Zu den Pinguinen.“ schlug Naru vor und zeigte auf einen Felsen, der durch viele andere Menschen immer stärker aus ihrem Blickfeld verschwand. „Falls wir einen guten Ausblick auf die Fütterung bekommen.“
Während Naru, Umino und Usagi sich in die zweite Reihe stellten, um den Pinguinen beim Futtern zuzusehen, setzte Sakura sich auf eine nahe gelegene Bank. Sie legte das Blatt mit den Fragen auf ihren Schoß und nahm einen Stift zur Hand. Vorhin war sie nicht dazu gekommen, die Fragen zu beantworten. Dies wollte sie jetzt nachholen.
Nahe des Pinguingeheges war es noch frischer als bei den Elefanten. Einer der Pinguine sprang aus dem Wasser, als der Tierpfleger einen Fisch in seine Richtung warf. Im Sprung schnappte er sich den Fisch, und tauchte mit diesem im Schnabel wieder ins Wasser ein.
„Wäre es nicht einfacher, den Fisch oberhalb des Wassers zu essen?“
„Essen kann man fast überall, Naru.“ Mit diesen Worten griff Usagi nach ihrer Tasche, und suchte nach ihrem eigenen zweiten Frühstück. Sie fand eine Box mit Reisklößchen und verdrückte zwei von denen.
„Hey, Usagi, wenn du jetzt alles isst, hast du für heute Mittag nichts mehr.“
Erschrocken betrachtete Usagi die restlichen drei Klößchen. Es stimmte. Sie hatte kaum Geld dabei, um sich im Zoo noch etwas zu Essen zu holen, und sie würden noch den ganzen Tag hier sein. „Vielleicht sollten wir woanders hingehen. Wenn ich anderen beim Essen zuschaue, bekomme ich direkt ebenfalls Hunger.“
Sie gingen einige Gehege weiter. Sie waren nur zu dritt unterwegs. Auf Sakura achteten sie gerade nicht. In dem Gehege befanden sich einige große Kakteen, viel Sand, Steine und große Felsen. Hinter einem der Felsen versteckten sich zwei große dunkle Tiere, die aus der Ferne wie Wildschweine aussahen.
„Alle Tiere, die in einer solchen Gegend leben, können nicht mal eben so etwas essen. Auch Trinken ist für diese Tiere öfter ein Problem. Deshalb hat die Natur es so eingerichtet...“ Umino war wieder in seinem Element.
„Fängst du schon wieder damit an?“ Naru legte ihren rechten Arm um seine Schulter, was seine Wangen zum Glühen und seinen Mund zum Schweigen brachte.
Umino ging zu der Informationstafel und las den Text darauf vor.
„Ich würde jetzt auch gerne faul rumliegen.“ Usagi betrachtete die beiden Nasenschweine. Als Umino die Tierart nannte, konnte sie sich nicht zusammenreißen. Sie lachte. Die umher stehenden Personen schauten sich zu ihr um.
Die Pinguine wurden immer noch gefüttert. Auch Sakura schaute auf. Sie war bis eben in den Aufgaben vertieft gewesen, so dass sie nicht mitbekommen hatte, wie der Rest ihrer Gruppe weitergelaufen war. Sie wurde sauer. Dass die anderen ihr nicht vertrauten war eine Sache. Dass sie aber ohne sie weitergingen, eine andere. Sie stand auf. Wo war das Lachen noch einmal hergekommen? Sie blickte in die entsprechende Richtung. Da Usagi nicht nur ein auffälliges Lachen, sondern auch eine auffällige Frisur hatte, schaffte sie es, ihre Klassenkameraden ausfindig zu machen. Dann lief sie zu den anderen hin.
„Warum habt ihr mir nicht Bescheid gesagt, als ihr weitergegangen seid?“ Sakura tippte alle drei an der Schulter an, bevor sie vor deren Augen demonstrativ die Arme verschränkte. „Ich warte auf eine Erklärung!“
Doch die anderen drei hatten keine. Es war ihnen einfach nicht aufgefallen.
„Du hast dich doch als Erste verzogen.“, fiel Naru dann doch noch ein. „Ich kann mich nicht erinnern, dass du bei der Pinguinfütterung bei uns warst.“
„Ich habe währenddessen einen Teil der Fragen beantwortet. Dazu brauche ich die Informationen an den Tafeln nicht.“, rechtfertigte Sakura sich.
„Aber auch du hast uns aus den Augen gelassen. Daher hast du genauso viel Anteil daran wie wir.“ Naru deutete mit ihrem Finger auf das Gehege. Man konnte nicht erkennen, ob sie die Felsen, ein Tier oder eine Pflanze meinte. „Man, ich hoffe, dass du von deinem Wichtel einen Kaktus geschenkt bekommst, damit du merkst, wie stachelig du bist.“
Usagi war geschockt. Narus Kommentar hielt sie für einen Scherz, und doch erinnerte er sie daran, dass sie noch etwas herausfinden wollte. Daher kam als erstes mögliches Wichtelgeschenk ein Kaktus auf ihrer Liste.
„Magst du eigentlich Tiere?“ Da Usagi das Gefühl hatte, ein Kaktus als Geschenk nicht bringen zu können, und sie gerade im Zoo waren, hielt sie diese Frage für geeignet.
„Wieso?“ Sakura wurde skeptisch. Sie bemerkte nicht, dass Usagi versuchte, das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.
„Nun ja, wir sind im Zoo, aber du schaust dir die Tiere nicht einmal an.“
„Wieso sollte ich mir die Tiere anschauen.“ Dass Sakura trotz der Absperrungen Angst vor den Tieren hatte, wollte sie den anderen nicht mitteilen. Da war es ihr doch lieber, wenn die anderen sie für eine Tierhasserin hielten. Doch dann fiel ihr etwas besseres ein. „Ich dachte nur, dass ich die Fragen direkt beantworte, um mich während des restlichen Besuchs nicht mehr darum kümmern zu müssen.“
„Gehen wir weiter. Wir haben erst drei Gehege gesehen, und noch so viele vor uns.“ Umino hakte sich bei Usagi und Naru ein. „Sakura, kommst du mit?“
Sie gingen gemeinsam zu den Kleintieren. Naru hatte sich etwas beruhigt. Und diesmal stand auch Sakura an dem Gehege. Mit kleineren Tieren hatte sie deutlich weniger Probleme. Zwei Igel blickten durch die Blätter zu einer Gruppe neben ihnen. Ein Eichhörnchen saß auf einem Stamm und knabberte an einer Haselnuss. Dass es sich bei dem Baum um einen Haselnussbaum handelte, bemerkte die Gruppe nicht.
„Die Igel sind genauso stachelig wie Sakura.“ Obwohl Naru dies in Richtung Umino flüsterte, hörten die anderen Gruppenmitglieder dies ebenfalls.
„Wisst ihr, dass die Stacheln der Igelbabys so weich sind, dass sie die Mutter bei der Geburt nicht verletzen.“ Dieses mal hatte Umino einen anderen Grund, den anderen das Wissen mitzuteilen. Er wollte verhindern, dass Sakura und Naru wieder streiten. Es funktionierte.
Am frühen Nachmittag versammelten die Schüler sich wieder am Eingang des Zoos. Frau Haruna sammelte die einzelnen Arbeitsblätter ein. Die Schüler hatten den Rest des Tages frei. Sie konnten entscheiden, ob sie im Zoo blieben, während ihre Lehrerin die Antworten korrigierte, oder ob sie sich die Zeit anders vertrieben. Jetzt waren sie auch nicht mehr an den Gruppen gebunden, mit denen sie die Fragen bearbeitet hatten.
Usagi ging zu Ami, Minako und Makoto. Naru folgte ihr, auch wenn sie sich innerhalb dieser Gruppe selber manchmal wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. Auch Umino lief ihnen nach. Sakura setzte sich auf eine Bank in der Nähe von dem Cafe, bestellte einen Tee und versuchte, die anderen weitgehend zu ignorieren.
„Und, bist du schon weitergekommen mit dem Wichtelgeschenk?“ Minako achtete nicht darauf, wer sich gerade in der Nähe befand.
„Falscher Ort, um das Thema zu besprechen.“ Ami hingegen schaute sich um. Sie atmete erleichtert aus, als sie sah, dass Sakura nicht in der Nähe war. Jetzt schaute auch Minako sich um.
„Nicht wirklich. Ich weiß immer noch nicht, was ich Sakura schenken soll.“
„Ein Kaktus!“ Naru hatte genug von dem Gespräch mitbekommen, um eine Antwort auf die Frage zu geben.
„Wirklich? Du willst, dass Usagi Sakura einen Kaktus schenkt? Ist dies nicht etwas hart?“ Makoto konnte sich keinen Grund vorstellen, warum Naru diesen Vorschlag machte. „Was ist denn vorgefallen?“
„Aber deswegen muss man ihr doch nicht so ein liebloses Geschenk machen.“ Auch nachdem Naru von den Streitigkeiten erzählt hatte, fand Makoto, dass Usagi mit dem Kaktus nicht das richtige Geschenk hatte. Dann kam ihr eine andere Idee. „Wie steht Sakura denn überhaupt zum Thema Pflanzen?“
„Zumindest hat sie nichts abfälliges über die Pflanzen genannt, die wir gesehen haben.“
„Und ihr meint, dass sie keine Tiere hat, weil sie sich nicht für die Tiere im Zoo interessiert hat?“ vergewisserte Makoto sich.
„Ja“, bestätigten Naru und Usagi.
„Dann habe ich eine Idee. Wenn Sie keine Tiere hat, könntest du ihr einen Weihnachtsstern oder Weihnachtskaktus schenken. Die gibt es in verschiedenen Farben und blühen meist im Winter. Wir beide können an einem der nächsten Tage gemeinsam nach einer schönen Pflanze schauen.“
Als sie alle mit dem Bus zurückfuhren, gab Frau Haruna die Punktzahlen der einzelnen Gruppen bekannt. Amis Gruppe war erwarteterweise auf dem ersten Platz gelandet. Die Gruppe mit Usagi und Naru hingegen landete auf dem vierten Platz, und waren demnach vorletzter. Dieser Umstand machte es nicht gerade einfacher, dass Naru, Usagi und Sakura sich annäherten.
„Deinetwegen haben wir eine schlechte Note.“, fauchte Naru Sakura an.
wild gewordene Weihnachtssterne
Am nächsten Morgen dachte Usagi immer noch über den Vorschlag nach, Sakura eine Pflanze zu schenken. Makoto als Hilfe für die Kaufberatung mitzunehmen wäre sicher eine gute Idee, immerhin hatte diese ein gutes Händchen für Pflanzen. Sie entschloss sich dafür.
Sie hatte heute erst zur zweiten Stunde Schule. Daher saß sie auch pünktlich am Frühstückstisch. Statt direkt zur Schule zu gehen, lief sie zu Makotos Wohnung. Dort angekommen, klingelte sie mehrere Male.
Vor Schreck drehte Makoto sich zur Wohnungstür um. Sie rechnete nicht mit Besuch, da sie in einer viertel Stunde zur Schule aufbrechen wollte. Auf dem Weg zur Sprechanlage schaltete sie den Herd aus. Die Videoüberwachung der Haustür zeigte Usagi, die erneut klingelte. „Hallo Usagi, was machst du denn hier?“
„Ich wollte dein Angebot annehmen, dass wir gemeinsam nach einer Pflanze für Sakura schauen.“ Usagi blickte in die Kamera und winkte.
„OK, komm rauf.“ Makoto betätigte die Türöffnerfunktion. Sie hörte, wie Usagi die Tür aufschob. „Aber es geht erst nach der Schule. Ich bin noch nicht fertig, und wir sollten die Pflanze nicht in die Schule mitnehmen. Sonst ist es zu offensichtlich. Usagi?“ Sie öffnete ihre Wohnungstür und horchte. Ja, Usagi war bereits auf dem Weg nach oben, und hatte ganz sicher einen Teil von dem, was sie noch in die Türsprechanlage gesagt hatte, nicht mitbekommen.
Hechelnd kam Usagi in Makotos Stock an. Sie blieb kurz am Treppenende stehen, ehe sie zu Makoto weiterging.
„Hast du dich denn schon entschieden, was für eine Pflanze du holen willst?“ Makoto war wieder in die Küche gegangen, um ihr Schulessen in ihre Box zu verstauen. Sie briet noch kleingeschnittene Paprika und Mais und vermischte es mit dem Reis, füllte es in eine noch freie Ecke in ihrer Lunchbox und schloss diese, während Usagi einige Plätzchen naschte. „Wir können dann los.“
„Wahrscheinlich einen Weihnachtsstern. Diese wirkt nicht so abweisend wie ein Kaktus, auch wenn dieser Blühen kann.“
„Hast du schon einmal von der Legende gehört, dass, wenn sich eine Knospe eines Weihnachtskaktus während der Übergabe öffnet, dann eine neue Freundschaft entsteht.“ Sie gingen gerade an einem Blumengeschäft vorbei, der erst vor wenigen Monaten geöffnet hatte. Makoto wunderte sich. Sie dachte, dass sie alle Blumenläden in der Gegend kennen würde, und blieb stehen. „Seit wann ist dieser Laden denn hier?“
Erst bei Makotos Frage bekam Usagi mit, dass ihre Freundin stehengeblieben war. Sie ging zu ihr zurück. „Weiß ich auch nicht.“ Usagi blickte durch das Schaufenster und beobachtete eine grünhaarige junge Frau, die einige der Blumen in dem Geschäft umräumte und goss. „Aber wir können nach der Schule noch einmal hier vorbeischauen.“
„Machen wir. Dann solltest du dafür sorgen, dass du heute nicht nachsitzen musst.“ Makoto hatte keine Lust, nach der Schule noch auf Usagi warten zu müssen. Dann deutete ihr Gesicht auf eine Person ein paar Meter weiter Richtung Schule. „Schau mal, da vorne läuft dein Wichtelkind gerade.“
Auch Usagi schaute in diese Richtung. „Komm, wir folgen ihr, und schauen nach, ob sie irgendwo stehen bleibt.“ schlug Usagi vor und machte sich auf dem Weg.
Ein paar Meter weiter spürte Usagi plötzlich, wie ihre Brosche auf irgendetwas reagierte. Was konnte das sein? Sie schaute sich um.
„Ist etwas, Usagi?“
Usagi deutete auf ihre Brosche. Makoto verstand den Blick und schaute sich ebenfalls um. Auch sie sah nichts ungewöhnliches. Keine offensichtlichen Dämonen, alle Pflanzen standen an den angestammten Plätzen, die Hektik der Menschen wirkte normal.
Auf einmal bemerkten sie etwas hinter einem Ahornbaum. Etwas wuchs ungewöhnlich schnell. Die anderen Menschen bemerkten es nicht. Usagi und Makoto gingen schnellen Schrittes zu diesem Baum hin.
Ein Weihnachtsstern mit der Größe von etwa einem Meter wuchs pro Minute um weitere zehn Zentimeter. Nach den Geschehnissen der letzten Monate beschlossen die beiden, sich zu verwandeln. Sie suchten eine unbeobachtete Ecke und aktivierten ihre Sailorkräfte. Luna folgte ihnen und alarmierte die anderen.
Währenddessen begann der Weihnachtsstern, seine Wurzeln aus dem Boden zu ziehen. Sakura, die nur einen Meter von der Pflanze entfernt stand, stolperte beim Zurückschrecken vor der Monsterpflanze. Der Weihnachtsstern schritt auf Sakura zu. Zwei der grünen Blätter griffen nach Sakuras Armen und zog diese an sich. Ein drittes grünes Blatt umschlang ihren Körper, während die roten Blätter sich ihrem Gesicht zuwandten. Dann entzog die Pflanze dem Mädchen den Kristall ihres reinen Herzens.
„Ich weiß nicht, was hier los ist, und warum man Pflanzen auf einfache Schulmädchen hetzt. Aber ich werde nicht zulassen, dass ihr die Pflanzen auf diese schändliche Art missbraucht. Wir sind das Sailor Team und im Namen des Mondes werden wir dich bestrafen.“
Doch die Monsterpflanze ließ sich von der Vorstellungsrunde der Sailorkrieger nicht beeindrucken. Sie spürte den Schall und die Vibrationen, die von den Sailorkriegern ausgingen, weshalb sie ihnen die roten Blätter zuwandte. Dann setzte die Pflanze dazu an, den Herzkristall zu absorbieren.
Sakura wusste zwar nichts von Herzkristallen, aber sie spürte, dass etwas fehlte. Sie sah, wie dieser Kristall in einem Blütenkelch verschwand. Die Pflanze drehte sich um und verschwand aus Sakuras Blickfeld.
„Das darfst du nicht. Gib ihn ihr sofort zurück.“ Sailor Moon versuchte, der Pflanze den Weg abzuschneiden, während ihre Teamkollegin den Rückweg versperrte.
Die Pflanze wuchs weiter. Durch die Energie des Herzkristalls wurde der Wachstum beschleunigt. Inzwischen hatte der Weihnachtsstern Baumgröße erreicht.
Sailor Jupiter griff die Monsterpflanze an. Ein Kugelblitz trennte eines der Blätter von dem Weihnachtsstern, diesem schien dies jedoch nicht sonderlich viel auszumachen. Sie ließ einfach ein neues Blatt nachwachsen. „Also, mit Blitzen kommen wir hier nicht weiter.“ erkannte sie daher.
Inzwischen waren auch Minako und Ami verwandelt an dem Treffpunkt angekommen. Ami aktivierte ihre Computerbrille und gab einige Daten ein. Sie hielt sich vorerst zurück. Minako hingegen versuchte es mit ihren Feuerherzen.
Aktuell war es sonnig. Die Sonnenenergie half der Pflanze beim Wachsen, wodurch diese immer stärker wurde. Dies konnte Ami unterbinden. Mit ihren Seifenblasen erzeugte sie Nebel. Der Wachstum der Pflanze verlangsamte sich.
„Jetzt könnten wir Mars gut gebrauchen.“ Makoto dachte, dass Reis Feuerringe die Pflanze soweit schwächen könnte, sodass diese nicht mehr in der Lage war, sich zu regenerieren.
„Jupiter, Venus, ihr müsst gemeinsam angreifen.“
Beide gingen in Position, um ihre Attacken zur selben Zeit abzufeuern. Während Minako mit ihrer Feuerherzenkette die Blätter der Pflanze festhielt, schickte Makoto einen Blitz zu dieser und verstärkte die Wirkung der Feuerherzen. Anschließend verwandelte Usagi die Pflanze wieder in ihren ursprünglichen Zustand. Zurück blieb nur Sakuras Herzkristall.
Usagi rannte zu dem Herzkristall, bevor dieser zu Boden fallen konnte. Sakura war inzwischen bewusstlos, und bekam daher nicht mehr mit, wie Usagi als Sailor Moon neben ihr kniete, die Hände mit dem Kristall über ihre Brust legte und der Kristall sich wieder mit ihr verband.
Sakura wachte wieder auf. Zuerst registrierte sie nicht, dass sie gerade auf dem Bürgersteig lag. Sie schaute sich um. Die Leute um sie herum beobachteten sie. Die Situation war ihr peinlich. Sie wollte nur weg, schnell weg von diesem Ort. Sie stand auf so schnell sie konnte. Sie schwankte etwas beim Aufstehen, doch dann fing sie sich wieder. So schnell sie konnte, verließ sie diese Straße.
Auch Ami, Minako, Makoto und Usagi mussten sich nun sputen, um noch rechtzeitig zur Schule zu gelangen. Sie versteckten sich kurz, um sich unbeobachtet zurückzuverwandeln. Dann liefen sie los.
„Eigentlich müsste Usagi eine Spitzennote im Sport haben, so oft, wie wir laufen müssen.“ Makoto hatte ihre Geschwindigkeit an denen der anderen angepasst und lief daher etwas langsamer, als sie es könnte.
Usagi brauchte die Luft zum Laufen. Zum Antworten hatte sie keine Reserven. Im Schulgebäude angekommen holten gerade Ami und Usagi tief Luft. Ami war es nicht gewohnt, erst kurz vor dem Unterricht zur Schule zu kommen. Dann gingen sie in die Klasse.
Usagi hatte nach dem Angriff auf Sakura noch keine Gelegenheit gehabt, in Ruhe mit ihr zu reden. In der Schule wollte sie Sakura nicht in Verlegenheit bringen. Wie hätte sie auch erklären sollen, dass sie ihre Klassenkameradin auf dem Boden liegend gesehen hatte. Doch sie wollte wissen, wie viel Sakura von dem Angriff mitbekommen hat. Daher achtete sie beim Unterricht mehr auf Sakura als auf die Themen, die behandelt wurden.
An diesem Tag sprach Sakura nur sehr wenig. Die Klassenkameraden hingegen machten sich immer noch über die Platzierung von ihrem Team lustig. „Unglaublich, dass das Team mit dem Umino-Lexikon vorletzter geworden ist.“, „Sakura hat es voll vermasselt.“, „Das hätte Usagi alleine nicht schlechter hinkriegen können“, waren Sätze, die sie von den anderen zu hören bekam.
Naru machte Sakura immer noch Vorwürfe wegen ihrer Note. Im Gegensatz zu gestern allerdings wehrte Sakura sich nicht. Sie versuchte nicht einmal zu erklären, dass sie den anderen etwas beweisen wollte.
„Findest du nicht, dass Sakura sich heute stiller verhält als sonst?“ In der Pause stand Usagi mit den anderen Sailorkriegerinnen und Naru in einer Ecke. Da Naru nichts von Usagis geheimer Identität wusste, konnte sie das Thema nicht ganz so offensichtlich ansprechen.
„Wir kennen sie doch erst seit zwei Wochen, da kann sie sich am Anfang auch gut verstellt haben.“
„Ich glaube nicht, dass sie sich verstellt hat, Naru.“ Makoto wusste noch gut, wie es war, neu in der Klasse zu sein.
„Ich verstehe immer noch nicht, warum du sie nicht leiden kannst.“ Usagi blickte Naru direkt ins Gesicht. „Ich bin mir sicher, wenn wir sie erst einmal richtig kennenlernen, sehen wir auch die netten Seiten von ihr.“
Die Schulglocke beendete die Pause, bevor das Sailorteam sich wirklich über den Angriff unterhalten konnte. Sie gingen wieder in die Klassen, wobei Naru schneller war als die anderen.
„Meinst du, dass Sakura den Angriff vielleicht nicht verkraftet hat, Usagi?“, flüsterte Makoto ihr zu.
„Vielleicht.“ Usagi machte eine kleine Pause. „Ich bin mir zwar nicht sicher, aber ich glaube, dass dies irgendetwas in ihr ausgelöst hat.“
„Wie viel bekommt man eigentlich davon mit, wenn einem der Herzkristall gestohlen wurde?“ Usagi schaute zwischen Ami und Makoto hin und her. Bisher hatten sie nie darüber gesprochen, obwohl sie alle bei den jeweiligen Situationen dabei gewesen waren.
„Nicht viel. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass Haruka hinter einem der Büsche liegt. Im Nachhinein war es bei mir eher so, als wenn ich mich in einem Traum befinde, oder besser gesagt, in einem Alptraum. Alles wirkt dumpf, als wäre man nicht richtig da.“ erklärte Makoto, an was sie sich von jenem Tag noch erinnerte.
Nach der Schule schlenderten Makoto und Usagi zu einer Gärtnerei. Es war nicht der Laden, wo sie heute Morgen vorbeigekommen waren, sondern Makotos Stammgärtnerei.
„Willst du Sakura jetzt wirklich einen Weihnachtsstern schenken. Ich meine, nach dem Angriff heute morgen?“ Makoto konnte sich nicht vorstellen, dass sich ihre neue Klassenkameradin nach dem heutigen Tag über einen Weihnachtsstern freuen würde.
„Oh, Mist.“ Usagi stockte innerhalb der Bewegung. „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ Sie überlegte. Sollte sie doch einen Weihnachtskaktus holen, eine andere Weihnachtspflanze oder etwas ganz anderes. Nur hatte sie keine Zeit mehr, um sich länger Gedanken machen zu können. Denn inzwischen hatten sie die Gärtnerei erreicht. „Schauen wir uns erst einmal um.“, beschloss sie daher.
„Hallo Miss Kino, auf der Suche nach einer neuen Pflanze?“ Einer der Mitarbeiter der Gärtnerei kam auf die beiden Freundinnen zu.
„Die kennen dich hier?“ wunderte Usagi sich darüber.
„Ja, bin schließlich öfter hier. Die Pflanzen hier sind alle gut, und Mr. Matahiro hier hilft einen auch weiter, falls eine Pflanze mal krank ist.“, erklärte Makoto ihrer Freundin. An den Verkäufer gewandt sagte sie: „Aber dieses Mal suche ich keine Pflanze für mich selbst. Meine Freundin hier“, sie nickte kurz zu Usagi „möchte eine Pflanze zum Wichteln kaufen. Wir melden uns, wenn wir Hilfe brauchen.“
Makoto lief voran. Sie führte Usagi in die Abteilung für winterfeste Blumen. Dort sahen sie rote, weiße und gesprenkelte Weihnachtssterne, Weihnachtskakteen mit verschiedenen Blütenfarben der Grundfarbe rot, Kalanchoe mit kleinen rötlichen, gelblichen oder weißen Blüten, Christrosen, Alpenveilchen und Orchideen.
Usagi schaute sich um. Sie hatte die Weihnachtssterne ausgeschlossen, aber auch die anderen Blumen sahen sehr schön aus. Dann dachte sie an die Legende, die Makoto ihr heute morgen erzählt hatte. Vielleicht stimmt diese ja doch. Sie zeigte auf eine der Pflanzen. „Ist dies ein Weihnachtskaktus?“
„Nicht ganz. Der da ist einer.“ Makoto nahm einen Weihnachtskaktus mit rosa Blüten in die Hand. „Der hier sieht gut aus.“ Sie übergab Usagi die Pflanze.
Usagi drehte die Pflanze in ihren Händen hin und her. „Mmm, vielleicht sollte ich mehrere Pflanzen in einem Korb holen.“ überlegte sie, während sie eine weitere mit weißen und eine mit roten Blüten aussuchte.
„Sollen wir die drei Weihnachtskakteen in einem gemeinsamen Blumentopf setzen?“
„Au, ja. Das sieht bestimmt besser aus, wenn du das machst.“ Dass Usagi den Eindruck hatte, dass man sie in handwerklichen Dingen für ungeschickt hielt, behielt sie für sich. Dies dürfte Makoto ohnehin klar sein.
Gemeinsam suchten sie sich einen etwas größeren Blumentopf aus, ebenfalls in rosa. In der Gärtnerei gab es auch eine kleine Arbeitsfläche, auf der die Kunden die Pflanzen selber umtopfen konnten. Dort stellten die beiden die drei Weihnachtskakteen, den neuen Blumentopf und einen Sack voll Blumenerde ab. Makoto griff noch nach etwas Moos, welches sie ebenfalls auf die Arbeitsplatte legte.
Dann füllte Makoto den Boden des Topfes mit Tonscherben und Erde. Usagi fragte sich zwar, was es mit den Tonscherben auf sich hatte, ließ Makoto aber weiterarbeiten. „Hältst du die Weihnachtskakteen bitte, während ich die Erde zwischen den Blumen verteile?“
Usagi hielt den weißen und den roten Weihnachtskaktus, während Makoto mit der einen Hand den dritten hielt und mit der anderen die Erde in der Mitte verteilte. Anschließend füllte sie die Ränder auf. „Du kannst die Weihnachtskakteen jetzt loslassen, Usagi.“ Auch Makoto ließ den Kaktus los. Nach dem Festklopfen der Erde gab sie etwas Moos dazu.
„Soll ich die Weihnachtskakteen bis zum Wichteltermin erst einmal bei mir aufbewahren?“, fragte Makoto beim Verlassen der Gärtnerei. Gemeinsam gingen die beiden Freundinnen zu Makoto nach Hause, stellten die neuen Pflanze in einem kühlen Raum ab und gingen anschließend zu Rei, um mit den anderen gemeinsam zu Lernen.
Alles Theater
„Da es mit der Gruppenarbeit bei dem Zooausflug letzte Woche in einer Gruppe starke Probleme gab, werden wir vor den Winterferien ein weiteres Projekt bearbeiten. Jeweils zwei Zoogruppen können sich für das Projekt zusammenfinden. Jede Gruppe wird ein kleines Theaterstück vorbereiten, was sie am vorletzten Tag aufführen wird.“
Die besagte Gruppe stöhnte während des kleinen Vortrags von ihrer Lehrerin. Frau Haruna legte unterdessen einige umgedrehte Blätter auf ihrem Lehrerpult.
Usagi hätte sich gerne mit zwei weiteren Gruppen zusammengeschlossen. Doch so musste sie sich entscheiden, ob sie mit Ami und Makoto, oder mit Minako eine Gruppe bildete. Und sie musste schnell handeln, weil ihr sonst die anderen Gruppenmitglieder ihrer Freundinnen die Entscheidung abnahmen.
„Usagi, Naru, bilden unsere Gruppen eine Gemeinschaft?“ flüsterte Makoto ihnen zu. Usagi und Naru nickten nur. Auch Umino nickte, auch wenn er nicht explizit angesprochen wurde.
In Minakos Gruppe übernahmen zwei der anderen Gruppenmitglieder den Zusammenschluss mit einer anderen Gruppe. Schließlich waren Akio und Takashi mit Kaito und Shun aus der anderen Gruppe befreundet.
„Hier auf dem Pult liegen acht verschiedene Mythen. Jede Gruppe wählt eine Person, die den entsprechenden Mythos zieht, zu dem ihr ein Theaterstück vorbereiten werdet. Und diesmal solltet ihr zusammenarbeiten.“ Den letzten Satz richtete Frau Haruna explizit an Sakura.
Ami ging für ihre Gruppe nach vorne und nahm eines der Blätter. Sie ging zu ihrer Gruppe zurück, drehte das Blatt um und zeigte es den anderen. Momotaro, der Junge aus dem Pfirsich, lasen alle.
Da jeder von ihnen die Geschichte kannte, überlegten sie direkt, wie ihr Theaterstück aussehen sollte. Ami nahm ein Blatt, um einige Skizzen anfertigen zu können. Außerdem erstellte sie eine Liste mit den Personen, die in dem Theaterstück vorkommen würden.
„Wir werden einige Rollen doppelt besetzen müssen, wenn wir tatsächlich einige Geister in dem Stück haben wollen.“ Ami wusste noch nicht genau, wie viele Geister sie benötigten, aber nur einen neben dem Oberhaupt machte ihrer Meinung nach wenig Sinn.
„Sollten wir nicht erst einmal die Hauptrollen verteilen?“ Taro wollte erst die großen Rollen verteilt wissen, bevor sie sich um den Kleinkram Gedanken machten.
„Ich würde gerne Momotaro spielen.“ Sakura wollte den andern zeigen, dass man ihr die Hauptrolle durchaus zutrauen kann. Dann hätte sie etwas anderes, an das sie denken konnte, und würde den Angriff vor einigen Tagen vergessen.
„Findest du nicht, dass eher einer der Jungen den Momotaro spielen sollte?“ fauchte Naru sie an.
Ami schrieb die drei definitiv männlichen Rollen, Momotaro, Vater und Geisteroberhaupt, auf drei kleine Zettelchen. „Jeder von euch zieht einen Zettel.“
Sie schaute die drei Jungen an. Diese zogen. Alle Jungen drehten ihren Zettel zeitgleich um. Umino zog die Hauptrolle, Yasuo würde den Vater spielen und Taro ihren Hauptgegner.
„Wer ist meine Frau?“ Yasuo schaute die einzelnen weiblichen Gruppenmitglieder nacheinander an.
Tomoko, die heimlich in Yasuo verliebt war, meldete sich.
Doch Usagi stimmte dagegen: „Ich finde, Makoto sollte die Rolle der Mutter übernehmen.“
„Aber warum? Das kann ich doch genauso gut machen.“ Tomoko hoffte auf eine Gelegenheit, Yasuo näherzukommen. Und diese Rolle wäre perfekt.
„Weil Makoto als einzige von uns stark genug ist, um Umino tragen zu können.“ meldete sich Ami zu Wort.
Dagegen konnte keine der anderen etwas sagen. Noch in der selben Stunde standen auch die Rollen der anderen fest. Naru als Uminos Freundin würde die Prinzessin spielen, während Tomoko, Usagi und Sakura die Rollen der Tiere einnehmen würde. Ami übernahm gemeinsam mit Makoto und Yasuo die Rolle der Geister. Die Ansprache und das Erzählen der Zwischenabschnitte übernahm Naru.
Auf dem Nachhauseweg kam Usagi an einem Park vorbei. Ihr Blick fiel auf Sakura, die auf einer Bank saß. Von ihrer derzeitigen Position aus konnte sie nicht erkennen, ob ihre Klassenkameradin alleine sein wollte. Sie überlegte, einfach weiterzugehen. Doch der Drang, die Stimmung zwischen ihr und Naru zu verbessern, war stärker. Daher ging Usagi zu der Parkbank und setzte sich neben Sakura.
Sakura war in Gedanken. Sie hatte Usagi nicht bemerkt, bis diese sie ansprach. Daher zuckte sie zusammen. Dies erinnerte sie gerade zu sehr an den Angriff von der riesigen Pflanze. Auch damals hatte sie nicht bemerkt, dass sich ihr etwas genähert hatte. Doch nach kurzer Zeit beruhigte sie sich wieder. „Was willst du, Usagi?“
„Die Sache zwischen dir und Naru klären.“ antwortete Usagi direkt. „Ich finde es nicht gut, dass die Stimmung zwischen euch beiden immer noch nicht besser ist.“ Sie drehte sich zu Sakura hin, um diese direkt anschauen zu können. Ihren Arm stützte sie an der Banklehne ab. „Warum hast du dich so erschrocken, als ich dich angesprochen habe?“
„Ich war in Gedanken.“ Das stimmte auch, nur wollte Sakura Usagi nicht erzählen, um was für Gedanken es ging.
„Ist es wegen letzten Mittwoch?“ Usagi überlegte kurz. Doch dann hatte sie sich dazu entschieden, Sakura direkt zu fragen.
Erschrocken riss Sakura ihre Augen auf. Letzten Mittwoch war der Angriff gewesen. War dies damals ein Alptraum, oder Wirklichkeit. Diesbezüglich war sie sich immer noch nicht sicher. Sie fühlte sich ertappt, und wollte so schnell wie möglich verschwinden. Doch bevor sie ihre Tasche schnappen konnte, unterbrach Usagi sie.
„Ich habe den Angriff der Riesenpflanze gesehen. Und auch, wie du anschließend auf dem Boden gelegen hast.“ Wenn Usagi mit Sakura über diesen Tag reden, oder zumindest die Bereitschaft dazu erklären wollte, sollte sie mindestens einen Teil von ihrem Wissen preisgeben.
„Also doch Wirklichkeit.“ murmelte Sakura. Zumindest eine der Fragen hatte sich beantworten lassen.
„Ich weiß, dass wir uns noch nicht so gut kennen. Und auch, dass wir nicht befreundet sind. Aber möchtest du darüber sprechen? Ich meine, jetzt, wo du weißt, dass ich die Situation gesehen habe.“
Sie sprachen länger als eine halbe Stunde über den Angriff. Irgendwie war Sakura erleichtert, dass sie nicht dabei war, verrückt zu werden. Komplett bewegliche Riesenpflanze, wer hätte sich auch so etwas vorstellen können. Sakura erfuhr auch, dass bereits andere ihrer Klassenkameraden von ähnlichen Monstern attackiert worden waren. Aber auch von denen würde keiner darüber reden. Eine Annäherung an Sakura hatte Usagi an diesem Tag erreicht.
Während der nächsten Tage bereiteten Makoto, Naru und Tomoko die Kostüme für ihr Theaterstück vor. Das Kleid für Naru war das Aufwendigste, das Pfirsich-Kostüm für Umino das schwierigste, da es immerhin so verstärkt werden musste, dass es auch mit dem Gewicht von Umino getragen werden konnte. Naru beobachtete, wie Usagi und Sakura durchaus harmonisch zusammenarbeiteten. Dies gefiel ihr nicht.
Sakura und Usagi kümmerten sich um die Bühnendekoration. Sie schnitten Pappstreifen zu Wellenformen, ein Holzhaus oder diverse Felsen zurecht, bemalten diese und tackerten sie zusammen.
Ami erstellte mit Umino das Drehbuch für ihr Stück. Sie überlegten, welche Szenen sie zeigen wollten, und welche Naru vor dem Vorhang erzählte. Ab und zu verwarfen sie ihren ursprünglichen Plan. Nachdem eine Szene sicher stand, gaben sie den Inhalt an die anderen weiter, damit diese dies in ihrem Bereich einbauen konnten.
Die Choreografie der Kampfszenen übernahmen die beiden Jungen Yasuo und Taro. Taro überlegte sich gleich einige Schritte, wie er als Geisteroberhaupt cool erscheinen würde. Yasuo hatte leichte Kampfsporterfahrungen, wodurch er die Führung übernahm.
„Warum stört es dich so, wenn ich mich mit Sakura unterhalte?“ Usagi spürte Narus Widerwillen gegen diese Bekanntschaft. Sie spürte auch, dass dies begann, zwischen ihrer eigenen Freundschaft zu stehen. Daher schob sie Naru während einer Pause aufs die Toilette, um ungestört mit ihr sprechen zu können.
„Du hast doch mitbekommen, wie sie Umino den Mund verboten hat.“ Genervt drehte Naru die Augen nach oben.
„Du meinst, als er mal wieder nicht zu stoppen war? Und wie oft bist du da selbst eingeschritten.“ Usagi konnte nicht einmal sagen, wie oft sie selbst schon Umino unterbrochen hatte.
„Ja, aber nicht nur das. Sie ist auch nicht Teamfähig. Immerhin hat sie nicht einmal zugelassen, dass wir die Fragen zusammen durchgehen.“ Momentan konnte Naru sich nicht vorstellen, jemals mit Sakura vernünftig reden zu können. Sie begann, sich in Rage zu reden.
Doch bevor Naru richtig wütend werden konnte, unterbrach Usagi sie: „Ja, ich denke, dass solltest du mir ihr klären. Aber momentan erscheint sie mir doch teamfähig zu sein. Immerhin reißt sie bei der Bühnendeko nicht alles an sich. Wir teilen uns die Arbeit auf, dass siehst du doch.“ Usagi zeigte auf die Wellen. „Diese habe ich gemacht, während Sakura das Holzhaus aufgemalt hat.“
Sie sprachen darüber, wie es war, neu zu sein. Keine von ihnen war alleine in dieser Situation gewesen, keine von ihnen umgezogen. Daher waren ihre Schulwechsel zu den regulären Zeiten geschehen. Dann sprach Usagi auch mit Naru über den ersten Angriff des Monsters. Naru wusste nicht, dass Usagi anwesend war, aber sie hatte es innerhalb der Klasse erzählt. Zwar hieß es damals, dass sie von Sailor Moon geträumt hätte. Dennoch betrachteten viele der Klassenkameraden die Geschehnisse mit Sailor Moon für wahr.
„Und du hast dich nie wegen diesem Angriff für verrückt gehalten?“ Nachdem Usagi mit Sakura über das Thema gesprochen hatte, fiel ihr ein, dass sie nie bei Naru nachgefragt hatte.
Naru verneinte. „Ich weiß nicht mehr viel von damals. Nur noch, dass ich Angst hatte, und dass Sailor Moon mich gerettet hat. Außerdem dachte ich noch eine Zeitlang, dass es sich dabei um einen Traum handelte.“
„Und wenn Sakura etwas ähnliches passiert ist, und sie nur anders damit umgeht als du? Außerdem fandest du auch Ami anfangs arrogant, und bei Makoto hast du gedacht, dass sie eine Schlägerin ist.“
Naru überlegte. Das, was Usagi sagte, war durchaus zutreffend. Zwar wusste sie nicht, warum Usagi darauf kam, dass auch Sakura angegriffen wurde, aber sie hatte sich erst locker mit Ami, Rei, Makoto und Minako angefreundet, nachdem Usagi diese kennengelernt hatte. Daher beschloss sie, ihrer neuen Klassenkameradin vorläufig eine weitere Chance zu geben.
Dann war der Tag gekommen, an dem sie das Theaterstück vorstellen sollten. Für diesen Tag waren auch die Eltern eingeladen. Zuerst stellte Minakos Gruppe Prinzessin Kaguya vor.
Anschließend war Usagi mit ihrer Gruppe dran. Ein Teil stellte die Pappdekoration auf, während die anderen die Kostüme anzogen. Ami legte die Requisiten bereit. Da einige von ihnen Doppelrollen hatten, platzierte sie die Kostüme für die Geister direkt hinter der Bühne auf einen Tisch.
Makoto und Yasuo saßen mit abgetragenen Klamotten vor einer Holzhütte. Diese wirkte löchrig und mit grünem Moos überdeckt.
Makoto nahm als alte Frau einen Wäschekorb in die Hand und ging fünf Meter weiter, was eine deutlich längere Strecke darstellen sollte. Sie nahm eines der Wäschestücke und tat so, als würde sie es im Fluss waschen.
Umino schritt langsam im Pfirsich-Kostüm die Wellen entlang zu Makoto. Dort angekommen, zog er seine Beine ein, da diese nicht zu sehen sein sollten.
„Wow, das ist aber ein großer Pfirsich. Davon werden mein Mann und ich sicher lange satt werden.“ Mit diesen Worten ging Makoto zu dem Pfirsich, hob ihn hoch, wobei sie darauf achtete, Umino unter den Armen zu erwischen, und trug ihn zur Hütte.
Nachdem sie den Pfirsich abgesetzt hatte, fiel Yasuo ihr in die Arme. Er holte ein Messer, und führte dies an der Naht von dem Pfirsich entlang. Als er die Pfirsich-Hälften auseinanderzog, konnte die Zuschauermenge Umino in einem Babykleid sehen. Yasuo legte einen Arm auf Makotos Schulter, beide schauen sich an und sagen gemeinsam: „Wir werden den Jungen Momotaro nennen.“
Der Vorhang schloss sich. Während die anderen die Bühne umräumten trat Naru vor dem Vorhang und erzählte den Zuschauern, was zwischen der letzten und der nächsten Szene passiert ist:
„Einige Jahre vergingen. Momotaro wuchs zu einem guten jungen Mann heran. Er liebte seine Eltern. Auch wenn seine Eltern sich mit ihrer Armut abgefunden hatten, so wollte er ihnen doch helfen, sie aus der Armut zu befreien. Durch einen Reisenden erfuhr er von der Geschichte, dass auf Onigashima, der Insel der bösen Geister, ein Schatz in einer Höhle versteckt war.“
Der Vorhang öffnete sich wieder. Auf der einen Seite war ein Höhleneingang angedeutet, mittig das Meer und auf der anderen Seite ein Teil der Insel, auf der Momotaro mit seinen Eltern lebte. Das Scheinwerferlicht richtete sich auf Momotaros Familie.
Umino verabschiedete sich von Makoto und Yasuo mit einer Umarmung. Makoto überreichte ihm eine Stroh-Box mit Hirseklößchen, Yasuo eine Keule. Umino stieg in das Boot, ging damit zu den Wellen und ließ das Boot gleiten. Makoto und Yasuo zogen die zweite Insel aus der Sicht der Zuschauer.
Hinter der Bühne zogen beide ihre Geisterkostüme an. Eine Insel tauchte zwischen der Geisterinsel und dem Boot auf. Auf dieser standen Usagi als Affe, Tomoko als Hund und Sakura als Fasan. Umino steuerte die kleine Insel an. „Wisst ihr, wo die Insel Onigashima liegt?“
Sakura deutete mit ihrem Fasanenflügel in die Richtung, in der die Insel lag. „Wir können dir helfen, wenn du uns mit auf die Insel nimmst.“
„Doch vorher sollten wir uns gemeinsam stärken. Mit leerem Magen lässt es sich schlecht Geister vertreiben.“ Hund Tomoko wedelte mit dem Schwanz. Umino holte die Strohbox hervor, und gab jedem von ihnen einen Teil der Klöße.
Nach dem Essen stiegen sie in das Boot ein und fuhren zu der Geisterinsel. Als sie dort ankamen, liefen die Geister Ami, Makoto und Yasuo auf sie zu und versuchten, diese am weiterkommen zu hindern. Mit der Keule von seinem Vater schaffte Umino es, den Geist Ami zu vertreiben, während die Tiere die anderen beiden Geister in Schach hielten.
Der Eingang der Höhle war nun freigegeben. Umino und die Tiere liefen durch den Torbogen, der den Eingang der Höhle darstellte. Dort wartete Taro, der sich mit einer Vielzahl von Ketten als Geisteroberhaupt zu erkennen gab. Einige der Ketten glänzten golden, während andere Eisengrau waren.
Der Fasan lenkte den Geisteroberhaupt ab, indem er um ihn herumflog. Währenddessen schlich der Affe sich an, nahm zwei der Ketten in die Hand und verknotete diese. Der Hund hielt die einfachen Geister von der Höhle fern. Umino schlug von links, dann von rechts auf den Geisteroberhaupt ein. Dieser wurde kleiner, immer kleiner, bis er schließlich hinter einem der Felsen verschwand.
Tiefer in der Höhle fanden sie dann eine Kiste mit Goldmünzen. Diese lud Umino in das Boot und fuhr zu seiner Heimatinsel zurück.
Der Vorhang ging wieder zu. Naru trat vor und lenkte die Zuschauer durch die Erzählungen der Zwischengeschehnisse von den Bühnenarbeiten ab.
„Die Geschichte, wie Momotaro die Geister von Onigashima besiegt hatte, verbreitete sich im ganzen Land. Irgendwann erfuhr auch die Prinzessin von seiner Tapferkeit und Güte. Sie wünschte sich, dass er ihr Mann werden würde. Über einige Umwege erfuhr auch Momotaro von diesem Wunsch.“
Naru blickte hinter den Vorhang. Die anderen waren soweit, also konnte auch sie kurz hinter diesem verschwinden und den Mantel über ihrem Kostüm ausziehen.
Der Vorhang ging auf. Das neue Bühnenbild stellte das Innere eines Schlosses dar. Umino kniete auf einem Teppich, während Naru als Prinzessin auf dem zum Thron umgebauten Stuhl saß. Prinzessin Naru ging auf Umino zu. Er legte ihr einen Blumenkranz mit Rosen auf dem Kopf, Naru hingegen setzte Umino eine Krone auf. Als die beiden sich küssten, klatschten die Zuschauer.
Diesmal kündete der Schließen des Vorhangs das Ende der Vorstellung an. Die gesamte Gruppe trat vor und verbeugte sich. Die nächste Gruppe räumte inzwischen die Bühne für ihr eigenes Stück um. Usagi und die anderen setzten sich zu den anderen Schülern und schauten sich auch die Vorführungen der anderen Gruppen an.
Übergabe
Heute war der 24. Dezember, heilig Abend. Der Tag, an dem die Wichtelgeschenke übergeben werden sollten. Frau Haruna bereitete einen großen Tisch in der Mitte vor, auf dem die Wichtelgeschenke abgestellt werden konnten.
Makoto brachte ihr eigenes sowie Usagis Geschenk mit. Sie sah bereits einige Geschenke auf dem Tisch stehen, und stellte ihre dazu.
Die ersten vier Schulstunden verliefen ganz normal. Mathe, Englisch, Biologie und Chemie. Keine Stunde, in der sie über das Wichteln sprachen, auch wenn die Geschenke wie auf dem Präsentierteller standen.
In der fünften Schulstunde, Kunst, gab Frau Haruna den Schülern die Aufgabe, eine persönliche Weihnachtkarte für ihren Wichtel zu erstellen. Hierfür lagen auf einem der seitlichen Tische verschiedenfarbige Pappe sowie Wachsmalstifte.
Sie alle nahmen sich zwei bis drei verschiedene Pappblätter und jeweils ein Set Stifte, überlegten sich, was sie als Motiv für die Karte nehmen konnten und auch, welche Worte sie auf die Karte schreiben würden.
Usagi malte einen Hasen, der einen geschmückten Weihnachtsbaum in der Hand hielt. Während ihr der Hase recht gut gelang, wirkte der Weihnachtsbaum struppig. Der Stern an der Spitze verdeckte die Nase des Hasen.
Ami zeichnete eine Weihnachtsstadt mit geschmückten Bäumen, Elfen, dem Weihnachtsmann und zwei Rentieren auf Pappe. Die Wachsmalstifte spitzte sie dafür mehrfach an, um feinere Striche zeichnen zu können. Reste von Anspitzen des weißen Stiftes verwendete sie als Schnee.
Als Makoto einen Blick auf Amis Karte warf, blieb ihr der Mund offen stehen, so sehr staunte sie. Sie selbst brachte lediglich einige mit Schnee bedeckten Pflanzen zustande.
In der sechsten Stunde, der letzten vor den Winterferien, fand die Übergabe der Wichtelgeschenke statt. Die Schüler nahmen die Geschenke, die sie am Anfang des Tages auf dem mittleren Tisch gestellt hatten, wieder an sich, um sich auf die Suche nach der Person machen zu können, für die das Geschenk bestimmt war. Teilweise sah es so aus, als wenn der Beschenkte vor dem Schenker davonlief, weil dieser ebenfalls seine zu beschenkende Person suchte.
Usagi gab diesen Versuch schon nach kurzer Zeit auf. Sie würde warten, bis der größte Trubel vorbei war, und Sakura ihre zu beschenkende Person gefunden hatte. Während sie die Augen auf Sakura gerichtet hatte, kam Naru zu ihr.
Naru übergab Usagi eine Halskette, die sie im Geschäft ihrer Mutter selbst gemacht hatte. An einem Lederband hing ein flacher weißer Stein. Diesen Stein hatte sie so bearbeitet, dass dieser die Form eines Hasenkopfes mit den entsprechenden Ohren hatte. Als Augen waren Strass-Steine aufgeklebt. „Ich fand dies ganz passend für dich. Ganz besonders, da du alles mit Hasenmotiv sammelst. Und so eine Kette gibt es noch nicht. Ist schließlich selbst gemacht.“ Naru legte Usagi die Kette an. Diese freute sich über das Geschenk.
Nachdem Usagi ihr eigenes Geschenk erhalten hatte, schaute sie noch einmal zu Sakura. Auch diese hatte kein Geschenk mehr in der Hand, was hieß, dass diese nicht mehr auf der Suche nach ihrem Wichtel war. Sie nahm ihre Weihnachtskakteen und ihre Karte und lief zu Sakura.
Sakura war überrascht, dass tatsächlich jemand auch ihrer Zoogruppe ihr Wichtel war. Sie war nur froh, dass es nicht Naru war, weil diese ihr vermutlich wirklich einen Kaktus geschenkt hätte. Doch dann blickte sie auf die stachelige Pflanze mit einigen Blüten.
„Hallo Sakura,“, sagte Usagi schüchtern. Sie hatte das Gefühl, ihr Geschenk erklären zu müssen. „Ich habe es leider nicht geschafft, etwas zu finden, bei dem ich sicher sein konnte, dass es dir gefallen würde. Gefällt sie dir?“
Usagi übergab Sakura die Weihnachtskakteen, zwischen denen sie die Karte verstaut hatte. In dem Augenblick, als beide Mädchen den Topf berührten, öffnete sich eine rote Blüte. Sakura berührte vorsichtig die Blüte, nahm dann den Topf entgegen und blickte zu Usagi auf. Dann stellte sie die Pflanze neben sich ab.
„Wenn die Legende stimmt, ist jetzt gerade eine Freundschaft entstanden.“ sagte Usagi.
Sakura schaute sie nur fragend an. Sie konnte sich dies nicht vorstellen. Auch wenn sie sich innerhalb der letzten Wochen angenähert hatten, betrachtete Sakura sie nicht als Freunde. „Wie kommst du darauf?“, fragte sie daher.
Dann öffnete Sakura die Karte von Usagi. „Da sind aber viele Rechtschreibfehler.“ sagte sie, während sie sich die Karte durchlas. Unterdessen erzählte Usagi ihr von der Legende der entstehenden Freundschaften.
***** Weihnachtskarte Anfang *****
Libe Sakura,
ich hoffe, dass dir die Weihnachtkaktusse gefallen.
Leder weise ich nicht, ob Pflanzen generell das richtige Geschenk für dich sind. Diese hier sind aber recht pflegeleicht.
Auch wenn wir noch nicht allzu viel miteinander gemacht haben, so hofe ich doch, das du schnell Freunde findest. Und das auch wir Freude werden.
Deine Usagi
***** Weihnachtskarte Ende *****
„Kannst du mir erklären, was du mit 'Leder weise ich nicht' meinst?“ Bei den anderen Rechtschreibfehlern konnte Sakura sich noch vorstellen, was ihre Klassenkameradin damit gemeint haben könnte. Aber dieser Teilsatz machte so gar keinen Sinn.
„Das sollte 'Leider weiß ich nicht' heißen.“ Usagi schaute zu Boden, damit Sakura nicht sehen konnte, wie peinlich ihr diese Fehler wirklich waren.
Einige Zeit später läutete die Schulglocke das Ende der Stunde, und somit den Beginn der Winterferien, ein. Gruppen von Schülern packten ihre Schultasche, verabschiedeten sich von den Freunden, die in den Urlaub fahren würden und verließen das Gebäude.
Als Usagi gemeinsam mit Ami, Makoto, Minako und Naru nach draußen gehen wollte, drehte sie sich noch einmal um. Sakura hatte niemanden, von dem sie sich verabschieden konnte. Wenn Usagi sich wirklich mit Sakura anfreunden wollte, musste sie etwas tun. Sie musste den Anfang machen. Das Wichtelgeschenk und die dazugehörige Legende würden nicht reichen. Kurz darauf erklang die folgende Frage in dem Klassenraum: „Kommst du mit zur Spielhalle, Sakura?“
Sakura lächelte, packte schnell ihre Sachen zusammen und zog sich die Jacke an. „Ja, bin dabei.“ Vielleicht werden wir ja doch Freunde, dachte sie, als sie mit den anderen die Schule verließ.