Prolog
Die Schüler der Amanogawa Academy saßen im Unterricht und lauschten ihren jeweiligen Lehrern, während im obersten Stock des Schulgebäudes ihrem Direktor der Schweiß ausbrach.
Er saß hinter seinem polierten Mahagonitisch und wischte sich mit einem Taschentuch über die Stirn, während er in der anderen Hand ein schneeweißes Blatt Papier hielt: „Das ist nicht gut... Das ist gar nicht gut. Wie kommen sie auf die Idee gerade uns zu so etwas einzuladen?“
In der Stimme des Mannes schwang panische Angst mit, während er sich immer wieder den neu ausbrechenden Schweiß abwischen musste. Auf der anderen Seite des Tisches stand eine junge Frau mit schwarzem Blazer und schwarzen Hotpants, die mit einem skeptischen Blick das Verhalten des Direktors beobachtete. Sie konnte nicht anders, als das Verhalten als absolut kindisch zu bezeichnen.
Immer wieder jammerte der Mann über das Papier in seiner Hand, bevor die junge Frau sich mit der Hand durch ihre langen, grünen Haare fuhr und ihre gelben Augen sich genervt schlossen: „Bei allem Respekt, Direktor Kishimoto, Sie tun ja so, als würde die Welt untergehen. Es ist doch nur ein Fußballturnier.“
„Nur ein Turnier?“, rief der Mann aus und bekam langsam Schnappatmung, während er aufstand und an die großen Fenster hinter seinem Schreibtisch trat: „Ich glaube Sie verstehen den Ernst der Lage nicht, Matsuyama-san. Dieses Turnier ist weitaus mehr, als es auf den ersten Blick scheint und unsere Schule hat nicht einmal ein Fußballteam!“
Der Direktor fuhr sich durch die kaum noch vorhandenen Haare und drohte sich den kläglichen Rest vom Kopf zu reißen, weshalb die Grünhaarige erst mit den Augen rollte.
„Ich dachte genau für diesen Part haben Sie mich zu sich gerufen. Soll ich jetzt ein Team aufstellen, oder nicht?“, fragte sie schnippisch.
Die junge Frau stemmte die linke Hand an die Hüfte und warf mit der Rechten ihr Haar etwas zurück, weshalb der Direktor seine Füße anstarrte: „Ich war wohl etwas voreilig. Ich meine, wir können uns wohl kaum mit Schulen wie Teikoku Gakuen oder Kidokawa Seishuu messen...“
„Nicht mit dieser Einstellung“, brummte die Grünhaarige und hob die rechte Hand leicht zum gestikulieren an: „Ich sag Ihnen was: Ich mache das, wofür Sie mich her gebeten haben und Sie lassen Ihre Halbglatze in Ruhe. Hoffen wir mal, dass unser zukünftiges Fußballteam ein bisschen mehr Rückgrat hat als Sie.“
Damit drehte sie sich schwungvoll um und lief zur Tür. Dem Mann klappte die Kinnlade herunter, während er der jungen Frau nur nachschauen konnte.
Vor dem Büro verschränkte die Frau noch einmal die Arme vor der Brust und tippte sich ans Kinn: „Das wird kein leichtes Unterfangen, aber ich habe noch nie so leicht aufgegeben. Mal sehen, ob ich nicht ein paar Spieler von anderen Schulen abwerben kann. Einen Versuch ist es allemal wert. Oder ich finde ein paar vollkommen unbekannte Talente.“
Damit stolzierte sie förmlich den Flur entlang und machte sich ihre Gedanken über das Team, dass sie bald würde aufstellen müssen.
Einige Tage später betrat die Grünhaarige das Büro der Sportlehrer und ging zu dem ihr zugewiesenen Platz, auf dem einige Akten verstreut lagen. Die Wahl für die Spieler erwies sich als schwierig, allerdings hatte sie bereits eine Idee, mit der sie an geeignete Spieler kommen würde. Unter einer der Akten lugte eine Zeitung hervor, auf deren Deckblatt ein Artikel über Hakuren, eine Schule aus Hokkaido, abgedruckt war. In dem Artikel wurde die Fußballmannschaft der Schule für ihren Sieg über einen schweren Gegner gelobt, wobei vor allem eine Mittelfeldspielerin im Fokus stand. Allerdings lag das nicht an ihren Leistungen, sondern eher an der Tatsache, dass sie wohl von einem ehemaligen Spieler von Inazuma Japan trainiert wurde.
Leise summend rieb sich die Grünhaarige das Kinn: „Fubuki Shirou hat einen Schützling? Äußerst interessant. Das bringt mich doch auf eine Idee.“
Dabei bildete sich ein triumphales Lächeln auf ihren Lippen, während sie nun begann sich am Computer Informationen zu potenziellen Kandidaten zu suchen, denn wer könnte einen Fußballer besser finden als ein Fußballer. Nach kurzem Suchen hatte sie mehrere Bilder auf dem Bildschirm, die ihre künftigen Talentsucher zeigten. Alles, was jetzt noch fehlte, war ein wenig Überzeugungsarbeit, doch das war ihre leichteste Übung.
Ein neuer Anfang
Völlig überrascht starrte ein junges Mädchen mit roten Haaren auf den Strom an Schülern, die gerade aus dem Schulgebäude herauskamen. Die Amanogawa Academy war eine hoch angesehene Schule in Tokio, die im selben Bezirk wie die Teikoku Gakuen lag. Nervös strich sie sich eine ihrer schulterlangen Haarsträhnen hinter das linke Ohr, während ihre goldfarbenen Augen das Schulgelände absuchten. Sie fühlte sich etwas unsicher bei all den Leuten, doch legte sich eine Hand beruhigend auf ihre Schulter.
Sofort hob das Mädchen den Kopf und sah in das Gesicht eines jungen Mannes mit eisgrauem Haar, der ihr ein aufmunterndes Lächeln schenkte: „Keine Sorge, Yumi-chan. Du wirst hier bestimmt gut zurecht kommen.“
Mit einem leisen Jammern senkte das Mädchen den Blick und sah auf ihre Schuhe: „Da bin ich mir nicht so sicher, Shirou-niichan.“
Der Grauhaarige sah sich noch einmal um, bis sein Blick auf ein großes Gebäude am rechten Ende des Schulgeländes fiel: „Ich glaube mal, dass das da hinten das Wohnheim ist. Sehen wir mal, ob schon jemand da ist.“
Yumisa fuhr erschrocken hoch, als ihr Begleiter sie einfach stehen ließ und loslief: „Hey, lass mich nicht allein!“
Sie konnte sehr schlecht mit anderen Leuten umgehen und deshalb war sie auf ein vertrautes Gesicht angewiesen. Daher wollte sie so nah wie möglich bei Shirou bleiben, der locker über das Gelände schlenderte. Während die Rothaarige ihm folgte, hielt sie den Blick gesenkt und machte sich einige Gedanken über die Zukunft. Sie war ausgewählt worden, dem neuen Fußballclub beizutreten, doch nicht wegen ihrer Fähigkeiten, sondern lediglich weil sie von dem Grauhaarigen trainiert wurde.
Das Wissen darüber machte es für sie nicht unbedingt leichter, doch würde sie es auf jeden Fall versuchen, denn sie hatte oft genug den Kopf in den Sand gesteckt und das wollte sie ändern.
Im leichten Laufschritt erreichte sie das Gebäude und war von der Größe erst einmal völlig erstaunt: „Wahnsinn. Und hier soll ich von jetzt an wohnen? Mama würde vermutlich ausflippen, wenn sie das wüsste.“
Bei dem Gedanken lachte der Grauhaarige laut auf und tätschelte dem Mädchen den Kopf: „Würde sie vermutlich, aber jetzt wollen wir mal sehen, ob schon einer der anderen Spieler da ist.“
Sofort verzog die Rothaarige das Gesicht und seufzte einmal auf: „Na schön, wenn es sein muss.“
Damit öffnete sie die Tür und betrat das Wohnheim, wo ihr direkt die Augen übergingen. Von der Tür führte ein kleiner Gang in den Hauptraum. Dieser hatte links eine große Küche und rechts ein Wohnzimmer mit mehreren Sitzecken und einem großen Fernsehen. Sogar eine Spielekonsole stand vor dem Fernseher, doch war das nicht unbedingt Yumi’s Fall.
Neben der Küche und dem Wohnzimmer führte jeweils eine Treppe nach oben in den ersten Stock, doch galt die Aufmerksamkeit der beiden Neuankömmlinge den vier Türen, die gegenüber dem Eingang lagen, je zwei auf der linken und rechten Seite.
Neugierig neigte die Rothaarige den Kopf und musterte die Türen: „Sind das schon Wohnräume?“
„Gut möglich, schauen wir mal nach“, erwiderte der junge Mann und steuerte die erste Tür auf der linken Seite an.Noch bevor Shirou die Tür öffnen konnte, ging sie auf und ein Junge von etwa 15 Jahre trat heraus.
Er strich sich kurz mit der Hand durch sein wuscheliges schwarzes Haar und musterte den Grauhaarigen mit seinen schmalen, grauen Augen: „Nanu? Fubuki-senpai, du bist schon hier? Oh und Matsuyama-chan ist ja auch dabei.“
Dabei grinste er Yumisa an, die sich sofort hinter dem Grauhaarigen versteckte: „Oh... H-hallo, F-Fujiwara-kun.“
Etwas geknickt verzog der Schwarzhaarige das Gesicht und musterte das rothaarige Mädchen, das sich immer noch vor ihm versteckte: „Ernsthaft jetzt? Wir spielen seit anderthalb Jahren im selben Verein und du hast immer noch Angst vor mir, Matsuyama-chan?“
„Gomen...“, murmelte die Kleinere und blieb hinter ihrem Senpai in Deckung, während dieser leicht seufzte: „Du musst es ihr nachsehen, Ryuichi. Du weißt doch wie sie ist.
“Der Schwarzhaarige nickte verstehend, neigte aber dennoch leicht den Kopf. Gut, er kannte das Mädchen, seit er vor sieben Jahren nach Hokkaido gezogen war, aber dass sie immer noch so ängstlich in seiner Nähe war, verletzte ihn schon ein bisschen.
Er wagte einen neuen Versuch und deutete auf die zweite Tür von rechts: „Sieh dir doch einfach mal dein Zimmer an.
Vorne am Eingang hängt eine Liste, wer wo untergebracht ist. Deins ist das zweite von rechts.“
Sehr zögerlich nickte Yumisa und zu dritt gingen sie auf die Tür zu, als Shirou sich noch einmal an den Jungen wandte: „Sag mal, Ryuichi, wo ist eigentlich Atsuya?“
„Hm? Atsuya-senpai wollte sich ein bisschen umsehen und wohl ein Wörtchen mit der Trainerin wechseln. Ich glaube allerdings eher, dass er sich am Telefon bei Nae-senpai melden will“, tat der Schwarzhaarige seine Meinung kund, während er sich überlegend ans Kinn tippte.
Nun wandte sich Yumisa an ihren Teamkollegen und konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen: „Ich glaube, Atsuya-nii steht bei Nae-nee ganz schön unter dem Pantoffel.“
Bei der Vorstellung, wie der besagte Mann von seiner Freundin am Telefon rund gemacht wurde, brachen alle drei Anwesenden in schallerndes Gelächter aus.
Vorsichtig öffnete die Rothaarige die Tür zu ihrem Zimmer und warf einen vorsichtigen Blick hinein, doch war der Raum menschenleer. Auf jeder Seite hatte das Zimmer je ein Bett, einen Schreibtisch, sowie ein großes Bücherregal und einen Kleiderschrank. Das Zimmer war ansonsten komplett neutral und in weiß gestrichen, was das Mädchen ein bisschen an Schnee erinnerte.
Ryuichi sah sich kurz um, bevor er eine Erkenntnis hatte: „Die Räume scheinen alle gleich auszusehen. Mein Zimmer ist genauso eingerichtet. Wirkt allerdings ein wenig... wie soll ich das sagen?“
„Steril?“, warf Shirou in den Raum und erhielt ein zustimmendes Nicken, als eine ihm vertraute, männliche Stimme durch das Gebäude schallte: „Hey, Ryuichi. Ich bin wieder da!“
Die drei sahen sich erst an und verließen dann das Zimmer, wo sie einen jungen Mann mit orangefarbenen Haaren und grau-grünen Augen vorfanden.
Ryuichi grinste den Neuankömmling an, war es doch sein Mentor, der gerade seinen weißen Schal zurechtrückte: „Atsuya-senpai, hast du die Trainerin gefunden?“
„Ja schon, aber die Olle meinte nur, dass das Training losgeht, wenn alle Spieler da wären. Aniki, du bist ja auch schon da“, wandte sich Atsuya an seinen Zwillingsbruder Shirou, der bestätigend nickte, allerdings den Blick auf die beiden Personen richtete, die gerade das Gebäude betraten.
Vorneweg ging ein junger Mann mit gebräunter Haut und hochstehenden weiß-blonden Haaren. Ihm folgte ein Mädchen mit schulterlangen, braunen Haaren, die durch den Seitenscheitel ihr Gesicht einrahmten und auf der linken Seite von einer roten Haarspange gehalten wurden. Kurz weiteten sich ihre ovalen, hellblauen Augen vor Schreck, als sie die vielen Leute sah, doch dann nahm sie ein paar tiefe Atemzüge und folgte dem blonden Mann.
Die Fubuki-Zwillinge sahen den Mann an und begannen zu grinsen, als Shirou die Hand hob: „Gouenji-kun, du bist auch hier? Schön dich zu sehen.“
Der blonde Mann nickte und erwiderte den Gruß mit einem Lächeln: „Shirou, Atsuya, ihr beide seid auch um Hilfe gebeten worden?“
Die Zwillinge nickten und tauschten sich ein bisschen mit Gouenji aus, bis Ryuichi sich leicht nach vorne traute: „Sie sind Gouenji Shuuya? Das Stürmerass von Inazuma Japan?“
Die Frage wurde mit einem Nicken beantwortet, was den Schwarzhaarigen leicht Jubeln ließ, denn man begegnete nicht jeden Tag gleich drei Spielern der japanischen Nationalmannschaft. Yumisa musterte den Mann und zog es weiterhin vor, sich hinter Shirou zu verstecken, als sie bemerkte, dass die kleine Brünette dasselbe bei Gouenji tat.
Das schien dieser nun auch zu bemerken und schob sie leicht an der Schulter nach vorne: „Hey, nicht verstecken. Stell dich vor.“
Kurz sah die Braunhaarige den jungen Mann wehleidig an, doch dann wandte sie sich ihren beiden künftigen Teamkollegen zu und verneigte sich leicht unsicher: „Sch-Schön euch kennen zu lernen. Ich h-heiße Itō Arisu.“
Gouenji nickte aufmunternd, denn er war stolz auf seinen Schützling, der große Probleme mit solchen Situationen hatte. Die Zwillinge musterten nacheinander die drei Fußballer und schienen stumm einen Vergleich zwischen ihren jeweiligen Schülern zu ziehen.
Der Schwarzhaarige machte einen Schritt vor und hielt die Hand auf: „Schon dich kennen zu lernen, Itō-chan. Ich bin Fujiwara Ryuichi, auf gute Zusammenarbeit.“
Nur sehr zögerlich griff das Mädchen nach der Hand und sah dann zu der Rothaarigen, die sich ebenfalls an sie herangetraut hatte. Das Folgende überraschte die Brünette allerdings sehr, denn Yumisa setzte sich selbst eine Hand auf den Kopf und schob sie dann zu Arisu, wobei sie ihr leicht gegen die Stirn stieß.
Die Brünette war sich nicht sicher, was sie jetzt tun sollte, doch dann hörte sie ein leises Murmeln von der Rothaarigen: „Na super, die ist auch größer als ich...“
Fragend neigte die Braunhaarige jetzt den Kopf und schien zu verstehen, was das Problem war. Ryuichi war anscheinend um die 1,70 Meter groß und sie selbst maß 1,59 Meter. Dennoch überragten beide das rothaarige Mädchen, was dieser offensichtlich missfiel, wobei der Unterschied zu Arisu äußerst gering ausfiel.
Die drei Erwachsenen tauschten einen besorgten Blick, während ihre Schützlinge einfach nur dastanden. Arisu und Yumisa sahen betreten auf ihre Schuhe und Ryuichi musterte die beiden Mädchen abwechselnd, während er sich überlegte, wie er die Situation ein wenig auflockern könnte. Yumisa grummelte leise vor sich hin, denn die Situation gefiel ihr überhaupt nicht. Was sie nicht ahnte war, dass es in Arisu’s Kopf nicht anders aussah, denn das Mädchen würde sich am liebsten einfach in ihrem Zimmer verkriechen.
Um sich etwas Sicherheit zu verschaffen ging sie zu ihrem Mentor, der gerade auf sein Handy schaute: „Ähm Gouenji-senpai? Weißt du wo mein Zimmer ist, oder muss ich mir eins aussuchen?“
Etwas überfragt wandte sich der Blonde an seine Freunde. Atsuya deutete auf den Zettel im Flur.
„Da steht drauf, wem welches Zimmer gehört“, meinte er an Arisu gewandt, die sofort zu dem Zettel lief und nachsah.
Sie fuhr leise summend mit dem Finger über die einzelnen Vierecke, die die Zimmer darstellten und fand ihren Namen im Erdgeschoss: „Oh, da steh ich ja. Hoffentlich ist meine Zimmerkollegin nett.“
Etwas unsicher ging die Braunhaarige zu ihrem Mentor zurück, der sie auffordernd ansah: „Und? Wo ist dein Zimmer, Ari?“
„Direkt hier vorne. Meine Zimmerkollegin ist eine gewisse Matsuyama Yumisa. Hoffentlich ist sie nett“, murmelte das Mädchen, als Shirou zu grinsen begann: „Keine Sorge, Yumi-chan ist ganz harmlos. Übrigens, das ist der kleine Rotschopf hier.“
Damit deutete er auf seine Schülerin und die Erkenntnis überraschte Arisu doch ein wenig. Dieses schüchterne Mädchen war also ihre Zimmergenossin. Sie schien fast so schüchtern zu sein, wie sie selbst, also würde sie vermutlich nicht viel reden, was ihr ganz gelegen kam.
Gouenji schien ihre Gedanken lesen zu können, denn er stieß ihr neckisch in die Seite: „Auch wenn du ihr lieber aus dem Weg gehen würdest, versuch dich doch mit ihr anzufreunden.“
Sichtlich nervös sah die Brünette immer wieder von Gouenji zu ihrer Zimmergenossin, die ihren Blick unsicher erwiderte. Man konnte sehen, dass es beiden nicht leicht fiel, mit dieser Situation klar zu kommen, als Ryuichi endlich die rettende Idee kam.
„Hey, was haltet ihr davon, wenn wir uns erst einmal unsere neue Schule ansehen?“, schlug der Schwarzhaarige vor und sah die Mädchen an, die sich hilfesuchend an ihre Senpai wandten.
Die Älteren machten jedoch nur eine scheuchende Handbewegung, weshalb die beiden Mädchen sich ergaben und dem Schwarzhaarige auf eine Erkundungstour über das Schulgelände folgten.
Stars überall!
Leise pfeifend lief ein Junge von 14 Jahren über den Bürgersteig und musterte die Notizen in seiner Hand. Sein hellblondes Haar wehte leicht im Wind, wobei er es zu einem lockeren Zopf gebunden hatte und eine einzelne Strähne sein rechtes Auge verdeckte. Er sollte eine neue Schule besuchen und dort dem Fußballclub beitreten, weshalb er schon etwas nervös war, doch überwiegte die Vorfreude auf diese Gelegenheit. Schließlich war er persönlich in diese Mannschaft gebeten worden, also war das eine besondere Situation. Wenn er so darüber nachdachte, war es eigentlich dem Mann mit den rosafarbenen Haaren und der Augenbinde zu verdanken, der hinter ihm herlief.
Neugierig drehte der Blonde den Kopf nach hinten und musterte seinen Begleiter, der ihm summend folgte: „Hiroyuki-senpai, was genau ist das für ein Turnier, bei dem wir teilnehmen werden?“
Der Rosahaarige richtete seine Augenbinde, schüttelte allerdings den Kopf: „Tut mir leid, Himaru. Ich weiß es leider nicht, die genauen Details werde ich mir allerdings so bald wie möglich holen.“
Der Mann setzte sich nachdenklich die Hand ans Kinn und Himaru tat es ihm gleich. Es war schon seltsam, dass aus dem Nichts, ohne Werbung und dergleichen, ein Fußballturnier aufgezogen wurde.
Gerade als er sich einen Reim darauf machen wollte, zwickte ihn etwas ins Ohr: „Pass auf, wo du hinrennst, Himaru! Ich will nicht wegen dir in einer Wand enden.“
Erschrocken zuckte der Junge zusammen, da er wirklich fast gegen eine Wand gelaufen wäre und trat sicherheitshalber einen Schritt beiseite. Mit großen Augen musterte der Junge das riesige Schulgebäude, an dem sie gerade angekommen waren und sah dann auf seine Schulter, wo er einen kleinen silberfarbenen Fuchs mit saphirblauen Augen und neun Schweifen entdeckte.
Das Tier fiepte leise und erwiderte dann den Blick seines Trägers: „Nicht schlecht die Hütte, was meinst du?“
„Da hast du Recht, Kyo-chan. Hiroyuki-senpai, ist das hier wirklich die Amanogawa Academy?“, wandte sich der Blonde an seinen Begleiter, der nur zustimmend nickte und dann zu dem Fuchs schaute: „Ich hoffe, dass ich dir nicht extra sagen muss, keine Streiche zu spielen, Kyo.“
Eine Antwort kam in Form eines leisen Pupsgeräusches, welches der Fuchs mit seiner Zunge machte und dann laut lachte. Der Blonde musste sich das Lachen verkneifen, während sein Mentor sich leicht gegen die Stirn klopfte.
Ein hämisches Lachen erregte Himarus Aufmerksamkeit, als er mehrere Schüler entdeckte, die mit dem Finger auf ihn zeigten und laut auflachten. Dem Jungen war sofort klar, woran das lag. Seine Kleidung war nun mal nicht alltäglich, so trug er doch einen Hakama bestehend aus einem blauen Oberteil und einer schwarzen Hose. Seine Holzsandalen rundeten das typische Tempeloutfit ab, jedoch machte es dem Jungen nichts aus, denn er war nun mal wie er war.
Kyo knurrte leise und legte seine neun Schweife um den Hals seinen Partners, sodass sie fast wie ein Halstuch aussahen: „Die Typen werden schon noch sehen, was wir zusammen drauf haben.“
Zustimmend nickte Himaru, als hinter ihm eine leise Stimme erklang: „E-Entschuldigung, wissen Sie vielleicht wo der Fußballclub ist?“
Himaru und Hiroyuki drehten sich um und standen einem jungen Mädchen und einem jungen Mann gegenüber. Während das Mädchen schulterlange, schwarze Haare und dunkelbraune Augen hatte, wies der junge Mann türkisfarbene Haare auf und trug eine Augenklappe. Das Mädchen trat nervös von einem Fuß auf den anderen, während sie an dem Saum ihres weißen T-Shirts herumspielte, in das sie seitlich einen Knoten gebunden hatte.
Der Blonde zuckte leicht mit den Schultern und sah sich kurz um: „Leider nein, wir sind auch erst gekommen. Ich sehe das richtig, dass du auch im Fußballclub bist?“
Auf die Frage nickte das Mädchen zögerlich und wollte schon einen Schritt zurück machen, als der Mann mit der Augenklappe sie aufhielt: „Ganz ruhig, Airi. Yuukoku Hiroyuki, es ist schon ein bisschen her. Wie geht es dir?“
Die beiden Männer reichten sich die Hand, während der Rosahaarige ein leichtes Lächeln aufsetzte: „Sakuma Jirou, es ist mir eine Freude dich zu sehen. Dich haben sie also auch gefragt. Sag mal, weißt du etwas über dieses Turnier? Himaru und ich sind da leider etwas planlos.“
Dabei verschränkte er die Arme vor der Brust und der Blonde musterte die Schwarzhaarige, die sich wohl etwas fehl am Platz fühlte. Himaru wusste nur zu gut, wie man sich auf einer neuen Schule fühlte und momentan waren sie beide in der gleichen Situation, weshalb er ihr die Sache etwas erleichtern wollte.
„Ich heiße Yoru Himaru und gehe neu auf diese Schule. Darf ich dich nach deinem Namen fragen?“
Damit hielt er dem Mädchen die Hand hin, welche nur sehr zögerlich ergriffen wurde: „S-Shiroi Airi, f-freut mich, Yoru-kun.“
„Na bitte, es geht doch“, grinste Sakuma zufrieden und klopfte dem Mädchen leicht auf die Schulter, welches daraufhin ein leichtes Lächeln aufsetzte.
Die Schwarzhaarige atmete ein paar Mal tief durch und musterte den blonden Jungen, der zu ihrem Erstaunen anscheinend mit sich selbst redete, denn er sah auf seine linke Schulter und murmelte leise vor sich hin. Mit einem leicht verzogenen Gesicht sah sich Airi etwas um, als ihr Blick auf einen schwarzen Sportwagen fiel, der gerade auf das Gelände fuhr und auf dem Parkplatz anhielt. Alle vier starrten auf den Wagen, aus dem eine Person stieg, die Sakuma und Yuukoku die Augen übergehen ließ.
Kurz zuvor stand ebendieser schwarzer Sportwagen noch vor einer Baustellenampel und kam seit einer Viertelstunde nicht vom Fleck. Am Steuer saß ein junger Mann mit langen blonden Haaren, der genervt das Gesicht verzog und immer wieder aus dem Augenwinkel zu dem rothaarigen Mädchen schaute, dass neben ihm auf dem Beifahrersitz hockte. Das Mädchen spielte mit dem Anhänger ihres Schlüsselbundes in Form eines Apfels herum und sah nach vorne.
Sie bemerkte den Blick ihres Fahrers und begann frech zu grinsen: „Sind wir schon da?“
„Nein“, erwiderte der Blonde und trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad herum, als die Rothaarige noch einmal fragte: „Sind wir schon da?“Mit einem Augenrollen brummte der Blonde: „Nein...“
Eigentlich erhoffte er sich jetzt ein wenig Ruhe, doch hatte er die Rechnung ohne seine Beifahrerin gemacht, die sich ihm zuwandte und wie ein Kleinkind auf ihrem Sitz auf und ab hüpfte: „Sind wir schon da?“
„Akane, wir stehen an einer Baustellenampel! Wir kommen nicht vorwärts!“, machte der Blonde seinem Ärger Luft.
Er hatte eigentlich einen sehr langen Geduldsfaden, doch seine Sitznachbarin hatte es zur Perfektion gebracht, mit diesem Faden Seil zu springen.
Mit einem frechen Grinsen setzte der Rotschopf weiter nach: „Sind wir schon da?“
Nun hatte der Blonde genug und sah mit einem strengen Blick aus dem Augenwinkel zu Akane: „Wenn du das noch einmal fragst, wirst du die Strafe der Götter spüren, Aka-chan.“
Trotz des verniedlichenden Suffixes konnte man den bedrohlichen Ausdruck in seinen Augen sehen.
Akane kannte diesen Ausdruck, doch schreckte sie dieser schon lange nicht mehr ab, weshalb sie frech weiter machte: „Sind wir schon da? Au!“
Mit einem lauten Klatschen ruckte ihr Kopf nach vorne, als die Hand des Blonden sie am Hinterkopf traf und genau in dem Moment sprang die Ampel auf Grün. Mit einem missgelaunten Brummen rieb sich das Mädchen den Hinterkopf und richtete die Kopfhörer, die um ihren Hals hingen und durch den Klaps fast runtergefallen wären. Dabei verfluchte sie ihren Nachbarn innerlich, der sich anscheinend keiner Schuld bewusst war.
„Du bist ein Sadist, Aphrodi...“, brummte sie, doch hatte der Angesprochene nur ein müdes Lächeln dafür übrig: „Du kannst nicht sagen, dass ich dich nicht gewarnt habe. Pass auf, du hast hier eine besondere Chance, also nutze sie auch.“
Während Aphrodi sprach, machte Akane mit der Hand eine Sprechbewegung, bis sie einen Klaps auf die Hand bekam.
Mit einem leisen Seufzer blies sie sich einige Haare aus dem Gesicht, als der Wagen auf dem Parkplatz abgestellt wurde und sofort sprang sie aus dem Fahrzeug. Mit einem langen Pfiff betrachtete Akane das neue Schulgebäude und schulterte ihre Sporttasche, die sie gerade aus dem Kofferraum genommen hatte.
Aphrodi stieg aus dem Wagen und sah zu dem Schulgebäude: „Ich frage mich, was uns hier wohl alles erwarten wird. Akane, ich hoffe, ich muss dir nicht sagen, dass du diese Chance nur hast, weil ich dich trainiere. Das hier ist nicht die Zeus, also versuche einen guten ersten Eindruck zu machen.“
Mit einem fragenden Blick sah das Mädchen zur Seite und murrte anschließend leise: „Ja ja, Onee-chan... ich werd das reinste, liebe Schulmädchen sein.“
Auf die Aussage konnte der Blonde nur belustigt schnauben, was die Rothaarige sauer brummen ließ, doch gerade als sie zu einer Antwort ansetzen wollte, traten vier Personen an sie heran. Zwei der Personen waren ungefähr in Aphrodis Alter und die anderen beiden in Akane’s. Die beiden Erwachsenen begrüßten den Blonden und schienen sich recht gut zu kennen, weshalb Akane sich an die beiden Jüngeren wandte.
Airi sah auf den blonden Mann, bei dem es sich um Afuro Terumi handelte, einen ehemaligen Stürmer von Inazuma Japan.
Sie fühlte sich etwas unwohl bei so einer Berühmtheit zu stehen, doch trat in dem Moment das rothaarige Mädchen an sie und Himaru heran: „Heyho, seid ihr beide auch im Fußballclub?“
Die Schwarzhaarige machte nervös einen Schritt zurück und nickte nur knapp, während der blonde Junge freundlich die Hand aufhielt: „Ja, Yoru Himaru mein Name.“
Der Rotschopf nickte fröhlich und verschränkte die Arme vor der Brust: „Tsubame Akane. Welche Position spielt ihr?“
„Linkes, offensives Mittelfeld“, gab der Junge direkt Antwort, was die Rothaarige kurz eine Augenbraue hochziehen ließ.
Airi schluckte schwer, als die Blicke sich ihr zu wandten, weshalb sie den Kopf einzog und ganz leise: „Verteidiger...“ murmelte.
Aphrodi zog nun ebenfalls eine Augenbraue hoch und musterte das schwarzhaarige Mädchen, die von Akane zusammen mit Himaru in Richtung eines Gebäudes am Rand des Geländes gezogen wurde. Der blonde junge hatte keine Probleme mit Akane‘s direkter Art, jedoch schien Airi nicht dieser Meinung zu sein, denn sie wurde einfach wie ein nasser Sack mitgeschleift. Die drei Älteren folgten mit dem Gepäck, dass durch Akane einfach liegen gelassen wurde und erreichten kurz darauf das Wohnheim. Die drei Schüler traten nacheinander ein und fanden sich in einer großen Eingangshalle wieder, in der sie auf drei Männer stießen, die sich miteinander unterhielten.
Aphrodi hob den Blick und lächelte dann freundlich: „Sieh an, die Fubuki-Zwillinge und Gouenji-kun. Anscheinend haben die Götter uns wieder zusammen geführt.“
Die drei Schüler rissen die Augen auf, als sie die Spieler der damaligen Nationalmannschaft sahen und es war wie ein Traum, der wahr geworden war. Die Schwarzhaarige hätte sich gerne kurz mit ihnen unterhalten, denn sie würden ihnen bestimmt gute Tipps geben können, doch traute sie sich einfach nicht.
Gouenji hatte sich gerade mit Yuukoku und Sakuma unterhalten, als er einen Blick auf die drei Schützlinge warf und sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen konnte: „Oha, da haben wir ja noch zwei von der Sorte.“
Die Schwarzhaarige und der blonde Junge sahen sich an, als sie merkten, dass Gouenji sie damit meinte.
Shirou lachte auf und fuhr sich durch die Haare: „Dann fühlt sich Yumi ja nicht ganz so klein.“
Die drei Schüler tauschten einen fragenden Blick, denn sie wussten nicht genau worum es hier ging, doch ging Atsuya dazwischen: „Na super, noch zwei Mini-Knirpse. Als ob wir mit Yumi-chan und Arisu nicht schon genug hätten. Aber wenigstens ist das Mädel da auf Augenhöhe mit Ryuichi.“
Nun schienen auch die anderen Erwachsenen zu begreifen, dass hier auf die Größe der Spieler angespielt wurde. Während Akane so groß wie Atsuya’s Schützling und Himaru so groß wie der von Gouenji war, musste Airi sich wohl eingestehen, dass sie die Kleinste in der Mannschaft sein würde. Das Wissen, dass es aber noch mehr Leute von ihrer Statur gab, ließ das Mädchen lächeln, was vor allem ihren Mentor erfreute.
Sakuma nahm seinen Schützling beiseite und ging leicht in die Hocke: „Es wird dir hier gefallen, du bist nicht alleine. Alles klar?“
„Alles klar, Senpai“, lachte das Mädchen zum ersten Mal und sie fühlte sich gleich besser, vor allem schienen Himaru und Akane sehr nett zu sein.
Neugierig machten sich die drei Spieler auf die Suche nach ihren Zimmern, wobei sie sich schon darauf freuten, ihren künftigen Teammitgliedern zu begegnen.
Totalschaden
Mit einem lauten Quietschen rauschte ein dunkelblauer Kleinwagen durch die Straßen von Inazuma Town und bretterte gerade noch so über eine gelbe Ampel. In dem Wagen saßen zwei junge Männer von 20 Jahren, die beide rote Haare hatten.
Der Mann auf dem Beifahrersitz hatte sich in seinen Sitz gekrallt, während seine türkisfarbenen Augen auf dem Fahrer ruhten: „Du meine Güte, Haruya! Fahr langsamer, oder willst du uns umbringen?“
Der Fahrer drehte den Kopf zur Seite und zog eine Augenbraue nach oben: „So schlimm fahr ich jetzt auch wieder nicht, Tatsuya.“
Der Beifahrer sah nach hinten auf die Rückbank, wo zwei Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren saßen und den Anschein machten, als müssten sie sich gleich übergeben. Die Person hinter Haruya hatte kurzes, verwuscheltes, blondes Haar und große, blaue Augen, auf seinem Kopf thronte ein silberner Kopfhörer mit Katzenohren. Der Mitfahrer hinter Tatsuya hatte rosafarbenes Haar, welches zu einem Zopf gebunden war und ihm seitlich ins Gesicht hing, links und rechts war je eine schwarze Schleife ins Haar gebunden.
Besorgt richtete Tatsuya das Wort an die beiden Schüler: „Naoki, Rin, seid ihr beide okay?“
Ersterer richtete seine Kopfhörer und versuchte sich etwas zu beruhigen: „Es geht schon... Haruya-senpai, fahr bitte langsamer. Das Auto gehört Hitomiko-san, die wird dir den Hals umdrehen, wenn da was passiert.“
Der Fahrer schien sich daran nicht zu stören, denn er winkte ab und meinte, dass da schon nichts passieren würde. Wirklich überzeugt war keiner der Autoinsassen, weshalb die Stimmung weiter in den Keller sank.
Als der Wagen um die nächste Kurve bretterte, begann Rin sich zu beschweren: „Tatsuya, mir ist schlecht!“
„Nicht nur dir, Rin...“, erwiderte der Rothaarige und sah wieder nach vorne, wo er das Schulgebäude entdeckte, „Da ist die Amanogawa Academy. Haruya, bring uns einfach sicher auf den Parkplatz, okay?“
Der Fahrer rollte mit den Augen und fuhr auf den besagten Parkplatz, wo es leider nur noch sehr wenige freie Plätze gab. Nach einigem Suchen fand Haruya eine Lücke, die ihm angemessen erschien.
Beim Anblick eines schwarzen Sportwagens neben besagter Lücke machten die beiden Schüler große Augen: „Wahnsinn, hast du jemals so einen Wagen gesehen, Rin?“
„Nein, der ist bestimmt so teuer wie der von Hiroto-san“, kam die Antwort von Rin, wobei Tatsuya ein ganz anderes Gefühl hatte.
Haruya drehte das Lenkrad und steuerte die Lücke an, als Naoki ihn darauf hinwies, dass da nur noch sehr wenig Platz war, um zu manövrieren.
Da sein Kommentar wohl nicht gehört wurde, wiederholte Tatsuya den Einwand, weshalb Haruya leicht gekränkt zur Seite sah: „Könnt ihr mich nur kritisieren? Ich kann das scho...“
Weiter kam er nicht, denn im nächsten Moment ruckten alle nach vorne, als ein lauter Krach direkt hinter ihnen ertönte.
Die beiden Schüler schrien leicht panisch auf, als sie sich hilfesuchend umsahen. Langsam stiegen alle aus dem Wagen und sahen jetzt, was den Krach verursacht hatte: Beim Einparken war Haruya leider Gottes in den Sportwagen gekracht, dessen Heck nun völlig deformiert war. Während die beiden Erwachsenen in eine hitzige Diskussion gerieten, standen die beiden Schüler ein Stück abseits.
„Oh nein, das ist ein echt toller Schulanfang...“, murmelte Rin und ließ den Kopf hängen, während Naoki hin und her lief: „Wir werden eingesperrt! Das ist eine Katastrophe! Haruya-senpei, warum hörst du nicht auf mich?“
Die rosahaarige Person sah etwas hilflos nach oben in den Himmel, denn dieses übertriebene Verhalten war typisch für Naoki. Er war extrem schreckhaft und so ein Unfall machte ihn mental vermutlich komplett fertig. Immer wieder lief der Blonde um die Autos und murmelte vor sich hin, dass sie dafür ins Gefängnis kommen würden. Manchmal konnte Rin ihn wirklich nur als übertriebenes Kleinkind bezeichnen, so wie er sich verhielt, doch war Tatsuya momentan wichtiger.
Der Rotschopf schüttelte den Kopf und steckte gerade das Handy weg, als sein Schützling die Arme um seine Hüfte schlang: „Tatsuya, was machen wir jetzt?“
„Ich hab jemanden gerufen, der sich darum kümmern sollte. Haruya darf das gerne selbst mit Hitomiko-nee klären, dafür halt ich nicht den Kopf hin“, erklärte er und tätschelte seinem Schützling den Kopf, was Rin ein wohliges Geräusch entlockte.
Die Vier standen ein paar Minuten an der Stelle, als eine junge Frau mit schwarzer Kleidung und grünen Haaren an sie herantrat: „Ich dachte mir schon, dass Profisportler wohl einige Schwächen haben, aber nicht einmal rückwärts Einparken können ist schon ein starkes Stück.“
Tatsuya drehte sich mit Rin an seiner Hüfte um und Haruya wollte schon eine Antwort geben, doch blieb ihm das Wort im Hals stecken: „Wow, sie ist wunderschön...“
Der erste Rotschopf rollte mit den Augen, als Rin sich vorwagte: „Es war keine Absicht, das schwöre ich. Bekommen wir jetzt Ärger?“
Naoki jammerte leise und sprach mit sich selbst: „Natürlich kriegen wir Ärger, wir fliegen von der Schule, noch bevor wir drin sind.“
Die Grünhaarige strich sich einige Haarsträhnen hinter ihr Ohr und fixierte die beiden Jüngsten mit ihren goldgelben Augen: „Momoshi Naoki und Minami Rin, nehme ich an?“
Die beiden nickten und sahen die Frau neugierig an, wobei Naoki von ihrem leicht herrischen Auftreten etwas eingeschüchtert war.
Rin wiederum sah sie mit strahlenden Augen an, denn selten sah man eine so hübsche Frau, die sich derart durchsetzen konnte: „Sind Sie unsere Trainerin?“
Zustimmend nickte sie und verschränkte die Arme vor der Brust: „Ja, das ist korrekt. Meine Name ist Matsuyama Reina und ich bin die Trainerin des Fußballclubs der Amanogawa. Ich hoffe, dass ihr beide das haltet, was eure Mentoren versprechen. Wie geht es Hitomiko?“
Nun war sie in ein Gespräch mit Tatsuya verwickelt, weshalb die beiden Schüler sich ein wenig zurückzogen.
„Das ist unsere Trainerin? Sie wirkt etwas unhöflich... Meinst du, dass sie uns für die Sache böse ist?“, fragte Naoki unsicher und sah traurig zu Boden, weshalb Rin ihm sanft die Hand auf die Schulter legte.
„Werd nicht wieder sentimental, Naoki-kun. Sie wirkt doch ganz nett und... alles in Ordnung?“, fragte Rin erschrocken nach.
Dem Blonden war sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen, weshalb Rin die Hand zurückzog: „Entschuldige, hab ich vergessen. War nicht böse gemeint.“
„Ist okay... geht schon. Danke, dass du mich aufheitern willst, Rin“, versuchte der Junge mit den Kopfhörer seine Angst etwas runter zu spielen, doch so ganz gelang es ihm nicht, weshalb er sich sicherheitshalber zu seinem Mentor stellte, der gerade am Telefon zur Schnecke gemacht wurde.
Zur gleichen Zeit ging eine Gruppe von drei Leuten durch die Eingangshalle der Schule. Vorneweg lief ein Teenager mit gebräunter Haut und blonden Haaren, die er unter der Kapuze seines schwarzen Hoodies verborgen hatte. Wütend murrend rieb er sich das linke Ohr, während er aus dem Augenwinkel zu den beiden Personen schaute, die hinter ihm gingen. Rechts lief ein junger Mann mit gebräunter Haut und braunen Haaren, die von einem orangefarbenen Stirnband gehalten wurden. Neben ihm ging eine junge Frau mit hüftlangem rot-braunem Haar, die das Ziel des verstimmten Blickes war.
Sie bemerkte die Aufmerksamkeit des Jungen jetzt und hob tadelnd den Finger: „Du brauchst gar nicht zu meckern, Tatsumi-kun. Das ist eine hoch angesehene Schule und da kannst du nicht einfach so durch ein Fenster einsteigen.“
Besagter Junge murrte nur als Antwort, während der Stirnbandträger versuchte, die Situation zu entschärfen: „Komm schon Natsumi, du musst nicht gleich so streng sein.“
„Doch, Endou-kun. Amanogawa ist eine geachtete Schule, vom technischen Stand sogar über Raimon und da muss Tatsumi einen guten ersten Eindruck machen. Das gilt übrigens auch für dich, Endou-kun!“, meinte sie streng, stemmte die Hände in die Hüfte und musterte die beiden Männer, die synchron den Kopf einzogen und ein leisen „Ja...“ von sich gaben. An sich hatte Tatsumi etwas dagegen, wenn ihm jemand Befehle erteilte, jedoch hatte Natsumi eine Art an sich, gegen die er manchmal lieber nicht rebellierte und nachgab. Stattdessen widmete er sich der Schule, die er ab heute besuchen würde.
Das Gebäude war locker dreimal so groß, wie seine alte Schule und dabei war diese schon nicht klein gewesen. Vermutlich lag es daran, dass die Amanogawa eine Schule war, in der es jede Altersstufe gab. Das Gebäude hatte einen Ost- und einen Westflügel, wie er auf einem Gebäudeplan in der Eingangshalle feststellte, sowie ganze sechs Stockwerke. Im Erdgeschoss waren die Räume für die Clubaktivitäten, die Bücherei sowie alles andere, was für die Schüler irgendwie interessant sein könnte. Naja, für alle anderen Schüler. Tatsu fand auf Anhieb keine der angebotenen Annehmlichkeiten sonderlich interessant. Die Stockwerke über ihnen waren jeweils für eine Schulstufe reserviert: erster Stock die Grundschule, zweiter Stock die Mittelstufe, dritter Stock die Oberstufe und im vierten Stock waren diejenigen untergebracht, die studierten. Im fünften Stock befanden sich die Räumlichkeiten für die Lehrer und im sechsten Stock war das Büro des Direktors, welches Natsumi gefolgt von Endou und Tatsumi ansteuerte. Die junge Frau setzte ein freundliches Lächeln auf, klopfte an und trat nach der Einladung ein.
Tatsumi ließ kurz den Blick durch das Büro schweifen, das mit Vitrinen und Schränken zugestellt war. Ihnen gegenüber stand ein prunkvoller Mahagonitisch, mit dem der Direktor wohl angeben wollte. Er hätte schon fast etwas dazu gesagt, doch brachte ihn die Freundin seines Mentors mit einem leichten Knuff in die Seite zum Schweigen.
Hinter dem Tisch saß ein sehr korpulenter Mann mit Halbglatze, der sich gerade mit einem Tuch die Stirn abtupfte: „Ah, Raimon-san, Endou-san. Ich freue mich sie hier begrüßen zu dürfen, es ist uns eine Ehre. Und dieser junge Mann muss dann Tsukishima Tatsumi sein.“
Die drei Besucher verneigten sich, während der Direktor um den Tisch kam und sich verneigte: „Mein Name ist Kishimoto und ich bin der Direktor. Als meine Kollegin sagte, dass sie Endou Mamoru für unser Team gewinnen konnte, traute ich meinen Ohren nicht.“
Tatsumi knurrte leise, denn er konnte solche Schmeicheleien überhaupt nicht leiden und zu seiner Freude, ging auch Endou nicht darauf ein: „Danke für das Lob, aber in diesem Team geht es nicht um mich, sondern um Tatsumi.“
Der Direktor sah nun den Jungen an und verneigte sich erneut: „Verzeih mir, mein Junge, aber wir haben hohe Erwartungen an dich.“
„Die können Sie ruhig haben und ich werde diese auch erfüllen, da können Sie ihre letzten Haare drauf verwetten“, erwiderte der Blonde und verschränkte die Arme vor der Brust, als er wieder einen Knuff in die Seite bekam.
Er sah hoch und bekam einen strengen Blick von Natsumi zu spüren, doch dachte er nicht daran seine Worte zurück zu nehmen, denn er hatte sie genauso gemeint, wie er gesagt hatte.
Bevor die Situation eskalieren konnte ging die Tür ohne vorheriges Klopfen auf und eine junge Frau mit schwarzer Kleidung und grünen Haaren trat ein. Ihr folgten vier Leute, von denen Tatsumi einen sofort erkannte: Kiyama Tatsuya, einen Teamkollegen von Endou. Neben ihm stand ein Mann mit ebenfalls roten Haaren und leicht gescholtenem Blick, der immer wieder zu der grünhaarigen Frau schaute. Nun wanderte der Blick des Jungen zu den beiden Personen hinter den Erwachsenen. Ein Junge mit blonden Haaren und silbernen Kopfhörern mit Katzenohren und ein rosahaariges Mädchen mit schwarzen Schleifen in den Haaren. Waren das etwa seine Teamkollegen? Das konnte doch nur in die Hose gehen.
Die Rosahaarige hatte seinen Blick wohl bemerkt und winkte ihm fröhlich zu: „Hallo, bist du auch im Fußballclub? Ich bin Minami Rin und das ist Momochi Naoki, schön dich kennen zu lernen.“
Der Blonde hob grüßend die Hand und es schien die Erwachsenen nicht zu stören, denn diese unterhielten sich gerade darüber, dass einer der Rothaarigen eben einen anderen Wagen gerammt hatte.
"Trottel...", kommentierte der Junge trocken, was ihm einen weiteren bösen Blick von Natsumi einbrachte, und wand sich dann wieder dem Mädchen zu, "Oh, ja, ich bin im Fußballclub. Mein Name ist Tsukishima Tatsumi und ich bin Torhüter."
"Cool, dann auf gute Teamarbeit. Ich bin übrigens Verteidiger, also arbeiten wir ja direkt zusammen", wand sie ein, was Tatsu eine Augenbraue heben ließ.
„Hättest du gerne. Ich halte den Kasten alleine sauber, du wirst nicht benötigt“, erwiderte der Blonde und rückte seine Kapuze zurecht, als der Junge mit den Kopfhörern sich einmischte: „Dann halt du den Kasten sauber und ich schieße die Tore. Auf gute Zusammenarbeit, Tsukishima-kun.“
„Wehe du versaust es, Catboy. Aber von mir aus, auf gute Zusammenarbeit!“ Nach einem strengen Blick von Natsumi reichte er Naoki die Hand, doch macht dieser keine Anstalten den Händedruck zu erwidern.
Er wollte gerade etwas einwerfen, als ihm die Grünhaarige zuvorkam: „Damit wären neun Spieler schon da. Mir wäre es ja lieber, wenn alle auf einmal kämen, aber was will man machen.“
Die drei Spieler sahen ihre Trainerin neugierig an, als Endou sich nicht mehr bremsen konnte: „Sag schon Reina, wer hilft noch alles mit. Sag schon, bitte.“ Das letzte Wort zog er extrem in die Länge, was Natsumi nur Seufzen ließ.
Reina konnte sich ein leichtes Lachen nicht verkneifen und warf ihr Haar etwas zurück: „Tut mir leid Mamoru, das wirst du selbst herausfinden müssen. Also warte einfach ab.“
Tatsumi wich einen Schritt zurück, was seine Teamkollegen etwas irritierte, doch konnte er die Aura des Zorns sehen, die um Natsumi glühte, als seine Trainerin Endou mit dem Vornamen angesprochen hatte. Diesem Zorn wollte er sich ganz bestimmt nicht aussetzen, weshalb er lieber den Rückzug antrat.
Reina setzte sich den Finger ans Kinn und lächelte dann: „Ich will mal nicht so sein, Mamoru. Von denen, die ich um Hilfe gebeten habe, sind bisher die Fubuki-Zwillinge, Sakuma Jirou, Yuukoku Hiroyuki, Afuro Terumi und Gouenji Shuuya angekommen. Den Rest verrate ich noch nicht.“
Bei den Namen machten die Schüler große Augen, denn ihre Mannschaft hatte damit eine enorme Unterstützung und eins war Tatsumi sofort klar: er wollte Testen, wozu die Schüler von Gouenji und den Fubukis imstande waren. Rin und Naoki schienen auch schon Feuer und Flamme zu sein, doch beorderte die Trainerin sie als erstes ins Wohnheim, damit sie ihr Zimmer besichtigen und vor allem ihre Taschen auspacken könnten.
Höhen und Tiefen
Mit leisen Schritten ging ein 15 jähriger Junge mit dunkelblauen Haaren durch die Gänge der Schule und ließ seinen Blick neugierig schweifen. Seine Mimik wirkte trotz der vielen neuen Ausdrücke vollkommen ausdruckslos, jedoch sah man in seinen violetten Augen, dass er sich freute hier zu sein. Seine Gangart wirkte etwas geknickt, da er immer einen leichten Buckel machte und die Arme hängen ließ, doch sah er sich aufmerksam um.
Neben dem Jungen ging ein junger Mann mit rubinroten, leicht hoch stehenden Haaren, der sich ebenfalls neugierig umsah: „Okay, ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Amanogawa so groß ist. Was hältst du davon, Kiromaru?“
Der Angesprochene hob den Kopf und sah zu seinem Begleiter: „Ich freu mich, Sakanoue-senpai. Hier gibt es viel Platz und viel zu entdecken. Aber ich freu mich am meisten auf mein zukünftiges Team, obwohl...“
Er ließ leicht den Kopf sinken und verzog das Gesicht, denn es gab eine Sache, die ihm immer wieder schwer zu schaffen machte, wenn er mit anderen Leuten interagierte. Sakanoue klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und setzte ein freundliches Lächeln auf, um seinen Schützling ein wenig aufzumuntern. Zu zweit gingen sie noch ein Stück durch die Gänge, als Kiromarus Blick auf ein Mädchen mit hellroten Haaren fiel, die mit einer Schleife zu einem Zopf gebunden waren. Neben ihr stand ein Mann mit braunen Dreadlocks und einer grünen Brille auf der Nase, der seine Jacke wie ein Cape trug. Die Augen des Mannes waren durch die Gläser der Brille nicht zu erkennen.
Sakanoue hob sofort grüßend die Hand und auch Kiro wusste, wer das war, als sein Mentor die Stimme erhob: „Kidou-san, das ist ja eine Überraschung.“
Der Mann sah zur Seite und musterte die beiden Neuankömmlinge: „Sakanoue, du bist auch an diese Schule gewechselt, wie ich sehe. Dann wirst du also mit Endou und Gouenji zusammen arbeiten.“
Kiromaru neigte leicht den Kopf, denn es klang für ihn nicht so, als würde er ebenfalls das Team unterstützen: „Wenn Sie nicht für die Amanogawa spielen, was machen Sie dann hier, Kidou-san?“
Etwas geschockt sah der berühmte Stratege auf den Jungen und wirkte sehr überrascht: „Wo bist du auf einmal hergekommen?“
Seine rothaarige Begleiterin seufzte einmal und musterte Kiromaru eindringlich: „Du hast ihn nicht gesehen, Kidou-san? Mein Gott... Du kannst dich gut anschleichen, das muss man dir lassen. Könnte gefährlich werden, aber das wird schon.“
„Du hast mich bemerkt? Aber ich hab mich gar nicht angeschlichen“, kam es erst völlig verblüfft und dann kleinlaut von dem Blauhaarigen, der das Mädchen mit großen Augen ansah. Er war es nicht gewohnt, dass man ihn wahrnahm, denn bisher passierte das sehr selten.
Kidou rückte seine Brille zurecht und sah zu dem Jungen: „Nein, ich bin nicht an dieser Schule, aber ich bin mir sicher, dass wir uns im Turnier sehen werden. Wie heißt du, Junge?“
„Keruberosu Kiromaru. Es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen“, gab der Schüler gehorsam Antwort und sein Mentor sah erst etwas traurig aus, doch dann grinste er: „Schade, dass wir kein Team sind, aber mit Endou-san werden wir nicht verlieren.“
Kiromaru nickte zustimmend und machte einen Schritt zur Seite, als die beiden anderen an ihnen vorbei gingen.
Einen Moment rang er mit sich, doch dann wandte er sich an die Rothaarige: „Entschuldige, darf ich dich fragen, wie du heißt?“
Neugierig drehte das Mädchen sich um und tippte sich ans Kinn, bevor sie mit einem leichten Grinsen abwinkte: „Vielleicht beim nächsten Mal, Keruberosu-kun. Ich freu mich drauf zu sehen, was du so kannst.“
Sie zwinkerte ihm einmal zu und schlenderte mit hinter dem Rücken verschränkten Armen hinter Kidou her, der bereits das Gebäude verlassen hatte.
Sakanoue sah auf seinen Schützling, in dessen Gesicht eine freudige Reaktion zu sehen war, was bei ihm nicht so häufig vorkam: „Du strahlst ja förmlich, Kiro.“
„Warum auch nicht, Senpai. Sie hat mich wahrgenommen! Sie hat mich gesehen, ich fühl mich toll!“, grinste der Blauhaarige bei seiner Antwort und streckte sich dabei ausgiebig, was seinen Mentor auch grinsen ließ: „Nur weil sie dich bemerkt hat oder wegen dem Mädchen an sich? Sie ist ziemlich süß.“
Schlagartig wechselte Kiromarus Gesicht die Farbe und ließ ihn zusammenzucken, was den Rothaarigen laut auflachen ließ. Auch wenn er es nicht wollte, das Lachen seines Mentor steckte ihn an und er freute sich auf die neue Schule.
***
In der Krankenstation der Amanogawa hockte ein Junge mit grauen Haaren und rückte sein Polo-Hemd zurecht. Vor ihm schaute die junge Krankenschwester mit den lavendelfarbenen Haaren und blauen Augen auf ihr Klemmbrett. Der Junge schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief durch, denn von dem Ergebnis dieser Untersuchung hing ab, ob er für die Fußballmannschaft würde spielen dürfen. Er hasste es wie die Pest, wenn ihm diese Sache in die Parade fuhr, aber mehr als hoffen konnte er nicht.
In der Ecke des Raumes stand ein junger Mann mit zur Seite abstehenden braunen Haaren, der die Krankenschwester musterte: „Wie sieht es aus, Kudou-san? Darf Kazue für die Mannschaft spielen?“
Die Lilahaarige sah von dem Brett auf und musterte ihren Patienten, wobei sie einen strengen Blick aufgesetzt hatte: „Wenn es nach mir ginge nicht. Aber so wie ich dich einschätze, Ichinose-kun, werden weder du noch Hikaru-kun euch an mein Verbot halten, oder?“
Der Grauhaarige erhob sich von der Liege und griff nach seiner Tasche, die er sich locker über die Schulter hängte: „Das heißt, ich darf in die Mannschaft, ja? Dann ist ja alles geklärt und ich kann gehen.“
Damit ging er zur Tür und verließ die Krankenstation, was den Braunhaarigen leicht betrübt dreinschauen ließ: „Es tut mir leid, Kudou-san. Er ist etwas speziell.“
„Schon okay, sieh lieber nach ihm. Hoffentlich kommt er klar“, erwiderte die junge Frau und legte die Akte in einem Schrank ab, während Ichinose ebenfalls die Station verließ.
Kazue hatte währenddessen das Schulgebäude verlassen und machte sich auf die Suche nach dem Fußballplatz. Auch wenn er es nicht zeigte, er freute sich riesig darüber, dass er spielen durfte und daher war Training jetzt genau das, was er brauchte. Bei seiner Suche kam er am Parkplatz vorbei und sah dort die Polizei mit zwei weiteren Personen stehen. Anhand der beiden Autos, die dort so eng beieinander standen, war klar, was passiert war. Er hatte zwar selbst keinen Führerschein, doch sollte man wenigstens Rückwärts einparken können, ohne so einen Schaden anzurichten. Mit einem leicht abfälligen Schnauben schüttelte er den Kopf und sah aus dem Augenwinkel, wie sein Mentor auf ihn zugelaufen kam.
Obwohl er einfach weiterging holte Ichinose ihn ein und begleitete ihn auf seinem Weg: „Willst du jetzt wirklich schon trainieren, Kazue? Willst du nicht lieber warten, bis ihr das alle zusammen macht?“
„Nein, ich muss so gut wie möglich werden, deshalb gehe ich jetzt trainieren und wenn du mir nicht helfen willst, dann lass mich in Ruhe“, erwiderte der Grauhaarige und sah seinen Mentor abwertend an, doch zuckte dieser nur mit den Schultern: „Du weißt, dass ich mir nur Sorgen um dich mache, oder? Aber wenn du unbedingt loslegen willst, helfe ich dir.“
Für einen kurzen Moment huschte ein leichtes Lächeln über Kazues Gesicht, doch verschwand es so schnell, wie es gekommen war: „Dann los, ich will diese Technik hinkriegen.“
Nach einer kurzen Suche, bei der Ichinose mehrere Leute fragen musste, standen sie vor dem Fußballfeld. Es lag etwas außerhalb des eigentlichen Schulgeländes und bestand aus einem kleinen Stadion mit Tribüne. Kazue betrachtete das Stadion und wunderte sich darüber, warum es im Vergleich zu den anderen Sporthallen so klein war, doch musste es wohl an der Tatsache liegen, dass die Amanogawa noch nicht so lange ein Fußball-Team hatte.
Er zog sich um und betrat anschließend den Rasen, wobei Ichinose ihn noch einmal zurückhielt: „Warte kurz, du hast was vergessen.“
Dabei hielt er seinem Schützling ein kleines Döschen entgegen, die dieser missmutig an sich nahm und öffnete: „Wie ich das hasse. Können wir dann jetzt trainieren?“
Ichinose griff sich einen Fußball und betrat mit seinem jungen Freund den Platz.
***
Viele Kilometer über Japan steuerte ein Privatjet den städtischen Flughafen an, was einen der Insassen in leichte Panik versetzte. Dieser Passagier war ein junges Mädchen mit schulterlangen, schwarzen Haaren, die an den Spitzen ins pinke übergingen.
Sie saß auf ihrem Platz und wirkte so, als würde sie jeden Moment in Ohnmacht fallen: „Wie lange brauchen wir denn noch?“
Auf einem der beiden Plätze gegenüber des Mädchens saß ein junger Mann mit blonden, verwuschelten Haaren, die an den Enden Tannengrün gefärbt waren.
Er hatte eine Gitarre auf dem Schoß und versuchte sie zu stimmen, wobei er immer wieder zu dem Mädchen hinüberschaute: „Hast du so eine Angst vorm Fliegen? Soll angeblich die sicherste Art zu reisen sein.“
Auf die Aussage konnte das Mädchen nur leicht panisch quietschen: „Sicher? Und was ist wenn wir abstürzen und am Boden zerschellen? Ich will hier raus, Asuto!“
In der Reihe neben dem Mädchen saßen zwei erwachsener Männer, die sie besorgt ansahen. Der Angesprochene hatte dunkelbraunes Haar, dass ihm in einigen Zacken vom Kopf weg stand. Der andere hatte weißes, wuscheliges Haar mit einer einzelnen blauen Strähne, die ihm ins Gesicht hing.
Mit einem leichten Lachen sah der Weißhaarige seinen Gegenüber an: „Sie scheint nicht gerne zu fliegen, oder Asuto?“
„Nein, soweit ich weiß, ist sie das erste Mal in einem Flugzeug. Tut mir leid für die Aufregung, Froy“, entschuldigte sich der Braunhaarige, jedoch winkte der Weißhaarige nur ab, denn es störte ihn nicht.
Asuto sah wieder auf das Mädchen und versuchte sie etwas zu beruhigen: „Ganz ruhig Mihono, es wird nichts passieren. Lenk dich mit etwas ab, das hilft. Glaub mir.“
Die Schwarzhaarige sah ihren Mentor an und nickte nur zaghaft, bevor sie sich an den Blonden wandte: „Also, ich glaube wir haben uns noch nicht richtig vorgestellt, oder? Ich heiße Asakura Mihono. Und du?“
Der Junge sah aus dem Augenwinkel hoch und stimmte seine Gitarre weiter: „Wakabayashi Eiji, nett dich kennen zu lernen, Asakura.“
Neugierig beobachtete Mihono Eiji bei seinem Tun und konnte es einfach nicht mehr halten: „Sag mal, wie lange spielst du schon Gitarre? Spielst du noch was anderes? Wie lange bist du schon Fußballer? Welche Position spielst du? Was machst du in deiner Freizeit?“
Mit einem leicht verstörten Gesichtsausdruck sah sich der Junge einer Flut an Fragen gegenüber, was die beiden Älteren zum Lachen brachte.
Froy grinste und lehnte sich in seinem Sitz etwas zurück, während er seinen Schützling anlächelte: „Na los, Eiji. Man antwortet, wenn eine Dame eine Frage stellt. Oder mehrere.. in deinem Fall.“
Missmutig sah der Blonde Froy mit seinen kastanienbraunen Augen an, bevor er die Gitarre beiseite legte und sein Gegenüber ansah, die ihn wiederum mit ihren schwarz-rosafarbenen Augen anstrahlte: „Kannst du die Fragen vielleicht noch einmal nacheinander stellen? Ich versuche, sie zu beantworten.“
„Klar, wie lange spielst du schon Gitarre?“, wiederholte das Mädchen die Frage, welche von dem Jungen nach kurzem Nachdenken beantwortet wurde: „Lass mich überlegen... Gitarre spiele ich seit etwa sechs Jahren. Und um deine anderen Fragen zu beantworten: Nein, ich spiele kein anderes Instrument. Fußball spiele ich seit ungefähr zehn Jahren und ich bin Stürmer... war es zumindest.“
Dabei warf er einen Blick auf Froy, der ihn anlächelte, denn dieser wollte, dass Eiji eine neue Perspektive bekam und ihn daher auf eine andere Position stellen wollte.
Nach kurzem Überlegen wandte sich der Blonde wieder dem Mädchen zu und beantwortete noch ihre letzte Frage: „Und in meiner Freizeit mache ich gerne Sport, ich musiziere oder ich koche.“
„Echt du kochst? Ich auch, da haben wir ja was gemeinsam“, rief Mihono euphorisch aus und sprang sogar von ihrem Platz auf, was Eiji leicht kichern ließ: „Du bist ja ein niedliches Ding. Warum freut dich das denn so?“
Auf den Kommentar ‚niedlich‘ lief sie rot an und setzte sich wieder, bevor sie den Jungen wieder ansah: „Ich meine, dann können wir doch gute Freunde werden und vielleicht was zusammen kochen.“
Für einen Moment war der Junge überrascht, denn die Schwarzhaarige schien extrem voreilig zu sein, doch dann lächelte er sanft: „Ich bin mir sicher, dein Essen schmeckt klasse, auch ohne dass ich dir helfe. Würde gerne mal probieren.“
Bei dem Lächeln des Blonden wurde Mihonos ganzer Kopf rot, weshalb sie auf ihre Füße starrte und damit einen besorgten Blick ihres Gegenübers auf sich zog: „Ist alles okay? Du bist so rot im Gesicht. Du wirst doch nicht krank, oder?“
Schnell schüttelte die Schwarzhaarige den Kopf und versuchte sich etwas zu beruhigen, was Eiji noch mehr verwirrte.
Froy und Asuto sahen sich an und konnten sich ein Lachen nicht verkneifen, denn die Szene war offensichtlich und Eiji stand anscheinend komplett auf dem Schlauch.
Ein leises Piepen erregte ihre Aufmerksamkeit und kurz darauf ertönte aus einem Lautsprecher die Stimme des Piloten: „Mister Girikanan, wir befinden uns im Anflug auf den Flughafen. Wir sind in 5 Minuten am Boden.“
Froy nickte einmal und betätigte einen Knopf am Lautsprecher: „Danke Sergej, bring uns sicher runter.“
Mihonos gute Laune war sofort wie weg geblasen, denn jetzt wurde sie wieder kreidebleich: „Oh Gott, das geht nicht gut! Was mach ich jetzt?“
Eiji klopfte auf den freien Platz neben sich, auf den sich Mihono nun setzte und ihn leicht besorgt ansah, allerdings reichte der Junge ihr bloß Kopfhörer.
Ihr eigenes Handy funktionierte im asiatischen Raum noch nicht richtig, weshalb sie sich die Kopfhörer lächelnd ins Ohr steckte: „Danke, echt lieb von dir. Oh, du hast ne Nachricht bekommen!“
Beide sahen auf das Display, auf dem der Name ‚Hanabi‘ stand und sofort war Mihono wieder neugierig: „Wer ist Hanabi?“
„Ach nur ein Mädchen, dass Eiji jeden Tag anschreibt. ‚Na wie geht es dir?‘ oder ‚Was hast du heute so gemacht?‘, solche Sachen eben“, gab Froy der Schwarzhaarigen Antwort, was den Blonden nur schnauben ließ und er stattdessen die Musik an seinem Handy einschaltete, um den Sinkflug ungestört über die Bühne zu bringen.
Das Ende vom Anfang
Mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen hüpfte ein junges Mädchen mit langen, lichtblauen Haaren über den Gehweg und blieb vor einer großen, umzäunten Villa stehen, während sie den Gurt ihrer Sporttasche richtete.
Sie drückte die Klingel am Tor, das zur Auffahrt führte, und wartete einen Moment, bis aus der Sprechanlage eine weibliche Stimme ertönte: „Ja bitte? Tendou-san ist momentan nicht zu Hause, wenn Sie etwas von Ihm wollen, kommen Sie bitte heute Abend wieder.“
Die Blauhaarige kicherte belustigt und gab höflich zur Antwort: „Guten Morgen, Violet-san, hier ist Tamaki. Ich wollte zu Hana.“
Nach einem peinlichen Laut aus dem Lautsprecher ging das Tor auf und das Mädchen konnte bis zur Haustür gelangen, die direkt von einer schwarzhaarigen Frau geöffnet wurde. Höflich verbeugte sich die Frau vor dem Mädchen: „Verzeihen Sie mir bitte, Kaneshiro-san. Hanabi-sama liegt noch im Bett.“
Auf den Lippen der Blauhaarigen erschien ein freches Grinsen, während sie die Treppe in den ersten Stock emporstieg: „Och, das ist kein Problem. Das lässt sich ändern.“
Zielsicher wandte sie sich in dem folgenden Gang nach links und öffnete ohne anzuklopfen die zweite Tür auf der rechten Seite. Sie stand nun in einem großen Schlafzimmer, in dessen Mitte ein gewaltiges Himmelbett stand. In diesem Bett lag ein Mädchen mit dunkelblau-schwarzen Haaren und kuschelte sich an einen Kapuzenpulli, während sie leise vor sich hin murmelte. Pfeifend schlenderte Tamaki zu dem Bett und setzte sich auf die Bettkante, wo sie das Mädchen eine Weile beobachtete.
„Ha-na-bi-chan O-ki-te“, säuselte sie fröhlich und bei jeder Silbe stach die Blauhaarige der Schlafenden mit dem Finger in die Wange.
Das schlafende Mädchen jammerte leise und schlug die Hand ihrer Peinigerin weg: „Lass mich schlafen...“
„Steh auf, du Faulpelz. Nishikage-senpai und Nosaka-senpai warten schon auf uns“, machte Tamaki weiter und pickte Hanabi weiter in die Wange, bis diese leise Antwortete: „Aki... lass das, oder du spürst meinen Zorn...“
„Herausforderung angenommen“, grinste die Blauhaarige und machte weiter, bis ihre Freundin reflexartig mit einem Kissen zuschlug und Tamaki von der Bettkante fegte.
Wie das reinste Unschuldslamm auf dem Boden sitzend, blickte letztere mit ihren bernsteinfarbene Augen in die silberfarbenen Augen ihrer Freundin, die wütend zurück starrten. Es dauerte einen Moment, bis beide Mädchen in schallendes Gelächter ausbrachen und Hanabi die Beine aus dem Bett schwang.
Die Hausbewohnerin streckte sich einmal und gähnte einmal ausführlich, bevor sie sich an ihre Freundin wandte: „Ohayō, Aki-chan. Tut mir leid, ich hab gestern noch sehr lange an einem neuen Kostüm überlegt. Daher hab ich nicht wirklich viel geschlafen.“
„Die Ausrede wird Nosaka-senpai nicht gelten lassen, Hana-chan. Aber mit dieser Haarpracht gehst du wohl nicht vor die Tür, oder?“, grinste Aki, als sie die verwuschelten Haare ihrer Freundin sah.
Hanabi ging zu ihrem Kleiderschrank, griff sich einige Sachen und ging zur Tür: „Ich geh erst mal ins Bad. Kommst du mit?“
„Ich soll mir die Möglichkeit nehmen lassen, eure poolgleiche Badewanne auszuprobieren? Klar komme ich mit!“, rief die Blauhaarige und folgte ihrer Freundin aus dem Zimmer.
Kurz darauf spazierten die beiden Mädchen mit ihren Sporttaschen an den Schultern durch die Straßen von Inazuma Town und steuerten das Flussufer an. Dort gab es ein Fußballfeld, dass bei vielen Kindern und Jugendlichen als Trainingsort sehr beliebt war, so auch für Hanabi und Tamaki.
Hanabi sah auf ihr Handy und stieß einen leisen Seufzer aus, was von ihrer Freundin nicht unbemerkt blieb: „Ist alles klar? Hat Eiji sich noch nicht bei dir gemeldet?“
„Nein, sonst hat er jeden Tag zurück geschrieben, aber jetzt hab ich seit einer Woche keine Nachricht von ihm. Ich mach mir Sorgen“, murmelte die Dunkelhaarige und wurde tröstend in den Arm genommen.
Tamaki versuchte ihre Freundin auf andere Gedanken zu bringen, da ihr Schreibpartner wohl die Woche beschäftigt gewesen sein musste. Zum Glück erreichten die beiden in diesem Moment das Fußballfeld, wo sie auch schon auf die Personen trafen, auf die Tamaki gehofft hatte.
Auf einer Bank saß ein junger Mann mit rosafarbenen Haaren und unterhielt sich mit einer jungen, orangehaarigen Frau. Neben der Bank lehnte ein großer Mann mit hellbraunen Haaren an einen Baum und drehte den Kopf zur Seite, als die beiden Mädchen ankamen.
Tamaki grinste breit und hob die Hand zum Gruß: „Guten Morgen, Nishikage-senpai. Hast du mich vermisst?“
Auf ihr strahlendes Lächeln seufzte der Braunhaarige nur und sah zu dem Rosahaarigen, der sich Hanabi zuwandte: „Guten Morgen, Hanabi. Hey Tamaki. Ihr seht gut aus.“
Die Dunkelhaarige lief rot an und sah zu Boden, während ihre hellhaarige Freundin breit grinste: „Hey, langsam Nosaka-senpai. Anna-san wird ja noch eifersüchtig, wenn du so mit uns flirtest.“
Nosaka sah grinsend zur Seite, wo die Orangehaarige sich gerade die Haare zurecht machte: „Ich sehe das wie Tamaki, halt dich ein bisschen zurück, Nosaka-kun.“
„Sorry, aber ich habe eine besondere Mitteilung für euch!“, eröffnete der Rosahaarige gut gelaunt und musterte die Mädchen mit seinen grauen Augen, was die beiden etwas nervös machte.
Nishikage trat an die Mädchen heran und zeigte ihnen eine Nachricht auf seinem Handy, die sich beide Mädchen aufmerksam durchlasen. In der Nachricht wurden sowohl Nishikage, als auch Nosaka darum gebeten, Spieler für die neue Fußballmannschaft der Amanogawa Academy zu scouten. Beide Mädchen hatten schon von dieser Schule und dem bald anstehenden Turnier gehört. Da Tamaki momentan ein paar Probleme in ihrem Team hatte und Hanabi privat zu Hause unterrichtet wurde, hatten sich beide jedoch keine großen Chancen auf eine Teilnahme ausgemacht.
Umso überraschter waren sie bei der jetzigen Nachricht und das Mädchen mit den hellblauen Haaren sprang sofort fröhlich in die Luft: „Heißt das, dass wir an der ‚Road to Ragnarok‘ teilnehmen dürfen? Das ist echt toll, danke, Nishikage-senpai!“
Dabei sprang sie den Braunhaarigen an und umarmte ihn so fest sie konnte, was bei dem Älteren für sichtbare Atemnot sorgte.
Hanabi konnte über ihre Freundin nur schmunzeln, doch dann sah sie zu ihrem Mentor, der ihren zweifelnden Blick fest erwiderte: „Ich kann mir vorstellen, dass du dir unsicher bist, aber ich denke so eine Feuerprobe ist genau das, was du brauchst. Glaub ein bisschen an dich, Hanabi.“
Die Dunkelhaarige zog den Kopf etwas ein, denn sie war alles andere als eine gute Fußballerin. Wie kam Nosaka auf die Idee, sie für ein Turnier vorzuschlagen?
Die junge Frau mit den orangefarbenen Haaren stand auf und legte ihr den Arm um die Schulter: „Nosaka hat Recht, du musst an dich glauben. Du schaffst das schon, Hanabi-chan.“
Sie nahm den Arm weg und hielt nur die Hand auf der Schulter, als Tamaki von ihrem Mentor abließ und sich mit einer Umarmung auf ihre Freundin stürzte: „Keine Sorge, zusammen schaffen wir das. Wir lassen es auf uns zukommen und machen das Beste daraus.“
So ganz konnte die Dunkelhaarige den Enthusiasmus ihrer Freundin nicht teilen, doch nickte sie zustimmend, was freudigen Jubel zur Folge hatte.
Nosaka stand von der Bank auf und deutete auf einen Wagen, der oben an der Straße stand: „Dann auf, steigt in den Wagen, dann fahren wir zu eurer neuen Schule.“
Tamaki jubelte fröhlich, als Anna die Euphorie etwas bremste: „Nosaka, hast du eigentlich daran gedacht, das mit den Eltern der beiden abzuklären?“
„Keine Sorge, Anna, Nishikage regelt das schon. Stimmt’s?“, erwiderte der Rosahaarige und sah seinen besten Freund an, der erst nickte und dann geschockt die Augen aufriss: „Natürlich, Nosaka-san... Moment, was?“
***
„Ich hoffe, dass du keinen Ärger in deiner neuen Schule anzettelst, ansonsten muss ich dafür den Kopf hinhalten“, belehrte ein junger Mann mit braunem Irokesenschnitt ein violetthaariges Mädchen, das neben ihm herlief.
Das Mädchen rollte nur mit den Augen und schien sich anscheinend keiner Schuld bewusst zu sein, die eine derartige Standpauke rechtfertigen würde. Dieser wusste anscheinend, dass sie es einfach abtun würde und blieb stehen. Dabei griff er nach den rückenlangen Haaren des Mädchens, sodass sie unsanft nach hinten gezogen wurde und ruckartig ebenfalls stehenblieb. Verärgert entwich ihr ein leises Quietschen und ihre Hand schnellte zu der schmerzenden Stelle am Kopf.
Wütend fuhr sie herum und funkelte den Mann an: „Hey, was soll das Fudou-senpai? Meine Haare...“
„Ich wollte nur sichergehen, dass du verstanden hast, worum es hier geht. Du hast in deiner alten Schule schon genug Probleme gemacht, oder muss ich dich an die Geschehnisse mit der kleinen Schwarzhaarigen erinnern?“, predigte Fudou mit einem strengen Blick, doch bekam er nur ein weiteres Augenrollen zur Antwort: „Und wenn schon, was kann ich denn dafür, dass die sich vor ihrem eigenen Schatten in die Hose macht?“
Die beiden marschierten weiter die Straße entlang, bis sie vor einem großen Schultor stehen blieben. Der Mann mit dem Irokesen nickte kurz anerkennend, während dem Mädchen ungewollt die Kinnlade herunter klappte: „Heilige Scheiße, das ist meine neue Schule? Die ist ja locker fünfmal so groß wie meine alte!“
„Daher solltest du mir dankbar sein, dass ich dich hier unterbringen konnte, Euri“, kam es leicht arrogant von Fudou, der dabei seine Schülerin genauestens im Auge behielt.
Die Violetthaarige zog leicht den Kopf ein und erwiderte den Blick ihres Mentors nur aus dem Augenwinkel. Sie wusste, dass er mit seiner Aussage Recht hatte und sie war ihm auch dankbar dafür, aber dieses selbstgefällige Grinsen von Fudou trieb sie fast zur Weißglut. Wenn er wusste, dass sie wusste, dass er Recht hatte, würde sie ihm am liebsten eine Ohrfeige verpassen, aber sie musste sich zügeln.
Euri ließ den Blick ein wenig schweifen und freute sich schon auf die ganzen Aktivitäten, die es hier wohl geben würde, als ein Schnauben ihres Begleiters sie aus ihren Gedanken riss.
Fudou verschränkte die Arme vor der Brust und setzte ein freches Grinsen auf, was das Mädchen etwas erschreckte, doch wandte sich der Irokese an einen Mann, der auf ihn zukam: „Kidou-kun, was für eine Freude. Auf Spionage-Mission unterwegs?“
Die Violetthaarige mustertet den Mann mit der Brille und den hellbraunen Dreadlocks vor ihr, der ebenfalls zu grinsen begann: „Kenne deinen Gegner, Fudou. Ich würde mich gerne mit dir unterhalten, aber leider muss ich weiter. Ich schreib dir, okay?“
Fudou zuckte nur mit den Achseln und trat zur Seite, damit der Braunhaarige an ihm vorbeikam. Euri’s Blick richtete sich sofort auf das rothaarige Mädchen, das hinter Kidou herlief und winkte ihr mit einem freundlichen Lächeln. Der Rotschopf musterte das Mädchen einen Moment und ging ganz dicht an ihr vorbei, wobei sie ihr kurz etwas ins Ohr flüsterte.
Für einen Moment entglitten der Violetthaarigen die Gesichtszüge, doch fing sie sich relativ schnell wieder und wandte empört den Kopf ab, als die Rothaarige an ihr vorbeiging.
„So eine arrogante Kuh“, keifte Euri und marschierte mit erhobenem Haupt auf die Schule zu, während Fudou sich lachend den Bauch hielt, denn er konnte sich denken, was der Rotschopf zu seinem Schützling gesagt hatte.
Den restlichen Nachmittag verbrachte das Mädchen damit, sich das Schulgelände genauer anzusehen, wobei sie einigen Schülern über den Weg lief, die sich entweder später auf den Heimweg machten oder solche Streber waren, dass sie schon bis in die Abendstunden lernen mussten. Ein wenig war Euri irritiert, als sie dem Rotschopf von vorhin noch einmal begegnete, doch zeigte Kidou‘s Begleiterin keinerlei Anzeichen eines Wiedersehens, was ihr auch zugutekam. Was die Violetthaarige allerdings am meisten überraschte war, dass sie nicht mehr zu Hause sondern in einem Wohnheim schlafen würde.
An sich hatte sie keine Probleme damit, allerdings würde sie mit zig fremden Leuten auf engstem Raum zusammengepfercht werden würde. Dazu müsste sie sich ihr Zimmer auch noch teilen müssen, mit einer Wildfremden, und das ging ihr extrem gegen den Strich, doch wurde ein Protest von Fudou im Keim erstickt. Statt sich auf eine Diskussion einzulassen, nahm das Mädchen den Sportbezirk unter die Lupe und beim Anblick des riesigen Pools, begannen ihre Augen förmlich zu leuchten. Doch so sehr sie gerne sofort eine Runde schwimmen gegangen wäre, es wurde leider nichts daraus, denn es ertönte eine Durchsage, die alle Fußballer zum Wohnheim am Rande des Geländes beorderte. Der Aufforderung kam das Mädchen nur unter Protest nach und machte sich auf den Weg zu dem besagten Wohnheim. Vor dem Schulgebäude lief sie fast in zwei Mädchen mit hell- und dunkelblauen Haaren hinein, die sich ebenfalls suchend umsahen. Fudou schien zu wissen, wo es lang ging und geleitete die drei Damen zu dem großen Gebäude.
Das Mädchen mit den hellblauen Haaren strahlte regelrecht und machte einen leichten Hüpfer: „Wie cool, ein Wohnheim. Hey Hana, hoffentlich sind wir in einem Zimmer.“
Die Angesprochene nickte nur und musterte ihr neues Heim, während Euri mit ihrem Zeigefinger kreisende Bewegungen an ihrer Schläfe machte: „Du meine Fresse, haben die nicht mehr alle Tassen im Schrank? Hoffentlich ist von denen keine in meinem Zimmer.“
„Jeder kriegt das, was er verdient, meine kleine Euri“, belehrte der Mann mit dem Iro das Mädchen, die ihm daraufhin einen regelrechten Todesblick zuwarf, doch störte das ihn in keinster Weise. Die vier betraten das Wohnheim und als Fudou sich von ihnen verabschiedet hatte, folgten sie dem Stimmgewirr, das aus dem Aufenthaltsraum kam und dort trafen sie auf elf andere Schüler.
Kurz sahen die anderen auf und musterten die Neuankömmlinge, doch das Anstarren störte Euri weniger. Laut Fudou sollten 16 Spieler in der Mannschaft sein, also mussten noch zwei weitere Spieler fehlen. Sie setzte sich auf einen Sessel und sah in die Runde, wobei ihr vor allem drei etwas kleinere Mädchen ins Auge fielen, die es sich auf einer Couch gemütlich gemacht hatten. Die beiden Blauhaarigen von vorhin stellten sich in eine Ecke und schienen sich über etwas zu unterhalten. So ganz wusste sie nicht warum, aber sie fühlte sich beobachtet, doch konnte sie nicht genau zuordnen von wem.
Weiter kam sie mit ihren Gedanken nicht, da eine junge Frau mit langen grünen Haaren in den Raum kam und sich den Schülern zuwandte.
Als die Frau die Stimme erhob, war es schlagartig ruhig im Raum: „Meine Name ist Matsuyama Reina und ich bin ab heute eure Trainerin. Damit eins klar ist, ich habe in dieser Mannschaft das Sagen und wer glaubt, dass er meine Anweisungen ignorieren oder nicht befolgen muss, der wird mit den Konsequenzen leben müssen. Haben wir uns verstanden?“
Die meisten Schüler nickten sofort und am liebsten hätte Euri ihr eine freche Antwort gegeben, doch das Auftreten der Frau war einfach zu imposant und sie konnte ihre Trainerin nur bewundern.
Reina sah noch einmal in die Runde und stemmte dann eine Hand an die Hüfte: „Gut, dann will ich mir mal ein Bild von euch machen. Ich rufe eure Namen auf und dann kommt ihr bitte her und stellt euch vor.“
Die 14 Schüler sahen ihre Trainerin an, während diese eine Liste hervorholte und kurz überflog.
Anschließend richtete die junge Frau ihre goldgelben Augen auf ihr zukünftiges Team: „Also, ich rufe euch jetzt auf und dann stellt ihr euch kurz vor. Verstanden?“
Ein leises Murmeln ging durch die Schüler, denn irgendwie machte die Frau ihnen ein wenig Angst, dennoch strahlte sie eine Stärke und Autorität aus, für die man sie einfach bewundern musste.
Erneut sah die Grünhaarige auf ihre Liste und las dann laut vor: „Als erstes: Abe Euri.“
Die Violetthaarige trat vor und stellte sich der Gruppe vor. Kaum war sie fertig, rief Reina den nächsten nach vorne, wobei bereits der zweite Schüler anscheinend nicht anwesend war, denn die Trainerin stockte kurz, was sie auch kurz vor Schluss noch einmal tat. Nach und nach traten die einzelnen Schüler vor und jeder der Zuschauer machte sich ein eigenes Bild von seinen Kameraden. Drei der Mädchen machten den Eindruck, als würden sie im nächsten Moment in Ohnmacht fallen, während andere nicht mehr als nötig von sich preis gaben. Wieder andere strahlten übers ganze Gesicht und konnten es wohl gar nicht erwarten, sich mit allen anzufreunden. Nun herrschte in dem Raum ein hoher Gesprächspegel, den Reina mit einem Händeklatschen schlagartig reduzierte.
Alle Blicke lagen wieder auf der Trainerin, die eine Hand an die Hüfte gestemmt hatte: „Um noch ein paar Sachen anzusprechen: Wir haben morgen ein Testspiel und ich werde mir dann ein Bild von euren Fähigkeiten machen.“
Unter den Spielern entbrannte wieder aufgeregtes Tuscheln, bis Tatsumi das Wort ergriff: „Also werden wir gleich ins kalte Wasser geworfen, sehe ich das richtig? Wann kriegen wir eigentlich unsere Trikots?“
Das schien das restliche Team auch zu interessieren, denn bisher hatte keiner von ihnen das Schultrikot auch nur gesehen, was die Trainerin auch erklärte: „Was bringt es euch ein Trikot zu geben, wenn ihr morgen wieder aus der Mannschaft fliegen könntet?“
Schlagartig wurde es still im Raum und zu ihrem eigenen Erstaunen war es Yumisa, die als erstes die Stimme wiederfand: „W-Wir sind nicht fest in der Mannschaft?“
„Egal was die Gründe für euer Kommen sein mögen, wenn ihr mich nicht überzeugt, fliegt ihr aus der Mannschaft. Egal wer ihr seid, oder wer euch scoutet“, erwiderte die Grünhaarige und Yumi hatte das Gefühl, als würde sie in ein tiefes Loch fallen.
Den Gedanken schienen einige ihrer Teamkollegen zu teilen, doch Kazue ballte nur die Faust und erhob die Stimme: „Sie werden schon sehen, mich werden sie nicht rauswerfen!“
„Meine Rede!“, stimmte Tatsumi zu und verschränkte die Arme vor der Brust, doch war ihre Trainerin in keinster Weise beeindruckt.
Stattdessen blätterte sie ihre Liste um und sprach seelenruhig weiter: „Noch eine Sache von mir, dann werde ich euch in Ruhe lassen. Die Zimmerverteilung ist fest und es wird keine Änderungen geben, also versucht es erst gar nicht.“
Sie sah noch einmal auf ihre Liste und gab dann die Verteilung preis: „Zimmer 1 sind Fujiwara Ryuichi und Hikaru Kazue. Zimmer 2 bewohnen Tsukishima Tatsumi und Minami Rin.“
Der Schwarz- und der Grauhaarige aus Zimmer 1 sahen sich kurz an und nickten sich dann zu, doch traf den Bewohner von Zimmer 2 der Schlag, war doch sein Zimmergenosse das Mädchen mit den rosafarbenen Haaren, die sich anscheinend nicht daran störte.
Reina ließ sich nicht beirren und machte weiter: „Zimmer 3, Matsuyama Yumisa und Itō Arisu. Zimmer 4, Tendou Hanabi und Kaneshiro Tamaki.“
Die beiden kleineren Mädchen wussten ja bereits, dass sie sich ein Zimmer teilen würden, doch wussten sie nicht genau, was sie zueinander sagen sollten.
Anders verhielt es sich bei den beiden blauhaarigen Mädchen, von denen die Hellhaarige ihrer Freundin um den Hals fiel und jubelte: „Hana, wir sind in einem Zimmer, wie cool ist das denn? Dann kann ich dich jeden Morgen aus den Federn schmeißen.“
„Und ich kann dir jeden Morgen ein Kissen ins Gesicht hauen“, erwiderte die Dunkelhaarige mit einem Grinsen im Gesicht, was beide Mädchen wieder auflachen ließ.
Es dauerte einen Moment, bis die Trainerin sich wieder Ruhe verschafft hatte und weiter sprach: „Die anderen Zimmer sind im zweiten Stock und zwar sind im Zimmer 5 Yoru Himaru und Momochi Naoki und im Zimmer 6 Keruberosu Kiromaru und Wakabayashi Eiji.“
Der blonde Junge Himaru sah auf seinen Zimmergenossen, der seine Kopfhörer richtete und Himarus treuer Begleiter schnaubte einmal: „Hält der Typ sich für eine Katze, oder was?“
„Lass ihn doch Kyo, aber wir sollten versuchen mit ihm klar zu kommen“, warf sein Freund ein und hob grüßend die Hand, was sein Mitbewohner kopfnickend hinnahm, da er anscheinend Musik hörte.
Bei den anderen beiden herrschte Verwirrung, denn zum einen schien keiner zu wissen, wer Kiromaru war.
Bei dem zweiten Namen hatte man deutlich gesehen, wie Hanabi’s Augen groß geworden waren und sofort hatte sie aufgeregt mit ihrer Freundin getuschelt. Kiromaru selbst saß abseits und fühlte sich etwas fehl am Platz und es schien so, als wäre sein Zimmergenosse noch gar nicht da. Allerdings konnte der Dunkelblauhaarige nicht verbergen, dass er neugierig auf seinen Mitbewohner war und warum dieser noch nicht da war.
Die letzten beiden Zimmer bewohnten jeweils Tsubame Akane und Abe Euri, sowie Shiroi Airi und eine gewisse Asakura Mihono, die ebenfalls nicht anwesend war. Nachdem sie die Liste fertig vorgelesen hatte, ließ die Trainerin sie alleine mit der Erinnerung, dass sie morgen früh losfahren und ein Spiel absolvieren würden. Da es schon spät geworden war, machten sich die Schüler auf die Suche nach ihren Zimmern und man sah besonders Tatsumi an, dass er am liebsten jemanden verprügelt hätte. Warum hatte ausgerechnet er ein Mädchen als Zimmergenosse bekommen? Es müsste doch noch Einzelzimmer geben, aber das war ein Horror. Da der Tag sehr anstrengend gewesen war, herrschte im Wohnheim schnell Ruhe. Euri und Kiromaru wunderten sich, dass das rothaarige Mädchen Akane sich nicht an sie erinnern konnte, obwohl sich beiden definitiv sicher waren, ihr in der Schule begegnet zu sein. Es dauerte noch etwas zehn Minuten und dann waren alle Lichter aus, doch hallte immer noch Tatsumi’s Missmut durch das Wohnheim.
Feuerprobe
~am nächsten Tag~
Der Tag des ersten Trainingsspiels war schneller gekommen, als es einigen Spielern lieb gewesen wäre und das Frühstück hatten einige gar nicht runter bekommen. So saßen sie nun in ihren eigenen Sportsachen im Bus und fuhren an die Schule ihres Gegners. Keiner wusste, gegen wen sie jetzt antreten würden, selbst die Mentoren, die neben ihrem jeweiligen Schützling saßen, hielten dicht. Himaru hatte große Probleme damit, Kyo von irgendeiner Dummheit abzuhalten, während Ari, Yumisa und Kazue sich jeweils die Zeit mit Lesestoff vertrieben. Trotz der angespannten Stimmung, was es ziemlich laut in dem Bus. Allerdings war es kein Schüler, der den meisten Lärm verursachte, sondern Endou, der sich freute, seine ganzen Freunde wiederzusehen. Tatsumi zog sich über das Verhalten seines Mentors die Kapuze über den Kopf, denn es gefiel ihm nicht, dass Endou den anderen so viel Beachtung schenkte, doch löste sich bei einigen Spielern so die Anspannung.
Endlich hielt der Bus und die Schüler stiegen aus, um die Schule ihrer Gegner zu betrachten. Das Gebäude erstrahlte in hellem weiß und blau und auf dem Turm in der Mitte prangte ein großer Blitz. Der Torbogen, der auf das Gelände führte, bestand ebenfalls aus zwei Blitzen und sofort war allen klar, gegen welches Team sie würden antreten müssen.
„Wir spielen gegen Raimon?“, kam es geschockt von Yumisa, denn die Raimon war eine der stärksten Schulen überhaupt.
Während die Schüler sich noch Gedanken um das Spiel machten, traten ein groß gewachsener Mann mit dunkelvioletten Haaren und Bart und ein Teenager mit hochstehenden, schwarzen Haaren an sie heran.
Der Mann wandte sich sofort an Reina und reichte ihr die Hand: „Sie sind das Team der Amanogawa, nehme ich an. Ich bin Kudou Michiya, der Coach des Raimon Fußballclubs. Das ist unser Kapitän, Utsunomiya Toramaru.“
Der Schwarzhaarige verneigte sich und hob dann grüßend die Hand: „Es freut mich euch kennen zu lernen, auf ein gutes Spiel.“
Den Schülern war nicht wohl bei der Sache, dennoch folgten sie ihrer Trainerin zu dem großen Fußballfeld, dass sich genau vor der Schule befand. Die Amanogawa nahm sich den linken Unterstand, während das Heimteam sich unter den rechten Stand stellte, um ihre Position zu besprechen.
Das Team kam sich etwas seltsam vor, da sie selbst keine Trikots hatten, doch kannten sie ja den Grund dafür und keiner der Spieler war gewillt, wieder zu gehen.
Reina stellte ein Flip-Chart auf und erklärte die Aufstellung: „Aufgepasst, ich werde es nur einmal erklären. Wir spielen mit einer 4-1-2-1-2 Formation. Im Tor steht Tsukishima Tatsumi.“
Tamaki fand das überhaupt nicht lustig und beschwerte sich mit aufgeplusterten Backen: „Das ist sexistisch, warum bin ich nicht die erste Torhüterin?“
Während Hanabi versuchte, ihre Freundin zu beruhigen, streckte der Junge zuversichtlich die Brust heraus: „Einen anderen Torhüter brauchen Sie auch nicht.“
„Das werden wir ja sehen, Junge. Zur Verteidigung: Links außen Minami Rin, links innen Shiroi Airi, rechts innen Tendou Hanabi und rechts außen Keruberosu Kiromaru“, zählte die Frau weiter auf und die entsprechenden Spieler nickten, wobei vor allem Hanabi sich ziemlich fehl am Platz vorkam.
Airi wirkte auch nicht sonderlich begeistert, doch versuchten Rin und Kiromaru die beiden so gut es ging aufzuheitern. Ganz funktionierte das nicht, denn der Dunkelblauhaarige erschreckte die beiden Mädchen erst mal ungewollt zu Tode.
Immer noch gespielt beleidigt saß Tamaki auf der Bank, als die Trainerin das Mittelfeld bekannt gab: „Im linken Mittelfeld Yoru Himaru und rechts Abe Euri. Defensiv Hikaru Kazue und offensiv Fujiwara Ryuichi.“
Der Grauhaarige sprang auf und wollte sich schon beschweren, denn das war überhaupt nicht seine Position, doch bevor er etwas sagen konnte, fuhr ihm Reina über den Mund: „Ich habe von Fuyuka deinen Bericht bekommen, weshalb du hinten bleibst und eine Strategie für die Offensive entwickeln wirst.“
Mit der Erklärung musste der Junge sich zufrieden geben. Die drei anderen genannten konnten sich nicht beschweren, denn es war ihre gewohnte Position.
Lediglich Yumisa ließ den Kopf hängen, denn sie würde auf der Bank sitzen, weshalb sie sich neben Tamaki setzte, die sie sofort tröstend in den Arm nahm und ein wenig knuddelte: „Hey, Kopf hoch, du kriegst deine Chance noch.“
Die Rothaarige jammerte leise, während Reina noch die letzten beiden Spieler aufrief, die den Sturm bilden würden: „Links Tsubame Akane und rechts Momoshi Naoki. Ich hoffe, ihr wisst, was hier auf euch wartet, wenn ihr versagt.“
Die Vorstellung wieder aus dem Team zu fliegen war für keinen der Schüler schön, vor allem für die drei Mädchen, die es sich auf der Ersatzbank gemütlich machen mussten. Airsu schmollte genauso wie Yumisa, doch war die Tatsache, zwei kleine Freundinnen zum knuddeln zu haben, für Tamaki wohl genauso gut, wie im Tor zu stehen.
Was Arisu etwas erstaunte war, dass Gouenji, Ichinose und Endou kurz zu dem gegnerischen Team gingen und sich mit ihnen unterhielten. Yumi musste ihr daraufhin erklären, dass Raimon die alte Schule der dreien war und sie deshalb den Trainer kannten. Es dauerte ein bisschen, bis die drei Fußballer wieder zu ihrem Team stießen und sich zu den Ersatzspielern setzten.
Jeder der Mentoren rief seinem Schützling noch einmal viel Glück zu, als eine männliche Stimme über den Platz hallte: „Herzlich Willkommen, liebe Fußballfreunde! Ich begrüße euch zum heutigen Testspiel Raimon gegen Amanogawa! Ein Aufwärmspiel für die bevorstehende Road to Ragnarok, bei der man die Spannung förmlich spüren kann! Mein Name ist Sato Kaito und bin heute ihr Kommentator.“
Alle Spieler sahen sich in den mittlerweile unzähligen Zuschauern um, denn es war ihnen neu, dass es hier einen Stadionsprecher gab.
Der Schiedsrichter stand mit Toramaru am Mittelpunkt und schien zu warten, dass der Kapitän der Amanogawa sich zu ihnen bequemen würde, doch gab es keinen. Da keiner wusste, wer denn jetzt der Kapitän sein sollte, trat Hanabi nach einem Wink von Nosaka vor und übernahm das Gespräch. Toramaru überließ auch ohne Münzwurf seinen Gegnern den ersten Anstoß, den Hanabi mit einer Verbeugung annahm.
Akane und Naoki stellten sich an den Anstoßpunkt und die Rothaarige war voller Ehrgeiz: „Überlass das nur mir, Catboy!“
„Wir sind ein Sturmduo, das weißt du schon, oder?“, erwiderte der Junge mit den Katzenkopfhörer und sah dann zum Schiedsrichter.
Dieser nahm die Pfeife in den Mund und pfiff das Spiel an.
Raimon 0 vs 0 Amanogawa
Akane lief direkt los, als sie den Ball bekommen hatte, doch kaum hatte sie den Mittelkreis verlassen, sah sie sich Toramaru gegenüber, der ihre Finte mit Leichtigkeit durchschaute und ihr den Ball abnahm. Naoki versuchte den Ball zurück zu bekommen, denn aus irgendeinem Grund war Akane nach dem Ballverlust der Länge nach im Dreck gelandet. Die Eroberung gelang dem Blonden nicht, denn der Kapitän von Raimon machte einen schnellen Pass zu seinem Sturmpartner, einem Jungen mit nach hinten stehenden, roten Haaren. Dieser lief ein Stück nach vorne und schaffte es mit einer schnellen Finte, Ryuichi auszutricksen.
Der Schwarzhaarige knurrte leicht, doch ließ sein Gegner sich davon nicht beirren. Er machte am Boden einen leichten Salto, wobei er den Ball mit der Hacke in die Luft beförderte. Als der Rotschopf in die Hocke ging, brannte um ihn herum ein Feuerkreis.
Anschließend sprang er drehend in die Luft, wobei sein rechter Fuß in Flammen stand und mit diesem trat er gegen den Ball: „[Fire Tornado]!“
Alle Spieler der Amanogawa rissen die Augen auf, denn wie konnte der Kerl die Technik von Gouenji beherrschen? Der Ball schoss mit einem Feuerschwall über das Feld und Hanabi und Airi versuchten diesen abzufangen. Ihr Timing war leider absolut fatal, denn Toramaru sprang dazwischen und nahm den Schuss mit dem Fuß an, bevor er ihn in den rechten Winkel zog. Tatsumi, der sich bereits auf das linke Eck konzentriert hatte, war nicht mehr in der Lage den Schuss zu blocken und sah zu, wie der Ball im Netz landete. Auf den Pfiff des Schiedsrichters hin schlug der Torhüter wütend mit der Faust auf den Boden und zog sich seine Kapuze tiefer ins Gesicht.
Raimon 0→1 vs 0 Amanogawa
Der erfolgreiche Torschütze lief zu seinen Kameraden, die sich über seinen schnellen Treffer freuten.
Tatsumi ließ seinen Frust an Hanabi aus, die schuldbewusst den Kopf hängen ließ. Akane fühlte sich auch nicht besser, denn es war ihr peinlich, dass sie sich gerade in den Dreck geschmissen hatte und Aphrodi teilte dieses Gefühl. Endou rief seinem Schützling etwas zu, was dieser durch den Lärm nicht ganz verstand. Wieder pfiff der Schiedsrichter das Spiel an und erneut lief Akane auf Toramaru zu.
Im Vergleich zu vorher hatte sie ein Grinsen aufgesetzt und hob die rechte Hand: „Dieses Mal nicht, Stachelkopf! [Heaven’s Time]!“
Auf Akanes Schnippen schien um sie herum die Zeit still zu stehen, weshalb sie einfach zwischen den gegnerischen Stürmern hindurch spazierte. Als sie ein weiteres Mal schnippte, lief die Zeit weiter und bevor die beiden Gegner etwas tun konnte, wurden sie von einem Wirbelwind weggefegt. Sofort lief die Rothaarige weiter und ignorierte die Rufe von Naoki, Himaru und Ryuichi, die alle wollten, dass sie den Ball abgab. Hier ging es um ihre Zukunft, deshalb wollte sie zeigen, was sie konnte und schaffte es, drei Gegner auszuspielen. Beim nächsten Spieler wurde ihr leider der Ball abgegrätscht, doch war Ryuichi zur Stelle um weiter anzugreifen. Sofort sprang der Junge leicht in die Luft und trat in X-Form gegen den Ball, was einen Schneesturm auslöste und hinter dem Ball erschien ein großer Schneeleopard.
Ein weiteres Mal drehte sich der Schwarzhaarige und verpasste dann dem Ball einen Seitfallzieher: „Den mach ich rein, [Panther Blizzard]!“
Der Ball raste auf das Tor zu, wo sich die gegnerische Torhüterin bereit machte, doch geschah dann etwas, was keiner erwartet hatte. Der Ball hatte wohl etwas zu viel Spin bekommen und segelte im großen Bogen über das Tor, wo er in einem Baum landete. Ryuichi zog den Kopf ein, während seine Mitspieler ihren Augen nicht trauten. Vor allem Tatsumi und Kazue ließen ihren Frust raus, denn es konnte keiner verstehen, wie Ryuichi diesen Schuss hatte verhauen können.
Yumisa saß auf der Bank und neigte den Kopf leicht zur Seite: „Er verzieht den Schuss aus der Drehung... Hm...“
Das Spiel lief weiter und erneut war Raimon im Ballbesitz. So sehr Amanogawa es versuchte, sie kamen nicht an den Ball und man sah Reina an, dass sie fast einen Anfall bekam. Nun war Toramaru wieder im Ballbesitz und schob den rechten Fuß nach hinten, während er mit dem linken aufstampfte.
Daraufhin erschien ein großer Tiger hinter ihm, der ein lautes Brüllen hören ließ und als der Junge zum Schuss ansetzte, begann sein Bein gelb zu glühen: „Dann wollen wir mal, [Tiger Drive]!“
Im nächsten Moment raste der Ball wieder über das Feld und dieses Mal war Tatsumi fest entschlossen, ihn zu stoppen.
„Aus dem Weg, ihr helft mir kein bisschen!“, rief der Torhüter und riss den rechten Arm in die Höhe, woraufhin eine riesige, goldene Hand über ihm schwebte, die durch Blitze mit seiner rechten Hand verbunden war.
Er stieß die Hand nach vorne, dem glühenden Ball entgegen: „[God Hand]!“
Krachend schlug der Ball in die riesige Hand ein und drängte Tatsumi immer weiter zurück. Aus lauter Verzweiflung nahm der Junge die linke Hand mit dazu. Doch egal wie sehr er drückte, der Schuss war zu stark und im nächsten Moment zerbarst die Hand. Die Wucht der Technik hämmerte Tatsumi mitsamt dem Ball ins Tor. Wütend ballte er die Faust, denn er hatte es schon wieder nicht geschafft, den Ball zu stoppen und schon hallte der Pfiff des Schiedsrichters in seinen Ohren, der Toramaru als Torschützen ausrief.
Raimon 1→2 vs 0 Amanogawa
Auf der Bank blies Tamaki die Wangen auf, denn sie verstand nicht, warum der Junge sich von den Verteidigern nicht helfen ließ. Allerdings machte sie sich mehr Sorgen um Hanabi, die am meisten unter dem Rückstand zu leiden schien.
Neben ihr rieb sich Nishikage den Ellenbogen und sah zu Endou: „Er schafft es nicht alleine, er braucht Hilfe, Endou-san.“
„Ich weiß, aber das Problem muss er selbst erkennen und in den Griff kriegen. Tatsumi, streng dich an!“, erwiderte der Braunhaarige und stieß beim rufen immer wieder die Faust in die Luft. Währenddessen machte sich Nosaka ebenfalls seine Gedanken um seinen Schützling.
Das Spiel wurde wieder angepfiffen und Reina konnte über einige Spieler nur den Kopf schütteln. Hanabi und Akane zeigten bei weitem nicht die Leistung, die sie sich erhofft hatte. Euri und Himaru mussten extrem oft ihre Seite verlassen, um in der Mitte zu helfen, jedoch zeigte Himaru eine erstaunliche Übersicht, denn er markierte Gegner, die er eigentlich gar nicht hätte sehen dürfen. Kazue dirigierte die Spieler so gut er konnte, doch tat er sich gegen Toramaru und dessen Sturmpartner extrem schwer. Ryuichi hatte mit seinem verpatzten Schuss nicht unbedingt Pluspunkte gesammelt, jedoch versuchte er, das wieder gut zu machen. Airi, Rin und Kiromaru versuchten alles, um das Tor zu schützen und es war nur Rin’s [Ryusei Blade] zu verdanken, dass es noch 2:0 stand. Naoki schaffte es einmal bis nach vorne und versuchte mit einem brennenden Fallrückzieher, der sich [Atomic Flare] nannte, zu punkten. Der Schuss wurde aber von zwei Verteidigern abgefangen, bevor er dem Tor überhaupt gefährlich werden konnte.
Es kam allerdings, wie es kommen musste, denn eine Verteidigungsaktion von Euri in der Mitte des Feldes wurde gnadenlos mit einem Konter bestraft. Der rothaarigen Stürmer Raimons punktete nach kurzer Zeit mit einem weiteren [Fire Tornado], gegen den Tatsumi nicht ankam und auch Hanabi war ihm dabei keine Hilfe. Als dann endlich der Pfiff des Schiedsrichters ertönte, sank das Team der Amanogawa erschöpft zusammen.
Raimon 2→3 vs 0 Amanogawa
Die Spieler saßen auf der Bank und vor allem Tatsumi sagte kein Wort. Wie hatte er gleich dreimal versagen können? Wütend schlug er sich auf die Knie, als er mit dem Ellenbogen gegen eine Wasserflasche stieß, die er definitiv nicht dahin gestellt hatte. Überrascht sah er sich um, doch machte keiner seiner Kollegen den Eindruck, als hätte er die Flasche dort hingestellt, weshalb er einfach daraus trank. Endou klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, doch half es nicht wirklich. Euri und Himaru keuchten am schwersten, denn sie waren mehr gerannt als alle anderen und das sah man ihnen auch an.
Akane war damit beschäftigt, sich das Gras aus dem Trainingsanzug zu zupfen, denn sie hatte sich öfter ins Gras gelegt, als ihr lieb war und Naoki blies beleidigt die Wangen auf. Zwar versuchte Rin ihn wieder aufzubauen, doch auch hier brachte es nicht viel. Kazue stand ein Stück abseits und musterte sein Team, denn nicht alle schienen mit vollem Einsatz zu spielen.
Hanabi und Akane waren ihm ein Dorn im Auge, doch wurden seine Gedanken von einer lauten Stimme unterbrochen: „Hey, sorry dass wir zu spät sind. Hatten Probleme mit der Kontrolle.“
Das Team sah auf, als ein Mann mit dunkelbraunen Haaren angelaufen und schnaufend zum stehen kam. Hinter ihm kamen ein junger Mann mit weißen Haaren, sowie ein schwarzhaariges Mädchen und ein blonder Junge.
Endou sprang freudig auf und erkannte die beiden sofort: „Asuto! Froy! Was macht ihr beide denn hier? Sind das etwa...?“
Bevor der Stirnbandträger seine Frage beenden konnte, nickte Reina zustimmend: „Ja, das sind unsere letzten beiden Spieler. Wo wart ihr so lange?“
Die beiden Schüler zogen die Köpfe ein, als Froy erklärte, dass die Flughafenkontrolle Probleme gemacht hatte. Offenbar waren die Kontrolleure nicht in der Lage gewesen, die Reisepässe richtig zu lesen, weshalb die Gruppe einen Tag dableiben musste.
Bevor das Team sich weiter unterhalten konnte, rief der Schiedsrichter alle auf den Platz, um die zweite Halbzeit zu beginnen. Gerade als Tatsumi sich erhob, ergriff Reina wieder das Wort und tat etwas, was alle bisherigen Spieler in Angst versetzte: Sie wechselte aus.
Als sie die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters hatte, zählte die Grünhaarige auf: „Es gehen raus: Tsukishima Tatsumi, Tendou Hanabi, Fujiwara Ryuichi, Tsubame Akane und Momoshi Naoki. Dafür kommen aufs Feld Kaneshiro Tamaki, Wakabayashi Eiji, Matsuyama Yumisa, Asakura Mihono und Itō Arisu.“
Kazue atmete erleichtert aus und griff sich an die Brust, denn für einen Moment hatte er Panik, doch konnte er sich beruhigen und nahm kurz eine Tablette aus dem Döschen, dass er gestern von Ichinose bekommen hatte.
„Ist alles in Ordnung, Hikaru-kun?“, ertönte es hinter dem Jungen und als er sich umdrehte, sah er sich Yumisa gegenüber, die ihn besorgt musterte.
Schnell versteckte er das Döschen hinter seinem Rücken und nickte: „Ja, alles gut. Hoffe, du machst dich nützlich.“
Die Spieler kehrten auf den Platz zurück, wobei Amanogawa mit fünf neuen Spielern auflief. Die Motivation war ziemlich im Keller, vor allem, da wieder Toramaru am Punkt stand und anscheinend nur darauf wartete, erneut ein Tor zu schießen. Mihono stand links und warf einen Blick nach hinten auf Eiji, der sich einen Überblick machte und dann kurz mit Kiromaru redete. Die Schwarzhaarige kannte außer dem Blonden keinen und hatte sich daher an ihn halten wollen, aber so musste sie sich selbst beweisen. Auch hatten weder sie noch Eiji eine Ahnung davon, was hier wirklich auf dem Spiel stand. Mit dem Pfiff ging das Spiel weiter und sofort rannte Toramaru mit seinem Partner nach vorne.
Airi drehte den Kopf zur Seite, wo Rin stand und sich auf die Unterlippe biss: „M-minami, komm in die Mitte, damit du blocken kannst! Ich geh ein Stück nach vorne.“
Die Abwehr formierte sich neu, ebenso wie das Mittelfeld, denn Kazue hatte sich selbst auf Ryuichis Position gerückt und überließ Yumisa das defensive Mittelfeld. Das Mädchen schaffte es auch fast, an den Ball zu kommen, doch wie zuvor bei Ryuichi konnte Toramaru den Ball seines Teamkollegen retten. Eiji hatte sich das ganze jetzt lange genug angesehen, um sich einen Plan zurecht zu legen und nach einem Blick nach rechts lief er dem Schwarzhaarigen entgegen. Toramaru begann zu tricksen, doch geschah etwas, was ihn sichtlich irritierte, denn Eiji versuchte in keinster Weise ihm den Ball abzunehmen. Stattdessen lief der Junge so schnell er konnte in Richtung des gegnerisches Tores. Der Schwarzhaarige war etwas verwirrt, doch kam es noch schlimmer, denn als er nach unten sah, war der Ball verschwunden. Kiromaru hatte sich mit Eiji bewegt und in dem Moment, in dem Toramaru nach hinten geschaut hatte, hatte er sich den Ball erobert.
Mit einem Grinsen machte der Dunkelblauhaarige eine Pirouette und mit einem Wink seiner Hand wurde der Ball von einem Eisblock umschlossen: „Wir müssen als Team vorgehen, sonst haben wir keine Chance. Wakabayashi, [Koori no ya]!“
Der Junge verpasste dem Ball einen Tritt, der anschließend in einem hohen Bogen über das Feld flog und genau bei dem blonden Jungen ankam. Dieser setzte den Fuß auf den Ball und kickte ihn dann in die Luft, wo dieser in einen Kristall eingeschlossen wurde.
Als nächstes sprang Eiji in die Luft und hob das Bein, wobei aus seinem rechten Fuß mehrere Blitze zuckten: „Ich werde nicht zulassen, dass Hanabi’s Team verliert. [Innocent Drive]!“
Er trat in der Luft zu, wo aus seinem Fuß ein Energiestrahl kam, der auf den Kristall traf. Dieser zersprang im nächsten Moment und flog als Kristallregen mit dem Ball in Richtung Tor. Der Schuss war so schnell, dass die Torhüterin keine Zeit hatte, etwas zu tun und im nächsten Moment zappelte der Ball im Netz.
Raimon 3 vs 0→1 Amanogawa
Überrascht riss Toramaru die Augen auf, doch dann sah er lachend zu seinem Sturmpartner: „Es scheint, als würde das doch nicht so einseitig werden, oder Minato?“
„Wäre doch langweilig, wenn es so einfach wäre. Mal sehen, was sie aus diesem Aufschwung machen“, erwiderte der Rotschopf mit einem Grinsen, bei dem man ihm den Spaß in diesem Spiel deutlich ansah.
Eiji riss in der Zeit die Faust in die Luft und erhob die Stimme: „Leute, jetzt ist die Aufholjagd eröffnet!“
Die direkte Art des Jungen war etwas überraschend, doch nun war allen auf dem Feld und auf der Bank klar, wie dieses Tor zustande gekommen war. Mit diesem Wissen formierte sich das Team neu und machte sich auf eine lange, zweite Halbzeit bereit.
Das neue Team der Amanogawa Academy
„Leute, jetzt ist die Aufholjagd eröffnet!“, hallte Eiji’s Stimme über den Fußballplatz vor der Raimon Jr. High und alle seine Teamkollegen kamen sich in dem Moment so vor, als hätte man ihnen eine Ohrfeige verpasst.
Auf der Bank saßen die Trainerin, ihre ausgewechselten Spieler und alle Mentoren ihres Teams und zum ersten Mal sah man bei der Grünhaarigen ein Lächeln. Die erste Hälfte des Spiels hatte für ihre Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes katastrophal begonnen, weshalb sie zur Pause mit drei Toren zurück gelegen hatten. Zur zweiten Hälfte hatte sie fünf neue Spieler eingewechselt, von denen Eiji es tatsächlich geschafft hatte, mit der Hilfe von Kiromaru den Anschlusstreffer zu landen. Doch war Reina gespannt darauf, ob ihr Team diesen Aufschwung würde nutzen können.
Raimon 3 vs 1 Amanogawa
Auf dem Feld stürmte Raimon’s Kapitän nach vorne und schaffte es mit Leichtigkeit Himaru und Yumisa zu überlisten. Euri versuchte, an ihn heran zu kommen, doch war er für die Violetthaarige zu schnell und stand nun der Abwehr gegenüber. Airi hielt sich ein Stück zurück, denn mit ihren kurzen Beinen würde sie es in einem Laufduell mit einem Stürmer wie Toramaru nicht aufnehmen können, doch hatte sie so einen deutlich besseren Blick auf das Geschehen. Rin und Eiji setzten den Schwarzhaarigen zu zweit unter Druck, was ihn daran hinderte, zu schießen. Als der Junge versuchte, zu seinem Sturmpartner zu passen, sprang wie aus dem Nichts Kiromaru dazwischen und lief mit dem Ball nach vorne. Auf der Bank sahen Tatsumi und Co zu, wie ihr Team weiter zum Angriff überging und der Weg nun über die linke Seite, also Himaru, führte.
Der blonde Junge vertraute voll und ganz auf seinen pelzigen Gefährten, der für ihn Augen und Ohren offenhielt, wodurch er sich gut in Position bringen konnte. Die Verteidiger stellten die beiden Stürmerinnen der Amanogawa komplett zu, weshalb der Ball zu Kazue ging, der sich sofort auf den Weg nach vorne machte, doch kam er nicht an der Abwehr vorbei. Dem Grauhaarigen rann der Schweiß übers Gesicht, mehr als all seinen Kameraden, doch dachte er nicht daran, aufzugeben. Euri hatte genug von der Warterei und lief nach vorne, um sich anspielen zu lassen, was sofort die Verteidiger auf den Plan rief, jedoch konnten sich dadurch die Stürmer frei laufen. Kurz sah der Junge in beide Richtungen und wählte dann Mihono als Anspielstation, denn sie hatte einen deutlich sichereren Eindruck gemacht, als Arisu.
Das Mädchen mit den schwarz-rosanen Haaren bekam den Ball und mit einem breiten Grinsen spielte sie einen Verteidiger mit viel Mühe aus: „Jetzt ist es an mir. Die anderen Stürmer sind bestimmt gut, doch es ist sicher, dass ich das Stürmerass dieser Schule werde!“
Zuerst kickte sie den Ball leicht mit dem Knie hoch, bevor sie ihn mit dem Fuß komplett nach oben beförderte.
Mihono sprang nach und drehte sich im Flug auf den Kopf, um den Ball mit einem Fallrückzieher in Richtung Tor zu befördern: „[Shining Bird]!“
Der Ball flog als goldener Strahl nach vorne und wurde von fünf goldenen Vögeln begleitet, die in einem Bogen in den Ball einschlugen und diesen dann als Vogel nach vorne trugen.
Die Torhüterin von Raimon, ein dunkelhäutiges Mädchen mit türkisfarbenen Haaren, staunte kurz über die Technik, denn sie kannte sie in- und auswendig, weshalb sie keine Angst davor hatte. Sie drehte die Arme einmal vor dem Körper, wo eine Sphäre aus Wasser entstand. Anschließend lief sie ein Stück nach vorne und stieß mit der rechten Hand in die Kugel, woraufhin eine riesige, blaue Hand daraus hervorkam und sich dem Schuss entgegenstellte.
„[Uzumaki the Hand]!“, rief das Mädchen, als der Ball durch einen Strudel sicher in ihrer Hand landete.
Kurz überprüfte das Mädchen noch einmal, ob sie den Ball auch wirklich gehalten hatte, als die Stimme des Kommentators über den Platz hallte: „Was für eine Glanzparade unsere Torhüterin, Kirigaya Mizuno. Sehr euch diese Anmut an, meine lieben Zuschauer, da können die Mauerblümchen von Amanogawa nicht mithalten.“
Sofort schossen mehrere böse Blicke seitens der Gastmannschaft zu dem Ansager, der sich hinter seinem Mikrofon klein machte und versuchte, dem Ärger zu entgehen. Mihono blähte beleidigt die Wangen auf, während Mizuno den Ball wieder ins Spiel brachte und sofort ging Toramaru wieder zum Angriff über. Zum Erstaunen der Spieler tauschte er beim Angriff einfach die Seite mit seinem Partner, wodurch dieser nun nicht mehr von Rin geblockt werden konnte.
Kiromaru versuchte sich den Ball zu schnappen, doch war der Stürmer mittlerweile an die Präsenz des Blauhaarigen gewohnt und kam auch an diesem vorbei. Kaum war ihm das gelungen, stampfte er auf den Boden und ließ einen Tiger hinter sich erscheinen.
Mit einem lauten „[Tiger Drive]!“ schoss der Schwarzhaarige den Ball in Richtung Tor, wo Tamaki einmal die Hände zusammenklatschte: „Komm nur, Tigerjunge! Ich bin bereit!“
Rin versuchte dazwischen zu gehen, doch leider war die Distanz einfach zu groß, weshalb Eiji das übernahm und mit voller Wucht gegen den Ball trat. So sehr er es auch versuchte, er konnte den Schuss nicht stoppen und sah ihn im nächsten Moment auf das Tor fliegen. Tamaki hob die Arme, woraufhin ein rosafarbener, rotierender Kreis vor ihr erschien. Als sie die Arme auseinander riss erschien eine leuchtende Rune hinter ihr, während um sie herum mehrere blaue Energieringe schwebten.
Die Blauhaarige streckte den rechten Armen aus, als der Ball gegen die Ringe prallte: „Jetzt ist meine Zeit zu strahlen, [Artemis Ring]!“
Kurz blitzte es auf und dann ruhte der Ball in der Hand des Mädchens, während die Energieringe langsam verblassten.
Mit einem breiten Grinsen hielt die Blauhaarige den Ball in der Hand und reckte ihrem blonden Teamkollegen den Daumen entgegen: „Gut gemacht, Eiji. Danke für die Hilfe. Kommt schon, Leute, Angriff!“
Damit schoss sie den Ball nach vorne, wo er von Yumisa angenommen wurde, die sich allerdings sofort dem rothaarigen Stürmer Minato gegenübersah: „Hey kleiner Rotschopf, her damit.“
Hektisch sah sich das Mädchen um, doch waren Euri, Kazue und Himaru gedeckt, weshalb sie keine flachen Pässe spielen konnte. Verzweifelt trat sie einfach unter den Ball, der so einen seltsamen Spin hatte, dass er im hohen Bogen irgendwo ins Nirgendwo segelte. Einige der Zuschauer brachen in schallerndes Gelächter aus, doch blieb Torhüterin Mizuno konzentriert. Hinter der Abwehr hatte sich Arisu in Position gebracht und nahm dieselbe Haltung wie Minato in der ersten Hälfte ein.
Mit einem kräftigen Satz sprang die kleine Brünette drehend in die Luft, wobei sie von einem Feuerwirbel begleitet wurde, der sich in ihrem Fuß sammelte: „Wenn Asakura kein Tor schießt, mach ich es eben. Schau mir genau zu, Gouenji. [Fire Tornado]!“
Die gegnerischen Spieler rissen die Augen auf, als ein Feuerball auf das Tor der Raimon zuraste. Die Torhüterin reagierte instinktiv und setzte wieder ihre [Uzumaki the Hand] ein, die das Feuer um den Ball löschte und diesen sicher stoppte.
Erleichtert atmete das Mädchen mit den Türkisfarbenen Haaren aus und musterte die Schützin: „Wahnsinn, sie hat den selben Schuss wie Kasai-kun. Der war schwerer zu halten als [Shining Bird], seltsam.“
Wie zuvor Mihono blähte nun auch Ari die Wangen auf und als sie sich umdrehte, wurde sie vom ganzen gegnerischen Team angestarrt: „Ist was?“
Minato sah die Brünette an und grinste wissend: „Ah, verstehe. Du bist der Schützling von Gouenji Shuuya, dann lass dir mal was gesagt sein, Kleine: Ich werde dir zeigen, wer hier der Feuerstürmer ist!“
Damit lief er zu Toramaru, um etwas zu besprechen, während die Brünette ihr Oberteil richtete und auf ihre Position ging: „Was gucken die denn alle so? Der kann [Fire Tornado] doch auch, also ist das doch nichts besonderes. Matsuyama-san, gute Vorlage!“
Sie hob die Hand und winkte ihrer Zimmergenossin lächelnd zu, die etwas verunsichert dastand und nichts mit sich anzufangen wusste, denn der Pass sollte nicht in diese Richtung gehen. Kazue und Airi musterten die Rothaarigen und waren völlig überrascht, dass sie so einen extrem komplexen Pass so präzise hatte anbringen können. Yumi schien sich der Aufmerksamkeit ihrer beiden Mitspieler bewusst zu sein und drehte sich schnell zur Seite, um keinen der beiden sehen zu müssen, da ihr das unangenehm war.
Raimon ging wieder zum Angriff über, dieses Mal über Minato, der es wohl nicht leiden konnte, dass Arisu die gleiche Technik wie er beherrschte. Unter der Anleitung von Airi und Eiji kam die Verteidigung sogar mit Toramaru und Minato zurecht, was dem Rotschopf überhaupt nicht passte. Durch das Teamwork der Abwehr waren selbst [Tiger Drive] und [Fire Tornado] keine Gefahr mehr für das Tor, da sie mittlerweile problemlos geblockt werden konnte.
Der Schwarzhaarige grinste einmal und nahm einen Pass aus dem Mittelfeld an: „Sie haben sich echt zusammen gerauft, aber ich bin noch nicht fertig.“
Er ging in die Hocke und um ihn herum erschienen sieben, silberne Schwerter, die sich mit der Klinge nach vorne richteten.
Toramaru versetzte dem Ball einen Tritt und beförderte ihn mitsamt den Schwertern nach vorne: „[Gladius Arch]!“
Eiji, Kiromaru und Airi konnten nichts gegen den Schuss ausrichten, doch sprang Rin dazwischen und setzte den Blockschuss [Ryuusei Blade] ein, der dieses Mal nicht ausreichte, um den Schuss zu stoppen. Tamaki setzte mit ihrem [Artemis Ring] nach, doch musste sie leider feststellen, dass diese Technik mit [Tiger Drive] gar nicht zu vergleichen war, denn sie durchbrach ihre eigene Technik mit Leichtigkeit.
Völlig überrumpelt starrte die Blauhaarige auf den Ball, der hinter ihr im Tor lag und kratzte sich verlegen an der Wange: „Och menno... Der Schuss war absoluter Wahnsinn, wie soll man den denn halten? Aber ich schaff das!“
Der Pfiff des Schiedsrichters bestätigte das Tor und sorgte zum einen für Jubel bei den Zuschauern, als auch für Frustration bei der Amanogawa.
Raimon 3→4 vs 1 Amanogawa
Auf der Bank knurrte Tatsumi wütend in seine Kapuze, denn er musste leider zugeben, dass auch er diesem Schuss nichts hätte entgegensetzen können. Nishikage und Hanabi riefen Tamaki viel Glück zu und die Dunkelhaarige hielt Eiji dazu an, ihre Freundin zu unterstützen. Reina sah auf die Uhr, auf der nur noch wenige Minuten verblieben, bevor sie wieder auf das Feld schaute. Mihono und Ari versuchten einen weiteren Angriff zu starten und man konnte ihnen einen gewissen Kampfgeist nicht absprechen.
Leider wurden beide bereits im Mittelfeld gestoppt und sofort spielte Minato den Ball zu Toramaru, der erneut die Schwerter um sich herum erscheinen ließ: „Machen wir den Sack zu, [Gladius Arch Kai]!“
Kazue und Airi sahen sich kurz an und nickten sich dann zu, denn sie hatten eine Idee, doch war ungewiss, ob sie zum Erfolg führen würde.
Alle Spieler erkannten sofort, dass der Schuss deutlich stärker war, als die letzte Version, doch dachte das Team nicht daran aufzugeben. Yumisa, Euri und Himaru traten zu dritt gegen den Ball, doch wurden sie sofort auseinander gesprengt. Auch Rin’s erneuter Versuch zu Blocken war nicht von Erfolg gekrönt.
Tamaki sah kurz zu ihrem Senpai und ihrer besten Freundin, bevor sie erneut ihre Technik einsetzte: „Dieses Mal muss ich es schaffen, egal wie stark er ist. [Artemis Ring]!“
Erneut prallte der Ball mit den Schwertern auf die blauen Ringe, wobei Aki dieses Mal beide Hände zum Blocken nahm. Die Wucht des Schusses drängte sie immer weiter zurück, doch spürte die Blauhaarige plötzlich etwas an ihren Schultern. Eiji und Kiromaru hatten sich zum Tor begeben und stützen ihre Torhüterin von hinten und zu dritt gelang es ihnen, den Ball genau vor der Linie zu stoppen. Die beiden Blauhaarigen sackten zusammen, während der blonde Verteidiger den Ball nach vorne zu Airi schoss.
Diese nahm den Ball an und pfiff einmal durch die Finger, woraufhin sieben unterschiedlich gefärbte Pinguine in den Ball einschlugen und dieser dann langsam zu Boden sank.
Die Schwarzhaarige holte aus und trat den Ball nach vorne, wobei dieser von den Pinguinen verfolgt wurde, die einen Regenbogen erzeugten: „Hoffentlich klappt es, [Koutei Penguin 7]!“
Der Ball raste nach vorne und kurz vor der Abwehr sprang Kazue dazwischen und lenkte den Ball mit einem Volley in die Luft.
Mizuno starrte auf den Ball, als Ari wieder in die Luft stieg und dort zum Schuss ansetzte: „Dieses Mal spreng ich diese Technik unter Garantie! Chain 2, [Fire Tornado]!“
Die dunkelhäutige Torhüterin erzeugte die Wasserkugel und setzte [Uzumaki the Hand] ein, doch durch die Verkettung der zwei Techniken war Arisu’s Schuss zu stark und krachte ins Tor.
Raimon 4 vs 1→2 Amanogawa
Auf der Bank sah Gouenji zur Seite und ballte triumphierend die Faust: „Ja! Genau so, Ari.“
Als der Weiß-Blonde sich wieder richtig hinsetzte traf ihn ein breites Grinsen von Endou.
„Ich hab genau gesehen, wie du dich gefreut hast“, stichelte er, doch war selbst stolz auf das Team, „So können sie es schaffen!“
Die anderen Reservespieler jubelten über den Treffer und auf dem Feld herrschte die gleiche Stimmung.
Airi hüpfte kurz vor Freude, dass der Plan funktioniert hatte, doch war es Kazue, der das Wort ergriff: „So schaffen wir das, halten wir den Druck hoch!“
Was als nächstes geschah, machte die Hoffnung des Teams jedoch gleich wieder zunichte, denn der Schiedsrichter ließ den Schlusspfiff ertönen.
Enttäuscht sanken Ari und Yumisa auf die Knie, während Kazue wütend aufstampfte.
Himaru ließ den Kopf hängen und fuhr sich durch die Haare: „Mist... hätten wir von Anfang an so gespielt, wäre es anders gekommen. Wie konnten wir so blöd sein?“
„Kopf hoch, beim nächsten Mal stell ich deinen Gegnern ein Bein“, witzelte Kyo, um seinen Partner ein bisschen aufzuheitern.
Kiromaru seufzte traurig auf, weshalb Eiji ihm aufmunternd auf die Schulter klopfte, doch war die Stimmung im allgemeinen sehr niedrig. Bis auf Tamaki schien die Niederlage jeden mitzunehmen, doch blieb ihnen dafür keine Zeit, denn kaum hatte Reina sich mit dem gegnerischen Trainer unterhalten, rief sie ihre Mannschaft zu sich.
Die Schüler packten ihre Taschen, während Akane und Hanabi den großen Korb für die Handtücher und die sonstigen Kram in den Bus trugen. Als sie den Korb abgestellt hatten, horchte die Blauhaarige kurz auf, denn sie hätte schwören können, ein leises Geräusch gehört zu haben.
„Hast du das gehört, Tsubame-san?“, wandte sie sich an Akane, die sich kurz umsah und dann mit den Achseln zuckte.
Kurz darauf saßen alle wieder im Bus und fuhren zu ihrer Schule zurück, wobei Reina auf halbem Weg das Wort ergriff: „Ich hoffe, euch ist klar, warum ihr verloren habt.“
Eine einstimmige Entschuldigung kam von den Schülern, wobei Mihono den Kopf neigte: „Jeder verliert mal, ist doch kein Beinbruch.“
„Du hast keine Ahnung, oder? Wer hier nicht überzeugen konnte, wird aus der Mannschaft geworfen!“, keifte Tatsumi das Mädchen an, die etwas erschrocken in die Runde sah.
Auch Eiji sah geschockt drein, denn keiner der beiden hatte das gewusst und jetzt war ihnen ebenfalls etwas mulmig zumute.
Tatsumi trat mit dem Fuß gegen den Wäschekorb, aus dem ein erschrockenes Quietschen ertönte und sofort deutete Hanabi darauf: „Ich hab es doch gewusst, dass ich was gehört habe! Da ist was drin!“
Eiji trat an dem Mädchen vorbei und tauschte einen kurzen Blick mit Tatsumi, der den Deckel öffnete und dann einfach mit der Hand hineingriff. Tatsächlich ertastete er etwas festes und sofort ertönte ein fröhliches, kindliches Kichern.
Alle starrten auf den Korb, während der Torhüter sich seufzend aufrichtete und die Hände an die Hüfte stemmte: „Du bist das also gewesen. Komm raus, Serena.“
Alle sahen zu, wie zwischen den Handtücher ein kleines Mädchen mit dunkelblauen, zu zwei Zöpfen gebunden Haaren auftauchte, die das Team mit zwei großen, kastanienbraunen Augen ansah. Etwas schüchtern blieb sie in dem Korb sitzen, bis der silberweißhaarige Junge sie sanft unter den Achseln packte und heraushob.
Die Kleine grinste fröhlich und hob die Hand: „Hey, Onii-chan!“
Reina schaffte es, die Situation im Bus ruhig zu halten, bis sie wieder im Wohnheim waren und dort erklärte Tatsumi, dass das Mädchen seine kleine Schwester war, die sich wohl heimlich zu dem Spiel geschlichen hatte. Jedes der Mädchen strahlte beim Anblick der „süüüüßen“ Kleinen und nicht selten, wurde das Mädchen umarmt oder geknuddelt, was Tatsumi überhaupt nicht in den Kram passte, während die Jungs sich über das Verhalten ihres Kollegen amüsierten.
Die gute Laune fand ein jähes Ende, als die Trainerin das Wort ergriff: „Ich mache es kurz, die erste Halbzeit war eine Katastrophe und ich bin geschockt, wie wenig ihr leisten könnt. Ist es denn wirklich notwendig, dass ich gleich fünf Spieler wechseln muss, damit etwas funktioniert?“
Akane verschränkte die Arme vor der Brust und gab relativ unbeeindruckt Antwort: „Was erwarten Sie denn? Sie drohen uns mit rausschmiss und dann sollen wir die anderen in den Vordergrund setzen? Es geht um unsere eigene Zukunft hier.“
Die anderen Spieler nickten, doch sah Mihono das etwas anders: „Aber Fußball ist doch ein Mannschaftssport, da bringen Einzelaktionen nicht viel.“
Eiji nickte zustimmend und sah in die Runde, wobei alle Spieler den Kopf hängen ließen. Die Mentoren versuchten ihre Schützlinge etwas aufzubauen, doch hatten sie damit wenig Erfolg, besonders Tatsumi, Euri und Kazue waren sauer über das Ergebnis. Rin versuchte Naoki erfolglos von weiteren Worst-Case-Szenarien abzuhalten, während Ryuichi Yumisa aufheitern wollte. Hanabi und Tamaki saßen auf der Couch und die Hellhaarige musste ihre Freundin zum Trost knuddeln, zumindest laut ihrer Sicht. Ari klammerte sich an Gouenji, der ihr kurz den Kopf tätschelte.
Reina stieß einen langen Seufzer aus und schüttelte den Kopf: „Reicht so eine einfache Aussage aus, dass ihr von Teamwork auf Egomane umschaltet? Selbst wenn es in einem Spiel um eure Zukunft geht, müsst ihr doch in der Lage sein, als Team zu agieren. Ich sage es jetzt ganz klar, damit keine Missverständnisse mehr aufkommen: Ich werde keinen aus dem Team werfen... noch nicht. Sollte sich diese Aktion wiederholen, dann werde ich Konsequenzen ziehen. Jetzt geht euch duschen und dann gibt es Essen.“
Damit wandte sie sich zum gehen, als noch einmal Protest von Tatsumi kam: „Warum haben Sie das nicht einfach gesagt, dass sie unser Teamwork unter Stress testen wollen?“
„Weil ich auch sehen wollte, ob Ihr selbstständig Denken könnt. Zumindest in dem Punkt seid ihr alle, bis auf Asakura und Wakabayashi, durchgefallen. Ich werde eure Daten jetzt auswerten und dann die Aufstellung machen. Ihr seid für heute entlassen.“
Langsam leerte sich das Zimmer, wobei die Mentoren Reina folgten und die Schüler ihre Zimmer aufsuchten. Am Ende blieben nur Ruyichi und Yumisa zurück, wobei die Rothaarige traurig zu Boden sah.
Der Schwarzhaarige kratzte sich am Hinterkopf und sah seine Teamkollegin an: „Sie ist immer noch so gruselig. Zumindest zu dir könnte sie netter sein.“
„In was für einer Welt lebst du eigentlich, Fujiwara-kun?“, erwiderte das Mädchen leicht schnippisch und verließ den Aufenthaltsraum, wo sie auf Tatsumi und Serena traf.
Der Junge stand am Telefon, den Hörer am Ohr und nickte immer wieder genervt, wobei er das Wort „Ja“ immer wieder wiederholte und dabei seine Schwester ansah, die sich vor Lachen fast in die Hose machte. Mit einem leisen Seufzen ging Yumisa in ihr Zimmer, um sich frische Sachen zu holen. Sie konnte nicht abstreiten, dass sie sich freute, nun im Team bleiben zu können. Auch wenn es für alle immer noch auf der Kippe stand.
Spione und Kapitäne
Die Schulglocke der Amanogawa hallte laut über das Schulgelände und beendete den heutigen Schultag, weshalb viele der Schüler sich direkt auf den Weg nach Hause machten. Während die meisten Mitglieder des Fußballclubs sich an einigen der außerschulischen Aktivitäten versuchten, hockten Akane, Euri und Kiromaru zusammen im Wohnzimmer des Wohnheims. Der Junge mit den blauen Haaren saß im Schneidersitz auf der Couch und musterte die Rothaarige, die immer wieder zwischen ihm und Euri hin und her sah.
Akane rieb sich gespielt nachdenklich das Kinn und verschränkte dann die Arme vor der Brust: „Und ihr seid euch ganz sicher, dass ich das gewesen bin?“
Die Violetthaarige rieb sich genervt die Nasenwurzel und schlug ein Bein über das andere: „Offenbar warst du es ja nicht, sonst würdest du dich doch daran erinnern, uns über den Weg gelaufen zu sein. Meine Fresse...“
Kiromaru stützte das Kinn auf der Handfläche ab, während sein Ellenbogen auf seinem Knie ruhte. Er fand die Situation schon ziemlich skurril, denn offenbar lief da irgendwo ein Mädchen rum, das Akane aufs Haar glich. Die Rothaarige schien von diesem Thema regelrecht besessen zu sein, denn sie fragte immer und immer wieder nach, ob ihre beiden Teamkollegen sich wirklich zu hundert Prozent sicher waren. Die Tatsache, dass sie eine Doppelgängerin zu haben schien, ließ Akanes Fantasie wohl auf Hochtouren laufen, denn sie sponn sich die verrücktesten Ideen zurecht.
Aphrodi’s Schützling wippte leicht vor und zurück, während sie leise vor sich hin murmelte: „Wie könnte ich sie bloß treffen? Es muss doch einen Weg geben. Vielleicht sollte ich Onee-chan mal fragen.“
Euri blies sich ein paar Haare aus dem Gesicht und stützte nun auch das Kinn auf den Händen ab: „Du hast echt keine anderen Probleme, oder? Wie kann man so sorglos sein?“
Der Blauhaarige zuckte nur mit den Schultern, als Himaru ins Zimmer kam und seine drei Kollegen musterte: „Was macht ihr da?“
„Tsubame interessiert sich wieder für ihr Double“, gab Kiro Antwort und sah den Blonden an, der nachdenklich die Arme vor der Brust verschränkte.
Auf seiner Schulter gab Kyo ein langes Gähnen von sich, bevor er seine Schweife um Himarus Hals legte: „Ich habe mal gehört, dass jeder Mensch einen Doppelgänger hat. Ist schon interessant, womit ihr Menschen euch rumschlagen müsst.“
Der Junge lachte leise und setzte sich auf die Couch, denn die Diskussion brachte in seinen Augen nicht wirklich etwas, weshalb er den Fernseher einschaltete: „Ich hoffe, das stört euch nicht.“
Die Rothaarige war nicht begeistert davon, dass sie hier einfach übergangen wurde, doch hatte sich Euri schon dem Fernseher zugewandt: „Schalt weiter, so eine Schnulze will ich nicht sehen.“
Mit einem Seufzer ergab Akane sich und sah ebenfalls auf den Fernseher, wo gerade ein Bericht über ein Freundschaftsspiel als Auftakt für das kommende Turnier ausgestrahlt wurde. Der Kommentator zeigte gerade einige Highlights aus dem Spiel, wodurch den Schülern klar wurde, dass das Match zwischen der Eisei Gakuen und der Arashi Gakuen stattgefunden hatte. Besonders wurden je eine Mittelfeldspielerin und ein Stürmer der beiden Mannschaften gelobt und als die Spieler der Arashi gezeigt wurden, kippte Kiromaru fast vom Stuhl.
Im Fernseher waren ein Junge mit weißen Haaren und einem roten Schal, sowie ein rothaariges Mädchen zu sehen, das Akane wie aus dem Gesicht geschnitten war.
Die drei Spieler sahen immer wieder abwechselnd vom Fernseher zu Akane und wieder zurück, als diese aufsprang und die Faust in die Luft stieß: „Wir haben meine Doppelgängerin gefunden! Wo genau ist die Arashi?“
„Du willst doch nicht etwa einfach so in diese Schule spazieren, oder?“, fragte Euri skeptisch nach, doch wurde sie von der Rothaarigen auf die Beine gezogen: „Und ob. Ich will sie kennen lernen, vielleicht sind wir ja Zwillinge und ich weiß es nicht.“
„Jetzt ist sie völlig durch geknallt“, murmelte Kyo und bekam von Himaru einen Knuff an den Kopf, bevor dieser wieder zu seinen Freunden sah.
Der Rotschopf war bereits zur Tür gelaufen und winkte hektisch mit den Armen: „Jetzt kommt schon, oder seid ihr gar nicht neugierig?“
Himaru und Euri zuckten mit den Achseln und folgten Akane aus dem Raum, während Kiromaru kurz überlegte und dann gemütlich hinterher schlenderte.
Zu viert liefen die Schüler durch die Straße und Euri lief mit dem Handy als Navigationsgerät voraus, da außer ihr wohl keiner auf die Idee gekommen war. Die Tatsache, dass auch Himaru und Kiromaru ihre Handys hervorgeholt hatte, wurde von der Violetthaarigen vehement ignoriert.
So dauerte es nicht lange, bis die Gruppe vor der gesuchten Schule stand, die unglücklicherweise in einem der höher gelegenen Teile von Inazuma Town gebaut worden war.
Akane jammert unaufhörlich vor sich hin, denn der Aufstieg zum Schulgebäude hatte sie alle extrem geschafft, doch hatte Euri wieder einen bissigen Kommentar auf Lager: „Hör auf zu jammern. Wenn du von so einem bisschen Anstrengung schon fertig bist, ist es ja klar, dass du auf dem Feld nichts hinbekommst.“
„Du bist genauso am Schwitzen wie wir“, erwiderte Kiromaru für die Rothaarige und sofort machten die beiden Mädchen erschrocken einen Satz nach hinten.
Der Blauhaarige entschuldigte sich leise, denn er hatte keinen erschrecken wollen, was ihm nicht so recht gelungen war. Bisher hatte er lediglich Eiji und Himaru nicht erschrecken können, was ihn schon sehr überraschte.
Langsam betraten sie das Schulgebäude und mussten feststellen, dass die Arashi mit ihrer Schule locker konkurrieren konnte. Euri und Himaru sahen sich an den Spinten um, während Akane einfach ins Foyer lief und sich neugierig umsah.
Die Rothaarige ließ den Blick schweifen und hoffte einen Schüler zu finden, der ihr sagen könnte, wie sie in den Sportkomplex kommen würde.
Auf einen Schüler traf sie nicht, allerdings wurde sie von einem jungen Mann mit hochstehenden, dunkel-violetten Haaren angesprochen: „Hey Yukiko, warum bist du nicht auf dem Feld? Das Training hat schon vor einer Stunde angefangen.“
Die vier Schüler sahen den Mann an und alle erkannten sofort, wer das war, weshalb Akane sich verlegen ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht wischte und auf unschuldig machte.
Die Anwesenheit ihrer Teamkollegen, ließ jede mögliche Tarnung jedoch sofort auffliegen, weshalb der Violetthaarige die Arme vor der Brust verschränkte: „Warte, du bist überhaupt nicht Yukiko. Wer seid ihr und was wollt ihr hier?“
Jetzt saßen sie in der Klemme und das war allen Spielern mehr als bewusst, weshalb sie schnell nach einer Ausrede suchten.
Euri war diejenige, die den rettenden Einfall hatte: „Guten Tag, Kozoumaru-san, ich heiße Abe Euri und komme auf Wunsch meines Mentors, Fudou Akio. Ich möchte gerne mit Kidou-san sprechen.“
Dabei setzte sie ihr freundlichstes Lächeln auf, was ihren Gegenüber leicht den Kopf neigen ließ: „Fudou-san will etwas von Kidou-san? Na gut, dann kommt mal mit.“
Von den anderen dreien kam ein erleichterter Seufzer, während sie wie eine Horde Pinguine hinter Kozoumaru her trotteten. Die Gänge der Schule waren etwas verwinkelt, doch schien der Mann sich hier problemlos zurecht zu finden, weshalb sie nach kurzer Zeit das Fußballfeld erreichten. Dort liefen die Spieler in Zweierreihen um den Platz, jedoch schienen sie bereits ziemlich aus der Puste zu sein, da einige sehr häufig strauchelten.
Während ihr Führer zu den Bänken an der Seite ging, hielt Himaru seine Freunde zurück und wandte sich an Euri: „Und was willst du jetzt machen? Fudou-san weiß doch gar nicht, dass wir hier sind und das wird uns nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen.“
„Was soll die Panik, ich sag nachher Fudou, dass Kidou eine Nachricht für ihn mitgegeben hat und die Sache ist erledigt. Im Gegensatz zu euch bin ich die Einzige, die etwas funktionierendes unternommen hat“, fauchte die Violetthaarige und sah den Blonden an, der sich dessen wohl bewusst war.
Dennoch war er nicht davon überzeugt, dass die Aktion gut für sie ausgehen würde und Kiromaru stimmte ihm zu. Akane war das alles egal, denn sie interessierte sich nur noch für ihre Doppelgängerin, die sich wohl auf dem Feld befinden musste.
Sie liefen zu Kozoumaru, der neben Kidou stand und diesem gerade die Situation erklärte.
Der Taktiker nickte kurz und wandte sich den Gästen zu, wobei er sich wohl an Euri und Kiromaru erinnerte: „Ihr beide seid das also. Schön, euch wieder zu sehen. Fudou hat eine Nachricht für mich?“
Dreien der vier Schüler fehlte gerade die Sprache, denn sie brachten nur ein langgezogenes „Äh“ zustande, während Akane sich langmachte, um die Spieler zu betrachten: „Wo ist das Mädel, das aussieht wie ich?“
Der Mann mit den Rasterlocken hob eine Augenbraue und musterte die Rothaarige, wobei sie ihn tatsächlich an seinen Schützling erinnerte. Zumindest optisch, denn vom Charakter her würde sich Kidou’s Schützling niemals so benehmen. Dass er diese Situation äußerst interessant fand, konnte er nicht bestreiten, weshalb er das Team zusammen rief.
Die Arashi-Mannschaft kam schnaufend zu dem Erwachsenen gelaufen und war sichtlich froh, dass sie endlich eine Pause bekamen.
Einige Spieler schnappten verzweifelt nach Luft, während andere die Gäste musterten und besonders Akane im Blick hatten.
Diese hatte endlich ihr Ebenbild gefunden und stellte sich direkt vor dieser auf: „Aha, du bist also meine Doppelgängerin. Ich bin Akane, sehr erfreut.“
Die Rothaarige von Arashi strich sich ein paar Haare aus dem Gesicht und musterte ihr Gegenüber: „Faszinierend, du siehst genauso aus wie ich. Bist du nur deshalb hergekommen, um mich zu sehen?“
„Ehrlich gesagt, ja“, antwortete Akane direkt, was Euri fast zur Verzweiflung brachte, denn jetzt war ihre Lüge aufgeflogen: „Bist du irre? Wie blöd kann man sein?“
Die beiden Jungs tauschten einen besorgten Blick, während Kyo von der Schulter seines Partners sprang und das Weite suchte: „Rette sich wer kann! Frauen und Kitsune zuerst!“
Während der Blonde dem Fuchs nachsah, lachte Kidou amüsiert auf: „Ich hatte schon so eine Ahnung, als ich dich gesehen habe. Nun, wenn das euer Anliegen war, seid ihr ja fertig, oder?“
Die beiden Rothaarigen musterten sich eingängig, als ein Junge mit weißen Haaren und rotem Schal nach vorne trat: „Kidou-san, wer sind die Typen?“
„Sie gehören zum Team der Amanogawa Academy“, kam die direkte Antwort, woraufhin unter den Spielern laute Proteste ausbrachen, da Akane und Co sie nur ausspionieren wollten.
Der Junge mit dem Schal kratzte sich am Hinterkopf und sah die beiden Erwachsenen an, die sich gerade beratschlagten, was sie als nächstes tun sollten.
Akane nutzte die Zeit und unterhielt sich mit ihrer Doppelgängerin: „Also ich heiße Tsubame Akane und du bist Chiyotanda Yukiko, oder?“
Die Angesprochene nickte und sah kurz zur Seite, wo sie Kiromaru entdeckte, der anscheinend von allen ignoriert wurde und sah dann wieder zu Akane: „Richtig. Sag mal, Tsubame-san, musst du mich die ganze Zeit so seltsam anstarren, als wolltest du mich gleich wie ein wildes Tier erlegen?“
Die Frage ließ die Amanogawa Stürmerin breit grinsen, doch ging sie nicht darauf ein: „Wir müssen uns mal bei einem Apfelsaft ausführlich unterhalten. Ich finde das gerade echt cool, als wären wir Zwillinge.“
Yukiko seufzte auf und murmelte etwas davon, dass sie von ihrem Zwilling wohl deutlich bessere Manieren und ein besseres Vokabular erwarten könnte, jedoch hatte sie dann eine Idee: „Weißt du, da ihr schon hier seid, habe ich einen Vorschlag für euch. Kidou-san, warum fordern wir Amanogawa nicht zu einem Freundschaftsspiel heraus? Du würdest doch bestimmt gerne gegen Endou-san und Gouenji-san antreten, oder? Und Kozoumaru-san wäre bestimmt auch dafür.“
Kiromaru kam schnell nach vorne und wandte sich an die Rothaarige: „Ein Freundschaftsspiel? Einfach so? Warum das denn, Chiyotanda?“
Die Angesprochene fuhr sich elegant durchs Haar und grinste den Jungen verschmitzt an, während alle ihre Mitspieler panisch auseinander sprangen, weil urplötzlich ein Schüler zwischen ihnen erschienen war: „Falls du dich erinnerst, Keroberuso-kun, wollte ich eine Möglichkeit finden, dich in Aktion zu sehen. Tsubame hier hat mein Interesse ebenfalls geweckt, also zwei Fliegen mit einer Klappe, würde ich sagen.“
Die vier Spieler sahen sich an und nickten dann, denn sie hatten nichts dagegen, doch lag das am Ende nicht in ihrer Entscheidung, sondern bei ihrer Trainerin.
Kidou zog sein Handy hervor und wählte eine Nummer, bevor er sich das Telefon ans Ohr hielt: „Hallo? Endou? Hier ist Kidou. Da unser Trainer momentan nicht zu sprechen ist, spreche ich als Repräsentant zu dir. Die Arashi Gakuen möchte euch zu einem Freundschaftsspiel herausfordern. Würdest du das eurer Trainerin mitteilen?“
Den Satz bereute der Taktiker jedoch sofort, denn auch wenn er das Telefon etwas weg hielt, traf ihn die laute Stimme Endou‘s: „Was? Wirklich? Ihr wollt gegen uns antreten? Auf jeden Fall, wir nehmen die Herausforderung an! Gouenji, Kidou hat uns herausgefordert! Ruf alle zum Training zusammen!“
Die Teenager starrten alle das Handy an, als Euri sich einen Kommentar nicht verkneifen konnte: „Ist dieser Typ völlig bescheuert? Der schreit ja, als würde er aufgespießt werden.“
Die Jungs aus ihrem Team nickten nur, doch hatten sie momentan mehr Mitleid mit Kidou, der schmerzhaft das Gesicht verzog und das Handy nun mit ausgestrecktem Arm von seinem Kopf weghielt: „Ist gut, Endou. Ich melde mich nochmal wegen der Details, okay? Gut, wir sehen uns. Au...“
Yukiko ging direkt zu ihrem Mentor, um sich nach seinem Wohlergehen zu erkundigen, während Kozoumaru nur den Kopf schüttelte: „Das ist typisch Endou, also steht die Sache.“
Der Schalträger neigte den Kopf und nickte dann: „Kozoumaru, dann würde ich dich gerne um etwas bitten.“
Während die beiden sich entfernten, verschränkte Himaru die Arme hinter dem Kopf und sah in die Runde: „Heißt das, dass wir keinen Ärger bekommen? Ich sollte Kyo suchen, bevor er noch jemandem was antut...“
„Was meinst du?“, fragte Kiromaru nach, da er den letzten Teil nicht verstanden hatte, doch erregte etwas anderes die Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
Aus Richtung der Umkleide ertönte lauter Krach, gefolgt von lautem Geschrei aufgescheuchter Schülerinnen. Die weiblichen Fußballer der Arashi liefen sofort in die Richtung, um nach dem Rechten zu sehen.
Kidou schüttelte den Kopf und wollte auch schon loslaufen, als er sich noch einmal an seine Gäste wandte: „Ihr habt hoffentlich nichts mit dem Krach da hinten zu tun. Ihr solltet jetzt gehen, wir sehen uns dann beim Spiel.“
Damit lief er davon, um nach den Mädchen zu sehen, was die Amanogawa-Spieler zu verstehen gab, dass sie entlassen waren. Die beiden Jungs machten sich sofort auf den Weg, während Euri ihre Zimmergenossin am Ohr mit zerren musste, da diese sich noch mehr mit Yukiko hatte unterhalten wollte. Dieser Wunsch blieb leider unerfüllt, weshalb sie sich ergab und der Violetthaarigen folgte. Vor dem Schulgebäude stieß Kyo wieder zu seinem Team und nahm seinen Stammplatz auf Himaru’s Schulter ein.
Mit stolzgeschwellter Brust sah der Fuchs auf seinen Partner: „Na, hab ich euch den Pelz gerettet? Ihr solltet mir dankbar sein.“
„Da war nicht richtig, Kyo-chan. Wir haben alles ohne Probleme geklärt und du hast nur unnötig Schwierigkeiten gemacht“, zischte der Junge leise, während er das Schlusslicht der Prozedur bildete.
Euri lief voraus und wirkte wie eine menschliche Version von Kyo: „Seht ihr, hat doch alles geklappt. Habt ein bisschen mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten.“
Akane und Kiromaru sahen sich kurz und entschieden sich dazu, jetzt lieber still zu sein und keine Antwort zu geben. Auf dem Rückweg bekamen alle vier eine Nachricht von ihrem jeweiligen Mentor, da keiner wusste, wo sie abgeblieben waren. Euri wirkte von Fudou’s Sorge bloß genervt und rollte mit den Augen, während Akane sich gespielt über Aphrodi’s Anruf freute und ihn zuckersüß als Onee-chan betitelte. Die beiden Jungs entschuldigten sich bei ihren Mentoren und versprachen, so schnell wie möglich zurück zu kommen, womit die Telefonate beendet waren. Alle vier waren sich jedoch einig, dass dieses Thema noch nicht beendet sein würde.
Ihre Befürchtung bewahrheitete sich, denn kaum hatte das Vierergespann das Wohnheim betreten, standen sie ihren Mentoren gegenüber, die sie mit vor der Brust verschränkten Armen anstarrten. Die nächste dreiviertel Stunde schallte eine gewaltige Standpauke durch das Wohnheim, wobei diese zu 80 Prozent von Aphrodi ausging. Fudou ließ es sich nicht nehmen, Euri im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren lang zu ziehen, während Yuukoku und Sakanoue die Ansprache kurz hielten, denn sie sahen, dass es den Jungs leid tat. Als die Belehrung endlich vorbei war, rief Endou alle ins Wohnzimmer, da er eine großartige Neuigkeit hätte. Die Mädchen hatten es sich auf den Sesseln und den Sofas gemütlich gemacht, während die Jungen sich auf die restlichen freien Plätze und in den Ecken des Raumes verteilt hatten.
Der Stirnbandträger grinste breit in die Runde, während Gouenji, der neben ihm stand, sich das Ohr rieb und seinen Freund böse anstarrte: „Hört mal alle her: Wir wurden zu einem Freundschaftsspiel heraus gefordert und wir werden gegen Kidou’s Team antreten. Ist das nicht der Wahnsinn?“
Die Nachricht erweckte gemischte Gefühle, denn einige waren besorgt, viele waren begeistert über diese Tatsache und Ari schaute verwirrt drein, da sie nicht wusste, wer Kidou war.
Endou wurde etwas barsch unterbrochen, als Reina den Raum betrat: „Es ist mir neu, dass du bestimmst, gegen wen wir antreten, Mamoru.“
„Willst du das Spiel etwa ablehnen? Komm schon Reina, das kannst du mir nicht antun“, flehte der Braunhaarige und brachte die Trainerin nur zum Stöhnen, während sie sich die Nasenwurzel rieb: „Darum geht es nicht und wir werden die Herausforderung annehmen, aber das ist immer noch meine Entscheidung! Ich bin die Trainerin, ist das klar, Mamoru?“
Tatsumi saß auf einem Sessel und hatte ein Skateboard auf dem Schoß, an dessen Rollen er herumhantierte: „Boah, die streiten sich wie ein altes Ehepaar... oh verdammt...“
Leicht verängstigt sah er aus dem Augenwinkel nach oben, wo Natsumi neben ihm stand und aussah, als würde sie gleich jemanden ermorden und leider war er in ihrer Reichweite, was ihm nicht gefiel.
Die Trainerin räusperte sich kurz und sah dann in die Runde: „Gut, wenn ihr alle schon hier seid, kann ich gleich einige Dinge klären. Als erstes haben wir zwei weitere Mitglieder in unserem Club. Kommt bitte herein.“
Alle Blicke gingen zur Tür, wo ein Junge mit schwarzen Haaren und einer dünn gerahmten, schwarzen Brille und ein kleines Mädchen mit dunkelblauen Haaren eintraten.
Alle erkannten das Mädchen sofort als Tatsumi’s Schwester, die sich höflich verneigte: „Guten Tag, ich heiße Tsukishima Serena und bin 10 Jahre alt. Ich helfe euch ab heute als Managerin.“
Dabei machte sie immer wieder einen freudigen Hüpfer, was vor allem die Mädchen in Entzückung versetzte, doch Tatsumi war davon nicht so begeistert. Bei den strahlenden Augen seiner Schwester blieb ihm aber jeglicher Protest im Hals stecken.
Der Schwarzhaarige rückte seine Brille zurecht und verneigte sich ebenfalls: „Es freut mich, euch kennen zu lernen. Ich heiße Hano Shinichi, bin 16 Jahre alt und bin gerade von der Raimon hierher gewechselt. Von heute an werde ich euch als Kommentator unterstützen und jedes eurer Spiele mit meinen einfallsreichen Kommentaren verschönern.“
Das Team sah sich an, denn irgendwie kam ihnen die Stimme des Jungen bekannt vor.
Arisu kratzte sich an der Wange und murmelte leise vor sich hin: „Klingt Hano-san nicht ein bisschen wie der Ansager bei unserem Spiel gegen Raimon?“
Alle Mädchen sahen sofort nach vorne und Hanabi rollte einen Ärmel hoch: „Stimmt, Itō-chan hat recht. Wie war das mit den Mauerblümchen?“
Shinichi hob beschwichtigend die Hände und erklärte die Situation: „Dafür muss ich mich entschuldigen, mein Cousin Kaito kann ziemlich ungehobelt sein. Ich hoffe ihr könnt ihm verzeihen. Wenn ihr ihn allerdings verprügeln wollt, dann sagt mir Bescheid, damit ich das standesgemäß kommentieren kann.“
Sowohl die Spieler, als auch die Mentoren starrten den Jungen an, bis Akane laut lachend von der Couch fiel: „Der Typ ist ja cool, den mag ich!“
Reina schien kurz vor der Verzweiflung zu stehen, weshalb sie einmal laut durch die Finger pfiff und für Ruhe sorgte: „Ihr könnt nachher in Ruhe quatschen, erst mache ich meine Sachen fertig. Ich habe hier eure Trikots.“
Wie auf Kommando kamen die Fubuki-Zwillinge und Ichinose herein und trugen mehrere Päckchen mit sich, die sie den entsprechenden Schülern reichten, in denen alle ihre Trikots vorfanden. Alle musterten sofort das Trikot, dass komplett weiß war. Von der linken Achsel verlief ein hellblauer Streifen bis zur rechten Hüfte und auf den Ärmeln befand sich jeweils ein goldene Krone, an der ein Reißverschluss für die längeren Ärmel angebracht war. Die Hose war ebenfalls weiß und hatte am Saum einen hellblauen Streifen. Das Trikot für die Torhüter war schwarz und hatte keinen blauen Streifen, sondern rotes X auf der Brust. Die Krone war hier silbern und die Hose war ebenfalls schwarz mit rotem Saum.
Tamaki und Tatsumi staunten etwas, als sie sowohl ein Torhüter-, als auch ein Feldspielertrikot in ihrer Box vorfanden. Auf die Frage nach dem Grund erklärte Reina, dass sie beide auch als Feldspieler einsetzen werden würde.
Der Junge mit den silber-weißen Haaren bekam fast einen Anfall, als er die Nummer 1 auf Tamakis Trikot sah, während er selbst die Nummer 11 hatte: „Was soll der Mist? Warum ist sie die Nummer 1?“
„Sei nicht sauer Tsukishima-kun, ich helf dir beim Training, damit du besser wirst, okay? Knuddeln?“, bot die Blauhaarige ihre Hilfe an und breitete dann freundlich die Arme aus, doch wandte sich der Junge mit einem „Tse“ ab.
Serena setzte sich auf die Lehne des Sessels und strich ihrem älteren Bruder übers Haar: „Nicht traurig sein, Onii-chan. Du kriegst nachher einen Keks von mir.“
Um die Gespräche zu unterbinden, las die Trainerin noch einmal alle Nummern vor: „Ich fasse unser Team noch einmal zusammen: Kaneshiro Tamaki Nummer 1 und Tsukishima Tatsumi Nummer 11. Minami Rin Nummer 2, Shiroi Airi Nummer 5, Keroberuso Kiromaru Nummer 13, Tendou Hanabi mit der 21 und Wakabayashi Eiji mit der 16. Matsuyama Yumis hat die 8, Hikaru Kazue die 15, Abe Euri ist Nummer 3, Yoru Himaru bekommt die 7 und Fujiwara Ryuichi die 22. Unsere Stürmer sind Tsubame Akane Nummer 4, Itō Arisu Nummer 12, Asakura Mihono mit der 9 und Momochi Naoki hat die Rückennummer 10. Eine letzte Sache noch, bevor ich euch für heute in Ruhe lasse...“
Damit weckte sie die Neugier ihres Teams und alle starrten sie gespannt an, als sie eine feuerrote Armbinde aus der Tasche zog: Die Kapitänsbinde.
Kurz sah Reina in die Runde und sprach dann weiter: „Unser stellvertretender Kapitän für Notfälle ist Hikaru Kazue.“
Der Grauhaarige sah einen Moment überrascht auf, bevor er wütend mit den Zähnen knirschte. Warum war er nur der Vize geworden? Wer war nach Meinung der Trainerin besser als er?
Die Antwort bekam er direkt, als die Grünhaarige auf Eiji zuging und ihm die Binde überreichte: „Unser Kapitän ist Wakabayashi Eiji. Ich hoffe, du enttäuschst uns nicht.“
Während der Blonde seinen Ohren nicht traute, verließ die Trainerin den Raum und überließ das Team ihren Mentoren, denn sie hatte noch etwas anderes zu erledigen. Eiji stand wie vom Donner gerührt da, während die meisten seiner Mitspieler ihm gratulierten und auf die Schulter klopften. Zur Feier des Tages schnappte sich Endou einen Fußball und schaffte es, alle zu einem Spätabend-Training zu überreden, an dem sich auch die Mentoren mit Freuden beteiligten.
Training à la Reina
In der Küche des Wohnheimes herrschte reges Treiben und wildes Geschirrgeklapper, während das Team das Frühstück zu sich nahm. Heute stand Training auf dem Programm, daher brauchten sie alle so viel Energie wie möglich. Von den Mentoren hatte sich noch keiner blicken lassen, doch war es nur eine Frage der Zeit, bis zumindest Endou in der Tür stehen würde. Eiji tat Hanabi und sich gerade eine zweite Portion auf, als die Tür zum Wohnheim aufging und mehrere Stimmen durch den Flur hallten. Kurz darauf erschienen die Älteren, angeführt von Endou, in der Küche und Natsumi war etwas traurig darüber, dass alle schon am Essen waren, denn sie wollte den Spielern etwas Gutes tun. Genau dieser guten Tat hatte Tatsumi durch das rechtzeitige Frühstück einen Riegel vorgeschoben, denn er wollte nicht wieder tagelang mit Magenschmerzen durch die Gegend rennen. Vor allem wenn ein Spiel vor der Tür stand wollte er seine gute Form nicht riskieren.
Die Älteren warteten geduldig, als es an der Tür zum Wohnheim klopfte.
Reina ging in den Flur, aus der kurz darauf eine männliche Stimme erklang: „Guten Morgen, die Dame. Eillieferung, wenn Sie bitte kurz unterschreiben würden?“
Yumi und Ari tauschten einen kurzen Blick, denn eine Eillieferung könnte viele Gründe haben und kurz darauf erschien die Grünhaarige mit einem Karton in den Speisesaal: „Wer von euch hat etwas auf den Verein bestellt?“
Dabei sah sie das Team mit einem strengen Blick an, unter dem vor allem Yumisa, Arisu und Airi zusammenzuckten und mit gesenktem Kopf Reiskörner von einer Seite ihres Tellers zur anderen schoben.
Zur Überraschung aller war es Gouenji, der sich als Besteller zu erkennen gab: „Das ist meins. Zum Glück ist es heute schon gekommen.“
Er öffnete den Karton, als Endou ihm neugierig über die Schulter schaute: „Was hast du denn da bestellt, Gouenji?“
Der weiß-blonde Stürmer zog mehrere Packungen mit Ohrenstöpseln hervor und legte sie auf den Tisch, wofür er etwas komisch angeschaut wurde.
Auch Endou zog skeptisch eine Augenbraue nach oben und sah seinen besten Freund an: „Wozu brauchst du die denn?“
„Nachdem du mir gestern so ins Ohr geschrien hast, hielt ich es für notwendig, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“, erwiderte der Stürmer, während er Ari eine der Packungen reichte.
Der junge Mann mit dem Stirnband zog die Stirn in Falten und dachte angestrengt nach: „So laut habe ich doch gar nicht geschrien...“
Alle Anwesenden sahen den Stirnbandträger an, der sich anscheinend eine Menge Gedanken über Gouenji’s Kommentar machte.
Natsumi wollte ihrem Freund gerade antworten, als Reina ihr das abnahm: „Nein, überhaupt nicht. Du bist die ruhigste Person, die ich kenne.“
Der Kommentar der Grünhaarigen triefte förmlich vor Sarkasmus und brachte einige der Mentoren zum schmunzeln.
Um wenigstens ein bisschen Rückendeckung zu haben, wandte sich der Braunhaarige an seinen Schützling, der sich einen Klumpen Reis in den Mund steckte: „Tatsu, schreie ich wirklich so viel?“
Der Junge zeigte keine Reaktion auf die Frage, weshalb Endou ihm auf die Schulter tippte: „Tatsu? Hallo, hörst du mich?“
Jetzt hob der Torhüter den Kopf und sah zu seinem Mentor auf, der ihn mit großen Augen musterte und auf eine Antwort wartete.
Zum Erstaunen aller griff der 16-jährige in sein Ohr und zog einen der Ohrstöpsel heraus: „Hast du was gesagt, Endou?“
Der Stirnbandträger sank in sich zusammen und jammerte leise vor sich, was von Reina vehement ignoriert wurde: „Genug von dem Kindergarten, esst auf und dann fangen wir an zu trainieren.“
Damit verließ die Grünhaarige die Küche und die Mentoren folgten ihr, wobei Endou fast in Tränen ausbrach, als Gouenji sich Ohrenstöpsel in die Ohren steckte.
Die Spieler sahen sich alle sprachlos an, bis Tamaki die Stimme erhob: „Der Kerl ist echt seltsam, aber zum Thema: Hana, Momochi-kun, habt ihr die Änderungen an den Trikots hinbekommen?“
Alle Blicke wanderten zu den beiden Erwähnten, die synchron nickten. Einige der Spieler hatten für ihr Trikot einen besonderen Wunsch gehabt, so bestand Tatsumi zum Beispiel darauf, dass an seinen Trikots eine Kapuze angenäht wurde, während Yumi einen etwas tieferen Ausschnitt und längere Ärmel wollte. Nach dem Frühstück verteilten Hana und Naoki die Trikots und als alle fertig umgezogen waren, eilten sie zusammen zum Trainingsplatz. Das Fußballfeld lag etwas abseits und bis auf Kazue waren alle Spieler irritiert, warum das Stadion so klein war, denn der Grauhaarige hatte es ja schon gesehen. Auf dem Feld lagen zwei dicke, dunkelblaue Matten aufeinander und direkt daneben eine fahrbare Hebebühne.
Unter den Spielern machte sich leichte Unruhe breit, als ihre Trainerin das Wort ergriff: „Ich sage es euch gleich am Anfang: Wer meinen Anweisungen nicht folgt, der sitzt auf der Bank. Ist das klar?“
„Hai!“, antwortete das Team perfekt synchron, was die Grünhaarige grinsen ließ: „Na bitte, es geht doch.“
Sie schritt vor dem Team auf und ab und musterte sie eingehend, bevor sie ihr Training eröffnete: „Zuerst: Was ist wichtig, um ein Spiel zu gewinnen?“
„Die Stürmer müssen Tore schießen!“, rief Mihono und hob dabei den Arm in die Höhe, als würde sie sich melden.
Tatsumi schüttelte den Kopf und gab seine eigene Antwort: „Der Torhüter darf keinen Ball rein lassen.“
„Ach, dann haben wir ja deinetwegen gegen Raimon verloren“, stichelte Euri und freute sich darüber, dass der Torhüter wütend mit den Zähnen knirschte und Fudou ihr nicht die Ohren langziehen konnte.
Kiromaru hob den Arm und ergriff selbst das Wort: „Muss die Abwehr funktionieren?“
Als der Blauhaarige sich zu Wort meldete, sprangen die neben ihm stehenden Tamaki und Yumisa ihren jeweiligen Zimmergenossinnen fast schon auf die Arme, so sehr erschraken sie gerade. Arisu konnte die zitternde Yumisa allerdings nicht halten, denn auch sie hatte sich bei dem plötzlichen „Auftauchen“ von Kiromaru erschrocken. Hanabi hingegen schien das Ganze überhaupt nicht mitbekommen zu haben.
Von den Antworten ihres Team genervt wurde Reina etwas lauter: „Teamwork, ich Flitzpiepen!“
Die Schüler zuckten alle zusammen und auch den Mentoren fuhr der Schreck in die Glieder.
Gouenji war der einzige, der immer noch ruhig dastand und sich dann einen Ohrstöpsel herauszog: „Was hat sie gerade gesagt? Die Dinger sind echt spitze.“
Auf einen Todesblick der Trainerin verstummte der Stürmer sofort und wieder wandte sich die Grünhaarige an ihr Team.
Rin tippte immer wieder die Zeigefinger aneinander und suchte eine Entschuldigung: „Das mit dem Teamwork wissen wir ja, wir dachten nur, dass Sie jetzt wohl etwas weniger auffälliges meinen.“
„Wenn euch das so klar ist, hättet ihr beim letzten Mal nicht versagt. Ihr müsst euch gegenseitig vertrauen und dafür nutzen wir das hier“, belehrte die Frau ihr Team und deutete anschließend auf die Hebebühne.
Kurz schätzte sie die Fähigkeiten ihres Teams ab und schob dann die Mädchen in Richtung der Hebebühne. Was den Damen auffiel war, dass Rin bei den Jungs stehen geblieben war, allerdings musste das so sein, da ansonsten die Anzahl der Spieler nicht gestimmt hätte. Die acht Spielerinnen fühlten sich etwas unwohl, wie sie mit Aphrodi und Gouenji in der Bühne ein Stück in die Luft gehoben wurden und keiner konnte sich einen Reim darauf machen, was als nächstes passieren würde.
Mit einer herrischen Handbewegung winkte Reina Naoki zu sich und positionierte ihn auf der Matte: „Momochi, du bist als erstes dran. Stell dich da hin und streck die Arme aus.“
Der Junge mit den Katzenkopfhörer tat, wie ihm geheißen wurde, doch kam er sich ziemlich dämlich vor: „Was ist das für ein Witz?“
Auf der Bühne schob Aphrodi Akane mit dem Rücken zum Rand: „Akane, stell dich hier hin und überkreuz die Arme vor der Brust.“
Etwas verwirrt folgte die Rothaarige der Aufforderung und schrie kurz auf, als sie im nächsten Moment einen Stoß bekam und rücklings zu Boden segelte.
Naoki stand immer noch da und sah zu seinen Kollegen: „Weiß einer von euch, was das hier werden soll?“
„Ich nehme mal an, dass das eine Vertrauensübung sein soll“, mutmaßte Eiji und zog seine Kapitänsbinde zurecht, während der Katzenjunge immer noch verwirrt zu sein schien.
Kazue schüttelte den Kopf und erklärte die Sache: „Das ist eine Übung, bei der sich einer fallen lässt und ein anderer fängt ihn auf. Ganz einfach.“
Jetzt schienen alle zu verstehen, worum es hier ging, als Naoki erschrocken die Augen aufriss: „Moment, auffangen?“
Ruckartig zog er die Arme wieder an den Körper heran und keine Sekunde später fiel Akane kreischend an ihm vorbei und landete in der Matte, die ihren Sturz abfederte.
Ein leises „Ups“ entwich dem Blonden, der auf die Rothaarige starrte, die gerade aufsprang und dem Jungen ihre Meinung geigte: „Geht’s noch? Du hast mich absichtlich fallen lassen!“
Die Mädchen auf der Bühne waren auch nicht begeistert von der Aktion Naoki’s, doch nahm Rin den Blonden in Schutz: „Er kann nichts dafür. Naoki-kun hat Angst davor, Menschen zu berühren.“
Schlagartig war es still in der Gruppe, während der Junge mit den Kopfhörern leise murmelte: „Rin, lass es...“
„Nein, ich finde es gut, dass Minami uns das gesagt hat“, mischte sich Eiji ein und trat neben seinen Kollegen, „wenn du Probleme hast, die uns im Spiel Schwierigkeiten machen können, ist es besser, wenn wir das wissen. Vielleicht können wir dir auch helfen, deine Angst zu überwinden.“
„Hört, hört, unser Kapitän hat gesprochen“, witzelte Euri auf der Hebebühne, doch musste sie dem Jungen zustimmen und war beeindruckt, wie schnell er da eingegriffen und reagiert hatte.
Auch die anderen Mädchen machten große Augen und bewunderten ihren Kapitän, als Tamaki breit grinste und einfach von der Bühne sprang: „Kapitän, fang mich!“
Unten hob Eiji überrascht den Kopf und konnte die Blauhaarige im letzten Moment davor bewahren, auf der Matte zu landen.
Wie eine Braut hing Aki in den Armen des Jungen und ließ es sich nicht nehmen, die Arme um seinen Hals zu schlingen: „Gut gefangen, Kapitän. Ich fühle mich wie eine Prinzessin.“
„Du... bist ein sonderbares Mädel, kann das sein?“, fragte der Junge leicht skeptisch, was die Blauhaarige grinsend beantwortete: „Aber nur ganz leicht.“
Hanabi neigte den Kopf, als von den restlichen Mädchen ein lautes, langgezogenes „Oh“ kam, denn alle schienen bei der Szene das Gleiche zu denken, was der Dunkelblauhaarigen etwas missfiel.
Die Blauhaarige ließ sich auf den Boden setzen und stellte sich zu Nishikage, während die Jungs einer nach dem anderen vor traten. Ryuichi hatte keine Probleme damit Yumi zu fangen, wobei die Rothaarige von gleich beiden Mentoren geschubst werden musste. Kazue tat sich mit Mihono etwas schwer, denn er knickte sofort ein, als er das Mädchen auffing, was von Akane gleich als Gewichtsproblem ausgelegt wurde. Rin hatte es mit Airi zum Glück sehr leicht, da die Kleine kaum Gewicht hatte und auch Himaru hatte mit Ari ein leichtes Los. Der blonde musste Kyo sofort von einer Dummheit abhalten, denn der hatte es gerade auf die Haarspange des Mädchens abgesehen. Kiromaru stand geschlagene fünf Minuten unten, bis Euri bemerkte, dass er da war, um sie zu fangen. Hanabi musste sich mit Tatsumi begnügen und irgendwie erwartete sie schon, dass der Torhüter sie würde fallen lassen. Zu ihrem Glück tat er das nicht, allerdings setzte er sie sehr schnell ab und ging weg.
Reina musterte ihr Team und nickte dann: „Bis auf Tsubame sind ja alle relativ sanft gelandet. Momochi, über dein Problem werden wir uns nachher noch unterhalten. Als nächstes machen wir...“
„Moment, ich will auch mal hüpfen!“, ergriff Serena das Wort, die sich dabei meldete und immer wieder auf und ab hüpfte.
Auf den skeptischen Blick der Trainerin zog sie den Arm wieder ein und murmelte leise: „Ich gehöre doch auch zum Team, oder?“
„Stimmt eigentlich. Mamoru, bist du so nett?“, wandte sich die Trainerin an den Stirnbandträger, der sich grinsend mit Serena auf die Hebebühne stellte und in die Höhe fahren ließ.
An der Matte stand jetzt Shinichi und rückte seine Brille zurecht, denn er gehörte schließlich auch zum Team. Die kleine Managerin schien sich vor der Höhe kein bisschen zu fürchten und sprang ohne Kommando ab. Zwar wollte der Kommentator sich gerade positionieren, als Tatsumi ihn unsanft beiseite stieß und seine Schwester auffing, die sich vor Lachen nicht mehr einkriegte.
Bei dem fröhlichen Lachen des Mädchens, konnte sich auch Tatsumi ein Lächeln nicht verkneifen, was Hanabi sofort bemerkte: „Du meine Güte, Tsukishima-kun kann ja lachen.“
Der Torhüter knurrte leise, doch nahm Serena ihn in Beschlag, weil sie unbedingt noch einmal springen wollte.
Selbst Reina konnte der Kleinen ihren Wunsch nicht abschlagen und ließ sie nochmal hüpfen, was Serena auf weitere fünfmal ausdehnte. Irgendwann war es auch für die Grünhaarige zu viel und sie musste die Managerin in die Schranken weisen. Zwar versuchte die Kleine noch eine Runde raus zu handeln, doch musste sie sich geschlagen geben und griff sich die Tasche mit den Handtücher und Getränken. Das Team stellte sich am Rande des Feldes auf, wo die Trainerin ihrer Managerin eine Stoppuhr und ihrem Kommentator ein Klemmbrett reichte.
Dann wandte sich die Grünhaarige an das Team und deutete auf die Umgebung: „Wir werden erst einmal an euren Basics arbeiten, daher werdet ihr jetzt so lange um den Platz laufen, bis euch die Puste ausgeht. Serena, du wirst die Zeit stoppen und dazu zählen, wie viele Runden die einzelnen Spieler schaffen. Hano, du wirst alles notieren und schreib leserlich.“
„Hai!“, antworteten die beiden Helfer, die sich dafür bereit machten, ihren Job zu erfüllen.
Reina setzte eine Trillerpfeife an den Mund und blies hinein, woraufhin alle Fußballer sofort losliefen. Endou ließ es sich nicht nehmen, Tatsumi beim Laufen anzufeuern, was Serena ihm sofort gleichtat.
Natsumi schlug sich mit der Hand an die Stirn und murrte leise: „Oh nein, hoffentlich wird Serena-chan nicht auch noch so wie Endou-kun.“
„Ich brauch mehr Ohrenstöpsel“, murmelte Gouenji und bekam einen Schulterklopfer von Shirou, der seinen Schützling im Auge behielt.
Die Fußballer liefen alle in einem gleichbleibenden Tempo und hatten sich sogar zu einer kleinen Kolonne zusammengefunden, um sich gegenseitig zu unterstützen.
Nach nur fünf Runden um den Platz griff sich Kazue an die Brust und wurde langsamer: „Mist... es geht nicht mehr...“
Hustend versuchte der Grauhaarige neben dem Feld wieder zu Atem zu kommen, doch schmerzte seine Brust zu sehr, bis Ichinose zu ihm kam und ihn beiseite zog. Tamaki und Tatsumi lieferten sich einen kleinen Kampf, wer der bessere Torhüter war. Die beiden taten sich gleichermaßen schwer, was allen Mentoren auffiel.
Nishikage verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu Nosaka: „Sie hat sich verbessert, aber mit den anderen kann sie noch nicht mithalten.“
„Ich glaube wir müssen wieder zum Spezialtraining greifen. Erinnere mich daran, Katzenminze zu kaufen“, erwiderte Nosaka und musterte seinen eigenen Schützling, die sich beim bloßen Laufen gar nicht so tollpatschig anstellte wie sonst beim Fußball.
Endou feuerte seinen Schützling bei dem kleinen Wettstreit an, doch ging Tatsumi zuerst die Puste aus und er fiel neben dem Platz auf die Knie. Die Wasserflasche, die Endou ihm anbot leerte er in wenigen Zügen und keuchte wie ein alter Mann. Auch wenn Tamaki nach zwei weiteren Runden ebenfalls schlapp machte, musste er sich der Blauhaarigen geschlagen geben.
Diese lag nun breit grinsend im Gras und lachte: „Wahnsinn, es gibt Leute die noch weniger Ausdauer haben als ich. Da fühl ich mich ja nicht mehr ganz so unfähig.“
„Lach du nur“, knurrte der Junge und zog sich die Kapuze über den Kopf, während er das restliche Team beobachtete.
Die verbleibenden Spieler drehten weiter ihre Runden und in der Zwischenzeit hatte sich eine weitere Gruppe an Läufern abgespalten, denen langsam die Puste ausging. Hanabi und Mihono mussten als erstes das Handtuch werfen und ließen sich schwer atmend ins Gras fallen, wo sie direkt von Serena mit Wasserflaschen versorgt wurden.
Die Dunkelblauhaarige jammerte leise und sah in den Himmel: „Ich kann echt gar nichts... selbst beim Laufen mach ich so schnell schlapp.“
Die Schwarzhaarige sah besorgt zur Seite und versuchte ihre Teamkollegin etwas aufzuheitern: „Hey, lass den Kopf nicht hängen. Es gibt bestimmt etwas, was du gut kannst. Du musst es nur finden.“
Hana versuchte ein freundliches Lächeln aufzusetzen, doch so ganz gelang ihr das nicht, denn sie kannte ihre bisherigen Leistungen und die waren katastrophal.
Euri und Airi klappten zeitgleich zusammen und die Schwarzhaarige massierte sich wimmernd die Beine: „Ich kann nicht mehr... Warum muss sie so grausam sein?“
„Wenn du nur jammern kannst, dann hau doch ab, Shiroi“, keifte Euri und schritt vom Platz um sich etwas zu trinken zu holen, während die Kleine traurig den Kopf einzog: „Du hast mir das von damals immer noch nicht verziehen... Wie kann ich es nur wieder gut machen?“
Mit einem Seufzer ließ sie den Kopf hängen und folgte der Violetthaarigen, wobei sie von dem mittlerweile erschöpften Himaru begleitet wurde.
Kyo gähnte einmal ausgiebig und fiepte leise: „Was stellt ihr euch so an? Ich könnte noch ewig weiter laufen.“
„Du sitzt ja auch auf meiner Schulter“, erwiderte der Blonde und sank erschöpft im Gras zusammen, wo er sich eine Meckertirade von seinem Kitsune anhören durfte, dass er ihn gar nicht zu schätzen wüsste.
Der Rest des Teams wurde mittlerweile auch langsam, wobei Kiromaru und Rin bereits das Handtuch geworfen hatten. Ersteren hatte man gar nicht bemerkt, weshalb er sich selbst etwas zu trinken holen musste und dabei Serena so erschreckte, dass sie sich panisch hinter Hanabi und Mihono versteckte. Rin bekam eine neckische Bemerkung von Naoki zu hören, doch wurde diese ignoriert, da Tatsuya seinem Schützling etwas zu trinken und ein Handtuch reichte. Yumisa schaffte es trotz ihrer kurzen Beine mit Ryuichi und Eiji Schritt zu halten, doch ging auch den beiden Spielern aus dem Norden die Luft aus. Der Schwarzhaarige half seiner kleinen Kollegin vom Feld, wo ihnen auch ihr Kapitän folgte, der sich die schmerzende Seite rieb.
Der Rotschopf konnte nicht glauben, was Arisu für eine enorme Ausdauer an den Tag legte und mit Naoki noch zwei weitere Runden drehte: „Du meine Güte, was haben die beiden denn gefrühstückt?“
„Was auch immer die beiden im Kakao hatten, will ich auch haben“, stellte Rin fest und band sich eine der zwei schwarzen Schleifen neu, da diese sich beim Laufen gelockert hatte.
Als die beiden Läufer nach drei weiteren Runden immer noch nicht anhielten, pfiff Reina sie von selbst zu sich.
Kaum waren die beiden zum Team gestoßen beschwerte sich Akane: „Wie können die beiden Stöpsel da so eine Ausdauer haben? Das gibt es doch nicht!“
Die Trainerin griff sich das Klemmbrett von ihrem Kommentator und betrachtete das Resultat: „Also: Itō und Momochi, hervorragende Leistung, ich bin beeindruckt. Matsuyama, Fujiwara, Keroberuso, Minami, Tsubame und Wakabayashi: Auch von euch bin ich sehr überrascht, gute Arbeit. Abe, Shiroi, Tendou, Asakura und Yoru, ihr seid ganz gut, aber da ist noch deutlich Platz nach oben. Kaneshiro und Tsukishima, ihr beide werdet demnächst eine besondere Trainingseinheit zum Thema Ausdauer absolvieren.“
Die beiden Torhüter stieße ein leises Wehklagen aus, doch wunderten sie sich, warum Kazue, der als erstes abgebrochen hatte, nicht gescholten wurde.
Dazu kam die Trainerin allerdings jetzt und deutete zum Schulgebäude: „Ichinose, bring ihn auf die Krankenstation, ich will keine böse Überraschung erleben.“
Der Braunhaarige nickte und zog seinen Schützling mit, der mit leicht glasigen Augen zu Boden schaute und flach atmete.
Die Erschöpfung war momentan Nebensache, denn die Gesundheit ihres Kollegen machte dem Team größere Sorgen, doch wurden sie alle aus den Gedanken gerissen. Reina deutete auf den Platz und wies alle an, sich dort zu positionieren, was das Team langsam tat. Zum einen waren sie ziemlich erschöpft und zum anderen mit den Gedanken bei Kazue, doch erlaubte Reina keine Pause. Zum Erstaunen der Mannschafft standen sie auf dem Feld einigen der Mentoren, darunter Nosaka und Asuto, gegenüber.
Die Grünhaarige unterhielt sich noch kurz mit Gouenji, bevor sie sich an ihr Team wandte: „Das ist der letzte Teil des Trainings und auch wenn ihr erschöpft seid, müsst ihr alles geben. Studiert die Situation und lernt daraus. Nosaka, du darfst beginnen.“
Dem Team war sichtlich unwohl bei der Situation, als der Rosahaarige den rechten Arm ausstreckte: „Macht euch bereit. Grid Omega, Phase 1!“
Asuto, Tatsuya, Nishikage und Endou stürmten zwischen den Spielern hindurch, wo sie einen roten Wind erzeugten.
„Phase 2“, ertönte Nosaka’s Stimme, woraufhin der Wind zu einem riesigen Tornado anwuchs und das ganze Team der Amanogawa von den Füßen riss.
Aus dem roten Tornado zuckten immer wieder Blitze, während die Spieler der Urgewalt hilflos ausgeliefert waren.
„Phase 3“, damit löste sich der Orkan auf und ließ alle Spieler zu Boden fallen, wo sie schmerzhaft aufschlugen und erst einmal liegen blieben.
Sie waren von der ganzen Rennerei extrem geschwächt und diese Aktion hatte ihnen den Rest gegeben, weshalb sie völlig verständnislos zu ihrer Trainerin schauten, die sich zum Gehen wandte: „Das war es für heute. Ruht euch den restlichen Tag und morgen aus. Übermorgen ist unser Spiel. Behaltet das Gefühl im Kopf.“
Völlig entsetzt stemmte sich einige der Spieler wieder hoch und sahen ihrer Trainerin fassungslos nach. Zwar versuchten sie von ihren Mentoren eine Antwort zu bekommen, doch bekamen sie leider keine. Vorsichtig halfen die Erwachsenen ihren Schützlingen auf die Beine und stützten sie auf dem Weg ins Wohnheim.