Hass und Liebe
Leben ist sterben,
sterben ist leben…
Wir kämpfen, um unsere Nächsten zu beschützen,
und wir töten,
um die Gefallenen zu rächen…
Ein Fluch des endlosen Hasses liegt auf dieser Welt,
denn der Teufel raubte uns unseren Glauben
und unsere letzte Hoffnung...
Gehetzt rannte das Mädchen tief in den Wald hinein. Es rannte, so schnell wie nie zuvor in seinem Leben. Sein Herz raste wie verrückt, jeder Atemzug schmerzte, und seine Beine schienen es nicht mehr lange tragen zu können.
Die Finsternis des Waldes hatte es vollkommen umschlungen und das Mädchen wusste noch nicht einmal, wo es sich überhaupt befand.
Es wusste nur, dass ein falscher Schritt sein Leben für immer beenden würde.
Drei Shinobis verfolgten es und nur seinem Dojutsu zu verdanken, schaffte das Mädchen es einigen Kunais auszuweichen.
Es war lange gelaufen, bis seine Beine nachgaben und sein Körper vor Schmerz keuchend zu Boden glitt. Tränen bahnten sich ungeniert einen Weg über seine schmutzigen Wangen und mit weitaufgerissenen Augen drehte es sich zu seinen Verfolgern um.
Todesangst widerspiegelte sich in den Augen des Kindes.
„Los! Schnappt sie euch!“ Brüllte einer der Männer, ehe sie sich mit gezogenen Waffen auf das Mädchen stürzten.
„Mama, bitte rette mich!“ Es war die pure Verzweiflung, die aus dem Mädchen sprach. Ängstlich kniff es seine Augen zusammen und rechnete jeden Moment mit einem finalen Schlag. Innerlich betete es und hoffte, dass sein Flehen erhört wurde.
Erst das Klirren von aufeinandertreffende Klingen und die schmerzerfüllten Schreie der Shinobis, die es verfolgt hatten, ließen das Mädchen erschrocken aufblicken.
Es starrte auf den Rücken eines weißhaarigen Jungen in einer grünlichen Rüstung, der kaum älter war als sie selbst. Blut tropfte von der Klinge seines Katanas und jene Shinobis, die dem Mädchen das Leben nehmen wollten, lagen nun regungslos auf dem Boden.
„Wer ein Kind töten möchte, hat kein Recht zu leben!“ Der Junge drehte sich zu dem Mädchen um und als er feststellte, mit wem er es zu tun hatte, stand ihm der Schock ins Gesicht geschrieben. Uchiha!
Auch das Mädchen schien sofort begriffen zu haben, wer er war. Ängstlich besah es sein Gegenüber und presste seine Lippen aufeinander.
Ein Moment des Schweigens.
Dann fiel es in einer demütigen Verbeugung auf seine Knie. „Habt vielen Dank, Senju-sama“ Sein Körper bebte, als es sich wieder aufsetzte und etwas aus seinem Oberteil holte.
Der Junge beobachtet es misstrauisch und schien gerade nicht zu wissen, was er nun tun sollte. Hatte er diese Männer getötet, um nun selbst das Blut des Mädchens an seinen Händen kleben zu haben?
„Tobirama!“ Rief eine strenge Stimme aus der Ferne. Erschrocken fuhr der Junge zusammen und warf einen knappen Blick über seine Schulter.
„Verschwinde von hier! Ich werde die Erwachsenen ablenken!“ Sagte er und wollte gerade davonlaufen, als das Mädchen seinen Arm festhielt. Mit einem Lächeln drückte es ihm ein kleines Bündel in die Hand. „Danke, Tobirama-kun“, sagte es schwach.
Tobirama hielt inne und musterte das Bündel. „Verschwinde!“ Wiederholte er, riss sich von dem Uchiha Mädchen los und verschwand hinter den dichten Bäumen.
“Tobirama...“ Flüsterte das Mädchen seinen Namen. Hoffentlich würde es diesem Jungen nie wieder begegnen…
Die Front
Hashirama nippte an einer warmen Tasse Tee und blickte zufrieden aus dem Fenster. Durch das Bündnis zwischen dem Uchiha-Clan und dem Senju-Clan war er seinem Traum ein Stückchen näher gekommen. Er wollte gemeinsam mit Madara das erste Shinobi-Dorf gründen und einen Ort erschaffen, indem Kinder ohne Krieg aufwachsen konnten.
Noch herrschten außerhalb der Grenzen ihres Lagers blutige Kriege, jedoch glaubte Hashirama daran, das Töten durch die Gründung eines Shinobi-Dorfes endgültig zu beenden.
Mit einem lauten Knall wurde die Tür seines Büros geöffnet und ein Mann mit hellen Haaren stampfte herein. Er blieb letztendlich vor dem Schreibtisch des Clanoberhauptes stehen und verschränkte streng seine Arme vor seiner Brust.
Die roten Irden funkelten dem Älteren zornig entgegen und entlockten diesem sogleich ein Seufzen.
„Ich nehme an, du bist hergekommen weil du möchtest, dass ich meine Entscheidung revidiere“, Hashirama hatte eine Entscheidung getroffen und dabei würde es auch bleiben.
„Meine Antwort lautet ‘Nein’, Otouto“ sagte er seufzend und rechnete bereits mit Gegenwehr.
Tobirama war ein junger Shinobi mit viel Potential. Bereits als Kind hatte er es mit diversen Erwachsenen aufgenommen und heute eilte ihm ein entsprechender Ruf voraus. Es gab nicht mehr viele Shinobis, die es mit dem jungen Senju aufnehmen konnten. Jedoch hatte Tobirama eine große Schwäche: er war mindestens genauso temperamentvoll und unbändig wie Madara.
Außerdem befürchtete Hashirama manchmal, dass ihm seine Kraft zu Kopf gestiegen war und er seine Gegner vielleicht unterschätzen könnte.
„Was soll das, Anija?! Möchtest du mir in den Rücken fallen und mich der Lächerlichkeit preisgeben?“ Fragte er wie erwartet zornig.
„Nein, Tobirama. Wir brauchen tatsächlich jemanden, der sich auf die Shinobi-Ausbildung der Kinder konzentriert und ihnen die Ninjakünste näher bringt. Nichts ist wichtiger als die neue Generation und deshalb möchte ich dir diese Aufgabe anvertrauen“, erwiderte Hashirama und irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass er gerade vor dem Beginn einer nichtendenwollenden Diskussion stand.
„Willst du mich eigentlich verarschen?!“ Wütend donnerte Tobirama seine Faust auf den hölzernen Tisch und verschüttete den Tee seines Bruders.
„Ich weiß genau was hier läuft, Anija!“ Bei diesem Satz bildeten sich kleine Schweißperlen auf Hashiramas Stirn. Oh je…
„Du möchtest mich wegen dem verfluchten Uchiha wegschicken! Dachtest du etwa tatsächlich, dass ich das nicht durchschaue?!“ Jap, sein Otouto kannte ihn leider zu gut und hatte ihn glatt durchschaut. Nervös begann Hashirama zu lachen.
„Ach was! Das bildest du dir nur ein“, winkte er ab und bemerkte, dass der Jüngere umso wütender wurde. Wenn Tobirama wüsste, wie sehr er ihn damit an ihren Verbündeten erinnerte…
„Das ist ja nicht zu fassen! Wenn du mich schon wegschickst, dann schick mich wenigstens an die Front und nicht zum Babysitten!“ Beschwerte der Jüngere sich lauthals und entlockte Hashirama ein genervtes Seufzen.
„Jetzt halt mal die Luft an!“ Unterbrach Hashirama seinen Bruder. „Das kommt gar nicht in Frage! Ich habe schon Kawarama und Itama verloren, soll ich dich auch noch verlieren?!“ Tobirama verdrehte genervt seine Augen. Manchmal sprach Hashirama, als wären die Beiden nicht auch seine Brüder gewesen.
„Anija, ich bin ein Shinobi und kein Kind!“
„Denk nach Tobirama, wir befinden uns gerade inmitten der Verhandlungen mit den Feudalherren. Wenn alles klappt, können wir im Frühling beginnen das Dorf aufzubauen! Allerdings werden wir keinen Schritt weiterkommen, wenn Madara und deine Diferenzen dauernd im Vordergrund stehen. Im schlimmsten Fall, löst Madara noch das Bündnis auf! Möchtest du das?!“ Tobirama schien kurz über seine Worte nachzudenken.
„Dann schick‘ mich an die Front, aber mach‘ mich nicht zum Babysitter!“ Hashirama hatte schon vermutet, dass er seinen jüngeren Bruder nicht so schnell von einem Dasein als Sensei überzeugen konnte. Tobirama hasste den Krieg und dennoch schien sein Stolz ihn daran hindern zu wollen, friedlich im Lager zu leben und sich anderen Aufgaben zu widmen.
„Weißt du warum ich dieses Dorf überhaupt aufbauen möchte, Tobirama?“ Fragte er den Jüngeren, doch bevor dieser zu einer Antwort ausholen konnte, sprach Hashirama weiter.
„Für unsere Familie und vor allem für dich, Otouto. Mein Traum ist es, dass wir alle in Frieden zusammenleben können. Ich möchte sehen, wie Kinder erwachsen werden und ich möchte auch dich glücklich sehen. Nur weil Mito schwanger ist, hat sich nichts an meinen Gefühlen für dich geändert“, erklärte Hashirama bitter und wollte seinen Bruder gerade in eine herzerwärmende Umarmung ziehen, jedoch drückte selbiger ihn mit aller Kraft auf seinen Stuhl zurück.
„Musst du immer emotional werden?!“ Fauchte Tobirama genervt.
„Es ist die Wahrheit, Otouto. Deswegen möchte ich unser Bündnis mit den Uchihas nicht gefährden und deshalb...“ eine weitere Person betrat wie selbstverständlich den Raum und betrachtete die beiden Brüder skeptisch.
„Hashirama, ich dachte, du hast das bereits mit dem da erledigt“, riss Madara die Aufmerksamkeit auf sich. Pure Abscheu begleitete die Worte des Uchiha Clanoberhauptes.
Gereizt drehte der jüngere Senju sich zu dem Schwarzhaarigen um und Hashirama machte irgendwelche Zeichen hinter seinem Rücken, um Madara zu deuten, dass er noch nicht soweit war. Jedoch erntete er dafür nur einen verständnislosen Blick von dem Uchiha.
„Verpiss dich, Uchiha!“ Zischte Tobirama genervt.
„Und was ist wenn nicht, Senju?“ Fragte Madara provokant und ein unheilvolles Grinsen legte sich auf seine Lippen. Der jüngere Senju sollte ihm ruhig einen Grund geben ihn anzugreifen und er würde sich für Izunas Zustand rächen. „Beruhigt euch Jungs!“ Hashirama hatte scheinbar die Anspannung in der Luft wahrgenommen und richtete sich von seinem Stuhl auf, ehe er bestimmend eine Hand auf die Schulter seines jüngeren Bruders legte.
„Halt die Klappe, Anija!“ Keifte dieser sogleich und enttäuscht setzte Hashirama sich zurück auf seinen Platz. „Wie wäre es, wenn wir uns alle zusammen hinsetzen und einfach mal offen über all die Dinge reden, die uns am jeweils Anderen nicht gefallen? Vielleicht ist eine Zusammenarb-“
„Nein!“ Unterbrachen Madara und Tobirama ihn sogleich. Verzweifelt seufzte Hashirama. Die beiden waren wie Hund und Katz’… Was sollte er nur tun?
„Geliebter, möchtet Ihr Euch soetwas tatsächlich von Eurem Otouto gefallen lassen?“ Unbemerkt hatte Mito Uzumaki den Raum betreten. Ihre Hände lagen behutsam auf ihrem runden Bauch und sie warf einen fragenden Blick in die Runde.
Prinzessin Mito war Hashiramas große Schwäche, vor allem jetzt wo sie sein Kind austrug, sollte man eine Auseinandersetzung mit ihr meiden. Denn wer Mito aus der Fassung brachte, bekam es mit Hashiramas Zorn zutun.
Besorgt sprang das Oberhaupt der Senjus auf und stützte seine schwangere Frau.
„Mito, du sollst dich doch ausruhen“, tadelte er die junge Uzumaki und schon waren Madara und sein Bruder in Vergessenheit geraten. Ein genervtes Seufzen entkam Tobirama.
„Hashi-“
„Es gibt nichts weiter zum besprechen, Otouto. Die Kinder warten schon, also geh und mach‘ was ich dir sage!“ Beendete Hashirama harsch die Diskussion.
„Na toll!“ Tobirama wusste, dass weitere Diskussionen verlorene Liebesmühe war. Mito war da und jetzt wo sie schwanger war, gab es für seinen Anija nichts wichtigeres als das ungeborene Kind. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie es sein würde, wenn das Kind erst einmal das Licht der Welt erblickte. Ohne weitere Widerworte verließ Tobirama den Raum und ignorierte den triumphierenden Blick von Madara.
„Uchihas...“ Murmelte er gereizt.
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„Izuna-san, Euer Bruder hat das Training bis auf weiteres untersagt!“ Tatsuki versuchte den jüngeren Bruder des Clanoberhauptes zur Vernunft zu bringen, aber Izuna konnte manchmal unheimlich stur sein. Er hatte sein Augenlicht verloren und seine Verletzung konnte nicht vollständig geheilt werden, wodurch sein Dasein als Shinobi eindeutig beendet war.
Izuna kannte das Anwesen mittlerweile wie seine Westentasche und konnte sich darin problemlos fortbewegen, wenn man keine Gegenstände an ungewöhnlichen Orten abstellte. Auch im Lager fand Izuna sich mittlerweile einigermaßen trotz seiner Blindheit zurecht.
Jedoch war es wohl mehr als offensichtlich, dass er einen Kampf ohne sein Augenlicht wohl kaum überleben würde. Hinzu kommend war er durch seine Verletzung körperlich eingeschränkt und sogar kleinere Anstrengungen setzten ihm hart zu.
„Lass ihn, das ist zwecklos. Izuna ist mindestens genauso dickköpfig wie sein Bruder“, nuschelte Tajima während er unbekümmert an seinem Tee nippte und das Szenario belustigt aus dem Augenwinkel beobachtete. Jedoch hatte Tatsuki keine Zeit, um darauf genauer einzugehen. Angestrengt hielt sie den Gleichaltrigen an dem Ärmel seines Kimonos fest.
„Izuna-san, bitte“, ihre dunklen Augen richteten sich auf den Zweitgeborenen und tatsächlich hielt er für einen Moment inne.
„Weißt du eigentlich mit wem du es hier zutun hast?“ Fauchte er aggressiv und befreite sich mit einem Ruck aus ihrem Griff. „Wenn du mich noch einmal anfässt, wirst du was erleben!“ Seine Mimik verfinsterte sich und ohne auf eine Antwort zu warten, verließ er das Anwesen. Die junge Kunoichi blickte Izuna einen Momentlang hinterher.
Der Clanoberhaupt hatte ihr befohlen, sich um seinen jüngeren Bruder zu kümmern. Leider war Izuna alles andere als pflegeleicht.
Er konnte seine Niederlage als Shinobi einfach nicht einsehen und sträubte sich gegen jedwede Behandlung.
Sie wollte keine Behauptungen aufstellen, jedoch glaubte Tatsuki, dass Izuna seine Entscheidung bereute. In einem heldenhaften Akt hatte er seinem Bruder sein Sharingan übergeben und somit auch sein Schicksal besiegelt. Vielleicht hatte Izuna nicht damit gerechnet, dass dadurch auch seine Karriere als Shinobi beendet wurde.
„Folge ihm, Tatsuki“, die strenge Stimme von Izunas Vater riss sie aus ihren Gedanken und ohne große Umschweife gehorchte sie.
Jedoch entschied Tatsuki sich dazu, einen gewissen Abstand zu Izuna zu behalten. Er schien gerade ein wenig Freiraum zu benötigen und den würde sie ihm auch lassen.
Sie stand Izuna mit gemischten Gefühlen gegenüber. Denn einerseits bemitleidete sie ihn, andererseits behandelte er sie schlecht und würdigte ihre Bemühungen nicht, weshalb er ihr ziemlich unsympathisch war.