Nur in Träumen
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Der Tag war anstrengend und nervenaufreibend für Tim und seinen schneeweißen Fox Terrier Struppi gewesen. Es war nicht einfach in seinem Beruf ehrlich zu sein.
Es bedurfte schlichtweg mehr, als nur die Fähigkeit gut mit Worten jonglieren zu können, die richtigen Fragen zu stellen und am Ende alles hübsch in einem Artikel zu verpacken. Tim wollte seinen Ruf als ehrlichen und berühmten Reporter stets gerecht werden. Daher untersuchte er jedes Indiz einer guten Geschichte haargenau und brachte sich und seinen Hund, hin und wieder sogar seine Freunde, dabei häufig in Lebensgefahr.
Heute war einer dieser Tage gewesen, an denen Tim wieder einmal mit seinem Leben gespielt hatte. Zum Glück war alles glimpflich ausgegangen, weswegen er es sich nun erlauben konnte sich zuhause in der Labradorstraße sechsundzwanzig zu erholen. Müde von den Ereignissen der letzten Stunden war er recht früh zu Bett gegangen und hatte doch noch eine Weile nachdenklich wach gelegen, ehe ihn die Müdigkeit übermannte.
Rasch fand er sich in einem seiner üblichen, sehnsüchtigen Träume wieder. Er träumte wieder von dieser wunderschönen, sehr üppigen, brünetten Frau mit den großen, rehbraunen Augen, welche den klangvollen Namen Krys Thine trug und in einer ganz anderen Dimension lebte. Er kannte sie schon seitdem sie ein kleines Mädchen von sechs Jahren war.
Nicht nur er kannte sie, sondern seine ganze Heimat und auch seine Freunde wussten, wer sie war. Er wusste alles aus ihrem Leben und er wusste auch, wie sehr sie sich nach ihm sehnte.
Tatsächlich ging es ihm genauso. Er hatte ihr beim Aufwachsen zugesehen und sich langsam, aber stetig, je älter sie wurde, unsterblich in sie verliebt.
Tim sehnte sich genau so sehr nach ihr, wie sie sich nach ihm. Doch eine Zusammenkunft war vollkommen ausgeschlossen, da sie in einer anderen Welt lebte. Wenigstens in seinen Träumen konnte er mit der Liebe seines Lebens zusammen sein.
Genau wie in dem jetzigen Traum. Nur zu deutlich konnte er hier ihre Gedankengänge hören, ihre Gefühle für ihn spüren und sogar ihre Berührungen auf seiner Haut wahrnehmen.
Hier, in diesem Raum wo sie sich immer wieder trafen, waren sie sich nah und lebten ein glückliches Leben. Wie sehr er sich wünschte, dass dies irgendwann wahrhaftig so sein würde.
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Auf der anderen Seite
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Tief in der Nacht schreckte Krys aus dem Schlaf und starrte mit weit aufgerissenen Augen ihrer in nachtblau gehüllter Decke entgegen. Ihr schlug das Herz bis zum Hals und sie spürte, wie eiskalter Schweiß ihr das schwarze, kurze Negligé regelrecht an ihr kleben ließ.
Ihre rehbrauen Augen waren nach wie vor starr an die Decke gerichtet und nur das Licht der Straßenlaternen schimmerte durch ihre dunkelroten Vorhänge. In ihrem Kopf spukten die Ereignisse des Albtraums, der sich unglaublich echt angefühlt hatte, herum.
Krys‘ Atem ging unkontrolliert und kurz. Es war, als würde sie noch immer unter der Demütigung und Panik leiden, die ihr Traum beherrscht hatte. Doch das war zum Glück absoluter Blödsinn, denn es war alles nur ein Traum gewesen. Ein sich viel realistisch anfühlender Traum.
Langsam und bedächtig richtete sie sich in ihrem Bett auf, atmete ein paar Mal tief durch und strich sich mit der flachen Hand übers Gesicht. Einige ihrer rotbraunen, langen Strähnen mit den pinken Spitzen hingen ihr im Antlitz und waren von dem Schweiß ein wenig feucht. Leicht ließ sie ihren Blick durch ihr spärlich beleuchtetes Schlafzimmer wandern und stellte dabei beruhigt fest, dass sie in ihrer Wohnung und somit sicher war. Zum Glück blieb das Erlebte nur ein Traum.
Sie drehte sich halb auf die Seite und angelte nach der Wasserflasche neben ihrem Bett. Sie leerte den letzten Rest mit wenigen Zügen, dabei hatte sie noch viel mehr Durst.
Das hieß wohl, sie würde nicht drum herum kommen ins Badezimmer zu gehen und dort ihre Flasche mit kaltem Wasser aufzufüllen. Wie ätzend.
Mühselig erhob sie sich aus dem Bett, verzichtete darauf ihre schwarzen Plüschpantoffeln für den kurzen Weg anzuziehen und ging Richtung Tür. Ihr Körper hatte sich bereits wieder etwas von den Strapazen des Traums erholt, worüber sie sehr froh war.
Mit einem Mal jedoch durchzuckte sie ein heftiger Schmerz, welcher eindeutig vom kleinen Zeh kam.
„Aua! Verdammt!“, fluchte Krys in lauteren Flüsterton, hob ihr Bein und hielt sich den schmerzenden Fuß. Sie hatte sich diesen an der Wandschrankecke gestoßen und versuchte nun durch Reibung den Schmerz zu verdrängen.
Das passierte ihr so gut wie jedes Mal, wenn sie im Dunkeln aus dem Bett stieg und das Schlafzimmer verlassen wollte. So richtig etwas daraus lernen tat sie jedoch nicht, da sie ständig nur beschloss nun vorsichtiger zu sein. Das Vorhaben hielt in der Regel nur einige Tage, denn im Laufe der Zeit vergaß sie das Passierte wieder und stieß sich kurz darauf wieder den Fuß an.
Müde tastete sie nun nach der Türklinke und drückte diese langsam runter, wobei ein lautes Quietschen ertönte und sie leicht das Gesicht verzog. Sie musste sich unbedingt ein Memo machen diese zu ölen.
Mit vorsichtigen Schritten verließ sie das Schlafzimmer, schloss die Tür leise hinter sich und gähnte anschließend herzhaft gegen diese. Warum sie versuchte, so leise zu sein wusste sie selber nicht wirklich, da sie alleine in ihrer Wohnung lebte.
Mit einem Schulterzucken wandte sie sich von der Tür ab und lief ein paar Schritte, ehe sie abrupt stehen blieb. Das Licht der Laternen der Straße erhellte auch ihre Küche, die neben dem Schlafzimmer lag, weshalb durch die offene Tür ein kleiner Lichtstrahl ihren Flur erreichte.
Mit einem Schlag war Christin hellwach und ihre rehbraunen Augen weiteten sich erneut voller Entsetzen. Ihr Herz pochte ein zweites Mal in dieser Nacht heftig gegen ihre Brust und sie konnte spüren, wie ihr Körper erstarrte.
In ihrem Flur stand eine männliche Gestalt und sie konnte durch den Lichtstrahl seine rechte Seite sehr deutlich erkennen. Sein Körperbau war schlank, sein Gesicht rundlich und doch von feinen Zügen geprägt, seine Augen besaßen ein herrliches Himmelblau und seine Haare waren rötlich.
Sogar seine Kleidung konnte sie farblich erkennen und bemerkte beim Mustern, dass er einen hellblauen Pullover, darunter ein weißes Hemd und hellbraune Hosen trug, während seine Socken schwarz wie die Nacht waren und seine Schuhe dunkelbraun.
Zurückblickend in seine Augen wurde ihr bewusst, wen sie da vor sich hatte, doch das war schlichtweg unmöglich. Er war nur eine Fiktion Hergés und konnte somit nicht in ihrer Welt wahrhaftig existieren.
Wie hätte das also möglich sein können?
Ihr Herz schlug aufgeregt in ihrer Brust, was ihr beinahe schon wehtat. Geschockt von dieser unwirklichen Tatsache, dass Tim gerade in ihrem Flur stand, ließ sie ihre leere Wasserflasche zu Boden fallen und achtete dabei nicht darauf, wo sie hin rollte.
Hingegen folgte Tim der Flasche kurz mit den Augen, ehe diese sich wieder Krys zuwandten. Tief atmete sie durch und versuchte sich damit zu beruhigen. Hart schluckte sie und nahm ihren ganzen Mut zusammen.
Zu dem Schock gesellte sich nun Verlegenheit, Hoffnung und Nervosität, da sie schon als kleines Mädchen unsterblich in Tim verliebt war.
„I-Ist… ist das… ein Traum? Oder bist du wirklich hier?“, war das Einzige, was sie in diesem Moment mit belegter Stimme hervorbrachte.
Kaum hatte sie dies gefragt, kam sie sich unglaublich dumm vor, ausgerechnet diese Frage als erste Worte gewählt zu haben. Es war jedoch einfach so aus ihr herausgeplatzt.
Abgesehen davon trafen sich Tim und Krys in ihren Träumen regelmäßig, um wenigstens dort zusammen sein zu können. Trotzdem sollte dies ihr echtes erstes aufeinandertreffen sein, so hatte sie echt miese Worte gewählt, um ihn in ihrer Welt zu begrüßen.
Obendrein wäre es ihr eh lieber gewesen ein Teil von seiner Welt zu sein und somit ihre viel zu schmerzhafte Realität verlassen zu können.
Langsam trat Tim auf sie zu und stand nur wenige Wimpernschläge später ganz dicht vor ihr, woraufhin in ihrem dicklichen Bauch tausende Schmetterlinge zu tanzen begannen. Tief blickte er mit seinen sanften Augen in ihre und hob die Hand zu ihrer Wange, um ihr eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.
Ohne den Blick von Tims wunderschönen Augen zu nehmen, schmiegte sie ihr Gesicht leicht seiner Hand entgegen, woraufhin er verliebt zu lächeln begann. Seine warme Haut an ihrer Wange ließ einen heißen Stromstoß durch ihren sehr üppigen Körper gehen und die Schmetterlinge in ihrem Bauch noch wilder tanzen.
„Ich wünschte ich könnte es verneinen, meine Nixe. Aber… es ist nur ein Traum, wie immer“, flüsterte er ihr nun zärtlich sowie bedauernd zu und kam ihrem Gesicht mit seinem näher, woraufhin sie noch aufgeregter wurde.
Das war eine herbe Enttäuschung. Doch gleichzeitig war sie glücklich ihn wieder in ihrem Traum treffen zu können.
Wenigstens hier in dieser Zwischenwelt von Raum und Zeit konnten sie sich sehen, miteinander reden, berühren und lieben.
Sachte hob sie nun ihre Hände, legte sie zärtlich an seine starken Schultern und fühlte dabei seine herrliche Körperwärme. Daraufhin schob er seine Hand in ihren Nacken und legte den anderen Arm um ihre füllige Taille, ehe er sie in dieser Haltung an seinen Körper drückte. Seine Handlung bescherte Krys eine wohlige Gänsehaut, ließ sie nun mutiger ihre dicklichen Arme um ihn schließen und mit einer Hand durch sein butterweiches Haar gleiten.
In diesem Moment bedurfte es einfach keinerlei Worte mehr, um zu verdeutlichen, wie tief die Gefühle der beiden füreinander waren. Das hatte es im Grunde noch nie wirklich gebraucht, obwohl es Momente gab, wo sie sich in Liebeschwüre füreinander verloren.
Trotzdem Tim ihr versicherte, dass es ein Traum war, fühlte sich all das in diesem Augenblick so real für sie an. Es war, als hielte er sie so real wie nur möglich in seinen starken Armen und ließ alles in ihr vor Freude Samba tanzen.
Wobei es so oder so ein Fakt war, dass sich jedes Treffen mit ihm im Traum so real wie nur möglich anfühlte. Aber diese schürten auch die immense Sehnsucht in ihrem Alltag nach ihm, wenn sie beide den Traum wieder verlassen mussten.
Ihr eigener Herzschlag dröhnte gerade so laut in ihren Ohren das sie sicher war, dass Tim es hören konnte. Nicht nur dies. Sie hätte Brief und Siegel darauf geben können, dass er sogar ihren Herzschlag an seiner harten Brust spüren konnte.
Ihre Lippen waren jetzt nur noch wenige Millimeter voneinander entfern und sie konnte deutlich seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Der Abstand war rasch überwunden, denn nur einen Herzschlag später verschloss Tim nun ganz sanft ihre Lippen mit seinen.
Augenblicklich durchzuckte Krys in diesem Moment ein unglaublich elektrisierendes Gefühl. Die Schmetterlinge tanzten nun nicht mehr vereinzelt in ihrem Bauch, sondern hatten sich zu einem einzigen riesigen Schwarm zusammengeschlossen, um gemeinsam wild mit den Flügeln zu schlagen. Unbändige Liebe und Zuneigung stieg in ihr auf und sie wollte ihn alles nur zu gerne davon durch den Kuss spüren lassen.
Der Kuss war sanft und innig zugleich, da Krys ihn schon nach wenigen Sekunden intensiviert hatte. Allerdings achtete sie darauf immer noch zärtlich dabei zu bleiben.
Sie wollte nicht gleich sofort in die vollen gehen. Dafür war später noch genug Traumzeit vorhanden.
Tim schien der nun mehr innige Kuss mehr als zuzusagen, da er nun fordernder wurde und dies sich nicht nur im Kuss widerspiegelte. Er hatte sie sachte gegen die Wand zwischen Schlafzimmer und Küche gedrängt und seinen athletischen Körper eng an ihren weichen, fülligen Leib gepresst, wobei Krys‘ Hände begehrend über seinen Rücken und seine Schultern streichelten.
Erforschend strich er nun mit seiner Zunge über ihre vollen Lippen und sie konnte bei dieser Bitte nicht widerstehen. Bereitwillig öffnete sie diese für ihn und spürte, wie er neugierig mit seiner Zunge in ihren Mund eindrang, um nach ihrer zu suchen.
Aufgeregt stupste sie nun mit ihrer Zungenspitze gegen seine und ließ zu, dass er sie zu einem liebevollen Spiel animierte. Ihre ganze Welt wurde durch seine Leidenschaft und Nähe aus den Angeln gehoben. Für sie existierten nur noch sie beide in ihrem Mikrokosmos.
Tim strich bei diesem leidenschaftlichen Kuss mit der Hand zärtlich über ihre Seite und drängte sich ihr noch ein wenig mehr entgegen. In ihren Träumen hatten sie sich schon unzählige Male so geküsst, waren sich so nah gewesen und hatten sich auch voller Leidenschaft geliebt. Und jedes Mal davon genoss Krys in vollen Zügen.
Noch immer spielten ihre Zungen innig miteinander und keiner von beiden schien es wirklich beenden zu wollen. Erkundend glitten ihre Hände über seine Schultern und seinen Rücken, wobei ihr beinahe schwindelte. Sie konnte durch den Stoff ertasten wie unverschämt gut gebaut er war.
Unweigerlich durchzuckte sie ein weiterer heißer Stromstoß, welcher es anrüchig in ihrem Schoß ziehen ließ. Tim war einfach unwiderstehlich.
Ganz langsam jedoch ließ Tim das feurige Spiel ihrer Zungen abebben, um anschließend kleine Küsse auf ihre Lippen zu hauchen. „Mmmh, ich werde dir die ganze Nacht huldigen, meine Göttin.“
Noch immer voller Hochgenuss hielt Krys die Augen geschlossen und lauschte verliebt seiner herrlichen warmen Stimme. Im nächsten Moment begann sie verschmitzt zu schmunzeln, fühlte ihr Herz voller Glückseligkeit hüpfen und nickte ihm zu. „Oh, ja, bitte, tu es die ganze Nacht.“
Ein weiterer Kuss wurde seinerseits auf ihre Lippen gedrückt und sie hörte Tim anschließend verträumt gegen ihre Lippen säuseln: „Ich liebe dich, Nixchen.“
„Ich liebe dich auch, Füchschen“, gab sie glücklich von sich und fand sich kurz darauf in einem weiteren leidenschaftlichen Kuss mit ihm wieder.
Innig schlang sie ihre Arme um ihn, schmiegte ihren dicken Körper an seinen schlanken, gutgebauten und gab sich ihm vollkommen hin. Es war jedoch die plötzliche Helligkeit die Krys die Augen noch mehr zusammenkneifen ließ.
Die blutrote Farbe, die sie durch ihre Augenlider sah, war im Moment alles andere als angenehm. Dieses Mal war es daher sie, die den Kuss abklingen ließ und anschließend löste. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und riss diese nur Millisekunden später erstaunt auf.
Die Nacht hatte sich in den Tag verwandelt und ihr Flur war gegen das Wohnzimmer von Tim getauscht worden. Im Körbchen neben dem Kamin schlief seelenruhig Struppi.
Von ihrem Blickwinkel aus betrachtet stand sie genau an der Wand zwischen Schlaf- und Arbeitszimmer.
Tim sah sie nun verschmitzt lächelnd an und zwinkerte ihr zu. „Willkommen zu Hause.“
Ja, hier fühlte sie sich wirklich zu Hause. In seiner Welt.
Krys begann übers ganze Gesicht zu strahlen, sah kurz jedoch prüfend an sich runter und stellte fest, dass sie noch immer ihr schwarzes Negligé trug. Etwas, das sie amüsiert grinsen ließ.
Immerhin waren sie im Traum der Gabe mächtig einfach ihre Kleidung, die sie trugen, ohne Aufwand zu wechseln. Aber das war im Moment nicht nötig, denn sie wusste, dass sie schon bald splitternackt unter ihm im Bett liegen würde.
„Ah, ja, das ist doch schon viel angenehmer als meine Wohnung.“ Verliebt kuschelte sie sich an ihren Tim und schloss ihre Arme eng um seine Schultern.
Auch er hielt sie fest in seinen Armen und küsste ihre Stirn. „Nichts gegen deine Wohnung, die ist eigentlich ganz hübsch, aber… na ja, als dein Mann weiß ich eben, wo du dich wirklich zuhause fühlst.“
Amüsiert kicherte Krys daraufhin und nickte zustimmend. „Ja… das weißt du wirklich, mein Herz.“.
Vielleicht würde sich ihr eines Tages ein Weg erschließen, wie das alles in der Realität möglich werden könnte. Da war so ein Gefühl in ihr seit Jahren, Jahrzehnten ihres Lebens, dass etwas in ihr schlummerte und nur darauf wartete sich ihr zu offenbaren, damit das wahr werden konnte
Doch bis dahin war es ganz gleich ob Realität oder Traum. Sie war glücklich mit Tim und daran würde sich nie und nimmer etwas ändern.
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Wie immer allein
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Der Morgen graute und die Sonnenstrahlen fielen durch das verhangene Fenster ins Schlafzimmer. Tim öffnete nur sehr langsam seine noch schweren Augenlider, um einige Male müde zu blinzeln.
Rasch realisierte er jedoch, wo er war, und seufzte anschließend unzufrieden auf.
„Wieder nur ein Traum…“, murmelte er in die frühen Morgenstunden hinein, als ihm dies schmerzlich bewusstwurde und er sah, dass Krys wieder nicht bei ihm lag.
Sein Blick wurde wehmütig, ehe er gähnen musste und sich schließlich schwerfällig aufrichtete. Tims Herz war bleischwer und kellertief atmete er aus, während er dem Traum hinterher hing.
Sehnsuchtsvoll starrte er auf seine Bettdecke. Ein Stoßgebet nach dem anderen schickte er zum Himmel und betete für eine baldige Zusammenkunft mit seiner geliebten Frau. Sein Herz verzehrte sich nach ihr und jeder weitere Tag ohne sie an seiner Seite in der Realität wurde eine Tortur für ihn.
Nichts wünschte er sich sehnlicher, als endlich mit ihr zusammen sein zu können. Tim ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass seine Wünsche und Hoffnungen bald in Erfüllung gehen würden.
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Eine Haddock?!
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Da war er nun zusammen mit Struppi mitten in ein neues Abenteuer geschlittert.
Wie hatte er sich nur wieder in diesen Schlamassel hineinmanövriert?
Dabei hatte er doch nur einen Spaziergang über den Flohmarkt gemacht und dort dieses wirklich hübsche Modell eines Schiffes, mit dem klangvollen Namen Einhorn, erstanden. Er hätte nicht gedacht, dass ihm genau dieses Modell zum Verhängnis werden würde.
Allerdings hatte ihn das rege Interesse eines Amerikaners auf dem Flohmarkt schon stutzig gemacht. Dann noch das Auftauchen von Sakharine und die spätere Feststellung, dass dieser bereits ein Modell der Einhorn besaß.
Dies hatte Tim nur herausgefunden, weil er sich unerlaubterweise auf Schloss Mühlenhof herumgetrieben und nach Spuren der Familie Haddock gesucht hatte. Zuletzt fand er nach einem Einbruch in seine Wohnung das Pergament mit dem Gedicht. Kurz darauf wurde auch noch der Amerikaner, der ihm das Schiffsmodell schon auf dem Flohmarkt abkaufen wollte, zu später Stunde direkt auf seiner Haustürschwelle niedergeschossen.
Rückblickend sah Tim es wohl einfach als seine Pflicht, als guter und ehrlicher Reporter, dieser brisanten Geschichte auf den Grund zu gehen. So war es am Ende seine Neugier gewesen, die ihn hierhergebracht hatte.
Selbst schuld, wie man so schön sagte.
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Nun lief er gemeinsam mit Kapitän Archibald Haddock, der das eigentliche Kommando der Karaboudjan innehatte, durch die unteren Decks des Schiffes. Die Crew hatte Tim entführt und auf dieses verschleppt.
Zum Glück hatte Struppi die Verfolgung aufgenommen, sich an Bord geschlichen und schlussendlich seine Fesseln zerbissen. Durch eine Idee, die Tür zu verriegeln, Champagner Flaschen mit gelockerten Korken als Abwehr aufzustellen und sich behände einen improvisierten Haken, aus einem Holzbrett und einem Seil, zu basteln, hatte Tim es geschafft sich in die Kabine über den Frachtraum, in dem er gefangen gehalten wurde, zu hangeln. So traf er auf den Kapitän.
Diesen hatte Tim nach seinem geglückten Fluchtversuch aus dem Frachtraum kennengelernt und festgestellt, dass dieser von seiner eigenen Crew gestürzt worden war. Einzig und allein, weil ein reicher Mann seiner Crew viel mehr Geld bot, als Haddock besaß.
Sie liefen gerade einen Gang entlang, von dem aus eine Treppe zum oberen Deck führte, als Tim abrupt wenige Meter vor dem Treppenabsatz stehen blieb. Unachtsam stolperte der Kapitän beim Trinken aus seiner Whiskyflasche über seine eigenen Füße und lief dabei in Tim hinein. Was diesen ein wenig entnervt mit den Augen rollen ließ.
Als Haddock sich wieder einigermaßen auf den Füßen halten konnte und bemerkte, wie Tim in die vermeintliche Stille hineinlauschte, erkundigte er sich neugierig: „Was ist los? Warum bleiben Sie stehen?“
„Hören Sie nicht die Musik?“, stellte Tim verwundert die Gegenfrage und hörte den zärtlichen Klängen eines Pianos zu, auf welchem Beethovens Mondscheinsonate gespielt wurde.
Man konnte diese unmöglich überhören, da sie recht nah an der Quelle sein mussten.
Der Kapitän jedoch schüttelte den Kopf. „Nein, ich höre nichts-“
Schlagartig entglitten Haddock die Gesichtszüge und er wandte sich nun voller Schrecken in die Richtung, aus der die Musik kam.
„Tausend jaulende Höllenhunde!“ Haddock rannte fluchend in die Richtung, aus der diese Melodie kam.
Mit geweiteten Augen und einem perplexen Gesichtsausdruck sah Tim dem Kapitän nach. „Warten Sie, Kapitän!“
Auf seinen entsetzten Ruf reagierte dieser jedoch überhaupt nicht, weshalb Tim sich gezwungen sah ihm zu folgen.
Wenige Minuten später standen die beiden vor der Tür, hinter der das Piano so dramatisch gespielt wurde. Ohne zu zögern, griff Haddock an die Klinke und drückte sie energisch hinunter, woraufhin bei Tim die Alarmglocken schrillten.
So viel Unvorsichtigkeit hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht erlebt!
Tim schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass hinter der Tür keine böse Überraschung auf sie lauerte. Immerhin war im Moment jeder auf diesem Schiff ein Feind.
Der Kapitän stürzte in den Raum hinein, woraufhin die Melodie augenblicklich verstummte. Als die Tür vollständig geöffnet war gab sie den Blick auf eine junge, brünette Frau in einem knielangen, weinroten und dreiviertelärmeligen Kleid sowie roten Pumps frei, welche mit einer Haarbürste bewaffnet und zum Angriff bereit vor dem Klavier stand.
„Mein Delfinchen“, kam es hörbar erleichtert von Haddock, woraufhin er nun gänzlich in die Kajüte eintrat.
Der Blick der jungen Frau wurde schlagartig sanfter und zu Tims Erstaunen fiel sie dem Kapitän ebenfalls sichtlich erleichtert um den Hals. „Papa!“ Sie schmiegte sich an ihn und vergrub für den Moment ihr Gesicht in seiner Halsbeuge.
Krys Thine!
Das war die Göttin der Liebe, Krys Thine!
Seine Krys!
Das musste einfach sie sein. Er spürte es tief in seinem Herzen, dass diese Frau vor ihm die war, die er seit Jahrzehnten über alles liebte.
Aber… sie sah anders aus. Es war definitiv ihr bildhübsches Gesicht, aber sie war schlanker und auch jünger.
Warum erschien sie hier in dieser veränderten Aufmachung?
Sie war doch so eine wunderschöne und atemberaubende Frau. Ganz gleich, dass ihre eigentliche Statur sehr viel üppiger war und sie in ihrem Ursprungsuniversum die dreißig Jahre schon überschritten hatte.
Für Tim war sie das schönste Geschöpf aller Zeiten, aller Welten und Universen. Sie war seine Krys und das egal in welcher Gestalt.
Allerdings konnte er sich schon denken, warum sie ihr wahres Aussehen hinter dieser Fassade versteckte. Immerhin war sie in ihrer eigentlichen Welt wegen ihrer Fülle ständig abgelehnt worden, weil jeder nur vom Klischee ausging. Dabei litt sie an einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung.
Unwichtig. Für ihn war Krys perfekt und das mit all ihren Makeln. Vielleicht sogar gerade wegen dieser.
Außerdem, was hatte sie da gerade gesagt?
Er war ihr Vater?
Hatte er vorhin nicht gesagt, dass er der Letzte der Haddocks sei?
Oder meinte er damit nur der Letzte der männlichen Vertreter seiner Blutlinie?
Offenkundig hatte sich Krys für dieses Universum Kapitän Haddock als ihren Wahl-Vater ausgesucht. Und mit ihm zusammen dessen Familiengeschichte.
Kurz sah Tim sich prüfend auf dem Gang um, huschte kurz darauf in den Raum hinein und schloss die Tür hinter sich, ehe er sich den beiden wieder zuwandte. Sein Blick blieb jedoch erstaunt, da er nach Haddocks Aussage nicht erwartet hatte ein weiteres Mitglied seiner Familie anzutreffen. Krys‘ Anwesenheit in diesem Zusammenhang hin oder her.
„Oh, Papa, ich hatte mir schon Sorgen um dich gemacht“, sagte sie aufrichtig zu ihrem Vater und löste sich wieder aus seiner Umarmung, um ihn anschließend in Augenschein zu nehmen.
Vermutlich wollte sie sichergehen, dass die Crew ihrem Vater kein Leid zugefügt hatte.
Der Kapitän nickte leicht und strich ihr eine der vielen, tiefbraunen Strähnen aus dem Gesicht. „Ich mir auch um dich, mein kleiner Delfin.“
Tiefbraunes Haar. Eigentlich hatte Krys rotbraunes Haar mit pinken Spitzen.
Wortlos hatte Tim der Szenerie zugeschaut und wurde nun selbst Thema der Unterhaltung, da die einzigartigen und wunderschönen rehbraunen Augen seiner Krys sich auf ihn richteten. Sie musterte ihn ausgiebig von Kopf bis Fuß und wieder zurück, ehe ihr Gesichtsausdruck um einiges misstrauischer wurde. „Wer bist du? Und wag es nicht mich für dumm zu verkaufen.“ Sie hatte die Augen leicht zu Schlitzen verengt und schloss die Finger wieder fester um ihre Haarbürste.
Damit machte sie deutlich, dass sie ihm mit dieser eins überziehen würde, wenn er auch nur im Ansatz versuchen würde, ihr Märchen zu erzählen.
Überrascht sah Tim sie an und hob dabei seine hellen Augenbrauen. Diese Frage brachte ihn vollkommen aus dem Konzept.
Erkannte sie ihn nicht?
Nein. Das war unmöglich.
Diese Frau wusste nur zu genau, wer er war. Da war dieses Wissende in ihren Augen und auch diese gewisse Verspieltheit, die er so gernhatte.
Krys wollte offenbar Spielchen spielen und ihr Zusammenfinden spannender machen.
Oh, Tim liebte Krys ja so sehr. Es war ihm eine Freude dieses Spiel mit ihr zuspielen und so zu tun als ob. Mal sehen, wer das Spiel am längsten durchhielt.
„Mein Name ist Tim. Ihr Vater und ich haben uns durch Zufall, bei meiner Flucht, auf dem Schiff kennengelernt und wollen nun gemeinsam von hier fliehen“, antwortete Tim sehr gewissenhaft und freundlich, wobei er sogar die Hand grüßend ausstreckte.
Zeit für die ausführliche Geschichte würden sie später noch genug haben, denn er kannte Krys und wusste, dass sie keine Person war, die seine Aussage nicht hinterfragen würde. Was ihr gutes Recht war, wie er fand.
Allerdings… sie kannte sein Universum in und auswendig. Sie wusste alles, aber dennoch war sie auch eine Meisterin darin Geschehnisse seiner Zeitlinie so zu verändern, dass etwas ganz Neues entstand.
Was am Ende doch bedeutete, dass sie so oder so über die Geschehnisse sprechen würden, die hier her geführt hatten. Nur die Frage war, in welcher Situation sie sich dann befanden. Das blieb abzuwarten.
Ihr Blick wurde milder, weshalb sie prüfend zu ihrem Vater linste und dieser mit einem Nicken seine Antwort bestätigte.
Ihr Gesicht wandte sich anschließend wieder Tim zu, wobei sie langsam seine Hand zum Erwidern des Grußes, ergriff, woraufhin merklich ein wohliger Schauer durch sie ging, welchen er ebenfalls über seinen Rücken fließen fühlte. „Sehr erfreut, Tim. Ich bin Christin Helena Haddock, die Tochter des Kapitäns. Könnten wir das Siezen bitte sein lassen? Ich bin kein großer Freund dieser Floskel, wenn es nicht unbedingt sein muss.“
Christin Helena Haddock, huh?
So nannte sie sich hier also?
Nicht nur ihre Gestalt war eine andere, sondern auch ihr Name war neugewählt. Selbst, wenn ihr Vorname ihrem wahren Namen sehr ähnlich war.
Fein. Tim spielte ihr Spiel nur zu gerne mit.
Krys’ Tonlage und ihre Gesichtszüge waren um Welten freundlicher beinahe schon liebevoll geworden, als sie sich Tim so vorstellte. Bei ihren letzten Worten umspielten ihre vollen Lippen sogar ein kleines Lächeln, welches Tim erwiderte und auf ihre Bitte hin zustimmend nicken ließ.
Dieses wundervolle, freche Weib. Gott, wie Tim sie liebte.
Anschließend ließ sie seine Hand merklich widerwillig los und sah interessiert zu ihrem Vater.
Leicht neigte sie den Kopf fragend zur Seite. „Wie wollt ihr hier runterkommen? Die Jungs sind überall und Sakharine wird alles dafür tun, um uns festzuhalten.“ Ihr Blick wurde wenige Herzschläge später nachdenklicher und sie spielte mit einer Strähne ihrer hüftlangen Haare, während sie leise hinzufügte: „Wenn wir nur wüssten, warum sie uns wie Vieh einsperren.“
Auf diese Worte hin deutete Haddock mit einer Handbewegung auf Tim und meinte: „Der Kleine glaubt zu wissen, was der Sauertopf von uns will.“
Sofort wandten sich die rehbraunen Augen Krys’ wieder Tim zu, woraufhin dieser sich ein wenig straffte und mit ruhiger Miene zu ihr sah.
„So? Was will er und woher weißt du das?“ Krys war sehr interessiert an dieser Antwort und ließ dabei eine ihrer dunklen Augenbrauen Richtung Stirn wandern.
Tim strich sich über den Hinterkopf und sah Krys ernst ins Gesicht. Im Anschluss begann er mit seiner Ausführung, über das, was sie wissen wollte.
Er ließ dabei kein Detail aus und sprach davon, wie er das Pergament der Einhorn fand und dass er durch dieses Modell in diese missliche Lage gekommen war. Obendrein erzählte er ihr ein bisschen mehr von Sakharine und was er bereits über diesen und die momentanen Umstände herausgefunden hatte. Nämlich, dass es zwei Schiffsmodelle der Einhorn gab und dass das Pergament sowie die beiden Haddocks vor ihm der Schlüssel zur Lösung des Rätsels zu sein schienen.
Während seiner Erzählung hatten Krys’ Augen auf ihm geruht und ihn hin und wieder gemustert. Was er sehr genossen hatte.
„Ich bin der Sache nur so sehr auf den Grund gegangen, weil ich es als gute Geschichte für einen Artikel empfand“, erklärte Tim schließlich, weshalb er dieser Sache überhaupt nachgegangen war.
Sofort sah Krys ihn mit gerümpfter Nase an und zischte argwöhnisch: „Ugh... du bist Journalist.“
Es lief Tim schlagartig eiskalt den Rücken hinunter, als sie seinen Berufsstand so angewidert aussprach.
Langsam nickte er ihr bestätigend zu und sagte verwundert zu ihr: „Du tust, als wäre das etwas Schreckliches.“
Als würde sie sich tatsächlich an seinem Beruf stören. Krys war wirklich in Spiellaune und zog alle Register.
Aber gut. Irgendwann, wenn die Katze aus dem Sack war, dann würde er ihr das alles aufs Butterbrot schmieren und sie vielleicht ein bisschen dafür büßen lassen.
Sie nickte zustimmend und ihre Augen wurden dabei etwas größer. „Das ist es auch. Ich lernte schon genug Journalisten kennen, um das sagen zu können.“
Ihre Arme verschränkte sie ablehnend vor ihren vollen Brüsten und bedachte Tim mit zynischer Miene. „Leute wie ihr geiert nur nach brisanten Geschichten. Und da die Wahrheit für euch zu wenig ist, erfindet ihr gerne einige Dinge dazu.“
Entrüstet und mit weit geöffnetem Mund sah er Krys an und blickte anschließend Hilfe suchend zu ihrem vermeintlichen Vater. Dieser jedoch hob nur kopfschüttelnd die Hände, wandte den Blick ab und signalisierte Tim, dass er diese Situation alleine klären musste.
Also atmete Tim tiefdurch, sah wieder gefasster zu ihr und entgegnete höflich: „Nun, ich bin keiner von diesen Journalisten. Ich verdiene mein Geld mit ehrlichen Artikeln, ganz ohne Lügen.“
Als würde Krys das nicht wissen. Aber Tim war mehr als gewillt dies einmal mehr unter Beweis zu stellen.
Sie verzog auf seine Aussage hin ihr Gesicht zu einem höhnischen Lächeln. „Natürlich. Ach, wie oft habe ich diese Worte schon von Journalisten gehört? Und am Ende las ich dann doch nur deren Lügen und Halbwahrheiten in der Zeitung.“
Es nervte Tim enorm, dass sie so schlecht von ihm sprach, denn er wusste von sich selbst nur zu gut, wie rein sein Gewissen in diesem Punkt war. Und sie wusste das am besten.
Doch wie hätte er ihr das klar machen sollen, ohne dass er ihr Spielchen beendete?
Beweise hatte er keine. Zumindest im Moment nicht zur Hand.
„Du kannst mir vertrauen und auch glauben. Ich bin nicht wie die anderen Journalisten und das werde ich auch nie sein. Von mir würdest du immer nur ehrliche Artikel in den Zeitungen finden. Diese Art des Halbwahrheiten Publizierens liegt mir vollkommen fern“, erklärte er ihr aufrichtig.
Dabei blickte er sehr ernst in ihre Augen und fühlte sich in seiner Ehre als Journalist zutiefst gekränkt. Er wusste, dass es genug dieser lügenden Journalisten gab, doch er zählte absolut nicht zu denen und dies versuchte er Krys mit seiner nachdrücklichen Aussage verständlich zu machen.
Voller Hoffnung blickte er sie daher nun an und wollte, dass sie ihm glaubte. Wobei sie das eigentlich alles längst wusste.
Wow… ihr Spielchen war intensiver als er zu Anfang gedacht hatte. Sollte ihm nur recht sein.
Krys behielt ihre abwehrende Körperhaltung bei und musterte ihn prüfend. „Na fein, Rotschöpfchen. Beweis mir, dass du anders bist als die anderen und dann werde ich dir glauben.“
Rotschöpfchen?
Diese Frau machte ihn jetzt schon fertig. Auf die beste Weise, wie es nur möglich war natürlich.
„Und wie?“, wollte Tim im nächsten Atemzug von ihr neugierig wissen und hatte dabei ein neckisches aber zu gleich auch fragendes Lächeln auf den Lippen.
Auf diese Frage hin zuckte Krys jedoch nur mit den Schultern, deutete auf ihn und antwortete mit einem Schmunzeln auf den Lippen: „Du bist doch ein cleverer Junge. Das überlass ich daher ganz dir. Wir werden offensichtlich eine lange Zeit zusammen sein, da wird dir bestimmt schon etwas einfallen.“
Schließlich lachte Tim leise auf.
Er stemmte nun die Hände in die Hüften und sagte fast schon feierlich: „Gut, ich werde dir beweisen, dass ich anders bin als die Journalisten, die du bisher kennengelernt hast.“
Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck und fast schon verspielten Schmunzeln auf den Lippen nickte Krys ihm zu. „Ich bin mehr als gespannt.“
Krys war wirklich einmalig. Sie testete ihn.
Jetzt, wo sie sich tatsächlich begegneten und die Möglichkeit hatten zusammen zu sein, wollte sie ganz augenscheinlich nach allen Regeln der Kunst erobert werden. Oh, Tim würde sie erobern, und wie er das würde.
Im Anschluss wandte sie sich von ihm ab, sah mit einem glücklicheren Lächeln zu ihrem Vater und sagte zu ihm: „Ich hatte gehofft, du würdest mein Klavierspiel hören und mich hier rausholen.“
Haddocks Augen weiteten sich ertappt, als sie ihn ansprach und schon einen Wimpernschlag später lächelte dieser peinlich berührt. Verwirrt furchte Krys die Stirn und verstand offenbar seinen Gesichtsausdruck nicht.
Erst als er den Kopf schüttelte, entglitten ihr die Gesichtszüge und noch bevor sie fragen konnte, wie er das meinte, meldete sich Tim einmischend wieder zu Wort.
„Ich habe dein Klavierspiel gehört, nicht er. Und um ehrlich zu sein, hat der Kapitän bis zu meinem Auftauchen gedacht seine Kajütentür wäre fest verschlossen. Was vermutlich… ziemlich tief blicken lässt“, stellte Tim nun höflich die Situation richtig dar und zuckte mit den Schultern.
Jetzt wartete er Krys’ Reaktion auf seine Worte ab. Er hatte ja keine Ahnung, was er mit dieser Aussage entfesselte.
Ihr entsetzter Blick wandelte sich zur puren Wut, woraufhin sie erzürnt ihren Vater aus den rehbraunen Augen heraus anfunkelte. „Du hast mich vergessen?!“
Ihre Stimme bebte vor Zorn und wurde zwei Oktaven höher, als sie ihren Vater so anfauchte.
Die Hände schützend vor sich gehoben, lachte Haddock beschämt auf und verteidigte sich: „Nicht mit Absicht, mein kleines Goldfischchen.“
Krys seufzte fassungslos auf. Entrüstet schüttelte sie dabei den Kopf und hob dabei leicht ihre Arme, die sie beim tiefen Ausatmen wieder sinken ließ.
„Bomben, Hagel und Granaten! Ich fasse es nicht, dass du mich bei dem Ziegenbart und den ganzen Piraten, beinahe zurückgelassen hättest“, wetterte sie und stellte dabei wunderbar zur Schau, dass sie dasselbe Temperament besaß wie ihr Wahl-Vater.
Der Apfel fiel bei Krys, wie Tim gerade feststellen durfte, in diesem Universum tatsächlich nicht weit vom Stamm. Obendrein musste er gestehen, dass es jedes Mal ziemlich heiß war, wenn sie ihr Temperament zeigte.
Tims Blick ruhte auf den beiden, wobei er fieberhaft überlegte, ob er ihr sagen sollte, dass er nicht damit gerechnet hatte ein weiteres Familienmitglied zu treffen, da der Kapitän schließlich gesagt hatte, er wäre der letzte lebende Haddock.
Allerdings war Krys schon wütend genug auf ihn und Tim wollte die Situation nicht noch schlimmer für ihn machen, als sie ohnehin schon war. Daher behielt er diese Information besser für sich. Vorerst.
„Du hast nicht genug getrunken, oder?“, fragte Krys ihn noch immer ein wenig erzürnt, hielt die Arme neuerlich vor den Brüsten verschränkt und sah ihren Vater abschätzend an.
Der Kapitän lachte leise auf und zuckte mit den Schultern. „Sagen wir so. Es könnte schlimmer sein.“
Schließlich seufzte Krys genervt auf und drückte sich mit Zeigefinger und Daumen den Nasenrücken. „Ich vergesse immer wieder, dass er wunderlich wird, wenn er zu wenig getrunken hat.“
In diesem Moment wurde Tim klar, dass der Kapitän offensichtlich nur mit einem gewissen Alkoholpegel bei wirklich klarem Verstand war. Das war interessant.
Plötzlich bellte sein treuer Struppi auf, welcher an der Kajütentür saß und an dieser kratzte, woraufhin er die Aufmerksamkeit aller Anwesenden im Raum auf sich zog.
Sofort wurde der Blick von Krys unendlich sanft, als sie den schneeweißen Fox Terrier erblickte. „Hallochen, du kleines Schnäuzelchen. Wer bist du denn?“
Mit stolzgeschwellter Brust und einem ebenso sanftmütigen Blick seinem Hund gegenüber, antwortete Tim ihr: „Das ist mein Hund. Sein Name ist Struppi.“
Das wusste sie natürlich. Aber das gehörte offenbar zu ihrem Spiel dazu.
Außerdem konnte er sehen, wie Struppi mit wedelnden Schwänzchen auf Krys zu ging und diese freudig begrüßte.
Selbstverständlich hatte sie sich zu ihm gehockt und begonnen ihn liebevoll über Kopf und Rücken mit beiden Händen zu streicheln.
Struppi genoss es sichtlich, was Tim ein bisschen neidisch machte. Immerhin wollte er am liebsten schon jetzt in ihren Armen liegen und mit ihr schmusen. Vorzugsweise in ihrer wahren, fülligen Form und nicht in dieser von fremder Perfektion bestimmten Maskerade.
Bei seinem Hund ließ sie ein ganzes Stück ihre Fassade fallen, das konnte er an ihrem liebevollen Blick erkennen und wie innig sie im Umgang mit ihm war. Es war offensichtlich, dass die beiden sich längst kannten und dies ließ Tim warm lächeln.
Wenigstens Struppi musste sich nicht beweisen. Der Glückliche.
„Hach, er ist ja richtig goldig. Ich liebe Tiere. Aber… was will er uns mit dem Kratzen sagen?“, gab Krys mit lieblicher Stimme von sich, ehe ihr Blick rätselnd wurde.
Tim blickte anschließend wieder ernster drein. Seine himmelblauen Augen sahen Krys und den Kapitän zu gleichen Teilen an, während er ruhig meinte: „Er erinnert uns daran, was unser eigentliches Vorhaben war. Wir müssen von dem Schiff verschwinden, wenn wir leben wollen.“
Die beiden wurden auf seine Antwort hin nun auch wieder viel ernster, woraufhin der Kapitän zur Kajütentür ging. Vorsichtig öffnete er diese und spähte auf den Gang hinaus. Offensichtlich war keine Gefahr im Vollzug, denn er winkte Krys und Tim heran. „Kommt, ich weiß, wo wir lang müssen.“
So lief Haddock los. Tim und Krys tauschten daraufhin einen kurzen, wenngleich gefühlt innigen Blick miteinander, woraufhin Tim ihr mit einer höflichen Handbewegung den Vortritt ließ.
Lächelnd nahm sie diesen an und folgte Haddock, ehe er und Struppi es ihr gleichtaten. Tim hoffte, dass sie rasch den richtigen Weg an Deck finden würden.
Dort würden sie sich still und heimlich ein Rettungsbot schnappen und von Bord fliehen. Dies war die einzige Möglichkeit wie sie der Karaboudjan entkommen konnten.
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Sei vorsichtig
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An Deck angekommen hatten die drei sich zum nächstbesten Rettungsbot geschlichen, welches sie versuchten loszumachen. Sie mussten das gute Stück schließlich bereitmachen, um es zu Wasser lassen zu können.
Es war allerdings ziemlich gut vertäut, weswegen dies einige Augenblicke in Anspruch nahm. Mit vereinten Kräften war dies jedoch recht schnell getan. Dabei durfte sie nur niemand entdecken.
Tim hatte ihnen diese Möglichkeit vorgeschlagen, da es die einzige vernünftige war, um von der Karaboudjan zu flüchten. Sicher hätten sie auch versuchen können das Schiff zu übernehmen, doch ihre Gegner waren in der Überzahl. Dadurch fiel dieser Plan schlussendlich weg.
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Gerade waren sie dabei die Taue zu lösen, als plötzlich Bewegung auf dem oberen Deck aufkam, woraufhin die drei sich tiefer in den Schatten des Rettungsbootes zurückzogen, um nicht gesehen zu werden.
Ein wenig atemlos und erschrocken gab der Kapitän, mit ausgestrecktem Finger deutend, von sich: „Da sind Alan und Tom.“
Sofort folgten die anderen zwei seinem Fingerzeig, woraufhin Tim genau beobachtete wie besagter Alan und ein anderer Matrose, offenbar Tom, in ein kleines Häuschen auf dem Deck verschwanden. Diese beiden kannte er sehr gut.
Sie hatten ihn entführt und waren später diejenigen gewesen die ihn durchsuchten, während Sakharine ihn zu dem Gedicht löcherte.
„Ist das die Brücke?“ Tim linste interessiert zu Haddock und sah anschließend wieder zu dem Raum, in dem die beiden verschwunden waren.
Bedächtig nickte der Kapitän. „Ja, auf der anderen Seite ist der Funkraum.“
Tims Augen wurden groß, ehe er erstaunt zu ihm blickte.
Ein Funkraum?
Das war die Rettung gewesen!
Von dort aus hätte er einen Funkspruch an Interpol absetzen können. Natürlich in der Hoffnung, dass Schulze und Schultze diesen auch erhielten und richtig deuten würden.
Tims Gesichtsausdruck wurde entschlossener. „Wartet hier auf mich und schlagt Alarm, wenn etwas schiefläuft. Ich werde mir den Funkraum mal genauer ansehen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, schlich Tim dicht an der Wand der unteren Kajüten entlang und hoffte dabei nicht entdeckt zu werden. Er musste zu dem Funkraum gelangen.
Nur so konnten sie auf hoher See gefunden und gerettet werden. In einem Ruderboot den Ozean zu überqueren war nicht unmöglich, jedoch ohne ausreichend Proviant wohl nur ein kurzes Vergnügen.
Plötzlich wurde er bei der Hand gepackt und herumgewirbelt. Sein Herz setzte für den Moment aus und ehe er aus einem Reflex heraus sein Gegenüber außer Gefecht setzen konnte, starrte er mit Entsetzten in das Rehbraun von Krys.
Ihn nun dicht neben sich an die Wand gedrückt und im Dunkeln vor den Augen der anderen verborgen, sahen ihre Augen ihn ruhig an. Doch war er auch der Meinung einen Hauch von Sorge in diesen erkennen zu können, obwohl das spärliche Licht der Laterne an dieser Wand ihren Schutz nur mit sehr wenig Schein versorgte. Vielleicht täuschte er sich wegen dem Lichtspiel ja auch nur.
Doch eigentlich… nein. Tim täuschte sich ganz und gar nicht, da war große Sorge in ihren wunderschönen Augen.
Himmel, wie gern würde er gerade dieses Spielchen sein lassen, sie zu sich ziehen und ihre vollen Lippen endlich in Beschlag nehmen. Ganz so, wie er es in ihren Träumen stets tat.
Aber er musste auch zugeben, dass dieses Zieren und sanfte Annähern einen starken Reiz hatten. Wenn er daran dachte, wie sich ihre Gefühle entladen würden, wenn sie sich endlich fanden… oh, der Gedanke ließ ihn schwindeln vor lauter Vorfreude.
Nach wie vor ruhten seine himmelblauen Augen auf ihren rehbraunen, während er sich fragte, was sie vorhatte oder was sie von ihm wollte.
Kaum hatte er seinen Gedankengang beendet, öffnete sie auch schon den Mund, um zu sprechen, wobei ihre Stimme nicht mehr als ein Flüstern war. „Sei bitte vorsichtig, Tim.“
Bitte?
Hatte sie das gerade wirklich zu ihm gesagt?
Ihre Worte überraschten ihn im ersten Moment immens, denn sie wusste, dass er immer so gut es ging Vorsicht walten ließ.
Wenige Sekunden später schenkte er ihr einen frechen Blick. „Das bin ich immer.“
Krys’ linke dunkle Augenbraue hob sich ein wenig argwöhnisch wenngleich mit einem kessen Schmunzeln, doch ihre Worte waren alles anderes als dies. „In Ordnung, aber sei gewarnt. Sie haben Schusswaffen und sie werden sich nicht scheuen diese zu benutzen.“
Irgendwie konnte Tim sich das bereits denken, denn bei der Suche nach dem Ausgang hatten Tim und der Kapitän schon gehört, dass sie nur Haddock lebend brauchten. Auf der anderen Seite war es interessant zu wissen, dass die Crew tatsächlich ohne Skrupel vorging.
Das eröffnete ihm neue Erkenntnisse.
Tim zog nun die Augenbrauen ein wenig kraus, sah Krys immer noch in die Augen und erkundigte sich flüsternd: „Woher weißt du das so genau?“
„Was meinst du welches Argument mich dazu brachte brav in meiner Kajüte zu bleiben?“, gab sie mit einem neckischen Lächeln auf den Lippen von sich und nahm ebenfalls nicht den Blick von ihm.
Leise lachte Tim auf und nickte verstehend, eher er eine Feststellung machte, mit der er das Jagdspielchen auch hätte, sofort beenden können. „Dich kriegt man so leicht nicht klein.“ Seine Stimme war dabei sanft, geradezu liebevoll mit einem Hauch von Bewunderung.
Als hätte er nicht gewusst, dass sie eine taffe Frau war, die in ihrem Universum bereits mehrfach durch die Hölle ging und mit den Scherben ihres dortigen Lebens nun das Beste daraus machte. Sie fand immer einen Weg aus allem, was er schon immer an ihr bewundert hatte.
Ebenfalls lachte sie nun leise, wenngleich bitter, und schüttelte den Kopf. „Ich habe mich in meinem Leben schon mit vielen Schrecklichkeiten konfrontiert gesehen. Ich bin also Einiges gewöhnt.“
Sachte, mehr noch, es war liebevoll, wie sie nun seine Hand drückte, die sie die ganze Zeit gehalten hatte.
Dabei schenkte sie ihm einen aufrichtigen wie warmen Blick und bat ihn neuerlich: „Sei bitte vorsichtig. Wäre zu schade um dich, wo du mir doch beweisen wolltest, wie sehr du dich von den anderen Journalisten unterscheidest.“
Auf ihre Aussage hin begann er amüsiert und ebenso sanftmütig zu grinsen, sah tief in ihre wunderschönen Augen und nickte versprechend auf ihre Bitte hin. Tim drückte nun ebenfalls zärtlich ihre Hand und beobachtete im Anschluss, wie ihr Gesichtsausdruck sehnsüchtig wurde.
Ebenso wurde auch seiner so viel sehnsüchtiger, wenngleich wissend. Ein klares Zeichen, dass er alles längst durchschaut hatte.
Im nächsten Moment zog er sie bei der Hand noch enger zu sich und legte den anderen Arm um ihre Schultern. Sogleich spürte er, wie sie sich an ihn schmiegte und ihren freien Arm um seine Taille legte.
„Du weißt, ich finde immer einen Weg.“ Kaum mehr als ein versprechendes Flüstern war seine Stimme in der kühlen Seeluft.
Ein ganz leises Lachen verließ ihre Kehle, ehe sie nickte. „Ja, ich weiß. Tu es bitte auch dieses Mal“, wisperte sie ihm zu und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
„Ich verspreche es, mein Nixchen“, flüsterte er sanft zu und senkte den Kopf, um ihren Blick zu suchen.
Im Anschluss hob sie ihren Kopf an und sah ihm sorgenvoll wenngleich sanft lächelnd in die Augen. „Ich nehm dich beim Wort, mein Füchschen.“
Als Krys ihm dies sagte, floss ein wundervoller und heißer Schauer über seinen Rücken. Es war vorbei und er war glücklich darüber.
Die Katze war längst aus dem Sack, als sie sich sahen. In dem Moment, als er den Raum betrat, indem sie gefangen gehalten wurde, war alles offenbart.
Er hatte es gespürt und gesehen. Auch, wenn er sie viel lieber in ihrer wahren Gestalt vor sich hätte und nicht in dieser… Aufmachung. Aber er kannte ihre Beweggründe und würde warten, bis sie bereit war.
Doch auf einen Moment wollte er nicht warten. Einen Herzschlag später, kaum dass sie ihm diese Worte zugeflüstert hatte, beugte er sich vor und verschloss ihre butterweichen, warmen Lippen mit seinen.
Ein gewaltiges Feuerwerk brach in Tim aus, während er fühlte, wie sie praktisch in ihren ersten gemeinsamen Kuss hineinschmolz. Es war atemberaubend ihre Lippen endlich wahrhaftig zu küssen.
Es war genug geträumt, genug gespielt. Von nun an würde er sie bei sich haben und nie wieder gehen lassen. Genauso, wie sie es sich immer gewünscht und erträumt hatten.
Viel zu kurz jedoch ganz liebevoll hatten sie sich hier in ihrem Versteck endlich geküsst und zum ersten Mal real geschmeckt. Am liebsten hätte Tim nie wieder von ihren Lippen abgelassen.
Im Gegenteil. Er hätte es nur zu gerne vertieft.
Aber dafür war keine Zeit. Später schon, das versprach er sich und ihr in Gedanken.
Langsam lösten sich ihre Lippen voneinander, woraufhin er Krys wohlig aufseufzen hörte und seine Lider wieder hob. Lieb lächelnd sah er ihr in die Augen und stupste seine Nasenspitze an seine.
„Ich komme zurück zu dir“, versprach er mit leiser Stimme feierlich und sah ihr dabei eindringlich in die Augen, wobei sein Blick dennoch liebevoll blieb.
„Ich liebe dich.“ Als Krys diese drei wundervollen Worte so aufrichtig wisperte, machte sein Herz einen gewaltigen wie glücklichen Hüpfer.
Nun war es Tim, der wohlig aufseufzte und sie unendlich sanft ansah. „Ich liebe dich auch.“
Widerwillig und doch nötigerweise mussten sie sich nun voneinander lösen, denn die Zeit drängte sie dazu. Es ließ sein Herz schmerzen, als er zusah, wie sie sich gänzlich sowie widerwillig von ihm löste und zurück zu Struppi und dem Kapitän huschte. Doch es musste einfach sein.
„Oh, Krys. Meine süße Krys“, ging es Tim bei ihrem Anblick voller Liebe durch den Kopf, während seine himmelblauen Augen ihr für den Moment gefolgt waren.
Für Mädchen und Frauen hatte er sich noch nie zuvor interessiert, da er seine Arbeit, das Reisen und Allein sein immer vorgezogen hatte. Krys war wahrhaftig die erste weibliche Person, die er nicht nur bildhübsch, unsagbar attraktiv, sondern auch hochinteressant fand.
Sie weckte vor all diesen Jahren etwas in ihm, dass er vorher noch nie verspürt hatte. Und er liebte sie jeden Tag mehr.
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Im Funkraum angekommen hatte Tim sich daran gemacht an Interpol einen Funkspruch abzusetzen, wurde allerdings von dem Matrosen Tom dabei erwischt. Dieser schlug sofort Alarm und richtete seine Pistole auf Tim.
Er musste rasch fliehen, sonst würde er nicht lebend von dem Schiff wegkommen. So schnappte sich Tim den Flyer, den er unbedingt Haddock und Krys zeigen musste, vom Tisch und überwältigte Tom gekonnt.
Schnell rannte Tim aus dem Funkraum und musste sogar vom Deck der Brücke hinunter auf das Deck mit den Rettungsbooten springen, als ein anderer Matrose begann mit einem Maschinengewehr auf ihn zu schießen. Geschickt schaffte Tim es dem Kugelhagel zu entkommen und steuerte nun auf das Ruderboot zu, an dem er den Kapitän, Krys und Struppi zurückgelassen hatte.
Deren Situation war jedoch ebenfalls prekär, denn das rettende Boot hing nur noch an einer Halterung fest, weswegen die beiden sich mit aller Kraft sowohl aneinander wie am Boot festhielten. Krys hielt Struppi fest im Arm, während sie die Hand des Kapitäns umklammert hielt.
Krys hatte Recht gehabt. Sie benutzten die Schusswaffen tatsächlich und das auch noch ohne jeden Skrupel.
Zum Glück hatte Tim die Pistole von Tom an sich genommen. Mit dieser löste er gezielt einen der großen Scheinwerfer aus und konnte seine Verfolger somit blenden.
Dies gab ihm die Chance sich auf das kerzengerade, herunterhängende Ruderboot zu stürzen und die letzte Halterung, an der das Boot hing, zu zerschießen. So landete er mit den anderen hart auf dem Wasser und machte sich mit Haddock sofort daran das Ruderboot weg zu manövrieren.
Die Karaboudjan versuchte ihr Rettungsboot durch ein Wendemanöver zu zerteilen, doch verfehlten sie es. Was den vieren das Leben rettete und sie sich so immer weiter von dem Schiff entfernen konnten.
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Auf nach Bagghar
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„Wir müssen noch vor Sakharine in Bagghar ankommen“, sagte Tim ein wenig außer Atem und trieb weiterhin die Ruder durch das Meerwasser.
Seine Armmuskulatur brannte bereits wie Feuer, doch er musste durchhalten. Er war der Einzige, der noch Kraft genug hatte, weiter zu rudern.
Der Kapitän und Krys hatten abwechselnd die Nacht durch gerudert, wobei Tim doch unglaublich erstaunt darüber war.
Nur zu genau wusste er, was für eine unglaublich willensstarke Frau Krys war, doch hatte er sich von ihrem gepflegten und hübschen Erscheinungsbild wieder einmal blenden lassen. Sie trug zwar dieses weinrote, knielange Kleid, ihre roten Pumps und ihr schwarzes Samthalsband mit dem Saphirschmuck, doch sie war sich wahrlich noch nie zu fein mit anzupacken und sich auch die Hände schmutzig zu machen.
Das hatte sie ihm letzte Nacht wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, als sie darauf bestand, ebenfalls eine Zeit lang zu rudern. Krys Thine die Göttin der Liebe, war eben eine Frau ganz nach seinem Geschmack.
Den er nicht kennen würde, wenn er sie nicht kennen würde. Da musste er auch einfach ehrlich mit sich selbst sein. Es war jedoch kein Wunder, denn eine Frau wie sie war ihm noch nie untergekommen.
Damals hatte er es seltsam gefunden so neugierig auf sie zu werden je älter sie wurde, wo er doch sonst nur so seinen Abenteuern gegenüber empfand. Aber er konnte sich nur wiederholen. Seine Krys war nun mal etwas ganz Besonderes.
Nun graute bereits der Morgen und die Sonne stieg allmählich immer höher und tauchte das Meer in eine wunderschöne Glitzerlandschaft. Für einen Moment betrachtete Tim Krys, wie sie elegant, zusammen mit Struppi, am Bootsrand saß und mit ihm hinaus auf das Meer schaute.
Ihre Beine hatte sie übereinandergeschlagen und sich zum Rand des Bootes gelehnt, wobei sie mit ihrem einen Arm ihren Kopf abstützte und mit der anderen Hand zärtlich durch das Fell des Fox Terriers strich. Eindeutig genoss sein Hund die Streicheleinheiten in vollen Zügen, da er seine Vorderpfoten auf ihrem Schoß gelegt und seinen Kopf auf diese gebettet hatte.
Noch immer war Tim unglaublich neidisch auf seinen Hund. Am liebsten hätte er Struppi rudern lassen und sich selbst so an seine geliebte Krys gekuschelt.
Was er allerdings immer wieder tat und das auch ganz ungeniert, war, dass er mit Krys immer wieder liebevolle Blicke tauschte. Wenigstens das konnte er mit ihr in dieser Situation machen.
Es war nicht viel, aber es war besser als gar nichts. Und nach wie vor war Tim froh darüber, dass sie dieses Eroberungsspielchen schnell hinter sich ließen.
Die Wahrheit war, dass er spätestens in einer ruhigen Minute mit ihr allein damit rausgeplatzt wäre, dass er nur zu genau wusste, wen er vor sich hatte. Zum Glück war schon innerhalb kurzer Zeit auf der Karaboudjan das Spielchen beendet gewesen.
Schließlich zog der Kapitän all seine Aufmerksamkeit auf sich, als er antwortete: „Ich weiß. Ich weiß.“
Doch kaum hatte er diese Worte gesagt, blickte er fragend vom Meer auf und in Tims Gesicht. „Warum?“
Nun blickten auch Krys und Struppi zu den beiden hinüber, woraufhin Tim sich nicht nur beobachtet fühlte, sondern sich auch etwas straffte. Natürlich, um eine ordentliche Haltung für seine Krys anzunehmen.
„Weil der Scheich Omar Ben Salad das dritte Modell der Einhorn hat und Sakharine will es in seinen Besitz bringen“, erklärte Tim bemüht nicht abgehetzt oder erschöpft zu klingen.
Die Augen von Krys verengten sich leicht zu Schlitzen, während sie Tim mit ihrem prüfenden Blick regelrecht durchbohrte. Nicht nur, dass er ihren Blick eingefangen hatte, konnte er diesen auch sehr gut spüren.
Allerdings ließ ihn dieser Blick nicht aus der Ruhe bringen, weshalb er ein wenig weiter ruderte. Außerdem wusste er, dass er nicht direkt ihm galt, sondern viel mehr der Information, die er preisgab.
Ihre sanfte jedoch skeptisch klingende Stimme erhob sich nun und er vernahm ihre neugierige Frage. „Woher weißt du das nun wieder, Füchschen?“
Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck sah der Kapitän kurz zu ihr. Es war nicht zu übersehen, dass er sich wunderte, dass sie Tim bei so einem Kosenamen nannte.
Aber… die Wahrheit würden sie dem alten Seebären schon noch früh genug erzählen. Allerdings wirklich in einer ruhigen Minute.
Auf ihre Frage hin hielt Tim mit dem Rudern inne, sah ein wenig abgekämpft in ihr Gesicht und zog aus seiner Tasche den Flyer, den er aus dem Funkraum hatte mitgehen lassen. Er stand auf, beugte sich zu Haddock und ihr vor und zeigte ihnen das aufgeklappte Papier.
„Der Scheich sammelt alte Schiffsmodelle und die Einhorn ist sein Prunkstück“, sagte Tim freundlich und fügte hinzu, dass der Scheich das Modell in einem kugelsicheren Glaskasten ausgestellt hatte.
Die Augen von Krys blickten nun erstaunt drein, ehe sie vom Flyer zu Tim aufsah. „Und er will es stehlen? Wozu?“
„Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er eine Geheimwaffe hat, um an das Modell heranzukommen. Die Mailänder Nachtigall, aber das wird nicht ausreichen, um es zu bekommen.“ Tim sah in ihr Gesicht und anschließend zu dem Kapitän.
Sein Blick wurde nun sehr viel ernster und er besah beide zu gleichen Teilen, ehe er an den Kapitän gerichtet fortfuhr: „Und das ist warum Sakharine Sie braucht. Da gibt es etwas, dass nur Sie wissen, Kapitän, und an das Sie sich erinnern müssen.“
Wie zwei verwirrte Kinder blickten die beiden nun zu ihm auf, woraufhin Haddock ehrlich zu Tim sagte: „Ich kann Ihnen nicht folgen, Tim.“
Missmutig ließ Tim sich auf diese Worte hin zurück auf seine Bank fallen, sah den Kapitän ruhig an und eröffnete ihm und damit auch Krys: „Ich habe davon in einem Buch gelesen. Dass nur ein echter Haddock das Geheimnis der Einhorn lüften kann.“
Plötzlich begann der Kapitän übers ganze Gesicht zu strahlen, als hätte er gerade einen helfenden Geistesblitz erhalten. Hoffnungsvoll lächelte Tim ihn an und glaubte er würde nun endlich die Antwort auf all seine Fragen bekommen.
Die Einzige, die skeptisch dreinblickte und vor allem dabei zu ihrem Vater sah, war Krys.
Endlich brach Haddock sein Schweigen, während Tim an seinen Lippen hing: „Ich kann mich an absolut nichts erinnern.“
Das Lächeln war vollkommen aus Tims Gesicht gewischt worden, während Krys bei diesen Worten nur mit den Augen rollte und zurück aufs Meer sah.
Der Kapitän zuckte entschuldigend mit den Schultern, als Tim verzweifelt zu ihm sagte: „Aber Sie müssen doch etwas über Ihre Vorfahren wissen, dass ist doch Ihre Familiengeschichte.“
„Mein Gedächtnis ist nicht mehr so gut wie früher“, versuchte der Kapitän sich zu entschuldigen.
Tim hob nun argwöhnisch eine Augenbraue und sah sein Gegenüber in die Augen. „Wie war es denn früher?“
Haddock schüttelte anschließend mit dem Kopf und zuckte erneut mit den Schultern. „Habe ich vergessen.“
Sowohl Tim als auch Krys und Struppi seufzten entmutigt auf diese Antwort hin auf, während sie auf dem Ozean trieben und die Sonne unerbittlich auf sie hinab schien. Schweigen trat für den Moment ein und Tim blickte den Kapitän nur ernst an.
Seine Gedanken überschlugen sich und er hoffte, dass dieser im Laufe der Reise nach Bagghar sich an seine Familiengeschichte erinnern würde. Es hing nun nicht mehr nur ein guter Artikel davon ab, sondern auch Leben, die in Gefahr waren.
Kapitän Haddock war der Schlüssel, denn nur er hatte die Geschichte über Ritter Franz von Hadoque von seinem Großvater erzählt bekommen, als dieser auf dem Sterbebett lag.
Tim strich sich tief durchatmend über den Kopf und sah anschließend hoffnungsvoller zu Haddock. „Kapitän? Können Sie uns nach Bagghar bringen?“
Sofort verzogen sich die Gesichtszüge des Kapitäns ins Negative und er polterte empört los: „Was ist das für eine saublöde Frage?! Hagel und Granaten! Her mit den Rudern!“
Ein wenig erschrocken war Tim deswegen schon, da er nicht mit solch einem Stimmungswechsel gerechnet hatte. Der Kapitän erhob sich schimpfend, ging auf Tims Seite und nahm bereits das erste Ruder, um es in eine andere Metallöse des Bootes zu stecken und es so neu auszurichten.
Tim hatte er dabei hinter sich gedrängt, wetterte immer noch wie ein Rohrspatz und griff nach dem zweiten Ruder.
Hinter ihm hatte sich Krys erhoben und wollte ihren Vater gerade an der Schulter berühren. „Beruhig dich doch, Papa.“
In diesem Moment zog der Kapitän das zweite Ruder aus der für ihn nun unbrauchbaren Metallöse und stieß dabei heftig mit dem Stil gegen Krys’ Stirn. Ein dumpfer Schlag war zuhören und sie verlor direkt das Bewusstsein.
Geistesanwesend hatte Tim sofort reagiert und Krys noch auffangen können, bevor sie Kopf über ins Meer gestürzt wäre. Mit großen Augen sah Tim erst zu Krys und anschließend zu Haddock, welcher noch immer vor sich hin maulte und sich darüber ausließ, dass er Seemann sei und diese Gewässer besser als jeder andere kannte.
Der Kapitän bemerkte nicht einmal, dass er seine Tochter ausgeknockt hatte.
Im Gegenteil!
Er hatte weiter vor sich hin gepöbelt und bekam dabei auch nicht mit wie energisch er mit dem Ruder hantierte. Vermutlich hätte Tim es sogar irgendwie genossen, seine Krys endlich wieder zu halten, doch nicht unter diesen Umständen.
Tim war gerade dabei Krys halbwegs sicher und rücklings auf der Bank zu positionieren, als er einen gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf spürte. Augenblicklich sackte er über Krys zusammen, landete der Länge nach auf ihr und fühlte, wie alles um ihn herum dumpf wurde. Wieder hatte der Kapitän so wild rumgefuchtelt, dass er Tim und sogar kurz darauf Struppi ins Reich der Träume schickte.
Erst als Haddock saß, konnte er das Ausmaß seines kleinen Wutausbruchs sehen, doch ahnte er offenbar nicht, dass er daran Schuld trug. „Pff, die Jugend hat heutzutage kein Stehvermögen mehr. Na, keine Sorge, Tim, ich bringe euch sicher nach Bagghar.“
Die Worte des Kapitäns drangen noch an seine Ohren, ehe alles um ihm herum endgültig schwarz wurde.
๑⊱☆⊰๑
Nicht genug Platz
๑⊱☆⊰๑
Nur sehr langsam kam Tim wieder zu Bewusstsein und auch nur aus dem Grund, weil er den beißenden Geruch von Rauch in der Nase hatte. Kaum war er wieder halbwegs wach und hatte die Augen leicht geöffnet, als er auch schon das Feuer inmitten des Rettungsbootes erblickte.
Mit einem Mal war er hellwach und weitete entsetzt Augen und Mund.
Das durfte doch nicht wahr sein!
Träumte er etwa noch?
War das ein Albtraum?
Panisch erhob sich Tim von Krys und hörte Krys entsetzt hinter sich rufen: „Papa, was hast du getan?!“
Das fragte sich Tim ebenfalls.
Wie kam der Kapitän nur auf die Idee mitten im Ruderboot, dass komplett aus Holz bestand, ein Feuer zu machen und dann auch noch eines der Ruder als Brennholz zu benutzen?!
Hatte er den Verstand verloren?
„Was haben Sie getan?“ Tim sah entgeistert zwischen dem Feuer und dem Kapitän hin und her, ehe er vollkommen ungläubig auf das Feuer vor sich starrte und darauf deutete.
Haddock lachte vergnügt auf. „Oh, ihr zwei müsst mir nicht danken. Ihr habt ein wenig gefröstelt, da habe ich ein Feuerchen für uns gemacht.“
Wie aus einem Mund kam es entsetzt von Tim und Krys: „In einem Boot?!“
Noch immer ganz vergnügt ignorierte er die beiden und nahm das zweite Ruder zur Hand, woraufhin Tims Gesichtszüge vollständig entglitten „Was haben Sie damit vor? Nein, nicht. Wir brauchen die Ruder doch noch.“
Doch Haddock lachte nur herzlich auf und zerbrach das Ruder mit Hilfe seines Knies. „Ja, aber jetzt nicht mehr.“
„Hast du den Verstand verloren?“, ertönte die panische und erzürnte Stimme von Krys.
Tim tat das einzige Vernünftige in diesem Moment. Er beugte sich über den Bootsrand und begann hektisch Wasser über das offene Feuer zu schaufeln, wobei er von Krys wortlos unterstützt wurde. „Hilf uns gefälligst, Papa! Sonst gehen wir unter!“
Tim hatte die naive Hoffnung die Ruder noch irgendwie retten zu können oder wenigstens nicht zu sinken.
Der Kapitän schien plötzlich wieder zur Vernunft gekommen zu sein, weshalb er nun realisierte, dass er einen gewaltigen Fehler gemacht hatte. Die Erklärung, warum er so gehandelt hatte, hielt er kurz darauf in seinen Händen.
Eine fast leere Flasche Whisky war schuld daran, dass Haddock auf eine solch verrückte Idee gekommen war. Noch bevor Tim ihn aufhalten konnte, hatte der Kapitän schon den letzten Rest der braunen Flüssigkeit ins Feuer gekippt.
Fataler Fehler!
Das Feuer gab eine riesige Stichflamme frei und entlud sich mit einer Explosion. Die Flammen begannen das Boot einzunehmen, woraufhin allen nur eines übrig blieb.
„Ins Wasser! Sofort!“, hatte Tim den beiden zugerufen, sich Struppi geschnappt und war kurz darauf ins Meerwasser gesprungen.
Zurück an der Oberfläche atmete er tief durch, sah wie das Feuer nun schon den kompletten Innenraum des Bootes in Anspruch genommen hatte, und erblickte zu seiner Linken und Rechten den Kapitän und Krys.
Ihre Blicke waren genauso trostlos wie sein eigener, denn ohne das Boot würden sie nicht nach Bagghar kommen und noch schlimmer war, dass sie hier sterben würden.
Alles schien verloren. Tims Herz wurde bleischwer, während er daran dachte, dass sie alle hier ertrinken würden.
Plötzlich ertönte die Stimme Krys’ zu seiner Rechten und sie klang dabei sehr entschlossen sowie vollen neuen Mutes. „Kommt, drehen wir das Boot um. Wenn wir Glück haben, ist der Boden noch nicht von den Flammen zerfressen und wir haben eine kleine Rettungsinsel.“
Zustimmend nickten Tim und Haddock in ihre Richtung, ehe sie gemeinsam auf das Ruderboot zu schwammen. Mit vereinten Kräften drückten sie gegen die Seite des Bootes und hievten es immer weiter mit den Flammen Richtung Meer.
Der Kraftaufwand war enorm, um es zum Kentern zu bringen, doch ihre Mühen machten sich schlussendlich bezahlt. Das Boot kenterte und zu ihrem Glück hatte das Feuer noch kein Loch in den Boden gebrannt. So kletterten sie auf ihre Rettungsinsel und atmeten erstmal tief durch.
๑⊱☆⊰๑
Tim und Haddock hatten einige Zeit etwas diskutiert, wobei der Kapitän immer mehr in Selbstmitleid und Schuldgefühlen zerfloss. Er gab sogar seinem Vorfahr Ritter Franz, der die Einhorn Modelle für seine drei Söhne hatte bauen lassen, die Schuld an seinen Fehlern.
Dabei leuchtete Tim überhaupt nicht ein, warum Haddock das tat und auch von Krys kam, nur ein verächtliches Schnauben auf dessen Worte hin. Seine Erklärung, dass Ritter Franz ein wahrer Held war und dass niemand in seiner Familie je wieder, wie er sein würde, ließ es ihn nicht besser verstehen. Ehrlich gesagt verstand Tim gerade nur Bahnhof von dem, was Haddock da erzählte.
Sicher Ritter Franz hatte die Meere mit der Einhorn im Namen des Königs befahren, hatte drei wichtige Pergamente in den jeweiligen Einhorn Modellen für seine drei Söhne versteckt, schien ein reicher Mann gewesen zu sein und war daran schuld, dass Tim in dieses Abenteuer geschlittert war. Allerdings war Ritter Franz nicht der Schuldige, für die jetzige Situation. Dies war ausschließlich Haddocks Werk.
Der Kapitän erhob sich, schüttelte Tims Hand und sagte leidvoll zu ihm: „Leben Sie wohl.“
Was hatte er vor?
Wo wollte er hin?
Warum warf ihm dieser Mann, denn nur noch mehr Fragen vor die Füße?
Tim beobachtete, wie er sich bereit zum Sprung ins Meer machte. „Ich werde mich jetzt in die Fluten stürzen. Der Tod erwartet mich. Wird Zeit sich in die Umarmung der kalten See zu begeben.“
Moment, wollte Haddock sich gerade wirklich umbringen?
Tim konnte ihm das jedoch nicht glauben und verzog daher skeptisch das Gesicht, als er so sprach.
Es waren nun allerdings Krys und Struppi die Tims Aufmerksamkeit plötzlich stark erregten, weswegen es ihm nicht mehr möglich war dem Gefasel von Haddock noch weiter folgen zu können. Beide blickten in den Himmel hinter ihm und Haddock, wobei Struppi ein wenig winselte.
So wandte Tim sich nun ebenfalls um und streichelte seinem Hund liebevoll über den Kopf.
„Was habt ihr gesehen?“, wollte er von beiden wissen, doch bekam er keine Antwort auf sprachlicher Ebene.
Krys hob lediglich den Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger Richtung Himmel und Tim folgte mit seinen Augen ihrem Fingerzeig. Etwas blitzte dort verräterisch im Sonnenlicht und als das Etwas näherkam, vernahm Tim Motorengeräusche.
Je näher es kam, desto erkenntlicher wurde es und entpuppte sich als ein Wasserflugzeug.
„Das ist unsere Maschine!“, gab Krys erschrocken von sich, woraufhin der Kapitän erst jetzt die Motorengeräusche wahrnahm und ebenfalls in die Richtung sah.
Freudig jauchzte er auf. „Wir sind gerettet! Ein Zeichen des Himmels!“
Ganz offensichtlich hatte er noch nicht bemerkt, dass es seine alte Crew war. Diese war mit Sicherheit nicht gekommen, um sie aus diesem Schlamassel zu retten. Tim hatte das ungute Gefühl, dass sie ihre Lage nur noch verschlimmern würden.
Kaum war das Flugzeug nah genug herangekommen, eröffneten sie das Feuer. Sofort duckten sich die vier und Tim schickte ein Stoßgebet zum Himmel nicht getroffen zu werden.
Zum Glück schienen die Schützen an Bord absolut miserabel zu sein, denn sie trafen tatsächlich niemanden. Doch nun war Tim an der Reihe.
Er zog die Pistole, die er noch immer bei sich hatte, aus seiner Hosentasche und setzte zum Schuss an.
„Bitte sag mir, dass sie noch genug Munition hat, um etwas auszurichten.“ Krys’ hoffnungsvoller Blick galt in diesem Moment einzig und allein Tim, woraufhin er für einige Herzschläge sein Himmelblau mit ihrem Rehbraun verschmelzen ließ.
Im Anschluss öffnete er das Magazin und sein Blick verfinsterte sich. Es war nur eine Kugel übrig.
„Schlechte Neuigkeiten. Wir haben nur eine Kugel“, ließ Tim die beiden unzufrieden wissen.
Der Kapitän unterbrach seine Hasstiraden, die er den Piloten entgegen brüllte. „Was sind die guten Neuigkeiten?“
Tim schloss das Magazin, sah entschlossen drein und legte die Waffe an. „Wir haben eine Kugel.“
Tief atmete er durch, brachte sich vollständig zur Ruhe und konzentrierte sich auf den Rumpf des Flugzeuges. Es kam bereits wieder auf sie zu und Tim musste sich beeilen, wenn er ihnen nicht noch eine Chance bieten wollte sie zu erschießen. Noch bevor das Flugzeug auch nur einen Schuss abgeben konnte, drückte er den Abzug und ließ die Kugel fliegen.
Mit dieser schien Tim einen wahren Glückstreffer gelandet zu haben, denn das Wasserflugzeug musste mit qualmendem Motor auf dem Meer notlanden.
Sofort schwang sich Tim ins Wasser und sah Krys und den Kapitän zu gleichen Teilen an. „Ich schwimm rüber. Wartet hier auf mein Zeichen.“ Ein letztes Mal strich er Struppi über den Kopf, warf Krys einen liebevollen Blick zu und verschwand anschließend in den Fluten des Meeres.
Zum Glück war das Flugzeug nur wenige Meter entfernt gelandet, weshalb der Schwimmweg nicht sehr weit war. Tim hatte bereits einen Plan, wie er die zwei Piloten täuschen konnte.
Diese werkelten am beschädigten Motor herum und schimpften über Tims Glückstreffer. Sie würden nicht wissen wie ihnen geschieht, denn er hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite.
Beim Wasserflugzeug angekommen, tauchte er aus dem Wasser auf, hielt die leere Waffe auf die beiden gerichtet und sagte eiskalt: „Hände hoch. Sofort!“
Es war zu seinem Vorteil, dass sie nicht wussten, dass er keine Kugeln mehr besaß. Die zwei Piloten waren naiv genug ihm blind zu glauben und seinen Forderungen Folge zu leisten.
Behände kletterte er aus dem Wasser, ließ die beiden zurück ins Flugzeug steigen und konnte ihnen dort mit absoluter Leichtigkeit die Hände auf dem Rücken festbinden. Sakharine hatte definitiv nicht seine klügsten oder mutigsten Leute geschickt. Ein weiterer Vorteil, wie Tim zufrieden feststellte.
Die beiden gut gefesselt ging er zur Tür zurück und winkte dem Kapitän, Krys und auch Struppi zu. Tim hoffte, dass sie es richtig deuteten und sich auf dem Weg zu ihm machen würden.
Mit einem zufriedenen Lächeln stellte Tim fest, dass sie dies hatten und sich nun zum Wasserflugzeug aufmachten. Es dauerte einen kurzen Moment, bis sie angekommen waren, wobei der Kapitän als erstes ins Flugzeug stieg und dort Platz nahm, woraufhin Struppi ihm folgte.
Als letzte kam Krys an und kletterte gerade aus dem Wasser, als Tim ihr seine Hand helfend entgegenstreckte. Kurz sah sie ihn sanftmütig an, ehe sie schließlich schmunzelnd seine Hand ergriff und sich von ihm aus der Meeresströmung helfen ließ.
„Danke. Du bist eben ein richtiger Gentleman“, gab Krys ein wenig neckend von sich, richtete ihr pitschnasses Kleid und ließ dabei seine Hand nicht los.
Wohlmöglich befürchtete sie ins Wasser zurückzufallen, wobei es sicherlich auch dem geschuldet war, dass sie ihn fühlen wollte. So, wie er sie fühlen wollte.
Tim zuckte dabei charmant mit einer Augenbraue und sah in ihr Gesicht. „Man tut, was man kann. Nun, nach dir.“
Mit diesen Worten sollte Krys einsteigen, doch das tat sie nicht.
Im Gegenteil, sie besah sich ein wenig unglücklich den Innenraum. „Achje, da ist nicht genug Platz für uns alle.“
Tim trat nun dichter an sie heran und war dabei ihrem Leib mit seinem sehr nah. Ihre Seite an seiner Brust zu spüren, bescherte ihm das Gefühl von Schmetterlingen in seinem Bauch und ein angenehm warmer Schauer floss über seinen Rücken. Es fühlte sich gut an ihr so nah zu sein.
Ihr Blick in seine Richtung ließ ihn sich ertappt vorkommen und er spürte deutlich, wie sich seine Wangen begannen heiß anzufühlen.
„Und nun?“, wollte sie von ihm wissen und schien auf einen Vorschlag von ihm zu hoffen.
Mit voller Konzentration zurück im Hier und Jetzt besah Tim sich nun den Innenraum und stellte fest, dass nur noch der vorderste Sitz im Flugzeug frei war. Hinter diesem saß Haddock mit Struppi auf dem Schoß und direkt dahinter wäre etwas Platz für Fracht gewesen, doch dort waren die zwei Piloten gefesselt und gut verstaut.
Tim tauschte nun mit Krys einen ruhigen Blick und sah anschließend auf den Pilotensitz, woraufhin sein Herz begann ihm bis zum Hals zu schlagen. Es blieb nur diese eine Möglichkeit.
Krys würde keine Wahl haben und sich auf seinen Schoß setzen müssen. Diese Erkenntnis ließ ihm ganz heiß werden, denn er war noch nie einer Frau in der Realität so nah gewesen.
Und dann auch noch Krys endlich und nicht nur in ihren Träumen so nah zu kommen!
Sein ganzer Körper kribbelte ob dieser herrlichen Aussicht. Wenngleich er wünschte die Situation wäre weitaus privater.
Aus dem Augenwinkel linste er nun zu ihr und bemerkte ihre ganz rötlichen Wangen und die weit geöffneten Augen. Augenscheinlich machte diese Möglichkeit sie genauso nervös wie ihn.
Langsam wandte Krys den Kopf in seine Richtung und fragte ihn kleinlaut: „Es gibt keine andere Möglichkeit, oder?“
Tim drehte den Kopf zu ihr, sah wie verlegen sie das Ganze machte und musste gestehen, dass sie richtig niedlich dabei aussah.
Schließlich rief Tim sich zur Ordnung, damit er nicht ins Starren verfiel. Auch wenn er es nur zu gern getan hätte.
So atmete er tief durch und schüttelte leicht den Kopf. „Die gibt es nicht.“
Krys nickte bedächtig auf seine Antwort hin und strich sich verschmitzt schmunzelnd eine ihrer nassen Strähnen hinters Ohr. „Gut, aber sei brav.“
Ihre neckenden Worte lockerten diese pikante Situation etwas auf, woraufhin Tim leise lachen musste. „Ich versuch es, Krys.“
Da er das Wasserflugzeug steuern würde, stieg er nun in dieses und ließ sich auf den Sitz nieder. Einen Moment zögerte Krys noch, atmete noch einmal tief durch und schien sich ebenfalls nun zur Ordnung zu rufen.
Schlussendlich stieg sie ebenfalls in das Flugzeug ein, schloss die Tür und setzte sich vorsichtig und seitlich auf Tims Schoß. Den linken Arm hatte sie dabei um seine Schultern gelegt und er fühlte, wie ihr Becken seinen Lendenbereich wärmte.
Nicht nur dies, es bereitete ihm auch ein leichtes, köstliches Ziehen in diesem. Deutlich spürte er wie ihm diese Position wärmer werden ließ.
Neuerlich entfachte sich dieses wohlige Kribbeln in seinem Bauch und sein Herz schlug aufgeregter in seiner Brust. Seine himmelblauen Augen ruhten auf ihrem hübschen Gesicht, wobei er ihre vollen Lippen einen kurzen Moment ausgiebig betrachtete.
Himmel, wie sehr sich Tim wünschte sie hätte ihre wahre Gestalt und würde nun mit diesem wundervollen, üppigen und weichen Hintern auf seinen Lenden ruhen. Obendrein sinnierte er für den Moment wie herrlich sich ihre soften Kurven an seinen harten Muskeln anfühlen würden.
Seine Gedanken begannen mit einem Mal nur noch um sie zu kreisen, doch ihre Frage holte ihn schon wenige Atemzüge später aus seinen sehnsüchtigen Vorstellungen zurück.
„Geht das so, Tim?“
Ertappt starrte er sie für den Moment mit großen Augen an, ehe er begriff, was sie mit ihrer Frage meinte.
Mit neugewonnener Fassung testete er, ob er alle Instrumente erreichen konnte, woraufhin er ihr fast schon scheu lächelnd zu nickte. „Ja, alles gut.“
„Wir fliegen nun nach Bagghar, oder?“ Der Kapitän klang recht ängstlich und man konnte deutlich heraushören, dass ihm das Fliegen offenbar alles andere als geheuer war.
Zur Bestätigung seiner Frage nickte Tim und gab einen zustimmenden Laut von sich, wobei er nach dem Steuerungshandbuch griff. Während er in diesem blätterte, konnte er nicht anders als Krys’ Nähe zu genießen.
Es fühlte sich trotz allem so gut an sie bei sich zu haben. Er liebte sie abgöttisch, egal in welcher Gestalt, wenn er auch ihre wahre Gestalt immer vorziehen würde.
Seine Krys war eben seine Krys. Egal wie er es drehte und wendete.
Tim begann nun den Motor zu starten und richtete die Ruder des Flugzeugs aus, wobei Haddock hoffnungsvoll fragte: „Sie wissen, was Sie tun, oder, Tim?“
Er hingegen studierte das Handbuch, runzelte leicht die Stirn und überprüfte die Instrumente. „Hmmm… mehr oder weniger.“
Etwas panischer erkundigte sich der Kapitän im Anschluss: „Was nun? Mehr oder weniger?“
Tim ließ das Flugzeug sich in Bewegung setzen und versuchte Haddock zu beschwichtigen, in dem er zu ihm sagte: „Ganz ruhig. Ich habe mal einen Piloten interviewt.“
Nun blickte auch Krys ihn mit überrascht geweiteten Augen an, ehe sie kurz darauf ihre Fassung wiedererlangte und leise murmelte: „Wahnsinnig beruhigend.“
Schließlich hob die Maschine ab und sie nahmen Kurs auf Bagghar, doch auf ihrem Weg dorthin lag eine riesige Gewitterfront, die sie passieren mussten. Tim wusste, dass es gefährlich werden würde, doch sie mussten die Zähne zusammenbeißen und dort durch. Sonst würde Sakharine ihnen zuvorkommen und das mussten sie um jeden Preis verhindern.
๑⊱☆⊰๑
Sahara
๑⊱☆⊰๑
Tim manövrierte das Flugzeug geschickter als erwartet durch das gewaltige Gewitter, was schon schwierig genug war. Zu allem Überfluss machte das Flugzeug plötzlich Mucken, da der Tank fast leer war.
Das war nicht gut. Das war überhaupt nicht gut.
Sie mussten schleunigst etwas unternehmen, sonst würden sie abstürzen. So trug Tim dem Kapitän auf hinauszuklettern und den Tank mit dem medizinischen Alkohol aufzufüllen, der sich für Notfälle an Bord befand. Es kam jedoch anders, als Tim gehofft hatte.
Widerwillig hatte sich der Kapitän den Fallschirm umgeschnallt, der ihm als Absicherung dienen sollte.
Kaum hatte dieser die Tür geöffnet, schloss er sie direkt wieder und sah zu Tim und Krys. „Was für ein schreckliches Wetter da draußen herrscht. Es ist kalt und… und es regnet.“
Natürlich versuchte er sich irgendwie zu drücken, doch darauf konnte Tim keine Rücksicht nehmen. Hier standen Leben auf dem Spiel.
Er wandte sich zu Haddock um, blickte ihn mit stechenden Augen an und fauchte etwas unwirsch: „Und Sie wollen ein Haddock sein?!“
Krys blickte ihren Vater ebenfalls mit strengem Gesichtsausdruck an und deutete mit einem Fingerzeig stillschweigend Richtung Tür, um Tims Worte zu unterstreichen. Mit Tims Worten und der Geste von Krys fand der Kapitän glücklicherweise seinen Mut wieder, kletterte hinaus und brachte sich schließlich behände auf den Rumpf der Maschine, wo der Tank saß.
„Beeilen Sie sich, Kapitän. Wir fliegen nur noch mit Dämpfen“, rief Tim dem Kapitän durch die Scheibe zu.
Tim sah sich schon zusammen mit den anderen ins Meer stürzen. Dennoch hing seine ganze Hoffnung an dem Kapitän, der nun auf dem Rumpf saß.
Krys machte Tim jedoch kurz darauf auf die leere Alkoholflasche aufmerksam, die am Fußboden rum kullerte. Tims Augen weiteten sich entsetzt und ihm wurde ganz flau in der Magengegend.
Wie sollten sie denn jetzt das Flugzeug in der Luft halten?
Was der Kapitän dann tat, überraschte nicht nur Tim, sondern auch Krys. Mit erstaunten Gesichtsausdrücken beobachteten sie Haddock bei seinem Vorgehen, während Krys leise murmelte: „Bitte, lass das helfen. Was immer er da auch tut.“
Haddock nutzte die Tatsache, dass er eine extreme Alkoholfahne hatte und rülpste beherzt in den Tank hinein, was zur Folge hatte, dass die Dämpfe darin das Flugzeug noch ein wenig länger in der Luft hielten.
Zum Absturz kam es trotz all seiner Mühen. Denn plötzlich tat sich die Wüste Sahara vor ihnen auf, die sie durch die dicken Gewitterwolken zuvor nicht für voll genommen hatten.
Tim versuchte das Flugzeug mit aller Kraft herumzureißen und nicht gegen eine der Dünen prallen zu lassen.
Es half jedoch alles nichts. Die Maschine sank immer tiefer und als wäre das noch nicht genug, brach der Steuerhebel ab.
Entgeistert tauschten Tim und Krys einen Blick miteinander, ehe der Boden immer näherkam und beide sich eng umschlangen. Struppi hatte dabei Schutz auf Krys’ Schoß gesucht und ließ sich von Tim enger zu ihnen heranziehen. Diese Umarmung diente einzig und allein dem Schutz füreinander, da sie so hoffentlich nicht zu sehr durch das Flugzeug geschüttelt wurden.
Das Wasserflugzeug landete unsanft in einer Düne und warf die drei durch das Glasfenster des Cockpits. Ab da wurde Tim schwarz vor Augen, da er durch den harten Aufprall kurzfristig das Bewusstsein verlor.
๑⊱☆⊰๑
Erst nach einigen Minuten kam Tim wieder zu sich, woraufhin er sich mühsam aufsetzte und seinen benommenen Blick schweifen ließ. Alle waren wohl auf, was ihn sehr beruhigte. Struppi drückte sich glücklich an ihn und ließ sich kurz darauf liebevoll von Tim murkeln.
Was ihm allerdings nach mehrmaligen Umschauen auffiel, war, dass ihre Gefangenen fort waren. Tim mutmaßte das diese sich irgendwie befreit hatten und vor dem Absturz aus dem Flugzeug gesprungen sein mussten. Anders konnte er sich ihr Verschwinden nicht erklären, denn von der Absturzstelle führten keine Fußspuren fort.
Nach einer kurzen Verschnaufpause hatten sich die drei zusammen mit Struppi auf den Weg durch die Wüste gemacht und hofften darauf Bagghar bald zu erreichen.
๑⊱☆⊰๑
„Das Land des Durstes… ich bin im Land des Durstes“, drang es vom Kapitän immer wieder an Tims Ohren, während er ihn freundlicherweise gestützt hielt und sich mit ihm durch die schier endlosen Dünen der Sahara schleppte.
Es war unerträglich heiß. Die Sonne knallte unerbittlich auf sie herab und die Worte des Kapitäns machten all das nicht besser, denn auch Tim plagte ein schrecklicher Durst.
Seinen hellblauen Pullover um die Hüfte gebunden und mit einem weißen Tuch seinen Kopf vor der Sonne geschützt, wanderte er schon gefühlte Wochen durch die Wüste. Obwohl sie erst ein paar Stunden unterwegs waren.
Zu allem Überfluss war der Kapitän die ganze Zeit nur am Jammern und obendrein musste er diesen nicht nur stützen, sondern auch sein schwarzes Jackett und seinen dunkelblauen Pullover tragen. Manchmal, so wie jetzt, verfluchte Tim sein viel zu gutes Herz.
Krys hingegen fächerte sich immer wieder mit der einen oder anderen Hand etwas Luft zu, während sie ihrem Vater hin und wieder einen giftigen Blick zuwarf. Die rötliche Schleife, die sie üblicherweise als Gürtel um ihre Taille trug, hatte sie als schützende Kopfbedeckung verwendet, wobei ihr dennoch einige Strähnen ins Gesicht fielen und ihr langes Haar, ab den Schultern, der Saharasonne ausgesetzt war.
Für einen kurzen Moment beobachtete Tim wie sie sich neben Struppi, welcher einen riesigen Knochen im Maul trug, herschleppte. Doch schon im nächsten Moment war es wieder der Kapitän, der Tims ganze Aufmerksamkeit abverlangte.
Haddock begann erneut vor Durst zu stöhnen und immer wieder zu sagen, dass er sich im Land des Durstes befand.
Entnervt rollte Tim mit den Augen und sah ihn streng an. „Können Sie jetzt mal aufhören?“
Unerwartet ließ der Kapitän sich auf die Knie fallen, hielt sich noch halb an Tim fest und riss ihn dabei fast mit in den Sand.
„Ich sitz auf dem Trockenem. Ich sitz auf dem Trockenem. Sie wissen nicht, wie sich das anfühlt…“, wimmerte der Kapitän kindlich in die heiße Nachmittagsluft hinein und sah Tim dabei mit unglücklichem Blick an.
Krys und Struppi waren daraufhin nähergekommen, wie Tim aus dem Augenwinkel festgestellt hatte. Wohlmöglich hatte sie vor zu helfen, sollte Hilfe von Nöten sein.
„Stehen Sie auf Kapitän, wir müssen weiter. Ein Fuß vor dem anderen und wenn es sein muss, dann stützten Sie sich noch mehr auf mich“, gab Tim bemüht beherrscht von sich, während er Haddock wieder auf die Beine half und mit diesem wieder einige Schritte vorwärts ging.
Das Jammern des Kapitäns hörte jedoch nicht auf, sondern fühlte sich an, als würde es sogar noch schlimmer werden. „Ein Mensch überlebt nur eine gewisse Zeit ohne Nahrung und Wasser.“
Ihrem Vater einen bitterbösen Blick über die Schulter zuwerfend, blieb Krys für den Augenblick stehen und raunzte ihn an: „Papa, das reicht jetzt! Wir haben alle Durst und Hunger. Tu also nicht so, als wärst du allein mit deinem Elend.“
Auf diese Worte hin sah Tim zu Krys und beobachtete wie sie sich schnaubend abwandte und den Kopf schüttelnd ihren Weg fortsetzte. Recht hatte sie mit dem, was sie sagte.
Tim hatte mindestens genauso Durst, sein Magen knurrte und die Hitze zerrte an seinem bereits sehr dünnen Nervenkostüm. Allerdings war er bemüht es sich nicht allzu sehr anmerken zu lassen.
Nicht nur aus dem Grund, dass er dann perfekt hätte mit Haddock zusammen im Chor jammern können, sondern vielmehr, weil die Zeit drängte. Für solches Geheule hatte er schlichtweg einfach keine Zeit.
„Sie hat Recht, Kapitän. Es gibt außerdem schlimmere Dinge, als ab und zu mal nüchtern zu sein“, pflichtete Tim seiner Krys bei, ehe sie sich weitere Meter durch die Sahara bewegten.
Plötzlich riss sich der Kapitän los, ging mit großen Schritten auf eine Düne zu und rief immer wieder, dass dort Wasser sei und sie gerettet wären.
„Papa! Stopp! Da ist keine Oase!“ Die Rufe von Krys ignorierend lief der Kapitän zielstrebig weiter.
„Warten Sie, Kapitän! Das ist nur eine Fatamorgana!“ Doch auch die Aussage von Tim stoppte ihn nicht.
Selbst die Tatsache, dass Struppi an seinen Hosenträgern zerrte, hielt ihn nicht auf. Schon im nächsten Augenblick fiel der Kapitän Kopf über die Düne hinunter und landete am Ende von dieser auf allen Vieren. Sofort machten sich Tim, Struppi und Krys auf dem Weg zu ihm und gesellten sich zu ihm.
Etwas vorgebeugt stand Krys ganz besorgt bei ihrem Wahl-Vater, während Tim sich zu ihm gekniet hatte. „Ihr Verstand spielt Ihnen Tricks. Das macht die Hitze.“
Er wollte dem Kapitän begreiflich machen, dass die Hitze schuld daran war, dass er sich die Oase eingebildet hatte.
Doch nun gab der Kapitän ganz merkwürdige Worte von sich, die Tim die Stirn furchen ließen. „Ich muss zurück in die Heimat… ich muss zurück aufs Meer.“
Auf diese Worte hin tauschten Tim und Krys einen verwirrten Blick miteinander, ehe sich der Kapitän langsam erhob und in die Richtung seiner Tochter deutete.
„Haben Sie je etwas Schöneres und Anmutigeres gesehen?“, begann Haddock ganz entzückt von sich zu geben, woraufhin Tim ihm und seinen Bewegungen mit zweifelndem Blick folgte.
Er begriff überhaupt nicht, was dieser gerade von ihm wollte. Geschweige denn was plötzlich in den Kapitän gefahren war.
Als sein Blick dem Fingerzeig des Kapitäns folgte erblickte er Krys und die Frage vom Kapitän hallte in seinem Kopf wider. In diesem Augenblick musste Tim beinahe schmunzeln, denn er hatte wahrhaftig noch nie etwas Schöneres und Anmutigeres gesehen als seine Krys.
„Sie dreht sich in den Wind…“, fuhr Haddock fort und wie aufs Stichwort zog ein Lufthauch über sie hinweg, wobei sich die Kleidung und das Haar von Krys zärtlich im Wind wogen.
Tim verstand noch immer nicht, wovon der Kapitän sprach und doch war es gerade nur Krys, die seine volle Aufmerksamkeit genoss. Dabei wurde ihm neuerlich vor Augen geführt, wie bildschön und elegant sie war.
Dennoch hatte die Sache einen großen Wehrmutstropfen. Sie stand nicht in ihrer wahren Gestalt vor ihm.
„… unter vollen Segeln“, beendete Haddock seinen Satz und erntete damit wieder Tims Aufmerksamkeit, denn ihm dämmerte langsam, worum es bei seinen Worten eigentlich ging.
Krys hingegen blickte rätselnd, man könnte meinen sie suchte das auf was ihr Vater gedeutet hatte, hinter sich, ehe sie ihn wieder verwirrt und besorgt ansah.
Haddock stand nun zu voller Größe aufgerichtet und mit etwas Abstand vor seiner Tochter. „Ein drei Master. Doppeldecks. Fünfzig Kanonen.“
In diesem Moment verstanden Tim und Krys endlich, wovon der Kapitän sprach. Augenblicklich richtete sich Tim ebenfalls wieder zur vollen Größe auf, trat näher an Haddock heran und fragte vorsichtig: „Die Einhorn?“
Im nächsten Moment strahlte der Kapitän ihn an, nickte fast unmerklich und meinte ganz angetan zu ihm: „Ist sie nicht bildhübsch?“
Zustimmend nickte Tim ihm zu und antwortete lächelnd: „Ja. Ja, das ist sie…“
Für einen Bruchteil von Sekunden glitten bei seiner Antwort seine himmelblauen Augen hinüber zu Krys, wobei er neuerlich feststellte, dass sie in jeder Form wirklich wunderschön war. Am schönsten jedoch in ihrer natürlichen.
Er rief sich allerdings einige Herzschläge später zur Ordnung und sah den Kapitän hoffnungsvoll an. „Erzählen Sie, was können Sie noch sehen?“
Natürlich kam Haddock seiner Bitte mit Begeisterung nach und erzählte Tim, Krys und sogar Struppi wie der Kurs der Einhorn war, was sie an Spezialitäten ferner Länder geladen hatte und dass deren Crew sich nach der Heimat sehnte. Er erzählte jedoch auch, dass ein Unwetter aufgezogen war und ein anderes, kleineres Schiff die Einhorn zum Kampf herausforderte.
Es hatte nicht nur eine Piratenflagge gehisst, sondern auch den roten Wimpel. Ein Zeichen für jeden Seemann, dass ein Kampf auf Leben und Tod folgte.
Er beschrieb voller Elan den Kampf zwischen Ritter Franz von Hadoque und der Piratencrew, doch schlagartig schien er aus seiner Illusion zu erwachen, als er auf den Piratenkapitän zu sprechen kam. Dieser betrat in dieser gerade das Schiff und machte die Situation richtig spannend.
„Es… es ist weg…“, gab Haddock ganz verwundert von sich und sah sich dabei suchend um, als hätte er etwas verloren.
„Wie meinen Sie das? Es ist weg? Was ist danach passiert?“, wollte Tim ein wenig verständnislos von dem Kapitän wissen.
Er wusste nicht was plötzlich geschehen war, denn der Kapitän wirkte alles andere als wusste er überhaupt noch, was er gerade erzählt hatte.
Sakharine plante etwas Furchtbares und dafür würde er über Leichen gehen. Tim wusste, dass dies alles andere als sensibel war. Doch er würde den Kapitän dazu zwingen müssen sich zu erinnern, sonst wäre alles umsonst gewesen.
„Beim Jupiter, ich habe einen Bart. Seit wann habe ich denn einen Bart?!“, stellte Haddock vollkommen entsetzt fest und rieb sich dabei über seinen zerzausten Vollbart.
Ohne darauf einzugehen, trat Tim an seine Seite und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Kapitän. Irgendetwas ist auf der Einhorn passiert. Das ist der Schlüssel, der uns alles eröffnet. Bitte, Sie müssen versuchen sich zu erinnern.“
Der Kapitän jedoch wandte sich mit verwundertem Blick von Tim ab, als hätte er nichts gehört und begann erneut vor Durst zu jammern.
„Papa! Jetzt reiß dich mal zusammen, Hagel und Granaten!“, fauchte Krys mit den Händen in die Seiten gestemmt ihren Vater an und blickte dabei tadelnd zu ihm.
Voller Entsetzen wandte sich Haddock seiner Tochter zu und gab schockiert von sich: „Christin? Um Himmels Willen, seit wann bist du so groß? Du gingst mir gestern doch noch nicht mal bis zur Hüfte.“
Völlig aus der Fassung geworfen war es nun Krys, die ihren Vater schockiert ansah. Die Szenerie hätte Tim beinahe ein Schmunzeln abgerungen, wäre es nicht so bitterernst gewesen.
Schließlich wandte sich der Kapitän ganz verzweifelt von Tim und Krys ab, hob die Arme zum Himmel und ging einige Schritte. „Was passiert nur mit mir?“
Zum Glück waren die beiden und auch Struppi zu ihm geeilt, denn schon im nächsten Moment verlor er das Gleichgewicht und sackte in sich zusammen. Tim fing ihn gerade noch auf, doch auch er ging dabei zu Boden.
Mit dem Kapitän in seinem Arm, Krys und Struppi neben sich sah er besorgt auf diesen nieder.
„Wer hätte das gedacht? Und das innerhalb eines Tages in der Sahara.“ Tim sah den Kapitän etwas erschöpft an. „Herzlichen Glückwunsch, Kapitän. Sie sind vollkommen nüchtern.“
Auf diese Worte hin sah dieser Tim aus dem Augenwinkel an, ehe er diese kurz darauf schloss.
Krys hingegen atmete tief durch, klopfte ihm die Schulter und sagte liebevoll zu ihrem Wahl-Vater: „Keine Sorge, Papa. Das ist alles nichts, was wir nicht überstehen könnten.“ Bewunderung stieg in Tim auf, als er ihre Worte vernahm. Sie hatte wahrlich einen starken Kämpfergeist und diesen strahlte sie auch mit jeder Faser ihres Körpers aus.
Allerdings war sie mittlerweile genauso schwach wie Tim, Haddock und Struppi. Er konnte daher nicht sagen, ob dies ihr unermüdlicher Optimismus oder nur der Versuch eines Schönredens war.
๑⊱☆⊰๑
Feldwache von Afgha
๑⊱☆⊰๑
Es kam, wie es kommen musste. Auf ihrem beschwerlichen Weg durch die Sahara waren sie alle drei in der Nacht vor Erschöpfung zusammengebrochen.
Was keiner der drei wusste, war, dass Struppi die ganze Zeit nach Hilfe gebellt hatte. Unermüdlich hatte der weiße Fox Terrier an ihrer Seite gewacht und immer wieder hinaus in die kühle, sternenklare Nacht gebellt und gejault.
Fortuna war ihnen hold, denn sie wurden von einem Trupp Soldaten gefunden und zur Feldwache von Afgha gebracht. Dort wurden sie mit Wasser notversorgt und in Betten in der Krankenstation gelegt, damit sie sich dort erholen konnten.
๑⊱☆⊰๑
Am zweiten Morgen war Tim schon wieder putzmunter und fühlte sich kräftig genug, um das Bett zu verlassen. Was auch kein Wunder war, denn er hatte den letzten Tag komplett durchgeschlafen.
Die ausgiebige Dusche im Anschluss empfand er als mehr als nur wohltuend, da sie nach dem Marsch durch die Sahara nicht nur den Sand wegspülte, sondern auch herrlich kühl war. Freundlicherweise hatte man sich um seine Kleidung gekümmert, die nun wieder frisch und sauber war.
Als Übergang hatte man ihm ein Krankenhausleibchen zur Verfügung gestellt, damit er nicht gänzlich nackt war. Großzügig, wie Tim empfand.
Die Soldaten und der hiesige Kommandant hatten sich wirklich gut um ihn gekümmert, was keine Selbstverständlichkeit war. Etwas, das Tim nur zu genau wusste. Immerhin hatte er schon oft das unangenehme Vergnügen gehabt in Fremdenlegionen aufgenommen und dort schlussendlich, wie Abschaum behandelt worden zu sein.
Seinen treuen Struppi hatte er ebenfalls eine kühle und wohltuende Dusche zugutekommen lassen, denn sein strahlendweises Fell war sehr schmutzig geworden. Nun jedoch strahlte sein Hund und war sichtlich glücklich wieder sauber zu sein.
Schließlich hatte er sich seine frische Kleidung angezogen und das Frühstück verspeist, welches er sich in der Kantine geholt hatte. Suchend hatte er sich während des Frühstücks umgesehen und hoffte Haddock oder seine Krys zusehen.
Am liebsten beide, doch er erblickte keinen von ihnen. Er musste gestehen, dass er das Bett verlassen hatte, ohne nach ihr oder Haddock gesehen zu haben, weshalb er eigentlich gar keine Ahnung hatte wie es ihnen ging.
Ein äußerst egoistischer Zug, der sich durch seine einsamen Reisen, dessen einzige Begleitung Struppi war, bei ihm eingeschlichen hatte. Wofür er sich in diesem Moment sogar ein bisschen schämte.
Er versprach den anderen, vor allem Krys, in seinen Gedanken dies in Zukunft besser zu machen. Immerhin war er nun nicht mehr mit Struppi allein.
Tims Gedanken schweiften ab und er dachte über Haddocks Geschichte nach, wobei er zu hoffen begann, dass es ihm heute ebenfalls schon besser ging. Er musste unbedingt mit dem Kapitän darüber reden und herausfinden, wie die Geschichte von Ritter Franz von Hadoque auf der Einhorn weiterging.
Seine Erinnerungen waren der Schlüssel zu dem ganzen Geheimnis und nur mit diesem Wissen würden sie in der Lage sein Sakharine aufzuhalten.
๑⊱☆⊰๑
Nach dem Frühstück hatte Tim zusammen mit Struppi die Kantine verlassen und machte sich auf den Weg zum Kapitän. Er hoffte, dass dieser bereits wach war und sie über seinen gestrigen Erinnerungsschub sprechen könnten.
Plötzlich erschien vor seinem geistigen Auge das Antlitz Krys‘ und Erinnerungen flackerten in ihm auf, wie sie in der Sahara stand und der heiße Wind lieblich ihr Haar und Kleid wog. Sein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen, während die Erinnerungen vom Traum, der letzten Nacht, zu ihm zurückkehrten.
Sie waren verschwommen und nicht klar zu deuten, doch an eines erinnerte er sich sehr genau, als hätte er es tatsächlich erlebt. Er hatte Krys eng in seinen Armen gehalten, während er von ihren vollen, rötlichen Lippen gekostet hatte.
Ein kleines Schmunzeln zierte seine feinen Gesichtszüge. Tim fühlte wie ihm bei seinen Erinnerungen ein warmer und angenehmer Schauer über den Rücken floss und sein Herz kräftiger in seiner Brust schlug.
Es war so eigenartig und vollkommen neu, dies zu fühlen. Nie zuvor hatte es eine Frau geschafft ihn dermaßen fühlen zu lassen und ihm zu imponieren.
Krys jedoch schaffte dies ohne Weiteres. Ganz allein durch ihre Anwesenheit, ihrer anmutigen Schönheit und ihrem eigenwilligen sowie starken Charakter, war es ihr gelungen Tim vor so langer Zeit für sich zu gewinnen.
Vielleicht sollte er lieber ihr zuerst einen Besuch abstatten. In der Tat gefiel ihm dieser Gedanke gerade wesentlich besser.
Schließlich blieb Tim stehen, sah sich auf dem großen Hof um und beobachtete, wie gerade eine Patrouille zurück zur Feldwache kam. Seine himmelblauen Augen glitten suchend über das Feldlager hinweg, da er eine ganz bestimmte Person suchte. Doch anstatt seine Priorität darauf zu legen Leutnant Delcour zu finden, um ihn zu fragen, wie es dem Kapitän ging, hoffte er vor allem nun darauf Krys zu entdecken.
Plötzlich bellte Struppi neben ihm auf und rannte davon. Erschrocken drehte Tim sich um und sah seinem Fox Terrier hinterher.
Gerade wollte er ihn zur Ordnung rufen, doch schloss er seinen Mund wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Tim entspannte sich wieder, atmete auf und musste schließlich lächeln, als er Krys erblickte.
Sie hatte gerade die Schleife ihres Hüftbandes gebunden, als Struppi bei ihr ankam. Voller Freude und Zuneigung im Gesicht hockte sie sich zu dem fröhlichen, weißen Hund und streichelte liebevoll über seinen Kopf sowie dessen Rücken. Ein Anblick, der ihm ganz warm ums Herz werden ließ.
Für einige Herzschläge nahm er nichts weiter wahr, außer diese beiden. Ihr Anblick strahlte so viel Sanftheit, inmitten dieser harten und militärischen Umgebung, aus.
Kurz nach dieser freudigen Begrüßung löste Struppi sich von Krys und rannte freudig bellend zu Tim zurück. Als Krys sich erhob und Tim ins Gesicht sah, schenkte sie ihm ein glückliches Lächeln und kam auf ihn zu.
Tim musste dabei feststellen, dass sein Herz erneut schneller zu schlagen begann.
„Guten Morgen, Füchschen“, begrüßte sie ihn in einem sanften Ton, blieb dicht vor ihm stehen und strich sich eine ihrer widerspenstigen Strähnen hinters Ohr.
„Einen schönen guten Morgen, Nixchen.“ Tim erwiderte ihren sanften Gruß, musterte sie kurz von Kopf bis Fuß und fügte hinzu: „Es freut mich zusehen, dass du wieder bei Kräften bist.“
„Gleichfalls.“ Sie konnte diesen Worten nur zustimmen und diese ebenso aufrichtig zurückgeben, woraufhin Tims Herz einen kleinen Hüpfer machte.
„Komm schon her.“ Mit diesen Worten griff Tim sachte nach ihren Händen und zog sie zu sich in die Arme, woraufhin sie sich direkt an ihn schmiegte.
Kurz darauf ließ er ihre Hände los und schlang sie um ihre Taille, während sie ihre Arme inniglich um seine Schultern legte.
„Mmmh, das habe ich gebraucht“, säuselte Krys selig und atmete merklich seinen Duft ganz tief ein, was ihn nur noch mehr lächeln ließ.
Vorsichtig wandte Tim seinen Kopf in ihre Richtung, woraufhin sie zu ihm aufsah und mit ihren leuchtenden rehbraunen Augen anlächelte. Langsam senkte er den Kopf und kam ihren Lippen mit seinen näher.
Als sie bemerkte, wonach er sich ganz offenkundig sehnte, lachte sie leise und schloss ihre Lider. Nur einen Atemzug später kam sie ihm entgegen und schloss die Distanz zwischen ihnen.
Kaum das sich ihre Lippen berührten schloss auch Tim flatternd seine Augen und seufzte selig in den Kuss hinein. Noch ein wenig mehr zog er sie dabei an sich, so dass kein Lufthauch mehr zwischen ihnen Platz hatte.
Liebevoll und in einem innigen Rhythmus bewegten sich ihre Lippen gegeneinander, während Tim sich erlaubte für diesen kurzen Augenblick vollkommen in diesen innigen Kuss hineinzuschmelzen.
Doch leider wurde ihm wieder bewusst, wo sie sich aufhielten, als er einen Offizier seinen Soldaten Befehle entgegen bellen hörte. Dabei fiel ihm wieder ein, warum sie hier waren.
Schmerzlich und doch langsam löste er seine Lippen von ihren und lehnte mit einem entschuldigenden Blick seine Stirn an ihre.
„So sehr ich das brauchte und noch mehr davon will… die Zeit drängt.“ Bedauern lag in seiner Stimme, als er Krys dies sagte, und er hörte sie unzufrieden deswegen aufseufzen.
Leicht nickte sie und schaute ihn mit ihren rehbraunen Augen sanft an, wobei ein kleines Lächeln ihre vollen Lippen zierte. „Mehr würde ich auch wollen. So viel mehr. Aber du hast recht.“
Im nächsten Moment löste sich Krys von ihm und Tim ließ es einfach zu. Obwohl das Bedürfnis gigantisch war nachzugreifen und sie beim Handgelenk wieder zu sich in die Arme zu ziehen.
Doch es musste jetzt so sein. Aber Tim schwor sich innerlich, dass wenn dieses Abenteuer vorbei war, dass es eine ganze Weile nur sie beide geben würde.
Nun deutete er leicht hinter sich. „Ich war auf dem Weg, um nach Leutnant Delcour zu suchen. Ich hatte gehofft, dass er mir etwas über den Zustand vom Kapitän sagen könnte. Möchtest du mitkommen?“
Auf seine Frage hin nickte Krys zustimmend mit nun mehr besorgterer Miene. „Gerne. Papa wirkte heute Morgen sehr wunderlich. Es ist vermutlich nicht verkehrt einmal nachzufragen.“
Dies machte Tim nicht unbedingt Mut, da er eigentlich hoffte, dass Haddock wieder fit war. Dem Blick Krys’ nach zu urteilen, bereitete sein Zustand ihr jedoch Sorgen.
Anschließend sah sie sich kurz um und deutete schließlich in eine Richtung. „Dort ist der Leutnant.“
Ohne auf Tim zu warten, lief sie los, bahnte sich einen Weg durch einige Soldatengruppen und erreichte ihn nach wenigen Momenten. Tim war ihr zusammen mit Struppi rasch gefolgt und lief nun neben dem Leutnant her, welcher ziemlich geschäftig wirkte. Der große Mann hatte sich gerade seine Pfeife angezündet, als die beiden und Struppi bei ihm ankamen.
Wortlos hatte Tim nach Krys‘ Hand gegriffen, woraufhin sie sogleich ihre Finger zwischen seine schob. Dies hatte ihm ein herrliches Gefühl von Stolz und Zufriedenheit in seiner Bauchgegend beschert.
Nach einer kurzen Begrüßung und einem herzlichen Dank für die Rettung der drei samt Struppi, fragte Tim ihn nun: „Wie geht es meinem Freund? Kapitän Haddock.“
Delcour lachte leise auf und winkte schließlich bei ihrer Danksagung ab. „Das war Ehrensache. Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm, um nach ihm zusehen. Vielleicht möchten Sie beide ja gern mitkommen?“
Wie aus einem Mund hatten Tim und Krys mit „Ja.“ geantwortet, woraufhin sie einen kurzen, sanften Blick tauschten. Im Anschluss gingen sie über das Gelände zur Krankenstation.
Bevor der Leutnant die Tür jedoch öffnete, klärte er die beiden darüber auf das Haddock einen verwirrten Eindruck machte und der Arzt, der vor wenigen Minuten bei ihm war, davon ausging das er im Delirium war. Auf diese Auskunft hin hatten Tim und Krys nur einen weiteren, wenn auch weitaus besorgteren, Blick miteinander getauscht.
Das klang gar nicht gut. Die Sahara musste Haddock mehr als gedacht zugesetzt haben.
Schlussendlich betrat Delcour mit den zwei Soldaten, die vor der Krankenstation wache gehalten hatten, eben diese. Delcour sah Haddock fröhlich, geduscht und offensichtlich gut bei Kräften auf dem Bett sitzen und ein Glas mit klarer Flüssigkeit in der Hand haltend.
„Ah, Haddock. Sie sind wieder wach, sehr gut. Ich habe hier zwei, die Sie gerne sehen würden“, verkündete der Leutnant freudig, paffte an seiner Pfeife und ließ Tim, Krys und auch Struppi in die Krankenstation eintreten.
„Hallo Kapitän“, begrüßte Tim diesen höflich, woraufhin dieser erst ihn, dann Krys und zu guter Letzt den Fox Terrier verwirrt musterte.
Im Anschluss schüttelte Haddock bestimmend den Kopf und meinte höflich zu den beiden: „Oh, ich glaube ihr zwei habt euch in der Tür geirrt.“
Erneut tauschten Tim und Krys einen alarmierten Blick, ehe sie fragend zu Delcour schauten. Der Leutnant hingegen stand mit ruhigem Gesichtsausdruck daneben, strich sich durch seinen kurzen, kupferfarbenen Bart und zuckte etwas ratlos mit den Schultern.
Es half alles nichts, Tim musste mit ihm reden und versuchen die Wahrheit zu erfahren. Er machte sich dabei auf ein sehr langes Gespräch gefasst.
Wobei er hauptsächlich dabei sein würde ihm zu erklären, wer er war und was sie bisher erlebt hatten. Keine rosigen Aussichten, doch da musste Tim nun durch.
Vielleicht würde Krys ihm dabei eine große Hilfe sein.
Immerhin war sie in diesem Universum Haddocks Tochter und diese würde er ja wohl kaum vergessen haben, oder?
„Kapitän. Ich bin’s. Tim. Erinnern Sie sich nicht an unseren Flugzeugabsturz in der Sahara?“, erkundigte sich Tim ein wenig betrübt, während er Krys‘ Hand widerwillig losließ und zu Haddock ans Bett trat.
Struppi, Krys und auch der Leutnant waren nähergetreten, während ihre Blicke auf dem Kapitän ruhten.
„Oh, nein. Nein. Sie müssen mich verwechseln, junger Mann. Ich bin Seemann und reise ausschließlich per Schiff“, antwortete der Kapitän mit einem Schmunzeln im Gesicht und wandte seinen Blick seiner Tochter zu.
Diese stand mit besorgtem Blick und vor den Brüsten verschränkten Armen vor dem Bett. „Und Sie sind… wer?“, wollte er nun höflich von Krys wissen.
Tim bemerkte, wie ihr Gesichtsausdruck mürrischer wurde und sie leicht schnauben musste. Eindeutig war in ihrem Gesicht zu lesen, dass ihr die Situation schon jetzt auf die Nerven ging und seine augenscheinliche Amnesie sie sogar verletzte.
„Auch wenn du Tim vergessen hast, aber an mich wirst du dich doch wohl noch erinnern.“
Musternd und den Mund zu einer nachdenklichen Schnute verzogen ließ Haddock seine Augen über ihr Gesicht und ihren Körper wandern.
Kurz darauf lachte er peinlich berührt auf und schüttelte den Kopf. „Hmmm, nein. Tut mir leid, aber Sie kommen mir kein bisschen bekannt vor, Fräulein.“
„Ich bin deine Tochter. Christin. Hagel und Granaten.“ Diese Worte warf sie Haddock relativ schroff an den Kopf, wobei eine ihrer Augenbrauen sich gefährlich hob und sie ihn dabei mit erwartungsvollem Blick ansah.
Hoffnung stieg in Tim auf, als der Kapitän sie plötzlich ansah, als würde er sich nun doch endlich erinnern. Er öffnete sogar leicht den Mund und schien sich gerade an sein einziges Kind und all die Erlebnisse zu erinnern.
„Christin…“, gab er glücklich von sich und entlockte seiner Tochter damit nun ein hoffnungsvolles Lächeln und eifriges Nicken.
Selbst ihre angespannte Körperhaltung lockerte sich daraufhin.
„Das ist jedoch völlig unmöglich, meine Dame. Da meine Tochter gerade erst fünf Jahre alt ist“, korrigierte der Kapitän sie schließlich noch immer schmunzelnd und nahm im Anschluss einen Schluck aus dem Glas.
Krys hingegen verlor sichtlich jede Hoffnung und das Lächeln wurde gänzlich aus ihrem Gesicht gewischt. Ihr Blick war starr geworden, während sich Entsetzen auf ihren feinen Gesichtszügen widerspiegelte.
Einige Male blinzelte sie ihn wortlos an, ehe ihre Miene nur wenige Atemzüge später wieder puren Missmut ausstrahlte.
Entnervt rieb sie sich mit der Hand über eine ihrer Gesichtshälften und murmelte mehr zu sich als zu den anderen: „Tausend jaulende Höllenhunde, ich bekomm noch einen Anfall mit ihm.“
Der Kapitän blendete offensichtlich nun seinen Besuch vollkommen aus, wandte sich stattdessen dem Leutnant zu und erkundigte sich voller Neugier bei ihm: „Sagen Sie, Leutnant. Was ist das für eine merkwürdige Flüssigkeit, so ganz ohne Bouquet und vollkommen transparent?“
Ein leises Lachen verließ des Leutnants Kehle und er antwortete ihm schließlich ein wenig irritiert: „Nun, das ist Wasser.“
„Woah, Sachen gibt’s, die gibt‘s gar nicht.“ Verblüfft sah Haddock auf das Glas in seiner Hand und nahm sofort noch einen Schluck aus diesem.
Ein wenig peinlich berührt wandte sich Delcour nun an Tim und Krys und strich sich mit der Hand durch sein kurzes hellbraunes Haar. „Wir vermuten er hat eine Gehirnerschütterung… einen Hitzschlag. Auf jeden Fall ist er im Delirium.“
Wie verabredet sprachen Tim und Krys entnervt im Chor: „Er ist bloß nüchtern.“
Mit dieser Antwort hatte Delcour offenbar nicht gerechnet, denn sein Blick wurde ganz verwundert. Schließlich beäugte er den Kapitän prüfend und paffte ein wenig an seiner Pfeife.
Nun reichte es Tim jedoch. Sie hatten genug Zeit vergeudet und er ging davon aus, dass Sakharine ihnen nicht nur dicht auf den Fersen, sondern kurz vor Bagghar war.
So nahm er dem Kapitän das Glas Wasser aus der Hand, stellte es zurück auf das Tablett, welches auf dem Nachtschränkchen stand, nahm sich einen Stuhl und setzte sich dicht zu ihm ans Bett.
Mit fragendem Blick betrachtete Haddock Tim und schien ihm sogar aufmerksam zuzuhören, als dieser seine warme Stimme anhob. „Als wir in der Wüste, nach unserem Flugzeugabsturz, unterwegs waren, erzählten Sie uns von Ritter Franz. Sie sprachen davon, was damals auf der Einhorn passiert war und-“
Plötzlich unterbrach der Kapitän ihn, sah ein wenig grimmig drein und wiederholte ernst den Namen des Schiffes.
Schlagartig änderte sich sein Gesichtsausdruck wieder und er wurde ganz träumerisch. „Einhorn. Das Wesen aus dem Märchenträume entstehen.“
„Nein, das Schiff. Oh, bitte versuchen Sie sich doch zu erinnern, Kapitän. Es sind Leben in Gefahr“, kam es verzweifelt von Tim, als er versuchte den Kapitän dazu zu bringen sich zu erinnern.
Aber offenbar brachte das überhaupt nichts, denn Haddock war in seiner Amnesie vollkommen gefangen. Vielleicht würde es Tage oder Wochen dauern, bis er sein Gedächtnis vollständig zurückhatte. Eine Zeitspanne, die ihnen nicht zur Verfügung stand.
Sachte klopfte Krys ihrem Tim die Schulter, als wollte sie ihm sagen, dass es auf diesem Wege nichts brachte. Mit einem Mal griff sich der Kapitän jedoch an die Kehle, hustete entsetzlich und stellte eine kleine Flasche mit medizinischem Alkohol auf den Nachtschrank zurück.
Tim war ganz erschrocken, erhob sich daraufhin und wollte Haddock irgendwie helfen, als er seinen Hund am Nachtschrank sah. Es dämmerte ihm schlagartig was Struppi getan hatte.
Der Fox Terrier schien eine Flasche mit Alkohol und das Wasserglas vertauscht zu haben, indem er ihm diese hinhielt, als der Kapitän blind nach dem Glas greifen wollte.
„Oh. Okay. Wir sollten jetzt definitiv besser den Raum verlassen“, sagte Krys freundlich lächelnd in die Runde und begann den Leutnant und die Soldaten in Richtung Nebenraum zu scheuchen.
Diese blickten nur fragend zu ihr, doch nahmen sie den Rat anschließend widerstandslos an. Mit Nachdruck pflichtete Tim Krys mit den Worten „Ja, wir sollten jetzt besser gehen.“ bei und hob seinen Fox Terrier auf die Arme, als der Kapitän sein Gesicht voller Wut verzerrte und zu schreien begann. In diesem Moment blickten die Soldaten und Delcour entgeistert auf und huschten in den angesteuerten Raum.
Sollte Haddock sich ruhig austoben. Dabei würde keiner zu Schaden kommen, da alle Personen sich nun im Nebenraum eingefunden hatten. Es schien nämlich so, als könnte ihn im Moment absolut nichts beruhigen.
Gerade entließ Tim Struppi aus seinen Armen, als der Kapitän durch die dünne Holztür polterte und nach dem nächstbesten Säbel griff, den er finden konnte. Tim und Krys wurden bei Haddocks Aktion rücksichtslos zu Boden geschubst, wobei sie unsanft auf dem harten Dielenboden aufkamen.
Tim richtete sich überrumpelt auf, bot anschließend Krys seine Hand an und half ihr so auf die Beine. Ihre Hand haltend, wobei ihre Finger sich um seine Hand geschlossen hatten, und schockiert zu dem Kapitän blickend, stellte Tim fasziniert fest, dass der Alkohol der Schlüssel war, um seine Erinnerungen zurückzuholen. So etwas hatte er wahrlich noch nie erlebt.
Die beiden Soldaten richteten angespannt ihre Waffen auf ihn, doch Tim und der Leutnant schalteten schnell und hielten sie mit einer Handbewegung davon ab. Kurz tauschten die zwei einen zweifelnden Blick miteinander und senkten schließlich widerwillig ihre Waffen.
Der Kapitän schlug mit dem Säbel hin und her, zerdepperte dabei eine Lampe und schrie, wie ein Wilder: „Zeig dich, wenn du dich traust!“
Noch immer hatte Tim die Hand von Krys gehalten, doch sie zog diese nun langsam zurück. Ein sanftes Streicheln ihres Daumens über seinen Handrücken, diente als Entschuldigung für ihr Entziehen.
Sofort sah Tim mit geweiteten Augen zu ihr. In ihrem Blick lag Ruhe und dennoch funkelten ihre rehbraunen Augen vor wilder Entschlossenheit.
Verwirrt sah er ihr nach, als sie sich einige Schritte von ihm entfernte. Gespannt beobachtete Tim, wie sie sich den Säbel eines der Soldaten bevollmächtigte und auf den Schreibtisch zuging, auf dem ihr Vater mittlerweile in Kampfhaltung stand.
„Hier bin ich“, erklang ihre sanfte Stimme, die mit einem Mal hart und unerbittlich war, woraufhin Tim eine Gänsehaut bekam.
Es war beeindruckend zuzusehen, wie sich Krys in eine entschlossene Kämpferin verwandelte und damit in diesem Moment jede Sanftheit ihres Wesens übertünchte.
„Kämpfe.“ Krys hob ihm in gefestigter Kampfhaltung den Säbel entgegen, woraufhin sie den hasserfüllten Blick ihres Vaters erntete.
Dieser streckte ihr die Klinge entgegen, verengte die Augen zu Schlitzen und knurrte vernichtend: „Das ist dein Tod, Red Rackham.“
Auf diese Drohung hin deutete Krys eine Verbeugung an, hob währenddessen leicht die Seite ihres Rocksaums und schenkte dem Kapitän ein herausforderndes Lächeln.
๑⊱☆⊰๑
Es vergingen viele Minuten, welche Tim beinahe wie Stunden vor kamen in denen Vater und Tochter sich ein hitziges Schwertduell lieferten. Bewunderung und Faszination packte Tim, als er sah, wie anmutig Krys die Schläge parierte und gelegentlich selbst zum kräftigen Hieb ausholte.
Ihr Rock und Haar peitschte dabei durch die kühle Luft des Raumes, während sie vollkommen konzentriert, darauf war ihn nicht zu verletzen. Tim bemerkte rasch, dass sie nicht das erste Mal ein Schwertduell ausfochten, und er konnte es sich nur so erklären, dass sie solche Duelle schon oft früher mit ihrem Wahl-Vater auf spielerischer Basis ausgetragen hatte.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Jedoch nicht nur aus dem Grund, dass er in Sorge um Krys war sie könnte verletzt werden, sondern weil sie ihn neuerlich mit all dem, was sie ausmachte, so sehr fesselte.
Krys sprang nun elegant einen Schritt nach hinten. Der Kapitän fuchtelte so wild mit dem Säbel, als er wieder auf den Tisch gestiegen war, dass der Deckenventilator von seiner Halterung getrennt wurde. Dieser stürzte auf ihn nieder und landete zusammen mit Haddock auf den Boden vor dem Schreibtisch.
Durch das Geschrei und Gepolter alarmiert stürmten nun mehrere bewaffnete Soldaten in das Zimmer und richteten, im Kreis um Haddock herum, die Waffen auf ihn. Aus seiner Starre vollkommen erwacht und zusammen mit Krys bahnte sich Tim schnell einen Weg durch die Soldaten.
„Lasst ihn… bitte“, sagte sie freundlich an die Soldaten gewandt, übergab ihren Säbel an Delcour und hockte sich im Anschluss zu Tim und Haddock.
Kurz sah Tim sanftmütig aus dem Augenwinkel zu ihr, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Kapitän richtete. Nun musste er herausfinden welche Erinnerungen der Kapitän zurückerlangt hatte, denn er schien wieder ganz bei sich zu sein.
Ohne, dass Tim oder Krys etwas sagten, blickte der Kapitän beide zu gleichen Teilen an, lächelte etwas und erzählte ihnen: „Ich kann mich wieder an alles erinnern. An alles, was Großvater mir erzählte. Die Einhorn ist gekapert worden. Die Piraten haben das Kommando übernommen, doch die Crew von Ritter Franz hatte sich nicht ergeben. Sie wurden regelrecht überrannt. Rackham hatte, laut Großvater, Ritter Franz als des Königs Hund beschimpft, der die hart erkämpfte Beute zurück zum König bringen sollte.“
Der Kapitän erhob sich, richtete kurz seine Sachen und ging durch das Ärztebüro, während er fortfuhr: „Um seine Crew zu retten würde Ritter Franz alles aufgeben und Preis geben, sogar die geheimgelagerte Beute.“
Endlich erinnerte sich Haddock wieder an alles und erzählte ihnen wie schrecklich und dramatisch die Geschichte verlief. Der Kapitän erzählte, dass Ritter Franz die Beute offenbarte und Rackham sein Wort brach, die Crew am Leben zu lassen.
Ritter Franz würde als nächstes sterben, doch erst am nächsten Morgen, so erzählte Haddock. Der Ritter konnte sich in der Nacht befreien, legte mit einem Fass voller Schwarzpulver durch jedes Deck eine Spur, bis hin zum Schatz. Im Anschluss soll er die Lunte gezündet haben und von Rackham erwischt worden sein.
Beide lieferten sich vom obersten Deck bis hin zu den Unteren einen Kampf auf Leben und Tod, wobei Ritter Franz Rackham niederstach.
Er konnte sich gerade noch aus dem Schiff retten, bevor es explodierte. Doch als er auf einem der treibenden Masten saß, hörte er Rackham vor Wut schreien und ihn, seinen Namen sowie seine Nachfahren verfluchen. Angeblich, so hatte sein Großvater erzählt, hatte er ihm geschworen, dass sie sich in einem anderen Leben und einer anderen Zeit wiedersehen würden.
Jedes Detail und jedes Wort sog Tim dabei wie ein Schwamm das Wasser in sich auf, verinnerlichte die Geschichte und versuchte dabei die Puzzleteile zusammenzufügen.
„Er ist hinter mir her“, stellte Haddock dabei vollkommen schockiert fest und sah Krys und Tim zu gleichen Teilen mit Entsetzen in den hellblauen Augen an.
„Nicht nur das, Kapitän, sondern auch hinter eurem Familienschatz. Diese drei Pergamente sind der Schlüssel dazu, um einen der größten Schätze zu bergen, die jemals in der Geschichte auf den Grund des Meeres sanken“, schloss Tim am Ende der ganzen Geschichte und hatte somit jedes Puzzlestück zusammengefügt.
Endlich ergab alles einen Sinn. Sakharine wollte den Schatz und dabei war es ihm sogar Recht über Leichen zu gehen. In seinem Kopf ratterte es und er hoffte, dass Sakharine noch nicht in Bagghar angekommen war.
Sie mussten um jeden Preis vor ihm da sein und irgendwie das Pergament aus der dritten Einhorn herausholen. Sie würden schon einen Weg finden und selbst wenn es darauf hinauslief, dass sie improvisieren mussten. Wäre für Tim reine Routine, denn nur in seltenen Fällen legte er sich einen Plan zu Recht.
Schließlich streckte Tim seine Hand dem Kapitän und Krys entgegen und sah entschlossen zwischen den beiden hin und her. „Auf nach Bagghar!“
Seine himmelblauen Augen funkelten entschlossen und fingen dabei den Blick und das Lächeln von Krys auf.
Diese nickte zustimmend, legte ihre Hand auf seinen Handrücken und sagte feierlich: „Nach Bagghar!“
Ein Grinsen zierte nun Tims Gesicht und sein Blick richtete sich im Anschluss auf Haddock, welcher seine Hand voller Entschlossenheit aufs Krys’ legte und laut beipflichtete: „Nach Bagghar!“
๑⊱☆⊰๑
Schulze und Schultze
๑⊱☆⊰๑
Am frühen Morgen, regelrecht bei Sonnenaufgang, waren die vier endlich in Bagghar angekommen. Ihre Reise hatte, vom Feldlager von Afgha aus, beinahe eineinhalb Tage gedauert. Es war hierbei sehr freundlich von Leutnant Delcour gewesen ihnen drei Kamele, Wasser und Proviant zur Verfügung zu stellen.
Dies war keine Selbstverständlichkeit, doch der Leutnant hatte darauf bestanden. Obwohl deren eigene Vorräte streng rationiert waren, da der Nachschub derzeit verzögert war.
Vor der Küste Bagghars hatten sie bereits die Karaboudjan ankern sehen, weshalb sie dadurch nur zu genau wussten, dass Sakharine bereits vor Ort war. Frustrierend und nervig, wie Tim empfand. Er hoffte hierbei nur, dass Sakharine noch nicht im Besitz des dritten Pergaments war.
Schließlich hatten sich die vier in der Küstenstadt ein kostengünstiges Hotel gesucht. Die Rechnung für dieses, doch sehr günstige, Hotel trug der Kapitän, denn er war der Einzige, der Bargeld dabeihatte. Tims Geldbörse hatte er leider zu Hause an einen Taschendieb verloren.
๑⊱☆⊰๑
Zusammen mit dem Kapitän, Krys und Struppi ging der Tim durch einige Gassen von Bagghar und sah sich dabei suchend um. Seine Sinne waren geschärft, da er hoffte Sakharine oder Crewmitglieder der Karaboudjan in den Straßen zu erblicken.
Ihr Weg endete vorläufig auf einem Basar. Je länger die vier durch Bagghars Straßen und über den Basar liefen, desto mehr schwand Tims Hoffnung das letzte Einhorn Modell noch vor Sakharine zu erreichen. Einen richtigen Plan, wie sie an das Modell herankommen sollten, hatte Tim ebenfalls noch nicht vollständig erdacht. Im Moment improvisierte er einfach nur und das funktionierte bisher ganz gut.
„Das hat keinen Sinn, Tim. Er könnte überall sein“, kam es ernüchtert vom Kapitän, welcher ein wenig außer Atem war.
Tim hatte nämlich einen recht schnellen Schritt an den Tag gelegt, da er sein Ziel so schnell wie möglich erreichen wollte. Auf dessen Worte hin blieb Tim stehen, sah den Kapitän missmutig an und seufzte leise auf.
So ungern Tim es zugab, aber der Kapitän hatte Recht. Sakharine könnte überall in dieser Stadt sein.
Plötzlich fielen ihm zwei Gestalten auf, welche augenscheinlich ihm und den anderen folgten. Langsam wandte er seinen Blick ab, drehte sich um und setzte seinen Weg fort.
„Nicht umdrehen. Ich glaube wir werden verfolgt“, gab Tim an die anderen beiden im Flüsterton weiter.
Haddock lief neben Tim her, drehte sich einmal um sich selbst und tat dabei so, als würde er sich den Basar anschauen. Krys hingegen blieb kurz bei einem Stand stehen, heuchelte Interesse an den Waren und sah sich dabei kurz in der Umgebung um.
Schlussendlich heftete sie sich wieder an Tim und den Kapitän.
„Tatsächlich, da folgen uns zwei ziemlich schlampig verkleidete Männer“, flüsterte Krys ihnen ernst zu, woraufhin Tims Blick misstrauischer wurde.
Er ging sehr stark davon aus, dass es Leute von Sakharine waren, die ihnen folgen sollten. Wohlmöglich hatten sie den Auftrag Tim, Haddock, Krys und sogar Struppi festzunehmen oder gar zu beseitigen.
๑⊱☆⊰๑
Hinter einem Torbogen versteckt lauerten Tim und Haddock jeweils auf einer Seite auf die beiden, während Krys und Struppi ein kleines Stück entfernt von ihnen standen. Sie sollten die Lockvögel mimen, damit ihre Verfolger ihnen auch ja in die Falle gingen.
Dabei hatte Krys sich zu Struppi gehockt und ihm liebevoll mit beiden Händen über das Köpfchen und hinter den Ohren gekrault, was das Schwänzchen des Fox Terriers fröhlich wedeln ließ. Tim beobachtete dies einen Moment lang und konnte bei deren Anblick nicht anders als selig zu lächeln, wobei ihm sogar ein warmes Kribbeln durch den Körper schlich.
Die beiden gaben ein sehr friedvolles und schönes Bild ab, was Tim nur zu gerne noch länger betrachtet hätte. Doch zwang er sich dazu sich nicht zu sehr in dieser lieblichen Szenerie zu verlieren, denn er hatte in Erfahrung zu bringen wer ihnen folgte.
Kaum hatten die zwei Verdächtigen den Torbogen passiert, stolperten sie über die Beine von Tim und dem Kapitän, welche sie ihnen gestellt hatten. Die beiden fielen der Länge nach zu Boden und wandten sich rasch zu ihnen um, um in Erfahrung zu bringen, wer sie zu Fall gebracht hatte.
Sofort hatte Tim seine Kampfhaltung eingenommen und war bereit sich zu verteidigen, sollten sie ihn jetzt angreifen.
Sein unwirscher Blick ruhte auf den zwei Gestalten, während er sie anfauchte: „Wer seid ihr? Und warum verfolgt ihr uns?“
Sein Herz schlug dabei kräftig in seiner Brust, während sich bereits das Adrenalin durch seine Adern pumpte. Er war zu allem bereit und er würde kämpfen, wenn es nötig war.
Der Kapitän war jedoch ungehaltener als er und griff die beiden am Kragen. Er hob sie leicht an und schlug sie, mit dem Rücken voran, anschließend mehrmals zurück auf den harten Steinboden. Bei dieser Prozedur rutschten den beiden die Kapuzen von den Köpfen und enthüllten deren Gesichter.
Voller Schrecken, aber auch sehr erfreut, sah Tim in die Gesichter von Schultze und Schulze, den Detektiven von Interpol.
Sofort hielt er Haddock an den Schultern fest, bewegte ihn damit zum Aufhören und sagte ganz verblüfft zu den zwei Detektiven: „Schultze und Schulze. Ihr habt also meine Nachricht von der Karaboudjan erhalten?“
Natürlich mussten sie seine Nachricht erhalten haben, sonst wären sie nicht hier.
Oder?
Voller Interesse hatte er seinen zwei Freunden zugehört, welche ihm die lange Geschichte erzählten, wie sie nach Bagghar gekommen waren. Wie so oft sog er jedes Wort wie ein Schwamm das Wasser in sich auf und nickte seinem Gegenüber immer wieder verstehend zu.
Die Schulzes erzählten, dass sie gerade den Taschendieb, der seit mehreren Wochen seine Heimatstadt unsicher gemacht hatte, festgenommen hatten, als sie von Interpol Tims Nachricht erhielten. Sofort, so sagten die beiden, hatten sie sich, natürlich mit Tims Geldbörse im Gepäck, auf den Weg nach Bagghar gemacht.
„Da wären wir nun und hier haben wir auch Ihre Brieftasche, Herr Tim“, verkündete Schultze mit stolzgeschwellter Brust und überreichte Tim sein Hab und Gut.
Tim nahm seine Brieftasche an sich und durchsuchte sie direkt.
„Oh, keine Sorge. Der Dieb hatte kein Geld gestohlen.“
Es ging Tim hierbei auch überhaupt nicht um das Geld, sondern um das kleine Stück Pergament, welches er in seiner Brieftasche verstaut hatte.
Erleichtert holte er es schlussendlich hervor und begann freudig zu strahlen. „Ein Glück, es ist noch da.“ Sein Blick wandte sich den anderen zu. „Jetzt müssen wir nur noch die anderen zwei Pergamente finden, um das Rätsel zu lösen.“
Erst jetzt bemerkte er, wie nah Krys bei ihm stand. Sofort begann sein Herz schneller zu pochen, ein heißer Schauer floss über seinen Rücken und er drohte sich in der Schönheit ihres Antlitzes zu verlieren.
Interessiert waren ihre großen, rehbraunen Augen auf das Pergament in seiner Hand gerichtet und als sie seine Hand nahm und diese mehr in ihre Richtung zog, wohlmöglich weil sie die verschnörkelte Schrift besser erkennen wollte, durchzuckte ihn ein elektrisiertes Gefühl. Sogar eine Gänsehaut breitete sich über seinen Leib aus.
Schließlich wandte Krys fragend den Blick zu ihm und stellte offensichtlich nun selbst fest, wie nah sie ihm war. Ganz deutlich erkannte Tim wie sich ein zärtlicher, rosa Hauch über ihre Wangen legte.
Für den Augenblick konnte er einfach nicht die Augen von Krys nehmen und scheinbar ging es ihr umgekehrt genauso. Wieder spürte Tim sehr deutlich das Verlangen in sich aufwallen seine starken Arme, um ihren warmen Leib zu schlingen und sie innig zu küssen.
Krys war eine so atemberaubende Frau mit einer solch interessanten und tollen Persönlichkeit. Sie war nicht nur bildhübsch, niedlich und elegant, sondern besaß auch ein feinfühliges Temperament, hatte keine Furcht vor Gefahren und trotzte bisher jeder schwierigen Situation mit ihrem eisernen Willen.
Ein wenig geriet er innerlich ins Schwärmen und war kurz davor sich zu ihr vorzubeugen, um ihr einfach einen Kuss zu stehlen. Nur ein kleiner, um sie erneut zu schmecken.
Ein wenig verwundert, ja sogar ein bisschen enttäuscht, war er allerdings, als sie sich von ihm abwandte und zu irgendetwas empor sah. So gern er ihr Gesicht noch eine ganze Weile angesehen hätte, so neugierig machte ihr erstaunter Gesichtsausdruck ihn. Daher konnte Tim gar nicht anders, als ihrem Blick zu folgen.
In diesem Moment hingen zwei Einheimische ein großes Plakat von einer hübschen blondhaarigen Mittvierzigerin auf, die mit ihren blauen Augen und einem zarten Lächeln Richtung Himmel blickte. Voller Verblüffung las er die Überschrift des Plakats und stellte fest, dass diese Dame, mit dem Namen Bianca Castafiore, die Mailänder Nachtigall war.
Sie war also Sakharines Geheimwaffe!
Allerdings erschloss sich ihm dies dennoch nicht.
Was sollte die Sängerin tun, damit Sakharine das letzte Einhorn Modell aus dem kugelsicheren Glaskasten bekam?
„Das Konzert von ihr findet morgen Mittag statt“, hatte Schulze freundlich in die Runde gesagt, während Tim, noch immer mit dem Blick zum Plakat gerichtet, rätselte was Bianca Castafiore wirklich für eine Rolle hierbei spielte.
„Tim, wir müssen dort hin“, sagte Krys aufgeregt an diesen gewandt, woraufhin er die Stirn fragend furchte.
Dieser sah nun wieder zu ihr, legte den Kopf etwas schief und wies sie leicht mürrisch zu Recht. „Für so etwas haben wir keine Zeit, Krys.“
Doch schon im nächsten Moment klapste sie ihm leicht und mit empörtem Blick auf seinen Safarihut, den er trug und welchen er von Leutnant Delcour geschenkt bekommen hatte.
„Darum geht es gar nicht, Tim. Streng deinen Kopf ein bisschen an. Oder willst du mir sagen, dass du die offensichtliche Eintrittskarte in Ben Salads Palast nicht siehst?“, schimpfte Krys ein bisschen mit ihm, woraufhin er mit angesäuert verzogenem Gesicht zurück zum Plakat sah.
Schlagartig fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Seine Augen weiteten sich erstaunt, als er das Plakat neuerlich in Augenschein nahm.
Krys hatte bereits erkannt was ihm noch nicht klar gewesen war. Für einen Augenblick bewunderte er schwärmend ihren scharfsinnigen Verstand, ehe er sich in Gedanken wieder zur Ordnung rief.
Seinen Blick wandte er nun jedoch wieder Krys zu, die ihn mit einem wissenden Schmunzeln bedachte. Ganz offensichtlich hatte sie gesehen, wie ihre Aussage ihm ein Licht aufgehen ließ.
„Wir könnten so vollkommen unauffällig in den Palast kommen. Vielleicht gäbe es dann sogar eine Möglichkeit an das Einhorn Modell zu kommen.“ Tim bemerkte bei seinen Überlegungen nicht, wie Schulze und Schultze ihn fragend beäugten und im Anschluss einen ratlosen Blick miteinander tauschten.
Kapitän Haddock trat nun an seine Seite und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir haben bis morgen Zeit einen gescheiten Plan zu schmieden. Ansonsten müssen wir es mit der Hauruck-Aktion versuchen.“
Ein kleines Grinsen schlich sich auf Tims Gesicht, als er den Kapitän so reden hörte. In der Tat hatten sie nun tatsächlich etwas Zeit, doch ob sich in dieser Zeit ein wirklich guter Plan basteln ließ, würde sich zeigen.
๑⊱☆⊰๑
Ich brauche ein Kleid
๑⊱☆⊰๑
Ein konkreter Plan stand noch nicht fest. Nur, dass Tim, Haddock, Krys und Struppi das Konzert der Castafiore besuchen würden.
Die Karten dafür hatte der Kapitän von seinem Geld bezahlt und dabei festgestellt, dass er davon nicht mehr viel übrighatte. Im Anschluss liefen sie zusammen den Weg vom Palasteingang, wo Diener von Omar Ben Salad Karten des Konzerts an Interessierte verkauften, zurück.
Der Weg zum Hotel führte sie erneut über den großen Basar, wo noch immer emsiges Treiben herrschte. Nun nahmen sie sich die Zeit die exotischen Waren der einheimischen Händler in Augenschein zu nehmen.
Der Kapitän wollte sich gern einen gutgereiften Schnaps leisten, doch als er in seine Geldbörse sah, verzog er unzufrieden das Gesicht.
„Hagel und Granaten. Die Karten für das Konzert waren unverschämt teuer gewesen. Ich habe kaum noch Geld.“
Damit ließ er seine Geldbörse in die Tasche seiner Hose zurückgleiten.
„Eins steht fest, das ist eine Veranstaltung, die sich nur vermögende Leute leisten können. Wenn ich auf meinen Reisen nicht immer mehr Bargeld als nötig bei hätte, dann wüsste ich nicht wie wir die Karten hätten bezahlen sollen. Aber zum Glück brauchen wir keine Abendgarderobe“, schimpfte der Kapitän wie ein Rohrspatz und hatte dabei nicht nur die Aufmerksamkeit von Tim und Krys auf sich gezogen, sondern auch die einiger Einheimischer.
Tim klopfte ihm freundschaftlich die Schulter, nahm seine Brieftasche zur Hand und bezahlte den Schnaps für den Kapitän. Er hatte zwar auch nicht mehr so viel Geld, aber für eine Flasche Schnaps reichte es gerade noch.
Der Kapitän war ganz gerührt gewesen und hatte sich herzlich bei Tim dafür bedankt, wobei er versprach ihm die Flasche zu bezahlen, wenn sie zurück in Belgien waren.
Tim hatte nur abgewinkt und war schmunzelnd weiter gegangen. „Schon gut, Kapitän.“
Es machte ihm einfach Spaß jemanden eine Freude zu machen. Vor allem dann, wenn er die Person gut leiden konnte.
Außerdem hatte der Kapitän gesagt, dass er die Flasche ganz in Ruhe Daheim genießen wollte. Dies glaubte Tim ihm auch, da der Kapitän ein Genießer war, was Schnaps anging.
Schon auf der Karaboudjan, als sie bei der Flucht die Alkoholvorräte fanden, war ihm aufgefallen, dass dort nur hochwertiges Gebräu gelagert hatte.
Keine Billigmarken, soweit Tim das hatte im damaligen Augenblick erkennen können. Er kannte sich selbst zwar nicht gut mit Alkohol aus, da er keinen trank, doch hatte er durch Werbung und Bekannte gewusst welche alkoholischen Getränke gut und teuer waren und welche nicht.
Tim konnte sich für so etwas jedoch nicht begeistern, da er oft genug erlebt hatte, wie furchtbar sich Menschen benehmen konnten, wenn sie zu viel getrunken hatten. Beim Kapitän war es jedoch ganz anders gewesen.
Dieser war durch und durch anständig, wenn auch öfter ziemlich temperamentvoll und regelrecht cholerisch. Aber das war definitiv nicht dem Alkohol geschuldet, das hatte Tim bereits ebenfalls feststellen dürfen.
Es war schließlich Krys, die nun Tims Aufmerksamkeit erregte und gänzlich auf sich zog. Sie war stehengeblieben und hatte mit einem sonderbaren Gesichtsausdruck zurück zum Palast gesehen. Besser gesagt, zum Plakat der Mailänder Nachtigall.
Sie sagte kein Wort und stand einfach nur da. Der warme Wind Bagghars wog ihr wallendes Haar sachte hin und her, während er an ihrem Rock zärtlich zupfte.
Einige Herzschläge lang verlor sich Tim in dem herrlichen Anblick Krys’, ehe seine himmelblauen Augen den Weg zurück in ihr Gesicht fanden. Deutlich konnte er ihren nachdenklichen Blick erkennen, was ihn aus seiner Schwärmerei herausholte.
Etwas beschäftigte sie, weshalb er sich nun straffte und sie vorsichtig fragte: „Ist alles in Ordnung, Krys?“
Sofort wandte sie ihren Kopf in seine Richtung und sah ihm direkt in die Augen. Ein Schauer, der heiß und kalt zugleich war, floss beim Verschmelzen ihrer Blicke über seinen Rücken. Auch sein Herz schlug ihm dabei schneller in der Brust.
Hatte er sich vor wenigen Atemzügen in ihrem Erscheinungsbild verloren, so verlor er sich nun in dem Rehbraun ihrer Augen. Dabei stellte er neuerlich fest, dass sie eine bildhübsche Frau war und sie ihn mit ihrem ganzen Wesen vollkommen in ihren Bann zog. Allein der Blick in ihre Augen erschütterte jedes Mal seine Welt in ihren Grundmauern.
Erst als sie ihre vollen Lippen teilte, um zu antworten, rief Tim sich wieder in Gedanken zur Ordnung und hörte ihr anschließend aufmerksam zu. „Ich brauche ein Kleid.“
Ihre Aussage ließ Tim die Augenbrauen kräuseln, während Haddock sofort mit verständnislosem Blick zu ihr sah und einwarf: „Aber du hast doch eins an.“
Auf die Antwort ihres Vaters hin blickte sie ihn aus dem Augenwinkel dezent angesäuert an. „Wie scharfsinnig von dir, Papa.“
Ihr Blick wurde rasch wieder milder.
Tim hätte Haddock beinahe zugestimmt, doch bevor er das tun konnte, hatte Krys schon weitergesprochen. „Aber ich meinte, dass ich eins für das Konzert brauche.“
Leider musste Tim gestehen, dass er ihre Aussage nicht ganz nachvollziehen konnte.
Langsam und prüfend ließ er seine himmelblauen Augen über ihren sanduhrenförmigen Körper gleiten und musterte sie dabei sehr genau. Er fand, dass sie in dem weinroten, knielangen Kleid traumhaft aussah.
Die dreiviertel langen Ärmel hatte sie, wegen der Hitze, etwas weiter hochgekrempelt und ihr weiter Kragen stellte ihren üppigen Vorbau dezent, aber deutlich, zur Schau. Aus diesem Grund konnte Tim nicht verstehen, warum sie für das Konzert ein neues Kleid wollte.
„Du siehst doch wundervoll in dem Kleid aus.“ Gänzlich unbedacht hatte Tim diese Worte gesagt, woraufhin Krys ihn augenblicklich wieder ansah, da sie ihren Blick kurzfristig hatte schweifen lassen.
Ein zarter, jedoch deutlich erkennbarer, rosafarbener Hauch legte sich über ihre Wangen, während sie ihn nun ganz verlegen ansah und sich verschmitzt lächelnd eine ihrer braunen Strähne hinters Ohr strich. Selbst ihr leises „Danke, Füchschen.“ war deutlich von Verlegenheit getränkt.
Auch auf Tims Wangen schlich sich nun ebenfalls eine sanfte Röte, wobei er sich geradezu scheu schmunzelnd am Hinterkopf kratzte. Er machte ihr nur zu gerne Komplimente und fühlte sein Herz fröhlich hüpfen, wenn er sie damit glücklich machte.
Verlegenheit in Bezug auf Verliebtheit war ihm bis er sie traf völlig fremd gewesen. Er war zwar schon oft in Verlegenheit gebracht worden, doch hatte das nie etwas mit einer Frau oder Verliebtheit zu tun gehabt.
Nun mischte sich Haddock wieder ein, welcher zuerst auf Tim deutete und während er sprach auf Krys. „Er hat vollkommen Recht. Du siehst sehr hübsch in deinem Kleid aus.“
Auf seine Worte hin sah sie ihren Vater sanftmütig an und lächelte lieb. Sie legte ihre Arme hinter ihren Rücken, verschränkte die Finger ineinander und atmete tief durch.
„Das ist lieb von euch, das zu sagen.“ Dankbar lächelnd sah sie die beiden zu gleichen Teilen an.
In den letzten Stunden hatte Tim Krys oft voller Bewunderung und Schwärmerei beobachtet. Häufig hatte er sich dabei gefragt, ob sie sich ihrer Schönheit überhaupt bewusst war und ob sie wusste, was sie in ihm auslöste.
Nein, wohl eher nicht. Sonst würde sie in ihrer tatsächlichen Gestalt vor ihm stehen und nicht in dieser von Perfektion bestimmten Aufmachung.
Selbst in diesem Moment, wo sie so unschuldig wirkte, konnte Tim nicht anders als innerlich ins Schwärmen zugeraten. Äußerlich hingegen bewahrte er so gut es ging seine Fassung.
Krys zog ihre Arme schließlich wieder hinter ihrem Rücken hervor, drehte sich um und deutete in die Richtung des Plakats der Castafiore.
„Aber ich brauche für diesen Anlass ein Abendkleid. In meinem Kleid werden die Wachen mich nicht hineinlassen“, erklärte sie nun ihr Anliegen, woraufhin Tim und Haddock einen skeptischen Blick miteinander tauschten.
„Aber, Seesternchen, weder Tim noch ich haben die richtige Kleidung dafür“, redete Kapitän seiner Tochter sanft zu und erntete für seine Aussage ihren unglücklichen Gesichtsausdruck.
Für den Moment ließ sie die Schultern hängen und seufzte leise auf. „Ich werde euch wohl zeigen müssen, was ich genau meine.“
So wandte sie sich dem Kapitän gänzlich zu, nahm seine schwarze Kapitänsmütze vom Kopf und strich ihm das tiefbraune, beinahe schwarze, Haar zu Recht, ehe sie die Mütze wieder ordentlich auf seinen Kopf positionierte. Auch seinen schwarzen Vollbart brachte sie geschickt mit ihren Fingern in Form und richtete ihm anschließend den Kragen seines dunkelblauen Pullovers und seine schwarze Jacke.
Dabei sprach sie die ganze Zeit ruhig, aber bestimmt mit ihm. „Wenn du dein Haar und deinen Bart etwas herrichtest und deine Sachen zu Recht rückst, dann siehst du wie ein gepflegter Mann aus. Außerdem bis du Kapitän und hast damit einen angesehenen Berufsstand. Sogar deine Kleidung und deine Mütze lassen auf eine sehr schlichte Uniform schließen. Allein deswegen werden sie dich ohne weiteres zum Konzert lassen.“
Dem Kapitän schwellte bei ihren Worten die Brust, da er offensichtlich an seinen stolzen Beruf erinnert wurde und sie ihn bei der Eitelkeit packte. Tim musste darüber schmunzeln und konnte Krys in den Punkten nur zustimmen. Haddock würde auf Grund dessen, dass er Kapitän war, ohne Schwierigkeiten in den Palast gelangen.
Kurz darauf wandte sie sich Tim zu, woraufhin er sich neuerlich etwas straffte und in ihr bildschönes Gesicht sah. Sachte griff sie an den Kragen seines weißen Hemdes, schloss geschickt die offenen Knöpfe und widmete sich im Anschluss seinen Ärmeln.
Fast schon zärtlich strich sie diese hinunter und berührte dabei ab und zu ganz hauchzart seine Haut mit ihren weichen Fingern. Sein Blick wurde bei ihrem Tun sehr sanft und nur zu deutlich spürte er die Schmetterlinge in seinem Bauch angetan mit ihren Flügeln schlagen. Sogar bei diesen wenigen Handgriffen raubte sie ihm bereits seine Sinne und ließ das Verlangen erneut in ihm aufkeimen, sie an sich zu ziehen und ihr einen innigen Kuss zu stehlen. Sogar mehr als das.
Ihre Tätigkeit war geradezu zärtlich, aber präzise. Als sie mit den Ärmeln des Hemdes fertig war, zog sie ihm den Safarihut vorsichtig vom Kopf und strich leicht durch seinen, von Natur aus abstehenden, Pony. Eine Geste, die ihm eine wohlige Gänsehaut bereitete und ihm das Herz in die Halsgegend springen ließ. Nur zu gerne hätte er mehr davon gewollt.
Noch immer schwieg Krys vor sich hin. Anschließend ließ sie von ihm ab und musterte ihn von Kopf bis Fuß und zurück.
Ihr Gesicht zierte ein warmer Blick und ihre Mundwinkel umspielte ein kleines Lächeln.
Ihre rehbraunen Augen sahen wieder zurück in seine Himmelblauen, wobei sie neckend zu ihm sagte: „Selbst du kannst mit den einfachsten Handgriffen sehr adrett aussehen.“
Auf ihre Worte hin hob Tim lausbübisch eine Augenbraue, grinste sie an und antwortete ihr mehr charmant als keck: „Ohne deine Hilfe würde ich nicht ansatzweise so adrett aussehen.“
Kess zwinkerte er ihr sogar zu, woraufhin sie verschmitzter lächeln musste und er ihr damit tatsächlich auch ein leises Kichern entlockte. Sein Herz tanzte dabei in seiner Brust und das schöne Kribbeln in seinem Bauch wurde stärker.
Er mochte es sehr sie zum Lachen zu bringen und selbst ihre kleinen Sticheleien hatte er über die Zeit sehr liebgewonnen.
Krys machte einen Schritt hinter sich und besah sich Tim und Haddock einige Herzschläge lang.
Schlussendlich gab sie Tim den Safarihut zurück und neigte den Kopf zur Seite. „Ihr habt es nun sehr leicht in den Palast zu kommen.“
Tim beobachtete jede ihrer Gesten, sah zu wie sie an sich runter deutete, und hörte ihren unzufriedenen Worten zu. „In der Tat bin ich gut gekleidet, aber dies ist nicht gut genug für eine Veranstaltung in so hohen Kreisen.“
Allmählich verstand Tim, worauf sie hinauswollte. Tatsächlich war sie für den Alltag sehr elegant gekleidet, doch es reichte nicht für einen Anlass in einem Palast aus. Zumal die Karten für das Konzert schon sehr teuer waren. Was recht deutlich machte für welche Kreise dieses Konzert eigentlich gedacht war.
Er ließ die Erinnerungen vor dem Palasteingang noch einmal Revue passieren und stellte dabei fest, dass er dort sehr viele gut gekleidete Personen die Karten für das Konzert kaufen sah. Teilweise waren diese Leute weitaus besser gekleidet als Tim, Krys oder der Kapitän. Daher verstand er nun ihr Dilemma recht gut, weswegen ihre Bitte nach einem neuen Kleid für ihn viel mehr Sinn ergab als zu Anfang dieses Gesprächs.
Es war eine Tarnung, die von Nöten war. Würden sie sich alle nicht dafür herrichten, würden sie unter den Gutbetuchten auffallen wie bunte Hunde.
Leicht nickte er ihr nun zu und lächelte sie dabei warmherzig an. „Gut, dann lass uns versuchen einen Händler mit Abendkleidern zu finden.“
Der Kapitän blickte Tim, auf seine Einwilligung hin mit verdutztem Gesichtsausdruck an, doch als dieser in das Gesicht seines einzigen Kindes sah und das freudige Strahlen in diesem erblickte, wurde auch er weich. Zumindest erschien es Tim so, als würde die Haltung von Haddock ebenfalls sanfter werden.
So machten sie sich schlussendlich auf den Weg einen Händler zu finden, welcher etwas Passendes für Krys im Angebot hatte.
๑⊱☆⊰๑
Der frühe Abend war angebrochen und die Händler packten an ihren Ständen bereits die Waren zusammen oder schlossen ihre Läden. Die drei liefen zusammen mit Struppi durch die immer leerer werdenden Straßen und hatten bisher keinen Erfolg gehabt.
Auf dem Basar fanden sich zwar Händler mit feinen Stoffen, doch hatten sie einfach nicht die Zeit Krys das Kleid schneidern zu lassen. Tim sah sich bei dem Marsch nach wie vor sehr genau um, ob er einen Händler entdecken konnte, welcher das Gesuchte im Angebot hatte. Doch fündig wurde er leider nicht.
Plötzlich schlug Struppi Alarm, woraufhin Tim sofort stehenblieb und mit erschrockenem Blick hinter sich zu seinem Fox Terrier sah. Dieser war an Krys’ Seite stehengeblieben, welche vor einem Laden Halt gemacht hatte.
Der dickliche, ältere Eigentümer des Ladens kam gerade zur Tür hinaus. Er war in Beduinenkleidung aus feinsten Stoffen gehüllt, während sein weißer Vollbart fein gestutzt und sein Kopf von einem großen Turban geschmückt war. Die Farben seiner Kleidung waren sandige Brauntöne, die allesamt herrlich harmonierten.
Tim beobachtete für einen Moment wie Krys den Eigentümer geschickt in ein Gespräch verwickelte.
Nun legte er dem Kapitän die Hand auf die Schulter, deutete in Krys’ Richtung und sagte ruhig zu ihm: „Ich glaube sie hat etwas Passendes gefunden.“
Haddock hatte sich auf seine Geste hin umgewandt, nickte ihm beipflichtend zu und hatte sich mit ihm auf den kurzen Weg zu ihr und dem Händler gemacht. So kamen sie in Reichweite und Tim konnte endlich hören, was die beiden zueinander sagten.
„Es tut mir leid, meine Dame. Aber ich habe bereits geschlossen.“ Das Bedauern in der warmen, tiefen Stimme des Händlers war deutlich herauszuhören, obwohl er diese Worte sehr bestimmt gesagt hatte.
Tim fiel bei dessen Worten auf, dass der Händler ihre Sprache recht gut beherrschte. Was ihn einerseits erstaunte, jedoch nicht sonderlich verwunderte. Bagghar war ein Dreh- und Angelpunkt für Händler aus aller Welt, weswegen es nur logisch war, dass einige Händler sich die Sprachen ihrer Kundschaft, mehr oder minder gut, aneigneten.
Was Krys nun allerdings tat, ließ Tim sehr staunen, da sie ihre traurigste Miene aufsetzte, ihre Hände vor ihren vollen Brüsten faltete und den Händler geradezu flehentlich ansah. „Oh bitte, mein Herr. Ich muss Morgen unbedingt gut gekleidet der Mailänder Nachtigall gegenübertreten. Sie wollen mir doch wohl nicht die Erfüllung meines großen Traumes verwehren, oder?“
Auf ihr jetziges Erscheinungsbild und die leidige Stimme begann der Eigentümer bedauernder dreinzublicken.
„Ich bin ein großer Fan von Bianca Castafiore, aber noch viel wichtiger ist die Tatsache, dass ich eine aufstrebende Pianistin bin. Ich beabsichtige bei ihr vorstellig zu werden, da ich sie nur zu gern bei ihren Konzerten auf dem Flügel begleiten möchte. Bitte, Sie können mir doch nicht Ihre Hilfe verweigern. Sie sind der einzige Händler mit dem, was ich suche und brauche.“
Skepsis war bis zum letzten Moment ein großer Teil im Gesicht des Händlers gewesen, doch schlussendlich konnte ihre Maskerade sein Herz erweichen. Vollkommen verblüfft dreinblickend stand Tim neben Haddock und staunte dabei über ihr Geschick sich ihr Geschlecht, ohne kokett oder aufdringlich zu sein, zu nutzen zu machen.
Nach dieser kleinen Vorstellung hatte der Kapitän sich zu ihm gelehnt und ihm zu geflüstert: „Um Ammenmärchen und Schauspielerei war sie ja noch nie verlegen gewesen, wenn es darum ging bei Fremden ihren Willen durchzusetzen.“
In diesem Moment konnte er nicht anders, als sie erneut schwärmend zu betrachten. Ein kleines Schmunzeln umspielte dabei seine Lippen, während seine Augen auf ihr ruhten.
Ihren Scharfsinn hatte er schon sehr früh bemerkt, auch dass sie sich vor Arbeit nicht scheute und auch jeder Gefahr trotzte, wusste er bereits. Doch diese direkte Vorstellung ihres Schauspiels und ihrer Kreativität, was Notlügen anging, ließ ihn sie noch mehr bewundern.
Konnte diese Frau eigentlich noch perfekter für ihn werden?
Mit einer höflichen Handbewegung lud der Händler die drei und auch Struppi in sein Geschäft ein, woraufhin sie dankend der Einladung Folge leisteten. Im Inneren des Hauses sahen sie sich um und begutachteten für einen Augenblick die Waren, wobei Tim feststellte, dass die Stoffe, Abend- und Brautkleider, sowie Schuhe und Anzüge in modernen Formen sowie einheimischer Kultur gehalten nur vom Feinsten waren.
Dies hier war definitiv ein Geschäft, das für die Vermögenden eingerichtet war. Durch den Basar, der in unmittelbarer Nähe stattfand, erhielt der Laden auch viel Laufkundschaft und einige Frauen, vermutlich auch genug Männer, konnten nicht drum herum kommen einen Blick hineinzuwerfen.
„Nun, meine Dame. Können Sie sich denn überhaupt eines meiner teuren Kleider leisten?“, wollte der Händler schlussendlich sehr interessiert von Krys wissen, woraufhin er auch Tims Aufmerksamkeit auf sich zog.
Kurz tauschten Tim und der Kapitän einen unbehaglichen Blick miteinander, denn er war sich sicher, dass die Preise der Waren gesalzen waren. Anschließend wandten die beiden ihre Gesichter wieder Krys zu.
Diese biss sich beschämt auf die Unterlippe. „Also, wir haben nicht sehr viel-“
Der Händler jedoch unterbrach sie rasch, in dem er seine Hand hob und anschließend auf ihr schwarzes Samthalsband deutete.
„Ich denke damit könnten wir ins Geschäft kommen“, waren seine einzigen Worte gewesen, wobei er ganz klar durchblicken ließ, dass er ein professioneller Geschäftsmann war und sich nicht so leicht übers Ohr hauen ließ.
Außerdem schien er Wertvolles mit nur einem Blick ausmachen zu können.
Haddock weitete entsetzt die Augen bei der Aussage des Mannes und auch Krys hob erschrocken ihre Hand zu ihrem Samthalsband und strich mit den Fingerkuppen über den, in Gold eingefassten, Saphir.
Anschließend beobachtete Tim wie sie den Kopf schüttelte und ehrlich sowie bedauernd sagte: „Es tut mir leid, aber unser Familienerbstück ist unverkäuflich.“
Auf diese Worte hin sah der Händler ein wenig zerknirscht drein, doch bevor er etwas sagen konnte, sprach Krys bereits weiter. „Ich habe jedoch etwas anderes, womit wir ins Geschäft kommen werden.“
Dieses Mal klang ihre Stimme zuversichtlicher, wenn nicht sogar ernst, und auch ihr Gesichtsausdruck hatte nicht nur an Siegessicherheit gewonnen. Da lag auch etwas in ihrem Blick, dass Tim nur mit Schalk betiteln konnte. Ihre Augenbraue hatte sie dabei geradezu verspielt gehoben und auch ihre vollen Lippen umspielten nun ein vielversprechendes Lächeln.
Interessiert sah Tim zu ihr und fragte sich, was sie eintauschen könnte. Sie machte auf ihn nicht gerade den Eindruck, als hätte sie ein Vermögen unter ihrem Rock versteckt.
Auch der Kapitän beäugte seine Tochter mehr als zweifelnd, bei ihren Worten. Sogar Struppi sah sie fragend und mit schief gelegtem Kopf an.
Langsam hob sie ihre Hand, legte sie auf ihren großzügigen Ausschnitt und ließ sie in diesem verschwinden. Tim konnte nicht anders, als ihre großen Brüste in diesem Moment in Augenschein zu nehmen.
Er hatte sich Krys zwar schon oft genau angeschaut, doch so genau hatte er es bisher nicht gewagt sie zu betrachten. Aus guten Gründen.
Er musste gestehen, dass der Anblick ihres Vorbaus ihn nun wohlig erschaudern ließ. Sie war eine bildhübsche und kluge Frau, die ihn nicht nur geistig, sondern auch sexuell sehr ansprach. Weniger in dieser Maskerade als in ihrer tatsächlichen Gestalt, aber das lag daran, weil er seine Krys als seine Krys liebte und ehrte. Nicht als das, wie die Gesellschaft sie am liebsten sehen wollte.
Was sie allerdings jetzt aus ihrem schönen Dekolleté hervorzauberte, ließ Tim, den Kapitän, den Händler und sogar Struppi stutzen. Bedächtig zog sie ein goldenes Armband, welches ringsum mit kleinen Brillanten und großen Rubinen besetzt war, hervor.
Die Augen von Tim und Haddock weiteten sich vor Verwunderung und auch deren Münder standen ihnen offen.
Der Händler hingegen bekam leuchtende Augen, streckte die Hand ehrfürchtig danach aus und fragte höflich: „Darf ich?“
Ohne die Miene zu verziehen, nickte sie ihm zu und entließ das Armband aus ihrer Hand in die seine. Sofort nahm er es gründlich in Augenschein, wobei das Gold in seiner vollen Reinheit erstrahlte und die Juwelen bezaubernd glitzerten.
„Hagel und Granaten, wo hast du das her, mein Delfinchen?“, wollte Haddock erstaunt von Krys wissen und lenkte ihr Gesicht sachte mit dem Zeigefinger an ihrem Kinn in seine Richtung.
Die Verblüffung stand ihm noch immer mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben und auch Tim war neugierig näher an sie herangetreten. Immerhin hätte er nicht damit gerechnet, dass sie solch wertvollen Schmuck mit sich herumführte.
Auf die Frage des Kapitäns hin hatte Krys die Arme vor der Brust verschränkt und die beiden seelenruhig darüber aufgeklärt. „Ganz einfach. Sakharine schenkte es mir als Zeichen unserer Verlobung.“
Schlagartig verkrampfte sich Tims Magen.
Verlobung?
Hatte er richtig gehört?
Krys und Sakharine waren verlobt?!
Eine ihm bis dato unbekannte lodernde Wut umschlang fest seinen Körper. Durch seine Adern pumpte sich ein eiskaltes Gefühl, welches ihm sogar die Kehle abschnürte.
Wollte Krys diesen Mann etwa ernsthaft heiraten?
Zog sie diesen ziegenbärtigen Halunken ihm allen Ernstes vor?
Er konnte einfach nicht fassen, was er da hörte. Das musste ein Irrtum sein.
Ein Streich seiner Fantasie, die ihm hier ein Worst-Case-Szenario vorsetzte!
Niemand, absolut niemand, sollte Krys’ Herz in diesem Universum besitzen. Er wollte der Einzige sein.
„Du wirst ihn heiraten?“, rutschte es Tim niedergeschlagen, vor allem jedoch ungläubig, heraus.
Seine Worte bereute er sofort und hätte sie am liebsten zurückgenommen.
Er wollte sich und seine Enttäuschung darüber nicht verraten, doch gesagt war eben gesagt, nicht wahr?
Doch kaum hatte er ihr diese Frage gestellt, wandte sich Krys ihm gänzlich zu. Ihr Gesichtsausdruck war im ersten Augenblick verwirrt und doch als sie ihm in die Augen sah, wurde ihr Blick wieder warmherziger. Ihrer Kehle entfloh sogar ein belustigtes Lachen, was er wiederum nun gar nicht verstand.
Was war daran denn nun so komisch?
„Sei nicht albern, Tim.“ Ihr Lachen verstummte kurz darauf, doch ihre Augen blieben auf Tims gerichtet.
Sie blickte ihn nun liebevoll an, lächelte noch immer und fuhr aufrichtig fort: „Sakharine ist ein schlechter Mensch. Er hat mich eingesperrt und wie eine Gefangene behandelt. Glaubst du wirklich, dass ich so einen heirate?“
Nun sah sie etwas scheuer drein, strich sich eine ihrer widerspenstigen Strähnen hinters Ohr und gestand ihm: „Außerdem… habe ich doch dich.“
Sah Tim richtig?
Hatte er sich auch nicht verhört?
Er konnte sich nicht täuschen, denn der rosa Hauch auf ihren Wangen war nur zu deutlich zu erkennen.
Sein Herz begann wieder schneller in seiner Brust zu schlagen und die Schmetterlinge in seinem Bauch flatterten nun aufgeregter herum.
Ja!
Tim war ganz offenkundig der Einzige für sie. Dieser Gedanke beflügelte ihn so sehr, dass er es nicht in Worte fassen konnte.
Obendrein entspannte sich Tim sichtlich bei ihren Worten und lächelte sie dabei liebevoll an. Er musste gestehen, dass ihre Aussage ihn ungemein beruhigte. Er liebte sie so abgöttisch, dass der Gedanke sie ausgerechnet mit Sakharine teilen zu müssen ihm regelrecht schlecht werden ließ.
Aber um ehrlich zu sein, konnte er sich auch nicht wirklich vorstellen, dass sie sich tatsächlich Sakharine verschrieben hatte. Obwohl die Angst und der Schock ihn für den Augenblick eiskalt erwischt hatten.
So war seine Krys nicht. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie sich jemals zu einem solch toxischen Mann hingezogen fühlte.
Schließlich war es der Händler, welcher wieder die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zog. „Nun denn, meine Dame. Suchen Sie sich aus was Ihnen gefällt.“
Freudig jauchzte Krys auf, bedankte sich glücklich bei ihm und ging zielstrebig durch den Laden. Sie schien genau zu wissen, was sie wollte.
Beim Betreten des Ladens hatten sie ja bereits die Möglichkeit gehabt sich umzuschauen. Was Tim sehr schätzte, denn so würden sie hier keine weiteren Stunden mit Anprobieren vertrödeln.
๑⊱☆⊰๑
Es dauerte tatsächlich keine halbe Stunde, bis Krys ihre Auswahl anprobiert und sich das Kleid samt den passenden Pumps in Seide einwickeln lassen hatte. Dies war so schnell und heimlich passiert, dass Tim und Haddock nicht mal wussten welche Farbe die Schuhe oder das Kleid hatten.
Viel zu beschäftigt waren die beiden damit gewesen selbst die Waren zu durchstöbern. Abgesehen davon hätte Tim erwartet, dass Krys sich ihnen schon einmal in dem gewählten Kleid präsentieren würde. Doch dem war nicht so.
Auf dem Weg zum Hotel, die Sonne war schon zur Hälfte verschwunden, hatte der Kapitän seine Tochter hoffnungsvoll gefragt: „Zeigst du uns das Kleid im Hotel?“
Krys hatte belustigt gekichert und bejahend genickt. „Gewiss, Papa. Aber erst Morgen, bevor wir zum Konzert gehen.“
Krys war sichtlich sehr zufrieden mit dem Kleid und schien nun nicht mehr zu befürchten, auf Grund ihrer Kleidung, nicht in den Palast gelassen zu werden.
Im Nachhinein betrachtet war es sehr klug von Krys gewesen, dass sie auf ein Abendkleid gepocht hatte. So kamen sie wenigstens alle drei ohne Schwierigkeiten in den Palast, würden sich problemlos unter die Gäste mischen können und konnten so versuchen das Modell der dritten Einhorn zu finden.
Dass Krys allerdings ein kleines Geheimnis aus dem Kleid machte verstand Tim noch nicht so ganz. Es war schließlich nur ein Abendkleid und doch beschlich ihn eine Ahnung, warum sie so handelte.
Irgendwie wurde Tim das Gefühl nicht los, dass sie das Kleid noch geheim hielt, weil sie ihm damit imponieren wollte. Selbst wenn er sich das nur einbildete, so war es eine zuckersüße Illusion, durch die er Krys nur noch mehr liebte.
๑⊱☆⊰๑
Unter Bagghars Sternenhimmel
๑⊱☆⊰๑
Den Weg zurück zum Hotel hatten sie die meiste Zeit geschwiegen. Lediglich die eine und andere Idee wurde besprochen, wie sie im Palast vorgehen würden, um das Modell zu finden.
Erst als die Sonne vollständig untergegangen war, waren die drei mit Struppi im Hotel angekommen.
Das Zimmer von Haddock war sauber und sehr geräumig. Hingegen war das von Krys und Tim wesentlich größer und ebenfalls rein- und ordentlich.
Kaum waren sie im Gemeinschaftsraum ihrer Etage, hatte Tim beobachtet, wie Krys im gemeinsamen Zimmer verschwand und wusste, dass sie ihr Kleid im Kleiderschrank verstaute. Sie wollte es wohl unbedingt bis zum morgigen Tag unter Verschluss halten und sicher gehen, dass weder ihr Vater noch Tim schmulten.
Haddock hatte sich auf das etwas ältere Sofa gesetzt und seine Mütze vom Kopf gezogen. Es lastete ihm etwas auf der Seele, das sah Tim ihm nur zu deutlich an.
Auch Krys schien das zu bemerken, als sie wieder zu ihnen kam, weswegen sie an seine Seite trat, ihre Hand liebevoll an seine Schulter legte und ihn mit besorgter Miene bedachte. „Was ist los, Papa?“
Der Kapitän griff nach der Hand seiner Tochter, strich sanft über diese und sah ebenso besorgt in ihr Gesicht. „Ich frage mich nur, warum der Sauertopf dich heiraten will, mein Seestern. Du hingegen scheinst das gar nicht zu wollen.“
Tim lehnte am Türrahmen zum Gang und sah der Szenerie wortlos zu, wenn gleich sein Blick ernst geworden war. Er war froh, dass Haddock diese Frage offenlegte und er Krys darauf ansprach.
Er fühlte, wie dieses kalte, scheußliche Gefühl der Eifersucht erneut begann durch seine Adern zu kriechen und ihm dabei ein unangenehmes Herzklopfen machte. Unbewusst blickte Tim dadurch angesäuerter drein und auch seine Körperhaltung wirkte viel angespannter als vorher. Er verabscheute den Gedanken, dass Krys und Sakharine verlobt waren.
Krys lächelte ihren Wahl-Vater aufmunternd an, strich mit der anderen Hand über seine Wange und entgegnete lieb: „Natürlich möchte ich ihn nicht heiraten. Er ist ein furchtbarer Mann. Außerdem hat er mir das Warum nie genannt. Liebe seinerseits kann es kaum sein. Es muss auch irgendetwas mit Red Rackham und Ritter Franz zu tun haben. Mir erschließt sich nur nicht was.“
Der Kapitän nahm nun auch die andere Hand von Krys, sah ihr fest ins Gesicht und sagte ernst zu ihr: „Egal, was es ist. Er wird dich nicht heiraten, Bomben und Granaten. Das schwöre ich dir, Christin.“
Auf seine Worte hin musste Krys leise lachen, beugte sich zu Haddock vor und hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn.
„Ich danke dir, Papa“, hatte sie ihm zugeflüstert, ehe sie ihn herzlich umarmte und festdrückte.
Einen kurzen Augenblick später löste sie sich wieder von ihm und schenkte ihm ein warmes Lächeln, was der Kapitän erwiderte. Nur zu gut konnte Tim den Kapitän verstehen, denn auch er würde alles dafür tun, dass Sakharine sie nicht heiraten würde.
Viel zu sehr liebte er sie und würde alles daran setzen, sie nicht an ihn zu verlieren. Allerdings war es schwer vorstellbar, dass Krys sich von ihm tatsächlich ehelichen lassen würde, ohne sich mit aller Macht dagegen zur Wehr zu setzen.
Tims Gedanken kreisten im Moment sehr, wirklich sehr viel um Krys, Sakharine und die Angst sie doch an ihn verlieren zu können. Nicht dass sie freiwillig zu ihm gehen würde, sondern dass ihnen im Palast etwas Schreckliches passierte.
Etwas das Sakharine die Chance geben könnte Krys zu verschleppen. Eine solche Angst hatte er früher immer nur um Struppi gehabt, da sein geliebter Hund sein Ein und Alles war.
Es war für Tim vollkommen neu diese Angst nun einer Person gegenüber zu empfinden. So temperamentvoll und taff Krys auch war, so wirkte sie im selben Augenblick auch zart und zerbrechlich.
Ein bislang unbekannter Beschützerinstinkt war in Tim erwacht. Aus diesem Grund schwor er sich, genau wie der Kapitän, sie zu beschützen. Tim schwor sich dies allerdings für jede Gefahr, die auf Krys lauern könnte.
Tim hatte gar nicht bemerkt wie lange er seinen Gedanken nachgehangen und auf den Fußboden vor sich gestarrt hatte.
Erst die verkündenden Worte von Haddock ließen ihn mit großen Augen wieder aufblicken und feststellen, dass Krys den Raum verlassen und auf den Balkon gegangen war. „Ich werde mich hinlegen, Schiffsjunge. Der Tag war lang und anstrengend. Zeit den verlorenen Schlaf etwas nachzuholen.“
Diese ließen Tim leise lachen. „Erholen Sie sich gut, Kapitän.“
Dankbar lächelnd hob der Kapitän die Hand und verschwand schließlich in seinem Zimmer. Kurz hatte Tim ihn beobachtet und noch einen Moment am Türrahmen gelehnt.
Seine Gedanken glitten jedoch rasch wieder zu Krys hinüber, wobei sein Kopf seinen Gedanken folgte. Sie stand an der breiten Steinbrüstung des Balkons, hatte ihre Unterarme auf diese gelegt und blickte gen Himmel. Die seichte Nachtluft zupfte sanft an ihrem vollen Haar und dem weinroten Rock.
Lautlos und verliebt seufzte Tim auf, als er sie dort so stehen sah und ihre Schönheit betrachtete. Falsches Aussehen hin oder her, es war und blieb seine Krys.
In seinem Bauch tanzten die Schmetterlinge herum, während ihm ein wohliger Schauer über den Rücken floss. Das spärliche Licht der Deckenlampe erhellte nur wenig vom Balkon, doch leuchtete es ihre wohlgeformte Kehrseite genug an, um sie betrachten zu können.
Ein sachtes Drücken an seiner Wade ließ ihn kurz, erschrocken zusammenzucken, woraufhin er sofort ertappt neben sich sah. Seine himmelblauen Augen sahen zu dem Zimmer des Kapitäns, der bereits hörbar vor sich hin schnarchte.
So blickte Tim an sich hinunter und entdeckte dort seinen Fox Terrier, welcher ihn mit seinen großen, braunen Augen ansah.
„Was ist denn, Struppi?“, fragte er leise seinen Hund, wandte sich ihm nun gänzlich zu und legte den Kopf schief.
Die Antwort war ein erneutes Drücken mit dem Kopf gegen sein Schienenbein und einem anschließenden Blick in Richtung Krys. Tim wurde augenblicklich klar was Struppi ihm damit sagen wollte. Ein sanfter Blick schlich sich nun auf seine feinen Gesichtszüge.
Er hockte sich zu seinem Hund, streichelte liebevoll über seinen Kopf und flüsterte ihm zu: „Du hast Recht, Struppi. Ich sollte diese Gelegenheit nutzen.“
Ein letztes Mal strich er ihm lieb über Kopf und Rücken, ehe er sich wiederaufrichtete und zu Krys blickte. Tief atmete Tim nun durch, rief sich innerlich zur Ruhe und versuchte nicht nervös zu werden oder zu wirken.
Obwohl sie seit so vielen Jahren über Raum und Zeit liiert waren, fühlte er sich dennoch immer sehr aufgeregt, wenn sie allein waren. Sie raubte ihm immer und immer wieder die Fassung auf die beste Weise.
Sein Herz klopfte bereits schneller in seiner Brust und er spürte, wie die Schmetterlinge heftiger in seinem Bauch zu flattern begannen. Er straffte sich, ging zielstrebig auf die Balkontür zu und atmete ein letztes Mal tief durch. Inständig hoffte er, dass Krys nicht auf dem Balkon war, um vor allem und jedem ihre Ruhe zu haben.
Langsam trat er hinaus auf den steinernen Balkon, von welchem man beinahe ganz Bagghar und das Meer überblicken konnte. Für den Bruchteil von Sekunden bestaunte er die herrliche Umgebung und die Tatsache, dass sie für so wenig Geld wirklich annehmliche Zimmer und einen so wundervollen Ausblick bekommen hatten.
Doch schon wenige Sekunden später rief Tim sich wieder ins Gedächtnis, warum er auf den Balkon getreten war. Seine himmelblauen Augen erfassten die Frau seiner Begierde erneut und mit langsamen Schritten trat er näher an sie heran, um an der Brüstung neben ihr zu stoppen.
Er versuchte dabei ganz locker zu wirken und so zu tun, als wolle er nur die Aussicht genießen. Dennoch streckte er den Arm leicht aus, um in einer zärtlichen Geste seine Fingerknöchel über ihren Arm gleiten zu lassen.
Aus dem Augenwinkel sah er wie Krys daraufhin den Kopf in seine Richtung drehte, weshalb er nun ebenfalls zu ihr sah. Mit einem warmen Lächeln bedachte sie ihn und doch bemerkte Tim mühelos, dass es ihre Augen nicht im Geringsten erreichte.
Er erkannte in ihrem Rehbraun Besorgnis. Auch die Tatsache, dass sie nur ein paar Wimpernschläge später wieder zum Firmament aufblickte, ließ ihre Sorge deutlicher werden.
„Was bedrückt dich, meine Nixe?“ Tims Stimme klang freundlich, jedoch schwang auch Fürsorge darin mit.
Er konnte zwar erahnen, dass ihr dieses Abenteuer Fragen aufwarf und sie vermutlich heftig aus der Bahn warf, doch wollte er gern die Antwort von ihr selbst hören. Mutmaßen konnte immerhin jeder.
Ein betrübtes Seufzen verließ ihre vollen Lippen, wobei sie den Kopf senkte und hinab auf die tiefblaue Stadt sah. Nur die Lichter in einigen Häusern und der Silberschein des Mondes ließen die Hafenstadt in der Nacht erstrahlen.
„Diese ganze Reise bereitet mir Kopfschmerzen. Sicher es macht Spaß Sakharine hinterher zu jagen, zu versuchen das letzte Pergament vor ihm zu bekommen und dadurch das Rätsel, um den Schatz der Einhorn zu lösen. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben ein solch intensives und aufregendes Abenteuer erlebt“, begann sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen zu erzählen, welches dieses Mal sogar ihre Augen erreichte.
Tim konnte nicht anders, als bei ihren Worten zu schmunzeln. Er fühlte sich an sich selbst erinnert, als er Reporter wurde und dadurch in die haarsträubendsten Abenteuer geriet.
Es war offensichtlich, dass Krys denselben Durst nach Abenteuern hatte wie er selbst. Etwas, das sie noch anziehender für ihn machte als ohnehin schon.
Im nächsten Augenblick war dieses Lächeln jedoch wieder aus ihrem Gesicht gewischt und sie gestand ihm leiser: „Es ist aber auch sehr beängstigend, Tim, wenn ich ehrlich bin. Immerhin versucht er das Familienerbe an sich zu reißen und würde dabei sogar über Leichen gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ebenso lässt mich der Gedanke, der Zwangshochzeit mit ihm gerade so entkommen zu sein, immer wieder eisig schaudern.“
Gebannt hatte Tim an ihren Lippen gehangen und ihrer sanften Stimme fast schon genießend zugehört. Wovon sie sprach, ließ ihn allerdings noch besorgter dreinblicken.
Er kannte ihre Vergangenheit und wusste durch welche Höllen sie bereits gegangen war. Umso weniger verwunderte es ihn, dass bestimmte Tatsachen sie so erschütterten.
Obendrein begann das giftige Gefühl der Eifersucht wieder in seinen Gedärmen zu brodeln, wenn er an die Zwangshochzeit dachte. Dies versuchte er allerdings im Moment zu ignorieren, so gut es eben ging.
„Er wollte dich hier in Bagghar heiraten?“ Bei seiner Frage musste Tim sich allerdings zusammenreißen nicht erneut in dem stärker werdenden Schwall von Eifersucht zu ertrinken.
Wieder sah Krys zu ihm und nickte zustimmend, wobei ihre Miene bedrückter wurde. „Ja, dadurch, dass Zwangsehen in dieser Region nichts Ungewöhnliches sind, hatte er die Chance nutzen wollen mich hier vor den Altar zu zerren.“
Mit einer Schulter zuckte Krys leicht, schloss kurz die Augen und fügte erleichterter hinzu: „Aber daraus wird nun nichts mehr.“
Ihren Kopf wandte sie wieder der Küstenstadt zu und Tim glaubte zu erkennen, wie ihr Gesichtsausdruck sanfter wurde.
Oder täuschte er sich auf Grund der Lichtverhältnisse nur?
„Ich lasse mich nicht zur Hochzeit zwingen. Ich möchte gefragt werden und selbst entscheiden, ob ich den Mann heiraten möchte oder nicht.“ Ihre sanfte Stimme war nicht mehr als ein Flüstern in der angenehmen Nachtluft, während sie ihre Augen dabei nicht von Bagghar genommen hatte.
Und doch, ein kleines fast schon verschmitztes Lächeln schenkte sie ihm nun und zwinkerte ihm kess zu. Dies war eindeutig ein Wink mit dem Zaunpfahl, welcher Tim ein wenig verlegener allerdings breiter grinsen ließ.
„Ist notiert“, erwiderte er ihr nun mit einem sanften wenngleich verspielten Schmunzeln.
Die Schmetterlinge in Tims Bauch flatterten jetzt nur noch stärker und auch sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Ohne es beeinflussen zu können stellte er sich vor, wie er endlich und ganz offiziell um ihre Hand anhielt und sie seinem Antrag glücklich zustimmte.
Schließlich rief er sich gedanklich wieder zur Ordnung und lächelte Krys zuversichtlich an. „Mach dir keine Sorgen wegen Sakharine.“
Verwundert sah sie nun in seine Richtung, blickte ihm dabei in die Augen und legte den Kopf fragend schräg.
„Er wird dich nicht heiraten und das Geheimnis der Einhorn werden wir vor ihm lösen.“
Auf seine Worte hin wanderte eine ihrer dunklen Augenbrauen auf ihre Stirn.
Krys lehnte sich anschließend mit ihrer Seite an die Steinbrüstung und fragte ihn leicht lächelnd: „Was macht dich nur immer so sicher, Tim?“ Deutliche Bewunderung schwang in ihrer Stimme mit und er fühlte, wie ihn diese vor Stolz die Brust schwellen ließ.
Einen langen Moment sah er sie einfach nur an, betrachtete ihre Schönheit im silbrigen Mondschein sowie dem goldfarbenen Licht der Lampe aus dem Gemeinschaftszimmer. Das Licht von Mond und Lampe vermischte sich herrlich zart auf ihrem Leib, weshalb er den Anblick einen kurzen Moment einfach nur auf sich wirken ließ.
Leise begann er kurzdarauf zu lachen, zuckte mit den Schultern und gestand ihr ehrlich: „Ich weiß es nicht, Nixchen. Ich weiß nur, dass ich nicht aufgeben werde dem Geheimnis nachzujagen und die Wahrheit herauszufinden. So wie ich es auf meinen Reisen immer getan habe. Außerdem werde ich es zu verhindern wissen, dass Sakharine dich zur Hochzeit zwingt. Zuerst muss er an mir vorbei.“
Seine Worte schienen seine Krys zu erheitern, denn er konnte ihr damit ein aufrichtiges Lächeln und sogar ein kleines Kichern entlocken. Allerdings blitzte in ihren rehbraunen Augen nun ein gewisses Funkeln auf.
Schalk, wenn er es richtig deutete.
Oder doch ehr eine seichte verruchte Verspieltheit?
Abgesehen davon hatte er sich dabei kurz angespannt und gespürt, wie ein knallheißer Stromstoß durch seinen gutgebauten, man könnte sogar sagen muskulösen Leib ging. Sie ruinierte so leicht seine Fassung, dass er es sogar genoss.
Krys drehte sich nun mit ihrer Kehrseite an die Brüstung, stützte sich mit den Händen darauf ab und setzte sich kurzerhand auf diese. Ihren Blick ließ sie nach wie vor auf Tim ruhen.
Sie lächelte ihn warmherzig an und meinte schließlich neckend zu ihm: „Weißt du, für einen Journalisten bist du gar nicht so übel, Füchschen.“
Dies war eindeutig eine Anspielung auf ihr anfängliches Eroberungsspiel, was auf der Karaboudjan nicht lange anhielt. Trotzdem ließ ihre Aussage ihn nun triumphierend grinsen, eine Augenbraue spielerisch heben und den Kopf interessiert zur Seite neigen.
Weitere Schmetterlinge schienen die Flügel in seinem Bauch auszubreiten und fröhlich mit diesen zu schlagen, während sein Herz einen gewaltigen Hüpfer machte.
„Ich habe dir also bewiesen, dass ich anders als die anderen Journalisten bin?“ Seine Augen hatte Tim dabei nicht von ihr genommen, während er auf ihre Neckerei nur zu gern einging.
Noch immer sah er in ihr hübsches Gesicht und er konnte deutlich erkennen, wie ihre Züge beinahe schon anzüglich wurden. Auch ihre Augen blickten ihn noch ein wenig amüsierter als zuvor an.
Ihre vollen Lippen umspielten dabei ein verschmitztes Lächeln. „Ja. Du hast mir aber nicht nur bewiesen, dass du anders bist als die anderen. Sondern auch… besser.“
Erstaunen machte sich nun in Tim breit. Obendrein bekam diese anfängliche Neckerei nun einen viel sanfteren Flair.
Verdutzt blickte Tim sie im ersten Moment daher an, wobei er noch immer lächelte, und fühlte wie ihm heiß und kalt zugleich wurde. Bei dieser Aussage ging es nicht um die anderen vermeintlichen Journalisten, sondern darum, dass er in ihren Augen ein guter Mensch war. Krys ehrte ihn zutiefst mit diesen aufrichtigen Worten und ließ sein Herz nur noch kräftiger schlagen.
Er war in diesem Moment sehr beflügelt und konnte gar nicht aufhören vor sich hin zu grinsen. Sie streichelte damit sogar sein Journalistenego, doch in erster Linie war es eine sehr positive Aussage, die sie auf seinen Charakter bezogen hatte.
Deutlich spürte er wie seine Wangen sich heiß anfühlten und er daher davon ausging, dass sich eine leichte Röte auf diese gelegt hatte. Ihr Kompliment ging ihm runter wie Öl, weswegen er sich die Freiheit nahm dieses für den Augenblick ganz ungeniert zu genießen.
Noch immer sah er sie erstaunt lächelnd an, doch so langsam begann sich ein glückliches Grinsen auf sein Gesicht zu stehlen. Seine himmelblauen Augen waren auf Krys gerichtet, die ihn liebevoll schmunzelnd betrachtete. Nur allzu gut konnte auch er auf ihren Wangen erneut diesen herrlichen, rosa Hauch der Verlegenheit entdecken, weshalb sein Herz einen weiteren Hüpfer machte und das Kribbeln in seinem Bauch noch wohliger wurde.
Einen Wimpernschlag später wandte Krys noch immer schmunzelnd den Blick von ihm ab. Zu schade, dabei fand Tim ihren verlegenen Gesichtsausdruck jedes Mal zum Niederknien.
Krys sah über ihre Schulter hinweg und besah sich dabei die Stadt, das Meer und den sternenklaren Himmel. Tim hingegen konnte von ihrem Anblick nicht genug bekommen. Das konnte er nie.
Aus diesem Grund besah er sie sich immer wieder von Kopf bis Fuß und verweilte am längsten stets bei ihrem bildhübschen Gesicht. Sie war eine wahre Augenweide, so oder so, und alles in ihm schrie nach ihr. Er wollte sie ganz nah bei sich haben und sie nie wieder gehen lassen.
„Du bist viel herumgekommen, mein Fuchs.“ Auf ihre sanfte feststellende Aussage hin gab er nur einen bestätigenden Laut von sich, während sich seine Augen an ihrem wohlgeformten Leib und bildhübsches Antlitz schamlos labten.
„Aber hast du jemals etwas so Schönes gesehen?“, fragte sie ihn einen Herzschlag später mit lieblicher Stimme und deutete dabei mit einer Handbewegung auf die nächtliche Szenerie.
Für den Augenblick folgte er beiläufig ihrer Deutung, besah sich die erleuchtete Stadt, das Meer, auf dem sich der Silbermond spiegelte, und das Firmament mit all seinen funkelnden Sternen. Die Szenerie war wirklich wunderschön anzusehen und er verweilte länger mit dem Blick als er gewollt hatte.
Dabei musste Tim gestehen, dass er selten eine solch schöne Szenerie gesehen hatte. Doch das Schönste, was er je gesehen hatte, saß auf der breiten Steinbrüstung neben ihm und blickte zum Firmament empor.
Tim konnte Krys nicht länger nur aus der Ferne anhimmeln. Seine Augen ruhten neuerlich auf ihr und er konnte das brennende Verlangen in sich brodeln spüren.
Er wollte sie mit Leib und Seele. Also folgte er endlich seinen Gefühlen.
Beflügelt von ihrem Kompliment, der Neckerei und der romantischen Atmosphäre dieser Nacht, stellte sich Tim nun direkt vor sie und damit zwischen ihre leicht geöffneten Beine. Sein Herz hämmerte ihm heftig in der Brust, er fühlte sich zittrig und ihm war die ganze Zeit unsäglich heiß.
Zärtlich legte er nun seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie mit sanfter Gewalt dazu ihn anzusehen. Ohne Weiteres ließ sich Krys lenken und sah ihn einen Moment lang sanftmütig in die Augen.
Ihm schwindelte, als ihre Blicke sich verschmolzen und er fühlte das Verlangen nach ihr heftiger in sich aufbegehren. Tim konnte wenige Atemzüge später in ihrem Blick lesen, dass ihr sein Handeln mehr als recht war.
Ihre großen, rehbraunen Augen blickten ihn treu und liebevoll an, während er einfach nur zurücksah. Ihm wurde erneut heiß und kalt zu gleich.
Sein Herz sprang ihm in die Halsgegend und schlug so laut, dass er sicher war, dass sie es hören konnte. Das Kribbeln, dass die umherschwirrenden Schmetterlinge in seinem Bauch verursachten, wurde stärker und fühlte sich dabei unsagbar angenehm an. Er ließ seinen liebestrunkenen Gefühlen endlich freien Lauf und blendete alles um sie herum aus.
Tims Lippen umspielte nun ein ganz verliebtes Lächeln, während er ihr aufrichtig gestand: „Ja, habe ich. Doch es gibt etwas, dass alles, was ich bisher an Schönheit sah bei weitem übertrifft.“
Für den Moment ließ er seine gesagten Worte auf sie wirken und erkannte, dass ihre Augen neugieriger zu funkeln begannen.
Noch bevor sie ihn fragen konnte, was er meinte, kam er ihrem Gesicht mit seinem näher und flüsterte ihr hauchzart zu: „Dich.“
Endlich!
Tim überwand nun den kleinen Abstand zwischen ihnen, um ihre wundervollen Lippen endlich gebührend zu küssen. Ihre bisher geteilten Küsse waren herrlich gewesen, doch jetzt hatte er genug Zeit sie in vollen Zügen zu genießen.
Zärtlich versiegelte er ihre weichen Lippen mit seinen und wurde augenblicklich von einem elektrisierenden Gefühl durchzuckt. Auf dieses folgte ein heißer Schauer, welcher unglaublich angenehm über seinen Rücken floss und auf seiner Haut eine prickelnde Gänsehaut hinterließ.
Sein Herz tanzte Samba und die Schmetterlinge in seinem Bauch schienen zu einer Armada geworden zu sein, die nun schnell mit den Flügeln schlug, weshalb das wohlige Kribbeln in seiner Magengegend noch intensiver wurde.
Tim genoss ihre köstlichen Lippen auf seinen, hielt die Augen voller Hochgenuss geschlossen und hatte das Gefühl, dass die Zeit für sie den Atem angehalten hatte. Inniglich legte er nun seine starken Arme um ihre Taille und ihren Rücken.
So kam er ihrem warmen Leib mit seinem näher und spürte ihren weichen Busen an seiner harten Brust. Sie fühlte sich in seinen Armen perfekt an. Vorsichtig jedoch liebevoll legte nun sie ihre Arme um seine Schultern und erwiderte seinen zärtlichen Kuss.
Krys schmiegte sich sogar ein wenig mehr an ihn, woraufhin seine Glücksgefühle zu voller Blüte erstrahlten. Ein Feuerwerk der Superlative brach in Tim los, als Krys seinen Kuss sanft erwiderte und sich sogar an ihn drängte. Von all diesen wunderschönen Gefühlen überwältigt wurde sein Kuss nun etwas inniger.
Tim nahm ihre Lippen etwas mehr in Beschlag und drückte sich dabei an ihren schlanken Körper. Genießend aufbrummend nahm er ihr Tun an, als sie mit ihren Fingern durch sein Haar am Hinterkopf strich und mit der anderen Hand liebevoll über seine Schulterblätter streichelte.
Liebend strich nun auch er mit seinen Händen über ihren Rücken, während er seine Lippen zärtlich gegen ihre bewegte. Krys hatte einen so süßlichen Geschmack, weshalb Tim es gar nicht erst in Erwägung zog den Kuss jetzt zu lösen.
Schließlich hatte er in letzter Zeit zu oft davon fantasiert und verlor sich nun lieber gänzlich in dieser Herrlichkeit, als dass ihm in den Sinn käme ihre Lippen freizugeben. Ungeniert und in vollen Zügen genoss er es Krys in seinen Armen zu halten, sie zu berühren und vor allem endlich ihre Lippen auf diese Weise zu kosten.
Das Verlangen nach mehr von ihr nahm weiter zu und Tim konnte kaum an sich halten.
Doch musste er das überhaupt?
Auch, wenn sie nicht offiziell verheiratet waren, sondern nur liiert, so war Krys dennoch seine Frau.
Warum sollte er sich dann zurückhalten?
Jetzt, wo sie wahrhaftig und nicht nur auf ihren FanArts, in ihren FanFictions und ihren gemeinsamen nächtlichen Träumen zusammen sein konnten. Er konnte sie halten, küssen und lieben, ganz wie er es sich seit schon viel zu langer Zeit ersehnt hatte.
Aus diesem Grund und ganz vorsichtig, um die Lage zu sondieren, teilte er seine Lippen und strich beinahe hauchzart mit seiner feuchten Zungenspitze über ihre noch geschlossenen Lippen. Um Einlass bittend hoffte Tim, dass sie darauf einging.
Und sie tat es. Langsam und einladend öffnete sie ihren Mund für ihn, woraufhin ihn auch sogleich ihre warme Zunge begrüßte.
Kaum hatte er sich seinen Weg in ihre Mundhöhle gebahnt, begann er seine Zunge liebevoll um ihre kreisen zu lassen. Direkt ging Krys darauf ein und umgarnte seine nun ganz inniglich.
Er schmeckte sie, atmete sie förmlich. Darauf hatte er so lange gewartet, davon fantasiert und nun war es endlich Realität geworden.
Hatte in Tim zuvor schon ein Feuerwerk der Superlative stattgefunden, explodierte nun ein viel Größeres in ihm. All seine Liebe, Sehnsucht und Verlangen goss er in diesen beinahe schon leidenschaftlichen Kuss, während er von einem gigantischen Schwall aus Glücksgefühlen übermannt wurde.
Noch ein wenig mehr Nachdruck legte er in sein Zungenspiel hinein und griff ein wenig mehr in ihren Rücken, um sie fester an sich zu drücken. Dies hatte zur Folge, dass Krys sich regelrecht in diesen heißer werdenden Kuss hineinschmelzen ließ und ihre Arme noch ein wenig mehr um ihn schlang.
Am liebsten hätte er nie wieder damit aufgehört sie so feurig zu küssen. Es begann ihm jedoch etwas unermesslich Wichtiges wie Feuer auf der Seele zu brennen.
Das Verlangen, sie neuerlich wissen zu lassen, dass er sie liebte, schürte sich mit jeder Sekunde, die dieser innige Kuss andauerte. Tim musste es ihr sagen, sonst würde er vermutlich wahnsinnig werden.
Daher ließ er den schönen Kuss ganz sachte abklingen und löste schließlich seine Lippen nur wenige Herzschläge später, mehr als widerwillig, von ihren. Er hörte Krys tief ausatmen und öffnete aus diesem Grund langsam seine Augen, woraufhin er zusah wie auch sie, wie aus einer Trance erwachend, ihre Augen öffnete, um ihn anzusehen.
Schlagartig wurden ihre Wangen feuerrot, was Tim angetan schmunzeln ließ. Ein glückliches Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, welches dennoch Verlegenheit aufwies. Noch immer strichen seine Hände liebevoll über ihren Rücken und auch ihre Finger glitten nach wie vor sachte durch sein Haar, was er wirklich sehr gern hatte.
Für einen sehr langen Moment sahen Tim und Krys sich einfach nur in die Augen. Ein Moment, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam.
Tim genoss dabei ihre Nähe und ihr Streicheln unendlich. Er selbst konnte einfach nicht den Blick von ihr nehmen und schon gar nicht hörte er auf ihren Rücken mit seinen Händen zu liebkosen, da er deutlich spüren konnte, wie sehr sie seine Berührungen mochte.
Wieder brodelte dieses Verlangen, ihr seine Gefühle mitzuteilen, heftig in ihm auf, weswegen er sein Himmelblau mit ihrem Rehbraun intensiv verschmelzen ließ. „Ich liebe dich. So sehr.“
Nun war es seine Stimme, die nicht mehr als ein Hauch in der warmen Nachtluft war.
Die Veränderung in Krys’ Gesicht trat augenblicklich ein. Ihre Augen begannen zu funkeln und ein überglückliches Lachen zierte binnen weniger Wimpernschläge ihr Antlitz.
Noch immer waren ihre Wangen ganz rötlich, doch die Glückseligkeit in ihrem Gesicht überwog nun das bis dato verbliebende Verlangen nach mehr. Tim sah ihr nur zu deutlich an, dass sie über seinen Liebesschwur mehr als erfreut war und er konnte an ihrer Körperspannung fühlen wie sie sich vollständig in seinen Armen zu entspannen begann.
„Ich liebe dich auch so sehr, Tim“, hauchte sie ihm verliebt entgegen und schmiegte sich daraufhin fest in seine Arme.
Ihren Kopf bettete sie dabei an seine Schulter, woraufhin er seinen Kopf an ihren lehnte. Auf ihr Anschmiegen hin legte Tim seine starken Arme enger um ihren wohlgeformten Körper und hielt sie fest.
Noch nie zuvor war Tim so glücklich gewesen, wie in diesem Moment. All diese wunderschönen Gefühle, diese herrliche Glückseligkeit, diese zuckersüßen Berührungen und diese starke Liebe für Krys, fühlten sich unbeschreiblich gut an.
Ihre tiefe Verbundenheit stärkte sich in diesem Augenblick zwischen ihnen nur noch mehr und Tim schwor sich Krys nie wieder gehen zu lassen. Sie gehörte zu ihm und er würde alles dafür tun, um sie zur glücklichsten Frau aller Universen und Zeitlinien zu machen. Es sollte ihr an nichts mangeln.
Er hatte sich mit Krys damals in ein vollkommen unbekanntes jedoch wunderschönes Abenteuer gestürzt, welches nicht mal im Ansatz etwas mit seinen anderen zu tun hatte. Tim genoss dieses mehr als jedes andere und war fest in dem Glauben, dass dies sein größtes und schönstes Abenteuer war, dass er je erlebt hatte.
Vorsichtig zog Krys nun ihren Kopf von seiner Schulter zurück und sah verliebt lächelnd in sein Gesicht, als er sie mit liebevoller Miene bedachte. Seine geliebte Krys überraschte ihn einen Wimpernschlag später mit ihrer forschen Art.
Dieses Mal war nämlich sie es, die den Abstand zwischen ihren Gesichtern überwand und ihre Lippen auf seine presste. Glücklich ging Tim auf ihren lieblichen Kuss ein und ließ diesen rasch inniger werden.
Sie ließ diesen schönen Kuss gern geschehen, blieb an ihn geschmiegt und schien diese Zweisamkeit, im Schein des Mondes, genauso zu genießen wie er.
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Eine ganze Weile hatten Tim und Krys auf dem Balkon zugebracht, sich immer wieder geküsst, Zärtlichkeiten ausgetauscht und sich aufrichtige Liebeschwüre zugeflüstert. Mehr jedoch nicht. Noch nicht.
Erst zu sehr später Stunde hatten sie schlussendlich Arm im Arm den Balkon verlassen und waren in ihr gemeinsames Zimmer gegangen, um zu Bett zu gehen. Die Betten hatten sie frecherweise zusammengeschoben und konnten so kuschelnd einschlafen.
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Anders, als erwartet
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Am frühen Morgen waren alle, vor allem Tim und Struppi, schon recht früh auf den Beinen gewesen. Das Frühstück hatten sie im Gemeinschaftszimmer eingenommen, nachdem Tim dieses geholt hatte, als er von seinem Spaziergang mit seinem Hund zurückkam.
Im Anschluss hatten sie begonnen einen Plan zu schmieden, denn sie wollten wohl überlegt vorgehen. Es ging immerhin um das letzte Pergament.
Das letzte Einhorn Modell war auch noch das Prunkstück von Omar Ben Salads Sammlung und verdammt gut gesichert. Daher würde es alles andere als einfach werden, dieses zu erhaschen.
Das ältere, jedoch saubere und bequeme, Sofa des Gemeinschaftzimmers hatten Tim und Krys, nachdem Frühstück in Beschlag genommen, wobei Struppi es sich zwischen ihnen bequem gemacht hatte. Gegenüber von ihnen, im gemütlichen Korbsessel, thronte der Kapitän, der sich nachdenklich durch den schwarzen Vollbart strich.
Sie brauchten eine gute Strategie, wie sie im Palast vorgehen wollten, ohne verdächtig zu wirken. Es wäre mehr als auffällig gewesen, wenn sie als geschlossene Gruppe durch die Gänge geirrt wären.
Damit hätten sie vermutlich Verdacht geschöpft und wären schneller aufgeflogen, als ihnen lieb gewesen wäre. Definitiv würden sie weniger auffällig sein, wenn sie sich verteilen würden.
Ohne Weiteres könnten sich die drei unbehelligt unter die Gäste mischen und so durch die Gänge schleichen.
„Ich schlage vor, dass wir uns nach dem Konzert still und heimlich aufteilen“, hatte Tim in die Runde gesagt und dafür Zustimmung von Haddock und Krys geerntet.
Liebevoll streichelte Tim über Struppis Kopf, sah auf seinen Fox Terrier nieder und fügte hinzu: „Wir sollten vor allem versuchen die Menschenmasse auszunutzen, um uns unbemerkt davonstehlen zu können.“
Wieder stimmten Krys und der Kapitän seinen Worten zu.
Insgeheim hoffte Tim, dass nicht zu viele Wachen postiert waren und der Scheich seine Sammlung somit zu gut bewachen ließ. Auch war es seine Hoffnung, dass sie nicht so lange nach dem Modell der Einhorn suchen müssten.
Ihnen lief die Zeit davon und Tim schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass Sakharine nicht schon im Besitz des dritten Pergaments war. Das würde alles nur noch schwieriger machen, als es eh schon war.
Es war Krys, die seine Aufmerksamkeit auf sich zog, als sie ihren weinroten Rock zurecht zupfte, da sie ihre Beine seitlich an ihren Körper gezogen hatte. Sein Blick ruhte für den Moment auf ihrem Rock und den darunter verborgenen Beinen.
Zu schade, dass sie diese zum großen Teil gerade unter dem Stoff versteckte. Lediglich ab der Hälfte ihrer Waden, bis zu ihren roten Pumps, lagen diese frei.
Für einige Herzschläge verlor sich Tim in ihrem Anblick und musterte ihre breite Hüfte, ihre Schenkel und ihre nackten Waden. Erst als er nach einigen Augenblicken in ihr Gesicht sah bemerkte Tim, wie sie mit einer ganz leichten Kopfbewegung und den Augen in die Richtung ihres Wahl-Vaters deutete.
Der Wink mit dem Zaunpfahl war mehr als eindeutig. In diesem Moment sprang ihm das Herz in die Halsgegend und er erinnerte sich an das Vorhaben, welches sie in der Nacht noch beschlossen hatten.
Tim hoffte sehr, dass der Kapitän ihre Beziehung wohlwollend aufnahm, wenn er ihm davon berichten würde. Er besaß schließlich ein gewaltiges Temperament und neigte dazu cholerisch zu werden, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.
Dennoch wollte er, dass Haddock über ihre Liebe im Bilde war. Er war in diesem Universum Krys’ Vater, weshalb es nur fair war. Außerdem wollte Tim daraus kein Geheimnis machen, denn ihre Liebe war etwas Wunderschönes und nichts Verbotenes.
So nickte er Krys fast unmerklich zu, sah zu dem Kapitän und schluckte hart. Ein wenig fürchtete er sich davor, wie er diese Neuigkeit auffassen würde.
Sie war sein einziges Kind und die Unberechenbarkeit Haddocks konnte durchaus gruselig sein. Doch Tim rief sich in Gedanken nun zur Ordnung, straffte sich leicht und atmete tief durch.
Struppi hatte ihn bei seiner mentalen Vorbereitung zugeschaut und seinen Kopf unterstützend an seine Seite gedrückt sowie die Pfote auf seinen Schenkel gelegt. Mit einem Seitenblick schenkte er seinem treuen Hund ein sanftmütiges Lächeln.
Offensichtlich hatte nicht nur Struppi dies bemerkt, sondern auch seine Krys. Diese griff nämlich sachte nach seiner Hand, sah ihm dabei zuversichtlich in die Augen und ließ ihre Finger zwischen seine gleiten, woraufhin sie beruhigend seinen Handrücken mit dem Daumen rieb.
Schließlich sah er ruhig zu dem Kapitän, welcher mit verwirrter Miene und gehobener Augenbraue zu den beiden schaute. Sein Gesichtsausdruck verriet nur zu deutlich, dass er Krys’ Geste gesehen hatte.
Sofort wurde ihm ganz mulmig in der Magengegend, denn Haddocks Blick strahlte schon jetzt eine ungeheure Strenge aus. Trotz der Verwirrung, die in seinen Augen blitzte.
Tims Stimme hob sich schlussendlich und klang in diesem Moment klar und fest. Was ihn wahrlich selbst erstaunte, so nervös wie er sich fühlte.
„Kapitän, Ihre Tochter und ich würden Ihnen gern etwas mitteilen.“
Der Gesichtsausdruck des Kapitäns wurde skeptischer, doch dieses Mal blickte er nicht nur Tim an.
Er wandte seinen Kopf nun auch Krys zu, legte den Kopf schief und erkundigte sich mit ernsterer Stimme: „Und das wäre?“
„Nichts Schlimmes, sondern etwas ganz Schönes“, versicherte sie ihm und lächelte ihren Vater dabei warm an, woraufhin dessen Blick nun sonderbar wurde.
Tim ließ zu, dass Krys etwas mehr zu ihm heranrutschte und Struppi dabei auf ihren Schoß nahm. Aus dem Augenwinkel und mit einem sanften Blick beobachtete Tim, wie sie Haddock glücklich anblickte.
„Tim und ich sind ein Paar, Papa.“
Die beiden konnten in diesem Moment richtig dabei zusehen, wie Haddock die Gesichtszüge vollständig entglitten und er immer wieder zwischen ihnen hin und her sah. Seine Augen wanderten dabei über die Körper der zwei und musterten ganz genau deren Haltung.
Kurz darauf hob er die Hand und deutete mit dem Zeigefinger abwechselnd auf sie.
„Ihr zwei? Seid ineinander verliebt?“, kam es beinahe fassungslos von dem Kapitän, woraufhin dem Reporter nichts Gutes schwante.
Er begann bereits damit zu rechnen, dass Haddock in den nächsten Wimpernschlägen einen cholerischen Anfall bekommen würde. Etwas, das nicht untypisch für ihn gewesen wäre, wie er sich eingestehen musste.
Tim sah vor seinem geistigen Auge bereits, wie Haddock ihn in die Mangel nahm und tobte. Dabei hallten ihm Sätze durch den Kopf wie „Wie kannst du dich nur an ihr vergreifen?“ und „Finger weg von meiner Tochter!“.
Noch immer war der Kapitän aus der Fassung gebracht, doch so langsam ließ er seine Hand wieder sinken. Zu Tims Verwunderung verwandelte sich der ungläubige Gesichtsausdruck von Haddock zu einem freudigen Lachen.
„Na, endlich!“ Herzhaftes Gelächter verließ nun seine Kehle, wobei er sich sogar den Bauch hielt.
Jetzt waren es Tim und Krys, die einen verwirrten Blick miteinander tauschten.
Krys legte den Kopf schief, zuckte mit den Schultern und sah anschließend zurück zu dem Kapitän. Auch Tim sah wieder zu ihm und wartete geduldig, vor allem noch immer nervös, auf eine richtige Antwort.
Nach einigen Augenblicken hatte sich Haddock wieder beruhigt, sah gütig zu den beiden und sagte ehrlich: „Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, wie lange es dauern wird.“
Erstaunt blickten Tim und Krys auf diese Aussage hin nun mit geweiteten Augen und Mund drein.
Nach einigen Lidschlägen und dem Wiedererlangen ihrer kurzfristig verloren gegangenen Fassung, war es Krys, die schließlich kleinlaut nachfragte: „Was meinst du damit? Hast du nur darauf gewartet?“
Wieder lachte der Kapitän herzlich auf und nickte ihr zu. „Natürlich hatte ich das.“
Noch immer nach Fassung ringend sah Tim ihn an, schwieg jedoch und hörte einfach nur zu. Er war mehr als überrascht darüber, denn er hätte nicht erwartet, dass Haddock es bereits wusste.
Gerade wollte Krys etwas sagen, als ihr Wahl-Vater sie mit einer seichten Handbewegung zum Schweigen brachte und freundlich meinte: „Ich weiß, was du sagen willst, Delfinchen. Aber… wir sind eine Familie, meine liebe Krys Thine. Egal wo, wir lieben dich und wir wissen natürlich, wer du wirklich bist und wem dein Herz gehört. Wir zeigen es nur nicht immer“ Bei seinen Worten grinste er freudig vor sich hin und zwinkerte seiner Tochter neckisch zu.
Auf diese Worte hin weiteten Tim und vor allem Krys die Augen und Münder erneut. Ganz offenbar wusste nicht nur Tim, mit wem er es hier eigentlich zutun hatte, sondern auch der Kapitän.
Auch Tim musste nun wieder warm lächeln, als er diese Aussage vom Kapitän hörte.
Es freute ihn immens, dass er die Liebschaft der beiden offenbar guthieß und vor allem, dass er Krys wissen ließ, dass auch er wusste, wer sie tatsächlich, war.
Das war wirklich schön, denn so wusste sie, dass sie von ihren Lieben stets akzeptiert und geliebt war. Egal in welchem Universum.
Nun abgesehen von ihrem Ursprungsuniversum. Aber das zählte Tim hier auch nicht mit rein.
Vielleicht würde ihr dieses Wissen helfen auch irgendwann nicht nur charakterlich, sondern auch vom Aussehen her ganz sie selbst zu sein. Tim wünschte es sich von Herzen. Vor allem für seine geliebte Krys.
Glücklich lachte diese nun auf, nickte Haddock zu und sagte ganz lieb zu ihm: „Danke, dass du uns deinen Segen gibst. Und danke, dass du mich das wissen lässt, das bedeutet mir unendlich viel, Papa.“
„Dafür musst du mir nicht danken, mein Seestern“, entgegnete der Kapitän warmherzig und sah die beiden zu gleichen Teilen gütig lächelnd an, wobei es so schien, als würde er keine Antwort darauf erwarten.
Dennoch gab auch Tim ein erleichtertes und sehr ehrliches „Danke, Kapitän.“ von sich, woraufhin dieser vergnügt abwinkte. Glücklich schlang Krys nun die Arme um Tims Schultern, schmiegte sich dabei an ihn und hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange.
Tim legte seinen Arm um ihre Taille, strich sachte über ihren Rücken und war mehr als überglücklich, dass der Kapitän ihrer Liebschaft zustimmte und sich Krys offenbart hatte.
Liebevoll küsste er ihren Schopf, hielt sie an sich gedrückt und hörte Haddock sagen: „Wir sollten uns allerdings bald für das Konzert vorbereiten. Es ist bereits elf Uhr.“
Auf diese Aussage hin wurde Tims Blick wieder um Welten ernster und als er zur Uhr sah, zog er kurz die Augenbrauen kraus. Der Kapitän hatte vollkommen Recht.
Sie mussten tatsächlich in einigen Minuten mit den Vorbereitungen beginnen und sich auf den Weg machen. Das Konzert der Mailänder Nachtigall würde um dreizehn Uhr beginnen.
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Das Konzert
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„Wo bleibt sie nur? Wir sollten längst unterwegs sein, Hagel und Granaten“, murrte der Kapitän unwirsch vor sich hin, während er zusammen mit Tim und Struppi am Fuße der Treppe des Hotels stand und mit den beiden auf Krys wartete.
Tim beobachtete den Kapitän die ganze Zeit beim auf und ab Gehen und hoffte, dass seine Krys bald kommen würde. Der Kapitän hatte nämlich Recht.
Sie waren etwas spät dran und sie brauchte tatsächlich länger als geplant war. Etwas, dass ihm gerade ein wenig auf die Nerven ging.
Tim war obendrein wie ein Flitzebogen auf das Kleid gespannt, welches Krys gestern erworben hatte. Sie hatte ihn und Struppi sogar extra vor die Tür gescheucht.
Alles nur, damit keiner von ihnen Krys schon zuvor sehen würden. Dies war wiederrum etwas, dass er sehr niedlich an ihr gefunden hatte und was ihn noch immer, wenn er daran dachte, schmunzeln ließ.
Mit verschränkten Armen beobachtete Tim weiterhin den Kapitän, musterte ihn immer wieder und meinte schließlich besonnen: „Immer mit der Ruhe, Kapitän. Noch liegen wir gut in der Zeit.“
Er hoffte, dass dies auch so bleiben würde. Wenn sie innerhalb der nächsten Augenblicke die Treppe hinunterkommen würde, würden sie auf jeden Fall pünktlich sein.
Tim hätte zwar gerne noch ein paar Minuten vor dem Konzert gehabt, aber sei es drum.
„Keine Sorge. Ich bin schon da, Papa“, ertönte die sanfte Stimme von Krys und ließ somit Tim, Struppi und auch Haddock mit großen Augen zu ihr aufblicken.
Dort auf der obersten Stufe stand seine Angebetete und sah einfach nur zum Niederknien in ihrem Abendkleid aus. Das Herz sprang ihm freudig tanzend in die Halsgegend und die Schmetterlinge in seinem Bauch ließen es dort herrlich kribbeln.
Überwältigt von Krys’ Schönheit musterten seine himmelblauen Augen sie in ihrem dunkelgrünen, knöchellangen Abendkleid. Gänzlich entblößt waren ihre Schultern und nur ein mintgrüner Seidenschal war um ihre nackten Oberarme gelegt. Eine mit Goldstickereien verzierte Korsage betonte ihre schlanke Taille und brachte ihre vollen Brüste perfekt zur Geltung.
Wobei er schon jetzt auf all die anderen Männer, die seine Krys in diesem Kleid zu Gesicht bekamen, neidisch war. Am liebsten hätte er diesen Anblick nämlich mit niemanden geteilt.
Ihre kleinen Füße steckten in ebenso dunkelgrünen Pumps, während ihre hüftlangen, braunen Haare zu einer schlichten Hochsteckfrisur gebunden waren. Make-up trug sie keines und dies brauchte sie in Tims Augen auch absolut nicht, da sie für ihn eine wahre Naturschönheit war.
Angetan sah Tim dabei zu, wie Krys mit geschmeidigen Bewegungen die Treppe hinunter schritt und dabei alle drei zu gleichen Teilen glücklich anlächelte. Ganz der Gentleman, der Tim nun einmal war, deutete er eine Verbeugung an und streckte ihr anschließend die Hand entgegen, als diese auf der vorletzten Stufe zum Stehen kam. Verliebt lächelnd ergriff sie seine Hand und lachte verlegen auf, als Tim ihren Handrücken zärtlich küsste.
„Mylady. Ihr seht umwerfend aus.“ Sein Himmelblau verschmolz dabei mit dem Rehbraun seiner Liebsten und seine feinen Gesichtszüge zierte dabei ein charmantes Lächeln.
Deutlich erkannte Tim den rötlichen Schimmer, der sich nach seiner Aussage auf ihre Wangen geschlichen hatte.
Freudig lachte er sie daraufhin an und hörte sie beinahe schon scheu zu ihm sagen: „Danke, du Charmeur.“
Auch Haddock war ganz begeistert von seiner bildhübschen Tochter, was ihm deutlich anzusehen war. Strahlend sah er sie an, seufzte auf und nickte ihr anerkennend zu.
„Du siehst wirklich atemberaubend aus, mein Delfinchen“, gab der Kapitän ganz ergriffen von sich, woraufhin er sie noch einmal ausgiebig in Augenschein nahm.
Warmherzig sah sie daraufhin zu ihm, lächelte überglücklich und gab ein freudiges „Dankeschön, Papa.“ von sich.
Auch Struppi bekundete seine Begeisterung mit einem lauten Bellen, woraufhin Krys ihm liebevoll über das Köpfchen streichelte. „Auch dir danke ich, Struppichen.“
„Es wird Zeit, wir müssen los“, hatte Tim lieb zu Krys gesagt und dabei einen ruhigen Blick von ihr geerntet, ehe sie zustimmend nickte.
Auch der Kapitän richtete noch einmal seine schwarze Kapitänsmütze und meinte feierlich in die Runde: „Na, dann auf in die Höhle des Löwen.“
So hatten sie sich anschließend gemeinsam auf den Weg zum Palast gemacht. Während des kleinen Marsches, hatte Tim immer mal wieder verliebt zu Krys geblickt und ihre Hand gehalten.
Trotz allem kam er nicht drum herum sich vorzustellen, wie sie in ihrer wahren Form in dem Kleid aussehen würde. So oder so, ihre Schönheit raubte ihm den Atem und ihre wohltuende Nähe war Balsam für seine aufgewühlte Seele, denn das Bevorstehende würde definitiv alles andere als leicht werden.
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Während des Konzerts hatte Tim sich genau umgesehen, aber er konnte nirgendwo in der Menge Sakharine oder ein Mitglied dessen Crew erblicken. Es gab nur eine Person, die stets und ständig die Aufmerksamkeit von Tim auf sich zog, nämlich der Kapitän.
Seitdem die berühmte Opernsängerin Bianca Castafiore angefangen hatte ihre Juwelenarie zu singen, hatte er gejammert, dass seine Ohren wegen dem Geträller bluten würden. Auch beschwerte er sich über den Lärm, womit er den Gesang der Castafiore meinte.
Immer wieder hatte Krys ihren Vater mit mahnenden Worten wie „Reiß dich zusammen, Papa.“ und „Papa, Ruhe.“ versucht zur Ordnung zu rufen. Das war, wie Tim feststellen musste, vergebene Liebesmühe. Er selbst hatte es nämlich auch schon versucht, es jedoch nach wenigen Versuchen aufgegeben.
Vollkommen überhastet war der Kapitän schlussendlich davongeeilt, als ihm der Gesang zu viel wurde. Er floh regelrecht aus dem hellen, mit Marmor bestückten und prunkvollen Palast, wobei Tim ihm kurz irritiert nachblickte und zu sah, wie er durch die großen, weißen Marmorsäulen hinaus in den wunderschönen, blumigen Garten trat.
Dort war ein Buffet aufgebaut, an dass es nach der Vorstellung gehen würde. Tim seufzte schließlich resigniert auf und tauschte im Anschluss einen Blick mit Krys, ehe er mit den Schultern zuckte, als diese ihn fragend ansah.
Was sollte er dazu auch sagen?
Haddock war halt, wie er war. Und ganz offenbar war er kein Freund von Opernmusik.
Allerdings war Struppi nicht unbedingt ruhiger. Er winselte die ganze Zeit vor sich hin und verkroch sich sogar Schutz suchend unter Tims Stuhl.
Ein wenig unangenehm war ihm das Benehmen von Struppi und dem Kapitän schon gewesen. Die Gäste hatten sich nämlich währenddessen öfter zu ihnen umgeschaut und ihnen dabei verständnislose Blicke zugeworfen.
Zum Glück kümmerten sich die anderen Gäste, nach dem der Kapitän das Weite gesucht hatte, nicht weiter um ihn, Struppi und Krys. Daher nahm Tim sich die Zeit sich ein weiteres Mal genau umzusehen und erblickte, auf dem Balkon hinter sich, Sakharine mit seinem Falken auf dem Arm.
Mit einem Mal fiel es Tim wie Schuppen von den Augen. Bianca Castafiore war seine Geheimwaffe aus einem sehr, sehr speziellen Grund.
Sie war eine Opernsängerin und konnte ihre Stimme mehrere Oktaven nach oben verlagern, so dass ein Ton entstand, der Glas zum Schwingen brachte. Rasch hob er das Mini-Fernglas an seine Augen, wandte seinen Blick nach vorne und erspähte durch dieses das Modell der Einhorn.
Zu seinem Schrecken stellte Tim fest, dass das Glas bereits vibrierte. Kurz darauf setzte die Castafiore zum großen Finale ihres Liedes an, wobei sie immer höher und höher sang.
Voller Zorn richtete Tim den Blick empor zu Sakharine, erhob sich langsam von seinem Stuhl und würde sofort Struppi los jagen lassen das Modell zu holen, ehe er selbst hinterher sprinten würde. Es würde nicht mehr lange dauern und jedes Glas im Raum, sogar das des Schaukastens der Einhorn, würde in tausend Splitter zerspringen.
Wie hatte er nur so blind sein können?
Wie konnte ihm entgehen, was Sakharine mit der Opernsängerin geplant hatte?
Er ärgerte sich zutiefst darüber, dass ihm dies nicht schon vorher bewusst geworden war. Allerdings brachte es nun auch nichts mehr über verschüttete Milch zu weinen. Jetzt würde nur noch Schadensbegrenzung möglich sein.
„Was ist los, mein Herz?“, ertönte Krys’ Stimme leise und ganz nah an seinem Ohr, woraufhin er sich ihr mit ernstem Gesichtsausdruck zuwandte.
Mit dem Kopf deutete er in die Richtung des Balkons. „Er ist hier.“
Er konnte beobachten, wie Krys etwas blass um die Nasenspitze wurde, ehe sie nun ebenfalls zum Balkon empor sah.
Doch lange blickte sie nicht zu ihm auf, da sie rasch ihren Kopf wieder senkte. „Er schaut zu uns, Tim.“
Sachte und ganz automatisch nahm er ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger, zwang sie so mit sanfter Gewalt in sein Gesicht zu sehen und flüsterte: „Küss mich.“
Er wollte nicht, dass Sakharine mitbekam, dass beide zu ihm hinaufgeblickt hatten. Tim wollte viel mehr, dass er sich sicher fühlte und glaubte seinen Plan unbeirrt durchführen zu können.
Es sollte daher wie ein Zufall aussehen, dass er mit Krys hier war. Ein sehr naives Vorhaben, aber er hoffte, dass es klappen würde.
Außerdem konnte er Sakharine so ganz deutlich zeigen, dass Krys an seine Seite gehörte. Es schwirrte ihm schließlich immer noch im Hinterkopf herum, dass dieser Krys heiraten wollte. Daher war es für ihn ein wenig Genugtuung sie vor seinen Augen zu küssen.
Ohne ihre Antwort abzuwarten hatte Tim seine Lippen auf ihre gelegt und hauchte ihr so einen sanften Kuss auf diese. Zufrieden bemerkte er, dass sie den Kuss liebevoll erwiderte und ihre Hände sachte an seine Schultern legte.
Sein Herz machte dabei einen Hüpfer und ein wohliger, prickelnder Schauer floss über seinen Rücken, während er genießend seine Augen schloss. Nur am Rande bekam Tim mit, wie sämtliches Glas um sie herum in tausend Scherben zersprang und das Klirren eine ganz eigene Musik von sich gab. Viel zu sehr hatte er sich in den innigen Kuss mit seiner Krys fallen lassen.
„Tim! Krys!“, holte ihn der Ruf von dem Kapitän zurück ins Hier und Jetzt, woraufhin er den Kuss abrupt löste und gemeinsam mit Krys erschrocken zu dem Kapitän hinübersah.
Doch bevor dieser etwas zu den beiden sagen konnte, rief Sakharine aufgebracht zu dem Scheich: „Das sind sie! Die wollen Ihr Schiff stehlen!“
Geistesgegenwärtig reagierte der Scheich und zeigte auf Tim, Krys und auch auf Haddock. „Nehmt sie fest! Und den Hässlichen da auch!“
Nur flüchtig bekam Tim mit wie Sakharine seinen Falken zum freigewordenen Schiff aussandte.
Augenblicklich sah er auffordernd zu Struppi und zeigte in die Richtung des Schiffes. „Hinterher, Struppi!“
Bellend sprang sein Hund auf und rannte so schnell er nur konnte zum Modell der Einhorn. Allerdings sah Tim, dass es bereits zu spät war, woraufhin er leise fluchte und das Gesicht angesäuert verzog.
Der Falke hatte das Röhrchen mit dem Pergament aus dem Mast herausgezogen und war zurück zu seinem Herrn geflogen. Alles Bellen und nach dem Falken Springen sowie Schnappen, half gar nichts.
Das laute Fluchen und Beschweren, dass er hässlich genannt wurde, vom Kapitän, drang nur dumpf an Tims Ohren, da dieser in diesem Augenblick bereits fieberhaft überlegte, wie er nun an die zwei Pergamente herankommen sollte. Ein Pergament war in Kapitän Haddocks Besitz, da er es ihm anvertraut hatte, kurz bevor sie das Konzert besuchten.
Sakharine war damit also noch nicht am Ziel und für Tim und die anderen noch nicht alles verloren. Das war gut. Damit konnte Tim arbeiten.
Tim erwachte erst wieder aus seinen Gedanken, als auch er und Krys nun von den Wachen des Scheichs umringt und kurz darauf von ihnen unsanft gepackt wurden.
Verdammt!
Für einige Herzschläge war er dermaßen in Gedanken gewesen, dass seine Umgebung vollkommen nebensächlich für ihn geworden war. Doch mit geschickten Handgriffen war Tim schnell wieder frei, schlug die Wachen gekonnt zu Boden und blickte zu seiner Liebsten.
Beeindruckt hatte Tim zugesehen wie diese mit einem raschen Tritt in den Bauch und einen festen Kinnhaken die zwei Wachen, die sie festgehalten hatten, außer Gefecht setzte.
Im Anschluss strich sie sich ihren Rock zurecht und empörte sich: „So geht man doch nicht mit einer Lady um.“
Ihre rehbraunen Augen wandten sich Tim zu, welcher sie bei ihren Worten neckisch angrinsen musste. Ein weiteres Mal war er unsagbar stolz und glücklich, dass Krys seine Frau war.
Sie war schlagfertig, hatte Mut und schaffte es auch ohne seine Hilfe mit Gefahren fertig zu werden. Sie war in seinen Augen perfekt und er war sich sicher, dass sie ihn noch so manches Mal mit ihrem Mut beeindrucken würde.
Rasch griff er nun nach ihrer Hand, hauchte ihr einen kleinen Kuss auf den Handrücken und lief mit ihr anschließend hinüber zum Kapitän.
„Kommen Sie, Kapitän. Wir müssen hier weg.“
Gemeinsam huschten die drei in einen leeren, unscheinbaren Gang des Palasts, während der Kapitän den beiden davon erzählte, dass er von Alan im Garten überrumpelt wurde und dieser nun das Pergament an sich genommen hatte. Wut flackerte in Tims sonst so besonnenen Augen auf.
Sein Herz schlug kräftig in seiner Brust und der brodelnde Zorn ließ ihn wortlos zum Haupteingang laufen. Er war enttäuscht vom Kapitän, denn er hatte ihm das Pergament anvertraut und nun hatte er es sich so mir nichts, dir nichts abnehmen lassen. So wie der Kapitän nach Alkohol roch, schien es für Alan ein Leichtes gewesen zu sein ihn zu überraschen und das Pergament an sich zu nehmen.
So schnell wie diese Wut auf Haddock aufkam, so rasch war diese jedoch auch schon wieder verschwunden. Immerhin hatte der Kapitän geglaubt im Garten seine Ruhe zu haben und bis vor einigen Minuten hatte auch Tim geglaubt, dass die Crew und Sakharine nicht im Palast sein würden. Daher verzieh er dem Kapitän in Gedanken rasch wieder, doch seine grenzenlose Wut auf Sakharine und dessen Crew war geblieben.
Mit erzürntem Blick musste Tim mitansehen wie Sakharine, Alan und Tom in den Jeep, der neben einem Motorrad vor dem Eingang des Palasts parkte, stiegen und in Richtung Hafen davonfuhren. Geschickt hatte Tim sich den Weg frei gekämpft, krempelte sich die Ärmel hoch und ging auf das Motorrad zu, welches einen Beifahrerwagen besaß.
„Tim, was haben Sie vor?“, drang die Stimme von Haddock zu ihm durch, während er das Motorrad kurz in Augenschein nahm und zufrieden feststellte, dass der Schlüssel steckte.
Das sparte Zeit. Er setzte sich sogleich auf dieses, während Krys voller Selbstverständlichkeit hinter ihm Platz nahm und ihre Arme um seine Brust legte. „Sakharine hinterherjagen natürlich. Das ist unsere einzige Chance die Pergamente zurückzubekommen, Kapitän.“
Der Kapitän und Struppi hingegen hatten sich auf Tims Worte hin im Beifahrerwagen niedergelassen. Sofort startete Tim das Gefährt und fuhr, so schnell das Motorrad es zuließ, hinter dem Jeep her.
Aus dem Augenwinkel registrierte er, wie Haddock mit erstauntem Gesichtsausdruck eine Bazooka aus dem Beifahrerwagen zog und kurz darauf versuchte mit dieser auf den Jeep zu zielen. Eigentlich war Tim kein Freund von Gewalt, aber manchmal musste er Prioritäten setzen.
Haddock gab nur wenige Lidschläge später einen Schuss ab, doch die entsetzten Laute von ihm und Krys ließen Tim nichts Gutes ahnen.
„Was haben Sie getroffen?“, erkundigte sich Tim bei dem Kapitän, beschleunigte jedoch das Motorrad und fieberte dem Moment entgegen, in dem sie dem Jeep nah genug sein würden.
„Eine der Pumpen vom Staudamm“, sagte Krys für ihren Vater bemüht ruhig, obwohl Tim in ihrer Stimme deutlich die Fassungslosigkeit hören konnte.
Schließlich wandte er seinen Blick kurz neben sich und sah die Wassermassen im künstlich angelegten Flussbett durch die Stadt rauschen. Kurz stand auch ihm der Schrecken ins Gesicht geschrieben, doch schon im nächsten Moment bot sich die Gelegenheit die Pergamente Sakharine aus der Hand zu nehmen.
Dadurch, dass Struppi todesmutig auf den Jeep gesprungen war und somit die drei Männer überrascht hatte, brauchte Tim das Motorrad nur noch ganz nah an den Jeep bringen. Sie waren vom Tempo her gleich auf und so nah beieinander, dass Tim die Pergamente mühelos greifen konnte.
Kaum hatte er die Pergamente in der Hand und seinen treuen Struppi wieder sicher im Beifahrerwagen, gab er noch einmal richtig Gas und sauste an dem Jeep vorbei Richtung Hafen.
Die Jagd war eröffnet!
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Aufgeben kommt nicht in Frage
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Es war eine wilde Verfolgung gewesen, bei der sich der Beifahrerwagen gelöst hatte und der Kapitän dabei mutig auf den Kühler des Jeeps gesprungen war. Struppi hingegen versuchte dem Falken, der sich in einem unachtsamen Moment die Pergamente von Tim schnappen konnte, hinterher zu jagen.
Gekonnt hatte Struppi dem Falken diese wieder abnehmen können, weswegen er rasch zu Tim und Krys aufschloss. Diese waren ein kurzes Stück den Weg Richtung Hafen weitergefahren und hatten an einer Kreuzung auf den Fox Terrier gewartet.
Mit Struppi im Arm ging es weiter zu den Docks. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, doch als der Jeep um eine der Ecken geschossen kam, riss Tim geistesgegenwertig den Lenker herum und wich so einer Kollision aus. Allerdings rutschte das Motorrad weg, woraufhin die drei zu Boden stürzten.
Unsanft knallte Tim mit dem Rücken gegen eine der Hauswände, seufzte unter Schmerzen auf und öffnete benommen seine Augen. Sakharines Falke sammelte indes die herumfliegenden Pergamente aus der Luft zusammen, während Struppi sich gerade aufrichtete und bellend nach diesem zu schnappen begann.
Seine himmelblauen Augen glitten zu Krys, die gerade fluchend und sich heftig wehrend von Alan und Tom in den Jeep gezerrt wurde. Tims Augen weiteten sich entsetzt, sein Herz raste in seiner Brust und seine Eingeweide zogen sich unangenehm zusammen.
Sie entführten Krys!
Ihm wurde regelrecht schlecht und doch war er mit einem Schlag wieder so fit, dass er sich sofort aufrappelte und zu ihr rennen wollte. Sakharine durfte sie nicht haben. Krys war sein Mädchen und er würde alles daran setzen sie zurückzubekommen.
„Kümmere dich um den Falken!“ Ihre auffordernde Stimme ließ ihn abrupt stehenbleiben, ein paar Mal verständnislos blinzeln und anschließend zu dem Falken schauen, der in diesem Augenblick im Sturzflug an ihm vorbeisauste.
Alles in ihm widersetzte sich dem Falken zu folgen, denn er wollte lieber Krys in Sicherheit wissen. Gleichzeitig vertraute er in ihre Fähigkeiten und wusste, dass sie sich nicht von Sakharine und den anderen beiden kleinkriegen lassen würde.
Also jagte Tim widerwillig diesem zu Fuß hinterher, wobei Struppi ihm bellend folgte.
Der Falke hätte emporfliegen können, doch er tat es einfach nicht. Stattdessen flog er durch die Straßen und Gassen der Stadt und schien völlig planlos ohne seinen Herrn in der Nähe zu sein.
Tim versuchte immer wieder fieberhaft einen Moment abzupassen, um den Falken zu erwischen. Er musste den Raubvogel fangen und diesem die Pergamente abnehmen.
Um jeden Preis!
Am Hafen angekommen erhielt Tim endlich die ersehnte Möglichkeit und war von der Veranda einer der dortigen Tavernen gesprungen, um den Falken im Sinkflug zu erwischen. Sein Plan ging auch perfekt auf, denn er bekam das Tier an den Beinen zu fassen.
Er hatte jedoch die Fallhöhe dabei völlig außer Acht gelassen und auch gar nicht darauf geachtet, wohin er eigentlich sprang. Wichtig war nur, dass er den Falken zu packen bekam.
So stürzte Tim direkt ins Hafenbecken, doch zu seinem Glück landete er bäuchlings auf einer der dort schwimmenden Holzplattformen, dessen Zweck er im ersten Moment nicht bestimmen konnte.
Alles, was er wusste, war, dass diese Plattform ihn davor bewahrt hatte unterzugehen. Dabei hätten die Pergamente zerstört werden können, denn die Wasserfestigkeit derer wollte Tim ungern auf die Probe stellen.
Sich auf den Rücken drehend, versuchte Tim das Tier festzuhalten und die wertvollen Pergamente an sich zu nehmen. Zu seinem Bedauern war der Falke nicht gewillt gewesen diese loszulassen, sondern versuchte sich durch wildes Flattern aus dem eisernen Griff Tims zu befreien.
Voller Erstaunen weiteten sich plötzlich seine Augen und sein Mund, als er einen Blick auf die Pergamente warf. Unter den Gedichten waren Markierungen, die in diesem Augenblick einen Sinn ergaben.
Nur übereinandergelegt und gegen das Licht gehalten, ergaben die Pergamente versteckte Nummern. Auf die Schnelle konnte Tim nicht genau sagen, was diese bedeuteten und die Chance es herauszufinden bekam er auch nicht.
„Lass den Falken los oder die drei sterben!“, drang Sakharines Stimme warnend zu Tim durch.
Rasch wandte er seinen Kopf in dessen Richtung und fühlte erneut, wie sich seine Eingeweide unangenehm zusammenzogen.
Tom und Alan hielten den Kapitän am Saum dessen Jacke fest, da dieser bereits am Rand des Docks stand und ohne Halt zusammen mit Struppi ins Wasser gestürzt wäre. Sein treuer Hund hing nämlich mit zusammengebundenen Beinchen kopfüber an den Fesseln des Kapitäns.
Knurrend, bellend und sich windend versuchte er sich von den Fesseln zu befreien, was jedoch völlig vergebens war. Dieser Anblick ließ Tims Herz vor Wut rasen, denn er hasste es, wenn man sich an seine Freunde vergriff. Struppi allen voran.
Seine Augen wanderten zum Gesicht des Kapitäns, dem er ansehen konnte wie gern er Tom und Alan für ihre Taten hätte büßen lassen wollen. Tims himmelblaue Augen wandten sich nun seiner gefesselten Krys zu, woraufhin ihm vor Wut beinahe schwindelte.
Ihr hübsches Abendkleid war schmutzig und am Rocksaum völlig zerschlissen, den Seidenschal hatte sie eingebüßt und ihre Hochsteckfrisur war vollkommen in sich zusammengefallen. Ihr dunkelbraunes Haar floss ungebändigt über ihre Schultern und ihren Rücken, während sie mit eisigem Zorn in den sonst so warmen, rehbraunen Augen zu Sakharine sah.
Für den Moment erinnerte Krys ihn an eine erhabene Königin, die über all dies stand und sich nicht geschlagen geben wollte. Tatsächlich war sie das auch.
Viel mehr sogar als das. Sie war eine Göttin.
Ein Hauch von Bewunderung stieg für den Bruchteil von Sekunden in ihm auf, jedoch nur, bis ihm wieder bewusstwurde in welcher Situation sie sich alle gerade befanden.
„Was ist dir wichtiger, Junge? Die Pergamente oder deren Leben?“, erklang die Stimme von Sakharine erneut, woraufhin Tim wieder zu ihm sah.
Leicht schüttelte er den Kopf und gab ein verzweifeltes „Nein, warten Sie!“ von sich. Er hätte das nur zu gern irgendwie mit Worten geklärt, doch er musste feststellen, dass er in einer Zwickmühle war und wohl nur Taten sprechen lassen konnte.
Die Pergamente würden sie zum Erbe der Haddocks führen und nicht nur das. Das Ganze wäre auch noch eine fantastische Geschichte für einen neuen Artikel gewesen.
Doch nun musste Tim sich zwischen dem Schatz von Ritter Franz und dem Leben der drei entscheiden. Die Entscheidung war jedoch schon längst gefallen.
Bevor er diese jedoch verkünden konnte, hörte er Haddock beschwichtigend zu ihm sagen: „Machen Sie sich keine Sorgen, Tim. Uns geht es prima.“
Wie zur Bestätigung bellte Struppi auf, als wollte er sein Herrchen dazu ermutigen die Pergamente auf keinen Fall loszulassen.
„Egal was du versuchst, Iwan. Wir werden am Ende siegen“, erklang Krys’ beherrschte, selbstsichere Stimme, woraufhin sie nun die volle Aufmerksamkeit von Sakharine besaß.
Langsam und Unheil verkündend ging dieser auf sie zu, stand nun dicht vor ihr und sah süffisant lächelnd in ihr Gesicht. „Mein Täubchen. Dich würde ich am Leben lassen, wenn du brav mit mir kommst und meine Frau wirst. Ich könnte dir sogar dieses kleine Verhältnis mit diesem Bengel verzeihen.“
Sakharine strich nun noch immer lächelnd mit dem Zeigefinger über ihre Wange, was Tim vor Eifersucht rasend machte. Einen Herzschlag später erdreistete sich Sakharine sogar ihr einen Kuss zu rauben und blickte dabei für wenige Herzschläge zu ihm hinunter.
Todbringende Wut stieg in ihm auf und begann ihn wie eine Würgeschlange zu umschlingen. Am liebsten hätte er den Falken losgelassen und sich auf Sakharine gestürzt, um diesen zu maßregeln.
Denn er maßte sich tatsächlich an seiner geliebten Krys ein solches Angebot zu machen und ihr dann auch noch einen Kuss zu stehlen. Zu allem Überfluss hatte er Tim auch noch einen Blick dabei zugeworfen, ehe er die Augen genussvoll geschlossen hatte.
In Gedanken beschimpfte Tim ihn wüst und verfluchte dessen Leben aufs Übelste. Nur dumpf nahm er die angewiderten Proteste von Haddock und auch Struppis Bellen wahr. Sein rauschendes Blut dröhnte in seinen Ohren und sein Zorn war so gewaltig, dass er drohte die Beherrschung zu verlieren.
Zum Glück löste Sakharine den Kuss vorzeitig wieder, während Tim mit seiner heftigen Wut und der schwindenden Selbstbeherrschung rang. Doch all dieser Zorn verflog schlagartig, als er Krys’ Lächeln im Anschluss sah.
Blanke Fassungslosigkeit stand Tim nun ins Gesicht geschrieben und sein Herz hämmerte ihm kräftig in der Brust, denn sie lächelte Sakharine nach dem Kuss tatsächlich beinahe warmherzig an.
Was hatte sie vor?
Im nächsten Moment begann sie auch noch amüsiert zu kichern und schließlich gab sie schnurrend von sich: „Aber, aber Iwan. Tim und ich haben doch keine Liaison. Wo denkst du nur hin?“
Er konnte seinen entsetzten und nun mehr neugierigen Blick bei ihren abtuenden Worten nicht von ihr nehmen. Das war auch sein Glück, denn so konnte er sehr genau beobachten, wie ihr warmer Blick und das Lächeln komplett aus ihrem Gesicht gewischt wurden.
Ein wildes Funkeln blitzte in ihren Augen auf und ein abgrundtiefböser Ausdruck zierte nun ihr Gesicht. Tim konnte Krys gerade überhaupt nicht einschätzen oder erahnen was kommen würde. Diese Frau konnte genauso unberechenbar wie ein Sturm sein, wenn sie aufgebracht war.
Als ihre eiskalte Stimme durch die warme Luft schnitt, erfüllte Stolz Tims Leib. „Ich liebe ihn mehr als ich in Worte fassen kann, Iwan. Was Tim und ich haben ist weitaus mehr als ein kleines Verhältnis. Sei daher froh, dass ich gefesselt bin, sonst würdest du deine Worte und vor allem den Kuss bitter bereuen.“
Ihre Worte machten Tim in diesem Augenblick mehr als nur glücklich. Es beflügelte sein Herz, dass sie so radikal für ihre Liebe einstand. Sein Herz machte daraufhin einen freudigen Hüpfer und verliebte Schmetterlinge schlugen in seinem Bauch mit den Flügeln.
Der unterkühlte Blick von Sakharine ließ Tim nun jedoch nichts Gutes erahnen. „Wird Zeit herauszufinden was deinem Liebsten wichtiger ist.“
Mit diesen Worten gab er Krys einen Schubs und beförderte sie somit rücklings ins Wasser. Tom und Alan taten es dem Beispiel ihres Bosses gleich und ließen Haddock und Struppi ihr folgen.
Voller Entsetzen sah Tim der Szenerie zu und fühlte sich wenige Herzschläge lang wie betäubt, während die drei, wie Steine zum Grund sanken. Ohne weiter darüber nachzudenken, ließ er den Falken samt den Pergamenten los, sprang ins Wasser und eilte seinen Freunden zur Hilfe.
๑⊱☆⊰๑
Tims Rettungsversuch glückte, weswegen die vier kurz darauf an der Hafenpromenade saßen und sich von den Strapazen erholten. Vollkommen in sich gekehrt saß Tim in einem der Sonnenstühle und seufzte resigniert auf, während er in der Ferne die Karaboudjan Richtung Horizont fahren sah.
Die Pergamente waren nun in Sakharines Besitz und es gab nichts das er hätte dagegen tun können. Er war dem Ziel so nah gewesen.
Beinahe hätten sie das Geheimnis der Einhorn gelüftet, doch seine Priorität waren nun einmal seine Freunde gewesen. Also hatte er den Falken mit den Pergamenten ziehen lassen.
Am liebsten hätte er beides gehabt, die Pergamente und seine Freunde. Doch Sakharine hatte ihn zu einer Entscheidung gezwungen und Tim würde sich jedes Mal für Krys, Struppi und den Kapitän entscheiden.
Gedankenverloren strich er mit seinen Fingerkuppen über die weichen Unterarme seiner Liebsten, da sie hinter ihm stand und die Arme um ihn gelegt hatte. Krys hatte ihren Kopf an seinen gelehnt und starrte gemeinsam mit Tim in Schweigen gehüllt der Karaboudjan hinterher.
Ihre Nähe tat ihm in diesem Moment unendlich gut und gab ihm ein tröstliches Gefühl. An dem unglücklichen Seufzer konnte er jedoch heraushören, dass auch sie ziemlich niedergeschlagen über diese Wendung war.
„Niemand stiehlt mir mein Schiff, tausend jaulende Höllenhunde!“, fluchte der Kapitän voller Zorn, während er wütend auf die Karaboudjan zeigte.
Kurz schenkte Tim dem Kapitän einen Seitenblick, ehe sich seine Augen dem Schiff wieder zuwandten und er beinahe schon beiläufig zu ihm meinte: „Das haben sie doch schon längst, Kapitän.“
Immerhin hatte Tim den Kapitän und Krys auf der Karaboudjan als Gefangene Sakharines gefunden.
„Aber nicht zwei Mal!“, bellte dieser noch erzürnter, stemmte die Hände in die Seiten und wandte sich schlussendlich zu ihm und Krys um.
Der sanfte Kuss, den Krys ihm auf sein Haupt gab, ließ Tim schwach lächeln und zu ihr aufblicken. Sanftmütig sah sie ihm in die Augen und strich mit den Fingerspitzen tröstend über seine Wange.
Ihre Sanftmut konnte jedoch nicht über die Traurigkeit in ihrem Blick hinwegtäuschen, was ihm beinahe das Herz zerriss. Seine Krys so mutlos zu sehen, gefiel ihm ganz und gar nicht.
Am liebsten hätte er sie getröstet, sie fest in seine Arme geschlossen und ihr gesagt, dass er einen Plan hatte, wie sie die Pergamente wieder an sich bringen konnten. Aber er konnte es nicht.
Wie hätte er ihr Zuversicht schenken sollen, wenn er selbst keine besaß?
Tim wusste in diesem Moment nicht einmal, wie sie wieder von Bagghar wegkommen sollten.
Langsam löste sich Krys von ihm, hockte sich anschließend neben den Sonnenstuhl zu Struppi und streichelte ihm liebevoll über Kopf und Rücken. Tims Augen ruhten einen langen Augenblick auf den beiden, wobei er die Sanftheit des Anblicks einfach nur in sich aufnahm. Struppi und Krys so lieb miteinander umgehen zu sehen war in diesem Augenblick Balsam für seine Seele und erlaubte es ihm für ein paar Lidschläge der Realität zu entfliehen.
Es war das tiefe, lange Durchatmen von Haddock, dass Tim ins Hier und Jetzt zurückholte. Der Kapitän versuchte sich in diesem Moment offenbar selbst zu beruhigen.
Tim fing anschließend dessen Blick ein und stellte fest, dass dieser sehr erwartungsvoll war.
„Nun Tim, was gedenken Sie zu tun? Wie sieht der Plan aus?“
Plan?
Der Kapitän hatte augenscheinlich großes Vertrauen in Tims Erfindungsreichtum, was ihn durchaus schmeichelte. Allerdings musste er ihn schwer enttäuschen, denn er hatte keinen Plan parat.
Bedauernd dreinblickend strich sich Tim über den Kopf und schüttelte diesen anschließend leicht. „Es tut mir leid, aber ich habe keinen Plan.“
In diesem Fall wollte ihm einfach nichts Gescheites einfallen, dass auch nur irgendwie hilfreich sein könnte. Und das, wo er doch sonst immer für alles eine Lösung besaß. Dieses Mal schien ihn die Muse ebenfalls verlassen zu haben.
Ungläubig sah Haddock nun über die Schulter zu ihm und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Wie? Ach was, Sie haben doch immer einen Plan.“
Mit einem ruhigen Blick sah Tim zu dem Kapitän. Gerne hätte er ihm gesagt, dass er einen Geistesblitz hätte und er nun genau wüsste was nun zu tun sei, doch dem war einfach nicht so.
„Nein, dieses Mal nicht.“ Tief atmete Tim aus und sah nun trübsinniger zum Meer.
„Sakharine hat die Pergamente, diese führen ihn geradewegs zum Schatz und dieser könnte überall auf der Welt sein. Es ist also vorbei“, erklärte Tim sachlich und blickte dabei Richtung Horizont, an dem das Schiff immer kleiner wurde.
Ein wenig zuckte dieser jedoch zusammen, als ein etwas vorwurfsvolles „Tim.“ von Krys kam.
Auch der Kapitän schüttelte unwirsch dreinblickend den Kopf und meinte fast schon herausfordernd zu ihm: „Ach und ich dachte Sie wären ein Optimist.“
Langsam erhob sich Tim aus den Sonnenstuhl, ging mit auf dem Rücken verschränkten Händen auf den Kapitän zu und antwortete ihm ehrlich: „Tut mir leid Sie zu enttäuschen, aber ich bin ein Realist.“
Mit verschränkten Armen vor der Brust und abschätzigen Blick sah Haddock ihn an. „Pff, das ist doch nur ein anderes Wort für Drückeberger.“
Mit einer Schulter zuckte Tim auf diese Worte hin und sah ernst in Haddocks Augen. „Sie können mich nennen, wie es Ihnen beliebt. Aber verstehen Sie doch, Kapitän. Wir haben versagt.“
In diesem Moment entglitten dem Kapitän die Gesichtszüge. Nur einen Herzschlag später begann er voller Selbstsicherheit dem Reporter einen Vortrag zum Thema Versagen zu halten. Ob Tim das nun wollte oder nicht.
„Es wird immer jemanden geben, der Sie für einen Versager oder Verlierer hält. Aber niemals dürfen Sie das selbst von sich denken, Tim. Sie senden das falsche Signal und das ist es was bei den Leuten ankommt. Wenn Sie vor einer Mauer stehen, dann dürfen Sie nicht umdrehen und gehen, sondern müssen durch sie hindurch preschen.“ Der Blick des Kapitäns wurde nun milder, ehe er sich abwandte und der Karaboudjan wieder hinterher sah. „Sie müssen noch sehr viel lernen, was das Thema Versagen angeht, Tim.“
Ein wenig überrascht war Tim über diesen Vortrag schon. Er hätte dem Kapitän niemals zu getraut, dass er solch weise Dinge äußern könnte. Immerhin traf er selbst nie die besten Entscheidungen oder setzte diese Worte für sich selbst in die Tat um.
Offenbar gehörte Haddock zu den Menschen, die anderen gute Ratschläge und Weisheiten mit dem auf dem Weg geben konnte, aber nicht in der Lage war diese für sich selbst anzuwenden. Abgesehen davon stand ihm dabei auch seine cholerische und impulsive Art ein wenig im Weg.
Im Anschluss tauschte Tim einen Blick mit Krys und stellte dabei fest, dass auch diese ebenfalls verwundert über diesen Vortrag schien. Doch schon einen Wimpernschlag später erhob sie sich mit nachdenklich gerunzelter Stirn.
Mit Struppi im Arm trat sie auf ihren Vater zu und forderte im liebevollen Ton von ihm: „Sag das bitte nochmal, Papa.“
Inbrünstig wiederholte der Kapitän seine Worte für sie und sah dabei wieder voller Selbstsicherheit drein. „Wenn du vor einer Mauer stehst, dann dreh nicht um. Sondern presch hindurch.“
Krys schüttelte daraufhin jedoch den Kopf, was Tim ein Licht aufgehen ließ. Er begriff worauf seine Liebste hinaus wollte und ging nachdenkend an den beiden vorbei an den Rand des Docks. „Nein, nein, Kapitän. Sie sagten etwas über das Senden eines Signals.“
Tief atmete er die frische Meeresbrise ein und hatte kurz darauf den entscheidenden Geistesblitz.
Freudig klatschte er in die Hände und wandte sich strahlend Krys, Struppi und Haddock zu. „Ich sandte von der Karaboudjan ein Signal an Interpol.“
Der Kapitän deutete hinter Tim und hob eine Augenbraue. „Ah, da kommt Interpol auch schon.“
Verdutzt sah Tim hinter sich und sah Schultze und Schulze winkend und nach Tim rufend zu ihnen eilen. Sein Lächeln wurde noch strahlender, da der Plan sich in seinen Gedanken mehr und mehr festigte.
„Großartig. Das Signal und die Schultzes werden uns helfen herauszufinden wann und wo die Karaboudjan eintreffen wird“, gab Tim freudig von sich und schöpfte aus dieser Tatsache endlich wieder neuen Mut.
Fröhlich fiel Krys ihm in die Arme, wobei sie glücklich auflachte. „Natürlich! Oh Tim, du bist der Beste! Durch diese Informationen können wir sogar noch vor Sakharine an Ort und Stelle sein.“
Ihre Augen leuchteten voller Enthusiasmus und auch seine funkelten regelrecht, als er sie um die Taille herum in seinen Armen hielt und ihr eifrig zu nickte. Tim gestattete es ihr nur zu gern ihn kurz darauf euphorisch zu küssen, während Struppi freudig bellend um sie herumsprang und der Kapitän mit neuer Hoffnung laut lachen musste.
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Die traurige Geschichte des Heldes der Familie Haddock
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Des Rätsels Lösung
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Zuhause hatten die vier sowie die Schultzes und auch die Polizei Sakharine eine raffinierte Falle am Hafen gestellt. Er sollte von Nestor, seinem Butler, wie üblich abgeholt werden und in seinen Wagen steigen, doch ein Kran würde diesen anheben und genau zu Tim und der Polizei auf das Dach einer der Lagerhallen hieven. So wollten sie Sakharine dingfest machen.
Haddock saß am Steuer des Krans und betätigte ihn souverän, während Tim von seiner Position aus beobachtete wie Sakharine sich in Sicherheit fühlend im Auto niederließ. Kaum war die Tür zu, hob Haddock den Wagen an und beförderte ihn zum Dach. Nach seinen Lakaien, Tom und Alan, schreiend versuchte Sakharine Hilfe von diesen anzufordern.
Zu ihrem aller Bedauern war dieser Ganove wahrlich gewiefter als sie gedacht hatten, denn anstatt auf dem Rücksitz seinem Schicksal zu begegnen, hatte sich Sakharine auf den Vordersitz begeben. Als die Schultzes und Tim die hintere Tür öffneten und auf den Rücksitz sahen, setzte dieser sich mit einer Pistole auf die Polizei, Tim und die Schultzes gerichtet auf.
Dadurch war dieser nun im Vorteil und hatte durch die Pistole alle im Griff. Kein Polizist traute sich seine Waffe zu ziehen, da Sakharine nicht gerade den Anschein machte, als würde er nur bluffen.
Tims Augen waren düster auf den Ganoven gerichtet, der sie vom Fahrersitz aus mit der Pistole in Schacht hielt. Er hätte es ahnen müssen, dass er sich versuchen würde einen Vorteil zu verschaffen.
Wie naiv sie doch alle gewesen waren!
Aussteigen tat Sakharine dennoch nicht und Tim begann sich zu fragen warum. Doch eine Antwort sollte er nie auf seine Gedankengänge erhalten.
Denn mit einem Mal wankte der Kran und begann sich wieder in Bewegung zu setzen, wobei das Auto ziemlich heftig ins Schleudern kam. Alarmiert sah Tim zum Kran empor und erkannte im Schein der Lampe des Führerhauses, dass jemand versuchte den Kapitän zu überwältigen.
Ohne zu zögern, setzte sich Tim in Bewegung, rannte die äußere Eisentreppe der Lagerhalle hinunter und hoffte noch rechtzeitig zum Kapitän zu gelangen.
Sein Ziel sollte er jedoch niemals erreichen, da plötzlich Tom vor ihm stand, die Faust in seine Handinnenfläche schlug und gehässig grinsend von sich gab: „Jetzt bist du fällig, Kleiner.“
Zerknirscht sah Tim diesen an und machte sich auf ein Duell Mann gegen Mann gefasst. Ein dumpfer, metallähnlicher Schlag erfüllte die lauwarme Luft, woraufhin Tim verwundert zusah, wie Tom in sich zusammensank und bewusstlos am Boden liegen blieb. Seine Augen wandten sich der Person zu, die hinter Tom zum Vorschein gekommen war.
Es war Krys, die diesem eins mit einem Kohleeimer übergezogen hatte.
„Was würdest du nur ohne mich machen?“ Ihre Stimme klang neckisch und ein Schmunzeln zierte ihre vollen Lippen, woraufhin auch Tim ein wenig grinsen musste.
Diese Frau war einfach sagenhaft und schaffte es ihn immer wieder zu begeistern. Rasch stieg er nun über Tom hinweg und hörte den Wagen keine zehn Meter von ihnen entfernt auf den Boden schlagen. Die Halterung des Krans hatte sich gelöst und war samt der Last hinabgestürzt.
Eilig rannten Tim und Krys daraufhin zu dem Auto und spähten ins Innere.
Zu Tims Überraschung war Sakharine nicht mehr hier, woraufhin die Stimme von Krys an sein Ohr drang: „Dieser Schuft muss irgendwo da oben sein.“
Auf ihre Worte hin sah er hinauf zu dem Kran und sah aus dem Augenwinkel eine in bordeauxrot gekleidete Gestalt über das Dach der Lagerhalle huschen. Tim wandte sich mit ruhigem Blick um und konnte gerade noch sehen wie Sakharine auf die Treppe des zweiten Krans sprang und diese hinaufstieg.
Seine Augen gingen zwischen den zwei Hafenkränen hin und her, wobei er erleichtert feststellte, dass der Kapitän wohlauf und bereits wieder an den Hebeln des Krans zugange war.
Was hatte er allerdings vor?
Das Auto lag am Boden und seine Aufgabe war damit im Grunde erfüllt. Entsetzt weiteten sich Tims Augen, als ihm bewusstwurde was hier gleich geschehen würde. Beide Kräne fuhren nämlich aufeinander zu und begannen mit ihren Armen auszuholen.
„Weg hier!“, rief Tim seiner Krys zu, griff geistesgegenwärtig nach ihrer Hand und zerrte sie unsanft hinter sich her.
Schutz suchte er für den Augenblick zwischen zwei Lagerhallen, wobei er sie fest in seinen Armen hielt und diese sich an ihn drängte. Glassplitter und Metallteile wirbelten durch die Luft, als sich die Kräne einen erbitterten schwertähnlichen Kampf lieferten.
„Wir müssen hier verschwinden, Tim.“ Krys’ besorgte Stimme drang zu ihm durch, während er fassungslos dem Schauspiel zugesehen hatte.
Der Hass von Sakharine schien unendlich tief zu sitzen, denn er prügelte mit dem Kranarm immer wieder wuchtig gegen das Führerhäuschen. Angst stieg in Tim auf und er schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass es dem Kapitän trotz allem gut ging.
Es war nun Krys, die sich von ihm löste, seine Hand in ihre nahm und ihn bei dieser aus dem Versteck herauszerrte. Schnellen Schrittes und den umherliegenden Trümmern geschickt ausweichend liefen die beiden vom Ort des Geschehens weg.
Rasch fand Tim seine Konzentration wieder und übernahm anschließend wieder die Führung. Er zog seine Liebste mit sich und wollte sie beide gerade so schnell es ging in Sicherheit bringen, als er unheilverkündende Geräusche hinter sich hörte. Abrupt blieben die beiden stehen, woraufhin sie sich umdrehten und zusahen, wie der Kran von Haddock umkippte und auf das Deck der Karaboudjan knallte.
„Papa!“, entfuhr es Krys voller Fassungslosigkeit, wobei sie eine Hand vor den Mund schlug und mit angsterfüllten Augen zu dem Unglück sah.
„Komm, wir müssen zu ihm“, sagte Tim entschlossen zu ihr.
Tim konnte Haddock in diesem Moment nicht zurücklassen und Krys schien derselben Ansicht zu sein, da sie ihm auf seine Worte nur ein knappes Nicken schenkte. So schnell ihre Füße es zuließen rannten sie zu der Karaboudjan und strebten ins Innere.
Hier übernahm wieder Krys die Führung, da sie das Schiff wie ihre Westentasche kannte. Es dauerte daher auch nicht lange, bis sie auf dem Deck ankamen und ihren Vater zusammen mit Sakharine erblickten.
Dieser Schuft hatte tatsächlich vor die Pergamente zu verbrennen, so dicht wie er das Feuerzeug unter diese hielt.
„Das darf er nicht. Wenn er sie zerstört, dann war alles umsonst“, gab Krys mit Entsetzen von sich.
Zustimmend nickte Tim auf Krys’ Aussage hin, blickte sich an Deck um und versuchte fieberhaft etwas zu finden, dass ihm eine Möglichkeit bot, Sakharine die Pergamente abzunehmen. Er betrachtete einen Moment lang den Kran von Sakharine, der noch ein wenig in Takt war, auch wenn der Arm gelitten hatte.
Doch das war gut so. Er hatte somit die perfekte Höhe.
Tim sah berechnend zu ihm, machte den Haken aus und stellte zufrieden fest, dass der Arm in einem Winkel über Haddock und Sakharine hinweg führte, der ihm sehr dienlich sein würde.
„Du wartest hier.“ Mehr sagte er nicht zu Krys, sondern ließ ihre Hand los und rannte hinüber zu dem Kran.
Rasch kletterte er das Metallgerüst von Haddocks Kranarm hoch und sprang mit Schwung gegen den Haken des anderen. Mit seinem Eigengewicht setzte er diesen mit Leichtigkeit in Bewegung.
Dank der ramponierten Halterung war es auch sehr einfach nun geschwind hinabzusausen und auf Sakharine zuzuhalten. Dieser durfte sich jetzt nur nicht bewegen, denn Tim hatte nur diesen einen Versuch.
Entschlossen streckte Tim seine Hand aus, griff zu und entriss erfolgreich Sakharine die Pergamente. Geschickt landete Tim auf seinen Füßen, ließ den Haken los und wandte sich mit einem siegessicheren Blick Haddock und Sakharine zu.
Das fröhliche Jubeln von Krys drang an seine Ohren, während Sakharine perplex zu Tim sah und offenbar gar nicht fassen konnte, dass er ihm die Schriftstücke abgeluchst hatte.
„Tausend jaulende Höllenhunde. Niemand stiehlt mein Schiff“, waren des Kapitäns feierliche Worte, ehe er Sakharine einen kräftigen Kinnhaken verpasste und dieser durch die Wucht des Schlags zur beschädigten Reling taumelte.
Neuerlich verpasste Haddock ihm einen Kinnhaken und beförderte ihn somit ins Hafenbecken. Fröhlich lachend stand der Kapitän nun da, stemmte die Hände in die Seiten und war sichtlich glücklich.
Zufrieden sah Tim zu den Pergamenten in seiner Hand, atmete erleichtert auf und verstaute diese anschließend in seiner Brieftasche, ehe er auch diese wieder in seine Hosentasche gleiten ließ. Es hatte sich nun alles zum Guten gewendet und er würde aus diesem langwierigen, gefährlichen Abenteuer einen tollen Artikel machen, nachdem sich die Leser die Finger lecken würden.
Sein Blick hob sich in dem Augenblick, als er das Weinrot von Krys’ Kleid näherkommen sah.
Überglücklich warf sie sich Tim in die Arme, lachte herzlich und schmiegte sich an ihn. „Wir haben es geschafft!“
Auf ihre Worte hin musste auch Tim glücklich auflachen, ehe er einen zustimmenden Laut von sich gab. Nur einen Wimpernschlag später drückte Krys ihm einen überschwänglichen Kuss auf die Lippen, den er nur zu gern erwiderte. Liebevoll hielt er sie dabei in seinen Armen und gab sich für einen Moment mit ihr dem herrlichen Kuss hin.
Erst das Bellen von Struppi ließ die beiden den Kuss lösen. Lachend sah Tim nun zu seinem treuen Hund, ehe er sich von seiner Liebsten löste und Struppi in seine Arme schloss. Auch Haddock kam zu den beiden gelaufen und ließ sich nur zu gern von seiner Tochter fröhlich umarmen.
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Die Schultzes hatten Sakharine in Gewahrsam genommen, ebenso die ehemalige Crew von Haddock. Sie würden bald schon ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, dass hatten die Schultzes Tim versichert.
Auch Haddock und Krys waren darüber sehr zufrieden gewesen, da diese Menschen ihnen das Leben in den letzten Tagen sehr, sehr schwer gemacht hatten. Und das, wo sie doch über so viele Jahre ein eingeschworenes Team gewesen waren. Ein trauriger wie erleichternder Moment für die beiden, bei dem Tim ihnen nur sein Mitgefühl aussprechen konnte.
Der Morgen graute bereits und die aufgehende Sonne begann den heimatlichen Hafen nach und nach in ihr warmes, gleißendes Licht zu tauchen. Gelb, blau, rosa und orange mischten sich harmonisch am Firmament, während die Strahlen das Wasser glitzern ließen.
Seine Krys bei den Hüften haltend und ihren Kopf auf seiner Schulter spürend sah er mit ihr gemeinsam zum malerischen Sonnenaufgang. Es war wie der Neustart in ein neues Leben. Sowohl für Tim und Struppi als auch für Krys und ihren Wahl-Vater.
Ihre weichen Arme hatte sie liebend um seine Schultern gelegt, wobei sie mit ihren Fingern verliebt über seinen Nacken streichelte. Dies genoss Tim ungemein und seufzte dabei sogar wohlig auf.
„Jetzt können wir uns an das Geheimnis der Pergamente machen. Und das ganz in Ruhe“, flüsterte sie ihm lieblich mit einem Lächeln zu.
Die säuselnde Stimme seiner Liebsten ließ Tim aus seinen Gedanken erwachen. Für den Moment hatte er einfach nur die Nähe Krys’ genossen und sich etwas Ruhe von der Aufregung der letzten Tage gegönnt.
Nun furchte er jedoch die Stirn, als sie die Pergamente erwähnte.
„Da fällt mir was ein.“ Seine Hand zog er sogleich von ihrer Hüfte weg und ließ sie in seine Gesäßtasche gleiten, aus der er seine Brieftasche holte.
Verwundert sah Krys zu ihm auf, da sie seinen Gedankengang definitiv nicht nachvollziehen konnte.
Wie hätte sie auch?
Sie hatte nicht dasselbe gesehen, wie er, als er den Falken an den Beinen festgehalten hatte.
„Hol bitte deinen Vater. Ich muss euch etwas zeigen.“ Seine himmelblauen Augen ruhten für einige Herzschläge lang eindringlich auf ihrem Rehbraun, woraufhin sie nun die Stirn in Falten legte.
Kurz darauf nickte sie schweigend und löste sich, wenn auch spürbar widerwillig, von Tim. Einen kurzen Moment sah er Krys hinterher und ließ seine Augen über ihre hübsche Kehrseite gleiten.
Ihre Hüften schwangen anmutig von einer Seite zur anderen, während Rock und Haar sich gleichsam im Takt ihres Schrittes wogen. Unweigerlich keimte in ihm das Verlangen sie wieder in seine Arme zuziehen und seine Hände erkundend über ihren Leib streicheln zu lassen.
Schmetterlinge bescherten ihm in seiner Bauchgegend ein herrliches Kribbeln, während ein prickelnder Schauer über seinen Rücken floss. Tim konnte es kaum erwarten dieses Abenteuer zu einem würdigen Abschluss zu bringen und endlich mit seiner Krys Zeit zu zweit zu verbringen.
Zu dritt, um genau zu sein. Struppi durfte nicht vergessen werden.
Obwohl er es noch immer zutiefst bedauerte, dass sie nicht, wie in ihren gemeinsamen Träumen, in ihrer wahren Gestalt hier war. Aber sie war hier und das war am Ende alles, was für Tim zählte.
Tim wandte seinen Blick seiner Brieftasche wieder zu. Anschließend friemelte er die drei Pergamente hervor und steckte sein Portemonnaie wieder ein. Für einen langen Moment ruhten seine Augen auf diesen und er erinnerte sich genau an die versteckten Zahlen.
Was diese wohl zu bedeuten hatten?
Waren das vielleicht Koordinaten, die zu dem Schatz führten?
Oder war es die Nummer eines Schließfaches bei einer Bank?
Seine Gedanken begannen zu rotieren, während er die Schriftstücke einfach nur nachdenklich anstarrte.
„Was gibt es denn, kleiner Maat?“ Die neugierige Frage des Kapitäns ließ Tim aus seinen Gedanken hochschrecken, ehe er sich zu ihm und Krys umwandte.
Dennoch begann Tim zu lächeln, hob die Hand mit den Pergamenten und antwortete feierlich: „Das Geheimnis der Einhorn ist so gut wie gelüftet.“
Mit einem interessierten Blick sah Haddock zu ihm und ließ sich kurz darauf von Tim heranwinken. Auch Krys trat neugierig näher, woraufhin Tim die beiden rechts und links neben sich zu stehen hatte.
„Schaut euch das an.“ So hob er die Pergamente gen Himmel und hielt diese dabei der Sonne entgegen.
Die Markierungen wurden eins und brachten wieder die versteckten Zahlen zum Vorschein, welche er nun eingehender studierte.
„Oh mein…“, entfuhr es Krys ganz verblüfft, woraufhin Tim fragend aus dem Augenwinkel zu ihr linste.
Ihre rehbraunen Augen funkelten vor Faszination und ein wissender Blick zeichnete sich auf ihren Gesichtszügen ab. Offenbar wusste sie genau, was die drei hier vor sich hatten. Etwas das ihn erstaunte, denn er selbst hatte bisher keine Erleuchtung gehabt.
„Papa, das sind doch-“
Ein zustimmendes Brummen erklang sogleich aus Haddocks Kehle. „Längen- und Breitengrade, ja“, antwortete der Kapitän noch bevor Krys ihre Frage hätte stellen können.
Auch diesen bedachte Tim einige Lidschläge lang erstaunt aus dem Augenwinkel und sah, wie dieser fröhlich übers ganze Gesicht zu strahlen begann. Unweigerlich begann nun auch Tim zu lächeln und sah wieder auf die Nummern.
Es waren also Längen- und Breitengrade. So etwas hatte Tim bereits geahnt, denn viele Möglichkeiten gab es nicht, was diese hätten bedeuten können.
„Jetzt müssen wir nur noch die genaue Position bestimmen“, meinte der Kapitän gutgelaunt.
Haddocks Stimme war voller Tatendrang, woraufhin Krys den Blick zu ihrem Vater wandte und ihm mit einem zustimmenden Laut beipflichtete.
Auch Tim nickte auf diese Aussage hin, sah dem Kapitän in die Augen und meinte schmunzelnd zu ihm: „Das überlasse ich ganz Ihnen.“
Immerhin war er der erfahrene Seemann und Tim war sich nur zu sicher, dass er sie zum Schatz von Ritter Franz bringen würde.
„Ihr beide könnt euch ganz auf mich verlassen.“ Der Kapitän ließ seine Brust stolz anschwellen und lachte dabei voller Glückseligkeit, ehe er Tim freundschaftlich umarmte. „Ohne Sie, mein Junge, hätten wir das niemals geschafft.“
Gerne ließ sich Tim in diese herzliche Umarmung ziehen und erwiderte diese ebenfalls. Es machte ihn doch sehr verlegen so viel Lob von dem Kapitän zubekommen, denn im Grunde war Tim nur wie immer seinem Spürsinn gefolgt. Natürlich erst nachdem er in eine missliche Lage geraten war.
Kaum hatte Haddock ihn losgelassen, zog Krys ihren Liebsten ihn ihre Arme und küsste liebevoll seine Lippen. „Ich danke dir, mein Herz.“ Neuerlich küsste sie ihn, woraufhin er den Kuss innig erwiderte und sie dabei fest in seine Arme schloss.
So viel Dank und Lob war Tim zwar gewohnt, doch noch nie hatte es ihm so viel bedeutet wie von Krys und dem Kapitän. Das Abenteuer hatte ihn Nerven gekostet, schien oft aussichtslos und doch hatte er auf diesem so viel mehr erreicht als nur eine tolle Geschichte für einen Artikel zu ergattern.
Er hatte hierbei die Liebe seines Lebens endlich getroffen und eine Familie dazu bekommen. Noch nie war Tim so dankbar gewesen in ein gefährliches Abenteuer geschlittert zu sein, wie in diesem Moment.
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Schloss Mühlenhof
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Noch am selben Tag wollten die drei herausfinden, wohin die Koordinaten sie führen würden. Also hatten sie sich gemeinsam zu Tims Wohnung in der Labradorstraße sechsundzwanzig begeben.
Dort hatte Tim sich die Freiheit genommen eine ausgiebige Dusche zu nehmen. Dadurch, dass die Wohnung der von Kapitän Haddock im nördlichen Außenbezirk lag, während Tims zuhause sehr zentral und nah am Hafen gelegen war, war es einfacher gewesen direkt zu ihm aufzubrechen. Immerhin wollte jeder von ihnen schnellstmöglich wissen, wohin die Koordinaten sie führen würden.
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Während Krys in einem von Tims roten Sesseln vor dem leeren Kamin saß und durch das weiche Fell Struppis streichelte, berechnete Haddock hingegen die exakte Position des Schatzes und murmelte dabei immer wieder „Das kann doch nicht stimmen.“ vor sich hin.
„Nun, Kapitän? Wohin führen uns die Längen- und Breitengrade?“, erkundigte sich Tim, als dieser aus seinem Schlafzimmer trat und gerade seine gelbe Weste über dem weißen Hemd zuknöpfte.
Sein Haar war noch etwas feucht, doch sein Pony begann bereits wieder seine natürliche Form anzunehmen. Interessiert blickte er den Kapitän an, neigte den Kopf zur Seite und sah auf das Notizblöckchen, auf dem mehrmals derselbe Ort geschrieben stand. „Schloss Mühlenhof? Also liegt der Schatz nicht im Meer?“
Der Kapitän schüttelte den Kopf und deutete mit dem Finger auf ihre Heimat, ehe er diesen ein kleines Stück aus der Stadt hinausgleiten ließ. „Nach mehrmaligem Nachprüfen steht fest, dass die Koordinaten uns tatsächlich dorthin führen.“
Krys drehte ihren Kopf nun in die Richtung der beiden, streichelte weiterhin Struppi durchs Fell und erkundigte sich bei ihrem Vater: „Mühlenhof gehörte doch mal Urgroßvater, oder?“
Tims Blick richtete sich auf seine Liebste und auf seinen treuen Hund, mit dem er gerade nur zu gern den Platz getauscht hätte. Am liebsten hätte er seinen Kopf auf ihren warmen Schoß gebettet und sich so liebevoll durchs Haar streichen lassen.
Seine Sehnsucht nach Zeit allein mit ihr wuchs stetig an und das Verlangen danach ihren weichen Körper mit seinen Lippen und Fingern zu erkunden keimte neuerlich in ihm auf.
Tim rief sich daher in Gedanken zur Ordnung und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch. „Als ich vor einigen Tagen dort war, fiel mir das Wappen Ihrer Familie über der Haustür auf, Kapitän. Es muss also seine Richtigkeit haben, dass die Koordinaten uns dorthin führen. Wir sollten zumindest hinfahren und uns einen Überblick verschaffen.“
Der Kapitän sah von der Landkarte auf, legte den Kopf etwas zur Seite und nickte schlussendlich bedächtig. „Ja, das sollten wir wirklich machen.“
Tim lächelte ihn zuversichtlich an, nahm die Enden seiner Krawatte in die Hände und wollte sie gerade anfangen zu binden.
„Wir können gerne direkt los“, sagte Tim in die Runde und hatte für den Augenblick nur Augen für seine Handgriffe.
Mit Struppi im Arm hatte Krys sich aus dem Sessel erhoben und war auf die beiden am Esstisch, der unter dem Fenster im Wohnzimmer seinen Platz hatte, zugegangen. Tim hatte dies im Augenwinkel registriert und hielt in seinem Tun inne, als sie neben ihm zum Stehen kam.
„Dann sollten wir keine weitere Zeit vertrödeln“, waren ihre aufrichtigen Worte gewesen, während sie dabei warmherzig in Tims Augen schaute.
Zustimmend nickte er auf ihre Aussage hin und auch Haddock brummte daraufhin beipflichtend, während Krys ihn kurz musterte. Unweigerlich straffte sich Tim dabei und genoss es obendrein von ihr so in Augenschein genommen zu werden.
Sein Körper kribbelte dabei angenehm und er fühlte, wie ein warmer Schauer über seinen Rücken floss. Tims Blick ruhte unentwegt auf Krys, wobei er völlig vergaß seine Krawatte weiterzubinden.
Langsam hockte sich Krys hin und entließ Struppi sanft aus ihren Armen, ehe sie sich wiederaufrichtete und Tim die beiden Enden seiner schwarzen Krawatte sachte aus den Händen nahm. Gerne ließ er es geschehen und fühlte, wie ihm das Herz bis zum Halse schlug, während Schmetterlinge in seinem Bauch verliebt mit den Flügeln schlugen.
Sorgsam begann sie ihm diese zu binden, wobei er sie mit einem liebevollen Gesichtsausdruck bedachte. Wie sehr er seine Krys doch liebte und diese kleinen, lieblichen Gesten von ihr genoss.
Ihre Handgriffe waren geschickt, weswegen die Krawatte wenige Lidschläge später gebunden war.
Abschließend drückte sie Tim einen zärtlichen Kuss auf die Lippen und blickte ihn daraufhin verschmitzt lächelnd an. „So, nun können wir gehen.“
Verliebt lächelte Tim sie an, nickte zustimmend und sah anschließend zum Kapitän.
Dieser hatte die beiden bei diesem liebevollen Moment beobachtet und musste nun schmunzeln, ehe er nun feierlich zu ihnen sagte: „Dann auf ins Gefecht!“
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Mit Tims Wagen fuhren sie nun hinaus aus der Stadt, wobei Krys mit Struppi auf dem Rücksitz des grünen Flitzers saß und sich den Wind um die Nase wehen ließ. Struppi streckte dabei ganz begeistert seine Zunge heraus, was er bei Fahrten mit dem offenen Verdeck immer tat. Tim fuhr dabei mit einem raschen Tempo über die Landstraße, weswegen es gar nicht lange dauerte, bis Schloss Mühlenhof in Sicht kam.
Es war ein prachtvolles Schloss im modernen Barockstil mit drei Stockwerken, einer gelblichen Fassade und dunkelblauen Dachschindeln. Der weitläufige Vorgarten sah ein wenig verwildert aus, was jedoch mit ein wenig Liebe und Hingabe zum Garten- und Landschaftsbau wieder in Ordnung gebracht werden konnte.
Hinter dem Schloss erstreckte sich ein großer Park mit eigenem Bach und vielen, herrlichen Wiesen sowie haushohen Bäumen. Es war ein idyllisches Plätzchen, wie Tim fand. Dennoch konnte er sich immer noch nicht vorstellen, wo sie hier den Schatz finden sollten.
Geschickt parkte Tim den Wagen nun vor dem Eingang des Schlosses, schaltete den Motor ab und sah sich dieses einen Moment lang genau an. Es hatte schon in der Nacht, als er vor einigen Tagen hier war, sehr imposant gewirkt. Jetzt am Tage besaß es sogar noch mehr Flair und diesen herrlichen, altmodischen Charme.
„Und hier soll der Schatz sein?“, erklang Krys’ ungläubige Stimme vom Rücksitz, woraufhin Tim über die Schulter zu ihr blickte und kurz darauf mit dieser ratlos zuckte.
Der Kapitän stieg anschließend aus dem Wagen und sah seine Tochter hoffnungsvoll an. „Die Koordinaten bringen uns zweifellos an diesen Ort, mein Seestern.“
Auch Tim stieg nun aus dem Wagen und hielt kurz darauf seiner Liebsten die Hand hin, um ihr aus dem Auto zu helfen. Sein Auto hatte nur zwei Türen, weswegen Krys über den umgeklappten Vordersitz steigen musste.
Ihre Hand anschließend in seiner haltend, sah er in ihre Augen und fing ihr liebes Lächeln dabei ein.
„Nun, daran könnte ich mich glatt gewöhnen“, gab sie angetan von sich und zwinkerte Tim verschmitzt zu, womit sie seine Hilfe beim Aussteigen meinte.
Charmant in ihre rehbraunen Augen blickend hob Tim ihre Hand an seine Lippen und pflanzte einen hauchzarten Kuss auf ihren Handrücken, ehe er ihr zu raunte: „Ich habe nicht vor damit aufzuhören.“
Das war ein Versprechen an Krys, da sie für ihn die Welt bedeutete und er keinen Moment auslassen wollte ihr dies auch zu zeigen. Unweigerlich begann sie übers ganze Gesicht zu strahlen und seufzte sogar verliebt auf.
Ein Anblick der Tims Herz fröhlich hüpfen ließ und ihm ein wohliges Kribbeln in seiner Bauchgegend bescherte.
„Monsieur Tim. Kapitän Haddock. Fräulein Haddock. Ich habe Sie erwartet. Willkommen auf Schloss Mühlenhof.“ Die freundliche Stimme des Butler Nestors zog die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich.
Tims himmelblaue Augen musterten den hochgewachsenen, älteren Mann mit den dunkelbraunen Haaren und der mächtigen Halbglatze, wobei auch sein gelbschwarz gestreiftes Jackett mit den schwarzen Ärmeln, das weiße Hemd mit der weißen Fliege, die schwarzen Schuhe und auch die pechschwarze Anzughose zu seinem Augenmerk wurden. Das letzte Mal hatten die drei mit Nestor gesprochen, als sie den Plan austüftelten, Sakharine in eine Falle zu locken.
„Guten Tag, Nestor. Schön Sie wiederzusehen“, flötete Krys fröhlich und schenkte diesem einen warmen Blick, woraufhin auch Tim und Haddock ihn freundlich lächelnd begrüßten.
Nestor war durch einen Zufall in diese Misere mit Sakharine hineingeraten, weswegen ihm nichts vorzuwerfen war. Mit einer einladenden Geste bedeutete er den dreien sowie Struppi das Schloss zu betreten, woraufhin diese seine Einladung gern annahmen.
Die Eingangshalle war riesig und durch die hohen Fenster über der Haustür herrlich hell. Alles war mit weißem Marmor und edelstem Mahagoniholz versehen.
Eine große, breite, weiße Marmortreppe führte in den oberen Stock, von dem zwei weitere, kleinere, ebenfalls weiße Marmortreppen an den Seiten ins letzte Stockwerk führten. Zwei große Flure gingen rechts und links zu den weiteren Räumen der unteren Etage ab.
„Oh, es hat sich überhaupt nicht verändert“, lachte der Kapitän ganz begeistert auf und war, wie auch Tim und Krys über den guten Zustand des Schlosses sehr fasziniert.
Nestor hatte offenbar alles dafür getan, damit es hier stets bezugsfertig war. Tim hatte über ihn in Erfahrung bringen können, dass das Schloss bis vor dem Kauf von Sakharine im Besitz des Landes gewesen war.
Nestors Familie diente der Familie Haddock schon seit so vielen Jahrzehnten und über Generationen hinweg, so dass das Land zugestimmt hatte seine Familie als Verwalter des Schlosses einzusetzen. Beim Kauf von Mühlenhof stünde Nestor daher jedem neuen Besitzer als Butler zur Verfügung.
Haddock lief, wie ein Kind an dessen Geburtstag, strahlend durch die Eingangshalle und sah dabei zu den uralten Gemälden an der Wand, auf denen die Einhorn und auch Ritter Franz von Hadoque zu sehen waren. „Ich erinnere mich an Zeiten, da bin ich hier als kleiner Steppke rumgerannt.“
Mit einem warmen Blick sah Tim zu dem Kapitän, als er diese Worte sagte und drückte sachte die Hand Krys’, während diese leise lachen musste. Sein Blick heftete sich für den Moment auf sie, wobei er ihren sanftmütigen Blick ihrem Wahl-Vater gegenüber bemerkte und anschließend selbst mit leuchtenden Augen in der Eingangshalle umher sah.
Dieser Ort bedeutete für die beiden so viel und Tim wünschte sich von Herzen, dass sie eines Tages Schloss Mühlenhof wieder ihr Zuhause nennen konnten. Er war sich sicher, wenn sie den Schatz hier finden sollten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Familie Haddock wieder auf dem Schloss residierte.
„Es ist schön wieder einem Haddock dienen zu können“, sagte der Butler schließlich aufrichtig an den Kapitän gewandt, nachdem er den Anwesenden einen Moment gab die Eindrücke auf sich wirken zu lassen.
Dieser schüttelte jedoch bedauernd den Kopf und konnte doch nicht aufhören vor nostalgischer Faszination zu lächeln. „Darauf können Sie lange warten, Nestor. Das kann ich mir doch nie im Leben leisten.“
Der Blick des Butlers wurde betrübter, wie Tim feststellte. Ebenso entging ihm nicht das schwere Seufzen seiner Krys, die ebenfalls wusste, wie fern diese Tatsache war.
Wieder dachte Tim an den Schatz und hoffte neuerlich inständig, dass sie diesen hier finden würden. Er konnte sich zwar noch immer nicht vorstellen, dass er auf Schloss Mühlenhof sein sollte, doch neugierig dies herauszufinden war er allemal.
„Nun, Kapitän? Wo fangen wir an zu suchen?“, erkundigte sich Tim mit einem warmen Lächeln, während seine himmelblauen Augen neugierig leuchteten.
Dieser wandte sich mit fragendem Blick zu ihm und verstand nur einen Augenblick später, worauf Tim hinauswollte.
Augenblicklich sah er wieder zu Nestor und wollte von ihm voller Tatendrang wissen: „Gibt es hier noch immer einen Keller?“
Der Butler nickte schmunzelnd, deutete zur Tür hinaus und neigte dabei den Kopf zur Seite. „Sicher. Ich bringe Sie dorthin.“
๑⊱☆⊰๑
Der Weg in den Keller lag hinter dem Schloss und unter der großen, hellgrauen Terrasse, von der rechts und links zwei geschwungene, ebenfalls hellgraue Marmortreppen zum Schlossgarten führten. Es dauerte nicht lang, bis sie die kleine, beinahe unscheinbare, dunkelbraune Holztür passiert hatten.
Als sie die Rundtreppe hinabgestiegen waren, erstreckte sich ein großer, leerer Raum vor ihnen, der durch die kleinen, schmalen Fenster knapp unterhalb der Decke mit Licht versorgt wurde. Lediglich einige Utensilien wie Schaufeln, Harken und Besen sowie einige große Holzpfähle ließen sich hier finden. Jedoch nichts, dass auf einen Schatz hindeuten würde.
Frustriert stemmte Tim die Hände in die Seiten und schenkte Struppi sowie Nestors Rotweiler Hektor, der Wachhund auf Mühlenhof war, nicht sonderlich viel Beachtung, da diese gerade nur herumtollten. Er selbst hing seinen Gedanken hinterher und überlegte, ob es nicht vielleicht auch einen Dachboden gab.
Oder einen versteckten Raum, den man über einen Geheimgang erreichte. Zu Ritter Franz‘ Zeiten waren solche Geheimgänge noch relativ modern.
„Nicht dieser Keller. Ich mein den anderen Keller“, sagte Haddock ein wenig unzufrieden, als auch dieser feststellte, dass es hier keinen Anhaltspunkt für einen Schatz gab.
Nestor jedoch zuckte mit den Schultern und schüttelte entschuldigend dreinblickend mit dem Kopf. „Tut mir leid, aber es gibt keinen anderen Keller.“
Der Kapitän jedoch verschränkte die Arme vor der Brust, strich sich nachdenklich mit den Fingern durch seinen Vollbart und entgegnete: „Das kann nicht sein. Ich erinnere mich an einen viel größeren Keller mit jede Menge Plunder darin.“
Tims Augen hatten sich störrisch auf den Mauerfußboden gerichtet, während er Haddock und Nestor nur beiläufig zuhörte. Seine Gedanken rotierten fieberhaft, während er darüber nachsann, wo Ritter Franz in Mühlenhof den Schatz versteckt haben könnte.
Das Anwesen war riesig und hätte im schlimmsten Fall mehrere Monate bedurft, um es zu durchsuchen.
„Struppi? Wo bist du, Schnäuzelchen?“, gab Krys mit lieblicher Stimme von sich.
Nur dumpf drang ihre Stimme zu Tim durch, die seinen treuen Fox Terrier in dem leeren Raum offenbar aus den Augen verloren hatte. Kurz runzelte er über diese Möglichkeit die Stirn.
Wie konnte man etwas in einem leeren Raum aus den Augen verlieren?
Das ergab hinten und vorne keinen Sinn. Erst das gedämpfte Bellen von seinem Hund riss Tim endgültig aus seinen Gedanken heraus und ließ ihn sich ruckartig in dessen Richtung umdrehen.
„Da bist du ja, Struppichen. Aber…“, sagte Krys erleichtert lächelnd, ehe ihr Gesichtsausdruck überraschter wurde.
Den perplexen Blick seiner Liebsten teilte Tim sogleich, als er sah, dass Struppi durch ein kleines Loch in der Mauer von einem Nebenraum aus zu ihnen blickte. Seine Augen weiteten sich erkennend, als ihm bewusstwurde, dass der Keller tatsächlich nie wirklich an Größe eingebüßt hatte. Jemand hatte nur einen Teil von diesem durch eine Mauer abgetrennt. „Kapitän. Helfen Sie mir“, forderte er einen Wimpernschlag später in einem ruhigen Ton, als er sich den herumliegenden Holzpfählen näherte und einen davon anhob.
Der Kapitän war auch sofort zur Stelle, um mitanzupacken, woraufhin sie sich vor dem Loch positionierten. Krys hatte Struppi hinaus gelockt, als Haddock und Tim sich daran machten die Mauer mit dem massiven Pfahl einreißen zu wollen.
Es bedurfte ein paar kräftiger Hiebe, ehe die Mauer durchbrochen war und ein ganzer Raum mit alten Gemälden, antiken Mobiliar, Ritterrüstungen, prachtvollen Spiegeln, Statuen und anderen wertvollen Gegenständen zum Vorschein kam. Ebenso hell durch das Tageslicht erleuchtet, wie der andere Keller, war auch dieser. Daher konnte man alles ganz ohne Taschenlampe erkennen, wofür Tim sehr dankbar war.
„Großvater muss den Teil zugemauert haben, als er Mühlenhof verlor“, mutmaße der Kapitän, als er sich in dem Raum mit erstauntem Blick umsah, doch Tim hatte dafür gerade keine Gedanken übrig.
Sein Hauptaugenmerk fiel in diesem Moment nämlich auf die Statue von St. Johannes.
„Und das Licht wird leuchten des Adlers Kreuz“, rezitierte er das Gedicht der Pergamente ein wenig atemlos und ging schnurstracks auf die Statue zu.
Fasziniert sah Tim diese für einige Herzschläge lang an, während er das Gedicht noch einmal in Gänze in seinen Gedanken wiederholte.
„Nun, ich sehe das Kreuz. Aber wo ist der Adler?“, fragte Haddock ruhig in die Runde.
Als der Kapitän mit Krys nähergekommen war, hatte Tim seinen Blick schließlich den beiden zugewandt. Gerade wollte er auf die Frage von Haddock antworten, als ihm Krys zuvorkam.
„Er ist der Adler, Papa.“ Ihre Augen leuchteten von der Erkenntnis erfüllt und ihre Gesichtszüge spiegelten Hoffnung wider, während der Kapitän sie nur fragend betrachtete.
Diese sah ihren Vater nun an und lächelte nur noch mehr, als sie dessen ratlosen Blick bemerkte.
So deutete sie mit der Hand auf die Statue und erklärte ihm: „St. Johannes wird auch der Adler von Patmos genannt.“
Nun weiteten sich auch Haddocks hellblaue Augen vor Erstaunen, woraufhin er zu der Statue blickte und diese gründlich in Augenschein nahm. Tims eigene Faszination galt in diesem Moment weniger St. Johannes, sondern eher Krys.
Noch immer war er ganz angetan davon, dass sie einen so scharfen Verstand hatte und ihm im Punkt Bildung in nichts nachstand. Für einige Herzschläge konnte Tim gar nicht anders als sie schwärmend zu betrachten.
Liebevoll sah er in ihr hübsches Gesicht, als sie mit einem neugierigen Blick näher zu ihm trat. „Was denkst du, Tim? Was will uns St. Johannes sagen?“
Auf ihre Aussage hin rief sich Tim in Gedanken zur Ordnung und schaute wieder zur Statue empor.
Leicht zuckte er mit den Schultern und beobachtete kurz nachdenklich Haddock, der sich dem Globus aus Stein genähert hatte, der unter St. Johannes stand. „Ich weiß es nicht, Krys. Hier enden die Hinweise des Gedichts.“
Ein unzufriedenes Schnauben entfloh seiner Liebsten, die ihrer Frustration darüber Luft verschaffte, während Tim diese nicht zur Schau trug.
Irgendetwas übersah er.
Nur was?
„Ha! Die kleine Insel hier existiert gar nicht“, spottete Haddock mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen.
Mit gefurchter Stirn sah Tim zum Kapitän und neigte den Kopf etwas zur Seite. Kurz tauschte er mit Krys einen Blick und ging anschließend mit ihr zu Haddock und dem Globus hinüber.
„Wie meinen Sie das?“, wollte Tim interessiert wissen und blickte auf den Globus, der für ihn ganz gewöhnlich aussah.
Allerdings war er auch kein Seemann und hatte daher keine Ahnung von den genauen Positionen der verschiedenen Inseln, die rings um die Kontinente verstreut lagen.
Der Kapitän deutete auf eine sehr kleine Insel inmitten einer größeren Inselgruppe, während er schmunzelnd sagte: „Diese kleine Insel hier gibt es überhaupt nicht. Das ist ein Fehler.“
Mit einem Mal fiel es Tim wie Schuppen von den Augen. Deswegen musste es ein echter Haddock sein, der das Rätsel löste.
Endlich begriff Tim das Ganze und begann fröhlich zu lachen. „Was ist, wenn nicht, Kapitän?“
Augenblicklich hefteten sich Haddocks und Krys’ Augen auf ihn, woraufhin er beide zu gleichen Teilen anlächelte. „Ritter Franz sprach davon, dass nur ein echter Haddock das Geheimnis der Einhorn lösen kann. Jemand, der die sieben Weltmeere wie seine Westentasche kennt.“
Deutlich konnte er sehen, wie seine Worte Eindruck schindeten und der Kapitän mit ernster Miene auf die kleine Insel hinabsah. Einige Lidschläge verstrichen und dennoch sah er die Insel einfach nur an.
Es war Krys, die ihn ermunternd mit der Schulter gegen, die seine stupste und schmunzelnd zu ihm sagte: „Na los, Papa. Drück schon drauf.“
Krys mit einem warmen Gesichtsausdruck bedenkend, nickte Haddock ihr schließlich zu und drückte auf die kleine Insel. Deutlich war ein Schnaufen des Globus‘ zuhören, ehe seine Kuppel geradezu aufsprang und den Anwesenden beinahe gegen die Köpfe geschlagen hätte.
Der jahrzehntealte Staub legte sich rasch, woraufhin alle drei nun neugierig ins Innere des Globus blickten. Voller Überwältigung schlug Krys die Hand vor den Mund und auch Haddock gab ein verblüfftes „Hagel und Granaten.“ von sich. Tims Augen hatten sich erstaunt geweitet, als er auf die vielen Goldstücke und Juwelen, aufbewahrt in einem Hut, im Inneren des Globus sah.
Das war er!
Das war der große Schatz von Ritter Franz von Hadoque!
Ehrfürchtig nahm der Kapitän ein paar Juwelen und Goldstücke in die Hand, ehe er diese zurück in den Globus rieseln ließ. Überglücklich lachte er auf, woraufhin Krys miteinstimmte und sich mit ihrem Vater in die Arme fiel.
Freudiges Lachen und Jubel erfüllte den Raum, woraufhin Struppi und Hektor ebenfalls begeistert bellend einstimmten. Tim besah sich die beiden und freute sich sehr für den Kapitän und Krys. Das Geheimnis war gelüftet und bald schon würde Schloss Mühlenhof wieder von den Haddocks bewohnt werden.
Haddock entließ seine Tochter wieder aus den Armen und klopfte Tim freundschaftlich die Schulter, woraufhin dieser ihn warmherzig anlachte.
„Endlich. Wir haben es geschafft“, lachte Haddock gutgelaunt, als er diese Worte feierlich von sich gab.
Zustimmend nickte Tim und beobachtete kurz darauf, wie der Kapitän in den Globus griff. Dieser zog nun den Hut an der Krempe heraus, in dem der Schatz gelagert war.
Anschließend kippte er die Juwelen und das Gold in eine große Messingschale neben dem Globus und betrachtete einen Moment lang den Hut seines Vorfahren. Im Anschluss setzte sich der Kapitän diesen vorsichtig auf und sah für den Augenblick genau wie Ritter Franz von Hadoque aus. Eine Tatsache, die ihn belustigt grinsen ließ.
„Schau mal.“ Es war Krys, die Tim aus seinen Gedanken riss und seine ganze Aufmerksamkeit nun auf sich zog.
Irritiert furchte Tim die Stirn und sein Lächeln wischte sich aus dem Gesicht, als seine Liebste ihm mit ernsterem Blick eine weitere Pergamentrolle hinhielt. Für einen langen Moment sah Tim einfach nur auf das Schriftstück in ihrer Hand, ehe er in ihre rehbraunen Augen blickte.
Vorsichtig streckte er die Hand nach dem Pergament aus und nahm es an sich, woraufhin er es öffnete und einen genauen Blick darauf warf. Kaum hatte er es aufgerollt, stand Krys auch schon ganz nah bei ihm und ließ ihre Augen ebenfalls über die offengelegte Weltkarte gleiten.
„Tim, das ist die Stelle, wo die Einhorn gesunken ist.“ Ihre Stimme war aufgeregt und ihre Augen leuchteten voller Abenteuerlust, als sie Tim anschließend ansah.
Auch Tims Augen funkelten vor neuem Tatendrang, während er Krys nickend zustimmte und dabei einen beipflichtenden Laut von sich gab.
„Ich hole Champagner zum Anstoßen“, verkündete Nestor gut gelaunt und verließ im Anschluss den Keller, woraufhin die drei mit den zwei Hunden für den Moment allein blieben.
Kurzerhand zog Krys ihrem Tim das Pergament aus der Hand, versteckte es hinter ihrem Rücken und trat an ihren Wahl-Vater heran, der sich gerade in einem Spiegel bewunderte. Den Hut trug er nämlich noch immer.
Tim musste über Krys schmunzeln, da sie es offensichtlich kaum erwarten konnte ihrem Vater davon zu erzählen.
„Sag mal, Papa. Was wäre, wenn Tim und ich wüssten, wo die Einhorn liegt?“, erkundigte sie sich lächelnd bei ihm nach seiner Meinung dazu.
Ihre Stimme klang ganz unschuldig, was Tim eine Gänsehaut machte. Diese Frau konnte so rasant von einer Femme fatal zu einem unschuldigen Mädchen wechseln, dass es ihm erregt schaudern ließ.
Der Kapitän drehte sich zu seiner Tochter herum und bedachte sie mit eingehendem Blick. „Sag bloß ihr beide wisst das tatsächlich.“
Es war nun Tim, der zu den beiden hinüber ging und Haddock mit einem wissenden Schmunzeln ansah. „Ritter Franz hat auf jeden Fall einen Hinweis darauf im Globus versteckt.“
Die Augen von Haddock wurden groß und für den Moment entglitten ihm sogar die Gesichtszüge.
„Also, Papa. Wie steht es mit deinem Durst nach Abenteuern?“, fragte Krys ihn neckisch grinsend, während sie das Pergament hinter ihrem Rücken hervorzauberte und ihm in die Hand legte.
Für einen längeren Augenblick betrachtete er einfach nur die Karte mit der markierten Stelle, ehe er mit einem Grinsen zu ihr aufsah. „Unstillbar, mein Delfinchen.“
Fröhlich lachte Krys auf und auch Tim begann vergnügt, leise zu lachen. Damit stand also fest, dass sie nach der Einhorn am Grund des Meeres suchen würden.
In diesem Moment kam Nestor mit einem Tablett wieder, auf dem fünf gefüllte Champagnergläser standen. Lächelnd reichte er jedem eines davon und nahm sich selbst das Letzte.
„Trinken wir auf Ritter Franz, die Einhorn und auf uns, die das Rätsel lösten und nun Schloss Mühlenhof wieder in den Besitz der Haddocks bringen“, sprach der Kapitän mit stolz geschwellter Brust einen Tost aus, woraufhin sich alle Anwesenden anlächelten und anschließend gemeinsam anstießen.
Das Abenteuer um das Geheimnis der Einhorn war gelüftet, doch den größten Schatz aller Zeiten zu finden und zu bergen würde erst noch beginnen. Dafür würden sie sich jedoch mehr Planungszeit nehmen müssen, denn dieses Unterfangen würde mehr Zeit und Vorbereitung brauchen.
Außerdem hoffte Tim, dass dieses Abenteuer weitaus weniger chaotisch und nervenaufreibend zugehen würde als das Jetzige es getan hatte.
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Abenteuer Liebe
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„Ich liebe dich, Tim“, schnurrte Krys ganz verliebt und sah dabei zu Tim auf, während sie halb auf seiner nackten Brust lag und kleine, unsichtbare Muster mit ihren Fingerspitzen auf seine Haut zeichnete.
Liebevoll ließ Tim ihre braunen, weichen Haarsträhnen immer wieder durch seine Finger gleiten, betrachtete dabei ihr hübsches Gesicht und lächelte sie überglücklich an. „Ich liebe dich auch, Krys.“
Das frühe Sonnenlicht tauchte Tims Schlafzimmer in dessen warmes Licht, während eine milde Brise durch das offene Fenster hereinkam und die Geräusche der belebten Straße mit sich brachte. Es war ihre dritte gemeinsame Nacht gewesen, seitdem sie den Schatz auf Schloss Mühlenhof gefunden hatten.
Der Kapitän hatte eine Firma beauftragt den Umzug von der kleinen Wohnung aus dem Außenbezirk zu übernehmen, während er selbst mithalf den Vorgarten wieder zu einem hübschen Ansehen zu verhelfen. Tim und Krys hatten ihm ihre Hilfe ebenfalls angeboten, doch Haddock hatte darauf bestanden, dass die beiden sich ein paar ruhige, gemeinsame Tage gönnen sollten.
Darüber waren sie sehr dankbar gewesen und wussten es sehr von ihm zu schätzen, dass er ihre Liebe so tatkräftig unterstützte. Haddock hatte Tim als Mann seiner hiesigen Tochter Krys vollkommen akzeptiert und selbstverständlich auch als Freund ins Herz geschlossen. Schließlich war auch der Kapitän ein sehr guter und wertvoller Freund für Tim geworden, den er nicht mehr in seinem Leben missen wollte.
Die sanften Küsse seiner Liebsten, die sie auf seinen Hals und seine Schulter verteilte, ließen ihn aus seinen Gedanken zurück ins Hier und Jetzt gelangen. Außerdem bescherte sie ihm damit ein wohliges Kribbeln im gesamten Körper und ließ seinen Blick ihr gegenüber noch sanfter werden.
Mit ihren zarten Lippen bahnte sie sich einen Weg zu seinen und stahl ihm anschließend den einen und anderen innigen Kuss. „Nun, da es noch etwas dauern wird, bis wir in See stechen und die Einhorn suchen werden… wie heißt unser nächstes Abenteuer, mein Fuchs?“
Wie sehr er seine Krys doch liebte und es obendrein schätzte, dass sie genauso abenteuerlustig war wie er. Allerdings hatte er nicht vor sich bis zum Auslaufen in ein weiteres Abenteuer zu stürzen.
Ihm schwebte etwas anderes vor und so wie er seine Krys die letzten Tage erlebt hatte, würde sie dies durchaus begrüßen. Ein schelmisches Grinsen zierte nun Tims Gesicht, woraufhin er ihre Hände in seine nahm und sich geschickt mit ihr in seinem Bett rollte.
So lag sie nun unter ihm in die weichen Kissen gedrückt, wobei er ungeniert zwischen ihren Schenkeln seinen Platz fand und ihr dabei tief in die Augen sah.
Ihren nackten, warmen Leib an seinem ebenfalls entblößten Körper zu spüren, machte ihm eine prickelnde Gänsehaut. Wenngleich er es noch immer zutiefst bedauerte, dass sie sich so sehr für ihren wahren Körper schämte und er nicht, wie in ihren gemeinsamen Träumen in den Genuss kam in ihre weichen Fettpolster zu schmelzen.
Er liebte seine Krys abgöttisch und damit auch jedes Aussehen, was sie annahm. Allerdings würde er ihre wahre Gestalt immer vorziehen.
Doch konnte er auch nur zu deutlich spüren, wie sehr sie unter dem Druck perfekt zu sein litt. Hier, wie auch in ihrer Ursprungsrealität. Sonst hätte sie für ihre FanArts, FanFictions sowie hier vor Ort nicht dieses Aussehen gewählt.
Eine Schande, dass sie glaubte es sei nötig. Aber er würde sie nicht bedrängen oder sie darauf ansprechen. Das wäre nicht richtig in seinen Augen gewesen, denn sie wurde in ihrer eigentlichen Realität schon zu oft gedrängt Dinge zu tun, zu denen sie sich nicht bereit fühlte.
Bis sich seine geliebte Krys stark genug fühlte diese Fassade abzulegen und endlich ganz sie zu sein, würde Tim geduldig warten. Und bis es so weit war würde er ihr huldigen, wie die Göttin und Liebe seines Lebens, die sie war. Fake-Körper hin oder her.
„Liebe, meine Nixe. Es heißt Liebe“, flüsterte er ihr verliebt zu und verschloss, ohne eine Antwort ihrerseits abzuwarten, ihre vollen Lippen mit seinen.
Genießerisch schloss er dabei seine Augen, schmiegte sich an sie und ließ seine Hände begehrend über ihre Arme und Seiten gleiten. Krys lächelte merklich in den Kuss hinein, legte ihre Arme liebevoll um seinen Nacken und ließ den Kuss sogleich leidenschaftlicher werden.
Tim war sich sicher, dass dieses gemeinsame Abenteuer mit Krys das Bedeutsamste und Schönste war, dass er je erleben würde.
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Ich weiß es. Und ich liebe dich.
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
