Verborgen
Selten ließ er sich zu einer emotionalen Tat hinreißen.
Allerdings bedeutete dies nicht, dass ihm Gefühle gänzlich fremd waren.
Er barg jene hinter einem kühlen, unnahbaren Auftreten.
Dass man ihm Rücksichtslosigkeit und Verschlossenheit vorwarf, scherte ihn nicht.
Er wusste um seine Ziele, kämpfte dafür und unterstützte jene mit Treue und Verlässlichkeit, die er für würdig erachtete.
Und dies traf unweigerlich auf seinen Kapitän zu.
Obschon dieser nicht immer Entscheidungen traf, die dem Wohle aller dienlich waren, fügten sie sich seinen Befehlen, blieben ihm treu, denn nur gemeinsam wäre das Erfüllen ihrer Träume gewiss, auch wenn der Weg dorthin beschwerlich schien.
Erschöpft
Kraftlos ließ sie sich auf der Bank nieder.
Hier, an ihrem persönlichen Rückzugsort, würde es ihr vielleicht gelingen, neuen Mut zu schöpfen und sich von den Strapazen des letzten Abenteuers zu erholen.
Beinahe wäre sie den reißenden Fluten der See zum Opfer gefallen, doch ihr Retter, still und schweigsam, mürrisch bisweilen, war nicht weit.
Ein Strudel aus salzigem Nass zog sie in die Tiefen.
Das Licht der Sonne schien ihr so fern, ungreifbar.
Angst hatte sie längst in ihren gierenden Klauen, presste ihr den letzten Funken Leben aus dem Leib.
Eine Schwere erfüllte sie.
Er erschien ihr wie eine Traumgestalt, fremd und doch vertraut.
Rasch, flink, stark …
Ihren sinkenden Körper hielt er mit festem Griff umklammert, ehe er mit ihr die Oberfläche des rauen Meeres durchstieß.
So rollte sie sich wie ein Kätzchen auf dem schmalen Polster zusammen, sog den Duft des Raumes in ihre Lungen und verspürte eine Ruhe, die ihr mehr als willkommen war.
Das Knacken und Knarzen von Holz vernahm sie kaum, ebenso die Schritte, die schwer auf dem Boden widerhallten und in weiter Ferne verklangen.
Sein Blick war prüfend, doch er würde schweigen.
Nicht ein Wort über ihren Verbleib würde ihm über die Lippen kommen.
Argwohn
Flüsternde Worte des Dankes hallten ihm in den Ohren nach.
Ihr Gesuch nach Nähe, quittierte er mit einem skeptischen Blick.
Die Lippen zu einem Lächeln gehoben, setzte sie sich auf und strich die verirrten Strähnen ihres rabenschwarzen Haares zurück.
Die lebhaften, neugierigen und doch so wachsamen Augen wirkten müde.
Rasch winkte er ab, hatte nur ein leises Knurren für sie und ihre Belange übrig.
Dem Befehl folgend …
Mehr hatte er nicht vorzuweisen.
Die Frau erschien ihm verängstigt, verloren.
Doch Stärke und Schläue gingen noch immer von ihr aus.
Eine Herausforderung, gar Provokation, deren Reiz er sich nicht erwehren konnte.
