Zum Inhalt der Seite

Wir beide bei den Shichinintai?

Bitte nicht!
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Hallo, hier spricht Puraido.
Für alle, die sich jetzt wundern, dass ihnen das bekannt vorkommt. Ja, es war zuvor Telaendrils "Shichinintai - Bad boys oder doch nur Idioten?" Story. Allerdings haben wir beschlossen, dass ich sie noch einmal ein wenig umschreiben und auf meinem Account neu hochladen werde.
Das lag vor allem auch am Zeitmangel seitens Telaendril und weil ich hier ja schon die "One Piece" Geschichten hochgeladen habe, die ja ganz indirekt Nachfolge-Geschichten hier von sind.
Jedenfalls, bei einigen Kapiteln wird man eine starke Veränderung erkennen können, bei anderen etwas weniger. Aber ich habe sie halt meinem Schreibstil etwas angepasst.
Ich wünsche nun viel Spaß beim ersten neuen Kapitel dieser Fanfiktion.

Liebe Grüße Puraido Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Hey ho,

Kylie-Chan heißt jetzt einfach nur noch Kylie, ist in den anderen Kapiteln schon geändert

LG Puraido Komplett anzeigen

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Ich glaube, ich spinne!

Es war an einem ganz normalen Freitagmorgen im Jahr 2011. Kylie saß gelangweilt im Englischunterricht und wartete darauf, dass die Stunde endlich zu Ende ging. Schulenglisch war ja so langweilig, zudem verstand sie meistens sowieso nichts, was für eine Zehntklässlerin schon ziemlich schlecht war.

Es dauerte noch eine komplette viertel Stunde, ehe es endlich zur großen Pause läutete. Erleichtert seufzte Kylie auf und notierte sich die Hausaufgaben.

Als der Lehrer schließlich verschwunden war, nahm sie ihren Musik Player und ging damit nach hinten, dort stand ein Regal, auf welches sie sich jetzt setzte. Sie zog ihre Kopfhörer auf und schaltete den Player an. Wie eigentlich immer hörte sie verdammt laut Musik, auch wenn ihr immer wieder gesagt wurde, dass man sich damit die Ohren kaputt machte, ihr war es egal.

Sie merkte gar nicht, wie sich eine Person an sie heran schlich. Erst als sie unsanft in die Seite gepiekst wurde, bemerkte sie das blonde Mädchen.

Kylie zog die Kopfhörer ab und lächelte ihr Gegenüber an. „Hi, Telaendril“, strahlte sie. Telaendril war Kylies beste Freundin, allerdings gingen sie in unterschiedliche Klassen. So wie es aussah, kam Telaendril gerade vom Sport zurück.

„Und, wie war Englisch?“, fragte die Ältere nach, während sie sich zu der Brünetten auf das Regal setzte.

„Was fragst du eigentlich? Du weißt doch, dass eine Doppelstunde Englisch die Hölle für mich ist“, knurrte Kylie.

„Ah, sorry, ich vergas“, Telaendril lachte leicht auf.

„Es sind ja nur noch wenige Tage bis zu unserem Schulabschluss und wir machen auch fast gar nichts mehr, aber trotzdem … er nervt tierisch“, Kylie zog die Nase kraus, ja, sie hasste Englisch wirklich. Wobei sie nur das Schulenglisch hasste, die Sprache an sich fand sie schön.

Da ertönten von draußen plötzlich laute Schreie und irgendwas landete wohl auf dem Boden. Telaendril verdrehte genervt die Augen. „Ernsthaft? Können die nicht mal ruhe geben? Ist ja schrecklich“, brummte sie verärgert.

Wenige Sekunden später wurde die Tür aufgerissen und Henrik und Julian stürmten in den Raum, jedes Mal so ein Theater …

„Und das am frühen Morgen“, grummelte Telaendril.

„Tja, so sind die halt“, meinte Kylie Schulter zuckend.

Die beiden ignorierten die Streithähne gekonnt, das war mittlerweile schon Routine, es mischten sich sogar noch ein paar andere Jungs mit ein.

Telaendril und Kylie unterhielten sich noch einige Zeit, beide überlegten, was sie nach ihrem baldigen Schulabschluss wohl machen würden.

Erst fünf Minuten vor dem Klingeln öffnete sich erneut die Tür und die Schüler der Parallel-Klasse trugen ihre Tische und Stühle in den eigentlich viel zu kleinen Raum. „Aye, ich vergas, wir haben ja jetzt Religion“, Kylie fletschte die Zähne, danach stand sie auf und verfrachtete ihre Tasche in die erste Sitzreihe. Religion hatten die beiden Parallel-Klassen gemeinsam. Zumindest die R10b und die R10c. Die R10a war in einem komplett anderen Gebäude untergebracht.

Telaendril musterte dabei die Jacke ihrer Freundin, darauf war wie immer ein Sensenmann zu sehen. Kylie trug nur solche Sachen, weshalb sie viele als Grufti oder gar als Satanist abstempelten, da jeder Satanist auch solche Sachen trug …

Telaendril wollte gerade ebenfalls nach vorne laufen, als von draußen ein gewaltiges Rumsen ertönte. „Ohoh, ich glaube, das waren nicht die Jungs“, murmelte Kylie.

In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine Gestalt betrat den Raum. Kylies Augen weiteten sich, als sie den Jungen erkannte. ‚Oh verdammt‘, dachte sie sich.

Telaendril wich einige Schritte zurück, mit weit aufgerissenen Augen starrte sie den Typen an. Er hatte langes schwarzes Haar, welches er zu einem Zopf geflochten hatte und blaue Augen. Seine Kleidung war definitiv Japanisch. Zudem trug er ein riesiges Schwert auf der Schulter. Es erinnerte an das Meisterschwert aus Final Fantasy.

Bevor irgendjemand Kylie aufhalten konnte, ging diese auch schon auf den Jungen zu. Sie stellte sich vor ihn hin und musterte ihn von oben bis unten, ehe sie eine Hand hob und ihn mit dem Zeigefinger in die Seite piekste.

„Was soll das werden, wenn es fertig ist?“, knurrte er.

„Shit!“, entfuhr es Kylie und sie drehte sich zu Telaendril und ihrer Klasse um, welche mittlerweile vollkommen ruhig war. „Ist der jetzt wirklich da oder sehe ich den nur?“, fragte sie.

Die anderen sahen sie so an, als ob sie sie nicht mehr alle hatte. „Ähm, Kylie, dir ist schon bewusst, dass der Typ eine Waffe hat, oder?“, wollte Mona wissen.

„Also kannst du ihn auch sehen?“, hakte Kylie daraufhin nach.

„Ja, ich kann ihn sehen und ich würde vorschlagen, dass du da weggehst“, meinte Mona zu ihr.

„Sithis sei Dank, er ist tatsächlich da“, seufzte Kylie auf.

„Wie darf man das verstehen?“, fragte der Junge hinter ihr.

Daraufhin drehte Kylie sich zu ihm um. „Na, ganz einfach, ich bin nicht verrückt! Ich dachte schon, jetzt wär’s soweit und ich müsste zum Psychiater, aber dem ist zum Glück nicht so“, seufzte sie erleichtert, dann ging sie einige Schritte zurück.

„Kylie, du hast echt einen an der Klatsche!“, knurrte Ellie.

Angesprochene drehte sich zu Ellie um, sie lächelte breit und erwiderte: „Ja, hab ich. Danke.“

Ellie schlug sich mit der Hand vor die Stirn. „Das ist ja zum verrückt werden“, nuschelte sie vor sich hin.

Da meldete sich Telaendril zu Wort. Sie tat einige Schritte auf den Fremden zu. „Und? Was willst du hier?“, fragte sie zögernd.

„Ich bin Bankotsu, der Anführer der Shichinintai. Ich habe den Befehl, Kylie und Telaendril mitzunehmen“, teilte er ihnen mit.

Bevor eines der beiden Mädchen etwas antworten konnte, plapperte Henrik dazwischen. „Hey, was bist du denn für einer? Und was ist das für ein Name?“

Kylie und Telaendril stöhnten beide gleichzeitig auf. „Keine gute Idee, Henrik“, murmelte Kylie.

„Und warum nicht?“, wollte dieser wissen.

„Das ist mein Name, hast du vielleicht ein Problem damit?“, knurrte Bankotsu, sein Griff um Banryu festigte sich.

„Nö, er klingt nur komisch“, entgegnete Henrik.

„Das der auch nie seine Klappe halten kann“, grummelte Kylie.

„Tja, du kannst ihn doch eh nicht leiden, also was soll’s?“, nuschelte Telaendril schulterzuckend.

„Da hast du auch wieder recht“, erwiderte die Brünette und hob ebenfalls die Schultern kurz an.

Bevor Bankotsu etwas machen konnte, ertönten laute Schreie aus der Richtung der Musikräume. „Bankotsu-no-aniki!“, rief jemand. Bankotsu drehte sich zu Jakotsu um, welcher gerade eine Horde Sechstklässler vor sich her scheuchte. Darunter war auch Kylies Bruder.

„Was denn?“, wollte Bankotsu wissen.

„Er meinte doch, wir sollten die beiden Weiber nicht töten, aber von diesen kleinen Monstern hat er nichts gesagt. Also, was meinst du? Die tauchen hier doch sowieso in Rudeln auf, da kann es doch sicherlich niemanden stören, wenn ein paar davon fehlen“, grinste Jakotsu und hob sein Schwert an.

„Na, meinetwegen“, seufzte Bankotsu und wollte sich gerade wieder umdrehen, während Jakotsu sein Jakotsuto anhob, doch da sauste Kylie an dem Anführer vorbei.

„Halt, stopp!“, knurrte sie, während sie auf die Sechstklässler zuging. „Du wirst sie nicht töten“, fuhr sie Jakotsu an.

„Du wagst es, Weib? Na warte!“, knurrte dieser und richtete sein Schwert auf sie.

Da tauchte Olivier aus der Menge hervor und gesellte sich zu seiner Schwester. „Sag mal, Schwester, kennst du die etwa?“, wollte er wissen.

„Nun ja, nicht direkt. Ich weiß nur, dass sie mir zuerst eine Heidenangst eingejagt haben“, entgegnete Kylie.

„Das sieht aber ganz und gar nicht so aus, als ob du Angst hättest“, murmelte der Jüngere.

„Weißt du, ich hatte Angst, dass ich jetzt vollkommen meinen Verstand verliere, was bei meiner Klasse ja auch kein Wunder wäre“, nuschelte sie und vergrub dabei die Hände in den Jackentaschen.

„Stimmt“, grinste Olivier.

„Und zu Hause geht das Chaos dann weiter“, fügte Kylie hinzu.

„Hey, was meinst du mit Chaos? Ich bin doch liebenswert“, grummelte der Junge.

„Ja, ungefähr so liebenswert, wie ein tollwütiger Dachs“, meinte sie.

„Soll das eine Beleidigung sein?“, hakte Olivier nach.

„Oh, du hast recht, die armen, tollwütigen Dachse“, entgegnete sie sarkastisch.

Olivier holte zum Schlag aus und erwischte seine Schwester an der linken Schulter, diese funkelte ihn dafür wütend an.

„Hast du mich gerade geschlagen?“, fragte sie ungläubig.

„Ja, hab ich. Verklag mich doch“, knurrte ihr Bruder flapsig.

Kylie zischte etwas vor sich hin, danach packte sie ihren, ihrer Meinung nach, viel zu frechen Bruder an den Haaren. „Das solltest du lieber nicht noch mal machen, das könnte sonst übel für dich werden“, zischelte sie.

„Ich hab ja solche Angst“, lachte Olivier.

Kylies Augen verengten sich zu Schlitzen, sie zog ihren Bruder an den Haaren, worauf dieser hin aufschrie und wild mit den Armen fuchtelte. „Los lassen, hör auf!“, stieß er aus.

Verächtlich schnaubend ließ Kylie ihn schließlich los, danach drehte sie sich um und ging zurück in ihren Klassenraum. Ihr Bruder folgte ihr dabei, immer wieder schlug er auf sie ein, allerdings ignorierte sie den Dreizehnjährigen gekonnt, sie gesellte sich wieder zu Telaendril.

Jakotsu war in der Zwischenzeit zu Bankotsu getreten. „O-aniki, was soll das bitte schön werden?“, fragte er verwirrt.

Bankotsu zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung“, erwiderte er nur.

Kylie grummelte etwas vor sich hin, während sie die Hände ihres Bruders festhielt, der nach wie vor versuchte, sie zu schlagen. „Nervensäge“, brummte sie ihn an.

„Das hast du mir heute schon zehnmal gesagt und das alleine schon vor dem Frühstück“, meinte Olivier.

„Also, Bankotsu, was wollt ihr denn hier?“, richtete sie ihre Frage nun endlich an den Söldner, dabei ignorierte sie ihren Bruder auch weiterhin.

Bankotsu runzelte die Stirn, erst nach einigen Sekunden schien ihm sein Auftrag wieder einzufallen. „Ah ja, wir sollen Telaendril und Kylie abholen“, meinte er.

„Ich bin Kylie und das ist Telaendril. Aber wie kommt ihr überhaupt hierher? Es dürfte euch hier noch nicht einmal geben“, fragte sie verwundert.

„Wie meinst du das denn jetzt schon wieder?“, blaffte Jakotsu sie wütend an.

„Nun ja, ihr seid immerhin erfundene Figuren aus einem Manga“, erklärte Kylie. „Zugegeben, ich hab nur den Anime gesehen, aber ihr wart echt klasse.“

Die beiden Shichinintai sahen sie verwirrt an. „Was ist ein Manga? Oder Anime?“, wollte Bankotsu wissen.

Kylie seufzte auf. „Ein Manga ist ein japanischer Comic und Anime sind animierte Serien aus Japan, meist basierend auf den Manga“, erklärte sie. Bankotsu und Jakotsu sahen sie ein wenig verständnislos an. Schließlich gab es so etwas wie Manga oder Anime in ihrer Zeit noch gar nicht. „Also, was macht ihr nun hier? Und warum sollen wir mit euch kommen?“, wollte sie dann schließlich noch wissen.

„Das gehört zu unserem Auftrag, mehr können wir nicht sagen“, entgegnete Bankotsu.

Von draußen ertönten plötzlich Schreie. „Hm, ihr hab nicht zufällig Kyoukotsu mitgebracht?“, murmelte Telaendril.

„Doch, aber woher kennst du ihn denn?“, wollte er wissen.

„Wie gesagt, hier bei uns seid ihr Anime- Schrägstrich Manga-Figuren“, erwiderte Kylie ruhig.

„O-aniki, sammeln wir sie doch einfach ein und verschwinden. Das wird mir hier zu blöd“, nuschelte Jakotsu zu seinem Anführer.

„Ja, hast recht“, antwortete er, dann meinte er zu den Mädchen: „Also, kommt ihr nun freiwillig mit, oder müssen wir das auf die harte Tour machen?“

Kylie seufzte auf: „Haben wir eine Wahl?“ – „Nein.“ – „Dann kommen wir mit, ich glaube nicht, dass wir in einem Kampf gegen euch gewinnen würden.“

„Kluges Kind“, grinste Bankotsu.

Murrend holten Kylie und Telaendril ihre Taschen. Sie hatten schon alle Bücher abgegeben, da die Schule für sie sowieso bald rum war, allerdings hatten sie in ihren Taschen Schokolade und die wollten sie ganz sicher nicht hier lassen, einige andere nützliche Dinge fanden sich ebenfalls noch in ihren Taschen.

„Also, wie kommen wir denn jetzt in eure Welt?“, wollte Telaendril wissen. Bankotsu antwortete allerdings nicht, sondern winkte sie hinter sich her. „Na, das kann ja was werden“, flüsterte Telaendril, Kylie nickte zustimmend.

Während sie die vielen Treppen hinuntergingen wurden sie von den anderen angestarrt. Ellie trat an ein Fenster und sah nach unten. Auf dem Schulhof standen ein Riese und Etwas, was wie eine Maschine aussah. Ein paar andere Männer waren ebenfalls dort. Da traten die vier aus dem Gebäude.

Olivier sah ihnen ebenfalls hinterher, was ihm an diesen Leuten auffiel, war, dass sie zwar wie echte Menschen aussahen, er aber dennoch das Gefühl hatte, dass sie gezeichnet wären.

Die beiden Mädchen betrachteten nachdenklich die restlichen Söldner. Sie waren damit beschäftigt, zu überlegen, wie sie wohl in die andere Welt kamen, als Jakotsu plötzlich genervt stöhnte. „Ach Mist! Jetzt hab ich die kleinen Monster da oben gar nicht umgebracht.“

„Lass gut sein, wir haben, was wir wollten. Lasst uns hier verschwinden“, kam es von Bankotsu. Sie gingen zu den anderen, als Kyoukotsu plötzlich in einem Wirbel verschwand.

„Was zur Hölle soll das? Wo ist er hin?“, entfuhr es Kylie. Sie bekam natürlich keine Antwort, nicht dass sie eine erwartet hätte.

Als sie näher herantraten, bemerkten sie, wie Renkotsu einen schwarzen Edelstein in der Hand hielt. Ginkotsu berührte ihn gerade, wodurch er ebenfalls in einem Wirbel verschwand. „Los, ihr seid dran, berührt einfach den Stein“, grummelte Bankotsu genervt.

Kylie seufzte auf und legte ihre Hand auf den Stein. Es fing an um sie herum zu flimmern und sie wurde in einen Strudel gesogen. Telaendril beobachtete das Ganze aufmerksam. Diese Shichinintai … Danach war sie an der Reihe, es fühlte sich verdammt komisch an, als sie in die andere Welt gesogen wurde. Sie konnte nur undeutlich erkennen, was um sie herum passierte, ehe plötzlich alles schwarz wurde.

Wie ein Wurm-Dämon zwei Sporthasser dazu bringen kann, einen Marathon zu laufen.

Stöhnend setzte sich Kylie auf. Das war vielleicht eine unsanfte Landung gewesen. Sie erinnerte sich undeutlich daran, wie sie während des Weltenwechsels vollkommen verzerrt wurde. Ein gigantischer Druck lastete auf ihrer Brust und drohte sie zu ersticken, gleichzeitig wurde sie von Innen nach Außen aufgerissen, danach fiel sie. Der Fall dürfte auf Grund der Tatsache, dass sie ihn so unbeschadet überstanden hatte, nicht sonderlich lang gewesen sein. Nach einer Sekunde war es schon vorbei gewesen und sie war hart auf dem Boden aufgeschlagen. Mehr als einige Blessuren dürften wohl nicht übrig bleiben.

Sie setzte sich nun auf und massierte sich die schmerzenden Schläfen. Sie blickte sich um und stellte überrascht fest, dass sie wohl tatsächlich im mittelalterlichen Japan gelandet waren. So eine Vegetation hatte sie noch nie gesehen. Das durfte doch alles nicht wahr sein …

Sie sah sich weiter um und bemerkte eine, noch immer bewusstlose Telaendril. Mühsam rappelte Kylie sich auf und schleppte sich zu der Blondine, von den Söldnern war keine Spur zu sehen. „Hey, Telaendril, wach auf, verdammt noch mal“, knurrte sie, während sie die Andere mit dem Fuß anstieß.

Wenige Sekunden später schreckte auch Telaendril auf. „Was ist passiert?“, wollte sie wissen.

„Wir sind im mittelalterlichen Japan und von den Shichinintai fehlt jede Spur“, erklärte Kylie kurz. „Und was machen wir jetzt? Ich meine, wir sind an einem völlig fremden Ort und von unseren Entführern fehlt jede Spur. Ist ja auch klasse, oder?“

„Ja, das ist wirklich eine Frechheit“, grummelte Telaendril. „Sollten wir sie vielleicht suchen? Allerdings sind wir in einem Wald und wer weiß, vielleicht lauern hier Dämonen. Ich bin nicht unbedingt scharf drauf, von einem angeknabbert zu werden“, gab sie zu bedenken.

„Natürlich hast du Recht, aber was nun? Einfach hier bleiben? Da finden uns die Dämonen ebenso, als wenn wir jetzt einfach losgehen und sie suchen“, merkte Kylie an.

„Wenn du meinst, wir könnten ja zumindest versuchen, aus dem Wald raus zukommen. Ich bin nicht unbedingt scharf drauf, nachts hier herum zu irren. Ich mag zwar Wälder, aber nicht wenn in ihnen gruselige Dämonen sind“, sie rümpfte die Nase.

„Und in welche Richtung sollen wir gehen?“, fragte Kylie.

„Keine Ahnung. Und ich denke nicht, dass hier ein Navi funktionieren würde, zumal wir ja noch nicht mal eins haben. Also würde ich vorschlagen, wir gehen einfach in irgendeine Richtung. Irgendwo werden wir schon ankommen …“, sie hatte die Augenbrauen erhoben und sah sich suchend um.

„Und bei unserem Glück laufen wir direkt dem nächst besten Dämon ins Maul“, nuschelte die Brünette.

„War ja nur ein Vorschlag. Also, gehen wir jetzt weiter oder wollen wir hier Wurzeln schlagen?“, fauchte Telaendril.

Kylie verdrehte die Augen, danach gingen sie beide los, sie wussten noch nicht mal, in welche Richtung sie überhaupt gingen. ‚Wenn wir hier je lebend wieder herauskommen, bringe ich die Shichinintai um‘, beschloss Kylie in Gedanken.

Nachdem sie einige Zeit schweigend nebeneinander her gelaufen waren, fragte Telaendril: „Sag mal, Kylie, wie viel Schokolade hast du eigentlich mit?“

Misstrauisch schielte sie zu Telaendril. „Wieso? Hast du keine eigene dabei? Oder wozu schleppst du sonst dienen Rucksack mit?“

Seufzend antwortete Telaendril: „Doch, ich habe schon etwas dabei, allerdings wird das nicht sehr lange reichen, schätzungsweise für drei Tage.“

„Ha, meine reicht für sieben Tage“, strahlte Kylie. Sie liebten Schokolade einfach.

„Dann werden wir sie uns wohl teilen müssen“, meinte Telaendril.

„Was? Aber nur im äußersten Notfall!“, motzte Kylie.

„Soll das heißen, dass du mich eher verhungern lassen würdest, als mir etwas von deiner Schokolade abzugeben?“, fragte Telaendril entsetzt.

„Ja. Ja, das soll es heißen“, grinste die andere.

Dafür kassierte sie einen nicht gerade leichten Schlag von Telaendril. „Na warte, das wird sich schon noch rächen“, grummelte sie. Danach stapfte sie einfach weiter und ließ Kylie stehen, diese schüttelte den Kopf und folgte ihr dann.

Erst als es schon zu dämmern anfing, fanden sie aus dem Wald hinaus, sie kamen bei einer Klippe an. „Wow, in irgendeine Richtung zu gehen, war ein super Plan, jetzt sind wir am falschen Ende raus gekommen. Noch dazu ist es jetzt stockdunkel und im Wald müsste es von Dämonen nur so wimmeln! Das uns bis jetzt keiner begegnet ist, grenzt schon an ein Wunder“, rief Kylie verärgert.

„Ja, schon gut, wir haben anscheinend die falsche Richtung genommen, aber woher sollte ich das denn wissen?“, fragte Telaendril und zuckte ratlos mit den Schultern.

„Na super. Also, was machen wir jetzt? Hm, Moment, ich weiß was ich jetzt machen werde. Ich ziehe mich erst einmal um. Diese Jeans bringen mich wahrscheinlich eher um, als die Dämonen, zum Glück hätte ich heute noch Sport gehabt“, nuschelte Kylie vor sich hin, ehe sie ihre Hose aufknöpfte uns sie sich abstreifte. Danach öffnete sie den Rucksack und holte ihre Jogginghose hervor. „Viel besser“, seufzte sie auf und ließ sich auf den Boden sinken.

„Na, wie wunderbar für dich“, antwortete Telaendril und tat es ihrer Freundin gleich. Sie zog sich ebenfalls ihre Sporthose an. „Jetzt bekomme ich aber langsam doch Hunger“, seufzte die Blondine und zog eine Tafel Schokolade hervor.

Gemeinsam saßen sie auf dem grasigen Boden und sahen in den freien Himmel hinauf, sie knabberten jeder an einer Tafel Schokolade, keiner sagte ein Wort.

Schließlich war es Kylie, die die Stille brach. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal nach Japan komme. Gut, zugegeben, ich hätte auch nicht vermutet, dass ich im Mittelalter landen würde, aber okay, Japan ist Japan“, sie hob die Schultern an.

„Und ich hätte nicht gedacht, dass wir mal von Söldnern entführt und im mittelalterlichen Japan allein zurück gelassen werden“, kommentierte Telaendril.

Kylie legte sich auf den Rücken, die Arme hatte sie unter dem Kopf verschränkt, sie betrachtete den klaren Nachthimmel. Der volle Mond spendete ihnen genügend Licht.

Es war trotz der Jacken ziemlich frisch, allerdings ließ es sich gerade noch so aushalten. „Weißt du, Telaendril, eigentlich hasse ich es, draußen zu schlafen, vor allem nachts. Ich meine, normalerweise bin ich ja total nachtaktiv, aber im Moment …“, weiter kam sie nicht, denn plötzlich raschelte etwas im Wald hinter ihnen.

„Was meinst du? Dämonen?“, hakte Telaendril leise nach.

„Weiß ich nicht“, antwortete Kylie.

Als sich nach fünf Minuten nichts regte, beschlossen sie nachzusehen. Zum Glück hatten sie eine Taschenlampe in Kylie Rucksack gefunden.

„Sag mal, was hast du da eigentlich alles drin?“, wollte Telaendril wissen, als sie durch den Wald liefen.

„Ähm, das weiß ich selbst nicht so genau, aber ist doch äußerst praktisch“, meinte Kylie.

„Ja … sicher. Mal sehen, wie lange die Batterien halten“, nuschelte Telaendril.

Kylie zuckte nur mit den Schultern, danach liefen sie zügig weiter durch den Wald, wobei sie nach möglichen Feinden Ausschau hielten.

Sie hatten beschlossen, doch genau jetzt nach den Shichinintai zu suchen, obwohl Kylie Sport hasste, hatte sie im Moment das Gefühl, noch ziemlich weite Strecken laufen zu können. Nicht, dass sie im Dunkeln Angst gehabt hätte, nein, das ganz bestimmt nicht. Allerdings wollte sie nicht alleine unter Dämonen sein, da waren ihr die Shichinintai doch lieber. Also liefen sie durch den großen, tiefen, dunklen Wald, ohne zu wissen, ob sie überhaupt auf dem Richtigen Weg waren.

Nach einiger Zeit meinte Telaendril: „Verdammt, ich kann nicht mehr.“

„Ja, ich auch nicht, also los, komm schneller“, antwortete Kylie.

„Du bist doch verrückt!“ – „Das weiß ich doch, aber wenn du hier übernachten willst, tu dir keinen Zwang an“, nuschelte sie.

„Wie kann jemand so unsportliches wie du nur so schnell und vor allem so lange laufen?“, fragte sich Telaendril leise.

„Weiß ich auch nicht, aber lieber ständig weiterlaufen, als Dämonen zu begegnen“, murmelte Kylie.

Sie liefen eine Ewigkeit durch den Wald, ihre Beine wurden immer schwerer und die Müdigkeit kroch durch ihre Körper, sodass sie sich kaum noch aufrecht halten konnten. Sie legten keine Pausen ein, zu groß war die Angst, irgendwelchen Dämonen zu begegnen.

Es wurde mittlerweile langsam hell und sie glaubten schon, dass sie die Nacht vollkommen ohne Zwischenfälle überstehen würden, doch da hörten sie es erneut rascheln und diesmal war es ganz in der Nähe.

„Och menno, muss es denn ausgerechnet jetzt rascheln?“, stammelte Telaendril.

Wie aus dem Nichts schoss ein Dämon aus dem Gebüsch, er sah aus wie ein riesiger Regenwurm. Er hatte keine Augen, dafür ein gigantisches, rundes Maul mit rasiermesserscharfen Zähen. „Heilige Scheiße! Ich glaube nicht, dass der einfach nur mal gucken will“, keuchte Kylie. Damit behielt sie Recht, blitzschnell bewegte sich der Dämon auf sie zu. „Ich würde vorschlagen: Wir rennen!“, schrie sie und packte Telaendrils Hand, danach liefen sie los.

Mittlerweile war es verdammt schwierig weiter zu laufen. Ihre Beine waren schwer und sie schmerzten vor Anstrengung. Ihre Lungen protestierten und ihr Herz raste. Ihnen kam es so vor, als würden sie durch knietiefen Schlamm waten, sie rannten so schnell sie konnten, dennoch fühlte es sich so an, als würden sie keinen Schritt vorankommen. Schweiß tropfte ihnen aus allen Poren und mittlerweile hatte ein starkes Schwindelgefühl eingesetzt, sie bekamen immer schlechter Luft.

„Sieh mal, da vorne ist der Wald zu Ende“, japste Telaendril, Tränen flossen ihr aus den Augen, sie vermischten sich mit dem Schweiß der ihr von der Stirn lief. Beide legten noch einen Zahn zu, sie versuchten aus dem Wald raus zukommen. Währenddessen walzte der Wurm immer noch hinter ihnen her, er schlängelte sich mit einem unglaublichen Tempo durch das Unterholz.

„Ich kann nicht mehr“, keuchte Kylie, doch was hatten sie für eine Wahl, entweder weiterlaufen oder gefressen werden … „Daran sind nur die Shichinintai Schuld!“

Sie sprangen über einen Busch, der ihnen den Weg versperrte und hatten das Ende des Waldes erreicht. Sie befanden sich jetzt auf einer großen, freien Fläche.

Telaendril schlenkerte gefährlich hin und her, ehe sie vor Erschöpfung über ihre eigenen Füße stolperte. Sie schlug heftig auf dem Boden auf und blieb erschöpft liegen. Sie presste ihr Gesicht in das Gras und wartete, dass das Ende kam.

Plötzlich sauste etwas an ihr vorbei. Auch Kylie war erschrocken stehen geblieben, sie sackte auf die Knie zusammen als sie Bankotsu erkannte. Er schwang Banryu und zerteilte den Wurm-Dämon in der Mitte.

Kylie starrte ihn entsetzt an. Ihr ganzer Körper zitterte so stark, dass es schmerzte. Plötzlich fing sie an zu lachen, sie konnte sich nicht mehr einkriegen. Dabei starrte sie in den Himmel. Ihr ganzer Körper wurde von dem Lachen geschüttelt.

Keuchend richtete sich Telaendril auf. Sie sah zu ihrer Freundin, die anscheinend vollkommen den Verstand verloren hatte. „Ich fass es nicht, ich fasse es nicht!“, stammelte die Brünette immer wieder, während sie weiter lachte.

„Was ist denn mit der los?“, wollte Suikotsu wissen, er trat neben Telaendril. Doch auch ihr war nicht mehr zu helfen, ihre Lippen verzogen sich und sie fing an zu glucksen, ehe auch sie in schallendem Gelächter ausbrach. Sie rappelte sich auf, wobei ihre Beine protestierten. Jetzt, da das Adrenalin nachließ, konnte sie eine unglaubliche Erschöpfung fühlen. Zudem war sie vollkommen überhitzt, ihr Gesicht war feuerrot und der Schweiß lief ihr in Rinnsalen die Schläfen hinab. Sie schleppte sich zu Kylie und hielt vor ihr an, ehe sie zusammensackte. Sie landete auf Kylie, die immer noch auf dem Boden kniete und in den Himmel starrte während sie lachte. Sie konnte nur mit Mühe das zusätzliche Gewicht von Telaendril halten. Diese legte jetzt die Arme um Kylie. „Wir leben. Wir leben verdammt noch mal“, stieß Telaendril aus. Mittlerweile lachte und weinte sie.

Auch Kylies Arme legten sich schlapp um Telaendrils Körper. „Ja, wir sind nicht tot! Ich war noch nie so froh, am Leben zu sein“, sie stieß sich nach vorne ab, Telaendril landete auf dem Rücken und Kylie kam auf ihr zum Liegen.

Die Shichinintai sahen sich ein wenig ratlos an. „Jetzt haben sie vollkommen den Verstand verloren“, merkte Jakotsu an.

„Hey, ihr beiden! Was ist mit euch los?“, wollte Bankotsu genervt wissen.

Da schien den Mädchen wieder einzufallen, dass die Shichinintai ja auch noch da waren. Kylie und Telaendril rappelten sich mühevoll auf und stapften zu ihnen.

„Wir sind nur so froh, dass wir am Leben sind! Dieser Dämon hat uns eine Scheißangst eingejagt. Wir hatten gedacht, unser letztes Stündlein hätte geschlagen“, erklärte Telaendril.

Die Söldner sahen sich untereinander an, so ein seltsames Verhalten hatten sie noch nie gesehen. „Aber sagt mal, wo wart ihr eigentlich die ganze Zeit? Das war nicht sehr nett, dass ihr uns alleine gelassen habt“, schmollte Telaendril, sie konnte ein Gähnen mittlerweile nicht mehr unterdrücken, sie war fix und fertig.

„Hm, wir wurden auch getrennt. Ich hab zuerst meine Männer gesucht und dann seid ihr uns schon quasi in die Arme gelaufen“, meinte Bankotsu Schulter zuckend.

Kylie und Telaendril sahen sich an, ihre Blicke wurden böse. „Also, du hast zuerst deine Männer zusammengesucht und danach uns, zwei hilflose, kleine Mädchen, die sich hier in dieser Welt nicht auskennen und auch nicht kämpfen können … und dir ist es nicht in den Sinn gekommen, uns zuerst zu suchen, bevor uns so eine Scheiße passiert?“, merkte Kylie an.

„Das ist mir gar nicht in den Sinn gekommen“, antwortete Bankotsu, er klang nicht sonderlich schuldbewusst.

„Ich fass es nicht … Was wäre, wenn wir gestorben wären? Dann wäre euer Auftrag wohl futsch“, fauchte Telaendril.

„Tja, das wäre wohl einfach Pech gewesen“, Bankotsu zuckte mit den Schultern.

„Pah, na dann. Ich für meinen Teil werde mich jetzt erst einmal eine Runde aufs Ohr hauen. Ich bin fix und fertig. Gute Nacht!“, brummte Telaendril, sie zog ihren Rucksack ab und ließ sich auf den Boden fallen, sie streckte alle Viere von sich und schloss die Augen.

Kylie seufzte auf, danach legte sie sich ebenfalls hin. Sie hasste es im Freien zu schlafen, doch momentan siegte wohl die Müdigkeit. Sie war echt kaputt und würde heute keinen Schritt mehr machen. „Hey, ihr könnt doch jetzt nicht schlafen“, motzte Bankotsu.

„Doch, können wir“, nuschelte Telaendril schon im Halbschlaf.

Bankotsu sagte noch irgendwas, aber die Sinne der beiden schalteten sich bereits ab, sie drifteten in einen tiefen Schlaf.

Deal or No Deal

Als Kylie einige Stunden später wieder erwachte, fand sie sich in einer völlig fremden Umgebung wieder. Sie richtete sich benommen auf und blinzelte einige Male um ihre Sicht zu schärfen. In ihrem Kopf drehte sich alles, sie konnte kaum sitzen, ohne das ihr schwindelig war. Ihre Muskeln protestierten bei jeder Bewegung. Es war definitiv zu viel Sport gewesen, sie schnupperte leicht und musste feststellen, dass von ihr ein ziemlich übler Schweißgeruch ausging. „Ich muss dringend duschen“, krächzte sie. „Und Durst hab ich auch …“

Sie sah sich ein wenig in dem Zimmer um, anscheinend hatten die Shichinintai sie hierher getragen, immerhin waren sie auf einer Wiese eingeschlafen. Dieser Raum war leer, es waren keine Möbel in ihm, Kylie selbst hatte auch auf dem Boden geschlafen. Man hatte ihr freundlicher Weise ein Kissen und eine Decke gegeben. Lediglich ihre Rucksäcke standen in einer Ecke.

Ihr Blick wanderte weiter und sie erkannte Telaendril und … Bankotsu? Was machte der denn hier?

„Ah, du bist endlich aufgewacht, Kylie. Sehr schön, dann würde ich jetzt vorschlagen, dass du Telaendril auch aufweckst“, er klang wahnsinnig wütend.

„Was ist denn mit dir passiert?“, fragte Kylie mit kratziger Stimme.

„Na ja, ich hab Blondchen hier rein getragen, man kann euch ja nicht einfach auf der Wiese liegen lassen und als ich sie ablegen wollte, hat sie sich plötzlich an mich festgekrallt und nun lässt sie nicht mehr los. Egal wie stark ich an ihren Händen gezogen habe, sie krallt sich immer fester in meine Kleidung“, er hatte sich auf die Ellbogen gestützt und sah sie an.

„Hm, das ist Telaendrils Spezialangriff, wenn sie einmal jemanden im Schlaf ergriffen hat, lässt sie ihn nicht mehr los“, seufzte Kylie. „Sorry, ich hätte es euch sagen müssen.“

„Ist mir egal, mach einfach nur, dass sie los lässt“, knurrte Bankotsu unfreundlich.

„Was krieg ich denn dafür?“, wollte Kylie wissen, sie saß im Schneidersitz einige Meter von Bankotsu entfernt.

„Wie wär’s, wenn ich dich dafür am Leben lasse?“, bot Bankotsu an.

„Du würdest mich nicht töten. Immerhin bin ich dein Auftrag. Ich denke mir mal, ich soll lebend zu dem Auftraggeber kommen“, Kylie stand auf und schleppte sich zu Bankotsu, sie hockte sich vor ihn hin.

„Lebend schon, aber er hat nicht gesagt, dass ich dich nicht in Einzelteilen zu ihm bringen kann“, antwortete er.

„Soll das eine Drohung sein? Dann möchte ich dir mal etwas sagen: Auf Drohungen reagiere ich gar nicht. Das kannst du dir also sparen“, erklärte Kylie in einem ruhigen Tonfall. „Allerdings verrate ich dir noch ein Geheimnis: Du würdest dich wundern, wie kooperativ ich sein kann, wenn du mir einen Handel vorschlägst.“

Bankotsu hob die Augenbrauen an. „Gut. Du befreist mich von Blondchen hier und ich erzähle dir etwas über den Auftrag“, schlug Bankotsu vor.

„Ich habe dein Wort?“, hakte Kylie noch einmal nach.

„Du hast mein Wort“, bestätigte der Söldner.

„Fein, dann werde ich jetzt Telaendril aufwecken“, Kylie erhob sich und ging auf ihren Rücksack zu. Sie zog einen Schokoriegel hervor, sie öffnete die Verpackung und meinte dann in normaler Lautstärke. „Weißt du, Telaendril, du solltest jetzt langsam mal aufwachen, ich halte hier gerade den letzten Schokoriegel in der Hand.“

Plötzlich riss Telaendril die Augen auf. Bankotsu runzelte die Stirn es kam ihm so vor, als würden sie rötlich leuchten. Danach sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf und stürzte sich auf Kylie, sie riss ihr den Schokoriegel aus der Hand. Ihr ganzes Verhalten erinnere Bankotsu an einen Dämon. „Du hast bitte was?!“, stieß sie entsetzt aus.

Die Brünette fing an zu lachen und winkte ab. „Nur keine Sorge, ich hab bisher nichts weiter gegessen. Das war lediglich ein Trick um dich zu wecken.“

„Und warum das? Ich wäre schon irgendwann aufgewacht“, fauchte Telaendril.

„Na ja, du hast dich an Bankotsu gekrallt“, seufzte Kylie auf.

Telaendril zuckte zurück und ihre Wangen röteten sich. „Ach du Scheiße“, dabei zog sie die Wörter extrem in die Länge. Danach drehte sie sich zu Bankotsu um. „Tut mir Leid.“

Bankotsu grummelte etwas vor sich hin, danach stand er auf und streckte sich. Da wurde die Tür aufgeschoben und ein gleißender Lichtstrahl fiel in den Raum. „Aniki, du bist ja wieder frei“, rief Jakotsu gut gelaunt.

„Ja, endlich“, schnaubte der Söldner und sah dann zu Kylie. „Also, ein ziemlich reicher Daimyou hat uns den Auftrag gegeben. Er meinte, dass wir dazu in eine völlig fremde Welt reisen müssten. Dann kam seine Haushexe an und gab und diesen Stein, damit konnten wir durch die Welten reisen. Er sagte uns allerdings nicht, wozu er euch braucht, aber er besteht darauf, dass ihr lebend und so schnell wie möglich dort ankommt“, erklärte er.

„Und wann dürfen wir wieder zurück?“, wollte Kylie wissen. Bankotsu zuckte ratlos mit den Schultern.

„Aber wir müssen noch einmal in unsere Welt zurück“, kam es von Telaendril.

„Und warum das?“, wollten Bankotsu und Jakotsu gleichzeitig wissen.

„Nun, wir haben nicht genügend Sachen dabei, außerdem wird uns die Schokolade in einer Woche ausgehen“, erklärte Kylie.

„Stimmt und das geht ja mal gar nicht!“, bekräftigte Telaendril.

„Ihr meint das wirklich ernst …“, Bankotsu war überhaupt nicht begeistert. Ganz und gar nicht.

„Aber definitiv und ihr dürft uns ja nichts antun, also …“, Telaendril zog das ‚also‘ in die Länge.

Bankotsu knurrte auf. „Dann müssen wir ja alle wieder mitreisen“, brummte er genervt.

„Nein, wir können das alleine!“, beharrte Telaendril.

„Nein, so läuft das nicht, wir lassen euch alleine reisen und ihr kommt nicht mehr zurück, oder was?“, knurrte Bankotsu

„Dann kommt eben einer von euch mit, aber wir müssen noch einmal zurück!“, zischte Kylie.

Bankotsu knurrte genervt etwas vor sich hin. „Ja gut, Jakotsu, du reist mit mir zusammen mit den beiden zurück in ihre Welt“, bestimmte er.

„Ich? Warum?“, fragte Jakotsu entsetzt. – „Weil ich das sage!“

„Aber Aniki, ich will da nicht noch einmal hin“, brummte Jakotsu verstimmt. – „Ich habe auch keine Lust, aber es nützt nichts“, Bankotsu stieß unendlich genervt die Luft aus.

„Tja, so ist das Leben, wann geht’s los?“, wollte Kylie wissen.

„Wenn’s sein muss, jetzt gleich. Ich hole nur noch Banryu“, brummte Bankotsu und wollte schon raus gehen, doch Kylie hielt ihn auf. „Halt! Stopp! Eure Waffen bleiben hier, ihr fallt so oder so schon genug auf, da müsst ihr nicht noch zusätzliche Aufmerksamkeit auf euch ziehen.“

„Und wie sollen wir dann kämpfen?“, hakte Jakotsu nach?

„In unserer Welt kämpfen wir nicht. Und macht euch keine Sorgen, wir beeilen uns auch“, versprach Telaendril.

„Fein, dann eben nicht. Jakotsu, geh und sag den anderen, dass wir noch einmal kurz weg sind“, wies Bankotsu ihn an.

Aufstöhnend nickte Jakotsu: „Ja, Aniki …“

Er kam nach einiger Zeit zurück, er hatte den Stein mitgebracht. „Na dann geht es los“, Bankotsu stieß die Luft aus.

Autos sind (keine) Rudeltiere und Shoppen ist echt gefährlich!

Der Rückweg war genauso schlimm wie der Hinweg, es fühlte sich wieder so an, als würde sie etwas zerreißen. Kylie schlug hart auf dem Boden auf. Stöhnend brachte sie sich in eine sitzende Position und stellte fest, dass sie wieder an der Schule waren. „Heute ist wohl Samstag“, nuschelte Kylie. Sie betrachtete das noch immer zerstörte Schulgebäude, der alte Schultrakt war vollkommen eingestürzt. Der Neubau war relativ unversehrt, obwohl er ein wenig angebrannt aussah.

„Na und?“, fragte Bankotsu. – „Da haben wir keine Schule“, antwortete Kylie resigniert. „Obwohl ich auch nicht glaube, dass es in nächster Zeit großartig eine Schule geben wird.“

„Und was machen wir jetzt?“, wollte Jakotsu wissen.

„Jetzt gehen wir in die Stadt, wie gesagt, wir brauchen noch einige Sachen“, erklärte Telaendril nüchtern.

Danach verließen die vier das Schulgelände, wobei sie über den Zaun klettern mussten, schließlich war das Gelände abgeschlossen. Danach machten sie sich auf den Weg zur Stadtmitte, wobei ihnen immer wieder Autos begegneten. Misstrauisch starrten Bankotsu und Jakotsu die Fahrzeuge an. Dabei unterhielten sie sich leise. „Was meinst du, sind das irgendwelche Dämonen?“, murmelte Bankotsu.

„Vielleicht, doch so viele von einer Sorte … Seltsam“, nuschelte Jakotsu

Sie standen neben einem parkenden Auto und betrachteten es skeptisch. „Sieht aus, als ob es schlafen würde“, meinte Bankotsu.

„Ich würde gerne wissen, was das für eine Rasse ist“, Jakotsu legte einen Zeigefinger an sein Kinn.

Kylie und Telaendril mussten Schmunzeln, es war ja schon interessant zu sehen, wie die zwei auf so etwas wie Autos reagierten. „Das sind keine Dämonen, dass sind Autos und das dort schläft nicht, es parkt“, erklärte Kylie.

„Und warum tut es das?“, wollte Bankotsu wissen.

„Nun ja, Autos können sich nicht ohne Menschen fortbewegen und der Besitzer ist gerade nicht da, von daher“, Telaendril zuckte mit den Schultern. „Aber jetzt kommt, wir müssen weiter.“

Den ganzen Weg in die Stadt über betrachteten die beiden Söldner alles, was sie nicht kannten. Nach einiger Zeit kamen sie in der Innenstadt an. „Kommt mit, wir holen jetzt unser Geld“, die beiden Mädchen gingen in die Bank, widerwillig folgten die Söldner den Mädchen. Sie sahen zu, wie sie an seltsam anmutende Geräte traten und irgendetwas an ihnen machten.

Da lief eine alte Frau an ihnen vorbei und sah sie mit einem seltsamen Blick an. Sie rollerte mit ihrem Rollator in einem weiten Bogen um die beiden. „Die Jugend heut zu Tage“, murmelte sie vor sich hin und rollte davon.

„Warum tun wir uns das gleich noch mal an?“, fragte Bankotsu.

„Keine Ahnung, ich weiß nur, dass du es mir befohlen hast“, nuschelte Jakotsu.

Da tauchten die Mädchen wieder auf. „Okay, es kann losgehen, wir brauchen noch einige Klamotten, nun ja, ich brauche einige Hosen, denn ich hab nicht mehr viele Zuhause“, seufzte Kylie.

„Dann sollten wir uns beeilen, schließlich wollen wir doch unseren Bus später nicht verpassen, nicht wahr?“, erinnerte Telaendril ihre Freundin.

Somit machten sie sich auf den Weg, sie gingen zu erst in ein Modegeschäft. Die beiden Krieger staunten nicht schlecht, als sie die Auswahl hier sahen.

„Was ist das?“, wollte Bankotsu wissen.

„Tja, wir sind hier in einem Modegeschäft, hier kriegt man alles an Klamotten, was man sich wünscht“, erklärte Telaendril, danach steuerte sie auf die Hosenständer zu.

Ziemlich schnell mussten die beiden Söldner feststellen, dass ‚Shopping‘ ziemlich nervig war.

Die Mädels krallten sich alles, was sie von Jogginghosen in die Finger bekamen. Wenn sie schon ins Mittelalter gingen, dann wenigstens mit bequemen Klamotten. Telaendril kaufte sich noch ein paar T-Shirts, denn sie schaffte es nicht mehr bis nach Hause. Sie würden nachher aber noch zu Kylie fahren.

Bankotsu und Jakotsu standen etwas ratlos in einer Ecke des Ladens und sahen sich einige der Kleidungstücke an. „Was für komische Sachen, Aniki“, murmelte Jakotsu, während er eine Jeans hochhielt. „Zudem sehen die hier alle ziemlich gleich aus …“

Da kam eine Verkäuferin an, sie lächelte freundlich, allerdings war ihr Blick etwas irritiert, als sie die Kleidung der beiden Söldner betrachtete. „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“

„Nein, wir warten nur auf die beiden Weiber dahinten“, knurrte Jakotsu unfreundlich.

Die Verkäuferin hob die Augenbrauen an, doch dann zuckte sie mit den Schultern und ging weg. Die Söldner sahen sich in der Zwischenzeit weiter um.

Einige Minuten später tauchte auf einmal eine Gruppe halbstarker Jugendlicher auf, diese hatten es wohl auf die Shichinintai abgesehen. Ein großer, ziemlich muskulöser Typ ging auf Jakotsu zu, der gerade vor einem Kleiderständer stand, und schubste ihn ‚ausversehen‘, sodass er in den Ständer krachte. „Ups, das tut mir aber Leid“, dröhnte die laut lachende Stimme des Typen durch den Laden.

Bankotsu, der mittlerweile ungeduldig zu den Mädchen gegangen war um zu erfahren, wie lange das Ganze hier noch dauerte, und die beiden Mädchen drehten sich daraufhin zu der Gruppe um. „Autsch, armer Trottel“, meinte Kylie.

„Der tut mir jetzt aber Leid“, murmelte Telaendril sarkastisch.

In der Zwischenzeit war Jakotsu wieder auf den Beinen, scheinheilig lächelte er den Typen an. „Ist schon gut, das war sicherlich ein Versehen.“

Sichtlich enttäuscht drehte sich der Kerl um und wollte gerade gehen, allerdings holte jetzt Jakotsu mit der Faust aus, sie krachte in den Unterkiefer des Typen.

Kylie und Telaendril zischten auf. „Uh, das tat weh“, murmelten sie beide, als der Muskelprotz mehrere Meter durch den Raum flog. Zudem hatte es in seinem Unterkiefer ziemlich eindeutig geknackt. Der war bestimmt gebrochen.

„Ups, das tut mir aber Leid“, äffte Jakotsu den Typen nach.

Dieser rappelte sich auf und stieß ein wütendes Knurren aus. Blut lief ihm aus dem Mundwinkel. „Dafür wirst du bezahlen“, knurrte er.

„Hu, ich zittere ja schon vor Angst“, Jakotsu tat so, als würde er vor Angst zurückweichen.

Die Mädchen schauten dem Geschehen gespannt zu. Was jetzt wohl kam? Zum Glück hatten sie die beiden Söldner daran gehindert, ihre Waffen mitzunehmen. Das wäre sicherlich noch übler geworden.

Der Muskeltyp stürmte auf Jakotsu zu, allerdings war er dabei nicht sonderlich schnell, sodass Jakotsu einfach nur einen Schritt zur Seite machen musste. Der Typ sauste einfach an ihm vorbei, schließlich krachte er in einen weiteren Kleiderständer. „Was war das denn?“, fragte sich Jakotsu.

Der Söldner ging auf den Angreifer zu, dieser war mittlerweile wieder umständlich aufgestanden. Er rammte ihm die Faust in den Magen, worauf der Junge keuchen auf dem Boden zusammenbrach.

Die Verkäuferin kam angerannt. „Hören Sie sofort auf! Alle beide, in diesem Laden wird sich nicht geprügelt“, schimpfte sie.

„Hah, er kann froh sein, dass ich mein Jakotsuto nicht dabei habe“, murmelte Jakotsu vor sich hin. – „Bitte was?“, die Verkäuferin guckte ziemlich verwirrt.

„Mein Schlangenschwert“, erklärte Jakotsu trocken. Da traten Kylie, Telaendril und Bankotsu zu dem Krieger. „Ähm, wir wollten dann zahlen“, kam es von Telaendril.

Noch immer etwas irritiert, murmelte die Verkäuferin etwas Unverständliches vor sich hin, danach ging sie zur Kasse. Die Mädchen folgten ihr.

Als sie wieder zurück kamen, setzte Telaendril wieder mit sprechen an: „Hört zu, in dieser Welt dürft ihr niemanden töten, sonst kriegt ihr richtig Ärger.“

„Niemanden? Aber er hat mich doch angegriffen“, brummte Jakotsu wütend.

„Ja, schon, aber du darfst nicht so dumm sein und ihn ernsthaft verletzen. Da wir dann zurück ins Mittelalter reisen, geht das für dieses Mal in Ordnung, aber trotzdem, reißt euch zusammen!“, zischte Kylie. Widerwillig nickten die beiden.

„Gut, wenn das geklärt ist, kann es ja weiter gehen“, Telaendril klatschte in die Hände. – „Na, endlich“, seufzte Bankotsu. Jakotsu stieß ebenfalls erleichtert die Luft aus.

Sie verließen den Laden, aber zum großen Pech der Shichinintai, war der Schuhladen gleich um die Ecke.

Die neue Welt ist einfach sonderbar

Ziemlich genervt saßen Bankotsu und Jakotsu in der Kinderecke des Schuhladens, die Mädchen hatten sie hierher verbannt, sie sollten einfach still sein und sitzen bleiben. Vor ihnen befand sich ein seltsam anmutender Kasten, viele kleine Figuren waren darin zu sehen. Damit war natürlich das kleine TV-Gerät gemeint, welches in der Kinderecke stand. „Mann, sind die klein“, murmelte Jakotsu, während er auf den Bildschirm starrte. „Wer sie da wohl eingesperrt hat?“

„Kann uns doch egal sein, ich will nur hier weg“, knurrte Bankotsu verstimmt. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte finster zum Fernseher. – Jakotsu sah zu seinem besten Freund. „Ja, mir geht’s genauso. Diese Welt ist irgendwie komisch“, seufzte er.

Da hörten sie Kylie rufen, dass sie endlich weiter wollten. Erleichtert standen die beiden auf und verließen beinahe fluchtartig den Laden. „Na endlich“, murmelte Jakotsu. „Aber wir müssen doch nicht noch wo anders hin, oder?“

„Nein, wir haben jetzt eigentlich alles erledigt. Ging jedenfalls schneller als gedacht“, meinte Telaendril.

„Gut, dann können wir uns ja noch ein Eis holen, ehe wir zum Bahnhof laufen“, kam es von Kylie, sie grinste breit. – „Was für Eis?“, wollte Bankotsu wissen.

„Das wirst du gleich sehen“, sagte Kylie. Danach gingen sie in Richtung Eisdiele. Die beiden Söldner wussten noch immer nicht so recht, was sie von dieser Welt halten sollten.

Sie standen nun vor dem Bedienungsfenster und Kylie sah zu dem Mann, der dahinter stand. „Hi, ich hätte gerne vier Kugeln. Erdbeere, Himbeere, Zitrone und Stracciatella“, zählte sie auf. „Ah und bitte im Becher.“

Der Mann nickte und bereitete die gewünschte Bestellung vor. Danach überreichte er es Kylie. Telaendril bestellte sich zweimal Schoko und zweimal Stracciatella und Bankotsu und Jakotsu wussten nicht so recht, was sie nehmen sollten, weshalb Kylie ihnen die Entscheidung abnahm. Schließlich bekamen sie Ebenfalls Schoko und einige Fruchtsorten. Nachdem sie bezahlt hatten, machten sie sich auf den Weg zum Bahnhof.

Es dauerte knapp zehn Minuten, ehe sie dort ankamen, in der Zeit war ihr Eis schon längst aufgegessen, es schien den Söldnern geschmeckt zu haben, obwohl sie sich nicht weiter dazu äußerten.

Die Mädchen setzten sich auf eine der Bänke, während Bankotsu und Jakotsu sich ein wenig umsahen. Sie hockten tatsächlich gerade auf den Schienen und betrachteten die ganze Konstruktion.

Telaendril bemerkte als erstes, wo die beiden Söldner herumstreunten. „Hey, kommt mal schnell hier rauf, das ist gefährlich!“, rief sie. – „Warum denn?“, wollte Jakotsu wissen.

„Nun ja, wenn ein Zug kommt, seid ihr Matsch, also kommt hier rauf jetzt“, erklärte Telaendril. Nachdem die Söldner wieder rauf geklettert waren, setzten sie sich zu den beiden Mädchen. „Was sind denn Züge nun schon wieder?“, fragte Bankotsu.

„Nun, das sind ganz besondere Dämonen, sie transportieren die Menschen in ihrem Inneren und sind mit unglaublichen Geschwindigkeiten unterwegs. Wenn ihr von so einem erwischt werdet, zerreißt es euch in viele kleine Stückchen“, führte Kylie präziser aus.

„Oh, wie nett …“, murmelte Jakotsu. – „Ja, nicht wahr, deswegen spielt man auch nicht auf den Gleisen herum“, setzte Telaendril hinzu.

„Ah, was ich eigentlich fragen wollte“, setzte Kylie schließlich an, „wenn wir dann wieder zurück reisen, mit dem Stein, werden wir doch nicht wieder getrennt, oder? Das war nämlich ganz und gar nicht schön“, sie seufzte auf.

„Weiß ich auch nicht“, Bankotsu zuckte mit den Schultern. – Kylie-Chan seufzte auf. „Na wunderbar. Das sind ja tolle Aussichten“, sie fuhr sich durch ihren Pony und ließ ihn dann wieder nach vorne Fallen.

Einige Sekunden später rauschte ein Zug an und kam quietschend zum Stehen, die Türen öffneten sich und einige Menschen stiegen aus, andere wiederum ein.

„Das ist also so ein Zug?“, murmelte Bankotsu. – „Genau“, war die Antwort von Telaendril. Sie hatte die Beine an den Körper gezogen und die Arme locker auf die Knie gestützt.

Sie mussten noch einige Zeit auf den Bus warten, er hatte heute mal wieder extreme Verspätung. Eine Tatsache, die Kylie maßlos verärgerte.

Als er dann doch schließlich ankam, war sie die erste, die aufsprang. „Na endlich!“, seufzte sie und trat an die Tür, die sich zischend öffnete. Sie stieg ein und kaufte sich eine Karte, zudem zahlte sie für Bankotsu und Jakotsu gleich mit. Telaendril hatte das Pech und musste sich ihre Karte selber kaufen.

Nachdem auch die Söldner etwas zögerlich eingestiegen waren schlossen sich die Türen und der Bus fuhr los. Sie nahmen in einem Vierersitz platz. Bankotsu und Jakotsu waren noch immer ziemlich skeptisch, was diesen Bus anging. Die restlichen Personen sahen sie komisch an. Immerhin liefen hier nicht alle Tage solch seltsame Gestalten herum.

Während der ganzen Fahrt starrte Kylie aus dem Fenster. Sie hasste es mit dem Bus zu fahren, vor allem zur Schulzeit. Aber heute würde es wohl das letzte Mal sein, dass sie mit diesem Verkehrsmittel fahren würde.
 

Die Fahrt dauerte zwanzig Minuten, danach waren sie endlich in Kylies Wohnort angekommen. Von der Bushaltestelle hatten sie es zum Glück nicht mehr weit, da sie nur gut zehn Meter davon entfernt wohnte. Es war ganz praktisch, so konnte sie morgens länger schlafen, wenn auch nur fünf Minuten.

Als sie vor der Haustür standen zog Kylie den Schlüssel aus ihrer Tasche und öffnete für sie die Tür. Sie liefen bis ganz nach oben und traten schließlich in die eigentliche Wohnung ein. Unter der Wohnung war nämlich noch eine Kneipe, die Kylies Vater gehörte.

Aus dem Wohnzimmer hörten sie schon sogleich Olivier rufen. „Hey, wer ist da?“ – „Ich bin’s!“, antwortete Kylie und streifte sich die Schuhe von den Füßen. Danach betrat sie das Wohnzimmer. Ihr Bruder lag auf der Couch und spielte mit seinem Nintendo. Er sah nur kurz auf. „Oh, man hat dich also schon wieder zurückgebracht?“, wollte er wissen. Sein Blick glitt wieder zu der Konsole. „Ich dachte, sie halten es länger mit dir aus.“

„Du irrst dich, wir sind nur hier, um einige Sachen abzuholen. Danach gehen wir wieder ins Mittelalter zurück“, erklärte Kylie. – Olivier hob noch einmal kurz den Blick. „Wunderbar …“

Telaendril seufzte auf, danach wandte sie sich an die Söldner. „Okay, wir werden oben noch einige Sachen holen, ihr wartet solange hier. Und wehe ihr bringt Kylies Bruder um“, knurrte sie.

Bankotu zog die Augenbrauen nach oben, allerdings hob er dann die Arme an, als Zeichen dafür, dass er schon nichts machen würde.

„Bist du ganz alleine hier?“, wollte Kylie plötzlich wissen. Es kam sehr selten vor, dass Olivier alleine zuhause blieb, bisher war er noch ein ziemliches Mama-Kind.

„Ja, was dagegen? Mama ist gerade bei Frau Koch und Papa irgendwo im Heimatverein, du kennst ihn ja“, er seufzte auf.

Kylie hob die Augenbrauen an, allerdings zuckte sie dann mit den Schultern und ging gemeinsam mit Telaendril nach oben, während sich die beiden Söldner auf die Couch setzten.
 

Schnell verstaute Kylie einige ihrer Sachen in einer großen Reisetasche. Zudem holte sie noch alles an Schokolade aus dem Versteck, was sie noch übrig hatte. Und das war nicht gerade wenig. Es ging sogar soweit, dass sie eine ganze Tasche mit Schokoladentafeln füllten.

„Was meinst du, was wird dieses ganze Abenteuer noch mit sich bringen?“, murmelte Telaendril.

Kylie saß auf ihrem Bett und betrachtete nachdenklich ihre Deckenlampe. „Ich weiß es offen gestanden nicht, hoffentlich ist es nichts allzu krasses. Zudem frage ich mich, warum gerade wir? Was hat das alles zu bedeuten?“

„Das werden wir, glaube ich, nur erfahren, wenn wir mit ihnen gehen …“, Telaendril hob ihre Haare im Nacken an.
 

Olivier saß nach wie vor auf der Couch und spielte Nintendo. Ihn interessierten die Söldner nicht wirklich. Bankotsu wunderte das ein bisschen, denn immerhin hatte Jakotsu ihn gestern noch bedroht. „Hey, du Zwerg. Hast du keine Angst vor uns?“, wollte er wissen.

„Nö“, kam es einsilbig von Olivier. – Bankotsu hob die Augenbrauen an. „Ach echt? Aber wir haben doch ein ganzes Haus zerstört und Jakotsu wollte dich töten.“

„Ich bin aber nicht tot und genau genommen habt ihr nur die Schule zerstört. Das finden die meisten nicht so schlecht, klar, einige sind ziemlich traumatisiert, aber man hat uns für die ganze nächste Woche freigestellt. Ich finde es klasse“, nuschelte Olivier vor sich hin.

Bankotsu und Jakotsu sahen sich an. „Also war es gut, dass wir die Schule zerstört haben?“, hakte Jakotsu erneut nach.

„Kann man so sagen“, bestätigte der Junge.

Bankotsu hob die Augenbrauen an. Das durfte doch nicht wahr sein, also hatten sie gleich zu beginn auch noch was Gutes getan? Er verzog die Mundwinkel, das passte ihm so gar nicht … Und was ihm auch nicht passte, war, das Olivier ihnen nicht einmal einen Funken Beachtung schenkte. War das komische Gerät wirklich so viel Interessanter für ihn? „Was machst du da eigentlich?“, wollte er dann schließlich wissen.

„DS spielen“, kam es knapp von Olivier. – „Und was macht man damit?“ – „Siehst du doch, es dient zur Unterhaltung.“ – „Hm, und was soll daran so unterhaltend sein?“, fragte Bankotsu skeptisch. Er sah Olivier über die Schulter und versuchte einen Blick auf den Bildschirm zu erhaschen.

„Es lenkt ganz gut ab, wenn man versucht, hier alle Münzen und Sterne einzusammeln, während man nebenbei noch die Feinde platt machen muss“, murmelte Olivier. – Bankotsu war noch immer nicht zufrieden damit. Er verstand einfach nicht, was daran so toll sein sollte. „Und so etwas hat jeder?“, fragte er.

„Nein, nur wenn man es sich kauft“, Olivier war nach wie vor auf sein Spiel konzentriert. – Bankotsu seufzte genervt auf. „Pah, aus dir kriegt man wohl keinen vernünftigen Satz raus“, er setzte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

„Können die sich nicht mal beeilen?“, wollte Jakotsu wissen. – „Das sind Mädchen, die brauchen nun mal ewig“, merkte Olivier an.

„Na super, Weiber machen nichts als ärger“, grummelte Jakotsu. – „Dann schaut doch solange fern“, schlug der Junge vor. Er patschte blindlings nach der Fernbedienung, die auf der Couch lag und schaltete den Fernseher an. – „Oi, was ist denn das eigentlich? So was haben wir in dem Schuhladen auch schon gesehen“, merkte Jakotsu an.

„Ein Fernseher, dort laufen die verschiedensten Sendungen. Schaltet einfach mal durch, einfach auf den Knopf drücken“, er reichte Bankotsu die Fernbedienung und dieser fing an durch die Kanäle zu zappen.

Schließlich blieb er auf einer Reportage hängen, irgendetwas über die Welt nach den Menschen.
 

Einige Zeit später kamen schließlich Kylie und Telaendril wieder runter. „Also Folgendes“, setzte Kylie an. „Wir bleiben noch bis heute Abend hier, denn: Heute gibt es Pizza“, sie strahlte. „Und da dachten wir uns, dass wir den anderen auch welche mit ins Mittelalter nehmen könnten.“

„Was ist Pizza?“, wollte Bankotsu wissen. – „Was ganz leckeres“, Kylie zwinkerte. „Jedenfalls, Telaendril, ich geh dann erst mal duschen, bis gleich“, meinte sie noch zum Schluss, ehe sie davon ging. Telaendril seufzte auf und ging dann ebenfalls auf die Couch zu.

„Und, habt ihr euch benommen?“, wollte sie schließlich wissen. – „Er lebt noch, oder?“, meinte Bankotsu lediglich. – „Hm, wohl wahr“, die Blondine seufzte und sah dann ebenfalls zum Fernseher. „Wie ich sehe, habt ihr Fernsehen für euch entdeckt?“

„Na ja, der Zwerg hier redet ja nicht mit uns, von daher …“, murmelte Bankotsu, während er weiterhin auf den Bildschirm starrte.

Telaendril schmunzelte, sie hatte die Stirn gerunzelt und fuhr sich durch die Haare. „Na, wenn du meinst.“

Der Nachmittag

Während Kylie noch unter der Dusche stand, die beiden Söldner weiter Fernsehen guckten und Olivier weiterhin Nintendo spielte, saß Telaendril relativ gelangweilt auf der Couch. Sie sah aus dem Fenster und beobachtete die Leute, was zwar auch nicht wirklich spannend, aber immer noch besser als Nachmittags-Gerichtsshows war, mittlerweile war Bankotsu nämlich darauf hängen geblieben.

Sie beobachtete, wie die Leute auf der Sparkasse, die praktischerweise direkt neben Kylie Haus lag, ein und ausgingen. Zudem sah sie die Nachbarn ihrer Freundin mit ihren Hunden spazieren gehen und zwei alte Frauen, die wohl ein Rollator-Rennen veranstalteten. Zudem sah sie Kylies Onkel vorbeifahren.

Doch dann legte Olivier ganz plötzlich den Nintendo aus der Hand und stand auf. Er ging nach nebenan ins Büro. „Was hat er denn jetzt?“, wollte Jakotsu wissen.

Telaendril zuckte nur mit den Schultern, sie pustete die Luft aus, sodass ihre Ponyhaare nach oben flogen. Derzeit wartete sie nur sehnsüchtig darauf, dass Kylie aus der Dusche kam, sie wollte sich auch endlich mal ein wenig frisch machen.

Jakotsu stand auf und tappte dem Jungen hinterher. „Hey, was ist jetzt plötzlich so interessant, dass du dein Spielgerät beiseite legst?“, wollte der Söldner wissen.

„Hm, meine Meerschweinchen brauchen langsam mal Futter“, erklärte er, während er am Käfig herum werkelte und den zwei kleinen Tieren Futter gab. – „Moment, wenn es Meerschweinchen sind, warum leben sie dann nicht im Wasser?“

„Nein, die Bezeichnung kommt vermutlich daher, das die spanischen Seefahrer sie über das Meer hierher nach Deutschland gebracht haben und die Quiek-Geräusche der Tiere sie an Schweine erinnert haben“, erklärte Olivier kurz.

Jakotsu runzelte leicht die Stirn und betrachtete das braunweiße Tier ein wenig genauer. „Ach so …“, kommentierte er.

Die beiden Meerschweinchen-Damen, Fin und Fiona, stießen während des Fressens, leicht quiekende Geräusche aus. „Na komm, lassen wir sie fressen“, meinte Olivier, er zog Jakotsu am Arm zurück.

Mittlerweile war Kylie wieder aufgetaucht und Telaendril war dafür verschwunden. Bankotsu und Kylie saßen beide auf der Couch und sahen weiterhin die pseudo-dokumentarische Gerichtsshow, dir Brünette kämmte sich währenddessen die noch immer nassen Haare. „Also echt mal, ich weiß zwar, dass das alles nur gespielt ist, aber trotzdem regt mich die Dummheit mancher Leute auf“, fauchte Kylie, als sie den Streit zwischen dem Angeklagten und der Zeugin beobachtete.

„Wie, das ist gespielt?“, wollte Bankotsu wissen. – „Natürlich ist das gespielt. Extra fürs Fernsehen, es dient als Unterhaltung. Aber leider ist nicht jede Scripted Reality Show gut“, seufzte Kylie.

„Hm, okay, eure Zeit ist verdammt komisch“, Bankotsu hatte sich mittlerweile im Schneidersitz hingesetzt, er beugte sich vor und stütze die Arme auf die Beine. – „Ja, ich weiß, aber dagegen kann ich leider nicht machen.“

Olivier setzte sich wieder in seine Ecke und spielte umgehend weiter Nintendo, während Jakotsu sich auf den Platz setzte, an dem zuvor Telaendril gesessen hatte.

Die Zeit verging und Telaendril kam auch wieder dazu, danach mussten Kylies Haare erst mal zurecht gemacht werden, wofür Telaendril zu ihrem Leidwesen zuständig war. Sie verfrachtete Kylie auf einen Stuhl und holte dann den Föhn hervor. Sie startete den Haartrockner und versuchte gleichzeitig sie ein wenig zu kämmen, da Kylies Haare allerdings im offenen Zustand länger waren als Bankotsus geflochtene Haare, dauerte das natürlich ein wenig.

Bankotsu grummelte derweil etwas vor sich hin, da Kylie ihm anscheinend ein wenig im Weg saß und so den Blick auf den Fernseher versperrte. Deshalb verfrachtete er sich kurzerhand auf Oliviers großes, grünes Sitzkissen.

Gegen fünf kam auch endlich mal Kylies Mutter nach Hause. „Huch, was machst du denn hier?“, wollte sie wissen. „Und wo warst du gestern? Und warum erzählt Olivier, dass jemand die Schule zerstört hätte?“, wollte sie alles auf einmal wissen.

„Äh, nun ja, Mama, das ist so. Gestern wurde ja auch die Schule angegriffen, von den beiden hier und von fünf weiteren Leuten“, Kylie deutete auf Jakotsu und Bankotsu. „Und nun ja, gestern haben sie uns beide mitgenommen und eigentlich sind wir jetzt nur hier um einige Sachen zu holen. Wir gehen danach wieder mit ihnen zurück ins mittelalterliche Japan“, erklärte sie.

„Pscht! Jetzt sei doch mal leise, ich versteh ja gar nichts“, zischte Bankotsu sie an. „Andere wollen hier in Ruhe Fernsehen gucken!“

Kylies Augenbrauen hoben sich. „Oh, Verzeihung“, meinte sie sarkastisch, danach ging sie mit ihrer Mutter und Telaendril in die Küche um dort alles Weitere zu klären.

Nach einigen Minuten meinte Kylies Mutter schließlich: „Und warum wurdet gerade ihr beide ausgewählt um mit ihnen zu reisen?“

„Tja, wenn wir das wüssten. Aber gut, ich glaube, das erfahren wir nur, wenn wir wieder mit ihnen gehen“, Kylie seufzte auf.

„Na, begeistert bin ich darüber nicht“, merkte ihre Mutter an. „Aber fein, klär das mit deinem Vater ab.“

Kylie und Telaendril seufzten auf, danach begaben sie sich wieder ins Wohnzimmer. Dort war alles nach wir vor unverändert.
 

Gegen halb sieben kam dann endlich Kylies Vater heim. Er wirkte ein wenig verstimmt, na Halleluja, das konnte ja was werden. „Ah, schön das du auch mal wieder auftauchst“, meinte er. „Wo hast du gestern gesteckt?“ Und erneut musste Kylie alles erklären.

Als sie damit fertig war, hatte ihr Vater die Augen zu Schlitzen verengt und starrte die beiden Söldner abwechselnd an.

„Verstehe, so ist das also“, er fuhr sich über das Kinn. „Aber mal ehrlich, halten die das wirklich so lange mit dir aus?“, fragte er.

„Was meinst du denn damit? Natürlich halten die das aus! So schlimm bin ich nun auch nicht“, schnaubte Kylie. – „Wie man es nimmt“, meinte ihr Vater.

„Puh, Vater, du bist echt anstrengend. Aber ich werde mit ihnen gehen. Egal, was du sagst“, Kylie verschränkte die Arme vor der Brust.

„Tu, was du nicht lassen kannst“, er seufzte auf. – „Gut, und ich kann es jetzt nicht lassen, mir jetzt Pizza zu bestellen“, Kylie ging an ihrem Vater vorbei und in Richtung Telefon.

Sie wählte die Nummer und bestellte dann einige Pizzen. Jetzt mussten sie nur noch geliefert werden.

Ihr Vater setzte sich auch auf die Couch, neben Olivier und Bankotsu, welcher mittlerweile wieder gewechselt hatte. Ihr Vater betrachtete den Söldner einige Zeit, dieser sah immer noch gebannt fernsehen. Kylie und Telaendril quetschten sich zwischen Bankotsu und Jakotsu und damit war die Couch voll.

Die Situation war ein wenig angespannt, denn Kylies Vater starrte noch immer prüfend die Söldner an. Während das Bankotsu gar nicht interessierte, wurde Jakotsu zusehends genervter. „Hey! Hör auf, mich immer zu anzustarren“, fauchte Jakotsu.

„Ach ja? Oder was? Wenn du hier aufmuckst, kannst du alleine ins Mittelalter zurückkehren“, meinte ihr Vater.

„Pah, dann nehmen wir Kylie und Telaendril einfach mit“, Jakotsu zuckte mit den Schultern.

„Das glaube ich aber weniger“, setzte ihr Vater an, Kylie wusste, dass das definitiv eine Situation war, die eskalieren würde, wenn sie sie nicht stoppte, weshalb sie aufsprang, dabei ging sie so schnell vor, dass Bankotsu, der noch immer vollkommen vertieft war, zusammenzuckte und sie überrascht ansah. – „Hey, jetzt mal ruhe, ja? Jakotsu, sei nett zu meinem Vater. Und du, Papa, sei nett zu Jakotsu“, brummte sie.

„Wenn er mich nicht als Anstarren würde“, grummelte der Söldner. – „Lass es einfach, das wirst du nicht verhindern können“, seufzte Kylie.

Just in diesem Moment klingelte es an der Tür. „Oh, das wird die Pizza sein!“, schnell wie der Wind war Kylie an der Tür und tatsächlich, es war der Pizza-Lieferant.

Ein Abend im mittelalterlichen Japan und Schreie am Mittag

Einige Zeit später kam Kylie mit einer Menge Pizzakartons wieder nach oben, sie grinste breit. „Okay, ich denke, jetzt können wir los, wir müssen nur noch unsere Sachen holen und dann sind wir soweit“, meinte sie.

„Na, endlich“, seufzte Jakotsu erleichtert auf. Er sprang auf und ging in den Flur, dort wartete Telaendril mit der Pizza, wobei sie gerade damit beschäftigt war, diese zusammen zu binden, nicht dass sie sie noch unterwegs verloren. Nachdem Kylie die Taschen geholt hatte, konnte es endlich losgehen … Na ja, fast.

„Oi, Aniki, kommst du?“, rief Jakotsu seinem Anführer zu, dieser war noch immer damit beschäftigt, fern zu sehen. – „Kleinen Moment noch“, winkte Bankotsu ab. Er war nach wie vor nicht vom Fernseher weg zu bekommen, was Jakotsu genervt aufknurren ließ. – „Aniki! Jetzt komm endlich“, er ging auf Bankotsu zu und zog ihn einfach mit sich.

„Was ist dein Problem? Das ist gerade sehr interessant“, beschwerte sich Bankotsu. – „Schön, Aniki, sehr schön, aber wir müssen jetzt wirklich zurück!“, wiederholte Jakotsu erneut. – Aufseufzend und mit einem „ja, ja, schon gut“, zog Bankotsu den Stein aus seiner Tasche.

Kylie berührte den Stein als erstes und war wenige Sekunden später verschwunden. Das gleiche passierte auch mit Telaendril, Jakotsu und Bankotsu.
 

Nach einem weiteren schmerzhaften Aufprall, diesmal zurück im mittelalterlichen Japan, richtete sich Kylie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Die Pizzakartons und ihre Tasche lagen glücklicherweise unversehrt neben ihr. Ihre Knochen gaben unschöne Geräusche von sich, als sie sich aufrichtete, doch dagegen konnte sie wohl nichts machen.

Es dauerte gar nicht lange, da fielen auch die anderen drei aus einem unsichtbaren Spalt der im Himmel schwebte, auf den Boden. Wie Kylie feststellen musste, waren sie diesmal im Innenhof des Schlosses gelandet. „Diesmal wurden wir nicht getrennt, sehr schön … Schmerzhaft ist es aber trotzdem“, sie rümpfte die Nase und streckte sich dann noch einmal.

„Noch mal mach ich das nicht mit, Aniki, da kannst du jemand anderen mitnehmen“, beschwerte sich Jakotsu. – „Okay“, kam es lediglich vom Anführer, was Jakotsus Augenbrauen Richtung Haaransatz wandern ließen. – „Was? Hast du etwa vor, noch einmal in diese Welt zu gehen?“ – Bankotsu zuckte mit den Schultern. „Warum nicht, ist doch ganz cool dort“, er grinste.

Bevor Jakotsu etwas darauf erwidern konnte, trat Suikotsu auf sie zu. „Ah, ihr seid wieder da. Das hat ja ganz schön lange gedauert“, merkte er an.

„Ja, hat es wirklich. Die mussten ja unbedingt noch bis spät abends warten und Aniki hab ich auch zwanghaft mitschleifen müssen, der wäre sonst wahrscheinlich da geblieben“, grummelte Jakotsu, er begab sich nach drinnen.

Suikotsu hatte lediglich die Stirn gerunzelt und sah Jakotsu hinterher. Da meinte Kylie: „Na, wir haben euch jedenfalls was zu Essen mitgebracht“, sie hob das Bündel Kartons an. „Kommt mit nach drinnen“, mit diesen Worten verschwand auch sie.

Die Shichinintai und Telaendril folgten ihr nach drinnen, in dem Raum saßen bereits Mukotsu, Renkotsu und Jakotsu. Kylie löste die zwei Familienpizzen aus dem Gebinde und brachte sie nach draußen zu Kyoukotsu und Ginkotsu, währenddessen verteilte Telaendril den Rest.

Als Kylie wieder nach drinnen kam, aßen die anderen bereits. Sie setzte sich neben Bankotsu und Mukotsu und zog sich den letzten Pizzakarton heran, danach aß auch sie endlich.
 

Der Abend verlief sonst eher ruhig. Kylie und Telaendril waren von dem erneuten Weltenwechsel ziemlich geschlaucht, ebenso Bankotsu und Jakotsu, wobei diese es nicht so deutlich zeigten. Die beiden Mädchen legten sich deshalb auch recht schnell in einem anderen Zimmer schlafen, während die Shichinintai noch wach blieben.

Kylie lag auf einem Futon, Arme und Beine von sich gestreckt und an die Decke starrend, obwohl ihr fast die Augen zufielen. „Mal schauen, wie lange wir hier bleiben müssen“, nuschelte sie müde.

„Mh-hm“, kam es gerade noch so von Telaendril, sie lag direkt neben Kylie und schlief schon kurz danach tief und fest.
 

Bankotsu erzählte Suikotsu, Mukotsu und Renkotsu gerade ausführlich, was er alles in der anderen Zeit erlebt hatte. Jakotsu hatte sich ebenfalls schlafen gelegt, er wollte sich diese Erzählungen nicht noch einmal antun.

Die anderen Mitglieder staunten jedenfalls nicht schlecht, was für Sachen es alles dort gab. Erst sehr viel später legten auch sie sich endlich schlafen.
 

Am nächsten Morgen erwachte Kylie als erstes, sie war noch immer verschlafen und rieb sich über die Augen, es wurde nur mäßig besser. Sie wunderte sich, warum sie solche Rückenschmerzen hatte, ehe ihr einfiel, dass sie ja im mittelalterlichen Japan war und auf dem Fußboden geschlafen hatte. „Autsch, das sind ja ganz tolle Aussichten, hoffentlich gibt sich das irgendwann noch“, murmelte sie und erhob sich dann, dabei rieb sie sich immer noch über die schmerzende Stelle im unteren Rückenbereich.

Sie sah sich um. Telaendril schlief noch tief und fest, also würde sie sie auch schlafen lassen. Kylie verließ schließlich den Raum und schlenderte über die Holzveranda des Schlosses. Die Gegend war wirklich hübsch … zugegeben einige dunklere Flecken auf dem Boden, welche wohl Blutflecken waren, verunzierten den Anblick ein wenig, aber man konnte ganz gut darüber hinwegsehen.

Es war gerade Mitte Juni, und der Himmel hatte gerade ein sehr schönes, leuchtendes Blau als Farbe, kein Wölkchen war am Himmel zu sehen. Aufgrund der intensiven Blaufärbung schloss Kylie-Chan, dass es schon ziemlich spät sein musste.

Sie lehnte sich an das Holzgeländer und genoss die angenehm warme Luft, sie hatte die Augen geschlossen und der Wind umspielte ihr Gesicht. Diese Ruhe war einfach herrlich, so etwas war sie gar nicht gewohnt. In der Neuzeit war überall irgendeine Art von Krach gewesen.

Sie öffnete ihre Augen erst wieder, als sie Schritte vernahm. Sie drehte sich um und entdeckte Renkotsu. „Hallo“, begrüßte sie ihn. Renkotsu erwiderte den Gruß, ging dann allerdings weiter, wahrscheinlich in Richtung Ginkotsu.

Kurze Zeit sah Kylie ihm nach, als er um die Ecke bog, richtete sich ihr Blick jedoch wieder geradeaus.

Es verging noch einige Zeit, ehe auch Telaendril aufwachte. Ihre Haare standen ihr wirr vom Kopf ab und sie sah ein wenig grummelig aus. „Na, gut geschlafen?“, wollte Kylie wissen.

„Pah, ganz und gar nicht. Ich vermisse mein schönes Bett, davon kriege ich wenigstens keine Rückenschmerzen“, sie grimassierte. „Und Hunger hab ich auch. Wollen wir nicht irgendetwas zu essen suchen?“

„Können wir machen. Vielleicht weiß Bankotsu auch, wo wir hier etwas zu Essen herbekommen. Ich hab keine Lust, das ganze Schloss abzusuchen“, seufzte Kylie.

Telaendril nickte und sie machten sich auf den Weg zum Zimmer der Shichinintai. Doch diese waren mittlerweile auch aufgewacht und nicht mehr im Raum. „Na toll, jetzt dürfen wir sie auch noch Suchen gehen“, seufzte die Blondine genervt.

„Also Renkotsu ist ersten in Richtung Ginkotsu gegangen. Vielleicht fragen wir einfach ihn. Er wird die anderen wahrscheinlich schneller finden“, Kylie deutete in die Richtung, in die Renkotsu ersten verschwunden war.

„Dann los“, meinte Telaendril nur und wenige Minuten später waren sie bei dem riesigen Metall-Monstrum angekommen. – „Hey, Renkotsu, weißt du zufällig wo es hier etwas zu essen gibt?“, fragte Kylie.

Renkotsu sprang von Ginkotsu hinunter, dieser hatte durch den Weltenwechsel etwas abbekommen, weshalb der Feuerkrieger noch immer dabei war, ihn zu reparieren. „Hm, ich glaube in der Nähe ist ein Dorf, aber da müsst ihr schon Bankotsu fragen, ob er euch da hin lässt“, erklärte Renkotsu.

„Okay, danke schön, dann müssen wir ihn nur noch finden“, Kylie fuhr sich leicht durch den Pony. Die beiden mussten sich jetzt also doch auf die Suche nach Bankotsu machen. Es dauerte einige Zeit doch schließlich fanden sie ihn. Er saß in einem der hinteren Räume und Jakotsu war gerade dabei, ihm die Haare neu zu flechten.

„Bankotsu“, rief Kylie, sie setzte sich ihm gegenüber. „Telaendril und ich haben Hunger und Renkotsu meinte, dass in der Nähe ein Dorf ist. Können wir da hin und etwas zu Essen holen?“, fragte sie ihn.

Bankotsu seufzte auf. „Von mir aus. Aber wartet, bis ich hier fertig bin, dann komme ich mit“, murmelte er.

„Ist gut“, sie nickte. Dann schmunzelte sie. „Das Problem mit den Haaren habe ich auch. Es ist immer furchtbar nervig. Ich überlege schon, ob ich sie nicht mal abschneide“, sie stieß die Luft aus.

„Tu dir keinen Zwang an“, Bankotsu zuckte mit den Schultern. – „Ach nein, jetzt nicht, keine Lust“, winkte Kylie ab. Sie lehnte sich zurück und stützte sich auf die Arme ab, sie legte den Kopf in den Nacken.
 

Zehn Minuten später befanden sich Bankotsu, Mukotsu und Suikotsu zusammen mit Telaendril und Kylie auf den Weg ins Dorf. Sie kamen auf dem Marktplatz an. Es gab zwar wegen den Shichinintai einige Tuscheleien, aber die Söldner ignorierten das gekonnt. Die Leute wunderten sich, was diese drei Personen, hier machten. Die meisten wussten anscheinend nicht, dass die Shichinintai wieder auferstanden waren …

Wobei, Kylie war sich nicht einmal sicher, ob die Shichinintai hier schon verstorben waren oder ob das erst noch kam. Sie beschloss, später einmal nachzufragen.

Sie kamen auf dem Markt-Platz des Dorfes an und sie steuerten einen Stand an, an dem es augenscheinlich gegrillten Fisch gab. Der Besitzer des Standes musterte Kylie und Telaendril lang. Er fing schließlich an, Japanisch mit ihnen zu sprechen. „Shit, verstehst du etwas?“, wollte Telaendril wissen. Kylie schüttelte den Kopf, danach sah sie sich nach Bankotsu um, dieser war schon ein wenig weiter gegangen. – „Hey, Bankotsu!“, rief Kylie ihn. Seufzend lief der Söldner auf die beiden zu.

„Was denn?“, wollte er grummelnd wissen. – „Ähm, wir haben ein kleines Problem, wir verstehen nicht, was der Typ sagt. Hier funktioniert dieses magische Übersetzen wohl nicht“, erklärte Telaendril.

Bankotsu hob die Augenbraue an, allerdings half er den Mädchen beim Übersetzen. Einige Zeit später hatten sie ihren Fisch und gingen schließlich mit den Söldnern weiter.

Noch während Kylie auf ihrem Fisch herumkaute, stellte sie die Frage, die sie schon eine Weile beschäftigte. „Sagt mal, seid ihr jetzt eigentlich schon mal gestorben, oder kommt das erst noch?“

Die Söldner blieben stehen und starrten Kylie an. „Woher weißt du, dass wir schon einmal … na ja, eigentlich schon zweimal gestorben sind?“, wollte Mukotsu wissen

„Hm, na ja, ist seid Anime- und Manga-Figuren“, nuschelte Kylie zwischen zwei Bissen. „Wir konnten eure Tode mitverfolgen“, erklärte sie.

Die Söldner warfen sich einige Blicke zu. „Aber egal, wie seid ihr diesmal wieder lebendig geworden?“, mischte sich jetzt Telaendril ein.

„Anscheinend haben uns die Hexen des Daimyous zurück geholt“, erklärte Bankotsu.

Während Kylie und Telaendril von Mukotsu begleitet noch ein wenig durch das Dorf liefen. Besorgten Bankotsu und Suikotsu noch ein wenig Sake für diesen Abend. Einige Zeit später, nachdem sie alles bekommen hatten, machten sie sich auf den Rückweg zum Schloss.

Als sie wieder dort ankamen, setzten sich die beiden Mädchen von den Söldnern ab und durchstreiften nun doch einmal das Schloss. Es war verdammt riesig, aber auch verdammt hübsch hier.

Allerdings dauerte es gar nicht lange, bis Kylie ‚es‘ entdeckte.

Ein lauter, schriller Schrei drang durch das Schloss und zerriss die friedliche Nachmittagsidylle. Alarmiert kamen die Söldner herbei gestürzt, was zur Hölle war denn nun los, fragten sie sich.

Kylie saß auf dem Boden und starrte panisch die Wand an. Telaendril hingegen sah relativ genervt drein. „Sorry Leute“, sie hob kurz die Arme an.

„Was ist denn hier los?“, wollte Suikotsu mehr als genervt wissen. Kylie sah hoch und schien den Söldner erst jetzt zu bemerken.

Schnell sprang sie auf und versteckte sich hinter ihm. „Da, in der Ecke! Himmel das ist so schrecklich! Mach es weg, bevor es mich frisst“, verlangte sie mit zittriger Stimme.

Suikotsu runzelte die Stirn und sah sich besagte Ecke an, alles was er fand war eine kleine harmlose Spinne. „Willst du mich eigentlich verarschen?“, fuhr Suikotsu sie an. – „Was ist denn da?“, kam es jetzt von Bankotsu.

Suikotsu packte die Spinne an einem Bein und hielt sie hoch. „Deshalb schreit sie so. Wegen einer verdammten Spinne“, knurrte er wütend. Er wollte sich gerade an Kylie wenden, doch die stand nicht mehr da, wo sie vor ein paar Minuten noch gestanden hatte. Er entdeckte sie hinter Bankotsu. „Wie kommt die so schnell dahin?“, fragte er sich.

Auch Bankotsu drehte sich ein wenig irritiert zu Kylie um. Er hatte nicht einmal mitbekommen, dass sie sich hinter ihm versteckte. „Mach das weg!“, stieß sie jetzt zitternd aus.

Noch immer ein wenig ungläubig zermatschte Suikotsu die Spinne schließlich mit bloßen Händen. Kylie erschauderte darauf hin. „Urgh, das ist ja eklig. Wie kann man die Viecher nur anfassen“, wollte sie wissen, während sie sich noch immer an Bankotsus Arm klammerte.

Dieser seufzte auf. „Glaub mir, Kylie, Spinnen werden hier dein kleinstes Problem sein“, teilte er ihr mit und befreite sich aus ihrem Griff.

Die Söldner verließen schließlich wieder den Raum. Telaendril ging auf Kylie zu und schlug sie leicht. „Du machst immer ein Theater, wenn es um Spinnen geht“, grummelte sie.

Kylie seufzte auf, funkelte Telaendril schwach an und stürzte dann ebenfalls aus dem Raum. Ein wenig niedergeschlagen ließ sie sich kurze Zeit später neben ihrem Rucksack nieder, sie zog sich eine Tafel Schokolade hervor.

Diesen Abend legte sich Kylie wieder früh schlafen, allerdings wurde sie von einem grausigen Spinnenalptraum geplagt.

Nachmittag am See

Am nächsten Morgen war Kylie ziemlich schlecht gelaunt, sie hatte ja diesen furchtbaren Spinnenalptraum gehabt, dort wurde sie von einer riesigen, fetten Monsterspinne verfolgt, grausig, einfach nur grausig.

Immer wieder rieb sie sich über die Augen, allerdings half es nicht, weshalb sie schließlich nach einer Tafel Schokolade griff. Vielleicht würde sie ja das aufheitern. Schnell kramte sie also eine Tafel heraus und verschlang sie in Rekordzeit. Nebenbei kam ihr in den Sinn, dass die Schokolade gar nicht so lange reichen würde, wenn sie immer so schnell alles aufaß.

Nachdem sie aufgegessen hatte, stand sie auf und zog sich um, ein T-Shirt mit einem Wolfskopf und eine Jogginhose. Danach zog sie das Haargummi aus ihren Haaren und eine braune Haarflut ergoss sich über ihren Rücken, bis über den Hintern, fast bis zu den Kniekehlen. Sie strich sich den Pony aus den Augen und streckte sich noch einmal.

Während sie durch das Schloss streifete, auf der Suche nach einem Badezimmer, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Hier im Mittelalter gab es gar keine Duschen! Das hieß ja, dass sie wohl oder üben Baden musste! Sie hasste Baden einfach.

Draußen begegnete sie als erstes Kyoukotsu, er kam gerade aus dem Wald und hatte noch einen halbzerkauten Youkai im Mund. Sie begrüßte ihn. „Morgen Kyoukotsu!“

Der Riese nickte ihr zu und wollte sich eigentlich wieder abwenden, doch da hielt sie ihn erneut auf. „Sag mal, weißt du zufällig, wo hier ein See oder etwas ähnliches ist?“

Kyoukotsu deutete in Richtung Norden und erklärte ihr kurz und knapp den Weg dahin, ehe er wieder verschwand. Kylie seufzte auf und ging dann wieder zurück. Auch wenn sie Baden nicht wirklich mochte, schwamm sie ab und zu gerne mal in Seen herum. Aber nur, wenn diese auch sauber waren. Was ja in der Neuzeit, zumindest in ihrer Wohngegend nicht der Fall gewesen war.

Sie ging zurück nach drinnen und schnappte sich ihre Badesachen, doch als sie gerade gehen wollte, ertönte Bankotsus Stimme hinter ihr. „Wo willst du denn hin?“

„Im See baden, Kyoukotsu hat mir den Weg schon erklärt“, teilte sie ihm mit. – „Und das muss unbedingt jetzt sein?“, grummelte Bankotsu, er schien schlechte Laune zu haben, warum auch immer.

„Ja, ich hab jetzt Lust dazu“, meinte sie. – „Es geht hier nicht nach deiner Lust. Wir müssen auch bald weiter, immerhin sollt ihr so schnell wie möglich beim Auftraggeber ankommen“, brummte der Söldner.

Kylie schob die Lippen vor. „Ach komm, der kann doch gar nicht wissen, dass wir schon im Mittelalter sind, auf einen Tag mehr oder weniger kommt es doch nicht an“, versuchte sie ihn zu überreden.

Bankotsu hatte eine Augenbraue erhoben und sah Kylie einige Zeit an. Schließlich seufzte er und zuckte mit den Schultern. „Von mir aus, ich begleite dich“, murrte er.

„Was? Warum denn das?“, stieß Kylie aus. – „Du vergisst wohl, dass es hier durchaus auch noch Dämonen gibt. Im Gegensatz zu der Spinne gestern, fressen die dich wirklich auf“, erinnerte er sie.

Kylies Augen weiteten sich. „Oh, verdammt, na gut, überredet“, murmelte sie kleinlaut. – „Nimmst du Telaendril auch mit?“

„Hm, ich werde sie fragen“, Kylie seufzte auf und verschwand dann wieder nach drinnen. „Hey, Telaendril, wach auf“, sie rüttelte einige Male an der Schulter ihrer besten Freundin, doch diese drehte sich nur grummelnd weg und schlief weiter. Schulter zuckend ging Kylie also alleine zu Bankotsu zurück. „Sie wacht nicht mal auf“, erklärte sie.

Also machten sie sich zu zweit auf den Weg zu dem See. Bankotsu hatte Banryuu geschultert und lief hinter Kylie her, wobei er einige Schritte hinter ihr blieb. Es dauerte nur fünf Minuten, da waren sie schon da, es war ein kleiner See, dafür war dieser unglaublich klar, er wurde von dem Wald umrundet, es sah sehr schön aus. Kylie drehte sich zu Bankotsu um. „Du wartest hier, während ich mich umziehe“, danach lief sie auf einen Stein zu, dahinter zog sie ihre Badesachen an.

Bankotsu hatte die Augenbrauen ein wenig erhoben, allerdings wartete er. Es dauerte nicht lange, da kam Kylie wieder hervor. Sie trug einen schwarzen Bikini. Während Bankotsu sich am Ufer auf einen Stein setzte, stieg Kylie ins Wasser. Es war eiskalt und am Liebsten wäre sie sofort wieder rausgegangen, aber sie hielt es tapfer aus. Sie schwamm einige Meter in den See hinein und ließ sich dann auf dem Rücken treiben.

Bankotsu sah Kylie zunächst einige Zeit zu, doch dann wandte er den Blick an, er sah sich ein wenig um, nicht, dass hier noch einige Youkais einen Überraschungsangriff wagten. Er hatte das rechte Bein aufgestellt und den Arm auf das Knie gestützt.

Es verging einige Zeit, in der sich Kylie nur treiben ließ, seicht schwappte das Wasser gegen ihren Körper. Mittlerweile war es gar nicht mehr so kalt und sie konnte sich endlich entspannen. Allerdings musste sie aufpassen, dass sie nicht aus versehen einschlief und ertrank. Irgendwann holte Bankotsu sie allerdings in die Realität zurück. „Hey, Kylie, komm endlich mal raus da, wir waren jetzt lang genug hier“, rief er ihr zu.

Seufzend richtete sich Kylie auf. „Können wir nicht noch ein bisschen hier bleiben? Ist gerade so herrlich“, bettelte sie. Bankotsu stieß genervt die Luft aus und murmelte etwas Unverständliches.

Einige Minuten später schwamm Kylie allerdings wieder zurück zum Ufer, noch immer im Wasser treibend ließ sie sich neben Bankotsu nieder. Sie saß mit dem Rücken zum Ufer, nach einiger Zeit legte sie die Arme auf das Gras und den Kopf in den Nacken. Sie hatte die Augen geschlossen und lief wieder die Sonne auf ihr Gesicht scheinen.

„Kann ich dich was fragen“, fing sie plötzlich an. – Überrascht sah Bankotsu sie an. „Klar, was gibt’s?“ – „Wie ist das eigentlich so, zu sterben meine ich“, fragte sie. – Eine ganze Zeit lang kam keine Antwort, insgeheim glaubte sie nicht mal daran, jemals eine zu bekommen, doch schließlich sagte er: „Es fühlt sich nicht schön an. Es ist ziemlich … schrecklich, wobei ich das erste Mal als Schlimmer empfand.“

Kylie öffnete die Augen und sah ihn an. Sein Blick war nach vorne, irgendwo in den Wald gerichtet. „Damals musste ich zusehen, wie sie alle meine Kameraden töteten, das letzte, was ich wahrnahm, war ein Schmerz im Genick, als das Schwert meinen Kopf abschlug. Dann war da lange Zeit gar nichts mehr. Es gibt wohl kein Leben nach dem Tod oder dergleichen. Da war einfach nur Dunkelheit, bis mich Naraku eines Tages wiederbelebte“, erklärte er trocken.

Kylie hatte sich mittlerweile rauf aufs Ufer gesetzt, ihre Beine immer noch im Wasser. „Hm, das klingt wirklich nicht schön“, sie verkreuzte leicht die Arme vor der Brust.

„Fühlt sich auch nicht schön an“, merkte Bankotsu an. Danach saßen sie schweigend nebeneinander. Kylie starrte auf ihre Füße im Wasser und dachte darüber nach, was Bankotsu eben gesagt hatte.

„Sag mal, erinnerst du dich eigentlich noch an deine Familie, oder hattest du Geschwister?“, hakte Kylie nach. – Bankotsu hob die Augenbrauen an. „Ich weiß es nicht mehr. Das ist schon zu lange her, generell ist meine Erinnerung seit der letzten Wiederbelebung etwas … schwammig“, er schnaubte.

„Ach so … Hm, das ist doch sicher nervig, oder?“ – Bankotsu zuckte mit den Schultern. „Hm, nicht unbedingt. Ich verzichte gerne auf einige meiner Erinnerungen, wenn ich dafür wieder leben kann“, meinte er.

„Wie ist der Daimyou eigentlich so?“, wollte Kylie ein wenig zu beiläufig wissen. – „Hmm … Also ich fand ihn … unsympathisch. Obwohl er uns zurückholen ließ, ist er einfach nur unsympathisch“, der Söldner fletschte die Zähne.

„Klingt viel versprechend“, brummte Kylie. Danach schwiegen sie eine Weile, es war ein recht angenehmes Schweigen. Irgendwann legte sich Kylie auf den Rücken, sie starrte in den Himmel, der nur von kleinen, flauschigen Wölkchen bedeckt war.

Da vernahmen sie plötzlich Schritte, allerdings waren diese zu leicht, um von einem Youkai zu stammen, weshalb Bankotsu ruhig sitzen blieb. Es war Telaendril, die wenige Sekunden später aus dem Wald trat.

„Na, bist du auch endlich mal aufgewacht?“, murmelte Kylie. – Kurz hob Telaendril die Schultern an. „Ja, Ginkotsu hat so gequietscht, da bin ich von aufgewacht. Aber gut, nachdem man mir sagte, dass ihr hier seid, hab ich mich gleich mal auf den Weg gemacht. Sie stand nun neben Kylies Sachen und begann sich auszuziehen, die Badesachen trug sie schon drunter.

„Komm, Kylie, wir schwimmen noch ein wenig“, meinte sie, als sie selbst ebenfalls ins Wasser trat. Bankotsu seufzte, als die beiden weiter zur Seemitte schwommen. Also kam er immer noch nicht hier weg.

Während sie ihre Runden drehten fragte Telaendril: „Na, wie läuft es denn so mit Bankotsu?“ – „Ich weiß nicht was du meinst“, seufzte Kylie. – „Ach, na komm schon, stell dich nicht dumm.“

„Pff, Telaendril, wenn du glaubst, dass ich Interesse an einer erfundenen Figur hab, dann muss ich dich enttäuschen, wir haben uns eben auch nur über den Tod und so unterhalten, waren wirklich passende Themen für ein erstes Date, findest du nicht?“, meinte Kylie sarkastisch.

„Aye, Kylie, warum redest du über so was. Und zudem, sieht er für dich so aus, als wäre er eine Anime-Figur? Ich meine, man kann ihn anfassen, er ist echt da. Das wäre doch die Chace für dich“, Telaendril stieß Kylie an.

„Nö, kein Interesse“, erwiderte Kylie flapsig. – „Puh, was soll man nur mit dir machen? Du bist ja anscheinend an gar keinem Interessiert … Aber mal ehrlich wenn Bruce Willis, Sylvester Stallone oder Sir Anthony Hopkins vor dir stünden, würdest du doch auch nicht nein sagen … Warum stehst du nur auf so alte Knacker, aber nicht auf Bankotsu, der immerhin wie ein Teenager aussieht?“, wollte Telaendril von ihrer Freundin wissen.

„Was heißt hier, nicht nein sagen? Ich würde mal mit ihnen Essen gehen, mehr aber auch nicht. Zudem ist es sowieso unwahrscheinlich, dass einer von denen vor meiner Haustür auftaucht“, brummte Kylie.

„Das ist wohl wahr, aber hey, Bankotsu sitzt jetzt hier vor dir. Du solltest ihn dir schnappen, solange du die Chance dazu hast“, stichelte Telaendril. – „Himmel, Telaendril! Denkst du eigentlich nur an das eine? Du nervst ganz schön“, grummelte Kylie. „Ich such mir schon jemanden, wenn ich Interesse daran hab.“ – „Heißt im Klartext, dass du als alte Jungfer sterben wirst“, kam es monoton von der Blondine.

„Pah, lass mich in Ruhe“, beleidigt schwamm Kylie ans Ufer zurück. Lachend folgte Telaendril ihr. – „Stell dich nicht so an!“, rief sie ihr hinterher.

„Das heißt das, wir können jetzt endlich gehen?“, hakte Bankotsu nach, als die beiden aus dem Wasser kamen. – „Ja, können wir. Wir müssen uns nur noch umziehen“, meinte Telaendril. Kylie war schon in Richtung Stein gegangen.

Sie band ihre Haare zusammen und zog dann die nassen Sachen aus, ehe sie sich abtrocknete und ihre normale Kleidung wieder anzog. Telaendril tat es ihr gleich. „Soll ich dir nachher wieder die Haare kämmen?“, fragte sie versöhnlich. Resigniert nickte Kylie nur.

Schließlich waren sie fertig und zu dritt machten sie sich auf den Weg zurück zum Schloss. Noch immer relativ mies gelaunt trottete Bankotsu hinter ihnen her.

Im Schloss setzte sich Kylie auf den Boden und löste ihren Zopf, während Telaendril sich einen Kamm nahm und anfing, die noch immer nassen Haare ihrer Freundin durch zu kämmen.

Währenddessen unterhielten sie sich darüber, wie es wohl mit ihnen weiter gehen sollte. Kylie erzählte ihr das wenige, was sie über den Daimyou in Erfahrung gebracht hatte. „Klingt ja wirklich ziemlich viel versprechend“, die Blondine rümpfte die Nase. „Na ja, ich hab die Hoffnung, dass die Hexen zumindest gescheit aussehen“, meinte sie.

„Warten wir es ab. Mach dir aber nicht zu viele Hoffnungen, sonst ist die Enttäuschung zu groß“, warnte Kylie sie.

„Ach, wäre nicht meine erste Enttäuschung“, winkte Telaendril ab. „Ich kann damit umgehen.“ – „Hoffnungslos optimistisch“, brummte Kylie. „Aber mal was anderes“, setzte sie dann plötzlich an. „Du weißt schon, dass wir nie den Schulabschluss machen werden! Und wir haben auch keine Ausbildung oder sonstiges!“, warf sie ein.

Telaendril zuckte mit den Schultern. „Na und? Ich glaube kaum, dass wir hier einen Schulabschluss brauchen“, merkte sie an. – „Ach nein? Aber was ist, wenn wir doch mal wieder zurück in unsere Welt kommen? Dann stehen wir mittellos da!“, gab Kylie zu bedenken.

„Kylie, lass es doch erst einmal so weit kommen. Wir wissen doch überhaupt nicht, wie lange wir hier bleiben werden.“ – Grummelnd verschränkte Kylie die Arme vor der Brust. „Na super. Sind ja tolle Aussichten“, seufzte sie auf.

Gegen Abend war Telaendril schließlich fertig und schließlich begaben sie sich zu den Shichinintai. Renkotsu hatte etwas zu essen gemacht, allerdings war davon nicht mehr ganz so viel übrig. „Ihr hättet uns ruhig mal rufen können“, beschwerte sich Telaendril. – „Hm, da hab ich euch wohl vollkommen vergessen“, meinte Renkotsu lediglich.

Genervt setzten sich die beiden Mädchen und aßen den Rest des Essens, war zwar nicht gerade viel, aber besser als nichts.

Es war dieses Mal wesentlich später als die beiden Mädchen sich Schlafen legten, Kylie war zudem vollkommen erschöpft. Schwimmen war ziemlich anstrengend.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (1)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von: abgemeldet
2014-11-22T21:03:13+00:00 22.11.2014 22:03
Ich weiß garnicht was Bankotsu hat, Shopping ist doch toll *lach*

Hoffe das bald ein neues Kapitel kommt ;)

LG Lucy-
Antwort von:  Puraido
22.11.2014 22:12
Hey ho
nun ja, jeder wie er mag xD ich bin selbst nicht so ein Freund von Shopping xD

ich werde mich beeilen

LG Puraido


Zurück