Wir sind Meer
Am Anfang, waren wir das Meer, wir alle. Denn wir leben schon seit Tausenden von Jahren, vor aller Anderen haben wir schon existiert. Wir sind die Wellen der Meere, ihr Atem, ihr Wind. Unsere Stimmen spiegeln die Klänge der See, welche uns Heimat ist, Mutter und Vater vereint.
Unsere Flossen tragen uns hunderte und aberhunderte Kilometer, von Osten nach Westen, wir tauchen ab, springen hinaus und landen in den Armen der Wellen, die uns küssen mit ihrem Schaum auf ihren Lippen.
Wellen fangen uns auf, und ihre langen Arme greifen uns, tauchen ein bis tief hinab, an den Grund des Meeres.
Lange und tiefe Ströme, wir sind der Puls der Welt. Ohne uns stünde das Leben der Erde still. Ihr Kreislauf, ihr Herz, das sind wir in den Tiefen der See!
Meerjungfrauen
Eines Abends, genoss ich den Wellengang, meine Flossen lagen lang ausgebreitet, über einen kupferfarbenen Felsvorsprung, welcher inmitten des Meeres empor ragte. Die Abendsonne legte sich zur Ruhe und verabschiedete die See mit ihren langen warmen Strahlen, welche auf das Meer und den Felsen trafen, auf welchen ich mich gelegt hatte.
Das Licht warf ein tiefes Abendrot am Horizont und spiegelte sich in der See, welche mit vielen kleinen Wellen gesegnet war.
Ich rekelte mich ein wenig in den warmen letzten Abendstrhalen, welche meine Flossen und meinen Oberkörper trafen. Mein Körper war besetzt mit den schönsten rötlichsten Schuppen des Westmeeres, so sagte man es mir nach. Ich liebte meine Schuppen, sie verrieten, ich war eine warme Rasse.
Diese waren häufiger in unseren Meeren anzutreffen. Es gab warme und kalte Meerjungfrauen, je kräftiger ihre Farben der Flossen und ihre Schuppen, umso wärmer waren sie. Die warmen Meerjungfrauen waren Jene, welche im wärmeren Klima schwammen und wenige empfindlich waren an Land. Ja Meerjungfrauen wie wir waren in der Lage uns auf Felsen empor zu rekeln, meines Gleichen liebten warme Felsen und wir lieben es, der Abendsonne auf ihrem Heimweg zu zu sehen.
Von uns gibt es sehr viele, wir gelten auch als das Feuer der Meere, meine roten Haare erinnern an orange farbene Flammen und sind gewellt. Sie reichen mir über meinen Oberkörper und streichen dabei leicht meine Brüste.
Wir Meerjungfrauen sind nackt. Wir mögen es nicht unsere Brüste ab zu decken, Menschen sehen das wohl anders.
Es gibt nichts shcöneres im Meer zu schwimmen und zu spüren, wie unsere Brüste sich auf und ab heben, so leicht und so zart.
Ich bin eine Meerjungfrau des roten Geschlechts, wir haben viele Farben, grau, weiß, grün, blau oder violett. Es gibt uns in schillernden Farben, matt oder glänzend. Unsere Hautfarben sind sehr unterschiedlich.
Natürlich aber geben wir uns zu gegebenen Anlässen mit Schmuck anderen preis. Gewiss bleiben wir dabei stets unter uns. Wir Meerjungfrauen haben es uns zum obersten Gesetz gemacht, den Menschen nicht unsere Existenz preis zu geben. Und doch gibt es einige Unglückliche unter uns, die sich unsterblich in sie verliebten.
Die Zeiten, in denen hungrige Piraten nach uns Ausschau hielten, ihr größtes Ziel uns zu entdecken und den Klängen unserer Stimmen zu lauschen- ach wie lang liegt das zurück.
Früher haben wir uns gerne den Menschen gezeigt, es war sogar ein gewisses Miteinander möglich, doch dann kamen andere Zeiten, die Gerüchte von unseren magischen Kräften und ein grausamer Wetteifer unter den Mannen, uns Meerjungfrauen zu töten. Mit Stolz besetzten sie sich ihre Kleider mit unseren Schuppen und trugen unsere abgetrenntne Flossen als Trophäen mit nach Hause.
Eine grausame Zeit, in jener ich geboren bin. Wir Meerjungfrauen haben es nicht leicht. Unsere Geburt ist schwierig, es heisst bei manchen wir werden aus den Tränen der Wellen geboren, wie das geschehen soll weiss ich nicht, ich glaube ja viel lieber, von meiner Mutter See geboren zu sein. Die Wahrheit ist, dass ich mich an meine Geburt nicht erinnere, doch das erste Leben von uns ist hart, wir sind zu Beginn unseres Daseins Einzelgänger, erst wennn wir erfahren genug sind mit den Meeren und das Gefühl wahrnehmen, eins mit den Meeren zu sein, sind wir bereit und stark genug uns anderen zu zeigen. Städte haben wir viele unter den Wellen verborgen, tief am Grund gibt es auch Städte.
Meine Lieblingsstadt, in welche ich mich gerne hinströmen lasse ist die Tiefseeschlucht Lacost de Tjerve. Der Name klingt komisch, soll aber aus irgendwelchen Sprachen von den ersten dort siedelnden Meerjungfrauen entstanden sein.
Wir Meerjungfrauen haben uns der Sprache der Menschen bemächtigt, doch haben wir allesamt auch eigene Sprachen, die Stimmen der Meere. Lacost de Tjerve ist eine Tiefseestadt und besteht aus einer mehreren Seemeilen langen Schlucht, die über 1000 Meter tief ist. In der Schlucht sind in die Felsen viele schöne Abrundungen, ein Wechselstrom von warm und kalt fließt dort durch und schleift über die Zeit alle Kanten fort. In manchen kleinen Buchtungen, leben wir und richten uns auch ein wenig häuslich ein.
Manche bleiben sogar über lange Zeit dort und es sollen sogar Freundschaften dort schon untereinander entstanden sein. Dies ist bei uns eher selten der Fall, wir sind gewöhnlich Einzelgänger, können uns aber an der Anwesenheit anderer unserer Art erfreuen.
Ich selbst kehre dort hin und wieder ein, ich habe weit unten am Grunde des Meeres eine kleine Lieblingshöhle, sie wird kaum von anderen bemerkt und ist über ein schmales Loch zugänglich. Die Höhle in den Felsen der Schlucht fällt kaum auf. Dort ziehe ich mich zurück und schlafe, wenn ich mal müde werde.
Ansonsten sind wir Meerjungfrauen überwigeend ein wanderndes Volk, soe wie die Wellen, Meeresströme stets in Bewegung sind, sind wir es auch. Wir warmen Meerjungfrauen im Westmeer legen weite Strecken zurück.
Nun liege ich hier auf dem Felsen, fern von meiner Lieblingsstadt Lacost de Tjerve. Ich bin auf meiner Reise. Auf einer von vielen meiner Reisen, welche ich nur noch erst erleben muss.
Jetzt sind die letzten Sonnenstrahlen untergetaucht und lassen mich auf dem noch warmen kupferfarbenen Felsen zurück. Meine feurroten welligen Haare wehen im Wind und ich nehme einen tiefen Atemzug- Seeluft, denke ich und shcließe für einen kurzen Augenblick entspannt meine Augen.
Wo will ich hin? Noch weiß ich nicht welchem Strom ich folgen soll. Ich habe Geschichten gehört von den Meerjungfrauen des Nordens. Ihre Haut soll grau bis weiß sein und ihre Flossen lang und schlank. Sie sollen auch zu den Matten gehören, keine glänzenden Farben, so wie wir. Ob ich den Strömen des Nordens gewachsen bin?
Wie gerne möchte ich anderes sehen und noch erleben, bin ich doch noch so jung, auch mit meinen Tausend Jahren.
Ich neige meine Flosse sanft über den Felsen und lasse mich seitlich von diesem hinab in die Wellen fallen.
Ah wie angenehm, meine Haut ist aufgeheizt von der Sonne und nun spüre ich sie wieder, meine Mutter See. Ganz um mich. Ich liebe es von ihr rund um eingehüllt zu sein.
Ich tauche tief, nur um mit einem kräftigen und peitshcenden Flossenschlag wieder rauf zu kommen. Mit Schwung springe ich aus den Fluten und stürze mich wieder in diese Hinein.
Ich schlage den Weg nach Norden ein und gliedere mich in eine nördlich führende Ströumung ein, tauche dafür ab und lasse mich im Meeresstrom nach Norden treiben.
Ich bin gespannt wo ich morgen sein werde. Wo mich dieser Strom hinführen wird? Ich mache mich auf, um die Meerjungfrauen des Nordens zu sehen und um die Welt des Nordens zu erkunden.
Die Straßen der See
Gleichmäßig schlage ich meine Schwanzflossen auf und nieder, lasse mich von diesem starken mächtigen Meeresstrom nach Norden ziehen. Auf meiner Reise haben sich noch einige andere dazu gesellt, gewaltige Schwärme von Meeresfischen, hier und da auch größere Kreaturen.
Noch bin ich umgeben von vielen verschiedenfarbigen Lebewesen, welche mit mir gemeinsam reisen. Doch ich weiss schon jetzt, viele von ihnen werden mir nicht die ganze Strecke folgen. Denn dort wo ich hin will, gibt es keine Wärme.
Warum ich mich auf diese Reise begebe, weiss ich noch immer nicht. Vielleicht hat mich die Lust gepackt andere Meerjungfrauen zu treffen, welche die sich mit der kalten Seite unsrer Mutter auskennen.
Unsere Mutter See hat auch eine grausame Seite, Furcht erweckend und mächtig. Hart wie Stein und kalt soll sie sein, ich dachte stets, unsere Mutter ist nur warm und birgt uns unter ihren Wellenkleid sicher und geschützt.
Doch dem ist so nicht.
Natürlich kenne ich die Stürme der Meere, ja unsere Mutter kann sehr aufbrausend sien und gewaltige Windstürme entstehen lassen. Auch hat sie den Menschen gegenüber schon ihre Grausamkeit gezeigt, viele Schiffe liegen am Grund.
Ich wage mich nicht an diese heran, denn es ist bekannt, dass man die Schreie der sterbenden Seemänner bis in alle Zeit dort hört. Gruselig finde ich und nein, auf solche Geistererfahrungen habe ich kein Verlangen.
Der Strom neigt sich in eine gewaltige Kurve, mehrere hunderte Meilen lang, ich lasse mich einfach treiben, drehe mich mit meinem Rücken zum Grund und schaue hinauf. Weit weit über mir kann ich erkennen, dass ein weiterer Tag zu Ende geht, die Farbe unserer Mutter verändert sich. Wir haben viele Farben, alle unsere Farben hat unsere Mutter See schon getragen.
Wir warmen Meerjungfrauen tragen Farbtöne unserer Mutter See, wenn die Sonnenstrahlen sie streicheln und begrüßen.
Meine roten langen weligen Haare wiegen sich in der Strömung, ich drehe mich wieder und schaue unter mir zum Grund, welchen ich in den Tiefen nicht ausmachen kann.
Der Strom führt uns durch ein Tiefseegebirge, jedoch fließt der Strom im oberen Abschnitt davon, unter Uns fließt ein mächtiger Gegenstrom, entgegengesetzt unserer RIchtung. Der kalte Arm des Nordens ist unter uns. Eisiges Wasser welches der Norden speist wird in unsere wamre Zone getragen, im Gegenzug greift unserer Arm, der warme Strom nach den Gletschern des Nordens, unser mächtiger Kreislauf der Erde.
Ich erweise dem mächtigem kalten Arm einen Moment lang Respekt, indem ich zu ihm hinab blicke und mich von seinem Gegenstrom weiter führen lasse.
Schaurige Kreaturen hausen in diesen Tiefen des Gebirges, dabei sind sie gar nicht so schaurig, wie Menschen es sich vorstellen. Neben einigen Riesenkraken und Laternenfischen, gibt es dort auch recht ansehnliche Geschöpfe, sie halten den Grund sauber und pflegen richtige Tiefseegärten. Menschen wissen ncihs von ihnen, doch es gibt sie, nur eben nicht so farbenfroh für Menschen, da dort unten das Sonnenlicht nicht hin reicht.
Doch wir Meerjungfrauen können die Farben noch erkennen, wir können auch in der tiefsten See noch gut sehen, wir erkennen eine Farbenpracht, denn die Farben, welche unsere Augen wahrnehmen können sind für Menschen nicht erreichbar mit ihrem Auge.
Das Gebirge ist tief und gewaltig, wenn ich so darüber nachdenke, ist es eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich in Jenes Gebirge abgetaucht bin. Es ist kühler dort unten und besitzt seine ganz eigene Magie.
Manche Meerjungfrauen berichten davon, dass in den Spalten der Tiefseegebirge hier Meermänner, Wassermänner hausen. Ich bin noch nie einem männlichem Exemplar unserer Art begegnet, doch weiss ich, dass es sie gibt. Ich vermute eher, dass die Meeresmänner sich an Küsten herumtreiben, an flachen Gewässern oder in Flüssen, um Menschenfrauen in die Tiefen der See zu locken. Diese sind auf dem offenen Meer nämlich nach wie vor seltener und schwieriger anzutreffen als die Männer.
Längst fahren mächtige Ozeandampfer mit Tausenden von Menschen über See, doch dies sind nicht die Schiffe, an welche wir heran kommen uns nicht ein Mal wagen würden. Wie gefräßige Räuber schneiden sie mit ihrem Bug und Heck durch das Wellenkleid unserer Mutter, angetrieben von mächtigen stählernen Blättern, die sich immerzu drehen. Von diesen Dampfern tönt laute Musik, strahlende bunte Lichter und hier und da sieht man, wenn man sich mit dem Kopf an die Oberfläche wagt am Abend über den Schiffen Feuerwerke.
Ach ja, die Menschen, was wissen sie schon über uns? Über die See? Während ich mit meinen Gedanken abschweife, folge ich unaufhörlich dem mächtigen Strom in Richtung des Nordens. Es ist überwältigend zu sehen, wie sich scharenweise ganze Schwärme verflüchtigen und aus dem Sog des Stromes drängen. Die Nacht bricht herein und meine Begleiter ändern sich, die Seemonster der Nacht erwachen, nun wagen sich auch die mächtigsten Urtiere der Tiefen hinauf, um jene kleinen zahlriechen Fische in Schwärmen zu jagen und zu vertilgen.
Mit den Geschöpfen der Nacht muss ich als warme Meerjungfrau respektvoll umgehen, mehr denn je, denn sie beherrschen die kälteren Gebiete, zwar nicht die eisigen Gebirge des Nordens, jedoch diese der Tiefsee. Lange würde von uns warmen Jungfrauen in diesen Tiefseegebirgen nicht aushalten, einfach weil uns das Sonnenlicht dort unten fehlen würde. Immerzu müssten wir hinauf schwimmen, um uns wohl zu fühlen. Glücklicherweise bin ich guten Wissens, dass auch im Norden wo es kalt ist, die Sonne am Himmel erscheint und dass ich gerade jetzt zur richtigen Zeit aufbreche, dies lässt sich leicht bei Nacht am Sternenhimmel ablesen, welche Zeit wir schreiben und in welchem Gebit wir uns befinden, ob nun in einer Sommer, Frühling- Herbst oder Winterzone, auch erkennt man dies leicht an den Inseln, um welche der mächtige Strom sich neigt.
Ich bin gespannt, welche Abenteuer mich noch auf meinem Weg zum Norden erwarten werden.