Eine Idee wird geboren
Seine Kleidung war schwarz, ließ seine Haut darunter noch blasser wirken, wie sie wahrscheinlich in Wirklichkeit war. Das Gesicht war halb von einer Kappe verborgen, unter dessen ein paar Strähnen von Silberhaar herauslugte. Wie gerne würde ich ihm doch diese hässliche Kappe abnehmen um dieses Haar, mit dieser ungewöhnlichen Farbe genauer ansehen zu können. Es war bestimmt schön und es absolut nicht wert, unter diesem hässlichen Ding versteckt zu werden. Doch werde ich sie wohl niemals von Nahem sehen können, wenn ich nur weiterhin hier oben stehe und ihn von meinem Platz aus am Fenster beobachtete. So sah ich ihm wieder bei seiner Arbeit zu, während sich in meinem Kopf eine Idee formte, die mich so schnell nicht wieder loslassen würde.
Ein Lächeln zuckte um meine Lippen, als mein Blick jeden seiner Bewegungen folgte und schnell an unanständige Stellen abschweiften, als er sich streckte, um im Inneren des Autos, nach einem Paket zu greifen. Dabei hatte er seinen Hintern so entzückend ausgestreckt, dass ich eine gute Aussicht darauf hatte und mich im Stillen ärgerte, dass ich nicht näher bei ihm stand, um mir auch diesem genauer ansehen zu können. Ich kicherte über meine ungezogenen Gedanken, schließlich kannte ich ihn nicht einmal. Dafür aber seinen Körper, den ich zwar oft genug bewundern durfte, aber mir irgendwie nie langweilig wurde. Was war es nur, das mich dieser Typ so anzog? Schließlich hatte ich ihn, trotz meiner ganzen Beobachtungen, noch nie von nahem sehen können. Vielleicht sah er ja aus wie Quasimodo und ich müsste ihn eine Papiertüte über den Kopf stülpen, wenn ich mit ihm Sex haben wollte, ohne gleich in Ekel auszubrechen. Sein Körper war ein paar Herpesbläschen auf jeden Fall wert.
Meine Mundwinkel zogen sich wie von selbst nach oben, als ich ihn dabei beobachtete, wie er wieder ins Auto stieg und vom Parkplatz fuhr. Es sollte eigentlich ein trauriger Moment für mich sein, eine Enttäuschung, wenn man so will. Doch keimte in mir eine Idee auf, die mich unbewusst grinsen ließ: Irgendwann wird er mein sein und mich nicht mehr so einfach verlassen.
***
Ich hatte es mir einfacher vorgestellt. Wesentlich einfacher. Schließlich waren es meine Freunde und Freunde waren ja schließlich immer für einen da, oder? Jedenfalls hatte ich es geglaubt, bis ich in das Gesicht des Rothaarigen blickte, der mich mit diesem zweifelnden Blick anschaute. Axel und zweifelnd? Was sollte das? Ich war in dem Glauben gewesen, dass er mir beistehen und mir helfen wollte, doch nun saß er mit seinem Freund auf der Couch und sie hatten denselben idiotischen Blick drauf, der mich so langsam richtig ärgerte. Das ging eine Weile so, bis Roxas demonstrativ seinen Kopf schüttelte und zu meinem Leidwesen den Mund öffnete. Ich wollte gar nicht hören, was er mir zu sagen hatte, schließlich war er so abartig vernünftig und sein blödes Seufzen konnte schon jetzt nichts gutes bedeuten. „Sora“, begann er ruhig, doch konnte ich deutlich diesen gereizten Unterton heraushören. „Es ist die wirklich dümmste Idee, die du jemals hattest!“
Und schon hatte ich meinen verbalen Faustschlag erhalten. Es war ein bisschen entmutigend, so huschten meine Augen etwas zu verzweifelt zwischen dem Paar hin und her, um ihre Reaktion zu sehen. Diese Reaktion fiel verschieden aus, so hatte ich einen kleinen Hoffnungsschimmer, als mein Blick bei Axel hängen blieb, der mich eher schmunzelnd betrachtete. Es war nicht dieses belustigte Schmunzeln, wie er es sonst immer tat, sondern eher ein beeindrucktes, was mich in meinem momentanen Zustand nur leicht überraschte. Schließlich war ich verzweifel und brauchte Hilfe. So stand ich vor ihnen, ausgeliefert und schutzlos und wartete ungeduldig ab, was sie mir als nächstes zu sagen hatten. Dabei machte mich diese ekelhafte Stille geradezu verrückt, zerrten noch zusätzlich an meinen Nerven, die schon angespannt genug waren. Axel schien es zu genießen mich zappeln zu lassen, so erweiterte sich sein Grinsen, als er mich so hibbelig sah.
Nach einer gefühlten Ewigkeit bewegte er sich endlich und klatschte seine Hände auf die Knie, wobei er dabei ein lautes Seufzen von sich gab. „Okay Sora, wir werden dir helfen“, sagte er schließlich. Meine Augen weiteten sich überrascht auf und mit einem erfreuten Quietschen hüpfte ich einfach auf seinen Schoß, um ihn jubelnd zu umarmen. „Danke Axel! Das werde ich dir nie vergessen!“ Axel lachte auf und klopfte mir auf den Rücken. „Ich weiß, Kleiner und ich werde mir noch was einfallen lassen, wie du mich dafür belohnen kannst.“ Ich wusste, er meinte es ernst und eigentlich sollte ich mir wohl darüber ernsthafte Sorgen machen, aber ich konnte einfach nicht. War viel zu aufgeregt und glücklich, um mich mit so was banales auseinander setzen zu können. Selbst Roxas` Grummeln neben mir überhörte ich einfach. Jetzt wird alles gut und bald würde ich nicht nur meine Wohnung mit dem süßen Postboten teilen, sondern noch viel viel mehr.
***
Natürlich musste es Kairi übertreiben. Wie sollte es auch anders sein? Nicht nur, dass sie überaus begeistert von meiner Idee war und ein entzücktes Quietschen ausstieß, das mir schon die Ohren klingelten, nein, sie musste auch alle anderen übertreffen und nun ja … es war viel, was an diesem Tag so eintraf. Dabei hatte ich meine Freunde extra gesagt, sie sollten es an verschiedenen Tagen machen, damit es nicht so auffiel. Schließlich sollte mein Lieblingspostbote keinen Verdacht schöpfen und vor allem, nicht mit Arbeit überhäuft werden. Nun gut, leider war das geschehen und so sah ich nur einen schiefen Turm aus Paketen, die er in den Händen hielt, als ich an diesem besagten Tag die Tür öffnete. „Pakete für Sora -“, brummte er hinter diesem Turm und versuchte auf seinen Klemmbrett zu schauen. Dies war aber unmöglich, da diese Hand nicht nur das Brett, sondern auch die Pakte festhielten und bedrohlich anfingen zu wackeln, als er es versuchte.
Ich sah es kaum, starrte nur auf seine Oberarme, unter dessen Haut ich ein wunderbares Muskelspiel verfolgen konnte, als er versuchte, den Turm nicht zum Einsturz zu bringen. Oh, er hätte ewig so weiter machen können, doch leider hörte ich es dahinter gefährlich knurren. Er mochte seine momentane Lage wohl gerade nicht so sehr. „Das bin ich!“, rief ich daher eilig aus. Wieder ertönte hinter dem Turm nur ein missbilligender Laut. Aber auch da störte mich nicht sonderlich, hörte es sich doch so dunkel an, irgendwie sexy. Jedenfalls reagierte mein Körper sofort darauf und ein angenehmes Kribbeln löste sich in meinem Bauch aus. Wenn der Typ genauso war wie seine Stimme, war ich höchst zufrieden.
Lange sollte das auch nicht mehr dauern, und in mir wuchs die Aufregung, als sich der Turm erneut bewegte. Diesmal, um es vor mir auf den Boden abzustellen. Ich konnte mir quasi dabei zusehen, wie meine Augen leuchteten, als ich ein bisschen von seiner blassen Haut erhaschen konnte. Nur ein Fitzelchen, aber es reichte aus, um mein Herz schneller schlagen zu lassen. Während er sich mit 'meiner' Bestellung abquälte, konnte ich meine Augen nicht von ihm abwenden, starrte ihn an und war einfach nur neugierig darauf, was er mir als nächstes Preis geben wollte. So bewunderte ich die silbernen Strähnen, die in feinen Linien seine Wangen streiften, der hübsch geschwungene Wimpernkranz, der leicht flatterte, als er sich bückte, um den Turm aus Paketen vorsichtig abzustellen. Leider verharrte er nicht lang genug in seiner gebückten Position, um seinen Rücken und den Hintern, der sich wunderbar in dieser Hose machte, zu bestaunen. Viel zu schnell richtete er sich auf und ich sog überrascht die Luft ein, als ich in sein Gesicht blickte.
Aus der Nähe war er noch viel schöner. Sein ebenmäßiges Gesicht verzog keine Miene, als ich ihn so offen anstarrte. Doch diese hellen Augen musterten mich aufmerksam, fuhren suchend mein Gesicht ab. In mir kribbelte es erneut, ob aus Aufregung oder Erregen, wusste ich dabei nicht mehr so genau. Jedenfalls brachte mich sein Blick in Aufruhr, versetzte mich in einer Benommenheit, die ich nicht kannte. Mein Mund war trocken und meine Zunge lag wie ein großer Klumpen darin und versagte einfach seinen Dienst. So konnte ich ihn nur mit großen Augen anstarren, während er schon einen Schritt weiter war und sich endlich bewegte. Selbst die waren schön und so geschmeidig. Wie machte er das nur?
„Ich brauche noch eine Unterschrift von ihnen“, hörte ich ihn sagen. Wieder diese dunkle Stimme, in der ein Hauch von Amüsement mitschwang. Es war mir egal, hörte es kaum. So nickte ich mechanisch, machte aber keine Anstalten mich endlich zu rühren, als er mir diesen Kasten hinhielt, wo ich drauf unterschreiben sollte. Ein kleines Lachen kam von ihm. Es hörte sich so toll an, ich möchte dieses Geräusch weiterhin hören, auch wenn es wohl mir und meiner Unfähigkeit galt. „Sora, ich brauche eine Unterschrift von ihnen.“ Diesmal kam es drängender, ungeduldiger. Erneut nickte ich und schaffte es tatsächlich, meine Hand zu nehmen und mit zittrigen Fingern meinen Namen auf dieser doofen Linie zu schreiben. Na ja, fast, denn mein Nachname wollte nicht so recht auf dieses kleine Feld passen. So musste ich am Ende doch etwas enger schreiben, damit er ganz rauf passte.
Schmunzelnd sah er sich mein Werk an und richtete seinen Blick wieder auf mich. Ich konnte nicht anders, als in dieses schöne, Türkise Blau zu schauen. Versank fast in dieser Farbe, die mich so an das Meer erinnerte. Ich wollte in ihr schwimmen, sehen, wie sich dieses Blau veränderte, sich den verschiedenen Emotionen anpasste, wenn wir … Bilder von verschlungenen Körpern tauchte vor meinen inneren Augen auf. Unsere Körper, die sich liebkosten, aneinander schmiegen und Dinge taten, die mir dann doch die Röte ins Gesicht trieb. Ich konnte deutlich spüren, wie meine Wangen heiß wurden. Mein Postbote bemerkte es, da war ich mir sicher, hatte er doch nie seinen Blick von mir abgewendet und schmunzelte nun noch mehr, als ich etwas verlegen zu ihm aufschaute. Doch er sagte nichts, lächelte mich nur an. Ich mochte sein Lächeln, war es doch nur für mich bestimmt. Für mich und sonst niemanden.
Ich konnte sehen, wie sich seine Lippen bewegten, konnte den Klang seiner Wörter hören, doch drangen sie nicht in meinen Verstand, um den Sinn zu verstehen. Dafür arbeitete mein Hirn zu sehr und schickten mir viel zu viele Bilder. Aneinander reihende Bilder von Lippen, die sich bewegten, miteinander spielten und Dinge taten, die mich ganz kribbelig werden ließen. Unbeholfen trat ich von einem Fuß auf den anderen, sah benommen dabei zu, wie er seine Hand hob und einfach aus meinem Blickfeld verschwand. Ein amüsiertes Lächeln auf seinen wundervollen Lippen. Ich starrte weiterhin auf den Punkt, wo er noch vor wenigen Sekunden stand, realisierte viel zu spät, dass er bereits gegangen war. Diese Erkenntnis traf mich, ließ mich traurig zurück. Ich hätte ihn gern noch weiterhin in meiner Nähe gehabt. War es doch das erste Mal, dass ich ihn so nah bei mir hatte.
Doch würde ich ihn schon bald wiedersehen können, schließlich war auf meinen Freunden Verlass und wenn sie ihre Bestellungen besser organisierten, würde es nicht nur bei dem einen Mal bleiben. Vielleicht wäre ich dann auch in der Verfassung, um mit ihm reden und ihn vor allem von mir überzeugen zu können. Bei unserem ersten Treffen hatte ich mich wohl eher blamiert und so sollte er mich keinesfalls in Erinnerung behalten! Als sabbernder und höchst einfältiger Trottel. Gut Sora, du hast es versaut, aber es gab ja noch ein paar Chancen, um diesen Eindruck ein für alle mal ändern zu können.
***
Es dauerte drei lange Tage, bis es erneut klingelte und allein dieses Geräusch mein Herz hektisch zum klopfen brachte. So stolperte ich fast über eines der Pakete, die ich achtlos auf den Flur abgestellt hatte, als ich eilig zur Tür lief, nur um kurz vor meinem Ziel noch mal inne zu halten und mich zu beruhigen. Schließlich wollte ich ja einen guten Eindruck machen und da war dieses Benehmen überhaupt nicht angebracht! Betont gelassen schwang ich also die Tür auf und da war er und brachte mich schon allein durch seine bloße Anwesenheit vollkommen durcheinander. Wie machte er das nur? „Ein Paket für sie, Sora.“ Täusche ich mich, oder sprach er meinen Namen betont deutlich aus? So hatte ich ihn jedenfalls noch nie gehört. So rau und irgendwie nach mehr klingend. Bei diesen Klang, flatterten Schmetterlinge in meinen Bauch und prallten im Blindflug an den Magenwänden ab. Selbst die schaffte er zu verwirren.
Ich nickte und streckte viel zu eilig meine Arme aus, damit er mir es geben konnte. Viel zu schnell, da meine Hände prompt auf seinen Bauch trafen, der sich ungewohnt hart unter dem Stoff anfühlte. Uh, das fühlte sich sehr viel versprechend an. Gern hätte ich es noch länger gefühlt, doch zog sich mein Oberkörper nach unten, sodass ich Probleme hatte nicht Kopfüber zu fallen, als was schweres in meinen Händen landete. Ich starrte auf die drei Pakete in meinen Armen, die ungewöhnlich schwer waren, dann auf meinen Postboten, der nur amüsiert grinste und ein äußerst vielsagenden Blick in seinen Augen hatte. „Tja, dem äußerst neutralen Aussehen nach zu urteilen, dürftest du mit dem obersten Paket sehr viel Spaß haben“, sagte er und zwinkerte mir schelmisch zu. Ich verstand nicht, was er mir damit sagen wollte. Verstand seinen Postmann Scherz nicht. So nickte ich nur verständnislos und brachte ihn damit erneut zum lachen.
„Deine Freundin und du, werdet damit sicherlich eine Menge Spaß haben.“
„Ich habe keine Freundin“, schaffte ich endlich einen Satz zu sagen und das nicht mal übel. Meine Stimme hielt, auch wenn sie doch etwas zu leise klang.
„So?“ Mein Gegenüber machte ein seltsames Gesicht. Freute es ihn nun oder eher nicht?
„Ja“, sagte ich tapfer und fügte dann schnell hinzu: „Und auch keinen Freund!“
War es hier wirklich so heiß oder war ich es nur, der so schrecklich unter diesem anzüglichen Blick von ihm schwitzte? „Okay“, meinte er gelassen und zupfte mit zwei Fingern an dem Schirm seiner Mütze. Dann lächelte er und war wieder verschwunden. Ließ mich ratlos zurück und alles noch mal Revue passieren, was gerade geschehen war. Immer wieder durchlief ich unser kurzes Zusammen treffen, fand aber keinen Inhaltspunkt, der mich davon überzeugen konnte, dass er mich auch nur ein kleines bisschen attraktiv finden könnte. Denn eigentlich hatte ich mich vor ihm nur blamiert. Also warum sollte er an mir interessiert sein? Seufzend trat ich mit der Fußspitze gegen das Holz der Tür. Ich musste es herausfinden!
***
„Na, wie läuft es mit deinen hübschen Postmann? Hast du ihn schon mit deinem Charme um den Finger wickeln können?“ Axels amüsierte Stimme ließ mich ein bisschen zusammen zucken und sorgte dafür, dass sich sein Gesicht zu einem misstrauischen Ausdruck veränderte.
„Du hast ihn doch schon ins Bett bekommen?“, hakte er viel zu skeptisch nach.
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Wenigstens mit ihm reden können?“
Diesmal nickte ich, auch wenn ich meinen unsicheren Blick kaum verbergen konnte.
Dies schien ihn wenigstens ein bisschen zu gefallen denn er machte einen anerkennenden Laut. „Gut, dann hören hoffentlich auch bald diese ganzen Bestellungen auf. Roxas ist im absoluten Kaufrausch und ganz begeistert davon, sich all die schönen Dinge bestellen zu dürfen.“
Ich sagte dazu nichts. Wieder ein Grund für Axel, um mich mit diesem Blick zu betrachten. Eine Mischung aus Argwohn und Misstrauen und so überhaupt nicht das, was ich jetzt gebrauchen konnte. Was erwartete er? Das ich ihn innerhalb von nur ein paar Tagen davon überzeugen kann mit mir ins Bett zu steigen? Wir haben uns gerade zwei mal gesehen und bei unserer ersten Begegnung hab' ich nicht mal meinen Mund aufbekommen.
Sein Seufzen holte mich aus meiner Gedankenwelt und ließ mich benommen zu ihm aufsehen. Geradewegs in diese grünen Augen, die mich nun prüfend musterten. „Du hast alle deine Freunde dazu angestiftet ihre Päckchen mit deiner Adresse zu versehen, damit du diesen Typen sehen kannst. So enttäusche uns nicht und vermassle es! Schließlich weiß jeder von uns davon und wir haben Erwartungen in dich gesetzt!“
„Ganz toll Axel, mach' mir auch noch Druck“, maulte ich.
Mein Freund gab mir ein wissendes Grinsen, dann zuckte er seine Schultern. „Tja, du hast damit alle verrückt gemacht, jetzt musst du wohl auch mit den Konsequenzen leben.“
Seufzend warf ich meine Serviette, mit der ich die ganze Zeit gespielt hatte, auf den Tisch. „Und was mache ich, wenn ich ihn nicht für mich gewinnen kann?“
„Dann hast du ein Problem und wirst wohl für eine Weile den Spott unserer Freunde ertragen müssen.“
Das sind doch mal ganz tolle Aussichten.
***
Habe ich eigentlich schon erwähnt wie toll meine Freunde waren? Sie waren einfach nur großartig. Besonders Demyx, der gegenüber seinen Freund steif und fest behauptete, unbedingt eine neue Sitar zu brauchen. Musiker eben, die verstand man eh nie so genau. Zexion jedenfalls, war strikt dagegen gewesen. Doch zu meinem Glück hörte Demyx kaum auf seinen Partner und so konnte ich mit leuchtenden Augen beobachten, wie sich mein Lieblingspostbote erneut mit einem besonders großen Paket abmühte. Ich liebte Demyx dafür, dass er so hartnäckig war und mir somit die Möglichkeit auf diesen leckeren Anblick ermöglichte. Doch noch mehr dankte ich der Sonne dafür, dass sie so heiß vom blauen Himmel schien und somit dafür sorgte, das mein Silberhaariger Held ins Schwitzen kam, als er sich mit meinem Paket abschleppte.
Ein feiner Schweißfilm hatte sich auf seine blassen Arme ausgebreitet, so glänzte seine Haut ein wenig und machte den Blick auf seine arbeitenden Muskeln besonders ansehnlich. Oh, wie ich dieses Schauspiel doch liebte! Besonders mit dem ächzen, das sich in meinen Ohren mehr nach etwas schmutzigen anhörte, als nach anstrengender Arbeit. Anstrengend war das, was er in meinen Gedanken machte auch – doch auf eine positive Art. Umso enttäuschter war ich, als er das Paket demonstrativ neben sich stellte und mich recht finster betrachtete. „Ein Paket für … ach scheiß drauf, sie kennen den Text“, brummte er. Automatisch zog ich meine Unterlippe vor und konnte dabei nicht verhindern, ein bisschen zu Seufzen. Irgendwie hatte ich gehofft, mehr von meinen Betrachtungen zu haben und vor allem, sie nicht ausgerechnet so enden zu lassen.
Lässig legte er seinen angewinkelten Arm auf das Paket, das nur ein wenig höher war als er selbst und musterte mich argwöhnisch. Ein Blick, der überhaupt nicht sexy war und unter dem ich mich doch ein kleines bisschen unwohl fühlte. Er war so streng, als würde er jeden Moment mit mir schimpfen wollen. Seinen aufeinander gepressten Lippen zu urteilen, musste er sich jedenfalls beherrschen, um mich nicht anzufahren. So stellte ich mich schon mal innerlich darauf ein, was als nächstes kommen würde. Und das war … nichts. Seine Augen behielten zwar ihren Ausdruck und ich konnte beobachten, wie er mehrmals tief ein- und ausatmete, aber es geschah nichts. Minuten vergingen in denen wir uns nur anstarrten, bis sich mein Postmann endlich bewegte und sich eine lange Haarsträhne aus der Stirn strich, die sich dort verirrt hatte. Eine schöne Geste, die ich staunend bewunderte.
Er sah meinen Blick und ich konnte deutlich sehen, wie sein Mundwinkel leicht zu zucken begann, als er sich von mir abwandte, um auf seinen doofen Kasten zu gucken und da irgendwas einzutippen. Dann hielt er mir das Gerät hin, damit ich meine Unterschrift darauf kritzeln konnte. Diesmal war sie leserlicher und ich blieb auf der Linie. Wenigstens ein kleiner Erfolg, auch wenn ich es wieder nicht schaffte, mehr als nur zwei Sätze mit ihm zu sprechen. Er aber auch nicht, wenn man mal von seinem abweichenden Standartsatz absah, den er jeden Kunden in korrekter Form entgegen brachte. Jeden, bis auf mir. Wieder war ich traurig, als er sein Gerät zurück an seiner Tasche hing und drauf und dran war zu gehen. Doch hielt er kurz in seiner Bewegung inne und schaute mich ein letztes Mal an. Seine Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Lächeln, was mich erneut zum schmelzen brachte.
„Was ist in diesem Paket drin?“ Seine Stimme klang leicht misstrauisch, aber auch irgendwie belustigt.
Ich konnte kaum atmen, schaffte es dann aber doch nach mehreren erfolglosen Versuchen „Eine Sitar“, heraus zu würgen. Ja tatsächlich, heraus würgen. Ich hätte es auch gern anders gemacht, männlich und sexy zum Beispiel. Aber irgendwie wollte mir meine Stimme einfach nicht gehorchen wollen. Erst recht nicht, als ich dieses merkwürdige Funkeln in seinen hellen Augen bemerkte.
„Und kannst du dieses Instrument auch spielen?“
Wie betäubt starrte ich in diese Augen und schüttelte kaum wahrnehmbar meinen Kopf. Ein wissendes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, dann holte mich ein dumpfes Geräusch aus meiner Benommenheit, als er mit seiner Hand auf meinen Paket klopfte. Nur schaffte es nicht, meine Zunge zu lösen, die wie immer, wenn ich ihn sah, wie ein Klumpen in meinem Mund lag und nicht fähig dazu war, was sinnvolles hervorzubringen. So musste ich tatenlos dabei zusehen, wie er hinter dem Ungetüm verschwand und somit auch aus meinem Blickfeld verschwunden war. Das nächste Geräusch war das zufallen der Tür, als er mich zum dritten Mal einfach so verließ.
Ein Unwetter zieht auf
Sie hatten eine Unwetterwarnung angesagt. Ich hasste Unwetter und noch mehr hasste ich Regen und Gewitter, welche aber leider nicht ausblieben, bei solchen Voraussagen. So musste ich wohl notgedrungen dabei zusehen, wie sich mein Wohnzimmer langsam immer mehr verdunkelte und ich bereits das erste grollen in der Ferne hören konnte. Dann setzte der Regen ein. Erst langsam und leise klopfte er an meine Fensterscheiben, wurde jedoch augenblicklich stärker, bis er trommelnd dagegen prasselte. Bei dem Geräusch versteckte ich mich in der tiefsten Ecke meiner Couch und zog mir die Decke bis zur Nase hoch. Nun hieß es abwarten bis diese gruselige Prozedur vorbei war und ich nicht bei jedem viel zu lautem Donner zusammen schreckte.
Ich zählte den Abstand in dem ein Blitz kam und ein weiterer Donner folgte. Zum einen um mich abzulenken, zum anderen, um einschätzen zu können, wie nah das Gewitter war. Zur Sicherheit hatte ich zuvor jedes elektronische Gerät aus gesteckt – man weiß ja nie. So erschrak ich fast tödlich, als mit einem erneuten Blitz, ein Geräusch dazu kam, das ich erst beim zweiten Mal als das Klingeln an der Tür identifizieren konnte. Wie erstarrt saß ich da, schaute zu, wie sich das Zimmer kurz erhellte und mir so die Sicht auf dem Flur gab, in dem ich bereits Schatten sah, die nicht sonderlich vertrauensvoll aussahen. Ich wollte nicht aufmachen, kam mir der Weg doch so elendig weit vor. Doch das Geräusch wollte einfach nicht aufhören und nervte mich. So wagte ich es doch noch mich zu bewegen und vorsichtig auf den dunklen Flur zu laufen. Nun fand ich meine Idee doch nicht mehr so gut, alle Sicherungen raus zumachen, konnte ich doch nur dann noch was sehen, wenn wieder ein Blitz meine Wohnung erhellte.
Mutig legte ich meine Hand auf die Klinke und drückte sie hinunter. Als sie leise aufsprang, gab sie die Sicht auf einen äußerst finster drein blickenden Postmann frei, der außerdem noch triefend nass war. Erstaunt starrte ich ihn für einen Augenblick an, hatte ich mit ihm doch so gar nicht gerechnet.
„Sie kennen den Text“, knurrte dieser leise und zeigte auf das kleine Paket in seinem Arm. „Machen wir es schnell, okay? Hier ist ihr Paket, also geben sie mir schnell eine Unterschrift.“
Er hatte bereits sein dummes Gerät gezückt, als ich endlich schaltete und die neue Situation richtig erfasste. So schüttelte ich nur entrüstet den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Es ist ganz nass“, warf ich ihm zusätzlich vor.
Ungläubig schaute mein Gegenüber mich an und zog eine seiner feinen Augenbrauen nach oben. „Ja“, gab er leicht gereizt zurück. Das könnte daran liegen, dass es draußen heftig regnet und ich es selbst bei dem kurzen Weg nicht geschafft habe, es trocken hier her zu bekommen.“
Vermutlich lag es nur an dem dummen Unwetter und den scheußlichen Geräuschen da draußen, dass ich diesmal vernünftig mit ihm reden konnte. Vielleicht auch einfach nur an der Tatsache, dass ich nicht mehr allein war und mich so ablenken konnte, in dem ich mit ihm ein wenig diskutierte. Es würde zwar nicht anhalten bis das Gewitter endlich aufhörte, doch ich nutzte die Gunst der Stunde, um ein wenig Zeit zu schinden und mit ihm zu reden. Was so eine Angst doch alles bewirken konnte.
„Dem Inhalt ist ganz sicher nichts passiert, so halten sie mich nicht auf und nehmen sie endlich dieses Paket an!“
„Das ist kein guter Kundendienst“, gab ich ungewohnt ruhig zurück. Ich war so verdammt stolz auf mich, dass ich so souverän mit ihm reden konnte! Ohne Verhaspeln oder seltsamen starren.
Mein Postmann sah es jedoch nicht so und schaute mich abschätzig an. „Es ist das freundlichste, was ich in diesem Moment aufbringen kann“, gab er durch zusammengepressten Zähne zurück.
„Warum? Sollten sie nicht in allen Situationen freundlich sein?“
„Ich bin durchnässt, sehr gereizt und mein letzter Kunde hält mich davon ab, endlich nach Hause gehen zu können. Wie können sie da von freundlichkeit sprechen?“
„Oh, ich -“ Ein tiefes Donnern ließ mich unweigerlich zusammen zucken. Es war so nah, dass ich ein bisschen sprang. Natürlich in die falsche Richtung, so trat ich unabsichtlich näher zu ihm heran und konnte bereits die Nässe von seiner Jacke auf meiner Haut fühlen.
Meine Wangen wurden ein bisschen warm, als ich bemerkte, wie dicht ich ihm war. Nur ein paar Zentimeter von seiner Brust entfernt und eine Mischung aus bitteren Regen und seinem Aftershave riechen könnend. Es benebelte ein bisschen meinen Kopf und ließ mich meine Gelassenheit verlieren. Verdammt.
„Sie haben Angst vor Gewitter?“, hörte ich seine tiefe Stimme viel zu nah an meinem Ohr. Ich antwortete ihm nicht, ließ seine Stimme einfach auf mich wirken. Ein Schauer, der über meine Wirbelsäule rann, als ich sie hörte.
„Nein, natürlich nicht“, schaffte ich es zu sagen, nur um ein weiteres Mal zusammenzucken, als ein Blitz den kleinen Flur erhellte und mir die Sicht auf ein kleines Namensschild offenbarte, die an seiner Brust prangte. Wieso fällt es mir erst jetzt auf?
Riku also. Ein schöner Name und irgendwie passend, fand ich. Ich mochte ihn jedenfalls.
„Gut, wenn sie also keine Angst vor Gewitter haben, warum haben sie sich dann an meiner Jacke fest gekrallt?“ Augenblicklich löste ich meine Finger von dem nassen Stoff und trat ein paar Schritte zurück. Oops, wie waren die denn dahin gekommen?
Während meine Wangen noch ein bisschen wärmer wurden, lachte er leise und zückte wieder sein Gerät, um es mir erneut hinzuhalten. Zuerst wusste ich damit nichts anzufangen, bis Riku endlich ein einsehen mit mir hatte und betont deutlich sagte: „Da müssen sie unterschreiben, Sora. So würden sie sich und mir einen großen Gefallen mit tun. Besonders mir, da es in den nassen Klamotten nicht sonderlich gemütlich ist.“
Leider bewirkte sein grantiger Ton nicht das, was er von mir verlangte und sorgte eher dafür, dass in mir eine spontane Idee aufkeimte. Sie könnte schief gehen (vermutlich tat sie das auch), aber ich wollte es wenigstens Versuchen. „Sie sollten nicht mehr fahren. Das ist gefährlich und ich kann einfach nicht zu lassen, dass sie in diesem kleinen Auto sitzen und ihnen was passiert. Mit dieser Schuld könnte ich einfach nicht leben und das wollen sie doch nicht, oder?“ So unschuldig wie nur möglich, schaute ich in sein misstrauisches Gesicht und klimperte mit den Wimpern. Eine Geste, die ihn zwar nicht überzeugte, aber doch überraschte. „Es ist nicht weit und ich bin schon öfter in solchen Unwettern gefahren.“
„Umso schlimmer!“, rief ich entrüstet aus. „Diese Menschen haben wohl kein Gewissen, wenn sie sie einfach so losfahren lassen, ohne an die Konsequenzen zu denken!“
„Sie wollen nur nicht allein sein.“
Dieser Vorwurf traf mich, doch fasste ich mich schnell wieder und legte betroffen eine Hand über mein Herz. „Ich bin nur ein besorgter Kunde!“, meinte ich unschuldig. „Was ist, wenn sie sich erkälten?“
„Dann kriegen sie von jemand anderem ihre merkwürdigen Päckchen“, brummte er unnachsichtig. Es sollte hart klingen, doch seine Mundwinkel zuckten ein bisschen, als würde sich jeden Moment ein Lächeln auf seinen Lippen zeigen.
„Sie sind nicht merkwürdig und ich will sie nicht von jemand anderem bekommen!“
Meine kleine Beichte brachte ihn dann doch zum schmunzeln und nachgebend steckte er sein Gerät zurück in die Tasche. „Gut, sie haben gewonnen, Sora, ich bleibe. Aber dafür möchte ich was warmes zum trinken und vielleicht noch was zu essen; Ich habe Hunger.“
„Oh, alles was sie wollen“, rief ich höchst erfreut aus und hielt in meiner Bewegung inne, als ich seinen wölfischen Blick sah. Etwas darin, löste ein Kribbeln in mir aus und eine seltsame Vorfreude machte sich in mir breit.
„Fangen wir lieber erst mal langsam an und belassen es bei den Dingen“, sagte er gelassen und schob mich sanft in die Wohnung. Ich selbst hätte es wohl nicht geschafft, war ich doch viel zu perplex über seine Wortwahl. So fand ich mich schon bald in meiner Küche wieder und schmierte eine paar Brote, während der Wasserkocher neben mir bereits brodelte. Riku war im Bad und duschte sich um seinen durchgefrorenen Körper ein bisschen zu wärmen. Er war rechtzeitig fertig geworden, als auch ich meine Tätigkeiten beendet hatte und schlürfte leise in die Küche.
Als ich seine Schritte hörte, drehte ich mich zu ihm um und verschluckte mich fast, als ich ihn nur mit zwei Handtüchern bekleidet vor mir stehen sah. Eins hatte er sich um seine Hüften geschlungen, das andere lag locker um seine Schultern.
„Ich hab ihnen doch ein paar Sachen von mir raus gelegt“, würgte ich entsetzt hervor.
Riku zuckte nur gleichgültig die Schultern und strubbelte sich durch das Silberhaar. Ich wusste nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Auf sein Haar, das ich zum ersten Mal richtig sehen konnte und ihm in weichen Wellen über die Schultern fielen, oder seinen blassen Oberkörper, der sich nun so verlockend vor mir offenbarte. Ich war vollkommen überfordert. Riku selbst schien es locker zu sehen und lief gelassen zu mir, nur um seine Hand neben mir auszustrecken und sofort nach einem der belegten Broten zu greifen, die ich für ihn gemacht hatte. Fassungslos starrte ich in sein zufrieden kauendes Gesicht, fixierte es regelrecht, um nicht woanders hinzuschauen.
„Sie sind zu klein, Sora“, gab er schlicht zurück und musterte mich von oben bis unten, um seinen Satz noch bedeutender zu machen.
„Ich habe aber nichts anderes.“ Bedauernd schaute ich in seine hellen Augen, in dem ein amüsierter Glanz zu finden war.
„Nicht schlimm.“ Er machte eine weitläufige Geste über seinen Körper. „Für die kurze Zeit werden mir ein paar Handtücher auch reichen.“
„Kurze Zeit?“, fragte ich und konnte meine Enttäuschung kaum verbergen. Er dachte schon ans gehen? Dabei war er doch gerade mal ein paar Minuten hier.
„Ich vermute, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sich das Gewitter ganz verzieht. Hörst du? Das Donnern ist schon leiser geworden und die Blitze weniger.“ Er zeigte zum Fenster und als ich seinem Hinweis folgte, konnte ich tatsächlich sehen, wie es am Himmel heller wurde. Auch das Zimmer war nicht mehr so dunkel und man konnte wieder was sehen. Ihn sehen. In seiner ganzen, fast nackten Pracht, die bald vorbei sein könnte, wenn er Recht behielt.
Trotz meiner Nervosität wollte ich nicht, dass er ging. Er sollte bleiben und mich weiterhin so schön mit seiner Anwesenheit verwirren. Vielleicht konnte ich ja so lernen mit ihm zu reden, ohne gleich ins Stottern zu geraten und ihn so von mir überzeugen. Ein Mann, der klar und flüssig sprechen konnte, machte doch Eindruck, oder? „Was ist das nur mit dir?“, schreckte mich nun seine Stimme auf. Blinzelnd schaute ich ihn an, als mein Blick wieder klar wurde und ich seinen belustigten Ausdruck wahr nahm.
„Was genau?“, fragte ich verwirrt.
Lässig stützte er sich mit dem Ellenbogen an der Arbeitsfläche ab, um auf meine Höhe zu kommen und mir so in die Augen sehen zu können. Viel zu nah war er mir dabei.
„Deine Art. Du wirkst so Geistesabwesend, als wärst du andauernd mit deinen Gedanken ganz woanders.“
Ich fand mich ganz normal. Nur in seiner Anwesenheit, mutierte ich zu einem kleinen Neandertaler. Vielleicht sollte ich ja meine Keule rausholen und ihn damit auf den Kopf schlagen. So hatte ich ihn immer bei mir und er sagte nicht mehr solche scheußlichen Dinge wie, dass er gehen wollte.
„Siehst du, du tust es schon wieder.“ Er lachte leise und griff nach dem Teller mit den Brot, um es leichthin an mir vorbei zu tragen. Benommen folgte ich ihm wenige Sekunden später ins Wohnzimmer, wo er sich bereits auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Auf seinen Schoß lag der Teller mit den Broten, wovon er sich erneut eines genommen hatte und nun genüsslich kaute. Scheu setzte ich mich neben ihn, darauf achtend, genügend Platz zwischen mir und ihm zu lassen.
Eine Weile saßen wir nur schweigend nebeneinander, die Stille, die mich mehr nervös machte, als das dumpfe Poltern außerhalb dieser Wände. Das Gewitter zog sich tatsächlich zurück, doch war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das auch wirklich wollte. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn, schielte so unauffällig wie möglich über seinen Körper. Bewunderte die straffe Haut und seine Muskelösen Arme, wenn er sie bewegte, um einen weiteren Biss von seinem Brot zu nehmen. Scheinbar wusste er nicht mal, was er mir damit antat. Aber vermutlich war es auch besser so, da ich mich so auch nicht vor ihm blamieren konnte.
„Du starrst, Sora“, meinte er nach einer Weile.
Mist, erwischt! Schnell wandte ich meinen Blick ab und starrte stattdessen auf meine Hände. „Nein, tue ich nicht!“
Meine patzige Antwort brachte ihn zu einem leisen Lachen. „Doch, tust du! Warum machst du das?“
Diese direkte Frage ließ mich wanken, wusste ich doch einfach keine gute Antwort darauf. So hielt ich lieber meinen Mund und versuchte nachzudenken, was ich am besten sagen konnte.
So lange, dass Riku erneut was sagte: „Also? Meinst du nicht, dass du mir einiges zu erklären hast?“
„Es gibt keinen Grund dazu“, meinte ich kleinlaut.
Er machte einen missmutigen Laut und entsetzt musste ich mit ansehen, wie seine Hand kurz vor meinem Sichtfeld auftauchte und sich unter meinem Kinn legte, um es etwas anzuheben. So musste ich wieder aufsehen, unmittelbar in sein Gesicht. Ich schluckte, löste seine Berührung doch ein eigenartiges Kribbeln in mir aus. So konnte man doch einfach nicht denken! „Also gab es für diese ganzen Bestellungen keinen speziellen Grund?“, hakte er nach. Ich konnte nur mechanisch meinen Kopf schütteln, senkte schnell meine Lider, da ich seinen intensiven Blick nicht länger stand halten konnte. Er seufzte. Klang es irgendwie enttäuscht? Vermutlich nur Einbildung. Seine Finger lagen noch immer auf meinem Kinn, als er meinen Kopf sacht drehte, sodass ich mich mit den Anblick der vielen Pakte konfrontiert sah, die noch immer in meinem Wohnzimmer herum standen. Meine Freunde hatten sie noch immer nicht abgeholt, so hatte ich sie erst mal hier gelagert. Natürlich hatte ich Dummkopf sie vergessen, als ich Riku in meine Wohnung einlud.
„All die Pakte waren also nur für dich?“, erkundigte er sich erneut. Diesmal klang seine Stimme nachdrücklicher, als würde er sicher gehen wollen, dass er richtig gehört hatte.
Als würde mich jemand lenken, nickte ich benommen. Für etwas anders war ich einfach nicht fähig. So saß ich nur stumm und mit gesenkten Kopf da, als er seine Hand von mir nahm und seufzte. Ich hörte und spürte, wie er aufstand, sich von mir weg bewegte und in einem anderen Raum verschwand. In meinem Kopf schrie alles danach ihn zu folgen, doch war ich zu gelähmt, um irgendwas zu machen.
Mein Herz schlug wild in meiner Brust, als ich endlose Minuten später wieder Geräusche hörte. Es waren Schritte und sie kamen eindeutig aus dem Flur. Er ging, das wusste ich und wahrscheinlich sollte ich aufspringen und ihn davon abhalten. Doch ich tat es nicht, blieb wie versteinert sitzen und ließ es einfach zu, dass die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Das Geräusch löste mich aus meiner Erstarrung und so ließ ich traurig meinen Kopf hängen. Ich war so ein Idiot.
eine neue Wendung
„Du bist so ein Idiot!“, schimpfte Axel aufgebracht. Er hatte Recht, doch taten seine Worte trotzdem weh. Warum musste ich ihm auch von dem Vorfall erzählen?
„Zuerst machst du alle verrückt damit und dann versaust du so eine Chance! Das gibt es doch nicht! Sora, wie dumm muss man eigentlich sein!“
„Er hat es nicht versaut, Axel“, versuchte Roxas zu vermitteln. „Es wird noch viele Chancen für ihn geben, schließlich können wir doch einfach weiter machen und Sora wird irgendwann mutig genug sein und alles zugeben.“
Eigentlich waren die beiden nur zu mir gekommen, um sich ihre Pakte abzuholen. Aber natürlich konnte Axel seine Neugier nicht zurückhalten und wollte wissen, wie es zwischen Riku und mir lief. Er ließ nicht so lange locker, bis er wirklich jedes Detail rausbekommen hatte – somit auch, wie ich ihm einfach gehen ließ, als er mir diese Fragen stellte. Nun war er wirklich sauer auf mich und ließ sich nicht mal von Roxas beruhigen, der wirklich sein Bestes gab, um sein aufbrausendes Gemüt zu besänftigen. So fuhr er wütend zu seinem blonden Freund herum, als er das sagte und zeigte anklagend auf mich. „Nicht so eine, Rox! Riku hatte ihm eine klare Frage gestellt. Er hätte nur ehrlich darauf antworten müssen, und sie hätten jetzt vermutlich schon irgendwelche Dates oder Sora könnte wenigstens sagen, dass er richtig gut durchgevögelt wurde! Und was macht er am Ende wirklich? Steht hier und erklärt uns, dass seine Aktion umsonst war und er es komplett versaut hat!“
„Beim nächsten Mal wird er -“
„Es wird kein nächstes Mal geben, Rox“, entschied er böse. „Wie lange sollen wir das denn machen, bis endlich mal was passiert? Es ist doch sinnlos – er ist sinnlos!“
Es tat so unendlich weh, ihn so zu hören. Doch änderte es leider nichts an der Tatsache, das er Recht hatte. Ich hatte es versaut und konnte mir auch so nicht mehr vorstellen, ihn noch einmal zu begegnen. Vermutlich war es somit wirklich besser, wenn wir die Aktion einfach abbrachen und den Vorfall einfach vergaßen. Es brachte sowieso nichts, wenn ich mich so dumm anstellte und nicht mal dazu fähig war, eine einfache Frage zu beantworten. Somit hatte ich es wohl auch einfach verdient, allein zu bleiben. In meinen trüben Gedanken sah ich eine Hand auftauchen. Es war Roxas, der mich mit einem liebevollen Lächeln dazu bringen wollte, zu ihm zu kommen. Ich tat ihm den Gefallen, auch wenn ich mich so weit weg wie möglich von Axel auf die Couch setzte, der sich noch immer nicht beruhigt hatte. Zum Glück saß Roxas zwischen uns und hielt nun meine Hand.
Diese kleine Berührung und das er mich vor Axel beschützte war ein kleiner Trost für mich, doch konnte er mich leider nicht vor meinen eigenen Gedanken bewahren, die mich noch immer mit Axels Stimme einen Idioten schimpften. Irgendwann war er mit ihm gegangen und in den nächsten Tagen kamen noch weitere Freunde, die ihre Päckchen abholten. Bald gab es nichts mehr, das mich an diesem Vorteil erinnerte. Jedenfalls nicht im visuellem Sinne. Mein Hirn vergaß nicht und es würde wohl lange dauern, bis ich meine Tat vergessen konnte.
***
Ein stürmisches Klingeln holte mich aus meinem Schlaf. Für einen kurzen Moment glaubte ich sogar, es wäre Riku. Mein benebelter Verstand zwang mich einfach zu dieser absurden Annahme. So schlug mein Herz wild und voller Vorfreude, als ich mit schlürfenden Schritten zur Tür ging. Doch als ich sie öffnete war da kein Riku, sondern Axel, der mich mit einem breiten Grinsen musterte. In seinen Augen war ein vielsagender Blick und in den Händen hielt er ein kleines Paket. Das Paket, das Riku als letztes lieferte. Für einen Moment starrte ich ihn nur ungläubig an. Zeit genug für Axel, um sich einfach an mich vorbei zu drängen und sich somit selbst einzuladen. Zielstrebig steuerte er das Wohnzimmer an und griff auf den Weg dahin nach meinem Arm. Stolpernd folgte ich ihm notgedrungen und wurde grob auf die Couch gedrückt. Dann setzte er demonstrativ das Paket auf den Tisch und zeigte darauf.
„Mach auf“, forderte er und wirkte dabei so ungewohnt aufgeregt.
Misstrauisch blickte ich zwischen ihn und dem unschuldig aussehenden Päckchen hin und her. „Woher hast du das?“
Seufzend rollte Axel seine Augen. „Frag nicht so viel, mach das verdammte Päckchen auf!“
Diesmal war seine Stimme fordernder und etwas sagte mir, dass ich seiner Bitte lieber folgen sollte. So richtete ich mich auf und zupfte den Klebestreifen ab, dass der zerbeulte Pappkarton verschloss. Scheinbar war ich dabei viel zu langsam, denn mein Freund machte immer wieder irgendwelche ungeduldige Laute und konnte es kaum erwarten, bis ich es endlich öffnete. Als ich es dann endlich schaffte und in das Päckchen hinein sah, weiteten sich meine Augen vor Überraschung. So zog ich mit offenen Mund zwei kleine Figürchen heraus. Die eine war ein kleiner Postmann mit winzigen Hütchen und einem ebenso winzigen Kästchen in der Hand, das andere war eine einfache Figur, mit einem Lächeln und wilden braunen Wollhaaren. Ich war gerührt, auch wenn ich noch nicht ganz deuten konnte, was es damit auf sich hatte. So sah ich noch mal in das Päckchen hinein und fand dort eine kleine Notiz, die ich aufmerksam zu lesen begann:
Da ich annehme, dass du meine Hinweise noch immer nicht verstanden hast, versuche ich es auf diese, bildliche weise und habe dir zwei Püppchen ins Paket gelegt, die verdeutlichen sollen, wie ich über dich denke.
Schau in das Päckchen des Postboten hinein und du wirst hoffentlich verstehen. Wenn nicht, habe ich wohl deine Reaktionen und dein Handeln falsch interpretiert und das alles hier war umsonst gewesen.
Nur glaube ich, dass dein Benehmen doch eindeutig war und ich mich diesbezüglich einfach nicht täuschen kann.
Ich werde ja sehen, wie du dich entscheiden wirst, wenn du das Päckchen endlich in deinen Händen hältst.
Riku
Ungläubig blinzelte ich den kleinen Zettel an und musste erst mal verarbeiten, was darin stand. Als endlich die Erkenntnis kam, bildete sich auf meinen Lippen ein dummes Grinsen. Es war eine Nachricht von Riku! Mein Herz machte kleine Hopser bei dieser Tatsache, während meine zittrigen Finger schon längst nach der kleinen Postbotenpuppe griffen. So vorsichtig wie nur möglich öffnete ich den winzigen Karton in seinen Händchen und pulte einen weiteren kleinen Zettel hervor. Aufgeregt öffnete ich ihn und starrte mit offenen Mund zu Axel auf, der mich die ganze Zeit beobachtet hatte und nun zufrieden nickte. „Eine Telefonnummer“, japste ich verblüfft. Eine eigenartige Unruhe breitete sich in meinem Körper aus bei dieser Erkenntnis. Nie hätte ich geglaubt, dass Riku so was machen würde!
„Ja, und diese wirst du auch sofort anrufen!“, bestimmte Axel nun mit strengen Blick.
„Jetzt?“
„Ja.“
„Aber -“, versuchte ich mich zu wehren, doch er schüttelte nur nachdrücklich seinen Kopf.
„Nichts aber. Du wirst anrufen, damit dieses ganze Chaos ein Ende hat und ich mir nicht mehr ständig dein herum Geheule anhören muss!“
„Aber“, versuchte ich es wieder, doch er drückte mir stattdessen nur das Telefon in die Hand.
„Ruf` ihn an! Jetzt, und ich werde dabei sein, damit du es auch wirklich tust. Keine dummen Ausreden mehr!“
„Aber ich will nicht, dass du dabei bist!“
Axel verdrehte nur die grünen Augen und nahm mir einfach den kleinen Zettel aus der Hand. Dieser Verräter tippte einfach die Nummer in das Telefon ein und war höchst zufrieden, als das Freizeichen ertönte. Elend lange Sekunden verstrichen, als er auf eine Meldung von Riku wartete. Axel blieb ruhig, seine Augen prüfend auf mich gerichtet, während seine Hand sich fast schmerzhaft um meinem Arm legte, als ich einen Fluchtversuch wagte. Das war viel zu surreal, ging mir alles viel zu schnell. Was sollte ich nur sagen, wenn er sich wirklich endlich mal meldete? Sinnvolle Dinge würden es wohl nicht sein, denn mein Kopf war dazu einfach nicht mehr fähig. Er war viel zu schockiert, um irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Ich würde mich doch eh nur wieder blamieren und dann war es ganz vorbei. Riku würde mich dann ganz abschreiben und mich wahrscheinlich für einen kompletten Trottel halten! In seiner kleinen Nachricht hatte er ja schließlich schon so was angedeutet …
Als ich dann wirklich Axels Stimme hörte, schreckte ich zusammen, konnte ihn nur fassungslos anstarren, als er so lässig neben mir stand und ganz locker die momentane Situation erklärte. Ich bewunderte ihn dafür, starb ich selbst doch gerade einen qualvollen Tod, obwohl mir mein Herz etwas anderes weiß machen wollte. Es beschleunigte sich sofort, machte kleine Saltos und drohte mir damit, aus meiner Brust springen zu wollen. Doch das durfte es nicht, so legte ich meine Hand darüber, um es daran zu hindern. „Ja, er ist hier neben mir“, hörte ich meinen Freund nun mit einem belustigten Unterton sagen. Um es zu verdeutlichen, hielt er unsere Arme hoch, obwohl er es ja eh nicht sehen konnte. „Er brauchte einfach einen kleinen Schubser in die richtige Richtung, sonst wird das ja nie was.“ Er lachte über etwas, vermutlich über einen Kommentar von Riku. Wahrscheinlich fand er es lustig, dass sich mein Freund meldete und ich nicht persönlich am Telefon war. Machten sie sich über mich lustig? Über den unreifen Sora, der nicht mal selbst mit seinem Schwarm sprechen konnte? Der Gedanke ließ mich ganz schlecht werden. Doch blieb mir keine Zeit um zu protestieren, denn wieder sagte Axel irgendwas und reichte mir einfach den Hörer. So unerwartet, dass ich ihn fast fallen gelassen hätte.
„Sora, bist du dran?“, fragte er nach einer Weile, in dem ich nur krampfhaft den Hörer festhielt und nichts sagte. Seine Stimme klang ein bisschen ängstlich.
„Ja“, kam es gequält von mir zurück, nachdem mir Axel mit Mimik und Schubsern klar gemacht hatte, dass ich endlich, was sagen sollte.
„Gut.“ Er klang erleichtert. „Also, waren meine Interpretationen falsch oder hast du wirklich Interesse an mir?“
Ich schluckte hart, und das lag nicht nur an seiner Direktheit, sondern auch, weil Axel das Telefon auf Lautsprecher umgestellt hatte, damit er unser Gespräch verfolgen konnte. Zusätzlicher Druck – na danke auch!
Irgendwie wurde mein Mund ganz trocken und mein Hirn spinnt rum, bei dieser ganzen Überforderung. Schließlich war es schon schwer genug seine Stimme zu hören und diese warnenden grünen Augen ertragen zu müssen, da konnte ich nicht auch noch auf seine Frage eingehen! Das war einfach unmöglich! So konnte ich erst etliche Sekunden, und einem erneuten Rippenstoß später, mit einem krächzenden „Ja“ antworten. Mehr bekam ich einfach nicht raus.
„Ja, meine Interpretationen waren falsch, oder ja, du hast wirklich Interesse an mir?“, hakte er diesmal hörbar belustigt nach. Natürlich kannte er die Antwort bereits und wollte mich nur ein bisschen ärgern. Nur war ich viel zu verwirrt, um es bewusst zu merken.
„Das letztere“, gab ich verlegen zu. Irgendwie war meine Stimme dabei viel zu leise, sodass ich schon befürchtete, er hätte es nicht richtig verstanden.
Aber er tat es, und er klang irgendwie erleichtert, als er weiter sprach: „Gut, dann können wir uns also treffen?“
Hilflos sah ich zu Axel auf, der nur seine Augen verdrehte und dann nickte. „Natürlich willst du!“, raunte er mir gereizt zu. Das ihn dabei auch Riku hören konnte, war ihm scheinbar egal.
Empört zog ich den Hörer von ihm weg und drehte mich von ihm weg. Dabei war das olle Plastikding wie mein rettender Anker, als ich beide Hände darum klammerte und ein weiteres „Ja“ hinein flüsterte.
Diesmal lachten beide über mich. Ein Klang, bei dem ich am liebsten den Hörer fallen gelassen und die Flucht ergriffen hätte. Nur hielt mich seine Stimme zurück, die diesmal so freundlich und überaus erfreut klang.
„Okay, dann hoffe ich nur, dass du bei unserem ersten Date ein bisschen gesprächiger sein wirst. Schließlich wollen wir uns ja kennenlernen.“
Meine Augen wurden groß. Ein Date! Er hat es tatsächlich als ein Date bezeichnet! In meinem Bauch kribbelte es unaufhörlich bei dieser plausiblen Tatsache.
„Oh, wünsch` dir das besser nicht, Riku. Sobald ihr euch besser kennenlernt, wird er seinen Mund nicht mehr zubekommen!“ Riku lachte über seinen Kommentar, während ich ihm nur einen bösen Blick zuwarf. Das war doch keine gute Werbung für mich! Was soll er denn bitte schön von mir denken?
„Hör` bitte nicht auf den Idioten, Riku“, bat ich aufgebracht. „Er ist ein Idiot, aber das wirst du bald selbst erfahren!“
„Alles der Reihe nach“, gab er ruhig zurück und brachte mich auf erschreckender weise dazu, über meine eigenen Worte nachzudenken. Es klang nach Zukunft und mehr. So sah es wohl auch Riku, als er sagte: „Erst mal möchte ich dich näher kennenlernen, dann können wir dazu übergehen, dass du mir deine Freunde vorstellst.“ Ich nickte dämlich, bis mir auffiel, dass er es gar nicht sehen konnte. Axel lachte amüsiert im Hintergrund über meine kleine Dummheit, während ich einen zustimmenden Laut ins Telefon machte. Dann wurde es erneut still zwischen uns, bis Riku nach einer Weile seufzte. „Okay, und damit wir nicht weiterhin auf der Stelle trampeln und nichts passiert, sage ich einfach mal, dass ich dich am Samstag so gegen sieben Uhr abholen werde. Bis dahin möchte ich keine seltsamen Ausreden oder sonst was von dir hören, okay?“
„Okay“, presste ich furchtbar nervös hervor.
„Ich werde schon dafür sorgen, dass er pünktlich und ausgehfertig vor der Tür steht, Riku, keine Sorge“, mischte sich nun auch noch Axel ein und warf mir einen strengen Blick zu.
Er hielt sein Versprechen und kam mit Roxas an dem besagten Samstag viel zu früh, damit sie mich beraten und vielleicht auch bewachen konnten, damit ich wirklich keinen Rückzieher machen konnte. Im Nachhinein war ich ihnen wirklich dankbar dafür.
***
Grummelnd schmiegte ich mich in meinen Kissen, wollte weder meine Augen öffnen, noch aus meinem kleinen Traumland erwachen – und ich hatte so wunderbar geträumt. Doch das Klingeln an der Tür war unbarmherzig und zwang mich dann doch dazu, mich aufzurappeln und mich aus dem Bett zu bewegen. Halb blind, da mich die Müdigkeit noch nicht verlassen wollte, schlürfte ich zur Tür und öffnete sie mit unbegeisterten Gesicht. „Guten Morgen, Sora“, wurde ich betont freundlich begrüßt und erwiderte den Kuss nur halbherzig, der mir auf den Mund gedrückt wurde.
„Morgen“, brummte ich ihm entgegen, während ich grinsend von oben bis unten gemustert wurde.
„Du bist so schrecklich nach dem aufstehen“, stellte er amüsiert fest.
„Du solltest auch langsam wissen, dass ich es einfach nicht mag, so früh geweckt zu werden.“
Mein Postmann gab mir einen spöttischen Blick und hielt ein paar Briefe hoch, als würde es etwas Besonderes sein, dass er die in den Händen hielt. „Aber ich hab Post für dich!“, beharrte er und kam ein paar Schritte auf mich zu, um mir mit der freien Hand unter das Kinn zu fassen und mich so dazu zu bringen, zu ihm aufzusehen. „Außerdem mag ich dein verschlafenen Anblick. Er ist niedlich.“ Ich schnaubte, fühlte ich mich doch weder niedlich, noch irgendwie ansehnlich. Trotzdem ging ich auf seinen Kuss ein, bewegte meine Lippen gegen seine und spürte auch schon wieder dieses vertraute Kribbeln in meiner Magengegend, als er mit seiner Zunge über meine Unterlippe fuhr. Ich mochte das Gefühl, welches er mit nur einem einzigen Kuss in mir auslösen konnte.
„Trotzdem hättest du sie mir auch später geben können“, maulte ich trotzig.
„Aber dann würde ich auch erst später erfahren, was sich in diesem Umschlag befindet.“
Er hielt mir den besagten Umschlag vor die Nase und machte ein enttäuschtes Gesicht, als ich ihn einfach aus seiner Hand riss. „Das ist eine Überraschung, die du noch gar nicht sehen darfst!“
„Nicht?“ Nun war er wirklich neugierig und betrachtete erst den Umschlag, dann mich argwöhnisch. „Dann hättest du ihn wohl nicht mit der Post verschicken sollen.“
„Es ging nicht anders“, gab ich schlicht zurück.
„Okay“, sagte er und kam dabei meinem Gesicht immer näher. Ich konnte seinen Atem hauchzart auf meine Wange spüren, als seine Lippen meine Haut streiften. „Und wann werde ich sie sehen dürfen?“
„In ein paar Tagen.“ Schnell trat ich ein paar Schritte zurück, damit er nicht weiter gehen konnte. Schließlich wusste er ganz genau, dass er mich auf diese Art rum kriegen konnte. Böser Riku! Sein Gesicht nahm einen erstaunten Ausdruck an und erneut versuchte er nach mir zu greifen. Ich wich ihm aus und schaffte es sogar, ihm in die Augen zu sehen, ohne gleich wieder schwach zu werden. „Bis dahin musst du dich wohl noch ein bisschen gedulden.“ Warnend hob ich meinen Zeigefinger nach oben, als er meinem Gesicht bedrohlich nahe kam. Ein seltsames Funkeln lag in seinen Augen, als er schmunzelnd meine Lippen mit den seinen einfangen wollte. Schnell wurde sein 'Angriff' geblockt und ich wandte meinen Blick von ihm ab. Seufzend vergrub er stattdessen seine Nase in mein Haar und ich konnte hören, wie er den Duft einatmete – jedenfalls hoffte ich, dass ich gut roch.
„Was ist an diesem Umschlag so besonders? Schließlich steht doch nichts wichtiges an, oder?“ Es fiel mir schwer mich zu konzentrieren, wenn er so an meinem Ohrläppchen knabberte. Doch irgendwie schaffte ich es dann doch, mein Seufzen nicht so enttäuscht klingen zu lassen, als er das sagte. Zum Glück merkte er davon nichts, dafür war er viel zu sehr mit meinem Hintern beschäftigt, den er nun ausgiebig massierte und es ihm schon bald nicht mehr nur genügte, ihn durch den Stoff zu berühren. Unglaublich langsam, verschwanden seine Hände in meinen Shorts und entlockten mir ein heiseres Seufzen, als sie meine nackte Haut berührte. „Ich könnte meine Pause ein bisschen vorverlegen“, schnurrte er rau in meinen Ohr. Ich konnte nicht mehr antworten, da er mich einfach zurück in die Wohnung schob. Axel hatte Recht, gut durchgevögelt wurde ich ziemlich oft.
***
Ich war so verdammt aufgeregt, sah mich immer wieder im Wohnzimmer um und kontrollierte, ob ich auch nichts vergessen hatte. Alles sollte perfekt sein, wenn er kam. Wenn er denn endlich mal auftauchte. Unruhig schaute ich auf die Uhr und verzog unglücklich das Gesicht. Er war schon viel zu spät, seine Schicht müsste doch eigentlich schon längst vorbei sein. Wie konnte er es nur wagen, ausgerechnet an diesem speziellen Tag zu spät zu kommen? Langsam wurde ich wütend, wütend und enttäuscht darüber, dass er diesen speziellen Dienstag einfach nicht ernst nahm. Diese Gefühle wurden stärker, je länger ich auf ihn warten musste. Dementsprechend war auch mein Gesichtsausdruck, als ich endlich seinen dummen Schlüssel klappern und seine Schritte hören konnte, die unmittelbar im Wohnzimmer endeten. Wenigstens hat er den Weg hier her gefunden.
Sein überraschter Ausdruck hob dabei auch nicht gerade meine Stimmung, als er seinen Blick durch den Raum wandern ließ und schlussendlich an mir hängen blieb. „Gibt es was zu feiern?“, erkundigte er sich höchst ungläubig.
Mein finsterer Blick war ihm hoffentlich Antwort genug. Das war es, denn er kratzte sich unbeholfen am Kopf und wusste erst mal nicht, was er sagen sollte. „Deinen Geburtstag habe ich aber nicht vergessen?“, fragte er nach einer Weile weiter.
Ich schüttelte langsam und betont böse den Kopf. Zum Glück funktionierten seine Augen noch ganz gut, denn er machte ein höchst zweifelndes Gesicht. Wenigstens wusste er noch, dass er was falsch gemacht hatte.
Dummerweise war er aber auch so furchtbar niedlich dabei, wie er unschlüssig da stand und fieberhaft überlegte, was er denn für ein Fehler gemacht haben könnte. Wie seine Augen über den Tisch huschten, das Essen und die Kerzen in sich aufsaugten, ohne zu verstehen, warum sie überhaupt da standen und warum hier alles so festlich war. Es erweichte mein Herz, obwohl ich doch eigentlich wütend auf ihn sein sollte. Verdammt, er schaffte es doch immer wieder! So klopfte ich auf das Polster neben mir, als Zeichen, das er sich neben mir setzen sollte. Er kam der Bitte zögernd nach und setzte sich. Eine Weile blieb es zwischen uns Still – wieder etwas, was ich so nicht eingeplant hatte und starrten nur auf das Essen vor uns, mit dem ich den ganzen Nachmittag beschäftigt war.
„Okay Sora, was habe ich verbrochen?“ Seufzend schaute er mich von der Seite an, beobachtete jede Regung in meinem Gesicht, als ich meinen Kopf zu ihm drehte.
„Du weißt es wirklich nicht?“ Leider konnte ich nicht verhindern, dass meine Stimme etwas verbittert klang. Ich wollte nicht verbittert sein, oder enttäuscht! Schließlich sollte es doch ein schöner Abend werden, da hatten solche Gefühle einfach nichts zu suchen!
„Nein“, gab er ratlos zu. Ein bisschen schuldig blickte er in meine Augen und versuchte mich so um den Finger zu wickeln. Die Wogen zu glätten sozusagen, und es klappte ziemlich gut, denn meine Wut wurde weniger.
„Heute ist unser Tag!“, verkündigte ich trotzig und schaffte es damit tatsächlich, ihn ehrlich überrascht aussehen zu lassen.
„Unser Tag?“
„Ja“, stieß ich mit scharfer Stimme aus, da sich bei meinen Worten ein vergnügtes Lächeln um seine Mundwinkel zeigte. Er nahm mich einfach nicht ernst!
„Und inwiefern?“, hakte er auch noch nach. Er wusste eindeutig nicht, was gut für ihn war!
„Vor fünf Monaten hast du mir die Püppchen gegeben! Wir wurden ein Paar! Sind das denn nicht genug Gründe, um diesen Tag zu feiern?“
Meine Stimme überschlug sich fast vor Empörung für seine Unwissenheit. Wie konnte er das denn nur vergessen? Dabei war es doch so wichtig, dass er sich an diesem bedeuteten Tag erinnerte! Und was machte er in diesem Moment? Anstatt sich schuldig zu fühlen, wie es in diesem Moment angebracht wäre, fing er einfach an zu lachen! Zuerst nur leise, als würde er es noch zurückhalten wollen, doch dann wurde es mehr, bis er in schallendes Gelächter ausbrach und sich hilflos seinen Bauch hielt. Fassungslos rückte ich von ihm ab, starrte ihn nur mit großen Augen an und war überaus beleidigt über seine Reaktion. „Das ist nicht lustig!“, beschwerte ich mich laut. Doch bei seinem Lachen war ich kaum zu hören.
„Doch, das ist es“, prustete Riku ungehalten. Verzweifelt versuchte er sich zu beruhigen, doch als er in mein beleidigtes Gesicht sah, fing er schon wieder an.
„Du bist ein Idiot“, schnaubte ich. Gekränkt verschränkte ich meine Arme vor der Brust und rückte noch etwas weiter von ihm ab, bis mein Rücken die Seitenlehne der Couch berührte.
„Nein Sora, ich kann mich nur noch sehr gut daran erinnern, wie unsere Dates abgelaufen sind und da waren wir noch sehr weit davon entfernt, ein Paar zu werden.“
„Gar nicht“, motzte ich.
Diesmal räusperte er sich, versuchte sich zu beherrschen, damit er mir ernst ins Gesicht sehen konnte. Es gelang ihm nicht ganz und während er sprach, schlich sich doch noch ein amüsiertes Grinsen auf seine Lippen. „Sora, es brauchte unzählige Dates, bis du überhaupt richtig mit mir gesprochen hast! Und bei unserem ersten hättest du Axel am liebsten mitgenommen, der dich sogar aus dem Haus schieben musste, damit du überhaupt in mein Auto einsteigst.“ Oh, diese Erinnerung musste ich wohl verdrängt haben. Leider hatte er Recht, ich war wirklich nicht sonderlich kooperativ gewesen – kein Wunder, dass ich das einfach verdrängt hatte. Missmutig senkte ich meinen Blick und zog beleidigt meine Unterlippe vor. Ein Zeichen für Riku, näher zu mir zu rücken und schon bald konnte ich seine Hand, weich auf meiner Wange fühlen.
„Unser Tag wäre dann wohl erst, als ich dich nach Hause brachte und ich dich endlich vor der Haustür küssen durfte“, merkte er mit sanfter Stimme an.
„Du hast mich damit einfach überrumpelt“, schnaubte ich.
Riku zuckte nur gleichgültig mit den Schultern und streichelte weiterhin meine Wange. „Du standest eben besonders günstig und deine Lippen waren einfach so verlockend – so wie jetzt.“ Er beugte sich zu mir hinunter und bewegte seine Lippen gegen meine, was ich aber nur halbherzig erwiderte. Seufzend hob er mein Kinn ein wenig an, damit ich in seine Augen sehen musste. Diese blickten besorgt auf mich, versuchten zu verstehen, was in mir vor ging. Momentan war ich einfach nur enttäuscht und beleidigt, weil er diese Dinge sagte. Wahre Sachen, aber so unpassend für diesen Moment, der mir so viel bedeutete und trotzdem so falsch war. Der Abend war versaut und an allem war nur Riku und seine Besserwisserei Schuld!
„Wenn dir so viel daran liegt, können wir es ja zu unserem Tag machen“, gab er irgendwann seufzend nach.
„Nein“, murrte ich durchaus trotzig. „Ich will den richtigen haben, da wo wir zusammen gekommen sind!“
„Warum ist dir das so wichtig?“ Seine Stimme war dabei genauso weich wie seine Berührungen, die er nun wieder fortsetzte.
Ich schmiegte mich der Hand entgegen, meine Stimme, die etwas zu wackelig war. „Weil“ Ich stockte ein bisschen und holte tief Luft, um weiter reden zu können. „Weil ich diesen Tag feiern will, an dem wir zusammen gekommen sind. Er war so besonders für mich!“
„Ja, so besonders, dass du dich nicht mehr daran erinnern kannst!“, spottete er.
Augenblicklich fuhr mein Kopf hoch und ich schaute ihn grimmig an. „Dir scheint er ja nicht wichtig gewesen zu sein!“, warf ich ihm aufgebracht vor.
Leider hatte es nicht seinen gewünschten Erfolg, denn Riku sah mich weiterhin ruhig an und streichelte über mein Haar. „Natürlich tut er das. Nur haben wir wohl unterschiedliche Meinungen, wenn es um die Bedeutung geht. Für dich war der Tag wichtig, an dem ich dir die Püppchen gegeben habe, für mich der Kuss, den ich dir endlich geben konnte.“
„Und was machen wir jetzt? Beide Tage feiern oder lieber die Zeitspanne zwischen den beiden Tagen?“
Lachend nahm er mich in den Arm und drückte mich fest an sich. „Das wäre dann wohl etwas zu übertrieben. Belassen wir es bei dem Kuss, an den werde ich mich wohl noch ewig erinnern.“
Das freute mich dann doch ungemein, würde sich doch solch eine Szene das nächste Mal nicht mehr abspielen. Trotzdem konnte ich mir eine misstrauische Frage doch nicht verkneifen: „Warum gerade der Kuss? Was war so besonders daran?“
„Es war der Tag, an dem du dich ehrlich gefreut hast mich zu sehen und du nicht mehr die Unterstützung deiner Freunde brauchtest, um deine Scheu zu überwinden. Du warst so schön gelöst, plappertest einfach drauf los, ohne das du dir erst mal Minuten lang überlegen musstest, was du mir erzählen willst. Es war der Moment, wo ich mich in dich verliebte – einfach weil du Sora warst und dich nicht verstellt hast, um mir zu gefallen.“ Seine Erklärung gefiel mir, erwärmte mein Herz und brachte mich dazu, mich etwas von ihm zu lösen, um ihn lächelnd ins Gesicht zu sehen. „Okay, dann wird das unser Tag sein.“
„Dann wird meine Überraschung also erneut verschoben?“, hakte er enttäuscht nach. Natürlich hatte er das nicht vergessen.
„Eigentlich ja“, überlegte ich laut.
Er machte ein unzufriedenes Gesicht und schielte augenblicklich zu dem Umschlag, den ich auf den Tisch abgelegt hatte, bevor all das hier passierte. Noch bevor ich überhaupt reagieren konnte, hatte er sich ihn schon gegriffen und zog ein Heft heraus, das er neugierig durchblätterte. Dann sah er überrascht zu mir und ein breites Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Eine Reise, Sora? Das hast du für diesen Tag geplant?“
Ich nickte schüchtern. „Ich dachte, es wäre eine schöne Gelegenheit. Es ist auch nicht lang, nur ein paar Tage und im Gegensatz zu Roxas, der es für zu früh hält, mag ich den Gedanken, mit dir ein bisschen Zeit allein zu verbringen.“
„Du hast mit Roxas darüber geredet?“ Darüber war er dann weniger begeistert, doch ließ ich mich nicht beirren.
„Und mit Axel“, setzte ich daher hinterher.
„Und was hat er gesagt?“
Diesmal wurde ich doch ein bisschen rot. „Das wir uns gut amüsieren und auf den Sand aufpassen sollten, wenn wir es treiben.“
Riku lachte auf. „Gut, davon gibt es in Agrabah ziemlich viel“, stimmte er zu und zog mich wieder an sich. Es war so schön, wieder in seinen Armen zu sein. Fühlte es sich doch so gut an und verursachte in mir dieses vertraute Kribbeln, was einfach nicht vergehen wollte, egal wie oft er es machte. Der kleine Streit war dabei schon längst wieder vergessen. So war ich überaus schockiert, als er nach einer Weile vergnügt sagte: „Wir werden schon genug Möglichkeiten haben, um den Sand von unserer Haut abzuwaschen. Schließlich ist es wirklich unangenehm, wenn die kleinen Körnchen zwischen den Pobacken kleben – da hat er schon Recht.“
Ich wollte etwas darauf erwidern, doch schnell verschloss er meinen Mund mit seinen Lippen und mein Kopf war wie leergefegt. Es war seine Art, mich zum schweigen zu bringen und egal wie oft er das auch tat und wie sehr es mich doch im Nachhinein ärgerte, er hatte immer Erfolg damit, konnte ich doch von seinen Küssen einfach nicht genug bekommen. Ich wollte es auch gar nicht anders, mochte ich es doch einfach viel zu sehr, seine Nähe zu spüren. Und von diesem Gefühl sollte ich mehr bekommen, als ich mir je erträumt hätte.