Das Wunder der Satzzeichen
Einst zog ein Fragezeichen aus, seine Bedeutung zu lernen.
Es verabschiedete sich von Mutter . und Vater ß und zog aus, seine Bedeutung zu erfahren. Es wanderte einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, bis es bei einem Hügel ankam, auf dem zwei " links und rechts eines Baumes standen.
"Wisst ihr, was ich bedeute?" fragte das Fragezeichen, doch die " sagten nur: "Nein, doch wir zeigen an, das etwas wichtig und besonders ist und wenn es nur laut gesprochen wurde. Doch du bist keiner von uns, deine Bedeutung ist es nicht". Und so zog das Fragezeichen weiter.
So lief das Fragezeichen einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, bis es bei einem Fluss ankam, an dem ein Ausrufezeichen saß. "Weißt du, was ich bedeute?" fragte es, doch das Ausrufezeichen schüttelte den Kopf. "Nein, doch ich zeige an, wenn etwas wichtig ist und laut gesagt werden muss. Fließe! Gehe! Suche! Doch du bist keiner wie ich, deine Bedeutung ist es nicht". Und so zog das Fragezeichen weiter.
So lief das Fragezeichen einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, bis es bei einem Häuschen ankam, vor dem auf einer Bank ein altes & saß. "Weißt du, was ich bedeute?" fragte es, doch das & schüttelte den Kopf. "Nein, doch ich zeige an, dass etwas zusammengehört, ich verbinde die, die sonst getrennt wären. Doch du bist keiner wie ich, deine Bedeutung ist es nicht." Und so zog das Fragezeichen weiter.
So lief das Fragezeichen einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, bis es bei einem feinen Schloss ankam, in dem : und seine Tochter ; lebten und herrschten. "Wisst ihr, was ich bedeute?" fragte das Fragezeichen und : überlegte. "Nein, doch solltest du es wissen wollen, so schlafe im Kerker diese Nacht und Geister werden kommen und dir vielleicht deine Antwort geben." Und das Fragezeichen stimmte zu.
Es ward tiefe Nacht und das Fragezeichen saß im Kerker, gefesselt, nicht im Klaren, hereingelegt worden zu sein. Die Schlossturmglocke schlug zwölf Mal und aus dem schaurigen Nebel formten sich Geister, § und ~ und allerlei absonderliche Wesen. Doch Fragezeichen war ohne Angst, wollte es doch eine Antwort wissen.
"Wisst ihr, was ich bedeute?" fragte es gerade heraus und die Geister, beeindruckt von seiner Furchtlosigkeit, nickten. "Du bist der, der stets die Fragen stellt. Du weißt nie zuviel und fragst nie zu wenig. Furchtlos hinterfragst du alles, ein wahrhaft mutiges Zeichen, das bist du."
Da ward dem Fragezeichen warm um den Punkt und es bedankte sich vielmals bei den Geistern. Zur Belohnung für seine Furchtlosigkeit versprachen sie, Ungerecht gut zu machen, es solle nur schlafen gehen und alles werde bei Sonnenaufgang so sein wie es sollte. "Was meint ihr damit?" fragte das Fragezeichen und schmunzelnd verschwanden die Geister.
Als die Sonne aufging und das * laut krähend jene begrüßte, so wachte das Fragezeichen auf und streckte sich, doch weder kalter Steinboden noch harte Ketten waren da, stattdessen lag es in einem herrlichen Bett mit weichen Laken. Es stand auf und ging hinaus, wo die schöne ; schon freudig wartete. "Nicht verschlafen, die Hochzeit beginnt bald!" rief sie heiter. "Welche Hochzeit?" fragte das Fragezeichen und folgte der Prinzessin hinaus auf den Balkon, wo Satzzeichen lachten und jubelten zugunsten dem neuen Königspaare. Denn : ward in den Kerker geworfen, heimgesucht jede Nacht von den gar grausigen Geistern. Und so lebten das Fragezeichen und Prinzessin ; glücklich bis an ihr Lebensende.
THE END
Es war einmal vor langer Zeit, da wollte Gott, dass alle Zahlen zu ihm auf den Berg Nummerus steigen. Er lud alle Zehn ein und so kamen sie auch alle. Erst kam die Eins und stolz sagte Gott "Du, Eins, bist die Erste und sollst es auch bleiben." Die Eins freute sich und nahm Platz am Festtisch. Dann kam die Zwei und Gott sagte "Du warst die Zweite, graziös wie eh und je sollst du es bleiben". Zwei verneigte sich und nahm ebenfalls Platz.
Und so bekamen alle Zahlen ihren Platz bis zur Neun und alle bedankten sich. Nur Null war nicht da, sie hatte verschlafen und so begann das Fest ohne sie. Viel zu spät traf sie ein, da waren alle Teller leer gegessen und alle Becher leer getrunken. Schüchtern fragte sie "Oh, Gott, wo soll ich denn hin?" und Gott dachte lange nach, denn der Tisch war voll und leer.
"Du, Null, kamst erst jetzt, wo alles besetzt ist. Wo alles gegessen und getrunken ist und nichts mehr da ist ausser nichts."
Die Null sank traurig zusammen und weinte, da hatten die anderen Zahlen Erbarmen mit ihr. "Gott, gib ihr einen Platz zwischen uns. Sie darf ruhig vor mir sein, mir macht es nichts aus." sagte die Eins. "Ich ziere das Ende, doch muss dem nicht so sein, sie darf ruhig nach mir kommen" erwiderte die Neun und auch alle anderen Zahlen boten an, ihren Platz aufzugeben, damit die Null dazu gehören konnte.
Gott lauschte und dachte nach. "Ihr alle seid gut, doch ist es wie es ist. Die Null kam, wo nichts da war, sie kam als Letzte nach allen Anderen und gehört nicht dazu. Doch will ich Erbarmen zeigen, sie soll nicht zu euch gehören, doch einen Platz bei euch bekommen.
Möge sie hinter euch stehen, hinter euch wachen, euch groß und mächtig machen und sich ins unendliche vermehren". Und da freute sich die Null und setzte sich hinter die anderen Zahlen.
Und auch, wenn sie keinen Wert hatte und keinen Platz unter den Zahlen, so war sie immer hinter ihnen. Hinter der 1 war die 0 und hinter der 2 war die 0. Auch hinter der 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 kam sie und schnell vermehrte sie sich. Manchmal war sie zu achten hinter der Eins und freute sich. Denn zwar war sie ohne Wert, doch letztlich nie allein.
ENDE