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Nachdem du mich verlassen hast.

Eine D. Gray man Fanfic
von

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Die Stille nach dem Sturm

Der Regen klatschte unaufhörlich gegen das Fenster des Zuges. Eine verschwommene, verwaschene Landschaft rauschte an mir vorbei, undeutlich und finster. Die einzigen Geräusche, die ich vernahm, waren das rhythmische Klacken der Schienen und das beruhigende Prasseln der Regentropfen gegen die Fensterscheibe. Mit verschränkten Armen saß ich da und starrte in die Dunkelheit.

Mir gegenüber saß Tyki, ebenfalls mit verschränkten Armen, und schlief scheinbar. Sein Kopf sank langsam auf seine Brust. Bald würde ihm sein Zylinder runterfallen, den er seltsamerweise immer trug und dabei wirklich dämlich aussah. Ich spielte mit dem Gedanken, ihn zu wecken, indem ich ihm meinen Schuh ins Gesicht drücke, ließ es aber sein. Mit Jasdero machen solche Dinge viel mehr Spaß. Aber ..
 

"Oh, Devid, du schläfst noch nicht?" , fragte Tyki plötzlich und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Gähnend kramte er seine Zigarettenschachtel hervor und zündete sich eine Zigarette an.

Ich zuckte leicht über die Lautstärke seiner Stimme zusammen. Seit wir das Krankenhaus verlassen hatten, ist kein Wort über unsere Lippen gekommen.

"Ich kann nicht schlafen." , antwortete ich mit einer seltsam leisen, monotonen Stimme und drückte die Jacke meines Bruders noch ein bisschen fester an mich.
 

"Regnet es schon lange?" , fragte Tyki mich und sah aus dem Fenster.

Ich wollte nicht sprechen, mit niemandem, wollte einfach nur dasitzen, mit der Jacke im Arm, und nach Draußen in die Finsternis starren. Ich schwieg.

In unserem Abteil war es ziemlich kalt, dazu kam noch der Geruch von Tabak und schlechtes Licht. Ich schaltete es aus, mit der Angst, das Licht könnte meine Augen verbrennen. Sie taten eh schon furchtbar weh.
 

"Du bist nicht mehr wirklich redselig, was?"
 

Ich schwieg weiter. Seine Stimme nervte mich, außerdem mochte ich die Sorte Tabak nicht, die er rauchte. Es stank fürchterlich. Ich wollte etwas sagen, aber der Kloß in meinem Hals hinderte mich daran. Ich warf Tyki einen abschätzigen zu, lehnte mich zurück und starrte die Decke an. Blendete alles aus. Versank in einer Fantasiewelt, um der Realität für einen kurzen Moment zu entkommen.
 

Währenddessen drückte Tyki seinen Glimmstängel im Aschenbecher aus und zündete sich einen neuen an. Ich beobachtete ihn eine Weile, streckte dann wortlos die Hand aus und deutete mit dem Kinn auf die noch halb volle Schachtel.

"Wie, du willst rauchen? Seit wann das denn? " , fragte mein Gegenüber verwundert.

"Jetzt hör auf zu fragen und gib her." , zischte ich und bekam glücklicherweise meinen Willen.
 

Stille brach ein. Jeder von uns hing seinen eigenen Gedanken nach. Draußen regnete es immer noch, der Himmel war überzogen von schmutzig aussehenden Wolken. Der Mann mit den dunklen Locken und den schwarzen Augen musterte mich. Er wusste ganz genau, was in mir vorging, und genau das machte mich einfach nur krank. "Glotz nicht so blöd ..." , knurrte ich. Allein seine Anwesenheit machte mich wütend. Warum kapierte er einfach nicht, dass ich nicht mit ihm reden wollte?!
 

Der Rauch der Zigarette kratzte furchtbar in meinem Hals und brachte mich teilweise zum würgen. Nun war es offiziell, ich hasste Tykis Tabaksorte wirklich. Aber ihn selbst hasste ich noch viel mehr. Immer saß er in einem Sessel am Kamin wie ein alter Knacker, trank unglaublich viel Wein und las dabei irgentein dämliches Buch. Wie eintönig das Leben eines 28 Jahre alten Mannes doch sein konnte. Tyki sollte wirklich mal in Erwägung ziehen, sich eine Frau zu suchen.
 

Ich zog die Knie ein und starrte weiter aus dem Fenster. Mein Magen zog sich unaufhörlich zusammen und mein Herz fühlte sich an, als ob jemand mit einem Bohrer ein schönes, rundes Loch genau in der Mitte platziert hätte.

Manchmal ist die Stille schlimmer als der vorherige Sturm.

Ein Krankenhaus und ein Telefonat.

Kapitel 2
 

Ein paar Wochen davor
 

„Hey, Devit, ich glaube, ich krieg' gleich wieder Nasenbluten. Kannst du mir mal kurz die Taschentücher geben?“

Jasdero hatte seine Nase mit der Hand verdeckt und sah mich mit seinen hellbraunen Augen an.

Ich nickte. „ Klar.“

Nachdem ich meinem jüngeren Bruder die Taschentücher gegeben hatte, setze ich mich wieder auf den Besuchersessel und starrte aus dem Fenster, während Jasdero seine Nase putzte.

Es regnete schon wieder. Draußen wehte ein starker Wind und wirbelte welkes Laub durch die Gegend.

„Gott, schon wieder so ein Scheiß-Wetter. “ , murmelte ich und verdrehte die Augen.

Jasero beendete seine Putzaktion, blickte hinaus und nickte wild, um mir seine Zustimmung zu demonstrieren.

„Ach ja, Devi, die Besuchszeit ist bald um, du solltest jetzt besser gehen, Hee~

Ich verzog das Gesicht. „'Nen Dreck tu ich! Glaubst du etwa, ich habe Bock, bei dem Regen nach Hause zu gehen?“

Mein Blick ruhte für kurze Zeit auf meinem Bruder, dann fügte ich hinzu: „Außerdem will ich dich nicht in diesem Krankenhaus alleine lassen. Hier müffelt es so steril.“

„Ja, steril, hee~“ , wiederholte er und zupfte ein weiteres Taschentuch aus der Pappschachtel.
 

Nach einer halben Stunde hörte der Regen endlich auf. Jasdero und ich unterhielten uns über irgendwelche belanglosen Sachen, lachten und schwiegen dann wieder. Doch eine Art Angst schlich in mir herum und machte mich verrückt. Man sah meinem Bruder an, dass es ihm immer schlechter ging. Er trug ein rotes Kopftuch, um zu verbergen, dass er Haarausfall hatte. Nur noch ein paar blonde Haarsträhnen hier und da lugten schüchtern aus unter dem Tuch hervor.

Jasdero war blass und hatte immer öfter Nasenbluten. Als ich einmal den Arzt darauf ansprach, sagte er: „Das ist ein typisches Symptom bei einem Leukämiepatienten. Machen Sie sich keine Sorgen. “

Keine Sorgen? Keine Sorgen soll ich mir machen?! Hat der Typ sie noch alle?
 

„Was ist los, Devi? “

Jasdero musterte mich mit einem verwunderten Blick. „Du schaust so böse, hee~

Ich schüttelte den Kopf und lächelte meinen Bruder an. „Nee, alles okay.“

Eigentlich war gar nichts okay.

Ich musterte Jasdero, kurz J., aus den Augenwinkeln und plötzlich wurde mir eiskalt. Er hatte sich so krass verändert. Jasdero war erst 17 Jahre alt und kämpfte gegen eine grausame Krankheit. Woher sollte er denn nur die Kraft nehmen, das alles zu überstehen? Woher?

Insgeheim hasste ich mich selbst dafür, dass ich nichts tun konnte, um meinem Bruder zu helfen. Überhaupt nichts.
 

„Hey, J., woher hast du denn schon wieder diese vielen blauen Flecken?“ , fragte ich und spürte einen kalten Schauer meinen Rücken herunterlaufen.

Jasdero musterte kurz seine Arme und zuckte mit den Schultern.

Eigentlich wusste ich bereits, wie sie entstanden sind. Der Arzt hatte mir davon erzählt, aber es war ziemlich kompliziert und ich war noch viel zu verwirrt und geschockt, um etwas zu verstehen. Irgendwas von spontan auftretenden Blutergüssen ohne jegliche Gewalteinwirkung oder so etwas.
 

Eine Krankenschwester kam herein und sah mich streng an. „Was machen Sie noch hier? Die Besuchszeiten sind längst um. Ich muss Sie nun leider bitten, zu gehen.“

Jasdero sah mich mit abgrundtief traurigen Augen an und es zerriss mir innerlich das Herz. Aber ich hatte keine Wahl, ich musste das Krankenhaus verlassen und nach Hause gehen.

Ich lächelte meinen Bruder aufmunternd an, winkte und sagte: „Keine Angst, ich komme morgen bestimmt wieder!“

J. nickte und grinste mich an, ein hee~ von sich gebend.

Draußen streifte ich die Schutzkleidung ab, dich ich immer tragen musste, wenn ich Jasero besuchen kam. Die Krankenschwester nahm mir alles ab, wünschte noch einen schönen Abend und dackelte davon.
 

„Zum letzten Mal, komm sofort her und hol mich ab!!“

Ich hätte mein Handy am liebsten auf den Boden geworfen. Am anderen Ende der Leitung lachte Tyki Mikk, das wohl größte Arschloch der Welt, eiskalt über mich und meine jetzige Situation.

Er war ein guter Freund von meinem Onkel, bei welchem ich vorübergehend wohnen musste, da ich noch nicht volljährig war. Ich sehnte meinen 18. Geburtstag herbei und konnte es kaum erwarten, mir eine eigene Wohnung zu suchen. Einfach nur so schnell wie möglich weg von diesen ganzen verrückten.
 

Auch Tyki wohnte momentan bei meinem Onkel, da seine Frau ihn (mal wieder) rausgeworfen hatte. Und weil er die einzige Person mit einem Auto war, die um diese Uhrzeit noch nicht sturzbetrunken war, habe ich ihn angerufen. Und deswegen, da der letzte Zug ausgefallen und auf einen Ersatz nicht zu hoffen war.

„Warum sollte ich das tun?“ , fragte Tyki mich und kicherte dabei wie ein kleines Mädchen. So ein Spast.

„Weil der letzte Zug ausgefallen ist und ich ganz bestimmt nicht bei diesem Scheißwetter nach Hause gehen werde!!“ , brüllte ich wütend ins Telefon. Doch anstatt sich ehrfürchtig vor mir zu buckeln (wie das über das Handy funktionieren soll, keine Ahnung) lachte er nur noch mehr und verschluckte sich fast dabei an seinem Rotwein.
 

„Du weißt doch, Devit, dass man nicht Auto fahren darf, wenn man etwas alkoholisches getrunken hat. “ , sagte Tyki mit seinem ach so tollen Vokabular.

Ich seufzte genervt und beschimpfte ihn.

„Du Arsch! Wenn du mich nicht abholst, bringe ich dich um!“

„Wieso frägst du nicht einfach deinen Onkel? “

„Na, weil er schon seit mindestens 3 Monaten keine Fahrerlaubnis mehr hat!!“

Tyki seufzte leise. „Du bist wirklich nervig, Junge. Lass mich darüber nachdenken.“

Nach unserem sogenannten Gespräch herrschte erst mal Stille. Ich saß zusammengekauert auf einer Bank und war nass bis auf die Knochen, weil ich natürlich keinen Regenschirm mitgenommen hatte. Scheiß Wichser .. Was gibt es da noch groß zu überlegen .. , dachte ich genervt und zeigte einem Typ mittleren Alters, der mich irritiert anstarrte, den Mittelfinger. Der Typ wand sich empört ab.
 

Auf einmal knackste es im Hörer und Tyki war wieder am Telefon. „Ich habe darüber nachgedacht, Devit.“ , sagte er mit einem seltsamt freundlichen Ton. Ich entsandt ein Stoßgebet Richtung Himmel.

„Und? Kommst du mich jetzt abholen?“

Tyki schwieg eine Weile, dann sagte er schlicht, womöglich mit einem Lächeln auf den Lippen: „Nein.“
 

Hallo Leute~ c:

Sorry, dass ich mich nicht schon im ersten Kapitel vorgestellt habe. Ich heiße Polaris, kurz Poli-chan, und steh total auf alles was mit D. Gray man zu tun hat:D

Und da Jasdevi und Tyki Mikk zu meinen Lieblingscharakteren gehören, habe ich mich spontan dazu entschlossen, eine shounen-ai fanfic zu verfassen. Allerdings soll es hier nicht nur um schnulzige Romanzen gehen sondern auch ernste Themen behandeln. Ich hoffe, meine FF hat euch bis jetzt gefallen ~

Sie ist ziemlich spontan entstanden, es können also immer noch Rechtschreibfehler und Logiklücken darin vorkommen, obwohl ich mir alles noch mal durchgelesen habe o:

Wann das nächste Kapitel rauskommt, weiß ich noch nicht, sollte aber relativ bald sein. Bis dahin~~ !!

Kapitel 3

Hallo ! ~

Hier ist endlich das dritte Kapitel meiner Fanfiction (: Leider ist es viel später fertig geworden, als ich es mir erhofft habe, aber eine Schreibblockade zerstört in letzter Zeit meine gesamte Inspiration :c

Naja, wie auch immer, ich hoffe, dass euch auch dieses Kapiel gefallen wird und ihr wenigstens ein bisschen Freude dabei empfinden werdet, es zu lesen (:♥

Und ja, diese Kapitel hat keinen konkreten Titel XD Mir ist einfach keiner eingefallen .. :(
 

Kapitel 3
 

- ein paar Wochen davor, am nächsten Tag -

„Ich kann einfach nicht glauben, dass der Mistkerl mich nicht abgeholt hat ..“ , dachte ich und stand langsam auf. Mein noch verschlafener Blick wanderte zur Uhr. Es war 12:35. Durch die halb heruntergelassenen Jalousien schien grelles Licht und fiel auf die von der Sonne gewärmten Holzdielen. Für einen Herbsttag schien es ungewöhnlich warm zu sein, obwohl gestern noch im Wetterbericht behauptet wurde, dass es wieder regnen würde. Aber auf das TV war heutzutage ja kein Verlass mehr.
 

Ich zog eine schlabbrige Jogginghose und ein graues T-Shirt an, ehe ich mein Zimmer verließ, um ins Badezimmer zu gehen. Während ich gähnend durch den langen Flur schlurfte, fragte ich mich, warum und woher mein Onkel so viel Geld her hatte, um sich gleich ein ganzes Anwesen zu kaufen.

Es interessierte mich eigentlich nicht wirklich, aber so konnte ich mich wenigstens von der Tatsache ablenken, dass ich gestern Abend klatschnass zu Fuß nach Hause gehen musste. Es war ein weiter Weg vom Bahnhof bis zu diesem Anwesen und ich hatte mir die Füße wund gelaufen. Und mir höchstwahrscheinlich noch eine dicke, fette Erkältung eingefangen. Jedenfalls hatte ich starke Kopfschmerzen und meine Nase lief ein wenig. „Alles wegen diesem Wichser ..“ , schoss es mir durch den Kopf und ich hatte plötzlich das dringende Verlangen, jemanden zu verprügeln.
 

Genau in dem Moment kam Tyki mir auch schon entgegen, eine Wolke aus Qualm hinter sich herziehend. Er zog an seiner Zigarette und bildete kleine Ringe aus den Rauch, während er den Flur entlangspazierte, als wäre er ein wunderschöner, viktorianischer Garten. „Guten Morgen, Devit. Bist du gestern gut nach Hause gekommen?“ , fragte er mich und lächelte dabei überfreundlich.

„Naja, sonst wäre ich ja jetzt nicht hier, oder?“ , zischte ich und ballte die Fäuste. Meine Wut auf diesen Mann war so überwältigend, dass ich kurz davor war, seine Augen mit einem Messer auszustechen und an Ratten zu verfüttern.

„Nun ja, das sehe ich.“ , sagte Tyki ruhig und fuhr sich mit der freien Hand durch die dunkelbraunen, fast schwarzen Locken. „Ich schätze, du hast meine Frage nicht richtig aufgefasst. Aber bei jemandem wie dir, der nur bis zur vierten Klasse die Schule besucht hat, ist das kein Wunder.“
 

Ich warf Tyki einen vernichtenden Blick zu, schubste ihn zur Seite und stampfte energisch ins Bad. Die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss und ich schlug aus Wut noch mal dagegen. Normalerweise würde ich mir sowas nicht gefallen lassen, vor allem nicht von so einen widerwärtigen Vollidioten wie ihm. Aber ich fühlte mich schlapp und meine Kopfschmerzen zermalmten mir vermutlich gerade in diesem Augenblick das Gehirn.

Ich wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser, um mich wieder abzureagieren und putzte mir die Zähne. Aber als ich das Badezimmer wieder verließ und in der Küche nach was essbarem Ausschau hielt, war mein Zorn auf die gesamte Welt immer noch da und ließ mir keine Ruhe. Der Tag fing ja schon mal toll an.
 

„Was ist denn dir für eine Laus über die Leber gelaufen? “ , fragte plötzlich jemand hinter mir. Ich war gerade dabei, mir ein Brot mit Nutella zu machen und zuckte erschrocken zusammen, als eine piepsige Mädchenstimme die Stille durchbrach, an die ich mich so gewöhnt hatte.
 

Road, meine kleine Cousine, stand am Türrahmen gelehnt und grinste so frech wie immer. Für ein dreizehnjähriges, kleines Kind war sie wirklich ein teuflisches Genie. Als ich und Jasdero Road zum ersten mal gesehen hatten, verfiel mein jüngerer Bruder sofort den Rehaugen dieses kleinen Biestes.

Ich hingegen war ihr von Anfang an mit Misstrauen begegnet, und siehe da, meine Vermutungen hatten sich bestätigt. Road war eine hinterlistige, nervige und verzogene Tussi, die glaubte, sich alles mit jedem erlauben zu können. Und die schlechte Erziehung meines Onkels half da auch nicht wirklich weiter.
 

Das Gör setzte sich graziös auf den Küchentisch und lächelte mich unschuldig an, klimperte mit den Wimpern. Ich schenkte ihr einen mit Abscheu gefüllten Blick und schmierte das zweite Nutellabrot.

„Jetzt komm schon, sag's mir!“ , forderte sie mich auf und schmollte.
 

„Was soll ich dir sagen?“ , fragte ich und musterte sie genervt aus den Augenwinkeln. Das Balg würde solange keine Ruhe geben, bis es bekam, was es wollte.
 

„Warum du so schlecht gelaunt bist.“
 

„Geh los und nerv' doch dieses Arschloch, der hier auf die Kosten unseres Onkels lebt. Meine Fresse. Nicht mal arbeiten gehen kann der Typ. Was ist das nur für ein Opfer?! “ , meckerte ich aufgebracht und schmetterte das Messer voller Wut in die Spüle. Road kicherte, und strich ein paar ihrer lila gefärbten(!) Haarsträhnen mit einer weißen Spange hinters Ohr.
 

Während ich mich weiterhin über alles und jeden aufregte und irgendwelche Gegenstände in verschiedene Richtungen schmiss, anstatt sie ordentlich aufzuräumen wie ein normaler Mensch, nahm meine Cousine sich die Freiheit, eines der Brote zu klauen und damit ins Wohnzimmer zu verschwinden. Ich musste, nachdem es mir aufgefallen war, nur noch der Krümelspur folgen, um sie zu finden.

„Danke für das Brötchen! Ich hatte echt Hunger. Du bist ja so ein toller Cousin!“ , schwärmte Road und rannte kreischend raus auf die Terrasse, als ich mit einem Affenzahn auf sie losging.
 

„Na, na, na, was ist denn hier los?“

Eine altbekannte Stimme ließ mich mitten in der Bewegung inne halten. Ich war gerade dabei, meiner Cousine die Haare zu zerzausen und versuchte im selben Moment, ihr das dämliche Brot aus der Hand zu reißen. Road hatte sich in meinem Unterarm verbissen und wollte gar nicht mehr loslassen. Aber als sie meinen Onkel bemerkte, ließ sie sofort vollkommen desinteressiert von mir ab und lief strahlend auf den seltsamen, dickbäuchigen Mann in pinkem Morgenmantel, einem mit blauen Rosen dekorierten Zylinder auf dem Kopf und einer dicken Lesebrille auf der Nase zu. Sie fiel ihm fröhlich um den Hals und kicherte wie eine Dreijährige.
 

„Ooooh, Road, schönen guten Morgen!“ , trällerte mein Onkel und zog dabei jedes einzelne Wort, das er aussprach, ein wenig in die Länge.

„Aber Onkel, es ist doch schon Nachmittag!“ , schimpfte Road. „Du sollst nicht immer so spät ins Bett gehen. Wenn du so lange schläfst, ist mir langweilig! Und Tyki will nicht mit mir spielen!“

Ich verdrehte die Augen und schlurfte zurück ins Haus, um mich aufs Sofa fallen zu lassen. Der Biss an meinem Unterarm tat höllisch weh, aber ich ignorierte es so gut es ging und zappte durch die Fernsehkanäle. Bei einer dieser langweiligen Reality-shows blieb ich stehen und ließ die Sendung über den Bildschirm flimmern, ohne auch nur im geringsten mitzubekommen, worum es bei der Story ging.
 

“Onkel, gehen wir heute zum Fest? Bitte, bitte, bitte!” , bettelte meine Cousine im Hintergrund. „Ich will das Feuerwerk sehen! Und Karussell fahren! Onkel, fährst du mit mir Karussell?“

Ihre Stimme war wirklich nervig. Ich verdrehte die Augen und stöhnte.

Mein Onkel machte in Null Komma nichts gebratenen Speck mit Eiern, Toast und Salat. Während Road sich mit Speck und Süßigkeiten (gleichzeitig) vollstopfte, gesellte sich Tyki ebenfalls ins Esszimmer. Er drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus und setzte sich mit einem leisen Seufzer an den Tisch.
 

„Tyki, du stinkst.“ , stellte Road fest und rümpfte die Nase Sie zog eine Augenbraue hoch und musterte ihn von oben bis unten. „Seit wann rauchst du denn so eine starke Sorte Tabak? Der alte hat besser gerochen!“

Tyki lachte nur und zerzauste ihr die Haare. Was für ein ekliger Anblick..., dachte ich und verzog das Gesicht. Wie ist es nur möglich, dass jemand dieses hässliche Biest freiwillig anfassen will? Ich kann von Glück reden, dass ich bei der Prügelei mit ihr von vorhin nicht an ihrer bloßen Berührung verreckt bin.
 

„Wasch ischt jetzt eigentlisch mit dem Fescht?“ , fragte Road mit vollem Mund und schmatzte.

„Ich habe mir überlegt, heute mal alle zusammen auf das Fest zu gehen. Es gibt eh nichts zu tun und ich möchte nicht, dass ihr alle zu Hause versauert wie die Gurken.“ , sagte Onkel.

„Für Tyki wäre das zum Beispiel eine wundervolle Gelegenheit, eine neue Beziehung einzugehen. Nicht war? “

Er warf dem schwarzhaarigen Mann einen vielsagenden Blick zu. Tyki sah überrascht von seiner Zeitung auf. „Wie bitte? Beziehung?“

Er schüttelte den Kopf. „Aber nein. Es geht mir sehr gut als alleinstehender Mann. Frauen sind auf Dauer viel zu lästig.“
 

„Dann schnapp' dir doch einfach eine Nutte.“ , zischte ich im Vorbeigehen und grinste ihn fies an. Jeder in diesem Raum wusste ganz genau, mit wie vielen Schlampen er es schon getrieben hatte. Obwohl er verheiratet war.

Tyki warf mir einen bitterbösen Blick zu und Road find hysterisch an zu lachen. Onkel seufzte lediglich und aß seine Spiegeleier auf.

„Nur zu deiner Information, Devit, das wird ein Familienausflug. Das bedeutet, dass du mitkommen wirst.“
 

Ich hielt mitten in meiner Bewegung inne. WIE BITTE ?! Ich starrte verdattert in die Runde. Meine Kinnlade klappte so ca. 3.000 Meter in die Tiefe.

„Mach den Mund zu, sonst kommt eine Fliege rein.“ , sagte Road, immer noch kichernd, zu mir.

„Warum?! “ , fauchte ich. „Was habe ich dir getan, dass du mich auf dieses Assifest mitschleppen musst? Ich habe wichtigeres zu tun als das! Lieber fress' ich 'nen Eimer Scheiße!!“
 

Road prustete wieder los und konnte sich kaum noch aufrecht auf ihrem Stuhl halten. Tyki zog eine Augenbraue hoch. „Du solltest wirklich besser auf dein Schandmaul acht geben. Kein Wunder, dass du bis jetzt noch keine feste Beziehung hattest. Die Frauen rennen vor dir weg, sobald du dein Mundwerk öffnest und losplapperst.“
 

Noch ehe ich meine zusammengeballte Faust in seinem Gesicht platzieren konnte, schlug Onkel lachend mit der flachen Hand auf den Tisch. „Das reicht jetzt, ihr zwei. Entweder, ihr kommt miteinander aus oder mir bleibt nichts anderes übrig, als euch dazu zu zwingen, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Wollt ihr das denn etwa so sehr?“
 

Bei dem bloßen Gedanken daran, auch nur in der Nähe von diesem Kerl zu sein verlieh mir Übelkeit. Unter anderem, weil er so stark nach Rauch stank und einen immer mit diesem herablassenden Blick anglotzte.

„Nein, Danke.“ , sagte Tyki und faltete seine Zeitung zusammen. „Hier ist es mir wirklich viel zu laut. “

Er stand auf und rückte seine Krawatte zurecht. Road sah ihn enttäuscht an und schmollte. Der junge Mann lachte und tätschelte dem Mädchen den Kopf. „Ist ja gut, Road. Ich überlege es mir.“

Er zwinkerte ihr zu und verschwand mit einem seltsamen Lächeln aus dem Raum.



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Kommentare zu dieser Fanfic (3)

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Von:  Haruca
2012-12-19T14:29:12+00:00 19.12.2012 15:29
Das Kapitel hat mir auch wieder ziemlich gut gefallen.
Ich mag deinen Schreibstil immernoch. Du kannst wirklich sehr gut beschreiben.
Wie du jetzt auch Road und den Earl beschrieben hast, hat mir auch sehr gut gefallen. Ich freu mich schon darauf wenn sie jetzt zum Fest gehen.
Wird bestimmt lustig xD
Von:  Haruca
2012-11-21T20:03:56+00:00 21.11.2012 21:03
Das Kapitel hat mir auch wieder ziemlich gut gefallen.
Ich finde dass du den Charakter von allen dreien perfekt getroffen hast.
Ich kann mir Debitto nämlich genauso vorstellen wie du ihn in diesem Kapitel darstellst.
Rechtschreibfehler hab ich jetzt auch keine gesehen, aber wenn doch mal welche vorkommen werde ich trotzdem nicht rummeckern, da ich sie überhaupt nicht schlimm finde ;D
Ich freue mich jetzt auch schon wieder auf das nächste Kapitel :D
Von:  Haruca
2012-11-07T19:24:45+00:00 07.11.2012 20:24
Mir gefällt deine ff bis jetzt schon ziemlich gut.
Ich mag deinen Schreibstil und mal eine ff mit Debitto find ich auch toll :D
Würde mich auf Kapitel 2 freuen, denn ich will wissen wie es weitergeht!


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