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The Most Epic LUFF Championship Ever!!1

von

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Runde 1: Zucker gegen Erde

Die Sonne erhebt sich langsam aus ihrem Schlaf und erwärmt mit ihren ersten Strahlen die kalten Steine des Äonen-Gebirges. Wie jeden Morgen lässt der goldene Schein diese Idylle in Mitten des LUFF-Kontinents erwachen. Doch an diesem Tag läutet der Aufgang der Sonne nicht nur einen wundervollen Tag sondern auch den Auftakt zu einem Spektakel, welches den Kontinent selbst in seinen Grundfesten erschüttern wird, ein. Eine schicksalhafte Begegnung, ein unausweichlicher Kampf, der Anfang vom Ende.

Auf einem Vorsprung nahe des Gipfels des Mt. Moemore steht eine junge Dame vor dem Eingang einer gigantischen Höhle. Ihr braunes Haar fällt schulterlang auf ihre weiße Bluse, um die in Kragenhöhe ein hellblaues Tuch gebunden ist. Über der Bluse trägt sie einen pinken Blazer der perfekt zu dem gleichfarbigen Petticoat zu passen scheint und das Symbol der Narcieq-Akademie trägt - der bekanntesten und angesehensten Institution für Lehren aller Art. Die hellblau-pink gestreiften Kniestrümpfe vervollständigen das allgemeine Bild und ihre schlichten und doch hübschen Halbschuhe geben dem ganzen eine klassische Note.

Die junge Dame stützt ihre Hände in die Hüfte und holt tief Luft. Dann reißt sie plötzlich eine Hand nach oben, vollführt eine perfekte Pirouette und deutet auf den Eingang der Höhle. "Macht euch bereit ihr Ungeheuer! Ich, Cho, werde euch überwinden, den sagenumwobenen Schatz bergen und somit mein Studium der Magie mit einer Eins bestehen!" Teile ihrer Worte hallen von den Höhlenwänden wider und verlieren sich langsam in den Weiten der Dunkelheit.

"Haha, wie erwartet keine Gegenwehr. Das wird ein Kinderspiel!" Cho nimmt den großen, weißen Stab, den sie auf dem Rücken trägt und richtet Ihn auf die Höhle. "Glowing Kandis!" Winzige goldbraune Punkte sammeln sich um das zur Höhle gerichtete Ende des Stabes und nach wenigen Sekunden materialisieren sich leuchtende braune Zuckerstücke dort, wo vorher die Lichter waren. "Das sollte für ausreichend Licht sorgen", beschließt Cho und geht die ersten Schritte in die Höhle. Doch noch bevor sie weit genug hinein gehen kann, dass ihr Licht der Kandiszuckerwürfel hätte nutzen können, ertönt ein fürchterliches Grollen und ein gewaltiger Wind bläst aus der Höhle hinaus. Überrascht von der Plötzlichkeit des Events wird Cho vom Boden gehoben und samt ihres Stabes aus der Höhle katapultiert. Im freien Fall rast sie dem Ende des Abhangs entgegen, auf dem sie vor wenigen Minuten noch stand.

"Verdammt!" Sie lässt ihren Stab zwischen ihren Händen rotieren und die leuchtenden Zuckerstücke lösen sich auf. Im Anschluss richtet sie den Stab auf das Ende des Vorsprungs. "Elastic Candy Cane!" Kurz vor Ende des Vorsprungs schießt eine riesige Zuckerstange aus dem Boden. Cho vollführt eine Drehung in der Luft und landet parallel zum Boden mit beiden Füssen auf der Zuckerstange. Sie bremst ihren Aufprall durch geschicktes Verteilen ihres Gewichts und gekonntes Abfedern doch die Zuckerstange biegt sich trotz dieser Maßnahmen. Was auch immer diesen mächtigen Windstoss erzeugt haben mag, musste noch innerhalb der Höhle sein. "Und es steht zwischen mir und meinem Abschluss", dachte Cho laut. Die Biegung der Zuckerstange hat ihr Limit erreicht. "Was auch immer da ist, ich werde mich von dir nicht aufhalten lassen!" Als sie diese Worte gesprochen hatte schnellt die Zuckerstange wieder in ihre ursprüngliche Position. Cho nutzt den Schwung und lässt sich von der Zuckerstange direkt in Richtung der Höhle schleudern. "Glowing Kandis!", ruft Cho erneut. Doch nun erscheinen die Lichter nicht an der Spitze ihres Stabes sondern überall an den Höhlenwänden bis tief hinein in die Höhle. Die Kandiszuckerkristalle erleuchten die Höhle und Cho erkennt die Ursache für den heftigen Windstoss.

Am Ende der Höhle sitzt ein gigantisches Wesen. Sein Gesicht ist grob und kantig und anstelle seiner Haare erstrecken sich dunkle Steinreihen von seinem Kopf über seine Schultern und in Richtung Rücken. Sein Körper ist umgeben von einer mit Erde bedeckten Rüstung. Die Schulterteile der Rüstung beschrieben das Gesicht der Ahnenmutter. Die einstige Führerin der Titanen im Kampf gegen die Götter symbolisiert durch eine langhaarige Frau mit Augenbinde. Die Handschuhe und Stiefel wirken, als würde sich der Berg selbst schützend um sie legen und auf seinem Brustpanzer ruhte das alte Wappen derjenigen, die im Götterkrieg auf Seiten der Titanen gekämpft hatten. Cho wurde sofort bewusst, dass sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf ein lange vergessenes, mythisches Wesen zu rauschte. Cho ist die Legende um die Titanen jedoch wohl bekannt, sie grinst selbstsicher und ruft: "Ha, du bist kein Gegner für eine talentierte Magierin wie mich!" Mit voller Geschwindigkeit fliegt sie weiter auf den Koloss zu. Sie holt mit ihrem Stab aus und ruft: "Lolipop Hammer!" Eine geleeartige Kugel materialisiert sich einige Zentimeter über dem Ende des Stabes. Von ihr ausgehend streckt sich nun die Geleemasse und formt eine riesige Spirale bis sie schließlich das Ende des Stabes erreicht hat. Ein glitzernder Klang bestätigt das Ende des Zaubers und Cho holt mit ihrer Lieblingswaffe - dem Lutscher-Hammer - aus, bereit ihre Waffe mit der Unterstützung ihrer Geschwindigkeit in ihren Gegner zu schmettern.

Der Titan sitzt am Ende der Höhle mit geschlossenen Augen auf einem Felsen, der die Form eines Throns hat, mit vor dem Gesicht gefalteten Händen und scheint sich um die auf ihn zu fliegende Cho gar nicht zu kümmern. Seine Ellbogen ruhen regungslos auf seinen Beinen und ihm zu Füßen liegen verschiedene Opfergaben in Form von Nahrungsmitteln oder kleinen Habseligkeiten. Verwundert über das Bild, das sich ihr bietet fragt sich Cho, ob es sich nicht doch um eine einfache Statue aus der alten Zeit handelt. Doch selbst wenn ist sie mittlerweile zu nah, um noch etwas an ihrem Vorhaben zu ändern. Sie beginnt sich um die eigene Achse zu drehen und erhöht durch die Rotation ihre Kraft noch einmal um einiges. Direkt und ohne Umwege schmettert sie ihren Lutscher-Hammer gegen die Rüstung der Titanenstatue. Doch anstatt dass diese wie erwartet in tausend Teile zerspringt und den weiteren Weg freigibt, baumelt Cho nun überrascht an ihrem Stab. Der Lutscher-Hammer hat sich ein gutes Stück in die Rüstung gedrückt und dann scheinbar verkeilt. "Was zur.."

Doch bevor Cho ihrer Verwunderung Ausdruck verleihen kann, öffnet der Titan die Augen. Cho sieht seinen Kopf nur knapp an der Rüstung vorbei und doch läuft ihr ein kalter Schauer über den Rücken als sich ihre Blicke mit denen des Titanen treffen. Sie dematerialisiert ihren Lutscher und lässt sich zu Boden fallen. Gekonnt federt sie den Fall ab und nutzt die Federung, um einen Satz weg von dem Titanen zu machen. Ein tiefes, klares Donnern erschüttert die Höhle. "Was willst du hier, Mensch?" Erstaunt starrt Cho ihren Gegner an, überrascht über die Intensität seiner Stimme. Und wieder zeichnete sich ein Grinsen auf ihre Lippen. "Und ich dachte schon es würde zu einfach werden~", sagt Cho mit einem melodischen Ton. Sie stellt sich auf und rammt ihren Stab neben sich in den Boden. "Mein Name ist Cho! Und ich werde mir den Schatz, der in dieser Höhle verborgen liegt holen um damit meine Abschlussarbeit zu vervollständigen!" Das Echo ihrer Stimme schallt erneut von den Höhlenwänden wider, bis es immer leiser wird und schließlich verstummt.

Eine bedrückende Stille liegt über der Szenerie und grade als Cho ihren Mund öffnet um etwas zu sagen, erfüllt ein weiteres Grollen die Höhle. "Mein Name ist Nate." Trotz des Donnerns in seiner Stimme kann Cho sie klar und deutlich hören. "Ich lebe schon seit vielen Jahrhunderten in diesem Gebirge. Es gibt hier keine für Menschen wertvollen Gegenstände." Cho schaut den Titanen skeptisch an. Sie ist sich sicher, dass ihre Prüfungsaufgabe von einem Schatz im Äonen-Gebirge handelt. Der Titan muss eben gelogen haben um den Schatz zu beschützen. "So leicht lass ich mich nicht abspeisen", sagt Cho entschlossen. "Ich werde diesen Schatz bekommen. Und wenn du mich aufhalten willst, dann werde ich dir ein zuckersüßes Grab ausheben!"

Nach dieser eindeutigen Kampfansage nimmt Cho ihren Stab wieder in beide Hände und richtet ihn auf den Titanen. Nate erhebt sich von seinem Platz und richtet sich auf. Die Höhle ist grade groß genug, um den Titanen in voller Größe stehen zu lassen. Verärgert blickt er auf Cho hinab, die sich für den Angriff vorbereitet. Ein scharfer Windzug ertönt während Nate tief Luft holt, gefolgt von einem gewaltigen Beben und einer mächtigen Druckwelle als er sein Gebrüll ertönen lässt. Cho reißt erstaunt die Augen auf, als sie von der Druckwelle geplackt wird. Ihr Körper hebt sich vom Boden und wird wie eine Feder durch die Luft aus der Höhle und direkt in Richtung des nächsten Berges geschleudert.

Nate geht einige Schritte zum Höhleneingang. Das helle Licht blendet ihn kurz und nachdem sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt haben, überschaut er die Formen des Gebirges. Kein Mensch hätte so einen Sturz je überleben können. Einen Moment lang genießt Nate die harmonische Szenerie. Das weiche Wehen des Windes, die sanfte Wärme der Sonne, das melodische Pfeifen der.. "Hm?" Nate richtet seine Aufmerksamkeit auf das pfeifende Geräusch. In letzter Sekunde bemerkt er das Geschoss, das wie ein Bonbon aussieht und direkt auf ihn zufliegt. Mit einem unbeeindruckten Schritt zur Seite weicht er dem Geschoss aus - was sich als gute Reaktion herausstellt als die Kugel mit der Höhlenwand kollidiert und eine gewaltige Explosion erzeugt. Die Höhle, in der Nate vor wenigen Minuten noch gesessen hatte, bricht nun vor seinen Augen zusammen. Wütend sucht er die Täler nach der Herkunft des Geschosses ab und traut seinen Augen nicht. Cho stürmt, ihren Stab wie ein Gewehr unter den Arm geklemmt, auf dem Rücken eines gigantischen Marzipanschweins durch das Tal direkt auf den Vorsprung zu.

"Dachtest du, du könntest mich einfach durch ein bisschen Brüllen besiegen?!" Sie richtet ihre Waffe erneut auf den Titanen, der in weiter Entfernung auf dem Vorsprung steht und berechnet die Geschwindigkeit ihres Marzipanschweins in den Schusswinkel ein und bereitet einen weiteren Angriff vor. Doch bevor sie ihre Waffe abfeuern kann setzt der Titan zum Sprung an. Ein gewaltiger Schatten zieht über Cho vorbei und die Erde bäumt sich auf, als der Titan nur wenige Meter hinter ihr landet. Eine unglaubliche Erschütterung, die die Erde unter ihr nach oben drückt wirft Cho und ihr Reittier in die Luft. "Ich bin noch lange nicht fertig mit dir!", ruft sie laut, drückt sich vom Rücken ihres Marzipanschweins ab und greift ihren Stab wieder mit beiden Händen. Mit seinem Ende gen Boden gerichtet bereitet sie ihren nächsten Angriff vor. "Muffin Mines!"

Das Ende des Stabes beginnt zu leuchten und Cho beschreibt mit ihm einen Kreis und parallel zu ihrer Bewegung zeichnet sich ein rosa Lichtkreis auf den Boden unter ihr. Im freien Fall richtet sie nun den Stab auf den Boden direkt unter ihr. "Marshmallow Buffer!". Ein riesiger Marshmallow erscheint unter ihr und fängt ihren Sturz ab. Mit etwas Mühe, aber trotzdem elegant hüpft Cho von dem Marshmallow und richtet ihren Stab wieder auf den Titanen. "Nun bin ich am Zug. Nimm das! Cake Rain!" Sie dreht den Stab kurz über ihrem Kopf und rammt ihn dann vor sich in den Boden. Ein leuchtender Strahl tritt aus dem Stab und materialisiert sich über dem Kampffeld in Form einer Wolke.

Nate beobachtet die unnatürliche Wolkenbildung und stutzt für einen Moment als aus der Wolke ein Kuchen fiel. Eine weitere Explosion erwartend setzte er erneut zu einem Ausweichschritt an. Der Kuchen fällt vor Nate zu Boden und bleibt an seinem Einschlagsort ereignislos liegen. Doch in dem Moment in dem Nates Fuß wieder die Erde berührt, stößt ihn eine mächtige Explosion zu Boden. "Ahahahahaha! Wie erwartet. Du bist direkt in meine Falle getappt", höhnte Cho. Voller Groll richtet sich Nate wieder auf und versucht die Situation zu verstehen. Die Explosion kam aus der Erde, also muss sie die Bomben irgendwie unter der Erde verteilt haben. Jetzt, da er aber weiß wo sie sind ist es ein leichtes für ihn sie loszuwerden. Er hebt sein Bein und stampfte mit voller Wucht auf den Boden. Eine weitere Schockwelle geht durch den Erdboden und befördert die Muffin-Mienen, die im gesamten Areal um Nate herum im Boden versteckt waren in die Luft.
 

„Und ich habe gerade erst angefangen!“ Cho richtet ihren Stab auf den riesigen Marshmallow nebenCho grinste. "Genau wie geplant." Ein magisches Summen erfüllt die Luft und wie der eine Kuchen zuvor fallen nun viele mehr aus der Wolke gen Boden. Jeder einzelne von ihnen genau so platziert, dass sie die durch die Luft fliegenden Muffins treffen. Eine unbeschreibliche Kettenexplosion zerreißt die die Luft um den Titanen und ohrenbetäubender Lärm hallt durch das gesamte Gebirge. Cho beißt ein Stück von einem Kuchen ab, den sie während des Kuchen-Regens aufgefangen hatte. "Überrascht? Das sollte selbst einen riesigen Klotz wie dich ruhigstellen." Sie schultert ihren Stab und beobachtet wie sich der Rauch, den die Explosionen verursacht haben, verzieht. Fast bleibt ihr der Bissen jedoch im Hals stecken, als sie vor Überraschung scharf die Luft einzieht. Vor ihr kniet der Titan mit vor dem Gesicht verschränkten Armen. Seine Rüstung ist sichtbar lädiert, aber er steht noch. Er nimmt die Arme hinunter, betrachtet den Schaden, den seine Rüstung genommen hat und schaut dann auf Cho. "Es ist lange her, dass es jemand geschafft hat meine Rüstung so zuzurichten." Seine Stimme klang noch immer Kräftig aber es fehlte das Donnern und Grollen, welches demnach wohl durch die Höhlenwände erzeugt wurde als er das erste Mal sprach. sich. „Munching Marshmallow. Awaken!“ Die große weiße Masse neben ihr beginnt sich mit einem stöhnenden Geräusch aufzurichten. Kleine lange Fortsätze beschreiben Arme und Beine des Wesens und ein schauriger Schrei ertönt, als sich die Masse in der Mitte ein Stück weit öffnet und das Maul des Monsters offenbart. Unkoordiniert um sich schlagend macht sich das Wesen auf den Weg zu seinem Gegner. Ein weiteres Mal lässt Cho ihren Stab in ihren Händen rotieren u,m ihn nur wenige Augenblicke später waagerecht vor sich zu halten. „Gingerbread Barracks!“ Zu beiden Seiten schießen mannshohe Häuser aus Lebkuchen aus dem Boden. Ein rhythmischer Klang erfüllt die Luft und als die Türen aufschwingen strömt eine Armee aus Lebkuchen-Soldaten aus den Häusern. Ein jeder bewaffnet mit einer Zuckerstange und einem Lakritzschild. In einer einheitlichen Formation stürmen die Lebkuchen-Soldaten auf das Schlachtfeld zu, auf dem sich der Titan und der Marschallow gegenseitig bekämpfen. Zwar kann der Marschmallow keinen effektiven Treffer gegen den Titanen erzielen, Nate gelingt es allerdings genauso wenig die zähe Masse seines Gegners zu beschädigen. Ihrer Schwäche wohl bewusst werfen sich die Lebkuchen-Soldaten auf den Titanen und beginnen ihn wie einen Berg zu besteigen wobei einige ihre Lakritzschilde zu Lassos ausrollen. Zwar richten die kleinen Männer keinen Schaden an, lenken aber die Aufmerksamkeit des Titanen erfolgreich ab von seinem eigentlichen Gegner, der die Situation zu nutzen weiß und den Titanen weiter zurückdrängt.

Cho beobachtet das Schauspiel während sie an einem Lutscher leckt. Der Titan wird immer weiter zu Boden gerungen und für jeden Lebkuchenmann, den er an seinem Körper zerquetscht oder von sich wirft kommen zwei neue aus den magischen Kasernen geströmt. „Er hat sich länger gehalten als ich gedacht hätte. Aber am Ende konnte er mir doch nichts anhaben.“ Kichernd lehnt sie an ihrem Stab und genießt das Bild ihres Triumphes. Der Titan geht in die Knie und wird überdeckt von hunderten kleinen Soldaten. Das Marschmallow Monster steht hämisch grinsend davor und führt einen seltsamen Tanz auf.

„Oh?“ Um Cho herum beginnt die Erde zu vibrieren. Kleine Steinchen hüpfen wie wild auf dem Boden und die Luft ist erfüllt von einer bedrohlichen Aura. Der Schrei des Titanen ertönt und für den Moment scheint sich jedes andere Geräusch ihm unterzuordnen. Der Titan stößt sich mit Gewalt wieder auf die Beine und eine Fontäne von Lebkuchen fliegt von ihm aus in die Luft. Der Marschmallow gerät ins Wanken und in diesem Moment stampft Nate mit voller Wucht auf den Boden. Die Erde erhebt sich vor dem Monster und ein breiter Stachel schießt hervor, der es ohne eine Chance auf Rettung durchdringt und zerreißt. Nate stößt vor in Richtung der Lebkuchen-Kasernen, die sich links und rechts von Cho aufgebaut hatten. Er greift mit beiden Händen nach dem Erdstachel und stößt einen wütenden Schrei aus. Die Erde bricht auf und Nate reißt ein gigantisches zweihändiges Schwert, bestehend aus Stein und Mineralien heraus. Den Schwung und die übernatürliche Länge der Waffe nutzend wirbelt er das Schwert in die Reihe der Kasernen und vernichtet die kompletten Häuser mit einem einzigen wuchtigen Schwertstreich.

Chos Herz schlägt unregelmäßig und schnell. Sie steht nur wenige Meter hinter dem Bild der Zerstörung, das sich nun vor ihr bietet und versuchte ihre Fassung wieder zu gewinnen. Wäre sie nicht eben in letzter Sekunde zurückgesprungen, würde sie jetzt wohl in Mitten der zerstörten Lebkuchen liegen. „Wie kannst du es wagen!“ Ihre Stimme bebt vor Wut und ihre Augen direkt auf den Titanen gerichtet ruft sie laut: „Ich habe es satt, dass du meine Kreationen eine nach der Anderen zerstörst. Es ist mir egal wie groß und wie mächtig du bist. Meinen nächsten Angriff wirst du nicht überstehen!“ Sie nimmt ihren Stab, holt aus und schleudert ihn direkt auf den Titanen. Nate wehrt das improvisierte Geschoss leicht mit seiner Hand ab, doch in dem Moment in dem der Stab seinen Körper berührt verpufft dieser in eine kleine weiße Wolke. Cho streckt ihre Hände in Richtung der Wolke. „Diamond Cotton Candy Dust!“ Eine magische Eruption lässt die Wolke anwachsen und hüllt den Titanen komplett in einen dichten Nebel ein. Siegessicher lächelt sie. „Das sollte genügen.“

Nates Sichtfeld beschränkt sich auf ein Minimum. Um ihn herum hat sich ein dichter Nebel gebildet, doch was sollte das? Denkt dieses Mädchen tatsächlich, sie könne ihn mit etwas Nebel aufhalten? Er setzt seinen Körper in Bewegung, doch in dem Moment, in dem er beginnt sich durch den Nebel zu bewegen, spürt er, was genau ihn da umgibt. Der Nebel besteht aus einer dichten Masse an Zuckerkristallen, die scheinbar magisch verstärkt sind. Es fühlt sich an, als würde er durch eine Wand aus Milliarden winziger Diamanten laufen. Seine Rüstung wird an den Stellen, die von der Bewegung betroffen sind, nahezu pulverisiert. Nate stoppt in seiner Bewegung, um weiteren Schaden zu verhindern. Würde er sich weiter bewegen wäre von ihm schnell nicht mehr als eine Ladung Sand übrig. Er wollte noch nicht sterben. Er konnte noch nicht sterben. Nicht heute. Nicht hier. Er konzentriert sich auf seine Heimat und spürt wie ihm das Gebirge antwortet. Die Erde um ihn herum erhebt sich. Das grobe Gestein verwandelt sich umgehend in feinen Kies und anschließend noch feineren Sand als sich die Erdmasse um Nate weiter gen Himmel hebt und den Nebel langsam zur Seite drängt. Nach einigen Augenblicken hat Nate es geschafft eine Senke innerhalb des Nebels auf zuschütten, in der er sich bewegen kann. Er sieht nur einen Weg diesen Nebel vollständig aufzulösen und zwar seinen Verursacher auszuschalten. Er nimmt sein Schwert, von dem durch den Nebel nur eine Klinge so groß wie er selbst übrig geblieben ist, setzt die Spitze auf dem Boden vor ihm und rammt es mit voller Wucht in die Erde.
 

„Ich denke, er sollte mittlerweile nur noch ein Häufchen Sand sein.“ Chos Stimme klingt zufrieden. „Es wird Zeit für mich meinen Schatz zu holen. Wenn ich mich beeile bin ich noch vor Sonnenuntergang wieder in der Akademie“ Sie setzt sich in Bewegung doch bemerkt schnell, dass die Richtung, in die sie sich bewegt nicht die war, in die sie eigentlich gehen wollte. Die Erde unter ihr schnellt nach oben und formt eine halbrunde Kugel, in die Cho nun gedrückt wird. Unfähig sich gegen die Geschwindigkeit zu wehren schaut Cho sich um, um festzustellen, dass sich in diesem Moment ein gigantisches Katapult aus dem Boden hebt und im Begriff ist, sie mit einer gewaltigen Wucht aus dem Gebirge zu katapultieren.

Und sie kann nichts tun. Ohnmächtig wie eine Puppe mit der das Gebirge spielt, kann sie nichts tun außer sich von der enormen Macht, die auf sie wirkt mitreißen zu lassen.

Der Nebel um Nate beginnt lichter zu werden, bis er sich schließlich völlig auflöst. Vor ihm thront sich eine der mächtigsten Waffen seiner Ahnen. Und wie ihnen Äonen zuvor, hat es ihm heute zum Sieg verholfen. Er schaut in den fernen Himmel. "Ihr wird nichts passieren. Sie wird nahe ihrer Akademie landen und daraufhin vermutlich hier her zurückkehren." Er wendet den Blick zu der zerstörten Höhle am Vorsprung. "Doch sie wird keinen Schatz finden. Und auch keinen Gegner mehr." Nate richtet sich zu voller Größe auf, reibt sich die Schultern und fasst einen Entschluss. "Es ist wohl an der Zeit, dem Ruf meiner Ahnen zu Folgen." Er schaute an sich herab und lachte grimmig. "Doch vorher sollte ich einige Reparaturen durchführen."

Runde 2: Metall gegen Stahl

Rartesia und Turunia. Die zwei mächtigsten Königreiche des LUFF-Kontinents überragen mit ihrer Größe und Macht jedes der kleineren Hoheitsgebiete. Beide sind sich in Sachen Fläche, Allianzen und Ressourcen ebenbürtig und sie vereinen unter ihrem Banner jeweils den Nord-Westen und den Süd-Osten des Kontinents. Seit jeher existiert ein ständiger Krieg um die Position des mächtigsten Königreiches des Kontinents und die damit verbundenen Privilegien. Der Kampf zwischen den beiden Seiten dauert nun schon über viele Generationen an und viele tapfere Männer und Frauen fielen dem Konflikt zum Opfer. Doch nach all den Jahres des Krieges steht nun eine einzige Person kurz davor, nicht nur den Krieg ein für alle Mal zu entscheiden, sondern auch das Schicksal des Kontinents beträchtlich zu verändern.

„Die Sonne steht günstig. Es wird Zeit dem Feind zu zeigen, aus welchem Holz wir Turunianer geschnitzt sind!“ Ein energisches Jubeln und einstimmige Schlachtrufe hallen über die Köpfe der Männer und Frauen, die sich für den bevorstehenden Ansturm rüsten. Der General der königlichen Armee läuft an seiner Truppe entlang und begutachtet jene Soldaten, die auch heute wieder tapfer für ihr Königreich und den Frieden kämpfen werden, als ihm ein neues Gesicht auffällt. „Ihr da. Ich kann mich nicht erinnern euch in meiner Truppe schon einmal gesehen zu haben. Wer seid ihr?“ Vor ihm steht eine junge ungewöhnlich gekleidete Frau. Ihr Oberteil erinnert an ein festliches, dunkelrotes Kleid mit langen Ärmeln, bei dem sich die Öffnung des Ärmels ab dem Ellbogen stetig weitet. Die hübschen Ornamente entlang der Säume geben dem Oberteil einen edlen Eindruck. Doch im Gegensatz zu einem Kleid geht dieses Stück nicht in einen Rock sondern in eine normale schwarze Hose über, die sie gerade in die fest aussehenden, wadenhohen Lederstiefel steckt. Ihr blondes Haar ist zum Zopf gebunden reicht über ihren halben Rücken.

„Felsi“, antwortet die junge Frau. Der General bedenkt sie mit einem weiteren musternden Blick. „Nur Felsi?“, fragt er skeptisch. „Sagt, kenne ich euch nicht irgendwo her?“ Die Frau schaut bedrückt zu Boden. „Nur Felsi. Ich habe meine Familie nie kennengelernt, daher kenne ich meinen Nachnamen nicht. Und ich glaube auch nicht, dass wir uns je begegnet sind, Sir.“ Ein Gefühl des Unbehagens legt sich auf die Miene des Generals. „Das tut mir leid.“ Er strafft sich jedoch schnell wieder und fügt mit dem gewohnten Kommando in der Stimme hinzu: „Dann macht euch fertig Soldat. Unser Angriff steht kurz bevor.“ Felsi nickt und wendet sich wieder ihren Vorbereitungen zu.

„Glück gehabt“, geht es ihr durch den Kopf. „Wenn der General herausgefunden hätte, dass ich in Wahrheit die einzige Tochter des Königshauses bin, hätte er mich sicher wieder in dieses langweilige Schloss gesperrt.“ Sie lässt ihre Gedanken kurz schweifen und ruft sich die letzten Wochen in Erinnerung. Bei einem ihrer nächtlichen Ausflüge in die Gassen des Königreiches war sie in einen Hinterhalt geraten und als sie von Banditen umzingelt war, spürte sie eine Woge der Kraft. Ungeahnte Fähigkeiten aktivierten sich durch ihre bloßen Gedanken und keiner der Räuber hatte auch nur den Hauch einer Chance. In dieser Nacht spürte Felsi, dass sie etwas bewegen konnte. Dass es etwas gab, was sie für ihr zukünftiges Volk tun konnte.

Ihre Augen öffnen sich und sie nimmt die angespannte Szenerie der angehenden Kampfvorbereitungen in sich auf. „Und nun bin ich hier“, sagt sie leise zu sich. Sie steht an vorderster Front als Teil der Vorhut, die die Gegner in der frühen Morgenstunde überraschen soll. Weitere Trupps werden folgen, sobald der Kampf begonnen hat und so war auch die Strategie. Den Gegner glauben lassen, dass sie nur einen Überraschungsangriff auf das Lager planen, um dann von verschiedenen Seiten die gegnerischen Flanken zu stürzen. Es liegt etwa eine Stunde Marsch zwischen dem Trupp und dem gegnerischen Lager und der karge Bewuchs der Ebene bietet nur wenig Deckung. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Gegner früh mitbekommt, dass die Truppen angreifen. Mit etwas Glück gehen sie sogar soweit ihre Verteidigung zu verlassen, das wäre der beste Fall.

Das Kriegshorn des Generals hallt über die Ebene und signalisiert den Beginn des Angriffs. Die Soldaten setzten sich in Bewegung und marschierten auf das feindliche Lager zu. Die Truppe marschiert zügig aber besonnen einen Hügel hinauf. Von diesem Hügel aus sollte das Lager des Feindes bereits sichtbar sein. Doch in dem Moment, in dem Felsi den ersten Blick auf ihr heutiges Ziel wirft, traut sie ihren Augen nicht.

„Da sind sie also.“ Das Grinsen auf dem Gesicht des Wissenschaftlers wurde breiter. „Genau wie ich es vorhergesagt habe“, bestätigt der neben ihm stehende Stratege. Der Wissenschaftler dreht sich um und breitet die Hände aus. „Es ist soweit, Brüder und Schwestern. Lasst uns diesen Turunianern zeigen, wie mächtig die Technologie des rartesianischen Königreiches ist.“ Hinter ihm tritt ein Mädchen vor, gekleidet im militären dunkelgrün des Königreiches und völlig unbewaffnet. Ihr langes rotes Haar fällt offen über ihren Rücken und ein leises Surren untermalt die leuchtenden Zeichen, die in regelmäßigen Abständen über die Gläser ihrer Brille huschen. „Das ‚Metalic Beast‘ ist auf unserer Seite. Verteidigt euer Land und unterstützt sie bei ihrem Siegeszug, den sie heute beginnen wird!“

Naya beobachtet die gröhlenden Massen. Es war immer wieder erstaunlich, wie diese Leute durch einige Worte so zu begeistern waren. Menschen brauchen sowas, hat ihr der Professor erklärt. Sie berechnen nicht wie sie sondern ‚hoffen‘ und ‚glauben‘. Im Gegensatz zu all den Menschen, die vor ihr stehen weiß Naya, dass ihre bloße Anwesenheit die Chancen auf einen Verlust von den ursprünglich 32,61% auf weniger als 0,01% reduziert. Sie schließt die Augen und prüft ein letztes Mal die Systeme. Waffensysteme drei von drei, check. Supportsysteme vier von vier, check. Notfallsystem, check. Ihre Augen öffnen sich und sie erblickt das zuversichtliche Gesicht ihres Erbauers. „Bist du bereit?“ Ihr Nicken signalisiert den Beginn ihrer Mission. Es gilt dem Gegner zu demonstrieren, wozu sie in der Lage ist. Diese Vorführung sollte mehr als reichen, um den Krieg mit einem Schlag zu beenden. Sie dreht sich um und beginnt ihren Marsch der feindlichen Formation entgegen. Ihr nach stürmen all die hochmotivierten Soldaten des rartesianischen Königreiches. Ein Lächeln zeichnet sich auf ihren Lippen ab. „Das wird eine erfolgreiche Mission. Der Professor wird stolz auf mich sein.“

Eine halbe Stunde später treffen sich die beiden Armeen und es entbricht ein unerbitterlicher Kampf. Überall erklingt das Aufeinanderschlagen von Schwertern und hier und da ein lauter Knall von einer Muskete. Felsi steht inmitten des Schlachtgetümmels und enfesselt ungebremst ihre Kräfte. Mit bloßen Händen wehrt sie die Schwerter ihrer Gegner ab, um diese im Anschluss durch gezielte Schläge kampfunfähig zu machen. Ihr Kampf wirkt wie ein feuriger Tanz auf dem Schlachtfeld, der in allen Mitstreitern, die ihn beobachten einen lodernden Kampfeswillen entfacht und den Siegeswillen ihrer Gegner verbrennt. Die metallische Schicht, die ihre Haut bedeckt, ist eine ihrer nützlichsten Fähigkeiten. Ihre Haut wird dadurch härter als jedes ihr bekannte Metall und sobald sie auch nur daran denkt den Gegner ausschalten zu wollen ohne ihn umzubringen, ist es, als würde ihr Körper bereits von alleine wissen wie die Angriffe zu verlaufen haben und führt sie aus. Sie spürt wie das Blut in ihrem Körper pulsiert. Wilde Erregung ergreift sie als sie für sich realisiert, dass sie mit dieser Kraft tatsächlich diesem Krieg ein Ende setzen kann.

‚Schwere Verluste an Kampfkraft‘ signalisiert das System auf Nayas Brille. „Irgendetwas verläuft nicht nach Plan. Ich muss diese Störung beenden.“ Sie erledigt die drei Soldaten, die sie umzingelt haben schnell und effizient durch drei lautlose Geschosse. Sie wird es nie verstehen, wieso sich schwache Lebewesen freiwillig in einen so sicheren Tod stürzen. ‚Accell-System activated‘ blinkt es vor ihren Augen auf und im selben Moment startet sie ihre Bewegung. Mit schnellen stoßartigen Sprüngen rauscht sie über das Kampffeld und weicht allen eventuellen Hindernissen ohne Probleme aus. Es vergeht keine Minute bis sie an ihrem Zielort ankommt. Und noch bevor sie wieder zum Stehen kommt, aktiviert sich ihr Informationssystem mit einer Nachricht, die sie so nicht erwartet hat. Auf dem Schlachtfeld vor ihr erkennen ihre Systeme eine Person, die eine 100,00% Übereinstimmung mit der einzigen Tochter des gegnerischen Königreiches hat, Linnya Vera Lallen von Turunia. Dieser Kampf ist automatisch beendet, wenn es ihr gelingt die Prinzessin als Gefangene zu nehmen. Effizientester Weg laut Berechnungen: Widerstand durch Brechen der Gliedmaßen verhindern. Noch bevor sie die Füße zur Landung von ihrem letzten Sprung auf den Boden setzt, zieht sie die beiden Waffen, die an ihren Waden befestigt sind und feuert mit jeder zwei Schüsse gezielt auf die Gelenke von Armen und Beinen unter Einberechnung aller ihrer wahrscheinlichen Bewegungen in der einen Sekunde, die der Prinzessin nun bleibt bis die Geschosse sie erreichen.

Ein kaltes Gefühl erfasst Felsis Körper. Es ist eine Art Warnsignal, das sie vor Gefahren schützt, doch so intensiv spürt sie es zum ersten Mal. Sie fokussiert all ihre Gedanken auf den Willen sich zu verteidigen. Sie macht eine halbe Drehung nach rechts und bewegt ihre Arme, sodass ihre Ärmel einen schützenden Schild bilden. Das Geräusch von Metall auf etwas massiven, rauen erklingt und vier kleine Projektile fallen vor ihr zu Boden. Als Felsi realisiert, was sie da eben getan hat bekommt sie Gänsehaut vor Aufregung. Sie hat ihre Kleidung auf dieselbe Art verändert wie sonst ihre Hände. Was ist wohl mit ihrer Kraft noch alles möglich? Doch es bleibt keine Zeit zu überlegen. Sie öffnet ihren Schild um zu sehen wer sie in diese Situation gebracht hat. Ihr gegenüber steht ein kleines Mädchen, aber in dem Moment in dem sich ihre Blicke treffen erkennt Felsi, dass sie es hier nicht mit einem normalen Soldaten zu tun hat. Dieses Mädchen ist gefährlich. Und sie reagiert schnell. Als Felsi sieht, wie das Mädchen sich in Bewegung setzt reagiert ihr Körper in der gewohnt gekonnten Weise. Sie wich dem ersten Schlag aus und wehrte den darauf folgenden ab. Das Mädchen nutzt den Schwung des geblockten Schlagen, beugt sich über und tritt nach Felsis Rippen. Mit einer sprunghaften Bewegung über das tretende Bein hinweg, weicht Felsi aus und greift sich im Sprung den Knöchel des Mädchens. Nach ihrer Landung dreht sich Felsi und schleudert ihren Gegner von sich weg.

‚Detaching‘ Das Bein, das die Prinzessin gegriffen hat, löst sich aus seinen Verankerungen, die Schaltkreise passen sich der Veränderung im Bewegungssystem an und ihr Gleichgewichtssensor kalibriert den Körper auf den neuen Schwerpunkt. Naya dreht sich auf ihrem verbleibenden Bein und reißt die Prinzessin durch den Schwung der Drehbewegung in die Luft. Sichtlich überrascht versucht die Prinzessin die Situation zu verstehen, doch dazu wird sie keine Gelegenheit mehr haben.

Naya geht in die Hocke und stößt sich ab. Einen Sekundenbruchteil später hat sie die Prinzessin erreicht und schlägt noch bevor diese wieder auf dem Boden aufkommt in Richtung der vitalen Punkte des menschlichen Körpers. Doch ihre Schläge werden durch den Körper der Prinzessin gestoppt. Es wirkt als würde ihr Körper an den Stellen, an die sie zuschlägt nicht von Haut und Fleisch sondern etwas viel härteren geschützt werden. Was aber nicht möglich war. Durch die ersten Angriffe konnte das System Gewicht und Beschaffenheit der Prinzessin und ihrer Ausrüstung analysieren. Und es gibt kein Metall, das solche Werte zuließ. Naya landet problemlos auf ihrem Bein und die Prinzessin rollt sich einige Schritte weiter weg ab. Bevor sie die ungewöhnliche Fähigkeit der Prinzessin effektiv bekämpfen kann müssen weitere Analysen vorgenommen werden. Während ihre Systeme nach möglichen Tests suchen, geht Naya in eine verteidigende Position und wartet.

Ihr Gegner ist definitiv kein Mensch. Diese Erfahrung hat Felsi nun schmerzlich lernen müssen, als sie nur das Bein ihres Gegners anstelle seines gesamten Körpers geworfen hatte. Sie hat schon oft von den technologischen Experimenten des rartesischen Königreiches gehört, aber dass sie mechanische Soldaten herstellen können, ist ihr neu. Felsi beobachtet das Mädchen, wie es trotz dem sie nur noch ein Bein zur Verfügung hat eine ausgeglichene defensive Haltung einnimmt. Sie muss diesen Feind ausschalten, denn solange die Rartesier so einen Krieger haben, stehen die Chancen für ihr Königreich denkbar schlecht. Doch sie konnte es schaffen. Entschlossen diese Bedrohung zu beseitigen startet sie einen weiteren Angriff. Sie bereitet ihren Körper auf den kommenden Schlag vor und zielt ohne Umwege direkt auf das Mädchen. Plötzlich durchfährt sie ein gewaltiger Schmerz. Nur wenige Zentimeter bevor ihr Schlag Naya erreicht, trifft sie ein gewaltiges Geschoss an der Schulter ihres anderen Armes und drückt sie so aus ihrer Angriffsbahn. Als Felsi die Ursache für die Unterbrechung erkennt befindet sich diese bereits wieder an ihrem ursprünglichen Ort. Das Mädchen hat das Bein, das Felsi vorhin weggeworfen hatte wie eine Kanonenkugel auf sie zufliegen lassen. Felsi stemmt sich hoch und hält sich ihre Schulter. Sie muss entscheidend umdenken, damit sie diesen Gegner besiegen kann. Sie darf nicht nur wichtige Punkte des Körpers schützen, sondern ihren gesamten Körper, damit sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sein kann. Die Zähne zusammenbeißend sammelt sie ihre Gedanken. Das wird diesem Mädchen kein zweites Mal gelingen.

Diagnose: Linker Arm nicht mehr benutzbar. Wahrscheinlichkeit auf erneuten Überraschungsangriff: 2,77%. Die Prinzessin scheint ihren Körper bzw. ihre Kleidung verändern zu können. Allerdings beschränkte sich das bisher nur auf die gefährdeten oder zum Angriff genutzten Stellen. Nun sieht es so aus, als würde sie ihren kompletten Körper auf diese Weise schützen. Allerdings schränkt ihr beschädigter linker Arm nun ihre möglichen Bewegungen stark ein. Nun gilt es den zweiten Arm auszuschalten. Naya nimmt eine grade Haltung ein und bereitet ihren rechten Arm vor. Die Maschinerie ihres Armes modifiziert diesen und bringt eine lange Kanone zum Vorschein, die für präzise Distanzangriffe gedacht ist. Wenn ich damit aus einer Distanz von mehr als einhundert Metern treffe, kann das Geschoss auch das härteste Material pulverisieren. Das sollte reichen, um den anderen Arm der Prinzessin und damit auch ihren Kampfeswillen zu brechen. Nachdem sie die Vorbereitungen abgeschlossen hat, aktiviert Naya ihren Flugmodus. Düsen in Form von metallenden Flügeln brechen aus ihrem Rücken hervor und befördern sie direkt in den Himmel über dem Schlachtfeld. Von hier aus sollte es ein leichtes sein, diesen Kampf zu beenden.

Ein weiteres Mal kann Felsi ihren Augen kaum trauen. Das Mädchen hat ihren rechten Arm in eine Art Kanone verwandelt und direkt im Anschluss ließ sie sich Flügel wachsen und verschwand in den Himmel. Wieder ergreift Felsi das eiskalte Gefühl einer bevorstehenden Gefahr und sie springt instinktiv zur Seite und rollt sich ab. Ein dumpfer Knall ertönt und da, wo sie eben Stand klafft ein mittelgroßes, mindestens einen Meter tiefes Loch. Sie wendet ihren Blick von dem Loch ab gen Himmel und muss die Augen zusammenkneifen, weil die Sonne sie blendet. Verzweifelt überlegt sie nach einer Möglichkeit, wie sie ihren Gegner so bekämpfen soll, als ein vertrautes Geräusch durch das Schlachtgetümmel an ihr Ohr dringt. Die Luftkampfflotte. Und in dem Moment kommt ihr eine waghalsige Idee. Felsi sucht ihre Umgebung ab und findet schnell das, was sie sucht. Einen großen hohen Stein, der von der Form her an eine Rampe erinnert. Entschlossen läuft sie los in Richtung des Steins. Über ihr vernimmt sie das Geräusch von Flugzeugen und Luftkämpfen. Die Gegner scheinen auch darauf Vorbereitet zu sein. Doch das ist jetzt egal. Felsi nutzt den Schwung ihres Anlaufs um den Stein zu erklimmen und als sie die höchste Stelle des Steins erreicht konzentriert sie ihren gesamten Willen darauf, dieses Mädchen zu besiegen. Und dafür muss sie nach oben. Ein unnatürlicher Impuls erschütterte den Felsen als Felsi sich von seiner Spitze abdrückt. Kurz darauf zerfällt der Stein in eine Vielzahl von kleinen Kieseln und Felsi schnellt in die Luft. Ihrem Gegner entgegen.

Diese Prinzessin widersprach allem, was Naya über Menschen gelernt hat. Sie kämpft trotz einer schweren Verletzung weiter und widersetzt sich nun auch noch den Gesetzen der Physik, indem sie sich durch bloße Kraft in die Luft katapultiert. Aber sie kann noch immer nicht fliegen, also besteht keine Sorge. Im Gegenteil. Solange sie in der Luft ist kann sie sich nicht so verteidigen, wie sie es am Boden könnte. Naya bereitet ihre Kanone vor und richtet sie auf den Punkt, an dem die Prinzessin den Scheitelpunkt ihres Sprunges erreicht haben wird. Das wird ihr Ende, doch für einen erfolgreichen Ausgang des Krieges darf sie nicht sterben, also wird sie die Prinzessin abfangen müssen, bevor sie wieder auf dem Boden aufschlägt, was aber laut der Berechnungen kein Problem sein sollte. Bereit für den finalen Schuss wartet Naya auf den richtigen Moment. Doch noch bevor die Prinzessin den Scheitelpunkt erreicht fliegt ein rartesisches Flugzeug an ihr vorbei. Oder besser gesagt in sie hinein. Normalerweise überlebt so ein Aufprall kein Mensch aber wie schon so oft macht die Prinzessin ihr einen Strich durch die Berechnung. Sie nutzt den Zusammenprall mit dem Flugzeug wie den Stein davor und stößt sich von dem Flieger ab. In schlängelnden Bewegungen geht das Flugzeugt zu Boden und mit einer enormen Geschwindigkeit fliegt die Prinzessin nun auf Naya zu. Unfähig ihren Antrieb schnell genug zu kalibrieren und zu aktivieren und noch verlangsamt durch die Verarbeitung der neuen Daten des Kampfes, gelingt es Naya nicht mehr rechtzeitig ein Ausweichmanöver einzuleiten. Die Prinzessin holt im Flug aus und trifft Naya direkt da, wo bei einem Menschen das Schlüsselbein ist. Systemmeldung: Massiver Schaden festgestellt. Fehlermeldung: Kurzzeitige Unterbrechung aller Systeme festgestellt. System wird reaktiviert. Naya war bewusst, was all diese Meldungen bedeuten. Sie hat ihren Gegner unterschätzt. Doch noch ist sie nicht bezwungen.

Das Mädchen fällt einige Meter im freien Fall neben Felsi her. Doch ihr Fall wird langsamer. Einen kurzen Moment schwebt sie in der Luft, dann richtet sich ihr Körper auf und sie beginnt wieder an Höhe zu gewinnen. Ihr Körper richtet sich direkt auf Felsi und beide Arme transformieren sich in Geschütze. „Verdammt!“, entfährt es Felsi, als sie sich nach einer Möglichkeit umsieht dem Schicksal zu entkommen, das ihr einmal mehr von dem kalten Gefühl in ihren Adern prophezeit wird. Sie nimmt ihre Umgebung in sich auf und stellt sich ihre nächsten Aktionen bildlich vor. Ein Knall signalisiert die Attacke des Mädchens. Felsi schaut sich um und muss entsetzt feststellen, dass das einzige Flugzeug in günstiger Position eines ihres Königreiches ist. Aber sie weiß, dass ihr Verlust auch den Verlust ihres Heimatlandes bedeutet, da kein Kämpfer es mit diesem Gegner aufnehmen könnte. „Verzeih mir.“ Sie steuert das Flugzeug an. Das pfeifende Geräusch der Geschosse ist ihr ungemütlich nahe. Sie landet auf einer der Tragflächen und drückt sich erneut in die Luft ab. Ihre Flugbahn so gewählt, dass sie nun direkt auf eines der gegnerischen Flugzeuge zufliegt schaut sie nach dem Flugzeug, dessen Tragfläche ihr eben noch das Leben gerettet hat, doch alles was sie sah war ein riesiger Feuerball. Verzweiflung und Wut stiegen in ihr auf. Das soll ihr das Mädchen büßen. Doch noch während ihres Fluges in Richtung des feindlichen Fliegers beschleicht sie erneut ein mittlerweile so bekanntes Gefühl. „Sie wird doch nicht!?“ Felsi sieht aus dem Augenwinkel zwei Geschosse auf sich zu rauschen. Sie bereitete sich auf ihren Aufprall an dem Flugzeug vor und schätzte ihre nächsten Schritte, oder eher Sprünge, ab. Einen nächsten Kandidaten ausgemacht setzt sie zur Landung an, stößt sich auf gewohnte Weise ab und spürt eine Gänsehaut über ihren Rücken gehen, als sie merkt wie sie von einer Druckwelle beschleunigt wird.

Warnung: Schaden an eigenen Einheiten festgestellt. Naya war mehr als bewusst, dass sie soeben einen ihrer Verbündeten erwischt hat, doch dieses Opfer war notwendig. Selbst wenn es nötig wäre alle Flieger auszuschalten, die ihr in dieser Höhe als Trittbrett dienen könnten, wäre es ein akzeptabler Preis für den finalen Sieg, berechnet man allein die Gefallenen der letzten zehn Jahre ein. Die Prinzessin setzt ihren Weg über die Flugmaschinen fort. Unerbitterlich feuert Naya eine Energierakete nach der anderen. Freund wie Feind verwandeln sich in ein unsägliches Feuerwerk aus Hitze und Metall. Der Prinzessin gelingt es jedoch immer wieder ihren Geschossen auszuweichen. Damit sollte jetzt Schluss sein. ‚Areal scan complete. Anticipation Mode activated‘. Vor Nayas Augen spielen sich die wahrscheinlichsten Bewegungen aller sichtbaren Flugzeuge sowie die daraus resultierenden Sprungmöglichkeiten der Prinzessin ab. Nun weiß sie, welche Flieger sie vernichten muss, um dieser sinnlosen Jagd ein Ende zu bereiten. Sie zielt auf die erwählten Flugzeuge und feuert. Sieben Geschosse fliegen passgenau auf ihre Ziele zu und lassen den Himmel vor Naya in einem hellen rot-orange erleuchten. Rauch versperrt die Sicht auf das Gebiet, in dem sich die Prinzessin nun befinden sollte, was aber kein Problem ist. Es gibt keine Möglichkeit für sie sich weiter in der Luft zu halten und nachdem sie die Prinzessin während ihres Falles kampfunfähig gemacht hat, wird sie sie behutsam zu Boden tragen. Naya bewegt sich auf die Wolke aus Rauch zu und erstarrt, als vor ihr die Prinzessin aus der Rauchwolke bricht und auf sie zu rast. Ein weiteres Mal schaffen es ihre Systeme nicht sich schnell genug der Situation anzupassen. Die Prinzessin erreicht sie zu schnell und trifft ein weiteres Mal direkt auf ihren Kern. Von der Wucht des Schlages weggedrückt fällt Naya etwas weiter hinter der Prinzessin gen Boden. Ihre Systeme sind nicht mehr in der Lage mehr als 22,09% ihrer Funktionen zu reaktivieren. Wie kann es sein, dass ein Mensch sie bezwingt? Doch noch hatte sie einen letzten Trumpf. Und dieser sollte nicht nur diesen Kampf sondern auch diese Schlacht beenden können. ‚Enigma-Core activated‘ leuchtet es vor ihren Augen auf. Ein letztes Programm, das den gesamten Rest ihrer Energien verbrauchen und den Kampf für das Königreich des Professors entscheiden wird.

Es hat funktioniert! Als Felsi durch den Rauch und die Explosionen flog übermannten sie ihre Trauer um die Opfer und ihre Wut über diese Art des Kampfes. Ihr Körper reagierte von allein und nutzte die herumfliegenden und fallenden Teile der Flugzeuge als Sprungbretter. Sie wurde immer schneller und ehe sie verstand, was mit ihr passierte rauschte sie auf das Mädchen zu und nutzte ihre Chance. Es sieht nicht so aus als könnte sie noch weiter kämpfen, stellt Felsi überwältigt fest. Sie wird nur noch darauf vertrauen müssen, dass sie ihre Haut vor den Auswirkungen ihres Aufpralls schützen wird, der ihrem jetzigen Fall unweigerlich folgen wird. Ein statischer Knall zieht jedoch kurz darauf ihre Aufmerksamkeit auf sich. „Unmöglich!“, entfährt es ihr. Das Mädchen rast auf sie zu. Um sich herum hat sie eine weiß-graue Sphäre aufgebaut und noch bevor sich Felsi im Fall so drehen kann, dass sie das Mädchen abbremsen kann, rammt sie die Sphäre in den Rücken. Die Sphäre rast nun mitsamt dem Mädchen und allem voran Felsi gen Erdboden. Entgegen aller normalen Fallbeschleunigung scheint diese Sphäre sie noch einmal um ein vielfaches zu erhöhen. Felsi hat keine andere Wahl als dem Erdboden dabei zuzusehen, wie er in Sekundenbruchteilen näher kommt. Wieder einmal sammelt sie all ihre Willenskraft und hofft auf ein Wunder.

Eine markerschütternde Erschütterung gefolgt von einer ohrenbetäubenden Explosion. Die wenigen Sekunden, die der Lärm anhält fühlen sich wie Stunden an. Nicht in der Lage auch nur einen Muskel zu rühren, liegt Felsi unter dem Druck der Sphäre des Mädchens und versucht ihre letzten klaren Gedanken zu bewahren, um nicht völlig das Bewusstsein zu verlieren. Nach einigen Sekunden beginnt das zermürbende Nachhallen der Explosion einer bedrückenden Stille zu weichen. Der Druck auf Felsis Rücken lässt nach und sie spürt einen dumpfen Aufprall auf ihrem Rücken. Mit aller Kraft schafft sie es sich zu drehen und befördert somit die Quelle des Aufpralls neben sich. Das Mädchen liegt mit geschlossenen Augen neben ihr. Felsi erkennt, dass dieses Mädchen nun keine Gefahr mehr darstellt, vorerst.

Doch dann steigt ein Gefühl der Übelkeit in ihr auf. Sie muss sich nicht aufrichten können, um das Ausmaß ihres Kampfes zu erahnen. Die Stille um sie herum spricht zu ihr mit mehr Stimmen, als ein Mensch verkraften kann. Sie waren alle tot. Freund wie Feind, gefallen wie schon so viele vor ihnen in einem Krieg, der mittlerweile viel zu lange andauerte. Felsi wollte mit ihrer Kraft das Leiden ihres Volkes beenden. Doch nun liegt sie hier, ohnmächtig etwas zu bewirken. Die Sonne steht im Zenit über der Ebene und eine leichte Bewölkung bricht das Licht auf ein angenehmes Maß herunter. Wie friedlich diese Szenerie doch sein könnte. Felsi schloss die Augen und Tränen rinnen ihr an den Schläfen entlang gen Boden. Alles was sie wollte war Frieden. Und nun soll es so Enden? Was werden ihr Vater und ihre Mutter wohl davon halten? Ein tiefes Gefühl der Sehnsucht, gemischt mit sowohl Hass als auch Dankbarkeit für ihre Gabe durchströmen sie. Das Gefühl in ihr wird immer intensiver und plötzlich beginnt sich einige Meter entfernt von ihr ihr ein weißes Licht zu materialisieren. Aus dem Licht formen sich vier seltsam ungleich geformte Flügel aus deren Mitte eine weibliche Gestalt erwächst. Ihr rotes Haar fällt ihr halb über das Gesicht und reicht über ihren gesamten Rücken. Die Gestalt bewegt sich über Felsi, so dass sie ihr direkt ins Gesicht sieht und sagt: „Du erkennst mich, oder?“ Die seltsam vertraute Stimme des Wesens bringt Felsis Blut in Wallung. „Ich bin der Avatar der Willkür. Deine Urahnen haben vor hunderten von Jahren einen Pakt mit mir geschlossen. Ich gab ihnen ein einzigartiges Blut mit der Auflage, dass die Willkür allein entscheidet wann und wo es sich aktiviert. Nun ist eure Zeit gekommen. Ich werde das Siegel brechen und ihr werdet das volle Potenzial eurer Blutlinie erfahren.“

Und noch bevor Felsi fragen kann, was ihre Urahnen der Göttin im Austausch gegen das Blut versprochen hatten, löst sich das Wesen in einer Woge aus Licht auf. Und mit dem Verschwinden der Göttin verschwinden auch Felsis Leiden. Ihr Körper fühlt sich komplett regeneriert an. Sie richtet sich auf und betrachtet noch einmal das Mädchen, das neben ihr liegt. „Metalic Beast Naya“, liest sie die Gravur laut. „Naya also? Ob du wohl wusstest, dass diese letzte Attacke ein Himmelfahrtskommando war?“ Sie ballte ihre Faust. „Ich werde dafür sorgen, dass Waffen wie du in Zukunft nicht mehr gebraucht werden. Jedenfalls nicht als Waffen.“

Entschlossen richtet sich Felsi in Richtung der feindlichen Armeen, die weit hinter dem Horizont warten. In ihr überschlagen sich der Wunsch nach Frieden und die Trauer um die Gefallenen und vereinen sich letztendlich zu dem Begehren, diesen Krieg zu beenden. Und als wöllte das Begehren gesprochen werden entkommen Felsis Mund Worte in einer Sprache, die wohl seit ihren Urahnen niemand mehr gesprochen hat. Die Erde um sie herum beginnt zu erzittern und plötzlich schießen überall aus dem Erdboden stählerne Menschen. Erst hunderte, dann tausende bis letztendlich nahezu die ganze Ebene voll mit Soldaten steht. Tief in sich spürt Felsi die Verbindung zu jedem einzelnen dieser Soldaten. Sie kann die Gefallenen nicht mehr zurückholen aber sie kann zukünftige Gefallene retten. Diese Armee wird ihr Mittel sein, um das Land zu vereinen. Kein General und kein König ist dumm genug, dieser Streitmacht zu trotzen oder sie gar herauszufordern. Und wenn diese Narren von Königen so auf ihre Eroberungsspiele stehen, dann wird sie ihnen jetzt einmal zeigen wie man so etwas macht.

„Ich werde Vater eine Brieftaube schicken müssen, damit er aufhört sich sorgen zu machen und die Festivitäten vorbereitet, sobald ich zurückkehre“, sagt sie schmunzelnd. „Es wird Zeit für mich aufzubrechen.“ Und so beginnt Felsi ihren Weg zur Vereinigung der Königreiche des Kontinents. Nicht ahnend, dass diese Ereignisse nur der Auftakt zu etwas sind, dass die Zukunft des gesamten Kontinents weit tiefer beeinflussen wird als das verschieben einiger Grenzen.

Runde 3: Gift gegen Magie

Flüsterfels. Ein kleines Dorf inmitten einer trostlosen und kahlen Landschaft. Die reichlich dreizehn Einwohner des Dorfes sind schon seit Jahrzehnten hier zu Haus und verbringen ihren Alltag damit sich durch Jagd und Ackerbau das Leben zu erwirtschaften. Ein Mann, geführt von der unsichtbaren Hand des Schicksals, kommt an diesem Tag in das Dorf, um zu Helfen und wird es verlassen, um sich einem weiteren Kampf zu stellen, der die Zukunft des LUFF Kontinents entscheidend beeinflussen soll.
 

Die Tür des Dorfschmieds öffnet sich und der Besitzer des Ladens schaut auf. In einem langen dunkelbraunen Mantel gehüllt, steht ein Mann in der Tür. Die Gewänder des Instituts für arkane Forschung, ein schwarze Pullover, eine schlichte aber feine Hose und eine dunkelgrünen Tunika, waren darunter zu erkennen. Das Gesicht fast vollständig verdeckt durch die Kapuze des Mantels geht er auf den Besitzer des Laden zu und bleibt direkt vor ihm stehen. Einige beklemmende Momente des Schweigens vergingen als die raue Stimme des Mannes ertönte: „Lange nicht gesehen, Hideaki Yuuhi.“ Der Schmied schaut seinen Besucher mit großen Augen an und eine Woge der Erleichterung überkommt ihn. „Bob?“, fragt er überrascht. Der Mann nimmt seine Kapuze ab und lächelt seinem alten Freund entgegen. „Ich bin so schnell gekommen, wie es mir die Winde erlaubt haben. Dein Brief klang sehr besorgt, sag was ist geschehen?“ Hideaki schaut betroffen zu Boden und spricht mit deutlicher Angst weiter. „Meine Frau, Lyna. Sie ist in den toten Wald aufgebrochen. Ich weiß nicht wieso. Ich fand nur diesen Brief von ihr. Bitte, dieser Wald.. er..“
 

„Genug“, unterbricht Bob Hideakis Ausführungen. Kein weiteres gesprochenes Wort sollte seinen Freund jetzt belasten. Bob kennt die Legenden um den Wald, der an Flüsterfels grenzt, nur zu gut. Der tote Wald. Legenden besagen, dass in diese Wald ein Wesen haust, das so furchterregend ist, dass sich um ihn herum keine Existenz traut auch nur ein Zeichen von Leben zu zeigen. Es leben angeblich weder Tiere noch Pflanzen in dem Wald. Die Bäume sollen schon seit Jahrzehnten weder wachsen noch vergehen. Sie befinden sich in einem toten Stadium doch die verdorrten Blätter an ihren Ästen klammern sich trotz ihres schon lange vergangenen Ablebens an den Bäumen fest, fürchtend, dass sie beim Fallen die Aufmerksamkeit jenes legendären Wesens auf sich ziehen könnten. Einige mutige Helden haben bereits versucht der Herkunft dieser Legende auf den Grund zu gehen, allerdings gibt es keine Geschichte von eben jenen, die weiter als zum Betreten des Waldes geht.
 

Bob schaut in das von Furcht und Sorge zerfressene Gesicht seines alten Freundes. „Es war richtig von dir, mir Bescheid zu geben. Ich werde Lyna wohlbehalten zurückholen.“ Hideaki schaut erstaunt auf. Dann glätten sich deine Züge und ein Ausdruck besorgter Akzeptanz legt sich auf sein Gesicht. „Versuche nicht, mir Hoffnungen zu machen. Ich bete zwar, dass ihr nichts passiert ist, aber ich bin bereits auf das Schlimmste eingestellt.“ Sein Kopf neigt sich zu Boden. „Und nun schicke ich meinen besten Freund in dasselbe Schicksal…“ Bob legt seine Hand auf Hideakis Schulter, welcher daraufhin zu ihm aufschaut. „Keine Sorge, alter Freund. Ich bin nicht an die Grenzen der bekannten arkanen Magie gestoßen, um meinen Weg in einem vertrockneten Gebüsch zu Beenden.“ Mit einem zuversichtlichen Lächeln auf den Lippen nickt er seinem Freund zu, der es ihm mit einem hoffnungsvollen Blick dankt. „Bereite ein Festmahl vor. Ich werde noch vor Sonnenuntergang mit deiner Frau zurück sein.“ Mit diesen Worten setzt sich Bob seine Kapuze wieder auf und verlässt die Schmiede. Das eben gespielte Lächeln verschwindet von seinen Lippen, als er sich in Richtung des Waldes aufmacht, denn Bob weiß besser als jeder andere, dass er sein Versprechen wohl nicht so leicht halten können wird.
 

Bereits beim Betreten des Waldes überkommt Bob ein unwohles Gefühl. Jeder Magier versteht sich auf das Aufnehmen seiner Umgebung und deren Elemente, doch in diesem Wald scheinen keinerlei elementare Ströme zu herrschen, geschweige denn ein natürliches Gleichgewicht. Er ist sich mehr als bewusst, dass er unter diesen Umständen nur ein beschränktes Arsenal an Zaubern nutzen kann. Doch obwohl sich alles um ihn herum seltsam anfühlt, kann er keinerlei Bedrohung verspüren. In diesem Wald lebt anscheinend wirklich überhaupt nichts. Mittlerweile irrt Bob eine gute halbe Stunde in dem Wald herum und kann noch immer keine Anzeichen finden. Weder von Feinden oder Freunden, noch von magischen Strömen. Doch plötzlich beobachtet er eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Schnell dreht er sich zur Quelle seiner Beobachtung um, doch außer einem toten Wald ist nichts zu sehen. Einen Moment verharrt er wartend, ob sich eventuell noch etwas rührt. Es dringt ein leises Knacken an sein Ohr. Jedoch nicht aus der Richtung der Bewegung, sondern von einem Ort hinter ihm. Einem sehr nahen Ort. Er wirbelt herum und zieht seinen Zauberstab. Kampfbereit und konzentriert beobachtet er seine Umgebung. Doch es ist niemand zu sehen, nicht einmal ein zerbrochener Ast auf dem Boden. Bob überblickt den Boden, um nach einer Spur zu suchen, doch eine weitere Bewegung zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Wieder versucht er ihr zu Folgen und verliert sie in dem Moment aus den Augen, an dem er sie fast erfasst hat.
 

„Welches Wesen ist nur so schnell?“, fragt sich Bob selbst. Noch während er die möglichen Kandidaten durchgeht, erscheint die Bewegung am Rand seines Blickfeldes ein weiteres Mal. Doch diesmal wird er nicht seinen Körper reagieren lassen, sondern seinen Geist. Er umfasst seinen Stab fest und sendet einen Befehl. „Brenne!“ Im Bruchteil einer Sekunde beginnt die Luft um ihn herum zu wabern und keine Sekunde später schießt ein Feuerball von der Größe von zwei Menschen auf das unbekannte Ziel. Der Zauber richtet sich auf die Gegend, in der das Wesen jetzt sein müsste und schlägt mit voller Wucht ein. Das Geräusch von lodernden Flammen ertönt laut und erlischt wenige Augenblicke später wieder. Bob dreht sich zu der Stelle des Einschlags und traut seinen Augen kaum. Der Wald war vollkommen unversehrt. Weder ein getroffener Feind noch ein abgebrannter Baum sind zu sehen. Nicht einmal ein Brandfleck dort, wo der Feuerball eingeschlagen sein sollte. Das war unmöglich. Bob sammelt erneut seine Gedanken, dann umfasst er seinen Stab und richtet ihn auf einen Baum in seiner Nähe. Er entfesselt einen großen Teil seiner Macht und wiederholt seinen ersten Befehl. „Brenne!“ Erneut wabert die Luft und um den Baum entsteht ein Flammenmeer. Doch anstatt in den lodernden Flammen zu verbrennen entschwinden die Flammen langsam, als würden sie vom Boden und den Bäumen absorbiert.
 

Das kann nicht wahr sein. Wie kann dieser Ort seine Magie absorbieren? Es geht einfach nicht! Bob versucht nun auf andere Elemente zurückzugreifen. Er zieht Kraft aus dem beständigen Element der Erde und beschreibt mit seinem Stab eine Linie. Ein Schutzzauber, der eine Erdmauer entstehen lässt. Doch erneut ist anfangs zwar das Geräusch von rumorender Erde zu hören, aber im Anschluss nichts zu sehen. Und auch sein Windkegel und seine beschworene Welle scheinen ihm nicht gehorchen zu wollen und tauchen nicht auf. Doch etwas anderes erscheint nun vor ihm. Ein Schatten. Eine menschliche Schattengestalt kommt hinter einem der Bäume hervor. Sie bewegt sich wankend auf Bob zu und scheint breit zu grinsen. Bob greift erneut nach der wilden Macht des Feuers, umfasst seinen Stab und richtet ihn auf den Schatten. Das bekannte Lodern erscheint und in dem Moment fliegt bereits der Feuerball auf den Schatten zu. Den Schatten direkt treffend explodiert der Feuerball und hinterlässt eine leere Stelle. Wieder keine Anzeichen eines Einschlags oder eines getroffenen Angreifers. Aber ein weiterer Schatten. Und noch einer. Hinter den Bäumen in Bobs Blickfeld treten die beiden Schatten hervor und fangen an sich wie der erste langsam zu ihm zu bewegen.
 

Bobs Gedanken rasen. Er versucht all seine bisherigen Erkenntnisse zu Analysieren und sein gesammeltes Wissen einfließen zu lassen. Kein ihm bekanntes Wesen kann einen solchen Angriff überstehen. Jedoch kannte er auch keine Schattenwesen, die in magieabsorbierenden Wäldern hausen. Doch es bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Trotz ihrer scheinbar langsamen Bewegung sind die Schatten bereits gefährlich nahe gekommen. Bob konzentrierte sich und macht seinen Stab bereit. An seiner Spitze sammelt sich die unbändige Macht des Windes und schießt in einem konstanten Strahl von dem Stab weg. Bob fasst den Stab mit beiden Händen und reißt ihn von einer Seite zur anderen. Der schier unendliche Luftstrahl folgt dem Stab und wie ein gewaltiges Schwert aus Luft durchschneidet er die beiden Schatten direkt in der Mitte. Der obere Teil der Schatten löst sich auf, doch der untere fällt einfach nur zu Boden. Die Schattenteile beginnen nun zu zischen und werden immer kleiner, bis sie ganz verschwunden sind. Verwundert beobachtet Bob dieses seltsame Geschehen und noch bevor er sich Fragen kann, was genau da eben passiert ist, lenkt ein weiteres Knacken seine Aufmerksamkeit auf einen Bereich hinter sich.
 

Ohne lange zu überlegen sammelt er, bereits während er sich umdreht, in sich die wogende Macht des Wassers. Nun auf seinen Feind gerichtet rammt er seinen Stab in den Boden und erteilt der gesammelten Macht seinen Befehl. „Ertränke!“ Im Moment des Befehls bilden sich um Bob mehrere kleine Blasen voll mit Wasser. Doch vor ihm ist kein Feind zu sehen. Aufmerksam beobachtet Bob seine Umgebung, bereit seine Macht freizusetzen sobald sich diese Schattenwesen zeigen. Doch statt der erwarteten Gegner aus den Bäumen trifft ihn etwas anderes am Rücken. Ein Schnitt von einem scharfen Schwert, allerdings nur mit seiner Spitze. Bob entfesselt seine Kraft. Die Wasserkugeln beginnen um ihn herum zu rotieren. Sobald sie ein Ziel treffen, werden sie ihre Kraft freisetzen und es dauert nicht lange bis sie es fanden. Eine gewaltige Wasserexplosion folgte der nächsten. Erfasst von der gewaltigen Welle, werden mehrere Schatten aus ihren Verstecken hinter den Bäumen hervor und unter die Wasseroberfläche gerissen. Wenige Augenblicke später verschwindet das Wasser wie gewohnt und mit ihm die Schatten.
 

Bob spürt einen heißen Schmerz in seinem Rücken. Was hat ihn da getroffen? Keiner der Schatten bisher hatte eine Waffe, allerdings könnten sie alle Krallen haben. Wie sollte er gegen einen ganzen verdammten Wald gewinnen? Immerhin scheinen die Schatten besiegt. Bob strafft sich und schaut sich vorsichtig um. Völlig still und unberührt liegt der Wald um ihn in einem mysteriösen Zwielicht. Ein dröhnendes Gefühl in seinem Kopf reißt Bob zu Boden. Ein unrhythmisches Hämmern betäubt all seine Sinne und lässt seine Auffassung von Zeit und Raum vollständig verschwimmen. Gefühlte Stunden oder doch nur wenige Sekunden? Die einzigen Dinge, die Bob spürt, sind das Hämmern in seinem Kopf und das taube Gefühl seiner Arme und Beine. In seinem Kopf tobt ein Krieg zwischen Farben und Geräuschen. Ein unwirkliches Verlangen nach mehr, ringt mit dem sehnlichen Wunsch nach dem Ende. Bilder aus seiner Vergangenheit vermischen sich mit Visionen der Zukunft. Unendlich viele Kombinationen aus Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Geschmäcken und Emotionen brechen zeitgleich über ihn herein. Doch einen kurzen Moment gelingt es Bob einen klaren Gedanken zu fassen. Und er versteht es, ihn zu nutzen. „Befreie!“ Sein Befehl richtet sich an alle Mächte, die sein Körper kennt. Eine Eruption von Magie strahlt von seinem Körper weg und erfüllt von all seiner Macht schwebt Bob einige Zentimeter über dem Erdboden. Ein Schwall der Säuberung fährt durch seine Gedanken und er sinkt langsam wieder auf seine Füße.
 

Was auch immer diesen Zustand hervorgerufen hat versteht sich auf sein Werk. Auch wenn er nicht weiß ob es ein Gift, ein Fluch oder ein Illusionszauber war, ist sich Bob sicher, dass sein Gegner ein Meister auf seinem Gebiet ist. Und er wird für seine nächste Attacke bereit sein. Eine weitere Woge der Magie durchströmt ihn. Ausgehend von der schwachen Präsenz der Magie, zieht Bob alle Macht zu sich, die er greifen kann und wird von einer gewaltigen Welle erfasst. Als wäre sie die ganze Zeit da gewesen, fließt eine Masse an Magie durch seinen Körper, wie er sie noch nie gefühlt hat. Um nicht gänzlich in der Magie aufzugehen, kanalisiert Bob seine Macht in einem Tanz der Elemente. Er lässt drei Steinschilde entstehen, hart genug um den Angriff der stärksten Kanonen zu überstehen und umgibt diese mit sichelarteigen Windströmen, die die Platten um seinen Körper rotieren lassen und selbst einen Diamantgolem zerschneiden könnten, würde er nach den Platten schlagen. Weiter außen bilden sich hunderte Wasserkugeln, die in vier Kreisen um ihn herum rotieren und über ihm bildet sich eine Platte aus Feuerbällen, bereit jeden Gegner zu verheeren, der sich ihm auch nur nähert. Doch Bob realisiert in dem Moment als all diese Dinge sich um ihn materialisieren, dass sie bei weitem nicht ausreichen, um die Magie zu gebrauchen, die er immer noch in sich aufnimmt. Er braucht eine Möglichkeit mehr Energie freizusetzen. Verzweifelt und erfüllt von Macht rammt er seinen Stab in den Boden und schickt eine gewaltige Menge an Energie aus in den Himmel. Und der Himmel antwortet ihm. In einem Bruchteil einer Sekunde wandelt sich die Magie in der Luft in eine zuckende Macht, spontan und tödlich wie die Natur selbst. Blitze. Und sie wollten benutzt werden. Sich völlig im Klaren, dass er soeben eine Möglichkeit gefunden hat, Magie zu nutzen lässt Bob seinem Forschungsdrang freien Lauf und setzt alle Magie frei.
 

Wie ein gewaltiger Regen schlagen überall um ihn herum Blitze in den Boden. Die Luft knistert vor Elektrizität und die Erde Bebte vor Magie. Der Wald um ihn herum leuchtet in den Farben des Chaos und überall hallt das Zucken der Blitze wider bevor sich die Magie wie gewohnt ohne Schaden am Wald in Nichts auflöst. Aber ein weiteres Geräusch erfüllt seinen Geist. Etwas löst seine Wasserbomben aus, aber nicht nur eine – sondern alle. Bob sammelt seine Gedanken und schaut sich um und lässt im selben Moment sein Feuerbälle in alle Richtungen regnen. Seinen Stab fest umklammernd beobachtet er seine Umgebung. Aber er kann nichts entdecken. Bereit seine Macht ein weiteres Mal zu nutzen, macht er sich bereit noch einmal Magie in sich zu ziehen, doch ein seltsames Geräusch lenkt ihn von seinem Vorhaben ab. Ein schrilles Zischen ertönt aus allen Richtungen. Und erst das dumpfe Geräusch, das kurz danach folgt macht Bob bewusst, was dieses Geräusch ausgelöst hat. Der Wind um seine Steine ist verschwunden und die Platten sind zu Boden gefallen. Ungläubig schaut Bob auf die Steinplatten. In dem Moment in dem er den Kopf wieder hebt, um sich umzuschauen, verschwimmt sein Blick. Er sinkt auf seine Knie und stützt sich mit den Händen auf dem Boden ab. Erst jetzt spürt er den starken Schmerz in seinem gesamten Körper. Seine Kraft lässt nach und er bricht auf dem Waldboden zusammen. Er starrt in den Wald, der langsam immer mehr und mehr verschwimmt, als plötzlich neben seinem Kopf zwei schwarze Stiefel auftauchen. Eine in einen schwarzen, zerflederten Mantel gehüllte Person läuft an ihm vorbei. Einzig das blonde lange Haar sticht aus der komplett dunklen Kleidung heraus. Die Person dreht sich um und spricht trotz der schwarzen Maske über ihren Mund mit einer klaren, weiblichen Stimme. „Normalerweise werden Menschen bereits durch das Halluzinationsgift, was in diesem Wald in der Luft liegt wahnsinnig und sterben. Doch selbst meinem Wissensgift, das stärker wirkt je mehr das Opfer weiß und je älter die Blutlinie ist, hast du widerstehen können. Du bist ein interessanter Mensch, wer hätte Gedacht, dass es eine eigentlich tödliche Dosis Nervengift braucht um dich zu Boden zu bringen. Magier scheinen wirklich eine natürliche Resistenz gegen Gifte zu haben…“ Bobs Sicht verschwimmt immer mehr und er merkt, wie ihn das Bewusstsein verlässt. „Halte dich in Zukunft von diesem Ort fern. Wenn ich dich das nächste Mal sehe, töte ich dich wirklich.“ Die Worte des Mädchens hallen in Bobs Gedanken wider, bevor er endgültig zusammenbricht.
 

Mit einem Dröhnen im Kopf erwacht Bob am Rand des Waldes. Ein Geruch von verschmorten und verbrannten Holz liegt in der Luft und einige hundert Meter entfernt sieht er die Lichter von Flüsterfels. Das Gefühl kehrt langsam wieder in seine Glieder zurück und er richtet sich auf. Vor ihm liegt eine junge Frau schlafend auf dem Boden. „Lyna!“, ruft Bob überrascht und hockt sich wieder hin. Doch sie reagiert nicht auf seine Versuche sie zu wecken. Er untersucht mit Magie ihren Körper nach inneren Blutungen oder anderen Verletzungen, kann aber nichts dergleichen feststellen. Er hebt sie vorsichtig hoch. Hideaki wird sicher überglücklich sein, seine Frau gesund wiederzusehen. Noch während seines Weges zurück in das Dorf fragt sich Bob, was genau passiert war, nachdem er vom Haus seines Freundes aus aufgebrochen ist. War er auf dem Weg in den Wald eingeschlafen? Er schüttelt den Kopf. „Was auch immer passiert ist. Ich verspüre keinerlei Drang diesen Wald zu betreten und da Lyna wieder da ist, gibt es dafür zum Glück auch keinen Grund mehr.“ Mit diesen Worten macht er sich immer noch grübelnd über seine Erinnerungslücke auf den Weg zu seinem alten Freund.
 


 

Auf der anderen Seite des Waldes steht Naryu, ihren Blick auf den Horizont gerichtet. In ihrer Hand hält sie den Brief, den diese seltsame Frau scheinbar für sie in den Wald gebracht hat. Sie sprach von einer göttlichen Aufgabe, diese Botschaft in den Wald zu bringen und fiel dann dem Gift in der Luft des Waldes zum Opfer. Sie hätte die Frau einfach liegen lassen sollen, doch der Magier scheint sie gesucht zu haben. Beim Gedanken an den Magier ballt Naryu die Faust und zerknittert dabei den Brief in ihrer Hand. Dieser Mann hat in seinem Kampf gegen ihre Gifte etwa neun Zehntel des Waldes zerstört. Das Halluzinationsgift muss wohl seine Fähigkeit beeinträchtigt haben Magie zu spüren und ihm Glauben gemacht haben, dass sein Wirken keine Schäden anrichtet. Sie blickt zum blutroten Vollmond, der eben am Horizont empor steigt. Es ist für sie nun an der Zeit ihr langjähriges Heim zu verlassen und dem Schreiber dieses Briefes zu zeigen, dass ihre Gifte nur ein geringer Teil ihrer Fähigkeiten sind und seit ihres letzten Einsatzes vor dreiundzwanzig Jahren keine ihrer anderen Fähigkeiten auch nur einen Hauch von Rost angesetzt haben. Im Gegenteil. Sie befestigt ihr Katana an ihrer Hüfte, checkt kurz den Inhalt ihrer zahlreichen Halterungen und Taschen, die über Mantel und Anzug verteilt sind und nickt sich dann selbst zu. Sie zerknüllt den Brief in ihrer Hand und wirft ihn hinter sich zu Boden. Wer auch immer dieses Schreiben an sie aufgesetzt hat wird bitter bezahlen.

Runde 4: Telekinese gegen Waffen

Einzelne Strahlen der Mittagssonne brechen durch das Laub der Bäume und lassen den Wald in einem harmonischen grüngelb leuchten. An einem der Bäume lehnt eine junge Frau, gekleidet in der traditionellen beige-braunen Elfentracht und doch sichtlich nicht elfischer Herkunft. Der Wind spielt mit den Locken in ihrem schulterlangen, blonden Haar. Sie betrachtet das kunstvolle Astkonstrukt des Waldes über ihr. Wie bei einem der vielen wunderschönen Gemälde, die sie aus den Häusern in ihrem Dorf kennt, winden sich die Äste in harmonischen Kurven ineinander so dass es schwer fällt zu sagen wo ein Baum aufhört und der andere anfängt. Sie hebt ihre Hand und hält sie sich vor den Mund, um ihr Gähnen zu verbergen. „So langsam könnte sie kommen..“, murmelt sie leise und streckt die eben gehobene Hand aus. Ihren Blick auf eine Stelle am Boden gerichtet konzentriert sie sich. Einige Steine an der Stelle fangen an sich zu bewegen und erheben sich schließlich in die Luft. Sara hält ihre Hand vor den Körper und dreht die Handfläche nach oben. Die Steine schweben langsam auf sie zu und verharren dann genau über ihrer Handfläche. Nach einer kurzen Pause beginnen die Steine einen Kreis zu formen und sich zu drehen. Einige Runden später teilt sich der Kreis in zwei. Beide Kreise bilden nun ineinander gehakte Ringe – einer horizontal, der andere vertikal - und beginnen sich erneut zu drehen. Sara stößt einen tiefen Seufzer aus und schaut erneut zum malerischen Konstrukt aus Ästen und Blättern über sich. „Ich hoffe sie verquatscht sich nicht wieder irgendwo..“
 

Etwa eine halbe Stunde entfernt, im Haupthaus der ‚Blattrinden‘ – der Kampf- und Schutzeinheit der Elfen – kniet eine junge Elfe zu Füßen ihres Lehrmeisters, bereit eine der höchsten Ehren im Reich der Elfen zu erhalten. Der kräftige, blonde Elf vor ihr spricht mit einer ruhigen, deutlichen Stimme: „Shinogami Lynasil. Tochter aus dem Haus der ehrenvollen Laublied-Familie. Die letzten drei Jahre hast du fleißig trainiert. Du hast unsere Regeln gelernt und gezeigt, dass du sie verstehst und anwendest. Wie schon unsere Ahnen vor vielen tausend Jahren wirst du von nun an einen Weg beschreiten, der nicht nur dem Schutz der Elfen und es Waldes sondern auch dem Schutz der Welt dient. Nur alle einhundert Jahre nimmt sich der Waffenmeister der Elfen die Zeit seinen Nachfolger auszubilden. Ich habe dir all mein Wissen übermittelt und dich darin trainiert es geschickt und weise zu nutzen. Erhebe dich.„ Die junge Elfenkriegerin erhebt sich und schaut ihrem Meister direkt in die Augen. Ein zufriedenes Lächeln zeichnet sich auf seinen Lippen ab. Er greift hinter sich und nimmt einen breiten, ebenholzfarbenden Koffer und hält ihn auf einem Arm vor sich und legt die freie Hand oben auf. „Es ist mir eine Ehre, dich hiermit offiziell in die Reihen der Waffenmeister aufzunehmen.“ Als er den Inhalt des Koffers offenbart läuft der jungen Elfe ein Schauer der Erregung durch den Körper. Sie greift nach dem Paar Handschuhe, verziert mit wunderschönen Ornamenten sowie dem Wappen der Waffenmeister, und legt sie sich an. Ihr Meister nickt ihr zufrieden zu. „Nun bist du ein vollwertiger Waffenmeister. Lass mich der Erste sein, der dich in unseren Kreisen willkommen heißt.“ Die Elfe salutiert und antwortet: „Habt vielen Dank, Meister. Ich werde meinen Rang mit Ehre und Stolz tragen.“ Ein Moment der Stille verstreicht, dann legt der Lehrmeister seine Hand auf ihre Schulter. „Dann lass deine Freundin nicht noch länger warten. Wir sehen uns zur Willkommensfeier heute bei Sonnenuntergang in der Festhalle.“ Mit einem aufgeregt fröhlichen Lächeln fällt die Elfe ihrem Meister um den Hals, verbeugt sich danach noch einmal zum Dank und verabschiedet sich dann. „Jetzt muss ich mich aber beeilen.“, geht es ihr durch den Kopf als sie die große Halle verlässt und sich auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt macht.
 

Mittlerweile drehten sich drei ineinander gehakte Ketten, jede bestehend aus vielen kleinen sich drehenden, ineinander gehakten Ringen aus Steinen vor Sara. Sie selbst hatte sich schon vor einer Weile hingesetzt und lümmelt nun gemütlich an einer Baumwurzel, eine Hand im weichen Gras, die andere wie ein Dirigent auf ihr aktuelles Kunstwerk gerichtet. „So langsam wird das auch langweilig.“ Grade als sie ihr Konstrukt auflösen will, um etwas Komplizierteres zu kreieren erklingt die Stimme ihrer Freundin: „Whoa! Du kannst schon so viele einzelne Dinge kontrollieren ohne dass sie sich gegenseitig behindern. Absolut Hammer!!“ „Hey Shini, das wird aber auch langsam Zeit!“ Auf diese Aussage hin lässt Sara die Steine anhalten und im nächsten Moment erfüllt das Aufeinanderprallen fallender Steine die Luft. „Das ist doch gar nichts, warte ab was du nachher sehen wirst. Aber nun erzähl, wie war es?“ Sie verschränkte die Arme und schaut ihre Freundin herausfordernd an. „Du hast mich ganz schön lange warten lassen.“ Stolz ballt Shini eine Faust und präsentiert mit einem Grinsen das Symbol auf der Rückhand ihrer neuen Handschuhe. „Vor dir steht die neuste Waffenmeisterin der Elfen! Dadaa!“ Sara lockert ihre Position und breitet die Arme aus. „Da sind wohl Glückwünsche angebracht! Ich freu mich für dich.“ Shini geht auf ihre Freundin zu und lässt sich von ihr umarmen. „Danke. Ich bin so froh, dass ich es tatsächlich geschafft habe.“ „Und diese Handschuhe erlauben dir jetzt deine Fähigkeiten jederzeit nach Belieben einzusetzen?“, fragt Sara während sie das Markenzeichen der Waffenmeister betrachtet. „Genau. Sie geben mir Zugriff auf ein schier endloses Arsenal an Waffen, von denen ich ohne falsche Bescheidenheit sagen kann, dass ich sie perfekt benutzen kann.“ Stolz die Hände zu Fäusten geballt und in die Hüfte gestemmt steht Shini vor Sara, die auf Shinis posieren mit einem Kichern antwortet. „Hier in der Nähe ist eine alte Ruine im Wald, dort ist relativ viel Platz. Magst du mir deine Fähigkeiten mal bei einem kleinen Training zeigen?“ Sara setzt einen Blick auf, der keine Widerworte zulässt. Ein herausfordernder Blick und Shini liebt Herausforderungen. „Gern. Du wirst staunen wozu ich in der Lage bin.“ Ein zufriedenes Nicken als Antwort gebend dreht sich Sara um und macht sich auf den Weg zu der erwähnten Ruine. Shini folgt ihr, vor lauter Vorfreude grinsend.
 

Schon nach wenigen Minuten erreichen beide das von Sara beschriebene Areal. „Hui~ Wie kommt es, dass du solche Orte kennst?“, fragt Shini während sie die verfallenen Überreste bestaunt. „Immer wenn du beim Training warst habe ich mich eben etwas im Wald umgesehen“, erklärt Sara. Im selben Moment dreht sie sich um und schaut Shini an. „Bereit?“ Sofort war Shinis Fokus auf ihrer Freundin und sie in Kampfposition. „Immer.“ Sara grinste. „Dann leg mal los. Zeig mir was ein Waffenmeister so drauf hat!“ Das war der Startschuss. Shini streckt ihre Arme aus und greift in die Luft, doch ihr Geist greift nach einer Waffe und noch sich bevor sich ihre Hand ganz schließt hält sie in beiden Händen einen Bumerang. Sie schleudert die beiden Wurfgeschosse auf Sara. „Wie gefällt dir das!?“ Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit fliegen die beiden Bumerangs direkt auf ihr Ziel zu, einer auf Oberkörper-, der andere auf Kniehöhe. Sara weicht ihnen zwar mit einem leichten Schritt zur Seite ohne Probleme aus, muss sich aber bereits auf die nächste Attacke konzentrieren, da Shini ihr direkt nach ihrem ersten Angriff mehrere Pfeile als Nachtisch entgegen geschossen hat. Diese fliegen nun direkt auf die beiden Stellen zu, zu denen Sara vor den Bumerangs ausweichen konnte und haben sie damit direkt im Visier. Es gelingt ihr dankt einer geduckten Rückwärtsrolle allen Pfeilen auszuweichen doch noch bevor sie auch nur Luft holen kann bemerkt sie ein bekanntes Geräusch. Von beiden Seiten kommen nun die Bumerange, denen sie vorhin so leicht ausgewichen ist, auf sie zu. Ihre Position lässt keine schnellen Ausweichmanöver zu. Ein zufriedenes Grinsen zeichnet sich auf Shinis Gesicht. „Wie geplant.“ Doch der erwartete Erfolgstreffer bleibt aus. Die beiden Wurfgeschosse hängen einige Zentimeter weg von Sara in der Luft. „Du hast sie mit deinen Kräften aufgehalten? Das ist nicht fair! Wie soll ich dich da überhaupt treffen?“ Sara lässt die Bumerange zu Boden fallen und richtet sich auf. „Stimmt, im Notfall könnte ich einfach dich anheben und somit stoppen.“ Sie verschränkt die Arme und überlegt. „Ich habs!“, ruft sie schließlich nach wenigen Momenten. Sie streckt ihre Arme zu beiden Seiten gen Boden aus und konzentriert sich. Die Erde um sie herum beginnt an einigen Stellen zu vibrieren und keine Sekunde später erheben sich mehrere Erdbrocken von vier verschiedenen Stellen um Sara herum. Sie betrachtet die einzelnen Ansammlungen von Erde und nickt zufrieden. „Das sollte reichen. Nun muss ich nur noch..“. Sie schließt die Augen und spricht einen wortlosen Befehl an die vier Erdansammlungen. Diese beginnen nun sich zusammenzufügen und jede für sich formt ein Schwert. „Na bitte!“ Somit ihre neueste Konstruktion beendend lässt sie ihre vier Schwerter aus Erde um sich kreisen. „Was meinst du? Ich werde deine Waffen nicht telekinetisch beeinflussen, sondern so kämpfen.“ Shini betrachtet die Schwerter skeptisch. „Und du meinst dass das reicht? Ich glaube du unterschätzt mich.“ Plötzlich hören die Schwerter auf sich zu drehen und positionieren sich um Sara. Jeweils eines auf Oberarmhöhe links und rechts und die anderen beiden parallel etwa einen halben Meter darüber. Alle Spitzen auf Shini gerichtet. „Komm und finde es heraus!“, ruft Sara herausfordernd. Shini greift nach ihrer unsichtbaren Scheide, zieht mit jeder Hand ein Langschwert aus dem Nichts und sprintet auf ihre Freundin zu. „Das lass ich mir nicht zweimal sagen!“
 

Schnell wie der Wind stürmt Shini auf ihre Freundin zu. Ihre Schwerter bereit zum Angriff setzt sie zum Sprung an und befördert sich grazil in die Luft. Sara schickt ihr zwei ihrer Schwerter entgegen während sie die anderen schützend zwischen sich und Shini hält. Mit einer anmutigen Drehung in der Luft lässt Shini eines ihrer Langschwerter direkt durch eines von Saras Erdschwertern gleiten, welches darauf hin direkt zerbröselt. In dem Moment in dem das Langschwert das Erdschwert durchschneidet erkennt Sara ihr Problem. Erde ist zu locker, sie benötigt mehr telekinetischen Druck um die Erde zusammen zu halten, selbst wenn sie auf ein Hindernis trifft. Gedacht, getan. Sie konzentriert sich auf das zweite Schwert, welches kurz vor dem Zusammenprall mit Shinis zweitem Langschwert steht. Ihre Drehung weiter vollführend schlägt Shini nun mit dem zweiten Schwert zu, um sich den Weg hinab zu ihrer Übungspartnerin zu bahnen. Doch anstatt zu zerbröseln wie sein Vorgänger pariert das zweite Erdschwert ihren Angriff und unterbricht sie damit in ihrer Drehung. Somit in ihrem Flug abgelenkt stößt sich Shini mit ihrer Klinge von dem Erdschwert ab und beschreibt einen weiteren Bogen in der Luft. Sie lässt ihre Schwerter verschwinden und greift nach ihrem Bogen. Diesen, Dank der Macht der Waffenmeister, aus der Luft gezogen spannt sie im Flug zehn Mal nacheinander jeweils drei Pfeile und feuert diese in Saras Richtung. Ein gigantischer, flächendeckender Pfeilregen rauscht direkt auf Sara zu. Diesem Regen auszuweichen war genauso unmöglich wie das Untergehen der Sonne zu verhindern. Sara reißt ihre Arme nach vorn und der Boden vor ihr erbebt. Eine gewaltige Masse an Erde erhebt sich und formt um sie herum einen halbrunden Schild. Ohne eine Möglichkeit etwas zu sehen starrt sie nun auf die Innenseite ihres Schutzschildes in Erwartung des Aufpralls der Pfeile. Ein seltsames Summen erfüllt die Luft als die Pfeile nacheinander gegen den Schild prasseln. Einige fallen direkt zu Boden, andere schaffen es den Schild zu durchdringen, schaffen es aber dank Saras schneller Reaktion nicht komplett hindurch, da sie die Erde um diese Pfeile herum zusammendrückt. Als das Geräusch von aufprallenden Pfeilen verstummt lässt Sara ihren Schild herunter und erschafft sich noch währenddessen erneut vier Schwerter, die sie um sich herum horizontal kreisen lässt. Sie schaut sich um. Der Boden vor ihr war übersäht mit den Pfeilen des letzten Angriffs, doch von Shini fehlte jede Spur. Wachsam beobachtet sie ihre Umgebung, die Sinne geschärft um auf jeden verdächtigen Laut reagieren zu können. Plötzlich ein zischen hinter ihr. Sie richtet ihre Schwerter zur Parade zwischen sich und das Geräusch sieht aber vor sich nur eine Standarte mit der Aufschrift „Reingefallen“ stehen. Erst zu spät erkennt sie ihren Fehler. Von einer kleinen Strauchhecke aus saust Shini nun mit einem langen Kampfstab in der Hand auf sie zu. Genauer gesagt ist sie schon fast in Angriffsreichweite. Sara versucht ihre Schwerter rumzureißen und die Attacke zu parieren, doch es ist zu spät. Sie verschränkt die Arme zum Schutz und kneift die Augen zusammen, den zwiebelnden Aufprall des Kampfstabes erwartend.
 

Das Geräusch eines gewaltigen Aufpralls erfüllt die Luft, doch Sara verspürt nicht den erwarteten Schmerz. Ein umso Schmerzerfüllterer Schrei von Shini folgt dem Geräusch des Aufpralls. Als Sara die Augen öffnet kann sie diesen kaum glauben. Vor ihr steht ein riesiger Baloth – eine sagenumwobene Bestie der Wälder. Aber wie kommt der hier her? Und wie konnten weder sie noch Shini ihn bemerken? Bei dem letzten Gedanken stockt ihr der Atem. „Shini?!“ Sie schaut nach ihrer Freundin und findet diese einige Meter weiter weg am Boden kniend. Ungläubig schaut sie noch einmal auf die Bestie. Kurze aber kräftige Beine tragen den Körper des grünen Kolosses. Seine Arme waren so mächtig wie die ältesten Bäume, die sie kennt und sein Kopf besitzt ein riesiges, animalisches Maul. Dann runzelt Sara die Augenbrauen. Sitzt dort auf der Schulter des Monsters eine Frau? Die Dame in Weiß streicht ihr langes rotes Haar zurück und lächelt zufrieden. Als sie Saras Blick bemerkt erwidert sie diesen mit einem kurzen Winken. Sara wollte eben dazu ansetzen nach ihr zu rufen, doch in dem Moment war die Frau verschwunden. Unsicher ob sie sich das eben nur eingebildet hat richtet Sara ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Baloth, und dieser richtet seine auf sie. Mit einem gewaltigen Arm ausholend stößt er ein furchterregendes Brüllen aus und schlägt mit der rohen Gewalt der Natur nach Sara. In einem Schwall der Angst lässt Sara sich selbst von ihren Kräften erfassen und bewegt sich selbst in die Luft. Einen kurzen Moment muss sie erstaunt auf die Faust des Baloth schauen, die ihr Ziel verfehlt hat und nun durch den Schwung in der Luft hängt. Sie schwebt! Natürlich – wenn sie durch ihre Telekinese andere Objekte bewegen kann, wieso nicht auch sich selbst? Doch jetzt war nicht der Zeitpunkt sich über neuentdeckte Tricks zu freuen, denn der Baloth nutzt den Rückschwung seiner ersten Attacke um mit seinem anderen Arm einen zweiten Versuch zu starten Sara dieselbe Kraft spüren zu lassen wie Shini davor.
 

Leicht benommen gelingt es Shini doch wieder ihre Sinne zu fokussieren. Noch immer überrascht über die Wucht des plötzlichen Schlages reibt sie sich über den Körper. „Keine ernsthaften Verletzungen, ein Glück.“ Sie schaut zu dem Ursprung der Unterbrechung. „Ein Baloth.. Ich kann es noch immer nicht glauben. Legenden zufolge war die letzte Sichtung eines lebenden Baloth vor siebenhundert Jahren. Dieses Monster sollte gar nicht existieren.“ Als sie sich die Bestie genauer anschaut erkennt sie auch ihre Freundin, die mit aller Mühe den Schlägen des Monsters ausweicht und seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie richtet sich auf und schlägt mit den Fäusten symbolisch zusammen. „Halte ihn noch etwas beschäftigt, Sara. Ich komme!“ Auch wenn ihre Freundin sie nicht hören kann weiß Shini, dass sie sich auf Saras strategisches Denken verlassen kann. Ein weiteres Mal springt sie hoch um eine bessere Koordination für ihre Attacken zu haben. Sie beginnt in der Luft zu rotieren und als sie genug Geschwindigkeit hat beginnt sie aus der Luft nach Schwertern zu greifen. Für jede Runde, die sie sich um die eigene Achse dreht greift sie mit jeder Hand nach einem Schwert und wirft es auf vitale Punkte der Bestie. Die ersten acht verteilen sich auf beide Beine, als Ziel die für das Gleichgewicht wichtigen Punkte der Muskeln. Die nächsten zehn Schwerter fliegen in Richtung des Körpers. Sechs davon auf seine Wirbelsäule gezielt und jeweils zwei auf die Schultern. Die letzten vier Schwerter zielen direkt auf den Kopf. Noch bevor das erste Schwert sein Ziel erreicht hat landet Shini wieder, greift in der Drehung, die ihre Rotation abbremsen soll nach zwei gigantischen Bolas und schleudert diese auf die Beide des Monsters. Danach greift sie nach einem riesigen Hammer, nimmt ihn in Anschlag und stürmt auf ihren Gegner zu. Während ihres Ansturms trifft jede ihrer Aktionen genau ins Schwarze. Der Baloth bäumt sich vor Schmerz auf als die Schwerter ihre Ziele treffen und als die Bola sich um seine Beine wickelt und festzieht verliert er endgültig das Gleichgewicht und fällt. Doch in diesem Moment vollführt die Bestie eine Bewegung, von der Shini nicht sagen kann ob sie auf Zufall, Instinkt oder Intelligenz des Wesens zurückzuführen ist. Es dreht sich im Fall und schaut Shini direkt an. Der wilde, unzähmbare Ausdruck in den Augen des Baloth lässt ihren Atem stocken. Sie gerät ins Wanken und bemerkt zu spät, dass der Baloth in seiner Drehung einen Arm mitgerissen hat. Es ist zu spät. Ein weiteres Mal wird sie von der gewaltigen Macht der Bestie getroffen. Doch diesmal hat sie auch Geschwindigkeit gehabt und der Treffer erfolgt frontal, nicht seitlich wie beim ersten Angriff auf sie. Sie spürte weder den Aufprall noch Schmerzen – alles um sie herum war schwarz.
 

„Shini!!“ Durch das plötzliche Wanken und Brüllen der Bestie verunsichert, konnte Sara, die zu weit weg war um noch etwas zu machen nur mit ansehen wie ihre Freundin durch die Wucht des Schlages in den Wald geschleudert wurde. Sie wollte den gesamten Baloth stoppen, doch ihre Macht war nicht groß genug. Sie konnte nichts tun. Wie soll sie das Monster jetzt noch besiegen? Wieso kommt eigentlich sonst keiner? Sollten nicht schon lange die elfischen Ritter auf dieses Monster aufmerksam geworden sein? Verzweiflung und Wut überfluten Sara. Das Gefühl der Ohnmacht wird von einem tiefen Schuldgefühl gefolgt. Diese Bestie hat ihre beste Freundin auf dem Gewissen. Nein. Dieses Wesen hat mit Sicherheit kein Gewissen. Dieses Wesen.. verdient.. Bestrafung! Als diese Gedanken ihren Kopf erfüllen spürt Sara, wie eine vertraute Kraft in ihrem Körper quellt. Eine Energie, die verlangt frei gelassen zu werden. Saras Augen beginnen in einem strahlenden Blau zu leuchten. Ihr Atem tritt als hellblauer Nebel aus und eine unsichtbare Welle Energie umringt sie. Die Kraft strömt förmlich aus ihr heraus. Sie spürt ihre Umgebung. Jedes einzelne Objekt, das sich ihrer Kraft unterwirft. Blinder Zorn übernimmt die Kontrolle über ihre Aktionen und ein fürchterlicher Ausdruck legt sich auf ihr Gesicht. Ein Ausdruck, der nicht nur Wissen über ihre Macht signalisiert, sondern auch den Willen und die Ideen sie zu nutzen. Sara schwebt einige Meter über dem Baloth. Ihre Arme ausgestreckt lässt die die immer weiter quellende Kraft aus sich fließen. Die Luft um die Lichtung ist mittlerweile erfüllt mit schwebenden Ästen aus dem Unterholz und Steinen. Dazu gesellen sich nun auch große Steine und Felsen, bis die gesamten Überreste der Ruine um Sara herum schweben. Ihren Zorn in einen Angriff formend fangen alle schwebenden Dinge an nach oben zu steigen und sich in einer riesigen Kugel über ihr zu sammeln. Durch die immer noch nicht versiegende Macht sind auch mehrere Bäume aus der Umgebung entrissen worden, die sich nun der Masse beifügen. Eine Hand zu der überdimensionalen Kugel gerichtet starrt Sara wütend auf den am Boden liegenden Baloth. Dieser versucht gerade verzweifelt wieder auf die Beine zu kommen, doch die Bola ist noch fest um seine Knöchel geschlungen. Wüten brüllt und beißt er in die Luft. Sara atmet tief ein. Vor ihren Augen spielt sich die Szene wie das Biest ihre Freundin mit brutaler Gewalt zerschlägt immer und immer wieder ab und jedes Mal verstärkt sich ihre Wut. Sie lässt die Kugel in sich rotieren, wartet einen kurzen Moment, bis sie eine ihrer Meinung nach angemessene Geschwindigkeit erreicht und reißt dann den Arm in Richtung des Baloth. Und die Kugel folgt ihr. Ein schmerzerfülltes Schreien durchdringt den tosenden Lärm, den die Kugel bei ihrem Aufschlag verursacht. Eine Mischung aus Umwelt, grünem Blut und Staub erfüllt die Luft um den Baloth. Nie wieder wird er jemand schaden können. Langsam sinkt Sara zu Boden. Ihr Körper fühlt sich schwach an, als wäre soeben all ihre Energie aus ihr herausgeflossen. Ungläubig über das, was eben passiert ist kniet sie einige Meter vom Kopf des Unwesens. Sie sieht es direkt an. „Warum?“ Angst und Verzweiflung erfüllen ihre Stimme, die zitternd ihren Worten Klang verleiht. „Warum lebst du noch?“ Das Auge des Baloths starrt sie direkt an. Ein kalter und wilder Blick, der das letzte Fünkchen Hoffnung aus Sara fahren lässt. Das Wesen richtet sich halb auf und öffnet sein riesiges Maul bereit Sara mit einem Bissen zu verspeisen. Doch nach einem kurzen Zucken verharrt es in dieser Position. Riesige Lachen von Blut fließen von der Hinterseite seines Kopfes zu Boden und mit einem widerlichen Platschen fällt der Kopf der Bestie zu Boden. Tränen beginnen Saras Blick zu trüben. Vor ihr steht Shini. Sowohl von ihrem als auch vom Blut der Bestie überströmt stützt sie sich an einen gewaltigen Zweihänder und keucht vor Erschöpfung. Kleine weiße Flügel an ihren Stiefeln bewegen sich langsam auf und ab. Heiße Tränen rinnen über Saras Wangen. „Shini.. du.. leb..“ In diesem Moment entschwindet alle Kraft aus Saras Körper und sie kippt bewusstlos zur Seite.
 

„Diese Artefakte, die du da beschworen hast sind alte Relikte aus vergangener Zeit.“ Der Held der Elfen lobt Shini mit einem anerkennenden Blick. „Ich bin erstaunt, dass du bereits nach so mächtigen Waffen greifen kannst.“ Shini schaut auf ihre zitternden Hände herab. „Hätte mich nicht dieses mächtige Schild geschützt wäre ich tot.“ „Wie dich heute hat mich dieses Schild schon unzählige Male gerettet. Ich bin sehr stolz auf dich.“ Doch all die lobenden Worte vermögen es nicht den Schmerz zu stillen, den dieser Kampf hinterlassen hat. All ihre körperlichen Wunden sind bereits am heilen doch Sara liegt seit diesem Kampf im Koma. Der Held bemerkt Shinis Blick und spricht mit einer ruhigen Stimme zu ihr: „Die besten Schamanen haben sich ihrer angenommen. Ich bin mir sicher, sie wird bald wieder zu sich kommen.“ Schini nickt, doch das ist ihr nicht genug. Sie ballt ihre Hände zu einer festen Faust und schaut ihrem Lehrmeister entschlossen in die Augen. „Ich werde herausfinden, woher diese Bestie kam.“ Nach einer kurzen Überraschung glätten sich die Züge des Helden und er nickt ihr zu. „Es stimmt, dass diese Wesen eigentlich nicht existieren sollten. Wenn du diesem Rätsel auf den Grund gehen willst, werde ich dich nicht aufhalten.“ Er schaut gen Himmel und schließt dann die Augen. Nach einem kurzen Moment wendet er sich wieder zu Shini und schaut sie direkt an. „Aber versprich mir, dass du auf dich aufpasst.“ Shini nickt. „Das werde ich.“ Sie nimmt sich ihren Umhang und geht zur Tür hinaus. Sie wird noch einiges an Recherche über diese Wesen anstellen müssen bevor sie aufbrechen kann. Am besten fängt sie sofort damit an.

In der Tür hinter ihr steht der Held der Elfen, ihr Lehrmeister voller Stolz und verschränkt die Arme vor seiner Brust. „Wenn jemand die Wahrheit über dieses seltsame Ereignis aufdecken kann, dann du. Viel Glück, Shinogami Lynasil von der Laublied-Familie. Ich werde deine Rückkehr hier mit deiner Freundin erwarten.“

Halbfinale 1: Nate vs. Felsie

„Wie konnte so etwas geschehen?“ Nachdem Felsis stählerne Truppen erfolgreich und ohne weiteres Blutvergießen ihre Verhandlungen für ein vereintes Königreich unterstützt haben, ist sie auf dem Weg zu ihrem letzten Ziel. Die Festung des rartesischen Königreiches. Ihr Traum war zum Greifen nahe, doch das Schicksal scheint sie nun ein weiteres Mal auf die Probe zu stellen. Ein gewaltiges Brüllen ertönt, gefolgt von einem lauten Scheppern. Vor Felsis Augen schlägt ein riesiges Wesen eine Schneise durch ihre Streitmacht. Sie kennt die Legenden über die alten Erdtitanen, doch sie sollten eigentlich alle tot sein. „Wie kommt dieses schwarze Ungetüm nur hier her?“ Felsi schüttelt den Kopf, um ihre Gedanken zu ordnen. „Jetzt ist nicht die Zeit für eine neue Mythologietheorie. Dieses Wesen ist eine Bedrohung für alle Menschen, ich muss es hier aufhalten.“ Mit diesen Worten holt Felsi tief Luft. Sie spürt den Funken in sich, den die Göttin erweckt hat, und mit entschlossenem Blick läuft sie in Richtung des Titanen.
 

Ein ohrenbetäubender Schrei wirft hunderte Soldaten zu Boden. Mit jedem Schlag erwischt er mindestens zwei und unter jedem Stampfen gehen mindestens zwei weitere zu Boden. Nate mobilisiert seinen Zorn kontrolliert auf jene, die damals die Götter in ihrem Feldzug gegen die Titanen unterstützt haben. Ihre Zahl mag ein Tausendfaches sein, doch keiner von ihnen kann seiner neuen Rüstung auch nur einen Kratzer zufügen. Hätten doch nur seine Ahnen schon die Kunst des Schmiedens soweit perfektioniert wie er in den Jahrhunderten, die er auf diesen Moment gewartet hat. Eine schwarze Rüstung, durchzogen von roten Linien lässt den riesigen Erdtitanen wirken, wie ein wandelnder Vulkan. Das Gemisch aus Diamant, Obsidian und Orichalcos bildet einen unzerstörbaren Panzer, der Nates kompletten Körper umhüllt. Auf seinen Schultern trägt er nicht länger die Anführerin des damaligen Kampfes sondern den Führer seines jetzigen Kampfes – eine dicke, rundliche Schulterplatte verziert mit der Titanenrune für ‚Rache‘. Mit wütenden Schlägen arbeitet er sich durch die Schaar seelenloser Soldaten.
 

Mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit schnellt Felsi auf den Titanen zu. Ihr Wille, das alles so schnell wie möglich zu beenden, verleiht ihr förmlich Flügel und ihr Heer reagiert auf ihre Gedanken fast noch bevor sie sie selbst realisiert. Eine Schneise öffnet sich vor ihr und legt den Weg zu dem riesigen Geschöpf frei. Trotz der Umstrukturierung hören die Soldaten nicht auf zu kämpfen und rücken weiter gegen ihren gigantischen Gegner vor. Felsi legt an Geschwindigkeit zu und nun trennen sie keine hundert Meter mehr von dem Titanen. Der Titan scheint die heranschnellende Heerführerin mittlerweile bemerkt zu haben und hält in seinen Angriffen ein. Er wendet sich zu seiner Angreiferin und baut sich auf als würde er versuchen sie einzuschüchtern. Mit einem Mal hebt er sein Bein und stampft mit einem gewaltigen Krachen auf den Boden. Vor ihr schießt nun ein riesiger Felsen aus der Erde.
 

Felsis Gedanken reagieren instinktiv und sie setzt zum Sprung an. Eine starke Kraft durchströmt ihre Beine als sie abspringt und doch reicht es grade aus, um über den Felsen zu springen, der mindestens drei Meter aus der Erde ragt. Als sie am Scheitelpunkt ihres Sprungs ist, erkennt sie unweit von sich den Titanen, wie er seine beiden Fäuste aneinander schlägt. Noch bevor sie sich Fragen kann, was er da macht kribbelt ihr gesamter Körper und sie bemerkt die Vibration in den Felswänden links und rechts neben ihr. Keine Sekunde später schießen aus beiden Seiten breite Felsen auf sie zu, mit der unverschleierten Absicht sie zwischen sich zu zerquetschen. Felsi rotiert in der Luft und versucht ihren Fall zu beschleunigen und um Haaresbreite verfehlen die Felsen ihren Körper als sie knapp hinter ihr mit tosendem Lärm zusammenprallen. Doch ein Blick auf ihren Gegner und ein altbekanntes Gefühl in ihrem Körper sagen Felsi, dass es noch nicht vorbei ist.
 

Nates Blick verfinstert sich. Wer ist dieser Mensch? Sie überwindet mit scheinbarer Leichtigkeit seine Angriffe. Ihre Reflexe und ihr Glück müssen das übermenschliche schon fast übersteigen. Anders hätte sie seinen Angriff nicht auf diese Weise überleben können, doch noch war genug Platz zwischen Nate und seinem Angreifer. Mehr als genug um diesem Menschen zu zeigen, wo seine Grenzen liegen. Nates Sinne greifen nach seiner Umgebung. Er fühlt die Energie, die das Gestein umgibt und schnell adaptiert er dieses Gefühl als sein eigenes. Nun ist die gesamte Umgebung wie ein Teil seines Körpers. Ein Teil, den er die letzten Jahrhunderte bestens trainiert und perfektioniert hat. Er reißt seinen Arm nach vorn und hält ihn in Richtung seiner Gegnerin. Ein großer Felsen schnellt aus der Wand rechts von ihr und droht sie gegen die gegenüberliegende Wand zu pressen. Mit einem schnellen Satz vorwärts, entwischt sie der Ramme, doch Nate hatte ihren Instinkt vorhergeahnt und leicht versetzt zu der ersten, eine zweite Ramme hervorschnellen lassen. Überrascht von der vorher nicht sichtbaren Felsmasse, kann seine Gegnerin nicht mehr ausweichen, verschränkt die Arme vor sich und wird frontal getroffen. Mit hoher Geschwindigkeit wird sie gegen die Felswand geschleudert und kracht mit einem lauten Knall in die Gesteinsformation. Die herab rieselnden Brocken verschütten die Einschlagsstelle und wirbeln eine gute Menge Staub auf. Kein normaler Mensch kann das überleben. Nate streckt die Arme in die Höhe und greift nach den Energien an den oberen Enden des Hangs. Eine gewaltige Platte löst sich daraus und ragt über die Einsturzstelle seiner Gegnerin. Wie konnte sie das Überleben? Nate spürt ihre Lebenskraft durch das Gestein. Was auch immer sein Gegner, begraben unter diesen Felsen sein mag, menschlich ist sie auf jeden Fall nicht. Ein Donnern ertönt und die Geröllbrocken werden von der Einsturzstelle weggeschleudert. Nate stampft mit aller Macht auf den Boden, um einen weiteren Angriff einzuleiten.
 

Dieses Wesen war klar im Vorteil. Als Felsi den Canyon als Reiseroute wählte, dachte sie, dass sie den schnellsten Weg zu ihrem Traum betrat, nicht jedoch die Arena für einen solchen Kampf. Der Titan hatte sie überlistet und einmal mehr dankte sie der Göttin, für ihre Fähigkeit sich selbst so hart wie Stahl zu machen. Es war ein Leichtes, sich aus dem Steingefängnis herauszusprengen, doch ab jetzt wird sie vorsichtiger sein müssen, wenn sie diesen Gegner besiegen will. Ihre neue Kampftracht war völlig mit Staub bedeckt. Dank der Tatsache, dass ihre Fähigkeit auch auf ihre Kleidung wirkt, konnte sie sich in der letzten Stadt etwas bequemer einkleiden. Ein helles Hemd und eine bequeme Jeans kombiniert mit mittelhohen Lederstiefeln und feinen Stulpenhandschuhen. Die Knöchel der Handschuhe waren wie die Kappe und Rückseite der Stiefel auf Wunsch extra verstärkt. Darüber trägt sie stolz den Wappenrock ihres Königreiches verziert mit ihrem Familienwappen, die seitliche Ansicht eines geflügelten Löwen auf einer weißen Rose. Doch zum Abklopfen ihrer neuen Tracht bleibt keine Zeit. Der Titan stampft erneut mit voller Kraft auf den Boden und altbekanntes Kribbeln lässt Felsi ihre Sinne schärfen. Der Felsen direkt vor ihr, der sie gerammt hat, schnellt nun erneut auf sie zu. Felsi versucht einen großen Satz in Richtung des Titanen zu machen, um der Ramme zu entgehen, doch wird von zwei Felsen aufgehalten die links und rechts neben der Eintrittsstelle hervorschießen. Ihr Fluchtweg ist abgeschnitten und ihr Sprung droht an einem harten Felsen zu enden. Felsis Gedanken verarbeiten das Bild und ihr Körper die Reaktion. Sie macht eine halbe Drehung, stößt sich von dem neu herausgeschossenen Fels ab und springt ein Stück zurück. Unter ihr rammt der Felsblock, durch den sie das Loch verursacht hat nun das heruntergefallenen Geröll in die Einsturzstelle und schließt damit den Boden unter ihr. Sie landet auf dem Gesteinsblock und findet sich nun eine Ebene höher an genau der Stelle wieder, an der sie grade stand. Ein leiser Seufzer entflieht ihr, als sie bemerkt, dass der Titan wohl wesentlich weiter geplant hat als sie es dem Geschöpf zu getraut hat. Jedenfalls verrät ihr das ihr Kribbeln, das noch immer ihren Körper durchströmt. Zu beiden Seiten von ihr stellen sich nun die Steinsäulen, die zuvor aus der Wand geschossen sind auf. Wie ein sich aufklappender Fächer ziehen sie den Boden hinter sich her, so dass sie zu beiden Seiten eine Mauer bilden. Felsi rennt zur Mitte der Mauer und setzt zum Schlag an. An dem Punkt an dem ihre Faust auf den Stein trifft fährt im Umkreis von etwa zwei Metern ein Schock durch den Felsen und ein Kreisrundes Stück bricht aus der Mauer heraus. Felsi bahnt sich den Weg in die Freiheit und schaut den Titanen wütend an. Doch was ist das? Lächelt der Titan etwa? Schockiert stellt sie fest, dass das Kribbeln noch immer nicht aufgehört hat, doch was ist die Ursache? Nirgendwo bewegt sich die Erde und als Felsi den Ursprung ihres Gefühls findet, ist es bereits zu spät um auszuweichen.
 

Menschen sind berechenbar. Die alte Titanenkunst des ‚kämpfenden Geländes‘ ist war eine eher untypische Art gegen nur eine Person zu Kämpfen, doch bevor dieses seltsame Mädchen eine Titanenfaust schmecken darf, muss sie schon zeigen, was sie kann. Und wie erwartet stößt sie wie jeder Mensch an ihre Grenzen. Nachdem sie sich aus dem Steingefängnis befreien konnte, war es nicht verwunderlich, dass sie die Wand mit nur einem Schlag aufsprengen konnte. Doch nun steht sie da, hinter ihr eine Steinwand, in der sie der sichere Tod erwartet, sollte sie zurückgehen und über ihr die Platte, die er über den Canyon geschoben hatte, als sie noch im Felsen gefangen war. Die Größe der Platte war so enorm, dass sein Gegner keine Chance hatte. Kein Sprung, nicht einmal einer von einem so erstaunlich mächtigen Menschen, konnte sie vor dieser gigantischen Steinplatte retten. Und zugleich wird die Platte mehrere hundert dieser widerlichen seelenlosen Marionetten unter sich begraben. Mit einer tödlichen Geschwindigkeit rast die Platte nach unten. An den Seiten erklingt in verschiedenen Abständen das Geräusch von brechenden Felsecken, die die Platte während ihres Falls mitnimmt, was in einer kleinen Gerölllawine resultiert, die nun der Platte voran schnellt. Mit einem Lächeln beobachtet Nate den Ausdruck der weichenden Hoffnung in den Augen seines Gegners. Wer auch immer dieser Mensch ist. Sie muss mit dem Göttern im Bund stehen und somit wird ihr Tod eine offene Herausforderung an jene sein, die vor tausend Jahren seine Art ausgerottet haben. Ein ohrenbetäubendes Donnern, begleitet von einer mächtigen Erschütterung, erfüllt das gesamte Gelände. Mit einem wuchtigen Stampfen begräbt Nate die restlichen Soldaten unter Felsen und lauscht die nächsten Minuten dem Geräusch der verschiedenen Felsbrocken, die durch die Erschütterung überall zu Boden gehen. Zufrieden überschaut er sein Werk. Als der Staub sich endlich legt, kann er das gesamte Ausmaß seines Angriffs begutachten. Mit einem Nicken bestätigt er sich selbst und wendet sich ab, um eine offene Herausforderung gen Himmel zu brüllen. Doch seine Worte bleiben ihm im Hals stecken als er ein Scharben hinter sich vernimmt. Dasselbe Geräusch, das die Steinplatte gemacht hat, als sie nach unten raste, nur langsamer. Er erkennt was da vor ihm passiert, doch er traut weder seinen Augen, noch einem seiner anderen Sinne.
 

Ein wilder, wutentbrannter Schrei entfährt Felsis Brust als sie die Steinplatte anhebt. In letzter Sekunde konnte sie einen Plan ausmachen, diesen Angriff zu überleben und hat all ihren Willen darauf konzentriert in die Mitte der Platte zu springen. Ihre treuen Soldaten haben den Willen ihrer Anführerin ebenso vernommen und einen Haufen um sie herum gebildet, so dass sie die Platte von ihr abfedern. Auch wenn Felsi weiß, dass diese Soldaten reproduzierbar sind und keine Trauer oder Schmerzen empfinden, machte es sie rasend darüber nachzudenken, wie viele gute Männer und Frauen dieses Monster mit einem Solchen Angriff in den Tod gerissen hätte. Ihr Körper bewegt sich von allein, ihre Muskeln werden durchflutet von einer Welle an Kraft und ein Gefühl der Macht steigt in ihr auf. Ihren Schrei in die Länge ziehend, stemmt sie die gigantische Platte nach oben, ohne zu wanken und mit dem lauten Ende ihres Kampfschreis schleudert sie die gesamte Platte gegen den Titanen. Ohne auch nur einen Moment zu warten sprintet sie hinterher. Sie holt auf und noch bevor die Platte den Titanen trifft, springt sie auf diese drauf. Während sie die Platte in Richtung dieses Monsters entlang sprintet, wird dieses frontal von der Platte getroffen. Einige hundert Meter fliegt die Platte mit dem Titanen, während Felsi schon fast am Rand angelangt ist. Zwei riesige Säulen schießen zu beiden Seiten des Canyons aus dem Boden und hinter ihnen folgen in gerader Linie mehrere weitere. Die Platte rammt gegen die erste Reihe und zerteilt diese mühelos, verliert dann aber an Wucht und bleibt in den Pfosten stecken. Der Titan wird noch einige Meter weiter geschleudert und kommt schlitternd zu halt. Felsi, die die Kante durch die plötzliche Geschwindigkeitsreduktion in nur wenigen Zehntelsekunden erreicht hat, stößt sich ab und macht sich für einen Frontalangriff bereit. Der Titan, der sich gerade erst aufrichtet, scheint noch benommen von dem Aufprall zu sein und Felsi nutzt diese Gelegenheit, um ihren Schlag präzise auf seiner Brust zu platzieren. Doch statt des erwarteten Splitterns von Gestein und das Bersten des Titanen, erklingt nur ein dumpfer absorbierender Ton und der Titan wird ein wenig zurückgestoßen. Ungläubig betrachtet Felsi ihre Faust, während der Titan sich mit einem lauten Lachen aufrichtet. „Du magst eine Steinplatte wie ein Papier durch die Gegend werfen können, doch gegen diese Rüstung hast du keine Waffe.“ Demonstrativ schlägt sich der Titan gegen seine Rüstung. Felsi betrachtet ihn und die Gegebenheiten. Immerhin ist sie jetzt im Nahkampf mit ihm und sein Kopf scheint die einzig ungeschützte Stelle zu sein. Sie kann es also schaffen. Entschlossen setzt sie zum Sprung an und schießt in Richtung des Kopfes dieses riesigen Gegners.
 

Das Gute daran nur eine Schwachstelle zu haben ist, dass man sie kennt. Glaubt dieses Mädchen denn wirklich er würde sie einfach auf seine Schulter springen lassen, um sich danach von ihr den Kopf zerschmettern zu lassen? Wie um ein lästiges Insekt abzuwehren schlägt er mit der flachen Hand nach seiner Gegnerin. Diese greift allerdings seinen kleinen Finger und schwingt sich an diesem nach Oben. Sie dreht sich und ist nun direkt vor seinem Gesicht positioniert, jedoch zu weit weg um ihn irgendwie zu treffen. Sie holt aus und schlägt mit voller Kraft in die Luft vor sich. Reflexartig lehnt Nate sich zur Seite und seine Augen weiten sich, als er hinter sich einen Aufprall hört. Er darf dieses Mädchen nicht unterschätzen. Er lässt sich auf den Boden fallen und hält die Hände bereit, sie bei ihrem Sinkflug abzufangen und zu zerquetschen. Seine Hände schnellen zusammen doch noch bevor sie sich gegenseitig berühren stoppt ihre Bewegung. Das Mädchen hat die Wucht durch einfaches ausbreiten ihrer Arme abgefangen und schwingt sich nun zum Brustpanzer. Dort angekommen stößt sie sich mit einem Rückwärtssalto ab und landet direkt auf seiner Hand, die ihren Bewegungen bis eben folgte und sie wie eine Mücke zu erschlagen versuchte. Von dieser stößt sie sich ab und schnellt über Nates Schulter hinter ihn. Schnell dreht Nate sich um, doch von seiner Gegnerin ist nichts zu sehen. Er streckt seine Sinne über die Erde aus, doch kann sie nicht ausmachen. Als er nach oben schaut merkt er nur, wie etwas auf seiner linken Schuler aufprallt und schlägt instinktiv danach. Aber er verspürt keinen Widerstand. Kurz darauf kommt das Mädchen auf seiner rechten Schulter auf. Sie hat einen dieser Distanzangriffe genutzt um ihn zu verwirren und nun blockiert sein rechter Arm seinen linken. Er ist völlig ungeschützt. Aus dem Augenwinkel sieht er wie sein Gegner auf seinen Kopf zu rennt. Er reißt seinen gesamten Körper rum und wirft sich so mit einer Halbdrehung zu Boden. So aus dem Gleichgewicht gebracht, fällt das Mädchen mit ihm und macht einen Satz zurück, um sich sicher ihm gegenüber aufzustellen. Nate selbst rollt seinen gewaltigen Körper zu einem Berghang und beobachtet seine Gegnerin. Erstaunlich wie flink und scharfsinnig sie ist. Würden die elenden Götter nicht auf ihrer Seite stehen, dann wäre dieser Kampf schon lange vorbei. Keine Spielchen mehr. Je eher dieser Gegner ausgeschalten wird desto besser. Mit einem gewaltigen Stampfen lässt Nate einige Erde aus dem Hang bröseln und entblößt einen gewaltigen Hammer. Diesen greift er mit einer Hand und lässt seine Rüstung an dem Unterarm der anderen Hand wachsen, so dass sie eine Art Krallenhandschuh bildet. Die sieben Klingen gehen üben den gesamten Unterarm und laufen nach vorn in einer spiralen Form zusammen. Somit neu ausgerüstet und entschlossen diesen Gegner die ganze Macht der Erdtitanen spüren zu lassen, setzt Nate zum finalen Angriff an.
 

Der Titan hatte sich sicher vor einer Wand platziert und aus dem Gestein eine neue Waffe geholt. Dies gab Felsi einen Moment um Luft zu holen und eine neue Strategie zu planen. Wozu der Hammer dient scheint ihr recht eindeutig, aber wozu die spiralförmigen Klingen dienen, kann sie sich nicht erklären. Wann immer er sie benutzen sollte, musste sie Acht geben. Und dieser Moment scheint schneller zu kommen als ihr lieb ist. In diesem Augenblick rammt der Titan seinen linken Arm in den Boden und verharrt so einige Momente. Dann holt er mit dem rechten Arm aus und donnert mit seinem Hammer auf den Boden. Das dadurch erzeugte Beben lässt Felsi wanken und in diesem Moment reagiert ihr Überlebenswille. Unter ihr schießen die schwarzen Klingen wie Lavaschlangen aus dem Boden und hüllen sie in einen Käfig. Felsi versucht mit ein paar Schlägen gegen die Seiten der Klingen das Gitter zu brechen, doch das Gestein zeigt sich unbeeindruckt. Lachend kommt der Titan auf sie zu. „Wie ich bereits gesagt habe. Gegen diese Rüstung hast du keine Waffe.“ Nach wenigen Schritten steht der Titan nun vor ihr und umfasst seinen Hammer fester. „Auf das du dasselbe Schicksal erleidest wie meine Vorfahren.“ Die Klingen beginnen sich um Felsi herum in bohrenden Bewegungen gleichzeitig auf sie zu zu bewegen, als auch in den Boden hinein zu schrauben. Der Titan nimmt vor ihrem Käfig Kampfhaltung ein, bereit seinen Hammer auf sie nieder sausen zu lassen, sollte sie wider Erwarten seinem Gefängnis entkommen. Ihr Platz wird immer Enger und Felsi wird überflutet von Furcht, Zorn und Erinnerungen. Sie wollte doch nur das Land endlich vereinen, damit alle Menschen unter einer Herrschaft keine Kriege mehr erleben müssen. Warum muss ihr Traum in diesem Gefängnis aus schwarz-roten Klingen enden? „Ja, warum wohl?“ Eine Stimme echote durch ihren Kopf. „Willst du überleben? Willst du dein Reich blühen und gedeihen sehen?“ Benommen von dem Gefühl der Stimme hockte Felsi sich hin, um noch nicht von den Klingen zerschnitten zu werden. „Willst du dieses Monster besiegen?“ Natürlich. Natürlich will sie ihr Reich vereinen und es wachsen sehen. Natürlich will sie überleben und die Menschen vor diesem Ungetüm beschützen. „Dann zeig mir, das du es WILLST!“ Das taube Gefühl von der Stimme verwandelt sich in ein Prickeln. Ein Strom enormer Energie, die Felsis gesamten Körper umgibt. Die Klingen erreichen ihre Haut. Ein lauter, kratzender Ton erfüllt die Luft als die Klingen scheitern, ihre Bewegung fortzusetzen und an der kauernden Prinzessin entlangstreifen. Felsi, die die Arme bisher vor der Brust verschränkt hatte, wuchtet ihren Körper aus der Hocke nach oben und reißt die Arme auseinander. In ihren Augen brennt ein wildes, ungezähmtes Feuer und sie wird sich klar, über welche Macht sie verfügt. Das Gefängnis um sie herum ist gesplittert. Ebenso wie der Hammer, den der Titan im Moment ihres Aufstehens auf sie hat niederfahren lassen. Und nun ist sie am Zug. Ohne ihre Muskeln direkt anzusprechen reicht ein bloßer Gedanke, um ihre Bewegungen in die Tat umzusetzen. Sie rast auf den Titanen zu, setzt vor ihm zum Sprung an und katapultiert sich nach oben. Ein gezielter Schlag. Zu schnell, um darauf zu reagieren. Zu schnell, um auszuweichen. Ein gezielter Schlag direkt in das Gesicht des Titanen, welcher daraufhin in einer rotierenden Bewegung gegen den Felsen geschleudert wird. Ein tosendes Grollen ertönt, als um ihn herum Felsen bersten und ihm ein steiniges Bett bereiten. Regungslos liegt er da, während sich um ihn herum langsam Geröll und Staub legen.
 

Ein Mensch. Ein einfacher Mensch, der unter dem Segen der Götter steht hat ihn, den letzten der Titanen besiegt. Die Hoffnungen seiner Ahnen hat er enttäuscht. All die Jahrhunderte der Vorbereitung waren umsonst. Nein. Hier geht es nicht um Hoffnungen. Oder um Stärke. Es geht einzig allein um Rache. Rache für das, was die Götter seinem Volk angetan haben. Rache für den Übermut, mit dem die Götter immer auf sie herabgeblickt haben. Rache. Rache. „RACHE!!“ Ein Beben erschüttert die gesamte Region. Nates Verstand gibt seinem Antrieb nach und allein die Wut beherrscht ihn nun. Er stämmt sich hoch, nicht bereit jetzt aufzugeben. Wenn dieser kleine Mensch ihm so zusetzen kann, wie groß ist die Macht der Götter im Laufe der Jahrhunderte geworden? Es ist noch nicht vorbei. Nicht für ihn. Mit einem gewaltigen Donnern stampft Nate auf den Boden und wirft so alle Gesteinsbrocken in die Luft, die sein Aufprall um ihn herum angesammelt hat. Die Formation der Steine in einem Bruchteil einer Sekunde aufnehmend beginnt er gezielt auf die Steine einzuschlagen. Mit schnellen aggressiven Bewegungen schleudert er einen Stein nach dem Anderen in einem wahllosen Muster in Richtung seiner Gegnerin. Diese scheint den Felsen zwar ohne Mühe auszuweichen doch dienen diese sowieso nur zur Ablenkung. Während die letzten Steine noch in der Luft sind, stampft er auf das Mädchen zu. Beim ersten Schritt erbebt die Erde und ein Felsen erscheint etwas vor ihm, beim zweiten Schritt passiert das gleiche etwas versetzet. Er greift die Felsen mit jeweils einer Hand und befördert zwei gigantische Breitschwerter zutage. Diese nun in einer Z-Form haltend beginnt er sich zu drehen. Binnen weniger Augenblicke entsteht ein Sturm aus Steinen und weiteren Klingen, die bei jedem neuen Schritt aus dem Boden gerissen werden. Nate rast als unaufhaltsame Naturgewalt auf seine Gegnerin zu. Als sie zum Ausweichen ansetzt, rammt er seinen Fuß in die Erde und lässt die gesamte Kraft des Sturms frei. Steine und Klingen breiten sich mit dem Staub, der aufgewirbelt wurde in alle Richtungen aus und verheeren die Umgebung mit brutaler Kraft. Nates Blick fällt auf die Position, an der das Mädchen vorher stand. Und all seine Wut entfloh seinem Körper. Wo das Mädchen war, war eine nahezu unberührte Stelle und sie war vor ihm auf Brusthöhe und hatte zugeschlagen. Ein Schlag. Das Geräusch seiner berstenden Rüstung erfüllt ihn mit Trauer. Er konnte seinen Feldzug gegen die Götter nicht gewinnen. Nicht in diesem Jahrhundert. Nicht in diesem Jahrtausend. Dieses kleine Mädchen von damals hat ihn zu früh geweckt. Seine Rache wird warten müssen, bis er das nächste Mal erwacht.
 

Mit einem lauten Krachen fällt der Erdtitan zu Boden. Felsi betrachtet die verwüstete Umgebung und schaut dann wieder auf den Titanen. Sie zieht sich die Steinklinge aus der Schulter und lässt sich auf die Knie fallen. Mehrere Einschlagswunden übersähen ihren Körper und ebenso viele Schnittwunden entblößen die Blessuren und blauen Flecke, die das Durchdringen dieses letzten Angriffes gefordert hat. „Ich werde mich wohl etwas ausruhen müssen und hoffen, dass ich genese bevor dieser Titan wieder erwacht.“ Felsi lässt sich rückwärts auf den Boden fallen. Sie atmet tief durch und betrachtet den Himmel über sich. „Diese eine Wolke sieht aus, wie die Spur von einem Flugzeugantrieb“, denkt sie sich. Dann schaut sie verwundert nach oben und versucht ihren Blick zu fixieren. Ein Android fliegt direkt auf sie zu. Sie richtet sich auf und stützt einen Arm auf ihr aufgestelltes Knie. Der Android landet einige Schritte von ihr entfernt und kommt dann auf sie zu. „Lady Linnya. Eure Techniker haben es geschafft meinen Kern wieder herzustellen und mich mit Verpflegung, Verbänden und einem Brief zu euch geschickt.“ Felsi schaut ihren Gegenüber verblüfft an. „Naya?“ Der Android nickt. „Problem damit? Ich kann auch wieder zurückfliegen.“ Felsis ungläubiger Blick wandelt sich in ein lächeln und sie bricht in schallendem Gelächter aus, was sie allerdings kurz darauf wegen ihren Wunden abbrechen muss. „Nein nein. Ich denke ich kann sowohl die Verbände als auch die Verpflegung jetzt gut gebrauchen.“

Halbfinale 2: Naryu vs. Shini

Ein wenig Stolz regte sich in Shini. Sie hatte die tödliche Aura nur für den Bruchteil einer Sekunde gespürt und doch schnell genug reagiert, um sie fast zu erfassen. Einzig ihren Reflexen vertrauend hatte sie eine Wurfklinge geschleudert. Doch diese hatte ihr Ziel verfehlt.

In vorbereiteter Position steht sie nun da und beobachtet ihre Umgebung. Was immer das war, scheint weitergezogen zu sein. Oder war es doch nur ihre Einbildung? Gerade entspannt Shini ihre Muskeln wieder als ihr ein Schauer über den Rücken läuft. Keinen Augenblick später rollt sie sich zur Seite und positioniert sich mit dem Rücken zu einem Baum. „Wer ist da?“, fragt sie in die leere Ebene. Niemand antwortet, aber Shinis Sinne sind dank ihrer elfischen Herkunft feiner als die der Menschen - sie weiß, dass dort jemand ist. Sie umfasst das Schwert, das sie während der Rolle in ihrer linken Hand beschworen hat, fester und konzentriert sich auf ihre Umgebung als sie einen Schritt nach vorn macht. Doch noch bevor ihr Fuß den Boden berührt, spürt sie einen Luftzug, versetzt sie ihren Körper in Rotation und dreht sich zur Seite weg. Nach einer schnellen Rolle kommt sie auf freier Fläche wieder zum Stehen und bereitet sich auf alles vor. Einige Augenblicke der Stille vergehen als ein Rascheln Shinis Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Die Blätter des Baumes, an dem sie eben noch stand, raschelten im Wind. Entsetzt starrt Shini den Baum an, denn sie spürt garkeinen Wind. Vor ihren Augen rutscht der Baum von seinem Stumpf, geteilt durch einen geraden, perfekten Schnitt. Das Geräusch des Baumes, als er auf dem Boden aufkommt, erfüllt das Areal. Das Brechen der Äste und Rascheln der Blätter macht es unmöglich andere Geräusche wahrzunehmen. Shini dreht sich langsam um ihre eigene Achse, doch es erfolgt kein weiterer Angriff. Ein Schweißtropfen läuft von ihrer Stirn. Was auch immer sie da gerade bekämpft ist schneller, als alles was sie je gesehen hat.

Und es lässt ihr auch keine Zeit zum Luft holen. In dem Moment, in dem Shini wieder ihre Ausgangsposition erreicht, spürt sie eine Veränderung der Umgebung. Ein flüchtiges, kurzes Gefühl und doch reagiert ihr Körper mit übernatürlichen Reflexen. Eine schnelle Rolle rückwärts rettet sie vor einem weiteren Angriff. Erde wirbelt vor ihr auf und im Boden sind zehn Einschnitte zu sehen, jeder etwas näher an ihrem aktuellen Standpunkt als der vorherige und der letzte gefährlich nahe an ihren Füßen. Das war der zweite frontale Angriff, den sie nur dank ihrer Instinkte und Reflexe überlebt hat. Sie hat ihren Angreifer nie direkt kommen sehen und doch wusste sie, dass er da war. „Kämpfe ich hier etwa gegen einen bösen Geist?“, fagt sie sich selbst mit schwer atmender Stimme. Doch sie beschließt, dass jetzt nicht die Zeit zum Fragen ist. Es ist Zeit zu reagieren. Sie geht in eine Kampfposition und in ihren Händen materialisieren sich zwei leuchtende Krummsäbel. Diese Waffen haben die Eigenschaft die Reflexe ihrer Träger zu erhöhen und genau das braucht sie jetzt. „Was auch immer du bist, nun bekommst du es mit der Kraft eines Waffenmeisters zu tun!“, kündigt sie in die leere Ebene an. Und noch bevor sie ein herausforderndes Lächeln aufsetzen kann, spannen sich ihre Muskeln an und sie findet sich selbst in einer parierenden Position. Das Geräusch von aufeinandertreffenden Klingen verhallt und Shini findet sich einige Zentimeter zurückgeschoben vor. Wieso kann sie ihren Angreifer nicht sehen? Sie schließt ihre Augen. Wenn sie den Gegner eh nicht sehen kann, kann sie ihn vielleicht so besser spüren.
 

Shini konzentriert sich auf die Auren der Umgebung und ihr Plan funktioniert. Sie erkennt um sich herum die Anwesenheit verschiedener Sträucher und größerer Steine. Sie hebt ihre Waffen, bereit die nächste Attacke effektiver abzuwehren und am Rand ihrer Wahrnehmung erscheint ein schwarz-goldener Schatten, der in Sekundenbruchteilen näher kommt. Eine Attacke saust auf sie zu, sie pariert den Angriff und lenkt die Aura um. So ist es ein leichtes, die Angriffe abzuwehren, doch wie soll sie diesen Gegner bezwingen? Noch bevor sie den Gedanken zu Ende denken kann, erscheint der Schatten wieder. Und wieder. Und wieder. Shini konzentriert sich. Von mehr als zehn verschiedenen Richtungen nimmt sie Angriffe war, blitzschnell richtet sie ihren Körper neu aus und beginnt ein Manöver, um die Attacken nacheinander abzuwehren. In einem mit elfischer Eleganz erfüllten Schwerttanz entgeht sie dieser tödlichen Serie von Angriffen, während das Geräusch von aufeinanderprallenden Klingen die Luft erfüllt und jede ihrer Bewegungen untermalt. Der letzte Schlag prallt jedoch nicht wie alle vor ihm ab und verschwindet sondern verharrt. Das Aneinanderschaben von Schwertklingen lässt Shini ihre Augen wieder öffnen. Vor ihren Augen befindet sich die dünne Schneide eines langen fern-östlichen Schwertes. Weiter unten wird die Klinge von ihren beiden Krummsäbeln blockiert und direkt hinter der Klinge, viel zu nah, um es wirklich in der kurzen Zeit aufzunehmen, sieht sie ein Mädchen. Ein kalter, stiller Blick bohrt sich nur wenige Zehntelsekunden in sie hinein, bis das Bild vor ihr verschwindet. Ihr Gegner ist ein Mensch? Eine kleine Blutspur rinnt von Shinis Stirn über ihre Nase. Mit dem Handrücken wischt sie sich Blut und Schweiß von der Stirn und sagt zu sich selbst: „Immerhin nur ein Kratzer.“ Ein Lächeln zeichnet sich auf ihren Lippen ab. „Jetzt wird es Zeit zu Kontern.“
 

Shinis Lächeln blieb auf ihrem Gesicht. Sie kann diesen Gegner vielleicht nicht mit normalen Mitteln bekämpfen, doch ein Waffenmeister gibt nie auf. Jeder hat eine Schwachstelle und sie muss die ihres Gegner nur durch probieren herausfinden. Ihre Schwerter lösen sich auf und an ihrer Stelle materialisiert sich ein Bogen. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit lässt sie Pfeile in ihren Fingern entstehen, während sie die Sehne zurückzieht und lässt nur einen Augenblick später drei Pfeile gleichzeitig los. Ein Regen aus Pfeilen geht auf das Areal um sie herum nieder und jeder von ihnen bleibt im Boden stecken. Es dauert nur einen kurzen Moment, bis das gesamte Gebiet mit Pfeilen übersäht ist. Und es dauert auch nicht lange, bis ihr Plan aufgeht. Die Federn eines der Pfeile neigen sich leicht und Shinis Lächeln wird zu einem angriffsfreudigen Grinsen. „Da bist du also!“, ruft sie. Mit einem schnellen Sprungschritt prescht sie zu der anvisierten Stelle, ändert aber direkt beim Aufkommen die Richtung und wirft mit einer Kette an der ein Gewicht befestigt ist hinter sich. Ein metallisches Klirren ist zu hören als sich die Kette um etwas wickelt und sich das Gewicht in ihr verkantet. Die Kette strafft sich kurz und das Bild des Mädchens wird sichtbar. Für einen kurzen Moment sieht Shini den Schock in ihren Augen und weiß, dass der Vorteil nun auf ihrer Seite ist. Sie beschwört eine Speerspitze mit kleinen Widerhacken an das andere Ende der Kette und wirft sie auf ihre Beute. Im selben Moment beschwört sie einen langen Degen und rammt ihn durch eine Masche der Kettein die Erde um diese zu fixieren. Das kürzere Ende mit ihrer Gegnerin daran und das längere mit der Spize. Noch während der Kettenspeer fliegt, springt Shini vor Erregung lachend an der Spitze vorbei und beschwört zwei neue Waffen herauf. Mit zwei Äxten, die die Geschwindigkeit ihres Trägers erhöhen, beginnt sie einen gnadenlosen Kombinationsangriff auf das andere Ende der Kette. Ihre Attacken werden nach und nach abgewehrt doch der letzte ihrer Hiebe endet in einer bekannten Position. Vor ihr das Mädchen, das sie mit kalten Augen anschaut. Vor dem Mädchen das lange Schwert, dass die beiden Axthiebe mit nur einer Klinge pariert. Doch nun ist Shini im Vorteil. Ihr Grinsen wandelt sich in ein Lachen. „So ist es richtig. Genau so!“ Sie lenkt das Schwert ihrer Gegnerin zu Boden, verkantet es mit den beiden Äxten, indem sie diese überkreutzt in den Boden rammt und duckt sich anschließend zur Seite Weg. Die Speerspitze taucht hinter ihr auf und fliegt wie vor wenigen Augenblicken beabsichtigt, genau auf die Position des Mädchens zu, das nun allerdings keine Möglichkeit hat ihre Waffe schnell genug zur Abwehr zu nutzen. Shinis Erregung verschafft sich durch ein siegesbewusstes Lachen Gehör.
 

Doch ihr Lachen verstummt als das erhoffe Ergebnis nicht eintritt. Das Mädchen hat anstatt sich zu wehren nach hinten fallen lassen, weggerollt und ist wieder verschwunden. Ein rasselndes Scharben ertönt, als die Kette schleifend auf dem Boden aufprallt und nach wenigen Metern zum Erliegen kommt. Am anderen Ende der Kette liegt die Kugel und die offensichtlich aufgelöste Schlaufe, in der sie das Mädchen gefangen hatte. Shini starrt die Szenerie unglaubwürdig an, doch dann zeichnet sich wieder ein Lächeln auf ihren Lippen ab. Ein Lächeln, das schnell zu einem Grinsen und dann zu einem Lachen wird. Sie wirft ihren Kopf in den Nacken und greift sich mit einer Hand an die Stirn. „Unglaublich! Einfach Wahnsinn!“ Die Erregung in ihr erreicht eine Grenze in ihr, an die sie noch nie zuvor gelangt war. Eine Welt in der weder Ehre noch Regeln über die Ordnung bestimmen, sondern Mordlust und Kampfrausch die Gliedmaßen führen. Sie lässt die Arme fallen und dreht den Kopf aus dem Nacken seitlich nach hinten. „Ich sehe dich.“ Die kurze Schockpause, die ihre ernstgemeinten Worte verursachen, reicht ihr mehr als aus. In ihren Händen materialisieren sich zwei Krallenwaffen. Sie springt nach hinten auf ihre Gegnerin zu und rotiert dabei in der Luft um die eigene Achse. Ihre Krallen Handrücken an Handrücken nach vorn gestreckt, bereit ihren Gegner zu erfassen. Sie spürt eine Kraft in sich, die hinaus will. Ein Potenzial, das sie schon lange beherbergt, aber noch nie erkannt, geschweige denn genutzt hat. Shini begreift das volle Potenzial ihrer Beschwörungskunst. Sie greift mit ihrer Kraft nach mehreren riesigen Turmschilden, wie sie die Barrikaden der Elfen verwenden, doch anstatt sie in ihrer Hand zu beschwören, lässt sie die Schilde kreisförmig über dem Schlachtfeld hinabregnen. Binnen Sekunden entsteht eine zwei Mann hohe Mauer um sie und ihre Gegnerin herum, doch das war erst der Anfang. Sie stoppt ihre Bewegung in Richtung ihres Gegners kurz, lässt die Klingen verschwinden und rennt dann weiter auf ihr Ziel zu. Ihre Arme verschränken sich vor ihr, während sie auf ihre Gegnerin zueilt und lässt zwei gewaltige Bumerangs mit der Magie des Windes erscheinen. Beide wirft sie parallel nach außen, sodass sich je einer im und einer gegen den Uhrzeigersinn um das abgesteckte Schlachtfeld bewegt. Die dadurch entstehende Mauer aus mächtiger Windmagie schirmt das Kampffeld bis in eine unschätzbare Höhe ab. Nun konzentriert Shini ihre Beschwörungskräfte auf die entstandenen Winde. Eine Vielzahl an verschiedenen Waffen erscheint innerhalb der Windbarriere und wird dadurch mit einer magischen Geschwindigkeit in Richtung des Kampffeldes geschleudert. Nur wenige Meter von ihrer Gegnerin entfernt stößt sich Shini vom Boden ab und beginnt eine rotierende Bewegung in der Luft. Mit jeder Rotation um die eigene Achse beschwört sie in jeder Hand drei lange schmale Klingen und lässt diese sowohl auf ihre Gegnerin als auch auf ihre Umgebung los. Im selben Moment beginnt ein Sturm aus unzähligen Klingen, Äxten, Speeren, Hämmern, Sicheln und vielem mehr und fegt über das markierte Feld. Die Klingen in Shinis Hand blocken alle Waffen, die sie treffen würden und werden anschließend präzise von ihr so geworfen, dass sie die Bewegung des Mädchens unterbricht oder gar lenkt. Ein unglaublicher Lärm erschallt über das Kampffeld und Shinis Lachen hallt durch die Geräusche der aufeinanderprallenden Waffen und übertönt sogar das Tösen des Sturmes. Das Mädchen mag sich noch so schnell bewegen, aber das Areal kann sie nicht so schnell verlassen, da die Winde es abgeriegelt haben und nun wird kein Platz übrigbleiben, an dem sie sich verstecken kann. Egal wie schnell sie ist, allen Waffen kann sie nicht ausweichen.

Als sich der Lärm des Waffensturms gelegt hat, lässt Shini ihren Blick über das Schlachtfeld schweifen. Doch das Mädchen ist nirgends zu sehen. Ein warmes Gefühl läuft von Shinis Schulter aus zu ihrer Hand und als sie die Herkunft überprüft findet sie einen flachen Schnitt an ihrer Schulter, aus dem eine kleine Menge Blut quillt. Ihre Pupillen zittern unkontrolliert als sie die Wunde anschaut und langsam zu Boden geht. Hinter ihr erscheint eine schwarze Silhouette. Goldblonde Haare werden vom Wind erfasst und werden von der Schulter des Mädchens gefegt. Naryu schaut auf die bewusstlose Shini und holt ein kleines Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit darin aus ihrer Tasche. Einige Tropfen davon lässt sie in Shinis Mund tropfen. Den natürlichen Reflexen folgend schluckt Shini die Flüssigkeit und reißt im selben Moment die Augen auf. Mit einer gekonnten Bewegung verschafft sie sich etwas Abstand zwischen ihr und ihrer Gegnerin und hat kurz ein Problem bei der Geichgewichtsfindung, als sie auf einem Berg Waffen zum Stehen kommt. Ein brennender Schmerz läuft durch ihren Kopf. „Was hast du mit mir gemacht?“ Das Mädchen steht regungslos vor ihr und schaut sie an. Ihr kühler, emotionsloser Blick borht sich in Shinis schmerzerfüllten Kopf. Immer noch leicht wackelig auf den Beinen greift sich Shini an den schmerzenden Kopf und wird lauter: „Ich habe gefragt-“ „Ich habe dich verstanden.“. ertönt die Stimme des Mädchens und unterbricht Shinis Aufruf. „Das Aggressivum sollte deine Kampflust steigern und deine Verteidigung senken, doch scheinbar hat es bei dir eine etwas andere Wirkung gehabt. Was ich dir eben gab war das Gegengift. Du warst zu gefährlich.“ Shinis Gedanken drehen sich. Agressivum? Gegengift? Was war eigentlich bis eben mit ihr los? Sie will gerade Fragen, woher ihre brennenden Schmerzen kommen, als die Stimme des Mädchens ein weiteres Mal ertönt: „Das Narkosegift hätte dich eigentlich auch für Stunden schlafen lassen sollen…“ Die Worte des Mädchens verlieren sich als ihre Stimme in ein Murmeln übergeht. Shini erfasst noch immer nicht den ganzen Sinn der Worte. Ein Schlafgift? Wenn es ein Gift ist sollte es sich doch reinigen lassen. Shini schließt die Augen und konzentriert sich auf die Auren der Natur. Sie beschwört die Kräfte der Pflanzen und Wälder über den Boden in sich hinauf und lässt ihre reinigende Kraft durch sich hindurchströmen. Ihre Kopfschmerzen verschwinden und als sie die Augen öffnet, sind all ihre Beschwerden verschwunden. Genau wie das Mädchen.
 

Shini holt tief Luft und streckt die Arme aus. „Was willstdu denn von mir? Ich habe dir nichts getan und mir ist keinerlei Feindseligkeit zwischen uns bekannt!“ Das Rauschen des Windes treibt eine Staubwolke über die Fläche vor ihr, aber es kommt keine Reaktion. Doch hinter der Staubwolke zeichnet sich ein bekannter schwarzer Schemen ab. Das Mädchen. Mit den gezogenen Schwert in beiden Händen geht sie langsamen Schrittes auf Shini zu. Ein Seufzer verleiht Shinis Enttäuschung Ausdruck. „Diese Sache kann wohl nicht friedlich geklärt werden, oder? Fein, dann eben auf deine Art.“ Mit diesen Worten lässt Shini ein scheinendes Schwert in ihren Händen entstehen. Elfische Runen verziehren den Griff und die Klinge leuchtet erfüllt von Magie. Das Schwert eines wahren Waffenmeisters. Shini schüttelt kurz den kopf um die letzte Benommenheit abzuwerfen. All ihre Sinne sind nun auf ihren Gegner fixiert. Mit dem Schwert in den Händen geht sie auf das Mädchen zu. Etwa zehn Meter voneinander entfernt sehen die beiden Kontrahenten in den Augen des anderen die benötigte Bereitschaft und setzen zum Angriff an. Beide drücken sich ab und wirbeln eine kleine Menge Erde an der Absprungstelle auf. In der Mitte treffen sich die Klingen. Ein jeder Angriff endet als Parade für eine gegnerische Attacke und wird direkt in einen neuen Angriff verwandelt. Mit jedem Schwertschlag werden die Bewegungen flüssiger. Shini duckt sich schkitternd nach unten ab, während das Mädchen über sie springt. Funken bersten zwischen den beiden als ihre Schwerter selbst während dieser Ausweichbewegung aufeinandertreffen. Mit einer letzten Drehung versucht Shini ihren Gegner zu treffen, bevor sie die Kraft der Bewegung weiterzieht, doch das Mädchen hatte scheinbar dieselbe Vorstellung. Die Klingenspitzen treffen sich in der Mitte kurz bevor die beiden Kämpfer weiter fliegen und an der Absprungstelle des jeweils anderen zum Stehen kommen. Die Erde, die durch den Absprung des Mädchens aufgewirbelt wurde, landet auf Shinis Schuhen und sie wird sich bewusst, dass all das in weniger als einem Augenblick geschehen ist. Überwältigt von ihren Fähigkeiten und denen ihres Gegners dreht sie sich um und erblickt eine leere Ebene. „Zu langsam“. Als Shini die geflüsterten Worte wahrnimmt ist es bereits zu spät. Das Geräusch einer Klinge lässt Shini nach links schauen. doch es war eine Finte. Ein leises Hauchen ertönt an ihrem rechten Ohr und noch während sie sich zur anderen Seite dreht wird ihr der lilafarbene Nebel bewusst, den sie soeben durch die plötzliche Bewegung eingeatmet hat. Noch bevor sie das Mädchen sehen kann verschwimmt ihr Blick und sie geht ein weiteres Mal zu Boden.
 

Naryu lässt ihre Klinge zurück in ihre Schwertscheide gleiten. Sie betrachtet die am Boden liegende Elfe, hält den Griff ihres Schwertes noch angriffsbereit fest, lässt mehrere Minuten verstreichen und schüttelt anschließend den Kopf. „Dafür war mein Gift in seiner reinsten Form nötig und wahrscheinlich wird sie trotzdem in einigen Tagen wieder zu sich kommen.“ Sie wendet sich ab und setzt sich wieder für das normale Auge nicht wahrnehmbar in Bewegung. Ihre Gedanken schweifen über ihre letzten zwei Begegnungen. „Zuerst dieser Magier und jetzt diese Elfe.“ Das Schloss der Hauptstadt zeichnet sich am Horizont ab und die Sonne beginnt langsam unterzugehen. Naryu verlangsamt ihre Bewegung, zieht ihre Klinge und betrachtet erst sie und anschließend das zerflederte Ende ihres Mantels, der unter dem Klingensturm der Elfe gelitten hat. „Ich werde meine Gifte wohl überarbeiten müssen, wenn ich diesen Weg weiter beschreiten will.“ Mit diesen Worten steckt sie ihre Klinge wieder weg und macht sie sich auf den Weg den Schreiber des Briefes zu finden, der sie nun schon zum zweiten Mal gegen einen so mächtigen Gegner geführt hat.

Final Battle

Ein beklemmendes Gefühl ergreift von Felsi Besitz als sie den Wald betritt. Kein Geräusch außer dem ihrer eigenen Schritte dringt an ihr Ohr. Bei Tag ist dieser Wald ein wundervoll natürlicher Ort. Man sieht gelegentlich Tiere am Waldrand und vom Schloss aus kann man einige wundervolle Vögel beobachten. Doch nun scheint es, als stünde selbst der Wind im kompletten Wald still. Das ungute Gefühl, dass sie bereits beim Aufbruch hatte wandelt sich in eine böse Vorahnung. Warum ruft die Göttin sie zu so einer Zeit an diesen Ort? Um auf alles gefasst zu sein erhöht Felsi ihre Konzentration. Langsam und vorsichtig bahnt sie sich ihren Weg entlang eines schmalen Trampelpfades. Normalerweise waren nur Jäger in diesem Wald, daher wurden nie Wege oder Straßen gebaut um ihn zu durchqueren. Das wenige Licht des Vollmonds, das es durch die dichten Baumkronen schafft, taucht die Umgebung in ein beklemmendes Grau und die erdrückende Stille um sie herum lässt Felsi jeden Atemzug förmlich spüren. Ihr Herz setzt einen Schlag aus als unter ihren Füßen ein Zweig zerbricht und sein Knacken die gesamte Umgebung zu erfüllen scheint. Felsi verharrt regungslos in geduckter Position und beobachtet ihre Umgebung einige Sekunden lang, doch nichts passiert. Bildet sie sich diese Spannung in der Luft etwa nur ein? Plötzlich erregt ein schwaches Leuchten ihre Aufmerksamkeit. Einige Meter entfernt muss die Göttin auf sie warten. Erleichtert, jedoch immer noch vorsichtig und aufmerksam, bahnt sich Felsi den Weg in Richtung des Lichtes.
 

Das kaum hörbare Geräusch eines zerbrechenden Zweiges lenkte Naryus Blick ab von dem Brief. Viel zu oft hatte sie ihn in den letzten Tagen gelesen, in der Hoffnung seinem Absender bald gegenüber zu stehen. „Es ist Zeit zu zeigen, was du gelernt hast. “ Ein simpler Satz mit einfachen Worten und einem albernen Smiley. Und doch lassen sie in Naryu jedes Mal einen lang gehegten Wunsch aufkommen. Und nun ist es endlich so weit. Durch die dichten Bäume des Waldes erkennt Naryu nicht unweit von dem Geräusch, welches sie aus ihren Gedanken gerissen hat, ein schwaches Leuchten. Es unterscheidet sich kaum vom Mondlicht, doch sein leicht pulsierendes Wesen verleiht ihm ein unwirkliches Eigenleben. Naryu greift ihr Schwert und springt leichtfüßig von dem Ast auf dem sie saß, auf einen anderen, gut zehn Meter entfernten Ast, von dem aus sie ihren Weg durch den Wald fortsetzt. Lautlos gleitet sie durch die nächtliche Szenerie in Richtung des Lichtes. Doch in dem Moment, in dem sie den Ort erreicht, hört das pulsieren auf und das vorher so eigene Leuchten verschwindet im Mondlicht. Auf einem Ast hockend schaut Naryu auf die Szenerie vor ihr. Eine Frau steht inmitten des Waldes. Durch die Baumkronen fällt der Schein des Mondes Kegelförmig auf sie. Ihre Augen sind geschlossen und ihre Hände vor der Brust verschränkt. Sie soll also ihre letzte Prüfung sein.
 

Felsi blickt zu einem Ast auf und sieht für den Bruchteil einer Sekunde einen Schatten verschwinden. Es ist genau wie die Göttin prophezeit hat. Der Moment ihrer letzten Prüfung ist gekommen. Sie hatte sich bis eben auf die Weisheit ihrer Ahnen, die durch ihre Venen fließt, konzentriert und ihre Sinne geschärft. Alles ergab nun Sinn. Die beklemmende Stille des Waldes ist das Werk ihres Gegners und Felsis ungutes Gefühl kommt von dessen Stärke. Doch sie ist bereit. Den Blick in den Wald gerichtet nimmt sie eine defensive Kampfposition ein. Ihr Gegner ist schnell und stark. Es wird ihre maximalen Fähigkeiten fordern ihn zu besiegen, dessen ist sie sich sicher. In diesem Moment überkommt Felsi auch schon ein gewohntes Gefühl der Bedrohung, welches sich keine Sekunde später durch eine kaum merkliche Veränderung in der Luft bestätig. Felsi drückt sich zur Seite und dreht sich dabei einmal um die eigene Achse bevor sie einige Meter weiter neben einem Baum zum stehen kommt. Ein Angriff aus dem toten Winkel und dazu auch noch ein verdammt schneller. Sie konnte weder Aussehen, noch Waffe ihres Feindes erkennen, doch scheinbar muss es eine Art Messer sein. Felsi untersucht die Stelle an ihrem Arm, an der sie getroffen wurde. Der Schnitt geht sauber durch ihren Ärmel, aber sie konnte scheinbar schnell genug ausweichen um einen direkten Schnitt zu verhindern. Solange sie ihren Feind nicht kennt muss sie vorsichtig sein, und mit diesem Gedanken macht sich Felsi bereit für den nächsten Angriff.
 

Sie ist tatsächlich ausgewichen. Ungläubig schaut Naryu auf das Gift, das von ihrer Klinge tropft. Der einzige Nachteil ihrer effektivsten Gifte ist ihre Stabilität. Länger als fünf Sekunden an der Luft und es verliert komplett seine Wirkung. Dieses Mädchen war gut, doch Naryu ist sich sicher, dass sie diese Ausweichmanöver nicht lange durchhalten wird. Ihr Ziel vor Augen springt sie wie ein schattenhaftes Raubtier durch die Baumkronen, bereit für die nächste Attacke. Als sie den Baum erreicht, an dem sich ihr Gegner gerade befindet, lässt sie sich auch der entgegengesetzten Seite des Baumstammen zu Boden fallen und kurz bevor sie unten aufkommt löst sie mit einer schnellen Handbewegung ein kleines Fläschchen von einer Halterung unter ihrem Ärmel. Der Korken des Fläschchens wird durch ein Band gehalten, wodurch er sich von dem Fläschchen löst und die lilagrüne Flüssigkeit, welche sich darin befindet, in der Luft verteilt. In derselben Bewegung greift Naryu ihr Schwert und wirbelt es in Richtung des Baumes. Die Klinge fängt die Flüssigkeit in der Luft auf und der Schwung verteilt sie über die komplette Schneide. Ein schnelles metallisches Klingen erfüllt die Luft gefolgt von einem Moment der Stille.
 

Ein leichtes Zischen lenkte Felsis Aufmerksamkeit von ihrer Wunde auf den Baum an dem sie eben noch stand. Etwa auf ihrer Brusthöhe zeichnet sich eine gerade Linie an ihm ab, die sich auszubreiten scheint. Als sich die Linie weit genug in den Baum gefressen hat gibt er seinem eigenen Gewicht nach und kippt zur Seite. Ein ungleich lautes Gewirr aus berstenden Ästen und raschelnden Blättern betäuben Felsis Gehör. Und in dem Moment, in dem das Getöse ein Ende findet, sieht Felsi ihren Gegner. Entlang des Baumstumpfes kommt ihr ein junges, blondes Mädchen entgegen. In ihren Händen trägt sie eine lange schwarze Schwertscheide, die im leichten Mondlicht mit dem ausgefransten Mantel des Mädchens zu verschmelzen scheint. Es ist ein unwirkliches Bild, wenn man die Fähigkeiten ihres Gegners mit seinem Aussehen vergleicht. Felsi konnte nicht umher kurz darüber nachzudenken, was für eine Kindheit dieses Mädchen wohl gehabt haben muss. Die gesamte Szenerie kommt ihr lähmend vor. Mit einer Hand auf der Wunde an ihrem Arm schaut sie ihrer letzten Prüfung in die Augen. Ihre Lippen bewegen sich doch Felsis Ohren wurden von einem Rauschen belegt. Die Augen zusammengekniffen geht Felsi in sich. Der Angriff kam zu schnell als das sie ihre Haut hätte darauf vorbereiten können und zudem auch noch mit einer Wucht und aus einem Winkel, mit dem sie nie gerechnet hatte. Ihre Strategie erst zu schauen, zu was der Gegner fähig ist und erst im Moment des Angriffes ihre Verteidigung zu erheben, war definitiv kein guter Plan gewesen. Nun fühlt sich ihr Körper schwer an und ihre Sinne betäubt. Soll es das gewesen sein? Das darf nicht das Ende sein. Felsis Gedanken lassen ihr Blut wallen. Sie spürt ein Ruck durch ihren Körper gehen. Eine Woge, die sich von ihrem Herzen erst über die eine Seite ihres Körpers ausbreitet und dann über die andere. Ihre Kraft scheint ihren Willen ein weiteres Mal erhört zu haben.
 

Als Naryu den Körper ihrer Gegnerin auf dem Boden sieht legt sich ein hasserfüllt, wissender Blick in ihre Augen. Das Mädchen vor ihren Augen kommt wieder zu Bewusstsein und rappelt sich langsam auf. Naryu kennt diese Macht, und sie kennt ihre Gifte. Ihr bleiben noch ein paar Sekunden um ihren Gegner unschädlich zu machen. Ihr Schwert mit beiden Händen umfasst hält sie es seitlich an ihrem Körper vorbei, mit der Spitze gen Boden gerichtet, in einer Position, als würde sie gleich lossprinten wollen. Ihre Klinge wird von einem blassen Schein umgeben und die Luft um sie herum beginnt zu zirkulieren. Mit jeder Sekunde wird das Phänomen intensiver bis sich der Wind um sie herum in schneidende Klingen verwandelt. Sie weiß, dass sie nicht viel Zeit hat, also wird sie dieses Spiel hier und jetzt beenden. In dem Moment in dem ihre Gegnerin fast wieder auf den Beinen ist reißt Naryu ihr Schwert nach oben und gibt den Windsicheln, die um sie kreisen, den Befehl auszuschwärmen. Doch ihre Klinge verfehlt ihr Ziel. Und auf unerklärliche Weise wich dieses Mädchen auch allen Windsicheln aus. Mehr noch. Sie scheint in dem Moment in dem Naryu ihren Angriff entfesselt im vollen Besitz ihrer Kräfte zu sein. Sie rotiert in der Luft und scheint nicht nur blitzschnell die Situation zu erfassen, sondern auch noch ihre Möglichkeiten. Geschickt weicht Naryu einem Baum aus, der auf sie zugeschleudert wird. Die Windsicheln haben in einem Umkreis um die beiden herum die Bäume zerteilt und eben diese fangen nun an, der Schwerkraft anheim zu fallen. Naryu schaut ungläubig auf das Bild was sich vor ihr bietet. Mit gezielten Tritten und Schlägen setzt das so schwach aussehende Mädchen die umkippenden Bäume in Bewegung. Manche in ihre Richtung andere in die entgegengesetzte. Und als wäre dieser Kraftakt nicht schon unglaublich genug scheint es tatsächlich so, als hätte sie die Flugbahnen ihrer Geschosse mit den Fallrichtungen der dahinterliegenden Bäume und Baumteile abgestimmt. Ein unheimliches Getöse erfüllt die Luft während Bäume aufeinanderprallen und sich ineinander verhaken. Als das Spektakel nach etwa einer Minute sein Ende findet bleibt Naryu stehen und schaut sich fassungslos um. Ihre Windklingen haben Bäume im Umkreis von knapp einhundert Metern gefällt und dieses Mädchen hat durch was auch immer sie da gemacht hat, aus diesen Bäumen eine Arena geformt. Naryu steht inmitten einer großen, freien Fläche, deren Grenze aus einem mehr als zehn Meter hohen Wall, bestehend aus ineinander verkanteten Baumstämmen und Ästen, geformt ist.
 

Das Licht des Vollmonds erfüllt die Arena und wirft zwei lange Schatten auf die Baumleere Fläche. Mal mehr, mal weniger große Baumstümpfe ragen aus dem Boden wo vorher gewaltige Bäume standen. Das Mädchen steht einige Meter entfernt von ihr und betrachtet verwundert seine Umgebung. Auch Felsi bekommt langsam wieder Gewalt über ihren Körper und lässt die letzten Minuten noch einmal in ihrem Kopf durchlaufen. Und mit jeder weiteren Szene wird sie sich dessen, was um sie herum passiert ist, bewusster. Ungläubig schaut sie auf ihre Handflächen, ballt diese anschließend zu Fäusten und geht mit einem selbstbewussten Lächeln in Kampfposition. Ihre Gegnerin scheint sich auch wieder von ihrer Verblüffung erholt zu haben und schaut sie nun an. Gewillt dem ganzen Schauspiel nun ein Ende zu setzen läuft Felsi los. Ihre Gegnerin tut es ihr gleich doch kurz bevor sie aufeinander treffen springt sie zur Seite und drückt sich von einem Baumstumpf ab in die Luft. Mit einem Salto springt sie einmal mehr in einen toten Winkel hinter Felsi und greift an. Felsi schafft es jedoch ohne Probleme dem Angriff durch eine Schrittvariation auszuweichen und startet einen Gegenangriff. Ihre Faust schnellt auf das blonde Mädchen zu, welches den Schlag mit dem Schwertgriff ablenkt und in einer Bewegung, die jeden Schwertmeister blass aussehen lassen würde, einen weiteren Angriff startet. Felsi, die bereits damit gerechnet hatte an diesem Punkt angegriffen zu werden, nutzt die Wucht ihres ersten Schlages um eine halbe Drehung in der Luft durchzuführen und mit einem gezielten Kick das Schwert von seinem Pfad abzulenken. Nahezu tänzerisch tauschen die beiden Hiebe, Schläge und Tritte aus und auch mehrere Minuten später scheint keiner von beiden weder einen Vorteil erringen zu können, noch an das Ende seiner Kräfte zu gelangen. Es ist der härteste und ausgeglichenste Kampf den Felsi je ausgefochten hat. Dieses Mädchen ist mehr als nur eine außerordentliche Kriegerin, soviel steht fest. Selbst nach einer geschätzten halben Stunde haben beide nur leichte Blessuren von gekonnten Angriffsmanövern des Gegners, mit denen es jedem von Zeit zu Zeit gelang die Verteidigung des andren kurz zu durchdringen. Und grade als Felsi wieder einmal zu einem Schlag ausholt und ihre Gegnerin ihr Schwert zur Parade hebt, entsteht zwischen den beiden ein heller Punkt gefolgt von einer Druckwelle, die beide Kontrahenten voneinander weg schleudert. Das Licht wird immer intensiver bis es die komplette Nacht zu verschlingen scheint. Geblendet hält sich Felsi einen Arm vor die zusammen gekniffenen Augen um nicht zu erblinden.
 

Das Rauschen von Wasser und ein leichtes Surren in der Luft dringen an Felsis Ohr. Sie lässt ihren Arm sinken und öffnet ihre Augen. Vor ihr erstreckt sich eine unglaubliche Szenerie. Wo eben noch ein gerodeter Wald und düsterste Nacht war, ist nur nun eine riesigen Grünfläche. Sie liegt auf einer Art schwebenden Plattform, geschätzt etwa so groß wie die Arena in der sie eben noch gekämpft hat. Der Rand dieser Plattform und der Himmel sind von mehreren farbigen Schlieren durchzogen. Es sieht aus, als würden unzählige bunte, endlos lange Schleier in unregelmäßigen Mustern um sie herum kreisen. Im Himmel schwebt eine weitere kleine Insel, von der ein Wasserfall herunterstürzt und in einen kleinen Teich nicht weit von ihr plätschert. Als sie sich genauer umschaut, erkennt Felsi noch weitere dieser Inseln, einige näher, andere kaum zu erkennen. Manche Wasserfälle scheinen sogar in die Unendlichkeit zu fließen, da man kein Ziel erkennen kann. Ihre Faszination über diesen wunderlichen Ort wird jedoch schnell wieder unterdrückt als sie ihre Gegnerin am anderen Ende der Plattform stehen sieht. Doch was Felsi wirklich verwirrt schwebte zwischen ihr und ihrer Kontrahentin.
 

„Willkommen in Mita“. Mit ausgebreiteten Händen und einem strahlend erhabenen Lächeln begrüßt die Göttin der Willkür die beiden Kämpferinnen. Naryu will gerade ihre Stimme erheben als die Göttin ihr mit dem Zeigefinger symbolisiert ruhig zu sein und ihre Ansprache fortsetzt. „Angesichts eurer langweiligen Patt-Situation im Wald habe ich mich gezwungen gesehen die Dinge etwas... interessanter zu gestalten. Bitte betrachtet eure Wunden. Sie sollten vollständig verheilt sein.“ Naryu überprüft auf diese Aussage hin ihren Körper und stellt verwundert fest, dass sie tatsächlich unversehrt ist. „Mita ist die Dimension des Potenzials. Ich wünsche euch viel Spaß dabei herauszufinden, was sie so alles ermöglicht.“ Und mit diesen Worten verschwindet die Göttin. Kurz bevor sie gänzlich verblasst hört Naryu noch ein freudig erregtes Kichern von ihr. Was auch immer diese Aktion sollte, sie muss sich jetzt erst einmal auf ihren Kampf konzentrieren. Sie nimmt ihr Schwert in eine Hand und sprintet auf ihre Gegnerin zu. Überrascht über die Leichtigkeit ihres Körpers und ihres Schwertes, findet sich Naryu nahezu zehn Mal schneller vor ihrem Gegner als gewohnt und auch ihr Angriff geht viel schneller von der Hand, da sie die normale Kraft anwendet, aber ihr Schwert das Gewicht einer Feder zu haben scheint. Doch im Gegensatz zu dem was sie fühlt steht das Ergebnis ihres Angriffs. Ihre Gegnerin hat in letzter Sekunde reflexartig die Arme vor sich verschränkt und das Schwert hat sich tief in die vorher scheinbar unzerstörbare Haut eingeschnitten. Naryu springt einen Satz zurück und beobachtet die Nachwirkungen, doch in dem Moment in dem sie auf die Wunde schaut schließt sich diese bereits wieder. Fassungslos zögert sie keine Sekunde und startet direkt einen neuen Versuch.
 

Mit einem unbeschreiblichen Gefühl, das irgendwo zwischen Erschrecken und Faszination liegt, betrachtet Felsi die Wunde in ihren Armen, die sich vor ihren Augen schließt. Der Schmerz, den sie kurz nach dem überraschenden Angriff wahrnahm, ist bereits verflogen doch ein mehr als bekanntes Gefühl gibt ihr zu verstehen, dass sie keine Zeit hat um sich um die Hintergründe zu kümmern. Das Mädchen ist nun schneller und stärker als vorher und sie muss sich verteidigen. Doch sie sah sie. Felsi konnte ihrer Gegnerin immer noch folgen und ihre Verteidigung anpassen. Sie beschließt dennoch kein weiteres Risiko einzugehen und konzentriert ihre Macht. Ihr Blut scheint mit dem Surren in der Luft zu räsonieren und sie spürt wie ihre Kraft stärker wirkt als zuvor. Der zweite Angriff ihrer Gegnerin kommt schneller und Koordinierter als der erste. Sie scheint sich schnell an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, doch in dem Moment in dem die Klinge auf Felsi trifft gelingt es ihr mit Leichtigkeit ihren Schwung abzuwenden und das Mädchen direkt zu treffen. Ohne beabsichtig Kraft aufzuwenden schleudert Felsi ihre Kontrahentin quer über die Plattform direkt in einen Felsen, von dem sich Felsi ziemlich sicher ist ihn vorher nicht dort gesehen zu haben. Doch wieder bleibt ihr keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Einmal mehr schießt das Mädchen auf Felsi zu. Dieses Mal in einem scheinbar zufälligen Angriffsmuster, dem Felsi nicht entnehmen kann wo ihr Angriff eintreffen wird. Sich auf alles vorbereitend, verstärkt Felsi ihren gesamten Körper mit der Macht ihres Ahnenblutes. Wie erwartet kommt die Attacke aus einem völlig unerwartetem Winkel und trifft sie direkt, doch das Schwert drückt Felsi nur zur Seite und das Mädchen springt einige Meter zurück. Die Klinge die vorher selbst Felsis verstärkte Haut durchschneiden konnte ist nun trotz mehr Wucht und einem besseren Angriff, ohne einen Kratzer zu hinterlassen abgeprallt.
 

Unmöglich! Was konnte ihre Kontrahentin denn noch alles? Naryu schaut verwirrt auf ihre Klinge und dann wieder zu ihrer Gegnerin. Sie hatte noch nie einen Gegner, gegen den sie ihre wahre Macht nutzen musste. Doch dieses Mädchen schrie danach diese zu spüren zu bekommen. Naryu stellt sich auf, nimmt ihre Schwertscheide in die eine Hand und ihr Schwert in die andere. Sie schiebt das Schwert zurück in die Scheide und hält es horizontal vor sich. Mit geschlossenen Augen flüstert sie Worte in einer längst vergessenen Sprache. Nach dem beenden der Formel öffnet sie die Augen und sieht, wie sich Sorge in den Ausdruck ihrer Gegnerin legt. Ihre Augen leuchten nun in einem tödlichen lila Ton, ein Zeichen dafür, dass ihr Schattenmacht Zauber funktioniert hat. Als sie ihr Schwert wieder aus seiner Scheide zieht bietet sich das erhoffte Bild. Mit jedem Zentimeter, den sie es weiter herauszieht verschwindet ein Teil der Schwertscheide und legt sich um die Klinge. Am Ende angekommen beendet sie das Ritual mit einem kraftvollen Schwung des nun total schwarzen Schwertes gen Boden. Wer auch immer dieses Mädchen ist, es sollte sich geehrt fühlen als einzige Person auf dieser Welt stark genug zu sein, um ihr Schwert in vollendeter Form spüren zu dürfen. Der Sieg ist das Ziel. Die einzige Nebenwirkung des Zaubers ist die Abgabe eines Teils des Bewusstseins an die Unterwelt, doch das konnte in diesem Kampf nur Hilfreich sein. Bereit, ihre Beute zu erlegen, stößt Naryu sich ab und rauscht in Richtung ihres Ziels. Wie erwartet hat der Zauber eine überwältigende Wirkung. Normalerweise vervielfacht er die Geschwindigkeit und Kraft, doch hier potenziert er sie nahezu ins Unendliche. Es vergeht keine Zehntelsekunde bis sich ihr Schwert in ihren Gegner bohrt. Und noch weniger Zeit vergeht bis zum nächsten Angriff, aus einer völlig anderen Richtung. Im Verlauf eines Augenblicks wird der Körper ihres Opfers wortwörtlich zerfledert. Schmerzerfüllte Schreie und Blut erfüllen die Luft und regen ihren Rausch nur noch mehr an. Eine Sekunde nachdem sie ihren Angriff gestartet hat ist ihre Beute bereits völlig verheert. Die Schreie sind verstummt und in ihre Augen ist ein leerer Blick getreten. Trotzdem sie sich so lange gewehrt und versucht hat, die Angriffe zu parieren, ist nun der Augenblick für den letzten Schlag gekommen. Naryu zirkelt um ihren Feind und springt in die Luft, um sich direkt danach von einer Insel in der Luft abzudrücken und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit einen letzten direkten Schlag auszuführen. Als ihre Klinge kurz davor ist ihr Werk zu vollenden, blendet sie ein rotes Licht. Unfähig den Angriff zu bremsen trifft sie auf das Licht und wird gewaltsam zurückgeschleudert. Nach einem kurzen Moment der Benommenheit sieht sie den Ursprung des Lichts. Das Blut ihrer Gegnerin pulsiert. Es vibriert und zirkuliert. Sowohl all das Blut, das sie in der letzten Sekunde verloren hat als auch das restliche Blut in ihrem Körper. Es sammelt sich um sie und lässt sie für einen kurzen Moment in einem bedrohlich strahlenden Rot aufleuchten.
 

Das ultimative Geschenk meiner Ahnen. Felsi wusste instinktiv, dass sie es ihnen zu verdanken hat, dass sie noch am Leben ist. Der Angriff mit dem schwarzen Schwert war für sie zu viel gewesen. Sie hatte jeden Angriff gespürt und die letzte Sekunde war für sie wie eine Minute gewesen. Doch diese Welt und ihre Kraft sind miteinander verbunden. Felsi spürt, wie ihre Kraft hier stetig wächst und wächst. Und nun steht sie einmal mehr diesem unglaublich mächtigen Wesen gegenüber. Doch die Macht, die sie sonst von innen heraus geschützte hat, hat sich nun materialisiert. Gepanzert in einer hellen, blutroten Rüstung, geformt aus ihrem Blut und der Macht ihrer Ahnen. Ihre Hände überzogen von Kampfhandschuhen mit dem Wappen ihrer Königsfamilie auf dem Handrücken. Wie von selbst reagiert das Wissen ihrer Ahnen in ihrem Körper und wehrt die schwarze Klinge ab, die in diesem Moment droht ihren Arm abzutrennen. In einem wilden Versuch sie erneut wie eben zu erlegen wirbelt das Mädchen um Felsi, doch jetzt kann sie jeden ihrer Angriffe abwehren. Sichtlich in Rage springt das Mädchen auf einen Brocken in der Nähe und sticht ihr Schwert in ihn hinein um die Hände frei zu haben. Felsi verfolgt die Aktionen ihrer Gegnerin wachsam doch kann nichts ausmachen, was nach einem weiteren Angriff aussieht. Das Mädchen greift in den Mantel hinein und hinter ihren Rücken und zieht eine tiefschwarze Phiole hervor, doch anstatt sie auf dem Schwert zu verteilen trinkt sie die Flüssigkeit komplett. Von einer sehr üblen Vorahnung ergriffen prescht Felsi vorwärts zu ihrer Gegnerin, doch noch bevor sie sie erreicht schreit diese auf und wird am gesamten Körper von Schatten verschlungen. Sie fängt Felsis Schlag ab und schleudert sie zurück an den Punkt, wo sie eben stand. Felsi schaut ihr entschlossen entgegen. Zwar ist sie unverletzt aber ihre Gegnerin ist ein weiteres Mal um ein vielfaches Stärker geworden. Das Mädchen war nun nur noch ein menschlicher Schatten mit leuchtenden violetten Augen. Sie griff nach ihrem Schwert und machte einen Satz auf Felsi zu. Sich ihrer Kraft bewusst und auf die Macht ihrer Ahnen vertrauend, erwidert Felsi diesen Angriff mit einem Gegenangriff. Nun heißt es alles in diesen einen Schlag zu setzen.
 

„So ist das doch schon viel interessanter.“ Luna lehnt sich auf ihrem gläsernen Thron zurück. Um sie herum ist das Universum durch die Wände des gläsernen Palastes sichtbar. Zeit ist an diesem Ort so relativ wie Raum. Es war ein Ort der göttlichen Präsenz und völlig ungleich von allem was ein Mensch erdenken kann. Über ein gläsernes Portal beobachtet die Göttin der Willkür die Früchte ihrer Machenschaften. Zufrieden schaut sie den beiden letzten Kämpferinnen im Wettstreit um den Sieg zu. „Mita war eine ausgezeichnete Idee, Luna. Du hast dich selbst übertroffen. Sonst hätten diese beiden vermutlich immer noch Schläge im Wald abgetauscht.“ Sichtlich amüsiert verfolgt sie das Schauspiel und lehnt sich gespannt vor, als die durch ihre eigene Macht erwachte Felsi und Naryu, die inzwischen ihre vollkommene Schattenform angenommen hatte, aufeinandertreffen. In dem Moment, in dem Felsis Faust auf Naryus Schwert trifft, geht ein Impuls durch die Dimension Mita. Ein Impuls der nicht nur diese Dimension erschüttert, sondern weit mehr Macht freisetzt als sich jeder der Anwesenden hätte vorstellen können. Das Portal vor der Göttin durchfährt ein mächtiger Stoß und noch bevor sie etwas unternehmen kann zersplittert das göttliche Glas als wäre es gewöhnliches. Doch dies leitet nur den Anfang der Auswirkungen ein. Die Verbindung zu Mita, die durch das Portal geschaffen wurde ist nicht nur zerbrochen worden, sondern beide Kontrahentinnen wurden durch den entstandenen Strudel ohne es zu bemerken durch Zeit und Raum befördert. Vor der Göttin beginnt nun ein Schauspiel, dass sie sich so nicht gedacht hatte. Die beiden greifen einander unnachgiebig an. Ein jeder Schlag entfesselt eine unkontrollierbare Menge an Energie und binnen Sekunden wird der göttliche Palast in ein obskures Wunderland aus Kristallglasregen, der von Schockwellen umher gewirbelt wird, und den Geräuschen des Kampfes verwandelt. Noch bevor Luna der ganzen Szenerie Herr werden kann rasen die beiden in einer letzten, alles entscheidenden Attacke aufeinander. Ein unwirkliches Geräusch erfüllt den Palast, als die Angriffe aufeinandertreffen und die Wucht der beiden Kriegerinnen eine Explosion der Macht freisetzt, die mächtig genug ist um den kompletten LUFF Kontinent zu versenken. Alle Energie, die die beiden in Mita aufgenommen haben wird freigesetzt und alles vergeht in einem strahlend hellem weißen Licht und dem Geräusch von berstendem und splitterndem Glas.
 

Naryu schaut auf das Mädchen, das vor ihr auf dem Boden liegt. Sie hat eben erfahren, dass sie Felsi heißt. Sie befinden sich einige Meter von dem Wald entfernt, in dem ihr Kampf begann. Keine von ihnen hat sichtbare Verletzungen, doch dass Naryu noch steht macht sie zur Siegerin dieser letzten Attacke. „Nun, das war unerwartet“, sagt Luna spielerisch während sie sich die Schulter massiert. „Es wird ewig dauern, bis ich meinen Palast wieder aufgebaut habe.“ Naryu betrachtet weiterhin die vor ihr schlafende Felsi. Das Mädchen wurde wie viele Andere in eine Laune der Göttin hineingezogen, die sich auf das Schicksal von jedem, der von ihr ausgesucht wurde ausgewirkt hat. „Warum?“ Auf Naryus Frage hin schaut Luna sie verblüfft an. „Brauche ich einen Grund um mich etwas amüsieren zu wollen?“ Ohne eine Antwort oder eine Reaktion abzuwarten setzte sie fort. „Du hast dich erstaunlich gut geschlagen. Auch wenn deine Mittel fragwürdig sind, wenn man deine Herkunft betrachtet.“ Auf diesen Vorwurf hin wirft Naryu der Göttin einen kompromisslosen Blick zu, zieht ihr Schwert aus der Scheide und greift mit einer Hand in den Mantel hinein hinter ihren Rücken. „Nur die Ruhe“, sagt die Göttin gelassen. Der kampfbereite Ausdruck in Naryus Augen lässt sie kichern. „Oh dachtest du etwa es ging darum dich zu testen?“ Die Göttin lacht herzhaft auf. „Nein kleines mir war schlichtweg langweilig und ich habe mich gefragt, wer wohl der Stärkste Kämpfer des Kontinents ist.“ Naryu steckt ihr Schwert weg und dreht sich um. Sie weiß, dass sie keine Chance gegen eine Göttin hat. Noch nicht. Mit diesen Gedanken setzt sie sich in Bewegung. Es wird Zeit eine neue Heimat zu finden. Ohne zurückzublicken wirft sie den Brief über ihre Schulter und verabschiedet sich von der Göttin.

„Bis zum nächsten Mal...“



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Kommentare zu dieser Fanfic (10)

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Von:  Shuda
2016-08-28T11:04:59+00:00 28.08.2016 13:04
Wow, also ich muss sagen, dass war ein sehr gut gelungene Wendung im Verlauf. Da war ich ziemlich geflasht, aber Gänsehaut bekam ich als Shini vom Baloth nochmals erwischt wurde und daraufhin Sara völlig ausgetickt ist und den Baloth, mit ihrer ziemlich coolen Ulti, gesmitet hat. Ein, meiner Meinung nach, interessant und sehr spanend beschriebener Kampfverlauf.
Sare ist einfach OP. XDD
Von:  Naryu
2012-12-01T18:44:41+00:00 01.12.2012 19:44
Niceeee~! :3
Von:  Mondmaedl
2012-01-29T17:14:24+00:00 29.01.2012 18:14
Echt mal. Diese rothaarige mysteriöse Frau oo
Immer macht die nur Mist, was? XD

Aber sehr schön beschrieben. Und gute Lösung mit dem Baloth als Gegner.

Iwie fand ich dieses Kapitel aber auch richtig blutig. Obwohl bei Felsi und Naya ja auch so einige gestorben sind und da überall Blut hätte liegen müssen.
Aber ne grüne Shini~ schon bissl eklig.

Jedenfalls bin ich auf die nächsten Kapitel gespannt und steh dann auch wieder als Betaleser bereit.
Von: abgemeldet
2012-01-27T12:19:30+00:00 27.01.2012 13:19
Einfach nur episch! =D
Wer wohl diese rothaarige Dame ist? Hm... Wer könnte das nur sein? xD

Sara's Attacke hast du genauso beschrieben, wie ich es mir vorgestellt hatte =D
Ich freu mich schon auf den nächsten Teil =D
Von: abgemeldet
2012-01-03T11:42:56+00:00 03.01.2012 12:42
Yay ich lebe noch xD

Einfach nur geil :D
Von:  Naryu
2012-01-03T00:53:04+00:00 03.01.2012 01:53
Me gusta! XD
Von:  Naryu
2011-12-13T22:38:35+00:00 13.12.2011 23:38
Einfach nur genial!!! *__*
Ich schließ mich dem Bob an. Und es ist einfach nur super spannend geschrieben. ^^
Von: abgemeldet
2011-12-13T15:45:46+00:00 13.12.2011 16:45
Mehr als "Episch" brauch ich eigentlich gar nicht sagen xD

Ich finde du hast den Unterscheid zwischen Mecha und Mensch wunderbar beschrieben. Das Naya berechnet und Felsi Gefahren spürt und so, das ist echt wunderbar geworden :D
Von:  shinigamix
2011-11-29T08:57:16+00:00 29.11.2011 09:57
es ist einfach nur genial xD
ein legendäre kampf, auf diese art und weise ausgetragen und mit einem überraschenden ende
ich mag cho`s attacken, sie ist so zucker :3
und nate, der ganz cool und gelassen auf zu neuen abenteueren schreitet
wahrlich, da ist euch wa gelungen
ich bin schon sehr auf den nächsten teil gespannt
Von:  LittleSara
2011-11-28T23:51:40+00:00 29.11.2011 00:51
Yay das erste chapter ist on! 8D
(und ich hatte wenigstens etwas sinnvolles in meiner Nachtschicht zu tun yeah~ xD)
Und ich find's erstaunlich cool. oxo Ich war ja eher etwas skeptisch am Anfang, aber ist echt lustig zu lesen xD
Auch wenn die Namen/der Bezug zu gewissen realen Personen nach wie vor etwas seltsam ist...es hat trotzdem was. ^^
Da bin ich mal auf die nächsten Kapitel gespannt! :3


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