Yoji
Yoji
“Yo! Hey, Yo!” Ertönte eine laute Stimme und schaffte es tatsächlich gegen den Straßenlärm anzukommen.
“Hm?” Ein Schwarzhaariger schaute suchend über seine Schulter und erblickte kurz darauf einen dunkelblau gefärbten Haarschopf.
Dieser bahnte sich mühsam den Weg durch die Massen und kam ziemlich außer Atem bei seinem Kumpel an. “Sach ma bist du taub?” Schnaufte der Blauhaarige, hielt sich an Yojis Schulter fest und versuchte seine Atmung wieder einigermaßen zu normalisieren. “Man, ich schrei schon den ganzen Block hinter dir her.”
“Gomen Kei, hab dich echt nicht gehört.” Entschuldigend klopfte der Schwarzhaarige ihm auf die Schulter.
“Das hab ich mir fast gedacht, aber das kostet dich ne Coke!” Breit grinste Keito ihn an.
“Geht klar.” Lachte der Schwarzhaarige und sah ihn anschließend fragend an. “Ins Close up?”
“Nee, da ist es um die Zeit doch viel zu voll. Lieber ins Dragon. Da bekommen wir bestimmt noch einen Platz.” Beschloss der Blauhaarige kurzer Hand und kämpfte nun gemeinsam mit seinem Kumpel gegen die ihnen entgegen kommenden Massen an.
“Sach ma, was is in letzter Zeit eigentlich mit dir los, Yo?”
“Hm?” Der Schwarzhaarige schaute von der klaren Flüssigkeit in seinem Glas auf. “Was genau meinst du?”
“Na ja.” Grübelnd rieb sich Keito das Kinn. “Du bist irgendwie abwesend, oder so. Eben nicht richtig bei der Sache. Und damit meine ich nicht nur heute, wo ich dir meilenweit hinterher gelaufen bin.”
“Hm.” Yoji stellte sein Wasserglas auf dem Tisch ab und wand seinen Blick nach draußen. “Ich weiß auch nicht.” Seufzte er leise und schaute hoch zu den regengrauen Wolken.
Der Blauhaarige nagte sich kurz auf der Unterlippe herum, bis er sich dann doch traute seine Frage zu stellen. “Hat es was mit Toto zu tun?” Er wusste genau, dass dies Yojis Wunderpunkt war, weshalb er wirklich nur sehr selten auf Toshiya zu sprechen kam. Immerhin hatte dieser seinen Kumpel vor einen knappen halben Jahr einfach so fallen lassen und war weggezogen. Noch heute könnte Keito ihn dafür eine reinhauen.
Er konnte sich nur allzu gut an Yojis Zusammenbruch erinnern als dieser heimkam und plötzlich eine leergeräumte Wohnung vorfand. Einzig ein kleiner Schmierzettel auf dem Küchentisch hatte ihnen gesagt das hier keine Einbrecher am Werk gewesen waren, sonder Toto mit den Sachen auf Nimmerwiedersehen abgehauen war.
Für seinen Kumpel war damals eine Welt zusammen gebrochen. Selbst heute, nach all den Monaten, war Yoji scheinbar noch nicht ganz über die Sache hinweg. Zumindest weigerte er sich strickt dagegen, sich von seinen Freunden verkuppeln zulassen und lebte lieber allein in der noch immer fast leeren Wohnung.
“… auch.” Antwortete der Schwarzhaarige mit leiser Stimme und ließ seine Augen über die Fassaden der Hochhäuser wandern. Es schmerze noch immer wenn er an seinen Ex-Freund dachte.
“Auch?” Neugierig schaute Keito ihn an und nippte an der Cola. “Is sonst noch was?”
“Ich weiß auch nicht recht, aber ich habe in der letzten Zeit, vor allen in den letzten Tagen, immer ein merkwürdiges Gefühl.” Er schaute wieder zu seinem Wasserglas, nahm dieses zwischen seine Hände, rollte es in diesen hin und her und betrachtete sich den kleinen Waaserwirbel in der Mitte. “So als ob ich von jemand beobachtet werde.”
“Öhm…” Der Blauhaarige schaute etwas verwirrt drein. “Wer soll dich denn beobachten? Und vor allem, warum?”
“Was weiß ich.” Yoji zuckte mit den Schultern und nippte an seinem Wasser. “Vielleicht bilde ich mir das alles ja auch nur ein.”
“Das wird’s sein!” Grinste Keito und zückte sein Handy. “Oh wow, schon so spät?! Sorry Yo, aber ich muss los!” Schnell kippte er den Rest seiner Cola herunter und stand auf. “Kommst du heute Abend auch mal wieder in den Club? Die Anderen würde sich bestimmt freuen dich mal wieder zu Gesicht zu bekommen!”
“Hm, mal schaun. Hab zwar keine große Lust, aber vielleicht lass ich mich mal blicken.”
“Mach das! Ist echt schon lange her als du das letzte Mal da warst. So ich muss los!” Schnell schlüpfte der Blauhaarige in seine zerschlissene Jacke. “Danke für die Coke!” Und schon war er aus dem Lokal verschwunden und ließ sich von den Menschenmassen davon treiben.
Kopfschüttelnd schaute Yoji ihn noch hinterher, fischte einige Münzen aus seiner Hosentasche und legte sich neben die leeren Gläser.
Es war ihm schon klar, wie lächerlich sich seine Vermutungen für Keito angehört haben mussten, aber genau so fühlte er sich. Kaum das er auf der Straße unterwegs war, hatte er das Gefühl auf Schritt und Tritt beobachtete zu werden.
Genau wir jetzt.
Kaum, dass er das kleine Lokal verlassen hatte und auf dem Gehweg stand, schon spürte er es wieder. Augen die ihn ansahen und folgten, wohin er auch immer ging, sie folgten ihm.
Doch so sehr er sich auch umschaute, so konnte er doch niemanden entdecken der in ansah oder überhaupt Notiz von ihm nahm.
Nur eine graue dahin eilende Menschenmenge, die sich stetig weiter schob.
Wie konnte man nur so leben?
Ein leises Grollen war zu hören und schon lösten sich die ersten dicken Tropfen aus dem dunkelgrauen Himmel. Nur Sekunden später zückten die ersten ihre Regenschirme.
Die eh schon gesichtslose Menge verschwand unter einer Schicht Stoff.
Helles Grau, mittleres Grau und dunkles Grau.
Wer Farben suchte war hier definitiv fehl am Platz.
Kopfschüttelnd ob dieser Abgestumpftheit zog Yoji den Reißverschluss seiner Jacke hoch.
Sie war schwarz. Ebenso wie sein Shirt, seine Jeans und seine Schuhe. Selbst sein Haar hatte nun wieder diese Farbe. Die letzten Farbreste, die sich nur noch auf vereinzelte Spitzen beschränkt hatten, waren beim letzten Haarschnitt verschwunden.
Jahrelang hatte er sich die Haare regelmäßig gebleicht um sie dann in kräftigen Farben erstrahlen zu lassen. Mal Rot, mal grelles Grün, oder so wie Keito sie momentan trug, in einem satten Blau. Damals als Toto noch bei ihm war und sie gemeinsam mit den andern Punks die Straßen der Stadt unsicher machten.
Doch das war lange vorbei.
Jetzt hingen ihm seine Haare in tiefschwarz ins Gesicht. Einzelne Regentropfen perlten an ihnen herunter und tropften zu Boden.
Es schien fast so als hätte Toshiya damals nicht nur all seine Sachen, sondern auch alle Farben mit genommen.
Yoji schlang sich die Arme um den Oberkörper und versuchte die, in ihm aufsteigende Kälte zurück zudrängen. Mit hängendem Kopf bahnte er sich erneut seinen Weg. Nicht mit, sondern immer gegen den Strom.
Wie lange es wohl noch dauern würde bis dieser ihn verschlucken und einfach mit sich reißen würde?
Und würde er es wirklich so weit kommen lassen, oder doch lieber vorher einen endgültigen Schlussstrich ziehen?
Takai
Takai
Takai stand hoch oben auf einem der hohen Gebäuden und blickte in den Abgrund vor sich.
Wenn er nur an die Zeiten zurück dachte als es hier noch keine Häuserschluchten gab. An die Zeiten, als die Menschen noch ihre Nachbarn kannten und mit diesen noch spät Abends zusammen in Teehäusern oder Kneipen zusammen saßen und über das Leben philosophierten. Damals lebte diese Stadt noch. Doch heute schien sie so gut wie tot. Die Industrie boomte zwar und jeder hatte einen Job, aber zu welchem Preis?
Mit einem verächtlichen Schnaufen schaute er wieder hinab auf die dicht bevölkerte Straße.
Emsig drängelten sich Menschen verschiedenen Alters, verschienen Geschlechts und verschiedener ethnischer Abstammungen durch die schmalen Straßen der Großstadt.
Von hier oben erschienen sie für ihm wie Ameisen. Wie hirnlose Wesen die einzig dazu bestimmt waren dem Wohl der Kolonie zu dienen. Wie viele von den Kreaturen dort unten sich wohl jeden Morgen mühsam aus ihren Bett quälten, nur um den ganzen Tag für irgendwelche reichen Menschen zu schuften die dadurch nur noch reicher wurden? Wie weit hatten all die emsigen Arbeiter sich selbst schon aufgegeben und folgten nun dem ihnen vorgegebnen Trott?
Fast jeden Abend schaute er auf die wimmelnde Masse herab und konnte nur den Kopf über solch diktiertes Verhalten schütteln. Fast wie Schlachtvieh das brav zur Schlachtbank trottete.
Sie widerten ihn an, genauso wie die nun so leblose Stadt.
Und doch war er noch immer hier.
Dies lag bestimmt nicht an den hohen Wolkenkratzern, die in den letzten Jahren hier nur so in die Höhe geschossen waren oder an dem reichhaltigen Nahrungsangebot.
Eher an einem der Stadtbewohner, der so ganz anders war.
Schon am ersten Tag seiner Rückkehr war Takai dieser Junge aufgefallen, der gänzlich gegen den Strom schwamm. Und das im wahrsten Sinn des Wortes.
Hatte dieser sich doch buchstäblich durch die Massen gezwängt und war als Einziger in einer völlig andere Richtung unterwegs als all die anderen Arbeitssklaven.
So, wie auch am heutigen Abend.
Schnell hatten die goldbraunen Augen den Jungen, tief unten auf der Straße ausfindig gemacht und ein leichtes Lächeln erschien auf Takais Lippen.
Vielleicht war es an der Zeit sich den Kleinen mal etwas genauer anzusehen.
Während sich der Junge dort unten durch die Menschenmassen drängen musste, wanderte Takai gemütlich auf dem Dachränder der Firmengebäude entlang und folgte dem Schwarzhaarigen.
Doch plötzlich schob sich ein blauer Punkt durch die graue Masse und steuerte direkt den Schwarzen an. Kam bei diesen an und nach kurzer Zeit setzten die beiden ihren Weg Seite an Seite fort.
Der Braunhaarige runzelte leicht die Stirn. Wenn er es recht bedachte, war dies das erste Mal, dass er den Jungen mit einem anderen sprechen sah. Geschweigedenn, dass er mit einem mitgegangen wäre.
Neugierig, wer der Blauhaarige wohl war, folgte er ihnen und beobachtete sie beim Betreten eines kleinen Straßenlokals.
“Takai?” Eine ungläubig klingende Stimme ertönte einige Meter von dem Braunhaarigen entfernt. “Bist du es wirklich?”
“Hallo Lucia!” Die goldbraunen Augen lösten sich vom Lokal, schauten zu der Frau herüber und musterten sie kurz. “Wie geht’s dir?”
“Wies mir geht?!” Kopfschüttelnd kam sie zu dem hochgewachsenen Mann herüber und warf sich ihm um den Hals. “Du kommst einfach so nach all der Zeit zurück und fragst mich wie es MIR geht?” Sie löste sich etwas von ihm und lächelte ihn warm an. “Viel wichtiger ist doch, wie es dir geht und vor allem wo du all die Jahre gesteckt hast!”
“Überall und nirgendwo.” Takai legte seine Arme um ihren zierlichen Körper und küsste ihren Scheitel. “Ich musste einfach mal für eine Weile weg.”
“Ne Weile?” Lucia schaute tadelnd zu ihm auf. “Takai, das waren mehr als siebzig Jahre!”
“Gomen nasai Lu, aber ich musste damals einfach weg.” Entschuldigen schaute er in ihre kristallblauen Augen.
“Ich weiß.” Seufzte sie leise und löste sich nun gänzlich von ihm. “Bist du nur zu Besuch, oder wirst du endlich deinen rechtmäßigen Platz an der Seite Takuros einnehmen?”
Takai wand seinen Blick von ihr ab und schaute in die regenschwangeren Wolken. “Wie geht es ihm?”
“Takuro? Bestens. Und ich wette er würde sich wirklich freuen wenn sein Bruder sich uns wieder anschließen würde. Dann könntet ihr zusammen über eure Stadt herrschen. So wie es euer Vater damals bestimmt hatte.”
Leise schnaufte der Braunhaarige und ließ seinen Blick über die imposante Skyline der Stadt wandern. “Unsere Stadt? Es ist seine und genauso sieht sie auch aus. Grau, freud und leblos.” Das Gold seiner Augen traf wieder auf hellblauen Kristall. “Du weiß genauso gut wie ich, dass es schon immer Takuros Stadt war und genau das wird sie auch bleiben.”
“Du tust ihm Unrecht Takai. Und das weißt du auch!” Lucia trat zu ihm. “Es war nicht seine Schuld und das weißt du auch. Es ist wirklich an der Zeit, dass ihr beide endlich Frieden schließt.”
“Ich weiß Lu, ich weiß.” Abermals legte er seine Arme um sie und drückte sie leicht an sich. “Aber es ist schwer zu vergessen was mit Jury geschehen ist.” Er spürte einen leichten Stich in der Brust als er an den quirligen Jungspund mit dem schlohweißen Haaren dachte. Wie freudig dessen Augen immer gestrahlt hatten, wenn Takai nach einer Reise nachhause gekommen war.
Und wie vorwurfsvoll das leblose Grün ihn angestarrt hatte als er den Keller betreten und den Jungen dort gefunden hatte. Nackt, mit verrenkten Gliedern und eindeutigen Spuren auf dem schlanken, kalten Körper.
Zwar waren die Schuldigen damals schnell gefunden und gerichtete worden, doch all das konnte seinen kleinen Wildfang nicht wieder zum Leben erwecken.
“Du sollst es ja auch nicht vergessen Takai, nur mit der Vergangenheit Frieden schließen und Takuro vergeben.” Sie schaute zu ihrem Schwager auf. “Nicht nur du quälst dich seit jenen Tagen mit Vorwürfen.”
Der Braunhaarige seufzte leise. “Sag ihm, dass ich noch heute kommen werde.” Ein Grollen ertönte über ihnen und Takai entließ die Frau aus seinen Armen “Ich glaube du solltest dich beeilen. Nicht das meine Schwägerin als begossener Pudel heimkehrt.”
“Sieh lieber zu das du einigermaßen passabel aussiehst wenn du bei uns auftauchst. Nicht, dass Takuro noch denkt du hättest die letzten Jahrzehnte in irgendeinem Erdloch gehaust!” Lachte Lucia und verschwand in Regen.
Takai stand am Dachrand und hielt sein Gesicht dem kühlen Regen entgegen.
Er ahnte schon lange, dass dieser Tag einmal kommen würde und nun war es soweit.
Ein erneuter Seufzer entkam seinen Lippen und er schaute wieder hinab in das Grau der Häuserschlucht. Gerade rechtzeitig um das erneute Auftauchen des schon vertrauten schwarzen Haarschopfes zu bemerken. Zu sehen wie der Junge sich die Jacke zu zog, die Arme um seinen Oberkörper legte und durch den sintflutartigen Regen davon schritt.
Kurz überlegte Takai ihm wieder zu folgen, doch wollte er den Besuch bei seinem Bruder so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Und so blieb er stehen und sah den Schwarzhaarigen hinter der nächsten Häuserecke verschwinden.
Doch Takai würde ihn wieder finden. So wie er ihn in all den vergangen Tage immer wieder gefunden hatte.
Mit diesem Wissen machte er auf dem Absatz kehrt und war bereit sich seiner Vergangenheit zu stellen.
Ebenso wie Lucia war er im Bruchteil einer Sekunde im Grau des Regens verwunden.
Alte Freunde
Mit gemischten Gefühlen zog Yoji die Wohnungstür hinter sich zu. Wirklich Lust hatte er keine, aber Keito hatte Recht. Es war wirklich an der Zeit sich mal wieder im Club sehen zu lassen. Sei es auch nur um den Anderen zu zeigen, dass er noch am Leben war.
Ein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber hatte er schon seit Monaten, aber er hatte sich einfach nicht aufraffen können. Und die Tatsache dass er damals immer zusammen mit Toshiya in den Club gegangen war, machte es für ihn auch nicht einfacher.
Sich seinen schwarzen Anorak, welche Farbe sollte er auch sonst haben, enger um den Leib schlingend trat er in die kühle Nacht hinaus nur um zusehen, dass ihm der Bus direkt vor der Nase wegfuhr. Leise Grummeln schaute er den roten Rücklichtern nach, zuckte kurz darauf mit den Schultern und machte sich auf den Weg.
Wenigstens machte der Regen mal eine Pause und er kam wieder aller Erwartungen trocken im Club an.
Na ja, Club war nicht gerade die richtige Bezeichnung für diesen Treffpunkt, aber an einem ziemlich feuchtfröhlichen Abend hatte Keito eine halbleere Spraydose gefunden und die leerstehende Lagerhalle kurz entschlossen `P-Club´ getauft. Wobei das P schon darauf verwies, dass sich hier größtenteils Punks versammelten um mal richtig die Sau rauszulassen. Hier draußen hatte sich bis jetzt noch niemand daran gestört und die Polizei drückte ausnahmsweise auch mal ein Auge zu. Wahrscheinlich war es ihnen lieber, wenn sie die provokativ aussehende Meute so einigermaßen unter Kontrolle hatten. Zumindest konnten auf diese Weise die ach so bösen Punker von den wohlhabenden Mitbürgern fern gehalten werden.
Mit einem ziemlich mulmigen Gefühl schob Yoji die Tür auf und fand sich kurz darauf in einem mit lautem Punkrock beschallten und gut gefüllten Raum wieder. Mit jedem Schritt den er machte, wünschte er sich doch nicht hier her gekommen zu sein.
Klar vermisste er Keito, Sasko, Inari und all die Anderen, aber den Club hatte er nicht vermisst.
Wie auch, alles hier erinnerte ihn an Toshiya.
Wie oft hatte Yoji in einer der Sitzecken auf ihn gewartet, während Toto sich durch die tanzende Menge gekämpft und Nachschub von der Theke organisiert hatte. Oder er hatte mit ihm in den frühen Morgenstunden eng umschlugen zu irgendeiner Ballade getanzt. Meist waren sie dann die letzten im Club gewesen und nicht selten war der enge Tanz etwas intimer geworden.
Ein Rempler von der Seit holte den Schwarzhaarigen auf seinen Gedanken und er musste aufpassen, dass er nicht zu Boden ging.
“Sorry Alter! War echt keine… Yoji?” Ein großgewachsener Irokesenträger schaute ihn ungläubig an. “Gott, Alter, ist das lange her!”
Schneller als der Schwarzhaarige schauen konnte, fand er sich in einer herzhaften Umarmung wieder. “Hallo, Sasko.” Gerne erwiderte Yoji die Umarmung.
Dieser drückte den Kleineren wieder etwas von sich, hatte jedoch noch immer seine Hände auf Yojis Schultern liegen und schaute sich seinen Kumpel etwas genauer an. “Siehst gut aus. Nur ein Bissel farblos.” Zwinkerte er und wuschelte ihm durchs nachtschwarze Haar.
“Maaaan, Sasko wo bleibt du denn so lange? Und wo ist unser Bier?” Quengelte eine Stimme hinter Yoji.
“Schau mal was ich gefunden habe!” Sasko grinste breit und drehte Yoji zu der Stimme.
“YO!” Inari schrie laut auf, schnappte sich den Schwarzhaarigen und knuddelte ihn kräftig durch.
“Na na na, mach ihn nicht kaputt!” Lachte nun eine weitere Stimme und Keito tauchte neben Sasko auf. Mit einem ebenso breiten Grinsen wie der Irokesenträger betrachtete er sich das Schauspiel.
Nachdem die Allgemeine Begrüßung, oder eher die `Hurra-Yoji-lebt-noch´ Knuddelattaken beendet worden war, hatte sich die kleine Gruppe in eine Nische des Nebenraumes verzogen und ihr Wiedersehen mit einer Runde Dosenbier gefeiert. Ausnahmsweise hatte sich auch Yoji zu einem Bierchen überreden lassen um mit seinen Kumpels angestoßen. Doch hatte er es bei dieser einen Dose belassen und das Kampftrinken lieber den gut trainierten Clubbesuchern überlassen.
So hatte es auch nicht lange gedauert bis sich die ersten Volltrunkenen auf den ausgelegten Matratzen aus gestreckt hatten und schon Minuten später tief und fest schliefen. Nur der Schwarzhaarige und Keito saßen noch aufrecht, wobei Letzterer schon leicht Schlagseite hatte.
“Ich glaube du solltest langsam Feierabend mach, Kei!” Kopfschüttelnd nahm Yoji dem Blauhaarigen die leere Dose aus der Hand.
“Hey!” Beschwerte sich dieser auch prompt und versuchte wieder in den Besitz der Dose zu gelangen. Doch wegen seiner undeutlichen Sicht griff er immer wieder ins Leere und begann zu kichern.
“Lass gut sein, Kei.” Yoji stellte die Dose zu den anderen Leeren und drückte Keito auf die Matratze. “Du schläfst jetzt deinen Rausch aus und ich mach mich langsam mal auf den Heimweg.”
“Is klar, Mama!” Kicherte der Blauhaarige leise und rollte sich auf der weichen Unterlage zusammen.
“Braves Kind!” Lachend wuschelte Yoji ihm durchs Haar, stand auf und schnappte sich seinen Anorak. “Schlaf gut, Kei!”
“Du auch, Yo.” Nuschelte Keito noch leise und kurz darauf konnte man sein leises Schnarchen hören.
Yoji verließ den nun fast leeren Club und sog die erfrischende Nachtluft tief in seine Lungen. Lächeln schaute er zur der hellen Mondsichel hinauf. Es hatte ihm gut getan mit den Andern über alte Zeiten zureden. Obwohl er sehr wohl bemerkt hatte, dass sie ein ganz bestimmtes Thema, oder eher eine bestimmte Person absichtlich nicht angesprochen hatten. Und dafür war er seinen Kumpels wirklich dankbar.
Aber nun stand er hier alleine im spärlichen Licht des Mondes und die Erinnerungen kamen wieder. Erinnerungen daran wie er und Toshiya Arm in Arm oder eng aneinander gekuschelt durch die menschenleeren Straßen spaziert sind um sich anschließend zuhause in ihr warmes Bettchen zukuscheln. Manchmal hatte sie sich auch einfach auf eine der Bänke, die das Flussufer säumten, gesetzt und den Sonnenaufgang betrachtet.
Die Lippen des Schwarzhaarigen verzogen sich zu einem wehmütigen Lächeln als er an Toshiyas romantische Ader dachte. Die Andern hatte es ihm nie glauben wollen, aber sein Freund konnte durchaus einen Rosenkavalier sein. Hin und wieder hatte Toto ihn einfach entführt, ihn zu lauschigen Plätzen geführt und ihn dort nach Strich und Faden verführt.
Doch letzten Endes hatte er sein wahres Gesicht gezeigt. Na ja, wohl eher sich feige aus ihrer Beziehung gestohlen.
Nie würde Yoji diesen Augenblick vergessen, als er die leer geräumte Wohnung betreten hatte und den Zettel in der Küche gefunden hatte.
`Sorry
Toshiya´
Zwei Worte auf die Rückseite eines Einkaufszette gekritzelt.
So hatte sich Toshiya, nach zweieinhalb Jahren, einfach verabschiedet und war seit dem nicht wieder aufgetaucht. Noch nicht einmal einen Anruf hatte es gegeben.
Einfach nur Schluss, Punkt, aus.
Yoji seufzte schwer, zog sich den Anorak fester um den Leib und machte sich allein auf den Heimweg.
Begegnung
Takai schritt gedankenverloren am Ufer des Flusses entlang.
Das Gespräch mit Takuro war recht gut verlaufen und sie hatten die Geschehnisse der Vergangenheit begraben können. Oder besser gesagt, standen diese jetzt nicht mehr zwischen ihnen.
Wie er schon Lucia gesagt hatte, so wollte und konnte Takai das Geschehene nicht vergessen. Denn das würde bedeuten auch Jury zu vergessen und das würde Takai niemals übers Herz bringen. Wie könnte er den lebensfrohen Jungen vergessen.
Noch heute konnte er ihn vor seinem inneren Auge sehen. Gerade mal 13 Jahre alt. Wache, immer neugierig blickende Augen in leuchtendem Grün und schneeweiße Haar.
Ein leichtes Lächeln bildete sich auf den Lippen des Braunhaarigen aus. So weiß wie das Haar seines Mündels gewesen war, so tiefschwarz war das Haar des Jungen, den er nun nicht mehr aus dem Kopf bekam.
Sie waren so unterschiedlich, wie man nur sein konnte.
Jury war hell wie die Sonne. Voller Leben und hatte immer ein Lachen auf den Lippen. Und der Junge hier war so dunkel wie eine mondlose Nacht. Er machte fast den Eindruck als würde ihn das Leben nicht mehr interessieren. So als ob er nur noch darauf warten würde, es endlich hinter sich zu haben. Sein Lachen hatte Takai das erste und einigste Mal gehört als er diesen blauhaarigen Jungen getroffen hatte. Doch schien es ihm nicht wirklich von Herzen gekommen zu sein.
Der Vampir seufzte leise als er an den stets leicht verbitterten Gesichtsausdruck dachte. Zu gerne würde Takai ein ehrliches Lächeln auf den Lippen des Jungen sehen.
Er stoppte seine Schritte, schloss die Augen und durchsuchte die Stadt nach dem Schwarzhaarigen.
Nur wenige Augenblicke später öffnete er sie wieder und ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
Grübelnd stieg Yoji die wenigen Stufen zur Haustür hinauf und kramte in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel. Irgendetwas war auf dem Heimweg anders gewesen. So als ob etwas gefehlt hätte. Doch der Schwarzhaarige kam nicht drauf was es war. Mindesten fünfmal hatte er schon all seine Taschen abgesucht, nur um festzustellen das er all seine Sachen dabei hatte. Geldbeutel, Handy, Schlüsselbund und noch anderen Krimskrams, der sich in den vergangen Tagen in seinen Anoraktaschen angesammelt hatte.
Somit konnte es nicht daran liegen. Aber woran dann?
Doch plötzlich wusste oder besser spürte er was die ganze Zeit gefehlt hatte.
Yoji spürte den Blick deutlicher als jemals zuvor und drehte sich langsam um. Eigentlich erwartete er niemanden zu sehen, umso erstaunter war er als er einen hoch gewachsenen Mann nur wenige Meter von ihm entfernt erblickte.
Er war etwas größer als der Schwarzhaarige. Zehn Zentimeter vielleicht. Hatte langes, hellbraunes Haar und einen schlanken, aber durchaus muskulösen Körper. Doch was Yoji am meisten auffiel, waren die Augen des Fremden. `Wie flüssiges Gold´ war das Erste was ihm bei ihren Anblick einfiel.
Es waren die Augen die ihm schon seit Tagen auf Schritt und Tritt gefolgt waren, dessen war es dich sicher. Erklären konnte er es nicht, er wusste es einfach.
Dann setzte der Fremde sich in Bewegung und kam langsam auf ihn zu. Am Fuß der Treppe angelangt verharrte er kurz, erklomm jedoch kurz darauf die erste Stufe nur um wenige Sekunden später direkt vor Yoji stehen zu bleiben.
Dieser fragte sich insgeheim warum er noch immer hier stand und nicht schon längst ins Haus geflüchtet war. Die Gegend in der er wohnte war nicht gerade die beste der Stadt und um diese Uhrzeit trieben sich meist nur noch irgendwelche zwielichtigen Gestalten auf der Straße herum. Und doch stand er hier, vor der bereits aufgeschlossenen Haustür und konnte sich nicht von den goldenen Augen eines völlig Fremden trennen.
Takai schritt langsam auf den Jungen zu. Bei jedem Schritt den er auf den Schwarzhaarigen zuging, fesselte ihn dessen Anblick mehr. Der schlanke, aber sportliche Körper, die halblangen schwarzen Haare und die Augen. Blau. Tiefes, leuchtendes Blau das soviel Traurigkeit ausstrahlte.
Takai konnte sich nicht mehr zurück halten. Er musste ihn einfach berühren.
Vorsichtig hob er seine Hand, bewusst, dass der Junge jeden Moment einfach die Flucht ergreifen könnte, und strich ihm vorsichtig eine der schwarzen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Doch der Junge flüchtete nicht. Er war bei der Berührung noch nicht einmal zusammen gezuckt.
Von dieser Tatsache ermutigt beugte Takai sich langsam vor und legte seine Lippen sachte auf die des Jungen.
Yoji glaubte sich in einem Traum als das Gold noch näher kam und er die kühlen Lippen spürte. Seine Lider schlossen sich von allein und ein leiser Seufzer entkam ihn als sich eine wohlige Wärme in seiner Brust ausbreitete. Das ganz leichte Gefühl, dass das was er hier gerade tat nicht richtig war, verdrängte er und genoss einfach nur den Augenblick.
Auch der Barunhaarige schloss nun seine Augen und gab sich völlig den längst verloren geglaubten Empfindungen hin. Vorsichtig eroberte er den Mund des Schwarzhaarigen und umspielte dessen Zunge.
Yoji krallte sich leicht im Hemd des Fremden fest, kam der Aufforderung nur zu gerne nach und immer wieder stahlen sich leise Seufzer in den Kuss.
Takai schlang einen Arm um die Mitte des Jungen, gab ihm somit etwas mehr Halt und löste den Kuss langsam auf.
Yoji war froh über die Stütze, traute er doch seinen Beinen im Moment nicht wirklich. Seine Augen wieder öffnend sah er direkt in warmes Gold.
Takai lächelte den Jungen an und strich ihm erneut eine Strähne aus dem Gesicht. Er hauchte ihm noch einen leichten Kuss auf die Lippen, ehe er sich gänzlich von ihm löste. Für heute Nacht musste er sich mit diesem Kuss zufrieden geben, denn wenn er den Jungen noch länger in den Armen halten würde, könnte er für nichts mehr garantieren. Zu sehr hatte der Kuss sein Inneres aufgewühlt und lange unterdrückte Gelüste wieder erweckt. Er wand sich ab und schritt die Stufen der Treppe hinunter.
Yoji spürte wie der Fremde ihn freigab und stellte mit leichtem Entsetzen fest, dass es ihm sogar nicht gefiel. Noch mehr entsetze es ihn als er seine eigene Hand im festen Griff um das Handgelenk des Mannes sah.
Doch genau das wollte er doch, oder?
Er wollte nicht dass der Fremde einfach so wieder verschwand.
Takai blickte überrascht auf die schlanken Finger die sich um sein Handgelenk schlossen.
„Ich… “ Der Schwarzhaarige wusste nicht recht was er jetzt sagen sollte. Was sagte man denn zu einem Fremden, der einem schon seit Tagen nachtspionierte und dann auch noch so unbeschreiblich gut küssen konnte.
Takai lächelte als er sah wie fieberhaft der Junge nach Worten suchte. Und das wo die Geste doch schon alles sagte. So schritt er die zwei Stufen wieder hinauf und schaute ihm tief in die Augen. „Bist du dir sicher?“
Als Yoji die tiefe Stimme hörte, lief ihm ein wohliger Schauer über den Rücken. Wenn er auch noch kurz zuvor gezweifelt hatte, so war er sich doch jetzt wirklich sicher.
Er reckte sich leicht, hauchte einen flüchtigen Kuss auf die kühlen Lippen des Fremden und zog ihn dann hinter sich her ins Haus.
Vielleicht würde er sein unüberlegtes Handeln schon morgenfrüh bereuen.
Vielleicht aber auch nicht.
Das Ende der Regenzeit
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Das Ende der Regenzeit (zensiert)
Mit einem lauten Prasseln landeten die dicken Regentropfen auf der Scheibe des Dachfensters. Nur um sich gleich darauf zu kleinen Rinnsalen zusammen zuschließen und dem Glas herunter zu rinnen.
Yoji lag direkt unter diesem Fenster, in einem ziemlich zerwühlten Bett und schaute hinauf in den dunkelgrauen Himmel.
Mit einem leisen Seufzer blickte er nochmals zur anderen Bettseite, nur um diese verlassen vor zu finden.
Ein klein wenig war er schon enttäuscht gewesen als er aufgewacht war und feststellen musste das er alleine in dem nun viel zu großen Bett lag. Gerne hätte er sich noch etwas an den Anderen gekuschelt oder zumindest mit ihm zusammen gefrühstückt.
Doch dieser war weg.
Einfach verschwunden und hatte auch keine Nachricht oder gar eine Telefonnummer auf dem Kopfkissen zurück gelassen. Genau wie in einem dieser Filme die man viel zu oft im Fernsehen sah. Eine heiße Nacht und am Morgen war der Liebhaber auf nimmer wiedersehen verschwunden. Meist heulten sich die Frauen sich dann die Augen aus dem Kopf, bereuten es zutiefst auf solch einen Schwerenöter herein gefallen zu sein und rannten zu ihrer besten Freundin.
Die blauen Augen schauten wieder in das Regengrau über ihn. Er bedauerte es wirklich dass er bei solch einem tristen Wetter ganz alleine im Bett lag.
Ein Grinsen machte sich langsam auf den Lippen des Schwarzhaarigen breit.
Aber dass er sich diesen Mann ins Bett geholt hatte bedauerte er ganz bestimmt nicht.
Noch jetzt rannen ihm kleine Schauer über den Rücken als er an die unbändige Leidenschaft des Braunhaarigen dachte. An die kräftigen Hände die ihn anfangs mit solch eine Zärtlichkeit liebkost hatten. An den athletischen Körper der ihn gleich am Anfang an den einer Raubkatze erinnert hatte. Schlank, sehnig und voller Kraft.
Yoji schloss seine Augen, ließ seine Hand langsam zu seiner erwachten Mitte gleiten und rief sich die Erinnerung an die letzte Nacht zurück.
Kaum das die Wohnungstür ins Schloss gefallen war zog Yoji den Fremden in einen weiteren Kuss. Ein leichtes Stöhnen mischte sich in ihr wildes Zungenspiel als sein Körper fest an die Wand gepresst wurde und die Hände des Anderen hungrig über seinen Leib wanderten. Ihn von dem nun mehr als lästigen Anorak befreiten und unter sein Shirt schlüpften.
Doch auch Yojis Hände blieben nicht untätig. Kaum das er von seinem Anorak befreit war seufzte er erleichtert auf und versuchte die Knöpfe des Hemdes, das ihn den Kontakt zur Haut des Braunhaarigen verweigerte zu öffnen. Ein leise, frustrierte Grummel mischte sich in den Kuss und Yoji machte kurzen Prozess mit dem Stoff. Ein beherzter Zug und schon gaben die Knöpfe nach.Sie landete in ganzen Raum verteilt und der Schwarzhaarige riss den Stoff von Körper des Fremden.
Den Kuss brechend weil ihm der Mann gerade ebenfalls seines Oberteils entledigte, seufzte er um so zufrieden auf als er endlich die lang ersehnte Haut berührten konnte. Andächtig strichen seine Finger die kräftigen Muskeln nach und er konnte sich einen erneuten Seufzer nicht verkneifen.
Gott, er wollte diesen Mann.
Und das sofort.
Als sein Shirt auf dem Boden gelandet war, griff Yoji erneut das Handgelenk des Braunhaarigen und zog in ins Schlafzimmer.
Kaum vor dem großen Bett angelangt drückte sich der Fremde dich an seine Rücken, küsste sich an seinem Nacken entlang und öffneten den Knopf seiner Hose. Dem Knopf folgte nur Sekunden später der Reißverschluss und die geschickten Finger glitten in Yojis Hose.
Dieser warf seinen Kopf stöhnend in den Nacken, krallte sich mit der linken Hand leicht in das braune Haar während seine rechte Hand zu dem Schritt des Anderen wanderte.
Auch Yoji hielt sich nicht lange mit Knopf und Reißverschluss auf und schlüpfte unter den Stoff.
Das dunkle Stöhnen des Fremden drang an sein Ohr und jagte ihm einen erregenden Schauer über den Rücken.
Dann ging alles ganz schnell.
Ehe Yoji sich versah lag er nackt in der Mitte des großen Bettes und hatte den ebenso nackten Mann über sich. Doch hatte er nicht viel Zeit sich über das `wie´ Gedanken zu machen, machte sich der Fremde doch gerade hungrig über seine Haut her. Küsste, leckte und knabberte sich an seinem Hals hinab und verwöhnte Yojis Mitte mit der Hand.
Schon jetzt wusste der Schwarzhaarige nicht mehr wohin mit all seiner Lust. Er wand sich auf dem Laken und streckte sich so gut es ging Lippen und Hand entgegen. Keuchte und stöhnte und krallte sich in den Rücken des Braunhaarigen als dieser mit seine Finger über Yojis Hintern strich. “Im … Nachtschrank … “ Brachte er mühsam hervor und hoffte innständig des der Fremde verstanden hatte.
Takai lächelte leicht an die Haut unter seinen Lippen, griff zu dem Schränkchen herüber und fand dort nach kurzer Suche eine Tube. Sich über die Brust des Jungen nach unten küssend, befeuchtete er seine Finger mit dem kühlen Gel und senkte seine Lippen über die Mitte des Schwarzhaarigen.
Laut stöhnen begrüßte Yoji die Vorbereitung.
Takai löste sich von der Mitte des Jungen, leckte sich über den flachen Bauch wieder nach oben, stürze sich hungrig auf die sündigen Lippen des Schwarzhaarigen und nahm einen weiteren Finger hinzu. Schon nach kurzer Zeit konnte er diese durch etwas anderes ersetzten und wurde eins mit den Jungen.
Beide Hände in das Gesäß des Braunhaarigen gekrallt warf Yoji seinen Kopf mit einem dunklen Stöhnen in den Nacken. Wie sehr hatte er diesen süßen Schmerz vermisst.
Takai begann sich vorsichtig zu bewegen.
Yoji kam dem Braunhaarigen so gut es in dieser Position ging entgegen.
Der Anblick des in Ekstase gefangenen Jungen und dessen lüsternen Laute ließen bei Takai jedwede Rücksicht fallen und er ließ seiner Lust freien Lauf.
Yoji krallte sich fest in den starken Rücken des Mannes. Versuchte dessen Leidenschaft stand zu halten, erlag aber nur später seinen Gefühlen und erreichte laut stöhnend seinen Höhepunkt.
Takai schloss genießerisch die Augen und verharrte bewegungslos in dem Jungen. Es kostete ihn einige Mühe dem Schwarzhaarigen nicht sofort zu folgen.
“Gomen.“ Noch immer etwas außer Atem schaute Yoji den Braunhaarigen entschuldigend an.
“Nicht schlimm.“ Takai lächelte den Jungen an und strich ihm eine Strähne von der verschwitzten Stirn. “Kannst du noch oder sollen wir lieber eine Pause machen?”
Yoji schaute ihn überrascht an. Toshiya war immer sauer geworden wenn sie nicht gleichzeitig gekommen waren. Er hatte dem Schwarzhaarigen dann immer Vorwürfe gemacht, weil dieser meist zu erst kam. Im Nachhinein war es eigentlich kein Wunder gewesen das Yoji nach einiger Zeit die Lust auf Sex einfach vergangen war. Umso mehr überraschte es ihn jetzt dass der Braunhaarige scheinbar nicht enttäuscht war. Sondern ihm statt dessen Verständnis entgegen bracht.
Erneut machte sich ein wohlig warmes Gefühl in Yojis Brust breit. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen streckte er sich zu denen des Mannes und hauchte einen Kuss auf sie. “Danke.” Sich wieder auf das Laken sinkend lassend drückte er ihm sein Becken erneut entgegen.
Takai, der bis eben noch von dem Anblick des zarten Lächelns gefesselt war keuchte leise auf, schaute tief in das Blau des Jungen und bewegte sich wieder in ihm. Er knabberte am Hals des Schwarzhaarigen, sehr darauf bedacht die Haut nicht zu verletzten, denn das würde ihrem Liebesspiel vorzeitig ein Ende bereiten. Vorsichtig schob er einen Arm unter dem Jungen durch und hob dessen Oberkörper an und setzte sich mit ihm auf.
Es dauerte etwas bis Yoji sich mit der neuen Position arrangiert hatte. Saß er doch jetzt auf dem Schoß des Braunhaarigen. Er legte ihm die Arme um den Nacken, zog ihn an seine Lippen und begann sich langsam zu bewegen.
Takai, stöhnte in den Kuss, zog den Jungen enger an sich und vertiefte ihr Zungenspiel. Legte seine Hände auf die Hüften des Schwarzhaarigen, unterstütze ihn in seinen Bewegungen.
Yoji brach den Kuss, legte den Kopf mit einem wohligen Stöhnen zurück. Schnell war seine Leidenschaft wieder entfacht.
Wild umspielten sich ihre Zungen während sich ihre Körper eng an einander rieben und sie sich immer weiter ihrem Höhepunkt entgegen trieben.
“Ich … komm … gleich.” Yoji spürte wie sich erneut ein Orgasmus in seinem Inneren aufbaute.
“Dann komm.” Takai verstärkte seine Bewegungen und leckte ihm über den verschwitzen Hals. Er spürte das leichte Zittern das durch den schlanken Körper ging und dessen Höhepunkt ankündigte. Seine Hand wanderte in den Schoss des Schwarzhaarigen und verwöhnte ihn zusätzlich. Kurz bevor der Junge kam, biss Takai zu. Versenkte seine langen Zähne in dessen Halsbeuge und trank gierig dessen süßes Blut.
Yoji riss die Augen auf. Alles explodierte plötzlich. Der Fremde traf seinen empfindlichen punkt, verbiss sich in seinen Hals und brachte ihn erneut zum Höhepunkt. Und dieser schien eine Ewigkeit zu dauern. Noch immer bewegte sich der Braunhaarige in ihm und saugte an seinem Hals. Yoji konnte sich keine Gedanken darüber machen warum der Mann ihn gebissen hatte. Noch immer tobte in ihm die Welle seines Höhepunkts und in seinem Kopf herrschte völlige Leere.
Auch Takai erlag seinen Gefühlen. Ließ vom Hals des Jungen ab und kam mit einem kehligen Stöhnen zum Höhepunkt.
Yoji Körper erschlaffte etwas und wurde nur noch von den starken Armen des Braunhaarigen aufrecht gehalten.
Vorsichtig hob Takai den Jungen an, löste ihre verbindung, legte sich mit ihm im Arm zurück und zog die Decke über sie beide.
“Du … hast mich … gebissen.” Ziemlich geschafft schaute Yoji den Mann an und wischte mit dem Finger über die kleine Blutspur an dessen Mundwinkel.
“Ja, das habe ich.” Takai beugte sich etwas über den Schwarzhaarigen und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn.
“Warum?” Yoji betrachtete das Blut auf seinen Finger und schaute in die golden Augen des Fremden. Eigentlich wollte er ihn noch viel mehr fragen aber eine bleierner Schwere legte sich langsam auf seinen Geist und ließ seine Gedanken immer träger werden.
“Ich bin ein Vampir, Yoji.” Der Braunhaarige strich ihm sanft durchs Haar. “Das liegt in meiner Natur.”
“Hm … Vampir?” Das müde Blau schaute ihn fragend an. “Die gibt’s wirklich?”
Takai lächelte ihn warm an und nickte leicht.
“Werd ich jetzt auch einer?”
“Nein.” Takai zog den Jungen eng an seine Brust. “Dazu müsstest du auch mein Blut trinken.”
“Ach so.” Nuschelte Yoji leise und kuschte sich eng an die starke Brust. Bevor er jedoch einschlief hob er seinen Kopf nochmals an und schaute in die goldenen Augen seines Liebhaber. “Wie heißt du eigentlich?”
Der Vampir lachte leise und wuschelte leicht durch das schwarze Haar. “Takai. Mein Name lautet Takai.”
“Takai.” Wiederholte der Schwarzhaarigen den Name leise und bettete seinen Kopf wieder auf die Brust des Vampirs. “Schöner … Name.” Kam es noch schläfrig von ihm ehe er langsam wegschlummerte.
“Takai!” Diesen Namen dunkel stöhnend warf Yoji seinen Kopf in den Nacken und erreichte seinen Höhepunkt.
Mit geschlossenen Augen lag er auf dem zerwühlten Laken und genoss die Nachwehen seines Orgasmus. Nur langsam ebben diese ab und er nahm wieder seine Umgebung wahr. Das verschwitzte und beschmutze Laken unter ihm. Die verbrauchte, noch immer nach Sex riechende Luft im Raum und das laute Prasseln des Regens auf dem Fenster über ihm.
Mit einem leisen Seufzer setzte er sich auf und machte sich auf den Weg ins Badezimmer. Das leicht schmerzhafte Ziehen in seinem Hintern zauberte wieder ein leichtes Lächeln auf die Lippen Yojis.
Nein, diese Nacht würde er bestimmt nicht bereuen. Niemals.
Auch nicht als sich sein leidenschaftlicher Liebhaber als ein blutsaugender Vampir herausstellt.
Noch immer ungläubig über diese Tatsache den Kopf schüttelnd betrat der Schwarzhaarige die Dusche und stellte das Wasser an. Wohlig seufzte er auf als das heiße Wasser seinen Rücken herab rann.
Sein ganzes Leben lang hatte er gedacht, das es diese ganzen Geschichten über Vampir nur erfunden worden waren, um Kinder zu erschrecken. Oder damit Jungendliche nicht zu lange in der Nacht unterwegs waren.
Und nun stand er hier und hatte eine sehr heiße Nacht mit eben einem dieser Blutsauger hinter sich.
Yoji stellte das Wasser wieder ab, trat aus der nassen Kabine und trocknete sich ab. Vor dem Waschbecken blieb er stehen, wischte den Wasserdampf vom Spiegle und betrachtete sich darin. Er strecke seinen Hals etwas und strich mit seinen Fingern über die zwei kleinen Narben. Selbst das der Biss Takais schon jetzt verheilt war wunderte ihn nicht. Eigentlich wunderte ihn an diesem Morgen wirklich nichts mehr.
Sich ein Handtuch um die Hüften schlingend verließ er das Bad und machte sich auf den Weg in die Küche. Ein frischer Kaffee war jetzt genau das Richtige. Wieder stahl sich ein leiser Seufzer von seinen Lippen. Es wäre echt schön gewesen wenn Takai wenigstens bis zum Frühstück geblieben wäre.
Sich mit einem anderen Handtuch die Haare trocken rubbelnd schob er die Tür auf und betrat die Küche. Die blauen Augen weiteten sich ungläubig und Yoji schritt langsam auf den Küchentisch zu.
Hatte er nicht eben noch geglaubt das Takai einfach so, ohne Nachricht verschwunden war?
Noch immer total perplex ließ er sich auf einen der Stühle fallen und betrachte leicht kopfschüttelnd den liebevoll gedeckten Tisch.
Ein kleiner Korb mit frischen Brötchen, Gläser mit verschieden Sorten Marmelade, ein großer Teller mit Käse und eine voll beladenen Wurstplatte füllten den kleinen Tisch.
Direkt vor ihm stand eine Tasse, daneben eine Thermoskanne, Zucker und Milch. Doch was die blauen Augen am meisten in seinen Bann zog war die schneeweiße Orchidee die ganz unschuldig auf dem Teller neben der Tasse lag.
Ein verträumtes Lächeln breitete sich auf Yojis Lippen aus. Vorsichtig ergriff er die Blüte und sog deren Duft genüsslich ein. Sein Lächeln verstärkte sich als er die Nachricht, die bis eben von der Orchidee bedeckt war las.
`Guten Morgen mein dunkler Engel.
Ich danke dir für die wunderschöne Nacht
und ich hoffe sehr dass sie nicht einmalig war.
Takai´
Noch immer an der Blüte riechend legte Yoji den Zettel zur Seite und dachte an den Braunhaarigen. An dessen athletischen Körper, die tiefe Stimme und die warmen, goldenen Augen. Und an das wohlig warmes Gefühl das sich in seiner Brust ausbreitete wenn er von Takai berührt wurde.
Die blauen Augen genießerisch schließend wünschte sich auch Yoji dass diese Nacht nicht einmalig blieb.
Eine halbe Stunde später stand er vor seinem spärlich gefüllten Kleiderschrank und fischte sich die Kleidung für den Tag heraus.
Er zog sich das schwarze Shirt über, schlüpfte in die tiefschwarze Hose und fischte sich seine ebenso dunklen Schuhe aus dem Schrank.
Nachdenklich hielt Yoji mitten in der Bewegung inne, stellte die Schuhe zurück und kramte ein anderes, schon lange nicht mehr getragenes Paar hervor.
Mit einem leichten Grinsen schlüpfte er in die Schuhe, band sie und betrachtete sich kurz im Spiegel des Schrankes. Ein leichtes Kopfnicken und schon war er aus dem Raum, seiner Wohnung verschwunden und trat hinaus in gleißendes Sonnenlicht.
Geblendet blinzelte er gegen die ungewohnte Helligkeit an. Schloss dann jedoch die Augen und hielt sein Gesicht den wärmenden Strahlen entgegen.
Scheinbar machte der Regen endlich mal eine Pause und die Sonne hatte sich durch die dicken Wolken kämpfen können.
Ein leiser Seufzer verließ Yojis Lippen, er öffnete vorsichtig seine Augen wieder und schritt gemütlichen Schrittes die kleine Treppe herunter. Vielleicht war die Regenzeit jetzt endlich vorbei und die Sonne würde ab heute wieder öfters scheinen.
Kaum das der Schwarzhaarige den Gehweg betreten hatte fühlte er sich wieder beobachtet. Stehenbleiben schaute Yoji sich um. Doch wie schon all die Tage zuvor nahm niemand wirklich Notiz von ihm. Ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen und die blauen Augen richteten sich nach oben.
Und tatsächlich. Dort oben auf einem der mehrstöckigen Häuser konnte er eine schmale Silhouette erkennen.
“Yo, hey Yo!” Wie schon am Tag zuvor war es Keitos Stimme die ihn aus seinen Gedanken riss.
“Hm?” Nur widerwillig löse Yoji seine Augen von der Gestalt dort oben und schaute zu seinem blauhaarigen Kumpel.
“Ey man, gut das ich dich erwische!” Keito kam etwas außer Atem bei dem Schwarzhaarigen an und atmete erstmal tief durch um sich wieder zu beruhigen. “Also wegen Gestern. Sorry dass wir uns so zugekippt haben und du dann ganz alleine zurück musstest!”
“Och, nicht so schlimm!” Lächelnd klopfte Yoji ihm auf die Schulter.
“Öhm … “ Leicht misstrauisch musterte Keito seinen Kumpel. “Irgendwas stimmt nicht mit dir!”
“Ich weiß nicht was du meinst.” Leicht lachend setzte Yoji seinen Weg fort, dicht gefolgt von Keito.
“Doch, doch, irgendwas ist heute anders als gestern!” Der Blauhaarige blieb ihm auf den Fersen.
“Was soll sich in der kurzen Zeit denn an mir verändert haben?” Leicht grinsend schaute Yoji zu ihm.
“Na ja.” Keito kratzte sich nachdenklich den Hinterkopf. “Erstmal bist du so gut drauf! Nicht das ich es dir nicht gönne, aber es ist schon sehr verdächtig!” Im Weitergehen ließ er seine Augen noch mal über den Schwarzhaarigen wandern und blieb an dessen Schuhen hängen. Völlig perplex hielt Keito mitten im Schritt inne und starrte auf Yojis Füße. “Du … du …”
“Hm? Was stimmt noch alles nicht?” Der Schwarzhaarige blieb ebenfalls stehen und schaute seinen Kumpel fragend an.
“Aber … aber …“ Doch Keito stotterte noch immer vor sich hin und zeigte mit den Finger auf Yojis Schuhe.
“Was denn? Gefallen sie dir etwa nicht?” Leise lachend drehte sich der Schwarzhaarige um sich selbst.
“Rot?” Keito konnte sich endlich von der doch sehr ungewohnten Fußbekleidung Yojis lösen und schaute diesen perplex an.
Doch dieser lachte nur etwas lauter, drehte sich wieder um und schritt weiter.
Keito kam allmählich der Verdacht etwas ganz entscheidendes verpasst zu haben. Und so was mochte er gar nicht. Grübelnd folgte er Yoji, bis ihm die plötzliche Erkenntnis erstarren ließ. Es passte alles zusammen. Yojis plötzlich so ungewohnt gute Laune, seinen etwas vorsichtigen Gang und nicht zuletzt der ziemlich auffällige Farbklecks an seinen Füßen. “Du … du …” Schnell schloss er wieder zu den Schwarzhaarigen auf. “Du hast gefickt! Gibs zu!”
Doch Yoji grinste ihn nur breit an und ging wortlos weiter. Immer den Blick aus goldenen Augen auf sich spürend und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
In Gedanken rief er nach Takai und spürte kurz darauf wieder dieses warme Gefühl in sich aufsteigen.
Die triste Regenzeit war nun endgültig vorbei und die wärmende Sonne hatte sich ihren Platz zurück erobert.
Und ein schwarzhaariger Junge am Straßenrand wünschte sich innständig dass die dunklen, regengrauen Wolken nie mehr wieder kehren würden.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Owari ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
So, meine lieben Leser, das war es auch schon.
Ich hoffe die kleine FF hat euch gefallen.
Eventuell, also wenn ich mal ganz doll viel Zeit über habe, werde ich sie vielleicht fortsetzten. Aber das steht jetzt noch nicht fest.
Kritik und Fehlermeldungen werden gerne entgegen genommen.
Gruß Akumako-chan