Von schlafenden, großen Brüdern und dem nicht ganz so normalem Alltagswahnsinn
Tjoa...das ist wohl anders gelaufen als gedacht, allerdings hoffe ich, dass es gefällt und Finn Anklang findet mit seinem Leid ;D
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Von schlafenden, großen Brüdern und dem nicht ganz so normalem Alltagswahnsinn
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“Hey Finn, da bist du ja endlich!“
Lucies erfreute und doch schon leicht lallende Worte drangen durch die Musik an meine Ohren und sofort hing die Person dazu auch an meinem Hals. Ich drückte sie kurz und sah mich dann suchend um.
“Hey Lucie, wo ist Lo?“, fragte ich dann, als ich in den drei Sekunden in denen ich meinen Blick über die Anwesenden Leute hier im Garten hatte wandern lassen, nicht den entdeckte den ich suchte. Den Gastgeber dieser Party und einer meiner besten Freunde. Obwohl eigentlich sogar mein bester Freund, seit dem man meinen großen Bruder Jonas nicht mehr von Lasse los eisen konnte, geschweige denn Lasse von ihm.
Lucies Lachen holte mich aus den Gedanken und sie nahm Matze, der neben ihr stand wieder ihr Getränk ab. Allein die Farbe sagte mir, dass da alles andere als wenig Alkohol drin war.
“Der muss irgendwo im Haus sein, ne Matze?“
Angesprochener grinste schief und brachte mich so zum seufzen.
Matze war seltsam.
Nicht nur, dass er ohne große Probleme mit Lucie klar kam – obwohl allein die Tatsache, dass er Lasses bester Freund war, für sein Talent mit exzentrischen Leuten klar zukommen für sich sprach – nein, irgendwie schien er mich auch wahnsinnig gerne wegen irgendwas auszulachen. Das ging schon seit Wochen so!
Ich versuchte das zu ignorieren.
“Bea meinte er wäre draußen!“, entgegnete ich entnervt und nun lachte Lucie.
“Ja, und wie oft soll ich dir noch sagen, das Bea voll auf Lo abfährt und dich nicht ausstehen kann?“, fragte sie, doch mir war trotz des Lallens klar, dass sie gar keine Antwort erwartete.
Ich schnaubte und wurde mir nur einmal mehr bewusst wie wenig ich hier eigentlich hatte auftauchen wollen!
Ich war eigentlich wirklich nur wegen Lo hier, weil er sturmfrei hatte und zufällig auch 19 Jahre alt geworden war.
Vor zwei Wochen um genau zu sein.
“Finn, ich wette er ist drin, echt jetzt!“, meinte Matze und schlug mir freundschaftlich auf die Schulter. Auch ihm merkte man an, dass sein Glas nicht das erste war, was er in der Hand hielt.
“Danke! Und wo sind Lasse und Jonas?“
Nun grinsten beide dreckig und ich fragte mich ernsthaft wie ich überhaupt auf die Frage gekommen war und was mich dazu getrieben hatte sie eigentlich zu stellen.
Ich musste verrückt geworden sein. Ganz klar!
“Die kleben wie Fliegenpapier aneinander! Ich vermute stark, dass sie sich irgendwohin verzogen haben zum –“
“Mehr als ich wissen will, Danke!“, unterbrach ich Matze und drehte mich um.
“Man sieht sich, Finnyschatz!“, rief Lucie mir hinterher und ich wäre am liebsten in den Pool gesprungen. Ich hasste diesen Namen, abgrundtief, weshalb ich vor mich hin knurrend wieder im Haus verschwand, denn Lucie darauf aufmerksam zu machen wie sehr ich es doch hasste, brachte sie höchstens zum Lachen. Ich hasste es wenn meine Freunde betrunken waren. Deshalb war ich auch der einzige, der nie einen Tropfen anrührte!
Obwohl ich im Durchschnitt zwei Jahre jünger war als der Rest des Sauhaufens. Sogar drei in Bezug auf Lasse und Lo, den ich immer noch suchte.
Immer noch schlecht gelaunt lief ich durch die Menge und hasste den Alkohol grade noch ein Stück mehr!
Jeder der hier war, saß, stand oder lag, war betrunken oder grade dabei sich das Hirn weg zu knallen. Zudem kannte ich kaum welche der Leute die hier waren. Einige vom sehen aber namentlich im Grunde keinen.
Tief durchatmend begann ich das gesamte Untergeschoss abzusuchen, doch bis auf meinen Bruder, der wirklich fast verboten an seinem Freund rum fummelte – konnte auch sein, dass Lasse an Jonas rumfummelte, ich wollte das gar nicht so genau wissen – fand ich nichts und niemanden der Lo auch nur ähnlich sah, weshalb ich mich eine ganze Stunde später dann endlich dazu durchgerungen hatte doch mal oben nach zu sehen.
Bei Lo im Haus war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass auf Partys grundsätzlich nur der Garten und das Untergeschoss benutzt werden durfte. Wie genau es ihm gelang, dass sich jeder daran hielt war mir ein Rätsel, was ich allerdings grade gar nicht entschlüsseln wollte.
Alles was ich wollte, war ihm mein Geburtstagsgeschenk zu geben und ihm noch mal persönlich zu gratulieren, denn er war heute morgen erst wieder aus dem Urlaub wieder gekommen in dem seine Eltern noch eine Woche verweilen würden.
So gesehen war es nicht nur seine verspätete Geburtstagsfete sondern auch seine eigene Willkommen zurück – Party.
Tief seufzend stapfte ich die Treppen hoch.
Irgendwie war es seltsam hier oben zu sein, wenn weder er noch seine nervige kleine Schwester, noch irgendeiner seiner Eltern neben mir stand.
Ich schüttelte leicht den Kopf und ging zielstrebig den Gang hinunter in Richtung Bad, wohin er sich meinem Wissen nach gern versteckte, wenn ihm jemand auf den Nerv ging.
Doch dass war bis auf ein weiteres knutschendes Pärchen, was ich bei der Gelegenheit einfach runter jagte, leer.
Ich legte den Kopf schief und sah zu seiner Zimmertür.
Sein geheiligtes Zimmer, was er wirklich nur mit seinen besten Freunden betrat und selbst ich und Jonas hatten bis jetzt vielleicht eine Handvoll Besuche dort verbracht. Irgendwie waren wir immer bei wem anders.
Warum ich nervös wurde, als ich auf die Tür zuging war mir nicht bewusst. Ich hatte einfach ein ungutes Gefühl und der dröhnende Bass in meinen Ohren von der nach oben schallenden Musik machte es nicht grade besser.
Meine Hand hob sich und legte sich auf die kalte Metallklinke, die mir deutlich machte, dass meine Hände schwitzig waren.
Ich schüttelte den Kopf und redete mir selbst Mut zu, wozu ich den eigentlich brauchte war mir nicht klar.
Dann drückte ich die Klinke herunter und schob die Tür ein gutes Stück auf.
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Erschrocken und mit unglaublich pochendem Herzen fahre ich in meinem Bett hoch und sehe mich schwer atmend um.
Scheißdreck...
Fahrig geh ich mit meinen gespreizten Fingern durch meine Haare und versuche mich wieder zu beruhigen.
Müde fällt mein Blick auf meinen Wecker. Viel zu früh und doch zu spät.
Zwanzig vor sechs. In genau 19 Minuten klingelt mein Wecker und würde mich eh aus dem nicht mehr vorhandenen Schlaf reißen.
“Mist verdammter...“, nuschel ich und schwing die Beine aus dem Bett. Seit genau 16 Tagen träume ich diesen irrsinnigen Mist und in den Grundzügen ist es immer das gleiche.
Jedes Mal aufs Neue treffe ich als erstes auf Lucie und Matze die mich wieder ins Haus schicken wo ich Jonas und Lasse beim Fummeln finde, zwischen allen anderen und irgendwann gehe ich dann hoch zu seinem Zimmer wo ich unerklärlicherweise mächtig nervös werde und nie wirklich weiß wieso eigentlich.
Bis jetzt hab ich keinem meiner Freunde davon erzählt und ich habe es auch eigentlich nicht vor, allerdings kommt es mir alles andere als zu Gute, dass ich so lange keinen ruhigen Schlaf mehr hatte.
Müde streckend rappel ich mich auf und tapse gedankenverloren ins Bad und an meinem Vater vorbei, der mich ansieht wie eine Erscheinung. Kein Wunder, so würde ich vielleicht auch gucken, wenn einer meiner beiden absolut verschlafensten Söhne, die man auf diesem verdammten Planeten haben kann, früher als nötig vor einem steht!
Da hilft wohl auch nicht der kleine Trost, dass man Jonas schlechter aus dem Bett bekommt als mich, selbst wenn es Lasse ist der ihn versucht zu wecken.
“Morgen!“, nuschel ich dann verspätet als mir klar wird, dass ich meinen Vater durch den Badspiegel angucken kann und er nickt einfach nur und verschwindet in der Küche.
Mir ist das grade herzlich egal! Ich schlüpfe aus meinen wenigen Klamotten und dann unter die Dusche, in der Hoffnung eventuell wacher als die letzten Tage zu werden.
15 Minuten später ist mir klar, dass es genauso viel gebracht hat wie letztes Mal!
Nämlich gar nichts!
Warmes Wasser macht nicht unbedingt wacher.
“Finn Schatz? Beeilst du dich? Dein Paps und ich wollen euch noch etwas sagen!“
Irritiert starre ich die Badezimmertür an.
Meine Mutter ist wach.
Um sechs Uhr morgens in der Früh.
Und sie sagt, sie will uns etwas sagen!
Als sie das das letzte Mal getan hat, hat sie uns gestanden, dass meine Tante schon wieder heiraten wollte. Zum achten Mal wohlgemerkt.
Ich seufze schwer und brummel irgendwas.
Dann wickle ich mich in mein Handtuch und husche zurück in mein Zimmer.
Gedanklich versuche ich mein bestes um nicht schon wieder über diesen Traum nachzudenken und ziehe einen dicken Pulli über.
Schlussendlich ziehe ich mir dicke Socken über die Füße, weil mir wieder saukalt ist. Noch so ein Nachteil zu wenig Schlaf zu bekommen, man friert ständig als stände man in der Arktis ohne Klamotten am Leib.
Dick eingemummelt schlurfe ich also dann Richtung Küche und ziehe unterwegs meinen schon wieder halb schlafenden, großen Bruder mit, der an eine Wand gelehnt im Flur steht.
Das ist Jonas wie er leibt und lebt, und wenn ich Lasse davon erzählen würde, wäre ich noch einen Kopf kürzer als ich eh schon bin, weshalb ich es geflissentlich verschweige, obwohl ich mir sicher bin, dass der es eh schon weiß.
“Da seid ihr ja endlich, setzt euch, wollt ihr Kakao?“, fragt meine Ma geschäftig und drückt mich und Jonas auf die Eckbank in unserer verflucht kleinen Küche. Wenn ich nicht ein so großes und vor allem eigenes Zimmer hätte würde ich allein deshalb vorschlagen, dass wir umziehen sollten!
Jonas gibt etwas von sich was sich anhört wie ein Schnarcher gepaart mit einem zustimmenden Laut und ich muss grinsen.
Da meine Ma eh versteht was sie will haben wir keine fünf Sekunden später dampfende Tassen mit Kakao gefüllt vor unseren Nasen stehen.
Allerdings traue ich dem Gesöff nicht.
Oder eher der ach so gut gelaunten Kellnerin!
Misstrauisch beäuge ich die Sahne und die Schokostreusel obendrauf und schicke einen ebenso misstrauischen Blick zu den beiden Erwachsenen die sich offiziell meine Eltern nennen.
In Momenten wie diesen bezweifle ich das stark.
“Was habt ihr diesmal ausgefressen?“, frage ich dann leise und starre sie unnachgiebig an. Jonas, der im Gegensatz zu mir morgens zu wirklich noch weniger als nichts zu gebrauchen ist, nimmt einfach einen Schluck von dem Bestechungsgetränk.
Denn nichts anderes ist es.
Da bin ich mir so sicher, wie morgens die Sonne aufgeht, auch wenn mein Gehirn momentan vielleicht grade mal 50 % Leistung bringt.
“Ach Schatz wie kommst du –“
“Mama, es ist sechs und du grinst als ob du auf ’nem Trip wärst, was ist los?“, frage ich fordernd und sie lacht leise.
Vielleicht sollte man ihr bei Gelegenheit noch mal versuchen zu erklären, dass Jonas und ich diese Morgenmuffeligkeit von ihr haben und schlussfolgernd ihr Verhalten grade alles andere als normal ist.
“Also...genau genommen wollen wir euch drei Sachen sagen!“, erklärt mein Vater dann und er hat ein so seltsam manisches Funkeln in den Augen, dass ich unwillkürlich zurück zucke.
Ich glaube, langsam werd’ ich doch wacher.
“Und die wären?“
“Also, erst einmal: Euer Vater hat einen neuen Job! Er wurde befördert! Und dann...“
Die ’schlechte’ Nachricht muss die nächste sein, ein neuer Job würde grade mal einen Kakao ergeben!
“Wir ziehen um! Bleiben aber hier in der Stadt, also kein Schulwechsel oder so, keine Angst!“
Ich schlucke hart. Mein Vater grinst einfach nur weiter während meine Mutter fast durchdreht während sie auf den letzten Punkt hinarbeitet.
“O-Okay...das ist die Sahne, aber weshalb Schokostreusel?“, frage ich dann ungewollt krächzend und meine Mutter sieht mich Bruchteile von Sekunden verwirrt an bevor sie einfach grinst.
“Ihr bekommt...eine kleine Schwester!“, ruft sie dann euphorisch und klatscht begeistert und mit vor Freude leicht feuchten Augen in die Hände.
Ich falle von der Bank.
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“Und dann?“
Ich seufze theatralisch und fahre mir über die Augen.
“Haben sie unseren restlichen Tag, eigentlich die ganze Woche einfach…verplant! Jonas ist wach geworden, als Paps aus der Tür war und ist momentan zu nichts zu gebrauchen, weil er was weiß ich...Scheiße...Man ich bin schon 16! Ich will doch jetzt keine kleine Schwester mehr!“, jammere ich und lasse mich zurück auf die Wiese fallen.
Es sind Ferien, mal wieder und ich verfluche mich um einiges mehr, weil ich ernsthaft vergessen habe, dass ich heute gar nicht so früh hätte aufstehen müssen. Stunden nachdem ich dazu fähig war und mir sicher sein konnte, dass die drei mich nicht köpfen würden, hab ich mich mit Lo, Lucie und Matze, der seit dieser Pärchengeschichte zwischen Jonas und Lasse immer mit uns abhängt, an den Rampen verabredet.
“Krass...jetzt wirst du vom Nesthäkchen zum mittleren Bruder.“, nuschelt Lo dann und sieht zu mir runter.
“Und wo zieht ihr hin?“, fragt dann Lucie und ich grummel.
“Ans andere Ende der Stadt! Von wegen kein Schulwechsel, Leipzig ist auch so klein!“, murmle ich und vergrabe mein Gesicht in den Händen.
“Als ich heute Morgen schon so früh wach geworden bin wusste ich, es wird ein Scheißtag. Aber das...hätte ich mir nie erträumen lassen! Vor allem...wenn sie wissen, dass es ein Mädchen wird, dann muss sie ja schon länger schwanger sein und...ich könnte kotzen, wenn ich dran denke, dass die das jetzt einfach so in den Ferien durchkloppen wollen! Hallo? Jonas ist 18, der hat doch wenigstens Mitspracherecht, oder? Ich mein...ich will keine 20 Stunden Fahrt auf mich nehmen müssen nur um euch zu sehen oder zur Schule zu kommen! Was soll das denn?“, fauche ich frustriert und rolle mich auf die Seite. Ich bin so scheiße mies drauf, dass ich mir selbst auf den Wecker gehe, aber was anderes als jammern fällt mir grade einfach nicht ein.
Lucie seufzt tief und tätschelt mir den Kopf.
“Ich denke mal, Jonas ist zu Lasse, um nicht völlig durchzudrehen, hm?“
Ich nicke schwach und grinse dann schief.
“Irgendwie hat es seinen Vorteil, dass er seine Anfälle an Lasse auslassen kann! Ich hab seit dem viel weniger Dramaqueentheater zu Hause!“
Matze lacht leise und Lo grinst ebenfalls. Sieht aber in Gedanken vertieft aus.
“Was ist?“, frage ich direkt und versuche diese Nervosität zu verdrängen, die mich jedes Mal wieder überkommt sobald ich ihn sehe. Das ist etwas, was ich erst seit diesem blöden Traum habe und nicht verstehe, vielleicht auch nicht verstehen will.
“Und was ist wenn du und Jonas eine andere Wohnung vorschlagt? Hier in der Nähe? Ich mein...so wenig Wohnungen werden doch wohl nicht zu vermieten sein, oder?“, ich blinzle ihn verdutzt an und setze mich abrupt auf.
“Das ist es! Gott, Lo! Du bist genial!“, grinse ich ihn an und stehe sofort auf.
“Hey, was...Moment, wo willst du denn jetzt hin?“, fragt Lucie irritiert, als ich zu meinem Brett greife und meine Tasche schnappe.
“Na Zeitung kaufen und vielleicht in der Wohnungsdingens fragen oder ins Internet! Ich hab grade mal zwei Tage, dann wollen meine Eltern den Mietvertrag unterschreiben!“, rufe ich und bin schon auf dem Weg in Richtung Gehweg.
Ich glaube Matze seufzen zu hören, bevor Lo aufspringt und ebenfalls seine Sachen schnappt.
“Warte, ich komm mit!“, ruft er und holt mich am Gehweg dann auch schon ein.
Er hat halt verflucht lange Beine, und mich ein zu holen ist dann doch keine Kunst, auch wenn ich doch eher sportlich bin.
“Danke!“, sage ich zu ihm, drehe mich noch mal kurz zu Matze und Lucie, die uns eher resigniert dreinschauend nachsehen und fahr dann auch schon mit Affenzahn los.
Ich muss eine Wohnung finden, und zwar schnell!
Ich will nämlich nicht hier weg.
Weder von Lucie oder Matze und schon gar nicht von Lo!
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Von schlafenden, großen Brüdern und dem nicht ganz so normalem Alltagswahnsinn
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Das war es auch schon wieder mit dem ersten Kapitel...
Ich bin ehrlich gespannt, was ihr dazu sagt...
C & C please x3
lg
Schwarzfeder
Wie man Eltern davon überzeugt, dass die eigene Idee deren Idee ist oder auch der Versuch davon...
Leute ich freu mich über den Anklang und die Sympathie für Finnyschatz und die anderen ^^
Da es mir selbst grade unheimlich Spaß macht Finn durch sein Chaos zu schicken (ich bin glaub ich sadistisch veranlagt ^^") kommt hier schon das zweite Chap!
Besonderen Dank von hier aus an Zuecho, Inan,
Karma und abgemeldet <3
Danke für eure Kommis ^^
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Wie man Eltern davon überzeugt, dass die eigene Idee deren Idee ist oder auch der Versuch davon...
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“Gott, Finn! Es ist fünf nach halb neun! Jetzt kriegst du keine Wohnungsbesichtigungen mehr!“, motzt Lo von der Seite und animiert mich zum grummeln.
So ein Pessimist.
“Man es geht um meine Zukunft! Da gebe ich nicht so schnell auf!“, pflaume ich und versuche trotz der schon gut voran geschrittenen Dämmerung etwas zu erkennen. Der Nachteil im Herbst! Es wird verflucht schnell dunkel und leider auch etwas kalt.
“Finn, du hast schon neun Wohnungen besichtigt! Andere Leute schaffen nicht mal drei! Lass es doch für heute gut sein!“, versucht er noch mal und legt mir beschwichtigend eine Hand auf die Schulter.
Irritiert blinzelnd fliegt mein Blick dorthin und irgendwie muss ich schwer schlucken. Unmerklich schüttle ich leicht meinen Kopf und versuch mich auf die Zeitung zu konzentrieren.
“Außerdem ist deine Ma bestimmt nicht begeistert, dass du sie so oft weg gedrückt hast!“, versucht er es weiter und geschlagen seufze ich auf und knülle dann die fast schon zerlesene Zeitung in meine Tasche.
Er hat ja schon Recht, aber ich will einfach nichts riskieren. Bei den neun Wohnungen, die wir oder eher ich heute besichtigt habe, ist nicht eine dabei, die auch nur ansatzweise die richtige ist oder in Frage käme.
Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann...
Ich weiß gar nicht was ich dann getan hätte.
“Es ist nur...ich...ich will einfach nicht so weit weg ziehen. Ich mein...klar wir sind dann noch in der gleichen Stadt aber...halt...soweit weg!“, nuschel ich und versuche diesen seltsamen Klumpen, der sich anfühlt wie jede Menge Eiswürfel im Magen, zu ignorieren.
Lo seufzt tief und ich komm mir grade fürchterlich kindisch vor.
“Ach Mensch Finn, die Welt wird doch nicht daran untergehen.“, sagt er dann und ich komme mir nur noch kindischer vor. Schamesröte frisst sich in meine Wangen, aber ich brumme nur und gucke ihn böse an.
“Doch!“, maule ich leise und drehe mich wieder weg.
Lo lacht und wuschelt mir durch die Haare.
Blödmann...
Er weiß wie sehr ich das verabscheue. Allerdings weiß er auch, dass ich mich bei ihm irgendwie nicht wirklich dagegen wehren kann.
Weiß Gott, weshalb.
“Du bist echt der kleine Bruder von Jonas!“, sagt er dann einfach und steigt wieder auf sein Board.
“Na komm.“, meint er, winkt leicht mit der Hand und nimmt Schwung.
Ich seufze nun ebenfalls tief, versuche den letzten Rest Frisur wieder herzustellen und stoße mich ebenfalls am Gehweg ab.
Er hat ja irgendwie doch Recht. Und morgen ist auch noch ein Tag.
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“Ich bin wieder da!“, rufe ich in die Wohnung und ziehe Lo einfach hinter mir her. Er hat sich zwar etwas gewehrt, aber schlussendlich hat mein Betteln ihn doch überzeugt mich vorm Galgen zu retten.
“Finn!“, es klingt gleichermaßen sauer wie erleichtert und ich bin irritiert, dass es von meinem Vater kommt.
“W-Wo ist Ma?“, frag ich verdutzt und schmeiße meine Schlüssel in die Schüssel auf der Garderobe, wo auch Jonas’ Schlüssel liegt. Ein Blick unter die Jacken verrät mir, dass Lasse auch da ist.
“Sie hat sich hingelegt! Du darfst sie nicht so aufregen, sie ist schwanger, Finn!“, belehrt mich mein Vater und ich brummel.
“Eben, sie ist schwanger und nicht todkrank!“, grummel ich und zieh Lo einfach weiter.
“Ich mach es nie wieder! Lo pennt hier, gute Nacht Paps!“, rattere ich runter und ziehe mein Anhängsel mit. Dann schließe ich die Tür hinter mir und schlüpfe aus meinen Schuhen.
“Ich schlafe hier? Ist mir ja ganz neu!“, durchbricht Lo dann meine gedanklichen Verwünschungen und misst mich mit einem fast durchdringenden Blick. Ich schlüpfe aus meinen Schuhen und meiner Jacke und lächle ihn dann unschuldig an.
“Warum nicht? Wir haben kurz nach neun und draußen ist es arschkalt! Außerdem schläft meine Ma. Paps, lässt sie garantiert nicht allein und somit ist das Wohnzimmer frei und damit auch der Fernseher! Lust auf Pizza? So...als Entschädigung?“, frage ich und setze ganz bewusst den Bettelblick mit Schmolllippe auf.
Ich bin grade schamlos und noch dazu skrupellos, allerdings hab ich keine Lust allein mit Lasse und Jonas hier zu hocken, die sich eh nicht mit mir beschäftigen würden – ich glaub das will ich auch gar nicht – und so genug Zeit zum nachdenken zu haben.
Das würde mir nur Panik machen.
Und ich hasse Panik!
Lo grummelt und seufzt dann.
Ich grinse.
“Klasse, du darfst auch bestellen!“, rufe ich begeistert und bin im ersten Moment versucht ihm um den Hals zu fallen. Allerdings lasse ich dass dann doch lieber und schlängle mich an ihm vorbei wieder aus dem Zimmer raus.
Im mittlerweile dunklen Flur angle ich nach dem Telefon und dem Pizzabestellschein. Kurz zögernd starre ich zu Jonas’ Zimmer. Allerdings ist die Tür zu und es ist dunkel im Zimmer. Spontan bin ich mir sicher, dass ich nicht nachfragen will, ob die beiden auch was essen wollen. Vermutlich hatten die eh schon...ihren...Nachtisch.
Leicht schaudernd husche ich zurück in mein Zimmer und drücke Lo das Blättchen und das Telefon in die Hand.
Da ich meine Standardpizza habe und davon auch nie abweiche brauche ich gar nicht nachsehen, welche Nummer ich nehmen muss.
Während Lo also bestellt suche ich in meinem Schrank nach einer geeigneten DVD für gleich.
“Sind sie sicher?...Okay...einen Moment bitte...Finn?“
Irritiert drehe ich mich um.
“Was denn?“
“Deine Pizza gibt es nicht mehr!“
“Wa-Was?“, krächze ich ungläubig und bin mit drei Schritten am Telefon.
“Wie sie haben meine Pizza nicht mehr, warum?“, frage ich hektisch
»N-Naja...dieses Angebot wurde so selten bestellt, dass wir sie...aus dem Programm genommen haben!«
Katastrophe!
Weltuntergang!
“A-Aber-aber-aber...sie können doch nicht...meine Pizza...“
»Also...wir könnten noch einmal eine Ausnahme machen, allerdings müssen Sie ab der nächsten Bestellung dann aber eine andere Pizza aussuchen. Als Entschädigung!«
Ich grummle ungnädig, stimme aber zu und drücke Lo den Hörer unsanft wieder in die Hand zurück.
So ein Scheiß.
Ich hasse Veränderungen.
Und momentan sind mir das grade viel zu viele Veränderungen!
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“Hier!“
Immer noch brummelnd greife ich nach dem Pizzakarton und stelle ihn auf meinen Knien ab.
Ich muss zugeben, dass ich immer noch schmolle ist ganz schön kindisch, aber irgendwie...
Das ist doch einfach scheiße...
Ich mein, gestern war noch alles in Ordnung und heute Morgen steh ich auf und plötzlich ist alles anders. Sogar meine Pizza kann ich in der Form heute das letzte Mal genießen.
“Willst du heute den ganzen Abend so weiter schmollen? Dann kann ich nach der Pizza auch einfach nach Hause gehen!“, meint Lo plötzlich und bringt mich zum seufzen.
Er kann es nicht ausstehen wenn ich schmolle.
Warum auch immer, aber er kann es nicht ab und wird dann selbst immer etwas knatschig wenn ich schmolle.
“Sorry, echt...“, nuschel ich und hole ein Pizzastück aus dem Karton.
Das ist dann doch noch wie gewohnt überdeckt mit zerlaufenem Käse unter dem sich Schinken, Broccoli und Paprika verbergen.
Der Rand ist richtig schön dick und lässt genauso viel Käse drin vermuten wie ich es mir sonst immer vorstelle.
Gott, ich liebe diese Pizza!
Und es ist mir egal für wie pervers andere diese Zusammenstellung auch finden mögen.
“Okay, dann genieß deine Galgenmahlzeit!“, nuschelt Lo und setzt sich neben mich, nachdem er den Film gestartet hat.
Während ich säuerlich meine Filme durchgegangen bin hab ich dann irgendwann aus lauter Frustration irgendeinen aus dem Regal gezogen.
Rush Hour hat gewonnen.
Und auch wenn ich den schon in und auswendig kenne, ist mir das jetzt grade egal.
Eine Weile ist es still und dunkel, bis auf das bläuliche Flimmern und dem Ton aus dem Fernseher. Dann klappe ich meinen Karton zu und schiebe ihn auf den kleinen Tisch vor mir.
“Meinst du...wir finden morgen eine Wohnung?“, frage ich dann leise und schiele zu Lo.
Der seufzt ebenso leise und sieht mich an.
Irgendwie ist es grade echt seltsam.
Sein Blick wirkt wesentlich...intensiver durch das blaue Licht vom Fernseher als bei normalem Licht.
Ich spüre wie ich eine Gänsehaut bekomme und könnte mich am liebsten selbst aus dem Fenster schmeißen.
Nur weil heute alles so anders ist glaube ich, dass Lo anders ist?
Ich werd doch noch bescheuert!
Ich weiß es, der Wahnsinn meiner Mutter und meines Bruders hat nun auch auf mich unheilbaren Einfluss genommen.
“Mach dich doch nicht verrückt wegen Sachen, die erst Morgen sind! Das wird schon, okay?“, fragt er ebenso leise und wuschelt mir schon wieder durch die Haare.
Normalerweise würde ich jetzt brummen, aber jetzt grade, in diesem Augenblick, hat seine Geste etwas Beruhigendes.
Schwer seufzend nicke ich und sehe wieder zu dem Fernseher.
Wirklich konzentrieren kann ich mich aber auf gar nichts.
Meine Gedanken wirbeln ständig durcheinander und das einzige was ich weiß ist, das ich immer träger werde.
Müde gähnend lehne ich mich zurück. Der Film dauert noch was und in der Zeit kann ich vielleicht fünf Minuten die Augen schließen. Ich weiß ja eh was passiert.
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Schnaubend sah ich den beiden hinterher.
Dabei war doch einfach allgemein bekannt, dass Lo es nicht gern hatte, wenn Fremde bei Partys ins Obergeschoss gingen.
Tief seufzend drehte ich mich um und Los Zimmertür fiel mir ins Auge.
Ich legte den Kopf schief und starrte sie an.
Sein geheiligtes Zimmer, was er wirklich nur mit seinen besten Freunden betrat und selbst ich und Jonas hatten bis jetzt vielleicht eine Handvoll Besuche dort verbracht. Irgendwie waren wir immer bei wem anders.
Plötzlich spürte ich unerklärliche Nervosität in mir aufsteigen.
Unwirsch versuchte ich sie innerlich weg zu wischen, doch meine Hände wurden trotzdem schwitzig.
Als ich meine Hand fast schon zittrig auf die Türklinke legte war sie ganz weiß.
Ich schüttelte den Kopf und redete mir selbst Mut zu, wozu ich den eigentlich brauchte war mir nicht klar.
Dann drückte ich die Klinke herunter und schob die Tür ein gutes Stück auf.
“Ihr bekommt eine Schwester!“
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Erschrocken schreiend fahre ich hoch und sehe mich dann blinzelnd um. Mein Herz rast und mein Atem geht stockend.
Dann seufze ich genervt und fahre mir leicht zittrig durch die Haare.
Teufel verdammt...was ein Scheiß!
“Finn?“, die vom Schlaf heisere Stimme erschreckt mich einmal und neben mir taucht ein dunkler Kopf auf.
“L-Lo?“, frage ich unsicher und der Kopf nickt leicht.
“Alles okay?“
Ich seufze tief.
“Weiß nicht....“, gebe ich ehrlich zu und ziehe meine Knie an.
“Wieso lieg ich im Bett?“
“Ich hab dich rüber getragen! Hatte keine Lust auf der Couch zu pennen! Da ist mir meine Matratze lieber“, erklärt er und setzt sich neben mich aufs Bett.
Unter meinem Bett ist seit gut zwei Jahren eine Matratze, die für Gäste immer hervorgezogen wird und die oft von Lo genutzt wird, sodass sie irgendwie zu Los Matratze erklärt wurde.
“Achso...“
“Sagst du mir jetzt, was los ist?“, fragt er dann und piekst mir in die Seite.
Ich lache leise und lass mich zurück fallen.
“Ein schlechter Traum…nichts Wildes!“, versuche ich ab zu wiegeln, kann mir aber ein seufzen trotzdem nicht verkneifen. Ich mag es nicht zu flunkern. Und ich hasse es Lo an zu flunkern. Allerdings weiß ich auch nicht wie ich ihm das erklären soll. Ich verstehe es ja selbst nicht einmal.
“Okay, wenn du es nicht sagen willst...Stück mal n Rück!“
Irritiert blinzle ich ihn an, kann aber durch die Dunkelheit nichts erkennen.
“Jetzt mach schon! Wenn du schon nichts sagen willst, dann penn ich wenigstens bei dir!“
Ich spüre, dass ich rot anlaufe, rutsche aber wirklich ein Stück weiter zur Wand hin.
Genauso wie die brennende Röte spüre ich auch wie er sich neben mich legt und sich zu deckt.
So ist Lo.
In manchen Situationen unerklärlich kompliziert und in anderen, wie jetzt, unerklärlich unkompliziert aber seltsam.
Rigoros ist er zudem immer.
Während ich höre wie er wieder einschläft, liege ich erstarrt da und frage mich, weshalb ich plötzlich wieder diese Nervosität spüre, die sich anfühlt, als ob eine Ameisenarmee durch mich durchrennt.
Mist verdammter!
Was ist bloß los mit mir?
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“Und du bist dir sicher, dass das hinhaut?“, fragt Jonas unsicher und ich stöhne auf.
“Hallo!? Wenn du nicht dran glaubst, wie sollen wir es denn dann Mama und Papa verkaufen, häh? Glaub mir doch, die Wohnung ist perfekt!“, versuche ich ihn ein letztes Mal zu überzeugen und starre auf den Grundriss der Wohnung, die mir der Vermieter mit gegeben hat.
Heute Morgen war ich zwar durch die wirklich unruhige Nacht alles andere als aufnahmefähig, aber als Lo mich dann in die Wohnung gezogen hat, die ich noch gestern Nachmittag raus gesucht und einen Besichtigungstermin für heute morgen vereinbart hatte, war ich plötzlich wach.
Es war wie Arsch auf Eimer!
Es passte einfach sofort und innerhalb einer Stunde hatte ich alles nötige in die Wege geleitet um meine Eltern jetzt davon überzeugen zu können, dass wir gar nicht ans andere Ende der Stadt ziehen müssen.
Zugegebener Maßen bin ich auch verteufelt nervös.
Und auch wenn es mir beträchtlich gegen den Strich ging, hab ich Lo und Lasse vor 10 Minuten nach allen nötigen Erklärungen vor die Tür gesetzt, damit meine Eltern uns ernst nehmen. Was sie erwiesener Maßen nicht tun, wenn die beiden hier sind oder auch nur einer.
“Aber wenn-“
“Wir sind wieder da!“, ruft meine Mutter und unterbricht Jonas so.
Der wird blass.
Ich atme einmal tief durch und grinse ihn selbstsicherer an, als ich mich fühle.
“Jetzt pass auf wie das der Finn-Meister regelt!“, wispere ich und steh auf.
Mit dem Grundriss in der Hand laufe ich in den Flur.
“Jonas und ich haben uns den Grundriss schon mal angeguckt und die Zimmer bestimmt! Die Wohnung ist wirklich toll!“, rufe ich gespielt begeistert und sterbe gleichzeitig tausend Tode.
“Grundriss, welchen Grundriss?“, fragt mein Vater irritiert und hilft meiner Mutter aus der Jacke.
“Na den, der in der Küche lag!“, meine ich verdattert und bin innerlich davon überzeugt, an mir ist ein Schauspieler verloren gegangen.
“Da lag aber - zeig mal her!“
Bereitwillig rücke ich den Zettel heraus und ignoriere das entfernte Klatschen. Jonas hat sich garantiert wieder einmal auf die Stirn gehauen, aber wenn er nicht an den Plan glauben will, dann muss ich es allein durchziehen. Und wenn er glaubt meine Taktik ist nicht gut, dann soll er sich halt etwas Besseres einfallen lassen.
“Die Wohnung...haben wir uns gar nicht angesehen!“, nuschelt mein Vater irritiert und macht meine Mutter neugierig.
Nervös meine Hände hinter dem Rücken knetend bleibe ich im Flur stehen, während meine Eltern das Blatt studieren, als ob darauf geschrieben stände, ich wäre ein Undercover-Agent des FBI und sollte nun wieder zurück in die USA.
Jedenfalls sind die Blicke genauso ungläubig.
Oh Gott..., schießt es mir durch den Kopf, als mich der prüfende Blick meiner Mutter trifft.
Es ist einer dieser Blicke, bei denen man glaubt, dass nicht nur jede einzelne Muskelfaser und jeder einzelne Knochen geröntgt werden würde, sondern auch die Gedanken aus dem Hirn geschält und analysiert werden.
Ein grässlicher Blick, dem ich leider immer noch nicht standhalten kann.
Sie grinst mich an und ich weiß ich bin aufgeflogen.
“Du willst also diese Wohnung, ja? Und das liegt nicht zufällig daran, dass sie nur zwei Straßen weiter liegt?“, fragt sie amüsiert und ich seufze ergeben.
“Mama, ehrlich! Die Wohnung ist der Hammer! Wirklich! Frag Lo, der war dabei! Und ja es liegt daran, dass wir quasi hier bleiben würden, aber wirklich mal. Ich wäre eineinhalb Stunden zur Schule unterwegs und generell ist die andere Wohnung wirklich...voll blöd!“, jammere ich nun und versuche es mit meinem Schmollblick.
Sie seufzt tief und sieht an mir vorbei.
“Und was ist mit dir?“, fragt sie und verdutzt sehe ich zu Jonas, der aus der Küche kommt und neben mir stehen bleibt.
Mit dem hätte ich in den nächsten zehn Minuten ehrlich nicht gerechnet.
Er legt mir einen Arm um die Schulter und nickt.
Wieder einmal wird deutlich, dass er trotz des Altersunterschieds keinen Zentimeter größer ist als ich. Wenn ich selbst nicht wüsste, dass zwischen uns zwei Jahre liegen würde ich uns vielleicht auch für Zwillinge halten. Wenn auch zweieiige.
“Ich will auch hier bleiben! Und davon abgesehen, dass ich so sogar näher bei Lasse wohnen würde, finde ich die Wohnung allein vom Grundriss ansprechender als eure Fotos von der anderen! Und ich hab beide Wohnungen noch nicht ganz gesehen. Außerdem ist es nun mal wirklich so, dass Finn und ich elendig lange zur Schule fahren müssten!“, erklärt Jonas unerwartet souverän und ich habe grade den Anflug des Gefühls, dass er manchmal dann doch wirklich der ältere von uns beiden ist, als er mich plötzlich an sich drückt und jammernd weiter plappert.
“Und ich will nicht nur noch Finny zum knuddeln haben!“
Soviel zu der ältere von uns beiden.
Ich seufze tief und sehe meine Eltern wieder an.
“Seht sie euch doch bitte wenigstens an!“, setze ich nun zweifellos bettelnd nach.
Meine Eltern schweigen nervenaufreibend lang und nicken dann.
Ich könnte jubeln, Jonas tut es.
“Das heißt aber nicht, dass wir sie direkt nehmen!“, versucht meine Mutter uns noch deutlich zu machen, doch Jonas ist schon auf dem Weg in sein Zimmer und ich verwette meinen Arsch, dass er Lasse anrufen wird.
Grinsend sehe ich meine Eltern an.
“Sie wird euch eh von den Socken hauen! Versprochen!“, meine ich und drängle mich dann an ihnen vorbei in mein Zimmer.
“Ich ruf den Vermieter an!“, rufe ich und greife zum Telefon.
Vielleicht bleibt wenigstens ein bisschen so wie gewohnt.
xXx
Wie man Eltern davon überzeugt, dass die eigene Idee deren Idee ist oder auch der Versuch davon...
~
Sops...das war es auch schon wieder ^^
bin gespannt, was ihr dazu sagt xD
C & C please x3
lg
Schwarzfeder
Von dem als Glückspilz getarnten Pechvogel
So schnell kann es gehen...
Momentan hab ich zwar irgendwie...eigentlich viel zu tun, aber Finn und Konsorten sind so präsent in meinem Hirn, dass ich einfach nicht davon ablassen kann und im Schlepptau schon das 3. Kapitel habe (ich staune über mich selbst ^^")
Besonderen Dank diesmal an meine Kommischreiber:
@Inan: Naja ob und wie undundund liest Du teilweise schon hier, aber die Idee würde wenigstens Lasse und Jonas wohl sehr gefallen xD
@
Karma: Nja, dass Du die gleiche Angwohnheit mit dem Stück mal 'n Rück find ich echt lustig. Meinen Freunden geh ich damit auf den Keks (don't know why), aber das Daumendrücken hat sich, denke ich (^.~) gelohnt! Ich find Jonas auch toll, aber die kleinen Parallelen zu Nico sind mir auch erst durch Deine Erwähnung aufgefallen ^^" P.S: Bitte sehr, se~hr gern geschehen ^o^
@Zuecho: und wie ich mich geehrt fühle *noch mal extra geehrt fühl* nja danke und ich hoffe es gefällt Dir ^^
Jedenfalls hoffe ich, euch spricht es an und ihr fiebert mit...er (Finn) hat's...verdient ^^"
~
Von dem als Glückspilz getarnten Pechvogel
xXx
“Und ihr müsstet beim putzen helfen! Hier liegt überall Parkett!“, zählt meine Mutter den gefühlten tausendsten Grund auf.
Jonas und ich stehen beide gleichermaßen genervt wie hibbelig neben einander in der vielleicht neuen Wohnung. Momentan fällt mir kein Punkt ein in dem Jonas und ich uns so einig waren wie jetzt grade! Dabei verstehen wir uns eigentlich schon seit ich denken kann verdächtig gut.
Jedenfalls hat es ihn so umgehauen wie mich, als er in den Flur kam. Und innerhalb von nicht mal fünf Minuten war er begeistert.
Feuer und Flamme.
Unsterblich verliebt.
Und was er nicht noch alles gefaselt hat.
Allerdings scheinen meine Eltern ebenfalls positiv überrascht zu sein, auch wenn sie es wohl nicht so zeigen wollen wie Jonas. Liegt vielleicht daran, dass sie sich eigentlich schon für eine Wohnung entschieden hatten.
“Ja Mama, werden wir, machen wir und versprechen wir! Und jetzt unterschreibt den Vertrag! Bitte!“, jammert Jonas jetzt und bringt mich zum lachen.
Meine Mutter seufzt ergeben und greift nach dem Klemmbrett, dass ihr der Vermieter entgegen hält. Auch erlächelt leicht.
Herr Ritter, wie er sich mir gestern und meinen Eltern heute vorgestellt hat, hatte auf mein bitten hin direkt einen Vertrag mit gebracht und war äußerst erfreut, darüber, dass ich wirklich so schnell reagiert hatte, wie ich es versprochen hatte.
Aber Herr Ritter ist eh cool drauf.
Ich mag ihn jetzt schon und er wohnt auch hier im Haus, was ihm gehört.
Somit wäre der Punkt super Nachbarn auch abgehakt.
Mein Vater grinst schief und boxt mir in die Seite. Ich keuche gepeinigt auf und sehe ihn irritiert an. Normalerweise hat er nur bei Jonas solche Anwandlungen. Weshalb haut er mich denn jetzt um?
“Das hast du ja eins a hinbekommen, Großer!“, sagt er und ergreift seinerseits das Klemmbrett. Ich schlucke leicht.
Bilde ich mir das nur ein, oder klang mein Vater grade wirklich irgendwie stolz?
Mir läuft ein Schauer über den Rücken.
Mein Vater war noch nie stolz auf mich. Jedenfalls hat er es mir bis jetzt nie irgendwie gezeigt. Bis jetzt hatte er auch nie so den Grund dazu, schließlich ist nur Jonas der außergewöhnliche von uns beiden.
Aber auch wenn es sich seltsam anfühlt...irgendwie freut es mich und lächelnd starre ich auf die Unterschriften meiner Eltern, die auf dem Mietvertrag prangen.
Seit zwei Sekunden stehen wir also in unserer neuen Wohnung.
xXx
“Und das Zimmer ist so unglaublich groß und toll! Mein Fenster geht raus zum Hof und da stehen nur Bäume! Es ist einfach nur genial. Finn hat so ein Händchen dafür! Er ist ein richtiger Glückspilz und ich seinetwegen auch.“
Nun wirklich verlegen hocke ich zwischen Matze und Lo, während Jonas sich in Schwärmereien über die neue Wohnung verliert. Vor einer Stunde hat Lasse angerufen und alle zu sich eingeladen um zu feiern, dass Jonas jetzt doch nicht so weit weg zieht wie befürchtet.
Ich finde es immer noch erstaunlich, wie er sich über das kleinste bisschen so sehr freuen kann und er es noch nicht mal peinlich findet es offen zu zeigen.
Allerdings ist er auch schwer verknallt, genauso wie Jonas.
Ich nicht.
Vielleicht sollte ich mich erkundigen, ob es diesen Zustand irgendwo zu kaufen gibt. Dann wäre es mir vielleicht auch nicht so peinlich, dass Jonas mich seit dem wir hier sind nur noch in den Himmel lobt.
Klar, ich bin selbst mittlerweile etwas stolz auf mich, dass ich uns quasi gerettet hatte, aber so viel drauf einbilden tue ich mir jetzt nicht und ich mag es irgendwie nicht, wenn er mich so in den Mittelpunkt zerrt.
Ich hab kein Problem damit, dass er im Mittelpunkt steht. Tut er eh ständig und es stört mich einfach wirklich nicht. Aber ich hab ein Problem damit, dass er mich jetzt darein zerren will.
Schweigend drehe ich mein Glas in den Händen und starre auf meine in Socken verpackten Zehen.
“Und wo sind eure Eltern jetzt? Müsst ihr jetzt nicht packen oder so?“, fragt Lucie und reißt mich etwas aus meiner Starre.
“Die gehen Badfliesen gucken und ’ne neue Küche wollen sie plötzlich auch haben. Außerdem auch noch Babyzimmer gucken. Das ist nichts für mich!“, erzählt Jonas abwiegelnd und ich grinse schief.
Für mich ist das auch nichts. Vor allem, weil meine Ma in einen Rosa-Wahn ausgebrochen ist.
Die Kleine tut mir jetzt schon Leid.
“Wir können auch erst frühestens nächste Woche rein! Der Boden liegt zwar und Anschlüsse und so sind auch da, aber die Wände haben keine Tapeten und das Bad ist halt noch nicht gefliest! Paps nimmt sich jetzt Urlaub und in den nächsten Tagen werden wir wohl streichen wie blöd, aber na ja…man kann nicht alles haben!“, erkläre ich leise und grinse schief. Lo lacht auf und zerstört wieder mal meine aufwendige Nicht-Frisur.
“Jetzt mach mal halblang! Du warst doch total begeistert von der Wohnung! Das war ja fast schon niedlich, wie du da rum gesprungen bist. Aber wenn es dich aufmuntert, kann ich ab und zu doch auch auftauchen! Farbe an die Wände pinseln krieg ich dann jedenfalls noch hin!“
Welcher Satzteil genau das Chaos in mir auslöst weiß ich nicht. Allerdings bin ich kurz davor zu sterben, als er mich schlussendlich mit seinem Ellebogen anstupst.
Irgendetwas Undeutliches brummelnd nehme ich einen tiefen Schluck aus meinem Glas, der es zufällig ganz leert.
Blöderweise bleibt dieser Kloß in meinem Hals hängen und die Ameisen in meinem Magen – weiß der Teufel wie die darein kommen – ertrinken leider auch nicht.
Ich hasse es, wenn ich keine Ahnung von gar nichts habe.
“Hey das wäre super! Dann wird das bestimmt lustig! Lucie, Matze ihr kommt auch helfen, oder?“, fragt Jonas begeistert und ich könnte mich grade wieder einmal aus dem Fenster schmeißen. Doch diesmal ist es sogar soweit, dass ich auch diesen Grund nicht weiß.
Ich weiß nicht, weshalb ich immer wieder, egal ob real oder nicht so unglaublich kribblig nervös werde. Und ich verstehe mich selbst einfach nicht mehr.
Eigentlich sollte jetzt doch alles in Ordnung sein, oder?
Wir ziehen zwar um, aber so bekomme ich ein neues Zimmer! Mein Vater hat zwar jetzt noch mehr zu tun, aber es kommt doch uns auch sehr zu Gute! Und meine Ma ist zwar schwanger, aber so bekomme ich eine kleine Schwester, die ich nach meinem Ermessen erziehen, verziehen und beschützen darf. Zumal ich ja nun wirklich so alt sind, dass ich wohl eher nur ihre Säuglingszeit wirklich mitbekommen werde und ich vermutlich, sobald es um Pickel, Jungs und beste Freundinnen geht ja wohl nicht mehr zu Hause wohnen werde.
Aber warum habe ich trotzdem das Gefühl, dass mir mein Leben immer mehr durch meine Finger rutscht, wie Wasser, das man trotz verzweifelten Versuchens einfach nicht fassen kann.
Das macht mir Angst.
xXx
“Und dann machst du da noch eine Streifen grün hin, dass sieht garantiert super aus, glaub mir!“, versucht Lucie mich zum vermutlich tausendsten Mal dazu zu überreden meine Wandfarbenzusammenstellung noch einmal zu überdenken. Doch auch wie die tausend Male zuvor hab ich lediglich ein staubtrockenes “Nein!“ für sie übrig. Schließlich wird das mein Zimmer und nicht ihres und auch wenn ihr Farbwahl vermutlich so etwas wie Jungenfreundlich – man frage nicht mich, was das heißen soll, es ist ein Frauenbegriff – sein soll, kann und will ich mir gar nicht vorstellen, wer bei einem eventuellen Besuch seinerseits einen fast schon garantierten Kommentar über den Einfluss meiner angeblichen, und tatsächlich gar nicht vorhandenen, Freundin machen würde.
Vermutlich könnte ich den weißen Streifen – ich versteh noch nicht mal diese Streifentechnik. Was soll die bewirken? Soll es etwas aussagen? Vielleicht, dass ich eine Sympathie zu Zebras habe? Eigentlich mag ich Zebras gar nicht! – mit einer Strichliste füllen.
So als Gag.
“Ach man, Finn, du bist echt anstrengend! Dir kann man auch nichts Recht machen!“, motzt sie darauf hin und ich gucke sie ungerührt an.
“Es ist mein Zimmer! Und ich will kein Knastfeeling, ich will ein Zimmer! Die Farben hab ich bestimmt und so wie die an die Wände kommen bestimme ich auch. Wenn du ein Problem damit hast, dann tob dich mit meiner Mutter in der Küche aus! Danke, dass wir drüber geredet haben, ich streiche jetzt mein Zimmer, wenn’s Recht ist!“, fertige ich sie nun leicht genervt ab und schließe Unhöflicherweise die Tür vor ihrer Nase.
Matze hinter mir kichert. Da bis auf die Tapete noch nichts hier drin steht, hallt es ganz schön.
“Der hast du jetzt aber einen rein gewürgt!“, teilt er mich unüberhörbar schadenfroh mit und bringt mich zum seufzen.
“Wenn sie so nervt...kann ich doch nichts für!“, brummel ich und greife zu der grünen Wandfarbe.
“Stimmt wohl...also Maestro, wie willst du es haben?“, fragt er mich und greift zur Rolle.
Ich übergehe, den mal wieder leicht anzüglichen Unterton, genauso wie seinen neuen Spitznamen und greife nach den extra gekauften drei Pinseln.
“Ich schmier die Grundfarben an die Wände, dann kapiert’s bestimmt auch Jonas, obwohl ich bezweifle, dass er oder Jonas heute noch mal da aufhören werden mit ihrem...Kunstwerk.“, gebe ich leicht sarkastisch von mir und öffne den ersten Farbeimer.
Ein knalliger Grünton springt mir fast schon ins Gesicht und ich bin fast versucht die Augen zu schließen. Im Baumarkt sah der aber noch anders aus.
Allerdings hoffe ich jetzt einfach mal da drauf, dass die Farbe trocken an der Wand wie eigentlich gewollt aussieht.
Wieder mutiger geworden tauche ich den Pinsel in die Farbe und klatsche fast lieblos einen grünen Streifen an die Wand, die ich grün haben will.
Genauso passiert geschieht es den anderen beiden Farben.
Schwarz und weiß landen an den anderen Wänden bzw. der Decke.
Ich registriere zwar, dass Matze mich beobachtet, aber Muße mich jetzt irgendwie mit ihm zu unterhalten oder so habe ich nicht. Ich will das Zimmer heute noch fertig bekommen und dank Lucies Einmischungen haben wir schon kurz nach zwei Uhr Nachmittags.
Und als wäre der Zeitdruck und meine irgendwie angeklebte schlechte Laune seit heute Morgen nicht genug, bin ich auch noch Hunde müde.
Das liegt nicht nur an dem Stress, den ich und eigentlich meine ganze Familie durch den geplanten Umzug in fünf Tagen – wie wollen die es denn bis dahin schaffen, wenn immer noch keine einzige Fliese im Bad liegt? – sondern auch an meinem immer wieder kehrendem Alptraum. Mittlerweile hab ich es auf Alptraum eingestuft, weil ich einfach keine ruhige Nacht mehr deshalb habe.
Ich schrecke jedes Mal hoch und jedes Mal ist es der gleiche Traum. Alles was variiert ist die letztendliche Botschaft, die von der Verkündung ich bekäme eine Schwester – was ergebener Maßen ja auch stimmt – bis hin zu Lasse und Jonas heiraten und wandern nach Schweden aus alles mögliche sein kann. Meine Fantasie hat leider kein Problem damit sich dafür etwas zu überlegen.
Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass das im Grunde nur irgendwie eine Art Schutzreaktion meines eigenen Hirns ist. Denn egal wie real sich der Traum auch anfühlt und auch aussehen mag ich komme nie in Los Zimmer an.
Aber irgendwie will ich es auch nicht wissen. Das was ich, kurz bevor ich den Computer für die nächsten zwei Wochen vom Internet trennen musste, herausgefunden habe, reicht um mich davon abzuhalten weiter erforschen zu wollen, was und wieso ich da eigentlich träume.
Mal davon abgesehen, dass eh alles irgendwie nicht stimmen kann, weil Lo erst in zwölf Tagen 19 wird und er nie freiwillig und nur deshalb eine Riesenfete schmeißen würde. Zudem haben seine Eltern auch keinen Pool im Garten und fahren ungern in den Urlaub!
Mittlerweile bin ich so fertig deshalb, dass ich sogar schon mit Jonas darüber gesprochen hab, doch so sehr er mir auch versichert hat, dass er mir helfen würde, er weiß selbst nicht wie er das anstellen soll.
Ich konnte ihm lediglich das Versprechen abnehmen, dass er Ma und Paps davon ablenken wird, sollten sie etwas merken, denn die würden es fertig bringen und mich in ein Krankenhaus oder noch besser in die Geschlossene einweisen lassen.
Danke, aber nein Danke!
“Sag mal...hängt deine schlechte Laune damit zusammen, dass Lo heute mit Bea weg ist?“
Fast erschrocken zucke ich zusammen, als Matze mich so plötzlich aus meinen Gedanken herausreißt.
Irritiert stoppe ich in den Rollerarbeiten, die eher schlecht als Recht die schwarze Farbe auf der Tapete verteilen.
“Wie kommst du denn jetzt da drauf?“, frage ich ehrlich verwirrt und plötzlich grinst er. Und ich kenne dieses Grinsen.
Es ist dasselbe Grinsen, das er auch im Traum immer aufsetzt wenn ich Lucie und ihn nach Lo frage.
Und plötzlich ist es wieder da. Dieses nervöse Kribbeln und gleichzeitig ein Kloß im Hals, der mir das atmen nur noch schwerer macht.
Mist, verdammter.
“Na ja, gestern sahst du zwar auch schon so fertig aus, aber heute hast du auch noch schlechte Laune! Und die kam fast zeitgleich mit Los Absage!“
Meine rechte Augenbraue wandert nach oben.
“Häh?“
“Ja, du hättest dein Gesicht sehen sollen, als Jonas meinte Lo könne nicht kommen, weil er ein Date mit Bea hat!“
Meine linke Augenbraue gesellt sich aus Solidarität und Unglaube zur Rechten.
“Willst du mir unterstellen, dass es mir nicht passt wenn er andere Mädels datet?“, frage ich skeptisch und bringe Matze ungewollt zum kichern.
Matze lacht nicht. Er lacht nie wirklich. Er kichert immer leise und kurz auf. Aber es ist nicht so ein hysterisch quiekendes Kichern wie man es von Mädchen kennt sondern so ein Jungen–Kichern, ein Matze–weiß–etwas–was–du–nicht–weißt–Kichern. Und grade jetzt bringt es mich auf die Palme!
“Hör auf zu gackern wie ein Huhn und hau raus!“, fauche ich sauer, doch er grinst nur breit.
Bevor ich allerdings noch irgendetwas sagen kann geht die Tür auf und mein Vater stolpert herein.
“Jungs, Hilfe! Wasser – Bad – schnell!“, stammelt er und ist sofort wieder verschwunden.
Irritiert blinzelnd lasse ich die Rolle ganz sinken und bevor ich realisieren kann, was genau er jetzt meint, nimmt Matze mir die Rolle aus der Hand, packt sie irgendwo hin und schleift mich mit in Richtung Bad.
xXx
“Das Wasser wurde jetzt komplett abgestellt, allerdings kann das frühestens in zwei Tagen repariert werden. Solange wird der Boden nämlich durchtrocknen müssen.“, höre ich die entfernte Stimme des Notfall-was-auch-immer-Mannes und seufze tief.
Wie auch immer mein Vater das geschafft hat, aber er hat es geschafft und den ganzen Estrich im Bad durch einen Rohrbruch unter Wasser gesetzt und aufgeweicht. Was genau es eigentlich für ein Schaden ist will ich gar nicht wissen, denn das was ich weiß reicht mir.
Der Umzugstermin, der eh schon zu utopisch schien ist jetzt unmöglich. So wie es aussieht, werden wir wahrscheinlich dann umziehen, wenn die Schule schon wieder in vollem Gange ist.
Halleluja, mir ging es vor drei Stunden anscheinend noch zu gut.
Frustriert grummelnd rappel ich mich auf und ungeachtet der Blicke von der unfreiwilligen Putzkolonne, unter anderem auch als meine Freunde und mein Bruder bekannt, die versuchen Flur und Küchenboden wieder trocken zu bekommen, stapfe ich in mein Zimmer und verbarrikadiere die Tür hinter mir.
Tief seufzend lasse ich mich an der Tür herunter rutschen und ziehe die Beine an um meine Arme drum zu wickeln und mich möglichst klein, vorzugsweise unsichtbar zu machen.
Irgendwie geht’s mir wirklich dreckig.
Am liebsten würde ich heulen. Und ich wette, wenn ich 10 Jahre jünger wäre, dann würde ich es auch tun.
Weil nichts mehr so ist, wie ich es vor gut drei Wochen noch gewohnt war und weil dieser Zustand des absoluten Chaos offensichtlich noch unabschätzbar in die Länge ziehen wird.
Und ich zudem auch noch den unerklärlichen Wunsch habe, dass Lo jetzt hier wäre und mir, dem eigentlichen Optimisten, Mut zusprechen würde und mir meine farbverschmierte, feuchte
Nicht-Frisur ruinieren würde.
Nur ist er nicht da. Und das weiß ich ganz genau.
Genauso wie ich weiß, dass ich nicht weiß, wie ich diesen Wunsch erklären, geschweige denn verstehen soll.
Denn ich verstehe gar nichts mehr.
Gott, wie ich das hasse.
Von dem als Glückspilz getarnten Pechvogel
~
Tja...soviel zu dem Glückspilz...Oh man...Finn tut mir...so Leid >o<°
Naja...anscheinend komme ich in kaum einer FF ohne Drama oder so aus...*sigh*
Ich hoffe, das Chap hat euch trotzdem angesprochen ^^"
Für Rechtschreibfehler etc. haftet die Gewerkschaft und verschenkt sie als Entschädigung an den Finder ^^
C & C please x3
lg
Schwarzfeder
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft
Dieses Kapitel ist (trotz eher unlustigen Inhalts) für Moritz, den fast noch besseren Hamster überhaupt ;3
@Inan: Ich hoffe das war schnell genug ^^"
@Zuecho: Und ich fühle mich noch mehr geehrt! Und auch wenn Moritz wohl eher weniger mit der Widmung anfangen kann ich hoffe du kannst was mit dem Kapitel anfangen ;D
@
Karma: Ich kann nur sagen *am Keks knabber* er hat gewirkt und das mit Herrn Ritter war auch ein absoluter Zufall x.x" Naja, jedenfalls denke ich, dass dir (da du Jonas so gern hast ^^) dieses Kapitel wegen Jonas gefallen wird! Allerdings hoffe ich irgendwie, dass du nicht noch mehr Parallelen findest, sonst wird meins noch zum Plagiat ;3'
@ all: Danke, für eure lieben Kommis *.*
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Eifersucht ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft
xXx
“-ist ihm wahrscheinlich einfach zu viel. Ich denke wir sollten ihn einfach schlafen lassen!“, dringt Lucies leise Stimme zu mir und ich höre leises brummeln als Antwort und spüre, wie mir jemand durch die Haare streicht.
Ich glaube, dass es Jonas ist. Deshalb bleibe ich still einfach liegen und gebe weiter vor immer noch zu schlafen.
“Danke, dass ihr da wart und für eure Hilfe. Ich melde mich dann bei euch!“
“Ist gut, kümmer’ dich um ihn. Wir finden selbst zur Tür!“, sagt nun Lasse leise und ich höre ein leises schmatzen.
Würde ich nicht schlafen, hätte ich die Augen verdreht.
Dann schließt die Zimmertür und kurz darauf die Wohnungstür.
“Du kannst die Augen jetzt aufmachen, Finn, sie sind weg!“, sagt Jonas leise und ich bin erstaunt, dass seine Stimme diesmal ganz ohne Vorwurf ist.
Denn eigentlich macht er das Recht gern mir die Schuld daran geben, wenn ich aus irgendeinem Grund verantwortlich sein könnte, dass Jonas auch nur von Lasse ablassen muss. Und jetzt, wo doch eigentlich geplant war, dass er bei Lasse pennt, gehen sie wirklich wegen mir heute mal getrennte Wege.
Teufel ich fühl mich schuldig. Wieso bin ich nur so eine Memme?
Ich kann mich nämlich dran erinnern, dass ich kurz nach dem Trip durch die Katakomben meiner Gedanken einen Wutanfall bekommen und mal eben meine Wände komplett alleine weiter gestrichen habe.
Genauso daran, dass ich danach frustriert über mich und alles andere die Sachen hin geschmissen und ohne Jacke und alles einfach an den anderen vorbei aus der neuen Wohnung hinaus gestürmt und in den Park abgehauen bin.
Dort hab ich mich irgendwo auf den kalten Rasen gelegt und in den mittlerweile dunklen Himmel gestarrt, bis ich einfach eingeschlafen bin.
An dem ganzen Scheiß gibt es nur eine ansatzweise positive Sache.
Ich hab diesmal mal nicht geträumt.
“Es tut mir Leid!“, wispere ich trotzdem immer noch reichlich geknickt und setze mich auf.
Mit einem Blick kann ich erkennen, dass ich in Jonas Zimmer auf dem Bett liege.
Jonas nickt nur.
Er sieht so ernst aus, dass mir ein Schauer über den Rücken jagt und ich einfach nicht weiß, was ich noch sagen soll.
Ich hab das Gefühl die Luft wurde auf eine Wäscheleine gehängt und nach allen Seiten gezogen so gespannt ist es grade, aber mehr als mich aufzusetzen bring ich nicht fertig.
Ich bin irgendwie einfach nur müde!
Dann seufzt Jonas unerwartet und tief. Und, als ob man mit der Nadel in einen Luftballon piekst, entweicht die ganze Spannung Richtung nirgendwo.
“Schon gut...ist nicht so schlimm. Schlimmer find ich es eher, dass du nicht damit raus rückst, was dich so fertig macht. Finn ich kenn dich. Jedenfalls glaube ich, dich zu kennen, gut zu kennen! Und auch wenn ich weiß, dass du so ein Chaos, wie es jetzt grade herrscht nicht ausstehen kannst, kann es nicht sein, dass dich das dermaßen runterzieht...willst du mir nicht endlich sagen, was Sache ist?“, fragt er sanft und stupst mir ebenso sanft gegen den Oberarm.
Manchmal ist er dann doch der große Bruder…aber jetzt grade hilft mir das auch nicht so wirklich. Es treibt mir nur nun endgültig die Tränen in die Augen, die ich seit heute Nachmittag versuche zu unterdrücken.
“I-Ich...Ich weiß es nicht!“, krächze ich mir zusammen, ernte aber wieder nur ein seufzen.
Jonas scheint mir nicht zu glauben.
Verständlich. Ich würde mir als Außenstehender auch nicht glauben.
“Finn, bitte...“
Ich kneife unweigerlich die Augen zusammen und beiße mir auf die Unterlippe. Gott, ich fühle mich nicht nur so fürchterlich erbärmlich, sondern auch unglaublich schwach…und so fürchterlich...dumm.
“I-Ich...Ich...“, wispere ich, doch vorher rinnt mir doch etwas Heißes und Nasses über die Wange.
“Finn...“
Als ich ihn ansehe liegt Überraschung und Sorge in seinen Augen und schmeißt mich nun endgültig über die Klippe.
Unterdrückt schluchzend beiße ich mir in meinen Handrücken, doch es bringt einfach nichts.
Auch Jonas’ warme Arme, die sich um mich schlingen und mich an ihn drücken helfen dummerweise kaum.
“I-Ich...Ich weiß es wirklich nicht...Jonas, ich weiß es einfach nicht...ich-ich verstehe...gar nichts mehr...gar nichts...“, platzt es aus mir heraus und ich versuche vor lauter Scham mein Gesicht in seinem Pulli zu verstecken.
Ich spüre wie er mich leicht hin und her wiegt. Wie er mir sanft über den Rücken streicht. Wie er mich einfach festhält.
Und auch wenn Jonas das tut und mich so langsam auch wieder beruhigen kann…gegen das, was dumpf, schmerzhaft und eisig kalt in meiner Brust pocht hilft es einfach doch nicht.
xXx
“Und was hältst du von dem Regal?“
Jonas’ euphorische Frage reißt mich jetzt doch aus meinen eh schon schweren Gedanken und ich sehe ihn blinzelnd an.
Er deutet nach rechts und grinst schief.
Ich grinse auch schief und weiß, dass er es mir nicht übel nimmt, dass ich nicht zu gehört habe. Jonas ist manchmal dann doch einfach der Beste.
Ich sehe zum Regal und mustere es genau, dann schüttle ich den Kopf.
“Zu sperrig! Außerdem müsstest du es noch lackieren! Du willst doch schwarz!“, meine ich dann ernsthaft und bringe Jonas zum lachen.
“Willkommen unter den Lebenden, ja stimmt, ehrlich gesagt war das ein Test, ich will dass da vorn, Lasse sucht schon nach einem der Möbelfritzen!“, meint er und boxt mir leicht gegen die Schulter.
Ich seufze einfach nur und sehe mich in dem Möbelmarkt, in den Lasse und Jonas – obwohl die treibende oder eher ziehende Kraft Jonas war – mich mitgeschleift haben, um.
Gestern Abend hab ich mich quasi in den Schlaf geheult, kaum hatte Jonas mich soweit beruhigt, dass ich eigentlich wieder etwas hätte sagen können bin ich auch schon eingeschlafen. Heute Morgen wurde ich dann neben ihm wach und konnte selbst kaum glauben, was passiert war. Es war mir so unglaublich peinlich, auch wenn es nur vor Jonas gewesen war. Ich hatte geheult und dann mit ihm in einem Bett geschlafen.
Das letzte Mal als ich das gemacht habe war ich elf und da auch nur weil mein Goldfisch gestorben war, den ich zwei Wochen zuvor von unserer Oma geschenkt bekommen hatte.
Und diesmal weil mir einfach nur das ganze Chaos über den Kopf wächst.
Vielleicht sollte ich mich gleich von der nächsten Brücke schmeißen.
“Willst du nicht auch noch mal für dich gucken?“, fragt Jonas und hakt sich bei mir unter um mich weiter zu schleifen.
Ich seufze nur, weil ein Protest sinnlos wäre, schließlich hat Jonas allein mit dieser Geste entschlossen, dass ich es will auch wenn ich keine Lust dazu habe.
“Wie wäre es mit einer schönen Lampe?“, fragt er und deutet in die Leucht–keine–Ahnung–wie–sich–das–genau–schimpft–dingens Abteilung.
“Jonas…sag das nicht noch mal! Du hörst dich an wie Mama!“, meine ich trocken nicke dann aber und lasse mich mit ziehen.
Eine Lampe gucken.
Jetzt geht es eindeutig mit mir zu Ende.
Vor allem, weil ausgerechnet das Nachgespenst Nummer Eins neben mir jede zweite Lampe oder das was vorgibt eine Lampe zu sein, toll findet.
Oh man.
“ – finde ich echt cool von dir!“, mischt sich plötzlich ohne irgendeinen mir verständlichen Grund eine weibliche Stimme, die mir bekannt vor kommt in Jonas’ Pseudo–Profi–Analyse über das Leuchtding in seiner Hand.
Lampe kann man das nämlich einfach nicht mehr nennen.
“Kein Problem, heute hatte ich vormittags eh nichts vor, also warum nicht!“
Ich erstarre.
Mir bleibt die Luft weg und ich hab das Gefühl gleichzeitig in zwei Sekunden durchzugaren und zu erfrieren.
Stolpernd fahre ich herum und keine drei Schritte von uns entfernt sehe ich ihn und diese Bea auf uns zu steuern, ohne, dass sie uns wahr zu nehmen scheinen.
Doch das schlimmste ist, und das wird mir nur bewusst, weil sich in dem Moment mein Magen umdreht, dass sie sich an seinen Arm gehängt hat und ihn selig anlächelt.
Bevor ich auch nur irgendwie reagieren kann macht Jonas die Klappe auf und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich kurzzeitig das Bedürfnis ihn zu erschlagen.
“Lo, was machst du denn hier?“, fragt er überrascht und hält die beiden so auf.
Er blinzelt uns verdutzt an und lacht dann auf.
“Jonas, Finn! Zufall, Bea braucht ne Zimmerlampe und weil ihr doch momentan nichts mehr zu tun habt für mich dachte ich fahr ich sie eben!“, erklärt er und schlagartig will ich dieses Mädchen an seinem Arm erschlagen.
Natürlich kenn ich Bea.
Lucie hat mir schon oft unter die Nase gerieben wie sehr sie angeblich auf Lo steht. Mir war das platt gesagt scheiß egal.
Bis jetzt.
Denn wegen ihr war Lo gestern auch nicht da als es mir so scheiße ging und wegen ihr ist er jetzt, wo es mir nur noch viel schlimmer geht dann doch da.
Und wegen ihr ist Lo plötzlich so anders.
Er ist...nicht...Lo...
“Hey Bea! Wirklich lustig, Finn braucht auch eine Zimmerlampe und – Finn?“
Ich kann es nicht verhindern.
Ich schrecke zusammen, als ob man neben mir einen Chinakracher gezündet hätte und sehe Jonas entsetzt blinzelnd an.
Meine Gedanken kommen mit der wahnsinnskurvigen Achterbahn in mir einfach nicht mehr mit und irgendwie ist mir schlecht und schwindelig.
“Finn, ist alles okay, du bist wieder so blass!“, fragt mein großer Bruder besorgt, aber ich bringe keinen Ton heraus.
“Finn?“
Automatisch fliegt mein Blick zu Lo.
Auch er sieht mich besorgt an, aber...er bleibt da stehen. Er kommt nicht auf mich zu.
Er ist nicht so wie sonst.
Eigentlich hätte er sich doch längst von ihr losmachen müssen und eigentlich müsste er doch längst neben mir stehen und mir mit bestimmtem Ausdruck den Befehl geben so schnell wie möglich ins Bett zu gehen, weil es mir nicht gut geht.
Aber er steht einfach nur da und sieht mich besorgt an.
Plötzlich bekomme ich Angst.
Ich habe die Kontrolle verloren...
Ich habe komplett die Kontrolle verloren und an all dem ist nur der Umzug, meine noch nicht einmal geborene Schwester und dieses bunte Miststück an seinem Arm Schuld.
“M-Mir ist...schlecht!“, stammle ich einfach und stolpere zurück. Dann reiße ich mich los und laufe blindlings davon. Nicht auf die Menschen achtend, die mich kurzzeitig ins straucheln bringen.
Nicht auf Jonas’ entsetztes “Finn!“, achtend und auch Lasse ignorierend, an dem ich direkt vorbei renne.
Ich will hier weg.
Einfach nur weg.
xXx
Wie lange ich hier sitze weiß ich gar nicht.
Ich kann noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, wie genau ich hier hin gekommen bin.
Aber ich sitze hier und starre auf den See.
An der gleichen Stelle an der ich gestern gelegen habe.
An der gleichen Stelle an der ich immer sitze, wenn wir uns treffen.
An der gleichen Stelle an der ich mich immer mit Lo treffe.
“Finn?“
Ich brauch mich nicht umzudrehen um zu wissen wer es ist. Ich erschrecke mich auch nicht. Aber ich weiß auch nicht ob ich froh drüber sein soll, dass Jonas mich gefunden hat.
Weil irgendwie, ganz versteckt in einer Gehirnwindung steckt der Wunsch, dass es jemand anderer wäre.
Ich seufze tief und sehe langsam zu ihm. Mein Lächeln ist verunglückt, seines auch nicht grade besser, aber er scheint erleichtert zu sein.
“Du hast mir ganz schön Angst gemacht, weißt du?“, sagt er leise und auch wenn man es als Vorwurf verstehen könnte so klingt es einfach zu sehr nicht danach, als das ich es so verstehe.
“Tut mir Leid!“, entgegne ich trotzdem und senke leicht den Blick, weshalb mir Lasse ins Auge fällt, der ein gutes Stück weiter weg steht.
Jonas setzt sich neben mich und sieht mich einfach nur abwartend an.
Ich weiß, dass er gerne wissen wollen würde, was passiert ist. Doch er stellt keine Fragen.
Jonas ist so. Jedenfalls im Bezug auf mich!
Er zwingt mich nie dazu zu reden.
Deshalb tu ich es auch.
“Ich wollte sie schlagen...“, sage ich leise und starre wieder auf den See.
“Ich kenne sie kaum, aber ich wollte sie erschlagen. Ich wollte, dass sie verschwindet, dabei kenne ich sie kaum. Aber…er war so anders…nur weil sie dabei war, war er nicht mehr Lo!“, versuche ich mich zu erklären und Jonas seufzt.
“Ich weiß zwar ehrlich nicht was du meinst, aber auch wenn du es nicht hören willst, warst du immer schon der sensiblere von uns beiden, deshalb ist es mir bestimmt nicht aufgefallen. Allerdings bin ich wirklich überrascht, dass du Bea so verabscheust.“
Ich lache leise, ziehe die Beine an und wickle meine Arme drum. Mein Kinn auf die Knie stützend schiele ich zu meinem großen Bruder und mir fällt auf, dass er mir jetzt gerade wirklich mehr ein großer Bruder ist als er es je war…und das gibt mir ungewohnte Sicherheit.
Er lächelt mich leicht an und sein Blick geht langsam wieder auf den See zurück.
“Ich glaube...ich weiß, weshalb ich sie nicht mag, aber verstehen tue ich das nicht so ganz.“, gebe ich leise zu und starre auf meine Schuhspitzen.
“Willst du es mir sagen?“, fragt er nachdem ich eine Weile nichts mehr sage und ich nicke leicht.
“Weil Lo wegen ihr gestern nicht da war. Weil sie ihn so verändert hat und weil sie ihm heute am Arm geklebt hat. Ich hab’ das Gefühl, dass sie mir Lo weg nimmt und…das macht mich krank und weckt fast schon Mordgedanken, aber ich weiß wirklich nicht weshalb...“, sage ich leise und irgendwie schäme ich mich deshalb.
Jonas sieht mich einfach nur an. In seinem Blick liegt etwas was ich nicht definieren kann und dann lächelt er traurig.
“Finn, weißt du was Eifersucht ist?“, fragt er leise und ich schnaube.
“Natürlich weiß ich was Eifersucht ist!“, entgegne ich empört und hebe den Kopf. Er sieht mich wieder einfach nur an.
“Dann weißt du auch, warum du Mordgedanken Bea gegenüber bekommst!“, meint er schlicht und streckt seine Beine aus.
Irritiert blinzelnd sehe ich ihn an, warte, dass er noch irgendetwas sagt, doch er schweigt und ich habe kurzzeitig das Gefühl er will mich veräppeln.
Doch dann macht es klick und mir wird wieder schlecht.
“I-Ich...b-bin Eifersüchtig?“, hasple ich und starre nun ebenfalls entsetzt auf den See.
“Ja, bist du! Du bist eifersüchtig auf Bea.“, sagt er wieder so schlicht wie eben, doch jetzt bringt mich das auf die Palme.
Sauer springe ich auf und starre Jonas böse an.
“Ja natürlich! Und hat der Professor auch die Diagnose weshalb ich eifersüchtig bin?“, fauche ich angefressen. Doch anstatt darauf anzuspringen sieht Jonas mich wieder einfach nur an.
“Redest du jetzt mit mir, oder was wird das?“
“Wenn du nicht wahr haben willst, dass du eifersüchtig bist bringt es auch nichts dir den Grund zu verraten. Zu Mal du mir eh nicht glauben würdest Finn, du bist in solchen Sachen komplett anders als ich!“, erklärt er und steht nun seinerseits auf. Er klopft sich die Hose ab und dreht sich um.
“Komm, wir sollen zu Hause Kartons packen helfen!“, meint er leise und geht einfach los. Und ich stehe da wie ein begossener Pudel.
“Was soll das?“, rufe ich ihm hinterher, bleibe aber stehen.
Jonas antwortet nicht mehr.
Und ich verstehe nun noch viel weniger als vorher schon.
Weshalb soll ich eifersüchtig sein?
Eifersucht ist was für Verliebte, aber nicht für mich!
xXx
Mittlerweile ist es dunkel draußen und ich auf 180. Ich bin so geladen, dass selbst meine Mutter mir aus dem Weg geht und eigentlich scheut sie kaum eine Konfrontation.
Allerdings hat sie diese auch nur mit Jonas. Ich bin in solchen Situationen eher der schlichtende Part und Schiedsrichter und nicht das wandelnde Pulverfass.
Momentan stopfe ich ein Buch nach dem anderen unsanft in den dafür vorgesehenen Karton und eigentlich warte ich nur auf den Funken, der mich hoch gehen lässt. Irgendwie hoffe ich, dass es Jonas ist, denn wegen ihm bin ich so. Nach seiner Behauptung ich sei eifersüchtig hat er nicht ein Wort mehr in Bezug auf das ganze Dilemma verloren und ich hab das Gefühl, damit hat er mir ein Brett vor den Kopf geschlagen. Meine eh schon konfusen Gedanken laufen in keiner graden Bahn mehr und das regt mich so unglaublich auf, dass ich wirklich gern wie ein Vulkan in die Luft gehen würde.
Aber es fehlt der Funke.
Der bescheuerte Grund, ich kann das nicht einfach so.
Durch ein klopfen am Türrahmen werde ich aus meinen Gedanken gerissen und mein immer noch wütender Blick trifft auf Matze, der mich einfach nur grinsend ansieht.
“Was?“, fauche ich sauer, denn sein Grinsen reicht nicht.
“Ich soll dir von der feigen Meute zwei Räume weiter ausrichten, dass Lo angerufen hat.“
Ich blinzle irritiert und plötzlich sind da wieder diese Ameisen.
Vielleicht sollte ich wirklich zum Arzt gehen. Es kann nicht gesund sein, solche extremen Gemütsschwankungen zu haben.
“U-Und was wollte er?“, frage ich heiser und werfe das Buch in den Karton.
“Er wird doch am Sonntag vor Ferienende 19 und Bea hat ihn auf eine Idee gebracht, die er jetzt umsetzen will.“
Ich atme einmal tief durch und nicke leicht.
“Er hat uns eingeladen das zu feiern, er will keine Geschenke oder so, sondern nur, dass wir kommen. Ich glaube zwischen ihm und Bea das ist was ernsteres, wenn er sich so von ihr beeinflussen lässt.“, erzählt er im Plauderton und lehnt sich gegen den Türrahmen.
Mir wird schon wieder schlecht. Ich versuche es zu ignorieren, denn Ich weiß immer noch nicht genau, was mit feiern jetzt eigentlich gemeint ist.
“Matze, was meint er mit feiern?“, frage ich gereizt und versuche ihn in Grund und Boden zu starren. Wenn er so weiter macht, dann ist vielleicht doch er der Funke.
“Na feiern halt! Du weißt schon Musik, Alk...Party halt! Mit ein paar Leuten aus seiner und meiner Stufe und uns halt!“
In mir dreht sich alles.
“P-Party?“, krächze ich und greife intuitiv zum Tisch neben mir um mich festzuhalten.
“Genau, eine Party! Zu seinem neunzehnten und bei sich zu Hause! Seine Elis sind noch im Urlaub!“, erklärt er und schiebt noch irgendetwas hinterher.
Doch das geht durch das Rauschen in meinen Ohren unter.
Lo will eine Party feiern…Lo, der es hasst, wenn zu viele Leute bei ihm zu Hause sind.
Lo, der sich nichts aus seinen Geburtstagen macht.
Lo, den ich in meinen Träumen nie gefunden habe.
Ich habe Angst.
xXx
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft
~
So...ich hoffe...ihr hasst Lo jetzt net x.x" Und ich hoffe es ist deutlich geworden, dass Finn ein absolut fettes Brett vorm Kopf hat, auch wenn er sonst sehr sensibel ist (wie Jonas behauptet)...
Bin ehrlich gespannt was ihr dazu sagt!
C & C please x3
lg
Schwarzfeder
Keine Antwort...ist auch eine Antwort
Okay...ganz zu Anfang...das Chap ist kurz...aber irgendwie...passte es grade und ich sage jetzt mal ganz dreist, das liegt daran, dass das vorherige so lang ist außerdem liegt ja angeblich in der Kürze die Würze!
Bin gespannt was ihr dazu sagt!
@Inan: Ich bin ehrlich gespannt was du am Ende der FF zu Bea sagst! Du bist (offensichtlich xD) nicht allein mit deiner Meinung über Bea, aber ich bin echt gespannt ^^
@Zuecho: Tja...ich hab jetzt mal einfach was beschlossen! Guck mal in die Steckbriefe! Ach und Antwort bekommst du noch müsste die Woche endlich etwas mehr Luft haben ^^" (sieh es ein bisschen als Entschädigung ;D)
@
Karma: Tut mir Leid, ich hoffe du bist diesmal nicht auch nahe am Wasser gebaut >x<" Aber naja...wie auch bei den anderen...bin gespannt was ihr am Ende über Bea sagt xD Jedenfalls hoffe ich, dass du mich nicht mit Keksentzug strafst! Weil ich...ich will doch den Keks *sniff* (Guck mal bei Jonas im Stecki vorbei!)
@Missie: Danke für deinen Kommi, und naja...versuch einfach bis zum Ende durchzuhalten, dann siehst du es selbst ^^"
@abgemeldet: Danke für deinen Kommi! Freut mich, dass dir die Story so gut gefällt! Ich werde mich bemühen so schnell wie möglich weiter zu schreiben!
@abgemeldet: Mal so nebenbei ich find den Namen klasse ^o^ Und Danke für deinen Kommentar, hab mich super drüber gefreut!
~
Keine Antwort...ist auch eine Antwort
xXx
Ich bin müde.
Fürchterlich müde. Seit der Horrornachricht von Matze sind zwei Tage vergangen in denen ich nachts nicht länger als eine Stunde durchschlafen konnte und tagsüber nichts ordentlich auf die Reihe bekommen habe.
Mein Zimmer sieht aus als ob die Hunnen durchgerannt wären und noch dazu…habe ich Lo nicht gesehen.
Ich werde noch verrückt, garantiert.
Jedenfalls bin ich mir da sicherer, als dass ich irgendwann noch mal über die Note ausreichend hinaus eine Französischklausur schreiben werde. Denn die halte ich grade in der Hand, neben den ganzen anderen Schulsachen. Momentan hab ich vor lauter Frustration das Bedürfnis alles einfach durchs Zimmerfenster segeln zu lassen, wo es dann mit dem ganzen anderen Sperrmüll in drei Stunden abgeholt wird, allerdings bin ich mir leider auch sicher, dass meine Ma diesem Vorhaben nicht ganz so wohl gesonnen gegenüberstehen würde wie ich gerade in diesem Augenblick.
“Bist du fertig, Finn?“
Wie war das noch?
Wenn man vom Teufel spricht…oder auch nur denkt.
“Nein, Ma!“, grummle ich und werfe die Hefte unsanft in den nächsten Karton.
“Mensch Finn! Jetzt mach doch endlich mal schneller! Morgen früh kommt der Umzugswagen und den Sperrmüll nachher sollst du auch helfen mit weg zu bringen!“
“Ich dachte, die holen das Zeug ab?“
Nun wirklich irritiert sehe ich auf und blinzle meine Mutter an.
“Ja, das war bevor dein Vater zu der Überzeugung gekommen ist, so Geld zu sparen, Schatz! Und jetzt beeil dich bitte, okay?“
Mehr als ein schwaches, “Okay...“, bekomme ich nicht zustande.
Kann es sein, dass irgendwer mich irgendwie unglaublich hasst?
xXx
“Finn, jetzt mach doch mal hin!“
“Ja doch!“, murre ich und nehme wieder Schwung. Nachdem mein Bruder und ich als verkappte Müllmänner eingesetzt wurden, war mein Vater überzeugt davon, dass frische Luft und Bewegung uns ja gut tun würde und hat uns mit den Skateboards los geschickt.
Pah, als ob ich blind wäre.
Jonas vielleicht, aber ich nicht.
Er hatte im Auto einfach nur keinen Platz mehr.
Jonas quatscht mich von der Seite voll, doch nicht eins seiner Worte dringt wirklich zu mir durch. Ich hab das Gefühl im Nebel zu stehen und irgendwie will ich mich einfach nur in meinem Bett verkriechen und meine Decke über den Kopf ziehen.
Und blöderweise hab ich nur noch eine Matratze.
Mein Bett liegt in Einzelteilen im Flur.
Mir geht es einfach dreckig und ich weiß noch nicht einmal weshalb.
Denn eigentlich hab ich zu so einer miesen Stimmung gar keinen Grund.
Meine Mutter ist zwar schwanger, aber stören tut mir das eigentlich nicht.
Ist ja ihre Sache. Sie schiebt die Kugel neun Monate mit sich rum!
Wir ziehen zwar um, doch nur zwei Straßen weiter.
Aber irgendwie hab ich das Gefühl die Welt wird untergehen.
Schwer seufzend hole ich wieder Schwung und biege mit Jonas in die Straße ein, in der ich ein gutes Stück weiter unser Auto stehen sehe. Das mein Vater schon da sein würde war mir klar, doch das er vor der Müllverbrennung auf uns warten würde nicht.
Tief seufzend reibe ich mir über die Augen und lasse mein Board dann ausrollen.
“Wir müssen noch 10 Minuten warten!“, sagt mein Vater zur Begrüßung. Ich verstehe zwar nicht weshalb, aber ich hab auch einfach keine Lust zu fragen, nicke einfach nur und bleib
Irgendwie immer noch genauso müde wie noch heute Morgen nach dem aufstehen hocke ich mich hin und lehne mich gegen die Beifahrertür.
Meine Arme lege ich auf den Knien ab und mein Kopf landet auf den Armen. Nicht die bequemste Position für eine kleine Mütze Dösen – schlafen schaff ich in der kurzen Zeit wohl nicht – aber ich nehme was ich kriegen kann.
“Da bin ich schon! Sorry, das ihr warten musstet.“
Es ist wie ein Stromschlag.
Plötzlich bin ich hellwach und mein Blick klebt magnetisch an...Lo.
Was macht er hier?
Wieso ist er hier?
Wieso hat mir keiner gesagt, dass er auch kommt und verdammt noch mal wieso rennen plötzlich wieder Ameisen durch meine Eingeweide?
“Kein Ding, dann sollten wir jetzt rein, Finn steh auf, sonst kann ich nicht weg fahren!“ Vaters Stimme hallt nur dumpf in meinen Ohren.
Immer noch hypnotisiert starre ich Lo an.
Ich muss irgendetwas auf den Schädel bekommen haben.
Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb er mir vorkommt wie eine Erscheinung...eine schöne...Erscheinung.
Oh Gott!
Wo kommen diese Gedanken her?
Ich spüre, wie ich allein wegen meiner Gedanken rot anlaufe und einfach nichts dagegen machen kann. Genauso wenig wie gegen meine akute Erstarrung, die sich einfach nicht lösen will.
Hilf mir doch jemand, verflucht noch mal!
“Finn, bist du festgewachsen?“
Ich wusste es. Auf Jonas kann man sich dann doch verlassen. Er grapscht einfach nach meiner Hand und zieht mich auf die Füße wodurch mein Salzsäulengehabe doch noch bedingt abfällt.
“N-Nein...“, nuschel ich mürrisch und senke verlegen den Blick.
Anscheinend hab ich meine Courage heute Morgen auch im Bett vergessen, irgendwas ist anders, aber da muss ich wohl durch.
Lo lacht leise und wieder wird mein Blick magnetisch von ihm angezogen.
“Hey, so lange haben wir uns jetzt auch wieder nicht nicht gesehen!“, meint er scherzhaft und...zerwühlt mir meine Haare.
Ich glaub ich muss nicht zum Arzt sondern in die Notaufnahme.
Akute Atemnot, gekoppelt mit Herzrasen und Schweißausbrüchen.
Was macht er mit mir?
Bevor ich oder auch nur irgendetwas mir Antwort darauf geben kann oder ein Krankenwagen gerufen werden kann, lässt mein Vater den Wagen kläglich absaufen und lenkt Jonas und Lo durch das undefinierbare Geräusch zum Glück von mir ab.
Bewusst kann ich die drei nicht reden hören.
Wieder klingt alles wie durch Watte, allerdings ist da plötzlich dieses Gefühl, dass alles in Ordnung ist.
Ich verstehe mich selbst nicht mehr.
Was hat das mit Lo zu tun?
xXx
“Einmal noch Zähne zusammenbeißen!“, nuschelt Lo und ich nicke einfach nur.
Mittlerweile ist es so spät, dass es draußen schon lange dunkel ist. Allerdings fühle ich mich nicht in der Lage zur Uhr zu sehen. Die Uhrzeit würde ich mir wahrscheinlich eh nicht länger als zwei Sekunden merken können
Ich bin viel zu wuschig und unkoordiniert für die einfachsten Sachen.
Schon allein, dass ich auf dem Wannenrand in unserem alten Bad sitze und Lo mir Holzspäne aus der Hand zieht, sollte für sich sprechen.
Im Nachhinein habe ich erfahren und mir sogar merken können, dass Jonas heute Vormittag irgendwann mit Lo telefoniert und der seine Hilfe angeboten hat. Deshalb war er auch da! Und deshalb hatte mein Paps gesagt wir müssten zehn Minuten warten.
Vielleicht hätte ich mich doch mehr bemühen sollen zuzuhören. Dann hätte es mich vielleicht nicht so erschlagen. Was auch immer es eigentlich genau ist.
Jedenfalls hätte ich mir dann wohl auch nicht in einer selten dämlichen Aktion gefühlte fünfzig Späne in die Hand gejagt, weil ich einfach nicht registriert habe, dass mein Vater uns Handschuhe geben wollte.
Andererseits würde Jonas jetzt nicht mit meinem Vater als eine Art Trostpflaster Pizza besorgen und...Lo würde nicht hier vor mir sitzen und an meiner Hand rum fingern.
Ich gebe unumwunden zu, dass sich das voll bescheuert anhört. Aber anscheinend bin ich nun mal bekloppt geworden und deshalb...was soll’s?
Ein schiefes Grinsen huscht mir über die Lippen.
“Danke!“, nuschel ich, als Lo sich triumphierend aufrichtet und den letzten kleinen Holzspan hochhält.
“Kein Problem, aber das nächste mal nimm wirklich lieber Handschuhe!“, meint er grinsend und ich lache leise. Seitdem ich irgendwann zwischen der Standpauke von meinem Vater und der meiner Mutter akzeptiert habe wohl verrückt geworden zu sein, kann ich wieder völlig normal mit Lo reden. Glaub ich jedenfalls.
Das einzige was noch seltsam ist, sind Jonas Blicke, aber wenn er etwas hat, wird er es mir bestimmt sagen.
“Wird ich machen, aber ich hoffe, so schnell zieh ich nicht wieder um!“, gebe ich grinsend zurück und angle nach den Pflastern.
“Kommst du Samstag?“ Seine unvermittelte Frage lässt mich kurzzeitig wieder erstarren.
Für Sekundenbruchteilen zieht wieder dieses ungute Gefühl durch meinen Bauch, doch es verschwindet auch genauso schnell wieder und ich nicke.
“Ja, hatte ich vor. Schließlich wirst du neunzehn, du alter Sack!“, sage ich stichelnd und grinse ihn an.
Lo schweigt kurz und sieht mich einfach nur an, doch bevor ich auch nur erahnen kann, was er denkt, grinst er zurück.
“Super, freut mich.“, sagt er und greift seinerseits nach einem Pflaster.
Ich lächle leicht und klebe mir das erste Pflaster auf einen größeren Riss. Eigentlich bin ich eher für das Prinzip An-der-Luft-heilen-lassen, doch Pizza wird nun mal mit den Fingern gegessen und Fett brennt dann doch zu sehr und auf eine Entzündung hab ich dann auch keine Lust.
“Sag mal...das mit Bea...“, fange nun ich leise an und sehe dabei zu wie Lo mir das ausgepackte Pflaster um den Ringfinger wickelt. Er scheint kurz zu stocken, doch es kann auch Einbildung sein, denn er nickt einfach nur und greift dann direkt zum nächsten Pflaster.
“Ist das...was ernsteres?“, frage ich noch leiser und bin irgendwie unglaublich gespannt auf die Antwort.
Sein Blick ist musternd und fragend, als er den Kopf hebt und mich ansieht.
“Wieso?“, fragt er nun selbst leise und ich seufze.
“Naja...weil...du magst es eigentlich nicht Partys zu geben! Du bist zwar immer dabei, wenn jemand anderer eine schmeißt aber selbst...magst du es ja nicht...und Matze meinte Bea hätte dich auf die Idee mit der Party gebracht...und deshalb...na ja...“
“Würde es dich stören?“, fragt er darauf und wickelt das nächste Pflaster um meinen kleinen Finger.
Ich schweige kurz.
Mir liegt eine Antwort auf den Lippen, die ich selbst nicht verstehe. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Nachdenklich zucke ich dann mit den Schultern.
Tief seufzend lege ich den Kopf in den Nacken und starre an die Decke.
“Ich weiß nicht...vielleicht...“, gebe ich dann doch offener zu, als ich es mir selbst grade eben noch zugetraut hätte und grinse ihn schief an.
Wieder kann ich seinen Blick nicht lesen. Er sieht mich einfach nur stumm an.
Eigentlich sollte mich der Blick nerven oder so.
Doch jetzt grade...bringt er mich einfach nur leicht zum lächeln.
Schon seltsam.
“Ich...Ich kenne sie nicht...und irgendwie...sie scheint zwar nett zu sein, aber im Möbelgeschäft...ich hatte das Gefühl: Ich kann sie nicht ausstehen. Ich weiß, das ist nicht unbedingt fair. Aber...es ist einfach so. Ich will sie dir aber jetzt auch nicht madig machen oder ausreden oder so. Wenn du sie magst, ist das schließlich deine Sache...“, schiebe ich etwas hastiger hinterher und seufze wieder.
“Denk ich jedenfalls!“, murmle ich dann irgendwie verlegen und senke den Blick.
Die schneeweißen Pflaster leuchten mir unschuldig entgegen und irgendwie sehe ich grade lieber das stechende weiß an, als Lo.
Ich weiß nicht wie er darauf reagieren wird.
Weil wir irgendwie nie wirklich über so was wie Beziehungen, Mädchen und…Liebe gesprochen haben. Nur mal angerissen, als das mit Lasse und Jonas losging, aber weil wir beide kein wirkliches Problem damit hatten sind wir auch nicht weiter drauf eingegangen.
Diese Situation jetzt...ist völlig neu für mich.
Und Lo schweigt immer noch.
Durch die Badtür dringt dumpf das Geräusch der schließenden Wohnungstür und Jonas ruft durch die Wohnung, dass die Pizzen da sind doch Lo sagt nichts.
Dann spüre ich unvermittelt seine Hand, die mir einmal sanft durchs Haar streicht.
“Lass uns essen gehen!“, sagt er leise und steht auf.
Jonas sagt immer keine Antwort ist auch eine Antwort.
Aber irgendwie tut diese Antwort mehr weh, als wenn Lo Ja gesagt hätte.
xXx
Keine Antwort...ist auch eine Antwort
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So...das war es auch schon wieder!
Im nächsten Kapitel geht es dann auch endlich um die Party!
Ich hoffe es hat unterhalten und bis zum nächsten Mal ^^"
C & C please x3
lg
Schwarzfeder
Definition: Alptraum...und dann sagen Betrunkene auch noch die Wahrheit!
So...das Kapitel ist lang...jedenfalls deutlich länger als das letzte aber ich wollte keinen Cut da irgendwo machen, dafür ist der jetzt so passend ^^" (Allerdings werdet ihr mich wohl eher verfluchen >//<°)
Dieses Kapitel ist fürKarma, weil ich es einfach nicht lassen konnte und auch nicht anders weiß, wie ich Danke sagen kann *//*
@Missie: Ich würde sagen...Beide xD
@ Zuecho: Tja, ich hab mich so beeilt wie möglich...und ich hoffe es gefällt dir! Matze hat diesmal auch etwas mehr zu sagen ^.~
@
Karma: Hah~ du bist mir heute zuvor gekommen xD Aber böse bin ich darum nicht ich freu mich ja ^^ Jedenfalls hoffe ich, dass die das hier...auch gefällt aber bitte lass mir die Kekse >//<°° *sich duck* Übrigens hat Jonas noch mal einen entscheidenen Part!!
@abgemeldet: *blush* Danke schön ^//^ und willkommen hier xD Nja, freut mich, dass du Finn so magst und so mitfieberst und ich hatte wirklich in gewisser Weise...naja Freude (Finn leiden zu lassen ist kein Spaß *drop*) beim schreiben, danke ^^
@abgemeldet: Die Bezeichnung fiel mir spontan beim schreiben ein, als ich mal einen Blick neben meinen Schreibtisch geworfen habe...hätte ich vielleicht nicht machen sollen -.-" *aufräumen muss* Jedenfalls geht es diesmal um die Party!
@abgemeldet: Danke, für deinen Kommi! Ich freu mich auch über den einen, schließlich hab ich ja Resumée bekommen ^.~ Nja, bezogen auf Lo und seine Hilfe! Teils wird es ja hier schon aufgelöst und er war so gesehen auch nur einen Nachmittag nicht da! Weshalb er - für sich wohlgemerkt untypisch - doch zum Date gegangen ist, wird noch aufgelöst, wenn auch später. Jedenfalls freu ich mich, dass ich dich mit meiner Geschichte so mitreißen konnte ^^
@ all: Danke, dass ihr so fleißig lest und kommentiert, das freut mich wirklich wahnsinnig. Ich hoffe dieses Kapitel sagt euch auch zu und ich bin ehrlich sehr auf eure Reaktionen gespannt! So jetzt aber genug der langen Vorreden:
~
Definition: Alptraum...und dann sagen Betrunkene auch noch die Wahrheit!
xXx
Nachdem Lo mir so offensichtlich nicht antworten konnte oder wollte oder was auch immer, ist nichts mehr wie vorher.
Gar nichts mehr.
Und das macht mich fertig!
Nachts kann ich kaum noch schlafen, denn plötzlich mischt sich auch noch Bea mit in den Traum und trotzdem komme ich nie bis in Los Zimmer vor.
Zwar kommt der Traum insgesamt eigentlich gar nicht mehr so oft, doch allein diese Ungewissheit ob ich träumen werde und was, lässt mich nicht einschlafen.
Deshalb ist schon allein durch meine Erschöpfung der Umzug die pure Hölle.
Wir haben zwar erstaunlicherweise zum umfallen viele Helfer, aber besser macht es das nicht.
Wenn man nämlich das Bedürfnis hat sich in seinem Bett zu verkriechen und zu heulen und vielleicht sogar den Wunsch hegt zu sterben, dann ist das letzte was man möchte viele Leute um einen rum wuseln zu haben.
Und genau das habe ich momentan.
Was dem ganzen Mist die Krone aufsetzt ist, das unzähmbare Gefühl, dass Lo mir aus dem Weg geht, aber ich bin mir selbst nicht sicher, ob das jetzt stimmt oder ob ich mir das einfach nur einbilde.
“Finn?“
Erschrocken zucke ich zusammen und sehe Jonas an, der gerade wieder aus dem Haus kommt, dass ich seit…keine Ahnung wie lange eigentlich, einfach nur anstarre.
Sag ich ja, ich bin völlig neben der Spur!
“Finn, du bist immer noch so blass! Du solltest dich ausruhen!“, sagt er leise und trotzdem kann ich die Sorge heraus hören. Mir ist klar, dass Jonas sich vielleicht sogar besser als ich zusammenreimen kann, weshalb ich so blass bin, aber helfen tut mir das ja eh nicht!
“Und wo? Jonas, ich komm noch nicht einmal ins Zimmer rein.“, versuche ich ihn abzuwimmeln und drehe mich jetzt vom Haus weg um den nächsten Karton aus dem Kleintransporter zu holen.
Papa hat für heute zwei von den Dingern gemietet und wir arbeiten in zwei Schichten. Der Umstand hat es irgendwie ergeben, dass Lasse und Lo drüben bei der alten Wohnung Kartons herunterschleppen und wir hier, bei der neuen Wohnung hoch.
Ich weiß nicht ob mir das Recht ist, oder nicht.
“Jonas hat aber Recht, Finn!“, mischt Matze sich plötzlich ein und springt von der Ladefläche. Ich hab ihn gar nicht bemerkt.
Lucie kümmert sich mit meiner Mutter um irgendwas angeblich furchtbar wichtiges und eigentlich wollte Matze doch mit, oder hab ich einfach wieder etwas nicht richtig mitbekommen?
Bestimmt!
“Du könntest doch bei Herrn Ritter nachfragen, ob du dich kurz bei ihm ausruhen kannst! Er hat seine Hilfe doch schon angeboten!“, schlägt er dann auch noch direkt vor und ich schnaube.
“Ich kann doch nicht einfach bei unserem Vermieter anklingeln um mich auszuruhen!“
“Doch, kannst du, Matze hilf mir mal!“, meint Jonas plötzlich und greift nach meinen Armen.
Bevor ich überhaupt protestieren kann, hocke ich auch schon auf Matzes Rücken und die beiden schleifen mich die Treppen hoch.
Na wunderbar.
Und als ob sich alle gegen mich verschworen hätten hocke ich zehn Minuten später nach eigentlich sinnlosen Protesten bei Herrn Ritter auf der Küchenbank und seine Frau kocht mir einen Tee.
Anscheinend muss ich wirklich scheiße aussehen, denn mit nur einem Blick in mein Gesicht hat Frau Ritter mich direkt einfach mit einem, “Aber natürlich! Macht euch keine Sorgen ich päppel ihn schon etwas auf!“, mit in die Wohnung gezogen. Sie scheint einer dieser überbesorgten Frauen zu sein.
Meine Mutter kann das auch.
Wenn auch nur einer niest kann es passieren, dass man sich mit Wärmflasche, Erkältungstee und Fieberthermometer im Mund im Bett wieder findet.
“Möchtest du Zucker in den Tee, mein Junge?“ Aus meinen Gedanken gerissen zucke ich zusammen und nicke dann leicht.
“Ja, bitte!“, antworte ich doch noch – meine Höflichkeit hab ich dann zum Glück doch noch nicht woanders geparkt.
Sie lächelt mich an und stellt mir eine große Tasse dampfenden Pfefferminztee vor die Nase. Dann schiebt sie ein Döschen Kandiszucker zu mir und mit einem leisen, “Danke“, nehme ich mir drei Stückchen.
Ich mag Kandiszucker.
“Gern geschehen. So ein Umzug kann aber auch ganz schön anstrengend sein. Bist du schon mal umgezogen?“, fragt sie direkt und ich muss leicht lächeln.
“In gewisser Weise schon! Allerdings war meine Mutter da grade mit mir schwanger, also erinnern kann ich mich nicht daran.“, erkläre ich und schaue dem Zucker beim auflösen zu.
Irgendwie würde ich jetzt gerne schlafen.
Frau Ritter lacht leise und sieht auf, als ihr Mann die Küche betritt.
“Hallo Finn!“, begrüßt er mich, alles andere als verwundert, das ich hier sitze. Vermutlich hat er Jonas oder Matze oder sogar beide im Hausflur angetroffen, die ihn unter Garantie aufgeklärt haben.
“Hallo, Herr Ritter!“, murmle ich zurück und bring sogar ein Lächeln zu Stande.
Irgendwie mag ich die beiden sehr.
Vor allem, weil sie mich die nächste halbe Stunde einfach in Ruhe auf ihrer Bank in der Küche sitzen lassen, ohne mir das Gefühl zu geben ausgeschlossen oder nicht willkommen zu sein.
Sie sind wirklich nett.
“Sag mal...hast du Liebeskummer, mein Junge?“
Verdattert blinzelnd sehe ich von der Tasse auf.
“Wieso?“, frage ich irritiert und Frau Ritter lächelt sanft.
“Na ja, mein Sohn, er wohnt mittlerweile in Hamburg, hat auch immer so niedergeschlagen ausgesehen, wenn er Liebeskummer hatte.“, erklärt sie und setzt sich neben mich.
Ich kann nicht anders, als sie weiter einfach anzublinzeln.
Dann schleicht sich mir ein schiefes Grinsen auf die Lippen.
“Aber für Liebeskummer müsste ich erst einmal verliebt sein!“, gebe ich zur Antwort und nehme den letzten Schluck Tee.
“Achso? Ich hätte wetten können, du hast Liebeskummer.“, meint sie und lacht freundlich.
Ich mag ihr Lachen.
Irgendwie reizt es mich mit zu lachen.
Auch wenn immer noch nicht weiß, was ich habe.
Denn Liebeskummer kann es schlecht sein. Schließlich bin ich ja gar nicht verliebt!
In wen auch?
xXx
“Du kommst aber auch wirklich nach?“, fragt Jonas zum gefühlten 100sten Mal und ich stöhne entnervt.
“Wie oft denn noch? Ja, ich komme nach! Wenn du nicht so lange das Bad blockiert hättest, dann könnte ich jetzt mit dir und Lasse mitfahren, du Nudel.“, gebe ich zur Antwort und halte meine Socken davon ab auf den Boden zu segeln.
Irgendwie nervt Jonas grade wieder mal ein großes bisschen. Mein genervter Blick scheint wohl wenigstens Lasse zu erreichen, denn er legt seinem Freund und somit meinem Bruder eine Hand auf die Schulter.
“Jonas, jetzt lass ihn duschen gehen, wir müssen noch Matze aufgabeln!“, versucht er ihn abzulenken und es scheint sogar zu klappen, denn Jonas nickt, wenn auch seufzend.
“Na gut, aber wenn du um neun noch nicht da bist, dann hol ich dich eigenhändig ab!“, droht er dann doch noch.
Mehr als ein Knurren hab ich dafür aber nicht übrig. Jonas ist und bleibt dann doch immer noch die Dramaqueen.
Ich weiß zwar weshalb er so ist, schließlich hab ich ihm ja von meinem Alptraum erzählt und ich glaube, wenn er nicht diese fast beängstigenden Parallelen sehen und ziehen würde, wäre ich es der Panik schieben würde. So gesehen kann ich ihm eigentlich dankbar sein da er es quasi für mich macht, aber nerven tut es trotzdem tierisch.
Und wenn ich das richtig sehe findet auch Lasse das alles etwas sehr übertrieben. Allerdings weiß er wiederum nichts von dem Traum.
Muss er auch nicht wissen.
“Und du gehst jetzt auch nur duschen und machst dich auf den Weg! Finger weg von den noch nicht ausgepackten Umzugskartons und allem anderen, das auch nur entfernt nach Ordnung machen aussieht, verstanden?“
“Sag mal hast du jetzt Mamas Rolle übernommen, oder was? Matze wartet, zieh ab, ich komme schon nach!“, fauche ich nun doch etwas ungehalten und schiebe ihn in Richtung Haustür.
Der ist ja grade echt schlimmer als unsere schwangere Mutter, die sich ja selbst verhält wie ein verrückter Alien.
Lasse lacht leise und greift nach Jonas Jacke.
“Geh einfach duschen Finn, ich mach das schon!“, meint er beruhigend und schiebt nun mich in Richtung Bad.
Ich sehe ihn ungläubig an, seufze grottentief und schüttle leicht den Kopf.
“Wie du es mit ihm aushältst frag ich mich immer wieder!“, nuschle ich und verschwinde dann im Bad. Einen Vortrag von Jonas von wegen man müsste ihn nicht aushalten muss ich mir jetzt nicht mehr geben.
Da hab ich schlichtweg keinen Nerv zu!
Ich drehe den Schlüssel in der Tür zweimal rum und stapfe weiter zur Dusche.
Ein Vorteil der neuen Wohnung, Dusche und Wanne sind getrennt!
Insgesamt ist das Bad um einiges größer.
Dafür hat es aber auch einiges mehr an Nerven gekostet. Es ist zwar jetzt fertig eingerichtet, im Gegensatz zum Rest der Wohnung, aber daran will ich jetzt auch nicht mehr denken.
Ich drehe die Musik, die Jonas einfach angelassen hat etwas lauter und lasse meine Klamotten auf die Fliesen fallen.
Auch wenn Jonas gedroht hat mich eigenhändig einzusammeln, sollte ich um neun immer noch nicht bei Lo aufgekreuzt sein, werde ich mir alle Zeit der Welt lassen.
Vielleicht kommt ja so doch alles anders als ich insgeheim befürchte.
xXx
“Hey Finn, da bist du ja endlich!“
Erschrocken fahre ich zusammen und wirble herum. Mein Herz rast spontan mit dem doppelten Tempo und ich starre Matze einfach nur verschreckt an. Er blinzelt mich seinerseits verdutzt an und hindert mit einem Fuß mein Skateboard daran einen Abgang in den Pool zu machen.
“H-Hi!“, krächze ich und bücke mich fahrig danach um einfach die Situation, die mir wie ein verdammtes Déjà-vu vorkommt, zu ändern.
“Alles okay?“, fragt Matze besorgt und ich atme einmal tief durch und nicke dann leicht.
“Ja, klar schon gut!“, wiegle ich ab und greife einfach nach Matzes Glas. Mir vollauf bewusst, dass er irgendetwas Hochprozentigeres im Glas hat, als ich eigentlich konsumieren darf, kippe ich den kompletten Inhalt meine Kehle hinunter und verziehe leicht das Gesicht.
“Fi-Finn! Das war-“
“Egal, wo sind die anderen?“, frage ich rau und bin jetzt schon stolz auf mich! Das ist generell überhaupt das erste Mal, dass ich etwas anderes als den alljährlichen Sylvestersekt trinke und dann scheint es auch wirklich anders zu laufen. Denn Lucie steht gar nicht neben Matze.
Ich könnte jubeln, wenn mein Hals nicht wie Feuer brennen würde.
“Ich denke drinnen! Lucie wollte sich noch was zu trinken holen und Jonas und Lasse quatschen mit einem aus dem Park…ich glaub Liah heißt der!“, erklärt er dann und mustert mich immer noch etwas skeptisch.
Dann seufzt er und legt seinen Arm um meine Schultern.
“Hast du schon was gegessen?“, fragt er und beginnt mich Richtung Haus zu bugsieren.
“Ne, weshalb?“
“Weil du wohl besser was essen solltest, ich hab auch Hunger! Komm mit!“
Eigentlich will ich nicht.
Denn eigentlich hab ich keinen Hunger.
Eigentlich würde ich jetzt am liebsten Lo suchen um ihm zu gratulieren, denn ich hab es heute noch nicht geschafft ihn anzurufen und ab Nachmittag war er eh nicht zu erreichen.
Aber ich will einfach nicht wissen, was hinter dieser Tür ist.
Und wenn ich den ganzen Abend irgendetwas anderes machen muss, ich werde garantiert nicht auch nur in die Nähe der Treppe kommen.
xXx
Zwei Stunden später sitze ich auf der Couch zwischen Matze und Lucie und mein Blick klebt grade zu an dieser verfluchten Treppe.
Aber das liegt nur an dieser blöden Schnepfe von Bea Schlagmichtot…ich hab ihren Nachnamen schon wieder vergessen. Denn im Gegensatz zu Lo ist sie mir vor einiger Zeit über den Weg gelaufen und hat mich erschreckend begeistert begrüßt und sich absolut formvollendet vorgestellt und mir erzählt wie toll sie es doch findet mich endlich kennen lernen zu können.
Ich hätte sie am liebsten mit meinem Gürtel erwürgt.
Ich hätte dafür sogar in Kauf genommen, meine Hose von der Hüfte zu verlieren. Denn dummerweise können die Röhrenjeans noch so eng sein, an der Hüfte sind sie mir einfach immer zu weit.
Und hätte Jonas, der mir einen fast schon so offensichtlich mahnenden Blick zugeworfen hat, nicht eingemischt, dann wäre Bea wohl nicht mit Lo vor einer gefühlten Ewigkeit nach oben verschwunden.
Und scheiße verdammt.
Es frustet mich so sehr, dass ich bis jetzt nur mal kurz Los Rücken gesehen habe und dann auch noch Beas Aggressionsförderndes Grinsen.
Aber ich traue mich einfach nicht jetzt auf zu stehen und diese blöde Treppe hoch zu stapfen.
“Finn?“
Mein Blick fliegt nun doch zu Matze, weil ich mich irgendwie ertappt fühle.
Denn...Teufel noch eins.
Aus irgendeinem Grund sieht er ständig unglaublich amüsiert aus, wenn es um mich geht oder ich irgendetwas sage, egal ob es jetzt mal wieder absolut stumpfsinnig ist, weil ich nicht mitbekommen habe, worüber sie gesprochen haben oder es sogar in gewisser Weise produktiv für was auch immer ist.
“Was denn?“
“Willst du nicht lieber nachgehen?“
“Nein!“
Das war zu schnell. Zu heftig und zu auffällig.
Aber rückgängig kann ich das jetzt nicht machen.
Ich weiß nicht was ich jetzt eigentlich verraten habe, aber Matze kichert und Jonas seufzt tief.
Beleidigt verschränke ich die Arme und starre auf meine Knie.
“Bist du dir sicher, Finn?“, fragt Matze nun unverholen triezend und ich funkle ihn böse an.
“Ja, und jetzt halt die Klappe!“
“Sonst was?“, stichelt er weiter und lässt seine Eiswürfel klirren.
Matze ist ein Idiot.
Denn seine Idiotie ist ansteckend.
Jedenfalls bringt er mich auf dumme Ideen.
Bevor ich überhaupt noch weiterdenken kann, greift meine Hand selbstmörderisch einfach zu, nimmt ihm sein Glas weg und plötzlich spüre ich nur wieder wie vorhin dieses brennen in der Kehle.
“Sonst das!“, huste ich mir zusammen und gebe ihm sein nun bis auf die Eiswürfel geleertes Glas zurück und stehe auf.
Ich bin so ein Trottel!
“Finn, du Idiot!“
Jonas springt auf, klettert über Lasse hinweg und zieht mich von den anderen weg. Ich kann sehen, dass er sauer ist. Aber ich bin ja selbst sauer auf mich und ich weiß einfach auch generell nicht mehr wohin mit meinen bescheuerten Gefühlen, die ich ja noch nicht einmal definieren kann.
Was erwarten die dann bitte von mir?
Was erwartet denn dann bitte Jonas von mir?
Ich bin erst 16 und anscheinend hab ich die Weißheit nun mal auch nicht mit Löffeln gefressen. Und wenn Jonas weiß, was mit mir los ist, soll er mir einfach nur helfen und sagen was Sache ist.
Blöderweise werfe ich ihm nicht einen dieser Gedanken vor sondern greife mir einfach nur an den Kopf.
“Finn, es bringt nichts sich jetzt hier zu betrinken. Wenn du so eifersüchtig bist, dann schmeiß deine Angst über Bord und geh hoch! Bei der Gelegenheit, kannst du Lo ja dann auch endlich sein Geschenk geben.“, zischt er mich an und deutet neben sich die Treppe hoch.
Ich merke jetzt erst, dass er mich mit in den Flur gezogen hat, in dem kaum jemand steht, weil die Party entweder im Garten oder im Wohnzimmer gefeiert wird. Selbst ohne Gastgeber.
“Jonas, ich geh da nicht hoch, das kannst du vergessen und jetzt lass mich!“
“Nein, ich lass dich jetzt nicht! Verdammt, merkst du eigentlich, dass du dich immer mehr bestimmen lässt? Lo ist nicht der einzige der sich verändert hat. Du hast dich auch verändert! Und zwar zum wesentlich schlechteren. Wo ist der kleine Bruder hin, der alles mitgemacht hat und etwas riskiert hat? Wo ist der Finn, der mal eben einfach eine Wohnung für uns besorgt hat? Finn, wo bist du? Alles was grade vor mir steht ist ein zitterndes, kleines Kind, dass sich vollkommen von seiner Angst bestimmen lässt und das wegen einem Traum!“
Ich schlucke hart.
Mehr bekomme ich nicht hin.
Denn je tiefer sich Jonas Finger in meine Brust bohrt, während er mich so zur Sau macht, desto bewusster wird mir auch, dass er verdammt noch mal Recht hat.
“Ich weiß, dass du nicht so bist wie ich. Aber auch wenn du nicht so bist, wie ich, bist du eigentlich auch nicht so, wie du jetzt gerade bist. Finn, wag es doch einfach! Wag es einfach und egal wie es auch ausgehen mag, ich verspreche dir, dass ich dich auffange, okay?“
Plötzlich klingt er wieder so sanft und patscht mir schief lächelnd auf den Kopf, so dass mir wieder mal ein Kloß im Hals sitzt.
Gott, hab ich einen tollen großen Bruder.
Einfach einem Impuls folgend schlinge ich meine Arme um seinen Hals und drücke ihn an mich.
“Danke!“
“Schon Gut! Und jetzt hopp, hol dir Lo einfach zurück!“
Ich weiß zwar nicht was genau er damit eigentlich meint, aber ich nicke trotzdem.
Grinsend.
Dann lasse ich Jonas wieder ganz los und klettere über die Absperrung. Mit jeder Stufe die ich nach oben nehme, spüre ich zunehmend wieder diese nur zu gut bekannte Nervosität und auch wenn sie mir so Angst einflößend bekannt vorkommt, kann ich nicht anders als weiter zu gehen.
Der Flur oben ist dunkel.
Die Musik von unten dröhnt hier oben etwas, doch mein Herzschlag und mein in den Ohren rauschendes Blut, dröhnt noch so viel mehr.
Und mit jedem Schritt näher zu Los Zimmertür wird es lauter.
Ich versuche zu schlucken, komme mir selbst kurz zeitig total albern vor.
Doch gegen meinen Körper komme ich selbst einfach nicht mehr an.
Das brennen in der Kehle vom Alkohol ist nun ganz weg. Übrig ist nur dieser Kloß, der mir die Luft zum atmen nimmt und auch beim zweiten Versuch ihn herunter zu schlucken, bewegt er sich nicht wirklich, sondern wird nur noch größer.
Meine Hand ist genauso kalkweiß wie in meinem Traum, als ich sie auf die Türklinke lege. Mir ist so schlecht und ich weiß aber, dass diese Übelkeit nicht vom Alkohol kommt. Doch besser macht es das auch nicht.
“Komm schon...trau dich...“, versuche ich mir selbst Mut zu machen und zwinge mich einmal tief durch zu atmen.
Und bevor ich noch mal wirklich drüber nachdenken kann drücke ich die Klinke hinunter und mit einem leisen Klick springt die Tür auf.
Mein Herz rast. Will mir anscheinend aus der Brust springen.
Trotzdem drücke ich die Tür auf.
Und es geht so schnell, dass ich gar nicht weiß, was genau ich eigentlich grade spüre.
Ich sehe, wie Lo herum wirbelt. Wie Bea mich erschrocken ansieht und dann irgendwie Schuld bewusst.
Sie tritt einen Schritt zurück und mein Blick bleibt auf Lo liegen.
Er sieht mich an und ich weiß nicht was er denkt.
Ich erkenne nichts.
Aber es macht klick.
Bei mir.
“T-Tut...Tut mir Leid...“stammle ich und stolpere zurück.
“Fi-Finn, was...was machst du-“
“I-Ich wollte...nur...es...wir...du...dein Geburtstag...i-ich...ich hab nicht...gratuliert...ich...wollte...“
Mir wird schwindlig...und auch das liegt nicht an den Umdrehungen von Matzes Drinks.
“Finn, das sah-“
“Nein! Nein, das war meine Schuld! Tut mir Leid...Ich...Ich geh besser!“, krächze ich und dreh mich jetzt komplett um. Ich will Bea nicht sagen hören, dass es nicht danach aussah wie es aussah.
Warum auch immer sie so etwas sagen will.
Ich will das einfach nicht hören.
Ich will nicht hören.
Auch Los fast flehendes Finn, will ich nicht hören.
Vielleicht denkt, er ich wäre enttäuscht, weil er jedenfalls mir noch nicht direkt gesagt hat, was zwischen ihm und Bea ist…aber ich weiß es besser…
Wie programmiert stratze ich die Treppen hinunter. Springe über die Absperrung.
Jonas und Matze drehen sich erschrocken zu mir um.
Keuchend bleibe ich stehen.
“Ihr wusstet es...stimmts?“, frage ich und ihre betretenen Blicke reichen.
“Ihr wusstet...dass ich mich...in...Lo“
“Finn...“
Ich schüttle den Kopf und kneife die Augen zusammen. Egal was Matze grade sagen will. Das muss ich erst einmal für mich verpacken.
“Finn, bitte, du-“
“Nein...Nein, bitte!“, wispere ich und greife in meine Hosentasche.
Ziehe die kleine Tüte hervor in der Los Geschenk ist und drücke sie Jonas in die Hand.
Dann höre ich Schritte und bevor auch nur einer der beiden reagieren kann bin ich schon an Matze und Jonas vorbei.
Automatisch greife ich nach meinem Skateboard, das ich an der Tür abgestellt habe, kurz nachdem ich hinein gekommen bin, weil Matze mich mitgezogen hat und ziehe die Haustür auf.
Ich muss hier weg.
Ich muss einfach.
Sonst werde ich verrückt.
Weil es so weh tut...so verdammt weh tut zu verstehen, dass ich mich in meinen irgendwie besten Freund...verliebt habe.
Verliebt.
Zum ersten Mal.
Und im gleichen Atemzug verstehen zu müssen, dass ich ihn verloren habe.
An jemand anderen.
Das ist ein Alptraum...
Das ist...einfach nicht fair!
xXx
Definition: Alptraum...und dann sagen Betrunkene auch noch die Wahrheit!/S]
~
So...das war's dann auch schon wieder...ich weiß...es war schon wieder ganz schön...deprimierend zum Ende hin aber naja...dafür wird das nächste garantiert besser!! Promised!
lg
Schwarzfeder
Die Hand ist das Werkzeug der Seele
Dieses Kapitel ist für Zuecho weil einfach so ;3
@ Zuecho: Danke, für die Schokokerzen und dein Verständnis *gerührt ist* Nja, diesmal geht es Finn wohl einiges besser...xD
@abgemeldet: Ein Finn-Fan...find ich se~hr tollig! Nja, ich hoffe du magst Finn auch in diesem Kapitel *grins*
@
Karma: (lange ;D) Antwort gibt's noch im GB ^^" Jedenfalls geht's jetzt etwas besser und ein bisschen weiter geht's auch hier! Ich hoffe die Tränen sind getrocknet (wollt ich echt nicht *schäm*) und das hier bildet dann ein Trostpflaster?
Was genau uns das aber mit Lo und Janni jetzt sagt, weiß ich ehrlich net, aber lustig ist es echt xD
@abgemeldet: Oha...ehrlich gesagt bin ich auf deinen Kommi nach diesem Kapitel mit am meisten gespannt! Dass dir das letzte so gefallen hat, hat mir natürlich sehr geschmeichelt, vor allem weil du Finn ja so...nja kritisiert hast (fand ich echt toll!) aber naja...ich wusste halt schon vorher wieso was wie ist und deshalb jetzt auch so...nja...vielleicht liest du am besten einfach ^^" sonst verrat ich noch was zu viel...Jedenfalls Danke für den tollen Kommi!
@abgemeldet: Wobei genau Finn die beiden jetzt eigentlich erwischt hat, wird erst im nächsten Kapitel aufgeklärt, allerdings kann ich auch im vorraus erzählen...so wie Bea gesagt hat das sah anders aus als es war...tja...aber was ganz genau verrat ich dann doch net...^^"
@abgemeldet: Oh Gott...jetzt werd ich knallrot...nja gut net mehr so, aber ich hab schon einen mittelschweren Schock erlitten, als ich das gelesen habe...jedenfalls danke für dieses Lob und ich freu mich, dass ich so deine Laune heben konnte! Ich hoffe, dass dieses Kapitel deine Laune dann noch mal um einiges mehr heben kann auch wenn ich dir jetzt knallhart sagen muss...ich mag Bea und sie wird NICHT sterben warum erfährst du und die anderen aber noch ^^
@ all: Dieses Kapitel ist leider sehr kurz geraten...eigentlich hab ich so schon weiter geschriben, allerdings ist das alles irgendwie...naja...jedenfalls hab ich jetzt entschieden da einen Break zu machen, wo ich ihn gemacht habe und wann das nächste Kapitel kommt, kann ich ehrlich nicht sagen, weil ich gucken muss, wie ich das zeitlich hin bekomme! Momentan steht mir das Wasser bis zum Hals und dann kann es auch noch sein, dass
ich vor Weihnachten noch ne Op habe (irgendwas mit den Bändern im Sprungelenk, ganz fiese Sache) Ich hoffe es ehrlich nicht...kann aber leider nichts versprechen...deshalb hoffe ich gefällt euch dieses zweifellos kurze Kapitel trotzdem...ich hab mir jedenfalls Mühe beim schreiben gegeben ^^
~
Die Hand ist das Werkzeug der Seele
xXx
Müde drehe ich mich auf die Seite.
Einen Arm winkle ich an und lege meinen Kopf darauf ab.
Starre einfach grade aus in die Dunkelheit.
Nachdem ich aus dem Haus geflüchtet und eine Zeit lang ebenso flüchtend einfach nur durch die Gegend gefahren bin, blieb ich irgendwie im Park hängen.
An dieser ganz bestimmten Stelle.
Es ist Samstagabend…oder auch Nacht. Mittlerweile Arschkalt, vor allem weil ich meine Jacke hab hängen lassen, aber ich liege trotzdem hier auf der Wiese im Park.
Im Grunde bin ich verdammt leichtsinnig, vor allem, weil außer mir wirklich keine Menschenseele hier zu sein scheint, aber das kümmert mich irgendwie auch nicht mehr wirklich.
Ich bin einfach nur noch müde.
Nicht weil ich geheult habe, irgendwie hab ich mir das verkneifen können, obwohl ich wirklich das Bedürfnis dazu habe, aber vielleicht auch gerade deshalb.
Seine Gefühle zu unterdrücken ist fürchterlich anstrengend.
Und allein bei dem Gedanken, dass mir diese Prozedur in nächster Zeit wohl öfter bevorstehen wird, würde ich am liebsten einschlafen um alles zu vergessen.
Denn ich weiß einfach nicht was ich jetzt noch tun soll.
Lo hat offensichtlich was mit Bea am laufen. Und ich bin einfach nicht der Typ, der sich in anderer Leute Beziehungen einmischt.
Allein bei dem Gedanken so etwas zu tun, bekomm ich ein schlechtes Gewissen.
Zudem steh ich doch alleine da. Ich bin zwar verliebt in Lo – für verknallt ist das schon viel zu viel, was sich da in mir befindet und in jeder noch so kleinen Zelle verankert zu sein scheint – aber, er scheint voll auf Bea ab zu fahren.
Ich mein, ich weiß ja noch nicht einmal wie genau er zu Bea steht.
Und dann soll ich ihn mal eben umpolen?
Jonas hat nun mal Recht, ich bin wirklich nicht er! Und bei Lasse hatte er ja noch nicht mal wirklich viel umzupolen.
Noch so ein Punkt…bin ich jetzt schwul oder…nicht…oder einfach nur…zufällig in einen Kerl verliebt, der noch dazu seit heute drei Jahre älter ist als ich. Ich mein, was will er mit einem Kind wie mir?
Wie lange hab ich gebraucht um überhaupt zu kapieren, dass ich verliebt bin? Und auch all die anderen Dinge, die ich so anstelle.
Wie kindisch ich mich teilweise verhalte…wie soll man sich da in mich verlieben, wenn man mich ja noch nicht mal in der Richtung ernst nehmen kann?
Ich habe mich selbst ja noch nicht einmal wirklich gefunden, lasse mich noch viel zu sehr von allerlei Sachen beeindrucken und dann soll ich Lo davon überzeugen, dass ich begehrenswert bin?
Unmöglich!
Plötzlich zieht wieder dieser Atemraubende Schmerz durch meine Brust und gepeinigt kneife ich meine Augen zusammen und ziehe meine Beine an mich.
Es tut so verdammt weh, aber anscheinend hilft noch nicht einmal Alkohol das zu betäuben, denn bis jetzt hab ich nichts gemerkt, als ob ich gar nichts getrunken hätte.
Als ob ich nüchtern wäre…
Es ist scheiße nüchtern zu sein.
Ich mein...ich bin eigentlich in gewisser Weise betrunken, zumindest sollte ich das sein. Doch irgendwie bin ich es nicht.
Ich fühle mich vollkommen nüchtern und ich weiß wie sich das anfühlt, denn bis auf zwei Sylvester war ich 16 Jahre meines Lebens nüchtern. Nach den Drinks müsste ich heute das erste Mal betrunken sein.
Genauso wie ich das erste Mal in meinem Leben...verliebt bin.
“Scheiße...“, wispere ich fast hilflos und drehe mich wieder auf den Rücken.
Meinen anderen Arm über die Augen legend, versuche ich gegen mich selbst anzukommen.
Doch auch diesmal hat Jonas Recht, wofür ich ihn am liebsten verfluchen würde.
Es bringt nichts.
Gegen seine eigenen Gefühle kommt man nicht wirklich an.
Sie holen einen immer ein oder man bekommt es noch nicht einmal hin überhaupt vor ihnen weg zu laufen.
Und ich bin ein absoluter Grünschnabel!
Da bekomm ich das doch erst Recht nicht hin.
“Danke für dein Geschenk, gefällt mir!“
Wenn ich nicht so verdammt erschrocken wäre würde ich wohl schreien.
So fährt mir der Schreck nur schmerzhaft in die Glieder und ich starre ihn einfach nur an.
Scheiße, wieso hab ich ihn nicht kommen sehen oder gehört?
Dann wäre ich schon längst weg.
Lo sieht mich an und auch wenn es dunkel ist, kann ich seinen Gesichtsausdruck erkennen.
Er lächelt mich an...unsicher.
Ich schlucke hart.
“Sch-Schon gut!“, krächze ich mir irgendwie zusammen und setze mich auf.
Mein Herz scheint immer noch nicht weiter schlagen zu wollen. Ich kann es ihm nicht verübeln.
Als Lo sich dann auch noch neben mich setzt und mir meine Jacke über die Schultern legt, habe ich das dumpfe Gefühl es hat sich gen Himmel verabschiedet.
Gleichzeitig ist mein Verstand hellwach und schreit mich imaginär und unermüdlich an jetzt ja nichts falsch zu machen.
Danke auch.
Wenigstens eine Idee irgendwo in dem Gefühlschaos vorhanden, die mir helfen könnte das auch hin zu bekommen?
“W-Was...Was machst du hier?“, fragt irgendetwas leise, dass sich verdächtig nach meiner Stimme anhört, sich aber nicht wie meine anfühlt.
Er lächelt schief und seufzt dann.
“Du bist...ohne Jacke los...und irgendwie...na ja...Jonas meinte, dass du hier wärst und nachdem er das gesagt hat, war ich mir irgendwie sicher, dass er Recht hat und deshalb hab ich gesagt, ich würd’ dich zurück holen…schließlich...hab ich ja den Mist gebaut!“, erklärt er leise und schickt mich höchstvermutlich von ihm ungewollt auf eine halsbrecherische und eigentlich eher herzbrecherische Achterbahnfahrt.
Es hört sich so toll an, dass er mir unbedingt nach laufen wollte und gleichzeitig ist da dieser Stich, der mir nur zu deutlich einbläut, dass ich es so verstehen muss, wie es gemeint ist.
Und zwar freundschaftlich…nicht...so
Ich atme einmal tief durch und ziehe meine Beine an. Dann wickle ich meine Arme drum und hoffe mich so wenigstens körperlich irgendwie festhalten zu können.
Ich will nicht noch weiter abstürzen.
Ich bin schon hart genug gefallen.
“Finn...das mit Bea...also–“
Ich ringe mir ein Lächeln ab und unterbreche ihn. Ich will ihn nicht ausgerechnet jetzt etwas von Bea stammeln hören.
“Hey, schon gut! Echt…kein Ding, wenn du sie magst, dann ist das doch in Ordnung! Sie ist doch…nett.“
Meine Stimme klingt so hohl in mir nach, dass ich mir selbst kein Wort glauben kann. Aber mehr bring ich einfach nicht zu Stande.
Das muss reichen.
“Finn...ich mag sie wirklich, aber nicht so wie du grade denkst!“
Als Lo das sagt, jagt mein Puls in die Höhe und mir wird plötzlich unglaublich heiß.
Ich beiße mir auf die Unterlippe um die Frage um jeden Preis zu verhindern die in mir hoch kocht.
Aber trotzdem glaube ich gleich zu platzen.
“Sie...also...Bea...sie sagte schon...auch, dass sie mich mag, aber ich kann das halt nicht erwidern und deshalb...also–“
“Weshalb kannst du das nicht erwidern?“
Die Frage ist schneller aus meinem Mund gepurzelt, als ich überhaupt nachdenken kann, doch bevor ich mich dafür verfluchen kann seufzt Lo leise und mein Blick fliegt wie ferngesteuert zu ihm.
Bis gerade hab ich mich bemüht auf meine ach so interessanten, in meine schwarzen Vans verpackten, Füße zu starren. Doch jetzt klebt mein Blick fast schon auf seinem Gesicht.
Und ich kann einfach nicht wieder weg sehen.
Auch wenn ich spüre wie mir Blut in die Wangen schießt und auch wenn mein Herz schmerzhaft gegen den zu engen Platz in meinem Brustkorb protestiert – ich weiß gar nicht, wann es wieder zurück gekommen ist – kann ich einfach nicht weg sehen.
Ich bin wie verhext.
Verzaubert.
Um den Finger gewickelt.
Wie heißes Wachs.
Nur wegen ihm.
Wegen seinem Blick.
Der auf mir liegt.
Anscheinend bin ich echt ein blinder Trottel! Ich hab vorher einfach echt nicht verstanden, dass ich mich in Lo verliebt habe und jetzt ist es so klar, dass es fast schon peinlich wird, um diese Blindheit zu wissen.
“Weil...“, setzt Lo an aber spricht nicht weiter. Schweigt und sieht mich an.
Weshalb schweigt er?
Weshalb sieht er mich so an?
Sieht er irgendetwas in meinem Gesicht, das ihn nicht weiter sprechen lässt?
Verrate ich mich grade irgendwie selbst?
“Weil...deshalb!“, nuschelt er und bevor ich auch nur blinzeln kann ist er plötzlich so nah.
Ich versteinere fast schon.
Plötzlich ist mein Kopf wie leer gefegt.
Mein schreiender Verstand verstummt, als ob er nie da gewesen wäre.
Auf meine kalte Wange, die irgendwie eigentlich fürchterlich heiß ist, legt sich eine Hand, die nicht meine ist.
Und dann...liegen Lippen auf meinen.
Lippen, die seine sind.
Und alles was ich kapiere ist...dass Lo mich küsst.
So sanft...als wäre ich etwas Zerbrechliches.
So sanft...als wäre ich unendlich wertvoll.
Mir steigen unweigerlich Tränen in die Augen, die ich nicht aufzuhalten weiß.
Dafür bin ich viel zu überrascht…viel zu überfordert.
Weshalb küsst er mich plötzlich?
Versucht er mir auf völlig verdrehte Lo–Weise zu sagen, dass…
Bevor ich auch nur annähernd reagieren kann lösen sich seine Lippen wieder von meinen.
Ich spüre, dass sein Atem zittrig über mein Gesicht streift. Seine Hand, die immer noch auf meiner Wange liegt zittert auch leicht und sein Blick ist so...unsicher...
Wieso sehe ich das alles? Weshalb spüre ich das, kann aber nicht reagieren.
Ich fühle mich trotz seiner Nähe plötzlich so einsam…nur weil er den Kuss gelöst hat.
Dabei habe ich vorher noch nicht einmal geahnt wie ein Kuss sein kann.
“Ich...Ich wollte es...nicht...wahr haben, aber...es ist so...deshalb hab ich-“
“Sag es!“, unterbreche ich ihn wispernd und frage mich innerlich wieder wo dieser Impuls zum sprechen herkommt. Mein Körper macht anscheinend was er will, aber mein Verstand hat sich anscheinend eh über den Jordan geschossen, deshalb lasse ich es einfach zu.
Meine Finger greifen nach seinen.
Verflechten sich wie von selbst ineinander.
Meine andere Hand legt sich auf seine, die immer noch auf meiner Wange liegt.
“Lo...bitte...sag es!“, flehe ich leise und höre selbst wie brüchig meine Stimme eigentlich klingt. Aber alles was ich will ist, dass das hier grade wahr ist.
Das es wirklich passiert.
Das ich nicht gleich aufwache und merke nur geträumt zu haben.
“Finn, was–“
“Sag...es...Lo...bitte!“
“I-Ich...ich mag dich...Finn! Ich mag dich...sehr!“, flüstert er.
Ich muss lächeln.
Denn der, der das gerade zu mir sagt, ist Lo.
Der Lo, wie ich ihn kenne…manchmal so unglaublich unkompliziert und dann so unglaublich kompliziert wie jetzt.
Und genau der Lo, sagt mir, dass er mich mag
Ich spüre wie etwas Warmes meine Wange herunter rinnt, sehe wie sich seine Augen weiten, aber ich lächle.
“Ich mag dich auch so sehr, Lo!“, flüstere ich und lehne mich nun meinerseits vor.
Gebe ihm einen Kuss auf die Wange.
Mein Herz rast.
Es fühlt sich alles so unwirklich an, dass es mir fast Angst macht und gleichzeitig spüre ich seine Finger, die mit meinen verflochten sind.
Fühle seinen Daumen über meine Wange streichen.
Spüre, wie seine Hand in meinen Nacken wandert und mich an ihn zieht.
Und er küsst mich wieder.
So sanft und behutsam.
Es ist neu.
Aufregend.
Verwirrend.
Toll.
Und ich weiß nichts mehr.
Nichts außer der Gewissheit, dass Lo doch wieder mein Lo ist.
Und zwar so viel mehr als vorher noch
xXx
Sops...wer killt mich jetzt?
Nein, Scherz beiseite...ich bin gespannt was ihr jetzt dazu sagt!
Nur so als kleine Anmerkung! Weshalb die jetzt eher...naja...abgweschwächt sagen was Sache ist anstatt knallhart : Ich bin in dich verliebt...a) Es sind beides Jungs (leider wahr, aber irgendwie drucksen die meisten dann so...njanenobla rum) und b) find ich es situations bedingt einfach passender! Ich mein...die kennen sich schon so lange und es ist eh schon so heikel und sie sind eh schon so unsicher undundund...Fazit: Ich find es passender!
Wer nicht, kann mir ja sagen weshalb ;p
Bis denne!
lg
Schwarzfeder
Lo, Chaos und Bea hat da auch noch etwas zu sagen
E~s geht weiter!
Juchu...oder so ähnlich...oh man...das war ne la~nge und harte Geburt...tja...aber ohne große Vorreden möchte ich euch jetzt viel Spaß beim 8 und letzten Kapitel wünschen!
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Lo, Chaos und Bea hat da auch noch etwas zu sagen
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Es blendet.
Murrend drehe ich mich auf die Seite.
Versuche es jedenfalls, aber irgendetwas hält mich fest und macht es mir nicht möglich.
Es fühlt sich an wie…ein Arm?
Plötzlich bin ich so viel wacher, als ich es je früh morgens war.
Zwar spüre ich sofort auch einen stechenden Kopfschmerz, aber ich sehe außerdem…Lo…neben mir liegen.
Und genauso plötzlich weiß ich wieder, was passiert ist.
Blut schießt mir ins Gesicht, aber ein Lächeln schleicht sich auch auf meine Lippen. Ich weiß zwar nicht mehr wirklich genau wie lange wir beide im Park waren und uns immer wieder einfach nur geküsst haben, aber das kribbeln ist noch so präsent als ob er sich grade eben erst wieder von mir gelöst hätte.
Vorsichtig drehe ich mich auf die Seite und beobachte ihn einfach nur. Ich muss noch etwas breiter lächeln, als ich registriere, dass unsere Finger immer noch so wie gestern miteinander verflochten sind.
Es fühlt sich an wie ein Traum.
Ein schöner Traum, aber die Gewissheit, dass er real ist macht es noch viel besser.
“Aufstehen ihr Schlafmützen! Wir müssen noch aufräumen!“
Erschrocken sehe ich zur Tür und ein überaus gut gelaunter Jonas steht in dem Sperrangelweit geöffneten Türrahmen und grinst mich dämlich an.
Ich könnte ihn schlagen!
Doch bevor ich meiner spontan–aggressiven Idee nachgeben kann, fängt Lo an sich zu rühren und mir wird die Spannweite der Situation klar.
Lo liegt hier in seinem Bett, wacht gerade auf.
Ich liege neben ihm und Jonas steht in der Zimmertür.
Und ich weiß NICHT wie ich hier hin gekommen bin.
Ich...hab einen Black out?
“Jonas, zisch ab du störst!“, brummt Lo und schlingt seine Arme noch fester um mich und wenn ich es nicht besser wüsste würde ich vermuten er kuschelt sich an mich, aber…Lo und kuscheln?
Er hat irgendwann selbst mal behauptet, auf so was nicht zu stehen.
Ich bin verwirrt.
Völlig durcheinander und dann ist da auch noch dieser schrecklich fiese Kater, der es mir nicht grade einfacher macht Licht in das dunkle Durcheinander zu bringen.
Jonas lacht und lenkt so meinen Blick wieder zu sich.
“Ich weiß jetzt ehrlich nicht, ob ich den großen Bruder spielen soll oder das gut finde!“, meint er grinsend und dann tauchen auch noch Matze und Lasse hinter ihm auf.
Irgendwie fühl ich mich dezent bespannt.
“Find es gut und lass uns frühstücken. Ich hab Hunger!“, motzt Matze und zieht Jonas am Arm mit sich, nicht auf dessen Proteste achtend.
Anscheinend hat auch er einen fiesen Kater, denn er sieht grün aus um die Nase und entgegen vieler anderer Leute bekommt Matze immer einen Mordskohldampf wenn er einen Kater hat.
Er ist seltsam.
Genau wie diese Situation grade.
Lasse grinst mich an.
“Was...ist hier los?“, frage ich ihn hilflos, in der Hoffnung er besitze vielleicht die Güte mich aufzuklären.
Weit gefehlt.
“Frag Lo!“, sagt er bloß und zieht die Tür wieder zu.
Fieser Miesling!
Irgendwie werde ich wieder nervös.
Das liegt aber hauptsächlich an den Armen, die um meinen Bauch geschlungen sind und an dem warmen Körper neben mir.
“Verwirrt?“, fragt Lo rau und jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Gemeinheit! Wieso sieht er so ruhig und unbeeindruckt aus?
Ich versuche durch zu atmen und nicke dann leicht. Er lacht leise und streicht mir eine Ponysträhne aus dem Sichtfeld. Es ist definitiv etwas anders und die Situation selbst ist auch so neu, aber selbst wenn es mich verunsichert will ich es jetzt grade nicht anders haben.
Jedenfalls noch nicht.
“Aber was gestern passiert ist weißt du noch, oder?“
“Du meinst…den Park?“, frage ich nuschelnd. Irgendwie ist mir das jetzt bei Tageslicht ganz schön peinlich.
Ich bin zwar sensibler als Jonas, aber dafür auch um einiges schüchterner als er und genau das stellt mir grade ein Bein, weshalb ich rote Wangen bekomme.
Gott, ich bin so uncool!
Lo lacht leicht und nickt.
“Ja, genau den!“
Ich atme tief durch und lege mich nun meinerseits wieder richtig hin. Auf die Dauer ist es anstrengend so halb aufgerichtet rum zu liegen. Außerdem sollte ich jetzt wohl besser erst einmal mit Lo reden. Vermutlich wollte Lasse auch genau das damit erreichen, als er einfach die Tür zugezogen hat. Er hat in solchen Sachen wesentlich mehr Erfahrung als ich und jetzt sollte ich wohl wirklich besser auf die größeren hören.
Auch wenn mein Herz rast und ich nervös bin.
“Wie sind wir...also na ja...“
Ich hab spontan das Bedürfnis meinen Kopf gegen die Wand zu hämmern, weil ich so stammle, allerdings liegt Lo zwischen mir und der Wand und irgendwie würde das wohl noch dämlicher wirken, als ich eh schon rüberkommen muss.
Lo lacht leise und irgendwie hat sein Blick etwas Sanftes als er mich ansieht.
“Jonas hat mich auf dem Handy angerufen und wir sind zusammen wieder zurück gegangen, obwohl eigentlich hab ich dich den meisten Weg Huckepack getragen, du hast keinen graden Schritt mehr machen können!“, erklärt er und ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen lässt mir nur wieder das Blut in die Wangen schießen.
Scheiße, wie peinlich ist das denn?
Und noch dazu weiß ich noch nicht einmal mehr was davon.
Ich glaub, jetzt wird mir immer klarer, warum ich vorher noch nie etwas getrunken hab.
Verlegen starre ich das Stück Decke an, was vor meiner Nase liegt und versuche wieder eine Körpertemperatur zu bekommen, die mein Hirn nicht zusätzlich zu den Schmerzen durchbrutzeln lässt.
Reicht doch, wenn mein Herz alles andere als regelmäßig klopft, oder?
Eine Weile herrscht Schweigen. Ich kann mich wirklich nicht entscheiden, ob es angenehm ist oder nicht. Aber lange darüber nachdenken kann ich dann auch wieder nicht. Mir drängt sich eine Frage auf, die ich einfach stellen muss.
Auf die ich die Antwort wissen will, aber wirklich trauen tu ich mich auch nicht.
Mir wird bewusst, dass ich sie früher einfach gestellt hätte. Doch jetzt ist es anders.
Auch wenn das früher vielleicht grade mal zwei Tage zurück liegt.
“Sag mal...das...mit Bea...“, stammle ich mir dann irgendwie doch zusammen und schiele auch wieder zu ihm hoch.
Er seufzt tief und kurzzeitig hab ich den Gedanken die falsche Frage gestellt zu haben, doch dann greift er nach meinen Händen und streicht sanft mit seinen Daumen über meine Handrücken. Irgendwie hat diese Geste etwas so beruhigendes, dass ich ihn nun richtig ansehe und auch ein bisschen diese Unsicherheit verliere.
“Bea ist...nein, war an mir interessiert. Und zu dem Zeitpunkt an dem sie mich gefragt hat ob wir etwas zusammen unternehmen können, war ich so frustriert, dass ich einfach Ja gesagt und damit alles nur noch schlimmer gemacht habe.“
Meine linke Augenbraue wandert unweigerlich in die Höhe.
“Ich verstehe kein Wort!“
Lo lacht leise.
“Das ist mir klar, aber irgendwie...ich bin schon echt lang in dich verliebt, Finn! Vielleicht sogar schon bevor das mit Jonas und Lasse anfing, ich hab es nur nie richtig kapiert, bis du heulend bei mir aufgekreuzt bist, weil Jonas dir das mit Lasse verschwiegen hat. Erinnerst du dich?“
Ich werde rot und nicke dann leicht. Das worauf Lo anspielt war ein wirklich mieser Tag. Es hatte den ganzen Vormittag geregnet und ich war allein zu Haus. Weil es mir nicht gut ging hatte ich mich in meinem Bett vergraben und geschlafen, weshalb ich erst bemerkte, das Jonas wieder nach Haus gekommen war, als ich in die Küche ging um mir etwas zu trinken zu holen.
Allerdings vergaß ich dieses Vorhaben auf der Stelle, denn Lasse und Jonas knutschten ausgelassen bei uns in der Küche.
Der Blick mit dem Jonas mich dann ansah…so erschrocken und ängstlich.
Der hat weh getan, weil mir sofort bewusst war, dass er es mir mit Absicht verschwiegen hatte und alles durch diesen blöden Zufall raus gekommen war.
Ich war so enttäuscht, dass ich Jonas beschimpft hatte und dann einfach abgehauen und zu Lo geflüchtet war.
Das war so etwas wie ein schwarzer Tag. Im Endeffekt hat sich das allerdings durch Los und Lasses Hilfe doch wieder in Wohlgefallen aufgelöst und als Jonas es dann Ma und Pa beichtete, stand ich voll hinter ihm.
Dass ich dann nicht registriert habe, was Lo dabei gedacht hat…ich glaube, es ist nicht verwunderlich und wenn ich es gewusst hätte, hätte es mir zu dem Zeitpunkt wohl nur Angst gemacht. Dafür macht es mir jetzt umso weniger Angst, sondern lässt diese Ameisen in meinem Magen wieder kribbelig durch die Gegend marschieren. Irgendwie stehe ich auf dieses Gefühl! Lo hat nämlich gesagt, er ist in mich verliebt. Das ist deutlicher als ein >Ich mag dich< auch wenn ich sehr wohl verstanden habe, was er gemeint hat.
“Jedenfalls hatte ich eigentlich geplant nie etwas zu verraten oder so und auch wenn es nicht ganz fair war, schien mir das mit Bea grade recht zu kommen, allerdings hab ich schnell gemerkt, dass das nichts wird und in der Zeit wiederum hat sie rausgefunden was wirklich los ist!“, erzählt er dann weiter und gespannt halte ich die Luft an. Mit meinen Bewertungen sollte ich mich wohl besser erst mal zurück halten.
“Tja...und an dem Tag, als ich eigentlich helfen wollte, mit bei euch streichen hat sie mich quasi dazu erpresst mit ihr weg zu gehen. Sie meinte nur, wenn ich nein sagen würde, wüsstest du mein größtes Geheimnis und weil ich mir nicht sicher war ob sie es wirklich wusste, hab ich bei euch abgesagt und bin zu dem Date gegangen. Das relative Ende vom Lied war, dass sie es mir auf den Kopf zugesagt und dann verlangt hat, dass ich nicht aufgebe und sie mir helfen würde dich zu kriegen. Ansonsten würde sie mir so lange auf den Wecker fallen, bis ich mich vielleicht doch für sie interessiere. Im Grunde eine unlogische Forderung, aber ich glaube irgendwie wollte ich, dass das doch funktioniert. Hat es ja auch, mit ein paar Umwegen!“, schließt er mit einem schmunzeln und entlockt mir ein seufzen.
“Irgendwie hab ich jetzt ein ganz fürchterlich schlechtes Gewissen!“, nuschle ich und versuche meine mittlerweile rot angelaufene Birne unter der Decke zu verstecken.
“Warum?“
“Weil ich die ganze Zeit totale Eifersucht auf sie hatte und voll nicht leiden konnte und dabei sollte ich ihr eigentlich dankbar sein!“, krächze ich leise. Mir ist völlig egal, ob er mich versteht oder nicht. Das ist grade einfach so peinlich, dass ich im Boden versinken will. Ich hab Bea ja fast schon gehasst und jetzt darf ich sowas hören. Dass sie mir so schlagartig sympathisch wird hätte ich nie gedacht und deshalb haut’s mich grade auch etwas um.
Lo hingegen scheint es nicht nur doch verstanden zu haben sondern auch zu amüsieren, denn ich höre ihn lachen und er piekst mir in die Seite.
“Du bist so knuffig! Genau darauf hatte Bea es abgezielt. Sie meinte, dass das mit am besten funktionieren würde. Anscheinend hat sie echt Ahnung!“, sagt er und unter der Decke klingt es dumpf zu mir durch. Allerdings blähe ich empört die Wangen, ziehe die Decke vom Kopf und sehe ihn – oh Wunder – wirklich böse an.
“Das war alles Absicht? Ich hab mich total elend gefühlt! Vielen Dank auch!“, schnappe ich und drehe mich beleidigt weg. Blödmann…das war wirklich nicht nett. Aber Lo scheint das nicht zu verstehen, denn er schlingt seine Arme wieder um mich und gibt mir einen Kuss in den Nacken.
Oh…ganz gemein. Nicht gut und ganz gemein. Ich will nicht nachlassen, wenn ich es grade mal schaffe ein bisschen beleidigt zu sein.
“Tut mir Leid, Finn, wirklich! Ich wird’s auch nicht wieder tun, versprochen. Aber im Grunde hat es zum richtigen Ergebnis geführt und das zählt grade, oder?“
Seine Hand wandert zu meinem Kinn und dreht meinen Kopf so zu ihm, dass er mich ansehen kann. Himmel noch mal. Ich mutiere grade wieder zu Wachs. Zu warmen und willenlos formbarem Wachs.
Warum guckt er mich bitte so an?
Und warum küsst er mich jetzt so liebevoll? Da kann ich nicht mehr böse sein...und...nicht mehr...denk-
Mein wirkliches und aktives denken setzt genauso wie meine Atmung erst irgendwann später wieder ein, als es klopft. Lo lässt von mir ab und mir entweicht ein fast enttäuschtes Seufzen. Oh man, ich glaube ich verstehe langsam warum mein großer Bruder so an Lasse hängt. Denn wenn es ihm auch nur zu einem Bruchteil ähnlich geht wie mir gerade, dann hat jeder einen verständnislosen Blick verdient, der auch nur wagt dran zu denken deshalb nachzufragen.
Es klopft wieder und wie durch Watte höre ich Lo irgendetwas sagen, dann geht die Tür auf.
“Lo? Fie ist da und regt sich grade wieder künstlich über das Chaos in der Küche auf.“
Die Stimme holt mich wieder zurück in die Realität und ich setze mich auf. Bea scheint offensichtlich auch hier übernachtet zu haben. Ein ganz leises inneres flüstern sagt mir, dass mir das nicht gefällt, aber ich ignoriere es und lenke meinen Blick auf Lo, der genervt grummelt und zu mir sieht.
“Ich kümmer mich drum. Bin gleich wieder da!“, sagt er deutlich angefressen und der Gedanke, dass das daran liegt, weil er runter muss um seine kleine Schwester zurückzupfeifen obwohl er viel lieber bei mir bleiben würde macht mich so glücklich, dass ich einfach nur lächelnd nicke und nichts weiter dazu sage.
Ich höre wie er den Flur runter geht und dann auch schon wie er lautstark Fie zusammenstaucht. Sie ist ein Jahr jünger als ich und hat eigentlich bei ihrer Freundin geschlafen, doch anscheinend hat sie schlechte Laune, denn dann regt sie sich über alles auf, was sie finden kann und das Chaos nach einer Party ist ein perfekter Anlass dazu.
Ich höre jemanden gähnen und mir wird bewusst, dass Bea immer noch da steht.
Mein Blick bleibt auf ihr hängen und während sie sich durch ihre kurzen Haare wuschelt, wird mir klar, dass sie trotz übergroßen Schlafshirts und Shorts so umwerfend hübsch aussieht, dass man Komplexe kriegen könnte.
“Geht’s dir wieder besser?“, ihre Frage lässt mich blinzeln und verlegen blinzelnd bringe ich ein nicken zustande. Das ist das erste Mal, dass ich ganz bewusst mit ihr rede und auch nicht den Wunsch verspüre sie zu lynchen.
Sie grinst schief und deutet dann auf Los Bett.
“Darf ich?“
Ich nicke wieder und sie betritt das Zimmer und setzt sich zu mir, aber ans Fußende. Ihr Lächeln ist trotz Müdigkeit aufgeweckt und wirkt echt. Im Gegensatz zu mir scheint sie mich nie gehasst zu haben.
“Ihr habt’s endlich geschafft, was?“, fragt sie und wieder kann ich nur verlegen nicken. Vielleicht wird das doch eine eher einseitige Sache, wieso wage ich es nicht etwas zu sagen?
“Du bist immer noch so schüchtern wie vor einem Jahr!“, sagt sie und lacht leise. Ich blinzle sie überrascht an.
Vor einem Jahr?
Hab ich was verpasst?
Oder vergessen?
Meine Frage scheint mir ins Gesicht geschrieben zu stehen denn sie lacht wieder.
“Vor einem Jahr hab ich Lo gefragt ob er mir in Mathe helfen kann. Du bist aus Versehen dazwischen geplatzt und nachdem du mich entdeckt hast ganz kleinlaut und zurückhaltend geworden. Das war echt niedlich, ich kann verstehen, warum Lo so auf dich abfährt. Allerdings steh ich eher so auf den Typ Mann wie er ist!“, erklärt sie gut gelaunt und mir klappt der Mund leicht auf. Mir wird wieder mulmig.
“M-Magst du-Magst du ihn immer noch?“, frage ich leise und sie guckt mich verdutzt an. Dann lächelt sie wieder und irgendwie erinnert es mich an das nachsichtige Lächeln meiner Mutter.
“Wenn ich nein sagen würde, wäre das gelogen. Aber auch wenn ich noch so ein bisschen für ihn schwärme würde ich nie dran denken ihn ernsthaft von mir zu überzeugen. Ich bin nicht der Typ, der sich in Beziehungen einmischt und bei euch beiden bin ich in etwas rein gestolpert wo ich nicht reingepasst hätte. Egal, was ich gemacht hätte. Deshalb hab ich mich damit abgefunden und mittlerweile find ich es gut so wie es ist! Kommst du damit klar?“
Das ist irgendwie ein harter Brocken, doch es fällt mir wesentlich einfacher das zu schlucken, als ich im ersten Moment dachte. Denn irgendwie kann ich spüren, dass sie es ernst meint. Und wenn sie sagt, dass sie sich nicht einmischt, dann glaube ich es ihr.
Ich mein, sie mochte Lo genauso wie ich ihn mag, insofern müssten wir uns eigentlich gut verstehen und nachdem sie mir das jetzt erklärt hat, bin ich irgendwie neugierig wie sie eigentlich ist.
Ich nicke leicht und bringe sogar ein leichtes und vor allem ehrliches Lächeln zustande.
“Ja, ich glaub schon!“, antworte ich dann und sie lächelt.
“Na dann wäre das auch geklärt.“. sagt sie enthusiastisch und steht wieder auf.
“So und jetzt, wo du mich nicht mehr hassen musst, können wir uns ja unten auf den warmen Kakao stürzen und den anderen beim aufräumen helfen, was meinst du?“, fragt sie verschmitzt und ich zucke ertappt zusammen. Das hat sie gemerkt?
Ich spüre wie Schamesröte mir die Wangen hochkriecht und krabble umständlich aus dem Bett.
“T-Tut mir Leid!“, nuschle ich und ziehe meinen Pulli über das T-Shirt, in der Hoffnung, dass mir wärmer wird und sie nicht sieht wie peinlich mir das ist. Scheint allerdings vergebens, denn sie lacht, stupst mir mit dem Ellenbogen in die Seite und legt dann einen Arm um meine Schultern.
“Ich bin nicht blind, mein Lieber und das du dich dafür schämst find ich echt süß. Aber keine Bange ich bin dir nicht böse drum! Komm, lass uns gehen!“, sagt sie und zieht mich einfach mit.
Tief durchatmend gehen wir den Flur entlang und während das Gezicke von Fie immer lauter wird, beruhige ich mich immer mehr, sodass mich selbst das auch für mich ersichtliche Chaos am Ende der Stufen nicht mehr aus der Ruhe bringen kann. Und während Bea mich loslässt und sich auf Fie stürzt um sie zu beruhigen, komme ich zu dem Schluss, dass es mir jetzt, trotz größten Chaos nicht besser gehen könnte.
Denn die Hand, die gerade nach meiner greift gehört Lo und das liebevolle Lächeln auf seinen Lippen und in seinem Blick gehört ganz allein mir und gibt mir das Gefühl, dass mich nichts mehr unterkriegen kann.
Ich bin glücklich.
xXx
Fin
xXx
~
Ja~ es ist vorbei und ja~ es wurde einiges offen gelassen wie zum Beispiel warum Finn jetzt träumt. Aber zu der jetzigen Situation würde er sich eh keine Gedanken drum machen.
Für euch als Erklärung sei vielleicht einfach gesagt, dass im Traum bekanntermaßen Wünsche Ängste und Geschehenes verarbeitet wird. Vielleicht hat sein Unterbewusstsein ihm immer den selben Traum gezeigt, damit er sich selbst hilft.
Ich bin zufrieden, so wie es jetzt ist, vielleicht auch weil ich weiß wie es weiter geht bzw. vorgreift!
Denn Hals über Kopf, die Geschichte von Lasse und Jonas ist handschriftlich endlich vollendet.
Was euch da erwartet seht ihr bald und dann stelle ich euch unter anderem Linus näher vor ^^
Ich hoffe es hat euch gefallen und der Melancholie folgend möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die mit Finn mitgefiebert und Bea verflucht haben. Schlussendlich sei zu sagen, dass ich sie mag x3 So sehr, dass sie sich einen eigenen Oneshot erobert hat, aber...das ist eine andere Geschichte...
bis dahin
a bientôt
Schwarzfeder