So that's my job, honey!
So, und hier ist nochmal ein neueres (und deutlich akutelleres) Werk von mir. ;)
Ich arbeite noch daran, heißt, das es was dauern könnte bis alle Kapitel da sind..
Aber ich hoffe dennoch, das ich euch damit ein klein wenig Freude bereiten kann.
Viel Spaß also mit diesem überaus männlichen Werk meiner Schreibkunst! -grunz- xD
Ich widme diese Geschichte mehreren Leuten. Alina, Alex, Anaid, broken - das hier ist für euch. <3
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Ich ließ mich seufzend auf das schicke Ledersofa sinken und beobachtete, wie mein Geschäftspartner, dessen Namen ich immer noch nicht erfahren hatte, auf mich zu geschlendert kam, mit einem Lächeln,das mir wohl sagen sollte das in dem Job, den er mir gleich anbieten würde, das große Geld zu verdienen war.
Ich erhob mich wieder, obwohl ich mich gerade erst hingesetzt hatte, und schüttelte dem Riesen mit den gegeelten Haaren und der irgendwie arroganten Visage die Pranke.
„Nett, sie kennen zu lernen, Sir.“, brummte er mir entgegen und ich verkniff es mir, das Gesicht angeekelt zu verziehen. Von Mundwasser hatte der ganz offensichtlich noch nie was gehört.
„Freut mich auch.“, antwortete ich ziemlich unehrlich und er ließ meine Hand los, weil er wohl spürte wie unsympathisch ich ihn fand.
„Nun, sie wissen, wieso sie hier sind, Mr. ...?!“ Ich grinste. Das war ja wohl die billigste Art überhaupt, meinen Namen heraus zu finden. Na die Freude würde ich ihm nicht machen.
„Ja, natürlich. Sie haben mir einen Job anzubieten, Mr. ...?!“ Den Spieß konnte man auch umdrehen und er glaubte wohl, das wenn er seinen Namen verriet ich auch meinen Preis geben würde, aber da war er auf dem Holzweg.
„Crocodile.“, antwortete er mit einem breiten Lächeln und mir kam ein Zeitungsausschnitt in den Sinn.
'Das Krokodil schlägt wieder zu!'. So oder so ähnlich hatte die Überschrift gelautet und nun hatte ich wohl mit diesem ach so ehrenwerten Krokodil zu tun.
Nett, wirklich. Wenigstens mangelte es dem nicht an Geld. Oder an Arroganz. Oder an Hässlichkeit.
Er passte allerdings mit seinem Pelzmantel und den vielen Ringen perfekt in dieses Haus. Gut, underdressed fühlte ich mich auch nicht in meinem Anzug, aber so wie er sah ich dann doch nicht aus.
Ich nickte, sah ihn abwartend an und anscheinend brachte ich ihn damit ein wenig aus dem Konzept, denn er starrte einige Sekunden zurück, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte und anfing vor mir auf dem dunkelroten Flokati auf und ab zu schlendern, als wären wir hier auf dem Polizeirevier und nicht in seiner luxuriösen Strandvilla.
Ich ich ganz nebenbei gesagt ziemlich cool fand. Toller Ausblick, große Fenster, antike Möbel, alte Bilder an den Wänden, überall Bodyguards, leicht bekleidete Dienstmädchen.
Der Mann wusste, wie man sich ein feines Leben machte.
„Ich habe gehört, sie sollen der Beste sein.“
Ich fühlte mich wie in einer billigen Abklatsche der Vielmann – Werbung.
„Das sagt man, ja.“, antwortete ich und vor meinem inneren Auge verwandelt sich der stämmige Schleimfresser in eine gut aussehende Lady im roten Kleid, die mich jetzt bat einen besseren Optiker für sie zu finden.
Was ich natürlich auf der Stelle tun würde. Und sie würde dann in Naturalien bezah -
„Ich habe einen Auftrag für sie.“, riss er mich aus meinen erfreulichen Gedanken und ich verkniff mir den Kommentar der mir auf den Lippen lag.
Ich schwieg, meine ruhige Art schien ihn irgendwie nervös zu machen, jedenfalls räusperte er sich bevor er weiter sprach.
„Sie müssen ein Paket für mich verschwinden lassen. Wenn es geht noch heute.“
Der schien das irgendwie nicht so richtig zu verstehen, das alles.
Ich nickte, weil ich es nicht einsah meinen Kunden über seine Vorteile auf zu klären. Im Grunde bin ich ja auch nur am Rande ein Dienstleister.
Taxiunternehmen beraten ihre Kunden ja auch nicht, bis wo sie am besten gefahren werden und welche Strecke sie auch zu Fuß nehmen könnten. Alles nur schädlich für die Kasse.
„Ihr Auto steht unten in der Einfahrt?“
Wieder nickte ich und er sah mir in die Augen, als wollte er herausfinden an was ich gerade dachte.
Ich starrte vollkommen ohne Angst zurück und das schien ihm zu imponieren.
Er lächelte breit und klopfte mir mit einem seiner Bärenklauen auf die Schulter.
„Sie sind schon ein feiner Kerl, Mr. Transporter. Sie machen das genau richtig.“
Mr. Transporter. Ich fand es immer wieder erheiternd, welch seltsame Namen mir meine Kunden gaben, wenn ich ihnen meinen richtigen nicht genannt hatte.
Mr. Grünhaar, Mr. Transporter, Mr. Eiskalt, Mr. Stumm, und einer hatte mich sogar mal Mr. Sexy genannt. Dementsprechend schnell hatte ich mich dann auch vom Acker gemacht.
„Ich werde gleich das Paket in ihren Kofferraum laden lassen. Gut verschnürt, versteht sich. Dann werde ich ihnen die Daten geben, die sie in ihr Navigationsgerät eingeben müssen. Es ist eine alte Lagerhalle mit einer Müllverbrennungsanlage. Da gibst du es einfach ab, fertig. Die Hälfte jetzt, die andere Hälfte später. Verarschen sie mich, verarschen sie nie wieder jemanden.“
Ah, endlich kamen wir zur Sache! Das Krokodil begann Klartext zu reden und das gefiel mir viel besser als diese Rumgesülze vorher. Wenn ich nette Worte haben wollte, konnte ich schließlich auch bei ner Sexhotline anrufen. Oder meine Exfreundin. Oder so.
Ich lächelte leicht und nickte darauf.
„Hört sich gut an. Bis wann soll ich angerufen haben?“ Seine Augen funkelten bei meinem Eifer erfreut auf.
„Wann sie wollen, wäre mir aber lieb wenn sie heute Abend fertig werden.“
Ich zuckte mit den Schultern.
„So lange wird es wohl nicht dauern, außer diese Lagerhalle ist am anderen Ende des Staats.“
Er lachte, aber ich stimmte nicht mit ein, weil ich nie über meine Witze lachte. Oder über Witze von anderen Leuten. Ich lache eigentlich... nie. Nie bis selten.
„Brauchen sie sonst noch was? Waffen?“
Ich hob die Augenbrauen. „Hab ich die denn nötig?“, fragte ich nach. Wäre schon von Vorteil, wenn ich wüsste ob ich da einfach aussteigen und mein Ding durchziehen konnte oder ob ich akut über den Haufen geschossen wurde.
Er zuckte mit den Schultern, was mich aufmerksam werden ließ. Wenn solche Menschen mit den Schultern zuckten bedeutete das meistens 'Ja, schon, aber ich will das jetzt nicht so krass ausdrücken.' Dieses Verständigungsproblem hatte schon vielen meiner Kollegen Körperteile oder das Leben gekostet. Und ich wollte mich nicht in den Club der verstümmelten Transporter gesellen. Oder der toten Transporter.
„Eigentlich nicht. Aber man kann ja nie wissen, nicht wahr?“
Ich seufzte.
„Nur, um das Thema abzukürzen. Meine Waffen reichen mir voll und ganz. Danke aber für das Angebot.“ Er lächelte und nickte.
„Sie sind also Jemand, der sein Leben schützt. Lobenswert.“
Ganz offensichtlich hatte er noch nie mit einem wie mir zu tun gehabt. Der verstand ja wirklich gar nichts von meinem Handwerk. Aber behelligen wollte ich einen Mann mit so vielen heißen Dienstmädchen auch nicht.
Er drehte sich auf den Absatz um, rief einen seiner Bodyguards etwas in einer seltsam rau klingenden Sprache zu – ich vermutete russisch – und ohne das der in schwarz gekleidete Mann mit der Sonnenbrille etwas antwortete wandte auch er sich ab und verschwand eilig in den fast endlos erscheinenden Gängen der Villa.
Als ich Mr. Crocodile wieder meine Aufmerksamkeit zukommen ließ, hatte der plötzlich zwei zugegeben recht große Pinnchen Vodka in der Hand.
Wo der die wieder her hatte, wollte ich gar nicht so genau wissen, jedenfalls drückte er mir eines davon mit einem fast väterlichen Grinsen in die Hand.
Als wollte er sagen 'so mein Sohn. Dein erster harter Alkohol.'
Ich fühlte mich schrecklich verarscht.
„Ich muss noch fahren, Sir.“, teilte ich etwas trocken mit und aus seinem Grinsen wurde ein eher überraschter Ausdruck.
„Ach ja, das habe ich ja total vergessen!“
Genauso wie er wohl vergessen hatte, sich die Haare zu waschen.
Ich stellte das Pinnchen auf seinen riesengroßen Schreibtisch, drehte mich wieder um und musterte meinen neuen Auftraggeber eingehend, während er das brennende Zeug die Kehle runter laufen ließ wie Wasser. Oder Apfelsaft.
Da ich nicht mehr so richtig wusste was ich dort weiter sollte, ging ich auf ihn zu und lächelte möglichst freundlich, auch wenn mir das eigentlich gar nicht lag.
Aber Kunde ist eben Kunde.
Der Standardspruch 'Ich bedanke mich, das sie sich für mich entschieden haben' ließ ich bewusst weg. Der hatte sich ganz sicher nicht entschieden. Der sah aus, als hätte er einfach keine Wahl gehabt.
Wir schüttelten uns die Hand, lächelten uns dümmlich an und ich war froh, als er mich wieder los ließ. Seine Hände schwitzten und fühlten sich an wie riesige Schinken.
„Hat mich gefreut.“ Ich nickte darauf.
„Mich auch. Hoffen wir, das sie mich nicht allzu schnell wieder sehen müssen.“, räumte ich ein und er lachte schallend.
„Das hoffe ich jeden Tag, aber dann passiert es anscheinend doch öfter als geplant..“
Nett ausgedrückt. Ich hob die Hand zum Abschied, schob sie dann in meine Hosentasche und verließ die Büroräume von Mr. Crocodile, dem Krokodil. Fürs erste.
Hinaus in die Sonne begleitet wurde ich von einem etwas aufgedrehten Bodyguard, ein blonder Kerl mit irgendwie viel zu hektischen Bewegungen.
„Darf ich ihnen eine Frage stellen, Sir?“
Durfte er eigentlich nicht, aber ich wollte das er sich ein wenig beruhigte.
„Meinetwegen.“, antwortete ich und das wertete er wohl als Zeichen der Zuneigung, denn ein breites Lächeln bildete sich auf seinem jugendlichen Gesicht.
„Sind ihre Haare naturgrün?“
Diese Frage wurde mir mindestens ein mal die Woche gestellt und glaubt mir – irgendwann wird das einfach nur noch nervig.
Ich räusperte mich, als wir durch eine große Schwingtür hinaus in den Garten des Anwesens traten und über einen gepflasterten Weg zur Auffahrt schlenderten.
„Ja, sind sie.“, antwortete ich gezwungen ruhig und der Blonde nickte anerkennend, als sei das irgendeine Leistung.
„Wie lange sind sie schon Transporter?“ - „Seid ich 17 bin.“
Er pfiff durch die Zähne.
Ich konnte einfach nicht glauben, das sowas wie der Gangster beschützte.
„Wissen sie, früher wollte ich auch immer Transporter werden, aber ich fahr nicht gut genug..“
So sah der auch aus. Ich war mehr als froh, als mein schwarzer Wagen in Sicht kam.
Mein Baby. Mein Schmuckstück. Meine Ehefrau. Mein Ein und Alles.
Mein Auto eben.
Ich hatte sogar die Eigenart, es immer an zulächeln, wenn ich auf es zuging.
So tat ich es auch, als ich aus dem Garten hinaus in die Einfahrt trat und gerade noch beobachten konnte, wie einer der Bodyguards meinen Kofferraum zuknallte.
„Hey! Sei vorsichtig damit!“, knurrte ich ihn an und mein kleiner, nerviger Begleiter nickte beipflichtend.
„Mit so einem Auto muss man vorsichtig sein!“, versuchte er es auf der fachmännischen Schiene, doch ich hörte ihm schon gar nicht mehr richtig zu.
Ich öffnete die Fahrertür, ließ mich auf den Sitz fallen und beobachtete, wie sich Blondie zu mir hinunter beugte.
„Ich darf nicht vielleicht mal auf eine kleine Spritztour mit...?“
Jetzt ging er zu weit.
„Hm, lass mich überlegen... nein.“, antwortete ich darauf trocken, knallte ihm die Tür vor der Nase zu und ließ den Wagen an, nachdem ich den Schlüssel ins Schloss geschoben hatte.
Zugegeben, ich hatte keinen einfachen Job, und auch während ich beim fahren die Daten die mir der Bodyguard zugesteckt hatte in mein Navi eingab konnte ich nicht behaupten, das ich es mochte.
Eigentlich war ich in diese ganze Scheiße nur so rein gerutscht.
Ich hatte mal was ehrenwertes machen wollen. Filmstar vielleicht oder auch nur ihr Bodyguard, das hätte mir gereicht, und die Ausbildung dazu hatte ich auch ohne zu murren durchgezogen.
Aber was sollte man machen, wenn der Markt vollkommen überfüllt war und keine Sau mehr Beschützer brauchte, weils mittlerweile auch Handfeuerwaffen für Vollidioten gab?
Ich hatte mich nach was anderem umgesehen, zeitweise sogar mein Geld mit etwas schmutzigeren Angelegenheiten verdient. Und schließlich hatte mich ein Transporter ins Geschäft mit einsteigen lassen.
Transporter. Nette Bezeichnung für Menschen, die illegale Ware, was auch immer, von A nach B transportieren. Dazu zählten die flüchtigen Gangster die die Bank überfallen hatten genau so wie kleine unscheinbare Päckchen, die man irgendwie vernichten musste, warum auch immer.
Um so einen Job gut durchziehen können, brauchte es Regeln, das hatte ich als erstes gelernt.
Regel 1: Niemals den Plan ändern.
Kunde gibt Auftrag, du machst es, kriegst Kohle, fertig.
Regel 2: Klappe halten.
Ging ja auch echt niemanden was an, was ich so als Beruf ausübte.
Meistens antwortete ich auf die Frage mit 'im Transportwesen'. Das reichte oft.
Und Regel 3: Öffne niemals, absolut niemals das Päckchen!
Oder auch anders ausgedrückt – egal was du bekommst, mach es einfach. Es ging dich nichts an, warum diese Menschen die Bank überfallen haben oder wieso das Krokodil das Packet vernichtet haben wollte.
Die Straße flog unter mir dahin, ich konnte es spüren und ich liebte dieses Gefühl wie nichts anderes. Fahren, das war meine Leidenschaft und meine Passion, ich konnte nichts besser und war fest davon überzeugt das auch wenn mir dieser Beruf keinen Spaß machte, es doch meine Bestimmung war, irgendwie.
So wie Menschen mit einer guten Stimme zum singen bestimmt sind.
Ich fuhr mit einer Hand, mit der anderen fischte ich nach meinen Zigaretten. Das rauchen hatte ich irgendwann anfangen, und das nur aus einem Grund – man behielt beim schießen eher eine ruhige Hand. Zumindest war das bei mir so.
Eine richtige Ausbildung im Umgang mit Schusswaffen hatte ich natürlich nicht und von einem Waffenschein war ich weit entfernt. Aber es reichte voll und ganz wie ich fand. Ich wurde nur selten so bei meinen Aufträgen gestört, das ich schießen musste.
In den meisten Fällen musste ich einfach nur mal so richtig aufs Gas treten.
Zur eigenen Sicherheit trug ich jedoch immer eine kleine Pistole an meiner Seite, gut griffbereit.
Das Radio ließ ich aus, denn so, ohne Musik, konnte ich die Landschaft besser betrachten, die im vorbei fliegen etwas noch viel schöneres bekam. Die grünen Bäume, die Hügel, das irgendwie robuste Aussehen dieser Gegend passte hervorragend zu mir.
Ich ließ den Kopf zurücksinken und seufzte kurz, bevor ich wieder nach vorne sah.
Mein Navigationsgerät zeigte mir brav den Weg, es ging schön grade immer weiter, es war auch noch eine ganze Ecke, von Stadt oder Lagerhallen nichts zu sehen, nur Wald, endloser Wald.
Als ich das erste Mal das klopfen hörte, reagierte ich nicht darauf, weil es mir nicht verdächtig vor kam. Vielleicht der Motor oder das Päckchen, das gegen das Blech gekommen war.
Konnte ja immer mal passieren.
Doch es blieb einfach nicht bei diesem einmaligen Pochen irgendwo hinter den Rücksitzen.
Ein zweites Mal, lauter. Ich horchte auf.
Ein drittes Mal, noch lauter, irgendwie bekam ich ein ungutes Gefühl. Ich drehte den Kopf, sah kurz nach hinten, doch natürlich entdeckte ich nichts, was dieses Klopfen auslösen konnte.
Eine Vorahnung beschlich mich, die mir ein klein wenig unangenehm war.
Denn sollte sie sich bestätigen, konnte ich umdrehen und diesen Wichser von Crocodile erstmal ordentlich lang machen.
Weiteres Klopfen. Ich schaltete meine Ohren auf Durchzug, tat so als würde ich nichts hören, doch es war einfach nicht zu ignorieren, dieses ständige Klopfen.
Mein Griff ums Lenkrad wurde stärker, ich schob mir die Zigarette in den Mund, weil ich spüre das es mich anfing zu nerven.
Das Zipo krallte ich mir vom Beifahrersitz, ließ einen Feuerstahl in die Höhe schießen und kurze Zeit später zog ich den blauen Dunst genüsslich ein.
Ruhig, Lorenor. Alles ist gut. Irgendwas klopft halt, na und? Bringst du dein Baby nachher halt mal in die Werkstatt. Kein Drama.
Doch es wurde zum Drama.
Die Sache war nun mal die, das ich Geräusche, vor allem wenn sie mein Auto betrafen, gut unterscheiden konnte. Ich wusste, wann etwas nur so ein bisschen gegen das Metall schlägt und wann es richtig kräftig dagegen wummerte. Und vor allem kannte ich den akustischen Unterschied zwischen einem Klopfen und einem Schlag, der mir eine Delle ins Blech haute.
Ich ging voll in die Eisen, die Reifen quietschten auf dem aufgeheizten Aspalt, ich stieg aus, stapfte um das Auto herum, nicht nur wütend sondern wahrlich kochend, schmiss meine nicht mal angerauchte Kippe einfach irgendwo hin und fummelte an meinem Kofferraum herum.
Ich verstieß hier gegen Regeln, das war mir klar. Sonnenklar.
Aber verflucht, ich ließ mir doch nicht die Karre zerlegen!
Ich riss schließlich die Klappe auf und eine kurze Sekunde erkannte ich nichts, weil der Unterschied vom Licht draußen und der Dunkelheit da drinnen doch ein wenig krass war.
Und dann erkannte ich, was ich da eigentlich durch die Gegend kutschierte.
Kein Päckchen. Kein kleines viereckiges Ding. Mit Akten drin oder sowas.
Ich kurvte hier mit einem Menschen im Kofferraum herum.
Verdammte, verfickte Scheiße.
Ich konnte die ersten Sekunden nichts weiter tun als diesen mir völlig fremden jungen Mann anzustarren.
Blonde Haare, die ihm jetzt ins Gesicht fielen, wohl auch wegen der Vollbremsung. Ich erkannte sein Gesicht kaum, nur ein paar Konturen, es schien glatt und ziemlich zierlich zu sein, genau wie der Rest seines Körpers, der in einem dreckigen und vor allem blutigen Sacko steckte.
Seine Hände wie auch seine Beine waren mit einem dicken Seil verbunden, doch er hatte wohl seinen Unterkörper so bewegt, das er immer wieder gegen das Blech getreten hatte.
Der musste ordentlich Kraft haben, schoss es mir durch den Kopf.
Sein Mund war verbunden mit einem weißen Tuch, das ihm zum Teil auch in den Mund gestopft worden war.
Zu allem Überfluss konnte man deutlich erkennen, das man ihm beide Füße verdreht hatte, sodass er vorerst nur unter sehr großen Schmerzen laufen konnte.
Taffer Kerl, das er trotzdem so einen Tritt am Leib gehabt hatte.
Allerdings interessierte mich das erstmal nur zweitrangig.
„Sag mal, hast du sie noch alle? Hör auf der Stelle auf, mein Auto zu zerlegen du Mistkerl, weißt du wie teuer das Baby war? Allein die Lackierung, wenn ich dran denk krieg ich Plack, ich sags dir!“, platzte es aus mir heraus und der Junge sah mich aus großen, ängstlichen Augen an. Sein Atem ging ungleichmäßig.
Eigentlich war ich nicht so. Ich war bekannt für meine ruhige Art, für meine Beherrschtheit, die man nun mal in diesem Job einfach brauchte.
Aber bei meinem Auto kannte ich keinen Spaß. Absolut nicht.
Ich atmete einmal tief durch, um mich zu beruhigen, und es klappte tatsächlich.Ich kam wieder runter und musterte den Kerl abschätzend.
„Klasse, echt. Da reden die von Päckchen und legen mir nen Mann in den Kofferraum.. Der wird blechen müssen..“, presse ich zwischen meinen Zähnen hervor, dann sah ich mich kurz um, ob vielleicht irgendein Auto kam, doch es war ruhig auf der Straße.
Ich schob seufzend meine Jacke bei Seite und zeigte ihm meine Waffe.
„Nur das du's weißt. Nur ein Schrei und ich knall dich ab.“
Klang irgendwie ein bisschen übertrieben, fruchtete aber. Er nickte langsam und ich zog ihm mit einem schnellen Handgriff das weiße Tuch aus dem Mund.
Er keuchte auf, spuckte ein paar Fluseln aus, doch mein bitterböser Blick hielt ihn davon ab.
Er sah mir in die Augen, ich starrte zurück und bekam ein Gefühl, das ich nicht einordnen konnte, mich aber schrecklich unruhig machte.
Irgendwas stimmte nicht mit dem. Ich wusste irgendwie, das der mir Ärger bringen würde.
Doch ich schob diesen Gedanken bei Seite – war doch bullshit, er war gefesselt und ich hatte quasi die Vollmacht über ihn.
„Dein Freund das Krokodil hat echt keine Ahnung.“, knurrte ich und sah mich vorsichtshalber nochmal um.
Er schwieg und sah mich schwer atmend an. Ich seufzte schwer und ging mir mit den Händen durchs Gesicht.
„Scheiße, aber echt.“
Ich beugte mich nach vorne, mein neuer blonder Freund keuchte erschrocken und schmerzvoll auf, als ich meine Arme unter seinen Körper schob und ihn aus dem Kofferraum hebelte.
Wieder verstieß ich gegen Regeln, aber in diesem Fall durfte ich das. Denn Crocodile hatte mich nicht aufgeklärt. Und Menschenhandel – oder Menschenraub – handhabte man bei mir einfach anders. Dafür würde es eine ordentliche Extrazahlung geben müssen dachte ich grimmig, als ich den Jungen an meinem Auto vorbei über den Aspalt trug, die Rückitztür umständlich öffnete und ihn dann dort vorsichtig absetzte.
Er kniff die Augen zusammen, ich konnte mir vorstellen das seine Füße weh taten, doch da konnte ich jetzt auch nichts dran ändern. Ich drapierte sowohl die Beine als auch die Hände so, das man von außen nicht einsehen konnte, das er gefesselt war, dann schloss ich die Tür und ging wieder zum Fahrersitz, auf dem ich mich ziemlich entnervt sinken ließ.
Ich ließ den Wagen an, sah in den Rückspiegel und der Fremde starrte ohne Scham zurück.
Na ja, sonderlich viel musste dem auch nicht mehr peinlich sein.
„Name?“, fragte ich, nachdem der Motor aufgeheult hatte und ich weiter über die unbelebte Landstraße schoss.
Er antwortete nicht.
„Name?!“, wiederholte ich meine Frage und erst jetzt hörte ich ihn sich bewegen.
Wenn der Blutflecken hinterließ, würde Crocodile ordentlich die Taschen leeren dürfen.
„Sanji.“, antwortete er. Seine Stimme klang rau, als hätte er Sand gegessen, rau und kratzig. So hörte sie sich sicherlich nicht in Natura an, doch das interessierte mich wenig.
„Hm, okay. Also, hör mal Sanji, glaub jetzt bloß nicht nur weil ich dich aus dem Kofferraum geholt hab ändert das was am Auftrag, klar?“
Ich schloss die Augen, weil ich mir nicht vorstellen wollte wie ihn nachher irgendwer in die Müllverbrennungsanlage stopfte.
Dieser Wichser würde sowas von blechen. Der würde mir sein verficktes Haus abtreten.
Ich hasste das töten. So sehr ich das fahren doch liebte, das töten lag mir gar nicht.
Ein paar Mal hatte ich es schon getan, und nie war es eine sonderlich empfehlenswerte Erfahrung gewesen. Okay, eigentlich tötete ich hier nicht selbst, aber ich war ziemlich direkt am Mord beteiligt. Was mich eigentlich kalt lassen sollte. Doch es ließ mich nicht kalt.
Ich hörte ihn leise lachen.
„Was ist denn der Auftrag?“, fragte er und kurz darauf musste er husten.
Wenn der unbedingt wissen wollte, wie er gleich starb, okay.
„Du wirst nachher in eine Müllverbrennungsanlage geschoben.“, antwortete ich gefühllos und daraufhin hörte ich ihn auf keuchen.
Ich seufzte.
„Du wolltest es wissen..“, verteidigte ich mich, obwohl er mir keinen Vorwurf gemacht hatte.
Ich sah im Rückspiegel, wie er den Kopf drehte und aus dem Fenster sah.
Ich glaubte das er weinte, aber das konnte ich jetzt nicht berücksichtigen.
. . . Verdammt, ich war kein Mörder!
„Hast du dir ja nen feinen Job ausgesucht, Müllmann.“
... hatte der das gerade wirklich gesagt?
Ich drehte mich auf meinem Sitz um und betrachtete den Blonden grimmig.
„Vorsicht, Freundchen.“ Vielleicht wollte der ja, das ich ihn gleich hier erschieße. War sicher ein schönerer Tod als verbrennen.
Argh, ich wollte darüber nicht nachdenken!
Ich sah wieder auf die Straße – und versteifte unmerklich.
Verfickt.
Die Bullen.
Ich hörte Sanji leise seufzen.
„Heute scheint mein Glückstag zu sein..“, murmelte er mit einem Lächeln, doch ich konnte dieses Lächeln nur erwidern.
„Freu dich nicht zu früh, Kumpel. Fest halten und Augen zu - jetzt wirds was schneller."
Catch me if you can // Breathe.
Die Sirenen heulten hinter mir auf, doch ich überhörte sie gekonnt.
Wenn es irgendwas gab, worin ich gut war, dann war das Polizeisirenen überhören. Anhalten und Ausweiß vorzeigen – nee, ist klar. Als ob ich mir sowas erlauben könnte.
Als ich das Gaspedal durch trat, vom Rücksitz ein erschrockenes Keuchen kam und ich meinen Magen spürte, der sich in meine Wirbelsäule zu drücken schien, wusste ich wieder wer ich war und wieso ich das überhaupt tat.
Ich tat es wegen dem fahren. Wegen der Geschwindigkeit, wegen dem Adrenalin.
Wegen diesem unglaublich geilen Gefühl, das in meinem Kopf Gestalt annahm und dann weiter hinunter in meinen Bauch wanderte.
Ich liebte diesen Rausch, dieses Gefühl des high seins mehr als alles andere auf der Welt.
Nichts konnte dieses Gefühl ersetzen – abgesehen von einer guten Ladung Speed vielleicht.
„Verfickt..!“, hörte ich den Blonden fluchen und ein breites Grinsen schlich sich auf meine Gesichtszüge.
Im Rückspiegel konnte ich erkennen das er mich musterte und dabei ein wenig verstört drein blickte. Ich sah wohl ziemlich manisch aus – interessierte mich allerdings wenig.
Der Wagen brüllte wie ein wütender Löwe auf, schoss nach vorne und gewann in kürzester Zeit an Geschwindigkeit.
Die Sirenen in meinem Rücken wurden unmerklich leiser, doch ich konnte hören das auch das andere Auto an Geschwindigkeit zunahm und versuchte mir zu folgen.
Die waren hier nicht zimperlich. Wenn mir nicht schnell etwas einfiel, würde ich gleich mit zerschossenen Reifen am Straßenrand zum stehen kommen.
Ich sah auf mein Navigationsgerät, doch das zeigte mir nur weiter stoisch an, das ich gerade aus musste.
Doch gerade aus war keine gute Richtung für eine Verfolgungsjagd.
Bäume, Hügel oder Wiesen waren nicht mehr zu erkennen, sie folgen an uns vorbei in einer unglaublichen Geschwindigkeit, verschmolzen zu einem einzigen grünbraunen Brei.
Eigentlich eklig, wenn man es genau nahm, doch über solche Nebensächlichkeiten machte ich mir keinen Kopf.
Ich brauchte irgendeine Eingebung. Und das schnell.
„Verdammt, du kannst nicht entkommen!“
Der Kleine hatte ganz offensichtlich keine Ahnung von meinem Geschäft und er wusste wohl auch nicht, wie oft ich das schon getan hatte.
„Das glaubst du – festhalten!“
Es war fast gemein das zu sagen, schließlich war er gefesselt und hatte keine Chance sich irgendwo fest zu krallen, aber darauf konnte ich nicht reagieren.
Der kleine Waldweg schoss mir ins Blickfeld, ich trat auf die Bremse, schaltete im Gang und gab kurze Zeit später wieder Gas, nachdem ich das Lenkrad rapide herum gerissen hatte.
Sah ein bisschen aus wie driften, unabsichtlich, aber verdammt cool.
Ich fühlte mich wie der King der Landstraße, als ich auf den holprigen Waldweg schoss und ordentlich durchgeschüttelt wurde.
Mein Beifahrer auf dem Rücksitz biss wohl die Zähne zusammen, als ich einmal nach hinten sah konnte ich nur sehen, das ihm stumme Tränen die Wange hinunter liefen.
Ob das jetzt der Schmerz war oder die Enttäuschung, das er wohl doch nicht gerettet werden konnte, wusste ich nicht.
Der kleine Weg spaltete sich nach wenigen Metern in mehrere kleinere Wege auf, ich wusste zwar nicht wohin sie führten, doch - wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Also wählte ich einfach den nächstbesten aus, hoffte das es keine Sackgasse war; was mich wahrscheinlich auch nicht aufhalten würde; und ließ den Motor ein weiteres Mal aufheulen.
Hinter mir bog der Streifenwagen mit einer fast unmöglichen Geschwindigkeit ein – war aber nicht auf den schlechten Zustand der Straße gefasst gewesen.
Ich sah, wie der Wagen über die Hügel und Wurzeln hopste. Mein Vorteil – ich konnte selbst mit den schlimmsten Bedingungen umgehen. Man musste nur wissen, wie man zu lenken hatte.
Ich spürte wie mein Puls stieg, als ich in den Seitenspiegel sah und bemerkte, das der Wagen näher kam. Ich wagte es nicht, das Gaspedal ganz durch zu treten, ich hatte Angst vor einem Überschlag oder einer schlimmeren Beschädigung meines Lacks.
Und das würde dann wieder kosten. Die Schmerzen meines Autos waren auch meine Schmerzen.
„Verdammt, GIB GAS!“
Nein. Das konnte nicht sein. War das jetzt eine akustische Fata Morgana oder hatte das gerade wirklich mein netter blonder Beifahrer zum Besten gegeben?
Ich hatte keine Zeit nachzusehen, denn mein Körper begann auf Autopilot umzuschalten. Seine Worte bewirkten quasi das Umlegen eines Schalters irgendwo tief in meinem Gehirn drin.
Ich bekam nur am Rande mit, wie mein Fuß das Gaspedal nach unten drückte, wie wir über die holprige Strecke schossen, wie ich mit dem Kopf fast gegen das Dach kam, wie Sanji hinter mir vom Sitz kullerte und irgendwo in den Fußraum fiel und wie ich das Lenkrad herum riss und in den Wald schoss als ob es da nichts zu rammen gäbe.
Mein Blick verschwamm, als ich wie von Sinnen das Lenkrad mal nach links, mal nach rechts riss, als ich den Bäumen auswich, als ich mir einen Seitenspiegel abriss und es ohne große Klagelaute ertrug.
Ich hört die Sirenen hinter mir jaulen, was ich aber deutlich lauter hörte war der Knall, den das zerschmetternde Blech auf irgendeinem Baum auslöste.
Ich hoffte auf Eiche. Die war wenigstens stabil.
Meine Sicht und meine Gedanken klärten sich erst wieder, als ich im Rückspiegel den Polizeiwagen sehen konnte, der sich mit einem eindeutigen Totalschaden an einen Baum geschmiegt hatte, als wollte er mit ihm kuscheln.
Erst jetzt spürte ich, das ich die ganze Zeit nicht geatmet hatte und holte das schnell mit mehreren gekeuchten Atemzügen nach.
Aus dem Fußraum hinter mir drang ein wehleidiges Winseln.
Ich versuchte aus den Augenwinkeln zu erkennen, wo Blondie hingekullert war, konnte aber nichts erkennen.
„Bleib ruhig liegen.“, murmelte ich, als würde der arme Kerl da nicht selbst drauf kommen und verlangsamte mein Tempo, damit mir nicht dasselbe Schicksal zu kam wie den beiden armen Schweinen da irgendwo hinter mir.
„Hatte ich vor.“, war die trockene Antwort und ich überhörte sie.
Ich machte eine scharfe Rechtskurve, weil ich plötzlich auf dem Navi erkennen konnte das nicht weit von mir weg eine Straße entlang führte und tatsächlich, plötzlich schossen wir durch das Gebüsch und kamen klappernd und ziemlich buckelnd wieder auf Asphalt an.
Ich ging natürlich nicht vom Gas, ganz im Gegenteil, ich nutzte den festen Boden und gab nochmal richtig Gummi. Doch da die Strecke vor mir wieder gerade war und ganz nebenbei landschaftlich genauso wie die vorher, nutzte ich die Zeit und sah nach hinten.
„Sanji?“, fragte ich irritiert, als ich den Blonden nicht entdecken konnte.
„.. ja?“, kam die ziemlich gepeinigte Antwort.
Ich verrenkte mir fast den Hals, damit ich den jungen Mann sehen konnte, von dem nur noch die Füße unter dem Beifahrersitz hervor lugten.
Ich sah wieder nach vorne, ich wollte ja auch nichts rammen, und schwieg, weil ich nicht wusste was ich sagen sollte.
Erst langsam wurde mir klar, was ich da gerade eigentlich getan hatte.
Ich war quer durch einen dicht bestückten Wald gefahren mit einem absolut unmenschlichen Tempo, war den Bäumen ausgewichen wie ein Wahnsinniger und hatte ganz nebenbei noch den Polizeiwagen vernichtet. Eher passiv, aber ich hatte dazu beigetragen.
Gut, das bedeutete allerdings, das die restlichen Ratten auch nicht mehr lange auf sich warten ließen. Hier würde es bald von Bullen nur so wimmeln und denen wollte ich eigentlich nicht ins Netz laufen. Das hieß, eine Idee musste her.
Leises keuchen aus dem Fußraum.
„Verdammt.. wieso hast du überhaupt Gas gegeben? Die hätten dich vielleicht gar nicht angehalten!“ Ich lachte auf.
„Natürlich hätten die das. Die patrouillieren in Crocodiles Revier. Die halten aus Prinzip jeden an.“
Dazu sagte er nichts, wohl weil er wusste das ich Recht hatte. Ich bog in eine schmalere Seitenstraße ein.
Was ich jetzt brauchte, war ein alternativer Plan. Zuerst aber brauchte ich ein Telefonat.
Ich griff nach meinem Mobiltelefon, das bei meiner wilden Fahrt in meinen Schoß geflogen war, und wählte Crocodiles Nummer.
Es dauerte nicht lange, gerade mal ein Tuten musste ich abwarten, dann machte es Klick.
„Ja, bitte?“ Ich räusperte mich, holte tief Luft.
„Sagen sie mal, Crocodile – Haben sie eigentlich noch irgendwo ein Gehirn unter ihrer fettigen Schamhaarfrisur?“
Das ich ihn im Angesicht der Tatsache das ich brüllte noch sizte war bescheuert. Aber ich wollte ihn auch nicht duzen. Das hätte eine gewisse Vertrautheit hergestellt und die wollte ich nicht.
„.. bitte, was?“, kam es total perplex zurück.
„Päckchen, hm? PÄCKCHEN, HM? Tolles Päckchen, das mir den Kofferraum zerlegt und wegen dem ich gerade mein Auto ein geschrottet habe, verdammte Scheiße!“
Schweigen, dann ein Seufzen.
„Ich weiß wirklich nicht, was sie von mir erwarten, Mr. Transporter.“
„NENNEN SIE MICH NICHT SO!“
Ich war nicht sauer auf ihn. Ich war auch nicht stinkesauer. Ich war einfach vollkommen aus der Fassung. Meine ruhige Art, mein sonst so entspanntes Wesen – alles futsch.
Mein wunderschönes Auto, mein Baby, mein Liebling.
Vollkommen zerkratzt. Seitenspiegel ab. Wahrscheinlich noch weitere Schäden, die ich erst erkennen würde wenn ich das Auto genauer untersuchte.
Verdammte Scheiße. Das war mein seelisches Ende.
„Regen sie sich nicht auf.“
Die Stimme des Krokodils war kalt und rational. Drauf geschissen.
„Nicht aufregen. Sie sind mir einer.“, knurrte ich und fuhr mit nervös durch die Haare, mit der Hand die eigentlich am Steuer liegen sollte.
„Ich hab die Route geändert, lass mir was einfallen. Das werden sie zahlen, Crocodile. Jeden Cent.“
„Wie sie wollen. Hauptsache das Päckchen wird entfernt.“
Ich keuchte.
„Ja, klar. Scheiße!“ Ich schmiss das Telefon von mir, als wäre es ein ekliges Tier, eine Schabe oder sowas, und knurrte leise vor mich hin, um die Wut abzubauen, die sich in mir ansammelte.
Ein kleiner Parkplatz kam in Sicht, der zu einem Wanderweg gehörte der quer durch die eigentlich idyllische Landschaft führte.
Perfekt für meine Zwecke.
Ich bog auf ihn ein, wurde langsamer und kam schließlich zum stehen.
„Sind.. wir da?“ Ich seufzte, und anstatt zu antworten ließ ich meinen Kopf nach vorne auf das Lenkrad sinken und atmete mehrmals tief durch.
Das konnte doch alles nicht sein.
Ich war schon so lange im Geschäft. 6 Jahre. Eine verdammt lange Zeit für einen Transporter.
Und es hatte schon oft Verfolgungsjagden gegeben. Mit der Polizei, mit irgendwelchen Verbrechern. Eigentlich konnte ich einmal wöchentlich damit rechnen.
Aber durch einen so dicht bewachsenen Wald war ich auch noch nie gefahren.
Das war absolute Premiere gewesen und – es hatte mir echt keinen Spaß gemacht.
Das war mehr als ein Risiko gewesen. Und ich lebte quasi im Risiko.
Das hatte nur noch was mit einem Selbstmordattentat zu tun gehabt.
Himmel. Was hatte mich da nur geritten?
Scheiße. Ich hatte das böse Gefühl, das ich hier tierisch verarscht wurde.
„.. argh...“
Oh verdammt, Blondie hatte ich ja total vergessen!
Ich hob den Kopf, spürte den Abdruck des Lenkrades auf meiner Stirn, doch ich interessierte mich nicht weiter dafür, ich öffnete die Autotür und stand auf, die warme Sommerluft schlug mir ins Gesicht und ich versuchte nicht mein Baby zu betrachten, weil ich wusste das mir das nur die Seele zerreißen würde.
Ich ging zur Beifahrertür, öffnete sie, bückte mich keuchend nach vorne und zog den jungen Mann mit einer schnellen Handbewegung unter dem Sitz hervor.
Seine Augen waren fest zusammen gekniffen, sein Mund ebenfalls, sein Körper krümmte sich kurz und er keuchte leise, als ich ihn aus dem Auto zog und ihn über die Schulter warf.
„Was...?“ Ich berührte seinen Fuß und er schwieg sofort, was von mir gewollt war.
Dumme Kommentare konnte ich jetzt echt nicht gebrauchen. Meine Laune war irgendwo am Gefrierpunkt angekommen, ich war mehr als angepisst.
Dieses verhurte Mistkerl. Verdammtes Krokodil!
Ich schleppte ihn wortlos ums Auto, erkannte dabei die Schäden und ich spürte viele kleine Stiche in meinem Herzen.
Mit einem leisen Wimmern fuhr ich mit meiner freien Hand über einen dicken Kratzer, der noch das gerinste Problem dar stellte.
„Sieht ganz schön scheiße aus.“
Für diesen Kommentar ließ ich ihn einfach auf den Beifahrersitz fallen und ihm entwich ein leiser, schmerzhafter Schrei. Ich sah ihn kalt an.
„Guck mal in den Spiegel.“, gab ich von mir, als hätte er meine Freundin beleidigt oder einen guten Freund, dann schlug ich die Tür zu und ging um das Auto herum.
Als ich wieder auf dem Fahrersitz saß und schweren Herzens den Motor an ließ, der irgendwie seltsam glucksende Geräusche von sich gab, schielte ich zu ihm, wie er den Kopf nach hinten lehnte und leise seufzte.
„Wieso hast du mich nach vorne geholt?“, fragte er, als wir langsam vom umwaldeten Parkplatz zurück auf die Straße rollten.
Ich schwieg, weil es darauf keine Antwort gab. Ich wusste es ja selbst nicht.
Irgendwelche Verbrecher behandelte ich bei weitem nicht so vorsichtig. Die hatten halt damit zu leben, wenn denen durch meine rabiate Fahrweise ein Arm flöten ging. Oder die Beute.
„Wieso erschießt du mich nicht?“
Ich drehte wieder den Kopf und sah ihn kurz an.
„Weil das nicht mein Auftrag ist.“, gab ich leise von mir und ich spürte, wie seine Augen mein Profil musterten.
Wieso war mir das so unangenehm?
„Kannst du's nicht einfach tun und sagen, die Bullen waren es?“
Ich musste gequält lächeln, weil ich ihn verstand.
„Kann ich nicht.“, war allerdings meine reichlich unterkühlte Antwort.
Er seufzte leise und in meinem Kopf spielte sich das Horrorszenario ab.
Der blonde Kerl mit dem Kopf zuerst in der Müllverbrennungsanlage.
Kam nachher nur ein handlicher Haufen Asche raus.
Pfui Teufel.
„Verdammt.“ Er weinte nicht, er klang viel mehr wie jemand, der gerade damit anfing von seinem Leben Abschied zu nehmen. Wahrscheinlich gar nicht so dumm. Besser jetzt damit anfangen, dann hatte er genug Zeit dafür.
Ich fühlte, wie sich ein dicker Klos in meinem Magen bildete. Da saß quasi ein lebender Toter neben mir. Unheimlich, zu wissen, wann jemand starb.
Die Straße begann einige leichte Biegungen zu machen, schlängelte sich durch den Wald, links und rechts konnte man kleine Berge sehen, allerdings nichts von irgendeiner Stadt oder alten Fabrikanlagen.
Ich wollte meine Fracht einfach nur noch schnell los werden.
Ich fühlte mich ausgelaugt, zutiefst entsetzt über mich selbst, unheimlich wütend und zugleich vollkommen verwirrt. Sonst hatte ich nie diese Gewissensbisse.
Er legte den Kopf auf die Seite, so das er mich ansehen konnte, und musterte mich weiter, während ich fuhr. Wir schwiegen.
Das ging gute 5 Minuten lang gut. Dann wurde es mir zu bunt.
„Starr mich nicht so an!“, giftete ich und hasste mich kurz darauf selbst dafür, das ich keine Kontrolle mehr über mich hatte. Er lächelte, was mich zusätzlich nervös machte.
„Was ist los? Du scheinst eigentlich nicht der Typ zu sein, der schnell aus rastet.“
Mein kalter Blick schien ihn ein wenig einzuschüchtern. Sein Lächeln verschwand.
„Hör mal, Kleiner. Mein Auto ist schrottreif. Ich habe eben eine halsbrecherische Fahrt quer durch einen dichten Wald hingelegt. In einem Tempo, mit dem ich normalerweise nicht mal auf Asphalt fahre. Ich hab einen Polizeiwagen vernichtet. Ich weiß nicht, ob die noch leben oder eben tot sind. Und vor allem hab ich das Päckchen geöffnet.“
Das ich ihn als Päckchen bezeichnete war seltsam. Denn er war ja keins.
Aber er lächelte nur und irgendwie hatte ich das Gefühl, das er verstand wieso ich so aus der Fassung war. Auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, wieso ihn das interessierte.
Wir schwiegen und musterten die gewundene Straße vor uns.
Wenn er nicht gefesselt und Blut überströmt gewesen wäre, hätte ich wohl das Gefühl gehabt, das wir alte Freunde waren, die einfach zusammen das Fahrgefühl genossen.
Das er wieder weinte, sprach dagegen.
Er tat mir Leid und das fraß an mir. Es hatte mir nicht Leid zu tun.
Hatte ich sowas überhaupt schon mal gemacht?
Hatte ich schon mal eine lebende Ware zu seinem Schlachtungsort gefahren?
Ich konnte mich nicht daran erinnern. Bis jetzt war mir das wirklich noch nicht passiert.
Und das machte die Angelegenheit so kompliziert.
Denn ich wusste nicht, was der Andere getan hatte, das Crocodile ihn los werden wollte.
Und so konnte ich seine Tötung auch nicht nachvollziehen.
Und deswegen tat er mir Leid. Verdammter Teufelskreis.
„Ich bin ihm auf den Schwanz getreten.“
Überrascht sah ich Sanji kurz an, bevor ich wieder auf die Straße sah.
Ich fühlte mich ruhiger, allerdings immer noch nicht vollkommen abgekühlt.
„Und wie?“, fragte ich und meine Stimme klang wieder angenehm rational.
So war das richtig.
„Ich hab seine Süße gevögelt.“
Mein Mund klappte nach unten, als ich ihn erneut ansah.
„Du hast... was?“, fragte ich nach, und sein Lächeln war resignierend. Meine Rationalität war wie weg geblasen.
„Hast schon richtig gehört. Ich hab meinen Schwanz nicht ruhig halten können. Robin. Verdammt heiße Braut. Und geil auf mich wie Nachbars Lumpi.“
Das konnte ich mir vorstellen. Wenn man sonst mit dem Krokodil rumpoppen musste, konnte der Blonde nur eine Verbesserung sein.
Ich konnte nicht anders, ich musste grinsen.
„... und deswegen lässt er dich einäschern?“
Aus einer Richtung kam ein Glucksen.
„Sieht so aus.“
Wir konnten wohl beide nicht anders.
Ich prustete, er prustete, wir begannen zu lachen, er krümmte sich nach vorne und lachte, ich krallte mich ans Lenkrad und tat es ihm gleich, und so schossen wir mit nicht angebrachtem Tempo in einem vollkommen vernichteten Wagen über die einsame Landstraße durch einen dichten Wald und brüllten, so bescheuert war das alles.
Als ich mir wieder beruhigt hatte, schielte ich zu ihm.
„Ich hoffe, es war wenigstens gut.“, murmelte ich und darauf musste er wieder lachen.
„Geht so.“, knurrte er schließlich und ich gluckste, bevor ich mich wieder zusammen gerissen hatte. Das war so behindert, das es wieder cool war.
Mein Navi meldete sich.
„In 100 Metern rechts einbiegen!“
Ich nickte darauf, als würde ich eine persönliche Beziehung mit dem Gerät führen, und Sanji sah aus dem Seitenfenster in den Wald hinein.
Mir fielen keine Worte ein um ihn zu beruhigen, also ließ ich es bleiben.
Was konnte man auch schon sagen? 'Es wird schnell gehen, keine Sorge.'
Super, da freute man sich ja richtig aufs abnippeln.
„Noch 200 Meter bis zum Ziel.“
Überrascht hob ich die Augenbrauen, sah erst auf den Navi, dann wieder auf die Straße.
Das war doch jetzt nicht wahr? Wie konnte denn hier irgendwo eine Müllverbrennungs -
Ach du scheiße.
Der Wald lichtete sich schlagartig, als hätte man eine Bombe einfach so hinein geworfen, plötzlich waren die Bäume weg und man hatte den Blick frei auf das wohl hässlichste Stück Land unter dieser Sonne.
Der Boden war matschig und irgendwie grau, eine große Fabrikanlage rundete das Bild optisch wie farblich ab, alt und rostig, die Schornsteine ragten dunkel und verkohlt aus dem Boden wie krankhafte Auswüchse. Rohre führten an den Wänden der circa 5 Gebäude entlang, die schrägen Dächer waren zum Teil abgedeckt und die Fenster ohne Ausnahme eingeschlagen.
Alte Geländewagen standen unten auf einem Parkplatz, sie schienen seid einer Ewigkeit nicht mehr benutzt worden zu sein, genau wie der Rest der Anlage, der ungefähr ein Fußballfeld einnahm und an ein uraltes Bayerwerk erinnerte. Quasi Bayer für die Armen.
„Da wären wir also.“, sagte ich leise und so langsam begriff ich, das die Regel 'Öffne niemals das Päckchen' einen sehr guten Grund hatte.
Denn alles in mir sträubte sich dagegen, diesen Jungen seinen Killern zu übergeben.
Aber wenigstens jetzt wollte ich mich an eine Regel halten – ändere niemals den Plan.
Ich lenkte auf den Pfad hin, der uns direkt zu dieser Fabrikanlage führen sollte.
Wieso hatte er mich noch nicht angefleht, ihn zu verschonen?
Wieso hatte er nicht versucht mich zu überreden?
Ich wusste nicht, ob ich nachgegeben hätte. Wahrscheinlich nicht.
Aber... ich verstand es eben nicht.
Mein Blick wurde rational, alles in mir erkaltete.
Ich fühlte mich emotionslos und das war gut so.
Ein Talent von mir – Gefühle einfach abschalten. Ich konnte sie ohne große Probleme verdrängen.
Ich erkannte Wagen, neu, schick. Die gehörten definitiv nicht hierher. Sie standen ein wenig versteckt hinter den älteren Modellen ohne Räder oder Motor.
Ich bremste, bis ich zum stehen kam.
„So.“ Ich atmete tief durch, sah zu meinem Nachbarn. Der hatte den Kopf aber an die Scheibe gelehnt und verbarg so seinen Blick vor mir. Was ich verstehen konnte.
Ich schloss kurz die Augen, drehte den Körper, legte die Hand auf die Türklinke -
doch als der erste Schuss fiel, irgendwo neben meinem Auto einschlug und mich zusammen zucken ließ, wusste ich, dass das heute hier mit dem Aussteigen nichts werden würde.
Verdammt.
Das hätte mir doch klar sein müssen, oder?
Ein mal ein Scheißtag, immer ein Scheißtag.
Öffne niemals das Päckchen. Fuck.
Deathrace.
Ich reagierte innerhalb von Sekunden.
Zuerst ließ ich mich nach hinten fallen, so, das mein Körper ausgestreckt auf den Sitzen lag, ich mir jedoch nicht die Gangschaltung in den Rücken rammte. Meine Hände griffen nach hinten, bekamen Sanjis Kopf zu fassen und drückten ihn ohne lange zu zögern nach unten in den Fußraum.
Der Blonde ließ erst ein erschrockenes Keuchen hören, dann ein schmerzhaftes Wimmern, doch ich konnte keine Rücksicht auf seine Füße nehmen.
Lieber ein bisschen Schmerzen dort als eine Kugel im Kopf und tot.
Ich hörte es Knallen, rund um mein Auto herum knallte und zischte es, ich hatte das Gefühl in irgendeinen Kleinkrieg hinein geraten zu sein und begann reflexartig, meinen Unterkörper so zu verdrehen das ich hier möglichst schnell wieder hinaus kam.
Meine Füße berührten nach einigen schmerzhaften Verrenkungen endlich das Gaspedal und die Bremse.
Mehrere Kugeln schossen durch meine Frontscheibe und ließen sie in tausend kleine Stücke zerspringen. Die Scherben rieselten auf uns hinab, Sanji schrie und ich versuchte ihn mit einer Hand vor den Einschnitten zu schützen, während meine Andere ans Lenkrad griff.
Die Gangschaltung legte ich mit der Schulter um, nach einigen Versuchen rastete sie ein und augenblicklich drückte ich meinen Fuß auf dem Gas voll durch.
Der Wagen ließ ein wütendes Brüllen hören, machte einen großen Satz nach hinten, das Fenster an meiner Seite zersprang und ließ noch mehr Splitter auf mich regnen, als mein Auto schließlich in einer mordsmäßigen Kurve wendete und ich unangenehm mit dem Kopf gegen die Beifahrertür stieß.
Ich fluchte, richtete mich so umständlich auf das ich aus dem Loch vor mir schauen konnte, mein Körper aber vom Sitz vor den Kugeln geschützt war, dann legte ich wieder den Vorwärtsgang ein und trat erneut meinen Fuß durch.
Wir machten einen Satz nach vorne, der Sanjis Schädel gegen das Armaturenbrett knallen ließ.
Der junge Mann stöhnte, bevor ich erstmal keinen Laut mehr von ihm wahr nahm.
Wir schossen auf den geschlängelten Weg zu, ich lenkte etwas rabiat zurück auf die Straße und jagte meinen Schrotthaufen nach wenigen Metern an der Kreuzung nach rechts.
Der Fahrtwind klatschte mir ins Gesicht, mir schossen die Tränen in die Augen und ich spürte das mein Gesicht seltsam nach hinten gezogen wurde, aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen.
Der Motor begann zu blubbern und zu knattern.
Nein. Das konnte mir mein Baby doch nicht antun!
Bitte Süße, gib dich nicht auf! Wir müssen es noch ein bisschen zusammen schaffen!
Doch all mein gedankliches Flehen brachte nichts.
Ich kannte diese Geräusche. Lange würde es dieser Wagen nicht mehr tun und sobald ich auch nur ein bisschen zu viel Gas gab soff mir alles ab und ich konnte den Rest der Strecke zu Fuß zurück legen.
Mir blieben nicht viele Auswahlmöglichkeiten. Mein Blick huschte von links nach rechts, in der Hoffnung irgendwo einen kleinen Weg zu entdecken oder vielleicht einen weiteren Parkplatz zum Wandern, doch mir fiel einfach nichts ins Auge.
Wir wurden langsamer.
Wild fluchend versuchte ich nochmal alles aus meinem Baby heraus zu holen, doch viel gab es da nicht mehr. Wir wurden immer langsamer.
Noch hörte ich keine Motorengeräusche hinter mir, aber es würde nicht lange dauern bis die hinter uns auftauchen würden. Ich konnte mir nicht vorstellen das die jetzt ne Freudenfeier veranstalteten, weil ich noch mehr oder weniger putzmunter war.
Ich hatte mal wieder Glück im Unglück. Wie schon so oft in meinem Leben sah ich, erkannte ich und handelte sofort, einfach reflexartig.
Der kleine Weg führte tatsächlich auf einen Parkplatz. Ich riss das Lenkrad herum, der Wagen schwenkte ein und wir bretterten über den Kieselsteinweg in eine kleine Mulde hinein.
Ich musste nicht mal die Bremse drücken. Mein Schrotthaufen hielt von ganz allein unter einem großen Baum. Ein letztes Zischen – dann hatte es seinen Lebenshauch ausgeatmet.
Jedoch hatte ich absolut keine Zeit um den Tod meiner Lebensabschnittsgefährtin zu bedauern.
So schnell ich konnte griff ich mir mein Handy, mein Navi aus der Halterung, eine Flasche Wasser und eine zweite Ersatzwaffe aus der Klappe am Armaturenbrett und stieg aus dem Auto.
Ich rannte um die Ruine die ich mal mein Baby genannt hatte herum, schob mir Navi und Handy in die Hosentasche, die Flasche klemmte ich mir unter den Arm, die Waffe fummelte ich an meinen Gürtel, dann riss ich die Beifahrertür auf und nahm mir die Sekunde, um Sanji anzustarren.
Er war ganz offensichtlich bewusstlos. Sein Kopf war nach hinten gesackt und lag auf der Sitzpolsterung, sein Körper war ein wenig ungemütlich im Fußraum verstaut, seine Füße in einer unnatürlichen Stellung auf den Boden gepresst.
Ich schob mir die Wasserflasche nun doch in meine Gesäßtasche, griff nach unten, umfasste den Anderen an den Beinen und am Brustkorb und hob ihn vorsichtig hinaus.
Er sagte keinen Ton, er wirkte wie leblos, wie tot, und das machte mir mehr Angst als die vermeidlichen Mörder hinter uns.
Ich hörte Motorengeräusche.
Eilig knallte ich die Tür zu, die daraufhin gefährlich in ihren Halterungen wankte, hievte mir Sanji über die Schulter und rannte los, wobei ich ihn gut fest hielt, damit er mir keinen Abflug machte.
Wieder war es einer dieser Parkplätze die zu einem Wanderweg gehörten, doch dieses mal war der Wanderweg mein Vorteil.
Ich rannte an dem großen Schild vorbei das eine Karte der Umgebung zeigte, spurtete auf den Weg der mit kleinen Steinen abgesteckt war und tauchte so in den Wald hinein.
Es war ganz schön anstrengend, nicht nur sein eigenes Gewicht, sondern auch noch jemand anderen beim Laufen mit sich zu schleppen, doch ich hielt auch noch nicht an als die Luft kühler wurde und der Parkplatz schon länger nicht mehr zu sehen war.
Die Bäume schossen an mir vorbei, ich konzentrierte mich voll auf den Weg vor mir und auf Sanji über meiner Schulter, der ab und an seltsam keuchende Geräusche von sich gab.
Da ich die Befürchtung hatte das ich ihm so auf Dauer einige Rippen brach, ließ ich ihn von meiner Schulter zurück in meine Arme gleiten und trug ihn so wie ein Baby vor mir her.
Der Kopf des Blonden wackelte wie bei diesen Dackeln die man sich ins Auto stellt hin und her, hin und her, der Wind zerzauste sein Haar und meine Füße begannen sich taub und kraftlos an zu fühlen, als ich langsamer wurde und vom Spurt in einen schnellen Trab wechselte.
Das der Andere bewusstlos war hatte in diesem Moment nur Vorteile für mich. Er konnte nicht schreien, nicht meckern und auch keine blöden Fragen stellen. Und vor allem bekam er nicht mit, wie ich vollkommen außer Atem anhielt und mehrere Male tief durch atmete.
Ich bekam einen Krampf im Arm, ließ ihn aber nicht los. Keuchend drückte ich seinen schlaffen Körper an mich und versuchte Luft zu bekommen.
Als sich die Welt um mich endlich aufhörte in dieser abnormalen Geschwindigkeit zu drehen, riskierte ich einen Blick auf meine Umgebung, doch sonderlich viel Spannendes konnte ich aber nicht entdecken.
Wir befanden uns hier in einem recht großen Mischwald. Anscheinend liefen wir gerade an einem kleinen Berg entlang, denn rechts von mir ging es bergab und links hinauf. Bäume ließen kaum Sonne auf den Boden, nur ein paar Büsche hatten sich einen geeigneten Platz erkämpft und der Boden war über und über bedeckt mit Blättern und Nadeln von den Tannen.
Die Sonne schien, das konnte man am Blätterdach über unseren Köpfen sehen, doch das Licht drang nicht bis nach unten, es war kühl und dunkel.
Jetzt fehlte nur noch ein Mann mit Skimaske und ich war in einem miesen Horrorfilm gelandet.
Wer wollte denn bitte an so einem deprimierenden Ort wandern gehen?
Ich setzte mich wieder in Bewegung, nur langsam, da ich Seitenstiche hatte, aber ich wollte es nicht riskieren lange stehen zu bleiben. Ich wusste nicht ob die Typen mein Auto entdeckt hatten oder ob sie mir folgten. Auf den absoluten Ernstfall wollte ich es eben nicht ankommen lassen.
Fast eine halbe Stunde stapfte ich weiter durch den Wald. Ich war froh, das mir niemand entgegen kam. Das wäre sicher ein gewöhnungsbedürftiger Anblick für jeden Touristen oder Einheimischen gewesen – zwei Männer, Blut überströmt, zerrissene Klamotten, verschwitzt, der eine bewusstlos in den Armen des Anderen.
Aber es kam mir niemand entgegen und auch von hinten näherte sich niemand, der mich zum schießen gezwungen hätte.
Dennoch wurde ich immer schlapper. Nach guten 20 Minuten wurde es schwer für mich einen Fuß vor den Anderen zu setzen, mein Kopf sackte immer wieder nach vorne und 10 weitere Minuten später blieb ich stehen, bückte mich und legte Sanji vorsichtig auf den Waldboden.
Durch meinen Körper hallte ein dumpfes Pochen, ich riss mir die Krawatte vom Hals und band mir damit die Wunde an meinem Arm ab, die bis jetzt nicht aufgehört hatte zu bluten.
Ich nahm mir die Zeit und musterte meinen Körper.
Schnittwunden, so gut wie überall. Mein weißes Hemd war zerrissen, genau wie mein schwarzes Jackett. Viele kleine rote Flecken zeigen, wo ich genau Verletzungen hatte. Meine Hose hatte schon bessere Zeiten erlebt und meine Schuhe waren voller Schlamm.
Sanji sah aber auch nicht besser aus.
Eine dicke Beule an der Stirn zeigte, wieso er gerade im Land der Träume schwebte.
Sein sonst so zierliches Gesicht war von Schrammen und Kratzern verunstaltet, seine Kleidung hing hin Fetzen an ihm hinunter und das Blut verkrustete seine Finger.
Er wirkte so ruhig, als ich mich auf die Knie neben ihm fallen ließ und mir das Jackett vom Oberkörper streifte, um es um ihn zu wickeln.
Er verzog das Gesicht, nur ein bisschen, aber er wachte nicht auf. Ich war froh drum.
Ich sah mich nochmal um, nur zur Vorsicht, doch es kam niemand, ich hörte nur die üblichen Geräusche eines Waldes.
Der Wind in den Blättern. Die Vögel auf den Ästen. Rascheln unter den Büschen, Kleintiere, Ameisen und Rehe irgendwo nicht weit entfernt.
Es war idyllisch und viel zu schön um es voll zu bluten. Eigentlich. Aber daran konnte man gerade nicht viel ändern.
Ich hob den schlaffen Körper meines 'Päckchens' vorsichtig an, legte meine Jacke darunter, ließ ihn wieder sinken und knotete die Ärmel so fest, das er wenigstens ein bisschen wärmer gehalten wurde. Denn außer eines dünnen Nadelstreifenhemds und einer schicken Hose trug er ja nichts.
Gut, ich hatte jetzt auch nur noch mein weißes Hemd mit den Löchern und Rissen, aber ich war ja auch in Bewegung und er gezwungenermaßen nicht.
Ich griff in meine Hosentasche und zog mein Handy heraus.
Ein kurzer Blick auf den Display raubte mir jede Hoffnung – ich hatte keine Verbindung.
Da hätte ich ja auch selbst drauf kommen können.
In meiner anderen Tasche befand sich das Navi, und das hatte noch Empfang. Die Batterie war zwar auch nicht mehr die Stärkste, aber nach dem anschalten zeigte es mir genau wo ich mich befand.
Im Wald.
Genial. Danke. Da wär ich sicher niemals allein drauf gekommen. Bäume sind ja sonst immer ein Anzeichen für Großstädte.
Genervt verstaute ich die beiden Elektrogeräte wieder, schnappte mir die Wasserflasche und trank ein paar große Schlucke.
Nachdenklich betrachtete ich den Blonden, der immer noch wie tot auf dem Boden lag, auf der Seite, den Kopf auf weichem Moos gebettet.
Ich strich ihm nachdenklich eine verkrustete Strähne aus dem Gesicht, dann hob ich seinen Kopf an, betrachtete sein Gesicht und ließ ihn dann wieder sinken.
„Sanji. Hey.“ Keine Reaktion. Ich seufzte, dann ließ ich ein bisschen Wasser in das Gesicht des Anderen träufeln.
„Sanji.“ Er verzog das Gesicht, ein Stöhnen drang aus seinem Mund, dann beobachtete ich erleichtert wie er seine verbundenen Hände hob und sich an die Stirn fasste.
„Oh Gott...“, murmelte er und ich konnte mir die bestialischen Kopfschmerzen vorstellen, die er hatte.
„Bin ich... tot?“, fragte er leise nach, ohne die Augen zu öffnen und ich richtete mich langsam wieder auf, obwohl sich meine Beine anfühlten wie Gummi.
„Nein. Glaub nicht.“, antwortete ich knapp, dann bückte ich mich und hob ihn stöhnend zurück in meine Arme. Sanji ließ ein Keuchen hören und er öffnete schwerfällig die Augen.
„Wo sind wir?“, fragte er mit piepsiger Stimme. Ich räusperte mich.
„Weiß nicht genau. Irgendein Wald.“
„Wieso... gehen wir?“
„Also erstmal gehe nur ich. Du genießt den Luxus getragen zu werden.“ Er nickte langsam und sah wieder müde zu mir auf. Ich seufzte, sah ihn nicht an, konzentrierte mich auf den Weg vor uns.
„Das Auto ist hinüber.“ Wieder nickte er, dann betrachtete er meinen Brustkorb.
„Sieht übel aus.“, murmelte er, er meinte wohl die Wunden. Ich schüttelte den Kopf.
„Geht schon.“ Wir schwiegen wir eine Weile.
„Kannst du mir nicht die Fesseln abmachen?“, fragte er plötzlich und riss mich aus meinen trüben Gedanken, wie ich jemals wieder zurück in die Zivilisation finden sollte.
Ich schüttelte erneut den Kopf.
„Kann ich nicht. Vorschrift.“ Aus den Augenwinkeln sah ich, das sein Blick ärgerlich wurde, was mit dem Riesen Horn auf seiner Stirn irgendwie albern wirkte.
„Wir stapfen hier gerade blutend und dem Ende nahe durch den Wald, und du kümmerst dich um Vorschriften?“ Jetzt ebenfalls verärgert sah ich ihn von oben herab an.
„Das hier ist auch ein Teil meiner Arbeit.“, teilte ich mit, doch ich erntete nur ein Lachen.
„Ach, dann war das also alles hier geplant gewesen, oder was?“
„Scheiße, ich hätte dich besser bewusstlos lassen sollen!“, fluchte ich und sofort verstummte er.
„Ist das hier deine Jacke?“
Wieder hatten wir knappe 10 Minuten geschwiegen, der Pfad am Berg entlang führte jetzt weiter nach unten in ein kleines Tal hinein.
„Wessen Jacke soll es denn sonst sein?“, fragte ich ruhig zurück und versuchte in der Ferne zu erkennen, wann wir endlich das Ende dieses verdammten Weges erreicht hatten.
„Ist dir denn nicht kalt?“ - „Nein.“
Er nickte langsam, dann streckte er seine verbundenen Arme von sich und gähnte.
„Ich bin müde.“, murmelte er und ich hatte nun wirklich das Gefühl, ein kleines Kind zu beaufsichtigen.
„Dann schlaf.“, antwortete ich knurrig und er schenkte mir dafür einen abfälligen Blick.
„Glaubst du das kann ich, wenn ich die ganze Zeit Angst haben muss das unsere Killer noch hinter uns her sind?“ Ich zuckte mit den Schultern. Er ging mir tierisch auf die Nüsse.
„Man, jetzt mach doch einfach mal die Fesseln an meinen Füßen los, die tun höllisch weh!“
Ich blieb stehen und starrte ihm in die Augen. Sein Blick änderte sich von motzig zu ängstlich.
„Hör mal zu, Kleiner. Wir sind hier nicht aufm Ponyhof, verstanden? Nur weil wir grad gemeinsame Verfolger haben, heißt das noch lange nicht das wir auf irgendeine Art gemeinsam arbeiten, klar? Ich bin der Transporter, du bist das Päckchen – Ende!“
Als der ängstliche Ausdruck in seinen Augen zu einem trotzigen wurde, hob ich verblüfft die Augenbrauen.
„Ich bin Transporter, du das Päckchen. Bla bla.“
Ich konnte nicht fassen, das er mich gerade nach geäfft hatte.
Er. Dieser kleine Blonde Schnösel. Der seinen Schwanz nicht ruhig halten konnte. Der hatte mich nach geäfft.
Es gab bestimmte Dinge, die ich absolut nicht leiden konnte. Meine Umwelt vermied diese Sachen deswegen meistens.
Ich hasste es wenn man mein Auto beschädigte. Ich wurde wütend wenn man schlecht über meine Freunde sprach – aber was ich am allermeisten hasste war, wenn man mich nicht ernst nahm.
Und dieses Kleinkind nahm mich Gott verdammt nicht ernst.
Ich blieb stehen, sah auf ihn hinunter und er starrte trotzig zurück.
„... weißt du was, Kleiner?“, fragte ich und meine Stimme war gezwungen ruhig.
„Was?“, fragte er zurück.
„Verreck doch.“
Ich zog mit einer schnellen Bewegung die Arme unter seinem Körper weg, er schrie auf, ich überhörte es, genau so wie ich es überhörte als er mit einem dumpfen Laut auf dem Boden aufkam und sein schmerzvolles Stöhnen darauf hinwies das er ein wenig unglücklich mit den Füßen zuerst gelandet war.
„Was zum .. HEY!“
Ich stapfte einfach über ihn hinweg, schob meine Hände in die Hosentaschen und seufzte leise.
Ich musste nicht nachsehen, ich konnte mir gut vorstellen wie das aussah das er da gefesselt und schreiend auf dem Boden lag und ich hatte einen diebischen Spaß daran, einfach weiter zu gehen, während er sich die Seele aus dem Leib brüllte.
„Verdammt, du kannst mich doch nicht hier liegen lassen! Verdammter Wichser, komm zurück! Mach mir wenigstens die Handfesseln ab, damit ich dir deinen Hals umdrehen kann, du Großkotz!“
Der schien in Beleidigungen nicht sonderlich bewandert zu sein und so musste ich tatsächlich lachen, als ich hörte wie er keuchend versuchte sich auf dem Waldboden fort zu bewegen.
Wahrscheinlich in raupenähnlichen Bewegungen. Geile Scheiße.
„SCHEIßE! BLEIB STEHEN!“
Der glaubte ganz offensichtlich immer noch, mir Befehle erteilen zu können.
Das Leben war kein Ponyhof. Der konnte jetzt erst mal gucken wie der klar -
Klick. BAM.
Ich drehte mich auf dem Absatz um, meine Augen weit aufgerissen.
Sanji war von einem Augenblick auf den anderen verstummt, starrte mich aus großen, ängstlichen Augen an. Ich starrte zurück.
Klick. BAM.
Verdammte, verfickte Scheiße.
Ich machte mehrere Sätze nach vorne, kam vor Sanji schlitternd zum Stehen, bückte mich, hievte ihn auf meine Schulter. Er keuchte, krallte sich mit seinen Händen in meinen Rücken und ich spürte den Schmerz den seine Fingernägel auslösten bis ins Knochenmark.
Zwei Schüsse schlugen direkt neben meinen Füßen ein. Sie kamen vom Berg, weiter oben.
Mit zwei großen Schritten stand ich hinter einem Baum, presste mich an das kalte Holz und versuchte wieder zu atmen, aber das Adrenalin ließ mich nicht dazu kommen.
Ich ließ ihn vor mir auf den Boden, versuchte ihn zum Stehen zu bringen, doch er sackte immer wieder nach vorne, keuchte und kniff wimmernd die Augen zusammen.
Schüsse knallten links und rechts neben uns ein.
„Ah!“ Er schrie, er hatte Angst, ich konnte es spüren als ich seine verbundenen Hände hinter meinen Nacken legte und ihn so an mich zwang.
„Ruhig!“, brüllte ich, weil die Schüsse ziemlich laut waren, und er öffnete die Augen wieder und starrte mich panisch an.
„Die sitzen da oben hinter den Bäumen. Wir müssen die da jetzt runter schießen. Kannst du mit einer Waffe umgehen?“
Er atmete schwer, dann nickte er.
Unsere Gesichter berührten sich fast, aber so berührten seine Füße wenigstens nicht den Boden.
„Gut.“ Ich griff nach hinten und löste nach einigem Fummeln den Knoten seiner Fesseln.
Er keuchte, als er sich in meinen Nacken klammerte und ich schnell eine Hand nach vorne schnellen ließ, damit er nicht auf dem Boden landete.
Ich packte ihn am Rücken und zog ihn in die Höhe.
„Du setzt dich jetzt auf meine Schultern.“
Ich hob ihn in die Höhe, er ließ sich auf meine Schultern fallen und krallte sich in meine kurzen Haare. Es tat weh, war aber gut zu vertragen.
Ich fummelte meine Waffe aus der Halterung, nahm sie in die Hand, dann zupfte ich auch meine Ersatzwaffe heraus und reichte sie zu Sanji hoch.
„Hier.“, rief ich.
Von oben wurden Rufe laut, sie schienen russisch zu sprechen, es wurde gebrüllt und dann hörte man es rascheln.
Sie kamen aus der Deckung. Unsere Chance.
„Jetzt!“, knurrte ich, ich drehte mich so das ich mit dem Kopf zum Baum sah und beugte mich zur Seite, sodass unsere beiden Köpfe und die Hände am Baum vorbei sehen und schießen konnten.
Es ging alles wahnsinnig schnell.
Ich erkannte 6 Männer. 3 von ihnen hatten große Waffen dabei, automatische Dinger, bei denen man einfach durchdrücken konnte bis die Funken flogen. Die anderen 3 hatten ebenfalls nur kleine Handfeuerwaffen.
Sie versuchten sich möglichst schnell zwischen den Bäumen hin und her zu bewegen, aber sie waren einfach nicht schnell genug.
Den einen traf ich am Knie, er schrie auf und sackte nach vorne, dann jagte ich ihm eine Kugel durchs Hirn. Den zweiten erledigte ich mit eine glatten Herzschuss, dem dritten fetzte ich vorher noch die Hand weg.
Ich wollte gerade auf die restlichen zwei zielen – doch die restlichen Zwei gab es nicht mehr.
Sanji hing schwer keuchend über dir, die Waffe immer noch im Anschlag, als wartete er auf weitere Feinde. Er war ziemlich schwer, aber ich sagte dazu nichts.
„Gut gemacht.“, murmelte ich und als er mir seinen Blick zu wandte, sah ich das bodenlose Entsetzen darin.
„Ich hab sie umgebracht.“, flüsterte er und ich nahm ihm vorsichtig die Waffe aus den Händen.
„Ja.“, bestätigte ich. Ich spürte die Tränen, die auf meine Haare fielen.
„Ich hab sie...“ Seufzend griff ich wieder nach oben, hob ihn von meinen Schultern, hielt ihn vor mich und sah ihn an.
„Du musstest das tun.“, versuchte ich ihn irgendwie auf zumuntern.
Sein Gesicht hatte sich zu einer leidvollen Grimasse verzogen.
„Ich habe.. sie..“
Ohne weiter darüber nach zu denken, drückte ich ihn fest an mich.
„Du musstest das tun.“, wiederholte ich mich.
Und nach einigen klagenden Lauten beruhigte er sich tatsächlich.
Why does it always rain on me ?
„Keine Panik, Lorenor. Es geht ihm gut. Das war einfach nur der Schock. Er kommt bald wieder zu sich.“
Ich hob den Kopf und betrachtete Frankie eingehend.
„Und woher willst du das wissen? Du bist kein Arzt.“, fragte ich ruhig zurück.
Der abgedrehte Kerl mit der Elvisfrisur und den seltsamen Klamotten setzte ein für ihn eher ungewöhnlich ernstes Gesicht auf.
„Er atmet. Deswegen gehe ich davon aus, das er nicht tot ist.“
Gut, soweit war ich auch schon. Seinen Puls hatte ich auch überprüft, als er in meinen Armen kraftlos zusammen gesunken war, und auch nach einer Schusswunde hatte ich ihn untersucht.
Nichts. Und doch war da dieses unbestimmte Gefühl in mir, als ich auf dem Rücksitz des schwarzen Aston Martins saß und den zierlichen Blonden auf dem Schoß liegen hatte, weil sonst nirgendwo Platz war.
Links neben mir saß Frankie, der jetzt ebenfalls begann Sanji nach irgendwelchen schlimmen Verletzungen zu untersuchen, auf dem Beifahrersitz vorne saß Ruffy, Ace jüngerer Bruder und noch viel größerer Kindskopf, und als Fahrer fungierte Lysob, ein seltsam ängstlicher Kerl mit extrem großer Nase.
Wir alle trugen schwarz, abgesehen von Frankie, der unter seinem Jackett ein Hawaiihemd trug. Wohl aus modischen Gründen. Oder weil es so warm war. Mir war es egal.
„Er hat aber keine sonderlich schlimmen Wunden.“, teilte mein Sitznachbar schließlich mit und ich warf ihm einen kalten Blick zu.
Er verstummte, ohne das ich ein Wort sagen musste. Im Auto war es unangenehm still. Lysob fummelte am Radio herum, bekam es an, und als ein lustiger Schlager uns allen mitteilte wie schön das Leben doch war schaltete er es eilig wieder aus, bevor Frankies riesige Bärenhand das Armaturenbrett vernichten konnte.
„Und du hast ihm echt deine Waffe gegeben?“
Ich sah auf und betrachtete Ruffys jugendlich-neugieriges Gesicht.
„Ja.“, bestätigte ich.
Ruffy nickte langsam. Seine großen, aufmerksamen Augen wanderten über Sanjis Körper.
„Ich will den bei uns in der Organisation haben!“
Dafür bekam er einen ordentlichen Schlag von Lysob auf den Hinterkopf.
„Spinn nicht rum, Idiot! Der Kerl ist ein Päckchen, klar? Weißt du was für Ärger wir bekommen, wenn wir einfach Päckchen in bei uns aufnehmen?“
Ich wollte ihn gerade höflich darauf hinweisen, das ich es nicht mochte wenn man lebende Menschen als etwas Gegenständliches bezeichnete, als Frankie mir eine Hand auf die Schulter legte.
„Hast du schon richtig gemacht. Ich meine, das du ihn hast mitkämpfen lassen.“
Er sah mir wohl an das es mich wurmte und das konnte ich nicht leiden.
„Weiß ich.“, antwortete ich knurrend und Frankie ließ seine Hand seufzend wieder sinken.
„Verdammt Lorenor. Wir kennen uns jetzt schon so lange. Du kannst doch mit mir -“
„Frankie.“ Ich drehte den Kopf und sah ihn beherrscht an.
„Wenn ich reden will, werde ich dir diese Information zukommen lassen, okay?“
Er nickte langsam, dann wandte er den Kopf und sah aus dem Fenster.
Wir waren schon eine seltsame Veranstaltung.
5 Kerle in einem Auto. Zwei in schicken schwarzen Anzügen, einer mit nem Hawaiihemd dazu. Zwei mit zerrissenen Klamotten, blutüberstömt, der eine bewusstlos in den Armen des Anderen.
Ich war ein weiteres Mal froh drum, das er nicht geistig anwesend war.
So blieben wir wenigstens alle vor unangenehmen Fragen verschont.
Wieder dieses Schweigen, das allen ganz offensichtlich was ausmachte, nur mir nicht.
Und Sanji nicht. Logischerweise.
„Wieso hast du nicht vorher angerufen?“, quiekte Ruffy plötzlich durchs Auto und vor Schreck setzte Lysob den Wagen fast in den Straßengraben.
Ich wünschte mich selbst ans Steuer.
„Weil ich keinen Empfang hatte.“, murmelte ich und Ruffy nickte langsam.
Ich sah zu Lysob.
„Was hat die Untersuchung jetzt eigentlich ergeben? Was waren das für Kerle?“
Nachdem die Jungs endlich bei uns eingetroffen waren hatte ich Sanji ins Auto gelegt und war nochmal mit der Langnase zurück zu den Toten gestapft, die wir dann auf einen Haufen geworfen und fachgerecht verbrannt hatten.
Lysob räusperte sich. Wenn er etwas konnte, dann Spurensicherung spielen.
„Also das waren alles Russen.“
Hätte ich nicht so eine gute Selbstbeherrschung gehabt, ich hätte ihn wohl wütend angefahren.
Doch ich blieb ruhig, während er weiter redete.
„Ich hab ihre Ausweise mitgenommen, Ace soll sich darum kümmern nachher. Sonst hatten die außer ihren netten Schießeisen nichts bei sich. Außer diese Uhr hier.“
Er zog aus seiner Tasche eine schicke Golduhr. Rolex.
Ich nickte.
„Na ja, jeder trägt Uhren.“, murmelte Frankie neben mir. Lysob lächelte.
„Aber nicht jeder trägt eine Uhr mit der Gravur :
„??? ????? ????? Dimitry,? ?????? ?????, ????????“.“
Alle beteiligten im Auto legten die Stirn im Falten und Ruffy ließ ein verwirrtes „Hä?“ hören.
„Bin ich hier der Einzige der russisch kann?“
Einstimmiges Nicken. Lysob stöhnte, als wären wir alle Vollidioten.
„Och Leute. Das bedeutet so viel wie 'Für meinen Freund Dimitry, in ewiger Liebe, Crocodile.“
Ich schluckte, sah zu Frankie, der sah zu mir.
Wir grinsten uns dann.
Ich begann zu glucksen. Frankie begann zu kichern.
Dann lachten wir.
Ruffy sah und verwirrt dabei zu, lachte allerdings aus Freude einfach mit und Lysob ließ nur ein genervtes „Kinder..“ hören.
Als wir uns wieder beruhigt hatten, wischte sich der Elvisverschnitt mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht.
„Schwule Russen sind ja schon nicht gerade eine Augenweide. Aber dann auch noch Crocodile... schwul...“ Wieder brustete er los, ich hatte mich allerdings wieder unter Kontrolle.
„Nicht sonderlich lecker.“, bestätigte ich.
Ruffy sah wieder zu Sanji.
„Wieso schläft der so tief?“
Jetzt bekam er eine von Frankie auf den Hinterkopf.
„Weil er bewusstlos ist, Idiot!“ - „Aber wieso?“ - „Weil das alles ein bisschen zu viel für ihn war.“, versuchte Lysob in versöhnlicherem Ton zu erklären.
Ich saß in einem Auto mit einem Haufen Idioten. Aber man konnte nicht sagen das ich es schrecklich fand.
Ja, sie gingen mir auf die Nerven. Nicht nur hier, sondern auch in der Organisation. Wenn wir Besprechungen hatten oder uns einfach auf den Gängen trafen nervten sie mich zu Tode.
Doch ich war froh das sie es taten, weil das sonst niemand tat. Das waren meine Freunde, meine Familie. Die Organisation war meine Verwandtschaft geworden. Quasi sowas wie meine Mutter.
Nur eben... anders.
Ich sah aus dem Fenster, beobachtete wie die Häuser des Vorortes an mir vorbei flogen, wie idyllisch es auch hier aussah und wie wenig ich hierher passte.
Diese Menschen waren sauber und ich ein Haufen Dreck.
Eltern mit Kindern im Garten. Alte Ehepaare mit Hunden. Freundliche Gesichter, lachende Münder.
Da kam jemand mit einer Waffe ohne Waffenschein einfach nicht so gelegen.
„Wir sind gleich da.“
Überrascht hob ich den Kopf und sah zu unserem Fahrer.
„... hier?“
Frankie hatte ebenfalls die Augenbraue gehoben und sah den schwarz gelockten überrascht an.
Doch Lysob nickte nur.
„Ja, gleich da vorne.“ Ich seufzte.
„Und wie lange muss ich da bleiben?“ - „Bis Ace anruft und dir sagt, was du mit dem da machen sollst.“ Er deutete auf Sanji und mir gefiel gar nicht, in welchem Tonfall er diesen Satz gesagt hatte.
„In Ordnung.“, antwortete ich allerdings nur ruhig und hielt Sanji noch ein bisschen fester, als wir die kleine Auffahrt des Einfamilienhauses hoch fuhren.
Ein seltsames Gefühl durch fuhr mich, als ich die Tür öffnete, Sanji hoch hob und ausstieg.
Lysob beugte sich ein Stück nach hinten.
„Die Tür ist offen, der Schlüssel steckt innen. Lass das Licht aus. Wascht euch, es gibt frische Sachen da drinnen. Mach ihn wach. Lass ihn nicht abhauen.“
Ich sah ihn an und er begriff, das er unnützes Zeug redete, denn ich machte diesen Job länger als er.
„Kommt Chopper nachher noch wegen seinen Füßen?“, fragte ich.
Chopper – unser hauseigener Arzt. Eigentlich hatte er nur studiert, wirklich praktisch angefangen hatte er nur bei uns, nie in einem Krankenhaus oder sowas. Aber er war gut.
Lysob zuckte mit den Schultern.
„Weiß nicht. Ich frag ihn.“
Ich nickte, dann drehte ich mich um und stapfte auf das Haus zu.
Zugegeben, es war renovierungsbedürftig.
Die Fenster waren verdreckt, das Dach wirkte ein wenig unstabil, die Farbe blätterte von der Außenwand und die Rollläden hingen nicht mehr richtig in ihren Halterungen.
Aber es war ein Haus, es würde nicht rein regnen und fürs Erste hatten wir unsere Ruhe vor den Killern.
Unsere Organisation besaß fast überall diese „Unterschlupfe“, wie wir sie nannten. Kleine Häuser, alte Fabrikanlagen, Wohnungen in irgendwelchen Hochhäusern. Einfach Verstecke, wenn irgendwas mal schief gelaufen war. Das passierte zwar nicht so oft, aber je nachdem wo man sich gerade aufhielt war so ein Versteck doch ganz günstig. Und in meiner Lage unerlässlich.
Dankenswerterweise lief niemand auf dem Gehweg entlang. Das wäre sicher ein wahrer Schock gewesen.
Ich schleppte Sanji und mich durch den ungepflegten Vorgarten, öffnete die Tür mit dem Ellebogen und sie schwang mit einem leisen Quietschen auf.
Im inneren der Wohnung war es dunkel, ich trat ein und verengte die Augen zu Schlitzen, um besser sehen zu können.
Insgesamt eher spartanisch.
Ein großes Bett, ein Sessel, ein Schrank. Ein Bad. Eine Küche, die war allerdings bis auf das letzte Möbelstück ausgeräumt. Im Bad schien es soweit man es vom Türeingang sehen konnte eine Dusche, ein Klo und ein abgerissenes Waschbecken zu geben.
Na wenigstens gab es irgendwas.
Ich schleppte Sanji durch den Raum, blieb vor dem roten Ohrensessel stehen, seufzte und setzte ihn vorsichtig ab. Eine Menge Staub wirbelte mir entgegen, ich hustete, dann achtete ich darauf das er seine Zunge nicht verschluckte, bevor ich umkehrte, die Tür ab schloss und dann ins Bad ging, wo ich mich entkleidete und prüfte ob die Dusche noch funktionierte.
Sie tat es, jedoch schoss mir nur eiskaltes Wasser entgegen, selbst als ich den Hahn auf die heißeste Stufe gestellt hatte.
Na, ich würde es schon überleben.
Keuchend stellte ich mich unter den Strahl, es tat weh, diese Kälte, aber betäubte auch die vielen kleinen schmerzenden Wunden an meinem Körper.
Das Wasser das in den Abfluss lief war rötlich oder bräunlich, jedenfalls nicht sonderlich lecker.
Ich hielt mich nicht lange damit auf, das Wasser zu begutachten oder irgendwas zu genießen. Schnell wusch ich mir das Blut ab, rubbelte mir nochmal durch die Haare, dann schaltete ich die Dusche aus und griff mir keuchend ein Handtuch.
Das ebenfalls ziemlich staubig war, aber nach einigem Ausklopfen passte das.
„... hallo...?“
Ich hob den Kopf und sah zum Ohrensessel.
„Hey, Sanji.“, antwortete ich ruhig, band mir das Handtuch um die Hüften und trat ins Wohnzimmer.
Der Blonde sah mich verwirrt und ängstlich an. Erst als ich Erkennen in seinen Augen auf flackern sah, beruhigte er sich ein wenig.
„Was machen wir hier?“, fragte er leise. Ich ging auf den Schrank zu und öffnete ihn.
„Das hier ist ein sicherer Ort. Wir müssen hier bleiben, bis mein Chef mich anruft und mir sagt, was zu tun ist.“
Ich hörte ihn nicken, als ich mir Kleidung heraus zog, die ungefähr meine Größe hatte.
„Okay.“ Ihm schien alles egal zu sein, und das konnte ich nachvollziehen.
„Nachher wird ein Arzt vorbei kommen und sich deine Füße ansehen.“ Er sah zu mir auf mit einem Blick, der ein wenig unheimlich war.
„Was ist los?“, fragte ich und blickte Stirn runzelnd zurück, während ich mir die Jeans über die noch nassen Beine streifte.
Das Lächeln auf seinen Lippen war gespenstisch.
„Ich denke, was war eine retorische Frage, oder?“ Eigentlich war sie das nicht, ich hätte es gern noch mal aus seinem Mund gehört, aber ich konnte mir denken wieso er so vollkommen fertig wirkte. Er war heute 2 Mal in Ohnmacht gefallen, man hatte ihn erst verbrennen, dann erschießen wollen, seine Füße waren geschwollen und sein Körper voller Wunden.
Da hätte wohl jeder schlechte Laune bekommen.
„Wo hast du diese Robin eigentlich kennen gelernt?“, fragte ich, um unser Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken, während ich am schwarzen Hemd herum fummelte.
Sein Blick wanderte zum kleinen Fenster.
„Ich hab für das Krokodil gearbeitet.“, murmelte er und ich nickte langsam.
„Also quasi bei ihm zu Hause?“, fragte ich nach und er nickte langsam.
„Ja, genau. Oft bekam man die Frauen nicht zu Gesicht, mit denen er es getrieben hat.. er hat sie fast wie in einem Harem gehalten.“
Sein angeekeltes Gesicht verriet, was er davon hielt.
„Jedenfalls brachte er sie mit. Zum Abendessen. Ich war Koch, weißt du? Ich hab ihn bekocht, jeden Tag. Und auch serviert, weil er darauf bestand immer genau erklärt zu bekommen wie ich die einzelnen Gerichte gekocht hatte. Keine Ahnung warum, ich glaube er war einfach ein Feinschmecker.“
Oder pervers. Ich tippte auf zweites.
„Na jedenfalls saß sie an einem Abend mit ihm da, als ich servierte. Sie lächelte mich an... und mir war sofort klar das sie dasselbe wollte wie ich.“
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu, während ich nach frischen Socken suchte.
„Und weiter?“, fragte ich ruhig, als seine Kunstpause ein wenig zu lange dauerte.
Er stöhnte.
„Dann hab ich sie geknallt, was sonst? Sie kam am Abend zu mir in die Küche, ich schloss die Tür ab und wir haben es auf dem Herd getrieben wie die Hasen.“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen bei der Vorstellung, wie sich der Blonde kreischend auf dem geheizten Zeranfeld wand, während seine Geliebte über ihm beschäftigt war.
„Was grinst du da so?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nur so.“ Er sah wieder aus dem Fenster.
„Und dann hat uns dieser Bastard von Bodyguard erwischt.“
Ich zuckte leise seufzend mit den Schultern, als ich in die gefundenen Socken schlüpfte.
„War doch irgendwie klar, oder?“
„... ja, wahrscheinlich hast du Recht.“
Er drehte erneut den Kopf und sah mich mit unbestimmbaren Blick an.
„Dein Name ist Lorenor, oder?“
Vor Überraschung klappte meine Kinnlade nach unten und ich starrte den Blonden mit offenem Mund an.
„Woher..?“ Er zuckte mit den Schultern. Er wollte wohl gleichgültig wirken, doch in seinen Augen glitzerte etwas.
„Ich weiß nicht. Der Name schwamm mir so im Kopf rum. Als hätte mir irgendwer zugeflüstert, das du so heißt.“
Stöhnend verfluchte ich mich in Gedanken selbst, weil ich nicht sofort abgestritten hatte das ich so hieß. Jetzt war es zu spät.
„Das ist mein Name, ja.“, bestätigte ich knurrend und sein Lächeln verwirrte mich.
„Keine Sorge, ich sag es nicht weiter.“
Ich nickte misstrauisch, dann schloss ich den Schrank hinter mir und ging auf ihn zu.
„He, was soll das?“, protestierte er wütend, als ich ihn aus dem Sessel hob und in Richtung Bad trug. Ich sah ihm ins Gesicht und seufzte leise.
„Du musst dich waschen. Die Wunden auswaschen, das ist wichtig, sonst entzünden sie sich.“
„Du bist lustig – ich kann nicht stehen!“ - „Dann setzt du dich eben in die Dusche.“
Ich war froh über meine praktische Ader, er ganz offensichtlich nicht.
Den Rotschimmer auf seinen Wangen konnte ich mir nicht erklären, wieso sollte ihm denn etwas peinlich sein?
Doch er färbte sich noch weiter, als ich ihn auf dem geschlossenen Klodeckel absetzte und mich bückte, um ihm vorsichtig die Socken aus zu ziehen.
„Hör auf!“, maulte er. „Das kann ich allein!“
Schulter zuckend richtete ich mich wieder auf.
„Wie du meinst. Ruf mich, wenn du nackt bist.“
„Ich kann auch alles allein! Ich..“
Rums.
Japp, er konnte alles allein – so allein, das er mit einem fast kindlich überraschten Gesichtsausdruck neben dem Klo gelandet war und zu mir auf sah, als hätte niemand damit rechnen können.
Ich musste grinsen, kehrte um und hob ihn wieder zurück auf die Schüssel.
„Oh ja, du kannst alles allein. Hoffen wir, das du nicht kacken musst.“, gluckste ich und erntete dafür einen bitterbösen Blick.
„Den Arsch abwischen kann ich selbst!“ - „Aber Hose an und aus würde schwer werden.“
Er schwieg, womit er mir quasi Recht gab, und das war ein gutes Gefühl.
Ich zog ihm nun auch den zweiten Socken aus, während er sein zerrissenes Hemd achtlos bei Seite warf, er öffnete die Hose, ich zog sie hinunter.
Er sah mich beschämt an, während ich mich vorbeugte um ihn auch von seiner Boxershorts zu entledigen.
„Hey.“ Ich sah auf. „Hm, was?“, fragte ich und sein Blick irritierte mich so, das ich meine Hände wieder zurück zog.
„Ist dir das unangenehm?“ Er nickte und fuhr mir seufzend durch die Haare.
„Es muss dir nicht peinlich sein, wir sind doch beide Männer, was soll denn daran schlimm sein?“
Er sah auf den gekachelten, dreckigen Boden.
„Ich weiß nicht. Es ist einfach... beschämend.“
Mein Blick wanderte von seinen schüchternen Augen über sein zierliches Gesicht, betrachteten die Narben auf seinem Körper, an seinem zierlichen Körper.
Dann fielen mir die Fesseln an seinen Füßen ein und kopfschüttelnd bückte ich mich, um sie zu lösen. Er sah mir dabei zu.
„Hast du keine Angst das ich abhaue?“, murmelte er und ich schüttelte den Kopf.
„Nein. Mit den Klumpfüßen könnte das schwer werden.“
Und ganz nebenbei konnte ich mir nicht vorstellen, das er von mir weg wollte.
Weil ich nicht von ihm weg wollte. Nachdenklich drehte ich das Seil in meinen Händen, dann warf ich es bei Seite.
„Okay, Kompromiss. Lass die Boxershorts an.“ Er sah auf, nickte, ich griff ihm unter die Arme und hob ihn vom Klo rüber in die Dusche, in die ich ihn hinein setzte.
Er war so unglaublich leicht. Er schien fast kein Gewicht zu haben, es belastete mich kaum noch ihn herum zu tragen.
Er sah von unten zu mir auf und jetzt schoss mir die Röte ins Gesicht, weil ich das Gefühl hatte das er meine seltsamen Gedanken lesen konnte, die ich augenblicklich bei Seite schob.
„Das wird jetzt kalt.“, warnte ich ihn vor, er kniff die Augen zusammen, ich öffnete den Wasserhahn und er prustete.
„Scheiße!“, fluchte er, während ich den Raum verließ, um Kleidung für ihn zu holen.
Das war alles so natürlich. Als wäre es ganz normal, das ich mich um ihn kümmerte.
Als wären wir alte Freunde oder Bekannte. Aber das waren wir nicht. Wir kannten uns seid heute Vormittag. Jetzt war es Abend, ich sah aus dem Fenster, es wurde dunkel draußen, und ich fühlte mich als gehörte das alles dazu.
„Lorenor, mach das aus, es ist kalt!“, quietschte es aus dem Bad und ich lachte tatsächlich ein wenig. „Beiß die Zähne zusammen und wasch dich!“, antwortete ich und klaubte Kleidung aus dem Schrank. Er antwortete mit einem Stöhnen.
Ich wollte gerade zu ihm zurück, als mein Handy klingelte.
Ich fummelte es aus meiner Hosentasche und hob ab.
„Ja?“ - „Lorenor, ich bin es, Ace.“
Das war mir klar gewesen. Er musste das nicht immer sagen.
„Was gibt’s Neues?“, fragte ich nach und ließ mich in den Ohrensessel fallen.
Kurzes Schweigen.
„Wir haben ein Problem, Alter.“
Japp, so weit war ich auch schon gewesen.
„Und das wäre?“, fragte ich seufzend nach.
„Das Krokodil glaubt, das wir mit Sanji unter einer Decke stecken.“
Verwirrt sah ich aus dem Fenster.
„Willst du mich verarschen?“ Ace räusperte sich.
„Weißt du, wieso er eliminiert werden soll?“
„Weil er seinen Pimmel nicht im Griff hat?!“, antwortete ich darauf ein wenig genervt. Ace lachte gekünzelt.
„Japp. Und weil er 3 Millionen Euro entwendet und an einen unbekannten Ort verfrachtet hat.“
Das war doch jetzt ein schlechter Scherz.
Aus der Dusche kam ein Schniefen.
„Lorenor, bitte komm, mir ist so kalt..“
Doch ich stand nicht auf und ging zu ihm. Ich blieb sitzen und lauschte der Geschichte, die Ace mir erzählte.
- - - - -
.. ja, ich weiß, Sanji ist definitiv OoC. xD
Aber das hat System! Glaubt mir! Das ist beabsichtigt! .__.
Ehrlich. Ich lüge nicht. Nie!
Und selbst wenn ich lüge, habe ich Recht. xD
LG; Jess. <3
No Stress.
.. und weiter geht's! :)
So, nachdem sowohl einige Kommischreiber hier als auch diverse Bekannte so Sätze fallen ließen wie "ey find ich klasse, aber .. Rechtschreibung?!" .
Hab ich mir das natürlich (-hüstel-) zu Herzen genommen.
Vielen Dank für die netten Betaleser-Angebote (Besonders du, blumenpups x3), aber ich hab mich jetzt für mein liebes Alina-Herzchen entschieden.
Da ich bis Kapitel 12 aber schon geschrieben habe & ihr die ganzen Kapis nicht antun will ( xD Die Arme, die hat schließlich auch n Leben), müsst ihr euch also bis Kapitel 11 mit meiner fürchterlichen Rechtschreibung begnügen.
Ich hoffe, es ist lesbar. óo
Danach gibt es wunderbar richtig geschriebene Kapitel. Ich versprechs. :3
& jetzt viel Spaß beim Lesen! :D
- - - - - - - - - - - - - - -
Als ich das Wasser abschaltete hob er nicht den Kopf, um mich anzusehen.
Er zitterte am ganzen Körper, von seinen hellen Haaren und von seiner weißen Haut perlte das Wasser, er schlang beide Arme um sich, sein Mund hatte sich zu einem schmalen Schlitz verengt.
Und es interessierte mich nicht die Bohne.
„Ich frage dich noch einmal.“
Meine Stimme war kalt, emotionslos, desinteressiert. Sie war wieder so, wie sie sein sollte.
Ich konnte nur froh sein, das er mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt hatte.
In meinem Kopf war alles so klar wie schon lange nicht mehr.
„Stimmt es, das du 3 Millionen Euro entwendet und irgendwo versteckt hast?“
Als ich ihn leise lachen hörte, hob ich überrascht eine Augenbraue.
„Und wenn schon, was ändert das?“ - „Was... du fragst, was das ändert?“
Ich drehte meinen Kopf weg, sah aus der fehlenden Tür ins Wohnzimmer, damit ich mich beruhigen konnte ohne ihn an zu brüllen.
Denn ich konnte ihn nicht dafür fertig machen, das er es mir nicht erzählt hatte. Es war sein gutes Recht, das für sich zu behalten, was er für sich behalten wollte.
Wir waren nicht mal Geschäftspartner.
Ich war nur der Transporter. Und er das verdammte Päckchen.
„Das ändert so gut wie alles, Kleiner.“ Ich sah ihn wieder an und er hatte den Kopf gehoben, sah mich aus verärgert glitzernden Augen an.
„Ach, und was? Das du jetzt versuchst mich wie eine Weihnachtsgans auszunehmen?“
Eine berechtigte Frage, denn jeder zweite Mensch der unter diese Sonne wandelte würde wohl genau das tun. Aber ich hatte es nicht auf das Geld abgesehen.
Es ging hier um Menschenleben, die ich nicht riskieren wollte. Um die Leben meiner Freunde.
Ich ging in die Hocke und sah den Blonden eindringlich in die Augen. Er wandte den Kopf, ein matter Rotschimmer auf seinen Wangen.
„Nein. Hier geht es nicht um die Kohle. Hier geht es darum, das jetzt nicht nur wir, sondern noch einige Andere ziemlich tief in der Scheiße sitzen. Und das bedeutet, das wir uns was ausdenken müssen.“
Er schüttelte den Kopf.
„Das hätten wir doch eh gemusst, oder?“
Irgendwo hatte er Recht, und dennoch hatte sich die Situation verändert. Jetzt hatten wir nicht nur mit einer kleinen russischen Bande zu rechnen. Sondern mit weitaus größeren Sachen.
„Sanji.“ Er sah mich aus den Augenwinkeln an und ich versuchte einen versöhnlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen, doch ich schaffte es nicht, all meine Muskeln waren versteift.
„Es würde uns wirklich allen weiter helfen, wenn du erzählst was du weißt. Oder was du getan hast.“ Er strich sich mit einer Hand die Haare aus dem Gesicht.
„Mir ist kalt, ich will hier raus.“
Ein kleines Kind war ein Dreck gegen diese Heulsuse, doch ich beherrschte mich, erhob mich, griff nach vorne und hob ihn weitaus unsanfter als vorher aus der Dusche.
„Du wirst nass.“ - „Kein Drama.“
Ich hielt ihn an meinem Körper wie ein kleines Kind, mein Arm stützte ihn unter dem Hintern, sodass er quasi darauf sitzen konnte, mit der freien Hand zog ich ein Handtuch aus der Schublade.
Ich reichte es ihm.
„Hier, trockne dich ab.“ Er nickte und begann sich ab zu rubbeln.
„Du bist ziemlich stark.“, murmelte er, während er seine Beine trocken wischte und sich dabei ziemlich verrenkte. Ich hatte meinen vorher freien Arm um seinen Bauch geschlungen, damit er nicht vorn über kippte.
„Geht so.“, gab ich ruhig zurück und er hob den Kopf, sah mir in die Augen.
„Hallo? Ich kenne niemanden, der mich mit einer Hand tragen könnte.“ - „Ach was, du bist leicht.“
Das kurze Lächeln auf seinen Lippen verunsicherte mich, genau wie seine ruhige Stimme.
„Danke übrigens. Wegen dem duschen und so. Und... wegen dem Allem.“
Peinlich berührt verzog ich das Gesicht.
„Bullshit, bedank dich nicht, das ist doch klar.“ Er schüttelte den Kopf, während er sich vorsichtig an seine Füße machte.
„Nein, ist es nicht. Das, was du heute für mich getan hast... ich meine, obwohl wir ja eigentlich sowas wie Feinde sein sollten... das war echt unglaublich.“
Ich vertrieb mir die Röte von den Wangen, indem ich begann Dreisätze zu rechnen. Mathe lenkte mich immer ab.
„Bist du fertig?“, war schließlich meine Frage. Er sah auf und nickte.
„Ja, glaube schon.“ Ich schleppte ihn ins Wohnzimmer, wo ich ihn wieder auf den Sessel setzte, dann ging ich zurück ins Bad um seine Klamotten zu holen.
„Lorenor?“ Ich hielt ihm die Jeans und das dunkelgraue Hemd unter die Nase.
„Ja?“ - „Wie hoch stehen die Chancen, das wir das nicht überleben?“
Ich dachte kurz über die Frage nach.
„Ich denke so 50/50.“, antwortete ich schließlich nachdenklich. Dann nickte ich etwas sicherer.
„Ja, so ungefähr.“ Er öffnete die Knöpfe des Hemdes.
„Du scheinst ja keine Angst vor dem Tod zu haben.“, sagte er trocken und ich zuckte darauf nur mit den Schultern.
„Weiß nicht. Nicht wirklich, nein.“
Und ich log nicht. Meine Angst zu sterben – ich hatte sie wohl schon recht früh verloren, bei meinen ersten Aufträgen. Denn es ging immer um Tod, immer um Mord. Man lernte damit zu leben, das man ständig den eigenen Kopf riskierte. Und ich stand drauf.
„Und... wie hoch stehen die Chancen das wir das hier überleben, wenn ich dir alles sage was ich weiß?“
Überrascht sah ich ihm dabei zu, wie er das Hemd über seine schmalen Schultern streifte.
Auch über diese Frage dachte ich kurz nach.
„Kommt drauf an, was du weißt, aber es würde meine Statistik sicher um gute 10 Prozent verbessern.“
Er sah auf seine nasse Boxershorts, dann zu mir.
„Kannst du mir eine Neue geben und dich dann umdrehen?“ Ich runzelte die Stirn, dann nickte ich während ich gleichzeitig die Schultern zuckte.
Ich trat an den Schrank heran, zog das von ihm gewünschte Kleidungsstück heraus, reichte es ihm, dann drehte ich mich zum Fenster um und betrachtete den Vorgarten, der einen guten Unkrautvernichter brauchte.
„Ich hab das Geld nicht mitgehen lassen. Das waren diese Bastarde.“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte.
„Kannst du 'diese Bastarde' vielleicht noch charakterisieren, ihnen Namen und Berufe geben, vielleicht auch einen Wohnort?“
Das war die erste Runde von 'wer ist es?', und ich stellte die Fragen. Immer.
„Ich meine die Bodyguards. Diesen Haufen von Mistkerlen, die ständig um das Krokodil herum sind, ihm den Arsch abwischen und wahrscheinlich auch einen blasen.“
Jetzt wurde das ganze schon schlüssiger und vor allem interessanter.
Ich nickte. Er fuhr fort.
„Weißt du, das war alles ein bisschen strange. Ein echt seltsamer Zufall. Während ich diese Süße bumste, du weißt schon, Robin, da sind sie rein geplatzt. Ich hatte das Licht ausgemacht, damit niemand Verdacht schöpft, doch dieser Effekt führte dazu das die Kerle dachten es sei niemand mehr in der Küche und sie wollten die Säcke da durch runter in die Garage schaffen.
Ich hatte zwar abgeschlossen, aber die Bodyguards haben natürlich für alle Räume die Schlüssel, ist logisch.“
Ich runzelte die Stirn.
„Lagert Crocodile sein Geld wie Dagobert Duck oder wie?“ Sanji lacht kurz auf.
„Der Vergleich ist gut. So könnte man das sagen. Er traut den Banken nicht und lässt die Kohle deshalb in seinem Privatsafe lagern. Echt verschärftes Ding. Problem – er hätte besser niemandem trauen sollen. Irgendwie ist das Passwort zu einem seiner Bodyguards durch gesickert fürchte ich.“
Ich schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn.
„Wenn Dummheit weh tun würde...“ - „Würde Crocodile den ganzen Tag nur schreien.“, vollendete der Blonde meinen Satz und wir grinsten beide, bevor wir wieder ernst wurden.
„Na ja, jedenfalls schlossen wir dann einen Pakt. Also ich und die Bodyguards. Ich versprach nichts von ihrem Raub zu sagen und im Gegenzug sagten sie nichts davon, das ich seine Freundin knallte.“
„Ein seltsamer Tauschhandel.“, gab ich skeptisch von mir und ich hörte Sanji seufzen.
„Du kennst Crocodile nicht. Für den zählt nicht, was du gemacht hast, sondern das du was gemacht hast. Und beides wird mit dem Tod bezahlt.“
Ich seufzte – bei dem Kerl konnte ich mir das echt gut vorstellen.
„Tja, ich war blöd genug und hab gedacht ich könnte denen vertrauen.“
Ich nickte langsam.
„Sonderlich intelligent war das ja nicht.“, stimmte ich zu und er brummte wütend.
„Weiß ich selbst. Jedenfalls verpfiffen sie mich am nächsten Tag und schoben mir auch den Raub in die Schuhe. Du kannst dir jetzt vorstellen, was da los war..“
Ich drehte mich um, weil ich mir nicht vorstellen konnte das Sanji immer noch an seiner Boxer rum werkelte, und tatsächlich, er war fertig.
„Und wieso haben die dann auf uns geschossen, als wir da angekommen sind?“
Sanji drehte den Kopf und sah mich nachdenklich an.
„Gute Frage. Das weiß ich auch nicht.“
Ich seufzte und betrachtete sein schmales Gesicht eingehend, dann ging ich langsam durch den Raum.
„Weißt du vielleicht noch was?“ Er nickte eifrig.
„Ja. Ich weiß das sie das Geld in einen dunkelgrünen Ford gepackt haben und Enel – das ist wohl ihr Anführer, scheint mir – hat etwas von einem 'heiligen Ort' gelabert. Und seine idiotischen Kumpanen haben sich darüber kaputt gelacht. Vielleicht eine Kirche als Aufbewahrungsort?“
Das konnte ich mir kaum vorstellen. Ich fuhr mich über das Kinn.
„Ein dunkelgrüner Ford, Enel. In Ordnung, das sind doch mal Informationen, die man verwerten kann.“
Als ich das Telefon aus meiner Hose ziehen wollte, klopfte es an der Tür.
In kürzester Zeit taten sowohl Sanji und ich Dinge, die perfekt auf einander abgestimmt waren, ohne uns im geringsten abgesprochen zu hatten.
Er sackte ein Stück tiefer in den Sessel und zog die Beine an seinen Körper.
Mit wenigen Schritten war ich bei ihm, drehte den Sessel vom Fenster weg, drückte ihm die eine Waffe in die Hand, die er wie auf dem Sprung umklammerte, dann zog ich auch meine und ging vorsichtig zur Tür.
Es klopfte wieder.
„Ja bitte?“, fragte ich mit möglichst ruhigem Tonfall.
„Hey, ich bins!“
Meine Muskeln und Sehnen, die sich bis eben noch bis an die Schmerzgrenze angespannt hatten, entspannten sich augenblicklich und ein entnervtes Stöhnen drang aus meinem Mund.
„Ruhig Sanji, es ist nur der Arzt.“, knurrte ich durch die Wohnung und Sanji antwortete mit einem erleichterten Aufatmen.
Ich schloss die Tür auf, ließ den seltsam beharrten Mann mit den großen Ohren und den unangenehm kleinen Knopfaugen herein und schloss hinter ihm direkt ab.
„Verdammt, melde dich an wenn du kommst, Chopper.“ Der Kleine sah zu mir auf und grinste.
„Maul nicht rum, jetzt bin ich ja da und kann mich um den Verletzten kümmern.“
Ich nickte und führte ihn ins Wohnzimmer, wo Sanji schon neugierig über die Sessellehne sah und nicht schlecht staunte, als er den kleinen, behaarten Mann vor sich stehen sah.
Er reichte mir meine Waffe zurück, ich schnallte sie zurück an den Gürtel und Chopper wackelte um den Sessel herum.
„Also, wo ist das Problem?“
Sanji stierte auf seine Füße hinunter.
„Da.“, verkündete er. Chopper musste sich nicht mal bücken. Er hob einfach den Fuß in seine Hände und sah ihn aufmerksam an, während Sanji leidvoll das Gesicht verzog.
„Hm, sieht stark nach einer Stauchung aus. Tut es weh wenn ich hier drücke?“
„Nein, eigentlich nicht.“, sagte Sanji nachdenklich. Dann schrie er auf, als der kleine Mann eine andere Stelle drückte.
„Vorsicht!“, quietschte er und Chopper nickte eingehend. Es war erstaunlich, wie schnell er erkennen konnte was jemand hatte.
„Stauchung, allerdings eine ziemlich heftige. Noch 3 – 4 Tage die Füße ruhig halten, du bekommst da jetzt gleich eine Bandage herum, dann darfst du sie wieder belasten.“
Sanji sah zu mir auf und ich nickte langsam.
„Ja, in Ordnung.“ Chopper funkelte mich aus seinen Knopfaugen an.
„So, mach dich mal frei, jetzt bist du dran.“
Ich hob die Hände und sah ihn leicht genervt an.
„Ich weiß zwar nicht wie oft ich es dir noch sagen soll, aber ich lass mich nicht verarzten.“
„Traust du mir nicht?“, murmelte der Haarige leicht beleidigt. Ich verdrehte die Augen.
„Hör auf, Chopper. Das hat nichts mit dir zu tun.“ Er nickte langsam, als müsste er diese Information erst noch verarbeiten.
„Und... hat Ace dir schon gesagt, was du tun sollst?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Nein. Aber kannst du ihm etwas von mir geben?“ Chopper hob die Augenbrauen, als ich einen Zettel und einen Stift aus dem Schrank kramte und begann gegen eine Wand zu schreiben.
„Wieso rufst du ihn nicht an?“, fragte er verwirrt.
„Weil ich befürchte das die Leitungen nicht mehr sonderlich sicher sind.“, antwortete ich darauf ruhig und Chopper nickte verstehend, als er Verbandszeug aus seinem mitgebrachten Koffer kramte und dieses dann um Sanjis Füße schlang.
„Okay, werde ich ihm geben.“
Alles, was mir wichtig erschien kritzelte ich in Stichworten auf den Zettel, zusammen mit der Mitteilungen das er für sichere Leitungen sorgen sollte.
Als ich mich wieder zu den beiden umdrehte, hatte Chopper sich schon wieder ans Schließen seines Arztkoffers gemacht und Sanji begutachtete aufmerksam seine Bandagen.
„So, das wäre es dann. Ich lass dir noch Tabletten hier gegen die Schmerzen und gegen die Schwellung.“ Er legte die Packung auf die Armlehne des Sessels, dann seufzte er.
„Das hätte ich fast vergessen. Ich hab euch was zu essen mitgebracht.“
Er fischte aus den unendlichen Tiefen seines Koffers eine kleine Tüte, in der wohl Brötchen waren.
Mir lief das Wasser im Mund zusammen.
„Danke.“, murmelte ich im Einklang mit meinem knurrenden Magen. Chopper lachte.
„Kein Ding. Ich nehme den Brief mit, okay? Wir sehen uns.“
Er nickte Sanji nochmal kurz zu, der war aber zu sehr damit beschäftigt ein Brötchen aus der Tüte zu fischen und herzhaft hinein zu beißen.
Als der kleine haarige Mann verschwunden war machte ich mich ebenfalls über das Essen her.
Ich ließ mich auf die Armlehne fallen, während sich Sanji gemütlich in den Sessel gekuschelt hatte.
„Ich hab seid 2 Tagen nichts mehr gegessen.“, murmelte der Blonde zwischen dem Kauen und ich nickte langsam.
„Ich seid gestern Abend auch nichts mehr.“
So verschlangen wir unser karges Mal in stillem Einklang, und erst als nichts mehr da war ließ sich Sanji seufzend zurück sinken.
„Jetzt geht es mir besser.“, gestand er, dann ließ er ein Gähnen hören.
Ich beobachtete ihn dabei.
„Müde?“ Er nickte langsam und rieb sich durch das Gesicht.
„Ja, schon.“ Ich sah zum Bett und nickte.
„Dann legst du dich jetzt was hin.“ - „Aber ich kann doch nicht ... hey!“
Er wehrte sich allerdings nicht großartig, als ich ihn wieder in meine Arme hob und zum kleinen Bett trug, in das ich ihn hinein legte.
„Und wo willst du dich hinlegen?“
Ich deutete auf den Sessel. Er runzelte die Stirn.
„Lorenor, das ist doch total ungemütlich!“ Ich schüttelte den Kopf.
„Bullshit. Ich kann überall schlafen.“ Jetzt zuckte er mit den Schultern und gähnte erneut.
„Wie du meinst.“
Ich zog die Decke, die am Fußende lag, bis zu seinem Kinn hoch und er kuschelte sich unter den weichen Stoff wie ein kleiner Junge.
Ich drehte mich um, wollte wieder zum Sessel, als ich seine Stimme hörte.
„Gute Nacht, Lorenor.“
Ich drehte den Kopf und sah zu seinem dunklen Profil.
Mittlerweile war es stockdunkel drinnen, man erkannte nur noch Umrisse.
„Nacht.“, antwortete ich leise, dann ging ich zum Sessel zurück.
„Lorenor...?“ Ich stöhnte.
„Sanji, du sollst schlafen!“ Er schniefte leise.
„Kannst... kannst du den Sessel nicht zu mir stellen? Neben das Bett?“
Ich legte die Stirn in Falten.
„Wieso denn das?“
Seine Stimme klang so ängstlich und schüchtern, als er antwortete, das ich seine Bitte wohl auch ohne eine Begründung erfüllt hätte.
„Es ist so still. Ich fühle mich unwohl.“
Also stemmte ich mich gegen den Sessel, schob ihn knarzend über den Holzboden und ließ ihn neben Sanji zum stehen kommen.
„So besser?“, fragte ich, als ich mich auf das Sitzpolster fallen ließ und ich hörte Sanji nicken.
„Ja, viel besser.“
Sein Gesicht tauchte unter der Decke auf, ich erkannte die feinen Konturen seiner Wangenknochen und beobachtete, wie er sich noch ein bisschen unter der Decke bewegte, bevor sein Atem gleichmäßig wurde.
Erstaunlich, wie ruhig er werden konnte, wenn er nur wollte. Egal welche Situation gerade noch gewesen war, Sanji schien gut schlafen zu können, da war er genau wie ich.
Denn ich folgte ziemlich schnell seinem Beispiel und sackte ins Land der Träume.
Geweckt wurde ich allerdings deutlich unangenehmer – durch das Klingeln meines Handys knappe 4 Stunden später.
Ich grunzte leise, hörte wie Sanji sich im Bett umdrehte und wachte schließlich dadurch auf, das mir das Handy aus der Hosentasche fiel und surrend auf dem Boden landete.
Sowohl Sanji als auch ich hoben müde den Kopf, ich griff böse fluchend nach dem kleinen Elektroteil und hob ab.
„Ja...?“
„Ich bins, Ace.“
Meine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Wenn du noch einmal sagst, das du gerade anrufst, dann komm ich vorbei und verklopp dich.“, versprach ich schlaftrunken und Sanji ließ ein müdes Kichern hören.
Ich fuhr mir mit einer Hand durch das Gesicht und stöhnte.
„Also, wieso störst du um diese menschenverachtende Uhrzeit?“
Der Sommersprossige seufzte.
„Ich wollte dir nur sagen, das dein Brief gerade hier angekommen ist und das ich die Infos zwar noch genauer verarbeiten muss, aber schon eine gewisse Entscheidung steht. Ich hab das auch schon mit den Anderen besprochen.“
Ich mochte es gar nicht, wenn Entscheidungen über meinen Kopf hinweg gefällt wurden.
„Ist das eine sichere Leitung?“, knurrte ich, während ich beobachtete wie Sanji sich zurück ins Kissen fallen ließ und sich streckte.
„Ja.“, war die etwas angenervte Antwort und ich wusste, das die Frage dumm gewesen war, Ace war ja kein Volltrottel. Sein Bruder ja, aber Ace nicht.
„Also, was habt ihr eigenmächtig beschlossen?“, fragte ich mit einem zynischen Unterton und Ace stöhnte.
„Sei nicht gleich beleidigt, okay? Wenn das alles so stimmt, wie dein neuer bester Freund es erzählt hat, dann werden wir keine Wahl haben. Ich werde mich gleich morgen früh mit Crocodile in Verbindung setzen und ihm ein Angebot machen.“
Ich hätte ihn gern gefragt, wieso er sich nicht auch mit mir erst morgen früh in Verbindung gesetzt hatte, aber ich ließ es.
„Und das wäre?“ Ace ließ ein leises Glucksen hören.
„Du und dein Päckchen, ihr besorgt das Geld wieder. Sobald ihr es habt und ihm überliefert habt, hat er den Beweiß das seine Bodyguards falsche Schweine sind. Zumindest wird er euch dann zuhören, versteht ihr? Und er wird euch nicht umbringen lassen. Das ist zumindest der Plan.“
Der ziemlich plausibel klang, wie ich fand. Nur eine Sache war seltsam.
„Ich und... Sanji?“, fragte ich nochmal. Ace grunzte.
„Wer denn sonst? Ihr habt uns das Problem eingebrockt, also löffelt die Suppe wieder aus.“
„Aber Ace, er ist verletzt! Lass mich das allein machen, er...“
„Lorenor!“ Ich verstummte, weil er so wütend klang.
„Er ist jetzt dein Problem, klar?“ Ich seufzte.
„Klar wie Klosbrühe, Boss.“, antwortete ich tonlos und Ace ließ ein zufriedenes Seufzen hören.
„Sehr gut, braver Kerl. Und jetzt mach keine Faxen, okay? Ich komm morgen früh vorbei und wir klären den Rest.“
Ich legte den Kopf nach hinten.
„In Ordnung, bis morgen.“
Ein klicken, dann hatte mein Chef aufgelegt und ich pfefferte genervt das Telefon in eine Ecke.
Sanji sah mich aus großen Augen an.
„Und... was jetzt?“, fragte er leise und ich sah ihn resignierend an.
„Ich fürchte, so schnell werden wir zwei uns nicht los.“, sagte ich trocken. Sanji grinste leicht.
„Hört sich nach Action an.“ Ich rollte mit den Augen.
„Halt die Klappe und schlaf.“
Er sackte wieder ins Kissen.
„Aye, Sir!“
Keine 5 Minuten später sanken wir beide wieder ins Traumland, ohne zu wissen was da eigentlich auf uns zu kam.
Öffne niemals das Päckchen.
It's an Omen.
„Willst du wirklich nichts mehr, Lorenor?“
„Nein. Ess ruhig.“
Ich beobachtete, wie er das Würstchen zwischen zwei Brötchenhälften klemmte und sich dann ein Ende genüsslich in den Mund schob.
Wie mein neuer blonder Freund so eine unverschämt gute Laune haben konnte, war mir schleierhaft. Vielleicht lag er daran, das er jetzt, nach 5 Tagen Ruhepause, seine Füße dank Choppers Wundertabletten und dank guter Bandagen endlich wieder nutzen konnte, wenn auch nur eingeschränkt. War ja auch echt schön für ihn und sicher eine kleine Party wert.
Aber für mich hatten diese 5 Tage nichts weiter als pure Zeitverschwendung bedeutet.
Die Angelegenheit hätte schon in trockenen Tüchern sein können.
Was wir zu tun hatten war riskant und sicher nicht ungefährlich, aber mit Sanji an meiner Seite würde ich nur noch mehr Probleme haben und allein war ich schon immer besser gewesen als im Team. Ich hätte diese ganze Scheiße schon längst abwickeln können.
Aber nein – Ace hatte mal wieder andere Pläne gehabt.
Am Morgen nach seinem nächtlichen Anruf hatte er uns tatsächlich besucht.
Er hatte uns von seinem Telefonat mit Crocodile erzählt, das wohl zu seinen Gunsten abgelaufen war, und außerdem von dem Deal, den er mit dem Schleimfresser getroffen hatte.
Wir sollten das Geld wieder beschaffen, egal wie. Hauptsache es tauchte wieder auf.
Sollten wir es innerhalb eines Monats schaffen, würden unsere Köpfe aus der Schlinge gezogen.
Wenn nicht, konnten wir uns auf unangenehm raue Zeiten gefasst machen.
Ich hatte meinen sommersprossigen Boss dazu überreden wollen, das ich den Job mit einen unserer Jungs durchzog, mit Frankie vielleicht oder mit Lysob.
Aber nein, er hatte natürlich ein Exempel an mir statuieren müssen.
'Nichts da. Die Suppe müsst ihr allein auslöffeln. Du hast das Päckchen geöffnet, also ist er jetzt dein Problem. Und du wirst auf ihn aufpassen, verstanden? Er könnte noch wichtige Informationen haben.'
Wie einen Menschen hatte er Sanji nicht behandelt und das war dem auch ziemlich übel aufgestoßen, aber mich hatte dieses Gespräch wieder zurück in die Realität geholt.
Ich hatte einen Fehler gemacht, und für den musste ich jetzt büßen.
Sanji war meine Strafe.
Okay, zugegeben, keine besonders Schlimme.
Die letzten Tage war er sehr umgänglich gewesen.
Er hatte seine Tabletten geschluckt, hatte die meiste Zeit die Klappe gehalten und nur das nötigste von sich gegeben. Immer wenn er ein Gespräch hatte beginnen wollen, hatte ich ihm schnell klar gemacht, das ich auf diese Späße keine Lust hatte.
Seltsamerweise waren diese Stunden auch sehr harmonisch verlaufen.
Ich hatte mich nicht unwohl gefühlt, nicht mal ein bisschen genervt.
Ein Mal am Tag brachte einer der Jungs uns Essen. Nur als Ruffy uns etwas hatte bringen wollen, war es nicht angekommen. Was mich nicht gewundert hatte. Eins auf die Nase hatte es trotzdem für den kleinen Bruder meines Chefs gegeben.
Aber ich wusste ja, das diese ruhigen Tage, diese Ruhe vor dem Sturm, nicht meine Strafe war.
Die kam noch. Wenn ich die Heulsuse quer durch die Weltgeschichte schleifen durfte.
„Willst du echt nichts?“
Ich hörte auf die Armlehne des Sessels anzustarren und hob den Kopf.
„Wenn ich nein sage, dann meine ich auch nein.“, knurrte ich schlecht gelaunt und Sanji hob die Augenbrauen.
„Ich hab dir nichts getan.“, murmelte er mit leicht beleidigtem Unterton und ich hätte diesen Satz mit vielen anderen Fakten widerlegen können, doch ich tat es nicht, weil ich keine Lust auf ein eingehendes Gespräch mit dem Blondschopf hatte.
Denn ich wusste nicht wieso – aber ich hatte dennoch ein ungutes Gefühl in seiner Nähe.
Nicht von der Natur, das ich ihn nicht leiden konnte und ihn deswegen nur von mir fern halten wollte. Viel mehr machte er mich nervös. Schrecklich nervös und unkonzentriert.
Und das konnte in Zukunft nur hinderlich sein.
Ganz nebenbei hatte ich noch die Befürchtung, das da mehr war als das.
Das dieser arme, bemitleidenswerte Haufen Namens Sanji mehr war als das was er zu sein schien.
Dieses unterwürfige, diese vollkommene Hingabe mir gegenüber – die kaufte ich ihm nicht mehr ab. Es wirkte einfach zu sehr nach einer schlechten Fernsehsendung.
So nach dem Motto „Armes Entführungsopfer entwickelt Sympathie gegenüber dem Entführer.“
So schien es zu sein. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick war da einfach eine zu starke Bindung für einen Kerl, der sich selbst sonst als verängstigtes Würstchen hinstellte.
Ich erhob mich, ging zu unserem viel genutzten Schrank und klaubte seufzend die Zettel heraus, die Ace uns bei seinem Besuch mit gebracht hatte.
Zum gefühlten 100. Mal las ich die Informationen, die er mit seiner Sauklaue darauf geklitzelt hatte.
„Und, was Neues entdeckt?“ Ich hob den Kopf und musterte Sanji, der sich auf dem Bett sitzend gegen die Wand gelehnt hatte und mich aufmerksam beobachtete.
Ich zuckte langsam mit den Schultern.
„Eigentlich nicht, auch wenn ich es mir wünschen würde.“, gab ich nachdenklich von mir und studierte die Wörter ein weiteres Mal.
„Okay, gehen wir es nochmal durch.“, murmelte der Blonde und fuhr sich seufzend durch die Haare. Ich nickte leicht.
„Hier steht jede Menge über Enel drin, dem ersten Bodyguard deines ehemaligen Chefs. Wo er so verkehrt, mit wem er oft gesehen wird, wo er hin fährt wenn er das Anwesen vom Krokodil verlässt und so weiter. Von den Anderen haben wir nichts, was auch daran liegt das immer mal wieder ein Paar gekündigt werden und Neue dazu kommen, warum auch immer.“
Sanji nickte und betrachtete die Wand neben sich.
Ich fuhr fort.
„Außerdem steht uns ein Wagen, ein paar Waffen und ein beachtlicher Geldbetrag zur Verfügung. Wo wir das alles finden, steht hier auch.“
Ich legte seufzend den Brief weg und sah wieder zu Sanji, der mittlerweile die Augen geschlossen hatte.
„Das bedeutet also, wir brauchen einen Plan.“
Da gab ich ihm vollkommen Recht – wir brauchten einen verdammt guten Plan.
„Ihn einfach ausspionieren können wir nicht. Er weiß wie du aussiehst, Sanji.“
Der Blonde nickte und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Richtig. Damit fällt die einfachste Möglichkeit weg. Aber was sollen wir sonst machen? Wenn wir hier rum sitzen kriegen wir nie raus, wo die Kohle ist.“
Und wieder hatte er Recht - was mich ein wenig nervte – aber es begann sich eine Idee in meinem Kopf zu manifestieren, die mich zum Grinsen brachte.
Sanji warf mich einen fragenden Blick zu.
„Was grinst du denn so?“ Ich sah ihm in die Augen und er schien zu begreifen, das mein Vorschlag ihn nicht zu Freudensprüngen verleiten würde.
„Also wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg eben zum Propheten. Und wenn der Prophet nicht merken soll, das der Berg sich nähert... dann muss es sich eben als Baum tarnen.“
- - - -
„Nein.“
Seine Stimme klang so bestimmt, das ich fast glaubte er würde die Sache wirklich abblasen.
Ich warf Frankie einen Blick zu, der sich neben mir aufgebaut hatte und Sanji genau wie ich eingehend musterte. Ich sah in seinen Augen, das er genau wie ich am liebsten losprusten würde.
„Hast du eine bessere Idee, Blondie?“, hakte der Cyborg nach und das darauf folgende Schweigen wertete er wohl als ein Nein, denn er nickte bestimmt und ein Grinsen zeichnete sich auf seinen Zügen ab.
„Also los.“
Sanji hielt das Kleidungsstück angewidert von sich.
„Vergesst es. Ich werde kein Kleid anziehen, ich werde mich nicht von euch schminken lassen und ich werde auch ganz sicher nicht so tun, als sei ich eine Frau, ist das klar?“
Er sah uns fast verzweifelt an, doch unsere Mienen blieben hart.
Er sah mir in die Augen, seine Stimme klang flehend.
„Lorenor! Verdammt, das kannst du doch nicht machen, das kannst du mir nicht antun! Ich bin gesellschaftlich abgeschrieben, wenn das raus kommt!“
Mein Grinsen wurde breiter.
„Gut möglich. Wenn du's nicht machst, bist du allerdings ziemlich bald tot. Und das nicht nur gesellschaftlich.“
Sein Blick wurde trotzig, als Frankie aus der Einkaufstüte zwei Paar Ballerinas, Ohrringe zum anstecken, eine dünne Kette, eine Sonnenbrille und ein mit einer Blume verziertes Haargummi zog.
„Das ist hässlich.“, knurrte der Blonde und Frankie funkelte ihn dafür böse an.
„Das habe ich mit viel Sorgfalt nur für dich Tunte ausgesucht, also halt besser die Klappe!“
„Tunte?! Sag mal geht’s doch? Ihr zwingt mich doch..“
„Schluss jetzt.“, warf ich in den Raum und sofort schluckten die zwei Streithähne ihre Wörter hinunter.
„Es wird darüber nicht mehr diskutiert, klar? Danke Frankie, nett das du das für mich getan hast.“
Der Blauhaarige nickte grimmig.
„Kein Ding. Ich verschwinde.“ Ich klopfte ihm, als er an mir vorbei ging auf die Schulter und er warf mich ein siegessicheres Grinsen zu.
„Bye, Süße!“, flötete er durch den Raum und Sanji wollte er gerade zu mehreren nicht jugendfreien Schimpfwörtern ansetzen, als ich ihn mit einer schnellen Handbewegung zum Schweigen brachte.
„Zieh das jetzt an.“
„Aber Lorenor, ich...“
„Sanji!“ Er wandte den Kopf ab und stöhnte.
„Ja, ist ja gut...“, murmelte er beleidigt, griff sich seine Verkleidung eher widerwillig und verschwand damit im Bad.
Ich ließ mich seufzend, allerdings mit einem Grinsen im Gesicht in den Sessel fallen und starrte an die Decke, während ich Sanjis wütenden Flüchen lauschte, während er sich in das kleine schwarze Kleid zwängte.
Gut, mein Plan war nicht perfekt. Dieser Enel konnte ihn immer noch erkennen, schließlich kannten die zwei sich und Sanji hatte ein paar ziemlich unverkennbare Merkmale, wie seine seltsam geschwungenen Augenbrauen oder eben die glatten blonden Haare.
Ich war mir aber sicher, wenn ich ihm sagte das er sich die Haare färben sollte, er lieber Selbstmord begehen würde. Lieber Freitod als hässlich sein. Ja, das schien Sanjis Motto zu sein.
„Ich krieg den Reisverschluss nicht zu! ... ah moment, doch.“
Mein Plan war einfach und doch strotzte er quasi vor Genialität, so schien es mir.
Enel ging regelmäßig fein essen. Warum wusste ich natürlich nicht, aber das tat er wohl immer wieder mit einer bestimmten Frau oder mit Arbeitskollegen, immer im selben Restaurant. Danach ging es meistens in eine Cocktailbar. Beides super Orte, um ein Gespräch zu belauschen, das uns weiter helfen konnte. Es mussten nur kleine Hinweise sein, das würde ja für den Anfang reichen..
„LORENOR!“
Genervt erhob ich mich wieder aus dem Sessel.
„Brüll nicht so rum – was ist denn?“
„Ich sehe schrecklich aus.“
„Soll ich..“ - „KOMM BLOß NICHT HER!“
Ich hob abwehrend die Hände, auch wenn er das nicht sehen konnte und ließ mich entnervt seufzend wieder in meinen Sessel sinken, in dem ich auch über die Nacht schlief.
Rumzicken tat der jedenfalls schon mal ziemlich authentisch.
„Muss ich mich auch rasieren?“
Ich verdrehte die Augen.
„Eine Frau mit dicken Haaren auf den Beinen und nem Bart ist nicht sonderlich glaubhaft.“, antwortete ich gezwungen ruhig zurück und Sanji ließ ein deprimiertes Seufzen hören.
„Die Ladys stehen aber so auf meinen Kinnbart..“
Ich verkniff mir ein Auflachen.
„Jetzt bist du aber selbst eine.“, antwortete ich glucksend und nach den Wortfetzen die mir an die Ohren drangen schien er mich auf die verschiedensten Arten zu verfluchen. Mir war es gleich.
„Der Rasierer liegt in der Dusche, oder?“ - „Ja.“
„...du musst mich schminken gleich.“ Ich nickte langsam.
„Werde ich machen.“ - „Kannst du das überhaupt mit deinen Bärenpranken?“
Ich ballte die Hände zu Fäusten, um ruhig zu bleiben.
„Ich kann es jedenfalls versuchen.“, murmelte ich.
„Ich will aber nachher nicht wie ein Clown..“ - „Sanji. Klappe halten und fertig machen.“
Er schwieg wie ich es gesagt hatte, aber ich konnte seine Wut und seine Scham förmlich spüren, er drang aus dem Badezimmer wie eine Flüssigkeit.
Gute 10 Minuten hatte ich Ruhe, die ich dazu nutzte mich zu entspannen und mir das unangenehme Gefühl in der Magengegend mit Dreisätzen weg zu rechnen.
Dann drang seine Stimme zweifelnd aus dem Bad.
„Ich bin fertig.“
„Auch mit rasieren?“ Er ließ ein Seufzen hören.
„Ja... schon.“ Ich erhob mich. Irgendwie war das wie Weihnachten, das war wie Geschenke auspacken. Zumindest so ein bisschen.
Ich schlenderte um meine Sitzmöglichkeit herum, schob die Hände in die Hosentaschen und trat in die nicht vorhandene Tür des Bades.
Und wurde mit einem Anblick belohnt, der besser als Weihnachten und mein Geburtstag zusammen war.
Es war nicht das Kleid. Es waren auch nicht die Schuhe oder das Haargummi oder die Ohrringe.
Es war sein Blick. Sein leidender, weinerlicher Blick, der auf mir lang und mir zwei Dinge sagte – die Welt ist scheiße und du bist Schuld.
Ich legte mir eine Hand auf den Mund um nicht laut zu lachen, das wäre sicher nicht sonderlich förderlich, doch er merkte es und die Röte schoss ihm ins Gesicht.
„Ja, lach doch. Du hast ein Monster erschaffen.“, murmelte er und machte mit den Händen ein paar Bewegungen, die zeigen sollte das er mit Igor mithalten konnte.
Ich schloss die Augen, das unterdrückte Lachen tat weh, die Tränen schossen mir in die Augen, doch ich konnte sie wegklimpern.
Ich löste Fünfsätze.
„Ich sehe so lächerlich aus.“ Er klang als würde er gleich anfangen zu weinen. Zum Glück war mein Fünfsatz fertig und mein Gemüt beruhigt.
„Nein, du siehst nicht lächerlich aus.“ Was eine glatte Lüge war, wenn man wie ich wusste das er keine Frau, sondern ein Mann war.
„Lorenor. Ich sehe aus wie eine Transe.“ Das war dagegen die Wahrheit. Ich fuhr mir konzentriert seufzend durch die Haare, damit ich nicht einfach anfing zu lachen.
„Setz mal die Brille auf.“ Er nickte langsam und zog sich die schwarzen Gläser vor die Augen.
Das veränderte das Bild dann so wieder, das ich gar nicht mehr lachen musste, weil er wirklich aussah wie eine Frau.
Die großen, dunklen Gläser vertuschten noch den letzten Rest Männlichkeit in seinem Gesicht, sie machten ihn unnahbar und man konnte nun wirklich nicht mehr bestimmen, welches Geschlecht er hatte.
Fast wäre mir die Kinnlade nach unten geklappt. Er drehte den Kopf und sah mich wohl an, was ich nicht mehr so genau sagen konnte.
„Und?“
Ich zuckte mit den Schultern, weil eine ehrliche Antwort peinlich gewesen wäre.
„Besser.“, murmelte ich, dann griff ich nach den verschiedenen Schminkutensilien die Frankie da gelassen hatte.
„So, jetzt ist das Zeug dran.“ - „Muss das wirklich sein?“
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu und er presste die Lippen auf einander.
„Ah.. das ist unangenehm.. wieso schminkst du mir überhaupt die Augen?“
Es war ein seltsames Gefühl, diesem Mann so nahe zu sein, der jetzt nicht mehr wirklich ein Mann war, sondern eher ein von mir und Frankie erschaffenes Mischwesen.
Er saß auf dem Klo, die Beine x-förmig vor sich, die Arme vor der Brust verschränkt. Der Kopf war zu mir hoch gerichtet, mit den Augen klimperte er nervös, was wohl auch daran lag das ich versuchte ihm Kajal aufzutragen, was nicht einfach war da er die ganze Zeit tränte.
„Du musst nach oben sehen.“, murmelte ich und zog sein Augenlid weiter nach oben.
„Wieso kannst du das eigentlich, hm?“, murmelte er und sein Lächeln machte mich ein klein wenig aggressiv.
„Klappe.“, knurrte ich. „Ist ja nicht das erste Mal, das ich jemanden verkleide.“
Und das stimmte. Sowas hatte ich mit Ruffy schon ein paar Mal gemacht – es diente der Tarnung und Polizisten kontrollierten selten nette kleine Familienvans mit einem jungen hübschen Ehepaar darin. Und Ruffy hatte eben den perfekten Körperbau für sowas.
Genau wie Sanji. Der wirkte sogar ein wenig dafür geschaffen.
„Au!“ Er kniff die Augen zusammen und ich zwang sie mit zwei Fingern wieder auf.
„Wer schön sein will muss leiden..“, säuselte ich, dafür biss er nach meinem Finger und ich wich ihm grinsend aus.
„Arsch.“, knurrte er und obwohl ich ihm Tonnen von Make-up aufgetragen hatte sah man immer noch eine leichte Röte auf den Wangen.
Ich lächelte und wischte ihm mit den Fingerspitzen nochmal über die Wangen, dann trat ich einen Schritt zurück.
„Fertig.“, verkündete ich und Sanji sah mich an, als wäre ich wahnsinnig.
„Fertig?“, quietschte er und ich nickte.
„Ja.“ - „Ich will das wieder ab haben.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein, vergiss es. Heute Abend erst.“ Ich griff nach dem Lipgloss.
Sein Blick spiegelte Abneigung wieder – allerdings glaubte ich, das diese Abneigung der Schminke galt.
„Das auch noch? Das klebt immer so.“
Ich seufzte.
„So soll das ja auch sein.“
Er schloss die Augen und ich strich mit dem Pinselchen über seine Lippen.
Ich rechnete Sechssätze. Wenn drei Autos mit 70 km/h 300 Tonnen Kohle...
„So.“
Ich legte die Schminke ins Waschbecken und hielt Sanji eine Hand hin.
„Guck mal, ob du so laufen kannst.“
Die letzten Tage hatte er sich nur sehr wenig bewegt und das auch immer nur mit nackten Füßen. Ob das jetzt auch in diesem Sadalendingern klappte, wusste ich nicht.
Er ließ sich von mir in die Höhe ziehen und machte ein paar zögernde Schritte durch den Raum.
„Ich spüre es kaum.“, sagte er nachdenklich und ich nickte.
„Sehr gut. Dann lass uns gehen.“
„Hey, das ist nicht fair! Was ist mit dir? Du gehst jetzt ins Jeans und Hemd oder wie?“
Ich verdrehte die Augen.
„Nein. Ich ziehe mir jetzt einen Anzug an.“
Ich verließ das Bad, hörte ihn hinter mir her trippeln.
„Und was sind wir jetzt genau?“
Ich streifte mit das Hemd vom Körper und schlüpfte aus der Jeans, dann griff ich in Frankies Einkaufstasche.
„Wir sind ein Paar. Verlobt, würde ich sagen, das klingt wie frisch verliebt. Du findest mich unsagbar toll und attraktiv, du bist die Frau meines Lebens... bla bla bla.“
Als ich in der Hose steckte drehte ich mich um und Sanji hatte die Arme vor der ausgestopften Brust verschränkt.
„Du scheinst ja nicht viel von der Liebe zu halten.“, sagte er mit trockenem Unterton und ich zuckte mit den Schultern, als ich mir das weiße Hemd zuknöpfte.
„Nicht viel, nein.“, gab ich zu und er lächelte.
„Wieso nicht?“ Ich sah auf.
„Wieso fragst du das?“ Er zuckte mit den Schultern und ich streifte mir das Jackett über.
„Nur so.“ Ich zupfte noch alles zurecht, dann nickte ich.
„Okay, fertig. Lass uns gehen.“ Er ging an mir vorbei und ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen.
„Du musst echt an deinem Gang arbeiten..“
Er drehte sich um, die Sonnenbrille auf der Nase, aber ich spürte seinen wütenden Blick auf mir.
„Klappe, SCHATZI.“
Meine Miene wurde steif, dann aggressiv.
„Ach, halt die Klappe und geh zum Wagen.“ - „Steht der in der Einfahrt?“
Ich nickte und ging nun an ihm vorbei.
„Ja.“ - „Hast du den Schlüssel?“ - „Jaha...“
Ich hörte ihn hinter mir glucksen. Als er an mir vorbei trippelte und die Tür vor mir öffnete, bildete sich ein dicker Klos in meinem Hals.
„Komm, mein Engel. Fahren wir ins Restaurant.“
Das konnte nur ein Scheißabend werden. Verdammt.
Ich und meine dummen Ideen.
Uuh, Baby, schwing dein Teil!
„Du hast meine Frage vorhin nicht beantwortet.“
Ich sah nicht auf, konzentrierte mich auf die Straße, als ich seine Stimme hörte und das Licht anschaltete, da es langsam dunkel wurde.
„Ich weiß nicht wovon du redest.“, murmelte ich und setzte den Blinker, um auf die belebte Hauptstraße einzubiegen.
Ich hörte, wie der Blonde unbehaglich an seinem Kleid herum zupfte.
„Ich habe dich gefragt, wieso du der Liebe nichts abgewinnen kannst. Und du hast darauf nicht geantwortet.“ Typisch Frau, dachte ich mit einem grimmigen Lächeln.
Konnten nie etwas auf sich beruhen lassen.
„Wird schon seinen Grund gehabt haben.“, antwortete ich leise und ich sah aus den Augenwinkeln, wie er seine nackten Arme ein Stück in die Luft hob.
„Wollte dir nicht zu nahe treten.“, murmelte er, bevor er sich die Sonnenbrille hinunter zog und sich seufzend über den Nasenrücken strich.
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu, sah dann aber wieder schnell nach vorne, weil es mir ein unangenehm nervöses Gefühl gab, ihn im Kleid zu sehen.
„Lass das, du verschmierst alles.“ – „Du meinst dein Meisterwerk der Schminkkunst?“
Ich konnte es nicht leiden, wenn man sich über meine Arbeit lustig machte. Egal, worum es ging.
Meine Finger um das Lenkrad versteiften sich.
Jedoch verkniff ich mir jede Antwort und auch Sanji hielt dankenswerterweise den Mund.
Das war doch einfach total verrückt, was hier abging.
Wir saßen ein einem Bentley, einem großen schwarzen Auto, glänzend, quasi fabrikneu. Im Kofferraum 5 verschiedengroße Waffentypen, mit denen man wahlweise einen Menschen oder einen Häuserblock wegpusten konnte.
Ich sah aus wie ein Butler und Sanji neben mir wie eine Frau. Wie Marilyn Monroe für Arme.
Also wenn das nicht strange war, dann wusste ich auch nichts mehr.
„Da vorne musst du rechts.“
Ich nickte, setzte wieder den Blinker und bog ein.
Das „Spitz“ lag ziemlich zentral in der City, nicht weit entfernt von der Einkaufsstraße in einer etwas ruhiger gelegenen Ecke.
Ich war noch nie dort gewesen, ich war kein großer Stadtmensch und mit Menschenmassen hatte ich noch nie etwas anfangen können. Aber vom Spitz hatte ich bis jetzt nur Gutes gehört, auch Ace verkehrte da ab und an mit seiner Freundin. Die seltsamerweise noch keiner seiner Jungs zu Gesicht bekommen hatte…
Aber über so was hatte ich keine Zeit, nachzudenken.
„Ist das da vorne ein Parkplatz?“ – „Nee, zu klein.“
Mir begann aufzufallen, das wir uns wie ein richtiges Ehepaar verhielten.
Ein wenig beschämt atmete ich einmal tief durch, bevor ich das Parkhausschild bemerkte.
Erleichtert bog ich ein, fuhr auf der zweite Unterdeck und stellte den Bentley auf einen Frauenparkplatz. Da gab es wenigstens Kameras und wenn diesem Baby auch nur ein Haar gekrümmt wurde, konnte ich im Handumdrehen heraus finden, wer es war.
Und wenn man es nicht so genau nahm hatte ich ja eine Frau dabei.
Ich schnallte mich ab, holte tief Luft, dann öffnete ich die Wagentür.
Als ich hinter mir auf den Ledersitz nicht die kleinste Bewegung hören konnte, kein Rascheln und kein Knacken der Tür, drehte ich während des Aufstehens den Kopf.
Da saß er. Sanji. Das Gesicht zu einer nervösen Fratze verzogen biss er sich auf die Unterlippe, man sah dass er schwitzte, die Hände waren in den Saum seines Kleids vergraben und seine Beine waren fest auf einander gepresst.
Ich seufzte, lehnte mich wieder mit dem Oberkörper ins Auto hinein und hielt mich mit der linken Hand an der geöffneten Tür fest.
Der typische Geruch eines Parkhauses, die Abgase, die stickige Luft und die Hitze drangen in den Wagen und vor meinem inneren Auge konnte ich sehen, wie es sich in das teure Leder fraß und vernichtete.
Und ein weiteres geschrottetes Auto würde mein armes Herz wohl einfach nicht mitmachen.
„Komm schon.“, versuchte ich in einem aufmunternden Tonfall zu sagen, doch ich klang eher genervt. Er hob den Kopf und sah mich an.
„Ja, du hast gut reden, du mit einem Pinguinoutfit! Du siehst wenigstens noch aus wie ein Mensch von diesem Planeten…“
Ich verdrehte die Augen.
„Sanji, du auch. Wenn auch ein wenig geschlechtslos.“
Dieser Satz hatte wohl nicht gerade zu seinem guten Gemütszustand beigetragen, viel mehr wirkte er auf einmal wie kurz vor dem Ausbruch.
„Weißt du was?“
Ich hob die Augenbrauen und sah ihn aufmerksam an.
Er zog die Brille ein klein wenig nach unten und guckte mich aus Augen an, die kein bisschen mehr denen des ängstlichen Rehs Sanji glichen.
„Leck mich.“, zischte er, riss die Beifahrertür auf, stieg aus, zupfte sich die Kleidung zurecht und drehte den Kopf zu mir.
Ein wenig überrascht von dieser plötzlich so eiskalten Reaktion richtete ich mich wieder auf, schlug auch meine Seitentür zu, schloss ab und ging auf ihn zu.
Er griff demonstrativ nach meinem Arm und hakte sich ein.
Ich presste die Lippen auf einander und begann zu rechnen. Wie wild. Alles mögliche.
„Irgendwas, was ich beachten sollte?“
Ich drehte den Kopf und sah ihn hochkonzentriert an.
„Nenn mich nicht Schatzi, Engel, Pupsi..“
Das Lächeln auf seinen Lippen hätte ich ihm am liebsten aus dem Gesicht gewischt.
„Pupsi! Mensch, auf die Idee wäre ich nie gekommen, danke!“
Vollkommen entnervt sah ich wieder nach vorne.
Das würde so was von Scheiße werden. Ich konnte es spüren. Sanji würde mir das alles nach und nach heimzahlen. Nicht mit einem fetten Schlag in die Magengrube, nein. Er würde mir immer wieder mit einer kleinen Nadel in den Finger stechen.
Bis ich verblutet war.
Wo dieser plötzliche Sinneswandel auf einmal herkam wusste ich nicht, aber es irritierte mich ungemein. Selbst seine Ausstrahlung war anders geworden, er wirkte plötzlich kalt. Ziemlich kalt.
Oh verdammt.
Wir bogen in das Treppenhaus ein, doch ich wollte Sanji die Stufen nicht zumuten.
Glücklicherweise gab es einen Aufzug, der sah zwar aus wie kurz vor dem Krieg erbaut, doch das war immer noch besser als das sich der Blonde den Knöchel abbrach.
„Nehmen wir den Aufzug?“
Eine weise Erkenntnis, wenn man die Tatsache beachtete dass ich schon den entsprechenden Knopf gedrückt hatte.
„Nein. Ich find es nur so spaßig, widerliche Fahrstuhlknöpfe zu drücken.“, antwortete ich trocken und er warf mir einen kurzen Blick zu. Glaubte ich zumindest.
Mittlerweile nervte mich seine Sonnenbrille einfach nur noch an.
Er grinste schließlich, als sich die Aufzugtüren öffneten und uns zwei junge Männer im Anzug entgegen blickten, als wäre es total ungewöhnlich das auch andere Menschen mit diesem Fahrstuhl fahren könnten.
„Ja Schatz. Komm.“, sagte der Blonde, als hätten wir ein interessantes Gespräch beendet, nahm mich an der Hand und schleifte mich ins Innere des Höllenkastens.
Ich fühlte mich so unmännlich, das ich am liebsten im Erdboden versunken wäre.
Allerdings war da ja gar kein Erdboden. Nur Plastik. Ziemlich altes Plastik.
War das der Moment, in dem man Panik bekommen sollte?
„Erdgeschoss?“, fragte einer der beiden Kerle und ich nickte.
Sanji lächelte in die Runde, dabei sah er allerdings eher ein wenig verwirrt aus, und ich schob ihn in eine Ecke des Fahrstuhls, wo ich mich neben ihn stellte und die Hände in die Hosentaschen schob.
Er krallte sich in meinen Arm, seine Fingernägel bohrten sich schmerzhaft in mein Fleisch.
„Wann musst du morgen Arbeiten, Schatz?“, fragte er mit verstellter Stimme.
Zack. Die erste Nadel in meinem Finger. Scheiße, tat das weh.
Ich schluckte die Flüche hinunter und drehte den Kopf zu ihm, setzte das netteste Lächeln auf das ich im Petto hatte.
„Ich muss recht früh ins Büro, Liebling. Du musst nicht aufstehen, ich kann mir auch selbst Frühstück machen.“
Er lächelte. Ich spürte seinen giftigen Blick unter der Brille direkt an meiner Kehle.
„Ach, du weißt doch dass mir das wirklich nichts ausmacht. Dann wird um 7 das Frühstück fertig sein.“
Ich stellte mir vor, wie Sanji mir im Kleidchen das Frühstück ans Bett brachte und das hob meine Laune dann so weit, das ich es schaffte einen Arm zu heben und ihm über den Kopf zu streichen, was er wohl als Zeichen meiner Überlegenheit auffasste. Er wirkte plötzlich ziemlich trotzig.
„Danke, mein Engel.“, hauchte ich.
Und… was das etwa ein sanfter Rotschimmer auf seinen Wangen?
Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich gesagt, dass er niedlich aussah.
Aber ich wusste es ja besser, nicht wahr?
Ich begann, komplexe Textaufgaben zu berechnen.
„Schönen Abend noch!“
Die beiden Männer verließen nett lächelnd den Aufzug und fast hätte ich vergessen, dass wir hier ja auch aussteigen mussten.
Doch Sanji trippelte wie von der – zugegeben etwas unbeholfenen – Tarantel gestochen an mir vorbei und ich realisierte, das hier Endstation war.
Ich folgte ihm eilig und wir traten in die kühle Nachtluft auf die belebte Straße.
Sanjis Arm verschränkte sich in meinem und er schien sich hinter meinem Rücken zu verstecken.
„Gucken die?“
Sein Mund war nah an meinem Ohr und sein warmer Atem ließ einen Schauer meinen Rücken hinunter jagen.
„Nein.“, antwortete ich leise und seine Finger wurden etwas lockerer.
„Okay. Gehen wir.“ – „Versuch mal ein bisschen weiblich zu gehen.“
„Klappe, Penner.“, murmelte er und es hörte sich an als wollte er mir meine Männlichkeit abreißen, braten und mit Kräutern garniert servieren.
Ich hielt also meinen Mund, damit er diesen Plan nicht in die Tat umsetze und wir überquerten die Straße, als kein Auto vorbei fuhr.
Die Menschen auf dem Gehweg beachteten uns nur kurz, ihre Blicke wirkten aber nicht abfällig, viel mehr schienen sie unseren Anblick harmonisch zu finden, jedenfalls sagte das ihr entspannter Ausdruck in den Augen aus, den ich ab und an erkennen konnte.
Die glaubten also alle, Sanji sei eine Frau.
Damit konnte ich ihn bis an sein Lebensende aufziehen.
Dieser Tatsache bewusst musste ich lächeln, als mir ein junger Mann im Frack die Tür öffnete und uns den Weg ins „Spitz“ ebnete, quasi.
„Ist er da?“, zischte ich zu Sanji und der begann sich im großen, altmodisch wirkenden Lokal mit den schweren roten Samtvorhängen und den dunklen Holztischen zusehen.
„Ja, da vorne.“, murmelte er konzentriert und ich nickte langsam.
Und wieder hatten wir Glück; direkt hinter Enel, einem Mann mit unglaublich weißer Haut und ziemlich langen Ohrläppchen, war ein Tisch frei, ein Zweiertisch. Besser konnte es doch nicht laufen.
Ich zog Sanji durch das Lokal, der mir ein wenig unbeholfen hinterher stolperte.
„Nicht so schnell!“
Ich verlangsamte mein Tempo, auch wenn ich die Befürchtung hatte das uns jemand diesen perfekten Platz kauen konnte, doch es passierte nicht, wir konnten uns ungehindert niederlassen und noch bevor ich richtig auf meinem Hintern saß stand auch schon wie aus dem Nichts der Kellner neben unserem Tisch.
Kellner in solchen Restaurants machten mir regelmäßig Angst.
„Guten Abend, die Herrschaften! Darf ich ihnen schon einmal etwas zu trinken bringen?“
Sanji faltete die Hände in einander, nachdem er sich die Brille von der Nase gezogen hatte und sah zum Kellner auf.
Plötzlich sah er so entspannt und glücklich aus, dass ich ihm die Rolle sogar fast abkaufte, obwohl ich wusste das er innerlich kochte wie ein Dampfkochtopf.
„Einen Sekt, denke ich. Oder, Schatz? Bei so einem Anlass sollte man doch Sekt trinken?!“
Er sah mich an und ich schluckte schwer.
„Ja, ich denke… das sollten wir.“
Himmel, von welchem Anlass sprach er denn? Was zog der sich da nur aus der Nase?
Der Kellner begann freundlich zu lächeln.
„Darf ich gratulieren?“
Sanji nickte leicht und sein Lächeln wurde breiter.
„Ja, dürfen sie wohl. Gestern hat er mich gefragt..“
Was hatte ich ihn gefragt? WAS?!
Ich starrte ihn fassungslos an, doch als der Kellner zu mir blickte lächelte ich, als wäre mir das ein klein wenig unangenehm.
Er nickte mir zu.
„So eine Frau sollte man schnell in trockene Tücher bringen.“, sagte er mit einem Lächeln und ich hätte ihn am liebsten ganz lange geschüttelt.
Sanji kicherte und wurde tatsächlich rot um die Nase, was natürlich wunderbar in die Situation passte. Scheiße, verdammte. Ich wollte sterben, sofort.
„Ich werde ihnen etwas Leckeres raus suchen.“, versprach er und verschwand.
„Und?“
Wir hatten knappe 5 Minuten nicht gesprochen, hatten den gebrachten Sekt gesüffelt und Sanji, der direkt hinter Enel saß, hatte ihr Gespräch belauscht.
„Nichts brauchbares.“, antwortete er leise, dann lächelte er.
„Einen Ring.“, zischte er.
„Ring?“, fragte ich vollkommen verwirrt zurück.
„Ring! Einen Ring! Wir sind verlobt, gib mir einen Ring!“
„Du bist mir intelligent, wo soll ich denn jetzt einen Verlobungsring herzaubern?“, fragte ich genervt zurück. Er hielt sich eine Hand vor die Augen und stöhnte.
„Gib mir einfach den an deinem Finger.“
Ich betrachtete den kleinen, schmucklosen Silberring am Ringfinger meiner rechten Hand. Ein Geschenk zu meinem Geburtstag von Ace und Ruffy.
Ich zog ihn ab und reichte ihn an den Blonden.
„Da. Und jetzt hör weiter zu.“, knurrte ich und Sanji zog sich den Ring, da er nicht so richtig am Ringfinger passen wollte, über den Daumen.
Wieder erschien der Kellner wie aus einer Falltür am Boden und hätte ich nicht jede Menge Selbstbeherrschung gehabt, ich wäre wohl zusammen gezuckt.
„Haben sie schon gewählt?“
Sanji hatte in die Karte geguckt, ich nicht.
Seufzend über meine eigene Dummheit verließ ich mich einfach auf mein Glück.
„Ja. Ich nehme die Nummer… 95.“ Er nickte und schrieb sie auf.
Sanji lächelte und blickte dem Kellner in die Augen.
„Ich nehme die Nummer 40, aber bitte ohne den Spargel.“
Wieder nickte der Kellner, dann huschte er zum nächsten Tisch.
„Ich hoffe, du hast genug Geld mit.“, säuselte Sanji und griff nach meiner Hand, die ich nur zu gern weg gezogen hätte. Der schien mal wieder mehr zu wissen als ich, aber ich wagte nicht zu fragen.
Die Rechenaufgaben reichten nicht mehr. Ich brauchte was Neues.
Schäfchen zählen vielleicht?
„Habe ich. Glaub mir, ich..“
Sein Griff um meine Hand wurde stärker.
„Leise.“, knurrte er, dann starrte er konzentriert auf die Tischdecke.
Ich konnte nicht verstehen was Enel sagte, aber es schien interessant zu sein.
Also schwieg ich, griff noch mal nach dem Sekt und als der Kellner noch mal an uns vorbei wuselte streichelte ich eher unbeholfen Sanjis Handrücken mit meinem Daumen, damit diese Umklammerung echt aussah.
Die Reaktion des Blonden darauf war ein etwas verwirrtes Grunzen und ein Blick zu mir, während sich seine Wangen wieder rot färbten.
„Entspann dich und lausch.“, murmelte ich konzentriert und versuchte möglichst natürlich zu wirken. Was mir natürlich nicht gelang, da war ich mir ziemlich sicher.
Aber was sollte ich machen?
„Bitteschön, die Herrschaften!“
Ich starrte vollkommen entsetzt auf meine Nummer 95, die sich als Hummer entpuppt hatte.
Es war nicht nur die Größe. Es war schon allein die Tatsache, dass ich nicht wusste wie man Hummer aß.
Neben mir lagen jetzt seltsamen Gabeln und Zangen. Ja… schön. Und jetzt?
Sanji begann breit grinsend, sein Steak zu schneiden.
Dafür hätte ich ihn wohl unter normalen Umständen getötet, wenn ich gekonnt hätte. Aber ich hatte ja nun den Hummer.
Ob dessen Scheren scharf waren…?
„Und, mundet es dir?“
Blöde Frage, ich hatte noch ein Stück Fleisch im Mund gehabt. Ich starrte ihn kühl an.
„Ja. Herrlich, Schatz. Und was ist mit dir?“
„Oh, das Fleisch ist perfekt, besser hätte ich es nicht machen können.“
Am liebsten hätte ich ihm den Teller ins Gesicht geklatscht.
„Darf ich mal probieren?“
Ich hörte, wie Stühle gerückt wurden. Verdammt, die gingen schon!
„Klar, Schatz.“
Er piekte ein Stück Fleisch auf seine Gabel, pustete – scheiße, der pustete mir das Fleisch mundgerecht! – und reichte es über den Tisch, über den Hummer hinweg zu mir rüber.
Ich streckte mich ein wenig, zog das Fleisch von der Gabel und lächelte leicht.
„Sehr lecker, wirklich.“
Ich konnte doch jetzt schlecht fragen, ob die mir dieses Urzeitvieh einpacken konnten!
Enel schlenderte an unserem Tisch vorbei, warf uns aber keinen Blick zu, zum Glück.
Seine Freundin schon. Sie lächelte Sanji kurz an, dann mich, dann eilte sie ihrem Freund hinterher.
„Verdammt!“, fluchte ich wütend, winkte den Kellner zu mir und lächelte ihn so freundlich wie ich eben konnte an.
„Tut mir Leid, aber wir müssen gehen, ich hab gerade einen wichtigen Anruf bekommen, ich bin Arzt…“
Na klar, ich war Arzt. Und mein Opa war einer von den Ghost Busters.
Der Kellner nickte verständnisvoll, er sah sogar ein wenig besorgt aus.
Sanjis Miene dagegen verriet, dass er sich am liebsten auf den Tisch gelegt und laut losgelacht hätte.
„Soll ich ihnen den Hummer einpacken?“
Ich starrte erst den Kellner, dann den Hummer ein wenig überfordert an.
Na ja, wenn ich ihn nicht mitnahm, kam er in den Müll. Und das Vieh war teuer…
„Ja, das wäre wirklich nett, dann können wir es zu Hause in Ruhe essen.“
Er nickte, schnappte sich den Teller und verschwand, während ich das Geld auf den Tisch neben die Rechnung legte, ein gewisses Trinkgeld ließ und mir die Jacke, die ich vorher abgestreift hatte, wieder anzog, während Sanji sich aufrichtete und an seinem Kleid zupfe.
„Hier, bitte.“ Ich bedankte mich, der junge Angestellte bedankte sich für das Trinkgeld und ich trabte mit Sanji am Arm aus dem Lokal, mindestens die Hälfte der Gäste starrte uns nach.
Ich mit einer riesen Tüte in der Hand, Sanji wieder mit der Sonnenbrille auf der Nase…
Zum Brüllen. Wenn man nicht gerade in meiner Haut steckte.
Ich wollte eher auf der Stelle den Freitod begehen.
Draußen schlug uns die kalte Luft entgegen und ich spürte wie Sanji eine Gänsehaut bekam.
„Los, zum Wagen.“, murmelte ich, Sanji nickte, hielt sich weiter an meinem Arm fest, wir marschierten über den Bürgersteig –
„AU!“
Ich blieb stehen, beobachtete den Blonden, der auf einem Bein stand und sich den anderen Knöchel rieb, während er auf und ab hüpfte.
„Umgeschlagen?“ Er nickte und stöhnte.
„Verdammt!“ Ja, so konnte man das auch bezeichnen.
„Ich hol den Wagen. Bleib einfach hier stehen.“ Sanji nickte und lehnte sich an die Hauswand, ich drehte mich um und eilte über die Straße.
Klar, das musste jetzt natürlich passieren, jetzt wo wir es eilig hatten..
„Hey, Süße!“
Moment.
Alles zurück, drückt die Rückspultaste, das musste ich noch mal hören.
Ich blieb mitten auf der Straße stehen.
Drehte mich um.
Drei Kerle. Groß. Breit. Schlägervisage. Jung.
Um Sanji. Gierig, sabbernd wie wilde Tiere. Ziemlich nah mit ihren Händen an seinen nackten Beinen. Sahen aus wie frisch dem Knast entflohen.
Ich fühlte mich dank ihrer Elivsfrisuren und der Lederjacken in die „Westsidestory“ versetzt.
„Na, wieso denn so allein hier in der Gegend?“
„Ich bin nicht allein, ich..“ Wieso hielt der noch die verdammte Tarnung aufrecht?
Wieso war der so rot im die Nase? Gefiel dem das etwa?
Ein Auto hupte neben mir. Ich versperrte wohl den Weg.
Es war mir so was von egal.
„Hey, Freunde. Die Lady ist nicht allein.“ In dem Moment wo sie fast synchron ihre Köpfte zu mir drehten holte ich aus, schwang die ziemlich schwere Tüte voller Hummer in meiner Hand und erwischte den ersten an der Schläfe, während Sanji ein erschrockenes Keuchen hören ließ und die anderen beiden mich anstarrten wie den Messias persönlich.
Keiner packt mir meine Frau an.
Auch wenn.. es keine Frau ist.
Öffne um Himmels Willen niemals das Paket, Lorenor Zoro!
There's no limit!
Das Schweigen, das im Auto herrschte, war für mich fast unerträglich.
Normalerweise bevorzugte ich die Stille. In jeder Lebenslage.
Durch Stille konnte man die Ruhe bewahren, man konnte ohne Hektik nachdenken ohne von irgendwas gestört zu werden und kam meist zu einem besseren Ergebnis.
Doch genau in diesem Moment war ich kein Verfechter des Schweigens, ganz im Gegenteil, ich wäre froh darum gewesen wenn mir irgendein sinnvoller Satz eingefallen wäre.
Aber da kam nichts, absolut gar nicht, mein Hirn war leer und wabbelig.
Wie weiches Moosgummi. Woraus diese Fußmatten hergestellt werden. Oder so.
„Lorenor, es tut mir Leid.“
Sofort bereit, diesen Wortfetzen in ein langes Gespräch umzuwandeln, hob ich den Kopf und sah ihn kurz aufmerksam an, bevor mein Blick wieder zurück auf die Straße vor mir glitt.
Ich bog – ohne zu blinken und ohne zu gucken – auf die Hauptstraße ein und Sanji krallte sich mit einem nervösen Zischen in das Sitzpolster.
„Was tut dir Leid?“, fragte ich nach, da ich mir nicht erklären konnte wieso man sich für die Dummheit von irgendwelchen Straßenpenner entschuldigte.
Mein Beifahrer, der momentan wohl eher eine Beifahrerin war, seufzte.
„Wegen.. der Sache. Wegen der Schlägerei. Das ich eingegriffen habe.“
Ich hob die Augenbrauen.
„Dafür musst du dich nicht entschuldigen.“, murmelte ich, auch wenn ich über den Vorfall von eben doch noch ein wenig überrascht war.
Ich hatte ja schon geahnt, das Sanji nur so tat als sei er das arme, kleine Häschen, das man beschützen musste.
Aber das er wirklich so eine Kraft hatte – damit hatte ich nicht gerechnet.
Vor allem seine Beine hatten es wohl in sich – mit einem einzigen Tritt hatte er einen der Kerle über die Straße befördert.
Hatte zwar nicht sehr damenhaft, aber irgendwie ziemlich cool ausgesehen.
Ich grinste bei dem Gedanken daran.
„Aber wenn ich nicht eingegriffen hätte, dann wärst du nicht am Arm verletzt...“
Gut, das konnte ich nicht widerlegen, da hatte er Recht.
Durch den Kick, den er einem von den drei Kerlen verpasst hatte, als dieser ein Klappmesser gezogen hatte, hatte er mich ein wenig unglücklich am Arm gestreift.
Ein bescheuerter Zufall, der eine Fleischwunde mit sich zog, jedoch kein Drama.
Den Knochen sah man schließlich noch nicht.
„Ach was.“, gab ich von mir, auch wenn das nur ein schwacher Trost für den sich offensichtlich schuldig fühlenden Sanji war.
Jedoch wollte ich das Thema, das mich so rasend interessierte, nun endlich zur Sprache bringen, während ich – ohne zu bremsen – in eine Seitenstraße einbog.
„Jetzt sag schon. Was hat Enel vorhin gesagt?“
Sanji seufzte, zog es anscheinend aber doch vor, seine Finger im Sitzpolster zu lassen.
Mein Blick lag seelenruhig auf der Straße, als ich in die Kurven steuerte wie ein Wahnsinniger.
„Er hat seiner Freundin erzählt, das er ihr bald was richtig schickes kaufen würde. Einen Ring oder so. Und dann hat sie gefragt, wo er denn plötzlich das Geld her hätte, Crocodile würde doch gar nicht so viel zahlen. Und da sagte er, ich zitiere: „Es war ein Geschenk Gottes, mein Liebling.“
Ich wartete eine halbe Minute.
Als ich feststellen durfte, das Sanjis Erzählung vorbei war, hob ich ein wenig ärgerlich den Kopf.
„Und das war alles?“
Sanji zuckte mit den Schultern.
„Mehr war da nicht.“
Mit einem leisen, wütenden Schrei schlug ich mit der flachen Hand auf die Hupe. Sanji zuckte ein wenig zusammen, sagte jedoch nichts.
„Das kann doch nicht sein!“, fluchte ich.
„Ein Geschenk Gottes, ich glaub es hackt!“ Wütend riss ich das Lenkrad herum und bog auf die Straße ein, die uns zu unserem momentanen Heim im Vorort bringen würde.
„Lorenor, vielleicht wäre es gut, wenn du ein wenig langsamer..“
Ich unterbrach ihn, ohne ihm auch nur im geringsten zu gehört zu haben.
„Was soll das denn für eine Info sein, hm? Dass das Geld vom Himmel gesegelt ist, ihm einfach in den Schoß, und zufällig verschwinden beim Krokodil ebenfalls ein paar Kröten?“
Beim Krokodil verschwinden Kröten. Ich hätte Comedian werden sollen.
Jedoch war ich nicht zu Scherzen aufgelegt, ganz und gar nicht.
Hatte sich diese ganze, dumme Aktion etwa am Ende nicht gelohnt?!
„Lorenor, ich kann ja verstehen, das du dich aufregst, aber meinst du nicht du solltest ein wenig langsamer...“
Doch da war es schon zu spät.
Ich ging in die Eisen, als ich den Hund sah, der wie aus dem Nichts zwischen den Autos auftauchte und mir vor die Stoßstange lief, doch der Bremsweg war eindeutig zu lang für meine Geschwindigkeit.
Ich schrie, mein Beifahrer schrie, und ich hatte tatsächlich für eine Sekunde das Gefühl, das der große Mischling uns durch das Fenster hindurch vorwurfsvoll anstarrte, bevor er mit meinem Auto kollidierte.
Einige Sekunden passierte nichts.
Ich starrte wie paralysiert auf die Straße, Sanji tat es mir gleich.
Zum Glück war weder jemand mit dem Auto unterwegs gewesen der mit hätte rein fahren können, noch ein Fußgänger auf dem Bürgersteig, sodass wir von lästigen Fragen verschont blieben.
Wovon ich allerdings nicht verschont blieb, war Sanjis entsetzter Aufschrei, den er ausstieß als er die Tür aufriss und eilig ausstieg. Bei dieser Aktion riss er eine Naht des Kleides auf, und anscheinend sich auch die Boxershort ein Stück runter,jedenfalls bekam man einen guten Einblick auf Sanjis linke Pobacke. Die behaarte Pobacke, wohl bemerkt.
Das schien diesen allerdings reichlich wenig zu interessieren, er rannte nach vorne und ging dort auf die Knie, sodass ich ihn nicht mehr sehen konnte.
Ich zog es vor im Wagen sitzen zu bleiben und vollkommen entnervt den Kopf auf das Lenkrad sinken zu lassen, wobei ich allerdings auch grinsen musste, bei der Vorstellung das die Anwohner gerade auf Sanjis nacktes Gesäß starren durften.
Dieser Tag war scheiße gelaufen und ganz offensichtlich würde es auch nicht besser werden.
„Lorenor, er lebt!“
Toll, da ersparte ich mir ja die Trauerfeier und den Grabstein.
Ich riss leise fluchend die Fahrertür auf, hangelte mich aus dem Wagen und latschte zu meinem knienden Kumpel im zerrissenen Kleid.
Der sich jetzt vor dem mit den Augen blinzelnden Hund in die Höhe erhob und mich mit einem Blick bedachte, der jeden Anderen hätte auf der Stelle zu Eis erstarren lassen.
„Was?“, fauchte ich, als er einige Sekunden so guckte.
„Musst du eigentlich immer so rasen?“, fauchte er zurück und ich musste mir vorstellen, wie das hier für jeden Außenstehenden aussah.
Eine „Frau“ im zerrissenen schwarzen Kleid mit nacktem, behaartem (!) Hintern sah einen grünhaarigen, genervten Mann böse an, zwischen ihnen ein wohl gerade zu den Lebenden zurück gekehrter Hund.
Bescheuerter ging es wohl kaum.
„Verdammt, kann ich damit rechnen, das mir der Köter vor dem Wagen springt?“, giftete ich zurück und führte den Streit, den wir wie ein altes Ehepaar führten, somit fort, während Sanji vollkommen ungefragt den Hund in seine Arme hob und ihn uns Auto herum trug.
„Zumindest ein wenig langsamer hättest du fahren können!“
„Nein, hätte ich nicht, ich war wütend!“
„NA UND? Kein Grund, Menschenleben zu gefährden?“
„Seit wann ist ein Hund ein Mensch?“
„Ach, verrecke doch!“
Das war eigentlich mein Spruch, aber es überraschte mich so ihn aus Sanjis Mund, und dann noch in dieser Stimmlage zu hören, das ich stehen blieb und ihm nur ein wenig überrumpelt dabei zusah, wie der das Tier in den Kofferraum lud.
„Und was tust du da?“, fragte ich schließlich resignierend, als er nach der Klappe des Kofferraums griff.
Er sah mich mit einem fiesen Grinsen an und ich wäre ihm am liebsten mit Anlauf ins Gesicht gesprungen.
„Machst du doch auch immer so, oder etwa nicht, Lorenor?“
Er betonte meinen Namen auf diese seltsame Art, die ich gar nicht leiden konnte, und ich war schon drauf und dran ihn einfach hier am Straßenrand stehen zu lassen, doch er war zu schnell, er saß schon im Auto als ich den Motor an schmiss.
Wir sagten beide kein Wort, bis wir bei unserem Versteck ankamen, doch ich musste mir zu meinem eigenen Ärger eingestehen das ich wirklich langsamer gefahren war, als ich auf den Parkplatz ein bog.
Wir stiegen aus, Sanji hatte wieder seine Sonnenbrille auf der Nase, lächerlich bei der Tatsache das der Nachbar gerade seinen Arsch bewundern konnte, doch es machte das Bild irgendwie perfekt.
Ich hielt mir eine Hand vor den Mund, damit er mein Grinsen nicht sah, als ich das Auto ab schloss nachdem er den Köter aus dem Wagen und in seine Arme gehievt hatte.
„Und was willst du jetzt mit ihm machen?“, fragte ich, nachdem ich ihm die Haustür aufgeschlossen hatte.
Der Hund, der zwar wach, aber irgendwie bewegungsunfähig wirkte, junkte leise auf, als Sanji ihn auf sein Bett legte und die Beine des Tieres befühlte.
Dabei kniete er und ich bemühte mich, nicht an die Stelle zu starren, die einem nun mal einfach ins Auge sprang, so von hinten.
„Ich glaube, er hat nur ein Bein gebrochen und steht unter Schock. Hast du nicht so was wie einen Erste-Hilfe-Kasten im Haus?“
Ich verdrehte genervt die Augen.
„Keine Ahnung.“, sagte ich, wollte ihn eigentlich nicht raus rücken, da er ja für Menschen und nicht für dumme Straßenköter gedacht war, doch nachdem er mich vernichtend gemustert hatte kramte ich ihn seufzend aus dem Schrank und reichte ihm der selbst ernannten Arzthelfer...in.
Ich versuchte, mit einem gekünstelten Husten mein Lachen zu übertönen, doch Sanji hörte es trotzdem.
„Was lachst du so blöd?“
Mein Grinsen wurde breiter.
„Ist dir nicht irgendwie kalt?“, fragte ich angestrengt ernst.
Er runzelte die Stirn.
„Nein...?! Wieso?“
Ich deutete auf sein Gesäß.
„Also an deiner Stelle wäre mir genau da kalt.“, verkündete ich, dann brach ich in prustendes Gelächter aus, als Sanji versuchte seinen Kopf so zu drehen das er sah was an seinem Hintern war, knallrot wurde und sich so schnell wie er konnte umdrehte.
„VERDAMMT! Wieso hast du das nicht früher gesagt?!“, kreischte er, dann riss er sich das Kleid vom Leib, das daraufhin auch an allen anderen Nähten riss.
Klar hatte Sanji darunter Unterwäsche getragen, doch die Boxershorts hatte sich wohl irgendwie im Kleidersaum verfangen, jedenfalls hatte sich ebenfalls einen Riss.
Ich beobachtete stumm, wie er sich lauthals fluchend aus seiner Kleidung wand, mich eine Sekunde lang ziemlich wütend – und nackt – anstarrte und dann zum Schrank tapste.
Ich drehte mich zum Hund und ging vor ihm in die Hocke.
Er sah mich aus trüben Augen an, jedoch wirkte er nicht ängstlich.
„Hey, Großer.“, flüsterte ich und fuhr ihm durch das weiche Fell.
„Du schaffst das schon.“
„Hunde können nicht reden.“, gab Sanji von sich und ich drehte den Kopf, um ihn böse zu mustern.
„Nee, echt? Erzähl mir mal was Neues!“, antwortete ich darauf gereizt. Der Blonde ließ nur ein abfälliges Schnaufen hören, als er sich ein T-shirt über den Kopf zog.
Ich ließ mich ziemlich am Ende auf den Sessel sinken, legte den Kopf in den Nacken und stöhnte.
„Das gibt es doch nicht.“, knurrte ich.
„Erst verwandeln wir dich in ne Tucke, wir laufen wie die Idioten durch die Gegend, gehen ins Restaurant, machen uns zum Affen, kloppen uns mit irgendwelchen notgeilen Pennern, fahren nen Hund an – und haben nicht mal richtig gute Infos!“
Sanji drehte sich zu mir um, als er den Reißverschluss der Hose zu machte, und sah mich an als wäre ich total bescheuert.
„Lorenor, du redest Schwachsinn. Ich glaube, Enels Worte waren ein eindeutiger Hinweis.“
Ich hob eine Augenbraue.
„Ach ja? Und was für einer sollte das bitte sein?!“
Sanji zuckte mit den Schultern.
„Wir hatten ja eh vorher schon die Vermutung, das er das Geld in einem Gotteshaus aufbewahrt. Und hiermit haben wir ja quasi die Bestätigung.“
Ich legte mir beide Hände auf das Gesicht.
„... meinst du?“, fragte ich schließlich leise, nachdem ich Sanjis nackten Füßen lauschte, die über den Holzboden tapsten und im Bad verschwanden.
„Japp.“, war die leise, durch das Bad hallende Antwort.
Ich schloss seufzend die Augen und versuchte, mich zu entspannen.
„Gut, okay. Nehmen wir mal an, das ist so. Wieso sollte er das tun?“
„Weil es ne gute Idee ist, findest du nicht? Ich meine, wer würde bitte in einer Kirche nach 3 Millionen Euro Diebesgut suchen?“
Ich sah über die Sessellehne zum Eingang des Bades.
„Also jetzt mal echt. Ich finde es bescheuert.“, gab ich von mir und Sanji ließ ein Lachen hören.
„Ich finde jetzt auch nicht, dass das ein Geniestreich war, aber ich denke schon, das sie es dort versteckt haben.“
„Ach... und woher?“
Irgendwas stimmte hier nicht.
Nein, dieses Gefühl hatte ich ja schon vorher gehabt, nur langsam schien es immer stärker zu werden.
Sanji griff in die Prügelei ein.
Sanji fluchte, gab mir Wiederworte, wurde richtig patzig.
Und – Sanji schien mehr zu wissen, als er mir weiß machen wollte.
All das waren Dinge, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Er war unterwürfig gewesen, wie jedes Entführungsopfer, und vor allem ängstlich.
Jetzt benahm er sich eher, als wäre er schon jahrelang in diesem Geschäft. Und das gab mir zu denken.
„Ich weiß nicht, ist nur so ein Gefühl.“, kam es aus dem Bad und ich nahm diesen Satz hin, verschob alle Gedanken daran, das Sanji vielleicht doch nicht der war, der er vorgab.
Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen – es gab mir ein richtig unangenehmes Gefühl in der Magengegend.
„Okay. Also eine Kirche. Wahrscheinlich alt und verlassen, nicht weit von hier weg, an einem Ort den man gut bewachen kann, in einem Waldstück oder auf einem Hügel oder so was.“
Ich fuhr mir nachdenklich über das Kinn, während Sanji mit dem Wasser und dem Abschminkzeug herum hantierte und der Hund auf dem Bett begann, sich zu regen.
„Ich werde Ace anrufen.“
Ich erhob mich aus meinem Sessel, zog aus meiner Tasche mein Mobiltelefon und wählte Ace Nummer, während ich neben dem Hund in die Knie ging und ihn eingehend betrachtete.
Als sich der junge Mann mit den Sommersprossen meldete, klemmte ich mir den Hörer zwischen Schulter und Ohr, damit ich die Hände frei hatte, und begann das Bein des Hundes mit einem Verband zu verpacken.
„Hey, Ace. Pass auf, wir suchen eine Kirche, hier in diesem Bundesstaat, wahrscheinlich alt und verlassen, wahrscheinlich an irgendeinem geschützten Ort.“
Ace ließ ein Keuchen hören.
„Sag mal, steht irgendwie Merlin auf meiner Stirn oder so? Kann ich zaubern?“
Ich seufzte.
„Nein, sicher nicht, aber es wäre nett, wenn..“
„Jaja.“
Na der schien ja super Laune zu haben.
„Ich suche es raus.“
Und schon hatte er aufgelegt, ich ließ den Hörer eher ungeachtet auf den Boden fallen, ließ mir aber nur wenig Zeit mich über meinen Chef zu wundern, denn der Hund versuchte sich zu erheben und ich zwang ihn mit sanfter Gewalt zurück aufs Bett.
„Liegen bleiben.“, knurrte ich und der Köter gehorchte mir aufs Wort.
„Und, was hat er gesagt?“
Sanji hatte die Hände in die Hüften gestemmt und sah hinaus aus dem Fenster in den Sonnenuntergang, nachdem ich den Hummer vom Beifahrersitz des Autos geholt hatte.
„Er findet es heraus.“, murmelte ich zwischen dem Kauen, denn mein Schlag gegen den Schädel des Kerls vorhin hatte bewirkt, das die Schale des Meerestieres kaputt gegangen war, wodurch ich an sein durchaus leckeres Fleisch kam.
Sanji nickte abwesend, dann drehte er sich um und ging nochmal zum Hund, der uns aus seinen großen, interessierten Augen musterte.
„Was hältst du von Shawn?“, fragte er und ich hob die Augenbrauen.
„Bist du etwa schwanger?“, fragte ich zurück. Für diesen Satz bekam ich einen ziemlich schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein.
„Nein, Idiot, ich rede vom Hund. Wie sollen wir ihn nennen?“
„Das ist nicht unser Hund.“, antwortete ich darauf und fischte ein weiteres Stück Fleisch aus der Tüte.
„Also ich finde, wir sollten ihn behalten.“, sagte der Blonde mit einer Stimme, die weich und zart klang, als er dem Tier liebevoll über den Kopf streichelte.
Mir lief ein Schauer den Rücken hinunter, doch ich ignorierte ihn.
„Ein Hund macht Arbeit und stört.“, antwortete ich darauf rational denkend, doch so was schien bei Sanji im Gehirn gar nicht erst anzukommen.
„Ach was, ich mach das, ich kümmere mich um ihn!“
Ja klar, dachte ich grimmig, als ich mir die Finger ableckte.
Und am Ende war ich wieder derjenige, der Gassi gehen musste. Der die Häufchen vom Boden auf kratzen durfte. So was kannte ich ja schon.
Dann drehte er sich um, also Sanji, und sah mich an, direkt in die Augen – und ich wusste, das ich verloren hatte.
Ich wollte etwas sagen. Ich hatte 1000 Gegenargumente. Doch Sanji sah mir in die Augen, bittend, mit diesem leichten Lächeln auf den Lippen, und ich hatte nicht die geringste Chance.
Ich stöhnte.
„Aber wenn er stört, fliegt er wieder.“, murmelte ich und Sanjis Grinsen wurde breiter.
„Alles klar! Er wird dir nicht zur Last fallen!“
Da war ich anderer Meinung, doch ich hielt intelligenter Weise den Mund.
„Lorenor?“
Ich hatte mich auf den Boden gesetzt, meine Handfeuerwaffe lag vor mir, ich reinigte den Lauf, als sich Sanji neben mich kniete und mir interessiert dabei zusah.
„Ja?“, fragte ich konzentriert zurück.
„Wir sollten das jetzt mit dem Schlafen irgendwie regeln.“
Ich sah auf und hob die Augenbrauen.
„Wie meinst du das?“
Es war schon fast dunkel, nur noch ein sehr schmaler Lichtstrahl erhellte das Zimmer, doch der reichte mir aus, ich konnte das schon im Schlaf.
„Na ja, der Hund liegt jetzt da.“
Er deutete hinter sich auf den Köter, der sich bis jetzt nicht weiter bewegt hatte. Nur sein Brustkorb zeugte von seinem Leben.
Ich knurrte leise.
„Sanji, das ist ein Hund, der kann auch auf dem Boden schlafen.“
„Nichts da! Das arme Tier ist verletzt, das muss nicht auf dem Boden liegen!“
Ich sah ihn entnervt an.
„Und wo willst du dann schlafen, wenn ich fragen darf? … und guck mich bloß nicht so an!“, maulte ich, als Sanji wieder diesen bittenden Ausdruck bekam, und sah eilig weg.
Er seufzte.
„Na ich dachte, ich kann den Sessel haben...“
„... und ich quetsche mich zur Töle? Vergiss es Kleiner, die Suppe löffelst du allein aus.“
Mir war klar gewesen das so was kommen würde, so klar. Doch darauf würde ich mich nicht einlassen, das schwor ich mir, als Sanji sich seufzend erhob und zum Hund hinüber blickte.
„Na gut.“, sagte er schließlich nur, dann ging er zum Bett, kletterte über den dort liegenden Hund und verrenkte sich fast den Hals, um auch ein Stück Kissen zu bekommen.
Ich sah ihm grinsend dabei zu, dann widmete ich mich noch kurz der Waffe, bevor ich mich erhob und mich auf meinen Sessel sinken ließ.
Er funkelte mich von seiner Position aus böse an.
Ich grinste nur kurz zurück, wir brauchten keine Worte, wir verstanden auch so was der Andere sagen wollte, das machte mich zwar ein wenig unsicher, aber gleichzeitig gefiel es mir.
Ich schloss die Augen, seufzte entspannt, nahm eine für mich gemütliche Position ein und genoss die Stille und die Dunkelheit, die sich um mich schloss.
Keine halbe Stunde verging, ich sank gerade hinab in den sanften Halbschlaf, als ich Sanjis Stimme hörte.
„Lorenor..“
Ich keuchte.
„Was?“, murmelte ich genervt und verzog das Gesicht.
Ich hörte ihn Rascheln, öffnete jedoch nicht die Augen.
„Ich glaube, ich hab mir was ausgerenkt.“, war seine trockene Antwort und ich musste kurz grinsen.
„Tja, ich würde das Pech nennen.“
„Ich kann aber nicht schlafen!“
Ich fuhr mir stöhnend mit einer Hand durch das Gesicht.
„Und was soll ich jetzt daran ändern?“
Schweigen. Ich wusste das er mich ansah, deswegen ließ ich die Augen auch geschlossen.
Es vergingen vielleicht zehn Minuten, in denen ich nicht schlafen konnte, da Sanji sich ständig hin und her wälzte, stöhnte, ächzte, oder dem Hund irgendwie weh tat und dieser schmerzvoll aufjaulte.
Schließlich war mir das Affentheater zu viel.
„Gott!“, knurrte ich, erhob mich, latschte zu Sanjis Bett, zog den überraschten Blonden aus dem Bett und setzte ihn auf dem Boden ab.
„Da.“ Ich deutete genervt auf meinen Sessel.
„Du hast mich soweit, Nervensäge.“
Sanji sah mich fragend an.
„Und was ist mit dir?“
Ich zuckte mit den Schultern.
„Leg ich mich halt auf den Boden.“
Sanji seufzte und verdrehte die Augen.
„Übertreib nicht! Der Boden ist kalt und hart.“
Ich sah ihn resignierend an.
„Dann nenn mir ne andere Lösung.“
Er schwieg, sah mich an, doch ich sah, wie sich hinter seiner Stirn eine Idee bildete, und bevor ich skeptisch fragen konnte woran er denn jetzt schon wieder dachte hatte er mir schon einen Stoß verpasst und ich saß überrascht keuchend auf dem Sessel.
„So. Und jetzt halt bloß die Klappe.“
Ich beobachtete vollkommen konfus, wie Sanji auf mich zu kam, sich im gehen umdrehte und sich dann auf meinen Schoß plumpsen ließ.
Vollkommen überfordert beobachtete ich mit wachsendem Unmut, wie er es sich auf meinen Beinen gemütlich machte, den Kopf auf meine Schulter legte und seufzend die Augen schloss.
Mir wurde heiß und kalt zugleich, sein Atem berührte die Haut an meinem Hals und ich hielt die Arme immer noch verwirrt von mir gestreckt, weil ich nicht wusste, wohin mit ihnen.
„Was...?“, brachte ich verwirrt hervor, doch Sanji machte einen genervten Laut.
„Sag mir ne bessere Lösung und ich bin weg.“, murmelte er, doch er hörte sich gar nicht genervt an.
Und auch ich schwieg.
Was nicht daran lag, das ich keine bessere Lösung hatte.
Der dumme Köter konnte genauso gut auf dem Boden liegen und schon hatte Sanji seinen Platz.
Aber es kam mir nicht über die Lippen.
Wieso?
Aus einem Grund, den ich selbst kaum wahr haben wollte.
Die Wärme, die der andere ausstrahlte, seine Nähe, sein Geruch, alles hüllte mich ein, machte mich schläfrig und ließ ein angenehmes Gefühl in meinem Magen entstehen.
Ich schloss die Augen, legte meinen Kopf auf seinen, er ließ ein leises Seufzen hören und ohne weiter über all diese verrückten Sachen nach zu denken schloss ich meine Arme um ihn.
Das wir hier gerade nur so saßen, weil Sanji sich weigerte die dumme Töle da hin zu legen wo sie hin gehörte, nämlich auf den Boden, war bescheuert, aber mir war der Grund plötzlich vollkommen egal.
Mir war schon lange nicht mehr so warm ums Herz gewesen.
Who ya gonna call? Ghost busters!
"Rawau!" - "Was zum...?"
Verwirrt, unsanft aus dem Schlaf gerissen und todmüde versuchte ich meine Augenlider in die Höhe zu zwängen, die zum einen durch die Morgensonne und zum anderen von einer großen Hundezunge so weit malträtiert wurden, das ich das Gefühl hatte als würden sie brennen wie Feuer.
"Was – Geh von mir runter, du schwuler Köter!", fluchte ich ungehalten, holte aus, schleuderte das erschrocken jaulende Tier von mir runter und scheppernd gegen den Schrank.
Ich wischte mir über das Gesicht, versuchte angewidert die Sabber zu entfernen, die sich bis tief in die Poren zu fressen schien und öffnete die nun völlig verklebten Augen.
Vorerst erkannte ich nur Umrisse, den winselnden Hund am Boden, den wankenden Schrank, das kleine Fenster, meinen Sessel, das Bett.
Hervorragend. War doch alles da. Wieso beschlich mich also das Gefühl, das irgendwas fehlte?
Ich ließ meinen schweren Kopf zurück auf die Rückenlehne fallen und ließ den Köter gewähren, als er sich treudoof an meine Beine schmiegte.
Irgendwie erinnerte mich das an was. Ich kam nur nicht drauf. Es war irgendwie unter der Hundesabber, die wie ich feststellen durfte auch in mein Ohr gelaufen war, vergraben.
Erst als das schwere Tier versuchte mir auf den Schoß zu klettern, um mir erneut seine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, fiel es mir langsam ein.
Der Blonde. Sanji. Der Kerl, der mir das Vieh hier erst ins Haus geschleppt hatte.
"Runter, hab ich gesagt, du fetter Haufen! ... Sanji?"
Erneut fuhr ich mir mit einer Hand über das Gesicht, stöhnte beim Anblick des wunderbaren Wetters und wünschte mir Regenwolken herbei, richtig dicke schwere Gewitterwolken.
"Sanji?!" Ich erhob mich mühsam, sah mich im Raum um.
Dann wurde mir klar, das es in diesem Haus keine wirklichen Verstecke gab, in die sich der Blonde hätte verkriechen können. Und ganz nebenbei hätte er keinen Grund dazu gehabt.
Verwirrt ließ ich den Blick erneut schweifen.
"Komm raus du Idiot. Wir spielen hier doch nicht Räuber und Gendarm.", stellte ich in den Raum, doch die Aussage schien auf niemandes Ohr zu treffen, es blieb gespenstisch still.
Das flaue Gefühl in meinem Magen ließ mich schwer schlucken.
Auch wenn es unlogisch war und alles in mir danach schrie, langsam aber sicher in Panik auszubrechen, blieb ich ruhig und entspannt wie immer.
Ich sah unter das Bett, in den Schrank, ins Bad, in die Dusche.
Der große Hund tappste langsam hinter mir her, schnüffelte ab und an nachdenklich am spärlichen Mobiliar.
"Sanji! Herrgott, lass den Scheiß!"
Ein leises Knacken war aus der vollkommen leeren Küche zu hören.
Ich drehte mich, noch vor der Dusche stehend, auf dem Absatz um, unterdrückte den Drang zu laufen und durchquerte die Wohnung ruhig, langsam.
Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren, Lorenor Zorro. Der blonde Mistkerl spielte hier ein Spielchen mit dir, und du bekamst fast die Krise. Allein die Vorstellung, das ich mir so eine Blöße gab, ließ einen Brechreiz in meinem Hals entstehen.
Doch in der Küche angekommen wurde mir langsam klar, dass das kein Spielchen war.
Denn die Wohnung war außer den schon bekannten Anwesenden vollkommen leer.
Vielleicht war es jetzt doch an der Zeit, ein kleines bisschen die Nerven zu verlieren.
"Rawau?" - "Ruhe. Ich muss denken."
Nicht, das es da sonderlich viel zu denken gegeben hätte.
Ich hatte zwar Fakten, aber die waren so rar gesät, nachdem ich aus dem Vorgarten zurück gekehrt war, das es fast zum verzweifeln war.
Fakt 1 – Sanji war definitiv weg.
Ich hatte nach einer weiteren Viertelstunde sowohl den Vorgarten als auch das Auto von oben bis unten abgesucht, war einmal um den Block gefahren und hatte mir das Haus dann noch ein zweites Mal angesehen, nur für den Fall das Sanji mir doch einen ziemlich bescheuerten Streich gespielt hatte.
Hatte er aber nicht.
Mein 'Päckchen' war definitiv nicht auffindbar.
Fakt 2 – Ich hatte es wohl nicht mit einer richtigen Entführung zu tun.
Sowohl Sanjis Jacke aus auch seine Schuhe waren verschwunden, was darauf schließen ließ das er freiwillig das Haus verlassen hatte. Von Kampfgeräuschen wäre ich eh aufgewacht.
Glaubte ich.
Fakt 3 und damit mein letzter Fakt – Es fehlte eine meiner Pistolen.
Da ich nicht davon ausging das Sanji entführt und ich danach von den Entführern bestohlen worden war, musste der Blonde eine mitgenommen haben.
Wahrscheinlich um sein Leben zu schützen und jemand anderes Leben damit aus zu löschen.
Intelligenterweise. Das zum Thema nachdenken.
Beruhigen tat mich das aber auch nicht.
Und das war es auch schon an Infos gewesen. Kein Zettel, keine Nachricht, kein Hinweis, kein garnichts. Nicht mal ein verdammter Schuhabdruck im Dreck. Der Kerl war reinlich, so viel stand fest. Reinlich und verdammt gut.
"Verdammte Scheiße." Der Köter sah mich aus großen, neugierigen Augen an. Ich starrte zurück.
"Guck nicht so blöd, oder hast du ne Idee?", murmelte ich schließlich.
Als ich merkte das ich mit einem Hund redete, der jetzt fast fragend den Kopf auf die Seite legte, erhob ich mich grimmig fluchend und zog das Handy aus meiner Hosentasche.
Dafür, das die Situation eigentlich relativ heikel war, musste ich mir stolz eingestehen das ich ziemlich ruhig blieb. Ich hatte ganz offensichtlich meine Emotionen wieder unter Kontrolle.
Dürfte an Sanjis fehlendem Einfluss liegen. Verdammt.
"Hmmmmm ... ja?" Ace klang, als wäre die letzte Nacht feucht bis fröhlich gewesen.
Es tat mir nicht mal im Ansatz Leid, ihn geweckt zu haben.
"Er ist weg.", war meine vollkommen bescheuert in den Raum geworfene Information.
"Wer, dein Kaffee?", fragte mein Gesprächspartner trocken zurück. Er schien reichlich genervt.
Aber das war ich auch. Von daher sollte er mal nicht glauben, er hätte ein alleiniges Anrecht auf zickige Antworten.
"Nein, mein Pimmel du Vollpfosten." - "Ärgerlich, aber nicht zu ändern."
Ich zwang mich, nicht zu brüllen.
"Sanji. Sanji! Verfickt, Sanji ist verschwunden!"
Kurzzeitige Stille, dann ein Räuspern.
"Wie meinst du das, verschwunden? Einfach weg?" Jetzt klang er schon ein wenig fachmännischer.
Vom Ton her. Die Frage allerdings war einfach nur idiotisch.
"Ja.", knurrte ich dem Wutausbruch nun doch näher als ich wollte in den Hörer.
"Heilige Scheiße." Aha! Hatte der Herr nun auch mal den Ernst der Lage erkannt?
Ich ließ mich in den Sessel sinken, als ich hörte wie mein Boss sich aus den Federn kämpfte.
"Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?"
"Gestern Abend."
"Und was hat er da gemacht?"
Die Frage rief eine Erinnerung in meinem Hirn wach und trieb mir die Schamesröte so weit ins Gesicht, das mir ganz heiß wurde.
"Was sollen diese bescheuerten Fragen?", regte ich mich auf um darauf nicht antworten zu müssen und packte den Hund im Nackenfell, der damit begonnen hatte an meiner Jeans herum zu kauen.
"Jetzt komm mal wieder runter, Zorro! Ich muss es halt wissen, klar? Willst du wissen wo er ist oder nicht?"
Das hatte gerade sehr wenig mit wollen zu tun. Ich musste wissen wo er war.
Das war ein Zwang, zum Teil auferlegt durch den Job den wir gemeinsam zu machen hatten, zum Teil durch ein kleines Stimmchen in meinem Kopf, das mir sagte das der Kerl ohne mich so gut wie tot war.
"... ja, klar will ich das wissen." Ace hatte Recht. Ich begann, mich emotional viel zu weit in die Angelegenheit hinein zu steigern. Ich musste die Ruhe bewahren und logisch denken.
Schade nur, das logisches Denken heute ganz offensichtlich Mangelware war bei mir.
"Verdammt. Irgendwelche Anzeichen für eine Entführung?"
"Nein, nichts. Er scheint freiwillig gegangen zu sein."
Ace ließ ein Schnaufen hören.
"Freiwillig? Ist das dein Ernst? Ja ist der Kerl denn von allen guten Geistern verlassen? Die knallen den doch schneller ab als der gucken kann!"
Nähere Ausführungen davon wollte ich nicht, ich konnte mir denken was da alles passieren konnte und es ging mir nicht gut dabei.
"Er hat eine Waffe mitgenommen."
"Das auch noch!", jaulte mein Chef nun auf. Ich hörte Tasten klappern.
"Okay, bleib ganz ruhig, verhalte dich so wie immer. Ich werde gleich Frankie vorbei schicken. Ich setze Nami darauf an, die hat doch so viele Kontakte, die findet den schon."
Da war ich mir nicht so sicher, aber ich wusste ja das wir vorerst auch nicht mehr tun konnten.
"Irgendwas, was ich tun kann?", fragte ich nach.
"Ja. Mach Frankie die Tür auf, wenn er klopft."
"Ace, noch so ein Spruch und ich komm dir durchs Telefon."
"Gott bewahre! Das würde Flecken geben, die nie wieder raus gehen. Ich rufe dich an."
Und bevor ich ihm den Sinn meines Satzes erklären oder ihm mit Wörtern den Hals umdrehen konnte, hatte er schon aufgelegt und ließ mich wutschnaubend und ziemlich untätig zurück.
Mein Kopf sackte auf die Rückenlehne und ich ließ ein lang gezogenes Seufzen aus meinem Mund, das schon länger in meiner Kehle gekribbelt hatte.
Erst die Aktion von gestern Abend – und dann das.
Wollte der Kerl mich etwa an Herzversagen sterben sehen oder was?
"Wau!"
Der Blick sprach Bände. Der Hund musste mal. Und das nicht nur ein bisschen.
Hatte ich nicht prophezeit, das die verdammte Arbeit an mir hängen bleiben würde?
Ich erhob mich schwerfällig, ich war das warten im Sessel eh Leid, und ganz nebenbei wollte ich nicht das der Köter mir hier die Bude zu köttelte.
"Ja, ist ja gut, komm." Ich schlenderte zur Tür, beobachtete wie der Tier um mich herum sprang wie im Zoo zur Fütterungszeit und ließ ihn hinaus ins freie tollen.
Seinem Fuß schien es ja wieder prächtig zu gehen. Verdammter Simulant.
"Und lauf nicht wieder auf die Straße, klar?"
Obwohl, eigentlich konnte es mir egal sein. Und wenn er in den nächsten Garten und auf und davon war, es war nicht mein Problem, dieser Köter gehörte schließlich nicht mir.
Und doch sah ich ihm nach, wie er sich wie ein Wahnsinniger durch den Vorgarten wälzte, während ich mich in den Türrahmen lehnte und meine Augen versuchte mit der Hand vor der grellen Vormittagssonne ab zuschirmen.
Mittlerweile war ich nicht mehr ganz so ruhig wie noch vor einer guten halben Stunde.
Ein gewisses nervöses Gefühl hatte sich in meinem Magen ausgebreitet und ein Kribbeln lief durch meine Körperteile, das mir mitteilte das ich es hasste untätig zu sein.
Ich hörte ein Auto die Straße hinauf kommen und beobachtete nun mit wachsendem Interesse, wie der schwarze Bentley genau vor meinem Versteck parkte.
Keine Sekunde später stieg Frankie mit ernstem Elvisgesicht und einer großen Fliegersonnenbrille auf der Nase aus dem Wagen. Coolness hatte ein neues Gesicht.
"Hey, Mann." Wir begrüßten uns per Handschlag, unsere Gesichter blieben steif und ernst.
"Immernoch kein Lebenszeichen?" Ich schüttelte langsam den Kopf.
"Nein, nichts."
"Hast du versucht irgendwas zu unternehmen?"
Und wieder musste ich den Kopf schütteln.
"Nein. Aber wenn sich Ace nicht bald meldet, werde ich was unternehmen, glaubs mir."
Er nickte, dann schob er seine Brille von der Nase und musterte mich fragend.
"Wieso stehst du eigentlich hier draußen? Jemand könnte dich sehen."
Ich nickte mit dem Kopf in Richtung Vorgarten, ohne hinzusehen.
"Ich hab den Hund raus gelassen."
Frankie sah in den Vorgarten, sah wieder zu mir, sah in den Vorgarten und starrte mich schließlich an, als wäre ich komplett wahnsinnig geworden.
"Den Hund.", wiederholte er.
"Ja, der Hund, ich hab ihn ..." Ich drehte den Kopf und durfte feststellen, das von dem Vieh nichts zu sehen war. Ich rollte genervt mit den Augen.
"Ich hab gestern nen Hund angefahren und Sanji hat ihn dann mitgenommen. Er musste wohl mal kacken, da hab ich ihn raus gelassen. Weiß der Henker, wo er jetzt ist, interessiert mich aber auch nicht, um ehrlich zu sein."
Der Blauhaarige schüttelte langsam den Kopf.
"Ich hab dir immer gesagt, dass du viel zu rabiat fährst."
"Frankie, ich bin Transporter. Wie bitte soll ich sonst fahren?"
Auf die Frage schwieg er und wir traten schweigend ins Haus.
Sofort begann mein Cyborgfreund, die Zimmer erneut unter Augenschein zu nehmen.
"Was meinst du, wo er hin ist?", fragte er fast abwesend, als er sich den Vorratsschrank ansah.
Ich schob meine Hände in die Hosentaschen und zuckte seufzend mit den Schultern.
Ich konnte nicht ruhig stehen, trat von einem Fuß auf den Anderen.
"Ich habe keine Ahnung Frankie, sonst hätte ich mich schon auf den Weg gemacht. Die Waffe die er mitgenommen hat weißt darauf hin, das er irgendwas vor hat, das er sich bewusst in Gefahr begibt .. aber in welche? Geht er Enel jetzt auf eigene Faust suchen? So dumm ist nicht mal er als Blondine."
Frankie drehte den Kopf zu mir und sah mich prüfend an, während er ein Pistolenmagazin in seinen Fingern drehte.
"Das glaubst du, mein Freund. Ich würde mir da mal nicht zu sicher sein."
Ich hob verwirrt die Augenbrauen.
"Wie meinen ... ?"
"Er scheint dich doch zu mögen, oder? Vielleicht versucht er dich so zu schützen."
Ich fuhr mir stöhnend mit einer Hand über den Nasenrücken.
"Bullshit. Er ist das Päckchen, ich bin der Transporter, und Ende."
Frankie wiegte den Kopf hin und her. Mein Blick schweifte ab. Die Röte um meine Nase verdeckte ich mit meinen Fingern.
"Wie du meinst, Zorro.", flötete er und ich hätte ihn liebend gern an die frische Luft gesetzt, damit er nicht mehr so peinliche und verwirrende Fragen stellen konnte, doch ich brauchte ihn noch. Frankie hatte ein gutes Auge für Details und war kreativ.
Ganz im Gegensatz zu mir.
Als Gott Fantasie verteilt hatte, war ich gerade nicht anwesend gewesen.
Nach weiteren viel zu langen 20 Minuten ließ sich Frankie seufzend auf das Bett fallen.
"Nichts.", murmelte er.
"Sag ich doch.", antwortete ich genervt und fuhr mir mit der Hand durch die kurzen Haare, während ich mich auf den Sessel setzte.
"Wir könnten jetzt noch ein bisschen mit dem Auto rum fahren und ihn suchen, aber ich bezweifle dass das was bringt. Mittlerweile dürfte er über alle Berge sein."
Ich verfluchte mich gedanklich dafür, das ich mich nicht direkt am frühen Morgen, als ich aufgewacht war auf die Suche gemacht hatte und lauschte den Vögeln, die im Vorgarten zwitscherten. Währenddessen fuchtelte der Blauhaarige wild mit den Händen durch die Luft.
"Wenn wir doch irgendwas hätten womit wir ihn finden könnten, womit wir ihn aufspüren könnten...!"
Ich hob den Kopf, meine Augen weiteten sich.
"Sag das nochmal.", murmelte ich leise. Frankie hob verwirrt den Kopf.
"Was? Das wir was brauchen, womit wir ihn finden können? Bist du da etwa noch nicht selbst drauf gekommen oder was?"
Ich schüttelte ärgerlich den Kopf.
"Nein. Nein! Aufspüren! Verdammt Frankie, das ist es!"
Ich erhob mich, eilte zur Tür und riss sie auf.
Ich betete, das der Köter noch irgendwo im Garten herum tollte und sich nicht davon gemacht hatte.
Mein blauhaariger Freund folgte mir irritiert.
"Was hast du vor, Zorro? Willst du ihn jetzt erschnüffeln oder was?"
"Nicht ich du Hohlkopf! Der Hund!"
Frankie schlug sich mit einer Hand gegen die Stirn.
"Ach ja, hätte ich ja fast vergessen. Dein imaginärer Hund."
Ich drehte mich um, unterdrückte den Drang ihm am Kragen zu packen und zu schütteln und funkelte ihn böse an.
"Tu mir nen Gefallen, halt einmal deine Klappe und hilf mir suchen."
Er verdrehte die Augen, tat aber wie ihm geheißen und schlenderte um das Haus herum.
Währenddessen versuchte ich mich krampfhaft daran zu erinnern wie Sanji das Tier getauft hatte.
"Äh ... Shina! John! Verdammt..." Ich kniff kurz die Augen zusammen, dann erinnerte ich mich.
"Shawn! Genau, Shawn, komm her mein Süßer, sein ein braves Hündchen!"
Ich hörte von irgendwo hinter dem Haus ein leises Bellen.
Eine Welle der Erleichterung überkam mich, als ich in den Hinterhof hechtete und den Hund unter einer Hecke liegen sah, alle vier Pfoten von sich gestreckt, ganz offensichtlich total entspannt.
Nicht weit entfernt, auf einem asphaltierten Stück, wohl auch eine Art Parkplatz, hatte er einen stattlichen Haufen platziert.
Teile dieses Haufens wischte sich Frankie gerade lauthals fluchend vom Schuh.
Ich grinste und tätschelte den Rüden, der sich schwanzwedelnd aufgerichtet hatte.
"Na komm, sei ein guter Hund und komm mit, bekommst auch ein Leckerchen, na komm!"
Ich schaffte es nicht ganz, meine Stimme weich und freundlich klingen zu lassen, ich hatte das einfach nicht so drauf, aber Shawn folgte mir trotzdem brav um das Haus herum in die Wohnung.
"So mein Lieber, du musst mir jetzt einen großen Gefallen tun."
Ich suchte im Schrank nach irgendwas womit ich ihn fest binden konnte, so was wie eine Leine, doch ich fand nur einen alten Gürtel.
Na, der würde es zur Not auch tun. Ich legte ihm das Leder so um den Hals, das er nicht stranguliert wurde, ich aber doch einen guten Griff hatte.
"Du musst jetzt Sanji suchen. Der Mann, der dich gerettet hat. Okay? Du musst ihn jetzt für mich aufspüren."
Frankie trat in den Raum und betrachtete eher zweifelnd, wie ich ein Shirt aus dem Schrank zog, das Sanji vor kurzem getragen hatte und bis jetzt noch nicht gewaschen war.
"Hier, riech da mal dran."
Der Köter drückte seine Nase in den Stoff, schnüffelte eingehend, hob die Pfote und tastete kurz danach, schnüffelte nochmal.
Dann vergrub er seine Zähne darin und begann, auf dem Kleidungsstück herum zu kauen.
"Nein, verdammt!", fluchte ich und entzog ihm sein neues Spielzeug.
"Riechen und suchen, nicht essen!"
"Vielleicht braucht er ja den Geschmack auf der Zunge.", gluckste Frankie und ich hob ärgerlich den Kopf.
"Hast du ne bessere Idee, Schlaumeier?"
Doch Shawn ließ sich nur auf sein Gesäß fallen, als ich ihm eine Jeans von Sanji unter die Nase hielt, schnüffelte zwar, schien dann aber nichts weiter vor zu haben.
"Scheiße."
Ich entfernte den Gürtel von seinem Hals, richtete mich auf und sah zu Frankie, der sich in den Türrahmen gelehnt hatte.
"Sieh es ein Zorro. Wir können nichts tun. Entweder wir finden ihn rechzeitig, oder er ist tot. So ist das Leben."
Meine Finger ballten sich zu Fäusten. Ich schwieg beharrlich, versuchte mich in den Griff zu bekommen, versuchte nicht den Hund zu treten und Frankie so lange mit Ohrfeigen zu vermöbeln, bis ihm eine brauchbare Idee gekommen war.
Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie Shawn seine Nase in den Schritt der Jeans drückte, die ich vorher undbeachtet auf den Boden hatte fallen lassen.
"Glaub bloß nicht, ich setzt mich hier jetzt hin und mach mir ne schöne Zeit, bis Ace anruft und mir erzählt, das ihr ein paar Finger aus dem Fluss gefischt habt.", knurrte ich und tippte grübelnd mit dem Finger auf die Schranktür.
"Aber was willst du tun? Die gesamte Gegend abklappern? Den Wald durchsuchen? Alle Kirchen abklappern die es hier in der Gegend gibt? Glaub mir Kumpel, das sind ne ganze Menge."
In dem Moment drehte sich der Hund zur Tür, watschelte los und machte mit einem lauten "Rawau!" auf sich aufmerksam. Ab und an senkte er den Kopf zu Boden und schnüffelte.
Mein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen und ich grinste.
"Nö. Vorerst folge ich jetzt dem Köter." Frankie starrte mich an, als wäre ich von allen guten Geistern verlassen, während ich die Tür öffnete und dem Hund nachsah, der hinauß auf den Gehweg stürmte, während ich mir meine Jacke überzog.
"Bist du wahnsinnig? Das ist viel zu gefährlich!"
Ich drehte den Kopf, sah Frankie fest an.
"Glaubst du, das interessiert mich?", fragte ich nach, schnappte mir aus dem Schrank meine Waffe die ich so an meinem Gürtel befestigte das kein vorbei gehender Passant sie sehen konnte und folgte Shawn auf die Straße, der mittlerweile vor lauter Bellen auf und ab hüpfte.
"Ich kann das einfach nicht glauben. Anstatt das wir ruhig darauf warten, das Ace anruft, machen wir uns auf eigene Faust auf die Socken und folgen einem Hund, der wahrscheinlich nicht mal im Ansatz zum Spürhund taugt."
Ich schwieg, während wir die Straße hinunter liefen, dem Hund hinterher, der immer wieder aufgeregt stehen blieb und uns anbellte. Es hörte sich an, als wollte er uns sagen, das wir viel zu langsam seien.
Klar war das total bescheuert, es war die unlogischte Aktion die ich seid langer Zeit durchzog und würde nach meiner Vermutung wohl eh einfach nur von Misserfolg gekrönt sein.
Wieso also klammerte ich mich an diesen dünnen Strohhalm, der nichts weiter versprach als Furstration und Wut?
Früher wäre das alles anders gelaufen, stellte ich gedanklich fest,während wir Shawn hinterher hechteten und Frankie neben mir keuchte wie eine Dampflock.
Okay. Früher hätte ich wohl auch niemals das Päckchen geöffnet.
Außerdem hätte ich mich niemals selbsttändig auf die Suche nach irgendwem gemacht.
Ich hätte Ace angerufen, geduldig gewartet und hätte dann den Job erledigt, der mir aufgetragen worden war.
Aber seitdem Sanji nicht mehr da war herrschte eine innere Unruhe in mir, ein Chaos, eine Gewissheit, das ich ihn finden musste. Ich MUSSTE ihn einfach suchen.
Ich hatte keine Wahl.
Der große braune Hund mit dem abgeknickten Ohr blieb an der Einfahrt zu einer Seitenstraße stehen, wedelte mit dem Schwanz und hechelte freudig, während er den Kopf zu uns gedreht hatte und uns abwartend ansah.
"Na toll, jetzt ist er stehen geblieben. Klasse.", gab nun Frankie von sich, während er laut vor sich hin keuchte und von einem schnellen Lauf in einen gleichmäßigeren Trab wechselte.
Ein kleiner, dummer Stich im Magen zwang mich zu einem unterdrückten Keuchen, ich hielt mir die Seite um Seitenstechen zu simulieren, dann kam ich neben Shawn zum stehen.
"Warum bleibst du stehen, hm?", knurrte ich deutlich agressiv - doch als ich die Straße hinunter sah erkannte ich, das es für den Hund keinen Grund gab, weiter zu laufen.
Da stand doch das gesuchte Objekt, lehnte an einer Mauer mit kreidebleichem Gesicht und blutverschmierten Klamotten und starrte mich an wie eine Fata Morgana.
And I'm going down, yust for you. [ For you i'll lie in hospital.]
So, ihr Lieben. :3
Ja, ich habe schon ewig nichts mehr hochgeladen - das lag daran, das ich ganz vergessen hatte, das ich in einem anderen Forum schon mehrere Teile hochgeladen hatte, hier aber nicht.
Ich bin auch nicht besonders aktiv bei Animexx, von daher - verzeiht mir. :x
Sollte es noch 2 - 3 Leute hier geben, die sich dafür interessieren: Ich wünsche euch viel Spaß und hoffe, die nachfolgenden Kapitel gefallen euch. (:
(An dieser Stelle ein ganz liebes Danke an "Cookie_Toast"! ♥)
und jetzt - viel Spaß beim Lesen!
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Chopper klappte seinen Arztkoffer zu und betrachtete mich aus seinen ruhigen, kleinen Knopfaugen.
"Er ist vollkommen überanstrengt, das ist alles. Seine Wunden sind nicht sonderlich tief, und auch die blauen Flecke sind nichts weiter Ernstes. Er scheint gerade so um eine Gehirnerschütterung herum gekommen zu sein."
Ich ließ mich auf den Sessel sinken, den ich soweit neben das Bett geschoben hatte das ich den Blonden gut im Blickfeld hatte und nickte müde.
"Ja, gut. Danke." Neben mir trat Frankie unruhig von einem Bein auf das Andere.
"Wie lange wird er wohl noch schlafen?" Chopper sah fast ein bisschen ärgerlich aus, als er antwortete.
"Ich bin Arzt, kein Hellseher, du Nase. Ich habe keine Ahnung. Vielleicht nur ein paar Stunden, vielleicht einen Tag, vielleicht zwei. Er ist nicht in der besten Verfassung. Er muss eine unglaublich weite Strecke gelaufen sein."
Ich nickte langsam, musterte eingehend das schlafende Gesicht des jungen Mannes im Bett.
"Du musst die Verbände spätestens heute Abend wechseln, Zorro. Sei dabei vorsichtig, sie könnten durch das Blut an der Haut ein wenig kleben. Aber im Normalfall sollte das ohne große Probleme klappen.", erklärte mir Chopper fachmännisch, während Frankie immer unruhiger wurde und ich immer kälter.
In mir hatte sich in den letzten Stunden eine Wut aufgebaut, die ich nicht richtig einordnen konnte; sie bezog sich nicht auf Sanji, der jetzt leise seufzend das Gesicht verzog, dann aber ruhig weiter schlief. Viel mehr hatte ich das dringende Bedürfnis, die Männer, die ihm das angetan hatten, so lange schön grausam zu foltern, bis ich sie im Hinterhof verscharren konnte.
Ich wollte ihnen tausend Mal mehr weh tun, als sie ihm weh getan hatten. Und ich hätte einiges dafür gegeben, diesen Racheplan in die Tat umsetzen zu können.
Aber ich war Transporter und hatte ein Gesicht zu wahren. Man konnte sich schließlich nicht einfach mal rächen gehen, nur weil das Päckchen freiwillig nen Abgang gemacht und dabei ordentlich auf die Fresse bekommen hatte.
"Du musst nicht hier bleiben, Frankie. Ich schaff das schon." Der Cyborg schnaufte leise und verdrehte die Augen.
"Ich bleib nicht, weil ich dir mentale oder körperliche Unterstützung leisten will, ich weiß das du das gut selbst hin bekommst. Ich will nur die Infos. Nur die verdammten Infos."
Natürlich wollte Frankie das, die ganze Firma wollte die, schließlich waren sie unsagbar wertvoll.
Sanji wusste unter Garantie Dinge, die wir nur nach monatelanger Spionage heraus gefunden hätten.
Dafür sah er aber auch aus wie vom Laster überfahren.
"Ich rufe an, okay? Ihr erfahrt sofort alles, wenn ich es weiß. Aber es bringt nichts, hier zu warten, das weißt du." Er wusste es. Er nickte mir mit fast müdem Gesicht zu.
"Ich bin eh total im Eimer. Die dumme Rennerei hat mich total platt gemacht."
Ja, ihn auch, dachte ich fast geistesabwesend, während ich Sanji erneut mit einem vorsichtigen Blick musterte.
Ich hatte das erste Mal das Gefühl, das er wirklich zerbrechen könnte, wenn ich jetzt zu unsanft mit ihm umging. Vorher, als es ihm schlecht gegangen war, hatte mich das nicht sonderlich interessiert – ich hatte zwar aufgepasst, das er mir nicht wegstarb, und das er nicht allzu schwerwiegende Wunden davon trug, aber im Großen und Ganzen hatte ich mir sonst keine Gedanken gemacht.
Aber irgendwas hatte sich verändert.
Und das war ganz sicher nicht gut.
"Oh verdammt." Ich legte mir beide Hände auf das Gesicht und stöhnte, beachtete den Köter nicht weiter der sich zwischen meine Beine wuselte.
Und wieder saß ich untätig rum, 10 Minuten, 20, dann eine halbe Stunde, schließlich fast eine Stunde, ohne wirklich irgendwas zu tun außer bei jedem Geräusch Sanjis aufmerksam zu werden und sonst den Hund zu kraulen.
Es war absoluter bullshit, an seinem Bett zu wachen wie eine alte Glucke.
Sanji war stabil, sein Zustand war weit über dem Berg, im Grunde befand er sich schon im grünsten Tal, er musste eben nur schlafen und sich ausruhen.
Und doch konnte ich nichts anderes tun als dort sitzen, den Hund kraulen und ihn ansehen.
Ich hatte das Gefühl, das er sich sonst wieder davon machen würde – dann aber, ohne wieder zurück zu kommen.
Und das war echt das Letzte, was meine Nerven jetzt noch verkraften konnten.
Nach einer guten Stunde hatte ich einen Krampf in der Hand, der Hund fast eine kahle Stelle an seinem Bauch und mein Nacken knackte unliebsam, als ich mich seufzend aufrichtete.
Chopper hatte mir gesagt, das er vielleicht sogar 2 Tage schlafen würde. Und für diese Zeit brauchte ich einfach eine vernünftige Beschäftigung.
Ich kramte aus dem Schrank meine Waffen; die, die zu Hause geblieben waren legte ich nach kurzer Untersuchung allerdings direkt wieder weg, ich nahm schließlich nur die an mich, die Sanji hatte mirgehen lassen.
Sie sah ein wenig ramponiert aus, als wäre er nicht sonderich pfleglich damit umgegangen, aber das konnte man ja auch nicht von ihm verlangen, er kannte sich mit Schusswaffen nun mal nicht aus.
Ich betrachtete sie vorerst nur Äußerlich, kontrollierte den Abzug, sah nach ob sie vernünftig gesichert war und ob nirgendwo großartige Schmauchspuren zu finden waren.
Dann klappte ich das Magazin aus und ließ die Kugeln mit ein wenig schütteln in meine Hand fallen.
Ich beachtete sie vorerst nicht, kontrollierte das Metall genauer, stellte fest das kein Schuss abgegeben worden war und nickte zufrieden.
So hatte sich der Blonde wenigstens nicht noch weiter ins Unglück geworfen.
Tote riefen immer die netten Männer auf den Plan, die für die Sicherheit der Bürger garantieren sollten. Und schnüffelnde Bullen waren echt die Letzten, die ich in dieses Haus lassen wollte.
Erst dann fiel mir das auf, was mich verblüfft die Stirn runzeln ließ.
Die meisten Kugeln in meiner Hand waren vollkommen normal, sie stammten aus dem Vorrat aus dem Hauptquartier, Ace hatte sie mir mal gegeben und sonderlich viele hatte ich bis jetzt noch nicht nutzen müssen.
Nur zwei vielen vollkommen aus diesem gewöhnlichen Rahmen heraus.
Ich konnte erst nicht sagen, woran es lag, sie sahen einfach anders aus, glänzten mehr, schienen eine andere Form zu haben. Vor allem aber lagen sie auch ganz anders in der Hand, nachdem ich jeweils eine normale und eine nicht von mir stammende Kugel in der Hand gehalten hatte.
Ich schielte zu Sanji, der immernoch tief im Traumland schien.
Der Kerl gab mir immer neue Rätsel auf. Und ich wusste schon, wer sie mir beantworten durfte.
Vorsichtshalber untersuchte ich auf seine Kleidung, die wir ihm ausgezogen hatten, bevor wir ihn ins Bett gelegt hatten. Er hatte fürchterlich geschwitzt und die Decke war warm genug, da musst er nicht auchnoch Kleidung zunässen die ich dann alle 2 Stunden wechseln durfte.
Aber hier fand ich – außer Blutflecken, die ich vorher nicht gesehen hatte – nichts Neues oder interessantes.
Natürlich wäre es jetzt meine erste Aufgabe gewesen, Ace oder zumindest Frankie anzurufen.
Es war eine Neuigkeit – eine, die ich mir nicht erklären konnte, aber definitiv eine Neuigkeit, die man berichten sollte. Sie konnte von äußerster Wichtigkeit sein.
Aber ich tat es nicht; ich dachte nicht mal eine volle Sekunde daran, irgendwen anzurufen.
Ich wollte erst aus seinem Mund hören, was er zu all dem zu sagen hatte.
Shawn ließ ein leises Bellen hören, wofür ich ihn mit einem Schlag auf die Nase bestrafte.
"Sei bloß ruhig! Sanji versucht zu schlafen!" Der Hund winselte leise, dann blickte er sehnsüchtig in Richtung Tür.
Ich erhob mich, seufzte, schlenderte zur Tür und öffnete sie ihm – er schoss hinaus, als würde es um sein Leben gehen. Wahrscheinlich stand er auch kurz vor der Explosion.
Im Wohnzimmer angekommen beschloss ich, mich erstmal duschen zu gehen, um in Ruhe nachdenken zu können.
Einen kühlen Kopf bewahrte man nun mal am besten unter einer kalten Dusche, also schlenderte ich ins Bad, sah beim vorbeigehen nochmal kurz nach Sanji, striff dann Shirt, Hose und Boxershorts von mir ab und stellte mich unter den eiskalten Strahl.
"Brrrah. Heilige Scheiße.", schnaufte ich, versuchte meine Körperteile unter Kontrolle zu halten, die bei dieser Kälte unangenehm zuckten, sich aber langsam daran gewöhnten.
Ich fragte mich, wie das alles hatte so kommen können und schloss nachdenklich die Augen.
Die ganze Situation war skuril, verrückt, total bescheuert.
Das Päckchen, das ich vor weniger als zwei Wochen noch durch die Fleischwolf hätte jagen sollen, hatte sich auf meine Seite geschlagen, hatte sich von mir pflegen lassen, war als Frau verkleidet an meiner Seite spionieren gegangen, war auf meinem Schoß eingeschlafen (ein unangenehmes Pochen in meiner Brust erinnerte mich, das ich daran besser nicht zu oft denken sollte), hatte sich in einer Nacht- und Nebelaktion davon gemacht und kam vollkommen zerkloppt und blutend wieder zurück, in der Hosentasche eine Waffe die mit fremden Kugeln geladen war.
Wie oft im Leben passierten solche Vorkommnisse direkt hinter einander?
Ich korrigierte mich seufzend – in einem normalen Leben wäre mir sowas wahrscheinlich nie passiert. So Geschichten gabs ja nicht mal im Kino.
Ich stellte mir mit einem Lächeln ein normales Leben vor, ein Leben ohne rebellierende Päckchen und schnelle Autos, ein Leben ohne Waffen und ohne große Gangster mit kleinen Problemen.
Klar, irgendwie kam mir die Vorstellung jetzt schrecklich langweilig vor.
Aber wenn ich von Anfang an normal gelebt hätte – ich hätte das jetzt und hier nicht vermisst. Oder? Oder hätte mir etwas gefehlt? Wäre ich ewig mit einem leeren Gefühl herum gelaufen, ohne jemals heraus zu finden was diese Lücke füllen konnte?
Ich schüttelte schnaufend den Kopf und verteilte die kalten Tropfen damit quer durchs Badezimmer.
Was für seltsame Gedanken ich hatte, seitdem ich hier mit ihm war.
Das war doch echt nicht mehr auszuhalten.
Genau wie das Wasser, das mir mittlerweile die Zehen taub gewaschen hatte.
Ich schaltete es aus, griff nach einem Handtuch im Regal, entstaubte es seufzend und begann mich abzutrocknen. Es war verdammt lange her, das ich in meiner eigenen Wohnung gewesen war, und ich vermisste langsam den sauberen Boden, die mit Weichspüler gewaschenen Handtücher und mein gemütliches Doppelbett für extra viel Wälzfreiheit.
Es war zwar ganz nett hier, besser als andere Verstecke in denen ich mich schon aufgehalten hatte, aber so lange Zeit war ich noch nie von meinen eigenen 4 Wänden entfernt gewesen.
Im Gegensatz zu meinen Freunden wechselte ich nämlich nicht jedes halbe Jahr die Wohnung, ich empfand es als überflüssig, ich war ein Profi und wusste es somit zu verhindern das jemand meinen Aufenthaltsort vollkommen problemlos ausfindig machen konnte.
Ich legte mir das Handtuch über die Schulter, nachdem ich mich mehr schlecht als recht abgetrocknet hatte, pulte mir das restliche Wasser aus dem Ohr, trat aus dem Bad -
Und fiel fast rückwärts wieder hinein, als mein Blick aufs Bett fiel und ich beobachten konnte, wie Sanji aufrecht darin saß und sich verschlafen gähnend die Augen rieb.
Als wäre nichts gewesen, als hätte er einfach nur ziemlich lange geschlafen.
Ich vergaß vollkommen das ich splitternackt im Türrahmen stand, ich konnte nur mit großen Augen starren, während der Blonde wohl noch ganz in Ruhe seine Umgebung realisierte, bevor er sein Gesicht zu mir umwandte, erst kreidebleich wurde, dann puterrot.
Ich konnte es ihm nicht verübeln, an seiner Stelle wäre ich wohl auch rot geworden, wenn er nackt aus dem Bad gekommen und mich wie ein Wahnsinniger angestarrt hätte.
Ich klappte in einem Akt zelebrierter Selbstbeherrschung meinen Mund wieder zu, bedeckte meine Männlichkeit eher dürftig mit einem Handtuch – es war klein, also das Handtuch, nicht die... Männlichkeit – und fuhr mir kurz eher hilfesuchend durch die nassen Haare, bevor ich langsam durch den Raum auf den Schrank zuschlenderte und frische Kleidung dort heraus zog.
"Du bist schon wach?! Ich hatte damit gerechnet, das du länger schläfst. Jetzt habe ich kein Essen für dich.", sagte ich mit möglichst fester Stimme, um ein Gespräch in Gang zu bringen.
Ich hätte ihn auch anschreien und meine Infos verlangen können. Aber mir war gerade gar nicht danach.
"Ist nicht so tragisch, ich hab eh keinen Hunger.", nuschelte er leise, ich hörte wie er versucht aufzustehen, dabei stöhnte er allerdings schmerzvoll auf.
"Lass es, Sanji. Mir scheint, dein Körper ist lieber ans Bett gefesselt, so oft wie du Zeit darin verbringen musst.", gluckste ich leise und dachte an seine Fußverletzungen zurück, als ich ihn ständig durch die Gegend hatte tragen müssen.
Er ließ sich zurück ins Kissen sinken und schnaufte.
"Wie lange... habe ich geschlafen?"
Ich sah kurz auf meine Armbanduhr.
"Hm. Nicht wirklich lange. Vielleicht 5 – 6 Stunden." Ich drehte den Kopf, beobachtete wie er anfing seinen Körper zu untersuchen und dabei mit verzogenem Gesicht zusammen zuckte.
"Du solltest da nicht so viel dran rum fummeln.", ermahnte ich ihn. Er sah auf, fast erschrocken das ich noch mit ihm redete, und nickte langsam.
"Ja." Er ließ die Decke wieder auf seinen Körper fallen und ich spürte seinen Blick im Nacken, während ich ein älteres Brötchen aus der Tüte heraus kramte und nach etwas Trinkbaren für den Blondschopf suchte.
"Jetzt mach dir doch keine Umstände, ich komm schon zurecht Lorenor."
Ich sah ihn resignierend an.
"Sanji, du hast Verletzungen, die wirklich unschön sind. Du solltest essen und trinken, um wieder zu kräften zu kommen."
Sein müder Blick wandte sich ab, ein Rotschimmer bildete sich auf seiner Nase, den ich mir nicht erklären konnte. Ihm brauchte nun wirklich nichts mehr peinlich sein. Ich hatte ihn blutend quer durch einen Wald geschleift, da war das hier der reinste Sommerspaziergang gegen.
Ich schmiss mich auf meinen Ohrensessel reichte ihm das Brötchen und eine kleine Flasche Mineralwasser und beobachtete, wie er das Essen fast gierig verschlang, ohne die Flasche auch nur anzurühren.
Nachdem er auch das Wasser bis auf den letzten Schluck getrunken hatte, sah er mir in die Augen und nickte leicht.
"Dankesehr.", murmelte er und reichte mir die Flasche, die ich ungeachtet hinter mir über die Rückenlehne warf. Shawn kratzte an der Tür. Ich reagierte nicht darauf, auch wenn sich Sanji, neugierig wie er war, fast den Hals ausrenkte, um sehen zu können was an der Tür vor sich ging.
"Meinst du nicht, du bist mir eine kleine Erklärung schuldig?"
Er sah mir in die Augen, fest, kein bisschen verunsichert, und wenn ich einen Hut aufgehabt hätte, ich hätte ihn wohl vor dem Blondschopf gezogen – ich hätte in dem Moment sicher Angst vor mir gehabt, so an seiner Stelle. Aber er schien sich seiner Sache sicher. Ich wusste nicht, ob mich das beruhigen oder verunsichern sollte.
"Ja... ja, das bin ich wohl.", murmelte er leise. Er packte sich mit einer Hand in den Nacken, seufzte leise. Jetzt war er doch ein klein wenig rot geworden – er schien wohl doch nicht so unglaublich sicher zu sein, wie er versuchte auszustrahlen.
"Ich... hab mich allein auf die Socken gemacht.", presste er zwischen seinen Lippen hervor, als sei es Schwerstarbeit. Eine noch recht gut zu dämmende Wut flammte in mir auf.
Ich ballte eine Hand zur Faust.
"Und wie bist du bitte auf diese vollkommen hirnrissige Idee gekommen?", fragte ich mit der entspanntesten Stimme, die ich in petto hatte.
Sein Blick wurde langsam nervöser. Er schien zu spüren, das ich böse wurde.
"Mir ist eben heute Nacht eingefallen, das Enel mal was von einer Kirche erzählt hat, die er als Stützpunkt nutzen will."
"Und anstatt mich zu wecken um mir diese freudige Nachricht zu erzählen und dich mit mir zusammen auf den Weg zu machen, hast du dir lieber eine Waffe von mir genommen, bist los und hast offensichtlich ordentlich kassiert?!"
Meine Stimme war zu einem gefährlichen Knurren herab gesunken. Sanjis Augen huschten nervös durch mein Gesicht, kurz über den Fußboden, dann wieder über meine versteinerten Gesichtszüge.
"... ja.", murmelte er jetzt überflüssigerweise und brachte damit bei mir ein Fass zum überlaufen.
Ich sprang auf, durch die Wucht der Bewegung verschob sich der Sessel ein Stück nach hinten und machte ein furchtbares Geräusch auf dem Holzboden.
"Sag mal Sanji .. bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen?! Bist du total wahnsinnig oder so? Ich meine, hat man dir ins Gehirn geschissen?" Er runzelte, jetzt auch böse werdend die Stirn.
"Nicht das ich wüsste, nein.", knurrte er jetzt patzig.
"Doch, offensichtlich schon!", donnerte ich weiter. Er zuckte kaum merklich zusammen.
"Denk doch mal nach! Verdammt, das war doch kein gemütlicher Spaziergang, du bist doch nicht einen fröhlichen Kindergeburtstag besuchen gegangen! Das sind Verbrecher, Schwerverbrecher ums genau zu sagen, ein Wunder das sie dich nicht sofort getötet haben!"
Moment mal. Alles zurück, marsch marsch.
"Wieso haben sie dich eigentlich nicht getötet?", fragte ich nun mit deutlich anderem Tonfall nach, obwohl es mir einen Kloß im Hals bereitete, allein die Vorstellung ließ mich übel aufstoßen.
Sanji lachte bitter.
"Sie sagten, ich solle dir ausrichten, das du sie eh nie bekommen würdest.", murmelte er jetzt.
Seine Augen huschten über die Bettdecke, schienen irgendwie halt zu suchen, an irgendwas.
Ich würde ihm diesen Halt nicht geben.
"Verdammt Sanji!", fluchte ich nochmal laut, riss in meiner jetzt doch aufkochenden Wut den Schrank fast um als ich mit der Faust dagegen donnerte und den Hund anbrüllte, als ich ihn herein ließ, er solle sofort aufhören zu nerven, oder ich würde ihn kochen und essen.
"Ich weiß das es ein Fehler war, okay?", murmelte Sanji jetzt und fuhr dem ängstlichen Tier durchs Nackenfell.
"Das war nicht nur ein Fehler, das ist einfach saudumm gewesen.", ergänzte ich.
Er sah mich mit einem unergründlichen Blick an. Ich starrte müde zurück.
"Dir hätte sonst was passieren können.", murmelte ich jetzt leise und sprach damit genau das aus, was mich schon die ganze Zeit so unsagbar wütend gemacht hatte.
Die Kerle hätten ihn töten können, und selbst dann wären sie noch nett gewesen.
Plötzlich spürte ich eine bandagierte Hand auf meinem Bein.
Ich starrte sie ein paar Sekunden überrascht an, dann hob ich den Kopf und sah in Sanjis Augen, die aber immernoch so undefinierbar leuchteten wie vorher.
Ich sträubte mich dagegen, sie von mir hinunter zu wischen, doch ich tat es schließlich mit einem Seufzen. Er schien das nicht als Beleidigung aufzufassen, viel mehr lächelte er leicht.
"Ich... wollte eben nicht, das dir was passiert."
Die Röte, die augenblicklich in mein Gesicht schoss, verdeckte ich damit, das ich so tat als sei ich ziemlich genervt und mir den Nasenrücken mit einer Hand rieb.
"Sanji, wenn du mich geweckt hättest dann wäre dir auch nichts passiert. Dann würde es uns beiden gut gehen." Ein Seufzen drang an mein Ohr. Ich beobachtete, wie sich der Blondschopf wieder ins Bett fallen ließ.
Er schien nicht weiter darüber reden zu wollen.
"Spann mich nicht so auf die heiße Folter. Was hast du denn jetzt rausfinden können?", fragte ich ihn schließlich, nachdem ich ihm geholfen hatte sich so hinzusetzen das er nicht ständig zusammen zuckte vor Schmerz. Er sah auf und lächelte mich irgendwie ziemlich seltsam an.
"Na ja. Sie waren da, wie du sehen kannst. Aber sie sind abgehauen. Ich hab das Nummernschild ihres Pick-ups." Ich hob die Augenbrauen.
"Wo?" Er deutete lachend auf seinen Kopf.
"Genau hier drin, Dummerchen." Ich runzelte ärgerlich die Stirn.
"Du solltest nicht das Recht haben, MICH Dummerchen zu nennen, Dummerchen.", antwortete ich schließlich grinsend. Er legte den Kopf auf die Seite und stöhnte.
"... ja, hast Recht.", murmelte er schließlich.
Ich zupfte aus unserem Allzweckschrank einen Zettel und einen Stift.
"Ich höre." Sanji diktierte, und nachdem ich das Kennzeichen aufgeschrieben hatte zückte ich mein Handy. Die Nummer von Ace befand sich mittlerweile auf der Schnellwahltaste 1.
"Lorenor?" Ich grinste.
"Wer denn sonst?" Ace ließ ein Schnauben hören.
"Man kann momentan echt nicht wissen, wer einen von wo so anruft. Also, was gibt es?"
Ich ließ mich erneut in den Sessel sinken und drehte den Kopf, das ich beobachten konnte wie die Sonne langsam hinter den Dächern versank.
Wie schnell doch die Zeit vergangen war.
"Ich hab hier ein Kennzeichen."
"Ein Kennzeichen. Na du bist mir ja ein Toller." Ich knurrte erboßt auf.
"Ace, verscheißer mich nicht! Ich hab es von Sanji, es ist das Kennzeichen des Pick-ups von der Gruppe hinter der wir her sind."
Ich hörte wie er in die Tasten haute.
"Na dann schieß mal los." Ich las ihm die Buchstaben und die Nummern laut vor.
"Okay, danke.", sagte mein Boss schließlich nach einer kurzen Pause.
"Ich werde das dann gleich überprüfen. Wie geht es unserem Rebellen denn?"
Ich seufzte und schlielte zu dem Blonden, der im Bett lag und mein Telefonat mithörte, während der Hund sich neben ihn ins Bett getrollt hatte.
"Den Umständen entsprechend gut. Er hat gegessen und getrunken. Es geht Berg auf." Ace schnaubte.
"Ich hoffe, du hast dem Verrückten die Leviten gelesen?" Ich bejahte das, auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entsprach.
"Sehr gut. ... und was wollt ihr jetzt tun?" Ich hob die Augenbrauen.
"Wie meinen?"
"Na in dem Versteck könnt ihr nicht bleiben. Die wissen unter Garantie, wo ihr jetzt seid. Nicht nur wir sind Profis, bedenke das, Lorenor." Ich stöhnte auf. Das hatte ich ja gar nicht bedacht.
"Ja, wo sollen wir denn hin?", fragte ich leicht überfordert.
Ace schien da auch nicht so richtig was zu wissen.
"Wie lange wird Sanji außer Gefecht sein?" Ich überlegte kurz.
"Vielleicht 2 Tage. Ist n zäher Bursche.", murmelte ich. Sanji lächelte darauf.
"Ich denke, ich werde morgen den Standort des Pick-ups haben. Wir sollten dann nicht warten. Sanji kann dann bei dir in der Wohnung bleiben, du machst den Job dann mit Frankie."
Ich nickte.
"Ja, okay, ist kein .... Momemt. MEINE Wohnung?"
Ace ließ ein schnauben hören.
"Hast du ne bessere Idee? Ja, deine Wohnung."
Um Himmels willen. War der wahnsinnig?
"Aber Ace, ich ..."
"Nichts da. Deine Wohnung, ende. Ihr benehmt euch wie Laien, ihr werdet behandelt wie Laien. Ich rufe morgen nochmal an."
Und damit hatte er aufgelegt.
Ich warf das Telefon neben mich, schloss die Augen und stöhnte.
"Was ist los...?", erkundigte sich Sanji vorsichtig.
"Nichts.", brachte ich hervor.
"Aber du..."
Ich sah ihn ernst an.
"Ich erkläre dir alles morgen, okay? Fürs Erste will ich jetzt einfach nur noch schlafen."
Er nickte leicht, dann schloss auch er die Augen.
"Ja, ich auch.", seufzte er.
Wir schwiegen kurz.
"Lorenor?" Ich nickte, ohne die Augen zu öffnen.
"Hmja?" - "Danke das du mich gerettet und verarztet hast."
"Das ist Chopper gewesen, nicht ich."
"Und danke, das du mich den ganzen Weg hierhin getragen hast."
Ich wurde wieder rot, was man in der vortschreitenden Dämmerung aber zum Glück nicht sehen konnte.
"Ist doch klar. Und jetzt kein Danke mehr."
Ich hörte ihn wieder seufzen.
"Ich bin froh, das ich noch lebe."
Ein Lächeln huschte auf meine Lippen.
"Das bin ich auch. Gute Nacht."
"Gute Nacht, Lorenor."
Ich spürte, wie kurz bevor ich eingeschlafen war Sanji seine Hand wieder auf mein Bein legte und es so leicht kraulte, das es kaum zu spüren war.
Und diesmal ließ ich ihn stumm gewähren.
Ich fragte ihn weder nach den fremden Patronen, noch wechselte ich ihm die Verbände.
Doch während ich Letzteres vergaß, hatte ich auf Ersteres einfach keine Lust.
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Lasst mich wissen, ob es euch gefallen hat. :)
Ganz liebe Grüße;
das Monsterschaf. ♥
Kiss me, kill me.
Und hier kommt auch schon das nächste Kapitel reingeschneit. (;
Leider muss ich sagen, das ich dieses Kapitel auch nicht habe beta-lesen lassen, was mit verschiedenen zeitlichen Gründen zu tun hatte. :x
Ihr müsst also noch einmal meine herrlich-grausame Rechtschreibung ertragen. oo
Verzeiht mir. ._.
& jetzt viel Spaß beim lesen! ♥
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"Und er ist echt .. ?!"
Ich konnte nicht glauben, das mein Cyborgfreund Frankie einfach nicht die Klappe halten konnte, obwohl wir hier gerade gemeinsam hinter einer großen Kiste kauerten und eine große Gruppe von bis unter die Zähne bewaffneten Russen beobachteten.
"Halt jetzt die Klappe!", zischte ich ihm ins Ohr, doch dem Blauhaarigen schien es nicht zu jucken dass diese Kerle und ohne mit der Wimper zu zucken umbringen, wenn sie uns entdecken würden.
"Wieso? Die hören uns doch eh nicht!" Das schien er genau zu wissen.
Manchmal machte mir seine naive Dummheit richtig Angst.
"Halt. Die. Klappe!" Endlich begann er auf mich zu hören, schloss den Mund begnügte sich damit, mir einfach ab und an ein paar neugierige Blicke zuzuwerfen.
Und ich konnte es ihm nichtmal verübeln. Wäre ich an seiner Stelle gewesen und ihm wären die Dinge passiert, die mir in der letzten Zeit passiert waren, hätte ich mich auch wahnsinnig für die neuesten Entwicklungen interssiert.
Er konnte mich aber auch fragen, wenn wir nicht gerade in Lebensgefahr schwebten, oder?
Auch wenn ich ihm bei einem gemütlichen Bier in einer Kneipe meines Vertrauens auch keine Antwort darauf gegeben hätte, zumindest keine vollkommen ehrliche.
Gestern waren wir also, wie angeordnet vom Chef, von unserem Versteck zu mir nach Hause umgezogen. Was mit einigen Schwierigkeiten verbunden war, schließlich durfte niemand mitbekommen das wir uns aus dem Staub machten und entdeckt werden durften wir auch nicht.
So hatte sich Sanji erneut in einen schicken Frauenfummel geworfen und ich mich in einen Smoking. Die Haare hatte ich mir auch färben dürfen. 'Grün ist viel zu einzigartig.'
Gut, es war so ein Einmalzeug gewesen, aber so richtig war das schwarz immernoch nicht raus.
Und das ärgerte mich. Sogar sehr.
Und mal ganz abgesehen davon, das mich die Vorstellung nicht gerade behagte, das Sanji gerade vollkommen allein und in aller Seelenruhe durch meine Wohnung wütete – ansonsten hatten wir bis jetzt noch keine Probleme gehabt.
Er hatte die Nacht auf dem Sofa verbracht, ich in meinem Bett, was ich als sehr angenehm empfunden hatte. Dem Köter hatte ich eine Decke auf den Boden gelegt, das Vieh wurde ich einfach nicht mehr los, er hatte so lange an meiner Schlafzimmertür gejammert, bis Sanji ihn leise fluchend hinein gelassen hatte.
Wir hatten auch am nächsten Tag nicht viel mit einander geredet, Ace' Anruf war früh gekommen und direkt nach einem kargen, schweigsamen Frühstück hatte ich mich auf den Weg gemacht.
Aber worüber sollten wir auch reden? Der einzige Satz, der ein kurzes, 10-Minütiges Gespräch ausgelöst hatte, war Sanjis "Wow, tolle Wohnung" gewesen.
"Hast du ihm denn wenigstens ein paar Aufgaben übertragen? Ich meine jetzt, wo du das Geld nach Hause bringst, kann er ja den Haushalt ..." Selbst als ich Frankie mit der flachen Hand so heftig auf den Hinterkopf geschlagen hatte, das er mit der Stirn gegen die Kiste schlug, die vor uns stand, kicherte er belustigt weiter.
"Wie lange soll er denn noch bei dir wohnen?"
Sogar mit Ruffy hätte ich den Job besser erledigen können.
Ich spähte über unseren Schutz hinweg und erkannte, wie die Männer sich mitten in der Lagerhalle um einen kleinen Tisch versammelt hatten.
"Los, komm.", knurrte ich und schlich mich an den Kisten entlang, Frankie direkt hinter mir, immernoch mit einem leisen Kichern in der Kehle.
"Also nicht? Aber du hast auch wirklich eine große Bude, hast du ja sicher eine Putzfrau, bestimmt eine richtig heiße, und Sanji und sie .."
"Frankie...." Mit der Waffe an seiner Schläfe wurde er tatsächlich kurz kreidebleich.
Anstatt weiter über Nebensächlichkeiten zu quatschen, schielte er jetzt mit mir zusammen über die Kisten, wir krabbelten noch ein Stück näher, bis wir ihre Stimmen hören konnten. Zu unserer Erleichterung sprachen sie nicht russisch, wir konnten sie verstehen, so mussten wir ihr Gespräch nicht mitschneiden und von einem Spezialisten übersetzen lassen.
"... wir sollten uns beeilen, Andrej. Die Zeit drängt. Du weißt, was der Chef gesagt hat."
Der junge Mann, der wohl Andrej hieß, nickte und fuhr sich nachdenklich mit einer Hand über den kahl rasierten Kopf.
"Ich weiß, ja.", knurrte er mit einem ziemlich starken Akzent.
"Aber wir können auch nichts überstürzen, das weißt du genauso gut wie ich."
Ich hörte, wie im hinteren Teil der Lagerhalle eine Schiebetür geöffnet wurde.
Ich kniff die Augen zusammen und fluchte innerlich, als ich 7 weitere, ziemlich böse aussehende Männer herein kommen sah.
Vorher waren es 5 gewesen, so hätten wir eine Chance gehabt, wenn der Überraschungseffekt auf unserer Seite gewesen wäre. Jetzt aber nützte uns selbst der größte Überraschungseffekt nichts.
"Ah! Roman! Sergej! Vladislav! Victor!" Sie begrüßten sich per Handschlag, lachten und drückten sich. Ich wartete auf die obligatorischen Küsschen auf die Wange, die blieben aber aus.
"Und, was haben wir?", fragte schließlich einer der Neuankömmlinge.
"Nicht viel.", antwortete man ihm. "Wir können nur nicht hier bleiben, so viel ist sicher. Viel zu riskant. Wir bringen die Ware jetzt an einen anderen Ort." Sowohl Frankie als auch ich wurden hellhörig.
"Okay, dann lad die Koffer in den Wagen. Wir machen uns auf den Weg."
Frankie wandte mir den Kopf zu, seine dunklen Augen leuchteten aufgeregt.
"Go?", raunte er mir zu, seine Körperhaltung verriet, das er auf dem Sprung war, er war heiß auf die Sache, er wollte es diesen Kerlen zeigen, und ich zweifelte nicht daran das er diesem Wunsch mit seinen durchaus großen Muskeln Nachdruck verleihen konnte.
Doch bevor seine Eisenfaust einen der Russen treffen könnte, würde er schon blutend am Boden liegen.
"Nein.", antwortete ich ruhig und ergriff sein Handgelenk, damit er sich nicht einfach davon machen konnte. Sein Blick wurde verständnislos.
"Was? Alter, wofür sind wir denn dann hier?" Ich sah ihn warnend an.
"Wir sind hier, um Infos zu sammeln, wenn wir sie nicht überrumpeln können. Klar hat Ace von 4 bis 5 Leuten gesprochen, aber jetzt mach doch mal die Augen auf, das sind n paar mehr geworden!"
Der Cyborg schluckte schwer, als er die große Gruppe Männer beobachtete, die sich jetzt um den Tisch tummelten.
"Okay.", murmelte er und wieder spitzten wir die Ohren.
"Wie lange werden wir brauchen?" - "Nicht lange. Eine halbe Stunde."
Ich packte eilig mein Aufnahmegerät aus und stellte es auf "ON".
"Oleg und Konstantin laden die Waren um. Wir sollten .."
Und jetzt wechselten sie wohl ins russische, ich verstand die Sprache nicht, sie klang rau und böse, und irgendwie gefiel mir das richtig gut. Und trotzdem wurmte mich, das ich jetzt nichts mehr verstand, nur raten und beobachten konnte.
Schließlich schienen sie sich einig geworden zu sein, sie lachten und klopften sich gegenseitig auf die Schulter, auch wenn man hätte vermuten können das sie sich die ganze Zeit nur beleidigt hatten.
Aber so waren fremde Sprachen eben – absolut kryptisch.
"Zorro, wir sollten verschwinden.", zischte mir Frankie jetzt ins Ohr, während wir beobachten konnten wie sich die Männer von dem großen Tisch entfernten und begannen, sich quer durch den Raum und auf unsere Kisten zuzubewegen.
Das konnte eine ziemlich böse Überraschung werden. Allerdings eher für uns als für die.
"Los geht's.", raunte ich, wir ließen uns hinunter auf den Boden fallen, natürlich möglichst geräuschlos, und rollten und nach einander unter einer großen Tribüne her, auf der die meisten Kisten gelagert wurden, wohl damit weder Dreck noch Wasser durch das Holz an die Waren darin gelangen konnte oder so. Es war mir egal, jedenfalls war diese Metallkonstruktion perfekt für unsere Zwecke geeignet. Frankie knallte fast gegen mich, als ich wieder auf der anderen Seite der Tribüne auftauchte, versuchte mich ruhig zu verhalten und mich in die Hocke aufrichtete, um zur offenen Seitentür zu schleichen.
"Vorsicht!" Ich griff nach vorne und bekam gerade noch eine kleine Pappkiste zu packen, die mein Cyborgfreund mit viel Elan – natürlich unabsichtlich – von einem Regal geschmissen hatte.
Ich war mir sicher – selbst mit Ruffy wäre mir so ein Scheiß nicht passiert. Bei Frankie musste man manchmal echt besser aufpassen, als wenn man ein 4-jähriges Kind dabei hatte.
"Sorry.", entschuldigte sich der Blauhaarige mit einem peinlich berührten Lächeln, nachdem wir uns eilig aus der Tür gedrückt hatten – gerade noch rechzeitig, denn in dem Moment wo ich die Lagerhalle verließ hörte ich wie einige der Männer begannen, die Kisten weg zu tragen, hinter denen wir eben noch gekauert hatten.
Aber nun hatten wir das was wir brauchten, auch wenn wir unseren eigentlichen Plan nicht hatten umsetzen können – Infos.
Frankie hechtete vor zum Wagen, während ich mich darum kümmerte unsere Spuren zu verwischen, indem ich eher fahrig.. und wohl auch ziemlich unprofessionell.. mit einem Ast voller Blätter über den Boden ging. Klar hätte jeder nur halbwegs fähige Spurenleser hier trotzdem unsere Fußabdrücke erkennen können. Aber ich hielt die Russen nicht für Spurenleser.
Ich hielt sie nicht mal für sonderlich intelligent.
Keine 20 Minuten später bretterte Frankies Audi die Straße in die Innenstadt hinunter.
"Bringst du die Tonaufnahme zu Ace?" Der Blauhaarige nickte, konzentrierte sich aber sonst vorbildlich auf die Straße.
"Ja, ich wollte eh im Büro vorbei, hab mit dem alten Draufgänger noch was zu bereden. Ich find mein Gehalt dafür, das ich dir ständig aus der Patsche helfen muss, echt mickrig."
Ich warf ihm einen gespielt mitleidigen Blick zu.
"Ach, du tust mir ja so Leid. Aber wenn du eine Gehaltserhöhung bekommst, nur weil du mir hilfst, dann will ich Co-chef werden, bei den Strapazen die ich ertragen muss."
Frankie ließ ein jaulendes Lachen hören.
"Was denn, ist er so furchtbar? Ich meine okay, er ist zickiger als jedes Weib das ich bis jetzt kennen lernen durfte .. aber im Kleid sieht er echt zum anbeißen aus!"
Ich ließ meine Hand auf seinen Nacken klatschen. Er schie fast vor lachen.
"Au! Ja, ist ja gut. Ich kann mir aber denken, das es nicht immer ein Zuckerschlecken ist."
Ich zuckte kurz mit den Schultern, während ich aus dem Seitenfenster sah und die Waffe, die Ace uns hatte zukommen lassen, nachdenklich in der Hand drehte.
"Es geht eigentlich.", gestand ich schließlich leise.
"Er ist keine Belastung, momentan. Er ist recht pflegeleicht."
"Wie Shawn?" Jetzt musste ich doch lachen. Frankie bog in eine Seitenstraße ein.
"Nicht wie Shawn. Shawn ist alles, aber nicht pflegeleicht."
"Wieso hast du ihn eigentlich nicht mitgenommen? Ich meine, wenn er sich als Spürhund eignet, vielleicht dann auch als Kampfhund." Ich knurrte und schüttelte den Kopf.
"Der würde nur mit wedelndem Schwanz den Hintern des Oberrussen beschnüffeln."
"Wir sind da." Ich sah aus dem Seitenfenster, dann nickte ich langsam und drehte mich zu meinem Arbeitskollegen um, der mich aufmerksam musterte.
"Fahr zu Ace und gib ihm das Tonband. Sag ihm er soll mich anrufen, wenn er was hat, okay?"
Der Bauhaarige nickte. "Klar wie Kloßbrühe."
"Du könntest mir allerdings noch einen Gefallen tun, alter Freund." Frankie, durch meine freundliche Anrede skeptisch geworden, schob die Augenbrauen zusammen.
"Nein, ich leih dir kein Geld. Bums gefälligst die Nutten, die du auch bezahlen kannst."
Ein erneuter Schlag auf den Hinterkopf sollte sein Denkvermögen erhöhen, doch ich wusste das bei dem eh Hopfen und Malz verloren war.
"Kein Geld. Sanji braucht neue Klamotten." - "Nein."
Frankie sah mich an, als wäre ich geistesgestört. Ich seufzte.
"Komm schon Frankie .." - "Nein." - "Er braucht das Zeug echt und meine Sachen passen ihm nicht .." - "Nein."
"Kriegst auch die hier." Ich legte ihm die Waffe auf das Amaturenbrett.
"Ich sag Ace, ich hab sie verloren. Hm?" Mein Hundeblick gelang mir nicht, er kicherte leise.
"Du siehst aus als würdest du kacken." - "Machst du's oder nicht?"
Er nickte schließlich kichernd.
"Ja, ist okay. Ich komm dann nachher nochmal vorbei."
Ich nickte, öffnete die Tür, ließ meine Waffe auf seinem Amaturenbrett liegen und stieg aus.
"Ach, und Zorro?" Ich drehte mich nochmal um, als Frankie den Kopf zu mir reckte.
"Ja?" Er grinste wie ein Honigkuchenpferd, mein Cyborgfreund.
"Sei zärtlich zu ihm." - "Frankie, ich schwöre dir, wenn ..."
Doch bevor ich meine ziemlich ernst gemeinte Drohung aussprechen konnte, hatte er schon lachend die Beifahrertür zugeknallt und war davon gebraust.
Verdammter, verhurter Bastard.
Ich drückte die Klingel an meiner Haustür, schloss die Augen und seufzte schwer.
Dieser Tag war anstrengend genug gewesen und ich hoffte, nicht in meinen eigenen 4 Wänden ein ähnliches Chaos vorzufinden.
Obwohl ich Sanji ja so einiges zutraute.
"Ja, bitte?" Und er ging an die Freisprechanlage. Meldete sich, als wärs seine Bude. Wie drollig.
"Lass mich rein.", murmelte ich.
"Wer ist denn da?", wurde irritiert zurück gefragt. Ich hätte mir gern diabolisch mit der Hand gegen die Stirn geschlagen.
"Deine Mutter.", knurrte ich als Antwort. Der Blonde schien meine Stimme nun erkannt zu haben.
"Oh. Sorry.", entschuldigte er sich, dann hörte ich das Surren und konnte die Tür aufschieben.
Hätte er sich noch eine Frechheit erlaubt, hätte ich sie wohl auch mitsamt der Wohnungstür eingetreten.
Das Treppenhaus kam mir einmal mehr unheimlich groß und leer vor, während ich die alte Treppe hinauf ging, auf der man meine Schritte wohl noch bis unters Dach hören konnte.
Ich wohnte im dritten Stock, worüber ich froh war, denn bis in den 10. wollte ich nicht immer laufen.
Obwohl – so oft, wie ich nur hier sein konnte, hätte das auch nichts mehr ausgemacht.
An der Tür wurde ich schließlich nicht von Sanji empfangen, wie ich erwartet hatte, sondern von Shawn, der wohl versuchte mich mit seiner absolut überschäumenden Freude umzubringen.
"Geh rein und halt die Klappe, Tier.", maulte ich und der Hund gehorchte aufs Wort, verzog sich mit wedelndem Schwanz ins innere und ich konnte seine Krallen über mein (teures!) Parkett klackern hören.
Auch ich schob mich hinein, streifte meine Jacke ab und hängte sie ordentlich an einem Haken im Flur auf.
"Sanji?" Ich schielte ins Wohnzimmer, aber da hatte sich nur Shawn platziert und knabberte an seiner Decke. "Lass mir die Pfoten vom Sofa!", ermahnte ich ihn, aber er sah nicht mal auf.
"Sanji, hey, alles klar bei dir?"
Endlich bekam ich eine Antwort aus der Küche.
"Ja, ich bin hier."
Ich liebte meine Wohnung. Ich stand total auf das Design, das ich mir ehrlich zugegeben nicht selber ausgedacht hatte, denn ich hatte für sowas einfach keinen Riecher.
Lysob hatte mir die komplette Bude eingerichtet, von den antiken Kronleuchtern über die roten Samtvorhänge bis zum riesigen Himmelbett.
Und meiner Meinung nach hatte er einfach wunderbare Arbeit geleistet. Alles strahlte eine gewisse Gemütlichkeit aus, eine Ruhe die ich richtig gern hatte, die mich entspannen ließ nach der Arbeit.
Auch die Küche hatte einen leicht altertümlichen Touch, war allerdings auch mit morderneren Elementen ausgestattet, ich wollte schließlich auch nicht über offenem Feuer kochen.
"Hey, Zorro."
Ich hatte ja wirklich mit viel gerechnet, aber sicher nicht damit.
Da stand Sanji also hinter dem Herd, seine Haare eher behelfsmäßig nach hinten gebunden, um seinen schmalen Körper eine Schürze geschlungen die er offensichtlich in meinem Schrank gefunden hatte, genau wie der Rest der Klamotten.
Und das sah dann wieder fast niedlich aus – eine schlabbrige Jeans, die er versuchte mit einem Gürtel oben zu halten, und ein Hemd in dem er aussah wie ein Sack.
"Wenn ich dich so sehe, fühle ich mich fett.", gab ich zu und brachte Sanji damit zum grinsen.
"Ach was. Du hast einfach ein breiteres Kreuz als ich, das ist alles."
Ich nickte und spähte in den Topf, in dem er herum rührte.
"Du hättest nicht kochen müssen."
Sein Blick war so unergründlich wie schon so oft.
"Hab ich aber gern getan. Der Kühlschrank ist super ausgestattet, obwohl du so selten hier bist. Und alles ist sauber. Und jetzt sei ehrlich .. wie viele heiße Putzfrauen beschäftigst du, die hier im Tanga die Bude durchwedeln?" Ich schüttelte grinsend den Kopf.
"Ich hab genau eine. Und die ist von sexy ziemlich weit entfernt. Zumindest, was meine Auffassung betrifft." Der Blonde hob seine geschwungenen Augenbrauen.
"Deine Auffassungen? Jetzt bin ich aber gespannt."
Ich wedelte mit einer Hand in der Luft herum, während ich durch den Raum schritt und Teller aus einem Schrank kramte.
"Ich weiß nicht, wie soll ich es sagen .. ich fahre einfach nicht so auf Walrösser ab. Wie siehst du das?" Sanji ließ ein Glucksen hören.
"Keine Einwende." Ich schleppte sowohl die Teller als auch das Besteck und noch ein paar Gewürze in mein Esszimmer, das ebenfalls recht alt eingerichtet war, mit vielen antiken Möbeln und dicken Tapeten.
"Wer hat dir das alles gezahlt?", fragte mein selbst ernannter Koch, der jetzt den Eintopf von der Platte nahm und mir fragend unter die Nase hielt.
"Mein Chef.", antwortete ich ihm und fischte eine Schüssel herraus, in die er das Essen hinein füllte.
"Der scheint ja das Geld locker zu haben. Wohnt der auch so luxuriös?" Ich zuckte seufzend mit den Schultern, während wir gemeisam ins Esszimmer gingen und er sich die "Le Chef c'est moi" – Schürze auszog.
"Ich denke schon, ja. Ich war noch nie bei seiner neuen Wohnung, ich weiß nicht mal wo sie ist."
Sanji gluckste erneut.
"Ist ja auch dein Chef und nicht deine Mutter." Er nickte.
"Ja, stimmt."
Es war seltsam, das sich das alles so normal mit ihm anfühlte, so leicht und einfach.
Als wäre es vollkommen normal, das ich nach der Arbeit nach Hause kam, er für uns kochte und wir gemeinsam aßen, uns vom Tag erzählten und so Sachen.
Als wären wir ...
"Lorenor? Alles okay?"
Ich hob den Kopf, dann schloss ich die Augen eilig und bekämpfte die Röte erfolgreich mit der bewährten Mathe-Methode.
"Du wirkst angespannt. War dein Tag anstrengend?"
Jetzt war ich angespannt, weil ich wusste wie wir uns benahmen.
Ich war irgendwie glücklicher gewesen, als ich es noch nicht gewusst hatte.
Verdammtes Gehirn. War manchmal richtig destruktiv.
"Nein, es ... ging. Ist ja nicht so das ich in der Bank arbeite."
Der Eintopf roch lecker. Das machte die Situation auch nicht leichter.
Sanji griff sich meinen Teller, griff nach dem Löffel der im Eintopf steckte -
Ich nahm ihm den Teller eilig wieder ab.
"Keinen Hunger?", fragte er irritiert. Ich schüttelte den Kopf.
"Ich... kann mir selbst drauf tun." Auf die Aussage hob Sanji die Augenbrauen.
"Wollte ja nur nett sein.", murmelte er, er klang sogar ein bisschen beleidigt, aber ich ignorierte das.
Die Situation kam mir plötzlich seltsam skuril vor.
Nicht falsch. Und das war es, was mich so peinlich berührte.
Obwohl mir das ja nicht peinlich sein musste, Sanji schien es schließlich auch nicht zu jucken und außer uns sah uns ja auch keiner.
"Hey, gucken wir nachher einen Film? Es soll ein cooler Actionfilm im Fernsehen laufen, steht zumindest in der Programmzeitschrift."
Oh Gott. Jetzt wollte er einen Film mit mir sehen.
Wieso begannen meine Finger zu schwitzen?
Ich verkniff mir jede Farbe, die sich in mein Gesicht schleichen wollte. Stattdessen wurden meine Ohren knallrot.
Rot auf grün-schwarz. Kanarienvogel lässt grüßen.
"Ja .. ja, können wir machen." Und diese Antwort wiedersprach allem, was ich gerade dachte.
Mir war noch gar nicht aufgefallen, das Sanjis Augen schwarzen Perlen glichen.
Wie viel Uhr war es wohl?
Und wann fing dieser Film wohl an, von dem Sanji da eben gesprochen hatte?
Und wenn man jetzt die Länge des Filmes mit der Zeit bis zur Dämmerung ...
"Hallo? Erde an Lorenor?"
Oh verdammt.
"Tut mir Leid. Hast du was gesagt?" Sein Blick wandelte sich in leicht genervt.
"Nein. Aber du sahst grad aus, als wolltest du mit dem Kopf ins Essen fallen."
Ich riss mich zusammen, zumindest versuchte ich es.
"Es geht. Ich bin nur erschöpft." Der Blonde nickte, während ich schließlich doch noch von seinem Essen kostete.
Es schmeckte herrlich. Köstlich. Wie der Himmel.
Ich schloss genüsslich die Augen.
"Scheint dir ja zu schmecken. Freut mich."
"Ja, ist echt köstlich."
"Wie schön."
"Willst du noch was?" - "Nein, ich bin satt, danke."
Sanji erhob sich und nickte mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht.
"Na dann komm, der Film hat schon angefangen."
Er schlenderte vorraus, während ich ihm ein wenig unsicher folgte.
"Ich hasse es, den Anfang von Filmen zu verpassen. Kennst du das? Man weiß irgendwie die ganze Zeit gar nicht so richtig, was da eigentlich läuft."
Wieso erzählte er mir das?
Wieso hatte ich dem eigentlich zugestimmt?
Ich war todmüde, ich gehörte ins Bett.
Allein. Allein, herrgott nochmal!
"Hey, Lorenor ... was ist denn los mit dir? Du bist ja total durch den Wind."
Ich spürte seine Hand an meiner Schulter, wie er mich vor sich zog, wie er mich ansah, wie er meine Pupillen prüfte, wie er mir an die Stirn griff.
"Du bist ganz heiß. Hast du Fieber?"
So fühlte sich also eine Katze, dachte ich abwesend, während Sanji nun auch Wangen und Ohrläppchen nach Anzeichen auf Fieber untersuchte.
So fühlte sich also eine Katze, wenn sie gekrault wurde. Auf der einen Seite aktiviert sich der Fluchtreflex, es will keine Gefühle zeigen und sofort weglaufen.
Auf der anderen Seite aber ...
will es einfach nur noch schnurren.
- - - -
Ich hoffe, es hat euch gefallen! :)
Ganz liebe Grüße & eine große Schachtel Kekse;
das Monsterschaf. ♥
Und weiter gehts im Text !
Schön, dass es euch Allen gefällt. (:
Hier kommt das vorerst letzte Kapitel, das schon besteht - das Nächste ist in der Mache. Allzu lange wird es allerdings nicht dauern. :o
By the way - hier hat sich ein Betaleser das Hirn drüber zermartert.
Ich hoffe, man merkt es. ;D
& jetzt viel Spaß beim Lesen!
- - - - -
"Also jetzt mal ehrlich Lorenor, wenn dir die Sendung nicht gefällt, dann sag es doch bitte anstatt die ganze Zeit auf den Boden zu starren wie ein Haufen Elend."
Hätte Sanji in diesem Moment gewusst, dass ich den Boden bei weitem uninteressanter fand als die Sendung, meine Gedanken mich jedoch dazu zwangen nicht dem bunten Treiben auf dem Bildschirm zu folgen, hätte er sicher nicht so anklagend und genervt geklungen.
Aber noch konnte der Blonde sicher keine Gedanken lesen.
Und wenn doch, dann musste ich mir ernsthaft Sorgen um meine körperliche Unversehrtheit machen, denn die Wege, die meine Fantasie gerade beschritt, gingen auf keine Kuhhaut.
Und auf meine schon mal gar nicht. Ich fühlte mich wie jemand, dem man eine kleine Stimme in den Kopf gepflanzt hatte, die einem die ganze Zeit Dinge in die Hirnwindungen flüsterte, die man nicht hören wollte.
So Sachen wie die nun mal nicht zu bestreitende Tatsache, das wir jetzt gemeinsam mit Chips und Cola auf dem Fernsehtisch "CSI Miami" guckten.
Nicht, dass das schon befremdlich genug gewesen wäre; ich konnte mich nicht mal im Ansatz daran erinnern, jemals mit irgendwem in meiner Wohnung Fernsehen geguckt zu haben.
Und selbst wenn, dann hätten wir uns sicher nicht diese Schrottserie angetan!
"Bringen Sie die Proben ins Labor und untersuchen Sie sie auf Spuren von Ingwer.", flüsterte Horatio Caine, Hauptperson der Krimiserie und definitiv die coolste Sau in ganz Amerika, jetzt seiner blonden Assistentin zu, während in seinem Gesicht nur eins zu lesen war - "Unter der Sonnenbrille, die ich jetzt trage, hab ich noch eine. Und die trage ich sogar beim schlafen. Und jetzt knall mich ab, interessiert mich nicht die Bohne."
Ich stellte mit einem leichten Stechen in der Brust fest, das ich gerade nicht einmal im Ansatz so viel Coolness besaß und versuchte, meinen Blick zu festigen.
"Dieser Horatio ist echt krass.", murmelte Sanji zwischen dem Kauen und schob sich noch eine Hand voll Chips in den Mund.
"Ich meine, guck mal, wie ruhig der bleibt!"
Ich wollte ihm gerade erzählen, dass ich heute ein paar ziemlich böse Russen belauscht hatte und dabei auch ruhig geblieben war, doch er ließ mich gar nicht zu Wort kommen.
"Der bekommt sicher jede Tussi, die er haben will. Bei dem Blick fallen die doch reihenweise in Ohnmacht."
Welcher Blick? Ich sah nur die schwarzen Gläser der Sonnenbrille.
"Kann sein.", murmelte ich. Sanji drehte den Kopf, sah mich verwundert an und hob auf eine Art die Augenbrauen, wie nur er es konnte - er bekam dabei etwas kindlich Verspieltes.
"Magst du ihn nicht?"
"Nicht besonders.", gestand ich und Sanji runzelte seine Stirn, während er nach der Cola griff.
Ich hätte ihm da schon prophezeien können, dass das echt fiesen Durchfall gab.
"Ja, so ist das mit den starken Männern .. stehen immer im Konkurrenzkampf."
Auf diese Antwort hin konnte ich nur ziemlich verdattert die Augenbrauen heben. Ich hörte ihn leise kichern, sah aber nicht hin, das war mir viel zu riskant.
"Laber keinen Müll. Wenn ich den einmal anhuste, fällt der um."
"Könnte daran liegen, das du dir mal die Zähne putzen solltest."
Verärgert drehte ich nun doch den Kopf und funkelte ihn an, während er breit grinsend nach den Chips griff, ohne mich aus den Augen zu lassen.
"Sag das nochmal, und ich entziehe dir meine Klamotten.", drohte ich eher halbherzig.
"Dann säße ich hier nackt.", verkündete er sachlich.
Meine Fingerkuppen begannen wieder zu schwitzen. Das war irgendwie eklig.
Horatio stolzierte jetzt durch das sonnenbeglückte Miami, als würde die Stadt ihm gehören, und beobachtete kleine Kinder auf einem Spielplatz beim Herumtoben.
Durch den Anzug und die Sonnenbrille wirkte er fast wie ein Perverser.
Ich hätte mein Kind schon lange vor dem in Sicherheit gebracht.
Nachher ließ er es noch auf Spuren von Ingwer untersuchen.
"Lorenor ... ?" Ich bemerkte erst am Rande, dann immer intensiver, wie Sanji mich mit einer Hand stützte, mit der anderen vor meinen Augen herum wedelte und mich prüfend ansah.
"Du gefällst mir ganz und gar nicht. Hast du vielleicht doch Fieber?"
Eilig schlug ich seine Hand weg und schüttelte gespielt ärgerlich den Kopf.
"Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich einfach nur zu viel gearbeitet habe. Ich bin kaputt."
"Sollen wir was anderes gucken?"
"... wie, was anderes?"
Ein gewisses taubes Gefühl breitete sich in meinen Handflächen aus; es kribbelte leicht, als Sanji schließlich doch seinen Willen durchsetzte und meine Stirn befühlte.
Draußen ging die Sonne unter, das matte Orange schien durch meine großen Fenster und verwandelte das Wohnzimmer in einen warmen, vollkommen von Licht erfüllten Raum.
Und in diesem Moment gestattete ich meinem mittlerweile vom standhaft-bleiben ziemlich müden Geist einen kurze Sekunde des Nachgebens.
Ich schloss meine Augen, gab mich nur einer ganz kleinen Sekunde seinen Fingern hin, nur um zu wissen, wie es war, wenn er mich berührte, ohne das ich mich innerlich total dagegen sträubte.
Ein seltsames Zucken ging durch die Muskeln meines Gesichts, als hätte er einen elektrischen Schlag durch sie gejagt.
"Deine Stirn ist wirklich ziemlich warm. Ich mach dir mal besser nen Tee."
Ich riss die Augen auf, erkannte mit einem ziemlich schmerzenden Schlag in was für einer Situation wir uns befanden, betrachtete kurz sein besorgtes Gesicht und schüttelte dann den Kopf.
"Jetzt reg dich mal ab. Es ist alles in bester Ordnung. Ich bin nur ein wenig durch den Wind."
Der Blonde nickte langsam, erhob sich dann aber trotzdem.
"Aber auf Klo gehen werde ich ja wohl dürfen." "Tu, was du nicht lassen kannst."
Er verschwand durch die Tür, ich hörte seine Schritte im Flur, wie er die Tür zum Klo öffnete und darin verschwand.
Ich ließ meinen Kopf, als ich mich endgültig in Sicherheit wähnte, in meine Hände fallen und ein lang gezogenes Keuchen entwich meiner Kehle, das mir schon die ganze Zeit in den Atemwegen gekribbelt hatte.
Das konnte doch alles nicht wahr sein.
Nicht nur, das Sanji hier in meinen Klamotten neben mir saß und wir gemeinsam eine Krimiserie guckten, bei der ich nach 15 Minuten schon wusste wer der Mörder war.
Nein, das reichte ja nicht, um meine eh schon ziemlich gequälte Existenz weiter zu malträtieren - nun begann er auch noch, mich anzufassen, und das mit einer Sorgfalt und Zärtlichkeit, mit der ich mich nicht mal selbst behandelte.
Konnte das Ganze nicht irgendwie mal ein Ende finden?
Und da musste ich daran denken, was denn war, wenn das Ganze ein "Ende" fand.
Wenn wir das Geld wiederbeschafft hatten, dann war unsere Aufgabe erfüllt, die wahren Täter waren überführt und Sanji war frei. Na ja, mehr oder weniger, man musste natürlich immer noch ein Auge auf ihn haben, aber im Groben konnte er wieder seinem Leben nachgehen, wie er es wollte.
Und das bedeutete dann im Endeffekt, dass er hier ausziehen würde.
Klar, was sollte er dann auch noch hier? Ich war dann im Grunde .. überflüssig.
Er brauchte keinen Bodyguard mehr, keinen Mitstreiter an seiner Seite.
Anders herum betrachtet musste es aber auch etwas Positives haben.
Ich war ihn los. Genau! Ich war die kleine blonde Nervensäge los, die meine ganze Welt mit nur einem Satz, einem kleinen Lächeln durcheinander warf.
Das war positiv. Das MUSSTE positiv sein, verdammt nochmal!
Ich hörte die Spülung, und da "CSI" gerade eh in die wohl verdiente Werbepause ging, schaltete ich um.
"Okay Sanji, was willst du sehen?", versuchte ich ein wenig Normalität in die Angelegenheit zu bringen, da die mir immer noch besser gefiel als mein verkrampftes durch-die-Gegend-denken.
"CSI Miami.", war die leise Antwort, während ich das Wasser rauschen hörte.
Ich knurrte leise, fragte dann nicht weiter, beschloss Sanji einfach die Fernbedienung zu überlassen, weil das definitiv Streit vermied, und schloss die Augen, während in dem Spielfilm auf den ich umgeschaltet hatte ein kleines Mädchen im Kleid an einem idyllischen Bergsee entlang hüpfte.
Wenn die gleich nach dem Geißenpeter rief, würde ich die Flucht ergreifen.
"Hab ich eben nicht deutlich genug gesprochen? C.S.I. M-I-A-M-I."
Ich drehte den Kopf und betrachtete mit einem leichten Anflug von Resignation, wie Sanji mich von hinterm Sofa her mit einem schiefen Grinsen ansah.
Und ich hatte schon wieder nicht gemerkt, dass er sich mir genähert hatte.
Jetzt hieß es standhaft bleiben, Lorenor!
Beweis dir, deinen Möbeln und dem dummen Köter, der gerade ebenfalls herein gewatschelt kommt, dass du ein Mann bist.
"Das hier ist meine Wohnung, also entscheide ich, was wir gucken." Und bei dem Satz klang meine Stimme sogar mehr oder weniger fest.
"Ich habe für dich gekocht.", hielt Sanji selbstbewusst dagegen. Sein Grinsen verbreiterte sich.
In meinem Magen begann es zu blubbern vor lauter Anstrengung, nicht die Nerven zu verlieren.
"Und ich hab heute gearbeitet."
"Und ich hab für dich gekocht."
"Das zählt nur einmal, Blondie!"
"Hat's dir geschmeckt?"
".. Ja."
"Dann zählt es mehr als jedes Argument, das du noch nennen könntest. Und jetzt schalt um."
Ich konnte nur vollkommen überrumpelt zusehen, wie Sanji sich seufzend über die Rückenlehne rutschen ließ, und als ich nach einer knappen Minute immer noch nichts getan hatte, mir die Fernbedienung aus der Hand nahm und selbstständig den Kanal suchte, den er haben wollte.
Ich konnte nicht glauben, dass das gerade wirklich passiert war.
Nicht, dass es neu für mich war, dass Sanji begonnen hatte mir Widerworte zu geben.
Das tat er mittlerweile mit jedem zweiten Satz, den er sagte.
Viel unheimlicher war, das ich mich vollkommen Sanjis Willen gefügt hatte.
Keine weitere Form der Gegenwehr, kein Durchsetzen meines Egos, kein Zurechtweisen für seine Frechheiten. Einfach nur das Hinnehmen seines Wunsches, ja sogar fast die Hoffnung, ihm diesen erfüllen zu können.
Und mit dieser Erkenntnis im Kopf fielen mir immer mehr Situationen ein, in denen ich ihm nachgegeben hatte. Der Hund zum Beispiel.
Da hatte alles angefangen. Beim Hund hatte diese ganze Gefühlsverwirrung begonnen.
"Verzieh dich, Scheißvieh!", fauchte ich, als sich eben dieses Tier just in diesem ziemlich schlecht gewählten Moment treu an meine Beine schmiegte.
"Hey! Pass auf, sonst tust du ihm weh!"
Aber an meine Gefühle dachte hier keiner oder was?
... hatte ich das gerade wirklich gedacht?
"Mir doch egal!", fauchte ich gereizt und funkelte dem Hund ärgerlich hinterher, weil ich mich nicht traute Sanji ärgerlich anzufunkeln.
Der Blonde seufzte.
"Keine Panik. Wenn ich hier wieder ausziehe, nehm ich ihn mit."
Autsch.
Eine kleine, tückische Nadel bohrte sich durch meinen Magen, kitzelte an meiner Milz und begann bei meinem Herzen eine unangenehme Akkupunktur.
"Ah. Ja. Okay.", nuschelte ich nun vollkommen dem Nervenzusammenbruch nahe, stierte auf den Fernseher und startete einen letzten, verzweifelten Versuch, meine angeschlagene Psyche wieder zu beruhigen, und begann zu rechnen.
Quer durch die Bank, jede Aufgabe, die mir akut in den Kopf schoss, und siehe da - es half.
Ich spürte, wie meine verkrampften Muskeln sich wieder entspannten, wie meine ungewollte Herzmassage beendet wurde und ich das Gefühl hatte, Hände würden von meinem Hals genommen, sodass ich wieder frei atmen konnte.
"Du kannst ihn aber auch hier lassen.", sagte ich nun deutlich entspannter.
"Er stört mich eigentlich nicht." Sanji beobachtete mich aus den Augenwinkeln, das konnte ich spüren.
"Du hast ihn gerade getreten.", stellte er trocken fest. Ich seufzte.
"Ja, schon. Aber .. er ist eigentlich ganz in Ordnung, der Dicke."
Sanji kicherte leise.
"Du bist bescheuert, Lorenor."
"Das sagt der Richtige." Wir grinsten uns kurz an.
"Schon vorbei?" Enttäuscht schob der Blonde seine Augenbrauen zusammen und knurrte kurz verärgert auf.
"Sieht ganz so aus.", antwortete ich sachlich bleibend und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf.
Die Serie war genau so geendet, wie sie begonnen hatte: Übertrieben cool und vorhersehbar.
"Ich bin müde .. ich werde jetzt ins Bett gehen." Sanji gähnte darauf laut.
"Ja, ich denke .. ich hau mich auch hin."
Ich nickte leicht abwesend und zog das Handy aus meiner Tasche.
"Wenn Ace anruft, geh einfach dran, okay?"
Sanjis Augenbrauen hoben sich nach oben; er schien ernsthaft verblüfft.
"... ich soll an dein Handy gehen?"
"Ja, wo ist denn jetzt das Problem?", fragte ich ehrlich verwirrt zurück.
"Ich weiß nicht. Ich wunder mich nur, dass du da kein Problem mit hast."
"Sollte ich das haben?" - "Nein!", wehrte er eilig ab und hob die Hände.
"Nein, es ist nur .. hm. Danke." Er lächelte leicht, ein kaum erkennbarer Rotschimmer legte sich auf seine Züge und ich umklammerte haltsuchend das Sitzpolster.
Wie war das mit der Kuhhaut gewesen?
Ich verbot mir selbst, rot zu werden, erhob mich eilig und nickte.
"Gut, dann wünsch ich dir ne gute Nacht."
"Danke, dasselbe wünsch ich dir auch."
Er zog sich mein Hemd über den Kopf, da war ich noch nicht ganz aus dem Raum, und ich beeilte mich, wegzusehen. Denn der zierliche Körper, der darunter zum Vorschein kam, machte mir tatsächlich kurz ein klein wenig Angst.
Wenn man ihn so sah, wirkte er unglaublich zerbrechlich, zart, wie ein Wesen, das man mit aller Macht schützen musste.
Keine 3 Sekunden nach diesen Gedanken ertappte ich mich dabei, wie ich doch wieder hingesehen hatte und sogar im Türrahmen stehen geblieben war.
Und wie Sanji mich fragend ansah.
"Ist noch was?", fragte er leise. Ich schluckte schwer. Die Röte ließ sich jetzt nicht mehr fern halten und stand in wildem Kontrast zu meinem Haar.
"Nein, es ist nichts. Ich war nur in Gedanken.", redete ich mich eilig heraus.
Er nickte langsam, dann deutete er auf die Klamotten.
"Soll ich die morgen waschen? Ich hab zwar nicht geschwitzt, aber sie riechen jetzt nach mir."
Das hätte er besser nicht erwähnen sollen.
"Nein, ist gut, ich wasch sie selber.", kämpfte ich mich zu einer Antwort durch, während sich Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter darum stritten, was ich mit der Wäsche in Wirklichkeit machen sollte - verbrennen oder im Nachtschrank einsperren, um Abends daran riechen zu können.
Ich hatte mich und meinen perversen Geist gerade soweit, dass ich mich umdrehen und ins Schlafzimmer gehen wollte, als er erneut die Stimme anhob.
"Lorenor?"
Hätte er nicht einfach die Klappe halten können?
"Ja, was ist?"
Ich richtete mich auf das Schlimmste ein; seine Stimme hatte schon so komisch geklungen.
"Ich hab nur ne Frage an dich. Du musst sie nicht mal beantworten. .. eigentlich muss ich sie nicht mal stellen.", stellte er schließlich mit einem Seufzen fest, ohne sich auch nur einmal zu mir umzudrehen, um mich anzusehen. Sein Blick war starr auf die Tischplatte gerichtet. Oder auf die Chips.
"Na ja, jetzt hast du mich aber neugierig gemacht.", sagte ich schließlich, nachdem er nach einer halben Minute immer noch auf den Tisch / die Chips gestarrt hatte.
Er holte tief Luft.
"Denkst du ab und an nochmal daran ... " Seine Stimme versagte anscheinend, was danach kam, war nur unverständliches Gemurmel.
" .. an was ?", fragte ich irritiert nach.
Und jetzt drehte er den Kopf.
In seinem Gesicht war Verwirrung, Hoffnung und noch etwas anderes zu lesen, das ich nicht deuten konnte.
Außerdem war er herrlich rot um die Nase; wie ein kleiner Schuljunge sah er aus, der dem Lehrer erklären musste, wieso er zu spät war.
"Denkst du ab und an nochmal daran, wie wir gemeinsam auf dem Sessel gesessen haben?"
Oh verdammt.
Ich hatte es gerade geschafft.
Ich hatte diese Erinnerung an diesem Abend, als sich Sanji so vertrauensvoll in meine Arme gekuschelt hatte, in einen Teil meines Gehirns verschoben, den ich fest abgeschlossen hatte.
Und den Schlüssel hatte ich danach runtergeschluckt und verdaut.
Und jetzt kam dieser neunmalkluge Blondschopf daher, sagte mal wieder einen seiner berühmten Verwirr-Sätze und riss die Tür auf, die ich so sorgfältig abgesperrt hatte.
Eigentlich hatte ich mir diesen Gedankenfetzen, diese Erinnerung aufheben wollen für ein Alter, in dem sich eh keiner mehr dafür interessierte, was ich in meinem Leben mal so gemacht hatte - so von 60 aufwärts gerechnet.
Aber jetzt war sie wieder da, und obwohl ich mit ihr kämpfe, ließ sie sich nicht mehr einsperren.
Die Erinnerung überrollte mich - und versuchte nicht einmal zu bremsen.
"Ich ..."
Nun versagte auch meine Stimme, ich klappte meinen Mund zu und betrachtete Sanjis Gesicht, das jetzt mehr fragende Züge annahm.
"Ich hab dir gesagt, du musst nicht antworten - entschuldige, dass ich das überhaupt frage. Ich meine, mir ist schon klar, wie du darüber denkst, und es ist dumm von mir, zu glauben, dass .."
Ich unterbrach seinen verwirrten Redefluss, ohne dass ich es kontrollieren konnte.
"Ich denke oft daran.", warf ich in den Raum, vollkommen ohne jede Rücksicht auf Verluste, und hätte mir am liebsten danach sofort die Hand vor den Mund geklatscht, damit nicht noch mehr so bescheuerte Sätze dort heraus kommen konnten.
Sanjis Augen weiteten sich, bevor seine Wangen dieselbe Farbe annahmen wie meine.
Wie blöd war das denn bitte? Wir stierten uns zutiefst verwirrt an, beide knallrot und ohne jede Ahnung, was wir jetzt sagen könnten.
"Ich auch.", murmelte er schließlich leise, dann sah es aus als würde er sich auf die Unterlippe beißen, ich war mir nicht sicher, jedenfalls wirkte er wahnsinnig niedlich dabei.
Und wieder schwiegen wir uns überfordert an. Ich war froh, dass der Fernseher noch lief, sonst hätte man die Standuhr ticken gehört, und das hätte mich unter Druck gesetzt.
So ganz nach dem Motto "da verrinnt die Zeit, und du verplemperst sie mit Schweigen."
"Tut mir Leid, dass ich dich mit so was nerve."
"Du nervst nicht." Verdammt, schon wieder so ein Satz, über den ich keine Sekunde nachgedacht hatte!
Gehirn einschalten und den geordneten Rückzug antreten war jetzt angesagt.
"Ich geh dann jetzt mal schlafen, denke ich .. morgen ruft Ace bestimmt an."
"Ja, bestimmt. Ich geh einfach dran, wenn es klingelt, richtig?"
"Richtig." Wieder schweigen.
Das mit dem geordneten Rückzug stellte sich schwieriger heraus, als ich dachte.
Verdammte scheiße. Ich konnte es nicht leiden, nicht Herr meiner Sinne zu sein, das wusste ich jetzt.
"... wolltest du nicht schlafen?"
"Ja, das wollte ich." Und obwohl meine Stimme fest und überzeugt klang, wurde ich langsam aber sicher tiefrot. Ich sah wohl aus, als wäre ich dem Erstickungstod nahe, denn Sanjis Blick wurde leicht besorgt.
"Geht es dir nicht so gut?"
Ja, was antwortete man darauf?
Die ehrliche Antwort wäre "es geht mir eigentlich ganz gut, abgesehen davon, dass ich ziemlich durcheinander bin" gewesen. Das würde aber noch mehr Fragen aufwerfen.
Und die Lüge "Mir geht es wirklich nicht so gut" konnte auch hinderlich werden.
Denn momentan wusste ich echt nicht, was ich machen würde, wenn er mir zu nah kam.
Ich seufzte. Die Wahrheit war eine Tugend.
Auch, wenn mich Tugenden sonst eher bedingt interessierten.
"Ich bin.. einfach durch den Wind."
Den Satz konnte Sanji jetzt auslegen wie er wollte, und ganz offensichtlich tat er das auch.
Sein Lächeln wurde ein klein wenig breiter, er wirkte sicherer.
"Ich auch.", murmelte er, dann fuhr er sich mit einer Hand seufzend über den Nacken.
"Also so wird das nie was.", knurrte er.
Da pflichtete ich ihm vollkommen bei. Und so langsam bekam ich das Gefühl, wieder über meinen Körper bestimmen zu können.
"Ich geh jetzt schlafen, okay? Gute Nacht, Sanji."
Er schwieg, nickte nur langsam.
Ich drehte mich um.
"Lorenor?"
ARGH!
"... ja?"
"Du bist cooler als Hortatio Caine."
Oh Gott. Oh Gott. Oh Gott.
".. ähm. Danke." Oder so.
Was sagte man auf so was?!
Meine Gesichtsfarbe war absolut nicht mehr annehmbar. Der Fluchtreflex, der durch meinen Körper huschte, machte die Situation auch nicht leichter.
Er grinste ungeschickt.
"Entschuldige. Du kannst jetzt gehen. Bist entlassen oder so."
Meine Hände zitterten unkontrolliert, und ich bekam sie nicht mal im Ansatz beruhigt.
"Ich ..."
- - - - -
"... steh auf Frauen. Tut mir echt Leid, näh?! Jute Nacht!"
Nein. xD Natürlich nicht!
Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen. :3
Ganz liebe Grüße & ein Haufen kekse für euch;
das Schaf. ♥
Wrong.
Ja, ich weiß, man kann es kaum glauben – ich glaubs ja eigentlich auch nicht.
Aber: Ja, doch, es geht tatsächlich weiter mit „Afraid to shoot strangers!“ :)
Ich bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher wie lange die Story tatsächlich pausiert hat, aber es sind gefühlte Jahre und Jahrzehnte.
Mein Problem: Eine Schreibblockade. Konnte super mit jedem Staudamm mithalten und hat mich einen fetten Haufen Nerven gekostet, bis hin zur Verzweiflung.
Nach einer gefühlten ewigen Pause versuchte ich dann wieder rein zu kommen, dann stellte sich allerdings heraus, das mir die Routine flöten gegangen war. Also musste ich mich erstmal mühsam mit Schreibübungen einarbeiten … aber ich finde, es hat sich wirklich gelohnt. ;]
Ich kann verstehen, wenn ihr jetzt Probleme damit habt, euch überhaupt noch an den Rest der Geschichte zu erinnern, deswegen werde ich wohl eine kurze Zusammenfassung ans Ende dieses Kapitels setzen. Nur, damit ihr euch nicht alles mühsam zusammen suchen müsst.
& jetzt viel Spaß beim Lesen! :)
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Kapitel 13 – Wrong.
Ich war noch nie besonders gut darin gewesen, Dinge auszusprechen.
Das war keine Begleiterscheinung meines Berufes, in dem man nun mal in vielen Situationen stillschweigen bewahren musste, sondern war tief in meiner Natur verankert. Schon als Kind hatte ich viele Dinge einfach für mich behalten, hatte Probleme mit mir selbst ausgemacht und Gefühle grundsätzlich als sinnlose emotionale Überladung weggesperrt.
Sowohl Eltern als auch Pädagogen waren an meinem stillen Wesen gescheitert, genau so, wie ich schließlich an der Schule gescheitert war.
Vielleicht wäre es niemals so weit gekommen, wenn ich damals in der Schule nur ab und an den Mund aufgemacht hätte; denn dumm war ich ganz sicher nicht. Ich würde mich sogar als Menschen bezeichnen, der ein großes mathematisches Verständnis besaß.
Mit meinem schlechten Abgangszeugnis aber gab es keine Möglichkeit auf einen ertragreichen Beruf.
Und so wurde ich über einige Umwege zu dem, was ich noch heute bis in meine letzte Faser bin – ein Transporter, ein schweigsamer Fahrer für jede Gelegenheit.
Es gab viele Momente in meinem Leben, in denen mir diese natürliche Einstellung genützt hat. Situationen, die riskant wurden, hatte ich immer mit einem kühlen Kopf erfassen können; ich ließ die Panik gar nicht erst zu, Gefühle waren für mich ebenso überflüssig wie viel Schlaf auf einer gemütlichen Unterlage. Meine Auftraggeber hatten mein ernstes und vertrauenswürdiges Auftreten immer geschätzt und ich hatte mich beständig an die Spitze meiner Organisation hoch gearbeitet, einfach nur deshalb, weil ich ‚ich selbst‘ war.
Doch genau in diesem Moment, in diesen späten Abendstunden in meiner Wohnung im 3. Stock mit der antiken Einrichtung und dem großen Flachbildfernseher an der Wand, nützte mir meine schweigsame Ader und meine Art, alle Gefühle ärgerlich von mir zu schieben, gar nichts.
Ich stand in diesem Türrahmen und hatte jede sich nur bietende Möglichkeit. Und es boten sich verdammt viele.
Es reichte ein Blick in die Augen meines Mitbewohners auf Zeit, um zu sehen, was ich hätte sehen müssen. Wir hatten beide schon zu viel gesagt, schon zu viel getan, jede Verneinung wäre eine glasklare und absolut durchsichtige Lüge gewesen. Und das wussten wir beide.
Nur wusste anscheinend keiner von uns, wie wir das geschickt und ohne uns dabei gegenseitig die Männlichkeit mit einem Messer zu verstümmeln ausdrücken sollten.
Es gab keine Worte, mit denen ich das, was ich empfand, ausdrücken konnte, denn dafür war meine Kenntnis von Emotionen viel zu karg und verdorrt.
Ich wusste nur, dass dieser Moment der Schlüssel war; der Schlüssel zu einer vollkommen fremden Tür, die ich öffnen konnte, wenn ich nur mutig genug war.
Doch ich tat das, was ich jahrelang mit viel Erfolg praktiziert hatte, und das nur, weil mir jeglicher Mut vollkommen abhanden ging.
Ich schmiss den Schlüssel einfach weg.
„Ich denke, ich werde das Telefon doch mitnehmen.“
Mit wenigen Schritten war ich beim Couchtisch angelangt, hatte das Mobiltelefon in meine Hosentasche wandern lassen und spürte Sanjis Blick in meinem Nacken, als würde er mich mit Pfeil und Bogen anvisieren.
Er verkniff sich jeden Kommentar, und das tat er auch, als ich zurück eilte und schweigend den Raum verließ. Ich hörte nur, wie er sich auf das Sofa fallen ließ, als ich die Tür des Schlafzimmers hinter mir schloss und mich mit starrem Blick gegen die Wand daneben lehnte.
Tausend Fragen schossen durch meinen Kopf, als ich in die trügerische Stille meiner Wohnung hinein lauschte. Was war das gewesen?
Wieso hatten wir uns überhaupt so erwartungsvoll angesehen, in der Hoffnung, einer würde endlich seinen Mut zusammen nehmen und dem Anderen sagen, was Sache war? Wieso hatte er mich gefragt, ob ich noch oft an unsere Nacht auf dem Sessel zurück dachte? Wieso hatte er mir gesagt, dass er mich cooler fand als diesen billigen Kriminalkommissar-Abklatsch?
Wieso sah ich immer, wenn ich meine Augen schloss, seine zu einem sinnlichen Lächeln verzogenen Lippen vor mir?
Wieso kribbelte mein ganzer Körper, sobald er mir näher kam, wieso wurde mir jedes mal so warm als würde ich einem plötzlichen Fieberschub erliegen, und wieso um Himmels Willen hatte ich gerade nicht meinen Mund aufgemacht und all das gesagt?
Zumindest die Antwort auf die letzte Frage war einfach – weil ich eben doch noch zum Großteil Herr meiner Sinne war und mir durchaus bewusst machen konnte, wer da eigentlich vor mir saß: Ein Mann, ein blonder Mann mit kunstvoll gerollten Augenbrauen, einem schmalen Körper, erwartungsvoll glänzenden Augen und einer wahnsinnigen Wirkung, aber trotz allem immer noch ein Mann.
Jemand, den ich noch vor einiger Zeit ganz neutral als mein leicht rebellisches Päckchen bezeichnet hatte. Nicht im Traum wäre ich noch auf die Idee gekommen, ihn so zu nennen.
Denn ein Päckchen war ein Gegenstand, mit dem ich nichts verband. Mit Sanji verband mich der unbändige Wunsch, ihn zu beschützen.
Und das war ebenso verrückt wie das Rauschen in meinen Ohren, das einsetzte, sobald seine Finger meine Haut streiften.
Gedankenverloren zog ich das Handy aus meiner Hosentasche, drückte mich von der Wand ab und schlenderte zum Nachttisch.
Ich war hin und hergerissen zwischen dem Drang, umzukehren, durch die Tür zu sprinten, ins Wohnzimmer zu hetzen und mich dort erneut in den Türrahmen zu stellen, nur um die Möglichkeit zu haben, die Situation von eben anders, vielleicht besser, aufzulösen.
Gleichzeitig aber wusste ich, rein vom logischen Denken her, dass ich alles richtig gemacht hatte.
Das, was ich mir da einbildete zu fühlen, das durfte nicht sein.
Da ging es gar nicht darum, dass Sanji ein Mann war, sondern darum, das er jemand war, der für eine gewisse Zeit meinen Schutz brauchte, bis sich die Fronten geklärt hatten.
Wir waren von einander abhängig, und solange das so war, war es nicht fair, die Situation für meine perversen Zwecke auszunutzen.
Es war gefühlte Jahrzehnte her, dass ich einen Menschen so nah an meine Substanz gelassen hatte, und das verwirrte und verängstigte mich, und das war alles.
Die einzige Anziehung, die zwischen uns herrschte, war die Anziehung die nun mal immer entstand, sobald zwei Menschen auf engem Raum ohne weitere ernsthaft soziale Kontakte verkehrten.
Ich ließ das Handy auf den Nachttisch sinken und schüttelte ärgerlich den Kopf.
Ich fragte mich, was erbärmlicher war; mein Auftritt von eben oder die Tatsache, dass ich jetzt versuchte, mir alles schön zu reden, so wie ich es gerade brauchte.
Ich schlüpfte aus meiner Kleidung und ließ mich ins Bett sinken.
Ich hatte das Richtige getan. Alles, was sonst aus meinem Mund hätte heraus kommen können, hätte nicht nur alles zerstört, sondern auch die ganze Mission in Gefahr gebracht, inklusive meines Kartenhauses, das sich Leben schimpfte.
Es war vollkommen trivial und nebensächlich, was ich glaubte zu fühlen; wir hatten einen Auftrag zu erledigen und sobald der vorbei war, würde alles wieder in die gewohnten einsamen Bahnen zurück laufen, und ich würde den ganzen verrückten Vorfall vergessen.
Von diesem Gedanken nun unerklärlicherweise wahnsinnig frustriert schloss ich die Augen und atmete mehrmals tief durch.
Lorenor Zorro, du machst dich verrückt, sagte ich mir.
Du bist müde, das ist alles. Wenn du jetzt die Augen schließt und schläfst, dann wird die Welt morgen wieder ganz anders aussehen.
Ich konnte ja nicht wissen, wie Recht ich damit hatte – und so schlief ich schließlich nach einer halben Stunde mentaler Disziplinierung doch noch ein.
*
Ich erwachte am nächsten Morgen wie erwartet durch mein klingelndes Handy. Es war totenstill in der Wohnung, die Sonne fiel durch das Fenster über meinem Kopf auf das Fußende meines Bettes und ließ mich verschlafen blinzeln.
Ich war zu müde, um wirklich meine Umgebung wahrnehmen zu können; ich hatte eine schreckliche Nacht hinter mir, voller Albträume und erschreckender Visionen von sehr vielen Toten.
Gähnend griff ich nach meinem surrenden Mobiltelefon, betätigte den grünen Knopf und hielt mir die Muschel ans Ohr.
„…ja?“
„Morgen, Lorenor.“ Die Stimme meines Vorgesetzten klang so ernst, so gefasst und gleichzeitig von Wut und Aggression zerfressen, dass ich von einer Sekunde auf die andere hellwach war.
„Was ist los, Ace?“
„Das könnte ich dich fragen, mein Freund.“
Das klang nicht gut. Ganz und gar nicht gut. Ich richtete mich kerzengerade im Bett auf.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“, betonte ich im ruhigsten Tonfall, den ich auf Lager hatte.
„Nein, natürlich nicht. Könnte vielleicht daran liegen, dass der kleine Bastard dich schon um seinen verdammten Finger gewickelt hat!“ Je weiter Puma D. Ace sprach, desto lauter wurde er, und schlussendlich spuckte er seine Worte förmlich ins Telefon, als wollte er mich allein mit ihnen umbringen.
Leider verstand ich immer noch nicht, was der Kerl von mir wollte.
„Könntest du vielleicht mal Klartext reden, Ace?“, fauchte ich nun auch ein wenig erbost.
„Oh, natürlich! Der Herr will Klartext! Na dann soll er den mal bekommen – VERARSCHT! Dein blonder Gaylord hat dich VERARSCHT, du grünhaariger Vollidiot!“
Der einzige Grund, wieso ich immer noch nicht folgen konnte, war, dass mein Gehirn diese Information einfach nicht als vollwertig anerkennen wollte.
„Das Tape, das ihr mir gestern habt zukommen lassen, ist nur ein weiterer Beweis.“
„Was – was redest du da? Was soll das, Ace?“
„Was das soll? WAS DAS SOLL?“ Ich konnte mich nicht daran erinnern, ihn jemals so aufgebracht und am Rande eines Nervenzusammenbruchs erlebt zu haben.
„Lorenor Zorro, man hat die ganze Zeit ein falsches Spiel mit uns gespielt. Dein blonder Freund hat nichts weiter getan als dich ausgenutzt.“
Mir wurde ganz schwindelig; in meinem Kopf begann es zu brummen als wenn eine uralte Maschine wieder angeschmissen wurde.
„Das kann nicht sein.“, entkam es meinem Mund, während sich mein ganzer Körper wie unter höllisch schwerer Anstrengung anspannte.
„Und wie das sein kann.“ Mir wurde kurzzeitig tatsächlich schwarz vor Augen.
„Erinnerst du dich an den Tag, an dem Sanji verschwunden war? Er muss sich mit Enel getroffen haben. Wie würdest du dir sonst die fremden Patronen im Lauf erklären? Er hat uns extra auf falsche Fährten gelenkt, damit wir das Geld niemals finden.“
„Das ist unmöglich.“
„Ist es nicht. Sanji hat das Geld zusammen mit Enel geklaut. Dabei ist nur er in Crocodiles Radar geraten, Enel ist mit heiler Haut davon gekommen.
Ursprünglich war der Plan gewesen, dass Sanji an der Verbrennungsanlage abgeliefert wird, ihm sollte jedoch niemals etwas geschehen – du warst derjenige, der sterben sollte.“
Mir wurde kotzübel. Ich wollte Ace zum schweigen bringen, wollte ihm sagen, dass er nicht so einen Scheiß erzählen sollte, dass ich es ihm nicht verzeihen würde wenn er weiter solche Lügen verbreitete, doch kein Wort entkam mir. Es war ein Gefühl, als würden meine Gedärme mit Nadeln bearbeitet werden.
„Der einzige Grund, wieso Sanji bei dir geblieben ist, war der, weil Enel seine Hilfe brauchte. Schließlich war allen Beteiligten klar, dass wir hinter seiner frisch entwendeten Kohle her waren, und Sanji musste die falschen Infos streuen, damit Enel ganz in Ruhe das Geld aus dem gefährlichen Bereich bringen konnte. Der Pick-up von gestern, den ihr beobachtet habt, und den wir nur kannten, weil Sanji uns das Kennzeichnen nennen konnte, ist zwar auf einen von Enels Männern zugelassen, war allerdings beladen mit leeren Kisten.
LEERE KISTEN! Verstehst du, Zorro? Frankie und Ruffy haben sich heute Nacht in Lebensgefahr begeben, um LEERE KISTEN zu erbeuten!“
Ich verstand das alles immer noch nicht.
„Das ist nicht logisch, Ace. Wieso haben die bei der Müllverbrennungsanlage auf mich geschossen?“
„Das war mir bis eben auch nicht so ganz klar, aber dann haben Nami und ich herausgefunden, dass Enel, bevor er die rechte Hand von Crocodile war, ebenfalls ein Transporter-Unternehmen geleitet hat. Und du hast früher für ihn gearbeitet.“
Mittlerweile vollkommen überladen von all den Infos, keuchte ich überfordert.
„Ich habe was?“
„Als du noch ein Niemand in diesem Geschäft warst, bist du bei einem Transporter unter gekommen, der für Enels Laden gearbeitet hat.
Er hat dich ausgebildet in dem Glauben, du würdest irgendwann mit einsteigen, aber dein Lehrer ist aus dem Geschäft ausgestiegen und du bist zu mir gekommen. Damit begann unser Aufstieg und Enels Abstieg.
Er hasst uns, und vor allem hass
t er dich. Ich vermute deswegen den Angriff.
Sanji sollte nie zu Schaden kommen. Aber du hast ihn gerettet und dabei ist er in Ohnmacht gefallen. Allein deshalb ist Enels und Sanjis Aktion missglückt. Schließlich mussten sie sich auf die neue Situation einstellen – und haben uns alle hinters Licht geführt.“
Ich ließ das Handy sinken. Ich hörte, das Ace meinen Namen rief, doch mein Gehirn konnte es nicht mehr verarbeiten, genau so, wie ich meine komplette Umgebung nicht mehr verarbeiten konnte.
Ich sah nur Erinnerungen vor mir, Erinnerungen an Sanji im Frauendress mit einem enormen Tritt am Leib, Sanjis plötzliche Ausbrüche, die einen ganz anderen Charakter zum Vorschein gebracht hatten; die fremden Patronen im Lauf meiner Waffe, Sanji der mir das Kennzeichen diktierte, Sanji der mich erwartungsvoll ansah, als würde er hoffen, das ich endlich alles aussprach, was zwischen uns war.
Innerhalb von Sekunden war ich aus dem Bett gestiegen, stand vor der Tür und riss sie auf.
Erst in diesem Moment fiel mir auf, wie ungeheuerlich still es wirklich war. Die Wohnung war wie ausgestorben. So leise war es nicht mal gewesen, als ich hier noch allein gelebt hatte!
Oder bildete ich mir das nur ein?
Im Wohnzimmer erwartete mich das, was ich schon tief in mir vermutet hatte.
Und doch tat es weh, als würde mir jemand jeden Fingernagel einzeln von den Fingern reißen.
Sowohl das Sofa als auch der Rest des Raumes beherbergte keine einzige Spur von Sanji.
Irgendwas Schweres bildete sich in meiner Magengegend, das mich in Richtung Boden ziehen wollte.
Ich stand starr im Rahmen der Tür, so wie ich es eigentlich am Vorabend hatte machen wollen, doch dieses Mal gab es niemanden den ich voller Emotionen mustern konnte, es gab nur das Ticken der Standuhr und mich.
Die Wohnung war schnell auf menschliches Leben abgesucht, das ich nicht finden konnte.
Nicht einmal ein klitzekleines Anzeichen darauf, dass Sanji und ich hier zwei Tage miteinander verbracht hatten. Alles war so wie immer, so wie es sein sollte. Und ich begann, an meinem gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Die Panik wanderte durch meinen Körper wie Tausend elektrische Schläge.
Das Schlimmste war wohl, dass ich nicht wusste, wer nun log und wer nicht. Ich konnte absolut niemandem mehr trauen, denn alles um mich herum, mein ganzes kommunikatives Netz, schien unter der enormen Last zusammen zu brechen. Was hatte Sanji wirklich getan?
Hatte er mich nur benutzt, um das Geld rechtzeitig weg zu schaffen?
Oder log Ace?
Woher wollte der eigentlich so genau wissen, was da abgelaufen war?
Ich traute mich nicht, ihn nochmal anzurufen, denn ich wusste, das würde entweder in einem handfesten Streit enden oder damit, dass ich bewusstlos am Boden lag.
Niemals zuvor in meinem Leben waren so viele widersprüchliche Gefühle in mir Achterbahn gefahren, und ich wollte nur eins – Klarheit.
Dass Sanji verschwunden war, sprach nicht gerade für ihn, und allein deswegen entschied ich mich vorläufig dafür, Ace ein wenig mehr Glauben zu schenken. Es gab viele Situationen, die dafür sprachen.
Schlussendlich stand ich mitten im Wohnzimmer, starrte auf den ausgeschalteten Fernseher und spürte, wie sich eine unglaubliche, unaufhaltsame Wut in mir aufbaute.
Ich konnte nicht abschätzen, wer nun wirklich log.
Ich konnte nicht einschätzen, was wirklich passierte, doch dass ich nur ein Spielball in dieser gefährlichen Geschichte war, das machte mich so wütend, dass ich glaubte, explodieren zu müssen.
Hier wollte mich doch jemand nach Strich und Faden verarschen. Und ich wusste nicht wer.
Die logische Konsequenz daraus war einfach.
Ich musste diesen ganzen Scheißladen hochnehmen. Das war die einzige Möglichkeit, herauszufinden, wer denn nun leiden musste.
Doch wo sollte ich anfangen? Sollte ich mich mit Ace auseinander setzen? Oder direkt mit der Suche nach Sanji beginnen?
Einem plötzlichen, heftigen Wutanfall erlegen, trat ich einen Schritt nach vorne und schmiss den Couchtisch um. Dabei segelte ein Blatt Papier in die Höhe, das ich vorher gar nicht bemerkt hatte; ich wusste nicht wieso, denn eigentlich hatte ich mich genau umgesehen, aber jetzt flatterte es vor meine Füße und ich hob es schwer atmend auf, um meine Wut in Grenzen zu halten.
Ich hielt entgültig die Luft an, als ich Sanjis Schrift erkennen konnte.
„Du weißt, wo du mich finden kannst.“
Ich musste keine 5 Sekunden darüber nachdenken; ich wusste, wo ich ihn finden würde.
Ich ließ den Zettel achtlos fallen, schnappte mir meine Waffe, zog mir eilig Klamotten über und machte mich auf den Weg.
Ich wusste nicht, was passieren würde, aber bei einer Sache war ich mir sicher – irgendwer musste dafür büßen. Und ich war nicht dieser Jemand.
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Hier die versprochene Zusammenfassung:
[ Lorenor Zorro bekommt von Crocodile, einem stadtbekannten Kriminellen, den Auftrag, das „Päckchen“ Sanji zu einer Müllverbrennungsanlage zu fahren. Die Übergabe läuft jedoch schief, es wird auf die beiden Männer geschossen, und mehr schlecht als recht können sie fliehen.
Nach dieser Aktion erfährt Zorro, das Sanji angeblich eine Menge Geld geklaut haben soll, doch der Blonde beschuldigt Enel, die rechte Hand von Crocodile, das Verbrechen begangen zu haben.
Die beiden raufen sich zusammen und beginnen, Enel hinterher zu spionieren, und können schließlich genug Informationen sammeln, die auf ein Versteck irgendwo in einer alten Kirche hinweisen. Nach einigen seltsamen Ereignissen, wie ein plötzliches Verschwinden und wiederauftauchen von Sanji, ziehen die beiden in Zorros Wohnung um und verleben dort einen recht ruhigen Abend – bei dem sie beide merken, das doch wohl mehr zwischen ihnen ist, als gewollt. ]
Ich hoffe, euch hat dieses Kapitel gefallen. :)
Ganz liebe Grüße;
das Schaf. x3