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Der Geist vom Homepageraum

Wenn die Fantasie mit einer Klasse durchgeht...
von

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Die Gedanken eines Opfers

Ich will mich natürlich erst mal für euer Erbarmen bedanken, diesen Mist überhaupt zu lesen. Besonders freuen würde ich mich natürlich auch über Kommentare zu der FF. Wenn ihr wollt könnt ihr auch ein MSTing darüber machen, weil die FF wirklich einfach nur unlogisch ist und aus purer Langeweile in der Schule entstanden ist.
 

Jetzt viel Spaß beim Lesen!!!
 


 

Prolog:

Das hier ist jetzt keine "Ein Freund von mir, der kennt einer, der einen kennt und der kennt einen, der einen kennt, dem ist mal was Merkwürdiges passiert"-Geschichte, sondern es ist unserer Klasse passiert. Zuerst hielten wir es nur für dumme Zufälle. Wer konnte denn schon ahnen, dass diese merkwürdigen Ereigenisse tatsächlich etwas mit Geistern zu tun hatten? Glaubt denn ein Schüler der 9. Klasse noch an sowas? Nein, das mussten einfach nur doofe Streiche sein.
 

Dann änderte sich unsere Meinung. Uns wurde klar, dass hinter der Türe des Homepageraums etwas nicht stimmen konnte...

Eine Geschichte über eine 9. Klasse die dem Mysteriösen auf die Schliche kommt...

Die Irren aus dem Schülerzeitungszimmer

Das erst Kapitel überhaupt! *freu* Ich hätte es schon eher hochgeladen aber mein Computer spinnt. *Computer tötet* Es ist teilweise unlogisch und voller Fehler, aber ich hoffe es gefällt euch trotzdem!
 

eure Youko-chan
 

Die Irren aus dem Schülerzeitungszimmer
 

Hätten wir damals gewusst, was auf uns zukam... hätten wir uns anders verhalten? ... hätten wir etwas unternommen? Wie kann man etwas gegen einen Feind unternehmen der schon tot ist? ....
 

Unsere Geschichte beginnt in einem Raum, den die meisten Schüler gar nicht kennen. Wichtig war er eigentlich auch nicht und mehr versteckt als einladend. Im Keller des großen Schulgebäudes besuchten regelmäßig einige wenige Schülerinnen den Treffpunkt der Schülerzeitung. Dass dieser Raum selten bis gar nicht geputzt wurde und außerdem im dunkelsten Winkel war, war diesen eigentlich egal. Er bot ihnen alles was sie brauchten: viel Platz, keine Lehreraufsicht, Computer, Sessel, Tische und Matratzen. Der perfekte Ort für die Mittagspause also.
 

Und genau die war gerade. Nach dem üblichen Streit, wer denn jetzt den Schlüssel aus dem Sekretariat holt, lagen Belle und Youko chillend auf der Matratze, während Luna wieder mal Pinball spielte.

„Aaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!“, kam das Geräusch von Luna, als sie es mal wieder nicht geschafft hatte, Marcel, einen 2 Jahre jüngeren 7-Klässler, vom ersten Platz in der Bestenliste zu schubsen. „Ich weiß genau, was da hinter meinem Rücken abgeht!“, rief Luna empört, „Ihr seid mal wieder ‚Youko Läster‘ und ‚Belle Tante‘! Checkt ihr’s? Läster-Tante!“ Sie lachte über ihren eigenen Witz.

„Der Witz war so schlecht, Luna!“, rief Belle ebenfalls lachend, aber nicht, weil sie den Witz lustig fand, sondern weil er so hirnlos war.

„OHHHHHHHHHHHHH, voll durch die Mitte!“, motzte Luna und gab noch einige Laute des Missvergnügens von sich. Doch das war gleich vergessen, als alle einen komischen Laut aus dem Nebenzimmer vernahmen, der eindeutig nach „Frischfisch“ klang. Eigentlich sollte das Ganze wohl Operngesang darstellen, aber es war nicht eindeutig zu identifizieren.

„Wir spielen Dr. House!“, rief Youko begeistert und rannten zur weißen Tafel, „Also Mädels, lasst uns das diagnostizieren.“

‚Schreien unter Schmerzen‘ schrieb Youko groß darauf.

„Augenbrauen Zucken!“, schrie Belle.

„Ähm, wie kommst du bitte darauf?“

„Keine Ahnung, ich wollte eben mal was sagen.“

Youko war sichtlich verwirrt. „Äh…, ja…., OK. Das ist wohl offensichtlich kein Symptom. Hat sonst noch jemand Vorschläge?“

„Kotzt der Bauer morgens übern Trecker, war die Brotzeit nicht sehr lecker“, kam die unlogische Aussage von Luna.

Belle schaute ihre Freundin nur an und beide lachten sich kaputt. Sofort schrie Luna: „Des war so klar! Ihr lästert wieder über Augenkontakt miteinander!“

„Klar! Des können wir vor allem auch!“, riefen beide gleichzeitig.

„Ja, des könnt ihr“, meckerte Luna, den Blick immer noch auf den Bildschirm geheftet.

„NEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!“, schrie sie gleich darauf enttäuscht oder wütend, so genau war das dem Geräusch nicht zu entnehmen, und es klang lustig, weil ihre Stimme, wenn sie wütend wurde, noch höher als normal war, „Bellchen, du und deine dummen, kleinen Fünftklässlerfreunde! Sag dem Marcel, dass er kein Pinball mehr spielen soll!“

Belle, die es hasste Bellchen genannt zu werden, antwortete entrüstet: „Das sind Siebtklässler!“

„Is‘ doch egal.“
 

Nach dieser schlagfertigen, unnützen und hirnlosen Diskussion beschäftigte sich jeder allein. Die Stille wurde nur durch einige Kreischer Lunas und dem Frischfisch-Gesang durchbrochen.

Zehn Minuten vor Freistundenende schlug Youko vor: „Warum gehen wir nicht schon mal nach unten? Die Jungs ärgern bestimmt wieder den Berger oder spielen Squash!“ und wischte ihre Symptome von der Tafel.

„Jaaah!“, rief Belle begeistert.

Nur Luna freute sich nicht: „Die sind doch so was von kindisch! Ich gehe da nicht runter und schau‘ zu wie sie den armen Herrn Berger ärgern.“

Herr Berger war ein Deutschlehrer, der in der siebten Klasse Youkos Klassenleiter gewesen war und bei Belle und Luna in der Fünften. Durch seine Art, dass er alles durchgehen ließ, sogar in der Schulaufgabe Ergebnisse zu vergleichen, und immer das Teufelszeichen zu machen, wenn er etwas erklärte, war er dermaßen beliebt geworden, dass er sich vor Einladungen zum Wandertag kaum noch retten konnte. Leider war er deswegen noch lange nicht vor Mob-Attacken sicher. Vielleicht waren diese aber auch der Grund, weshalb er so beliebt war. Neben Herr-Berger-Mobben hatten die Jungs noch eine zweite Lieblingsbeschäftigung, nämlich Squash spielen und zwar ohne Schläger und mit einem Tischtennisball. Dass sie dabei zu zehnt waren, machte die ganze Sache auch nicht gerade leichter.

Aber Youko und Belle hatten kein Erbarmen und schleiften Luna aus dem Zimmer.

Der Korridor zum Klassenzimmer hatte zwei Eingänge. Die Jungs versteckten sich auf der linken Seite oder teilten sich auf beide auf. Die drei betraten den stockdunklen Gang vor der rechten Seite und hörten schon von weitem Stimmen.

„Jetzt lass mich doch nicht hier alleine im Dunkeln stehen!“, rief Herr Berger verzweifelt, als die Jungs ihn mal wieder im Dunkeln stehen gelassen hatten.

„AWEÄH-WEÄH!“, kam die merkwürdige Antwort.

Lost - Herr Berger

Hallo, hier spricht Youko!

Ein neues Kapitel für meine Story. Also ich glaub es sind ein paar Rechtschreibfehler drin (eigentlich bin ich mir sogar sicher)...

Ich hoffe es gefällt euch^^

Lost – Herr Berger
 

Die dreckigen Neonröhren an der Decke flammten auf und tauchten alles in ihr gelbliches Licht. Während die drei Mädchen also kichernd den Gang entlang liefen (fragt lieber nicht warum sie kichern, ihr würdet sie für gestört halten), kam ihnen ein Junge aus unserer Klasse entgegen. Wegen seinen länglichen, brünetten Haaren, die an eine Shampoowerbung erinnerten, wirkte er irgendwie mädchenhaft. Tatsächlich sah er seiner kleinen Schwester zum Verwechseln ähnlich und wurde bei ‚Jungs-als-Mädchen-verkleiden-Wettbewerben‘ immer zum schönsten ‚Mädchen‘ gekürt. ‚Deswegen hatte er sich auch letztens eine Cap gekauft, aber zusammen mit der Röhrenjeans hatte sie zwar nicht die beabsichtigte harte-Jungs-Wirkung, aber irgendwie trotzdem Style.

„Ey, habt ihr’n Berger g’sehn?“, fragte er die jungen Redaktörinnen.

„Ist der nicht bei euch vorne, weil ihr natürlich ganz unbeabsichtigt, verbotenerweise immer aufm Gang seid?“, fragte Youko ganz unschuldig.

Er lachte kurz auf und begann Herrn Berger nachzuahmen (auf seine ganz persönliche Weise eben: er schob das Kinn nach vorne und rief: „Yo Berchiiiiiiiii! Eyyyyyyyyyyyyyyyyyyy…“). „Wahrscheinlich isser weggerannt“, fuhr er fort und imitierte ihn noch mal.

„Es ist doch auch kein Wunder, Timo, wenn ihr ihn die ganze Zeit ärgert! Ich weiß gar net was ihr überhaupt immer gegen die Lehrer habt! Den Herrn Dollar habt ihr auch immer geärgert, dabei ist der Herr Dollar doch voll cool!“, motzte Luna in ihrem unsere-Klasse-ist-doof-Ton und geriet bei Erwähnung des Ex-Klassenleiters ins Schwärmen. Schließlich war sie dessen Lieblingsschülerin gewesen und wurde nie angeschrien, während andere, also der Rest der Klasse, schon zu Opfern gemacht wurden, wenn sie sich noch schnell etwas vor der Begrüßung notierten.

„Herr Dollar!“, brachte Timo nur heraus, weil er schon wieder einen Lachkrampf bekam.

„Oh!“, machte Luna und drehte sich demonstrativ weg.

Auf dem Weg zurück zu den anderen Jungs rief er laut: „Bercher is‘ weg!“
 

Merkwürdig war das Ganze ja schon, dachte Youko. Schließlich kann keiner einfach so verschwinden, sich in Luft auflösen oder sich unsichtbar machen. Vielleicht hatte sich Herr Berger ja einfach in einem Klassenzimmer versteckt, überlegte sie. Da hätte man allerdings eine Tür oder das Klimpern des Schlüssels hören müssen.

Vielleicht, ganz vielleicht, steckte hier nicht einfach ein normaler Streich dahinter. Youko hatte sich schon immer für Okkultismus und magischen Kram interessiert und hatte außerdem eine blühende Fantasie. Sie dachte sich gerne irgendwelche verrückten Theorien aus über die man nur seufzen konnte. So war sie zum Beispiel überzeugt, dass nachts irgendwelche Kreaturen im Haus herumschlichen und hatte deshalb Angst im Dunkeln. Na ja, immerhin fühlte sie sich nicht von Postern angestarrt so wie Belle.

Andererseits war es dem alten Lehrer schon zuzutrauen, dass er sich vor den Schülern versteckte. Youko konnte es ihm bei ihrer Klasse jedoch auch nachfühlen.

Wer wurde schließlich gerne mit Stiften beworfen oder mit Papier abgeschossen?

Eigentlich niemand.

Und geärgert und verarscht?

Auch niemand.

Und Lehrer in der Klasse 9a?

Erst recht niemand.
 

Also setzten Belle, Luna und Youko sich vor dem Klassenzimmer auf den Boden. Direkt gegenüber befand sich der einst meist gefürchtetste Raum der Schule: die Mensa. Keine zum Essen, sondern eine Mensa, um Prüfungen zu schreiben und mit ganz vielen Einzeltischen. Allerdings wurde sie jetzt zu einem Natur-und-Technik-Raum umgebaut. Warum, war Youko ein Rätsel, denn es gab schließlich zwei Biologie-Säle, drei Chemie-Säle, drei Physik-Säle und vier Computerräume. Aber es war eine gute Veränderung und so beschloss sie, es ohne die Antwort auf das Warum hinzunehmen.

Neben dem Klassenzimmer war der Homepageraum, in dem immer ein paar grimmige Zwölftklässler waren. Machte man nur einen Mucks, kam einer raus und befahl einem leiser zu sein. Was in diesem Raum eigentlich geschah, war ein Rätsel, denn die Schulhomepage war seit zwei Jahren nicht mehr erneuert worden.

Plötzlich machte Belle eine ruckartige Handbewegung. Der Klassengiftzwerg Frank hatte den Squash-Ball verfehlt, welcher direkt auf Belle zugeflogen war.

„Scheiße!“, rief Frank.

„Haha, du bist draußen!“, bekannte Linus, ein Junge der die neunte Klasse wiederholen musste, sein Mitleid und rannte sofort los, um den Ball zu holen.

„Des ist so ein dummes Spiel und irgendwann tut sich jemand weh! Dann werden alle zu Schulleitung geschickt, weil Bälle sowieso verboten sind!“, kommentierte Luna das Geschehen.

„Aber es is doch volle lustig, da zuzugucken“, meinte Belle, „Oh nein! Jetzt haben wir Deutsch!“
 

Plötzlich ertönte ein lauter Knall aus dem Nebenzimmer.

Alle erstarrten.

Ein Ball hüpfte über den Boden.

„Matcheeas, guck ma‘ nach!“, forderte Simon. (‚Matcheeas‘ kommt vom Namen ‚Mathew‘ oder ‚Matze‘ und Cheese, wie Cheeseburger, von denen er in der Mittagspause mal fünf Stück gegessen hat, er isst allgemein ziemlich viel)

„Warum ich?“, fragte der Riese von Mensch.

„Weil du Klassensprecher bist?“, antwortete Simon unsicher.

Matze näherte sich vorsichtig der hellgelben Tür, die zum Nebenraum führte. Er lehnte an die Tür und horchte. Nichts mehr zu hören. War es nur Einbildung?, fragte Youko sich. Wohl kaum, da es die ganze 9a gehört hatte. Als sich einige Minuten lang immer noch nichts tat, beschäftigten sich die restlichen Schüler wieder mit Squash oder einfach rumstehen, nur Tim rannte die Wände hoch. Youko jedoch starrte immer noch auf die Tür und Matze lauschte immer noch, als hoffe er auf eine Antwort von der anderen Seite des hellgelben Holzes. Youko hielt die Luft an, als plötzlich von innen ganz langsam der Türgriff hinunter gedrückt wurde. Matze hing vor Erstaunen der Mund bis zum Boden, wie man es aus Animes kennt. Der Anblick war eigentlich ziemlich lustig, aber Youko zuckte augenblicklich zusammen, als der Türgriff wieder nach oben schnalzte. Belle musste loslachen bei Matzes Miene, der immer noch erstarrt vor der Tür stand. Offensichtlich hatte sie gerade nicht hingeguckt und hatte das Geräusch als rumhüpfender Tom interpretiert. Youko beschloss, er ihr zu erzählen, wenn sie mal wieder im Schülerzeitungzimmer waren.

Genau in dem Moment kam Herr Ziegler, der Deutschlehrer angewackelt. Doppelstunde Deutsch – der Tiefpunkt des Montags.

„Deutsch…“, grummelte Luna. Sie war heute nicht sonderlich gut gelaunt, da ihr Fußballtrainer sie gestern mehrere Male eine Hügel hatte hochlaufen lassen, wodurch sie Muskelkater an sämtlichen Körperstellen hatte. Unter Schmerzen rappelte sie sich auf.
 

Als alle ins Klassenzimmer gingen, beschwerte sich Herr Ziegler mal wieder den Zustand des diesigen, welches tatsächlich ziemlich versaut war. Die mit Ausdrücken beschmierten Wände und die adoptierten Steine (Friedrich und Sven hatten begonnen die Steine, aus denen die Wand bestand, mit den Namen anderer Mitschüler und deren E-Mail-Adresse zu versehen) waren alles andere als einladend. Moderne Ausstattung gab es keine, da Brandon den Beamer geschrottet hatte und beim OHP musste ständig eine Schraube nachgezogen werden. Das einzig Ganze war ein Holzkreuz, das als Zielscheibe für Papiergeschosse benutzt wurde.

Youko marschierte auf ihren Platz in der letzten Reihe und ließ ihre Gedanken abschweifen. Aber ihre Aufmerksamkeit richtete sich schon bald auf ihre Banknachbarn Sven und Friedrich, die sich gegenseitig versuchten mit einem Füller abzustechen. (Beide benutzten zusammen einen Füller)

„Wie in einem schlechten Film“, murmelte Aliss, ihre andere Banknachbarin.

„Darf ich aufs Klo? Ich hab Hunger!“, kamen zwei vom Sinn nicht zusammengehörige Aussagen von Frank. Doch er durfte nicht, da heute Leute da waren, die die Schule bewerteten. Also beschäftigte er sich mit Manfred-Verprügeln.

‚Dumme Kinder‘, dachte Youko.

„Nänänä!“, machte Timo und bewegt Herrn Ziegler damit dazu, ihm eine Kreide ins Gesicht zu werfen.

„Alles mögen sich beruhigen!“, sagte Herr Ziegler mit kräftiger Stimme und strahlte dabei ein Aura von Erhabenheit aus. Das hatte allerdings keinen Einfluss auf das Verhalten der Klasse.

Trotzdem versuchte er ein Gedicht vorzutragen. Soviel Youko mitbekam, ging es um einen Mann, der der Winter war. ‚Wer kommt den bitte schön auf SO was?‘, fragt sich Youko.

„Und nun“, fuhr Herr Ziegler nach Beendigung des Gedichts mit ausgebreiteten Armen fort, „Schreibt ihr ein ähnliches personifizierendes Gedicht zum Frühling.“ Mit viel Murren bekundete die Klasse ihr Missvergnügen. „In Partnerarbeit.“ Er schaltete einen CD-Player an, aus dem Relax-Musik tönte.
 

Hier noch das Gedicht:

Ein viel beschäftigter Mann

Der Frühling bringt viel Sonnenschein

Und Blumen wachsen groß und klein.

Er wirklich ist beschäftigt sehr,

Denn jeder will ja immer mehr.
 

Und weil er die Welt ja so liebt

Und jedermann die Freude gibt,

Sendet er uns schöne Grüße

Und weiches Gras unter unsre Füße.
 

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Schon zu Ende...aber ich hab schon mit dem nächsten angefangen, wo es darum geht, dass Tobias ein Huhn ist...

Außerdem hab ich auch eine andere FF hochgeladen. Es ist ein MSTing mit meiner Freundin Mälli! *Schleichwerbung mach*

Von Mechanikern, die nichts können

Wow, das Kapitel ist echt lang geworden. Es ist eigentlich schon seit über einer Woche fertig, aber ich hatte Probleme mit dem Internet und konnte es deshalb nicht hochladen.

Eines fettes Dankeschön and meine einzige Kommentatorin elina, die wahrscheinlicha auch meine einzige Leserin ist.
 

Noch mal was zu Story:

Ich komme aus Unterfranken und versuche, den Dialekt sprachlich in die Dialoge einzubauen. Falls jemand nichts mit dem Wort "fai" anfangen kann, es unterstreicht die Bedeutung eines Satzes noch mal.
 

eure Youko
 

Von Mechanikern, die nichts können
 

Am nächsten Tag saß die Klasse 9a, nachdem sie in Sport gelernt hatten, dass man das Band bei der Rhythmischen Sportgymnastik nicht wie eine Bratpfanne schwingt und wie man bis acht zählt („Euer Gesicht ist vor Anstrengung bis acht zu zählen verzerrt!“), und in Englisch, dass man keine Dusche haben kann („Nein! Man kann keine Dusche haben! Man kann nur eine nehmen!“ Sven reißt Dusche aus der Wand raus: „Jetzt hab ich eine genommen.“), in ihrem abgegammelten Klassenzimmer und Frau Gelbsall laberte sie mit Krebsnebeln und Parabolflügen zu.

Youko schaute abwesend aus dem Fenster und erspähte ein schwarze Katze, oder einen Kater, das wusste Youko nicht genau.

„Aliss, da läuft ne Katze“, sagte Youko, nicht bemüht leise zu sprechen.

„WAS?! Da läuft ne KOTZE?“, schrie Aliss entsetzt.

Plötzlich ertönt lautes Gelächter.

„Hm? Was is los? “, fragte Aliss.

Keiner antwortete ihr.

„Hey! Du da!“, sagte Aliss laut, flüsterte aber dann zu Youko, „Wie heißt der?“

Diese antwortete zugleich: „Des is Friedrich!“

„Friedrich! Was is passiert?“

Angesprochener schaute sie nur an und machte keine Anstalten ihr zu antworten. Frau Gelbsall hatte wohl Aliss’ Gebrüll gehört und erklärte allen, die es nicht mitbekommen hatten, was gerade so lustig gewesen war: „Ich sach zur Diana: ‚Ess’ net so viel, sonst musste aufs Klo.“, schau die anderen da im Eck an und sach. 'Des gilt auch für euch.’ Dann brüllt der Flow einfach rum: ‚Ich schreib immerhin mit, net so wie der Timo!’ Dann is Stille und irgendwo hört man noch: ’Gibt es wirklich rote Birnen?’ Ihr seid so einmalig! Richtig knuffig!“ Die Mathematiklehrerin lächelte den teilweise schlafenden, essenden und brüllenden Kindern zu.

„Achsooo“, meinte Aliss uninteressiert, „Was war jetzt mit der laufenden Kotze?“

Luna hatte nun auch etwas gehört. „Häh, was is los?“

Youko schlug ihren Kopf auf das Pult. „Nicht Kotze. Sondern Katze! K-A-T-Z-E!“

Ihre Banknachbarin machte wieder das „Wie-langweilig“-Geräusch: „Achsooo.“

Auf einmal sprang Timo auf und sprühte mit Deo herum. Es war ein Axe.

„Bum chika wah-wah!“, machte Danielus.

Aus Versehen sprühte Timo sich selber ins Gesicht.

Frau Gelbsall ergriff sofort die Initiative: „Wenn jetzt noch jemand isst –" Sven mit Brot in der Hand machte „Hmpf!“ „ -Oder mit Deo rumsprüht –" Timo wischte sich Tränen aus den Augen „- Wird derjenige raus gesperrt! Und dann mach ich die Tür zu!“ Sie deutete auf die Fenster, hinter denen es steil bergauf zum Pausenhof ging.

„Da war abba grad ne Katze!“, rief Simon.

„Was hat das denn jetzt damit zu tun?“, flüsterte Youko Aliss ins Ohr.

Doch plötzlich brüllte Simon Tobias an: „DU BIST KEINE ENTE!“

„Ich bin ein Huhn!“, verteidigte sich Tobias, „Das Huhn in mir erwacht zum Leben!“ Er machte einige Gackergeräusche, um es seinem Mitschüler zu veranschaulichen.

Verzweifelt versuchte Frau Gelbsall ihren Unterricht über Krebsnebel weiterzuführen. Besonders lustig fand die 9a den Gewichtsvergleich zwischen 1cm³ von diesem Nebel und Granit. 1cm³ Krebsnebel entsprachen mehreren Tausenden m³ Granit. Irgendjemand gab den Kommentar ab „Wiegt fast so viel wie der Tobi!“
 

Schließlich wurde die Klasse vom Schulgong erlöst.

„Stop!“, versuchte sich Frau Gelbsall durchzusetzen, „Wie heißt das letzte Lösungsverfahren?“ Doch es war zum verzweifeln. Die einzigen Antworten waren „Tobi is gay!“ und „Häääääääh? Ich bin die Fee!“ Fee war der Spitzname einer Schülerin, deren eigentlicher Name Frieda war. Der Nickname war auf einer Faschingsparty entstanden, bei der Frieda mit Feenflügeln aufgetaucht war. Alle rannten auf den Flur und wären fast in die draußen stehende Leiter gerannt. Offenbar wurde endlich das seit langem flatternde Licht repariert.

„Wer hat Aufsicht?“, fragte Tom, da die Jungs wieder mal den Lehrer ärgern wollten, der gerade das Unglück hatte, Aufsicht im Unterkeller zu haben.

„Berchi! Mc Berger!“, antwortete Chantal.

„Was zum Teufel ist bitte Mc Berger?“, informierte sich Belle entsetzt.

„Des hat der dicke Danny in der 7. Klasse mal gesungen. Mc Berger! Mc Berger! Kentucky Fried Staude and the Pizza Riger!“, sang Youko zur Melodie vom „Burger Dance“ von DJ Ötzi und machte die dazugehörigen Bewegungen dazu. Frau Staude war damals die Englischlehrerin gewesen. Oft wurde sie jedoch “Oma Stauda” genannt. Riger war der unbeliebte Mathematiklehrer, der immer seine wenigen Haare über seine Halbglatze kämmte.

„Des habt ihr also gemacht, als ihr klein und unschuldig wart?“, fragte Belle verwundert.

Youko konnte gar nicht antworten, da Tom mit einem lauten Knall gegen die Backsteinwand rannte. Doch die Mitschüler beachteten den am Boden liegenden Kerl nicht weiter, der sich schützend die Hand vors Gesicht hielt. Als er nach einer Minute immer noch dalag, was für den Wirbelwind Tom sehr ungewöhnlich war, ging Flow mit seinem Coffee-To-Go zu ihm hin.

„Jetz’ komm’ scho’!“, sagte er und klopfte einmal fest auf seinen verletzten Mitschüler.

Dieser zeigte immer noch keine Reaktion und so begannen langsam alle sich Sorgen zu machen und hinzugehen.

„Bist du OK?“, erkundigte sich Timo vorsichtig.

Jetzt drehte sich Tom um, sodass er jetzt mit dem Bauch nach oben lag, aber er hielt die Hände immer noch vor sein Gesicht. Nach zwei weiteren Minuten der Stille riss Tom plötzlich die Hände weg und rief mit komischer Stimme: „Tobi is gay!“

Alle hatten sich furchtbar erschrocken, lachten aber bald.

Nun kam letztendlich auch noch Luna mit mal wieder schlechter Laune aus dem Klassenzimmer.

„Oh, Luna, du bist soooooo langsam!“, sagte Youko. Das war so eine Art Ritual zwischen den beiden, hatte aber eigentlich keinen Sinn.

„Halt die Fresse!“, schnappte Luna.

„Ey, ey, ey!“, machte Belle.

„Kluger Satz“, bemerkte Youko.

Belle fuhr weiter fort: „Sei ma ruhig! Luna, Youko hat grad nen geilen Tanz aufgeführt! Voll lustig!“

„Sklavin der Liebe?“, fragte Luna hoffnungsvoll.

„Nee… so was anderes!“

„Mach mal vor!“, forderte Luna.

„Nein! Jetzt kommen die ganzen Leute aus dem Klassenzimmer!“, empörte sich Youko. Womit sie durchaus Recht hatte. Die restlichen Schüler der anderen neunten Klassen begaben sich nun auf den Schulflur.

Youko wirbelte herum und wäre beinahe in einen Mechaniker gerannt, der gerade auf seine Leiter wollte. „Sorry“, murmelte sie.
 

Auf dem Weg in den ersten Stock musste sich das Trio durch den Haufen sich versteckenden Klassenkameraden bahnen und sehr viele Treppen steigen; vorbei am Oberkeller, dem Ober-Oberkeller und dem Erdgeschoss bis sie endlich dort ankamen. Doch plötzlich kam ein Fünftklässler angerannt, laut „Kleinkinderalarm!“ brüllend.

Belle stutzte. „Ist das einer von euren Fünftklässlern?“, fragte sie verwundert. Damit meinte sie die Neulinge aus Youkos Dorf, von denen diese täglich Neues berichtete.

„Spinnst du? Unsre sind nicht so cool“, entrüstete sich die Angesprochene, „Unsre brüllen im Vorbeirennen so was wie: „Let’s go! Chicken ficken!“ oder „Jeder, der hinter uns ist, ist schwul! ...Und lesbisch!“ Hallo?! So warn wir früher nie!“

„Früher war halt alles besser“, meinte Luna, während sie die Tür zum Mädchenklo öffnete.

„Jaja, die Jugend von heu-„, fing Belle an, doch sie wurde von Luna unterbrochen, die laut quietschte: „Misi Bisi!“ Stellte dann aber fest, dass sich außer Misa-Misa noch andere Mädchen dort befanden und tadelte dann kopfschüttelnd: „Youko, dass du immer so laut sein musst.“

Youko öffnete gerade den Mund, um zu protestieren, doch Misa-Misa kam ihr zuvor: „Häh? Des warst doch du!“

„Du checkst es halt net!“ Luna war beleidigt.

„Echt ma, du bist sooo schlecht, Misa“, fügt Belle hinzu.

Misa-Misa hatte einen Hang zu auffälligen Outfits. Heute trug sie einen knallgelben Haarreif mit einem Plastikapfel oben drauf.

Belle packte Youko am Arm und zog sie zu der mittleren Kabine und meinte: „Mal schaun, was auf der Jungs-Tür steht.“ Seit einigen Tagen gab es eine ‚Jungs-Tür‘, wo die Namen einiger Jungs standen und die Meinungen von anderen Mädchen zu diesen.

Drinnen fiel den Beiden auf, dass auch der Name eines Jungen in ihrer Klasse auf der Tür war:

Danielus.

Danielus zog oft rosa an und Belle vermutete, dass einige Oberteile aus der Mädchenabteilung des H&M stammten.

„Der Geilste überhaupt…megasüß…voll sexy…“, murmelte Youko, „Was?!...Moment mal!“ Sie heftete ihre Augen auf eine Aussage, die wohl auf einer Unterstufentoilette nichts zu suchen hatte.

„Meine Freundin hat’s mit ihm versucht aber er war zu klein?!“, riefen beide unbeabsichtigt laut.

„Was?“, quiekte Luna und hämmerte gegen die Kabinentür.

„Ich würde jetzt zu gern wissen, wer das geschrieben hat“, meinte Youko.

„Ich auch…aber les mal das! Das ist fast noch besser!“, forderte Belle sie auf.

Youko lachte sich einen ab. „Des stimmt irgendwie: ‚Eingebildet und schwul‘!“

Luna hämmerte weiter gegen die Tür. „Ich will wissen wer und was! … Moment! Schwul? Danielus!“

„Bingo! 100 Punkte. Bei 101 gäb’s ne Waschmaschine!“, rief Youko.

„DAS ist alt“, meinte Belle.

„ich wa-heiß“, antworte Youko und ging wieder aus der Kabine raus.

„Wer ist Danielus?“, fragte Misa-Misa.

Luna winkte ab. „Das ist so ein schwuler Typ aus unsrer Klasse, der sich für mega-gutaussehend hält.“

Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten bis der Schulgong ertönte und ihnen bedeutete, dass die Pause vorbei war.
 

Nachdem sie sich von Misa-Misa verabschiedet hatten, gingen die drei wieder nach unten zu ihrem miefigen Klassenzimmer.

Der Mechaniker stand unten und kratzte sich verwirrt den Kopf. ‚Mit der Lampe war alles in Ordnung, mit den Kabeln auch. Warum ging sie nicht?‘

Er sprach drei Schülerinnen an, die gerade vorbeiliefen.

„Ist das die flackernde Lampe?“ Er deutete auf die Neonröhre, die er gerade bearbeitete.

Die drei nickten.

Ein Rätsel. Warum funktionierte das dumme Ding nicht? Er tauschte die Lampe einfach aus, damit er wenigstens etwas gemacht hatte und ging wieder zurück zu seiner Werkstatt.
 

„Erst austauschen und dann merken, dass es die Falsche war … odda wat?“, sagte Belle und kratzte sich nachdenklich am Kopf, „Immerhin sah er gut aus!“

Da war Luna aber anderer Meinung: „Der Heimi sieht viel besser aus!“

Youko rief sich Heimis Gesicht in Erinnerung und schüttelte sich. Sie hatte ja persönlich nichts gegen ihn, zugegeben sie kannte ihn kaum, aber er hatte Schlauchbootlippen und seine Augen quollen irgendwie immer aus ihren Höhlen.

In den Augenwinkeln sah Youko, dass Belle wohl gerade das Gleiche dachte wie sie. Doch da die Diskussion, ob Heimi gut aussah oder nicht, schon oft geführt worden war, blieben die Beiden einfach still.

Die drei Schülerinnen setzten sich auf ihre Plätze, wo Aliss bereits auf sie wartete.

„Ich hab ihn wieder gesehen!“, verkündete sie fröhlich.

Doch Youko fiel gerade wieder etwas ein.

„Brenderella!“, rief sie nach dem Jungen, der vor ihr saß. Eigentlich hieß er ja Brenden, aber er hatte unendlich viele Spitznamen.

„Hörst du mir überhaupt zu?“, fragte Aliss beleidigt und zog einen Schmollmund.

„Wart‘ mal“, beschwichtigte Youko sie, „Brendetta!“

Doch der Junge im gestreiften Pulli war so damit beschäftigt, die Kapsel von einem Überraschungsei mit Papier und Alufolie zu bekleben, dass er sie nicht hörte.

‚Es ist zum verzweifeln‘, dachte Youko grimmig und schoss einen eiskalten Blick nach vorne.

Sven und Friedrich lachten sich total kaputt und Aliss war immer noch ein Schmollmauz.

Youko atmete tief durch und brüllte schließlich: „BRENDETTA!“

Nun hatte sie nicht nur Brendens Aufmerksamkeit, der vor Schreck sein präpariertes Ü-Ei hatte fallen lassen, auf sich gezogen, sonder die im Umkreis von drei Metern. Nur Tom, der gerade mit dem Landkartenhaltegerüst tanzte, hatte nichts mitbekommen.

„Ruhig Brauner. Es wird alles gut.“ Frank zwinkerte verständnisvoll, als ob er es mit einer geistig Gestörten zu tun hätte.

„Dich hat keiner gefragt!“, giftete Aliss ihn an. Die Beiden ließen keine Gelegenheit aus, den anderen fertig zu machen.

„Uuuuh, jetzt hab ich aber Angst!“, schoss Frank zurück.

Brenden drehte sich um und murmelte irgendwas Unverständliches.

„Ähm… hast du –" , fing Youko an.

„Du behindertes, kleines Kind! Wenn ich so aussähe wie du, würde ich meinen Kopf abschneiden und im Klo versenken!“, stritt Aliss mit Frank.

Dieser setzte seinen ‚klugen‘ Blick auf und sprach besserwisserisch: „Des geht doch gar nicht. Ja? Verstanden? Weil wenn ich keinen Kopf habe, kann ich auch meinen Körper nicht mehr steuern.“

„Da hilft die Vakuumhülle auch nix.“

Frank stupste seinen Banknachbarn Quilus an und flüsterte: „Uuuuh, Lissi fährt hartes Geschütz auf!“ Beide kicherten.

"Hast du das Interview?", fragte Youko. Als neuer Leiter der Technikgruppe musste Brenden der Schülerzeitung ein Interview geben. Weil er keine Ahnung von Tecknik hatte oder auch Angst, etwas Falsches zu sagen, hatte er beschlossen die Fragen einem Kollogen zu geben, der sich besser auskannte. Leider vergaß er immer die Antworten mitzubringen.

Brenden murmelte irgendwas, das wieder nicht zu verstehen war. Youko deutete das einnfach mal als 'nein'. Na gut, dann würde sie ihn eben nerven bis er es endlich auf die Reihe brächte. Aber im Moment war der anstehende Geschichtstest zu bestehen.
 

Der kauzige Geschichtslehrer Herr Thomas betrat das Klassenzimmer. Herr Thomas war ein aufgeweckter, runzliger, alter Lehrer, der immer begeistert über jeden Kommentar war. Dann blitzten seine Augen hinter der Brille auf der Nasenspitze und er kicherte wie ein kleines Mädchen, dem gerade etwas peinlich war. Er hatte einen einzigen Pullover in unendlich vielen Farben und Ausführungen, den er immer über ein schlichtes weißes Hemd anzog. Das Lustigste an der Erscheinung des Lehrers waren jedoch seine Schuhe, die einen 3 cm Absatz hatten. Damit stöckelte Herr Thomas dann immer wie eine Tussi zum Klassenzimmer. Er wackelte zum Pult und stellte seinen Koffer ab. Angespannt beobachtete die Klasse, wie er den Koffer öffnete und .... das Buch herausholte. Als der Lehrer die verwirrten Blicke der Schüler bemerkte, erklärte er: "Ich glaub', wir wiederholen erstmal den ganzen Stoff und dann schreib ich die Ex, weil sonst fällt die wieder so schlecht aus wie die erste."

Ja, den Hammerdurchschnitt von 4,31 würde wohl niemand so schnell vergessen. Also begann Herr Thomas die Klasse schon wieder über die Truman-Doktrin, die Byrnes-Rede und der Sowjetisierung der Ostgebiete aufzuklären. Zu fast jedem Ereignis fiel ihm noch ein Weiteres ein, das nur am Rande etwas mit dem Schulstoff zu tun hatte. Obwohl sie hätte zuhören müssen, weil sie auf einer glatten 4 stand, schweiften Youkos Gedanken schon bald ab. Erst als Herr Thomas ganz laut "Ahaaaaaaaaaaaa!" rief, versuchte sie dem Unterricht wieder zu folgen.

"Ja, du hast auch Verwandte, die mal in der DDR gewohnt haben?", fragte Lehrer begeistert.

"Nee. Ich wollt' nur sagen, dass wir da, glaub' ich, 'nen Rohrbruch haben, weil da is'n Tropfen und der Wasserfleck wird da auch immer größer!", antwortete Danielus, der sich gerade mitten in einer Erzählung des Geschichtslehrers gemeldet hatte, und deutete an die Decke auf eine Stelle oberhald der zweiten und dritten Tischreihe. Genau über der Lücke zwischen Toms und Tobias' Pult und Aliss' und Youkos Pult.

Wie zur Bestätigung fiel ein Wassertropfen von Decke auf Toms Kopf.

Danielus sprach weiter: "Soll ich zum Hausmeister gehen?" Irgendjemand machte leise: "Hallo, hallo, ich bin der Hausmeister Krause."

"Ach, die Decke hält das bis zum Ende der Stunde aus", versuchte Herr Thomas die nun aufgedrehte Klasse zu beruhigen. Er machte einen enttäuschten Eindruck, offenbar hatte der Lehrer auf einen sinnvollen Beitrag gehofft, wenn Danielus sich schon einmal in dem Schuljahr meldete. Herr Thomas fuhr mit seinem Unterricht fort, aber die Klasse war nun so von dem Tropfen an der Decke fasziniert, dass sie nur noch mit halben Ohr zuhörte. Besser gesagt, gar nicht.

Tom rannte kreischend über die Tische.

Tobias hielt seine Hande unter die Stelle, wo der Tropfen heruntergefallen war, und schaute dümmlich wie ein Hummer nach oben.

Diana schüttelte Timo und brüllte: "Rette mich! Rette mich!"

Quilus berechnete gerade die Geschwindigkeit des gefallenen Tropfen, wenn der Tropfen ein 1 mg gewogen hätte.

Sven lachte und haute mit der Hand auf das Pult.

Friedrich schüttelte den Kopf und murmelte: "Meine Fresse."

Kilian imitierte eine Sirene.

Frank rief: "Tobias, ich hab dir g'sacht, du sollst dich nicht auf die Wasserleitung setzen!"

Luna schaute ängstlich zur Decke.

Belle machte ein genervtes "Uuuuh."

Aliss und Youko schoben ihren Tisch in die Ecke, damit sie nicht nass wurden.

Und Mathew... er versuchte seine Beine mit einem Miniventilator zu rasieren.

"Jetzt guckt nach vorne! Da fällt jetzt keine übergewichtige Frau in ner Badewanne von der Decke!", rief Herr Thomas, um die panischen Schüler zu beruhigen. Erfolglos.

"Was willst'n du hier?", fragte Sven entrüstet, als die beiden Mädchen sich und den Tisch in die Ecke manövrierten.

"Ich hab dich eben gern!", antwortete Youko fröhlich und umarmte den armen Jungen.

Ein entsetztes "AAAAAH!" ertönte. Youko ließ Sven lieber los und hockte sich auf ihren Platz.

Auf einmal herrschte Stille. Tom hing an der Tafel. Tobias wandte langsam seinen ausdruckslosen Blick Sven zu.

Sven rief laut: "Was denn?" Die Schallwellen wurden von den Luftteilchen weitergegeben und ein zweiter Tropfen erzitterte. Alle schauten ängstlich an den Unglücksort.

Plötzlich musste Flow laut niesen. Timo, der in seine übliche Kippposition mit dem Stuhl eingekehrt war, wurde von der hohen Tonlage des Niesers so überrascht, dass er nach hinten kippte und seinen Kopf am Fenster anschlug.

Nun war es geschehen: Ein zweiter Tropfen fiel von der Decke. Erneut brach Panik aus.

Tom kreischte wie ein Affe.

Linus wandte sich zu Ina um und brüllte: "AAAAAH! AAAAAH! AAAAAH!"

Von Frieda kam ein verwirrtes "Häh?"

Timo schlug seinen Kopf erschreckend oft hintereinander seinen Kopf auf den Tisch.

Mathew war der Ventilator aus der Hand gefallen, welcher sich nun auf dem Boden selbstständig machte.

Tobias gackerte wie ein Huhn.

Erneut trat Stille ein. Doch diesmal starrten alle Tobias an.

"Wenn irgendwas passiert, leite ich Evakuierungsmaßnahmen ein!", beschwichtigte Herr Thomas die Klasse, die sich nun endlich abreagiert hatte. Rufe wie "Achso!" oder "Sie ziehen ja dann den Stöpsel raus!" waren zu hören. Irgendjemand, von dem Youko glaubte, dass es Timo war, rief "Herr Thomas, ich will ein Kind von Ihnen!"

Besagter Lehrer kicherte in den Ärmel seines lila Pullovers hinein. "Jetzt hab ich den Faden verloren. Wo war ich grad?"

Keine Antwort seitens der Klasse. Nur Tom, der sich gerade auf seinen Platz weit weg vom Wasserfleck setzte, verursachte ein Geräusch.

Herr Thomas war entrüstet. "Ey, kein Schwein hört mir zu!"

Doch mit seiner Predigt über das Desinteresse der 9a kam er nicht weiter. Ein unheilvolles Rumoren war nämlich zu hören. Kilian rannte panisch zu Tür und rüttelt am Türgriff. "Es geht nicht auf!", kreischte er.

"Oh, geh weg, du Mungo." Frank nahm die Sache lieber selbst in die Hand. Er drückte die Klinke fest nach unten und zog anschließend an dem dottergelben Modell, das perfekt auf das hellgelbe Holz der Türe abgestimmt war. Doch die Tür öffnete sich nicht.

Die Wassertröpfchen nahmen immer mehr zu und verließen zahlreich ihren Platz neben der Neonröhre. Mittlerweile waren einige aufgesprungen und diskutierten mit Kilian und Frank, ob sie zu dumm seien, um eine Tür zu öffnen. Youko konnte wegen dem Dröhnen nur einige wenige Wortfetzen von dem verstehen, was Frank sagte. "...nicht abgeschlossen...nicht auf..."

Nun konnte Aliss sich einen Kommentar nicht mehr verkneifen. "Total verwirrt, der Bub", sie hob ihre Stimme, "Seid ihr geistig zu beschränkt, oder was? Man muss fai drücken!" Und damit rauschte sie nach vorne.

Frank hob eine Augenbrauen und sprach: "Das. Glaube. Ich. Nicht."

Aliss probierte es mit Drücken und Ziehen, aber das hellgelbe Holz bewegte sich kein Stück.

Ein lautes Scheppern ertönte und eine der metallenen Bodenfließen fiel Tobias auf den Kopf. Riesige Wassermassen ergossen sich aus dem Loch in der Decke auf den Boden. Alle sahen den Wasserfall an.

Nun versuchten Kilian, Tobias und Sven die Türe aufzubrechen und warfen sich gleichzeitig gegen diese. Um sich vor der Überflutung zu retten, hatten sich einige Schüler und Schülerinnen auf ihre

Stühle und Tische gestellt. Diejenigen, die an den Fenstern saßen versuchten das Fenster zu öffnen, das groß genug war um hinauszugelangen. Aber auch dieses ließ sich nicht öffnen und hielt sich wie die anderen Fenster fest geschlossen.

Wer noch auf dem Boden stand, dem reichte das Wasser jetzt bis zu den Knöcheln.

Das Sommerspezial (nicht von der Bahn) Teil 1

Sooooo. Hier kommt der erste Teil des Sommerspezials. Oder des "Schpeschls" wie mein Vater immer zu sagen pflegt. ^^ Im Sommerspecial zeige ich euch einfach ein paar Szenen aus dem Alltag meiner Klasse.
 

Der Kampf der Gays

Ein ganz normaler Tag an einer ganz normalen Schule in einer nicht ganz normalen Klasse.

Tobias packte das 80 cm große Lehrergeodreieck und einen Stift, welche ihm als Schild und Zauberstab dienten.

„CRUCIO!“, brüllte er und rannte mit mörderischen Gesichtsausdruck auf Brenden zu, um ihn zu stechen.

Da musste ein gewisser Hopper natürlich etwas unternehmen. „Du bist nicht geisteskrank! Du bist nicht Harry Potter!“, rief Flow und tippelte auf den Angesprochenen zu – natürlich immer seine Hose haltend, damit sie nicht rutschte.

Währenddessen gab Danielus Linus eine Kopfnuss und wippte dabei hin und her, wodurch das Ganze wie ein unbeholfener Walzer aussah.

Timo hatte die Macht des Overheadprojektors an sich gerissen und projezierte mit seinem neuen Item einen Spotlight auf die Kämpfenden. „Der Kampf der Gays!“

Das gefiel Flow nun gar nicht. „Was willst'n du, du Spast?“

Timo witterte die Gefahr, die von dem auf ihn Zugehenden ausging und korrigierte seine Aussage zugleich: „Der Kampf des Gays! Los, hol' ihn dir, Buddy!“ Dabei sprach er 'Buddy' nicht englisch aus, sondern das u wie im Deutschen.

Zum krönenden Abschluss tat Timo so, als ob er Simon in den Ärmel schnäuzen würde.

Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen schwimmen schwimmen

Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen
 

Zurück aus Obamaland und schon geht's mit dem Homepagegeist weiter. Neu ist, dass es nach jedem Kapitel ab jetzt eine Art Zwischenspiel gibt. Eine Szene, die einem hilft, die 9a noch besser kennenzulernen. Die Szene muss nicht unbedingt zu dem Kapitel passen und ist meist unverändert von der Originalsituation der echten 9a. (Jetzt 10a) Ich hoffe das gefällt euch!
 

Youko rettete ihre Schultasche aus dem kalten Nass. Belle versuchte das Gleiche, hatte aber weniger Glück, denn die mittlerweile knie hohen Wassermassen hatten die Ihre fort geschwemmt. Youko blickte zu dem Loch in der Decke und noch immer war kein Ende von dem kommenden Wasser zu sehen. Fortwährend rauschte der Wasserfall von der Decke und ließ den Pegel immer weiter steigen. Mittlerweile saß keiner auf den Stühlen, da diese schon längst überflutet waren. Der Müll wurde durch das Zimmer geschwemmt und irgendwo war auch der Mülleimer, in den die vergammelten Äpfel, Schokobonpapiere und Coffes-To-Go hineingehörten.

Währenddessen stellte sich Danielus auf Mathew, weil er hoffte, dass er Empfang mit dem Handy hätte, wenn er es höher hielt. Wenn die 9a nicht im Unterkeller gewesen wäre, hätten sie Empfang und säßen nicht in dieser Misere. Warum, um Himmels Willen, kam auch jemand auf die Idee sieben Schulklassen plus Homepagegruppe, Theatergruppe und Technik hier unten einzusperren?

Herr Thomas versuchte ebenfalls verzweifelt mit seinem Handy irgendjemanden zu erreichen, der die Wassermassen hätte abpumpen können. Das war eben der Nachteil im Keller zu hausen. Einige Jungs klopften immer noch gegen die Tür, in der Hoffnung, dass irgendjemand sich in den Keller verirrte und Hilfe holte. Aber die meisten hatten bereits die Hoffnung verloren und hatten sich auf ihre Tische gesetzt, um wenigstens trocken zu bleiben.

Youko, Luna und Belle gehörten zu Ebenjenen, sogar Aliss hatte keine Lust mehr Frank zu ärgern und saß mit über kreuzten Beinen auf ihrem Tisch.

„Hey, guckt mal! Wir sitzen alle gleich!“, rief Belle fröhlich.

Alle schenkten ihr einen weniger fröhlichen Blick, der auf eine Berücksichtigung der Situation schließen ließ. Wie als Antwort zu dieser Aussage, wechselten die drei Unbegeisterten ihre Position und überschlugen ihre Beine in die andere Richtung.

Plötzlich wurde Youkos Pult so sehr erschüttert, dass sie beinahe heruntergefallen wäre.

„Was wird denn das?“, fragte Youko die beiden Verantwortlichen – Sven und Friedrich.

„Na, wir wollen doch nicht nass werden“, lautete die Antwort und die „Muskelprotze“ hievten einen weiteren Tisch auf ihren eigenen. Anschließend setzen Sven und Friedrich sich oben drauf.

„So sieht die Welt doch schon ganz anders aus“, meinte Friedrich.

„Nur noch'n Kasten Bier und die Welt wär' perfekt!“

„♪ Hol mir ma a Flasche Bier, Flasche Bier! Hol mir ma a Flasche Bier, sonst streik' ich hier!♪“

Die teilweise sowieso schon verstörten Schüler schauten Belle nun völlig entgeistert an.

Herr Thomas kicherte wieder los. „Schön, dass du so gute Laune hast!“, freute der schlaksige Geschichtslehrer sich. Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu.

Aron, Robin, Quilus und Frank beteten die Oben sitzenden an, als ob sie Könige zu den Hochzeiten der Karolinger wären. Danielus, Brenden, Mathew und Flow schliefen, während Diana mit Timo knuddelte. Benedikt machte Hausaufgaben und Tom las Harry Potter. Daneben ertönte ein „CRUCIO!“ von Tobias.

Der runzelige Geschichtslehrer wandte sich erneut zur Klasse. „Will jemand alte Schallplatten? Ich mach grad mein Testament.“

Erika meldete sich, was eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, da sie direkt vor dem Lehrerpult saß. „Ja, ich. Meine Mutter mag alte Schallplatten. Sie wird sich bestimmt freuen.“
 

Es gab nichts, was sie noch hätten tun können. Es hatte keinen Sinn mehr, noch zu versuchen, hier herauszukommen. Das Wasser stand mittlerweile zehn Zentimeter über den Tischen. Abgesehen natürlich von Svens und Friedrichs Tischkonstruktion.

„Ema!“ Eva Maria wurde eigentlich nur mit 'Ema' angesprochen, da ihr ganzer Name für die Gehirne mancher Klassenkameraden zu lang war.

Simon kämpfte sich durch die Wassermassen zu ihr.

„Ja?“ Sie sah den patschnassen Jungen fragend an und strich dabei einige Strähnen ihrer straßenköterblonden Haare, die den Ton der Rinde junger Ahornbäume hatten, aus ihrem runden, blassen Gesicht.

„Bevor ich sterbe, möchte ich dir noch eines sagen.“ Er blickte ihr ernst und tief in ihre himmelblauen Augen, zog die rote Rose aus dem Knopfloch seines Hemdes und hielt sie ihr hin. „Rot ist die Farbe der Liebe und diese verbinde ich mir dir.“ Er hatte sich vor Ema hingekniet.

Tom hatte schnell „OOOH!“ auf die Tafel gekritzelt und hielt deutete hektisch auf die nur schwer entzifferbaren, weißen Hieroglyphen auf dem grünen Brett. Alle, die wach waren, befolgten die stumme Anweisung. „OOOH!“, ertönte es im Chor. Hier und da nicht ganz sauber im Ton, aber immerhin gleichzeitig.

„Wie süß.“ Glückliches Grinsen seitens Belle. „Dabei kommt er doch immer so schwul rüber.“

Von dem Tumult wachte Flow auf. „Ey, Mann, was wird'n das hier, ihr unterbe-“ Er brach ab, als er den knienden Simon und die leicht errötete Ema sah.

Simon streckte ihm die Zunge heraus, weshalb er dann durchs Zimmer gejagt wurde. Ema reagierte nach dem Motto 'Facepalm', weil ihre zwei besten Kumpels sich so aufführten, wo es doch im Moment so unpassend war, jetzt so kindisch zu sein. Jeder, an dem die beiden Jünglinge vorbei kamen, wurde nass gespritzt, weswegen Kilian laut irgendwelche Flüche herum brüllte, die hier wegen Jugendschutzmaßnahmen nicht genannt werden dürfen.

Der Wasserfall brauste immer noch aus dem klaffenden Loch in der Decke. Mittlerweile stand der Pegel so weit, dass die Doppeltischfestung fast schon zur Hälfte eingenommen war. Die nächste halbe Stunde verging ohne irgendwelche Liebeserklärungen oder sonstigen erwähnenswerten Ereignissen.
 

Draußen im Treppenhaus.

„Du bist so ein Idiot!“

„Das sagt man niiicht!“

„Halt's Maul.“

Zwei Gestalten begaben sich in Richtung Fahrradkeller.

„Warum ist hier immer das Licht aus?“, fragte die Kleinere von ihnen.

„Fresse! Ich hör da irgendwas!“

Der Kleine lauschte. Ja, da war das Plätschern von Wasser zu hören. Ziemlich nahe, aber irgendwie gedämpft. Mit einem Blick auf den Boden stellte er fest, dass sich eine große Wasserlache dort ausbreitete – ausgehend von einem Klassenzimmer.

Sein Kumpel war bereits hin gerannt, natürlich darauf bedacht, nicht auszurutschen. Im Gegensatz zu seinem Begleiter, der gerade Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hatte und auf Englisch herum fluchte.

„Hallo? Ist da jemand?“, der Größere klopfte laut gegen die Türe.
 

Kilian spitzte die Ohren. Hatte er gerade eine Stimme gehört?

Als ein Klopfen ertönte, hob auch Manfred den Kopf. Er sah Kilian fragend an. Dieser legte fette Stirn in Falten.

Youko sah auf, als Kilian und Manfred zur Tür stürzten und „Wir sind hier!“ brüllten.

Da die 9a erkannte, dass da ihre einzige Chance war, hier herauszukommen, blieb sie vollkommen ruhig, damit der Draußenstehende verstanden werden konnte. Sogar Flow hörte auf, seinen Konkurrenten in Sachen Liebe zu jagen, vielleicht war er aber auch nur erschöpft oder kam nicht mehr durch die hohen Wassermassen, aus denen nur noch sein Kopf herauslugte.

„Wollt ihr da nicht mal raus kommen?“, fragte eine gedämpfte Stimme.

„Geht nicht!“, antwortete Manfred laut.

„Dann hol ich Filme.“ So hörte es sich zumindest an.

„Juhuu! DVD-Abend!“, rief Kilian begeistert.

„Ich hab Hilfe gsacht, du Spast!“

Draußen war ein Kichern zu hören. „Schnauze!“ Das Kichern erstarb.

Youko fühlte sich an Flow erinnert, der ja auch für sein Leben gern mit Schimpfwörtern um sich war. Er war ja auch schließlich ein Gangster. In einem Jogginganzug, der wie ein Schlafanzug aussah. Ema hatte dazu im Religionsunterricht zu Youko nur gemeint: „Es gibt Jungs mit Style, und es gibt Jungs in Schlafanzügen.“ Youko sah Flows Chancen im Kampf um Ema als ziemlich gering an, wusste aber, dass er nicht aufgeben würde.

Im Gegenzug nahm der Wasserstrom von der Decke immer mehr zu. Youko fragte sich, woher das ganze Zeug überhaupt herkam. Sie hoffte doch sehr, dass es nicht aus dem darüberliegenden Biologiesaal stammte, wer wusste was da gemacht wurde. Da Youko nicht mehr stehen konnte, hielt sie sich bei Sven am Tisch fest, um sich nicht zu sehr anstrengen zu müssen. Ihr war sowieso schon eiskalt und ihre Zähne klapperten in einem genauen Rhythmus.

Auf einmal packte jemand sie nicht gerade sanft unter den Armen und zog sie hoch. Es war Sven. Er gab ihr wortlos seine noch einigermaßen trockene, schwarze Weste.

„Danke“, murmelte sie leise.

Friedrich grinste ein Goofy-Grinsen. „Unser kleiner Womanizer!“ Dafür bekam er gleich eine Kopfnuss.

Youko sah dem Treiben sweatdroppend zu.

„Maaaaaann. Was für eine Scheiße!“ Aliss machte sich jetzt auch noch auf der wenig Platz bietenden Sitzgelegenheit breit.

„Jetzt hau doch ab, du bleede Küh!“, protestierte Frank, der sich auch dazugesellt hatte. Und schon fing das Gekabbel wieder an.

Eine sehr wütende Blondine stürzte sich auf Frank, nachdem dieser einen Blondinenwitz gerissen hatte, und tauchte ihn unter Wasser, wobei sie selber vom Tisch fiel. An ihrer Stelle hockten sich eine triefende Luna und eine nicht weniger nasse Belle zu den Dreien (Youko, Sven und Friedrich). Belle wrang ihre lila Mähne aus, Luna jedoch betrachte besorgt ihre so verhassten Klassenkameraden, die hilflos herumplanschten und sich teilweise an Fenstergriffen oder an der Tafel festklammerten. Zitternd und nass. Und nichts konnte getan werden...

So gut es Sven mit seiner Weste gemeint hatte, sie half jetzt auch nicht, denn nun waren selbst die Obensitzenden der eisigen Flüssigkeit ausgesetzt.

Eine Erschütterung durchfuhr den Tisch und er kippte schräg weg. Von diesem Vorfall überrascht ruderte Belle wild mit den Armen, kippte aber wie die anderen Vier rückwärts ins Wasser.

„Auch wenn ich's noch nicht gesagt habe: Es tut mir Leid, dass ich dich im Kindergarten ins Gebüsch gesperrt hab und dich gezwungen hab, Teletubbies zu stricken!“, keuchte Sven und spuckte Friedrich beim Sprechen eingeatmetes Wasser ins Gesicht. Dieser wischte es sich missbilligend aus den Augen, was total unlogisch war, da das „geile Zeug“, wie Herr Papst, der Chemielehrer, es nannte, sowieso schon von seinem Pony in sein Gesicht tropfte. Sven und Youko kannten sich schon seit dem Kindergarten, genauso wie Quilus.

„Ich verzeihe dir.“ Youko krallte sich an Sven fest, um nicht unterzugehen.

„Lass das!“ Er prustete und ruderte, weswegen Youko ihn schnell losließ, doch er war bereits unter der Oberfläche verschwunden. Deswegen schaufelte sie ihre schwarze Mähne zur Seite, die wie ein schimmernder Öl-Teppich auf der Wasseroberfläche lag. Sie hoffte, dass Sven dann genug Platz zum Auftauchen hätte.

Doch sein roter Schopf tauchte nicht auf. Belle wurde ziemlich hibbelig.

Aliss jedoch wurde so ärgerlich, dass sich Falten auf ihre Stirn legten, bis diese wie ein gepflügtes Feld aussah. „Wenn der uns verarscht, bring ich ihn um!“

„Ich geh und hol ihn“, schlug Belle vor.

„Aber ich bin viel besser im Tauchen und außerdem kräftiger als du!“ Aliss sah die Lilahaarige erstaunt an.

„Ich will mich eben nützlich machen.“ Und mit diesen Worten war sie abgetaucht.

„Aliss seufzte. „Versteh einer dieses Weib.“
 

„Wo bleibt die Frau?!“ Luna war mal wieder total angenervt.

Youko war auch ziemlich besorgt. Obwohl ihr Vater einmal gemeint hatte, dass sie in Sport schlechter als eine Einarmige sei, beschloss sie, nach den Vermissten zu suchen.

Sie ließ sich vollends in das kalte Wasser hinabgleiten und zwang sich, ihre Augen zu öffnen.

Der „Lebenssaft“ brannte in ihren Augen und zuerst konnte sie rein gar nicht erkennen. Nur ein verschwommenes Etwas aus Farben. Bald wurde ihre Sicht klarer und sie konnte viele Beinpaare ausmachen. Inas gemustertes Kleid war hochgerutscht, sodass Youko deren Unterhose erkennen konnte, auf der der Schriftzug „Knackarsch“ zu sehen war.

Bald entdeckte sie auch Belle, die mit ihrem Fuß zwischen zwei Tischen stecken geblieben war, als sie offenbar versucht hatte, Sven zu fassen zu bekommen. Dieser lag bewusstlos hinter seiner zerstörten Tischkonstruktion im Eck, Belle klemmte zwischen Youkos und Svens Pulten. Gerade als sie zur Rettung nach unten tauchen wollte, ertönte ein Gluckern und alle waren nun auch ganz unter Wasser. Entgegen ihrer Erwartung brach kein Aufstand aus, sondern alle blieben ganz ruhig und blickten in die Runde, sofern ihre Augen geöffnet waren.

Youko tauchte zu Belle hinunter. Diese blickte müde zu ihr zurück, aber dann fielen ihr ganz langsam die Augen zu.

„Das erinnert mich an Titanic. Und dann kommt er und rettet sie.“ Kaum hatte sie das gedacht, erschien ein mattes, weißes Leuchten. Alle Gesichter wandten sich zur Tafel, von der das Licht auszugehen schien. Youko kniff die Augen zusammen. Nicht nur, weil es so hell war, sondern auch, weil ihre Augen vom Wasser schmerzten.

Langsam nahm das Leuchten Gestalt an und man konnte menschliche Umrisse erkennen, wenn man genau hinsah.

Die Lichtgestalt hielt inne, als sie die Blicke der Jugendlichen und des Lehrers bemerkte. Sie sah Tom an, der immer noch an der Tafel hing. Dieser war nicht fähig sich zu rühren.

Die Figur machte eine kraftvolle Handbewegung und vor Youkos Augen wurde alles schwarz.

Zwischenspiel: Sonne, Mond und Sterne und Die Diddl-Gang, Harry Potter, Amokläufe im Wohnzimmer und die Sage des großen Hässlon

1. Teil

Sonne, Mond und Sterne
 

Vorm Physiksaal sahen Belle und Youko sich die Planeten an der Wand an, während sie warteten, dass Luna auch endlich aus dem Klassenzimmer kam, wo sie gerade noch Physik-Übung gehabt hatten. 'Sehr interessiert' betrachteten beide das Plakat, auf dem unser geliebter Planet – die Erde – abgebildet war.

„Des ist voll bitter. Der Mond hat ein viel größeres Bild als die Erde“, stellte Youko fest.

„Ja! Und was hat der Mond eigentlich mit der Erde zu tun?“, regte Belle sich auf.

Fragender Blick von der Seite. „Der Mond kreist doch -“, begann Youko.

„Ach ja.“

Augenblicklich bekamen beide einen Lachanfall wegen Belles Verplantheit. Mittlerweile war auch Luna dazugekommen und stand nun mit hochgezogener Augenbraue neben ihnen. Also erklärte Belle ihr den Grund ihrer Aufgekratztheit.

Luna war weiterhin ratlos. „Der Mond hat doch gar nichts mit der Erde zu tun.“

Stille.
 

2. Teil

Die Diddl-Gang, Harry Potter, Amokläufe im Wohnzimmer und die Sage des großen Hässlon
 

Youko, Belle und Luna stapften missmutig die Treppe hinunter, denn sie waren nicht gerade erpicht auf die nächste langweilige Mathestunde, die auch noch von Biologie gefolgt wurde. Doch ihre schlechte Laune legte sich bei einem ganz besonderen Anblick sehr bald.

Simon rannte mit Tobias auf dem Rücken durch den Gang. Der Getragene hatte den 70 cm großen Lehrerzirkel in der Hand und versuchte damit den nur mit einem Tafellappen bewaffneten Tom abzustechen. Am Fuß der Treppe blieben die drei Mädchen stehen und beobachteten das merkwürdige Treiben. Als die Jungs sich langsam Richtung Fahrradkeller entfernten, gingen die Mädchen wieder in das Klassenzimmer ihrer Klasse, wo schon die nächste Überraschung auf sie wartete:

Frank, Quilus, Friedrich und Manfred unterhielten sich angeregt über Diddl-Blätter. Gleichzeitig plottete Danielus einen Amoklauf.

Sven war sehr interessiert daran und brüllte durch den ganzen Raum: „Wann machste deinen Amoklauf?“

Die Antwort von „Schwulette“ kam in ähnlicher Lautstärke zurück. „Bei dir im Wohnzimmer!“

Alle erstmal perplex. Dann musste Sven loslachen: „Wann? - Im Wohnzimmer. Loooool!“ Dann hob er seine Stimme: „ICH HAB G'FRACHT WANN UND NICHT WO!“

Dann achtete Youko nicht mehr auf sie und hockte sich auf ihren Platz. Das nächste, was ihre Aufmerksamkeit erregte, war, dass Frank merkwürdige Geräusche von sich gab.

„Weeeee! Wiiiiiiii! Büpbüpbüpbüp! Wiiiiiii!“

Quilus griff sofort ein: „Expelliarmus!“

Frank packte ihn an beiden Händen und rief: „Ey, Hässlon!“

„Ihr seid solche Spielkinder.“ Frau Gelbsall hatte das Klassenzimmer betreten und schaute die beiden kopfschüttelnd an.

„Ja, der is so'n Harry-Potter-Freak-“

„Elelelelalala!“ Tom hatte Frank jäh unterbrochen, weil er ein Angstgeräusch von sich gegeben hatte, da er von Matze bedroht wurde.

Frau Gelbsall schlug die Hand vor's Gesicht.

„Schröder is blöder!“

Ich will hier weg!

Ich will hier weg!

Sonnenstrahlen kitzelten Youkos Nase und sie hörte undeutlich lautes Stimmengewirr. Langsam öffnete sie ihre Augen und blickte auf die kahle, weiße Decke eine trostlosen Krankenhauszimmers. Youko setze sich langsam auf und rieb sich verschlafen die Augen.

„Wie süß!“ Eine nun wachere Youko folgte der Stimme mit ihren Augen und erblickte im gegenüberliegenden Bett eine ungeschminkt merkwürdig aussehende Chantal. Nicht nur der fehlende Paradiesvogel-Look war merkwürdig, sondern so einen Satz über sich selbst jemals aus Chantals Mund zu hören... das hätte Youko nie gedacht.

Mit einem raschen Blick hatte sie festgestellt, dass sich außerdem noch Frieda und Erika mit ihr im Zimmer befanden. Offenbar hatte das Wasser Friedas pinke Haarfarbe herausgewaschen, denn diese war wieder in ihrem natürlichen blau. Frieda und Ina hatten versucht ihre Harre pink zu färben. Bei Ina hatte es geklappt, aber bei Frieda... Youko hatte keine Ahnung wie sie das geschafft hatte, aber Frieda hatte seit dem Tag eine Art pinken Farbhelm auf dem Kopf gehabt und darunter unregelmäßige, waagrechte Streifen. Damit war sie natürlich eine Lachnummer gewesen. Gleichzeitig hatte sich etwa die Hälfte der Klasse (diese Hälfte, der auch Youko angehörte, hatte mit ebenfalls nicht sehr braven Schülern die 6d gebildet, die andere die Vorbildklasse 6a) daran erinnert, wie Tobi in der sechsten Klasse seine Haare hatte schwarz färben wollen, sie dann aber blau gewesen waren. „Oh mein Gott! Er war doch so ein hübscher, rothaariger Junge!“, war Frau Steinhauers Kommentar gewesen.

„Bist ja auch mal wach!“, lächelte Erika.

„Wie lang seid ihr denn schon wach?“, erkundigte sich Youko. Es war mal wieder typisch, dass sie am längsten geschlafen hatte, schließlich war sie ein waschechter Morgenmuffel. Morgens war sie unansprechbar und gab meist nur gegrummelte Antworten.

„Seid ein paar Stunden“, antwortete Chantal.

Noch bevor irgendjemand etwas erwidern konnte, krachte die Tür des Krankenzimmers auf und offenbarte eine kräftig gebaute Krankenschwester und einen in rosa gekleideten Krankenpfleger.

„Hallo, Kinderchen!“, rief der Pfleger vergnügt, „Ich bin der Herbert und wer seid ihr?“

Stille antwortete ihm, so verblüfft waren die vier Mädchen von seiner Erscheinung.

Die Krankenschwester lachte lauthals los, sodass alle zusammenzuckten. „Ja, ich bin die Betty und ich sach euch, was es heut zu essen gibt.“ Sie strahlte alle an. „Alsoooo, heut könnt ihr euch zwischen Wiener mit Sauerkraut und Käsespätzle für die Vegetarier entscheiden! Dazu gibt’s grünen Salat und wer will, kriegt noch nen Danny plus Sohnäää!“

Dann tippelte sie zu Chantal, um ihre „Bestellung“ aufzunehmen. Anschließend zu Frieda und Erika. Danach walzte sie zu Youko.

„Wiener oder Spätzle?“

„Spätzle.“ Eigentlich war Youko Fleischfresserin, hatte aber gerade keine Lust auf Wiener.

Betty kritzelte ein „S“ auf ihren kleinen Diddl-Notizblock. Sofort musste Youko an die Diddl-Gang denken. Ein „Gangsterzusammenschluss“, der aus Sven, dem Boss, Friedrich, Quilus, Aron, Robin und Frank bestand.

„Und nen Danny plus Sohnäää?“

Zuerst verstand Youko nicht, was die Krankenschwester von ihr wollte, checkte aber dann, dass die Schwester ihr einen Schokopudding andrehen wollte. Sie murmelte ein schnelles „Ja, bitte.“ und betrachtete den rosa Pfleger genauer. Jener war zu Chantal gewatschelt, um ihren Blutdruck zu messen.

„Ach, Herbie! Lass die Mädels! Die sind okay!“, rief Betty ihm lautstark zu.

„In Ordnung! Auf geht’s zu den kleinen Ju-hungs! Tschau, Zuckerschnuten!“ Und damit war er aus der Tür getippelt.

„Und er schwebt davon wie eine Gänseblümchenfee“, sagte Youko trocken, vergessend, dass Schwester Betty noch neben ihr stand. Diese brach in schallendes Gelächter aus und folgte der „Gänseblümchenfee“ aus dem Zimmer. Die bemitleidenswerte Tür krachte wieder ins Schloss.

„So eine Schwuchtel“, meinte Chantal.

„Häh? Der war doch wie der Danielus“, sprach nun Frieda.

Daraufhin lachten Erika und Youko los. Chantal allerdings sah beide leicht säuerlich an.

Erika wurde wieder ernst. „Wisst ihr, wie wir hierher gekommen sind? Hat uns der Rettungsdienst rausgeholt, oder so?“

„Ich hab nur dieses komische Licht gesehn und dann nix mehr“, stellte Frieda fest.

Youko hob ihre Augenbraue. „Du auch?“

„Du auch?“ Fee war begeistert und quietschte. Youkos Begeisterung hielt sich in Grenzen, da sie eigentlich gehofft hatte, jetzt ein vernünftiges Gespräch führen zu können.

„Yo, ich auch“, warf Chantal in die Runde und hob ihre linke Hand, um auch ja die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Erika nickte. „Ich auch.“

Erneut ging die Tür auf und zwei Männer den Raum. Ein älterer mit ernsten, gnadenlosen Augen und ein jüngerer, der alle mit seinem Grinsen blendete , aber beide waren in schwarze Anzüge gekleidet.

„Hallo, wir sind von der M.I.B., kurz für die Men in Black, und wir werden euch jetzt blitzdingsen!“, sagte der Jüngere und klatsche aufgeregt in die Hände. Seine Haut war dunkel und er wirkte, als wäre er gerade erst mit der Schule fertig geworden.

Synchron verwundertes Blinzeln.

„Da hab ich euch!“ Er lachte beherzt auf.

„Während mein Kollege Späße macht, werde ich mich um eure Psyche kümmern“, unterbrach der Ältere den Anderen. Er sah streng in die Runde, hatte aber trotzdem eine gewisse Fürsorge in seinen Augen, die durch seine schwarz umrandete Brille auf Knopfgröße verkleinert wurden.

„Äh ja.“ Langsam wusste Youko wirklich nicht mehr, was sie denken sollte.

„Sie sind hier falsch! Die Klapse ist in Werneck, da wo der Benny wohnt“, gab Chantal trotzig zurück.

Die Augen des Mannes verengten sich zu Schlitzen. „Darüber macht man keine Späße.“ Zeitgleich fing sein Kollege an zu lachen. Der Alte seufzte genervt. „Also, zur Sache. Fehlt euch was? Bedrückt euch was? Habt ihr was Komisches bemerkt?“

„Also, dass unser Klassenzimmer überflutet wurde, fand ich ein bisschen merkwürdig.“ Chantal sah ihn herausfordernd an.

„Ein Rohrbruch.“ Er schloss die Augen genervt, offensichtlich hatte er diese Frage heute schon oft beantworten müssen.

„Und das Licht?“, fragte Fee.

„Von den Rettungskräften.“

„In Menschengestalt?“, meinte Erika ungläubig, was sehr ungewöhnlich für sie war.

Seine Stimme wurde kalt. „Ihr habt halluziniert.“ Er wandte sich zum gehen.

„Moment!“, rief Youko ihm nach, „Wann kommen wir hier raus?“

„Frag doch einfach Betty oder Herbie!“, grinste der Jüngere.
 

Nachdem die Beiden gegangen waren, passierte nicht Spektakuläres mehr bis zum Abendessen. Schwester Betty hatte jedem ein Tablett mit der gewünschte Speise und den Beilagen gebracht und war dann mit dem Servierwagen wieder hinausgerollt.

Die Tür öffnete sich einen Spalt breit. Ein lila Haarschopf lugte unsicher hinein.

„Gott sei Dank, richtig!“, seufzte Belle erleichtert, „Grade war ich aus Versehen beim Timo und beim Tom. Die ham mich angeguckt, als ob ich von nem anderen Planeten wär.“ Nun war sie vollends in den Raum getreten. Im Gegensatz zu den anderen Patienten trug sie keinen Schlafanzug oder Jogginganzug, sondern war in ganz normalen Klamotten erschienen. So normal wie es eben für Belle war. Giftgrün. Mit Glitzer.

„Bist du schon raus?“, fragte Erika neugierig.

Belle grinsten breit. „Ich war gar nicht erst drin! Ich bin nur kurz zu Besuch da. Meine Mutter will sich nämlich einen neuen Kochtopf kaufen und dann durfte ich hier vorbei.“

„Wie geht’s Luna so?“, erkundigte sich Youko.

Belle packte sich einen der Stühle, die bei dem mickrigen Tisch am Fenster standen. Als sie bemerkte, dass er kein Polster hatte, schob sie ihn unangenehm quietschend zurück und nahm einen anderen, der ein abgenutztes khaki Sitzpolster besaß.

„Na ja“, begann sie, während sie den Stuhl neben Youkos Bett absetzte, „sie beschwert sich über das Essen, weil das vegetarische nicht gut ist. Und ist von Aliss' Gesang genervt.“

Aliss sang gerne traurige Balladen von Evanessence und Co.

„Und Aliss?“

„Die ist davon genervt, dass Luna ihr verbietet zu singen. Alles normal also.“ Sie grinste abermals.

Youko war allerdings immer noch neugierig. „Warum warst du jetzt eigentlich nicht im Krankenhaus?“

Belle runzelte die Stirn. „Das war schon komisch. Im Gegensatz zu euch war ich nämlich nicht bewusstlos, als die Rettungskräfte kamen. Die haben mich nur kurz gecheckt, dann durfte ich nach Hause.“

Chantal erhob das Wort, denn sie wollte nicht länger unbeachtet bleiben: „Hast du auch unseren Retter in der Not getroffen? Sieht der gut aus? Hat der ne Freundin?“

Retter in der Not?, überlegt Youko. Sie meinte wohl den, der den Rettungsdienst benachrichtigt hat.

Von den ganzen Fragen erst mal überrumpelt, braucht Belle erst mal eine kleine Pause, um sich eine Antwort zusammenzulegen. „Also des waren zwei Kerle. Der eine ist ein Ami und der andere hat voll die langen Haare. Das siehst du aber schon noch, die werden uns nämlich noch vorgestellt, damit wir uns bedanken können. Und ich glaub nicht, dass einer von denen eine Freundin hat. Das habe ich zwar nicht gefragt, obwohl ich die ganze Zeit mit denen rumhänge. Ihr seid ja nicht da.“ Beim letzten Satz setzte Belle ein „Heul-Gesicht“ auf.

Youko wedelte entsetzt mit den Armen. „Warum bist du nicht zu Misa. Oder Lotti, Anna, Jessy, Saika, Annika, Vrony, Schukria, Eva, Marc, Pierre, Alex, Marina, Jana, Marie, Theresa, Marcel, Lars, Sarah, Kristin, Lena-“

Bevor Youko noch alle Bekannten an der Schule aufzählte, unterbrach Belle sie jäh.

„Stopp, stopp, STOPP!“ Sie zeigt mit ihren Händen ein Auszeit-Zeichen. „Misa hängt mit mir da rum. Und außerdem: Die beiden kann man schließlich nicht allein lassen! Irgendwann bringt Fabi Shane noch um! Die sind meistens sowieso voll geil drauf.“ Sie grinste abermals.
 

Autorenkommentar:

Mann, dieses Kapitel war echt ziemlich kurz. Es liegt auch schon ewig bei mir rum, ich war nur zu faul, es abzuschreiben. Ich hatte es nämlich auf meinen Block, wie die Zwischenspiele, die ich mir immer schnell notieren muss. Auch eines der wenigen Kapitel, in denen keine realitätsverwandten Szenen vorkamen.

Zwischenspiel: Herr Kiron legt los

Herr Kiron legt los

Toll. Eine Wirtschafts-Ex. Youko wusste, dass sie wahrscheinlich nicht besser als bei der ersten dabei herauskam. Und die hatte die schöne Nummer 5 geziert.

„Soooo“, sagte Herr Kiron, ihr Lehrer und Leiter der lernmittelfreien Bücherei, wo die Schulbücher gelagert wurden. Logik? Wohl eher nicht vorhanden. Dieser Raum im Oberkeller war alles andere als lernmittelfrei.

„Kernlicht.“ Er legte das Blatt, welches mit viel Rot gekennzeichnet war auf Aliss' Platz.

„Joh! Eine 5!“

Friedrich besah sich Aliss' Werk genauer. „Die Note hab ich auch. Wahrscheinlichkeit 50%.“

„Popp.“ Herr Kiron legte Friedrich die Arbeit hin.

„Eine 1!“

„Nix mit 5, oder was?“, war Svens Kommentar.

„Finnigan.“

Es war eine 3. Gott sei Dank! Aus diesem Grund wurde Aliss gleich mal abgeknuddelt. Diese wedelte mit den Armen und schubste Youko unsanft von sich weg. "Geht's noch?", fragte sie bestürzt.

"Jaaah!", rief Youko glücklich. "Ich hab eine 3 gekriegt, ich hab eine 3 gekriegt!"

"Ist das nicht von Blues Clues?", fragte Friedrich.

"Ja, aber ist das nicht mit einem Brief normalerweise und dann kommen diese komischen Kinder, die was sinnloses labern?", antwortete Sven.

Als der Lehrer bei Sven vorbeilief, protestierte dieser zugleich: „Ey, der Friedrich wollt eigentlich ja eine 5...“

„Eine 4 wollt ich!“

„Fresse! Können Sie ihn nicht abstufen?“

„Nee, aber ich kann ihm nen Verweis geben. So als Ausgleich.“ Damit stapfte der Lehrer davon.

Alle schauten ihm verwundert hinterher.
 

Autorenkommentar:

Wie immer folgt eine kleine Kurzgeschichte. Die Szene fand ich irgendwie lustig und hab sie mal deshalb gleich notiert ^^

Zurück zum alltäglichen Wahnsinn

Da bin ich wieder, so mal nach vier Monaten, ... oder so. Tut mir echt leid, aber 10. Klasse ist echt stressig! Ursprünglich wollte ich das Kapitel pünktlich zu Weihnachten hochladen, aber das wurde dann doch nichts. Also verspätet Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!


 

Zurück zum alltäglichen Wahnsinn

Außer von Belle wurde Youko noch von ihren Eltern und einigen Verwandten besucht. Ihr Vater hatte sich über diesen Zufall mit der Wasserleitung kaputt lachen müssen.

Aber im Moment hatte niemand in ihrem Zimmer Besuch. Also simste Chantal jemandem, Fee schaute aus dem Fenster, um ein paar Vögel im Baum herumhüpfen zu sehen, Erika las zum x-ten Mal Twilight und Youko selber kritzelte in dem Block, den ihre Mutter mitgebracht hatte.

Vollkommen unerwartet machte jemand die Tür so fest auf, dass sie gegen den Stopper knallte und wieder zuknallte. Also wäre sie eigentlich, hätte nicht Krankenschwester Bettys großer persönlicher Rettungsring als zweiter Türstopper gewirkt. Chantal war dermaßen geschockt, dass sie aus Schreck ihr Handy fallen gelassen hatte, welches durch den Aufprall mit dem Boden mal wieder die Klappe zum Akkufach verlor. Von Herbie war nur der Kopf zu sehen, da die Krankenschwester den ganzen Türrahmen ausfüllte.

„Hello, Kiddies!“, rief er über Bettys massigen Körper hinweg.

„Hi, Herbie!“, antworteten die vier Mädchen. Sie hatten den schwulen Krankenpfleger schon fest in ihr Herz geschlossen. Youko hatte schon oft mit Belle darüber diskutiert, dass es äußerst praktisch wäre, einen schwulen besten Freund zu haben. Man könnte mit ihm shoppen gehen, sich über Jungs unterhalten,... waren nur einige Argumente. Luna hatte nur verständnislos mit dem Kopf geschüttelt.

„Und was ist mit mir?“ Betty baute sich streng vor ihnen auf.

„Hallo, Schwester Betty“, sagte Erika schnell.

Besänftigt lachte Betty laut auf. „So gefällt mir das!“

„Wo ist das Mittagsessen?“, erkundigte sich Chantal.

Betty zwinkerte verschwörerisch. „Eure Eltern kommen gleich, um euch abzuholen. Das Mittagsessen fällt heute aus.“

„Also schnell, Schokoschnitten, zieht euch um!“
 

Youko packte den wenigen Kram, den ihre Mutter für sie bei ihrem Besuch mitgebracht hatte, wieder zurück in den verhassten grünen Rucksack. Auffälliger ging es wohl echt nicht! Wer kauft sich bitte einen giftgrünen Rucksack? Da könnte man ja gleich einen riesigen Leuchtpfeil aufstellen! Aber ihre Mutter wollte ihn ja unbedingt behalten, nachdem Youko ihn bei einem Gewinnspiel am Schulfest gewonnen hatte.

Schnell zog Youko eine schwarze Hose und ein türkises Top an, auch wenn dieses sich mit dem Rucksack beißen würde. Aber sie war ja nicht Belle oder Simon, bei denen alles farblich abgestimmt war. Bei Simon sogar die Boxershorts.

Wenig später stand auch schon Erikas Mutter in der Türe, die sich bereiterklärt hatte, neben ihrer eigenen Tochter auch noch Sven, Quilus, Aaron und Youko in ihrem riesigen Auto mitzunehmen.

Nachdem alle eingeladen waren, schoss das Auto mit einem wilden Manöver aus der Parklücke. Aaron, der sich noch nicht angeschnallt hatte, flog gegen den Fahrersitz, wobei er seine Hände wie ein noch nicht flügge gewordener Vogel abspreizte. Quilus in der hintersten Reihe brach in hämisches Gelächter aus. Das hörte sich so ungewöhnlich an, dass auch Erika, Sven und Youko sich auf ihren Sitzen kugelten.

„Anschnallen wär angebracht!“, brachte Erika schließlich unter Lachen hervor, nachdem sie sich vom Beifahrersitz vor Youko umgedreht hatte.

Aaron schüttelte seine Haarsträhne zurecht, tat wie geheißen und witzelte nach vorne gewandt: „Ja, ich bin ein Gangster, ich brauch so was nicht. Ist doch nur für Weicheier!“

Sven und Quilus begannen sogleich einen alten Klassenklassiker zu singen: „Ich bin ein echter Gangster, du bist ein echter Gangster, wir sind alle Ga-hangster!“ Ursprünglich war der Song jedoch von Adde, einem Freund von Luna.

„Ruhe auf den billigen Plätzen!“, kreischte Frau Hübner. Sie hatte den Blick fest auf die Straße geheftet und ihre Hände umfassten das Lenkrad so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Endlich war das Auto gerade auf der Fahrbahn und Frau Hübner trat fest auf das Gaspedal, welches Youko gerade ziemlich Leid tat. Schnell richtete sich ihr Leid aber zu ihr selbst, da sie durch die Geschwindigkeit fest in den Sitz gepresst wurde. Es fühlte sich an, als ob sie in einer Achterbahn nach unten führe.

„Hey, da ist Frieda!“ Aaron deutete ganz entspannt auf das Auto, das links von ihnen fuhr. Und tatsächlich: Ihre Klassenkameradin winkte ganz aufgeregt. Frieda und Youko waren in den letzten drei Tagen doch eigentlich gute Freundinnen geworden, auch wenn Youko fand, dass sie im Moment wirklich dämlich aussah wie so so herumwinkte.

Dann ertönte ein lautes Hupen, ein Quietschen, gleich darauf wurde Youko durch eine Vollbremsung nach vorne geschleudert. Der Sicherheitsgurt drückte ihr die Luft weg. Links neben ihr bekam Aaron einen Hustenanfall und klopfte sich sich gegen die Brust, um diesen zu beheben. Youko fragte sich wie jedes Mal, wie Erika das überhaupt ohne einen Herzinfarkt überlebte. Schwer atmend setzte sie sich wieder auf.

Grund für das ganze Drama war lediglich das Inkrafttreten der „Rechts-vor-links“-Regel, auch bekannt unter dem Namen „Rechts-vor-Arsch“-Regel, wie Youkos Vater sie immer bezeichnete. Der arme Fahrschüler hatte wohl einen gewaltigen Schrecken bekommen, da er ja eigentlich im Recht gewesen wäre. Er kam ja auch von rechts.

Neben ihnen kam der Golf von Friedas Mutter etwas sanfter an der roten Ampel zum Stehen. Besagte Mutter lachte sich total kaputt.

„Ja, wo ist die Fee denn?“, wunderte sich Sven.

Gemeint war Frieda, die mit dem Beifahrersitz verschwunden war.

„Auf die Katapultsitztaste gekommen, oder was?“, kicherte Quilus leise. Mit diesem Kichern machte er jedem Bösewichtalien Konkurrenz, hatte Frank einmal gesagt. Zugegeben es hörte sich wirklich merkwürdig an.

Frau Krolikowski lachte Tränen und hob den Beifahrersitz mitsamt ihrer total erschrockenen Tochter hoch. Nun brach im Auto der Hübners das Gelächter aus. Der Sitz war offenbar nach hinten geklappt, als Fee die Lehne hatte verstellen wollen.

Mit einem gewaltigen Ruck raste Erikas Mutter bei rot-gelb los. Alle krallten sich an den Sitzen fest, Aaron machte undefinierbare Geräusche und Frau Hübner schlug wütend auf die Hupe, weil ein Fußgänger über den Zebrastreifen gelaufen war, was ihm durch viele Verkehrsordnungen bestätigt auch rechtmäßig zustand.

„Mir wird schlecht...“, murmelte Quilus.

„Nicht kotzen!“, rief Sven panisch und fuchtelte wild mit den Armen.

Erika tätschelte ihre Mutter zärtlich am Arm. „Du Mami...“

„Was denn? SAG MAL, KANNSTE NET FAHREN? Scheiß Arschloch!“

Erika lächelte das „Arschloch“ entschuldigend an. „Kannst du bitte etwas weniger aggressiv fahren?“

„ICH FAHR ÜBERHAUPT NICHT AGGRESSIV!“ Nein, überhaupt nicht. Wenn diese Frau nicht aggro beim Autofahren war, dann..., dann..., dann wird Raffi die neunte Klasse bestehen. Also ehrlich.

Die Großunternehmen im Industriegebiet rauschten nur so vorbei, als sie doch etwas langsamer die Europaallee entlangfuhren. Hm, wird wohl Zeit, Quilus ein bisschen von seinem Leid abzulenken.

„Du bist doch ein Mann! Stell dich nicht so an“, meinte Youko.

„Genau. Wenn Männer jammern, ist es meistens gar nicht so schlimm“, bestätigte Erika. Frauen ergänzen sich so gut!

„Hey...!“, protestierte Anny und rollte die Ärmel seines lila Pullovers hoch. Achtung! Trendfarbe! Warum haben Jungs die Farbe der unbefriedigten Frau an, hm? Das passt nicht. Lila Pulli, lila Haare und lila Tattoo, das man jetzt erkennen konnte. Das Zickzackmuster zog sich seinen ganzen rechten Arm entlang und war angeblich so eine Art Familientradition. Auf die Frage, was das für einen Zweck hätte, hatte er Youko nur geheimnisvoll angelächelt und sie stattdessen um ihre Meinung über sein Dönertierchengedicht gefragt.

„Ich fahr zuerst Sven nach Hause, die anderen können bei uns aussteigen. Ist ja nicht weit“, verkündete Frau Hübner, während der VW über die Ortsgrenze Grafenrheinfelds fuhr. Die „Rafelder“ waren allseits bekannt als die Krautsköpfe, während die Röthleiner die Zigeuner waren. Allerdings hatte es die Bergrheinfelder am schlimmsten erwischt: Meebrunser. „Mee“ war fränkisch für „Main“, ein Fluss der sich durch die Ortschaften hindurchschlängelte und eine Grenze zwischen die Bercher und Rafelder zog.

Schon waren sie durch eine Abkürzung zu Svens Haus gelangt, das alte Gebäude besaß sogar einen Pferdestall, weswegen Youko nach dem einen Besuch an Svens Geburtstagsfeier vor zehn Jahren nie wieder dort gewesen war. Sie hasste Pferde. Und ihre Mutter hatte sich ja unbedingt eines kaufen müssen! Dafür hatte sie allerdings öfter sturmfrei. Das war ein positiver Aspekt.

Schnell hüpfte Sven aus dem Auto, schnappte sich seinen Rucksack und bedankte sich schnell für die Mitfahrgelegenheit.

Nach einer kurzen Fahrt durch das Dorf war die Fahrgemeinschaft auch schon bei Erika zu Hause angekommen. Die drei Jugendlichen bedankten sich schnell und hatten auf dem Heimweg nur eines im Kopf: Hoffentlich muss ich da nie wieder mitfahren.
 

Schule. Der gewohnte Alltag. Hatte der Fast-Tod einer gesamten Klasse irgendwelche Auswirkungen auf den gewohnten Tagesablauf? Vermutlich nicht. Jedenfalls nicht bei dieser Schulleiterin. Sie vertuschte wo es nur ging. Zum Beispiel die giftigen Dämpfe im Südpavillon, die mangelnden Hygieneartikel wie Seife und Klopapier und natürlich die Löcher in den Wänden vom Nordpavillon. An dieser Schule ging es schon lange nicht mehr um Gemeinschaft und Zusammenarbeit, sondern nur noch um Prestige. Schulleiterin Molter-Zinn legte viel Wert darauf, womit sie schon der gesamten Schülerschaft und der halben Lehrerschaft auf die Nerven ging.

In Gedanken versunken war Youko zum Hintereingang getrottet.

„Hey, hey!“

Youko blickte verwirrt auf und sah Aaron fröhlich wie immer auf sie zu kommen. Seinen nichttätowierten Arm zierte seine ganze Kollektion Zopfgummis, die er von vielen Mädchen (und Rosa) geklaut hatte.

„Gehste net gleich zu Sport? Ihr macht doch dieses coole Bänderzeug!“, grinste er.

„Rhythmische Sportgymnastik ist scheiße! Ich meine, wer macht denn schon zu solcher Musik so ne Kür? Da war ja Steparobik noch besser.“

Aaron begleitete die meckernde Youko ins Hauptgebäude. Nein, es würde sich so schnell nichts in dieser Klasse ändern, dafür würde er schon sorgen.
 

„Alter, bei der 9a fällt ja alles aus!“

„Vielleicht haben die mal wieder einen Klassenverweis gekriegt, weil sie wieder früher heim sind.“

„Ich hab gehört, die sollen ihr Klassenzimmer verwüstet haben.“

Eine große Menschentraube hatte sich um den digitalen Vertretungsplan versammelt, der laut Katie ein „Hans-Guck-In-Die-Luft-Syndrom“ verursachte. Die Schule sollte sich angeblich mit der Pharmaindustrie zusammengeschlossen, um den Verkauf von Anti-Rückenschmerz-Tabletten zu steigern.

Wer's glaubt wird selig.

Aaron versuchte irgendwas zu erkennen, indem er sich auf die Zehenspitzen stellte, bei Youkos Körpergröße war jeglicher Versuch sowieso aussichtslos.

Erika drängte sich mit Quilus und Sven diskutierend zu ihnen hinüber und schob dabei jeden Fünftklässler, der die Dreistigkeit besaß, sich ihr in den Weg zu stellen, einfach weg. Arme Fünftklässler. Dass die aber auch immer im Weg stehen müssen! Und so klein waren die! Und immer kleiner werden sie auch noch.

„Bei uns fällt alles aus!“, verkündete Erika, „dafür kommt der Herr Reh zu uns.“

„Ja! Kein Sport!“

„Was ist das überhaupt für Musik immer?“

„Das brauchen wir doch für die Kür!“

„Oh, Tanz. Verstehe.“

„Irgendwas dagegen?“

„So was ist schwul!“

„Wir sind Mädchen!“

„Gehen wir jetzt zu unsrer Speschl-Seschn?“

„Jaaaa...“
 

Warum ist diese Klasse immer so verdammt laut?!

Zwischenspiel: Lothars aktuelles Physikstudio

„Wir sind alle homosexuell!“ Dreimal geklopft. „Schwul!“ Dreimal geklopft. „Schwul! Wir sind alle homosexuell!“

Wenn sich jetzt jemand fragt, was hier los ist – das sollte man auch. Eigentlich stand gerade Physik auf dem Stundenplan, doch die 9a hatte gerade etwas ganz anderes vor.

Zumindest ein paar Schüler, die wären:

Flow, Diana, Manni, Fee, Frank, Danielus, Ina, Friedrich, Belle, Sven, Robin, Aaron, Youko, Tom, Timo, Aliss, Eva-Maria, Luna, Simon, Chantal, Brenden, Mathew, Quilus, Benedikt, Kilian, Erika und Linus.

Raphael und Tobias waren krank.

Ups. Doch die ganze Klasse.

Weiter im Text. Gerade sang die zweite Reihe des rechten Blocks (die zwei abgestuften Sitzblöcke wurden durch einen Mittelgang geteilt) das Schwul-Lied.

„Leute!“, seufzte Frau Unterleitner am Rande des Wahnsinns, „Also, Tom. Du kannst mir jetzt bestimmt sagen, weil du so gut aufgepasst hast, wie man hier die potentielle Energie ausrechnet.“

„Äh...“ Anscheinend wohl nicht. Potentielle Energie war doch die Höhenenergie, oder? Also Masse mal Erdbeschleunigung mal Höhe. Das war so eine Formel die Youko einfach nicht mehr aus dem Kopf bekam, was eigentlich recht erstaunlich war, denn Youko hasste Physik einfach. Zugegeben, es war wirklich nicht ihre Stärke, wirklich nicht. Jeder Physiker würde vor ihren verwirrten Gedanken beim Lösen einer noch so einfachen Aufgabe davonrennen.

Frau Unterleitner merkte, dass es bei Tom auch nicht besser aussah und gab ihm noch eine letzte Chance: „Welche Einheit hat Energie denn überhaupt?“

Da tat sich jetzt schon mal was in der Klasse, denn diese Frage konnten wirklich alle beantworten, und da nicht nur bei Schulaufgaben, sondern auch im Unterricht Teamwork ganz oben auf der Liste stand, flüsterten ihm sämtliche Schüler und Schülerinnen gekonnt unauffällig die richtige Antwort zu.

„Joule.“

„Joule.“

„Äh, Newton?“

'Oh mein Gott. Lass es Hirn regnen! Jemand hat Toms geklaut!', dachte Youko verzweifelt.

„Wenn du's schon nicht weißt, hör halt auf deinen Banknachbarn, der hat ausnahmsweise auch mal Recht.“

Timo freute sich über das seltene Kompliment seiner Physiklehrerin und fing an, irgendwelche Armbewegungen zu machen. „Ich bin soooo klug!“, sang er.

„Träum weiter, Junge“, sagte Aliss laut.

„Speak to the hand!“, imitierte Timo Aliss' Lieblingssatz und tätschelte ihr den Kopf.

„Genau, Junge!“, lachte Tom.
 

Babababap!

Zeit für das aktuelle Physikstudio!

Hier ist der Lothar! Heute lernen wir eine Formel, die man braucht, um auszurechnen, was passiert, wenn Klassenclowns eine Goth ärgern.

Die Standard-Formel lautet wie folgt:

(Klassenclowns1 + n) * Unsinn + Goth = Gewalttat

Wenden wir diese Formel jetzt für das gegebene Beispiel an.

(Timo + Tom) * Imitation + Aliss = Stift in der Hand

Sehr gut! Das war's wieder bei Physik mit Lothar!

Dudududuuuuuuuuuuuuuuuu!
 

Aliss packte einen von Timos alten Bleistiften, die nur seltenst für schulische Aufgaben benutzt wurden, dafür aber umso mehr, um sie durchs Klassenzimmer zu schießen, und stach damit in Timos Hand.

Er schrie unter heftigen Schmerzen auf. „Du brutale Kuh!“

„Ganz ruhig, Lissy!“, beschwichtige Frank Aliss. Also er versuchte es zumindest.

Luna versuchte ganz vorsichtig Aliss zu beruhigen, die wütend aufgesprungen war. Was ihr genauso wenig gelang. Die Klasse war solche Aktion ja schon gewohnt, im Gegensatz zu Frau Unterleitner, die das Geschehen mit offenem Mund beobachtete. So etwas war ihr in ihrer gesamt Berufszeit noch nie untergekommen.

„Uh, hey, Leute. Des tut gar net weh“, sagte Timo erstaunt und betrachtete seine Hand, welche nur leicht gerötet war. Anscheinend hatte Aliss doch nicht so fest zugestochen. Aber es war trotzdem leicht überreagiert. Leicht.

„Ist ja alles wieder gut“, meinte Youko, um die Stimmung ein wenig zu lockern.

Frank blieb skeptisch. „Naja“, sagte er langsam, „einem gleich in die Hand zu stechen...“ Er führte den Gedanken nicht zu Ende, aber die Botschaft erreichte alle.

„Aliss, manchmal bist du echt viel zu aggressiv“, stellte Luna fest.

„Gar nix!“, meinte die Angesprochene und ließ sich demonstrativ auf ihren Platz fallen.

Frau Unterleitner fuhr leicht genervt mit dem Unterricht fort. „Das Atom nimmt also Elektronen durch das Licht auf. Dadurch wird es dann zu einem Isotop. Was ein Isotop ist, wisst ihr ja schon aus dem Chemieunterricht.“ Trotzdem warf die Lehrerin einen fragenden Blick in die Runde.

Wie zur Bestätigung brach in der 9a großes Fragezeichen und Getuschel aus. Vor allem, da es ja gerade noch um potentielle Energie gegangen war.

„Gehört hab ich das schon. Glaub ich zumindest“, stellte Youko fest.

„Isotop – Ist das nicht ne Band?“, fragte Timo, der anscheinend seinen Humor nach dem vorigen Schock wiedergefunden hatte.

Was das wohl für eine Band sein sollte, die sich nach irgendeinem komischen Teilchen benannte?

„Ist das nicht, wenn ein Atom mehr oder weniger Elektronen hat?“, murmelte Brenden direkt hinter Belle. Er wirkte nicht besonders arbeitsbereit, wie er halb auf seinem Pult lag, neben ihm die Jacken von Youko und Belle. Für ihn war es streng verboten diese zu berühren.

„Quatsch, Brendi. Das wäre dann ein Ion!“, tadelte Belle und drehte sich zu ihm um.

„So falsch ist das aber gar nicht“, warf Frau Unterleitner ein.

Timo lachte laut los. „Jetzt echt?“, fragte er, nachdem die Lehrerin keine Miene verzogen hatte.

Frank pfiff leise als Anerkennung und klopfte Brenden auf die Schulter, wodurch dessen Kopf von der stützenden Hand rutschte und auf den Tisch knallte.

Auch Youko und Belle sahen sich erstaunt an. Es kam schließlich nicht häufig vor, dass Brenden etwas Sinnvolles zum Unterricht beitrug.

„Schlag ihn! Schlag ihn!“, brüllte Diana plötzlich.

„Kaum arbeiten die hier, geht’s da drüben los!“, seufzte die Lehrerin verzweifelt und wandte sich dem anderen Block zu.

„Der Matze hat meinen Schuh geklaut“, verteidigte sich Diana.

„Mathew, gib ihr den Schuh zurück“, befahl Frau Unterleitner.

„Ich hab den net!“, rief Matze und hob zum Beweis beide Hände, in denen sich tatsächlich keiner von Dianas Ballerinas befand.

„Natürlich hast du!“, protestierte die Bestohlene, schlug den vermeintlich Dieb und stahl anschließend auch noch sein Heft, in das Matze aber gar nichts geschrieben hatte. Diese Stufensäle waren tatsächlich nicht nur beim Abschreiben sehr praktisch.

„Nein.“

„Doch.“

„Nein!“

„Doch.“

„NEIN!“

„Wem gehört der Schuh?“, fragte Manfred und hob das stinkende Ding hoch.

Doch bevor Diana auch nur irgendwas erwidern konnte, zerriss ein Urschrei die nach diesem Satz entstandene Stille.
 

Vielen Dank für dieses Geräusch, sagt Lothar!
 

„Mülle, was war denn das?“

Frank setzte seinen Giftblick auf. „Ich hab gegähnt. Darf man hier nicht mal gähnen, oder was?“, zischte er den armen Tom an, der es gewagt hatte, eine Frage zu stellen.

„Ein Geräusch á la 9 gay!“, zwitscherte Danielus. Er und gay gehörte wirklich zusammen. Welcher Junge trug pinke V-Ausschnitt-T-Shirts und dazu eine Frauenstrickjacke? Manchmal war er Youko wirklich unheimlich.

„Also Leute, passt mal auf!“ Wie oft hatte Frau Unterleitner das jetzt schon gesagt? „Wer hat den Schuh denn jetzt geklaut?“

„Der Gram!“ rief die zweite und dritte Reihe im Chor. Abgesehen davon, dass Tobias gar nicht da war – wirklich nicht schlecht geraten!

„Der Stoff kommt fai auch in der Schulaufgabe dran.“

„Ich brauch keinen Stoff“, meinte Frank.

„Ja NOCH nicht!“

„Moment, Moment“, rief Danielus und deutete auf Frau Unterleitner. „ Sie wollen, dass wir Fünfer schreiben!“, entrüstete er sich und hört dafür sogar für einen Moment auf, seine Fingernägel zu feilen.

„Na, besser als ne Sechs!“

Frank sprang auf. „Genau, Danielus! Die Frau Unterleitner kümmert sich um uns, gell?“
 

Stille.
 

„Also im Baum würde ich auch gerne mal schlafen.“
 

Wow. Das längste Zwischenspiel ever. Naja, mal wieder eine alltäglich Szene aus dem Physikunterricht. Das nächste Kapitel ist auch fast fertig. Da wird's langsam mysteriös!

"Fee"nzauber

„Oh mein Gott! Was ist mit deinen Haaren passiert?“

Solche und ähnliche Fragen füllten das Klassenzimmer der berühmt-berüchtigten 9a, als Frieda alias „Fee“ ebenjenes betrat. Der 16m² große Raum war nach dem Überschwemmungsvorfall nur notdürftig gereinigt worden, weshalb Boden und Tische immer noch nass und schmutzig waren. Das allein wäre noch nicht so schlimm gewesen, doch der Gestank noch Moder und Schimmel waren unerträglich.

Doch die Absturzklasse wusste sich zu helfen:

1.Ema: Lüften

2.Timo: Klopapier organisieren

3.Matze: Lappen besorgen

4.Tom: Putzen

Der Übereifrige hatte sogleich das Kommando an sich gerissen und begonnen die Pulte zu trocknen und putzen. Dabei ging er folgendermaßen vor: zuerst kippte er die Tische, zog das Wasser mit dem Tafelabzieher ab, dann noch mit Klopapier (2-zweilagig) nachpoliert – voilà! So gut wie neu!

„Was für eine Siffe!“, motzte Sven, dessen Pult gerade gereinigt wurde.

„Würde die Diddl-Gang für 20ct auch bei den Reinigungsarbeiten mithelfen?“, fragte Youko gespielt fies und deutete auf den Schimmel, der sich in der Abwesenheitszeit an der Wand gebildet hatte.

„Kannste knicken“, meinte Sven nur und setzte sich auf seinen Stuhl – nur um gleich wieder aufzuspringen. Er hatte sich geradewegs in eine Wasserlache gesetzt.

„Wäh, Veve hat in die Hose gebrunst“, lachte Flow, der gerade mit Belle und Luna im Schlepptau das Klassenzimmer betrat. Sven schoss ihm einen bösen Blick zu. „Der Name ist schon seit der Grundschule out! Und wenn ich Florence heißen würde, da würde ich mich gar nicht so als Hopper aufführen!“

Nach der Nennung von Flows wahrer Identität machte dieser sogleich den Abgang, bevor die Diddl-Gang ihn noch weiter dissen konnte.

Belle rauschte zu Youko. „Bist du auch der Meinung, dass es mehr Gleichberechtigung geben sollte?“, fragte sie enthusiastisch, wobei ihre Augen vor Begeisterung funkelten.

„Äh...“

„Mehr Gegenstände sollten verweiblicht werden, wie -, wie – die Tisch! Oder – oder, die Stuhl!“, räberte Belle einfach weiter.

„Oder die Wändin!“, warf Luna ein. Wofür sie eine lange Stille erntete, die nur von den „Hallo Frikadellenkopf!“-Begrüßungen an Flow durchbrochen wurde.

„Die Wändin – alles klar“, meinte Friedrich, der gerade angekommen war.

„Gneeh! Du Bauer brauchst gar nichts zu sagen, geh lieber zu deiner Kuh, Herr Gefährdungsbrief!“, gab Frank von sich und machte dabei einen sehr ...äh, unintelligenten Gesichtsausdruck.

„Eigentlich bin ich gar nicht gefährdet. Ich hab ein paar wackelige Vierer, wie die Frau Gelbsall gesagt hat!“, verteidigte Friedrich sein Zeugnis.
 

Nach und nach trödelten die Schüler hinein, zur allgemeinen Verwunderung sogar Raphael, der sonst so gut wie immer krank war. Naja, Wunder geschehen doch ab und zu.

Die Schüler und Schülerinnen quatschten fröhlich miteinander und einige spielten Poker. War der beste Weg um Kleingeld loszuwerden, auf dem Tisch hatte sich ein riesiger Berg Kupfergeld angesammelt, der nur zu darauf wartete gewonnen zu werden. Auch wenn solche Glücksspiele in der Schule verboten waren, eigentlich hielt sich keiner daran.

Frau Gelbsall betrat das Klassenzimmer. Eilig wurden sämtliche illegale Gegenstände versteckt und weggepackt: von Handys bis zu Flows Zigarettenpackung.

„Essen weg, alles weg! Gleich kommt die Obrigkeit!“, wie Frau Gelbsall die Klasse auf das baldige Kommen von Herrn Reh hin. Da diese ihre Klassenleiterin von allen Lehrern am meisten respektierte, taten sie ihr diesen Gefallen und spielten die Vorbildsklasse. Die 9a war eigentlich sogar recht überzeugend, abgesehen davon, dass Aliss wie immer zu spät war. Ehrlich es war ein Rätsel für Youko, da Aliss nur 10 Minuten vom Gymnasium entfernt wohnte.

„Eh, warum grinsen die so?“, fragte Youko, als sie bemerkte wie die Jungs vor ihr vor Lachen auf die Tische klopften.

Luna wandte sich von ihrem Hausaufgabenheft ab, das sie mal wieder anmalte, eine alte Angewohnheit von ihr. „Die lesen irgendein Buch“, antwortete sie. Sie verengte die Augen zu Schlitzen, um die schwarze Schrift auf dem gelben Buch erkennen zu können. „Aber ich kann den Titel nicht lesen“, sagte sie schließlich. Luna war seit geraumer Zeit kurzsichtig, weigerte sich aber, ihren Platz in der letzten Reihe zu verlassen oder ihre Brille aufzusetzen. Sie behauptete, sie habe diese verloren. Ein andernmal war die Brille kaputt gewesen. Ein andernmal meinte ihre kleine Schwester Katharina, zu Hause hätte Luna doch auch immer die Brille auf, wieso also nicht in der Schule?

„Tom, Tobias, was lest ihr da?“ Auch die Mathematiklehrerin hatte es mittlerweile gemerkt und war zu den Jungs geschlendert. Erwartungsvoll stützte sie ihre Hände gegen ihre Hüfte und zog fragend eine Augenbraue hoch.

Tom sah unsicher zu beiden Seiten, doch weder Brenden noch Tobias waren zu Hilfe bereit. Nach ein paar Sekunden zeigte er ihr ein kleines gelbes Buch.

Frau Gelbsalls Mimik entgleiste total und war erst einmal sprachlos. Schnell hatte sie sich wieder gefasst und sagte schnell: „Pass bloß auf, dass das kein Unterstüfler sieht. Ich glaube nicht, dass für die ein Buch mit dem Titel „Lieber Bumms, statt Langeweile“ angebracht ist.“

Wenn die wüsste, dachte Youko, das Buch haben die schon in der sechsten Klasse gelesen! (Mit ein paar Konsequenzen wie Mitteilung an die Eltern.)

Die Klassenleiterin ging kopfschüttelnd zurück zum Lehrerpult, packte ihre übergroße Diätbrotzeit aus und stellte die Dose auf den aufgeklebten Sitzplan, welcher längst nicht mehr aktuell war. Zufrieden packte sie ein Kresse-Frischkäsebrötchen aus und begann daran zu knabbern.

Just in diesem Moment betrat der bereits angekündigte Stellvertretende Schulleiter das Klassenzimmer. Er blickte sich um, rümpfte die Nase und wies einige herumstehende Schüler an zu lüften.

„Aye-aye, Herr Reh!“, meinte Timo und salutierte.

„Du behinderter Arsch! Es wird scho gelüftet!“, brüllte Flow den Armen an. „'Tschuldigung“, fügte er an Herrn Reh gewandt zu, als er dessen geschockten Gesichtsausdruck sah. Jaja, auch die Gangster wollen keinen Stress mit dem Direktorat.

Leicht pikiert ging der alte Lehrer zu Frau Gelbsall nach vorne, die sich inzwischen über einen Obstsalat hermachte.

„Ich wollte jetzt mal was sagen -“, begann Herr Reh.

„Ihr seid echt scheiße!“, vervollständigte Danielus den Satz.

„Boah, Junge, du stresst!“ War ja klar, dass dieser Satz von Aliss kam. (Sie war direkt nach Herrn Reh eingetroffen.)

„Aber Mäuschen!“

Herr Reh sah verwirrt zwischen den beiden hin und her, bevor er fortfuhr: „Also, das mit – was ist denn?!“

Ina, die sich gemeldet hatte, fragte: „Darf ich mal aufs Klo?“ Das sind Fragen die den Unterricht beleben.

„Ja, aber nehme dir jemanden mit.“

Ina sprang auf und schleifte Frieda hinter sich durch die immer noch offene Tür.

Herr Reh begann mit seiner tiefen Stimme Entschuldigungen seitens der Schulleitung zu verkünden. Herr Reh trug diese genauso trocken und langatmig vor wie es Frau Molter-Zinn, die unbeliebte, immer-grinsende Schulleiterin, getan hätte. Youko ahnte schon, dass der heutige Tag sehr lange dauern würde.

Lost - Ina

Ding-dang-dong!

Das war die Schulglocke. Sie leitete gerade den Beginn der Pause ein, der sowohl Schülern als auch Lehrern immer wieder ein erleichtertes Seufzen entlocken konnte.

„Pinkelpause!“, rief Frau Gelbsall ihren Schützlingen zu. Einige stürmten schon merkwürdige Geräusche machend aus dem Klassenraum, hielten jedoch abrupt inne, als Rosa fragte: „Wo sind eigentlich die Ina und die Fee?“

Er machte eine Geste zu den freien Plätzen der beiden Mädchen. Bei seinem Spitznamen könnte man ihn wohl auch für ein Mädchen halten, wäre er nicht flach wie Brett und hätte er nicht ein recht markantes Gesicht. Seinen Spitznamen hatte Frank aus den den ersten Buchstaben seines Vor- und Nachnamens gebildet: Robin Sadrinna.

„Ja. Wo sind die? Ich wollt' die ganze Zeit schon fragen, aber ich hab mich nicht getraut“, schaltete sich jetzt Linus ein und streichelt Inas leeren Platz neben sich.

Herr Reh sah ihn mit einem Blick an, den Youko nicht deuten konnte. Sie glaubte, einen Anflug von Unsicherheit, vielleicht sogar schon Verzweiflung zu sehen. Aber im nächsten Moment war sie sich bereits sicher, sich dies nur eingebildet zu haben. Er trug einen Blick in seinem Gesicht, der wohl so viel wie „Schon wieder solche Schwänzer, das gibt Stress!“ heißen sollte. Oder so ähnlich.

„JETZT IST SIE WEG! NICHT MEHR DA!“, schluchzte Linus laut, sehr laut und brachte es sogar fertig, ein paar falsche Krokodilstränen zu vergießen. Youko musste schon zugeben, dass es recht rührend aussah, wie er halb auf Inas Stuhl lag, würde er es bloß nicht jedes Mal machen, wenn mal jemand krank war.

„Du da!“, rief Herr Reh und Youko erschrak davon, als er wütend auf Linus deutete, „Und du!“, jetzt galt sein Zeigefinger Rosa, „Ihr sucht diese Mädchen! Und wenn ihr sie findet, sagt ihnen, dass Nachsitzen bedeutet, wegen Schwänzen!“

Linus sprang sofort auf, hörte auf zu weinen und schnappte sich den vollkommen perplexen Rosa, der sonst von allen Lehrern ignoriert wurde. „Yes, Sir!“, rief Linus und marschierte mit Rosa davon und das wörtlich.

„Und eins, und zwei, und drei, und vier! Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock! Und vorwärts, rückwärts, seitwärts, in die Hocke, hoch das Bein!“, konnte man den zukünftigen Weingutsbesitzer, Linus, singen hören. Youkos Mitleid galt dem armen Rosa, sehr armen Rosa.

„Dürfen wir jetzt in die Pause?“, fragte Timo, der schon ungeduldig mit einem orangen Tischtennisball herumspielte. Es stand wohl wieder ein brandheißes Match an. Schließlich war Herr Berger seit dem Vorfall letzter Woche mit dem Licht und der mysteriösen Tür zum Homepageraum verschwunden und konnte im Sinne der Aufsicht die Jungs nicht an ihrem Spiel hindern. Youko hatte bei einem Telefonat mit Belle darüber diskutiert, was wohl mit dem alten Mann passiert war. Letzten Endes waren nur unrealistische Verschwörungstheorien dabei herausgekommen.

Egal, das war jetzt egal. Denn jetzt war endlich Pause!

Plötzlich hüpfte Belle in Youkos Blickfeld. „Jetzt stelle ich euch Shane und Fabi vor!“, verkündete sie und sprang fröhlich aus dem stinkenden Klassenraum.

„Also auf geht’s. Du bist so langsam“, meinte Luna nur und folgte Belle.

„Tschaui“, sagte Aliss und machte sich auf den Weg in die Aula, um ihre alten Klassenkameraden zu besuchen, die sie auf Grund ihrer 'Ehrenrunde' nicht mehr im Unterricht sehen konnte.

Youko kletterte über ihr Pult und rannte förmlich aus dem Zimmer, um ja nicht so langsam zu sein.

„Du bis echt mal voll langsam“, sagte Belle, als Youko zwei Sekunden nach Luna herauskam.

Youko brummelte etwas Unverständliches.
 

„Hallo liebe Schülerinnen, liebe Schüler! Radio Humboldt ist back! Und schon spielen wir für euch den nächsten Hit!“, dröhnte die Stimme des SchulDJs, DJ Michl alias Herr Leer, aus dem Lautsprecher neben dem digitalen Vertretungsplan.

„Fragt sich nur für wie lange“, meinte Youko, denn das Schulradio war in ihrer gesamten Schullaufbahn hier (fünf Jahre) schon sieben Mal wiederauferstanden.

„Sag das nicht, sonst kriegt die Creepy das mit und die hört alles!“, sagte ein Junge mit wuscheligem, schwarzen Haaren.

„Creepy?“

„Eine Schülerin, die sowohl beim Schulradio als auch bei der Homepagegruppe die Chefin ist. Die war ganz schön sauer, als der Fabi gesagt hat, dass die Hompage scheiße ist“, erklärte er.

Sein Kumpel neben ihm warf ihm einen sauren Blick zu. „Ich. Heiße. Nicht. Fabi!“, fuhr er seinen Freund an. Der zweite Junge war blass und sehr schlaksig. Es sah fast schon etwas ungesund aus und seine seine türkise Haarfarbe trug nicht gerade positiv dazu bei.

Belle hüpfte zwischen die Jungen und Mädchen und stellte die Jungen als Shane und Fabi vor, was ihr einen Mörderblick von Fabi einfing, der darauf bestand, dass man ihn mit seinem ganzen Vornamen anspricht.

Shane schien besonders gesprächig zu sein und redete wie ein Wasserfall über alle möglichen Dinge: seine Katze, seinen Mathematiklehrer, den er als schwul erachtete, dass er sein Pausenbrot vergessen hatte und kein Geld dabei hatte um sich etwas beim Hausmeister zu kaufen... er hätte bestimmt noch weiter geredet, hätte das Schulradio nicht gerade einen Song gespielt, der ihn total aus der Bahn warf.

„Ich muss durch den Monsun!“, dröhnte es aus den Lautsprechern.

Sämtliche Schüler blickten entsetzt hin. Nur einigen Fünftklässlern machte das nichts aus. Man konnte es ihnen nicht verdenken, der Song war schließlich nicht ihre Generation.

„Das ist schlimm“, meinte Youko, musste aber sofort an ihre Freundin Katharina denken, die ein begeisterter Fan von Bill war.

Vom Gesicht der anderen konnte sie ablesen, dass diese wohl ähnlich dachten. Manchmal sagen Blicke eben mehr als tausend Worte... oder so ähnlich.

„Ja, das mag sein“, sagte Fabian, „aber, Isabelle.“ Er sah Belle an.

„Was denn?“

„Deine Freundin da steht nicht im Jahresbericht.“ Fabian machte eine abschätzige Bewegung zu Youko hin. Eine unangenehme Stille breitete sich aus.

„Äh, weißt du, das ist so...“, begann Youko.

„Ja?“

„Lass mich doch mal ausreden! 'Youko' ist nur ein Spitzname, oder eher gesagt ein Künstlername. Eigentlich heiße ich ja Amy. Aber das ist irgendwie komisch“, erklärte Youko schüchtern.

Fabian schaute etwas dämlich drein. „Warum nennen dich alle bei deinem Künstlernamen?“

„Weil ich damit angefangen habe!“ Misa schmiss sich Youko um den Hals, wobei diese nicht nur halb erwürgt wurde, sondern auch fast umgefallen wäre. „Meine kleine Youko-chaaan! Gomen ne! Ich bin spät, nya!“

Die Frau war wirklich viel zu auffällig. Mit ihrem Otaku-Slang konnte sowieso kein Mensch was anfangen, selbst Youko, die stolzer Otaku war, verstand nur die Hälfte, was Misa immer von sich gab. Heute trug Misa eine pinke Cappy mit dem Schirm nach hinten, Weste, schwarzes T-Shirt, Hotpants und simple Turnschuhe.

„Heutiges Cosplay: Satoshi von Pokémon!“, verkündete sie stolz und machte eine Pose.

„Bitte wer?“, fragte Shane verdattert.

Youko seufzte. „Im Dub heißt er Ash.“

„Ach so. Der hatte aber keine Hotpants an.“ Aber es war ihm deutlich anzusehen, dass er nichts gegen das kurze Teil hatte.

„Die Cappy war ja auch nicht pink“, kicherte Belle.

Misa begann schnell und unverständlich über eine Stegreifaufgabe aus Mathematik zu erzählen und was sie alles nicht hatte lösen können. Über den Daumen gepeilt... ziemlich viel.

„....hinter dieser Tür! Werde sie besiegen und dann führ'n sie mich zu dir!“

Youko betete, dass das Lied bald zu Ende war, denn sie war nicht unbedingt begeistert davon, dass der Lehrer Herr Leer, der SchulDJ, immer komische Sachen auflegte.

Neben ihr richtete Shane seine Surferhaare. Dabei zuckte er sehr merkwürdig mit dem Kopf, damit sie auch ja richtig fielen. Simon schlug dann immer mit der vollen Handfläche gegen seine Haare, um sie zu glätten.

„Wenn du immer so mit dem Kopf zuckst, kriegst du mal Nackenprobleme“, sagte Youko aus Versehen laut.

Shane guckte ungefähr so intelligent wie Tobias, wenn er einen Radiergummi Mr Preston tauft. Man sollte allgemein nicht fragen, warum er dies tat. Diese Tradition hatte er sich vor vier Jahren angeeignet, als ein Gastgeber aus dem Englischbuch Mr Preston geheißen hatte. Man konnte also mit Fug und Recht behaupten, dass Tobias vier Jahre zurückgeblieben war. „Höh?“ Mit diesem Geräusch unterstrich Shane diesen Vergleich.

Luna fing an zu lachen. „Schau“, quietschte sie, „wenn man so – ah, scheiße! Das hat voll geknackt!“ Bei der praktischen Demonstration hatte Luna gleich bewiesen, wie schädlich das Haarerichten sein konnte.

Fabian prustete los.

Shane richtete nun seinen verwirrten Blick seinem Freund zu. „Der lacht“, stellte er trocken fest, als ob er noch nie jemanden lachen gesehen hätte.

Das fand Fabian nun gar nicht lustig und verpasste seinem besten Freund eine Kopfnuss. Stichwort: Gewalt an der Schule.

Luna rieb sich immer noch ihren schmerzenden Nacken, im Hinterkopf dachte sie daran, dass sie heute noch zum Fußballtraining musste. „Du Arsch, darüber lacht man nicht!“ Aber bei ihrer niedlichen Stimme, klang diese Drohung nur halb so böse.

Doch für Fabian war selbst das genug und jagte das arme Mädchen durch das Pausengetümmel in der Aula. Da waren's nur noch vier!

Die anderen blickten den beiden nur verwundert hinterher, sich wundernd, dass Luna trotz Nackenschmerzen unter dem ein oder anderen Arm hindurchschlüpfen konnte.

Misa klammerte sich an Youkos Arm, was leicht merkwürdig aussah, da Misa ein ganzes Stück größer als ihre Freundin war. Das war so fast jeder in dem Alter.

Fabian folgte Luna wie ein geifernder, jagdwilder Hund einem unschuldigen Hasen. Fast schnell genug um sie zu fassen, doch zu langsam. Sie, ängstlich auf der Flucht, schlägt wilde Hacken im zick-zack durch die Grüppchen aus Jugendlichen. Er ruft: „Oh, bleib doch stehen, Tochter des Päneus!“ Stop – das war Apoll und Daphne. Falscher Text.

Luna versteckte sich schnell hinter der belustigten Belle, doch so schnell gab Fabian nicht auf. Sein Glück, denn jetzt hatte er die Brünette endlich zu fassen gekriegt. Die harte Bestrafung wegen der Beleidigung, etwas, das in der 9a sehr normal war, aber wohl in anderen Klassen ungewöhnlich war, erfolgte durch Kitzeln.

„Achtung, Achtung! Eine wichtige Durchsage! Ein Schulsanitäter möchte bitte in den Unterkeller kommen! Ende der Durchsage!“, ertönte die gelangweilte Stimme einer Sekretärin aus dem Lautsprecher, der nun kurz auf Sendepause war.

Normalerweise mussten Schulsanitäter immer in das Arztzimmer, vielleicht mal in die Sporthalle. Aber, was wenn -

„Ina und Fee!“, rief Youko besorgt, „Glaubt ihr, da ist was passiert?“

Anstatt einer Antwort packte Luna Youko und Belle an den Handgelenken und zerrte die beiden hinter sich in Richtung Treppenhaus zum Unterkeller. Etwas, was sie für gewöhnlich nie gemacht hätte.

„Tschau!“, rief Belle über ihre Schulter hinweg. Sie schien nicht sehr besorgt zu sein. Es lag einfach nicht in ihrem Gemüt, so zu reagieren.

Schnell trippelten sie die dunkle Treppe hinab, Youko hatte Probleme, bei diesem Tempo nicht über ihre eigenen Füße zu stolpern.

Endlich unten angekommen, sahen die Mädchen am Ende des Flurs eine große Menschentraube. Offenbar musste wirklich etwas passiert sein.

Luna rannte förmlich los, wissbegierig, was wohl geschehen sein mag. Youko und Belle musste sich sehr beeilen, um Schritt halten zu können.

Sven drehte sich um und schaute sie ernst an. „Ina ist verschwunden.“

Die Gnom Sisters

Hallo, und entschuldigt bitte. Es hat mal wieder viel zulange gedauert, bis ein neues Kapitel gekommen ist. Der Grund war, ich musste noch Last Minute viele Sachen für Schülerzeitung erledigen, außerdem kam die letzte Welle Schulaufgaben. Da das nun rum ist, möchte ich diese FF gerne bald abschließen - was aber vermutlich noch lange dauert.
 

„Ina ist verschwunden.“

Youko brauchte einige Sekunden bis sie begriff, was Sven ihr da gerade mitgeteilt hatte. Verschwunden?

„W-was meinst du mit verschwunden?“, stotterte sie.

Sven sah sie ernst an, etwas was man nur selten bei ihm beobachten konnte. „Der Linus und der Rosi haben Fee nach einigem Suchen bewusstlos und mit ein paar Prellungen hier vor dem Homepageraum gefunden“, antwortete er.

Luna unterbrach ihn den Tränen nahe: „Aber sie war doch vorher gar nicht hier! Das weiß ich genau, aber wer...?“ Sie brach in ein hysterisches Schluchzen aus. Belle legte vorsichtig einen Arm um ihre Freundin, um sie wenigstens ein bisschen zu beruhigen. Viel half es allerdings nicht.

Sven war von Lunas Gefühlsausbruch schwer irritiert, fuhr aber weiter: „Das haben sie sich auch gedacht, aber von Ina fehlt jede Spur.“

Youko dachte einen Augenblick nach. „Du meinst aber jetzt nicht wirklich, dass angenommen wird, Ina habe Fee bewusstlos geschlagen und dann geflohen?“, fragte sie wütend.

„Der Dollar denkt das, nicht ich“, verteidigte er sich.

Sie wusste ja, dass dieser Mann eine schwierige und außergewöhnliche Persönlichkeit war, aber es einem Mädchen zu unterstellen ihre Freundin misshandelt und geschlagen zu haben, war wirklich der Gipfel! Klar, Ina musste man durchaus als Zicke einstufen, die öfters mal mit ihrer besten Freundin stritt, Gewalt war aber durchaus etwas anderes. Youko war es schier unbegreiflich, dass jemand so etwas denken konnte.

„Der Herr Dollar? Der war schon immer nicht ganz klar im Kopf, ich sag nur: 'Schreibt zu dem Bild: Jesus als Fisch!'“

Das Grüppchen drehte sich zu einem brünetten Mädchen um, das sich mit zwei Freundinnen aus der Menschentraube um den Homepageraum gelöst hatte und zu den Mädchen und Sven hinübergegangen war.

Sven zog seine Augenbraue hoch. „Kenne ich dich?“, fragte er misstrauisch.

„Klar kennst du mich! Wir waren zwei Jahre lang in einer Klasse!“, erboste sie sich und stampfte mit einem Fuß auf. Ihre beiden Freundinnen begannen zu giggeln.

„Ach echt?“

„Sechste und siebte Klasse!“

„Hm, klingelt nicht.“

„Annika!“

„Du bist Tobias' Schwester!“

„Nein, Annika Weske!“

Die Situation war einfach nur zu komisch, aber Youko fühlte sich nicht gerade zu lachen. Nachdem Svens Gedächtnis wieder auf Vordermann gebracht worden war, fragte er unsicher: „Aber ihr beiden war nicht in meiner Klasse, oder?“ Er deutete auf zwei kleine Mädchen, die eine hatte eine sehr wilde Haarpracht, die andere trug ihr rosa Haar in einem frechen Bob.

Die Kleinere von beiden winkte ab. „Nene, keine Sorge. Vrony und ich waren noch nie bei dir“, sagte sie in einem türkischen Akzent, „ich kenne dich auch nicht. Ich bin Schukria, du?“

„Sven“, sagte er nur.

„Wo ist denn jetzt eigentlich die Fee?“, fragte Belle plötzlich. Luna hatte sich wieder beruhigt.

Vrony schaltete sich nun ein: „Die Schulsanitäter haben sie ins Arztzimmer gebracht, habt ihr's nicht gehört?“

„Ja, hm, des hätte ich mir aber auch denken können“, sah Belle ein.

Herr Hirsch kam schnellen Schrittes die Treppe hinuntergewetzt und bedeutete den Schülern und Schülerinnen der 9a sich schnellstens in ihr Klassenzimmer zu bewegen. Youko blieb allerdings noch ein bisschen bei ihren Annika, Vrony und Schukria auf dem Korridor. Die vier waren nämlich sehr gute Freunde und hatten sogar einige Band gegründet zu deren Mitglieder auch Misa und Annikas Nachbarin Lea gehörten. Die Gnom Sisters.

„Was war denn da bei euch eigentlich? Man kriegt da nichts zu hören!“, quengelte Annika. Eine nervige Angewohnheit von ihr: sie wollte immer alles wissen, was halbwegs interessant war. Dazu gehörten vor allem kleine Liebschaften etc.

Vrony schaltete sich nun auch ein: „Ja, Mann-“

Annika lachte los. „Vrony kleine Gangsterin! Ja, Mann, Alter! Der neue Satzbau: Subjekt, Prädikat, Beleidigung, Alter!“ Sie musste weiterlachen, wobei sie sich einen verwirrten Blick von Manfred einfing, der gerade das Klassenzimmer betrat.

Vrony räusperte sich.

Nun musste Schukria lachen.

Vrony fuhr einfach mit ihrem östlichen Akzent fort, denn sie kam aus der Ukraine. „Wir haben ewig nichts von dir oder überhaupt irgendwem gehört! Die Schulleitung erzählt gar nichts, so geht das ja wohl nicht.“

„Alter.“

„Annika!“, rief Youko, „Das ist ein ernstes Thema! Das war voll, hm, ja, es war einfach merkwürdig. Also wir hatten einfach ganz normal Geschichte, dann bemerkt der Danielus, dass von oben Wasser tropft. Der Herr Thomas beschließt eben, dass die Klassensprecher nach der Stunde zum Hausmeister gehen sollen. Aber das war so viel Wasser, dass diese Deckenfließe runterkracht und das ganze Wasser gießt sich über uns drüber. Wir versuchen dann panisch zu flüchten, aber weder Tür noch Fenster gehen auf und das Zimmer ist vollgelaufen und wir wären fast alle ertrunken.“

Die drei Mädchen schauten Youko mit undeutbaren Gesichtern an, dann lachte Annika erneut los.

„Das ist ein Witz, oder?“

Youko seufzte nur.

„Zugegeben: das hört sich schon merkwürdig an“, meinte Schukria.

Annika wedelte mit ihrem Zeigefinger vor den Nasen der anderen Mädchen herum und hyperventilierte schon fast. „Bestimmt war das eine Verschwörung von der Molter-Zinn, die wollte euch ausschalten, um den Ruf der Schule zu bewahren. Die 9a ist ja angeblich die schlimmste Klasse der Schule. (Wobei ich finde, dass unsre das toppt. Paul zieht ja im Unterricht seine Hose runter.) Und deswegen hat sie euch ertränken wollen und vertuscht das jetzt!“

Stille.

„Du bist komisch.“

Da löste Herr Reh sich aus der Menschentraube und wies die Schüler an, doch jetzt wieder in ihre Zimmer zu gehen, da der Unterricht bald beginnen würde.

Annika, Vrony und Schukria machten sich auf den Weg zur Galerie, da für das Klassenzimmer der 9h im Unterkeller kein Platz mehr gewesen war, sehr zum Leidwesen dieser Klasse. Ständig rannten irgendwelche Unterstüfler zu ihnen und spielten Streiche. Sogar der Klassenstreber (auch Michi, der Muskelmann, genannt) hatte einmal die Geduld verloren und einem Jungen seine Wasserflasche übergebraten. Zur Belohnung gab es einen Verweis.

Ähnliches hatte er schon einmal mit Timo gemacht. Das war damals im Skikurs gewesen, als Timo beim Poker geschummelt hatte. Ah, da läuft er ja vorbei.
 

Selbst nach einigem Nachfragen, hatte der Stellvertretende Schulleiter die Frage, was mit Ina und Frieda eigentlich genau passiert war, nicht beantworten wollen. War ja mal wieder typisch für unsere Schule, dachte Youko.

Sie saß gerade in ihrem Bus nach Hause, Vrony war schon längst ausgestiegen und ihre eigene Haltestelle stand kurz bevor. Zum Glück ging es Frieda mittlerweile einigermaßen gut, auch wenn sie sich an nichts von dem Vorfall erinnern konnte. Nicht einmal Timo hatte es gewagt, sie wegen ihrer angeblichen Vergesslichkeit und Dummheit aufzuziehen. Na gut, die Dummheit war nicht angeblich.

Der Bus kam langsam zum stehen, was einige jüngere Schüler ins Stolpern brachte, da sie das Busfahren noch nicht gewohnt waren. Lächelnd erinnerte sich Youko an ihre frühe Schulzeit am Gymnasium, damals waren sie und Ema noch beste Freundinnen gewesen. Wie die Zeit verging und damit auch Freundschaften. Wenn die beiden sich jetzt noch im Religionsunterricht unterhielten, wo sie nebeneinander saßen, hatte Youko manchmal das Gefühl, mit einer Fremden zu reden. Ein bekanntes Gesicht, ja, aber vom Wesen sehr verändert.

Sie hüpfte hinaus, hinter ihr ein wenig männlicher Aaron.

Da die beiden einen kurzen gemeinsamen Weg zur Haltestelle hatten, tratschten sie noch ein wenig über dieses und jenes, zum Beispiel Aarons Band. An der Kreuzung trennten sich ihre Wege, Aaron winkte ihr noch einmal mit seinem tätowierten Arm zu und lief dann weiter die Dr.-Blank-Straße zu seinem Haus entlang.

Zuhause angekommen, wurde Youko erst einmal von ihren Hunden Basko und Leo begrüßt, sonst war auch keiner da.

Der ältere von beiden, Basko, zog es vor im Garten zu bleiben. Eher gesagt, wurde er total unruhig, wenn man ihn zu lange im Haus ließ. Allgemein war er ein ziemlich merkwürdiger Hund, aber dafür schön. Ein Hobbyzüchter hatte ihn aus einem Kanadischen und einem Deutschen Schäferhund gezüchtet. So hatte er ein raues Fell, das größtenteils weiß war und nur am Maul und Rücken schwarz war. Leicht bräunlich waren Ohren und Kopf.

Den kleineren und jüngeren Hund, Leo, konnte man nicht im Garten lassen, da er gerne einmal davonlief – trotz zwei Meter hohem Zaun. Der Bordercollie-Schäferhund-Mischling sprang nämlich auf den Kompost und dann über den Zaun. Clever, sehr clever.

Youko nahm Leo mit in die Wohnung im ersten Stock (das Erdgeschoss war unbewohnt) und begann erst einmal damit, sich ein Mittagessen zuzubereiten, ein einfaches Müsli mit pürierten Bananen. Die Mischung sah nicht unbedingt appetitlich aus, schmeckt aber umso leckerer.

Den restlich Tag verbrachte sie mit allem möglichen, Musik hören, zeichen und was sie unbedingt schon hätte tun müssen – ihre Geschichte weiterschreiben, die ihrer Klasse.



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Kommentare zu dieser Fanfic (3)

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Von:  elina
2009-05-30T15:23:02+00:00 30.05.2009 17:23
halli-hallo ^^

erstens, danke dass du mir eine ens geschickt hast ^^ *wegen der arbeit kaum noch online komm*

das kapitel war an manchen stellen etwas verwirrend, aber ich schieb das mal auf die tatsache, dass ich mich mit deutschen schulen nicht auskenne *gg*
eine gewisse stelle fand ich richtig zum lachen (vllt. weil es in meiner schuclzeit auch schon so war...), nämlich
>Was in diesem Raum eigentlich geschah, war ein Rätsel, denn die Schulhomepage war seit zwei Jahren nicht mehr erneuert worden.<
*lach*

Ich freue mich schon auf das nächste kapitel ^^ wo ist wohl der herr berger verschwunden.. *wilde fantasien beiseite schieb* ^^°

Gruß,
Ely

p.s. ich war nur faul große buchstaben zu benutzen :-P
Von:  elina
2009-04-07T05:46:56+00:00 07.04.2009 07:46
*lach*
der arme Lehrer!

hab grade eben gesehen, dass deine Geschichte weiter geht ^^"
echt supi, hat mir gut gefallen, kurz und lustig ^^
das mit "Dr.House spielen" hat mir am besten gefallen *grins* (heute kommt ja die neue Folge *freu*)

Najut, ich schau mal das nächste Mal auch vorbei, die Story scheint interessant zu werden ^^
bye! ^^//

Ely
Von:  elina
2009-03-03T07:56:33+00:00 03.03.2009 08:56
Da ich schon in der Nähe war *zwinker* hab ich gleich in deine FF reingeschaut ^^
Also, ich bin ehrlich gesagt gespannt, was du so alles daraus machst, weil die Idee finde ich super! Das kann tatsächlich was lustiges und schönes werden!
Mir hats schonmal gut gefallen, wie du deine Story eingeleitet hast! Macht wirklich neugierig ^^

Viel Erfolg dabei!
Ely


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