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How To Be A...

Pokémon (Rayquaza) [3. Platz im WB^^]
von

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Ziellos

Das Leben war friedlich. Zumindest hier oben über den Wolken.

Hier brauchtest du keinen Ärger zu fürchten. Hier gab es nichts, was dir gefährlich werden könnte…außer mir, wenn du die Regeln verletzen solltest.
 

Schon seit sehr vielen Jahren, viel zu langen Jahren, beschützte ich die Welt, die mir anvertraut wurde. Ich bin der Hüter. Der Beschützer. Der Auserwählte.

Ich sah, wie sich die Erde entwickelte. Wie sich alle Lebewesen entwickelten. Sowohl Pokémon als auch Menschen.

Menschen.

Sie waren ja so verschieden! Der größte Teil war noch zu ertragen. Schließlich kümmerten sie sich um die Pokémon, gaben ihnen ein Zuhause.

Doch andere wiederum – die ich zutiefst hasste und verabscheute – behandelten sie wie den letzten Dreck und hatten nur ihre eigenen, perfiden Gedanken.

Unterdrückung. Gefangenschaft. Krieg. Weltherrschaft.

In all den Jahrhunderten hatte sich nichts geändert. Es gab immer wieder einige, die mithilfe der Pokémon versuchten, an grenzenlose Macht zu kommen. Und immer wieder scheiterten. Nicht zuletzt auch durch uns.

Wir – die legendären Pokémon.

Kaum jemand kannte die wahren Gründe unserer Existenz, nur verschleierte Legenden berichteten von uns.

Dass wir die Welt im Gleichgewicht hielten und darauf aufpassten, dass die Pokémon-Welt und die Menschenwelt friedlich nebeneinander lebten, dass wir es waren, die überhaupt für dieses Leben verantwortlich waren, daran dachte niemand.

Darum kümmerten wir uns allerdings auch nicht. Wir bevorzugten ein Leben im Hintergrund. So konnten wir unseren Aufgaben gerecht werden.

Schließlich hatte jeder von uns seine ganz speziellen Pflichten.

Ich war der Anführer. Ich Bestimmte und Lenkte. Da ich allerdings nirgendwo gleichzeitig sein konnte, waren in jedem Land zwei Wächter, die sich dort um alles kümmerten. Aber auch sie hatten Hilfe von drei Botschaftern, die im jeweiligen Land umherstreiften und die Pokémon und Menschen im Auge behielten. Falls es irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte, die die Menschen nicht von sich aus lösen könnten, erfuhren es die Wächter als erstes und überbrachten dann mir die Botschaft. Anschließend entschied ich darüber, was geschehen würde. Man konnte auch sagen, ich war eine Art Richter.

So und nicht anders regelten wir die Angelegenheiten. Und so wie es aussah, würde das noch die ganzen nächsten Jahrhunderte so weitergehen.
 

Der Ozean unter mir war tiefblau und spiegelte die Wolken wieder, die um mich herum waren. Auch mein Körper blitzte ab und zu hindurch.

Ohne ein Ziel glitt ich durch die Wolken hindurch und genoss die Ruhe und Einsamkeit. Als mein Blick wieder auf das weite Meer fiel, verspürte ich ein trockenes Gefühl in meiner Rachengegend. Sofort setzte ich zum Sinkflug an und sauste nun knapp über der Oberfläche entlang. Das Wasser rauschte in einer wahnsinnigen Schnelligkeit unter mir vorbei. Über den Wolken verlor ich immer das Gefühl für meine Geschwindigkeit. Ich musste hunderte von Stundenkilometern schnell sein.

Langsam wurde das trockene Gefühl richtig lästig.

Ich sog einmal kräftig die frische Luft ein und verschloss meine Nüstern. Im nächsten Augenblick war ich auch schon durch die Wasseroberfläche gestoßen und befand mich im Ozean.

Als nächstes nahm ich erst mal ein paar kräftige Züge vom Meerwasser. Das Salz würde ich früher oder später durch meine Drüsen hinaus filtern.

Nachdem ich meinen Durst gestillt hatte, blickte ich mich um und beschloss meinen ziellosen Weg unter Wasser fortzusetzen. Schließlich konnte ich mehrere Stunden ohne Luft verbringen.

Ich liebte das Meer genauso wie den Himmel. Hier war noch alles in seinem ursprünglichen Zustand. Hierher waren die Menschen noch nicht vorgedrungen und hatten sich angesiedelt. Hier war noch alles in Ordnung.

Während meines Weges machten mir sämtliche Pokémon ehrfürchtig den Weg frei. Einige verbeugten sich sogar.

„Sowas albernes“, dachte ich mir, nickte aber kurz zurück.

„Was führt dich denn hierher?“, hörte ich eine Stimme etwas weiter unter mir. Eine dunkle Gestalt kam immer näher, bis sie neben mir durchs Wasser glitt.

„Nichts, Lugia. Bin ziellos unterwegs“, antwortete ich schlicht. Ich war nie jemand von vielen Worten gewesen. Im Gegensatz zu ihm.

„Ach so. Na denn. Hatte schon gedacht, es gäbe irgendwelche Schwierigkeiten. Aber wenn das so ist…“ Ich rollte die Augen.

„Gibt es in anderen Gebieten Probleme?“, fragte Lugia.

„Nein“

„Aber wenn welche auftreten, sagst du Bescheid, ja?“

„Ja“

Ich wartete. Sollte das etwa schon alles gewesen sein? Verblüffend!

„Sag mal, hast du auf deinem Weg Kyogre getroffen?“, fing Lugia wieder an. Verdammt! Ich hätte mich eben nicht zu früh freuen sollen.

„Nein. Wieso? Ist etwas vorgefallen?“ Als ich Lugias aufglühende Augen ansah, bereute ich meine Frage.

„Nein, keinesfalls! Jedenfalls nichts Schlimmes! Ich weiß ja nicht, wie lange du schon hier unten bist. Aber jetzt wo du es erwähnst…“ Ich rollte wieder mit den Augen. „…wenn du ihn siehst, sag ihm doch bitte, dass er seinen letzten Sieg nicht zu ernst nehmen sollte. Ich will eine Revanche! Sag ihm das bitte, ja? Machst du das?!“

„Natürlich“

Damit war das Gespräch auch schon beendet. Zum Abschied nickten wir uns zu und während Lugia in den Tiefen des Meeres verschwand, erhob ich mich aus dem Wasser wieder in die unendlichen Weiten des Himmels.

Der Wind fegte über meine nassen Schuppen, die aber kurzerhand trocken waren. Gerade als ich mich vergewissern wollte, wo ich mich befand, spürte ich eine Veränderung in der Luftbeschaffenheit. Ich konnte das fühlen. Meine Sinne waren 100-mal feiner, als die der anderen Geschöpfe. Es gab überall Unterschiede. Mal war sie trockener, mal gab es eine höhere Luftfeuchtigkeit, dann gab es kältere und wärmere Luftschichten.

Die Luft hier war die mir bekanntere von allen, die ich bisher ertastet hatte. Sie hatte eine höhere Luftfeuchtigkeit als anderswo und es war wärmer, wenn auch nur ein paar unwesentliche Grad, wodurch die Vegetation sich hier sehr ausbreiten konnte.

Hier fühlte ich mich zuhause.

In Hoenn.

Vorahnung

Erleichtert nach so langer Zeit wieder zuhause zu sein, schwebte ich umher, immer darauf bedacht, so weit oben wie möglich zu sein, dass kein Mensch mich sehen würde. Das würde nur Panik auslösen. Und genau die sollte ich ja verhindern.

Langsam verfärbte sich das hellblaue Firmament in warme Pastelltöne und die Wolken erstrahlten in einem zarten rosa. Die Dämmerung setzte langsam ein, aber es würde noch Stunden dauern, bis die Nacht einbrach.

Eigentlich hatte ich vor, mich in der Gegend ein wenig umzusehen, mich zu überzeugen, dass alles seine Recht und Ordnung hatte. Doch ein plötzlicher Impuls sagte mir, dass ich mich um etwas anderes zu kümmern hatte. Etwas Wichtigeres. Etwas entscheidend Wichtigeres.

Den Weg, den ich allerdings einschlug, führte mich weg von Hoenn. An die Grenze. Auf eine kleine Insel im Ozean. Dorthin, wo man mir eine Stätte errichtet hatte und die ich immer wieder zur Erholung und Ruhe nutzte.

Der Himmelturm.

Ich sah ihn schon aus der Ferne. Er war schließlich durch seine gewaltige Höhe nicht zu übersehen.

Es dauerte nur wenige Sekunden, ehe ich auf dem Dach angekommen war und mich auf die harten Steinplatten niederließ.

Hier gab es nichts außergewöhnliches, es war wie immer ruhig und einsam. Genau, wie ich es brauchte. Doch fragte ich mich, weshalb es mich gerade hierher verschlagen hatte, wenn doch alles normal erschien. Gelangweilt legte ich meinen Kopf auf meine Arme und wartete. Und wartete.

Ich merkte, wie meine Augen schwerer wurden und sich am liebsten geschlossen hätten. Eigentlich war ich gar nicht schläfrig. Das musste mit der Langeweile zu tun haben. Doch ein Gähnen bestätigte mir, dass ich tatsächlich müde war. Das letzte Mal hatte ich vor zwei Tagen geschlafen. Eigentlich nichts bewundernswertes. Aber wenn ich schon mal hier war…

Der Wind frischte ein wenig auf, was mir jedoch durch meine dicken Schuppen nichts ausmachte. Während meine Augen weiterhin geschlossen waren, lauschte ich abwesend in die Stille hinein. Ich blieb vorsichtshalber in einem Halbschlaf, sodass ich bei ungewöhnlichen Veränderungen oder möglichen Gefahren sofort agieren konnte. Doch es schien nichts zu passieren.

Mit dem nächsten Windzug veränderte sich jedoch die gesamte Situation.

Sofort befand ich mich in einer sowohl defensiven als auch offensiven Haltung und starrte mit geblähten Nüstern zu der Treppe, die hier nach oben auf das Dach führte.

Jemand kam. Jemand, der kein Pokémon war.

Es war ein Mensch!

Und dann noch einer von dieser speziellen Spezies, die sich Trainer nannten. Eigentlich hatte ich nichts gegen sie. Sie waren von friedlicher Natur. Mit sogenannten Pokébällen fingen sie unsere Spezies und trainierten sie. Dann ließen sie sie gegen andere kämpfen, bestritten richtige Wettkämpfe und Wettbewerbe und nahmen sie mit auf ihre Reise. Durch die gemeinsame Zeit, die sie miteinander verbrachten, freundeten sie sich im günstigsten Fall an und lebten fortan glücklich zusammen. Im günstigsten Fall. Leider war es nicht immer so.

Dieser Trainer allerdings gehörte zu den gut erzogenen, wie ich sie immer nannte. Ich konnte seine Pokémon spüren. Sie hatten eine sehr enge Verbindung zu ihrem Trainer. Sie würden ihn niemals im Stich lassen.

Jetzt erschien er.

Es war ein junger Mann. Vermutlich hatte er gerade erst sein zweites Jahrzehnt hinter sich. Für die Menschen war das der Beginn des Erwachsenen-Seins.

Sein kurzes, rötlich-braunes Haar bewegte sich kess im Wind, während durch seine Kleidung ebenfalls der Wind fegte. Die Menschen trugen diese wohl, um sich vor der Witterung zu schützen. In meinen gesamten Lebzeiten hatte ich bisher kein einziges Pokémon gesehen, dass Kleidung trug. Wir brauchten sowas nicht. Menschen waren dagegen schwach.

Dieser Mensch sah jedoch keinesfalls schwach aus. Allein sein Blick verriet mir seine unglaubliche Stärke und Willenskraft. Ich starrte in seine roten Augen, die mich mit der gleichen Neugierde zurückstarrten. Doch auch Ehrfurcht und Respekt strahlten aus ihnen heraus. Er war sich sehr bewusst, wem er gegenüberstand. Das war sicher. Und ich wusste auch, weshalb er hier war: er wollte kämpfen.

Meine letzten Trainer-Kämpfe waren schon lange her und lagen sehr weit auseinander. Jedesmal hatte ich den Trainer besiegt. Natürlich. Sonst wär ich ja nicht hier.

Doch dieses Mal war etwas anders.

Weshalb wohl hatte es mich hierher verschlagen? Das war bisher sonst nie so gewesen. Hatte ich vielleicht eine Vorahnung?

Der junge Mann trat näher an mich heran und blickte zu mir empor. Unruhig schlängelte ich meinen Körper hin und her. Ich war nicht nervös. Es diente allein dazu, den Trainern ein wenig Angst einzuflößen. Und es funktioniert bisher recht gut. Selbst diesem Trainer, dessen furchtlose Augen mich faszinierten, standen jetzt ein paar Schweißtropfen auf der Stirn. Allerdings blieb er standhaft und zeigte keine Angst. Er hatte einen langen und beschwerlichen Weg hinter sich, den er jetzt ohne einen Kampf nicht mehr zurück beschreiten würde.

Ich wartete. Wartete auf das, was bald passieren würde.

Wie würde er anfangen?

Welche Pokémon würde er gegen mich antreten lassen?

Würde er eine Chance haben?

„Ehrwürdiges Rayquaza! Ich fordere dich zu einem Kampf heraus!“, sprach der junge Trainer. In seiner Stimme schwang sehr viel Respekt mit. Doch ebenso wie seine Augen, so strahlte diese auch seinen starken Willen aus.

„So soll es sein!“ antwortete ich ihm und erhob mich auf meine volle Größe. Da die Menschen jedoch unsere Sprache nicht verstanden, verstanden sie nur unsere Laute. Der Trainer vernahm daher von mir nur ein „Rayquaza!“

Als ich ihm mit geöffnetem Maul und angriffslustigen Krallen gegenüberstand, machte er einen Schritt zurück und zog seinen ersten Pokéball.

„Brutalanda, du bist dran!“, rief er und schleuderte den Ball in die Luft. In einem roten Licht erschien daraufhin mein erster Gegner.

„Es ist mir eine Ehre gegen Euch antreten zu dürfen, Rayquaza!“, sagte Brutalanda zu mir. „Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, aber ich werde keine Rücksicht auf Euch nehmen. Ebenso wenig, wie die anderen.“

„Das will ich hoffen!“, antwortete ich ihm und richtete mich noch ein wenig mehr auf. „Dann lass uns nun beginnen.“

Kräftemessen

Zu Anfang wollte ich meinen Gegner testen und überließ ihm den Angriff. Warum sollte ich meine Stärke als erstes demonstrieren, wenn ich auch genauso gut erst einmal das Potenzial des Trainers abschätzen konnte. Die erste Attacke ließ auch nicht lange auf sich warten.

„Setz Feuerodem ein, Brutalanda!“, ertönte es vom jungen Trainer, woraufhin ein gewaltiger Energiestrahl aus dem Rachen des Pokémon mir entgegenflog. Ohne zu zögern wich ich der Attacke aus, indem ich meine Energie in die Beschleunigung steckte und Turbotempo ausführte. Dies nutzte ich gerne als Abwehrmanöver und in dem Fall war es eine weise Entscheidung gewesen.

Eine Drachen-Attacke! Der Trainer scheint wirklich von Anfang an mit allen verfügbaren Mitteln anzugreifen. Je effektiver, desto besser.

Ich sauste durch die Luft, immer darauf bedacht, Brutalanda nicht aus den Augen zu lassen. Jetzt wollte ich ihm mal zeigen, wie es ist, sich mit einem legendären Pokémon anzulegen!

Mit rasender Geschwindigkeit und im Zick-Zack-Flug steuerte ich auf das Drachen-Pokémon zu und wollte es mit einem platzierten Treffer zu Boden schleudern.

Doch im nächsten Moment wurde ich mit einer gewaltigen Power zurückgeschleudert.

Verdammt! Was war das?

Ich schüttelte meinen Kopf und versuchte zu realisieren, was passiert war. Als ich Brutalanda sah, erkannte ich es. Es war von einer leuchtenden Wand umgeben.

„Schutzschild! Verdammt!“, fluchte ich abermals. „Das wird dann doch nicht ganz so einfach, wie ich angenommen hatte.“

Aber ehe ich mir weiter Gedanken machen konnte, flog mir der Drache auch schon entgegen. Mit dem Kopf voraus. Eine Kopfnuss-Attacke.

Ich ließ ihn näher an mich heran kommen.

„Na komm schon, noch ein wenig näher.“ Mit zusammengekniffenen Augen wartete ich einen günstigen Moment ab. Jetzt!

Nur wenige Zentimeter trennten uns, als ich meinen Körper geschickt aus Brutalandas Flugbahn wand. Während er erst noch realisierte, dass er mich verfehlt hatte, erhob ich schon meine Klaue und setzte ihm einen gewaltigen Schlag zu. Ich hörte, wie er auf den Boden aufschlug und noch ein paar Meter weiter rutschte. Das sollte ihm erst mal zugesetzt haben. Schließlich sind Drachenattacken sehr effektiv gegen Drachen.

Eine kleine Staubwolke umgab das Pokémon, sodass ich vorerst nichts erkennen konnte. Dafür konnten meine anderen Sinne umso besser die Bewegungen wahrnehmen. Er hatte sich wieder aufgerichtet. Aber…was hatte er vor?

Auf einmal erkannte ich ein orange-rotes Licht, dass sich aufbaute und mit einmal wurde es wärmer. Geradezu heiß.

Ein Flammenwurf!

Noch ehe Brutalanda diesen abfeuern konnte, erhob ich mich in die Luft und kam ohne weitere Schäden davon. Allerdings feuerte er jetzt ganze Flammenwurf-Salven auf mich ab. Ich versuchte mein möglichstes, ihnen auszuweichen, was mir auch mehr oder weniger gelang. Nur einmal streifte mich der Strahl an der Flanke und ein heißes Zucken durchfuhr mich. Das steckte ich aber weg. Ich sollte mich lieber um meinen Angriff kümmern.

Schon im nächsten Moment stürzte ich mich von oben auf das Pokémon. Er versuchte es noch einmal mit einer Attacke, um die ich mich allerdings geschickt vorbei schlängelte und somit in einer günstigen Angriffsposition lag. Ich konzentrierte meine Energie in der Rachengegend und ließ sie weiter wachsen. Als ich merkte, dass sie sich genug angesammelt hatte, stieß ich mit aller Kraft den Energiestrahl aus, der nach nur ein paar Metern genau ins Ziel traf.

Mit dieser Wucht hatten sowohl der Trainer als auch sein Pokémon nicht gerechnet. Die Hyperstrahlattacke setzte Brutalanda ziemlich zu. Nur schwerlich konnte es sich auf den Beinen halten. Letzten Endes wohl auch durch die aufmunternden Rufe seines Trainers.

Dem ganzen wollte ich allerdings ein schnelles Ende bereiten, weshalb ich keine Zeit verlor und mich wieder auf das Pokémon stürzte.

In den vielen Jahren harten Trainings hatte ich gelernt, die Hyperstrahlattacke so in den Griff zu bekommen, dass ich keine längere Erholungsphase brauchte. Dies war sehr nützlich, vor allem in Kämpfen wo es um sehr viel mehr ging, als nur kindischem Kräftemessen.

Nur wenige Meter trennten mich von meinem Ziel und Brutalanda schien nicht wieder auf die Beine zu kommen. Zum zweiten Mal erhob ich meine Klaue.

„Schutzschild!“, ertönte es hinter mir und ehe ich stoppen konnte, wurde ich abermals mit voller Wucht zurückgeschleudert.

„Nein! Nicht jetzt!“, stieß ich hervor und riss mich zusammen. Die Kraft, die mich abprallen ließ, nutzte ich, um mein Turbotempo aufzubauen. Im nächsten Moment flog ich nicht mehr parallel zum Boden, sondern geradewegs in den Himmel empor und wieder zurück zu meinem Gegner. Ich straffte meine Muskeln und beschleunigte immer mehr. Nun war ich so schnell, dass man mich kaum noch sehen konnte. Nur noch hören, wenn man genau aufpasste. Doch das nützte dem Drachen nichts mehr.

Der Kampf war vorbei. Mit einem Seufzen rief der Trainer seinen Partner zurück und bedankte sich bei ihm für diesen tollen Kampf.

Ich hatte mit meiner Drachenklaue den Kampf beendet. Nach meiner Beschleunigung, hatte ich mich hinter den Rücken positioniert und erst mit einem gezielten Klauenhieb Brutalanda in die Höhe befördert, bis ich dann mit einem weiteren Hieb ihn zurück auf den Boden schleuderte. Die Power, die hinter diesen beiden Angriffen steckte, hielt der Drache nicht mehr aus. Er ging K.O.

Für mich war das eine Art Aufwärmübung. Mit sowas wurde ich leicht fertig. Kein anderer Drache könnte mich in die Knie zwingen. Da müsste ich schon einen sehr, sehr schlechten Tag erwischen.

Allerdings ging ich aus dem Kampf auch nicht ganz ohne kleine Schrammen raus. Da war zum Beispiel meine leicht angesengte Flanke. Aber solche Kratzer nahm ich überhaupt nicht wahr. Die würden schon früher oder später verheilen.

Nun starrte ich gebannt zum jungen Mann, der nur ein paar Meter vor mir stand und zu überlegen schien, wie er den Kampf fortsetzen würde. Er schien eine Taktik zu haben. Er wollte einen konkreten Plan in die Tat umsetzen. Doch so viel er sich auch auf diesen Tag vorbereitet hatte. So viel er mit seinen Pokémon trainiert hatte. So gering würde seine Chance sein, mich zu besiegen. Ich würde bis zum bitteren Ende kämpfen und es gäbe kein Pokémon, das mich besiegen könnte. Das ließe ich nicht zu. Niemals.

Menschen

Die Augen des Mannes erhoben sich langsam, bis sie sich mit meinen trafen. Ein kalter Schauder durchzuckte mich.

Diese Augen waren so seltsam. Irgendetwas besonderes versteckte sich hinter ihnen. Das ärgerte mich. Wie konnte ich nur so etwas wie Gefallen an den Augen eines Menschen verspüren? Bescheuert.

Aber vielleicht waren es nicht nur die Augen selber, die mich faszinierten. Auch der Ausdruck, der aus ihnen erstrahlte, war mir unheimlich.

Er kannte keine Angst.

Obwohl ich ihm erst vor wenigen Minuten demonstriert hatte, welche Kraft und Schnelligkeit ich besaß, war er dennoch selbstbewusst und mutig. Und diese Eigenschaften waren zudem noch ausgeprägter als zu Anfang unserer Begegnung.

Vor Angst geweitete Augen. Zittern. Umdrehen und Weglaufen.

Das hatte ich erwartet. Ich hatte darauf gewartet, dass sich die Erkenntnis über meine imposante Stärke und seine offensichtliche Schwäche durch seinen Körper hindurch frisst und ihn schrittweise vor Angst lähmt.

Solch einen Prozess hatte ich schon öfter gesehen. Mehr als mir lieb war.

Den Beginn machten die Augen. Sie erfassten, was vor ihnen geschah. Als ob man die Nervenimpulse, die vom Gehirn daraufhin ausgesandt werden, mit verfolgen könnte, zuckten erst wieder die Augen und weiteten sich in unvorstellbarem Maße, bis sich fast synchron der Mund dazu bewegte und eine stille Maske des Schocks zurückließ. Darauf folgend durchzuckte es jede einzelne Muskelfaser und ließ den dazugehörigen Muskel sich zusammenziehen und verkrampfen. Erst die einen Gliedmaßen, dann die anderen. Das ging dann soweit, bis der Mensch vollkommen regungslos da stand und selbst die winzige Bewegung des Brustkorbs seiner Atmung unterließ.

Einundzwanzig. Zweiundzwanzig.

Irgendwann begann ich diese andauernde Starre zu zählen. Tatsächlich hielt sich diese Regungslosigkeit ungefähr zwanzig Sekunden. Mal mehr, mal weniger. Erst dann begannen sich die Muskeln wieder zu bewegen. Wohl durch die selbstproduzierende Droge Adrenalin, das in Unmengen ausgeschüttet wurde und sich nun in jede Muskelzelle hinein brannte. Ein Zucken durchfuhr den Körper und auch die Augenlider bewegten sich mit einem Blinzeln. Dann kam das Schlucken, weil der Rachen ausgetrocknet war, die Stoßatmung begann, weil der Körper keinen Nachschub an Sauerstoff bekam und zu guter Letzt erhöhten die Schweißdrüsen ihre Produktivität, da durch die Ausschüttung des Hormons Adrenalin die Blutgefäße erweitert wurden und somit die Temperatur anstieg und nun wieder abgekühlt werden musste.

Das ganze dauerte vielleicht eine Sekunde.

Erst dann stolperte der Mensch rückwärts in entgegengesetzte Richtung – weg von mir – und fiel dabei auch gelegentlich ganz gerne hin. Bei seinem Fluchtversuch behielt er aber immer seine Augen an meine gefesselt. Ganze zwei Schritte. Dann erst überwältigte es ihn und nicht selten ohne ein lautes, wenn nicht ohrenbetäubendes Kreischen, rannte er davon und blickte dabei des Öfteren über seine Schulter, um sich zu vergewissern, dass ich ihm nicht folgte.

Lächerlich. Was sollte ich schon mit ihm anstellen? Ihn auffressen, so wie es in so vielen Geschichten erzählt wird? Bäh! Wie eklig!

Oder ihn töten wollen? Was für einen Grund hätte ich? So etwas derart Sinnloses machten nur Menschen. Und ich war keiner.

So war das mit den Menschen. Dachten hauptsächlich Böses über uns. Aber glücklicherweise taten das wiederum nicht alle. Einige verehrten uns sogar. Hatten zwar Angst vor uns, aber sie verehrten uns.

Jetzt fiel mir endlich auf, was mich die ganze Zeit an den Augen dieses einen Mannes fasziniert hatte. Hinter den Augen, konnte ich ganz deutlich ein loderndes etwas erkennen. Dort versteckte sich ein inneres Feuer. Da war ich mir sicher. Ein Feuer, das für grenzenlosen Mut, Ausdauer, Kraft und unerbittlichen Kampfeswillen stand. Während ich gebannt in diese Flamme starrte, bemerkte ich erst viel später, dass der Trainer bereits ein zweites Pokémon gerufen hatte.

„Hey! Ich bin dein Gegner! Lass uns kämpfen!“, rief eine krächzende Stimme. Und nervig noch dazu.

Etwas widerwillig trennte ich mich vom Blick dieses Trainers, der mich die ganze Zeit ebenfalls nicht aus den Augen ließ, und erblickte nun einen stählernen Flattermann, der seine Kreise über seinem Trainer zog und mich ungeduldig anblickte. Ich stieß einen Seufzer aus.

„Soll das ein Witz sein?“, grummelte ich leise und stellte mich lustlos meinem neuen Gegner. Diesen Kampf würde ich versuchen so schnell wie möglich zu beenden.

„Agilität!“, schallte es schon aus der Richtung des Trainers ehe ich mich richtig darauf vorbereiten konnte. Mit einem Mal war das Panzaeron auch schon verschwunden. Ab und zu blitzte es mal auf, nur damit es sogleich wieder verschwand.

„Es ist verdammt schnell“, musste ich anerkennend zugeben und versuchte das Flugpokémon zu orten, während es um mich herum kreiste.

„Und dazu den Luftschnitt!“, ertönte es wieder vom Trainer.

Auweia! Diese Kombination könnte gefährlich werden, wenn man nicht aufpasst. Bei einer solchen Geschwindigkeit, wird es schwer, auszuweichen. Schwer, aber nicht unmöglich.

Das Panzaeron war jetzt kaum wahrnehmbar, aber kurz bevor es seinen Angriff startete, schaffte ich es noch in letzter Sekunde mit einer Turbotempo-Attacke auszuweichen. „Weiterhin Agilität einsetzen, Panzaeron!“, rief der junge Mann seinem Pokémon zu. Jetzt begann ein richtiges Katz-und-Maus Spiel. Wir jagten über das gesamte Feld. Schlugen hier Haken, wichen dort aus. Keiner von uns kam an den anderen ran. Wir waren gleich schnell. Doch kam bald darauf schon der nächste Befehl.

„Setz den Stahlflügel ein!“

Dieser Attacke würde ich leicht mit dem Turbotempo ausweichen können. Gerade als ich diesen ausführen wollte, passierte es. Durch meine Flanke, die vom letzten Kampf ein wenig abbekommen hatte, zuckte ein kleiner Schmerz, der mich für ein paar Sekunden inne halten ließ. Doch genau dieses Zögern wurde mir zum Verhängnis. Zum Glück konnte ich noch mit einer schnellen Seitwärtsdrehung das Schlimmste verhindern. Trotz allem traf mich einer der Stahlflügel mit einer solchen Wucht, dass ich ein paar Meter weggeschleudert wurde.

„Ah! Mist. Ich hätte diese Verletzung eben nicht unterschätzen sollen“, ärgerte ich mich selber. Allerdings hatte ich keine Zeit mir Vorwürfe zu machen, denn schon im nächsten Moment erklang ein fürchterlicher Schrei, der mir durch Mark und Bein ging. Das musste der Metallsound sein. Ich wand und krümmte mich, da dieser Ton wirklich unerträglich war. Ich musste hier weg. Und zwar schnell. Doch ehe ich etwas unternehmen konnte, hörte urplötzlich das Gekreische auf und ich erblickte ein mit glühenden Flügeln herannahendes Panzaeron. Es setzte wieder Stahlflügel ein. Diesmal würde ich aber besser aufpassen. Ich tat, als würde ich mich nicht mehr rühren können und wollte das Flügeltier in Sicherheit wiegen.

„Jetzt lass mich bloß nicht im Stich!“, warnte ich meine Flanke und kurz bevor mich die Attacke treffen sollte, entwischte ich ihm gekonnt, in dem ich mich ganz flach auf den Boden legte. Während das Panzaeron verdutzt unter sich schaute, drehte ich mich auf den Rücken und gab ihm eine kräftige Drachenklaue mit auf den Weg. Völlig überrumpelt flog es durch die Luft und krächzte laut auf. Noch während es orientierungslos in der Luft schwebte, setzte ich noch eine Attacke hinterher. Mit aller Kraft stieß ich einen leuchtenden Hyperstrahl direkt auf den Flügelmann aus, der die volle Power zu spüren bekam. Daraufhin stürzte dieser aus mehreren Metern Höhe direkt auf den Boden und blieb erst mal dort liegen. Leicht entsetzt rief der junge Mann nach seinem Pokémon, doch ich kümmerte mich eher um meinen Zustand. Ich brauchte dringend eine kurze Erholungspause. Noch ehe das Panzaeron sich regenerieren könnte, setzte ich Erholung ein. Ich spürte, wie die Kräfte allmählich wieder zurückkehrten. Auch meine vorher leicht verletzte Flanke schien sich wieder langsam zu normalisieren. Jetzt konnte der Kampf in die nächste Runde gehen. Allerdings musste ich noch warten, bis all meine Kräfte zurückgekehrt waren. Und in dieser Zeit war ich den Angriffen schutzlos ausgeliefert.

„Hoffentlich hatte sich das Panzaeron noch nicht wieder erholt“, dachte ich im Stillen. Ansonsten sähe es schlecht für mich aus.

Dann vernahm ich die Stimme des Menschen.

„Sehr gut Panzaeron. Und jetzt setz Stahlflügel ein!“

Sekunden

Das konnte nicht wahr sein! Das Panzaeron war niemals in der Lage sich so schnell zu erholen!

Verdammt! In meinem jetzigen Zustand konnte ich ihm nichts entgegensetzen. Erst musste meine Erholungs-Attacke nachlassen. Es könnte sich nur noch um Sekunden handeln. Die ich aber wahrscheinlich nicht mehr hatte.

Ich hörte, wie sich der Flügelmann mit seinen Schwingen in die Luft erhob, um sich danach auf mich zu stürzen. Sein Krächzen kam immer näher und näher. Gleich würde er mich mit all seiner Kraft treffen…

In allerletzter Sekunde straffte ich meine Muskeln und konnte der Attacke durch meinen Turbotempo ausweichen.

Einmal tief durchatmen.

„Das war verdammt knapp. Zu knapp!“, sagte ich zu mir selbst. Das dürfte nicht nochmal geschehen. Ich müsste beim nächsten Mal die Situation besser auswägen, bevor ich zur Erholung übergehe. Zwar hat es den Vorteil schnell wieder fit zu werden, aber dafür ist man für einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Die Kehrseite der Medaille.

Laut ächzend lag mein Gegner auf dem Boden. Durch mein schnelles Ausweichen ist es mit voller Wucht auf den harten Boden gerauscht. Trotz seines stählernen Gefieders muss es ziemlich was abbekommen haben. Das Panzaeron konnte sich kaum mehr bewegen. Irgendwie konnte es einem ja leid tun…

Halt! Was redete ich da? Der hatte mir immerhin auch ganz schön zugesetzt. Ich sollte den Kampf jetzt lieber beenden. Mithilfe des Turbotempos flog ich auf das Pokémon zu und erhob meine rechte Klaue.

In der nächsten Sekunde lag der Flattermann mehrere Meter von mir entfernt genau zu den Füßen seines Trainers. Mit einem letzten Ächzen wurde er auch schon in seinen Pokéball zurückgerufen.

Zwei hatte ich jetzt schon besiegt. Fehlten noch vier.

Einen Moment hielt ich inne. Etwas stimmte nicht. Normalerweise hatten die Trainer sechs Pokémon bei sich. Doch dieser hier, hatte nur fünf bei sich. Was hatte das zu bedeuten? Hieße das etwa, dass er wirklich glaubte, mich zu besiegen und zu fangen? Und dazu noch gleich mich auf seine weitere Reise mitzunehmen?

Ich schnaubte verächtlich. Was der sich einbildete!

Der Mensch schien meine Unruhe wahrzunehmen, weshalb er schon nach seinem nächsten Pokéball griff und dabei leicht seine Mundwinkel nach oben zog.

„Du willst einen neuen Gegner? Bitte. Das wird auch dein letzter!“, rief er mir zu und warf den Pokéball in die Luft.

Der junge Mann dachte wirklich allen Ernstes, dass ich nur deshalb so unruhig war, weil ich heiß auf den Kampf war. Nun gut, in gewisser Weise stimmte das ja auch ein wenig, obwohl meine Besorgnis eher der Tatsache galt, dass er nur fünf Pokémon gegen mich antreten ließ. Ziemlich leichtsinnig. Oder war er doch stärker als ich anfangs glaubte? Sein nächstes Pokémon bestätigte meine Frage.

Man konnte von mir nicht behaupten, dass ich klein war. Genau genommen war ich zwei Arbok-Längen lang. Oder in etwa das Vierfache von diesem Menschen, der mich gerade mit einem leicht siegessicheren Grinsen ansah, während ich meinen Kopf in die Höhe regte. Dieses Pokémon war wirklich größer als ich. Um einiges sogar. Dass er dieses Pokémon rufen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Der junge Trainer wollte bestimmt das Größenverhältnis ausnutzen. Dennoch. Ich war wesentlich schneller und wendiger und das würde mein Vorteil sein. Abgesehen von meiner Kraft. Und der Tatsache, dass ich fliegen konnte.

Wir beide, der Trainer und ich, waren ganz heiß auf diesen Kampf. Daher dauerte es auch nicht lange, bis der dritte Kampf startete. Doch zu meiner Verwunderung, griff er mich nicht direkt an.

„Also gut, Stahlos. Setz deinen Sandsturm ein!“, befahl der junge Mann und sogleich wütete ein heftiger Sturm. Durch den Sand wurde die Sicht von Sekunde zu Sekunde dichter und es wurde immer schwerer das große Stahlpokémon weiterhin im Auge zu behalten. Daher blieb mein einziger Ausweg nach oben zu steigen und von dort meinen Angriff zu starten. Doch mein Vorhaben hatte der Trainer wohl vorausgesehen. Sofort ließ er sein Stahlos eine Eisenschweif Attacke ausführen. Ich konnte nur im allerletzten Moment mit einer Turbotempo Attacke ausweichen, da der Sandsturm für Stahlos ein sicheres und gutes Versteck war. Haarscharf verfehlte mich der stählerne Schweif des Pokémon und schlug mit gewaltiger Kraft auf dem Boden auf, sodass die Erde bebte. Mir machte das in der Luft nichts aus, doch der Trainer wurde sicherlich ein wenig durchgeschüttelt.

„Das geschieht ihm ganz recht!“, dachte ich und konnte mir ein arrogantes Grinsen nicht verkneifen. Allerdings hatte ich keine Zeit über den Trainer herzuziehen, denn schon die nächste Gefahr näherte sich mir. In Form von riesigen Gesteinsbrocken. Ich wurde regelrecht von ihnen bombardiert. Aus allen Richtungen kamen sie auf mich zugeflogen, so schien es mir. Ich drehte und wand mich und versuchte wieder mithilfe meines Turbotempos ihnen auszuweichen. Den größten Gesteinsbrocken konnte ich mich auch entziehen, doch dabei vernachlässigte ich die kleinen, die mich immer wieder hart trafen oder streiften. Dieses Ausweichen zerrte ganz schön an meinen Kräften, doch es nahm kein Ende. Langsam musste ich den Kampf bestimmen!

Ich schraubte mich weiter in die Luft, sodass ich bald aus dem Sandsturm draußen war. Hier oben konnte mich das Stahlos nicht erreichen. Es war zwar unfair, dass ich fliegen konnte, und auch noch in solchen Höhen, aber jeder hat seine Stärken und Schwächen. Warum nicht ausnutzen?

Hier verschnaufte ich einige Sekunden und sah auf meinen Gegner hinunter, der sich irgendwo im Sturm verschanzte. Dann sah ich plötzlich einen kleinen Teil von ihm, der mir aber ausreichte, um mein Ziel anzuvisieren. In meinem Rachen bündelte ich wieder eine enorme Kraft. Als ich mir sicher war, genügend angesammelt zu haben, stieß ich sie in Richtung meines Zieles. Die gewaltige Kraft meines Hyperstrahles traf genau in den Sandsturm, der daraufhin zu allen Seiten sich verstreute und allmählich sich lichtete. Nun flog ich zurück, um mich zu vergewissern, ob ich getroffen hatte oder nicht. Einen gewissen Abstand ließ ich dennoch. Vorsichtshalber.

Stahlos war noch nicht besiegt. Das wusste ich. Aber es lag auf dem Boden und rührte sich kaum noch. Nur sein Atem ging regelmäßig. Zu regelmäßig. Es schien, als hätte es sich bisher noch gar nicht richtig angestrengt.

Argh! Diese Warterei war wirklich lästig! Egal, ob es sich nun nur verletzt stellte oder nicht. Ich musste den nächsten Schritt tun. Mit einem schnellen Start in Richtung Stahlos erhob ich meine Klaue und wollte ihm einen gewaltigen Schlag verpassen. Doch schon im nächsten Moment war das Stahlos blitzschnell aufgestanden und schleuderte mir mithilfe seines langen Schweifs Sand entgegen. Normalerweise machte mir so etwas nichts aus, doch für den Bruchteil einer Sekunde, lies es mich inne halten und somit auch meine Attacke. Dies war jedoch von dem stählernen Pokémon beabsichtigt.

In der nächsten Sekunde war das einzige, was ich noch sah, der riesige Kopf des Pokémon und sein weit aufgerissenes Maul. Seine granitharten Zähne waren mir gefährlich nahe und lechzten geradezu nach mir.

„Hier komme ich nicht mehr heil raus…“, waren meine letzten Gedanken.

Rückruf

Die Sekunden verstrichen unaufhörlich und es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, ehe sich das monströse Maul meines Gegners um meinen Kopf legen wollte. Allerdings wollte ich mich nicht kampflos diesem Schicksal stellen. Allerlei Möglichkeiten schossen mir blitzschnell durch den Kopf. Mein Turbotempo würde mir in dieser aussichtslosen Situation nicht mehr helfen können, dazu war Stahlos zu dicht. Der Hyperstrahl würde zu lange dauern, um ihn abzufeuern. Daher kam dies auch nicht in Frage. Was blieb mir also noch übrig?

Ehe ich noch einen weiteren Gedanken fassen konnte, war das stählerne Pokémon nun so dicht, dass ich seinen grässlichen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. Jetzt war Handeln angesagt! Blitzschnell ließ ich meine Arme hochschnellen und packte sowohl den Ober- als auch den Unterkiefer mit jeweils einer Klaue und hielt somit meinen Gegner auf Abstand.

Während ich nach meiner kurzen Atempause wieder kurz nach Luft schnappte, versuchte sich Stahlos aus seiner unangenehmen Haltung zu befreien. Es versuchte sein gesamtes Gewicht, welches enorm war, gegen meinen Griff zu stemmen und näher an mich heran zu kommen. Doch außer einigen wenigen Zentimetern ließ ich es nicht gewähren. Ich konnte ebenfalls ziemlich stark sein. Nicht nur von meinen Attacken. Auch im Nahkampf hatte man es ziemlich schwer gegen mich. Und das spürte das Stahlos gerade am eigenen Leib.

Als es realisierte, dass es hier kein Weiterkommen gab, versuchte es eine andere Strategie und wollte nun den Rückwärtsgang einlegen. Anstatt noch weiter Druck gegen mich auszuüben und somit irgendwann meine nachlassende Kraft zum Vorteil auszunutzen, machte diese riesige Stahlschlange den gewaltigen Fehler, sich zurückzuziehen. Aber ich ließ meine Krallen weiterhin fest an den Kiefern verankert. So schnell wollte ich ihn nicht entwischen lassen. Obendrein schien Stahlos ziemlich hilflos, da es nicht in der Lage war, eine rechte Attacke zu starten. Es sah nach einer klaren Pattsituation aus. Von mir aus könnte ich so tagelang in dieser Position verharren. Meinem Gegner würde ich dies sogar auch zutrauen. Aber es gab hier oben noch ein drittes Leben. Und bei ihm würde ich mich nicht darauf verlassen, dass er mehrere Tage aushalten würde.

Eigentlich könnte mir das Schicksal dieses Trainers egal sein. Dieses arroganten jungen Mannes, der allen Ernstes glaubte, mich einfangen zu können. Der mich damit verspottete, dass er nur fünf antretende Pokémon bei sich führte.

Nur kurz schielte ich zu der dort einsam stehenden Person, die krampfhaft den Pokéball seines Pokémon umklammerte, während dieses einen Ausweg aus seiner Misere suchte.

Nein. Er würde garantiert keine Woche überleben. Nicht mal zwei Tage traute ich ihm zu. Somit lag in gewisser Weise sein Leben in meiner Klaue. Wortwörtlich gesehen.

Ohne eine Vorwarnung gab ich Stahlos seine Freiheit wieder. Doch noch bevor er so richtig realisieren konnte, dass ich ihn losgelassen hatte, traf ich mit einer gewaltigen Drachenklaue mitten in sein Gesicht, wodurch der stählerne Koloss erst mal auf dem harten Boden aufschlug und liegen blieb. Besiegt war Stahlos jedoch noch lange nicht. Ich musste mich auf einen sehr langen und anstrengenden Kampf gefasst machen.

Ehe ich jedoch mir eine weitere Strategie zurechtlegen konnte, erhob sich mein Gegner wieder. Zwar langsam und ziemlich angeschlagen, allerdings zeigte er mir wieder dieses fiese Grinsen.

„Ich komme wieder!“, sagte er zu mir und in seinem Blick lag etwas von Ungeduld und ungebrochenem Kampfeswillen. Ich wusste nicht so recht, was er meinte, doch als ich einen roten Lichtstrahl sah und den Rückruf des Trainers hörte, wurde es mir schlagartig bewusst. Er tauschte seine Pokémon aus!

In gewisser Weise war ich etwas erleichtert einen neuen Gegner zu bekommen. Doch zugleich wusste ich nicht, für welches neue Pokémon sich der Trainer entscheiden würde. Würde ich es so leicht besiegen, wie die ersten? Oder könnte sogar hier jetzt alles enden? Würde das nächste Pokémon vielleicht stärker als Stahlos sein? Egal was passieren würde, ich dürfte keinesfalls unachtsam werden oder gar den Gegner unterschätzen. Ich müsste weiterhin auf der Hut bleiben und jeden meiner Schritte genau bedenken, denn er könnte mein letzter sein.

Der junge Mann war kurz in sich gegangen, um seine nächste Wahl genauestens abzuwägen. Es schien eine sehr schwere Entscheidung zu sein, denn er brauchte länger sich für sein nächstes Pokémon zu entscheiden. Währenddessen behielt ich ihn jede Sekunde im Auge. Ich fixierte ihn regelrecht. Dann ging endlich eine Regung von dem Trainer aus. Entschlossen rief er seinen Partner aufs Kampffeld.

„Jetzt bist du dran, Nidoking! Zeig alles was du kannst!“

Der rote Lichtstrahl erschien wieder und als dieser wieder verschwunden war, stand ein mehr als zielstrebiges Pokémon vor meiner Nase. Dennoch schnaubte ich verächtlich.

„Ob das die richtige Wahl war?“, fragte ich mich. Schließlich war ein Nidoking nicht gerade jemand, der mir überlegen oder mich gar besiegen konnte. Vielleicht aber hatte es auch eine andere Funktion, die ich mir jedoch noch nicht erklären konnte. Nichts desto trotz wollte ich diesen Kampf so schnell es geht hinter mich bringen, am besten ohne unnötige Energien zu verschwenden. Diese brauchte ich schließlich noch für das letzte unbekannte Pokémon und am allerwichtigsten für Stahlos.

Und schon ging es los!

Nidoking bündelte irgendeine mir noch unbekannte Energie, doch ich wollte nicht herausfinden, um was es sich handelte. Daher preschte ich in seine Richtung los und wollte mit meiner Drachenklaue meinen Gegner mit einem Schlag umhauen. Nur noch wenige Meter trennten mich von ihm, als mir bewusst wurde, welche Attacke gegen mich verwendet werden sollte. Die Erkenntnis ließ meine Augen größer werden und ich entschied mich statt des Angriffs lieber zu einem Ausweichmanöver.

Das Nidoking schien meinen Fluchtversuch mitbekommen zu haben, denn sobald ich meine Klaue wieder zurückgezogen hatte, stemmte es ein Bein nach hinten, um dem Rückstoß seiner kraftvollen Attacke entgegenzuwirken und ließ einen hellblauen Strahl auf mich los. Wie schon so oft, nutzte ich meinen Turbotempo, um diesen für mich sehr gefährlichen Eisstrahl zu entgehen. Mein Schub brachte mich nicht nur aus der Gefahrenzone, sondern beförderte mich auch gleichzeitig hinter meinen Gegner, sodass ich nun mit meiner Drachenklaue kontern konnte. Schnell hob ich meine Klaue und wollte gerade zuschlagen, als gleichzeitig ein Befehl vom Trainer kam. Im nächsten Moment hatte sich eine schützende Mauer um Nidoking aufgebaut, die meinen Angriff abprallen und mich weit weg schleudern ließ. Für einen kurzen Moment blieb ich auf dem Rücken liegen und starrte in den Himmel, in dem sich immer weiter die Abenddämmerung ausbreitete.

„Verdammt! Wie ich das hasse!“, grummelte ich vor mir her, ehe ich einen weiteren Befehl des Trainers vernahm und der mich auch sofort hellhörig werden ließ. Ohne eine weitere wertvolle Sekunde verstreichen zu lassen stieß ich mich nach hinten ab und entging somit der nächsten Eisstrahl-Attacke. Das war jedoch so knapp, dass ich die Kälte stark an meiner Schweifspitze spürte. Mit einer 180° Drehung flog ich wieder auf meinen Gegner zu. Diesmal entschlossener und mit einem solchen Temposchub, dass Nidoking keine Chance hätte, seinen Schutzschild aufzubauen. Schließlich war ich schon wieder wenige Meter vor ihm und hatte während meines Anfluges eine große Menge Energie angesammelt, die ich nun ungehindert gegen ihn einsetzen konnte. Nur zwei – drei Meter trennten uns, als ich meine Hyperstrahl-Attacke gegen ihn abfeuerte. Durch die Kraft, die dahinter steckte, wurde das Pokémon viele Meter weit weggeschleudert und hinterließ eine gewaltige Staubwolke, durch die ich nicht hindurchsehen konnte. Ich schmiegte mich ganz dicht an den Boden, um kein offensichtliches Angriffsziel abzugeben und wartete stattdessen ab.

Derweil zogen die Wolken am Himmel vorbei.

Konflikt

Noch immer überwiegte die Stille hier oben auf dem Himmelsturm. Niemand regte sich. Sowohl der junge Trainer, der weiterhin darum bangte, endlich sein Pokémon aus dem aufgewirbelten Staub heraustreten zu sehen, als auch ich selbst. Bewegungslos heftete ich mich einfach nur an den Boden und harrte aus. Nur ganz langsam verzogen sich die restlichen Wolken, bis ein plötzlicher Windstoß die Sicht auf das Kampffeld endlich freigab.

Nun kam auch wieder die Bewegung zurück. Neben meinem erleichterten Aufrichten, kamen auch entsetzte Laute und ein Fluchen aus der Richtung des jungen Mannes, als er sein tapferes Nidoking kampfunfähig auf dem Rücken liegen sah.

„Da waren es nur noch zwei!“, verkündete ich selbstsicher, aber der Trainer verstand von mir ja nur ein „Ray-Rayquaza!“. Dennoch spähte er zu mir herüber, während er sein Pokémon zurückrief, und in seinem Blick lag sowohl Ärger als auch Frust, als hätte er meine Worte sehr wohl verstanden.

„Wenn Blicke töten könnten.“, kam mir dabei plötzlich in den Sinn.

Etwas entnervt verstaute er den kleinen Pokéball und grummelte irgendetwas vor sich hin, was mir jedoch bei meinem feinen Gehör nicht entging. Er erkannte seine derzeitige Lage endlich an und war nicht mehr so zuversichtlich den Sieg zu erringen, wie am Anfang. Die Zweifel fingen nun langsam an, an ihm zu nagen. Nur noch zwei Pokémon blieben ihm. Und nach seinem Zögern zu urteilen, schien ihm außer Stahlos kein starkes Pokémon mehr zu bleiben. Hätte er bloß noch ein sechstes mit auf seine Reise mitgenommen!

Ich konnte mir seinen inneren Konflikt geradezu ausmalen. Dabei ließ ich es zu, meine Muskeln ein wenig zu entspannen und auf eine Reaktion des jungen Mannes zu warten.

Er hatte nur noch die Wahl zwischen einem neuen, noch frischen Pokémon, das mir allerdings nicht im Geringsten etwas anhaben konnte, und dem durch den vorherigen Kampf geschwächten Stahlos, das mir dagegen noch einmal das Leben schwer machen würde. Was bloß tun?

Szenario Eins: Das angeschlagene Stahlos würde in den Kampf geschickt werden, um mir noch weiter meine Kräfte zu rauben. Allerdings mit dem Risiko, dass ich es dennoch besiege und mit dem allerletzten Pokémon, das meiner nicht würdig ist, den Himmelsturmboden aufwischte. Somit wäre seine abenteuerliche und kräftezehrende Reise hier her völlig umsonst gewesen.

Oder aber Szenario Zwei: Als erstes würde das übrig gebliebene Pokémon in den Kampf geschickt und so lange wie möglich versuchen, mich auszupowern, mit der Gefahr, das es besiegt werden würde. Danach käme Stahlos aufs Kampffeld. Dann würde es nur eine Frage des Aushaltevermögens sein, wer als Sieger aus dem Kampf geht. Da wäre alles offen. Selbst ich vermochte mir kein Bild davon zu machen, welches Schicksal daraufhin am Ende auf einen von uns wartete.

So verstrich die Zeit, während der Trainer noch immer fieberhaft versuchte, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden. Derweil fiel allmählich die nächtliche Dunkelheit über weite Regionen Hoenns ein und auch hier am Himmelsturm funkelten schon vereinzelt weit entfernte Sterne am Firmament. In dieser Nacht würde die Entscheidung fallen. Die Entscheidung darüber, wer als Sieger aus diesem kraftraubenden Kampf hervorgeht.

„Wenn das hier vorbei ist, werde ich mir ein paar Tage Urlaub nehmen!“, ging es mir durch den Kopf. Musste aber innerlich aufseufzen, da dies eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war. Es gab immer etwas zu tun.

Plötzlich riss mich etwas aus meinen Gedanken. Die Entscheidung des jungen Trainers war gefallen. Er hatte gewählt. Ohne zu zögern zückte er seinen nächsten Pokéball und warf ihn schwungvoll in die Luft mitten auf das Feld. Im nächsten Augenblick erschien auch schon mein nächster Gegner. Und es war nicht Stahlos.

Stattdessen blickten mir zwei kampfeswütige, gelbe Augen entgegen.

„Mit mir wirst du es nicht leicht haben!“, tönte es aus deren Richtung.

„Will ich auch gar nicht.“, konterte ich daraufhin sofort zurück. Daraufhin gab es nur ein verächtliches Schnauben und der Ehrgeiz blitzte in den gelblichen Augen weiter auf.

„Gib dein Bestes, Sumpex! Ich verlasse mich auf dich. Du wirst das ganz sicher packen!“, ermutigte sein Trainer es und mir entging nicht die starke Bindung zwischen den beiden, die stärker war als bei den anderen zuvor.

„Ich habe meinen Trainer bisher noch nie enttäuscht! Und das werde ich auch jetzt nicht!“, prophezeite mir das Sumpex, doch ich hielt noch immer dagegen.

„Das werden wir sehen!“, provozierte ich es weiter und versuchte damit zu erreichen, dass es blind vor Wut in den Kampf ziehen würde. Doch Sumpex hatte sich erstaunlich gut unter Kontrolle. Es würde seinen Trainer sicher nicht durch solche Kampfansagen in Verlegenheit bringen, indem es überstürzt handelte. Stattdessen blieb es ruhig und wartete geduldig auf die Ansagen seines Trainers. Und diese folgten auch, sobald sich der junge Mann vergewissert hatte, dass sein treues Pokémon bereit für den Kampf war und in diesen entscheidenden Minuten alles geben würde.

„Setz deinen Bodycheck gegen Rayquaza ein!“, hallte es über das Feld und ohne zu Zögern preschte Sumpex auf mich zu. Dabei war es so schnell auf seinen vier Beinen unterwegs, so dass es unseren Abstand schneller verringerte, als mir lieb war. Wenn ich mir jetzt nicht schnell etwas überlegte, würde ich die volle Kraft dieses Pokémon an eigenem Leib erfahren. Und bei dieser Entschlossenheit, die ich in seinen Augen erkannte, würde das sicherlich nicht ganz ohne schwerwiegende Verletzungen ausgehen.

Nach wie vor bewegte ich mich keinen Millimeter. Allerdings wollte ich Sumpex so nahe wie möglich an mich heran kommen lassen. Der Moment des Aufpralles schien immer näher zu kommen. Immer unausweichlicher.

Noch auf den letzten Metern erweckte Sumpex den Eindruck, noch schneller zu werden, weshalb es wieder nur sehr haarscharf war, dem Angriff mit meinem Turbotempo zu entgehen, doch darauf schien sowohl Trainer als auch Pokémon vorbereitet zu sein.

„Lass ihn ja nicht entwischen, Sumpex!“, ermahnte der junge Mann sein Pokémon, woraufhin es sofort eine halbe Drehung vollführte und mir eine gewaltige Hydropumpe entgegen spie. Diese kam so plötzlich, dass ich nichts dagegen zu setzen hatte. Mit voller Wucht trafen mich die Wassermassen an meiner Seite und brachten mich von meinem eigentlichen Kurs ab. Ich versuchte mich mit aller Kraft dagegenzustemmen, doch mein erster Versuch missglückte und der kraftvolle Wasserstrahl preschte noch immer gegen mich. Ich versuchte nun eine defensive Haltung einzunehmen, indem ich mich zusammenkauerte und schützend meine Arme gegen die Attacke richtete. Dies verschaffte mir ein wenig Zeit zum Gegenschlag auszuholen. Obwohl die Hydropumpe die ganze Zeit ohne Unterbrechung gegen mich strömte und mich erheblich strapazierte, schaffte ich es konzentriert zu bleiben und meine Kräfte zu bündeln. Als ich die nötige Energie beisammen hatte, stieß ich alles in Richtung der gegnerischen Attacke aus. Mein Hyperstrahl durchstieß die Wasserattacke und ließ sie regelrecht in Luft auflösen. Der nun nachlassende Druck von Sumpex Attacke, gab mir endlich die Freiheit wieder und so war ich in der Lage noch mehr Wucht hinter meinen eigenen Angriff stecken. Außerdem konnte ich nun endlich wieder meine Augen öffnen und war dabei, meinen Gegner in der Entfernung zu erspähen. Es dauerte nicht lange, da erblickte ich Sumpex, wie es sich nun ebenfalls in einer defensiven Haltung befand. Doch noch etwas anderes erregte meine volle Aufmerksamkeit: meine Attacke hatte bisher sein Ziel noch gar nicht erreicht!

Kampfeswille

Das konnte einfach nicht wahr sein! Seid dem Zeitpunkt, als ich meine Attacke gegen Sumpex gestartet hatte, wurde sie von seinem Schutzschild geblockt. Sie drang nicht zu ihm hindurch. Das machte mich rasend! Wie konnte dieses Pokémon nur meinen stärksten Angriff zunichtemachen?

Voller Wut versuchte ich noch mehr Power hinter meinen Hyperstrahl zu stecken, doch es brachte nichts. Er prallte nur wenige Meter vor Sumpex an einer unsichtbaren Mauer ab und zerstob dann in alle Richtungen. Hatte ich meinen Gegner vielleicht unterschätzt?

Nein! Diesen Gedanken verwarf ich schnellstmöglich und machte mich daran, meine derzeitige Situation zu analysieren und mir daraus eine neue Strategie zu entwickeln.

Wenn ich Sumpex weiterhin mit meinem Hyperstrahl attackieren würde, würde ich sicherlich in meinem jetzigen Zustand nichts erreichen können. Wäre es allerdings nach ein paar weiteren Angriffen ebenso geschwächt, würde es selbst seinen Schutzschild nicht mehr lange aufrechterhalten können. Und genau dies müsste ich mir zum Vorteil nutzen. Allerdings dürfte auch ich mich nicht zu sehr anstrengen. Meine letzten Reserven würde ich noch für meinen allerletzten Gegner dringend benötigen. Denn gegen Stahlos würde es nochmals ein erbitterter Kampf werden.

Nach einem letzten kraftvollen Abschluss, beendete ich meine Attacke und musste daraufhin kurz verschnaufen. Dennoch ließ ich das Wasserpokémon niemals aus meinen Augen. Egal welche Bewegung es vollführte, ich registrierte alles. So auch die aus der defensiven Haltung hervorgehende Aufrichtung des Pokémon und seine erneute Vorbereitung auf einen Bodycheck. Abermals bewegte es sich auf seinen vier Beinen in einem stürmischen Tempo auf mich zu. Wahrscheinlich dachte es, dass ich mich nach meiner Attacke kaum mehr bewegen konnte. Doch da irrte es sich gewaltig!

Während Sumpex weiter in meine Richtung preschte, erhob ich mich langsam wieder und erwartete seine Ankunft. Gemächlich streckte und schloss ich meine Krallen, um sie auf meine nächste Aktion vorzubereiten. Angriffslustig starrte ich in die Augen meines Gegners und für eine Sekunde schien ich einen kurzen Moment des Zweifels in deren Ausdruck erkannt zu haben. Vermutlich hatte Sumpex erwartet, dass ich wieder mit einem Turbotempo ausweichen würde. Doch als es meinem Blick begegnete, war es da wohl nicht mehr so sicher.

Wieder knackten die Knochen meiner Krallen.

„Nun komm schon!“, dachte ich ungeduldig und verengte meine Augen zu Schlitzen, um den idealen Augenblick abzupassen.

Sumpex war jetzt nur noch zwei oder drei Meter von mir entfernt, als es zum Absprung ansetzte und mit seinem vollen Gewicht mich zu Boden reißen wollte. Genau zu diesem Zeitpunkt spannte ich sämtliche Muskelgruppen an und stemmte mich mit aller Kraft gegen meinen Angreifer. Während dieses Zusammenpralls schafften wir es beide, die Arme des jeweils anderen zu packen, sodass wir uns nun gegenüberstanden und ein Armdrücken-Duell veranstalteten.

„Ich hab dich wohl zu Anfang unterschätzt.“, knirschte ich mit den Zähnen und versuchte dabei noch freundlich zu klingen.

„Ich dachte auch, dass du bereits mehr Energie verloren hast. Aber dem ist wohl nicht so.“, gab Sumpex im gleichen Tonfall zurück.

Keiner von uns wagte es auch nur einen Millimeter zurückzuweichen. Stattdessen legten wir all unsere Kraft in diesen Zweikampf und starrten dem Gegenüber verbissen in die Augen.

„Aber ich werde nicht derjenige sein, der verliert!“, entgegnete es entschlossen.

„Komisch. Das habe ich auch gerade gedacht.“, antwortet ich kess und verstärkte meinen Druck. Daraufhin erwiderte Sumpex diesen und sah jetzt etwas ungehaltener aus. Jetzt wollte ich nicht noch mehr sinnlose Kraft verschwenden und holte zum Gegenschlag aus.

„Und daher werde ich das auch in die Tat umsetzen!“, sagte ich energisch. Im gleichen Moment umgriff ich beide Handgelenke von Sumpex, drehte mich ein und wuchtete ihn über meine Schulter. Ehe es überhaupt realisieren konnte, was mit ihm geschah, schleuderte ich das Pokémon mehrere Meter von mir weg und Sumpex stieß nur ein fassungsloses Schreien aus, während es einen Freiflug machte. Bei seinem harten Aufprall, ächzte es mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, versuchte sich aber schnellstmöglich wieder aufzurichten. Als es halbwegs auf seinen Beinen stand, war ich schon längst im Anflug mit erhobener Klaue. Nur noch einen harten Treffer landen, dann wäre dieser Kampf vorbei!

Doch Sumpex reagierte schnell, indem es wieder zu seiner kraftvollen Hydropumpe ansetzte. Sofort kamen mir die Wassermassen wieder entgegen und drohten mich erneut wegzuschleudern. Dieses Mal hatte ich die Situation allerdings im Griff. So wendete ich mich noch im Flug von der Attacke ab, indem ich seitlich auswich und weiter auf meinen Gegner zusteuerte. Dieser gab jedoch nicht auf und versuchte seine Attacke wieder auf mich zu lenken, allerdings blieb auch das erfolglos, da ich jedesmal Haken schlug und der Attacke entging. Bald darauf war ich nah genug an Sumpex herangekommen und erhob mich vor ihm in voller Größe. Nur ein erstarrtes Gesicht blickte zu mir empor, bevor ich zu meiner Drachenklaue ausholte und ihm einen seitlichen Hieb verpasste, der das Pokémon noch um einige Meter weiter wegschleuderte. Aber sein Kampfeswille war sehr stark, weshalb es sich wieder langsam aufraffte. Dennoch entging mir nicht sein Keuchen, was mir seinen entkräfteten Zustand verriet und mich dafür selbstgefällig grinsen ließ. Bald hatte ich mein Ziel erreicht! Es würde nicht mehr allzu lange dauern.

Nochmals bündelte ich meine Energie, um für meine kraftvollste Attacke auszuholen. In der Zeit nahm auch Sumpex seine restliche Kraft zusammen und versuchte sich wieder gänzlich zu erheben. Kurze Zeit schaffte das Pokémon es auch, doch dann brach es wieder ein und stützte sich auf einem Bein ab, während es noch immer vor Erschöpfung nach Atem rang.

Das war meine Chance!

Ohne zu zögern richtete ich meinen Hyperstrahl auf meinen ein paar Meter von mir entfernten Gegner und rechnete wieder damit, dass es mit seinem Schutzschild die Attacke abzuwehren versuchte. Und genauso kam es. Nur dieses Mal war es deutlich schwächer als davor. Sumpex hatte sichtlich Mühe, den Schild aufrechtzuerhalten. Und das nutzte ich aus. Sobald ich merkte, dass es etwas in sich zusammensackte, setzte ich noch eins drauf. Die Abwehr wurde zusehends schwächer und kurz vor dem Zusammenbruch mobilisierte ich nochmal meine Kräfte und zeigte meine Überlegenheit.

Dann geschah es! Die schützende Schicht löste sich auf und mein Angriff traf das schon entkräftete Pokémon und gab ihm somit den Rest.

Von mir bezwungen lag es mit allen Vieren von sich gestreckt auf den Bodenplatten vor den Füßen seines Trainers, der dem Kampf nur mit entsetzten Blicken beigewohnt hatte. Nun hockte er sich zu seinem treusten Partner hinunter und tätschelte es leicht, während er beruhigend zu ihm sprach.

„Du hast sehr gut gekämpft. Nun ruh dich aus.“

Während der junge Mann mit seinem Sumpex beschäftigt war, nutzte ich die Gelegenheit mit meiner Erholung ein paar Kräfte wieder aufzutanken. Schließlich stand mir jetzt mein härtester Kampf bevor: Stahlos.

Verbundenheit

Ich fiel wieder in eine Art Dämmerzustand, während die Erholung seine Wirkung entfaltete. Derweil beobachtete ich den jungen Trainer, der sein Sumpex in den kleinen Ball zurückgerufen hatte und sich nun langsam erhob. Als er sich aufgerichtet hatte, waren seine Augen geschlossen und anfangs dachte ich, er würde diesen Kampf abbrechen wollen, weil er erkannte, dass er mir doch unterlegen war. Aber da irrte ich schon wieder. Für mich war es wirklich schwer, diesen Trainer in irgendeiner Weise zu verstehen. Bei ihm war alles anders. Das hatte ich schon zu Beginn herausgefunden. Und jetzt war ich mir auch hundertprozentig sicher, dass er der Grund meines plötzlich aufgetretenen Impulses war, der mich von meinem Streifzug hierher zum Himmelsturm führte. Eine höhere Macht musste uns beide an diesen Tag hierher zusammengeführt haben. Anders konnte ich es mir nicht erklären. Heute sollten wir beide – der Trainer und ich – unsere Kräfte und vielleicht auch Grenzen erfahren. Nur, wer in die Schranken gewiesen und wer als einziger triumphieren würde, das würde der alles entscheidende, letzte Kampf offenbaren.

Lauschend vernahm ich ein tiefes Einatmen des jungen Mannes und noch immer waren seine Augen geschlossen. Doch hinzu kam noch etwas weiteres: er lächelte.

Misstrauisch verharrte ich noch immer in meiner Position und beobachtete dabei den Menschen. Eine innere Zufriedenheit machte sich in ihm breit, so schien es mir. Allerdings konnte ich diese Regung bei ihm nicht richtig nachvollziehen.

Ehe ich mir jedoch weitere Gedanken darüber machen konnte, schritt der Mensch ein paar Meter in meine Richtung. Normalerweise hieß dies sofortige Alarmbereitschaft, doch in meinem tiefsten Inneren wusste ich, dass ich keine Gefahr zu befürchten brauchte. Nichtsdestotrotz behielt ich eine gewisse Skepsis bei der Sache bei. Man konnte ja nie wissen.

Bald war der junge Trainer nur noch ungefähr zehn Meter von mir entfernt, ehe er stehenblieb. Seine Augen weiterhin geschlossen. Sein Mund weiterhin an den Mundwinkeln leicht nach oben gezogen.

„Ich muss gestehen“, begann er zu mir sprechend, „dass ich diese Kampfentwicklung nicht vorausgesehen habe. Ich dachte, ich könnte dich schon eher besiegen. Dass ich jetzt nur noch ein Pokémon habe, hätte ich nie für möglich gehalten.“

Ein kurzes Lachen ertönte. Danach folgte ein tiefer Seufzer. „Es ist wirklich nicht einfach gegen Euch anzutreten, Rayquaza. Das muss ich mir nun eingestehen. Viele hielten mich verrückt, an diesem Plan festzuhalten. Dennoch hatte ich den weiten Weg auf mich genommen, hatte mich und meine Pokémon auf diesen einen Kampf vorbereitet und nun stehe ich mit nur noch einem einzigen verbliebenen Pokémon hier vor Euch.“

Gespannt hörte ich ihm zu. Wusste er, dass ich gerade meine Erholung einsetzte und dadurch mir meine alten Kräfte aneignete? Oder ließ er mich aus freien Stücken gewähren? Wollte er einen letzten fairen Kampf haben, da sein Stahlos – entgegen meiner Vermutung – noch seine vollen Kräfte zur Verfügung hatte?

Meine Erholung war bereits weit vorangeschritten. So oder so hätte es nichts mehr genutzt. Also hörte ich ihm weiter zu. Allerdings belustigte mich der Gedanke, dass ein Mensch mit mir redete! Dies gab es seit Jahrhunderten nicht mehr. Ein Schmunzeln konnte ich mir dabei nicht verkneifen.

„Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich deshalb keinesfalls den Kampf aufgeben werde!“ Seine Stimme klang nun energischer als vorher, weshalb ich zu ihm blickte und bemerkte, dass er seine Augen nun auf mich gerichtet hatte. Seine roten Pupillen trafen sich mit meinen gelben und es schien, als würde sich die Luft zwischen uns mit einer elektrischen Spannung aufladen. Ein faszinierender Augenblick, der mich dazu antrieb, beim nächsten Kampf meine Höchstform aufleben zu lassen.

„Besonders nicht mit meinem letzten Pokémon. Es wird ein harter Kampf zwischen Euch und meinem Stahlos werden. Das weiß ich. Dennoch glaube ich fest daran, dass ich Euch besiegen kann. Ihr solltet mich und meine Pokémon genauso wenig unterschätzen, wie ich Euch nicht unterschätze!“

Eine kurze Pause trat ein. Meine Erholungsphase war nun vorüber und meine Energie wieder vollständig regeneriert. Langsam erhob ich mich und richtete mich ein wenig vor dem jungen Mann auf. Nun musste dieser ein wenig zu mir empor blicken, um weiterhin in meine Augen blicken zu können. Ich ließ meinen Blick währenddessen ebenfalls nicht von ihm ab und nach seiner Ansprache war ich nun fest entschlossener denn je, im folgenden Kampf alles zu geben. In meinen Augen war er ein äußerst ernst zu nehmender Gegner geworden, den ich mit keinem Menschen, dem ich je in meiner langen Lebenszeit begegnet war, vergleichen konnte.

Dieser Tag.

Dieser junge Mann.

Beides würde heute mein Leben sicher entscheidend prägen.

Das wusste ich.

„Wenn Ihr also bereit seid, würde ich gerne diesen einen, letzten Kampf beschreiten. Nicht um der Sucht des Trainerdaseins willen, alle Pokémon zu fangen. Nicht um des Ruhmes wegen, den ich vielleicht erlangen könnte…“ Jetzt holte er seinen Pokéball heraus und während er diesen in die Luft warf und sein Stahlos mit einem gewaltigen Brüller erschien, beendete er seinen letzten Satz mit folgenden Worten: „Sondern allein um meine Fähigkeit als Trainer zu beweisen und meine Verbindung zu meinen Gefährten auf die Probe zu stellen!“

Stahlos befand sich direkt an der Seite seines Trainers, der nun eine Hand auf die granitharten Felsen von seinem Pokémon legte und ihm somit eine ganz besondere Art der Zuneigung entgegenbrachte, die mir schon fast fremd war. Als wären beide Wesen eins, hatten sie zur gleichen Zeit, als die warme Hand den kühlen Körper berührte, die Augen geschlossen und öffneten sie synchron, ehe sie sich mit einem intensiven Blick in die Augen schauten.

Diese tiefe Verbundenheit ließ mich erschaudern. Dieses Gefühl war mir tatsächlich fremd und ich wusste nicht, ob ich mich danach jahrzehntelang gesehnt hatte oder ob ich davor geflüchtet war. Ich wusste es nicht.

Doch in einem war ich mir noch nie so sicher gewesen: egal wie dieser Kampf auch ausgehen mochte. Ich würde die beiden unter eine harte Probe stellen und ihnen ihr ganzes Können abverlangen. Dies sollte ein wirklich wahrer Kampf der Giganten werden. Stahlos und ich würden keinesfalls zulassen, dass man uns in die Knie zwingt und genauso wenig würden wir unsere Kräfte zurückhalten.

Nun war der Anfang vom Ende gekommen.

Ich begab mich in meine Angriffsstellung und brüllte meinen Gegnern zu, dass ich bereit für den Kampf war und nichts lieber täte, als endlich anzufangen und herauszufinden, wer von uns der Stärkere war.

„Rayquaaazaaaaa!“

Tribut

Während unseres ersten Schlagabtausches, hatte sich der Trainer sicherheitshalber etwas zurückgezogen. Denn bei solchen Kolossen, wie wir es waren, wäre es gefährlich gewesen, sich in der Nähe aufzuhalten. Besonders wenn man nicht vorausschauen konnte, was als nächstes passieren könnte.

Stahlos und ich schenkten uns nichts. Jeder versuchte seinen Gegner mit einer gewaltigen Attacke nach der anderen einen weiteren Teil seiner Lebensenergie abzunehmen, bis es einen gab, der erschöpft zusammenbrechen würde.

In diesen ersten Minuten bemerkte ich schnell, dass unsere erste Begegnung nichts im Vergleich zu jetzt war. Vorhin schien Stahlos nur die Hälfte seiner Kraft zu gebrauchen. Als ob es sich nur meiner Kraft und meines Potenzials vergewissern wollte. Nun schien es wie ausgewechselt. Als wäre dies wirklich der Kampf seines Lebens.
 

Unser Kampf hatte gleich nach meinem Einstiegsgebrüll angefangen, indem Stahlos mich mit seinem Eisenschweif attackiert hatte. Diesem war ich jedoch flink mit meinem Turbotempo ausgewichen und wollte zum Gegenschlag ausholen. Doch schon im nächsten Moment waren mir unzählige Gesteinsbrocken entgegengeschleudert worden, denen ich ebenfalls ausweichen musste. Während dieser Ausweichmanöver, hatte mich Stahlos verfolgt und war nun dabei, mich mit seinem riesigen Maul regelrecht zu zerknirschen. Kampflos wollte ich mich jedoch nicht von ihm erwischen lassen, sodass ich ihn mit meiner Drachenklaue jedes Mal auf Abstand gehalten hatte, ihn jedoch ebenfalls nie erwischt hatte, da er mir genauso schnell ausgewichen war. Nur ein einziges Mal hatte ich ihm mit meiner Drachenklaue einen platzierten Hieb ins Gesicht mitgegeben, doch diese Aktion hatte mich wenig später die Konsequenzen tragen lassen.

Nach diesem Schlag ins Gesicht, hatte Stahlos wenige Sekunden inne gehalten, ehe es mir einen gereizten Blick entgegen geworfen hatte. Anscheinend konnte die Stahlschlange dies überhaupt nicht gut ab. Mit einem mehr als wütenden Brüller, hatte es einen so gewaltigen Sandsturm entfacht, dass ich meine Arme schützend vors Gesicht halten musste. Natürlich war dies nicht das einzige, was mir entgegen gebracht wurde. Ohne Vorwarnung war plötzlich ein riesiger Felsbrocken nur wenige Zentimeter neben mir gelandet. Daraufhin wusste ich, dass Stahlos wieder seine Attacke Steinkante eingesetzt hatte und mich nun mit mehreren Gesteinsklumpen außer Gefecht setzen wollte.

Noch ehe ich meinen Gedanken zu Ende denken konnte, waren mir weiter Brocken entgegen gekommen, wovon mich nur ein Bruchteil wirklich verfehlt hatte. Der Rest war auf mich eingeprasselt und hatte an meiner Abwehrhaltung gezerrt.
 

Ohne weiter darüber nachzudenken, versuchte ich mithilfe meines Turbotempos sowohl vor den herbei fliegenden Steinen zu fliehen, als auch vor dem Sandsturm, der noch immer meine Sicht stark einschränkte. Bei diesem Manöver konnte ich es dennoch nicht verhindern, von einigen wenigen Felsen getroffen zu werden, doch bald hatte ich das Ende des Sturmes erreicht und flog nun direkt über diesem.

Von oben erblickte ich einen gewaltigen Sand-Wirbelsturm, der die gesamte Plattform des Himmelsturmes einnahm. Dieser einem Tornado gleichende Sturm, beeindruckte mich zutiefst.

„Dass ich noch vor wenigen Sekunden da drin war…“, keuchte ich nun doch etwas stärker, da diese Kombination von Stahlos und meinem Fluchtversuch mir reichlich zugesetzt hatte. Jetzt war jedoch keine Zeit für eine Verschnaufpause, da Stahlos bemerkt hatte, dass ich nicht mehr in seinem Sandsturm gefangen war und sich nun anders orientierte. Ich überlegte nur flüchtig, wie ich meinen Hyperstrahl am besten einsetzen konnte. Da kam mir der Sandsturm in den Sinn, der ja einem Tornado glich.

Ich bündelte meine Kraft abermals in meinem Rachen und wartete, bis sie groß genug war. Als ich glaubte, genügend Energie gesammelt zu haben, visierte ich das Auge – also die Mitte – des Sturms an und ließ meinem Hyperstrahl freien Lauf.

Mit einem enormen Tempo und einer enormen Kraft, durchstob meine Attacke den Sandsturm und traf direkt auf Stahlos, das sich im Mittelpunkt geschützt geglaubt hatte. Aufgrund dieses Überraschungsmomentes, brüllte mein Gegner markerschütternd auf, als mein Angriff seine Wirkung tat. Daraufhin brach auch der Rest des Sandsturms in sich zusammen und aus der Luft konnte ich nur einen bewegungslosen Gegner erkennen. Leider forderte dieser Hyperstrahl auch seinen Tribut und ich sank ein wenig entkräftet gen Boden. Dort angekommen, stützte ich mich mit meinen Armen ab, um gegebenenfalls schneller wieder ausweichen zu können.

Mein Blick wanderte währenddessen von Stahlos, das sich langsam wieder aufrappelte, rüber zu seinem Trainer, der sich in einer – für mich soweit erkennbaren – angespannten Haltung befand. Erst einen Augenblick später realisierte ich, dass er etwas fest umklammert in seiner Hand hielt. Meine Augen weiteten sich unverzüglich, als mir bewusst wurde, was er dort in der Hand hielt und was er damit anstellen würde.

Von dem gelb-schwarzen Pokéball in seiner Hand, wandte ich meinen Blick sofort zu dem des Trainers. Ich konnte seinen inneren Konflikt förmlich spüren.

Sollte er oder sollte er nicht?

Würde er es tatsächlich wagen, jetzt mit einem Pokéball nach mir zu werfen, in der Hoffnung, ich sei schon zu geschwächt, als dass ich diesem standhalten könnte? Erwartungsvoll blickte ich zu ihm hinüber. Doch zu meinem Erstaunen, ließ er den Arm wieder etwas sinken und wartete stattdessen auf einen besseren Zeitpunkt.

„…bis ich völlig bewegungsunfähig auf dem Boden liege“, dachte ich gerade. Dann würde er mich sicherlich fangen können. Allerdings hieße das, dass Stahlos mich bezwingen könnte und das bezweifelte ich. Noch.

Gerade sah ich wieder zu meinem Gegner hinüber und musste feststellen, dass dieser sich schon wieder aufgerichtet hatte und zu mir blickte. Sein Lächeln beunruhigte mich und sagte mir, dass Stahlos noch lange nicht am Ende seiner Kräfte war, so wie es bei mir an meinem Zustand vielleicht aussehen mochte. Doch da würde er sich gewaltig irren, wenn er dachte, ich stünde kurz vor meiner Niederlage.

Ich schüttelte meinen Körper kurz durch, bevor ich mich ebenfalls wieder aufrichtete. Stahlos’ Blick veränderte sich nicht, sein Grinsen wurde andernfalls noch breiter, als würde er sich freuen, dass es weiter ginge. Ohne ein weiteres Zögern ergriff es die Initiative und stürmte mit seinem Kampfgebrüll auf mich zu. Währenddessen begann es wieder mich mit etlichen Gesteinsbrocken zu bewerfen, die auch kurze Zeit später in meinem Umfeld auf den Boden donnerten. So gut es ging, versuchte ich diese mit meiner Drachenklaue entweder entzwei zu spalten oder in eine andere Richtung abzulenken. Fürs Ausweichen war ich zu schwach, denn auch mein Turbotempo konnte ich nicht für alle Ewigkeiten einsetzen. Deswegen verblieb nur diese radikal Variante, die mir allerdings auch zunehmend an meinen Kräften zerrte.

Als Stahlos nur noch wenige Meter von mir entfernt war, hielt auch der Gesteinsbeschuss an. Wahrscheinlich wollte es seine Kräfte für eine bestimmte Attacke sammeln und durch den glühenden Schweif, wusste ich bereits, um was es sich handelte.

„Also gut. Das wird es also. Unser Kampf neigt sich dem Ende zu. Entweder ich überstehe diesen Angriff oder eben nicht. Ich bin gespannt.“ Mit einem angriffslustigen Grinsen stellte ich mich meinem Gegner entgegen. Ich würde versuchen, diesem Eisenschweif mit meiner Drachenklaue entgegenzuwirken und eventuell zurückzuschleudern. Falls es gelingen sollte, wären Stahlos und ich gemeinsam am Ende unserer Kräfte. Sollte es mir wider erwartend nicht gelingen, dann… Tja, was dann passieren würde, konnte ich mir bereits vorstellen, sprach es aber nicht aus.

Ich sah den hellweiß glühenden Stahlschweif auf mich zu schwingen. All meine noch verbliebene Kraft steckte ich in meine rechte Klaue und schleuderte sie gegen die Attacke meines Gegners. Meine Kralle prallte mit dem Schweif von Stahlos zusammen und eine ungeheure Kraft entfaltete sich bei diesem Zusammenstoß. Keiner von uns wollte nachgeben und doch konnten wir nicht mehr lange dieser Wucht standhalten. Stahlos und ich keuchten und brüllten alles noch verbliebene aus unseren Kehlen heraus, bis uns endgültig der Energiestoß, der bei der Zusammenkunft unserer beiden Kräfte sich geformt hatte, uns in entgegen gesetzte Richtungen hinweg katapultierte.

Irgendwie schien alles plötzlich in Zeitlupe abzulaufen.

Während ich noch in der Luft rücklings zum Boden flog und sich meine Glieder partout nicht mehr kontrollieren ließen, sah ich aus den Augenwinkeln wieder den jungen Mann, der diesmal tatsächlich vorhatte, mich mit seinem Pokéball einzufangen. Ich sah noch, wie er weit ausholte und den Ball nach mir warf, kurz bevor ich auf dem Plateau des Himmelsturms aufprallen würde. Ich schloss meine Augenlider.

Mein Himmelsturm. Meine Stätte. Dort, wo ich zum ersten Mal einen Kampf verloren hätte.

Mit einem dumpfen Ton, schlug ich ein einziges Mal auf dem Boden auf, ehe etwas kleines, mir Unbekanntes mich am Rücken berührte und abprallte und ein Klicken verursachte.

Ich wartete darauf, dass ich abermals auf dem Boden aufprallen würde, doch nichts passierte. Nur eine geheimnisvolle Schwerelosigkeit umgab mich und ließ mich in einen schlafartigen Trance-Zustand verfallen…

Entscheidung

Alles um mich herum war furchtbar dunkel. Nichts in meiner unmittelbaren Umgebung konnte ich erkennen. Selbst meinen Körper konnte ich nicht ausmachen. Was war hier nur los?

Angestrengt versuchte ich nach einer Lösung zu suchen, doch alles, was mir in den Sinn kam, verflüchtigte sich zu einer unbekannten Leere. Irgendwie wollte ich eine Lösung finden, aber irgendwie auch wieder nicht. Wo immer ich mich auch befand, in diesem Raum fühlte ich mich unbeschwert und auch geborgen, obwohl ich von einer fremdartigen Dunkelheit umgeben war.

Ich bewegte mich keinen Zentimeter und irgendwie wollte ich das auch nicht. In einem schwerelosen Zustand verharren – mehr wollte ich wirklich nicht. Sich einfach der Ruhe und Stille hingeben. Das war alles, was mir in den Sinn kam. Mich erfüllte eine seltsame Gleichgültigkeit oder anders gesagt: ich entspannte mich vollkommen.

Ich trieb in diesem unbekannten Nichts umher, ohne irgendwelche Sorgen.

Mein Atem ging ruhig und gleichmäßig.

Nichts denken. Nichts fühlen.

Nichts.

Ich schien mich in diesem Nichts zu verlieren…

Ein greller Lichtblitz ließ mich aufschrecken und plötzlich waren all meine Sinne wieder geschärft. Meine Umgebung war mit einem Mal von einer grellen Helligkeit umgeben und von irgendwoher hörte ich eine Stimme. Ich kannte diese Stimme und mit einem Mal erinnerte ich mich wieder: der Trainer!

„Komm heraus, Rayquaza!“

Nachdem ich diese Worte gehört hatte, wechselte der helle Schein zu einer mir sehr bekannten Umgebung. Ich fühlte, spürte, roch und sah meinen Himmelsturm! Ich war wieder in Freiheit!

Ich blickte in den nun dunklen, klaren Nachthimmel, an dem sich das funkelnde Sternenmeer ausgebreitet hatte. Eine kühle Brise wehte mir um die Nase und mit einem tiefen Luftzug schmeckte ich das Salz des Meeres darin.

Kurz darauf drehte ich mich um. Den Trainer hatte ich selbstverständlich nicht vergessen. Er blickte zu mir empor, während ich aus meinen luftigen Höhen zu ihm hinunter glitt. Diese roten Augen, die mich anstarrten. Sie strahlten nicht mehr diesen starken Kampfeswillen aus. Aus ihnen strahlte eher eine wundervolle Wärme, die mich sofort ergriff. Eine seltsame Vertrautheit verband mich plötzlich mit diesem jungen Mann, gegen den ich noch vor kurzem einen erbitterten Kampf geführt hatte. Seltsames Gefühl.

„Rayquaza“, sprach er mich an, „Ich habe es tatsächlich geschafft, dich zu fangen! Die vielen Jahre, wofür ich gekämpft hatte, waren also nicht umsonst und ich konnte mich in einem harten Duell dir gegenüber beweisen. Ich hoffe, du erkennst meine Stärke nun an.“

Während ich über seine Worte nachdachte, blickte ich weiterhin in seine ausdrucksstarken Augen. Es stimmte. Er hatte mich tatsächlich gefangen. Am Ende war ich einfach zu geschwächt, als dass ich mich dagegen hätte wehren können. Es ging alles auch viel zu schnell.

Allerdings musste ich mir eingestehen, dass dieser Raum im Pokéball nicht wirklich schlecht war. Ein wunderbarer Ort zum Erholen und an dem man sich keinerlei Sorgen machen musste. Dort waren Pokemon wirklich gut aufgehoben und vor jeglichem Einfluss geschützt. Der Erfinder muss ein großartiger Mensch gewesen sein.

Dennoch zog ich die Freiheit einem Pokéball vor. Aber wer wusste schon, ob ich diesen Wunsch jetzt überhaupt noch Folge leisten konnte? Schließlich gehörte ich jetzt zu einem Pokémontrainer. Ich wurde in einem fairen Kampf auf ehrliche Weise gefangen. Und ja. Ich erkannte die Stärke dieses jungen Mannes tatsächlich an.

„Rayquazaa“, sagte ich zu ihm und teilte ihm meine Gedanken mit..

Daraufhin tat er einen erleichterten Atemzug und schloss dabei seine Augen. Ein zufriedenes Grinsen huschte über sein Gesicht, ehe er wieder zu mir aufblickte und mich diesmal mit einem ernsten Gesichtsausdruck anblickte.

Lange Zeit herrschte Stille und nur der Wind heulte ab und zu auf. Dann richtete der junge Trainer wieder sein Wort an mich.

„Es ist wirklich eine große Ehre für mich, ein legendäres Pokemon wie Ihr es seid, einmal in meinem Leben gefangen zu haben. Doch für mich war dies nichts weiter als ein Test. Eine Prüfung, der ich mich selbst unterzogen hatte. Ich wollte meinen Mut, meine Stärke und meine Fähigkeit als Trainer unter Beweis stellen. Ich wollte sehen, ob meine Pokemon durch mich stark genug geworden sind, um es mit einem legendären Drachenpokémon aufnehmen zu können. Und ja. Sie haben es geschafft! Mehr wollte ich mit diesem Kampf nicht erreichen. Daher gebe ich dir deine Freiheit wieder. Du kannst wieder deiner Wege gehen.“

Wieder blickten diese roten Augen meinen gelben entgegen. Wieder versteckte sich hinter ihnen eine gewisse Entschlossenheit.

„Er will mich tatsächlich nicht bei sich behalten? Mich nicht mit auf seine zukünftigen Reisen mitnehmen – falls es noch welche geben würde. Mit mir seine Gegner das Fürchten lehren? Er lässt mich tatsächlich frei?“, dachte ich überrascht. Eine seltsame Wahl wie ich fand. Aber Entscheidung blieb Entscheidung und ich würde ihn garantiert nicht umstimmen wollen.

Allerdings hatte er mich ja nun gefangen und irgendwie wollte ich das Gefühl nicht loswerden, dass ich ihm deswegen dennoch von Nutzen sein könnte oder ihm in irgendeiner Weise meine Stärke zur Verfügung stellen konnte. Ich verspürte einen tiefen Drang ihm sagen zu wollen, dass er mich jederzeit rufen könne, wenn er meine Hilfe in Anspruch nehmen wolle. Er hat mir bewiesen wie stark er war und ich habe sie anerkannt. Und gerade deswegen wollte ich ihm das auch zeigen.

„Ray—Rayquazaa!“ Er würde es zwar nicht verstehen, aber ich wollte ihm meine Entscheidung unbedingt mitteilen.

Wie gebannt beobachtete ich weiterhin den Trainer vor mir. Wieder schlich sich ein erleichtertes Grinsen auf sein Gesicht, das ich in keinster Weise deuten konnte. Er hatte mich doch nicht etwa verstanden?

„Ich glaube zu wissen, was du mir sagen willst. Und in diesem Falle nehme ich dein Angebot gerne an.“

Ein wenig geschockt betrachtete ich diesen Menschen vor mir. Konnte es vielleicht sein, dass die Trainer durch den Fang eines Pokemon sich mit ihm soweit geistig verbinden, dass diese die Gedanken und Gefühle ihrer Pokémon erspüren können? Ein Rätsel dass ich zu gerne lösen würde. Aber dafür bräuchte ich einen Trainer. Doch der einzige, der es je geschafft hatte, mich – eines der Legendären und Hüter der Welt – zu fangen, ließ mich wieder frei und kehrte mir den Rücken!

Während unseres Gespräches, wenn man es so nennen mochte, war Stahlos, das ebenfalls ziemlich mitgenommen aussah, hinzugekommen und neben seinen Trainer gekrochen. Dieser erhob daraufhin seine Hand und strich liebevoll über den Kopf der Stahlschlange, die dafür den Kopf gesenkt hatte. Entspannt schloss es die Augen.

„Du hast wirklich ausgezeichnet gekämpft, Stahlos. Und auch ihr anderen“, jetzt wandte er sich an seine anderen Pokemon, die gerade in ihren Pokébällen waren, „Ihr habt alle großartig gekämpft und mir einen Wunsch in Erfüllung gehen lassen, den ich ohne euch nie hätte erreichen können! Ihr habt euch eine lange Pause verdient! Lasst uns nun wieder nach Hause gehen. Es war ein langer Tag.“

Während der Trainer nach dem Pokéball von Stahlos suchte, wandte dieses sich an mich. „Du hast wirklich einen großartigen Kampfstil. Mein Trainer hätte sicherlich mit dir an seiner Seite noch viele Kämpfe bestritten und hätte deine Techniken noch weiter verbessert. Aber es ist wohl besser, dass du weiterhin in Freiheit lebst. Es ist ja nichts so, dass wir anderen nicht wissen, wie wichtig du und ihr anderen Legendären für uns und die Welt seid“, grinste es mir zu und fuhr weiter fort, „Daher ist das wohl die beste Entscheidung. Auch wenn ich dich gerne bei uns im Team gesehen hätte.“

„Auch ich muss gestehen, dass ich es gerne erlebt hätte, wie es ist, unter einem Menschen oder besser gesagt einem Trainer zu stehen. Ein solches Erlebnis hatte ich noch nie und man kann ja immer mal was neues ausprobieren.“, entgegnete ich ihm.

„Tja, wenn das so ist, lass dich doch einfach vom nächstbesten Trainer fangen, der es wagt, dich herauszufordern!“

„Na, ich denke, ich hab erstmal genug von diesen ganzen Kämpfen. Außerdem wäre es ja langweilig, sich einfach so geschlagen zu geben. Das ist nicht mein Stil.“

Daraufhin mussten wir beide breit grinsen.

Es war wirklich erstaunlich, wie zwei so harte Rivalen in einem Kampf sich nun derart verstanden. Nicht nur zum Trainer schien ich eine gewisse emotionale Bindung aufgebaut zu haben. Auch zu seinen Pokemon fühlte ich mich nun näher als vorher. Ein Band der Freundschaft fing an sich langsam zu knüpfen…

Der Trainer hatte nun den Pokéball auf sein Stahlos gerichtet und rief es zurück. „Vielleicht sieht man sich ja wieder.“, sagte es zu mir, ehe es in seinem Pokéball verschwand. Auch der junge Mann wandte sich an mich: „Auf Wiedersehen, Rayquaza.“ Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit.

Und ich blieb allein zurück.
 

Ein frischer und kühler Nachtwind wehte mir um die Nase, während ich mehrere hundert Kilometer über Hoenn dahinflog. Ich durchstob einzelne Wolken, die daraufhin einen nassen Film auf meinen Schuppen hinterließen.

Ich würde wieder auf meinen üblichen Patrouillenflug gehen und zu den verschiedenen Ländern fliegen, um dort nach dem Rechten zu sehen.

„Auf Wiedersehen, junger Trainer.“

Und ein Wiedersehen – das wusste ich – würde es ganz bestimmt geben.



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Kommentare zu dieser Fanfic (26)
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Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T21:22:04+00:00 29.09.2011 23:22
Doch, das Ende gefällt mir. Hätte er Rayquaza behalten, hätte ich ihn für einen platten, normalen Trainer gehalten. So aber beweist er, dass er etwas besonderes ist.
So inetwa hätte ich mir das Ende auch gewünscht - Rayquaza frei, und vielleicht mit Akzeptanz für den Trainer und seine hart trainierten Pokémon. Und so ist es auch gekommen.

Eine sehr schöne Geschichte - super aufgebaut, immer spannend, und mit wunderbaren Einblicken in das Innenleben der Figuren - sei es über ihre Äußerungen oder ihre Gedanken.

Lg

Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T21:12:32+00:00 29.09.2011 23:12
Wäääääääääääääääh! Frechheit, etwas Heiliges zu fangen! Etwas mehr Respekt vor dem Altertum bitte *Archäologin desu*!

Armes, armes Rayquaza. Letztendlich ist der Trainer been doch nur ein Trainer. Ich hätte es ganz ehrlich für wahre Charakterstärke gehalten, hätte er es nicht gefangen.
Natürlich, er wird sich wunderbar mit seinem neuen Poki anfreunden und die Verbundenheit werden beide fühlen ... blablabla. Nettes Ende, aber nicht episch.
Aber der Kampf war episch. Und unglaublich gut beschrieben. Mir tut es nur so Leid, dass Rayquaza verloren hat. Und wie es an seinen Turm denkt, seine Stätte. Das zerreißt einem das Herz.

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T21:03:26+00:00 29.09.2011 23:03
Und jetzt kommt der Showdown.
Na, jetzt hast du dem Trainer aber mit einem Mal Profil gegeben! Und das nicht zu wenig. So gefällt er mir schon eher. Solange er nicht vor hat, Rayquaza zu fangen.

Na dann ... auf zum letzten Gefecht!
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:58:46+00:00 29.09.2011 22:58
Was für ein spannender Kampf! Du hälst die Spannung wirklich die ganze Zeit über aufrecht.
Es ist erstaunlich, wie du es schaffst, den Trainer ganz und gar zu einer Nebenrolle zu degradieren. Es ist ein Kampf, aber man konzentriert sich trotzdem fast nur auf Rayquaza, bestenfalls noch auf die anderen Pokémon.

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:49:58+00:00 29.09.2011 22:49
Oh? Wo ist sie dann hingegangen? Zum Trainer? Woanders hin?
Sumpex ist doch eigentlich auch ein starkes Pokémon. Von wegen schwach. Aber wild.
Hm, Was nun, Rayquaza? Wie geht das wohl aus?

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:45:15+00:00 29.09.2011 22:45
Nidoking und Eisstrahl? Ungewöhnlich, aber eien gute wahl gegen einen Drachen. Na, zumindest kann der Trainer kämpfen.
Dass Stahlos so ein Problem für Rayquaza ist, hätte ich gar nicht gedacht. Aber gut, es ist ziemlich robust. Und es grinst wirklich fies.

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:40:09+00:00 29.09.2011 22:40
Wow ... es geht ganz schön hart zu! Langsam mache ich mir ernste Sorgen, ob Rayquaza da nun durchkommt oder nicht. Ich fänds blöd, wenn der sechste platz im Team tatsächlich für Rayquaza bestimmt ist und geschafft wird ... es ist immerhin ein wichtiges Pokémon, dass die Welt im Gleichgewicht hält ^^°. Das kann man doch nicht von der Arbeit abhalten.
Immer noch sehr spannend geschrieben.

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:32:36+00:00 29.09.2011 22:32
Hui ... Rayquaza hat ja echt was abbekommen. Hoffen wir aber mal, dass es noch eine ganze Weile durchhält - es soll schließlich auch weiter in Freiheit leben!
Der Kampf bleibt nach wie vor spannend.

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:26:51+00:00 29.09.2011 22:26
Du machst es spannend. Aber ein Trainer hat auch sechs Pokémon; und solange die ersten fünf ihm nur genug auf ihre Weise zugesetzt haben, kann das sechste immer noch siegen.

Den Kampf hast du sehr gut geschildert, man konnte ihn super nachvollziehen. und er war viel spannender als im Spiel oder in der Serie ;).

Lg
Von:  Teilchenzoo
2011-09-29T20:22:23+00:00 29.09.2011 22:22
Oh, und schon geht es los! mir gefällt die perspektive, die du gewählt hast. Das ist mal was ganz anderes.
Hm. ich weiß nicht, ob ich den Trainer trotz allem nur als Beiwerk empfinden und ihm eine Niederlage wünschen soll (immerhin ist Rayquaza ein legendäres Pokémon; nicht für Niederlagen gedacht) ... hm. Aus Pokémonperspektive mag ich nämlich "auserwählte" Trainer, die legendäre Pokémon fangen, nicht ein bisschen.
Mal sehn, wie das ganze endet.

Lg


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