Prolog
Ein Junge von etwa vierzehn Jahren rannte, so schnell er konnte, die Straßen entlang. Sein kurzes zerstrubbeltes, schwarzes Haar hatte einen auffälligen Blaustich und ein breites Grinsen lag auf dem Gesicht des Kleinen. Er wollte schnell nach Hause, wollte schnell zu seinem besten Kumpel, den er eigentlich immer nur Brüderchen nannte, um mit ihm den Rest des Nachmittags draußen zu verbringen. Es war einer der letzten warmen Sommertage und die Sonne schien kraftvoll vom wolkenlosen Himmel, dennoch bemerkte man bereits, dass es schon schnell empfindlich kühl werden konnte, wenn die Sonne sank oder sich doch hinter einer Wolke verkroch und natürlich wollten eigentlich alle Kinder die letzten warmen Tage dieses Jahres auskosten. Eigentlich alle. Kisame grinste auf einmal noch breiter, denn er stellte sich seinen Banknachbarn vor, wie er laut lachend und mit anderen Kindern spielend über eine Wiese tollte. Der Junge, der vor ein paar Wochen neu in seine Klasse gekommen war, war irgendwie ein kleiner Sonderling. Zwar war er mit seinen sehr dunklen Augen und dem pechschwarzen Haar für einen Japaner keine ungewöhnliche Erscheinung, doch verhielt er sich für sein Alter nicht angemessen, so empfand es zumindest der Hoshigaki. Sein Banknachbar, dieser Uchiha Itachi, war einfach viel zu ernst und viel zu zielstrebig und vor allem viel zu eitel für ein Kind, aber dennoch konnte er den anderen Jungen irgendwie doch leiden und natürlich hatte der leicht Blauhaarige am meisten Spaß daran, den Uchiha zu ärgern.
Endlich war er an seinem Ziel angelangt und blieb erst einmal keuchend stehen, stütze sich auf seinen Knien ab, um nach Luft zu schnappen. Er war so schnell gerannt wie er konnte, obwohl er es eigentlich hasste zu rennen, aber er hatte Hidan, seinem Brüderchen, nun einmal versprochen, dass er sich heute beeilen würde, damit sie noch in den Park konnten, um Fußball zu spielen. Kurz fuhr er sich mit dem Handrücken über die Stirn, um den Schweiß davon zu wischen, dann schulterte er seine Schultasche neu und trat auf das große, alte Gebäude zu. Eigentlich wirkte es fast schon gruselig mit seinem dicken, alten Gemäuer und den großen, dunklen Fenstern, selbst die Inschrift über dem Eingang war im Laufe der vielen Jahre verblasst, aber Kisame wusste so oder so was drauf stand : „ 7. Waisenhaus Osaka“. Immer noch etwas außer Atem schob der Junge die großen, schweren Holztüren auf und trat in das Innere des Hauses, sofort schlug ihm eine angenehm kühle Luft entgegen, denn die Hitze des Tages wurde von den dicken Mauern einfach ausgesperrt und nicht hindurch gelassen. Noch einmal atmete er kurz durch, dann setzte er seinen Weg fort, lief schnell in Richtung seines Zimmers, dass er sich mit Hidan teilte. Kisame musste sich stark zurück halten nicht einfach durch die Gänge zu rennen, aber das war ihnen von den Erziehern verboten worden und so ging er eben schnell, schlidderte dabei aber trotzdem immer wieder über das polierte Linoleum. Und so kam es, dass der leicht blauhaarige Junge mehr auf seine Füße achtete, als auf das, was sich vor seiner Nase abspielte und mit einem lauten Knall gegen eine Tür lief und auf seinem Allerwertesten landete. Etwas benommen saß er auf dem Boden und blickte auf die Tür, die sich anscheinend wie aus dem Nichts geöffnet hatte. Doch keinen Herzschlag später trat ein Erzieher hervor und sah den auf dem Boden Hockenden tadelnd an.
„Das kommt davon, Kisame! Ich habe dir doch schon oft genug gesagt, dass du nicht so durch das Haus rennen sollst!“, rügte der braunhaarige Erwachsene den Jungen, der sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte und sich wieder aufrappelte.
„Ich bin nicht gerannt, Herr Umino!“, protestierte der Getadelte sofort und sah den Älteren trotzig an.
Der Erzieher seufzte nur leise und resignierend, es hatte keinen Zweck groß mit Kisame herumzudiskutieren und so beließ er es dabei, denn keinen Augenblick später eilte der Junge auch schon wieder davon. Umino Iruka konnte nicht anders, als vor sich hin zu schmunzeln. Diese beiden Jungen, die vor einem knappen halben Jahr in dieses Waisenhaus gekommen waren, waren wirklich erstaunlich. Nicht nur, dass sie zu einander hielten wie Pech und Schwefel, es war auch beachtlich, in welch kurzer Zeit Beide wieder eine erstaunliche Lebensfreude an den Tag gelegt hatten, bedachte man was sie durch gemacht hatten.
Kisame hatte inzwischen den Treppenabsatz erreicht und eilte die Stufen hinauf, stand kurz darauf vor seiner Zimmertür und stieß sie auf.
„Hidan, du faules Stück! Beweg deinen Hintern nach draußen!“, rief der ältere Junge sofort, bemerkte erst Augenblicke später, dass das Zimmer leer war, zumindest war nichts von seinem Brüderchen zu sehen. „Nanu?“, murmelte der leicht Blauhaarige leise vor sich hin, trat dann ein und sah sich erstmal genau in dem Raum um, doch von Hidan fand er keine Spur. Ob der Jüngere vielleicht des Wartens leid gewesen war und schon mal ohne ihn in den Park gegangen war? Eigentlich eher unwahrscheinlich, immerhin hatte er ja versprochen zu warten, so wie Kisame eben versprochen hatte sich zu beeilen. Irgendetwas stimmte hier doch nicht. Und erst jetzt fiel dem Hoshigaki auf, was hier eigentlich nicht stimmte. Im ganzen Zimmer gab es nicht das leiseste Anzeichen, dass Hidan überhaupt je hier gewesen war. Kisame legte die Stirn in Falten. Wo waren die Sachen des Kleineren denn hin verschwunden?
Auf einmal breitete sich ein typisches, breites Grinsen auf dem Gesicht Kisames aus. Anscheinend wollte der Weißhaarige ihm einen Streich spielen! Wahrscheinlich hockte der schon die ganze Zeit über in irgendeinem Versteck, beobachtete den Älteren und lachte sich dabei fast scheckig.
„Nicht mit mir, mein Freund!“, brummte Kisame leise vor sich hin. Hidan hatte ihn schon oft genug zum Narren gehalten und er war oft genug darauf herein gefallen, aber dieses Mal nicht! Noch einmal durchsuchte er das Zimmer nach Hinweisen über den Aufenthaltsort seines Brüderchens. Und erst jetzt fiel ihm ein Zettel auf, der die ganze Zeit über schon auf seinem Nachttisch zu liegen schien. Ungläubig glitten seine Augen immer und immer wieder über die wenigen Zeilen.
„Hatte die Schnauze voll von dir, du Wichser. Lass es dir nicht einfallen mich zu suchen! Kannst mich mal…“
Kisame schluckte hart. Er kannte Hidan lange genug, um zu wissen, wann dieser seine Beleidigungen ernst meinte und wann sie einfach nur der Provokation dienten. Und diese Zeilen waren eindeutig Hidans voller ernst! Der leicht blauhaarige Junge wirbelte auf dem Absatz herum, fing an noch einmal jeden Winkel des Zimmers zu durchsuchen und zu durchwühlen, doch er fand nichts. Hidan war wirklich weg? Der Hoshigaki stürzte aus dem Zimmer, rannte die Gänge des Waisenhauses entlang. Vielleicht konnte er sein Brüderchen doch noch irgendwo finden? Irgendwo musste der doch sein!
Doch seine Suche blieb erfolglos. Er hatte alle Orte abgesucht an denen sich Hidan sonst immer aufhielt, wenn er seine Ruhe wollte, hatte fast jeden Busch im nahen Park nach dem Jüngeren durchsucht. Hatte ihn nirgends gefunden. Verzweifelt lehnte sich Kisame mit dem Rücken gegen einen Baum, ließ sich daran hinabsinken, bis er auf dem Boden saß.
Warum war Hidan nur abgehauen? Warum gerade jetzt? Jetzt, wo sie doch endlich alles hinter sich gelassen hatten!? Jetzt, wo sie von der Straße weg waren? Jetzt, wo sie endlich in einem ordentlichen Waisenhaus untergebracht waren, in dem man sie nicht schlug, aus dem sie nicht ausreißen mussten!? Das ergab doch keinen Sinn! Sie hatten so viel gemeinsam durchgestanden und hatten endlich wieder ein normales Leben, abseits der Straße, abseits des Rotlichtmilieus und Hidan verpisste sich? Einfach so?
Kisame zog seine Beine näher an sich heran, vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Sie hatten sich doch damals geschworen, dass sie immer zusammen bleiben würden, dass sie immer für einander da sein würden! Seit fast sieben Jahren waren sie doch nun schon befreundet, hatten gemeinsam gelacht und geweint und nun sollte das alles ein Ende haben? Der Hoshigaki wusste nicht wie lange er gesucht hatte, wusste nicht mehr wie lange er nun schon an diesen Baum gelehnt da saß und überlegte wo Hidan war und warum er einfach so gegangen war, er bemerkte auch nicht, wie er aus einiger Entfernung beobachtet wurde.
„Und ihm passiert nichts?“, der weißhaarige Junge riss den Blick von seinem besten Freund los und sah zu dem Mann neben sich auf, versicherte sich noch einmal, dass der orangehaarige Erwachsene sein Versprechen einhielt.
„Nein. Ihm passiert nichts. Solange du immer fein artig das machst, was ich dir sage!“, der Orangehaarige blickte zu dem knapp zwölfjährigen Jungen hinab, der neben ihm stand, ein undefinierbares Grinsen auf seinen Lippen. „Und jetzt steig ein!“, meinte er dann etwas harscher, schob den Jungen mit diesen Worten in eine schwarze Limousine mit verdunkelten Scheiben, stieg dann auf der Beifahrerseite ein. Als er seinem Fahrer den Befehl zum losfahren gab, brummte der Motor laut auf und das Auto setzte sich in Bewegung.
Der weißhaarige Junge kniete auf den Rücksitzen und schaute durch die Heckscheibe nach draußen, beobachtete, wie die an dem Baum sitzende Gestalt, die ihm einfach alles bedeutete, immer kleiner wurde und schließlich ganz aus seinem Blickfeld verschwand. Ein leises Seufzen entrann seiner Kehle, als er sich wieder normal auf den Sitz hockte. Es hatte so sein müssen. Es war besser so. Dass redete er sich immer wieder zu, während er scheinbar teilnahmslos aus dem Fenster blickte, während er sich widerstandslos zurück bringen ließ.
Kapitel 1 : Eigentum und ein Foto
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 2 : Ae Fond Kiss
Hidan gähnte noch einmal, streckte sich ausgiebig, richtete sich dann etwas auf, indem er sich auf seinen Ellenbogen abstützte und rieb sich verschlafen über die Augen. An sich hatte er wunderbar geschlafen, doch als er daran dachte, was ihm heute noch bevorstand hatte sich seine ansatzweise gute Laune auch schon wieder verflüchtigt. Mit einem kurzen Blick auf die Digitalanzeige seines Weckers stellte er zufrieden fest, dass er wenigstens früh genug aufgewacht war, um den Tag in aller Ruhe beginnen zu lassen, bevor sein sogenannter Termin anstand. Wobei der Tag bei ihm heute um sechzehn Uhr nachmittags anfing.
Leise murrend schwang der Weißhaarige die Beine aus dem Bett, kramte schnell eine frische Shorts aus seiner Kommode und zog sich diese über. Schlürfenden Schrittes trat er aus dem Zimmer und steuerte auf die Gemeinschaftsküche zu. Er hasste es jeden morgen zuerst dorthin rennen zu müssen, um seinen heißgeliebten Kaffee zu bekommen. Dass Pein auch nicht die Weitsicht besessen hatte, in jedes Zimmer auch eine kleine Küche einzubauen, als er dieses Haus hatte bauen lassen, wunderte den jungen Stricher geradezu, dachte der Zuhälter doch sonst an jeglichen noch so unwichtigen Müll.
Als er die Küche betrat grüßte er den jüngeren Suigetsu, der bereits am Tisch saß, eine Zeitung las und dabei Kaffee trank, mit einem etwas genervten Kopfnicken. Es war doch jeden Morgen das Gleiche, immer war jemand da, nie hatte man seine Ruhe.
„Hidan, verdammt!“, riss ihn auf einmal die maulende Stimme des Jüngeren aus seinen Gedanken. „Es reicht, dass deine Freier diesen Anblick ertragen müssen! Also tu meinen Augen einen Gefallen und zieh dir das nächste Mal wenigstens noch eine Hose an!“, fügte der kleinere Weißhaarige spottend an, verzog seine Lippen zu einem hämischen Grinsen.
„Halt bloß dein Maul, Kleiner!“, kam es leise aber drohend von dem Älteren, er warf seinem Kollegen, wenn man es denn so nennen wollte, einen vernichtenden Blick aus seinen violetten Augen zu, schnappte sich dann die Kaffeekanne und eine Tasse. Wenn er es recht bedachte, war es doch gar nicht so schlecht, so eine Gemeinschaftsküche zu haben, so musste er sich seinen Kaffee wenigstens nicht selber kochen. Gerade wollte er die Küche mit der erbeuteten Kanne verlassen, als Suigetsu ihn aufhielt.
„Hey! Es reicht ja wohl, dass ich dir erlaube, etwas von dem Kaffee zu nehmen, den ich gekocht habe, also lass wenigstens die Kanne hier!“, beschwerte sich der Jüngere lauthals.
Hidan drehte sich noch einmal langsam zu dem Anderen um, sah mit Genugtuung, dass dessen dummes Grinsen endlich mal verschwunden war und grinste selbst dafür umso breiter.
„Ich denke nicht daran, du kleine Kröte!“, kam es nun belustigt über die Lippen des Älteren. „Außerdem schuldest du mir noch was für diese schamlose Beleidigung eben!“, erklärend hob er die Kanne etwas und rief noch ein, „Danke dir!“, während er lachend den Flur entlang zu seinem Zimmer ging. Dort ließ er sich erst einmal erneut seufzend auf sein Bett sinken, hatte die Kanne und die Tasse vorher auf einem kleinen Nachtschränkchen vor seinem Bett abgestellt, und starrte an die Decke.
Wie oft hatte er jetzt schon versucht einigermaßen mit den anderen Strichern zurechtzukommen? Wie oft war er daran gescheitert? Und wie oft hatte es in heftigen Streitereien geendet? Oft genug, dass er es inzwischen aufgegeben hatte. Er kam einfach nicht mit den Anderen klar und sie nicht mit ihm. Schon gar nicht fand er unter ihnen jemanden, der so war wie sein Nii-chan, der so war wie Kisame. Er vermisste den Älteren, der immer auf ihn aufgepasst hatte, der immer für ihn da gewesen war und doch wusste er, dass sie sich wohl nie wieder sehen würden. Zuerst einmal lebten sie beide jetzt in völlig verschiedenen Welten und er wollte, unter anderem um jeden Preis verhindern, dass Kisame etwas von seinem Deal mit Pein erfuhr, er wollte nicht, dass sich der Hoshigaki Sorgen machte, sich am Ende vielleicht sogar noch Vorwürfe machte. Ein zynisches Lächeln umspielte kurz die Lippen des jungen Strichers. Wie oft hatte er sich schon gewünscht, dass dieser Alptraum endlich ein Ende hatte? Wie oft hatte er sich ausgemalt wie sein normales Leben, zusammen mit Kisame, aussehen würde? Wie oft hatte er überlegt zu fliehen und unterzutauchen? Genauso oft, wie er hatte feststellen müssen, dass es zwecklos war, dass es keinen Sinn hatte, solange er nicht wollte, dass seinem Nii-chan etwas passierte.
Nur mühsam riss sich der Weißhaarige von diesen Gedanken und den Erinnerungen an seinen besten Freund, an den wichtigsten Menschen, den er je in seinem Leben gehabt hatte, wieder los und richtete sich auf. Mit einem Zug leerte er schließlich die Kaffeetasse und erhob sich wieder vom Bett, schnappte sich noch schnell das Handtuch, das immer noch auf diesem lag und ging ins Bad.
Hidan stützte sich auf dem Waschbecken ab, hatte sich leicht vorgebeugt und betrachtete sein Spiegelbild. Sein helles Haar hing ihm strähnig ins Gesicht, war in der Nacht in völlige Unordnung geraten, seine hellen Augen blitzen trotzig auf, versuchten krampfhaft den Schmerz zu verbergen, der sich in sie eingebrannt hatte, den man nur bemerkte, wenn man wirklich genau hinsah. Aber in diesem Gewerbe sah niemand genau hin, zu seinem Glück und seiner Erleichterung.
Trotzdem er eigentlich erst vor ein paar Stunden geduscht hatte, stieg er noch einmal in die Kabine, genoss aufs Neue den wunderbar warmen Wasserstrahl, konnte endlich mal wieder abschalten und dachte nicht über irgendwelches, unnützes Zeug nach. Er wusste eigentlich nicht wirklich warum, aber seit er vor fünf Jahren hier her gekommen war, hatte er angefangen das Duschen wirklich zu genießen, hatte angefangen stellenweise fast eine ganze Stunde unter der Dusche zu stehen. Warum eigentlich? Vielleicht weil er nur hier wirklich Ruhe hatte, wirkliche Privatsphäre, weil hier ein Ort war, an den nicht mal seine Freier gelangten?
Ein leises Seufzen war noch zu hören, dann stoppte das Rauschen des Wassers, als der junge Stricher an dem Hahn drehte und kurz darauf wieder aus der Kabine stieg.
Seine restliche freie Zeit hatte er so verbracht wie immer, darauf wartend, dass sie endete und seine Schicht begann. Er ließ sich immer viel Zeit, wenn er sich zurechtmachte und dennoch hatte er meist noch viel zu viel davon übrig und wusste nicht, was er damit anfangen sollte. Was hätte er auch schon noch groß tun sollen? Sich zu den anderen Strichern zu setzten war definitiv nicht nach seinem Geschmack, konnten die Meisten von ihnen ihn eh nicht leiden. Und was blieb dann schon, wenn man in ein Gebäude eingesperrt war, das man nur zu bestimmten Terminen und nur in Begleitung seiner Freier verlassen dürfte? Sitzen und warten, mehr konnte er nicht tun.
Ein weiteres Mal fielen die violetten Augen auf die Uhr an der Wand, beobachteten gelangweilt, wie die Zeiger unendlich langsam vorwärts krochen und sich kaum zu bewegen schienen. Etwas entnervt erhob sich Hidan von der Bettkante und ging zu dem großen Spiegel, der an der Rückseite der Tür angebracht war.
Er hatte sein weißes Haar wie immer in akribischer Kleinarbeit und mithilfe von viel Haargel nach hinten gelegt, wieder trug er eine auf der Hüfte sitzende, schwarze Hose, sodass man die Schriftzeichen „Ame“ gut erkennen konnte, die in seine Haut eintätowiert waren. Doch heute trug er nicht, wie üblich, seine schwarze, kurze Felljacke sondern hatte sich für ein schlichtes, violettes Hemd entscheiden, dass sich nur um wenige Nuancen von seiner Augenfarbe unterschied, hatte zudem die obersten fünf Knöpfe offen gelassen, sodass man einen Großteil seiner Brust ausmachen konnte. Hidan legte sein übliches, breites Grinsen auf, dem niemand anmerkte, dass es künstlich und erzwungen war.
Doch der junge Stricher betrachtete sich nur kurz im Spiegel, drehte sich dann um und setzte sich wieder auf sein Bett, um weiter zu warten, das Lächeln war längst wieder von seinen Lippen verschwunden. Hidan war gerade wieder kurz davor in seine Gedanken abzudriften, als es an seiner Tür klopfte und diese kurz darauf geöffnet wurde.
„Bist du fertig?“, schnauzte Zetsu ihm genervt entgegen, „Dann beweg deinen Arsch zu Pein-sama ins Büro!“ Anscheinend hatte das Schoßhündchen des Bosses heute ausnahmsweise nicht so eine beschissen gute Laune, wie sonst immer, wenn es daran ging andere zu traktieren. Der Weißhaarige nickte lediglich, erhob sich dann und trat an dem Größeren vorbei hinaus auf den Gang, folgte diesem dann eben so stumm zu dem Büro seines Zuhälters.
Oben angekommen klopfte Zetsu gegen das dunkle Holz der Tür, wartete höflich einige Sekunden ehe er den Raum betrat und sich dann sofort an seinen angestammten Platz in einer dunklen Ecke des Zimmers verzog. Hidan trat wenige Sekunden später über die Schwelle. Inzwischen zierte wieder sein überlegenes Grinsen seine Lippen, inzwischen blitzten seine violetten Augen wieder trotzig auf.
„Hidan, das ist Taki-sama.“, Pein wies auf den schwarzhaarigen Mann, der vor seinem Schreibtisch stand und den Stricher mit regungsloser Mine musterte. „Er ist dein heutiger Kunde, also vergiss nicht, was ich dir heute Morgen erklärt habe!“, in den ungewöhnlichen Augen des Orangehaarigen lag eine stumme Drohung, die wohl wirksamer war als jedes geschriene Wort.
Dennoch achtete der Weißhaarige kaum darauf, seine Augen hafteten an dem Schwarzhaarigen, musterten diesen interessiert. Anscheinend war dieser Taki ein genauso reicher Sack, wie all die Anderen die ihn buchten, aber wenigstens schien er um einiges jünger zu sein, was die Sache fast schon wieder angenehm machte. Ihm waren als erstes die ungewöhnlich dunklen Augen seines Kunden aufgefallen, ebenso wie der auffällige Grünstich, den diese hatten. Ja, heute konnte vielleicht wirklich noch eine interessante Nacht werden, denn wenn man genau hinsah, konnte man den breiten und muskulösen Körperbau des Schwarzhaarigen unter dessen Anzug erahnen.
„Jaja, Alterchen! Ich werd´s schon nicht vergessen!“, erklärte Hidan dann in seinem üblichen respektlosen Ton an Pein gewandt und grinste diesem unverschämt ins Gesicht. Fast schien es als hätte er die Demütigung vom heutigen Morgen schon wieder vergessen. Er wandte sich um, wollte aus dem Büro zu treten, als er eine schwere Hand auf seiner Schulter spürte. Abrupt wandte er den Kopf um und wollte sich soeben beschweren, als er in die dunklen Augen des Takis blickte, die ihn bedrohlich musterten.
„Ich gehe zuerst und du wirst mir folgen, klar?“, knurrte der Schwarzhaarige nur und ging dann an dem Kleineren vorbei, ohne auf dessen Antwort zu warten. Dieser schaute dem Anzugträger nur etwas verdattert hinterher. Bisher hatten die Machtspielchen mit seinen Kunden erst begonnen, wenn sie im Bett waren und dass dieser Kerl meinte von vorneherein den Überlegenen spielen zu müssen, ärgerte ihn irgendwie. Doch dann stahl sich ein vorfreudiges Grinsen auf die Lippen des Weißhaarigen. So oder so würde er heute wohl auf seine Kosten kommen, denn anscheinend war dieser Typ irgendwie anders als seine bisherigen Freier und so folgte er diesem ohne weiteren Kommentar die Treppen hinab und aus dem Haus hinaus.
Ein anerkennendes Pfeifen war zu hören, als Hidan sah auf was für ein Auto der Schwarzhaarige zusteuerte. Ein nachtschwarzer Mercedes CLS-Klasse Coupé mit ebenso schwarzen feingliedrigen Felgen. Kurz konnte der Weißhaarige einen Blick auf die silberne Autobezeichnung am Heck des Wagens werfen und er musste sich stark zusammenreißen, dass ihm nicht einfach der Mund offen stehen blieb. Ein CLS 63 AMG, das hieß 8 Zylinder, geballte 514 PS, 250km/h Spitze und von Null auf Hundert in knappen 4.5 Sekunden. Seine hellen, violetten Augen blitzten kurz auf, als er zu seinem Freier sah, der so eben dieses Prachtstück von einem Auto aufschloss.
„Ein bisschen protzig für die Stadt, meinst du nicht auch?“, kam es etwas hämisch von dem jungen Stricher, als er in den Wagen einstieg. Sogar im Innenraum war alles vom Feinsten, eindeutig keine Serienausstattung! So eine Karre fuhr ja nicht mal sein Zuhälter und Pein machte immerhin ein verdammt gutes Geschäft in dieser Stadt! Sein Kommentar brachte ihm nur einen finsteren Blick von dem Taki ein, der selbst den Weißhaarigen kurz erschaudern ließ.
Kakuzu selbst wusste inzwischen kaum noch, wie es dazu gekommen war, dass er überhaupt zu diesem Bordell gefahren war, aber nun war es so und jetzt hatte er eben diesen etwas nervigen Typen am Hals. Zwar musste er zugeben, dass der Junge doch anziehender auf ihn wirkte, als er zu erst angenommen hatte, was wohl nicht zu letzt an den hellen, ungewöhnlich violetten Augen lag, die den Schwarzhaarigen irgendwie in ihren Bann zogen, doch die große Klappe des Jüngeren ging ihm doch wesentlich gegen den Strich.
„Für dich immer noch ´Sie´ und was für ein Auto ich fahre ist meine Privatsache, also halt dein loses Mundwerk!“, kam es etwas harsch von dem Firmenboss, als er schließlich den Motor startete, das Gaspedal durchdrückte und in die beginnende Nacht hineinraste. Er liebte den Rausch der Geschwindigkeit und hatte nicht umsonst einen 514PS-Motor in das Fahrzeug einbauen lassen.
Hidan konnte sich den beißenden Kommentar, der ihm auf der Zunge lag, gerade noch verkneifen, konnte aber weder das trotzige Funkeln in seinen Augen und das abfällige Schnauben unterdrücken. Er konnte es auf den Tod nicht leiden, wenn man ihn zurechtwies oder ihn darauf hinwies, dass er der Unterlegene war, denn das wusste er selbst nur zu gut. Trotz allem verlief die Fahrt quer durch die Stadt recht ruhig, zum Einen kamen sie schnell voran, denn alleine der Stern auf der Motorhaube reichte aus, um sich auf der Straße Respekt zu verschaffen und zum Anderen war die Stadt für den frühen Freitag Abend noch relativ leer, was sich wohl aber bald ändern würde, wenn die ganzen Nachtclubs ihre Türen öffneten.
Der schwarze Mercedes hielt vor einem hohen, typisch neumodischen Gebäude. Viel Glas, viel Stahl, wenig ansprechend und seltsam steril. Eigentlich konnte Hidan nicht wirklich sagen wieso, aber er mochte diese Bauweise nicht, wirkte sie ihm doch meistens einfach nur viel zu kühl und unpersönlich, etwas was nun so gar nicht zu seinem Wesen passte. Wenige Augenblicke später folgte er dem Älteren tonlos nach drinnen, stieg mit diesem in den Fahrstuhl und beobachtete wie die Zahlen auf der Anzeige immer höher kletterten. Immer noch herrschte Schweigen zwischen den beiden ungleichen Männern und der Weißhaarige revidierte seine Vermutung, dass dieser Abend noch interessant werden würde. Ihm entwich ein leises Seufzen, was zum Glück von der kleinen Glocke des Aufzuges übertönt wurde, als der Fahrstuhl in der gewünschten Etage hielt. Der dreiundzwanzigste Stock, hier befanden sich lediglich drei Türen zu den jeweiligen Apartments. Der Schwarzhaarige steuerte auf die dunkelgrüne Tür ganz links zu, die sich durch nichts von den anderen unterschied, abgesehen von dem Namen auf den Klingelschildern.
Natürlich schritt Kakuzu wieder als Erster über die Schwelle und wieder folgte der Kleinere ihm wortlos. Nachdem Hidan aus seinen Schuhen geschlüpft war, wandte er sich um und bemerkte den stechenden Blick des Älteren, der auf ihm ruhte. Irgendetwas war in diesem Blick, irgendetwas war an diesen Augen besonders, doch noch ehe der junge Stricher dieses ´etwas´ ergründen konnte, wandte sich der Taki auch schon um und bedeutete dem Weißhaarigen, ihm zu folgen. Und hätte der Firmenboss ihn nicht geführt, so hätte er sich wohl hoffnungslos in dessen Wohnung verlaufen! Das Apartment war riesig, viel zu groß für eine einzelne Person, allerdings war es ebenso steril und unpersönlich eingerichtet, wie auch die Fassade dieses Hauses gestaltet war, nichts hier schien auf die Persönlichkeit, den Stil oder Charakter des Schwarzhaarigen hinzuweisen. Die Meinung des jungen Strichers, dass sein neuer Freier allem Anschein nach eine mehr als langweilige Person war verhärtete sich zusehends. Hidan blieb im Türrahmen zum Wohnzimmer stehen, lehnte sich gegen diesen und verschränkte locker die Arme vor seiner Brust und beobachtete seinen Freier dabei, wie er zwei kleine Gläser mit bernsteinfarbenen Whisky füllte. Ein schmales Grinsen zierte seine Lippen, denn Alkohol war immer gut. Anscheinend hatte der Ältere bemerkt, dass er an der Tür stehen geblieben war und sah ihn nun an, schien mit seinen Augen musternd über den Körper des Kleineren zu gleiten.
„Sag mal, wie alt bist du eigentlich?“, fragte der Taki auf einmal etwas misstrauisch, hob dabei skeptisch eine Augenbraue, ließ aber sonst keine Regung in seinem Gesicht oder seinen Augen erkennen.
„Siebzehn. Wieso?“, der Weißhaarige zuckte mit den Schultern, schien sichtlich verwirrt über die Frage des Älteren. So etwas fragte man ihn normalerweise eher selten, denn die meisten Freier waren froh, wenn sie nicht wussten, dass er noch minderjährig war und sie ja so auch ihr Gewissen rein hielten, denn sie konnten ja nicht für etwas bestraft werden, was sie nicht wussten. So glaubten die Meisten zumindest.
Den Schwarzhaarigen schien das alles weniger zu kümmern, seine einzige Reaktion bestand darin, das zweite, noch leere, Glas wieder in den Schrank zurück zu stellen und sich mit seinem Whiskyglas auf die Couch zu setzten. Hidan runzelte kurz die Stirn. Dieser Typ war wirklich mehr als eigenartig, irgendwie erschien er dem Stricher etwas gleichgültig und desinteressiert, zumal man in dessen dunklen Augen nicht die geringsten Gefühle ausmachen konnte. Schnell verscheuchte er diese Gedanken und stieß sich lässig vom Türrahmen ab, folgte dem Beispiel des Älteren und setzte sich neben diesen auf die Couch. Er konnte dem Drang nicht widerstehen den Anderen aus seinen violetten Augen zu mustern. Jetzt wo der Taki sein Jackett ausgezogen hatte und den Schlips gelockert hatte, konnte man noch deutlicher die Konturen von dessen muskulöser Statur ausmachen.
„Was starrst du so?“, holte ihn eine tiefe Stimme etwas unfreundlich aus seinen Gedanken, kurz blickte der Weißhaarige seinen Gegenüber wütend – über dessen harsche Frage – an, doch dann besann er sich wieder und setzte ein triviales Grinsen auf, von dem man nicht sagen konnte ob es nun freundlich oder spöttisch war.
„Verzeihen Sie mir, Taki-sama.“, säuselte der Weißhaarige, stützte dann seine Arme auf dem Polster der Couch ab und beugte sich leicht zu dem Älteren herüber. „Aber ich denke, dass ich das gleich wieder gut machen werde.“, erklärte er dann, ließ seine hellen Augen dabei vorfreudig funkeln.
„Ach? Glaubst du wirklich?“, Kakuzu schenkte dem Jüngeren einen abschätzenden Blick, verzog dann abfällig seine Lippe. „Ich glaube kaum, dass gerade du dazu in der Lage sein wirst, dass ich so eine Unverschämtheit schnell wieder vergesse!“, die Stimme des Takis klang bei seinen Worten kalt und gleichgültig, doch in den dunklen Augen blitzte kurzzeitig so etwas wie Interesse auf. Er hatte vorhin immerhin erlebt, was für eine große Klappe der Weißhaarige zu haben schien, als dieser mit seinem Zuhälter gesprochen hatte, als wäre dieser irgendein alter Greis, vor dem man keine Angst zu haben brauchte und so kaufte er dem Kleineren diese eigenartige Nummer vom unterwürfigen Stricher kein bisschen ab. Der Firmenboss hatte schon immer eine gute Menschenkenntnis besessen und Hidan sah er fast schon an der Nasenspitze an, dass mit diesem etwas nicht stimmte, dass dieser mehr schauspielerte als so mancher Filmstar. Und gerade da lag sein plötzlich erwachtes Interesse, es interessierte ihn, wie es hinter der Fassade aussah, wie der Junge wohl wirklich war. Bei seinen Angestellten schaffte er so etwas spielend mit etwas Einschüchterung und ein paar Drohungen, sodass es fast schon langweilig wurde, da war der Kleine wirklich eine willkommene Abwechslung.
Hidan sah seinen Freier unterdessen etwas entrückt an. Was sollte das denn jetzt? Wenn dieser Typ glaubte, dass er nicht gut genug war, warum hatte er ihn dann gebucht, warum hatte er ihn mitgenommen? Gerade als der Weißhaarige zu einer Erwiderung ansetzten wollte hob der Taki seine Hand und befahl dem Jüngeren so zu schweigen. Nur mühsam schluckte der junge Stricher sein patzigen Kommentar hinunter.
„Damit das von vorneherein klar ist, diese ganze Geschichte hier hat mein Geschäftspartner in die Wege geleitet, ich habe damit nichts zu tun.“, erläuterte der Schwarzhaarige immer noch in einem mehr als desinteressiertem Tonfall, musterte den Kleineren noch einmal abschätzig, „Aber wir werden uns wohl mit den gegebenen Bedingungen arrangieren müssen, ich lasse ungern schon bezahltes einfach ungenutzt!“
Hidan öffnete seinen Mund, schloss ihn dann wieder, ohne, dass ein Ton über seine Lippen gekommen war, in seinen violetten Augen spiegelte sich die pure Ungläubigkeit. So etwas war ihm noch nie passiert! Noch nie hatte ein Freier sich so geziert oder gar bezweifelt, dass er gut war! Noch nie war er solch einer Schmach ausgesetzt gewesen! Was bildete sich dieser arrogante, reiche Schnösel eigentlich ein? Hatte der Typ nicht mehr alle Tassen im Schrank? Ruckartig stand der Junge auf, funkelte den Älteren wütend an.
„Ich glaube bei dir ist ne Schraube locker! Du hast sie doch nicht mehr alle, du Idiot“, fauchte Hidan den Taki an, vergas dabei den Anderen zu siezen, vergas darüber auch, was ihm blühte, wenn sein Zuhälter je hiervon erfahren würde. „Ich gehe jetzt!“, knurrte er nur noch zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, um die Situation nicht noch zu verschlimmern. Als er sich umwandte und aus dem Zimmer stürmen wollte, spürte er wieder die schwere Hand, die ihm diesmal aber am Oberarm gepackt hielt und ihn daran hinderte sein vorhaben zu Gehen in die Tat umzusetzen. Noch wütender wirbelte er herum, wollte den Größeren gerade anschreien, dass dieser ihn gefälligst los zu lassen habe, doch dann stockte er, als er den Anflug eines schmalen Lächelns auf den Lippen des Firmenbosses sah. Was war denn auf einmal mit dem los?
„Achso du willst gehen, ja?“, kam es – für Kakuzus Verhältnisse – fast schon amüsiert über dessen Lippen und er lies dabei den Blick seiner dunklen Augen über den jungen Stricher wandern. „In dem Aufzug?“, ein abfälliges Schnalzen ertönte, „Ich würde sagen auf dem Weg durch die ganze Stadt dürfte dir etwas kalt werden, meinst du nicht auch?“
Wenn es überhaupt möglich war, so wurden die violetten Augen noch eine Nuance dunkler, funkelten den Älteren noch eine Spur finsterer an. Sicherlich trug er ein langärmliges Hemd und eine lange Hose, dennoch würde es wohl auf dem vermutlich stundenlangen Rückweg empfindlich kühl werden und er würde Pein erklären müssen, warum sein Freier ihn nich brachte und vor allem, warum dieser nie wieder Kunde dieses Bordells sein würde. Kurz biss er sich auf die Unterlippe. Pein war hier und jetzt erst einmal nebensächlich!
„Das geht dich einen Scheißdreck an, du Wichser!“, schnauzte er den Schwarzhaarigen ungehalten an, es war einfach aus ihm herausgeplatzt, ohne, dass er es hatte verhindern können, und er versuchte sich aus dem festen Griff des Größeren zu befreien.
Erfolglos, denn dieser packte den Weißhaarigen nun auch noch am anderen Arm und ließ diesem so keine Chance zur Flucht. Leicht beugte sich der Taki zu dem Jüngeren hinab, nun war das amüsierte Lächeln auf dessen Lippen schon fast deutlich zu sehen.
„So gefällst du mir schon besser, als wenn du mir hier irgendeine Schmierenkomödie vorführst! Auch wenn wir noch an deiner Wortwahl arbeiten müssen.“, mit jedem Wort war Kakuzu dem Kleineren ein Stückchen näher gekommen, sodass sich nun fast ihre Nasenspitzen berührten. Er fand den Jungen definitiv interessant. Ob er seine Position wohl noch ein bisschen weiter ausreizen konnte?
Hidan versuchte sich erneut gegen den festen Griff zur Wehr zusetzten, hatte aber gegen den Größeren und anscheinend ja auch Stärkeren einfach keine Chance. Kurz blitzte leichte Unsicherheit in seinen hellen Augen auf, als der Schwarzhaarige ihm immer näher kam. Was wurde das? Was wollte dieser Typ denn jetzt eigentlich von ihm? Er hatte keine Zeit mehr groß über das Warum und Wieso nach zudenken, denn kaum einen Augenblick später, spürte er die Lippen seines Gegenübers auf seinen Eigenen. Die violetten Augen weiteten sich erstaunt, sahen fast schon erschrocken in das entspannte Gesicht des Älteren, als Hidan sich versteifte.
Pein hatte ihnen strickt verboten ihre Freier zu küssen, hielt Küsse für Gefühlsduselei, die in ihrem Job nichts zu suchen hatten und nur für Probleme sorgten und bisher hatte der Weißhaarige seine Kunden auch immer gewissenhaft darauf hingewiesen, dass sie das sein lassen sollten. Zumal es ihm auch immer gelegen gekommen war, denn bisher war ihm Küssen immer unangenehm gewesen, bisher hatte er es immer als irgendwie widerlich und vor allem unnütz empfunden. Bisher.
Jetzt spürte er, wie die erstaunlich weichen Lippen des Takis auf seinen lagen, spürte, wie diese sich sanft gegeneinander bewegten, spürte wie Kakuzus Zunge fast schon zärtlich über seine Unterlippe strich. Wie von selbst schienen sich seine Lider zu senken, wie von selbst schien sich Hidan zu entspannen und wie von selbst ließ er den Kuss zu, erwiderte diesen anfangs noch zögerlich und irgendwann immer inniger und leidenschaftlicher. Der Weißhaarige konnte sich ein leises Seufzen nicht verkneifen, es fühlte sich so unverhofft gut an. Aber warum gerade jetzt? Warum waren ihm die Küsse, die seine bisherigen Freier ihm versucht hatten zu geben immer so ekelhaft erschienen? Warum genoss er auf einmal gerade diesen Kuss? Schnell verscheuchte der junge Stricher jegliche Gedanken aus seinem Kopf, wollte jetzt einfach nur den Moment genießen und voll auskosten, denn ungewöhnlicher Weise spürte er, wie ihm die Hitze in die Lenden stieg, wie ihm langsam heißer wurde, wie er langsam mehr wollte und diesmal war nichts von all dem Gespielt, dieses eine Mal waren seine Empfindungen echt und seltsam intensiv.
Was Hidan allerdings nicht wusste, war, dass der Firmenboss eigentlich ganz genau über Peins verbot bescheit wusste und den Kleineren eigentlich nur geküsst hatte, um dessen Reaktionen noch etwas mehr auszureizen, diesen einfach noch etwas zu provozieren. In keinem Fall hätte er damit gerechnet, dass der Jüngere darauf einging! Und dennoch konnte Kakuzu nicht verleugnen, das es ihm ebenso gefiel, dass er es ebenso genoss, wo auch er Küssen eigentlich immer für sinnlose Zeitverschwendung gehalten hatte…
Kapitel 3 : Nur ein Job?
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
Kapitel 4: Have to try, to break free from the thoughts in my mind
Etwas mehr als eine Woche war inzwischen vergangen und eigentlich lief inzwischen wieder alles genauso, wie auch davor. Nichts hatte sich verändert, alles war beim alten geblieben und doch fühlte sich der junge Stricher irgendwie anders. Ohne das er wusste warum, ohne das er eine Erklärung dafür hatte, hatte sich irgendetwas in seinem Leben verändert und zwar genau an dem Abend, als ihn dieser Firmenboss mit nachhause genommen hatte. Aber was war so anders? Eigentlich war doch alles normal geblieben. Er bediente immer noch seine Kunden, legte immer noch eine gewisse Aufmüpfigkeit seinem Zuhälter gegenüber an den Tag, verstand sich immer noch nicht mit den anderen Strichern dieses Bordells und dennoch hatte sich die Welt irgendwie verändert. Und Hidan fragte sich nun schon seit Tagen, was sich verändert hatte, ohne, dass er auch nur im Ansatz eine Antwort auf seine Fragen fand.
Er spürte, wie die Stöße noch einmal härter und schneller wurden und wie sich sein Freier mit einem lauten, kehligen Stöhnen in ihn ergoss. Und wenn der Weißhaarige ehrlich war, so war das, das Erste und Einzige, was er vom Sex mit diesem gewahrte, hatte er es doch irgendwie geschafft sich komplett in seine Gedankenwelt zu flüchten, hatte es irgendwie hinbekommen so abzuschalten, dass er wirklich gar nichts mehr mitbekommen hatte, nachdem dieser Mann angefangen hatte ihn zu berühren. Kurz legte er seine Stirn in Falten. Es war nicht das erste Mal, dass ihm so etwas passierte… Zumindest nicht das erste Mal in dieser Woche! Denn eigentlich hatte er es bisher nie wirklich geschafft dem zu entfliehen, was hier mit ihm passierte, auch wenn er sich das immer gewünscht hatte… Warum also, war es auf einmal so? Warum nahm er seine Freier oder den Sex mit diesen kaum noch wahr?
„Hey? Hörst du mir überhaupt zu?“, riss ihn die empörte Stimme des Mannes aus seinen Gedanken und der Junge sah auf, bemerkte erst jetzt, dass sich sein Kunde bereits aus ihm entfernt hatte und dabei war sich wieder anzukleiden. Teilnahmslos sah er den Älteren an, zuckte dann nur kurz desinteressiert mit seinen Schultern. Was interessierte es ihn, was dieser Abschaum zu sagen hatte? Was interessierten ihn diese Leute? Das Einzige, was ihn wirklich interessierte, war, dass man ihn in Ruhe ließ und das passierte am Ehesten – so hatte er in den letzten Tagen festgestellt – wenn er sein loses Mundwerk hielt und alles stillschweigend über sich ergehen ließ. Pein war der Einzige, dem er noch Kontra gab, konnte er sich diesem gegenüber anscheinend immer noch nicht zurück halten.
Erneut riss ihn ein Geräusch aus seinen Gedanken, als seine Zimmertür wütend und mit einem lauten Knall zugeschlagen wurde. Ein leises Seufzen entwich seiner Kehle. Anscheinend hatte er mit seiner desinteressierten Art schon wieder einen Kunden verärgert und beleidigt! Aber was kümmerte ihn das? Mal war er diesen Schnöseln zu widerspenstig und mal war er zu ruhig, zu uninteressiert! Nie machte man es den Leuten recht!
Müde fuhr sich der Weißhaarige mit einer Hand durchs Gesicht, strich sich einige verirrte Strähnen seines Haares aus den Augen und erhob sich dann langsam. Eigentlich wusste er gar nicht, warum sich seine Freier fortwährend bei seinem Zuhälter beschwerten! Sollten sie doch froh sein, dass er alles über sich ergehen ließ und so gut wie alles mit sich machen ließ! Kurz war ein abfälliges Schnauben zu vernehmen, dann verscheuchte Hidan diese Gedanken aus seinem Kopf, hatte jetzt keine Lust sich weiterhin darüber den Kopf zu zerbrechen.
Langsam schwang er die Beine aus dem Bett, erhob sich dann und schlürfte in sein Bad. Wie immer, wenn er einen Kunden bedient hatte, brauchte er jetzt seine wohlverdiente, heiße Dusche, um wieder klare Gedanken fassen zu können und diese ganzen Grübeleien endlich mal wieder vergessen zu können – er dachte ohnehin in letzter Zeit über viel zu viel unsinnigen Kram nach, etwas, dass sonst so gar nicht seiner Art entsprach.
Erneut entwich ein leises Seufzen seinen Lippen, als er unter der Dusche stand und den wunderbar warmen Wasserstrahl genoss, der auf seine Haut niederprasselte und wenigstens für einen kurzen Moment die stetige Kälte aus seinen Gliedern vertreiben konnte, die sich seit einigen Tagen in ihm festgesetzt hatte. Doch wieder war da dieses Etwas, das seine Welt so anders erscheinen ließ. Früher hatte er immer abschalten können, wenn das Wasser manchmal über Stunden seinen Körper hinab floss, früher war er nur hier wirklich gedankenfrei und irgendwie sonderbar sorglos gewesen. Nun war das anders. Nun schweiften seine Gedanken wieder einmal zu diesem einen Abend. Wieder einmal tauchte in ihm die Frage nach dem Warum auf. Wieder fragte er sich, ob dieser Abend, dieser Mann oder der Sex den sie gehabt hatten der Grund war, warum sich auf einmal so viel zu verändern schien, obwohl doch alles beim Alten geblieben war. Aber eigentlich hatte er doch nur seinen Job gemacht, hatte alles gemacht wie immer! Alles an diesem Abend war normal verlaufen, bis der Ältere ihn geküsst hatte, bis in ihnen dieses scheinbar unstillbare Verlangen nach einander ausgebrochen war. Eine kurzer Schauer gefolgt von einer leichten Gänsehaut schlich sich über seinen Körper, als er an die Küsse, die Berührungen des Takis dachte. Schnell schüttelte er seinen Kopf, als die Erinnerungen in ihm hochstiegen. Er wollte nicht weiter über diesen Abend nachdenken, hatte es sich eigentlich verboten und doch kam er nicht umhin, dass er immer und immer wieder daran dachte und überlegte, wie es wohl wäre den Firmenboss noch einmal zu sehen. Und doch wusste er, dass es sich nicht wiederholen würde und dass es besser war, wenn er sein Leben so weiter lebte, wie bisher.
Der Taki hatte ihm immerhin deutlich klar gemacht, dass es eine einmalige Sache gewesen war. Zwar hatte er dem jungen Stricher fast das doppelte an Geld in die Hand gedrückt, als er ihm eigentlich hätte geben müssen, aber als Hidan dann schließlich doch gefragt hatte, ob sie sich wieder sehen würden, hatte der Ältere ihm nur einen unmissverständlichen und vor allem dunklen Blick zugeworfen, der sogar ihm einen kleinen Schrecken eingejagt hatte. Generell war der Schwarzhaarige am Morgen danach wesentlich kühler mit ihm umgegangen, als noch am Abend, hatte ihn mehr als wortkarg in sein Auto verfrachtete und zurück zum Bordell gefahren, hatte nicht einmal etwas auf das leise „Bis dann!“ des Weißhaarigen reagiert und war dann mit aufheulendem Motor in den beginnenden Tag hineingerauscht.
Der Junge mit den violetten Augen seufzte erneut leise auf, drehte den Duschhahn aus und stieg aus der Kabine, band sich einfach nur ein weißes Handtuch um seine doch recht schmalen Hüften. Kurz sah er in den Spiegel, musterte aufmerksam die Mimik seines Spiegelbildes. Er würde die Sache vergessen, ein für alle mal! Was brachte es ihm, wenn er weiterhin über den Taki nachgrübelte, wenn er weiter über ihre gemeinsame Nacht nachdachte – die ihm zwar zugegebener Maßen fast den Verstand geraubt hätte, ihm aber ansonsten nichts als Probleme bereitete! Und eigentlich war er ja selbst schuld! Was hatte er sich auch auf diesen verdammten Kuss eingelassen!? Noch einmal schüttelte Hidan kurz seinen Kopf, sodass sich einige Tropfen aus seinem nassen Haar auf dem Spiegel verteilten, dann hatte er die Erlebnisse dieser Nacht aus seinem Kopf verbannt.
Gerade hatte der weißhaarige Junge sein Bett wieder hergerichtet und das Laken ausgetauscht und hatte sich so eben frische Klamotten aus seiner Kommode heraus suchen wollen, als es an seiner Tür klopfte. Entnervt verdrehte er die Augen. Wenn das nicht Zetsu war, um ihn in Peins Büro zu schicken, weil sich sein Freier – der ja eben mehr als wütend abgedampft war – bei diesem beschwert hatte. Eigentlich hatte er nicht wirklich Lust sich erneut von diesem alten, orangehaarigen Sack anhören zu müssen, dass er mehr Aktion und mehr Leidenschaft an den Tag legen sollte, damit seine Kunden auch ja zufrieden waren, aber ihm blieb wohl nichts anderes übrig. Wusste er doch auch, dass Zetsu gnadenlos seine Tür eintreten würde, wenn er nicht öffnete – hatte er das immerhin schon gleich in seiner zweiten Woche live miterlebt!
„Jaja, bin ja gleich da, du Nervensäge!“, brüllte er in Richtung Tür. Man hörte Hidan wieder mal deutlich an, wie sehr ihm die Störung missfiel. Ohne die Zeit gehabt zu haben sich frische Sachen heraus zunehmen, ging er, immer noch nur mit dem Handtuch um seinen Hüften und mit immer noch nasser Haut zu seiner Tür. Öffnete diese und erstarrte mitten in der Bewegung. Eigentlich hatte er Zetsu einen gepfefferten Satz vor den Latz knallen wollen, was diesem einfiel ihn zu stören, doch vor ihm stand nicht Zetsu. Ungläubigkeit spiegelte sich in den violetten Augen wieder und er kam nicht umhin den Anderen anzustarren, während er eine Antwort in den dunklen, grünen Augen suchte. Vor ihm stand Kakuzu!
Und noch ehe der Jüngere hätte richtig reagieren können, hatte der Schwarzhaarige auch schon einen Schritt auf ihn zu gemacht, ihn zurück ins Zimmer gedrängt und die Tür hinter sich zugezogen. Immer noch blickten die ungewöhnlich hellen Augen zu dem Firmenboss auf. Was sollte das? Was wollte der denn jetzt hier? Gerade jetzt, wo er wirklich mit all dem hatte abschließen wollen? Und vor allem: Hatte der Taki nicht deutlich gemacht, dass sie sich nicht wieder sehen würden? Tausende Gedanken schossen ihm durch den Kopf, während er den Größeren immer noch etwas entrückt musterte.
„Was willst du hier?“, brachte Hidan schließlich seine Frage über die Lippen, klang dabei etwas monoton und nicht wirklich erfreut, war aber auch nicht wirklich in der Lage irgendeine Emotion in seine Worte zu legen, zu sehr hatte ihn das plötzliche Erscheinen des Firmenbosses erschrocken.
Der Taki musterte den Kleineren aus seinen stechend grünen Augen, glitt mit diesen forschend über den nassen Körper und legte bei den Worten des Strichers kurz seine Stirn in Falten, als müsse er selbst überlegen, warum er eigentlich hier war. Doch dann machte er einen Schritt auf den Weißhaarigen zu, sodass er nun nur noch wenige Zentimeter von diesem entfernt war und beugte sich leicht zu ihm hinab.
„Was glaubst du denn?“, fragte der Ältere scheinbar teilnahmslos, während sich allerdings ein schmales, aber eindeutiges Grinsen auf seinen Lippen ausbreitete, dass Hidan bereits von diesem einen Abend her kannte und nur zu gut einzuordnen wusste. Doch ihm blieb keine Chance, um auf die Frage des Takis zu antworten, denn im nächsten Moment, hatte dieser den Jüngeren am Arm gepackt, an sich heran gezogen und presste ihm die Lippen auf die seinen, ließ sofort einen leidenschaftlichen Kuss entbrennen, gegen den sich der Weißhaarige irgendwie nicht zu wehren wusste, den er fast sofort erwiderte und vor allem auch genoss. Es war ein eigenartiges Gefühl diesen Kuss erneut zu erleben, ihn noch ein weiteres Mal genießen zu können und alle Fragen über das Auftauchen des Takis waren mit einem Mal wie weggeblasen, ließen Platz für andere Dinge, die in diesem Moment wichtiger waren! Vor allem waren auch alle eben gesetzten Vorsätze vergessen, dass er den Firmenboss eigentlich hatte aus seinen Gedanken verbannen wollen, da ihm diese ganze Sache doch nichts als ärger einbrachte!
Kurz noch hallte die Frage des jungen Strichers im Kopf des Takis wieder, aber eigentlich wusste er selbst nicht, warum er noch einmal hier her gekommen war, warum er den Kleineren noch einmal hatte wieder sehen wollten! Ursprünglich hatte der Schwarzhaarige vorgehabt den Weißhaarigen nie wieder zu sehen, hatte er doch irgendwie im Gespür, dass es ihm dessen Nähe nicht gut tat, dass dieser Junge sein Leben aus der Bahn werfen könnte – etwas was er ja nun einmal so gar nicht gebrauchen konnte – und doch war ihm eben dieser Junge nicht aus dem Kopf gegangen, sodass er sogar seine Arbeit vernachlässigt hatte. Was mit ihm los war, fragte sich Kakuzu schon eine ganze Weile nicht mehr, es war immerhin offensichtlich, das irgendetwas nicht mit ihm stimmte, wenn ihm eine Nacht mit einem verdammten Stricher, der für jeden die Beine breit machte, so den Verstand zu rauben schien. Und so war es auch gekommen, dass er heute auf einmal vor dem Bordell gestanden hatte, anstatt in seiner Tiefgarage zu Hause!
Trotzalledem kam auch er nicht umhin diesen Kuss zu genießen, sodass er ihn schnell wilder und ungehaltener werden ließ, während er spürte, wie erneut dieses ungezügelte Verlangen in ihm aufstieg, dass ihn fast alles um sich herum vergessen ließ.
Auch Hidan spürte, wie erneut diese doch immer noch recht unbekannte Hitze in ihm empor stieg, wie seine Gedanken sich hinter einem dicken Schleier aus Lust und Verlangen verkrochen und er kaum noch klar denken konnte, wie alles in ihm nach dem Körper des Älteren schrie. Stürmisch erwiderte er dessen Kuss, kam nicht umhin diesen mit jeder Faser seines Körpers zu genießen, erschien dieser Kuss ihm doch erneut sonderbar vertraut und doch gleichzeitig auch so neu, dass er kaum wusste, was er tun sollte. Seine Hände striffen unter das Jackett des Firmenbosses, zogen ihm dieses aus und strichen dann dessen Oberkörper entlang, wanderten schnell zu den Knöpfen des Hemdes, um dieses zu öffnen.
Doch in diesem Moment packten die Hände des Schwarzhaarigen die Handgelenke des Kleineren, während er ihren Kuss löste und diesem ein schmales, anzügliches Grinsen schenkte, er den Jungen schließlich Richtung Bett dirigierte und diesen etwas unsanft ins Laken drückte, ehe sich ihre Lippen erneut zu einem innigen Kuss vereinten. Es war nicht zu leugnen. Er genoss es diesen heißen Körper erneut unter sich zu spüren, genoss diesen ungewöhnlichen Kuss, der kein Ende zu nehmen schien, genoss das leichte Zittern, dass durch den Körper des Weißhaarigen ging, als seine Finger über dessen Haut strichen, genoss den Moment und wollte ihn vollkommen auskosten.
Er kam nicht umhin leise in den Kuss hinein zuseufzen, als er spürte, wie die Fingerspitzen des Takis über seine bleiche und immer noch leicht nasse Haut strichen und scheinbar brennende Spuren hinterließen, die ihm heiße und kalte Schauer über den Rücken jagten. Ungeduldig schlang er die Arme um den Oberkörper des Älteren, als dieser seine Handgelenke schließlich wieder freigegeben hatte, und drückte diesen so nah an sich heran, strecke sich diesem noch etwas entgegen, als der Taki den Kuss löste und mit seinen Lippen über den Hals des Jüngren glitt. Ein leises Keuchen entwich seinen Lippen. Doch dann hielt der Schwarzhaarige plötzlich inne, richtete sich etwas ruckartig ein kleines Stück auf. Verwundert öffnete Hidan seine violetten Augen, sah den Älteren etwas verwirrt an. Was war denn nun los? Hatte es sich der Firmenboss auf einmal doch anders überlegt und wollte nun von hier verschwinden? Aber warum war er dann überhaupt erst hier her gekommen? Kurz runzelte er die Stirn, konnte das Verhalten des Schwarzhaarigen einfach nicht einordnen, doch dann fiel ihm etwas an dem Blick des dunkelgrünen Augen auf. Der Taki schien etwas zu fixieren. Immer noch etwas verwundert folgten die hellen Augen dem Blick des Älteren und blieben schließlich an dem kleinen Bündel Geldscheine hängen, die sein letzter Kunde auf den kleinen Tisch neben seinem Bett platziert hatte und die immer noch dort lagen, hatte er doch bisher keine Zeit gehabt das Geld zu Pein zu bringen. Erneut legte der junge Stricher seine Stirn in Falten, konnte immer noch nicht verstehen, was mit dem Größeren los war.
Kakuzu hingegen hatte kaum bemerkt, dass er die Geldscheine mit seinen Blicken traktierte, ging ihm doch ein Gedanke nicht aus dem Kopf, mit dem sein besitzergreifendes Ego anscheinend mehr Probleme hatte, als ihm selbst lieb war. Hidan schlief hier, an diesem Ort, in diesem Bett, mit anderen Männern, ließ sich auch von diesen für seine Dienste entlohnen und anscheinend, war das letzte Mal noch gar nicht so lange her, wenn hier immer noch das Geld des letzten Kunden herumlag. Der Blick seiner so oder so schon dunklen Augen verfinsterte sich noch um einige Nuancen. Wenn er etwas haben wollte, dann sollte es auch ganz ihm gehören, eine Tatsache, die bei einem Stricher wie dem Jungen hier wohl schwer umsetzbar war, aber dennoch musste er sich nicht auf das gleiche Niveau hinab begeben, wie andere! Schließlich erhob sich der Taki vom Bett, richtete seine Sachen und zog sich sein Jackett wieder über, blickte dann über seine Schulter zu dem anscheinend immer noch etwas verwirrten Weißhaarigen.
„Zieh dich an! Wir fahren zu mir!“, kam es etwas harsch und befehlend über die Lippen des Takis und sein Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er keine Widerworte dulden würde.
„Geht´s auch nen bisschen freundlicher?“, fragte Angesprochener hörbar entnervt, verstand er doch immer noch nicht, was auf einmal in den Schwarzhaarigen gefahren war. Dennoch erhob sich Hidan aus dem Bett, ließ dabei gleich das Handtuch von seinen Hüften gleiten und kramte sich eine Shorts, eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd aus seiner Kommode, zog sich dann schnell an. Sein helles Haar strich er nur in einer beiläufigen Bewegung nach hinten, vermutlich war es so oder so sinnlos dieses in irgendeiner Form zu stylen, würde des Größere seine Frisur spätestens bei sich zu Hause so oder so außer Ordnung bringen.
„Fertig.“, kommentierte er wenige Augenblicke später und trat an den Älteren heran, als dieser die Tür öffnete, um diesem nach draußen zu folgen. Wie auch schon beim letzten Mal ging der Taki vor und der Kleinere kam nicht umhin darüber nach zudenken, was diesen anscheinend so plötzlich gestört hatte. War es das Geld an sich gewesen? Eher unwahrscheinlich! Kurz dachte Hidan weiter nach, überlegte, ob es vielleicht die Tatsache gewesen war, dass er kurz vor dem Firmenboss einen Anderen gehabt hatte und dieser es nicht im selben Bett mit ihm hatte treiben wollen, wie all die anderen!? Ebenso unwahrscheinlich, aber vielleicht doch denkbar? Mit einem kurzen Achselzucken tat der junge Stricher die Tatsache als gegeben ab, immerhin war er auch froh, wenn er mal aus diesem Gefängnis hinaus konnte und die Stadt um ihn herum wenigstens durch die Fensterscheibe eines Wagens sehen konnte.
„Hidan!“, hielt ihn eine laute Stimme zurück, „Wo willst du hin?“
Angesprochener verdrehte sichtlich die Augen, doch er stand mit dem Rücken zu Pein, sodass dieser das nicht sehen konnte und als er sich schließlich umdrehte, hatte der Weißhaarige erneut sein triviales Grinsen aufgelegt, dass keiner so recht einzuordnen wusste.
„Kundschaft, Pein-sama!“, erklärte der junge Stricher übertrieben und gespielt höflich, während er hinter sich auf den Schwarzhaarigen wies und sich spöttisch vor seinem Zuhälter verneigte. Seine violetten Augen funkelten den Orangehaarigen herausfordernd an und innerlich wartete er nur darauf, dass der Ältere ihn herunterputzte, wobei er die Blicke einiger anderer Stricher, die sich ebenfalls im Foyer des Bordells aufhielten gekonnt ignorierte. Gerade war der Ame einige Schritte auf seinen Untergebenen zugegangen und hatte dazu ansetzten wollen, diesen anzubrüllen, was ihm einfiel, der Maßen frech zu sein, als mit einem Mal Kakuzu neben dem Weißhaarigen stand.
„Sie müssen entschuldigen, Ame-san!“, begann der Schwarzhaarige ungewohnt ruhig und diplomatisch, „Aber ich habe den Jungen zu einer solchen Eile angetrieben!“, setzte er dann noch erklärend an und kurz wurde er aus zwei hellen Augenpaaren etwas erstaunt angestarrt.
„Nunja.“, der Orangehaarige räusperte sich leise. „Dann ist es natürlich etwas anderes und durchaus in Ordnung! Nehmen Sie ihn sich so lange mit, wie Sie wünschen, Taki-san!“, sagte der Ame dann, drehte sich schließlich um, aber nicht ohne Hidan einen finsteren und warnenden Blick zuzuwerfen.
Der folgte einfach nur dem Schwarzhaarigen, der sich bereits wieder umgedreht hatte und seinen Weg nach draußen fortsetzte. Aber irgendetwas schien mit Pein nicht zu stimmen! Hidan hatte noch nie erlebt, dass sein Zuhälter der Maßen vor einem Kunden zu Kreuze gekrochen war! Ob der Taki wirklich so bedeutend war? Innerlich zuckte der junge Stricher mit den Schultern. Was interessierte ihn das? Er verstand eh nichts von der Welt außerhalb des Rotlichtmilieus.
Wortlos stieg er in den nachtschwarzen Mercedes, ließ sich auf den Beifahrersitz sinken und kam nicht umhin, den Taki aus dem Augenwinkel heraus zu beobachten. Irgendetwas war anders an diesem Mann. Aber was? Hidan kam zu dem Schluss, dass er es so oder so nicht allzu bald herausfinden würde und richtete seinen Blick nach vorne, beobachtete die vorbeiziehenden Lichter der Stadt, bemerkte dabei nicht, wie Kakuzu ihn nun insgeheim aus dem Augenwinkel ansah.