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Alone in the darkness (ohne rechtschreibfehler)

von

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Alone in the darkness
 

autor Chao-chan

email chaoschan@web.de

genre · Rocket Dan

· psycho (^-^)

· rocketshippy
 


 

Vorwort: So ich bin fertig! Sowohl mit der Geschichte wie auch mit

meinen Nerven. Nur zur Information es ist 4 Uhr in der Nacht. Man

sollte denken, dass ich diesmal genug Zeit hatte die Story

ordentlich durch zu strukturieren. Schließlich hatte ich sie 3

Wochen im Kopf bevor ich zum schreiben kam. Aber na ja ich bin halt

immer für eine Überraschung gut. Sie ist noch viel schlechter

durchstrukturiert als die anderen von mir und wahrscheinlich bin ich

eh die einzige, die diesen Schrott versteht. Was die Handlung

angeht, die ist so ziemlich das mieseste was ich je gelesen habe.

Ich wurde dazu gezwungen was ernstes zu schreiben und da habe ich

mir halt überlegt eine Gruselgeschichte zu schreiben. Na ja

irgendwie ist das ganze dann eher in die Psycho Richtung gegangen.

Natürlich musste ich wieder einmal maßlos übertreiben so dass das

ganze eher an 'Die Psychopaten treffen Sailor Moon' erinnert.

Vielleicht sollte ich doch noch ein bisschen Werbung schieben.

Schließlich muss irgendjemand ja den Schrott lesen. Also jetzt werde

ich etwas ganz neues machen, ich schreibe was an dieser Geschichte

gut ist. (Dann muss ich wenigstens nicht so viel schreiben). Also

diese schrecklichen Knirpse machen nicht mit und äh ich habe die

japanischen Namen für T.R benutzt (Extra für dich Musa-chan). Ich

hoffe, dass es auch ein bisschen shippig ist. Widmen will ich diese

Geschichte allen Leuten die mich immer mit ihren tollen Fan Fictions

inspirieren und allen Leuten die sie lesen. Ach ja Musashi, Kojiro,

Nyase usw. gehören leider nicht mir Bla bla die gehören nämlich

Nintendo und 4 Kids Entertainment, ihr kennt das ja. Bjelle und

Tamar habe ich mir ausgedacht (wer kommt auch sonst auf so blöde

Gedanken). Ich würde mich freuen wen ihr mir eure Meinung zu meiner

bisher längsten Fan Fic unter chaoschan@web.de mailen würdet

(Hoffentlich funktioniert bis dahin mein Anschluss). So das war's,

viel Spaß eure Chaos.

PS: ein riesiges dankeschön geht an meine freundin Fox-chan, den

sie hatt diese Geschichte(im nachhenein) Korigirt so das ihr sie erstmals ohne

rechtschreib fehler geniesen konnt.
 

Alone in the Darkness
 

Prolog:

Dunkelheit. Überall ist Dunkelheit, noch nicht einmal die Sterne

leuchten am Himmel. Und ich laufe durch diese Dunkelheit. Laufen,

nicht anhalten, nicht umschauen und vor allen Dingen nicht

nachdenken, immer nur laufen, laufen , laufen... .Ob sie mich wohl

immer noch verfolgen? Sie dürfen mich niemals finden! Der Wald mit

seinem Bäumen , die wie Ungetüme auf mich lauern macht mir angst,

aber ich versuche nicht dran zu denken. Besonders nicht an die

Schatten. Die Schatten die immer näherkommen, die versuchen im meine

Seele einzudringen. Sie werden es nicht schaffen, niemals! Alles

wird gut, alles wird gut, mir kann nichts passieren, den er wird

mich beschützen. Er wird immer bei mir sein denn wir gehören

zusammen, wie Sonne und Mond wie Himmel und Erde. Wo ist er bloß? Er

wird kommen, ganz sicher. Er läst mich nicht allein, er läst mich

nicht allein.. pocht es durch meinen Kopf während ich über den

nassen Waldboden renne. Die Aste peitschen in mein Gesicht und oft

stolpere ich über Baumwurzeln die mir den weg versperren. Trotzdem

spüre ich keinen Schmerz. Ich laufe und laufe. Ich weis nicht wie

lange schon. Es kommt mir so vor als habe ich nie etwas anderes

getan als zu fliehen, als wen alles was vorher geschehen war nie

existiert hat. Aber es existierte!! Ich erinnere mich daran wie wir

uns heimlich unten am Teich trafen und er mir sagte wie sehr er mich

liebt und das er mich niemals im Stich lasen würde. Als ich in seine

Augen schaute wusste ich das er die Wahrheit sagte und ich war

glücklich. "Glücklich" ein Wort dessen Bedeutung mir bis dahin fremd

geblieben war. Er wird sein versprechen halten, er wird, er wird.

Immer mehr Schatten ist es gelungen in meine Seele zu gelangen. Sie

ersticken meine Hoffnung. Zweifel brechen über mich herein. Er wird

kommen! Er muss kommen! Plötzlich reißt mich ein raschen aus meinen

Gedanken. Mein Herz pocht. Eine unbeschreibliche angst kriecht mir

durch die Adern. Dort sind sie! Wie haben sie mich gefunden? Noch

einmal keimt Hoffnung in mir auf. Ich drehe mich um und laufe. Laufe

bis ich das Gefühl habe das mir die Lunge platzt. Ich höre ihre

Schritte hinter mir. Sie kommen näher und näher. Tränen der

Verzweifelung füllen meine Augen. Wo ist er! Irgendwann haben sie

mich eingeholt. Der Überlebenskampf hat ein Ende. Ich weiß das ich

verloren bin, aber es ist mir egal. Die Männer haben mich umstellt

und sie werden mich töten. Ich höre ihr dreckiges Lachen aber ich

nehme nichts wirklich war. In mir drinnen ist ein schwarzes Nichts

und in diesem nichts, nur eine Frage. Warum? Warum hast du mich

verraten? Hast du mir nicht noch vor kurzer Zeit versprochen mich

vor diesen Männern zu beschützen, egal was kommt? Du hast mich im

Stich gelassen um dein eigenes Leben zu retten! Und habe ich dir

vertraut und daran geglaubt! Lügen! Alles Lügen, die ganze Welt ist

gebaut auf Lügen! Die Schwärze in mir weicht einem neuen Gefühl.

Hass. Unheimlich tiefer alles verzehrender Hass. Es gibt nichts war

zwei Menschen aneinander bindet außer Lügen. Jeder ist alleine.

Alleine in seiner Dunkelheit, alleine mit seinen Schatten. Es gibt

nichts anderes mehr außer Dunkelheit und Hass. Der Hass füllt mich

ganz aus. Ich kann an nichts anders mehr denken. Ich hasse ihn, und

ich hasse alle anderen Menschen. Ich hasse diese ganze Gott

verdammte Welt, die nur aus Lügen besteht und alle unglücklich

macht. Ich hasse sie, ich hasse sie, ich hasse sie, ich hasse

sie....

Ich spüre das kalte Messer in meiner Brust, aber ich spüre den

Schmerz kaum. Ich fühle wie warmes Blut an mir herunter läuft, aber

ich nehme es nicht war. Ich fühle die Dunkelheit immer näher kommen,

ich weiß ich sterbe. Meine Gedanken verfliegen wie Sand im Wind. Das

letzte was ich denke, was ich fühle, was ich wahrnehme ist dieser

alles verzehrende Hass und ich weiß das er immer dort sein wird,

weit über meinen Tod hinaus.
 


 

Teil 1: dunkle Schatten am Horizont
 

Ich öffne meine Augen und starre auf die Innenwände eines kleinen

Lieferwagens. Mein Herz klopft wie verrückt und ich brauche einige

Sekunden bis ich realisiere wo ich überhaupt bin. Dann erinnere ich

mich wieder an diese ganze blöde Mission die wir wieder vermasselt

haben weshalb wir uns in diesen blöden klein Laster verstecken

mussten der jetzt Richtung Nirgendwo fährt. Ich will gar nicht

genauer darüber nachdenken was im einzelnen passiert war. Es würde

meine Laune nur noch tiefer sinken lassen als sie eh schon ist .

Natürlich nur sofern das überhaupt noch möglich ist. Schon wieder

versagt, wie eigentlich immer. Es gibt halt Menschen die haben Glück

und es gibt welche die haben keins und daran wird sich nie etwas

ändern. Warum kommen mir nur solche Gedanken! Ich bin doch die, die

im Team für die positive Stimmung zuständig ist! Vielleicht liegt es

daran das sich der Herbst langsam aber sicher dem Ende zuneigt? Wir

haben schon November. Winter! Alles liegt im Sterben. Nicht grade

die Jahreszeit die einen zum positiven Denken anregt. Ich hasse

melancholische Gedanken. Sie nehmen mir meine Stärke und außerdem

erinnern sie mich an irgendetwas. Irgendetwas an das ich nicht

erinnert werden will. Bevor dieser Gedanke sich in meinen Gehirn

manifestieren kann habe ich ihn auch schon vergessen. Gut so! Ich

schaue mich in dem kleinen Laderaum des Lasters um. Viele Kisten

stapeln sich überall, in einer freien Ecke schläft Nyase und daneben

sitzt mein Partner Kojiro und starrt Löcher in die Luft. Seine

Gedanken scheinen weit weg zu sein. Ich habe ihn eh nichts zu sagen.

Ich will einfach nachdenken und meine Gedanken ordnen. Als ich mich

zurück lehne tut es mir fast leid nichts zu Kojiro gesagt zu haben.

Es ist so unnatürlich ruhig, als wen ein Schatten zwischen uns

gefallen ist und jedes miteinander Reden unmöglich macht. Blödsinn!

Nur weil wir mal eine schwierige Phase haben ist das doch nicht

gleich der Weltuntergang. Morgen wird alles schon wieder ganz anders

aussehen. Was bringt mich nur auf so komische Gedanken? Ist das

dieser komische Traum den ich seit neustem öfters habe? Ich versuche

mich auf den Traum zu konzentrieren. Er ist anders als alle anderen

Träume die ich je hatte und eins weiß ich ganz genau er hat nichts

mit mir zu tun. Früher hatte ich auch oft Alpträume aber die

waren... ach sei es drum. Dieser Traum ist anders, denn ich träume

aus der Sicht einer fremden Person, trotzdem fühle ich jedes ihrer

Gefühle und Gedanken so als wären es meine eigenen. Jedesmal wenn

ich daran denke läuft mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter.

Dieser Traum ist... irgendwie fast real. Wer ist diese Fremde? Und

was will sie von mir? Warum träume ich ihre Träume? Manchmal kommt

es mir so vor als wenn sie mich ruft, aber warum? Baka! Was rede ich

da. Träume haben nie irgendeine tiefsinnigere Bedeutung. Wenn ich

mich weiter in so komische Dinge reinsteigere werde ich noch

verrückt!. Vielleicht sollte ich Kojiro davon erzählen. Ich öffne

meinen Mund und will reden aber irgendetwas in mir hält mich zurück,

meint das es besser wäre es im nicht zu sagen. Vielleicht würde er

lachen, aber viel eher glaube ich er würde mich nicht verstehen.

Wahrscheinlich würde er sagen das er auch manchmal komische Sachen

träumt von tanzenden Würstchen oder so. Nein ich kann es ihm nicht

sagen . Er ist mein bester Freund und wir reden über fast alles,

aber dann gibt es Dinge über die reden wir nicht. Wollen wir nicht

reden, können wir nicht reden . Manchmal fühle ich mich so mit ihn

verbunden als wen er ein Teil von mir wäre und manchmal ist er ein

Fremder für mich. Eigentlich habe ich ihn gerne in meiner Nähe, er

gibt mir das Gefühl nicht allein auf der Welt zu sein aber manchmal

last mich seine Nähe unwohl fühlen, dann wünschte ich er würde

verschwinden und mich in Ruhe lassen. Meine Gedanken fahren

Achterbahn. Das bin doch nicht ich die so einen Müll denkt, oder?

Ich hoffe dieser Transporter hält irgendwann in einen dieser kleinen

schottischen Bergdörfer durch die er schon seit Stunden fahrt. Ich

will endlich aussteigen und auf andere Gedanken kommen. Vielleicht

finden wir einen Gasthof. Ein paar Tage ausruhen würden uns gut tun,

bevor wieder dieser ganze Stress beginnt. Vielleicht spielen Nyasu

und Kojiro nachher mit mir Karten. Das wäre bestimmt lustig und

lenkt mich ab....
 

*********************************************************

Warum? Warum konnte unser Plan nicht ein einziges Mal so klappen wie

wir es geplant haben? Ich bin des Versagens leid! Langsam habe ich

die Hoffnung aufgegeben das wir es überhaupt jemals schaffen werden

irgendwelche Erfolge zu verbuchen. Selbst Musashi scheint das so zu

sehen. Sonst hat sie wenigstens noch versucht ihre Enttäuschung zu

verbergen. Irgendetwas stimmt nicht mit ihr, da bin ich mir ganz

sicher. Aber sie würde mir eh nichts erzählen und wenn ich

nachfragen würde währe ich wieder der Dumme der ihre ganze

angestaute Wut abbekommt. Manchmal frage ich mich eh ob sie

überhaupt irgendetwas für mich empfindet. Ich war immer der festen

Überzeugung, dass es so ist, aber in Momenten wie diesen bin ich mir

manchmal gar nicht mehr so sicher. Hat sie mir denn jemals gezeigt

das sie mich mag oder mir vertraut? Richtige Freunde tun so etwas.

Manchmal glaube ich, dass ich ihr nur ein lästiger Klotz am Bein

bin, jemand den man einfach nicht mögen kann.... .

Was denke ich da bloß? Natürlich sind wir Freunde und natürlich mag

sie mich sie kann es halt nur nicht gut zeigen. Etwas verbindet uns,

mehr als alle anderen Menschen! Warum denke ich so schlecht über den

einzigen Menschen den ich habe? Musashi ist nur genau so enttäuscht

von der Mission wie ich, das ist alles. Ich komme nicht dazu diesen

Gedanken weiter zu denken, den ich Blicke in zwei Ozeanblaue Augen.

Musashis Augen! Man sagt Augen seien der Spiegel der Seele. Oft habe

ich versucht auf den Grund ihrer Seele zu schauen aber es gelingt

mir nie. Irgendetwas versperrt den Weg dorthin. Etwas das sie immer

ein klein wenig traurig erscheinen lässt, egal wie fröhlich sie

grade ist. Ich hoffe das ich mich irre aber ich habe das Gefühl das

sich diese Etwas vergrößert hat. Es ist wie Eis das niemals

schmilzt. Kucke ich genau so traurig? Da ist doch mehr als nur

Enttäuschung in ihren Augen? Natürlich faucht sie mich an was ich

sie den so blöde anglotz, war doch klar. Sie scheint heute wirklich

schlechte Laune zu haben. Sie war zu mir rüber gekrabbelt um zu

sagen das der Laster angehalten hätte. Das ist die perfekte

Gelegenheit auszusteigen. Vorsichtig weckte ich Nyase und machte ihm

die Situation klar. Musashi kramte in der Zeit unsere Sachen

zusammen. Manchmal brauchen wir uns noch nicht einmal absprechen um

den anderen zu verstehen. Ich mag solche Situationen. Sie zeigt die

Verbundenheit die zwischen uns herrscht. Eh ich mich versehe sind

wir auch schon an der frischen Luft. Es ist nicht besonders hell und

es dämmerte auch schon trotzdem tut mir das Licht nach der langen

Zeit im Dunkeln in den Augen weh. Ich blicke mich blinzelnd um.

Dieses Dörfchen in dem wir gelandet sind scheint ein Paradebeispiel

für ein typisches Dorf in den Highlands zu sein. Viele keine Häuser

endlang einer Straße und darum Berge, Wälder und langsam

aufziehender Nebel. Ich wünschte wir wären nicht hier hergekommen.

Irgendwie erinnert mich die ganze Atmosphäre an irgendwelche

Gruselgeschichten und ich hasse Gruselgeschichten. Sogar die

eigenbrötlerischen Einheimischen die abweisend zu Fremden sind und

in jedes Gruselbuch gehören sind in diesem Dorf zu finden. Und sie

kucken uns ziemlich böse an.
 

*********************

Na toll! Ein Dorf was weiter am Arsch der Welt liegt hatte das

Schicksal nicht für uns aussuchen können, oder? Ich habe im Moment

eigentlich nur einen einzigen Wunsch und der lautet: ein Zimmer

mieten und schlafen und zwar einen traumlosen erholsamen Schlaf. Ich

gehe durch die Gassen auf der suche nach einer Herberge. Kojiro und

Nyase folgen mir. Nyase ist am nörgeln und nerven. Komisch dabei ist

das doch sonst Kojiros Aufgabe. Warum sagt er bloß kein Wort? Dieses

Dorf scheint nicht oft Touristen zu haben. Und das scheinen die

Bewohner auch gut so zu finden . Ich spüre ihre Blicke durch die

Gardinen und es scheint mir so als wollten sie uns am liebsten

fressen. Plötzlich kommt dieser komische bärtige Mann auf uns zu.

Ich schätze ihn so auf fünfzig und er sieht so ungepflegt aus, als

wenn er noch nie einen Frisörsalon von innen gesehn hat. Er tragt

einen Kilt und macht nicht unbedingt einen freundlichen Eindruck. Er

kommt direkt auf Kojiro zugeschossen und blafft ihn an "Was habt ihr

hier zu suchen? Verschwindet lieber bevor es zu spät ist!". Kojiro

kuckt verängstigt und antwortet nicht. War ja auch nicht anders zu

erwarten. Manchmal hasse ich ihn fast für seine Feigheit und sein

Unvermögen sich durchzusetzen. Aber irgendwie... ach wenn es doch

nur so leicht wäre ihn zu hassen. Aber ich bin genervt und nun muss

ich mich schon wieder um alles alleine kümmern. Ich schreie den

bärtigen Kerl fast an "Hör mir mal zu! Wir würden ja verschwinden,

wenn wir eine Möglichkeit hätten!". Anscheinend ist er solche

Reaktionen von einer fremden Frau nicht gewöhnt, denn es dauert ein

paar Sekunden bis er die ganze Situation überhaupt realisiert. Ich

bin nur noch sauer und müde. Ich will eine Herberge und wenn ich

dafür bis ins nächste Dorf laufen muss. Ich packe Kojiros Hand und

schleife ihn hinter mir her. Den bärtigen Mann lass ich einfach

stehen. Als dieser begreift, dass wir uns in Richtung Dorfausgang

bewegen läuft er hinter uns her. Als er uns eingeholt hat sehe ich

sein Gesicht. Er schaut uns mit schreckensverzerrter Mine an. So als

wenn er uns davor bewaren muss etwas sehr sehr dummes zu tun. "Ich

würde niemals nach Einbruch der Dunkelheit das Dorf verlassen,

Lady." seine Stimme klang jetzt nicht mehr böse sondern besonnen und

ernst "Ich weiß ihr Stadtmenschen haltet uns verrückt, aber da

draußen geschehen übernatürliche Dinge. Wie soll ich sagen, eine

dunkle Aura liegt außerhalb dieses Dorfes!". Na toll das hatte ich

ja ganz vergessen! Die Bewohner von solchen Dörfern sind immer

abergläubig. Aber wenigstens sieht der Kerl jetzt ein das er uns

nicht mehr wegschicken kann. Wiederwillig führt er uns zu einer

Gaststätte und nach dem er sich mit dem Wirt unter 4 Augen

unterhalten hat ist dieser auch bereit uns für ein Paar Tage sein

Gäste Zimmer zu vermieten. Das Zimmer in das wir geführt werden ist

schlicht und bis auf ein Doppelbett und ein Nachttisch fast leer. So

wohl die Wände wie auch der Boden ist mit Holz vertäfelt. Unter

normalen Umständen hätte ich mich wahrscheinlich über den

überteuerten Preis und den mangelnden Komfort aufgeregt. Aber selbst

dazu bin ich zu erschöpft. Ich muss mir das Doppelbett mit Kojiro

teilen. Ich weiß nicht ob ich das gut oder schlimm finden soll.

Irgendwie nervt mich alles an, ich will schlafen. Ich lasse mich

einfach nur noch aufs Bett fallen und noch ehe Kojiro unsere Sachen

hoch getragen hat, hat mich der Schlaf sanft weggetragen.
 

*******************

Warum sind wir bloß hier gelandet? Irgendetwas macht mir Angst.

Liegt es an der unheimlichen Gegend, den komischen Leuten oder ist

es etwa eine Vorahnung? Ich glaube das will ich lieber gar nicht

wissen. Das alles geht mir durch den Kopf während ich unsere Sachen

in den Schrank einordne. Der nächste Bus der durch dieses Dorf kommt

und dann in eine der größeren Städte fährt, fährt erst in drei

Tagen. Bis dahin hängen wir wohl oder übel hier fest. Ich werfe

einen Blick aus dem Fenster. Draußen ist es schon stockdunkel, alles

ist ruhig, nur aus der Gaststätte unter uns hört man Geräusche.

Nein, diese Gegend gefällt mir wirklich nicht. Plötzlich werde ich

aus meinen Gedanken gerissen. Etwas zupft mich an meinen Pullover.

Ich erschrecke mich und mein Herz schlägt mir bis zu Hals, aber dann

realisiere ich das dieses etwas nur Nyase war. Ich bin viel zu

erleichtert um ihn böse zu sein. "Schau Musashi schläft schon"

flüstert er mir zu. Tatsächlich sie schläft! Ich betrachte sie ein

paar Augenblicke . Sie liegt mit geschlossenen Augen auf dem Bett

und ihr Brustkorb hebt und senkt sich leicht. Die Schatten, die die

Kerze wirft tanzen über ihren Körper und geben ihr etwas

Übersinnliches. Als wenn sie nicht von dieser Welt ist. Sie ist so

anmutig, aber da ist noch viel mehr. Ich weiß es klingt verrückt.

Aber in diesem Moment fühle ich wieder das wir irgendwie zusammen

gehören, dass wir uns brauchen und das nur wir uns helfen können.

Helfen? Wobei? Ich weiß es nicht. Ich habe solche Angst sie zu

verlieren. Das wir uns eines Tages einfach nichts mehr zu sagen

haben und uns nichts mehr bedeuten... Oh je was soll Nyase bloß

denken. Manchmal verstehe ich mich selber nicht. Rasch decke ich

Musashi zu und frage Nyase, ob er nicht auch noch Hunger hat. Was

für eine dämliche Frage, natürlich hat er Hunger. Also lösche ich

das Licht und wir beide steigen die Holztreppe Richtung Gaststätte

herab. Ein schwacher Rauch weht uns entgegen als wir den Raum

betreten. Fast das ganze Dorf scheint anwesend zu sein. Sie sind in

ihre Unterhaltungen vertieft doch als sie mich entdecken scheinen

alle zu verstummen. Ich hasse solche Situationen! Doch ich versuche

mich zusammen zu reisen und ihre Blicke einfach zu ignorieren. Ich

gehe zur Theke und versuche etwas zu essen zu bestellen. Das einzige

was heute verkauft wird ist eine Spezialität der Gegend. Ich bin

einfach zu hungrig um wählerisch zu sein. Wahrscheinlich hätte ich

das essen auch bestellt wenn ich gewusst hätte das Elefanten fleisch

oder sonst irgendetwas drinne wäre. Nachdem wir zwei Schüsseln mit

diesen wirklich nicht sehr appetitlich aussehenden Zeug bekommen

hatten, setzten Nyase und ich uns an einen ziemlich einsam stehenden

Tisch. Das Essen schmeckt erstaunlicherweise richtig gut und ich

bereue kein bisschen doch noch in die Gaststätte gekommen zu sein.

Ich glaube vorher war mir gar nicht bewusst gewesen was für einen

Hunger ich hatte. Irgendwie muss ich schon wieder an Musashi denken.

Ob sie wohl auch Hunger hat? Vielleicht sollte ich sie wecken gehen.

Aber wenn ich mir es recht überlege.. ich glaube sie braucht ihren

Schlaf dringender. "Irgendetwas ist doch los!, oder?" Nyase reist

mich aus meinen Gedanken. Ich betrachte das kleine Katzen Pokemon

was gegen über von mir sitzt. Irgendwann hatte ich aufgehört Nyase

als Pokemon zu sehen, sondern sah es ehr so als eine Art fast Mensch

an. Nyase verstand menschliche Dinge wie Gefühle und Sorgen meistens

besser als jeder Mensch. Aber wie soll ich ihm etwas erklären das

ich selber nicht verstehen kann? Dass Musashi und ich uns immer mehr

von einander entfernen wie zwei Eisschollen im Eismeer der

Einsamkeit. Das Musashi immer mehr Mauern um sich herum aufbaut und

egal wie viel Mühe ich mir gebe ich sie nicht mehr erreichen kann.

Konnte ich sie jemals erreichen? Vielleicht will ich sie auch gar

nicht erreichen. Natürlich will ich! "Es ist wirklich nichts" höre

ich mich selber sagen. Das Katzenpokemon nickt traurig. Ich sehe

Schmerz in seinen Augen. Vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein

aber falls Musashi und ich uns wirklich nichts mehr bedeuten und

sich unsere Wege trennen ist Nyase genau so betroffen wie wir. Nein!

Nein! Das darf niemals geschehen.

Ich weis nicht wie lange wir dort schon sitzen und uns gegenseitig

anschweigen, aber irgendwann kam dieser komische Mann und setzte

sich an unseren Tisch. Er sah anders aus als der Mann von vorhin, er

trug zwar auch einen Schottenrock, aber er war schmächtig, etwas

älter und hatte eine Halbglatze. Sein Atem riecht nach Whiskey.

Wahrscheinlich ist das der Grund warum er sich zu uns rüber gesetzt

hat obwohl uns sonst alle meiden wie die Pest. Vielleicht ist er

auch nur sehr redselig. Kaum das er bei uns saß fing er an über

alles mögliche zu erzählen. Ich höre ihm nur mir einen Ohr zu und

ich sehe das Nyase es genau so tut. Plötzlich wird die Mine des

Mannes der sich uns als Willi vorgestellt hatte toternst. Er beugt

sich zu mir rüber und ich spüre seinen ekelhaft alkoholischen Atem

in meinem Gesicht. Er flüstert fast, als er mit mir spricht, so als

sollte es niemand hören. "Kennst du die Legende von Lady Bjelle? Sie

alle," und damit deutete er auf alle anderen Gäste, "tun so als sei

es eine Spinnerei, aber ich weiß das sie wahr ist und sie wissen es

auch. Niemand redet gerne darüber und niemand verlässt nach Anbruch

der Dunkelheit das Dorf". "Lady Bjelle?" Vielleicht hätte ich nicht

so doof fragen sollen. Nun bin ich in seine Falle gegangen. Er wird

mir eine Geistergeschichte erzählen und ich werde mich fürchten. Ich

fürchte mich immer. Musashi hat schon recht, ich bin der geborene

Angsthase. Andererseits kann es doch auch nicht schaden über die

Dinge bescheid zu wissen, die die Dorfbewohner beschäftigen. Mal

ganz davon abgesehen, dass Willi mir jetzt diese Geschichte erzählt

egal ob ich will oder nicht. Ich seufze unfreiwillig, lasse mich

lustlos in den Stuhl zurückfallen und höre mir an, was er so zu

erzählen hat. "Wahrlich" begann er "Vieles dieser Legende ist über

die Generationen verloren gegangen, aber vor etwa 200 Jahren soll in

Chasel Lanur ein Liebespaar gelebt haben. Man weiß nicht mehr viel

über sie, aber sie hieß Bjelle und ihre Schönheit soll weit über die

Grenzen dieser Gegend bekannt gewesen sein. Er hieß Tamar und war

der einzige Sohn des Grafen." Unfeiwillig stelle ich mir das

Szenario vor, das der alte Mann mir beschreibt. Noch ist alles ruig

und friedlich, aber ich weiß, das diese Geschichte auf eine

Katastrophe hinauslaufen wird... " Damals waren die Zeiten unruig

und Kriege erschütterten das Land. Niemand weiß genau, wer diesen

Krieg begonnen hatte oder was in jener verhängnisvollen

Novembernacht geschah, aber den nächsten Morgen hat keiner der

Menschen, die in Chasel Lanur lebten erlebt. Sie alle wurden

ermordet von den Feinden des Grafen. Seitdem ist Chasel Lanur

verlassen. Eine Aura des Hasses und der Traurigkeit umgibt diesen

Ort. In jeder klaren Vollmondnacht sieht man den Geist von Lady

Bjelle durch die Ruinen streifen und er sinnt nach Rache." Der alte

Mann macht eine künstlerische Pause. Wahrscheinlich will er sein

Triumph, mir Angst eingejart zu haben auskosten. Ich hasse diese

Geschichte. Sie lässt es mir Kalt den Rücken runter laufen und das

schlimmste an der Geschichte ist, dass ich das Gefühl habe, dass sie

wahr ist. Eine Frau reißt mich aus meinen Gedanken. Eine ältere

Frau, die "Willi du alter Suffkopf, komm sofort nach Hause!" ruft

und ziemlich wütend aussieht. Willis Ehefrau, schätze ich. Willi

stottert, beugt sich noch dichter über mich und flüstert: "Wenn ein

Mensch stirbt, verlässt seine Seele diese Welt. Aber manche Seelen

können nicht gehen sie sind an irgendetwas gebunden oder sie haben

noch etwas zu erledigen. Diese unglücklichen Seelen sind dazu

verdammt auf immer und ewig zwischen den Welten zu wandern, so lange

bis sie befreit werden. Aber nur eine reine, strahlende Seele kann

ihre Seele retten, indem sie sie aus der Finsternis führt. Kein

Mensch besitzt eine solche Seele. Jeder hat seine Fehler und

undichten Stellen. Es ist hoffnungslos, niemand kann sie je retten."

mit diesen Worten stand er auf und machte den Eindruck, als wenn er

gehen wollte. Doch er schien es sich noch ein mal anders zu

überlegen und drehte sich um "Viele nennen Chasel Lanur nur noch das

Haus der zerbrochenen Seelen. Kein Mensch sollte in die Nähe dieses

Unglücklichen Ortes gehen und besonders kein Mensch mit einer

verletzten Seele. Die Schatten die diesen Ort umgeben gelangen durch

die Verletzung tief in die Seele so wie Bakterien in frische

Wunden." Der Nachhall seiner Worte klang noch in meinen Ohren, als

er schon längst verschwunden war. Vielleicht geht dieses lähmende

Gefühl der Angst dadurch weg, wenn ich mit Nyase spreche. Ich frage

ihn, was er von der Geschichte hält und diesmal habe ich das Gefühl,

dass er mir etwas vormacht, als er mir antwortet "He Kojiro, du

musst nicht alles glauben, was man dir erzählt, der Kerl war doch

total breit, außerdem müssen wir ja nicht zu diesem komischen Haus

gehen. "Vielleicht hätten diese Worte ja auf mich beruhigend

gewirkt, aber ich sah Nyases Augen, und Augen lügen nie! Etwas

Schlimmes wird passieren!

Ich glaube, dass es besser ist, wenn wir auch schlafen gehen. Zum

Glück ist Nyase auch meiner Meinung. Wir schleichen leise in unser

Zimmer, um Musashi nicht zu wecken. Keine fünf Minuten später liege

ich neben ihr und versuche krampfhaft, nicht an irgendwelche

Spuckschlösser zu denken. Nyase schläft schon tief und fest am

Fußende. Es ist schon komisch. Ich liege so nah bei Musashi, dass

ich ihre Körperwärme spüren kann, trotzdem habe ich das Gefühl als

wenn ihre Seele sehr weit weg ist und sich immer weiter von mir

entfernt. Musashi, bitte lass mich nicht allein! Irgendwann

verlaufen sich auch meine Gedanken und der Schlaf übermannt mich.
 

********************

Ich habe schon wieder von ihr geträumt. Es ist, als werden die

Träume von mal zu mal intensiver. Es sind keine gewöhnlichen Träume,

da bin ich mir jetzt hundertprozentig sicher. Diese Träume, sie

wollen mir etwas sagen, sie rufen mich. Aber wohin und warum?

Irgendetwas wird bald geschehen.. Die Sonne scheint durch unser

Dachfenster hinein. Es ist bestimmt noch früh morgens. Trotzdem

scheint das ganze Dorf schon auf den Beinen zu sein, um die

anstehenden Arbeiten, wie z.B. Schafe auf die Weide treiben zu

erledigen. Ich bin zwar noch immer müde, aber einschlafen kann ich

auch nicht mehr. Kojiro liegt neben mir. Ob er auch solche Träume

träumt? Ich glaube nicht, dazu sieht er viel zu friedlich aus. Er

könnte mich deshalb auch nie verstehen, selbst wenn ich ihn von

meinen Träumen erzählen würde. Er versteht mich nie. Was weiß er

denn schon über mich? Oder ich über ihn? Aber verband uns nicht

trotzdem vielmehr, als uns je trennen könnte? Wo ist das Gefühl der

Geborgenheit geblieben, das wir uns sonst gegeben haben? Es ist als

wenn ich wieder alleine bin und auf etwas warte... . Ich habe das

schon mal getan... Alleine sein.. Nein! Ich will nicht alleine sein!

Schnell denke ich an etwas anderes. Ich wünschte, wir wären irgendwo

anders hingefahren, nur nicht hier her. Ich zähle die Ritzen an der

Decke . Vielleicht werde ich ja davon wieder müde oder vielleicht

vergeht davon wenigstens die Zeit. Es dauert noch zwei Tage bis der

Bus fährt. Wie soll ich das nur durchhalten. Etwas ruft mich und ich

glaube nicht, dass ich es zwei Tage ignorieren kann. Es berührt mein

Herz zu sehr. Es hilft nichts. Ich halte es einfach nicht mehr aus

hier zu liegen. Ich stehe vorsichtig auf, um Kojiro nicht zu wecken.

Ich muss mit Zeuch eingeschlafen sein. Wie peinlich! Ich öffne den

Schrank und nehme mir frische Sachen heraus. Nun kommt mein nächstes

Problem. Wo soll ich mich umziehen? Unser Zimmer hat kein

Badezimmer, das ist unten in der Gaststätte. Ich werfe einen Blick

auf Kojiro, er schein wirklich noch fest zu schlafen und Nyase auch.

Ich ziehe mich schnell im Zimmer um. Zum Glück wacht niemand auf.

Das wäre mir sehr peinlich gewesen. Auf Zehenspitzen schleiche ich

zur Tür. Ich werfe noch einen letzten Blick auf meinen schlafenden

Partner. Irgendwie sieht er ja niedlich aus, wenn er schläft. Fast

wie ein Kind. Ich lächle und schließe die Tür hinter mir. Es ist

immer noch dieses Bedürfnis in mir, zu einem ganz bestimmten Ort zu

gehen. Dort würde ich dann alle Antworten erfahren. Aber ich will

nicht dort hin! Ich wehre mich gegen das Gefühl, aber es wird immer

stärker. Irgendetwas muss ich tun, am besten ich frühstücke erst

einmal etwas....
 

******************

So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen und so lange erst

recht nicht. Das habe ich nach dem ganzen Stress echt gebraucht.

Irgendwie bin ich fast schon ein wenig enttäuscht, dass der Platz

neben mir leer ist. Musashi muss schon früher aufgestanden sein.

Aber sie ist ja gestern auch viel früher schlafen gegangen. Ich

kuschel mich wieder in mein Kissen zurück. Was sie wohl grade macht?

Ach, Musashi fällt immer etwas ein, um sich zu beschäftigen. Und

außerdem warum sollte ich mir verlassen vorkommen? Schließlich ist

ja Nyase bei mir. Es war wirklich nett von ihr, uns nicht zu wecken.

Ich stehe auf und ziehe mich an. Ich schaue aus dem Fenster. Was für

ein schöner klarer Novembertag. Jetzt kommt es mir fast schon

lächerlich vor, dass ich mich gestern Abend so gefürchtet habe. Aber

ich weiß, dass da draußen etwas Gefährliches lauert und ich wünsche

mir, dass es niemals wieder Abend wird. Ich wische den Gedanken fort

"Los Schlafkatze, steh auf " wecke ich Nyase. "Lass mich in Ruhe!"

faucht dieser "Hast du etwa schlecht geschlafen?" "Ja habe ich, und

falls du es noch genauer haben willst, ich spüre dunkle Schwingungen

hier in der Nähe" Nyase macht mir Angst mit seinen Worten. Haben

sich den alle gegen mich verschworen? Ich werde ihn einfach mit

seiner eigenen Waffe schlagen. Ironie! "Nyase, du solltest ein

Wahrsagerstand auf dem Jahrmarkt eröffnen" "Sehr witzig Kojiro! Ich

weiß ganz genau, was ich gefühlt habe! Ihr Menschen seit nicht

sensibel genug um so etwas wahrzunehmen! Aber lauft ihr beiden ruig

in euer eigenes Unglück!" Jetzt habe ich es wirklich geschafft,

Nyase ist auch noch sauer auf mich. "Es tut mir leid" endschuldige

ich mich bei ihm. "Lass uns etwas essen und dann Musa suchen". Es

ist schon schlimm mit mir. Ich bin eigentlich immer hungrig, aber

wenn ich traurig bin, dann könnte ich glaube ich den Inhalt eines

Supermarktes verdrücken. Wie gut, dass ich wenigstens nicht

ansetzte.

Nach dem wir das Frühstück verschlungen haben, was übrigens auch

sehr gut hier schmeckt, frage ich die Frau am Tresen ob sie meine

rothaarige Begleitung gesehen hat. "Du machst dir laufend Gedanken

um sie. Gestern Abend, jetzt. Ihr gehört dein Herz, oder?" Am

liebsten hatte ich mich durchsichtig gemacht und hätte schleunigst

den Raum verlassen. Aber da mir solche Fähigkeiten leider nicht zu

Verfügung stehen kann ich mich leider nicht so einfach aus der

Affäre ziehn. Warum interessieren sich eigentlich alle Leute für

meine Privatangelegenheiten? Sonst bin ich ihnen doch auch

scheißegal! Was wollen sie hören? Eine heiße Lovestory? Mit so etwas

kann ich nicht dienen. Irgendwie gehört Musashi schon mein Herz. Ich

muss ständig an sie denken und ich habe das Gefühl, dass wir uns

brauchen, richtig brauchen..., dass wir zusammen gehören... Es

zerbricht mir fast das Herz, dass sie sich immer weiter von mir

entfernt... ach, ich kann es nicht beschreiben und noch viel weniger

verstehen. Außerdem, das wollte diese Frau doch gar nicht wissen.

Sie will wissen, ob wir rumknutschen oder sonst was machen, damit

sie wenigstens für einen Tag im Mittelpunkt der Dorffrauen Klatsch

und Tratsch Gesellschaft steht. "Sie ist vor ungefähr einer Stunde

gegangen. Spazieren gehen glaube ich.." erlöst mich die Frau

schließlich doch noch von meinen Qualen. Ich bedanke mich und

verlasse den Raum. "Aber pass gut auf sie auf!" ruft mir die Frau

hinterher "Etwas führt sie weg von dir..."

"Komm, lass uns auch ein bisschen Spazieren gehen" versuche ich

Nyase zu überreden. "Du wirst sie nicht finden, sie kann jeden Weg

genommen haben." Bin ich wirklich so leicht zu durchschauen? Oder

kennt Nyase mich nur zu gut? "Ich wollte auch nur einfach so ein

bisschen Spazieren gehen" versuche ich mich zu rechtfertigen. "Du

machst dir Sorgen um sie" antwortet er ganz lässig "Und das ist auch

gut so. Etwas stimmt mit ihr nicht. Aber mit dir auch nicht" "Was,

was sollte mit uns nicht stimmen?" zittert meine Stimme wirklich?

Nyase hat Recht, irgendetwas ist anders, aber ich wüsste nicht wie

ich es ändern könnte. "Ich würde euch wirklich gerne helfen" sagt

das kleine Katzenpokemon traurig "Aber diesmal kann ich es nicht. Es

ist eine Sache, die nur euch beide was angeht. Nur ihr könnt euch

helfen!" Was meint er bloß damit? Ich nehme ihn hoch und setzte ihn

auf meine Schultern. "Du hilfst uns immer Nyase, alleine schon durch

deine Anwesenheit!" versuche ich zu lächeln. "und jetzt komm, lass

uns Musashi suchen..."

Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir durch den Wald spazierten. Die

Sonne wird nicht mehr lange scheinen und es wird immer kälter und

nebeliger. Normalerweise finde ich Musa immer, egal wo hin sie geht.

Es ist, als wenn sie eine bestimmte Frequenz aussendet, die nur ich

empfangen kann. Aber diesmal ist es anders. Der Wald ist so anders,

so unheimlich. Und er scheint ihre Frequenz irgendwie zu

absorbieren. Manchmal verstummt sie, manchmal kommt sie aus allen

Richtungen gleichzeitig. Ich habe furchtbare Angst. Wir müssen

unbedingt vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurück sein, sonst... .

Wo ist bloß Musashi? Es ist zu spät, die Sonne ist untergegangen,

innerhalb von Minuten versingt alles in Schwärze. Ich habe Angst,

Angst, wie noch nie in meinem Leben. Auch Nyase zittert wie

Espenlaub. Mein Verstand sagt: "Kehr um, bevor es zu spät dazu ist!"

aber mein Herz sagt "Such Musashi!". Irgendwann finde ich sie in

mitten der Dunkelheit. "Musashi!" ich laufe auf sie zu. Sie ist so

hübsch. Ihre Haare umspielen wie Flammen ihr Gesicht. Aber ihre

Augen.. . "Musashi, bitte komm zurück, komm zurück zu mir" Ich habe

sie fast erreicht, aber dann dreht sie sich um und verschwindet in

der Dunkelheit. Ich laufe hinterher. Ich muss sie einholen, ich

muss....
 

Dunkle Schatten am Horizont

Die Schatten kommen näher,

Ich fühle es!

Wie eine dunkle Vorahnung;

Ich fühle es,

Was sollen wir tun?

Ich fühle es,

Weglaufen? Wie so oft?

Ich fühle es

Es gibt kein Entkommen,

Ich fühle es!

Teil 2: Die Dunkelheit in meinem Herzen
 

Die Nacht ertrinkt in Dunkelheit. Ein unheilverkündender Sturm zieht

auf und lässt die Bäume erzittern. Ich höre sie wispern und es hört

sich an, als wenn sie klagen und weinen. Ich kann keinen klaren

Gedanken mehr fassen. Ich habe so unendliche Angst. Etwas ruft mich.

Es ist so stark, es lässt mein Herz erschüttern, ich weiß das ich

gehen muss. Vielleicht ist es mein Schicksal, vielleicht bin ich

auch einfach nicht mehr in der Lage mich zu wehren. Ich laufe und

laufe. Ich lasse mich durch die Nacht gleiten und ich habe die

Gewissheit, dass, egal welche Richtung ich einschlage, ich mein Ziel

erreiche. Es ist alles so unwirklich, wie in meinem Traum. Ich laufe

und laufe. Ich höre Kojiro und Nyasus Schritte hinter meinen. Kojiro

ruft meinen Nahmen und es klingt so verzweifelt, dass es mich fast

zum Anhalten bringt. "Tut mir leid Kojiro, aber ich muss gehen!"

rufe ich ihn entgegen, aber der Wind verschlingt meine Worte. Ich

bahne mir weiter meinen Weg durch die nie enden wollende Dunkelheit.

Er und Nyasu folgen mir weiterhin und ich weiß, dass sie mir selbst

dann noch folgen würden, wenn mich mein Weg direkt in die Hölle

führen würde. Dieser Gedanke gibt mir ein bisschen jener

Geborgenheit zurück, die ich in letzter Zeit so vermisst habe. Ich

bin nicht allein. Sie haben mich gesucht und gefunden. Trotzdem kann

dieser Gedanken kaum mein Herz erwärmen. Es ist so kalt. Die

Finsternis hat irgendetwas Lebendiges. Ich spüre die Aura des

Schmerzes, der Traurigkeit und des Hasses und ich spüre auch, dass

ich mich immer mehr darauf zu bewege. Ich weiß nicht mehr, wie lange

ich gelaufen bin. Stunden? Minuten? Noch schwärzer als die

Dunkelheit, liegt das Haus vor mir. Es ist, als wartet es auf mich.

Ich werfe noch einen Blick auf das schwarze Haus, aber ich weiß

auch, dass in einem dieser Zimmer mein Schicksal, nein ich glaube

unser aller Schicksal entschieden wird. Ich bewege mich auf die

große rostige Tür zu, als mich Kojiro einholt. Er ist am Rande der

totalen Erschöpfung. Komisch ich bin doch auch die ganze Zeit

gelaufen und ich merke gar nichts. Er bittet mich, nicht zu gehen.

Das weiß ich, bevor er es mir sagt. Ich schaue in seine

smaragdgrünen Augen, aber sie sind trüb. Ich kann nichts darin

erkennen, außer vielleicht Angst. Er hat immer Angst und er wird

immer vor seinen Problemen davonlaufen. Ich gehe an ihm vorbei und

öffne die Tür. Sie knarrt, als wenn sie sehr, sehr lange Zeit nicht

benutzt wurde. Drinnen ist es totenstill und die Dunkelheit ist so

intensiv, dass man sie fast schneiden konnte. Kojiro hatte

aufgegeben mit mir zu sprechen oder mich aufzuhalten, eine traurige

resignierte Aura liegt jetzt über ihn wie über dieses ganzen Haus.

"Es tut mir leid, dass ich dir das angetan habe, dass ich dich hier

mit hergeschleppt haben, und dich so schlecht behandelt habe" flammt

es einen Moment durch meine Seele wie das kurze Aufflackern eines

Blitzes in einer Gewitternacht, danach ist es erloschen. Ich schaue

mich in der Halle um. Es dauert einen Weile, bis sich meine Augen an

die Dunkelheit gewöhnen. Die Halle scheint so groß, dass ich die

endgegengesetzten Wände nicht sehen kann. Zahlreiche Korridore gehen

von ihr ab und zwei Treppen, die in die oberen Stockwerke führen.

Früher muss dieses Haus einmal sehr prächtig ausgestattet gewesen

sein. Heute ist alles zerfallen. Jahrzehnte alter Staub bedeckt

alles wie eine Schicht des Vergessens. Er dämpft jeden Schritt den

ich mache und hüllt jedes Geräusch in ein unwirkliches Schweigen.

Jeder Schritt füllt mich mit neuer Furcht trotzdem bewege ich mich

schon fast ehrfürchtig weiter. An einer der Wände hängt ein altes

Gemälde. Ich gehe unwillkürlich darauf zu. "Lady Bjelle" Die

Eingravur ist kaum noch zu lesen. Es ist so von Staub bedeckt, dass

ich nichts darauf erkennen kann. Vorsichtig wische ich ihn zur

Seite. Eine junge blonde Frau mit einem glücklichen Lächeln kommt

zum Vorschein. Das Bild ist vergilbt und an einigen Stellen ist die

Farbe längst abgebröselt. Trotzdem erkenne ich diese Frau. Auch wenn

ich ihr Gesicht niemals im meinen Traum gesehen habe, weiß ich, dass

sie die Frau aus meinen Traum ist. Diese Erkenntnis jagt mir noch

nicht einmal mehr Angst ein. Es ist so etwas wie Gewissheit, ich

weiß, ich bin am Ziel.
 

**************************

Warum folge ich ihr überhaupt? Warum? Sie läuft blindlings in ihr

Verderben und ich folge ihr auch noch. Was will sie überhaupt hier?

Spürt sie denn nicht das Grauen, das wie Schatten in die Seele

eindringt? Das Haus der zerbrochenen Seelen. Vielleicht spürt sie es

ja wirklich nicht, sie ist stark, sie meistert jede Situation, ganz

im Gegensatz zu mir. Ich gehöre ganz eindeutig in diese Kategorie

Leute, die dieses Haus unter gar keinen Umständen je betreten

sollten, und nun bin ich hier. Namenlose Angst legt sich über mich

und ich fühle mich allein. Allein und verlassen so wie damals... .

Nein, ich darf nicht daran denken! Wenn ich mich jetzt erinnere,

werden nur noch größere Öffnungen da sein, durch die die Schatten in

meine Seele gelangen können. Ich muß stark sein. Ich schaue mich

nach Nyase um und erschrecke. Ich habe noch nie so viel Angst in

denn Augen eines Pokemons gesehen. Es drückt sich an die Wand und

starrt wie ein Kaninchen, das vor einer Schlange sitzt. Jedes

einzelne Haar an seinem Körper ist gesträubt. Pokemon sind viel

sensibler als Menschen, das heißt, wenn Nyasu so reagiert.... Oh

Gott, ich will raus hier. Vorsichtig nähere ich mich dem kleinen

Katzenpokemon und versuche beruhigend auf es einzureden. Es ist

nicht leicht, denn meinen Stimme überschlägt sich vor Angst.

Irgendwann klart sein Blick auf und ich nehme das zitternde Bündel

in meinen Arm. Oh es tut so gut, in diesem schrecklichen Haus etwas

warmes, lebendiges zu spüren. Es gibt mir wieder ein bisschen Kraft.

"Kojiro" Nyasus Stimme klingt immer noch verängstigt, aber

wenigstens scheint er wieder Herr seiner selbst zu sein "Kojiro, wir

müssen hier unbedingt raus! Die Aura, sie ist so stark... etwas

schreckliches wird passieren, wenn wir nicht sofort verschwinden"

Nyasu hat Recht! Ich möchte nichts lieber, als hier zu verschwinden,

aber Musashi... . Anscheinend kann Nyasu Gedanken lesen "Los,

schnapp dir Musashi und bring sie hier raus! Wenn es sein muß mit

Gewalt. Los mach schon. Etwas in diesem Haus verändert sie. Du mußt

dich beeilen." Ich glaube Nyase sagt die Wahrheit. Und außerdem, was

habe ich den schon zu verlieren? Sie kann mich doch nicht noch mehr

ignorieren, als sie es in den letzten Tagen getan hat, oder? Ja, ich

werde sie hier raus bringen und dann kann ich endlich dieses Horror

Haus verlassen. Ich richte mich auf und stelle fest, dass Musashi

verschwunden ist. Namenloses Entsetzen packt mein Herz. Sie stand

doch noch eben grade bei dem Gemälde. Was hatte sie dort noch einmal

gesagt? Sie redete von Bjelle und dass Tamar sie verraten hat. Woher

weiß sie von der Geschichte? Ich hatte nicht die Möglichkeit, mit

ihr darüber zu reden! Angst! Ich blicke mich um doch, ich kann sie

nirgendwo mehr sehen. Es ist als wenn sie sich in Luft aufgelöst

hat. Warum tut sie das? Warum lässt sie mich allein? Warum kann sie

nicht das eine Mal auf mich hören?. Eigentlich hätte sie es

verdient, hier zu rück gelassen zu werden. Ich blicke zur Tür. Sie

lockt so verführerisch. Ein paar Schritte und ich bräuchte diese

entsetzliche Angst in meiner Seele nicht mehr spüren. Nein! Niemals!

Das darf ich nicht tun! Ich weiß, wie es sich anfühlt, alleine zu

sein. Ich werde sie finden, sie kann doch noch nicht weit weg sein.

Ich drehe mich von der Tür weg und schaue auf das Gemälde, was

Musashi so lange betrachtet hatte. Die junge Frau mit dem

sympathischen Lächeln muss Lady Bjelle sein. Was mus bloß geschehen,

um einen Menschen in einen Rachegeist zu verwandeln, der eine solche

Aura des Hasses um sich zieht? Ich habe das schreckliche Gefühl,

dass ich es noch erfahren werde. Nein! Ich will es nicht erfahren!

Ich will nichts damit zu tun haben! Ich will Musashi finden und dann

nichts wie weg hier. Musashi... wo könnte sie nur hingegangen sein.

Das Haus ist einfach riesig, wie soll ich sie da finden? Irgendetwas

sagt mir, ich solle die Treppe herauf gehen. Aber ich will nicht.

Die Aura die man hier unten spürt, scheint dort oben noch verstärkt

zu sein. Als mein erster Fuß die Stufen berührt, ist es, als wenn

ein kalter dunkler Wind durch meine Seele weht. Noch habe ich genug

Mut, mich der Eindringlinge zu erwehren, aber ich weiß, dass ich das

nur eine kurze Zeit durchhalten kann. Ich drücke Nyasu noch enger an

mich und steige die Treppe empor. Dann kommt mir eine Idee. "Nyase!

Wir müssen uns aufteilen, sonst finden wir sie nicht mehr

rechtzeitig" ich setzte ihn auf den Boden. Er zittert immer noch

"Ich halte zu euch, egal was passiert!" "Ich weiß, Nyase und jetzt

geh!" rufe ich den Pokemon zu, was sich immer weiter von mir

entfernt. Ich bin wieder allein, allein, allein, allein und ich habe

solche Angst....
 

***************************

Da war etwas! Ich laufe darauf zu, aber es scheint verschwunden. Ich

irre durch die Zimmer und Korridore, aber ich habe längst die

Orientierung verloren. Wo bin ich? Wo ist Kojiro? Ich muss den Weg

zurück zu ihm finden. Mein Herz, es erdroht zu erfrieren. Ich fühle

mich so einsam und verlassen, wie noch nie in meinen Leben. Stimmt

nicht, ich kenne dieses Gefühl nur all zu gut. Leider. Nein! Ich

will es nicht mehr spüren und ich will mich nicht erinnern! Ich kann

nicht anders, Gedanken schießen auf mich. Erinnerungen und Gefühle

von früher. Ich wünschte, ich könnte sie vergessen, vergessen für

immer. Ich will, dass sie aufhören, mich zu quälen. Alles beginnt,

vor meinen Augen zu zerlaufen und in Dunkelheit zu verschwinden. Als

sich die Dunkelheit lichtet, bin ich weit weg an einem anderen Ort.

Ich öffne meine Augen und registrier, dass ich mich in einer alten

Blockhütte befinde. Mein pochendes Herz beruigt sich langsam. Es ist

so schön warm und friedlich hier. Es ist als wenn die Schrecken der

letzten Tage weit hinter mir liegen. Ich schaue mich in dem kleinen

Raum um. Die Leute die hier leben, scheinen nicht viel zu besitzen,

und trotzdem kommt mir alles so unheimlich vertraut vor. Aus dem

Nebenraum hört man Menschen. Ich werde zu ihnen hingehen, mit ihnen

reden...

. Ich öffne die Tür zu dem Raum, der gleichzeitig als Küche,

Wohnzimmer und Esszimmer dient. Ein gemütliches Feuer prasselt im

Kamin, dann fällt mein Blick auf die Leute, die in diesem Haus

wohnen und mein Herz bleibt stehen. Danach ist nichts mehr wie es

war. Die eben noch friedliche Atmosphäre verwandelte sich in das

komplette Gegenteil. Es ist noch viel schlimmer, als vorhin im Haus.

Es ist wie ein Drama zu lesen und unweigerlich zu wissen, dass alles

auf eine Katastrophe hinauslaufen wird. Ja, ich kenne diese Hütte.

Ich wurde in ihr geboren und etwas von mir ist in ihr gestorben. Ich

kenne den jungen Mann der über den Töpfen gebeugt steht und irgend

etwas kocht, denn er ist mein Vater. Ich kenne die junge

fliederhaarige Frau mit ihrer schwarzen Team Rocket Uniform, die auf

ihren Stuhl sitzt und nervös überlegt, wie sie ihrer kleinen

rothaarigen Tochter ihre neue Mission beibringen soll. Denn sie ist

meine Mutter und die kleine Tochter, die so unbeschwert durch den

Raum tanzte, das war ich. Warum? Warum bin ich hier? Ich will das

alles nicht noch einmal erleben müssen. Noch einmal würde ich das

nicht schaffen. Plötzlich lässt die Hoffnung meine Seele erleuchten.

Vielleicht bin ich ja hier, um den Lauf der Dinge zu ändern. Wenn

ich es schaffe, dass Mama nicht auf diese verdammte Mission geht,

dann wird alles gut werden! Ich werde glücklich sein. Glücklich.

"Musa-chan" zärtlich nimmt Miyamoto ihre kleine Tochter in den Arm

"ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen..." "Nein!" meine Stimme

überschlägt sich fast, als ich hervorpresche und mich in der Mitte

des Raumes postiere. Miyamoto steht nur eine Zentimeter von mir

entfernt, ich kann ihre Wärme spüren. Ich erinnere mich, wie gut ihr

Zeuch roch und wie schön sich ihre Hände anfühlten, wenn sie mir

sanft über den Kopf streichelten. Ich schaue in ihre unheimlich

sanften, traurigen Augen und ich muss fast weinen, als ich mit ihr

rede, so sehr habe ich sie all die Jahre vermisst. "Bitte geh

nicht!" flehe ich sie an "Wenn du gehst, dann wirst du sterben und

wir werden uns nie, nie, niemals wiedersehen und ich werde allein

sein!" Tränen laufen an meinen Wangen entlang. Ich weiß nicht, wie

lange es her ist, seit ich das letzte Mal geweint habe. Sanft

streicht Miyamoto ihrer kleinen Tochter durch die Haare, bevor sie

mit trauriger Stimme fortfährt "Deine Mama hat eine wichtige Mission

auszuführen, sie wird erst in einigen Tagen

wiederkommen..."Verwunderung, Warum? Doch dann trifft mich die

Erkenntnis. Nein! Nein! Sie kann mich nicht hören! Niemand sieht

mich! Ich kann es nicht verhindern. Es wird wieder geschehen. Oh

Gott, es wird wieder geschehen. Ich fühle mich so machtlos, so

entsetzlich machtlos. Ich schluchze unkontrolliert und lasse mich

auf den Boden fallen. "Mama bitte geh nicht, bitte lass mich nicht

allein, ich habe solche Angst" Ich blicke hoch durch den Schleier

der Tränen und sehe ich die kleine Musashi weinen. Ihre Mutter

drückt sie an sich und versucht sie zu beruigen und auch ihr Vater

kommt hinzu "He Musa, beruige dich doch, Mami ist doch nicht aus der

Welt. Oder findest du es so übel, ein paar Tage mit deinem Papa

verbringen zu müssen?.." "Ein paar Tage? Sie wird niemals, niemals

wieder kommen! Und du.. "oh nein, warum muss das alles noch einmal

geschehen? "Musa-chan, sei nicht traurig, ich verspreche dir, dass

ich bald wieder da bin, ich lasse dich niemals alleine, großes

Indianerehrenwort.." " Lügnerin!" Ich springe vom Boden auf, ich

spüre Hass in meinem Herzen. "Du abscheuliche Lügnerin! Warum tust

du das? Warum lässt du sie im Stich? Hast du eine Ahnung davon, was

du ihr damit antust? Weißt du, wie das ist, alleine zu sein, weißt

du das?" Tränen der Verzweifelung brennen wie Feuer in meinen Augen.

Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle, als ich mit meiner rechten

Hand aushole und auf ihr Gesicht ziele. "Ich hasse dich Miyamoto,

ich hasse dich!" Meine Hand zielt ins Leere. Die junge Frau geht an

mir vorbei zu ihrem kleinen Reiserucksack. Sie schnallt ihn sich

über und wirft ihrer Familie einen letzten langen Blick zu, dann

geht sie in Richtung Tür. "Ich hab dich lieb Mami!" höre ich die

kleine Musachi rufen "Ich dich auch..." dann ist sie verschwunden

und ich weiß, dass ich sie niemals mehr wiedersehen werde und ich

weiß auch, dass mein persönlicher Albtraum grade erst begonnen

hat....

**********

Ich fühle mich so alleine, so schrecklich alleine. Ich wandere durch

endlose Korridore und rufe ihren Nahmen. Alles ist verfallen und an

allem klebt Trauer und Hass. Ich habe das Gefühl als wenn des

gesamte Haus in der Zeit gefangen ist. Es ist so traurig und dunkel,

aber auch bedrohlich wie in einer Gruft. Wie viele Zimmer hat das

Haus? Ich habe das dumpfe Gefühl, dass es unendlich groß ist und uns

niemals wieder gehen lässt. Ich gehe und gehe, aber ich komme

nirgendwo an. Meine Füße hinterlassen keine Abdrücke in der

Staubschicht. Warum? Es ist als wenn ich nicht existiere! Vielleicht

existiere ich ja auch gar nicht. Vielleicht bin ich nichts mehr, als

ein Schatten, ein Nichts, das jeder ignoriert. Das würde auch

erklären, warum mich alle so hassen. Warum ich so falsch bin. Ich

war schon immer falsch, immer, immer, immer, immer. Die Dunkelheit

scheint lebendig zu werden. Sie legt sich um mich. Ich bin zu

schwach, um mich zu wehren. Sie verschlingt mich..

Ich öffne meine Augen. Wo bin ich? Ich befinde mich auch in einem

Großen Haus und es ist dunkel und unheimlich, aber alles ist heile.

Bin ich 200 Jahre zurück versetzt worden? Ich schaue mich genauer

um. Nein, es sei denn, sie kannten früher schon Fernseher. Ich

befinde mich in einem großen dunklen Raum. Er ist vollgestopft mit

allem möglichen Zeug. Was ist das? Spielzeug? Ja, es scheint so,

aber es ist, als ob eine unheimliche Kälte von ihm ausgeht. So wie..

Oh Nein, das kann nicht sein oder? Ist das mein Spielzeug? Ist das

mein Zimmer? In der einen Ecke ist etwas. Ich gehe darauf zu, jetzt

kann ich erkennen, was sich dort befindet. Es ist ein kleiner Junge

mit lavendelfarbenen, schulterlangen Haaren. Er schaut sich

ängstlich um. In seinen smaragdfarbenen Augen spiegelt sich

Traurigkeit. Ich bin wirklich in meiner eigenen Vergangenheit

gelandet, denn der kleine Junge bin ich. Seit ich Musashi kenne,

habe ich versucht, das Gefühl zu verdrängen. Das Gefühl ein Nichts

zu sein und das Gefühl alleine zu sein. Alleine in der Dunkelheit.

Jetzt bricht es über mich herein wie die Wassermassen bei einen

Dammbruch. All diese Gefühle, die ich jahrelang gestaut hatte,

fliesen über mich und reißen mich in die Dunkelheit. Der kleine

Kojiro weint. Ich kann ihn nicht trösten. Er nimmt mich nicht wahr.

Ich bin ein Nichts. Alles ist so dunkel und so voller Schatten......

*******************

Ich erwache aus diesem schrecklichen Alptraum. Ich will aufstehen

und weglaufen. Aber ich kann nicht! Ein stechender Schmerz

durchzuckt meinen Körper. Was ist passiert? Ich liege inmitten von

Trümmern und ein riesiges Holzstück hat sich in meinen Oberkörper

gebohrt. Reflexartig ziehe ich es aus mir heraus. Oh Gott, das hätte

ich nicht tun sollen. Schmerzen, schreckliche Schmerzen und ganz

viel Blut. Ich presse die Hand auf die stark blutende Wunde und

versuche mich aufzurichten. "Kojiro! Hilf mir!" Ich muß im Traum die

Flucht ergriffen haben und einfach losgelaufen sein. Die alte Treppe

hat wohl meinen Gewicht nicht mehr stand gehalten. "Kojiro! Nyase!"

ich schleppe mich vorwärts. Mir wird immer schwummriger vor den

Augen. Es ist, als wenn immer mehr Schwarz dazu kommt. Irgendwann

ist alles schwarz.

Es ist dunkel, so dunkel. Ich brauche mich nicht umschauen, ich

weiß, wo ich bin. Ich befinde mich in der alten Blockhütte, genauer

gesagt in meinen alten Zimmer. Ich will sie nicht sehen, aber ich

weiß, dass sie da sind die Schatten, die Schatten, die

Schatten......

Sie versuchen in meine Seele einzudringen, sie lähmen mein Herz. Sie

machen mir solche Angst. Ich sitze zusammengekauert auf dem Boden

und wimmere wie ein kleines Kind, dann hebe ich leicht meinen Kopf

und schaue mich um. Der ganze Raum ist erfüllt von dieser

schrecklichen Dunkelheit. Am Fenster sitzt ein kleines rothaariges

Mädchen und schaut hinaus in diese unendliche Dunkelheit. Ich gehe

zu ihr und schaue in ihre unendlich blauen Augen. Ihr Blick wirkt

durcheinander, wie der eines Fukanos, der an einem Laternenpfahl

angebunden ist und nicht versteht, dass sein geliebtes Herrchen ihn

ausgesetzt hat. Trotzdem ist da noch Hoffnung. Man kann noch bis auf

den Grund ihrer Seele schaun. Ich setze mich neben dieses Mädchen

und weine. Weine um ihr Schicksal, das auch gleichzeitig mein ist.

Ich versuche, ihr durchs Haar zu streicheln, ihre Wärme zu spüren,

aber meine Hand gleitet durch sie hindurch. Obwohl ich weiß, dass

sie mich nicht hören kann, beginne ich, mit ihr zu reden "Weißt du"

beginne ich "Du glaubst noch, dass deine Mutter ihr Versprechen hält

und auf alle Fälle wiederkommt und dass dann alles gut wird, oder?

Ich weiß es besser, sie hat dich angelogen, sie kommt nicht mehr

wieder! Und auch all die anderen Menschen, denen du vertraust,

lassen dich im Stich. Sie lassen dich allein in der Dunkelheit

zurück". Noch nie habe ich den Schmerz so real in mir gefühlt, er

bohrt sich in mein Herz wie ein glühendes Messer. Der Schmerz lässt

mich weinen, als ich weiter spreche "Und es wird niemals aufhören.

Sie werden dich ausnutzen, ausgrenzen, verletzen und dann wegstoßen.

Sie werden dir versuchen weiß zu machen, dass du schlecht bist und

es nicht wert bist, glücklich zu sein und vielleicht.. vielleicht

haben sie recht..". Nein! Sie haben niemals recht. Es muss ein Licht

geben in dieser schrecklichen Finsternis. Ein Licht, an dem ich

meine Seele erwärmen kann und ich werde es finden... Die Tür geht

auf und reißt mich aus meiner Suche. Vor mir steht mein Vater. Sein

Gesicht hat sich seit meinen letzen Besuch verändert, es ist so kalt

und ausdruckslos. Ich weiß, was jetzt passieren wird. Mit einer

Mischung aus unheimlicher Abscheu und Faszination warte ich auf den

Augenblick, wo er die unschuldige, engelsgleiche Seele seiner

Tochter für immer zerstören wird. "Weist du Musa.." sagt er mit

tonloser, tränenerstickter fast monotoner Stimme "Mama wird nicht

mehr zurückkommen, sie hatte einen Unfall, sie ist tot." Er dreht

sich um und rennt aus der Tür. Wieder alleine. Wieder Dunkelheit.

Ich drehe mich von der Kleinen weg, ich will nicht in ihre Augen

sehen müssen. Es gibt keine Tränen um zu beweinen, was eben

geschehen ist.
 

*******************

Wieviele unendliche Nächte saß ich hier im Dunkeln und wie viele

werden es noch werden? Die Tür öffnet sich einen Spalt. Licht strömt

herein, aber es ist hart und kalt. Unser Diener tritt herein. Der

kleine Kojiro steht auf, nimmt etwas und geht in richtung Tür. Was

hält er in der Hand? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, was jetzt

kommt. Die Essensprozedur. Die einzige Zeit am Tag, wo ich meine

Eltern zu gesicht bekommen habe und mein Zimmer verlassen durfte.

Ich folge dem Diener und dem Jungen durch endlose Korridore, bis wir

den Speisesaal erreichen. "Du bist schon wieder zu spät, Kojiro!"

Der Mann, der sich mein Vater nannte, sitzt an einer großen Tafel,

am anderen Ende sitzt die Frau, die sich meine Mutter nannte. Er

wirft dem kleinen Jungen einen wütenden Blick zu. "Aber ich.." "Sei

ruig und setzt dich endlich!" lässt er den Kleinen erst gar nicht zu

Wort kommen. "Aber ich habe extra was für euch gemalt" Seine Augen

glänzen erwartungsvoll, als er das Papier, was er die ganze Zeit in

der Hand hielt hoch hält. "Hast du mir nicht zu gehört!" Wütend

packt der Mann den Jungen am Kragen "Du sollst verdammt noch mal nur

reden, wenn man dich dazu auffordert. Haben wir uns verstanden?"

Nach dem er seinen Griff gelockert hat, fällt der Junge zu Boden.

Sein Bild landet einige Meter weiter vor den Füssen meines Vaters.

Er hebt es auf und zerknüllt es, ohne es zu betrachten. "Warum?

Warum tust du das?" ich kann nicht anders. Ich weiß, dass es nichts

bringt, aber es nimmt mich einfach zu sehr mit "Du hast das Bild

noch nicht einmal angeschaut! Er hat sich so viel Mühe gegeben. Er

wollte euch eine Freude machen.." Ich weine. All die verdrängten

Schmerzen steigen in mir hoch "Er wollte nur geliebt werden. Aber

ihr liebt ihn nicht. Ihr wollt ihn verändern, nach euren

Vorstellungen. Habt ihr vergessen, dass er ein lebendiges Wesen ist?

Mit einem eigenen Herz und einer eigenen Seele?" Ich heule

unkontrolliert, genau wie der kleine Kojiro vor mir auf den Boden.

"Du solltest deine Zeit sinnvoller verbringen, dann würdest du uns

auch nicht immer so enttäuschen!" Ich wische mir die Tränen aus den

Augen. "Ja, wahrscheinlich hast du recht Vater! Ich bin ein

Nichtsnutz, man kann mich nicht mögen. Es war nicht euer Fehler mich

so zu behandeln. Euer Fehler war, mich in die Welt gesetzt zu

haben". Noch denkt der kleine Kojiro, dass er seinem Schicksal

entkommen kann, in dem er wegläuft. Aber es wird ihn niemals

gelingen, denn er ist ein Nichts...
 

****************************

Ich weiß nicht, wie lange ich hier schon bin. Vielleicht schon seit

Jahren. Die Dunkelheit hat schon fast etwas vertrautes. Am Anfang

tat sie mir noch weh, aber jetzt.. . Am Anfang tat es mir auch noch

weh mich zu erinnern. Festzustellen, dass ich und die kleine Musashi

ganz alleine sind. Verlassen von allen, sogar vom eigenen Vater. Er

war nicht mehr derselbe, stürzte sich in Arbeit. Und wenn er spät in

der Nacht nach Hause kam, war er meistens stockbetrunken. Am Anfang

tat es auch noch weh, zu sehen, wie er das kleine Kind von sich weg

stieß, was heulend darum bat, nicht mehr allein gelassen zu werden.

Am Anfang habe ich auch noch getobt und geschrien, warum er seine

Tochter so behandelt. "Miamoto ist tot!" habe ich geschrien," Aber

Musashi lebt! Warum willst du sie auch töten?" Er hat nie

geantwortet, auch nicht, als ich ihm an den Kopf geworfen habe, wie

sehr ich ihn hasse. Wie auch, er konnte mich nicht hören. Keiner

kann mich hören. Ich bin ein Niemand. Vielleicht bin ich auch schon

gestorben und ein Geist... Jetzt ist mir alles gleichgültig. Die

Dunkelheit hat sich um mich gelegt wie eine Blase, aus der es kein

Entrinnen gibt. Langsam aber sicher tötet sie meine Seele. Manchmal

beobachte ich die kleine Musashi. Sie hat noch immer ein bisschen

Hoffnung. Oft steht sie am Fenster und wartet auf ihre Mutter,

manchmal gehen wir auch raus in den Garten. Ihre Seele stirbt

langsamer als meine. Ich habe mich erinnert was mein Licht in der

Dunkelheit ist. Meine Freunde bei Team Rocket. Nyase und besonders

Kojiro. Kojiro der schmale Junge mit den lavendelfarbenen Haaren und

den smaragdfarbenen Augen. Seine Augen erzählen so viel über ihn,

wenn ich in sie schaue, ist es so, als wenn... ich mich finde. Uns

verbindet so viel, ich kann ihm trauen, er würde mich niemals im

Stich lassen und er verzeiht mir alles. Er ist der einzige Mensch,

der mir das Gefühl gibt, auch einer zu sein. Kojiro ist mein Licht.

Die Lichtkugel, die mich jetzt noch am Leben erhält, die mir sagt,

dass alles gut wird. Aber je länger ich hier bin, um so unwirklicher

wird alles. Ich habe das Gefühl, als wenn Team Rocket nie existiert

hätte. Als wenn Kojiro ein Phantasiegebilde ist, das ich mir

ausgedacht habe, um nicht völlig an der Welt zu verzweifeln.

"Kojiro, wenn du wirklich der bist, für den ich dich halte, dann

komm und rette mich. Rette mich aus der Dunkelheit." Das Licht wird

immer kleiner. Mir ist so kalt, so unendlich kalt....
 

**************************

Ich öffne meine Augen und bin im Haus. Wie lange habe ich geträumt?

Ich habe so unendliche Angst. Ich bin ein nichts, oder? Ich drehe

mich um und laufe zurück. Auf ein mal ist da dieses Licht, das mich

ruft...

Wo bin ich? Es ist so kalt und einsam hier. Ich muss weit weg sein.

Es ist nicht meine Vergangenheit, eine andere Einsamkeit liegt über

diesen Ort. Es ist auch nicht jenes unheilvolle Schloss, denn ich

spüre nicht mehr die dunkle Atmosphäre des Hasses auf mir lasten.

Alles ist ruig, ganz ruig. Meine aufgewühlten Gedanken fallen in

eine Art Kältestarre. Vorsichtig öffne ich meine Augen. Ich befinde

mich in einer Eisgrotte. Eis, überall Kälte und Eis. Das Eis glänzt

in den verschiedenen Farben im matten Licht der Grotten. Gefangen!

Gefangen im ewigen Eis, das niemals schmilzt. Das jede Form von

Wärme und Fröhlichkeit sofort absorbiert. In mir drinne kann nichts

mehr erfrieren, weil in mir drinne nichts mehr ist. Ich fühle mich

so unendlich leer. Ich gehe durch die Höhlen aus Eis. Zeit existiert

nicht in dieser Welt aus Trauer und Kälte. Ich folge der inneren

Stimme, die mich ruft, so lange bis ich eine gigantische Grotte

ereicht habe. Die Grotte übersteigt alles, was ich jemals gesehen

habe. Sie gleicht einen Dom aus majestätischen Kristallen. Die

Atmosphäre hier ist so unendlich kalt und traurig. Ehrfürchtig

schreite ich durch die Halle, bis ich gefunden habe, weswegen ich

hier bin. Am Fuße einer gigantische Säule aus Eis befindet sich eine

junge Frau. Ich habe noch nie etwas so traurig, anmutiges gesehen.

Sie hängt da, wie eine der Heiligenfiguren, die ich von früher, aus

der Kirche kannte. Das Eis bedeckt fast ihren ganzen Körper. Selbst

ihre fliederfarbenen Haare und ihr Gesicht sind von einer Eisschicht

bedeckt. Ihre Hände sind zum Gebet gefaltet. Tränen laufen aus ihren

geschlossenen Augen. Aber die Tränen schmelzen das Eis nicht. Im

Gegenteil, sie frieren ebenfalls und vergrößern so die Eisschicht.

Ob so die gesamte Grotte entstanden ist? Was beweint sie bloß mit so

vielen Tränen? Als wenn sie mich gehört hat, öffnet sie langsam ihre

Augen. Ich habe noch nie so viel Trauer und Schmerz in zwei Augen

gesehen. "Warum weinst du?" wiederhole ich meine Frage, ohne

überhaupt zu wissen, warum es mich interessiert. "Um den Schmerz zu

vergessen, den ich all den Menschen zugefügt habe, die ich liebe"

Die Stimme schien von überall gleichzeitig zu kommen und sie ist so

leblos und traurig, als wen das Eis zu mir spricht. Bevor ich weiter

über ihre Antwort nachdenken kann, beginnt die Stimme von neuem, und

diesmal ist sie noch viel schmerzerfüllter, als eben "Bitte helf

Musashi!" Musashi! Woher kennt sie sie? Wer zum Teufel ist diese

Frau? Plötzlich schallt mir Willys Stimme durch den Kopf "... Wenn

ein Mensch stirbt, verlässt seine Seele diese Welt. Aber manche

Seelen können nicht gehen, sie sind an irgendetwas gebunden, oder

sie haben noch etwas zu erledigen. Diese unglücklichen Seelen sind

dazu verdammt, auf immer und ewig zwischen den Welten zu wandern, so

lange, bis sie befreit werden...." "Bitte helf Musashi!" Immer mehr

Tränen laufen ihre Wangen hinunter "Musashis Seele driftet in eine

Richtung, aus der es kein Zurück mehr gibt. Sie wird in die

Dunkelheit stürzen und verglühen, wie ein Stern der vom Himmel

fällt." Schweigen erfüllt den Raum "Und was soll ich dabei machen?"

schreie ich sie an. .An der Stelle, wo früher einmal mein Herz

schlug, pocht jetzt Hass und Verzweifelung. Ich fühle mich so leer.

"Du wirst sie finden, mit Hilfe deiner Seele. Eure Seelen sind wie

zwei Pole, sich gegenseitig anziehen, aber den Weg zu ihr durch die

Dunkelheit kann sich nur ein brennendes Herz bahnen". Schweigen,

Resignation. Dann manifestiert sich Wut in mir. Ich balle meine

Fäuste und schreie sie an: "Ich kann ihr nicht helfen, denn ich bin

ein Niemand ein Nichts! Außerdem, warum sollte ich ihr helfen?" Bin

das wirklich noch ich? Oder sind das die Schatten in mir? Hass, nur

noch Hass in mir "Jeder Mensch ist alleine! Alleine in seiner

Dunkelheit. Sie wird es auch alleine schaffen. Sie hat mich auch

sonst nie gebraucht. Und wenn sie es nicht schafft, dann ist das ihr

Problem. Jeder ist sich selbst der nächste..." Ich weine, während

ich das sage, oder zumindestens mein Herz tut das. "Man ist nicht

nur verantwortlich für Dinge, die man tut, sondern auch für Dinge,

die man nicht tut" Die Stimme kling resigniert und wird immer leiser

"Ich konnte ihre Seele nicht mehr erreichen, wenn du ihr nicht

hilfst, ist sie für immer verloren." Es war fast nur noch ein

Flüstern. Die Trauer in ihren Augen war unbeschreiblich groß. Sie

berührte mein Herz. Dann schloss sie die Augen und fiel zurück, in

ihre ewige Starre. Die Grotte um mich herum begann zu verschwimmen,

alles wurde dunkler und dunkler. Ich öffne meine Augen und befinde

mich wieder im Haus. Genauer gesagt im Eingangssaal. Die Tür! Ich

sehe die Tür. Sie steht offen! Wenn ich durch diese Tür gehe, dann

bin ich frei! Dann kann mir die Dunkelheit nichts mehr anhaben. Dann

tut es nicht mehr weh, nicht mehr weh in meiner Seele. Ich laufe auf

diese Tür zu. Ein letztes Aufflackern in mir. Aber Muasshi, du

kannst sie doch nicht alleine lassen. Du liebst sie doch. Ich liebe

sie nicht, habe sie nie geliebt. Ich war allein, immer allein. Dann

habe ich die Tür passiert.
 

*******************

Es war mir, als wenn Nyase neben mir saß und beruhigend zu mir

sprach. Er sagte irgendetwas von Hilfe hohlen. Aber wahrscheinlich

geht meine Fantasie mit mir durch, denn ich bin allein. Ich liege

auf dem kalten Boden und betrachte die Wunde, die sich in meinem

Oberkörper befindet. Immer mehr warmes Blut färbt mein ehemals

weißes Oberteil rot und um mich herum beginnt sich eine kleine Lache

zu bilden. Ich spüre kaum den Schmerz und ich frage mich, ob die

Schwummrigkeit von dem hohen Blutverlust kommt, oder eher daher,

weil ich meine eigene Seele nicht mehr spüren kann. So viele

Schatten haben sich darin festgesetzt und halten sie im Todesgriff

umklammern. Ich spüre die Anwesenheit von etwas. Etwas, das mich

gerufen hat. Ich weiß, dass es Bjelle ist, aber ich habe keine

Angst. Ich drehe den Kopf leicht, um sie zu sehen. Sie ist wirklich

wunderschön und ihre Augen haben den selben traurigen, verletzten

Glanz wie meine. Bloß noch viel stärker. Ein Mädchen, was an der

Grausamkeit der Welt zerbrochen ist, genau wie ich. Sie beugt sich

zu mir herunter. Eine unheimliche Kälte erfüllt den Raum aber auch

das nehme ich kaum war. "Warum hast du mich gerufen? Warum quälst du

mich mit all diesen Erinnerungen und führst mir immer wieder vor

Augen, wie hoffnungslos alles ist?" weine ich. "Schhhh" versucht sie

mich zu beruigen. Ihre Stimme klingt einschläfernd. Sie versucht,

mir durch mein Haar zu streichen, aber ihre Hand gleitet durch mich

hindurch. "Arme Musashi, alle Menschen tun dir weh. Sie gewinnen

dein Vertrauen und wenn sie es haben, dann nutzen sie es aus, um

deine Seele zu zerstören. Sie lassen dich alleine, alleine in der

Dunkelheit. Ich weiß, wie weh das tut. Mich haben sie auch

ausgenutzt, verletzt, zerstört und allein gelassen." Sie machte eine

Pause und schaute sich in dem Raum um "Weißt du, in diesem Raum

saßen Tamar und ich oft. Er hat gesagt, dass er mich liebt und ich

habe ihm getraut" ihre Augen verhärteten sich zu kleinen Schlitzen

"Er hat mich im Stich gelassen, du kennst die Geschichte. Es gibt

keine Liebe, kein Vertrauen oder sonst etwas von diesen guten

Werten, alles Lügen! Jeder Mensch ist allein!" Oh Gott, sie hat so

recht, Ich war immer allein und werde es immer sein.....
 

***********************

Ich laufe durch den Wald und atme die Luft der Freiheit. Aber warum

tut es bloß so weh in mir? Warum muss ich bei jedem Schritt nur an

sie denken? Musashi was hast du mit mir gemacht? Ich laufe und laufe

und versuche den Gedanken an sie zu verdrängen. Aber es funktioniert

nicht. Erinnerungen holen mich ein, egal wie schnell ich laufe.

Meine erste Begegnung mit Musashi. Das war im Lehrerzimmer unserer

Schule. Ich saß dort, um mir Pflaster abzuholen, weil mich ein paar

Jungs verprügelt hatten. Wenig später zerrte man Musashi ins Zimmer,

weil sie eben jene Jungs verprügelt hatte, als diese ihr ein Bein

gestellt haben. Als ich sie das erste Mal sah, war mir klar, dass

wir irgendwie zusammengehören. Etwas verband uns sofort und das,

obwohl wir so verschieden sind. Ich habe sie immer gesucht und sie

mich. Es war, wie hat es die Frau eben ausgedrückt, wären unsere

Seelen Pole von Magneten, die sich anziehen. Wenn sie bei mir war,

war ich kein Niemand mehr. Sie hat mir das Gefühl gegeben, ein

Mensch zu sein. Manchmal glaube ich, dass sie meine Gedanken lesen

kann. Und doch waren dort Mauern zwischen uns. Mauern, die wir nie

einreißen konnten. Bäume ziehen an mir vorbei, meine Lunge droht zu

explodieren. "Was findest du bloß an diesem Mädchen? Sie ist nicht

anders, als alle anderen auch. Das dich etwas ganz besonderes mit

ihr verbindet, das ist doch nur deine Wunschvorstellung. Du glaubst

doch nicht wirklich, dass sie etwas für dich empfindet, oder?

Niemand tut das. Dich kann man nicht mögen! Du bist ihr doch

vollkommen egal. Sie sucht doch nur jemanden, der die Drecksarbeit

für sie erledigt. Jemand, den sie rumscheuchen kann, und dafür bist

du grade gut genug." "Nein! Das stimmt nicht!". "Aber wenn es anders

wäre, warum erzählt sie dir dann nie etwas über ihre Gefühle. Warum

verschließt sie ihr Herz vor dir? Also sag mir ehrlich, was findest

du am diesem Mädchen? Ist es ihr Körper? Sie ist wirklich

außergewöhnlich schön und sie hat eine Figur, um jeden Mann den Kopf

zu verdrehen." "Nein! Es ist nicht ihr Körper. Natürlich ist sie

unheimlich schön, aber das ist mir egal. Es ist ihre Seele, die mich

anzieht." "Ihre Seele? Wie kannst du das glauben? Sie hat dich nie

in die Nähe ihrer Seele gelassen!" "Ich weiß. Sie versteckt ihre

Seele hinter hohen Mauern. Aber ein Schimmer geht durch die Mauern

hindurch und erreicht mein Herz." "Einbildung, alles Einbildung!".

"Nein es ist die Wahrheit!" Erinnerrungen kommen über mich.

Erinnerungen von dem Momenten, wo Musashi für den Bruchteil einer

Sekunde ihre strahlende Seele offenbart hat. Auf der MS St.Ann

wollte sie mich nicht zurücklasen. Sie hat meine Hand genommen und

mich über den brennenden Abgrund geführt. Und waren dort nicht

Tränen in ihren Augen, als sie glaubte, dass ich das Team verlassen

würde, um wieder im Reichtum zu leben. Sie sorgt sich um mich, genau

so wie ich mich um sie sorge. Aber sie kann es nicht zeigen. Sie

braucht mich. Genauso, wie ich sie brauche. Aber sie kann es niemals

sagen. Man sagt je weniger ein Mensch selbst fähig ist zu lieben,

desto nötiger hat er die Liebe. Warum habe ich das vorhin nicht

erkannt? Warum habe ich nur an mich gedacht? Ich habe vergessen, wie

sehr ich sie brauche und dass ich auch alleine bin, wenn ich sie

alleine lasse. Warum habe ich das getan? Wie konnte ich sie nur im

Stich lassen? Sie braucht mich! Ich muss zurück zu ihr! Schatten

verschwindet! Ihr habt keine Chance mehr! Meine Seele ist frei und

hat nur noch ein Ziel. Zurück zu ihr. Ich drehe auf der Stelle um.

Tränen der Reue füllen meine Augen. Ich nehme eine fremde Aura wahr.

Da ist doch jemand! Zwischen den Bäumen steht ein junger Mann. Seine

braunen Haare wehen im Wind und er schaut mich aus seinen traurigen

braunen Augen an. "Wer bist du und was willst du?" schreie ich ihn

an. "Du siehst mich?" fragt er ungläubig "nur ein sehr sensibles

Herz kann meine schwache Aura wahrnehmen". Tamar! Es muss Tamar

sein, aber ist das möglich? Ich dachte immer, ihn würde eine Aura

des Bösen umgeben aber er scheint nicht gefährlich. Eher schwach,

verzweifelt und unglücklich. "Du hast Bjelle damals verraten! Damit

hast du sie dem Hass direkt ausgeliefert. Für all das Unglück bist

du verantwortlich! Also sag, was zum Teufel willst du von mir?"

Weint er? Ja er weint, aber warum? "Es ist nicht so gewesen wie du

denkst...." Plötzlich sind Bilder in meinem Kopf. Tamar projiziert

sie aus seinem Geist in meinen. Tamar und Bjelle laufen Hand in Hand

durch die Gänge des Schlosses. Man hört klirrende Schwerter und

Menschen schreien. Überall richt es nach Blut und Tod. Tamar zieht

Bjelle an sich heran. Sie umarmen sich und küssen. "Du musst

fliehen, das ist die einzige Chance" höre ich ihn sagen. "Aber ich

will bei dir bleiben.." schluchzt sie. Er wischt ihre Tränen weg.

"Lauf zu der Stelle am See, wo wir uns das erste mal trafen. Ich

werde auch dort hin kommen, das verspreche ich." Sie umarmte ihn

noch ein letztes Mal "Ich liebe dich" "Ich dich noch viel mehr" dann

lief sie hinaus in die Dunkelheit. Er stand dort und schaute ihr

weinend nach. Kurz darauf wurde die Tür eingetreten. Fünf Männer

betraten den Raum "Hier sind sie!" schrie der eine "aber die Frau

fehlt" antwortet ein anderer. Tamar stürzt sich in den Kampf. Er

will nicht zulassen, dass sie sie verfolgen. Er kämpft tapfer und

verbissen, um die Frau zu retten, der sein Herz gehört. Aber gegen

die Übermacht hat er keine Chance....

Die Bilder verschwinden ich öffne meine Augen. "Aber das bedeutet

ja, dass alles nur ein Missverständnis ist. Du hast sie nicht im

Stich gelassen" er nickt traurig "Aber warum gehst du dann nicht zu

ihr und stellst alles wieder richtig?" Tränen tropfen von seinem

Kinn "Ich kann nicht zu ihr gelangen. Der Hass hat ihr Herz

erblinden lassen. Sie kann mich nicht mehr sehen. "Er tut mir so

leid. Warum ist das Schicksal so unfair? Er hat sie niemals im Stich

gelassen. Ganz im Gegensatz zu mir. Musashi! Ich muss zurück zu ihr,

sonst wird etwas Schlimmes passieren "Ihre Seele bewegt sich in eine

Richtung aus der es kein Zurück mehr gibt.." höre ich die Stimme der

fremden Frau in meinen Erinnerungen. Ich laufe los. Zurück zu ihr.

Bitte, bitte, lass mich nicht zu spät da sein....
 

**********************

"Nein!" Ein letztes Mal leuchtet die kleine Lichtkugel, die mich

durch die Dunkelheit geführt hat auf, bevor sie für immer erlischt.

Nyase und Kojiro! Ich reiße mich aus meiner Lähmung. "Kojiro hält zu

mir, egal was passiert. Er wird kommen, ganz sicher!" schreie ich

sie an. Irre ich mich, oder schauen mich ihre Augen plötzlich nicht

mehr hasserfüllt, sondern nur noch traurig an. "Du bist genau wie

ich, Musashi. Darum habe ich dich gesucht. Du bist meine

Seelenschwester. Zusammen können wir uns an der Welt für ihre

Ungerechtigkeit rächen..." Aber wieso denn? Was ist los? "Verstehst

du es immer noch nicht? Sie haben dich schlimmer verraten, als alle

anderen. Nyase ist weggelaufen, aber was erwartest du von ihm, er

ist nur ein Tier und Kojiro... . Er hat dich allein gelassen, um

sein eigenes Leben zu retten. Genau wie Tamar damals. Er hat dich

niemals wirklich gemocht oder gar geliebt.... Liebe ist eine

Illusion" "Nein! Das ist nicht wahr! Du lügst!" Ich wusste vorher

nicht, was Schmerzen sind. Mein Herz zerspringt in tausend Teile. Es

tut so weh! Nichts tat jemals so weh. Nicht der Tod meiner Mutter,

nicht das weggestoßen werden, nicht die Einsamkeit, nichts. "Du

Lügst!" Es hilft nichts, ich weiß, dass sie die Wahrheit sagt.

"Warum! Kojiro, warum hast du das getan?" Eine Welle des Schmerzes

rollt über mich. Nachdem sie vorbei ist, spüre ich kein anderes

Gefühl mehr, außer Hass, unendlich tiefer Hass. "Zusammen können wir

uns für all das rächen" höre ich ihre Stimme "Du musst nur deine

Seele mit meiner vereinen" Ich sehe keinen Grund mich dagegen zu

wehren. Ich spüre etwas kaltes meine Seele berühren. Es legt sich

über sie, wie ein Leichentuch. Danach fühle ich nur noch Hass und

Dunkelheit in mir. Ich hasse dich, Kojiro, ich hasse die Welt und

ich werde euch beide zerstören....
 

Allein in der Dunkelheit

Dunkelheit verschlingt mich,

Ich bin allein,

mein Herz ist zerbrochen,

hörst du mich schrein?

Ich wurde verraten,

weil ich dir vertaut hab,

warum hast du das getan?

das Leben liegt in mir wie in einem Grab.

Ich weiß nicht mehr weiter

hab nichts mehr zu geben,

nun werde ich mich rächen,

für mich und mein Leben!

Teil 3: Dunkelheit und Licht
 

Ich laufe zurück, so schnell mich meine Beine tragen. Ich laufe und

laufe zurück zu ihr. Ich würde sie überall finden, denn unsere

Seelen sind wie zwei Pole, die sich anziehen. Mit jedem Schritt, den

ich gehe, fallen die Schatten mehr und mehr von mir ab. Ein Gedanke

vertreibt sie, Musashi. Wie konnte ich sie nur zurücklassen, wo sie

mich am dringensten brauchte? Ich hasse mich dafür. Ich bin so

unfähig! Mich kann man wirklich nicht mögen, denn die Menschen, die

mir vertrauen, enttäusche ich auf ganzer Linie. Manchmal wünschte

ich, ich wäre nie geboren worden. Tränen laufen meine Wangen

herunter. Wieder passiere ich die Tür, doch diesmal nehme ich die

Aura dieses Hauses kaum noch war. Musashi! Ich muss sie finden! Ich

muss ihr helfen, denn sie ist der Grund, weshalb ich lebe. Ich folge

dem Licht ihrer Seele, doch es wird immer schwächer und plötzlich

ist mir, als wenn es erloschen ist. Ich kann ihr Licht, ihre Wärme

nicht mehr finden. Etwas Schreckliches ist geschehen, das spüre ich

und allein der Gedanke daran lässt mein Herz erschaudern. Ich laufe

wahllos durch die Dunkelheit, immer auf der Suche nach ihr. Ich weiß

nicht, wie lange ich sie gesucht habe, bis ich sie irgendwann fand.

Sie stand, mit dem Rücken zu mir, zum Fenster herausgebeugt, als ich

den Raum betrete. Ja es ist eindeutig Musashi, ihre langen roten

Haare wiegen sich sanft im Wind. Aber irgendetwas stimmt nicht. Ich

spüre keine Wärme, kein inneres Licht von ihr ausgehen. Wo ist die

Aura der Hoffnung, die sie sonst immer umgibt? "Musashi" weine ich

"ich wollte dir nicht weh tun und ich wollte dich auch nicht alleine

lassen. Ich bin halt zu unfähig und zu schwach...." Langsam drehte

sich Musashi zu mir um. Oh Gott! Ich glaube, ich werde niemals in

der Lange zu sein, zu beschreiben, was ich in diesem Moment gesehen

und gefühlt habe. Musashis Augen.. Ihr Gesicht.. . Musashi hatte

immer für mich das schönste Gesicht der Welt. Ein Blick von ihr

genügte, um mir zu sagen, dass alles gut wird, egal, wie schlimm es

um uns stand. Ihre Augen sagten das, was sie mit Worten nicht

ausdrücken konnte. Dass sie sich um uns sorgt. Das sie der netteste,

liebenswerteste und mitfühlenste Mensch ist, den es auf der Welt

gibt. Und jetzt? Ihre engelsgleichen Züge sind zu einer Maske des

Hasses verzerrt. Ihre wunderschönen Augen sie sind ...tot! Da ist

nichts mehr, außer Hass, nie enden wollender Hass. Sie ist nicht

mehr die Musashi, die sie einmal war, nicht mehr die Musashi, die

ich liebe. Das ist alles meine Schuld. Wie soll ich sie bloß zurück

holen? Erst jetzt nehme ich die große, blutende Wunde in ihrem

Oberkörper wahr. "Oh Gott, Musashi, das sieht schlimm aus, du musst

sofort zu einem Arzt" Instinktiv versuche ich, ihre Hand zu greifen

und sie aus diesem Haus zu führen. Bevor ich ihre Hand greifen kann,

hebt sie diese. Sie hält etwas in ihrer Hand. Einen länglichen,

glänzenden Gegenstand. Es ist ein Schwert. Diese Erkenntnis trifft

mich ungefähr zur selben Zeit, wie das Schwert selbst. Mein Ärmel

verfärbt sich langsam rot. Die Wunde muss sehr tief sein. Sie tut

sehr weh, aber der seelische Schmerz ist tausend Mal schlimmer. Ich

will es einfach nicht begreifen! Warum tust du das! Bitte Musashi,

hör auf! Lass es nicht so enden....
 

********************

Es gefällt mir, zu sehen, wie er leidet. Seine schreckensgeweiteten

Augen, als er registrierte, was ich in der Hand hielt. Sein

ungläubiger Blick, als sich die kalte Klinge in seinen Arm bohrte.

Wie in einem surrealen Gemälde beißt sich seine Augenfarbe mit dem

frischen Blut, was in sein Gesicht gespritzt ist und das macht es um

so faszinierender. Er hat es nicht anders verdient. Er nicht und

auch nicht all die anderen Menschen, die mich ausgenutzt haben. Aber

dafür werden sie bezahlen, die Rache ist mein! "Bitte, Musashi, lass

es nicht so enden!" wimmert er. Bettel ruig um Gnade, bettel ruig um

dein mickriges Leben. Na los, es war dir doch auch vorhin so

wichtig. Vorhin, als du mich im Stich gelassen hast. Er versucht

meinen Schlägen auszuweichen, aber er schafft es nicht. Keine Angst,

Kojiro, du wirst nicht sofort sterben, so einfach mache ich es dir

nämlich nicht. Du sollst leiden, genau wie ich gelitten habe.

"Musachi, es tut leid, was geschehen ist, komm zurück. Bitte, bitte,

komm zurück" "Lügner! Es tut dir doch kein Stückchen leid! Glaubst

du, du kannst mich immer noch mit deinen Lügen einwickeln? Niemals!

Dir werde ich dein verdammtes Maul stopfen". Er hat keine Chance.

Ich führe das Schwert erbarmungslos und präzise. Sein Körper ist

übersäht von tiefen Schnittwunden und sein linker Arm hängt schlaff

herunter. "Musashi... Hör auf. Ich bin hier, um dir zu helfen. Ich

brauche dich doch.." "Wie schön für dich, ich brauche dich und deine

Hilfe nicht! Es macht keinen Spaß, gegen einen wimmernden Wurm wie

dich zu kämpfen. Warum versuchst du dich nicht zu wehren. Wir

befinden uns hier schließlich in einer Waffenkammer. Ist dir dein

Leben nichts mehr wert? Oder warst du nur zu dumm, auf die Idee zu

kommen, dir auch eins der Schwerter zu nehmen. Falls es das war,

hier, fang." Mit diesen Worten werfe ich ihm ein herumliegendes

Schwert zu ."Und jetzt kämpfe! Kämpfe gefälligst um dein

nichtsnutziges, mickriges Leben!" Sein Gesicht nimmt ein zu allem

entschlossenen Gesichtsausdruck an. Na endlich muss ich seinen

traurigen Gesichtsausdruck nicht mehr sehen. Ich laufe mit gezücktem

Schwert auf ihn zu und dann passiert das Unglaubliche. Er wehrt sich

nicht, er weicht noch nicht einmal aus. Er schreit auch nicht, als

sich das Schwert in seinen Oberkörper bohrt. Er steht nur da und

schaut mich aus seinen großen, traurigen Augen an. Ich ziehe

instinktiv das Schwert zurück und er sackt auf seine Knie. "Warum?

Warum hast du das getan" schreie ich ihn an. "Musa" seine Stimme

zittert und Tränen laufen seine Wangen herunter "Glaubst du, dass es

so etwas wie Glück auf dieser Erde gibt?" Er machte eine Pause "Ich

habe mich immer danach gesehnt, glücklich zu sein und darum habe ich

es überall gesucht. Ich habe es überall gesucht, an den

unmöglichsten Orten, so wie jemand seine Brille sucht.." Kojiro

schluchzte, bevor er weiter sprach "Und er sucht sie und sucht sie,

aber er kann sie niemals finden, weil er sie schon längst auf der

Nase hat." Er versucht, zu lächeln, aber seine Augen sind unendlich

traurig "Ich habe dich allein gelassen und ich weiß, dass das der

größte Fehler meines Lebens war und ich es niemals wieder gut machen

kann" Er senkt seinen Kopf. Tränen und Blut laufen zusammen und

tropfen auf den kalten Boden "Ich lege mein Leben in deine Hände, tu

mit ihm, was du willst. Ich werde mich nicht mehr wehren und ich

werde auch nicht mehr weglaufen.." "Lügen! Alles Lügen! Es gibt

nichts, was zwei Menschen aneinander bindet außer Lügen! Warum

berühren deine Worte mein Herz? Ich will deine Lügen nicht mehr

hören! Ich will deine Augen nicht mehr sehen! Stirb! Stirb endlich!"

Und ich hebe das Schwert zum letzten, alles vernichtenden Schlag...
 

*******************

Sie hebt das Schwert zum allerletzten Mal. Ich schließe die Augen.

Die Zeit scheint nicht zu vergehen. Ich habe es auch nicht besser

verdient, ist mein letzter Gedanke. Dann saust das Schwert nieder.

Ein Schrei zerreißt die Nacht. Das bin nicht Ich! Ich reiße meine

Augen auf. Ein Gedanke "Musachi!" Das Mädchen, was mit mehr

bedeutet, als alles andere in der Welt steht in einiger Entfernung

vor mir. Das Schwert steckt in ihrer Brust. Aber nur einen

Augenblick, dann zieht sie es heraus und lässt es auf den Boden

fallen. Bjelle steht neben ihr. Musachi muss sie aus ihrer Seele

vertrieben haben. Sie scheint verwirrt, nicht mehr hasserfüllt. Ihr

Gedanke scheint der selbe zu sein wie meiner "Warum? Warum hast du

das getan?" In Musashis Augen verschwindet der Hass. Einen Moment

ist da etwas, eine Mischung aus Liebe und Trotz. Ihr Blick! Doch

dann verschwindet er. Alle Gefühle weichen dem Nichts. Da ist nur

noch Resignation. Sie hat aufgegeben. Sie fällt der Länge nach auf

den Boden. Ihre Augen starren an die Decke. Plötzlich kommt mir eine

Erinnerung. Musashi Nyase und ich mussten vor ein paar abgerichteten

Fukanos flüchten. Nach dem wir in Sicherheit waren, hatte Nyase

angefangen zu behauten, dass man diese gemeingefährlichen,

bösartigen Viecher lieber einschläfern sollte. Darauf hin hatte ihn

Musashi ganz wütend angesehen und geantwortet: "Es gibt kein Gut

oder Böse. Jede Seele, die auf diese Welt kommt ist unschuldig und

engelsgleich. Aber manche haben halt mehr Glück als andere". Dann

hat sie so seltsam traurig gekuckt und ich habe es damals nicht

verstanden. Jetzt verstehe ich es. Musashi! Ich laufe auf sie zu.

Sie ist wie ein Engel, einer der an dieser Welt zerbrochen ist. Ihre

Stimme ist so leise, als sie mit mir spricht, so als sei sie sehr

weit weg: "Kojiro, ich schenke dir dein Leben. Geh jetzt. Wenn du

dich beeilst, kannst du noch gerettet werden.." wieder steigen mir

Tränen in die Augen "Aber ich geh nicht ohne dich. Komm wir gehen

zusammen, dann werden wir beide gerettet..." "Ich will aber nicht

mehr gerettet werden" Ihre Stimme hat keinerlei Emotionen, als sie

das sagt. Mit zerreißt es fast das Herz. Es ist tausend Mal

schlimmer als die Wunden, die meinen Körper bedecken. "Warum?" fragt

auch Bjelle. "Weil.." und jetzt schreit sie fast "Weil ich nicht

mehr leiden will! Ich will nicht mehr ausgenutzt werden, ich will

nicht mehr hassen, ich will nicht mehr versagen und vor allen Dingen

will ich nicht mehr darauf hoffen, dass alles besser wird, um dann

doch immer und immer wieder enttäuscht zu werden. Es gibt kein Glück

für mich. Ich will einfach, dass alles aufhört, verstehst du?" Sie

dreht den Kopf weg von mir. Natürlich verstehe ich. Wahrscheinlich

besser, als jeder andere. Denn das sind die Gedanken, die ich so oft

mit mir herumgetragen habe. Sie sind ein Teil von mir. " Du hast

gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt und dass man jedem Tag die

Chance geben sollte, der schönste seines Lebens zu werden!" Ich

glaube ich heule wie ein kleines Kind. "Was weißt du schon über

mich, Kojiro? Nichts!" ihre Stimme klang wieder leise und

resigniert, trotzdem klang Schmerz mit. Auch mir tun ihre Worte

unheimlich weh. Ja, sie hat recht, ich weiß nichts über sie und sie

nichts über mich. Warum sind da immer diese unsichtbaren Mauern

zwischen uns gewesen? Ich weiß nicht mehr weiter. Mein Arm tut so

weh. Trotzdem verspüre ich nicht das Bedürfnis, mich in Sicherheit

zu bringen. Ich werde sie nicht noch einmal alleine lassen, egal was

passiert. Ich habe nicht mehr die Kraft zu stehen, also setze ich

mich. Mein Gesicht vergrabe ich in meinen Händen. Ich weiß einfach

nicht mehr weiter. Wenn alles eh zum Scheitern verurteilt ist, warum

haben wir es dann immer wieder versucht und daran geglaubt. Wenn es

keine Hoffnung auf Glück für uns gibt, wäre es dann nicht besser, zu

sterben? Dieser Gedanke! Ich hatte ihn schon mal. Ich weiß es und

ich erinnere mich auch wann es war. Ich weiß nicht, ob sie mir

zuhört, oder ob ich nur mit mir selbst rede, aber es ist meine

einzige Chance "Es war einmal ein kleiner Junge. Er hatte alle

Dinge, die sich ein Junge in seinem Alter nur wünschen kann, denn

seine Eltern waren sehr reich und lebten in einem großen Haus.

Trotzdem war der kleine Junge sehr traurig und weinte oft die ganze

Nacht. Hätte er nicht glücklich sein müssen? Er hatte doch alles,

was man sich für Geld kaufen kann." Ich mache eine Pause, ich darf

nicht daran denken, was ich erzähle. Es darf mir nicht ans Herz

gehen.. "Aber Geld kann einem keine Liebe kaufen, oder Geborgenheit,

es kann einem nicht das Gefühl geben, etwas besonderes zu sein..."

Es gelingt mir nicht.." Der kleine Junge war immer allein gewesen,

allein in seinen Bergen von teurem Spielzeug. Es gab niemanden, der

ihm sagte wie liebenswert er sei, oder der ihn in dem Arm nahm, ihn

tröstete, wenn er traurig war oder mit ihm lachte, wenn er fröhlich

war. Er war immer allein. Das einzige, was er von anderen Menschen

wahr nahm, war, dass sie unzufrieden mit ihm waren, egal was er tat.

Und dabei hat er alles versucht, damit sie ihn mögen." Ich kann

nicht anders, ich muss weinen. Warum bin ich bloß so egoistisch?

"Der kleine Junge wurde immer trauriger und verzweifelter und eines

Tages lief er einfach weg. Und er lief und lief, aber egal, wohin er

kam, überall jagte man ihn sofort wieder weg. Niemand wollte den

kleinen Jungen. Irgendwann blieb er einfach liegen. Es war Winter

und dicke Schneeflocken fielen vom Himmel. Er war erst 8 Jahre alt

und trotzdem wollte er sein Leben wegwerfen." Ich muss mich zusammen

nehmen um nicht aufzuhören. Das Sprechen fällt mir so unheimlich

schwer.. "Er glaubte, dass es für ihn keine Hoffnung darauf gab,

dass er jemals glücklich sein würde. Er wollte nicht mehr allein

sein... . Er schaute zum Himmel und wartete auf seinen Tod. Aber auf

einmal war da etwas, etwas, das ihm Mut machte. Etwas, das seinen

Lebenswillen und seine Hoffnung wiedererweckte. Und der kleine Junge

stand auf und schleppte sich weiter. Das war das beste, was er je

getan hat, denn wenig später lernte er ein wundervolles Mädchen

kennen. Sie umgab dieselbe Aura, die ihn im Schnee das Leben

gerettet hat. Vielleicht war sie es ja, die ihm zurückgeholt hat.

Auf alle Fälle war sie gut zu dem kleinen Jungen. Sie beschützte ihn

vor den anderen Kindern und sie war der erste Mensch, der ihn so

mochte, wie er wirklich war. Sie hat mit ihm zusammen gelacht und

mit ihm zusammen geweint. Der kleine Junge mag dieses Mädchen mehr

alles andere auf der Welt und er ist so unendlich glücklich, dass er

sie kenngelernt hat. Aber das Mädchen wirkt manchmal so unendlich

traurig. Und sie lässt niemanden an sich heran. Sie baut hohe Mauern

um ihre Seele und hängt schwere Schlösser um ihr Herz. Niemand kann

sehen, dass ihre Seele heller brennt als alle anderen. Aber der

kleine Junge weiß es und er hat Angst, dass das Feuer erlöschen

wird, weil sie ihre Tränen immer herunterschluckt, so dass sie auf

das Feuer tropfen. Er braucht dieses Feuer, um die Schatten zu

vertreiben und um nicht zu erfrieren." Ich heule so doll, dass ich

mir nicht sicher bin, ob man mich überhaupt noch verstehen kann "Sag

mir warum legt das Mächen ihre wundervolle Seele hinter die dunklen

Mauern und warum lässt sie den Jungen nicht zu sich? Warum?" Stille

durchzieht den Raum. Warum frage ich das überhaupt? Sie hört mir

doch eh nicht mehr zu. Außerdem, habe ich sie jemals so richtig an

mich rangelassen? Ihr erzählt, was mich bewegt? Nein, das habe ich

nicht! Aber warum? Sie ist doch der einzige Mensch, der mir etwas

bedeutet, der mich vielleicht verstehen könnte. Ich habe sie nicht

an mich herangelassen... "... Damit es nicht so weh tut, wenn er sie

dann wieder verlässt und sie wieder alleine ist" höre ich eine

schwache Stimme meinen Gedanken vervollständigen. Wir sind so gleich

Musashi, so gleich und doch so verschieden. Ich wische mir die

Tränen aus meinen Augen "Aber ich würde dich niemals alleine lassen.

Wirklich! Ohne dich bin ich auch alleine. Ich brauche dich

wahrscheinlich noch mehr als du mich. Und ich würde dir niemals weh

tun! Weil ich dich ..wie soll ich das ausdrücken? Ich hasse das Wort

"Liebe" Es ist so voller Lügen. Meine Eltern haben gesagt, dass sie

mich lieben und nur das beste für mich wollen. Viele Menschen sagen,

dass sie sich lieben, obwohl es ihn nur um Geld oder Sex geht." ich

mache eine Pause und versuche meine Gedanken zu ordnen, dann beginne

ich von neuen "Aber es gibt ein Gefühl, das stärker ist, als alles

andere, das einen unvollkommen vorkommen lässt, ohne einen anderen

ganz bestimmten Menschen. Nur dieser andere Mensch kann einen

vervollständigen. Dieses Gefühl lässt einen den anderen so sehen,

wie er wirklich ist. Es ist wie die Sonne, ohne die nichts leben

kann. Es ist wie eine Brücke, die zwei Inseln miteinander verbindet.

Es lässt einen jede Grenze überwinden, Hass, Traurigkeit, Zeit,

Entfernung und ich bin mir sicher, es überwindet sogar den Tod.

Diese Gefühl duldet keine Lügen und dieses Gefühl empfinde ich für

dich." Was dann passierte kam mir so unwirklich vor, wie in einem

Traum. Musashi dreht mir ihr Gesicht zu. Sie weint. Irre ich mich,

oder ist hinter den Schleier aus Tränen Hoffnung? Ich krieche zu ihr

und nehme sie in meine Arme. Ich kann ihre Wärme spüren. Es tut so

gut, nach all der Kälte einen lebenden Körper zu spüren. Wenn sie

bei mir ist, habe ich keine Angst. Unser Blut läuft zusammen und

vermischt sich. Unsere Blicke treffen sich. Dann beginnt sie zu

sprechen "Ich vertraue dir, Kojiro, ich vertraue dir mehr als allen

anderen auf der Welt. Hilf mir heraus aus der Dunkelheit. Hilf mir

meine Seele zu retten"
 

******************************************************

Ich blicke in seine wunderschönen Augen. Auch ein Teil seiner Seele

liegt noch begraben in der Dunkelheit. "Ich würde selbst den grauen

Himmel blau streichen, wenn ich wüsste, dass es dich auch nur ein

bisschen glücklicher machen würde" Ich weiß, Kojiro, ich weiß. Deine

Augen sagen, dass du mich niemals anlügen würdest. Sie verraten so

viel über dich. Es tut mir so leid, was geschehen ist. Ich habe dich

verletzt, körperlich und vor allen Dingen seelisch. Trotzdem hast du

zu mir gehalten. Womit habe ich jemanden wie dich bloß verdient? Man

sagt, dass Menschen, die es besonders schwer im Leben hatten ein

Wunder wiederfährt. Bist du mein Wunder? Ja, du hast recht, wir

können alles sein und wir können alles erreichen, wenn wir es

wirklich wollen und wenn wir zueinander stehen. Wir werden es

schaffen! Wir werden die Dunkelheit vertreiben. Die Dunkelheit, die

in unseren Herzen liegt und so lange ein Teil von uns war. Das

verspreche ich....

Was passiert mit mir? Ich spüre eine Kraft in mir. Sie ist so

angenehm warm. Sie erfüllt meinen Körper mit ihrem hellen Leuchten.

Wie ein kleiner Tropfen, der ins Wasser fällt und weite Kreise

zieht. So wirkt die Kraft von mir ausgehend fort. Ich öffne meine

Augen und sehe, dass mit Kojiro das Selbe passiert wie mit mir.

Irgendwann treffen sich unsere Kreise. Sie gehen ineinander über...

. Ich habe keine Angst, im Gegenteil, ich habe mich mein Leben lang

noch nie so sicher und geborgen wie jetzt gefühlt. Mit jeder unserer

Wellen, die in ineinander übergehen, ist es, als wenn sich unsere

Seelen immer mehr vereinigen. Ich fühle, was Kojiro fühlt. All seine

Liebe, seine Hoffnungen, aber auch seinen Hass und seine Angst.. .

Ich kenne jeden seiner Gedanken, als wären es meine eigenen. Ich

fühle alles, was er in seinem Leben erlebt hat, so, als hätte ich es

selbst erlebt. Ich weiß, dass er alle meine Gedanken und Gefühle

jetzt so kennt wie seine. Es gibt keine Geheimnisse mehr vor uns.

Keine Mauern. Es gibt nichts mehr, was uns trennt. Ich bin einem

anderen Menschen niemals so nah gewesen und niemals habe ich mich

einem anderen Menschen so schutzlos ausgeliefert. Doch ich weiß,

dass ich mit Kojiro die beste Wahl getroffen habe, die ein Mensch

treffen kann, denn ich habe in seine Seele gesehen... Sie ist mir so

vertraut, als wäre sie ein Teil von meiner eigenen, den ich schon so

lange gesucht habe. Es tut so gut, sie so nahe zu spüren. Es fühlt

sich anders an, als vorhin mit Bjelle. Dort war es Hass, der unsere

Seelen vereinigte, jetzt ist es die Liebe. Das Gefühl zusammen zu

gehören, egal was passiert. Unsere Seelen. Sie sind füreinander

bestimmt. Sie gehören zusammen, wie Schlüssel und Schloss, Sonne und

Mond, Tag und Nacht. Nichts kann ohne den anderen existieren. Ich

fühle mich fast komplett und ich weiß, dass Kojiro genau so fühlt

wie ich. Aber etwas fehlt. Ein kleiner Teil. Das Licht legt sich um

uns. Alles wird hell...

Als ich meine Augen wieder öffne, bin ich weit weg. Ich muss meinen

Körper wieder einmal verlassen haben, denn ich spüre keine Schmerzen

mehr. Kojiro liegt nicht mehr in meinen Armen. Doch ich fühle seine

Nähe, darum habe ich keine Angst vor der Dunkelheit, die mich

umgibt. Die Kraft Kojiros und meiner Seele lässt die Schatten

einfach abprallen. Als ich mich an die Dunkelheit gewöhnt habe, kann

ich den Ort erkennen. Ich bin wieder in meiner Vergangenheit. Aber

etwas hat sich verändert, das spüre ich. Das Haus scheint leer. Wo

ist die kleine Musashi? Ich gehe hinaus in den Garten. Dicke

Schneeflocken fallen vom Himmel. Eine landet auf meiner Hand.

Schneeflocken. Für mich ein Symbol für das Leben, aber auch für den

Tod. Ich habe früher oft im Schnee mit meiner Mutter gespielt. Ich

erinnere mich, wie glücklich ich dann war. Aber der Schnee hat mir

auch meine Mutter genommen, indem er sie unter sich begrub. Leben

und Tod. Liebe und Hass, Licht und Dunkeln es liegt so dicht

beieinander... . Aber warum Schneeflocken? Nachdem meine Mutter

starb, hat es den ganzen Winter nicht mehr geschneit. Die kleine

Musashi sitzt auf einer alten Holzbank. Aber hier stand nie eine

Bank. Überhaupt sieht die ganze Gegend irgendwie anders aus. Ein

kleiner Junge sitzt neben ihr. Kojiro? Das kann gar nicht sein! Ich

habe ihn erst einige Jahre später kennen gelernt. Jetzt bemerke ich

auch den echten Kojiro. Er steht nicht weit von mir. Ich spüre, dass

er genau so verwirt ist wie ich. "Warum weinst du?" Bricht das

kleine Mädchen das Schweigen. Der kleine Junge schaut ungläubig,

dann redet er mit tränenerstickter Stimme "Weil ich so allein bin,

auf der Welt und es niemanden gibt, der mich liebt, oder der sich um

mich sorgt" "Ich bin auch alleine" antwortet das kleine Mädchen und

schaut in die Ferne "Meine Mutter hat versprochen, dass sie

zurückkommt aber.." Man hört deutlich, wie sie schluchzt "Ich

glaube, sie hat mich alleine gelassen". Der kleine Junge steht auf

und geht zu ihr hin "Du bist nicht mehr alleine. Jetzt hast du doch

mich." " Ja und du bist auch nicht mehr alleine, denn du hast mich"

Die beiden Kinder, die so lange Zeit alleine geweint haben lachen.

Sie lachen und fallen sich in die Arme. Sie drücken sich ganz doll

aneinander, so, als glaubten sie, dass sie sich verlieren, sobald

sie sich loslassen. "Wir werden uns niemals alleine lassen, ja? Ich

will einfach nicht mehr zurück in die Dunkelheit..."
 

**********************

Jetzt verstehe ich es und ich weiß, dass Musashi es auch versteht.

Als ich gestern Musashi betrachtet habe, als sie schlief, war mir

der Gedanke gekommen, dass sie mir helfen kann. Nur sie. Aber ich

wusste nicht wobei. Jetzt weiß ich es. Meine Seele ist an der

Einsamkeit zerbrochen und ein Stückchen ist verlorengegangen. Nur

sie konnte mir helfen, mein verlorenes Stückchen Seele aus der

Dunkelheit zu befreien. Und nur ich konnte ihr helfen, ihrs zu

befreien. Als wir unsere Seelen vereinigten, vereinigten wir auch

unsere verlorenen Stückchen. Wir haben uns in der Einsamkeit

getroffen, jetzt sind wir nicht mehr allein. Ja, es stimmt, ich habe

Musashi leider nicht früher getroffen. Es ist nur symbolisch. Es

sagt mir, dass ich nicht mehr alleine bin und nie wieder sein werde.

Musashi und ich bewegen uns auf die Kinder zu. Immer noch lächelnd,

lösen diese sich aus ihrer Umarmung. Die kleine Musashi läuft mit

offenen Armen auf Musachi zu und der kleine Kojiro auf mich. Ich

fange ihn auf und will ihn in meine Arme nehmen, aber er versinkt in

mir. Ein Teil von mir, den ich längst verloren glaubte, den ich für

tot hielt, ist zu mir zurückgekehrt. Ich kann nicht beschreiben, was

für ein Gefühl das ist. So muss sich ein Schiffsbrüchiger fühlen,

wenn er fast alle Hoffnungen aufgegeben hat und dann, plötzlich, das

rettende Land in Sicht kommt. Auch Musashi hat ihren verlorenen Teil

wiedergefunden. Wir fallen uns in die Arme, so wie es die Kinder

eben noch getan haben. Das Gefühl, es ist so schön, es übersteigt

alle Vorstellungskraft. Ich wünschte, es würde niemals aufhören.

Komplett! Jetzt sind wir endlich komplett. Alles wird gut, egal wie

es ausgeht. Egal ob wir überleben, oder ob wir sterben, denn wir

haben uns für immer gefunden und die Dunkelheit besiegt..... Das

Licht unserer Seelen leuchtet aus uns heraus und es leuchtet noch

viel heller und schöner als vorhin. Es hüllt uns ein, in einen

leuchtenden Ball aus Licht. All die Dunkelheit um uns herum weicht

diesem Licht. Wir schweben wie eine Sternschnuppe am Himmel. Aber

wohin? Und plötzlich weiß ich wohin. Irgendwo in der gigantischen

Dunkelheit fühle ich Bjelles und Tamas Seele. Und ich erinnere mich

an Willis Worte "Nur eine reine, strahlende Seele kann ihre Seele

retten, indem sie sie aus der Finsternis führt. Aber kein Mensch

besitzt eine solche Seele. Jeder hat seine Fehler und undichten

Stellen. Es ist hoffnungslos, niemand kann sie je retten..." Ja, er

hat recht. Kein Mensch kann je eine solche Seele besitzen. Aber

unsere Seelen haben sich vereinigt. Sie ergänzen sich, sie füllen

die Lücken und Fehler der anderen. Ob das gemeint ist? Wir müssen es

versuchen, es ist unsere einzige Chance, sie zu retten. Musashi

führt uns, denn sie kennt den Weg zu Bjelles Seele. Irgendwann kamen

wir bei ihr an. "Was wollt ihr noch?" schrie sie. "Lasst mich

alleine in meiner Dunkelheit". Sie war nicht mehr angefüllt mit

Hass, es war eher wie das Festhalten an etwas, so wie das Flackern

einer Kerze im Wind. "Wir sind hier um dir zu helfen!" höre ich

Musashi rufen. "Ich brauche eure Hilfe nicht! Jeder Mensch ist

allein. Ich habe gedacht, dass du so bist wie ich, Musashi, aber ich

habe mich in dir geirrt, du bist noch viel verlogener als all die

anderen!" "Doch, du hast recht, ich bin wie du. Ich verstehe dich,

denn ich hätte fast den selben Fehler gemacht wie du. Vertraue uns,

es gibt so etwas sie Liebe und Licht in dieser Welt" Wie recht

Musashi hat. "Warum sollte ich euch glauben?" scheit sie. Irre ich

mich, oder glitzern da Tränen in ihren Augen? Jetzt bin ich an der

Reihe "weil Tamar dich gar nicht im Stich gelassen hat!" "Lügner!"

jetzt weint sie wirklich "natürlich hat er mich im Stich gelassen".

Ich schüttel mit dem Kopf "Er hat dich weggeschickt, um dich zu

beschützen. Er wusste, wie aussichtslos die Lage im Schloss war. Er

hat dich losgeschickt, um die zu retten, die er liebt. Er selber hat

versucht, die Feinde aufzuhalten. Er starb schon einige Minuten,

nach dem du das Schloss verlassen hast." "aber.." schluchzte sie

"wenn das stimmen sollte, warum ist er dann die ganzen Jahre nicht

hier gewesen, kannst du mir das erklären?" "Weil du deine Seele

verschlossen hast" antwortete Musashi "du hast nur noch gehasst und

in deinem Wahn nichts anderes mehr wahrgenommen." Musashi schwebt

auf sie zu, ein warmes Licht umgibt sie immer noch. Sie legte

vorsichtig die Hand auf Bjelles Schultern. Bjelle schluchzte und sie

scheint am Ende zu sein. "Sch, es ist gut." tröstet sie Musashi"

Mach dir keine Vorwürfe, alles wird gut. Es ist niemals zu spät, um

sich zu ändern. Glaub ans Licht, dann werden alle Schatten hinter

dich fallen" Bjelle hebt ihren Kopf und schaut in Musashis Augen

"Ja, ich glaube euch, ihr seit wie ich. Euch kann ich vertrauen" Sie

lächelte. Ihre Aura schien sich zu ändern. Sie wurde heller und

freundlicher. Sie besaß wieder die Seele des Mädchens, das sie

einmal war. Auf einmal nehme ich noch eine Seele war. Es ist Tamar,

ich weis es. Jetzt wo Bjelle wieder sie selbst ist, konnte er den

Weg zu ihr finden. Jetzt ist der Augendblick, auf den sie beide seit

200 Jahren gewartet haben. Sie fallen sich in die Arme und weinen.

Worte können nicht ausdrücken, was sie sich zu sagen haben. Musashi

steht wieder dicht neben mir. Ich umarme sie und drücke sie an mich.

Ein Licht scheint auf Bjelle und Tamar. Es ist so friedlich und

klar. Es ist das Licht, was Seelen den Weg in die andere Welt weist.

Ihre Schemen scheinen sich aufzulösen. Sie sehen so glücklich aus

"Danke, ihr beide habt unsere Seelen aus der Dunkelheit gerettet.

Dafür werden wir euch in Ewigkeit dankbar sein." höre ich Tamars

Stimme in meinen Herzen "Ich bewundere euch für euren Mut, eure

Hilfsbereitschaft und euren endlosen Glaube an einander. Aber jetzt

kehrt zurück zu euren Körpern. Wenn ihr noch länger wartet, findet

ihr nicht mehr den Weg zurück! Ihr habt eine Chance zu überleben.

Euer Katzenfreund. Er hat euch nicht im Stich gelassen, er ist auf

dem Weg hier her. Und er hat Hilfe mitgebracht. Ich wünsche euch von

ganzen Herzen, dass ihr es schafft." Bjelles Stimme wurde immer

leiser. Es war nur noch wie das Raunen des Windes. Auch ihre

Konturen wurden immer blasser. Und dann waren sie verschwunden. Ich

war wieder alleine mit Musashi. "Ich kann noch nicht mit dir

zurückkehren. Ich habe noch etwas zu erledigen" höre ich ihre

Stimme. "Ich weiß" antworte ich. Ich wusste es, seit dem Moment, wo

wir unsere Seelen vereinigt haben und mir bewusst wurde, dass die

junge Frau in der Eisgrotte Musashis Mutter ist. "bitte, lass mich

mit gehen "bettel ich, obwohl ich die Antwort bereits kenne "nein,

diesen Weg muss ich alleine gehen. Außerdem wirst du immer bei mit

sein, egal wohin ich gehe" " Aber es ist gefährlich, noch länger

hier zu bleiben..." versuche ich sie zu überzeugen "Ich weiß, aber

wenn ich ihr nicht helfe, wird ihre Seele für alle Zeit verloren

sein und das ist viel schlimmer als der Tod." "Ich weiß, du hast

recht, aber versprich mir, dass du heil wieder zurückkommst" "Man

sollte nichts versprechen, das man vielleicht nicht halten kann.

Aber eins verspreche ich dir. Ich werde immer bei dir sein" Ich

schließe noch einmal meine Arme um sie. Wir schauen uns tief in die

Augen, unsere Lippen berühren sich. Es fühlt sich an, wie ein warmer

Frühlingstag, wenn der Winter kalt und grau war. Oder wie ein

Sonnenstrahl, der einen direkt ins Herz trifft. Dann löst sie sich

sanft aus der Umarmung. Sie lächelt noch einmal, bevor sie davon

schwebt. Ich schaue ihrem Licht so lange nach, bis es verschwunden

ist. Dann suche ich den Weg zurück zu meinen Körper...
 

************************************

Wieder schwebe ich durch die Dunkelheit. Ich kann nicht weit sehen,

denn das Licht leuchtet nur einige Meter weit. Wenn ich mich

verirre, werde ich den Weg zurück niemals mehr finden. Trotzdem

folge ich meinem Licht. Ich denke über meine Mutter nach. Plötzlich

kommt eine Vision über mich, es ist wie ein kurzes Leuchten, dann

erlischt es wieder. Ich sehe eine junge Frau mit fliederfarbenen

Haar. Sie trägt dicke Wintersachen und wandert durch den Schnee. Es

ist meine Mutter. Ich fühle ihre Gedanken in meinem Herzen. Sie

versucht, einen großen Berg hoch zu steigen. Auf dem Berg ist

irgendetwas. Plötzlich löst sich eine Lawine. Sie rollt direkt auf

sie zu. Sie spürt die Kälte das Schnees und sie weiß, dass sie

sterben wird. Sie weint. Aber sie weint nicht um ihr Schicksal,

sondern sie weint um ihre kleine Tochter, die zu Hause auf sie

wartet. Sie weint darüber, dass sie ihr Versprechen nicht halten

kann und darüber, dass sie die Menschen, die sie liebt nicht

glücklich machen konnte. Dann starb sie. Sie starb unglücklich, weil

sie noch so viel erledigen wollte. Darum hängt ihre Seele zwischen

den Welten fest. "Mama, ich werde dich befrein, das verspreche ich.

Ich werde nicht zu lassen, dass es so endet" schreie ich in die

Dunkelheit. Dann wird alles hell und es ist unheimlich kalt. Ich

öffne meine Augen und ich bin in einer riesigen Eisgrotte. Es ist

die Grotte, die ich in Kojiros Erinnerungen gesehen habe. Ich weiß,

ich bin am Ziel. Ich laufe auf die Säule zu und erblicke sie. Sie

ist genau so schön, wie in meinen Erinnerungen. Ich erinnere mich

daran, wie warm und aufmunternd ihre Stimme klang, wenn sie mit mir

sprach und daran, wie geborgen ich mich in ihren Arm gefühlt habe.

Wenn ich traurig war, hat sie mir immer über mein Haar gestrichen

und mich getröstet. Und jetzt? Jetzt liegt sie begraben unter einer

dicken Eisschicht. All ihre Wärme ist erfroren. "Mama!" ich versuche

das Eis von ihr zu lösen, aber es geht nicht. Es schmilzt auch

nicht, egal was ich versuche. Langsam beginne ich zu verzweifeln.

Ich weiß, dass ich längst zurück sein müsste, aber ich will es nicht

so enden lassen! Wenn ich sie so sehe, dann zerbricht es mir das

Herz. "Mama" schluchze ich "Es tut mir so leid, dass ich dich

gehasst habe..." Tränen laufen mir aus den Augen. Sie laufen über

meine Wangen und tropfen auf Miyamotos Gesicht. Das Eis, es

schmilzt! Die Tränen bringen es zum schmelzen! Miyamoto öffnet

langsam ihre Augen. "Mama, es tut mir so leid" Ich falle ihr

schluchzend in die Arme. Ich fühle, wie ihre Hand durch meine Haare

streicht. "Meine kleine Musashi, bitte weine nicht. Es ist meine

Schuld, ich wollte dich nicht alleine lassen. Bitte verzeih mir".

Auch sie weint. Es tut so gut, meine Mutter wieder zu haben. Ich

hätte nie gedacht, dass ich sie jemals wieder sehen würde. Ich

vergrabe mein Gesicht ganz tief in ihren Armen. Es ist so wie

früher. Dann hebe ich meinen Kopf "Ich verzeihe dir, Mama, wenn du

mir verzeihst" Sie lächelt und drückt mich an sich. Alles Eis in der

Höhle ist verschwunden. Alles ist angenehm warm. Da ist dieses Licht

wieder. Miyamotos Umrisse werden immer heller. Dann fällt mein Blick

auf meine Hände auch meine Shilouette wird immer heller! Nein! Ich

darf noch nicht sterben. Ich habe Kojiro zurückgelassen und ich will

zurück zu ihm. Außerdem gibt es noch so viele Dinge im Leben, die

ich gerne ausprobieren möchte. Ich war noch nie im Herbst am Meer.

Es muss toll sein, wenn einem der Seewind das Haar zerzaust. Und an

so vielen Dingen bin ich immer achtlos vorbei gegangen. Ich will

noch einmal einen Sonnenaufgang sehen, am besten mit Kojiro

zusammen. Und ich will Nyase wieder sehen, mich mit ihm streiten und

wieder vertragen. Es gibt so viele Wunder auf der Welt. Jeder Tag

ist ein Wunder. Das Licht, die Liebe, das Lachen, jedes freundliche

Wort und jedes strahlende Gesicht. Sie alle sind Wunder und jedes

Lebewesen ist ein Wunder. Oh bitte, ich muss zurück, zurück zu

meinen Freunden, zurück zu meinem Leben....

Es ist zu spät. Das Licht hat mich eingehüllt. Es läst mich

vergessen, wer ich bin. Es ist angenehm warm. Ich habe keine Angst

mehr zu sterben. Es ist nicht schlimm..... ich fühle mich zu Seite

gestoßen, hinaus aus dem Licht. Was ist passiert ? Plötzlich kann

ich wieder klar denken. "Musashi ich weiß, dass du noch nicht

sterben willst. Lauf jetzt, versuche deine Chance zu nutzen. Ich

kann dir nichts versprechen, aber ich hoffe, dass du erst in sehr

vielen Jahren diesen Weg wieder gehen wirst und dass du dann aus

vollem Herzen sagen kannst: Ja, es hat sich gelohnt, zu leben"

Miyamoto hat mich aus dem Licht gestoßen. Sie wird immer blasser

"Danke Mama, ich werde es versuchen und noch etwas.. " "beeil dich

Musa-chan" Ich lächel "Ich hab dich lieb" auch sie lächelte bevor

sie verschwindet "Ich habe dich auch lieb.."

Ich bin wieder in der Dunkelheit, wie soll ich den Weg zurück zu

meinem Körper bloß finden?
 

*****************

Ich fühle mich eingeengt. Fast eingesperrt, wie in einem Käfig. Die

Schmerzen, die von meinem Körper ausgehen sind fast unerträglich.

Trotzdem bin ich froh, meinem Körper überhaupt noch zu spüren. Ich

habe es geschafft, ich bin zurück! Ich lebe. Die Frage ist nur, für

wie lange? Alles tut mir weh und ich fühle mich sehr, sehr schwach.

Wie viel Blut ich wohl verloren habe? Vorsichtig öffne ich meine

Augen, meine eigenen Augen. Es ist, als wenn ein Schleier über ihnen

liegt. Alles scheint verschwommen. Es dauert eine Weile, bis ich

einigermaßen klar sehen kann. Alles scheint unverändert und doch ist

alles anders. Die Aura des Hasses und der Trauer, die auf diesem

Haus lag ist verschwunden. Alles ist still und friedlich. Die Nacht,

draußen, vor den Fenster verliert ihre Sterne an den neubeginnenden

Tag. Im meinen Armen liegt immer noch der Körper des einzigen

Mädchens, das ich liebe. Es ist, als wenn ich einen Engel halte. Sie

sieht absolut friedlich und zufrieden aus. Wie jemand, der seinen

Frieden mit sich und der Welt geschlossen hat. Oh Gott, Musashi!

Bitte las meine Befürchtungen nicht war sein! Lebe! Mit letzter

Kraft versuche ich, ihren Puls zu fühlen, aber ich fühle vergebens.

Ihr Herz hat aufgehört, zu schlagen. Sie hat einfach zu viel Blut

verloren. Für sie würde jede Hilfe zu spät kommen. Das Mädchen, dem

mein Herz gehört ist tot. Aber auch ich werde immer schwächer. Es

geht zu Ende. Ich liege auf dem Boden neben ihr und halte sie dicht

an mich gedrückt. Ich spüre, wie das helle Licht immer näher kommt.

Aber ich habe keine Angst. Musashi ist bei mir und ich weiß, dass

uns nichts trennen kann, noch nicht einmal der Tod.

Auf einmal ist mir, als wenn ein zweites Herz neben meinen schlägt.

Vielleicht bin ich dem Tod einfach zu nahe, so dass ich anfange, zu

fantasieren aber Musashi lebt! Es scheint ihr unheimlich viel Kraft

zu kosten, ihre Augen zu öffnen. Ihre Augen! Sie sind von einem

strahlenderen Blau, als der Ozean und so unheimlich klar, ich kann

bis auf den Grund ihrer Seele schauen. Es sind die Augen einen

neugeborenen Kindes, sie sind so engelsgleich. Wir liegen auf dem

Boden. Ganz nah und schauen uns an. In Gedanken sage ich ihr, wie

glücklich ich bin, dass sie wieder da ist und dass sich mein Leben

gelohnt hat, allein aus dem Grunde, weil ich sie kennen lernen

durfte. Zum Sprechen reicht meine Kraft nicht mehr. "Dein Licht hat

mir den Weg zurück geleuchtet" antwortet sie mir, ohne auch nur ein

Wort zu sagen. "alles wird gut, Kojiro, denn ich liebe dich und ich

glaube daran" unter immensem Kraftaufwand versucht sie zu Lächeln

"Du hast recht Musashi, alles wird gut" lächel ich zurück. Und

draussen geht in den schönsten Farben die Sonne auf ...
 


 

Nur du

Nur du bist wie ein Feuer in der Nacht,

und leuchtest mir den Weg durch die Dunkelheit.

Nur du hast den Schlüssel,

um mich aus dem Gefängnis zu befrein.

Nur du öffnest das Tor,

um die Sonne in mein Herz zu lassen.

Nur du bringt den Baum des Lebens zu sprießen,

und gibst mir so das Leben zurück.

Nur du bist das rettende Land,

wenn ich im Meer der Einsamkeit ertrinke.

Nur du bist der Blick

der in mir neue Hoffnung weckt.

Nur du kennst die Worte

die mich retten.

Nur du!

Du bist wie das Licht auf steilen Klippen, wie ein Sonnenaufgang,

Wie der Wind, wie das Lachen, Wie ein Lied, wie der Frühling, wie

das Leben.

und dafür werde ich dich ewig lieben.
 


 

By Chaos
 


 

PS: nicht vergessen, ich will wissen das ihr von diesen Müll denkt



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Kommentare zu dieser Fanfic (7)

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Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Juju86
2016-03-04T22:57:42+00:00 04.03.2016 23:57
die FF ist wirklich gut ^^ die geschichte hat mich richtig berührt
Von:  FarinaUrlaub
2009-08-31T19:51:50+00:00 31.08.2009 21:51
ich bin beeindruckt.
von deiner schreibweise, von deinen metaphern, von deiner phantasie.
auch, wenn die geschichte schwer zu verstehen ist - die grundaussage ist angekommen.

die geschichte hat mich berührt. ich bin beeindruckt, wirklich beeindruckt!
Von: abgemeldet
2007-07-14T23:00:08+00:00 15.07.2007 01:00
Ich habe deine FF erstmals vor ca. 6 Jahren gelesen. Und sie ausgedruckt. Nun liegt sie sicher verstaut in meinem FF-Ordner und als ich ihn vorgestern wieder entdeckt und all die TR-FFs überflogen habe, musste ich feststellen, dass ich mich noch haargenau an "Alone in the darkness" erinnern konnte.

Schon damals habe ich die Story geliebt! Und auch heute noch, bin ich davon restlos begeistert. (Trotz Rechtschreibfehlern ^^;)

Das wollte ich dir nur mal eben sagen.

Das, und dass ich dir dankbar bin, denn mit dieser FF hängen viel alte Erinnerungen zusammen.

Danke!
Von:  GloZe
2006-08-26T16:12:12+00:00 26.08.2006 18:12
Also ich habe ungefähr 4h für die FF gebraucht und ich habe geheult und du glaubst gar nicht, was für eine Angst ich um Musashi hatte... Zuerst wusste ich nicht, dass Nyase Mauzi sein sollte, aber du hast mich so fasziniert mit dieser Geschichte. Einfach klasse!
Von:  ShizentoYume
2006-06-22T16:39:51+00:00 22.06.2006 18:39
Yume: Ich fand die FF echt super spannend! Es ist schon lange her, dass mich eine FF derart fasziniert und gefesselt hatte! Die Story ist echt super!^^
Von:  Chibi_TR
2005-05-21T13:31:02+00:00 21.05.2005 15:31
Du bist die beste FF autorin, die ich kenne!!!
diese geschichte is so umwerfend, die bringt mich jedesmal wieder zum heulen, ohne scheiß!
so eine tolle story und so gut geschrieben...
ich wünschte, ich könnte das auch!
Chibi^^b

alone in the darkness- die beste FF, die je geschrieben wurde!^.^
Von: abgemeldet
2002-01-30T16:01:08+00:00 30.01.2002 17:01
Hallo!
Wie ich sehe bist du ein fleißger FanFic Autor, daher würde ich dich bitten deine FanFics auch auf meiner Seite www.brainmovie.de zu veröffentlichen.
Ich nehme aber nicht nur FanFics zum Thema Anime&Manga, sondern zu jedem Thema!
Also, ich würde mich freuen wenn du mal bei mir vorbei schauen würdest.

Bye,
Ludger A. Rinsche


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