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Narrenkind

Im Land der Draconigena
von

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Eine seltsame Familie

Alvadee war gerade mit putzen beschäftigt, als Jyne sie fand.

„Wusstest du, dass es Rrustem ziemlich egal ist, ob du sauber machst, oder nicht?“, fragte die Närrin, lächelte und setzte sich zu der blonden Frau. Alvadee hielt einen Moment inne, schenkte der Magierin ein aufrichtiges Lächeln, dann putzte sie weiter.

„Sie mag es, wenn es sauber ist“, sagte Bastien, der sich in eine Ecke zurückgezogen hatte und in einem Buch schmökerte. Er wirkte konzentriert und blickte nicht auf. Der Gedankenleser hatte eine unzufriedene Miene aufgesetzt und wirkte alles andere als glücklich – wobei Bastien quasi nie glücklich wirkte, es sei denn, Alvadee schenkte ihm sämtliche Aufmerksamkeit.

„Bist du beleidigt…“

„Nein“, unterbrach Bastien sie sofort und blätterte eine Seite um. „Rrustem hat Recht: Wir brauchen jemanden hier, der alles unter Kontrolle hat, wenn er nicht da ist. Und da Grinder, Baranger und du die wichtigsten Kämpfer sind, war es klar, auf wen die Entscheidung fallen wird.“ Er ließ sein Buch sinken und sah sie an. „Außerdem hat Alvadee es lieber, wenn ich mal nicht mein Leben riskiere.“

„Wann hast du denn dein Leben riskiert?“

Bastiens Mundwinkel verzogen sich zu einem herablassenden Lächeln. „Jeder, der sich mit Adeligen einlässt, setzt sein Leben aufs Spiel, Närrin.“

„Ich habe einen Namen, Mutant.“

Bastien hob beide Augenbrauen und Alvadee hielt in ihrer Arbeit kurz inne, um ihnen einen flehenden Blick zuzuwerfen: Sie sollten sich ihr zuliebe doch bitte verstehen.

„Nun gut… Jyne“, sagte Bastien. „Ich habe ungefähr Dreiviertel meines Lebens damit verbracht, dem König in Silva die Stiefel zu lecken… Aber abgesehen davon war ich ein äußerst wertvoller Spion für Rrustem.“

„Und sie sind niemals auf den Verdacht gekommen?“, fragte die Magierin nach und dachte daran, wie Vukan ihr bereits an ihrem ersten Tag vollkommen misstraut hatte.

„Vukan ist überhaupt sehr misstrauisch“, erwiderte Bastien. „Svartkell hingegen hegt eine unheimliche Faszination gegenüber Mutanten… vielleicht, weil er selbst ein Magier ist. Er und ich verstanden uns gut. Mit Pharrell hatte ich wenig zu tun, er ist zu beschäftigt gewesen, die Armee zu organisieren. Der Königin war ich suspekt, sodass der König mir verbiet, mich in ihrer Nähe aufzuhalten.“

Jyne schwieg einen kurzen Moment. „Und was hast du gemacht?“

„Ich habe Aufträge ausgeführt. Oft wurde meine Hilfe benötigt, um Verbrecher zu fangen. Als Gedankenleser eröffnen sich die Möglichkeiten, die niemand anderer besitzt.“

„Du hast also für die Adeligen die Drecksarbeit erledigt.“

„Das könnte man so sagen, aber das Königspaar von Silva ist ein wenig freundlicher, als das von Amphitrite. Auch wenn Ceairra kein anderes fremdes Wesen außer sich selbst akzeptiert.“

Alvadee kam zu ihnen hin und beugte sich zu Bastien runter. Dieser gab ihr einen Kuss und sagte: „Ich höre ja schon auf.“

„Womit?“

„Alvadee mag es nicht, wenn ich über meine Arbeit in Silva spreche. Sie findet, es wirft ein schlechtes Licht auf mich.“

Als ob Bastien ohne seine Vergangenheit in einem besseren Licht stehen würde. Jyne runzelte die Stirn, lächelte Alvadee aber lieb an: Man konnte bei der blonden Frau nicht anders, als sie sanft zu behandeln. Jene wandte sich um und putzte weiter, dabei summte sie fröhlich eine leise Melodie vor sich hin. Bastien beobachtete sie und seufzte auf.

„Sie ist ein so herzensguter Mensch, obwohl ihr Schreckliches angetan worden ist. Nachts träumt sie von ihren schlimmen Erlebnissen und wacht zitternd und in Schweiß gebadet auf… Sie ist froh, wenn ich da bin, um sie zu trösten.“

Jyne warf einen raschen Blick zu der besagten Person, die aber nichts mitbekommen hatte.

„Sie hat… Albträume?“, fragte sie verunsichert nach.

„Selbstverständlich“, antwortete Bastien. „Die hättest du wohl auch, wenn man dir die Zunge rausgeschnitten und dich zum Sterben in Kurenai zurückgelassen hätte.“

„…Barry hat mir erzählt, dass du sie gerettet hast. Rustem wollte sie töten, aber du hast es verhindert. Deswegen ist sie jetzt hier.“

„Richtig.“ War es Höflichkeit, dass Bastien sich aus ihrem Kopf heraushielt, oder lauschte er lieber den Gedanken seiner Angebeteten? Jyne würde ihn zumindest nicht darauf ansprechen. „Ich weiß, dass Menschen viel lieber ein richtiges Gespräch führen. Ich lese deine Gedanken aber sehr wohl.“

Die Närrin seufzte frustriert aus. „Warum hast du das damals getan?“, wollte sie wissen. Bastien sah sie an, dann zuckte er mit den Schultern. Er fuhr sich mit einer Hand durch seine schwarzen Haare und wirkte zum ersten Mal leicht verunsichert, als er zugab: „Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich konnte den Gedanken, dass ein unschuldiges Mädchen stirbt, nicht ertragen.“

„Du hattest also nicht schon damals…“ Jyne sagte den Satz nicht zu Ende, aber dummerweise dachte sie ihn zu Ende. Bastien sah sie entgeistert an, dann rümpfte er die Nase und schlug die Beine übereinander.

„Nein, ich habe zu dem Zeitpunkt nichts für ein achtjähriges Kind empfunden. Was denkst du eigentlich von mir! Nein… sag nichts...“

Die Magierin wurde rot und fummelte an einem losen Faden an ihrem Mi-Partie rum. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie sich bald ein neues nähen konnte, so, wie ihr jetziges schon in Mitleidenschaft gezogen worden war. Sie wollte auch nicht mehr weiter über das Thema sprechen und war drauf und dran aufzustehen und zu gehen. Aber eine Sache lag ihr noch auf der Zunge: „Du kannst froh sein, mit Alvadee zusammen zu sein, Bastien.“

Der Geborene lächelte leicht. „Das bin ich. Und Alvadee ist glücklich, mich zu haben… ich bin der einzige, mit dem sie sich normal unterhalten kann.“

„Verletzt sie nicht“, brummte Jyne nur, die sich ziemlich sicher war, dass das liebe Mädchen etwas eindeutig Besseres als den arroganten Mutanten verdient hatte. „Sonst kriegst du es mit mir zu tun.“

„Keine Sorge. Du magst mich zwar für einen schrecklichen Mann halten – und das bestreite ich auch gar nicht wirklich – aber ich bin zumindest treu. Und vielleicht solltest du lieber mal über deine Beziehung mit Baranger nachdenken, als über die meine zu urteilen.“ Er lächelte sie ohne Freundlichkeit an und die Närrin kniff die Lippen zusammen. Dann drehte sie sich um und ging, allerdings nicht ohne Alvadee zum Abschied noch einmal zu umarmen.

Ihre eigene Beziehung mal überdenken… Was fiel Bastien eigentlich ein, so über sie und Barry zu urteilen?! Der Narr war vielleicht ein wenig nervig, aber besaß einen besseren Charakter, als der Mutant jemals haben würde!

Die Magierin schüttelte den Kopf über den überheblichen Geborenen und trat an eines der Fenster. Grinder stand draußen und hatte die Scheusale um sich herum versammelt, um ihnen den Umgang mit den Rüstungen und den Speeren zu erklären. Die Echsenmenschen sahen so schon beeindruckend aus, aber jetzt, mit den Brustplatten, den Helmen, den Arm- und Beinschienen wirkten sie noch viel gefährlicher. Ihre gelben Augen glühten im Schatten, welchen ihre Kopfbedeckungen warfen und der Rest der Rüstung war mit gefährlichen Dornen ausstaffiert. Rrustem befand sich ebenfalls bei ihm und beobachtete alles ganz genau, schien hin und wieder etwas zu sagen, denn Grinder wandte manchmal den Kopf und sprach mit ihm. Die Magierin betrachtete das alte Scheusal genau – Rrustem war alt, aber im Licht der Sonne sah er auch tatsächlich alt aus. Er atmete durch die geöffnete Schnauze, als wären seine Nüstern verstopft und schleimig und bewegte sich nicht annähernd so geschmeidig, wie die jüngeren Echsenmenschen. Speichel tropfte an seinen Lefzen herunter auf das rote Gras Kurenais, seine Klauen waren ständig gebogen, als schaffe er es nicht mehr, sie zu voller Länge auszustrecken.

Jyne fragte sich, ob Rrustems Plan sein Lebenswerk darstellte.

Und dann fragte sie sich, wie das Scheusal eigentlich ausgesehen hatte, als es noch ein Mensch gewesen war. War er groß gewesen, gutaussehend? Oder klein und eher unauffällig? Hatte er braune Haare gehabt oder schwarze? Woher kam Rrustem eigentlich? Bei Grinder hörte die Närrin stets noch einen schwachen Akzent aus Volcanius heraus und nahm an, dass der Mutant aus der Dritten Großen Stadt stammte, aber bei Rrustem erkannte sie unter den ständigen Zischlauten nichts.

…Grinder hatte den Echsenmenschen Irinel genannt, also musste dies sein vorheriger Name gewesen sein. Warum hatte er sich umbenannt?

„Die Alchemisten haben ihren Experimenten Namen gegeben. Experiment Rrustem, das war Irinels Name, während der Versuch an ihm durchgeführt worden ist. Genauso, wie es auch Experiment Grinder, Experiment Vrinda, Experiment Klaif und… Experiment Bastien hieß.“

Die Magierin wandte den Kopf und sah zu Bastien, der mit Alvadee herausgekommen war. Der Geborene runzelte die Stirn und trat neben sie, beobachtete einen Moment, wie Grinder die Scheusale in Paare aufteilte und sie gegeneinander kämpfen ließ. Man konnte seine kräftige Stimme beinahe hören: Grinder war ein harter, unnachgiebiger Ausbilder.

„Irgendwann haben sie erkannt, dass sie nicht mehr die sind, die sie einst waren und haben ihren Experimentennamen angenommen…“

„Du bist ein Geborener“, antwortete Jyne nur. „Du hattest keinen vorherigen Namen. Du warst seit deiner Geburt ein Experiment.“

„Richtig“, gab Bastien schulterzuckend zu. „Vielleicht komme ich deswegen besser mit meinen Fähigkeiten zurecht, als die Ersten. Ich kenne kein anderes Leben. Ich habe von Anfang an die Gedanken anderer Menschen hören können und dachte sogar, diese Fähigkeit würde jeder Mensch beherrschen. Es hat lange gebraucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen.“

„Wie hast du Rrustem getroffen?“, wollte die Närrin wissen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Fensterbank. „Irgendwo muss es ja gewesen sein.“

„Hier“, erklärte Bastien. „Ich habe einen Halb-Elfen gesucht, gemeinsam mit Grinder. Das ist schon über ein halbes Jahrhundert her…“ Er zuckte mit den Mundwinkeln und schüttelte den Kopf. „Der alte Griesgram war woanders unterwegs und ich habe diesen Ort hier gefunden. Rrustem war zu dem Zeitpunkt noch in einer besseren Verfassung, als heute und es fiel ihm nicht schwer, mich zu überwältigen und das, obwohl ich Gedanken lesen kann. Aber er war beeindruckt von meinen Fähigkeiten und nach wenigen Stunden schaffte er es, mich für seinen Plan zu gewinnen. Ich erzählte Grinder von dieser Begegnung nichts. Erst vor einigen Wochen hat er herausgefunden, dass ich die ganze Zeit für Rrustem arbeite.“

„Verstehe“, antwortete Jyne. Sie stellte sich vor, wie es war, als Mutant geboren zu werden – und zwar als einer, der vielleicht nicht sechzig Jahre lang in einem Kellerverlies festgehalten, sondern dazu ausgebildet wurde, für Adelige zu arbeiten. Von Anfang an diese beeindruckenden Fähigkeiten zu haben… vielleicht war es kein Wunder, dass Bastien so arrogant war und sich für etwas Besseres hielt. Grinder und Rrustem hatte man damals beigebracht, dass sie den Abschaum der Gesellschaft darstellten und dass sie sich glücklich schätzen konnten, noch zu etwas nützlich zu sein. Sie beide hassten ihr Mutantendasein und wäre Jyne wohl einer von ihnen, hätte sie sich schon lange das Leben genommen.

Es war die Rachelust, die beide noch am Leben hielt.

„Es gibt keinen Tag, an dem Rrustem nicht an sein Menschendasein zurückdenkt“, wisperte Bastien neben ihr.

„Das glaube ich gerne“, antwortete die Magierin und lächelte Alvadee an. „Ich würde ein früheres Leben auch nicht einfach so vergessen können.“ Das stumme Mädchen stellte sich neben sie und sah sie mit einem fragenden Blick an. Jyne sah zu Bastien.

„Sie will wissen, was du heute Abend essen möchtest.“

„Mach, was du willst“, meinte Jyne zu ihr. „Du weißt ja, ich bin nicht wählerisch.“ Alvadee strahlte über das ganze Gesicht, nickte und klatschte in die Hände. Jyne musste aufgrund dieser Reaktion lachen, dann beobachtete sie, wie Alvadee zu Bastien ging und die Arme um seinen Oberkörper schlang, sich an ihn kuschelte. Für sie gab es kein schöneres Leben und sie war so einfach glücklich zu machen. Es war einfach, zu vergessen, wie es in der Welt aussah, wenn man hier in der Festung, abgeschnitten vom Rest, saß und sich vorbereitete… Und auch, wenn es schöne Momente gab, Jyne schaffte es nicht, zu vergessen, welch gewaltige Aufgaben noch vor ihr lagen. Aber sie schaffte es, sie in eine Ecke ihres Kopfes zu stellen, für einen kurzen Moment das Leben zu genießen. Sie nahm Alvadee bei der Hand, lächelte und sagte fröhlich: „Komm, ich helfe dir!“

Das Leben war zu kurz, um die ganze Zeit pessimistisch rumzuhocken.
 

„Was hast du ihnen eigentlich beigebracht? Die Hälfte von ihnen weiß ja nicht mal, welches Ende des Speeres sie nach vorne halten sollen!“

„Sie sind willig, zu lernen. Das sollte dir reichen.“

„Ich habe noch nie so schlechte Rekruten gehabt!“

„Tu mir einen Gefallen und geh woanders heulen. Ich diskutiere mit dir nicht mehr darüber.“

„Sorg gefälligst dafür, dass sie disziplinierter sind! Das ist ja nicht auszuhalten, sie alle fünf Minuten ermahnen zu müssen, endlich zuzuhören! Es geht immerhin auch um ihr Leben!“

„Hmpf. Du vergisst, dass wir Echsenmenschen sind.“

„Auch ein Echsenmensch kann getötet werden.“

„Aber doch nicht von diesen Idioten, die in Amphitrite für Recht und Ordnung sorgen sollen!“

„Weißt du…“ Barry lehnte sich zu Jyne rüber und betrachtete mit Freuden die Diskussion von Grinder und Rrustem, die gerade zu einem heftigen Streit ausartete. „Ich finde es göttlich, wie die beiden miteinander umgehen.“

„Als ob sie ein altes Ehepaar wären…“, murmelte Jyne und stocherte in ihrem Gemüseauflauf herum. Das Training der Echsenmenschen war nicht so glimpfig verlaufen, wie es sich der Mutant gewünscht hatte und Rrustem nahm seine jungen Scheusale natürlich in Schutz. Und da beide bekanntlich Sturköpfe waren, würden sie wohl nie zu einer Einigung kommen.

„Es sind vielleicht Trottel, aber es sind Trottel, die von mir ausgebildet worden sind. Sie haben keine Angst vor euch!“, herrschte Grinder Rrustem gerade an und ignorierte Alvadee, die seit geschlagenen drei Minuten neben ihm stand, um ihm seine Schüssel mit Essen zu reichen.

„Sie werden Angst haben.“ Rrustem, der sonst nie mit ihnen aß, kaute auf einem Stück rohen Fleisches herum, unter dem sich bereits eine Blutlache gebildet hatte.

„Ach, Mädchen! Gib das her und hau endlich ab.“ Grinder riss Alvadee förmlich die Schale aus den Händen.

„Sprich nicht so mit meinem Mädchen“, mischte sich Bastien besitzergreifend ein, während die blonde Frau ihm einen bittenden Blick zuwarf, keinen Streit anzufangen.

„Ich rede mit jedem so, wie ich es will“, schnaubte der Mutant aus und sah auf sein Mahl. „…gab es kein Fleisch mehr, oder warum blicke ich in einen Gemüsegarten?“

Alvadee schlug die Augen schuldbewusst nieder. Bastien reichte es wohl, dass sie so runter gemacht wurde, stand auf und zischte: „Du kannst ja selbst kochen, wenn es dir besser passt!“

„Ich darf dich daran erinnern, dass mein Eintopf um einiges besser war, als das, was du immer so zustande bringst!“, konterte der Mutant, nicht weniger wütend.

„Barry, wenn du dich noch einmal über die Streitigkeiten von Klaif und mir beschwerst, dann erinnere ich dich nur zu gerne an das hier“, sagte Vrinda grinsend und sah den Narren an.

„Kein Problem“, antwortete der Angesprochene und grinste ebenfalls. „Ich komme mir wie in der Narrengilde vor: Silberkatze und Goldvogel haben auch oft so gestritten!“

„Vergleiche uns nicht mit dieser peinlichen Gesellschaft!“ Bastien, der mitgehört hatte, rümpfte die Nase.

„Wir sind nicht peinlich!“, brauste Jyne auf. „Wir sind genauso gut wieder jeder andere, wahrscheinlich sogar besser!“

„Und los geht es…“ Barry kicherte in sich hinein.

„Du hältst auch die Klappe!“

Grinder schüttelte den Kopf, murmelte etwas von einem Kindergarten in sich hinein und nahm sein Essbesteck zur Hand. Sein Blick fiel auf Vrinda. „He, Rotschopf. Mich interessieren deine Kräfte. Ich bin zwar informiert, aber nicht so gut.“

„Ich habe einen Namen.“

„Und wenn in Collis eine Schneeflocke fällt… Ich will deine scheiß Kräfte wissen, nicht deine Biografie. Also?“

Vrinda verschränkte die Arme vor der Brust und kniff die Augen zusammen. „Ich sage nichts, ehe du nicht meinen Namen aussprichst!“

„Das ist ja schlimmer als bei den Wildelfen!“, stöhnte Grinder und schüttelte den Kopf. „Vrinda. Du und dein Bruder seid bekannt in Amphitrite.“

„Wie schön“, kommentierte die Vollbusige. Mit Erleichterung stellte Jyne fest, dass sie zu Grinder nicht weniger zickig war, als zu ihr, was entweder bedeutete, dass Vrinda immer so war, oder dass sie Grinder und Jyne gleich wenig mochte. Die Närrin hegte ja schon fast Hoffnung für das Erstere.

„Meine Wunden heilen sofort wieder“, erklärte Vrinda schließlich überheblich. „Ich bin so gut wie unsterblich!“

„Auch du stirbst, wenn man dir den Kopf abhakt“, brummte Grinder. „Niemand ist unsterblich. Und du solltest nicht daran festhalten. Aber das ist bei den jüngeren Mutanten immer so… sie denken, sie sind die Stärksten.“ Er schüttelte den Kopf und widmete sich seinem Essen.

„Du wirst noch sehen, wie gut ich kämpfen kann!“

„Wenn es darum geht, mir deine Brüste ins Gesicht zu halten, dann bist du ein Naturtalent!“

Jyne und Barry kicherten beide. Klaif runzelte die Stirn und sinnierte: „Ich verstehe nicht, was man dafür großartig können muss…“

Der ganze Tisch wieherte auf. Vrinda warf ihrem Bruder einen bitterbösen Blick zu. Barry legte ihr freundschaftlich einen Arm um die Schulter. „Mach dir nichts draus, Vrinda. Hübsch zu sein ist keine Schande!“

„Ich weiß“, antwortete die Rothaarige hochnäsig.

Jyne ignorierte den Blick, den Vrinda ihr zuwarf und streckte die Hand aus, um sich ein Stückchen Brot zu nehmen. Alvadee backte es gerne selbst: Es war locker und besaß eine knusprige Kruste. Sie bemerkte, wie das blonde Mädchen wie ein Honigkuchenpferd strahlte und… glücklich wirkte. Sie sah alle, die am Tisch saßen, mit einem warmen Blick an. Jyne glaubte, dass sie alle für Alvadee wohl eine Art… Familie darstellten. Immerhin hatte sie nur diejenigen, die am Tisch saßen (und den Rest der Scheusale). Alvadee liebte Gesellschaft und als die Magierin ihr in die großen, treuen, blauen Augen blickte, wusste sie, dass sie es wohl niemals übers Herz bringen konnte, sie endgültig zu verlassen und nie wieder zu sehen. Jyne bemerkte, wie ihr langsam alle auf eine seltsame Art ans Herz gewachsen waren.

Grinder mit seiner mürrischen und ruppigen Art.

Rrustem mit seinem rauen Charakter.

Klaif mit seiner Naivität.

Bastien und seine Arroganz.

Die liebenswürdige Alvadee.

Vrinda… gut, Vrinda mochte sie immer noch nicht.

Und dann… Barry.

Der Mann, in den sie sich verliebt hatte.

Sie dachte daran zurück, wie Klaif sie gefragt hatte, ob sie sie alle verlassen würde… Würde der Mutant sie jetzt fragen, würde sie wohl antworten: „Ich bleibe. Für immer.“



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