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Warum? Depressionen, Rechtfertigungen, Warum?, Trigger-Warnungen: Depression, Psychische Erkrankung

Autor:  Das_Anni

Rechtfertigungen… Ich hasse sie. Aber als Gegenfrage: wer tut das nicht?

 

 

Du tust etwas - Warum?

Du sagst etwas - Warum?

Du denkst etwas - Warum?

Du möchtest etwas machen - Warum?

Du möchtest etwas nicht machen - WARUM?

 

 

Kürzeste Antwort wäre wohl: weil ich nun einmal so bin! Aber das wird nicht als Antwort geduldet, also…

Warum?

 

 

Man muss sich so verdammt oft rechtfertigen und dann wird es nicht einmal dabei belassen! Es folgen Fragen oder Vorwürfe… Verpackt in einem weiteren… Warum?

 

Ich habe heute keine Lust das zu tun. - Warum? (Wir alle haben doch Lust dazu!)

Ich habe keine Energie das zu tun. - Warum? (Gib zu, du willst nur nicht!)

Ich bin zu erschöpft dafür. -Warum? (Du sitzt den ganzen Tag rum, wovon bist du bitte erschöpft?)

Ich möchte das nicht. - Warum? (Ey, du stellst dich aber ganz schön an!)

Ich bin anwesend aber möchte nicht schreiben/telefonieren. - Warum? (Sag doch gleich dass du nicht mehr mit mir befreundet sein willst!)

 

 

Man versucht zu erklären, obwohl man nicht weiß, wie…

Und die Vorwürfe gehen weiter, wieder schön getarnt mit einem Warum?

 

Warum? = “Ich habe auch Depressionen, aber ich tu das nicht, also kann es nicht daran liegen!”

Warum? = “Was ist denn bitte so anstrengend daran sich mit mir/uns zu unterhalten? Bist dir wohl zu gut für uns!”

Warum? = “Ach, wieder die Ausrede mit den Depressionen, passt dir immer ganz gut, hm?”

Warum? = “Als wir uns kennengelernt haben warst du nicht so, hast dich ganz schön verändert!”

 

So gern würde man sagen: Darum!

 

 Darum! = “Es läuft bei jedem anders ab, ich freue mich, wenn du diese Phasen nicht hast, akzeptiere gleichzeitig, dass in dir stattdessen andere Dinge vorgehen die dich fertig machen!”

Darum! = “Ich bekomme an manchen Tagen einen Zusammenbruch weil ich es nicht schaffe mir einen verdammten Pullover aus dem Schrank zu nehmen, also kann es erst recht anstrengend sein mich mit einer oder mehreren Personen zu unterhalten!”

Darum! = “Oh ja, meine liebste Ausrede, passt mir immer super, hätte ich diese Ausrede doch bloß schon früher gehabt!"

Darum! = “Nun, ich habe mich mit der Zeit geöffnet und bei manchen Menschen gedacht, ich könnte ich selbst sein… Böser Fehler!” (Wahlweise auch: “Ich hatte damals noch keine Depressionen!”) 

 

 

Jetzt frage ich einmal… Warum?

 

Warum nimmt man mir Dinge übel, für die ich nichts kann?

Warum wird mir aus etwas ein Strick gedreht, was ich einfach bin?

Warum muss ich rechtfertigen wie ich bin, wenn ihr es nicht müsst?

Warum soll ich etwas erklären, was ich selbst nicht an mir verstehe?

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Datum: 09.04.2018 13:52
Darf ich das so unterschreiben? v_v

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Datum: 09.04.2018 15:29
Ein interessanter Weblogeintrag.

Ich verstehe leider auch nicht, weswegen immer und immer wieder im Alltag Rechtfertigungen erwartet werden. Teilweise in Situationen, in denen es gar nicht nötig wäre.

Es sind die Vergleiche mit anderen, die (Ent-)Wertungen, die für einen selbst schädlich sind und dass manche Menschen dazu neigen, sich ins Zentrum der Existenz zu stellen
"Ich mag das - warum magst du das nicht?"
oder der Egozentriker 2.0:
"Wir mögen das alle, nur du magst das nicht - warum?"

Es reicht schon, am liebsten von sich selbst auszugehen und eine geringe Toleranz anderen Menschen gegenüber zu besitzen. "Ich habe das auch geschafft - wieso schaffst du das nicht?" Jeder hat ein anderes Energielevel, eine andere Gesundheit, andere Lebenserfahrungen. Man kann einen Menschen nicht mit einem anderen vergleichen.

Jeder Mensch ist, wie er oder sie ist. Da gibt es kein "Warum". Jeder hat andere Talente. Wären alle Menschen so, wie du beschreibst, könnte man nicht ohne Vorwürfe zu erhalten, aus der Tür gehen - jeder würde jedem Vorhaltungen machen, sähe das als das höchsteigene, persönliche Recht an.

Es tut mir leid, dass du dich im Alltag mit solchen Situationen konfrontiert siehst. Für mich ist eine Behandlung wie diese grenzüberschreitend, zumal ich selber bemüht bin, andere Menschen nicht auf dieselbe Weise unter Druck zu setzen. Leider hilft es nicht so oft, mit gutem Beispiel voran zu gehen, wie es einem gerne weißgemacht wird...

In meiner Therapie lerne ich gerade, aus der Rolle des Antwortenden heraus zu treten. Denn sobald ich antworte, gerate ich in die Defensive und nehme die Rolle des Angegriffenen an. Dann rechtfertige ich mich und die Angreifer fühlen sich in ihrem (zerstörerischen) Verhalten bestärkt.

Du machst nichts falsch und ich finde es wichtig, dass du Menschen findest, die dich nehmen, wie du bist. Ohne dir Vorhaltungen zu machen.
Gerade wenn die eigene Familie aus Menschen besteht, die an einem Herumkritisieren, ist es schwierig, aus dem Umfeld heraus zu treten, um sich von diesen permanenten Anschuldigungen und dem Psychoterror zu lösen.
Ich wünsche dir die Kraft, die nötig ist, um die Vorhaltungen abzuschütteln, damit sie dir nichts oder zumindest weniger ausmachen.
Leben und Leben lassen.
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Datum: 10.04.2018 15:35
Das hätte ich nicht besser ausdrücken können. Ich stimme anderen hier zu und sage: Ich kann mich dir nur anschließen.
Ich hasse das auch. So sehr.
Schon in der Schule wird dir eingetrichtert, du musst IMMER einen GRUND für etwas angeben! Man darf nicht einfach eine Meinung haben oder keine Lust oder whatever, nein, man muss es immer rechtfertigen können, sonst zählt es nicht. -.-

Seht gut ausgedrückt. Unterschreibe ich so. Und das rechtfertige ich nicht!
Es ist erst vorbei, wenn du es selber akzeptierst.
"Du wolle Memphis?!"
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Datum: 11.04.2018 15:36
Das kenne ich sehr gut... Seit 1 Monat bin ich wieder arbeitslos, weil ich 6 Monate lang meines Schlafes beraubt wurde und somit wieder in die Depression gelangte! Anstatt mir dabei zu helfen, aus der Hölle rauszukommen, hat man mir vorgeworfen, dass ich ständig die Schuld bei anderen suche!

Klar, ich bin Schuld daran, dass ich ne Drogentussi über mir wohnen habe!
Klar, ich bin Schuld daran, dass ich in der Nacht meinen Schlaf haben wollte, um morgens gestärkt und erholt aufzuwachen, um arbeiten zu können!
Klar, ich bin Schuld daran, dass ich mehrfach Gespräche gesucht habe, um der Nachbarin mehrfach zu bitten, nachts ruhig zu sein und es nicht funktionierte!
Klar, ich bin Schuld daran, dass mein Körper mehrfache Symptome aufwies, dass es mir nicht gut ging und ich deswegen auch oft auf der Arbeit zusammenbrach!
Klar, ich bin Schuld daran, dass ich aus gesundheitlichen Gründen kündigen musste und meine beschissene Zukunft ein für alle mal endgültig in die Tonne getreten habe!

Verständnis für meine Lage? Fehlanzeige! Ich wurde mehrfach deswegen beschuldigt, dass ich selbst Schuld an meine Lage sei! Das es aber wirklich asoziale Menschen gibt, die so primitiv sind und regelrecht Gefallen daran finden, andere zu terrorisieren, wird nicht erkannt! Warum auch? Das betrifft die ja nicht, nur mich!
Allein der Gedanke an die Kündigung bringt mich zum weinen und diese Hilflosigkeit heutzutage ist allgegenwärtig! Hilfe in unserer Zeit? Sowas gibt es nicht! Keinem interessiert es, was aus einem wird! Es wird nur beschuldigt, fertig gemacht und wenn man auf dem Boden liegt, wird sogar noch nachgetreten! Was durfte ich letztens hören? Ich habe es wohl verdient, dass ich arbeitslos bin! Na vielen Dank auch...

Ja, ich weiß, dass ich wieder Depressionen habe und ich am Liebsten schreien könnte. Ein einziger trauriger Gedanke reicht aus, dass ich anfange zu weine. Professionelle Hilfe nützt bei mir nichts! Das ständige geredet hilft niemanden, es müssen Taten folgen, aber dafür sind alle viel zu fein dafür. Kein Wunder, dass die Selbstmordrate so hoch. Es gibt nämlich keine entsprechende Hilfe und die wird es auch nie geben, solange die beschissene Menschheit nur an sich selbst denkt, anstatt auch andere!

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß, wie du dich fühlst. Mir geht es ähnlich....
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Datum: 12.04.2018 15:31
Ich hab es sooooo satt.
» it's no measure of health to be well
adjusted to a profoundly sick society.

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Datum: 12.09.2019 10:32
Ein älterer Weblog-Eintrag trendet. Muss wohl jemand geliked haben.

Mir geht es genau andersrum. Wenn ich etwas tue und jemand stört sich dran, dann erwarte ich, dass er nach dem"Warum" fragt und sich nicht einfach abwendet. Daran erkenn' ich, ob sich jemand tatsächlich für mich interessiert oder nicht. Das "Warum?" ist der erste Schritt miteinander zu reden.

Ich erkenne die Problematik, aber so einfach wie es sich hier manche mit der Schuldzuweisung machen ist es nicht.
[[🐄]] Lies meinen Finanzblog https://www.animexx.de/weblog/442279/813106/ denn Twixer empfieht: "uninteressante blogs vom selben Autor, ohne nennenswerten Mehrwert für irgendwen".
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Datum: 12.09.2019 12:56
Q:
> Ein älterer Weblog-Eintrag trendet. Muss wohl jemand geliked haben.
>
> Mir geht es genau andersrum. Wenn ich etwas tue und jemand stört sich dran, dann erwarte ich, dass er nach dem"Warum" fragt und sich nicht einfach abwendet. Daran erkenn' ich, ob sich jemand tatsächlich für mich interessiert oder nicht. Das "Warum?" ist der erste Schritt miteinander zu reden.
>
> Ich erkenne die Problematik, aber so einfach wie es sich hier manche mit der Schuldzuweisung machen ist es nicht.

Dem schließe ich mich an. Ein Warum kann auch einfach ein Zeichen von liebevoller Aufmerksamkeit sein. Wenn ich jetzt einer guten Freundin sage zB mir gehts richtig beschissen und sie nicht nach dem Warum fragen würde, wäre ich sehr verletzt. Auf jedes Warum biestig zu reagieren kann die Menschen, die einem wichtig sind unter Umständen auch von einem wegtreiben. Und das sag ich übrigens nicht von außen sondern als selbst Betroffene. Kann es sein dass du das zu krass negativierst in deiner schlechten Phase? Ich meine, hinter jedem Warum kann genauso gut Besorgnis stecken und nicht das Bedürfnis eine Rechtfertigung zu erhalten.
I'm just another Alice who's trying to find a way out of her head and into a wonderland.


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