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Einzelposting: was für eine religion habt ihr?


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Von:    IllDepence 14.12.2009 23:03
Betreff: was für eine religion habt ihr? [Antworten]
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Okay, packen wir unsere Goldwaage aus. ; )

Ich habe früh angefangen selbst zu denken.
Ich habe relativ spät angefangen mich mit Religion zu befassen.
Zur Zeit meiner Firmung wäre ich durchaus in der Lage gewesen, mich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden. Da ich mich bis dahin allerdings noch nicht sonderlich viel mit Religion und Glauben - auch mit der Art und dem Ernst meiner Glaubenssituation - befasst hatte, ging ich dem Stress mit meinen gläubigen Eltern aber lieber aus dem Weg. Betrachte ich dieses Verhalten heute beurteile ich es als falsch, feige und inkonsequent. Sollte ich heute gefirmt werden würde ich mich entschieden dagegen entscheiden.
Deine Meinung dazu lässt sich aus der Wortwahl in Deinen ersten drei Sätzen sehr gut erschließen. Es war gar nicht nötig sie noch extra zu erwähnen. ; )

"Dass kein Glaube am vernünftigsten FÜR DICH ist."
Nein.
-> Dass MEINER MEINUNG NACH (was "kam [ich] zu dem Schluss" bereits aussagt) kein Glaube am vernünftigsten ist.

"Meiner Meinung nach" und nicht "für mich", weil meiner Meinung nach kein Glaube generell (für alle, nicht nur für mich) am vernünftigsten ist.

Warum ich so denke?
Nun, ich hab vor einigen Monaten mal einen Text an einen Priester geschrieben, der das ganz gut erklärt:
Spoiler
[...]
Ich wurde im katholischen Glauben erzogen, wurde getauft, hatte eine Kommunion sowie eine Firmung, war für fast 10 Jahre Messdiener in meiner Kirchengemeinde und habe nicht zuletzt 13 Jahre Religionsunterricht von der Grundschule an bis zur gymnasialen Oberstufe hinter mir. Aufgrund meiner Zweifel an religiösen Überzeugungen habe ich mich auch in meiner Freizeit intensiv mit Religion befasst, was meinen jetzigen Standpunkt nur weiter gefestigt hat. Ich finde es beim Thema Glauben sehr wichtig, dass man genau weiß, an was man glaubt und was man ablehnt.
Auch könnten Sie vermuten, dass meine Einstellung jugendlichen Rebellionsgedanken oder dem Streben danach, anders zu sein, entspringt. Dieser Vermutung kann ich eindeutig und begründet widersprechen. Ich fände es absurd mein Weltbild auf den Drang, auf Andere in irgendeiner Weise wirken zu wollen, zu stützen. Außerdem hinterfrage ich – nicht nur die Religion, sondern auch meine eigenen Überzeugungen. Ich frage mich „Habe ich auch alles bedacht?“, „War ich vielleicht voreilig mit meinen Schlüssen?“, „Was, wenn ich Unrecht habe?“, „Stützen sich meine Überzeugungen auf Fakten und nachvollziehbare Argumentationen oder nicht?“, usw.
Ganz nach dem weisen Ausspruch des US-amerikanischen Philosophen Eric Hoffer, der in seinem Buch The Passionate State of Mind schrieb:

„The beginning of thought is in disagreement – not only with others but also with ourselves. [Ungefähr: Der Ursprung des Denkens liegt im Widersprechen – nicht nur gegenüber Anderen sondern auch uns selbst.]“

Und gerade deshalb, weil ich meine Überzeugungen schon sehr oft auf die Probe gestellt habe und immer versuche, neue Eindrücke zu gewinnen und die Dinge von anderen Perspektiven zu beleuchten, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich nicht aufgrund irgendwelcher Neigungen so denke, sondern einzig und allein darum, weil es mir so richtig erscheint und ich noch nichts finden konnte, was diese Überzeugungen ins Wanken hätte bringen können.
Nehmen wir aber an, Sie würden mir Beispielsweile stichhaltige Belege und Argumentationen vorlegen, die mir zeigen, dass der Glaube an den christlichen Gott das einzige Vernünftige ist, so wäre ich ihnen endlos dankbar und könnte mit Freude sagen: „Danke, dass sie mir die Augen geöffnet haben“. Das würde ich sagen, weil ich erkennen würde, dass ich bis jetzt falsch lag und nun eine mir besser erscheinende und ‚richtigere‘ Sicht der Welt hab.
Was mich motiviert ist also weder grundlegende Sympathie noch Antipathie der Religion oder dem Glauben an Götter/Gott gegenüber. Was mich treibt ist die Suche nach der Realität.
Als kleines Kind glaubte ich an den Weihnachtsmann. Irgendwann wurden mir die Augen geöffnet und ich konnte die eigentliche Schönheit von Weihnachten erkennen. Es war nicht einfach ein alter Mann, der den Kindern Geschenke brachte. Es war ein Feiertag, an dem man sich seiner Liebsten freut, sich gegenseitig beschenkt um seine Wertschätzung gegenüber anderen auszurücken und etwas mehr Zeit mit der Familie verbringt. Die ‚Entzauberung‘ des Weihnachtsmanns war also keineswegs eine Minderung meiner Freude an Weihnachten, es war vielmehr eine ‚Verbesserung‘, wenn man so will. Was ist so toll an einem Geschenkebringer, der einmal im Jahr kommt? Viel schöner ist es doch, sich seiner Familie und Freunde bewusst zu werden.
Was mich mittlerweile ein Stück weit an Weihnachten stört ist der religiöse Hintergrund. Aber über den kann ich aufgrund der positiven Auswirkungen des Feiertags hinwegsehen. Für mich fällt der religiöse Part von Weihnachten einfach weg.
Relativ ähnlich verhält es sich nun mit der Religion. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich früher jemals wirklich an die religiösen Erzählungen geglaubt habe. Ich glaube viel mehr habe ich ihren Platz in unserer Gesellschaft akzeptiert. Es war einfach normal und da die meisten aus der Gemeinde, die ich kannte, auch mitmachten, hab ich es nicht weiter in Frage gestellt. Damals konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass irgendjemand anders die Vorstellung eines Gottes und die Geschichten aus der Bibel hundertprozentig ernst nimmt. Es erschien mir einfach zu absurd, zu weltfremd. Warum ich dennoch Ministrant geworden bin frage ich mich noch heute. Ich denke zum einen war es die soziale Erfahrung (vergleichbar mit einem Verein) und zum anderen – so absurd es auch klingen mag – eine Art ‚Würdigung‘ der Tradition der Kirche gegenüber (da meine Mutter kirchlich engagiert ist hatte die Kirche wohl einen gewissen Stellenwert in meiner Vorstellung). Was mich über die Jahre bei den Ministranten gehalten hat? Nichts, beziehungsweise die Gewohnheit. Es fehlte mir lange Zeit an der nötigen Konsequenz in meinem Denken. Ich legte keinen großen Wert auf das Ministrieren, ich nahm es einfach so hin. Dass dieser „Dienst“ wider meine Überzeugungen war hat mich entweder nicht weiter gekümmert oder besagte Überzeugungen waren doch noch nicht so stark in mir, als dass sie mich zum Austritt bewegt hätten.
Mit der Zeit – und größtenteils durch Diskussionen im Internet – machte ich mir dann mehr und mehr Gedanken zu den Themen Religion, Glaube und Kirche, was weitreichende Folgen für mich hatte: Ich trat bei den Ministranten aus, befasste mich genauer mit dem Thema Religion, diskutierte häufiger darüber und konnte mehr und mehr Bestätigung für meine Ansichten finden. Ich war schon immer ein ziemlicher Freidenker gewesen, doch hatte es hinsichtlich Religion noch nie so nach außen gezeigt. Nun waren also auch Religion und Gott entzaubert.
Vergleichbar mit dem Weihnachtsmann war das aber nichts Schlechtes. Ich war dankbar endlich ein klareres Bild davon zu haben, was Religion in unserer Gesellschaft sucht, warum sie noch immer besteht und wie ich damit umgehen sollte. Ich hatte es geschafft mir selbst die Augen zu öffnen.

Damit sollten Sie ein ungefähres Bild meiner „Glaubenssituation“ haben und auch auf erste Einwände sollte ich hinreichend eigegangen sein.


Kommen wir also zum Eingemachten: Meinen Überlegungen zur Religion, ihren Methoden und deren Auswirkungen. Sie können gerne etwas zu meinem obigen Text sagen, ich erhoffe mir aber den Fokus auf dem folgenden, ausführlicheren Text.


Gottes Existenz
Es ist hier wichtig Gott vorerst zu definieren – es muss ja schließlich klar sein, worüber wir überhaupt reden. Ich denke die Vorstellung des alten Mannes mit dem langen weißen Bart, der im Himmel wohnt, können wir zu den Kindermärchen, den Einhörnern und dem Weihnachtsmann packen. Der Mann mit dem Bart ist eine uralte, mystische und/oder kindliche Vorstellung.
Interessanter wird es, wenn man Gott etwas ‚glaubwürdiger‘ versteht. Zum Beispiel als eine Kraft, die das Universum geschaffen hat und es in irgendeiner Weise motiviert und vielleicht sogar heute noch eingreift. Bei dieser Vorstellung kommt es darauf an, welche Attribute man Gott zuschreibt:

Omnipotenz: Omnipotenz ist per Definition schon widersinnig („Die Fähigkeit, Ereignisse unter Außerachtlassung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten beeinflussen zu können“ / „Ungehemmte Macht, die von keiner anderen Instanz abhängig ist“). Die Vorstellung mag ja ganz schick sein, aber – um es in den Worten der beliebten Trickfigur Homer Simpson aus Die Simpsons zu sagen: „Kann Gott einen Burrito erschaffen, der so heiß ist, dass er ihn selbst nicht essen kann?“. Allmacht versagt schlicht und ergreifend schon in der Theorie. Ein allmächtiges Wesen könnte ein Wesen schaffen, dass noch mächtiger und besser ist. Folglich war es nie allmächtig gewesen. Das neue Wesen ist mächtiger. Es zu erschaffen liegt per Definition in der Macht des Schöpferwesens. Allmacht widerspricht sich also selbst.
Omniszienz: Ein Allwissender Gott braucht von uns nicht gesagt bekommen was wir wollen oder wie wir zu ihm stehen. Gebete wären also unsinnig. Außerdem ist Omniszienz aus demselben Grund wie Omnipotenz paradox. Unser omniszientes Wesen würde wissen, wie es ein Wesen mit noch mehr Wissen erschaffen könnte. Wiederum findet sich der Widersinn bereits in der Definition.
Omnipräsenz: Dieses Attribut ist bei einer sehr vorsichtigen Beschreibung von Gott - wenn überhaupt - nur schwer anhand seiner Definition zu widerlegen. Wenn wir bei unserer Gottesvorstellung einer Kraft, die das Universum irgendwie motiviert, bleiben, so wäre es wohl sogar sinnvoll, diese Kraft als allgegenwärtig zu beschreiben.
Transzendenz: Gott einfach als „die menschliche Vorstellungskraft übersteigend“ zu beschreiben ist meiner Meinung nach nicht mehr als eine faule Ausrede. Wer mich von der Existenz einer Sache, die meine Vorstellungskraft übersteigt, überzeugen will, der muss mir Nachweise liefern. Der Wissenschaft ist das bei Atomen, DNA, Supernovae, Gammastrahlenblitzen und vielem mehr gelungen. Der Religion hat es mit noch nichts geschafft.

Einzeln sind diese Eigenschaften schon äußerst unwahrscheinlich bis paradox, kombiniert man sie aber fängt der Spaß erst richtig an. Um ernst zu bleiben: Die Vorstellung eines Gottes mit diesen Eigenschaften ist unrealistisch, unvernünftig und unserer Zeit nicht gerecht.
Mit der Vorstellung eines Schöpfergottes gibt es aber ein noch viel schwerwiegenderes Problem: Seine Herkunft. Ein Wesen, dass so komplizierte Lebewesen wie uns erschaffen kann beziehungsweise in der Lage ist, ein Universum einzuleiten oder zu planen, muss noch weitaus komplizierter sein als seine Schöpfung. Nun stellt sich natürlich unwiderruflich die Frage nach der Herkunft der Schöpfergestalt. Der einzige Vorgang, den wir heutzutage kennen, der von allein aus etwas Einfachem etwas Kompliziertes macht, ist die Evolution – ein Kran, kein Himmelshaken – was nun wirklich kein religiöser Gedanke ist. Außerdem könnte es Gott dann nichtmehr vor dem Universum gegeben haben womit er kein Gott mehr wäre, sondern eine außerirdische Lebensform, die wie alle Lebewesen, die wir kennen, durch einen Evolutionsprozess entstanden ist.
Eine weitere Vorstellung von Gott bietet der Pantheismus, er sieht das Göttliche in allen Erscheinungen der Welt und setzt Gott quasi mit dem Universum gleich. Gott ist – so wie ich den Begriff verstehe – also nichts Übernatürliches mehr. An diesem Punkt frage ich mich dann, wozu man den Begriff ‚Gott‘ noch braucht. Ich könnte ihn dann genauso gut für meinen Toaster verwenden. Etwas besser bringt es der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer in seinem Werk Parerga und Paralipomena zum Ausdruck:

„Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloß ein missbrauchtes Wort, ein Unbegriff, eine contradictio in adjecto, ein Schiboleth für Philosophieprofessoren, welche, nachdem sie die Sache haben aufgeben müssen, mit dem Worte durchzuschleichen bemüht sind.“

Je nachdem, wie man Gott definiert, ist er entweder schon per Definition paradox oder der Begriff ist falsch verwendet.
Abgesehen davon gibt es noch etliche seltsame Argumente, die manche Gläubige gerne aufzählen, um die Existenz Gottes beweisen oder wahrscheinlicher erscheinen lassen zu wollen beziehungsweise Religion generell in ein besseres Licht zu rücken. Zu diesen gehören unter Anderem:

„Adolf Hitler war Atheist und schau‘ Dir an, was er getan hat!“
Erstens ist Hitlers Glaube umstritten , zweitens ist zu beachten, dass wenn er Atheist war, seine grausamen Taten wohl nichts mit seinem Nichtglauben zu tun haben und drittens hat die Religion sich ‚auch‘ einiges zu Schulden kommen lassen (Selbstmordattentäter, der 11. September, Anschläge auf die Londoner U-Bahn, Kreuzzüge, Hexenverfolgung, die Aufteilung Indiens, Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, ein Blutbad unter Serben/Kroaten/ Muslimen, Verfolgung von Juden als „Christusmörder“, „Ehrenmorde“, pomadige Fernseh-Evangelisten im Glitzeranzug, die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen, die Zerstörung antiker Statuen durch die Taliban, öffentliche Enthauptungen von Ketzern, Prügel für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen, usw.).
„Die Bibel beweist die Existenz Gottes.“
Theologen sind sich heutzutage weitestgehend einig, dass die Bibel metaphorisch und nicht wortwörtlich zu verstehen ist. Sie hat keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Richtigkeit. Außerdem ist die Bibel von vielen verschiedenen Autoren und basierend auf Geschichten, die über Generationen mündlich überliefert wurden, entstanden. Ich für meinen Teil glaube, dass die Bibel nicht viel mehr, als ein Märchenbuch ist.
Es mag einen Jesus gegeben haben, der Wanderprediger war und gekreuzigt wurde, aber von denen gab es damals sicher eine Menge und mehr ist nicht dran an der Geschichte.
„Es ist sicherer an Gott zu glauben, da man nichts zu verlieren hat, auch wenn sich der Glaube als falsch erweist. Liegt man als Atheist falsch, so bleibt einem das Paradies verwehrt.“
Dieser Gedanke birgt viele Fehler in sich. Es lässt zum Beispiel außer Acht, dass es mehrere Religionen gibt. Was also, wenn man an den christlichen Gott glaubt, Allah aber der richtige ist? Man müsste, um sicher zu gehen, also den Riten jeder Religion auf dieser Welt folgen. Die Aussage, man verliere nichts, wenn man einem religiösen Glauben folgt, ist auch nicht unbedingt richtig. Zum einen wären die ganzen Anstrengungen und die Zeit (Kirchgänge, Gebete, etc.) vergeudet und zum anderen kann es durchaus gefährlich sein, wenn man zum Beispiel auf Medizin verzichtet und stattdessen auf Gott vertraut.
„Es gibt Zitate von Einstein, in denen er Gott erwähnt.“
Albert Einstein verwendete das Wort ‚Gott‘ erwiesenermaßen für die Summe aller Gesetze und Ordnungen, nach denen die Welt entstand und weiterbesteht. Er war also nur von der unvorstellbaren Schönheit der wissenschaftlich betrachteten Welt in der wir leben fasziniert. Richard Dawkins erläutert das in seinem Buch Der Gotteswahn sehr gut.
„Manche Dinge sind so komplex, dass sie entworfen und geplant sein müssen.“
Oftmals werden bei diesem Argument wir Menschen oder andere Lebewesen als Beispiel genannt. Hier kann man nur sagen, dass die Evolution eine anerkannte Tatsache ist und eine absolut hinreichende Erklärung für so komplexe Gebilde wie Menschen und Tiere ist. Außerdem greift hier wieder die Frage nach der Herkunft des Schöpfers.

Es gibt Unmengen solcher Scheinargumente, die sich bei genauer Betrachtung alle als unbrauchbar erweisen. Im Ersten Moment bringen sie einen vielleicht zum Stutzen. Denkt man aber einen Augenblick lang genauer nach, anstatt sie – eben weil sie die eigenen Überzeugungen zu bekräftigen scheinen – direkt als brauchbare Argumente anzusehen, so zeigt sich einem ihre wahre Natur. Sie sind fälschliche, kritische Einwürfe die den Zweck haben, weniger skeptischen Menschen weiß zu machen, dass es stichhaltige Argumente für die Existenz Gottes gibt.

Sieht man mal von gerade beschriebenen ‚Stammtisch-Argumenten‘ ab, so finden sich in Reihen klügerer Köpfe Versuche, die Existenz Gottes auf verschiedenen Wegen zu beweisen:

Ontologischer Gottesbeweis:
Ein ontologischer Gottesbeweis schließt von der Überlegung heraus auf die Existenz Gottes. Ein Beispiel dafür ist das Werk Proslogion von Anselm von Canterbury. Er definiert Gott als „das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“ („id, quo nihil maius cogitari potest“). Da – so seine Argumentation – dieses Etwas nur dann das, worüber hinaus nicht Größeres gedacht werden kann, sein kann, wenn es existiert (da eine existente Version dieses Etwas ja noch größer/‚besser‘ wäre als eine nicht existierende), muss es Gott geben.
Nun denke ich mir einen Toaster, über den hinaus kein besserer Toaster gedacht werden kann. Da er – wie oben beschriebenes Etwas – per Definition existent ist, habe also ich das Dasein des besten Toasters überhaupt bewiesen? Natürlich nicht. Ich habe nur bewiesen, dass dieser Toaster in meiner Vorstellung existiert.
Reicht einem die einfache Darlegung der Absurdität des Beweises nicht aus, so greift man auf Hansjürgen Verweyen zurück, der in seiner Analyse des Proslogion schreibt:

„Wenn sich die Vernunft selbst als unbezweifelbar wirklich und die Idee Gottes als ihre tiefste und eigentlich treibende Kraft erfasst, dann muss sie sich selbst in dieser Bewegung auf die wirkliche Existenz Gottes als den sie allein erklärenden Grund zurückführen. Das ist dann kein ‚ontologisches‘ Argument mehr, kein unzulässiger Schritt vom bloß gedachten zum wirklichen Sein, sondern Schritt innerhalb einer Wirklichkeit, die ihre eigene Struktur enthüllt.“

Und damit – wenn auch etwas komplizierter geschrieben – die Hinfälligkeit des Beweises darlegt. Es lässt sich so nicht vom Gedachten auf das Existente schließen.
Kausaler Gottesbeweis:
Der kausale Gottesbeweis ist eine Erklärung aus der Logik von Ursache und Wirkung. Es wird die Frage nach der Ursache/Herkunft des Universums gefragt. Da es noch keine bewiesene Ursache (oder einen Beweis dafür, dass es keine Ursache brauchte) gibt, soll Gott an deren Stelle treten und somit bewiesen sein. „Das Universum muss irgendwie entstanden sein, also muss es einen Schöpfer/Gott geben“.
Um diesen Beweis zu falsifizieren braucht man nur einen einzigen kleinen Schritt weiterzudenken. Da alles eine Ursache haben muss, muss auch Gott eine haben, womit dessen Göttlichkeit hinfällig wäre. Diese Art der Argumentation lässt sich bei Gott also nicht anwenden. Außerdem wäre der Beweis, wenn er überhaupt funktionierte, nur der Beweis dafür, dass es irgendeine Ursache gibt. Um Gott als Ursache in Betracht ziehen zu können, wäre ein vorhergehender Beweis für die Existenz Gottes vonnöten.
Teleologischer Gottesbeweis:
Hier handelt es sich um einen indirekten Beweis, der die Existenz des Göttlichen von den Erscheinungen der Natur ableitet. Einen Beweis dieser Form hat William Paley (Philosoph und Theologe) im Jahr 1802 mit seinem Buch Natural Theology (Natürliche Theologie) aufgestellt. Er bedient sich dabei der sogenannten ‚Uhrmacher-Analogie‘, nach welcher komplexe Gebilde (wie zum Beispiel die Lebewesen auf unserer Erde) einen Schöpfer zwingend voraussetzen.
Am 24. November 1859 fand sich mit The Origin of Species von Charles Darwin eine weitaus bessere Erklärung: die Evolutionstheorie. Es gibt zwar noch immer Kreationisten, die vergeblich versuchen Organismen zu finden, die angeblich nichtreduzierbare Komplexität aufweisen, womit dann die Evolutionstheorie widerlegt und die Existenz eines Schöpfers bewiesen wäre, doch – um realistisch zu bleiben – die Evolutionstheorie gilt als Fakt.
Ganz gewitzte Gläubige meinen dann behaupten zu müssen, die Evolution gehöre ebenfalls zu ‚Gottes Plan‘. Nun ja, damit wäre der teleologische Gottesbeweis nichtig, und Gott stünde wieder ganz am Anfang der ‚Schöpfung‘, was wir zuvor ja schon zu Genüge diskutiert haben.

Wie man es auch dreht, wendet, betrachtet, verändert oder erneuert, mir zeigt sich rein gar nichts, was für die Existenz von übernatürlichen Kräften, einem Gott oder mehreren Göttern sprechen würde. Die Vorstellung eines persönlichen Gottes scheint nicht mehr als Wunschdenken verunsicherter Menschen zu sein und ein unpersönlicher Schöpfergott ist nicht mehr als die paradoxe und unnötige light-Version davon.


Moral
Hier treffen wir auf eine der wohl heftigsten Fehlvorstellungen, die Gläubige gerne hegen. Analog zur Rückführung von Hitlers Grausamkeit auf seinen (angeblichen) Atheismus meinen Gläubige oftmals, dass Menschen ohne Glauben automatisch unmoralisch, wenn nicht sogar böse seien. Wieso sollten sie auch gut sein? Sie haben schließlich keine heilige Schrift und keine Gebote, die ihnen aufzeigen, wie sie sich zu verhalten haben, um ‚gut‘ zu sein. Auch haben sie keine Paradies oder 72 Jungfrauen, die sie erwarten, wenn sie nach dem Willen ihres Gottes leben.
Wieso sollten sie also gut sein?
Nun, wieso sollte ich – ein Atheist – gut zu meinen Mitmenschen sein? Ganz einfach: Begegne ich Anderen gegenüber nett und freundlich, so verhalten sich diese mir gegenüber meistens auf die gleiche Weise. Und dazu brauche ich nicht einmal nachzudenken. Rein aus evolutionären Gründen ist es für Menschen normal, sich nicht einfach gegenseitig zu schaden. Man stelle sich eine Gruppe von Höhlenmenschen vor. Wie mögen ihre Überlebenschancen höher gewesen sein: im Alleingang, oder in einer Gruppe? Ganz klar in der Gruppe. Gene, die soziales Verhalten fördern überleben also, was den Menschen zu einem sozialen Tier macht. Der Mensch lebt in Gemeinschaften, um besser überleben zu können. Heute, da wir es nichtmehr nötig haben zusammen ein Mammut zu jagen und dabei unser Leben zu riskieren, sondern einfach in den Supermarkt spazieren können und eine Tiefkühlpizza im Austausch gegen etwas Geld bekommen, könnte man meinen, dass dieses soziale Verhalten nichtmehr vonnöten sei. Falsch. Natürlich ist es noch sinnvoll – Freunde und Familie sind noch immer wichtig. In Industrieländern zwar wohl nichtmehr überlebenswichtig, doch allemal hilfreich. So weit gehen unsere Gene wohl kaum, doch das brauchen sie auch nicht. Heutzutage kann unser Verstand humanistische Prinzipien ausarbeiten und verstehen. Unsere Moral hat also zum einen evolutionäre Hintergründe, zum anderen lassen sich moralische Prinzipien durch geistige Leistung herleiten, verstehen und umsetzen.
Was nun, wenn eine religiöse Person meint, ein ‚gottloser‘ Mensch könne nicht moralisch richtig Handeln? Er hat nichts, keinen ‚Gut-Böse-Katalog‘, der ihm sagt, was moralisch richtig und was verwerflich ist. Eine solche Person, ein Mensch, der so etwas sagt, hat entweder nicht richtig nachgedacht oder ist alles andere als ‚gut‘. Sollte ein Mensch denn nur moralisch richtig handeln, weil ihn eine Belohnung im Himmel, das ewige Leben oder 72 Jungfrauen erwarten oder aus Furcht vor ewiger Qual? Sollte ein Mensch nur Gutes tun, weil eine höhere Macht es ihm sagt? Gäbe es andernfalls keine Motivation ‚gut‘ zu sein? Nur deswegen? Das wäre nun wirklich arm. Ich brauche keinen Herrn, der mich für gute Taten belohnt oder für böses Handeln bestraft. Ich bin einfach so ‚gut‘. Es zahlt sich gegenüber anderen aus und zudem erachte ich einen zivilisierten und netten Umgang untereinander für angebracht und richtig. Bis hierhin ganz einfach und – so hoffe ich doch – auch verständlich. Die Motivation ‚gut‘ zu sein ist auch da, ohne 10 Gebote, eine heilige Schrift oder Angst vor dem Fegefeuer. Interessanter wird es bei der Frage: „Woher weiß ich, was richtig und was falsch ist?“ Hat der Christ hier seine 10 Gebote? Na ja, was sagen mir die 10 Gebote über Tierversuche, Abtreibung, aktive und passive Sterbehilfe und Vegetarismus? Lässt sich aus Genesis 1,2 (dem Schöpfungsmythos) herleiten, dass Abtreibung grundsätzlich falsch ist, da das Menschliche Leben heilig ist? Was, wenn es sich dabei um eine sehr arme, alleinerziehende Mutter handelt, die kein weiteres Kind finanzieren kann – also die ganze Familie untergehen würde – und die Diagnosen der Ärzte eindeutig bestätigen, dass das Kind mit einer schweren Behinderung auf die Welt käme und ein qualvolles Leben führen würde? Oder: Darf ein alter Mensch, der nur noch künstlich am Leben erhalten wird und schlimme Schmerzen hat, nicht selbst über sein Leben verfügen und sich für den Tod entscheiden? Und was ist mit Tieren? Haben diese nicht auch ein Recht auf Leben? Hier versagen einfache Regeln meiner Meinung nach. Es sind komplizierte ethische Fragen, mit denen sich die Philosophie auch heute noch beschäftigt. Moralphilosophen versuchen zu ergründen, welche Rechte welchen Lebewesen zuzusprechen sind, welchen Wert welche Form von Leben hat usw. Sich hierbei auf ‚heilige Schriften‘ zu berufen macht wenig Sinn. Kaum ein Christ wird es gutheißen ein leidensfähiges Tier zu schlachten, auch wenn keins der 10 Gebote oder sonst ein Bibelvers ihm davon abrät. Den Tieren wurde schließlich kein göttlicher Lebenshauch zuteil, sie wurden nicht von Gott gesegnet und sind nur da, um dem Menschen zu nutzen. Woher kommt also diese Einstellung? Sollte es etwa mehr geben als die heilige Schrift? Ja, natürlich. Leben kann schlecht anhand seiner ‚Göttlichkeit‘ beurteilt werden. Viel sinnvoller erscheint zum Beispiel eine Abwägung anhand der Leidensfähigkeit. Kann eine Pflanze leiden? Wohl kaum (bewiesen ist es nicht, aber es ist anzunehmen), also habe ich keine Probleme damit einen Apfel vom Baum zu pflücken und ihn zu essen. Ein Schwein dagegen kann sehr wohl leiden. Und ich würde es nicht übers Herz bringen ein Schwein zu schlachten. Das einzige, was mich also davon abhält Vegetarier zu werden, ist die Distanz zum eigentlichen Tötungsakt. Mein Schnitzel sieht schließlich nicht nach einem leidensfähigen Lebewesen aus. Wahrlich inkonsequentes Denken, denn ich könnte in unserer heutigen Zeit ohne Probleme überleben ohne Fleisch zu essen, doch kommen wir zurück zur Moral:
Ein ‚gottloser‘ Mensch kann sehr gut moralisch korrekt handeln ohne sich auf jegliche religiöse Schrift zu berufen. Desweiteren ist Moral mit religiösem Ursprung – meiner Meinung nach – nicht sehr hilfreich, beziehungsweise auf keinen Fall ausreichend (siehe Tierbeispiele). Sehr deutliche zeigt sich die fragwürdige Natur religiöser Vorstellungen von Moral, wenn man sich außerhalb des Christentums umsieht. Im Judentum und Islam ist das rituelle Schlachten von Tieren gängige Praxis. Dem armen Tier wird (im Judentum bei vollem Bewusstsein) die Kehle aufgeschlitzt und man lässt es ausbluten. Das nur, weil aufgrund der Religion der Verzehr von Blut verboten ist. Unvorstellbar welche Qualen das Tier dabei leidet, aber den religiösen Überzeugungen dieser Leute zufolge ist es moralisch absolut unproblematisch. Es ist womöglich ein Extrembeispiel – ich weiß es nicht. Betrachtet man die Situation utilitaristisch, also nach einem philosophischen Prinzip, so ist auf der Stelle erkennbar, dass eine solche Handlung falsch ist. Sie bringt eindeutig mehr Leid als Glück mit sich.
Meines Erachtens ist die Philosophie, verglichen mit der Religion, ein weitaus brauchbareres Werkzeug um zu entscheiden, ob eine Tat ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ ist. Und der Deutlichkeit zuliebe will ich es noch einmal gesagt haben: Die Moralphilosophie verheißt mir weder ewiges Leben noch droht sie mir mit Qualen. Ich versuche rein aus rationaler Vernunft und aufgrund meiner menschlichen Natur richtig zu handeln.
Um auf einen durchaus vorhersehbaren Einwand einer religiösen Person gleich einzugehen:
Versuchte man mir nun weiß zu machen, diese ‚menschliche Natur‘, die ich da anspreche, sei eben das, was Gott mir gibt oder Ähnliches, so kann ich widersprechen. Ich würde einer Person, die mir so etwas sagt, entgegnen: „Ich finde es nicht nett, dass Du mich unterstellst ich würde nicht von selbst aus ‚gut‘ sein wollen. Willst Du mich davon überzeugen, der Wille gut zu sein sei gottgegeben, so stelle bitte eine brauchbare Definition für den Begriff ‚Gott‘ auf und zeige mir dann, inwiefern dieser ‚Gott‘ mich dazu bringt gut sein zu wollen. Bis dahin führe ich meine sozialen Neigungen auf die Evolution zurück, da dieser Gedanke Sinn ergibt und auch den Drang Gutes zu tun hinreichend erklärt.“

Es findet sich also auch in den Gefilden der Moral nichts, was Religion in meinen Augen sinnvoll und brauchbar erscheinen ließe. Im Gegenteil: In einigen Fällen halte ich religiös begründete Moral sogar für verwerflich und nicht vertretbar.



Sinn
Ich bin an dieser Stelle mal ganz direkt:
Die Frage nach einem allgemein gegebenen Sinn des Lebens ist eine dumme Frage. Sie kommt der Frage „Welchen Siedepunkt hat Unabhängigkeit?“ gleich. Betrachten wir zum besseren Verständnis meiner Aussage einmal die Situation eines menschlichen Lebens: In einem Galaxienhaufen wie jedem anderen gibt es eine nicht nennenswerte Galaxie. In einem der Sonnensysteme dieser Galaxie, das nicht einmal an irgendeinem besonderen Punkt liegt, gibt es einen kleinen, für die Gesamtheit des Universums absolut unwichtigen, fast schon nichtigen Planeten. Aufgrund der günstigen Lage dieses Planeten zur Sonne seines Sonnensystems (nebenbei gesagt: Es gibt eine Menge Planeten mit einer derart günstigen Lage) konnten sich hier Materiehaufen bilden, die einen Stoff- und Energieaustausch mit ihrer Umwelt betreiben und sich fortpflanzen (wir nennen das ‚Leben‘). Dieses sogenannte ‚Leben‘ entwickelte sich in einer – verglichen mit üblichen Raum- und Zeitgrößen im Universum – nicht nennenswerten Zeit weiter und weiter. Zu einem gewissen Zeitpunkt erwies es sich für eine Gattung von Lebewesen als für das Überleben nützlich, mithilfe dessen ‚Steuerzentrale‘/Gehirn ein ‚Bewusstsein‘ zu generieren. Dieses Bewusstsein gab dem Lebewesen die Möglichkeit sich seine Umwelt zunutze zu machen, in sozialen Gruppen zu agieren usw.
So, und nun fragt sich ein solches Bewusstsein: „Welche Rolle spiele ich mit meinem Dasein?“ Ganz einfach: Absolut keine. Kümmert es eine millionen Lichtjahre entfernte Galaxie, wenn hier ein Mensch tot umfällt? Nein, natürlich nicht. Es hat nicht einmal Auswirkungen auf unser Sonnensystem oder unseren Planeten. Einen ‚Sinn‘ gibt nur für besagtes Bewusstsein selbst und den muss es für sich selbst definieren. Wie unvorstellbar, unvorstellbar anmaßend ist es denn, als ein so nichtiges Bewusstsein anzunehmen, es gäbe einen übergeordneten, allgemein gegebenen Sinn, der für es gelte? Der Begriff ‚Sinn‘ allein ist doch schon nicht mehr als eine Vorstellung in unserem Bewusstsein. Wie sollte er außerhalb unserer menschlichen Vorstellung auch nur die geringste Bedeutung haben?

Bei einer realistischen Betrachtung erkennt man also mit Leichtigkeit, dass ein allgemein gegebener Sinn des Lebens eine absurde Vorstellung ist.
Religionen hingegen definieren einen solchen Sinn. Einen, der für alle gleichermaßen gelten soll. Im Judentum besteht der Sinn darin, die göttlichen Gesetze einzuhalten, im Christentum, die Gemeinschaft mit Gott und untereinander zu pflegen („Mit der Taufe beginnt das von der Sünde und dem Tod erlöste Leben, das sich in Gebeten, Sakramenten und guten Werken fortsetzt“) und im Islam, Allah zu dienen. Bei diesen drei Beispielen ist wohl der Lebenssinn, den man im Christentum aufgezwungen bekommt, noch der vernünftigste. Doch auch er schließt – abgesehen von der zuvor schon erläuterten Absurdität eines allgemein gegebenen Lebenssinns – die Notwendigkeit gewisser ‚Interaktionen‘ mit Gott mit ein. Man muss ihm nicht direkt dienen und gehorchen, man muss nur ‚die Gemeinschaft mit ihm pflegen‘ – Hurra! Und trotzdem wird mir gesagt, der Sinn meines Daseins bestünde darin, gegebenen Vorschriften zu folgen.
All diese religiösen Lebenssinn-Vorstellungen setzen natürlich ein Leben nach dem Tod oder die Wiedergeburt voraus. So könnte man auch sagen, der Sinn des Lebens bestünde darin, so zu leben, dass einem ein Leben nach dem Tod o.Ä. gewährt wird. Diese Vorstellung hat eine sehr traurige Folge: Menschen leben in dem Glauben, ihr irdisches Dasein wäre nur eine Art Vorbereitung oder Vorstufe für etwas Besseres, was noch folgt.

Der eben diskutierte Sinnbegriff bezieht sich – wie zu Beginn geschildert – auf die Frage eines Menschen, nach dem Sinn seines Lebens bezogen auf die Gesamtheit der existenten Dinge. Eine andere, nicht ganz so anmaßende, dennoch wenig sinnvolle Frage wäre (umgangssprachlich ausgedrückt) „Was soll das ganze?“, „Wieso sind Dinge?“ Hier sei wieder darauf hingewiesen, dass ‚Sinn‘ eine menschlichte Vorstellung ist, die in der Natur keinerlei Geltung besitzt. Ein Stein braucht keinen Sinn darin zu sehen, zu Boden zu fallen. Er wir schlicht und ergreifend von der Masse der Erde angezogen.
So befriedigend der Gedanke auch wäre, einen ‚Sinn‘ in der Gesamtheit des Universums zu finden, es wird wohl keinen geben und für den Umgang mit solchen Fragen auf der Ebene und mit den Möglichkeiten unseres Gehirns und Bewusstseins ist die Philosophie zuständig.


Tod
Tod bedeutet: Der unumkehrbar bleibende Zusammenbruch aller biologischen, an die Materie gebundenen, Funktionen. Das schließt natürlich auch das Bewusstsein (welches auf Neuronen in unserem Gehirn basiert) mit ein. Ist ein Mensch tot, so funktioniert sein Körper nicht mehr, folglich kann er auch nicht mehr denken, empfinden oder in sonst einer Weise neuronal/kognitiv agieren. Die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod setzt aber ein Bewusstsein voraus.
Was spräche also noch für ein Leben nach dem Tod?
Die Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, ganz und gar nichtmehr zu sein?
Wohl kaum. Natürlich liegt es außerhalb der Vorstellungskraft unseres Bewusstseins, ‚wie es ist‘ nichts mehr zu empfinden – nicht mehr zu sein. Das ‚Nichtsein‘ ist ja auch kein wirklicher Zustand des Bewusstseins. Es ist eben der Fall, in dem es nicht ist.
Die Beobachtung, dass es mir wohler bei dem Gedanken ist, dass nach dem Tod noch etwas kommt?
Genauso wenig. Diese Vorstellung ist im besten Fall noch dafür gut, dass Menschen glücklich sterben. In Erwartung des ‚ewigen Lebens‘. Und da sie nach ihrem Tod sowieso nichts weiter empfinden werden ist es egal, ob nun etwas nach dem Tod kommt oder nicht.
Problematisch wird es dann nur, wenn das ‚irdische Leben‘ zu einer Art Vorbereitung für das Leben nach dem Tod wird. Gibt es dieses nämlich nicht, so wird das eigentliche Leben nicht als solches empfunden, nicht richtig ausgelebt oder im schlimmsten Fall sogar vergeudet.
Sogenannte ‚Nahtod-Erfahrungen‘?
Auch nicht. Hier finden sich in der Wikipedia drei aussagekräftige Gegenargumente:
1. Die subjektiven geschilderten Eindrücke sind praktisch nicht objektivierbar, somit eher unergiebig für quantitative Forschung.
2. Der Psychologie, Neurologie und Psychiatrie (und anderen Fachgebieten) ist im Laufe ihrer Entwicklung immer bewusster geworden, wie leicht täuschbar das menschliche Gehirn ist und wie subjektiv eingefärbt alles Erleben ist, wobei weiterhin große Uneinigkeit über die Verfasstheit des ‚Bewusstseins‘ besteht.
3. Als Tod gilt in einer naturalistischen Sicht der unumkehrbar bleibende Zusammenbruch aller biologischen, an die Materie gebundenen, Funktionen.
Weitere, ähnlich sinnfreie Gründe, warum jemand von einem Leben nach dem Tod überzeugt sein könnte, fallen mir nicht ein. Da also jeder Hinweis auf etwas nach dem Tod fehlt folgere ich für mich:
Anzunehmen ist, dass ein Mensch nach seinem Tod einfach tot ist. Der Organismus arbeitet nicht, ein Bewusstsein gibt es nicht mehr. Ende.
Eine schreckliche Vorstellung?
Nein. Gerade die Endlichkeit und extreme Unwahrscheinlichkeit (siehe Abschnitt ‚Sinn‘) des Lebens machen es doch gerade zu etwas Besonderem. Der Zustand ‚tot‘ beschrieb uns vor unserer Geburt schon für Millionen und Abermillionen von Jahren. Nur der winzig kleine Abschnitt zwischen Geburt und Tod ist wirklich von Bedeutung für uns – und wir sollten ihn genießen.
Ist es also angebracht das Ende des Lebens, den Tod, zu fürchten?
Keineswegs. Einige weise Sätze zum Thema Tod schreibt Epikur in seinem Brief an Menoikeus:

„Gewöhne dich an den Gedanken, dass der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung.
[…]
Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.“

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Was den Umgang mit dem eigenen Tod angeht ist Furcht absolut unsinnig. Niemand wird es je erfahren tot zu sein. Das ist schon anhand der Definition von ‚tot‘ nicht möglich.
Der ‚soziale Umgang‘ mit dem Tod und der Umgang mit dem Tod Anderer ist eine ganz andere Geschichte. Denn dieser Tod lässt sich sehr wohl erleben. Eine schmerzhafte Angelegenheit, die aber nichts weiter zum Thema der Wahrscheinlichkeit eines Lebens nach dem Tod beiträgt.


Kinder
An dieser Stelle zum ersten, auf eine Methode der Religion fokussierten, Kritikpunkt und zu einer Bewusstseinserweiterung, die ich dem Buch Der Gotteswahn von Richard Dawkins zu verdanken habe. Er schreibt in seinem Buch – und der Gedanke hat mich direkt überzeugt –, dass man doch bitte nicht von christlichen, muslimischen oder sonstwie religiös orientierten Kindern sprechen soll. Es gibt nämlich keine christlichen Kinder. Es gibt nur Kinder christlicher Eltern. Das Kind hat sich nicht für das Christentum entschieden – vielleicht erscheint ihm in späteren Jahren, wenn sein Verstand reifer ist, ja der Buddhismus als richtig, oder der Atheismus. Vielleicht aber doch wirklich das Christentum. Jedenfalls halte ich es für absolut falsch einem unschuldigen Kind eine Weltanschauung als Fakt zu vermitteln. Kinder sollten schon in frühen Jahren gesagt bekommen: „Es gibt Leute, die glauben, dass es so richtig ist, es gibt aber auch welche, die es etwas anders sehen. Wieder andere halten ganz andere Dinge für richtig.“ Ein Glaube sollte seine Anhänger nicht lehren Kinder der Indoktrination religiöser Gedanken zu unterziehen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass es weitaus mehr Menschen mit einem rein naturalistischen Weltbild gäbe, würde es jedem Menschen absolut freigestellt zu entscheiden, welche Weltanschauung ihm als richtig erscheint und würde man erst in einem reifen Alter mit dieser Frage konfrontiert.
Da das Lehren religiöser Gedanken von Kind auf der Entfaltung freier Gedanken hinderlich ist und – so vermute ich jedenfalls – einen großen Teil zur Erhaltung von Religion und ihrem Status beiträgt sehe ich es als äußerst falsche und manipulative Vorgehensweise an.
Auch wenn der Grund ‚es glauben doch so viele andere daran‘ für mich nie von Bedeutung war und es auch nie sein wird – obiger Absatz folglich nichts mit meiner persönlichen Glaubenssituation zu tun hat –, wollte ich die Beobachtung und Überlegung ‚Religion von Kind auf‘ doch erwähnt haben.


Die Wissenschaft
Da ich in meinen Texten ab und an mit Fachbegriffen um mich werfe und natürlich gerne auf die Wissenschaft plädiere, bieten sie eine perfekte Angriffsfläche für ‚Skepsis gegenüber der Wissenschaft‘, weil es ja sowieso so kompliziert klingt und eine vermeintlich einfachere Erklärung zu bevorzugen ist. Daher möchte ich an dieser Stelle das Video Open-mindedness (zu Deutsch: Aufgeschlossenheit) des YouTube-Nutzers QualiaSoup zitieren, das ich übersetzt habe:

„[…] Dann gibt es andere, deren Vorstellung von Aufgeschlossenheit die ist, der unglaubwürdigen Aussage einer jeden zufälligen Person mit einer gespenstischen Geschichte zu glauben. Diese Menschen sind oftmals sehr skeptisch gegenüber der Wissenschaft. Gewisse Bemerkungen können deren ärmliches Verständnis davon, was Wissenschaft ist, schnell enthüllen. Dies resultiert in zwei großen Ironien:
Die eine ist, dass sie genau die skeptische Haltung, die sie an anderen kritisieren, selbst haben. Die andere, dass das, demgegenüber sie skeptisch sind, eine Domäne ist, die Skepsis befürwortet. Anders ausgedrückt: Sie sind skeptisch gegenüber der Skepsis.
[Originaltext: Then there are others, whose idea of open-mindedness is accepting the unreliable testimony of any random person with a spooky story. These people are often also fiercely sceptical of science. Certain comments can quickly reveal their poor understanding of what it is. And this results in two supreme ironies:
One is that they're guilty of exactly the same sceptical attitude they criticize in other people.
The other is of what they're reserving their scepticism for is a domain that emphasizes scepticism. In other words: They're sceptical of scepticism.]“

An einer anderen Stelle im Video wird noch einmal deutlich betont, dass die Wissenschaft auf der Skepsis und dem Hinterfragen aufbaut und darauf gedeiht. Wissenschaft bedeutet, durch Beobachtung und Gedankenleistung mehr über die Wirklichkeit zu erfahren. Und wir dürfen es jeden Tag aufs Neue erleben, dass die Wissenschaft eben das tut: sie setzt sich mit der Wirklichkeit auseinander. Oder ist das Flugzeug, in dem Sie saßen, schon einmal plötzlich durchsichtig geworden? Hat Ihr Auto, nachdem Sie auf das Gaspedal gedrückt haben, jemals zu brennen begonnen? Oder ist es bei Ihnen üblich, dass der Fernseher von Zeit zu Zeit radioaktive Strahlung anstatt des Fernsehbildes ausstrahlt? Ich denke nicht. Es wäre ja auch absurd, denn die Wissenschaft trifft brauchbare Voraussagen über die Realität und fast jeder Mensch vertraut gängigen technischen Apparaten, die wir der Wissenschaft zu verdanken haben, tagtäglich blind. Und trotzdem: Sobald es sich kompliziert anhört und man es nichtmehr aus dem Alltag kennt, werden viele Menschen skeptisch. Seit Einstein wissen wir, dass die Zeit nicht konstant ist, sondern von Gravitationsfeldern beeinflusst wird. Glauben sie nicht? Und doch vertrauen sie unbewusst darauf, wenn sie ein GPS verwenden. Man liest unter Anderem in der Wikipedia:

„Die Zeit, die die Atomuhren auf den GPS-Satelliten anzeigen, unterliegt den Effekten der relativistischen Zeitdilatation. Dabei hängt nach der allgemeinen Relativitätstheorie die Ganggeschwindigkeit einer Uhr vom Ort im Gravitationsfeld ab und nach der speziellen auch von ihrer Geschwindigkeit. Das höhere Gravitationspotenzial in der Satellitenbahn lässt die Zeit schneller vergehen, die Bahnbewegung der Satelliten relativ zu einem ruhenden Beobachter auf der Erde verzögert sie.“

Ich fand es selbst verblüffend, aber bei der Positionsbestimmung durch GPS wird dieser Effekt wirklich berücksichtigt. Es zeigt sich also in der Praxis, dass es stimmt.
Skepsis gegenüber der Wissenschaft ist unangebracht. Wissenschaftler versuchen Tag für Tag unsere Kenntnisse über die Welt zu verbessern, sehen Fehler ein, formulieren Theorien neu und bieten uns damit die beste Grundlage für ein realistisches Weltbild.


Sie selbst sind ein Atheist
…was zum Beispiel Thor angeht, oder Vishnu, Zeus, Eris, Allah, Odin, Re, Apophis, Aton und nicht zuletzt das fliegende Spaghettimonster, das unsichtbare, rosafarbene Einhorn und Russells Teekanne. Wieso glauben sie an keine von diesen ‚Gottheiten‘? Es gibt bei den meisten davon eine heilige Schrift, die ihre Existenz bezeugt! Einige von ihnen haben Millionen von Anhängern und ihre Traditionen sind Jahrtausende alt! Spricht das nicht für sich? Nein?
Na, und was bitte spricht dann noch für den Gott des Christentums?
Er ist der ‚einzige Gott‘ und polytheistische Religionen wären Unsinn? Aufgepasst! Bei Aton spricht man bereits schon von Henotheismus, Allah ist im Islam der einzige Gott, so wie es die Christen mit ihrem Gott auch halten. Und auch der Bahaismus ist eine monotheistische Religion.
Was also spricht für das Christentum und gegen die anderen Religionen?
Oder: Wenn es okay ist, nicht an alle diese anderen Götter oder einen davon zu glauben, wieso sollte es dann nicht okay sein, auch nicht an den Gott der Christenheit zu glauben? Richard Dawkins sagt gerne scherzhaft: „Auch Sie sind Atheist, ich bin nur einen Gott weiter.“
Nachdem wir Europäer die polytheistischen Religionen der Germanen, Römer usw. losgeworden sind war der Monotheismus ‚in‘. Vielleicht erschien es den Menschen doch zu absurd, sich für jede Situation des Lebens eine eigene Gottheit vorzustellen. Nun ich sage Ihnen: Es ist genauso absurd sich nur eine einzige Gottheit vorzustellen. Mag sein, dass die Religionswahl früher mehr oder weniger Zwang war, doch heutzutage steht jedem sein Glauben oder Nichtglauben frei. Und es ist auch nach vollbrachter Indoktrination religiöser Gedanken durch Eltern, Kirche und Gesellschaft von der Kindheit an noch möglich, vernünftig und frei über die Welt nachzudenken. Man braucht seinen eigenen Standpunkt nur auf die Probe zu stellen und zu hinterfragen. Diesen Mut sollte jeder aufbringen können. Auch nicht unwichtig ist dabei eine gewisse Konsequenz im Denken, denn – so habe ich jedenfalls das Gefühl – es nehmen viele ihren Glauben einfach hin ohne auch nur einmal realistisch darüber nachzudenken. Versuchen Sie es einfach mal.


Man muss Gott ‚erleben‘
Man könnte meinen es handle sich hier um ein weiteres ‚Scheinargument‘ vergleichbar mit denen, die ich im Abschnitt ‚Gottes Existenz‘ erwähnt habe. Doch der Ausspruch „Man muss Gott erleben“ ist etwas mehr und bedarf daher einer genaueren Analyse.
Typisch ist dieser Satz für einen Gläubigen, der mit einem Atheisten diskutiert und nach einem Beweis oder wenigstens Hinweisen für Gottes Existenz gefragt wird. Spätestens in dem Moment, in dem der Atheist eine Definition der Begriffs ‚Gott‘ verlangt, kann er damit rechnen, dass ihm entgegnet wird, man könne Gott nicht definieren. Es wäre auch nicht möglich ihn wissenschaftlich zu erfassen oder zu beweisen, man muss ihn erleben.
Nun, damit schließt der Gläubige ‚Gott‘ in eine Truhe mit der Aufschrift ‚subjektiv‘ ein. Folglich ist er immun gegen jede Art von objektiver Beobachtung und – was oft nicht bedacht wird – es hat von diesem Punkt an nicht den geringsten Wert in diese Richtung weiter zu diskutieren. Denn: Der Atheist hat keine direkte Einsicht in die Erfahrungswelt und die Empfindungen des Gläubigen. Das Einzige, was einem hier übrig bleibt, um die Diskussion auf vor dem Stammtischniveau zu bewahren, ist, den Gläubigen über die menschliche Wahrnehmung und subjektive Erlebnisse aufzuklären, beziehungsweise ihn an deren Ungenauigkeit und Manipulierbarkeit zu erinnern.
Was der Mensch ‚wahrnimmt‘ (und fälschlicherweise wird das von vielen Menschen direkt für wahr genommen), sind Impulse seiner Sinnesorgane, die vom Gehirn interpretiert werden. So heißt es im Film Matrix sehr richtig und zum Nachdenken verleitend:

„Hattest du schon mal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien? Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst... Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?“ „Was ist die Wirklichkeit? Wie definiert man das... Realität? Wenn du darunter verstehst, was du fühlst, was du riechen, schmecken oder sehen kannst, ist die Wirklichkeit nichts weiter als elektrische Signale interpretiert von deinem Verstand.“

Welche Aussagekraft hat also ein subjektives Erlebnis? Wie ‚richtig‘ sind Halluzinationen, die für uns aussehen, als wären sie real? Was wir ‚sehen‘ hat in Streitfragen und fragwürdigen Angelegenheiten keinerlei Wert. Hinzu kommt noch, dass wir dazu neigen, dass zu sehen, was wir sehen wollen oder ungenau Wahrgenommenes gerne so interpretieren, wie es uns gerade in den Kram passt.
Ein Mensch, der sich in der Dunkelheit fürchtet und nachts allein durch einen Wald geht, der wird Geräusche hören und Bewegungen wahrnehmen, die einzig und allein durch seine Angst in seinem Kopf entstehen. Vergleichbar wahrscheinlich wird es sein, dass ein gläubiger Mensch, der wirklich von seinen Vorstellungen überzeugt ist, irgendwann – vielleicht sogar im Traum was dann ja sogar noch weniger Aussagekraft hätte – Gott begegnet. Sei es Wunschdenken oder eine ersehnte Bestätigung, weil Zweifel an seinem Glauben aufkamen. Es ist jedenfalls nichts, was in einer Diskussion über Gott etwas zu suchen hätte.


Die Wissenschaft beantwortet das ‚Wie‘, die Religion das ‚Warum‘
Die Wissenschaft gibt Antwort auf Fragen, wie sich die Welt in der wir leben verhält. Richtig. Gibt aber die Religion Antworten auf die Frage(n) nach dem Warum?
Es scheint so. Ehrlich gesagt fand ich diesen Gedanken, als ich ihn zum ersten Mal hörte, verblüffend gut und auch zufriedenstellend. Die Wissenschaft war von der Religion abgegrenzt, jeder hatte seinen Bereich, es gab keine Schnittmenge und religiöse Menschen konnten, wenn sie eben wollten, Antworten auf das ‚Warum‘ finden. Doch halt! Erinnern wir uns an den Abschnitt über einen allgemein gegebenen Sinn. Hier haben wir erkannt, dass ein allgemein gegebener Sinn – ein ‚Warum‘ – ein absurder Gedanke ist. Die Frage nach dem Warum ist eine unsinnige Frage, da ‚Sinn‘ auf unserem Bewusstsein beruht welches unserem Wirbeltiergehirn zugrunde liegt. Außerdem stellt sich die Frage (wir treffen schonwieder auf eine Anmaßung astronomischen Ausmaßes), wieso die Religion brauchbare Antworten auf das ‚Warum‘ liefern sollte. Woher kann sie das? Die Wissenschaft agiert mit Beobachtung, Verstand und Logik. Daher kann sie Antworten auf das ‚Wie‘ geben. Die Religion… ja, die Religion hat Spaß daran Dogmen in die Welt zu setzen und nachdem sie die Deutungsherrschaft in der Frage des physischen Weltbildes verloren hatte brauchte sie einen neuen Bereich in dem sie wüten konnte. Glücklicherweise fand sich einer, der eigentlich gar keiner Deutungen bedarf – der Frage nach dem Sinn des Lebens. Und da kaum einer bemerkte, dass es hier nie eine Antwort zu finden gab und viele Menschen zudem glücklich damit waren, einen Sinn vorgelegt zu bekommen, störte die Aussage „die Religion beantwortet das ‚Warum‘“ niemanden.
Im Endeffekt braucht es aber nur die Antwort auf folgende ‚Warum‘-Frage:
„Warum ist die Frage nach dem ‚Warum‘ eine dumme Frage?“ Die Antwort finden Sie im obigen Text.



Schlusswort
Rekapitulieren wir:
Gibt es Gott, Götter oder Übernatürliches?
-Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.
Brauchen wir Religion um unsere Moral darauf zu begründen?
-Nein.
Benötigt das Leben einen übergeordneten Sinn?
-Nein.

Anhand dieser drei Erkenntnisse lässt sich bereits unschwer erkennen, warum ich mich klar gegen jede Religion entscheide. Erstens braucht es keine Religion und zweitens ist sie das genaue Gegenteil von dem, was ich als eine realistische Sicht auf unsere Welt bezeichne.

Früher war Religion dazu da, die unerklärlichen Phänomene der Welt zu erklären.
Da die Wissenschaft dies heutzutage viel besser bewerkstelligt, versteckt sich die Religion in den Ecken, in welchen es entweder nichts zu erklären gibt, oder aber in denen, die nicht erforscht werden können. Hier lassen sich dann nur noch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit religiöser Vorhersagen treffen und die ist für gewöhnlich verschwindend gering.


Ich für meinen Teil freue mich darüber, dass die Verkettung einiger unglaublicher Zufälle die Folge etlicher natürlicher Prozesse ermöglichte, welche schlussendlich in – unter Anderem – meinem Leben resultierten. Und so bin ich mit einer vollkommen realistischen Weltanschauung…

…gottlos glücklich.

(Is jetzt halt ohne Formatierung, da ich den Text einfach kopiert habe. Aber wenn Ihr dagegen argumentieren wollt könnt ihr das gerne machen.)
Zuletzt geändert: 14.12.2009 23:26:12

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