Zum Inhalt der Seite
[English version English version]

Desaster

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

An dieser Stelle muss ich mal eine Warnung aussprechen. Es ist nicht dramatisch und jeder der Avengers gesehen hat, weiß davon.

Aber dennoch, da das vielleicht für den einen oder anderen ein sensibles Thema ist: in diesem Kapitel wird der Suizidversuch von Bruce angesprochen. Ihr seid hiermit gewarnt.
 


 

„Okay, Jarvis hat mir die Pläne vorgelegt.“, bestätigte Tony und ließ War Machines Pläne an der Arbeitsstation holographisch vor sich erscheinen. Schnell schob er den Plan auseinander um die kritische Stelle zu betrachten. „Was ist passiert?“, fragte er, während er den Bauplan betrachtete und per Ferndiagnose War Machines Systeme checkte.

„Die haben mich bei einem Erkundungsflug vom Himmel geholt. Ich habe sie wohl etwas unterschätzt.“, erklang Rhodeys genervte Stimme aus den Lautsprechern im Raum.

„Bist du in Ordnung?“, mischte Pepper sich ein. Tony warf ihr einen Blick zu. Sie war mit ihm und Bruce zusammen in den Workshop gekommen, nachdem sie ihre Movie Night abgebrochen hatten und Natascha Clint mit sich zurück in sein Appartement gezogen hatte. Während sie angefangen hatten sich um etwaige Reparaturen und Projekte zu kümmern, hatte sie an ihrem Laptop gearbeitet. Inzwischen saß auch sie mit ihrem dritten Kaffee an den langweiligen Unterlagen und bereitete die nächst Konferenz vor. Bruce war schon vor 4 Stunden wieder gegangen. Und auch sie beide hatten vorgehabt sich demnächst zurückzuziehen, als Rhodey sich gemeldet hatte, weil sein Anzug eine Fehlfunktion anzeigte, die ihn offenbar daran hinderte in seiner momentanen Lage zurechtzukommen.

„Ja. Der Anzug hat alles abgefangen, aber offenbar ist dabei etwas kaputt gegangen.“, antwortete er.

„Du liegst unterhalb des Meeresspiegels.“, kommentierte Tony dann und führte eine kurze Diagnose der Lebenserhaltungssysteme durch. Sie funktionierten einwandfrei. Sauerstoff, Wasser und Temperatur waren kein Problem. Und War Machine hielt dem Wasserdruck in dieser tiefe problemlos stand. Also kein Grund zur Panik. Sein Freund würde Tage unter diesen Bedingungen überleben können. „Die Sensoren funktionieren an einigen Stellen nicht richtig und geben widersprüchliche Signale. Und der Anzug lässt dich im Wasser natürlich nicht aussteigen. Wie gefährlich ist das Gebiet in dem du dich befindest?“

„Ungemütlich. Aber die Waffensysteme funktionieren noch.“, antwortete Rhodey.

„Okay. Ich schicke einen meiner fernsteuerbaren Anzüge, der dich rausholt und zurückbringt. Sag deinen Leuten Bescheid, sie sollen ihn nicht abschießen.“ Damit zeigte er auf einen der Iron Man Anzüge, die in seinem Workshop untergebracht waren und Jarvis löste die Halterung davon ab. Der Anzug schritt von alleine zur Fensterfront, die sich öffnete und ihn hinausfliegen ließ.

„Alles klar. Danke, Tony.“

„Für dich doch immer, Honey Bear.“

„Wie läuft es bei euch?“, fragte Rhodey in einem Plauderton.

„Die Wonder Twins sind vorhin wiedergekommen.“, seufzte Tony. Es war ein ziemliches Desaster gewesen. Er erzählte Rhodey was passiert war und dass sie den beiden SHIELD Agenten zum Schluss erklärt hatten, was sich zugetragen hatte, während sie weg gewesen waren. Absichtlich hatte keiner von ihnen erwähnt, dass Loki ihm schon mal ein blaues Auge verpasst hatte und Steve schien es auch nicht für nötig gehalten zu haben zu erwähnen, dass er jetzt ein Teil von Lokis Schlafroutine war. Es war besser, wenn Clint sich erst mit seiner Anwesenheit anfreundete, bevor sie ihm solche Infos gaben. Zum Glück schien Natascha das deutlich gelassener zu nehmen. Denn er war sich nicht sicher, was alles passieren könnte, wenn die beiden sich verbünden und gemeinsame Sache gegen sie machen würden.

„Steve und Loki schlafen zusammen?“, fragte Rhodey mit ungläubigem Ton am Ende der Erklärung.

„Wirklich? Ich erzähle dir, dass Clint am Ausrasten ist und das ist die essentielle Information die du daraus ziehst?“

„Nun, ich kann verstehen, wie Clint diese Information nur bestätigen würde, dass Gehirnwäsche im Spiel ist.“, lachte Rhodey amüsiert.

„Nur weil du noch nie eine seiner Panikattacken gesehen hast.“, antwortete der Milliardär. Tony war sich ziemlich sicher, dass nicht nur er deutlich mehr tun würde, bloß damit das aufhörte.

„James.“, schaltete sich Pepper dann wieder in das Gespräch mit ein. „Du bist nächste Woche wieder in den Staaten. Wieso kommst du nicht zum Essen vorbei.“, änderte sie offensichtlich das Thema.

„Darf ich dann auch Fragen stellen, die unangenehm sind?“

„Wieso machen wir das nicht von der Stimmung abhängig?“, schlug Pepper vor.

„Es tut mir leid, das Gespräch zu stören, Sir. Ich muss Sie jedoch auf eine Situation in Lokis Quartier aufmerksam machen.“, mischte Jarvis sich ein. Tony spürte sich sofort anspannen. Peppers Gesicht drückte sofort eine gewisse Sorge aus. Eine Situation im Zusammenhang mit Loki war nie gut. „Agent Barton ist in das Quartier eingedrungen. Agent Romanoff und Captain Rogers wurden von ihm außer Gefecht gesetzt.“

„Ich schätze, ich hätte mir doch mehr Gedanken um Clint machen sollen.“, kommentierte Rhodey. „Erzählt mir was dabei rausgekommen ist. Ich hänge hier noch eine Weile fest.“

Ohne ein weiteres Wort liefen Tony und Pepper zum Fahrstuhl.

„Was ist passiert?“, wollte der Milliardär wissen.

„Agent Barton scheint den Eindruck zu haben falsche Erinnerungen zu besitzen. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass er soeben auf Mr. Odinson geschossen hat.“

„Verdammt!“, rief Tony wütend und schlug gegen die Kabinenwand. Ein Pfeil würde Loki nicht umbringen. Aber es nützte nicht wirklich der Atmosphäre.

Als sie zusammen den Gang entlangliefen, sahen sie Natascha bereits in der Tür am Boden liegen.

„Was…!?“, rief Tony aus, als sein Blick ins Innere des Zimmers frei wurde. Pepper kniete sich zu ihrer bewusstlosen Freundin hinunter. Steve, ebenfalls ohnmächtig, saß neben der Tür gegen die Wand gelehnt. Zwei Meter weiter stand Clint mit gespanntem Bogen. Der angelegte Pfeil war direkt auf Loki gerichtet, während der Asgardier schon fast am anderen Ende des Zimmers am Boden hockte. Drei Pfeile ragten aus seinem Oberkörper. Eine Blutlache hatte sich unter ihm gebildet, während er hustete und offensichtlich nicht mehr ganz Herr seiner Bewegungen war. Er zitterte und zuckte unkontrolliert. War das ein leises Lachen, das er da hören konnte?

Ohne weiter zu zögern, sprang Tony über Natascha hinweg und stellte sich direkt zwischen Loki und Clint. Was war hier nur los? Ihr Scharfschütze fixierte ihn und Tony fühlte seine Nackenhaare sich aufstellen. Hier lief etwas ganz gewaltig schief. Clint war nicht in Ordnung! Die Wut, der Hass, gepaart mit Verzweiflung und Verwirrung. Angst?

Offensichtlich hatte Tony die Explosivität der Situation deutlich unterschätzt. Er war gerade im Begriff ihn anzusprechen, als Pepper an ihm vorbei und auf Loki zuschritt, während sie Jarvis anwies Bruce aufzuwecken und zu ihnen zu schicken.

Augenblicklich steckte der Scharfschütze seine Waffe weg, schob ihn beiseite, als wäre er überhaupt kein Hindernis und versperrte Pepper den Zugang zu Loki. Verzweifelt blieb sie stehen und sah bittend zu ihm hoch, während ihr Blick immer wieder zu Loki huschte, der sich offensichtlich quälte. Er konnte sein Gesicht nicht sehen. Als er anfing zu husten und der Raum einen Augenblick nur von dem blubbernden Geräusch seiner sich mit Blut füllenden Lunge erfüllt war, wurde Tony schlecht. Sie mussten diese Pfeile rausholen und die Wunden versorgen!

„Clint!“, schrie er also den anderen Avenger warnend an als er zu Pepper trat. Sie mussten etwas tun! Sofort! Und es sträubte sich alles in ihm tatsächlich Gewalt gegen den Scharfschützen anzuwenden. Er machte sich Sorgen um ihn.

„Die Pfeile sind giftig.“, sagte er schließlich mit gebrochener Stimme und fixierte Tony mit diesem seltsam emotionalen Blick. Sofort zog Tony seine Freundin an sich und genau in dem Moment konnten sie beide sehen, wie Loki aus seiner knienden Haltung zur Seite umkippte und bewegungslos liegenblieb. Pepper schlug die Hände vor den Mund, als die ersten Tränen über ihre Wangen liefen.

„Geh mir aus dem Weg!“, befahl Tony nun wütend. Er wusste nicht was er tun sollte. Clint würde ihn mit Leichtigkeit von Loki fernhalten können, wenn sie es auf einen Kampf hinauslaufen lassen würden. Wenn er Gewalt anwenden müssen würde, brauchte er seinen Anzug. Doch dieser gehetzte, verwirrte Ausdruck in dem Gesicht seines Freundes hielt ihn davon ab drauf zurückzugreifen.

„Was ist denn nur hier los?“, durchbrach Bruces Stimme hinter ihm die aufgeladene Stimmung.

„Birdbrain schießt mit Giftpfeilen auf meinen Gast.“, fasste Tony die Situation knapp zusammen. Er wusste, was auch immer hier geschehen war, war viel komplizierter als das.

Ohne Anstalten, ließ Clint den Wissenschaftler an sich vorbeilaufen und trat dann zur Seite. Einen kurzen Augenblick sahen sie sich beide an.

„Clint?“, sprach Pepper ihn mit besorgter Stimme an. Doch der schien sie gar nicht zu hören, schien seine Umgebung kaum wahrzunehmen, griff sich an den Kopf und drehte sich dann zur Tür, wo er Natascha aufsammelte und aus der Tür verschwand.

Völlig verwirrt und verängstigt sah Pepper Tony an. Sie verstand gar nichts. Als sie sich am Abend getrennt hatten, war ihr Scharfschütze zwar nicht begeistert von der Situation gewesen, aber dennoch nicht dermaßen unkontrolliert. Leider verstand er selbst nicht mehr. Für einen Moment wusste er nicht, ob er nicht lieber Clint hinterherlaufen sollte.

„Bruce?“, fragte er dann und wurde von dem Wissenschaftler näher gewinkt.

„Drück das hier ab.“, wies er ihn an. Tony kniete sich neben den bewusstlosen Loki. Bruce hatte einen der Pfeile herausgezogen und neben ihn gelegt. Auf eben diese Wunde übte Tony nun Druck aus. Der Pfeil auf dem Boden war einer von denen, die Tony für Hawkeye hergestellt hatte. Der Schaft war ausgehöhlt und konnte mit Gas oder Flüssigkeit gefüllt werden, die bei Aufprall hinausgedrückt wurde, wenn sie mit der entsprechenden Ladung zusammengebaut waren. Pepper kniete sich neben ihn und drückte die zweite Wunde ab.

„Hat jemand Lust mir zu erklären, was hier passiert ist?“, fragte Bruce, als er sich an den dritten Pfeil machte.

„Würde ich, wenn ich es wüsste.“, antwortete Tony.

Der Wissenschaftler sah kurz hoch und ihn an, als wolle er überprüfen, ob Tony ihm auch wirklich die Wahrheit sagte. Er schien nichts Widersprüchliches zu finden, denn er senkte seine Aufmerksamkeit wieder nach unten.

Hinter sich konnten sie ein unzufriedenes Brummen von Steve hören, der offenbar dabei war wieder zu sich zu kommen. Nur wenige Sekunden später, war der Soldat mit taumelnden Schritten zu ihnen gewankt und bekam eine kurze Zusammenfassung der Situation.

Es dauerte nicht lange bis die Wunden aufhörten zu bluten. Sie mussten Loki ein paar Mal zur Seite drehen, damit der den Rest an Blut aus seinen Lungen aushusten konnte, bevor das blubbernde Geräusch bei jedem Atemzug verschwand.

„Jarvis, Clint hat ab sofort keinen Zugang mehr zu der gesamten Etage. Oder zu Steves, wenn sie dort sind.“, wies Tony seine KI an, die den Befehl bestätigte und ihn auf weitere Nachfrage darüber informierte, dass der Scharfschütze sich mit seiner noch bewusstlosen Partnerin in seinem eigenen Quartier aufhielt.

Bruce schnitt Lokis Shirt auf, um die Wunden zu säubern und einen Verband anzulegen. Als der Blick auf den vernarbten Torso frei wurde, biss Tony die Zähne zusammen. Er wusste, was unter der Kleidung war. Das machte den Anblick nicht angenehmer. Und warum war der Asgardier noch immer dermaßen dünn? Das fiel mit der Kleidung sonst gar nicht mehr auf.

Neben sich sah er Pepper versuchen sich die Tränen aus den Augen zu wischen und dabei das Blut an ihren Händen in ihrem Gesicht verteilen. Etwas überrascht sah sie ihre Hände an. Bevor sie wieder in Tränen ausbrechen konnte, griff Tony nach ihren Händen und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich.

„Geht euch sauber machen.“, meldete Steve sich zu Wort. „Ich helfe Bruce.“

Dankbar nickend stand Tony auf und zog seine Freundin mit sich auf die Füße. „Komm schon, Pep.“, murmelte er ihr leise zu und führte sie dann ins Badezimmer, wo er sie auf den Badewannenrand setzte, eines der Handtücher nass machte, sich vor sie kniete und anfing ihr das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Ihre Hände zitterten leicht.

„Er wird nicht sterben, oder?“, fragte sie zwischendrin und sah Tony direkt in die Augen. Obwohl sie sichtlich schockiert war, schien sie nicht den Bezug zur Realität zu verlieren. Sie würde einen Moment brauchen, aber das Ereignis würde sie nicht aus der Bahn werfen. Pepper war schon immer äußerst willensstark gewesen.

„Nein.“, stimmte Tony ihr zu. Ein paar Pfeile und Gift waren deutlich kaum der Rede wert, wenn er daran zurückdachte, was für Videos und OP Berichte er in letzter Zeit gelesen und gesehen hatte.

„Wir müssen wohl duschen.“, sprach sie dann ihre blutbesudelte Kleidung an. Sie hatten beide in Lokis Blut gekniet. Dementsprechend sahen sie auch aus. Nickend lehnte sich Tony vor und platzierte einen Kuss auf ihren Lippen. Automatisch wollte sie ihre Hände an sein Gesicht legen, stoppte sich aber noch und lächelte ihn nur an. Dann wuschen sie sich ihre Hände und als sie wieder hinaus in den Wohnbereich gingen, hatte Bruce Loki bereits verbunden und Steve hob ihn auf seine Arme.

„Ich nehme ihn mit zu mir.“, sagte er.

„Ich sehe zu, dass das Zimmer wieder sauber wird.“, antwortete Tony mit einem Blick auf die Blutlache. „Brauchst du Hilfe?“

„Nein.“

„Okay. Lass uns morgen weitersehen.“ Dann sah der Milliardär nach oben. „Ist Natascha wieder wach?“

„Agent Romanoff ist vor 15 Minuten erwacht.“, bestätigte Jarvis.

„Gut. Dann wird sie sich um ihn kümmern.“, kommentierte Tony. Er wäre zu gerne dabei und würde belauschen, was Clint für eine Erklärung abgab. Er würde doch eine Erklärung haben, oder? Man wachte nicht einfach mitten in der Nacht auf und ging einem plötzlichen Blutdurst nach.
 

Tony wachte recht früh aus seinen unruhigen Träumen wieder auf. Pepper war nicht da, aber er hörte etwas hinter der offenen Badezimmertür. Immer noch müde, ging er dem viel größeren Verlangen nach, seine Freundin zu sehen. Also rollte er sich aus dem Bett und war nur drei Schritte später an der Tür zum Bad, die er sachte aufstieß.

Mit einem Lächeln auf den Lippen wandte Pepper sich ihm zu. Sie hatte sich bereits angekleidet. Da sie heute keine Termine hatte, trug sie ihre Hauskleidung, die in diesem Fall aus kurzen Hosen und einem kurzärmligen Shirt bestand. Sie legte die Bürste zurück an ihren Platz und begrüßte Tony mit einem Kuss. „Komm schon. Lass uns nach Steve sehen.“, sagte sie. „Loki ist noch nicht wieder aufgewacht.“, fügte sie hinzu und verließ das Bad wieder. Tony brauchte nur zwei Minuten. Er sah keinen Sinn darin sich umzuziehen und verblieb in dem T-Shirt und der Trainingshose, die er auch über Nacht getragen hatte.

Bald darauf betraten sie das Appartement des Soldaten und gingen direkt zum Schlafzimmer. Bruce war bereits anwesend und saß auf einem Stuhl am Bett, während Steve aufrecht im Bett saß, Loki neben sich liegend. Ohne zu zögern kletterte Pepper aufs Bett und lehnte sich gegen die Wand am Kopfende, nachdem sie den Asgardier kurz gemustert hatte.

„Wie sieht´s aus?“, fragte Tony und setzte sich im Schneidersitz aufs Bett, ebenfalls den Bewusstlosen prüfend betrachtend.

„Die Wunden sehen gut aus. Sein Rücken ist übrigens fast verheilt.“, fasste Bruce zusammen. Steve hatte vor einiger Zeit bereits verlauten lassen, dass die riesige Wunde auf dem Rücken zumindest definitiv nicht mehr entzündet war. Dass sie nun fast weg war, war eine enorm gute Nachricht. „Es hat vorhin kurz ausgesehen als würde er aufwachen. Wir rechnen jetzt jeden Moment damit.“

„Bruce hat heute früh mit Natascha gesprochen.“, informierte sie Steve dann und Tony sowie Pepper richteten ihre volle Aufmerksamkeit wieder auf den Wissenschaftler.

Seufzend fuhr dieser sich durch die Haare. „Clint hat sich wieder an einiges erinnert, was er getan. Während der Invasion. Das hat ihn so die Fassung verlieren lassen. Sie sind zusammen zu Coulson. Offenbar kann man jetzt ein paar Morde und Entführungen aufklären.“

Betroffen blickt Pepper bei dieser Nachricht nach unten. Tony fühlte sich leicht überfahren. Dann war tatsächlich etwas passiert. Etwas das keiner von ihnen kommen gesehen hatte. Hatte Loki es geahnt? Hatte er vielleicht sogar etwas damit zu tun? Immerhin hatte ihr Scharfschütze sich so lange nur löchrig an seine Zeit als Zombie erinnert und jetzt wo der Außerirdische hier war, waren die Erinnerungen zurückgekommen. Das war doch kein Zufall.

Schweigend saßen sie eine Weile zusammen. Jeder von ihnen schien sich mit der Situation zunächst arrangieren zu müssen. Erst als Loki sich bemerkbar machte, kehrten alle sofort wieder zurück ins Hier und Jetzt. Unzufrieden grummelnd, drehte er seinen Kopf auf die andere Seite, seine Augenlider flackerten und dann öffnete er langsam die Augen. Er war im ersten Augenblick deutlich verwirrt. Sein Blick fiel auf jeden Anwesenden nacheinander.

„Hey Lokes.“, begrüßte Tony ihn grinsend. Er spürte wie ein Knoten in seiner Magengegend sich löste als sein Gast ihn ansah. „Keine Sorge. Keine schießwütigen Spatzenhirne anwesend.“, scherzte er. Als er den üblichen abschätzigen Blick von Loki bekam, löste sich noch einmal eine Lawine der Erleichterung in ihm. Alles war gut.

„Was ist… passiert?“, fragte der Asgardier zögerlich. Er schien mit seiner Sprache Probleme zu haben und als er versuchte sich aufzusetzen, war eindeutig, dass seine Koordination auch zu wünschen übrigließ. Es erinnerte Tony stark an die ersten paar Tage in denen er beim Sprechen und für jede Bewegung auch länger gebraucht hatte.

Steve rückte näher an Loki heran und half ihm sich hinzusetzen. Er wirkte besorgt, aber das konnte Tony ihm kaum verübeln. Jeder von ihnen war besorgt. Der Außerirdische duldete die Hilfe, kommentierte sie aber nicht.

Bruce ergriff schließlich wieder das Wort und erzählte erneut von den Geschehnissen. Er ließ es sachlich klingen. Über Nacht hatte er das Toxin analysiert, das in den Pfeilen gesteckt hatte. Clint hatte sich irgendwie Botulinumtoxin besorgt. Das was auch das Militär genutzt hatte, um den Außerirdischen ruhigzustellen. Das muss also alles schon bereit gewesen sein, als er nach der Mission den Tower betreten hatte.

„Ich verstehe.“, war Lokis einziger Kommentar.

„An was erinnert Clint sich da? Was hast du ihn machen lassen?“, fragte Tony ihn.

„Ich weiß es nicht. Ich ließ ihm freie Hand bei der Ausführung. Er sollte Dr. Selvig bei der Apparatur helfen und zusehen, dass wir nicht entdeckt wurden. Seine Methoden waren mir egal.“, erklärte Loki langsam und mit deutlicher Mühe seine Stimme stabil zu halten. Stille breitete sich aus. Es war das erste Mal, das Loki sich überhaupt zu diesem Thema äußerte. Es war unangenehm.

„Nun, keine Sorge. Clint ist von der gesamten Etage ausgesperrt und Stevie hier-“, er tippte mit der flachen Hand gegen die Schulter seines Freundes „- weiß für das nächste Mal auch bescheid und wird die Situation sicher nicht erneut unterschätzen.“ Tony wusste, dass die Aussage sich tief in Steves Schuldgefühl festbiss. Es war unfair. Keiner von ihnen hatte Clint das zugetraut. Es änderte jedoch nichts daran, dass der Milliardär wütend war, dass es passiert war. Er konnte sehen, wie der Soldat die Zähne zusammenbiss und den Blick beschämt senkte. Er wollte noch etwas sagen, um seine Aussage wieder abzuschwächen, doch er wurde von Lokis Lachen abgelenkt. Alle Anwesenden starrten den Asgardier an, als dieser deutlich amüsiert zu sein schien.

„Okay, den Witz habe ich nicht verstanden.“, äußerte Tony sich. Es dauerte noch einen Moment bis sein Gast aufhörte und den Blick auf Tony richtete. Ein Grinsen war noch immer auf den blassen Lippen zu erkennen, aber der Ausdruck in seinen Augen war voller Schmerz. Tony spürte wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete.

„Es ist ziemlich amüsant, dass euch daran liegt mich vor eurem Teammitglied und Freund zu beschützen.“

„Warum ist das amüsant?“, fragte Bruce irritiert.

„Immerhin hat er dich angegriffen.“, stimmte Tony zu.

„Wären unsere Rollen vertauscht, hätte ich alles darangesetzt, dass er nie wieder aufsteht. Er wollte mir einen vierten Pfeil in den Kopf schießen. Und hat es nicht getan.“, antwortete Loki mit soviel Hass und Abscheu in seiner Stimme, dass es Tony kalt den Rücken herunterlief. Bevor er wieder fähig war etwas zu tun, war Pepper an den Asgardier herangerückt, schlang ihre Arme um seinen Oberkörper und legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab.

„Wir wissen, dass das alles nicht deine Absicht war.“, versicherte sie ihm. Diesmal war es Loki, der erstarrte und auf den rotblonden Schopf an seiner Schulter hinuntersah. Es schien ihm die Sprache zu verschlagen. Sein Blick wanderte unsicher von einem Anwesenden zum anderen und dann war da ein kurzer Moment in dem Tony glaubte, Loki würde endlich etwas zu den Geschehnissen sagen. Ein kurzer Augenblick, in dem er den Mund bereits öffnete, Unsicherheit, Schmerz und so viel mehr Emotionen in den Augen waren für Jedermann lesbar. Doch dann klappte er den Mund nur wieder zu und richtete seinen Blick nach unten.

„Ihr wisst gar nichts.“, murmelte er nur und krallte seine zitternden Hände in die Bettdecke vor sich.

„Wieso erklärst du es uns dann nicht endlich und lässt uns dann selbst entscheiden?“, schlug Steve vor. Anstelle einer Antwort, fing Loki wieder an zu lachen. Doch diesmal klang es nicht amüsiert. Es war das Lachen eines Verzweifelten an der Grenze zum Wahnsinn. Eine Grenze, mit der Loki bereits öfters konfrontiert gewesen war, die er bereits oft genug überschritten hatte. Bei der man nie so genau wusste, auf welcher Seite davon er sich wirklich befand.

Steve schien instinktiv näher an ihn heranzurücken und Pepper dachte offenbar nicht einmal daran ihn wieder loszulassen, sondern drückte sich nur noch enger an ihn. Und auch Tony fühlte sich sehr unangenehm an die Panikattacken erinnert. Also fing er an wieder Unsinn zu reden. Er griff das Thema von gestern auf, als Rhodey es geschafft hatte sich unter dem Meeresspiegel festzusetzen. Wenn man es von außen betrachtete, war es schon ein wirklich blöder Zufall, dass das so zustande gekommen war. Je mehr Blödsinn er von sich gab, desto ruhiger wurde der Asgardier. Nach einiger Zeit, lehnte er sich sogar gegen Steve, der einen Arm um ihn legte. Seine Finger lösten sich aus dem Stoff der Bettdecke und er zog sie in seltsam eckigen Bewegungen an sich, verschränkte die Arme vor dem Bauch und umfasste Peppers dort liegenden Arm. Sie quittierte das nur mit einem Lächeln, ohne aufzusehen. Es dauerte noch ein paar Minuten, bis der abwesende Blick verschwand und Loki wieder ansprechbar zu sein schien. Etwas ängstlich wanderte sein Blick hoch und zu Tony.

„Okay, okay. Nur kein Druck.“, kommentierte dieser das und hob abwehrend die Hände. Die Neugier brachte ihn fast um. Aber es brachte nichts, wenn es seinen Gast so sehr in Panik versetzte. Es wurde besser. Langsam. Aber er war sich sicher, irgendwann würde Loki ihnen erklären was passiert war. Irgendwann. „Warum sehen wir unseren Film nicht einfach zu Ende. Bruce, hilf mir Mal. Wir brauchen was zu Essen und zu trinken.“, beschloss er. Angesprochener folgte ihm aus dem Raum heraus und sie suchten in der Gemeinschaftsküche zusammen, was sie in Steves Küchennische nicht finden würden.

„Tony.“, sprach Bruce ihn an, als sie Chips und Popcorn aus den Regalen räumten. Er sah ihn nicht an, aber Tony wusste sofort, dass das kein lustiges Gespräch werden würde.

„Hm?“, machte er nur und warf alles, was er gefunden hatte auf den Tresen. Als der Wissenschaftler auch wieder hervorkam und seine Ausbeute dazulegte, sahen sie sich einen Moment in die Augen. Tony stellten sich die Nackenhaare auf. Wollte er überhaupt hören, was sein Freund ihm da anscheinend sagen wollte? Er schien selbst zu hadern.

„Ich…“, fing er an, unterbrach sich aber wieder. Es war ihm offensichtlich unangenehm. „Erinnerst du dich, als ich erzählt habe, wie der Andere die Kugel wieder ausgespuckt hat, mit der ich alles beenden wollte?“

Tonys gesamter Körper spannte sich an. Wie könnte er das vergessen? Es hatte ihn schockiert. Und da hatten sie sich gerade erst kennengelernt. Genauso wie jeden anderen Anwesenden, der es gehört hatte. Beschämt sah Bruce zu Boden. Auch wenn er nichts gesagt hatte, seine Reaktion war dem Wissenschaftler nicht entgangen. Er schien noch einmal zu überlegen, bevor er weitersprach.

„Wir sollten Loki keine Möglichkeiten bieten es zu beenden.“, sagte er dann und fuhr sich durch die Haare. „Du musst im Workshop aufpassen, was er in die Hände bekommt.“

„Was… meinst du?“, wollte Tony wissen. Seine Kehle war wie ausgedörrt. Er konnte sowas nicht.

„Du hast ihn gesehen und gehört, Tony. Wir wissen, dass er nicht gesund ist. Auch wenn er inzwischen meistens so wirkt. Ich denke, wenn sich ihm eine Möglichkeit bieten würde in der Stimmung, in der er gerade war, würde er sie ergreifen.“, erklärte Bruce. „Ich denke, bei ihm ist deutlich mehr nicht in Ordnung, als wir bisher gedacht haben.“

Tony starrte ihn an. War das jetzt sein Ernst? Sicher, für jemanden wie Loki war es schwieriger sich umzubringen als für einen Menschen, aber er hatte Sleipnir gehabt. Er hatte es beenden können, wenn er es gewollt hätte. Oder hatte er ihm nicht nur den Dolch gegeben, damit sie eine Möglichkeit hatten sich gegen ihn zu wehren, sondern auch damit er selbst nicht auf dumme Gedanken kam?

Tony schluckte. Wie um alles in der Welt konnte es denn noch schlimmer sein, als sie alle dachten? Zumindest er und Bruce waren sich ziemlich einig darüber, was ihm alles passiert sein könnte. Thor hatte ihnen erzählt, was auf Asgard passiert war, danach diese Zeit von der keiner wusste, wo er war und was mit ihm geschehen ist. Das einzige, was sie davon wussten, ist dass sein Oberkörper komplett vernarbt war und er ziemlich deutlich irre versucht hat die Weltherrschaft an sich zu reißen. Direkt danach hatte ihn SHIELD eineinhalb Jahre gehabt. Und da gab es keine Lücken. Das war ziemlich gut dokumentiert. Allerdings musste Tony zugeben, dass schon das jeden normalen Menschen vermutlich über den Rand des Erträglichen hinwegschleudern würde. Wieviel ertrug ein Asgardier bevor es ihn unwiederbringlich brach? Bevor er nach einem endgültigen Ausweg suchte?

„Du meinst wir sollten ihn deutlich besser unter Beobachtung halten.“, versuchte Tony auf den Punkt zu bringen, was sein Freund ihm raten wollte.

„Aus anderen Gründen als bisher, aber ja. Ich halte seine ruhige und gefasste Haltung für eine Fassade. Zumindest häufig. Und ich denke das, was wir gerade gesehen haben, ist was sich darunter verbirgt.“, antwortete Bruce und lehnte sich gegen den Tresen. „Ich erkenne genug davon wieder, dass es mich zutiefst beunruhigt.“

Was Bruce ihm da erzählte war mehr als beunruhigend. Nicht nur wegen Loki. Was er da sagte, schien so als wäre er selbst noch immer davon betroffen. War er es? Oder sah der Milliardär langsam lediglich Gespenster?

Tony schluckte schwer als er beobachtete wie sein Freund mit einem hilflos wirkenden Lächeln wieder aufsah und seinen Blick erwiderte. Es schien nicht, als irrte er sich.

„Jetzt sieh mich nicht so an. Zumindest mein Part ist kaum neu für dich.“, sagte er und ging zum Kühlschrank, wo er zwei Flaschen Saft herausholte. Die Situation war ihm offensichtlich unangenehm.

„Was? Dass du immer noch suizidgefährdet bist?“, wollte Tony wissen. Hätte er das wissen müssen? Er war der Ansicht gewesen, dass das ein dunkler Punkt in Burces Vergangenheit gewesen ist, an dem er inzwischen vorüber war.

„Ich habe noch keinen Weg gefunden. Und ich zweifle daran, dass ich das je werde. Also kein Grund zur Aufregung. Scheint so, als würdest du mich nicht so schnell loswerden.“, versuchte der Wissenschaftler ihn zu beruhigen.

„Soll das heißen, du suchst weiterhin nach einem Weg?“, fragte Tony fast entsetzt nach.

Bruce sah ihn an. Er presste die Lippen aufeinander und unterbrach den Blickkontakt. Das war mehr als Antwort genug auf seine Frage.

„So oder so, solltet ihr einen Weg haben, mich unschädlich machen zu können, wenn der Andere die Kontrolle übernimmt.“, ergriff Bruce dann wieder das Wort.

Wieso kam Tony dieses Gespräch nur so bekannt vor? Sie sollten einen Weg haben sich zu wehren, wenn er ausrastete. War das nicht auch Lokis Aussage gewesen?

„Wir sollten zurück zu den anderen gehen.“, ergriff Bruce schließlich nach einigen Sekunden des Schweigens das Wort und ergriff so viel von ihrer Ausbeute, wie er konnte, bevor er an Tony vorbei zum Fahrstuhl lief.

Der Milliardär brauchte noch etwas Zeit. Er starrte vor sich hin und fragte sich, wie er das nicht hatte bemerken können. Sie arbeiteten fast jeden Tag im Workshop zusammen. Was tat er, wenn er in dem Labor war, dass Tony ihm für seine persönlichen Zwecke zur Verfügung gestellt hatte? Einen Weg suchen, wie er sich selbst das Licht ausknipsen konnte!? Langsam, schon fast in Zeitlupe ergriff er die übrigen Snacks und lief seinen Freund hinterher.

Wortlos legten sie den Weg zurück zu Steves Appartement, wo Bruce ohne zu zögern direkt ins Schlafzimmer lief und die mitgebrachten Sachen auf dem Bett ablud.

Steve, Loki und Pepper waren in der Zeit nach hinten gerückt und lehnten nun gegen die Wand am Kopfende. Loki schien noch immer etwas abwesend. Erstaunt stellte Tony fest, dass der Asgardier eine von Steves Händen festhielt und sich auch insgesamt eher in die Richtung des Soldaten orientiert, welcher einen Arm um ihn gelegt hatte. Pepper lag auf Lokis anderer Seite und stand auf, als er mit Bruce zurückkam. Mit einem äußerst zufriedenen Lächeln auf den Lippen verkündete sie, dass sie ein paar Gläser holen würde und verließ das Zimmer. Ungemein neugierig, aber auch froh den Raum noch einmal verlassen zu können, folgte Tony ihr sofort.

„Was weißt du?“, fragte er ohne Umschweife und zwang seine Trübsinnigen Gedanken aus dem Kopf.

Lächelnd drückte sie ihm vier der Gläser in die Hände. „Nichts Konkretes.“

„Nichts Konkretes?“, wiederholte er fragend. „Ist dir eigentlich klar wie hinterhältig du gerade gegrinst hast?“

„Ja.“, antwortete sie, drückte ihm einen Kuss auf die Lippen und lief dann zurück in Richtung des Schlafzimmers.

„Willst du mich hier wirklich dermaßen auf die Folter spannen?“, beschwerte er sich. „Pepper!“, jammerte er. Doch es half nichts. Sie drehte sich noch nicht einmal wieder um, sondern verschwand wieder im anderen Raum, wohin Tony ihr folgte. Sie verteilten die Gläser und Snacks. Steve und Pepper sorgten dafür, dass Loki etwas aß und trank. Als sie sich alle zusammen auf das Bett gequetscht hatten, aktivierte Jarvis den Fernseher, der an der gegenüberliegenden Wand hängte. Der Film startete eine Minute bevor sie am Vortag aufgehört hatten.

Tony bekam nichts vom Film mit. Seine Gedanken drehten sich um Bruce und Loki. Und er war sich ziemlich sicher, dass er beide immer wieder anstarrte. Pepper bemerkte natürlich, dass etwas nicht in Ordnung war und sah ihn zwischendrin fragend an. Doch er lächelte nur, drückte diesem bezaubernden Engel von einer Frau einen Kuss auf die Lippen, legte seinen Arm um sie und zog sie an sich. Kaum einen Moment später spürte er ihre Hand an seiner Brust, wo sie nach seinem Herzschlag tastete.

Wenn sie nicht dagewesen wäre, würde er sich dann auch in die Reihe der ernsthaft Suizidgefährdeten einreihen? Er wusste, dass er selbstzerstörerische Tendenzen hatte und Selbsthass war inzwischen ein alter Freund von ihm. Aber er war nie so weit gewesen sein Leben aktiv beenden zu wollen. Nicht wirklich.

Wäre das anders, wenn seine Pepper nicht immer an seiner Seite gewesen wäre? Wenn er nicht immer Rhodey und nicht schon so lange Happy gehabt hätte, die ihm niemals den Rücken zugekehrt hatten, egal was für ein Arschloch er manchmal gewesen ist?

Es war schwer zu sagen. Er konnte sich ein Leben ohne die drei nicht einmal vorstellen. Er wollte das auch gar nicht. Der bloße Gedanke machte ihm Angst. Wie muss das nur für Bruce gewesen sein? Von SHIELD verfolgt. Aus seinem sozialen Umfeld komplett herausgerissen ohne Hoffnung je wieder dahin zurück zu können.

Unwillkürlich zog er Pepper noch etwas näher heran und legte seine Wange an ihren Kopf. Er schloss seine Augen und genoss einfach den Geruch ihres Lieblingsshampoos, der ihm in die Nase stieg.

Loki war eingeschlafen bevor der Film zu Ende war. Es wunderte niemanden der Anwesenden. Der Asgardier hatte sich so sehr an Steve festgekrallt, dass dieser nicht im Stande war aufzustehen, ohne befürchten zu müssen ihn aufzuwecken. Es war ihm sichtlich unangenehm das Aufräumen den anderen komplett überlassen zu müssen und er erwähnte einige Male, sie sollten es einfach liegen lassen, er würde sich später darum kümmern. Doch als sie den Raum verließen, war alles wieder so aufgeräumt, als wären sie nie dagewesen.

Als die Tür hinter ihnen zu glitt, meldete Jarvis sich zu Wort. „Ich sollte vielleicht erwähnen, dass die Agents Romanoff und Barton zurück sind und sich auf der Gemeinschaftsebe aufhalten.“

Das war etwas, das es schaffte Tonys trübsinnige Gedanken zu verdrängen. Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung und fuhren hinauf. Sie fanden die beiden SHIELD Agenten zusammen am Küchentresen sitzend.

„Sieh an, wer wieder da ist.“, begrüßte Tony sie. Ihm war anzuhören, dass er nicht gerade vor Freude jubelte. Pepper stieß ihm ihren Ellbogen in die Seite und warf ihm einen empörten Blick zu.

Clint und Natascha beobachteten das schweigend. Pepper ging zu ihnen, strich Natascha beim vorbeigehen über den Arm und wandte sich dann dem Scharfschützen zu. Tony stellte mich Erleichterung fest, dass es ihm anscheinend wieder besser ging. Die gehetzte Verwirrung, die ihm gestern Nacht im Gesicht gestanden hatte, war nirgendwo zu sehen.

„Bruce hat uns gesagt was passiert ist.“, ergriff sie das Wort und schien etwas unsicher, was sie tun sollte.

Clint sah zu Natascha. An der Stelle fand wieder nonverbale Kommunikation statt, die keiner außer den beiden Beteiligten verstand. Dann fuhr sich Hawkeye mit der Hand über das Gesicht. Er wirkte müde. „Ich habe die Beherrschung verloren. Es tut mir leid.“, sagte er schließlich und sah Pepper an.

„Du musst dich weniger bei uns entschuldigen, als bei ihm.“, mischte sich Tony ein und trat neben seine Freundin.

Clint sah ihn skeptisch an. „Ist das dein Ernst?“ Er wartete nur kurz, bevor er weitersprach, sodass Tony keine Chance hatte wirklich etwas zu antworten. „Mir tut es leid euch da hereingezogen zu haben. Mir tut es leid, dass ich Steve und Nat aus dem Weg geräumt habe. Mir tut definitiv nicht leid, dass ich diesem Monster ein paar Luftlöcher verpasst habe.“

Tony fixierte den Scharfschützen vor sich. „Loki ist kein Monster.“ Seine Stimme war ruhig. Der Tonfall verriet sofort jedem wie schwer ihm das fiel.

Clint lachte auf. „Hörst du dir überhaupt zu? Dafür, dass du so ein Genie bist, bist du manchmal wirklich ein absoluter Idiot.“

Tony sah Pepper zwischen ihnen hin und her schauen. Sie suchte bestimmt gerade schon nach einem Weg diese Unterhaltung davon abzubringen, dass sie sich gegenseitig an die Kehle gingen und er verbiss sich ihr zuliebe seinen nächsten Kommentar, der ihm so sehr auf der Zunge brannte.

„Warum schläft Steve bei ihm?“, nutzte Natascha die kurze Stille um sich in das Gespräch mit einzuschalten. Ihre Stimme klang neutral und als Tony sich ihre zuwandte, sah sie aus, als hätte sie gerade nach dem Wetter gefragt. Offenbar hielt sie das für die richtige Situation sich nicht in die Karten gucken zu lassen.

Tony hasste es, wenn sie das tat. Andererseits brauchte er das in diesem Moment nicht. Im Zweifelsfall war sie immer auf Clints Seite.

„Neidisch?“, wollte Tony wissen. Black Widow würdigte diese Stichelei mit keinerlei Reaktion. Sie zuckte noch nicht einmal mit der Wimper.

„Beantworte die Frage!“, verlangte Hawkeye mit schneidender Stimme.

Alles in Tony sperrte sich dagegen in dieser Situation zu kooperieren. Normalerweise fing er an sich auf clevere Art und Weise über seine Gesprächspartner lustig zu machen oder das gesamte Thema ins Lächerliche zu ziehen. Das wusste auch Pepper. Sie sah ihn mit diesem bittenden Blick an, das hier nicht zu vermasseln.

„Weil Loki dann ruhig schlafen kann.“, antwortete schließlich Bruce und bot Tony damit einen Weg aus seinem inneren Dilemma.

„Wenn er einschläft, bekommt er ansonsten sofort Albträume. Eher durch Zufall haben wir bemerkt, dass Steve anscheinend eine beruhigende Wirkung auf ihn hat.“, fuhr Pepper fort.

Clint und Natascha musterten sie scharf. „Nun, die würde ich ihm gönnen.“, kommentierte Clint nur und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Das sagst du nur, weil du es nicht gesehen hast.“, wiedersprach sie ihm direkt. „Es ist furchtbar.“

Und wieder sahen sich die beiden Agenten bedeutungsschwanger gegenseitig an.

„Könnt ihr damit mal aufhören!?“, fuhr Tony wütend dazwischen. „Wenn ihr was zu sagen habt, dann sagt es!“, verlangte er und schlug mit der flachen Hand auf den Tresen. Diese gesamte Situation frustrierte ihn.

Ein paar Sekunden wurde der Milliardär nur angestarrt.

Dann meldete Clint sich wieder zu Wort. „Wir hätten dich genommen.“

„Nur falls dir der Inhalt meines kleinen Wutausbruchs nicht klar geworden ist: Wir haben das Gespräch zwischen euch beiden nicht mitbekommen. Vielleicht holst du etwas weiter aus.“ Tonys Stimme hatten wieder einen sarkastischen Unterton angenommen und Pepper umfasste seinen Arm und nahm seine Hand in ihre, schlang ihre Finger zwischen seine.

„Steve wird sein erstes Opfer sein.“, ergriff Natascha das Wort. „Nach SHIELD muss er sich erstmal erholen. Er leckt noch immer seine Wunden. Der Stark Tower ist seine Sicherheit. Solange er noch nicht wohlauf ist, wird er hierbleiben und sich schützen lassen.“

„Und wenn er der Meinung ist sich genug erholt zu haben, wird er uns töten und vielleicht wieder eine Invasion starten. Oder abhauen. Praktischerweise liegt Steve schlafend neben ihm und wird keinen Widerstand leisten.“, fuhr Clint fort. „Wir hätten dich genommen. Mit seinen Kräften, obwohl wir ja noch nicht einmal da genau wissen, womit wir rechnen müssen, bist du nach Bruce wahrscheinlich die größte Gefahr für ihn.“

Tony war ziemlich froh, dass nicht nur er den Scharfschützen ansah, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Pepper schien sich genauso zu fühlen. Er wechselte einen Blick mit ihr. Sie glaubte nicht eine Sekunde, dass dieses Szenario die Wahrheit sein konnte. Er drückte ihre Hand zur Bestätigung.

„Noch etwas, das ihr uns verschwiegen habt?“, fragte Natascha dann. Sie sah Tony prüfend an. Doch er kam nicht dazu etwas zu sagen. Wieder kam ihm Bruce zuvor.

„Steve hat Loki übernommen, weil dieser in einer Panikattacke Tony umgehauen hat.“, beichtete er.

Theatralisch klatschte Tony sich die flache Hand gegen die Stirn. Musste das jetzt sein?

„Er hat dir weh getan?“, fragte Clint wieder an den Milliardär gewandt.

„Das Thema hatten wir schon mal. Panisch um sich geschlagen ist, was er getan hat. Es ist nichts passiert.“, tat dieser das Geschehen einfach ab. Er warf Bruce einen Blick zu. Hoffentlich plante er jetzt nicht auch noch was von dem blauen Auge zu sagen oder dass er mit Magie wieder geheilt worden war.

Doch das schien nicht der Fall zu sein. Clint atmete einmal tief durch.

„Hey, du musst nicht hierbleiben, wenn du das nicht willst. Ich bin mir sicher SHIELD hat noch ein 2 Quadratmeterzimmer für dich übrig.“, kommentierte Tony das schon leicht genervt.

„Spinnst du? Ich gehe nirgendwo hin! Der Freak hat es geschafft euch alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Als ob ich da einfach abhauen würde!“, beschwerte der Scharfschütze sich und sah Tony direkt in die Augen. „Wenn er auch nur eine falsche Bewegung macht, landet der nächste Pfeil in seinem Auge. Mal sehen, ob er das auch einfach so wegsteckt!“

„Wenn du ihm auch nur noch einmal wehtust…“, fing Tony mit deutlicher Drohung in seiner Stimme an. Er ließ Peppers Hand los und trat einen Schritt näher an den Scharfschützen heran.

„Was dann, Stark?“, unterbrach Clint nicht minder drohend und stand von seinem Hocker auf. „Verbannst du mich aus dem Schlaraffenland? Sieh es ein! Irgendwas geht hier vor! Ihr fresst ihm aus der Hand und er hat noch nicht einmal eine Erklärung abgegeben! Hier gibt es kein happily ever after! Und ich hoffe, dass wenn er sein wahres Gesicht zeigt, ich noch in der Lage sein werde zu sagen: Ich hab´s dir ja gleich gesagt!“ Mit diesen Worten ließ Clint den Milliardär einfach stehen, griff nach Nataschas Hand und zog sie mit sich zum Fahrstuhl.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück