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Desaster

von

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Hallo zusammen

An dieser Stelle muss ich nun doch ein Vorwort einbauen:

Ich bedanke mich hiermit ganz herzlich bei Salix, die mir mit den ersten Kapiteln sehr geholfen hat. Diese sind Dank ihr nämlich von deutlich weniger Fehlern durchsetzt, ebenso wie etwas flüssiger zu lesen. Also: Vielen, vielen Dank :)

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Als Steve den Tower wieder betrat ließ er sich gleich ins Stockwerk der Krankenstation fahren. Er musste zugeben, dass er nicht so lange unterwegs gewesen war, wie normalerweise, aber Loki hatte ihn einfach nicht losgelassen Er wusste nicht genau, was er erwartet hatte, wie ihr ehemaliger und vielleicht zukünftiger Feind sich benehmen würde, aber sicher nicht so. Blanker Horror hatte ihm im Gesicht gestanden als er ihn erblickt hatte. Wirkte er wirklich so einschüchternd?

Er sah an sich herunter. Er war kein Leichtgewicht und sicher war er direkt neben Tony imposanter. War es vielleicht wirklich nur der Vergleich gewesen? War es sein Körperbau? Vielleicht war es auch nur, weil er neu war, während Tony anscheinend schon eine Weile bei ihm gesessen hatte.

Frustriert schob er den Gedanken wieder weg. Es brachte nichts sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Jetzt wo Loki wach war, würde sich sicher bald zeigen, was mit ihm los war.

Als die Türen des Fahrstuhls sich öffneten, konnte er sogleich seine Freunde im Flur stehen sehen. Bruce stand mit hängenden Schultern da, Natascha neben ihm, eine Hand auf seinem Rücken platziert und Clint mit verschränkten Armen vor der Brust.

Letzterer grinste ihm entgegen als er Steve erblickte. „Hey!“, begrüßte er ihn. „Snow White ist aufgewacht.“, verkündete er. Steve verstand den Spitznamen nicht so ganz, aber inzwischen war er in dieser Gruppe gewohnt, dass die Pop Kultur Referenzen an ihm einfach vorbeigingen. Er nickte nur und sah dann Bruce an. „Was ist los?“

„Loki ist total ausgeflippt, als er Bruce gesehen hat.“, erklärte Clint mit einem Grinsen. Der Wissenschaftler schob seine Brille wieder etwas nach oben und grinste Steve leicht ratlos an. Offenbar erinnerte ihr Gast sich an den Hulk, sonst wäre seine Reaktion auf ihn wahrscheinlich nicht so heftig ausgefallen, dass Clint das Wort `ausflippen´ benutzt hätte. Zumindest nicht im Vergleich zu ihm selbst und Nat.

„Tony?“

„Drin. Versucht ihn zu beruhigen.“, antwortete ihm Natascha.

„Ich denke der Verbandswechsel könnte ab jetzt ganz schön Probleme darstellen.“, ergriff nun auch Bruce das Wort.

„Vielleicht kann er das selber irgendwie händeln, jetzt wo er wach ist.“, überlegte Clint laut. Vielleicht brauchte es auch keine weiteren Behandlungen. Loki hatte offensichtlich die Fähigkeit deutlich besser zu heilen als ein Mensch.

„Jarvis? Wie sieht es da drin aus?“, fragte Hawkeye

„Mr. Odinson hat sich wieder beruhigt.“, antwortete die KI. Es war seltsam das zu hören. Mr. Odinson war ja schließlich bisher eigentlich Thor gewesen. Es dauerte einige Minuten in denen sie nur betreten vor der Tür standen, bis Tony das Krankenzimmer verließ.

Erwartungsvolle Blicke trafen ihn.

„Und?“, bohrte Clint.

„Ich denke darüber nach ihn auf Thors Stockwerk einzuquartieren.“, antwortete Tony.

Steve sah wie die beiden SHIELD-Agenten einen Blick wechselten, der deutlich mehr Inhalt transportierte, als mit zwei Sekunden Augenkontakt eigentlich möglich sein sollte. Oder zumindest hatte Steve den Eindruck. Die beiden schienen das dauernd zu tun. Und oft genug hatte es sich bewahrheitet.

„Thor wird wohl nichts dagegen haben.“, sprach nun wieder Clint und zuckte mit den Schultern. Nein, Thor hätte sicher nichts dagegen. Wahrscheinlich nicht einmal wenn er selbst zum gleichen Zeitpunkt darin wohnen würde.

„Zumindest würde ihm das sicher mehr Gefühl von Privatsphäre vermitteln.“, stimmte auch Bruce zu.

Nickend stimmte auch Steve zu. „Es ist sicherer ihn in unserer Nähe unterzubringen. Die Gästezimmer sind weiter entfernt und ich denke umso schneller wir zur Stelle sein können, umso besser.“ So sehr Loki im Moment nicht den Eindruck machte eine Gefahr für jemand anderen als sich selbst darstellen zu können, so war Steve doch deutlich wohler bei dem Gedanken nur ein paar Sekunden zu brauchen, bis er da war um zu verhindern, was auch immer der Asgardier fähig war anzustellen.

„Zugang zum Gemeinschaftsraum?“, fragte Tony in die Runde.

„Das wird er wohl in nächster Zeit nicht nutzen.“, bemerkte Natascha. Loki schien momentan eher daran interessiert keinem zu begegnen, auch wenn sie nicht wussten, wie lange das anhalten würde.

„Ich hoffe, du hast die Fenster gesichert.“, bemerkte Clint darauf nur trocken.

„Ich denke nicht, dass er gerade darauf aus ist jemanden aus dem Fenster zu schmeißen.“, antwortete Tony und rollte mit den Augen.

„Das vielleicht nicht.“, ergriff nun Bruce das Wort, verschränkte die Arme vor der Brust und legte seine rechte Hand ans Kinn. „Aber vielleicht solltest du das trotzdem tun. Leute in Panik und hohe Stockwerke sind eine eher schlechte Mischung.“

Erkenntnis schien die ganze Gruppe zu treffen. Ja. Bruce hatte recht. Wenn Loki nur genug Panik bekam, könnte er vielleicht das Fenster als Fluchtweg sehen. Steve wusste nicht, ob ein Sturz, wenn auch aus dieser Höhe, ihn umbringen würde, aber er war sich ziemlich sicher das nicht ausprobieren zu wollen.

„Jarvis?“, sprach Steve die KI direkt an.

„Schon geschehen, Captain Rogers.“, wurde sofort bestätigt. Dankend nickte er der Decke entgegen, bevor er sich wieder seinen Freunden zuwandte. „Wie geht es ihm jetzt?“

„Schwer zu sagen. Er spricht nicht. Aber wenigstens scheint er mich zu verstehen.“, berichtete Tony. „Er hat seinen Körper nicht so richtig unter Kontrolle, zittert die ganze Zeit und seine Bewegungen sind völlig unkoordiniert.“

„Ich denke das wird noch besser.“, schaltete sich Bruce erneut ein. „Die Symptome klingen als könnten sie zum Teil noch vom Botulinumtoxin kommen. Und so schnell wie er sich erholt hat, wird das sicher nicht lange dauern. Allerdings dürfen wir die psychischen Folgen nicht unterschätzen. Ganz abgesehen davon, dass er schon davor geistig nicht ganz richtig im Kopf war.“

Fragende Blicke trafen den Wissenschaftler, der offenbar direkt wieder in Gedanken versank und diese nicht bemerkte. Einzig Natascha schien den Blick zu senken, lehnte sich etwas näher an den Wissenschaftler neben sich.

„Schnell?“, hackte Tony also nach, dicht gefolgt von „B-was-toxin?“, aus Clints Mund.

Überrascht sah Bruce beide an. „Oh! Ja.“, setzte er zu einer Erklärung an. „Botulinumtoxin hemmt die Freisetzung von Acetylcholin und im weiteren Verlauf die Bindung des SNARE-Komplexes wodurch die Exozytose verhindert wird.“, fasste er kurz zusammen und schien noch etwas hinzufügen zu wollen, verstummte dann aber als er sich der Blicke seiner Freunde bewusstwurde.

Steve sah Clint und Tony an. Die beiden wirkten noch verwirrter als vorher und nun hatte selbst Natascha den Kopf angehoben und schien etwas irritiert. Wenigstens war er nicht der einzige der das gerade nicht verstanden hatte.

„Ein Nervengift das Lähmungen hervorruft, dabei aber keine betäubende Wirkung entfaltet.“, stellte Bruce schließlich klar, als er merkte, dass seine Erklärungsversuche nur zur allgemeinen Verwirrung beitrugen. „Und ja, in dem Zusammenhang ist die Besserung für mein Verständnis schnell. Loki wurde mit einer Dosis behandelt, die eine ganze Elefantenherde umgebracht hätte.“

Betretene Stille breitete sich aus. Dann räusperte Tony sich.

„Da ist noch etwas, das mir aufgefallen ist.“, etwas unsicher, ja, Steve konnte den Blick nicht anders beschreiben, sah der Milliardär Bruce an, bevor er den Kopf schüttelte. „Die Narben auf seinem Oberkörper sind nicht von SHIELD. Keine einzige.“

„Ich habe mir die Bilder genauer angesehen.“, sprach Bruce weiter. „Sie haben seinen Zustand genau dokumentiert als sie ihn in New York aufgelesen haben. Die Narben sind alle noch da, aber es gibt keine neuen.“

„Was soll das heißen!?“, platze es aus Steve heraus. Diese Narben waren von keinen einfachen Verletzungen gewesen, dazu waren sie zu genau platziert. Einige von ihnen wirkten, als hätte man versucht ein Muster in Lokis Haut einzugravieren. Viele wirkten als wären sie Muster.

„Entweder Asgards Ausbildung ist deutlich brutaler, als wir dachten…“, schlussfolgerte Clint. Ihnen war allen klar, dass Thor nicht so aussah. Volstagg, Fandral und Hogun genauso wenig. Sif schon gar nicht. In der Zwischenzeit hatten sie genug Zeit miteinander verbracht, dass ihnen Derartiges aufgefallen wäre, zumal Volstagg ihnen sogar einmal eine riesige Narbe an seinem Rücken gezeigt und mit einer heroischen Geschichte dazu angegeben hatte. „… oder das ist in dem Jahr passiert als Thor ihn für tot gehalten hatte.“

„Okay, was genau tun wir hier gerade?“, schaltete Black Widow sich ein. „Gehen wir jetzt davon aus, dass Loki, bevor er auf die Erde kam, bereits gefoltert worden war?“

„Das würde einiges erklären, oder? Die Geschichten, die Thor uns über seinen geliebten kleinen Bruder erzählt hat, passen ja nun nicht wirklich zu dem durchgeknallten Rentier mit dem irren Blick, das versucht hat die Weltherrschaft an sich zu reißen.“, entgegnete Tony.

Frustriert raufte Steve sich die Haare. Die Situation war schon kompliziert genug. Jetzt war plötzlich nichts mehr klar. Was wenn er vorher gefoltert worden war? Immerhin hatte Loki offensichtlich nicht alleine agiert. Was wenn jemand ihn zu seinen Handlungen gezwungen hatte? Was wenn das alles gar nicht sein Wille gewesen war? Was wenn der Schuldige, gar nicht der Schuldige war? Wenn Loki nur eine Schachfigur gewesen war?

Steves Gedanken drehten sich im Kreis. Die komplizierte, aber klare Situation wurde plötzlich furchtbar schwammig. Nichts war mehr klar.

„Wir werden darauf gerade wohl keine Antwort finden.“, ergriff Natascha wieder das Wort. „Bis er redet, können wir nur spekulieren und keiner von uns sollte vergessen, dass er gefährlich ist.“, erinnerte sie alle daran, wen sie da gerade thematisierten. Ihr Blick richtete sich auf Tony, der nur einen trotzigen Blick aufsetzte.

„Tony, du weißt, dass sie recht hat.“, stimmte Bruce nun mit ein. „Was auch immer wir über seinen Hintergrund zu wissen glauben, du solltet ihn nicht unterschätzen. Auch wenn er einfach nur in Panik gerät und du im Weg bist, könnte das übel für dich ausgehen.“

Theatralisch seufzte der Milliardär laut und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ist ja gut.“, gab er schließlich nach.

„Es ist nicht gut, Tony.“, betonte Black Widow in einem Tonfall, der außer Clint offenbar die ganze Gruppe dazu brachte sich ihr zuzuwenden, während sie den Milliardär mit durchdringendem Blick ansah. Keiner schien in der kurzen Pause bevor sie weitersprach auch nur zu wagen zu atmen. „Ich weiß, du hast dir mehr angesehen als du uns gezeigt hast. Du darfst nicht vergessen, wen du da vor dir hast. Verletzt oder nicht, Loki ist ein ganz anderes Kaliber. Wir haben gesehen wie er es mit Steve in Stuttgart aufgenommen hat und du bist nur ein Mensch!“

Es war offensichtlich, dass die Situation schwer einzuschätzen war. Natascha hatte Recht. Sie wussten nicht, was Loki alles fertigbrachte. Steve musste zugeben, dass er bei seinem Kampf mit ihm wirklich Schwierigkeiten gehabt hatte. Wenn Iron Man nicht aufgetaucht wäre, Steve wusste nicht, ob er gewonnen hätte. Anderseits war das alles irrelevant, da der Gott ohnehin vorgehabt hatte sich von ihnen gefangen nehmen zu lassen. Irgendwie gefiel Steve nicht so ganz wohin ihn dieser Gedanke brachte. Sollte das etwa heißen, er hatte mit ihm in Stuttgart nur gespielt? Und in Wirklichkeit hätte er in einem direkten Kampf mit ihm kurzen Prozess gemacht?

„Außerdem sollten wir bei allem was passiert ist nicht vergessen, dass Loki schon bevor er Asgard verlassen hatte, versucht hatte Thor umzubringen. Hier auf der Erde.“, fügte Natascha noch hinzu. „Und wir wissen alle wie er letztendlich von der Brücke gefallen ist.“ Was ein Punkt war, den bisher noch keiner zur Sprache gebracht hatte. So wirklich umgänglich war er schon vorher nicht gewesen. Immerhin war rauszufinden, dass man adoptiert war, nicht wirklich ein Grund seinen Adoptivbruder umbringen zu wollen.

Steve konnte sehen, wie Tony seine Lippen zusammenpresste und offensichtlich etwas zurückhielt.

„Ich mache das.“, ergriff der Soldat schließlich das Wort und war sofort Mittelpunkt der Situation. „Ich kümmere mich um ihn. Von uns allen bin ich wohl am besten dafür geeignet.“

Misstrauisch musterte Natascha ihn. Irgendwie fühlte er sofort den Drang sich dafür zu entschuldigen, weil er dazwischengeredet hatte ohne zu wissen, ob sie schon fertig gewesen war.

„Ha!“, war Tonys Reaktion auf seine Aussage. „Nichts für Ungut, aber er hat sich gerade erst beruhigt, nachdem er Bruce gesehen hat. Und seine Reaktion auf dich war auch nicht besonders vertrauensvoll.“

„Steve hat Recht, Tony.“, meldete sich nun wieder Bruce zu Wort. „Auch das ist keine optimale Lösung, aber sicherer als das was du da getan hast.“, wobei er mit dem Kopf in Richtung der Tür zum Krankenzimmer nickte.

Ein genervtes Geräusch von sich gebend fuhr der Milliardär sich mit einer Hand über das Gesicht. Offensichtlich verlief das Gespräch nicht nach seinen Wünschen.

„Okay, wisst ihr was, warum reden wir nicht in der Küche weiter und lassen Loki erst einmal in Ruhe?“ schlug dann Clint vor. Ziemlich schnell wurde dieser Vorschlag von allen angenommen und sie begaben sich ohne ein weiteres Wort zum Fahrstuhl.
 

Zehn Minuten später saßen Tony, Natascha und Steve mit einem Kaffee vor sich an der Theke in der Küche, während Bruce einen Kräutertee schlürfte und Clint Zutaten zusammenschmiss um Pancakes zu machen. Keiner von ihnen sprach auch nur ein Wort. Die Stimmung war eher bedrückend und jeder schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Nur Clints Geschirrgeklapper und das Brutzeln des Teiges in der Pfanne durchbrach die Stille. Erst als Clint anfing jedem einen Teller mit Pancakes hinzustellen, schienen sie alle wieder aus ihrer Lethargie zu erwachen.

Steve musste grinsen, als er die Dekoration auf seinem sah. Aus Blaubeeren, Erdbeeren und Sahne hatte er seinen Schild dargestellt. Ahornsirup floss zwischen den Früchten entlang und an den Seiten herunter. Mit einem Blick zur Seite stellte er fest, dass Hawkeye offenbar bei jedem versucht hatte die Stimmung damit etwas aufzuhellen. Neben ihm hatte Tony seinen Arc Reactor auf dem Teller. Etwas irritiert bemerkte Steve zwei Plätze weiter, dass Bruce´s Pancakes mit dem schwarz-roten Symbol der Black Widow verziert waren und Nataschas Pancakes durch ein grünes Symbol der Radioaktivität geschmückt wurden. Prüfend richtete der Soldat seinen Blick wieder auf Clint, der seinerseits bereits damit beschäftigt war seine eigenen Pancakes, mit einem Fadenkreuz versehen, zu verspeisen und keinen von ihnen zu beachten schien.

Schulterzuckend richtete Steve seine Aufmerksamkeit wieder auf sein eigenes Essen. Er liebte es, wenn Clint kochte. Jeder liebte es, wenn Clint kochte. Egal was er ihnen vorsetzte, es war immer hervorragend. Inzwischen war selbst Tony dazu übergegangen nachzufragen, ob ihr Scharfschütze vorhatte zu kochen, bevor er etwas bestellte oder Essen ging. Und Steve wusste, dass er Jarvis angewiesen hatte ihm bescheid zu sagen, wenn Clint auch nur so etwas wie ein Sandwich machte, denn, so seltsam es auch war, selbst Brote belegen konnte er besser und er schien kein Problem damit zu haben mehrere davon zu machen und sie für Jedermann erreichbar als Snack auf der Theke abzustellen. Man musste nur schnell genug da sein um noch etwas abzubekommen. Wenn Steve es sich so genau überlegte, hatte wahrscheinlich jeder von ihnen Jarvis darum gebeten Bescheid zu sagen, wenn Clint dabei war irgendetwas Essbares zu fabrizieren. Anders war nicht wirklich erklärbar, warum alle sich irgendwie immer zum gleichen Zeitpunkt in der Küche zu versammeln schienen, wenn ihr Scharfschütze den Kochlöffel schwang.

Erst als sie sich alle halb durch ihre Pancakes gegessen hatten, durchbrach Clint die Stille. „Vielleicht sollten wir ihn einfach in Ruhe lassen.“, sagte er als würde er den Wetterbericht vorlesen und schob sich den nächsten Bissen in den Mund. Es dauerte eine Weile, bis Steve sich dazu brachte zu reagieren.

„Du meinst, ihn gar nicht beachten?“, hackte er nach. Irgendwie wäre das seltsam, oder? Loki war offensichtlich nicht in Ordnung. Aber konnten sie ihm überhaupt helfen? Sie hatten keine Ahnung was sie tun sollten. Würden die Mittel, die ihnen zur Verfügung standen überhaupt irgendetwas bringen?

Schulterzuckend stocherte Hawkeye mit der Gabel in seinem Essen herum. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er großartig auf unsere Gesellschaft wert legt und Bruce sagte ja, dass es ihm wieder besser gehen wird. Wir bringen ihm Verpflegung rein und warten auf Thor.“

„Ich erwarte es. Aber vergesst nicht, dass ich nicht einmal Arzt für Menschen bin. Erst recht nicht für Asgardier.“, erinnerte der Wissenschaftler sie schnell daran, dass sein Doktortitel nicht im Bereich der Medizin erworben worden war.

„Tony?“, forderte Natascha den Milliardär zu einer Stellungnahme auf.

Mit einem genervten Blick sah Angesprochener auf. „Von mir aus. Jarvis, was macht er jetzt?“, stimmte er deutlich unzufrieden zu.

„Mr. Odinson hat sich am Fenster positioniert und sieht nach draußen.“, informierte die KI.

„Reagiert er auf dich?“

Einen Moment später bestätigte Jarvis die Frage.

„Versuch ihm zu erklären wie das Pad und der Fernseher funktionieren. Sperr die unschönen Daten, du weißt schon, was ich meine. Wenn er was zu tun hat, denkt er vielleicht weniger darüber nach wie er meinen Tower in die Luft sprengen kann.“

„Natürlich, Sir.“

„Wie wäre es, wenn wir ihm gleich einfach etwas zu Essen und Trinken bringen? Dann können wir weitersehen.“, richtete er dann seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Freunde und machte sich wieder über sein Frühstück her. Allgemeines Nicken reichte ihm anscheinend als Zustimmung, denn danach herrschte wieder Schweigen, bis Clint anfing erneut in der Küche herumzuwerkeln, nachdem er mit seiner Portion fertig war.

Natascha sammelte das Geschirr zusammen und gesellte sich dann zu ihrem Freund in die Küche, um anzufangen es in den Geschirrspüler zu räumen. Steve beobachtete wie Clint verschiedene Früchte kleinschnitt und sie in den Blender schmiss. Immer wieder tauschte er dabei Blicke mit Nat aus. Zwischendrin schüttelte er den Kopf, sie hob die Augenbrauen und schließlich war es Tony anscheinend zu bunt geworden.

„Okay, Mr. und Mrs. Smith, dürfen wir an dem Gespräch teilhaben?“, warf er in den Raum, woraufhin Natascha sich zu den anderen umdrehte.

„Wir haben nur darüber gesprochen, in wie fern Essen für Loki jetzt klug ist. Er hat offensichtlich sehr lange nichts mehr zu sich genommen und in der Regel sollte man dann langsam damit wieder anfangen, damit der Magen nicht rebelliert und das Verdauungssystem sich wieder an feste Nahrung gewöhnt. Clint ist der Meinung, dass diese Regel wahrscheinlich eher nicht auf Loki zutrifft und dann sind wir einfach nur ein paar Möglichkeiten durchgegangen.“, fasste sie kurz zusammen.

Irritiert sah Steve zwischen den beiden SHIELD Agenten hin und her. Das hatten die beiden gerade besprochen? Besprochen war ja schon irgendwie das falsche Wort.

„Ganz ehrlich, blinzelt ihr euch gegenseitig per Morsecode zu oder wie funktioniert das?“, hackte Tony nach. Die Kommunikation zwischen ihren beiden Agenten war immer wieder unglaublich. Immer wieder schien es als würden sie einfach Gedanken übertragen. Doch wie immer bekamen sie keine Antwort auf diese Frage und Natascha grinste sie einfach nur amüsiert an, bevor sie die Milch aus dem Kühlschrank holte und sie Clint reichte, der diese zu dem Früchtemix in den Blender kippte und dann für ein paar Sekunden durchrühren ließ. Er kippte den Mix in 5 Gläser und verteilte diese dann unter den Anwesenden.

„Vielleicht sollten wir ihn einfach fragen.“, stellte Bruce seine Überlegung in den Raum. „Tony sagte bereits, dass er durchaus in der Lage ist uns zu verstehen. Er wird am besten wissen, was er kann und was nicht.“

Schulterzuckend warf Clint Nat einen kurzen Blick zu und drehte sich dann wieder um, um den Blender zum säubern auseinander zu nehmen. Sie trat wieder an den Kühlschrank und holte eine weitere Flasche Wasser daraus hervor, die sie vor Steve abstellte. „Sagt bescheid was er braucht.“, sagte sie mit einem Blick auf Tony.

Tony verdrehte nur erneut die Augen und stand, nachdem er seinen Früchtemix ausgetrunken hatte, von dem hohen Barhocker auf, dicht gefolgt von Steve, der sich die Flasche Wasser griff und Tony zum Fahrstuhl folgte, der sie beide auf die Ebene der Krankenstation fuhr.

„Bleib einfach etwas zurück, ja?“, wies Tony seinen Freund an und Steve musste kurz überlegen, ob das so klug wäre. Immerhin war er ja dabei, weil er sicherstellen sollte, dass Loki niemanden umbrachte. Dennoch nickte er. Zumindest jetzt noch hielt er es eher für unwahrscheinlich, dass Loki eine ernsthafte Bedrohung darstellte.

Als die Tür aufglitt, konnte Steve den Asgardier noch immer am Fenster stehen und nach draußen schauen sehen, genauso wie Jarvis ihnen berichtet hatte. Er hatte inzwischen Sweatpants und ein T-Shirt an. Beides hing lose an ihm herunter. Es machte den Eindruck, als würde er drei Mal in diese Kleidung passen. Die langen schwarzen Haare hingen offen über seinen Rücken und seine Arme regungslos an seinen Seiten.

„Hey, Loki.“, machte Tony sich bemerkbar und trat ein. Langsam aber mit deutlich hörbaren Schritten ging er langsam auf ihren… - Gast? Gefangenen? Steve wusste nicht wirklich, was Loki in der momentanen Situation war – zu.

Der Asgardier reagierte nicht. Steve steuerte auf den Nachttisch am Bett zu, der in Richtung der Tür aufgestellt war um die Wasserflasche darauf abzustellen, während Tony vorsichtig das Bett umrundete. Erst als er nur noch drei Meter entfernt war, bewegte Loki sich. Sein Kopf drehte sich in seine Richtung und der Milliardär blieb stehen und lächelte etwas unsicher. Dann drehte Loki sich etwas weiter, machte einen halben Schritt zur Seite und wandte sich direkt Steve zu. Seine Bewegungen wirkten unsicher und Steve konnte sehen, wie er sich beim Umdrehen kurz an der Fensterscheibe abgestützt hatte, aber von dem Zittern, welches Tony vorhin erwähnt hatte, war nichts zu sehen.

Wache, klare Augen fixierten ihn. Es wirkte seltsam dieses eindeutige Anzeichen von Leben in diesem skelettartigen Gesicht zu sehen. Doch es gab keinen Zweifel, dass der Asgardier fähig war seine Situation zu erfassen. Von der Verwirrung und Panik war nichts mehr zu erkennen. Sie sollten ihn wirklich nicht unterschätzen.

„Captain. Stark.“

Ein überraschter Pfiff zeigte eindeutig wie unerwartet Tony von diesen Worten getroffen wurde. Steve fühlte sich ähnlich und zog unwillkürlich die Augenbrauen hoch. Lokis Stimme war leise und gebrochen und es schien ihn Mühe zu kosten die Worte auszusprechen, aber er war dazu fähig. Und die Namen bestätigten nur, dass sich der Geisteszustand des Mannes sichtlich gebessert hatte, dass er in der Lage war seine Umgebung wahrzunehmen und sie zu verstehen.

„Wie geht es dir?“, platzte es dann aus Steve heraus. Irgendwie fühlte er sich durch den anhaltenden Blick dazu gezwungen etwas zu sagen.

Der Asgardier reagierte erst nach einigen Sekunden und Steve war nicht klar, ob das daran lag, dass er über eine Antwort nachgedacht hatte oder ob seine Stimme etwas gebraucht hatte, bevor er hatte antworten können. „Den Umständen entsprechend, Captain.“

Beschämt senkte Steve den Blick. Wie sollte es ihm auch gehen. Er war 16 Monate lang gefoltert worden.

„Hey, ähm, wir wollten eigentlich fragen, was du zu Essen benötigst. Du weißt schon, ob du nach der Zeit irgendeine Diät einhalten musst oder so.“, lenkte schließlich Tony die Aufmerksamkeit auf sich und Steve traute sich wieder nach oben zu sehen. Lokis Blick war noch immer direkt auf ihn gerichtet.

„Loki?“, hackte Tony nach und machte einen weiteren Schritt nach vorne. Diesmal war die Reaktion sofort ersichtlich. Der Asgardier drehte ruckartig seinen Kopf in Tonys Richtung, fixierte jetzt ihn. Steve fühlt sich irgendwie befreit, als er nicht mehr die Aufmerksamkeit hatte.

„Ich benötige nichts.“, antwortete er jetzt erst, Misstrauen deutlich in seinem Gesicht lesbar und an seiner Stimmlage hörbar.

„Komm schon, Loki. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der dringender etwas essen sollte. Und ich bin mit so vielen Models ausgegangen, dass das was heißen will.“ Er machte einen weiteren Schritt nach vorne und diesmal wich Loki zurück. Beschwichtigend hob Tony die Hände mit den Handflächen nach außen. „Schon gut. Sieh mal, du bekommst so oder so etwas zu essen. Hier ist deine Chance dir etwas aussuchen zu können.“, versuchte Tony es weiter. Doch Loki blieb stumm und beobachtete den Milliardär nur misstrauisch. „Okay, weißt du was, Jarvis? Sag Clint er soll einfach ein paar verschiedene Sandwiches machen.“

„Wie Sie wünschen, Sir.“

Erschöpft wirkend fuhr Tony sich mit der Hand über das Gesicht, bevor er seine Augen wieder auf Loki richtete. Sein Blick wurde erwidert. „Okay, wir wollten dir ein anderes Zimmer geben. Du weißt schon, das hier…“, Tony machte eine Geste in Richtung der medizinischen Ausrüstung. „… könnte ich mir als sehr unangenehm vorstellen.“

Der Asgardier schien deutlich irritiert, als sein Blick kurz in die Richtung der Geste flackerte, bevor er erneut Steve für einen Moment ansah und sich dann wieder dem Milliardär zuwandte. Jedoch nicht weniger verwirrt.

„Ich mache es fertig, ist eine Weile nicht mehr benutzt worden. Ich denke, heute Abend kannst du umziehen.“, fügte Tony noch hinzu, bekam aber keine Reaktion darauf.

„Du weißt, dass wir dir nichts tun werden, oder?“, ergriff Steve letztendlich das Wort. Er wusste nicht, was Tony ihm schon alles gesagt hatte, aber er hatte das dringende Bedürfnis klarzustellen, dass Loki hier in Sicherheit war. Fraglos würde es einige Zeit dauern, bis Loki sich hier auch sicher fühlen würde. Man steckte 16 Monate Folter nicht einfach weg. Wie es aussah auch als Gott nicht.

Angesprochener eiste seinen Blick von dem Mann los, der nur eineinhalb Meter von ihm entfernt stand und richtete seine grünen Augen wieder auf ihn. Das Misstrauen war leicht zu sehen. „SHIELD hat uns belogen. Nach dem Kampf wurde uns gesagt, du seiest nicht gefunden worden. Wir alle dachten, du wärst verschwunden. Wir hätten das alles sonst nie zugelassen.“

Das Misstrauen wurde nicht weniger, aber das hatte Steve auch nicht erwartet. Das würde Zeit brauchen. Es folgte keine Reaktion auf die Aussage und Steve musste sich schließlich dazu zwingen den Blickkontakt zwischen ihnen zu unterbrechen.

Er drehte sich schließlich um und ging wieder zur Tür. „Tony.“

„Wenn du irgendetwas brauchst, sag es Jarvis, der sagt es mir.“, hörte Steve seinen Freund noch, bevor er neben ihm auftauchte und sie das Zimmer wieder verließen.

„Das wird vielleicht sogar noch anstrengender als wir dachten.“, kommentierte Tony schließlich als die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte und sie sich in Richtung des Fahrstuhls begaben.

„Was meinst du?“, fragte Steve und warf seinem Freund einen Blick zu. Er selbst musste zugeben, dass es deutlich ruhiger zuging als er es sich vorgestellt hatte. Obwohl es ja sicher noch genug Zeit gab, in der sich das ändern könnte.

„Er hat nicht einmal die Wasserflasche von heute Morgen angerührt.“, antwortete Tony, ein besorgter Ausdruck in seinem Gesicht.



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