Nur ein Spiel von Faylen7 ================================================================================ Kapitel 81: Schnee, Schnee, so viel Schnee und Eis -------------------------------------------------- Kapitel 64: Schnee, Schnee, soviel Schnee und Eis Früh in den Morgenstunden stapfte ein schwarzer, glänzender Hengst durch hohen Pappschnee. Nur schwerlich konnten sich die beiden Hylianer fortbewegen und doch war es durchaus angenehmer als selbst durch den kalten Matsch zu watscheln. Der kleine Junge, welcher aus den Essenzen Zeldas und Links bestand, war irgendwann inmitten der Nacht verschwunden, so wie er es immer tat. Nichts Neues also... Die Jugendlichen erreichten auf Namenlos eine weitere, gefährlich- rutschig anmutende Holzbrücke, die über eine breite Schlucht führte. Link stieg ab und half seinem Engel auf festen Boden. Zaghaft überquerten sie die Holzbrücke, die im kalten Wind von Zoras Reich unaufhaltsam hin und her schwankte. Aber die Sonne schien vom Himmel herab, ein wenig Sicherheit sendete sie aus, bescherte nicht so wie jene dunklen Wolken unaufhörlich Flocken des weißen Schnees... Erleichtert erreichten die beiden mit einem wiehernden Namenlos an ihrer Seite das andere Ende. Link seufzte, als er einen Fuß auf festem Boden setzte und schaute dann nachdenklich zu der in Schnee und Eis verborgenen Landschaft vor ihnen. Ein Weg führte zwischen drei größeren Hügeln hindurch und rechts wie auch links des Weges standen merkwürdige Hecken, Büsche mit weißen Früchten, ähnlich einer Kirschfrucht und doch mit spiralförmigen Mustern auf der weißen Schale. „Ich denke, hier ist es Frühling, kann der dämliche Schnee nicht wieder schmelzen?“, murrte Link und lief voran. Zelda lächelte sanft. „Keine Sorge, mein Held, dass Frühling wird, sieht man schon...“ Und sie stapfte auf jenem schmalen Weg, welcher zwischen steilen Hängen versteckt lag zu einem der kahlen Sträucher. Prüfend zupfte sie einige der lilienfarbigen Beeren von den kahlen giftgrünen Sträuchern. Sie reichte eine handvoll der Früchte einem verdutzten Link, der diese merkwürdigen Beeren nur misstrauisch beäugte. „Iss“, meinte sie und stopfte sich selbst einige der weißen Früchte in den Mund. „Kann man das wirklich essen? Ist irgendwie seltsam mitten im Winter Früchte zu finden...“, entgegnete er und hielt eine der merkwürdigen Beeren gegen das Sonnenlicht. Sogar das blendende Sonnenlicht strahlte durch die weiße Farbe der Beere hindurch. „Die entstehen nur im Winter hier in Zoras Reich und sind sehr gesund. Was glaubst du, wer mich darauf gebracht hat, diese Früchte zu probieren?“ Link zuckte mit den Schultern und stopfte sich die Beeren mit zusammengekniffenen Augen in den Mund. Überrascht über den wunderbaren, wenn auch fremden Geschmack öffnete er die Augen wieder und kaute zufrieden auf den Früchten herum. Süßlich und doch schmeckten sie leicht nach Fisch, aber nicht so offensichtlich. Vielleicht eine Mischung aus Sternfrucht, Orange, Zimt und anderen Dingen. „Du hast mich auf den Dreh gebracht. Sonst hätte ich dieses Zeug bestimmt nicht angerührt.“ Link zeigte mit seinen Zeigefinger auf seine unschuldige Miene. „Ich war das? Da hatte ich damals aber einen guten Geschmack“, meinte er erheitert. Zügellos pflückte er sich weitere Beeren und verstaute einige in seiner Gürteltasche. „Link, ich...“, fing Zelda an und lief die wenigen Meter zu ihm hinüber. Verlegen wich sie seiner begutachtenden Mimik aus und drehte sich seitwärts. Sie wusste ja selber nicht einmal, worauf sie hinauswollte. „Was ist los?“, murmelte er leise und hob mit einem Zeigefinger ihr Kinn nach oben, nur damit sie seinem Blick nicht ausweichen konnte. „Ich wollte...“ Links Blick wurde unsicherer und tiefgründiger. Aber er schwieg. Laut ausatmend drehte sich Zelda um und striegelte ein bisschen die Mähne des schwarzen Hengstes... Wie dumm, sagte sie zu sich selbst. Wie dumm, dass sie es einfach nicht schaffte, zu sagen, was ihr auf dem Herzen lag. Sie wollte es ihm endlich sagen, endlich zugeben, was sie fühlte, was sie sich von seiner Seite erwidert wünschte, und doch war sie zu feige dafür... „Lass uns weiterziehen“, sagte Link dann leise und hievte seine leichte Begleiterin mit einer Bewegung auf den Hengst, sodass sie die Zügel ergreifen konnte. „Da fällt mir noch etwas ein, Zeldaschatz.“, fing Link an. Er bewegte seinen Schädel nach vorne, sodass sein Kinn beinahe auf Zeldas rechter Schulter lag. Und auch seine Prinzessin wand sich zu ihm, sodass ihre Nasenspitzen kurz aneinander stießen. „Unser kleiner, aus unseren Essenzen bestehender Freund, sah irgendwie älter aus, als das letzte Mal, da er uns besuchte.“ „Ich verstehe, was du meinst. Als er uns in Schicksalshort besuchte, war er vielleicht fünf Jahre alt und nun sieht er aus wie zehn oder elf.“ „Ja, heißt das, die Götter sind immer noch an seiner Existenz beteiligt? Können sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen.“ Leicht verärgert gab er Namenlos die Sporen, damit dieser ein wenig schneller trabte. „Dieser Junge hat es nicht verdient, ein Spielzeug der Götter zu sein. Ich wünschte...“ „Du bist einfach zu edelmütig, weißt du das?“, murmelte Zelda erheitert und lehnte sich genüsslich an seine starke Brust. „Liebst du das denn nicht?“, fragte Link, dessen Gehirn in dem Moment mal wieder abgeschalten hatte. Denn eine solche Frage zu stellen, war alles andere als selbstverständlich. Und beinahe hätte Zelda darauf eine eindeutige Antwort gegeben. Stattdessen schwieg sie... Sie reisten weiter, vorbei an übernatürlich und gespenstisch wirkenden Stromschnellen von gigantischer Größe, in der Nähe von riesigen Wasserfällen vorbei, bis sie beide schließlich einen gefrorenen, in die Länge gezogenen See unter aller Vorsichtsmaßnahmen und sehr langsam überqueren wollten. Sorgsam blickte Link an den steilen Felshängen hinauf, die den See fast schützend einnahmen. Nirgendwo ein Ufer oder eine Brücke. Es gab keinen anderen Weg, außer eine Umkehr... Links tiefblauen Augen wanderten weiter, erblickten die weißen Hänge in tausend Metern Höhe und allmählich wurde ihm ein wenig mulmig zumute. Aber, wie gesagt, einen anderen Weg gab es nicht. Und Umkehren wäre eine schlechte Idee, da sie ohnehin unter Zeitdruck standen. „Was hältst du davon, Zelda?“ „Vielleicht sollten wir dennoch umkehren“, meinte sie. In dem Moment hörten die Beiden ein merkwürdiges Geräusch, etwas Dumpfes, das sich ihnen näherte. Ähnlich Schritten oder einem in wohlgeordneten Rhythmus schlagendem Stapfen auf den kalten Boden. Beunruhigt sprang Link von Namenlos und blickte mit seinen scharfen Augen zurück, erkannte weit in der schneeweißen Landschaft Unmengen von dunklen Punkten, die sich unaufhaltsam in ihre Richtung bewegten. Ergriffen von Hast sprang der Heroe wieder auf das Pferd und ergriff die Zügel. „Wir können nicht umkehren.“, sagte er und machte Zelda damit unmissverständlich deutlich, dass sich etwas näherte. „Eine Dämonenarmee Ganons ist bereits hinter uns.“ Vorsichtig führte Link das Pferd am Rand des Sees entlang, während das Eis unter ihnen sich bog und leise Splittergeräusche von sich gab. Langsam tapste der schwarze Hengst voran und nur seine Hufe, die auf der kalten Eisschicht aufschlugen waren hörbar. Erneut ein Splittern und hastig brachte Link das Pferd zum Stehen, blickte über den zugefrorenen See und dessen rauer Oberfläche. Riss um Riss bildete sich auf der gefrorenen Oberfläche, wo Schnee den See bedeckte und nur ein guter Beobachter überhaupt einen See wahrnehmen konnte. „Link, beeil dich“, sagte Zelda aufgeregt. Und Namenlos galoppierte sachte über den See. Inzwischen drangen Trommelgeräusche mit unverkennbarem Moblingesängen an die Ohren der beiden Hylianer. Trommeln auf einer Wüste aus Eis, die ein mattes und doch gefährliches Echo über die Weiten des Zorareiches schickten und von Mordlust, Wahnsinn und Herzlosigkeit erzählten. Töne, die noch mehr Elend heraufbeschwören konnten. „Wie haben die uns bloß gefunden?“, sagte Link laut, als Namenlos zunehmend schneller über das Eis preschte. Zelda antwortete nichts darauf und starrte angsterfüllt hinauf zu den Hängen, wo sich die Trommelwirbel in puren Naturgewalten niederschlagen konnten. Nicht nur das Eis und der zugefrorene See machten ihr Angst, wohl eher die mit Schnee bedeckten, steilen Hänge rechts und links von ihnen. War das vielleicht die Absicht der Moblins? Die Erschaffung von Schneelawinen, anstatt sie beide endgültig einzuholen? Die Trommelgeräusche näherten sich, wurden wilder, stürmischer und riefen nach einem Sieg des Bösen, der doch nicht allzu weit entfernt sein konnte. Erschreckende Laute, angereichert mit Missgunst für gute Seelen. Ein Splittern und das Eis brach auf. Ein Riss breitete sich aus wie Blut, welches über gestorbenen Erdboden entlang sickerte. Und Namenlos kämpfte weiter, hetzte so schnell er konnte über den See, doch das Ufer würde es nicht mehr erreichen. Ein greller Schrei aus Zeldas Kehle erklang, als Namenlos den Halt verlor und mit den Hinterhufen im gnadenlos kalten See versank. „Spring ab!“, brüllte Link und riss seine Prinzessin ruckartig mit ihm hinab. Nur schwerlich fanden sie beide liegend Halt auf einigen Schollen des Sees. Entsetzt schaute Link zu dem hilflosen Pferd, dass halb unter der Wasseroberfläche versank und kämpfte. Ein aufgeregtes Wiehern, ein kläglicher Laut, den es aussendete, fast einem Hilferuf. Wassertropfen wurden aufgewirbelt und weitere Laute des Pferdes schallten umher. „Verdammt!“, brüllte Link fassungslos, als der Pferd plötzlich sich nicht mehr wehrte, endgültig unter ging und sich nicht mehr zeigte. Es hatte den Kampf mit dem kalten Eiswasser absichtlich verloren. „Es ist unsere Schuld“, setzte Link hinzu uns schlug mit einer Faust auf das Eis ein. Zelda tastete nach Links eisiger Hand und schenkte ihm einen tröstenden Blick. „Wir können es doch nicht einfach ertrinken lassen“, sagte er energisch. Link krabbelte näher an die Stelle, an welcher Namenlos versank und blickte in die tiefe, stumme Dunkelheit des Sees. „Mist“, brüllte Link erneut und schaute hinab, wünschte, er könnte irgendetwas tun. Schon fast dabei in das eisige Wasser zuspringen, fühlte der Heroe plötzlich einen Stups von Zelda an seine Schulter. „Du wirst es nicht glauben, aber schau doch mal nach vorne“, meinte sie. Und Link erhielt beinahe den Schock seines Lebens. Zufrieden stand Namenlos am Ufer des Sees und wartete auf die beiden zur guten Seite gehörenden Hylianer. „Was ich mir überhaupt Sorgen gemacht habe...“, grummelte Link und schüttelte den Kopf. „Eben das Pferd einer Göttin. Es ist sicherlich nicht sterblich...“, meinte Zelda und atmete tief ein, angesichts der Kälte und Nässe ringsherum. Damit krochen die beiden liegend über den See, hoffend, die Risse in dem See würden sich nicht noch vervielfältigen. Und weiterhin schallten Trommelgeräusche durch die Luft, brachten die Schollen in dem See zum Vibrieren, erzeugten weitere Risse. Zelda verlor langsam die Geduld, zog sich nur unter Aufbietung aller Kräfte vorwärts. Das Rauschen in ihren Ohren wurde schlimmer, ihre Atmung gezwungener und pfeifender. Ihre Wunde brannte erneut, was sicherlich mit dieser Anstrengung zu tun hatte. Aber sie wollte kämpfen, sie wollte stark sein und krabbelte weiter, zog sich über das glatte rutschige Eis und blickte Link hinterher, der sich immer weiter von ihr entfernte. Ihre Arme wurden tauber und ein ungewolltes Zittern überkam sie. Die einstige Prinzessin Hyrules hielt an und schnappte nach Luft. Kleine Nebelschwaden bildeten sich vor ihrem Gesicht, die sie nur noch verschwommen wahrnahm. Zelda blickte zu Link, erkannte ihn nur noch verblichen vor sich und hörte fortwährend die beunruhigenden Trommelgeräusche. Sie schloss ihre Augen und blieb mit einem Schlag erschöpft liegen. In dem Augenblick splitterte das Eis erneut und Link sah wie sich die Risse verteilten, sah, wie die Risse länger wurden. Dann wanderten seine Augen erschrocken zu seinem Engel, der sich nicht mehr rührte. „Zelda!“, fauchte Link und hastig zog er sich auf seinen Armen abstützend in ihre Nähe. Aber sie reagierte nicht und Link sah zu, wie sich das Eis um sie herum stückchenweise von dem restlichen Eisbrocken ablöste. Link krabbelte schneller und brüllte ihren Namen, aber Zelda schien endgültig das Bewusstsein verloren zu haben. Ein berstender Ton, ein weiteres Splittern und das Eis unter ihrem mitgenommenen Körper gab nach. Mit einem Schlag zerbrach die Stelle, auf der Zelda ruhte. Entsetzt sah Link zu, wie auch Zelda langsam in dem See verschwand. Link sprang auf, kümmerte sich nicht darum, dass nun auch der Rest des Sees splitterte und hetzte zu ihr, sprang in das eisige Wasser hinein. Link versuchte den Schmerzeffekt zu unterdrücken, als das kalte Wasser sich um ihn legte. Ein Gefühl, als ob jede Körperzelle aufhören wollte zu leben, ein Gefühl, wie als ob das Herz stehen bleiben wollte, begleitet von Qual und Lähmung. Link tauchte in der erbarmungslosen Kälte, spürte des Schlagen der Kälte in sein Gesicht, an seinen bloßen Händen, das Schockgefühl, und sah Zelda langsam nach unten gleiten. Sie rührte sich nicht. Ihre blondes Haar umhüllte wie ein Schleier ihr Gesicht und mit jeder Bewegung bewegten sich die goldenen Haarsträhnen in dem Wasser zu einem stummen Rhythmus. Kleine und große Luftbläschen stiegen von ihren blassen Lippen nach oben. Link schwamm so schnell er konnte, packte sie unter ihren Schultern und zerrte sie nach oben. Viele Minuten später brach ein erschöpfter, zitternder Link mit Zelda auf seinen Armen am Ufer des Sees auf seine Knie. Er hatte sich durch die Kälte und die Eisschollen hindurchgekämpft und kein Gefühl mehr in seinen durchgefrorenen Gliedern. Hastig tankte er Luft und fror am ganzen Leib. Aufgewühlt gab er Zelda sanfte Ohrfeigen an ihre eisigen, schwachrosa Wangen, bis sie blinzelte und Wasser spuckte. Sie sah ihn an, erblickte einige Schürfwunden an seiner Stirn und sah, wie fertig er sich fühlte. „Entschuldige...“, brachte sie Wasser spuckend hervor und spürte die Kälte und Nässe ihrer durchgeweichten Kleidung. In dem Moment versagten jegliche Kräfte, die Link noch hatte, und er fiel rücklings auf den kalten Schnee, schloss seine Augen und versuchte nicht an die bittere Kälte zu denken. Und im Hintergrund erklangen die gefährlichen Trommeln, kamen näher, bis in etwa fünfzig Vasallen Ganons am anderen Ufer des Sees standen und hämisch zu Link und Zelda gafften. Doch sie wagten sich nicht über den See, blieben, wo sie waren, schlugen todbringend mit ihren Waffen auf den mit Schnee bedeckten Boden ein, stapften mit ihren eisenversehenen Lederstiefeln auf dem Boden herum und trommelten, was das Zeug hielt. Mit letzter Kraft stiegen die beiden bis auf die Knochen durchgefrorenen Hylianer auf das Pferd, rieben sich die Hände, zitterten und hofften auf Wärme in der Nähe des anderen. Ohne einen weiteren Blick zu den Vasallen Ganons verschwanden sie in der grauen Wüste aus Schnee und Eis. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)