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Bodyguard

von

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Wieder war eine gute Woche vergangen. Die Dreharbeiten neigten sich hier in Japan dem Ende zu. Von dem Verfasser der Briefe, war keine neue Karte mehr gekommen und Jodie fragte sich, ob dies nun ein gutes oder schlechtes Zeichen war. Erst gestern noch hatte sie mit Ihrem Schützling erneut das Gespräch bezüglich der Gefahr, welche von dem Stalker ausging, gesucht, doch wieder hatte Chris nichts davon wissen wollen. Fast schon hatte die Frau mit den hellblonden Haaren den Eindruck gemacht, als wenn sich das Thema für sie inzwischen erledigt hätte. ...als wüsste sie etwas, was Jodie nicht wusste. Diese Sorglosigkeit im Bezug auf den Stalker wollte so gar nicht zu dem eigentlichen Charakter der Schauspielerin passen. Die FBI Agentin fragte sich, wie die Ältere sich diesbezüglich nur so unbekümmert geben konnte und doch wusste sie, dass es wenig bringen würde, sie erneut darauf anzusprechen, hatte Chris diesen Gesprächsansatz doch auch gestern sofort wieder sehr bestimmt abgeblockt.

 

Es war bereits Abend, als sie noch einmal die Wohnung verließ und durch die Stadt lief. Ihr Kühlschrank war so gut wie leer und da sie tagsüber beschäftigt war, musste sie eben abends einkaufen gehen.

Die junge Frau kuschelte sich noch ein wenig mehr in ihren Schal und fröstelte. Inzwischen war es deutlich abgekühlt. Die Bäume trugen kaum noch Blätter und das Wetter war nur noch verregneter und kälter geworden. Wenn das so weiter ging, würde der Winter dieses Jahr sehr früh vor der Tür stehen.

Während sie den Weg zum nächsten Supermarkt einschlug, hing sie ihren Gedanken nach. In der Sache, in welcher sie selbst ermittelte, gab es zwar keine neuen Erkenntnisse, dennoch gab es Neuigkeiten. Erst heute Nachmittag hatte sie erfahren, dass ein weiteres kleines Team des FBI nach Japan gereist war. Sie hatte gehört, dass ihre Kollegen einem Hinweis auf eine Verbrecherbande gefolgt waren.

Alles, was sie diesbezüglich mitbekommen hatte war, dass diese Verbrecher wohl weitaus einflussreicher waren, als es normal war. Auch schienen die meisten von ihnen keine Probleme damit zu haben zu töten. Dieser Fakt war weitaus schlimmer als die Summen an Schwarzgeld, mit denen sie vermutlich jonglierten Was wirklich seltsam war, war die Tatsache, dass die Mitglieder dieser Verbrecherbande wohl unter den Decknamen von alkoholischen Getränken agierten.

Die Spur hatte das FBI bis hier her nach Japan geführt. Jodie würde zu gegebener Zeit noch einmal nachhaken um mehr Informationen über den Fall zu erhalten. So weit sie wusste, war auch Shuichi Akai, ihr Exfreund, wegen dieses Falls nun hier in Japan.

Immer noch war es ein seltsames Gefühl, inzwischen wieder so unbefangen miteinander zu reden, aber sie würde früher oder später Kontakt zu ihm aufnehmen, allein schon um ein wenig genauer in Erfahrung zu bringen, um was für einen Fall es sich handelte, wegen dem er nun hier her nach Japan gereist war. Die Sache klang ziemlich gefährlich, wenn sie ehrlich sein sollte...

 

Ganz in Gedanken hatte sie automatisch eine kleine Abkürzung eingeschlagen, um schneller beim Supermarkt zu sein. Zu allem Übel fing es nun auch noch an zu regnen, da wollte die junge Agentin sich nicht länger als nötig draußen aufhalten.

Lediglich eine kurze Nebenstraße trennte sie nun noch von ihrem Ziel. In der Ferne konnte Jodie bereits den Parkplatz vor dem Supermarkt erkennen, welcher von einigen Straßenlaternen schwach beleuchtet wurde. Leider war die unscheinbare Straße, über welche sie soeben lief, wesentlich schlechter beleuchtet. Die Blondine achtete auf den Boden, um weder in Pfützen, noch in irgendein Schlagloch zu treten. Hinter sich hörte sie Schritte, was jedoch nicht weiter ungewöhnlich war, lebten hier in Tokio nun einmal eine ganze Menge Menschen.

Sie hatte den Parkplatz des Supermarktes fast erreicht, als eine Gestalt aus dem Schatten eines Hauseingangs trat und ihr den Weg versperrte.

„So sieht man sich wieder.“, grüßte der Unbekannte. Sein Tonfall war hämisch, seine Mimik hingegen war nicht zu erkennen, da eine schwarze Skimaske dein Gesicht verbarg.

„Heute ganz allein unterwegs?“, höhnte eine Stimme hinter ihr, ehe die junge Frau noch eine Antwort geben konnte.

Die Agentin fuhr herum und entdeckte zwei weitere maskierte Gestalten hinter sich. Zwar konnte sie die Gesichter der Männer nicht erkennen, doch war Jodie fast sofort klar, um wen es sich hier handeln musste. Waren das nicht die beiden Typen, die Chris und sie neulich in der Seitenstraße ausrauben wollten? Lediglich eine Sache war anders – die beiden Typen hatten nun noch eine weitere Person bei sich.

„Ihr schon wieder.“, stellte sie wenig erfreut fest. „Legt ihr es immer noch darauf an, Frauen in Seitenstraßen zu überfallen?“ Die Stimme der Blondine klang ruhig und gelassen, hatte man sie in ihrem Job auf Situationen wie diese vorbereitet, innerlich spürte sie jedoch, wie das Adrenalin ihren Körper durchströmte. Das hier war gar nicht gut. Als sie sich neulich gezwungenermaßen mit zwei dieser Gestalten hatte anlegen müssen, war die Situation ja schon gefährlich genug gewesen, doch nun stand sie gleich drei Kriminellen gegenüber.

„Das geht dich gar nichts an!“, blaffte der Typ, der ihr den Weg zum Parkplatz des Supermarktes versperrte, sie an.

„Hab gehört, du hast meinen beiden Kumpeln neulich ganz schön zugesetzt. Ich fürchte nur, dass dir das heute nicht mehr so einfach gelingen wird.“, ergriff der Dritte im Bunde das Wort. Etwas Silbernes blitzte in seiner Hand auf und die junge Frau erkannte, dass es ein Klappmesser war, welches er da hielt.

„Du warst neulich ganz schön dreist. Sind alle Europäerinnen so?“, erhob nun der Mann, der neben dem Maskierten mit dem Messer stand, das Wort.

„Heute werden wir dir beibringen, wie man sich benimmt!“, verkündete der Typ, der in Richtung des Supermarktes stand, ehe er einen Teleskopschlagstock aus seiner Jackentasche zauberte.

Angespannt fuhr die junge Agentin herum und versuchte alle drei Angreifer im Auge zu behalten, welche sich ihr gleichzeitig näherten.

„Wie mutig von euch, zu dritt auf eine einzelne Frau loszugehen.“, zischte sie.

Schon stürzte der erste Angreifer heran. Jodie reagierte schnell, nutzte den Schwung des Angreifers und rammte ihm das Knie in die Magengegend. Der Maskierte stieß einen Schmerzenslaut aus und taumelte zumindest für den Moment ein Stück zurück.

Von links sah sie aus dem Augenwinkel etwas Glänzendes auf sich zurauschen. Sie versuchte sich so schnell wie möglich zur Seite zu drehen und hatte noch einmal Glück im Unglück. Die Messerklinge schlitzte lediglich ihre Jacke auf, traf jedoch keine Haut.

Zeit um einen Gegenangriff zu starten blieb nicht, traf sie da doch schon etwas im Rücken. Ein brennender Schmerz breitete sich über ihren Rücken aus. Die FBI Agentin musste nicht extra hinsehen um zu wissen, dass der Teleskopschlagstock sie getroffen hatte.

Sie strauchelte nach vorne und noch in der Bewegung trat der Angreifer ihr in die Kniekehle. Es ging abwärts. Die Blondine rollte sich im Fall auf die Seite und entging dadurch knapp einem Tritt des Typen, welcher das Messer in der Hand hielt.

„Damn...!“ Die junge Frau wusste, dass sie vom Boden aus noch schlechtere Chancen hatte halbwegs unbeschadet aus der ganzen Sache herauszukommen, als gerade noch.

Der Maskierte, dem sie eben noch das Knie in den Magen gerammt hatte, baute sich vor ihr auf und rächte sich, indem er ihr in den Bauch trat, ohne dass sie auch nur ansatzweise Zeit gehabt hätte, wieder aufzustehen. Sie versuchte einen Schmerzenslaut zu unterdrücken. Hier auf dem nassen Boden liegend und von drei Angreifern umzingelt, hatte sie inzwischen wirklich die Angst gepackt, auch wenn das vielleicht unprofessionell war.

„Was denn? Wo ist deine große Klappe von neulich hin?“, amüsierte sich der Maskierte mit dem Schlagstock. Er holte in einer weit ausladenden Geste mit der Waffe aus.

Jodie rollte sich zusammen, um wenigstens ihr Gesicht vor dem Angriff zu schützen, doch als der Mann zum Schlag ausholte, dröhnte das Motorengeräusch eines Motorrads auf die Gruppe zu.

Im nächsten Moment kam die Maschine auch schon zum stehen. Das Licht des Motorrads beleuchtete die Seitenstraße zumindest ein klein wenig.

Der unerwartete Besuch hatte die drei Schläger zumindest kurz innehalten lassen.

Auch Jodie spähte zu der unbekannten Person auf und erblickte eine schlanke, vollständig in schwarz gekleidete Motorradfahrerin, welche in einer fließenden Bewegung von der Maschine glitt und wortlos den rechten Arm nach vorne streckte.

„Heeey! Was willst du de-“, begann einer der Maskierten zu pöbeln, brach jedoch mitten im Satz ab und wurde herumgerissen, als ein Schuss seine Schulter traf.

Der ohrenbetäubende Knall, den der Schuss eigentlich hätte verursachen müssen, blieb aus. Stattdessen war nur ein leises 'pock' zu hören. Die Waffe war mit einem Schalldämpfer ausgerüstet.

Im ersten Schockmoment hatte der Getroffene kein Wort herausgebracht, doch in der nächsten Sekunde brüllte er vor Schmerz laut auf.

Den Arm weiterhin ausgestreckt, zielte die Motorradfahrerin erneut. Ein zweiter Schuss traf den Kriminellen am Oberschenkel und ließ ihn zu Boden gehen, wo er sich unter Schmerzensschreien wand.

„Oh Scheiße! Die Alte hat ne Waffe!“, rief einer der beiden unverletzten Maskierten aus und wich hastig einen Schritt zurück.

Aufgrund des Motorradhelms konnte man ihr Gesicht nicht gut erkennen, doch die ganze Körperhaltung der Unbekannten ließ darauf schließen, dass sie keine Miene verzog.

Die Frau bewegte sich kaum. Das war auch nicht nötig, reichte eine minimale Bewegung doch schon aus, um den Typen, der bereits vor ihr zurückwich, ins Visier zu nehmen.

Wieder fiel ein Schuss, der den Unglücklichen in den Unterbauch traf und zusammensacken ließ.

Mit Entsetzen beobachtete Jodie, wie der Mann, der sie eben noch angegriffen hatte, zu Boden fiel. Auf seiner Jacke zeichnete sich bald schon ein roter Fleck ab, der von Sekunde zu Sekunde größer wurde. Das Blut lief in eine der Pfützen und vermischte sich dort mit dem Wasser.

„Bitte lass mich in Ruhe! Bleib weg!“ Die Stimme des dritten Maskierten war nun mehr ein schrilles, panisches Kreischen als alles andere. Der Mann drehte Jodie und der Unbekannten den Rücken zu und floh in Richtung des Supermarktes.

Inzwischen hatte die FBI Agentin sich zumindest wieder in eine sitzende Position begeben können. Dennoch war sie von hier aus nicht in der Lage, die nächste Katastrophe zu verhindern.

Der panische Mann floh, die Fremde richtete die Waffe auf ihn und zielte.

„Nooo! Stop it!“, hörte die Blondine sich selbst schreien.

'Pock' – durch den Schalldämpfer war der Schuss kaum zu hören. 'Pock' – ein zweiter Schuss, schnell, präzise, gnadenlos und eiskalt.

Der Maskierte fuhr zusammen, als die beiden Kugeln ihn in den Rücken trafen. Dann sacke er zu Boden und blieb reglos liegen.

Jodie kam sich vor wie in einem schlechten Film. Natürlich war sie im ersten Moment froh gewesen, dass eine Person ihr scheinbar zur Hilfe geeilt war, doch dann hatte die Helferin eine Pistole, die noch dazu mit einem Schalldämpfer ausgerüstet war, gezückt und kaltblütig alle drei Angreifer niedergeschossen.

Vom Regen durchweicht, saß sie wie erstarrt da. Sie konnte nichts dagegen unternehmen, dass sie zitterte. Bis auf das Zittern jedoch, war ihr Körper wie gelähmt.

Nun wandte die Schützin sich ihr zu, schwieg weiterhin eisern und richtete für einen Moment die Waffe auf sie.

Der Agentin stockte der Atem. Fünf Schüsse hatte diese Frau soeben abgegeben, um die drei Maskierten niederzustrecken. Sie kannte dieses Pistolenmodell – ein Schuss war noch übrig.

Der jungen Frau schnürte sich die Kehle zu.

Doch dann...anstatt auch ihr noch eine Kugel in den Körper zu jagen, steckte die Schützin die Waffe wieder ein, nickte ihr kaum merklich zu und schwang sich im nächsten Moment auch schon wieder elegant zurück auf ihr Motorrad. Der Motor heulte auf, dann sauste sie auf und davon.

Jodie starrte der Schützin noch einen Moment lang nach. Lange hellblonde Haare lugten unter dem Motorradhelm hervor und wehten im Wind, als die Frau mit einem wahnsinns Tempo über den Parkplatz des Supermarktes jagte, abbog und schließlich in der Stadt verschwand.

Der Agentin wurde schlecht. Ja, die Motorradfahrerin hatte ihr Leben verschont und ja, selbst hier in Japan fand sich sicherlich die ein oder andere Frau mit langen, hellblonden Haaren, doch obwohl sie das Gesicht der Anderen durch den Motorradhelm fast nicht hatte sehen können, so hatte sie doch die Art und Weise wiedererkannt, wie sie sich bewegte.

Oft hatte sie dieser Frau bereits zugesehen. Fasziniert hatte sie schon einmal verfolgt, wie die Andere sich mit einer ähnlich fließenden und eleganten Bewegung, nicht auf ein Motorrad, sondern auf ein Krankenbett geschwungen hatte. Im Film galt es, mit beiden Händen Druck auf eine angeblich stark blutende Wunde eines Unfallopfers auszuüben, während ihre Schauspielerkollegen das Krankenbett samt Patient und Oberärztin im Laufschritt in Richtung OP geschoben hatten.

Normalerweise war sie fasziniert von der Eleganz, die die Schauspielerin bei jeder ihrer Bewegungen ausstrahlte, nun jedoch blickte sie ihr fassungslos nach, ehe ihr Blick schließlich auf die drei am Boden liegenden Gestalten fiel, deren Blut sich langsam mit dem Regenwasser vermischte.

„Nein...bitte lass das nicht wahr sein.“, flehte sie mit brüchiger Stimme.

Chris hatte sie vor den Angreifern gerettet, allerdings hatte Chris auch eine Pistole mit Schalldämpfer in der Hand gehalten und die drei Maskierten mit einer erschreckenden Präzision und ohne jede Gnade niedergeschossen.

Das Bild ihres Schützlings, welches Jodie sich in den letzten Wochen mühsam gebildet hatte, zersprang in 1000 Scherben.

Sie war wahrlich entsetzt, doch als ihr Blick erneut auf die drei Opfer fiel, riss die FBI Agentin sich schließlich aus ihrer Starre, schaffte es den Schmerz und die Verwirrung für den Moment zur Seite zu drängen und kämpfte sich auf die Beine.

Rasch kontrollierte sie den ersten Maskierten. Er atmete. Schwach aber regelmäßig. Eiligst stolperte sie nun auch zu Opfer 2 und 3. Alle lebten sie noch.

Damit das auch so blieb, kramte Jodie rasch ihr Handy aus ihrer Handtasche und alarmierte den Rettungsdienst.

Inzwischen hatten einige Gäste des Supermarktes die Verletzten bemerkt und eilten zur Hilfe.

„Was ist passiert?“, wollte eine Frau mittleren Alters entsetzt wissen.

„Sie sind angeschossen worden. Der Rettungsdienst ist informiert.“, informierte Jodie knapp.

Immer mehr Leute trafen am Unfallort ein.

„Bitte bleiben Sie bei den Verletzten, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Ich bin Polizistin. Ich muss dem Angreifer hinterher.“, erklärte sie schließlich, gab der Menge keine Zeit um weitere Fragen zu stellen und eilte los.

Zwar war sie keine Polizistin, aber als Agentin des FBIs war sie sehr wohl befugt dazu, der Motorradfahrerin nachzujagen. Ihre Aussage würde sie zu einem späteren Zeitpunkt wohl oder übel machen müssen.

Die Blondine eilte aus der Seitenstraße, dann lief sie schneller und rannte schließlich durch den Regen in Richtung ihres Wohnhauses. Chris hatte inzwischen eh schon einen so großen Vorsprung, dass sie sich fragte, wie sie die Ältere überhaupt einholen, geschweige denn erst einmal wiederfinden sollte, doch zu Fuß war diese Aufgabe noch schwieriger. Sie brauchte ihr Auto.

 

Wenig später lenkte die Agentin das Fahrzeug mit quietschenden Reifen auf die Hauptstraße. Sie hatte keine Ahnung, wo sie nach der Schauspielerin suchen sollte.

Die andere Blondine, von der sie inzwischen so überzeugt gewesen war, dass sie eine weiße Weste hatte, schien zweifelsohne doch eine zweite und kriminelle Karriere zu haben. So professionell und gnadenlos, wie sie die drei Männer eben niedergeschossen hatte, konnten das keine Glückstreffer gewesen sein. Chris wusste ganz genau was sie tat.

Und dann fiel es Jodie wie Schuppen von den Augen. Als diese Maskierten Chris und sie das erste mal angegriffen hatten, war die Schauspielerin ganz ruhig geblieben. Damals hatte Jodie noch geglaubt, die Ältere hätte einfach eine gute Selbstbeherrschung, doch langsam dämmerte es ihr, dass sie zu keiner Zeit wirklich in Panik gewesen war, da sie mehr als nur geschickt im Umgang mit der Waffe war.

Und die Briefe des Stalkers? Chris hatte sich nie sonderlich besorgt gegeben, weil sie sich vermutlich auch nie wirklich bedroht gefühlt hatte. Ob sie am Ende sogar noch Freunde hatte, die sich dem Problem mit dem Stalker früher oder später annehmen würden?

Die FBI Agentin fragte sich unweigerlich, wie gut sie die Schauspielerin wirklich kannte. Hatte auch nur ein Fünkchen Ehrlichkeit in ihren Worten gesteckt, wenn sie sich unterhalten hatten, oder war all das am Ende nur eine weitere, grandiose schauspielerische Leistung?

Der Blondine war klar, dass sie eigentlich die Polizei und am besten auch noch ihre Kollegen des FBIs über den Vorfall in Kenntnis setzen sollte, damit sie gemeinsam nach der Flüchtigen Ausschau halten konnten, aber irgendetwas hielt sie davon ab.

Selbst nach einem Vorfall wie diesem, hoffte die junge Frau, dass sie die Gelegenheit erhalten würde, zuerst einmal allein mit der Kriminellen zu sprechen.

 

Der silberne Wagen jagte durch die Stadt. Zwar hatte Jodie keine Ahnung, wo genau sie mit ihrer Suche beginnen sollte, doch hatte sie ganz automatisch zuerst einmal den Weg zur Wohnung ihres Schützlings eingeschlagen.

Um diese Uhrzeit waren die Straßen ziemlich überfüllt, hatten viele Bewohner Tokios doch inzwischen Feierabend und waren entweder auf dem Heimweg, oder aber waren noch einmal losgefahren, um einige Einkäufe zu erledigen.

Als die Blondine gezwungenermaßen an einer roten Ampel Halt machte, konnte sie ein Fluchen nicht unterdrücken. „Damn it! I need to find her...!“ Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern unbewusst auf dem Lenkrad herum. Wann schlug diese Ampel endlich wieder um?!

Als es endlich wieder so weit war und sie weiterfahren konnte, bog sie schließlich in rasantem Tempo rechts ab und lenkte das Fahrzeug in eine weniger stark befahrene Nebenstraße. Auch wenn sie nun etwas besser voran kam, die Fahrt bis in das Viertel, in dem die Schauspielerin wohnte, hatte sie einiges an Zeit gekostet. Ganz zu schweigen natürlich von der Zeit die es gebraucht hatte, überhaupt erst einmal ihr Auto zu holen. Um diese Uhrzeit war es wirklich nicht leicht mit dem Auto voranzukommen. Chris, die mit ihrem Motorrad unterwegs war, würde dieses Problem bestimmt nicht haben. Die Andere hatte inzwischen so einen Vorsprung, dass Jodie bezweifelte, sie überhaupt noch einzuholen. Allein dafür hätte sie ja schon wissen müssen, in welche Richtung die flüchtige Kriminelle nun eigentlich unterwegs war. Chris konnte überall in der Stadt sein. Wenn die andere Blondine nicht gefunden werden wollte, würde sie sie auch kaum finden.

Ihre einzige Chance bestand darin, ihrer Zielperson eher zufällig zu begegnen. In erster Linie jedoch hoffte Jodie, dass sie ihren Schützling Zuhause antreffen würde. Ob die Ältere sich der Tatsache bewusst war, dass die FBI Agentin sie unter dem Motorradhelm erkannt hatte? Sollte sie in dem Glauben sein, unerkannt geblieben zu sein, bestand immerhin eine reelle Chance, sie in ihrer Wohnung anzutreffen.

Wohl oder übel würde Jodie die Behörden einschalten müssen, dennoch hoffte sie, dass sie Chris zuerst fand, um die Chance zu haben, mit ihr zu reden.

 

Schließlich hatte sie das Haus, in welchem die Schauspielerin wohnte, erreicht. Da sie ausgerechnet heute natürlich keinen Parkplatz vor dem Gebäude fand, blieb ihr nichts anderes übrig als in zweiter Reihe zu parken und zu hoffen, dass sie dafür kein Knöllchen kassieren würde. Selbst wenn, wenn sie Chris hier antraf, wäre es die Sache schon wert.

Die junge Agentin eilte auf das Gebäude zu, stellte erfreut fest, dass die Tür zum Haus erneut nur angelehnt war und sie ungehindert das Treppenhaus betreten konnte.

Ganz automatisch lief sie die Treppen hoch und bog dann in den Laubengang ein, welcher zur Wohnung der amerikanischen Schauspielerin führte.

Auf ihrem Weg rasten ihre Gedanken. Sie wollte immer noch nicht wahrhaben, dass ausgerechnet Chris auf diese Leute geschossen haben sollte. Die Schüsse waren so präzise gewesen und die Frau hatte selbst dann keine Gnade gekannt, als einer der Männer versucht hatte zu fliehen.

Jodie schüttelte den Kopf. In den letzten Wochen war sie so überzeugt davon gewesen, dass das FBI fälschlicherweise gegen Chris ermittelte. Die Andere hatte sich in der ganzen Zeit über nie etwas zu Schulden kommen lassen und war so wichtig für die Blondine geworden. Und ausgerechnet jetzt zeigte die Schauspielerin ihr wahres Gesicht?

Jodie hatte die Wohnungstür erreicht und klingelte. Erst einmal, dann zweimal, dann klingelte sie Sturm. Sie musste wieder daran denken, wie sie neulich schon einmal vor dieser Tür gestanden und geschellt hatte, allerdings hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch befürchtet, ihrem Schützling seie etwas Furchtbares zugestoßen. Heute stand sie hier und klingelte, weil sie die Ältere zu Rede stellen wollte.

Ein kleiner Teil in ihr hoffte immer noch, dass es sich nur um ein Missverständnis handelte. Sie wünschte sich, dass Chris ihr gleich die Tür öffnen würde und irgendein Alibi hätte, mit welchem sie unmöglich die Schützin sein konnte. Irgendwie hoffte die junge FBI Agentin immer noch, dass es sich nur um eine Verwechslung gehandelt hatte und doch waren ihr die Bewegungen der Motorradfahrerin vorhin so vertraut vorgekommen, dass sie keinen Zweifel hatte, um wen es sich handelte.

Sie wartete einen Moment lang vor der Tür, doch in der Wohnung blieb es still. Jodie versuchte es noch einmal, indem sie nun gegen das Holz der Tür klopfte und nach der Wohnungsbesitzerin rief, doch auch diesmal erhielt sie keine Antwort.

Sie musste sich eingestehen, dass niemand Zuhause war. Sie hatte am falschen Ort nach der Schauspielerin gesucht. Mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend verließ die Agentin das Wohnhaus wieder, begab sich zurück zu ihrem Auto und startete den Motor.

 

Noch würde sie die Suche nicht aufgeben, die Frage war jedoch, wo genau sie als nächstes nach der Kriminellen suchen sollte. Hielt diese sich überhaupt an einem bestimmten Ort auf, oder fuhr sie ebenfalls immer noch durch die Stadt?

Jodie seufzte und schüttelte den Kopf. „Was hast du bloß getan...?“

Sie hätte es von Anfang an besser wissen müssen. Die Mutter der Schauspielerin war eine Mörderin. Sie war die Frau, die auf einen Schlag die komplette Kindheit der Agentin zerstört hatte. Warum hatte es dann ausgerechnet die Tochter dieser Frau sein müssen, für die sie nun so viel empfand? Der Apfel fiel bekanntlich nicht weit vom Stamm. Sie hätte es wissen müssen, doch als sie begonnen hatte, immer mehr den Menschen in Chris zu sehen und nach und nach begonnen hatte ihr zu vertrauen, hatte sie scheinbar nur die schöne Fassade der Älteren kennengelernt und nicht bemerkt, was sie im Inneren eigentlich war. „A rotten apple.“

Gesetz dem Fall natürlich, dass Chris in ihrer Gegenwart wirklich die ganze Zeit über nur geschauspielert hatte. Genau das wollte sie herausfinden. Sie hoffte auf eine direkte Konfrontation und darauf, eine ehrliche Antwort zu bekommen, ob die andere Blondine tatsächlich die ganze Zeit über nur mit ihr gespielt hatte, oder ob sie die Schauspielerin doch so kennengelernt hatte, wie sie eigentlich war. Sie wollte unbedingt in Erfahrung bringen, warum die Andere auf ihre Angreifer geschossen hatte. Hatte sie sie nur verteidigen wollen? Doch aus welchem Grund hatte sie dann so gnadenlos agiert?

 

Die Zeit verging. Jodie fuhr alle Plätze ab, die ihr spontan einfielen. Das Hauptgebäude des Filmteams, die Wege zwischen den einzelnen Drehorten, das Restaurant, in welchem sie in den Pausen oftmals zu Mittag gegessen hatten. Sogar den verdammten Zigarettenautomaten in der Seitenstraße, wo die beiden Frauen zuerst von den Maskierten angegriffen worden waren, steuerte sie an – ohne Erfolg.

Sie löste ein wahres Hupkonzert aus, als sie in Gedanken links abbog, ohne sich zuvor richtig umgesehen zu haben. Der Wagen, mit welchem sie bei dieser Aktion beinahe zusammengeprallt wäre, schaffte es gerade noch so zu bremsen. Der Fahrer fluchte. Jodie war die Sache unangenehm, dennoch gab sie mehr Gas und schoss auf und davon.

Inzwischen hatte die junge Blondine die Hoffnung schon fast aufgegeben, ihre Zielperson wirklich noch zu finden. Sie wusste nicht mehr, wo genau sie noch suchen sollte. Da ihr Weg sie zufällig in Richtung Hafengelände führte, lenkte sie den Wagen in diese abgelegene Gegend, ganz einfach der Spur folgend.

Das Handy der Agentin klingelte. Von jetzt auf gleich wieder hellwach und aufmerksam, blickte sie auf ihr Mobiltelefon, welches an der Freisprechanlage befestigt war.

Sie hoffte, den Namen ihres Schützlings auf dem Display zu erkennen, doch an Chris Stelle, wurde das Foto eines anderen vertrauten Gesichts angezeigt. Jodie nahm den Anruf entgegen.

„Shu? Ich habe schon gehört, dass du gerade auch in Japan bist, bin aber noch nicht dazu gekommen, dich anzurufen. Wie geht es dir?“

„Es gibt Neuigkeiten in dem Fall, in welchem du derzeit ermittelst. Wo genau bist du? Es ist wichtig.“, begrüßte Shuichi Akai sie, ohne lange um den heißen Brei herumzureden.

„Mit dem Auto unterwegs. Du bist immer noch direkt wie eh und je, was?“

„Entschuldige. Wir finden in den nächsten Tagen sicherlich die Zeit ein wenig miteinander zu reden, aber gerade geht es um den Fall, in welchem du derzeit ermittelst. Du bist vermutlich in Gefahr.“

Die Blondine horchte auf und zog eine Augenbraue leicht hoch, auch wenn Shuichi das am anderen Ende der Leitung natürlich nicht sehen konnte. „In Gefahr? Wie meinst du das?“, hakte sie nach.

„Hör zu : Die Fälle, in denen wir derzeit ermitteln, scheinen mehr miteinander zu tun zu haben, als anfangs geglaubt. Ich bin derweil einer Organisation, bestehend aus Schwerstkriminellen auf der Spur. Diese Leute sind absolut skrupellos. Um ihre Identität geheim zu halten, sprechen sie sich scheinbar selbst untereinander nur mit ihren Decknamen, welche alle etwas mit alkoholischen Getränken zu tun haben, an.“, begann ihr Gesprächspartner zu erklären.

Nachdem Jodie heute mitangesehen hatte, wie ihre Zielperson ohne jede Gnade drei Menschen niedergeschossen hatte, beschlich sie bereits jetzt ein ungutes Gefühl, auch wenn Shuichi ihr die Verbindung zwischen den beiden Fällen noch nicht genauer erläutert hatte.

„Ich habe schon gehört, dass du derzeit an einem sehr gefährlichen Fall arbeitest und wollte eigentlich in den nächsten Tagen mit dir darüber gesprochen haben, aber ich fürchte, dass du mir jetzt erst einmal erklären musst, was genau dein Fall mit meinem zu tun hat.“

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Chris Vineyard ein Teil dieser Organisation ist.“, lautete die Antwort.

Der FBI Agentin lief es eiskalt de Rücken herunter. Sie hatte schon fast damit gerechnet, das ihr Gesprächspartner ihr genau diese Antwort geben würde, doch hatte sie immer noch gehofft, dass es eine andere Erklärung dafür gab, warum die beiden Fälle scheinbar so miteinander verstrickt waren.

„Und wie genau kommst du darauf?“ Die Blondine lenkte den Wagen in eine schmalere Straße im Hafengebiet. Während sie von der Straße aus einen guten Blick auf den Hafen selbst und das Wasser hatte, würde sie von hier aus bald schon zu einigen Hallen gelangen, in welchen vermutlich die verschiedensten Güter gelagert wurden.

„Gerüchten zur Folge soll es in der Organisation ein Mitglied geben, welches mit Leichtigkeit die verschiedensten Identitäten annehmen kann. Unser Chef sagte, du hättest in deinem ersten Bericht erwähnt, dass dir deine Zielperson am ersten Abend beinahe entwischt wäre, weil sie sich so perfekt verkleidet und selbst ihre Stimme sehr glaubhaft verstellt hat.“

Die junge Frau fuhr nun langsamer, um im Hafengelände nicht die Orientierung zu verlieren.

„Und daraus allein schließt du, dass Chris ein Teil dieser Organisation ist, gegen die du ermittelst, Shu?“

Sie konnte hören, wie der andere FBI Agent ein leicht genervtes Seufzen ausstieß. „Nein, natürlich nicht. Ich bin derzeit einem ranghohen Mitglied dieser Bande namens Gin dicht auf den Fersen. Ein großgewachsener Mann mit langen, silbernen Haaren, falls dir das etwas gesagt. Es ist erwiesen, dass meine Zielperson und deine Schauspielerin Kontakt haben.“

Ob ihr dieser seltsame Silberhaarige etwas sagte, wollte Shuichi wissen? Nur all zu genau konnte Jodie sich an diesen verdächtigen Typen erinnern, welcher an diesem Abend vor ein paar Wochen gerade Chris Wohnung verlassen hatte, als sie sich gerade Zutritt in das Wohnhaus verschafft hatte.

Die amerikanische Schauspielerin hatte nie sehr viel über ihren Bekannten erzählt und ihr recht deutlich gemacht, dass sie auch nicht vorhatte, der Agentin irgendwelche Informationen über diesen Mann zu geben. Jodie wusste lediglich, das Chris und dieser Gin sich bereits seit einigen Wochen nicht mehr gesehen hatten, so weit sie das sagen konnte.

War sie bis vor ein paar Stunden doch noch davon überzeugt gewesen, die ältere Blondine langsam zu kennen, so wurde sie nun zunehmend von Zweifeln gepackt. In ihrem Kopf herrschte aktuell eine bodenlose Verwirrung. Sie wusste nicht mehr, was sie glauben konnte und was nicht. Was hatte Chris ihr nur vorgespielt und was hatte sie ernst gemeint?

Zu ihrer aktuellen Verwirrung, mischte sich zudem ein stetig stärker werdender Schmerz, hatte doch ausgerechnet die Tochter einer Mörderin und Brandstifterin es geschafft, sich unbemerkt so in ihr Herz zu schleichen.

Die Agentin hatte für einen Moment versucht ihre Gedanken zu ordnen und hatte geschwiegen, weshalb es ihr Kollege war, welcher erneut das Wort ergriff. „Wenn sie wirklich ein Mitglied dieser Organisation sein sollte, was sehr wahrscheinlich ist, dann ist diese Frau gefährlich, Jodie. Ich halte es für besser, wenn du in diesem Fall nicht mehr allein weiter ermittelst.“

Zwar hatte sie seine Worte klar und deutlich gehört, jedoch bemerkte die junge Frau in diesem Moment auch noch etwas ganz anderes, was nun ihre Aufmerksamkeit beanspruchte.

 

Jodie war recht planlos in diese verlassene Gegend der Stadt gefahren. Sie war nicht davon ausgegangen hier irgendetwas zu finden, was ihr auf ihrer Suche nach der Schauspielerin weiterhelfen könnte. Viel mehr war sie in den letzten zwanzig Minuten nur noch schlicht und ergreifend dem Straßenverlauf gefolgt und war auf diesem Wege hier gelandet. Sie rechnete absolut nicht damit, ausgerechnet hier im Hafen irgendeinen brauchbaren Hinweis darauf zu finden, wo genau sich Chris aufhalten könnte, doch da bemerkte sie plötzlich das Motorrad, welches im Schatten von einer der Lagerhallen abgestellt worden war.

Sie fuhr noch etwas langsamer und musterte das Motorrad, welches nun im Licht der Scheinwerfer ihres Wagens besser zu erkennen war.

Natürlich gab es mehr als eine dieser Maschinen, dennoch war sie sich ziemlich sicher, dass die Schützin vorhin auf genau so einem Motorrad geflohen war.

„Jodie?“, hakte Shuichi am anderen Ende der Leitung nach, dem das Schweigen seiner Gesprächspartnerin langsam seltsam vorkam.

Die Agentin parkte den Wagen ein kleines Stück hinter dem Motorrad und schaltete die Scheinwerfer aus, würden diese ihre Anwesenheit sonst noch schneller verraten, als es ihr lieb war.

„Stimmt was nicht?“, hakte ihr Kollege erneut nach.

„Ich habe gerade etwas entdeckt, was ich mir näher ansehen will. Ich rufe dich später zurück.“

Shuichi kannte die blonde Agentin zu gut und konnte ihren ernsten Tonfall daher leicht einordnen. Er wusste, dass sie vermutlich gerade im Begriff war etwas wirklich Unüberlegtes zu tun, weshalb er noch einmal versuchte sie davon abzuhalten. „Was genau hast du entdeckt? Wenn es irgendetwas mit dem Fall zu tun hat, dann mach jetzt auf keinen Fall allein weiter, hörst -“

Die junge Frau hatte das Telefonat beendet, schaltete ihr Handy vorsichtshalber lautlos und blickte sich noch einmal aufmerksam um, ehe sie schließlich aus dem Wagen stieg und die Tür leise wieder hinter sich schloss.

Ohne Licht war es hier im Hafen, umgeben von lauter Containern und Hallen, wirklich nicht leicht festzustellen, ob sich eine andere Person in der Nähe aufhielt, oder aber nicht.

Dennoch, das Motorrad, welches sie eben gefunden hatte, gehörte Chris, da war sie sich ziemlich sicher.

Wieder sah sie genau vor sich, wie die Andere vorhin auf die drei Maskierten geschossen hatte. Erneut hallten ihr die Worte ihres Kollegen, dem sie früher einmal so nahe gestanden hatte, im Kopf wieder. Wenn die Schauspielerin wirklich eine Kriminelle war und sich hier ganz in der Nähe aufhielt, dann konnte diese Sache wirklich gefährlich werden, andererseits hatte die Ältere auch vorhin nicht auf sie geschossen, obwohl sie die Gelegenheit dazu gehabt hatte.

Jodie war sich absolut nicht mehr sicher, wie sie die Schauspielerin nun einzuschätzen hatte, dennoch war da diese leise Stimme in ihrem Kopf, die ihr flüsterte, dass die Ältere ihr nichts tun würde, egal ob kriminell oder nicht.

 

Leise schlich die FBI Agentin an dem Motorrad, sowie einem Container vorbei. Sie verschwand im Schatten der nächsten Lagerhalle und beschloss, sich diese einmal genauer anzuschauen.

Die ersten paar Meter, die sie im Dunkeln um die alte Halle schlich, blieben vollkommen unauffällig. Als sie schließlich jedoch eine Stelle erreichte, an der ein Loch in der hölzernen Wand klaffte, konnte sie eine Stimme hören. Leise, aber klar und deutlich.

Die Blondine erkannte auf Anhieb, wem diese Stimme gehörte, doch das anfängliche Triumphgefühl, ihre Zielperson endlich gefunden zu haben, wich bald schon dem eiskalten Entsetzen, als sie ihre Worte hörte.

Jodie schlich näher an das Loch in der Wand heran und spähte in die Lagerhalle, wo sie eine in schwarz gekleidete Person entdeckte, welche an einem offen stehenden Container lehnte und telefonierte.

„Die Kontaktperson hat den USB-Stick genau wie verabredet in der Lagerhalle hinterlegt. Ich werde die Daten gleich prüfen, dann gebe ich dir noch einmal Bescheid. Du weißt, wie du weiter zu verfahren hast.“

Es herrschte einen Moment Stille, da die Person am anderen Ende der Leitung gerade antwortete.

„Ja, natürlich ist er nutzlos, wenn wir die Daten besitzen.“

Wieder herrschte einen Moment Stille. Als die Blondine wieder zu einer Antwort ansetzte, klang ihre Stimme missbilligend. „Ob du ihm jetzt eine Kugel in den Kopf jagen kannst, wie Calvados meinem verrückten Stalker gestern? Bist du schwer von Begriff?! Ich sagte, ich muss die Daten auf dem USB-Stick erst einmal überprüfen!“

Bei den Worten der Schauspielerin, welche ihre Anwesenheit noch nicht bemerkt hatte, wurde der Agentin eiskalt. Unbewusst hatte sie sich etwas enger an die Wand gedrückt, um auch wirklich nicht gesehen zu werden, doch bei der Aktion, löste sich ein Stück des morschen Holzes und fiel zu Boden.

Das Geräusch, als das Stück Holz auf den Boden fiel, hallte in der Lagerhalle wieder. Um diese Uhrzeit war das Gelände verlassen und folglich war es hier aktuell ziemlich still. Natürlich hatte Chris unter diesen Umständen das Geräusch gar nicht überhören können.

„Du tust noch gar nichts, verstanden. Ich rufe später zurück.“ Hastig beendete die Blondine das Telefonat und wandte sich in die Richtung, in der das Loch in der Wand klaffte. „Wer ist da?!“



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