Zum Inhalt der Seite
[English version English version]

Fate/Royale

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Beschwörung

Das hier. Das war einer dieser ganz besonderen Momente, in denen ich nicht wusste, was ich lieber täte: Meinen Kopf gegen die Tastatur knallen oder zum drölfzigsten Mal den Stecker dieses verdammten Routers ziehen. Nicht, dass eines davon irgendetwas ändern würde. Mein Internet lag lahm. Meine geliebte 100.000er Leitung hatte mich verlassen, war in die ewigen Jagdgründe des Datenverkehrs eingegangen und mit ihr auch meine Geduld. Ächzend wog ich für einen Moment lang ab, ob es die Mühe wert wäre, unter den Schreibtisch zu klettern, um auch die Stromleitungen alle nochmal neu zu verbinden, befand dann aber, dass ich mir das auch sparen konnte. War ja nicht so, als hätte ich das nicht alles schon probiert. Mehrfach.

Wäre dieser Router eine Person, ich hätte ihn kräftig geschüttelt und womöglich angeschrien, er möge bitte endlich zur Vernunft kommen und aufhören, sich so anzustellen, das sei albern. Jetzt aber stand das unscheinbare, schwarze Gerät nur mit blinkenden Lichtern da, die mir verkündeten, dass es keine Verbindung zum DNS-Server aufbauen konnte. Zumindest glaubte die Windows-Fehlersuche das. Schöner Mist.
 

„Maaaaau“, machte sich Jui neben mir bemerkbar. „Mraaaaa!“ Schon klar. Wenn der Router eh nicht wollte wie ich, was verschwendete ich auch meine Zeit mit dem Ding, wenn ich doch meinen Prinzen verwöhnen könnte. Da hatte der kleine Teufel natürlich völlig Recht. Mit einem Schmunzeln hob ich den Kater hoch, der sofort seinen Platz auf meiner Schulter suchte, um sich dann über meinen Nacken zu legen. Sein Lieblingsplatz könnte man sagen. Nach mehrmaligem Drehen war es ihm dann zum Glück auch bequem genug und dem unsteten Getrampel folgte ein zufriedenes Schnurren. „Du süßer kleiner Schatz, du“, säuselte ihm ihm entgegen und wurde sofort damit belohnt, dass er sich an meiner erhobenen rechten Hand rieb, mit der ich ihn eigentlich hatte unter dem Kinn kraulen wollen. So lästig mir der Router nun auch schon seit einigen Tagen – Pardon: Wochen! - war, so schnell machte Jui alles besser. Zwar wusste ich schon jetzt, dass diese Liebesbekundungen sehr bald ein jähes Ende finden würden und er es vorzöge, auf mir herum zu kauen statt zu kuscheln, doch für den Augenblick genoss ich es.
 

Den Kater noch auf den Schultern steuerte ich das Sofa an. Zeit für ein bisschen Oldschool-Schreiben. Hier irgendwo flog doch bestimmt noch eine meiner bunt beklebten Kladden herum und ein Kugelschreiber fände sich garantiert auch. Schrieb ich eben mal per Hand. Das würde mich ablenken und meine ganzen wirren Ideen zugleich ein wenig ordnen. Im Nu hatte ich beides gefunden und es mir in der Sofaecke bequem gemacht.

Wie sich Jui schließlich davonschlich, um in seine Höhle zu krabbeln, bekam ich nicht mehr mit. Die Worte flossen wie von selbst, so ungewohnt das Gefühl eines Kugelschreibers in der Hand auch war. Einfach alles herauszuschreiben, was sich so angesammelt hatte, tat einfach gut und die Zeit verflog nur so. Hätte man mich gefragt, ich hätte nicht sagen können, ob erst einige Minuten oder doch schon eine Stunde vergangen war. Der einzig sichere Hinweis darauf, dass ich doch schon ein geraumes Weilchen hier hockte, war das Gefühl verkrampfter Finger begleitet von einer markanten roten Erhebung am rechten Mittelfinger. Nichts davon allerdings hätte mich schon innehalten lassen. Was mich aufblicken ließ, war das flackernde Licht der Wohnzimmerlampe.

Ich warf einen missmutigen Blick nach oben. Dass die ausfiel, hatte mir jetzt noch gefehlt. Eine Ersatzbirne hatte ich nämlich nicht im Haus und im Fragefall hieße das, dass ich hier auf dem Sofa im Dunkeln saß oder aber die Leiter aus dem Keller hochholen müsste, um einen der kleinen Lampenschirme in meine Richtung zu drehen. So richtig Enthusiasmus konnte ich dafür nicht aufbringen, wenn ich ehrlich war. Da müsste eben die Schreibtischlampe herhalten.
 

Kurzentschlossen krabbelte ich vom Sofa, da fiel mein Blick auch auf den Bildschirm meines Computers, der ein rotes sternförmiges Zeichen zeigte, mit jeweils einer Kurve darüber und darunter zeigte, rot auf schwarz. Das Symbol, von dem ich schwören könnte, es noch nie zuvor gesehen zu haben, glühte förmlich. Mehr, als es meiner Meinung nach ein Bildschirmschoner gedurft hätte. Was zur Hölle…?

Der Bildschirm flackerte. Dann wurde alles dunkel. Die Lampen waren verloschen, der Schein des Bildschirms verschwunden. Finsternis umhüllte mich, die viel tiefer war, als sie es in meinem Wohnzimmer jemals hätte sein können. Eiskalt lief es mir den Rücken herunter. Ich hatte zu viele Horrorfilme gesehen, um mich noch sicher zu fühlen. Panik stieg in mir auf. Kam jetzt gleich irgendein Geist oder Monster um die Ecke, um mich um die Ecke zu bringen? Doch dann, gerade, als ich das Gefühl hatte, die Dunkelheit würde mich gänzlich verschlingen wie ein waberndes Meer der Schwärze, strahlte ein goldenes Licht auf. Verdammt, war das etwa das berühmte Licht am Ende des Tunnels? War ich gestorben, ohne es zu merken? Woran zur Hölle? Ich war viel zu jung, um einfach tot umzufallen! Obwohl es ja bekanntlich jeden treffen konnte.
 

"Trete hervor aus dem Kreis der Herrschaft, Beschützer der heiligen Balance!", ertönte eine Stimme aus dem Licht, das mich im nächsten Moment auch schon umhüllte, golden und gleißend, sodass es mich blendete. So schnell wie es mich eingehüllt hatte, schwand das Licht wieder und vor meinen Augen klärte sich das Bild. Anstatt meines Wohnzimmers mit Sofa, Computer und angebrochener Saftflasche umgab mich auf einmal ein Wald. Einfach so. Wald. Und als wäre das nicht genug, um mich kräftig aus der Fassung zu bringen, sah ich vor mir einen Mann, der mich mit Grinsen bedachte. Wow. Gar nicht creepy. Dieser komische Kerl allein hätte schon genügt, dass mir ganz flau in der Magengegend würde. Den Tapetenwechsel hatte es da nicht mehr gebraucht.

Meine Finger kribbelten und mein Körper fühlte sich leicht an. So müsste sich wohl ein Geist fühlen. Irgendwie aufgelöst, instabil. Ein Eindruck, den ein Blick an mir hinab unangenehm bestätigte. Ich sah wirklich aus wie ein Geist! Der Mann sah jedoch nicht unbedingt aus wie jemand, der gerade einen Geist sah. So zufrieden, wie der Typ grinste, könnte ich ebenso gut ein Playboymodel aus einer Late Night-Show sein - und das war ich ganz sicher nicht. Also kein Grund für spontane Freudenausbrüche. Lange hielten die allerdings nicht, denn noch ehe ich irgendetwas fragen konnte, weiteten sich seine Augen und er rang um Luft, hustete und spuckte Blut.

Mir standen die Nackenhaare zu Berge. Hier lief irgendwas schief und zwar ganz gewaltig. Nicht nur, dass ich nicht den blassesten Schimmer hatte, wo ich war und wer dieser Typ war, brauchte dieser im Moment auf jeden Fall dringend einen Arzt wegen was auch immer ihn erwischt hatte. Das konnte ich nämlich nicht mehr sehen. Im gleichen Moment, in dem ihm das Blut über die Lippen kam, schien es mich zurück in die Dunkelheit zu ziehen. Wieder erfasste mich der befremdliche Sog, der mich bereits aus meinen heimischen vier Wänden entführt hatte und undurchdringliche Finsternis umhüllte mich.
 

Die Dunkelheit währte nur kurz, wurde von einem Stimmengewirr durchdrungen, das ich nicht entwirren konnte. Alles klang wie das planlose Gemurmel einer großen Gruppe Menschen, die auf einer Cocktailparty zusammen standen, zu der von Anfang an keiner hatte gehen wollte und deren Besucher nun notgedrungen Smalltalk hielten. Nach einigen Momenten jedoch wurde das Gemurmel leiser und eine klare, helle Stimme drang an mein Ohr und dieses Mal verstand ich die Worte deutlich.
 

Lass Silber und Stahl die Essenz sein.

Lass Stein und den Erzherzog der Verträge das Fundament sein.

Ich zahl den Tribut.

Lass sich eine Mauer gegen den Wind erheben, der aufkommt.

Lass die vier Tore der Kardinäle geschlossen.

Lass die dreiwegige Straße der Krone rotieren.

Füll es, füll es, füll es, füll es, füll es,

sag es fünf mal,

brich es entzwei, sobald es gefüllt ist.

Lass es jetzt verkündet sein:

Dein Fleisch wird mir dienen

und mein Schicksal wird von deinem Schwert besiegelt.

Erhöre den Ruf des heiligen Grals.

Antworte, wenn du dich diesem Willen und dieser Wahrheit unterwirfst.

Ein Schwur soll geleistet werden.

Ich werde die Tugenden des Himmels erlangen.

Ich werde die Herrschaft über alles Böse der Hölle erringen.

Dennoch sollst du mir dienen mit deinem unerschütterlichen Willen,

von den sieben Himmeln gesandt,

gebunden von den drei großen Worten der Macht.

Trete hervor aus dem Kreis der Herrschaft:

Beschützer der heiligen Balance!
 

Das ungute Gefühl, diese Worte schon mal irgendwo gehört zu haben, befiel mich, doch lange Zeit, darüber zu grübeln, hatte ich nicht, denn der goldene Schimmer holte mich sogleich wieder ein wie schon zuvor. Dieses Mal allerdings formte sich meine Gestalt nicht in einem Wald, sondern in einer Art kleinem Wohnzimmer. Hell und gemütlich, fiel mein Urteil schnell aus, dann fiel mein Blick auf das Mädchen, das mir gegenüber saß. Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wer sie war und so überrascht wie sie dreinsah, hatte sie auch keine Ahnung, wer ich war. Aber vielleicht wusste sie ja wenigstens, wo ich hier war. Für mich wäre das im Moment schon ein Fortschritt, denn nach meinem Ermessen könnte ich ebenso gut im Himmel oder in der Hölle gelandet sein. Oder ich lag im Koma. Nein, das wollte ich lieber ausschließen. Die Ausrede hatte im MSP schon immer herhalten müssen. Das hier wirkte doch eher wie ein echt schräger Drogentrip.
 

Eingehend musterte ich also das Mädchen vor mir. Sie musste so zwischen 10 und 15 Jahren sein. Genauer kriegte ich das nicht geschätzt. Mein Blick wanderte umher. Von ihren Eltern war nichts zu sehen. Himmel, wenn die mich hier antrafen, mussten die mich ja praktisch zwangsläufig für eine Perverse halten, die sich an ihre Kleine ranmacht. Ich mochte gar nicht daran denken. Dann allerdings fiel mir auch meine eher ungewöhnliche Kleidung auf. So wäre ich glatt als Charakter der Tales-Serie durchgegangen. Aus meinem Schrank kam das jedenfalls nicht. Zumindest war es bequem und so wanderte mein Blick zurück zu dem braunhaarigen Mädchen. Wer war sie?

Die Frage, mit der ich schließlich unser Schweigen durchbrach, war jedoch eine andere und woher sie kam, konnte ich nicht sagen, denn sie war es sicher nicht, die ich hatte aussprechen wollen. “Deinem Ruf folgend bin ich dein Caster. Mein Schicksal liegt in deiner Hand und meine Waffe soll die deine sein. Deswegen frage ich dich: Bist du mein Master?”
 

Meine Gedanken rasten. Was plapperte ich da? Caster? Master? Das machte überhaupt gar keinen Sinn! Das war völlig absurd und... Scheiße. Caster, Servant und Master. Das klang mehr als nur irgendwie zufällig nach Fate. Auf uns bezogen würde das heißen, dass ich ein Servant der Caster-Klasse war und dieses kleine Mädchen mein Master. Nur, dass das absolut unmöglich war, weil es weder die Gralskriege, noch Heldengeister oder überhaupt so etwas wie Magie gab. Dennoch hockte ich hier, hatte diese befremdlich anmutenden Worte gesprochen und nicht den geringsten Schimmer, wie ich hier überhaupt gelandet war.

Magie und Krieg, ein Wünsche erfüllender goldener Pott. Womit hatte ich das verdient? Selbst wenn es all das gäbe - und dieses wenn gehörte fett geschrieben und mit Ausrufezeichen versehen - dann würde das noch immer nicht erklären, wie ich ein Servant sein könnte. Zum einen war ich nie ein Held gewesen und zum anderen lebte ich, verdammt nochmal, noch! Ein eisiger Schauer durchlief mich. Stimmte das denn? Lebte ich wirklich noch? Vielleicht war ich ja draufgegangen und hatte in der Zeit von meinem Tod bis jetzt einfach nicht existiert? Ich war mir nicht sicher, ob mir diese Erklärung besser schmeckte als die scherzhafte Überlegung, dass aus einem harmlosen MSP bitterer Ernst geworden war, denn dann konnte ich nur auf eine generöse Gottheit hoffen.
 

Meine Finger verkrallten sich in den Stoff meines Capes. Ich musste Ruhe bewahren und erst einmal Informationen sammeln. Wenn ich ein Servant war und dieses Mädchen mein Master konnte ich daraus Schlüsse ziehen. Zum einen erklärte das meine ungewöhnliche Kleidung - ein Caster-Servant in Jeans und Schlabberpulli voller Katzenhaare wäre wohl nicht so der Knaller - und zum anderen musste es zwangsläufig andere Servants geben. Mindestens einen jeder Servant Class. Yay. Spätestens bei dem Gedanken daran wurde mir schlecht.

Archer, Lancer, Rider, Assassin, Saber und natürlich Berserker - und jeder von denen wäre irgendein bekannter Held der Geschichte. Gegen keinen von denen hätte ich in einer Auseinandersetzung eine reale Chance - zumindest nicht, solange mein Kontrahent nicht gerade komatös schlief, sich hoffnungslos betrunken hatte oder suizidal war. Oder alles auf einmal. Und als wäre das nicht genug, hätte jeder von ihnen obendrein einen Master, einen potentiell mächtigen Magier, der meinen Master loswerden wollen würde und mein Master… Mein Master war ein Kind. Wenn ich das alles wirklich glaubte, dann war ich mächtig am Arsch.

Master

Während mich meine eigenen Worte eher verunsichert hatten, schienen sie bei dem Mädchen auf offene Ohren zu stoßen, denn sie lächelte überglücklich und ihre Stimme überschlug sich beinahe, als sie mir nickend kundtat: “Ja, genau. Ich bin dein Master. Willkommen, Caster!” Etwas unbeholfen hob ich eine Hand zum Gruß. “Hi.” Zum Glück brauchte ich nicht mehr sagen, denn das Mädchen schien völlig aus dem Häuschen. Sie strahlte über das ganze Gesicht. Mein Master. Ich konnte es noch immer nicht so richtig glauben. Nichts, was ich je erlebt oder gewusst hatte, hatte mich auf so etwas vorbereitet. Vielmehr kam es mir immer noch so vor, als müsste das hier ein Traum sein.

Auf jeden Fall jedoch war mein Master eindeutig auf meine Ankunft vorbereitet gewesen, stellte ich fest, denn im nächsten Augenblick hatte sie mir schon eine Tasse Tee und einen Teller mit Sandwiches vor die Nase gestellt. “Du hast bestimmt Hunger! Als Geist hattest du doch lange nichts mehr zu essen, richtig?” Ich nickte und schüttelte den Kopf zugleich. Was sollte ich da auch antworten? Nach meinem Ermessen war ich ja eben erst zum Geist erklärt worden. Überhaupt stellten sich da ein paar Fragen. Wie viele Jahre waren seit meiner Zeit vergangen? In was für einer Epoche steckte ich? Wie hatte sich die Zukunft entwickelt? War das hier überhaupt die Zukunft? Zumindest das Wohnzimmer sah aus, wie ich es kannte. Gab der Gral da nicht normalerweise nötige Infos mit? Wo waren meine, bitteschön?

Allerdings würden selbst die Antworten auf all diese Fragen die eine nicht beantworten, die mir schwer im Magen lag. Seit wann gab es überhaupt Magie und den heiligen Gral? Mich beschlich das ungute Gefühl, dass dieser Gral nicht aus anderen Zeiten, sondern auch anderen Welten Leute hierher schleppte, denn nichts anderes würde mein Hiersein erklären. Hieß das, der Erfinder der Fate-Serie hatte so etwas auch erlebt? Zufall wären das alles wohl kaum. Dann musste es auch einen Weg zurück geben!
 

Was den Krieg selbst betraf, konnte ich echt nicht behaupten, dass mir dabei irgendwie wohl war. In einem Krieg hatte ich in etwa so viel zu suchen wie mein Master. Von Kriegsführung und Taktik verstand ich nichts, kämpfen konnte ich auch nicht und obendrein musste ich ja jeden Master und Servant erst einmal als Feind einstufen. Vielleicht sollte ich hoffen, dass dieser Krieg nach Apocrypha-Regeln lief. Verbündete könnten wir gut gebrauchen. Klar, die würden sich später auch gegen uns wenden, doch bis dahin wüsste ich dann hoffentlich mehr über meine Fähigkeiten und könnte mir etwas ausdenken, um meinen Master und mich zu beschützen. Allerdings bestünde wohl auch dann das Risiko, dass man uns - zurecht - als schwächstes Glied ansähe und zuerst loswerden wollte. Kämpften “nur” sieben Master und Servants in diesem Krieg würde sich daran allerdings nichts ändern. Man könnte uns immer als potentiell leichte Beute einordnen, weil Master so jung war. Dass man mir nicht ansah, was ich konnte, war vielleicht noch unser einziger Schutz, wenn auch einer, der nur so lange hielt, bis der erste Servant den Kampf mit uns suchte. Ich starrte meinen Master an. Ihr Leben lag in meinen Händen. Ich musste ihr ein guter Servant sein, sie beraten und beschützen. Magier oder nicht, sie war nur ein Kind und hatte ihr ganzes Leben noch vor sich. Dass ich generell mit Kindern nicht gut konnte, änderte daran nichts. Einfach wegsehen kam auf keinen Fall in Frage.
 

Geistesabwesend griff ich nach einem Sandwich und nagte an diesem herum. Lecker, aber das wusste ich angesichts meines Gedankenchaos im Moment nicht wirklich zu würdigen.

Hunger hatte ich sowieso keinen, allerdings war das als Servant wohl auch ganz normal. Ein Geist musste halt nicht essen. Ich brauchte bloß meines Masters Mana um zu kämpfen und mich zu manifestieren. Nahrung war also purer Luxus. Ob das alles im Umkehrschluss hieß, dass ich mich mit Schokolade vollstopfen könnte ohne zuzunehmen? Nahmen Tote noch ab oder zu? Alterten sie? Bestimmt nicht! Schokolade, ich war ganz dein! Das wäre mit Abstand das Beste an diesem Job! Wenn ich so darüber nachdachte, vielleicht aber auch das einzig Gute. Immerhin riskierte man im Gralskrieg sein Leben. Kein geringer Einsatz. Zumal ja nur einer gewinnen konnte und dafür eine Menge anderer sterben müssten. An den Händen des Gewinners klebte immer Blut.

Hätte man mich gefragt, ob ich teilnehmen wollte, hätte ich direkt abgelehnt, ohne ein zweites Mal darüber nachzudenken. Okay… nein. Ich hätte nochmal darüber nachgedacht und dann abgelehnt, denn es gab da schon einen Wunsch. Da ich jedoch wusste, wie der Gral die Wünsche zu erfüllen pflegte, konnte ich mir meinen sparen. Selbst, wenn die Umstände anders wären und der Gral das supertolle heilige Relikt, das wahre Wunder vollbrachte, die niemand begreifen konnte, hätte ich diesen Wunsch wohl nicht zu äußern gewagt.
 

“Ich freue mich so, dass du hergekommen bist. Wir werden uns bestimmt prima verstehen!”, ereiferte sich mein kleiner Master euphorisch und vor lauter Aufregung im Wohnzimmer herum laufend, während ich nur wie bedröppelt auf dem Sofa saß und ihr hinterher sah. So ganz konnte ich ihre Freude über diese Situation nicht teilen und das war nicht mal ihre Schuld. Ich hatte einfach viel zu viele ganz elementare Fragen. Wo waren wir, was war hier los und welcher Depp hatte entschieden, ich wäre eines Heldengeist-Titels würdig? Wusste sie vielleicht mehr darüber als ich? Ich hoffte es inständig, denn ich hatte keinen Plan.

Unangenehm prickelte ein Gedanke in meinem Hinterkopf. In gewisser Weise hatte es in meinem Leben eine Chance gegeben, ein Leben zu retten und damit - wenn auch nur für mich - ein Held zu sein, doch ich hatte versagt. Ich war nicht stark genug gewesen, nicht aufmerksam genug, hatte nicht gesehen, was folgen würde. Ich war nicht da gewesen, um zu verhindern. Ich schob diesen Gedanken vehement beiseite. Daran wollte ich jetzt nicht denken. Was immer hier auch los war, es hing garantiert nicht damit zusammen. Denn selbst wenn alles gut ausgegangen wäre, wäre ich damit noch lange kein Held gewesen, der irgendwo irgendeine Erwähnung gefunden hätte. Und gab es nicht in Fate auch fiktive Charaktere als Helden? Nein, das alles hier, da war ich mir ziemlich sicher, war ein riesengroßer Fehler. Irgendein Defekt am Gral.
 

“Es ist so aufregend, dich hier zu haben! Ich freue mich darauf, wenn wir zusammen kämpfen. Zusammen haben wir bestimmt eine Chance, den Gral zu gewinnen und dann dürfen wir uns was wünschen!” Vor Schreck verschluckte ich mich beinahe an meinem Sandwich, doch das merkte mein Master nicht einmal. Sie war völlig in ihrer eigenen kleinen Welt gefangen und hüpfte nun sogar in wilder Vorfreude hin und her wie ein losgelassener Flummi. “Master”, begann ich vorsichtig, sie in ihrer Euphorie zu bremsen, um zumindest ein paar Dinge herauszufinden. “Würdet Ihr mir Euren Namen verraten?” Das Mädchen hielt inne und flitzte an meine Seite, wo sie sich auf das weiche Sofapolster fallen ließ. Auch jetzt noch funkelten ihre Augen vor lauter Begeisterung. “Mein Name ist Elisabeth Müller.” Ich nickte und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. “Und wie alt seid Ihr… bist du?” “Ich bin schon 13”, erklärte sie nicht ohne Stolz, eindeutig nicht ahnend, dass mir diese Aussage genügte, um mir innerlich kräftig an den Kopf zu fassen. Da war ich nicht nur ein Servant geworden und damit indirekt bereits verdonnert, zu kämpfen, nein, mein Master war obendrein ein Kind kurz vor den Freuden der Pubertät! Das konnte einfach nicht gutgehen. Allerdings wurden Magier, das wusste ich, früh für den Krieg herangebildet, damit sie den Gral für ihre Familien gewinnen konnten. War Elisabeth solch ein Master? Sie wirkte so naiv, so unschuldig.

“Wo sind denn deine Eltern? Sind sie auch Magier?”, erkundigte ich mich weiter und konnte sofort sehen, dass ich in einen Fettnapf getreten war, als sich Elisabeths Blick trübte. “Mama und Papa sind im Himmel. Sie waren keine Magier. Aber ein lieber Magieronkel hat mich aufgenommen und mir ganz viel beigebracht”, ereiferte sie sich, schon wieder über das ganze Gesicht strahlend, als wäre nie etwas gewesen. Ich beließ es dabei. Wie schmerzhaft es war, Eltern zu verlieren, wusste ich ja selbst, da musste ich nicht in der Wunde bohren. Allerdings klang das mit dem Onkel irgendwie falsch. Zumindest bei mir klingelten da alle Alarmglocken. Diesen Onkel würde ich genau im Auge behalten.

“Er hat mich auch in Deutschland abgeholt und hierher mitgenommen, als der Krieg begann.” Deutschland! Phew, dann hatten wir ja schon mal was gemeinsam. Blieb nur die Frage: Wo waren wir denn hier überhaupt? Offenbar stand mir die Frage ins Gesicht geschrieben, denn Elisabeth beantwortete sie sogleich. “Nach Chronos. Hier sind überall Magier.” Ich nickte nur, obwohl ich im Grunde gar nichts verstand. Ein Ort, an dem es viele Magier gab? Und da sollte ausgerechnet ein so junges Mädchen am Gralskrieg teilnehmen? Ihrem ‘Onkel’ würde ich was husten, ein Kind in den Kampf zu schicken!
 

Gerade als ich mich dem Tee zuwandte, erst dagegen pustete und schließlich vorsichtige Schlückchen nahm, ergriff mein Master erneut das Wort. “Erzähl mir was über dich!” Mit großen Augen sah mich Elisabeth an. Ihr war die Aufregung wirklich anzumerken, so hibbelig wie sie war. Mir ging es genau anders herum. Aufgeregt und nervös war ich auch - aber mir war davon eher flau im Magen. Beinahe hätte ich die Tasse fallen lassen. Für einen Moment konnte ich Master nur verdattert ansehen. Ich schätzte mit ‘Mein Name ist Daelis, ich mag Katzen und habe amtlich einen an der Klatsche’ würde ich hier nicht weit kommen.

Was sie wissen wollte, konnte ich ihr ja gar nicht sagen - das wusste ich ja selbst nicht! Was für Fähigkeiten hatte ich? Wie funktionierte mein Noble Phantasm? Wie war ich zum Helden geworden? Ich suchte in meinen Erinnerungen, doch wie erwartet herrschte da totale Flaute, was diese Fragen anging. Sollte der Gral mir nicht zumindest das Wissen über meine Fähigkeiten und das Noble Phantasm mitgegeben haben? Wieso wusste ich dann darüber nichts? Das war ja mal superpeinlich. Lauter erfahrene Krieger, große Helden und ich, die nicht mal ihr Noble Phantasm kannte. Top. Da konnte ich mich von meiner Würde und meinem Leben gleichzeitig verabschieden.
 

Am besten, ich fing einfach mit den Dingen an, die ich wusste. “Mein Name ist Daelis. Freut mich sehr, Master.” Sofort schwand die Begeisterung aus Elisabeths Blick und sie schaute mich betreten an. Hatte ich etwas Falsches gesagt? War sie enttäuscht? Ich nähme es ihr nicht übel. Aber für mein Ego war das wirklich ein Tritt in den Allerwertesten. Sie hatte bestimmt gehofft, ich wäre jemand sehr bekanntes. Jemand wie Medea oder Hohenheim, vielleicht auch Cassandra von Troja oder Gilgamesh. Kleinlaut sah sie zu mir auf. “I-ich kenne mich nicht so gut aus. Bitte sei nicht böse, weil ich nicht weiß, wer du mal warst.” Himmel, wer könnte ihr bei dem Blick überhaupt irgendwie böse sein? Beschwichtigend strich ich ihr über den Kopf. “Ich bin nicht böse. Du bist doch noch so jung und lernst bestimmt noch. Da ist nichts dabei. Und auch die größten Magier wissen nicht alles”, erklärte ich ihr und betete zugleich, das Thema damit wechseln zu können. Was ich denn angeblich so heldenhaftes getan haben sollte, um ein Heldengeist zu werden, war mir nämlich ebenso ein Rätsel wie ihr.

“Die meisten wären sicher nicht so aufmerksam gewesen wie du. Danke für die Sandwiches und den Tee”, beeilte ich mich hinzuzufügen, während ich die Tasse auf dem Glastisch abstellte, der vor uns stand. “Auch wenn ich als Servant natürlich kein Essen brauche, war das eine sehr liebe Geste, die ich sehr zu schätzen weiß.” Das schien ihre Laune direkt wieder zu bessern, denn das muntere Strahlen kehrte in Elisabeths Augen zurück. “Es war wirklich sehr lecker”, lobte ich sie.
 

Leider hatte mein Ablenkungsmanöver nicht so gut funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte, denn mein Master sah mich weiterhin erwartungsvoll an und griff das Thema Herkunft schnell wieder auf. Klar war sie neugierig. An ihrer Stelle wäre ich es auch gewesen. “Wann hast du gelebt? Bist du eine Königin gewesen? Oder eine Ritterin?” Wenn mein Lächeln nur halb so unecht aussah, wie es sich anfühlte, dann würde ihr jetzt dämmern, dass eindeutig etwas bei ihrer Beschwörung schief gelaufen war. Ich, ein Ritter? Pfft. Nicht rechtschaffen genug. Obendrein hatte ich von Kampf und Waffen etwa so viel Ahnung wie von Quantenphysik. Ich wusste, dass es sie gab. Ende. Und eine Königin? Na, das wär’s noch gewesen. Im Sinne aller war es wohl gut, dass man mir nie solche Macht gegeben hatte.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als zu schauspielern, denn wenn ich ihr die Wahrheit sagte, hätte die arme Elisabeth sicher panische Angst. Als Master in einem Gralskrieg mit einem Servant, der vielleicht gar nichts konnte, war sie förmlich schutzlos. Außerdem war ich auch auf sie angewiesen. Ich musste herausfinden, was hier los war und wie ich nach Hause konnte. Ein weinender, verängstigter Teenager wäre mir dabei kaum eine Hilfe.

“Ich… Ich bin nicht sicher”, gab ich vor, mich nicht erinnern zu können und nachzudenken. Letzteres tat ich zwar auch, doch vor allem auf der Suche nach einer Ausrede. “Alles ist… so verschwommen. Vielleicht noch eine Folge der Beschwörung. Bitte verzeih, Master”, bat ich kleinlaut und erntete bedrückte Blicke. Oh je, jetzt dachte sie glatt noch, das läge an ihr. Das hatte ich nicht gewollt. Die arme Kleine konnte dafür ja nun wirklich nichts. “Sicher fügt es sich bald und dann erzähle ich dir alles, was du wissen möchtest”, beeilte ich mich, zu versprechen. Eine Zusage, die ich wohl eher nicht halten würde. Sofern wir überhaupt lange genug überlebten, um uns noch einmal darüber unterhalten zu können, natürlich.
 

“Dieses Chronos”, wechselte ich das Thema, “ist also ein Ort für Magier?” Elisabeth nickte. “Ja, hier leben alle Magier während des Krieges”, erklärte sie mir. Verdammt, wieso wusste ich das nicht? War der Gral, über den ich gerufen worden war, defekt? Tolle Nummer. Dieses Ding hätte mir wirklich ein paar Infos mitgeben können. Allerdings hatte ich mein Fate-Wissen. Wenn ich mit meiner Vermutung richtig lag und das hier die Fate-Welt war, dann könnte ich dieses Wissen nutzen. Schon allein, weil ich einige Servants und ihre Fähigkeiten kannte - und sogar einiges über ihre Vergangenheit wusste. Da half es ihnen auch nicht, ihre Namen geheim zu halten. Meiner sonstigen Ahnungslosigkeit zum Trotz könnte sich dieser Umstand als echter Vorteil für Elisabeth erweisen. Als so junge Magierin und obendrein erster Generation, wenn ihre Eltern wirklich keine Magier gewesen waren, standen ihre Chancen ja sonst denkbar schlecht.

“Weißt du, wie viele Servants schon beschworen worden sind?”, erkundigte ich mich bei Elisabeth, die den Kopf schüttelte. “Nein, aber ein paar sind es bestimmt und die Magier sind angeblich schon alle hier. Einige sagen sogar, es könnte der letzte Große Gralskrieg sein, weil es danach keine Magier mehr gibt. Aber Onkel glaubt das nicht. Er meint, einige werden ihre Befehlszauber abgeben und ausscheiden.” Ich horchte auf. Ein Großer Gralskrieg? Nargh, das Schicksal meinte es echt nicht gut mit mir. Aber was meinte sie damit, dass es danach keine Magier mehr gäbe? Waren die neuerdings vom Aussterben bedroht? Magier waren doch keine Dodos und obendrein wussten sie doch in den Familien, wie wichtig es war, Nachfolger zu haben. Die waren ja immer alle ganz erpicht darauf, an den Gral zu kommen. Normalerweise schickten sie allerdings Erwachsene in den Kampf, gut ausgebildete Magier. Wie kam es dann, dass Elisabeth, die so jung und unerfahren war, hineingezogen worden war? Herrschte etwa Master-Mangel?

“Master, gibt es wirklich nur noch so wenig Magier?” Sie nickte. “Ja. Ich… Ich habe auch ein bisschen Angst”, gestand sie mir. “Aber du passt auf mich auf, richtig, Caster?” “Natürlich, Master.” Beschwichtigend legte ich meine Hand auf ihre Schulter. Waren ja bloß mindestens sechs weitere Servants hier, die uns umbringen wollten. Ich sah uns bereits die Radieschen von unten bewundern, aber das konnte ich ihr ja schlecht sagen. Sie wirkte jetzt sowieso schon verunsichert und ich wollte Elisabeth nicht vollends verschrecken.

Mein Master war noch so jung und musste schon so eine Bürde tragen. Das war einfach nicht richtig. Jeder bei klarem Verstand konnte doch wohl erkennen, dass sie nicht nur zu jung für einen Krieg war, sondern auch für die Macht, die vom Gral ausging. Was würde sie sich wohl wünschen, wenn sie gewann? Und würde sie ihren Wunsch nicht vermutlich schnell bereuen, spätestens wenn sie älter und reifer war? Allerdings war es irgendwie auch in meinem Interesse, dass wir den Gral gewannen. Der könnte mich bestimmt nach Hause bringen, oder? Allerdings wusste ich schon jetzt, dass ich ganz sicher nicht bereit war, jemanden zu töten, um heimzukommen. Um mich oder Elisabeth zu verteidigen vielleicht, aber nicht um von hier weg zu kommen. Das brächte ich nicht über mich.
 

“Komm, ich zeig dir unsere Wohnung! Als Teilnehmer am Gralskrieg muss man nicht mal bezahlen!”, ergriff mein Master wieder das Wort und sprang auf. Ich folgte ihrem Beispiel, als sie mich an die Hand nahm. “Es ist alles umsonst?”, wollte ich verdattert wissen und Elisabeth nickte eifrig. “Ja, auch wenn ich nicht weiß, wie das funktioniert.” Überhaupt nicht verdächtig. Für mich klang das fast, als würde sich hier ein reicher Perverser einen Spaß daraus machen, zuzusehen, wie die Magier einander abschlachteten. Da ließ man schon mal was springen. Survival Game just for fun. Aus reiner Nächstenliebe würde das doch wohl kaum jemand finanzieren. Vielleicht hatte ich auch einfach nur zu viele Horrorfilme gesehen und war deshalb zu skeptisch, doch ich entschied, das ganze doch lieber im Hinterkopf zu behalten.

Elisabeths Aufmerksamkeit war jedoch schon ganz woanders. Ihr Blick ruhte auf einem hochgewachsenen Mann mit weißem Haar, der im Türrahmen stand und wohl soeben erst eingetroffen war. Ich wusste sofort, dass es sich bei ihm um einen Servant handelte. Woher, konnte ich nicht sagen. Einfach so ein Gefühl, an dem ich nicht einen winzigen Moment lang zweifelte. Ich musterte ihn. Keine Ahnung, wer er war. Mist. Instinktiv schob ich mich etwas vor Elisabeth. Zwar wirkte er nicht so, als wolle er jeden Moment angreifen - eher, als schliefe er ein - aber ich wollte lieber kein Risiko eingehen. “Wer bist du?”, fragte ich ihn ohne Umschweife. “Diogenes”, fiel seine Antwort knapp aus, als er sich erhob. “Master hat mich geschickt, um zu sehen, ob die Beschwörung gelungen ist.” Nur kurz wanderte sein Blick über mich, dann wandte er sich ab. Für ihn war das Thema damit offenbar erledigt. “Master? Wieso interessiert ihn das?”, begann ich weiter zu fragen, doch Diogenes ließ mich einfach stehen. Verdattert starrte ich ihm nach. Was zur…?
 

“Wer war der Kerl?”, wandte ich mich an meinen Master, doch Elisabeth schien Diogenes schon wieder vergessen zu haben. “Ich bin so froh, dass die Beschwörung funktioniert hat und du jetzt hier bist, Caster!”, ereiferte sie sich stattdessen. “Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst, dass es nicht klappen könnte, doch dann warst du auf einmal da! Alles ist so aufregend!” Wo nahm sie nur all diese Begeisterung her? Man sollte meinen, ein so junges Mädchen würde zittern und weinen, wenn man sie in einen Krieg stürzte, zumal sie ja selbst wusste, dass sie noch eine unerfahrene Magierin war. Doch ihre Angst schien immer nur für einen Moment lang anzuhalten. Setzte sie wirklich so viel Vertrauen in mich? Überhaupt kein Druck, der da auf mir lastete. Elisabeth schien sich über Diogenes keine Gedanken zu machen und ihn auch nicht zu fürchten, doch so ganz wohl war mir dabei nicht. Ihr ominöser Onkel war immerhin auch ein potentieller Feind und damit auch dessen Servant Diogenes.

“Komm, Caster, ich zeige dir noch die Küche und das Badezimmer - und das Schlafzimmer! Du kannst auch mit bei mir im Bett schlafen”, ereiferte sie sich und griff erneut meine Hand, um mich hinter sich her zu ziehen. Die Wohnung erwies sich als klein, aber gemütlich und mit allem ausgestattet, was man so brauchte. Elisabeth erzählte mir sogar stolz, dass sie für mich ein Handtuch über die Heizung gehängt hatte, damit es schön warm wäre und ich nicht frieren müsste, wenn ich aus der Dusche kam. Dass ich als Servant praktisch selbstreinigend war - und wie seltsam das schon in meinen Gedanken klang - schien ihr dabei ebenso entgangen zu sein, wie die Sache mit dem Essen. Sie war wirklich süß, die kleine Elisabeth. Obwohl sie gar nicht so klein war. Ich überragte sie nur um etwa einen halben Kopf, was mir immerhin klar verriet, dass ich als Geist jedenfalls nicht gewachsen war.
 

Wenig später saßen wir wieder gemeinsam auf dem Sofa und Elisabeth aß das übrig gebliebene Sandwich, während ich sie vorsichtig weiter ausfragte. Viel sagen brauchte ich meistens nicht. Sie erzählte wie von selbst. Ich konnte ihr noch entlocken, dass Chronos eine Stadt war, die eigens für Magier geschaffen worden war und dass es hier fast keine anderen Menschen gab. Da alle Magier - und ich erschrak, als sie mir das erzählte - am Krieg teilnehmen mussten, lag es also nur nahe, dass sie sich hier versammelten. Außerdem sei das hier der zweite große Gralskrieg, nachdem der Gewinner aller vorherigen kleinen Kriege wieder einen großen Gral geschaffen hatte. Er hatte auch bestimmt, dass alle Magier ab dem elften Lebensjahr teilnehmen mussten, weshalb der letzte Krieg die Reihen der Magier stark ausgedünnt hatte.

Mir wurde vom Zuhören schon ganz übel. Was für ein kranker Mistkerl zwingt Kinder in einen Krieg? Das war ja gewissermaßen Hunger Games on Magic Mushrooms. Dieser Magier musste sehr mächtig gewesen sein, wenn er gleich mehrere kleinere Gralskriege für sich hatte entscheiden können. Mächtig und skrupellos, denn diese Siege kosteten Leben. An seinen Händen musste viel Blut kleben. Mit einem unguten Gefühl in der Magengrube kaute ich auf meiner Unterlippe. War dieser Magier auch dieses Mal ein Teilnehmer? Hatte er vielleicht den letzten Großen Gralskrieg gewonnen? Ich traute mich gar nicht, zu fragen.
 

“Onkel hat mich mit nach Chronos genommen und mir ganz viel beigebracht”, erklärte Elisabeth gähnend, “und mir auch gezeigt, wie man einen Servant beschwört.” Sie rieb sich müde die Augen. Mein Blick wanderte hoch zu der Wanduhr, die ich zwar schon eher bemerkt hatte, doch nicht auf die Uhrzeit geachtet hatte. Anders als mein Master war ich hellwach, doch die Zeiger verrieten, dass es weit nach Mitternacht war. Kein Wunder, dass Elisabeth so müde war. Für sie war es höchste Zeit, ins Bett zu gehen und zu schlafen. Ich als Servant brauchte Schlaf vermutlich so wenig wie Nahrung und Wasser, aber für meinen Master galt das nun einmal nicht.

“Ich denke, es wird Zeit, schlafen zu gehen, Master”, wandte ich ein, als Elisabeth gerade wieder herzhaft gähnte. “Es ist schon spät und du bist gewiss erschöpft. Entschuldige bitte.” Darauf hätte ich wirklich eher kommen können, aber ich stand so unter Strom, dass mir gar nicht in den Sinn gekommen war, dass es mitten in der Nacht sein könnte. Dabei hätte mir das auch ein Blick durch die halb verhangenen Fenster verraten. Jetzt fiel mir nämlich auch auf, dass draußen die Mondsichel am Firmament zu sehen war.
 

“Bleibst du bei mir bis ich eingeschlafen bin, Caster?”, fragte mich Master, als sie aufstand. Ich lächelte. “Natürlich, Master.” Dass sie mir so sehr vertraute, schon jetzt, obwohl wir uns kaum ein paar Stunden kannten, wärmte mir das Herz, aber zugleich bereitete es mir auch Sorgen. Sie war jung. Man würde sie täuschen. Ihre Verbündeten würden ihre Naivität gegen sie verwenden. Es war an mir, genau das zu verhindern. Still blieb ich im Flur stehen, den Blick gen Wohnzimmer gewandt, durch dessen Fenster ich auch von hier nach draußen sehen konnte. Konnten wir überhaupt gewinnen? Vielleicht sollten wir besser untertauchen? Stumm verfluchte ich den Gral in meinen Gedanken, dass er mir nichts über meine Fähigkeiten, sofern ich denn welche hatte, mitgegeben hatte. Erst, als Elisabeth umgezogen und bettfertig aus dem Bad kam und mich an der Hand mit sich ins Schlafzimmer zog, löste ich den Blick vom Nachthimmel und drückte gerade so noch schnell genug den Lichtschalter, damit das Licht im Flur hinter uns erlosch.

Elisabeth kletterte gähnend ins Bett, während ich es mir einfach auf der Bettkante bequem machte und die Decke über sie zog, damit sie es schön warm hatte. “Gute Nacht, Caster”, hörte ich sie noch murmeln, offenbar schon halb in Schlaf gesunken. “Gute Nacht, Master, träum was Schönes.” Ich wusste nicht, ob sie meine Worte überhaupt noch hörte oder ob die Müdigkeit zu schnell ihren Tribut forderte und sie ins Land der Träume mitnahm.

Von Caster zu Caster

Es war noch dunkel, als ich die Augen aufschlug. Dass ich als Servant überhaupt schlafen konnte, war mir gar nicht klar gewesen, doch irgendwann war ich wohl eingedämmert, ohne es selbst zu merken. Verhalten gähnte ich hinter vorgehaltener Hand. Anscheinend war ich im Schlaf vom Bett gerutscht und hatte nun die Nacht auf dem Boden daneben verbracht, den Kopf jedoch auf der Bettkante. Kein Wunder, dass mein Nacken sich anfühlte, als wäre ein 14-Tonner mehrfach darüber gerollt. Eine Frühaufsteherin war ich zwar schon immer gewesen, doch mir steckte der Schreck des gestrigen Tages noch gehörig in den Knochen und so fühlte sich dieser Morgen - war es überhaupt Morgen? - an, als wollte ich ihn lieber verschlafen. Wäre ich nicht neben Elisabeth aufgewacht, ich hätte wohl geglaubt, dass alles nur ein Traum gewesen war.

Heute jedoch war es nicht meine innere Uhr, die mich in Unruhe versetzte. Der Funkwecker auf dem Nachttisch zeigte gerade mal 4:00 Uhr morgens. Irgendetwas stimmte nicht. Ein Kribbeln, das unter die Haut ging, wie ein eisiger Hauch im Winter, wenn der Schal nicht richtig saß. Alles in mir schien mich warnen zu wollen, dass jemand hier war. Jemand wie… ich. Ein Servant. Nahe. Stark. Gefährlich. Eine potentielle Gefahr für meinen Master. Dieser Gedanke vertrieb erfolgreich jede Müdigkeit und im Nu war ich hellwach, wenngleich mir das Herz in die Hose rutschte. Wenn ein Servant hier war, würde das womöglich bedeuten, dass es zum Kampf käme. Gar nicht gut, denn ich wusste ja immer noch nicht mit meinen Kräften umzugehen. Stumm betete ich, dass es doch einfach nur Diogenes wäre. Der wirkte letztes Mal auch so entspannt und würde sicher nicht kämpfen wollen.

Meine Hoffnung wurde nicht erfüllt. Leise war ich aus dem Schlafzimmer geschlichen, um mich umzusehen. Dem Gefühl folgend traf ich im Wohnzimmer dann tatsächlich jemanden an, doch Diogenes war es nicht. Dass ich dennoch sofort wusste, wen ich da vor mir hatte, schien mir jedoch in diesem Moment nicht wirklich beruhigend. Caster Cú Chulainn. Diese flauschige Kapuze, es konnte kein Zweifel bestehen.
 

Vorsichtig trat ich näher, ihn nicht einen Moment lang aus den Augen lassend. Nervös war er jedenfalls nicht, so entspannt, wie er sich da aufs Sofa gefläzt hatte. Die Botschaft war klar: Ich bin stärker als du, also habe ich nichts zu befürchten. Nicht angenehm, sich das in Erinnerung zu rufen, aber es stimmte leider. Hätte er Master und mich jedoch um jeden Preis loswerden wollen, hätte er das längst gekonnt. Also war er zum Reden hier. Gut. Das hieß immerhin, dass wir vielleicht einander - halt, nein - dass er mich nicht töten würde.

“Ich hatte keinen Besuch erwartet”, ergriff ich das Wort als Erste und betete still, dass man mir nicht ansah, wie nervös ich wirklich war, als ich das Sofa ihm gegenüber ansteuerte und dort Platz nahm. Jetzt bereute ich, Grand Order noch nicht so weit gespielt zu haben, sonst wüsste ich bestimmt mehr über ihn, aber im Spiel hatte ich ihn gerade erst kennengelernt. “Was verschafft uns die Freude?” Wirklich eine Freude war es zwar nicht, doch das wusste Cú sicher selbst. Allerdings machte er nicht den Eindruck, als störe ihn das in irgendeiner Weise. Trotz der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze, die seinen roten Augen und die blauen Haare erfolgreich zu verbergen wusste, konnte ich doch ein Grinsen auf seinem Gesicht erkennen.

Einen Moment lang erwog ich, ihn einfach direkt mit seinem Namen anzusprechen und ihn damit vermutlich gehörig zu erschrecken, immerhin dürfte ich den eigentlich nicht kennen. Dann aber entschied ich mich dagegen. Dass ich ihn kannte und vielleicht auch andere Kriegsteilnehmer war mein einziger Vorteil. Ganz so schnell wollte ich ihn den nicht verspielen.
 

Unverwandt und abwartend starrte ich ihn an, auf eine Antwort wartend, mit der sich Caster Cú ordentlich Zeit ließ. “Ich bin hergekommen”, begann er schließlich, gerade als ich drauf und dran war, ihn anzublaffen, ob er bloß hier war, um herum zu lümmeln und mir den Schlaf zu vergällen. “Um dir zu raten, dich aus diesem Krieg zurückzuziehen.” Auch ohne seine Augen zu sehen, wusste ich, dass er mich anstarrte, wohl um meine Reaktion zu beobachten. Starrt blickte ich zurück.

Was hatte ich auch erwartet? Er war wohl kaum hier, um Smalltalk zu halten und Tee zu trinken. Was er riet, war naheliegend. Den gleichen Rat hätte ich mir und vor allem Elisabeth wohl auch erteilt. Sie war zu jung und unerfahren, um echte Chancen zu haben. Der Krieg würde nur ihr schnelles Ende bedeuten. Ähnliches galt leider für mich. Zwar war ich nicht jung, aber dafür völlig überfordert mit der Situation, hatte keine Ahnung, was ich zu tun vermochte und sah mich übermächtigen Helden gegenüber. Jeder bei gesundem Menschenverstand hätte diesen Rat erteilt. Stellte sich mir nur eine Frage: Wieso interessierte das Cú Chulainns Master genug, dass er seinen Servant herschickte?

“Das wäre für euch beide besser. Dein Master ist noch sehr jung und unerfahren.” Ich konnte förmlich hören, wie er grinste. “Ebenso wie du. Du scheinst dir noch nicht im Klaren darüber, was für Fähigkeiten du hast. In einem Krieg wie diesem kann das schnell das Ende für einen Servant und seinen Master bedeuten.” Argwöhnisch musterte ich ihn, während er sprach. Ich sagte nichts, lauschte einfach nur. Kein Hinweis auf seinen Master oder dessen Beweggründe.

Am liebsten hätte ich dem anderen Caster eine gelangt. Nicht, weil er log oder es schlicht unhöflich gewesen war, hier einzudringen, sondern weil er Recht hatte und ich das eigentlich nicht hören wollte. Was Cú sagte, hatte Hand und Fuß, doch aufzugeben hieße zugleich auch, mich damit abzufinden, niemals in mein normales Leben zurückzukehren, sondern einfach nur ein unfähiger Heldengeist zu sein, der vielleicht irgendwann wieder in einem Krieg beschworen wurde. Auf gar keinen Fall würde ich dieses Schicksal einfach schlucken! Außerdem stimmte hier doch etwas nicht, flüsterte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf. Wollte Cús Master Elisabeth oder mich loswerden? Auf den ersten Blick waren wir beide keine Gefahr, so viel war klar. Ging es womöglich nicht um uns, sondern um Elisabeths Sensei? Das würde zumindest sehr viel mehr Sinn machen. Vermutlich dachte Cús Master, dass Elisabeths Servant im Grunde auch der ihres Senseis wäre. Auch ein schwacher zweiter Servant war ein Vorteil, schon allein strategisch.
 

“Danke für den Rat, aber wir werden uns nicht zurückziehen”, ließ ich ihn kurzerhand wissen. Klar, nicht die feine Art, hier auch einfach für meinen Master mitzuentscheiden, doch solange mir Elisabeth nichts Gegenteiliges sagte, ging ich davon aus, dass es auch ihr Wunsch wäre, den Gral zu erringen. Immerhin hatte jeder irgendetwas, das er unbedingt wollte.

Was mein kleiner Master sich wünschen würde, war ja nicht schwer zu erraten. Sie, die so jung und eine Waise war. Natürlich ihre Eltern, ihre Familie und wusste der Himmel, ich konnte es so gut nachfühlen. Wie gerne würde ich vor dem Gral stehen und ihn bitten, mir meine Mutter zurückzugeben, ungeschehen zu machen, was passiert war und wenn auch nur, um sie noch ein einziges Mal sehen zu dürfen? Nein. Sie durfte ich nicht zurückbringen. Und was würde es auch bringen? Würde sie nicht wieder den letzten Schritt gehen und stünde ich dann nicht wieder vor vollendeten Tatsachen? Das würde ich weder ihr, noch meiner Schwester oder mir antun. Niemals. Dieser Entschluss stand für mich fest. Mein Wunsch musste es sein, in mein Leben zurückzukehren, auch wenn es egoistisch war.

Aber Elisabeths Lage war vermutlich eine andere und sie war ein Kind. Sie brauchte ihre Eltern, ihre Familie. Vielleicht war auch das falsch, weil die Toten eben nicht zurückgeholt werden sollten und vielleicht war so ein Wunsch ein Frevel gegen die Gesetze der Natur, doch im Vergleich erschien es mir harmlos. Allerdings wusste ich auch, wie der Gral Wünsche erfüllte und ganz wohl war mir nicht dabei, dass sich überhaupt jemand irgendetwas wünschte. Eine wirkliche Wahl hatte ich allerdings nicht und bei Elisabeth konnte ich immerhin sicher sein, dass sie auf meinen Rat hören würde und obendrein keinen Wunsch äußern würde, der blinder Machtgier oder Habsucht entsprang.
 

“Du hast den Weg hierher umsonst auf dich genommen. Sicher verstehst du, dass ich unmöglich darauf verzichten kann, dem Gral meinen Wunsch zu nennen. Dir selbst wird es wohl nicht anders gehen.” Er musste auch einen Wunsch haben, selbst wenn ich den nicht kannte. “Ich kann nicht und um ehrlich zu sein, tut mir das auch nicht Leid. Der Gral ist eine Chance und auf die kann ich nicht verzichten. Ich brauche den Gral. Für mich gibt es keinen anderen Weg.” Immerhin war ich durch den Gral und den Krieg um ihn hierher beschworen worden. Sollte das Drecksding mich gefälligst auch wieder heim schicken. Entschieden sah ich den anderen Caster an. Jetzt wünschte ich wirklich, ich hätte seine Augen sehen können, um heraus zu lesen, was er über meine Worte dachte, doch dann schmunzelte er. “Ist dir dein Wunsch wirklich so wichtig?” Ich nickte ohne zu zögern. “Ja.”

Ohne diesen Wunsch hätte ich alles verloren, was mein Leben ausmachte. Meine Familie, meinen plüschigen Mitbewohner, alle Menschen, die mir lieb und teuer waren, einfach alles. Was hatte ich also zu verlieren, wenn ich am Krieg teilnahm? Nichts. Schlimmstenfalls starb ich, doch das täte ich auch, wenn ich aufgab. Immerhin war ich nur noch ein Geist. Elisabeth hingegen stand auf einem anderen Blatt. Sie in Gefahr zu bringen, schnürte mir vor Schuldgefühlen die Kehle zu, doch das ließ ich Cú besser nicht wissen. Er war ein potentieller Feind und ich wollte meinen jungen Master keiner unnötigen Gefahr aussetzen.
 

Ich konnte förmlich spüren, dass Caster mich mit Blicken aufspießte. “Ich rücke davon auf gar keinen Fall ab und rate dir, Master und mich nicht zu sehr zu unterschätzen”, fügte ich mutiger hinzu, als ich mich fühlte. “Ich weiß nicht, was dich auf die Idee bringt, du könntest mich davon abbringen, den Gral anzustreben, aber”, wollte ich schon weiter auffahren, da hob er eine Hand, wie um mir zu verstehen zu geben, dass er verstanden hatte. Ich verstummte in der Erwartung, dass er etwas zu sagen hätte, doch anstatt meine eher fadenscheinige Argumentation zu zerpflücken, stand Cú auf, umrundete den Tisch und ließ sich dann neben mir auf das kleine Sofa fallen. Instinktiv rutschte ich etwas beiseite, während er völlig ungehemmt einen Arm über meine Schultern legte und sich verschwörerisch zu mir neigte.

“Na, wenn du so entschlossen bist…”, konnte ich ihn eindeutig zu nah an meinem Ohr raunen hören und wollte direkt weiter von ihm abrutschen, stieß dabei aber gegen seine Hand an meiner Schulter. “Als Caster-Kollege kann ich dir ja ausnahmsweise ein wenig aushelfen.” Ich hatte gerade entschieden, demonstrativ aufzustehen und zu dem Platz zu wandern, auf dem er eben noch gesessen hatte, doch jetzt erstarrte ich förmlich. Wollte er mir etwa wirklich Tipps geben, was das Caster-Dasein anging? Verdammt. Abwartend starrte ich ihn an, konnte nur das Grinsen auf seinen Lippen erkennen, das verriet, wie gut er meine Reaktion zu deuten wusste. Ich brauchte seine Hilfe und ihm war das ebenso klar wie mir.

“Aha?”, brachte ich schließlich gepresst heraus. Ich traute ihm kein Stück. In diesem Krieg waren wir keine Verbündeten, sondern Feinde und so ungern ich gegen Cú kämpfen wollte, ich würde mich garantiert nicht von ihm für blöd verkaufen lassen. Von meinem skeptischen Tonfall unbeeindruckt, lehnte sich der blauhaarige Caster jedoch ungeniert in meine Richtung, sodass sein Atem meine Wange streifte, während ich ihn aus den Augenwinkeln anstarrte. Hätte ich den Kopf in seine Richtung gewandt, hätte er mir glatt in die Nase beißen können.
 

“Du hast da ein interessantes Buch”, meinte er in entspanntem Plauderton und vielleicht hätte ich mich davon einlullen lassen, wäre er nicht zum einen so verdammt nahe und zum anderen am flüstern, als vertraue er mir ein pikantes Geheimnis an. Wie von selbst fand meine Hand ihre Weg zu dem Buch, das an einem Gurt um meine Hüfte hing. Bemerkt hatte ich das bisher nicht oder zumindest nicht bewusst. Viel zu sehr hatte mich alles andere eingenommen und all die Fragen, die ich gehabt hatte und die mich auch jetzt noch beschäftigten.

“Darf ich mal reinsehen?” Jetzt lehnte ich mich wirklich von ihm weg. Jedoch weniger ob seiner Worte als vielmehr, weil seine Nase meine Ohrmuschel gestreift hatte. Dass mein Gesicht hochrot in schönstem Kontrast zu seiner blauen Kleidung leuchtete, versuchte ich zwar eilig zu überspielen, doch angesichts des selbstgefälligen Zuges um seine Mundwinkel könnte ich schwören, dass mir das so überhaupt nicht gelang. “Nein, das ist privat.” Zumindest ging ich davon aus. Es fühlte sich privat an. Bei meinem Pech fänden sich darin noch glatt meine Fanfiktions und dann wollte ich auf gar keinen Fall, dass irgendjemand dieses Buch las, während ich mich im selben Gebäude befand.

Ganz gleich, was jedoch darin stand, es spielte ohne Frage eine Rolle. Sonst hätte Cú Chulainn es nicht erwähnt. Vielleicht mein Noble Phantasm? Ich betete stumm zum Gral, dass es nicht meine Fähigkeit wäre, kitschigen Fluff in die Welt hinaus zu schreiben, denn in dem Fall war dieser Krieg entweder für mich gelaufen oder er würde zu einer totalen Katastrophe ausarten, denn Happy Ends waren so überhaupt nicht mein Ding. “In dir steckt womöglich wirklich mehr, als der erste Blick ahnen lässt. Mein Instinkt sagt mir, dass dein Noble Phantasm sehr mächtig sein könnte und damit eine Menge Mana kosten muss”, sinnierte der Caster an meiner Seite weiter, während meine Gedanken noch panisch darum kreisten, was ich in diesem Buch finden würde. Ich müsste unbedingt reinschauen, sobald ich Cú losgeworden war. “Dein jetziger Master kann dir diese Menge Mana wohl kaum bereit stellen”, fuhr Cú fort und es fühlte sich an, als habe jemand einen Kübel Eiswasser über mir ausgegossen. “Es gibt viele andere, sehr viel mächtigere Master, glaub mir. Mit diesem Master kannst du den Krieg unmöglich gewinnen.”
 

Daran, dass es viele mächtigere Magier gab, zweifelte ich nicht eine Sekunde. Natürlich. Elisabeth war Anfängerin, jung und Magierin der ersten Generation. Doch die Geheimwaffe eines Servants, sein Noble Phantasm, konnte einen entscheidenden Unterschied machen und diesen Nachteil ausgleichen. Wenn es allerdings stimmte, was er sagte und meines zu viel Mana benötigte, dann saßen Elisabeth und ich echt tief in der Tinte. Dass ich nicht wusste, was mein Noble Phantasm war und sie wiederum nur eine Magierin erster Generation war, war natürlich nicht unsere Schuld, aber das änderte nichts daran, dass es unsere Siegeschancen erheblich schmälerte. Besonders, wenn Leute wie Cú teilnahmen. Vielleicht sollte ich noch dankbar sein, dass er als Caster hier war und nicht als Lancer, sonst hätte ich vielleicht schon als erster toter Servant des Krieges Karriere gemacht.

Natürlich bestand die Gefahr, dass er sich über mich lustig machte oder einfach nur Unfug plauderte, um herauszufinden, was ich wusste - nämlich nichts - aber ein Teil von mir wollte ihm gerne glauben und diese Ratschläge annehmen. Es war ja nicht so, als könnte ich irgendjemanden um Hilfe bitten, ohne dabei direkt preiszugeben, wie wehrlos und damit angreifbar die arme Elisabeth und ich waren.
 

Unangenehm piekste mich mein schlechtes Gewissen in die Seite. Elisabeth. Sie war einfach viel zu jung für all das hier. Für den Krieg und die Gefahr. Daran konnte kein noch so nachvollziehbarer Wunsch etwas ändern. Selbst wenn ich ein mächtiger Servant gewesen wäre, stünden ihre Chancen denkbar schlecht, weil sie kaum Mana weitergeben konnte. Ganz abgesehen natürlich von all den anderen Faktoren. Wenn man die Jagd auf uns eröffnete, würden noch ganz andere Probleme auf uns zukommen, sah man mal von der psychischen Belastung ab. Die Ängste, die sie durchstehen müsste, der Überlebenskampf, die Entbehrungen und der ziemlich naheliegende Umstand, dass zu siegen auch töten bedeutete. Wie könnte ich zulassen, dass ihr diese Bürde auferlegt wurde?

Das war selbst für Erwachsene kaum ertragbar. Sie war aber gerade mal 13 Jahre alt. Unzumutbar. Da würde mir wohl jeder zustimmen. Dass selbst ausgebildete Soldaten nach einem Einsatz oft lange mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen hatten, wusste sogar ich. Wie würde es da erst einem unschuldigen Kind ergehen? Konnte ich das überhaupt verantworten? Als ihr Servant war es meine Pflicht, sie zu beschützen. In einem Kampf könnte ich das nicht. Sie zu beschützen, würde bedeuten, ihr den Krieg auszureden und sie in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig hieße das aber auch, dass ich einen anderen Master erhielte. Kein Gedanke, der mir wirklich behagte. Wem Elisabeth ihre Befehlszauber geben würde, wenn sie freiwillig aus dem Kampf ausstiege, war mir klar. Ihrem Sensei natürlich. Wem auch sonst, wenn nicht ihm? Zu meinem Wohlbefinden trug dieser Gedanke leider überhaupt nicht bei.

Mir war zum Heulen zumute. Wie ich es auch drehte und wendete, es ging sich einfach nicht aus. Solange ich Elisabeths Servant war, war sie in Lebensgefahr und jeder Realist musste erkennen, dass das Mädchen in diesem Krieg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Tod fände, wenn sie nicht einen Rückzieher machte. Auf der anderen Seite würde es sein, als hätte ich sie verraten, wenn ich ihr davon abriet, mitzukämpfen. Dabei hatte ich ihr meine Treue zugesichert und ich wollte sie auch ganz bestimmt nicht im Stich lassen. Es war zum Haareraufen. Dass ich meine eigenen Fähigkeiten nicht einmal kannte, auch mein Noble Phantasm nicht und dieser Krieg auch mein Ende bedeuten könnte und vermutlich würde, schien mir in diesem Moment nur noch halb so wichtig. Elisabeth konnte mich nicht retten, das konnte vermutlich niemand, aber ich konnte sie retten. Das zumindest könnte ich für sie tun.

So sehr meine Gedanken auch haderten, im Grunde hatte ich mich längst entschlossen, Elisabeth aus diesem Krieg raus zu halten. Ich wollte auf keinen Fall zusehen müssen, wie ein unschuldiges Kind getötet wurde, wenn ich es doch hätte verhindern können. Auf gar keinen Fall. Mit Schmerz und Angst könnte ich irgendwie umgehen, aber diese Schuld wollte ich nicht auf mich laden.
 

In meine Überlegungen vertieft, hatte ich glatt vergessen, dass Caster Cú noch immer neben mir saß, auch jetzt noch einen Arm um mich gelegt hatte, bis er mit den Fingern wie beiläufig meinen Hals entlang strich. Die Berührung ließ mich aufschrecken und ihr instinktiv ausweichen, was dazu führte, dass meine Wange mit Cús Nase Bekanntschaft machte. “Hörst du mir jetzt wieder zu?”, konnte ich ihn amüsiert flüstern hören. Shit. Was hatte ich verpasst? Hatte ich etwas verpasst?

Mich von seinem warmen Atem weg lehnend, stieß ich direkt wieder auf die andere Grenze meiner Wohlfühlzone, die seine Hand markierte. Für meinen Geschmack rückte mir dieser Kerl eindeutig viel zu sehr auf die Pelle. Hatte er noch nie etwas von persönlichem Freiraum gehört? Aus den Augenwinkeln starrte ich zu ihm herüber, mich wieder fassend. Seine Einwände, wieso Elisabeth und ich aus dem Krieg ausscheiden sollten, hätte ich alle selbst gefunden. Halt. Falsch. Er hatte mir geraten, auszuscheiden und Elisabeth als Grund angeführt. Es hätte andersherum sein sollen. Er hätte Elisabeth aus dem Krieg lotsen sollen und mich als Grund anführen. Am liebsten hätte ich mir vor den Kopf geschlagen. Cú war nicht hier, um einen Konkurrenten loszuwerden - sein Master sah Elisabeth gar nicht als solchen - sondern, um einen weiteren Servant für seinen Master zu gewinnen. Mich. Und ich Idiotin hatte mir in die Karten schauen lassen.

Diese Erkenntnis traf mich wie der Schlag. Alle Abwägungen darüber, ob Elisabeth überhaupt diesen Krieg ertragen könnte, hatte ich selbst in seinen Rat hinein interpretiert. Alles, was Cú hatte wissen wollen, war gewesen, ob ich wirklich bereit war, zum Äußersten zu gehen, um den Gral zu gewinnen. Eine Frage, auf die ich im Grunde ja nicht einmal selbst eine Antwort kannte, doch anscheinend hatte ich ihn davon überzeugen können, dass sie ‘Ja’ lautete. Mein liebenswerter junger Master war lediglich ein Argument gewesen, um diesen zu verlassen.

Allerdings änderte das alles auch nichts an meinem Entschluss. Elisabeth durfte nicht am Krieg teilnehmen, aber ich, ich würde dennoch versuchen, den Gral zu erringen. Anders als die Kleine hatte ich schließlich nichts zu verlieren. Alles, was ich dafür brauchte, war ein anderer Master. Einer, dem ich trauen konnte. Das war auch nur in der Theorie einfach.
 

“Du hast meine Antwort”, presste ich hervor. Meine Sorgen und Abwägungen wollte ich sicher nicht mit ihm teilen. Er hatte mich genug ausgespielt. “Was willst du noch?” Wieder war sein Grinsen alles, was ich unter der Kapuze sehen konnte, doch das machte nichts. Den Rest konnte ich mir bildlich vorstellen. Für ihn war diese Unterhaltung sicher erfolgreich gelaufen. Er hatte einen potentiellen Gegner stark verunsichert, das Band zwischen Master und Servant belastet und das alles, ohne auch nur die geringste Anstrengung. Mistkerl. Das würde ich ihm nicht vergessen.

“Vorerst nichts”, antwortete Cú schließlich und zog zu meiner Erleichterung den Arm hinter mir weg. Wie gerne wäre ich sofort auf Abstand gegangen, doch ich beherrschte mich. Nicht, weil es unhöflich gewesen wäre, sondern weil ich auf gar keinen Fall wollte, dass ihm klar war, wie unangenehm mir die ganze Situation gewesen war. Den Triumph gönnte ich ihm einfach nicht. “Es war mir ein Vergnügen und ich freue mich auf ein Wiedersehen”, meinte Caster für meinen Geschmack zu gut gelaunt, als er sich erhob und ich es ihm gleichtat. Ich sagte nichts dazu, sondern starrte ihn nur finster an. Ein Vergnügen war das eindeutig nicht gewesen. Unbeirrt kramte der Blaugewandete in seinem Umhang und zog schließlich ein kleines Stück Pappe heraus. Eine Visitenkarte, die er mir entgegen hielt, sich wieder zu meinem Ohr beugend. “Falls du es dir überlegst und deinen Master wechseln möchtest.” Kurz zögerte ich, war unschlüssig, ob ich die Karte annehmen sollte, entschied mich dann aber dafür. Informationen waren zu wertvoll in diesem Krieg, als dass man einfach darauf verzichten durfte - auch dann, wenn sie einem auf dem Silbertablett serviert wurden. “Bis bald, Caster”, war das letzte, was ich von ihm hörte, ehe er sich auflöste, wie es nur ein Servant vermochte und mich einfach stehen ließ. Mit ihm verschwand auch dieses befremdliche Gefühl, dass mich erst über seine Ankunft in Kenntnis gesetzt hatte.
 

Ich seufzte tief. Ein wenig ratlos, wie es nun weitergehen sollte, blieb ich am Ende doch zurück. Begeistert würde mein Master sicher nicht reagieren, wenn ich ihr vorschlug, sich zurück zu ziehen, doch es half nichts. Da mussten wir beide durch. Mein Blick wanderte zu der Visitenkarte, die ich ihr wohl besser nicht vorenthielt. Geheimnisse würden nur zu Streit führen und je mehr ich sie wie eine Erwachsene behandelte, so hoffte ich, würde sie sich auch wie eine benehmen.

Nachdenklich drehte ich die kleine Pappkarte, die ich von Cú erhalten hatte, zwischen den Fingern. Wie viele Servants sein Master wohl abzuwerben versuchte? Sicher gab es einige Magier, die ihre zu gerne aufgaben, um aus dem Krieg auszuscheiden und ihr Leben zu retten. Verübeln konnte ich das keinem. Ein wenig amüsierte mich jedoch die Vorstellung von Cú als Vertreter, der von Tür zu Tür ging, um Servants für seinen Master anzuwerben. Wie ein Vertreter, der Staubsauger verkaufte. Ob ich eine Waschmaschine oben drauf bekäme, wenn ich zusagte?

Als mein Blick jedoch auf den Namen fiel, der in eleganten Lettern auf der Visitenkarte prangte, traf mich glatt der Schlag. Simon El Melloi. El-Melloi wie in Lord El-Melloi, wie Diarmuids Master in Fate/Zero und später dann Waver, der diesen Titel und Namen trug? Angesichts dieser Verbindungen hoffte ich irgendwie, dass dieser Simon ein Abkomme von Waver war, denn den hatte ich eindeutig sympathischer gefunden. Auf jeden Fall aber ließ das den Schluss zu, dass Cús Master vermutlich ein recht mächtiger Magier war und es sich erlauben konnte, wenn er seinen Namen und seine Position so offen preisgab. Vermutlich war er sowieso recht bekannt. El-Melloi. Wo waren Elisabeth und ich da bloß reingeraten? Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass dieser Schlag zwar auf unsere Kosten aber in seiner Essenz gegen Masters Sensei ging.
 

Mein Schädel brummte. Jetzt weiter darüber zu grübeln hätte wohl wenig Sinn. Ein wenig Ruhe würde gut tun und dann könnte ich mit klarem Kopf nochmal alles überdenken. Vielleicht wusste ja auch Master schon mehr über diesen Simon El Melloi? Vorenthalten wollte ich ihr unseren nächtlichen Besucher auf jeden Fall nicht. Ungeniert steuerte ich wieder das Schlafzimmer an, jedoch nicht, ehe ich die Visitenkarte zwischen die Seiten des Buches an meiner Hüfte geklemmt hatte. Apropos Buch. Das müsste ich mir dann später auch mal in Ruhe ansehen. Vielleicht kam ich dann hinter das Geheimnis meiner Fähigkeiten und meines Noble Phantasms.

Nach meinem bisherigen Ermessen konnte das ja noch immer alles mögliche sein und im Grunde war es mehr als peinlich, dass mich Cú Chulainn erst hatte auf das Buch hinweisen müssen. Auf diese Idee hätte ich echt selbst kommen können. Ich gähnte und machte es mir neben Elisabeth bequem, die noch immer tief und fest schlief. Von unserem ungeladenen Besucher und meinem Umhergewander hatte sie offenbar überhaupt nichts mitbekommen. Besser so, fand ich. Die Beschwörung hatte sie bestimmt einiges an Kraft gekostet. Da war es besser, wenn sie sich erholte, solange es noch ging. Schließlich konnte niemand sagen, ob uns nicht doch irgendein vorschneller Master hinterrücks überfiel. Dieser Gralskrieg hatte für meinen Geschmack einfach viel zu viele Gefahrenfaktoren. Alle Magier nahmen teil. Das hieß, es gab viele Servants und vermutlich einige Bündnisse, die schon vor Jahren geschlossen worden waren in der Erwartung dieses Krieges. Obendrein waren sie alle an diesem Ort und praktisch niemand sonst. Keine Menschenmassen, in denen sich ein Master hätte verbergen können. Sie waren hier gewissermaßen alle auf dem Silbertablett serviert. Mir war schleierhaft, wieso sich dieser Spinner damals solch einen Krieg gewünscht hatte. Die letzte Runde war doch garantiert ein totales Gemetzel gewesen und es würde mich doch sehr wundern, würde diese etwas anderes. Mein Blick ruhte auf Elisabeth. Das arme Mädchen. Inmitten dieses Wahnsinns. Sie freute sich sogar noch, fand es aufregend, war sich der gefährlichen Lage scheinbar gar nicht so richtig bewusst, während sie mir nur Leid tat.
 

Beinahe grenzte es an ein Wunder, dass ich überhaupt wieder einschlief. Doch tatsächlich sank ich recht schnell in einen kurzen, traumlosen Schlaf, der ein jähes Ende fand, als sich neben mit Elisabeth herumdrehte und mir dabei die Hand versehentlich gegen die Nase schlug. “Mh…”, konnte ich sie leise murren hören. Ich fühlte mit ihr. So richtig verlockend fand ich die Vorstellung auch nicht, aufzustehen, doch der Wecker verriet mir schnell, dass es dafür eigentlich Zeit war. Uneigentlich klang liegen bleiben und schlafen unendlich gut. Als Servant müsste das doch drin sein, oder? Zur Arbeit musste ich ja nicht mehr.

Elisabeth schien für heute jedoch andere Pläne zu haben, denn sie erhob sich unverhohlen gähnend und so folgte ich ihrem Beispiel. “Guten Morgen, Caster.” “Guten Morgen, Master”, erwiderte ich den Gruß und musste dabei an mich halten, um nicht zu gähnen. Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen. Eine Haarsträhne stand von ihrem Kopf ab, beinahe wie eine Antenne. Man sah ihr an, dass sie noch nicht so ganz wach war. Das hielt das junge Mädchen allerdings nicht davon ab, aus dem Bett zu klettern und die Küche anzusteuern, in die ich ihr folgte. “Magst du auch Cornflakes zum Frühstück?”, erkundigte sie sich mit einer kindlichen Naivität, dass ich mich richtig schlecht dafür fühlte, zu nicken. Eigentlich brauchte ich ja nichts essen. “Lass mich dir helfen”, erbot ich mich und so teilten wir beide uns die Frühstücksvorbereitungen. Die unangenehmen Themen Krieg und Cú Chulainn konnten bis nach dem Frühstück warten.

Während wir beide unsere Schale mit Schokocornflakes leer löffelten, schwiegen wir uns an. Gefräßige Stille, wenn man so wollte, die nur von dem Knuspergeräuschen der Cornflakes durchbrochen wurde. Hungrig war ich zwar nicht gewesen, aber verdammt waren diese Cornflakes lecker. Es war Elisabeth, die die Stille schließlich durchbrach. “Wir besuchen heute Sensei”, erklärte sie nun munterer als eben noch. “Und natürlich auch Diogenes. Bestimmt könnt ihr beide auch Freunde werden! Vielleicht wird er ja sogar dein Sensei, wäre das nicht lustig?”

Am liebsten hätte ich meine Cornflakes direkt wieder ausgespuckt. Lustig? Irgendwie nicht. Ich traute immerhin weder ihrem Sensei noch Diogenes und hatte doch erhebliche Zweifel daran, dass ich mit diesen beiden jemals warm werden würde. Nicht, solange Elisabeth Teilnehmerin in diesem Gralskrieg war und ich für ihre Sicherheit verantwortlich. “Bestimmt werdet ihr euch toll verstehen.” Erwartungsvoll sah sie mich an. Oh shit. Ich merkte, wie ich nickte und sogar lächelte, um sie zu beschwichtigen, aber eigentlich wollte ich viel lieber den Kopf schütteln und dementieren, dass so eine Freundschaft überhaupt existieren könnte. Zumindest mein Master schien unberührt von diesen Sorgen und bester Dinge. Mich jedoch beschlich das Gefühl, dass dieses Treffen nur in die Hose gehen konnte.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Aufgaben:

1. Das Mädchen antwortet mehr als euphorisch, dass sie dein Master ist. Und sie wird dir zugleich etwas zu Essen hinschieben und einen Tee. Sie ist wohl der Meinung du könntest hungrig sein, nachdem du als Heldengeist Ewigkeiten nicht auf der Welt verweiltest und nun beschworen wurdest. Finde so viel wie möglich über sie heraus. Folgende Fakten musst du herausfinden:
- Sie ist eine Magierin der ersten Generation
- Sie ist 13 Jahre alt
- Sie ist Vollwaise
- Ihr Name ist Elisabeth Müller
- Nationalität: Deutsch

2. Elisabeth hat natürlich auch Fragen an dich. Zum Beispiel, dein Name und was für ein Held du warst. Ups. Nun, du kannst dir ausdenken was du willst, du solltest nur nicht gerade versuchen dich als richtige Heldenfigur darzustellen, das könnte sonst später böse enden. Vielleicht macht sich etwas Amnesie gut, immerhin ist sie eine Magierin der ersten Generation. Da kann einiges schief gehen.

3. Nach eurer Vorstellung, wird Elisabeth dir ganz aufgeregt eure temporäre Wohnung in Chronos zeigen. Ebenfalls wird sie erklären, dass in Chronos alles für die Teilnehmer kostenlos ist. Sie selbst wundert sich wie das funktioniert, lässt sich aber schnell davon ablenken, dass ein anderer Servant in eurem Wohnzimmer sitzt.
Er stellt sich als Diogenes vor. Die junge Version. Sein Master, derjenige, der wohl Elisabeth in Magie unterweist, habe ihn geschickt um zu sehen, ob die Beschwörung erfolgreich war. Als er dich sieht, wird er ohne ein weiteres Wort verschwinden. Du kannst hier nun Elisabeth über den komischen Kauz fragen. Elisabeth wird aber nicht antworten. Stattdessen wird sie total begeistert darüber sein, wie aufregend das alles ist.

4. Elisabeth wird schnell an ihre Grenzen aufgrund ihres jungen Alters stoßen. Außerdem ist es weit nach Mitternacht. Beende das Kapitel, indem ihr schlafen geht. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Aufgaben:
Du hast nun deinen Master kennengelernt und wie es scheint, mögt ihr einander.
Klein Elisabeth schläft selig in ihrem Bett. Doch plötzlich macht sich bei dir ein seltsames Gefühl breit.

1. Schau nach was los ist. Sicher erinnerst du dich, dass Servants andere Servants spüren können, wenn diese ihre Aura nicht verbergen. Das Gefühl ist jedenfalls sehr stark.

2. Im Wohnzimmer wirst du einen Mann sehen. Er hat seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sitzt aber sehr bequem auf seinem Platz, so als wüsste er, dass du im Moment nichts zu befürchten hast. Wenn du ihn deutlich bei seinem Namen nennst, wird er sich nicht wirklich überrascht zeigen und die Kapuze runternehmen.

3. Cu wird dir anraten aus dem Krieg zurück zu treten. Zum einen zum Wohle von Elisabeth und zum anderen, weil du dir scheinbar deiner Kräfte nicht bewusst bist. Sei mit deiner Entscheidung überzeugend, besonders wenn du entschlossen bist am Krieg teilzunehmen.
Überzeugst du Cu, was sich zeigen wird, indem er dir plötzlich sehr auf den Pelz rückt, wird er dir ein paar Tipps geben.

Tipp 1: Das Buch welches um deine Hüfte hängt ist sehr interessant.
Tipp 2: Dein Noble Phantasm scheint mächtig und braucht eine Menge Mana
Tipp 3: Mit diesem Master wirst du den Krieg niemals gewinnen, vor allem nicht in Anbetracht der Macht seines Masters und einiger anderen.

4. Cu wird dir schließlich mitteilen, dass egal was du am Ende machst, er sich auf ein Wiedersehen freut. Er wird dir noch eine Visitenkarte zustecken, wo du Ihn finden kannst, für den Fall, dass du vielleicht den Master wechseln willst. (Visitenkarte von Simon El Melloi)

5. Der neue Morgen bricht an und Elisabeth wird euch beiden ein Frühstück bereiten. Du kannst ihr bei der Zubereitung helfen. Elisabeth wird auf jeden Fall berichten, dass ihr heute ihren Sensei trefft. Eine Chance für dich vielleicht doch noch mit Diogenes warm zu werden. Komplett anzeigen

Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück