Follow your Heart von Linchen-86 ================================================================================ Kapitel 57: Geständnisse ------------------------ 14.06.2012 Mimi stand unruhig vor dem Einkaufscenter und wartete auf Hikari. Sie hätte niemals gedacht, dass diese sich nach ihrer letzten SMS so schnell melden würde, aber nur zwei Tage später schrieb sie ihr, entschuldigte sich und wollte sich nun doch mit ihr treffen. Mimi hatte natürlich sofort eingewilligt. Immerhin wollte sie wissen, was eigentlich los war. Zehn Minuten wartete sie jetzt schon auf die Jüngere, das war sehr untypisch für Hikari. Würde Hikari sie nun doch versetzen und gar nicht erst erscheinen? „Mimi?“, rief eine freundliche Stimme, die leicht abgehackt wirkte. Mimi drehte ihren Kopf herum und entdeckte zwischen einigen fremden Menschen ihre Freundin. „Hallo.“ „Hey, entschuldige das ich zu spät bin. Ich ...“ Hikari musste sich erst einmal Luft zufächern und stützte ihre Hände auf ihren Knien ab. „Geht es?“, fragte die Ältere gleich besorgt nach. „Ja, geht schon. Ich hatte eine U-Bahn verpasst und musste auf die nächste warten. Wartest du schon sehr lange?“ Mimi winkte gleich ab und schüttelte ihren Kopf. „Nein, erst seit ein paar Minuten.“ „Okay, das ist gut. Wie geht es dir?“ „Gut und dir?“ „Auch. Danke.“ Irgendwie war die Stimmung etwas angespannt. Mimi konnte sich nicht wirklich einen Reim darauf bilden. Es war seltsam, dass sie sich nichts zu sagen hatten. „Sollen wir dann ins Einkaufscenter gehen?“ „Klar.“ Hikari nickte und gemeinsam machten sie sich auf dem Weg ins Shoppingcenter.   -- Sie gingen in drei Bekleidungsgeschäfte und irgendwann standen sie vor einer Cafeteria. „Sollen wir eine Pause machen?“, fragte Hikari nach. „Schon? Wenn du möchtest.“ Mimi war gerade erst einmal warm geworden und hatte auch schon zwei volle Tüten. Das war jedoch wenig, nein nichts, im Vergleich zu ihren sonstigen Shoppingergebnissen. Mimi bekam jeden Monat eine großzügige Summe von ihren Eltern auf ihr Konto überwiesen. Wobei es strenggenommen ohnehin ihr Geld war, aber wer fragte sie schon? Eben keiner. „Dein Geschmack hat sich verändert!“, stellte Hikari fest, setzte sich auf einen freien Stuhl und bestellte sich eine Apfelschorle. „Hmm...“ Hatte er das? Vielleicht waren sie etwas hochwertiger, als früher. Mimi bestellte sich einen alkoholfreien Cocktail, ein Wasser und einen Salat. „Möchtest du nichts essen?“ Die Jüngere schüttelte gleich ihren Kopf. „Ich kann dich auch einladen?!“ „Musst du nicht. Ich habe keinen Hunger.“ „Okay.“ Mimi fiel jetzt erst auf, das die Schülerin noch gar nichts eingekauft hatte. Unwillkürlich stellte sie sich die Frage, wie es mittlerweile Geldtechnisch bei der Familie Yagami aussah. Damals, als sie noch mit Taichi zusammen gewesen war, hatte er extra in einer Fabrik gearbeitet, damit die Familie über die Runden kam. Irgendwie glaubte die Ältere nicht, dass sich daran viel geändert hatte. Was wohl aus dem Erbe geworden war? Irgendwie traute Mimi sich nicht nachzufragen und bedankte sich für den Salat, den die Bedienung gerade brachte. „Der sieht wirklich toll aus.“ Mimi nahm sich ihr Besteck und begann zu essen. Irgendwie fühlte sie sich aber nicht wohl dabei, wenn ihr jemand gegenüber saß, nichts aß und ihr beim essen zusah. „Ich kann auch teilen, wenn du magst?“, bot Mimi erneut an. „Nein, schon okay,“ wehrte die Jüngere höflich ab und nippte an ihrem Getränk. „Okay, können wir jetzt bitte damit aufhören?“, platzte es aus Mimi heraus. Das war ja nicht zum aushalten. Als würden sich zwei völlig Fremde gegenübersitzen. „Was ist los mit dir? Warum verhältst du dich mir gegenüber so abwesend und warum… habe ich das Gefühl, dass, dass wir uns gar nicht mehr kennen?“, fragte Mimi traurig bei der Jüngeren nach und schob ihren Teller nun ganz zur Seite. Ihr war der Appetit ohnehin vergangen. „Ich… Ich weiß auch nicht“, murmelte die Jüngere betrübt. „Hab ich irgendetwas getan, was dich verletzt oder vor dem Kopf gestoßen hat Wenn ja, dann tut es mir aufrichtig leid.“ Gleich schüttelte Hikari energisch mit ihrem Kopf. Sie nahm ihr Glas und hielt es mit beiden Händen fest verschlossen. „Aber ich, glaube ich...“ „Was meinst du?“, fragte Mimi ruhig nach. „Ich… ich wollte Tai verkuppeln mit Yuna… Ich habe ihn dazu ermutigt, dich zu vergessen und neu anzufangen...“ Hikari sah schuldbewusst auf dem Boden und traute sich nicht, ihren Blick zu heben. Auch Mimi musste diesen Satz erst einmal sacken lassen. „Und deswegen gehst du mir aus dem Weg, Kari?“ „Ja.“ „Warum?“ Mimi tat es weh, dass sie keinen Kontakt hatten. Taichi war eine Sache, aber Hikari war auch ihre Freundin und diese wollte sie nicht verlieren. „Wir sind doch Freundinnen und das sehr gute, dachte ich.“ „Sind wir auch. Es kam mir vor, als hätte ich dich verraten und Tai… dem habe ich damit auch kein Gefallen getan. Er...“ Hikari biss sich auf die Unterlippe und sah dann zurück zu Mimi. „Er vermisst dich. Ich glaube er...“ „Kari!“ Mimi wollte nicht, dass die Jüngere weiter redete. Sie wollte das nicht hören, nicht von Hikari. Nicht so und nicht hier und jetzt. „Du musst dich nicht schlecht fühlen, weil du deinem Bruder...“ Mimi schluckte ein Kloß im Hals runter. Sie konnte seinen Namen nicht mal sagen. „Es war meine größte Angst… nach Hause zu kommen und Tai ist glücklich und hat eine Neue...“ „Er ist aber nicht glücklich und er hat auch keine Neue!“ „Und warum knutscht er dann mit diesem Mädchen rum und verlässt mit ihr die Party?“, fragte die Ältere verletzt nach. Sie hatte strenggenommen kein Recht dazu, aber es ärgerte sie trotzdem. „Yuna war nur sein Date. Er hat sie nach Hause gebracht und ist dann auch nach Hause gegangen.“ Erleichterung machte sich in Mimi breit. Taichi war also tatsächlich noch Single. Er hat sein Glück nicht bei einer neuen Freundin gefunden, wie sie zunächst gedacht hatte und offenbar vermisste er sie. Aber warum machte sie diese Nachricht nicht glücklich? Hatte sie sich das nicht die ganze Zeit gewünscht. Eine Chance? Ein Neuanfang? Ein Comeback? Warum fühlte sie sich jetzt schlechter als zuvor? War sie so kaputt, dass ihr Herz nicht mal am Ort des Geschehens repariert werden konnte? Hatte sie sich nicht die ganze Zeit nach Taichi gesehnt? War sie so abgestumpft? „Mimi?“ „Hmm?“ Fragend sah sie zur Jüngeren. „Hast du einen neuen Freund?“ Mimi schüttelte ihren Kopf. „Nein, aber ich habe jemanden kennengelernt. Jemanden, der sehr nett, verständnisvoll und charmant ist. Jemand, der immer für mich da ist und versucht mein Herz zu erobern.“ „Und hat er es geschafft?“, fragte Hikari unsicher nach. Mimi zuckte mit ihren Schultern. Darauf hatte sie keine Antwort. Zu wissen, dass Taichi hier war und sie scheinbar vermisste, löste unzählige Gefühle in ihr aus. Aber wenn sie an Ethan dachte, fühlte sich ihr Herz warm an. Warum? Konnte es etwa sein, dass beide ein Stück ihres Herzens besaßen? Konnte man für zwei Menschen ähnlich starke Gefühle haben? „Ich glaube mir wird schlecht“, murmelte sie und schob nun auch alles andere ebenfalls von sich. Sie stützte ihren Kopf auf ihren Händen ab und konnte nicht fassen in was für einem Gefühlschaos sie sich jetzt wieder befand. „Hast du Tai vermisst?“ „Ach Kari… Natürlich. Jeden verdammten Tag, aber er hat mir auch sehr weh getan und mein Herz gebrochen und das war damals sehr schlimm. Es war unerträglich.“ Wenn Mimi nur an diese einsame Zeit zurückdachte, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Dieser Schmerz hätte sie fast vernichtet. Was, wenn er das wieder täte? Ihre Situation hatte sich auch überhaupt nicht verändert. Mimi lebte immer noch in Amerika. Sie war in Orlando und sie liebte ihr Leben dort. Ein Leben, das endlich wieder ein Leben war. Ein Leben für das sie so hart gekämpft hatte. „Vielleicht sollte es einfach nicht sein. Manchmal reicht Liebe alleine nicht aus.“ „Ach Mimi. Es tut mir Leid, dass ich nicht für dich war. Ich mache es wieder gut.“ Mimi lächelte die Jüngere an. „Ist schon okay. Ich war ja nicht allein. Ich hatte Nicole und Ethan.“ „Ethan?“ „Ja Ethan, so heißt er. Ich wünsche mir wirklich, dass Tai glücklich wird. Er hat es verdient. Ich weiß nur nicht, ob wir miteinander jemals wieder glücklich werden können. Es ist soviel passiert und es ist soviel Zeit vergangen.“ „Das mag sein, aber es liegt auch noch viel Zeit vor euch und wie ihr beide sie verbringen werdet und mit wem, liegt ganz an euch.“ Mimi fühlte sich absolut hilflos. Mit wem wollte sie eigentlich ihre Zeit verbringen und warum wusste sie darauf keine Antwort? Dennoch war sie über den Verlauf des Tages dankbar. Hikari und sie konnte wieder unbeschwert miteinander umgehen und es war schön zu wissen, dass sie noch Freunde waren. 15.06.2012 Mimi erledigte gerade ein paar Einkäufe für sich und Riku. Sie stand vor einem hohen Regal im Supermarkt und kam an das oberste Fach einfach nicht heran. Warum musste man auch so hoch stapeln? Wer sollte denn bitte an diese Artikel herankommen? Mimi zumindest nicht. War hier irgendwo ein Verkäufer? Fehlanzeige. Eine Leiter? Fehlanzeige. Sie wollte schon enttäuschend aufgeben und woanders ihr Glück versuchen, aber sie brauchte diese blöden Putzmittel und wollte deswegen nicht extra noch woanders hin gehen. Wieder stellte sie sich auf ihre Zehenspitzen und sprang in die Höhe, aber sie erwischte die Putzmittel nicht, sondern nur das Regalbrett. „Verdammt“, fluchte sie frustiert. „Soll ich dir vielleicht helfen?“ Mimi drehte sich herum und Taichi stand direkt vor ihr. Woran erinnerte sie diese Situation gleich nochmal? Shit, an ihren ersten Kuss, auf Davis Geburtstag. Mit roten Wangen ging Mimi einen Schritt bei Seite. „Ähm… Ja, das wäre sehr nett.“ Taichi stellte sich neben Mimi und nahm ohne Probleme zwei von den Putzmitteln heraus. Er reichte eines davon Mimi und legte das andere in seinen Einkaufswagen. „Danke“, murmelte Mimi leise. „Kein Problem. Bis dann.“ Taichi wollte sich gerade umdrehen und weiter gehen, da rief Mimi ihn zurück. „Es tut mir leid.“ Der Sportstudent hielt seinen Einkaufswagen an, drehte sich zu Mimi um und sah sie fragend an. „Wegen neulich. Ich wollte dich nicht so stehen lassen. Es ist nur… alles nicht so einfach gerade.“ „Ich hätte dich auch nicht so überrumpeln sollen. Ich hätte ja auch erst einmal anrufen können oder so.“ Mimi nickte. Schon wieder dieses unbehagliche Gefühl jemanden nicht zu kennen, den man doch eigentlich mal sehr gut kannte. „Was machst du am Wochenende?“, fragte Mimi unbedacht nach. Hoffentlich dachte Taichi jetzt nicht, dass sie sich mit ihm verabreden wollte. Sie wollte es einfach nur wissen. „Morgen ist der Junggesellenabschied von Joe“, erwiderte Taichi leicht grinsend. „Ohhh… Was macht ihr?“ Taichi fing laut an zu lachen und grinste Mimi schelmisch an. „Eine Weinverkostung, mit Sushi und Schach.“ „Nicht dein Ernst?!“ „Oh doch. Ich hoffe wirklich, dass wir danach noch wenigstens in einen Club gehen.“ „Tja, das ist eben Joe.“ „Ja, er weiß noch von gar nichts. Izzy hatte wohl bei Joe mal vorsichtig auf den Zahn gefühlt und dieser meinte, er wolle weder eine Stripperin, noch solch andere dieser Lokalitäten besuchen, keine peinlichen Spiele und natürlich keine Party! Na ja und da Izzy den Junggesellenabschied organisiert, wird das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der lahmste Junggesellenabschied auf Lebenszeit.“ Mimi wollte zwar nicht, aber sie musste laut loslachen. „Kommt Matt wenigstens, um dir beizustehen?“ „Nein, er musste sich leider entschuldigen. Er kommt erst nächste Woche zurück.“ „Ja, er regt sich sicherlich schon tierisch auf, das er den großen Spaß verpasst.“ „Hmm… bestimmt sogar. Ich werde einfach sehr viel Wein trinken und dann wird das hoffentlich schon irgendwas werden.“ Taichi schüttelte immer noch belustigt seinen Kopf. „Ich wünsche es dir. Du kannst mir ja mal ein Foto davon schicken.“ „Danke, mache ich gerne. Hast du… also noch deine alte Nummer?“ Mimi nickte und wirkte gleich etwas betrübt. Warum wusste er das denn nicht? Hatte er nie ihre Nummer gewählt und dann schnell wieder aufgelegt? Scheinbar machten nur Frauen so etwas. „Wann ist der von Saori?“, fragte Taichi auf einmal nach. „Ähm am Mittwoch und es geht schon voll früh los. Yolei hat uns eine PDF Datei per Mail geschickt und alles genau zusammengefasst. Jede Stunde ist voll geplant. Ich bin gespannt.“ „Auf jeden Fall wird es spaßiger als bei uns morgen.“ Mimi nickte. Da konnte sie Taichi nicht widersprechen. Es war schön, sich über so banaler Dinge unterhalten zu können. Sie lächelte und nahm sich wieder ihren Einkaufswagen. „Danke nochmal. Wir sehen uns.“ „Ja, war schön dich zu sehen, Mimi.“ Auch Taichi lächelte und wirkte tatsächlich etwas verlegen. „Ich muss, bis dann und viel Spaß morgen.“   -- Als Mimi später wieder bei ihrer Großmutter war und mir ihr zusammen die Einkäufe verstaute, konnte sie nicht anders, als die ganze Zeit an Taichi zu denken. Irgendwann würde ihr Kopf noch platzen. „Alles okay, du bist so ruhig Schatz?“, fragte Riku freundlich nach und verstaute den restlichen Aufschnitt im Kühlschrank. „Ja, es ist nur… ich habe eben Tai getroffen und jetzt muss ich an ihn denken“, gestand Mimi ihrer Großmutter. „Habt ihr euch wieder gestritten?“ „Nein, wir haben uns sogar ganz nett unterhalten, auch wenn es nur kurz war.“ "Das ist schön, er ist ein lieber Junge.“ Mimi beobachtete ihre Großmutter nachdenklich. „Er hat mich aber auch sehr verletzt und mir das Herz gebrochen“, pfefferte die Brünette zurück, schmiss die Türe vom Vorratsraum wieder zu und ging zu ihrer Großmutter zurück in die Küche. Mimi vergriff sich absichtlich im Ton und war gespannt auf die Reaktion. Sie wollte Riku testen. „Ich meine er ist voll der Idiot, ein Arsch und er hat sich nie bei mir gemeldet. Macht das ein lieber Junge?“ „Vielleicht hat er sich ja nie getraut?!“, murmelte Riku entschuldigend. Sie ergriff tatsächlich für Taichi Partei. Sollte sie nicht auf ihrer Seite stehen? „Weil es auch so viel Mut erfordert, ein Telefon zu bedienen oder Mails zu beantworten?“, zickte Mimi weiter und wollte dem ganzen noch die Krone aufsetzen. „Tai kann bleiben wo der Pfeffer wächst. Er ist für mich ges….“ „Sag das nicht!“ Riku stand aufgebracht vor ihr und sah ihr Enkelin streng an. „So etwas will ich nicht aus deinem Mund hören! Verstanden?“ Mimi nickte. Trotzdem, sie hatte Riku fast so weit. Irgendetwas war da, das spürte sie und sie würde nicht eher Ruhe geben, bis sie wusste, was sie wissen wollte. "Warum verteidigst du ihn?“ „Das mache ich doch gar nicht“, wehrte die ältere Dame sich, nahm den Lappen und wollte über die saubere Arbeitsplatte wischen. „Natürlich tust du das! Ich verstehe nur nicht, wieso. Du weißt doch, dass er mir sehr weh getan hat. Er hat mich wirklich unsagbar verletzt. Ich war am Ende. Verstehst du das? Und jetzt stehst du hier und verteidigst ihn. Warum?“ „Weil er dich genauso vermisst!“, schoss es plötzlich aus Riku heraus. „Und woher willst du das wissen? Hast du ihn mal getroffen und er hat dir sein Herz ausgeschüttet?“ Riku drehte sich langsam um, ging zu dem kleinen Essbereich und setzte sich auf einen Stuhl. Niedergeschlagen ließ sie ihren Kopf hängen und strich über ihre Tischdecke. „Seit dein Opa nicht mehr da ist, bin ich sehr einsam und oft auch sehr allein“, murmelte Riku mit gedämpfter Stimme. „Ach Oma.“ Mimi setzte sich gleich zu ihr an den Tisch und legte ihre Hand auf der ihrer Großmutter ab. „Er fehlt mir jeden einzelnen Tag. Seit ich ein junges Mädchen war, gehörte er zu meinem Leben dazu und jetzt ist er fort und wird nie mehr zurückkommen, bis ich ihm eines Tages folge und solange werde ich diesen Verlust nicht überwinden.“ „Oma, das tut mit so alles so Leid. Opa fehlt mir doch auch.“ „Ich weiß mein Kind, aber euch vermisse ich auch. Ihr seid alle so weit weg und lebt euer Leben. Das ist richtig so und das sollt ihr auch weiterhin, aber dennoch bin ich oft alleine.“ Mimi nickte traurig mit ihrem Kopf. Sie hatte gar nicht so viel darüber nachgedacht und jetzt tat es ihr noch mehr Leid. „Ich wusste es würde noch schwerer für mich werden, als deine Eltern nicht umzustimmen waren und klar war, dass du auch wieder zurück nach Amerika gehst. Ich dachte ein halbes Jahr ist ja nicht so schwer, aber aus dem halben Jahr wurde ein Jahr und schließlich sind eineinhalb Jahre vergangen.“ Mimi versank in ihrem Stuhl immer mehr und fühlte sich immer schlechter. Zwar hatten sie ihre Großmutter über Weihnachten und Silvester nach New York einfliegen lassen wollen, aber Riku hatte ihnen mitgeteilt, dass sie für so lange Reisen zu alt sei und nicht noch einmal fliegen würde. „Aber in all der Zeit hier, war ich gar nicht so alleine, wie ich dachte.“ „Warst du nicht?“, fragte Mimi verwirrt nach. „Wer war denn hier?“ Riku lächelte sanft und drückte die Hand ihrer Enkelin ein wenig fester. „Taichi.“ „Tai?“ Riku nickte und ihr Lächeln wurde noch breiter. „Ja, er kam jeden Samstag vorbei, die gesamte Zeit über. Er hat nicht einen Samstag Vormittag ausgelassen. Er war für mich einkaufen, räumte mit mir die Einkäufe weg und blieb zum Frühstück hier. Es war mein Lieblingstag der Woche.“ Mimi ließ sich auf ihrem Stuhl zurückfallen und konnte es nicht fassen. „Wow… Warum weiß ich davon nichts?“ „Weil Tai es nicht wollte und ich habe es respektiert, aber ich kann dir sagen, er hat dich sehr vermisst. Er weiß, dass er viele Fehler in seiner Vergangenheit gemacht hat, aber er bemüht sich, vieles davon wieder gut zu machen.“ Über diese Information musste Mimi erst einmal nachdenken, aber eines stand fest. Sie musste Taichi dafür danken. Sie würde nicht umher kommen, noch einmal mit ihm das Gespräch zu suchen, aber sie war tief beeindruckt. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)