Ippo ni Yoko von MAC01 (Seto x Jou) ================================================================================ Kapitel 17: Einen Schritt weiter -------------------------------- Ich hatte nicht viel Schlaf. Aber immerhin konnte ich schlafen. Und das verdanke ich nur Jonouchi. Ich bin so froh, dass der Blonde sofort gekommen ist, obwohl es schon halb eins in der Nacht gewesen war und das mit Seto gehandhabt hat. Ich hätte einfach nicht gewusst, wie ich meinen großen Bruder beruhigt bekommen hätte. Wenn ich denn überhaupt zu ihm gekommen wäre. Aber Jou-kun hat nicht nur die Tür aufbekommen, irgendwie war es ihm gelungen an Seto ranzukommen und ihn zu beruhigen. Wie, war mir immer noch ein Rätsel. Ich weiß dass ich gar nicht fragen brauch, wie er es geschafft hat. Er wird es mir nicht sagen, weil er dann Preis geben müsste, in welcher Verfassung Seto gewesen ist. Das würde er nicht tun. Genauso wie vor einigen Wochen, kommt es mir in den Sinn! Es gibt gar keine andere Erklärung, als dass Jou-kun schon damals einen Albtraum von Seto mitbekommen haben muss und ihn dann getröstet hat. Nur deswegen war er am nächsten Morgen nicht auf meine Fragen eingegangen und bat mich nicht weiter zu fragen. Weil er Seto nicht in Verlegenheit bringen wollte. Nicht einmal vor mir! Vor allem nicht vor mir. Doch was wird mich jetzt erwarten? Seto muss bewusst sein, dass ich es mitbekommen habe. Ich habe Jonouchi gerufen und ihn um Hilfe gebeten. Wird er mich dafür ausschimpfen? Oder noch viel schlimmer: Wieder in die Firma fliehen und mich ignorieren? Nein! Das werde ich nicht zulassen! Ich schnappe mir mein Handy und drücke die Schnellwahltaste 2. Isono geht umgehend ans Telefon und fragt mich panisch, ob alles in Ordnung ist und ich ihn brauche. Ich beruhige ihn erst einmal. Ich kann seine Erleichterung durch das Telefon spüren. Ich bin noch jung, aber Isono ist meinem Bruder treu ergeben. Das ist nicht geschauspielert oder vorgegaukelt. Der Assistent meines Bruders hat sich in den letzten Wochen genauso große Sorgen gemacht, wie ich. Er hat die Firma geleitet und Seto von allem abgeschirmt, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Ich vertraue ihm! Also frage ich ihn, ob es ein Problem wäre, wenn Seto erst im neuen Jahr - nach den Ferien - wieder in die Firma kommen würde. Wieder fragt Isono mich panisch, ob wirklich alles in Ordnung sei oder etwas vorgefallen ist. Ich muss über die Fürsorge etwas schmunzeln. Langsam erkläre ich ihm, dass Seto jetzt einfach mal Zeit für sich braucht, um seine Batterien wieder aufzuladen und so zurück in die Spur zu finden. Schweigen. Ich glaube, Isono nickt am anderen Ende der Leitung, nur dass ich das nicht sehen kann. Das wird ihm wohl auch nach einigen Augenblicken bewusst und ich höre ein 'Ist gar kein Problem'. Mir ist klar, dass ich mich weit vor wage. Ich habe Seto gerade ein Stück Kontrolle entrissen. Er wird darüber nicht glücklich sein. Aber er ist am Ende! Wie er es dreht und wendet, nach heute Nacht kann er das einfach nicht mehr leugnen. Auch nicht vor mir! Er braucht eine Verschnaufpause, in der er sich Zeit für sich nimmt. Sich und seine Probleme, die er mit mir nicht teilen möchte. Warum nur? Denkt er, ich bin zu jung um ihm ein Stück der Last abnehmen zu können? Ich mag erst zwölf sein, aber ich bin nicht dumm! Nach dem Gespräch mit Isono und nach dem Gang ins Badezimmer setze ich mich, immer noch in meinen Schlafklamotten auf den Flur und starr die Tür zu Setos Zimmer an. Und warte. Ich will nicht riskieren, dass er sich vorbei schleicht! Nur weil Jou-kun heute Nacht einen Zugang zu ihm hatte muss das nicht bedeuten, dass Seto ihn weiterhin als Stütze und Hilfe akzeptiert. Das letzte Mal... ich seufzte schwer... ich hatte gedacht, wenn Seto erkennt, wer ihm die Bentō immer zubereitet würde er sich öffnen. Also hab ich alle hergelockt und dann Jou-kun gebeten zu kochen. Und es hat auch alles gut funktioniert, bis auf das Seto sich nicht geöffnet hat. Im Gegenteil! Er hat sich nur noch mehr in sich zurück gezogen und die Albträume begannen sich zu häufen. War ich daran schuld, dass er jetzt fast jede Nacht an diesen Träumen litt? Hatte ich das alles ausgelöst? Eine Träne löst sich aus meinem Auge und ich wische sie schnell weg! Dann höre ich Bewegungen in seinem Zimmer. Ich lausche angestrengt kann aber nichts verstehen. Es wird rumgelaufen und rumgeräumt. Was geht da drinnen vor? Ich stehe langsam auf. Dann - nach einer schier endlosen Weile - geht die Tür endlich auf und Jou-kun führt Seto aus dem Zimmer. Der Blonde hält meinen Bruder tatsächlich an der Hand. Als Seto mich sieht bleibt er stehen. Was nun? Soll ich mich entschuldigen? Aber scheinbar ist Seto nicht wütend auf mich. Scheinbar... hat er Jonouchi als Hilfe akzeptiert. Er geht vor mir in die Knie und ich bin verwirrt. Was nun? Soll ich ihn umarmen? Normalerweise erträgt er das nach einem Albtraum gar nicht. Doch dann zieht er mich zu sich ran und drückt mich lange. Nur zögerlich schließe ich meine Arme um ihn. Ich weiß, die Umarmung wird gleich wieder zu Ende sein... oder... auch nicht!? Er hält mich eng und fest an sich gedrückt. Und immer weiter... das... ist die längste Umarmung seit einer Ewigkeit. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern, wann er mich das letzte Mal so lange und fest im Arm gehalten hat. Nur langsam löst er sich von mir. Verwirrt, aber überglücklich strahl ich ihn an. Ich kann nicht anders. Es ist, als wäre er wie früher! Bevor wir hier her... ich schiebe diesen Gedanken unvollendet beiseite. Ich will diesen Moment genießen und nicht durch längst vergangene Dinge, die man nicht mehr ändern kann, kaputt machen lassen. Jou-kun legt sanft seine Hand auf Setos Schulter. Der schaut zu dem Blonden auf. So kenn ich meinen großen Bruder gar nicht! Er ist regelrecht handzahm. Jonouchi bietet ihm seine Hand als Aufstehhilfe und Seto... akzeptiert! Sanft legt mein großer Bruder mir seine Hand in den Rücken und zeigt mir damit, dass ich mit ihnen kommen soll. Wir gehen in die Küche und Jou-kun kocht für uns. Ich liebe es, wenn er kocht und muss mich unweigerlich fragen, wo er wohl gelernt hat so zu kochen? Alles, was er bislang hier gekocht hat schmeckt so gut und Seto reagiert auf sein Essen ganz anders, als wenn Mariko-san für uns kocht. Mein großer Bruder entspannt sich dann, bekommt diesen zufrieden Ausdruckt und scheint auf eine besondere Art und Weise glücklich zu sein! Ob Jonouchi mir beibringen kann auch so zu kochen? Wir sind gerade fertig mit Essen, da fällt Setos Blick auf die Küchenuhr. Sofort ändert sich seine Körpersprache. Da ist sie wieder, die Anspannung! Er will schon aufspringen und in die Firma eilen, als ich ihn am Arm packe. Als er meinen Blick sieht weiß er, dass etwas los ist. Da gestehe ich ihm, dass ich mit Isono gesprochen habe und ihm gesagt habe, dass Seto erst nach den Ferien wieder ins Büro kommen wird. Seto ist gar nicht erfreut, doch als ich ihm sage, dass Isono auch schon die letzten Wochen praktisch im Alleingang die Kaiba Corp geleitet hat und ihn damit geschützt und entlastet hat, geht Seto in sich. Scheinbar erkennt er, dass das wahr ist und nach einen Moment kommt nur ein 'Vielleicht... vielleicht kann ich mir doch eine kleine Auszeit gönnen'. Jou-kun lächelt ihn an und bestärkt ihn mit einem 'Na also!'. Ich kuschel mich glücklich, aber vorsichtig an Seto an. Dann legt er tatsächlich seinen Arm um mich und drückt mich an sich. Ich hoffe, dass bleibt so! Da wir alle nicht so fit sind, beschließen wir uns einen gemütlichen Tag vor der Flimmerkiste zu machen und ein wenig Netflix zu schauen. Jou-kun macht uns dazu noch Karamell-Popcorn. Als wir ins Wohnzimmer kommen zieht er Seto mit zur Couch. Seto wird sich nie und nimmer auf die Couch setzen. Er bevorzug den Sessel. Wegen der Nähe, die er nicht zulassen kann! Doch ich irre mich. Fast widerstandslos lässt er sich auf die Sitzfläche ziehen. Unsicher bleib ich stehen, bis Seto zu mir schaut und mich auf den Platz neben sich winkt. Vorsichtig lass ich mich mit etwas Abstand neben meinen großen Bruder fallen. Doch diesem scheint das gar nicht so recht zu sein. Er legt den Arm um mich und zieht mich näher zu sich. Verrückt! Es kommt mir so vor, als wolle Seto all die versäumten Gelegenheiten mir nah zu sein heute nachholen. Mir ist das nur allzu recht! Ich genieße es ihm nah sein zu können, ohne das er sich verkrampft. Also kuschel ich mich behutsam an ihn. Sanft streicht er mir durch mein Haar und in mir steigt dieses wohlige Gefühl von Geborgenheit auf. Es ist wirklich wie früher und ich genieße die Wärme und Fürsorge meines großen Bruders, die ich mir schon so lange gewünscht und vermisst habe. Wir schauen ein, zwei Filme, als Setos Blick wieder zur Uhr fällt und er dann zu Jonouchi schaut. Der registriert sofort, dass mein Bruder ihn anschaut und richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf ihn, während er ihn sanft anlächelt. Hm... tatsächlich... kein Grinsen. Ein Lächeln. Es verleiht dem Blonden eine ganz andere Ausstrahlung! Dann höre ich, wie Seto ihn fragt, ob er nicht los muss. Versucht mein Bruder Jou-kun gerade loszuwerden? Doch dieser schüttelt nur den Kopf und meinte, dass er heute keine anderen Pläne mehr hätte. Mein Bruder wirkt erleichtert. Nein! Wirklich! Erleichtert! Irgendwann, es ist eigentlich noch gar nicht so spät, rutsch ich immer tiefer, bis mein Kopf auf Setos Schoss zur Ruhe kommt. Unbeirrt streichelt er weiter mein Haar. Ich kann mich nicht länger auf die bewegten Bilder auf der Mattscheibe konzentrieren. Sie verschwimmen und mir fallen nach und nach die Augen zu. Alles um mich dämmert weg. Alles bis auf die Hoffnung, dass das alles kein Traum war. Das Seto auch morgen noch so ist, wie er heute war. Das steht ihm nämlich viel besser, als der arrogante Arsch, den er bislang vorgab zu sein. Das heute war mein echter, großer Bruder. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)