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ANY Adventure

von
Koautoren: Erenya  KiraNear

Vorwort zu diesem Kapitel:
Eris Part:

a) Nachdem du in dein Zimmer gebracht wurdest, hat man dir nach einer kurzen Zeit Schreibmaterial vorbeigebracht, wie auch einen Bildband über die Natur ohne Text. Der Diener, der für dich zuständig ist, kann dir auch nicht mehr sagen als dass es eine Anordnung von ganz oben (Su-Won) ist. Du kannst dir entweder die Zeit mit Schreiben oder anderweitig verbringen.

b) Nachdem du elegant angekleidet wurdest (in einem Hanbok, bei der Wahl der Farben will ich dir jetzt nichts vorgeben, es sollte halt zu deinen Augen und einen Haaren farblich passen), wirst du in den Speisesaal gebracht.

Kiras Part:

1. Yona scheint ein wenig panisch. Versuche sie zu beruhigen.
a) wenn du es schaffst, werdet ihr beide wohl Hak fragen was zu tun ist.
b) Wenn du es nicht schaffst, wird Hak blaffen, dass er sich konzentrieren muss, wobei ihr dann seht, wie er auf dem Boden etwas zeichnet.

2. Egal was passiert, Hak wird auf dem Boden etwas zeichnen, dass wir Berechnungen aussieht. Er wird euch leider nicht erklären, was er genau durchgeht. Schließlich werdet ihr von Haks Brüdern unterbrochen und Hak gibt sich Mühe die Berechnung für alle unsichtbar zu machen. Man wird euch berichten, das Mundok zurück ist. Er kommt auch sogleich am Fluss an. Beschreibe den alten Mann und deine Eindrücke.

3. Als Mundok Yona sieht, wird er ihr um den Hals fallen. Er scheint wirklich erleichtert, dass die Prinzessin lebt. (hier kannst du die Szene aus dem Manga beschreiben und das Gespräch). Entscheide, ob du dem Gespräch beiwohnen willst, oder nicht.
a) du wohnst dem Gespräch bei, wie im Manga beschrieben , bis Heangdea verletzt ankommt.
b) du entfernst dich von der Szene, wirst aber unterwegs Heangdea treffen. Er sieht sehr geschunden aus und wird dir erzählen, dass der Feuerclan den Oberlauf blockiert hat. Er wird dich um Hilfe bitten, weil er sich doch etwas schwach auf den Beinen fühlt. Bring ihn zu den anderen. Komplett anzeigen

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Gedanken und Bilder


 

Stumm, unfähig auch nur einen ordentlichen Gedanken zu Stande zu bringen, sah ich zwischen dem trockenen Flussbett, Hak und den ankommenden Bewohnern hin und her.

„Anführer!“

„Junger Anführer!“

Schockiert, fast schon panisch riefen die Bewohner ihren Anführer an, doch dieser reagierte nicht, nicht einmal ein kleiner Finger bewegte sich, als sie sich uns näherten. Stattdessen starrten seine dunklen, ausdrucksschwachen Augen auf das, was einst die wichtigste Wasserquelle von Fuga darstellte.

Mein Blick fiel nun endgültig auf Yona, die im Gegensatz zu Hak keine Ruhe ausstrahlte. In ihren Augen war der blanke Horror zu sehen und ich konnte mir bereits denken, was sie sich dachte.

‚Bestimmt fühlt sie sich nun für die ganze Sache verantwortlich. Dass der Fluss ihretwegen trocken ist. Irgendwas war da doch…‘

Ich versuchte mich zu erinnern, aber wie so oft in meinem täglichen Leben hat auch hier das schwarze Loch zugeschlagen. Die Erinnerung tauchte nicht auf, egal, wie sehr ich sie versuchte abzurufen.

‚Was war nochmal passiert? Die Leute vom Feuerclan haben den Fluss irgendwie blockiert, aber wie nochmal? Ich weiß nur noch, dass sie ihn blockiert hatten und damit den Windclan erpressen wollten, weil diese sonst kein Wasser mehr haben, das sie zum Überleben brauchen. Und ich weiß nur noch, dass Yona sich selbst die Schuld dafür gab. Vermutlich, weil sie vom Palast abgehauen ist? Uff, ich weiß es nicht mehr, es ist so lange her … Und wie ging das nochmal aus? Wurde das überhaupt im Manga oder Anime gezeigt? Ich kann mich nicht mehr erinnern, dass der Fluss irgendwann wieder mit Wasser gefüllt gezeigt wurde. Oder hab ich das von einem anderen Anime? War da nicht auch irgendwo was, in einer anderen Serie, in der auch ein Fluss ausgetrocknet war? War das nicht Pokémon? Oder irgendein westlicher Cartoon? Da war auch irgendwas, das den Fluss blockierte und dann haben die Helden, wer auch immer das war, das gelöst und am Ende war wieder alles schön und der Fluss hatte Wasser und alle waren glücklich. Aber wie war das hier nochmal … verdammt, ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß nur noch, dass die beiden die Stadt verlassen haben, aber wie war das mit dem Fluss? Nicht, dass ich das Wissen hier anwenden könnte, das wäre doch arg seltsam. Wäre ich eine Sapphire aus Steven Universe, könnte ich das einfach auf meine Zukunftsvision schieben, aber so … naja, ich beobachte das Ganze mal, dann sehe ich ja, was passieren wird. Da es ja bisher immer so war wie im Anime, wird nichts Neues passieren. Auch wenn ich mich gerade nicht mehr daran erinnern kann, was nun passiert … Wie auch immer, ich muss Yona helfen.‘

Noch immer stand das Mädchen, die Arme an ihr Gesicht gepresst, neben Hak und versuchte, irgendwie nicht die Kontrolle über sich oder die Situation zu verlieren. Doch ihre Augen verrieten mir, dass das bereits geschehen war. Ich sah mich ein weiteres Mal um und erst jetzt wurde mir bewusst: Ich war die einzige Person in dieser Szene, die Yona Beachtung schenkte, alle anderen ignorierten uns und versuchten auf Hak einzureden.

„Was … was sollen wir nur tun?“, stieß sie schwach aus und ihre Stimme trat kaum aus dem Stimmenpulk um uns herum aus. Da ich mich recht nahe zu ihr gestellt hatte, konnte ich sie hören, aber ich konnte mir vorstellen, dass es für Hak bereits eine von vielen Stimmen waren, die ihn nur in seinen Gedanken störten. Ihre Augen wanderten unruhig hin und her, sie war den Tränen nah, so viel konnte sogar ich erkennen.

‚Vielleicht sollte ich Yona beruhigen, sie trösten … aber was sage ich ihr nur? Was mache ich am besten? Soll ich ihr sagen, dass alles wieder gut wird? Aber ich habe keine Garantie. Und verraten sollte ich mich am besten auch nicht. Mist, ich kann doch auch nicht dumm rumstehen. Jetzt beachtet uns keiner, aber was ist, wenn mich jemand nachher darauf anspricht? Warum ich das Mädchen nicht beruhigt habe? Vermutlich, weil ich selbst ein Mädchen bin und es deswegen automatisch in meiner Programmierung drin haben sollte? Uff, in dem Sinn bin ich doch fehlerhaft … außerdem ist das doch so ein Standardspruch, den eigentlich niemand in der Situation so richtig hören will. Jedenfalls nicht, wenn man nicht auch noch begründen kann. Das kann ich nicht. Und wird es Yona überhaupt hören wollen? Hören können? Naja, ich könnte es ja so angehen, dass ich Yona in den Arm nehme. Oder sollte ich lieber eine Hand auf ihre Schulter legen? Sie wird dann bestimmt ganz doll weinen und ich kann ihr ja dann die Tränen mit meinem Ärmel trocknen oder so …‘

Während ich noch wie in gewohnter Art das Gespräch mit Yona immer und immer wieder durchging, um herauszufinden, wie ich es am besten angehen und führen sollte, stampfte Hak mit dem Fuß auf dem Boden auf.

„Seid mal ruhig! Ich muss mich hier konzentrieren!“, blaffte er in die Runde, was dafür sorgte, dass aus dem wirren Stimmengewirr ein geordnetes Geflüster wurde. Selbst Yona wischte sich kurz über die Augen, dann näherte sie sich Hak und tat so, als wäre nichts geschehen.

‚Wow, sowas würde ich niemals hinbekommen. Mich würde nie jemand so beachten … kein Wunder, die Leute sehen ja auch meistens über mich drüber … und er konnte sogar Yona damit beruhigen, wie auch immer ihm das gelungen war. Menschen werden für mich oft ein Rätsel bleiben. Was es nicht gerade einfacher mit ihnen macht … Aber das zeigt auch, dass es Yona nun wieder viel besser geht, von der Seele her. Sonst wäre sie nicht bereits wieder besser drauf.‘

Erst jetzt fiel mir auf, dass Hak begonnen hatte, auf dem Boden etwas zu zeichnen. Neugierig zwängte ich mich an den wenigen Leuten vorbei, die sich zwischen uns befanden und starrte auf das, was sich vor ihm auf dem Boden befand.

‚Stimmt, er hat ja irgendwelche Berechnungen gemacht … wofür waren die nochmal? Mieses Gedächtnis, ey …‘

~~*~~
 

Wie es Soo-Won befohlen hatte, wurde ich in mein Zimmer zurück gebracht. Auch wenn Soo-Won mir nicht das Gefühl vermittelte, dass ich gefangen war, so fühlte sich meine Anwesenheit in diesen Räumlichkeiten doch so an. Egal wohin ich ging, es führte mich immer in diesen Raum zurück. Soo-Won schickte mich immer wieder dahin zurück.

Ich ließ meinen Blick durch den Raum gleiten. Gut, es war nicht gerade eine Gefängniszelle oder ein Kerker, aber trotz der Möbel, dem Tisch und dem Sichtschutz kam mir der Raum so kalt und klein vor. Es gab nichts das ich tun konnte, außer zu warten, dass jemand kam, mir Essen brachte, mir Kleidung brachte oder sonst irgendwas. Und gerade konnte ich nur darauf warten, dass Jonghyuk zurück kam.

Ich seufzte und setzte mich auf den Boden. Es war wirklich langweilig, wenn man nichts zu tun hatte und die Zeit auf einmal viel zu reichlich erschien. Zuhause hätte ich etwas geschrieben. Oder gezockt, oder gearbeitet. Im idealsten Fall hätte ich nun gearbeitet. Und im Worst Case Fall hätte ich ab 16:30 Uhr mein Leben alleine im Raum gefristet. Das waren die schlimmsten Tage, wenn mein Team weg ging und ich alleine dort saß. In nächster Zeit würde ich dieses Gefühl wohl häufiger haben. Ganz allein in diesem großen Zimmer... ohne Skipper... ohne mein Team... ohne etwas zu tun.

~*~
 


 

„Der Fluss führt kein Wasser!“, war die erste Stimme, die ich hören konnte.

„Dabei herrscht gar keine Dürre!“

„Das lebenswichtige Wasser aus dem Fluss“, mischte sich nun eine zweite Stimme ein, doch da ich ihnen den Rücken zugewandt hatte. Yona hatte sich vor ihm in die Hocke gesetzt und beobachtete ebenfalls, wie er dort Zahlen und Formeln auf den Boden schrieb. Ich dagegen sah es zwar nur, aber so richtig überlegen, was er dorthin schrieb, sah ich nicht. Es war viel mehr das Starren, wie ich es öfters hatte. Mein Kopf blieb dabei leer und ich fühlte, wie ich herunterfuhr, wie ich keinen wirklichen Gedanken mehr hatte, wie es mich entspannte. Oft genug brauchte ich das Starren, nur um dann kurz für mich zu sein, als würde ich mich in mich selbst zurückziehen, weil ich gerade brauchte. Meist tat ich auch nach außen so, als würde ich über irgendetwas nachdenken. Denn ich hatte mal gelesen, dass es die Leute unheimlich fanden, wenn man in der Gegend herumstarrte. Auch wurde ich des Öfteren gefragt, ob mit mir alles in Ordnung wäre. Seitdem achtete ich darauf, dass es keinem außer mir auffiel und wenn doch, dann sollte ich wenigstens den Eindruck machen, als würde ich über irgendetwas nachdenken. Oder wie in diesem Fall, mich versuchen auf etwas zu konzentrieren.

‚Wie das wohl für andere Leute aussieht? Wie das Two Thousand Yard Stare? Oder wie eine harmlose Version davon? Oder ist es einfach allgemein unheimlich? Irgendwie schon, aber wie soll ich den Leuten erklären, dass es einfach erholsam ist? Einfach nur zu gucken, mehr nicht? Das ist so, als würde mein Kopf kurz schlafen …‘

„Ich weiß, ihr Jammerlappen! Heangdea untersucht gerade den Oberlauf“, war Haks einziger Kommentar zu der ganzen Angelegenheit. Doch diese wenigen Worte reichten offenbar aus, um sein Gefolge für ein paar Sekunden verstummen zu lassen. Durch ein paar wenige Worte hatte er ihnen gezeigt, dass er die Situation immer mehr und mehr unter Kontrolle bekam, möglicherweise schon immer hatte und auch, dass er genau wusste, was er dort tat. Aus dem Flüstern war ein gelegentliches Tuscheln geworden, dass sich die Bewohner nun untereinander austeilten. Doch als ich kurz jedoch genauer hinhörte, konnte ich heraushören, dass das Getuschel lediglich aus unverständlichem Genörgel und Gemecker bestand, zumindest dem Ton der Stimmen nach.

„Was machst du denn da, Anführer?“, fragte ihn ein junger Mann mit einem kecken Gesichtsausdruck.

„Sollte der Fluss auch weiterhin kein Wasser führen, müssen wir eine Weile bei den reisenden Händlern kaufen“, begann er zu erklären, wobei er sich nicht von seinen Berechnungen beirren ließ. Noch immer kratzte er mit seinem kleinen Zweig auf dem sandigen Boden vor sich herum. „Würden wir in der Ferne Wasser schöpfen, würde das Menschen und Geld kosten …“

Er hielt kurz inne. Sein Gesichtsausdruck hatte bereits die ganze Zeit, wie er die Berechnungen anstellte, einen leicht dämonischen Touch, doch nun vergrößerte sich sein Grinsen. Nun ähnelte er allmählich weitaus mehr einem Dämonen als einem Menschen.

'Als würde vor mir Inu Yasha sitzen, der die Kontrolle über sein Dämonenblut verloren hat und nun gleich in einen Blutrausch geraten würde.'

„Khe he he ...! So langsam wird’s absurd!“, sprach er in einem derartig finsteren Ton, als wollte er damit seine dämonische Miene damit unterstreichen.

Ein Schauer lief mir über den Rücken, doch für die anderen schien es ein vollkommen gewohnter Anblick zu sein. Was es für mich nicht gerade besser machte.

„Er rechnet den Betrag aus?“, sah ihn Teu mehr als ungläubig an. Neben ihm stand Taeyeon, doch diesem schienen die Zahlen weniger zu interessieren. Viel mehr brannte ihm etwas anderes unter den Nägeln.

„Hak, ich habe gehört, du bekommst für das Bewachen der Prinzessin Bares. Stimmt das?“, befragte er seinen großen Bruder neugierig, doch dieser reagierte nicht auf die Frage.

„Was haben wir denn sonst noch so …?“, murmelte er vor sich hin, und es wirkte so, als hätte er die Umwelt um sich herum ausgeschaltet. Als würde es für ihn nur noch sich selbst und seine Berechnungen ergeben. Was mit Sicherheit nicht sehr einfach war, denn immerhin war er für die Hauptstadt des Windclans verantwortlich und nicht nur für ein kleines 10-Mann-Dorf.

‚In seiner Haut möchte ich jetzt lieber nicht stecken.‘

~~*~~
 

Ich seufzte leise, immer noch im Zimmer sitzend, als plötzlich die Tür aufgeschoben wurde und eine Dienerin eintrat. In ihren Armen trug sie ein Buch und Blätter, die aufgehäuft auf diesem ruhten. Oben drauf balancierte sie ein kleines irdenes Gefäß, in dem eine Feder steckte. Ich wusste was sich wohl darin befand, weil ich diese Art von Gefäßen schon in Filmen oder auch in einem Museum gesehen hatte. Ein Tintenfässchen.

Soo-Won-sama lässt Ihnen das schicken. Damit Sie sich nicht langweilen.“

Sie betrat das Zimmer und ging auf den Schrank zu, auf dem sie die Papiere und das Buch ablegte. Sie wandte sich noch einmal zu mir um, deutete eine Verbeugung an und verließ das Zimmer wieder. Ich wartete, einige Minuten, bis ich mir sicher war, das die Dame weg war, bevor ich zu dem Schrank ging und das Buch hervor zog. Es hatte einen dunklen, braunen Einband, der sich in meiner Hand nach rauen Leder anfühlte. Am Rücken wurde das Leder rauer, oder viel eher unebener. Ich sah es mir genauer an und erkannte am Fuß ein mir unbekanntes Zeichen, welches schwarz war und wohl in den Einband eingebrannt worden war. Eine Zahl vielleicht? Ich fuhr den Rücken entlang, und sah ihn mir genau an. Das hier unterschied sich schon sehr von den Bucheinbänden, die ich aus meiner Welt kannte. Und doch, war dieses Buch wie ein Unikat.

Ich drehte es auf die Rückseite. Keine Beschreibung, einfach nur raues braun. Die Vorderseite hingegen hatte ein Motiv. Eine Art Blume, die wie schon das Zeichen auf dem Buchrücken, eingebrannt schien. Ich strich mit dem Finger darüber und konnte so erkennen, dass dem wohl wirklich so war, denn die Blume schien tiefer geprägt zu sein. Neugierig schlug ich das Buch auf und betrachtete das Innere der Bindung. Ich konnte deutlich das feste, harte Stück Schnurr sehen, mit dem das Buch gebunden war. Einstiche der Nadel und das erste Papier, dass von seiner Art anders schien. Stärker und fester. Ebenso war es in seiner Art Rauer, wohingegen die anderen Seiten glatt schienen.

Ich schlug die nächste Seite auf und der Kontrast wurde klar. Eine Blumenwiese. Bunt, mit saftigen Grün. Ich konnte mir vorstellen, wie sich die Blumen im seichten Wind bewegten, ihre Köpfchen gegeneinander stießen, während die Grashalme sanft über ihre Stängel strichen. An einem schönen Sommertag waren es sicher Schmetterlinge, die wie Elfen über die Wiese tänzelten.Von Köpfchen zu Köpfchen, zu Köpfchen.

Und inmitten dieser Wiese erkannte ich eine Blume, die sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Rot wie das glühen der aufgehenden Sonne. Inmitten von Gelb, Violett, blau... Eine einzige rote Blume.

Ich blätterte weiter und auf der nächste Seite war eine der Blumen, die ich zuvor auf der Wiese gesehen hatte. Blau, mit spitz zulaufenden Blütenblättern. In der Mitte waren die Pollen zu sehen. Getrennt von braunen, geschwungenen Strichen, die wohl zeigen sollten, dass es nicht aneinander klebte.

Das Bild war sehr liebevoll gestaltet. Sehr detaillierte, so dass man fast schon das Gefühl hatte, man bräuchte nur nach dem dicken Stängel greifen um die Blume aus dem Papier zu zerren. Und es war nicht die einzige Blume die so gestaltet war. Jedes einzelne Bild war so lebensecht, so greifbar. Und doch hielt ich wieder bei der roten Blume inne. Die Blätter waren nicht vollständig rot. An den Rändern war sie orange, wodurch es schien, als würde jedes Blütenblatt aus einer kleinen Flamme bestehen. Das Gelb in der Mitte schien der Quell dieser Flammen zu sein. Es verschlug mir die Sprache und ich konnte irgendwie nicht anders als an Yona zu denken, die in der späteren Phase ihres Abenteuers wie diese Blume inmitten eines farbenfrohen Feldes war. Einmalig, faszinierend, die Aufmerksamkeit auf sich ziehend.

~*~
 

So blieb es auch noch eine ganze Weile lang, die anderen waren mittlerweile längst verstummt und hatten auf das nächste Lebenszeichen ihres jungen Anführers gewartet, als jemandem ein überraschter Laut über die Lippen fuhr.

„Oh!“, sagte er und wurde dabei noch etwas lauter. Er war fast schon am Schreien.

„Der Älteste! Der Älteste Mundok ist zurück!“

Schnell, mit ein paar flinken Bewegungen, verwischte Hak seine Berechnungen, sodass weder wir, noch die anderen Bewohner oder Mundok sie sehen konnten. Kaum war er damit fertig, den Sand wieder so aussehen zu lassen, wie vor seinen Berechnungen, näherte sich auch bereits der Älteste dem Flussbett. Er kam aus der gleichen Richtung, aus welcher wir vorhin gekommen waren, nur saß er auf einem Pferd. Was bedeuten musste, dass er zuerst in der Stadt, möglicherweise in seinem Haus und nach Hak wie auch Yona gesucht haben musste.

Kaum hatte er unsere Stelle erreicht, stellte er sein Pferd mehrere Meter entfernt von uns ab und stieg ab. Mit einem überschwänglichen „Opaaaaaa!!“ wurde er von seinem Enkel begrüßt, aber auch die anderen Mitglieder des Windclans freuten sich, ihr ehemaliges Oberhaupt wieder zu sehen. Mundok sah genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Oder zumindest das, was von meiner Erinnerung an ihn noch übrig geblieben war. Was, wenn ich so darüber nachdachte, nicht sonderlich viel war. Letztlich konnte ich mich nur an seinen weißen Bart, der ihm bis auf die Höhe des Adamsapfels gewachsen war, seine langen Ponyhaare und das Stirnband erinnern. Dass er auf dem Kopf ein Stirnband trug und wie sein Enkel Perlen, die jedoch in seinem Haar steckten, diese Details waren mir bereits wieder entfallen. Auch, dass er einen langen, hellen Mantel trug, hatte ich bereits wieder vergessen. Er war komplett weiß, nur an den Rändern befand sich ein kompliziert aussehendes Muster. Auf mich machte er mehr den Eindruck, als wäre er ein Bewohner der Wüste, als das des Windclans. Sein linkes Auge war verschlossen und er besaß dort eine Narbe, die sich über das komplette geschlossene Auge zog. Wie bei Zorro aus One Piece oder Kakashi aus Naruto, er hielt es auch wie Zorro geschlossen. Automatisch musste ich an die ganzen Diskussionen über Zorros geschlossenes Auge denken, die ich so im Internet eher beiläufig mitbekommen hatte. Er wirkte weise und erfahren auf mich, aber auch wie ein typischer Großvater. Zumindest vermutete ich es, mangels eigener Opa-Erfahrung. Doch im Gegensatz zu den Gedanken an meinen Vater machten mich diese nicht traurig. Vermutlich, weil ich meinen Großvater nie groß kennengelernt hatte, beide nicht.

Kaum war er von seinem Pferd abgestiegen und sein suchender Blick hatte das gefunden, wonach er gesucht hatte, rannte er so schnell er konnte auf uns zu. Nun war mir vollkommen klar, dass er nach Hak und Yona gesucht hatte. Irgendjemand, vermutlich die alte Dame, hatte ihm erzählt, dass sich die beiden auf dem Weg zum Fluss gemacht hatten. Ich fragte mich, wie er wohl reagieren würde, sollte er von dem leeren Flussbett erfahren. Denn auch seine Reaktion war eine der vielen Dinge, die ich bereits wieder vergessen hatte.

Als er uns erreicht hatte, ging Yona ein paar Schritte auf ihn zu und er umarmte sie so fest es sein bereits älterer Körper es ihm erlaubte. Sie verschwand fast in seiner Umarmung, lediglich ihr feuerrotes Haar und Teile ihrer Kleidung guckten noch ein wenig heraus, so groß war der Größenunterschied zwischen den Beiden. Erleichterung bereite sich auf Mundoks Gesicht aus. Winzige Tränen liefen ihm über das Gesicht, was Hak und ich aber auch nur sehen konnten, weil wir uns direkt neben ihm befanden. Denn kaum hatte der Älteste Yona in seinen Umarmung gesteckt, hatten wir beide uns ihm ebenfalls genähert, während die anderen ihren Abstand lieber behalten wollten.

„Was für ein Glück! Ihr seid wohlauf. Ich bin so froh!“, sagte Mundok in die Umarmung hinein und man konnte aus seiner Stimme heraushören, wie ihm wohl ein gewaltiger Felsbrocken vom Herzen fiel. In meinen Augen sammelten sich ein paar kleine Tränen, welche ich verschämt wegblinzelte. Soweit ich mich erinnern konnte, ging es Yona nicht besser, nur dass sie sich im Gegensatz zu mir für ihr Mitgefühl nicht schämte. Noch immer umarmte er sie fest, es wirkte so, als wollte er sie nie wieder gehen lassen. Als hätte er seine langverlorene Tochter endlich wieder gefunden. Wieder wurden meine Augen feucht, wieder blinzelte ich es weg.

„Ich wollte es nicht glauben … dass der König tot ist und Ihr mit Hak den Palast verlassen habt. Aber es ist wahr.“

Hinter uns konnte ich das wieder aufsteigende Getuschel hören, jedoch war es dieses Mal von einer verwundert-neugierigen Natur. Verständlich, immerhin hatte ihr Ältester das junge Mädchen fest seine Arme genommen und wirkte so vertraut zu ihr, als wäre es eine alte Bekannte oder gar ein Teil seiner Familie. Irgendwie machte mich der Gedanke doch ein wenig traurig, doch ich schüttelte das Gefühl innerlich ab.

‚Lächerlich. Absolut lächerlich. Das ist nichts, weswegen ich neidisch sein müsste. Mama umarmt mich ja auch ständig. Mann, was ist nur wieder mit mir los? Naja, einfach nicht rankommen lassen …‘

Ein ungutes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus und ich begann, mich mit mehreren Schritten von der Szene zu entfernen. Ich spürte, dass ich eine Auszeit brauchte, eine Zeit für mich und nur mich alleine. Seit ich in dieser Welt angekommen war, war ich ständig in der Gegenwart von anderen Menschen und es kostete mich immer mehr Kraft, nicht nur körperlich anwesend zu sein. Mich auf die Gespräche zu konzentrieren, darauf zu achten, dass ich nicht mit meinen Gedanken wegtriftete und dass es auch keiner außer mir bemerkte, sollte ich es doch tun. Mich einfach mal irgendwo hinsetzen und einfach nur meinem Gedankenfluss hingeben. Den kleinen Zeh hineinzuhängen, mich darin fallen und treiben zu lassen. Auch, wenn ich mich hinterher kaum an die Ideen und Gedanken erinnern konnte, war es wie ein Bad meiner Seele. Einfach nur für mich sein, genau das brauchte ich jetzt. Zu meinem Glück waren alle auf die Beiden fokussiert, so dass es keiner mitbekam, wie ich mich von ihnen in die Richtung des Dorfs entfernte. Lediglich das Pferd ließ ein Schnauben für sich, doch ein Blick zeigte mir, dass es ein eher allgemeines Schnauben und nicht für mich speziell bestimmt war. Zwar war das Gefühl nicht so stark wie an den Tagen, an die mich die bloße Anwesenheit anderer Menschen einfach nur nervte, dennoch erdrückte es mich fast. So suchte ich mir eine schattige Stelle unter mehreren Ästen, lies mich auf dem Weg nieder und blickte in den Himmel, meinen Gedanken nachgehend.

‚Hui, da bin ich ja in was reingekommen … wie damals, als Steven zusammen mit Lars auf Homeworld gelandet ist und den Off-Colors begegnet ist. Hach ja, das war eine wilde Tour. Aber jetzt ist er auf der Erde und Lars ist noch immer auf der Erde. Wie er ihn wohl heimbringen wird? Ob er es überhaupt schaffen wird, immerhin haben sie ja kein Schiff, mit dem sie einfach mal eben hinfliegen könnte. Das hat ihnen ja Navy abgenommen. Ob sie wohl alle Rubys, die im All herumgeflogen sind, eingesammelt hat? Bestimmt, immerhin ist das ja wie eine Clique. Und was werden die Off-Colors machen? Oder gar die Diamonds? Ob die irgendwann auf die Idee kommen werden, dass Steven Homeworld verlassen hat? Bestimmt. Hoffe, es geht den Zircons gut. Hihihi, irgendwie erinnert mich die ganze Trial-Szene an Phoenix Wright … Hilfe, das hab ich ja schon lange nicht mehr gespielt. Was ist eigentlich aus meinen DS-Spielen geworden? Hab ich die überhaupt noch oder habe ich die schon verkauft? Ich kann mich nicht mehr erinnern, das ist alles weiß … naja, ich könnte zwar eins der Spiele spielen, wenn ich wieder daheim bin, wann auch immer das ist, aber ich kenne mich, bis dahin hab ich es längst wieder vergessen. Oder, wenn ich mich erinnere, hab ich längst die Lust daran verloren. Immerhin wäre es cool, wenn ich sie jetzt spielen könnte und wenn es dann soweit ist, will ich es gar nicht mehr. Macht aber auch nichts, ich hab ja so viele Spiele, die ich noch spielen müsste. Allein schon die ganzen Spiele auf Steam …‘

Ich rührte mich nicht, spürte nur den angenehmen, leichten Wind, wie er mir durch die Haare und über die Haut wehte. Hörte das ferne Zwitschern mir unbekannter Vögel und folgte den unschuldigen Wolken, wie sie so über den Himmel über mir dahinzogen. Erst eine Bewegung, die ich im Augenwinkel erkannte, brachte mich zum Reagieren. Ich unterbrach meinen Gedankenfluss und blickte zur Seite. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich mich wieder in der Realität zurechtfand. Bis ich wieder bemerkte, was echt ist und was nur zu meinem Gedankenpalast gehörte. Schließlich erkannte ich die Gestalt, die sich mir näherte und instinktiv riss ich meine Augen auf. Es war Heangdea, der bereits bessere Tage gesehen haben musste.

‚Stimmt ja, er wurde ja von Leuten vom Feuerclan verprügelt oder so, als er wegen dem Fluss nachsehen gegangen ist.‘

Schnell richtete ich mich auf und lief ihm entgegen, bereit, ihn jederzeit aufzufangen, sollte er in Ohnmacht fallen. Ich wusste zwar, dass ich, was meine körperliche Kraft anging, ein nasses Handtuch war, dennoch wollte ich dem jungen Mann nur helfen. Seine Kleidung war dreckig, als hätte er sich einmal kräftig in einer Mischung aus Staub und Erde gewälzt. Sein Gesicht und sein Hände waren übersäht mit Schrammen und Kratzern, hier und da war es sogar blutverkrustet.

‚Sie haben ihn nicht umgebracht … sie hätten es bestimmt tun können, aber sie haben es nicht getan. Wohl, damit er uns warnen kann …‘

Erschrocken über meinen eigenen Gedankengang bot ich ihm meine Schulter an, welche er dankbar annahm. Er hakte sich bei mir ein, wobei er, dank meiner geringen Körpergröße, eher auf meiner Schulter lag und ich mich bei ihm untergehakt hatte.

„Danke dir, ich hab mich doch schon ziemlich schwach auf den Beinen gefühlt. Das ist wirklich sehr nett von dir“, sagte er mit brüchiger Stimme und ich befürchtete schon, dass er mir nun in Ohnmacht fallen würde. Was er zu meinem Glück nicht tat.

„Was ist mit dir passiert? Du siehst schlimm aus?“, fragte ich vorsichtig und dachte für einen kurzen Moment, ich wäre vielleicht mit meiner Frage zu neugierig gewesen oder zu intim. Doch Heangdea sah das wohl anders.

„Ich habe, wie Hak-sama befohlen hatte, mir den Oberlauf näher angesehen. Erstmal ist mir überhaupt nichts Verdächtiges aufgefallen, doch dann habe ich gesehen, dass es eine große Blockade gibt. Als ich mir ihr genähert habe, habe ich die Typen vom Feuerclan erkannt – die haben die Blockade gebaut.“

‚Dachte ich es mir … was war es nochmal? Sie haben es im Anime gezeigt … war es nicht ein Staudamm? Oder erinnere ich mich nur wieder falsch? Wie auch immer, ich darf jetzt nicht abdriften, auch, wenn es noch so verlockend ist. Ich muss mich um ihn kümmern. Zwar ist meine Schulsani-Ausbildung ewig her, aber er braucht auf jeden Fall eine Behandlung seiner Wunden.‘

„Das hört sich gar nicht gut an“, sagte ich und zum ersten Mal seit langem hatte ich das Gefühl, dass meine Emotionen dabei nicht gespielt, sondern echt waren.

„Hör mal, soweit ich das mit bekommen habe, ist euer Ältester wieder zurückgekommen … wenn du willst, bringe ich dich zu ihm. Er ist bei Hak und den anderen.“

Heangdea nickte und ich spürte, wie ihn immer mehr die Kräfte verließen.

‚Verdammt, warum kann ich nicht mehr wie Jasper sein? Oder es reicht ja auch Amethyst – sie ist zwar klein, aber trotzdem stark … oder überhaupt ein Gem? Normal stört mich meine Schwäche ja nicht, aber jetzt ist es halt echt unpraktisch.‘

„Ja, bitte, bring mich dort hin, ich muss mit den beiden reden“, sagte er, einer Ohnmacht immer näher kommend. Ich rang mit mir selbst und hoffte, dass es nicht allzu schnell passieren würde. Oder zumindest dort, wo mich die anderen sehen und mir helfen würden, sollte er doch komplett das Bewusstsein verlieren.

„Klar, gerne doch“, stieß ich nervös aus und ging mit ihm, Schritt für Schritt, langsam zu den anderen zurück.

~~*~~
 

Ich hatte einige Zeit damit verbracht, das Bilderbuch der Blumen anzusehen, bevor ich zu einem Stück Papier gegriffen hatte und mich versuchte an den Beschreibungen der gesehenen Pflanzen zu wagen. Mir fiel zwar keine Geschichte ein, aber ich wusste, wo beim Schreiben meine kleinen Herausforderungen waren, weswegen ich mich zu dieser Schreibübung entschieden hatte. Sonderlich gefallen tat es mir aber nicht. Die Beschreibungen wirkten steif, vollkommen kunstlos und ich fragte mich, ob es in einem kreativen Text vielleicht wesentlich flüssiger wirken würde. Ich musste das wohl später probieren, wenn mir auch nur eine Idee für eine Kurzgeschichte zuflog.

Zeit dafür hatte ich aber nicht mehr, denn Jonghyuk kam in mein Zimmer zurück. In seinen Händen hielt er verschiedene Stoffe, allesamt in Farben, wie ich sie in meiner Heimat zu meiden versuchte. Gelb, pink, grün... würg.

Verzeih das ich so lange gebraucht habe. Es war nicht leicht ein paar Sachen zu finden, die dir passen könnten. Die meisten Frauen... also...“

Ich nickte verstehend und sah an mir hinab. Der Kimono den ich trug, bedeckte nur spärlich meine Oberweite und war anrüchigerweise geöffnet, weil ich ihn einfach nicht geschlossen bekam.

Schon in Ordnung. Solange ich mich nicht vollständig vor Soo-Won zum Löffel mache, ist alles in gut.“

Jonghyuk legte die Kleidung über dem Sichtschutz ab, wobei mir sofort etwas auffiel, dass zwischen der bunten Farbvielfalt hervorblitzte. Schwarz. Etwas schwarzes. Ich erhob mich von meinem Platz und ging auf den Sichtschutz zu, um mir das genauer anzusehen. Ich griff nach dem Stoff, der samten schien. Weich und sehr glatt, so dass ich fürchtete, er würde von dem Sichtschutz rutschen.

Das ist ein Hanbok. Ich fand den mit den schwarzen Stickereien sehr hübsch. Generell sind sie einfarbig gehalten, aber für Yona-Hime werden diese traditionellen Sachen immer noch etwas aufwendiger und besonders gemacht.“

Jonghyuk nahm ein paar der Stoffschichten runter und reichte mir eine weiße Hose, einen Unterrock, den roten Oberrock mit den schwarzen Stickereien, ein roséfarbenes Jäckchen, dass mich stark an meinen schwarzen Bolero aus der Heimat erinnerte und Unmengen von Bändchen, die mir sagten, dass ich gefühlt eine Tonne Stoff tragen müsste.

Das...“

Ja, das gehört alles zum Hanbok. Am besten fängst du mit der Hose an. Wir haben Glück, dass es nicht so kalt ist, sonst müsste da noch eine dicke Hose drüber.“

Meine Augen weiteten sich als er das sagte, denn ich fand schon jetzt die Menge an Stoff übertrieben. Nicht das ich in meiner Welt weniger trug. Gerade im Winter konnte es niemals genug Stoff geben. Aber da achtete ich drauf, dass es keine Röcke waren und dass ich nicht fünf Kilo dank Kleidung zunahm.

Also, los.“

Jonghyuk legte die anderen Sachen beiseite und nahm mir alles ab, bis auf die Hose.

Sag wenn du fertig bist, dann gebe ich dir das nächste Teil. Wenn du Fragen hast, trau dich. Oder soll ich jemanden holen, der dir beim ankleiden hilft?“

Er schien selbst unsicher zu sein, was er tun sollte, ohne das ich mich unwohl fühlte. Ich schüttelte aber den Kopf und verschwand hinter dem Sichtschutz.

Ich entband den Kimono, schälte mich aus diesem und hing den Stoff über den Sichtschutz, so dass Jonghyuk ihn nehmen konnte.

Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du die Mauer sehen willst?“, fragte er schließlich, während ich in die Hose schlüpfte.

Wollte dir keine Umstände machen“, murmelte ich und fühlte mich erneut schuldig, dass ich ihn schon wieder angelogen hatte. Das hatte er eigentlich nicht verdient.

Das war ganz schön gefährlich. Ein Glück hast du Soo-Won-sama getroffen. Er ist echt unglaublich, oder?“, fragte Jonghyuk, wobei er wie ein begeisterter Fanboy klang.

Natürlich war Soo-Won unglaublich und das nicht nur im positiven Sinne, doch das konnte ich schlecht sagen. Wie hätte das denn bitte gewirkt?

Mh... Er ist sehr nett und verständnisvoll. Hätte eher gedacht, dass er mich sofort von Wachen gefangen nehmen lässt. Stattdessen lädt er mich zum Essen ein.“

Das liegt an sein großes Herz. Soo-Won-sama hatte noch nie Probleme Freunde zu finden. Er war schon immer recht beliebt. Deswegen ist die Sorge natürlich groß, dass man ihm etwas antun könnte. Nach dem Ableben des Königs, ist er der einzige, auf dem unsere Hoffnungen ruhen.“

Ich wurde hellhörig, während ich nach dem Unterrock griff, den mir Jonghyuk über den Sichtschutz gereicht hatte. Das war mehr als ein Fanboy. So sprach wohl nur jemand, der ein enger Vertrauter oder ein langjähriger Diener von Soo-Won war, oder?

Sag, Jonghyuk... Bist du schon lange hier im Palast?“

Ich zog den Unterrock an, der eher die Farbe einer Eierschale hatte. Alles Farben, die ich für gewöhnlich nicht tragen würde, die aber sicher nicht unter dem blauen Oberrock mit den schwarzen Stickereien hervorblitzen würden.

Ein paar Jahre. Hier, der Oberrock muss bis unter die Brust. Vorher solltest du aber noch das Unterhemd anziehen.“

Er reichte mir zwei Teile. Den langen Oberrock und ein dünnes Hemd, welches ich mir als erstes über den Kopf streifte und einigermaßen provisorisch in den Unterrock stopfte. Gott warum mussten sie so viele Sachen tragen. Hätten sie nicht einfach ein normales Kleid haben können?

Ich seufzte innerlich und schlüpfte in den Oberrock. So wie es Jonghyuk erklärt hatte, zog ich ihn bis unter die Brust. Schon jetzt spürte ich dieses beklemmende Gefühl das meine zu große Oberweite immer bereitete. Der Bolero würde unter Garantie nicht gut schließbar sein.

Ich helfe dir. Du brauchst sicher Hilfe beim binden.“

Ich konnte spüren, wie meine Wangen heiß vor Schamesröte wurden. Immerhin war Jonghyuk ein Mann und ich wollte eigentlich nicht halbfertig bekleidet von ihm gesehen werden. Doch ich wusste auch, dass ich nur schwer an die Bänder heran käme. Ich kam etwas hinter dem Sichtschutz vor und hielt den Oberrock fest, damit Jonghyuk ihn schnüren konnte. Er zögerte nicht, zog straff an den Bändern und schnürrte mir damit etwas die Luft ab.

Geht's?“, fragte er und ich nickte, auch wenn ich gefühlt kaum noch Luft bekam. Ehrlich, große Brüste und dann noch eine feste Schnürrung waren der Lunge Tod.

Gut, nur noch das Jäckchen.“

Wirklich?“

Jonghyuk lächelte und hielt mir das Jäckchen entgegen. Ich seufzte, hob die Arme und gestattete ihm, mir den Bolero überzustreifen. Er zog fest, damit er den Stoff über meine Oberweite bekam. Es fühlte sich ermüdend an, doch schließlich, band er schnell eine Schleife, so dass der Stoff nicht mehr rutschte.

Sind wir fertig?“

Nein. Hier kommt noch die Krönung. Das wird ganz wunderbar aussehen.“

Wie kann man sich darin nur bewegen?“

Jonghyuk grinste und nahm noch einen dickeren, langen Stoff, den er um mich legte und gut zu einer großen Schleife unter der Brust schnürrte. Die Farbe des Stoffes war Schwarz, so dass er gut zu den Stickerein passte. Und hey, zu Pink, rot und rosé passte schwarz sowieso immer.

Ich holte tief Luft und versuchte so noch ein letztes Mal genug Sauerstoff einzuatmen.

Fertig. Du bist bereit für Soo-Won-sama.“

Ich schluckte schwer und sah an mir hinab. Der Kimono hatte schon viel gewogen, doch das hier toppte es noch einmal. Immerhin musste ich das hier nur für ein Abendessen tragen. Ich konnte nur hoffen, dass ich nicht wegen Sauerstoffmangel zusammenbrachen.
 



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