Zum Inhalt der Seite
[English version English version]

RaA - Rescue - Rache an Ash

Originalversion nach Franzy S.' Manuskript
von MiyaToriaka

  Seite 1 - [1] [2] [3] Seite vor  

Kapitel 8: Verloren (02.03.2008)

Kapitel 8 - Verloren (02.03.2008)

Immer noch hielt Team Rocket Ash zurück, als er permanent versuchte, sich loszureißen und auf Misty loszusprinten. Irgendwann war es ihm zu bunt. Er sammelte all seine Energie und stieß zuerst Jesse, dann James von sich weg.
„Misty! Bitte halte durch! Du darfst jetzt nicht aufgeben, hörst du mich?!“
Schwach wandte Misty ihren Kopf in Ashs Richtung. Ob sie ihn verstehen konnte, wusste sie nicht. Alles um sie herum war so dunkel.
„Ash“, wisperte sie leise vor sich hin. „Wo bist du?“
„Hör auf damit! Kämpf dagegen an! Du darfst dich ihm nicht ergeben, das ist doch alles, was er wollte! Hör auf so stur zu sein!“
„Ich – habe dir versprochen, dass ich… dass ich dich niemals im Stich lasse“, gab Misty schon ganz schwach von sich. „Mach, dass du weg kommst.“
„Nein, niemals! Nicht ohne dich, das weißt du ganz genau!“
Pikachu hörte durch sein Bewusstsein die verzweifelten Schreie seines Trainers. So wie Glurak kam er allmählich wieder zu sich, nachdem Starmie und Schiggy ihnen Wasser ins Gesicht gespritzt hatten.
„Pika pi…“ Wackelig und mit zittrigen Pfoten stellte sich Pikachu erneut auf. Alles, was er erkennen konnte, war, dass Misty seltsam leuchtete und über dem Boden zu schweben schien. Ihre Arme waren weit ausgestreckt und sie ließ den Kopf hängen, direkt darunter stand Ash. Brüllte er sie etwa schon wieder an? Lernte er denn nichts dazu? Kopfschüttelnd, um zu versuchen wieder einen klaren Blick zu bekommen, schritt Pikachu auf die zwei zu.
Misty lächelte schwach.
„Komm schon, machen wir uns nichts vor. Du hast jetzt endlich die Gelegenheit, Pikachu und die anderen hier wegzubringen. Das ist mir im Moment viel wichtiger, als dass du dir Gedanken darum machst, was mit mir passiert.“
„Du bist wahnsinnig! Was ist nur los mit dir?! Bist du jetzt schon so willenlos, dass du es zulässt, dass dieser Bastard die volle Kontrolle über dich und deinen Körper erhält? Hast du dich wirklich schon komplett aufgegeben?“ Langsam wurde er sauer. Was war nur in Misty gefahren? Er erkannte sie überhaupt nicht wieder. Sie schien sich wirklich damit abgefunden zu haben, dass Ash für sie nie mehr als Freundschaft empfinden würde und sie ihm dermaßen egal wäre, dass er sie einfach hier zurücklassen würde.
„Jetzt hör mir mal genau zu!“ Mit diesen Worten machte Ash einen Satz, klammerte sich an Mistys Beine und zog sie auf den Boden. Dabei schlug Misty mit dem Kopf auf und begann sofort danach Ash geschockt in die Augen zu blicken, als er sich keuchend über sie beugte und sie mit einem dermaßen aggressiven Blick anschaute, dass sie zusammen zuckte. „Wenn DU schon denkst, dass dich keiner mehr braucht und dass du nichts zu verlieren hast, dann lass dir gesagt sein, dass du mir sehr viel bedeutest! Verdammt, du bist meine beste Freundin! Glaubst du echt im Ernst, ich hatte mit Absicht vor, dich alleine in Azuria City zu lassen?“
„Ash, nicht…“ Misty überfiel ein sehr ungutes Gefühl. Sie hatte Ash in ihrem ganzen Leben noch nie so verzweifelt und kraftlos gesehen. Zwar hatte er schon öfters offen und ehrlich seinen Freunden gegenüber geweint – aber dieser Gesichtsausdruck und vor allem der Grund für seine Tränen machten sie absolut hilflos. Normalerweise konnte sie mit solchen Situationen umgehen, aber… In jenem Moment konnte sie es komischerweise nicht. „Hör auf damit! Wieso fängst du immer wieder mit der Vergangenheit an?! Ich habe dir schon hundert Mal gesagt, dass ich dir nicht böse bin.“ Mit jenen Worten schlug Ash direkt neben Mistys Kopf mit der flachen Hand auf den kalten Betonboden, so dass sie sofort erstarrte. Zuerst starrte sie den Brustkorb panisch auf und ab lassend auf die Hand, dann direkt schüchtern und erschrocken in seine Augen.
„Du weißt ganz genau, dass ich genau darauf nicht hinaus wollte“, sagte er nur mit ernster und zittriger Stimme, als die Tränen begannen, auf Mistys zerrissenes Top zu fallen und auch ihre Haut entlang zu streifen. Misty beobachtete sie genau. Am liebsten hätte sie selber geweint, weil sie Ash so absolut nicht kannte und schon gar nicht sehen wollte. Jedoch war sie zu kraftlos und auch gefühlsmäßig zu fertig, um ihm so demonstrativ beizustehen.
„Was hast du?“, flüsterte sie nur, weil sie nicht sicher war, ob er diese Frage in jenem Moment akzeptieren wollte. „Du bist frei. Was willst du eigentlich noch hier?“
„Ich möchte jetzt von dir klare Worte, Misty“, gestand er plötzlich nach einigen Sekunden der Stille. „Wieso tust du das alles? Wieso tust du das für mich? Merkst du nicht, was du mir – deinen Pokémon – damit antust?“ Ash schluckte getroffen.
„Ich…“
„Du hast mich gerade angeschrieen, als ich sagte, ich möchte für euch mein Leben geben… Weißt du noch, was du gesagt hattest?“
„Ich möchte doch nur verhindern, dass es euch so ergeht wie meinen Eltern… Ich möchte euch nicht auch noch verlieren, begreif das doch!“ Verzweifelt kniff Misty die Augen zu.
„Beantworte meine Frage!“, schrie Ash sie genauso fertig an. Daraufhin versuchte Misty krampfhaft ihm in die Augen zu schauen und gab alles darauf, sich zu konzentrieren, soweit das in ihrem Zustand eben möglich war. Denn obwohl sie es nicht offenbaren wollte, wurden die Schmerzen im Innern ihres Körpers immer schlimmer.
„D-Dass du dein Team nicht im Stich lassen darfst…“
„Und?“
„Dass du – dich nicht aufgeben darfst…“ Langsam fiel ihr das Atmen schwer.
„UND?!“ Jetzt hätte es nicht mehr lange gedauert und Ash hätte Misty an ihr Top gegriffen. Was wollte er denn von ihr hören? Kein einziges Wort kam über Mistys Lippen, als sie Ash so fordernd, so nah an ihrem Gesicht seinen Atem spürend sah, wie er auf sie starrte und auf eine Antwort hoffte, die sie ihm nicht geben konnte.
„Ich… was hatte ich…“ Sie war total verwirrt, total irritiert. Lag das daran, dass Traumato ihr ihre Kraft fast komplett genommen hatte? Oder war es die Tatsache, dass sie ganz plötzlich und ohne Vorwarnung von Ash einfach so berührt und angestarrt wurde?
„’Hier sind so viele, die dich brauchen. WIR wollen DICH nicht verlieren!’ – Waren das nicht ganz genau deine Worte?“ Misty musste kurz schlucken, als Ash mit einem Mal sanft lächelte, gläserne Augen bekam und ihr doch eine kleine ungewollte Träne von der Wange strich. „Oh nein. Auf keinen Fall, Misty. Niemals.“ Damit beugte er sich zu ihr herunter, legte seine Wange an die ihre und flüsterte ihr ins Ohr:
„Ich möchte dich niemals verlieren. Ich brauche dich… Hast du mich verstanden, Misty?“
Ash hatte ja keine Ahnung, was für eine Art Energie er mit jenen Worten in Misty hervor rief. Ihr Herz klopfte so laut und ihre Farbe wurde unheimlich rötlich, nachdem sich Ash langsam von ihr löste. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, die Ash sie anstarrte, immer noch sanft lächelte und sich die letzten Tränen aus dem Gesicht wischte.
„Ash, ich…“ Misty wünschte sich in diesem Moment nur eines: Dass sie aufstehen könnte und Ash fest in die Arme schließen – doch sie konnte nicht. Ihr Körper war nach wie vor gelähmt und immer noch spürte sie, wie Traumato sich immer mehr in sie hineinfraß. „Es tut mir so le…“ Bevor sie zu Ende sprechen konnte, legte Ash ihr seinen Zeigefinger an den Mund.
„Mir auch.“
Endlich. Sie lächelte. Sehr schwach, aber sie lächelte.
„Danke, Ash… Vielen Dank, dass wir Freunde si…“
In jenem Moment wurden beide von einem erneut grellen Licht geblendet. Bestürzt hielt sich Ash einen Arm vor die Augen und spürte noch in derselben Sekunde, wie ein heftiger Windstoß aufkam, der versuchte, ihn von Misty los zu reißen.
„NEIN!“ Schnell schlang Ash seine Arme um Mistys Hals und drückte sie fest an sich. „Giovanni wird keine Macht über dich bekommen, dafür sorge ich schon! Halte bitte durch, Misty!“ Plötzlich stutzte Ash. Er spürte Mistys Atem nicht mehr. „Was?“ Geschockt wagte Ash einen Blick in Mistys Gesicht. Sie hatte die Augen erneut geschlossen und von den Emotionen bis vor einer halben Minute war absolut nichts mehr zu sehen. „Was hast du?!“ Ash geriet in Panik. Er bemerkte wieder die blaue Psychoaura, die Misty umgab und stellte fest, dass er sie nicht einmal mehr anfassen konnte. „Komm schon! Kämpf dagegen an! Ich weiß, dass du es kannst! Misty!!!“ Als sie ihren Namen hörte, riss Misty abrupt die Augen auf und versetzte Ash einen Schock, den er sein ganzes Leben nicht mehr vergessen würde:
Die Augen zeigten nichts! Keine Emotionen, keine Lichtreflexe, in keiner Weise etwas, dass sie lebten. – Sie waren leer und blutrot.
Noch bevor Ash sich von dem Anblick erholen konnte, spürte er wie Misty ihn an den Oberarmen packte und sich ihre Fingernägel gezielt in sie hineinkrallten. Ash konnte darauf einen schmerzerfüllten Schrei nicht unterdrücken.
„Pika pi!!!“, schrie Pikachu entsetzt und rannte auf Ash zu. Er wusste auf die Schnelle keine andere Lösung, als Misty einen satten Donnerblitz zu verpassen. Zwar ließ sie Ash daraufhin los, der sofort auf die Knie fiel und erst einmal verarbeiten musste, was er da eben erlebt hatte, aber Misty selbst verzog keine Miene, würdigte Pikachu nicht einmal eines Blickes.
„Pikachu pika?“, fragte Pikachu Ash panisch, als er ihn besorgt anschaute.
„Ich bin ok“, gab Ash nur knapp von sich, biss nach wie vor die Zähne zusammen. „Was ist passiert?“
„Pikachu pi…“ Ash folgte Pikachus Handbewegung und schaute zu Misty. Diese bewegte keinen Muskel, wurde jedoch von Traumatos Psychokräften auf die Beine gehievt. Ihre Augen zeigten immer noch den Wahnsinn, von dem Ash gedacht hatte, er hätte es sich nur eingebildet.
Was sagte Giovanni doch gleich? Er wollte – ein „Spiel spielen“?
„Das ist ein böser Traum, nicht wahr, Pikachu? Ich wache doch sicher gleich auf…“ Pikachu merkte genau, wie Ash gerade von der Rolle war. Er wusste genau, die Schmerzen, die er gerade erlitten hatte, waren realer als die aufgehende Morgensonne. Das Einzige, was es nicht begreifen wollte, was momentan mit Misty geschah, war Ashs Unterbewusstsein.
„Pikachu, Pika pi!“ Wir müssen sie da rausholen!
„Glu!“ Glurak versperrte Pikachu den Weg.
„Pikachu pika, Pikachu!!“ Auf Pikachus Protest hin, sie könnten nicht mehr warten, wies Glurak auf Misty hin, ebenso machte er Pikachu klar, sich genau auf Ash zu konzentrieren.
Dieser konnte es immer noch nicht verstehen, was Misty da tat. Wie als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, schritt sie mit gleichmäßig ruhigen Schritten und der aufrechten Bewegung einer willenlosen Marionette auf Giovanni zu.
„MISTY!“ Dieses Mal musste Glurak seinen Trainer persönlich aufhalten. Hätte er sich in jenem Moment in das Geschehen eingemischt, hätte das sein Leben gekostet. „Nein…“ Wieder konnte Ash nur fassungslos starren. Jetzt kniete sie auch noch vor ihm nieder. Was sollte das alles?
„Hier bin ich“, waren ihre ersten Worte. Es war einfach unerträglich. Mistys Stimme war total verzerrt und all ihre Emotionen, die ihre Stimme sonst so einzigartig machten, waren wie weggeblasen. „Ich bin hier, um Euch zu dienen. Was begehrt Ihr von mir?“
„So ein Unsinn! Misty, wach auf!!! Lass dich nicht von ihm so behandeln!“ Permanent versuchte Ash sich von Glurak loszureißen, aber dieser beschwichtigte ihm, noch etwas zu warten.
„Fühle dich geehrt, von nun an ein Teil des berühmtesten Teams in ganz Pokémon-World zu sein. Ich bin sehr stolz auf deine Entscheidung.“ Immer noch kniete Misty vor ihrem jetzigen Meister und wartete auf ihre erste Anweisung. „Nimm dies als ein Geschenk der Organisation.“ Mit diesen Worten schnipste Giovanni mit einem fetten Grinsen auf seinem Gesicht und erneut wurde Misty in die Luft gehoben. Ein starker Wind umhüllte sie, wie zuvor Ash, wirbelte ihre Kleidung wild umher, als Ash bemerkte, dass sich Misty begann, komplett zu verändern.
Ihre sonst so schönen orangenen Haare wurden plötzlich von blutrot bis pechschwarz gesäumt. Sämtliche dunkle Schatten machten sich in ihrem Gesicht breit und ihr gelbes Top mit den roten Hosenträgern und der dunkelblauen Jeans wurden ersetzt durch pechschwarze Team Rocket Kleidung. Sie bekam genau wie Jesse und James ein schwarzes kurzes Oberteil mit einem großen roten unverkennbaren „R“ darauf, darunter ein weißes Top, gefolgt von weißen Handschuhen, die beim Übergabepunkt in das Schwarz rot-weiße Streifen hatten und ebenso eine schwarze Hose, die über den schwarzen Lackstiefeln dasselbe Muster am Ende die Hosenbeine zierte.
Als die Umkleidung vollbracht war, ließ Traumato Misty los, so dass sie zu Boden fiel. Sie schien erneut bewusstlos, jedoch als Giovanni vor sie trat und befehlend sagte: „Erhebe dich, Team Rocket Mitglied, Misty!“, stand sie sofort langsam und atemberaubend beherrschend auf, öffnete die Augen und erwiderte mit einem ekelhaften bitterbösen Blick Giovannis schamloses Grinsen.
„Das… Das kann nicht sein…“ Pikachu und Glurak merkten genau wie nahe Ash diese Verwandlungsaktion in die Adern schoss und ihn von innen heraus angriff, als wäre es das Ende einer Freundschaft, die Ash nie und nimmer hätte aufgeben wollen. Wäre Misty nicht noch vor wenigen Minuten direkt vor ihm auf dem Boden gelegen, hätte er es niemals geglaubt, dass dieses – „Monster“ dort, was sich mit Wohlhaben an Giovanni schmiss, seine Misty sein sollte.
„Pika pi!!! Pikachu pi pika Pikachu!“, schrie Pikachu Ash an. Und ja verdammt, Ash wusste, dass er Recht hatte. Auch wenn in jenem Moment alles verloren schien, so durfte er nicht den Fehler machen und Misty aufgeben. – Nicht nach dem, was sie ihm gesagt hatte…
„Ich möchte, dass du mir verzeihst, dass ich nie den Mut dazu hatte, dir zu sagen, was ich wirklich empfinde. Es ist mir egal, ob du mich jetzt hasst. Alles, was ich wollte, war, unsere Freundschaft nicht zu verlieren. Denn das wäre schlimmer gewesen als alles Übel dieser Welt.“
Oh ja, sie hatte Recht! Und momentan war dieses Übel Giovannis Traumato, das es gewagt hatte, Misty derartig zu verunstalten und zu entfremden, dass Ash und die anderen alles dafür tun mussten, sie zurück zu holen. Ihre Misty war da irgendwo noch. Und egal, was es kosten würde, sie würden sie da raus holen!
Stolz nahm Giovanni Mistys Hand und ließ sie sich erheben. Das bitterböse und tiefe Grinsen war ihr nach wie vor ins Gesicht geschrieben, als hätte man es ihr direkt auf die Haut gebrannt. Als Giovanni Misty auf seine Tribüne steigen ließ, bemerkte er, wie Ash auf ihn zu rannte, kurz zuvor stehen blieb und abwartete. Gemächlich drehte Giovanni sich ihm zu, setzte sich auf seinen von ihm selbst benannten „Thron“ und schaute Ash einfach nur an. Als beide nichts gegenseitig erwiderten, grinste er ihn an und meinte mit seinem üblichen herablassenden Ton:
„Du bist ja immer noch hier. Hatte deine Freundin nicht ihre Seele an mich verkauft, damit du und eure Pokémon frei kommt? Glaub mir, früher oder später kriege ich euch alle sowieso. Deine kleine süße Freundin ist der best Beweis dafür.“ Als Giovanni Ash bei seiner kleinen Rede so beobachtete, fiel ihm auf, dass sich nach und nach auch auf dessen Blick ein selbstsicheres Grinsen bildete.
„Sie wissen doch genau so gut wie ich, dass ich ohne meine kleine süße Freundin ihre Arena keinesfalls verlassen werde, oder?“ Mit diesen Worten zuckte Giovanni kurz ein wenig überrascht mit einer Augenbraue. Worauf wollte dieser kleine Rebelle denn hinaus? „Sagten Sie nicht, wir wollten ein kleines Spiel spielen?“ Ash blickte zielsicher um sich, als seine fünf Pokémon sich neben ihm beiderseits aufbauten und einen ebenso sicheren und selbstbewussten Blick aufwiesen. Sie zeigten Bereitschaft, egal, was sie nach Ashs Frage gleich erwarten würde. „Also? Wie sind die Spielregeln?“, verschränkte Ash letztendlich seine Arme, behielt sein Grinsen bei und wartete einfach ab, wie Giovanni reagieren würde.
Zuerst war es still. Dann jedoch musste Giovanni einmal herzhaft und laut lachen.
„Soso, Spielregeln, hm? Du forderst mich also echt zu einem kleinen Spiel heraus? Was würdest du denn fordern, solltest du gewinnen?“
„Sollte ich gewinnen – geben Sie uns allen unsere Freiheit zurück und lassen uns zukünftig in Ruhe ziehen.“
„Und was, wenn ich gewinne?“
Ash schluckte, versuchte aber den nächsten Satz überzeugt und ohne Angst rüberzubringen.
„Dann bin ich zu allem bereit.“
„Nun denn. Sagtest du nicht, du wolltest der beste Pokémontrainer der Welt werden?“
Ash grinste siegessicher. Jetzt war er in seinem Element.
„Ich werde der beste und größte Pokémonmeister der Welt, darauf können Sie sich verlassen!“
Giovanni schmunzelte, rieb sich kurz nachdenklich am Kinn, als er ein knappes „Hm!“ hervorbrachte.
„Und du glaubst, du kannst es mit jedem aufnehmen, was?“
„Davon können Sie ausgehen!“ Mit diesen Worten ballte Ash seine Hände zu Fäusten und so wie Pikachu stellte er die Beine etwas weiter auseinander, als hätte er im nächsten Moment damit zu rechnen, dass Giovanni Steine auf sie schmeißen würde.
„Das wollte ich nur hören“, säuselte Giovanni herausfordernd und die Arena unter Ashs Füßen begann zu beben. Irritiert blickte er hinter sich und aus der Arena selbst entstand eine komplett neue. Ash kannte dieses System und zwar von der Indigo-Liga. Je nach Bewährungsprobe musste man sich einem anderen Element entgegenstellen, um später ins Finale zu gelangen. Jedoch konnte man bei Giovannis Arena nicht erkennen, welches Element nun gemeint war. Teils waren es Felsen, andererseits Wasserbereiche und sogar eine kleine Wiese, dazu etwas Sand – im Grunde genommen alle Elemente auf einem Haufen. Momentan war es Ash noch egal, was er damit bezwecken wollte, aber insgeheim machte er sich Gedanken.
„Die Spielregeln“, daraufhin wandten sich Ash und seine Pokémon wieder Giovanni zu, „sind einfach. Du weißt ja wohl, was ein Pokémonkampf ist?“ Ash lief hochrot an. Niemand beleidigte sein Wissen gegenüber Pokémon und mit allem, was damit zusammen stand.
„Sie Vollidiot!!! Natürlich weiß ich das!!! Ich war unter den besten 16 in der Indigo-Liga!!!“
„Ja, weiß ich“, winkte Giovanni mit einem gelangweilten Gähnen ab, „ich kenne deine Karriere in- und auswendig. Sagen wir es so – ich kenne dein ganzes Leben!“ Ash wusste, er durfte sich nicht einschüchtern lassen, aber das gab ihm dann doch zu denken. Er würde schon raus finden, was Giovanni damit meinte.
„Zurück zum wichtigen Teil.“ Jetzt erhob er sich sogar. Welche Ehre für Ash! Ungeduldig rollte er mit den Augen. Er hasste es, wenn jemand solch eine Show abzog. „Wie ich sehe, hast du dein Team bereits ja gewählt.“
„Ja, und glauben Sie mir, ich werde mein ganzes Team wieder zurückholen!“, fuhr er den Team Rocket Boss an. Er hatte es satt vor diesem zu groß geratenen Typen ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das hatte er sonst auch nicht nötig.
Gemächlich schritt Giovanni an den Rand der Arena.
„Drei gegen Drei. Wer zuerst zwei Gegner besiegt hat, gewinnt automatisch. Soweit verstanden?“
„Klar!“, knurrte Ash Giovanni an und hatte sich bereits auf eine der Seiten gestellt, wartete nur noch darauf, dass auch Giovanni seinen Platz einnehmen würde. Jedoch machte er nicht den Anschein, etwas dergleichen tun zu wollen.
„Was ist? Haben Sie Angst, gegen mich anzutreten, oder was?“ Ash konnte es sich in jenem Moment nicht verkneifen zu übermütig zu werden und sich – wieder einmal – selbst in den Himmel zu loben. „Bin wohl zu gut für Sie, wie?!“
„Hm. Dummer Junge.“
„Was?!“
„Glaubst du echt, ich mache mir deinetwegen die Hände schmutzig? Denkst du echt, dass in der Vertania City Arena faire und legale Regeln herrschen? Für normale Trainer ja – aber nicht für solche Rebellen wie dich!“ Nach jenen Worten verschränkte Giovanni seine Arme hinter seinem Rücken. „Ich bin nur der Schiedsrichter. Dein Gegner – erwartet dich bereits.“ Damit machte er eine Handbewegung in Richtung Ashs Gegenseite und als die Scheinwerfer der Arena angingen, weiteten sich Ashs Augen geschockt. Giovannis eben neu gewonnenes Spielzeug stand dort, hatte die Beine weit auseinander und die Hände an den Hüften. Widerwärtig lachte Misty Ash entgegen, als würde sie ihn von vornherein verachten und auslachen.
„Du hattest Recht. Du bist meiner nicht würdig.“
„Das kann doch nicht ihr Ernst sein“, lächelte Ash gespielt. „Sie lassen echt einen so schwachen Trainer gegen mich antreten? Sind nicht mal Mann genug, mir persönlich gegenüber zu treten? Müssen das jetzt schon Mädchen für sie erledigen?“
Erneut lachte Giovanni hemmungslos.
„Oje, als Schauspieler würdest du von mir gerade noch eine gnädige fünf bekommen! Ich kann dir ansehen, wie du zitterst, weil du genau weißt, dass deine Freundin dir nicht mehr vertraut, nicht mal mehr deinen Namen weiß! Oh ja, du hast Angst, sie zu verlieren. Und du hast Angst, sie zu verletzen.“
„Was?“ Giovanni hatte Ash tatsächlich durchschaut.
„Und - was meinen Preis betrifft... Solltest du verlieren…“ Seine Stimme wurde überheblich herausfordernd und unberechenbar. Unüberhörbar ließ er seine rechte Hand knacken und ballte sie zu einer Faust. „… wird Misty sterben.“
Ashs Atem stockte. Mit allem hätte er gerechnet, dass Giovanni ihn oder seine Pokémon töten würde – aber nicht DAS! Er wusste, er durfte nichts erwidern, aber sein Ego ließ es nicht anders zu.
„Das können Sie nicht von mir verlangen! Hier geht es doch um MICH! Wieso ziehen Sie Misty da immer wieder mit hinein?! Ist es nur, weil sie meine beste Freundin ist? Weil sie mir immer beisteht und weil Sie wissen, dass sie mich“, er schluckte kurz, zögerte, ob er es laut aussprechen sollte… Doch dann wisperte er es doch. „… mich liebt…?“
„Tja, kleiner Ashy. Mit Misty wird alles anfangen – denn mit ihr hat alles angefangen.“
„Was? Was wollen Sie damit sagen?!“ Immer noch starrte Ash fassungslos in Giovannis Richtung.
„Du hattest deine Pokémonreise noch nicht mal richtig angetreten, da stand sie vor dir. Dieses Mädchen war der erste Mensch, der dir auf deiner Reise begegnet war. Sie hatte dich aus einem Fluss geangelt, dein armseliges Leben gerettet und dir sogar eine gescheuert, weil du dein Pikachu in solche Gefahr gebracht hattest, dass es fast sterben musste. Du hast ihr Fahrrad gestohlen und geschrottet und weil du es nicht ersetzen konntest, hast du sie mit dir ziehen lassen. Am Anfang war sie nichts weiter als ein Klotz am Bein für dich, ein Hindernis dafür, alle Pokémon fangen und trainieren zu können – doch irgendwann hattest du gemerkt, dass sie viel mehr war. Sie war eine Reisegefährtin, eine Freundin, mit der man alles erreichen konnte, die immer für dich da war, immer zu dir stand. – Und bei dem plötzlichen Abschied, der euch bevorstand, hast du erfahren, dass sie dich liebt. Zuerst hattest du es ignoriert, dass dich euer Abschied schmerzte, aber irgendwann hat es dich innerlich zerrissen. Dir wurde bewusst, dass du sie mehr liebst, als dein eigenes Leben. Du wolltest sie wieder bei dir haben. Sie zurückholen!“
Ash wich ein paar Schritte zurück und schüttelte den Kopf.
„Wieso – erzählen Sie mir das alles?“
„Ich hatte dir ja gesagt, dass ich dein Leben in- und auswendig kenne. Ich kenne DICH, mit allen Fehlern und Erlebnissen, die du je gemacht und überlebt hast. Wieso sollte ich dich töten, wenn es doch…“ Sein Grinsen kam wieder überdeutlich zum Vorschein, als er die letzten Worte genüsslich hauchte, „etwas viel Schlimmeres gibt als den Tod.“
„Nein…“
„Was ist jetzt? Fangen wir endlich an?“, schallte es von Misty aus herüber zu Ash, wobei dieser sie geschockt anblickte.
„Und jetzt muss sie dafür gerade stehen.“ Sein fieses lautes Lachen ertönte durch die gesamte Arena, als sich Giovanni langsam umdrehte und zurück auf seine Tribüne schritt. Dort ließ er sich wieder in seinen Sessel fallen, während Jesse und James in standhafter Position links und rechts von ihm verharrten.
„Glu!“ Glurak stieß Ash etwas unsanft mit der Schnauze von hinten an. Er durfte sich jetzt nicht mit dem Gedanken aufhalten, dass Mistys Leben in seinen Händen lag. Das war es doch nur, was Giovanni wollte. Ernst schaute er in seine Augen, sie begannen zu blitzen, so dass Ash sich wieder in der Realität befand. Pikachu, Schiggy, Starmie, Togepi und Glurak zeigten ihm bereitwillig, dass sie alles für ihn tun und zu ihm stehen würden.
„Ihr habt Recht…“ Ash sah jeden einzeln an. Dann packte ihn sein Selbstbewusstsein am Schopf und er bekam seinen bekannten, übereifrig entschlossenen Blick. „Machen wir Team Rocket fertig!“ Die Pokémon jubelten dem zu. „Ist es in Ordnung, wenn ich mit dir beginne?“ Sein Gefährte nickte ihm zu. „Gut, also dann. Ich wähle dich, Glurak!“
Mit diesem Satz erhob sich Glurak in die Lüfte und kam in der Mitte der Arena zum Stehen.
„Na, endlich. Ich dachte schon, wir würden nie zu Potte kommen“, meinte Misty hochnäsig und zuckte die Schultern. „Hier kommt mein erstes Pokémon! Garados, du bist dran!“ Aus einem pechschwarzen rot umrandeten Pokéball kam Mistys alter Bekannter zum Vorschein. Wie Glurak es erwartet hatte, wurde auch jener von Traumato kontrolliert, denn seine Augen waren genauso leer und mit Hass erfüllt wie die von Misty. „Endlich! Nach all den Jahren wird es Zeit, dir heimzuzahlen, was du mir angetan hast!“
Ash zuckte kurz zusammen. Von einem Moment auf den anderen verschwand Mistys hinterhältiges Lächeln und wie die Augen ihres Pokémons wurden ihre Augen mit Hass gefüllt und richteten sich auf Ash, so dass dieser tot umgefallen wäre, hätten Blicke töten können.
„Garados, Hyperstrahl, los!“ Mit diesen Worten zögerte Garados nicht lange und griff Glurak mit seiner stärksten Attacke an, noch bevor irgendetwas anderes passieren konnte. Normalerweise benötigte Hyperstrahl einige Sekunden, um auf Hochtouren zu kommen, deswegen war Glurak auch nicht darauf gefasst, wie schnell Mistys Garados war und wurde mit voller Wucht getroffen.
„Glurak! Schnell flieg hoch! Flammenwurfattacke!“ Zum Glück kannte Ash Mistys Garados schon eine ganze Weile und wusste deshalb auch, wie er in etwa vorgehen musste. Aber dass das nicht ganz zu hundert Prozent funktionieren konnte, wusste er, denn auch er hatte sofort erkannt, dass Garados nicht er selbst war. „Lock Garados aus dem Wasser!“
Während die Pokémon aufeinander losgingen, grinste Ash Misty entgegen.
„Und, was ist? Willst du mir nicht langsam mal sagen, was ich dir so Schlimmes angetan habe?“
„Du…!!“ Ihre Faust zuckte bedrohlich, als er dies derartig sagte. „Du Scheusal hast meine Eltern getötet!!!“ ...


  Seite 1 - [1] [2] [3] Seite vor  
Kommentare zu diesem Kapitel (9)

Fanfic-Anzeigeoptionen

Zurück