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Nur ein Spiel

von

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Seelenverwandtschaft und Liebe

Ein neuer Tag brach an. Vögel zwitscherten hier in der sonnigen Jugendherberge und Trolli war es, der als erster seine Augen aufschlug. Sofort blinzelte er hinüber zu dem schlafenden Link, auf dessen Lippen der Name seiner Prinzessin lag. Er seufzte und drehte sich mit einem weiteren unverständlichen Wort gen Wand. Leise und vorsichtig stieg der wache Jugendliche aus dem knarrenden Bett und watschelte benommen zu dem ruhenden Link. Einige Sekunden blieb er davor stehen, füllte seine Zunge mit Hass und Schimpfwörtern, weil der Held der Erfüllung seines Wunsches im Weg stand. „Es ist deine Schuld“, wimmerte Tommy beinahe, wand sich ab, nahm Kleidung unter seinen Arm und hastete aus dem Raum hinaus.

Es war wenig später am Frühstückstisch in der Cafeteria. Patrizia erzählte freudig über ihre Cousinen Mitrette und Marla, während Patrick aufmerksam zuhörte. Link, der gefräßige Heroe, schaufelte sich Eierkuchen, Salate, Brötchen und allerlei anderen Kram in den Wanst und hörte nur auf die Stimme seines duftenden Essens. Trolli saß schweigend am anderen Ende der Tafel, hin und hergerissen zwischen der sehnsüchtigen Erfüllung eines Wunsches und dem Opfer eines Mords, welches er bringen sollte.

,Töte und du bist ein Verbrecher’, sagte Trolli zu sich. ,Lässt du den Helden am Leben… ist das Leben deines Vaters verwirkt.’ Ein Wunsch war es, den Trolli antrieb. Eine kleine Bitte, geäußert von einer unschuldigen Seele an die falsche Seite der Macht. Seufzend stand der Jugendliche auf und murmelte: „Möchtet ihr einen Kakao, Leute? Ich gebe eine Runde aus.“

Zufrieden nickten sie alle, auch Link.

Unsicher und mit zittrigen Händen überprüfte der Junge den Inhalt seiner rechten Hosentasche, wo sich eingehüllt in einem schwarzes Stofftuch eine violette Perle verbarg, die, so wie man ihm sagte, so viel Abschaum, Gift und Tod in sich trug, um ein ganzes Heer in den Tod zu schicken.

Wohlbehütet ruhte die magische Waffe in seiner rechten Hand, während er vier Kakaotassen vom Automaten voll laufen ließ. ,Es würde ganz schnell gehen’, dachte Tommy. Er müsste nur die Perle in eine Kakaotasse gleiten lassen und dafür sorgen, dass Link diese Tasse bekam. Es würde niemand Verdacht schöpfen, weil die Perle sich auflösen und später die Substanz im Körper nicht nachweisbar wäre. Der Heroe würde schnell und schmerzlos sterben und niemand würde sich wundern, denn alles würde so aussehen, als ob er eines natürlichen Todes gestorben wäre. Link wäre tot, und Tommys Vater würde leben…

Langsam und doch brühend heiß tropfte das schokoladene Getränk in die einfachen, weißen Tassen. Zwei könnte Trolli in einer Hand tragen und in die ganz linke würde er die Perle sinken lassen. Unauffällig wanderten seine Augen hin und her, bedacht, dass niemand seinem Spiel zusehen konnte. Mit einem Zischen verschwand die violette Todesperle in der Tasse ganz links und nichts deutete daraufhin, dass jenes Getränk vergiftet war. Nervös trat der Oberstufenschüler zurück zu dem Tisch, wo Link gerade lachend dem neckischen Gezanke von Pat und seiner Stalkerin zuhörte. Er würde gleich nicht mehr lachen, so wie Tommy niemals mehr lachen könnte, wenn sein Vater nicht lebte. Mit einem schnellen Herzpochen und einigen nervösen Schweißtropfen reichte Tommy dem Heroen die Tasse, der diese sogar noch grinsend annahm. Es könnte sein letzter Zug sein… sein letzter Augenblick…

Zuerst beachtete Link das Getränk in keiner Weise. Mittlerweile war der Kakao erkaltet und Pat und Patrizia hatten ihre Tassen bereits geleert. Nur Tommy hatte seine Tasse noch vollgefüllt vor sich stehen und wartete verbissen darauf, dass Link endlich trank. Aber immer noch ließ er sich Zeit bei seinem Festmahl, hatte zu viel Geduld und lauschte grinsend dem Gespräch des ungleichen Paares am Tisch. Immer unruhiger wurde Tommy, wackelte mit dem Stuhl, rutschte auf dem Stuhl hin und her und war mehr und mehr uneins mit sich selbst. ,Was tust du hier nur?’, dachte er. Rechtfertigte ein Mord einen Wunsch aus einem siebzehnjährigen Herzen?

In dem Augenblick geschah es und Link nahm die Tasse am Henkel und meinte an Tommy gerichtet: „Danke für den Kakao. Lass’ uns anstoßen, sagen wir, auf das Leben!“ Gerade als Link die Tasse an seine Lippen setzten wollte, sprang Tommy auf, griff hastig im letzten Moment nach der Tasse, sodass diese zu Boden krachte und der cremige Kakao sich auf dem Boden wiederfand.

„Was war das denn?“, sagte Link verwundert und blickte den Jugendlichen irritiert an. Aber Tommy antwortete nicht, ließ den Kopf hängen und hetzte aus dem Raum hinaus. „Habe ich was Falsches gesagt?“ Und Link erinnerte seinen Satz gedankenvoll. Auf das Leben… war das ein Grund für das komische Verhalten des jungen Spundes?

Pat schüttelte mit dem Kopf. „Weiß nicht… ich habe keine Ahnung, was in ihn gefahren ist. Aber ich habe ja schon gemeint, dass Tommy komisch ist. Schon die ganze Zeit.“

Link rieb sich nachdenklich über das Kinn und blickte gen Tür, dorthin, wo der Jugendliche wie auf der Flucht hinaus gestolpert war.
 

Als der einstige Hylianer gedankenverloren in den Bungalow trat, war der merkwürdige Jugendliche nicht zugegen. Zufrieden ließ sich Link in der Wohnstube auf dem Sofa nieder, machte kurz die Augen zu und dachte… schon wieder an Zelda. Er wünschte sich beinahe unendlich jetzt ihre Anwesenheit, wünschte sich, sie hätte ihm alles erzählt und würde ihre Geheimnisse bezüglich Hyrule endlich mit ihm teilen. Reden… mehr verlangte er nicht von ihr. Nur reden… Wenige Minuten später war Link auf dem Sofa eingeschlafen.

Link wurde schließlich hastig an seinen Schultern gerüttelt, bis ihn jemand ein Glas Wasser ins Gesicht kippte. Er blinzelte und erkannte zunächst Patrick und Patrizia vor sich, die lachten und dann erkannte er leicht verärgert über seine tückische Schlafsucht, dass außerhalb bereits die Straßenlichter brannten. ,Na prima’, dachte er. ,Echt toll, du angeblicher Held. Wenn du schon dabei bist, kannst du ja auch den Rest deines Lebens verschlafen. Trottel…’

Link richtete sich auf und bezeichnete sich als unverbesserlichen Träumer, bis ihm eine grinsende Marla und deren ebenso grinsende Schwester Mitrette auffielen, die neben dem Sofa saßen.

Einige Dosen Guinness standen einladend auf dem rissigen Tisch. Zwei Flaschen Wein und einige Chips- Packungen waren aufgetafelt. Und Link verstand. Heute war bei den Jugendlichen wohl Partystimmung angesagt. Seufzend schaute Link in die Runde und auch der merkwürdige Tommy trat von einem Nebenraum hinein. Er hatte sechs Weingläser in der Hand und platzierte diese auf dem Tisch.

„Ähm, Tommy, habe ich heute beim Frühstück was falsches gesagt?“, meinte Link. Doch jener schüttelte bloß den Kopf und bediente sich von der Chipspackung.

Alsdann feierten die Jugendlichen ihre eigene, kleine Party. Marla und Mitrette zwangen Link immer wieder ein Gespräch auf und saßen immer scheinbar unabsichtlich neben ihm, bis es dem Helden einfach zu viel wurde. Die beiden Damen waren ja eigentlich ganz nett, aber er wollte einfach nichts von ihnen, weil er entweder sich nicht binden konnte, oder wollte… oder weil er sein Herz bereits auf ewig verschenkt hatte…
 

Der junge Held verabschiedete sich frühzeitig von der gemütlichen Runde, schnappte sich seine Okarina und spielte am ruhigen See ein Lied aus seiner Erinnerung, spürte Zeldas Anwesenheit mit dem Musikstück und träumte vor sich hin… Als die dumpfen Okarinaklänge das sehnsuchtsvolle Lied beendeten und Links Augen schillernd zu dem dunklen See wanderten, legte sich erneut ein so angenehmes Gefühl über seine Gedanken, über sein Herz, welches jegliche Gesetzmäßigkeit des Verstandes in den Schatten stellte. Er dachte an Zelda, unentwegt, immer wieder… und er verstand einfach nicht den Grund… Hatte er nicht den Entschluss gefasst in dem Camp abzuschalten, sein Leben zu genießen und einfach mal nicht an Zelda zu denken? Hatte er sich nicht vorgenommen, nur für sich, für Freizeit, nach Irland zu fahren? Und was war der Endeffekt? Link grübelte ständig über das wunderbare Lächeln seiner Prinzessin nach, malte sich aus, wie es sein würde, wenn sie seinen Brief erhielt, träumte davon, sie wiederzusehen und das nach nicht einmal drei Wochen. ,Zum Verrücktwerden‘, dachte er. Nur zwei, drei Wochen. Nur wenige Kilometer trennten ihn von ihr, und was war das erschlagende Resultat? Er wollte einfach nur bei ihr sein. Genervt wuselte er in seinen blonden Haaren herum, trug ausnahmsweise keinen Hut heute und fühlte sich irgendwie… krank…

Krank vor Sehnsucht nach Zelda…
 

Plötzlich hörte er Schritte aus der Dunkelheit und Link sah die stolze, eigensinnige Patrizia mit ihren kurzen, schwarzen Haaren wenige Meter hinter ihm stehen.

„Der See ist wunderschön, nicht?“, sagte sie.

Link nickte und wand sich dann wieder um.

„Darf’ ich dir Gesellschaft leisten?“, meinte sie.

„Ja, warum nicht?“, entgegnete Link und wusste, dass absolut nichts dabei war.

Patrizia tänzelte näher und setzte sich beinbaumelnd neben den Heroen an den See. „Pat und die anderen sind mir ein wenig zu…“ Sie suchte nach dem richtigen Begriff. „… nun ja… durchgedreht“, meinte sie.

Link lachte auf. „Ach, du meinst die unnötige Sauforgie, die er, Tommy und die anderen zwei Mädchen durchführen mussten?“

Auch Patrizia lachte dann. „Stimmt genau!“

„Nimm’ es denen doch nicht übel. Man muss im Leben auch mal Spaß haben dürfen“, sagte der Heroe und hatte sofort etwas melancholisches auf seinem Gesicht.

„Darf’ ich fragen, wie du das meinst?“ Überrascht blickte Link zu der neugierigen Dame, die nur ratlos drein sah. „Es klingt fast so, als ob du keinen Spaß in deinem Leben hättest.“

Link schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht… aber es gibt genug Verpflichtungen, die man eingeht, sobald man in diese Welt geboren wird. Und egal was man tut, vor einigen Verpflichtungen kann man niemals weglaufen. Deshalb ist es wichtig, zu leben, das zu tun, was einem Freude bereitet und eben auch manchmal Dinge zu tun, die andere nicht verstehen würden. Also… lass’ Pat und den anderen doch ihren Spaß.“

Neugierig und ein wenig überfordert angesichts dieser Worte schaute sich Patrizia den jungen Mann neben ihr genauer an. Aber sie konnte sich aus dem, was in seinen Augen lag, einfach keinen Reim machen. Sein Blick war so unfassbar für irgendjemanden. Und vielleicht verstand nicht einmal jene, der dieser Blick galt, den Sinn dahinter.

„Du bist verliebt“, stellte die junge Dame fest und grinste dann. Ihr Grinsen wurde ausgefeilter, als Link entsetzt und verwirrt die Augenbrauen hochzog, blinzelte und sein Mund sprachlos offen stand. „Wie bitte?“, sagte er.

Patrizia fuchtelte abtuend mit den Händen. „Ich habe bloß geraten, denn dein Blick ist so… verständnisvoll… so verträumt. Das kann bloß die Liebe sein, habe ich gedacht.“

„So ist das aber nicht“, rechtfertigte sich der junge Held und kratzte sich am Pony.

„Du meinst, so einfach ist das nicht“, entgegnete sie. Und ihre Korrektur hatte keine zweite Prüfung nötig.

Link schwieg, während er das Gefühl hatte, er müsste seine Schamesröte in dem See ertränken.

Patrizia aber zog ihre Beine zu sich heran und erzählte: „Weißt du, in Sachen Liebe habe ich einen großen Fehler gemacht. Ich habe nie die Wahrheit gesagt, wann ich sie hätte sagen müssen. Und dann irgendwann kamen Missverständnisse zwischen mir und Patrick auf. Durch diese dummen Ereignisse, an denen ich schuld war, ist zuerst unsere Freundschaft zerbrochen und dann habe ich endgültig sein Vertrauen enttäuscht.“

„Bis zu dem Tag, wo du ihm nachgereist bist und ihr beide euch ausgesprochen habt, nicht wahr?“

„Stimmt genau. Was ich damit sagen will, ist dass du deine Gefühle nicht verstecken solltest. Denn irgendwann kommt dann vielleicht der Tag, an dem alles zu spät ist.“

Link wand seinen mittlerweile sehr ernsten Blick zu dem See und seufzte. „Aber ich bin nicht verliebt“, bestritt er und fragte sich, warum er mit einer fremden Person wie Patrizia über dieses Thema redete.

Sie aber lachte feixend auf. „Sicher? Dabei verhältst du dich so, als wärst du in den wunderbarsten Menschen deiner Welt verliebt.“

Wiederrum kratzte sich der Held am Kopf. „Und wie zum Teufel kommst du darauf?“

„Das ist ganz einfach.“ Sie zuckte mit den Schultern: „Man sieht das an deinem Blick!“

„Aber daran kann man doch so eine Behauptung gar nicht festmachen!“, argumentierte Link, der sich unter allen Umständen verbat für Zelda Gefühle der Liebe zu entwickeln. Sie waren Freunde, nicht mehr und nicht weniger. ,Nun gut‘, dachte Link. Immerhin waren sie Seelenverwandte und sie teilten sich ein Schicksal. Ein großes Schicksal. Da waren Gefühle der Zuneigung ganz natürlich, oder nicht?

„Dann sag’ mir doch mal, worüber du vorhin nachgedacht hast. Natürlich nur, wenn du es mir erzählen möchtest.“

„Vorhin, das ist ganz einfach, ich habe an…“ Ertappt… Link rollte mit den Augen.

Patrizia lachte erheitert und rechthaberisch auf. „Du bist echt aufgeschmissen.“

„Das war Zufall, dass ich an sie gedacht habe.“

„Okay, der zweite Versuch. Gibt es irgendetwas, was du nicht bereit bist für sie zu tun?“

„Was soll’ diese Frage denn?“

„Sag’ schon. Würdest du für sie durch die Hölle gehen?“

Link wurde nervös und er schluckte den Knoten in seinem Hals herunter. Ja, verdammt, er würde für Zelda durch die Hölle gehen. Er würde für sie Hunderte Ozeane überqueren, wenn es sein müsste. Er würde… sogar… für sie… sterben… „Na und? Ja, ich würde für sie durch die tiefste aller Höllen gehen. Aber doch nur, weil sie… und ich…“ Link brach ab und verstand langsam. Redete er sich aus Selbstschutz vielleicht nur ein, dass seine Gefühle einer einfachen Seelenverwandtschaft folgten? War da tatsächlich mehr, was er wollte, begehrte?

„Du bist verliebt, akzeptiere es oder nicht“, sagte Patrizia und stand auf. „Du solltest sie auf deine Gefühle ansprechen.“

Link schüttelte den Kopf und schwor sich den Rest des Urlaubs nicht an Zelda zu denken, um sich und vielleicht auch dieser Patrizia zu beweisen, dass seine Gefühle nicht Ausdruck von Liebe sein konnten und durften. Er konnte sich nicht in die Prinzessin Hyrules verlieben! Irgendetwas war da, was ihm ein Verbot aussprach. Es konnte aber auch nur eine Spur Angst vor der Vergangenheit sein, die er nicht erinnerte, oder aber die Angst vor der Wahrheit zwischen Zelda und ihm…
 

Als die Jugendlichen, Link eingeschlossen, in dem dunklen Zimmer lagen, gab es dennoch einen, der nach der erheiterten Feier keinen Funken gute Laune ausstrahlte. Sein Herz und seine Gedanken waren zerfressen von dem Hass des Bösen, welches seinen Gegenspieler ausmerzen musste. Und jener Jugendliche war nun der Arm des Bösen, weil er einen tiefen Wunsch in seinem Herzen trug, den ihm die gewöhnliche Welt mit ihrem Fortschritt, ihrer Modernität und Neugierde nicht erfüllen konnte. Das Böse aber, welches verführte und Seelen raubte, es konnte jene Wünsche erfüllen…

Wieder rang Tommy mit diesem Wunsch und auf der anderen Seite der Tatsache, einen Menschen töten zu müssen. Sich die Augen reibend, stand der Junge auf, holte einen giftigen Dolch mit smaragdgrünen, dunklen Ledergriff unter seinem Bett hervor. Zielsicher und mit gezückter Klinge stand ein richtender Tommy vor dem Bett.

„Dein Leben für das meines Vaters“, murmelte er.

Überraschend drehte sich Link im Schlaf auf seinen Bauch und ein zufriedenes: ,Zelda“, entkam seinem Mund.

Aber der Jugendliche hatte sein Ziel nun gefasst. Heute und hier, würde er nicht weglaufen. Er würde diese Sache zu Ende bringen und den Helden ermorden. Damit sein Vater leben konnte. Vor dem Schicksal würde er nichts ungerechtes tun, er würde ein Leben retten und eines zerstören. Im Endeffekt würden die Waagschalen gleich stehen. Ein gerettetes und ein getötetes Leben. Die Klinge blitzte im Mondlicht auf, als Zeldas Name ein weiteres Mal den Lippen Links entkam. Sogar in seinen Träumen konnte er nicht aufhören an sie zu denken…

,Aber ihr Name würde ihm im Augenblick auch nichts nützen‘, dachte Tommy. Denn in wenigen Minuten wäre der Held aus Hyrule Geschichte. Zitternd umfasste der Junge die scharfe Waffe, kniff die kindlichen Augen zu und hoffte auf das Wunder. Als sich die Klinge bereits auf dem Weg befand, das junge, verliebte Herz des Heroen zu durchstoßen, klirrte die Scheibe an seinem Fenster und eine schattenhafte Gestalt hechtete mit zwei gezückten Dolchen auf Tommy zu. Lautes Gekreische brach los. Patrick und Patrizia wachten aus ihrem Schlummer und Licht breitete sich in dem Zimmer aus.

Auch Link hetzte auf und erstarrte beinahe, als Sian mit feindlichem Blick und geschärften Waffen einen winselnden Tommy bedrohte.

„Sag’ mal, tickst du noch ganz richtig?“, murrte Patrick, der zuerst die Stille brach.

„Sian?“, drohte Link. „Was soll das?“

Der Rotäugige wand sich unbeeindruckt zu dem Helden und ließ die Waffen sinken. „Du schussliger Held solltest lieber darauf achten, mit wem du hier ein Zimmer teilst. Dieser Zwerg dort hatte gerade nichts anderes vor, als dich zum Schweigen für immer zu bringen.“

Entsetzt blickte Link zu Tommy, der schmollend zu Boden sah.

„Ist das wahr?“, fauchte Link und sah dann als Beweis eine Klinge mit giftgrünem Griff in der Hand des angeblich ängstlichen Tommy. Wütend trat der Heroe auf die Waffe, welche sich immer noch in der Hand des Jungen befand. „Was, beim Triforce, habe ich dir getan?“, brüllte Link, der noch gar nicht fassen konnte, dass er sein Vertrauen an jemanden verschenkt hatte, der ihn umbringen wollte.

Doch Tommy schmollte weiterhin. Link packte den Knirps an seinen Oberarmen und sah dann ein paar Tränen in seinen Augen.

„Ich kann mir denken, warum“, meinte Sian dann und trat näher. „Es gibt einen Grund, etwas, was nur das Böse ihm erfüllen könnte und daher versucht er nun alles, um dich zum Schweigen zu bringen.“

Kopfschüttelnd rüttelte Link an den Armen des Winzlings. „Ist dir klar, was du damit anstellst? Wie dumm bist du, um dem Bösen zu vertrauen! Schau’ mich endlich an, Tommy!“ Links Stimme dröhnte wie ein Sturmgewitter durch den Raum.

Patrick und Patrizia standen nur sprachlos im Raum, besonders Pat, der die Sätze um das Böse… nicht begreifen wollte. Link und Sian redeten vom Bösen? Und was hatte Tommy damit zu tun?

„Wer hat dich beauftragt mich umzubringen? Ganondorf?“, fauchte der Heroe und war außer sich vor Zorn. Patrick stand ergriffen daneben und hatte das Gefühl seine Beine würden plötzlich zu Butter zerschmelzen…

„JA!“, brüllte Tommy. Und endlich sagte er etwas zu den Anklagen im Raum.

„Warum?“, sagte Sian mit Nachdruck.

„Ich hatte einen Handel“, wimmerte er. „Das Leben meines Vaters für deines.“ Link wich zurück, wand den Rücken zu Tommy, der aufstand und weinend erklärte: „Mein Vater ist unheilbar krank. Und wenn ich dich aus dem Weg räume, dann hat man mir versprochen, meinen Vater mit Magie zu heilen.“

Nicht mehr in der Lage seine maßlose Wut zu schüren, hastete Link zu Tommy, stieß ihn kraftvoll zurück, sodass jener an der harten Wand aufschlug: „Und du bist so dumm, das zu glauben? Das Böse erfüllt keine Wünsche ohne Bedingung. Dein Vater würde niemals wieder derselbe sein, wenn man ihn von schwarzer Magie ernähren oder ihn damit heilen würde. Und für so etwas billiges, versuchst du einen Menschen umzubringen!“ Lauter und lauter wurde Links Stimme, der das Kämpferblut in sich nicht mehr unter Kontrolle brachte. „Du bist der mieseste Feigling, der mir jemals begegnet ist, pack’ deine Sachen, oder ich vergesse mich!“ Damit hetzte Link in die Schwärze der Nacht und trainierte mit den Dolchen seinen ungehaltenen Groll ab.
 

Sian stand kopfschüttelnd vor Tommy und konnte seine Handlung dennoch in gewisser Weise sehr gut nachvollziehen. „Es ist besser du reist sofort ab, Tommy“, meinte Sian, packte seine eigenen Waffen und erkundigte sich nach dem Befinden Links.

In den nächsten Stunden packte Tommy, dessen Handel mit dem Bösen nun ausgehandelt schien, seine Taschen. Als er aus dem Bungalow trat, warf er Link einen mitleidigen, traurigen Blick zu und marschierte dann wortlos zu dem Anmeldungsbüro. Keine Entschuldigung kam über seine Lippen an Link gerichtet. Kein Bedauern. Denn Tommy wusste, dass er in selber Weise wieder gehandelt hätte… um seinen Vater zu retten…
 

Als Link deprimiert und genervt zurück in den Bungalow trat, schliefen Patrick und Patrizia immer noch eng umschlungen, obwohl es bereits früh morgens war. Genervt krabbelte der Held in das kalte Bett, konnte immer noch nicht fassen, was die letzten Minuten geschehen war und würde in Zukunft mehr darauf achten, wer sich in seiner Gegenwart aufhielt…

Link befand sich wieder in dem Land seiner Träume, doch nun stand er auf dem Marmorbalkon eines geheimnisvollen Schlossgemachs. Eine sternenklare Nacht umhüllte das Schloss seiner Träume, und einige Kerzen und ein Kamin warfen Licht in seine Richtung, Licht und Wärme durch Feuer, welches seine Schatten in dem Zimmer tanzen ließ. Er trat über eine gläserne Balkontür ein, wusste er war hier willkommen, wusste, hier waren seine Sehnsucht und das, was ihm über Schmerzen und grausame Geschehnisse half. Nur hier… denn hier fühlte er sich Zuhause…

Und als er sich umblickte, er sich irgendwo in verschlossenen Kammern seines Herzens erinnerte, wusste er auch, wo er war. Dies war Zeldas Gemach, zumindest ein Teil davon, ihr Schlafzimmer. Und dann konnte er den Grund entdecken, der ihn hierher führte, verstand den Ruf seines Herzens. Denn jemand saß im Schein der Kerzen an einer kleinen Kommode, blickte in den großen verzierten goldenen Spiegel, der darauf stand, und kämmte sich die langen, seidigen Haare.

„Du musst diesen Weg nicht gehen, Link. Noch ist Zeit zum Umkehren“, sagte sie mit gedämpfter Stimme. Er bewegte sich auf sie zu, als würde er allein von ihrer Anmut und Grazie gesteuert. Langsam legte er seine vom Kampf gezeichneten Hände auf ihre entblößten Schultern und sah im Spiegel ihre saphirblauen Augen. Selbst wenn das nur ein Traum war, Link fühlte deutlich die Wärme ihrer sanften, weichen Haut unter seinen Händen. Und er mochte dieses Gefühl…

„Du irrst dich, Zelda. Ein Umkehren hat es nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Ich will diesen Weg gehen.“

„Aber es könnte deinen Tod bedeuten“, meinte sie leise und drehte sich zu ihm um. So viel schwere Traurigkeit stand in ihrem Blick.

„Keine Sorge. Ich werde diesen Kampf überstehen. Vertrau’ mir einfach.“ Link lächelte leicht, worauf die wunderschöne Adlige nickte. War dies denn wirklich noch ein Traum, fragte er sich. Link hatte das Gefühl, man spielte ihm einen Streich. War vielleicht seine Realität nur Einbildung und eigentlich befand er sich in Hyrule?

Zelda erhob sich auf ihre würdevolle Weise und setzte sich an den dunkelbraunen Tisch, sie mischte die Karten eines sonderbaren Spiels darauf. Link setzte sich ebenso und sah auf das Spielfeld: eine runde Platte, mit sieben Farben - mit jeweils drei Steinen. Was war das für ein Spiel?

„Dieses Spiel können wir steuern, das Schicksal leider nicht“, sagte Zelda leise, als sie ihm einen Stapel Karten reichte. „Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen, den Kampf gegen Ganondorf zu bestehen, Link.“

Er legte eine warme Hand auf ihre. „Zelda, das tust du bereits. Glaubst du denn nicht an mich?“

„Doch…“ Ihre himmelblauen Augen leuchteten unsagbar schön.

„Na also. Mehr brauche ich nicht. Ich schaffe das.“

„Aber du bist nicht mehr, was du einmal glaubtest zu sein. Deine Erinnerungen…“

Er unterbrach sie. „Stimmt. Ich weiß nichts von damals, aber wenn du damit beginnst mir dieses Spiel zu erklären, kommt zumindest ein Teil davon zurück und wer weiß… möglicherweise erinnere ich mich an mehr als das.“

„Wir sind nicht mehr dieselben, das sind wir nie… Genauso wie Hyrule niemals dasselbe ist, genauso sind unsere Reinkarnationen nicht dieselben. Wir werden immer unsere Aufgabe haben und über das Schicksal verbunden sein… in jedem Spiel.“ Zelda wich seinem Blick aus und stellte die Spielfiguren auf die runde Platte.

Link betrachtete sich das Spielfeld nun genau. Irgendwie wirkte es magisch. Am Rande war eine verschnörkelte Uhr angebracht, Ziffern mit einer eigenwilligen Faszination. Und in der Mitte zeigten sich viele kleine Felder mit den Farben, die die Steine hatten.

„Man nennt es das Spiel der Sieben Weisen. Es ist lediglich für zwei Spieler gedacht. Suche dir drei Farben aus.“

„Bin schon dabei. Egal welche?“

„Ja, ist völlig egal.“

Link entschied sich demnach für grün, rot und gelb. Zelda nahm drei der übrigen: orange, blau und violett. Sie erklärte: „Der farblose Stein bleibt übrig. Er stellt den siebten Weisen dar. Wenn die Hälfte der Zeit um ist, gelangt er in die Hände desjenigen, der am weitesten ist.“

„Und was ist nun das Ziel des Spiels“, meinte Link mit einem sanften Blick in seinen Augen.

„Jede Farbe besitzt drei Steine. Du musst diese Steine zusammenbringen, wenn sie auf dem Spielfeld verteilt sind. Pro Zug kannst du einen Schritt machen. Jedoch kannst du nur die gebrochenen Steine bewegen, hast du den Weisen einmal komplettiert, gibt es kein Zurück.“

„Aha, das klingt doch sehr einfach.“

Zelda lächelte und Link konnte ihrem Blick deutlich entnehmen, dass sie etwas verbarg. „Zusätzlich hast du noch die Karten, mit deren Hilfe du gelegentlich Vorteile hast. Du musst sie nur geschickt einsetzten.“ Zelda stand auf, vorsichtig und doch so edel wie immer, holte zwei Gläser und eine Flasche Wein oder ähnliches von einer kleinen Bar. Link folgte mit seinen Augen jeden ihrer Schritte. Erst jetzt fiel ihm auf, wie wunderschön sie doch aussah, gekleidet in samtenen dunkelrot. Ihre honigblonden Haare trug sie offen, ohne Spangen, ohne ihre Krone und jedwedes königliches Abzeichen. Link fragte sich, ob ihr nicht kalt war in ihrer ärmellosen Nachtgewandung und ob er sie nicht wärmen sollte…

Sie stelle die Gläser auf den Tisch und rieb sich die Hände. Ihre Haltung, etwas zitternd und doch herausfordernd, sendete ihm eindeutige Signale, was sie von ihm erwartete.

„Soll ich den Kamin anzünden? Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, das schaffe ich bestimmt.“ Er grinste und schien Zelda ihre Wünsche von den Lippen abzulesen. Er suchte Streichhölzer, brach einige Holzreste auseinander und ließ leises Feuer lebendig werden. Als etwas Holz zu glühen und dann heftig zu brennen anfing, legte Link einige weitere Holzscheitel und Kohlen auf das Feuer. Und es dauerte nicht lange, schickte das wärmende Feuer Ruhe und ein Gefühl der Sicherheit in den Raum und ließ die beiden Hylianer entspannter werden.

Einige Minuten vergingen. Für Link war dieser Traum schöner als alles andere. Sein Zeitgefühl allerdings hatte er längst verloren.

Als sie wieder am Tisch saßen, sagte Zelda leicht lächelnd: „Ach, ehe ich es vergesse. Die Zeit am Rande der Platte läuft während wir spielen, das heißt, das Spiel wird nicht ewig gehen. Und die farbigen Felder ändern sich mit jedem zweiten Zug.“

„So einfach wie ich anfangs dachte, ist das Spiel wohl doch nicht.“ Sie grinste angesichts seiner nachdenklichen, verwirrten Miene. Er betrachtete sich die roten Karten in seiner Hand. Sie hatten goldene Verzierungen und verschiedene hylianische Schriftzeichen mit einer Farbe, die Link noch nie gesehen hatte, so schön sahen sie aus. Das verrückteste war jedoch, dass er sie lesen konnte…

Zelda schenkte in der Zwischenzeit die Gläser ein.

„Was ist das eigentlich für ein Zeug“ Und Link deutete auf die Flasche.

„Bester hylianischer Herzbeerenwein aus dem Schlosskeller. Mein Vater fragt sich schon, wo die ganzen Flaschen hin sind.“ Wiederrum lächelte sie. Link sah sie mit fragendem Blick an. „Link, gelegentlich, wenn du mich besuchen kamst, haben wir eine Flasche davon geöffnet.“

„Oh Mann. Und das erzählst du mir? Das hätte ich lieber nicht wissen dürfen.“

„Wieso denn nicht?“

„Ach, nur so.“ Er grinste und hatte ein paar peinliche Gedanken. Wenn er sie so oft besucht hatte und sie dann immer zusammen Wein tranken, dann hoffte er bloß, sie stellten keine Dinge an, die sie später bereuten… Sein pubertierender Verstand erschuf erotische Szenen in seinem Bewusstsein, die er mit aller Macht versuchte wegzuschieben, aber es gab einige Reize, die dies kaum möglich machten. Da wären zum Beispiel das riesige, gemütliche Bett und dann Zeldas himmlisch erotische Nachtgewandung. Er fragte sich, ob sie unter diesem dünnen Stoff überhaupt etwas trug… Weitere Bilder drängten sich ihm auf. Szenen, von denen er nicht wusste, wie er sie sich überhaupt so echt und detailgetreu vorstellen konnte. Er sah sich selbst und Zelda für einen kurzen Augenblick, nackt, Arm in Arm auf dem Bett hockend, leidenschaftlich aneinander gepresst, trunken vor Liebe und so nah wie er noch keinem Menschen war.

Links ansehnliches Gesicht wurde augenblicklich so rot wie der Herzbeerenwein und er versuchte die Vorstellung Zelda und er könnten sich küssen oder sogar verführen zu ignorieren. Warum dachte er überhaupt darüber nach?

„Link, du siehst so… durcheinander aus.“

„Es ist alles bestens“, prustete er aus seinen Lungen und wirkte ausgesprochen piepsig, als er sprach. Er atmete tief aus und blickte schräg an Zelda vorbei.

„Sicher, dass alles in Ordnung ist…“ Sie spürte, dass er log, aber diese Situationen kannte sie von damals. Sie hatten einander in Hyrule niemals über ihre Gefühle die Wahrheit gesagt.

Link probierte den Wein um sich abzulenken, überrascht über den fruchtigen Geschmack und die Tatsache, dass er im Traum die Süße eines Weines wahrnehmen konnte. „Das schmeckt echt lecker.“

Zelda schloss ihre Augen und lächelte. „Es ist verrückt, dass wir gemeinsam hier sind, oder… Ich meine, zusammen in diesem Traum“, sagte sie und wirkte verlegen. Sie legte einige Fingerspitzen über ihre blutroten Lippen.

„Mmh… echt verrückt und doch…“, aber Link brach ab, bevor er etwas Falsches sagte. Ja, er wollte sagen, dass es wunderschön war, dass es angenehm war, nur war dies vielleicht nicht richtig. Sie ahnte, was er sagen wollte und blickte nervös zur Seite.

Sie begannen schließlich zu spielen. Für Link waren diese Minuten die schönsten seit langem, ebenso für Zelda. ,Wäre ich doch nur daheim geblieben‘, sagte Link zu sich. Da er Zelda so lebendig vor sich sah, ihr wunderschönes Gesicht, ihr langes, weiches Haar und ihren attraktiven Körper, packte ihn einfach nur die Sehnsucht, eine Sehnsucht, die er noch immer nicht verstehen wollte.

Sie war nun am Zug und Link blickte wie hypnotisiert in ihre saphirblauen Augen, die konzentriert auf dem Spielfeld ruhten. Diese sanften Augen, wo der Schatten sich in diesen Sekunden zurückzog.

„Zelda…“, murmelte er, verzaubert von ihrem Wesen. „Darf ich dir eine Frage stellen?“

Überrascht sah sie auf. „Natürlich, worum geht’s?“

„Wer hat damals bei diesem Spiel eigentlich öfter gewonnen, du oder ich?“

„Keiner von uns beiden“, hauchte sie trübsinnig. Ihre Stimme bekam Risse.

„Was?“

„Das Schicksal hat immer gewonnen. Wir haben beide immer verloren, bevor wir das Spiel beenden konnten, da die Zeit ablief.“ Sie erhob sich träge, lief in ihrer Anmut zu dem Balkon und lehnte sich an die gläserne Tür. Ihre Fingerspitzen spielten mit dem kühlen Glas der Scheiben.

„Heißt das für uns beide, dass wir, egal, was wir auch vollbringen, niemals gewinnen werden?“

Sie antwortete nicht und drehte sich mit traurigem Blick um. Die Art und Weise, wie sie ihn nun ansah, machte ihm einmal mehr deutlich, dass diese Stunden mit ihr, keineswegs mehr als ein schöner Traum waren.

„Wenn wir den Ausgang des Spieles kennen, warum spielen wir dann überhaupt noch“, meinte Link mit geschlossenen Augen und freudloser Stimme.

„Vielleicht, weil wir daran glauben, dass wir beide irgendwann einmal gewinnen werden“, sprach sie scheinbar aufmunternd. Aber ihre Hoffnung war immer eine Falsche…

Link erhob sich ebenfalls und begriff erst jetzt, dass er keine moderne Kleidung trug. Eine blassblaue Tunika und dunkler Anzug umhüllte seinen athletischen Körper. Und diese Kleidung war ihm so vertraut gewesen, dass er sie nicht einmal als wunderlich bemerkt hatte. Mit einem aufheiternden Lächeln trat er vor seine Prinzessin, hegte den Wunsch sie trotzallem zu berühren.

„Wollen wir das Spiel trotzdem für heute beenden und…“

„… die Zeit mit anderen Dingen verbringen.“

„Ja… wir könnten…“ Sie suchten in den Augen des anderen nach einer anderen Beschäftigungsmöglichkeit.

„Wir könnten uns einfach nur unterhalten, Zelda.“

Ohne Antwort trat sie auf den Tisch zu, nahm ihr Weinglas und nippte kurz daran. „Ich vermisse Hyrule“, meinte sie sachte und drückte dann ihre rechte Hand auf ihre Lippen. Sie wollte es Link nicht sagen, es sei denn, er fragte danach. Sie wollte in seiner Gegenwart nicht jammern oder schwach wirken. Das konnte sie sich nicht leisten und nicht erlauben. Link hielt sehr viel von ihrer Stärke und sie konnte nicht darin einbrechen mit dem Wunsch nach Schutz und Sicherheit. Sie seufzte, bereute ihren Satz immer mehr. Link sollte nicht wissen, wie es ihr wirklich ging. Er hatte immer auf ihre Stärke vertraut…

Doch in Links Gedanken kreiste Zeldas Aussage umher, bohrte sich in sein Herz und ein Teil von ihm spürte, wie schlecht es ihr ging. Er überlegte krampfhaft, was er darauf sagen sollte, wie er reagieren sollte, wie er ihr helfen konnte, aber ihm fiel einfach nichts ein. Er wollte sie aufheitern, sie sollte jetzt nicht trübsinnig der Vergangenheit hinterher sehen.

Dann sagte sie lauter: „Wir sollten dennoch weiterspielen. Vielleicht ist heute der Tag, an dem wir beide gewinnen werden“, und wischte ihre Zerrissenheit augenscheinlich mit einer einfachen Handbewegung fort. Aber Link wusste es besser. Sie fühlte sich kläglich, auch wenn sie es überspielen konnte. Link stand mit dem Rücken zu ihr und hob eine Hand, wollte sie berühren, doch dann… abermals versagte der Mut, sie einfach nur zu berühren und in seine Arme zu nehmen. Sie erschien ihm fern, wie als wäre eine dicke Mauer zwischen ihnen, oder ein großer See, den sie nicht überqueren konnten.

Seine Hand sank wieder zurück und er setzte sich. Sie spielten erneut. Die Hälfte der Zeit war um und Link befand sich im Rückstand. Zelda hatte einen Weisen komplettiert, Link keinen, was bedeutete, dass sie den farblosen zusätzlichen Stein erhielt. Zelda hatte damit ebenso viele Steine zu vervollständigen wie Link und die Zeit rannte unaufhörlich weiter. Sie spielten und spielten, obwohl in ihrem Leben doch nichts einem Spiel entsprach…

Bei beiden Spielern war ein einzelner Stein übrig. Und die letzte Minute auf der Uhr des Schicksals brach an. Zelda gab auf, auch dieses Spiel würden sie beide verlieren… Und irgendwo war dies für sie eine Bestätigung für etwas, was sie immer schon wusste. Es gab kein ,Wir‘ für sie und den Helden der Zeit. Es gab keine gemeinsame Zukunft, es gab nur Schmerz…

Link war am Zug und es sollte sein letzter sein. In seiner Hand besaß er immer noch eine Karte. Er sah auf das Spielfeld, sah wie sich die Farben wandelten und es keinen Weg seines letzten Steins zu den anderen seiner Sorte gab. Ebenso blickte er zu Zeldas farblosem Stein, der übrig geblieben war. Dennoch, irgendetwas an seinem Blick machte Zelda stutzig. Er grinste, lächelte einfach nur hinterhältig und unverschämt. „Zelda, ich habe eine Überraschung für dich“, sagte er und schaute auf die Karte in seiner linken Hand. Er legte sie mitten auf das Spielfeld.

Verwundert sah Zelda die Karte an. „Das ist ja…“

„Mmh. Die Karte des gemeinsamen Schicksals. Wird sie ausgespielt, heißt das, beide Spieler haben die Möglichkeit einen Stein zu den anderen hinzuzufügen, egal, wo sich die drei Teile befinden. Das bedeutet: Wir haben beide gewonnen.“

Zelda beobachtete ungläubig, wie sich die Steine zusammensetzten, bevor die Zeit ablief. Sie konnte es kaum begreifen, konnte kaum glauben, dass es einmal diesen anderen Ausgang gab. Sie zwinkerte kurz, wirkte so wunderschön mit diesem sanften Lächeln, und Link sah eine Träne an ihrer rechten Wange entlang laufen, eine Freudenträne. „Danke“, sagte sie leise. Es bedeutete ihr viel, einmal, auch wenn nur im Traum ein anderes Schicksal prophezeit zu bekommen. Sie wischte die Träne von ihrer Wange, hoffte, Link hatte jene nicht bemerkt und versuchte ihm auszuweichen. „Entschuldige, Link. Ich bin wirklich ein kleiner Jammerlappen“, flüsterte sie. Schluchzend ließ sie sich auf einen weißen Pelz vor ihrem Kamin sinken, blickte in das wonnevolle, reißende Feuer und hoffte, die Wärme würde die Tränen in ihren Augen verbrennen. Aber ihr Schmerz über den Abschied, ihr Schmerz über Hyrules Untergang war seit dem letzten halben Jahr noch immer derselbe. Noch war die Trauer kaum zerflossen… Sie strich sich über ihre Oberarme, zwang sich ihre Standhaftigkeit zurückzufordern und hoffte so sehnlichst, dass Link ihre Verzweiflung nicht falsch deutete.

Aber der junge Held reagierte auf eine Weise, die sie kaum erwartet hätte. Auch er trat vor das glimmende Feuer. Ein Funkeln tiefer Gefühle in seinen tiefblauen Augen. Und noch ehe Zelda es wahrhaft realisierte, noch ehe sie sich abwenden konnte, setzte sich der Held zu ihr, blickte ihr mit einer Hoffnung entgegen, die sie nie hatte sehen wollen. Er öffnete schwach seinen Mund, wollte etwas sagen, aber entschied sich dagegen und ließ lieber Taten für sich sprechen. Er rückte näher, sein rechtschaffener Blick erzählte von dem Wunsch sie zu trösten. Mit einem überraschten Seufzer fand sich die Prinzessin in seiner Umarmung. Fest zog er sie an sich, so wie einst damals, liebevoll und tröstend… so wie sie es brauchte um ihr Herz heilen zu lassen.

Verlegen schloss sie ihre saphirblauen Augen und legte den Kopf zögerlich an seine Schulter. Es war so vertraut und doch so neu, so real und doch kaum wirklich, so angenehm und doch machte es sie nervös. War es so schwer, zuzugeben, dass sie ihn brauchte?

„Link“, murmelte sie fragend. Ihre Stimme zitterte in seiner Umarmung. „Ich… das ist…“, begann sie, wollte sich rechtfertigen und kämpfte damit diesen Augenblick einfach nur zu genießen. „Du musst das nicht tun… ich…“

Doch der junge Held wollte keine Worte, er wollte nur ihre Nähe und bat sie um das Schweigen. Er entgegnete mit einem leisen: „Pst“, und streichelte mit einer Hand über ihren Rücken, verwundert darüber, dass er ihre Haut durch den dünnen, roten Stoff beinahe spüren konnte. Sie schwiegen für eine Weile und beobachteten das unruhige Feuer im Kamin gemeinsam, beobachteten wie die Macht der Zerstörung in dem Feuer wütete.

„Solange ich noch träume, möchte ich einfach nur bei dir sein“, sagte Link gefühlvoll, „Die Realität holt uns früh genug wieder ein.“

Zelda richtete sich auf, schaute in seine tiefblauen Augen, blieb aber in seiner Umarmung. Noch immer zierten Tränen ihr Gesicht. Er streichelte ihre schwachrosa Wangen und wischte die kristallenen Wassertropfen weg. „Ich will keine Tränen mehr sehen, mein kleiner Jammerlappen“, sagte er leise. Sie lächelte schwach auf seine Bemerkung hin.

Er sah sie immer noch an, dabei zu realisieren, dass sie sich in seinen Armen befand. Selbst wenn nur im Traum, das Gefühl war unbeschreiblich. Links Empfindungen für Zelda überwältigten ihn in diesem Augenblick. Er näherte sich ihr, sodass er ihren Atem in seinem Gesicht fühlen konnte, spürte ihre Angst und Unsicherheit, spürte ihre Zweifel. Immer noch las er in ihre Augen, berührte mit seiner Hand ihre Wangen, dann ihre blutroten Lippen.

„Link… wir…“

„Sch… sch…“, murmelte er und streichelte weiterhin über ihre sanfte Haut. „Bitte sag’ es nicht…“, ergänzte er, wissend, dass sie das, was dabei war zu geschehen, nicht zulassen konnten. Seine Fingerspitzen wanderten über ihr Kinn und dann wieder liebevoll über ihre Lippen.

Er schloss seine Augen langsam, näherte sich ihrem Gesicht, wollte verwöhnen, wollte so nah wie noch nie bei ihr sein. Sanft begann er mit seinen Lippen die ihren zu liebkosen. Eine Empfindung ohnegleichen, als wäre diese Berührung schon einmal vor langer Zeit geschehen, und doch vergänglich. Ein erster Kuss und vielleicht der letzte. Zelda wich im ersten Augenblick leicht zurück, erwiderte aber dann hingerissen und entzückt, schlang streichelnd ihre Arme um seinen Hals. Link ließ seine Hände fordernder über ihren Rücken wandern, legte alles in die Liebkosung, schenkte ihr Vertrauen und zügellose Leidenschaft. Der Kuss nahm an Tiefe zu, wurde inniger, zärtlicher. Doch sie konnten den Kuss nicht beenden…
 

Link wachte auf und befand sich in dem Bungalow des Camps. Benommen schreckte er hoch, gähnte und kam sich vor, als wäre sein Körper zu Stein erstarrt. Er konnte sich kaum bewegen und es fiel ihm schwer zu begreifen, wo er sich befand. Er rieb sich die Augen und erkannte, dass es spät am Nachmittag sein musste. Denn die Sonne stand weit am Horizont und tauchte das Zimmer in rote Farben. Er wollte aufstehen, seine schlafenden Glieder endlich in Schwung bringen, entschied sich im selben Augenblick aber, es zu unterlassen. Er dachte an seinen Traum, lächelte verzaubert, und erinnerte sich an jede Einzelheit. An das wunderbare Spiel, Zeldas Nähe, ihren Geruch… und ihre weichen Lippen. Schmachtend fuhr sich der junge Held mit einer Hand über die eigenen Lippen und hatte sogar noch Zeldas Geschmack im Mund… süß wie Honig…

Ob sie tatsächlich denselben Traum hatte und genauso intensiv geträumt hatte wie er? Wenn ja, wusste Link nicht, wie er ihr begegnen sollte, wie er ihr bei den Göttern Hyrules in die Augen sehen sollte, wenn er wieder zuhause war…

„Das war schöner, als ich mir es jemals vorgestellt hätte“, murmelte der Verliebte, dabei, seine Augen wieder zuschließen. „Verdammt, ich will zurück.“ Er drehte sich in Richtung Wand und dachte fortwährend an Zelda.

Hatte sich der dusslige Held nicht eingeredet, er könnte die nächsten Tage sich selbst das Verbot aussprechen, an sie zu denken? Hatte er nicht immer wieder betont, dass seine Gefühle nichts mit Liebe zu tun hatten? Und nun lag er da… schwelgte in den Gedankensphären der Wolke Sieben, wünschte sich bei seiner Prinzessin zu sein, sie festzuhalten, sie zu wärmen, bis hin zu dem Wunsch neben ihr einzuschlafen…
 

In dem Moment wurde die Tür knarrend aufgeschoben und da war jemand, der sich vorsichtig in das Zimmer schlich. Link tat weiterhin so, als würde er schlafen, drückte die Augenlider zu und versuchte den Gedanken an seine Prinzessin wegzuschieben. Wenn er nicht aufhörte an sie zu denken, würde das noch sehr peinlich für ihn enden… Er spürte bereits die Konsequenzen der Vorstellung von Zelda und ihm in weiteren Träumen, konnte sich kaum losreißen von der Vorstellung, was sie getan hätten, wäre der Traum nicht erloschen…

Gerade da, als er sich versuchte zusammenzureißen, erkannte er zwei flüsternde Stimmen. Es waren Pat und Sian. Sie versuchten leise zu sein, aber Link konnte sie trotzallem verstehen.

„Er schläft jetzt schon seit fast zwei Tagen und ich weiß einfach nicht, wie ich ihn wecken soll. Das ist doch nicht normal“, meinte Pat und wirkte beinahe besorgt.

„Das klingt sehr eigenartig, andererseits… Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns Sorgen machen müssten. Es gibt tiefe Träume, die alles in Frage stellen, was wir glauben zu wissen“, sagte Sian.

Patrick zuckte ratlos mit den Schultern, wollte die Worte von Sian nicht verstehen und murmelte: „Ich habe einige Male versucht ihn zu wecken. Aber er fauchte dann mit geschlossenen Augen so etwas wie: ,Verdammt, lasst mich schlafen’ und deshalb habe ich aufgegeben.“ Er seufzte frustriert. „Ich hab’ gleich gedacht, als ich Link das erste Mal gesehen habe, mit dem stimmt was nicht. Aber dass er so ein merkwürdiger Kerl ist, hätte ich nicht gedacht. Der Held der Zeit hat wahrscheinlich eine kleine Macke.“

Sian grinste leicht. „Vielleicht solltest du nicht schlecht über ihn reden, sonst wacht er noch auf.“

Aber Pat ließ sich nicht mehr zügeln. „Soll er doch aufwachen. Spinner bleibt Spinner. Er hat doch tatsächlich behauptet gegen einen Drachen gekämpft zu haben. Hat er dir davon erzählt?“ Warum er Sian diese Frage gestellt hat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben, denn er plapperte munter weiter. „In die Irrenanstalt gehört der, so wie der drauf ist. Und seine Zelda, von der er nachts immer redet, die kann er gleich mitnehmen.“

Doch diese Beleidigung gefiel dem Heroen nicht. Er öffnete blinzelnd seine tiefblauen Augen, rappelte sich müde auf und trat wackelig auf seine Beine. Er sah aus, als wäre er von seinem Grab aufgestanden. Sein blondes Haar hatte sich aus seinem Zopf gelöst und fiel teilweise über seine nackten Schultern. Seine Wangen waren leicht errötet, aber der Rest seines Gesichts war käseweiß. Und da er seit zwei Tagen nichts gegessen hatte, knurrte plötzlich sein Magen.

„Na, wer sagt’s denn! Wenn man schlecht über Zelda redet, ist er plötzlich wach“, meinte Pat dreist. Er klopfte dem Helden auf die Schulter und wirkte irgendwie erleichtert und froh, dass er aus dem Schlaf erwacht war.

„Morgen Link“, sagte Sian mit ernster Miene. „Alles in Ordnung bei dir, wir dachten schon, du wachst gar nicht mehr auf.“

„Ich fühle mich gut… ich habe nur… geträumt“, sagte er leise und schaute aus dem Fenster.

„Du bist lustig, hast nur geträumt. Wir dachten, du wärst ins Koma gefallen“, murrte Pat.

Link atmete tief aus und seufzte: „Ich habe einfach nur einen schönen Traum gehabt, das ist alles.“ Seufzend ging der Heroe aus dem Raum, dachte weiterhin an seinen Traum, fühlte sich fast ein wenig beschämt und gleichzeitig so unhaltbar glücklich… Beinahe auf seinen Füßen schwebend wandelte der einstige Held der Zeit aus dem Schlafzimmer…



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von: abgemeldet
2008-01-08T16:50:26+00:00 08.01.2008 17:50
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klassööööö(<~ich machs ma kurz un schmerzlos XDDD)
Von: abgemeldet
2006-01-28T21:12:01+00:00 28.01.2006 22:12
Auch, wenn das Kapi nur kurz ist; es ist so was von GENIAL!!
Du bist ein Genie!!! =D
Dieser Traum ist wirklich toll! Woher hast du nur all deine klasse Ideen? Das mit dem Spiel ist sowas von bis ins kleinste Detail ausgedacht und sowas von toll! Ich bewundere dich wirklich. Diese Geschichte ist eine der besten, die ich über "The Legend of Zelda" jemals gelesen habe - wenn nicht die beste von allen!!
Ich hoffe, die Geschichte wird noch lange dauern! Ich darf gar nicht daran denken, dass sie auch mal zu Ende gehen wird. ^-^
Das frustriert mich jetzt schon. Wenn du diese Story als Buch veröffentlichen würdest, würde ich es sofort kaufen!!!
Ich glaube, ich würde es so oft lesen, bis ich es auswendig könnte. ^_____^°
Haaaaachhh *schwärm* Link ist in deiner Geschichte aber auch echt unwiderstehlich. x3
Mach weiter so!

Ab jetzt hast du einen treuen Leser, Fan und Kommi-Schreiber mehr! *hehe*

lg
Danii =D


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