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Dorian

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
So, hier nun Kapitel 2. Es tut mir leid, dass es so viel ist (was ja angemerkt wurde XD), aber die Kapitel sind schon alle fertig und das jetzt extra noch mal zu splitten macht für mich irgendwie nicht viel Sinn ^^
Ich hoffe es geht auch so und ich wünsche viel Spaß beim lesen ♥ Komplett anzeigen

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- 2 -

Erschrocken fuhr ich hoch und saß kerzengerade in meinem Bett. Mein Herz pochte wie wild und mein Atem ging sehr schnell. Verwirrt sah ich mich um und fragte mich, ob ich mir das nur eingebildet hatte. In meinem Traum hatte ich irgendwo jemanden weinen gehört, oder es war ein Hund, der geheult hatte und da war es wieder. Nun träumte ich ganz sicher nicht mehr. Da war ein lautes Heulen und ich fürchtete beinahe, es würde aus unserem Garten kommen, so laut, wie es war. Leise stieg ich aus meinem Bett und schlich langsam zum Fenster. Vorsichtig schaute ich heraus, doch da war nichts außer tiefer Dunkelheit.

Eine Weile starrte ich in die Nacht und war schon fast wieder so weit, zurück in mein Bett zu gehen, als ich etwas rascheln hörte. Es war wirklich etwas in unserem Garten.

"Na vielleicht ist es nur ein Hund, der sich verlaufen hat.", murmelte ich mir unsicher Mut zu und bewegte mich nicht. Dann hörte ich eine Art Knurren, aber so tief und bedrohlich, dass es schon ein sehr großer Hund sein musste. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich zu dem Busch und mein Herz pochte nun noch schneller. Inständig hoffte ich, dass da gleich ein kleiner Igel raus kommen würde, den ich eh nicht sehen konnte, aber statt dessen leuchteten kurz zwei blaue Punkte auf. Es war nur ein Moment und dann verschwanden sie gleich wieder. Kurz darauf schien der Hund, sofern es einer war, ebenfalls verschwunden zu sein. Es kamen keinerlei Geräusche mehr aus dem Garten und der Busch wackelte auch nicht.

Schnell huschte ich wieder ins Bett und zog mir die Decke über den Kopf. Das war doch nicht gerade wirklich passiert. Ein riesen Hund in unserem Garten? In dieser Stadt hatte ich ehrlich gesagt noch nie einen größeren Hund als von der Größe eines Border Collies gesehen und das von eben war definitiv eher das Kaliber eines irischen Wolfshundes oder eines gut gewachsenen Neufundländers. Einen Moment lang lag ich nur ruhig da und starrte an die Decke, als mir ein Gedanke kam. Ein Wolf. Wenn es ein Wolf war, würde ich mal wissen wollen, seit wann es bei uns Wölfe gab und dann auch noch so große. Natürlich konnte ich nicht mehr einschlafen. Meine Gedanken waren zu wirr und laut, als dass ich mich hätte einkuscheln und schlafen können. Auf meiner Bettkante sitzend, überlegte ich, was ich mit der Zeit nun anfangen könnte und beschloss mir bei einem schönen Bad weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, was das im Garten gewesen sein könnte. Mitten in der Nacht hatte ich vorher noch nie gebadet und es fiel mir schwer, nicht allzu großen Krach zu machen, doch ich schaffte es, meine Mutter und Christopher nicht zu wecken. Ganze zwei Stunden lag ich in dem Wasser, musste ab und an sogar noch warmes Wasser nachlaufen lassen, bis ich irgendwann fest stellte, dass meine Haut im Badewasser schon zu schrumpelig geworden war. Meine Haut sah aus wie eine riesige Rosine. Nachdem ich mir etwas gemütliches angezogen hatte, setzte ich mich in die Küche, vor das Fenster, frühstückte etwas und sah zu, wie es draußen zunehmend heller wurde. Als die Sonne hoch genug stand, ging ich in den Garten und sah mich um. Tatsächlich waren hier Abdrücke von Pfoten, die beinahe so groß wie meine Hand waren. Die Spuren führten geradewegs in den Wald und ein paar Minuten stand ich mit offenem Mund da und starrte unseren Zaun an. Da wäre ich nicht mal mit Anlauf und einem Trampolin rüber gekommen, ohne mir das Genick zu brechen. Der Zaun war absichtlich so hoch, dass keiner darüber klettern konnte. Meine Mum fand den Gedanken, fremde Menschen oder Tiere in unserem Garten zu haben, nicht so prickelnd.

"Michelle?" Erschrocken fuhr ich rum. In der Tür stand Prinz Charming und gähnte. Er hatte noch ein ganz zerknautschtes Gesicht und den Morgenmantel meiner Mum an. Ein erwachsener Mann in einem seidigen Umhang, der nur das nötigste bedeckte. Krampfhaft konzentrierte ich mich auf sein Gesicht, um nicht ausversehen die Dinge sehen zu müssen, die mich weder etwas angingen, noch interessierten.

"Was machst du denn um die Zeit hier draußen?", nuschelte er und versuchte irgendwie, seine Augen zu öffnen. "Nichts weiter. Geh wieder schlafen. Ich bin auch gleich weg, ich geh zu einer Freundin. Kannst du Mum ja nachher noch sagen." Er nickte leicht und zog wieder ab. Natürlich wollte ich nicht zu einer Freundin gehen und gerade war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich wirklich alleine in den Wald gehen sollte. Wenn da so ein großer Hund oder Wolf oder vielleicht auch Schlimmeres rumlief, sollte ich eventuell jemanden mitnehmen. Allerdings war keiner meiner Freunde mutig genug für so ein Unternehmen. Vor allem nicht wenn es hieß, in ein gruseliges altes Haus zu gehen, wo eine ganze Familie ohne jede Spur verschwunden war. Den Plan, jemanden mitzunehmen, verwarf ich also schnell wieder und machte mich auf den Weg, solange ich noch lebensmüde genug dafür war. Vorher holte ich noch meine kleine Umhängetasche, packte etwas zu trinken und Proviant hinein und dann konnte es auch schon los gehen. Zuerst war es gar nicht so schlimm. Die Sonne lugte durch die Blätter und es roch nach frischem Moos. Ein Paar Vögel zwitscherten und ich genoss die kühle Morgenluft. Es wurde schließlich noch schnell genug wieder so heiß, dass man kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Auf halber Strecke durch den Wald wurde mir mulmig zumute und ich überlegte jetzt schon, wieder nach Hause zu gehen. Irgendwo knackte ein Baum oder ein großer Ast, was mich zusammen fahren ließ. Vorsichtig drehte ich mich um und da stand er wieder. Der Mann, den ich am Seeufer gesehen und den ich vermutlich auch in der Bibliothek angerempelt hatte.

"Was willst du denn von mir?", platzte es einfach aus mir heraus. Er regte sich nicht, aber ich war mir sicher, dass er mich gehört hatte. Wir standen einfach nur da und starrten uns gegenseitig an. Mir war diese Sache schon ein bisschen unangenehm, aber ihm schien das nichts auszumachen denn er regte sich kein Stück. An umkehren war nun nicht mehr zu denken.

Fest hielt ich den Blick auf ihn gerichtet und ging langsam auf ihn zu. Wenn er ein Geist war, würde er sich bestimmt gleich in Luft auflösen oder blasser werden. Doch er blieb so, wie er war und allmählich wurde ich nervös. Wie war das noch mit dem Serienmörder? Wenn er nun seine Familie umgebracht hatte und der Brand nur eine Vertuschungsaktion war? Aber Dorian musste doch jetzt mindestens sechzig Jahre alt sein und der Kerl dort konnte nicht älter als zwanzig sein. Schritt für Schritt kam ich ihm näher. Meine Augen fingen an zu schmerzen und langsam musste ich mal blinzeln, aber ich wollte ihm nicht die Chance geben einfach zu verschwinden. Außerdem wollte ich sehen, wie und wann es geschah.

Da drehte er sich plötzlich um und ging einfach weg. "Hey, warte doch mal!"

Doch er war schon hinter einem Baum verschwunden und ich fand ihn nicht wieder. An der Stelle, wo er gestanden hatte, waren seine Schuhabdrücke zu sehen. "Er ist definitiv kein Geist, so viel ist klar." Ein Geist hinterließ meines Wissens nach keine Fußabdrücke. Angespannt folgte ich der Spur auf dem Boden und erwartete an der Stelle, wo er verschwunden war, dass auch die Spuren aufhörten, doch das taten sie nicht. Sie bekamen nur größere Abstände zueinander, als ob er gesprintet wäre.

Eine Weile folgte ich der Spur eine Weile und kam zu einem verwitterten Maschendrahtzaun.

Die Schuhabdrücke gingen dahinter weiter, als wäre hier kein Zaun. Er schien also einfach durch die Maschen des Zaunes gelaufen zu sein. "Gibt‘s denn so was? Wie ist der denn hier so schnell rüber gekommen?" Ich schaute mich um. Der See, indem ich gestern gebadet hatte war in der Nähe, aber hier war ich noch nie gewesen. Vielleicht meinte Mum diesen Zaun. Vielleicht stand nur noch ein Teil davon und beim See war er schon gar nicht mehr zu sehen, weil sich all die Jahre niemand darum gekümmert hatte und er einfach verwittert ist. Ein Stück lief ich am Zaun entlang und tatsächlich hörte er einfach auf, als hätte ihn jemand abgeschnitten. Langsam fragte ich mich, ob der Typ, der wie Dorian aussah, wollte, dass ich ihm folgte oder ob er einfach nur geflohen ist, als er bemerkte, dass ich ihn sehen konnte. Wieder überlegte ich, ob ich nicht doch zurückgehen und jemanden holen sollte oder ob ich meiner Mum eine SMS schreiben sollte, wo ich war und dass sie die Polizei rufen soll, wenn ich mich nicht noch mal meldete. Doch wie ich meine Mum kannte, hätte sie sofort die Polizei geholt und mir alles vermasselt. Also fasste ich mir ein Herz und ging weiter, folgte den Spuren bis ich vor dem verlassenen Haus der Chiens stand. Interessiert betrachtete ich das Haus. Die Eingangstür hing nur noch irgendwie an einem Scharnier. Das Dach war an einer Stelle eingestürzt und ich fragte mich, wann wohl der Rest folgen würde. Viele Stellen waren verkohlt und insgesamt machte das Haus einen traurigen, einfallenden und doch irgendwie schaurigen Eindruck. Als ich auf den Boden sah, stellte ich fest, dass die Spuren zum Haus führten und ich vermutete, sie führten auch hinein.

"Ja, genau. Ich geh zu einem fremden Typen ins Haus, mitten im Wald, wo niemand ist und keiner weiß, wo ich bin. Nicht zu vergessen, dass der Fremde vermutlich nicht mal ein richtiger Mensch ist, wenn er sich so schnell bewegen konnte. Mal ganz zu schweigen von der Nummer mit dem Zaun." Ich und meine Selbstgespräche. Schnell nahm ich mein Handy und tippte eine Nachricht an meine Freundin.

"Nur für den Fall, dass ich spurlos verschwinde ... Ich bin gerade bei dem alten Haus im Wald, da wo die Familie Chien gelebt hat. Wenn ich mich in drei Stunden nicht melde, kannst du davon ausgehen, dass ein durchgeknallter Irrer mich in seiner Gewalt hat und wir uns nie wieder sehen. Gruß, Michelle."

Meine Freundin nahm die Nachricht hoffentlich so ernst, wie sie gemeint war. Im schlimmsten Fall dachte sie vielleicht, ich wollte sie nur aufs Korn nehmen.

Langsam stieg ich die Stufen zur Veranda hinauf. Hier waren schon viele Menschen hoch und runter gekommen und ihre Schuhabdrücke hatten sich in dem morschen Holz verewigt. Mein Blick blieb an der Tür hängen, die man scheinbar an den Rahmen lehnen wollte, aber offensichtlich durch diverse Einwirkungen immer mehr verrutscht war und nun irgendwie auf halbacht hing. Nun überlegte ich, wie ich am besten an ihr vorbei kam, ohne gleich das ganze Haus zum Einsturz zu bringen. Während ich versuchte mich vorsichtig an ihr vorbei zu drücken, knarrte und ächzte die Tür bedenklich, aber sie bewegte sich nur wenige Millimeter und war dann wieder still. Einen letzten großen Schritt tat ich noch und schon stand ich in einem dunklen, nach Moder riechenden Flur. Ein kalter Schauer jagte über meinen Rücken und mein Fluchtreflex nahm fast überhand. In diesem Moment wollte ich einfach nur wieder weg, aber dann wäre ich völlig umsonst hergekommen. Immerhin war ich ja nun schon so weit. "Ok, ganz ruhig", flüsterte ich mir zu und der Klang meiner eigenen Stimme beruhigte mich wie immer ein wenig, was meiner Meinung nach der Grund für meine Selbstgespräche war. Mich umsehend, versuchte zu erkennen, wo ich wohl alles entlang gehen könnte, ohne einen Höllenlärm zu veranstalten oder womöglich noch mehr zu zerstören, wenn das hier überhaupt möglich war. Die Vordertreppe lag voller Ziegel, die wohl vom Dach stammten, das mit am meisten gelitten hatte. Auch Holzbalken, zumeist verkohlt lagen kreuz und quer herum und machten die Treppe offensichtlich unpassierbar. Links und rechts befanden sich Räume, wo der Weg nicht zu sehr versperrt war, also beschloss ich, mich erst hier unten umzusehen und ging nervös in den linken Raum. Hier war vermutlich mal ein Wohnzimmer gewesen, denn hier standen Sofas und Regalreste und sogar übrig gebliebene Bücher lagen rum. Es gab auch einen Kamin. Vorsichtig drehte ich eine Runde durch den Raum und versuchte oberflächig etwas zu finden, aber alles war entweder von der Zeit dahingerafft oder vom Feuer zerstört worden. An der Wand hingen noch die Bilderrahmen, aber die Bilder darin waren verschwunden, als wären nie welche da gewesen.

Leise ging ich in den anderen Raum gegenüber und hier schien eine Küche gewesen zu sein. Der Herd stand noch relativ unbeschadet da und auch einen Kühlschrank gab es noch, aber anfassen wollte ich den nicht. Als ich auf den Boden schaute, fand neben etlichen alten, verstaubten Spuren, frische, die eindeutig nicht von mir waren. Neugierig und mit einem mulmigen Flattern im Bauch folgte ich den Abdrücken. Sie führten mich zurück in den Flur und an der Treppe vorbei, wo sich ein kleiner Weg befand, doch ich zögerte. Der Gang, der nun vor mir lag, war nicht wirklich gut beleuchtet, denn die Sonne stand so ungünstig, dass der Lichteinfall hier nicht hinkam und ich glaubte ja an so ziemlich alles. Welches unschöne Gruselmonster auch immer da also in der Dunkelheit auf mich lauerte, würde jetzt einen schmackhaften Michelleimbiss bekommen. Die morschen Holzdielen knarrten gefährlich unter meinem geringen Gewicht von guten fünfundfünzig Kilo und ich hoffte inständig, dass ich jetzt nicht gleich krachend im Keller landete. Am Ende des Ganges war der Flur auch schon zu Ende und kein Monster hatte nach mir geschnappt. Es ging nach hinten hinaus durch eine Tür, die nicht mehr da war. Alles was noch an eine Tür erinnerte war der Rahmen und verbogene Scharniere. Es führte links von mir eine Treppe nach unten in den Keller, aber die Spuren führten nach rechts, was mich aufatmen ließ. Wenn ich jetzt hätte in den Keller gehen müssen, hätte ich die Aktion vermutlich doch abgebrochen, denn ich hasste Keller. Auf der rechten Seite erwartete mich eine Treppe nach oben.

"Boah, wehe, ich stürze! Dann kannst du aber was erleben, wer oder was auch immer du bist."

Es herrschte Stille, aber ich hatte auch nicht gedacht, dass ich eine Antwort bekommen würde. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen auf die Stufen nach oben und klammerte mich am pechschwarzen Geländer, das auch schon bessere Tage gesehen hatte, fest. Wäre die Treppe unter mir eingestürzt, hätte mir das zerfallene Geländer sicherlich auch nicht mehr geholfen, aber ich hatte so wenigstens ein kleines Gefühl, mich retten zu können. Nach wenigen Minuten bangen, kam ich also oben an und sah mich vorsichtig um. Scheinbar gab es ein Badezimmer, denn ich konnte in einem raum, der sich direkt an der Treppe befand, eine Badewanne und ein zerbrochenes Waschbecken erkennen. Außerdem gab es noch drei weitere Zimmer. Die frische Spur im Staub führte mich zu einem Zimmer, dessen Tür geschlossen war, die anderen Beiden Zimmer hatten keine Türen mehr. Die Schuhabdrücke, die schon älter waren, gingen allesamt an der Tür vorbei, als wäre niemals jemand seit dem Feuer hineingegangen. Allerdings führte die Spur, die ich verfolgte, direkt hinein, doch als ich die Tür öffnen wollte, bewegte sie sich kein Stück. Scheinbar war sie abgeschlossen, aber wieso hatte die Feuerwehr die Tür nicht aufgebrochen? Hier hätte doch jemand drin sein können und im Nachhinein hätte ja wohl kein Mensch irgendeine Tür in einem abgebrannten Haus abgeschlossen. Vorsichtig ruckelte ich ein bisschen an dem Griff, aber sie rührte sich nicht. "Die ist abgeschlossen. Sie ist wirklich abgeschlossen. Wirklich? Der Unbekannte, der kein Wort sagt und Spuren hinterlässt, geht durch eine abgeschlossene Tür? Oder hast du die gerade zugeschlossen? Findest du das witzig? Bist du da überhaupt noch drin?" Natürlich blieb alles still und natürlich war er da noch drin, denn es führten keine Spuren nach draußen. Wieder überkam das Gefühl, dass ich mir alles nur eingebildet hatte. Den Typen und die Spuren und jetzt stand ich hier vor einer verschlossenen Tür und ich wollte immer noch in dieses Zimmer kommen und mich selbst davon überzeugen, dass ich einem Hirngespinst gefolgt war. In diesem Moment wünschte ich mir eine Axt, aber wo würde man so etwas aufbewahren? "Oh nein. Bitte, ich will nicht in den Keller! Habt ihr keine im Garten? Hallo? Hilf mir doch wenigstens ein bisschen!" Frustriert schlug ich mit der Faust gegen die Tür, doch alles was ich davon hatte, war ein zuckender Schmerz in den Knochen. Von unten ertönte ein Rumpeln und mir blieb das Herz fast stehen. "Hallo? Ist da jemand?" Alles war ruhig und auch nachdem ich einen Moment lang aufmerksam gelauscht hatte, herrschte noch immer Stille. Vielleicht war es nur ein Tier, immerhin stand das Haus mitten in einem Wald und abgesehen von Wölfen, gab es hier ziemlich viele Tiere. Das fing an bei Eichhörnchen, ging über Waschbären und hörte bei Hirschen auf. Behutsam ging ich also langsam wieder runter und hielt an der Kreuzung inne. Nachdenklich sah ich mich um und schaute vom vorderen Ausgang zur Kellertreppe und dann zu der Tür, die ja nur noch aus einem morschen Rahmen bestand, zum Garten. Da ich schon die ganze Zeit in diesem Haus eine Gänsehaut hatte, beschloss ich, zuerst im Garten nachzusehen. Meine Hoffnung bezog sich nun auf einen Schuppen, den es allerdings nicht gab. Es stand zwar ein großer Holzblock zum Holz hacken da, aber eine Axt war nicht zu sehen. Kurz lief ich ein bisschen umher, und suchte die äußere Hauswand nach einer schönen, verrosteten Axt ab, doch ich wurde enttäuscht. "Ach Mist!"

Unwillig ging ich wieder zurück ins Haus. Mit meinem Handy leuchtete ich die Kellertreppe runter und schluckte. "Ich will nicht.", nuschelte ich immer wieder vor mich hin, während ich die Treppe nach unten, Stufe für Stufe hinter mich brachte. Am Ende angekommen, leuchtete ich in den Raum. Hier schien das Feuer nicht ganz so heftig gewütet zu haben und schnell entdeckte ich die sehnlichst erwünschte Axt, die an einer Schnur an der Wand, neben einigen anderen Gerätschaften für Gartenpflege hing. Mein Herz pochte sehr schnell und ich frohr ein wenig. Meine Gliedmaßen waren allesamt steif und ich zitterte leicht, während ich abwägte, wie gefährlich es hier unten wohl tatsächlich war und beschloss, dass ich nicht länger hier bleiben sollte, als unbedingt nötig. Innerlich zählte ich bis drei und dann hechtete ich durch den Raum, schnappte mir die Axt und stolperte dabei über eine dicke Eisenkette. Als ich meinen Fuß schon auf der ersten Stufe hatte, hielt ich inne. "Warte mal." Verwirrt schaute ich zur Kette und starrte sie lange an. Was hatten die denn damit gemacht? Verstörende Bilder zuckten durch meinen Kopf und ich beschloss, es nicht näher wissen zu wollen und ging zügig wieder nach oben. Stolz über meinen Mut vergaß ich sogar die Einsturzgefahr des gesamten Hauses, bis ich wieder vor der Tür im ersten Stock stand. "Also schön, geh am besten in Deckung! Gleich wird's holzig." Ein bisschen kam ich mir schon blöd vor, dass ich hier mit jemandem redete, der vermutlich gar nicht existierte, aber das würde ich ja gleich herausfinden. Meine Tasche hatte ich neben der Tür abgelegt, holte aus und schlug so fest ich konnte auf das Holz. Nur, dass ich die Tür nicht mal berührte. Die Axt prallte von etwas ab und flog im hohen Bogen nach hinten, wurde von dem Aufprall aus meinen Händen gerissen und landete krachend im Erdgeschoss. Erschrocken hielt ich mich am Geländer fest, ohne das ich vermutlich jetzt auch da unten gelegen hätte. Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt hatte, richtete ich einen verwunderten Blick zur Tür. "Was ist denn das nun wieder?", brachte ich schon recht verzweifelt raus. Entgeistert ging ich wieder runter, holte die Axt, nahm zwei Stufen auf einmal nach oben und ging in den Nebenraum. Hier das gleiche Spiel. Mit vollem Einsatz meiner Quarkärmchen schlug ich gegen die Wand, traf sie aber nicht. Die Axt prallte ab, wie von einem Schutzschild. "Unschön, wirklich äußerst unschön", meckerte ich die Wand an und sank auf den Boden. Wie sollte ich denn nur in diesen Raum kommen, wenn ich die Tür nicht öffnen konnte und auch nicht durch die Wand kam? Da fiel mir nur noch eine einzige Möglichkeit ein und schnell durchquerte ich den Raum zu einem großen Loch, das vermutlich mal ein Fenster gewesen war. Die Scheibe war schon lange zerstört worden und nur noch die Überreste des verkohlten Rahmens hingen in dem Loch. Mit der Axt schlug ich das schwarze Holz weg und lehnte mich raus. Es war zu erkennen, dass der Raum, in den ich nicht kam, auch ein Fenster hatte und meine Hoffnung stieg wieder ein bisschen. Vorsichtig kletterte ich auf die Fensterbank und hielt mich mit einer Hand an einem Stück Rahmen fest, das ich nicht weg schlagen musste, da es tatsächlich nicht verbrannt war. In der anderen Hand hielt ich die Axt und als ich mich zurücklehnte, staunte ich nicht schlecht. Das Fenster, das es zu erreichen galt, war vollkommen heil geblieben. Das wunderte mich allerdings nicht so sehr, denn immerhin war schließlich mit dem ganzen Raum scheinbar etwas nicht ganz normal. Während ich mich an den Rahmen drückte, holte mit der Axt aus und traf ganz knapp das Fenster und ich traf es tatsächlich, ohne dass die Axt von irgendeinem Schutzschild abprallte. Mich freuend wie ein kleines Kind, holte ich gleich noch einmal aus. Es splitterte und nach ein paar Malen mehr zerbrach es schließlich und klirrend fielen die Scherben nach unten und in das Zimmer. Als ich die Axt zurück in das Zimmer schmiss, in dem ich gerade gewesen war, musste ich erschrocken mit ansehen, wie ein Loch in den Boden gerissen wurde und das Beil darin verschwand. "Ups."

Die Axt war jetzt also erst mal weg und ich musste nun irgendwie über das Fenster in das andere Zimmer kommen. Kurz dachte ich darüber nach, dass ich im Keller vielleicht eine Leiter gesehen hatte, aber da wollte ich unter keinen Umständen wieder runter, also musste ich es so schaffen. Im schlimmsten Fall fiel ich und brach mir ein Bein, einen Arm oder das Genick.

Bei dem Gedanken daran wurde mir ein bisschen schlecht, aber jetzt war ich schon so weit gekommen und wollte es jetzt unbedingt wissen. "Dann setze ich mal mein Leben aufs Spiel, einfach weil ich es kann." Vor dem Fenster, zu dem ich gelangen wollte, befand sich eine Fensterbank, die einen stabilden Eindruck machte. Zwischen mir und meinem Ziel führte ein Rohr vertikal von unten nach oben. Wenn ich mich irgendwie dort ranklammern konnte, hatte ich eine reelle Chance, heil in dem anderen Raum anzukommen. Mit einer Hand krallte ich mich also am Rahmen fest und schwang mich nach draußen. Der Wind rauschte mir in den Ohren und ein flattern zog duch meinen Magen. Ängstlich kniff ich die Augen zusammen und dann bekam ich das Metall von dem Rohr zu fassen und ließ es nicht mehr los. Mit einem Fuß suchte ich seufzend eine Stelle, an der ich ein bisschen Halt hatte und dann ließ ich den Rahmen los und zog mich an das Rohr. Es wackelte ein wenig und vor meinem inneren Auge sah ich mich schon fallen. Nachdem ich einmal tief durchgeatmet hatte, streckte ich mein Bein aus und stellte es auf die zu erreichende Fensterbank.

Bei der Vorstellung, wie das jetzt für einen Außenstehenden aussehen musste, konnte ich mir ein leises Kichern nicht verkneifen.

"Wie ein Käfer auf dem Rücken, nur dass ich an einer Hauswand hänge und nicht wirklich voran, aber auch nicht mehr zurückkomme. So etwas nenn ich Tragik." Mit diesem kleinen Spagat musste ich wohl sehr elegant ausgesehen haben, wie ich dort hing. Um ganz und vor allem heil auf der anderen Seite anzukommen, brauchte ich Schwung, also holte ich tief Luft, machte einen Satz, schwang wie eine betrunkene Ballerina herum und stürzte durch das Fenster in den Raum. Rückwärts fiel ich rein und machte einen Purzelbaum, für den ich in der Schule bestimmt eine Eins bekommen hätte. Meine endgültige Landeposition war dann auf dem Bauch und mein Gesicht lag im Staub. Langsam hob ich ein wenig den Kopf und ich war nicht überrascht, dass hier keine Asche auf dem Boden war. Wie durch ein Wunder hatte ich die Scherben allesamt verfehlt, was mich aufatmen ließ. Noch bevor ich den Kopf richtig heben konnte wusste ich, dass ich nicht mehr allein war und prompt bekam ich dermaßen Angst, dass ich am liebsten sofort wieder aus dem Fenster gesprungen wäre. Doch ich ließ es, jetzt war es schließlich auch zu spät und ich wollte diesen ganzen Mist nicht umsonst gemacht haben, also fasste ich mir ein Herz und setzte mich auf. Vor mir war das Fenster, auf dem Boden lagen die Scherben und eine hübsche Blümchentapete, die zarte Farben hatte, wie neu aussah und einen friedlichen Eindruck machte, zierte die Wand um das Fenster. Langsam drehte ich den Kopf nach links und da stand ein Bett und es lag jemand drauf.

Erschrocken drückte ich mich gegen die gegenüberliegende Wand und presste mir beide Hände auf den Mund. Da lag der Typ, der mich hierher geführt hatte, den ich am See und in der Bibliothek gesehen hatte und er sah aus wie Dorian. Sein Mund war mit Mull umwickelt und es war ganz blutig. Sein Kopf war mit einer merkwürdigen Vorrichtung so fixiert, dass er diesen nicht drehen konnte. Eine dicke Eisenkette, wie ich sie im Keller gesehen hatte, war um das Bett gewickelt und er war darin eingesperrt. Ein großes, schweres Schloss hielt die Kette fest am Bett. Ich war mir sicher, er wäre tot, denn die Kette verhinderte, dass er atmen konnte oder zumindest verhinderte sie, dass er gut Luft bekam. Nachdem ich mich wieder etwas gefangen hatte, stand ich langsam auf, den Rücken fest an die Wand gepresst und hielt meinen Blick weiterhin auf ihn gerichtet. Seine Augen waren geschlossen und ich war mir nun ziemlich sicher, dass es Dorian war, was aber unmöglich sein konnte, obwohl das alles hier ziemlich unmöglich war. Er lag hier angekettet und das offensichtlich schon eine ganze Weile und dennoch hatte er mich irgendwie hierher geführt. Vielleicht hatte er das bei Hanne auch schon versucht, aber sie war nicht nach oben gegangen und hatte scheinbar nicht den Drang verspürt, der schweigsamen Erscheinung zu folgen. War ich etwa die Erste, die ihm gefolgt war und genug Neugier hatte, um sich den Weg zu ihm zu bahnen? Mein Blick wanderte über das Schloss, dann zu der Mullbinde und dann zu dem Gestell am Kopf und ich überlegte, was davon ich zuerst lösen sollte. Das ich ihn lieber dort hätte liegen lassen sollen, kam mir erst gar nicht in den Sinn. Meine Entscheidung fiel auf das Kopfteil. Danach würde ich die Binde abmachen. Angekettet konnte er bleiben, bis ich sichergehen konnte, dass er mich nicht gleich als Mittagessen verspeiste. Er musste ja einen ungeheuren Hunger haben. Eigentlich war es sowieso ein Wunder, dass er nicht elendig verdurstet oder verhungert war. "Und ich hab keine Kekse mehr.", flüsterte ich und fing langsam an, mir diese Vorrichtung mal genauer anzusehen. An den Seiten des Gestells waren kleine Schrauben, die praktischer weise Drehgriffe hatten und an denne ich drehte. Die Vorrichtung lockerte sich nun leicht. Als ich halb über ihn gebeugt war, öffnete er die Augen und bewegte den Kopf. Panisch schrie ich auf, fiel nach hinten und landete auf meinem Hintern. "Himmel, musst du mich so erschrecken!" Schnell stand ich wieder auf und klopfte mir den Dreck von der Hose. Bevor ich los gegangen war , dachte ich noch, ich sei verrückt bei der Wärme eine lange Hose anzuziehen, doch ich hatte immerhin einen Marsch durch den Wald und das Erkunden eines verfallenen Hauses eingeplant und das sollte man nicht in kurzen Hosen machen, wenn man nicht mit zerkratzen Beinen wieder nach Hause kommen wollte. Als ich meinen Blick wieder auf ihn richtete, stockte mir wieder der Atem, aber ich blieb ruhig. Er starrte mich mit seinen großen blauen Augen an und ich wurde etwas unsicher, ob ich wirklich noch mal näher ran gehen sollte. In meinem Inneren entbrannte ein bitterer Kampf und ich lief in dem Raum auf und ab, wobei seine Augen mich verfolgten. Er starrte mich die ganze Zeit an. "Herrje, so kann ich nicht nachdenken. Hör doch mal auf, mich so anzustarren!" Er reagierte tatsächlich auf mich und wandte den Blick ab. Ein Gefühl der Freude durchfuhr mich und ich grinste breit. Endlich hatte er mal auf mich reagiert und wenn es nur war, dass er weg sah, weil ich ihn darum gebeten hatte. Mit etwas mehr Mut ging ich nun doch wieder zum Bett. "Okay, ich mach jetzt den Mull ab, aber du beißt mich dann bitte nicht oder so, ja?" Er nickte leicht und wieder freute ich mich über die Reaktion. Auf einem Tisch lag zu meiner Verwunderung ein kleines Messer und nachdem ich die dicke Staubschicht abgewischt hatte, schob ich es vorsichtig unter den Mull an seiner Wange. "Falls ich dich schneiden sollte, tut es mir jetzt schon leid und bring mich dann bitte nicht um deswegen." Langsam fragte ich mich wirklich, was ich hier eigentlich tat, aber ich wollte ja etwas erleben, das nicht normal war und das hier passte zu hundert Prozent in die Kategorie "nicht normal". Ein Typ, der über vierzig Jahre an ein Bett gekettet überdauert, in einem Raum, in den man kaum rein kommt, war schon nicht ganz das, was man "normal" nennen konnte. Langsam wurde der Mull locker, er kniff die Augen zusammen und zog das bisschen Luft, das die Ketten zuließen, scharf ein. Anschließend lief Blut seine Wange runter, von dem ein bisschen von dem abgeschnittenen Mull aufgesogen wurde und mich durchflutete eine Welle der Verzweiflung und dann wurde mir ein wenig schlecht von dem Blut.

"Tut mir so leid", wimmerte ich wehleidig, schnitt den Rest durch und legte langsam und behutsam seinen Mund frei. Viel getrocknetes Blut klebte an dem Mull und ich hatte Probleme, es gänzlich von seiner Haut zu lösen. Blut war ein echt guter Klebstoff, stellte ich fest und zog langsam weiter, bis ich es schließlich geschafft hatte. Tatsächlich hatte ich ihn geschnitten, am Mundwinkel, aber es schien neben den anderen Wunden an seinem Mund kaum aufzufallen. Anscheinend hatte er irgendwie versucht, den Mull durchzubeißen, doch das war ihm nur spärlich gelungen. Vermutlich hatte er irgendwann den Mund voller Mull und Blut gehabt und war kein Bisschen weiter gekommen. Einen Moment lang sah ihn nur an. Er machte einen sehr gequälten Eindruck, so wie er da lag und das ganze Zeug ausspuckte, während er immer mal wieder versuchte tief einzuatmen. Er hatte bestimmt Durst. Mir viel ein, dass ich ha Wasser mit hatte, also wollte ich in meine Tasche greifen und mein Wasser raus holen, als mir wieder einfiel, dass diese ja noch im Flur lag. Seufzend ging ich zur Tür und starrte sie an. Im Moment unerreichbar, dachte ich und überlegte wirklich, wieder über das Fenster in den anderen Raum zu klettern, die Tasche zu holen, wieder zurück zu kommen und wofür das alles? Für einen Kerl, den ich gar nicht kannte, der hier angekettet wurde, weil er sonst was für Gräueltaten verbrochen hatte. "Öffne sie." Seine Stimme war brüchig und kratzig. Verwundert sah ich ihn an. Der Herr redete jetzt also sogar mit mir? "Ich weiß ja nicht, ob du es mitbekommen hast, aber ich konnte nicht mal mit der Axt diese Tür öffnen." Er versuchte zu schlucken, aber er konnte nur husten und japste dann leicht nach Luft. "Von dieser Seite ... kannst du ... sie ... öffnen ..."

Es war nicht zu überhören, dass er sehr wenig Luft bekam und Sprechen nicht das Leichteste für ihn war. Resignierend rollte ich mit den Augen, drückte die Klinke nach unten und die Tür öffnete sich tatsächlich. Ungläubig starrte ich die offen stehende Tür an, bis ich ihn wieder husten hörte. Schnell griff ich mir meine Tasche, bevor es sich die Tür wieder anders überlegen konnte und ging zurück zu Dorian. Zuerst zögerte ich und schaute ihn abschätzend an, während ich die Wasserflasche aus der Tasche nahm. Sein Blick fiel auf die Flasche und ein freudiges Glänzen war in seinen Augen zu sehen. Wie ein Kind, dass zum ersten Mal in seinem Leben in einem Vergnügungspark zu Besuch war. Langsam ging ich zu ihm und setzte mich auf die Bettkante, die mir nicht viel Platz zum sitzen bot, aber es reichte aus. Vorsichtig hob ich seinen Kopf an und half ihm ein paar Schlucke zu trinken, aber viel bekam er nicht runter, da musste er wieder husten. "Ok, ich muss erst einmal gucken, wie ich diese Kette hier lösen kann."

Suchend sah ich mich im Raum um, aber hier lag nichts, das mich weiter gebracht hätte. Nach dem praktischen Messer, hätte ja auch gleich noch ein kleiner Schlüssel rumliegen können. Die Axt hätte mir jetzt gut geholfen, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Raum erst wieder zu verlassen, wenn Dorian frei war. Im schlimmsten Fall wäre nämlich diese Tür wieder zugefallen und dann hätte ich mein kleines Kletterabenteuer wiederholen können, was ich keinesfalls wollte. 

Also schnappte ich mir das Messer und setzte mich vor das Schloss ans Bettende auf den Boden und werkelte daran rum. Mir wurde schnell klar, dass ich eindeutig schon zu viele Filme gesehen hatte, in denen die Leute Schlösser im Handumdrehen mit einem Messer öffnen konnten, doch ich stellte mich hier an, als würde ich versuchen, das Schloss mit einem Stück Papier zu öffnen.

"Gut, dass du ... mich gefunden hast ...", röchelte er leise und ich schnaufte genervt. Offenbar störte es ihn, dass er nicht richtig armen konnte. "Ruhe, ich muss mich konzentrieren!", fuhr ich ihn an und taxierte das Schloss mit meinen Augen, als ob ich es durch reine Willenskraft öffnen könnte. Ich drehte das Messer, wackelte damit rum, drückte es rein, ruckelte und fluchte, was ich so zu bieten hatte und verzweifelte. Wütend schmiss ich das Messer gegen die Wand und trat gegen das Schloss, während ich es weiter beschimpfte. "So bekommst du es ganz sicher nicht auf!"

Meinen wütendsten Blick warf ich ihm zu und drehte mich von ihm weg. Mein ganzer Körper spannte sich an und ich hatte das Gefühl, dass ich gleich platzen würde.

"Bleib ganz ruhig", flüsterte er angestrengt. "Atme erst mal wieder aus."

Er hatte Recht, also tat ich es und stieß viel Luft aus, die ich in den letzten Minuten gesammelt hatte, dann schloss ich die Augen und harrte einen Moment lang aus. Langsam und immer noch zutiefst genervt holte ich das Messer und ging zurück zu Dorian. Seufzend ließ ich mich vor das Schloss fallen, atmete wieder tief ein und wieder aus, dann versuchte ich es erneut. Diese ganze Prozedur wiederholte sich noch zwei Mal, bevor es endlich klickte und das Schloss aufschnappte.

Zwischendurch hatte ich schon die Befürchtung, das Schloss mit dem Messer zu sehr zerkratzt und verbogen zu haben. "Oh mein Gott! Ich habe es geschafft. Ich glaub’s nicht, ich habe es wirklich geschafft!" Voller Glück strahlte ich Dorian an, der geduldig alle meine Wutausbrüche abgewartet hatte und jetzt lächelte er auch ein kleines Bisschen. "Mach es ab", sagte er schließlich und ich war schon drauf und dran es zu tun, aber ich tat es nicht. "Woher weiß ich, dass du nicht irgendjemand Gefährliches bist, mich in der Luft zerreißt und dann die ganze Stadt abschlachtest?"

Dorian starrte mich kurz ungläubig an. "Das weißt du nicht. Ich kann dir nur sagen, dass ich das sicherlich nicht tun werde. Wieso sollte ich auch?" Argwöhnisch betrachtete ich ihn.

"Na ja, vielleicht hast du ja Hunger auf Menschenfleisch? Was weiß ich denn, wer oder was du bist. Ein Mensch jedenfalls nicht, sonst wärst du kaum in so einem guten Zustand, wenn man das als solchen betrachten kann." Er rollte mit den Augen und seufzte. "Wieso bist du dann nicht wieder gegangen, wenn du denkst, ich würde dich fressen? Ich esse kein Menschenfleisch, das ist so bitter."

Ich stockte. Menschenfleisch war ihm zu bitter, na dann war ja alles gut, oder auch nicht. Die Tatsache, dass er scheinbar wusste, wie Menschenfleisch schmeckte, machte mich irgendwie noch nervöser, als ich ohnehin schon war. "Na gut, ich hoffe, dass ich das nicht bereuen werde. Wenn ich die Kette abmache, dann musst du mir aber ein paar Fragen beantworten, klar?"

Dorian nickte ungeduldig und dann tat ich es tatsächlich. Das Schloss fiel klackernd zu Boden und nach und nach lockerte ich die Kette, die rasselnd auf die Dielen fiel. Er erhob sich vorsichtig und atmete tief ein und aus. So saß er eine Weile da, dann griff er nach der Wasserflasche und trank sie bis zur Hälfte leer. Noch immer stand ich da und beobachtete ihn unsicher. Er streckte sich und so gut wie alle seine Knochen knackten und knirschten so laut, dass mir davon etwas übel wurde. Dann stand er auf und ich wich etwas zurück. Hanne hatte gesagt, er sei groß, aber das war untertrieben. Für mich wirkte er, als wäre er drei Meter groß, aber ich war schließlich auch nur 1,65m lang und er ganz sicher nicht einmal zwei Meter. Dennoch wirkte er riesig und seine Arme waren unglaublich breit und muskulös. Wie hatte er das denn gemacht in mehr als vierzig Jahren des Herumliegens? Hätte ich mich so lange nicht bewegen können, würde ich vermutlich aussehen wie ein Gerippe und nicht wie jemand, der jeden Tag Gewichte stemmt. Er streckte sich mehrmals und wieder knackten seine Gelenke, dann setzte er sich wieder hin und hielt sich den Kopf.

"Ich hab echt Hunger." Sofort machte ich einen Schritt zurück, bereit auf der Stelle die Flucht zu ergreifen. Er sah mich an und lachte. "Ich sagte doch, Menschenfleisch ist mir zu bitter, also keine Panik." Langsam nickte ich und blieb dennoch da stehen. Wenn ich großen Hunger hatte, aß ich manchmal auch Sachen, die ich sonst niemals essen würde, also blieb ich lieber auf Abstand.

"Bevor ich deine Fragen beantworte, würdest du mir noch einen Gefallen tun und mir etwas zu Essen besorgen? Ich denke, ich bin wirklich nicht stark genug, um mir selbst etwas zu organisieren." Ich glaubte, mich verhört zu haben. Jetzt sollte ich auch noch die Kellnerin spielen, ja? Gerade noch hatte ich mein Leben riskiert, nur um ihn zu retten und jetzt sollte ich dem Herren Essen servieren. In mir machte sich der Wunsch breit, ihn einfach zu vermöbeln, aber ich blieb ruhig. Zumal ich vermutlich auch nicht viel hätte ausrichten können. Genausogut hätte ich ihn mit Watte beschmeißen können. "Na gut. Aber du kommst mit. Ich habe wirklich keine Lust, den ganzen Weg durch den Wald dann mit 'was weiß ich wie viel' Essen zurückzukommen. Außerdem finde ich bestimmt nicht wieder hier her, also gehen wir." Meine Flasche stopfte ich wieder in meine Tasche und ging zur Tür. Dorian sah etwas verwirrt aus, aber er kam ohne Widerworte mit mir. Auf halber Strecke bekam ich wieder Zweifel, es war sogar die gleiche Stelle, an der ich auf dem Hinweg schon einmal gezweifelt hatte und wo Dorian mir dann erschienen war. Meine Neugier auf die Erklärung dafür war schon unglaublich groß. Unvermittelt blieb stehen und kramte mein Handy raus, um dann meine Mutter anzurufen. Dorian stand neben mir und beobachtete fasziniert was ich tat. "Hey Mum, sag mal, machen du und Christopher heute irgendwas? Nein? Ach, ihr hattet überlegt, ob ihr zu der Grillparty gehen wollt? Nein, nein, ich wollte heute eh ein bisschen Ruhe haben. Ja, ihr könnt ruhig gehen, ich komm schon klar. Hab dich lieb."

Erleichtert atmete ich und legte auf. Das Problem hatten wir also schon mal gelöst. Anderenfalls hätte ich Dorian irgendwie in mein Zimmer schmuggeln müssen und in so was war ich noch nie besonders geschickt. Dorian stand noch immer da und starrte auf mein Handy. Damals gab es soetwas ja noch nicht, fiel mir ein und dann stieg mir ein Duft in die Nase, auf den ich auch hätte verzichten können. Mir die Nase zuhaltend ging ich ein paar Schritte weiter.

"Kannst du vielleicht ein bisschen Abstand halten? Du stinkst ja fürchterlich, wie ein nasser Hund! Vor dem Essen musst du erst einmal duschen!"

Dorian stimmte nicht zu, sagte aber auch nichts dagegen, also ging ich davon aus, dass er einverstanden war. Während wir weiter gingen, schrieb ich meiner Freundin schnell eine SMS, dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht und ich nicht von einem Irren umgebracht wurde. Zumindest noch nicht, aber das behielt ich für mich. Als wir an meinem Haus ankamen, stiegen Charming und Mum gerade ins Auto. Nachdem das Auto außer Sichtweite war, schob ich Dorian schnell ins Haus und hoffte, keiner der Nachbarn hatte gerade aus dem Fenster geguckt.

"Puh, das wäre geschafft. Okay, ich such dir schnell ein paar Sachen von Christopher raus, die dir eigentlich passen müssten. Er ist zwar etwas kleiner als du, aber seine Sachen sind meistens etwas weiter, damit man seinen Schwabbelbauch nicht sehen kann. Dann gehst du duschen und lass dir bitte viel Zeit dabei und währenddessen mach ich dir was zu essen. Irgendwelche Wünsche?"

Dorian nickte zwischendurch und lächelte mich dann an. "Ich bin für alles dankbar, aber es wäre schön, wenn auch ein bisschen Fleisch dabei wäre." So etwas hatte ich schon befürchtet und hoffte, dass wir noch Steaks oder so da hatten. Ich nahm ihn mit nach oben und stellte ihn schon mal im Bad ab, wo er auch geduldig wartete, bis ich alles rausgesucht hatte. Eilig kramte ich Dorian etwas zum Anziehen aus Christophers Fach im Schrank meiner Mutter, legte ihm Handtücher auf ein kleines Regal im Bad und gab ihm alles, was er zum sauber werden brauchte. Duschgel von Charming, sein Shampoo, eine Rückenbürste, einen Lappen und Zahnputzzeug für Gäste. "Komm dann runter, wenn du fertig bist und bitte benutz das alles." Er nickte und lächelte mich dankbar an, sagte aber nichts und ich machte mich auf in die Küche. Sich Zeit zu lassen hatte Dorian scheinbar ernst genommen, denn er war eine geschlagene Stunde im Bad. Die Zeit nutze ich und plünderte den Kühlschrank. Im Tiefkühler hatten wir tatsächlich noch Steaks, Schnitzel und Hühnerkeulen und ich machte ihm einfach von allem etwas. Woher sollte ich schließlich wissen, wie groß sein Hunger war und was für Massen er so hinunterschlang, aber bei den Muskeln und der Körpergröße schätzte ich, dass er ziemlich viel futtern konnte. Für mich machte ich auch eine Kleinigkeit, aber am Ende stand der ganze Esstisch voll mit Essen für eine ganze Fußballmannschaft. Das ging bei Kartoffeln los und hörte beim Schokoladenpudding auf. Als Dorian runter kam und die Anhäufung an Essen sah, schaute er nicht schlecht und auch ich hatte so einen Blick, aber nicht wegen des ganzen Essens. Die Klamotten, die bei Christopher wie Säcke gewirkt hatten, passten Dorian wie angegossen. Die Hose betonte gerade genug, um betäubte Blicke hinter sich herzuziehen und das Shirt ließ einen gut gebauten Körper vermuten, es war aber noch genug Platz für viel Fantasie. Mir kam die Erinnerung, als ich Charming das letzte Mal in dem Shirt gesehen hatte. Seine dünnen Ärmchen hätten glatt fünfmal in die Ärmel gepasst und bei Dorian passte sicherlich kaum noch ein Finger mit rein. Erst jetzt bemerkte ich, dass er mich ansah. "Ist etwas nicht in Ordnung mit den Sachen?"

Er sah an sich runter, zupfte an dem Shirt und ich schüttelte benommen den Kopf.

"Nein, alles ok. Setz dich." Etwas peinlich Berührt riss ich meinen Blick los und setzte mich vor mein Essen. Dorian stand unschlüssig vor dem Tisch und musterte das ganze Essen. "Magst du das alles etwa nicht?" Vermutlich wäre ich ausgeflippt, wenn er bejaht hätte, aber die Antwort fiel anders aus.

"Naja, ich frage mich gerade, wo die Armee ist, die du noch so versorgst."

Er lachte und jetzt wusste ich, was Hanne meinte, als sie von einem Schwindelgefühl geredet hatte. Es war unfassbar, was er für eine Ausstrahlung hatte und dass das so eine extreme Wirkung auf mich hatte. Irgendwie versuchte ich mich auf das Essen zu konzentrieren, aber irgendwann starrte ich ihn einfach nur an und beobachtete ihn beim essen. Er schien wirklich großen Hunger gehabt zu haben, denn von dem Fleisch blieb nur sehr wenig übrig und von den ganzen Beilagen ließ er kaum mehr als ein paar Stückchen liegen. Den Schokoladenpudding schlang er in zwei Schüben runter, dann strich er sich über den Bauch und schmatzte zufrieden. "Ich hab wirklich noch nie jemanden so viel essen sehen." Er grinste breit. "Naja, ich dachte mir, wo du jetzt so viel gemacht hast, wäre es unhöflich, viel übrig zu lassen und ich habe wirklich großen Hunger gehabt."

"Wie konntest du eigentlich so lange ohne Essen und trinken überleben?", fragte ich ihn, denn das brannte mir schon die ganze Zeit unter den Fingernägeln. Er zuckte mit den Schultern und machte ein nachdenkliches Gesicht. "Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich hatte zwar unglaublichen Hunger und ich dachte das wäre mein Ende, aber irgendwann war das weg, genau wie der Durst. Ich lag einfach nur da." Seine Stimme klang etwas traurig und ich hoffte, ihm die Stimmung jetzt nicht verdorben zu haben. Nach dem Essen half er mir sogar, das Geschirr abzuwaschen und die Reste einzupacken und dann setzten wir uns auf das Sofa, damit ich ihm meine Fragen stellen konnte. Vor lauter Fragen wusste ich gar nicht, womit ich anfangen sollte. Er saß ganz geduldig da und wartete, bis ich mir meine Fragen innerlich zurecht gelegt hatte und anfangen konnte. Meine vorerst wichtigste Frage hatte ich ja nun schon gestellt, also konnte ich mit dem Rest weiter machen. "Also zunächst würde ich gerne wissen, wie du es geschafft hast, mir und auch Hanne zu erscheinen, wie du mich anrempeln und Fußspuren hinterlassen konntest, obwohl du dich ja offensichtlich nicht vom Fleck rühren konntest, weil du ja ans Bett gefesselt warst." Das waren zwar viele Fragen auf einmal, aber ich wollte alles wissen und es waren noch nicht einmal die Hälfte der Fragen gewesen, die ich auf dem Herzen hatte. Er wartete einen Augenblick, bevor er antwortete. Scheinbar suchte er nach den richtigen Worten. "Ich glaube, es war eine Art Astralprojektion. Mit den Jahren hat sich diese Fähigkeit scheinbar verbessert. Am Anfang konnte ich mir nur selbst zusehen, wie ich in dem Zimmer lag und ab und zu schaute ich zum Fenster raus. Vorher wusste ich nicht, dass ich das kann, aber wenn man nichts anderes tun kann, dann findet man interessante Dinge über sich heraus. Manchmal beobachtete ich die Jugendlichen, die vor unserem Haus standen und es anstarrten oder wie sie Steine schmissen und irgendwelche Sachen riefen. Irgendwann schaffte ich es durch das Haus zu wandern und nach etwa zehn Jahren konnte ich es verlassen und den Wald betreten. Nach und nach gelang es mir immer weiter zu gehen, Schritt für Schritt, aber das dauerte sehr lange. Ich bemerkte, dass Menschen mich sehen konnten und versuchte irgendwie, jemanden zu mir zu locken, aber es kam niemand und so zog ich einfach durch den Wald, bis ich eines Tages in der Lage war, Spuren zu hinterlassen und sogar Dinge zu berühren, doch das kostet mich unglaublich viel Kraft und in meinem Zustand hatte ich nicht viele Möglichkeiten Kräfte zu sammeln. Demnach brauchte ich auch eine Weile, um mich wieder zu erholen. Dann sah ich dich zu dem See gehen, sah dich am Steg sitzen und ins Wasser gleiten. Du bist eine ganze Weile im Wasser getrieben und weil ich ja nichts sagen konnte, hinterließ ich meine Abdrücke im Boden, aber die hast du scheinbar nicht gesehen. Ich folgte dir in die Bibliothek und bündelte meine ganze Kraft um dir zu zeigen, dass ich real bin und keine Einbildung. Ich hoffte so sehr, dass du mir folgen würdest. Dann bist du wirklich in den Wald gekommen und ich konnte dich zu mir führen. Tja und den Rest kennst du ja." Aufmerksam folgte ich seinen Worten, aber es war wirklich schwer, das alles zu glauben. Eigentlich dachte ich immer, ich würde solche Sachen sofort glauben, weil ich sie mir ja sozusagen herbei wünschte, aber scheinbar tat ich mich nun doch etwas schwer damit. Dennoch gab ich mein Bestes. "Okay und wieso hast du niemals gesprochen? Geht das als Projektion nicht?" Dorian zuckte mit den Schultern und lehnte sich zurück. "Ich schätze mal, ich konnte nicht sprechen, weil mein Mund verbunden war und durchbeißen hat nicht so gut funktioniert, also war ich auf deine unglaubliche Neugier angewiesen. Im Grunde habe ich aber keine Ahnung. Ich dachte ja auch nie, dass ich mich wirklich Projizieren kann. Am Anfang hielt ich es für Träume oder Halluzinationen, aber als ich das erste Mal gesehen wurde ist mir klar geworden, dass ich das tatsächlich kann." Er beugte sich wieder vor und sah mir in die Augen, was mich und meine Hirnfunktion für einen kurzen Moment lahmlegte.

"Ich bin dir wirklich überaus dankbar, dass du mir geholfen hast und ich weiß nicht, wie ich mich bei dir dafür erkenntlich zeigen könnte." Mein Kopf war leer und ich wusste nicht wieso. Wo waren die ganzen Fragen hin, die ich gerade noch alle schön zurechtgelegt hatte? "Ich hab ... ich weiß nicht. Überleg ich mir noch", stammelte ich und wandte den Blick ab. Was war das denn bitte? Vollkommene Leere in meinem Kopf, weil er mich angesehen hat? Das muss einen anderen Grund gehabt haben, die Wärme vielleicht, aber jetzt waren auch die Fragen wieder da.

"Ok, weiter im Text. Was war mit der Tür und den Wänden los? Wieso war die Axt da so nutzlos? Und warum ging die Tür dann von innen auf?" Das war wieder mehr als eine Frage auf einmal, aber ich konnte es nicht noch langsamer machen. Die Neugier ließ das nicht zu. Dorian ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, machte den Eindruck, als würde er nachdenken. "Es lag so etwas wie ein Bann darauf, soviel weiß ich. Nach dem Brand war die Tür zehn Jahre lang unsichtbar, genau wie das Fenster, auch für mich. Ich dachte, ich wäre in einem Raum gefangen, der vier Wände hat und sonst nichts. Danach war niemand mehr da oben, wenn überhaupt mal jemand bei oder in dem Haus war, dann nur unten. Mir war klar, dass ich von den Schulkindern keine Hilfe erwarten konnte. Hätte ich mich ihnen gezeigt, wären sie schreiend davon gelaufen. Also ließ ich es, außer bei dem Mädchen, Hanne, das mich vorher schon gesehen hatte. Allerdings war sie auch ganz schnell wieder draußen, als sie mich sah. Ich kenne die Art des Bannes und wusste, dass man leicht raus kam, aber es war fast unmöglich, hineinzugelangen. Ich war froh, dass du die Scheibe zerschlagen konntest. Ich hatte schon die Befürchtung, sie wäre auch resistent. Ich meine, vielleicht war sie das ja mal. Mit soetwas kenne ich mich eigentlich nicht so gut aus. Vielleicht wurde es im Laufe der Jahre einfach immer schwächer. Soviel ich über Zauber und solche Sachen weiß ist, dass sie nicht ewig halten und nur so stark sind, wie der, der sie ausspricht." In seiner Stimme lag Ratlosigkeit. "Warst du deshalb angekettet? Damit du nicht raus kommst? Und die Mullbinde war bestimmt, damit du nicht rufen konntest und das Gestell an deinem Kopf war ... keine Ahnung." Er lachte leicht und nickte zustimmend. Dieses Lachen, konnte er das nicht lassen? "Ja, du hast recht. Das Kopfgestell war vermutlich, um mir zusätzliche Qual zu bereiten, zumindest hätte es in dem Fall seinen Zweck erfüllt. Unbeweglich für immer. Zumindest für eine sehr lange Zeit." Er sah irgendwie traurig aus, als er das sagte, aber ich hatte jetzt keine Zeit für Mitleid, denn meine Neugier wollte gestillt werden. "Wer hat dich denn da bitte eingesperrt? War das deine Familie? Wieso ist das Haus denn abgebrannt und wo sind die Anderen?" Schon wieder so eine Flut an Fragen, aber ich konnte sie nicht eine nach der anderen Stellen. Sie mussten raus, wenn sie aufkamen. Er zuckte mit den Schultern, mal wieder.

"Ich kann dir auf keine der Fragen antworten. Ich war ohnmächtig, als das alles passierte und als ich wach wurde, lag ich gefesselt in dem Bett. Ich roch das verbrannte Holz und ich hörte die Leute vor der Tür, aber es kam niemand rein und meine Familie war verschwunden." Das galt es also noch herauszufinden und dann kam ich auf die eigentlich wichtigste Frage. "Was zum Henker bist du eigentlich? Ich meine gut. Das mit dem Hunger lässt sich vielleicht mit irgendeinem..." Mir fiel kein passendes Wort ein. Von was war hier die Rede? Von einem Bann? Hatte soetwas vielleicht etwas mit Zauberei zu tun? Oder mit Magie? "Nennen wir es einfach mal 'Zauber'. Vielleicht war es auch was anderes.", warf er ein und ich nickte. "Okay, also ein Zauber hat das mit deinem Hunger geregelt, aber wieso bist du nicht gealtert, oder schon tot? Ist das vielleicht auch ein Zauber?" Was redete ich hier eigentlich gerade? Alleine das Wort zu benutzen kam mir irgendwie unrealistisch vor, aber der ganze Tag war bisher auch nicht gerade das, was der Norm entsprach. Er antwortete nicht gleich, sondern stand auf und ging unruhig im Raum auf und ab. "Ich bin mir nicht sicher, ob du das wirklich wissen solltest." Er klang etwas aufgebracht und unsicher, aber ich wollte es wissen, egal was es war und wenn er mir jetzt sagte, er sei ein Dämon, Engel, oder sonst etwas, dann war das auch in Ordnung. Ich wollte es einfach nur wissen. Meiner Meinung nach, war es auch mein gutes Recht es zu erfahren. Entschlossen stand ich auf und stellte mich vor ihn. Sehr groß war ich nicht doch ich versuchte durch meine Haltung etwas eindrucksvoller, größer und vor allem bedrohlicher zu wirken, als würde eine Maus versuchen, einen Löwen zu beeindrucken. Es misslang mir also kläglich. "Sag schon!", nuschelte ich dann und verschränkte die Arme.

Er setzte sich wieder hin und ich blieb stehen. Er brauchte nun seinerseits eine Weile und ich gab ihm die Zeit, bis er so weit war, auch wenn ich innerlich vor Ungeduld fast platzte.

"Also schön. Sagt dir das Wort Lykanthropie etwas?" Mit einem leichten Nicken, beschloss ich, mich wieder zu setzen. Schon viele Bücher hatte ich darüber gelesen, schnulzige Liebesbücher und ekelhafte Horrorbücher. "Also in meiner Familie gibt es ziemlich viele davon, also von ..."

"Werwölfen?", beendete ich seinen Satz und sah ihn mit großen Augen an. Dieses Geständnis schien ihm sehr unangenehm zu sein. Meine Gefühle waren gerade undefinierbar. War ich vielleicht auf den Kopf gefallen, lag nun im Koma und träumte meine Wunschträume? Dann würde bestimmt bald ein Szenenwechsel kommen, wo ich einen Vampir traf, der vielleicht Tee mit einem Alien trank oder eine Homeparty bei einem Trupp Elfen oder Feen? Vielleicht ging mein Verlangen nach dem 'unnormal' sein auch soweit, dass ich den Verstand verloren hatte und nun in irgendeiner Klapse im Rollstuhl am Fenster hockte und sabbernd in meiner eigenen kleinen Welt hing. Wer wusste das schon? Jetzt jedenfalls war ich relativ frei von irgendwelchen Gefühlen. Vermutlich stand ich einfach unter Schock und würde später wieder eine Meinung oder irgendein Gefühl dazu haben können. "Ich bin also auch Einer und mein Bruder und meine Mutter sind auch welche. Aber soweit ich weiß, waren sowohl mein Vater, als auch meine Schwester keine, aber vielleicht wurden die beiden von meiner Mutter gebissen, damit sie sich nicht trennen mussten bei ihrer Flucht. Jedenfalls weißt du es jetzt und ich muss dich wirklich bitten, das für dich zu behalten." 

Als er mich darum bat nichts zu erzählen, musste ich leicht auflachen.

"Dorian, wer würde mir das denn bitte glauben? Hey Mum, ich hab übrigens herrausgefunden, dass diese Familie, dessen Haus vor einer Weile abgebrannt ist, zum Hauptteil aus Werwölfen besteht. Ja, ich schluck ja schon die Pille. Mir geht’s super. Ach ja, ich hab übrigens auch die Astralprojektion von dem Einen gesehen und dann seinen Körper gefunden, ihn vom Bett befreit, mit zu uns nach Hause gebracht und bei uns durchgefüttert. Oh, was wollen denn die Männer mit der komischen Jacke hier?" Dorian mussterte mich einen Moment lang mit einem verwirrten Gesichtsausdruck. Dann schien er zu begreifen, dass ich ihm grade ein Gespräch mit meiner Mutter demonstriert hatte und da musste er lachen. Niemand in dieser Stadt würde mir so eine Geschichte abkaufen, außer vielleicht Hanne. "Aber zurück zum Thema. Hast du eine Ahnung, wo sie sein könnten? Deine Familie meine ich." Dorian seufzte leise und sein Blick wurde wieder ernst.

"Nein, es gibt viele Möglichkeiten. Sie könnten überall sein. Vielleicht wieder in Frankreich, aber das bezweifle ich ehrlich gesagt. Wir hatten, seit ich mich erinnern kann, keinen Kontakt zu unseren Verwandten dort." Ich nickte. Dann konnten wir Frankreich als möglichen Aufenthalsort seiner Familie von der Weltkarte streichen. "Und was hast du jetzt vor?" Eigentlich konnte ich mir das schon denken, aber ich fragte trotzdem nach. "Ich werde mich erst mal ein bisschen erholen und dann werde ich sie suchen und den, der mir das angetan hat, aufspüren. Ich will den Grund erfahren, weshalb mir das angetan wurde. Soweit ich weiß, habe ich nichts getan, was mich, meine Familie oder die Menschen hier in Gefahr gebracht hätte und ich habe auch immer meine Hausaufgaben gemacht." Das letzte sagte er so toternst, dass ich es zunächst nicht verstand, doch dann erkannte ich, dass er einen Witz gemacht hatte und nun musste ich lachen. Der Typ hatte ja doch ein bisschen Humor. Es schien doch noch viel mehr mit dem Ganzen auf sich zu haben, als ich dachte und je mehr ich erfuhr, desto mehr wollte ich darüber wissen. "Ich werde dir helfen. Du hast schließlich fast fünfzig Jahre da rumgelegen, zumindest meinen Recherchen nach. Die Welt hat sich weiter gedreht und es gibt Sachen, die du nicht kennst." Er nickte. "Wie das Ding, mit dem du telefoniert hast. Ich habe alle diese Sachen schon gesehen, als ich unterwegs war, aber so richtig verstanden habe ich Manches noch nicht. Das, was du da hattest, scheint ein Telefon zu sein, also so schlimm ist es schon nicht mit meiner Unwissenheit und ich bin nicht so dumm, wie ich aussehe." Dazu sagte ich nichts. Er sah für mich nicht dumm aus und so hatte ich das auch bestimmt nicht gemeint.

Er stand auf, ging etwas umher und sah sich unsere Familienfotos an. "Ich kann dich nicht mitnehmen. Mein Weg führt mich vermutlich sehr weit weg von Gaping Hill und du kannst deine Familie nicht einfach alleine lassen. Ich kann mir vorstellen, dass diese Erfahrung sehr reizvoll für dich wäre, aber es könnte auch gefährlich sein." Damit hatte er schon Recht, aber ich wollte mit, unbedingt. Die Gefahr nahm ich auch gerne in Kauf. "Na ja, ich habe Ferien und ... warte, ich hab eine Idee! Ich frag einfach meine Mum, ob ich eine alte Freundin besuchen kann, die in New York lebt. Sie sagt bestimmt ja und dann kann ich mit dir gehen und dir helfen. Ist doch ein super Plan, oder?" Wie hieß es so schön? Jugendlicher Leichtsinn. Er sah mich überrascht an. "Du willst unbedingt mit, oder?" Eifrig nickte ich. "Ich bin dir bestimmt auch nicht im Weg und zu zweit ist immer besser als alleine." Er lächelte leicht und richtete seinen Blick zurück zu meinen Familienfotos. Damit schien das Thema erledigt zu sein, was mich erstaunte. Besonders hartnäckig war er ja nicht gerade. Das erinnerte mich an das, was Hanne zu mir gesagt hatte. Dorian schien eher der Unterwürfige von den Brüdern zu sein und nicht viele Widerworte zu geben. Das fiel mir auch schon auf. "Ok, also du bleibst dann heute hier und ich rede morgen mit meiner Mum und übermorgen können wir bestimmt schon los." Das Ganze stellte ich mir unglaublich einfach vor und war daher sehr optimistisch. Meine Mum war eigentlich eine ziemlich lockere Frau und ich hatte viele Freiheiten. Wieder kam nur ein zustimmendes Nicken von ihm. Seine Teilnahmslosigkeit machte mich schon ein bisschen sauer, doch das schien so seine Art zu sein, also musste ich mich wohl damit arrangieren. Es war nur noch die Frage, wo ich ihn am besten unterbrachte, sodass meine Mum und Charming ihn nicht entdeckten. Im Keller wollte ich ihn nicht einsperren müssen. Auf dem Dachboden knarrte es immer so sehr, wenn man da lang ging, also blieben eigentlich nur noch die Garage und mein Zimmer. Wollte ich ihn über die Nacht in meinem Zimmer haben? Über diese Frage nachdenkend, betrachtete ich ihn, wie er da stand und sich ein Bild von mir ansah, auf dem ich erst fünf Jahre alt war.

Auf dem Bild hatte ich kaum einen Zahn im Mund, grinste aber bis über beide Ohren, sodass jeder sehen konnte, wie schön meine drei Zähne waren. Dorian schien eigentlich zahm zu sein und er hatte mir versprochen, mir nichts zu tun und immerhin war ich schon so lebensmüde und habe ihn in mein Haus gelassen. Zumindest war er erst mal satt. "Na gut, du schläfst in meinem Zimmer. Ich denke, in der Garage wirst du zu schnell entdeckt. Aber du schläfst auf dem Boden, damit das klar ist!" Er sah mich mit einem Blick an, den ich nicht richtig deuten konnte. "Ja, kein Problem und nochmals danke." Der Gedanke mit mir in einem Zimmer zu schlafen schien ihm etwas unangenehm zu sein. Hatte er nun Angst vor mir? Dachte er ich würde ihn im Schlaf überfallen und Dinge tun, die eine Frau und ein Mann nunmal so tun? Da brauchte er wirklich keine Angst zu haben. So ein Mädchen war ich auf keinen Fall. Wir gingen also in mein Zimmer und ich baute ihm aus Kissen und Decken einen Schlafplatz zwischen meinem Bett und dem Fenster. Sollte meine Mum also mal rein kommen, würde sie ihn nicht sehen können. "Sieht gemütlich aus." Er setzte sich gleich auf seinen Schlafplatz und sah mich mit großen Augen an. Mich überkam der Drang, ihm einen Knochen oder einen Hundekeks zu geben. Da fiel mir etwas ein und ich platzierte mich auf meinem Bett. "Sag mal, da war in unserem Garten neulich ein, tja keine Ahnung, ein Tier? Es war groß und ich dachte erst, es wäre ein Hund oder Wolf gewesen. Warst du das vielleicht? Ich meine, es hatte auch ganz große, blaue Augen, so wie du." Innerlich hoffte ich, dass er bejahen würde, ansonsten bestand die Gefahr, dass hier irgendwo noch so ein Werwolf rumlief. "Ja, das war ich. Ich wollte deine Aufmerksamkeit erregen, aber ich vermute, das hat dir ein bisschen Angst gemacht?"

"Davon kannst du aber mal ausgehen. Wie siehst du eigentlich genau aus als Wolf? Ach ja und was ich noch fragen wollte: Kannst du das kontrollieren oder kommt das nur bei Vollmond und bist du dann so eine hirnlose Tötungsmaschine oder weißt du, was du tust?" Für diese Frage hätte ich mir am liebsten selbst eine gepfeffert. Taktvoll war ich ja noch nie gewesen, aber das war mit Abstand meine direkteste Frage gewesen. Zu meinem Glück nahm er das sehr locker und bemühte sich, alle Fragen zu beantworten. Er überlegte kurz und lehte sich gegen die Wand. "Ich sehe aus wie ein sehr muskulöser Wolf, würde ich sagen, größer als gewöhnliche Wölfe. Ich schätze meine Schulterhöhe so auf einen Meter fünfzig. Aber ich verwandle mich nicht immer in das komplette Tier. Ich kann auch nur die Klauen verwandeln oder nur die Augen und den Mund und so. Das muss man sich allerdings mühevoll antrainieren. Ein geborener Werwolf lernt das natürlich von klein auf, so wie ich und mein Bruder. Wenn man gebissen und verwandelt wurde, ist das alles etwas schwerer. Sie haben bei ihrer Verwandlung keine Kontrolle und die sind dann, wie du so schön sagtest, hirnlose Tötungsmaschinen. Die Frischlinge oder Welpen verwandeln sich auch nur bei Vollmond, aber sie können auch lernen, wie man sich immer verwandeln kann, nur ist es bei ihnen schwieriger, sie unter Kontrolle zu halten. Nur sehr erfahrene und starke Werwölfe können einen Welpen bändigen. Einige haben so wenig Selbstbeherrschung, dass sie es nie schaffen sich auf kontrollierte Art zu verwandeln." Das war alles ziemlich aufregend für mich. So kannte ich das noch nicht.

"Mit erfahren und stark meinst du so was wie Alphatiere?" Er nickte. "Ja, genau. Oder eben sehr Starke, die aber keine Anführer sind. Die legen dann aber auch selten Wert auf ein Rudel."

"Und zu was davon zählst du?" Diese Frage brannte mir nun auch schon eine Weile auf der Zunge. "Na ja, ich bin schon mal kein Alpha und wie stark ich im Vergleich zu anderen bin, kann ich dir nicht sagen. Wir haben ja sehr lange abgeschieden gelebt und mit meinem Bruder habe ich mich nie angelegt. Bei Vollmond sind wir übrigens um ein Vielfaches stärker und zugegebenermaßen auch brutaler und blutrünstiger." Mir wurde bei der Aussage schon etwas mulmig. Ein Werwolf in meinem Zimmer, der bei Vollmond gerne Blut vergoss. In welcher Mondphase befanden wir uns eigentlich gerade? "Mach dir da aber keine Sorgen, ich habe mich unter Kontrolle. Das einzige was passieren könnte, wäre, dass ich sehr schnell schlechte Laune bekomme."

"Oh, gut. Dann bin ich ja beruhigt. Ich dachte schon, ich müsste mir auch so eine Kette besorgen, wie sie bei euch im Keller lag. Wohin genau wollen wir dann eigentlich?"

"Nach New York, würde ich sagen. Bevor wir nach Gaping Hill kamen, waren wir dort oder zumindest meine Mutter und ihr erster Mann. Vielleicht ist da jemand, der uns weiter helfen kann. Zumindest ist das die einzige Idee, die ich habe." Nach New York? Dann würde ich meine Mum zumindest nicht vollständig anlügen müssen. "Na das passt ja. Ich sag meiner Mum schließlich auch, dass wir nach New York gehen oder besser gesagt, dass Ich nach New York gehe. Wollen wir eigentlich fliegen? Obwohl, du hast ja bestimmt keinen Ausweis und Reisepass und so. Fahren wir lieber mit dem Zug, das ist anonymer." Dorian senkte den Blick. "Ich hab außerdem Flugangst." Er nuschelte es nur, doch es war deutlich genug zu verstehen. Fassungslos starrte ich ihn eine Weile einfach nur an. Der große, böse Wolf da auf dem Boden hatte wirklich Flugangst? Wie passte das denn zusammen? "Ok, dazu sag ich jetzt einfach nichts. Weißt du eigentlich, wieso ihr nach Gaping Hill gekommen seid?" Immerhin war dieses kleine Städtchen nicht gerade sehr bekannt in der Welt.

"Nicht so richtig. Meine Mutter hat selten darüber geredet. Ich weiß nur, dass unsere Verwandten in Frankreich keinen Kontakt zu uns haben wollten und ich hatte oft das Gefühl, dass meine Mutter sich vor irgendetwas fürchtete. Wenn ich sie darauf ansprach, wich sie mir immer aus."

Noch mehr Fragen taten sich auf und ich dachte daran, mir vielleicht eine Liste zu machen, damit ich auch keine von ihnen vergessen konnte. Für's erste beließ ich es aber dabei. Dorian musste sich schon genug Fragen von mir anhören und eigentlich sollte er sich ausruhen. Obwohl er so lange rumgelegen und vermutlich auch viel geschlafen hatte, wirkte er sehr erschöpft auf mich.
 

Als es draußen dunkel wurde und meine Mum und Charming zurück kamen, schaute ich aus dem Fenster und stellte erleichtert fest, dass wir abnehmenden Mond hatten. Es war also noch viel Zeit bis zum nächsten Vollmond. Ich ging nach unten, machte ein bisschen Small Talk und nutzte die Gelegenheit, um sie gleich auf meine Reise vorzubereiten. Es bedurfte natürlich meiner gewitzten Überredungstaktik, die ich jahrelang trainiert hatte, damit meine Mum ja sagte. Anfangs war sie nicht so begeistert von meiner Spontanen Idee und es brach eine hitzige Diskusion aus. Letzten Endes erlaubte sie es mir und gab mir genug Geld für die Fahrt und zum Einkaufen. Das Einkaufsgeld würde allerdings eher für Dorians Fahrkarte draufgehen, aber das fand ich nicht so schlimm. Immerhin wollte ich ja nicht zum Shoppen nach New York. Etwas überrascht war ich allerdings schon, dass meine Mum mich einfach so los ziehen ließ. Natürlich wirkte sie besorgt, aber sie schien sich auch ein bisschen darüber zu freuen, dass ich endlich beschlossen hatte, nicht mehr alleine meine Ferien zu verbringen.

"Ich kann dich ja zum Bahnhof fahren, wenn du möchtest.", schlug Charming, der bisher nicht an der Unterhaltung teilgenommen hatte, vor. "Ach, Christopher. Das ist ein nettes Angebot, aber das ist meine erste Reise, die ich ganz alleine antrete, also will ich auch alleine zum Bahnhof gehen. Immerhin bin ich schon siebzehn. So weit ist der Weg ja auch nicht und wenn es regnet, kann ich mit dem Bus fahren."

Regen wäre mir wirklich willkommen gewesen, aber die Wettervorhersage versprach Sonnenschein bis zum Abwinken und das mindestens noch die nächsten zwei Wochen. Allerdings hatte ich nur für Gaping Hill nachgeguckt und nicht für New York. Vielleicht regnete es dort ja am laufenden Band. Natürlich musste ich meiner Mum versprechen, jeden Tag mindestens einmal anzurufen oder wenigstens eine SMS zu schreiben, um zu bestätigen, dass ich noch lebte und das es mir gut ging. Immerhin war es ja wirklich meine erste Reise alleine und dann gleich nach New York. Es liefen zwar überall auf der Welt Verbrecher rum, aber in großen Städten gab es mehr Menschen und folglich auch mehr Psychopathen. Eigentlich hatte ich auch mehr Widerstand bei ihr erwartet, aber ihr Vertrauen zu mir war sehr groß, immerhin hatte ich sie noch nie angelogen und irgendwelche schwerwiegenden Dummheiten gemacht. 

"Mum, ich fahre doch nicht weg, damit ich dann die ganze Zeit mit dir telefoniere! Ich schick dir eine Postkarte, ja?" Mir war schon bewusst, dass sie mich eigentlich nicht gehen lassen wollte, aber sie wurde von ihrem Vater immer eingesperrt, durfte nie etwas unternehmen und dann war sie einmal weggelaufen. Vielleicht wollte sie vermeiden, dass ich das auch tat, also erlaubte sie mir die unmöglichsten Sachen, obwohl ich eigentlich selten oder besser gesagt nie sowas tat. "Ich hab dich lieb, Mum."

Wir umarmten uns und sie gab mir noch einen Schmatzer, bevor ich wieder nach oben ging.

In meinem Zimmer hopste ich auf mein Bett und grinste den hübschen Werwolf breit an. Dorian hatte sich schon hingelegt und schaute durch das Fenster den Mond an. Als ich rein kam, wandte er mir seinen Blick zu. "Rate mal", strahlte ich ihn an.

"Deine Mum hat dir die Reise erlaubt und du willst sicher morgen schon los.", sagte er unvermittelt und lächelte leicht. Oh, dieses Lächeln. "Woher ... Hast du etwa mitgehört?"

Er nickte und sein lächeln wurde zu einem breiten Grinsen. In Zukunft sollte ich wohl aufpassen, wie laut ich redete oder was ich sagte. Scheinbar konnte Dorian sehr gut hören, was mich eigentlich auch nicht wunderte. So als Werwolf hatte man schließlich sehr gut ausgeprägte Sinne.

"Okay, dann sollten wir jetzt lieber schlafen, damit wir ausgeruht sind für die Fahrt."

Dorian nickte mir zu und drehte sich dann auf die Seite. Er schien wirklich müde zu sein.

Derweil huschte ich noch schnell ins Bad und machte mich bettfertig.

Es viel mir nicht so leicht einzuschlafen, weil ich so aufgeregt war und mein Herz pochte ganz schnell bei dem Gedanken, vielleicht noch mehr Werwölfe zu treffen und wer weiß was sonst noch. Eine Zeit lang lauschte ich Dorians gleichmäßigem Atem, der mich nach einer Weile selbst ganz schläfrig machte und ich schließlich doch einschlief.
 

Als ich wieder aufwachte, hatte ich den ganzen Vortag in meinen Gedanken komplett umgemodelt und war nun davon überzeugt, dass ich das alles nur geträumt hatte. Das war doch einfach viel zu unglaublich gewesen. Ein Werwolf, mit dem ich nach New York reisen wollte? So ein Unsinn. Gähnend drehte ich mich um und kuschelte mich in mein Bettlaken, für mehr war es zu warm, und dann hörte ich ein lautes Aufschnarchen, was mich so aufschreckte, dass ich fast aus dem Bett fiel. Schnell setzte ich mich auf und schaute panisch auf den Boden. Dorian lag auf dem Rücken, Arme und Beine waren in alle Richtungen gestreckt und sein Mund stand weit offen, sodass ich seine schneeweißen Zähne sehen konnte. Er sah aus wie ein übergroßes Baby, irgendwie abstrakt und eigentlich doch ganz niedlich. "Also habe ich das doch nicht geträumt.", stellte ich flüsternd fest und stand auf. Einen Moment lang stand ich nur da, um mich wieder zu fangen und mir klar zu machen, dass diese Situation hier real war. Alles war genau so passiert wie ich es in Erinnerung hatte und Dorian war ein Werwolf. Einige Minuten verharrte ich schweigend und regungslos im Raum. In meinem Kopf herrschte vollkommene Stille, es gab nicht einen Gedanken. Dann, als hätte jemand einen Schalter betätigt, holte ich meinen Koffer aus dem Schrank und fing schon einmal leise an zu packen. Danach ging ich duschen, damit ich das Badzeug auch einpacken konnte und als ich fertig angezogen und schon fast abfahrbereit wieder ins Zimmer kam, war Dorian auch endlich aus seinem Koma erwacht. Ich beobachtete ihn, wie er die Kissen ordentlich auf mein Bett räumte und die Decken zusammen legte. "War’s denn wenigstens ein bisschen bequem?", fragte ich ihn dann. Irgendwann hatte ich auch mal auf dem Boden bei jemandem geschlafen und ich fand es ganz und gar nicht bequem. In der Nacht hatte ich kaum ein Auge zugemacht und am nächsten Tag tat mir so der Rücken weh, dass ich mich fühlte wie eine alte Oma. "Bequemer als das Bett, in dem ich mehrere Jahrzehnte lag allemal. Ich habe so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr." Erleichtert atmete ich auf. "Du hast auch sehr friedlich ausgesehen im Schlaf." Er lächelte mich an, bevor er mir mitteilte, dass er sich auch gerne noch frisch machen würde. Zuerst sah ich darin kein Problem, doch dann fiel mir etwas ein. "Du kannst nicht ins Bad. Wenn meine Mum oder Christopher reinwollen, was soll ich denn dann machen?" Ungläubig betrachtete er mich. "Es gibt aber gewisse dringliche Dinge, die ich unbedingt erledigen muss." Was für eine interessante Art mir zu sagen, dass er mal auf Toilette musste. Nervös stiefelte ich im Zimmer auf und ab. "Na schön, komm mit."

Vorsichtig steckte ich den Kopf aus der Tür und horchte, ob die Luft rein war, Dorian stand genau hinter mir.

"Deine Mum ist in der Küche und der Mann sitzt vor dem Fernseher.", flüsterte er mir dann ins Ohr, was mir eine Gänsehaut am ganzen Körper verschaffte und ich kurz die Luft anhalten musste.

Ohne ein Wort dazu ging ich zum Bad und wartete, bis er rein gegangen war, dann atmete ich tief ein, sagte mir selbst, dass ich das schon schaffen würde und ging auch rein.

"Was soll denn das werden?", Dorian sah mich irritiert an, als ich hinter ihm ins Bad kam.

"Na was glaubst du wohl. Bei meinem Glück kommen meine Mum oder Christopher genau dann hier hoch und wollen ins Bad, wenn du hier drin bist. Also werde ich mich hier in die Ecke setzen und so tun, als wäre ich allein hier." Ein stiller Moment verging und ich wusste schon, was er jetzt dachte, denn ich dachte das Gleiche. Während er die Toilette benutzte, würde ich anwesend sein und für keinen von uns würde das ein tolles Erlebnis werden.

"Dann dreh dich wenigstens um." Das tat ich natürlich und schnaufte. Natürlich drehte ich mich um, was sollte ich auch sonst machen, ihm interessiert dabei zuschauen? "Ich halt mir auch die Ohren zu, wenn du dich dann besser entspannen kannst", murrte ich und betrachtete die Kacheln an der Wand. Unglaublich, dass er dachte, ich würde ihn dabei beobachten wollen. Es dauerte allerdings tatsächlich etwas, bis er loslegte.

"Das ist wirklich peinlich", merkte er dann an und spülte. Nickend drehte ich mich wieder um, as ich den Wasserhahn hörte.

"Sei froh, dass ich nicht gesagt habe, du sollst dich hinsetzen." Dazu sagte er nichts und somit hatten wir das Thema und diese unglaublich unangenehme Situation hinter uns gebracht. Im Nachhinein fand ich es allerdings irgendwie witzig. Dorian wusch sich das Gesicht ein paar Mal mit kaltem Wasser. Duschen musste er noch nicht, schließlich war er am Vorabend erst gewesen und noch eine Unterhose von Charming wollte ich ihm nicht zumuten. "Also, ich versuche etwas zu Essen zu organisieren und du setzt dich einfach ganz still in mein Zimmer und bist einfach nicht da." Mit Erleichterung atmete ich auf denn weder meine Mum, noch Christopher waren auf die glorreiche Idee gekommen, im oben Stockwerk ins Bad zu müssen. Das kam wirklich öfter vor als man dachte. Essen schmuggeln erwies sich als schwieriger, als ich erwartet hatte. "Ich dachte, wir frühstücken zusammen?", sagte meine Mum, als ich die Reste vom Vorabend aus dem Kühlschrank holte. "Hast du dir gestern Abend eigentlich noch Schnitzel und Steaks gemacht? Ich habe irgendwie das Gefühl, der halbe Kühlschrank ist leer, obwohl er gestern noch voll war." Jetzt geriet ich in Erklärungsnot und stotterte ertappt irgendeinen Unsinn. "Ja, weißt du, ich hatte eine Fressattacke, ist bei Teenagern ja manchmal so. Es gelüstete mich dermaßen nach Fleisch, dass ich von allem etwas haben musste, bis ich zufrieden war und logischerweise fühle ich mich jetzt so fett, dass ich noch mehr Fleisch in mich reinstopfen muss, bevor es nach New York geht. Allerdings kann ich das auch unterwegs essen, wenn du mit mir zusammen frühstücken möchtest. Dann bring ich das vorher schon hoch und pack es in meinen Rucksack." Ich ließ meiner Mum keine Zeit, um etwas dagegen zu sagen und raste förmlich aus der Küche nach oben und in mein Zimmer. Dorian saß auf meinem Bett und las in einem von meinen vielen Fantasybüchern. Etwas peinlich berührt, hoffte ich, es war keines von den Schnulzromanen. "Hier, was zu essen. Ich werde wohl mit meiner Mum und Christopher essen und dann können wir los." Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen, als ich ihn da so ganz alleine ließ und er alleine essen musste, aber was sollte ich machen. Schließlich wollte ich mich von meiner Mum verabschieden und noch ein wenig ihre Gesellschaft genießen. Immerhin war ich vorher noch nie lange und weit weg von ihr gewesen und ich vermisste sie jetzt schon, genau wie Christopher, was mich ein bisschen irritierte. Als ich nach dem Essen wieder in mein Zimmer kam, stand das Fenster offen und Dorian war weg. Ein Zettel lag auf meinem Bett und die leeren Teller standen daneben.
 

"Wir treffen uns am Bahnhof. Lass dich ruhig fahren und verabschiede dich richtig von deiner Familie."
 

Lächelnd las ich den Zettel noch einmal und war etwas überrascht, dass er so einfühlsam war, obwohl er nicht danach aussah. Dass er allerdings so eine Seite an sich hatte, wusste ich eigentlich bereits aus Hannes Erzählungen. Nun ließ ich mich also doch von Prinz Charming und meiner Mum zum Bahnhof fahren. Auf dem Weg dahin dachte ich wieder daran, dass ich die beiden vielleicht eine ganze Weile nicht sehen würde und ein kleiner Kloß wurde in meinem Hals immer größer. Nach ein paar Anläufen ihn wieder runterzuschlucken, gelang es mir zum Glück und schnell ging es mir dann auch wieder besser. Dorian wartete schon am Gleis auf mich, doch er ließ sich nicht anmerken, dass wir uns kannten. Er stand ganz ruhig da und schaute auf die Gleise. Weder Christopher, noch meine Mum nahmen Notiz von ihm. Ein letztes Mal schloss ich meine liebste Mum, meine Mami in meine Arme, gab ihr einen langen, feuchten Knutscher auf die Wange und sogar Charming bekam ein Küsschen.

"Pass mir bloß auf meine Mum auf und wehe, ich höre Klagen!" Wir konnten uns alle ein Lachen nicht verkneifen und die Abschiedsstimmung lockerte sich ein bisschen.

"Natürlich. Deine Mutter ist bei mir in den besten Händen."

Auf diesen Satz umarmte Mum mich gleich noch mal und knuddelte mich so fest, dass ich kaum noch Luft bekam.

"Komm heil an und schreib mir oder ruf mich an. Am besten du machst beides. Viel Spaß in New York und pass gut auf dich auf! Ich hab dich lieb, mein Schatz."

Da war wieder dieser Kloß in meinem Hals und zuerst konnte ich nichts sagen. Sicherlich hätte ich sofort geweint, wenn ich versucht hätte zu reden. Erst nachdem ich tief ein und wieder ausgeatmet hatte, nickte ich eifrig, lächelte glücklich und dann wandte ich mich dem einfahrenden Zug zu und stieg ein, als er angehalten hatte.

Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Dorian ebenfalls in den Zug stieg.

Es war nicht schwer einen freien Platz für zwei Personen zu finden, auf den ich mich setzte und nach draußen schaute, wo Mum und Charming standen und mir zuwinkten. Lächelnd hob ich die Hand, winkte ihnen zurück und seufzte leise. Der Kloß in meinem Hals steckte noch immer hartnäckig in meinem Hals fest. Langsam fing der Zug an zu rollen und wurde zunehmend schneller. Als Mum und Christopher außer Sicht waren, setzte sich Dorian neben mich. "Geht es dir gut?" Mir rollte nun doch eine Träne über die Wange. Nie hätte ich gedacht, dass mir das so schwer fallen würde, aber ich würde ja nicht für immer wegbleiben und das tröstete mich zumindest ein wenig. Es war nur eine Reise nach New York und nicht auf den Mond.

"Ja, mir geht es gut. Es fällt mir nur schwer sie zurückzulassen." Dorian legte seine Hand auf meine Schulter, drückte leicht zu und seltsamerweise ging es mir gleich besser.

Während der Fahrt redeten wir kaum miteinander.

Er hatte scheinbar verstanden, dass mir nicht nach einer Unterhaltung zumute war und schon nach kurzer Zeit schlief er ein. Erst kurz vor unserer Ankunft wachte er wieder auf. Aus dem Fenster starrend dachte ich über meine Situation nach, in der ich mich gerade befand.

Mir wurde die Chance gegeben etwas Unglaubliches zu erleben, etwas, von dem ich mir nie hätte träumen lassen, dass es wirklich geschehen könnte. Der Drang, nicht normal sein zu wollen und meine unerschütterliche Neugier hatten mich in diese Situation geschoben und nun musste ich mit der Realität klar kommen, die mir zunehmend surrealer wurde. Sollte ich das gut finden oder lieber Angst haben? Zwar wollte ich es auf mich zukommen lassen, hatte aber gleichzeitig das Gefühl die Kontrolle über die Realität zu verlieren.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von: Futuhiro
2018-02-24T20:05:30+00:00 24.02.2018 21:05
Aaaaaaalter Schwede ... Da hat Dorian ja echt einen guten Fang gemacht. So ein unvorsichtiges, naives Mädel hab ich noch nie erlebt. XD Ehrlich, ich hätte den Kollegen ja vielleicht noch befreit, wenn ich gesehen hätte, daß der noch lebt. Aber ihn dann mit heim genommen? Im Leben nicht! :D
Ich hätte mich wahrscheinlich auch ziemlich schnell damit zufrieden gegeben, daß ich die Tür halt nicht auf kriege, und wäre wieder gegangen. Türen mit Äxten einzuschlagen, oder gar durch Fenster zu klettern, auf die Idee wäre ich nicht gekommen. :D
Aber man merkt ja schon anhand ihrer Ausdrucksweise, daß sie sehr lebhaft zu sein scheint. Diese Sprüche, ich hab die ganze Zeit nur gelacht. ^^

Die Erklärung mit der Astralprojektion fand ich sehr cool, auf so eine Idee wäre ich (nach dem Lesen des vorherigen Kapitels) nicht gekommen. Ich hatte wirklich bis zum Schluss keine Ahnung, wie du das auflösen würdest. Echt gut.

Ich werde "charming" Christopher vermissen, den mochte ich irgendwie sehr. Die Szene, wo er früh mit dem Morgenmantel ihrer Mutter rauskam, hatte ich dermaßen bildlich vor Augen. Ich hab vor Lachen unter dem Tisch gelegen. Vor allem noch mit dem Kommentar dazu "um nicht ausversehen die Dinge sehen zu müssen, die mich weder etwas angingen, noch interessierten".

Jaaaaa, das Kapitel war wie gesagt wieder ein wenig lang. Aber wenn die Kapitel natürlich alle schon fertig sind, dann ist das okay. Die alle nochmal zu zerpflücken, ist dann wirklich etwas Aufwand.


PS: ich komme nicht immer sofort zum Lesen. Also nicht wundern, wenn du neue Kapitel hochlädst und ich häufiger mal etwas länger brauche um sie zu lesen und zu kommentieren. Ich lese sie auf jeden Fall noch. :)


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