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My little Pony: One last Letter

von

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Kapitel 10

Tag einunddreißig. Der Tunnel war lang. Aber er war trocken und für einen, wie ich meine, verlassenen Tunnel sehr gut beleuchtet. Es scheint fast so, als würden wir durch jemanden geführt. Denn wir können dem Tunnel nur in einer Richtung folgen. Erst ging es in Spiralen abwärts, bevor wir uns nur noch auf einer Ebene bewegen konnten. Jeder Abzweig, an dem wir vorbei kamen, war verschüttet, oder zu eng, als dass eine von uns sich hätte hindurchzwängen können. Wenn mich mein Orientierungssinn nicht trog, befanden wir uns wieder auf dem Weg in Richtung Trottingham. Was meine Vermutung, dass wir einen unbekannten Führer durch diese Unterwelt haben, verstärkte war, dass an den Stellen, an denen wir Rast machen wollten, uns jedes Mal ein kleines Lagerfeuer und einige Vorräte erwartete. Was mich dabei auch wunderte war, dass die anderen es als gegeben hin nahmen. Aber meine Gedanken waren bei unserem heimlichen Gönner. Wer war es? Und vor allem, warum machte er das? Die meisten, die in dieser Welt lebten, kümmerten sich nur um sich selbst. Vielleicht um ihre Familien. Aber das war es schon. Rainbow meinte, ich solle nicht so misstrauisch sein. Aber ich kann mir nicht helfen. Es riecht nach einer Falle.
 

Die Ponys stapften jetzt schon wieder seit einiger Zeit durch den Tunnel. Die letzte Rast war etwa drei Stunden her und die Umgebung änderte sich so gut wie gar nicht. Felsen, soweit das Auge reichte. Und der Tunnel ging Schnur geradeaus. 'Wie weit es wohl noch ist?', fragte sich Twilight nicht zum ersten Mal. An der Oberfläche hätte sie vielleicht den einen oder anderen Anhaltspunkt gefunden. Aber hier, unter der Erde, sah alles gleich aus. In Gedanken versunken setzte sie einen Schritt vor den anderen. Sie merkte erst, das sich etwas verändert hatte, als sie in Fluttershy hinein rannte. „Uff.“, machte Twilight, als sie sich unversehens auf dem Boden sitzen sah. „Was ist los?“, fragte sie irritiert. Fluttershy bedeutete ihr, ruhig zu sein. „Ich habe etwas gehört.“, flüsterte sie. Twilight spitzte die Ohren. Erst hörte sie nur, wie in großer Entfernung hinter ihnen Wasser tropfte. Doch dann vernahm sie ein Geräusch, welches klang, wie wenn Eisen auf Stein traf. Es war ein regelmäßiges helles Klopfen. „Da ist einer.“, murmelte Twilight. Fluttershy nickte nur. Da das Geräusch von vorne kam, gingen die sechs so leise weiter, wie es die Umgebung ermöglichte. Nach ein paar hundert Metern kamen sie an eine Abzweigung. Diese war nicht verschüttet. Neugierig spähten die Ponys hinein. Der Gang war, wie der Tunnel in dem sie waren, mit einigen Fackeln erleuchtet. Er führte sanft abwärts und machte nach etwa zehn Metern machte er einen scharfen Knick. Aus diesem Gang schallte das Klopfen. 'Wer, oder was, dort wohl ist?', ging es Twilight durch den Kopf. Plötzlich hörte das Klopfen auf. Es folgte ein schnaufendes: „Das müsste für heute reichen.“ Dann hörte Twilight, wie sich Hufgeräusche auf sie zu bewegten. Die sechs blieben in gespannter Erwartung am Zugang stehen. Dann erschien vor ihnen ein graues Pegasus-Pony. Es schien sie erst gar nicht bemerkt zu haben. Erst zwei Meter vor ihnen blieb es stehen und schaute sie unverwandt an. Seine gelben Augen schienen sowohl Twilight, wie auch Rarity, die etwas weiter rechts stand, anzusehen. Es breitete seine Schwingen aus. „Wer seid ihr?“, fragte es leicht aggressiv, „dies ist meine Mine.“ Die sechs schauten sich verwirrt an. „Ähh.“, begann Rainbow Dash, die sich schneller wie die anderen wieder gefangen hatte, „wir wollen nichts aus deiner Mine.“ Pinkie hüpfte gut gelaunt um den Pegasus herum. „Wie kommt es, das ein Pegasus unter der Erde arbeitet?“, Twilight kam der Anblick eines unterirdisch arbeitenden Pegasus immer noch merkwürdig vor. Das fremde Pony schaute sie skeptisch an. „Ihr wollt nichts von meiner Mine? Das ist gut.“ Es sah sie etwas genauer an. „Oh.“, machte es, „ihr seid es. Ich habe schon von euch gehört. Vor etwa drei Tagen kam ein Kurier aus Ponyville hier vorbei. Er hat mir von euch erzählt.“ Das Pegasus-Pony legte seine Flügel wieder an. „Kommt erst mal mit zu meiner Hütte. Da erzähle ich euch alles, was ich weiß.“
 

Sie erreichten die Hütte, die etwa einen halben Tagesmarsch durch den Tunnel entfernt lag. Der Zugang selber war ein Loch im Boden von der Hütte. Die Ausstattung der Hütte war spartanisch. Ein Tisch, ein wackeliger Schemel, ein Bett, eine Feuerstelle und ein kleiner Schrank. Beleuchtet wurde die Hütte von einer kleinen Öllampe. Das Pegasus-Pony ging zu dem Schrank und holte einen Beutel heraus. Diesen legte es auf den Tisch. „Hier.“, sagte es, während es durch den Raum ging, „damit könnt ihr euch stärken.“ Es huschte hierhin und dorthin. Räumte da etwas weg und kramte etwas anderes aus einer Ecke hervor. Dabei stieß es etwas um. „Mist“, kommentierte es seine eigene Ungeschicklichkeit und räumte es woanders hin. Als es etwas zur Ruhe kam, schaute sie auf den noch unberührten Beutel. „Das könnt ihr ruhig Essen. Das ist gut.“ Twilight trat vor und nahm den Beutel auf. In diesem befanden sich mehrere etwa bohnengroße Stücke von etwas, was sie nicht mehr erkennen konnte. Mutig ergriff sie eine dieser Bohnen und steckte sie sich in den Mund. „Hmm.“, machte sie, während sie versuchte, ihrem Gesicht so etwas wie Wohlgefallen aufzuzwingen, „das schmeckt echt … gut. Was ist das?“ Das Pegasus-Pony zuckte mit den Schultern, während Twilight den Beutel weiterreichte. „Keine Ahnung.“, erwiderte das Pony, „das bringt mir der Händler, an den ich auch meine Funde aus der Mine verkaufe.“ Rainbow schaltete sich ein. „Apropos Mine. Wieso arbeitet ein Pegasus in einer Mine? Die Frage hast du noch nicht beantwortet.“ Das Pegasus-Pony bedeutete ihnen sich zu setzen. „Eigentlich ist es ganz einfach.“, begann es, „Vor einem halben Jahr bin ich aus Trottingham geflohen. Glaubt mir, es war furchtbar dort. Erst lief ich eine Zeit lang ziellos herum und schlug mich als Mädchen für alles durch. Doch dann fiel mir eines Tages eine Karte in die Hufe. Ich habe keine Ahnung, wer sie verloren hatte. Aber sie lag genau vor meinen Hufen. Als ich hineinschaute, war dort der Standort dieser Hütte eingezeichnet. Als ich hier ankam, war die Hütte in einem bemitleidenswerten Zustand. Die Tür hing schief in ihren Angeln. Der Kamin war teilweise zerstört. Aber unter den Bodenbrettern befand sich der Tunnel, den ihr ja schon kennt. Dort standen noch immer Spitzhacke und Schaufel vom Vorbesitzer. Und ein Sack mit Edelsteinen. Ein paar Tage sah ich zum ersten Mal den Händler. Er gab mir für die Edelsteine genug Material, um die Hütte wieder wohnlich zu gestalten. Seitdem kommt er jede Woche einmal vorbei und versorgt mich mit Lebensmitteln und Informationen aus Equestria für die Edelsteine, die ich finde.“ Die sechs sahen das graue Pegasus-Pony noch immer verwundert an. Es breitete sich eine peinliche Stille aus. „Ähh. Ja. Das war sie. Meine Geschichte.“, stammelte es in die Stille hinein. „Ach, bevor ich es vergesse. Ich bin Ditzy Doo. Aber meine Freunde nennen mich Derpy.“
 

Ditzy bot ihnen an, die Nacht bei ihr zu verbringen. Die Ponys waren froh, dass sie nicht auf kaltem Stein schlafen mussten. So drängten sie sich vor dem Kamin zusammen, um etwas Ruhe zu finden. Aber Twilight lag noch lange wach. Sie fühlte sich beobachtet. Sie drehte ihren Kopf langsam herum. Durch ein kleines Fenster schien etwas Mondlicht herein. Ditzy selber lag auf dem Bett unter dem Fenster. Leises und ruhiges atmen erfüllte den Raum. Twilight seufzte leise. 'Warscheinlich bilde ich es mir nur ein.', dachte sie. Sie spürte, wie die Müdigkeit sie langsam in Beschlag nahm. Langsam, aber unaufhaltsam, fielen ihr die Augen zu.
 

Am nächsten Morgen wurden sie von Ditzy geweckt. „Aufwachen.“, schallte es fröhlich, „es ist Morgen. Hey. Ihr wollt doch nicht euer Frühstück verpassen?“ Müde gähnten die Ponys. „Noch fünf Minuten.“, nuschelte Rainbow Dash. Pinkie sprang voller Freude auf. Dabei traff sie Rainbow mit ihren Hufen. „Guuteen Mooorgeen.“, krakelte sie fröhlich. Rainbow sprang erschrocken auf. „Wer? Was?“ Sie sah sich verwirrt um. „Ach so. Wir sind bei Ditzy.“, erinnerte sie sich langsam. Die anderen erhoben sich steif. „Draußen ist ein Brunnen. Da könnt ihr euch etwas frisch machen.“, sagte Ditzy, während sie wie am Vorabend durch den Raum eilte, um etwas für das Frühstück zusammen zu suchen. Die sechs gingen hinaus und wuschen sich notdürftig. Das Wasser war eiskalt. Wenn eines der Ponys noch halb am schlafen war, jetzt war es mit Sicherheit wach. Zum Frühstück gab es wieder diese Bohnen. Mutig würgten die sechs ihre kleinen Portionen herunter. „Ihr wollt sicher weiter Richtung Trottingham?“, erkundigte sich Ditzy. „So ist es.“, erwiderte Rarity. Ditzy räumte die Reste des Frühstücks weg. „Ich kann euch von eurem Vorhaben wohl nicht abbringen.“, seufzte sie, „nach Trottingham ist es noch etwa ein Tagesmarsch Richtung Osten. Aber ihr müsst aufpassen. Die Bewohner von Trottingham sind irgendwie … anders. Ich kann euch nicht sagen warum. Aber geht in der Dunkelheit nicht auf die Straßen dieser Stadt.“ „Was ist denn mit den Einwohnern?“, fragten Twilight und Fluttershy wie aus einem Munde. „Ich weiß nicht. Aber jeder, der bei Nacht nicht in einem Haus war, war danach verändert. Sie hatten Angst und einige sind nie wieder aufgetaucht.“ Die sechs sahen sich unschlüssig an. „Wir müssen nach Trottingham.“, sagte Twilight, „nur dort finden wir, was wir suchen.“ Sie verabschiedeten sich von Ditzy, welche ihnen einen kleinen Beutel ihrer Bohnen mitgab, und gingen Richtung Osten.
 

Die sechs verschwanden aus der Sicht von Ditzy, als neben ihr eine dunkle Wolke niederging. „Hast du ihnen gesagt, was sie wissen müssen?“, fragte eine ehrfurchtgebietende Stimme. „Ja, eure Hoheit.“, erwiderte Ditzy ohne hinzusehen. Sie spürte, wie sie am Rücken berührt wurde. „Das hast du gut gemacht.“, sagte die Stimme in einem milden Ton, „dein Dienst wird belohnt werden.“ „Wann, eure Hoheit?“ „Schon bald. Es stehen noch viele Hindernisse in ihrem Weg.“ Ein leises Zischen erklang und Ditzy war wieder alleine.



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