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soulos

von

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Mondnacht
 

Es war, als hätt der Himmel

Die Erde still geküßt,

Daß sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müßt.
 

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis die Wälder,

So sternklar war die Nacht.
 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.
 

Joseph von Eichendorff
 

Kapitel 1
 

Die schwarzgrauen Kaugummis mussten schon seit Jahrhunderten auf der Treppe kleben. Joshua schüttelte missmutig den Kopf. Er versuchte, den hässlichen Flecken ausweichen, musste dabei aber aufpassen, dass ihn seine Mitschüler nicht umrannten. In der großen Pause benahmen sich die meisten wie ausgehungerte Tiere, die es alle eilig hatten, die Cafeteria zu stürmen und den Frauen dort die Haare vom Kopf zu fressen.

Jemand stieß ihn unsanft zur Seite und drängelte sich durch die große Menge der Schüler, die durch das Treppenhaus der Marie-Curie-Schule strömten und sich alle Mühe gaben, sich mit Hilfe ihrer Ellbogen und Knie fortzubewegen.

Joshua stolperte über eine Treppenstufe und krallte sich an der breiten Schulter seines Vorgängers fest, um nicht zu stürzen und von den anderen überrannt zu werden. Unglücklicherweise bemerkte er zu spät, dass er sich an Max festgehalten hatte. Sofort nahm er die Hände zurück, doch der Junge war bereits herumgefahren und starrte ihn aus wutglitzernden Augen an. „Bist du bescheuert? Was soll denn der Scheiß?“, Max packte ihn am Arm und zog ihn zu sich heran. „Was willst du? Ärger? Kannst du haben!“

Joshua verdrehte die Augen und hob abwehrend die Hände. „Entschuldige, Max. Ich bin bloß gestolpert! Lass mich los!“

Dies war wahrscheinlich nur einer in einer Reihe von Fehlern in Joshuas Leben. Es war in diesem Moment das schlechteste, was er tun konnte.

Max war ungefähr zwei Köpfe größer als Joshua und mindestens doppelt so breit. Er war nicht wirklich dick, sondern ein ziemlich muskulöser und sehr leicht reizbarer Kerl.

Und er war der Anführer einer äußerst unangenehmen Gruppe von Jungen, deren Intelligenzquotient so niedrig war wie ihre Motivation, am Unterricht teilzunehmen. Deren größtes Hobby im Prügeln bestand. Da kam es schon mal vor, dass einer von ihnen einem Mitschüler versehentlich die Nase brach.

Streichholzkurze, brandrote Haare und große, fast schwarze Augen vervollständigten das Bild. In seinem Blick funkelte momentan einfach nur hämische Freude über diese nette Pausenbeschäftigung. Nette Pausenbeschäftigung, dachte Joshua resignierend, bedeutet wahrscheinlich, sich über mich aufzuregen. Jedenfalls hoffte er, dass es nur beim Aufregen blieb und nicht zu einer unangenehmen Begegnung mit Max’ Faust führte.

Max zog die Augenbrauen hoch. „Warum sagst du nichts mehr? Hat es dir die Sprache verschlagen?“

„Tut mir leid“, erwiderte Joshua. Er war sich bewusst, dass ihm seine folgenden Worte leid tun würden, doch er konnte sie nicht zurückhalten. „Es dauert etwas, bis ich meine Sprachweise auf deine primitive Grunzlaut-Konversation umstellen kann.“

Sein Gegenüber verzog abfällig den Mund und musterte ihn kurz. „Du willst echt Schläge, oder, Kleiner? Ich hätte es ja vielleicht gelten lassen, wenn du dich entschuldigst hättest, aber so nicht! Komm mit, wir tragen das untereinander aus!“ Er drehte sich um, wobei er Joshua noch immer festhielt und brüllte: „Karl! Ben! Kommt her, es gibt etwas zu tun!“

Sofort pflügten zwei Jungen durch die noch immer zur Cafeteria hastende Menge und bauten sich neben ihrem Anführer auf. Neben Max wirkten sie schmal und doch strahlten sie eine Gefährlichkeit aus, die sich kaum in Worte fassen ließ.

Die Szene kam Joshua langsam lächerlich vor. Schließlich befanden sie sich mitten in der Schule und überall in seiner Nähe waren Lehrer und Aufsichtspersonen. Was wollte Max schon groß tun? Ihn vor aller Augen zusammenschlagen? Oder ihn verschleppen?

Er wollte.

Die beiden Jungen nahmen ihn in die Mitte, hakten sich bei ihm unter und zogen ihn die Treppe hinunter. Vor ihnen tauchte das dreckige Glas der Tür auf, hinter der die Pausenhalle lag, doch ihr Ziel war eindeutig eine Etage tiefer. Joshua wollte sich aus dem Griff der anderen befreien, schaffte es aber nicht, sondern erreichte nur, dass sie ihm den Arm verdrehten. Er schluckte und überlegte fieberhaft, was er tun konnte. Die einzige Antwort darauf lautete: Nichts. Er hatte keine Chance. Er war nicht schwächlich oder übertrieben ängstlich, aber seine Chance, gegen Max oder einen seiner Gorillas zu gewinnen, war mehr als gering.

Seine beiden Begleiter führten ihn in das Erdgeschoss, wo sich die breiten Reihen aus Schließfächern wie drohende Türme über seinen Kopf erhoben. Max wartete bereits dort und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. In seinem Mundwinkel hing eine angezündete Zigarette, obwohl im Gebäude eigentlich das Rauchen verboten war. Vor Max hatten allerdings selbst die Lehrer Angst, weshalb sie einfach darüber hinwegsahen, dass der Junge tat, was er wollte.

„In Ordnung, Blödmann. Wir haben noch genau zehn Minuten Pause, also lass uns anfangen. Wenn du mich besiegst, darfst du zum Unterricht“, Max inhalierte den Rauch noch einmal tief, warf dann die Zigarette im hohen Bogen auf die Schließfächer, wo sie weiterqualmte. Er zuckte mit den Schultern und bedeutete seinen beiden Kumpels, sich zu entfernen. Wahrscheinlich sollten sie an den Türen zu dieser Etage Wache halten, damit niemand kam, um sie zu stören. Oder, um ihm zu helfen.

Joshua stellte sich so weit weg von Max wie möglich, aber zwischen ihnen war trotzdem keine nennenswerte Entfernung, weil sie in einer nicht einmal zwei Meter breiten und ungefähr zehn Meter langen Reihe standen. Es hatte nicht allzu viel Sinn, wegzulaufen, doch Joshua wollte auch nicht geschlagen werden. Er hatte keine Ahnung, was er tun wollte, doch die Entscheidung wurde ihm abgenommen, denn Max trat auf ihn zu und hob gemächlich die Faust. „Auf einen fairen Kampf, Idiot!“

Er holte noch weiter aus und schien davon auszugehen, dass sein Opfer am Boden festgeklebt oder gelähmt war. Er schlug ohne ein weiteres Wort zu, aber Joshua warf sich hastig zur Seite, so dass Max eines der Schließfächer traf und mit einem unterdrückten Schmerzenslaut zurücksprang. Seine Hand färbte sich jetzt schon rot und würde spätestens in ein paar Tagen blau sein. Allerdings hatte das Schließfach den Angriff nicht unbeschadet überstanden. Das dünne Sperrholz war von dem Hieb regelrecht zerfetzt worden und Joshua wagte es nicht, sich vorzustellen, wie er jetzt wohl aussehen würde, wenn er sich nicht in Sicherheit gebracht hätte. Max fuhr zu ihm herum und stand eine Sekunde lang völlig bewegungslos da. Er starrte ihn nur an.

„Willst du mich hypnotisieren?“, stichelte Joshua, obwohl er wusste, dass er damit alles noch schlimmer machte.

„Lach nur, solange du noch alle Zähne hast!“, Max warf sich auf ihn und schlug von oben zu. Wieder wich Joshua aus und langsam begann die Hoffnung in ihm zu keimen. Wenn sein Gegner immer so schlecht kämpfte, hatte er nichts zu befürchten...

Er sah den Ärger wie eine schwarze Lawine auf sich zukommen und versuchte, noch einmal außerhalb Max’ Reichweite zu kommen, doch das war unmöglich. Die Faust schien einfach auf ihn zu zufliegen und traf ihn in die Nieren. Einen Moment lang kam es ihm so vor, als arbeitete sich der Schmerz wie ein glühendes Eisen zu seinen Organen vor, doch dann sackte er zusammen und fiel auf die Knie. Er keuchte und versuchte, aufzustehen, was seine Nieren aber dazu veranlasste, seine gesamte rechte Körperhälfte in einen übergroßen Haufen Schmerz zu verwandeln. Rasch zog er sich an einem Schließfach in die Höhe und bekam einen Stoß vor die Brust, der ihn fast wieder zu Boden geschleudert hätte.

Der nächste Schlag kam so unvermittelt, dass er nicht einmal reagieren konnte. Die geballte Faust traf ihn ins Gesicht und nur deshalb, weil er schon vom ersten Hieb zurückgetaumelt war, wurde er nicht ernsthaft verletzt. Trotzdem fühlte sich sein Gesicht an, als wäre er mit 180 km/h gegen eine Wand geprallt und er spürte, wie ihm warmes Blut über das Kinn lief. Die Türklinke des kleinen Putzraumes bohrte sich in seinen Rücken und er registrierte nur mit der Hälfte seiner Gedanken, dass er nicht mehr in der Reihe stand. Max folgte ihm mit einem düsteren Grinsen und kam Joshua in diesem Moment so vor wie ein Roboter, der seine Arbeit verrichten würde, egal was noch geschehen mochte. Nur leider war er diese Arbeit...

Er warf sich herum und lief auf die Ausgangstür zu. Hastig stieß er sie auf, ignorierte das heftige Stechen in seinen Nieren und rannte die Treppe hinauf, immer drei Stufen auf einmal nehmend. Hinter sich hörte er das Scheppern der Tür, als sie gegen ein Hindernis prallte und er stellte sich schadenfroh vor, dass Max in vollem Lauf gegen sie gerannt war.

Plötzlich tauchte Ben vor ihm auf und versuchte, sich ihm in den Weg zu stellen, doch Joshua rannte ihn einfach über den Haufen. So schnell ihn seine Beine trugen sprintete er hinauf ins dritte Stockwerk, durchquerte den großen Flur und stieß die rote Toilettentür auf.

Er stolperte mehr in den kleinen Gang als er ging und sein Mund war halb taub. Aufatmend ließ er sich in die Hocke sinken und überzeugte sich mit einem raschen Blick davon, dass er alleine hier war. Es gab nur zwei Kabinen, welche beide nicht abgeschlossen waren und er konnte sich erst einmal ausruhen. Es würde zwar nicht lange dauern, bis Max ihn fand, doch er hoffte, dass der Anführer der Red Snakes die Suche nach ihm schnell aufgeben würde.

Er erhob sich langsam, wobei er versuchte, nicht zu schnell zu atmen, da jeder Atemzug ihm wehtat. Anschließend trat er zum Waschbecken hinüber und drehte den Wasserhahn auf. Das Wasser war eisig und er schöpfte sich einige Handvoll ins Gesicht, ehe er es wagte, sein Bild in dem kleinen Spiegel zu betrachten. Seine Lippe war aufgeplatzt und an einer Stelle geschwollen, doch ansonsten wirkte er... heile. Er musste über diese Wortwahl lächeln und unterdrückte einen Fluch, als seine Lippe mit einem protestierenden Stechen darauf antwortete.

Joshua lehnte sich gegen die weißgekachelte Wand und zwang sich, über seine Lage nachzudenken. Er musste in den Unterricht, wusste jedoch nicht, ob Max seine Suche abgebrochen hatte oder vielleicht bereits draußen auf ihn wartete. Gedankenverloren starrte er auf die Fetzen des grauen Toilettenpapiers, die hier auf dem Boden herumlagen. Und wenn er einfach nach Hause ging? Er könnte behaupten, dass ihm schlecht geworden war und...

Etwas raschelte in der hinteren Kabine, die sich von einer Wand zur anderen erstreckte. Er runzelte die Stirn. Wer sich da wohl aufhielt? Langsam schlich er sich heran und wisperte: „Hallo?“

Niemand antwortete und Joshua fragte etwas lauter: „Hallo? Ist da jemand?“

Es blieb weiterhin still und er drückte die Klinke der Kabine herunter. Vorsichtig öffnete er sie und schalt sich selbst in Gedanken einen Narren, weil er sich so benahm, als lauerte hier drinnen, in der leeren Toilette, ein Monster auf ihn. Scheinbar hatten nicht nur seine Nieren etwas abgekriegt. Aber so, wie sein Kopf schmerzte, war es kein Wunder, dass er sich seltsam verhielt...

Er betrachtete das blickdichte, geriffelte Glas des Fensters misstrauisch, ehe er zurücktrat. Niemand war hier.

Etwas Dunkles näherte sich der Scheibe von außen und Joshua blinzelte überrascht. Das Ding dort draußen kam rasch heran und wenn er genau hinschaute, konnte er sogar eine Art Rhythmus in den Bewegungen des Schattens sehen. Er kniff die Augen zusammen und versuchte zu erkennen, was sich ihm da näherte.

Das Fenster verwandelte sich in eine Wolke aus scharfkantigen Glassplittern, die ihm entgegenflog und Joshua kam es so vor, als wäre die Zeit stehengeblieben. Er schaute auf die Scherben, die ihm entgegen kamen und ihn zwangsläufig treffen und verletzen mussten, doch gleichzeitig drehte er sich auch herum und warf sich zu Boden, aus der Kabine heraus.

Er prallte unsanft mit dem Kopf gegen den Mülleimer und schaffte es sogar noch, das Gesicht in den Armen zu bergen, ehe das Glas auf ihn herabregnete.

Er hörte, wie noch etwas anderes, großes durch die entstandene Öffnung sprang, wagte es aber nicht, den Kopf zu heben. Ein grausiges Hecheln ertönte. Joshua fragte sich ernsthaft, ob er den Verstand verloren hatte, doch das Geräusch blieb und wiederholte sich sogar.

Etwas hatte die Fensterscheibe in Stücke gesprengt und hechelte hinter ihm.

Etwas Feuchtes berührte sein Bein, und Joshua hob nun doch den Kopf. Er erstarrte und sog scharf die Luft ein, als er sah, was da vor ihm saß und ihn aus glühenden Augen anstarrte.

Das Wesen musste ungefähr die Größe eines Hundes besitzen, doch es sah nicht einmal im Entferntesten aus wie ein solches Tier. Es schillerte in einem kranken Grün, sein Körper war von einer schleimigen Substanz bedeckt, die nun auf Joshuas Bein tropfte und ihn hastig vor der Kreatur davon kriechen ließ.

Er fragte sich unwillkürlich, ob die Gestalt wirklich durchs Fenster gekommen oder ob sie nicht einfach aus der Toilette gekrochen war. Der Gestank, der von ihr ausging, war atemberaubend und Joshua musste sich zusammenreißen, um sich nicht zu übergeben.

Das Ding kroch ein Stück näher und fuhr dann zusammen. Ein Jaulen entrang sich seiner Kehle und es versuchte, den Glassplitter aus seinem Fuß zu ziehen, der sich hineingebohrt hatte.

In diesem Moment begriff Joshua, dass er hier in der Wirklichkeit war. Die Zeit wurde wieder in ihre normalen Bahnen zurückkatapultiert und er erhob sich, wobei sich einige feine Splitter in seine Hand bohrten. Rasch schüttelte er den Kopf, um die ärgsten Scherben aus seinen Haaren zu entfernen und wich dann langsam zurück, bis er gegen die Tür der Toilette stieß.

Seine Nieren sendeten wütende Schmerzsignale, was er jedoch nicht einmal zur Kenntnis nahm. Er packte die Türklinke, drehte sich um und verließ den Raum, ehe das Ungeheuer ihm folgen konnte.

Er spürte, dass sein Herz raste und begann sich zu fragen, ob er das eben wirklich gesehen hatte. Eins war jetzt jedoch klar: Er musste nach Hause oder, noch besser, gleich zum Arzt. Hoffentlich konnte ein Therapeut ihm helfen...

Ein leises Heulen drang an sein Ohr und er sah, wie die Toilettentür unter einem heftigen Schlag erbebte. Halluzination hin oder her, das Monster schien sich für sehr real zu halten und war scheinbar fest entschlossen, ihm zu folgen und – und dann? Ihn zu fressen?

Joshua fuhr herum und rannte davon. Er hatte keine Ahnung, wohin er lief und wie lange die Tür der Kreatur standhielt, doch er musste hier weg, ehe er vollständig wahnsinnig wurde.

Er hetzte die Treppe wieder hinunter, welche er vor nicht einmal fünf Minuten hinaufgehastet war und stolperte mehrmals. Hastig klammerte er sich am Treppengeländer fest, riss sich einige Splitter in die mit Glasscherben gespickte Hand und erreichte den zweiten Stock. Im Flur herrschte ein seltsames Dämmerlicht, weil ein Schüler aus Versehen das Fenster zerschlagen hatte und es nun nur mit Brettern vernagelt war. Joshua fragte sich, ob er sich das Geräusch tappender Pfoten nur einbildete, oder ob hinter ihm tatsächlich etwas war.

Plötzlich rannte er gegen ein Hindernis und der Aufprall war so hart, dass er zurücktaumelte.

Er hielt sich die schmerzende Nase und entdeckte Karl, der sich grinsend vor ihm aufgebaut hatte und nun stutzte, als er sah, dass sein Opfer voller Blut war. „Was ist...“, begann er, doch bevor er den Satz vollenden konnte, schnellte etwas aus der Dämmerung hinter Joshua hervor und riss bei seinem Sturz den Jungen mit sich. Karl rollte die Treppe hinunter und obwohl Joshua ihm nur erschrocken hinterher starrte, sah er doch, dass dem Jungen nicht allzu viel geschah. Sicherlich würde er einige blaue Flecken davon tragen, aber er war nicht ernsthaft verletzt.

Das Ungeheuer, welches sich benommen aufrappelte und auf ihn zutorkelte, war ebenfalls nicht schwer beschädigt. Es hatte die Scherbe aus dem Fuß entfernen können und war nun voller Holz – und Glassplitter, die sich auf der schleimigen Substanz auf seinem Rücken gesammelt hatten. Es humpelte und bleckte mit einem Knurren die Zähne.

Joshua schrie entsetzt auf, als das Monster sich streckte und einen Satz auf ihn zu machte. Hastig riss er die Arme vors Gesicht und suchte festen Halt mit den Füßen, doch der Aufprall war zu schwer. Er spürte einen harten Schlag vor der Brust und taumelte zurück. Unter seinen Füßen war plötzlich nichts mehr und er fiel mit einem Schrei die kurze Treppe hinunter, an dessen Ende er neben Karl zu liegen kam.

Sofort war er wieder auf den Beinen und achtete nicht darauf, ob oder was ihm wehtat. Das einzige, was zählte, war, dass er von hier weg kam und das so schnell wie möglich! Er fuhr herum und überwand immer vier Stufen mit einem Satz, wobei er fast wieder gestürzt wäre, doch er lief nur noch schneller weiter. Das Monster war hinter ihm, er konnte es hören. Er stürmte bis zur Glastür der Pausenhalle und warf sich mit vollem Schwung dagegen. Das Glas knirschte ebenso protestierend wie seine Schulter.

Er taumelte in das grelle Neonlicht der Pausenhalle hinaus und wandte sich sofort dem Eingang zu. Die Kreatur musste noch hinter ihm sein. Joshua rannte quer durch die Halle und sah vor sich das sorgsam angelegte Pflanzenbeet. Er hatte keine Zeit zu verlieren, setzte mit einem Sprung auf den Rand auf und hetzte hinüber, wobei einige Pflanzenstücke zur Seite flogen. Außer ihm war hier niemand und das war ausgesprochen seltsam. Normalerweise hielten sich in der Pausenhalle mindestens zehn Schüler auf – egal, zu welcher Tageszeit. Und nun war alles wie leergefegt.

Er schüttelte den Kopf und spürte, wie ihm ein Glassplitter kalt den Rücken hinabrieselte. Vor ihm war der Ausgang. Die Tür wurde gerade von einer jungen Lehrerin geöffnet, die er nicht kannte und er setzte zu einem Endspurt an. Die Frau sprang erschrocken aus dem Weg, als er an ihr vorbeistürmte und rief ihm etwas hinterher, was mehr als ärgerlich klang, doch er hetzte nur den Weg zur Bushaltestelle hinunter. Dabei musste er ein schlammiges Feld überqueren.

Im Laufen wand Joshua den Kopf und was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Das Ungeheuer war ihm näher gekommen, obwohl er so schnell lief, wie ihn seine Beine trugen. Es hechelte und spuckte beim Rennen kleine, schwarze Bläschen aus.

Er sah den Bus, mit dem er normalerweise fuhr, um die Ecke der Bushaltestelle biegen und keuchte entsetzt, als er plötzlich ausglitt und mit dem Gesicht in einer Schlammpfütze landete. Er war in der nächsten Sekunde wieder auf den Beinen, aber es schien so, als hätte er durch diesen Sturz den Vorsprung verloren, den er gehabt hatte.

Er schrie auf und stürmte los. Sein Puls musste mittlerweile außerhalb der Norm liegen und sein Atem ging nur noch stoßweise, doch irgendwie gelang es ihm, den Bus zu erreichen und gnädigerweise hielt der Fahrer auch an. Die Tür öffnete sich mit quälender Langsamkeit und das Monster griff noch weiter aus, weil ihm das sicher geglaubte Opfer zu entwischen drohte.

Joshua hätte in diesem Moment darauf gewettet, dass das Ungeheuer ihn einholen und mit einem Biss der gewaltigen Zähne zerfetzen würde, doch er musste einen starken Schutzengel haben, denn die Bustür schloss sich vor der Schnauze der Kreatur und er taumelte den schmalen Gang zwischen den Sitzen entlang.

Er warf sich aufseufzend auf einen der Sitze und starrte durch das dreckige Fenster nach draußen. Dort stand das Monster vollkommen ruhig und erwiderte seinen Blick. Er schien zu sagen: Wir sehen uns wieder und Joshua erschauerte. Aus irgendeinem Grund folgte das Ungeheuer dem Bus nicht, sondern wandte sich um und ging den Weg zur Schule zurück.

Als der Bus losfuhr, fiel ihm ein, dass er seinen Ranzen im Klassenraum vergessen hatte. Das war jetzt auch egal, Hauptsache, er war dem Ding entkommen.

Er bemerkte, dass ihn jemand ansah und schaute sich suchend um, bis er eine junge Frau entdeckte, die den Mund verzog und sich erhob. Sie kam auf ihn zu, wobei sie sich mehrmals schnell an den Haltestangen festklammern musste, weil der Bus wie ein wildes Pferd bockte. Schließlich hatte sie ihn erreicht und setzte sich auf den Platz vor ihn.

„Hallo. Ich bin Elsa.“ Ihre Stimme klang leicht kratzig, so als hätte sie zuviel geraucht und Joshua blickte sie nur überrascht an.

Ihre Haare waren in einem seltsamen Farbton gefärbt, sie schienen irgendwie lila und grün zugleich zu schimmern und der Rest ihrer Kleidung sah nicht minder seltsam aus. Sie trug ein großes, schwarzes Tuch um die Schultern und eine Jeanshose, welche vor Jahrzehnten einmal blau gewesen sein musste. Ihr Hemd glänzte mattgrün und als sie die schulterlangen Haare zurückwarf, sah er, dass sie große, goldene Ohrringe trug.

Sie lächelte ihn an und hielt ihm die Hand hin. „Hallo!“

Er sah sie nur irritiert an, was sie nicht einmal zu merken schien, denn sie plapperte munter weiter: „Ich fahre gerade zu meinem Geschäft. Es ist ein Geschäft für magische Utensilien!“ Sie machte eine Geste mit der Hand, die wohl geheimnisvoll sein sollte, sie aber im Gegenteil ins Lächerliche zog.

„Du könntest es dir mal ansehen. Es gibt dort auch Schutzamulette.“

Joshua schüttelte knapp den Kopf. „Ich brauche keine Amulette oder magische Tränke, es sei denn, sie schützen vor Belästigungen durch Verrückte.“

„Verrückt?“, Elsa zog gespielt überrascht die Augenbrauen hoch, „Wer ist denn hier verrückt?“

„Lassen Sie mich einfach in Ruhe, ja?“

Sie musterte ihn noch eine Sekunde lang schweigend und seufzte dann. „Tut mir leid“, sagte sie leise und blickte sich verstohlen um, „Ich habe nur so eine Gabe, die mir bestimmte Dinge verrät und wenn sie sich bemerkbar macht, muss ich die Menschen einfach warnen.“

„So? Vor was? Vor den Preisen in Ihrem Hexenladen?“

„Nein!“, erwiderte sie ernst und starrte ihn aus dunkelgrünen Augen an, „Vor Dingen, die ihr Leben bedrohen. Wie das Ungeheuer eben!“

Joshua schluckte trocken. „Sie... Sie konnten es auch sehen? Ich dachte, dass ich es mir nur eingebildet habe...“

„Du wirst von etwas verfolgt, Junge, und es ist meine Pflicht, Menschen wie dich zu warnen.“

„Und was nun? Murmeln Sie seltsame Zaubersprüche in einer fremden Sprache und heilen mich von meinen Halluzinationen?“

„Nimm es nur leicht, Bengel! So lange sie dich verfolgen, hast du noch gut reden, aber wenn sie dich erwischt haben, wirst du dich an mich und meine Worte erinnern!“ Elsa drehte sich um und starrte aus dem Fenster, in die Richtung, in der die Schule lag.

Joshua runzelte die Stirn. Was geschah hier nur? Erst wurde er fast von Max verprügelt, dann von einem... Ding gejagt und schließlich begegnete er einer Verrückten, die ihm seltsame Dinge erzählte! „Wer sind Sie?“, erkundigte er sich vorsichtig.

„Dir folgt der Tod, Kind. Mit dem Tod ist nicht zu spaßen und du scheinst eine Menge schlechtes Karma angehäuft zu haben!“ Die Frau warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.

„Karma? Tod? Finden Sie nicht, dass Sie ein bisschen übertreiben, um neue Kunden anzuwerben?“

Elsa funkelte ihn wütend an. „Du kannst mich mal, du Idiot! Entschuldige, dass ich versucht habe, dich zu warnen!“ Sie erhob sich und wollte zu ihrem Platz zurückgehen, aber Joshua war schneller und ergriff sie am Arm. „Es tut mir leid“, sagte er leise, „Bitte, erklären Sie mir das näher. Mir folgt der Tod? Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen jemand so etwas erzählt?“

Elsa spießte ihn mit einem hasserfüllten Blick auf, ließ sich jedoch schließlich wieder auf das Polster sinken und seufzte. „Du kennst dich gar nicht mit Esoterik aus, was, Junge?“

„Nein. Mein Name ist übrigens Joshua“, er wusste zwar nicht, warum er das tat, aber irgendwie fühlte er sich schuldig, deshalb hielt er ihr die Hand hin. „Fangen wir noch einmal von vorn an. Sie sind Elsa.“

„Du“, korrigierte sie und ergriff seine Hand, „Du kannst mich duzen. Um es kurz zu machen - ich muss gleich aussteigen – ist Karma die Summe dessen, was du im letzten Leben getan hast. Hast du Gutes getan, hast du gutes Karma gesammelt und wenn du Schlechtes getan hast, ist dein Karma schlecht. Das ist im Glauben der Hindus so. Sie glauben auch, dass alles, was jetzt in unserem Leben passiert, aus einem vergangenen Leben stammt.“

Joshua sah sie fragend an.

„Wenn du im letzten Leben gemein warst, wirst du in diesem Leben gemein behandelst“, Elsa drückte den roten Knopf und grinste ihn an. Das Schild >Wagen hält< leuchtete auf. „Ich steige gleich aus. Aber wenn du willst, kannst du mitkommen und ich erkläre dir das genauer.“

Joshua wollte erst den Kopf schütteln, doch dann fiel ihm ein, dass es gerade einmal zehn Uhr sein konnte und dass er ohnehin nichts besseres zu tun hatte. Er nickte und erhob sich.

Sie stiegen aus dem Bus aus und wandten sich nach rechts, wo schon von weitem ein Schild mit der Aufschrift „Der Magier“ zu sehen war.

Der Laden sah irgendwie so aus, wie Joshua sich einen billigen Ramschladen vorgestellt hatte. Eine grüne Leuchtschlange ringelte sich wie ein hässlicher Wurm um den Rahmen der Tür, hinter der man einiges an glitzerndem Tand entdecken konnte.

Als Elsa die Tür öffnete, schlug ein kleines silbernes Glöckchen an. Ein Schwall von Rauch kam ihnen entgegen, der durch und durch nach verfaulendem Holz stank und Joshua fragte sich, ob die Idee wirklich so gut gewesen war. Er spürte all seine kleinen Wunden und sah sich misstrauisch in dem Geschäft um. Er konnte auf Anhieb erkennen, dass hier aller esoterischer Krimskrams versammelt war, den die Besitzerin hatte auftreiben können. Es gab eine große Auswahl an Edelsteinen, Räucherstäbchen, Tarotkarten, Duftkerzen und paillettenbesetzten Tüchern. Aus versteckten Lautsprechern drang fernöstliche Musik und als er weiterging, stolperte er über eine Meditationstrommel.

„Willkommen, meine Freunde!“, sagte jemand und eine Frau kam auf sie zu. Sie erschien auf den ersten Blick ganz normal. Joshua sah sie prüfend an und hätte sich nicht gewundert, wenn er in ihrem Gesicht eine angeklebte Warze entdeckt hätte. Sie hielt seinem Blick jedoch stand und lächelte freundlich. Dann entdeckte sie das Blut an seinen Händen und sog scharf die Luft ein. „Komm mit!“

Sie ergriff ihn am Arm und führte ihn hinter den Verkaufstresen. Dort gab es eine winzige Küche und einen kleinen Raum, in dem einige Kartons lagen. Die Frau führte ihn zu dem Tisch und sah sich nach einem Erste-Hilfe-Kasten um, der auf der Anrichte stand.

Elsa war ihnen gefolgt und sah ihrer Freundin – jedenfalls glaubte Joshua, dass die Ladenbesitzerin Elsas Freundin war – dabei zu, wie sie mit wenig Geschick seine Wunden säuberte.

„Spürst du es auch?“, fragte Joshua seine Helferin und schaute zu Elsa hinüber.

„Was?“

„Dass mir der Tod folgt?“, er beobachtete sie bei diesen Worten ganz genau, doch er konnte auf ihrem Gesicht keinen Ausdruck von Überraschung erkennen.

„Ja“, erwiderte Elsa an Stelle ihrer Freundin, „Marga hat die Gabe auch.“

Joshua schüttelte verwirrt den Kopf. „Und was soll ich eurer Meinung nach tun? Eine Kiste voller Amulette kaufen? Jeden Morgen beten? Oder mein Schicksal annehmen und sterben?“ Er lachte humorlos.

„Du kannst nicht davor weglaufen“, Marga klebte ein weiteres Pflaster auf seine Hand und musterte ihn prüfend. „Aber du wirst einiges erleben, das kann ich dir sagen!“

„Oh, danke!“, er schnaubte wütend und stand auf. „Ich sehe keinen guten Grund, warum ich hier noch länger bleiben sollte. Danke für die Pflaster. Ich gehe.“

„Du bist erschrocken und weißt nicht, ob du uns glauben kannst“, Marga hob die Hand, als wollte sie ihm über den Kopf streichen, überlegte es sich dann jedoch anders. „Ich kann verstehen, dass du als normaler Uneingeweihter erschrocken bist über das, was du hier hörst. Aber bitte, gehe nicht. Es ist wichtig für dein Leben, dass wir dir etwas erzählen.“

„Ach! Und das wäre?“, Joshua verschränkte die Arme vor der Brust. Er bedauerte es, hergekommen zu sein.

„Es gibt ein Leben nach dem Tod“, antwortete Elsa anstelle ihrer Freundin. Sie sagte es völlig ernst und sah ihn dabei ausdruckslos an. „Du musst das jetzt noch nicht glauben, aber du solltest einmal darüber nachdenken...“

Joshua starrte sie geschlagene zehn Sekunden an, dann drehte er sich um und verließ die winzige Küche. Es fiel ihm erst jetzt auf, dass hier jede Menge Müll auf dem Boden lag. Er erwartete irgendwie, dass eine der beiden Frauen ihm folgen würde, doch hinter ihm blieb alles still. Niemand kam ihm hinterher und das blieb auch so, bis er in den nächsten Bus stieg und nach Hause fuhr.

Er betrat das Mietshaus, in dem er seit seiner Geburt lebte, mit gemischten Gefühlen. Bisher hatte er sich geweigert, darüber nachzudenken, ob es ein Leben nach dem Tod gab. Und nun sollte er sich mit der Idee anfreunden? Er schüttelte trotzig den Kopf. Nur weil ihn so eine komische Wahrsagerin im Bus angesprochen hatte, dachte er schon wirres Zeug! Er schnaubte wütend, drehte den Schlüssel im Schloss und seufzte. Der Schmerz in seinen Nieren war auf ein erträgliches Maß herabgesunken und auch seine Hände taten nicht mehr so weh, doch er wusste, dass sich seine Mutter wegen der kleinen Verletzungen aufregen würde.

„Josh? Bist du das, mein Schatz?“

Er antwortete nicht und wollte gerade ins Bad verschwinden, als sie aus der Küche trat und ihm den Weg versperrte. „Hallo! Du bist heute wirklich früh zu Hause...“, sie musterte ihn misstrauisch und runzelte die Stirn. Sie musste beim Friseur gewesen sein, wie er entsetzt feststellte. Seine Mutter war so etwas wie ein Dauergast beim Friseur um die Ecke und kam ungefähr einmal in der Woche mit einer neuen Haarfarbe oder Frisur nach Hause und jedes Mal war Josh überrascht, was man aus ihren Haaren noch machen konnte.

Heute hatte sie einen Kurzhaarschnitt in grellen Farben – pink und neongrün – gewählt.

„Die Schule hat angerufen!“, verkündete sie und verzog das Gesicht. „Was hast du denn nun schon wieder angestellt?“

„Angestellt? Ich habe nichts gemacht! Darf ich jetzt auf die Toilette?“, er drängelte sich an ihr vorbei und knallte die Tür hinter sich zu.

„Du hast eine Fensterscheibe zerstört, Josh! Außerdem liegt einer deiner Mitschüler im Krankenhaus. Er hat sich die Rippen gebrochen, weil du ihn die Treppe hinuntergestoßen hast! Kannst du mir erklären, was das zu bedeuten hat?“

Joshua zog sich den Pullover aus und betrachtete seine Arme. Sie waren bis zu den Ellenbogen zerkratzt. Scheinbar waren ihm mehr Glassplitter in die Ärmel geflogen, als er bemerkt hatte. „Ich habe gar nichts getan!“, rief er zurück.

„Deshalb bist du auch verletzt und schlammbespritzt, nicht wahr? Was hast du nur getan? Bist du in eine schlimme Sache hineingeraten?“

Josh verdrehte die Augen. Seine Mutter sah eindeutig zu viel Fernsehen. Bestimmt hatte sie einen jener hochintelligenten Filme gesehen, in dem die jugendliche Hauptperson – natürlich vollkommen ohne Eigenverschuldung – in einen Banküberfall oder in eine drogennehmende Bande geriet. „Nein! Mir geht es gut und bis auf die Tatsache, dass ich heute geschlagen wurde und mich wehren musste, ist auch nichts Schlimmes passiert! Also bitte, reg dich ab!“

Er drehte den Wasserhahn voll auf und ignorierte die dünne Stimme in seinem Kopf, die ihn davon überzeugen wollte, dass ihm vorhin ein grünschillerndes Schleimmonster begegnet war.

Unbewusst musterte er das kleine Badezimmerfenster und schüttelte ärgerlich den Kopf. Er musste irgendeine Beschäftigung finden, die ihn von diesem Unsinn ablenkte! Aber als erstes musste er seine Mutter davon überzeugen, dass er nicht in Schwierigkeiten steckte.

Joshua verließ das Badezimmer und holte sich rasch einen frischen Pullover aus seinem Zimmer, bevor er in die Küche ging und sich an den kleinen Tisch setzte. Seine Mutter stand am Küchenfenster und starrte schweigend hinaus.

„Was soll ich nur mit dir machen, Joshua?“, sie seufzte.

Wenn sie ihn mit seinem ganzen Namen ansprach, bedeutete das nichts Gutes.

„Wie >was soll ich mit dir machen<?“, erkundigte er sich, „Ich habe doch nichts...“

Sie drehte sich um und sah ihn aufmerksam an. „Du bist 15 Jahre alt, Junge, da sollte man wenigstens zu dem stehen, was man gemacht hat!“

„Mama, bitte! Wenn ich etwas getan hätte, würde ich es dir auch sagen, aber ich verstehe nicht, was das soll! Ich war in der Schule und einer meiner Mitschüler hat mich gejagt. Also bin ich nach Hause gekommen!“

„Ohne deine Schulsachen?“

„Ja! Ich hatte keine Zeit, sie mitzunehmen! Er hätte mich...“

„Du hast wieder Probleme mit Max, oder?“, sie nahm ein Glas aus dem Regal und füllte es mit Wasser. „Dieser Rüpel hat dich geschlagen, nicht wahr? Dann wird das Konsequenzen haben!“

„Mutter! Hast du nicht gerade gesagt, ich soll meine Angelegenheiten alleine regeln? Ich komme mit Max zurecht, also reg dich ab!“, er stand auf und stürmte in den Flur, „Ich gehe raus! Hier ist es ja nicht zum Aushalten!“

„Josh...“, rief sie, doch er hörte es schon nicht mehr und knallte die Tür hinter sich zu. Sollte sie ihm doch gestohlen bleiben! Er knirschte mit den Zähnen und fragte sich, was er jetzt tun sollte. Es war noch nicht allzu spät, vielleicht zwölf Uhr. Seine Klassenkameraden hatten Unterricht, so wie er eigentlich auch, aber es stand außer Frage, dass er zur Schule zurückkehrte. Das konnte er gar nicht.

Er könnte ins Kino gehen. Das war zwar nur eine Zweckbeschäftigung, aber wenn er einen Platz haben wollte, wo ihn niemand um diese Uhrzeit suchte, war das Kino wohl der perfekte Ort dafür. Er schlenderte die Straße entlang, während er in seinen Taschen nach dem nötigen Kleingeld suchte. Er hatte noch einen Teil seines Taschengeldes dabei. Davon konnte er sich wohl zwei Vorstellungen leisten.



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