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Nightmare Hunter Nemo

Erstmalig erschienen: 2012
Anzahl Bände: 1

Von:  Jitsch
06.03.2013 17:10
Action
Romantik
Humor
Anspruch
Handlung
Gesamt
Story

Der junge Nemo hat es nicht leicht: Nicht nur sind seine Eltern fast nie zu Hause, er muss sich auch noch nachts damit herumplagen, in grauenhaften Alpträumen gegen fiese Monster zu kämpfen. Sein einziger Beistand ist der Teddybär Tedd, der mit ihm sprechen kann und der ihn auch in seinen Träumen tatkräftig unterstützt.
Als die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit immer mehr verschwimmen, erscheint ihm zum Glück der Gott der Träume, Morpheus. Dieser bietet ihm an, seine Träume für immer wegzusperren und Nemo willigt ein. Doch ist das wirklich eine gute Idee?

Review

Wer die Werke von Martin Geier (hauptsächlich: Chicken King) schon aus Shounen Go! Go! bzw. von Delfinium Prints kennt, weiß zumindest, was ihn zeichnerisch erwartet. Und tatsächlich wird man nicht enttäuscht. Wie sich das für einen ordentlichen Shônen-Manga gehört beherrscht Dynamik dieses Werk. Detaillierte Hintergründe, wiedererkennbare Charaktere und (vor allem!) Kreaturen, sicher eingesetzte Soundwords und coole Effekte machen das Debüt des Zeichners bei einem großen Mangaverlag zu einem, das sich optisch nicht hinter etablierten Zeichnern verstecken muss.

Solide Optik

Vor allem die Monster und die Traumwelten Nemos sind einfallsreich und detailfreudig gestaltet, so dass man auch mal damit leben kann, wenn in reinen Kampfszenen Speedlines anstelle von Hintergrundzeichnungen dominieren. Das Paneling bleibt shônen-typisch wohldefiniert und sorgt für einen angenehmen Lesefluss, so dass die wenigen alptraumhafte Szenen besonders hervorstechen, in denen einzelne, bildliche Impressionen in fetzenartigen Rahmen quer über die Panels verteilt sind. Die Zeichnungen sind maßgeblich durch Schraffuren bestimmt, während Rasterfolien fast nur zum Setzen von Effekten benutzt werden. Nur in wenigen Szenen, die ohne Nemos flächig schwarzes Haar auskommen, könnte ein wenig mehr Kontrast nicht schaden, aber das tut dem allgemeinen Lesevergnügen keinen Abbruch.

Konsequenterweise zeichnet Martin Geier übrigens als deutscher Zeichner auch in europäischer Leserichtung, was für eingefleischte Mangaleser vielleicht eine kleine Umstellung ist, aber vor allem betont, dass hier kein Abklatsch japanischer Manga sondern ein eigenständiges, deutsches Werk geliefert wird.

Überraschungen

Dass die Optik hier so über den grünen Klee gelobt wird, muss übrigens nicht heißen, dass die Story im Vergleich dazu schwächelt. Im Vorfeld war dabei durchaus Skepsis geboten, da die Story von [[MaddinBlechdoses]] Vorzeigewerk Chicken King nicht von Martin Geier selbst sondern vom Co-Autor Andi [[wenco]] Völlinger geschrieben wurde. Alle dahingehenden Zweifel zerstreuen sich allerdings schnell.

Die Geschichte ist auf den ersten Blick eher übersichtlich, bietet aber durchaus eine Reihe von Überraschungen und wird flott erzählt. Denn obwohl der wahre Bösewicht seine perfiden Pläne schon im dritten Kapitel offenbart, verwirrt das falsche Gehabe gegenüber Nemo, das zwei potenzielle Antagonisten an den Tag legen, letzten Endes auch den Leser noch einmal, bis ganz am Schluss alle Fragen beantwortet werden. Auch die Verbindung von eigenen Ideen mit griechischer Mythologie machen etwas her, vor allem weil gerade mit den mythologischen Gegebenheiten geschickt gearbeitet wird.
Die Auflösung ist für einen Shounen-Manga dann auch herrlich einfallsreich und muss sich nicht darauf zurückziehen, dass Nemo den Oberbösewicht mal eben überpowert - das wäre unrealistisch, obwohl er im Lauf der Story eine neue Waffe bekommt.

Angenehm klischeefrei

Im Großen und Ganzen ist Nightmare Hunter Nemo vor allem angenehm klischeefrei. Nemo ist zwar ganz shônen-typisch ein junger, fideler Typ, aber lange nicht so ignorant optimistisch wie ein Naruto Uzumaki oder gar so grimmig wie ein Ichigo Kurosaki. Eigentlich ist er vor allem eins: ein prinzipiell normaler Junge, der sich mit der Abwesenheit seiner Eltern, einer traumatischen Kindheitserinnerung und seinen Albträumen herumschlagen muss und gelernt hat, damit umzugehen, ohne sich damit endgültig abfinden zu können. Tedd als Sidekick ist weniger nervig als das Wort Sidekick impliziert und als "Innere Stimme" auch nützlich, um in die Story einzuführen und dem etwas naiven Nemo ein bisschen Skepsis nahezubringen. Morpheus bleibt bis fast ans Ende kaum zu durchschauen und auch der letzte wichtige Charakter wirkt nicht wirklich eindimensional.

Schade ist allenfalls, dass weibliche Charaktere - hier schlägt das Shônen-Klischee leider doch zu - verschwindend kleine Rollen spielen. Alice als heimlicher Schwarm von Nemo kommt nicht darüber hinaus, love interest und ein typisches Mädchen ("Ich mag Teddybären auch immer noch! Und Ponys! Und Hündchen! Und Kätzchen!") zu sein und der einzige andere weibliche Charakter, der in der Story anwesend ist, verbringt einen Großteil der Story schlafend.
Das kann man in einem so kompakten Werk verzeihen, aber man darf sich wünschen, dass Martin Geier in nachfolgenden Werken ("Nemo" hat ein Ende, das durchaus auch eine Fortsetzung zulassen würde) auch mal die Frauen etwas mehr zum Zug kommen lässt.

Lesen!

Im Großen und Ganzen bleibt "Nightmare Hunter Nemo" aber dennoch eine Anschaffung, die sich lohnt, und gut gemachte Shounen-Action von deutschen Zeichnern außerhalb von independent Verlagen bietet!


Die Mangas
Cover OneShot
Termin: Juli 2012 - Verlag: Tokyopop - erschienen     [Amazon]
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[Manga-Erscheinungstermine] [ "Nightmare Hunter Nemo"-Seite ]

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