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Interviews: Interview mit Georg Tempel (Verlagsleiter von EMA)   [Kompletter Artikel]



Georg Tempel - im Internet vielen besser bekannt als „efwe" - ist Verlagsleiter von Egmont Manga & Anime, dem größten deutschen Mangaverlag neben Carlsen Comics. Auf der Leipziger Buchmesse traf ihn unser Redakteur Christian Könen zu einem Gespräch; Tempel erzählte uns  von den Anfängen seines Verlags, vom Umgang mit der Konkurrenz, von der Problematik mit Shonen Ai und vielem mehr.

AnimePRO: Herr Tempel, danke dass Sie sich für unser Interview Zeit genommen haben. Auch wenn Sie in der Manga-Szene kein unbeschriebenes Blatt sind, stellen Sie sich bitte kurz unseren Lesern vor!
Georg Tempel: Mein Name ist Georg Tempel, ich bin seit 15 Jahren für Egmont tätig. Davor arbeitete ich für mehrere kleinere Verlage. 1994 kaufte ich für Egmont die ersten beiden Manga, Appleseed und Ghost in the Shell, ein; 1998 holte ich dann den Originalmanga zu Sailor Moon ins Programm und im Jahr 2000, mit der Gründung von Egmont Manga & Anime, wurde ich dann zum Verlagsleiter von EMA. Seit 2003 bin ich Mitglied der Geschäftsleitung von Egmont vgs und dort für das gesamte Comicprogramm im deutschsprachigen Buchhandel  verantwortlich.

AnimePRO: Wie kam es überhaupt dazu, dass im Jahre 1994 die ersten Manga in Deutschland veröffentlicht wurden?
Georg Tempel: Die erste Manga-Welle schwappte zu dieser Zeit von den USA nach Deutschland über, da damals Marvel mit Akira und Dark Horse mit Ghost in the Shell die ersten Manga in den Vereinigten Staaten veröffentlicht haben. Andreas C. Knigge von Carlsen und ich sind damals auf  die Manga aufmerksam geworden; ich habe daraufhin Ghost in the Shell und Appleseed eingekauft, gleichzeitig holte sich Carlsen Akira.
Alle drei Serien liefen in Deutschland erfolgreich, aber im Gegensatz zu heute haben wir damals noch das amerikanische Format für den Druck benutzt. Die Manga waren daher noch gespiegelt, teurer und erschienen in einer weitaus geringeren Stückzahl.

AnimePRO: Im Moment ist EMA Marktführer auf dem deutschsprachigen Manga-Markt. Carlsen Comics liegt ca. um 3% laut den GFK-Zahlen zurück – wie wollen Sie den Erfolg weiter ausbauen?
Georg Tempel: Den Vorsprung zu den anderen Verlagen auf dem Manga-Markt mit neuen Lesern auszubauen ist aufgrund der aktuellen Marktsituation schwierig. Zur Zeit gibt es eine gewisse Stagnation. Wir müssen also acht geben, dass wir unsere Position halten können.
Für EMA bedeutet das konkret die Beibehaltung einer konstanten Titelzahl. Momentan sind das cirka 20 Titel im Monat. Ansonsten werden wir unsere finanzielle Mittel in Marketingaktionen investieren.

AnimePRO: Wie stehen Sie zu Ihren Konkurrenten, wie beispielsweise Tokyopop?
Georg Tempel: Tokyopop hat im gesamten Comic-Markt cirka 5 bis 7% Marktanteil und am Manga-Markt etwa 12%, was noch keine beunruhigende Prozentzahl darstellt. Aber man muss Tokyopop im Auge behalten. Bisher war zwar nicht alles erste Sahne, was sie so verlegt haben; aber mit den neuen Shueisha-Serien (u. a. Bleach und Prince of Tennis) könnte sich das ändern.
Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

AnimePRO: Wo sie gerade über die Schwächen der Konkurrenz sprechen, wo liegen denn die Stärken von EMA?
Georg Tempel: Erstens haben wir ein relativ gutes „Standing", das heißt, wir sind zusammen mit Carlsen Comics Vorreiter. Wir haben damit in gewisser Weise eine sichere Position, da die Leser wissen, was sie von uns erwarten können. Und wir haben etliche Bestseller im Programm. Mit Detektiv Conan, Inuyasha, Ranma 1/2 und weiteren Titeln haben wir, wie bereits gesagt, eine relativ sichere Basis. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, da wir schwarze Zahlen schreiben.

AnimePRO: Was sind die Vorteile von Manga Ihres Verlags?
Georg Tempel: Ich denke, dass wir ein relativ nahes Verhältnis zu unseren Lesern haben und wissen, wie wir Manga richtig bearbeiten und verlegen müssen. Was ich für einen großen Vorteil empfinde, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unserer Manga. Wenn man den Durchschnittspreis der Manga von EMA mit denen der anderen Verlage vergleicht, sind unsere Manga relativ günstig. Letztendlich denke ich, dass sich über den Preis doch vieles entscheidet.

AnimePRO: Plant EMA, noch andere Produkte neben Manga auf den Markt zu bringen? Vor drei Jahren hatten Sie Anime-DVDs, wie Love Hina, im Programm...
Georg Tempel: Nein, definitiv nicht. Wir konzentrieren uns völlig auf das Print-Publishing. Wir haben recherchiert und festgestellt, dass die Stückzahlen der verkauften Anime-DVDs in Deutschland nicht wirklich hoch sind. Der DVD-Markt ist hart umkämpft und momentan so schwierig wie der Buchmarkt. Auch Manga-Romane, wie von Love Hina oder von Inu Yasha, hatten keine besonders herausragenden Verkaufszahlen.


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