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Die DC 52's - Erstes Quartal (Teil 1) Animal Man, DC, horror, Swamp Thing

Autor:  roterKater


Der große Relaunch sämtlicher DC-Comics hat derweil den dritten Monat hinter sich gebracht, und nach der ausführlichen, Netz-weiten Berichterstattung im ersten Monat (meine Beiträge erreicht ihr hier über den Tag "DC") wird es Zeit zu schauen, welche der Serien auch dauerhaft ihre Qualität halten können und wo vielleicht der erste Eindruck doch noch etwas irreführend war.

 

Von den im letzten Post aufgeführten Serien habe ich Wonder Woman, Deathstroke, The Savage Hawkman und Catwoman nicht weiter verfolgt. Dafür sind vier neue nachträglich erworbene Serien dabei: Swamp Thing, Allstar Western, DC Universe presents Deadman und Black Hawks. Weiterhin zeigen sich allmählich die ersten Vorboten davon, dass DC die Gesamtheit des neuen Universums auch als solche betonen will, was anders gesagt heißt: Crossover-Hölle! Die Auswirkungen davon sind unter eben jenem Stichwort in den Besprechungen vermerkt.

 

In den nächsten Tagen gibt's hier also wieder Kurzbesprechungen zu rund 20 DC-Serien. Den Start machen Animal Man und Swamp Thing.

 

Animal Man

 

Fraglos der Überflieger des ersten Monats! Und das wirklich Erstaunliche dabei: Das war noch steigerungsfähig! Setzte die erste Ausgabe noch auf eine subtil verzerrte Atmosphäre und leise Irritationen, die in einem unglaublich schockierenden (aber nicht plakativen) Cliffhanger endete, erhalten wir ab Ausgabe 2 völlig wahnwitzigen Bodyhorror serviert. Zeichner Travel Foreman verzerrt die Körper (von Protagonisten und Antagonisten) auf derart drastische Art, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Das ist so ziemlich das Verstörendste, was ich bisher in Comicform gesehen habe und für alle Horrorfans ein absolutes Muss! Dass es zudem auch noch unglaublich spannend erzählt ist und Jeff Lemire sein extrem hohes Erzählniveau mühelos halten kann, versteht sich ja mittlerweile fast von selbst. Lest! Diesen! Comic!

9,3/10

 

 

Swamp Thing


 

Scott Snyder ist aktuell die zweite Adresse, wenn es um gute amerikanische Horror-Comics geht. Bei Image läuft aktuell seine wunderschöne Gruselserie Severed, die ich euch auch bedenkenlos ans Herz legen kann. Für DC habt er neben Batman noch das Swamp Thing aus dem Sumpf gezogen, ebenfalls einer der heißen Tipps aus dem ersten Monat, wenn man nach den Reviews geht. Swamp Thing dosiert seine Schocks etwas zwar zurückhaltender als Animal Man, kann in seinen Horror-Momenten aber fraglos ebenfalls überzeugen. Die Serie glänzt mit sehr atmosphärischem Artwork. Ein besonderer Hingucker sind die wechselnden Panel-Rahmungen, je nachdem, wer gerade im Bild präsent ist: Wurzeln für das Sumpfding und das mit ihm assoziierte "Green", schwarzer Rauch für die Ausgeburten der Gegenkraft "The Rot".

 

Etwas leidet sie Serie noch unter den ausführlichen Expositionsdialogen, die die unnötig komplizierte Hintergrundgeschichte für den Leser aufschlüsseln sollen: in Ausgabe 1 zwischen Holland und Superman, in #2 zwischen Holland und dem Swamp Thing (wobei Holland selbst das Swamp Thing ist - Ich erkläre hier jetzt nicht, wie das zusammenhängt. Dazu braucht selbst Snyder über 15 Seiten) und dann in #3 zwischen Holland und seiner irgendwie-Exfreundin/Vielleicht-Antagonisten/neuen-Begleiteren Abigail, die ihn ausführlich über "The Rot" aufklärt. So wirklich souverän wirkt Snyders Expositionsarbeit noch nicht, aber wenigstens sollte nach Ausgabe 3 jetzt alles soweit vorbereitet sein, dass die Handlung endlich richtig losgehen kann. Die sehr guten (und originellen) Horrorszenen und das Artwork trösten einen aber allemal darüber hinweg und man kann davon ausgehen, dass sich die Serie noch steigern wird.

7,8/10
 

Crossover-Hölle: Der Auftritt von Supes in Swamp Thing #1 (mit Cameos von Aquaman und Batman) war zwar etwas deplatziert, brachte aber keine Verständnisschwierigkeiten mit sich. Interessanterweise planen Lemire und Snyder wohl derzeit an einer Animal Man/Swamp Thing Crossover-Story. Das macht sicherlich irgendwie Sinn, beschreiben beide doch verwandte Prinzipien (das tierische The Red bei Animal Man, das pflanzliche The Green bei Swamp Thing). Ärgerlich wohl für alle, die nur eine der Serien lesen wollen. Ich les ja eh beide, darum bin ich mal gespannt.

 

Die DC 52's - Persönliches Resümee Animal Man, DC, relaunch, Superhelden

Autor:  roterKater

Gleich vorne weg: Dies ist ist kein abschließendes Statement, sondern eher ein Zwischenbericht. Schließlich fangen die ganzen Serien ja gerade erst an, und auch wenn sich das Öffentlichkeitsecho in den nächsten Wochen legen wird, entscheidet sich wohl frühestens ab Ausgabe 3, ob die einzelnen Titel was taugen oder nicht. In Heft 1 haben sich die meisten Titel mit wechselnder Finesse an der Exposition abgearbeitet. Erst die nächsten Hefte werden wohl zeigen, was die jeweiligen Comics wirklich auf dem Kasten haben.

Für mich als Superheldenheftchenkaufneueinsteiger lassen sich aber schon einige Punkte festhalten. Zum Beispiel, dass mein Gesamteindruck überwiegend positiv ist. Ist der Tenor unter den alten Comic-Hasen im Netz eher abfällig, weil der Relaunch als Marketing-Gag und Aufmerksamkeitshascherei abgetan wird und die weitestgehend mangelhafte Qualität der Hefte angekreidet wird, muss ich sagen, den Eindruck kann ich nicht teilen.

Erst einmal, natürlich hat es DC auf Aufmerksamkeit abgesehen! Natürlich wurde dick die Marketingtrommel gerührt, um möglichst viel Absatz von den Heften zu bekommen. Aber das soll ein Vorwurf sein? Ich meine, ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber als Autor wäre ich doch überglücklich, wenn sich mein Verlag derart für die Bewerbung meines Comics einsetzen würde. Da will ich doch möglichst viel Aufmerksamkeit, oder nicht? Was DC aktuell für seine Hefte und Künstler bewirkt hat, davon können wir doch im hierzulande nur träumen.

Das mit der Qualität sehe ich auch anders. Mir haben überraschend viele der Hefte gefallen, viel mehr, als ich ursprünglich erwartet hatte. Insgesamt (siehe unten) fand ich von den 18 Heften, die ich bisher gelesen habe, 14 irgendwie lesenswert und interessant und die Hälfte sogar richtig gut. (Meine ursprüngliche Erwartung waren zwei bis drei Hefte. Und einen Teil muss ich auch noch nachholen, siehe unten). Man muss dazu sagen, dass ich anscheindend ein gutes Händchen bei der Auswahl hatte und sich auch viele Spontankäufe als wirklich cool herausstellten, während ich die meisten Titel, die später verrissen wurden, umschifft habe.

Aber vielleicht ist es auch einfach keine gute Idee, Blogger wirklich alle 52 Hefte lesen und bewerten zu lassen, wie das beispielsweise ComicsAlliance oder der Grobe Unfug getan haben. Wenn ich gezwungen werde, 52 Hefte zu lesen, von denen mich vielleicht ein Drittel interessiert, und mir auch den Mist reinziehen muss, den ich sonst nicht mal mit der Kneifzange angefasst hätte - nun, dann ist es doch klar, dass mein Gesamteindruck deutlich negativer ausfällt als bei jemandem, der nur nach den lohnenswerten Titeln Ausschau hält. Das sollte man mitbedenken, wenn man sich jetzt die ganzen Rants durchliest, die auf einschlägigen Boards zum Thema herumschwirren. Klar ist die Qualität schwankend, aber die 52 Hefte sind auch nicht da, um alle von jedem gelesen zu werden, sondern sollen für jeden eine möglichst gute und interessante Auswahl bieten.

Und an der Stelle muss ich DC das größte Lob machen: Die Auswahl ist sehr, sehr viel abwechslungsreicher, als ich das erwartet hätte, sowohl was die Geschichten als auch die zeichnerische Umsetzung angeht. Ich gehörte ja, wie wahrscheinlich viele Leser aus dem Mangabereich, zu den Leuten, die dachten, alls Superhelden-Comics sehen irgendwie gleich aus (also dasselbe, was Superhelden-Leser auch über Manga denken). Aber das ist definitiv nicht der Fall. Klar gibt es den knalligen, klassischen Superhelden-Stil auch bei den Reboots (Action Comics, Aquaman), aber auch eher europäisch angehauchte Stile (Demon Knights, Savage Hawkman), Abstrakt-Modernes (I, Vampire), Stilvoll-Grobes (Wonder Woman, Resurrestion Man) und überraschend viele grafisch experimentelle Arbeiten, die die Grenzen der visuellen Erzähltechnik in Comics ausloten und trotzdem schön anzusehen sind (Animal Man, Batwoman, The Flash).

Ähnliches gilt für die Geschichten, Genres und Themen. Superheld ist nicht gleich Superheld. Die Storys reichen von klassischen Action-Stories (Action Comics, Death Stroke) über Horror (Animal Man, Justice League Dark), Mystery (Grifter, Resurrection Man), Fantasy (Wonder Woman, Demon Knights), Science-Fiction (Legion of Super-Heroes) und Comedy (Frankenstein, Aquaman). Die meisten spielen im gegenwärtigen DC-Kosmos, aber einige auch im Mittelalter (Demon Knights), im 19. Jahrhundert (All-Star Western) oder in der fernen Zukunft. Es gibt ernste, anspruchsvolle, teils sogar verstörende Geschichten (Animal Man) oder durchgeknallten Trash (Suicide Squad, Frankenstein), der sich nicht ernst zu nehmen braucht. Einige Titel wenden sich klar an Erwachsene, andere explizit an Jugendliche und den zukünftigen Comic-Nachwuchs (Supergirl, Blue Beetle). Klar gibt es auch total oberflächlichen Cheesecake und Fanboy-Gewichse wie Catwoman, aber auch dafür gibt es ja ein Publikum, das bedient werden will. Einige Comics bauen stärker auf Vorwissen auf und wenden sich eher an Stammleser, andere bieten sehr gute Einstiege für Neuleser.

Einige Titel hätte man eher im Vertigo-Umfeld erwartet und werden wohl auch früher oder später wieder dahin abwandern. Aber insgesamt gibt sich DC betont abwechslungsreich, und das gefällt mir sehr. Wo man in Deutschland fleißig bemüht ist, die Zielgruppen fein säuberlich auseinander zu dividieren, damit auch kein Graphic-Novel-Leser versehentlich mal einen Comic liest, betont DC, dass man bei Marketing-Offensiven prinzipiell erst mal niemanden ausschließen sollte. Man sollte hier also nicht den Maßstab setzen, dass es DC mit jedem Titel jedem recht machen will, sondern für möglichst viele verschiedene Leute interessante Comics anzubieten. Und ich finde, das ist ihnen sehr gut gelungen.

DC wollte mit dieser Aktion sowohl ältere Leser glücklich machen als auch neue mit an Bord holen. Ich kann sagen, dass zumindest zweiteres für mich persönlich sehr gut geklappt hat, und ob ersteres überhaupt möglich ist, sei mal dahin gestellt.

Abschließend für mich noch ein persönliches Resümee in Tabellenform, für alle Freunde von Statistiken, die frei erfunden sind, aber toll aussehen. Lasst euch nicht von den Zahlen täuschen, das Folgende ist alles total subjektiv und meine rein persönliche Auswertung von den bisher gekauften DC-Heften! Als kurze Erklärung:

 

Zu STORY gehört alles, was die Erzählung bedingt: Wie interessant und glaubwürdig sind die Figuren? Ist die Handlung spannend und nachvollziehbar? Wie lesen sich die Dialoge? Kurz, ist es einfach toll erzählt? 10 Punkte sind hier möglich.
 

OPTIK beinhaltet alle visuellen Aspekte: Figurendesigns, Hintergründe, Zeichentechnik, Inking, Koloration, Seitengestaltung und Cover. Paneling spielt ein bisschen in beide Punkte rein, aber im Wesentlichen gehr es hier darum, wie toll das Ganze aussieht. Ebenfalls 10 Punkte möglich.
 

EINSTIEG gibt an, wie gut sich der Titel für Neueinsteiger in das DC-Universum anbietet. Hier sind 5 Punkte für besonders Einsteiger-freundliche Hefte möglich.
 

NEUGIER: Wie sehr hat mich der Comic angefixt und auf weitere Ausgaben neugierig gemacht? Wie gut funktioniert der Cliffhanger? Will ich unbedingt wissen, wie es weiter geht, gibt es hier noch mal 5 Punkte.

Am Ende alles zusammen addiert und durch 3 geteilt gibt die persönliche Gesamtwertung (Maximalwert: 10). Los geht's!
 

Farbmarkierungen:

 

9 überzeugende Titel - werden erst mal weiter gekauft

5 Wackelkandidaten - werden noch ein paar Ausgaben angetestet

4 Enttäuschungen - werde ich nicht weiter verfolgen

 

beste Einzelbewertungen

schlechteste Einzelbewertungen

 

 

Titel

Story

Optik

Einstieg

Neugier

Gesamt

Animal Man #1

9,5

8,5

4,5

5

9,2

The Flash #1

7,5

9,5

4,5

4

8,5

Supergirl #1

8

6

5

4,5

7,8

Aquaman #1

8,5

7,5

3,5

3,5

7,7

Frankenstein, Agent of S.H.A.D.E. #1

8

7

3,5

4

7,5

Resurrection Man #1

7,5

7

4

4

7,5

I, Vampire #1

7

7

4

4,5

7,5

Demon Knights #1

7

7,5

3,5

4

7,3

Batwoman #1

5,5

10

2

3,5

7

Justice League Dark #1

5

8,5

2

4

6,5

Action Comics #1

6

6

4,5

3

6,5

Grifter #1

6

5,5

4

3,5

6,3

Detective Comics #1

3,5

7,5

4

3

6

Suicide Squad #1

3

7

2,5

4,5

5,7

Wonder Woman #1

4

5,5

2,5

2

4,7

The Savage Hawkman #1

3,5

8

1,5

1

4,7

Death Stroke #1

2,5

2,5

3,5

0,5

3

Catwoman #1

0

3

4

0

2,3

Durchschnitt

5,7

6,9

3,5

3,2

6,4

 


Verpasst/noch nachzuholen:
 

- Swamp Thing

- DC Universe presents Deadman

- All-Star Western


Man merkt, insgesamt kommt die grafische Umsetzung ein gutes Stück besser weg als die eigentlichen Stories. Das liegt aber auch an der überwiegend sehr hohen zeichnerischen Qualität der Titel. Zumindest derer, die ich mir gekauft habe. Ich geh ja schon auch sehr nach Auge. Die Stories legen hoffentlich noch in den nächsten Heften etwas nach.

Im Vergleich zu anderen Reviewern kann man festhalten:
- Auf Animal Man konnte sich absolut jeder einigen. Definitiv der Überflieger-Titel des Neustarts!
- Flash wurde auch überwiegend positiv aufgenommen, wie ich das gesehen habe.
- Suicide Squad einen ganzen Punkt über Wonder Woman zu packen, dürfte wohl für viele ein Affont sein. WW kam bei den meisten anderen deutlich besser weg als bei mir (und SS wesentlich schlechter). Naja, meine Meinung muss ja nicht Konsens sein. ^^
- Aquaman sahen andere etwas nüchterner. Da hat bei mir wohl auch der Überraschungseffekt mit rein gespielt, weil ich schon das Schlimmste erwartet hatte. Und ich fand ihn wirklich, wirklich witzig.


Ich werd auch in Zukunft mal hier und da was zu den DC-Sachen schreiben, wenn alle anderen wieder zur Tagesordnung übergegangen sind (wahrscheinlich am ehesten über Twitter). (Aber dieses Weblog wird sich jetzt auch mal wieder anderen Dingen widmen.

Zum Abschluss noch das endgeniale Vorfreude-Cover von Animal Man #2:

Die DC 52's - Eine Annäherung von außen Animal Man, DC, Superhelden, Superman

Autor:  roterKater
Ihr habt's vielleicht schon gehört: DC Comics, einer der zwei großen US-Superhelden-Verlage (Batman, Superman, Flash, Green Lantern, ...) hat diesen Monat das komplette DC-Universum gerelauncht, wie es auf Neudenglisch so schön heißt, und alle seine Heftserien neu mit Ausgabe 1 gestartet - ein ziemlich historischer Schritt, bedenkt man, dass einige Heftserien schon seit rund einem halben Jahrhundert mehr oder weniger ununterbrochen laufen.

Der Hauptgrund ist wohl das DC-Universum selbst, dass nach unzähligen Serien, gestorbenen, wiedergeborenen und neu besetzten Helden, universalen Krisen und Parallelwelten in seiner Kontinuität wohl für niemanden außerhalb der DC-Redaktion noch gänzlich verständlich ist - jedenfalls definitiv nicht für Gelegenheitsleser wie meine Wenigkeit. Ich hab ja vor kurzem mal waghalsigerweise den Flash Rebirth gekauft und absolut nichts kapiert von dem, was da abging. Der Einstieg in aktuelle DC-Serien ist jedenfalls für Außenstehende mehr oder weniger unmöglich, beziehungsweise führt nur über tagelange wikipedia-Recherche.

Das soll jetzt jedoch alles anders werden. Mit 52 neuen Nummer-1-Ausgaben soll man jetzt endlich ohne Vorkenntnisse in den DC-Kosmos einsteigen können - mehr oder weniger. Denn irgendwie musste ja DC auch den Spagat schaffen zwischen dem Ansprechen neuer Leser und dem Zufriedenstellen des alten Stamm-Publikums. Darum beziehen sich die Titel durchaus auf Vorwissen der Comic-Fans, schließen hier und da an Ereignisse der auslaufenden Altserien an, lassen sich aber auch völlig neu entdecken, damit Superhelden-Naivlinge wie ich den Einstieg schaffen. Funktionieren soll das hauptsächlich dadurch, dass die Serien nicht wieder mit den altbekannten Ursprungsmythen von Krypton und Klein-Bruce Waynes Zeugnis der Ermordung seiner Eltern einsetzen, sondern mehr oder weniger mit bereits aktiven Superhelden mitten im Geschehen starten. So hab ich jedenfalls das Konzept verstanden.

Ob's klappt, wollte ich nun aber unbedingt mal selbst ausprobieren. Ich hätte irgendwie immer schon gerne mal eine Superheldenserie "live" verfolgt und nicht nur ein paar Best-Of-Sammelbände quer gelesen. Das ist irgendwie noch mal eine ganz andere Erfahrung als nachträgliche Paperpack-Ausgaben. Also werde ich mir diesen Monat ein paar Ausgaben greifen zum Reinlesen und hoffentlich was finden, was sich weiter zu verfolgen lohnt. Sobald mir aber favorisierte Serien durch irgendwelche Crossover-Events, bei denen ich noch andere Titel gelesen haben müsste, um der Story folgen zu können, versaut werden, mach ich wohl wieder 'ne Fliege. Mir fehlt einfach die Zeit und das Geld, um einen neuen unübersichtlichen DC-Kosmos im letzten Detail ergründen zu wollen.

Zwei Hefte hab ich bereits ergattert, bei den kommenden Veröffentlichungen n den nächsten Wochen werd ich sicher noch ein paar Mal zuschlagen. Irgendwie freu ich mich auf Aquaman, ich weiß auch nicht wieso ... Hier jedenfalls eine Kurzvorstellung meiner ersten zwei Hefte:

Action Comics #1



Sicherlich ein Flagschiff-Titel. In der ersten Action Comics-Ausgabe vor gut 70 Jahren erblickte der superste der Superhelden das Licht der Welt, und auch heute noch ist Superman der wohl prominensteste seiner Zunft. Der neue Autor Grant Morrison sagt ja sogar mir was, seine esoterisch-abgedrehte Mystery-Serie The Invisibles ist wohl einer der meistdiskutierten Comics überhaupt. Dass man ausgerechnet solch durchgeknallte Leute wie Morrison an den neuen DC-Vorzeigetitel setzt, überrascht sicherlich ebenso, wie es Hoffnungen auf etwas Besonderes weckt. Diese Hoffnungen wurden bei mir jedoch weitestgehend enttäuscht.

Morrison bringt einige wirklich radikale Veränderungen in den Superman-Franchise ein. Superman trägt Jeans und Arbeiter-Boots und ist auch sozial irgendwie von blue shirt auf blue collar gewechselt. Er setzt sich für die Armen und Unterdrückten ein, bekämft Korruption und Dekadenz statt Einbrechern und Superschurken und wird dafür von der Oberschicht erbarmungslos gejagt. Seine rot leuchtenden Augen geben ihm eine durchaus dämonische Aura. Unverwundbar ist er auch nicht mehr und geht durchaus mal mit blauen Flacken und Blessuren aus einer der reichlichen Actionszenen (der Comic trägt den Tital ja nicht umsonst). Wider Erwarten macht ihn das aber nicht sympathischer, ganz im Gegenteil: Im ersten Heft ist Superman ein rücksichtloser Selbstjustizler ohne jede Charaktertiefe und Motivation. Morrison lässt kein bisschen Empathie für seinen Helden aufkommen, und irgendwie ist mir sein Superman bisher völlig egal.

Die Zeichnungen helfen auch nicht viel. Blankpolierte Superhelden-Routine. Der Kenner mag da vielleicht hier und da etwas Aufregendes entdecken, aber ich stoße mich irgendwie an den überdetaillierten Figurenzeichnungen, die insbesondere Superman in jedem Panel wie eine andere Person aussehen lassen.

Natürlich kann man nach den ersten 30 Seiten noch kein Fazit über die Serie ziehen. Ich werd mal weiter verfolgen, was Morrison mit seinem so gänzlich anderen Superman vor hat. Aber so richtig gefallen hat mir das bisher noch nicht.

Animal Man #1



Den hab ich mir auf gut Glück gekauft. Ein Superheld, von dem ich zuvor noch nie etwas gehört habe. Sah aber sehr interessant aus. Animal Man heißt eigentlich Buddy Baker, ist glücklich verheiratet und zweifacher Vater, und neben seiner Gelegenheitstätigkeit als Superheld macht er sich noch als Schauspieler und Umweltaktivist verdient. Animal Man kann sich die Kräfte beliebiger Tiere durch seinen Zugang zum life web zunutze machen. Wie genau das funktioniert, spielt im ersten Heft noch keine Rolle, wird aber bestimmt noch irgendwann erklärt. 

Neben dem ungewohnten Familienfundament sind auch Artwork und Story sehr weit weg von dem, was man klassischerweise von Superheldenserien erwartet. Sehr klare, elegante Zeichnungen, die in einer wirklich irre gezeichneten Traumsequenz (in Schwarz-Weiß!) münden. Ein tolles Skript, das nicht nun unglaublich viel in seine 20 Seiten packt, sondern auch die Charaktere bereits sehr lebendig und einfühlsam darstellt und beachtlich viel aus der familiären Grundierung der Story herausholt. Dazu noch eine ziemlich deftige Portion Horror und Mystery inklusive wirklich krasser Monster-Designs - ich muss zugeben, ich bin begeistert!

Animal Man ist genau das, wonach ich irgendwo in den DC-Neustarts gesucht hatte - ein kleiner, schräger, sogar etwas verstörender, aber ungemein guter Randtitel, der Lust darauf macht, sich jeden Monat eine neue Ausgabe aus dem Comicladen zu holen. Ich werd auf jeden Fall dranbleiben!

Demnächst kommen sicherlich noch ein paar mehr Titel hinzu. Ich kann jedenfalls Leuten, dich sich schon immer mal gerne dem Superhelden-Kosmos nähern wollten, aber bisher nicht wussten, wo sie anfangen sollten, raten, sich in den nächsten Wochen mal zu einem Comichändler ihres Vertrauens zu begeben und mal in ein paar Hefte rein zu schnuppern. Die deutschen Ausgaben kommen allerdings erst in gut einem halben Jahr.

Fortsetzung folgt.


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