Ein süßer Groupie von MarryDeLioncourt ================================================================================ Kapitel 1: every day the same -----------------------------  Wie fast jedes Wochenende spielte ich in meiner Stammbar Gitarre und sang dazu meine selbstgeschriebenen Texte. Bisher hatte es immer nur für die Bar gereicht. Sicher hatte ich mir schon oft ausgemalt wie es wäre mit meiner Musik erfolgreich zu sein, doch ich war nur ein kleiner Fisch umgeben von großen Haien, die meinen Erfolg sicherlich nicht gern sahen. Ich mit meiner einfachen Klampfe in irgendeiner Bar in Kyoto war nichtig und würde den großen Rockstars niemals das Wasser reichen können. Doch meinen Fans hier genügte es. Sie genossen es mich spielen zu hören, auch wenn meine Stimme nur als leises Hintergrundgeräusch fungiert. Genau in der richtigen Lautstärke, sodass man sich noch unterhalten kann. Denn wer achtet schon auf meine Texte? Solange ich niemanden nerve und nicht ich, sondern die Gäste im Mittelpunkt der Bar stehen, ist doch alles prima. Nein, ich würde niemals ein großer Musiker werden. Nach meiner „Show“ ließ ich mich an der Bar nieder und bestellte das übliche. Tequila und Bier. Ich leerte die klare Flüssigkeit in dem kleinen Glas in einem Zug und bestelle gleich noch einen. Das Bier trinke ich schon fast genüsslich und lecke mir den Schaum von den trocknen Lippen. Die Gage für den heutigen Abend hätte schlechter sein können und was bleibt mir auch anderes übrig, als mich damit zufrieden zu geben? „Kazuki, du warst super heute“, lobte mich Takashi, der Inhaber der Bar. Ich nicke nur und trinke einen großen Schluck. Irgendwie schmeckt das Bier heute nicht. Deshalb bestelle ich noch einen Schnaps. Doch es hilft alles nichts. Ich stürze mein Getränk runter, hänge mir die Klampfe um und verlasse mein zweites Wohnzimmer. „Morgen gleiche Zeit?“, ruft mir der alte Mann noch nach und ich hebe die Hand, ohne mich umzudrehen. Klar. Wie jeden Abend.   Mein Apartment besteht aus nur einem Raum. Mehr kann ich mir nicht leisten und schon dieses kleine Zimmer bringt mich an den Rand meiner Existenz. Meine Klamotten hänge ich ordentlich über die Lehne des einzigen Stuhles in meinem Zimmer und lehne mein Instrument an die Wand. Dann falle ich in die weichen Federn. Das einzig schöne an meiner kleinen Wohnung ist das schräge Fenster über meinem Bett, durch das ich jeden Abend den Sternenhimmel über mir habe. Eine der wenigen Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Manchmal zumindest. Doch heute schaffen es nicht Mal die Sterne und der helle Mond, welcher wunderschön am Nachthimmel erstrahlt meine düsteren Gedanken zu mildern. Mein Magen krampft sich zusammen und ich spüre diese leere, den Schmerz und den Hass in mir aufsteigen. Oh ja, heute ist es wirklich schlimmer als sonst. Liegt wohl daran, dass mein Geburtstag vor der Tür steht. Nein, ich kann beim besten Willen nicht schlafen. Deshalb greife ich nach dem Laptop neben meinem Bett und rufe das Internet auf, um mir Videos von Ihm anzuschauen, wie so oft, wenn ich in einem Tief festhänge. Irgendwie beruhigt mich seine Stimme. Seine Stimme, die einerseits so sanft und melodisch klingt und dann wieder völlig verrückt und wild, als würde er eine Art Disharmonie zwischen die Instrumente und sich bringen wollen. Doch auf eine ziemlich komische Weise finden Musik und Gesang am Ende einen Weg zueinander und alle seine Lieder faszinieren mich. Er fasziniert mich und ich muss mir ein bisschen eingestehen, dass er und seine Musik Schuld daran tragen, dass ich jeden Abend in dieser beschissenen Bar vorspiele. Aber ich kann nichts anderes. Früher war ich immer der Streber der Schule, der, der reiche Eltern hat und alles in den Arsch geschoben bekommt. Und jetzt? Hocke ich hier und schmachte einen Musiker an, dem ich nie und nimmer das Wasser reichen kann. Wie armselig. Es zerreißt mich fast ihn so singen zu hören. Diese Leidenschaft treibt mich fast an meine emotionale Grenze und ich springe auf, um mir eine Zigarette zu gönnen. Ich stütze mich auf meine Ellenbogen und lasse meinen Blick in die noch dunkle Nacht hinausschweifen. Ja, es hätte so viel anders laufen können. Wenn ich nicht so eigensinnig gewesen wäre, hätte ich jetzt einen super Job haben können, in dem ich gutes Geld verdiente, mit dem ich später Mal meine Familie ernähren würde. Stopp! Nein, da war es wieder, dieses hässliche Gefühl. Denn wenn es nach anderen ginge, ist es in unserer heutigen Gesellschaft eine Abartigkeit, dass jemand mit meinen Neigungen eine Familie gründet. Wie denn auch, wenn man nicht auf Frauen steht. Wieder treiben mir diese dummen Gedanken die Tränen in die Augen. Ich schlucke und ziehe an der Zigarette. Das Klopfen an meiner Tür lässt mich zusammenfahren. „Ist offen!“, rufe ich, denn ich weiß, dass mich nur eine Person um diese Uhrzeit heimsucht. Und heute kommt mir mein besonderer Freund sehr gelegen. „Na bist du hier, um deine nächtlichen Triebe zu befriedigen?“, frage ich amüsiert. So lief das mehrmals die Woche, ich bekomme Sex und Sota seinen Gute-Nacht-Blowjob. „Du weißt doch, dass ich ohne nicht einschlafen kann.“ Ich drücke die Zigarette im Aschenbecher aus und drücke Sota auf mein Bett. Beginne seinen Körper, den ich in und auswendig kenne zu liebkosen. Nur kein Kuss. Und er ist mehr als bereit für mich. Das schmeichelt mir noch immer.   Nach dem Sex trinken wir noch was. Ich habe nur Bier in meinem Kühlschrank und reiche Sota eine Dose. „Wie geht’s dir eigentlich Kazu?“ „Schlechten Menschen geht es immer gut, das weißt du doch“, versuche ich zu scherzen, doch stattdessen ernte ich einen besorgten Blick von Seiten meines Freundes. „Ich meine es ernst…immerhin ist es bald wieder soweit…“ „Ja ja, schiebst du jetzt dauernd Panik? Letztes Jahr war eine Ausnahme, es wird nie wieder so weit kommen.“ Noch immer war die Sorgenfalte zwischen seinen Augen nicht verschwunden. Ich seufzte und zündete mir eine neue Kippe an. „Jetzt hör bitte auf mich so bemitleidend anzuschauen. Sonst schmeiß ich dich raus“, drohte ich ihm und er schien mich ernst zu nehmen. „Zieh dir lieber was an, sonst erkältest du dich noch am Fenster.“ „Quatsch. Außerdem kann ich es nicht leiden mit Klamotten zu schlafen, das solltest du langsam wissen.“ „Möchtest du, dass ich bei dir bleibe?“ Ich zuckte mit den Schultern und kuschelte mich in die Decke. „Mir egal.“ Sota verdrehte nur die Augen und kam zu mir unter die Decke. Ich löschte das Licht und fiel in einen unruhigen Schlaf.   Ich befand mich gerade mitten im Spiel, als ein ziemlich betrunkener Typ in die Bar torkelte und sich an einem Zweimann Tisch rechts von mir nieder ließ. Seine Mütze war tief ins Gesicht gezogen und der hohe Kragen seiner grauen Jacke verdeckte das Gesicht fast komplett. Mich nervte er ziemlich, weil er jetzt die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer hatte und nicht mehr ich. Verfluchter Alki. Was hatte dieser Arsch in meiner Bar zu suchen? Ich versuchte ihn zu ignorieren und konzentrierte mich auf meine Show. Der Rest des Abends verlief wie der Abend am Tag zuvor. Nichts Spannendes passierte. Am nächsten Tag fiel mir dieser Typ wieder auf. Doch dieses Mal schien er nicht ganz so blau zu sein und er schien mich zu beobachten, was mich irgendwie nervös werden ließ, sodass ich mich sogar das eine oder andere Mal verspielte. Verdammt, was sollte der Scheiß? Diesem Vollidioten sollte ich später mal die Meinung geigen. Naja, zumindest lieferte ich mir ein geistiges Duell mit ihm, während ich mein Bier trank und zwei Kurze kippte. „Du könntest mehr aus deiner Stimme holen, wenn du dich anstrengen würdest“, flüsterte mir jemand ins Ohr und ich zuckte erschrocken zusammen. Doch als ich mich umwandte, sah ich gerade noch, wie dieser Kerl in der Tür verschwand. Was fiel ihm eigentlich ein in mein Territorium zu kommen und mich dann auch noch zu kritisieren?   Fast eine Woche blieb es still um meinen heimlichen Verehrer, wie ich ihn jetzt im Stillen nannte und irgendwie war ich froh darüber. Heute war Freitag und sicher würde die Bar wieder voll sein, aber das hieß auch mehr Kohle. Ich zog aus meinem Kleiderschrank die enge schwarze Jeans, die ich fast immer trug und die schon fast ein bisschen unverschämt weit unten auf meiner Hüfte saß. Darüber eines meiner Tanktops und den schwarzen Hoodie. Ich fädelte den Nietengürtel in meine Hose und schlüpfte in meine Chucks. So machte ich mich auf den Weg, um mein täglich Brot zu verdienen. Oh nein, der Typ war wieder da und dieses mal schien er sich in der Bar abschießen zu wollen. Ich spielte und versuchte ihn zu ignorieren, doch das gelang mir irgendwie nicht. Immerhin passierten mir keine Patzer mehr. Plötzlich kam ein weiterer unbekannter in die Bar und ließ seinen suchenden Blick im Raum umherschweifen. Dann blieben seine Augen an meinem Stalker hängen und mit besorgter Miene eilte er zu ihm, legte seine Arme um ihn und redete auf ihn ein. Doch der Umsorgte blieb teilnahmslos und bestellte sich sein viertes Bier. Ja ich hatte mitgezählt. Ich legte eine musikalische Kunstpause ein, um mir auch noch ein Getränk zu besorgen, dabei ging ich beabsichtigt langsamer an den beiden Männern vorbei. Dabei konnte ich leider nur Wortfetzen einfangen. „Tooru…betrunken…Sorgen…mitkommen…“ Es war zwecklos. An der Bar hielt mir Takashi sogleich ein Bier hin. Wie traumhaft. Tooru? Irgendwie kam mir dieser Name schrecklich Bekannt vor, doch woher? Ich grübelte, doch es wollte mir nicht einfallen.   Gegen drei Uhr in der Nacht verließen auch die letzten Gäste die Bar. Naja fast, denn nur der betrunkene Kerl hockte noch immer an seinem Tisch. Auch ich war nicht mehr ganz so nüchtern und sammelte mich. Selbstbewusst schritt ich auf ihn zu und packte ihn. Er leistete keinen großartigen Widerstand und ließ sich von mir aus der Bar befördern. Na toll und was jetzt? „Wo wohnst’n du?“ fragte ich. Der Fremde lallte den Straßennamen und ich kannte die Straße sogar, weil es bei mir in der Nähe war. Ich orderte uns ein Taxi und ließ uns zur besagten Adresse chauffieren. Er fingerte seinen Schlüssel aus der Hosentasche und aus einem unerklärlichen Grund folgte ich ihm in seine Wohnung. Natürlich musste er ganz oben wohnen, doch zum Glück gab es einen Fahrstuhl. Langsam fragte ich mich wirklich, was ich hier tat. Meine Glieder gehorchten mir kaum noch, weil ich hundemüde war und ins Bett sollte, doch stattdessen brachte ich einen wildfremden sturzbetrunkenen Typ in seine Wohnung. Ich stand ein bisschen unbeholfen in der Tür und überlegte schon zu gehen. Das würde ihm sicher nicht auffallen. Doch ich blieb. Er schälte sich aus seinen Klamotten, währenddessen nahm ich die Wohnung etwas unter die Lupe. Der Flur führte ins Wohnzimmer mit einer offenen Küche und einer überdimensionalen Couch, von der aus man auf einen großen Flachbildfernseher blickte mit samt modernstem Sundsystem. Ich war schon beeindruckt. Mir fiel ein Bild auf dem Regal im Flur. Es zeigte Kyo und Toshiya von Dir en Grey. Mir fiel die Kinnlade runter. Kannte er die Jungs etwa? Ich drehte mich gerade um und wollte ihn danach fragen, doch da stockte mir der Atem. Vor mir stand ein ziemlich betrunkener Kyo. Tooru. Ja klar. Sein richtiger Name. Ich bekam kein Wort raus und starrte den anderen Mann nur an. Kapitel 2: Die Vernunft gewinnt nie ----------------------------------- Dieser lehnte gelassen am Türrahmen und beobachtete mich. Dann kam er mir gefährlich nahe. Augenblicklich schoss mein Puls auf hundertachtzig und ich war unfähig zu denken. Sofort kamen mir die Bilder von Kyo auf der Bühne in den Sinn. Diese Leidenschaft beim Singen, die mich nahezu neidisch werden ließ, weil er es schaffte sein Talent mit der ganzen Welt zu teilen. In seinem Blick spiegelte sich etwas wildes herausforderndes und abgesehen davon, dass ich diesen Mann schon seit ich Dir en Grey vor Jahren zum ersten mal gehört habe, vergöttere, muss das hier ein verdammter Traum sein. Das passiert nicht wirklich und gleich wache ich in meinem Bett neben Sota auf. Warum musste ich heute diese Hose anziehen? Auf einmal kam mir das Stück Stoff an meinen Beinen viel zu eng vor. Der ältere Mann ergriff meine Hand und zog mich an sich. Ich war ihm so nahe, viel zu nahe. Unsere Lippen trennten nur noch Millimeter, doch ich wagte nicht diese zu überwinden. Meine Augen wanderten über seinen Körper, zumindest das, was ich davon zu Gesicht bekam. Der Schriftzug auf der rechten Seite seines Halses. Der Rest des Tattoos verschwand unter dem schwarzen Shirt. Was passierte hier gerade? Ich wagte es nicht diesen Moment mit Worten zu zerstören und wir schauten uns eine halbe Ewigkeit an. Seine dunklen Augen fixieren mich und ich bin unfähig irgendetwas zu tun. Kyos Hände wanderten unter mein Shirt und ich hatte das Gefühl gleich ohnmächtig zu werden. Wie gerne würde ich von seinen Lippen kosten, doch auch er machte keine Anstalten mich zu küssen. Normalerweise ließ ich mich auch nicht von jedem anfassen, außer von Sota. Der kannte meinen Körper und störte sich nicht daran. Doch es war Kyo. Wie konnte ich ihm widerstehen? Meine Selbstbeherrschung bröckelte und ich schloss die Augen für einen Moment und genoss seine Hände, die sich ihren Weg suchten und jeden Zentimeter zu erkunden schienen. Aber dann kam mir urplötzlich ein unschöner Gedanke. Was war, wenn er wirklich nur betrunken war und sich eine Nummer für eine Nacht versprach? Wollte ich das? Oder bessergesagt ertrug ich das? Vorsichtig schob ich seine Hände weg. „Du solltest besser deinen Rausch ausschlafen“ „Schlafen wird überbewertet. Außerdem gibt es Dinge, die ich jetzt viel lieber tun würde“, hauchte er mir zu und seine Stimme, die so ganz anders klang, als auf der Bühne, brachte mich beinahe um den Verstand. „Aber du kennst mich doch gar nicht…“ „Na umso besser. Für Beziehungen und Liebe habe ich eh nicht viel übrig.“ Automatisch zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen. Mir war schon einiges über das Liebesleben des Sängers zu Ohren gekommen oder eben das, was man so im Internet fand. Und als Musiker einer so erfolgreichen Rockband konnte er es sich nicht erlauben offen über sein Privatleben zu plaudern oder? „Ich sollte besser gehen“, versuchte ich es erneut, doch brachte es nicht fertig mich aus seiner Umarmung zu lösen. Es fühlte sich zu gut an. Mein Gehirn protestierte heftig, doch mein Körper wollte nicht folgen. Langsam schob Kyo mein Shirt hoch und zog es über meinen Kopf. Seine Finger fuhren über die vernarbte Haut an meiner Brust und dem Bauch. Jedoch blieb sein Mund stumm und das war auch gut so. Ich hätte ohnehin nicht geredet. Seine Lippen streiften meinen Hals und ich erschauderte. Es fühlte sich so anders an, als bei Sota. Natürlich tat es das, immerhin war Kyo ein ganz anderer Mann. Auch wagte ich es jetzt ihn zu berühren. Ich wollte seine Tätowierungen sehen und entblößte seinen Oberkörper. Ein seltsames Kribbeln durchfuhr mich. Obwohl er nicht viel größer als ich war, zog er mich hoch und trug mich zum Sofa. Naja Sofa wäre eine maßlose Untertreibung. Größte Liegewiese der Welt trifft es wohl eher. Vielleicht nicht der Welt, aber die größte meiner Welt. Ich besaß nicht Mal eine Couch. Kyo presste mich in die Kissen, doch noch immer kein Kuss und jeh mehr ich mich danach sehnte, desto schmerzhafter wurde das Verlangen nach seinen süßen Lippen. Mein Körper schrie nach Mehr auch wenn in meinem Kopf die Alarmglocken läuteten. Das hier konnte niemals gut gehen und das wusste ich. Doch das Feuer wuchs immer mehr und als Kyos Hände meinem Hosenbund gefährlich nahe kamen, verabschiedete sich auch mein Verstand. Von nun an übernahm mein Schwanz das Denken für mich. Super. „Du bist so wunderschön unperfekt“, flüsterte er mir zu und ich war nicht sicher, ob ich diese Worte positiv oder negativ auffassen sollte. Auch fiel es mir schwer etwas darauf zu erwidern, denn seine Berührungen gewannen an Intensität und durch den Stoff meiner Hose massierte er meine Erektion. Himmels Willen. Ein kehliges Stöhnen entfuhr meinem Mund und ich wollte nur noch eins- Kyo. Mein Herz raste in Rekordgeschwindigkeit und jede Stelle meines Körpers, die er berührte, brannte vor Erregung. Seine Finger schoben sich in meine Hose und da ich heute auf eine Unterhose verzichtet hatte, spürte ich ihn deutlich. Ich keuchte verlangend, als er die Knöpfe löste und meine Erregung freigab. Seine Zunge glitt über meine Eichel und spielte an meinem Intimpiercing herum, um mich anschließend ganz in sich aufzunehmen. Heilige Scheiße noch nie hatte mich ein anderer Mann, der mir den Schwanz lutschte derart berauscht. Ich wand mich unter ihm und bemerkte kaum, dass er sein Tun kurz unterbrach, um sich die Tube mit Gleitgel zu angeln. Kyo verteilte es großzügig und schien genau zu wissen, was er tat, denn schon drängte sich seine Erregung gegen meinen Eingang. „Ohh ja bitte…“, flehte ich ihn an, denn das war alles, was ich zustande bekam. Manche Männer tasteten sich erst vor, nicht so Kyo. Er drang in mich ein, dass ich Sternchen sah. Und sogleich floss die Lust durch mich hindurch, von den Lenden aufwärts. Jedes Mal zuckte ich zusammen und gab schon fast animalische Laute von mir. Unsere Bewegungen harmonierten perfekt und unsere Körper wurden eins. Ich bekam gar nicht mit, als sich der Musiker so heftig in meine Oberschenkel krallte, dass er leichte Kratzspuren hinterließ. Wir kamen fast durch gleichen Zeit und ich fühlte mich so befriedigt wie schon lange nicht mehr. Ich verschwand kurz ins Badezimmer, nachdem ich ihn danach gefragt hatte und da prasselte alles auf mich ein. Was hatte ich getan? Sex mit Kyo gehabt, ja und das würde mit Sicherheit eine einmalige Sachen bleiben, zumindest von ihm aus. Meinetwegen könnten wir das noch hundert Mal wiederholen. Der Sänger trug seine Hose wieder, lehnte lässig auf der Liegewise und rauchte eine Zigarette. Auch ich bediente mich an seiner Kippenschachtel ohne zu fragen, zwängte mich wieder in meine Hose und wollte auch den Rest meiner Klamotten zusammensuchen, doch da zog er mich auf seinen Schoß. Was wurde das denn jetzt? Wollte Kyo etwa noch Kuscheln? „Ich habe eine Frage an dich…was treibt einen so talentierten Musiker wie dich in eine solche Absteige?“ Mit großen Augen musterte ich meinen Gegenüber und zuckte verlegen mit den Schultern. „Talentiert also? Das ist mir neu…ich spiele halt um Geld zu verdienen…das war’s.“ „Dir hat also noch keiner gesagt, dass du gut bist?“ Ich schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Naja, wobei ab und zu rutscht Takashi ein freundliches Lob raus. Aber mehr nicht. Ich mach halt meinen Job.“ Kyo musterte mich mit einer Mischung aus Interesse und Verwirrung. „Das mach ich auch…und ab und an verfluche ich die Musik auch, aber ich liebe meinen Job…das scheint bei dir nicht der Fall zu sein.“ „Vielleicht würde ich es lieben zu musizieren, wenn die Voraussetzungen anders wären“, gab ich zurück, ohne meinen Worten einen größeren Sinn beizumessen. „Ich könnte es dir zeigen, natürlich nur, wenn du willst und zu meinen Bedingungen.“ Ich nahm einen tiefen Zug und kroch von seinem Schoß, das machte mich nur nervös. „Warum solltest du das tun? Hilfst du jedem kleinen No-Name Musiker, der dir gefällt und gut zu vögeln ist?“, rutschte es mir raus und wütend blitzten mich seine Augen an. „Vielleicht. Warum sollten gute Talente verschenkt werden? Überleg es dir, ich geh jetzt schlafen.“ Mit diesen Worten verschwand er hinter einer der beiden Türen. Ich sammelte meine Klamotten zusammen und machte, dass ich wegkam. Als wäre mein Leben nicht schon verrückt genug, jetzt hatte ich noch mehr Chaos hineingebracht. Kyo hatte mich nicht Mal gefragt, wie ich hieß. Warum also sollte er daran interessiert sein mein musikalisches Talent zu fördern? Ich verstand es nicht oder wollte es nicht verstehen. Zu Hause betrank ich mich fast bis zur Besinnungslosigkeit mit der letzten Flasche Schnaps, die noch in meinem Kühlschrank wohnte. Jetzt war nichts mehr darin. Irgendwann dämmerte ich dann wohl weg, mit der halbvollen Flasche in der Hand auf dem Boden liegend. Nicht mal mehr ins Bett hatte ich es geschafft. Das kam mir am nächsten Tag teuer zu stehen, denn vermutlich waren über Nacht kleine Tierchen in meinem Kopf eingezogen, die von innen versuchten diesen mit Hämmern und Meißeln zu sprengen. Jeder auch noch so kleine Laut war unerträglich und ich schwankte ins Bett, versteckte mich unter dem Kopfkissen und schaffte es sogar einzuschlafen. Kapitel 3: ein gelungener Auftritt ---------------------------------- Das Klingeln meines Handys riss mich aus dem viel zu kurzem Schlaf. Murrend nahm ich den Anruf entgegen. Es war Takashi und erkundigte sich, wo ich denn blieb. Verdammt, hatte ich etwa den ganzen Tag verpennt? Und tatsächlich, ein Blick auf meine Handyuhr verriet mir, dass es bereits 19 Uhr war. Ich sprang unter die Dusche, zog mir irgendwas an, schnappte meine Gitarre und sprintete zur Bar. Erst jetzt stieg das Übelkeitsgefühl hoch und ich kam nicht umhin mich auf dem Klo zu übergeben. Einen Blick in den Spiegel wagte ich nicht, weil ich gar nicht wissen wollte, wie beschissen ich aussah. Ich holte mir ein Wasser und stöpselte meine Klampfe an. Los ging es. Meine Hände zitterten ein bisschen und der Klang meiner Stimme war brüchiger als sonst. Doch auch das schien keinen der Gäste zu stören. In der Pause gönnte ich mir eine Suppe des Hauses, denn etwas anderes konnte man in dieser Spelunke kaum anrühren, wenn einem sein Leben lieb war. Takashi schob mir einen Umschlag zu. „Hier Junge, der war heut im Briefkasten. Steht dein Name drauf.“ Tatsächlich. Ich las die fein säuberlich geschriebenen Buchstaben immer wieder. Kazuki. „Und von wem ist der?“ Der Alte zuckte nur mit den Schultern. Ich öffnete den Umschlag und mir fiel eine Konzertkarte in die Hände. Nicht irgendeine Konzertkarte, nein. Für morgen Abend mit VIP Ticket. Mein Chef beäugte mich neugierig. „Na, was hast’n da bekommen Jungchen?“ „Eine Konzertkarte für morgen Abend…aber ich geh nicht hin.“ Takashi zog seine ohnehin schon faltige Stirn noch mehr in Falten. „Sei nicht dumm. Gönn dir ruhig Mal einen freien Abend und hab deinen Spaß.“ Ich glaubte mich verhört zu haben. Der alte Griesgram war doch sonst nicht so freundlich.   Ein bisschen nervös war ich schon. Was wollte er damit bezwecken? Und erwartete er mich später im Backstage? Tausende Fragen schwirrten durch meinen Kopf, auf die ich keine Antwort hatte. Ich beschloss früher loszugehen, fuhr mit der Metro zur Konzerthalle, wo sich zwar schon einige Menschen versammelt hatten, dennoch hielt es sich in Grenzen. Mein letztes Konzert war bestimmt mindestens zwei Jahre her. Für sowas hatte ich nun leider kein Geld mehr. Die Securitys tasteten mich kurz ab und winkten mich dann durch. Naja, Geld für ein Bier hatte ich gerade so. Ich exte es fast, doch von einem Bier allein wurde ich auch nicht betrunken. Das hieß, nervös war ich noch immer. Ich drängelte mich in die Halle und suchte mir einen Platz recht weit vorne, damit sich mein Geschenk auch lohnte. Mein Herz wummerte, als das Intro begann. Klaviermusik und im Hintergrund sah man auf dem riesigen Bildschirm Wolken und teilweise das Bild vom Album Arche. Die Melodie veränderte sich und wurde ein bisschen elektronischer und bedrohlicher. Die Menge jubelt, nur ich schaue gebannt auf die Bühne. Sehe Shinya am Schlagzeug, Kaoru, Toshi und Die an der Gitarre beziehungsweise am Bass. Ein Schriftzug auf der Leinwand Dir en Grey Arche. Weiße Schrift auf feurig rotem Hintergrund. Und dann betrat Kyo die Bühne. Mein Herz setzte einen Moment aus, als Un Deux angestimmt wurde und seine Stimme durch die Halle klang. Sein Gesicht war von einem schwarzen Schleier verdeckt, der jedoch immer wieder vom „Wind“ hoch geweht wurde. Das Make up fiel sehr ausgefallen aus, doch etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Über Kyos Augen waren noch Mal zwei Augen geschminkt und dieser Anblick wirkte sehr skurril. An den Rändern seiner Augen verliefen schwarze Ornamente, die seinem Make up etwas Maskenartiges verliehen. Das schwarze Jackett verdeckte bisher noch seinen Oberkörper. Ich versuchte auch die anderen vier zu beobachten, doch mein Blick fiel immer wieder auf Kyo, der aus voller Leidenschaft sang. Die Bühne gehörte ihm und der teilweise recht irre oder verletzte Blick zeigte, dass er in seiner Welt angekommen war. Er lebte jedes Wort und ließ seine Gefühle nach draußen, fast so als müsste er sie sonst wie ein böses Monster unter Verschluss halten. Angekettet, weil sie ihm nicht gehorchten. Nur auf der Bühne konnte er es wagen seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, weil sie durch die anderen Instrumente gezähmt werden konnten. Ich beneidete Kyo, dass er so singen konnte und ich war mir nicht sicher, ob ich mich jemals traute es ihm gleich zu tun. Bei Magayasou befreite sich der schöne Sänger aus seinem Jackett, dabei führte er einen regelrechten Tanz auf und das Kleidungsstück rutschte erst über den rechten Arm und dann über den linken. Mir wurde ganz heiß, wenn ich daran dachte, dass ich diesen wundervollen Körper vor wenigen Tagen noch berühren durfte. So sehr ich mich auch wehrte, Kyo zog mich in seinen Bann und bewegte mich fast hypnotisch zur Musik. Dieser Mann dort auf der Bühne, der fast wie eine Marionette wirkte trieb mir die Tränen in die Augen, so rührten mich seine Gefühlsausbrüche. Und als dann nach einer Weile die ersten Töne von Vanitas erklangen, biss ich mir so heftig auf die Unterlippe, dass ich Blut schmeckte. Die Musik verzauberte mich und ich war Kyo mehr als dankbar, dass er mich zu seiner Show eingeladen hatte. Doch wie sollte es dann weitergehen? Die Jungs gaben noch eine saftige Zugabe, dann verdunkelte sich die Bühne vollends und wirkte auf einmal so groß und leer. Schon fast leblos. Ich griff nach meinem VIP Pass und machte mich mit gemischten Gefühlen auf zum besagten Bereich. Natürlich war ich nicht allein. Dort warteten mehrere Mädels und ein paar Jungs. Nach einer gefühlten halben Stunde ließen sich Shinya und Die blicken, dann stieß noch Kaoru hinzu, doch von Toshiya und Kyo fehlte jede Spur. Mein Magen zog sich zusammen, was sollte ich dann hier? Der Leader blickte auf einmal suchend in die Menge der Fans. Sein Blick traf mich und er winkte mich zu sich ran, wies die anderen sogar an, mich durchzulassen. Was bitte ging denn jetzt ab. „Bist du Kazuki?“, richtete Kaoru die Frage an mich. Ich nickte etwas verlegen und der ältere wies mich an ihm zu folgen. Im Gehen erhaschte ich den einen oder anderen bösen Blick der anderen Fans. Als hätte ich mir das ausgesucht. Der Leader führte mich durch einen Gang mit mehreren Türen und blieb schließlich vor einer der letzten stehen. Ein Zettel klebte dort „Dir en Grey“. „Unser heut nicht ganz so mies gelaunter Sänger erwartet dich. Sei ein bisschen nachsichtig mit ihm. Nach einem Konzert ist er manchmal etwas grob und sagt Dinge, die er nicht so meint…meistens zumindest.“ Lächelnd öffnete Kaoru die Tür und schob mich eher gegen meinen Willen in den Raum. Ich bekam ein bisschen Panik, denn um ehrlich zu sein hatte ich jetzt keinen Bock auf einen schlechtgelaunten Kyo zu treffen. Doch er war nicht allein. Sein Kopf lag in Toshiyas Schoß. Beide waren schon umgezogen und auch das Make up war verschwunden. Nun wirkten die zwei schon fast wieder normal. Der Bassist strich dem Sänger liebevoll über die Wange und schon allein diese Geste machte mich furchtbar eifersüchtig. Wie gerne hätte ich jetzt mit Toshi getauscht. Außerdem erweckte es bei mir den Anschein, als würden mich die beiden gar nicht wahrnehmen. Als sich der schwarzhaarige auch noch zu Kyo hinab beugte und ihn küsste, setzte mein Herz für einen Moment aus. Warum durfte er ihn küssen und ich nicht? Sicher, diese Frage war mehr als unberechtigt. Wie lange kannte ich den Sänger? Und kennen ist weit übertrieben. Der Bassist erhob sich und kam auf mich zu, warf mir ein aufmunterndes Lächeln zu und verschwand aus dem Raum. Langsam bewegte ich mich auf Kyo zu und sein finsterer Blick jagte mir schon ein wenig Angst ein. „Hey…gute Show und danke für die Karte.“ Immerhin hatte ich meine guten Manieren nicht verloren. Er hielt mir eine Zigarette hin, die ich dankend annahm. Das Schweigen zwischen uns wurde für mich unerträglich und am liebsten wäre ich wieder gegangen, doch ich wollte ihm auch nahe sein. Was auch immer ihn gerade beschäftigte. Auf einmal sprang er auf. Ich schaute ihn fragend an. „Muss kurz zu den Fans. Bin gleich wieder da“, brammelte er und verschwand. Nun hockte ich allein in der Umkleidekabine von Diru. Ob es später noch eine Aftershow Party gab? Ich zuckte zusammen, als sich die Tür erneut öffnete und wieder schloss. So schnell hatte ich Kyo nicht zurück erwartet. Leider war es auch gar nicht Kyo, sondern Toshiya. „Tut mir leid unser Sängerchen ist heute nicht gut drauf.“ „Was um alles in der Welt wollte er dann von mir?“, fragte ich genervt und verwirrt zugleich. „Dich sehen…Nimm es ihm bitte nicht übel.“ „Mich sehen? Dein ernst? Und jetzt?“ „Wir wollen noch was trinken gehen, wenn du magst, kannst du gern mitkommen. Du heißt Kazuki richtig?“ Ich nickte nur. Die anderen drei trudelten auch ein, scheinbar bester Laune, nur keine Spur von Kyo. Kaoru hakte sich bei mir unter und wir fuhren mit der Bahn in die Stadt zurück. Dort suchten wir uns eine kleine gemütliche Cocktailbar. „Oh mein Gott, da kann man Karaoke singen…Shini machst du mit? Bitte bitte bitte“, bettelte Toshiya und schließlich raffte sich der Drummer auf und folgte dem aufgedrehten Bassisten. Ich musste nur schmunzeln und kam mir vor wie in einem Film. Mal ernsthaft, ich hocke gerade mit den Bandjungs von Dir en Grey in einer Bar, ohne dass sie mich wirklich kennen und wir tranken zusammen. Verrückter kann mein Leben gerade wirklich nicht werden. Und außer Kyo schienen alle ganz witzige Jungs zu sein. Trotzdem fühlte ich mich etwas fehl am Platz. „Sag mal Kazuki, Tooru meinte, dass du ein hervorragender Musiker wärst. Stimmt das?“ „Naja, ich kann ein bisschen singen und spiele Gitarre, aber hervorragend ist anders…finde ich. Ihr seid hervorragend, ich bin nicht mal ausreichend.“ Kaoru musterte mich mit interessierter Miene. „Mhh, vielleicht sollten wir dich Mal mit in unseren Proberaum nehmen und eine Jamsession veranstalten.“ „Warum denkt ihr eigentlich ich wäre so toll?“ „Weil Tooru sich selten irrt“, kam es dieses Mal von Die, dem bisher stillsten. Shinya und Toshiya kehrten zu uns zurück und bestellten noch eine Runde Bier. Die Jungs unterhielten sich über die Tour und ich hörte raus, dass das heute das vorerst letzte Konzert war. Nun stand Studioarbeit auf dem Tagesplan. Am Schluss blieben nur noch der Bassist und ich. Irgendwie schien der schwarzhaarige sehr trinklustig zu sein. „Lass ja die Finger von dem kleinen Toshi“, warnte Shinya scherzhaft und verschwand. „Sag mal Toshiya…was hat Kyo über mich erzählt?“ Der Ältere nippte an seinem Bier und überlegte kurz. „Naja, er meinte nur, dass er vielleicht einen guten Nachwuchsmusiker gefunden hat, der mal wieder ein bisschen Abwechslung in diese ganze Popscheiße bringt…mh, ja so ungefähr hat er sich ausgedrückt. Deshalb noch Mal sorry, dass Tooru nicht da ist.“ „Schon okay…naja ich bin echt nicht so gut…egal. Woher weiß er eigentlich meinen Namen? Ich meine an dem Abend haben wir kaum geredet…“, überlegte ich. „Er hat wohl den Barkeeper gefragt…warte Moment Mal…an welchem Abend?“, fragte der Bassist jetzt neugierig. „Naja, als ich ihn nach Hause gebracht habe…“ „Du hast was?“, fiel mir Toshi ins Wort und ich sah ihn verwirrt an. „Ähm ja…er war sturzbetrunken und wollte nicht gehen. Da musste ich ihn wohl oder übel rauswerfen, hab nen Taxi gerufen und ihn in seine Wohnung gebracht.“ Die vor Überraschung geweiteten Augen meines Gegenübers machten mich etwas stutzig. „Ist das so unnormal?“ fragte ich schließlich. „Irgendwie schon…Tooru nimmt nie jemanden mit zu sich…darf ich fragen, was dann passiert ist? Du musst es mir natürlich nicht sagen…“ „Ähm, naja…wir hatten Sex…“ Jetzt spuckte der Ältere sein Bier, was er gerade im Mund hatte über den halben Tisch. „Scheiße…das erklärt so einiges…sorry Kazu, ich muss noch Mal wohin.“ Ich zog den Bassisten am Arm zurück. „Bitte warte…ich wohne in seiner Nähe, falls du zu Kyo willst komm ich mit…ich muss ihn sehen…“ Toshiya schüttelte heftig mit dem Kopf. „Oh nein glaub mir, das ist eine richtig beschissene Idee…wir können gern zusammen in die Richtung fahren, aber ich geh erst Mal allein zu ihm.“ Das verstand ich zwar alles nicht, doch war auch egal. Mit dem ganzen Alkohol in meinem Kopf ließ sich ohnehin kein klarer Gedanke fassen. Ich sollte dringend weniger trinken. Toshi gab mir tatsächlich noch seine Nummer und verabschiedete sich dann von mir.   Irgendwie deprimiert schlurfte ich durch das Treppenhaus zu meiner Wohnung. Noch bevor ich aufschließen konnte, überfiel mich Sota. Es kam mir vor als lägen Wochen zwischen unserem letzten Treffen. Ich zog meine Klamotten aus und ließ mich ins Bett fallen. Mein Freund legte sich neben mich und sah mir mit Sicherheit an der Nasenspitze an, dass etwas nicht stimmte. „Wer hat dir denn die Laune verdorben?“ „Das glaubst du mir niemals“, krächzte ich und mein Mund war auf einmal so trocken. Ich holte mir ein Wasser. „Verdammt Kazu…kannst du nicht wenigstens in Shorts schlafen.“ Ich exte die Flüssigkeit in meinem Glas und füllte es gleich noch einmal. Wunderschön unperfekt. Diese Worte hallten in meinem Kopf. Ausgesprochen von dem Mann, in den ich mich verliebt hatte. Warum ausgerechnet er? Und warum hatte er heute nicht da sein können? „Nein kann ich nicht. Musst ja nicht hier pennen“, fuhr ich Sota ungewollt an und kroch wieder unter die Decke. „Oh oh…was ist los? Bitte rede mit mir.“ Ich stützte mich auf die Ellenbogen. „Bin ich ein guter Musiker Sota?“ Mein Freund sah mich irritiert an. „Klar, aber wie kommst du denn jetzt darauf?“ „Das heißt du denkst auch, dass ich weit mehr Potenzial hätte und mein Geld nicht in dieser schäbigen Bar verdienen müsste?“ „Naja, versuchen solltest du es auf jeden Fall…“ Etwas erzürnt stieg ich wieder aus dem Bett und zündete mir eine Zigarette an. „Und warum verflucht noch Mal hast du mir das nie gesagt? Musste da erst dieser Scheiß passieren?“, fluchte ich. „Kazuki verdammt, was für Scheiß ist denn passiert? Rede doch endlich mit mir!“ „Kyo hat mich gefickt, mir dann gesagt, dass ich ein guter Musiker bin und mich dann zum Konzert eingeladen, von dem ich gerade komme. Doch hab ich ihn nicht mehr gesehen…“ Mein Freund schaute mich ähnlich schockiert an wie Toshiya zuvor. „Kyo? Der Kyo? Ich meine der Dir en Grey Kyo?“ „Ja genau der…hat mich in der Bar besucht…hab ihn erst gar nicht erkannt, erst als ich ihn nach Hause gebracht hab…er hat seine Wohnung hier um die Ecke.“ „Wow…ich bin sprachlos…da lass ich dich Mal zwei Tage aus den Augen und verführst den Sänger von Dir en Grey, das ist schon eine Leistung…und seht ihr euch wieder?...verflucht und entweder zu ziehst dir jetzt was an oder gehst unter deine Decke!“ Jetzt musste ich grinsen und augenblicklich wünschte ich mir, Kyo würde mich so begehren. Vielleicht sollte ich das Mal ausprobieren. „Warum, mach ich dich geil?“, amüsierte ich mich jetzt. „Natürlich tust du das und das weißt du genau, verdammter Idiot.“ „Wie wär‘s dann mit nem Gute-Nacht-Fick?“ Sota entblößte sich für mich und wir besiegelten unser Ritual. Erschöpft schlief ich dann in den Armen meines Freundes ein. Warum nur konnte Kyo nicht so unkompliziert sein. Kapitel 4: ein düsterer Geburtstag ---------------------------------- So sehr ich mich auch anstrengte, ich bekam den Sänger nicht mehr aus meinem Kopf. Ich spielte wieder in der Bar, jedoch ohne wirklich Freude daran zu haben. Das einzige, was ich fühlte war Schmerz. Warum auch hatte ich mich verlieben müssen? In den Sänger von Dir en Grey. Bescheuerter ging es ja wohl echt nicht. Erstens hat er mir mehr als deutlich gemacht, dass er kein Interesse an Liebe oder Beziehungen hat und außerdem hätte das ohnehin keine Zukunft. Schon allein, wenn Kyo und die Jungs auf Welttournee sein würden. Was wurde dann in der Zeit aus mir? Nein, das sollte ich mir dringend aus dem Kopf schlagen. Ich hasste ihn trotzdem. Noch zwei Tage bis zu meinem Geburtstag und meine Laune näherte sich dem Tiefpunkt, der schlimmer oder düsterer nicht hätte sein können. Ich bekam heute irgendwie mehr Geld als sonst. Woran das wohl lag? Immer wieder schaute ich unbewusst auf den Tisch, doch Kyo tauchte einfach nicht auf. Wenn ich die Augen kurz schloss, erschien dort auf dem Stuhl seine geisterhafte Silhouette. Mehr nicht. Eine Woche war jetzt vergangen. Eine Woche, in der mein Herz fast so schwer war, dass ich es kaum noch mit mir herumschleppen wollte. Und dann war er da, der verhassteste Tag im Jahr. Ein Tag voller unschöner Rituale, die mein Leben prägten. Doch waren es Rituale für mich, die mich irgendwie am Leben hielten. Allein hockte ich hier in meiner Wohnung und trank die halbvolle Flasche Schnaps leer. Trinken, um zu vergessen und Schmerzen um zu fühlen. Die Rasierklinge schnitt durch mein weißes Fleisch. Jedes Jahr dasselbe Ritual. Jedes Jahr drei neue Narben. Ich fühlte den Schnitt, verzog das Gesicht, als der vertraute Schmerz einsetzte. Noch eine, dann war es vorbei. So rot wie Blut, so weiß wie Schnee, so schwarz wie Ebenholz. Warum mir das Märchen von Schneewittchen gerade jetzt in den Sinn kam, wusste ich selbst nicht so genau. Früher, als ich noch ganz klein war, hatte mir meine Mutter immer aus dem dicken Märchenbuch vorgelesen, in der Hoffnung ich würde ihre Muttersprache irgendwann perfekt beherrschen. Ein verstoßenes Mädchen, welches mehrfach versucht wird von ihrer ach so tollen Familie ermordet zu werden. Schöne Kindergeschichte und trotzdem mochte ich dieses Schneewittchen, weil sie am Ende doch ihren Prinz bekam. Doch leider war die bittere Realität weit aus schräger und viel härter als das Märchen und mein Prinz würde wohl niemals kommen. Das Blut rann meinem Oberkörper hinab und bahnte sich seinen eigenen Weg bis zu meinem Bauchnabel. Die Spur verlief nach unten immer dünner. Die Tür flog auf, verdammt, warum hatte ich vergessen abzuschließen? Sota, wer sonst. Und Toshiya? Was wollte der denn hier? Beide kamen auf mich zu. Mein Freund riss mir die Rasierklinge aus der Hand und warf sie in de Müll. „Verdammt, hört das denn nie auf?“, schrie er mich wütend und besorgt zugleich an. Ich schüttelte mit dem Kopf und trank einen großen Schluck. Auch die Flasche wollte er mir wegnehmen. „Untersteh dich Sota! Lass mir wenigstens den Rausch!“, fuhr ich ihn an und hängte mir eine Decke über. Ich trug sonst nur eine Hose. Noch mehr trinken, ja das war ein guter Plan. Ich wollte diesen Tag endgültig vergessen. Die herbstliche Kälte kroch in meine Glieder. Jemand packte mich und trug mich weg. Wohin wusste ich nicht und es war mir auch egal. Ich hörte Stimmen um mich, verstand jedoch kein Wort. Dann schlief ich ein. Wohlige Wärme umfing mich und es roch nach essen. Erst jetzt vernahm ich das lautstarke Knurren meines Magens. Ich zog die Decke enger um meinen Körper, damit die Wärme nicht entfliehen konnte. Nie mehr wollte ich diesen wohligen Ort verlassen. Ich rollte mich nach links und wurde aus einer Wand von Kissen empfangen. War ich im Himmel? Quatsch, den gab es doch gar nicht. Neben mir gab das Sofa nach und jemand strich mir zärtlich die Haare zur Seite. Ich hatte meine Augen noch immer geschlossen, weil ich nicht aufwachen wollte. Zuviel Angst vor der Realität. „Hey Kazu…das Essen ist fertig. Ein bisschen was solltest du zu dir nehmen.“ Diese Stimme? Woher kannte ich die bloß? So vertraut und voller Liebe. Tooru. Kyo. Nein, das konnte nicht sein. Erschrocken schlug ich meine Augen auf und blickte in das bebrillte Gesicht von Kyo. Ohne zu überlegen schlang ich meine Arme um ihn und heulte bitterlich. Ließ alle angestauten Gefühle der letzten Woche raus und auch er legte seine Arme um mich. Doch schnell riss ich mich wieder von dem schönen Sänger los. Wie peinlich war das denn bitte? Eine leichte Röte stieg mir ins Gesicht, doch Kyo lächelte. „Tut mir leid“, murmelte ich. „Komm erst Mal was essen, dann können wir reden, wenn du willst.“ Ich schlang das Essen runter, als wäre es meine Henkersmahlzeit und nach einer zweiten Portion ließ ich mich papp satt in den Stuhl sinken. Kyo räumte den Tisch ab und wir lümmelten uns wieder auf’s Sofa. Der Sänger zog mich wieder in seine Arme. Was war passiert, dass er auf einmal so liebevoll mit mir umsprang? Ich spürte noch ein leichtes ziepen auf der Brust und jetzt erinnerte ich mich wieder dunkel. „Warum bin ich eigentlich bei dir?“, fragte ich schließlich. „Weil Toshi und dein Freund der Meinung waren, das wäre das beste für dich.“ Ich löste mich aus Kyos Armen und sprang auf. Rannte in den Flur und wollte gerade meine Schuhe anziehen, da stellte sich mir der ältere in den Weg. „Geh mir aus dem Weg…ich kann das nicht Kyo…ich ertrage es nicht.“ „Und ich lasse dich nicht gehen. Dein Zustand ist weit entfernt von Stabil…“ Mein Herz wummerte in der Brust. Dann war alles wieder da. Meine Gefühle für Kyo und die Erinnerung an den letzten Tag. „Warum kannst du Toshiya küssen und mich nicht?“, platzte es auf einmal ungewollt aus meinem Mund. Da umfingen seine Hände mein Gesicht. Eine Hand schob sich in meinen Nacken und seine Lippen näherten sich den meinen. Der Kuss raubte mir fast den Atem und wieder rannen mir heiße Tränen den Wangen herab, doch der schöne Sänger schien sich daran nicht zu stören. Seine Zunge leckte über meine Unterlippe und wir intensivierten den Kuss. Sein Arm hielt mich, bevor meine Beine nachgaben. „Das ist ein Kuss…was zwischen Toshi und mir läuft sind freundschaftliche Gesten.“ „Mhh und warum hast du mich geküsst?“ Kyo seufzte und führte mich zurück ins Wohnzimmer und um sich eine Zigarette anzustecken. „Das wüsste ich auch gern…vielleicht weil du zum Anbeißen süß bist und ich schon allein bei dem Gedanke an dein Intimpiercing nen Ständer bekomme.“ Hatte ich mich da gerade verhört? „Dein Ernst? Das sagst du mir erst jetzt?“, witzelte ich und überlegte tatsächlich nackt durch die Wohnung zu laufen. Wie schaffte er es meine bis eben noch düstere Laune nahezu in Luft auf zu lösen? „Ja mein Ernst. Außerdem finde ich noch immer, dass du ein guter Musiker bist und ich würde dich gern unterstützen…und anstatt dich alleine in deinen eigene vier Wänden blutig zu ritzen und zu dich besaufen, solltest du dein Talent besser zum Schreiben von Songs nutzen. Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche.“ „Ach ja? Dann weißt du also auch, wie beschissen es sich anfühlt von der eigenen Familie verstoßen zu werden?“, knurrte ich. „Familie, Freunde und von einem geliebten Menschen. Ja ich weiß tatsächlich wovon ich spreche und es hat mich fast zerstört Kazu. Ich kann dich vielleicht nicht vor deiner Selbstzerstörung schützen, aber ich kann versuchen dir beizustehen…immerhin hab ich das selbst jahrelang getan…um den Schmerz zu kompensieren…“ „Wir kennen uns nicht Mal richtig, warum sollte ich dir vertrauen? Du kannst mir ja doch nicht geben, was ich will.“ Kyo schaute mich sehr lange an, verschwand dann in der Küche und setzte Tee auf. Hatte ich ihn verärgert? Ich folgte ihm und schlang meine Arme von hinten um ihn. Sog seinen Geruch ein und wollte diesen nie vergessen. Ja, vielleicht konnte mir Kyo nicht das geben, was ich mir am sehnlichsten wünschte, doch er tat mir gut und verstand mich vielleicht wirklich. Nicht mal Sota schaffte es mich von meinen selbstzerstörerischen Aktionen abzuhalten, auch wenn er mein Freund war. Doch viel wusste er nicht, weil er mich nie nach dem Grund gefragt hatte und das war auch gut so. Er nahm es hin, irgendwie. Zumindest bist zum letzten Jahr, als ein Schnitt zu tief ging und er den Krankenwagen holen musste. Ich fühlte mich so erbärmlich und diese Gefühle ließen mich verrückt werden. Oft wirkte ich zwar selbstbewusst, aber auch nur, weil ich ein guter Schauspieler war. Früher hatten wir eine Theatergruppe an der Schule, in der ich gewesen bin. Dort lernte ich, wie ich meine Gefühle verdrängen konnte, um mich selbst zu schützen. Sonst hätte ich es vermutlich nicht ausgehalten. Diese ganzen Anschuldigungen, die bitterbösen Worte und schließlich der Ausschluss. Gewalt war eine Lösung, für manche Menschen zumindest. Kyo drehte sich um und schaute in meine glasigen Augen. „Du hast Recht, wir kennen uns nicht richtig und ich schwöre dir, ich bin weit davon entfernt der nette, fürsorgliche Freund zu sein…frag meine Jungs. Vielleicht bin ich auch nicht der Mensch, dem man sofort sein Vertrauen schenkt…aber du?“ Als wäre er selbst überrascht über seine Aussage schüttelte Kyo mit dem Kopf und ein Lächeln huschte über seine Lippen. „Was ist mit mir? Bin ich so bemitleidenswert, dass du deine Prinzipien über Bord wirfst?“, flüsterte ich. „Wenn du es unbedingt so ausdrücken willst, bitte.“ „Ich gehe immer zuerst vom schlimmsten aus…immerhin bin ich in deinen Augen ja auch wunderschön unperfekt…“ Der schöne Sänger zog mich in einen Kuss. Dieses Mal wurde ich fordernder und eroberte seinen Mund. Schmeckte ihn und auch das wollte ich nie mehr vergessen. Bevor mein Gehirn völlig aussetzte, löste sich Kyo von mir, doch ich konnte die Lust in seinem Blick sehen. Deshalb küsste ich ihn erneut und drückte mich enger an seinen Körper. Ein leichtes Stöhnen entfuhr ihm und ich grinste. Ich wagte noch einen weiteren Schritt und ließ meine Hände unter seinen Pullover gleiten. Endlich konnte ich ihn wieder berühren. Der Teekessel pfiff und erneut löste sich der Sänger von mir. Sein Pulli rutschte ein bisschen hoch, als er sich streckte und zwei Teetassen aus dem Regal holte. Ich seufzte und machte mir wieder bewusst, dass er mich niemals lieben würde. Er mochte mich vielleicht, doch mehr auch nicht und immerhin trennten uns auch fast zehn Jahre. Kyo reichte mir die Tasse. „Tut mir leid, wenn du das negativ aufgefasst hast. Du bist wunderschön Kazuki, nur habe ich das Gefühl, dass dir das viel zu selten jemand sagt. Deshalb unperfekt. Die meisten Leute und zu denen zähle auch ich mich, sind von ihrem guten Aussehen so überzeugt, dass es ihnen irgendwann gleichgültig wird, ob sie von anderen bewundert werden oder nicht. Aber du bist anders.“ Ich pustete in meine Tasse und trank einen Schluck. „Und trotzdem werde ich deinen Ansprüchen niemals gerecht werden können. Es reicht vielleicht eine Zeit lang, weil dir der Sex gefällt und dann? Was genau willst du von mir Kyo?“ „Ich möchte dich davon überzeugen, dass du ein talentierter Musiker bist. Alles andere wird sich entwickeln. Und der Sex gefällt mir wirklich…daran könnte ich mich gewöhnen.“ Verdammt warum machte mich dieser Mann nur so verdammt willenlos? Ich stellte meine Tasse auf die Arbeitsplatte, wie auch Kyo. Dann lagen seine Lippen schon wieder auf meinen und er zog mir mein Shirt aus. Küsste mich wild und unkontrolliert. Unsere Zungen schienen miteinander zu kämpfen, ebenso wie mein Verstand und mein Herz. Seine Daumen strichen über meine Hüftknochen, küsste mich entlang meines Halses und wanderten tiefer. Seine Hand zwischen meinen Beinen ließ mich aufkeuchen. Mit seinen Zähnen streifte er meine Brustwarzen, umkreiste sie mit der Zunge und wanderte tiefer. Meine Hände krallten sich in die Tischplatte und mein Kopf sank mit einem weiteren lustvollen Stöhnen nach hinten. Da kamen wir Kyos Worte wieder in den Sinn. „Gefällt dir, was du siehst?“, raunte ich und auch er grinste mich lüstern an. „Mehr als du dir vorstellen kannst.“ „Kyo…ich will dich…jetzt…“ „Ich fürchte dein wunderschöner Penis lechzt auch nach meiner Aufmerksamkeit…aber keine Angst…du bekommst mich schon noch…“ Schon allein bei seinen Worten spürte ich das lustvolle Ziehen in den Lenden und genoss sein Spiel. Ich ließ mich fallen, spürte seinen Mund an meinem heißen Fleisch. Oh Gott, dieses Bild würde ich nie und nimmer aus dem Kopf bekommen. Seine Zähne streiften meine Haut ganz leicht und doch schoss mir eine Art elektrischer Impuls durch den Körper. Es fühlte sich so gut an. Viel zu gut und ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr beherrschen und ergoss mich in seinem Mund. Noch bevor ich wieder richtig klar denken konnte, lag ich auf dem Küchentisch und der erste Stoß kam etwas überraschend, streifte meinen lustvollsten Punkt wieder und wieder. Doch ließ er mich Zeit, zog sich fast ganz aus mir zurück. Wieder stöhnte ich auf, weil ich mehr wollte. So viel mehr. Viel mehr Kyo. „Komm für mich…“, hörte ich mich sagen und mein Lieblingssänger grinste mich ein bisschen herablassend an. „Oh liebend gerne…“ Der nächste Stoß war wieder heftiger und schneller. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten war. Schließlich kam er dieser Bitte nach. Wir duschten zusammen und ich hielt es nicht für nötig meine Klamotten wieder anzuziehen. Kyo zog wenigstens eine Hose über. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es schon recht spät war und ich eigentlich nach Hause gehen sollte. Doch solange ich nicht rausgeschmissen wurde, war ja alles gut oder? Ich nahm meinen Tee mit aufs Sofa und kuschelte mich in die Decke. Er ließ sich neben mir nieder und mein Kopf sank an seine Schulter. „Oh Kazu, was tust du mit mir?“ Fragend sah ich zu ihm auf. „Wie meinst du das?“ Er führte meine freie Hand zwischen seine Beine und spürte die deutliche Beule in seiner Hose und grinste. „Warum machst du mich so verrückt?“ Nach der zweiten Runde kuschelte sich auch Kyo zu mir unter die Decke. Ich hätte niemals für möglich gehalten ihm jemals so nahe zu kommen. Mit jeder Minute, die wir mehr miteinander verbrachten, schien er sich mir mehr zu öffnen und ich fragte mich langsam weshalb. Unser erstes Treffen lag knapp zwei Wochen zurück und doch kam es mir vor als würden wir uns schon eine halbe Ewigkeit kennen. Er holte den Aschenbecher und die Zigaretten, steckte sich eine zwischen seine Lippen, zündete sie an und nahm einen tiefen Zug. Ich stibitzte sie ihm weg und erntete einen bösen Blick. Doch dabei blieb es und er holte sich eine neue Kippe aus der Schachtel. „Genau sowas meine ich…bei jedem anderen würde ich ausflippen, wenn er mir meine Zigarette klaut…aber bei dir? Deshalb, was tust du mit mir Kazuki?“ Ich blies den Rauch aus und ließ meinen Kopf wieder in seinen Schoß sinken. „Ich habe mich in dich verliebt…vielleicht ist es das…“, bemerkte ich so beiläufig wie möglich doch der Sänger warf mir einen entsetzten Blick zu. „Sowas sagt man nicht einfach so leichtfertig“, entgegnete er mit erzürnter Stimme. „Das ist mein voller Ernst…ich liebe dich Kyo…“ Jetzt hatte sein Gesicht wieder denselben verbitterten Ausdruck wie immer. Er drückte die Zigarette aus und stand auf. Na toll, ich hatte es vermasselt. Hatte ich nicht einfach meine Klappe halten können? Ich beobachtete ihn dabei, wie er seine Klamotten zusammen sammelte, sich anzog und verschwand. Die Tür fiel ins Schloss und ich blieb allein zurück. Wieder Mal. Was sollte ich jetzt machen? Hier bleiben oder gehen? Schließlich entschloss ich mich für letzteres. Ich schrieb ihm noch einen Zettel und hinterließ meine Nummer, in der Hoffnung er würde sich bei mir melden. Kapitel 5: Geständnisse im Proberaum ------------------------------------ Natürlich ließ Kyo nichts von sich hören. Was hatte ich auch von ihm erwartet? Dass er mir seine Liebe ebenso gestand? Was für ein Schwachsinn. Ich schrieb ein paar neue Texte. Der erste Schnee fiel und ich schaffte es meine selbstmörderischen Gedanken soweit im Zaum zu halten. Takashi freute sich, als ich bei ihm aufschlug und fragte, ob ich wieder in seiner Bar spielen dürfte. Es schien ein Abend wie jeder andere zu sein. Ein Samstag Anfang November. Die Menschen stimmten sich langsam auf das Fest der Liebe ein und die Bar erschien mir voller als sonst. Auf mein Freigetränk vor der Show hatte ich dieses Mal verzichtet. Irgendwie war ich nervöser als sonst. Lag das an meinen neuen Songs? Ich stimmte das erste Lied an. Zuerst erfüllte nur der Klang meiner Gitarre den Raum, dann kam meine Stimme hinzu und alle Gespräche verstummten. Das war neu, doch ließ ich mich nicht beirren. Es motivierte mich nur mehr und zum ersten Mal in meinem verkorksten Leben fühlte sich etwas richtig an. Ich spielte mehr mit meiner Stimme als sonst und gab alles. Auch eine Pause legte ich nicht ein, weil ich völlig mit der Musik verschmolz. Der Applaus nach meinem letzten Song ließ mich wieder in der Realität ankommen. Ich grinste, verbeugte mich tief und bedankte mich. Da fielen mir drei Männer auf, die sonst nie hier waren und mein Grinsen wurde breiter. Toshiya, Die und Kaoru. Ich begrüßte die Jungs und bestellte eine Runde Bier. „Du warst echt nicht übel kleiner“, sagte Kaoru und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. Doch meine gute Laune wurde ein bisschen betrübter und Toshi schien das als erster zu bemerken. „Er ist im Studio…schon seit Tagen. Morgen sollen wir alle kommen, auch du.“ „Sicher? Ich weiß nicht, ob er mich sehen will.“ „Das hat er ausdrücklich gesagt“, meinte Daisuke. Ich seufzte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich dem gewachsen war. Sechs Augenpaare waren auf mich gerichtet und sie mussten nicht Mal fragen, was passiert war. Ihre Blicke sprachen Bände. Ich sank immer tiefer in meinen Stuhl hinein, nippte am Bier und versuchte die Blicke der Jungs zu ignorieren. „Wann und wo treffen wir uns?“, wich ich aus. „Tooru meinte, er schreibt dir die Adresse…Kazuki, was ist passiert…“, drängte Kaoru. Ich zuckte unschuldig mit den Schultern. „Ich weiß nicht was du meinst.“ Toshiya legte seinen Kopf schief und zog eine Augenbraue hoch. „Schon Mal daran gedacht, dass wir dir vielleicht helfen könnten?…und außerdem bist du ein miserabler Lügner.“ Ich seufzte, zündete mir eine Zigarette an und trank noch einen Schluck. „Na schön…ich hab ihm gesagt, dass ich ihn liebe…“, wisperte ich und hoffte, dass es keiner verstand. „Du hast was? Scheiße…dann solltest du dir wirklich überlegen, ob du morgen mitkommst“ Ich ignorierte das ziehen in der Brust. Auf einmal kicherte Die und wir alle schauten ihn fragend an. „Wow, starke Leistung Kleiner…Tooru scheint dich zu mögen, sonst hätte er dich nicht in den Proberaum bestellt. Jetzt schaut den Kurzen nicht so kritisch an Jungs. Kyo hat sich im Proberaum verschanzt, weil er neue Texte schreibt. Und das nachdem ihm unser Kazuki seine Liebe gestanden hat, vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für unser Sängerchen.“ Das war der längste Satz, den ich von Daisuke gehört hatte, seit wir uns kannten. „Vielleicht hast du Recht und Shinya ist bei ihm…das verheißt meist auch was Gutes.“ Ich verstand nur Bahnhof, beließ es aber dabei.   Kyo hatte mir tatsächlich eine Nachricht mit der besagten Adresse geschickt doch nichts weiter. Nur die Adresse, keine Begrüßung oder ein „Hey, wie geht’s dir“. Nur die verdammte Adresse. Naja immerhin. Ich war das reinste Nervenbündel als ich an dem Areal ankam, wo sich -der Proberaum von Dir en Grey befand. Dieser befand sich in einem größeren Hinterhof eines Fabrikgeländes, umgeben von Hochhäusern und wenig Grünfläche. Trotz meiner dicken Jacke und dem Schal fröstelte es mich. Zu meinem Unglück stand Kyo auch noch draußen und rauchte. Langsam und mit wummernden Herzen ging ich auf ihn zu. Er wirkte wie ein heller Fleck in dieser tristen grauen Umgebung. Der Nieselregen peitschte mir ins Gesicht und ich zog die Kapuze tiefer, als könnte sie mich vor dem nasskalten Wetter beschützen. Die knallenge Jeans saß perfekt auf seinen Hüften und das weiße Shirt, das er unter der schon recht abgewetzten Lederjacke trug, schloss gerade so mit dem Bund seiner Hose ab. Es sollte verboten werden so gut auszusehen! Auch sein Gesicht war zur Hälfte von einer Kapuze verdeckt. Er hob kurz die Hand zum Gruß und schwieg. Ich atmete tief ein und wieder aus. Mit dem Hintergedanken, dass das vermutlich die dümmste Idee meines Lebens sein würde, griff ich nach der Zigarette in seiner Hand, nahm zwei Züge und gab sie ihm zurück. Sein Blick sprach Bände und ich wollte mich schon ins Innere verziehen. Da zog er den Schlüssel aus seiner Hosentasche und hielt ihn mir vor die Nase. Verdammt, ich war ein toter Mann. „Hat dir nie jemand beigebracht, dass man nicht mit dem Feuer spielen sollte?“ „Doch, aber ich tue es trotzdem…es gibt mir irgendwie diesen gewissen Kick.“ Wow, ich überraschte mich selbst. Plötzlich war sein Gesicht viel zu nahe an meinem, doch er küsste mich nicht. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich hoffte, dass die anderen bald eintreffen würden, denn ich fühlte mich ein bisschen wie eine Antilope oder eine Gazelle. Von seiner Beute anvisiert, doch bevor der Tiger sich an seiner Mahlzeit labte, spielte er mit ihr. „Du solltest es trotzdem nicht zu weit treiben“, flüsterte er mir bedrohlich zu. Seine Worte bereiteten mir eine Gänsehaut und auch wenn mein Gehirn diese Drohung als solche empfangen hatte, sprach mein Körper eine ganz andere Sprache und ich fragte mich ernsthaft, wie ich diesen wunderschönen Mann für mich gewinnen konnte. „Ich kann nichts für meine Gefühle und wenn du mich nicht sehen willst, musst du mich wegschicken“, konterte ich. „Verdammt Kazu!“, war alles, was er erwiderte und schließlich aufschloss. 1:0 für mich würde ich sagen. Da näherten sich auch schon die anderen vier Diru Members und betraten mit uns den Proberaum, der recht spärlich eingerichtet war, doch was hatte ich erwartet? Die schwere Metalltür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss. Der Raum teilte sich in zwei kleinere Räume. Im ersten befand sich ein sehr mitgenommenes schwarzes Sofa, ein kleiner Tisch und ein Sessel, der einen zu verschlingen drohte, wenn man sich in ihm nieder ließ. Ein Aschenbecher stand auf dem Tisch und quoll beinahe über. Auch waren Aschreste auf dem Tisch verstreut. Im zweiten Raum herrschte mehr Ordnung und jedes der Instrumente schien seinen festen Platz zu haben. Die Jungs nahmen ihre Positionen ein. Die Probe verlief härter als erwartet und war alles andere als Zuckerschlecken. Die sonst so lustigen Jungs, mit der Ausnahme von Kyo, mutierten zu ernst zu nehmenden Profis, die ihr Handwerk verstanden und keine Fehler zuließen. Auch der sonst so witzige Kaoru legte einen anderen Ton an die Tagesordnung. Sie motzten sich gegenseitig an, wenn etwas nicht klappte und mein liebster Sänger schien kurz davor zu sein, alle aus dem Proberaum zu schmeißen. Mir rutschte das Herz in die Hose. Nach etwa zwei Stunden kamen sie zu mir, lachend, scherzend und klopften sich anerkennend auf die Schultern. Als sie meinen irritierten Blick bemerkten, schien sie das nur noch mehr zu erheitern. „Guck nicht so…so sind wir eben, verdammt anspruchsvoll und jaaaa, wir mögen uns. Doch ohne Disziplin funktioniert das nicht. Glaub mir, mit dir werden wir nicht so hart ins Gericht gehen. Die Bühne ist frei. Zeig uns, was du kannst“, bat mich Kaoru. Ich, ein nervliches Wrack schnappte mir meine Klampfe, hockte mich ans Mikro und stimmte mich zuerst ein bisschen ein und begann dann zu spielen. Dummerweise leistete ich mir auch den einen oder anderen Patzer. Doch ich versuchte darüber hinweg zu sehen. Ich trug auch mein neuestes Lied vor und dann war es vorbei. Ich schaute die Jungs fragend an und erntete einen Applaus. Nur Kyo musterte mich mit unzufriedener Miene und kam auf mich zu. Mein Herz rutschte mir schon wieder in die Hose und ich wollte mich schon auf das Schlimmste gefasst machen. „Du scheinst nicht ganz bei der Sache zu sein. Noch Mal.“ Zuerst wollte ich ihn für diese Worte rügen, doch dann legte er seine Hände auf meine Schultern und ich wurde tatsächlich ruhiger. „Schließ deine Augen“, bat er mich mit sanfter Stimme. Ich tat es. Wie hätte ich bei dem Klang seiner Stimme auch etwas anderes tun können. „Und jetzt spiel das letzte Lied noch ein Mal.“ Ich tat wie mir geheißen und fühlte mich auf einmal wieder so wie gestern. Frei und nur mit meiner Musik verschmelzend. Auch schaffte ich es die Augen die meiste Zeit geschlossen zu halten und mit all meinen Emotionen zu singen. Wieder Applaus, dieses Mal auch von dem schönen Sänger. „Und, merkst du den Unterschied? Diese Leistung will ich ab jetzt immer sehen. Morgen dasselbe noch mal. So Schluss für heute, morgen wird noch Mal geprobt. Schlaft euch aus, ich will morgen 200% von euch sehen!“ Alle gingen und auch Kyo machte sich zum Aufbruch bereit. Ich fasste all meinen Mut zusammen und ergriff seine Hand. „Ist alles okay zwischen uns?“, fragte ich endlich mit zittriger Stimme. „Ich bin nicht sicher…dein Geständnis macht mir ganz schön zu schaffen…ich bin kein Mann den man lieben sollte Kazu.“ „Aber ich kann doch nichts für meine Gefühle…bitte verstoße mich nicht…wir können immer noch Sex haben. Ich komm damit klar.“ Doch Kyo schüttelte mit dem Kopf. „Aber ich nicht. Du sagst du liebst mich, doch woran machst du das fest? Nur weil ich Mal ein bisschen nett zu dir war?“ „Nein,…ja auch, aber es hat schon davor begonnen…naja, da war es vielleicht nur eine dumme Schwärmerei. Doch als ich dich dann kennenlernte, änderten sich meine Gefühle und sobald ich in deiner Nähe war, fühlte ich mich so geborgen…glücklich und akzeptiert. Du hast mir die Kraft gegeben an mich zu glauben Kyo…deshalb.“ „Tue es als Schwärmerei ab…mehr kann ich dir nicht geben“, fertigte er mich ab. Doch ich wollte nicht aufgeben. Ich konnte ihn jetzt nicht gehen lassen. Mit einem Satz war ich bei ihm und presste meine Lippen auf seine. Seine Reaktion war die Gewohnte, doch schnell drückte er mich von sich weg. „Du willst wissen, warum ich dich so verrückt mache Kyo? Weil auch du mehr für mich empfindest, als du zugibst. Ich bin nicht bescheuert und kann sehr gut unterscheiden, ob ich Sex mit Gefühlen oder Sex ohne Gefühle habe. Mit Sota ist es nicht mal annähernd so aufregend wie mit dir.“ Meine Worte erzielten seine erhoffte Wirkung. „Du vögelst ihn? Seit wann?“, fuhr er mich aufgebracht an. „Schon eine Weile…das hat lange vor dir angefangen und warum muss ich das rechtfertigen? Du und ich sind kein Paar, also entspann dich.“ Sein Gesicht war jetzt schmerzerfüllt. „Du sagst du liebst mich und fickst einen anderen Kerl?“, bluffte er mich noch immer an. „Verdammt Kyo, was erwartest du denn von mir? Ich habe auch meine Bedürfnisse und höre jetzt bestimmt nicht damit auf, nur weil dir mir der Sex mit dir gefällt.“ „Dann untersteh dich gefälligst von LIEBE zu reden…“, keifte er, jedoch weit aus weniger herrisch als zuvor. „Doch, ich maße mir an von LIEBE zu sprechen, denn ich kann an nichts andere mehr denken…du dominierst meine Gedankenwelt…ich sehe dich auf der Bühne singen…ich sehe dich an unserem letzten Abend oder wie du deinen Kopf in Toshiyas Schoß bettest. All diese Erinnerungen bringen mich mehr oder weniger lebendig durch den Tag…weil du darin die Hauptrolle spielst…und falls es dich beruhigt, seit unserem letzten Mal geht bei Sota und mir nichts mehr…ich kann nicht, weil ich eben dich im Kopf habe.“ Plötzlich zog er mich auf den Sessel und küsste mich als gäbe es keinen Morgen mehr. Mein Körper begann vor Erregung zu beben und auch den schönen Sänger packte die Leidenschaft und er vögelte mir buchstäblich die Seele aus dem Leib. Meine Güte konnte der besitzergreifend sein. Kyo zog mich auf seinen Schoß und streichelte über meinen Rücken. „Sag deinem Sota gefälligst, er sollte in Zukunft die Finger von dir lassen, sonst muss ich sie ihm brechen. Schön, du liebst mich? Dann untersteh dich je wieder etwas mit einem anderen Typen anzufangen, denn ich teile meinen Besitz nicht gerne.“ Wow, das war mal eine unerwartete Ansage und ich war ein bisschen geplättet. Naja eher völlig aus dem Häuschen. Hatte mich Kyo gerade unbewusst sein eigen genannt? „Aber so funktioniert das nicht…ich meine, was ist das jetzt zwischen uns?“ Wieder funkelte er mich mit diesem Blick an, den ich so gar nicht mochte. Er schob mich von seinem Schoß. „Scheiße ich brauch jetzt ein Bier, willst du auch eins?“ Ich nickte nur. Kyo reichte mir die Flasche, ließ sich in den Sessel fallen und musterte mich eine Weile. Dann schaute er im Raum umher, als wäre er sich nicht ganz sicher, was er sagen sollte. Er zündete sich eine Zigarette an und warf auch mir die Schachtel rüber. „Hör zu du kleine Nervensäge…glaub mir, ich hasse es, wenn ich anderen Recht geben muss, aber du hast Recht…ich empfinde mehr für dich. Am liebsten hätte ich dich den ganzen Tag um mich herum…nackt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es Liebe ist, was ich für dich empfinde…ich habe Mal jemanden geliebt und der hat mich ziemlich heftig enttäuscht…mich verarscht und mir das Gefühl gegeben ich wäre der widerwärtigste Mensch auf der Welt. Früher fand ich mich hübsch, habe hin und wieder mit meinen Fans geflirtet oder mich auf die eine andere Affäre eingelassen. Das änderte sich schlagartig und nun bin ich 40 und das Gefühl ist noch immer da. Manchmal zumindest. Bis zu dem besagten Abend, an dem ich dich traf…ich würde dir gern sagen, dass du dir doch jemanden suchen könntest, der deine Liebe mehr verdient als ich…aber ich will das nicht. Es macht mich verrückt, wenn ich auch nur daran denke ein anderer Mann berührt deinen Körper…glaubst du wir können so irgendwie zusammen sein?“ Mein Atem ging unregelmäßig und mein Herz drohte vor Glück zu zerspringen. Ich trank einen großen Schluck und versuchte die sich anbahnende Erregungswelle zurück zu halten. Aber es funktionierte bei diesem Mann einfach nicht. Ich ließ mich wieder selbstsicher auf seinem Schoß gleiten. „Ja ich denke, damit kann ich leben…und versprochen, mein Körper gehört ab jetzt nur noch dir allein“, raunte ich ihm zu und zog meine Hose absichtlich noch ein Stück tiefer. Öffnete einen Knopf, dann den nächsten und den dritten. „Fass mich an.“ „Du holst dir noch den Tod, wenn du bei den Temperaturen dauernd ohne Unterwäsche rumläufst.“ „Das ist es mir wert und dir gefällt es scheinbar auch.“ „Du machst mich fertig Kazuki“, erwiderte mein schöner Sänger und berührte meine Erregung. Seine Hände bewegten sich auf und ab, mit dem Daumen verrieb er den Lusttropfen. Er beschleunigte seine Bewegung und ich krallte mich in seine Schultern, als mich der Höhepunkt überrollte. Oh Mann, ich würde einfach nie genug von diesem Kerl bekommen.   Kyo wollte mich mit zu sich Hause nehmen, doch ich musste mir erst ein paar Sachen bei mir holen, da ich ja keine Klamotten für morgen dabei hatte. Nach einem kurzen Disput ließ er mich schließlich gehen. Gerade als ich auf dem Sprung war, hielt mich Sota auf und bat mich um ein paar Minuten meiner Zeit. Ich schrieb Kyo, dass ich noch was mit meinem Freund zu klären hätte und mich etwas verspätete. Sota öffnete eine Flasche Wein bei sich und bot mir ein Glas an, welches ich dankend annahm. Irgendwas war heute anders an ihm, er wirkte so still und fast schon ein wenig verunsichert. „Kazu…ich bin nicht sicher, wie beginnen soll…“, begann er doch hielt mitten im Satz inne und zeigte auf meinen Hals. Ich wusste erst nicht Recht, was er meinte und warf einen kurzen Blick in den kleinen Spiegel an der Wand gegenüber vom Bett, auf dem wir hockten. Da hatte mir mein Lieblingssänger aber einen deftigen Knutschfleck verpasst. Wollte wohl sein Besitz markieren. Ich schmunzelte. „Tja…da hat mich Kyo wohl gezeichnet…“, witzelte ich. „Seid ihr jetzt zusammen oder was?“, fragte Sota irgendwie enttäuscht. Ich nickte. „Irgendwie schon.“ „Dann heißt unsere heiße Affäre endet?“ Wieder bejahte ich seine Frage mit einem Kopfnicken. „Ich fürchte ja…naja und vielleicht solltest du dir auch…“, setzte ich an, doch wurde sogleich unterbrochen, als sich Sotas Lippen auf meinen spürte. Etwas bestürzt stieß ich ihn von mir. Das war gegen unsere Abmachung und mich traf es ziemlich hart, dass er diese einfach so brach. „Sota, was…“ „Kazuki, ich liebe dich…bitte vergiss Kyo, das geht doch eh nicht lange gut…“ „WAS?“ Sein Geständnis traf mich wie ein Blitzschlag und jetzt konnte ich verstehen, wie sich Kyo gefühlt haben musste, als ich ihm mit diesen drei magischen Worten überfiel. Sogleich wurmte mich mein schlechtes Gewissen. „Kazu…ich…wie kannst du wissen, dass er immer für dich da sein wird? Ich habe dich schon immer geliebt.“ „Stop Sota…für mich war das zwischen uns nie mehr als eine Affäre…außerdem liebe ich Kyo…“ „Ach ja? Und er dich auch? Verdammt Kazu, er ist einer der größten Rockstars in Japan…nein mittlerweile ist er in der ganzen Welt bekannt. Glaubst du allen Ernstes, dass das hält? Außerdem ihr kennt euch jetzt…wie lange?“, fuhr mich mein Freund an und legte zwischen seinen Worten eine für meinen Geschmack viel zu dramatisierende Kunstpause ein. „Wir kennen uns vielleicht noch nicht lange, aber er tut mir gut…und vielleicht kann er mir helfen…“ „Helfen? Wobei?“ „Wie ich es in den Griff bekomme…wie ich meinen Schmerz in Musik umsetze…“ Sota schaute mich noch immer beleidigt an und es tat schon weh. Immerhin kannten wir uns schon so lange und ich fühlte mich ungerecht behandelt. „Ach ja? Weil er Erfahrung damit hat, wie man sich selbst verletzt?“ „Er hat für sich einen Weg gefunden damit umzugehen…außerdem…warum kannst du dich nicht einfach für mich freuen?“, keifte ich jetzt zurück. Sota leerte sein Glas in einem Zug und schenkte sich nach. Ich konnte und wollte das nicht weiter ausdiskutieren, weil es mir zu sehr zusetzte. Mit einem lauten Knall flog die Tür zu Sotas Wohnung hinter mir ins Schloss. Da fiel mir auf, dass ich noch immer das Weinglas in der Hand hielt. Ich kehrte in mein Apartment zurück, stolperte versehentlich über die Türschwelle und fiel der Länge nach hin. Das Glas zersprang auf dem Fußboden und zerflog in tausend kleine Stückchen. Mit bloßen Händen sammelte ich die Splitter auf und natürlich schnitt ich mich direkt in die Handfläche. Ein klaffender Riss öffnete sich und Blut floss bis zu meinem Unterarm. Schnell versuchte ich den Fluss zu stoppen und griff nach der Küchenrolle. Ich versuchte das Tuch mit den Fingern auf den Schnitt zu pressen und machte mich nebenher an meinem Verbandskasten zu schaffen, um mich zu verarzten. Ich wusch das Blut ab und verband meine Hand. Dann machte ich mich auf dem schnellsten Weg zu Kyo. Dabei verdeckte ich meine Hand, weil ich nicht gleicht wollte, dass er das sah. Ohne auch nur ein Wort zu sagen verschwand er wieder in seinem Arbeitszimmer. Toll, warum waren eigentlich in letzter Zeit alle sauer auf mich? Den pochenden Schmerz meiner Verletzung versuchte ich zu ignorieren, hievte mich auf’s Sofa und zündete mir eine Zigarette an. Ich hörte, wie er auf der Gitarre ein paar Akkorde spielte und leise dazu sang. Eine recht langsame Melodie und wunderschön. Der Text handelte wie bei so vielen seiner Lieder von Trauer, Enttäuschung und Verlustängsten, aber auch sich selbst wieder zu finden und die Hoffnung nicht zu verlieren. Mich rührte das fast zu Tränen, denn in Momenten wie diesen offenbarte mir der hübsche Sänger immer wieder sein innigstes Seelenleben. Ich drückte meine Zigarette aus und spickelte durch den Türspalt. Kyo hielt seine Augen geschlossen und schien mich nicht zu bemerken. Ein Lächeln lag auf meinen Lippen und mir wurde mehr als sonst bewusst, wie sehr ich diesen Mann liebte. Mit seinen schwarzen kurzgeschorenen Haaren gefiel er mir sogar fast am besten. Sein Kopf neigte sich langsam in meine Richtung und sein Blick war so sanft. So unbeschwert. Ich wünschte mir, dass er mich öfter so ansah. Auf einmal wanderten seine Augen zu meiner Hand. Er kam auf mich zu und ergriff diese. „Hab mich nur an ner Glasscherbe geschnitten. Sota und ich haben uns gestritten und ich musste schnell weg, bin gestolpert und das Glas ist zerbrochen.“ Und da war sie wieder die Zornesfalte auf seiner Stirn. „Ich mag ihn nicht. Lass Mal sehen…“ Mein schöner Sänger besah sich meine mehr oder weniger gut verarztete Wunde und wickelte vorsichtig den Verband ab, salbte die Stelle ein und bandagierte sie neu. „Mh, das merkt man kaum“, entgegnete ich trocken. „Was hast du überhaupt bei ihm gemacht?“ „Kyo, er ist mein Freund und falls du es noch nicht bemerkt hast, davon hab ich nicht so viele…du kannst mir nicht verbieten Sota zu treffen.“ Der Ältere murrte kaum hörbar. „Ich teile nun Mal nicht gerne und wenn dann auch noch sowas passiert, passt mir das gar nicht in den Kram.“ „Außerdem musste ich ihm doch genau das sagen…dass wir jetzt zusammen sind…“, flüsterte ich und legte meine Arme um ihn. „Warum habt ihr euch gestritten?“ Verdammt, warum hatte ich nur gewusst, dass er mir diese Frage stellen würde. Außerdem war ich mir auch darüber im Klaren, dass ihn die Antwort nicht gerade dazu animierte in Jubelgeschrei auszubrechen. „Er…er wollte mehr als nur eine Affäre…“ Kyo funkelte mich mit seinen fast schwarzen Augen an. „Na klar…das hätte ich dir auch sagen können. Fast jede Affäre endet irgendwann in einer Beziehung. Das hast du nun von deiner Vögelei mit ihm!“, fuhr er mich an. „Musst du jetzt darauf herumreiten? Falls du es mitbekommen hast, ich bin gerade bei dir und nicht bei ihm“, fauchte ich zurück. Dass Kyo auch immer so streitlustig sein musste. „Hab ich schon Mal erwähnt, dass du mich verrückt machst? Und das gerade nicht in sexueller Hinsicht…wenn das mit uns klappen soll, könntest du auch versuchen mich zu verstehen. Dir würde es genauso wenig gefallen, wenn du wüsstest  ich hätte vor dir was mit einem meiner Jungs am Laufen gehabt.“ Damit hatte er nicht ganz unrecht. Ich wollte trotzdem nicht nachgeben. „Heißt das jetzt du verbietest mir meinen Freund zu sehen?“ „Nein…ja, ich hab keine Ahnung Kazuki…vielleicht sollten wir heute getrennt schlafen. Ich kann das gerade nicht.“ Kyo verschwand in der Küche und setzte Tee auf. Auch, wenn ich ihn verstand taten seine Worte verdammt weh. Da es schon recht spät war, machten wir uns Bettfertig. Als Kyo im Schlafzimmer verschwand, zog sich mein Herz krampfartig zusammen und ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Warum war er nur so? Ich kuschelte mich auf’s Sofa, fand allerdings keine Ruhe und das Gefühl der Enttäuschung machte sich in mir breit. Warum verdammt musste gerade alles so kompliziert sein? Da hatte ich ihn schon dazu bekommen mit mir zusammen zu sein und er fand trotzdem immer etwas, das ihn störte. Stumme Tränen rannen meinen Wangen herab und ich wischte sie mit der Decke beiseite. Schließlich versuchte ich dann doch zu schlafen, doch es war ein unruhiger Schlaf und ich träumte wirres Zeug. Außerdem fror ich ein bisschen und die erste Übernachtung bei meinem liebsten hätte ich mir anders vorgestellt. Schließlich dämmerte ich weg. Ich träumte von Kyo und Toshiya, wie sie sich küssten. Einerseits fand ich den Dir en Grey Bassisten jetzt nicht gerade hässlich, aber der Schmerz war heftig. Als würde jemand mein Herz zerquetschen. Ich wollte auf die beiden zugehen und sie fragen, warum sie das taten, doch jeh näher ich auf sie zuging, desto weiter entfernten sie sich von mir. Ich schreckte hoch und schmeckte die salzigen Tränen auf meinen Lippen. Eine Hand strich mir behutsam über den Rücken und ich zuckte zusammen. Kyo blinzelte mich verschlafen an. Moment Mal, seit wann lag er neben mir? „Es war nur ein Traum Kazu. Leg dich wieder hin.“ Ich kuschelte mich an meinen Sänger und er zog mich in seine Arme. Sofort wurde mir leichter ums Herz. „Kyo, ich will dich nicht verlieren…“, wisperte ich. „Mhh…schlaf jetzt mein kleiner Herzensbrecher“ Ich schmiegte meinen Kopf in seine Halsbeuge und hauchte einen Kuss auf seine warme Haut. „Wie kommst du eigentlich auf’s Sofa?“ „Geflogen…“ „Idiot“, kicherte ich. „Außerdem ist allein schlafen blöd und jetzt halt endlich deinen Mund sonst geh ich wieder.“ In meinem Bauch flatterten tausende von kleinen Schmetterlingen und ich lauschte Kyos ruhigen Atemzügen. Seine helle Haut leuchtete im Licht des Mondes, der zum Fenster hinein schien. Oh Mann, war das gerade Wirklichkeit? Ich konnte es noch immer nicht fassen, dass ich in den Armen des berühmten Dir en Grey Sängers lag. Zaghaft küsste ich seine Wange. „Du schläfst ja immer noch nicht“, brummte Kyo jetzt fast schon ein bisschen genervt. „Ich genieße gerade deinen Anblick…ist es dir bei mir auch egal, wenn ich dir sage, dass du wunderschön bist?“ Ein beschwertes Seufzen entfuhr ihm. „Natürlich nicht…aber können wir bitte morgen reden? Ich bin wirklich müde und glaub mir, du möchtest mich nicht erleben, wenn ich richtig schlechte Laune habe.“ Diese unterschwellige Drohung nahm ich dann doch ernst, doch ließ es mir nicht nehmen Kyo noch einen letzten Kuss zu geben. Dann endlich fiel auch ich wieder in einen ruhigen, dieses Mal traumlosen Schlaf.   Der Geruch von Kaffee und frischen Brötchen stieg mir in die Nase. Ich setzte mich etwas auf und konnte in die offene Küche schauen. Kyo stand mit dem Rücken zu mir gewandt und dem Geruch nach zu urteilen war er gerade dabei Eier zu braten. Machte er ernsthaft Frühstück für mich? Mit einem glücklichen Glucksen und einem breiten Grinsen auf den Lippen sank ich wieder in die weichen Kissen. Oh Mann, daran musste ich mich wohl noch gewöhnen. Ich schwang meine Beine aus dem „Bett“ und näherte mich dem hübschen Sänger. Eine Weile lehnte ich noch am Tisch und sah ihn einfach nur an. Meine Augen wanderten über das große Tattoo auf seinem Rücken bis hin zu seinem wohlgeformten Hintern, der bedauerlicherweise von seiner Shorts bedeckt wurde. Wahrscheinlich hing mir mein imaginärer Sabberfaden bis zum Boden. Als würde er meinen schmachtenden Blich bemerken, drehte er sich langsam um. „Magst du Kaffee oder Tee?“ Was? Wirklich jetzt? Ich stand gerade nackt vor ihm und er hatte nichts Besseres zu tun als mich zu fragen, was ich trinken wollte? Na schön. Fragte sich nur, wer schneller seine Selbstbeherrschung verlor. „Kaffee bitte.“ Kyo reichte mir eine Tasse mit der dampfenden fast schwarzen Flüssigkeit darin. Mhh, vermutlich würde ich den Selbstberherrschungs-Wettbewerb gnadenlos verlieren. Und wieder schenkte er dem Herd mehr Aufmerksamkeit als mir. Wie machte er das? Ich lehnte mich ein bisschen provokant an die Arbeitsfläche und beobachtete ihn noch immer. Doch er hatte das perfekte Pokerface aufgesetzt und ich zweifelte schon fast an der Ernsthaftigkeit seiner Worte am Tag zuvor. Mit einer Gelassenheit verteilte er das Rührei auf zwei Tellern und stellte diese auf das Tablett, wo auch schon die Brötchen, Butter und diverse Käsesorten platziert waren. Anschließend holte er noch Besteck aus der Schublade unter dem Herd und balancierte das Frühstück elegant ins Wohnzimmer. An Kyo war wohl ein hochbegabter Kellner verloren gegangen. Ich wusste nicht was mich gerade mehr irritierte. Dass er so gelassen tat oder, dass er mir gerade Frühstück ans Bett brachte. Ich folgte ihm und kuschelte mich wieder in die Decke. Auch Kyo schlüpfte zu mir ins Warme. „Danke für’s Frühstück machen…“, murmelte ich. Ein freundliches Lächeln umspielte seine Lippen. „Naja, jetzt muss ich ja dafür sorgen, dass ich dich bei Laune halte.“ „Mh, das schaffst du sicher auch mit anderen Dingen“, entgegnete ich frech. „Oh glaub mir, dessen bin ich mir mehr als bewusst und an die wundervolle Kazuki-Dekoration, die meine Wohnung ziert, könnte ich mich gewöhnen.“ Ich musste lachen, also war das noch nicht so ganz an ihm vorbeigegangen. „Du darfst auch gerne mit deiner Dekoration spielen“, ärgerte ich Kyo weiter und erntete ein anzügliches Grinsen seinerseits. „Ich wusste gar nicht, dass meine Dekoration so viel reden kann. Normalerweise sind solche Gegenstände doch immer stumm und nicht so aufmüpfig.“ „Dann solltest du mich vielleicht reklamieren oder einfach damit leben.“ „Kannst du mir mal verraten, wie man eigentlich so zuckersüß und so verdammt heiß zur gleichen Zeit sein kann?“ Ich lachte herzhaft und verschluckte mich fast an einem Brötchenkrümel. „Zu meiner Schulzeit war ich in einer Theater AG…da hab ich gelernt andere mit meinem zuckersüßen Charme zu verführen. Funktioniert ja scheinbar auch.“ Kyo zog die Stirn in Falten und musterte mich mit einem eher ungläubigen Blick. So als würde ich ihm gerade Märchen auftischen wollen. „Was? Das ist die Wahrheit…irgendwie musste ich ja lernen mit diesen beschissenen Gefühlen umzugehen…“, rutschte es mir raus und schon kippte meine Stimmung. Auch mein schöner Sänger schien das zu bemerken. „Kazu…“, flüsterte er und klang dabei so liebevoll, dass es mir schon wieder dir Tränen in die Augen trieb. Bisher hatte ich vor Kyo nur eine richtige Beziehung gehabt und die hätte mich beinahe zerstört. Mehr noch als der ständige Streit mit meiner Familie. Doch dann lernte ich Sota kennen und wir wurden Freunde. Er schaffte es ohne mich großartig nach meiner Vergangenheit zu fragen, mich aufzubauen, mir ein treuer Freund und Wegbegleiter zu sein. Ab und zu fragte er mich zwar Dinge zu meiner Familie oder meinen Exlovern, doch nie bekam er eine Antwort darauf. Mir war es ohnehin ein Rätsel, wie er es schon so lange mit mir ausgehalten hatte. Denn wenn ich mir das so recht überlegte, musste es für Sota mehr als frustrierend sein einen Freund wie mich zu haben, der nur kam, wenn er Lust auf Sex und ein bisschen körperlicher Nähe verspürte. Im Gegenzug aber nie mehr als nötig zuließ. So kam es auch zu der Regel, dass wir uns tatsächlich nur auf’s körperliche reduzierten. Kein Kuss und auch keine zärtlichen Streicheleinheiten oder das typische Kuscheln danach. Nichts, weil ich es nicht verkraftet hätte, doch warum funktionierte das bei Kyo? Noch nie in meinem Leben hatte ich den Drang verspürt mit irgendwem über meine Probleme und naja in gewisser Weise zwanghaften Störungen zu reden. Bis heute. Kapitel 6: von guten Freunde und einem ganz besonderen Schatz ------------------------------------------------------------- Noch immer ruhte sein sanfter Blick auf mir und eine Antwort auf seine unausgesprochene Frage zu erwarten. Ich schob meinen leeren Teller weg und erhob mich. Erst jetzt ergriff Kyo meine Hand. „Kazu…“, wisperte er noch einmal, doch dieses Mal wich ich seinem Blick aus. „Ich geh duschen“, bemerkte ich und löste mich aus seinem Griff. Ich wusste, dass auch mein wunderschöner Freund sein Päckchen mit sich trug, denn auch wenn ich bisher nicht all zu viel über ihn wusste, kamen mir die unzähligen Videos in den Kopf, in denen er seinen Fans eine nicht ganz unblutige Bühnenshow darbot. Doch diese Tage schienen vorbei zu sein und irgendwer oder irgendwas hatten ihm dabei geholfen. Und nun wollte er für mich da sein, doch warum? Konnte ich ihm so viel mehr bieten als jemand, der weniger Probleme mit sich brachte? Was machte mich in seinen Augen so besonders? „Alleine duschen ist blöd…genauso wie alleine schlafen“, erklang Kyos weiche Stimme auf einmal hinter mir. Und mir wurde heiß und kalt im Wechsel. Seine Hände glitten meine Seiten entlang. Er verteilte hauchzarte Küsse auf meinen Schultern und meinem Nacken. „Und wenn ich das gerade nur gesagt hab, um allein zu sein“, gab ich zurück. Weitere Küsse am Hals und seine Finger streiften meine Brustwarzen. „Ich glaub dir kein Wort…Süßer, jetzt hör mir Mal zu…ich hege mittlerweile wirklich den Verdacht, dass du keinen blassen Schimmer davon hast, wie wunderschön du bist…ich weiß nicht, was dir widerfahren ist, aber ich hoffe du erzählst es mir irgendwann. Glaub mir Kazuki, ich geh bestimmt nicht mit jedem dahergelaufenen Musiker ins Bett, nur weil ich seine Songs mag…du bist sehr besonders. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, dass das in deinem hübschen Kopf ankommt.“ Kyo drehte mich zu sich um und sein Blick rief meine Tränen ganz von allein. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann mir jemand überhaupt Mal so etwas schönes gesagt hatte. Mit seinen Fingern wischte er die Tränen weg und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. „Danke“, wisperte ich und ließ meinen Kopf an seine Brust sinken. „Wofür?“ „Für alles…ich werde es dir erzählen, wenn ich bereit dazu bin, versprochen…ich hab nur noch keinem davon erzählt und ich fürchte, das macht es so verdammt schwer.“ „Glaub mir, es hilft...Moment, keinem? Nicht einmal Sota weiß davon?“ Ich schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Hast du mich eben gerade echt Süßer genannt?“ So langsam kehrte meine gute Laune zurück. Kyo schnappte sich das Duschgel und verteilte es auf meinem Körper. „Und ich hatte gehofft es fällt dir nicht auf. So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich doch nicht so ein gefühlloses Arschloch bin.“ Während er so redete, seiften seine Hände meinen Körper ein und mittlerweile schien er irgendwie genauestens zu wissen, wo sich meine erogenen Zonen befanden. Was für eine schöne Gemeinheit, denn auch ich würde nur zu gern wissen, was diesen wunderschönen Mann so richtig in den Wahnsinn trieb. Am Hals begann er mich zu küssen und jeh tiefer seine Hände wanderten, desto verrückter machte mich das. „Du bist vielleicht manchmal etwas zu schnell reizbar, aber ein gefühlloses Arschloch bist du ganz sicher nicht. Und verflucht, wie schaffst du es nur mich so schnell aus dem Konzept zu bringen. Vielleicht hätte ich eher etwas mit alten Männern anfangen sollen.“ In meiner Stimme schwang schon wieder dieser lustvolle Unterton mit und das entging meinem schönen Sänger keinesfalls. Jetzt kehrte wieder dieses gefährliche Funkeln in seinen Augen zurück, was mich einerseits ein bisschen bangen ließ aber welches ich auch verdammt heiß fand. Mit meinen 31 Jahren hatte ich zwar auch schon mein jugendliches Alter überschritten, dennoch störte mich unser Altersunterschied keinesfalls. Es war nur immer wieder eine wahre Freunde Kyo ein bisschen zu ärgern. „Ich zeig dir gleich, was ich alter MANN sonst noch so für Qualitäten besitze“, flüsterte er mir zu und frischte den Knutschfleck an meinem Hals auf. Doch dieses Mal tat es sogar ein bisschen weh. Ich ergab mich diesem lustvollen Schmerz. Ich verlangte nach mehr und endlich küsste er mich. Unsere Körper so dicht beieinander, dass ich jeden Muskel, jede Rippe und seine Erregung an meiner spürte. Kyo ließ seine Hüften kreisen und küsste mich inniger. „Kyo…ich will dich…also ich meine wirklich DICH…“, raunte ich ihm zu und er schien zu verstehen, was ich sagen wollte. „So leicht bin ich aber nicht zu haben, das musst du dir erst verdienen…“, gab er zurück und es enttäuschte mich schon ein wenig. Ich wollte so gern wissen, wie er sich anfühlte und ihn so hart rannehmen, dass auch ihm Hören und Sehen verging. Schon allein der Gedanke reichte aus, um mich fast zum Höhepunkt zu bringen. Plötzlich spürte ich seine Hand an unser beider Erregungen und er begann sie zu massieren. „Ahhh,…fühlt sich verdammt gut an…ich fürchte nur…ich komm gleich…“, keuchte ich. Er ergriff meine Hand und führte sie ebenfalls zu unseren Körpermitten. Unsere Hände bewegten sich im Einklang und die Lust baute sich immer mehr auf. Kyo hielt seine Augen geschlossen und biss sich leicht auf die Unterlippe. Das Pulsieren seiner Erektion erregte auch mich nur noch mehr. Seine Bauchmuskeln spannten sich an und sein Kopf sank leicht nach hinten. Das Wasser rann an seiner Brust hinab. Mit meiner freien Hand berührte ich ihn, wollte jeden auch noch so kleinen Zentimeter seines Körpers erkunden. Meine Finger malten die Konturen des tätowierten Totenkopfes auf seiner Brust nach und fuhren weiter nach unten, entlang seiner Bauchmuskeln und dem Arm wieder nach oben. Immer wieder hielt ich inne uns inspizierte dieses wunderschöne Kunstwerk von Mann. Mein Gehirn lief gerade Amok, denn die heranrollende Welle der Lust und dieses Bild vor mir konnte doch nur ein Traum sein. Meine Hand ruhte schließlich über seinem Herz, was mir wild und unkontrolliert entgegen schlug. Ich grinste und wusste nicht, wann ich jemals etwas so schönes zu Gesicht bekommen hatte. Unsere Hände beschleunigten ihr Tempo und eine letzte heftige Lustwelle durchfuhr meinen Körper und ich kam mit einem nicht ganz leisen Aufschrei. Auch Kyo folgte mir wenige Sekunden später. Mein Kopf sank an seine Brust und meine Beine fühlten sich an wie Pudding. Ich seifte auch seinen Körper ein, ließ meine Hände wieder über seine Tätowierungen gleiten, küsste ihn zwischendurch, weil ich langsam süchtig nach diesem wunderschönen Mann wurde. Noch immer etwas benommen machten wir uns auf den Weg zum Proberaum. Wir rauchten davor noch eine und sahen auch schon, wie sich der Rest der Band näherte. Kyo jedoch machte keine Anstalten auf sie zu warten und schloss auf, ließ die Tür jedoch angelehnt. Und als hätte er in seinem Kopf ein Schalter umgelegt, konnte er auf einmal wieder der ernste, grießgrämige Sänger sein, der alle seine Schäfchen herumschubbste und sie zu gern ermahnte, wenn sie seinen Anforderungen nicht gerecht wurden. Auch ich bekam das heute mehr als deutlich zu spüren und es kostete mich viel Energie, doch ich wollte ihn nicht enttäuschen. Ein bisschen angepisst war ich dann auch und natürlich merkte er das. Nach gefühlten acht Stunden, gönnte er uns eine Pause und ging, gefolgt von Kaoru und Shinya eine rauchen. Kumpelhaft legten Toshiya und Die die Arme um mich, weil ich in ihrer Mitte saß. Auch ich verspürte den Drang nach einer Zigarette und kam dieser leidigen Sucht nach. „Toshi, guck mal, ich glaub unser kleiner hier hat die Nacht Bekanntschaft mit einem wilden Tiger gemach“, witzelte der Gitarrist. Augenblicklich schoss mir die Röte ins Gesicht. Oh bitte Boden, tue dich auf und lass mich in einem schwarzen Loch verschwinden. Daran hätte ich ja auch Mal eher denken können. Ich räusperte mich verlegen. „Das erklärt Toorus Enthusiasmus heute…immerhin scheint er zufrieden mit uns zu sein.“ „Ihr wollt mir also weis machen, dass jeh härter er euch ran nimmt…“ Ich stockte und erst als die Worte meinen Mund verlassen hatten, wurde mir deren Ausmaße bewusst. Beschämt zog ich die Kapuze meines Pullis über meinen Kopf und vergrub mein Gesicht in den Händen. Toshiya neben mir kicherte. Peinlicher ging es ja wirklich nicht. „Genau das wollten wir sagen…und mit dir scheint er ja auch noch andere Sachen zu üben, nicht nur singen“, ärgerte mich Die. „Mhh…das kann ich wohl nicht abstreiten. Ist ja auch kaum zu übersehen“, murmelte ich ohne die beiden anzuschauen, da mein brennend heißes Gesicht wohl gerade einer Tomate glich. „Glaub mir Kazuki, er genießt es so angeschmachtet zu werden. Natürlich würde er das nie vor uns zugeben.“ Die anderen drei kehrten zu uns zurück und schienen sich gerade köstlich über irgendetwas zu amüsieren. Kyo schlug sogar vor noch was trinken zu gehen. Das überraschte mich sehr, denn sonst war er doch nie derjenige, der die Initiative ergriff. Trotz unserer Einigung war ich mir noch immer unsicher, wie ich mich in der Öffentlichkeit ihm gegenüber verhalten sollte. Oder im Beisein seiner Band. Klar ahnten die Jungs was, dämlich waren sie ja nicht, aber würde er es tolerieren, wenn ich es wagte ihn vor den anderen zu küssen? Ob ich es ausprobieren sollte mit dem Risiko eine saftige Tracht Prügel zu kassieren? Ich beschloss meinen Plan im Kopf noch etwas reifen zu lassen. Wir kehrten wieder in der Cocktailbar ein, in der ich mit den Jungs auch nach ihrem Konzert war. Doch heute war es anders. Mein schöner Sänger spendierte die erste Runde. Da fiel mir ein, dass ich wahrscheinlich nicht so übermäßig viel Geld dabei hatte, um auch eine Runde springen zu lassen. Die winkte ab und meinte, darüber solle ich mir mal keine Gedanken machen. „Traust du dich gegen den Meister anzutreten?“, fragte mich Kyo mit herausforderndem Ton in seiner Stimme und nickte in Richtung Karaoke. Ich zog die Augenbrauen hoch. „Ich bin nicht sicher“, entgegnete ich, doch scheinbar war es völlig egal, was ich ihm als Antwort geliefert hätte, eine Wahl blieb mir ohnehin nicht. Na super. Aus Spaß an der Freude suchten wir uns einen richtig bescheuerten Popsong aus. Ich lachte mehr als das ich sang und auch Kyo konnte sich schwer beherrschen. Dann kam hinzu, dass ich nur jeden dritten Ton traf, da das Lied eine sehr sehr hohe und piepsige Tonlage erforderte. Mein liebster traf die Töne besser als ich und das ließ mich schon ein bisschen neidisch werden, denn es war wahrhaftig eine Kunst einen so blöden Song so zu performen, dass er schon wieder gut klang. Doch wir hielten bis zum bitteren Ende durch. Einige der Gäste zollten uns auch Beifall, der wohl eher Kyo als mir galt. Anerkennend klopfte er mir auf die Schulter, ergriff meine Hand und zog mich wieder mit zu unserem Tisch. Moment Mal, er hatte tatsächlich gerade meine Hand genommen? Bewusst oder unbewusst? Doch war das wichtig? Egal ob gewollt oder nicht, es erwärmte mein Herz und automatisch grinste ich wieder. „Ihr wart gar nicht so übel…aber ich glaube Tooru übt die Lieder hier heimlich und ist deshalb unschlagbar“, flüsterte mir Toshi zu, jedoch laut genug, sodass jedes Wort bei dem Sänger ankam. Dieser zeigte seinem Bassisten den Mittelfinger und zündete sich eine Zigarette an. Immer wieder schielte ich zu ihm rüber und hoffte, dass er meinen Blick erwiderte. Doch Kyo redete mit Shinya und Kaoru. Im Hintergrund lief gerade Buck Tick mit Misstake. Die sprang auf und wollte unbedingt tanzen. Auch Toshiya schien es in den Beinen zu jucken und er warf mir einen fragenden Blick zu. Doch noch bevor ich eine Chance hatte mich dazu zu äußern, zog mich der Bassist mit. Verdammt, warum behandelten mich alle wie ein süßes Spielzeug, welches man überall mit hinzerren konnte? Die beiden Männer tanzten nicht übel und plötzlich zog Die Toshi in eine Umarmung und sie vollführten eine galante Drehung. Ich hob nur anerkennend den Daumen und die zwei grinsten. Dann tanzten sie mich von rechts und links an. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte und gab mich der Situation hin. Mit jedem Lied wurde ich lockerer und wir waren schon weit über Buck Tick hinaus, es lief und ich hatte meinen Spaß. Die umgarnte mich von hinten und seine Hände auf meinen Hüften ließen mich schlucken. Wir bewegten uns im Takt der Musik und der hochgewachsene Bassist tat dasselbe nur dass er sich vor mich stellte. Ich kam mir vor als wäre ich ein Sandwich und ich wagte es nicht meinen Blick in Richtung Kyo schweifen zu lassen, aus Furcht ihn könnte das wütend machen. Nach dem vierten Lied legten wir eine Pause ein und entledigte mich meines Kapuzenpullis. Das kalte Bier floss angenehm meiner trocknen Kehle hinab und ich verschluckte mich fast, als ich eine Hand auf meinem Schenkel spürte. Wieder warf ich meinem hübschen Sänger einen Blick zu, doch dieser war noch immer in heiße Diskussionen verwickelt. Seine Hand wanderte ein bisschen höher und schon schlug mein Herz wieder schneller. Toshi und Daisuke alberten noch immer miteinander herum und da zog der Gitarrist den Bassisten plötzlich in eine Umarmung und küsste ihn auf die Wange. Lief da was zwischen den beiden? Wäre ja nicht unbedingt der verwerflichste Gedanke und ich fand die beiden würden ein wirklich süßes Paar abgeben. Dann passierte noch etwas Ungewohntes, Kyo legte seinen Arm um mich und das vor seinen Jungs? Kaoru holte die dritte Runde und immer wieder überraschte mich mein liebster mit kleinen liebreizenden Gesten. Mal war es seine Hand auf meinem Schenkel oder das atemberaubende Lächeln. Er zeigte mir vor den vier Menschen, die ihm alles zu bedeuten schienen, dass auch ich ihm jetzt wichtig war und das ehrte mich. „Unser Manager hat sich heute übrigens erkundigt, wie es mit den Dreharbeiten für das neue Video aussieht? Er drängt uns jetzt nicht, aber so langsam sollten wir damit anfangen“, warf der Leader in die Runde. „Ich hab schon ein paar Ideen, aber lass uns das die Tage im Proberaum klären…ich glaub ich muss bald schlafen gehen“, gähnte Kyo und warf mir einen fragenden Blick zu. „Möchtest du mich begleiten oder willst du dich lieber mit dem Chaotenhaufen betrinken?“ „Kommt drauf an, was dabei für mich rausspringt“ Seine Hand umfasste mein Kinn und er zog mich noch ein Stück näher, sodass sich unsere Gesichter fast berührten. „Das weißt du doch genau…“, flüsterte er, dass nur ich es hören konnte. Und bevor ich etwas erwidern konnte, versiegelten seine Lippen meinen Mund. Das war fast so, als würde jemand einen Eimer kaltes Wasser über mir ausleeren und mich wenige Sekunden später in eine Sauna sperren. Es war eine Sache, wenn wir unsere Intimitäten innerhalb seiner Wohnung miteinander teilten, doch hier in einer öffentlichen Bar und auch noch vor seiner Band? Das ehrte mich zwar, doch setzte er da nicht ein bisschen viel auf’s Spiel. Genau diese Fragen schien er auch meinem verwirrten Blick zu entnehmen. „Oh mein Gott, endlich haben sich die beiden geküsst…“, freute sich Toshiya und klatschte erfreut in die Hände. „Schau nicht so…die Jungs wissen doch ohnehin längst, was zwischen uns läuft und die Bar hier ist mehr als sicher…“, amüsierte sich Kyo nicht ohne einen bösen Blick in Richtung des Bassisten zu feuern. Und ich schwöre, gäbe es von Kyo eine Aktionfigur, hätte diese mit Sicherheit Laseraugen, die mit Blicken töten könnte. Nein das war zu hart, aber jeder Laserblick versetzt dem Getroffenen einen Stromschlag. „O-okay…kam trotzdem überraschend…aber im positiven Sinn. Lass uns noch auf einen Drink bleiben und dann gehen…bitte…“ Kyo funkelte mich mit zusammengekniffenen Augen und gab sich schließlich geschlagen. Scheinbar, weil er das Singen wirklich liebte, lieferte er sich mit Toshiya ein Battle und ich verschwand kurz auf dem Klo. Auch Shinya folgte mir. Gab es diese Gruppenpinkelsache nicht sonst nur bei den Mädchen? Doch der Drummer schien sich nicht daran zu stören und tat so, als wäre das das normalste der Welt. Naja war es ja in gewisser Weise auch, nur vermutlich war mir das so unangenehm, weil Shinya Kyo am Nächsten zu stehen schien und er derjenige war, mit dem ich bisher kaum ein Wort gewechselt hatte. Ich wusch mir die Hände und spritzte mir ein bisschen Wasser ins Gesicht. „Kann ich dir eine Frage stellen Kazuki?“, begann der Drummer. Warum hatte ich sowas nur geahnt. „Klar.“ „Liebst du Tooru wirklich?“ „Mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst.“ „Ich möchte nicht blöd klingen oder so, aber er ist mein bester Freund, mein Seelenverwandter und ich kann nicht zulassen, dass er dem Abgrund noch einmal so nahe kommt.“ Ich atmete ein und wieder aus. „Das werde ich nicht zulassen…ich liebe ihn wirklich Shinya…so sehr.“ Auf einmal lächelte mich der Blonde liebevoll an. „Mehr wollte ich nicht hören…ich weiß, Tooru ist manchmal echt unausstehlich, doch im innersten seiner Seele ist er sehr verletzlich. Ich glaube er liebt dich auch und es freut mich ihn wieder so glücklich zu sehen…das hatten wir lange nicht.“ „Ich werde mein bestes geben, dass es so bleibt.“ Ich wollte schon gehen, da hielt mich der Drummer noch immer zurück. „Und falls du mal jemanden zum Reden brauchst…hab keine Scheu, ich bin auch für dich genauso da…ich mag dich.“ Ich schenkte Shinya ein erfreutes ehrliches Lächeln. So langsam wurden die Jungs sowas wie meine Ersatzfamilie und jeder einzelne war auf seine ganz eigene Art und Weise etwas ganz besonderes. Ich schluckte, weil mir das alles schon wieder viel zu nahe ging. „Danke…glaub mittlerweile mag ich euch auch und komm mir nicht mehr ganz so fehl am Platz vor“, erwiderte ich. Der Blonde warf mir einen fragenden Blick zu und seine graublauen Augen wirkten so unschuldig. „Warum fehl am Platz? Sind wir so furchtbar?“, hakte er sich jetzt ein wenig überrascht nach. „Nee, aber ich meine…ihr seid mega erfolgreich und trotzdem so normal…also nicht abgehoben eben und das fühlt sich gut an.“ „Ohh du bist so niedlich Kazu…ich weiß warum dich Tooru so mag…lassen wir ihn nicht länger warten, sonst ist er wieder böse auf mich.“ Irritiert und amüsiert zugleich schüttelte ich den Kopf. Den Drummer konnte ich am wenigsten einschätzen. Er wirkte durch seine engelhafte, zierliche aber dennoch große Erscheinung eher schüchtern, doch mich beschlich das Gefühl, dass er es eigentlich Faustdick hinter den Ohren hatte. Kyo musterte uns, jedoch konnte ich den Ausdruck in seinem Gesicht wie so oft nicht richtig deuten. Shinya flüsterte ihm irgendetwas zu und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Ich ließ mich wieder neben dem schönen Sänger nieder und trank einen großen Schluck. Das war jetzt mein viertes Bier und so allmählich stieg mir der Alkohol zu Kopf. Wir leerten unsere Gläser und verabschiedeten uns von den Jungs, die mich alle umarmten. Das rührte mich zutiefst. Unsere Heimfahrt verlief größtenteils schweigend, weil mir so viel durch den Kopf spukte. Deshalb bekam ich auch nicht mir, als wir unser Ziel bereits erreicht hatten, doch Kyo nahm wie schon so oft an diesem Abend meine Hand und führte mich. „Hast du noch was zum Trinken da?“, fragte ich. Er begutachtete seine eher geringe Auswahl an Spirituosen und hielt mir eine Flasche Sake vor die Nase. Ich zuckte mit den Schultern. Warum nicht. „Ok…“ Der schwarzhaarige fragte nicht weiter nach, als ich mein Glas ziemlich schnell leerte und mir ein weiteres Mal nachschenkte. Ich nahm mir eine Zigarette und fläzte mich auf das gemütliche Sofa. Kyo tat es mir nach. „Was beschäftigt dich gerade?“, fragte er wieder mit dieser Sanftheit in seiner Stimme, die mein Herz jedes Mal auf’s Neue zum Schmelzen brachte. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum. „Ihr seid alles so lieb zu mir…das ist irgendwie schön…“ „Klar sind wir das…warum auch nicht?“ „Weil ich sowas noch nie hatte Kyo…nicht Mal bei meiner eigenen Familie…ich war immer der Älteste unter meinen drei Schwestern und leider auch immer der, der alles falsch machte, an dem man seine Launen ausließ und den man für alles verantwortlich machen konnte…willst du wissen, weshalb ich meinen Geburtstag so verabscheue?“ Mein schöner Sänger griff intuitiv nach meiner Hand und nickte. „Weil er nie stattgefunden hat…zu Beginn liebte ich die drei Mädchen von ganzen Herzen, bis sie mir alles nahmen. Meine Eltern, meine Schule…sie machten mich vor meinen damaligen Freunden lächerlich, einfach weil sie es konnten und man diesen zuckersüßen Püppchen alles glaubte. Ich konnte es ihnen nicht einmal verübeln, weil sie von meinen Eltern alles bekommen haben…im Gegensatz zu mir…an meinem letzten Geburtstag war ich zehn oder so, ich erinnere mich kaum noch. Meine Schwestern mutierten zu kleinen Monstern und banden unseren Eltern die übelsten Geschichten über mich auf…irgendwann warfen sie mich dann raus…naja, das ist die grobe Geschichte…“ Ich exte den Sake und stellte das Glas beiseite. „Familie ist nicht alles Kazu…klar sind das in erster Linie die Menschen, die dich am meisten und am schlimmsten verletzen können, aber sie sollten dein Leben nicht dominieren.“ „Ich weiß, trotzdem tun sie es…außerdem ist da noch er…Key…der mich prägte, mich lehrte ihn zu lieben, um mich dann fallen zu lassen…klar das hat auch jeder Mal durch, aber nach der ganzen Familienscheiße…ich hab das einfach nicht mehr gepackt…dann hab ich Sota irgendwann getroffen…er gefiel mir, aber ich wollte nie wieder einen Kerl an mich ranlassen, zumindest nicht auf emotionale Weise…das klappte auch ganz gut…bis jetzt“ Sein undurchdringlicher Blick verunsicherte mich nur noch mehr. War es doch falsch gewesen mich ihm zu öffnen? Gedankenverloren schob er sich eine Zigarette zwischen seine Lippen und spielte mit dem Feuerzeug in der linken Hand. Nach einer gefühlten Ewigkeit zündete er den Glimmstängel endlich an und reichte ihn an mich weiter. „Glaub mir, eine Familie, der es am Arsch vorbei geht, ob du mittlerweile einer der größten und erfolgreichsten Musiker der halben Welt bist, ist auch nicht besser. Aber drauf geschissen…ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Mit Exlovern, die einem das Herz brechen, wieder angekrochen kommen, einem das Herz erneut brechen und dann erneut angekrochen kommen…dieses Mal auf allen vieren, wie ein geprügelter Hund, um einem das Blaue vom Himmel vorzulügen und dir dein Herz am Ende gewaltvoll aus deiner Brust reißen…es vor deinen Augen zerquetschen und dich so zurücklassen…richtig beschissen…unsere vergangenen Leben klingen fast schon ein bisschen ähnlich…“ „Aber wie hältst du das aus?“, fragte ich verzweifelt. Kyo zog mich auf seinen Schoß und küsste mich. Ich schmeckte den Sake auf seiner Zunge und kostete mehr davon. Saugte daran. Knabberte leicht an seiner Unterlippe und verharrte einen Moment in der süßen Leidenschaft. Dann ließ er von mir ab. „Genau so…weißt du, Dir en Grey ist mein Leben. Ein Leben, welches ich mir aus meiner Trümmerwelt aufbaute. Meine Texte sind mein Schmerz und die Linderung zugleich. Die Bühne ist mein Sprachrohr zur Welt und damit ich all den Menschen, die nie an mich geglaubt haben zeigen kann, dass sie verdammt noch Mal unrecht hatten, weil sie nicht an mich glaubten. Ich bin was Besonderes und habe es geschafft den Schmerz in etwas viel wundervolleres zu verwandeln. Manchmal würde ich ihnen einfach gern den Mittelfinger zeigen und sagen FICKT EUCH…doch dafür ist mir die Beziehung zu meinen Fans zu Schade. Sie haben es nicht verdient diesen Kyo zu erleben…meine selbstzerstörerischen Ausbrüche haben schon ihr übriges getan…doch es gibt auch andere Wege. Ich liebe es mich zu verkleiden, der Welt meine verschiedenen Gesichter zu präsentieren, doch es gibt nur genau vier Menschen…naja viereinhalb…die es besser wissen. Ich habe neulich gesagt, dass ich dich nicht vor deinen selbstzerstörerischen Taten bewahren kann…jetzt denke ich, dass ich es kann.“ Wie so oft in den letzten Tagen trieben mir Kyos Worte die Tränen in die Augen, aber nicht, weil er mich verletzte, sondern weil er mir zeigte, wie viel ich ihm bedeutete. Ich schluchzte und er legte seine schützenden Arme um mich. Ja FICKT EUCH. Das traf es gut. „Bin ich die viereinhalb?“, krächzte ich noch immer unter dem Einfluss meines Gefühlsausbruches. „Ja das bist du…und ich schwöre dir Kazu, ich lasse nie wieder zu, dass dir jemand weh tut…“ Mich rührten die aufrichtigen und aufbauenden Worte des Sängers zutiefst und ich konnte wieder ein bisschen Lächeln. „Wow…wer bist du und was hast du mit dem alten Griesgram angestellt?“ Und sofort schwand der liebevolle Ausdruck in seinen Augen, doch anstatt mich böse anzufunkeln, färbten sich seine ohnehin schon fast schwarzen Augen noch schwärzer und in ihnen blitzte diese unstillbare Leidenschaft auf. „Und ich schwöre dir auch, wenn du mich noch einmal alt oder griesgrämig schimpfst…oder auch beides, versohle ich dir deinen süßen Hintern, dass du mindesten zwei Woche lang nicht mehr sitzen kannst“, raunte er mir zu und verdammt, ich glaubte ihm das sogar und bezweifelte in keinster Weise, dass er diese Drohung wahr machte. Vermutlich würde er das sogar ein bisschen genießen. „Ich kann nichts dafür…es macht zu viel Spaß dich zu ärgern…“ „Mach nur weiter, wenn du mit den Konsequenzen leben kannst…und um auf deine Frage zu antworten, bedank dich bei Shinya und Kao…ich habe zwar die tollsten Freunde, aber ohne Zweifel auch die nervigsten.“ „Warum, haben sie dir gesagt, dass sie dich nie wieder in Ruhe lassen, wenn du das mit uns versaust?“ „Naja so in etwa…außerdem hatten sie Recht. Aber ich mag es nun Mal nicht anderen Recht zu geben“, murrte Kyo und ich musste ein bisschen schmunzeln. Ich nahm sein Gesicht zwischen meine Hände und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Ich muss morgen mit den Jungs ein paar Tage nach Tokio ins Studio, weil wir einiges mit unserem Management zu besprechen haben. Meinst du, dass du es ein paar Tage ohne mich aushältst?“ Ich küsste diesen wunderschönen Mann ein weiteres Mal. „Klar, solange du mir versprichst wieder zu kommen“, entgegnete ich und Kyo lächelte mich an. Ein Lächeln, so aufrichtig und liebevoll. Ich erwiderte es. „Natürlich…wenn du magst, kann ich dir den Ersatzschlüssel für die Wohnung geben.“ „Mhh, bist du dir sicher? Ich könnte wilde Parties in deiner Abwesenheit feiern oder entpuppe mich als gemeiner Dieb und stehle dir deinen wertvollsten Besitz“, witzelte ich und bekam schon ein bisschen Schiss, dass Kyo mir meine Frechheiten wirklich glauben würde. Doch schmunzelnd schüttelte er seinen Kopf. „Tue was du nicht lassen kannst, solange alles wieder ordentlich ist, wenn ich zurück bin und naja…was meinen wertvollsten Besitz betrifft, den könntest du mir niemals stehlen…“ „Warum nicht? Hast du keinen wertvollen Gitarren oder so? Oder ist er in einem geheimen Save mit unmöglicher Zahlenkombi versteckt“ „Das sind materielle Gegenstände und nicht schwer zu ersetzen…klar wäre ich echt angepisst, aber ich würde es womöglich überleben…“ In seiner Miene spiegelte sich etwas Geheimnisvolles und was immer es war, es musste ihm verdammt viel wert sein. Doch wenn es nichts Materielles war, was ihm so viel bedeutete, was dann? Vielleicht eine Person, die er sehr mochte? Shinya? Kao? Die oder Toshi? Wieder schlich sich dieses süße, leicht amüsierte Grinsen auf seine Lippen, welches seine Grübchen zum Vorschein brachte. „Du stehst gerade echt auf dem Schlauch oder?“ Ich schaute den schönen Sänger fragend an. „Kazu…das, was ich am meisten begehre, der Mensch, der mir viel mehr bedeutet als jedes Instrument der Welt und den du mir unmöglich wegnehmen kannst bist du selbst…verstehst du es jetzt?“ Meinen ganzen Körper durchfuhr eine seltsame Wärme und mein Herz fühlte sich leicht wie eine Feder, die in meiner Brust schwebte. Seine Worte trafen wahrhaftig ins Schwarze und ich war das erste Mal in meinem Leben wirklich sprachlos. Hatte mir Kyo gerade ernsthaft sowas wie eine Liebeserklärung gemacht? Heilige Scheiße. „Oh Mann…du überrascht mich immer wieder…“ „Und ich dachte schon, dein freches Mundwerk kann man nicht zum Schweigen bringen.“ „Scheinbar doch. Danke dafür…“ „Hör auf dich dauernd zu bedanken. Du solltest langsam anfangen dich selbst zu mögen Kazuki…glaub mir das ist es wert. Und jetzt sollten wir schlafen gehen. Der Flug geht morgen Vormittag.“ Kapitel 7: Selbstzweifel ------------------------ Nach dem Frühstück packte Kyo ein paar Sachen zusammen und verabschiedete sich von mir. Ich zog ihn in einen langen leidenschaftlichen Kuss und er grinste, als unsere Lippen aufeinander lagen. „Bald bin ich wieder da, versprochen“, nuschelte er noch halb an mir hängend und riss sich los. „Viel Spaß.“ Das Wetter draußen war ungemütlich, regnerisch und kalt. Ich mochte den Herbst nicht besonders, denn gerade in dieser eher düsteren Jahreszeit fiel es mir schwerer meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Außerdem kam hinzu, dass ich nicht gern allein war, weil ich es kaum mit mir aushielt. Immer wieder verfolgten mich diese beschissenen Erinnerungen und meine Gedanken schweiften zu tief ab. Deshalb beschloss ich Kyos Wohnung zu verlassen und mich unter Menschen zu mischen. Mein zweites Wohnzimmer, die vertraute, leicht heruntergekommene Bar bot mir Schutz und hier war es mir möglich den Klauen meiner Vergangenheit zu entfliehen. Zumindest für eine Weile. Kurz überlegte ich Sota einen Besuch abzustatten, doch vermutlich war das nach unserem letzten Streit keine so berauschende Idee. Takashi lud mich auf einen Tee ein und begann zu plaudern. Komischerweise wollte er nicht wissen, warum ich mich die letzten Tage nicht hatte blicken lassen, doch eigentlich ging ihn das auch nichts an. Schließlich war das nicht in unserer mündlichen Vereinbarung festgelegt. Ich spielte, wenn ich Zeit dazu hatte, das war der Deal. Heute schien ein Tag wie jeder andere zu sein. Lahmes Publikum und nicht all zu viele Besucher in der Bar. Ich erledigte meinen Job trotzdem so gut ich konnte und hörte Kyos Stimme in meinem Hinterkopf flüstern, wenn ich mir mal einen Fehler erlaubte. Wahnsinn, dass er auch in seiner Abwesenheit mit einer derartigen Präsens glänzte. Seit langem gönnte ich mir nach dem Auftritt mal wieder ein Bier und machte mich anschließend auf den Weg in meine Wohnung. Allerdings erwartete mich dort eine böse Überraschung. Ein Brief war unter der Tür hindurch geschoben worden und er stammte von meinem Vermieter. Das seltsame Ziehen in meinem Magen verstärkte sich. Mir war klar, dass ich mit der Miete etwas in Verzug war, doch bisher hatte ihn das auch nie gestört. Warum dann jetzt das plötzliche Interesse? Ich beschloss ihn am nächsten Tag anzurufen und das Missverständnis aus der Welt zu schaffen.   Nach dem ersten Klingeln nahm er ab und schlug vor sogleich vorbeizukommen. Ich schlüpfte schnell in meine Klamotten und da er nur zwei Etagen unter mir wohnte, ließ er nicht lange auf sich warten. Ich öffnete noch ein bisschen verpeilt die Tür und bot ihm einen Kaffee an, den er jedoch ablehnte. Seine schwarzen Haare waren streng nach hinten gestrichen und in der Anzughose, dem Hemd und dem Overall darüber wirkte er sehr spießig und dennoch respekteinflößend. „Sie haben das Schreiben erhalten Herr Nakamura?“, fiel er sogleich mit der Tür ins Haus und ich nickte. „Dann wissen Sie ja Bescheid. Leider ist das nicht das erste Mal, dass sie mit Ihrer Miete im Verzug sind, deshalb muss ich wohl oder übel härtere Geschütze auffahren.“ „Ich versichere Ihnen, dass ich das Geld bis zum Ende der Woche haben werde. Nur bitte werfen Sie mich nicht aus der Wohnung“, flehte ich meinen Vermieter an, doch seine Miene blieb hart wie Stein. „Seit einem halben Jahr bekomme ich Ihre Miete nun schon nicht zum vereinbarten Termin. Es tut mir leid. Sie haben bis zum Ende des Tages Zeit.“ „Bitte was? Aber wo soll ich denn dann wohnen?“ „Das ist nicht mehr mein Problem. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag Herr Nakamura!“ „Als ob ich den jetzt noch habe Sie Arschloch!“, rief ich ihm nach und feuerte meinen Rucksack in die nächste Ecke. Verfluchte Scheiße! Was sollte ich jetzt tun? Ich biss heftig auf die Unterlippe und der imaginäre Knoten in meiner Brust drohte mir die Luft abzuschnüren. Ich sank auf mein Bett und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Obwohl ich mit Kyo zusammen war, lief gerade alles andere in meinem Leben mehr als beschissen. Mit einem Seufzen und der bitteren Einsicht, dass ich ohnehin nichts ändern konnte, packte ich meine wenigen Habseligkeiten in meine kleine schwarze Reisetasche. Ein letztes Mal blickte ich mich in der winzigen Wohnung um und irgendwie hatte ich sie doch gemocht. Den Schlüssel warf ich bei meinem Vermieter in den Briefkasten. Auf dem Weg nach unten wäre ich fast mit Sota zusammengestoßen. Na super, auch das noch. Er nickte irritiert in Richtung Tasche. „Willst du verreisen oder was?“ „Ne ausziehen“, gab ich kurz und knapp zurück. Jetzt schaute mich mein Freund geschockt an. „Etwa zu deinem Kyo? Ist das dein ernst Kazu?“ Ich war heute ganz und gar nicht zum Streiten aufgelegt und mir fehlte auch jegliche Kraft dazu. „Wenn du es genau wissen willst, ich wurde aus der Wohnung geschmissen und bin jetzt obdachlos. Lässt du mich jetzt bitte vorbei? Ich muss mich mit dem nächstbesten Penner um die gemütlichste Parkbank schlagen“, entfuhr es mir und irgendwie erstaunte mich mein schwarzer Humor selbst. „Was? Aber wieso? Ich meine, du kannst auch bei mir pennen…“ „Nein schon gut…ich komm irgendwie klar. Zu dem wieso…konnte meine Miete nicht immer rechtzeitig bezahlen…ist scheiße gelaufen, jetzt muss ich damit klarkommen.“ „Verdammt Kazuki, draußen ist es arschkalt…jetzt sei nicht so ein Spinner und komm mit zu mir…ich werde dich auch sicher nicht anfassen, aber du holst dir den Tod“, entgegnete er und ich lächelte traurig. „Tja, dann war es schön deine Bekanntschaft gemacht zu haben. Vielleicht treffen wir uns in einem anderen Leben unter besseren Umständen wieder.“ Mein Freund schaute mich mitfühlend an, doch ich wollte sein Mitgefühl nicht. „Kannst du nicht irgendwie zu seiner Familie gehen, zumindest übergangsweise?“, fragte er vorsichtig, weil er zu ahnen schien, dass dieses Thema wie ein rotes Tuch für mich war, auch wenn ich ihm nichts von dem Drama mit meinen Eltern erzählt hatte. „Nein, das geht leider nicht…bis irgendwann Sota“, beendete ich unser Gespräch und zwängte mich an ihm vorbei. Er rief mir noch nach, doch ich tat so, als würde ich ihn nicht hören. Ich kaufte mir am nächsten Kiosk etwas zum Essen und eine Kaffee und schlug die Zeit im Einkaufzentrum tot. Mein Instrument stand noch sicher verwahrt in der Bar und dort würde ich später auch wieder hingehen, in der Hoffnung den Abend dort verbringen zu können, bis sich die Pforten schlossen. Diesen Plan setzte ich dann auch in die Tat um. Takashi stellte keine Fragen, als ich am Schluss noch immer gefährlich schwankend am Tresen auf meinem Barsessel hockte und schon viel zu viel intus hatte. Meine Tasche und die Klampfe hatte ich sicher hinter der Bar verwahrt. „Schließt du noch ab Junge? Ich weiß nicht was los ist, aber du kannst auf dem Sofa hier übernachten. Schlaf gut.“ Mit diesen Worten verabschiedete er sich und löschte das Licht. Ich wankte zu dem abgewetzten Ledersofa, welches mich kalt und unwürdig empfing. Nur meine Jacke diente mir als Decke und wärmte nicht besonders gut. Irgendwann erwachte ich, weil mich ein unangenehmes Ziehen in meinem Magen weckte. Na klasse. Ich torkelte zu den Toiletten und eckte dabei bestimmt an allen Tischen oder Stühlen an, die sich auf dem Weg dorthin befanden. Ich beschleunigte meinen Schritt, als ich merkte, wie sich mein Mageninhalt ziemlich schnell seinen Weg ins Freie suchte. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich die Kabine, riss den Deckel nach oben und übergab mich. Nach einer Weile hatte sich mein Magen beruhigt und erschöpft sank ich an der Wand in einen Dämmerschlaf, bis zur nächsten Übelkeitswelle. Ich musste wohl wirklich eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal erwachte, schien helles Licht in den kleinen Raum. Ich kam mir schäbig und einfach nur widerlich vor. Aus meiner Tasche, die ich holte, kramte ich meine Zahnbürste hervor und putzte mir die Zähne, spritzte mir noch ein bisschen Wasser ins Gesicht und beschloss diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Konnte ich dem alten Mann jeh wieder unter die Augen treten? Beschämt kritzelte ich ein paar dankende Worte auf einen Zettel, nahm meine Tasche und die Gitarre und verschwand. Ausgelaugt von der letzten Nacht und das schwere Gepäck, das mich beim Laufen behinderte, schlurfte ich wie Zombie durch die nahezu leeren Straßen. Im Gegensatz zu sonst schien heute nicht so viel in der Stadt los zu sein. Menschen rauschten an mir vorbei, schenkten mir jedoch keinerlei Beachtung. Nach Essen war mir nicht zumute, aber schlafen und duschen wäre jetzt nicht übel. Eher unbewusst griff meine Hand nach dem Schlüssel in meiner Hosentasche. Sollte ich zurück in Kyos Wohnung? Schließlich hatte er es mir ja angeboten oder? Verunsichert war ich trotzdem, denn es kam mir vor, als würde ich so in seine Privatsphäre eindringen. Meine Hände waren mittlerweile so steif von der Kälte, dass es mir Schwierigkeiten bereitete meine Tasche zu halten. Ich musste mich aufwärmen und kehrte wieder im Einkaufscenter ein. Dort hockte ich mich auf eine Bank und wollte meine Mails checken, da fiel mir das schwarze Display auf. Schön, mein Handy war tot, kein Akku mehr. Egal, wer würde mich auch erreichen wollen? Am liebsten würde ich schreien. Tolle Karriere. Mit Anfang dreißig keinen ordentlichen Job und obdachlos. Nur ein verträumter Musiker, der gehofft hatte irgendwann Erfolg zu haben. Ich beobachtete all die fröhlichen Gesichter in der Vorweihnachtszeit. Wie frustrierend, noch zwei Wochen und dann stand dieses verhasste Fest schon vor der Tür. Meine Erinnerungen schweiften zehn Jahre zurück. Von meinem ersten Lohn hatte ich mir eine Gitarre gekauft, eben diese, die ich auch heute noch bei mir trug und die stets meine treue Begleiterin war. Mein Zimmer im Haus meiner Eltern befand sich damals ganz oben im Dachgeschoss, sodass ich mir in Ruhe das Spielen beibringen konnte. Es störte sich ja ohnehin niemand daran, denn wen interessierte schon, was der schwule Versager der Familie trieb? Wenn meine Eltern unsere Familie über die Feiertage einlud, schlich ich mich immer aus dem Haus. Die ersten Male, als ich dann doch erwischt wurde, weil ich mitten in der Nacht völlig betrunken zurück kam, prügelte mich mein Vater grün und blau. Und immer wieder bleute er mir ein, dass ich meine nächtlichen Streifzüge unterlassen solle, denn schließlich könnten unsere Nachbarn davon Wind bekommen. Natürlich ließ ich es nicht bleiben. Tagsüber schaute ich mir Videos oder Tutorials an und spielte diese nach. Schließlich keimte in mir der Wunsch endlich vor Menschen zu musizieren. So landete ich dann in der Bar von Takashi und lernte dort auch Sota kennen, der mir später die Wohnung vermittelte. Ich hatte meine Familie nie darüber in Kenntnis gesetzt, was meine Pläne betraf und nachdem ich meinen Schulabschluss in der Tasche hatte, war ich ohne sie zu fragen ausgezogen. Ab und zu liefen wir uns noch über den Weg, doch sie ignorierten mich. Für meine Familie war ich wie Luft, schlimmer noch, denn Luft hätte wenigstens einen Sinn, da man diese zum Atmen brauchte. Ich war nichts. Nicht existent und ihnen war es vollkommen egal, ob ich mein Leben auf die Reihe bekam oder nicht. Dieser Gedanke zerfraß mich innerlich, weil es irgendwann mal anders war. Doch wann kam es zu dieser Wendung? Ich wusste es genau, doch genau diese Erinnerung blieb die schlimmste von allen und ich verdrängte sie so oft wie möglich. Wenn es mir denn gelang, aber wie bereits erwähnt, in dieser kalten Jahreszeit hatte ich meine Gefühle kaum unter Kontrolle.   Irgendwie verspürte ich ein leichtes Hungergefühl, doch sobald ich an Essen dachte, es in meinem Kopf Gestalt annahm, zog sich mein Magen wieder zusammen. Dann also nicht. Ich zog den Schlüsselbund erneut aus meiner Hose heraus und mir fiel auf, dass das da auch die Schlüssel für den Proberaum dran hingen. Plötzlich kam mir ein Gedanke und meine Euphorie schien langsam ihren Weg zurück zu mir zurück zu finden. Ich sprang schon fast gut gelaunt auf, als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. Verwirrt drehte ich mich um und schon sackte meine Laune wieder in den sprichwörtlichen Keller. Vor mir standen eine Frau mittleren Alters und ein Mädchen, das jetzt ungefähr 19 oder 20 sein müsste. Beide wirkten sehr gepflegt und man sah ihnen an, dass sie der gehobeneren Gesellschaft angehörten. Zwei Augenpaare starrten mich unentwegt an und schon war mir wieder kotzübel. Ich setzte meine Tasche auf der Bank ab. „Kazuki? Bist du das?“, fragte mich die Frau. „Bedauerlicherweise ja…ich bin noch am Leben, sicher hätte dich ein anderer Tatbestand mehr gefreut“, entfuhr es mir. Nein, Nettigkeit ihr gegenüber war schon lange nicht mehr meine Stärke. „Du siehst furchtbar aus…und was sind das für Kratzer auf deiner Brust?“ Da mein Shirt unter der Kapuzenjacke sehr tief ausgeschnitten war, gab es meine Narben preis. Ich bekam ihre Hand noch gerade so zu fassen. „Wage es nicht mich anzufassen!“, fuhr ich sie an und ihr erschrockener Blick fixierte mich kurz, als würde sie doch so was wie Mitleid empfinden. Doch dann spiegelte sich die gewohnte Gleichgültigkeit darin. Auch das Mädchen warf mir einen verachtenden Blick zu. Ihre kalten Augen musterten mich von unten bis oben und allein diese Geste bewirkte, dass ich mir wie das letzte Stück Dreck vorkam. „Ich fasse es nicht, wie kannst du dich in deinem Zustand hier an einem so öffentlichen Platz herumtreiben? Was sollen denn die Eltern mit ihren Kindern denken? Die bekommen es ja mit der Angst zu tun. Hast du getrunken oder womöglich Drogen konsumiert?“ Ich schüttelte mit dem Kopf. „Keine Drogen…warum redest du überhaupt mit mir? Hast du nichts Besseres zu tun?“ „Doch, hab ich. Deine Schwester und ich gehen jetzt ein Kleid für ihre Silvesterparty kaufen.“ „Wie kannst du es wagen sowas zu sagen Mama. Ich habe keinen Bruder, schon vergessen!“, entgegnete dieses kleine fiese Miststück und brach mich, wie schon so viele Male davor. Nicht mehr lange und ich verlor meine Selbstbeherrschung. „Ich muss dann auch los…viel Erfolg beim Kleider shoppen…“, versuchte ich dennoch freundlich zu sagen. „Halt doch die Klappe, du schwänzelutschender Wiederling…danke, dass du mir jetzt den Tag vermiest hast.“ Ich schluckte die Beleidigung runter wie immer. „Mei, es reicht. Nicht solche Worte in der Öffentlichkeit! Tschüss…“ Noch bevor sich meine Mutter von mir verabschieden konnte, rannte ich aus dem Einkaufszentrum. Stürzte zur Metrostation und fuhr zum Proberaum. Mit zittrigen Händen zündete ich mir eine Zigarette an und um den Tag wirklich beschissen perfekt werden zu lassen, begann es jetzt auch noch zu regnen. Nicht nur en leichter Nieselregen, nein, es schüttete wie aus Eimern. Es dauerte eine Weile, bis ich den passenden Schlüssel aus dem Bund gefingert hatte und leicht durchnässt ließ ich mich auf das Sofa sinken, wo ich mir eine neue Zigarette anzündete. Besonders warm war es hier nicht und mein Körper zitterte ein bisschen in den feuchten Klamotten. Außerdem konnte ich wirklich langsam eine heiße Dusche vertragen, denn mich beschlich das Gefühl, dass ich ein bisschen streng roch. Also doch zu Kyo? Ich zuckte panisch zusammen, als ich hörte, wie hinten auf dem Klo die Spülung betätigt wurde. Verdammt, wer konnte dass sein? War jemand eingebrochen? Schon wollte ich aufspringen, als sich die Tür öffnete und der Mann, der mich da anschaute war mindestens genauso perplex wie ich. Seine verstrubbelten braunen Haare hingen ihm ein bisschen ins Gesicht und seine dunklen Augen, die mich schon fast ein wenig an die von Kyo erinnerten, fixierten mich neugierig. Die letzten beiden Knöpfe seines schwarz-violett karierten Hemdes standen offen und entblößten seine helle Haut minimal. Die enge Hose mit der großen Gürtelschnalle in Form eines Kreuzes hing schon fast unverschämt weit unten. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl diesen Mann zu kennen. Er stand noch immer da und beobachtete mich. „Nanu, was für eine nette Überraschung. Aber wie kommst du in den Proberaum von Dir en Grey?“, fragte er mich mit tiefer Stimme und kam näher auf mich zu. „Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, gab ich etwas kleinlaut zurück und zündete mir eine zweite Zigarette an. „Aber ich hab zuerst gefragt. Also?“ „Wie denn schon, natürlich mit nem Schlüssel. Zufrieden?“ Der Typ kratzte sich am Kinn und schaute nachdenklich zur Decke. „Mhh,…Tooru hat einen Schlüssel, Shinya und Kao…doch der hat mir seinen geliehen, bleiben also nur noch zwei…Shini vielleicht?“, überlegte er. Moment, was tat der Kerl mit dem Proberaumschlüssel des Diru Leaders? Und warum war er so daran interessiert, von wem ich meinen Schlüssel hatte? War das nicht egal? Ich hatte eben einen. Basta! Ich zog meine Jacke enger um mich. Er wartete noch immer auf eine Antwort. Doch ich tat nicht dergleichen, weil ich keinen Bock hatte mit irgendwelchen komischen Typen zu reden. Ich wünschte mir Kyo her, mehr als alles andere auf der Welt. Wollte in seinen Armen liegen und die letzten zwei Tage einfach vergessen. „Naja, sehr gesprächig scheinst du ja nicht zu sein. Stört es dich, wenn ich ein bisschen Bass spiele?“ Ich schüttelte nur den Kopf und schaute im Kühlschrank nach einer Flasche Wasser, welches ich dort auch fand. Dann kribbelte es mich doch in den Fingern und auch ich packte meine Gitarre aus. Hörte dem Bassisten zu und versuchte einzusteigen. Als dieser bemerkte, dass ich ihn begleitete, staunte er nicht schlecht. Wir lieferten uns ein kleines Battle, was mich zumindest für einen kurzen Augenblick vergessen ließ. Als er sein Tun stoppte, begann ich meine eigenen Songs zu spielen und zu singen. Das schien auch den anderen Musiker mächtig zu beeindrucken. „Nicht übel…sag mal, du bist aber nicht zufällig Kazuki oder?“ Mit weit aufgerissenen Augen musterte ich den Fremden. Woher zur Hölle wusste er, wer ich war? „Ähm…doch, aber woher weißt du das?“ Jetzt lächelte der andere Bassist und winkte mit der Hand ab. „Kao hat das letztens Mal erwähnt…mh, wie war sein genauer Wortlaut? Das wirst du mir nicht glauben, aber ich glaube Tooru ist doch noch nicht verloren…er hat da gestern diesen echt schnuckeligen Nachwuchsmusiker mit in den Proberaum gebracht….und der kleine hat’s echt drauf.“ Kaoru? War das vielleicht Kaorus Freund? „Schön und mit wem habe ich die Ehre?“, fragte ich noch immer reserviert. Er streckte mir seine Hand entgegen. „Verzeih, wo bleiben meine guten Manieren. Ich bin Zero“, stellte sich der braunhaarige vor. Zero? In meinem Hirn begann es zu rattern. „Freut mich“, gab ich zurück und meinte es auch so. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Jetzt wurde mir auch klar, woher in den anderen kannte. Oh mein Gott. Augenblicklich hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich ihm gegenüber so unfreundlich verhalten hatte. Naja, zu spät. „Na, hat es klick gemacht?“, amüsierte sich der D’espairs Ray Bassist. „Sorry…heute ist nicht gerade mein Glückstag.“ „Schon okay…aber vielleicht solltest du langsam mal aus den nassen Klamotten raus. Sonst bist du morgen krank. Das würden mir die Jungs sicher nicht verzeihen.“ „Ist vielleicht echt nicht die schlechteste Idee.“ Ich kramte saubere Kleidung aus meiner Tasche und zog mich bis auf die Unterhose aus. Die Anwesenheit von Zero störte mich nicht und seiner Reaktion nach zu urteilen war auch ich nicht der erste Mann, den er halbnackt zu Gesicht bekam. Mit den trockenen Klamotten wurde mir tatsächlich ein bisschen wärmer. Ein Blick in meine Kippenschachtel ließ mich seufzen. Nur noch drei Zigaretten, na toll. Ich zündete mir eine an. Kalt war mir noch immer. „Sag mal, bist du auf der Flucht oder was soll die Reisetasche?“ Und schon kippte meine ausgelassene Stimmung wieder. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern. „So was in der Art…lange Geschichte.“ „Mh verstehe, du magst nicht drüber reden. Ist vollkommen okay. Verstehst du dich gut mit den Jungs?“, wechselte Zero das Thema und ich war ihm ausgesprochen dankbar dafür. „Schon. Manchmal ist es irgendwie noch ein bisschen komisch, weil…naja, sie ja so berühmt sind…aber Kyo scheint ernsthaftes Potenzial in mir zu sehen.“ „Da kann ich ihm nur beipflichten.“ „Danke…sowas bekomme ich nicht all zu oft zu hören.“ „Dann warst du bisher wohl mit den falschen Leuten zusammen. Ich muss dann auch los. Soll ich dich irgendwohin fahren?“ Ich schluckte und überlegte kurz, doch ich kam zu keiner besseren Alternative. „Weißt du wo Kyo wohnt?“ Zero schaute mich mit einer Mischung aus „bist du völlig irre“ und „vielleicht hast du dich doch verkühlt“ an. Ich ignorierte es. „Du meinst das ernst oder?“ Ich nickte und er schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Gemeinsam verließen wir den Proberaum und stiegen ins Zeros Auto, welches er um die Ecke geparkt hatte. Der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen, im Gegenteil. Zero musste vorsichtig fahren, da das Wasser auf den Straßen stieg und seine Scheibenwischer über die Windschutzscheibe flitzten. „Das heißt, du hast auch Kyos Wohnungsschlüssel?“, fragte der Bassist dann nach einer Weile. Klar, wenn er mit dem Diru Leader befreundet war, wusste er sicher auch, dass sich die Jungs gerade in Tokio befanden. „Sieht so aus.“ „Das ist echt verrückt. Ich meine ich kenne die Jungs schon eine Weile, doch ich habe  noch nie mitbekommen, dass Tooru jemanden mit zu sich nimmt. Sogar seine Freunde…naja abgesehen von Shinya, nimmt er nicht all zu oft mit in seine privaten Gemächer und dann dich?...Oh tut mir leid, das sollte nicht so rüberkommen…“ „Schon okay, ich verstehe auch nicht, was er an mir findet. Immerhin könnte er jeden haben.“ Plötzlich entfuhr Zero ein übertriebenes Lachen. „Oh mein Gott, sag bloß ihr habt was miteinander?“ Na toll, was sollte ich darauf schon wieder antworten? „Wüsste nicht, was dich das angeht. Schließlich frag ich auch nicht, ob du mit Kaoru vögelst“, rutschte es mir raus und ich sollte dringend schlafen, denn irgendwie schien ich nicht mehr so ganz unter Kontrolle zu haben, was ich sagte. „Ja tue ich und wir machen daraus auch kein Geheimnis. Er ist süß und toll…manchmal ein bisschen verrückt…keine Sorge ich sag es keinem. Schließlich weiß ich, wie Kyo austicken kann. So da wären wir.“ Zero parkte vor dem Haus. Ich bedankte mich und verabschiedete mich von ihm. Endlich duschen, den Dreck und diese Erinnerungen der letzten Tage loswerden. Ich kauerte in der Dusche und das heiße Wasser prasselte auf meinen Körper herab. Jetzt da ich wieder alleine war drangen diese unschönen Gefühle wieder empor. Ich zitterte, trotz des warmen Wassers und schluchzte, denn keine Minute länger hätte ich diese Welle der Emotionen zurückhalten können. Doch war ich alleine damit, niemand, der mir gerade Beistand leisten konnte oder mich davor bewahrte, mich selbst zu verletzen. Meine Fingernägel krallten sich auf diese gefährliche Art in meine Oberarme. Ich biss mir heftig auf die Unterlippe und die Tränen liefen unentwegt meinen Wangen hinab. Ich kippte zur Seite und fand Halt an der kalten Fliesenwand. Mein Körper war am Limit angekommen und so allmählich begann meine Haut zu schrumpeln, deshalb rappelte ich mich mit aller Kraft auf und trocknete mich ab. Erschöpft und müde brach ich auf dem Sofa zusammen. Ich trug keine Klamotten und kuschelte mich in die Decke ein. Meine Augen brannten vor Müdigkeit, doch ich fand keinen Schlaf, zu sehr war mein beschissenes Gehirn damit beschäftigt mir diverse Szenen der letzten Tage immer und immer wieder zu zeigen. Lief es nun doch auf Selbstverletzung hinaus? In der Dusche hatte ich es wie auch immer abwenden können, doch nun überkam mich dieser Drang erneut. Und dieses Mal war die Versuchung heftiger. Mein Körper sehnte sich nach Schlaf und Befriedigung. Schlimm genug, wenn man sowas als befriedigend ansah, aber ich konnte es nicht ändern. Oder doch? Meine Fingernägel waren zwar nicht lang, aber dafür würde es reichen. Ich fuhr mit der spitzen Seite meines Nagels unterhalb meiner Rippen entlang. Einmal. Es blieb nur ein Kratzer zurück. Zweimal. Die gereizte Haut schwoll ein bisschen an. Dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal. Endlich erreichte ich mein Ziel und das Blut sickerte aus der Wunde. Wieder flossen die Tränen und der Schmerz zerfraß mich noch immer. Ohne wirklich zu wissen, was ich tat, erhob ich mich und schwankte völlig kraftlos in Richtung Schlafzimmer. Die Luft hier drin war kühler als im Wohnzimmer. Ich öffnete den Kleiderschrank und kramte ein T-shirt von Kyo heraus, zog es mir über den Kopf und kuschelte mich ins Bett. Es roch nach ihm. Nach seinem Parfum, seinem Schweiß und ich vergrub mein Gesicht in dem Kissen. Und als wäre das die Linderung für all meine Sorgen, umfing mich dieser Geruch wie ein schützender Schleier. Ich vergrub mich noch tiefer in der Bettwäsche. Keine zwei Sekunden später fielen mir die Augen zu und ich schlief ein. Kapitel 8: in den Tiefen deiner Seele ------------------------------------- Ich wusste nicht, wie lange ich geschlafen hatte. Wo war ich überhaupt? Ich zwinkerte ein paar Mal und öffnete schließlich meine Augen. Die vertraute Umgebung von Kyos Schlafzimmer ließ mich aufatmen und doch überschatteten die letzten Tage diese trügerische Idylle. Von irgendwoher drangen Stimmen an mein Ohr und ich versuchte ein paar Wortfetzen aufzuschnappen. „Jetzt reg dich ab, er ist hier und alles scheint gut zu sein.“ War das Shinya? Ich vermochte es nicht genau auszumachen. „Ja, aber er hätte trotzdem Mal an sein beschissenes Handy gehen können. Ich war fast krank vor Sorge. Und dann die Reisetasche? Was soll das? Irgendwas stimmt nicht Shini“, hörte ich Kyo meckern und sofort bildete sich wieder der Kloß in meinem Hals und in meinem Magen begann es heftig zu rumoren. Doch das lag vielleicht auch am Hunger. Auf dem Nachtisch neben mir entdeckte ich eine Tasse mit Tee. Das heiße Gebräu dampfte noch und ich trank einen Schluck. „Shinya…ich liebe Kazu, mehr als ich bisher jemanden geliebt habe und ich will ihn nicht verlieren…das würde ich nicht ertragen…“ Was? Kam das wirklich gerade aus dem Mund des Diru Sängers? Endlich sah ich nach diesen drei beschissenen Tagen wieder Licht am Ende des Tunnels. Mein Herz machte mehrere Freudensprünge oder auch Purzelbäume und auf einmal wünschte ich mir nichts mehr als in Kyos Armen zu liegen. Seinen Geruch einzuatmen und mich an ihn zu schmiegen. Deshalb erhob ich mich, zog mir eine Unterhose an und schlurfte Richtung Küche. „Glaub mir, das wird er nicht tun…ohh…unsere Prinzessin ist erwacht“, witzelte der Drummer, welcher lässig an der Küchenzeile lehnte und mir freundlich zuwinkte. Kyo hingegen hockte mir mit dem Rücken zugewandt auf einem umgedrehten Stuhl und seine Arme lagen überkreuzt auf der Lehne. Er drehte sich abrupt in Richtung Tür. Sein sorgenvoller Blick ließ mich sofort wieder Gewissensbisse bekommen. Gerade wollte er vermutlich zu einer Schimpftirade ansetzten, doch ich legte meine Hand auf seine Schulter und schüttelte mit dem Kopf. „Bitte nicht…kannst du mich einfach nur in die Arme nehmen?“ Er seufzte, erhob sich und kam diesem Wunsch nach doch ich hatte nicht geahnt, wie sehr mich dieses Gefühl überwältigte. Zwar kam ich mir langsam echt dumm vor, weil ich dauernd vor ihm heulte, doch nur in den Armen meines hübschen Sängers konnte ich loslassen. All diese hässlichen Gefühle hatten sich angestaut und nur durch ihn wurde mir wieder bewusst, dass es vielleicht doch einen Menschen gab, der mich tatsächlich liebte. Meine Hände krallten sich in den Stoff seines Pullis und er zog mich noch fester an sich, wenn das überhaupt noch möglich war. „Geht ihr zwei ins Wohnzimmer, ich koch uns was Schönes…ich glaub du wirst jetzt dringend gebraucht Tooru-chan“ Ohne Probleme trug mich Kyo auf seinem Arm zurück ins Wohnzimmer und kuschelte sich mit mir auf die Couch, reichte mir ein Taschentuch und nahm mich wieder in seine Arme. Ein besorgtes Seufzen entfuhr ihm und sein Blick erwartete noch immer Antworten. Ich putzte mir die Nase und fing mich wieder halbwegs. „Wenn man dich einmal alleine lässt…was ist passiert Kazu?“ „Später. Ich muss dich erst was fragen…und es ist okay, wenn du nein sagst, dann find ich eine andere Lösung“, begann ich mit zittriger, brüchiger Stimme. „Was denn?“ „Mein Vermieter hat mich rausgeworfen…ich sitze seit 2 Tagen sozusagen auf der Straße und isses okay…mhh wäre es ein Problem für dich…naja…wenn ich ein paar Tage hier bleibe…“, stotterte ich und hoffte natürlich, dass er mich nicht wieder auf die Straße setzte. Das war viel verlangt, dessen war ich mir bewusst, doch fragen kostete ja nichts oder? Kyo schloss die Augen einen Moment und schien irgendwie erleichtert. „Deshalb auch die Tasche, was?“ Ich nickte verlegen und wich seinem Blick aus. „Süßer…du kannst so lange hier wohnen wie du willst. Etwas anderes dulde ich ohnehin nicht…von wegen andere Lösung suchen, den Teufel wirst du tun!“ „Bist du dir da sicher?“ Der schöne Sänger verdrehte genervt die Augen. „Ich kann ja wohl selbst entscheiden, wen ich hier wohnen lasse, also…“, beendete er den Satz, der keine Widerrede duldete. Ich ließ meinen Kopf gegen seine Brust sinken. Erleichterung breitete sich in mir aus. Damit war das erste Problem gelöst. „Kyo…ich hab das Gefühl ich bin zu nichts nutze…mein Leben ist ein Chaos und überall wo ich hingehe hinterlasse ich Chaos. Nirgends gehöre ich richtig hin…“ „Was hast du denn für Chaos angerichtet?“ Ich zuckte mit den Schultern und schluckte die Tränen runter. „Naja, ich hab keinen vernünftigen Job…bin dauernd betrunken…vergraule meinen besten Freund…außerdem hab ich dich enttäuscht…“ Einzelne Tränen kullerten erneut meinen Wangen herab, doch Kyo küsste sie weg, so wie es in den Teenieromanzen die Typen immer bei ihren Mädels taten. „Warum solltest du mich enttäuscht haben?“, fragte er mit dieser vertrauten Sanftheit in seiner Stimme. „Naja, weil ich einfach weg war…vom Erdboden verschluckt und du hast dir Sorgen gemacht…weißt du ich hab gestern meine Mutter mit meiner Schwester getroffen und da kamen all diese Gefühle wieder hoch…dieser furchtbare Schmerz und der Drang mich selbst zu verletzen…solange bis ich nichts mehr spüre und mich dieses Gefühl betäubt. Ich möchte diesen Gedanken, wertlos zu sein nicht mehr haben…diese Blicke der beiden gestern…ich kam mir vor wie ein Stück Dreck…mehr bin ich ja nicht…das macht mich kaputt…“ „Kazuki Nakamura, jetzt hörst du mir Mal genau zu! An dem Abend, als ich die Bar aufsuchte, in der du gespielt hast, hatte auch ich ein ziemlich übles Tief. Eine meiner Sinneskrisen, die mich hin und wieder heimsuchen…ich hab mich besoffen um dem zu entfliehen. Doch da hörte ich dich singen. Du wirktest so süß und unschuldig…fast ein bisschen verletzlich, doch das Wundervollste waren deine ehrlichen Gefühle, die deinen Songs den gewissen Charme verliehen. Ich dachte zuerst, die Musik kommt aus den Lautsprechern, doch da sah ich dich auf der kleinen Bühne mit deiner Gitarre sitzen…glaub mir ich bin verdammt wählerisch und normalerweise nicht an Beziehungen interessiert, doch du hast es mir angetan. Ich schwöre dir bei meinem Leben, du bist weder nutzlos noch ein Stück Dreck…sag sowas in meiner Gegenwart nie nie wieder, hast du verstanden! Du bist mehr als besonders.“ Das Ausmaß seiner Worte drohte mich zu erschlagen. Mein Gehirn war unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen und trotzdem dominerte der Schmerz in meinem Inneren. „Hast du nur daran gedacht dich selbst zu verletzen?“, fragte Kyo weiter und die Sorgenfalte auf seiner Stirn kam wieder zum Vorschein. In seinen Augen las ich schon sowas wie Enttäuschung, obwohl ich ihm noch keine Antwort gegeben hatte. Ich biss mir auf die Unterlippe, wich seinem Blick aus und schüttelte mit dem Kopf. „Ich war nicht stark genug...“, gab ich kleinlaut zurück und die Sorgenfalte auf Kyos Stirn wurde tiefer. Behutsam schob er das T-shirt hoch, schloss seine Augen für einen Moment und kaute auf seiner Unterlippe. Kämpfte er etwa mit den Tränen? „Oh mein süßer kaputter Schatz…ich werde dich vermutlich nie mehr allein lassen können…“, flüsterte er und zog mich an sich. Seine Hände strichen sanft über meinen Rücken und dieses Gefühl von gestern, als ich mich in sein Bett kuschelte, verstärkte sich. Kyo schüttelte mit dem Kopf, als wolle er einen schlechten Gedanken einfach abschütteln und drückte mich sanft in die Kissen. Seine Finger strichen behutsam über meine Wange. Berührte zärtlich meine Haut und ruhte auf der Brust über meinem Herzen. „Es tut mir so unendlich leid Kazuki…ich war mir nicht im Geringsten bewusst, dass es so schlimm ist…es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war, verzeihst du mir?“ „Das ist nicht deine Schuld, so bin ich eben…gehöre nirgends richtig hin“, wisperte ich und Kyo hauchte mir einen sanften Kuss auf die Lippen. „Sag sowas nicht. Du bist stärker als du glaubst…naja und es stimmt nicht ganz, dass du nirgends hingehörst…Kazu…du gehörst jetzt zu mir und bist ein Teil der Dir en Grey Familie…und bevor du auf den dummen Gedanken kommst, nach dem warum zu fragen…weil…ich dich liebe…“ Und wieder sank ich in seine Arme. Etwas überfordert mit soviel Liebe und Zärtlichkeit. Wollte ich das überhaupt? Ertrug ich das? Und wieder stellte ich mir die Frage, warum ich? Und warum konnte ich den schönen Sänger nach schon so kurzer Zeit so nahe an mich heranlassen? Auch wenn es sich um Kyo handelte, den ich schon seit ich Dir en Grey kannte echt mehr als begehrenswert fand, konnte ich mir das nicht erklären, denn meine letzten Beziehungen oder Affären hatte ich immer an der kurzen Leine gehalten. Zu viel Nähe war tödlich und Gift für meine ohnehin schon geschundene Seele. Doch bei Kyo funktionierte das nicht. In seiner Gegenwart schien ich mich völlig gehen lassen zu können und es fühlte sich schön an. Mehr noch. Er brachte mich zum Lachen, erfüllte mich mit Glück und ich bedeutete ihm mehr, als es Worte hätten beschreiben können. „Wow, du hast es schon wieder gesagt“, strahlte ich meinen Kyo an und er warf mir einen fragenden Blick zu. „Schon wieder?“ „Ja, vorhin in der Küche hast du zu Shinya auch gesagt, dass du mich liebst.“ Mein Lieblingslächeln schlich sich auf seine Lippen und augenblicklich zog er mich in einen sanften Kuss. Oh wie hatte ich seine weichen vollen Lippen vermisst. „Hast du uns etwa belauscht?“ „Naja, nicht absichtlich…ich wollte gerade aufstehen und hab ich euch reden hören. Ich liebe dich auch…aber das weißt du ja bereits“, flüsterte ich und küsste ihn noch Mal. „Es ist trotzdem schön, diese Worte aus deinem Mund zu hören…“, wisperte er in den Kuss und sein Atem kitzelte meine Lippen. Aus der Küche wehte ein himmlischer Geruch ins Wohnzimmer und erst jetzt merkte ich, dass ich in den letzten beiden Tagen viel zu wenig Nahrung zu mir genommen hatte. Denn schon allein bei dem köstlichen Duft lief mir das Wasser im Mund zusammen. Shinya steckte seinen Kopf aus der Küche heraus. „Ihr zwei Turteltäubchen…in 15 Minuten gibt’s Essen“, kündigte er an. Wow völlig erschlagen von so vielen lieben Worten und dem Gedanken, dass ich tatsächlich gemocht wurde und das nicht nur von einer Person in dieser Wohnung, machte mich so unsagbar glücklich. Wie zur Hölle hatte ich es innerhalb eines Monates geschafft ein Teil dieser wundervollen Familie zu werden? Nur, weil ich angeblich ein talentierter Musiker war? Weil ich das tat, was ich am besten konnte? Ungläubig und breit grinsend schüttelte ich mit dem Kopf. Da kam der Drummer auch schon mit einem Tablett ins Wohnzimmer geschwebt. Oh Mann, das alles hier war mehr als verrückt und ich hatte ein bisschen Angst, dass ich plötzlich aus einem Traum erwachte. Shinya hatte eine köstliche Gemüsesuppe gezaubert und ich schlürfte mein erstes Schälchen in Nullkomma Nichts leer. Etwas verlegen schaute ich den Blonden an. Er lachte nur und organisierte mir Nachschlag. „Und wenn du hier wohnst, wirst du dich gefälligst an regelmäßige Mahlzeiten gewöhnen. Ich weiß wirklich nicht, wie du all die Jahre überlebt hast“, murrte Kyo jetzt wieder so grummelig wie immer. „Naja…ich habe mich von billigen Instantgerichten ernährt…das ging schnell.“ Die beiden Männer warfen mir verständnislose Blicke zu und ich zuckte betreten mit den Schultern. „Mh ich finde wir sollten Kazu einen Kochkurs zu Weihnachten schenken Tooru“, überlegte Shinya. „Keine schlechte Idee. Davon kann ich ja vielleicht auch profitieren.“ Ich zog meine rechte Augenbraue hoch und sah von einem zum anderen. Dann schüttelte ich belustigt den Kopf und schnappte mir eine Zigarette. Vermutlich sollte ich mich von nun an wirklich daran gewöhnen so umsorgt zu werden. Als wäre mein Körper auf einmal mit neuer Lebensenergie versorgt worden, fühlte ich mich nach der Unterhaltung mit meinem schönen Sänger, als könnte ich Bäume ausreißen. „Tut, was ihr nicht lassen könnt“, mischte ich mich amüsiert ein, nahm einen tiefen Zug und ließ meinen Kopf in Kyos Schoß sinken. Der Sänger strich mir über den Kopf und Shinya grinste uns an. „Halt bloß die Klappe Shini!“, fuhr er seinen Drummer an, doch dieser ließ sich von dem forschen Ton nicht aus der Ruhe bringen. „Ich hab doch gar nichts gesagt“, entgegnete dieser und hob unschuldig die Hände. „Ist auch besser so…“ Ich schaute die beiden Männer fragend an und wusste gerade nicht so recht, was zwischen den Freunden abging. „Tooru…genieß es doch einfach. Es macht mich so glücklich dich wieder lächeln zu sehen…und ihr zwei zusammen seid einfach unglaublich süß.“ „Ich will aber nicht süß sein…Kazu ist süß, das stimmt, aber ich nicht…“, protestierte mein schöner Sänger und jetzt musste auch ich lachen. „Ach ja? Ich find dich ziemlich süß und wenn du mit mir zusammen sein willst, gewöhn dich besser dran“, setzte ich noch nach und Shinya nickte nur zustimmend in meine Richtung. Kyo schob mich von seinem Schoß und erhob sich. „Will noch jemand Tee haben?“, fragte er etwas forsch und wir bejahten seine Frage. „Nimm es ihm nicht übel…ihn überfordert sowas nur immer ein wenig“, flüsterte mir der Drummer zu. „Mh, da haben wir wohl was gemeinsam.“ „Tja, ich denke das ist gut…so könnt ihr lernen euch anzunähern und so wie ich das sehe braucht ihr diese Nähe beide.“ „Vermutlich hast du Recht…“ Shinya, Kyo und ich schauten noch einen Film an, doch ich schlief irgendwann wieder ein, weil ich noch immer ziemlich erledigt war.   Als ich das nächste Mal erwachte, fand ich mich im Bett neben meinem schönen Sänger wieder und mein Herz setzte einen Moment aus, als ich ihn so anschaute. Wie friedlich er dalag und schlief. Seine Brust hob und senkte sich. Ich konnte nicht anders und gab ihm einen zaghaften Kuss auf die Stirn. Dann kuschelte ich mich an Kyo und mein Arm ruhte auf seinem Bauch. Irgendwie konnte ich nicht wieder einschlafen. Zuviel nackte Haut. Verdammt. Mein Kopfkino hatte bereits begonnen und die Playtaste betätigt. Mein Kopf ruhte auf seiner Brust und lauschte dem regelmäßigen Herzschlag. Nur meine Hand wagte sich langsam ein Stück tiefer. Ich stieß nicht auf den gewohnten Saum der Unterhose, was bedeutete? Oh mein Gott, jetzt begann mein Herz zu rasen und ich war hellwach. Meine Finger kribbelten, doch meine Hand ruhte immer noch auf Kyos Bauch. Strich über seine Hüftknochen und über seine Oberschenkel. Auf einmal ergriff er meine Hand und führte sie zwischen seine Beine. Heilige Scheiße. Ich hörte Kyo aufkeuchen. Er war also wach. Seine Männlichkeit wuchs unter meinen Berührungen und auch bei mir tat sich etwas. „Nicht Mal in Ruhe schlafen kann man neben dir“, amüsierte sich  mein schöner Sänger und dieser erregte Klang in seiner Stimme ließ mich erschaudern. „Dann leg dich nicht nackt neben mich…“, gab ich zurück. Ich packte fester zu und Kyo keuchte erneut auf und  auf einmal zog mich mein hübscher Sänger hoch, warf mich auf den Rücken und fiel über mich her. Oh wie ich es liebte, wenn er das tat, denn so gab er mir das Gefühl wichtig zu sein. Begehrenswert und nur sein Eigen, denn nur er durfte so mit mir umspringen. Dieses berauschende Gefühl, während unsere Körper miteinander verschmolzen war wie Balsam für meine Seele. In meinem Kopf explodierte ein Feuerwerk, als Kyos schweißnasse Haut sich an meiner rieb, sein lüsternes Stöhnen an mein Ohr drang und ich ihn tief in mir spürte. Meine Hände krallten sich in seine Schultern und auch ich hielt mich nicht mehr zurück. Verschwitzt und völlig außer Atem sanken wir nebeneinander in die weichen Kissen. „Kommst du mit duschen?“, fragte ich und grinste Kyo verführerisch an. „Du machst mich echt wahnsinnig Kazuki“, erwiderte der ältere und zog mich wieder in einen Kuss. „Freut mich“, nuschelte ich und grinste erneut.   Ich half Kyo beim Vorbereiten des Frühstücks. Naja, helfen ist wohl eine starke Untertreibung. Ich setzte Teewasser auf und schob Brötchen in den Ofen. Ich verfluchte ihn ein bisschen, dass er nur eine Jogginghose trug und ich fragte mich, ob ich mich jemals an diesen wunderschönen Mann satt sehen konnte? Sein Blick schweifte zu mir herüber und er zog die Augenbrauen hoch. „Anstatt mich nur anzuschmachten, könntest du mir auch helfen.“ „Könnte, das hast du richtig erkannt…und als ob du es nicht genießt so angeschmachtet zu werden.“ „Ich hab vorhin mit Toshi geschrieben und er hat gefragt, was wir die Tage vorhaben“, wechselte der schwarzhaarige das Thema, als hätte ich nichts gesagt. „Mh vermutlich nichts…es sei denn du folterst mich wieder im Proberaum…“ „Schon allein für diesen Kommentar hast du dir eine Schelle verdient. Ohne Disziplin läuft das nun Mal nicht Kazu…Toshiya lässt übrigens fragen, ob wir mit ihm und Daisuke ein paar Tage wegfahren wollen…nur wir vier.“ Ich legte meine Hände von hinten um meinen schönen Sänger und ließ sie auf seinem Bauch ruhen. „Möchtest du denn so ganz offiziell mit mir irgendwohin fahren? Ich meine, dich könnte jemand sehen…mit mir…“ Kyo füllte das geschnittene Obst in eine Schale und mischte es mit Joghurt und Knuspermüsli. Das sah verdammt lecker aus. Dann drehte er sich um, nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich auf die Stirn. „Ich würde dich nicht fragen, wenn ich es nicht wollen würde“, entgegnete er und wir setzten uns an den Frühstückstisch. „Mit Toshiya und Die?“ Kyo nickte und schluckte den Bissen runter. „Warum nicht? Oder willst du mit mir alleine sein?“, witzelte er. „Keine Ahnung…klar, jede freie Minute mit dir muss ich doch auskosten…ich meine eigentlich, weil wir zusammen sind und so…“ Der Sänger zog die Stirn in Falten und warf mir einen „echt jetzt?- Blick“ zu. Ich stand wohl wieder Mal auf dem Schlauch. „Dir ist noch nicht aufgefallen, dass die beiden ein Paar sind oder?“ Mit weit aufgerissenen Augen schaute ich meinen liebsten an und schüttelte den Kopf. Kyo schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Das ist ja wohl mehr als offensichtlich…die zwei können ihre Finger doch mal so gar nicht voneinander lassen. Wo hast du nur deine Augen?“ Jetzt grinste ich. „Scheinbar nicht bei Die und Toshi…naja, ich glaub ich steh eher auf kamplustige, grummelige Sänger, die ihre Musiker gern herum scheuchen und den Sklaventreiber spielen...ich kenn da so einen schnuckeligen, volltätowierten…manchmal ist er wirklich grausam, aber wenn er so mit seiner Musik verschmilzt…kann er verdammt heiß sein…vermutlich hat er meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.“ Ich biss mir heftig auf die Unterlippe, als Kyo unter dem Tisch nach meinem Schienenbein trat und dies nicht verfehlte.   Und tatsächlich wir machten einen vier-tägigen Ausflug zum Kawaguchi See, von dem man den Berg Fuji sehen konnte, wenn man ein Hotelzimmer mit Seeblick erwischte. Und natürlich gönnten wir uns diesen Luxus. Unsere Zimmer befanden sich nebeneinander und draußen auf der Terrasse standen gemütliche Sessel und man schaute direkt zum Berg rüber. Dieser Anblick überwältigte mich und ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal sowas wie Urlaub gemacht hatte. Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, gönnten wir uns im Wellness Bereich eine Massage und kosteten das volle Programm aus. Im Spabereich befand sich auch ein kleines Schwimmbecken, das ins Freie führte. Ich tauchte ein Stück und bekam fast einen Kälteschock, als mein Kopf das zweite Mal die Wasseroberfläche durchbrach und mir ein eisiger Wind um die Ohren wehte. Mein liebster folgte mir und zog mich mit an den Beckenrand. Auch der Bassist und der Gitarrist ließen nicht lange auf sich warten. Sie neckten sich und bespritzten sich mit Wasser, wie kleine Jungs und als Die Toshi in einen leidenschaftlichen Kuss zog, wirkten sie so vertraut miteinander. Die langen blonden Haare des Gitarristen waren zu einem Knoten nach oben gebunden und der schwarzhaarige zog seinen Lover näher zu sich heran. „Immer diese knutschenden Pärchen“, murrte Kyo neben mir und Toshi zeigte seinem Sänger den Mittelfinger, ohne sich von dem Kuss zu lösen. Nach dem Abendessen kamen die anderen beiden noch zu uns, um zu trinken und zu quatschen. Kyo wollte mit den Jungs unbedingt eine neue Idee bezüglich des Videos besprechen und wir beriefen eine kurze Videokonferenz mit den anderen beiden Diru Membern ein. Shinya schien sich gerade für irgendeine Party zu stylen, nahm sich jedoch die Zeit und Kaoru? Mh, dazu fiel mir wahrhaftig nichts mehr ein. „Kao…das ist nicht dein ernst? Diese Informationen sind streng vertraulich und außerdem…könntest du nicht wenigstens kurz aus der Badewanne steigen?“ Der andere Gitarrist amüsierte sich herzhaft und strich sich durch seine schwarz-violetten Haare. „Was soll Zero denn schon ausplaudern? Dafür steht er doch zu sehr unter meiner Fuchtel, keine Sorge“, witzelte Kao und bekam sogleich eine Ladung Wasser ins Gesicht. Neben der Badewanne befand sich ein kleines Tischchen, auf dem der Laptop des Gitarristen stand und man konnte naja, recht viel nackte Haut sehen. Zwar blieben Kaorus intimste Stellen vom Schaum verdeckt, dennoch war dieses Bild etwas absurd. Und Zero lehnte hinter seinem Lover und winkte uns zu. Kyo schüttelte nur mit dem Kopf. „Manchmal frage ich mich, warum wir überhaupt in einer Band spielen?“ „Warum ist du eigentlich immer so ein Spielverderber Tooru? Und ich dachte jetzt bist du mal ausgelastet.“ „Zero, bespritz ihn bitte mit Wasser…sofort!“, befahl mein Liebster und ich musste schmunzeln. „Na super, dafür bekomm ich dann die Retourkutsche. Vergiss es Kyo…“ „So aber jetzt Mal ernsthaft…ich würde mich nächste Woche gern an die Dreharbeiten wagen. Ihr kennt doch alle das Industriegelände in der Nähe von Kyoto? Da will ich drehen…zumindest einen Teil. Und Zero, du kannst die Jungs auch fragen, ob sie Bock haben mitzumachen, ich brauche noch ein paar Statisten.“ „Geht klar Chef“, nahm der andere Bassist den Befehl entgegen. Schon erstaunlich, wie es Kyo schaffte alles und jeden zu motivieren und keiner weigerte sich. Schließlich beendeten wir die Konferenz und widmeten uns wieder dem angenehmen Teil des Abends zu. Ich lehnte mich an meinen schönen Sänger und nippte an meine Bier. Toshi fielen schon langsam die Augen zu, deshalb machten sich die beiden auf den Weg in ihr Zimmer. Auch wir machten uns bettfertig und schliefen schnell aneinander gekuschelt ein.   Wir unternahmen nicht besonders viel, doch es war wundervoll und ich konnte mich entspannen. Dachte nicht mehr über die vergangenen Tage nach, weil diese Ereignisse immer mehr an Bedeutung verloren. Kyo hatte sich gerade ein bisschen zurückgezogen und ich hockte auf der Terrasse, um zu rauchen. Da winkte mir Die zu und kam zu mir rüber. Er meinte, dass Toshiya gerade einen Mittagsschläfchen hielt. Ich bot ihm eine Zigarette an, die der Gitarrist dankend annahm. „Ich glaub Tooru wollte mit uns noch nie ein Pärchen Wochenende machen“, grinste er und nahm einen tiefen Zug. Ich zuckte mit den Schultern und legte meine Beine auf den kleinen Tisch. „Wie lang seid ihr eigentlich schon zusammen?“ „Naja, so ganz offiziell seit über 10 Jahren…aber vorher lief auch schon ab und an was. Toshi hat mich schon immer fasziniert und irgendwann hab ich ihm das dann gesagt…Tooru war so wütend auf uns und selbst Kaoru war nicht sonderlich begeistert. Aber wir sind noch immer zusammen und ich liebe meinen süßen Bassisten…ich genieße es neben ihm auf der Bühne zu stehen und zu wissen, dass das, was alle an ihm anhimmeln nur mir gehört“, schwärmte Die und ich grinste. „Das klingt wundervoll. Ihr seid auch ein echt tolles Paar.“   Plötzlich sprang er euphorisch auf und nahm meine Hand. „Kommst du mit in den Spabereich? Wir können uns ja auch ohne unsere Männer amüsieren“, witzelte Die und zwinkerte mir zu. Ich zog meine Badehose unter den Bademantel und hauchte meinem arbeitswütigen Lover einen Kuss auf die Wange. Er nickte nur und wand sich wieder seinen Notizen zu. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und folgte Die. Mit dem Fahrstuhl mussten wir ganz nach unten fahren. Da es schon recht spät war, hatten wir den Spabereich fast für uns allein. Wir schwammen erst ein paar Runden und sicherten uns dann einen Platz im Whirlpool. Das blubbernde Wasser hatte eine beruhigende Wirkung auf mich und entspannt lehnte ich den Kopf nach hinten. Ein zaghaftes Lächeln schlich sich auf meine Lippen. „Was gibt’s zu grinsen?“ Ich sah den Gitarristen an und seufzte etwas theatralisch. „Ach keine Ahnung, manchmal kommt mir das alles immer noch wie ein Traum vor…das mit Kyo und mit euch…“ „Vielleicht hast du das einfach auch Mal verdient Kazu…ist dir dieser Gedanke schon mal gekommen?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Irgendwie nicht…bisher war mein Leben irgendwie…wie soll ich sagen, naja ich musste mich immer irgendwie durchschlagen und jetzt fällt mir quasi alles in den Schoß?“ Die grinste mich freundlich an. „Tja manchmal schlägt das Leben verrückte Wege ein.“ „Außerdem frage ich mich immer wieder…warum ich Die? Kyo könnte jeden haben.“ Verschwörerisch schaute er mich an. „Und genau da beginnt Toorus Problem…er will gar nicht jeden haben…ich meine er hatte jetzt zehn Jahre lang keine Beziehung mehr, das sagt wohl einiges aus.“ Ich schaute nachdenklich an die Decke. Konnte es wirklich so einfach sein? „Er sagt immer, dass ich was Besonderes wäre, aber ich sehe nichts Besonderes in mir…ich sehe außer nem Idioten, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt nichts…“ Jetzt wurde Dies Miene ernster. „Ich denke Tooru sieht nicht den Idioten, der nichts auf die Reihe bekommt, sondern einen süßen, etwas verzweifelten jungen Mann, der es bisher nie leicht im Leben hatte und sich bemüht einen besseren Weg einzuschlagen…dass er sich da rein zufällig Hals über Kopf in dich verliebt, hat wohl selbst er nicht geplant. Aber ich denke, ich sprech nicht nur für mich, wenn ich sage, dass wir alle mehr als froh über diesen Umstand sind. Weißt du, wir kennen uns nun schon so lange und ich liebe jeden der Jungs…nur Kyo ist eben Kyo…seine Sturheit ist beachtlich. Und seine Liebe zu gewinnen schier unmöglich…und ist das warum wirklich so wichtig? Unser Sängerchen ist dir hoffnungslos verfallen, würde dich auf Händen tragen, also genieß es…lass dich von ihm lieben. Baut euch ein gemeinsames Leben auf.“ Ich grinste wie ein verliebter Idiot. „Du hast Recht…auch wenn es manchmal immer noch komisch ist…ich meine ihr seid fucking Dir en Grey und ich gehöre jetzt quasi zur Familie…ich hab euch vorher aus Videos gekannt und naja, was soll ich sagen, Kyo fand ich schon immer ziemlich heiß. Und jetzt ist er mit mir zusammen…es fühlt sich so richtig an…und ich dreh schon allein bei dem Gedanke an seinen voll tätowierten Körper durch.“ Die lachte und stimmte mir nickend zu. „Ich weiß wovon du redest…bei Toshi geht’s mir nicht anders. Und manchmal ist’s echt verdammt hart neben ihm auf der Bühne zu stehen. Er ist so sexy, wenn er so konzentriert Bass spielt und manchmal würde ich ihn einfach gern antanzen…“ „Vielleicht sollten wir wieder zu unseren Männern gehen. Ich hoffe Mal Kyo kann sich endlich von seiner Arbeit losreißen.“ Mein schöner Sänger hockte noch immer über seinen Notizen, doch neben ihm standen bereits zwei leere Bierflaschen. Ich zog meine nasse Hose aus und hängte sie über die Heizung, den Bademantel behielt ich an. Meine Hände lagen auf Kyos Schultern und er entspannte sich ein bisschen, als ich ihn massierte. Doch diese Berührungen hatten schon wieder zur Folge, dass meine Fingerspitzen zu kribbeln begannen und mein Blut aus dem Kopf in meinen Schwanz schoss. Mein Herz wummerte gegen meine Brust und ich ließ meine Hände tiefer zu seinem Bauch gleiten. „Bringt es was, wenn ich dir sage, dass ich gerade nackt hinter dir stehe und nen mega Ständer habe“, raunte ich Kyo ins Ohr. Dieser sog die Luft scharf ein und zog mich auf seinen Schoß. „Was glaubst du denn?“, ärgerte er mich. Ich drückte mich noch mehr gegen ihn und ließ mein Gesäß kreisen. Natürlich erreichte ich damit die erhoffte Wirkung und sofort spürte ich auch Kyos Erregung, die sich gegen meinen Hintern drückte. „Ich glaube du solltest dich jetzt von deiner Arbeit losreißen und dir deine Belohnung abholen.“ „Gib mir noch fünf Minuten okay?“, erwiderte mein schöner Sänger und schob mich von seinem Schoß. Na schön, dann musste ich wohl härtere Geschütze auffahren. Ich legte mich auf das Sofa und begann selbst an mir herumzuspielen. Oh Shit meine Hand an meinem harten Schwanz fühlte sich gerade mal viel zu gut an. „Heilige Scheiße, Kazuki, du machst mich wahnsinnig…“, hörte ich Kyo jetzt sehr nahe neben mir sagen. Ich grinste nur. „Dann fick mich endlich…“, entgegnete ich. „Und ob ich das tun werde.“ Mit diesen Worten schob er sich den Mittelfinger in den Mund und befeuchtete ihn. Typisch Kyo und verdammt, dieser Anblick war einfach göttlich. Seine Zunge schlängelte sich geschickt um seinen Finger und dieses Bild trieb mich an meine Grenzen. Endlich begann er mich zu berühren, ließ seinen Fingern in mich gleiten, nahm noch einen zweiten und dritten hinzu, um mich vorzubereiten. Das Kribbeln spürte ich mittlerweile am ganzen Körper und ich wand mich unter ihm. Immer wieder glitten seine Finger rein und raus, doch dann erforschten sie tieferes Territorium, streiften immer wieder meine Prostata und ich konnte mich kaum noch beherrschen. Immer wieder brachte mich Kyo bis kurz vor meinen Höhepunkt und zog seine Finger zurück. Dann begann er von neuem und ich wand mich unter ihm. Mein Körper brannte mittlerweile wie Feuer und ich war unfähig zu denken. Wollte nur endlich mehr. Schließlich entzog er sich mir ganz und ich wusste, was jetzt folgte. Oh ja, bitte. Ich konnte es kaum erwarten ihn in mir zu spüren. Seine zuckende Erregung ließ mich aufkeuchen. Und dann drang er in mich ein, füllte mich aus und ich bog mich ihm lustvoll entgegen. Er packte meine Oberschenkel und stieß wieder und wieder zu. Ich schrie auf vor Lust bewegte mich mit ihm im Takt. An Kyos Gesicht erkannte ich, dass auch er sich nicht mehr lange zurückhalten konnte. „Komm für mich…“, sagte ich deshalb und noch zwei Mal stieß er zu, sodass ich Sternchen sah und sein warmes Sperma füllte mich aus. Allerdings verriet mir sein Blick, dass es das noch lange nicht gewesen war. Mit einem Griff wohin auch immer zauberte er auf einmal Gleitgel her und lächelte mich mit einem fast schon diabolischen Grinsen an. „Und jetzt mein Süßer, bist du an der Reihe…“ Kyo drückte mir die Tube in die Hand und zuerst war ich ein bisschen überfordert.   „Du meinst?...“, fragte ich mit einer Mischung aus Unsicherheit und Begierde. Und mein schöner Sänger nickte nur, doch schien auch er mein Zögern zu bemerken. Deshalb träufelte er die kühle durchsichtige Flüssigkeit auf meine Finger und führte diese an seinen Muskelring. Sofort raste mein Herz wieder in Rekordgeschwindigkeit, während ich meine Finger in seinen perfekten Arsch schob und seine Reaktion war die pure Lust. Seine Hände stützte er hinter sich ab und seine Hüfte bewegte sich immer dann, wenn ich mit meinen Fingern in ihn stieß. Ich ertastete seinen lustvollsten Punkt und berührte ihn dort. Kyo schloss seine Augen und biss sich leicht auf die Unterlippe, während sich sein Becken durchdrückte und ich genau wusste, dass ich ihn noch ein bisschen mehr reizen konnte. Mit der freien Hand massierte ich seine Hoden, streichelte seinen erregten Penis und begann auch diesen zu verwöhnen. Ich wagte es schließlich meine Tätigkeiten etwas einzustellen und diesen wunderschönen Mann ein Stück näher zu mir zu ziehen, sodass er fasst auf mir saß. Ich warf ihm noch einen letzten fragenden Blick zu und wurde mit einem atemberaubenden Lächeln belohnt. Dann sank sein Becken tiefer. Meine Erregung befand sich genau an seiner Öffnung und ich keuchte auf. Wie oft hatte ich mir diese Situation nun schon bildlich ausgemalt. Schließlich nahm er mich in sich auf und ich stöhnte. Vor meinen Augen tanzten Sternchen und ich war völlig benebelt. Kyo’s Enge trieb mich fast in den Wahnsinn und obwohl mein letzter Orgasmus erst wenige Minuten zurück lag, kündigte sich eine weitere Welle der Lust an. Die Hand an seinem eigenen Schwanz machte es nicht besser, denn dieses Bild war so unglaublich sexy und ich würde es zu den anderen schon nicht ganz so jugendfreien Erinnerungen in der geheimen Schublade meines Gehirns tun. Meine Stöße wurden heftiger, weil er mich spüren sollte und hoffentlich nie wieder vergaß. Ich  beschleunigte meine Bewegungen und Kyos Finger krallten sich in meine Oberschenkel. Wieder überrollte mich diese Lust und ich wurde mit ihr fortgerissen, ließ mich treiben und stieß ein letztes Mal ziemlich heftig zu. Auch Kyo folgte mir mit einem lusterfüllten Aufschrei. Eine Weile verharrten wir noch in dieser Pose, dann rollte mein hübscher Sänger von mir runter und kroch zu mir, um mich zu küssen. „Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt, wo ich beschließen müsste dich nie mehr gehen zu lassen“, bemerkte Kyo mit noch immer rauer erregter Stimme. Ich lachte und zog ihn wieder an mich, um seine Lippen zu kosten. „Kommst du mit unter die Dusche?“ Mein schöner Mann nickte und trug mich ins Bad. Wir verbrachten eine halbe Ewigkeit unter dem warmen Wasserstrahlen, küssten un berührten uns, was dann letztendlich zu noch mehr Sex führte. Heilige Scheiße, dieser Kerl schaffte es wahrhaftig mich an meine Grenze zu bringen.   Total benebelt beendeten wir unsere erotische Duschsession  und kuschelten uns auf’s Sofa und zappten durch das Fernsehprogramm. Es lief nur Mist und ich beschloss mir noch ein Bier zu holen. Behutsam und mit traurigem Blick strich er behutsam über meine neueste Verletzung. Dann entfuhr ihm ein tiefer Seufzer und er zog mich in seine schützende Umarmung. „Kazu…kannst du mir etwas versprechen?“ „Was denn?“ „Dass du das nie wieder tust?...dich selbst zu zerstören?“ „Ich bin nicht sicher, ob ich das kann…es ist verdammt hart gegen dieses Gefühl der Hilflosigkeit anzukommen…es ist so, als würde mein Körper danach betteln…“ „Ich weiß wie es ist…und trotzdem hab ich den Absprung geschafft…ich werde einfach nie mehr von deiner Seite weichen“, sagte der schöne Sänger selbstsicher, doch in meinem Magen breitete sich diese unschöne Gefühl aus. „Und…was ist, wenn ihr auf Tour seid? Ich meine, das sind manchmal Monate…was ist, wenn es da passiert? Das jagt mir eine scheiß Angst ein Kyo…nicht, dass du dich für mich verantwortlich fühlen sollst, das will ich nicht, aber mal ehrlich, wie stellst du dir das vor?“ Er legte seinen Kopf an die Sofalehne und schien zu überlegen, dann lächelte er mich an, als hätte er die beste Idee des Jahrhunderts. „Dann kommst du einfach mit. Sicherlich kannst du dich irgendwie nützlich machen und ich habe eine wundervolle Ablenkung, wenn mir die Jungs mal wieder den letzten Nerv rauben.“ Etwas irritiert sah ich den Diru Sänger an, doch er schien es tatsächlich ernst zu meinen. „Das ist kein Scherz oder?“ „Keinesfalls…ich fände es sogar sehr schön…vorausgesetzt zu möchtest es auch.“ Ich zuckte ein bisschen schüchtern mit den Schultern. „Es wäre mir eine Ehre…heißt das dann Dir en Grey Konzerte für immer gratis?“ „Klar, solange du meinen Anforderungen gerecht wirst.“ „Wirst? Ich dachte wir befinden uns schon auf einem hohen Level?“ „Tun wir auch, aber glaub mir, es geht noch mehr.“ „Oho, jetzt bin ich neugierig, was du noch so alles auf Lager hast.“ Kyo zog mich schon wieder in einen leidenschaftlichen Kuss und wenige Sekunden später lag ich auf ihm. Sobald mein Körper seine nackte Haut berührte schien sich dieser von selbst zu entzünden. Wohin trieb mich dieser Mann nur? Seine Zunge leckte über meine Lippe und ich gewährte ihm Einlass. Eigentlich war ich schon ein wenig geschafft, doch mein Körper schien gegen mich zu arbeiten, denn so langsam floss mein Blut vom Gehirn schon wieder in ganz andere Körperteile. „Mach ich dich wirklich so geil?“, unterbrach Kyo unser Zungengefecht. „Mhh…ne Antwort auf diese Frage muss ich dir ja wohl nicht ernsthaft geben“, nuschelte ich und küsste ihn erneut. Hart trafen unsere Lippen aufeinander und Kyo biss mir nicht ganz so zaghaft wie sonst in die Unterlippe. Ich keuchte auf und rieb mich an ihm, woraufhin sich seine Fingernägel in meinen Rücken krallten. Mit nur einer Bewegung beförderte er mich auf den Rücken. Saugte an meiner Lippe und wanderte mit seinen Küssen weiter. Auch seine Zunge hinterließ unsichtbare Spuren und mein Kopf spielte schon wieder völlig verrückt. Meine Brustwarzen stellten sich auf, als Kyo sie umkreiste und diese leicht mit den Zähnen streifte. Ich drückte ihn nach unten und vernahm ein amüsiertes Lachen. „Da kann es wohl jemand nicht mehr abwarten?“ „Ohhh…du machst mich völlig verrückt…“, raunte ich. „Ich mach dich gleich noch viel verrückter“ „Ja bitte.“ Kyo spielte mit meinem Intimpiercing und seine Zunge an meiner Länge fühlte sich so berauschend an. Er umschloss meinen Penis und verpasste mir einen extravaganten Blowjob. Ab und zu streiften seine Zähne mein heißes Fleisch, was meinen Körper erzittern ließ. Als auch noch seine Finger gegen meinen Muskelring drückten und sich langsam in mir bewegten, verabschiedete sich mein Verstand und ich driftete wieder in diese wundervolle Welt der Lust ab. Ich verfluchte meinen schönen Sänger, wenn er mich kurz vor dem Höhepunkt wieder ein bisschen fallen ließ und erst nach meinem lautstarken Protest sein Spiel wieder von vorne begann. Doch schließlich trieb er mich wieder ganz nach oben zur Extase und darüber hinaus. Ich ergoss mich in seinem Mund und mit pochenden Herzen und völlig erschöpften Gliedern zog ich ihn zu mir heran. „Das…war…verdammt geil…“ „Und wage es ja nicht mich noch einmal einen alten Mann zu schimpfen“ drohte er mir, doch ich musste lächeln. „Niemals“, sagte ich und biss mir auf die Unterlippe, weil ich das natürlich so was von nicht ernst meinte und dies schien auch Kyo zu ahnen. „Warum glaub ich dir das bloß nicht?“ „Weiß nicht? Dabei bin ich doch die Unschuld in Person“ Mein schöner Sänger lachte auf. „Klar, wenn man mal deine ganzen Sexfantasien außer acht lässt…unschuldig, dass ich nicht lache…aber ich mag deine verruchte Art…gehen wir jetzt schlafen?“ Ich nickte nur und ließ mich mehr hinter her schleifen, als selbst zu laufen, weil mir meine Beine fast ihren Dienst versagten. Kapitel 9: wie auf der Achterbahn --------------------------------- Am nächsten Tag fuhren wir leider schon wieder nach Hause und später wollten wir eventuell noch mit den Jungs was trinken gehen. Zum gefühlt hundertsten Mal vibrierte mein Handy an diesem Tag. Kyo funkelte mich mit einer Mischung aus feindseligen und genervten Blick an. Das liebevolle darin war verschwunden. „Was will er von dir Kazuki?“ Natürlich ahnte er, dass das wohl nur Sota sein konnte. „Mit mir reden…vermutlich.“ „Kannst du ihm nicht klarmachen, dass es vorbei ist?“ Ich seufzte. „Es ist nicht vorbei…Sota ist noch immer mein Freund…früher oder später sollte ich mich bei ihm melden. Er macht sich Sorgen.“ „Und was ist, wenn ich das nicht will!“, fuhr mich Kyo jetzt etwas forsch an. „Dann werde ich es trotzdem tun…er ist noch immer mein Freund und du kannst mir den Umgang mit ihm nicht verbieten“, entgegnete ich so ruhig wie möglich. „Dein Freund…der dich gevögelt hat…und vielleicht hat er auch genau das im Sinn!“ „Ist es das, was dich stört? Wäre es etwa anders, wenn ich nichts mit ihm gehabt hätte?“ Kyo kniff seine Augen zusammen und funkelte mich wütend an. „Natürlich wäre es dann anders…“ „Aber ich liebe doch nur dich…niemals würde ich mich wieder auf ihn einlassen.“ „Trotzdem. Allein die Tatsache, dass du ihn attraktiv fandest und ihr Sex hattet, macht mich rasend.“ Ich trank einen Schluck von meinem Tee. „Vertraust du mir denn gar nicht?“, fragte ich enttäuscht. „Es fällt mir schwer…und ich teile nun mal nicht gerne…deshalb bin ich ein beschissener Umgang Kazu…ich bin kein Mann, den du lieben solltest…ich bin egoistisch, besitzergreifend und vieles mehr…“ Auf einmal verstand ich es oder zumindest hegte ich einen vagen Verdacht, was die Gefühle des Mannes betrafen, den ich so sehr liebte. „Hör mir zu Kyo, ich werde mit Sota reden müssen, ob dir das in den Kram passt oder nicht. Aber ich möchte auch, dass du mir vertraust…“ „Ich bin nicht sicher ob ich das kann.“ „Verdammt Kyo! Was soll der Scheiß! Ich schreibe dir auch nicht vor, mit wem du dich treffen darfst und mit wem nicht…ich verbiete dir nicht, Zeit mit deinen Jungs zu verbringen…“ „Von denen hat mich auch noch keiner flach gelegt!“, fuhr er mich wieder an. Ich sprang auf, schnappte meine Zigaretten und verschwand auf dem Balkon. Mit zittrigen Händen zündete ich mir einen Glimmstängel an. Warum zum Henker musste er alles so kompliziert machen? Ja mein schöner Dir en Grey Sänger war mehr als ein Sturkopf. Das machte mich rasend und dann verletzte mich da noch der Aspekt, dass er mir scheinbar nicht vertraute. Das tat weh, sehr sogar. Dieser Grad zwischen Freude, Lust und dieser verdammten Wut war verdammt schmal und gerade war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich diesen Spagat tatsächlich hinbekam. Noch immer verletzt drückte ich die aufgerauchte Zigarette in dem Aschenbecher aus und holte mir noch ein Bier. Kyo’s Blick verfolgte mich, doch ich wollte nicht nachgeben. Er hatte nicht das Recht dazu darüber zu bestimmen, wer meine Freunde sein durften und wer nicht. Seine Hand streckte sich mir entgegen, doch ich ignorierte ihn, so sehr mein Herz auch nach seiner Nähe kreischte. „Kazu…bitte komm Mal her“, bat er mich und seine Stimme hatte diesen aggressiven Unterton verloren. Deshalb gab ich schließlich doch nach und ließ mich neben ihm nieder. „Kyo…das funktioniert so nicht…echt nicht…entweder wir vertrauen einander oder lassen es gleich bleiben.“ „Dann ist das wohl eine Sache, bei der ich deine Hilfe brauche…beweise mir, dass ich dir vertrauen kann…“ Ich presste meine Lippen aufeinander und überlegte krampfhaft. Kyo schob mein Shirt ein Stück hoch und strich behutsam über meine Narben auf der Brust. Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen und spiegelte sich auch für einen winzigen Moment in seinen Augen. „Das kann ich, indem du mich Sota besuchen lässt…“ „Und es gäbe noch eine andere Möglichkeit…“ Ich warf ihm einen fragenden Blick zu. Ach das schon wieder. Ich seufzte. „…wenn du mir versprichst, dass du dir keine Verletzungen mehr zufügst…“ Das Thema hatte ich nicht noch mal erwartet, zumindest nicht so schnell. Nachdem ich es beim letzten Mal mehr oder minder erfolgreich hatte abwürgen können. „Ich…ich hab das nicht unter Kontrolle…manchmal überkommt es mich…“ „Wann?“ „Naja eben, wenn ich keinen anderen Ausweg mehr sehe…wenn mein Körper nach diesen Schmerzen lechzt…ich hab das Gefühl, ich brauche das manchmal…ziemlich gestört…“ „Ich habe Angst um dich, denn diese Narbe hier…“ Er strich über die Verletzung, die sich zwischen Brust und Schlüsselbein entlang zog. „…das war kritisch, stimmt‘s? Sie war ziemlich tief, hab ich Recht?“ Ich nickte nur. „Na und…ich weiß mittlerweile, wie weit ich gehen kann…“ „Verdammt Kazuki! Ich will, dass das nie mehr passiert! Egal ob du weißt, wie weit du gehen kannst oder nicht…irgendwann passiert es vielleicht trotzdem und das…würde ich nicht…ertragen“, flüsterte er und seinem Blick spiegelte sich dir pure Verzweiflung. Und das löste etwas in mir aus. Auch, wenn wir zuvor noch gestritten hatten, wurde mir jetzt wieder bewusst, wie tief unsere Gefühle füreinander doch waren. „Dann darfst du mich wohl wirklich nie mehr aus den Augen lassen…“, wisperte ich. „Glaub mir, das werde ich nicht…dafür bist du mir viel zu wichtig geworden.“ Immer wenn Kyo derartiges sagte, erreichte das mein innigstes emotionales Zentrum und diese wohlige Wärme breitete sich in mir aus. „Mit Sota muss ich trotzdem reden…bitte…“, flehte ich ihn an. „Du hast das Recht deine Entscheidungen selbst zu treffen…wenn du mit den Konsequenzen leben kannst?“ Ging das schon wieder los. Ich verdrehte die Augen. „Ich verspreche dir, dass nichts passiert. Wenn ich könnte, würde ich mir einen Keuschheitsgürtel umlegen…bitte vertraue mir doch…gib mir zwei Stunden, maximal drei, dann bin ich zurück. Ich geb dir mein Wort…“ Kyo erhob sich und bewegte sich in Richtung seines Arbeitszimmers. „3 Stunden…“, gab er mit tonloser Stimme von sich und schloss die Tür. Nicht mal ein Kuss oder eine Umarmung. Doch vermutlich tat er das mit Absicht und trotzdem schmerzte es und den Stich im Herzen konnte ich unweigerlich vermeiden. Ich schrieb Sota, dass ich gleich bei ihm vorbeikommen würde. Seine Antwort dauerte keine zwei Sekunden.   Mit gemischten Gefühlen betätigte ich den Klingelknopf. Dass ich in diesem Haus gewohnt hatte, schien Jahre her zu sein, obwohl gerade Mal eine Woche verstrichen war. Verrückt. Doch in der Zeit war so viel passiert. Ich stieg die Treppen empor und mein Freund erwartete mich schon und lehnte im Türrahmen. Als wir uns fast gegenüber standen, überfiel er mich mit einer stürmischen Umarmung. Dann ließ er mich los und betrachtete meine Gestalt. „Wow, gut siehst du aus“, begann er die Unterhaltung und mir entging nicht, dass seine Wangen einen dezenten rosafarbenen Ton annahmen, als er mir das Kompliment machte. Er bot mir einen Tee an. Ich hockte mich auf eines der großen Kissen auf dem Fußboden und zündete mir eine Zigarette an. „Sota…hör zu…mir geht es bestens, schon so gut wie lange nicht mehr und ich würde gerne, dass es so bleibt“, setzte ich an. „Wohnst du jetzt bei Kyo?“ Ich nickte. „Nur ist er sehr gebrandmarkt und ich muss den Kontakt zu dir erst Mal so gering wie möglich halten…“ „Warum das denn?“, fragte mein Freund irritiert und entsetzt zugleich. „Weil wir Sex hatten…Kyo will einfach nur Gewissheit, dass da nie mehr was läuft.“ „Tut es doch auch nicht…schließlich bist du ja jetzt mit Mister Rockstar zusammen“, gab er etwas mehr übertrieben, als nötig gewesen wäre von sich. „Ich bin nicht deswegen mit ihm zusammen…ich liebe ihn und er tut mir gut…ich will das nicht versauen.“ „Klar. Du hast diese Band schon immer angehimmelt und ganz besonders diesen kleinen verrückten Sänger…Kazuki, ich komme dagegen ohnehin nicht an, nur lass dir von ihm nicht sagen, was du darfst und was nicht. Das klingt falsch.“ „Das tue ich nicht und ich verspreche dir, dass wir uns wieder öfter sehen, wenn es möglich ist. Nur muss ich ihn davon überzeugen, dass er mir vertrauen kann. Ich hoffe du verstehst das.“ „Irgendwie schon…trotzdem wirst du mir fehlen.“ Ich lachte bitter. „Was wird dir fehlen? Ich hab dich nicht gerade nett behandelt, zumindest wenn es um Sex ging. Du hast jemanden verdient, der dich würdigt, nicht jemanden, der dich benutzt.“ „Vielleicht gefällt es mir ja“, gab er etwas schüchtern zurück. „Doch wie du schon richtig erkannt hast, gegen Kyo kommst du nicht an…tut mir leid. Wir sehen uns und pass auf dich auf.“ Mit diesen Worten erhob ich mich, weil ich nicht länger als nötig bleiben wollte. Zwar hätte ich theoretisch noch knapp zwei Stunden, aber ich wollte diese nicht ausreizen. Wieder umarmte mich Sota. Ich räumte meine Tasse noch in die Spüle und machte mich wieder auf den Weg nach Hause? Zumindest fühlte es sich wie ein zu Hause an. Ich lächelte, zog die Kopfhörer auf und beeilte mich.   Kyo schien sich noch immer in seinem Arbeitszimmer verbarrikadiert zu haben. Sollte ich anklopfen? Oder überschritt ich dann eine Grenze? Schließlich konnte ich mir denken, dass er nicht jeden in seine privaten Gemächer ließ. Doch war ich ja nicht jeder oder? Nach einem Moment des Zögerns entschied ich mich schließlich doch zu klopfen. Meine Hand erzeugte dieses dumpfe Geräusch auf der Holztür und ich erhielt keine Antwort. Ich klopfte ein zweites Mal, doch es blieb still. Mich überkam ein mulmiges Gefühl. Denn entweder war Kyo in seinem Arbeitszimmer und wollte mich nicht sehen oder er trieb sich irgendwo herum, betrank sich oder heulte sich bei Shinya aus. Dieses Gefühl brachte mich beinahe um den Verstand, deshalb öffnete ich die Tür und spickelte durch den Spalt. Das Licht brannte, doch der schöne Sänger saß nicht an seinem Schreibtisch. Wo war er dann? Ich schob die Tür ganz auf und da fiel mir auf, dass ich noch nie in Kyos Arbeitszimmer war. Duldete er mich hier überhaupt? Es lief Musik und er lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden. In der rechten Hand brannte eine Zigarette und in der linken hielt er eine Flasche Sake. Er nahm einen Zug, ohne seine Augen zu öffnen und blies den bläulichen Rauch aus. „Kyo? Ich bin wieder da…“, sagte ich etwas unsicher und endlich schlug er seine Augen auf. Erst jetzt fiel mir auf, dass diese leicht gerötet waren. Hatte er etwa geweint? Und wenn ja, weshalb? Mich überrannte automatisch das schlechte Gewissen, doch warum eigentlich? Schließlich hatte ich mir nichts zu Schulden kommen lassen. „Na dann…hoffe ihr konntet alles klären…“, lallte er ein bisschen und ich fragte mich, wie viel er schon getrunken hatte? Ich setzte mich neben ihn, griff nach der Flasche und trank selbst etwas davon. „Ja konnten wir und ich bin zu dir zurückgekommen…“ „Und? Erwartest du jetzt Applaus von mir?“ Ich trank einen weiteren Schluck. „Nein, aber was zur Hölle soll der Scheiß gerade? Glaubst du wirklich ich habe Sota besucht, weil ich mit ihm vögeln wollte?“ Kyo zuckte mit den Schultern und setzte sich jetzt auch auf. „Vielleicht? Für ein Quickie oder nen Blowjob hätte es auf jeden Fall gereicht“, fuhr er mich an und riss mir die Flasche aus der Hand, um einen kräftigen Schluck zu nehmen. „Du kannst echt ätzend sein, wenn du dich vollaufen lässt.“ „Danke, das hör ich nicht zum ersten Mal“, gab er verbittert zurück und zündete sich eine weitere Zigarette an. Irgendwie musste ich diese Situation retten. Versuchen das Ruder herum zu reißen. „Hör zu…ich hab Sota gesagt, dass wir uns in nächster Zeit nicht mehr sehen werden, weil unsere Beziehung Vorrang hat.“ „Ohhh wie schön…und bestimmt hat er dir sein vollstes Verständnis ausgesprochen, während er dich mit seinen Blicken ausgezogen hat und dich in seinen Gedanken flach gelegt hat…ein Wunder, dass er nicht versuchte dich zu küssen…mhh wer weiß, am Ende stehst du noch drauf…“ Kyos Worte trafen mich sehr und ich musste mich zurückhalten, dass ich nicht gleichermaßen zurückschoss und die Situation vollends ausartete. Wie konnte er sowas auch nur ansatzweise denken? „Nur weil du schlechte Erfahrungen gemacht hast, bedeutet das nicht, dass jeder ein Arschloch ist…und ich dachte du kennst mich besser…“ „Genau deshalb Kazu…denn nur die Menschen, die man gut kennt, sind imstande einen zu verletzen…und sind wir dahingehend nicht alle gleich? Als würdest du es nicht genießen von zwei Männern angehimmelt zu werden…“ Ich wusste, dass das der falscheste Weg war, den ich hätte wählen können, doch in meiner Verzweiflung sah ich keine andere Möglichkeit und verpasste Kyo eine saftige Ohrfeige. Er stockte und funkelte mich wütender an, als jemals zuvor. Doch bevor er weiterreden konnte, eroberte ich mir die Flasche Sake wieder zurück, trank einen großen Schluck und stellte sie zwischen uns. „Und jetzt hörst du mir gefälligst zu! Ich habe nur mit Sota gevögelt, weil ich nun Mal auch meine Bedürfnisse habe. Aber ich bin nicht der Typ, der jede Nacht nen anderen Kerl abschleppt…ich muss jemanden erst kennen und er war damit einverstanden. Allerdings gab es zwei Regeln…Sota durfte mich nicht küssen und nur ich durfte ihn ficken, nicht umgedreht. Das was ich mit ihm hatte war nur Sex. Nur körperliche Befriedigung ohne jegliche Nähe. Ohne Liebe. Ich wollte keinen anderen Typen küssen, weil das zu viel Gefühl gewesen wäre. Ich wollte nicht angefasst werden, weil das bedeutete, ich könnte mich verlieren. Ich wollte nicht von anderen Typen gevögelt werden, weil das den Schmerz wieder hätte aufleben lassen. Ja ich hatte Sex mit Sota, daran kann ich nichts mehr ändern Kyo, doch trotzdem hab ich mich jedes Jahr an meinem Geburtstag blutig geritzt…hab mich verkrochen und von der Welt abgeschottet. Er konnte meine Wunden nicht heilen, weil er nur ein Freund ist, im Gegensatz zu dir….dich liebe ich. Also hör endlich auf mit der Scheiße!“, beendete ich meinen Monolog und hoffte die Situation noch retten zu können. Plötzlich zogen sich seine Grübchen nach oben und er lächelte. Doch es blieb nicht dabei, es ging in ein amüsiertes Gelächter über und endete in einem Lachanfall. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und verstand die Welt nicht mehr. „Hast du mir jetzt ernsthaft eine geknallt?“, fragte er schließlich, als er sich wieder ein bisschen beruhigt hatte. Ich zog die Augenbrauen hoch. „Hast du mir eigentlich gerade zugehört?“, richtete ich meine Gegenfrage an ihn. „Ja hab ich, aber du hast mir gerade wirklich eine Ohrfeige verpasst Kazuki.“ „Auch nur, um dich von deinem beschissenen Egotrip runter zu holen. Du verlangst von mir, dass ich mich akzeptieren soll…doch tust du das auch oder erzählst du das nur allen, damit sie beruhigt sind? Glaub mir, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut…wenn die Rasierklinge oder was auch immer durch dein Fleisch schneidet und du den bittersüßen Schmerz spürst…der dich dennoch befriedigt…manchmal hilft Alkohol aber nicht immer. Und sei ehrlich, hättest du auch durchgehalten, wenn ich erst nach zwei oder drei Stunden wiedergekommen wäre?“ Auf einmal bröckelte seine Fassade und der Schmerz in seinen Augen erschlug mich beinahe. „Ich weiß es nicht“, wisperte er und biss sich heftig auf die Unterlippe. „Ich sag es noch einmal…Sota ist nur ein Freund, mehr nicht. Kyo bitte…wir haben beide ne echt beschissene Vergangenheit…sind gezeichnet von Situationen oder Menschen, die uns immer prägen werden, aber zusammen schaffen wir das.“ Dann brach mein schöner Sänger vollends zusammen. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und schluchzte. „Wie kannst du mich nur lieben Kazu?“, murmelte er mehr zu sich als zu mir. „Aus den eben genannten Gründen…es macht mir nichts aus dich zu küssen oder von dir berührt zu werden. In deiner Gegenwart kann ich mich fallen lassen, weil du mir Halt gibst. Du bist der Anker, auf den ich immer so sehr gehofft hatte und der versucht mich in all meiner Verzweiflung aus den Fluten zu ziehen. Brauchst du noch mehr Gründe?“, hauchte ich ihm zu und endlich konnte er mich wieder anschauen. Ich wischte seine Tränen weg, schnappte mir die Flasche Sake und zog Kyo hoch. Dieser taumelte in meine Arme doch ich hielt ihn fest. „Scheint so, also musst du auch auf mich aufpassen.“ „Ist das nicht Sinn und Zweck einer Beziehung? Egal was passiert, ich gehe mit dir überall hin“, sagte ich und küsste meinen schönen Sänger, um diesen dummen Streit und die schmerzhaften Worte zu vergessen. Er erwiderte meinen Kuss und wild knutschend schwankten wir zum Sofa. Rissen uns auf halben Weg die Klamotten vom Leib und verteilten eine wunderschöne Spur vom Arbeitszimmer bis ins Wohnzimmer. Die Lehne, die plötzlich gegen meinen Rücken prallte, stoppte mich und ich fiel auf das Sofa, riss Kyo sogleich mit mir, ohne mich auch nur eine Sekunde von seinen Lippen zu trennen. Ich musste ihm nicht sagen, was er zu tun hatte, denn unsere Körper harmonierten mittlerweile so gut miteinander, dass wir fühlten, was der jeweils andere gerade brauchte. Er nahm mich, als gäbe es kein Morgen mehr und als wir unsere Höhepunkte kurz nacheinander erreichten, sanken wir glücklich nebeneinander in die Wand aus Kissen. Ich zog die Decke über unsere verschwitzten Körper und kuschelte mich an meinen schönen Sänger. Dieser beugte sich gerade über die Lehne und suchte seine Zigaretten in der Hose auf dem Boden. Ich konnte nicht anders und haute zaghaft auf seinen zuckersüßen Arsch, den er mir gerade so lasziv entgegenstreckte. Schließlich hatte er gefunden, was er wollte. „Hörst du wohl auf mich zu schlagen?“, fuhr er mich mit einer Mischung aus Belustigung und Entsetzen an. „Die Ohrfeige tut mir echt leid…das eben nicht. Gewöhn dich dran Schatz…“, amüsierte ich mich. „Das wird dir noch leid tun“, entgegnete er und zündete sich eine Zigarette an. Ich klaute sie ihm und er schüttelte nur mit dem Kopf, ohne etwas zu sagen. Scheinbar gewöhnte er sich an meine Frechheiten. Auch spürte ich den Alkohol jetzt, denn alles schwankte und drehte sich ein bisschen. „Kyo?“ Der Dir en Grey Sänger schaute mich fragend an. „Was denn?“ „Ist jetzt wieder alles gut zwischen uns?“ Er seufzte, doch da war es wieder, mein Lieblingslächeln, bei dem sich Kyos Grübchen zeigten. „Das will ich doch schwer hoffen…danke für deine Offenheit Kazu…ich denke dadurch kann ich mit diversen Situationen besser umgehen…dennoch wird unsere Beziehung wohl immer eine Achterbahn der Gefühle sein…aber warum konntest du ausgerechnet mich an dich ranlassen?“ Ich zuckte etwas unbeholfen mit den Schultern. „Weil ich irgendwie gemerkt hab, dass du anders bist. Hinter deinem unnahbaren Schutzwall befindet sich dieser wundervolle Mensch, der du in Wirklichkeit bist…naja und außerdem…nee, das ist echt peinlich…“ Kyo zog die Stirn in Falten. „Was? Jetzt will ich es wissen.“ „Ich war früher ein verzweifelter Kerl und hab mir dauernd Videos von euch angeschaut und mir gesagt, dass ich gern nen Mann wie dich hätte…nicht unbedingt dich, aber eben so ähnlich…du faszinierst mich einfach und durch deine Musik spürt man schon, dass du anders bist. Vielleicht schwerer zu knacken, aber doch liebenswert.“ „Du bist süß…und dafür liebe ich dich so sehr Kazuki.“ „Selber süß…und wage es nicht zu widersprechen. Wolltest du nicht nich noch was mit den Jungs unternehmen?“ „Mhh…allerdings bin ich schon echt betrunken. Ich könnte sie fragen, ob sie herkommen wollen, allerdings setzt das voraus, dass wir uns anziehen müssen.“ Ich grinste. „Ich glaube ich mag dich für den Rest des Abends für mich allein haben.“ „Gott sei Dank. Das wäre sonst auch echt anstrengend geworden.“ Was für ein Abend. Noch immer war ich ein bisschen durcheinander und mir blieben Kyos Worte im Kopf, dass unsere Beziehung immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle sein würde, doch ich war mir nicht sicher, ob ich öfter einen solchen Streit mit meinem Liebsten ausfechten wollte wie heute. Das hatte uns beiden ganz schön zugesetzt, doch vielleicht fanden wir ja auch einen anderen Weg. Ziemlich erschöpft lehnte ich mich an Kyos Schulter und schlief recht schnell ein. Kapitel 10: Zwei Freaks ----------------------- „Hast du schon Mal Sushi selbst gemacht?“, fragte mich Shinya, der irgendwie Dauergast bei uns zu sein schien. Doch ich mochte den schlanken blonden Japaner mit seinen femininen Zügen und jeh öfter er uns besuchte, desto besser lernte ich ihn kennen, was mir in Anbetracht dessen, dass sich der Drummer und Kyo sehr nahe standen, verdammt wichtig war. Ich schüttelte mit dem Kopf und lächelte ein bisschen verlegen. „Was erwartest du denn von unserem einsamen Junggesellen Shin“, mischte sich Kyo in unser Gespräch über die Wahl des Weihnachtsmenüs ein. Mit zusammengekniffenen Augen funkelte ich ihn versucht böse an. Selbst in seinem schwarz glänzenden Trainingsanzug sah er zum Anbeißen aus. Schnell schüttelte ich diese schon wieder viel zu obszönen Gedanken ab. „Na und? Ich bin auf dem Weg der Besserung“, entgegnete ich. Er strich mir zaghaft über die Wange und hauchte mir ein Kuss auf die Stirn. „Ich hab noch ein paar Dinge zu erledigen. Könnt ihr zwei einkaufen gehen? Ich schreib auf, was wir alles brauchen“, bat uns der Drummer. „Du schickst mich ernsthaft aus meiner eigenen Wohnung? Nur damit ich mich in den weihnachtlichen Wahnsinn stürze?“, murrte Kyo sichtlich genervt und nicht einverstanden. Doch Shinya zuckte mit den Schultern. „Dann gibt es dieses Jahr eben keinen Christmas Cake. Wir können auch gern tauschen, du kümmerst dich ums Essen und ich geh einkaufen.“ Der Diru Sänger rollte mit den Augen und schien einzusehen, dass das in einer Endlosdiskussion ausufern würde wenn er nicht nachgab. Kyo nickte. Sein Gammeloutfit ließ er an, setzte eine Cappie auf und zog die Kapuze seines Hoddies darüber. Ich prustete los und erntete einen beleidigten Blick seinerseits. „In dem Outfit könntest du glatt als Gangster Rapper auftreten. Vielleicht solltest du mal was Neues probieren. Fehlen nur noch die goldenen Klunker.“ „Und selbst dann würdest du mich noch anschmachten“, konterte er und lieferte somit das tot-schlag-Argument, denn damit hatte er verdammt Recht. Ich seufzte und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass mir seine Worte wieder Mal die Sprache verschlagen hatten. Der Dir en Grey Sänger schlüpfte in seine Sneakers und die Winterjacke. Ich war mal so frei und lieh mir Kyos schwarzen Wintermantel, damit wenigstens einer von uns beiden elegant aussah. Doch insgeheim mochte ich den nahezu fast schon normalen Kyo. Das zeigte mir immer wieder, dass er eben nicht nur das Image des berühmten Rockstars raushängen ließ, sondern hinter dieser Fassade ein wundervoller Mensch verbarg. Da es ein wunderschöner sonniger Dezembernachmittag war, schnappte sich mein Liebster im Gehen noch seine Sonnenbrille oder eine der Sonnenbrillen auf dem Regal, denn davon hatte er mindestens hundert und setzte sie auf. Man könnte fast meinen, dass er sich ein bisschen tarnen wollte. Doch diesen Gedanken sprach ich nicht laut aus. Trotz Sonne wehte draußen ein eiskalter Wind und ich zog den Mantel enger um mich. Zögerlich ergriff ich Kyos Hand und er ließ es zu, nachdem er mir ein schon fast schüchternes Lächeln zugeworfen hatte. Mein Herz schlug schneller und diese kleinen Gesten ließen mein Herz vor Verliebtheit aufblühen. Für manch andere erscheint so etwas normal zu sein, doch Kyo war alles andere als normal. Dieser besondere Mann ließ mich an seinem Leben Teil haben und das ehrte mich zutiefst und ich sah es nicht als selbstverständlich an. Im Shoppingcenter war die Hölle los, vermutlich hatte uns Shinya deshalb losgeschickt, weil er selbst wenig Lust gehabt hatte sich in diese tollwütige Meute von Menschen zu stürzen. Ich knöpfte den Mantel auf, da mein inneres Thermometer augenblicklich rapide anstieg. Genervt drängten wir uns durch die Menschen, die sich schon fast in Zeitlupe bewegten oder einfach stehen blieben. Hab ich schon Mal erwähnt, dass ich Menschen hasse? Also nicht alle, aber eben solche, die nicht auf ihre Umgebung achteten und einfach vor sich hin träumen. Oder eben diese, die einen umrennen, weil ihre Augen schon fast am Display ihres Handys klebten. Kyos Griff wurde fester. Plötzlich wurde meine andere freie Hand ergriffen und ich wurde zurückgezogen. Mein schöner Sänger sah mich verwundert an, doch ich zuckte nur mit den Schultern. „Ka-zuki?“, erklang eine mädchenhafte Stimme an mein Ohr und ich wendete mich langsam um. Ihre langen schwarzen Haare hatte sie in zwei Zöpfe geflochten, die über ihre Schultern hingen. Sie sah ihren beiden Schwestern verdammt ähnlich und prompt war dieses miese erdrückende Gefühl, welches ich in den letzten Tagen so erfolgreich bekämpft hatte wieder da. Langsam spielte ich wirklich mit dem Gedanken meine Familie zu verfluchen. „Yuna…“, seufzte ich. Kyo befand sich an meiner Seite und seine Hand ruhte auf meiner Schulter. „Oh mein Gott, du bist es wirklich…ich bin ja so froh dich zu sehen…“ „Kyo, das ist meine kleine…Schwester…“, gab ich etwas verunsichert von mir, denn schmerzhafter Weise musste ich an die letzte Begegnung mit Mei denken, die sichtlich mehr als empört war, als ich sie Schwester nannte. Ich schluckte diesen bitteren Geschmack runter. Yuna streckte meinem Liebsten die Hand entgegen und lächelte freundlich. „Soll ich kurz allein einkaufen gehen und dich dann wieder hier einsammeln?“, fragte er mich und ich sah ihn verzweifelt an. „Ich bin nicht sicher.“ „Hör dir an, was sie zu sagen hat und wenn was sein sollte, ich bin nicht weit…bis gleich…“, gab er zurück und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. Wow und das in aller Öffentlichkeit. Mein Herz machte einen Hüpfer. Ich schleifte meine Schwester mit ins nächste Café. „Was willst du von mir“, fuhr ich sie recht forsch an. „Ich wollte dich sehen.“ „Schön, das hast du. Kann ich jetzt gehen?“ Zögerlich ergriff sie erneut meine Hand über den Tisch hinweg. Die Bedienung brachte uns Tee. Ich entzog mich ihr und sie warf mir einen traurigen Blick zu. „Kazuki, es tut mir leid…so unendlich leid…ich habe Mama und Mei reden hören…über dich. Dass sie dich hier getroffen haben. Seit dem komm ich fast jeden Tag her und hoffe, dass du da bist.“ Das erstaunte mich dann doch etwas. Tat es ihr etwa ernsthaft leid? „Und jetzt? Meinst du damit ist das alles vergessen? Warst du es nicht, die sich als erstes gegen mich verschworen hat, als ich mich vor euch geoutet habe? Das sitzt tief Yuni…sehr tief…“ Sie seufzte erneut. „Und doch nennst du mich Yuni? Ich war so dumm, so unglaublich dumm und ich möchte es am liebsten ungeschehen machen. Aber das kann ich nicht…doch eines weiß ich…du fehlst mir großer Bruder…“ Ich sog die Luft scharf ein, weil ich ihr so gern glauben würde, doch konnte ich es nicht. Zu verletzt war mein Stolz. Zu tief die Wunden, die sie mir zugefügt hatte. „Es ist zu spät…ich kann und will nicht mehr zurück.“ „Du warst schon immer ein schlechter Lügner…du kannst nicht zurück, aber ich kann vielleicht ein paar Schritte nach vorn. Bitte Kazuki. Hat nicht jeder eine zweite Chance verdient?“ „Keine Ahnung…vielleicht…wenn dir es wirklich so ernst ist kleine Schwester, komm in zwei Tagen zu dieser Adresse“, sagte ich und kritzelte Takashis Anschrift auf eine Serviette und schob sie ihr rüber. „Das ist Weihnachten…“, stellte Yuna etwas überrascht fest. Ich nickte. „Richtig erkannt…falls du es ernst meinen solltest und ich dir wirklich so wichtig bin, komm da hin. Dann überleg ich es mir.“ Erschrocken fuhr ich zusammen, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Kyo hatte tatsächlich alles bekommen. Seine Sonnenbrille hing an seiner Jacke. „Braucht ihr noch Zeit?“, fragte er mich, doch ich schüttelte entschieden den Kopf und erhob mich reflexartig. „Nein…Yuna, wie gesagt…es liegt an dir…“ Der Heimweg verlief relativ schweigsam. Wir nahmen einen kleinen Umweg durch den Park, der voller Lichter und kitschiger Weihnachtsdekoration an ein harmonisches unbeschwertes Fest der Liebe erinnerte. Nur leider war das nur der trügerische Schein, um die Menschen in dieser Zeit von ihren wirklichen Problemen abzulenken. „Süßer…egal, was dir deine Schwester erzählt hat, du solltest das ernst nehmen. Vielleicht ist es eine zweite Chance?“ Ich konnte seine Augen hinter der dunklen Sonnenbrille nur erahnen. „Und was ist, wenn sie mich wieder enttäuscht, wie schon so oft davor?“ „Dann werde ich da sein.“ „Und was ist, wenn ich das nicht packe? Wenn ich eine weiteren Rückschlag nicht ertrage Kyo? Was willst du dann tun?“ Ein Hauch von Enttäuschung lag in seinem Blick. „Glaubst du etwa nicht an uns? Oder befürchtest du, ich bin nicht stark genug.“ In seinen letzten Worten schwang dieser verbitterte Unterton mit und schon bereute ich das, was ich gesagt hatte. „Nein, so war das nicht gemeint…ich habe nur Angst, dass all das, was ich mir in den letzten Wochen aufgebaut habe, wieder genommen wird. Ich zweifle nicht an dir, sondern an mir, weil ich weitaus nicht so stark bin, wie immer tue.“ Mein schöner Sänger nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich. In dem Moment, wo sich unsere Lippen berührten blieb die Welt um uns herum stehen und ich wusste, dass es nicht wichtig war, ob ich stark genug sein würde. Kyo würde da sein und mich auffangen, egal wie schlecht es mir ging und egal wie tief ich fiel. „Mami, guck mal, die beiden Männer küssen sich. Dürfen die das?“ Ich grinste in den Kuss hinein und merkte auch, wie sich die Mundwinkel meines hübschen Sänger nach oben zogen. „Komm weiter Kenji. Das ist nichts, was du sehen solltest“, wies die empörte Dame ihr Kind an. „Es gibt eindeutig noch zu viele intolerante Leute hier“, beschwerte sich Kyo und verflocht seine Hand mit seiner eigenen. Er ließ sich auf einer Bank einer sogenannten Smoking Area nieder und steckte sich eine Zigarette zwischen seine Lippen. Die Sonne hatte sich mittlerweile verflüchtigt und Kyo packte die Sonnenbrille weg. „Die wirst du wohl immer haben. Bekomm ich nen Zug?“ Mein hübscher Sänger funkelte mich an und reichte mir den Glimmstängel. Plötzlich vernahmen wir in unserer unmittelbaren Nähe aufgeregtes Geschnatter. Kyo warf mir einen verzweifelten Blick zu. Was hatte er denn auf einmal? Er deutete nur mit Kopf hinter mich, doch als ich mich umdrehen wollte, schüttelte er heftig mit dem Kopf. Er tippte eine kurze Message auf seinem Handy und wenige Sekunden später vibrierte mein eigenes Telefon. Ich glaub die haben mich erkannt. Stand da nur geschrieben. Doch bevor im Begriff war zu Handeln, stand die Traube von Mädchen auch schon neben uns. „Bist du nicht Kyo von Dir en Grey?“, fragte eine Blondine im Lolitaoutfit. Er nickte nur ein wenig abwesend. „Oh mein Gott, ich hab‘s dir doch gleich gesagt. Können wir ein Autogramm haben?“ Die aufgeregte aufgescheuchte Mädchenclique sprang euphorisch umher und eine klatschte vor Freude in die Hände. Sie reichten Kyo fünf Flyer mit seiner Band darauf und er setzte seine Unterschrift darauf. „Vielen Dank Kyo-Sama. Dürfen wir auch ein Bild machen?“ „Nein, keine Bilder Sorry. Habt noch einen schönen Tag.“ Damit sprang er auf und bewegte sich im Eiltempo vorwärts, dass ich Schwierigkeiten hatte mit ihm Schritt zu halten. Er verlangsamte sein Tempo erst, als seine Wohnung in Sichtweite war. „Wie ich das hasse. Ich mag meine Fans keine Frage, aber diese süßen aufgedrehten Lolitamädels. Das geht echt gar nicht.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben und ein bisschen zu gereizt überreichte Kyo seinem Drummer die Einkäufe. Dann verschwand er in seinem Arbeitszimmer. Shinya warf mir einen fragenden Blick zu und jetzt musste ich lachen. „Kyo wurde von einer Meute Lolitamädels überfallen, die ein Autogramm von ihm haben wollten.“ „Oh, verstehe. Hilfst du mir beim Kuchen?“ „Klar.“ Am Morgen des 24. Dezembers erwachte ich relativ früh, doch was riss mich so zeitig aus dem Schlaf? Ich wälzte mich noch ein bisschen im Bett umher und dann merkte ich, dass etwas fehlte. Oder bessergesagt jemand. Kyo schien schon auf zu sein, doch mir war nicht nach aufstehen. Zu weich und bequem war es hier im Bett. Außerdem hatten wir heute nicht sonderlich viel geplant. Erst heute Abend würden wir uns alle bei Takashi treffen, weil ich ein Konzert gab. Doch bis dahin hatte ich noch alle Zeit der Welt und so kuschelte ich mich wieder in die weichen Kissen und schloss die Augen. Nein, ich wollte noch nicht aufstehen. Ich schreckte auf, als ich etwas Kaltes an meinem Rücken spürte und saß völlig schockiert im Bett. „Na du Schlafmütze. Zeit zum Aufstehen“, flüsterte mir Kyo über die Schulter zu und die Matratze hob sich wieder ein bisschen, als er aufstand. Ich drehte mich um und beäugte meinen schönen Sänger. Er schien sich schon herausgeputzt zu haben und dieser Anblick haute mich echt von den Socken. Auf der grauen figurbetonten Hose, die verboten tief auf seinen Hüften saß, trug er ein schwarzes Hemd, welches legere in der Hose steckte. Sein Gürtel fiel heut etwas dezenter aus und vermutlich war es Kyos Gürtelschnalle gewesen, deren Metall ich am Rücken gespürt hatte. „Wow, du siehst bezaubernd aus“, schmeichelte ich ihm, während ich mich aus dem Bett bequemte und meine Arme um ihn legte. Ein liebevolles Lächeln umspielte seine Lippen. Ich knöpfte die ersten drei Knöpfe seines Hemdes auf und betrachtete meinen schönen Mann zufrieden. Kyo schüttelte nur amüsiert den Kopf und zog mich noch einmal zu sich heran, um mich zu küssen. „Und du solltest besser duschen gehen und dich anziehen. Die Jungs kommen jeden Augenblick.“ Provokant versperrte ich ihm jedoch den Weg, denn schon wieder tat er so, als würde ihn meine Nacktheit völlig kalt lassen. „Nur wenn du mir sagst, wie heiß du mich findest“, ärgerte ich ihn und er verdrehte die Augen. „Sicher nicht. Ich hab meine Hormone eben unter Kontrolle und jetzt ab mit dir ins Bad“, entgegnete er und streifte mich absichtlich mit der Hand. Nur soviel wie nötig war. Warum nur gehorchte mir mein Körper nicht mehr, sobald er von Kyo berührt wurde? Ich seufzte und stellte den Regler der Dusche kurz auf kalt, um mich wieder ein bisschen runter zu fahren. Auch ich wollte heute unwiderstehlich für meinen schönen Sänger sein und entschloss mich eine seiner Hosen anzuziehen, da die Auswahl in seiner Hälfte des Kleiderschrankes weitaus mehr hergab als meine paar Klamotten. Schließlich entschied ich mich für eine schwarze, enganliegende aus matt schimmerndem satinartigem Stoff. Ich fädelte meinen schwarzen Ledergürtel durch die Laschen und suchte mein ärmelloses Shirt und das schwarz- grau karierte Hemd heraus, dessen Ärmel ich bis zur Mitte meiner Arme hochkrempelte. Zufrieden mit meinem Outfit stolzierte ich zu Kyo in die Küche. Er war gerade damit beschäftigt das Sushi auf Servierteller zu verteilen, den Glasnudelsalat und den Braten auf den Esstisch zu stellen. „Mh das duftet köstlich“, lobte ich ihn und er lächelte. Doch dann beäugte er mich leicht kritisch und zog die rechte Augenbraue nach oben, während er den Topflappen zur Seite legte. „Ist das etwa meine Hose?“ Verdammt! „Ähm…ja…schlimm?“, fragte ich so undschuldig und zuckersüß wie möglich. „Eigentlich nicht…steht dir gut“, entgegnete mein schöner Sänger und schob seine Hände in den Hosenbund. Automatisch schlug mein Herz schneller. „Und nein, unter diesem knallengen Teil trage ich keine Unterhose“, wisperte ich, drückte mich absichtlich enger gegen ihn und küsste sein Tattoo am Hals. „Du unmöglicher Kerl“, hauchte Kyo schon wieder sichtlich erregt und ich musste grinsen. In dem Moment läutete es an der Tür und schweren Herzens ließ ich von ihm ab. Die Jungs begrüßten uns wie immer gut gelaunt. Auch Zero war mit von der Partie und das war das erste Mal, dass wir uns nach dem besagten Nachmittag im Proberaum wieder über den Weg liefen. Er war der einzige der Gäste, die Kyo eher zurückhaltend, ja schon fast eingeschüchtert gegenüber traten. Ich sollte meinen liebsten später danach fragen, denn es interessierte mich brennend, warum Zero sich so zierte. Wir aßen, tranken und scherzten. Shinya und ich halfen dann noch beim Abräumen. Ich fragte den anderen Bassisten, ob er mit eine Rauchen kommen wolle und er willigte ein. „Sag mal, ist irgendwas zwischen Kyo und dir vorgefallen? Oder mögt ihr euch nur einfach nicht“, fiel ich gleich mit der Tür ins Haus. Zero grinste ein bisschen verlegen. „Mh, ich hab mich mal aufgeregt, als er Kao nach der Probe so angefahren hat und das hat dem Herrn nicht gepasst…ich frag mich wirklich, wie du es mit ihm aushältst.“ Ich winkte ab und nahm einen tiefen Zug. „Ach, so schlimm ist er gar nicht und bisher bin ich auch noch nicht mit ihm angeeckt.“ „Naja, immerhin scheint er entspannter, meint Kaoru zumindest.“ Wir machten uns dann auf den Weg zur Bar und um ein Haar hätte ich meine Gitarre vergessen. Auch Sota wusste, dass ich heute spielen würde und er hatte mich gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er käme. Ich hatte seine Frage nicht verneint und hoffte nur, dass mein Liebster heute nicht all zu streitlustig aufgelegt war. Takashi freute sich riesig mich sehen und ließ die erste Runde springen. Ich schloss mein Instrument an, spielte mich warm und begann. Immer wieder richtete sich mein Blick gen Kyo und auch mein schöner Sänger schien mich zu beobachten, was mich ein bisschen nervös machte. Doch als ich dann mit meiner Gitarre verschmolz, nahm ich auch davon kaum noch Notiz. Ich bekam sogar eine Zugabe und schloss meinen Auftritt mit einem der neueren Lieder. Bevor ich wieder an den Tisch zurückkehrte, drängelte ich mich zur Bar, um etwas zum Trinken zu organisieren. Da sprang mich Sota auf einmal von der Seite und umarmte mich. „Du warst großartig Kazu.“ Dankend lächelte ich und befreite mich aus seiner Umarmung, denn es war mir nicht besonders Recht, wenn mich Kyo in den Armen meines Freundes erblickte. Plötzlich tippte mir einen weitere Person auf die Schulter. Yuna. Erstaunt musterte ich meine kleine Schwester. Mann, das war ja eine Überraschung nach der anderen. „Bekommst du keinen Ärger, wenn du dich mit Leuten wie mir herumtreibst?“, fragte ich und Sota warf mir einen fragenden Blick zu, den ich gekonnt ignorierte. „Naja, sie wissen nicht, wo ich bin. Ich hab nur gesagt, dass ich mit einer Freundin noch auf eine Party gehen möchte.“ Ich nickte nur und wies den beiden an mir zu folgen. Dabei versuchte ich Kyo vorher noch zu erklären, dass Sota auch hier war. Mein liebster funkelte mich wütend an, hielt jedoch den Mund. Deshalb setzte ich mich auf seinen Schoß, neben mir Yuna und dann Sota. Auch zu meinem Auftritt ließ er kein Wort verlauten, was mich ein bisschen kränkte. Kyo schob mich von seinem Schoß, erhob sich und holte noch einen Stuhl vom Nachbartisch. Yuna hatte sich den Jungs selbst vorgestellt und schien sich auch auf Anhieb mit ihnen zu verstehen. Nur nicht mit Kyo, der auf einmal viel zu schweigsam wurde. Ich legte meine Hand auf seinen Oberschenkel, doch er ignorierte mich. Flüsterte Shinya stattdessen etwas zu und traf mich damit wohl eher unbewusst. Yuna rückte näher zu mir und ich wusste noch immer nicht, ob ich das gut oder schlecht fand. „Sag Mal…das sind doch die Jungs von Dir en Grey?“, flüsterte sie mir aufgeregt zu. Ich nickte nur und zündete mir eine Zigarette an. Verblüfft und erfreut wie ein kleines Fangirl hielt sie sich die Hand vor den Mund und ihre Augen leuchteten. „Oh mein Gott, das ist ja der Hammer! Woher kennst du die?“ „Hab Kyo hier getroffen und da kam eins zum anderen“, antwortete ich und immer wieder schielte ich zu dem Drummer und meinem Lover, die jetzt schon fast ein bisschen zu hitzig miteinander diskutierten. Ich tippte eine Nachricht auf mein Handy und schob es Kyo zu. Dieser schaute mich noch immer genervt an und schüttelte mit dem Kopf. Ich seufzte und tippte eine weitere Nachricht ein. Schob das Telefon ein zweites Mal in seine Richtung und glücklicherweise wurden seine Gesichtszüge weicher. „Du weißt warum Kazu“, antwortete er und ich verdrehte die Augen. „Als ob dich hier jemand kennen würde…sonst bist du doch auch immer so versessen auf deine Besitzansprüche“, fauchte ich ihn an und wollte doch nur seine Nähe, mehr nicht. Ich holte mir einen neuen Drink und beschloss mich zu betrinken, denn meinem tollen Freund schien es ohnehin egal zu sein. Toshiyas Blick traf den meinen über den Tisch hinweg und er winkte mich mit dem Zeigefinger zu sich rüber. Rutschte ein Stück, sodass ich zwischen Die und ihm Platz fand. „Seid ihr schon wieder am Streiten?“, fragte der Bassist ein bisschen belustigt. „Ach er hat wieder irgendein Problem und das nervt mich. Weil er auch immer um den heißen Brei redet und nichts ausspricht. Alles muss ich ihm aus der Nase ziehen.“ Toshi legte seinen Arm um meine Schulter. „Dann nerv ihn ganz penetrant. Das hilft, glaub mir“, riet er und ich schaute zu ihm als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. „Klar…und dann hat er genug von mir und schießt mich ab. Ich bin nicht wie ihr…ihr seid seine besten Freunde und könnt euch das erlauben…“ „Oh Kazu…das liegt nicht an uns…er braucht nun Mal jemanden, der ihm Konter gibt, sonst wird es unserem Sängerchen schnell zu langweilig. Also, reize ihn. Zeig ihm, wie viel dir daran liegt zu ihm durchzudringen.“ Ich seufzte und zündete mir eine Zigarette an. Da suchte Kyo plötzlich Trost an Shinyas Schulter und dieser strich dem Sänger liebevoll über den Kopf. Keine Frage ich mochte den Drummer sehr, aber das traf mich dennoch. Warum nur konnte er heute Abend nicht so mit mir umgehen? Ich presste meine Lippen aufeinander und schaute verletzt zu Toshi. „Und deshalb solltest du dir schon Mal gar keine Gedanken machen. Die beiden brauchen sich eben manchmal. Was glaubst du, wie oft ich schon mit Kao gekuschelt hab, stimmts Die?“ Der Gitarrist nickte nur und lächelte seinen Bassisten ganz verliebt an. „Wir sind nun Mal eine große Familie Kazu und zu der gehörst du nun auch.“ „Kuscheln ist immer erlaubt und wenn dich Kyo mal wieder aufregt, darfst gern zu uns kommen“, schmeichelte mir der Gitarrist. Die und Toshi umarmten mich und gaben mir jeweils rechts und links ein Küsschen auf die Wange. Meine Mundwinkel zogen sich automatisch zu einem Lächeln nach oben. Die beiden schafften es meine Laune tatsächlich wieder besser werden zu lassen. Wir stießen an und ich kehrte wieder auf meinen Platz zurück. Da sprang mein schöner Sänger plötzlich auf, zog seinen Mantel, hauchte mir einen Kuss auf den Mund und ging. Verdattert schweifte mein Blick zu Shinya. „Er erklärt es dir später“, antwortete er auf meine unausgesprochene Frage. Ich verdrehte meine Augen und steckte mir eine Zigarette an. „Klar…wie immer halt.“ Der Drummer rückte in bisschen näher zu mir heran und stützte seinen Arm auf dem Tisch ab. „Kazu…“ „Warum kann er nicht einfach jetzt mit mir reden? Es geht irgendwie immer nur richtig gut oder richtig beschissen. Dazwischen gibt’s nichts und das macht mich wahnsinnig Shin…“ „Ich würde dir gerne so viel sagen, aber dafür würde mich Tooru köpfen und es steht mir auch nicht zu. Aber ich verspreche dir, dass sich das heute noch klären wird. Das habe ich ihm zumindest nahe gelegt.“ „Und du meinst er hört auf dich?“ Shinya lächelte verhalten. „Meistens schon.“ Da wir eh alle noch im Proberaum weiterfeiern wollten, beschlossen wir unsere Party dort hin zu verlegen. Ich versuchte dieses beschissene Gefühl zu ignorieren. Ich versuchte mir nicht all zu viel darauf einzubilden und doch überkam mich schon wieder die Angst, Kyo könnte mich verlassen. Sota hielt es für angebrachter, wenn er uns alleine gehen ließ. Ich umarmte meinen Freund und folgte dem Rest. Da hielt mich Shinya schließlich zurück. „Was ist?“ „Lass die anderen schon Mal vorgehen. Wir müssen noch wohin.“ Erst legten wir ein Stück zu Fuß zurück, dann fuhren wir mit der Bahn und schließlich liefen wir wieder. Bis ich begriff, dass mich der Drummer zum Friedhof führte. Dieser wurde kaum beleuchtet und ich bekam eine Gänsehaut, weil mir ein bisschen mulmig zumute wurde. Was um alles in der Welt suchten wir hier? Wir bewegten uns quer Feld ein, bis wir anhielten. Zuerst wollte ich Shinya mit Fragen Löchern, doch dieser zeigte mit dem Kopf in eine bestimmte Richtung und ich folgte seinem Blick. Vor einem der eng aneinander gereihten Grabsteine hockte Kyo. „Du solltest mit ihm reden…“ Langsam näherte ich mich meinen schönen Sänger, doch dieser schien mich kaum bemerken. Kamimura Ukyō, laß ich auf dem Grabstein. Ich legte meine Hände auf seine Schultern und etwas erschrocken blickte er zu mir auf. Auch Shinya trat hervor. Kyo tätschelte meine Hand, was mich irgendwie beruhigte. „Danke Shini…gehst du schon Mal vor?“ „Ja, wir sehen uns später.“ Wir hockten schweigend nebeneinander und so langsam kroch mir die Kälte in die Glieder. Kyo schwieg noch immer und ich wusste nicht so Recht, was ich hier eigentlich verloren hatte. Deshalb fragte ich ihn. Doch wie immer, bekam ich keine Antwort. „Kyo…verrätst du mir, wessen Grab das ist?“, fragte ich erneut. Ich hörte ihn tief seufzen und mich überkam der Drang nach einer Zigarette. Doch hielt ich mich zurück. Schließlich wollte ich die Ruhe der Toten nicht stören. „Das…das…kann ich nicht…“ „Warum nicht?“ „Ich fürchte ich bin noch nicht bereit dazu.“ „Dein Ernst?“, fuhr ich ihn unangemessener Weise an. „Ja…lass uns zu den anderen gehen“ „Nein!“, zischte ich und trotz der Dunkelheit spürte ich Kyos feindseligen Blick. Außerdem ging sein Atem unregelmäßig. „Kazu…bitte komm.“ „Ich geh erst, wenn du mir sagst, warum du dich mitten in der Nacht auf dem Friedhof herumtreibst!“ „Es gibt Dinge, die sollte man ruhen lassen“ „Oh ja, im wahrsten Sinne des Wortes…vergiss es Kyo. Du willst, dass ich dir vertraue? Dann sei verdammt noch Mal ehrlich zu mir!“ Mein schöner Sänger ergriff meine Hand und zog mich mit sich, doch ich riss mich los und funkelte ihn nun auch wütend an. „Ich dachte gerade du würdest das verstehen…“, wisperte er und fasste wieder nach meiner Hand. Ich ließ es geschehen, doch dieser schwere Klotz im Magen schien nun unerträglich. Der Weg zum Proberaum verlief schweigend und ich hasste ihn gerade. Warum hielt er mich so hin? Warum redete er nicht mit mir? Hatte er überhaupt gewollt, dass ich ihm zu diesem ominösen Grab folge? Ich entzog ihm meine Hand wieder und zündete mir endlich eine Zigarette an. Inhalierte den Rauch tief ein. „Ach und warum soll ausgerechnet ich das verstehen? Weißt du Kyo, wenn du nicht so ein verficktes Geheimnis um all das machen würdest, könnte ich dich vielleicht verstehen. Aber du redest ja nie! Immer muss ich mir meine Teil denken und dann bist wieder sauer, nur weil ich mit meinem Freund rede!“ Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schien wahrhaftig mit seiner Selbstbeherrschung zu kämpfen. „Weil wir von denselben Dämonen heimgesucht werden…wir werden von Verlustängsten getrieben und hoffen, dass wir in unseren nächsten Beziehungen nicht scheitern, weil uns das wieder zurück an den Rand des Wahnsinns treiben würde. Deshalb bist du doch mit mir zusammen oder? Weil du dir erhoffst, dass ich dir da heraushelfen kann…doch die Wahrheit ist, dass ich genauso kaputt bin Kazuki.“ Kyos Worte machten mich verdammt wütend. „Warum bist du dann überhaupt mit mir zusammen? Denn scheinbar erinnere ich dich ohnehin nur an deine grausame Vergangenheit. Warum ich Kyo? Ich meine, die Typen oder auch Mädels, die auf dich stehen findest du sicher wie Sand am Meer. Sie liegen dir zu Füßen. Was zur Hölle willst du dann mit so nem Freak wie mir?“ Noch immer funkelten mich seine Augen an. „Weil zwei Freaks vielleicht besser miteinander klarkommen als einer allein.“ „Aber du könntest jeden haben Kyo…und sicher würdest du ziemlich schnell jemanden finden, der deinen Ansprüchen gerecht wird…vielleicht war er einer von diesen Menschen“ entfuhr es mir und ich zeigte in Richtung Friedhof. Jetzt hatte ich ihn. Fast schien er vor Zorn zu kochen und die blinde Wut schien Besitz von ihm zu ergreifen. Dann schloss er seine Augen und wendete sich von mir ab. „Wir sollten zu den anderen gehen“, gab er zurück und setzte sich in Bewegung. „Ist das dein scheiß Ernst? Schön!“ Mindestens genauso aufgebracht folgte ich ihm zum Proberaum. Wenigstens war dort gute Stimmung, denn zwischen Kyo und mir herrschte Eiszeit. Ich wollte dringend betrunkener werden und eventuell so viel wie möglich vergessen. Während der schöne Sänger den Kontakt zu mir mied und schon nach drinnen zu den anderen ging, blieb ich draußen und rauchte noch eine Zigarette. Mir war nicht Mal nach Heulen zumute. Ich wünschte mir einfach nur, dass mich Kyo verstand. Warum konnte er sich mir nicht öffnen? Konnte das, was ihm wiederfahren war, so schlimm sein, dass es nahezu den Rest seines Lebens bestimmte? „Na, treibt dich Tooru schon in den Wahnsinn?“, erklang plötzlich eine Stimme neben mir und ich blickte auf in die braunen Augen von Kaoru. Etwas verlegen versuchte ich zu lächeln und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahung…warum muss er so anstrengend sein? Warum kann er manche Dinge nicht einfach hinnehmen?“ „Kompliziert sein ist eine seiner Lieblingseigenschaften und so ungern ich dir das auch sage…entweder du kommst damit klar oder eben nicht. Weißt du, ich bin zu den Jungs gestoßen, als sie sich alle schon echt lange kannten und musste mich dann irgendwie beweisen. Mit allen habe ich mich irgendwann super verstanden und ich habe sie lieben gelernt…nur Tooru war ein Sonderfall. Seine Eskapaden auf der Bühne machten mich fertig und auch sonst schien er mit keinem zu reden außer mit Shini…das war schon immer so. Bis er irgendwann beschloss mich zu akzeptieren. Kazuki glaub mir, ich weiß es kann verdammt hart sein ihn zu lieben, aber wenn er dir irgendwann beginnt zu vertrauen, kann es wunderschön sein.“ Ich nickte nur und drückte die Zigarette aus. „Ich habe Angst ihn zu enttäuschen oder ihm nicht mehr genug bieten zu können.“ Der Gitarrist legte freundschaftlich seinen Arm um meine Schulter. „Mach dich nicht kleiner als du bist und er liebt dich, sonst würde er nicht so reagieren. Rede mit ihm…“ Ich seufzte und nickte nur. Drinnen würdigte mich mein schöner Sänger keines Blickes, das tat verdammt weh, doch ich beschloss mich nicht beirren zu lassen, zog mich mit meiner Gitarre ein bisschen zurück und klimperte zuerst wahllos auf dem Instrument herum, dann entstand eine Melodie. Eine Melodie die mir fast so leicht von den Fingern ging wie meine eigenen Songs. Ain't afraid to die war eines meiner absoluten Lieblingslieder von Dir en Grey. Meine Schwester gesellte sich zu mir. „Du spielst wundervoll…“, unterbrach mich meine Schwester. „Danke.“ „Wie steht es jetzt eigentlich um uns?“ Ich zuckte mit den Schultern und zündete mir eine Zigarette an. „Ich bin nicht sicher. Einerseits hast du mich echt überrascht, aber das andere kann ich nicht einfach so ausblenden.“ „Ja das ist mir bewusst, aber kannst du uns nicht wenigstens eine Chance geben? Bitte.“ Ich schaute meine Schwester lange mit forschendem Blick an. Versuchte etwas in ihren Augen zu finden, was mich zweifeln lassen könnte. Doch da war nichts. „Yuni…ich würde mir nichts mehr wünschen, doch vergib mir meine Vorsicht.“ „Natürlich…aber ich mag dich wirklich Kazu. Das hab ich glaub schon immer…nur hat es mich früher immer genervt, dass dir alles so leicht von der Hand ging. Alles, was du getan hast, schien andere zu beeindrucken…doch das war kein Grund dich so mies zu behandeln. Ich hoffe du kannst mir irgendwann vergeben.“ „Wir werden sehen.“ Ich spielte erneut denselben Song und sang den Text dazu. Da umarmte mich auf einmal jemand von hinten und seine Stimme erklang dicht an meinem Ohr, als auch er seinen Text mitsang. Deshalb verstummte ich und spielte nur Gitarre, denn diesen wunderschönen Gesang konnte und wollte ich nicht toppen. Ich bekam eine Gänsehaut und war fast zu Tränen gerührt. „Mit ein bisschen mehr Übung beherrscht du den Song perfekt“, ärgerte mich Kyo. Ich legte mein Instrument zur Seite und zog ihn vor mich. „Kannst du mich nicht einmal beim ersten Mal loben?“, murrte ich und ein süffisantes Grinsen umspielte seine Lippen, auf die er seinen Zeigefinger legte und so tat als würde er nachdenken. „Ähm nein…vor allem nicht, wenn du meine Songs spielst.“ Ich zog einen Schmollmund. „Kann schließlich nicht jeder son Perfektionist sein wie du.“ Kyo legte seine Arme um mich und so verweilten wir eine ganze Zeit. Mich lullte sein typischer Kyo Geruch ein und ich mochte es, wenn er kein Parfum auftrug. Seine Finger streiften meine Wange und in seinem Lächeln lag dieser verliebte Ausdruck, den er nur mir gegenüber zeigte, wenn die anderen gerade nicht hinschauten. Die Sanftheit in seinen Augen ließ mein Herz schmelzen und ich verliebte mich glatt noch Mal in diesen wundervollen Mann. „Oh mein hübscher Schatz…es tut mir leid, dass ich vorhin so unfair war, aber…es fällt mir wirklich nicht leicht darüber zu sprechen.“ „Und warum fällt es dir so schwer?“ Kyo seufzte und streifte sich durch seine kurzen Stoppeln. „Weil du dann Dinge über mich erfährst…die dich wohlmöglich abschrecken…davor hab ich Angst. Ich will nicht, dass du schlecht von mir denkst.“ Ich zog ihn in einen sanften Kuss. „Niemals könnte ich schlecht von dir denken, egal was du mir erzählst…ich liebe dich, mehr als alles andere auf dieser beschissenen Welt Kyo…“ Mein hübscher Sänger ließ sich im Schneidersitz vor der Heizung nieder um klopfte mit der Hand auf seinen Beine und ich folgte seinem Ruf. „Kami war meine erste große Liebe…damals spielte er Schlagzeug bei Malice Mizer und wir hatten Dir en Grey ein paar Jahre davor ins Leben gerufen. Wir lernten die Jungs in einer Bar in Osaka kennen und einige von ihnen hatten uns zuvor bei unserem ersten Auftritt gesehen…Kami fiel mir gleich auf, doch ich bekam schnell mit, dass er vergeben war. Doch das hinderte mich damals nicht und ich flirtete mit ihm…woraus sich dann recht schnell mehr entwickelte.“ Kyo hielt Inne und rief Toshi her, damit er uns noch ein Bier holen konnte. Der Bassist grinste nur und schüttelte mit dem Kopf. „Du hast deine Jungs ganz schön unter Kontrolle, selbst wenn ihr nur zusammen trinkt.“ Der Sänger lächelte, als wäre er sich keiner Schuld bewusst und prostete mir zu. „Einer muss diese Chaosbande ja im Zaum halten…soll ich fortfahren?“ Ich nickte zur Antwort. „Allerdings stellten meine Jungs fest, dass Kami mir ganz und gar nicht gut tat…was war passiert? Ich hatte mich Hals über Kopf in ihn verliebt, doch er wollte nicht mit mir zusammen sein…zumindest nicht über unsere Affäre hinaus. Dann kam schmerzlich noch hinzu, dass meine Mama starb…und mit ihrem Tod starb auch ein Teil in mir. Kami spendete mir Trost und war für mich da, doch am Ende kehrte er immer wieder zu seinem Lover zurück und ich blieb allein. Anfangs konnte ich den Schmerz in meiner Musik verarbeiten, doch als Kami mich immer und immer wieder von sich stieß, drehte ich durch…verletzte mich selbst. Natürlich versuchten das meine Jungs zu unterbinden, deshalb tat ich es an dem einzigen Ort, an dem sie mich nicht daran hindern konnten…“ „Auf der Bühne…“, entfuhr es mir und Kyo nickte traurig. „Genau…ich entfernte mich so weit es ging von den vier Menschen, die mir eigentlich alles bedeuteten. Ließ keine Nähe zu, nur Kamis Liebe erreichte mich und die war nicht mal echt…Unsere Affäre dauerte 2 Jahre, bis Kami schließlich an einem Schlaganfall starb…sein Tod riss mich dann endgültig in ein Loch. Der zweite Mensch, den ich verloren hatte…ich stürzte mich in die Musik und übertrieb es auf unseren Konzerten maßlos. Meine persönliche erste Hilfe Gang stand meist schon in den Startlöchern, um meine Wunden nach der Show zu verarzten…aber außerhalb meiner Zeit mit der Band kapselte ich mich vollends ab…denn wenn ich allein war, konnte mich keiner davon abhalten mir selbst Schmerzen zuzufügen…irgendwann hatte ich es jedoch nicht unter Kontrolle, ich kippte um und verlor das Bewusstsein. Shinya hat mich gefunden…natürlich rief er sofort den Notarzt und weicht von dem Tag an kaum von meiner Seite.“ „Und einen Monat später, als sich Tooru erholt hat, haben Kao und ich ihn zum Tätowierer geschleift. Denn da sind Schmerzen garantiert…und hat ja auch super funktioniert, wenn man deine Bildergalerie so anschaut…aber sorry, ich wollte euch zwei nicht stören, nur ich mach mich auf den Heimweg…“ Ich rutschte von Kyos Schoß und er schlang die Arme um seinen Drummer. „Komm gut heim und pass auf dich auf.“ Dieser nickte und gab meinem Freund einen Kuss auf den Mund. Kurz meldete sich die Eifersucht, doch nun verstand ich endlich, weshalb sich die beiden so nahe standen und unterdrückte dieses nun völlig unnötige Gefühl. Auch mich umarmte Shinya und verschwand in der kalten Nacht. Ich kuschelte mich wieder an meinen schönen Sänger und schmiegte meinen Kopf an seine Schulter. Ich wollte ihm zeigen, dass seine Geschichte meine Gefühle für ihn in keinster Weise beeinflussten. Im Gegenteil, seine Worte bedeuteten mir alles und mir war klar, dass ihm das alles andere als leicht fiel. „Danke“, wisperte ich in sein Ohr und musste ihn einfach küssen. Es war ein verzweifelter, nach Nähe gierender Kuss. Ja ich wollte gerade nicht mehr. Nur diesen Kuss. Er streifte meine Lippen mit seinen Zähnen, oh wie mich das anmachte. Besitzergreifend schob sich Kyos Zunge in meinen Mund und wurde von meiner sinnlich empfangen. Meine Hände schoben sich in seinen Nacken und schon fast ein bisschen unzüchtig setzten wir unser Zungenspiel fort. Ich saugte an seiner Unterlippe und fing seine Zunge erneut ein. Dann ein bisschen schwer atmend ließen wir voneinander ab. „Und du möchtest dennoch mit mir zusammen sein?“, fragte Kyo schließlich und ich nickte. „Natürlich…Kyo…ich verspreche dir, dass ich den Mist auch nicht mehr mache…wir passen einfach gegenseitig auf uns auf, dann passiert das nicht…“ „Oh Kazu…was tust du nur mit mir…ich glaub ich mag nach Hause, kommst du mit?“ „Gerne…“ Wir teilten uns ein Taxi mit meiner Schwester und ich freute mich sehr auf mein Bett. Naja, natürlich schliefen wir nicht sofort. Dieses Weihnachten würde ich wohl endlich als Positiv in Erinnerung behalten. Kapitel 11: von Liebe und Freundschaft -------------------------------------- „Ich wollte die Tage zu meinen Geschwistern fahren“, weckte mich Kyo und verschlafen blinzelte ich ihm entgegen. „Mhh…“ Mehr brachte ich noch nicht zustande. „Du bist echt ein Morgenmuffel, jetzt wach auf.“ Mein liebster zog mir die Decke weg, doch ich eroberte sie mir wieder zurück und warf ihm einen grimmigen Blick zu, doch er lachte nur. Er begann an mir zu rütteln und seine Finger strichen ganz sanft über meinen Hals, was furchtbar kitzelte und ich mich dagegen wehrte. „Und du bist eine Nervensäge“, knurrte ich. „Das mit Vergnügen…außerdem wollte ich dich fragen, ob du mitkommen willst“ Jetzt war ich hellwach. Hatte mich Kyo gerade unterschwellig gefragt, ob ich seine Familie kennenlernen wollte? „Ähm…als dein Freund? Ich meine wissen sie, dass du auch auf Männer stehst?“ „Mir ist egal was sie darüber denken Kazu und ja, natürlich als meinen Freund…außerdem, warum machen da alle immer so ein Drama draus. Ich hatte auch schon was mit Frauen…ich nehme mir eben das, was mir gefällt.“ Für diese Aussage musste ich ihn einfach küssen.   Zwei Tage später befanden wir uns dann tatsächlich auf dem Weg zu Kyos Geschwistern und ich war mehr als nervös. Auch weil ich mich fragte, wie sie so waren und warum er sie zuvor noch nie erwähnt hatte? Bislang war ich davon ausgegangen, dass er keinerlei Kontakt zu seiner Familie hat, doch mein schöner Sänger steckte wohl doch voller Überraschungen, daran sollte ich mich wohl gewöhnen. „Wie viele Geschwister hast du eigentlich?“, erkundigte ich mich um später nicht ganz so blöd dazustehen. „Meine Schwester ist so alt wie du und mein Bruder fünf Jahre jünger als ich.“ „Okay…verrätst du mir ihre Namen noch?“ Gerade hatte ich das Gefühl ihm alles aus der Nase ziehen zu müssen. Oder vielleicht war er auch einfach nur ein konzentrierter Autofahrer? „Hana und Akira. Wir sind bald da.“ Kyo parkte den Wagen in einer Seitenstraße einer scheinbar eher gehobeneren Wohngegend Osakas. Wir rauchten noch eine Zigarette und dann betraten wir das Haus links von uns. Die Wohnung befand sich im Erdgeschoss und fiel durch ihre großen Fenster und die Holzverkleidung auf. Die Tür öffnete sich und eine junge Frau winkte uns zu. Die langen schwarzen Haare waren zu einem Knoten auf den Kopf gebunden und ihr zierlicher Körper steckte in einem knallroten Kleid, was ihr ausgezeichnet stand. Neben sie trat ein Mann, der Kyo nicht ganz unähnlich war. Lässig lehnte er neben seiner Schwester und vergrub seine Hände in den Tiefen seiner Hosentaschen. Durch das weiße Hemd, welches in der dunkelbraunen Hose steckte, die von Hosenträgern gehalten wurde, wirkte er schon fast ein bisschen spießig. Mein Liebster zog beide in eine lange Umarmung. „Willkommen Niichan“, begrüßten die zwei ihren großen Bruder. Dann wurde auch ich herzlich begrüßt und wir betraten das Haus. Vom Wohnzimmer konnte man in den großen schneebedeckten Garten schauen, was schon fast ein bisschen märchenhaft und kitschig wirkte. Auch hier drinnen waren alle Möbel aus Holz, was der Wohnung Gemütlichkeit verlieh. Eben ein Platz, an dem man sich sehr heimisch fühlt. Wir nahmen auf den Kissen um den Tisch platz, wo schon der Tee stand. Hana servierte dann eine köstlich duftenden Gemüsesuppe und später gefüllte Teigtaschen, Reis, Gemüse und Soße. Sie fragte ihrem großen Bruder Löcher in den Bauch, doch dieser schien es mit Humor zu nehmen oder war es vielleicht auch gewohnt. Er wirkte entspannt. So, wie man Kyo selten zu Gesicht bekam und es erwärmte mein Herz. „Wie geht es mit Dir en Grey voran?“, fragte die junge Frau weiter. „Erst Mal kommt der Videodreh und dann gehen wir wieder auf Tour. Ich kann euch gern sagen, wenn wir in Osaka sind.“ „Ja, das wäre schön. Und was machst du in der Zeit Kazuki?“, richtete sie ihre Frage an mich. „Mh, vermutlich mitkommen und Kyo auf der Nerven gehen“, ärgerte ich ihn, doch er grinste mich nur an. „Dann bringe ich dich persönlich zurück.“ „Ach das würdest du nicht wagen…ohne mich ist‘s doch langweilig.“ „Du scheinst sehr von dir überzeugt zu sein Süßer.“ „Nicht?“ „Also…seid ihr eigentlich zusammen?“, fragte Akira dann neugierig. „Ja sind wir.“ Wir plauderten noch über Vergangenes und die Stimmung lockerte immer mehr auf. Doch mir fiel auf, dass mein schöner Sänger keinen Tropfen Alkohol anrührte. Hatte er etwa vor heute noch zurück nach Kyoto zu fahren? Doch da fiel mir ein, dass er gesagt hatte, dass wir hier übernachten wollten. Vielleicht hatte er ja auch einfach keine Lust zu trinken. Plötzlich klingelte es erneut und Hana sah ihren jüngeren Bruder misstrauisch an, doch dieser zuckte nur mit den Schultern. Sie erhob sich und schritt in den Flur, um die Tür zu öffnen. Dann eine eher unerfreute Begrüßung. Kyo versteifte sich neben mir und seine eben noch so unbeschwerte Miene gefror zu einem eisigen Gesichtsausdruck. „Was will er hier Aki?“ Der jüngere zuckte mit den Schultern und schaute betreten zu Boden. „Es tut mir leid…ich dachte es wäre vielleicht gut, wenn ihr euch Mal wieder seht…ich hatte keine bösen Absichten“, wisperte Akira und schien wahrhaftig ein schlechtes Gewissen zu haben. „Über meinen Kopf hinweg triffst du solche Entscheidungen?“, fuhr Kyo seinen kleinen Bruder an und jetzt wollte auch ich gespannter Weise wissen, um wen es sich hier handelte. Da trat Hana auch schon wieder zu uns mit einem älteren Mann im Schlepptau, dessen Blick auf meinem schönen Sänger haften blieb. „Deshalb also hast du mich hier her bestellt Akira-chan? Den Weg hätte ich mir nun wirklich sparen können!“ „Aki…du?“, fragte nun auch Hana verblüfft und der jüngere sprang empört auf und fixierte seine Geschwister. „Ich dachte es wäre vielleicht Mal wieder ein Versuch, dass sich Tooru und Papa mal näher kommen. Ich bin es leid immer nur einen von beiden zu sehen…dabei sind wir doch eine Familie oder nicht Hana? Ich liebe euch alle und warum verdammt könnt ihr euch nicht Mal den einen beschissenen Tag zusammenreißen!“, schimpfte Akira und ich wusste, wie er sich fühlte, doch vermutlich war das alles nicht so einfach. „Ich werde mich nicht mit jemanden an einen Tisch setzten, der mich für den Tod meiner eigenen Frau verantwortlich macht. Deinen Versuch weiß ich zu würdigen Akira-chan, aber Tooru hat schon immer Schande über unsere Familie gebracht und ich werde mich nicht entschuldigen, für nichts. Ich bin der ältere und wenn du wünscht, dass unsere Familie wieder zusammenfindet, solltest du das deinem Bruder verdeutlichen.“ Der Blick des älteren Mannes, der sich ja nun als Kyos Vater entpuppt hatte, ruhte auf ihm. Doch diese Bitterkeit darin war beachtlich und ich weiß nicht, was Kyo angestellt hat, dass er ihn so hasste, aber das ging selbst mir verdammt nah. „Niichan?“, wendete sich Akira jetzt an seinen älteren Bruder, doch mein schöner Sänger schüttelte nur mit dem Kopf. „Tut mir leid Aki…ich kann nicht.“ Hana legte ihren Arm um Akiras Schulter, um ihn etwas zu beruhigen. „Warum? Sind wir dir so egal?“ „Ihr seid mir nicht egal und das wart ihr nie…“ „Dann entschuldige dich doch bei Papa, bitte. Tue es für mich…für uns.“ Jetzt sprang auch Kyo auf und funkelte seinen jüngeren Bruder wütend an. „Ich mich entschuldigen? Dafür, dass ich mein halbes Leben lang wie Luft behandelt wurde? Dafür, dass alles, was ich versucht habe mir aufzubauen immer falsch war? Dafür, dass auch ich immer versuchte diese Familie zusammenzuhalten? Nein, tut mir leid Ototo, dazu bin ich nicht bereit.“ „Du hattest noch nie Respekt vor den älteren, nicht Mal vor deiner eigene Mutter. stetig versuchte sie dich auf den richtigen Weg zu bringen doch was hast du getan? Sieh dich an, du verkörperst all das, was unsere Kultur verpönt.“, murrte der ältere Mann Kyo an und ich merkte, wie mein liebster so langsam die Beherrschung verlor. „Und genau aus diesem Grund vergebe ich dir nicht. Mama hat mich immer toleriert und meine Musik geschätzt. Ihr war es egal, wie viele Tattoos oder Piercings ich habe. Doch du hast sie sterben lassen und das weißt du insgeheim…das ist der Grund, warum du mich wirklich hasst. Lass uns abhauen Kazuki…ich geb mir dieses Theater nicht länger.“ Kyo umarmte seine Geschwister und zog mich dann mit sich, dass ich fast über meine eigenen Füße stolperte. Der Rückweg über die Autobahn ging fast doppelt so schnell wie der Weg hinzu. Ich traute mich kaum mit ihm zu reden. Aber hatte er geahnt, dass auch sein Vater uns aufsuchen würde? Vorsichtig und mit pochenden Herzen schob ich meine Hand auf seinen Oberschenkel, in der Hoffnung, er würde mich nicht sofort wieder von sich stoßen. Als er dann auch noch meine Hand ergriff und kurz drückte fiel mir ein Stein vom Herzen. Dann müssen wir wohl gegenseitig auf uns aufpassen. Die Worte nach unserem Streit kamen mir wieder in den Sinn und ich wünschte mir so sehr, dass Kyo dieses Versprechen einfordern würde.   Zu Hause war er gerade dabei sich wieder in seinem Arbeitszimmer zu verkriechen, da hielt er einen Augenblick inne und schaute mich an. „Ich brauch einen Moment für mich Kazu…“ Ich nickte nur. „Kyo…isses okay, wenn ich mich mit Shinya oder Toshi treffe?“ „Quatsch…du kannst sie auch gern hier her einladen…“ Dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss und ich beschloss das andere Diru Pärchen zu fragen, ob sie Lust hatten Schlittschuhlaufen zu gehen. Keine Sekunde später kam eine Antwort von dem Bassisten und wir wollten uns an der Eisbahn treffen. Sicherheitshalber schrieb ich Kyo noch einen Zettel und verfasste eine weitere Nachricht an Shinya, dass er sich vielleicht mal bei Kyo melden sollte. Seufzend zog ich mich an und machte mich auf den Weg. Die kam mir schon entgegen gerannt, stoppte jedoch, als er mein leicht betrübte Miene bemerkte. „Oh oh…was ist los kleiner?“ „Nichts Dramatisches…wir waren nur heut bei Kyos Geschwistern und da ist sein Vater auch aufgetaucht…naja…das war dann weniger schön…“ Auch Toshiya hatte uns erreicht und den letzten Satz mitbekommen. „Verdammt…das geht meist nie gut aus…wo ist er jetzt?“ „Zu Hause, wollte noch was arbeiten, aber ich hab Shinya geschrieben, dass er nach ihm schauen soll.“ Die seufzte und legte seinen Arm um mich. „Das war eine gute Idee…aber jetzt lass uns ein bisschen Spaß haben.“ Dieses Mal übernahm ich die Kosten, denn ich hatte schon langsam ein schlechtes Gewissen, weil die beiden dauernd alles für mich bezahlten. Doch mit den Schlittschuhen an meinen Füßen fühlte ich mich dann doch nicht mehr so sicher, weil es eine sehr wackelige Angelegenheit wurde. Ich hielt mich gerade so auf dem glatten Eis und versuchte erste Schritte. Toshi schien darin ein echter Profi zu sein, denn er fuhr uns davon. Die bot mir seinen Arm an. „Wenn ich falle, dann fällst du aber auch.“ Er winkte mit der Hand ab und grinste. „Dann fallen wir zusammen. Komm schon!“, ermutigte er mich und ich griff seine Hand. Langsam zog er mich hinter sich her und auf einmal wurde ich von hinten angeschoben. Erschrocken klammerte ich mich an dem Gitarristen fest und hörte Toshiya hinter mir kichern. Dieser ergriff jetzt meine freie Hand und so hielten mich beide fest. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge. Fehlte nur noch, dass die zwei jetzt Engelchen, Engelchen flieg mit mir spielten. Naja, auf dem Eis wäre das wohl für uns drei keine besonders schlaue Idee. Doch ich merkte, wie ich sicherer wurde und so langsam traute ich mich dann auch allein zu fahren. „Oh schau mal Tosh…unser kleiner Eisprinz. Ist er nicht niedlich.“ Ich warf dem Blonden einen vernichtenden Blick zu. Wir fuhren noch ein paar Runden, dann wurde uns kalt und wir beschlossen noch irgendwo was trinken zu gehen. In dem warmen Café um die Ecke tauten meine erfrorenen Glieder wieder auf und ich bestellte eine heiße Schokolade. Ich checkte mein Mails, falls sich Kyo oder Shinya gemeldet haben sollte und tatsächlich, eine Nachricht von dem Drummer:   Sind jetzt im Proberaum, vielleicht wollt ihr ja später nachkommen. Danke, dass du mir geschrieben hast .   Ich lächelte traurig und wäre jetzt gern an Shinyas Stelle. Immerhin hatte er mir ein Herzchen geschickt, das war irgendwie süß. Ich zeigte Toshi und Die die Nachricht. „Das klingt gut…Kazu, ich weiß, was du denkst, aber Shini wird in solchen Momenten immer für Tooru da sein. Sie kennen sich jetzt über zwanzig Jahre und wenn ihn einer versteht dann er. Es ist nicht leicht für dich, aber lass es zu.“ „Tue ich ja…“, seufzte ich und nippte an meinem heißen Getränk. „Wisst ihr was, morgen ist schon Silvester. Habt ihr schon Pläne Kazuki?“ Ich schüttelte den Kopf. „Bisher hab ich mit Sota immer bei Takashi gefeiert. Was macht ihr da immer so?“ „Wir treffen uns alle bei einem von uns und feiern gemeinsam. Wenn mich nicht alles täuscht sind wir dran Die?“, fragte der Bassist seinen Liebsten. Dieser nickte. „Genau. Können wir ja später noch bequatschen wer was mitbringt. Natürlich nur, wenn du auch Lust hast, aber ich zähle dich automatisch dazu.“ Ich grinste Daisuke an. „Gerne.“ Noch immer wippte ich ungeduldig mit dem Fuß unter dem Tisch. Wie es Kyo wohl ging und ob ihm Shinya helfen konnte? Würde ich ihm jemals helfen können? Ich biss mir auf die Unterlippe, um meinen Unmut zu verbergen, doch das entging den beiden anderen trotzdem nicht. „Sollen wir nach den beiden gucken gehen? Sonst wirst du nie ruhig heute…geht schon Mal raus, ich bezahl für uns“, meinte Die und ich war ihm mehr als dankbar. Vor der Tür hatte das Schneetreiben erheblich zugenommen und man konnte kaum noch etwas erkennen. Zum Glück konnte man den Proberaum von hier auch zu Fuß erreichen und wir beeilten uns, damit wir nicht noch zu Eiszapfen mutierten. Ich fragte mich, was mich erwarten würde und ob Kyo noch traurig, wütend oder enttäuscht war? Toshi und Die nahmen mich wieder in ihre Mitte und schon erreichten das Areal. Der Innenhof war spiegelglatt und wir mussten tierisch aufpassen nicht auszurutschen. Von drinnen schlug uns Wärme und Gelächter entgegen. Auf dem Sofatisch stand eine fast leere Flasche Sake und die beiden schienen sich ordentlich die Kante gegeben zu haben. Ich erhaschte einen Blick auf meinen schönen Sänger, der an seinem Drummer lehnte und über irgendwas lachte. Einerseits tat es gut ihn so zu sehen, aber da war eben dieses beschissene ABER. Unsere Blicke trafen sich und er winkte mir grinsend zu. Ich erwiderte es und versuchte ruhig zu bleiben. Wieder Mal flüsterte er Shinya etwas zu und ich nahm im Sessel Platz. Die und Toshiya drängte sich mit auf das Sofa. Ich zündete mir eine Zigarette an und versuchte Kyos Blicke zu deuten, der noch immer an seinen Drummer gelehnt auf dem Sofa lungerte. Doch dann erhob er sich, kam auf mich zu und machte mir mit einer Handbewegung deutlich, dass ich aufstehen sollte. Das tat ich und er setzte sich in den Sessel und zog mich auf seinen Schoß. „Bevor du mich mit deinen Blicken noch tötest“, wisperte er mir zu und zog mich in einen Kuss. „Ich weiß nicht, was du meinst“, nuschelte ich. „Kazuki…verkauf mich nicht für blöd…was war jetzt das Problem? Mich so vertraut mit Shinya zu sehen? Daran solltest du dich gewöhnen“ Seine Stimme klang nicht zornig, duldete aber auch keine Widerrede. Augenblicklich überkam mich das schlechte Gewissen. „Es tut mir leid…nur manchmal wünschte ich mir, dass du dich auch bei mir so fallen lassen könntest“ Kyo zog die linke Augenbraue hoch. „Ooookay…Regel Nummer eins: kein Drama. Regel Nummer zwei: versuche nie dich zwischen diese Freundschaft zu drängen und Regel Nummer drei: genieße endlich das, was du hast…denn du bekommst weit aus mehr Zuwendung als Shinya…“ „Ich wollte dich nicht verärgern und natürlich hast du Recht…“ „Kazu…er stand mir in der schwersten Zeit meines Lebens bei…ohne ihn wäre ich verrückt geworden.“ „Liebst du ihn?“, platzte es aus mir heraus und am liebsten hätte ich mir die Zunge abgebissen. „Natürlich tue ich das, das bedeutet aber nicht, dass du mir nicht wichtig bist, im Gegenteil. Ich liebe dich und das weißt du auch…nur diese Freundschaft und das ist eine der wenigen Dinge, die ich von dir erwarte, ist unantastbar Süßer. Akzeptiere das bitte.“ „Okay…wenn du mir erlaubst Sota hin und wieder zu treffen“ Kyo sog die Luft scharf ein und ich wusste, dass ich mich auf dünnem Eis bewegte. „Geht das wieder los…du bist echt sturer als ein Esel…na schön. Aber ich schwöre dir, ich bringe ihn höchstpersönlich um, wenn er dich versucht anzufassen oder zu küssen.“ „Glaub mir, das weiß er selbst und ich würde ihm die Freundschaft kündigen, wenn er das probiert…nur er fehlt mir eben…als Freund.“ Kyo nickte verständnisvoll. „Verstehe…möchtest du ihn morgen dabei haben?“ Mit weit aufgerissenen Augen blickte ich zu Kyo hinab. „Wirklich? Wäre das in Ordnung für dich?“ Mein hübscher Sänger seufzte und er zündete sich eine Zigarette an. „Ich bin kein Unmensch, auch, wenn das viele denken und vielleicht ist es gar nicht so schlecht deinen Sota mal besser kennenzulernen.“ Mir wurde ganz warm ums Herz und ich küsste meinen Liebsten. „Ich werde ihn fragen…vielleicht hat er ja auch schon was anderes geplant.“ „Das glaubst du doch wohl selbst nicht…sag ihm, ich würde ihn gern dabei haben.“ Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen und klaute dem Sänger mal wieder die Zigarette. Dieser schüttelte nur mit dem Kopf und hob mich von seinem Schoß runter. Er postierte sich vor dem Tisch, sodass ihn alle sehen konnten und räusperte sich. „Ich würde euch gern was sagen…Kaoru und ich haben uns unterhalten und ich würde gerne nächste Woche mit den Dreharbeiten zu unserer neuen Single Ranunculus beginnen…außerdem wollte ich dich fragen Kazu, ob du einen Part in dem Video übernehmen möchtest?“ Ich verschluckte mich am Rauch meiner Zigarette und blinzelte Kyo verlegen entgegen. In seinem Blick lag so viel Liebe und Vertrauen, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. „Ich…oh Mann…ja gerne…“ „Dann hätten wir das auch geklärt oder hat jemand etwas dagegen?“, fragte er dann in die Runde. „Dann sollten wir darauf anstoßen“, meinte Shinya feierlich und zauberte eine neue Flasche Sake hervor. Kyo organisierte noch mehr Gläser und ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Wir stießen an und dann schrieb ich Sota. Natürlich willigte er ein und ich freute mich auf eine hoffentlich lustige Silvesterparty. Kapitel 12: Silvester --------------------- Sota hatte ich Kyos Adresse durchgestellt, sodass wir uns von hier ein Taxi zu Toshiyas und Dies Wohnung nehmen konnten. Insgeheim hatte ich noch immer leichte Bedenken, weil ich nicht wusste, ob sich mein Liebster tatsächlich mit meinem Freund verstehen würde. Nervös trat ich vom einen Bein auf’s andere und zog an dezent nervös an meiner Zigarette. Sota näherte sich uns auch er machte den Eindruck, als wäre er leicht nervös. Das verriet sein schleichender geduckter Gang. Da kam durch den Schnee mit knirschenden Reifen auch schon unser Taxi angefahren. Mein schöner Sänger teilte dem Fahrer die Adresse mit und nach einer recht schweigsamen Fahrt erreichten wir nach zwanzig Minuten unser Ziel. Die beiden Männer empfingen uns hocherfreut und ich staunte nicht schlecht, als ich die beiden näher inspizierte. Während Toshi ähnlich wie mein hübscher Sänger sehr edel gekleidet war, hatte sich Die mit seiner Leggings in Lederoptik, Schnallen am Oberschenkel, die nicht unbedingt wenig der durchtrainierten Oberschenkel des Gitarristen preisgaben in Schale geworfen. Die schwarzweiße Tunika schmiegte sich elegant und legere um dessen Schultern und seine blonden Locken, die teils durch eine Spange zusammengehalten wurden, rundeten dieses Bild ab. Dies dunkel geschminkten Augen zwinkerten mir zu und sogleich wurden wir in das geräumige Wohnzimmer geschoben. Kaoru und Zero glänzten auch schon mit ihrer Anwesenheit und winkten uns erfreut zu. Der schwarzhaarige Gastgeber drückte uns ein Glas mit Sekt in die Hand und erhob das seine. „Schön euch lieben Menschen heute hier bei uns willkommen heißen zu dürfen. Auf einen wundervollen Abend. Kanpai!“ Natürlich servierten uns die beiden Toshikoshi Soba. Dazu wurde Wasabi, Erdnüsse und Frühlingszwiebeln gereicht. Diese Beilagen standen schon dekorativ in mehreren Schälchen angerichtet auf dem Tisch. Inmitten der der reich gedeckten Tafel thronte ein Minibuddah im Zen-Garten neben einem Teelicht und Räucherstäbchen, welche aus einem kleinen Stein herauslugten. Wir nahmen platz und ließen uns das leckere Essen schmecken. Danach verzog ich mich in die Küche, um meiner lästigen Sucht gerecht zu werden, da Toshiya zu Beginn erwähnt hatte, dass in der Küche geraucht werden durfte. Sota folgte mir, was mich schmunzeln ließ. Ich öffnete das Fenster und lehnte mich an der Wand an. „Na hast du Angst mit Kyo allein zu sein?“, fragte ich meinen Freund kichernd. Dieser schaute etwas betreten zu Boden und dann wieder zu mir. „Naja…vielleicht…ich bin gerade eher ein wenig überfordert, denn abgesehen von unserer Weihnachtsfeier bei Takashi war ich den Jungs noch nie so nah und verflucht…irgendwie hat jeder einzelne von denen was…ich fühl mich ein bisschen wie im Paradies.“ Grinsend stimmte ich Sota zu. „Oh ja, ich weiß was du meinst…vor allem Die sieht heut echt heiß aus…“ „Was ist mit mir?“, platzte der Blonde herein und sprengte unsere Zweisamkeit. „Ach nichts, wir haben nur eben festgestellt, dass du heute unglaublich gut aussiehst“, antwortete ich und konnte trotz der Coolness in meiner Stimme nicht vermeiden, dass eine leichte Röte meinen Wangen emporstieg. Der Diru Gitarrist grinste nur und strich sich geschmeichelt durch die langen Haare. „Vielen Dank Kasuki-chan“, gab er zurück und bließ mir einen Luftkuss zu. „Kommt Shinya heut gar nicht?“, erkundigte ich mich dann, denn er war der einzige der Band, der bisher noch fehlte. Die nahm einen tiefen Zug. „Doch doch…er muss sich nur noch um seine Hunde kümmern und wollte einen Umweg machen, weil er seine Eltern noch besuchen möchte. Übrigens schön, dass auch du mitgekommen bist Sota…ich glaube das war gar keine so schlechte Idee.“ Ich nickte und drückte den Kippenstummel im Aschenbecher aus. „Hat er irgendwie komisch geschaut, als wir in die Küche gegangen sind?“ Die schüttelte den Kopf. „Nein, alles gut Kazu und selbst wenn, mach dir nicht so viele Gedanken. Tooru ist ein erwachsener Mann.“ Ich zog eine Augenbraue hoch und warf dem Blonden einen fragenden Blick zu. „Vielleicht hast du Recht, immerhin kam der Vorschlag dich einzuladen, Sota, von ihm.“ „Echt jetzt? Und ich hatte schon die Befürchtung du musstest Kyo auf Knien bettelnd überzeugen.“ „Jungs, ihr tut ja fast so, als wäre unser Sängerchen ein Tyrann…genießt einfach den Abend…rede doch mal mit ihm Sota, da lösen sich solche dummen Konflikte von allein in Luft auf.“ Da steckte Toshiya den Kopf durch die Tür und fragt, ob Die den Nachtisch mitbringen konnte. Dieser nickte und stahl sich einen Kuss von seinem Bassisten. Sie gaben einfach ein zuckersüßes Paar ab. „Oh Mann, ich glaub heute bei euch hab ich ein paar Kilo zugenommen. Ich fürchte ich roll nachher die Treppen runter“, leerte Kyo sein Schälchen und schob es von sich. Seine Hände ruhten gefaltet auf seinem Bauch. Toshi schenkte uns Sekt nach und räumte zusammen mit Daisuke den Tisch ab. Mein liebster folgte den beiden in die Küche. Der Abend war bisher sehr entspannt und recht ruhig. Unsere Unterhaltung wurde unterbrochen, als es an der Tür läutete. Die erhob sich und bewegte sich leichtfüßig in Richtung Tür. Wenige Minuten später kehrte er mit dem Diru Drummer im Schlepptau wieder zu uns zurück. Shinya nahm auf dem freien Stuhl neben Kyo platz und auch ihm wurde sogleich ein Begrüßungssekt gereicht. Dankend nahm er das Glas entgegen und stieß mit uns an. „Bevor ich es vergesse und ihr alle zu betrunken seid, um mir zuzuhören, wollte ich euch noch etwas fragen“, meldete sich Kaoru zu Wort und alle verdrehten schon genervt die Augen. „Kao, dein Ernst? Kannst du nicht dafür sorgen, dass er die Arbeit einmal nicht im Kopf hat Zero“, antwortete Kyo leicht zynisch, doch der Leader sich von der Reaktion seiner Band nicht beirren. „Ich geb ja schon mein bestes…aber du kennst ihn doch.“ Zero zuckte verlegen mit den Schultern und legte seine Hand auf Kaorus Schulter. Dieser legte seinen Arm lässig über die Lehne des Stuhls und rückte seine Brille zurecht. „Es geht auch schnell, versprochen…nur hab ich mir überlegt, was haltet ihr davon, wenn wir uns in der Nähe von Tokio eine kleine Villa mieten, in der sich ein Aufnahmestudio befindet und dort mit unserem Dreh und den Songs weiterarbeiten. Wir hätten sogar unseren eigenen Swimmingpool und eine Sauna. Kichi meinte auch, dass die Kosten übernommen werden. Also, was meint ihr?“ „Das klingt mal nach einer guten Idee, also ich bin dafür“, sprach sich Shinya für den Vorschlag seines Leaders aus und auch die anderen Diru Members waren der Idee nicht abgeneigt. „Und was mach ich solange? Mich mit Kazuki vergnügen?“, fragte Zero seinen Geliebten ein bisschen reizend, doch seine Lippen verzogen sich dabei zu einem Lächeln. „Mhh, ich finde ihr könntet uns auch begleiten…ich muss mit Kazu eh an ein paar Dingen arbeiten“, kam es nun von Kyo und das überraschte mich positiv. Mir wurde ganz warm ums Herz und ich warf Sota einen schmachtenden Blick zu. „Nichts gegen unsere beiden Lover Tooru-chan, aber ich will auch arbeiten.“ Der Sänger rollte abermals mit den Augen. „Als ob ich dich jemals im Stich gelassen hätte und dir schadet es sicher nicht, wenn Zero mit dabei ist. Vielleicht gehst du manche Dinge dann nicht ganz so gestresst an.“ Mit zusammengekniffenen Augen und einem Schmollmund musterte der Leader seinen Sänger. „Na schön. Das war’s, ich bin fertig. Dann rede ich morgen mit Kichi.“ Mit dem Alkohol wurde unsere Stimmung tatsächlich noch lustiger und vergnügter. Die, Toshi schlossen die Wii an und riefen das Menü auf. Shinya wollte unbedingt im Tanzen gegen jemanden antreten und ich erbarmte mich. Das hätte ich mich wohl nicht getraut, wenn ich nüchtern gewesen wäre. Wir positionierten uns vor dem Flatscreen und warteten auf das Startsignal. Ich kam nicht ganz hinterher mit den ganzen sexy Moovs und dem ständigen Hüftkekreise und Hinterngewackel. Doch am Ende schlug ich mich gar nicht so schlecht. Später switchten wir dann auf Guitar Hero um, was Kaoru knapp vor Die gewann. Viel zu schnell schritt die Zeit voran und es war fast Mitternacht und somit läuteten wir das neue Jahr ein. „Kommt mit, wir haben eine kleine Überraschung für euch“, sagte Toshiya sehr geheimnisvoll und führte uns eine Etage höher, auf die Dachterrasse. Dort wartete eine weitere Flasche Sekt auf uns und für jeden stand eine fliegende Laterne bereit. Pünktlich, mit dem Glockenschlag der von weit her zu uns drang, zündeten wir unsere Laternen an und jeder schickte das Licht mit seinem stummen Wunsch in den dunklen Nachthimmel. Ich griff nach Kyos Hand und dieser drückte sie. Verliebt und glücklich grinste ich vor mich hin. Wir stießen an, wünschten uns ein frohes neues Jahr und umarmten uns. Auch mein liebster und Sota lagen sich kurz in den Armen, was mich ungemein erfreute, denn vielleicht war das doch ein Art Liebesbeweis an mich und ein Zeichen, das Kriegsbeil zu begraben. Leicht bibbernd vor Kälte zogen wir uns wieder in die warme Wohnstube zurück. Da meine Hand noch immer mit der von Kyo verflochten war, merkte ich, wie mich mein liebster zurückzog und ich in seinen Armen landete. Sogleich prallten unsere Lippen aufeinander und das vertraute Kribbeln begann in meinen Fingerspitzen und zog sich weiter durch meinen Körper. Seine Zunge stupste gegen meine Lippen, doch ich hatte Lust mit ihm zu spielen und verwehrte ihm deshalb den Einlass. Stattdessen schlang ich meine Arme um Kyos Nacken, wobei sich mein Shirt ein bisschen nach oben zog und meinen Bauch entblößte. Ich haschte mit den Zähnen nach seiner Unterlippe und biss vermutlich etwas doller als gewollt zu, als seine Hände unter mein Oberteil wanderten und auf nackte Haut trafen. Ein wohliger Laut entfuhr mir und spürte wie Kyo grinste. „Ich finde es immer wieder erstaunlich wie empfindlich du bist“, amüsierte sich mein hübscher Sänger. Mein Herz pochte wild und ich fühlte die Lust in mir aufsteigen. Ich rieb mich provokant an Kyo, küsste ihn am Hals, ließ meine Zunge über die tätowierte Haut gleiten und umfasste sein Gesicht, um seine Lippen wieder zu schmecken. Seine Hände umschlossen meinen Hintern und drückten mich noch enger an sich. Jetzt spürte ich deutlich wie seine Erregung wuchs. „Weißt du was noch viel besser wäre?“, raunte ich ihm ins Ohr und seine geweiteten Pupillen verrieten mir, dass er die Antwort kannte. Trotzdem wollte ich es laut aussprechen. „Was denn?“, fragte er deshalb und ich grinste verschmitzt. „Wenn wir beide jetzt nackt wären.“ Ach Kyo grinste mich lüstern an und zog mich mit sich in ein großes, geräumiges Badezimmer. Die Tür schloss er ab und drückte mich sogleich wieder gegen die Wand und küsste mich wild. Ich liebte es, wenn er das tat und so seinen Besitz kenntlich werden ließ. Mein Shirt landete achtlos auf dem Boden hinter dem Sänger und dann zog er mir die Hose bis zu den Oberschenkeln runter, trat einen halbe Schritt zurück und seine raubtierhaften Augen wanderten begehrend über meinen Körper. „Verschränk die Arme über deinem Kopf“, befahl er und ich kam seiner Bitte nach. Kyo leckte sich über die Lippen und zog auch seine Hose ein Stück nach unten. Dann löste er die Knöpfe von seinem schwarzen weiß gepunkteten Hemd und näherte sich mir wieder. „Ahhh…verflucht…fühlt sich das…gut an“, keuchte ich, als seine nackte Erregung auf meine traf und wir uns aneinander rieben. Kyos Hände umfingen wieder meine Pobacken und ich genoss das auflodernde Feuer, welches sich waldbrandartig in meinem Inneren ausbreitete. Das Kribbeln und die Hitze waren kaum mehr zu ertragen und ein erregtes Stöhnen drang über meine Lippen, als mein schöner Sänger meinen Schwanz in seinen Mund nahm. Dieses Gefühl von seiner Zunge an meiner Eichel und dann über die Länge leckend verlangte mir fast alles ab. Doch wollte ich ihm noch ein bisschen Spaß gönnen und hielt mich zurück. Mit meinen Händen strich ich mir selbst über den Oberkörper und streifte meine harten Nippel. „Ahh…Kyo, ich will dich…jetzt sofort…“, raunte ich zwischen einer dieser Wellen der Erregung. Doch er ließ noch nicht von mir ab, im Gegenteil. Seine Zähne streiften mein heißes Fleisch und dann wieder seine Lippen. Ich gab mich dieser süßen Leidenschaft hin. Er ließ sich auf dem Badewannenrand nieder und spreizte seine Beine. „Dann nimm mich…ich will dich in mir spüren Kazu…ganz ganz tief…“ Allein diese Worte genügten, um meinen Verstand völlig weichzukochen und drang langsam in ihn ein. Seine Hände packten mich an den Hüften und er zog mich ruckartig an sich. Uns beiden entfuhr ein lustvolles Stöhnen. Ich bewegte mich mit Kyos führenden Händen an meinen Arsch und mir wurde ganz schummrig vor Augen, als sich seine Zähne in meine Brustwarzen gruben. Ein angenehmer Schmerz vermischte sich mit der Lust und dem Ziehen in meiner Lendengegend, das nun stärker und stärker wurde. Meine freie Hand, die sich nicht am Rand der Badewanne abstützte umschloss Kyos Erregung und begann zu pumpen. Wir verschmolzen regelrecht miteinander und ich wollte, dass er kam. Deshalb ließ ich von ihm ab und hielt auch seine eigenen Hände davon ab, sich zu berühren. „Manchmal hasse ich dich…“ „Ich weiß“, grinste ich und stieß härter zu, sodass er die Augen schloss und seinen Kopf in den Nacken warf. Schneller und härter bewegte ich mich in ihm, bis ich selbst kaum noch an mich halten konnte und aufpassen musste, die Beherrschung nicht vor meinem schönen Sänger zu verlieren. Dann endlich verließ der erlösende Laut seine Lippen und auch ich ergoss mich in ihm. Dankend zog ich Kyo in einen Kuss und wir säuberten uns. Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel und versuchte meine verstrubbelten Haare irgendwie zu retten. Sein lachendes Gesicht blickte mich im Spiegel an und ich liebte ihn so sehr dafür, wenn er mir dieses Lächeln schenkte. Dieses wunderschöne, schon fast kindliche Lächeln, welches seine Zähne zeigte und fast noch mehr aussagte als ein ich liebe dich. Mir wurde ganz warm ums Herz und Kyo legte seinen Kopf auf meine Schulter. Wir betrachteten uns im Spiegel, schnitten blöde Grimassen und konnten nicht mehr vor lachen. Mein Blick wurde wieder etwas ernster. „Shit…vermutlich weiß jetzt jeder, dass wir miteinander gevögelt haben…“ Mein liebster zog mich in einen Kuss. „Na und…das ist mir sowas von egal Süßer…und ich vermute er, die sind alle so sternhagelvoll, dass ihnen unsere Abwesenheit nicht Mal aufgefallen ist.“ Einen letzten Augenblick hielt ich ihn noch vom Gehen ab. „Kyo…ich liebe dich…so sehr…dieses Jahr mit dir wird unglaublich…du bist der wunderschönste Mensch, den ich kenne…du bist so einzigartig und liebevoll…Weißt du, jeder hat seine Makel, aber das macht uns doch aus und ich liebe alles an dir. Jeden einzelnen Zentimeter…jede Falte, jeden Fleck deines Körpers…“ „Oh Kazu…deine Worte bedeuten mir so viel, aber ich denke das ist dir bewusst…danke dafür…Du schafft es immer mehr diese düsteren Erinnerungen in meinem Kopf zu vertreiben. Du schaffst es mich glücklich zu machen. Durch dich kann ich wieder Freude und Liebe empfinden…oh ich liebe dich auch mein Schatz…so sehr.“ Nun wirklich, ein allerletzter Kuss. Wir grinsten uns an wie zwei verliebte Teenager und begaben uns wieder in Wohnzimmer zu unseren Freunden. Tatsächlich schien kaum jemandem unsere Abwesenheit bemerkt zu haben. Die Betonung lag auf kaum. Unsere Blicke wanderten in Richtung Sota und Shinya, die zusammen an der Heizung lehnten und uns amüsiert anschauten. Kyo besorgte uns noch mehr Sekt und ich setzte mich zu den beiden. Mein hübscher Sänger reichte mir das Glas und kuschelte sich an seinen Drummer. Na schön. Auch ich rückte näher an Sota heran und ließ meinen Kopf in seinen Schoß sinken, dabei studierte ich Kyos Miene, doch er blieb ruhig und lächelte nur. Ich flüsterte ihm ein „Danke“ zu. So ließen wir den Abend oder bessergesagt die Nacht ausklingen. Pünktlich zum Sonnenaufgang versammelten wir uns wieder auf dem Dach und schauten dem rotgelben Feuerball dabei zu, wie er immer weiter hinterm Horizont aufstieg. So schlimm das letzte Jahr auch gewesen war, jetzt hatte ein neues begonnen, in dem sich viel zum Besseren gewandelt hatte. Ich legte meine Arme von hinten um meinen Freund, wie es Shinya auch bei Kyo tat. „Es ist schön dich heut hier zu haben Sota-chan…du hast mir echt gefehlt“, flüsterte ich ihm zu. Er griff nach meiner Hand und drückte sie. „Geht mir ähnlich…ich glaub es ist doch besser, wenn wir nur Freunde sind…süß bist du trotzdem.“ Ich grinste und schüttelte belustigt den Kopf. „Lass das bloß nicht Kyo hören…sonst vierteilt er dich.“ Auch Sota lachte. Dann als hätte mein schöner Sänger etwas von unserer Unterhaltung mitbekommen, löste er sich aus Shinyas Armen und zog mich besitzergreifend an sich. „Mhh, du hast gewonnen…ich glaub ich weiß, wie du dich gefühlt hast, wenn du mich dauernd so vertraut mit Shinya gesehen hast…es ist wichtig, dass du auch Sota in deinem Leben hast Süßer…er kann uns so oft er will besuchen kommen.“ Ich hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke…und selber süß…“, entgegnete ich und konnte meinen Kopf gerade noch so wegdrehen, bevor er meine Unterlippe zwischen seine Zähne bekam. Kapitel 13: I will love you forever ----------------------------------- Wir fuhren mit zwei Autos zum besagten Luxusstudio und schon der Anblick von außen flashte mich so dermaßen, dass ich mir nicht Mal in meinen kühnsten Träumen vorzustellen vermochte, wie prunkvoll die Villa von innen sein würde. Mit einer Fernbedienung öffnete sich das Tor und wir parkten auf den dafür vorgesehenen Flächen vor dem Haus. Kaoru hatte den Schlüssel gestern von der Dir en Grey Managerin erhalten und schloss uns auf. Hinter uns schob sich das monströse Stahltor von allein zu. Wir betraten einen langen Flur mit Schuhregal und Garderobe, sowie einem etwas kitschigen Ganzkörperspiegel, in man sich noch ein letztes Mal betrachten konnte, bevor man ausging. Der Gang mündete in einem Wohnbereich mit großem Chillsofa, Flatscreen, Spielekonsolen und einer Sitzecke. Außerdem konnte man durch eine Durchreiche einen Blick in die geräumige Küche erhaschen. Auch hier fehlte es an nichts. Modernste Technik und ein gefüllter Kühlschrank erwarteten uns. Rechter Hand führte eine Wendeltreppe nach oben, wo sich wahrscheinlich die Zimmer befanden. Wir schauten uns alle Zimmer an. Die ersten beiden mussten sich ein Bad teilen, das dritte und größte Zimmer verfügte über ein eigenes Badezimmer. Ein Zimmer war ein Singleroom und so schätzungsweise für Shinya vorgesehen, da er der einzige ohne Anhängsel hier war. „Mhh losen wir aus?“, schlug der Leader vor und Kyo gab nur ein genervtes Grummeln von sich. Doch die anderen nickten und so schrieb Toshi die Zimmernummern auf mehrere Zettel und warf diese in eine Glasschale. Darin wurden sie noch einmal durch gemischt und ich erhielt die ehrenvolle Aufgabe zu ziehen. Ich kniff die Augen zusammen und griff in die Schale. Natürlich hoffte ich auf uns. Ich warf Kyo einen hoffnungsvollen Blick zu und er riss mir den Papierfetzen ungeduldig aus der Hand. „Kazu, mach‘s doch nicht so spannend, ich hab keine Zeit für…oh“, entfuhr es ihm und seine düstere Miene erhellte sich augenblicklich. Die anderen zogen einen Flunsch. „War ja klar, dass du wieder so ein Glück hast Tooru“, murrte Die und erhob sich, um sein Zimmer mit Toshi zu beziehen. Kyo steckte seinem Gitarristen die Zunge raus, was mich zum Kichern brachte. Auch wir packten unsere Koffer aus und bestückten den Schrank mit Klamotten. Ich ließ mich in die weichen Kissen fallen und die angelehnte Tür zum Badezimmer erweckte meine vollste Aufmerksamkeit. Vom Bett aus hatte ich einen wundervollen Blick auf die geflieste Dusche, durch deren Glastüren man eine perfekte Aussicht hatte, wenn jemand darunter stand. Ich stellte mir Kyos nackten Körper unter den heißen Wasserstrahlen vor, wie er sich einseifte und seine Hände über seine Brust strichen. Verflucht, weiter sollte ich vermutlich nicht denken. Warum nur reichte alleine nur der Gedanke an diesen Mann, nackt, dass sich mein Körper völlig gehen ließ und gegen mich verschwor. Ich versuchte meine pulsierende Körpermitte zu ignorieren und beobachtete meinen schönen Sänger. Dieser breitete gerade seine Noten und Texte auf dem Sofatisch aus und begann diese zu sortieren. Ihn jetzt bei der Arbeit zu stören würde mich vermutlich Kopf und Kragen kosten. Deshalb erhob ich mich und beschloss den Rest der Villa zu erkunden. Kyo nickte nur stumm, als ich ihn von meinem Vorhaben in Kenntnis setzte. Das war so typisch. Schmunzelnd schüttelte ich mit dem Kopf. Als ich im Pool- und Saunabereich ankam, verschlug es mir ein weiteres Mal die Sprache. Denn er war doppelt so groß, wie in meinen Vorstellungen und das beste daran war, dass er nach draußen führte und man von dort aus einen atemberaubenden Blick ins Tal hatte. Ich konnte nicht anders, entledigte mich meiner Kleidung, die ich säuberlich auf eine der Liegen zusammenlegte und sprang ins kühle Nass. Das Wasser schmiegte sich an meinen Körper wie eine zweite Haut und ich tauchte ein Stück. Die Wellen, die durch meine Armbewegungen erzeugt wurden, schlängelten sich an meinen Seiten entlang. Ich spuckte ein bisschen Wasser aus, als mein Kopf durch die Oberfläche stieß. Die kalte Winterluft bitzelte auf meinem nassen Gesicht und ich schwamm bis an den Rand und genoss die Aussicht. Mein verträumter Blick schweifte über die bunten Lichter der fern liegenden Stadt und ich legte meinen Kopf auf meinen verschränkten Armen ab. Irgendwo im Haus klimperte jemand auf seiner Gitarre, vermutlich Kao, das Arbeitstierchen. Lustigerweise hatte ich in irgendwelchen Fanforen oder Berichten über die Band im Internet oft gelesen, dass der Leader tatsächlich viel Energie in seine Arbeit steckte, doch dass dem tatsächlich so war? Mit geschlossenen Augen lauschte ich der Musik im Hintergrund und ließ meine Beine im Wasser treiben. Der kleine Pessimist in mir nagte noch immer an mir und suchte irgendwo den Haken an der ganzen Sache, doch den schien es nicht zu geben. Kyo, der Sänger der legendären Band Dir en Grey liebte mich. Allein dieser Gedanke brachte mein Herz dazu Purzelbäume zu schlagen und ein Feuerwerk in meinem Körper zu zünden, das mich mit Wärme erfüllte. Einer Wärme, die ich so nicht gewohnt war und nicht kannte. Anfangs fühlte ich mich durch dieses starke Gefühl bedrängt und es beängstigte mich sogar, doch nun, da ich es zuließ, war es allgegenwärtig. Ein Plantschen hinter mir ließ mich herumfahren, doch ich konnte nur dunkelbraune Haare ausmachen von einer Person, die sich kraulend auf mich zu bewegte. Dann unter Wasser verschwand und neben mir auftauchte. Zero grinste mich verschmitzt an. „Hübscher Arsch“, amüsierte er sich und ich zuckte mit den Schultern, da ich noch nie ein Problem hatte mich vor anderen nackt zu zeigen. „Danke. Bist du nur deshalb in den Pool gekommen?“, gab ich ein bisschen provokant zurück. „Klar. Als würde ich mich jemals an Kyos Eigentum vergreifen…ich hab ja schon viel Blödsinn in meinem Leben angestellt, doch ein bisschen hänge ich auch daran…also, keine Panik. Außerdem steh ich eher auf ältere Männer“, zwinkerte er mir zu und ich grinste. „Kann ich verstehen…geht mir auch so. Bist du sonst eigentlich immer in Kyoto geblieben, wenn die Jungs ihre Aufnahmen machten?“ „Meistens schon und ich kann das auch verstehen…damals mit D‘espairs Ray empfand ich Beziehungen auch immer eher als lästig, weil man eben nie wirklich Zeit füreinander fand und wenn man dann mal ein paar Stunden fand, war es auch nicht richtig. Ich hab kein Problem damit, wenn die Jungs ihr Ding allein durchziehen wollen…dennoch hab ich es dir ein bisschen zu verdanken, dass wir uns auch in dieser Luxusvilla befinden…nicht ganz übel.“ „Ich kann das noch immer nicht ganz fassen…bis vor kurzem war mein Leben noch das reinste Chaos und jetzt? Wie zur Hölle ist das alles passiert Zero? Ich meine Kyo…ernsthaft? Das ist so krass aber auch wundervoll zugleich.“ „Haha…ich denke ich weiß, was du meinst. Ja vor allem Kyo, da hast du Recht…um ehrlich zu sein, macht er mir manchmal ein bisschen Angst. Ich begreife nicht so ganz, wie du mit ihm klar kommst…selbst Kao gerät oft an seine Grenzen und der einzige, dem er bislang wirklich vertraute, ist Shinya…irgendwas musst du also haben, was ihn fasziniert.“ Nachdenklich schlug ich leichte Wellen mit den Füßen. „Mhh, ich weiß…Shinya und Kyo stehen sich verdammt nahe…das ist selbst für mich manchmal nicht ganz einfach…aber ich weiß jetzt, dass sie sich brauchen…und so schlimm ist Kyo gar nicht…man muss nur wissen, wie man ihn zu nehmen hat und ich bin weiß Gott  nicht zimperlich. Ab und zu muss ich ihn aus der Reserve locken…dann kann er wirklich sehr lieb sein“, schwärmte ich ein bisschen für meinen Sänger und kam mir vor wie ein Teenie. „Mhh…damit hast du wohl recht. Hast du Lust was zu kochen? Langsam bekomm ich echt hunger.“ Ich nickte und wir schwammen wieder zum Beckenrand. Dort rubbelten wir uns mit den Handtüchern ab und ich schlüpfte wieder in meine Klamotten. Unsere Musiker arbeiteten schon am ersten Tag bis spät in die Nacht und ich schlief vor Kyo im Bett beim Lesen ein. Auch en Tag danach waren die Musiker lange vor mir auf den Beinen. Ich traf Zero in der Küche und wir frühstückten gemeinsam, schwammen ein paar Runden und zockten den ganzen Tag. Das war ein Leben, wie ich es mir, naja, vielleicht nicht gewünscht hatte, doch ich genoss es mit jeder Sekunde mehr.   Plötzlich drang ein wütendes Wortgefecht zu uns herauf. Herauf deshalb, weil sich das Studio eine Etage tiefer befand. Wir tauschten besorgte Blicke aus, denn es war nicht zu verkennen, dass sich unsere beiden Männer gerade mächtig stritten. Kyo rauschte schnaubend vor Wut an uns vorbei in unser Zimmer und Kaoru kam wenig später, nicht weniger erzürnt die Treppe hoch. Auch er schenkte uns wenig Beachtung und zog sich auf der Terrasse zurück um eine zu rauchen. Die anderen drei kamen scherzend und lachend aus dem Studio und holten sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Manchmal verwirrten mich diese unterschiedlichen Stimmungen zwischen den Jungs. Ich war der festen Überzeugung, dass Shinya Kyo bald folgen würde, doch im Gegenteil. Er ließ sich neben mir nieder und reichte mir einen Drink. „Alles gut?“, erkundigte ich mich ein bisschen besorgt. „Naja…mehr oder weniger…das übliche Drama zwischen den beiden Streithähnen. Das gehört schon fast dazu.“ „Und…willst du nicht nach ihm schauen?“, fragt ich vorsichtig. Der Drummer musterte mich lange und seine braun-grünen Augen fixierten mich. Dann seufzte er und ließ von mir ab. „Vielleicht solltest du das übernehmen Kazu…ich bin vermutlich nicht die Ablenkung, die er jetzt benötigt“, zwinkerte mir Shinya zu und automatisch errötete ich. Mit einem mulmigen Gefühl erhob ich mich, holte ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank und ging in unser Zimmer. Ein Klopfen hielt ich für überflüssig. Kyo zog sich gerade sein Shirt über den Kopf und fiel erschöpft auf das gemütliche Sofa. Ich setzte mich neben ihn und reichte ihm das Bier, welches er ohne Worte entgegen nahm. „Willst du lieber allein sein?“, erkundigte ich mich vorsichtig und sein eben noch so versunkener Blick traf den meinen. Seine Augen wirkten müde und ein bisschen eingefallen. Er trank einen Schluck und befeuchtete seine Lippen. Dann erst schüttelte er den Kopf. „Ich bin nicht sicher, was ich jetzt will.“ „Dreh dich um, mit dem Rücken zu mir“, bat ich ihn und er tat, wie ihm geheißen. Ich stellte meinen Drink auf den Abstelltisch und begann Kyo zu massieren. Erst zwischen den Schulterblättern und sofort entspannte er sich. Ich strich entlang seiner Wirbelsäule bis hinunter zu seinen Hüften und wieder hoch. Meinem schönen Sänger entfuhr der eine oder andere wohltuende Laut. Ich knete erneut seine Schultern, die mehr als verspannt waren und ich deshalb etwas fester zudrückte. Mit dem Daumen strich ich seinem Nacken entlang, worauf sich sein Kopf fast von allein nach vorne senkte, kraulte seinen Hinterkopf und hauchte zarte Küsse zwischen seine Schulterblätter. „Mhh, das könntest du wirklich öfter machen“, schnurrte Kyo und ich grinste. „Liebend gern…schließlich hab ich ja versprochen, dich zu verwöhnen, wenn ich mitkomme.“ Ich konnte sein Gesicht zwar nicht sehen, aber ich fühlte, dass er grinste. Meine Fäuste strichen entlang seiner Seiten und ich versuchte die verhärtete Muskelmasse ein bisschen zu lockern. „Was hast du heute eigentlich gemacht?“ „Mein Tag war unglaublich produktiv…ich habe eine sehr lange Wanderung hinter mir, wurde von wilden Bestien angegriffen, die gegen mich selbstverständlich keine Chance hatten und dann habe ich versucht zu angeln, aber ich bin nicht der geduldigste Mensch.“ „Wahrhaftig produktiv…muss ich mir Sorgen machen, dass du jetzt zu einem kleinen Nerd mutierst?“, ärgerte er mich, doch ich grinste. „Mhh, ich denke nicht…ich war heute Morgen mit Zero schwimmen, hab mich also nicht nur in fiktiven Welten herumgetrieben.“ „Freut mich, wenn ihr beiden euch versteht…“ Ich strich noch einmal entlang seiner Hüften, stellte meine Massage ein und trank einen Schluck. Langsam wand sich Kyo wieder mir zu und wirkte etwas entspannter. Ich schwang mich auf seinen Schoß und berührte mit den Fingern sein Gesicht. Die Haut am Kinn fühlte sich ein wenig rau an, was wohl an den Bartstoppeln lag, die man jedoch mit bloßem Auge kaum ausmachen konnte. Ich liebte es einfach ihn zu berühren, denn das machte mir wieder bewusst, dass er real war. Dieser dumme Gedanke ließ mich schmunzeln. „Warum grinst du so?“, fragte er mich. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hab nur mal wieder festgestellt, wie wunderschön du bist…nervt es dich, wenn ich dir sowas sage?“ Kyo schüttelte mit dem Kopf und nippte an seine Bier. „Es ist nur…manchmal kommt mir das alles noch so unreal vor und ich habe Angst aufzuwachen und dich nicht mehr an meiner Seite zu haben…ich kann mir nicht mehr vorstellen ohne dich zu sein Kyo…du erfüllst mich so sehr mit Glück, dass ich mich noch immer frage, was ich dir im Gegenzug dafür geben kann. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass du irgendwann ein Teil meiner kleinen unbedeutenden Welt wirst…und dir mit mir etwas aufbaust…“ Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen und er nahm meine Hand, führte sie an seine Lippen und verteilte liebevolle Küsse darauf. „Du fragst mich ernsthaft, was du mir geben kannst Kazuki? Genau das…du kannst dir nicht annähernd vorstellen, was deine Worte in mir bewirken…“, wisperte er. „Davon kannst du gern mehr bekommen…du hast gesagt, dass du Potenzial in mir siehst und ich sehe in dir den wundervollen Menschen, der du wirklich bist Tooru Nishimura…keine Frage, du bist ein begnadeter Musiker, aber andererseits bist du auch nur ein Mensch mit Gefühlen und ich liebe es, wenn du diese mit mir teilst. Mir sagst, dass du mich liebst, weil du es ernst meinst…und naja…dass ich dich unglaublich heiß finde und schon ein paar wenige Gedanken an dich ausreichen, damit ich fast verrückt werde, muss ich ja eigentlich nicht mehr erwähnen…Fakt ist, ich liebe dich Kyo und ich gebe dir hier und jetzt mein Versprechen, dass ich dir niemals weh tun werde. Denn dafür bist du mir zu wichtig.“ Mein schöner Sänger senkte seinen Blick und biss sich auf die Unterlippe. Rührten ihn meine Worte etwa zu Tränen? Das schockierte mich etwas, denn das hieß, dass sein Schmerz sehr tief saß. Doch konnte ich es schaffen seine unsichtbare Mauer einzureißen und den Kyo herauszulocken, der sich wirklich hinter dieser unsichtbaren Festung verbarg und nur ab und zu auf der Bühne zum Vorschein kam? Ich wünschte mir nichts sehnlicher. „Du bist unglaublich Kazu und…“ Er stockte und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Vorsichtig zog ich diese weg und sah ihn an. In seinen Augen glitzerten wahrhaftig kleine Tränchen, doch er lächelte mich an und dieses Lächeln ließ meine Endorphine tanzen. Noch nie hatte er mich so angesehen und dieser Blick brachte mein Herz zum Schmelzen. Eine einzelne Träne kullerte seiner Wange hinab, die er sogleich wegwischte. Sein Lächeln blieb. „Ja, unglaublich trifft es ziemlich gut…es ist nicht so, dass es mir in den letzten Jahren schlecht ging, doch ich wollte die Liebe hinter mir lassen…mich nie mehr binden, denn die Angst verletzt zu werden war zu groß. Kami trieb mich ins Verderben und Shinya holte mich nur mit Mühe zurück…seitdem gehe ich Beziehungen zu anderen Menschen aus dem Weg…und das seit fast zehn Jahren …wohl für manch anderen unvorstellbar…“ „Und warum ist das bei mir anders?“ „Weil du so rein uns unverdorben bist…dein zartes Wesen macht es dir möglich selbst solche verbitterten gefühllosen Männer wie mich weich zu kochen. Trotz der Rückschläge in deinem Leben hast du nie aufgehört zu kämpfen…nun ja und jetzt würde ich sagen sind wir quitt?“ Ich zog die Stirn in Falten und warf Kyo einen fragenden Blick zu. „In wie fern? Das versteh ich nicht ganz…“ Mein schöner Sänger seufzte und trank den letzten Schluck seines Bieres. „Du hast mir Einlass in deine Gefühlswelt gewährt…hast mich deine Mauer erklimmen lassen und ich fürchte bei mir ist dir eben dieses heute auch geglückt…und das allein mit ein paar Worten…du schreckst nicht vor meinen Launen zurück, sondern versucht zu mir durch zu dringen…das macht dich ab heute offiziell zum besondersten Menschen in meinem Herzen…ich schenke es dir, weil ich weiß, dass du sorgsam damit umgehst.“ Nun war ich derjenige, dem es die Sprache verschlug. Nur ein paar Worte ja. Doch Worte sind ein mächtiges Werkzeug und können zerstören oder Frieden schaffen. Menschen verbinden oder diese auf ewig voneinander trennen. Ich schluckte und war außer Stande das, was ich gerade fühlte zu beschreiben. In Worte zu fassen. Ich legte meine Hand auf Kyos Brust, dort wo sein Herz saß und mir entgegen schlug. Sein Herz, das nun auch mir gehörte. Ich lächelte und fühlte mich diesem einen Menschen, meinem wunderschönen Sänger so verbunden, so nahe wie noch nie. Das unsichtbare Band zwischen uns war stärker denn je und nun wusste ich, dass es durch nichts auf der Welt wieder gelockert werden konnte. Diese Liebe, die wir füreinander empfanden war einzigartig, besonders und unanfechtbar. Ich fühlte mich stark und würde alles daran setzen, um meinem Kyo zu zeigen, dass seine Entscheidung richtig war. Wir genossen diesen Moment der Ruhe. Keiner sagte etwas, denn das war auch nicht nötig. Ich nahm sein Gesicht wieder zwischen meine Hände und küsste ihn. Seine warmen vollen Lippen auf meinen. Was hier gerade passierte war Magie, Leidenschaft und der Beweis von tiefem, tiefem Vertrauen. Hatte ich mich vor nicht all zu langer Zeit noch darüber beschwert, dass ich ein bisschen eifersüchtig auf Shinya war? Dieser Gedanke kam mir jetzt so unnötig und absurd vor. Kyo knabberte an meiner Unterlippe. Hilfe, wie ich das liebte und wie schwach mich das gleichzeitig machte. Mein Herz schlug schneller gegen meine Brust und mein Blut geriet in Wallungen, dabei war es doch nur ein Kuss? Ich löste mich kurz von dem schönen Sänger. „Das überfordert mich jedes Mal…ohne scheiß…wie geht sowas?“, machte ich meinen Gedanken Luft. Kyo lachte nur und zog mich wieder an sich. Leckte mit seiner Zunge über meine Lippen und lieferte sich mit meiner Zunge ein heißes Gefecht. Die aufsteigende Hitze in mir wurde nahezu unerträglich und wieder war ich es, der Kuss löste, um meinen Pullover auszuziehen. „Es ist unglaublich süß, wenn du so kurz davor bist deinen Verstand zu verlieren…und verdammt erotisch, wenn du dich versucht dagegen zu wehren…“ „Als ob das möglich ist…“, raunte ich nur und fing seine Lippen wieder ein. „Meinst du es ist gerade jemand schwimmen?“, fragte Kyo dann und ich zuckte die Schultern. „Mh, wir können ja nachschauen.“ „Unbedingt…ich habe gerade mächtig Lust auf Poolsex…“ Himmel! Was trieb mich dieser Mann in den Wahnsinn. Zu unserem Glück lag der Poolbereich einsam und verlassen vor uns. Als hätte er nur auf uns gewartet. Kyo dimmte das farbige Licht, welches im langsamen Rhythmus von einer Farbe zur nächsten wechselte. Wild knutschend landeten wir mit einem „Platsch“ im Wasser. Unsere Klamotten lagen verstreut im Raum. Kaum, das wir wieder auftauchten suchten sich unsere Lippen wieder, wie zwei Magnete und die Leidenschaft wuchs, sodass wir auch nicht mehr sonderlich zaghaft miteinander umsprangen. Mit anderen Worten, manche spritzen sich Botox, bei mir sorgt Kyo für geschwollene Lippen. Ich kicherte leicht und wir lösten unseren Kuss einen kurzen Moment, um nach draußen zu schwimmen. Die Sterne leuchteten über uns und der Mond verströmte ein sanftes Licht, welches sich im Wasser spiegelte. Kyo fackelte nicht lange, küsste mich erneut und rieb sich an meinem Eingang. „Ohhh ja…tue es…“ „Ich reiz dich aber auch gern noch ein bisschen“, ärgerte er mich, doch am Klang seine Stimme merkte ich, dass ihn das sehr viel Selbstbeherrschung kostete. Seine Spitze drang weiter vor und ich keuchte. Wollte mehr und das wusste Kyo, doch er trieb mich zu gern in den Wahnsinn. Schon fast grenzwertig langsam bewegte er sich in mir, streifte minimal meinen lustvollen Punkt und zog sich wieder zurück. Ich wollte ihn endlich ganz in mir spüren, deshalb schlang ich meine Beine um seine Hüften, umfasste seinen Hintern und drückte ihn an mich. Auch ihm entfuhr ein Stöhnen und seine Stöße waren noch immer langsam, doch fordernder. Meine Nägel krallten sich in seine Schultern und unsere Körper bewegten sich im Einklang. Ich zögerte meinen Höhepunkt hinaus, weil ich dieses Gefühl zu sehr genoss. Noch hatte ich die Kontrolle über meinen Körper, wenn auch nur sehr geringfügig. Seine Lippen saugten an meinem Hals und seine Zähne gruben sich leicht in meine zarte Haut. Dann ließ er los und ergoss sich in mir. Keine Minute länger hätte ich durchgehalten. Nun nahm ich mir meine Belohnung und drang begehrend in ihn ein. Presste seinen Körper dabei an die geflieste Wand des Pools und gab mich meinem Orgasmus hin. Etwas benebelt trieb ich im Wasser umher, direkt in Kyos Arme. Eingekuschelt in unsere Bademäntel und frisch geduscht huschten wir wieder auf unser Zimmer.   Am nächsten Tag nach dem Frühstück nahm sich Kyo Zeit für mich, um mit mir über das neue Video Ranunculus zu sprechen. „Ich bin mir noch nicht ganz sicher, für welches Outfit ich mich entscheide, aber ich habe schon eine Idee, wie ich dich einbaue…und zwar hätte ich gern, dass du an einem Trapez oder ähnlichem über der Band schwebst…“ „Oookay…und ich tue da was?“ „Du schwingst deinen hübschen Hintern ab heute ins Fitnessstudio und übst gelenkig und biegsam zu werden. Naja, ein bisschen mehr Körperspannung tut es auch.“ Kyos ernster Blick machte mir ein bisschen Angst, denn er sagte mir, dass mein Liebster keinesfalls scherzte. Hier ging es um Arbeit und er wollte, dass ich das tat. „Und lass mich raten, das Fitnessstudio befindet sich zufällig auch hier?“ „Richtig…wir können auch gern zusammen gehen. Es ist weniger ein Studio, eher ein Raum, der über ein paar Geräte verfügt, die dennoch effektiv sind.“ Ich blies die Backen kurz auf und ließ die Luft wieder raus. Naja, das hatte ich doch vorher gewusst, welches Dir en Grey Video war schon normal? Jedes hatte seinen ganz eigenen Charakter und ich fühlte mich ja insgeheim geehrt ein Teil dieser Welt zu sein. „Schön, wann legen wir los?“ „Heute Nachmittag. Ich wollte jetzt noch kurz in die Stadt fahren um ein paar Sachen einzukaufen.“ Im Wohnzimmer hatten sich schon die restlichen Diru Members versammelt. Kyo spazierte gut gelaunt zu seinen Jungs und teilte auch ihnen mit, dass er kurz in die Stadt fahren wolle. „Begleitest du mich Kao-chan?“, wandte er sich dann an seinen Leader, welcher überrascht zu seinem Sänger aufblickte. „Ähm, klar. Braucht sonst noch jemand was?“, richtete er sich an die Runde. „Denke nicht…ihr zwei macht das schon“, meinte Toshiya. Kyo kam noch einmal grinsend auf mich zu und zog mich in einen Kuss. „Bis später Süßer…ich freu mich schon auf nachher.“ „Mh, ich bin noch nicht sicher, ob ich mich freue…ich hab ein bisschen angst“, scherzte ich und mein Liebster lachte. Dann verschwand er mit Kaoru und ich kochte mir einen Kaffee, holte meine Gitarre und muszierte ein bisschen, damit die Saiten der alten Dame nicht einstaubten. Shinya leistete mir Gesellschaft und lauschte meiner Musik einer ganzen Weile. Erst als ich eine Pause einlegte merkte ich seinen Blick auf mir ruhen. Plötzlich stand er auf, setzte sich neben mich und zog mich in eine unerwartete Umarmung. Das überraschte mich sehr, denn ich wusste nicht, wofür diese war. Tränen glitzerten in seinen Augen, als er von mir abließ und er schien mit seiner Beherrschung zu kämpfen. „Alles okay mit dir?“ Der Drummer nickte und fuhr sich leicht nervös durch die blonden Haare. „Ich wollte mich bei dir bedanken Kazu, denn was auch immer du gestern mit Tooru gemacht hast…es schien richtig gewesen zu sein…er…er war heute so verändert…so als würde seine Lebensfreude zurückkehren…es tut gut ihn so zu sehen…nach all den Jahren…“, flüsterte Shinya mit erstickter Stimme und wischte sich die Tränen weg. „Nach so langer Zeit hatte ich fast vergessen, wie schön es klingt, wenn Tooru lacht…ich habe sein Lachen so schrecklich vermisst…es ist ein Geschenk, dass ihr euch begegnet seid…“ Wieder zog er mich in die Arme und drückte mich an sich. Zum ersten Mal nahm ich seinen Geruch wahr. Eine Mischung aus Haarspray, süßlichem Parfum und Weichspüler. Noch nie zuvor war ich dem Drummer so nahe gewesen und seine Worte rührten mich zutiefst, dass auch ich mit den Tränen kämpfte. „Was geht denn bei euch beiden ab Shin-chan?“, fragte Toshiya ein wenig besorgt, doch er Drummer lächelte. „Ist dir heute nichts aufgefallen Toshi?“ Der Bassist überlegte einen Moment und zog die Stirn nachdenklich in Falten. Daisuke legte die Hand auf die Schulter seines Liebsten. „Ich glaub Tosh steht wieder auf dem Schlauch…auch mir ist es nicht entgangen Shini und da ist unser Kleiner hier wohl nicht ganz unbeteiligt gewesen.“ Mir stieg wieder Mal eine leichte Röte ins Gesicht. „Kann mich jetzt gefälligst jemand aufklären, du weißt genau wie sehr ich es hasse im Dunklen zu tappen Die…“, beschwerte sich der Bassist und funkelte seinen Gitarristen beleidigt an. „Ich persönlich finde es schöner, wenn du es von alleine herausfindest mein Schatz.“ Toshiya rollte mit den Augen und wehrte sich gegen Dies Annährungsversuche. Jetzt schmollten beide. Lachend schüttelte ich mit dem Kopf. Die beiden setzten sich zu uns und wir spielten Autorennen gegeneinander. Der Bassist fluchte mehr als sonst, weil er fast jedes Mal verlor und das eine Mal ließ ich Toshi mit Absicht gewinnen. „Ich glaube du hast es nicht bemerkt, weil du nur wieder Augen für mich hattest“, zog Die seinen Freund auf. „Du arroganter Vogel“, schimpfte der Bassist und wir lachten. Da umfingen uns drei zwei Arme und Kyo gab erst mir und dann Shinya einen Kuss auf die Wange. Dann rollte er sich über die Sofalehne auf uns, sodass er mit dem Oberkörper auf Shinya und mir landete und mit den Füßen auf Toshiyas und Daisukes Beinen. Breit grinsend beäugte er uns. „Kao-chan…ich mag auch Tee haben bitte“, rief er in die Küche. „Alles klar“, kam es aus der Ferne zurück. Kyo setzte sich dann auf, schob mich ein Stück vor und nahm mich zwischen seine Beine. „Ich will auch Mal spielen.“ „Super Idee…vielleicht lenkt dich das ja von deinen Folterplänen ab“, bemerkte ich und stellte fest, dass es vermutlich besser gewesen wäre die Klappe zu halten. „Du hast es so gewollt Süßer, also halt den Mund und füge dich deinem Schicksal.“ Während er konzentriert das Rennen fuhr verirrten sich seine Lippen immer Mal wieder in meinen Nacken, was mir eine leichte Gänsehaut bereitete. „Tooru…wie fändest du es, wenn wir morgen Abend ein bisschen feiern? Immerhin ist morgen dein Geburtstag“, schlug Toshiya vor. Ich erstarrte zur Salzsäure. Verdammt, das hatte ich völlig vergessen, obwohl ich seit Jahren wusste, an welchem Tag Kyos Geburtstag war. „Können wir gern tun…immerhin ist es unser Tag Toshi…“ „Warum euer Tag?“, fragte ich neugierig. „Weil Tooru mich damals meiner alten Band abgeworben hat und das auf sehr charmante Art und Weise.“ „Haha, du wolltest doch eh zu uns kommen, weil wir es mehr drauf hatten als deine…wie hießen die gleich noch Mal? Ich kann mir den Namen einfach nicht merken.“ „Go:Sick?“, kam es vom Diru Leader, der die dampfende Teetasse vor seinem Sänger auf den Tisch stellte. „Oh erinnert mich bitte nicht daran…ja, die waren echt grottig. Naja, ich lernte die Jungs an Toorus Geburtstag kennen und etwa zwei Wochen später hab ich dann den Vertrag bei Dir en Grey unterzeichnet.“ Wir stellten unser Rennen ein und ich lehnte mich an meinen hübschen Sänger. Seine Hände ruhten auf meinem Bauch und schoben sich sicher nicht ganz zufällig unter mein Shirt. Sein Daumen strich über meine Hüfte und ich sollte mich dringend ablenken, deshalb erhob ich mich. „Ich geh jetzt trainieren kommst du mit?“, forderte ich meinen Liebsten auf. Dieser leerte seinen Tee und folgte mir.   Zu Beginn dehnten wir uns etwas, stemmten Gewichte und übten uns in Ausdauer. Das alles war noch erträglich. Doch dann ging es an weitere Dehnübungen via Power Plate, was durch seine Vibrationen dazu in der Lage war Muskeln zu dehnen und auf eine ganz bestimmte Art zu beanspruchen, wie es anders fast nicht möglich war. Diese Übungen dauerten jeweils immer nur ein paar Minuten, doch danach war mein Körper schweißnass und ich total erledigt. Kyo und Kaoru und Die wollten noch eine Proberaumsession veranstalten, doch ich kuschelte mich zu Toshi, Shinya und Zero auf’s Sofa. Schon jetzt verfluchte ich Kyo, denn morgen würde ich sicher Muskelkater des Grauens haben. „Ich weiß jetzt übrigens, was ihr heute Nachmittag meintet“, wand sich Toshi an mich. „Mhh?“, entfuhr mir nur ein müder Laut. „Du glaubst nicht, wie viel es uns bedeutet, dass du uns den Tooru zurückbringst, der er einmal war…naja zumindest so ähnlich…wir haben dich alle sehr lieb Kazu-chan.“ „Ich euch…auch…“, flüsterte ich und mein Kopf sank in Shinyas Schoß. Die Augen konnte ich kaum mehr aufhalten und irgendwann fiel ich in einen tiefen Schlaf. Später wachte ich kurz auf, weil mich jemand irgendwohin trug und mich vermutlich ins Bett legte. Als ich Kyos Wärme spürte, schmiegte ich mich an seinen Körper und schlief erneut mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Kapitel 14: ...and ever...ever...ever ------------------------------------- Da wir uns mit dem Einkaufen abwechselten, fanden es Zero und ich nur fair, wenn wir uns auch Mal einbrachten und die Jungs in Ruhe proben konnten. Mein Liebster dankte mir und fügte Zigaretten auf der Einkaufsliste hinzu. Doch ich wollte nicht nur nach Tokio fahren, um Lebensmittel zu besorgen, nein ich verfolgte noch einen anderen Plan, von dem ich Zero im Auto erzählen musste. Kyo zog mich in einen letzten innigen Kuss, der mir schon wieder fast den Verstand raubte und entließ mich dann in die Freiheit. Ähm nein, Quatsch, zum Auto. Naja, wobei Freiheit war gar nicht Mal so abwegig, denn schließlich hatte ich seit unserer Ankunft vor einer Woche das Anwesen nicht einmal verlassen. Okay, bis zum Garten davor war ich gekommen, aber weiter nicht. Also dann wohl doch Freiheit, aber ich hatte ja vor zurückzukommen. Ein bisschen benommen von dem Kuss, der noch immer auf meinen Lippen kribbelte, stieg ich ins Auto und schnallte mich an. Zero beäugte mich mit einem amüsierten Grinsen. „Was?“, fuhr ich ihn genervt an. „Ihr beiden seid wirklich süß und man kann dir wirklich an der Nasenspitze ansehen, dass du hoffnungslos verknallt bist.“ „Na und? Öhm, wir müssen nachher übrigens noch wohin…in der Nähe von dem Combini ist doch ein Tattoo und Piercingstudio. Da müssen wir hin. Oder bessergesagt ich muss da hin.“ „Oh…und was willst du dir stechen lassen?“ „Nippelpiercing…wollte ich schon lange, hatte aber nie das Geld dafür…naja und jetzt, wo ich bei Kyo wohne, konnte ich ein bisschen Kohle zur Seite legen.“ „Na dann. Aber erst einkaufen okay? Weil alleine schleppe ich das Zeug nicht.“ „Schon klar.“ Wir brauchten nicht lange in die Stadt und um die Uhrzeit war es im Combini sogar recht leer. Zum Glück. Wir besorgten Gemüse, Knabberzeug, Nudeln und Reis, sowie Getränke. An der Kasse standen nur zwei Personen vor uns. Zero übernahm die Rechnung, wofür ich ihm mit einem freundlichen Blick stumm dankte. Dann schlugen wir den Weg zum Piercingstudio ein. Zugegeben war ich jetzt leicht nervös, weil ich schon von vielen gehört hatte, dass das Piercen gerade in den Brustwarzen sehr schmerzhaft sein konnte. Wir mussten einen Moment auf dem schwarzen Ledersofa platz nehmen. Dann kam eine ziemlich zutätowierte kleine Japanerin mit knallpinken kurzen Haaren auf mich zu und lächelte freundlich. „Hey, was kann ich für euch tun?“, fragte sie und ich machte sie mit meinem Anliegen vertraut. Sie wies mich an mit zu der Liege hinter der Trennwand im hinteren Teil des Studios zu kommen. Dort zog ich mein Shirt aus und legte mich auf die Pritsche. Zunächst zog sie sich Handschuhe über und desinfizierte meine Brustwarzen mit Spray. Während ich so da lag und wartete, bereitete sie die Nadel vor, doch ich wendete meinen Blick ab, weil ich das nicht sehen konnte. Ich hasste Nadeln. „Hast du schon irgendwelche Piercings?“, fragte sie schließlich, um ein bisschen Smaltalk anzuregen, was ich nicht ganz verkehrt fand. „Jepp…einen Prinz Albert…ich hoffe das jetzt wird weniger schmerzhaft.“ Sie lachte nur und kam jetzt zu mir. „Das kann ich dir leider nicht beantworten. Ich mach auch schnell…versprochen.“ Sie setzte mit einem Stift zwei Punkte an einem meiner Nippel an und fragte, ob es denn so okay sei. Ich nickte und kniff die Augen zusammen. Das pinkhaarige Mädel meinte, dass Stäbe anfangs besser zum Verheilen wären. Ich nickte nur. „Bereit?“, erkundigte sie sich dann und wieder nickte ich. Meine Zähne bissen leicht in meine Unterlippe als die Nadel durch meine Nippel stach und ein kurzer stechender Schmerz durchzuckte meinen Körper. Ein weiteres Mal ziepte es, als der Stab durchgezogen wurde. Naja, das war noch im Rahmen des Erträglichen. Auf der linken Seite fand ich es dann gar nicht mehr so schlimm. Schließlich öffnete ich meine Augen wieder und betrachtete meinen neuen Körperschmuck. Und ich musste feststellen, dass ich mich schon ein bisschen sexy fand. Zufrieden grinste ich die Piercerin an und sie gab mir noch ein braunes Fläschchen mit Desinfektionsmittel mit. Wir gingen wieder zur Empfangstheke und ich bezahlte. Grinsend schritt ich auf Zero zu. „Na dann, los geht’s“, forderte ich ihn auf. Mein Freund warf mir einen neugierigen Blick zu. „Jetzt zeig schon…ist ja nicht so, dass ich dich noch nie nackt gesehen habe.“ Ich lachte und schob mein Shirt nach oben. Zero hob anerkennend seinen Daumen. „Na gefällt es deinem Freund?“, erkundigte sich das pinkhaarige Mädel und sofort stieg mir eine leichte Röte ins Gesicht. Sie dachte wohl, das Zero und ich ein Paar waren? Ich wollte schon wiedersprechen, doch der Ex-Bassist kam mir zuvor. „Ähm…ja, sehr sexy. Komm jetzt Schatz, wir haben noch viel vor“, gab der Schwarzhaarige zurück, zwinkerte dem Mädel zu und hakte sich bei mir unter. Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, doch er amüsierte sich köstlich. Als wir draußen waren, riss ich mich von ihm los und hielt ein bisschen Abstand. Doch er kicherte noch immer. „Ach komm schon Kazu, das war witzig. Ich sag Kyo auch nichts, keine Angst.“ Ich schüttelte nur genervt mit dem Kopf und stieg ins Auto. „Ja okay du Witzbold…ein bisschen lustig war’s. Nur solche spontanen Aktionen überfordern mich manchmal…Kann ich dich was fragen?“ Zero schaute mich skeptisch an und nickte. „Klar…schieß los.“ „Findest du mich hübsch? Also einfach von Freund zu Freund…nicht sexuell oder so…“ Ich vernahm ein leicht affektiertes Hüsteln neben mir. „Oookay…sagen wir es Mal so, wenn ich meinen Chaos-Kao nicht hätte, würde ich dich sicher nicht von der Bettkante stoßen. Du bist zum Anbeißen süß Kazuki…doch ich glaube dahinter steckt viel mehr. Mach dir keine Sorgen um dein Aussehen, denn das hast du sicher nicht nötig…und nett bist du noch dazu, also. Zerbrich dir dein hübsches Köpfchen nicht mehr wegen solchen Sachen.“ „Danke…“, erwiderte ich etwas schüchtern und geschmeichelt zugleich. Meine neuen Schmuckstücke ziepten leicht und als wir zurück in unserer Luxusvilla waren, träufelte ich noch ein bisschen von dem Desinfektionsmittel drauf. Kyo und seine Jungs schienen noch im Proberaum zu Gange zu sein, deshalb beschlossen Zero und ich schon Mal mit Kochen loszulegen. „Hast du Lust deinen Liebsten ein bisschen zu reizen?“, fragte mein Freund schon fast ein bisschen bösartig und grinste wie der Wolf im Schafspelz. „Und wie?“ „Komm mal mit“, sagte er und zog mich in sein und Kaorus Zimmer. Dort wühlte er im Schrank umher und zog ein Langarmshirt in Netzoptik heraus. Er hielt es hoch. Nun grinste auch ich und wusste sofort, worauf er hinauswollte. Schon oft hatte ich mir überlegt ein solches Oberteil zu kaufen, es allerdings nie getan. Zero warf es mir zu. „Zieh es an und ich verspreche dir…Kyo wird wahnsinnig.“ Ich tat, wie mir geheißen und fühlte mich erstaunlich gut. Trotzdem zog ich meine schwarze Kapuzenjacke noch drüber, denn so halb nackt fröstelte es mich dann doch ein wenig. Wir entschieden uns Gemüsecurry zu kochen und als das Essen im Wok brutzelte, gönnten wir uns noch eine Zigarette auf der Terrasse. Die Musik im Proberaum war verstummt und wir hörten die Jungs die Treppe hinaufkommen. Mein Herz schlug ein bisschen schneller. Shinya, der sonst so oft das Kochen übernahm beäugte unser Werk und schien mehr als zufrieden. „Mh, ich glaube aus dir wird noch ein hervorragender Hobbykoch Kazu-chan“, sagte er fröhlich und gab mir einen Kuss auf die Wange. Mein Liebster war noch in einem Gespräch mit seinen Jungs vertieft. Auch Kyo lief heute einigermaßen freizügig herum, denn die Jacke seines Trainingsanzuges hatte er nur bis zur Hälfte geschlossen, sodass seine Tätowierungen ein bisschen hervor lugten. Wie gerne würde ich ihn jetzt streicheln und küssen. Doch das musste wohl bis nach dem Essen warten. Wir deckten den Tisch noch und dann kamen alle zum Abendessen. Durch das Feuer im Kamin wurde mir dann doch ziemlich heiß und ich entledigte mich meiner Jacke, presste recht amüsiert meine Lippen zusammen und tat so, als wäre alles ganz normal. Allerdings entging mir nicht, dass mich Kyo mehr als sonst anstarrte und als sich unsere Blicke trafen, nickte er in Richtung meines Outfits. Unschuldig zuckte ich mit den Schultern und versuchte mich im Zaum zu halten. Wie gern hätte ich ihn jetzt nackt in unserem Zimmer. Wir quatschten noch ein wenig über den Tag und dann standen Zero und ich auf, räumten alles in die Spülmaschine und beschlossen noch eine Runde zu zocken. Toshi und Die verabschiedeten sich in die Sauna, der Rest gesellte sich zu uns. Mein schöner Sänger ließ sich neben mir nieder und lehnte seinen Kopf an meine Schulter, während ich dabei war bei Tony Hawk ordentlich abzuloosen. Allerdings lag das weniger an Tony Hawk, nein, eher traf Kyo die Schuld, denn seine Hand wanderte unter mein freizügiges Oberteil und streichelte mir über die Seite. „Wenn du vorhattest mich in den Wahnsinn zu treiben, muss ich dich beglückwünschen mein Süßer…ich weiß nicht, wie lange ich mich noch beherrschen kann“, flüsterte er mir ins Ohr und ich musste grinsen. „Vielleicht hab ich aber auch einfach Lust dich noch ein wenig zu reizen…ich muss sagen, es hat was von dir so angeschmachtet zu werden“, gab ich zurück. „Oh du bewegst dich auf dünnem Eis Liebling…mhh da fällt mir ein, ich hab auch noch eine Überraschung für dich.“ „Das ist fies…dabei wollte ich nur einmal die Oberhand haben“, murrte ich und Kyo schenkte mir ein unschuldiges Lächeln. „Tut mir leid mein Herz…die geb ich nicht so gerne ab.“ Ich merkte, wie uns die anderen drei beobachteten, deshalb gab ich den Kontroller an Zero weiter, der mir nur zuzwinkerte. Wir zockten dann noch eine Runde Autorennen gegeneinander und dann beschlossen auch Kao und Zero ins Bett zu gehen. Als letzter verabschiedete sich Shinya und nun waren wir alleine. Der Ausdruck in Kyos Augen änderte sich schlagartig und das dunkle braun verfärbte sich fast schwarz. „Hab ich eigentlich Mal erwähnt, dass ich voll auf Tattoos und Piercings stehe?“, raunte er mir zu und drückte mich mit dem Rücken in die Polster, sodass wir beinahe übereinander lagen. „Mhh, das dachte ich mir schon…deshalb wollte ich dir einen kleine Freude bereiten.“ Kyos Finger berührten meine Nippel und ich stöhnte auf, weil ein süßer Schmerz meinen Körper durchzuckte. Mein Liebster lachte amüsiert und begann kleine Küsschen am Hals und am Schlüsselbein zu verteilen. Als seine vollen Lippen meine Nippel umschlossen und er dann auch noch mit der Zunge den Stab hin und her schob, entfuhr mir ein Lustschrei, den ich im Kissen versuchte zu ersticken. „Ohhh…fuck…vielleicht sollten wir auf unser Zimmer gehen“, schlug ich vor und mein schöner Sänger stimmte mir zu. „Geh schon Mal vor, ich komm gleich…muss noch was holen.“ Etwas benommen wackelte ich ins obere Geschoss und ließ mich auf’s Bett fallen. Verflucht, ich hatte ja schon geahnt, dass das unserem Sexleben noch ein bisschen mehr einheizen würde, aber so? Ich spürte Kyos Zunge noch immer an meinen Brustwarzen und dieses Gefühl berauschte mich, sodass ich wieder dieses Kribbeln in meinen Händen fühlte, das dann langsam den Armen hochwanderte und sich im Rest des Körpers verteilte. Mein Liebster schloss die Tür hinter sich und zog sich bis auf die Unterhose aus. Ich konnte die Beule unter dem Stück Stoff deutlich ausmachen und leckte mir lüstern über die Lippen. Dann beugte er sich über mich und küsste mich, voller Gier und besitzergreifend, wie ich es liebte. Oh ja, ich wollte nur noch diesem einen Mann gehören und wenn das hieß ihn gelegentlich in den Wahnsinn zu treiben. Auf einmal spürte ich etwas Kaltes an meinen Nippeln und sog die Luft scharf ein. „Es heißt doch immer, kleine Verletzungen soll man kühlen oder?“, neckte er mich und schob den Eiswürfel mit der Zunge über meine Oberkörper. Wieder berührte er die Stäbe und ich keuchte auf, wand mich unter ihm, weil ich es kaum noch aushielt. „Oh…Kyo…ich dreh…durch“, gab ich lusterfüllt von mir. „Das möchte ich doch hoffen…“ Langsam schob er das Netztop nach oben, sehr vorsichtig, damit er nicht an den Piercings hängen blieb und streifte es über meinen Kopf. Wieder küssten wir uns und ich wollte ihn schmecken, leckte über seine Lippen und schon schlängelte sich seine Zunge um die meine. Seine Hand strich weiter über meinen Körper, streichelte entlang meiner Seiten und reizte meine Nippel noch mehr. Wieder stöhnte ich in den Kuss hinein und rieb mich an seiner Härte, was auch meinem schönen Sänger einen Laut der Lust entlockte. Er löste sich von meinen Lippen und küsste mich überall. Wieder biss ich mir auf die Unterlippe, als sich seine Zunge wieder seinem neuen Lieblingsspielzeug widmete. Meine Erregung pochte schon fast schmerzhaft in meiner Hose und doch genoss ich diese bittersüße Folter. „Mal sehen, ob du Flittchen wieder keine Unterwäsche trägst…“, witzelte er, doch ich wusste, dass ihn das wahnsinnig an machte. Meine Brust hob und senkte sich schnell, vor Erregung. Ich schaute hinab zu Kyo, wie er mich von meiner Hose befreite und ihm mein Schwanz förmlich entgegensprang, als er das störende Kleidungsstück über meine Beine zog. „Verdammt Kazu…du bringst mich wirklich um den Verstand…gerade bin ich so verrückt nach dir…“, raunte er mir zu und verrieb den Lusttropfen und leckte ihn mit der Zunge ab. Dabei spielte er mit dem Piercing an meiner Eichel. Ich wollte ihn so gern beobachten, während sich mein Schwanz in seinem Mund versenkte, doch so langsam begann es vor meinen Augen nur noch zu flimmern, die Umrisse wurden unscharf und ich sah Sternchen. Und dann tat er etwas, was er noch nie zuvor getan hatte. Seine Zunge wanderte an meinen Oberschenkel entlang, wobei er mir wieder Mal einen saftigen Knutschfleck verpasste, bis hin zu meiner Öffnung. Dort versenkte er sie in meinem Loch und ich schrie auf vor Lust, krallte mich mit den Händen in die Laken und bäumte mich auf. „Ohhh…ahh…verflucht fühlt sich das…geil an…oh Gott…Kyo…“ Und noch ein Stück tiefer. Ich konnte kaum noch an mich halten und wand mich. In meinem Kopf drehte sich alles und ich wusste kaum noch, wo oben und unten war. „Ich fürchte ich muss dich jetzt vögeln…“, kam es über Kyos Lippen auch das leichte Beben in seiner Stimme verriet, dass auch er am Rande seiner Selbstbeherrschung angelangt war. „Ohh bitte…“, flehte ich ihn deshalb an. Das ließ er sich nicht zwei Mal sagen und schon spürte ich sein hartes Glied an meinem Eingang, voller Vorfreude ihn endlich in mir zu spüren. „Langsam oder schnell?“, fragte er mich dann noch und ich war kaum in der Lage ihm darauf zu antworten. Doch er schien zu verstehen und sein erster Stoß ließ uns beide aufstöhnen. So verharrten wir einen kurzen Moment und dann begann sich mein Liebster quälend langsam in mir zu bewegen, wobei er meine Prostata mit einer Intensität streifte, die mich vollends aus der Realität katapultierte. Ich griff wohl eher unbewusst nach seinen Oberschenkeln und lenkte somit das Tempo. Seine Stöße wurden schneller und mein Puls beschleunigte sich. Doch dann wurde er wieder langsamer. Was trieb dieser Teufelskerl heute nur mit mir? Ich befand mich definitiv kurz vorm Höhepunkt, doch er ließ mich nicht kommen. „Kazu…ich liebe dich…so sehr…“, hörte ich ihn sagen und automatisch grinste ich. „Quälst du mich deshalb…so?“, fragte ich und Kyos Lippen verzogen sich schon fast zu einem diabolischen Lächeln. „Vielleicht…du bist so wunder…schön…“ Seine Hände strichen über meinen Bauch, er umfuhr die Konturen meiner Hüftknochen und schließlich wieder meine Erregung und den Ring dort. Mit einem befreienden Lustschrei ergoss ich mich in seiner Hand. Doch geil war ich noch immer. Er beschleunigte seine Stöße wieder und ich konnte beobachten wie sich mein Schwanz schon wieder härter wurde. Zwar nicht so extrem wie zuvor, doch immerhin. Mein schöner Sänger hielt sich jetzt nicht mehr zurück und er versenkte sich tief in mir. Schneller und härter, bis ich erneut Sternchen tanzen sah und wir fast zeitgleich unseren Höhepunkt erreichten. „Was zur Hölle…war das…mein Gehirn ist völlig Matsch…“ Kyo lachte herzhaft und küsste mich sanft. „Ich glaube das nennt man Liebe, mein Schatz.“ Ich lächelte ihn liebevoll an. „Seit wann bist du eigentlich so verdammt kitschig? Das ist ja fast süß…“ „Mh, für dich bin auch gern Mal süß…aber wehe du sagst den anderen.“ „Niemals…ich liebe dich Kyo…so sehr“, sagte ich und zog ihn wieder zu mir, um seine wundervollen, weichen Lippen zu küssen. „Du bist ein bisschen verrückt, weißt du das?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und schaute ihn fragend an. „Warum denn das?“ „Weil du mich liebst, deshalb…“ Ich seufzte und wüsste manchmal zu gerne, was ihm durch den Kopf ging, wenn er sowas zu mir sagte. Sanft strich ich über seine Wange und küsste seinen Totenkopf auf der Brust. „Kyo…das ist nur die Wahrheit…du bist der schönste Mann der Welt. So einzigartig und verflucht heiß…ich möchte dich am liebsten den ganzen Tag nackt um mich haben, weil ich mich an deinem Körper nicht satt sehen kann…“ Wieder lächelte er mich mit diesem verliebten, verruchten Lächeln an. „Ich sag ja, du bist verrückt…mein wundervoller verrückter Liebling…kommst du mit unter die Dusche?“ „Wenn du mich trägst? Ich fürchte meine Beine sind zu Pudding geworden.“ Mein schöner Sänger hob mich tatsächlich hoch, doch er brachte mich nicht in die Dusche, sondern in die Badewanne. Auch eine schöne Idee. Er suchte noch ein paar Kerzen zusammen und stellte diese auf dem Badewannenrand ab, zündete sie an und ließ sich hinter mir ins Wasser gleiten. Ich lehnte mich zurück und schaute zu, wie sich der Schaum vermehrte und das Wasser stieg und uns einhüllte. Wohlige Wärme umfing mich und mir entfuhr ein ebenso wohliger Laut. Kyos Hände ruhten auf meinem Bauch und seine Daumen streichelten sanft über meine Hüfte. „Kyo?...ich…kann ich dich was fragen?“, platzte aus mir heraus und seine Lippen liebkosten sanft meinen Nacken. „Alles, was du willst Kazu…“, hauchte er in mein Ohr und ich bekam eine leichte Gänsehaut. „Hast du damals…naja in deiner schlimmen Phase…hat man da irgendwas diagnostiziert?“ Seine Brust hob und senkte sich unter mir, als er ein und wieder ausatmete. Ich hoffte er nahm mir diese Frage nicht übel, denn mit der Antwort ließ er sich Zeit. „Ich weiß es nicht, weil ich deshalb nie einen Arzt aufgesucht habe…aber ja, ich vermute eine psychische Störung…und du solltest dir auch im Klaren sein, dass die noch immer existent ist.“ Ich drehte mich um, setzte mich auf seinen Schoß, weil ich ihn anschauen musste. Auf einmal wirkten seine Augen traurig und ein schon fast ängstlicher Ausdruck spiegelte sich darin. „Mich stört das nicht…deshalb liebe ich dich nicht weniger…ich war damals ne Weile in Behandlung…nicht sehr lange, einfach weil ich völlig zusammengebrochen bin…Sota hat mich in die Klinik geschleift und der Psychologe dort hat mir nahe gelegt eine Therapie zu beginnen…aber ich wollte nicht…“ Ein schmales Lächeln umspielte seine Lippen und entblößte seine Zähne. „Mh…ich bin nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist…aber Fakt ist, falls du merken solltest, dir geht es nicht gut…rede mit mir. Meine Stimmungsschwankungen sind dir ja mittlerweile vertraut…früher war das viel heftiger, doch ich glaube jetzt haben wir uns Kazuki…und ich bitte dich um einen Gefallen…wenn du irgendwas nicht verstehen solltest, egal was, sprich es an. Wie schon Mal erwähnt, ich bin nicht der Mann, mit dem du eine Beziehung führen solltest und doch möchte ich nichts anderes…findest du mich deshalb egoistisch?“, fragte mich mein schöner Sänger und die Sanftheit in seiner Stimme überwältigte mich derart, dass es mir fast schon wieder die Tränen in die Augen trieb. Ich strich über seine Wange. „Das hat nichts mit Egoismus zu tun…warten wir nicht alle darauf geliebt zu werden?“ „Ich weiß es nicht…würdest du mich auch lieben, wenn ich nicht der Sänger von Dir en Grey wäre?“ Und wieder sah ich diesen Schmerz in seinem Blick. „Natürlich…Kyo, ich liebe dich weil du du bist. Klar mag ich auch deine Musik, aber hauptsächlich liebe ich dich deinetwegen…dich mit deinen zahlreichen Facetten. Du bist der wundervollste Mensch, den ich jemals kennengelernt habe und ich sage dir das gerne jeden Tag, wenn du es mir nicht glaubst.“ Jetzt hellte sich seine Miene wieder auf. „Ist dir meine besitzergreifende Art nicht zu viel?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und lächelte. „Um ehrlich zu sein genieße ich es sogar…es fühlt sich toll an so geliebt zu werden. Ohhh Mann, heute ist wirklich Kitschtag…was tust du nur mit mir? Manchmal habe ich echt das Gefühl in deiner Gegenwart ist mein Gehirn einfach Brei…unfähig zu denken und es kommt nur Schwachsinn und Liebesgesülze.“ Mein hübscher Sänger brach in schallendes Gelächter aus und zog mich einen Kuss. „Ich find das ziemlich süß…da fällt mir ein, wir haben heut dein Training ausfallen lassen.“ Keiner Schuld bewusst hielt ich mir die Hand vor den Mund und tat ganz überrascht. Natürlich kaufte mir Kyo das nicht ab. „Kazuki! Das hast du mit Absicht vergessen!“, fuhr er mich empört an, doch ich wusste, dass er nicht wirklich böse auf mich war. „Upsi! Hab es wohl zwischen der ganzen Vögelei vergessen…morgen wieder, versprochen.“ „Du bist ein unmöglicher Kerl…“ Schüttelte er belustigt den Kopf. „Tja und ab jetzt für immer dein Problem“, konterte ich und Kyo warf mir wieder diesen angriffslustigen Blick zu. Oh oh. Ich ahnte nichts Gutes. „Die Befürchtung hab ich auch. Also dann, ab mit dir ins Bett.“ Ich erhob mich und wischte mir mit Absicht langsam und hüftenschwingend den Schaum vom Körper. Dabei grinste ich Kyo verführerisch an, doch dieser blieb eisern, erhob sich ebenfalls und wickelte mich in einem Handtuch ein, um mich ins Bett zu tragen. Und schließlich siegte die Müdigkeit. Ich kuschelte mich an meinen Liebsten und stahl mir noch einen letzten Gute-Nacht-Kuss. „Ich liebe dich Kyo…“, flüsterte ich noch und spürte, wie er lächelte. „Ich weiß…“ „Idiot.“ Er holte aus, soweit das unter der Decke möglich war und haute mit der flachen Hand auf meinen Hintern. Ich schrie kurz auf. „Aua, wofür war das denn?“ „Irgendwer muss dich für deine Frechheiten ja bestrafen…keinen Respekt vor Älteren…“ „Schon gut alter Mann…“, rutschte es mir raus und schwupps, lag ich ohne Decke da. „Da will wohl heute jemand auf dem Sofa schlafen…“, murrte mein hübscher Sänger und ich kroch vorsichtig wieder zu ihm und schmiegte mich an seinen Körper. „Okeee, tut mir leid…Frieden? Außerdem hast du Mal gesagt allein schlafen ist blöd.“ Kyo drehte sich wieder zu mir und zog mich an sich. „Ist es auch und jetzt halt die Klappe und schlaf du frecher Bengel.“ Nun aber wirklich der letzte Kuss für diesen Abend. „Schlaf gut…“ „Du auch Süßer…ich liebe dich auch.“ Verliebt grinste ich in die Dunkelheit und Kyo streichelte mich in den Schlaf. Kapitel 15: Level up -------------------- Wieder einmal hatte ich diesen verfluchten Tag ausgeblendet, wollte nicht, dass er kam, doch nun war er da. Wir waren vorgestern wieder in Kyoto angekommen und alles war wundervoll, aber auf einmal kippte meine Stimmung. Mein Liebster war noch unterwegs und wollte in etwa einer Stunde zu Hause sein, doch überkam mich das Gefühl so plötzlich und unerwartet, ich würde es keine Minute länger aushalten. Ich versuchte mich mit Rauchen abzulenken. Appetit hatte ich ohnehin keinen. Mit den Unterarmen stützte ich mich auf dem Fensterbrett ab und schaute auf die Lichter der Stadt vor mir, doch dieses miese Gefühl schnürte mir die Luft ab und mein Herz wummerte in meiner Brust. Wieder fragte ich mich, womit ich das hier alles verdient hatte und wie Kyo mich nur lieben konnte? Mich, einen Versager ohne Job und mittelmäßigem musikalischen Talent. Wieder überkam mich diese Angst, dass er mich irgendwann doch verlassen würde, weil ich ihm nicht mehr genügte. Ich ihm zu langweilig oder anstrengend wurde. Vielleicht hatte er schon jetzt keine Lust mehr mit mir zusammen zu wohnen und war deshalb so oft weg? Dieser Gedanke schmerzte so unglaublich heftig, dass mich das Stechen in meinem Herzen fast zu Boden rang. Ich biss mir auf die Unterlippe und schmeckte Blut. Verdammt. Mein Therapeut riet mir damals, wenn mich denn Mal wieder einer dieser Anfälle heimsucht, sollte ich mich vor einen Spiegel stellen und mir sagen, was ich an mir mochte. Total schwachsinnig und doch wollte ich es versuchen. Mit etwas zittrigen Knien stellte ich mich vor den großen Spiegel im Schlafzimmer und betrachtete meine Gestalt. Ich mochte mein Gesicht, die leicht kantigen Wangenknochen und die kleine Nase. Manchmal mochte ich auch meine Augen, wenn ich es denn ertrug mich durch sie hindurch anzuschauen. Gerade fiel es mir richtig schwer, weil mein Blick von dieser trostlosen Leere erfüllt war. Und wieder flüsterte diese dunkle fiese Stimme in mir, dass mich Kyo unmöglich für immer lieben könnte. Wieder biss ich mir auf die Lippe und sah ihm Spiegel, wie Blut aus der kleinen Wunde drang. Ich zwang mich mein Spiegelbild weiter anzusehen und nach Merkmalen zu suchen, die ich an mir mochte. Mein schlanker Körper gefiel mir tatsächlich und in der knallengen Hose und dem transparenten bauchfreien Oberteil machte ich gar keine so schlechte Figur. Doch dann stachen mir die kleinen hellen Schnitte auf meinem Bauch ins Auge. Auch meinen Arm hatte ich gezeichnet. Angewidert senkte ich den Blick. Nein länger ertrug ich das wirklich nicht, kehrte meinem Spiegelbild den Rücken und ging in die Küche zurück. So sehr ich mich auch bemühte, ich fand mich in diesem Augenblick abstoßend, hässlich und ungewollt. Nicht geliebt und nutzlos. Eben so, wie es mir meine Familie immer eingeredet hatte. Vor allem mein Vater, der nie verkraften konnte, dass ich auf Männer stand und mich so sehr verachtete. Eine unsichtbare Klinge bohrte sich in mein schwaches Herz und so sehr ich auch mit mir ran, momentan kam ich gegen diese dumme Blockade in meinem Kopf nicht an. Viel lieber würde ich dieses Gefühl gern loswerden, weil es mich in den Wahnsinn trieb. Nein, ich musste dagegen ankämpfen, weil ich es meinem Liebsten versprochen hatte. Aber war das nicht ohnehin egal, wenn er mich nicht liebte? Wütend über mich selbst schlug ich mit der Faust auf die Theke. Plötzlich fühlte sich meine Kehle staubtrocken an und ich holte mir ein Glas aus dem Schrank, um mir Wasser einzuschenken. Meine Hände zitterten derart, dass ich das Glas fast hätte fallen lassen. Ich leerte es in einem Zug und wollte es in die Spüle stellten. Dabei glitt es mir aus der Hand, fiel zu Boden und ging zu Bruch. Tränen stiegen mir jetzt in die Augen und die scharfkantigen Scherben waren für mich wie kribbelbunte Riesenlollies für kleine Kinder. Mit pochenden Herzen kniete ich mich vor den Scherbenhaufen und es war, als würden sie mich anlächeln, zu mir flüsterten, wie schön sie doch sind. Mit ihrer glatten glänzenden Oberfläche und den scharfen Kanten und wie schön sich das Glas auf der Haut anfühlte. Ich war nahezu hypnotisiert von diesem Anblick und diese Stimme in meinem Kopf riet mir letztendlich doch, eine der schönen Scherben in die Hand zu nehmen und genau das tat ich dann auch. Ich wiegte sie hin und her, setzte die Spitze an meinem linken Unterarm an und schnitt mich. Kurz schloss ich meine Augen, um diesen bittersüßen Schmerz zu genießen. Der nächste Schnitt ging tiefer. Der dritte noch tiefer. Mir wurde etwas schummrig vor Augen und ich sank gegen den Küchenschrank zu Boden. Blieb dort sitzen und schaute zu, wie das Blut meinem Arm hinabfloss, einen wunderschönen Kontrast zu meiner hellen Haut bildete und auf die Fließen tropfte. Dort bildete sich eine kleine Pfütze. So saß ich eine Weile da und dachte nichts. Die Dunkelheit war ein bisschen gewichen. Da hörte ich, wie dir Tür ins Schloss fiel. Kyo war zurück und würde mich jetzt noch mehr hassen, wenn er sah, was ich getan hatte. Gut so. Da bekam ich wenigstens meine Bestätigung, dass ich nichts wert war. Als er mich erblickte, weiteten sich seine Augen vor Schreck. Mit einem Satz war er bei mir, verarztete meine Wunde und schaute mich mit besorgtem Blick an, der mir die Tränen in die Augen trieb. „Du Dummerchen, was in aller Welt tust du denn da?“ Er zog mich in seine starken Arme. „Vergessen, dass heute dieser beschissene Tag ist…“, murmelte ich in den Stoff seines Pullis. Seine Hände umfingen mein Gesicht und er küsste mich. Ganz zaghaft und voller Liebe. Jetzt musste ich erst Recht heulen und Kyo hielt mich nur, aber warum? Weshalb hasste er mich nicht? „Kazu…mein Herz…ich liebe dich und ich weiß welcher Tag heute ist. Deshalb dachte ich, wir könnten vielleicht etwas daran ändern, damit du diesen mit etwas positiven verbindest.“ Ich schaute meinen schönen Sänger fragend an. „Wenn du es erlaubst, würde ich dich gerne entführen…sollte eigentlich eine Überraschung werden.“ „Kyo…ich kann das nicht. Nicht heute. Ich verfluche meinen Geburtstag und würde diesen Tag am liebsten aus meinem Leben streichen…aber geh, hab Spaß und lass mich allein.“ „Sicher nicht…es sind alle da, die Jungs, Sota, Yuna…alle warten auf dich mein Süßer, weil wir dich alle furchtbar gern haben.“ Ich schüttelte nur mit dem Kopf. „Aber warum Kyo? Was tue ich denn, damit mich die Menschen mögen? Ich bin ein Nichts…nicht liebenswert.“ Mein Liebster erwiderte lange nichts. Dann erhob er sich, holte eine Flasche Sake und zwei Gläser und ließ sich mir gegenüber nieder. Er reichte mir das volle Glas und prostete mir zu. „Okay, dann anders…Kazuki, du vergisst eine Sache…ich weiß nur zu gut, wie es in dir drinnen aussieht und ich weiß auch, wie schwer es ist, aus diesem Loch herauszukommen. Deshalb erzähl mir jetzt, was in dir vorgeht…und zwar alles.“ Ich schluckte. Und schenkte mir noch Mal nach. „Ich…ich habe Angst…dass…du mich irgendwann verlässt…mich nicht mehr willst…mich nicht mehr brauchst…“, krächzte ich und die Tränen flossen wie kleine Bäche über meine Wangen. „Und warum glaubst du das?“, fragte er ruhig weiter. „Kann ich nicht genau sagen…es ist halt so ein…Gefühl…Verlustängste und so…außerdem verabscheue ich mich gerade selbst…“ Wieder schwieg er lange und zündete sich eine Zigarette an. „Kyo…ich zieh dich doch nur runter…ich hab dich nicht verdient und erzähl mir nicht, dass du das gerade toll findest mich so zu sehen…“, fuhr ich ihn jetzt an, weil es immer noch besser war, als nichts zu sagen. Unsere Blicke trafen sich wieder und er reichte mir seine Zigarette. Etwas verwirrt schaute ich ihn an, weil er das noch nie freiwillig getan hatte und griff nach dem Glimmstängel. „Kazu…den Spieß könnten wir genauso umdrehen…ich glaube ich weiß jetzt zum ersten Mal, wie sich Shini gefühlt hat, wenn ich so am Ende war…aber egal…hör mir einfach zu…du ziehst mich nicht runter und ich brauche dich. Mehr als ich jemals einen Menschen gebraucht habe. Ohne dich gehe ich kaputt Kazuki…bitte. Wir schaffen das…aber zusammen.“ „Wozu brauchst du mich Kyo? Zum Vögeln? Als ob irgendwas Attraktives an mir ist…und irgendwann wirst auch du das begreifen. Nur um deinen Spaß auszuleben, kannst du auch gerne mit hundert anderen ficken…dazu brauchst du mich nicht…“ „Kazuki hör auf!“, fuhr er mich jetzt an und wirkte schon fast verletzt. „Nein ich hör nicht auf…erst, wenn du zugibst, dass ich Recht habe!“, schrie ich jetzt und auf einmal war er über mir und küsste mich hart, sodass mir fast die Luft wegblieb. Seine Zunge eroberte in Windeseile meine Mundhöhle und ich keuchte eher unbewusst auf. Und dann nahm er meine Hand und führte sie zwischen seine Beine. „Fühlst du das?“ Ich konnte nur nicken. „Und das ist deinetwegen…auch wenn du hier heulend vor mir sitzt und alle Welt scheiße findest…ich steh sowas von auf dich und sag du mir nie wieder, dass du unattraktiv bist. Du bist der schönste Mann der Welt und jetzt lass uns zu deiner Party gehen.“ Doch so leicht ließ ich ihn nicht davonkommen, schlang meine Beine um seine Hüften und zog ihn näher zu mir. Wollt ihn küssen und ihn in mir spüren. Kyo schob mein Oberteil ganz nach oben und spielte mit meinen Nippelpiercings. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. „Und erzähl mir jetzt noch Mal, dass das nicht verdammt sexy ist mein Schatz…du und dein heißer Körper treiben mich irgendwann noch in den Wahnsinn…den ganzen Tag kann ich an kaum an etwas anderes denken…ich liebe dich. So sehr…“ Und während er meine kaputte Seele mit seinen Worten heilte, liebkosten seine Lippen und seine Zunge meine empfindlichsten Stellen und ich sah schon wieder Sternchen. Doch dann auf einmal ließ er von mir ab. „Wir sollten das auf später verschieben…alle warten auf dich.“ „Na und, dann lassen wir sie eben warten…bitte Kyo, ich brauch das jetzt.“ Leicht amüsiert grinsend fuhren seine Finger über meine Brust über den Hals und berührten meine Lippen. Ich fuhr mit der Zunge über seine Kuppen und saugte ein wenig daran. „Ohhh…Kazu…weißt du wie verrucht das gerade aussieht?“, raunte er mir zu und jetzt konnte auch ich wieder lächeln. Ich schob seine Finger tiefer in meinen Mund, wohl wissend, dass sie sehr bald noch andere Körperstellen erkunden würden. Dieser Gedanke ließ mich aufstöhnen und ich zog meine Hose bis zu Knien runter. Heiß und erregt vor Lust drängte ich mich meinem schönen Sänger entgegen und er verstand mich auch ohne Worte, bewegte seine Hände über meinen Körper, entlang meiner Seiten, doch die empfindlichen Zonen ließ er mit Absicht aus. Dafür hasste und liebte ich ihn zugleich. Einerseits, weil es mich fast rasend machte, meine Lust jedoch noch mehr steigerte. Seine Zähne knabberten an meinen Nippeln und eine Welle der Erregung überflutete mich. Nein ich wollte kein Vorspiel mehr, sondern Kyo in mir spüren. Hart und heftig. „Fick mich Kyo…vögel mir den Verstand raus…ich brauch das jetzt…ganz dringend…“ Seine Lippen pressten sich auf die Meinen und sein heftiger Stoß ließ mich aufschreien. Den kurzen Schmerz ignorierte ich, denn das was danach folgte vertrieb ihn ohnehin wieder. Kyo nahm mich tatsächlich beim Wort und die Härte, mit der er sich das nahm, was ihm gehörte ließ mich kaum mehr an seiner Liebe zu mir zweifeln. Mit einem berauschten, zu tiefst entspannten Grinsen ergoss ich mich auf meinem Bauch und auch mein Liebster erreichte bald danach seinen Höhepunkt. Entzog sich mir langsam und säuberte mich. Ich verschwand kurz auf dem Klo und zog mich wieder an. Mein hübscher Sänger klopfte und fragte, ob er zu mir kommen dürfe. Ich öffnete die Tür und warf ihm einen fragenden Blick zu. Er trat ein und holte ein Beautycase aus dem Badschrank heraus. „Setz dich auf den Badewannenrand“, befahl er schon fast wieder in diesem typischen Kyo-Ton. Ich gehorchte. „Was hast du vor?“, fragte ich neugierig. „Dein Ego ein bisschen pushen…hast du dich früher eigentlich manchmal geschminkt?“ „Ja, als ich noch zu Hause gewohnt hab immer…einer der Gründe, weshalb ich raus geflogen bin. Meine Eltern wollten halt nicht mit ner beschissenen Schwuchtel unter einem Dach leben…willst du mich etwa schminken?“ Ein Grinsen huschte über seine Lippen und er nickte. Ich zuckte mit den Schultern und ließ es über mich ergehen. „Schließ deine Augen.“ Auch das tat ich und es fühlte sich schön an, wie der Pinsel auf meinen Augenlider malte und ich hoffte nur, dass ich nachher nicht wie ein Paradiesvogel aussah. „Oookay…jetzt öffnen und nach oben schauen…versuch nicht zu blinzeln.“ Kyo hübschte mich scheinbar auch mit Kaja und Eyliner auf, tuschte meine Wimpern und besah sich sein Werk recht zufrieden. Auch ich warf jetzt endlich einen Blick in den Spiegel und staunte nicht schlecht. „Voll ungewohnt, aber ich könnte mich wieder dran gewöhnen…hast du schwarzen Lippenstift?“ „Was für eine Frage…bist du etwa auf den Geschmack gekommen?“, fragte er leicht amüsiert. „Ja klar, wenn schon, denn schon.“ Ich beugte mich etwas vor und fuhr mit dem Lippenstift die Konturen meines Mundes nach und färbte diesen pechschwarz. Und tatsächlich fühlte ich mich jetzt ein wenig besser, zumindest zeigte sich mein Selbstbewusstsein etwas mehr und es ging mir nicht mehr ganz so beschissen. Dennoch entfuhr mir ein tiefer Seufzer. „Magst du dein Netzoberteil anziehen?“, fragte mich mein Liebster dann und ich nickte, verschwand im Schlafzimmer und kleidete mich um. Da es draußen doch noch recht frisch war, nahm ich kurzerhand mein grünes Samtjacket und zog es über das Netzhemd. Zufrieden schaute mich mein schöner Sänger an. Auch er trug jetzt seine Vampirkontaktlinsen und seine Augen hatte er auch ein bisschen dunkel geschminkt. Ich musste ihn einfach küssen, hielt jedoch innne, um zu überprüfen, ob der Lippenstift kussfest war. Das war er in der Tat. Ich warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und schon jetzt stand fest, dass ich mich wieder öfter aufhübschen sollte. Dieser dunkle Glitzerliedschatten passte perfekt zu mir und ich ergriff Kyos Hand. „Wohin gehen wir eigentlich?“ „In unsere Stammbar…da ist zumindest sicher, dass wir keinen Trubel haben oder von nervigen Paparazzis überfallen werden.“ Wir liefen zur Haltestelle und ich wusste nicht, ob es gerade an meiner nicht so stabilen Verfassung lag oder er das unbewusst tat, aber Kyo hielt noch immer meine Hand, obwohl wir uns auf offener Straße bewegten. Es war zwar schon dunkel, aber trotzdem konnte uns ja jeder sehen und die Wahrscheinlichkeit, dass man den Dir en Grey Sänger erkannte, war ja nicht mal so unwahrscheinlich. Deshalb löste ich unseren Griff, doch als er meine Hand wieder mit der Seinen verflocht, setzte mein Herz einen Moment aus. Tat er das also gerade wirklich im vollen Bewusstsein? Wollte er sich tatsächlich vor aller Welt zu mir bekennen? Ich lächelte verlegen und wagte es einen Blick zu ihm zu riskieren. Auch Kyo drehte seinen Kopf in dem Moment zu mir und erwiderte mein Lächeln. Wärme breitete sich in meinem Körper aus und ich konnte mein Glück kaum fassen. Wir erwischten die nächste Bahn gerade noch und fielen etwas stürmisch auf einen Zweiersitz. Auch eine ältere Dame stieg zu und schaute sich suchend nach einem Platz zum Sitzen um. Sofort sprang Kyo von seinem auf, wies mich an zu rutschen, bot seinen Platz der Frau an und zog mich auf seinen Schoß. „Kyo…was machst du, wenn dich jemand erkennt? Ich meine…willst du das wirklich riskieren?“ Mein schöner Sänger zog mich in einen Kuss, der mich vollends aus der Bahn warf und ich gar nichts mehr verstand. „Ich bin auch nur ein Mensch Kazu…und ich liebe dich…scheiß drauf, was die verfluchte Welt davon hält. Und mal ganz ehrlich, was wollen sie denn machen? Uhhh ja, ich knutsche nen anderen Kerl…wen interessiert‘s?“ Belustigt schüttelte ich mit dem Kopf. Nächste Station mussten wir aussteigen. Da legte die ältere Frau plötzlich ihre Hand auf Kyos tätowierten Arm und schenkte ihm ein warmherziges Lächeln. „Ich wünsche Ihnen beiden alles Glück der Welt…ich finde es sehr mutig, dass Sie ihre Liebe so offen zeigen.“ „Dankeschön. Ich wünsche noch einen angenehmen Abend“, entgegnete er. Okay, konnte dieser verfluchte Tag eigentlich noch besser werden? Vermutlich grinste ich wie ein Honigkuchenpferd. Ein leichter Wind umwehte uns und wir schritten noch immer Hand in Hand zur Bar. Kyo schob mich nun etwas ungeduldig durch die Tür und alle drehten sich zu mir um, worauf mir eine leichte Röte ins Gesicht stieg. Meine Schwester flog zuerst auf mich zu und landete in meinen Armen. „Happy Birthday großer Bruder. Auf dass wir uns wieder näher kommen.“ Als nächster folgte Sota. Die und Toshi umarmten mich gemeinsam und dann kam Shinya. Da lag etwas in seinem Blick, was mich erschreckte und zugleich erleichterte und Kyos Worte kamen mir wieder in den Sinn. Ich glaube ich weiß jetzt zum ersten Mal, wie sich Shini gefühlt hat, wenn ich so am Ende war. Und er schien auch zu wissen, was mit mir los war. Ich schloss meine Arme um den Drummer und blinzelte die Tränen weg. Nein, heute durfte ich nicht mehr heulen, sonst würde mein Make-up verschmieren. „Ich wünsche dir alles Gute Kazu-chan…genieße deinen Abend und lass die Vergangenheit hinter dir. Ich habe dich sehr lieb.“ Ich zog ihn noch ein bisschen enger an mich. „Danke Shini…“, gab ich mit erstickter Stimme zurück und entließ ihn aus der Umarmung. Da überreichte mir mein bester Freund eine Kiste aus Holz, die einer Schatzkiste glich. „Mach sie schon auf“, forderte er mich aufgeregt auf und ich öffnete das Schnappschloss. Darin lagen viele Goldmünzen aus Schokolade und ein Brief? Ich faltete den Zettel auseinander und meine Augen wurden immer größer, während sie die Zeilen überflogen. Ein Tattoogutschein? Ich schluckte und stellte nicht zum ersten Mal an diesem Tag fest, dass der Tag wohl von nun an als ein glücklicherer in meine Geschichte einging. „Wow…ich fürchte ich bin ein bisschen sprachlos…vielen Dank ihr wundervollen Menschen…aber jetzt möchte ich mit euch trinken.“ Meine kleine Schwester brachte schon ein Tablett mit Sektgläsern und jeder meiner Freunde nahm sich eines davon weg. Alle prosteten mir zu und ich wusste, dass ich noch eine Sache zu erledigen hatte, auch wenn mich Kyo dafür vermutlich steinigte. Ich räusperte mich und erhob das Glas. „Ähm…bevor ich mit euch anstoße, muss ich noch kurz was loswerden…das betrifft einen ganz besonderen Menschen hier in diesem Raum und ich weiß, dass du nicht gern im Mittelpunkt stehst Kyo, aber ich möchte mich vor allem bei dir bedanken…für deine Geduld, für deine Liebe, für dein immer für mich da sein…vor allem vorhin…ich liebe dich…“ Alle klatschten, doch ich hatte nur Augen für meinen schönen Sänger und zum Glück lächelte er mich an. Der Alkohol floss und ich war zu fortgeschrittener Stunde schon ziemlich gut drauf. Natürlich lief die Karaokemaschine an dem Abend heiß, doch ich hatte mich noch nicht dort hin gewagt. Ich redete mit meinen Freunden, vor allem mit Toshiya. Wir alberten umher und rissen Witze. Da stieß Sota zu uns und fragte, ob mit mir alles okay sei. Ich grinste und nickte mit dem Kopf. Meine Jacke hatte ich schon vor einer Weile abgelegt. Auch eine ziemlich betrunken Yuna kam angetorkelt und klammerte sich an meinen Arm. „Hihi, wenn dich unsere Eltern so sehen würden Kazu…die würden sicher voll ausflippen“, amüsierte sie sich, doch ich konnte ihre Freude nicht so recht teilen. Vorsichtig strich sie über den Verband an meinem Arm und warf mir einen fragenden Blick zu. Auch mein Freund sah mich leicht panisch an. Ich zuckte nur mit den Schultern und zündete mir eine Zigarette an. „Halb so wild…nichts Schlimmes“, versuchte ich die Situation zu retten, doch es war bereits zu spät. „Hast du dich wieder geritzt Kazu?“ fragte mein Freund besorgt und jetzt schienen auch bei meiner Schwester die Alarmglocken zu klingeln. Ich zog die beiden in eine Sitznische, etwas weg vom Geschehen. Atmete tief ein und dann wieder aus. „Ja Sota, hab ich…und jetzt? Das ist nun Mal eine Seite von mir, die ich schwer unterdrücken kann…aber ist okay…Kyo konnte schlimmeres verhindern und ich will jetzt nicht mehr darüber reden.“ „Wie ein Teil von dir? Was ist los mit dir Kazuki?“ Yuna wirkte verwirrt und besorgt. Wortlos zeigte ich ihr die Narben auf meinem Oberkörper, die durch das Netzoberteil hindurch schienen. Schockiert hielt sie sich die Hand vor den Mund. „Hast du mal mit einem Arzt geredet?“, fragte sie erschrocken. Ich rollte mit den Augen und nickte. „Ja hab ich und es war nicht besonders toll…hör zu Schwesterchen…ich musste schon mit vielen Rückschlägen in meinem Leben klarkommen, aber ich schaff das okay? Alles was jetzt kommt, kann nur besser werden. Ich möchte, dass du dir keine Sorgen um mich machst.“ „Es tut mir so leid Niichan.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Muss es nicht…es ist wirklich alles gut und jetzt lasst uns noch ein bisschen Spaß haben.“ Ich steuerte die Bar an und holte mir einen neuen Drink, da umfingen mich zwei Arme von hinten und seine tätowierten Hände schoben sich unter mein Oberteil. Ich kicherte, als sein warmer Atem meinen Nacken kitzelte. „Ich hasse mich ein bisschen“, flüsterte mir Kyo ins Ohr und ich drehte mich zu ihm. „Warum das?“ „Weil ich heute dazu beigetragen haben, dass du so verflucht heiß aussiehst…“ „Selbst schuld…aber mir geht es nicht anders. Jedes Mal, wenn ich dich anschaue, brennt in mir diese süße Leidenschaft auf…aber ich fürchte das muss warten…du musstest ja unbedingt eine Party organisieren. Mir hätte auch ein Sexabend mit dir genügt“, ärgerte ich meinen Liebsten und er gab einen Brummen von sich. „Geht’s dir gut mein Schatz?“ Ich nickte und küsste ihn. „Danke dafür…das kann ich nie wieder gut machen…“ „Oh doch, glaub mir, da fällt mir schon so einiges ein…trittst du gegen mich an? Oder hast du Schiss?“ Ich zog die Stirn in Falten und warf Kyo einen gespielt arroganten Blick zu. „Schiss? Vor dir? Niemals. Also los…aber ich will aussuchen.“ Doch da stoppte mich mein schöner Sänger und zückte sein Handy, verband es mit der Anlage und startete eine Lied, dass er mir vor kurzem erst gezeigt hatte. Von einer Band, die er auf einem Festival in Deutschland mal kennengelernt hatte. Sie hießen Typo o Negative und der Song Love you to death. Hilfe, ich schwebte auf Wolke sieben. Kyo tat wirklich alles, damit mir mein Geburtstag in Zukunft positiv in Erinnerung blieb. Und so starteten wir unser Lied. Doch ich konnte mich kaum konzentrieren, weil meine Augen an meinem Liebsten hafteten, wie er so voller Leidenschaft sang, auf Englisch. „Hey am I good enough for you? Hey am I good enough for you? Am I? Am I? Am I good enough for you?“ Den letzten Part sang ich aus voller Kehle mit und das brachte uns einen saftigen Applaus. Doch das schrie auch nach einer Revanche und das nächste Lied suchte dann tatsächlich ich aus. Ich entschied mich für Bohemian Rhapsody von Queen, weil ich diesen Song schon immer Mal singen wollte und diese Runde zockte ich meinen schönen Sänger sowas von ab, weil er in den mittleren Parts eher versagte. Unsere Freunde jubelten uns zu und wir mischten uns wieder unter die Gäste. Ich dachte schon, ich sei betrunken, aber scheinbar hatte es meine Schwester auch ein bisschen übertrieben, denn schwankend krallte sie sich an der Theke fest. Ich legte meinen Arm behutsam um sie. „Alles gut?“ „Ich…weiß nicht…mir is schlecht…“, lallte sie und rannte sofort zu den Toiletten. Ich folgte ihr und zwar auf’s Mädchenklo und hielt ihre Haare beim Kotzen. „Ss tut mir leid…“ Ich lachte ein bisschen und reichte ihr ein Taschentuch. „Schon okay…willst du gehen?“ „Is doch deine Party…wills dir nich versauen…“ „Alles gut…wenn du willst, kannst du bei uns schlafen“, beschloss ich jetzt einfach Mal über Kyos Kopf hinweg und hofft, dass das für ihn in Ordnung ging. Yuna hakte sich bei mir unter und ich weihte meinen Liebsten in meinen Plan ein. Dieser nickte nur und so lösten wir die Runde auf. Umarmten alle zum Abschied und begaben uns auf den Heimweg. Wir mussten mein betrunkenes Schwesterchen von beiden Seiten stützen und während Kyo ihr Nachtlager im Wohnzimmer herrichtete, zeigte ich ihr im Bad alles. Ich schminkte mich ab, putzte meine Zähne und verzog mich ins kuschelige Bett. Mein schöner Sänger folgte mir bald. „Ich hab es zwar schon oft gesagt…aber Danke für den Abend heute…“ Gedankenverloren strich er über meine neueste Verletzung. „Wenn nicht Mal ich das unterbinden kann Kazu…ich dachte ich wäre stark genug…“ „Heyyy, das bist du…ohne dich wäre ich heute vermutlich im Krankenhaus gelandet…du trägst dazu bei, dass es nicht mehr so oft und so schlimm ist…glaub mir bitte.“ Kyo schmiegte sich an mich und so schliefen wir dann ein.   Der Duft von Kaffee und frischen Brötchen stieg mir in die Nase. Ich schlüpfte in eine bequeme Hose und stand auf. Meine Kopfschmerzen waren nicht ganz so schlimm wie erwartet. Da fiel mir Yuna wieder ein und schon war ich mit einem Satz im Wohnzimmer, doch ihr Bett war leer. Den Stimmen nach zu urteilen, unterhielt sie sich mit Kyo in der Küche. Sie trug ein viel zu großes Shirt meines Sängers und ich musste bei diesem Anblick schmunzeln, goss mir Kaffee ein und öffnete das Fenster, um zu rauchen. „Wie geht’s dir Imoto?“ „Mhh, hatte schon bessere Tage…aber ich werde ja verwöhnt…und dir?“, fragte sie vorsichtig zurück. Ich zuckte mit den Schultern und nahm einen tiefen Zug. „Ganz okay…“ „Kazuki…ich mach mir wirklich Sorgen um dich…“ „Musst du nicht…ja, ich hatte gestern einen Rückfall, aber es geht mir weitaus besser als in den letzten Jahren.“ Ich schaute ab und an zu meinem Liebsten, der von der Küche ins Wohnzimmer wirbelte, um den Tisch zu decken. Ein verliebtes Grinsen umspielte meine Lippen und ich seufzte. „Du liebst Kyo sehr, nicht wahr?“ „Mehr als ich in Worte fassen kann…Yuni…er ist so wundervoll…ich bin völlig verrückt nach ihm.“ Meine Schwester lachte. „Das merkt man kaum“, ärgerte sie mich und ich knuffte sie in die Seite. „Werd ja nicht frech…wohnst du eigentlich noch immer…zu…Hause?“ „Ja, aber ich will bald mit einer Freundin zusammen ziehen…wird Zeit. Eine Wohnung haben wir schon. Ist auch gar nicht so weit von hier.“ „Cool…ich glaub wir sollten Mal frühstücken gehen, sonst beschwert sich der alte Mann wieder“, witzelte ich. „Das habe ich gehört!“, erklang Kyos Stimme aus dem Wohnzimmer und der leicht gereizte Unterton entging mir nicht. Yuna warf mir einen verunsicherten Blick zu, doch ich tat es mit einer lässigen Handbewegung ab. „Vielleicht wollte ich ja, dass du es hörst…“ Mein hübscher Sänger verengte seine Augen und funkelte mich angriffslustig an. „Du spielst schon wieder mit dem Feuer“, warnte er mich, doch ich warf ihm einen Luftkuss zu, den er nicht erwiderte. „Das ist mir bewusst…und alt ist ja nichts Schlechtes…“ „Jetzt halt die Klappe…ich bin nicht alt…“, murrte er. „Mhh, älter als ich schon…“ „Und scheinbar auch reifer…du führst dich gerade echt auf wie ein Teenie…“ „Das will ich jetzt Mal überhört haben.“ Ich steckte ihm die Zunge raus und er rollte mit den Augen. Während Kyo abräumte, verabschiedete ich Yuna und half ihm noch ein bisschen. Das wenige Geschirr spülten wir gemeinsam ab. Als er gerade nicht hinsah, versenkte ich meine Hand im Spülwasser und spritzte es ihm ins Gesicht. Daraufhin traf auch mich ein Schwall Seifenwasser und ich lachte, verschluckte mich und zurück blieb ein dezent seifiger Geschmack. Kyo hingegen schien das nicht so witzig zu finden. Mein zweiter Versuch ihn mit Wasser zu bespritzen scheiterte kläglich. Stattdessen ergriff seine Hand mein Handgelenk und drückte mich weg. „Du bist ganz schön frech…“, stellte er nun etwas belustigt fest, stibitzte mir das Abtrockentuch aus den Fingern und stopfte es mir in den Mund. „Vielleicht sollte ich dir dein vorlautes Mundwerk stopfen…mhh, ich mag den Knebel…das lässt dich so willenlos erscheinen.“ Kyo delegierte mich ins Schlafzimmer und mich überkam eine süße Furcht vor dem Ungewissen, denn mich beschlich der Gedanke, dass unser Sexleben noch lange nicht ausgereizt war. Meine Hände pinnte er mit seinen über meinem Kopf fest und mit den Zähnen entfernte er den Knebel aus meinem Mund. „Kannst du gerne tun…“, gab ich zur Antwort. „Ohhh Kazuki, du weißt nicht, was du da sagst…“, schnurrte er mir schon fast ins Ohr. „Vielleicht möchte ich es aber herausfinden…ich will, dass du mich um den Verstand bringst…mit mir Dinge tust, die dir schon lange durch den Kopf schwirren…ich finde unsere Beziehung hat nen Level up verdient…“ Kyos Stirn sank gegen meine Brust. „Du musst völlig verrückt sein…aber ich denke das macht dich so unwiderstehlich, weil ich bei dir keine Hemmungen haben muss…aber ich denke wir sollten erst duschen…einzeln“, grinste er mir ein bisschen fies zu und verschwand im Bad. Mein Herz wummerte in der Brust und ich war ein bisschen aufgeregt. Aber nicht, weil mir Bedenken kamen, nein, eher, weil ich unbedingt wissen wollte, in welche lustvollen Spähern mich mein schöner Mann dieses Mal entführen würde. Um mich abzulenken, spülte ich noch das restliche Geschirr. Kyo verbrachte ungewöhnlich lange im Bad und wenn ich mir seinen nackten Körper unter der Dusche vorstellte, wie das Wasser über seine tätowierte Haut floss. Oh Mann, zu viel Kopfkino. Schnell räumte ich das Geschirr in den Schrank, wollte wieder ins Schlafzimmer zurückkehren, da erstarrte ich und meine Kinnlade klappte runter. Was. Für. Ein. Anblick. Kapitel 16: Kazu in Wonderland ------------------------------ Kyos schlanke Gestalt steckte in einem einzigen Kleidungsstück- einer knallengen Lackhose, die sich wie eine zweite Haut an seine Beine schmiegte und verboten tief auf seinen Hüften saß, sodass ich die Konturen meines Objektes der Begierde nur zu deutlich ausmachte, auch wenn es unter der schwarzen Latexschicht versteckt war. Mein Blick wanderte höher über seinen flachen Bauch, blieb kurz an seinem Tigertattoo hängen, bis hin zu seinem Gesicht. Seine sonst schokobraunen Augen wurden von einer roten sowie einer Vampirkontaktlinse verdeckt, wodurch er ein bisschen unnahbarer wirkte. Das untermalte sein schwarzroter Lippenstift noch mehr, denn es erweckte den Anschein, als hätte er sich gerade aus einer wilden Knutscherei losreißen müssen. Dieser Gedanke erschreckte und verunsicherte mich gleicher maßen. Ich wollte nicht, dass er jemanden außer mir küsste. Schnell schüttelte ich den Kopf, um dieses Hirngespinst los zu werden. Das Grinsen, welches er mir zuwarf wirkte schon fast teuflisch und ich kam mir augenblicklich ein wenig wie Alice im Wunderland vor, denn es fühlte sich an, als würde ich unter seinen obszönen Blicken immer mehr schrumpfen. „Geh duschen und komm nackt zu mir ins Schlafzimmer“, befahl mir mein wunderschöner Mann und das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen. Ich wusch und rasierte mich. Mein Puls beschleunigte sich mit jeder Minute mehr, denn ich war so gespannt, was sogleich passieren würde. Noch einmal tief ein und wieder ausatmen. Warum war ich eigentlich so nervös? Schließlich kannte ich ihn mittlerweile. Ein bisschen zumindest. Und auf einmal kam mir unser Gespräch wieder in den Sinn, als Kyo zu mir sagte, dass ich ziemlich verrückt sei, weil ich gerade mit ihm zusammen sein wollte. Verbarg er etwa ungeahnte, verdorbene Fetische vor mir? Ging das überhaupt? Also war es möglich, dass ich etwas, das er mit mir tat nicht mochte? Diese Vorstellung kam mir mehr als absurd vor und wollte auch in meinem Kopf keinen Sinn ergeben. Eher im Gegenteil, der Gedanke hatte etwas sehr reizvolles. Ich stieg aus der Dusche, trocknete mich ab und ging ins Schlafzimmer. Kyo thronte im Schneidersitz inmitten des Bettes und wirkte fast wie ein düsterer Buddah. In meinem Adamskostüm kam ich mir ein bisschen hilflos vor, aber auch voller Vorfreude. Mit seinem Zeigefinger lockend zitierte er mich zu sich. Das Bett gab unter meinem Gesicht etwas nach. Nun kniete ich mir ihm und kaute etwas nervös auf meiner Unterlippe herum. Wartend, das er etwas tat oder sagte. Breit grinsend griff er hinter seinen Rücken und zauberte Handschellen hervor, wie ein Magier das weiße Kaninchen aus einem Zylinder. Schon wieder so eine Alice Assoziation. Mein Verstand schien langsam mit mir durchzudrehen. „Na hast du Lust ein bisschen zu spielen?“, fragte er mit tiefer Stimme und schein allein der Klang seiner Worte kitzelten meinen Spieltrieb hervor, also streckte ich ihm meine Hände hin, die er sogleich ans Bettgestell fesselte. Das kühle Metall schnitt leicht in meine Handgelenke ein, jedoch nicht unangenehm. Kyos Lackhose streifte meine Schenkel und berührte das heiße Fleisch zwischen meinen Beinen. Verflucht, dieses Gefühl, wenn sich unsere Körper aneinander rieben und dazwischen diese dünne Schicht aus Lack, die nur dazu beitrug, dass sich jede Berührung nur umso mehr herbeisehnte. Zu wissen, was er unter seiner Hose trug und es dennoch nicht zu sehen, trieb mich gerade nahezu in den Wahnsinn. Viel zu gut. „Hattest du schon Mal einen Plug in deinem süßen Arsch?“, raunte er mir zu. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Nein, aber die Idee gefällt mir…“ „Dann entspann dich jetzt…“ Kyo benetzte den Silikonplug mit Gleitgel umkreiste und reizte meine Öffnung, bis er das Spielzeug schließlich ganz in mir versenkte. Ich biss mir auf die Unterlippe und hätte meine wachsende Erregung nur zu gern berührt, doch mir waren im wahrsten Sinne die Hände gebunden. Oh du süße, süße Folter. Mit gespreizten Beinen ließ er sich auf meine Oberschenkeln sinken, zündete ein Teelicht an, stellte dieses beiseite und küsste mich entlang des Halses. Biss hinein und seine Zähne hinterließen mit Sicherheit Spuren. Seine Zunge glitt über meine pochende Halsschlagader und jetzt endlich keuchte ich auf, weil ich die Lust, die meinen Körper flutete, kaum mehr unterdrücken konnte. Kyo küsste mich und während unsere Lippen aufeinander trafen, hörte ich ein feines Knacken, als hätte Kyo etwas zerbissen, doch wurde ich schon wieder gereizt, als er sich an mir rieb. Etwas entsetzt schaute ich ihn an, als Blut aus seinem Mund rann, doch schnell fischte er das Stück Plastik aus seiner Höhle und warf es achtlos hinter sich. Das also hatte er zerbissen. Eine Blutkapsel. Noch mehr der roten Flüssigkeit  drang über seine Lippen, lief seinem Kinn hinab und vereinzelte Tropfen schlängelten sich seinem Hals hinab. Für einen Moment schaute ich ihn einfach nur an und war wie hypnotisiert von diesem Anblick. Manch anderer würde wahrscheinlich bei diesen Spielchen das Weite suchen, weil es ihm zuwider war, doch ich fand es unglaublich heiß. Dieser Inbegriff von Schönheit. Der Teil von ihm, der gern spielte und sich auch auf der Bühne verkleidete, den bekam ich gerade live und es gefiel mir. Oh ja, mehr als das. Viele sahen in Kyo vielleicht nicht den perfekten Mann oder den süßen Vorzeige- Freund, nein. Das war er auch definitiv nicht. Viel mehr verkörperte er all das, was unsere Gesellschaft verpönte und deshalb liebte ich ihn so sehr. Das war einer der Gründe, weshalb er in meinen Augen seinen ganz eigenen Perfektionismus ausstrahlte. Und dann dieser neue Fetisch, den er mir hier offenbarte, damit konnte ich definitiv arbeiten. Lüstern beobachtete ich meinen schönen Sänger bei seiner Show und leckte mir über die Lippen. Mit den Händen verschmierte er das Kunstblut auf seiner Brust, glitt mit den Händen über seinen Bauch und zog seine Hose noch ein minimales Stück tiefer. „Du bist so verflucht heiß…“, raunte ich. „Selber…ich muss sagen, dich gefesselt am Bett hat schon seinen Reiz…“ Er strich an meinen Schenkelinnenseiten entlang und griff nach dem Teelicht, in dem sich das Wachs mittlerweile verflüssigt hatte. Oh ich ahnte, was er vorhatte, doch war ich nicht sicher, ob ich schon bereit dafür war. Ein verruchtes Grinsen umspielte seine mittlerweile blutverschmierten Lippen und er stülpte die Kerze langsam um. Das Wachs sammelte sich auf einer Seite, lief über und tropfte auf meinen Bauch. Ich zuckte zusammen, als die heiße Flüssigkeit auf meine nackte Haut traf, doch irgendwie fühlte es sich gut an. Der ach so vertraute Schmerz setzte ein und doch unterschied er sich von dem Schmerz, den ich mir zufügte. Die festgewordene Masse kratzte Kyo vorsichtig ab und es blieb eine minimale Rötung zurück. Plötzlich scharrte sich um mich herum wieder diese Dunkelheit. Wie eine düstere schwarze Wolke schwebte sie über mir und grinste hämisch auf mich herab, als wollte sie sagen: Dein Glück wird nicht von langer Dauer sein! Der Schalter in meinem Kopf switchte um, ich bekam Panik, zerrte an den Handschellen und begann zu wimmern. Ich wollte mehr von dem Schmerz, brauchte ihn, um jetzt nicht völlig durchzudrehen und diesen Dämon zu vertreiben. Kyo reagierte schnell, befreite mich und zog mich in seine Arme. „Kazu…es ist alles gut…ich bin bei dir…tut mir leid, ich bin zu weit gegangen“, flüsterte er mir zu und ich schüttelte schluchzend den Kopf. „Nein…es ist nicht deine Schuld…ich bin eben kaputt…“ „Hör auf dir das einzureden. Sollen wir aufhören?“ Wieder schüttelte ich mit dem Kopf. „Wenn du jetzt aufhörst wird es schlimmer“, wisperte ich und Kyo zog mich in einen sanften Kuss. Da war nichts mehr von seiner Wildheit zu spüren. Er schien ganz genau zu wissen, was ich jetzt brauchte und holte mich somit zu sich zurück. Wieder befreit fühlte ich mich auch nicht mehr ganz so panisch. Jetzt, da ich vor meinem Liebsten kniete, merkte ich den Plug wieder mehr und ließ mich von dieser Lust treiben, küsste ihn inniger und eroberte seine Mundhöhle. Schmeckte seine Zunge und ließ mich langsam in die Kissen drücken. Ich wollte ihn berühren, ihn spüren und ihn nie mehr loslassen. Kyos Hände begaben sich erneut auf Wanderschaft, streiften sacht meine Nippel und da schoss diese elektrisierende Lust wieder durch meinen Körper. „…mehr…davon…“, keuchte ich und spürte sein Grinsen. Meine Knospen verhärteten sich, als er sie mit seinen Fingern zwirbelte, was sich verflucht gut anfühlte und mein Blut wanderte jetzt vom Kopf in südlichere Regionen. Als seine Zunge an meinen Brustwarzen spielte drohte alles um mich zu verschwimmen. Da spürte ich seine Hand an meinem Hinterteil und geschickt fingerte er den Plug raus. Ein bisschen enttäuscht blickte ich auf, in die verschiedenfarbigen Augen meines Liebsten. „Keine Sorge, es wird noch besser…“, tat er sehr geheimnisvoll und holte irgendwas aus der Kiste neben dem Bett. Ich betrachtete das Spielzeug in seiner Hand, welches er auch dieses Mal mit Gleitgel einrieb. „Bereit?“, fragte Kyo dann. „Ja…sowas von…“ Langsam, Kugel für Kugel führte er die Analkette ein, dabei schloss ich die Augen. Er bewegte das Spielzeug in mir und ich stöhnte auf. Eine leichte Vibration setzte ein und die Spitze des Dildos berührte meine Prostata. Heilige Scheiße. Ich bäumte mich auf und ein kehliges Stöhnen entfuhr mir. Ich wollte mehr. „Geht…das stärker?“, fragte ich deshalb. „Oh ja…gefällt dir dein neues Spielzeug?“ „Ich glaub schon…“ Erst jetzt spürte ich die Noppen, die mich zwischen Penis und Anus noch zusätzlich stimulierten. Mein Herz raste und mein Stöhnen wurde lauter. Der Orgasmus, der sich ankündigte schien mir viel intensiver und gewaltiger, als alles, was ich bisher erleben durfte. Ich versuchte diesen hinaus zu zögern, weil sich dieses neue Spielzeug so geil in meinem Arsch anfühlte. Ich wälzte mich hin und her, spürte Kyos Zunge wieder an meinen Nippeln. Drängte mich gegen ihn, weil ich es kaum noch aushielt und krallte mich in die Laken. Stöhnte erneut heftig, als er über meine Länge leckte und anfing mit dem Piercing dort zu spielen. Seine Zunge drehte den kleinen Ring geschickt hin und her, bis er meine Erektion mit seinen sinnlichen Lippen umschloss. Ich wand mich vor Lust, wusste nicht so recht wohin mit diesen Gefühlen. Verlor dann aber doch meine Selbstbeherrschung und ergoss mich mit einem erlösenden Schrei in Kyos Mund. Der Sänger leckte sich zufrieden über die Lippen, zog sich endlich seine Hose aus, wobei er sehr aufreizend mit den Hüften wackelte und gab seinen wunderschönen Penis frei. Mit einem Ruck saß ich auf ihm, spürte seine Härte an meinem Eingang und ließ ihn eindringen. Durch den Plug benötigte ich keine Vorbereitung mehr. Dabei tastete er sich sachte vor, schien jeden Zentimeter auszukosten. Seine Hände umfassten meine Hüften und so dirigierte er das Tempo. Schneller und heftiger wurden seine Stöße. Unkontrolliert und sein Atem ging flacher. „Ohh…Kazu…ich fürchte ich ko-mme…“, stöhnte er auf und ergoss sich mit einem Lustschrei in mir. Ich kippte um und barg meinen Kopf in dem weichen Kissenhaufen. Kyo strich mir zaghaft über die Wange und lächelte. „Geht’s dir gut?“ Ich konnte nur nicken und küsste seine Hand. Ein bisschen skeptisch inspizierte ich meinen etwas blutverschmierten Körper und schüttelte den Kopf. „Ich fürchte ich muss noch mal duschen oder so…“ „Mhh, das stimmt wohl…Süßer ist bei dir alles wieder in Ordnung? Das vorhin hat mir kurz Sorgen bereitet“, meinte mein schöner Sänger mit einer Sorgenfalte auf der Stirn. „Kyo…das lag echt nicht an dir…du kannst in diesen Momenten nur da sein. Wie komm ich eigentlich ins Bad? Ich hab die Befürchtung ich kann keinen Schritt mehr laufen.“ „Soll ich dich tragen?“ Ich nickte und versuchte ganz unschuldig zu gucken, was mir scheinbar auch glückte. Kyo umschlang meinen Oberkörper mit seinen Armen, sodass ich meine Beine um seine Hüften legen konnte. Behutsam ließ er mich in der Dusche runter, stellte das Wasser an und begann mich einzuseifen. Noch immer völlig benommen stützte ich mich an der Wand ab, um nicht umzufallen. „Tut mir leid, dass ich gerade immer wieder solche Zusammenbrüche hab“, entschuldigte ich mich. Seine dunkelbraunen Augen fixierten mich und ich würde am liebsten darin versinken. In einem Meer aus Zartbitterschokolade. Ja dieser Vergleich traf es ziemlich gut. „Süßer…dafür musst du dich nicht entschuldigen“, erwiderte mein schöner Sänger und wusch auch sich selbst das Kunstblut ab. „Ich hoffe nur, das sagst du in ein paar Monaten immer noch.“ Sein schon fast tadelnder Blick erzielte seine Wirkung und sogleich bereute ich meine Worte, doch wiederstand dem Drang mich erneut zu entschuldigen. „Sowas überfordert mich in der Tat manchmal ein wenig…nicht, weil ich nicht damit umgehen kann, nein eher, weil es mich erschreckt, wie klein dein Selbstbewusstsein an solchen Tagen ist mein Liebling…“ Kyos Worte, insbesondere die letzten beiden ließen mein Herz vor Freude springen. Ich umarmte und küsste ihn. „Was fangen wir denn mit dem Tag eigentlich noch an? Irgendwelche Ideen?“, fragte ich schließlich. Prüfend versuchte er meinen Blick zu ergründen. „Wir könnten shoppen gehen oder nen Abstecher ins Tattoostudio machen?“ „Klingt nicht so schlecht…da gibt es nur ein kleines Problem…“, murmelte ich und Kyo verdrehte die Augen, weil er wusste, worauf ich anspielte. „Es ist mein Geld Kazu…und ich muss doch dafür sorgen dich bei Laune zu halten“, witzelte er. Ein gutes hatte mein Geburtstag tatsächlich, ich bekam wieder Lust mich mehr zu stylen und zu schminken. Und genau das tat ich dann auch und schminkte meine Augen mit schwarzen Liedschatten. Kyo legte seinen Kopf auf meine Schulter und beobachtete mich durch den Spiegel. „Wow…hab ich dir schon Mal gesagt, dass ich dich geschminkt einfach zum Anbeißen finde?“ Ich grinste nur, drehte mich um und küsste meinen schönen Sänger. „Mh, wenn ich das nicht als kleinen Vorteil nutzen kann“, überlegte ich laut und grinste bis über beide Ohren. Kyo kniff die Augen zusammen. Ich zog meinen schwarzen Strickpulli mit Kapuze aus dem Schrank. Der saß zwar recht weit, doch der Stoff trug sich super auf der Haut und das Beste war, dass er leicht transparent war. Mein Liebster seufzte hinter mir. „Du machst mich fertig…musst du allen auf der Straße zeigen, was für einen tollen Körper du hast?“, fragte er dann ein bisschen zynisch und mir entfuhr ein Lachen. „Schatz…ich gehöre dir allein und ich mag den Pulli. Außerdem, tue doch nicht so, als würde es dir nicht auch gefallen…“ „Natürlich tut es das…und hundert anderen vielleicht auch…“ Ich verleierte die Augen und zündete mir eine Zigarette an. „Super und was soll ich sagen, wenn du halb nackt auf der Bühne herum hüpfst? Da schmachten dich ja wohl auch genügend Fans an“, keifte ich jetzt leicht genervt. „Das ist was völlig anderes und gehört zu meinem Beruf.“ Ich nahm einen tiefen Zug und funkelte ihn wütend an. „Alles klar, das ich nicht lache…Kyo, du genießt es im Rampenlicht zu stehen und angehimmelt zu werden. Sei wenigstens ehrlich und verarsch mich nicht.“ „Ich bin ehrlich und ja, es gehört dazu, meinen Fans auch hin und wieder ein bisschen freizügig gegenüber zu treten…“ „…weil es dir gefällt…“, beendete ich seinen Satz. „Verdammt Kazu…ja es gefällt mir und jetzt?“ „Mehr wollte ich nicht hören und ich tue nichts anderes“, gab ich noch immer angefressen von mir, nahm einen letzten tiefen Zug und drückte die Kippe aus. „Es ist nur…du bist mein Mann…ich will dich nicht teilen und es macht mich rasend, wenn dich andere Typen oder auch Mädels so schmachtend anschauen…“ „Meinst du ich finde es cool, wenn ich bei nem Konzert von euch neben einem Mädel oder auch zwei Typen stehe, die sagen: eigentlich bin ich ja hetero, aber bei dem Sänger von Dir en Grey würde ich ne Ausnahme machen. Gut damals waren wir noch nicht zusammen, aber das war sicher kein Einzelfall. Du bist ein verfickter Sexgott da oben auf deiner Bühne Kyo. Wenn du das nicht mitbekommst bist du entweder blind oder aber echt schwer von Begriff.“ Mit einem Schritt stand er vor mir, schob sich eine Zigarette zwischen seine Lippen und zündete sie sich an. „Sexgott also? Mhh das gefällt mir, aber soll ich dir ein Geheimnis verraten mein Süßer? Es interessiert mich einen Scheiß, was ich da oben für die Menschen im Publikum bin. Okay, mir liegt viel daran, dass den Fans die Show gefällt und wenn ich mich auf der Bühne ausziehe, dann nur, weil es verflucht heiß da oben ist und nicht, weil ich irgendwem imponieren will.“ „Tust du aber, ob du willst oder nicht…sie himmeln dich an, bewundern deinen sexy Body…deine Tattoos…“, säuselte ich ihm zu und ließ meine Hände unter seinen Pulli wandern, knabberte an seinem Hals und fing den Rauch ein, den er gerade ausblies. Küsste seine wundervollen Lippen und verteilte weitere Küsse auf seiner Wange, seinem Kinn und der Halsbeuge. Das entlockte ihm ein Kichern. „Das kitzelt…“ „Quatsch…“ „Kazuki! Hör auf mir dauernd zu wiedersprechen!“, fuhr mich Kyo empört an, doch jetzt war ich es, der lachen musste. „Niemals…sonst wird es doch langweilig…“ „Du bist unmöglich…“ Ich grinste noch immer. „Warte Mal ab, bei eurem nächsten Konzert wirst du deine Meinung ändern…da wird es dir nicht mehr egal sein, ob dich deine Fans anschmachten oder nicht.“ Eine Falte bildete sich auf Kyos Stirn und er wirkte leicht irritiert. „Was hast du vor?“ Ich kratzte mich am Kinn. „Mh, vielleicht stell ich mich nackt ins Publikum.“ Seine Augen weideten sich. „Da wirst du raus geworfen…aber sowas von…“ „Ach, da sag ich, dass ich zu dir gehöre…dein persönlicher Groupie…“ Eh ich mich versah, schnappte mich mein Liebster, warf mich ohne größere Probleme über die Schulter und trommelte mit seiner flachen Hand auf meinen Hintern, der wohl gemerkt noch immer ein bisschen lädiert war, weshalb ich auch jammerte. Doch Kyo ließ sich davon nicht beeindrucken. Er stellte mich im Flur ab. „Du bist der unmöglichste Freund, den ich jemals hatte. Und jetzt lass uns shoppen gehen…vielleicht finden wir was Schönes für dich.“ Kapitel 17: auf Tour -------------------- Auf Kyos Wunsch nahmen wir Sota und Shinya noch mit auf unsere Shoppingtour. Mich rührte es sehr, wie mein Liebster versuchte mich glücklich zu machen. Sein Verhältnis zu meinem besten Freund war zwar noch immer eher distanziert, doch er scheute sich nicht mehr davor ihn einzuladen oder ihn vermehrt an unserem Leben teilhaben zu lassen. Das wusste ich sehr zu schätzen, weil ich wusste, wie schwer Kyo das fiel. Wir schlenderten durch die Shoppingmall zur anderen Seite der Stadt, denn Stylingguide Shinya kannte da rein zufällig einen kleinen Laden, der scheinbar genau meinen Klamottenstil traf. Und ich musste erstaunlicherweise feststellen, dass der Diru Drummer damit nicht ganz falsch lag, denn der Laden entsprach wahrhaftig meinen Vorstellungen. Nachdem mir Zero sein Netztop damals geschenkt hatte, war ich wieder auf den Geschmack gekommen und wollte mich, wie früher, wieder mehr so kleiden, wie ich es mochte. Das hieß viel Haut zeigen, denn ich liebte bauchfreie Tops, alles mit Netzoptik oder was eben transparent war. Die letzten Jahre beschränkte sich meine Kleiderwahl eher auf T-Shirt und Kapuzenpulli, doch das sollte jetzt ein Ende haben. Ich beschloss wieder mehr ich zu sein, denn vielleicht half mir das ja auch dabei, meine Probleme in den Griff zu bekommen. Ich schaute mich also in dem Laden um und drückte alles, was mir zusagte, Kyo in die Hand. Bei manchen Teilen warf er mir leicht skeptische Blicke zu, nahm es jedoch hin. Als ich schließlich drei Hosen und fünf Oberteile zusammen hatte, begab ich mich in die Umkleidekabine. In die mit Reisverschlüssen und Nieten verzierte Hose musste ich mich, trotz meiner schlanken Gestalt, doch ganz schön rein zwängen. Doch sie passte und gefiel mir. Das passende Top, ebenfalls mit Reisverschlüssen, zog ich darüber. Es reichte mir bis knapp über den Bauchnabel und selbstsicher trat ich aus der Kabine. Meine Freunde lächelten und hoben den Daumen. Nur Kyo ließ sich nicht so leicht in die Karten schauen. Na schön, dann musste ich noch ein bisschen mehr an der Oberfläche kratzen, denn schließlich wollte ich ja auch ihm gefallen. Ich legte das erste Outfit beiseite und schlüpfte in die zweite, kakigrüne Hose mit ein paar Löchern. Eine Weile überlegte ich, welches Oberteil am besten darauf passen könnte und entschied mich schließlich für den leichten Strickpulli. Auch mit dieser Wahl schienen meine Freunde mehr als zufrieden zu sein. Jetzt Hose Nummer drei. Mir gefiel die Lederoptik, die an den Außenseiten der Beine offen war und nur durch Schnürungen hielt. An dem Netztop mit Kapuze hatte ich unmöglich vorbeigehen können und ich fand es stand mir sehr gut. Ein letztes Mal trat ich aus der Kabine und mein Blick galt nur meinem schönen Sänger. Dieser kaute auf seiner Unterlippe herum, worauf ich grinste. Ich oder bessergesagt Kyo kaufte mir alles und anschließend kehrten wir noch im Tattoostudio ein. Ich erkannte das Mädel mit den pinken Haaren wieder, was mich etwas verwunderte, da ich sie ja in Tokyo in dem Laden getroffen hatte. Auch sie schien mich wiederzuerkennen. „Oh hey…Tokyo oder? Aber, da sah dein Freund irgendwie anders aus“, flüsterte sie mir zu. „Das lag wohl daran, dass das damals nicht mein Freund war…der hier hingegen schon…“ Ihr stieg eine leichte Röte ins Gesicht. „Oh nein, das ist ja jetzt mega peinlich…egal, was kann ich für dich tun?“ „Mh, du hast nicht gerade zufällig Zeit für einen kleine Tattoosession?“ „Zufällig hab ich das, ja. Eine Kundin musste absagen, weil sie krank wurde. Also, was schwebt dir vor?“ Ich zeigte ihr den Entwurf von der Schlange, die sich vom Hüftknochen bis über meine Seite schlängeln sollte. „Okay, das würde so etwa drei Stunden in Anspruch nehmen.“ Ich warf meinem Liebsten einen fragenden Blick zu und er nickte nur. „Treffen wir uns später zum Essen irgendwo?“ „Klar.“ Kyo beugte sich eher zurückhaltend vor und seine Lippen berührten meine Wange. Ein scheues Lächeln huschte über sein Gesicht doch es erwärmte mein Herz und ich erwiderte es. Aki, wie sich mir die pinkhaarige Tätowiererin vorstellte, führte mich anschließend zu dem hinteren Teil des Studios und wies mich an, auf der Liege platz zu nehmen. Ich legte mich hin und schob den Pulli hoch. Sie zeichnete den Entwurf nach und platzierte ihn auf die gewünschte Stelle, hielt mir einen Spiegel vor und warf mir einen fragenden Blick zu. „Ja, das gefällt mir.“ Ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde und ob es sehr schmerzhaft werden würde. Deshalb schloss ich meine Augen, als das Surren der Nadel einsetzte. Ein minimaler Schmerz setzte ein, doch nicht so schlimm. Eher von angenehmer Art und ich atmete erleichtert aus. „Kazuki…soll ich die Narben ein bisschen übertätowieren?“, fragte Aki vorsichtig und ich bejahte ihre Frage. Ich merkte den Unterschied, als sie die Nadel wechselte, weil sie mit den Umrandungen fertig war und sich jetzt ans Ausmalen machte. Dabei veränderte sich der Schmerz, wurde stärker und flächiger, doch noch immer nicht unerträglich. „Sag Mal…dein Freund…er erinnert mich stark an Kyo von Dir en Grey…“ Ich musste grinsen. „Mh, das wäre möglich…nur ist er in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend…will es nicht ganz so an die große Glocke hängen.“ Die Pinkhaarige unterbrach ihre Arbeit für einen kurzen Augenblick und sah mich erstaunt an. „Ooookay…das heißt, du bist tatsächlich mit dem Sänger von Dir en Grey zusammen?“, fragte sie erstaunt. „Ähm ja…das bin ich wohl. Manchmal kommt selbst mir das so surreal vor…aber ja…wir sind zusammen und das jetzt schon fast ein Jahr.“ Das Mädchen schüttelte nur mit dem Kopf. „Verrückt…ich dachte immer er ist so unnahbar…klar manchmal sieht man ihn in Interviews und so, aber sonst hält er sich ja eher bedeckt…man weiß eben nur, dass er eher der…naja…wie soll ich sagen…“ Sie haderte mit ihrer Wortwahl, was mich zum Schmunzeln brachte und ich konnte es ihr nicht verübeln. „Griesgrämig und launisch? Nenn das Kind ruhig beim Namen…dafür ist Kyo bekannt, doch er kann auch anders sein, nur zeigt er das nicht allen.“ „Wow…das ist irgendwie cool. Wie ist er denn so?“ „Naja, sehr einfühlsam, liebenswert und fürsorglich. Manchmal ein wenig besitzergreifend und leicht reizbar, doch damit kann ich mittlerweile ganz gut umgehen. Kyo ist ein wundervoller Mensch, wie auch der Rest der Band.“ „Oh mein Gott, klar, wenn du ihn kennst, kennst du auch die anderen…ich lieeeebe Dir en Grey…sie haben meine Jugend geprägt.“ Wieder musste ich lachen. „Tja nicht nur deine.“ Aki konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit und schwieg. Auch ich entspannte mich wieder mehr und schloss meine Augen einen Moment. Nur das summende Geräusch der Nadel in den Ohren. „Darf ich fragen, wie ihr euch kennengelernt habt?“ „Klar…ab und zu geb ich kleine Konzerte in ner Bar hier in Kyoto und da tauchte Kyo eines Abends auf, schaute mir zu und irgendwann lag eine Konzertkarte für mich da. Ich ging hin und eine Woche später folgte die Einladung in den Proberaum der Jungs…wir haben uns unterhalten, sind uns näher gekommen und dann ist es eben passiert…“ Den schlimmen Teil ließ ich absichtlich aus. Musste ja nicht jeder wissen, wie ich drauf war. „Klingt sehr süß…so, ich wäre dann fertig.“ Mit dem Endergebnis war ich mehr als zufrieden. Aki deckte das Tattoo noch mit Folie ab und gab mir eine Creme mit. Ich schrieb Kyo und fragte, wo sie denn waren und er meinte, wir könnten uns in einem Restaurant zwei Straßen weiter treffen, also schlug ich den Weg dorthin ein. Da ich als erster eintraf, suchte ich uns einen Tisch aus und wartete auf meine Freunde. Blätterte die Karte durch und bestellte einen Tee. Dann betrat mein bester Freund das Restaurant als zweiter und gesellte sich zu mir. Natürlich wollte er sofort mein Tattoo sehen und ich zeigte es ihm. „Kyo und Shinya wollten noch was besorgen“, beantwortete er meine unausgesprochene Frage. Doch ich vermutete, dass mein schöner Sänger einfach noch ein bisschen Zeit mit seinem Freund verbringen wollte. „Hat es sehr weh getan?“, erkundigte sich Sota, doch ich schüttelte mit dem Kopf. „War echt erträglich…hast du Lust demnächst noch Mal was zu unternehmen? Ich meine bevor ich dann ne Weile weg bin…“ „Wohin gehst du denn?“ „Mit den Jungs auf Tour…Kyo wollte, dass ich mitkomme.“ Mein Freund zog die Augenbrauen hoch. „Mhh, okay. Und willst du das auch? Ich meine die Jungs werden da sicher sehr beschäftigt sein und so.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Schon, aber ich glaub Kyo braucht mich…er wirkt zwar gerade stark, aber vor allem in Konzertmomenten wird er sehr emotional und naja…“ Sota schaute mich lange an. „Braucht er dich oder du ihn? Könntest du es ohne ihn hier aushalten Kazu-chan?“ Ich schluckte und wusste, dass das fast unmöglich war. „Vermutlich nicht…es würde mich wahnsinnig machen und ich bin ein bisschen froh, dass er mich gefragt hat, ob ich mitkommen will.“ „Begib dich nur nicht in eine Abhängigkeit Kazu…“ „So ist es nicht Sota…“ „Ihm hast du erzählt, was damals passiert ist oder?“, fragte mein Freund etwas reumütig. Ich biss mir verlegen auf die Unterlippe und das schlechte Gewissen wallte auf. „Jaaa, schon…nur weil es von Bedeutung war…Sota, ich finde gerade erst mein Selbstvertrauen wieder und irgendwann werde ich auch mit dir drüber reden können…ich glaub bei Kyo war es einfacher, weil er ähnliches durchmachen musste.“ „Verstehe…“, sagte er, aber wirkte dennoch enttäuscht. Deshalb legte ich meinen Arm um ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Das verwirrte ihn sichtlich und ich grinste. „Siehst du…das hätte ich früher nicht gekonnt…weil ich niemanden in meine Seele blicken lassen wollte, doch das wird langsam anders. Ich verspreche dir, dass ich dir irgendwann alles erzähle Sota, doch bitte hab vertrauen und gib mir Zeit.“ Jetzt huschte ein Lächeln über seine Lippen und sein Kopf sank gegen meine Schulter. In dem Moment betraten Shinya und Kyo das Restaurant. Schnell ließ mein Freund von mir ab und selbst wenn Kyo dieses Bild gerade nicht gepasst hatte, ließ er sich nichts anmerken. Wir bestellten Essen und kehrten danach nach Hause zurück. Sota und Shinya machten sich auch auf den Heimweg und ich beschloss meine neuen Klamotten noch zu waschen. Jetzt inspizierte mein schöner Sänger zum ersten Mal mein Tattoo. „Hübsch“, bemerkte er dann und machte sich ans Packen seiner Tasche. Immerhin begann die Tour in zwei Tagen, wobei die ersten beiden Konzerte in Kyoto stattfinden würden, dann Sendai, Tokyo, Fukuoka, Niigata und schließlich Nagoya. Anschließend würde es weiter nach Russland gehen und zwei Tage später nach Europa. Ich war total aufgeregt, da ich die japansiche Insel noch nie verlassen hatte. Da mir noch ein paar Accessoires fehlten, wollte ich noch einkaufen gehen und auch Kyo hatte noch einiges zu erledigen, also beschlossen wir uns am Abend in der Wohnung zu treffen. Ich schrieb meiner Schwester spontan, ob sie nicht Lust auf einen Kaffee hätte und sie freute sich riesig. Ich schlüpfte in meine neue Lederhose, zog darüber ein regenbogenfarbenes T-Shirt und meinen schwarzen Strickmantel. Ein bisschen schminken wollte ich mich auch noch und mein Make-up fiel schwarz grün aus. Zufrieden mit dem Resultat machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Yuna staunte nicht schlecht, als sie mich erblickte und umarmte mich. Natürlich entgingen mir auch die Blicke diverser Passanten nicht, doch ich störte mich nicht daran. Es tat gut so anders zu sein. Meine Schwester erzählte mir, dass sie in zwei Tagen umziehen wollte. „Da könnte ich dir sogar noch helfen. Die ersten beiden Konzerte sind hier in Kyoto, dann geht’s weiter weg.“ „Oh das wäre super lieb…aber es kann sein, dass Mama oder Papa auch helfen kommen…“, erwiderte sie nach einem Moment des Zögerns. Ich zuckte nur mit den Schultern. „Dann mach ich mich doch ganz besonders hübsch. Ich glaub ich halt das aus Yuni.“ Sie lächelte. „Ich bin froh, dass wir uns wieder verstehen…du hast mir echt gefehlt.“ Ich drückte ihre Hand liebevoll und trank meinen Kaffee leer. „Ich mich auch…wann geht es denn morgen los?“ „So 10 Uhr? Der Transporter steht schon bereit und muss nur noch zur neuen Wohnung gefahren werden. Ich schreib dir die Adresse, da kannst du dort hin kommen.“ „Klar, gerne. Also dann bis morgen.“ Wir umarmten uns noch und ich trat den Heimweg an. Auch mein schöner Sänger schien schon da zu sein und es roch verlockend gut nach Essen. Ich spähte in die Küche und fand Kyo am Herd stehen. Mit türkisenen Haaren. Ich konnte nicht anders und musste diesen meeresblauen Flausch auf seinem Kopf einfach anfassen. Also wuschelte ich ihm durchs Haar und schon drehte er sich abrupt um. „Scheint dir ja zu gefallen“, murrte mein süßer Griesgram wie immer. Ich hatte auch nichts anderes erwartet und lachte nur. „Sexy…ich freue mich dich morgen auf der Bühne zu sehen“ säuselte ich und zog meinen Strickmantel aus, um ihn über die Stuhllehne zu hängen. „Vielleicht sollte ich dich doch hier lassen“, überlegte mein schöner Sänger, doch nahm ich seine Worte nicht ernst und schenkte mir Wasser in ein Glas. „Tue, was du nicht lassen kannst“, antwortete ich gespielt beleidigt, doch zu meinem Bedauern reagierte Kyo nicht darauf. Das Abendessen verlief weitestgehend schweigend und danach verschwand mein Liebster in seinem Arbeitszimmer. Ich konnte mir denken, dass er vor einem Konzert seine Ruhe haben wollte, um sich darauf vorbereiten zu können und doch hätte ich mir gewünscht, dass er den Abend mit mir verbrachte. Doch auch ich merkte die Müdigkeit und machte mich deshalb bettfertig und verschwand im Schlafzimmer. Nebenan vernahm ich Kyos Stimme, die mich allmählich in den Schlaf sang. Am Morgen, als ich erwachte, war er schon wieder außer Haus und ich fand nur einen Zettel mit der Adresse, wo das Konzert stattfand, vor. Darunter hatte er geschrieben, ich solle ihm schreiben, wenn ich dort sei. Hatte er überhaupt im Bett geschlafen, fragte ich mich dann, als ich eine heiße Dusche nahm. Oder hatte er die Nacht im Arbeitszimmer verbracht? Ich konnte es nicht sagen. Die Klamotten vom Vortag konnte ich ein weiteres Mal tragen, zumindest beim Umzug meiner Schwester. Ich wartete am Haus und schon wenige Minuten später traf der schwarze Transporter ein. Mein Herz setzte einen Moment aus, als ich meinen Vater am Steuer sitzen sah. Jetzt bloß keine Schwäche zeigen. Langsam schritt ich auf Yuna zu und begrüßte sie. Auch ihrer Freundin sagte ich Hallo, nur meinem Vater nicht. Wir schleppten Möbel die Treppe hinauf und dann kam es, wie es kommen musste. Für die große Couch waren zwei starke Männer gefragt. Schließlich rang ich mich dazu durch und half meinem Erzeuger beim Tragen. Zuvor hatte ich es immer geschickt geschafft ihm aus dem Weg zu gehen. Entweder war ich oben und er unten oder umgekehrt. Doch jetzt standen wir uns gegenüber. Nur ein helles Ledersofa trennte uns voneinander. Dennoch schwieg ich eisern. Plötzlich ließ er das Sofa los und da ich am unteren Ende stand, bekam ich Schwierigkeiten diesen Klotz zu halten und stemmte mich mit ganzer Kraft dagegen. „Wenn du mich wie Luft behandelst, sehe ich auch keinen Grund die Couch mit dir zu tragen“, gab er hämisch von sich und meine Arme begannen zu zittern, weil ich langsam nicht mehr dagegen halten konnte. „Können wir…das später…klären…“, bat ich ihn und er packte das Sofa wieder und wir trugen es nach oben in den dritten Stock. „Und wie läufst du überhaupt rum…ich bin wirklich froh, dass du nicht mehr zu Hause wohnst…das ist ja eine Schande für die Familie. Hoffentlich erkennt das auch deine Schwester wieder.“ „Bla bla bla…immer noch dasselbe Gelaber wie vor zehn Jahren. Fällt dir nichts Neues ein?“ „Und tätowiert bist du jetzt auch…nicht zu fassen, dass du mein Sohn sein sollst. Ich frage mich wirklich, wer sowas schön findet?“ „Du wirst es kaum glauben, aber es gibt Menschen, die mögen mich so, wie ich bin.“ „Das sind dann sicher auch solche Bekloppten…anders kann ich mir das nicht erklären…“ Auf einmal und ich war mir nicht sicher woher ich diese Kraft schöpfte, überkam es mich. Ich unterbrach ihn mitten im Satz. „Schön, ich hab es kapiert…schon vor langer Zeit und wenn du mich als Schwuchtel oder was auch immer beschimpfen willst…tue dir keinen Zwang an. Ich stehe drüber und weißt du auch warum? Weil ich mit einem wundervollen Mann zusammen bin und im letzten Jahr durch liebenswerte Menschen erfahren habe, was es heißt geliebt zu werden. Also spar dir dein Gelaber für jemanden, den es interessiert. Und jetzt rede besser mit Leuten, die sich auf deinem Niveau befinden. Zu denen gehöre ich zum Glück nicht.“ Mit diesen Worten drehte ich mich und lief einer sprachlosen Yuna in die Arme, die mich mit großen Augen anstarrte. Ich grinste nur, umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Ist es okay wenn ich gehe Süße? Muss mich für’s Konzert fertig machen. Sonst bekomm ich Ärger mit dem Chef“, scherzte ich und nun schien auch mein Schwesterchen wieder aus ihrer kurzzeitigen Starre zu erwachen. „Ähm klar. Sag liebe Grüße und vielleicht kann ich morgen mitkommen?“ „Ich frag Kyo mal und meld mich dann bei dir.“   Zu Hause sprang ich schnell unter die Dusche, stylte und schminkte mich. Dann gab ich meinem schönen Sänger Bescheid, dass ich unterwegs war. Er lotste mich zum Hintereingang der Location und führte mich zum Backstage. Ich fühlte mich sehr wichtig und insgeheim taten mir die ganzen Fans leid, die vor den noch geschlossenen Türen warten mussten und Kyo und die anderen teilweise nur ganz klein sahen. Seine Laune wirkte noch immer angespannt und er erschien mir sogar leicht nervös zu sein. Über seinem dunkelgrauen Sportanzug trug er noch einen bunten Kurzmantel. Wenn das mal nicht warm auf der Bühne wurde. Dieser Gedanke ließ mich schmunzeln. Er war gerade noch damit beschäftigt sein Make-up zu vollenden und ich schaute ihm vom Sofa aus dabei zu. Die ließ sich neben mir nieder und seine blonden Locken fielen ihm wie flüssiges Gold über die Schultern. „Wow…hübsch.“ „Danke…vielleicht solltest du dieses Kompliment heute auch noch an andere Menschen in diesem Raum hier weitergeben“, flüsterte mir der Gitarrist zu und zwinkerte aufmunternd. „Das hab ich vor, sobald er mit schminken fertig ist…“ Als wäre das sein Stichwort gewesen, erhob sich Kyo von seinem Schminkspiegel und ließ sich neben mir nieder. Seine Augen musterten mich aus den eisblauen Kontaktlinsen. „Hey Baby…alles klar?“, fragte ich meinen schönen Sänger und er seufzte tief. „Kommst du noch mit eine rauchen?“ „Sicher.“ Kyo ergriff meine Hand und zog mich mit sich an die frische Luft. Die Tür ließ er einen Spalt breit offen, damit wir wieder hinein kamen. „Hab ich dir heut schon gesagt, dass ich dich liebe Kazu?“ Ich grinste und schüttelte mit dem Kopf. „Nein hast du nicht…und ich liebe dich auch“, entgegnete ich und stibitzte Kyo seine Zigarette, worauf er mich mahnend ansah, doch mittlerweile wusste ich, dass ich diesen Blick nicht ernst nehmen musste. „Was hast du heut eigentlich gemacht?“ „Yuna beim Umzug geholfen…mein Dad war auch da…“ Auf einmal war sein Blick voller Sorge, aber ich lächelte. „Alles gut…ich hab ihm die Meinung gesagt, dass er ein echt beschissener Mensch ist. Das war’s…mir geht’s super, wirklich. Darf ich dich küssen oder verschmiert dann dein Make-up?“ Ohne zu antworten, zog mich Kyo an sich und ich versank in seinem Kuss. Himmel, diese Mischung aus Parfum, seinem Geruch und dem Geschmack seiner Lippen ließen mich schweben. „Ich muss langsam wieder rein Süßer…kommst du mit und schmachtest mich vom Publikum aus an?“ Ein Lachen entfuhr mir. „Auf jeden Fall.“ Auch die anderen Diru Members waren jetzt in der Garderobe versammelt und wir brachen auf in Richtung Bühne. Ich mischte mich unter die bereits tobenden Fans und schaffte es sogar mich in die vorderste Front vor zu kämpfen. Ich stand neben einer Horde Mädels und zwei Jungs. Nach wenigen Minuten setzte das Intro ein und die Menge jubelte. Schrie den Namen der Band und ich bekam eine Gänsehaut. Eines der Mädels erklärte dem anderen, dass zuerst Shinya auf die Bühne kam und dem war auch so. Der hochgewachsene Drummer grüßte seine Fans und nahm hinter seinem Schlagzeug platz. Gefolgt von Die, Toshi und Kaoru. Wahrscheinlich fiel nur mir die liebevollen Blicke auf, die der blonde Gitarrist seinem Bassisten zuwarf. Alle jubelten. Doch dann schwoll das tosende Gejubel ums dreifache an und auch mein Herz schlug schneller, als Kyo sein Reich betrat und die Musik einsetzte. Seine leicht aggressive Stimme erfüllte den Raum und neben mir flippten die Mädels völlig aus. Devote my life ließ die Menge tanzen und hüpfen. Die Girls neben mir konnten nahezu jedes Wort mitsingen, was mich in Anbetracht dessen, dass Kyo viel growlte, schon fast beeindruckte. Ich versuchte ihn mit meinem Blick zu folgen und ihn dazu zu bekommen, mich anzuschauen. Doch ich könnte auch verstehen, wenn er mich mied. Ab und zu schweiften meine Augen zu Die und Toshi. Zuckersüß, wie sich die beiden ganz heimlich miteinander flirteten.   Zatsuon no sekai Kimi wa nani ga hoshii? Jikkan shita mirai ni kiite goran yo We will not give up Imi no nai tamerai kizu to Jūsūnen kokoro wa mujin Herahera Pechakucha shaberu gomidomo ga Kusari hitotsu mogenai kai inu Fall   Auch ich bewegte meine Lippen stumm zu Utafumi. Die Mädels neben mir kreischten wie blöd, als sich Kyo seines Kurzmantels entledigte. Naja, jetzt gab es nur noch eine Schicht, die er ablegen konnte und insgeheim freute ich mich schon sehr darauf. Hoffentlich wurde ihm schnell warm. Doch zu meinem Bedauern blieb er bis zur Zugabe angezogen. Erst, nachdem die Jungs ein zweites Mal die Bühne betraten, kam mein schöner Sänger oben ohne und unsere Blicke trafen sich tatsächlich. Er zwinkerte mir unauffällig zu und ich schickte ihm einen stummen Kuss. Und jetzt bewegte er sich elegant zu den Klängen der Musik, zeigte vollen Körpereinsatz und ich hasste ihn ein bisschen dafür. Auch mir wurde viel zu heiß bei diesem Anblick, deshalb zog ich mein T-Shirt aus, denn darunter trug ich mein Netztop. Das Shirt stopfte ich in meine Umhängetasche und bewegte mich zur Musik. Wissend, dass mich Kyo hoffentlich genauso anschmachtete, wie ich ihn gerade. Leider verging dieser musikalische Zauber viel zu schnell und die Jungs verschwanden hinter der Bühne. Auch ich drängte mich in Richtung Backstage, zeigte mein Bändchen und fand die fünf umringt von fast tollwütigen Fans. Nein, vier. Wo war Kyo schon wieder? Hatte er etwa die Flucht ergriffen? War ihm fast zuzutrauen, deshalb beschloss ich ihn suchen zu gehen. Im Backstage fand ich ihn nicht, deshalb ging ich nach draußen. Dort stand er rauchend und noch immer oben ohne. Ich lehnte die Tür an und fing die vereinzelten Schweißtröpfchen mit den Fingern auf, die seinen Oberkörper benetzten. Er sog die Luft ein und schloss die Augen, während ich ihn berührte. Genüsslich zog er an seiner Zigarette und blies den Rauch aus. Ich fuhr die Umrisse seiner Tätowierungen nach, wie ich es so gern tat und benetzte seinen verschwitzten Körper mit Küssen. „Wir sollten rein gehen…“, hauchte er mir zu und wusste, dass er mich schon wieder völlig verrückt machte. Ich wartete im Backstage, während er duschte. Danach fuhren wir nach Hause, weil Kyo für morgen fit sein wollte.   Die nächsten Konzerte in Japan verliefen ähnlich und Mal mischte ich mich unters Volk, mal schaute ich vom Rand aus zu. Kyo und ich teilte sich ein Zimmer, als die Jungs außerhalb von Kyoto spielten. An manchen Tagen wirkte er sehr versunken, da ließ ich ihn eher allein, doch an anderen Tagen überschüttete er mich mit seiner Liebe und davon konnte ich nicht genug bekommen. So rückte unsere Reise nach Russland und Deutschland immer näher und somit auch die Aufregung. „Deutschland ist super, da gibt’s gutes Bier und die interessieren sich nicht unbedingt dafür, ob man tätowiert ist oder nicht. Scheinen wirklich tolerant zu sein. Aber überzeug dich selbst Kazu-chan. Fakt ist nur, wenn du da so rum läufst, wie hier, vernaschen dich die Mädels vermutlich schneller, als du gucken kannst“, ärgerte mich Toshi und ich gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf. Den letzten Abend, bevor unser Flug nach St.Petersburg ging, verbrachten wir in einem Hotel nahe des Flughafens. Ich stand auf dem Balkon, um eine zu rauchen. Mein schöner Mann umfing mich von hinten mit seinen Armen und legte seinen Kopf auf meine Schulter. „Bist du bereit mit mir fremde Welten zu erkunden?“ Ich musste kichern. „Immer…kann ich dich was fragen?“ „Klar…“ „Naja, es ist weniger eine Frage…eher eine Bitte…falls ich dir irgendwie auf die Nerven gehe oder du mehr Zeit für dich brauchst, sag mir das bitte…ich möchte nicht, dass du dich bedrängt fühlst oder so…“ Kyo schob seine Hände unter mein Oberteil und küsste mich im Nacken. Seine Fingerspitzen massierten meine Brustwarzen und ich seufzte wohlig. „Hör auf sowas zu denken mein Schatz…komm lieber mit ins Bett…ich finde ich habe eine Belohnung verdient“, säuselte er mir ins Ohr und ich folgte diesem schönen Mann. Hinter uns schloss ich die Balkontür. Kapitel 18: Finnland I ---------------------- In Russland hatten wir leider nicht sehr viel Zeit irgendwas anzuschauen, da unser Zeitplan sehr knapp und organisiert getaktet war. Aber vielleicht ergab sich ja eine Möglichkeit irgendwann hier her zurück zu kommen, denn diese Städte faszinierten mich ungemein. So ganz anders als Japan. Die Jungs hatten noch ein Bandtreffen, an dem ich nicht teilnehmen musste, stattdessen schrieb ich mit Sota und erzählte ihm alles und schickte ihm Bilder. Auch er war erstaunt von dieser Architektur hier. Den prunkvollen Bauten und der anderen Mentalität. Trotz Klimaanlage fühlte ich mich, als würde ich zerfließen und öffnete die Balkontür. Dann legte ich mich zurück auf’s Bett und surfte im Internet. Ich kam mir ein bisschen groupiemäßig vor, als ich nach älteren Konzertberichten oder allgemeinen Infos zu Dir en Grey suchte. Schließlich konnte ich die Jungs auch jederzeit alles fragen, was ich wollte. Doch ab und an suchte ich trotzdem nach spannenden Stories im Netz. Bis auf Gemunkel, wer mit wem zusammen sein könnte oder eben Spekulationen fand ich dazu ohnehin nicht viel oder eben das übliche auf den Websites und so langsam döste ich auch weg. Im Halbschlaf bekam ich mit, wie sich Kyo zu mir legte und sich an mich kuschelte. Ich grinste und drehte mich zu ihm. „Du bist ja noch wach“ „Ein bisschen…alles gut bei euch?“ „Ja…bin nur müde…war ein langer Tag“, nuschelte mein schöner Sänger ins Kissen. „Wann müssen wir morgen aufstehen?“ „Zu früh…deshalb muss ich jetzt schlafen Süßer…“ „Mh okay…“, murrte ich ein bisschen enttäuscht, doch konnte es auch nachvollziehen. Schließlich zogen sich die Konzerte schließlich schon knapp zwei Wochen.   Unsere nächste Station sollte Finnland sein. Um genau zu sein, Helsinki, die Hauptstadt. Tatsächlich reizte mich dieses Land von allen am wenigsten, doch als ich vom Flugzeug aus dem Fenster schaute, überwältigte mich der Anblick. Viele Wälder und Seen erstreckten sich unter uns, doch in einer Weite die beeindruckte. Die Natur hier wirkte so unberührt und mich hätte es nicht gewundert, wenn neben uns jetzt plötzlich ein Drache auftauchen würde. Die perfekte Fantasylandschaft eben. Ich konnte es kaum erwarten zu landen und mehr von diesem Land zu sehen. Vom Flughafen fuhren wir mit einem Taxi zum Hotel Seurahuone, welches sich nach Kaorus Aussage mitten im Zentrum befinden sollte. Auch auf dem Weg in die Stadt wirkte die Landschaft nicht weniger schön. Aus dem Radio erklang Rockmusik und der Leader unterhielt sich angetan mit dem Taxifahrer. Was mir sofort auffiel war, dass hier in Helsinki die Zeit um einiges langsamer lief als in Kyoto. Die Menschen schienen gelassener und kaum gestresst. Das beeindruckte mich noch mehr, wie auch ihre Freundlichkeit. Und da wir einen Tag vor dem Konzert ankamen, blieb uns auch noch etwas Zeit, um die Stadt zu erkunden. Am liebsten würde ich mich sofort auf den Weg machen, doch Kyo schien noch ein bisschen ausruhen zu wollen, deshalb suchte ich raus, wohin wir alles gehen mussten. Die Konzertlocation befand sich gleich in der Nähe des Hotels, wie auch eine gut bewertete Bar namens Steam. Und dort musste ich unbedingt hin, denn diese Bar schien komplett im Steampunkstil eingerichtet zu sein. Ich speicherte alle Infos auf meinem Handy. Essen würden wir sicher im Hotel. Mein schöner Sänger schlief noch immer, doch es war bereits fast 17 Uhr, deshalb beschloss ich duschen zu gehen und mich dann fertig zu machen. In den letzten Wochen hatte ich auch wieder ein paar Kilo zugenommen, doch so, dass ich mir selbst wieder mehr gefiel, wie auch mein Tattoo. Wenn die Tour vorüber war, wollte ich unbedingt mehr davon. Mit einem Handtuch um die Hüften trat ich aus dem Bad und suchte meine Sachen zusammen. „Was für ein Anblick.“ Ich grinste und drehte mich Richtung Bett. Kyo lag mit verschränkten Armen hinter dem Kopf und nur in Unterhose dort und grinste mich an. In seinen dunklen Augen glitzerte dieser Lustfunken und schon schoss mein Puls wieder auf 180. Der Mann, den so viele Menschen gerade täglich auf der Bühne performen sahen. Der Mann, der Hallen mit seiner Musik erfüllte. Der Mann, der es schaffte täglich Mengen zum Toben zu bringen lag hier vor mir und wartete darauf, dass ich wieder zu ihm ins Bett kroch, damit er unanständige Dinge mit mir anstellen konnte. Oh wie ich ihn liebte, mein wandelndes Kunstwerk. „Schatz, ich weiß nicht, was du gerade denkst, nur sieht es schwer danach aus, als würde es etwas mit Sex zu tun haben…in dem Falle fände ich es wunderbar, wenn du mich an deiner verruchten Gedankenwelt teilhaben lässt…“ „Aber ich würde mit dir auch gern noch ein bisschen in die Stadt gehen…“ „Dann solltest du mich nicht so anschauen oder so halbnackt vor mir hertänzeln.“ Ich musste lachen und kroch zu meinem hübschen Sänger. Er zog mich auf sich, wobei mein Handtuch verrutschte und noch mehr meiner Nacktheit entblößte. „Sorry, aber ich kann ja schlecht mit Klamotten duschen.“ „Ich habe dich in den letzten Tagen ganz schön vernachlässigt, obwohl ich auf der Bühne an nichts anderes denken konnte, als an deinen wunderschönen Körper…und ja, auch ich schmachte dich ein bisschen an, wenn du mich von da unten so anhimmelst…“, raunte mir Kyo zu. „Schön, dass mein Plan funktioniert…“, antwortete ich erheitert. „Wie geht es dir eigentlich?“, fragte er auf einmal etwas besorgt und ich schenkte ihm ein liebevolles Lächeln. „Gerade könnte es mir nicht besser gehen…ich befinde mich mit dem schönsten Mann der Welt in Helsinki in einem Luxushotel…was will ich mehr?“ Kyo erwiderte mein Lächeln. „Wow…es ist schön, wenn du sowas sagst…“ In Momenten wie diesen wurde mir wieder vor Augen gehalten, wie verletzlich mein schöner Sänger doch in Wirklichkeit war und wie viel Mühe es ihn kosten musste mir sein Vertrauen entgegen zu bringen. Ich senkte meinen Kopf hinab und küsste ihn. Ganz sanft, um ihm zu zeigen, wie sehr ich ihn liebte. „Weil es die Wahrheit ist…du bist so, so wundervoll und ich will jetzt mit dir in diese Bar gehen. Hier können wir wir sein…müssen uns nicht verstecken. Können auf der Straße rauchen und trinken und allen ist es scheiß egal, wie wir aussehen, was wir tragen und ob wir uns in der Öffentlichkeit küssen.“ „Oh mein Liebling…womit hab ich dich Süßes nur verdient…“ „Schicksal…“, erwiderte ich etwas theatralisch und brachte Kyo herzhaft zum Lachen. „Mein kleiner Spinner. Na dann, zieh dir was an. Nehmen wir den Chaoshaufen eigentlich auch mit?“ „Warum nicht. Oder glaubst ihr, ihr werdet hier gleich erkannt?“ „Keine Ahnung, weiß ja nicht, wie die Finnen so drauf sind…im schlimmsten Fall müssen wir wegrennen oder so…“, erwiderte er schulterzuckend. Dann schrieb er den Jungs und wir verabredeten uns in einer halben Stunde an der Rezeption. Irgendwie tat mir Kaoru ein bisschen leid, weil Zero in Japan hockte und er es mit uns Pärchen aushalten musste. Naja und Shinya auch, aber der war in Sachen Beziehung ohnehin ein Mysterium. Ich wusste nicht Mal, ob er auf Frauen oder Männer stand. Oder auf beides? Vielleicht sollte ich ihn Mal danach fragen. Ich weihte die Jungs in meine Pläne ein und schlug ihnen vor ins Steam zu gehen. Bewaffnet mit meinem Handy und Google Maps lotse ich den Chaoshaufen in Richtung Bar. Auch Die und Toshi gaben sich hier ein bisschen offener. Scherzten und flirteten mehr auf der Straße als sonst. Recht schnell erreichten wir die Bar und es war der absolute Hammer. Über der Theke hing ein Schiff und sonst fand man überall Anker, Steuerräder und Sitznischen mit verschnörkelten Lampen, die den Raum in ein gedimmtes Licht tauchten. Ich hatte mich auch über diverse Getränke informiert und scheinbar sollte es einen gewissen Lakritzschnaps geben, den man unbedingt probieren musste, wenn man in Finnland war. Natürlich fand Die, der Trunkenbold sofort Gefallen an diesem Drink und holte gleich noch eine Runde. Wir hatten einen Platz in einer der lederbezogenen Sitznischen gefunden und stießen auf die bisher sehr erfolgreiche Tour an. Toshi flüsterte seinem Liebsten irgendwas ins Ohr, worauf Kao nur mit den Augen rollte. „Außerhalb von Japan sind die beiden Turteltäubchen kaum voneinander los zu bekommen“, beschwerte er sich in meine Richtung sagend, doch dabei lag ein amüsiertes Lächeln auf seinen Lippen. „Tja, ich kann es ihnen nicht verübeln…dahingehend ist Japan wirklich etwas hinterher…Ist es eigentlich okay für dich, dass ich dabei bin?“, fragte ich ein bisschen besorgt, da ich Kao nie nach seiner Erlaubnis gefragt hatte. Wobei das Kyo sicher nicht versäumt hatte, aber dennoch wollte ich das hier und jetzt geklärt haben. „Aber klar doch Kleiner…alles gut. Und abgesehen davon scheint es Tooru ja sehr glücklich zu machen.“ Der Leader zwinkerte mir zu und erhob sein Glas mit dem Granberry Loncoro. Ein weiteres Getränk, was mir meine „To-Do-List“ wärmstens empfohlen hatte und ich musste gestehen, das Zeug schmeckte himmlisch. „Dann bin ich beruhigt…war Zero auch schon Mal mit euch auf Tour?“ „Nein…aber ich hab ihn auch noch nie gefragt…warum hat er sich beschwert?“ „Nee, dachte nur, weil ihr ja schon ne lange Zeit voneinander getrennt seid.“ Kao lachte zwar, doch in seinen Augen spiegelte sich die Sehnsucht nach seinem Geliebten. Ich meinte ihn auch kurz seufzen zu hören. „Ja…das ist schon nicht so ganz einfach, aber geht schon. Gehört halt zum Beruf und Zero hat ja auch zu tun und kann nicht dauernd mit uns rumhängen…“ Ich zog innerlich den Hut vor den beiden, denn ich wüsste nicht, ob ich es dauerhaft so lange ohne Kyo aushielt. Da die Drinks langsam drückten, suchte ich den Weg zu den Toiletten, um mich zu erleichtern. Als ich mit Händewaschen beschäftigt war, kam auch mein schöner Sänger und zog mich mit in die leere Kabine. Mein Atem ging automatisch schneller. Sein Kuss traf mich begierig und presste mich an die Wand. Seine Zunge leckte verführerisch über meine Lippen und verflocht sich mit meiner eigenen. Immer wieder ließ er ab von mir, knabberte an meiner Unterlippe und liebkoste meinen Hals mit Küssen. Als seine Hände dann unter mein Shirt wanderten und er an meinen Nippelpiercings herumspielte, entfuhr mir ein erstickter Laut, den er sofort mit einem Kuss unterband. Verflucht, was zur Hölle tat der Verrückte da nur. Zum Glück war keiner außer uns zur Toilette gekommen. Ganz plötzlich ließ er von mir ab, öffnete die Tür und schob mich aus der Kabine. „Dein scheiß ernst Kyo?“ „Du kannst mir auch gern beim Pinkeln zusehen…außerdem ist so die Vorfreude größer“, drang seine Stimme etwas gedämpft aus der Kabine und ich lehnte mich einen Moment an die Wand, um meine Gedanken zu sortieren. Mein Herz raste noch immer und ich konnte es kaum erwarten, diesen verdammten Kerl nackt in unserem Hotelbett zu haben. „Na, hab ich dir ein schönes Kopfkino beschert?“ Ich funkelte ihn feindeslustig an und steckte ihm die Zunge raus. Zog ihn wieder an mich, um ihn erneut zu küssen. Dabei wanderte meine Hand in seine südlichen Regionen, streifte ihn dort, doch das reichte schon. Schweren Herzens zog ich sie wieder zurück und biss ihm leicht in die Unterlippe. „Den Rest meines Kopfkinos bekommst du später…“, flüsterte ich ihm zu und ließ gänzlich von ihm ab. Rechtzeitig, denn jetzt wurde unsere Zweisamkeit von einem anderen Barbesucher gestört. Ich wartete noch auf Kyo, der sich die Hände wusch und wir gesellten uns wieder zu unseren Freunden. Die und Toshiya waren mittlerweile knutschend auf der Tanzfläche verschwunden und Kaoru besorgte neue Drinks. Auch ich wollte tanzen, da die Musik immer besser wurde. Viele der Lieder kannte ich gar nicht, doch sie klangen sehr rockig und melodisch. Zu HIM bewegte ich mich mit geschlossenen Augen und sang den Text leise mit. Plötzlich tanzte mich jemand an und als ich meine Augen wieder öffnete, schaute ich in das Gesicht eines blonden Mädels. Sie war leicht geschminkt, trug ein schwarzes Kleid und Chucks. Sie sagte irgendwas zu mir, was wie Finnisch klang. Deshalb antwortete ich auf Englisch, dass ich sie nicht verstand und ob sie das Gesagte noch ein Mal wiederholen könne. „Oh, sorry…du tanzt voll schön…bist du aus Helsinki?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich komme aus Kyoto und mache Urlaub hier für ein paar Tage…und du?“ „Ich komme von hier…klingt cool…wie lange machst du noch Urlaub hier?“ „Ähm, nur noch bis morgen…wollte noch zum Konzert von Dir en Grey, falls dir das was sagt und dann am nächsten Morgen geht der Flug zurück.“ „Dir en Grey? Wirklich? Kenne die Band noch nicht lange, aber die sind der Hammer. Cool ich gehe da auch hin. Hast du Lust zusammen zu gehen?“ Jetzt wurde die Lage langsam verzwickt. Irgendwie fand ich das Mädel sympathisch und wollte sie nicht vor den Kopf stoßen, doch wollte ich auch nicht gleich sagen, dass ich die Band kannte und so. Aber an anderen Abenden stand ich ja auch vorne in der Menge, also konnte ich mich auch mit ihr treffen. Ich bat sie, mir ihr Handy zu geben und tippte meine Nummer ein. „Kazu also“, sagte sie und lächelte mich an, welches ich erwiderte und nickte. „Schreib mir einfach…dann sag ich dir, ob es klappt. Bin morgen noch verabredet, aber vielleicht kann ich es einrichten.“ Naja, das war nicht ganz die Wahrheit, aber die konnte ich ihr ja schlecht sagen. Das war wohl der Fluch, wenn man mit einem weltbekannten Rockstar zusammen war. Jemand tippte mir auf die Schulter und als ich mich umdrehte, grinste mich Die an. „Na flirtest du schon wieder?“, ärgerte er mich und ich steckte ihm die Zunge raus. „Nee, das würde ich niemals wagen…wollt ihr gehen?“ Er nickte. „Du kannst gern noch bleiben, aber wir müssen morgen fit sein und Tosh ist der Meinung ich hab schon wieder zu viel getrunken…was natürlich nicht stimmt.“ Ich lachte und wand mich dem Mädel wieder zu. Hoffentlich hatte sie nicht gecheckt, mit wem ich da gerade geredet habe. „Also, meine Leute wollen gehen…wir sehen uns vielleicht morgen?“ „Perfekt…ich bin übrigens Saara.“ Ich lächelte und nickte zum Abschied. Die schien wirklich ziemlich einen im Tee zu haben. Wie viel um alles in der Welt hatte er getrunken? Er rannte vorn weg und hüpfte in der Luft herum. Im Sprung versuchte er, dass sich seine Füße berührten. Der Diru Bassist schlug sich nur mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Die, wenn du dir die Beine brichst, schleif ich dich morgen persönlich auf die Bühne!“, drohte ihm der Leader. „Ihr seid solche Spaßbremsen, ohne Scheiß…Kazu, sag doch auch mal was.“ Okay, warum nicht. Ich nahm Anlauf und sprang dem Gitarristen von hinten auf den Rücken. Das haute uns beide fast um, doch Die hielt sich irgendwie. Allerdings bekam er einen furchtbaren Lachanfall, aber er hielt mich. An der Treppe ließ er mich runter und versuchte rückwärts die Rampe für Kinderwägen rauf zu laufen. Noch immer kichernd reichte ich ihm meine Hand. „Nein, ich kann das!“, tadelte er mich und ich zuckte amüsiert mit den Schultern, weil ich ihn schon fallen sah. Doch er schlug sich erstaunlich geschickt. Die anderen vier hatten jetzt auch zu uns aufgeschlossen. „Kann mir bitte Mal einer erklären, warum mein Freund immer zum wagemutigen Kind mutiert, wenn er betrunken ist?“, beschwerte sich Toshiya. „Ich hab dich auch lieb Tosh…Wahhh“, schrie der Gitarrist und schaffte es trotzdem irgendwie seine Balance zu halten. Der Bassist schüttelte nur fassungslos mit dem Kopf. „Die, jetzt lass den Quatsch…komm.“ Der Schwarzhaarige streckte seinem Freund die Hand entgegen und nach einem Zögern ergriff er diese und ließ sich von ihm bis nach oben führen. Dort küssten sich die beiden und Die zog seinen Liebsten zu sich und begrapschte seinen Hintern. „Du bist unmöglich, hab ich dir das schon Mal gesagt?“, nuschelte Toshi in den Kuss. „Immerzu und doch liebst du mich“, gab der Gitarrist belustigt und verliebt zurück. „Ja…wohl wahr. Ich muss verrückt sein.“ „Verrückt nach miiiiirrrrr…“, flötete der Blonde und schnappte sich die Hand seines Liebsten. Jetzt kicherten auch Shinya und Kaoru neben mir. „Deshalb mag ich euch so…durchgeknallte Bande…jetzt ab ins Bett mit euch. Und wehe einer kommt mir morgen mit Kater oder Kopfschmerzen…“, sagte Kaoru und umarmte seine Jungs. Ich stand ein bisschen abseits und beobachtete die Musiker. Dann drehte sich der Leader zu mir und lächelte. „Komm schon her Kazu…du gehörst doch auch zu uns…“ Diese Worte brachten mich schon wieder fast zum Heulen und als mich die fünf dann in ihre Arme schlossen, musste ich schwer mit den Tränen kämpfen, so sehr berührte mich das. Wir sagten uns Gute Nacht und jeder verschwand in seinem Zimmer. „Krass…ich gehöre wirklich zur Dir en Grey Familie…das ist so…wundervoll…ich könnt grad echt heulen.“ Mein schöner Sänger grinste mich an und zog mich in seine Arme. „Tja, du bist halt etwas ganz besonderes mein Süßer.“ Jetzt kamen mir doch die Tränen, doch Kyo küsste sie weg. Schließlich machten wir uns bettfertig und kuschelten uns in unser Liebesnest. Aber es war noch immer viel zu warm und ich strampelte die Decke weg, wohl wissend, dass ich so mehr nackte Haut freilegte. Kyo stützte seinen Kopf mit der Hand ab und betrachtete mich. Ließ seinen Blick über meinen Körper gleiten und grinste ein bisschen. „Manchmal kann ich nicht glauben, dass du mir gehörst…“, sagte er mit etwas schwermütigen Unterton in der Stimme. „Warum?“ Er zuckte die Schultern. „Keine Ahnung…vermutlich ist das noch so ein dummer Gedanke aus vergangenen Tagen…“ Kyo streckte seine Hand aus und ließ sie über meinen Körper gleiten. Zunächst sehr bedacht und meine empfindlichsten Stellen aussparend. Doch immer so nah dran, dass ich dieses Kribbeln spürte. Die Berührung meiner Schenkelinnenseiten, viel zu dicht an meiner wachsenden Erregung ließ mich aufstöhnen und ich biss mir leicht auf die Unterlippe, dennoch genoss ich dieses süße Vorspiel. Er kam ein Stück näher und ersetzte die Hand durch seine Lippen. Mir wurde spürbar heißer und meine Gedanken vernebelter. „Ich kann nicht genug von deinen Küssen bekommen…“ „Mhh, das sehe ich…“, neckte er mich und sparte noch immer meine erogenen Zonen aus. Stattdessen küsste er mich und verwöhnte meine Zunge mit seiner, küsste meinen Hals entlang. Knabberte an meinem Ohrläppchen und ich verging beinahe vor Lust. Er begann endlich sich den empfindlichen Stellen zu widmen, liebkoste erst meine linke Brustwarze, zog mit den Zähnen leicht an dem Piercing, weil er wusste, dass mich das wahnsinnig machte. „Ohhhh…Gott…verflucht…soo gut…“ „Scheint so, wenn du Gott sagst und im gleichen Zug fluchst…“ Kyo strich mit der freien Hand meiner Seite entlang und berührte den anderen Nippel. Ich stöhnte auf und wollte mehr von diesem Feuer, das sich gerade in meinem Körper ausbreitete, strampelte deshalb die Decke vollends weg und delegierte seine Hand zwischen meine Beine. „In meiner Tasche…ist Gleitgel…“, raunte ich und Kyo sprang kurz auf, um es zu holen. Dann reichte er mir die Tube. „Ich glaube, du hattest heute Nachmittag was vor.“ Es war bisher nicht all zu oft vorgekommen, dass mein schöner Sänger mir die Führung überließ und ich war jedes Mal ein bisschen aufgeregt, weil ich noch immer glaubte, etwas machen zu können. Deshalb küsste ich ihn und schon der Kuss heizte mir ein, sodass ich meine Zweifel vergaß. Oh ja, ich hatte einen Plan und zwar wollte ich, dass auch Kyo sich gehen ließ und zwar völlig. Das gelang ihm zwar ständig bei mir, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass ihn noch immer etwas blockierte. „Gibt es irgendwas, was dich besonders erregt…?“, fragte ich dann vorsichtig und er kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe herum. „Schon…aber das wäre nicht besonders gesund für uns beide Kazu…verdammt, konntest du mich das nicht wann anders fragen?“ Keifte er mich leicht gereizt an. Was ging denn jetzt ab? Er schob mich von sich runter, sprang aus dem Bett und verschwand auf dem Balkon. Im Gehen warf er sich einen Bademantel über. Na super. Toll gemacht Kazuki, schallt ich mich selbst. Sollte ich ihm folgen? Seine Worte verunsicherten mich. Was konnte schon ungesund für uns beide sein? Das leuchtete mir beim besten Willen nicht ein. Schließlich folgte ich ihm auf den Balkon und zündete mir ebenfalls eine Zigarette an. Als ich seinen Arm tätschelte, zog er diesen weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Das tat weh. Verdammt weh. Die aufgerauchte Kippe drückte er im Aschenbecher aus, ging wieder ins Zimmer und zog sich die Unterhose an. Dann wandte er sich Richtung Tür. Mein Herz blieb für einen Moment stehen. „Ich kann heut nicht hier schlafen…“ Mit diesen Worten ging er und ließ mich allein. Was ging denn bitte jetzt ab? Nur, weil ich ihn gefragt hatte, was seine Vorlieben waren? Noch immer unverstanden und wütend trat ich gegen das Geländer, rieb mir jedoch sogleich den Fuß, weil es verflucht weh tat. Ich war den Tränen nahe und verstand die Welt nicht mehr. Sicherlich war er zu Shinya gegangen. Da bestand ja immerhin Hoffnung, dass er morgen wieder besser gelaunt war. Ich kämpfte mit den Tränen und schlüpfte ebenfalls wieder in meine Unterhose. Kuschelte mich ins Bett, doch das wirkte ohne Kyo so groß und verlassen. Ich zuckte zusammen, als es an der Tür klopfte. „Kazu, kann ich rein kommen?“, ertönte Dies Stimme. Ich gab ein klägliches „Jaa“ zur Antwort. Der Gitarrist trug ebenfalls nur Shirt und Shorts und ließ sich zu mir auf’s Bett sinken. „Drama im Hause Nishimura?“ Ich nickte nur, denn wenn ich jetzt anfing zu reden, würden die Tränen automatisch kommen. „Willst du mir erzählen, was passiert ist? Vielleicht kann ich dir helfen.“ Ich presste die Lippen noch fester zusammen und wollte nicht reden. Ich wollte einfach, dass Kyo wiederkam und alles wieder gut wird. Die legte seinen Arm um meine Schulter und zog mich an sich. „Ich kann verstehen, wenn du nicht drüber reden willst…und trotzdem lege ich dir das ans Herz…Kleiner…Tooru liebt dich, vermutlich so sehr, wie er noch keinen vor dir geliebt habt. Nicht mal Kami…und ich weiß nicht, was du oder er gesagt haben, aber vermutlich ist er nur weggerannt, weil er Angst hat…“ Jetzt platzte mir doch der Kragen. „Angst? Wovor denn bitte Angst Die?“, kam es aus meinem Mund und heiße Tränen flossen meinen Wangen herab. Der Blonde lehnte sich in Richtung Nachttisch und reichte mir die Box mit den Taschentüchern. „Dass du ihn verachtest…ich weiß nicht wie viel du weißt Kazu, aber er hat vor dir eine richtig beschissene Zeit durchgemacht. Ich selbst kenne nicht alle Einzelheiten, aber egal, was wer gesagt hat…vermutlich hat ihn das aus der Bahn geworfen. Du machst ihn verdammt stark, doch irgendetwas in ihm wurmt ihn noch…verstehst du?“ „Aber dann soll er doch mit mir reden…“, schluchzte ich verzweifelt. „Was ist, wenn er das noch nicht kann? Es als so schlimm empfindet, dass er denkt, es könnte eure Beziehung zerstören?“ Wieder brach ich in Tränen aus. Was konnte den bitte schlimmer sein, als einfach abzuhauen und mich hier so nichtsahnend sitzen zu lassen? „Aber es gibt nichts, was das zwischen uns zerstören könnte Die…“ „Das mach Tooru bitte Mal klar…Shinya tut sicher sein bestes. Möchtest du, dass ich noch ein bisschen bei dir bleibe?“ Ich nickte und schmiegte mich an den Gitarristen. „Solltest du nicht bei deinem Toshi sein?“, fragte ich nach einer Weile und Die lachte. „Keine Angst, der kommt schon eine Weile allein klar…außerdem muss doch einer auf dich aufpassen, wenn unserem Sängerchen Mal wieder eine Sicherung im Gehirn durchbrennt…“ „Danke…“, flüsterte ich und merkte, wie mich die Müdigkeit übermannte. Ich spürte, wie Die mich am Kopf streichelte und ich langsam wegdämmerte. Doch ich fand keinen richtigen Schlaf. Dauernd spielten sich vor meinen Augen seltsame Dinge ab. Wirres Zeug, das absolut keinen Sinn ergab und so erwachte ich wieder. Der Gitarrist saß noch immer da und las auf seinem E-book. Kapitel 19: Finnland II ----------------------- Auf einmal öffnete sich die Tür erneut und ich saß sofort im Bett. Kyo kam zurück, nickte seinem Freund zu, worauf hin sich der Blonde erhob und mein Sänger wieder zu mir ins Bett gekrochen kam. An seinen geröteten Augen sah auch ich, dass er geweint haben musste. Er schälte sich aus dem Bademantel und zog mich in seine Arme. Der Knoten in meiner Brust lockerte sich wieder ich sank gegen seine muskulöse Brust. Spürte sein Herz an meinem Ohr wild pochen. Wollte ihn küssen, widerstand dem Drang jedoch, aus Angst es könnte ihm zu viel sein. „Kannst du mir bitte sagen, weshalb du weggerannt bist?“, fragte ich schließlich mit all meinem Mut. Sein Brustkorb hob und senkte sich, als er tief einatmete. „Und wenn du mich dann nicht mehr willst?“, wisperte er mir zu und diese Verletzlichkeit in seiner Stimme brach mir fast das Herz. Also doch, da schien irgendwas zu sein. Die kannte seinen Freund ziemlich gut. „Kyo…mein Herz…der einzige Grund, weshalb ich dich nicht mehr wollen würde, wäre, wenn du mich mit einem anderen betrügst…ist dem so?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein…aber es ist mindesten genauso schlimm…krank und abstoßend…“ „Das kann ich mir nicht vorstellen…“ „Nicht mal Shinya weiß davon…“, lenkte er ein. „Aber du hast doch mit ihm geredet oder nicht?“, fragte ich etwas verwundert. „Ja, schon, aber ich hab nicht direkt ausgesprochen, um was es geht…weil er würde mich dafür definitiv verachten…“ Okay, Kazuki, denk nach. Denk nach, denk nach. Ich hab ihn gefragt, worauf er beim Sex steht und darauf hin ist er zu seinem besten Freund gerannt, hat ihm aber nicht erzählt, weshalb. Das ergab doch alles keinen Sinn. Und Die meinte, es könnte etwas mit Kyos Vergangenheit zu tun haben. Ich überlegte, was ich alles über meinen Liebsten wusste. Da war die Sache mit Kami, die ihn sehr mitgenommen hatte, doch welche Parallelen gab es da mit seinen sexuellen Vorlieben? Und weshalb war das für ihn so schlimm? Verflucht, warum musste dieser Mann nur so kompliziert sein? Noch immer spiegelte sich dieser ängstliche Ausdruck in seinen Augen und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er kurz davor war diesen Dämon beim Namen zu nennen. „Ich bin aber nicht Shinya und ich verspreche dir, ich werde dich nicht verachten und ich werde es auch keinem sagen, wenn du es nicht möchtest…“ Kyo schloss seine Augen einen Moment und blinzelte die Tränen weg. Schon wollte er wieder aufspringen, doch ich ergriff seinen Arm und zog ihn zurück. „Wage es nicht jetzt wieder abzuhauen…rede mit mir…bitte…“ „Ich bin nicht gut für dich Kazuki…nicht so und erst recht nicht, wenn ich dir das jetzt sage…“ „Verflucht noch Mal Kyo, was denn sagen? Sprich es endlich aus…dann kann ich immer noch entscheiden, wie beschissen ich dich danach finde!“, fuhr ich ihn jetzt an, weil ich mit meiner Geduld am Ende war. Er schluckte. Meine Hand umklammerte noch immer seinen Arm. „Erinnerst du dich an den Morgen…nach deinem Geburtstag…was wir da getan haben?“ „Oh ja, wie könnte ich das nur vergessen…aber was ist damit?“ „Du erinnerst dich, was ich mit dir angestellt habe?“ Ich zog meine Augenbrauen hoch und wusste noch immer nicht, worauf er hinaus wollte. „Ähm…ja. Und? Es hat mir gefallen.“ „Alles?“ „Ja, warum…jetzt red endlich Klar…text…“, stammelte ich, weil ich jetzt ahnte, worauf er anspielte und auch mein schöner Sänger schien zu merken, dass es bei mir Klick gemacht hatte. Puh, das war in der Tat heftig, aber nicht unmöglich. Ich räusperte mich und schaute ihm tief in die Augen, denn meine nächsten Worte hingen vermutlich davon ab, ob wir zusammenbleiben würden. „Manchmal raubst du mir wirklich den letzten Nerv…sorry, das war nicht so gemeint…na schön. Noch Mal von vorne…was sind seine sexuellen Vorlieben?“ Ich wollte es von ihm hören. „Kazu bitte, du machst alles kaputt…“ „Du glaubst, nur weil du den Fetish hast andere…nein mich gern leiden zu sehen…mich vielleicht auch ein bisschen zu quälen und mir hin und wieder Schmerzen zuzufügen, könnte mich das davon abhalten mit dir zusammen zu sein?“ Und auf einmal zerbrach seine Fassade, die er bis eben noch so tapfer aufrecht gehalten hatte. Kyo hielt sich die Hände vor’s Gesicht und weinte bitterlich. Schnell schlang ich meine Arme um meinen schönen Sänger, damit er ja nicht wieder auf die Idee kam zu flüchten. „Ich bin so ein schlechter Mensch…ich hab dich nicht verdient und ich könnte dir niemals weh tun…“, schluchzte er. Ich tupfte seine Tränen weg und sah ihn wieder eindringlich an. „Kyo…so ein Bullshit…erstens bin ich noch immer davon überzeugt, dass unsere Begegnung Schicksal war. Zweitens: hör auf dir einzureden, wen du verdient hast und wen nicht, denn da hab ich auch ein Wörtchen mitzureden und drittens…ich fürchte ich bin durchgeknallt genug und komme mit deinen Vorlieben klar…ich verachte dich nicht dafür und werde dich deshalb nicht weniger lieben…“ „Kazu…aber warum?“ „Weil wir gerade in Finnland sind, weil Katzen miauen…weil…ich hab keine Ahnung…vielleicht funktioniert Liebe eben so…man vertraut sich einander an, teilt seine Bedürfnisse miteinander oder so…ich kann dir nicht versprechen, dass ich das dauernd machen will, aber wenn du das Gefühl verspürst, du musst dich austoben, bitte.“ Ungläubig schüttelte mein Liebster mit dem Kopf und meine Worte machten ihn sichtlich sprachlos. „Hast du denn keine Angst, ich könnte dich verletzten? Ich meine wegen deinem Drang, dir selbst weh zu tun…“ „Ich glaub das ist was anderes…lass es uns einfach ausprobieren und wenn es zu viel wird, werde ich es dir sagen…“ „Fuck…ich komm gerade sowas von nicht mehr klar…Kao bringt mich vermutlich um, weil ich morgen sowas von zerstört sein werde…“ „Hättest du früher mit mir geredet und nicht son Drama gemacht würden wir jetzt schon lange schlafen…oder andere Dinge tun.“ „Ja…da muss ich dir Recht geben, aber woher soll ich denn wissen, dass du noch verrückter bist, als ich gedacht hab…oh fuck Kazuki, du machst mich fertig, ohne scheiß…“ Ich nahm meinen verwirrten Schatz in die Arme und schmiegte mich an ihn. „Ich liebe dich…immer“ „Dir ist schon klar, dass ich dich jetzt noch nicht schlafen lassen kann…“, raunte er mir zu. „Ich muss ja morgen nicht auf der Bühne stehen…“, ärgerte ich ihn und gab ihm dennoch grünes Licht. Ein bisschen aufgeregt war ich auch, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartete. „Bist du dir wirklich sicher, worauf du dich da einlässt?“, fragte er noch ein letztes Mal nach und ich nickte nur. Darauf hin küsste er mich hart und mir war klar, dass alles, was jetzt kommen würde auch ein Teil von meinem Kyo war. Wahrscheinlich der intimste von allen und ich sollte mir auch bewusst werden lassen, dass es mein Bild von Kyo für immer verändern würde. Oh Fuck! Kyos Zähne bohrten sich leicht in meine Haut und ein leichter Schmerz durchzuckte mich. Sofort ließ er ab von mir, doch ich zog ihn wieder zu mir. „Mach weiter…irgendwie steh ich drauf…“ Jetzt, da ich wusste, was mich erwartete, konnte ich mich drauf einlassen. Die Bisswunden würden in ein paar Tagen wieder verheilt sein, doch das Verrückte war tatsächlich, dass es mich noch mehr in Extase versetzte. Kyo umkreiste meine Nippel, spielte mit dem Ring, saugte daran, dass sie hart wurden und schließlich gruben sich seine Zähne auch dort mehr rein, als sonst. Ich schrie auf, doch nicht vor Schmerz, sondern vor Lust. Das waren auf einmal ganz andere Sphären in denen wir uns da bewegten und ja verflucht, es gefiel mir. Mein Liebster reizte meine Knospen noch mehr und ich krallte meine Fingernägel eher unbewusst in seinen Rücken. Irgendwo weit weg, in einer anderen Realität hörte ich Kyo amüsiert lachen. Noch während er meine Nippel reizte, hörte ich das vertraute Geräusch der Gleitgeltube und konnte es kaum erwarten ihn in mir zu spüren. Seine Hände tasteten nach meinem Eingang und er lockerte den Muskelring, schob seine Finger langsam in mich und bewegte einen zweiten hinein. Es fühlte sich so wundervoll an, wenn mich Kyo vorbereitete und sich in mein Inneres vortastete. In diesen Momenten waren wir uns so nahe und ich spürte seine Liebe, sein Verlangen und sein Vertrauen. Ich öffnete meine Augen, weil ich sein Gesicht sehen wollte und nicht wie sonst wirkte er beherrscht, sondern eher, als würde er sich ähnlich wie ich weit weit weg befinden. Ich lächelte, weil ich mir so sehr gewünscht hatte ihn endlich auch Mal so weit zu bekommen, dass er los ließ. „Kazu…geht’s dir gut?“, fragte er ein letztes Mal und ich konnte nur nicken, weil mein Sprachzentrum mir seine Dienste verweigerte. Jetzt spürte ich seine Eichel an meinem Eingang, doch vorher drehte er mich auf den Bauch, hob meinen Hintern ein Stück an und drang in mich ein. Ich wusste nicht warum, aber wahrscheinlich lag ich anders als sonst, denn er traf meine empfindlichste Stelle sofort mit einer solchen Intensität, dass ich Sternchen sah und erneut aufschrie. Doch Kyo gab mir nicht die Genugtuung meiner Erlösung, sondern bewegte sich quälend langsam in mir, wohl wissend, dass mich das vermutlich an den Rande des Wahnsinns trieb. Wieder stöhnte ich, als er endlich wieder meinen Lustpunkt traf und die nächsten Stöße stoppten kurz davor. Mein Herz raste und mein Verstand befand kurz vorm Durchdrehen. Die Lustwelle baute sich immer mehr auf und ich hatte das Gefühl, wenn mich Kyo das nächste Mal dort streifte, würde mein Körper explodieren. Seine Lippen senkten sich in meinen Nacken und er küsste mich. Saugte an meiner Haut und verpasste mir die wer weiß wievielte Bisswunde. Schmerz und Lust waren mittlerweile eins ich war kaum noch imstande Realität und Trance auseinander zu halten. Die Hand meines schönen Sängers legte sich um meine Erektion und er pumpte diese in der gleichen Geschwindigkeit seiner Stöße. Dieses Mal hielt er nicht inne und traf mich wieder. Ein Vulkan in mir explodierte und einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich kippte seitlich um und vergrub mein Gesicht in den Kissen. Auf meinem Bauch ertastete ich das Ausmaß meiner Explosion. Konnte weder reden, noch mich bewegen. Auch Kyo schien es nicht anders zu gehen. Innerlich jubelte ich. Yes, Tagesziel erfüllt. Doch ich sollte mich kurz säubern, nur wie kam ich jetzt vom Bett ins Bad? Der Weg dorthin erschien mir so unendlich weit und anstrengend. Eine Hand tastete nach meiner und drückte diese. Mit aller Kraft erhob ich mich schließlich und wankte ins Bad. Hinter mir hörte ich es nur kichern und ohne zu schauen streckte ich meinem Liebsten den Mittelfinger entgegen. Auf dem Klo erleichterte ich mich und sprang dann doch kurz unter die Dusche. Das warme Wasser brannte ein bisschen auf den Wunden, die mein schöner Mann auf meine Körper hinterlassen hatte. Ich grinste. Da öffnete sich die Tür und Kyo stand vor mir. „Darf ich auch zu dir unter die Dusche kommen?“, fragte er etwas zurückhaltender als sonst. „Klar“, krächzte ich und ergriff seine Hand. „War das okay für dich mein Süßes?“ Ich ließ mich gegen ihn fallen und genoss seine Streicheleinheiten am Rücken. „Frag mich morgen noch Mal…ich kann nicht mehr reden…Gehirn ist Matsch…“ Kyos Brust vibrierte unter seinem Lachen und er hauchte mir einen Kuss auf’s Haar, seifte uns ein und trocknete uns ab. Endlich wieder im Bett. Endlich schlafen. Naja, das davor war auch mehr als aufregend gewesen und mein Körper kribbelte noch immer bei dieser Erinnerung. Kyo gab mir noch einen Kuss und wir schliefen endlich ein.   Ich erwachte irgendwann, weil ich ausgeschlafen hatte. Auch Kyo schlummerte noch neben mir. Mein Körper fühlte sich erstaunlich fit an und alles, was letzte Nacht passiert war, kam mir vor wie ein surrealer Traum. Ich betrachtete diesen wunderschönen Mann neben mir im Bett und versuchte zu verstehen, was letzte Nacht in ihm vorgegangen sein konnte. Oder, was ihm widerfahren sein musste, dass er plötzlich solche Zweifel an uns hegte und aus diesem selbstbewussten Mann auf einmal ein verzweifelter, ängstlicher Mensch wurde, den ich so noch nicht kennengelernt hatte. Nahm ihn seine Vergangenheit noch so sehr mit, dass ihn diese Verlustängste noch immer quälten? Mir war dieses Gefühl nicht unbekannt, doch hatte ich gedacht, dass Kyo diese Phase mittlerweile überwunden hätte, doch jetzt wurde mir klar, dass das viel tiefer gehen musste, als ich bisher glaubte. Und in diesem Moment passierte etwas mit mir, als würde sich ein Schalter in meinem Hirn umlegen und mir sagen, dass auch ich von nun an strak sein wollte, um auf meinen Geliebten aufzupassen. Wie süß und friedlich er so dalag und schlief, als wäre alles in Ordnung und er im reinen mit sich selbst. Ich beobachtete ihn noch ein bisschen und hauchte dann zarte Küsschen auf seine Haut. Zuerst auf den goldenen Kranich, dann entlang seines Armes und schließlich zogen mich auch seine süßen vollen Lippen an. Diese verzogen sich automatisch zu einem Grinsen und er schlang seine Arme um meinen Körper. „Guten Morgen mein Hübscher“, säuselte er mir ins Ohr und ich musste meinen schönen Mann einfach noch Mal küssen. „Selber hübsch…ich fürchte wir haben das Frühstück verschlafen…gehen wir irgendwo essen? Ich hätte da auch schon so ne Idee wo…“ „Ich glaub ich muss dich wirklich öfter mit auf Tour nehmen…allein fehlt mir oft die Zeit und die Lust andere Städte zu erkunden, dabei kann das wirklich schön sein. Mein persönlicher Guide.“ „Ja, ich muss dir ja die Welt zeigen. Also los, beweg deinen sexy Arsch aus dem Bett.“ Ich schwang meine Beine über die Bettkante, doch Kyo zog mich zurück. „Kazu…das was du die Nacht alles gesagt hast…“ „Ist mein voller ernst und ja mir geht es gut und ja ich fand das, was du mit mir gemacht hast verdammt geil…bitte mehr davon. Und jetzt hör auf über die Vergangenheit nachzudenken. Ich bin nicht deine Vergangenheit Kyo, ich bin deine Zukunft und mir ist es egal, was wer früher zu dir gesagt hat…naja, nicht egal und falls du drüber reden willst, kannst du das jeder Zeit tun…aber was ich sagen will, ich bin ich. Ich bin kein Kami oder sonst wer und das solltest du dir bewusst machen. Ich hatte es nicht immer einfach, aber ich bin auch nicht aus Zucker. Also lass uns Spaß haben, verrückte Sachen ausprobieren und das wichtigste von allen, wir müssen uns gegenseitig vertrauen.“ Kyo zog mich in einen liebevollen Kuss. „Shinya hat mal vor ein paar Jahren zu mir gesagt, dass auch ich irgendwann Mal glücklich werden würde…wie Recht er damit hatte…ich liebe dich so sehr Kazuki.“ „Ich dich doch auch…und jetzt steh auf, ich hab Hunger, weil mir die Nacht so ein heißer Kerl den Verstand aus dem Hirn gevögelt hat…und jetzt muss ich meine leeren Zellen wieder neu aufladen.“ „Haha, du bist süß…aber ich muss dir Recht geben, der Sex letzte Nacht mit dir war jenseits von Gut und Böse. Ich fürchte jetzt kann ich meine Finger noch weniger von dir lassen.“ „Na das will ich doch hoffen.“ „Ähm…Kazu, vielleicht solltest du heute nicht ganz so freizügig rumlaufen…ist wohl besser für uns beide…“ Ich grinste. „Ich könnte auch sagen, dass mich ein skandinavische Säbelzahntiger angefallen hat…aber klar, vermutlich hast du Recht.“ Das schien meinen hübschen Sänger zu beruhigen. Vor dem großen Spiegel am Kleiderschrank inspizierte ich meinen Körper und Kyos Bissspuren. Dann wägte ich ab, was ich anziehen konnte und was eher nicht. Schließlich entschied ich mich für die schwarze enge Jeans mit den löchrigen Knien, ein ärmelloses Top und meinem grünschwarz karierten Hemd, dessen Ärmel ich hochkrempelte. „Genehm so?“, wand ich die Frage an Kyo und auch er schlüpfte gerade in seine schwarze Jeans. „Wunderhübsch…schon fast ein bisschen zu süß“, ärgerte er mich und küsste mich schon wieder. Während er sich fertig anzog, verschwand ich noch kurz im Bad, um mich zu schminken und meine zerzausten Haare irgendwie in Form zu bringen.  „Ist es okay, wenn ich Shinya frage, ob er auch mitkommt?“ „Klar.“ „Dann geh ich schon mal rüber, wir warten im Flur auf dich.“ Wenn meine Wahl der Kleidung schon als süß befunden wurde, sollte wenigstens mein Make-up etwas provokanter ausfallen. Deshalb entschied ich mich für schwarz mit ein bisschen Glitzer und fummelte die grünen Kontaktlinsen in meine Augen. Krass. So ganz anders, aber ich gefiel mir und schlüpfte noch in meine Chucks. Mein schöner Sänger und sein Drummer redeten sehr vertraut miteinander, sodass ich mich schon fast nicht traute so einfach dazwischen zu platzen, doch als mich Shinya erblickte, winkte er mir zu. Das Memphis war nicht weit von unserem Hotel entfernt und nach zehn Minuten Fußweg hatten wir das Restaurant erreicht. Uns wies die freundliche Bedienung ein Tisch zu und brachte sogleich die Speisekarte. Wir bestellten alle drei den Burger mit Halumikäse und eine selbst gemachte Limonade. An Alkohol war noch nicht zu denken. „Oh Gott, essen…das ist gerade voll toll.“ Ich hatte keinen blassen Schimmer, was der Drummer wusste oder nicht wusste und er ließ sich auch nicht in die Karten gucken. Nur ein leichtes Schmunzeln umspielte seine Lippen. Mein Liebster schien heute besonders zutraulich, denn seine Hand fand öfter als sonst den Weg zu meiner oder hin und wieder tätschelte er mein Bein, grinste mich liebevoll an oder gab mir einen Kuss auf die Wange. Die Bedienung kam erneut und fragte, ob wir noch einen Nachtisch bestellen wollten. Ich entschied mich kurzerhand für den Schokokuchen. Kyo stibitzte mir ein Stück und zuckte unschuldig mit den Schultern. Seine Art, wie er gerade mit mir umsprang berührte mich zutiefst. War das diese Blockade gewesen, die es noch galt zwischen uns zu lösen? Und nun bekam ich den wahren Kyo zu Gesicht? Der mir all seine Liebe schenkte? Das traf mich tief, aber im positiven Sinne. Auch der Drummer schien die nicht ganz unauffällige Veränderung seines besten Freundes zu bemerken. „Ich komm gleich wieder“, flötete Kyo bester Laune und verschwand auf dem Klo. Oh Gott, jetzt war ich mit Shinya alleine und er warf mir einen fragenden Blick zu. „Wir haben geredet…sehr sehr lange…ein paar Grenzen abgesteckt und naja…haben uns versöhnt, falls du weißt, was ich meine…und dann wieder geredet. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb wir das Frühstück verpennt haben…“ „Es muss gestern sehr schlimm für ihn gewesen sein…so hab ich ihn lang nicht erlebt…“ „Glaub mir das war es Shin…aber ich habe beschlossen für ihn zu kämpfen und all die bösen Geister seiner Vergangenheit zu vertreiben. Ich liebe Kyo so sehr und ich werde nicht zulassen, dass er je wieder fällt…“ „Er kann sich glücklich schätzen dich zu haben Kazu-chan…das können wir alle. Irgendwie schaffst du es uns alle bei Laune zu halten. Es ist schön dich hier bei uns zu haben.“ „Hör auf, sonst fang ich wieder an mit Heulen…ich hab euch auch verdammt gern…ihr seid so wundervolle Menschen Shinya…jeder auf seine Weise…sag mal, kann ich dich was fragen?“ „Klar.“ „Naja, auch wenn es mich vermutlich nichts angeht, aber hast du denn jemanden?“ Der Drummer grinste nur und nippte an seiner Limo. „Sagen wir es Mal so…da bahnt sich gerade was an. Nach der Tour wollen wir uns treffen.“ „Mann oder Frau?“, fragte ich jetzt, weil ich meine Neugier kaum mehr zügeln konnte. „Mann!“, flüsterte mir Kyo zu, der zurück war und sich wieder neben mich setzte. Shinya steckte ihm die Zunge raus. „Komm schon Shin-chan…Kazu kannst du es doch nun wirklich erzählen…“ „Ich darf nicht…aber ich sorge dafür, dass er es die Tage erfährt okay?“ Jetzt war ich erst Recht gespannt wie ein Flitzebogen, denn das klang sehr verdächtig danach, dass ich diesen Kerl kannte. „Ich will ja nicht drängeln, aber wir sollten langsam los“, lenkte mein Hübscher vom Thema ab. Also zahlten wir und kehrten zum Hotel zurück. Kyo packte seine Tasche mit den Klamotten für’s Konzert. Da piepte mein Handy und eine Nachricht von Saara flog ein. Ah stimmt, da war ja noch was. „Ähm…Kyo…“, begann ich und er schaute mich fragend an. „Was denn?“ „Ich hab gestern in der Bar son Mädel getroffen und sie würde mit mir gern auf euer Konzert. Wäre das für dich okay? Sie müsste sonst allein hin.“ Der Diru Sänger zuckte gelassen mit den Schultern und grinste mich an. „Klar. Ich muss jetzt los Süßer, dann bis später.“ Wir küssten uns eine halbe Ewigkeit. Immer wieder suchten seine Lippen die meinen und er ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Kaoru ins Zimmer platzte, um seine Schäfchen einzusammeln. „Immer diese knutschenden Pärchen“, beschwerte er sich. „Halt die Klappe Kao…nur weil du gerade untervögelt bist, kannst du anderen ihren Spaß lassen“, neckte ihn der Sänger und ich musste lachen. Ein bisschen tat mir Kao trotzdem leid. „Bis später Kazu…“, winkte er mir zu und verließ mit meinem Liebsten das Zimmer. Ich antwortete Saara und wir verabredeten uns anderthalb Stunden vor dem Einlass am Circus, damit wir auch einen Platz ganz vorne ergatterten. Sie freute sich riesig. Eine zweite Nachricht von Sota kam und er musste unbedingt mit mir reden. Das klang verdächtig. Ich rief ihn über Skype an. „Was gibt’s?“ Mein bester Freund druckste rum und erst dann wurde mir klar, dass es in Japan mitten in der Nacht sein musste. „Sota, alles klar bei dir? Ist was passiert?“ Er hockte auf seinem Bett und wippte unruhig mit dem Knie. „Nun ja, irgendwie schon…ich hab mich verknallt…und das ziemlich heftig.“ „Freut mich, kenn ich deinen angebeteten zufällig?“, fragte ich neugierig. Sota wurde knallrot, wie eine Tomate und er schluckte verlegen. „Mhh…er ist zufällig gerade mit dir unterwegs…naja vermutlich nicht immer, aber die meiste Zeit…“ Und jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich vollführte einen wahren Freudentanz. „Ohhhhh mein Gott…du und Shinya? Ahhhhhh ich flipp aus…das ist voll toll!!!!“, quietschte ich ins Telefon und mein bester Freund schien sichtlich erleichtert, mir das endlich gestanden zu haben. „Ja, es ist noch nicht so offiziell...glaub Kyo weiß es, aber sonst niemand…“ „Das wäre so schön…“ „Kannst du mir nachher einen Gefallen tun und ihm einen Kuss von mir geben? Er fehlt mir schrecklich…du auch, ein bisschen“, stellte er noch schnell hinten an, doch ich lachte und winkte mit der Hand ab. „Das mach ich versprochen…aber ich muss jetzt los. Soll ich ein paar Bilder machen und sie dir schicken?“ „Ohh das wäre traumhaft…dann bis später…“ Er warf mir noch einen Luftkuss zu, den ich auffing. Dann schloss ich ab und machte mich auf den Weg zur Konzertlocation. Sara wartete schon und wir waren gerade Mal die vierten, die hier standen. Perfekt. Pool-Position war gesichert. Ich zündete mir eine Zigarette an und bot auch ihr eine an, die sie jedoch ablehnte. „Später vielleicht…ich rauche manchmal, wenn ich was getrunken habe.“ „Haha okay, verstehe.“ „Was hast du heute schönes gemacht?“, fragte sie mich. „Wir waren im Memphis essen…echt lecker dort und dann sind wir noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert.“ Das war immerhin nicht ganz gelogen. „Und deine Freunde, mögen sie Dir en Grey auch nicht so sehr?“ Etwas nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und nahm einen tiefen Zug. Ich hasste es zu lügen. „Naja nicht direkt…sie kennen ein paar Mitglieder der Crew und wollten da mit anpacken und helfen.“ „Oh cool…aber du kennst die Band nicht oder? Immerhin könnten dich deine Freunde ja mal mit ihnen bekannt machen.“ Ahhhh, verdammt. Es wurde nicht besser. Nervös wippte ich mit dem Fuß und nickte nur. „Ja, genau das hab ich ihnen auch schon gesagt…vielleicht später, wenn es klappt. Die Jungs sollen sehr zurückhaltend sein.“ „Schade…viele finnische Bands treffen sich später noch im Riff. Ist eine coole Bar vom Drummer der 69 Eyes. Also, falls du Lust hast.“ „Das klingt nach einem Plan. Ich check das mal ab“, antwortete ich und schrieb Kyo eine Nachricht. Dieser antwortete auch erstaunlich schnell und meinte ich solle kurz zum Hintereingang kommen. Ich flitzte und bat Saara darum, die Stellung zu halten. Kyo und Die empfingen mich und der Gitarrist war natürlich Feuer und Flamme für meinen Vorschlag. Mein schöner Sänger war nicht ganz abgeneigt, wollte es allerdings davon abhängig machen, wie fertig er nach dem Auftritt war. Das leuchtete mir ein. Die drückte mir noch zwei Bier in die Hand und zwinkerte mir zu. Mit den Drinks kehrte ich zu Saara zurück. Die staunte nicht schlecht. „Deine Freunde sind wirklich super. Na dann auf einen schönen Abend. Kippis!“ „Kippis? Cheers auf Finnisch?“, fragte ich und das blonde Mädchen nickte. „Cool, dann hab ich ein neues Wort gelernt. In Japan sagen wir kanpai dazu.“ „Na dann kippis und kanpai“, scherzte sie und ich fing wirklich an, sie zu mögen. „Schade, dass du morgen schon zurück musst.“ „Ja, schon. Aber vielleicht komm ich mal wieder, Finnland scheint echt schön zu sein.“ „Und jetzt kennst du ja auch jemanden. Sind deine Freunde auch aus Japan?“ Ich nickte und trank noch einen Schluck. „Jepp, sie fliegen mit mir zusammen. Wo ist diese Bar, in die du heut noch willst?“ „Nicht sehr weit. Etwa 20 Minuten von hier.“ „Cool, ja, das klappt sicher…und die Band kennenlernen wäre wirklich super.“ „Ich hab mir mal ein paar Konzerte angeschaut und der Sänger scheint ja ziemlich verrückt zu sein…aber ich mag sowas.“ Ich verschluckte mich am Rauch meiner Zigarette. Oh ja, verrückt traf es mehr als gut. „Schon.“ „Sind alle japanischen Bands so?“ „Einige schon, aber nicht alle glaub ich…Dir en Grey ist da schon eine krasse Ausnahme.“ Endlich wurden wir eingelassen. Ich zeigte wie immer mein Bändchen vor, wurde durchgewunken und wartete auf Saara. Sie warf mir einen leicht verwirrten Blick zu. „Oha, ist das ein Backstagebändchen?“ Ich nickte etwas verlegen und kam mir blöd vor. Versuchte mich aus der Affäre zu ziehen und schob es auf meine Freunde, die ich kannte und so. Sie schien es zu glauben. Ich holte uns noch einen Drink und wir schossen blöde Selfies. Tatsächlich standen wir in der ersten Reihe. Hilfe ich würde sterben. Bisher hatte ich immer in der dritten oder vierten Reihe gestanden, doch ganz vorne? Kyo konnte mich quasi berühren. Und schon allein der Gedanke, ihn da halb nackt so nahe vor mir zu haben und ihn dennoch nicht anfassen zu können, trieb mich schier in den Wahnsinn. Okay, schnell an was anderes denken. Um uns herum füllte sich der Raum, der weniger groß als die Locations ins Japan oder Russland war. Doch hatte er wahrscheinlich von seiner Form den Namen, denn der runde Raum erinnerte an eine Manege. Und inmitten des Saales hing eine Art Metallgestell. Das Licht auf der Bühn war noch an und die Crew war mit dem Soundcheck beschäftigt. Warum nur war ich heute so aufgeregt? Nach einer Stunde ging das Licht aus und die Lasershow mit dem Intro setzte ein. Saara hüpfte aufgeregt neben auf und ab. Mein Herz schlug schneller und schneller. Ich leerte meinen Drink und stellte die Dose auf den Boden. Und wieder das Ritual. Shinya kam auf die Bühne, gefolgt von Die und Toshi. Moment Mal, hatten die beiden eben Händchen gehalten? Mutig, mutig und zuckersüß. Der arme, einsame Kaoru und dann erst Mal nichts. Musik erklang und dann seine Stimme, die mir durch Mark und Bein ging. Kyo sprang direkt vor mir auf das Podest und sah mir tief in die Augen. Wenn ich nicht von Menschen umringt gewesen wäre, wäre ich vermutlich einfach umgefallen. Es fühlte sich so an, als würde ich ihn zum ersten Mal richtig echt auf der Bühne erleben. Doch zum Glück war er noch angezogen. Die Betonung lag ganz klar auf noch. Oh ich würde dieses Konzert nicht überleben und im Moment wünschte ich mir, ich könnte vom Backstage aus zuschauen. Auch Saara schien nicht zu entgehen, wie ich meinen hübschen Sänger anschmachtete. Sie stieß mir freundschaftlich in die Seite. „Na…sag bloß du stehst auf den Sänger?“ „Ich fürchte ich bin ihm willenlos verfallen.“ Ups, hatte ich das gerade laut gesagt? Doch sie lachte nur und tat es als Scherz ab. Glück gehabt. Unsere Blicke trafen sich immer wieder und jedes Mal durchzuckte mein Körper erneut dieser elektrische Impuls. Seine Hände auf meinem Körper und seine Male schienen fast wieder zu brennen. Oh du süße Leidenschaft. Kyo, warum musst du so verflucht heiß sein. Ich schoss ein paar Bilder von Shinya und drehte ein Video für Sota. Dann verschwand Kyo während Kaorus Solo kurz und ich wollte nicht, dass er zurückkam. Das war doch viel zu früh. Sonst zog er sich erst bei der Zugabe aus. Na warte, dachte ich bei mir. „Wow…der ist echt heiß…Kazu, du schaust ja gar nicht…du verpasst was.“ Das Konzert war die reinste Folter und doch wunderschön. Ich musste aufpassen, dass ich nicht in meinem imaginären Teich aus Speichel ertrank. Okay, cool bleiben. Ich beobachtete Shinya eine Weile und fuhr mich ein bisschen runter. Dafür, dass unsere Nacht so turbulent gewesen war, merkte man den Jungs nichts an. Das war mal professionell und irgendwie erfüllte mich das auch mit Stolz. „Du musst unbedingt ein Treffen klar machen Kazu…ich würde die Jungs zu gern kennenlernen…die sind der Wahnsinn…“ „Ja, ich weiß…“ „Wie du weißt?“ „Ähm, naja, weil ich sie schon ein paar Mal live gesehen habe“ zog ich mich aus der Affäre. Verdammt, ich musste meine Worte wirklich bedachter wählen. Nach der Zugabe verschwanden die Jungs und ich beschloss Saara einen Gefallen zu tun und zog sie mit Richtung Backstage. Sprach kurz mit der Crew und sie bekam ein neues Bändchen. Da ich ja wusste, dass die Band nach dem Auftritt noch kurz kam, um Fotos zu machen und mit den Fans zu quatschen. Saara umarmte mich spontan und voller Freude. Bedankte sich tausend Mal und hüpfte wie ein kleiner Flummi auf und ab. Alle tauchten auf, außer Kyo. Natürlich nicht. Unter dem Vorwand auf’s Klo zu müssen beschloss ich ihn zu suchen. Doch das musste ich gar nicht, denn als ich um die Ecke bog, kam er mir grinsend entgegen. Gerade war mir völlig egal, wer uns sehen konnte, ich presste ihn gegen die Wand und küsste ihn voller Begierde. Zog ihn weiter, Richtung Umkleide. Küsste ihn wieder. Nestelte an seinem Reisverschluss herum, zog seine Hose ein Stück nach unten, ohne von seinen Lippen abzulassen und nahm ihn hart. Schon nach wenigen Minuten überrollte mich mein Orgasmus wie ein Tsunami. Wir zogen uns wieder an und Kyo zog mich in seine Arme. Er lachte. „Wow…nicht übel…wenn das unser Gespräch bewirkt hat, hätte ich das schon früher tun sollen.“ „Tut mir leid, dass ich dich so überfallen habe, aber ich konnte nicht anders…du bist so verflucht schön Kyo und ich liebe dich…so sehr…aber jetzt geh noch schnell zu den Jungs…falls Kao schimpft, sag es war meine Schuld.“ Kyo lachte und verschwand noch kurz auf dem Klo. Saara schaute mich glücklich und fragend an. Ich sagte, dass ich auf der Toilette war. Da zog mich der Leader zu sich und fragte, wo Kyo blieb. Ich versicherte ihm, dass er jeden Moment hier auftauchen würde. Natürlich wusste Die Bescheid und hob anerkennend den Daumen. Ich steckte ihm die Zunge raus. Und da bog mein schöner Sänger auch schon um die Ecke. Streifte meine Hand kurz und widmete sich seinen Fans, so auch Saara. Schoss Fotos mit ihnen und führte kurze Gespräche. Dann verschwanden die Groupies, nur Saara warf mir einen unsicheren Blick zu. Ich trat näher zu meinem Schatz. „Das ist das Mädel, von dem ich dir erzählt habe…sie ist echt nett…ich würde ihr gern die Wahrheit sagen, wenn das für dich in Ordnung geht…“ Kyo grinste mich an, zog mich in einen Kuss und nickte. Die Augen des blonden Mädchens wurden immer größer und jetzt schien sie gar nichts mehr zu verstehen. Die Jungs gingen duschen und ich hakte mich bei ihr unter und führte sie in den Umkleideraum, weil auch Kaoru mir sein Einverständnis gegeben hatte. „Sorry wegen der ganzen Geheimnistuerei, aber du bist dir sicher im Klaren, dass das nicht unbedingt an die Öffentlichkeit treten sollte?“ Sie nickte. „Das heißt jetzt also, du kennst die Band doch…soso. Und du und der Sänger, seid ihr zusammen?“ Ich nickte etwas verlegen und fühlte mich noch immer ein bisschen schlecht, doch Saara schien das locker zu sehen. „Voll cool. Und bist du nur bei diesem Konzert dabei gewesen?“ „Nein, ich bin schon die ganze Tour dabei, weil mich Kyo gefragt hat, ob ich mitkomme.“ „Haha, deshalb hast du ihn vorhin so verliebt angeschaut, verstehe…und wie steht es mit den Partyplänen?“ „Mh, ich denke nicht schlecht. Zwar weiß ich nicht, ob alle mitkommen, aber bei drei der Jungs bin ich mir ziemlich sicher.“ Saara klatschte vor Freude in die Hände, da kamen Kyo und Shinya auch schon zu uns. Der Drummer stellte sich dem Mädchen jetzt noch Mal persönlich vor und sie grinste nur. Für mich war das fast Routine, aber ich konnte nachvollziehen, wie es ihr ging, denn das erste Mal, als ich näher Kontakt mit der Band knüpfte, war für mich sehr aufregend. Doch im Grunde waren die Diru Jungs auch nur Menschen. Nun fanden die anderen drei den Weg auch wieder in die Umkleide und Daisuke war in bester Partylaune. Toshi eher weniger, doch vermutlich würde er seinen Trunkenbold nicht allein in die Bar gehen lassen. „Also ich gehe definitiv schlafen, ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt…so lange…ich sag das jetzt nicht noch Mal, ihr wisst Bescheid. Die? Das gilt vor allem für dich!“, ermahnte ihn der Leader. Der Gitarrist warf diesem einen beleidigten Blick zu und strich sich seine langen Haare nach hinten, wie eine kleine Diva. Ich amüsierte mich köstlich. „Warum musst du immer auf mir rumhacken? Ich weiß, wie viel ich vertrage“, murrte der Blonde und ich lachte. Klärte Saara auf, über was die Jungs gerade redeten. Kyo, der neben mir saß, ließ sich in meinem Schoß fallen und ich strich ihm durch seine noch leicht feuchten Haare. Er führte meine Hand an seine Lippen und küsste sie. Mich durchströmte wieder diese Wärme und dieses Glücksgefühl, welches ich kaum in Worte fassen konnte. „Ich werde glaub auch schlafen gehen“, kam es von dem Drummer, doch ich konnte mir denken, dass er vielleicht noch mit Sota Kontakt aufnahm. Da fiel mir wieder ein, worum mich mein bester Freund gebeten hatte. „Shin-chan, komm Mal kurz her“, bat ich ihn den Drummer und er folgte der Bitte und kniete sich vor mich. Ich zückte mein Handy und schoss ein Selfie von uns, dann drückte ich ihm ein Kuss auf die Wange. „Mit besten Grüßen von Sota“, flüsterte ich ihm zu und er grinste verliebt. Da kam mir plötzlich noch eine andere Idee, deren Umsetzung jedoch bis morgen warten musste. „Also dann, gehen wir? Kommst du eigentlich auch mit?“ richtete ich meine Frage an meinen schönen Sänger. „Als ob ich dich alleine feiern gehen lassen würde…“ Saara wies uns den Weg und wir erreichten die Bar recht schnell. Dort war schon viel los, doch wir ergatterten noch einen Tisch im hintersten Eck auf der Ledercouch. Hier war es wirklich gemütlich. An den violetten Wänden hingen Bilder von Musikern. Ich erkannte HIM und meine neue Freundin klärte mich über die anderen Bands auf. Einer war der Drummer der 69 Eyes, dann gab es da noch Santa Cruz und wie gesagt, HIM kannte ich ja. Wir tranken wieder diesen Cranberry Loncoro und Toshiya hielt seinen Liebsten davon Schnaps zu bestellen. Zu Recht. Bis zum nächsten Konzert blieben uns zwei Tage Zeit und wir hatten keinen Stress. Zwei Freundinnen von Saara stießen dann noch zu uns und irgendwie waren die Mädels total angetan von mir und wir machten Blödelbilder, scherzten miteinander und die Zeit verging wie im Fluge. Gegen halb drei kündigte der Barkeeper die letzte Runde an und wir verließen die Bar. Brachten Saara noch nach Hause, da das nicht weit von hier lag und verabschiedeten uns von ihr. „Es war so schön euch kennenzulernen…danke für den tollen Abend ihr zwei.“ Sie umarmte erst Kyo und dann mich. „Das kann ich nur zurück geben und falls ich mal wieder hier bin, meld ich mich auf jeden Fall. Oder du kommst uns in Kyoto besuchen.“ „Wenn ich Zeit dazu habe, auf jeden Fall. Ich wünsch euch einen guten Flug und passt auf euch auf.“ „Immer doch. Gute Nacht.“ Ein letztes Winken zum Abschied, dann trennten sich unsere Wege und ich bedauerte den Abschied etwas. Dennoch freute ich mich jetzt auch auf weitere Städte. Kyo verflocht seine Hand mit meiner und wir schlenderten durch die Stadt. Genossen die Nähe des anderen und noch nie in meinem Leben hatte ich mich glücklicher gefühlt. „Kyo…meinst Kao vermisst Zero“ „Klar tut er das, aber du kennst doch unseren Leader-sama. Lieber würde er sich die Zunge abbeißen, als das zuzugeben.“ „Ich hab mir überlegt, ob ich Zero nicht frage, ob er zu den letzten Konzerten kommen will. Dachte an Paris, London, München und Köln…was hältst du davon?“ Mein schöner Sänger zündete sich eine Zigarette an und bot auch mir eine an. „Mh, glaub er würde sich schon freuen, nur von allein käme er nie auf die Idee…allerdings musst du dir auch bewusst machen, dass es voll nach hinten los gehen kann. Kao ist wirklich mit seiner Arbeit verheiratet und hasst es abgelenkt zu werden. Er duldet es nicht, dass uns bei Konzerten auch nur ein Fehler unterläuft…manchmal echt anstrengend, aber sonst wären wir vermutlich nicht wir.“ „Ich denke, Zero kann das ganz gut abschätzen…ich frag ihn Mal.“ Kyo warf mir ein verliebtes Lächeln zu und schüttelte den Kopf. „Oh Kazu…es ist wundervoll, wie du dich um alle sorgst…mein zuckersüßer Schatz…ich bin so froh dich hier bei mir zu haben.“ Seine Worte berauschten mich und ich musste ihn einfach küssen. „Zuckersüß also? Bist du jetzt auf den Geschmack gekommen?“, neckte ich ihn, doch er verstand mich. „Oh ja…und ich habe schon ganz viele andere Ideen in meinem Kopf, wie ich dich vernaschen kann…“ „Erzähl mir mehr davon…“, wisperte ich nahe seinen Lippen und stahl mir einen weiteren sanften Kuss. „Alles zu seiner Zeit mein Liebling…wo bleibt denn sonst der Spaß…“ „Oh Baby…du machst mich verrückt, weißt du das? Schon allein deine Worte bewirken, dass das Kopfkino einsetzt…“ „Gut so…mir geht es nicht anders…“ Ich schüttelte meine obszönen Gedanken ab und wir waren mittlerweile am Hotel angekommen. Leise schlichen wir durch die menschenleeren Gänge zu unserem Zimmer. Dort schälte ich mich aus meinen Klamotten, nachdem ich mich abgeschminkt hatte und kroch ins Bett. Kyo folgte mir wenige Minuten später.   Kapitel 20: Paris- Liebe bedeutet auch, Grenzen zu überschreiten ---------------------------------------------------------------- Da unser Flug erst am Abend gehen würde, beschloss ich noch einen Abstecher ins  Piercingstudio zu machen, um meinen Bauchnabel mit einem neuen Schmuckstück zu zieren. So langsam fand ich wirklich Gefallen an fast jeglicher Art von Körperkunst. Und das Beste daran war, dass ich so allmählich wieder zu mir selbst fand, also mich und meinen Körper wieder mehr akzeptierte. Auch wurden die Schübe, in denen ich mich selbst verachtete, weniger oder traten nahezu gar nicht mehr auf. Fröhlich grinsend stahl ich mich recht früh aus dem Bett, achtete jedoch darauf meinen Liebsten nicht zu wecken. Unterwegs holte ich mir einen Kaffee und suchte das Studio auf, welches mir Google Maps wärmsten empfahl. Das Piercen war schnell erledigt. Die Prozedur war mir ja mittlerweile nicht mehr fremd. Ich entschied mich für einen schwarzen Stab, als mich der Typ fragte, welches ich haben wolle und ich fand mich schon ein bisschen sexy, als ich mich anschließend im Spiegel in dem Studio betrachtete. Noch immer recht dünn, aber seitdem ich mit Kyo zusammen war, hatte ich schon ein paar Kilo mehr auf die Rippen bekommen. Natürlich musste ich mich gleich zeigen und hatte heute Morgen deshalb mein bauchfreies grünes Shirt angezogen. Bevor ich mich wieder ins Zimmer schlich, warf ich noch einen Blick in den Frühstücksraum, ob die Jungs vielleicht schon auf waren. Und tatsächlich, meine liebste Band hockte am Tisch und sie amüsierten sich schon wieder über irgendwas. Ich holte mir ein Brötchen mit Marmelade, sowie Orangensaft vom Buffet und gesellte mich zu ihnen. „Na ausgeschlafen?“, fragte der Leader munter und bester Laune. Ich nickte. Die lag mit dem Kopf auf dem Tisch und hielt seine Augen geschlossen, als würde ihn das helle Tageslicht blenden. Ich piekte ihn spaßhaft in die Rippen und er schaute mich mit verschlafenem Blick an. „Mhh? Warum sind alle so gemein zu mir?“, murrte er. „Tja, wer feiern kann und so…ich hab dich gewarnt“, amüsierte sich Kaoru und schob seine Brille wieder auf die Nase hoch. „Wer hat eigentlich damals beschlossen diesen Sklaventreiber in der Band aufzunehmen?“, beschwerte sich der langhaarige Gitarrist. „Mh das wüsste ich auch gern…einmal mit Profis arbeiten, aber das wird wohl immer ein unerfüllter Traum bleiben“ Ich kicherte, weil ich es einfach zu lustig fand, wenn sich die Jungs gegenseitig so aufzogen, ohne es jedoch wirklich ernst zu meinen. „Ich geh mal Kyo wecken“, sagte ich dann, als ich fertig mit Essen war. „Oh oh, dann viel Erfolg dabei“, witzelte der Diru Bassist und ich lachte nur. Das Zimmer war noch immer abgedunkelt und mein hübscher Sänger schlummerte noch in den tiefen Jagdgründen. Behutsam legte ich mich neben ihn und gab ihm einen Kuss. Er gab ein unzufriedenes Grummeln von sich und reckte die Arme. „Ich mag nicht aufstehen…“, murrte er und blinzelte gegen das Licht. „Das hat ja auch keiner von dir verlangt…vielleicht komm ich ja auch wieder zu dir ins Bett…“ „Und warum hast du eigentlich schon Klamotten an?“, fragte Kyo verwundert. „Ich war kurz in der Stadt, musste noch was erledigen“, tat ich sehr geheimnisvoll. Kyo warf mir einen fragenden Blick zu. „Hast du schon wieder mein Geld ausgegeben?“ „Nur zu deinem Vergnügen mein Schatz“, hauchte ich ihm zu und beugte mich vor, um ihn zu küssen. Jetzt hatte ich seine Neugier geweckt und er besah sich meinen Körper. „Oh, ein neues Spielzeug, wie reizend…jetzt bin ich wach“, gab er lüstern von sich und zog mir mein Shirt über den Kopf. „Mein heißer, süßer, toller Mann…mir scheint, als wölltest du mich herausfordern.“ „Vielleicht…“, raunte ich und Kyos Zunge an meinen Nippeln machte mich schon wieder völlig verrückt und ein wohliges Seufzen kam über meine Lippen. „Darf ich ein bisschen mit dir spielen?“, fragte er schließlich und ich sah das Lodern in seinen Augen. Wie konnte ich ihm diesen Wunsch abschlagen? „Ich gehöre ganz dir Liebster…“ Und ich wusste, mit diesen Worten gab ich meine Verantwortung ab und legte sie in Kyos Hände. Schenkte ihm mein tiefstes Vertrauen, weil ich wusste, dass er es nicht missbrauchen würde. Er verschränkte meine Hände über meinem Kopf und band sie mit einem Tuch zusammen. „Dass du ja nicht auf die Idee kommst, dich selbst anzufassen…“ „Niemals…“ Mein schöner Sänger lag auf mir, wendete sich wieder meinen Brustwarzen zu, saugte daran und knabberte mit den Zähnen an meinen erregten Knospen. Der süße Schmerz setzte ein und vernebelte meine Sinne. Mit den Hüften bewegte er sich kreisend an meiner Körpermitte und meine Hose fühlte sich auf einmal viel zu eng an. Diese Flut an Reizen ließ mich quälend aufstöhnen. „Na…wie fühlt sich das an?“ „Ein bisschen wie…Folter“, gab ich nur schwer atmend zur Antwort. Nun umspielte seine Lippen dieses teuflische Grinsen. „Oh ja, das wollte ich hören…darf ich weitermachen?“ „Bitte ja…“, bettelte ich schon fast ein bisschen, weil ich wusste, ihm gefällt es. Seine Fingernägel kratzten leicht über meine Brust und hinterließen feine Spuren. Ich biss mir auf die Unterlippe und liebte unsere Spielchen jetzt schon. Vielleicht schon etwas krankhaft und anormal, aber so war ich nun Mal und nur so würde unsere Beziehung funktionieren können. „Tiefer…“ „Willst du das wirklich?“ „Ohhh jaaa…“, stöhnte ich und er kam meinem Flehen nach. Er verletzte nur die oberste Hautschicht, sodass keine bleibenen Schäden zurückbleiben würden, doch es genügte, um mich zufrieden zu stellen. Seine Zunge leckte über die gereizte Haut und ich keuchte auf, drückte mich ihm entgegen und wünschte mir, dass mich Kyo von meiner Hose befreite. „Kyo…bitte…zieh mich aus…“ Doch zu meinem Bedauern schüttelte er mit dem Kopf. Küsste mich und massierte meine Zunge, dabei wanderten seine Hände wieder zu meinen Nippeln. Vor meinen Augen tanzten Sternchen und eine tosende Welle der Lust überrollte mich. Heilige Scheiße, was passierte hier? Eine Hand machte sich nun endlich an meiner Hose zu schaffen und verrieb den Lusttropfen auf meiner Eichel. Ich bäumte mich auf und biss ausversehen in Kyos Unterlippe. Doch ich merkte nur, wie sich diese zu einem Grinsen verzogen. Unsere erregten Glieder rieben sich aneinander. Nackte Haut traf auf nackte Haut und ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr zurück halten. Mein Lustschrei verlor sich Kyos Kuss und als er mich für sich vorbereitete, seine geschickten Finger meinen Muskelring weich kneteten und langsam in meinem Inneren der vertrauten Stelle näher kamen, ergab ich mich vollends. Um mich herum verschwamm alles und ich bekam zwar mit, wie er in mich stieß und das nicht gerade sanft, doch kurz vor dem zweiten Höhepunkt, kurz bevor ich die Spitze erklommen hatte, fiel ich in einer berauschenden Geschwindigkeit, klammerte mich an meinem schönen Mann fest und landete mit einem Knall auf dem Boden. Also nicht im wörtlichen Sinne. Ich befand mich noch immer im Bett und als ich an mir herunterschaute, stellte ich fest, dass ich ein zweites Mal gekommen sein musste, doch es hatte sich so anders angefühlt. Wie ein kurzer Rausch. Mein ganzer Körper zitterte, doch ich fühlte pures Glück durch meinen Körper fließen. Mein Hintern schmerzte etwas und auch spürte ich die Kratzer auf meiner Brust wieder, doch das war mir egal. Mit einem breiten Grinsen drückte ich mich noch tiefer in die Kissen. „Was war das gerade? Ich meine wir hatten schon immer guten Sex, aber das? Jetzt bist du wahrhaftig mein persönlicher Sexgott Kyo…vermutlich kann ich jetzt nicht mehr laufen, aber egal…kannst du mich vielleicht befreien? Oder macht dich das an?“ Mein Liebster grinste nur und schien mindestens genauso berauscht zu sein wie ich. Band meine Hände los und ich zog ihn in meine Arme, wollte ihn niemals mehr hergeben und ihn für immer lieben. Sein heißer Atem kitzelte mein Ohr und ich kicherte. Nach dem Abduschen wies er mich an auf dem Bett platz zu nehmen und kramte in seiner schon gepackten Tasche herum, bis er fand, was er suchte. Eine weiße Tube. Kyo schraubte den Verschluss auf und verteilte die Creme auf meiner geschundenen Brust. Hauchte einen Kuss auf meine Stirn und verstaute die Tube wortlos. „Alles okay?“, fragte ich dann und er zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür zum Balkon, um eine zu rauchen. Ich folgte ihm, nachdem auch ich mich wieder angezogen hatte. „Hey…wir haben beide die Kontrolle verloren…das ist okay…es war wunderschön.“ „Ich hab dich verletzt Kazu…mit Absicht…“ „Weil ich es wollte Kyo…du hättest das nie ohne meine Zustimmung getan. Das nennt man Vertrauen mein Schatz und ich vertraue dir…ich muss noch packen. Bald geht unser Taxi zum Flughafen…“ Doch er zog mich in einen Kuss. „Danke…ich glaube seitdem du mir das alles gesagt hast, fühle ich mich besser…also so richtig besser und mich plagen kaum noch Schuldgefühle. Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen soll.“ Ich lächelte ihn liebevoll an. „Sei einfach da und mach mich glücklich…das reicht mir schon…und jetzt lass uns los, bevor der Chef wieder die Krise bekommt.“ Jetzt lachte auch Kyo. „Erstaunlich wie Kao auch bei dir schon seinen Einfluss deutlich macht.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Einer muss ja den Überblick haben. Oh ich liebe dich so sehr…tut mir leid, aber ich kann‘s nicht oft genug sagen.“ „Ich weiß doch mein Süßes.“   Im privaten Bandjet machte ich es mir so bequem wie möglich und beschloss meinen Plan, Zero zu schreiben endlich in die Tat umzusetzen.   Kazuki: Hey, wie geht’s dir? Hast du gerade viel zu tun? Sag Mal, meinst du Kao würde sich freuen, wenn du spontan herkommen würdest?   Ich dämmerte weg und fiel in einen traumlosen Schlaf. Irgendwann weckte mich Kyo, weil wir schon bald zur Landung ansetzten. Ich schaute auf mein Handy und stellte erfreut fest, dass Zero genantwortet hatte.   Zero: Mir geht es gut. Um ehrlich zu sein, hab ich über sowas auch schon nachgedacht. Meinst du wirklich, Kao würde sich freuen? Klar, ich kenn ihn schon lange, aber du weißt ja wie er ist…seine Arbeit immer an erster Stelle.   Kazuki: Ja, ich weiß. Aber ich glaube er vermisst dich. Ich würde es riskieren, wenn ich du wäre. Dann am 14.10 in Paris?   Wir checkten ein und jeder verzog sich erst einmal auf sein Zimmer. Die letzten Tage hatten uns alle ganz schön mitgenommen und jetzt wurde mir erst richtig bewusst, wie stressig das Leben auf Tour wirklich sein konnte. Draußen regnete es und von den Jungs konnte sich auch keiner so wirklich aufraffen, um die Stadt zu erkunden. Kyo und ich lagen im Bett, aneinander gekuschelt und schauten einen Film auf seinem IPad. Mein Handy piepte erneut und ich schaute nach, wer geschrieben hatte.   Zero: Okay, auf deine Verantwortung J. Ich hab schon geschaut und könnte 15 Uhr da sein. In welchem Hotel seid ihr?   Ich zeigte Kyo die Nachricht und er überlegte kurz, dann stand er auf, suchte etwas in seinem Koffer und schien auch fündig zu werden. „Im Carlton’s, 55 Boulevard de Rochechouart, 75009 Paris. Kommt Zero etwa?“ „Wie es scheint, schon. Ich hoffe Kao freut sich.“ Mein schöner Sänger zwinkerte mir zu. „Ich denke schon. Hältst du es eine Weile ohne mich aus?“ „Ja klar. Was hast du vor?“ „Ich will kurze Haare, die Länge geht mir schon wieder echt auf die Nerven.“ „Na dann.“ Kyo zog sich ein Shirt und eine Hose über, gab mir einen Kuss und verschwand. Ich mochte sein metamorphes Wesen. Ich schrieb Zero die Adresse und unsere Zimmernummer. Auch bei mir machte sich jetzt die Aufregung breit, denn ich konnte es kaum erwarten, Kaorus Gesicht zu sehen, wenn er seinen Freund auf einmal neben mir im Publikum erblickte. Hoffentlich freute er sich. Nach einer Stunde kam Kyo zurück mit sehr kurzen Haaren und ich strich ihm über seinen Igelschnitt. „Immer noch zum Anbeißen“, sagte ich und zog ihn in einen Kuss. „Ich muss mich jetzt fertig machen. Sehen wir uns später?“ „Aber natürlich.“   Zero: Okay, Flug ist gebucht. Im schlimmsten Fall muss ich mich dann bei euch einquartieren. Ich meine wenn Kao echt nicht will, dass ich bleibe.   Kazuki: Quatsch. Und bei uns ist kein Platz, du schläfst schön bei deinem eigenen Freund. Wird schon alles gut gehen :*.   Ich hübschte mich auf und begab mich Richtung Konzerthalle. Diesen Abend beschloss ich vom Backstage aus zuzuschauen, weil ich gerade keine Lust auf schwitzende Menschen hatte. Das war schon echt ein Luxusvorteil, wenn man mit der Band unterwegs war. Ich holte mir einen Drink und passte die Jungs gerade noch so ab. Ich kniff Kyo noch in den Hintern bevor er sein Reich betrat und er funkelte mich angriffslustig an. Zwischendurch hielt ich einen Plausch mit der Crew, schmachtete meinen schönen Sänger wieder an und holte mir einen neuen Drink. Doch je länger ich hier mehr oder weniger allein stand, desto müder wurde ich und verzog mich irgendwann in die Umkleide und machte es mir auf dem Sofa bequem.   Wir erreichten Paris einen Tag vor Konzertbeginn und ich, als auch die Jungs, schienen wieder etwas Energie getankt zu haben. Die Sonne zeigte sich auch wieder öfter und nachdem wir unser Zimmer mit Dachterrasse bezogen hatten, schnappte ich mir meinen schönen Sänger und schleppte ihn mit an die frische Luft. Wir schlenderten über den Monmatre und besuchten später noch das Le Divan du Monde, eine kleinere Konzertlocation mit Bar und sehr edler Ausstattung. Es spielte eine unbekannte Band und für die Jungs schien es mal ausnahmsweise erholsam zu sein, nicht selbst auf der Bühne stehen zu müssen. Wir tranken nicht sehr viel, da in letzten Tagen auseichend Alkohol geflossen war und wir hielten uns auch nicht all zu lange in der Bar auf. Den nächsten halben Tag verschlief ich und als ich erwachte, trieb sich Kyo wer weiß herum. Vielleicht hatte der Leader Mal wieder ein Bandmeeting angeordnet, da es in Warschau den einen der anderen technischen Fehler gegeben hatte. Nicht, dass mir das großartig aufgefallen wäre, doch ich hatte mitbekommen, wie der Leader seine Crew ganz schön hatte rund laufen lassen. So hatte ich ihn zuvor noch nie erlebt und das heimste ihm eine Menge an Respekt meinerseits ein. Doch gestern Abend schien dann alles wieder so weit in bester Ordnung gewesen zu sein. Nachdem ich fertig mit duschen war und mich angezogen hatte, kam mein Liebster zurück und wirkte ein wenig genervt. „Alles gut?“, fragte ich deshalb. „Naja…ich fürchte Kao übertreibt es mal wieder. Klar sind technische Probleme beschissen, aber das kommt vor. Wir haben uns wieder gezofft…also er und ich. Beste Voraussetzungen für ein gutes Konzert.“ „Oh, mein armer Schatz. Kann ich dir was Gutes tun?“ „Ich fürchte, dafür fehlt uns die Zeit…wir treffen uns in einer halben Stunde und ich muss mein Zeug noch zusammensuchen. Wann kommt Zero?“ „Er müsste auch in der nächsten halbe Stunde eintreffen. Kurz nach drei ist er gelandet und er meinte vom Flughafen bis zum Hotel sind es noch Mal anderthalb Stunden.“ „Vielleicht sollten wir ihn gleich zu dem Giftzwerg schicken…“ „So schlimm? Soll ich kurz mit ihm reden?“ Kyo zog die Stirn in Falten und schüttelte mit dem Kopf. Da klopfte es an der Tür und der Leader trat ins Zimmer. Mein hübscher Sänger rollte genervt mit den Augen und verzog sich auf die Terrasse. Kaoru folgte ihm. Ich beschloss Shinya besuchen zu gehen und die beiden Streithähne allein zu lassen. Auch der Drummer war gerade damit beschäftigt sich fertig zu machen, freute sich allerdings über meinen Besuch. Ich beichtete ihm, dass ich geflüchtet war und er brach in schallendes Gelächter aus. Etwas verwundert sah ich ihn fragend an. „Glaub mir, das kommt schon wieder in Ordnung. Mich wundert es eh, dass die beiden so lange ruhig geblieben sind. Um ehrlich zu sein, hab ich schon in Helsinki mit einem Streit gerechnet. Das ist normal Kazu…es wäre eher beängstigend, wenn es eine Tour ohne den klassischen Kyo-Kao Disput gäbe. Dann würde ich mir Sorgen machen, echt.“ Jetzt musste auch ich lachen. „Wenn du das sagst. Zero ist auf dem Weg zum Hotel…ich hab ihn eingeladen.“ Shinyas Augen weiteten sich und er sah mich überrascht an. „Da scheinst du ja den perfekten Zeitpunkt abgepasst zu haben.“ „Dafür hab ich wohl ein Händchen. Sonst alles gut bei dir? Wie geht es Sota?“ Der Drummer grinste etwas verlegen. „Ich denke gut…findest du es schlimm?“ „Was? Quatsch, ich freu mich voll…find es mega süß, nur hätte ich das nie gedacht. Seit wann geht das eigentlich schon?“ „Naja, mehr oder weniger seit Silvester…also da hat es angefangen. Wir haben uns unterhalten, dann ein paar Mal getroffen, wenn ich die Zeit dazu hatte und so kam das eine zum anderen. Aber viel passiert ist eben noch nicht und wir wollen es auch noch nicht an die große Glocke hängen. Ich glaub ich platze Mal zwischen die beiden Streithähne, bevor sie sich noch die Köpfe einschlagen“, sagte der Drummer und folgte mir in unser Zimmer. Und scheinbar genau richtig. Kao und Kyo stritten noch immer heftig und plötzlich rauschte der Leader wutentbrannt an uns vorbei. Die Tür flog hinter ihm knallend ins Schloss. Wir begaben uns vorsichtig zu Kyo, doch ich hatte ein bisschen Angst, was mich erwartete. „Kazu, was machen wir heut Abend schönes? Ich gehe nicht auf die Bühne. Nicht bevor sich dieser Arsch entschuldigt.“ Ich warf Shinya einen besorgten Blick zu, doch dieser lächelte mich aufmunternd an. „Du weißt, dass du das nicht tust…was war denn los?“ „Immer noch dasselbe…Technik hier, Technik da bla bla bla…und ich wäre dran Schuld, weil ich nichts gesagt hab uns so weiter. Was kann ich denn dazu, wenn die Jungs es nicht gebacken kriegen den Gesang so einzustellen, dass alles perfekt ist. Sowas passiert nun Mal Shin…“ „Aber du kennst doch Kao…komm jetzt mit. Wir haben demnächst eine Show zu spielen und passen jetzt einfach beim Soundcheck auf, dass alles klappt. Und tue nicht so, als würdest du nicht auf die Bühne wollen, du Griesgram“, ärgerte ihn der Drummer. „Halt einfach die Klappe Shin-chan“, erwiderte Kyo und umarmte seinen Freund. Lange lagen sich die beiden Männer in den Armen und mein schöner Sänger schien sich wieder etwas beruhigt zu haben. Dann machten sich die beiden auf den Weg und auch Zero schrieb, dass er demnächst im Hotel ankommen würde. Da ich nicht wollte, dass er Kao über den Weg lief, fing ich ihn ab. Ich freute mich riesig ein bekanntes Gesicht zu sehen und auch er schien nicht weniger erfreut zu sei mich zu sehen. Wir machten es uns unserer Dachterrasse noch gemütlich. „Na du Herzensbrecher…wie ist der Stand?“ Ich klärte meinen Freund über die aktuelle Situation auf und er schüttelte leicht genervt den Kopf. „Dann mein Lieber, sollten wir trinken und hoffen, dass sich der Abend noch zum Guten wendet.“ Zero zauberte eine Flasche Sake aus seiner Tasche und ich besorgte Gläser. „Auf einen schönen Abend“, prostete ich ihm zu und wir grinsten. „Glaub mir Kazu…ich bringe den aufgebrachten Leader schon wieder dazu, dass er schnurrt wie ein Kätzchen. Und selbst, wenn er mir erst Mal deutlich macht, dass er mich nicht hierhaben will und so.“ „Meinst du echt?“ „Nee, aber vermutlich wird so seine Begrüßung ausfallen…ich kenn ihn schon eine Weile…bist du eigentlich schon fertig?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nee, muss mich noch aufhübschen.“ „Gut, ich wollte schon an deinem Stil nörgeln.“ Ich verdrehte die Augen und zündete mir eine Zigarette an. Am liebsten hätte ich ja Mal wieder mein Netztop angezogen, doch da meine Kratzer noch immer nicht zu Hundertprozent verheilt waren, ließ ich das bleiben. Schließlich wollte ich Kyo nicht noch mehr reizen. Die kaputte Jeans von gestern zog ich noch Mal an und darüber mein regenbogenfarbenes Top. Dann schminkte ich mich noch und auch Zero warf sich in Schale. Schließlich musste er Schadensbegrenzung leisten. Unter seinem dezent durchsichtigen Hemd, welches bis zur Hälfte offen stand, trug er einen Hauch von Nichts. Nur seinen Hut setzte er noch auf und schwang sich einen dünnes Tuch mit Leomuster um den Hals. Während ich vor dem Spiegel stand und mein Make-up vollendete, legte Zero seine Hände um meine Hüften, strich über meinen nackten Bauch und kitzelte mich am Bauchnabel. Ich trat ihn mit dem Fuß, musste jedoch lachen. „Lass den scheiß…“ „So langsam wird aus dem hässlichen Entlein ein wunderschöner Schwan“, ärgerte er mich und ich funkelte ihn gespielt beleidigt an. „Früher bin ich immer so rumgelaufen und naja…dann kam diese dumme Phase, in der mir alles egal war. Auch, dass ich jetzt gut aussehe oder nicht…aber du hast mich wieder ein bisschen dazu ermutigt mich wieder mehr zu trauen.“ Zero klopfte sich anerkennend auf die Schulter und lachend schüttelte ich mit dem Kopf. „Wollen wir dann los?“ „Ey, ey Sir…ich bin ein bisschen aufgeregt Kazu…ohne scheiß, ich kenn diesen Kerl jetzt schon verflucht lange und trotzdem fühl ich mich wie vor unserem ersten Date.“ Ich machte große Augen und musterte meinen Freund, trat einen Schritt auf ihn zu. „Sag bloß du kannst auch einfühlsam sein…und ich dachte es gibt nur Zero, den arroganten Zyniker…“ Er seufzte tief. „Ja…aber was, wenn mich Kao echt nicht sehen will?“ Oho, das wurde ernst. Ich legte meinen Arm um Zero. „Jetzt pass Mal auf du Casanova, wenn ich es seit zwei Wochen mit Kyo in einem Zimmer aushalte, wirst du es ja wohl schaffen deinen Mann heut zu überraschen und glaub mir, Kaoru wird sich freuen. Insgeheim vermisst er dich nämlich und ein bisschen Sex schadet ihm sicher auch nicht“, witzelte ich und schon lächelte der andere Musiker wieder. „Naja, davon scheinst du ja in letzter Zeit genug zu bekommen“, konterte er und schon schoss mir eine dezente Röte ins Gesicht. „Ohne scheiß…ich bin froh, dass ich noch halbwegs laufen kann“ Jetzt entfuhr meinem Freund ein amüsiertes Lachen. „Oho, Kyo scheint dich ja hart ran zu nehmen.“ „Und das schlimme ist, ich steh drauf…aber jetzt lass uns los.“ Vor der Konzerthalle war noch nicht viel los und wir mischten uns unter die wenigen Fans. Warteten darauf, dass wir eingelassen wurden und machten es uns in der ersten Reihe gemütlich. Am liebsten würde ich Zero von Sota und Shinya erzählen, doch verkniff mir das, weil es ja immer noch nicht offiziell war. „Was mach ich, wenn er mich nicht beachtet? Oder mich nicht sieht?“ Ich verdrehte die Augen und zeigte Zero einen Vogel. „Was ist los mit dir? Jetzt entspann dich Schatz…uhhh das Intro kommt gleich…“, ärgerte ich ihn und holte uns noch zwei Bier. Langsam füllte sich die kleine Halle und auch auf den Emporen sammelten sich die Mengen. „Kannst du die Playlist schon auswendig?“ „Ja, aber ich finde es immer wieder berauschend…wann hast du sie das letzte Mal live gesehen?“ „Glaub vor nem Jahr in Tokyo oder so…immer Mal wieder eben aber dann auch eher vom Backstage aus…vielleicht bin ich deshalb so hibbelig.“ „Awwweee, krass…dann hast du echt was verpasst.“ Das Intro setzte ein, der Raum verdunkelte sich und Zero griff nach meiner Hand. Ich lächelte ihn ermutigend an. Die Jungs nahmen ihre Plätze ein und auch mein Herz schmolz dahin, als ich Kyo eblickte. Er zwinkerte mir unauffällig zu und Utafumi erklang. „Nicht übel…“, kam es von rechts und ich nickte. „Und, glaubst du er hat dich schon gesehen?“ Zero schüttelte etwas betrübt mit dem Kopf. „Er ist so schön an seiner Gitarre…oh Kazu, ich schmelze gerade dahin.“ „Ich wusste gar nicht, dass du so ein hoffnungsloser Romantiker bist“, zog ich ihn auf und er zuckte unschuldig mit den Schultern. „Du hast mich ertappt…harte Schale, weicher Kern.“ Bei dem fünften Song streifte Kyo auch sein Hemd, welches er unter seinem T-Shirt getragen hatte, ab. Jetzt war ich es, der diesen Anblick genoss. Zero stieß mich in die Seite und grinste. „Von diesem Anblick bekomm ich glaub ich nie genug“, schmachtete ich vor mich hin und mein Freund verstand, was ich meinte. Wir sangen aus voller Kehle mit und als das Intro von Ranunculus einsetzte, flüsterte Kyo Kaoru etwas zu und dann geschah etwas sehr sehr magisches. Die Zeit blieb für eine Sekunde stehen, wie in einem dieser romantischen Lovestorys. Einen kurzen Moment blickte der Gitarrist ins Publikum und sein Blick traf den seines Freundes. Es war ihm förmlich anzusehen, dass sein Herz eine Millisekunde mit Schlagen aufhörte und er vermutlich sofort in die Menge hüpfen wollte, um seinen Liebsten zu begrüßen. Ich gab Zero einen Kuss auf die Wange. „Na, was hab ich dir gesagt.“ „Oh Mann, jetzt kann ich es erst recht nicht mehr erwarten ihn zu sehen…“ Da ergriff ich die Hand meines Freundes und wir drängten uns durch die Menge zum Backstage. Zum Glück hatte mir Kyo im Vorfeld ein Bändchen für Zero besorgt, sodass wir ohne Probleme rein kamen. Noch ein Lied bis zur Zugabe und dann würden die Jungs kurz hinter die Bühne kommen. Jetzt war auch ich ganz aufgeregt und Zero zappelte neben mir ebenso unruhig. Das Licht erlosch und die Menge begann zu toben. Als Kaoru seinen Schatz erblickte hielt er kurz inne, als würde er nicht glauben können, dass dieser wahrhaftig hier stand. Ich schubste Zero ein Stück in die Richtung des Diru Leaders und dann stürmten sich die beiden in die Arme. Flüsterten sich Worte zu, die ich nicht verstand und auch gar nicht verstehen wollte. Ein inniger Kuss folgte. Doch von draußen drangen die Zugabe-Rufe gedämpft nach hinten. Gegen seinen Willen riss sich Kaoru von Zero los und scheuchte seine Schäfchen zurück auf die Bühne. Mein Freund fiel mir freudig um den Hals. „Ahhhh, das war die beste Idee, die du hattest.“ „Gern geschehen.“ Wir genossen die letzten Songs noch und warteten dann in der Umkleide auf unsere Jungs. Kaum betrat Kao den Raum, wurde er auch schon wieder von seinem Zero in eine sanfte Umarmung gezogen. Wir beschlossen dann noch ein bisschen bei uns im Zimmer abzuhängen. Ich wartete auf Kyo, der irgendwie absichtlich langsamer machte. „Ist wieder alles okay bei euch?“, fragte ich dann leicht besorgt und er nickte. Dennoch schien ihn etwas zu bedrücken. Er zog mich in seine Arme und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. Ich kraulte seinen Nacken und machte mir gerade ernsthaft Sorgen. „Es ist gerade wieder da…manchmal kommt das nach einer Show…so völlig aus dem Nichts…“ „Was ist da?“, fragte ich, auch wenn ich es mir denken konnte. „Diese Schwere…in meinem Herzen.“ „Hat es was mit den letzten Tagen zu tun?“ „Ich fürchte schon…“ „Ich bin bei dir…immer…hast du das öfter, wenn ihr auf Tour seid?“ Er schüttelte den Kopf und wir bewegten uns langsam Richtung Ausgang. Kyo zündete sich eine Zigarette an. „Nein…es war weg…ich glaub es kam deinetwegen wieder hoch…versteh mich jetzt nicht falsch, aber dadurch, dass ich dir das erzählt habe und so…“ Ich blieb einen Moment stehen und hielt seine Hand. „Und was ist da noch?“ Mein schöner Sänger lachte traurig. „Ich fürchte, wenn du das weißt, habe ich dir alles von mir gesagt, was du wissen musst…und…naja, wenn du mich danach noch immer liebst…“ Er hielt kurz inne und mein Herz raste schon wieder, weil ich nicht wusste, was als nächstes kam. „…wenn du mich danach noch immer liebst…fürchte ich…muss ich dich heiraten…“ Mir fiel die Zigarette, die eben locker zwischen meinen Fingern steckte zu Boden und ich starrte meinen schönen Sänger verwirrt und überrascht zugleich an. Hatte er das gerade wirklich gesagt? „Ooookay…noch mal von ganz vorne bitte…du musst mir noch was sagen, hab ich das richtig verstanden?“ Er nickte und wir setzten uns auf die Stufen nahe der Sacre Coeur. Überall erstrahlten die Lichter um uns herum und die Stimmung hatte schon fast was Romantisches. Aber eben nur fast. Wenn da nicht dieses Damoklesschwert über uns schweben würde. „Ich weiß, wir wollten die Vergangenheit ruhen lassen, aber eine Sache möchte ich dir noch sagen Kazuki…“ „Ja?“ „Ich hab dir ja erzählt, dass ich für Kami nie mehr als nur eine Affäre war, weil es da noch Juka gab…seinen Freund. An ihn kam ich nie heran und er ließ mich mehr als einmal spüren, dass ich nur seine Nummer zwei war…als Kami dann verstarb, hab ich was mit Juka angefangen, weil ich wissen wollte, was er an ihm so anziehend fand…“ „Und? Hast du es herausgefunden?“ „Ja…seine krasse Unterwürfigkeit. Er ließ alles mit sich machen, nur damit er das bekam was er wollte…das schloss auch diverse Sexspielchen mit ein. Er ließ sich gern quälen, wollte benutzt und verletzt werden, doch das war für mich keine Liebe. Ich liebte ihn nicht und doch zog mich sein Fetish magisch an. Es war, als hätte er etwas in mir freigesetzt. Diese unstillbare krankhafte Gier. Als es das erste Mal geschah, schwor ich mir, dass ich ihn nie mehr sehen wollte…doch irgendwann stand er wieder vor meiner Tür…diese Affäre zog sich viel zu lange und tat mir schon nach unserem zweiten heimlichen Treffen alles andere als gut…naja und dann kam da der Tag X…“ Kyo schluckte und ich merkte, dass es ihm sichtlich schwer fiel darüber zu sprechen. Deshalb drückte ich seine Hand und hauchte ein Kuss auf seine tätowierte Haut. „…er kam wieder…ich hatte ihm zum widerholten Mal deutlich gemacht, dass ich ihn nie mehr sehen wolle…doch er bettelte mich an, fiel vor mir auf die Knie und flehte mich an…ich konnte nicht anders, doch ich übertrieb es. Vergaß mich und tat ihm schlimme Dinge an…es grenzte hart an Vergewaltigung…danach sah ich ihn wirklich nie wieder…“ Wir schwiegen eine Weile und ich verstand ich Botschaft hinter seinen Worten. Ich nahm mir noch eine Zigarette aus der Packung, die zwischen uns lag. Kyo schien darauf zu warten, dass ich etwas sagte. Nervös nahm ich einen tiefen Zug und kaute auf meiner Unterlippe herum. „Hast du mit Kami solche Dinge auch getan?“, fragte ich dann. „Nein…meist war er der dominante Part…Kazu, ich…“, setzte er an, doch ich versiegelte seine Lippen mit einem Kuss. „Haben dich unsere letzten beiden sexuellen Ausflüge glücklich gemacht oder hattest du das Verlangen nach mehr?“ „Das Verlangen nach mehr ist immer da…“ „Das heißt, es hat dich nicht befriedigt?“ „Doch das schon…für den Moment und ich habe Angst, dass ich es auch bei dir zu weit treibe…“ Wieder Schweigen und all das ging mir mehr als Nahe, denn so würden unsere Sexerlebnisse immer eine Gradwanderung sein und ich war mir selbst nicht sicher, wie weit ich gehen wollte. Schließlich begann ich meinen Körper ja gerade erst wieder zu mögen und hatte nicht vor, dauerhaft mit irgendwelchen Bisswunden oder kleinen Verletzungen herumzulaufen, nur, weil es Kyo geil fand. Shit, was sollte ich nur tun? Ich wollte ihn nicht verlieren, um kein Geld der Welt. Doch was war, wenn ich ihm irgendwann nicht mehr das geben konnte, was er wollte? Die Verzweiflung kroch langsam aus einer dunklen Ecke in meinen Kopf, doch ich versuchte sie auszublenden. „Okay…das ist heftig und es wäre gelogen, wenn ich behaupte, dass deine Worte spurlos an mir vorbeigehen…doch ich habe meine Grenzen Kyo…bis wohin die gehen, kann ich noch nicht genau sagen, aber sie sind da…doch ich kann dir versprechen, dass ich dir immer sagen werde, wenn du aufhören sollst. Ich möchte dich nicht verlieren und ich hoffe, dass wir das irgendwie hinbekommen…ich finde es sehr mutig, dass du mir das gesagt hast…aber du hast Juka nicht geliebt oder?“ „Nein…“ „Gut, dann könnte das tatsächlich unser Joker sein…du bist vielleicht sadistisch veranlagt, aber du bist auch ein guter Mensch und ich weiß, dass du mich liebst und mich nie verletzen würdest…und falls du wirklich die Kontrolle verlieren solltest, muss ich dich eben verprügeln, bis du wieder klar im Kopf bist…“ „Das darfst du…na schön…jetzt komm ich mir wirklich ziemlich nackt vor…mehr hab ich nicht zu verbergen…du weißt jetzt alles über mich…“ „Mhh, nicht ganz…warum hast du dich selbst verletzt?“ Wieder schluckte er. Vermutlich hatte er nicht mit dieser Frage gerechnet, doch sein Blick blieb standhaft. „Weil ich mich selbst nicht ertragen habe. Ich hab mich verachtet und ekelte mich vor mir selbst…“ „Tust du das noch immer?“ Kyo grinste jetzt ein bisschen und schüttelte mit dem Kopf. „Nein, jetzt weiß ich, wie gut ich aussehe und, dass ich mich nicht vor der Welt verstecken muss.“ „Gut so…was soll ich noch sagen…wir bekommen das hin…irgendwie, denn ich bin nicht bereit dich dafür aufzugeben, auch, wenn es mir ein bisschen Angst macht…mhh, da kommt mir eine Idee…denn ein Problem gibt es tatsächlich in unserer Beziehung…“ Mein Liebster schaute mich fragend an. „Das da wäre?“ „Ich finde, du warst lange genug der dominante Part Liebling…vielleicht sollten wir den Spieß mal umdrehen“, raunte ich ihm zu und ließ mich auf seinen Schoß sinken, mit dem Gesicht zu ihm. Jetzt wollte ich diesen Mann erst recht erobern und zwar richtig, denn auch in mir schlummerte durchaus eine leicht sadistische Ader. Vielleicht nicht so extrem ausgeprägt, wie bei Kyo, aber ein bisschen schon. Ich biss leicht in seine Unterlippe und eroberte seine Mundhöhle mit meiner Zunge. „Kannst du damit umgehen?“ „Du überrascht mich immer wieder…na dann, lass die Spiele beginnen“, entgegnete er und zog mich enger an sich. „Hab ich übrigens schon mal erwähnt, dass ich vermutlich sexsüchtig bin…zumindest seit ich dich kenne und ich hab das mal gegoogelt. Das ist scheinbar eine anerkannte Krankheit.“ Kyo konnte endlich wieder lachen, dennoch hörte ich nicht auf ihn zu küssen, weil ich etwas ausprobieren wollte. Unser Zungengefecht wurde immer heißer und wilder, bis ein Stöhnen über seine Lippen drang. Als er mit seinen Händen meine Seiten entlangwanderte, schob ich diese beiseite und hielt sie fest. Jetzt grinste mein schöner Sänger in den Kuss hinein. „Oha…du widerstehst mir? Ich weiß nicht, wie ich das finden soll.“ „Vielleicht finden wir das zusammen heraus. Nur so langsam sollten wir zu den anderen gehen…“ „Glaub ja nicht, dass ich nicht wüsste, was du hier treibst mein Süßer…“ „Ich hoffe doch, dass du genauestens weißt, was ich hier treibe…und jetzt komm alter Mann…“ Noch bevor ich die letzten beiden Worte richtig ausgesprochen hatte, nahm ich meine Beine in die Hand und rannte um mein Leben. Und das zu Recht, denn Kyo war mir verdammt dicht auf den Versen. Beim Hoteleingang stoppte ich kurz, steckte die Karte ein und rannte weiter. Den Fahrstuhl erwischte ich gerade so vor ihm und steckte ihm provokant die Zunge raus, als sich die Türen vor seinen Augen schlossen. Erleichtert stieg ich in unserer Etage aus und lief den Gang entlang. So schnell konnte er nicht sein. Doch plötzlich wurde ich gepackt, Kyo warf mich ohne Probleme über seine Schulter und trug mich in aller Ruhe zum Zimmer. Ich zappelte und rief um Hilfe, doch keiner hörte mich. Ich bettelte ihn an, mich runter zu lassen, doch er festigte seinen Griff nur. „Eine solche Frechheit kann ich nicht dulden mein Liebling.“ Ich musste lachen und versuchte noch immer, mich zu befreien, doch keine Chance. Nachdem Kyo an unserer Zimmertür geklopft hatte, machte uns Shinya auf. Ich erkannte ihn an seiner Hose. Seinen Blick konnte ich leider nicht ausmachen, da ich kopfüber hing. „Shini, hilf mir! Bitttteeee!“, bettelte ich noch immer lachend. Da ergriff der Drummer meine Hände, Kyo meine Füße und beide schleuderten mich auf’s Bett. Ich quietschte wie kleines Mädchen und wusste, dieser Kampf ging gerade in die nächste Runde. Außer Atem erhob ich mich und rettete mich auf die Terrasse, um dort eine zu rauchen. Doch musste ich feststellen, dass mein Liebster meine Kippenschachtel eingesteckt hatte. Verdammt. Selbstsicher lehnte er im Türrahmen und wedelte amüsiert mit der Schachtel. Ich wollte sie wieder an mich reißen, doch er zog sie mir weg. „Ernsthaft?“ „Du hast doch angefangen…sag bitte“, entgegnete er mit diesem lüsternen Glitzern in den Augen. „fick dich…nen scheiß sag ich…“ „Oho…Zero, hast du Kazu vorhin irgendwas gegeben? Ich fürchte er hat den Verstand verloren“, ärgerte mich mein schöner Sänger. „Du kannst machen, was du willst, ich ergeb mich nicht…Die, darf ich eine Zigarette haben…Kyo ist gemein zu mir“, wendete ich mich ein bisschen bemitleidenswert an den langhaarigen Gitarristen. Lachend schüttelte der Diru Sänger den Kopf. „Selbstverständlich“, antwortete dieser und klopfte auf seinen Schoß und dieses Angebot nahm ich doch glatt an. Auch Toshi umgarnte mich und reichte mir ein Glas mit Sake. „War ja klar, dass du mir wieder in den Rücken fällst Die…lass dich ruhig von dem kleinen Giftzwerg um den Finger wickeln…“ „Wer ist hier ein Giftzwerg du griesgrämiger alter Mann“, konterte ich selbstsicher und noch im Schutz von Die und Toshiya. Der Bassist lachte laut auf und hielt sich den Bauch. Auch der Rest war sichtlich amüsiert von unserem kleinen Machtspielchen. „Ich hab so das Gefühl, du willst heut auf der Terrasse schlafen…“ „Mhh oder ich komm woanders unter…“ Ich schielte zu Zero und Kao rüber. Der Leader lag auf dem größeren Sessel ganz dicht in den Armen seines Liebsten und schien vollkommen glücklich zu sein. Als ich aufgeraucht hatte, rutschte ich von Dies Schoß und bewegte mich langsam auf Kyo zu, der mich noch immer feindeslustig anfunkelte. Ich legte meine Arme um seinen Nacken. „Waffenstillstand?“, bot ich ihm an. „Ich bin nicht sicher, ob ich dir trauen soll…“ Ich klimperte mit den Wimpern. „Könnten diese Augen lügen?“, bezirzte ich ihn und musste erfreut feststellen, dass es funktionierte. „Du manipulatives kleines etwas…das glaub ich ja jetzt nicht…“ „Bitte…ich bin auch ganz lieb, versprochen…“ Ich hauchte ihm ein Kuss auf die Wange und kraulte ihn im Nacken. Kyo rang mit sich und ich wusste, dass er nicht gerne die Kontrolle abgab und doch schien er kurz davor zu sein. „Ich mach’s auch später wieder gut…“, setzte ich noch einen drauf und meine Falle schnappte zu. Volltreffer. „Na schön, aber nur bis alle weg sind.“ Ohne, dass es Kyo aufgefallen war, hatte ich meine Zigaretten wieder zurück erobert. So langsam fand ich Gefallen an unserem kleinen Spielchen.   Gegen eins verließen die letzten unserer Freunde unser Zimmer und wir befanden uns wieder in trauter Zweisamkeit. Da wir morgen keinen Zeitdruck hatten und unser Flug erst am Nachmittag ging, konnten wir auch ein bisschen ausschlafen. Ich wischte das Make-up mit den Abschminktüchern aus meinem Gesicht und putzte meine Zähne. Auch Kyo folgte mir wenige Minuten später ins Bad. Ich räumte meine Zahnbürste auf und blieb hinter ihm stehen, legte meine Hände auf seinen flachen Bauch und küsste das Auge in seinem Nacken. Ein leises Seufzen entfuhr ihm und auch mein schöner Mann beendete seine abendliche Körperhygiene. Er wendete sich mir zu, nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich zurückhaltender als sonst. Ich schaute ihn fragend an. „Ich bin nicht sicher, wie das auf Dauer funktionieren soll Kazu…“, antwortete er ehrlich, doch ich lächelte. „Möchtest du es versuchen? Für uns?“ „Ich…ich bin nicht sicher…ob…ich es kann…“ Noch immer wich das Lächeln nicht aus meinem Gesicht und ich führte meinen Kyo zum Bett. Schubste ihn leicht in die Kissen und setzte mich auf seine Oberschenkel. „Darf ich etwas ausprobieren?“, fragte ich vorsichtig und war mir bewusst, dass ich Kyos Körpersprache genauestens lesen musste, denn sonst könnte mein Vorhaben gewaltig schief gehen. „Vielleicht…was denn?“ „Das möchte ich dir ungern verraten…falls es dir zu viel wird, musst du es mir sagen okay?“ „Warum schreckst du nicht vor meinen Worten zurück?“, hackte er unsicher nach und ich zuckte mit den Schultern. Beugte mich zu ihm hinab, um seine süßen Lippen zu küssen. „Weil ich dir gerne zeigen würde, wie schön es ist, die Kontrolle abzugeben…natürlich kann ich dich nicht zwingen. Wenn du jetzt nein sagst, hör ich sofort auf.“ Der Blick meines Liebsten deutete sehr wohl darauf hin, dass er hin und hergerissen war. Doch dann nickte er kaum merklich und ich senkte mich wieder hinab, um seinen Mund zu versiegeln, bevor er doch noch Einwände bringen konnte. Ich erfasste seine Hände, zog ein Tuche aus meiner Arschtasche und band seine Hände zusammen. Noch immer keine Proteste. „Willst du mich jetzt schon ganz nackt haben oder später?“ Ein süffisantes Grinsen schlich sich auf seine Lippen. „Sofort…“ Also zog ich noch meine Hose aus und nahm wieder meine Position von zuvor ein. Kyo trug nur seine Unterhose und das wollte auch vorerst so bleiben. „Und gefällt dir, was du siehst?“ „Das weißt du doch…“ „Aber ich möchte es von dir hören…“, raunte ich. „Du bist wunderschön Kazuki…schade, dass ich dich nicht anfassen kann…“ Ich küsste ihn wieder, dieses Mal weit aus weniger zurückhaltend. Meine Zähne zupften an seiner Unterlippe und meine Zunge suchte gierig nach Kyo seiner. Beide liebkosten sich und schweren Herzens unterbrach ich dieses heiße Gefecht. Wieder setzte ich mich auf, um abschätzen zu können, wie weit ich heute gehen konnte. Mit dem Daumen fuhr über seinen Mund und zog seine Unterlippe ein wenig nach unten. Meine Hände begaben sich auf Wanderschaft, vom feinen Schriftzug an seinem Hals, über den schillernden Kranich bis zu seiner Brust. Momentan konnte ich nicht sagen, ob es Kyo reizte, wenn ich seine Nippel erregte. Zeit das herauszufinden. Unter meinen Berührungen stellten sie sich auf und es schien ihm zu gefallen. Doch mich verlangte es nach mehr, ich wollte ihn kosten und so umkreiste ich seine süßen Knospen mit der Zunge, saugte ein wenig an der empfindlichen Haut und entlockte meinem schönen Sänger einen wohligen Laut. „Baby, stell dir vor, was du jetzt gern mit mir anstellen würdest…an welchen Stellen du mich küsst…wo deine Zunge ihre Spuren hinterlässt…schließ die Augen und stell es dir vor…“, raunte ich ihm zu und mein warmer Atem kitzelte dicht über seiner heißen Haut. „Wird das ein Versuch Dirty Talk zu betreiben?“, fragte mein Liebster erregt und amüsiert zugleich. „Nicht nur ein Versuch…“, versprach ich ihm und er versuchte sich wieder zu entspannen. „Ich muss feststellen, dass mir das gefällt.“ „Dann stell dir jetzt vor, wie du meinen Bauch küsst…deine Zunge immer weiter nach unten wandert. Du hinterlässt die eine oder andere Bisswunde…“, sprach ich weiter und tat das, was ich gerade gesagt hatte. Ohne ihn zu beißen, doch ohne einen Knutschfleck kam auch Kyo nicht davon. So allmählich zeichnete sich unter der Unterhose eine Beule ab und das stimmte mich mehr als zufrieden. Ich berührte seine Erregung und er keuchte auf, wand sich ein bisschen und schaute mich mit lusterfüllten Blick an. „Was mach ich noch mit dir?“, fragte er mich und ich strich erneut über die Wölbung in seiner Shorts. Jetzt wuchs auch meine Erregung und so langsam breitete sich die Lust auch in mir aus. „Du leckst über meinen Schwanz…saugst den Lusttropfen auf und spielst mit dem Piercing…“ „Ohh jaaa, das ist verdammt sexy…kannst du das für mich tun? Dich berühren und meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen?“ Ich konnte nicht anders und musste grinsen. Meine Hand wanderte zu meiner Erregung und es überraschte mich selbst ein wenig, wie geil mich das machte. Ich verlor mich ein paar Minuten, dann kehrte ich zu meinem Liebsten zurück. Nahm den Bund seiner Shorts zwischen meine Zähne und zog diese nach unten. Kyos wunderschöner Schwanz zuckte mir entgegen und ich fing ihn mit meinen Lippen ein. Versenkte ihn tief in meinem Mund und so langsam schien er seine Kontrolle abzugeben, denn sein Atem ging flacher und unregelmäßiger. „Du bist soooo gut…“, kam es mühevoll hervor und beschleunigte meine Bewegungen. Kyo stöhnte und wand sich unter mir. „Wie würdest du es finden, wenn dein süßer Arsch noch ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt? Meine Zunge an deinem heißen Loch…“ „Klingt verlockend, aber…weiß nicht, ob ich das…aushalte“ Ich grinste nur und drückte seine Beine noch etwas auseinander, sodass ich an seinen Hintern kam. Zuerst küsste ich seine Schenkelinnenseiten. Wanderte höher und stupste mit der Zunge an seine Öffnung. Wagte mich weiter vor und das lustvolle Stöhnen, das Kyo von sich gab, spornte mich nur noch mehr an. „Ver-flucht…Kazuki…du bringst mich…um…ahhh“, „Um? Das ist nicht meine Absicht.“ „Um…den…Verstand…wollte ich sagen…“ Wieder ließ ich von ihm ab, um ihn zu küssen. „Darf ich noch einen Schritt weiter gehen?“, fragte ich dann. „Jaaaa“, raunte mein hübscher Sänger. Deshalb schob ich Zeige- und Mittelfinger in meinen Mund, umschloss sie mit meinen Lippen und benetzte die Finger mit Speichel. Wohl wissend, dass ich beobachtet wurde, schob ich die Finger langsam rein und wieder raus. „Dieses Bild bekomm ich nie mehr aus meinem Kopf…“ „Na dann scheine ich meine Sache ja gut zu machen.“ Dann wand ich mich Kyos Hintern wieder zu und drang langsam in ihn ein, bewegte meine Finger und tastete mich vor. Mal schneller, mal langsamer und sein Becken bog sich mir entgegen. Schließlich wagte ich es, mich ihm zu nähern und meine Spitze umkreise seinen Eingang. „Willst du mehr?“ „Bitte…und halt dich nicht…zurück…“ Ich schluckte und stieß in ihn. Konnte mich selbst kaum zügeln, doch tat ich es für uns. Immer heftiger und Kyos Enge um meinen Schwanz trieb mich in den Wahnsinn. Die Lust riss mich mit und meine Stöße wurden unkontrollierter. Ein letzter Blick zu meinem Liebsten. Auch ihm schien es nun mehr egal zu sein, ob er die Kontrolle über sich noch hatte oder nicht. Ich lächelte zufrieden und bewegte mich schneller. Immer wieder aufstöhnend, wenn ich Kyos Lustpunkt traf, doch ich wollte, dass er sich mir ergab. Sich diesem Spiel hingab und zu seinem Höhepunkt kam. Vor mir. Und endlich ließ er los, erlag seiner Lust und ergoss sich mit einem nicht ganz so leisen Schrei. Auch ich folgte kurz danach. Kapitel 21: Kyos geheimer Wunsch -------------------------------- Ich fühlte mich leicht erschöpft und so langsam strengte mich das Tourleben an. Hin und wieder drifteten meine Gedanken ab und ich versuchte mir vorzustellen, wie mein Leben weiterging, wenn wir zurück in Japan waren. Schließlich konnte ich Kyo nicht ewig auf der Tasche liegen und bestimmt erwartete er auch von mir, dass ich mich nach Arbeit umsah. Ich listete gedanklich auf, was ich gut konnte und wofür ich eher weniger Talent besaß. Vielleicht etwas in Richtung Friseur oder Maskenbildner? Naja und dann war da noch meine musikalische Seite, die mir bisher Geld einbrachte. Ich grübelte vor mich hin und zuckte zusammen, als jemand seine Hand auf meine Schulter legte. „Sorry Kazu, ich wollte dich nicht erschrecken…mach mich jetzt los. Bis später?“, fragte mich mein schöner Sänger und ich nickte. Er hauchte mir einen Kuss auf die Lippen, der mich schon wieder erschaudern ließ. Gerade, als ich dabei war mich aufzuhübschen, fühlte ich mich auf einmal sehr komisch. Meine Glieder taten weh und mir wurde heiß und kalt im Wechsel. Ich schrieb Zero und wenige Minuten später fand er sich in unserem Zimmer ein, bewaffnet mit einem Fieberthermometer und Medikamenten. Ich verzog mich zurück ins Bett, denn tatsächlich zeigte mir das Messgerät fast 40 Grad Fieber an. Betröppelt und mies gelaunt verkroch ich mich unter die Decke. „So‘n Scheiß…warum ausgerechnet jetzt?“ Mein Freund reichte mir ein Glas Wasser und ich schluckte die Paracetamol. „Tut mir leid. Ist es okay, wenn ich trotzdem gehe?“ Ich lächelte. „Klar, geh deinen Kaoru anschmachten“, witzelte ich. Dann versuchte ich mich an Kyos Ipad, um irgendwas anzuschauen, doch meine Lieder flatterten und mir fielen dauernd die Augen zu. Als ich erwachte und einen Blick auf mein Handy warf, stellte ich betrübt fest, dass ich gerade Mal eine Stunde geschlafen hatte. Das Konzert war sicher gerade in vollem Gange und ich bedauerte es etwas, obwohl ich die Show mittlerweile inn und auswendig kannte, dass ich nicht dabei sein konnte. Da mich mein Gehirn vom Einschlafen abhielt, griff ich wieder zum Ipad. Mein liebster Sänger hatte mir erlaubt, dass ich Filme schauen durfte, wenn ich wollte. Allerdings hatte er mir auch deutlich gemacht, von welchen Ordnern ich die Finger lassen sollte. Naja, er hatte mir nicht verboten die Bilder anzuschauen, wobei das schon ein sehr gewagter Schritt in seine Privatsphäre war. Es gab einige Ordner mit Bildern von uns und einen mit dem Namen J&K. J und K? Ich wusste, dass mich das nichts anging und doch siegte meine Neugier. Ich kniff die Augen zusammen und klickte darauf. Auf vielen der Fotos sah ich einen Mann mit roten langen Haaren. Recht hübsch. Und auf anderen eine blonde, engelsgleiche Gestalt. Wow, der Kerl war verdammt heiß. Schnell schloss ich den Ordner wieder und natürlich plagte mich mein schlechtes Gewissen. Waren das etwa Juka und Kami gewesen? Und wer von beiden war Juka du wer Kami? Mein Herz schnürte sich etwas zusammen und ich fühlte mich schlecht. Warum musste ich auch so neugierig sein? Ich simste Sota, wie es ihm ging, doch mein Freund antwortete nicht. Vermutlich lag er schon im Tiefschlaf. Ich seufzte und beschloss mir Inuyasha anzuschauen, auch wenn ich das bestimmt schon hundert Mal gesehen hatte, ich liebte diesen Anime einfach. Doch bei Folge vier dämmerte ich wieder weg.   Etwas verwirrt schreckte ich erneut auf, weil es auf einmal so taghell war. Ich blinzelte gegen das grelle Licht und spürte plötzlich eine kühle Hand auf meiner Stirn. „Wie geht es dir mein Süßes?“ Ich zwinkerte einige Male, um mich irgendwie zu orientieren. Wo war ich? Kyo saß an der Bettkante und schaute zu mir herab. Ach richtig, wir waren in London. „Mhh, geht so. Wie war das Konzert?“ „Ganz gut…aber ich hab meinen kleinen Groupie vermisst…“ Ich grinste etwas verlegen. „Der war auch ziemlich betrübt, dass er dich nicht anhimmeln konnte.“ „Ich komm jetzt zu dir ins Bett.“ Plötzlich fielen mir die Bilder wieder ein und augenblicklich war ich hellwach. Verdammt, warum hatte ich das tun müssen? Diese Frage stellte ich mir zum hundertsten Mal. Naja, jetzt konnte ich ohnehin nichts mehr ändern. Kyo schlüpfte zu mir unter die Decke. „Halt lieber ein bisschen Abstand, nicht, dass du auch noch krank wirst“, sagte ich besorgt, doch mein schöner Sänger ließ sich nicht beirren. „Mein Immunsystem lässt sich nicht so schnell anstecken.“ Ich zuckte nur mit den Schultern, weil ich keine Lust hatte mit ihm zu diskutieren, sondern genoss es, ihn bei mir zu haben. Sein Körper fühlte sich so kühl an und als er mich zaghaft berührte, mich am Rücken streichelte, dämmerte ich allmählich wieder weg.   Da ich an den letzten beiden Konzerttagen noch immer nicht ganz fit war, schaute ich vom Backstage aus zu und zu meiner Überraschung schloss sich Kyo den Partyplänen der anderen nicht an, sondern zog sich mit mir auf dem Zimmer zurück. Er pflegte mich, brachte mir Tee und bestellte Essen. Das rührte mich zutiefst und mein schlechtes Gewissen wuchs mit jedem Tag mehr. Doch je länger ich es hinauszögerte, desto schwerer fiel es mir, ihm zu beichten, was ich getan hatte. Deshalb sagte ich lieber nichts. Nach der Show in Köln machten wir uns gleich auf den Weg zum Flughafen, um zurück nach Japan zu reisen. Ich freute mich auf die Heimat und mir fehlten unsere Wohnung und die Zweisamkeit. Klar hatten wir auf Tour auch so unsere Momente, doch es war etwas anderes, wenn man sich in den eigenen vier Wänden zurückziehen konnte. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und wie ein geprügelter Hund bewegte ich mich in Richtung Kyo und Shinya. Mein Liebster blickte auf und gab mir zu verstehen, dass ich einen Moment warten sollte. Na super, jetzt wurde ich nur noch nervöser. Hinzu kam noch, dass Kyo wegen irgendwas ohnehin schlecht gelaunt zu sein schien. Sozusagen der perfekte Zeitpunkt, um ihm zu beichten, dass ich seine Privatsphäre verletzt hatte. Der Drummer erhob sich und zwinkerte mir zu. Mein schöner Sänger zog mich auf seinen Schoß und schaute mich mit müdem Blick an. Leichte Schatten lagen unter seinen Augen und auch an seinem Nervenkostüm hatte die Tour gezehrt. „Bald sind wir zu Hause…ich freu mich echt auf mein Bett.“ Ich nickte nur und presste meine Lippen aufeinander. „Mhh…“ „Alles okay?“, fragte er dann und ich schüttelte mit dem Kopf. Unsicher kaute ich auf meiner Unterlippe herum und mied es ihn anzusehen. „Erde an Kazuki…was ist los?“ „Okaayyyyyyy…ich hab mir Bilder auf deinem Ipad angeschaut, die ich glaub ich nicht hätte sehen sollen…es tut mir leid…jetzt ist es raus“ „Was für Bilder?“, fragte Kyo noch sichtlich gelassen. „Ich glaub es war…der Juka und Kami Ordner…“ Ohne etwas zu sagen zog mein Liebster den kleinen Computer hervor und schien etwas zu suchen. Und wieder tat sich der Ordner mit J&K auf. „Die da?“ Ich nickte. Und Kyo entfuhr ein gereiztes Schnauben. „Und jetzt?“ „Bist du sauer deshalb?“ „Keine Ahnung…“, erwiderte er und schob mich von seinem Schoß. Er war sauer. Natürlich war er sauer. Na toll. In meinem Hals bildete sich ein Kloß und mein Magen krampfte sich zusammen. Kyo mied mich den Rest des Fluges und mit jedem Versuch, den ich startete, um ihm zu zeigen, wie leid es mir tat, ließ er mich eiskalt abblitzen. Zero warf mir einen fragenden Blick zu, doch ich schüttelte nur betrübt mit dem Kopf.   Als wir endlich in Osaka landeten, erwartete uns dort schon ein Kleinbus, der uns nach Kyoto brachte. Wir alle waren am Ende unserer Kräfte und wollten nur noch schlafen. Die ganzen Instrumente und das Merch Zeug wurde von der Crew noch zum Proberaum gefahren. Zu Hause holten wir unser Gepäck aus dem Kofferraum und die Räder seines Rollkoffers ratterten auf dem asphaltierten Weg zum Haus. Kyo kramte den Haustürschlüssel aus seiner Tasche hervor. Noch immer strafte er mich mit giftigen Blicken und verschwand im Bad. Ich verzog mich auf den Balkon, um endlich die ersehnte Zigarette zu rauchen. Oh Mann tat das gut. Was sollte ich jetzt tun? Ihn noch einmal um Verzeihung bitten? Doch war es nicht normal, dass ich die Menschen, die sein Leben so derart geprägt hatten, auch Mal sehen wollte und sei es nur auf einem Foto? Ich hatte mir ja nicht alle Bilder angeschaut. Ich konnte ja verstehen, wenn Kyo sauer auf mich war, doch langsam übertrieb er es. Ja, ich wusste auch, dass er ein echter Stuhrkopf sein konnte, doch meiner Meinung nach hatte er mich jetzt lange genug gestraft. Ich zündete mir eine neue Zigarette an und lehnte mich gegen die Brüstung. Mein Kopf sank nach hinten und ich schaute in den Himmel. Hier war es noch immer Nacht, doch noch gar nicht so kalt. Okay, ich würde da jetzt rein gehen und ihm sagen, dass das zu weit ging. Schon wollte ich mich in Bewegung setzen, da stand er vor mir. Nur in seiner Jogginghose bekleidet, die verboten tief auf seinen Hüften saß. Auch Kyo zündete sich jetzt eine Zigarette an und stellte sich so hin, dass ich ihn unweigerlich ansehen musste. Schön, es gab zwei Optionen, wie dieser Abend endete. Entweder ich verbarrikadierte mich jetzt irgendwo, um diesem göttlichen Anblick zu entfliehen oder ich riskierte alles und schmiss mich ihm an den Hals. Vermutlich wollte er genau das, um mir dann zu sagen, dass er keinen Bock auf körperliche Nähe verspürte. Und als ich einen Schritt auf ihn zu tat, verdeutlichte mir sein Blick genau das. Doch ich wäre nicht Kazuki der Warumonobändiger, wenn mich das von irgendetwas abhalten sollte. Also beschloss ich meinem Namen alle Ehre zu machen und legte meine Hände auf seine Hüften und begann seinen Hals sanft zu küssen. „Du treibst es heute gewaltig auf die Spitze“, knurrte mein schöner Sänger. Ich schaute zu ihm auf. „Dann halt mich doch davon ab“, konterte ich und spürte wie er innerlich tobte. „Kazuki, ich mein es ernst…ich bin übermüdet und richtig mies gelaunt…“ Ich schluckte und um ehrlich zu sein, ich bisschen Angst hatte ich schon. Trotzdem wollte ich nicht hören. Kyo sollte mir aus der Hand fressen. Er sollte verdammt noch Mal endlich begreifen, dass mich seine dominante Art nicht abschreckte. Im Gegenteil. Ich ließ meine Hände an seinen Seiten entlang gleiten und schob eine in seine Hose. Noch regte sich nichts, doch das wollte ich ändern und schon küsste ich ihn wieder am Hals und wanderte tiefer. Reizte seine Brustwarzen, da packten mich seine Arme und er drückte mich unsanft gegen die Wand. „Du bewegst dich gerade auf verdammt dünnem Eis Kleiner…“, drohte er mir und um Himmels Willen, ich fand ihn dabei verdammt sexy. „Kleiner? Dein Ernst? Gut so, dann gehe ich einfach weiter und warte darauf, dass es bricht“, gab ich zurück, griff nach seinen Unterarmen, verschränkte sie über seinem Kopf und drehte uns wieder um 180 Grad, sodass er jetzt mit dem Rücken zur Wand stand. Gierig presste ich meine Lippen auf seinen Mund und gab ihm zu verstehen, dass mich seine Worte keineswegs einschüchterten. Als sich unsere Zungen fanden, explodierte etwas in mir und wollte nichts mehr als Kyo. Mein Herz raste vor Begierde und Aufregung zugleich. „Wenn das Eis bricht, gibt es keinen mehr, der dich retten kann…du wirst jämmerlich ertrinken…“ Ich grinste etwas süffisant. „Schön, dann gehen wir zusammen unter…“ Und wieder küssten wir uns. Ein Kuss, der mich völlig um den Verstand brachte. An den Rande des Wahnsinns. Jegliche Gehirnzellen lahm legte und in dem einfach nur purer Sex lag, doch ohne wirklich intimer zu werden. Mein ganzer Körper schien in Flammen zu stehen und ich hoffte so sehr, dass es Kyo ähnlich ging. Plötzlich riss er sich von mir los, griff nach meinen Handgelenken und fixierte mich mit seinen schwarzen Augen. In ihm tobte ein Krieg. Zwischen Gut und Böse? Immer dachte ich nach unseren Gesprächen den wirklichen Tooru Nishimura zu kennen, doch dieser Mann schaffte es einfach immer wieder, mich zu überraschen. Doch das gerade war fast zu viel. Aber ich hatte es nicht anders gewollt, also musste ich diesen Kampf wohl auch bis zu Ende ausfechten und es wäre wohl besser für uns beide, wenn ich diese Schlacht gewann. „Na, gibst du auf? Gesteh dir endlich ein, dass es dir zu viel wird Kazuki…diese Seite von mir widert dich an…sag es mir endlich…“ „Willst du das wirklich von mir hören? Soll ich dir ernsthaft sagen, dass mich deine Worte verletzen und ich es nicht ertrage, wie du gerade mit mir umspringst?“ Kyos kalter Blick taxierte mich und er nickte. Ich zündete mir eine Zigarette an und schaute diesen wunderschönen Mann nachdenklich an. „So langsam glaube ich, wir gehen immer drei Schritte vor und fünf zurück…aber ich bin lernfähig mein Schatz…du versuchst mich zurück zu drängen…bist wütend, weil ich einen Blick in deine Vergangenheit geworfen habe…ja, zugegeben, das war alles andere als cool und ich hätte dich fragen sollen…hab ich aber nicht. Ändern kann ich das nicht mehr. Und jetzt?“ „Und das gefällt dir? Du triffst es perfekt…wir gehen drei Schritte vor und fünf wieder zurück. Das kann und wird auf Dauer nicht funktionieren. Keiner hält das durch…die Tour war cool mit dir, das muss ich zugeben, aber ganz ehrlich Kazuki, wie soll es jetzt weitergehen?“ Ich nahm einen tiefen Zug. „Du stellst mich jetzt ernsthaft vor die Wahl? Kyo…es gibt drei Dinge, die du wirklich hasst….erstens: wenn dich jemand süß nennt…zweitens: du redest ungern über deine Vergangenheit und deine blutigen Bühnenshows…drittens: du magst keine Menschen, die dich verarschen. Deshalb hast du deine Jungs…und mich…“ Ein trauriges Lachen entfuhr ihm und auch Kyo fingerte eine neue Zigarette aus seiner Schachtel heraus. So machte das alles keinen Sinn. Ich verschwand kurz auf die Toilette und holte uns beiden ein Bier. „Dich also, ja? Der große allmächtige Kazuki? Und jetzt…nur weil ich es schaffe dich zu befriedigen, heißt das noch lange nicht, dass das auch für mich gilt.“ Ich trank einen Schluck. „Mhh, ich habe das Gefühl an dem Punkt waren wir schon Mal…aber so funktioniert das nicht. Kyoschatz…vergiss alle Jukas und Kamis…ich bin weder der eine noch der andere und weißt du, woher ich das weiß? Weil du es mir gesagt hast, denn in Wirklichkeit passen wir perfekt zusammen…ja, zu Beginn schreckte mich deine Art etwas ab, aber jetzt? Hör endlich auf diese Mauer um dich herum zu errichten! Das kannst du meinetwegen vor deinem Managern, der Crew, diversen Fans oder sonst wem tun, aber vor mir? Wirklich? Ich bin kein Kami, der Spaß daran hat, dich zu verletzen und ich bin auch kein Juka, der dich anwinselt, weil er es so geil findet, wenn du ihm Schmerzen zufügst…ich bin ich…und wenn wir dieses Spiel noch hundert Mal spielen….vor und zurück…vor und zurück…Kyo…ich liebe dich, auch wenn du das gerade nicht hören willst“, beendete ich meinen Monolog. Sein Blick jedoch blieb unergründlich. Er schüttelte nur mit dem Kopf und zog mich in seine Arme. „Kommst du mit ins Bett?“, fragte er mich sichtlich erschöpft und ich grinste und nickte.   Irgendwie konnte ich nicht schlafen. Zuviel schwirrte in meinem Kopf umher. Deshalb beschloss ich Frühstück zu machen. Rührei, Müsli, Brötchen, Erdebeeren und Kaffee. Bewaffnet mit dem Tablett kehrte ich zurück ins Schlafzimmer. Langsam schien auch mein süßer Schatz zu sich zu kommen. Etwas verpennt schaute er mich an. „Bringst du mir gerade ernsthaft Frühstück ans Bett?“ Ich nickte strahlend. „Oh Kazu…“ Kyo zog mich in einen langen liebevollen Guten-Morgen-Kuss. „Weil ich dich liebe…so sehr…mit all deinen Ecken und Kanten…und zu deiner Frage von gestern, wie es jetzt weitergehen soll…ich gehe wieder arbeiten, ab und zu mach ich dich ein bisschen verrückt, weil ich nackt durch die Wohnung laufe und weiß, dass es dich in den Wahnsinn treibt…wir haben unglaublichen Sex…ich glaub mehr will ich gar nicht…“ Mein schöner Sänger lachte. „Das klingt schon fast perfekt…vor allem der Teil mit nackt und Sex…“ Ich schnappte mir eine Erdbeere, tunkte sie in das Schälchen mit Sahne und schob sie mir verführerisch zwischen meine Lippen. „Mh den Teil mag ich auch besonders gern…“, raunte ich, tunkte meinen Finger erneut in die Sahne und verteilte diese auf meinen Nippeln. „Sind zwar keine Erdbeeren, aber vielleicht willst du trotzdem kosten?“, fragte ich und Kyo entfuhr ein lustvolles Seufzen. „Du weißt langsam echt, worauf ich stehe…hab ich schon Mal erwähnt, dass du mich wahnsinnig machst?“ Und schon saugten seine zuckersüßen Lippen an meinen Brustwarzen. Das war ja noch besser, als in meiner Vorstellung. Verflucht und dabei wollte ich doch nur Frühstück im Bett.  Völlig benebelt ließ ich mich in diese süße erotische Welt entführen, in der es nur Kyo und mich gab. Oh ja, wie ich es liebte, wenn seine Zunge an meinen Nippelpiercings spielte und so kleine Stromschläge durch meinen Körper jagte. Meine Hände umschlossen sein Gesicht und ich wollte ihn küssen, seine Lippen einfangen und den Rest der Sahne ablecken. Doch auch mein schöner Sänger schien jetzt in Fahrt zu kommen. Seine Finger zwirbelten meine Brustwarzen, sodass es ein wenig schmerzte. Ich stöhnte in den Kuss hinein und biss ihm in die Unterlippe, was nicht ganz ungestraft blieb, denn seine Lippen lösten sich von mir und saugten sich an meinem Hals fest. Zunächst zaghaft und seine Zunge leckte über meine pulsierende Halsschlagader. Ich lehnte den Kopf etwas zurück und gab das Objekt der Begierde frei. Augenblicklich bohrten sich Kyos Zähne in mein weißes Fleisch und ich schrie auf. Meine Hände krallten sich in seine Haare, um ihn noch mehr an mich zu drücken. „Ahhh…so langsam machen deine…Bisse…süchtig…ich…will mehr…“, entfuhr es mir nur schwer unter diesen ganzen Eindrücken. Unsere Liebe glich einem Drahtseilakt und das betraf jeden von uns, doch gleichzeitig wollte ich auch nichts anderes mehr. Niemals wieder, denn ich konnte mir einfach nicht mehr vorstellen einen anderen Mann zu lieben. Die Wunde an meinem Hals begann zu brennen und zu pulsieren. „Um Himmels Willen Kazu…du bringst mich gerade echt an meine Grenzen…“ „Ist das gut oder schlecht?“, wisperte ich mit rauer Stimme und einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. „Ich weiß es nicht…willst du es drauf ankommen lassen?“, fragte mein schöner Sänger etwas verunsichert und ich nickte. „Aber sowas von…ich will nicht, dass du dich zurück hältst.“ Noch immer völlig benebelt leckte ich mir über die Lippen und wusste genau, was das in Kyo bewirkte. Seine Fingernägel kratzten über meine Brust und er schenkte nun auch meinem anderen Nippel endlich Beachtung. Ich keuchte auf, als sich seine Zähne erneut in meine zarte Knospe bohrten und er ein weiteres Mal über meine Brust kratzte. Ein leichter Schwindel überkam mich und ich ließ mich zurückfallen. Mein Kopf hing nun kopfüber und ich konnte uns im Spiegel des Kleiderschranks beobachten. Kyo kam zu mir gekrochen, lehnte sich über mich wie ein Raubtier über seine Beute nur viel erotischer. Auf einmal benetzte heißes Wachs meinen Oberkörper und ein Schrei, der viel zu weit weg schien, entfuhr meiner Kehle. Aus der Wunde auf meinem Oberkörper sickerte Blut und auf einmal sprang Kyo auf, wie von der Tarantel gestochen und knallte die Schlafzimmertür hinter sich. Ich musste erst einmal aus meinem tranceähnlichen Zustand erwachen, um überhaupt zu realisieren, was hier gerade passiert war. Im Gehen, auf sehr sehr wackeligen Beinen erhaschte ich Kyos Morgenmantel noch und warf ihn mir über. Ohne zu ahnen warum und wieso steuerte ich auf sein Arbeitszimmer zu. Die Tür stand einen Spalt breit offen und somit trat ich ein, musste mich jedoch sofort ducken, weil mich der fliegende Aschenbecher vermutlich sonst genau am Kopf getroffen hätte. Doch das war noch nicht alles. Völlig in Rage fegte mein schöner Sänger seinen Schreibtisch mit einer einzigen Handbewegung leer, sodass alles, was darauf stand, wie die leere Kaffeetasse, ein Locher, ein Tacker und der Laptop klirrend zu Boden geschmettert wurden. Okay, das war heftig. Noch bevor er sich den Stuhl greifen konnte, war ich mit zwei Schritten bei ihm und drückte ihn so fest es ging an mich. Dabei landeten wir beide unsanft auf dem von Notenblättern übersäten Parkettboden. Kyo schlug wild um sich und es gelang mir kaum, ihn unter Kontrolle zu bringen. Erst jetzt fiel mir der panische Ausdruck in seinen Augen auf und das tränennasse Gesicht. In mir keimte eine düstere Vorahnung. Scheinbar hatte ich es geschafft irgendwas zu triggern und ihn an etwas erinnert, an das er nie mehr erinnert werden wollte. Fuck! Und da war er wieder, dieser unschöne Gedanke. Drei Schritte vor und fünf zurück. Kyo befreite sich aus meinem Griff, sprang wieder auf, peilte erneut den Stuhl an und feuerte diesen mit voller Wucht gegen die Wand neben der Tür. Mein Herz raste vor Verzweiflung und das schmerzverzerrte Gesicht meines Liebsten jagte mir ein imaginäres Messer in dieses pochende Ding in meiner Brust. Hatte ich wirklich geglaubt, ich war gegen einen solchen Anfall von Verzweiflung gewappnet? Oh ja, rief eine leise Stimme in mir und ich musste genau hinhören, um sie nicht zu überhören. Mit zittrigen Knien, jedoch entschlossen wagte ich mich, ihm näher zu kommen. Er fixierte mich mit diesem Blick voller Hass und Verzweiflung. Es kostete mich einiges an Kraft und Überwindung. Ein Teil von mir wollte Kyo umarmen und ihm beteuern, dass alles gut wird und der andere Teil riet mir, mich schnellstmöglich ganz ganz weit von ihm zu entfernen. Ich entschied mich für ersteres, doch wie erwartet, stieß er mich unsanft von sich. Ich geriet ins Straucheln und plumpste auf das kleine Sofa. „Geh…ich ertrage dich gerade nicht…“, wisperte er mit brüchiger Stimme, die so gar nicht zu ihm passen wollte. „Erträgst du mich nicht oder erträgst du dich nicht?“, stellte ich ihm eine Gegenfrage. „Dich Kazuki…dich…dich…dich. Du treibst mich in den Wahnsinn…weckst Erinnerungen, die nicht gut sind und gaukelst mir vor, mich zu lieben! Du bist ein beschissener Lügner! Immer wieder dringst du zu mir vor und dann überfällst du mich mit deiner manipulativen Art…doch das hat jetzt ein Ende!...“ „Kyo!“, versuchte ich gegen ihn anzukommen. „Du benutzt mich, um deine wilden Fantasien auszuleben…doch du liebst mich nicht…du kannst mich nicht lieben…“, schrie er weiter und seine Worten waren schlimmer als Peitschenhiebe. Schlimmer als jede Art von Folter. Schlimmer als die Jahre, in denen mich meine Familie so tyrannisierte. Schlimmer, als jede Situation, in der Kyo sauer auf mich gewesen war und sie trieben mir die bitteren Tränen in die Augen. „Kyo, hör auf!“, schrie ich ihn jetzt ebenso an und auch in meiner Stimme schwang  die pure Verzweiflung mit. „Nein, niemals…ich bin ein ewiger Einzelgänger. Beziehungen sind nichts für mich…also verdammt noch Mal, geh jetzt einfach…“, widerholte er sich und mein Herz brach in tausend Teile. Ich konnte nicht mehr. Ertrug kein einziges Wort mehr. Ich eilte ins Schlafzimmer, zog irgendeine Hose und irgendein Shirt aus dem Schrank und rannte weg. Raus, an die frische Luft. Meine Hände zitterten heftig und ich bekam die Zigarette fast nicht an. Ich nahm einen tiefen Zug und genoss den kurzen Moment, in dem sich meine Lungen mit Nikotin füllten. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit. Das Zittern ließ auch nicht nach, als ich durch mein Telefonbuch srollte, um nach einem ganz bestimmten Kontakt zu suchen. Es klingelte und wenige Minuten später erklang die sanfte Stimme des Diru Drummers, die mich wieder ein bisschen runter brachte. „Kazu-chan? Bist du dran?“, fragte er verunsichert und wollte schon auflegen, da reagierte ich blitzschnell. „Shin…warte…ich muss dich etwas fragen…“, gab ich mit weinerlicher kratziger Stimme zurück und hörte ihn laut Seufzen. „Oh nein, du klingst alles andere als gut. Was ist los?“ Ich schluckte schwer und bemühte mich nicht gleich wieder loszuheulen. „Wir haben uns gestritten…er sagt, ich liebe ihn nicht…setze nur unerwünschte Erinnerungen in seinem Kopf frei…“ „Hat er wieder einen seiner Anfälle?“ Ich nickte und erneut schossen mir die Tränen in die Augen. Dann erst wurde mir klar, dass mich Shinya ja gar nicht sehen konnte. „Ja…er wirft Dinge um sich…ich weiß nicht, was ich tun soll…er sagt, er will mich nicht mehr sehen…behauptet, ich würde ihn nicht lieben…“, widerholte ich mich, doch das war mir im Moment egal. „Wo bist du gerade?“ „Hocke vor der Wohnung.“ „Gut, dann…eine ernst gemeinte Frage von mir: kannst du dir vorstellen zurück zu ihm zu gehen?“ „Ich denke schon…“, wisperte ich. „Schön…nun zum schwierigen Teil…zeig ihm, dass dir seine Worte nichts anhaben können…umarme ihn…küsse ihn…Kazu, Tooru weiß, dass du ihn liebst…und du solltest keine Zeit verlieren…“ Ich schluckte die Tränen runter und erhob mich. „Danke Shinya.“ „Schreib mir bitte, wenn ihr euch wieder vertragen habt…sei stark Süßer…“ „Ich geb mein bestes. Grüß Sota von mir, aber erzähl ihm nichts, sonst sorgt er sich nur wieder…“ „Alles klar. Bis dann.“ Und damit beendete er das Gespräch. Ich schloss meine Augen kurz, flickte mein gebrochenes Herz wieder zusammen, um neue Kraft zu tanken und betrat das Haus. Mit schnellen Schritten näherte ich mich erneut dem Arbeitszimmer und das kam mir jetzt tatsächlich vor wie ein Déjà-vu. Kyo kauerte noch immer auf dem Boden und zuckte zusammen, als er mich kommen hörte. Seine Augen musterten mich, als wäre ich ein Gespenst. Ich ließ mich auf seinen Oberschenkeln nieder und zog ihn an mich. Streichelte seinen Rücken und küsste sanft seine stoppeligen Haare. „Hab ich nicht gesagt, dass du gehen sollst?“, brachte er nur mühevoll hervor. „Ja hast du.“ „Und warum bist du dann noch hier?“ „Weil ich bedauerlicher Weise keine Wohnung habe…ich könnte mir eine suchen, doch eigentlich will ich das gar nicht.“ „Aber du kannst auch nicht hier bleiben“, wisperte er. „Ich fürchte wir haben keine Wahl.“ „Kazuki…du liebst mich nicht…warum also bist du hier?“ Traurig schüttelte ich mit dem Kopf, nahm sein Gesicht zwischen meine Hände und küsste ihn. Naja ich küsste ihn nicht nur, sondern legte all meine Sehnsucht, meine Begierde und meine Liebe in den Kuss. „Mein wunderschöner Mann wie kannst du auch nur eine Sekunde daran zweifeln? Ist es wegen vorhin? Hast du ähnliche Dinge mit Juka getan? Das tut mir so leid, ich wollte nicht, dass du dich daran erinnerst. Kyo…ich liebe dich von ganzen Herzen und weigere mich zu verschwinden, weil wir beide daran zugrunde gehen würden. Was kann ich noch tun, um dir zu beweisen, dass mein Herz jetzt und immer nur dir allein gehört?“ „Mich heiraten?“, kam es wie aus der Pistole geschossen. Hatte ich da gerade richtig gehört? Völlig verblüfft und vermutlich mit telllergroßen Pupillen starrte ich meinen schönen Sänger an. „Ich kenne da einen kleinen Tempel…das wäre zwar keine richtig offizielle Zeremonie, aber dann könnte ich dich meinen Mann nennen…Kazu…das ist viel verlangt, vielleicht zu viel, doch ich kann nicht anders…willst du wissen, weshalb ich gerade so ausgetickt bin?“ Ich nickte. „Damals…die Sache mit Juka…wir haben fast genauso begonnen. Die Kratzer auf der Brust…das Kerzenwachs…das hat mich gerade eiskalt erwischt…kurz hatte ich wieder das Gefühl ein Niemand zu sein. Jemand, den keiner liebt und der nicht in der Lage ist jemand anderen zu lieben…ich wollte mich umbringen, so sehr zerfraß mich dieser Gedanke…Juka war immer dieser unterwürfige Part in meinem Leben, der mich an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht hat und eben diese Situation kam mir jetzt wieder in den Sinn…es tut mir so leid…“ Wieder zog ich meinen Schatz an mich und ergab mich meinen Gefühlen. „Oh Kyo, mein wunderschöner Kyo…ich liebe dich so sehr…vergiss das nie.“ Plötzlich drückte er mich ein bisschen von sich und schaute mir tief in die Augen. „Die Frage war ernst gemeint Kazuki…ich glaube damit könntest du mir helfen…falls das überhaupt deine Intention ist…“ Noch immer rannen heiße Tränen meinen Wangen hinab, doch ich lächelte. „Spinnst du? Wie kannst du das nur infrage stellen…ich will dich glücklich machen und oh mein Gott, dich meinen Mann zu nennen…wow, das ist…keine Ahnung…unbeschreiblich schön…ich kann es nicht in Worte fassen…aber ja, ich will…ich will für immer dein sein. Und wenn ich es dadurch schaffe alle blöden Jukas und sonst wen endgültig aus deinem Kopf zu verbannen, doppelt ja…doch jetzt hab ich noch was offen und glaub ja nicht, dass du so einfach davon kommst“, raunte ich ihm zu und überfiel ihn mit einem stürmischen Kuss, den er nur erwiderte und mein Verstand augenblicklich wieder von dieser Blase umgeben wurde. Kyos Hände zogen mich wieder aus und als er über meine verletzte Brust strich, zuckte ich kurz zusammen. Keuchte auf, als er mein schon wieder steifes Glied berührte und seine Hand zwischen meine Pobacken schob. Tausende von Reizen prasselten auf mich ein und ich genoss jeden einzelnen von ihnen. Diese Leidenschaft, die meinen Körper lodern ließ, war einfach nur himmlisch und aufregend zugleich. Ich schaute gerade zu Kyo auf, wie er seine Finger mit Gleitgel benetzte. Mit einer Hand griff er nach meinem Schwanz und die andere glitt wieder zu meinem Hintern. Kam meinem Loch gefährlich nahe und schon wieder kribbelte alles vor Lust. „Kazu…verzeih mir, dass ich an unserer Liebe gezweifelt hab…“, raunte er mir zu. Ich funkelte ihn begierig an. „Ich verzeihe dir mein Schatz und verfluchte scheiße, jetzt schieb endlich deine Finger in mich…“, keuchte ich mittlerweile geil bis in jede Faser meines Körpers. Das ließ sich Kyo auch nicht zweimal sagen und da war es wieder, dieses leicht diabolische Grinsen, das seine Lippen umspielte. „Na schön…du Sexmonster…“, hauchte seine Stimme nahe an meinem Ohr und ich bekam eine Gänsehaut. Quälend langsam näherten sich seine Finger meinem Eingang, doch anstatt sie in mir zu versenken, reizte er mich nur, indem er mich immer wieder dort berührte, kurz mit den Fingerspitzen eindrang und sich wieder entzog. Ich wand mich vor Lust, konnte dieses Kribbeln kaum noch ertragen, doch es fiel mir nicht ein, ihn anzubetteln. Auch wenn es das war, was er sich am meisten wünschte. Dieses Spiel widerholte er noch ein paar Mal, da griff ich nach seiner Hand und schob seine Finger tiefer in mich. Doch nicht tief genug. Die ersehnte Erfüllung blieb aus. „Kazu…du überrascht mich immer wieder…sag bitte“, kam es über Kyos Lippen. „Nen scheiß werd ich…vorher mach ich’s mir selbst“, konterte ich und stiftete damit etwas Verwirrung bei meinem schönen Sänger. Nun ließ er von mir ab. „Also dann bitte…biete mir meine persönliche Live-Porno Show“, sagte er und reichte mir das Gleitgel. Wie der Herr wünschte. Ich ging nicht gerade sparsam mit der Flüssigkeit um und ließ erst zwei und dann drei Finger in mich gleiten. Hob mein Becken an, um noch tiefer zu kommen. Oh ja, ich fand meine empfindlichste Stelle schnell. Schließlich tat ich das nicht zum ersten Mal. Holy Shit fühlte sich das geil an. Doch auf einmal spürte ich Kyos Zunge an meinem Intimpiercing, wie er mir die Eier leckte und mein pochendes Glied tief in sich aufnahm. Diese Bewegung schaffte er genau fünf Mal, dann ergoss ich mich mit einem Lustschrei in seinem Mund. Verführerisch leckte er sich über die Lippen und mir war klar, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Er zog mich an den Oberschenkeln näher zu sich und drang sogleich mit einem lustvollen Stöhnen in mich ein. Auch merkte ich, dass es meinem Liebsten gerade nicht um liebevollen Kuschelsex ging, er wollte mir folgen und trieb uns deshalb beide wieder in diese wundervolle Scheinwelt der Lust. Irgendwo, in unserem geschützten Universum liebten wir uns bis aufs Äußerste. Nur am Rande spürte ich Kyos Hände auf meiner Brust, der kurze stechende Schmerz und dann ein harter Stoß nach dem anderen. Wieder Schmerz, gepaart mit Lust. Ein Zustand nahe der Bewusstlosigkeit und zurück in der Realität. Unserer Realität. Ich konnte nicht sagen, wer von uns lauter schrie, als wir fast zeitgleich unserem Orgasmus erlagen, doch es klang wunderschön. Erschöpft brach Kyo auf mir zusammen. Sein Herz wummerte gegen das meine und jetzt knurrte mein Magen. „Ich glaub ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn einem der Verstand aus dem Hirn gevögelt wird…holy shit…“ Kyo kicherte auf mir und küsste mich liebevoll. Doch eine Sache musste noch erledigt werden. Ich befreite meine Hand, die irgendwo zwischen seinem Bauch und meinem Bauch lag und ließ sie auf seinen zuckersüßen Hintern sausen. Mein Liebster schrie auf und warf mir einen empörten Blick zu. Deshalb widerholte ich gleich noch einmal. „Verflucht, was soll das?“ „Sag bloß das magst du nicht…das war dafür, weil du mir weis machen wolltest, dass ich dich nicht liebe. Manchmal bist du echt ein Idiot und übrigens, dich heiraten fänd ich verdammt sexy…oh wie würden mich deine kleinen Groupies verfluchen…mhh der Gedanke gefällt mir…“ „Du spinnst echt Kazu…und danke…“ Ich zog meine Stirn in Falten. „Danke? Wofür?“ „Dass du dich immer wieder meinen Launen aussetzt…ja ich bin ein Idiot…und ein ziemlich verliebter noch dazu.“ Wir lächelten uns an. „Kyoschatz nichts für Ungut, aber so langsam wirst du schwer und ich sollte dringend duschen gehen…so gern in dein Sperma auch mag…auf mir oder in mir oder wie auch immer will ich es nicht den ganzen Tag haben.“ „Ohh mein Süßes…werden wir tatsächlich heiraten? Wir müssen völlig durch geknallt sein…“ Ich lachte herzhaft. „Hast du das jemals in Frage gestellt? Fuck, ich muss Shini noch schreiben“, erinnerte ich mich erschrocken und hoffte, dass dieser nicht schon krank vor Sorge war. Vorsichtig schob ich meinen schönen Mann von mir runter und holte mein Handy aus dem Schlafzimmer. Sein Blick ruhte noch immer auf mir. „Du bist bezaubernd, so voll durchgevögelt…und warum Shini schreiben?“ Mir stieg eine leichte Röte ins Gesicht. „Ich hab ihn vorhin kurz angerufen, weil ich mir nicht zu helfen wusste…sorry.“ „Hey…Liebling, das ist okay…immerhin kennt er diese Seite von mir nur zu gut…ich meine, nicht, dass du eine Erlaubnis brauchst, aber geh immer zu Shinya, wenn du nicht weiter weißt…ich hoffe, das war das letzte Mal, dass ich dich in eine solche Situation gebracht habe…ich liebe dich Kazuki.“ Und schon wieder lagen unsere Lippen aufeinander. Diese Lippen, denen ich einfach nicht widerstehen konnte. Ich löste mich ungern aus dem Kuss und tippte eine kurze Nachricht in mein Handy.   Ich: Hey. Alles gut. Die Versöhnung fiel etwas intensiver aus, deshalb schreib ich jetzt erst. Danke für deinen Rat und lass uns bald mal einen spießigen Pärchenabend machen J   Mein schöner Sänger lugte mir über die Schulter und schüttelte grinsend mit dem Kopf. „Du bist unmöglich.“ „So sagt man. Und jetzt duschen. Ich fühl mich wirklich ein bisschen ekelig.“ Mein Handy piepte.   Shinya: Verstehe ;). Dann bin ich beruhigt. Gruß und Kuss von Sota. Das mit dem spießigen Pärchenabend klingt super.   Nur in Jogginghose bekleidet fläzte ich mich auf die Couch. Jetzt merkte ich die Schmerzen und wollte mich möglichst nicht mehr bewegen. Kyo legte seinen Arm um meine Schulter. „Hast du Lust später zu dem Tempel zu fahren?“ „Klar…muss mich aber vorher kurz erholen.“ Mein schöner Sänger hauchte mir einen Kuss auf den Scheitel. „Das hast du dir verdient…“ Kapitel 22: eine verherende Partynacht -------------------------------------- Nachdem wir uns angezogen hatten, begaben wir uns in Richtung Auto. Von dem Kaffee, den ich noch getrunken hatte, rumorte es ein bisschen in meinem Magen, doch mit Sicherheit lag das nicht nur am Koffein. Mein Gehirn stellte mir zum gefühlt hundertsten Mal die Frage, ob das alles gerade wirklich passierte und ob mir Kyo tatsächlich die Frage alle Fragen gestellt hatte? Nicht, dass ich jemals übers Heiraten nachgedacht hatte. Wirklich nicht. Schon gar nicht, als ich damals feststellte, dass ich mehr an Männern als an Frauen interessiert war, hatte sich diese Frage ohnehin erübrigt, weil Japan in dieser Hinsicht nicht gerade zu den fortschrittlichsten Ländern gehörte. Homoehen waren hierzulande nicht gerade weit verbreitet, aber scheinbar gab es doch das eine oder andere Schlupfloch. Etwas nervös trommelten meine Finger auf meinen Oberschenkeln und auf einmal umschloss Kyos Hand die meine. Ich strich mit der freien Hand über seine Finger. Prägte mir jeden tätowierten Zentimeter ein. Da erinnerte ich mich daran, wie ich früher fast ein bisschen besessen alles über Dir en Grey sammelte. Insbesondere, wenn diverse Zeitschriften Mal wieder einen Artikel über die Jungs veröffentlichten. Doch hatte ich auch versucht, via Eigenrecherche, alles über meine liebste Band in Erfahrung zu bringen. Und nun saß ich hier im Auto, mit dem für mich schönsten Mann der Welt, auf dem Weg zu irgendeinem Tempel, der uns zu Mann und Mann machen sollte. Dieses Schwindelgefühl, das gerade durch meinen Körper ging, konnte ich unmöglich beschreiben. Vor wenigen Stunden noch hatten wir uns unschöne Worte an den Kopf geknallt und dann fragte mich Kyo, ob ich auf immer und ewig an seiner Seite bleiben wolle? Wie um Himmels Willen war das passiert? Mein Herz schlug Purzelbäume und jede Faser meines Körpers befand sich in diesem Zustand der endgültigen Glückseligkeit. So stellte ich mir das zumindest vor. Während ich so über alles nachdachte, bekam ich gar nicht mit, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Kyo öffnete mir die Tür und verbeugte sich kurz, nicht ohne mich bis über beide Ohren anzugrinsen. Diese Geste übertrug sich augenblicklich auf mich und ich schüttelte belustigt mit dem Kopf. Er verflocht seine Hand wieder mit meiner und wir betraten das Gelände des Tempels. „Woher kennst du den Tempel eigentlich?“, fragte ich dann doch neugierig. „Shinya hat mich nach meinem Suizidversuch hier her gebracht“, erklärte mir mein schöner Sänger recht knapp und ich schluckte. Dennoch schienen seine Erinnerungen an diesen Ort nicht negativ behaftet zu sein. Im Innenhof hielt er kurz inne und besah die Statur, die dort stand. Ein Mönch in Übergröße. Vielleicht der Gründer des Tempels? Kyo verharrte davor und verbeugte sich. Ich tat es im gleich, auch wenn ich nicht genau wusste, weshalb. Oder wer dieser Mann gewesen war. „Meister Kenzo…und ich dachte schon er lebt ewig“, amüsierte sich mein Liebster ein bisschen. „Wer war er?“ „Naja, in gewisser Weise der Mönch, der diesen Tempel ins Leben rief.“ Während wir hier so standen, näherte sich uns ein anderer Mönch. Kyo schritt ihm entgegen und einen kurzen Moment standen sich die beiden Männer gegenüber, ohne auch nur ein Wort zu sagen. „Hiro?“, fragte mein schöner Sänger dann und der junge Mönch lächelte ihn liebevoll an. „Lang ist es her Tooru-sama…was verschafft mir die Ehre?“ Auf einmal verdunkelte sich seine Miene. „Wann ist er von uns gegangen?“ Der Jüngere schien genau zu wissen, um wen es sich handelte und auch seine Gesichtszüge nahmen eine traurige Miene an. „Vor fünf Jahren…nun hab ich das Kommando hier…oh wie unhöflich, ich bin übrigens Hiro“, stellte er sich mir jetzt vor und reichte mir seine Hand. „Freut mich, ich bin Kazuki“, entgegnete ich. „Aber jetzt spann mich Mal nicht so lange auf die Folter“, sprach Hiro wieder an Kyo gerichtet und grinste. „Ich würde dich gerne um einen Gefallen bitten, mein Lieber.“ „Sehr gerne…benötigst du wieder einen Zufluchtsort? Du bist hier immer willkommen und ebenso deine Freunde.“ Mein Liebster zögerte einen Moment. Scheinbar fiel ihm das doch nicht so leicht. Er seufzte tief. „Würdest du uns trauen? Ich weiß, dass das nicht dasselbe wäre, wie eine Vermählung zwischen Mann und Frau…ob du es überhaupt möchtest Hiro…aber…“ Der Mönch legte seine Hand auf Kyos Schulter und lächelte warmherzig. Dann wand er seinen Blick mir zu. „Sehr gerne…und es freut mich, dass du jemanden gefunden hast, der dich glücklich macht…ihr beide gebt ein wundervolles Paar ab.“ „Danke“, antwortete mein schöner Mann jetzt sichtlich erleichtert. Wir folgten Hiro in das Gebäude und vereinbarten einen Termin. Dann führte er uns noch zu einem Zimmer und Kyo grinste. „Mh, hat sich ja nicht viel verändert.“ „Wenn ihr wollt, können wir hier auch gern eine kleine Feier ausrichten. Weißt du schon, wie viele Leute kommen werden?“ „Ich denke nicht mehr als zehn Gäste…oder Kazu?“ Mein Gehirn war gerade unfähig zu denken und deshalb nickte ich nur. Es passierte also wirklich? Wir verabschiedeten uns und als wir wieder am Auto ankamen, fiel ich meinem schönen Sänger um den Hals. Umarmte ihn und spürte die Tränen, die meine Wangen benetzten. „Alles in Ordnung mein Liebling?“, fragte Kyo etwas besorgt und ich nickte nur. Ich versuchte mich wieder zu fangen. „Es ist nur…ich kann das gerade nicht glauben…du und ich für immer?“ „Ja, du und ich für immer…Kazuki…nichts hat sich jeh richtiger angefühlt. Naja…bis auf die Gründung von Dir en Grey…ich will dich haben. Immer, weil du mich glücklich machst. Und du bist schuld, dass sich das Wort süß wieder in meinem Wortschatz befindet, doch das bist du mein Schatz, unglaublich süß…“ Mir entfuhr ein Lachen zwischen dem ganzen Geheule. „Ich glaube mein Körper dreht gerade völlig durch…ist etwas überfordert mit all dem, aber okay…“ „Komm mal mit“, erwiderte Kyo und griff nach meiner Hand. Wir gingen ein Stück und kamen zu einer Wiese, liefen noch ein bisschen weiter und endeten bei einer alten verwitterten Bank, versteckt an einem kleinen Teich, den das Schilf rings herum fast verbarg. Mein schöner Mann setzte sich hinter mich und ich ließ mich gegen ihn sinken. Genoss die frische Brise und die warme Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervor kam. Ich schloss die Augen einen Moment und bekam eine leichte Gänsehaut, als Kyos kühle Hand unter meinen Pulli schlüpfte und meinen Bauch streichelte. Sie wanderte noch ein Stück höher und ruhte auf meinem wild pochenden Herzen. Seine Brührungen drückten reine Zuneigung für mich aus und hatten keinerlei sexuelle Hintergedanken. Seine Lippen streiften meinen Hals und ich hielt die Augen noch immer geschlossen. Zarte Küsse verteilte er auf meiner Haut und so langsam reagierte mein Körper dann doch etwas mehr. Ich konnte seinen Liebkosungen einfach nicht lange standhalten, weil ich beim besten Willen nicht der Typ für Streicheleinheiten und Kuschelsex war. „Oh Kazu, ich liebe es so sehr, wie dein Körper auf meine Berührungen reagiert…du fühlst dich so pfirsichweich an…doch dann deine süßen Nippel, an denen ich kaum vorbeikomme, auch wenn ich dich gerne nur stricheln würde…“ Und kaum hatte er das gesagt, streiften seine Finger meine mittlerweile harten Brustwarzen und ich biss mir leicht auf die Unterlippe. „Fuck…Kyo…dir ist schon klar, dass du mich schon wieder verdammt geil machst…“, wisperte ich gegen seinen Hals. „Jaaa und ich kann nicht anders…kann meine Hände einfach nicht von deinem schönen Körper lassen…selbst Schuld, wenn du dich gerade auch an den Stellen piercen lässt, die ich ohnehin ziemlich erregend finde“, sagte er und zog kleine Kreise über meiner Körpermitte. Ich biss mir doller auf die Unterlippe, weil ich es kaum mehr aushielt. Er fuhr die Konturen nach und öffnete den Knopf meiner Hose. Sogleich zeigte sich meine erregte Spitze. „So wunderschön…ab jetzt verbiete ich dir übrigens jemals Unterwäsche zu tragen…“, hauchte er mir zu und ich streckte meine Arme nach hinten aus, fing ihn ein und zog ihn in einen Kuss. Seine schlanken Finger an meinem Schwanz und seine Zunge, die meine jagte. Ich stöhnte in den Kuss, als Kyos Hand tiefer in meine Hose glitt. „Oh ja, stöhne für mich…ich will mehr davon hören Süßer.“ Und als er das sagte, bewegte sich seine Hand auf und ab. Sein Daumen umkreiste meine Eichel und ich verging fast vor Lust. „Ahhh Kyo…ich komm gleich…du machst mich so verflucht heiß…“, keuchte ich und spürte, wie er in den Kuss grinste. Er musste seine Finger nicht schneller bewegen, denn seine Berührung hatte eine solche Intensität, dass es mich anders als sonst mitriss. Es erstaunte mich immer wieder auf’s Neue, dass er genauestens zu wissen schien, was er tat oder wo er mich anfassen musste. „Ja…komm für mich…“ Und das tat ich dann auch, mit einem erstickten Laut. Und bevor ich mich in seiner Hand ergoss, öffnete er meine Hose noch en Stück mehr, damit diese nichts ab bekam. Aus seiner Jackentasche zauberte mein Liebster eine Packung Taschentücher und säuberte mich. Ich erhob mich, um meine Hose wieder hoch zu ziehen. Kyo grinste mich ein wenig selbstgefällig an. Ich legte den Kopf etwas schief und warf ihm einen fragenden Blick zu. „Das ist mir neu…“ „Was ist dir neu?“ Eine kaum merkliche Röte zierte seine Wangen und ich musste schmunzeln. „Naja…das ist auch eine Art von Unterwürfigkeit, die mich befriedigt. Dich an mehr oder minder öffentlichen Orten ein bisschen heiß zu machen…zu sehen, dass du in meinen Händen wie ein Stück Butter zerfließt. Das hatte ich vorher noch nie Kazu…ich fand alle meine Affären oder Partner zwar toll und so, aber du? Dass ich meine Finger nicht von dir lassen kann, meine ich ernst und es gibt mir so viel, wenn du so reagierst wie eben.“ Ich machte es mir auf Kyos Schoß bequem, nahm sein Gesicht zwischen meine Hände und küsste ihn. „Dann weiß ich ja, was ich zu tun habe“, erwiderte ich und küsste ihn sanft. „Lass uns zurück fahren…laden wir die Jungs ein und verkünden die frohe Botschaft?“ Ich nickte.   Zu Hause bereiteten wir eine Auswahl an Snacks vor und gegen fünf Uhr Nachmittags trudelten unsere Freunde ein. Ich hatte meinen Pulli gegen eines meiner bauchfreien Tops eingetauscht, da in unserer Wohnung eine mollige Wärme herrschte. Der Abend zog sich ein bisschen hin, mit netten Gesprächen und am liebsten hätte ich allen sofort erzählt, dass Kyo und ich verlobt waren, doch ich wollte nichts ohne sein Einverständnis tun. Sota und ich gingen auf den Balkon, eine rauchen und er grinste mich an, wie ein Honigkuchenpferd. „Willst du mir irgendwas sagen?“, fragte ich belustigt und schon ein wenig angetrunken. „Der Sex mit Shinya ist der Wahnsinn…hätte nicht gedacht, dass er so fordernd sein kann.“ Ich prostete ihm zu. „Was hab ich dir gesagt?“ „Jaja…ich weiß…darf ich dich was fragen?“ Ich nickte und steckte mir eine Zigarette zwischen die Lippen. „Wie ist es gerade bei euch? Ich meine…ich weiß ja, dass du ungern der unterwürfige Part bist, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Kyo keine Dominanz zeigt.“ Ich musste lachen. „Tja…es ist genau so…ein aufregender Machtkampf, wer denn jetzt nun die Oberhand hat und wer nicht…naja weitaus mehr…ich gebe mich schon hin und wieder geschlagen, weil mich Kyo komplett verrückt macht…aber ich versuche, dass meine Dominanz nicht ganz untergraben wird…“ „Leider ohne Erfolg…armer kleiner Kazuki, du bist mir hoffnungslos verfallen…bist mir willenlos untergeben…und dir gefällt es, nicht wahr?“ Kyos Stimme an meinem Ohr hinterließ ein leichtes Kribbeln und seine Worte? Naja, was die bei mir bewirkten, muss ich ja kaum laut aussprechen. „Ja und du bist der Teufel persönlich…“, antwortete ich, ohne mich umzudrehen. „Wolltest du Sota nicht etwas sagen?“ Jetzt drehte ich mich doch zu meinem schönen Sänger, doch er lächelte mich nur an. „Ähm…Sota-chan…ich wollte dich fragen, ob du mein Trauzeuge sein willst…weil, ich hab meinen liebsten Kyo nämlich doch ein bisschen in der Hand, ob er will oder nicht…und naja, er ist mir mindestens genauso verfallen…also?“ Der leicht bestrafende Biss in meinem Hals ließ mich zusammenzucken. Ich wusste, dass Kyo es nicht so sehr mochte, wenn man ihn vor anderen als schwach bezeichnete, doch Sota war nun Mal mein bester Freund und vor ihm wollte ich das nicht geheim halten. Diesem blieb im Übrigen der Mund offen stehen. Und weil es einfach passte und als hätte er uns gehört, gesellte sich auch Shinya zu uns. Der Drummer musterte uns alle und fragte seinen Sota, weshalb er uns so verdutzt ansah. Mein Freund zeigte nur mit dem Finger zuerst auf mich und dann auf Kyo, ohne ein Wort über die Lippen zu bekommen. Mein schöner Sänger löste sich von mir und tat einen Schritt auf Shinya zu. Plötzlich veränderte sich seine Miene und seine Gesichtszüge wurden weicher, so wie ich sie auch kannte. Nur Sota schien mit all dem einfach völlig überfordert zu sein. „Shin-chan…ich war mit Kazu heut beim Tempel…weißt du noch, was du mir damals dort gesagt hast?“ „Wie könnte ich das jemals vergessen…und sie dich an, du hast dein Glück gefunden.“ „Das ist wahr und ich würde es gern behalten…für immer…Hiro würde die Trauungszeremonie übernehmen…und es wäre mir eine Ehre, wenn du mein Trauzeuge bist…weil auch dir habe ich dieses Glück zu verdanken…“ Sota legte seinen Kopf auf meine Schulter und ich legte meinen Arm um ihn. „Ist das ein ja?“, fragte ich und er nickte. „Ja…natürlich…ich bin nur gerade echt geflasht…ich freue mich so für euch und diese Seite an Kyo ist so wundervoll…“, flüsterte er mir zu. Shinya schlug die Hände über seinem Mund zusammen und schien sichtlich mit einem heftigen Gefühlsausbruch zu kämpfen. Das konnte ich nur zu gut nachvollziehen. Kyo nahm seinen Freund in die Arme und die beiden flüsterten sich irgendwas zu, dann löste sich mein schöner Sänger, schnappte Sota am Arm und zog ihn mit sich. „Ich glaub ihr beiden solltet kurz reden.“ Der Diru Drummer schien den Tränen nahe, doch er weinte vor Freude und fing sich langsam wieder. „So ähnlich ging es mir heute Morgen auch…ich kann es noch immer nicht glauben.“ „Wie ist das passiert?“, fragte Shinya mit etwas erstickter Stimme. Ich zündete mir noch eine Zigarette an. „Naja…nach unserem Streit hat er so gesagt, dass es eine Möglichkeit gäbe, wie er solche Ausbrüche vermeiden könnte…und das ist, wenn wir heiraten…oh fuck, das klingt echt schräg…aber ich wünsche mir nichts mehr und ich werde stark sein…wenn es sein muss auch für uns beide…“ „Kazu, ich mag dich, das weißt du hoffentlich, aber bist du dir da ganz sicher? Sowas wie gestern kann immer wieder vorkommen. Mal weniger schlimm Mal extrem…es könnten auch Zeiten nahen, wo das extrem überwiegt…ich meine, ich weiß wovon ich spreche, weil ich es kenne und ich möchte dir die Hoffnung nicht nehmen. Nur jetzt sind wir schon so weit, doch ich habe ab und zu noch immer Angst um ihn. Ich fürchte auch, diese Angst bleibt und verzeih mir meine Vorsicht, aber ich möchte am Ende nicht, dass ihr beide ins Verderben stürzt.“ Ich ergriff die Hand des Drummers und drückte diese. „Shini…ich weiß was du meinst und ich gebe dir hier und jetzt mein Versprechen, dass es nie mehr soweit kommt. Ich meine, ich kann nicht versprechen, dass es nicht zu Konflikten zwischen Kyo und mir kommt…aber ich werde ihn niemals aufgeben…ich weiß alles über seine Vergangenheit…jedes Detail über Kami und Juka…wie es ihn fast zerstört hätte und, dass er Juka vergewaltigt hat…sich anschließend umbringen wollte…Shin, Kyo hat mir alles erzählt und ich weiß, dass ihn das viel Kraft gekostet hat…ich hab am letzten Tourtag Bilder auf seinem Laptop gefunden, von Kami und Juka…deshalb kam es zum Streit und er wollte mir weis machen, dass ich ihn nicht liebe, ihn ausnutze und schlimmeres. Ich war kurz echt am Boden und war versucht das Handtuch zu werfen…aber nachdem ich kurz mit dir gesprochen habe, wusste ich, dass ich das nicht kann. Ich werde ihn niemals allein lassen oder ihn verlassen. Mir ist es egal, was vor mir passiert ist. Jetzt gehört Kyo zu mir…“ Der Drummer lachte ein bisschen zwischen den ganzen Tränen und zog mich in eine sanfte Umarmung. „Ich weiß noch nicht genau wie, aber du hast ihn ganz schön in der Hand, weißt du das?“ „Ich weiß…aber das würde er niemals zugeben.“ „Natürlich nicht. Aber ich lasse ihm gern den Glauben, dass er der dominante Part in unserer Beziehung ist…dabei merkt er gar nicht, dass ich das nur tue, weil ich es will…doch ich könnte ihn auch rumkriegen.“ „Das bezweifle ich nicht…ich bin ja froh, dass sich das mit Sota erübrigt hat…er ist das eine Mal völlig ausgeflippt, wegen eurer Vergangenheit eben…ja Tooru ist sehr besitzergreifend“, sagte Shinya schon fast etwas besorgt. „Dann haben wir wohl etwas gemein…mir geht es ähnlich Shini…wenn ich mitbekomme, wie ihn die Fans anhimmeln und, was sie alles sagen, könnte ich ausflippen…ich will nicht, dass ihn jemand anderes hat oder anfasst!“ „Dann habt ihr euch ja scheinbar gesucht und gefunden…ich bin so froh Süßer…es wird wundervoll und ich freue mich schon.“ Ein leicht angetrunkener Kyo gesellte sich wieder zu uns, küsste mich kurz und zündete sich eine Zigarette an. „Hallo schönster Mann…lässt du Shini und mich kurz allein?“ Diese Worte brachten mein Herz zum Schmelzen und ich grinste ihn nur voll verliebt an. „Klar.“   „Machst du dir noch immer Sorgen?“ Der Drummer schüttelte heftig mit dem Kopf und wischte sich die Tränen weg. „Nein…ich kann es nicht glauben, dass ich dich zurück habe…lange befürchtete ich, dieser Tag kommt nie mehr…tut mir leid.“ „War ja nicht ganz unbegründet, ich kann es selbst kaum fassen…aber Kazuki ist…ich weiß nicht…ich liebe ihn so sehr Shin-chan.“ Dem Größeren entfuhr ein herzhaftes Lachen und freundschaftlich legte er die Hand auf die Schulter seines Sängers. „Warst du es nicht, der Mal hoch und heilig beteuert hat, dass er nie etwas mit einem Fan anfangen würde?“ Kyo rollte mit den Augen. „Halt einfach die Klappe…und Kazu ist weit mehr als das…“ „Ich weiß doch und er hat dich ganz schön in der Hand“, witzelte Shinya und heimste sich somit einen Klaps auf dem Hinterkopf ein. „Shini, das Verrückteste ist wirklich, dass er mich zu verstehen scheint…mich schätzt, toleriert und trotzdem liebt. Also nicht nur, weil ich der Sänger von Dir en Grey bin meine ich…da ist so viel mehr…Gefühle, die ich weder bei Kami noch bei Juka verspürt habe.“ Der Drummer grinste süffisant. „Mh, der Kleine scheint wahrhaftig zu wissen, wo deine Schwachstellen liegen.“ „Ja, das tut er, doch es fühlt sich so richtig an.“ „Das ist doch die Hauptsache…und…natürlich bin ich dein Trauzeuge…willst du es den anderen heute auch erzählen?“ Kyo nickte und zündete sich noch eine Zigarette an. Erfreut klatschte Shinya in die Hände.   Zero winkte mich zu sich, als ich wieder rein kam und zog mich kurz vor die Tür. Dort wedelte er mit einem Joint vor der Nase herum. „Na, hast du Bock?“ Da ich früher hin und wieder gekifft hatte, sagte ich nicht nein dazu. Mein Freund zündete die Zigarette besonderer Art an, nahm ein paar Züge und reichte sie mir dann. Doch da ich schon lange kein Gras mehr konsumiert hatte, stieg mir die Droge schnell zu Kopf und versetzte mich in dieses schwerelose alberne Gefühl. Wir kicherten über alles Mögliche, dazu noch der Alkohol, eine durchaus amüsante Kombination. Doch plötzlich wurde die vordere Haustür geöffnet und Sota stand vor uns. „Ich glaub dein Verlobter sucht nach dir“, kam es über seine Lippen und Zero schaute mich mit einer Mischung aus Entsetzen und Überraschung an. „Waaaaaas? Wie jetzt?“ „Jaaaa, ich werde meinen schönen Kyo heiraten“, flötete ich und merkte, wie ich ziemlich schwankte, als ich mich erhob. „Okay….krass…was sagt man da, herzlichen Glückwunsch?“, kicherte der andere Bassist und ich auch musste schon wieder lachen. Sota schaute etwas skeptisch zwischen uns hin und her. Ich zog Zero hoch und wir torkelten wieder zurück ins Wohnzimmer. Ziemlich berauscht ließ ich mich neben Kyo fallen und auch mein schöner Sänger beäugte mich etwas skeptisch. Und meine etwas verklärten Augen sprachen wohl Bände. Doch noch bevor er meckern konnte, küsste ich ihn. „Kazuki…“, nuschelte er in den Kuss und schob mich leicht von sich. „Was hast du mit Zero getrieben?“ Etwas schuldbewusst zuckte ich mit den Schultern. „Ich weiß, dass er ab und zu kifft…also…allerdings muss das nicht zur Gewohnheit werden…“, mahnte er mich und ich nickte nur. „Er hat es übrigens mitbekommen, fehlen also noch Die, Toshi und Kaoru…“ „Na schön…jetzt oder nie“, sagte mein schöner Sänger und sammelte alle seine Schäfchen um sich und bat um ihre Aufmerksamkeit. „Wie ihr alle wisst, bin ich keiner, der große Reden schwingt und doch muss ich euch was sagen…doch zuvor möchte ich euch allen hier danken, dass ihr mich all die Jahre unterstützt, ertragen und nie aufgegeben habt…ihr wisst, wie schwer ich mich tue, meine Gefühle vor anderen zu offenbaren und doch gibt es einen Menschen in diesem Raum, der immer wieder an der Oberfläche gekratzt hat. So lange, bis er in die Tiefe meiner Seele drang…“ Mein Herz setzte für einen Moment aus und ich biss mir heftig auf die Unterlippe, um nicht schon wieder loszuheulen. Warum auch fand Kyo immer so rührende Worte, die mich völlig aus der Bahn warfen? „Ich wollte euch einfach nur mitteilen, dass ich meinen Kazuki nie mehr hergeben werde, komme was wolle und deshalb muss ich ihn zu meinem Mann machen…“ Liebevoll zog mich mein schöner Sänger an sich und im Raum herrschte komplette Stille. Nur das Geräusch unseres Kusses brach diese. „Und ich wäre ein ziemlicher Idiot, wenn nicht ja gesagt hätte“, sagte ich grinsend in die Runde und lehnte mich an Kyos Schulter. Noch immer brachte keiner der Jungs ein Wort über die Lippen, doch als ich loslachte, musste auch Zero kichern. Die und Toshiya knuddelten erst ihren liebsten Sänger und dann mich, nur der Diru Leader hielt sich sehr bedeckt. Das Lächeln auf seinen Lippen drückte zwar seine Freude aus, doch etwas schien ihn zu beschäftigen. Auch dem Ex D’espairsRays Bassisten schien das nicht zu entgehen und deshalb flüsterte er ihm irgendwas zu. Kyos ruhiger Blick lag auf seinem Leader und irgendwie schien mein schöner Sänger der Einzige zu sein, der hinter Kaorus Fassade zu blicken vermochte. „Wow…tut mir leid Leute, mehr fällt mir dazu gerade nicht ein…diese Information überrollt mich völlig.“ Kyo erhob sich, ging auf seinen Freund zu und zog ihn hoch. Dann umarmte er ihn. „Schon okay…ich kann es selbst noch nicht glauben, dass ich das tatsächlich tue…aber Kao…das ändert nichts. Ich kenn doch deine Gedanken und weiß, was gerade in deinem Kopf vor sich geht…ich gebe uns trotzdem nicht auf. Ihr seid meine Familie, das wird sich nie ändern und solange ich noch stehen kann, werde ich mit euch auch auf die Bühne gehen…was anderes kann ich gar nicht und will ich auch nicht können…“ Er ließ wieder von seinem Leader ab, blieb jedoch stehen. „Und jetzt, gehen wir feiern?“, warf mein Liebster amüsiert in Runde und stieß natürlich auf Begeisterung.   Wir fuhren mit der Metro zum Club und scheinbar schienen die Jungs hier keine Unbekannten zu sein, denn sobald der Security die Band erblickte, winkte er und führte uns zu einem separaten Eingang. Von dort führte eine breite Treppe mit, die mit einem roten Teppich überzogen war nach oben. An der Wand hingen kerzenleuchteratige Lampen, die ein romantisches Licht spendeten. In der VIP- Lounge befand sich eine Bar und man konnte durch die Lautsprecher die Musik vom Club unten gut hören. Außerdem standen hier noch zwei Stehtische und ein paar Sessel sowie Sofas und kleine Tische. Einen weiteren Vorteil hier begrüßte ich ebenso, denn es war erlaubt zu rauchen. Alle wollten tanzen gehen, nur Kyo nicht. „Warum gehst du dann hier her, wenn du nicht tanzt?“, fragte ich verwundert und er zog mich auf seinen Schoß. „Vielleicht schau ich einfach gern zu“, gab er grinsend zu. Da ertönte plötzlich ghost hotel von 8P-SB durch die Lautsprecher und ich erhob mich blitzschnell, drückte Kyo einen Kuss auf den Mund und rannte auf die Tanzfläche. Sota und Die freuten sich und wir bewegten und gemeinsam zum Takt der Musik. Mein bester Freund und ich grölten aus vollem Hals mit, da wir heimliche Liebhaber von den Ex Mejibray Members waren, vor allem von Koichi und Tzuzuku. Durch meinen Pegel ging ich mehr aus mir raus als sonst und spürte, wie mir der Schweiß den Rücken hinab floss. Der Beat der Musik trieb mich und augenblicklich schwebte vor mir wieder ein Drink, den ich ergriff und Sota zuprostete. Ich wackelte mit den Hüften und zog den einen oder anderen Blick auf mich, was ich jedoch sichtlich genoss und mit einem Mädel lieferte ich mir auch einen Tanzbattle, den ich natürlich gewann und mir einen kleinen Applaus einheimste. Von der drohenden Gefahr bekam ich nichts mit und so auch nicht die anzüglichen Blicke von dem Mann an der Bar. Ziemlich betrunken schwankte ich zu den Toiletten, sah im Augenwinkel, wie mir jemand folgte, doch das war ja an sich nichts Ungewöhnliches. Das Licht hier war noch schummriger als im Club und nachdem ich meinen Toilettengang beendet hatte, machte ich mich ein wenig frisch. Dann passierte es. Viel zu schnell und ohne, dass ich wirklich Zeit hatte, darüber nachzudenken. Ich wurde wieder in die nicht mehr ganz so saubere Klokabine gedrückt und mit dem Rücken gegen die Wand gepresst, was bedeutete eine Flucht war ausgeschlossen. Mein Herz begann zu wummern und ich wusste nicht so richtig, was hier eigentlich gerade geschah. Nur nahm ich die fremden Hände, die mir doch irgendwie vertraut erschienen, auf meinem Körper wahr. Doch je mehr ich mich versuchte aus dem Klammergriff zu befreien, desto fester schien dieser zu werden. Und dann der warme Atem an meinem Hals, ein leises bekanntes Lachen und die Hände, die gezielt über die Narben meines Bauches strichen. Verflucht, was ging hier gerade ab? Hatte ich einen heimlichen Stalker? „Du duftest noch immer betörend Kazuki“, raunte die Stimme des anderen zu mir und augenblicklich gefror mir das Blut in den Adern, weil ich diese Stimme viel zu gut kannte. Eine eisige Kälte kroch in mir empor und eine unsichtbare Hand schnürte mir die Kehle zu. Seine rauen Hände erkundeten noch immer meinen Körper und ein Gefühl des Ekels breitete sich in mir aus, sodass ich den Würgereiz nur mit Mühe und Not unterdrückte. Wobei, vielleicht wäre das die Lösung? Diesem Widerling vor die Füße kotzen. „Meiner Meinung nach sind das viel zu viele Piercings. Ich mochte deinen bezaubernden Körper immer ohne alles. Auch die Narben hätten doch nicht sein müssen oder?“ Ich sog die Luft scharf ein und biss mir auf die Unterlippe und mir blieben nur zwei Möglichkeiten, um ihm zu entkommen. „Mein Körper ist meine Sache…war’s schon immer“, gab ich mit erstickter Stimme zurück. Und dann schauten mich diese wütenden grauen Augen an. Auch nach all den Jahren sprühte aus ihnen noch immer die pure Verachtung. Ich schluckte. „Das sehe ich anders…du hast mir gefehlt und wie schön du bist…trotz der Verstümmelungen…oh Kazuki, du Gott von einem Mann…“, flüsterten seine Lippen diese Worte und bei jedem anderen Kerl hätte ich mich sicher geschmeichelt gefühlt, nicht so bei ihm. Deshalb startete ich einen Versuch ihn wegzudrücken. „Lass mich einfach gehen Kay…“ „Oh nein, sicher nicht…so lange habe ich auf diesen Tag gewartet…“ Er presste seine Lippen auf meine und erneut kämpfte ich gegen den Brechreiz an, drückte ihn weg und wollte mich aus dem Klo zwängen, doch er zog mich zurück. „Vergiss es du kleiner Bastard…du gehst erst, wenn ich dir deinen süßen Arsch wund gefickt habe, denn das bist du mir schuldig!“, beschwerte sich mein toller Ex jetzt und nestelte an meiner Hose umher, doch mit aller Kraft stieß ich ihn von mir, wollte wegrennen, doch er bekam meine Hand zu fassen. Ich rutschte aus und es haute mich mit voller Wucht zu Boden. Ich fiel direkt auf mein Knie und sofort durchzuckte mich dort, wo ich aufgeschlagen war, ein stechender Schmerz. Der Versuch aufzustehen missglückte, denn im selben Moment traf mich sein Körpergewicht und ich wurde unsanft gegen dir harte Wand geschleudert. An den Beinen zog mich Kay wieder zu sich und lag auf einmal über mir. „Spürst du das? Mein Schwanz will dich…“ „Ich ihn aber nicht…es ist vorbei…für immer. Ich bin vergeben Kay!“, stotterte ich und spürte seine Härte an meinem Oberschenkel. Wieder musste ich würgen und dieses kleine Manöver reichte, um mich unter ihm vor zu rollen. Ich humpelte zum Waschbecken und übergab mich. In dem Moment hörte ich meinen Namen von irgendwoher. Jemand rief nach mir oder suchte mich. Doch schon umfing mich diese widerwärtige Gestalt meines Exfreundes erneut, da flog die Tür auf und er wurde von mir weggezogen. Die! Von da an bekam ich nichts mehr mit, weil ich zu Boden sank und nur noch heulte. Das war einfach zu viel. Viel zu viel. Ich erschrak furchtbar, als sich zwei Arme um mich legten und schaute panisch auf, durch den Schleier aus Tränen, doch dieses Gesicht war mir mehr als Bekannt. Jetzt ließ ich los, sank gegen meinen wunderschönen Mann und krallte mich in sein Shirt. Kyo zog mich hoch, wischte mir die Tränen weg und legte mir seine Jacke über. Auf dem schnellsten Weg verließen wir den Club und fuhren mit dem Taxi nach Hause. Mein Liebster stützte mich die ganze Zeit, da mein Knie noch immer schmerzte.   Zu Hause angekommen, entblößte ich mich und warf alle meine Klamotten in die Wäsche. Dann drehte ich das Wasser der Badewanne auf und stieg sogleich hinein, um mich zu waschen. Diesen Dreck musste ich einfach von mir schrubben, nichts durfte von seinen schändlichen Berührungen übrig bleiben. Und in meinem Wahn kratzte ich mir sogar die Arme blutig. Ich wollte, dass es weg ging. Diese Erinnerung verschwand und als hätte er mich erhört, umklammerten mich Kyos starken Arme. „Kazu…nicht…das tut dir nicht gut mein Süßes. Komm her, ich bin ja da…“, flüsterte er mit fester beruhigender Stimme und allmählich beruhigte sich mein Körper. Seine Wärme erreichte jetzt auch meinen Körper, doch ich schluchzte noch immer. Behutsam und ganz vorsichtig wusch er mich, drehte mich um, da ich noch immer Make-up im Gesicht hatte, wenn auch sehr sehr verschmiert. Als ich scheinbar sauber war, zog mich Kyo wieder an sich und ich versuchte mich ein bisschen zu entspannen. Sanft strichen seine Finger über meinen Rücken. Noch immer rannen vereinzelte Tränen meinen Wangen hinab und meine Unterlippe schmeckte ein wenig nach Blut, weil ich die ganze Zeit darauf herum kaute. „Kyo…ich…ich wollte nicht…“, stotterte ich wie unbeholfenes Kind. „Shhhh…es ist alles gut…komm erst Mal runter…“. Still weinte ich noch vor mich hin und schließlich wurde ich von meinem schönen Sänger aus dem mittlerweile lauwarmen Wasser bugsiert, abgetrocknet und ins Bett getragen. Dort kuschelten wir uns unter die Decke. „Halt mich ganz fest…“, flüsterte ich kaum hörbar.     Lang hielt ich es jedoch nicht aus, zu sehr quälten mich die längst vergangenen Erinnerungen sowie die Bilder der letzten Stunden. Wie immer, wenn es mir nicht gut ging und ich mich so nah an der Grenze zur Selbstzerstörung befand, brauchte ich etwas, woran ich mich klammern konnte. Ich suchte mir eine von Kyos Unterhosen zum Anziehen und seinen Pulli, der über dem Stuhl im Schlafzimmer hing und zog die Klamotten an. An Schlafen war jetzt nicht mehr zu denken. Leise schlich ich auf Zehenspitzen zum Wintergarten, nahm meine Gitarre mit und spielte ein bisschen. Lenkte mich ab, um nichts Dummes zu tun. Irgendwann kochte ich mir einen Tee, weil es mich fröstelte, doch mir kam es nicht in den Sinn eine Decke zu holen. Ich lehnte am Fenster in der Küche und rauchte. Mein Gehirn war nicht in der Lage die letzten Stunden auszublenden, so tief trafen mich diese unschönen Erlebnisse. Ich gesellte mich wieder zu meiner Klampfe, fühlte mich irgendwie müde, doch fand keine Ruhe. „Das klingt wunderschön“, kam es auf einmal aus der Richtung vom Wohnzimmer und Kyo schritt im Morgenmantel zu mir. Im Schneidersitz ließ er sich mir gegenüber nieder. „Sorry, wollte dich nicht wecken“, entschuldigte ich mich so halb, doch er lächelte. „Es gibt schlimmere Methoden geweckt zu werden…Kazu…möchtest du vielleicht über das, was da im Club passiert ist, reden?“ Heftig schüttelte ich mit dem und legte mein Instrument beiseite. „Ich…ich kann nicht…“ Mein schöner Sänger seufzte, doch sein ruhiger Blick lag auf mir. „Mh, ich weiß…doch das ist wichtig. Ich mach mir nur Sorgen und kann dir nicht helfen, wenn du nicht mit mir redest.“ „Es geht vorbei…“ „Nein Süßer, das wird es nicht und das weißt du. Komm mal zu mir“, bat er mich und ich ließ mich auf seinem Schoß nieder. „Kazuki, bitte!“ Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen und ich vergrub mein Gesicht in den Händen. „Ich hab das noch keinem erzählt…“, flüsterte ich und spürte seine warmen Finger, die zaghaft über meine Wange strichen. „Und genau deshalb ist es wichtig…Süßer, ich weiß wie schwer es dir fällt, aber ich verspreche dir, danach geht es dir besser.“ „Woher willst du das wissen?“, fragte ich unsicher. „Ich spreche aus Erfahrung…“ Ich zog die Kapuze von Kyos Pulli auf und vergrub mich noch mehr in dem Kleidungsstück meines Freundes, als würde das etwas ändern. „Das war…mein Ex…“, begann ich schließlich mit zittriger Stimme und hielt die Tränen nicht auf, die meine Wangen benetzten. „Hat er dir weh getan?“ Ich nickte und schluckte schwer. „Doch nicht nur körperlich…am meisten psychisch…Kyo…er ist an allem Schuld…er hat alles zerstört…“, schluchzte ich jetzt heftiger und ließ mich gegen meinen schöner Sänger sinken. „Und weiter? Was hat er zerstört Kazu…?“ Ich versuchte mich wirklich zu fangen, wischte mir die Tränen weg und schaute meinen Kyo an. „Ich muss von vorne beginnen…witziger Weise haben wir uns bei nem Dir en Grey Konzert kennengelernt…ich ging damals allein, weil keiner mitwollte. Dort traf ich Kay…was soll ich sagen, er hatte Charme, Witz, sah umwerfend aus und ich merkte zum ersten Mal, dass ich vermutlich nicht auf Mädels stehe. Wir gingen anschließend noch was trinken, quatschten und tauschten Nummern aus. Lange Rede kurzer Sinn, ich hatte mich in ihn verliebt und auch er merkte das wohl und gestand mir, dass auch er Gefühle für mich entwickelt hatte. Unsere Treffen fanden mehr heimlich statt und meinen Eltern erzählte ich nur, wir seien Freunde. Er weihte mich in die Liebeskünste ein und wir waren glücklich…eines Tages wollte er meine Eltern kennenlernen, doch ich hielt das für eine blöde Idee, denn meine Familie verabscheute Homosexualität…doch er belaberte mich, redete mir Mut zu, schließlich willigte ich ein und seitdem kam er immer öfter mit zu mir…übernachtete auch hin und wieder da, ohne dass meine Eltern Verdacht schöpften. Mich störte es auch nicht, dass wir das alles heimlich taten, im Gegenteil, irgendwie war es aufregend…“ Ich hielt inne, weil jetzt der schlimme Teil folgte, der mein Leben völlig kaputt gemacht hatte. Kyo nahm meine Hand und sein stummer Blick bat mich ohne Worte fortzufahren. Ich nickte. „Wir saßen alle beim Essen…das heißt meine Eltern, meine drei Schwestern, Kay und ich…da wand er sich plötzlich an meinen Vater und sagte…fuck, ich kann das nicht…“, wehrte ich mich und grub meine Fingernägel in die Handflächen. Kyo nahm mein Gesicht zwischen seine Hände. „Schau mich an…ich bin da…immer und ich will, dass du es aussprichst, um damit abschließen zu können. Ich hab dir damals vertraut, als ich dir alles über Juka und Kami erzählt hab und so möchte ich jetzt, dass du mir vertraust…bitte.“ „Er…er hat gesagt“, fuhr ich mit belegter Stimme fort „wissen Sie eigentlich Nakamura-san, dass Kazuki-chan auf Männer steht? Also ich meine damit, dass seine Liebe eher dem männlichen Geschlecht zugetan ist…ich versuche dauernd ihm das auszureden, weil das so gar in unser Weltbild passt.  Ich war mir nicht sicher, ob das gerade wirklich passierte…mein Vater schaute mich zornig an und auch meiner Mutter war dieses Geständnis so gar nicht Recht…seit diesem Tag hat mich meine Familie behandelt wie einen Ausgestoßenen…ich gehörte nicht mehr dazu…und Kay? Tja, der hatte mich trotzdem noch voll in der Hand, log das blaue vom Himmel und es gab nur eine Möglichkeit, wie ich ihn loswurde…da er immer beteuerte, wie toll er meinen makellosen Körper fand…begann ich mich selbst zu schneiden…mit Erfolg, denn zu verlieren gab es nichts mehr. Denn das hatte er mir ja bereits genommen…“ Kyo zog mich an sich und hielt mich einfach nur fest. Ich weinte bitterlich, weil ich dieses Gefühl nicht ertrug. Zu tief hatte sich der Schmerz in meine Seele gefressen. So saßen wir eine ganze Weile da und die Liebe und die Wärme meines schönen Sängers war gerade das einzige, was mich noch am Leben hielt. Es hatte mich viel Überwindung und jede Menge an Kraft gekostet ihm das zu erzählen. Deshalb fühlte ich mich ausgelaugt, leer und fast wie gefühlloser Zombie. Mein Tränen versiegten und zurück blieb nur die salzige Spur auf meinen Wangen sowie das Brennen in den Augen. „Hast du ihn jemals gefragt, warum er das getan hat?“, fragte Kyo schließlich. „Weil er Spaß daran fand, andere Menschen zu zerstören…Kay ist ein böser Mensch und es bereitet ihm Freude andere zu quälen“, wisperte ich und schaute meinem Liebsten nach gefühlten Stunden endlich wieder in die Augen. „Aber jetzt ist es vorbei Kazuki. Er wird dir nie mehr weh tun.“ Wieder schluckte ich schwer. „Ich weiß.“   „Im Kühlschrank gibt’s noch Ramen, magst zu was essen?“ Ich zuckte nur mit den Schultern und ohne eine Antwort abzuwarten, hob er mich hoch und trug mich in die Küche. Das Band seines Morgenmantels hatte sich gelöst und nun stand er nur in Boxershorts vor mir. So schön. Mit der Hand strich er sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht und auf seiner Stirn bildete sich eine kleine Sorgenfalte. Kyo griff nach dem Topf im Kühlschrank und stellte ihn auf die Herdplatte. Ich drehte am Knopf, um diesen einzuschalten und zündete mir eine Zigarette an. Mein Liebster beobachtete mich noch immer mit einer gewissen Besorgnis. Wieder öffnete ich das Fenster und lehnte mich raus. Noch immer schien mich diese Dunkelheit zu umhüllen und ich schob die Ärmel des Pullis hoch, um mein Werk der Zerstörung zu begutachten. Naja könnte schlimmer sein, immerhin würden dieses Mal keine Narben zurück bleiben. „Du musst später zur Probe oder?“ Kyo nickte. „Möchtest du mitkommen?“ Ich nahm einen tiefen Zug und schüttelte den Kopf. „Glaub nicht. Vielleicht frag ich Sota, ob er herkommt.“ „Das ist vermutlich keine so schlechte Idee.“ Er verschwand kurz im Schlafzimmer, um sich anzuziehen und ich tippte derweil eine Nachricht an meinen besten Freund ins Handy. Das Blubbern der Suppe lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf das Essen und ich holte ein Schälchen aus dem Schrank. „Kazuki…“ „Mhh?“ „Wir könnten auch in den nächsten Wochen ins Studio, um deine Songs aufzunehmen, wenn du das noch immer möchtest.“ Ich zuckte mit den Schultern und stocherte mit den Stäbchen in meiner Schale herum. „Ich bin nicht sicher, ob ich das noch möchte…ich glaube nicht, dass ich der Typ bin, der gern vor großen Menschenmassen auftritt…lieber halte ich mich im Hintergrund…“ Kyo schaute mich etwas irritiert an und in seinen Augen bildeten sich regelrechte Fragezeichen. „So? Was schwebt dir denn stattdessen vor?“ Diese Frage machte mir deutlich, dass er von mir verlangte, dass ich etwas tat und obwohl ich wusste, dass er damit Recht hatte, spürte ich diesen bitteren Beigeschmack. Doch ließ ich mich nicht beirren. „Ähm naja…ich dachte da eher an Friseur oder Make-up Artist…ich denke das ist eher mein Metier. Die Musik gehört dir…“ Endlich erreichte sein liebevolles Lächeln mein Herz und brachte es vielleicht auch ein wenig zum Schmelzen. Seine vollen Lippen hauchten einen zaghaften Kuss auf meine Stirn und er zog mich in die Arme. „Bist du dann mein persönlicher Stylingberater?“, wisperte seine Stimme nahe an meinem Ohr, sodass ich kicherte, weil sein Atem auf meiner Haut kitzelte. „Vielleicht? Wobei ich bezweifle, dass du Beratung brauchst.“ „Ah, sei dir da mal nicht so sicher, Kaoru kann dir bestimmt die eine oder andere Story zu meinen Fauxpas erzählen“, amüsierte sich mein schöner Sänger und auch ich musste lachen. „Okay, ich werde ihn danach fragen…ich glaub ich esse später noch was.“ „Versprichst du mir das?“ Ich nickte und schlang meine Arme um seinen Nacken, um ihn zu küssen. „Ja tue ich…nur irgendwie will mein Magen noch nicht so.“ „Kann ich dich jetzt allein lassen mein Süßes?“ „Denke schon…Sota kommt ja bald.“ Dieser Ausdruck in seinen dunklen Augen, so voller Liebe und Zärtlichkeit, als wollte er mir sagen, dass er mich unmöglich allein lassen kann. Mein Daumen fuhr dir Konturen seiner Lippen nach und er schnappte spielerisch nach meinem Finger. Meine Hände vergruben sich in seinen mittlerweile wieder blonden Haaren, während ich sanfte Küsse auf seiner Wange und seinem Hals verteilte. „Versuchst du schon wieder mich vom Gehen abzuhalten?“, raunte mir Kyo zu. „Vielleicht…“ Meine Hände wanderten weiter über seinen Nacken, am Rücken entlang unter sein Shirt und auch, wenn ich seinen Körper mittlerweile Inn und auswendig kannte, fühlte es sich himmlisch an, ihn zu berühren. Die feinen Linien der Tattoos unter meinen Fingerkuppen zu ertasten und seine definierten Bauchmuskeln, die sich leicht anspannten, als ich seinem Hosenbund näher kam. „Trotzdem muss ich jetzt los mein Hübscher…später bekommst du eine Massage und alles, was du willst, okay?“ „Oh das klingt wundervoll…und jetzt geh, bevor ich doch noch über dich herfalle“, witzelte ich. „Das darfst du Kao dann aber erklären.“ „Damit hab ich kein Problem.“ Kyo rollte mit den Augen, gab mir noch einen letzten Kuss und zog schließlich seine Jacke und die Schuhe an. Ich zog über die Unterhose eine Jogginghose, setzte neuen Tee auf und rauchte noch eine Zigarette. Hoffentlich ließ sich Sota nicht zu viel Zeit, denn gerade merkte ich wieder, wie schlecht mir das allein sein bekam. Würde sich das jemals ändern? Konnte ich irgendwann Frieden mit mir schließen und die Vergangenheit begraben? Bis vor kurzem war doch alles noch so schön gewesen und jetzt überschattete wieder diese Dunkelheit mein Gemüt. Und das, obwohl ich alles hatte. Naja bis auf einen Job, doch daran arbeitete ich mittlerweile. Das Wiedersehen mit Kay hatte alte Narben wieder aufbrechen lassen, aber wollte ich mich ernsthaft davon runterziehen lassen? Ich meine Kyo wollte mich zu seinem Mann nehmen und im Gegensatz dazu sollte die Freude darüber doch überwiegen oder nicht? Da sich der Wasserkocher ausschaltete, goss ich den Tee in die Kanne und nahm diese mit ins Wohnzimmer. Sollte ich vielleicht doch noch einmal einen Therapeuten aufsuchen? Dieser Gedanke schien mir viel zu absurd. Angeschlagen fuhr ich über die Kratzer auf meinem Unterarm und schämte mich, weil ich mich schon wieder dazu hatte verleiten lassen. Als es klingelte, öffnete ich. Sota stürmte auf mich zu und zog mich in eine Umarmung. Klar, auch er hatte mitbekommen, dass gestern irgendwas passiert sein musste. „Oh, oh, ich kenne diesen Blick…ist alles gut?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Irgendwie schon…will aber auch nicht drüber reden.“ „Klar. Was machen wir?“, fragte mein Freund, als wir uns auf das bequeme Sofa fläzten und er seinen Rucksack entleerte. „Dachte an bissl zocken oder irgendwas anschauen?“ Sota verteilte die Chips, Erdnüsse und die Schokolade auf dem Tisch und stellte seinen Rucksack beiseite. Ich musste ein bisschen grinsen. „Zocken klingt super. Tekken?“ „Warum nicht.“ Ich spielte meinen Lieblingscharakter Yoshimitsu und Sota entschied sich für den Bären. Die ersten Runden verlor ich, weil ich mich erst wieder einspielen musste, doch dann schlug ich mit voller Wucht zurück und da mein bester Freund alles andere als ein guter Verlierer war, warf er mit den tollsten Kraftausdrücken um sich. Da schlug ich vor, dass wir noch ein paar andere Charaktere freischalten könnten. „Danke, sehr nett von dir“ Ich öffnete die Chipstüte, weil ich Kyo ja versprochen hatte noch was zu essen. „Wie läuft‘s eigentlich mit Shinya?“, erkundigte ich mich und zündete mir eine Zigarette an. „Er ist sehr süß und zuvorkommend….ach vefickte Scheiße, schnell Kazu drück auf START…ich hab keine Lust mehr…“, murrte er und gab den Controller ab. Ich versuchte also mein Glück. „Bleibst du hier, wenn die nächste Tour los geht?“ „Mh schätze schon…was soll ich da auch…werde es schon überleben. Oh krass, du hast den echt besiegt, Respekt. Kann Kyo mittlerweile eigentlich damit umgehen, dass wir Freunde sind.“ Gelassen zuckte ich mit den Schultern. „Sonst wärst du sicherlich nicht hier oder?“ „Stimmt auch wieder…aber Kazu, du weißt, dass du auch mit mir über alles reden kannst oder? Ich meine wegen gestern und so…ich merke doch, dass mit dir was ist und ich bin aus demselben Grund hier, weshalb ich schon früher oft bei dir war…oder?“ „Ach und welcher Grund sollte das sein?“, fragte ich genervter als beabsichtigt. „Weil du nicht allein sein willst…“, gab er recht leise zurück und ich seufzte. „Du hast ja Recht…ich kann nicht allein sein, obwohl ich sowas können müsste. Was stimmt mit mir nicht Sota? Warum fühle ich mich so verflucht beschissen, obwohl ich eigentlich glücklich sein sollte?“ „Vermutlich weil gestern irgendwas passiert ist, was dich an früher erinnert hat…das ist nicht ungewöhnlich.“ „Und warum passiert dann dauernd sowas?“, fragte ich weiter und zeigte ihm meinen Arm. Sota schluckte sichtlich geschockt. „Weil du ein großes Herz hast Kazu und das wurde wohl von gewissen Menschen ausgenutzt…deshalb tust du das…“ Verzweifelt sank ich gegen Sotas Schulter und schon wieder stiegen mir diese dämlichen Tränen in die Augen. „Ich will das nicht mehr Sota…ich will es endlich unter Kontrolle haben, verstehst du? Dir zuliebe…Kyo zuliebe…es trifft euch doch jedes Mal genauso…“ „Dann lass es einfach Kazuki…was war denn gestern der Auslöser dafür?“ Und er stellte mir die Frage nicht so, als hätte ich die Wahl auf eine Antwort, die ein nichts enthielt. „Mein Exfreund…er ist ein mieses Arschloch, der mich vor meiner Familie bloß gestellt hat und mich nicht gerade nett behandelte…da kam alles wieder hoch und es war so schlimm…“, schluchzte ich und Sota legte seinen Arm um mich. „Dann ist es okay, wenn‘s dir so beschissen geht…dann darf es dir so gehen, nur lass dich von uns umsorgen…wir sind für dich da Kazu-chan…alle…lass nicht zu, dass du zu tief fällst.“ „Ich versuch’s…es ist schön, dass du da bist. Allein wäre ich wirklich komplett durch gedreht…“ „Wollen wir weiterspielen oder lieber noch was anschauen?“ „Was anschauen…meine Daumen tun langsam weh.“ Sota lachte und auch ich grinste. „Kazu…gibt’s Bier?“ „Jepp im Kühlschrank. Bringst du mir eins mit, ich geh kurz auf’s Klo, dann können wir was aussuchen.“ Sotas Auswahl war quasi schon getroffen. Er wollte unbedingt Avatar- die Legende von Aang schauen und ich war mit dieser Auswahl zufrieden. „Ich muss dir was gestehen.“ Fragend schaute ich meinen besten Freund an und öffnete mein Bier. „Das da wäre?“ „Ich hab die Serie noch nie ganz bis zum Schluss geschaut.“ Ein schuldbewusstes Lächeln huschte über seine Lippen. „Dein ernst? Oh oh, lass das bloß nicht Shini hören. Dann also los, damit auch du mitreden kannst.“ Irgendwann in der Mitte der Serie wurde ich etwas schläfrig und musste wohl weggenickt sein. Um mich herum vernahm ich leise Stimmen, doch dann nichts mehr. Ich spürte irgendwann eine Hand auf meinem Bauch ruhen. Avatar schien noch immer zu laufen, denn die Stimmen erkannte ich. Doch Sota würde mich doch niemals da anfassen oder? Nein, da würde Kyo sicherlich ausrasten. Unter mir bewegte sich etwas und ich schätzte, dass ich mit dem Kopf auf den Beinen von irgendwem lag. Vorsichtig blinzelte ich durch einen Spalt meiner Lider und erhaschte einen Blick auf das bebrillte Gesicht meines schönen Sängers. Sichtlich interessiert verfolgte er die Handlung. Ich wünschte mir unsere Positionen wären vertauscht, da hätte ich ihn berühren können. Überall. Doch da das nicht ging, legte ich meine Hand auf die Seine und schob sie tiefer. Sogleich erschauderte mein Körper und mir entfuhr ein leises Stöhnen. Ich öffnete die Augen und Kyo grinste mich verschmitzt an. „Na Dornröschen, genug geschlafen?“, witzelte er und am Klang seiner Stimme hörte ich, dass er wohl ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatte. Offensichtlich schien die Probe witzig gewesen zu sein. Und leider nahm er die Hand aus meiner Hose. „Und dein Dornröschen würde seinen Prinzen gern vernaschen“, raunte ich ihm zu und ließ mich auf seinem Schoß nieder. „Huch…was für ein kleines Flittchen.“ „Oh ja, das klingt nach mir…aber du hast was von massieren erzählt?“ „Na gut…aber erst möchte ich dir was zeigen“, erwiderte er und zog mich mit auf die Terrasse. Dort breitete er eine Decke aus und wir legten uns darauf, sodass wir in den sternenklaren Himmel schauten. „Willst du Mal was verrücktes hören Kazu?“ Kyo stützte sich auf seine Ellenbogen und schaute zu mir. „Was denn?“, fragte ich ihn und drehte mich auf die Seite, sodass ich meinen Kopf mit der Hand abstützen konnte. „Ich hab sowas noch nie gemacht…also mit einem meiner Freunde irgendwo gelegen, um die Sterne anzuschauen…“ Ich musste lächeln und fing seinen liebevollen, leicht betrunkenen Blick ein. „Du liegst mit mir hier.“ „Und das ist sehr schön…komm zu mir, ich mag dich in meinen Armen halten.“ Ich rückte näher zu Kyo und legte meinen Kopf auf seine Brust. Sein regelmäßiger Herzschlag drang an mein Ohr und meine Hand ruhte auf seinem Bauch. Sanft streichelte ich ihn und er tat es ebenso bei mir. Zaghaft strichen seine Finger über meine Seite. Keiner von uns wagte es diese wundervolle Stille mit Worten zu zerstören. Von ganz weit hörten wir die Geräusche der Stadt. Autos, Züge und Menschen. Doch wir lagen hier in unserer heilen kleinen Welt und genossen unser Glück. Nach einer Weile hob ich den Kopf, um zu schauen, ob mein Hübscher vielleicht eingeschlafen war, doch er schaute mich an. Und da lag so viel Liebe und Vertrauen in seinem Blick, der mein Herz zum Schmelzen brachte. „Kyo…morgen hat Juna Geburtstag…sie wünscht sich, dass ich vorbeikomme…mit dir, wenn du magst.“ „Möchtest du mich denn dabeihaben?“ „Klar. Meine Eltern sind wahrscheinlich auch da…ich glaub das wird nicht ganz leicht für mich. Meinen Vater hab eine ganze Weile nicht mehr gesehen.“ Kyo tätschelte liebevoll meine Wange und hauchte einen Kuss auf meine Nasenspitze. „Wir gehen da zusammen hin. Soll ich mich eher als der seriöse Anzugträger oder lieber als verruchter Rockstar präsentieren?“ Ich musste lachen und verflocht meine Hand mit seiner. „Seriöser Anzugträger? Um vor meinen Eltern seriös zu wirken, müsstest zum Anzug noch nen Schal und Handschuhe tragen, die deine Tattoos verdecken…die sind echt die absoluten Oberspießer.“ Wir lachten beide. „Dann würden sich unsere Eltern ja blendend verstehen…klären wir das Morgen…jetzt ab ins Bett, ich hab dir noch ne Massage versprochen.“ „Okay…Kyo…ich liebe dich so sehr…“ Mein Schöner lächelte mich nur an und zog mich mit ins Schlafzimmer. Kapitel 23: Eine Überraschung für Yuna -------------------------------------- Yuna: Kazu, Mama und Papa kommen zum Kaffee zu mir. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch dabei seid. Kuss Yuni Ein Lächeln umspielte meine Lippen, während ich rauchend auf dem Balkon die Nachricht meiner Schwester laß. Ich: Alles klar, ich denke, du kannst uns mit einplanen. Bis später. Yuna: Super, ich freu mich. Mein Plan war, schnell wieder zu verschwinden, sollten meine ach so tollen Eltern Anstalten machen, mich und mein Leben zu kritisieren. Doch mit Kyo an meiner Seite fühlte ich mich nicht ganz so verloren. Dieser war noch immer damit beschäftigt sich anzuziehen. Und das seit einer halben Stunde. Meine Garderobe fiel recht unspektakulär aus, zumindest für den ersten Teil des Tages, wenn wir uns in eher spießiger Gesellschaft meiner Familie aufhielten. Unter meinem Pulli trug ich eines meiner Netzoberteile, weil mein Liebster den VIP- Bereich eines Clubs gemietet hatte, in dem wir später noch feiern wollten. Eine kleine Party, um meine Schwester zu überraschen. Doch nicht nur das, Wir hatten auch einen Special-Guest eingeladen, mit dem Yuna sicherlich nicht rechnete. Und schon allein der Gedanke daran schien den Teil davor irgendwie erträglicher zu machen. Ihre Freundinnen hatte ich meinen Plan eingeweiht und sie wussten Bescheid. Kyo trat zu mir auf den Balkon und ich musterte ihn von unten bis oben. Meine Augen weiteten sich und auch mein Herz schlug ein bisschen schneller. „Na, ist das seriös genug?“, fragte er belustigt. Ich schüttelte nur fasziniert mit dem Kopf. „Verflucht, sogar im Anzug siehst du zum Anbeißen aus…ich glaube du könntest mir in der Aufmachung alles verkaufen…“ Mein Liebster lachte aus vollem Halse und zog mich in einen Kuss. Das silbergrau seines Anzuges harmonierte perfekt mit dem schwarzen Hemd, welches kleine Blumenstickereien zierte. Auf die Krawatte hatte er allerdings verzichtet. „Bist du dann bereit mein Süßes?“ Oh, wie ich es liebte, wenn er mich so nannte. Ich drückte die Zigarette aus und ging wieder ins Haus, um meine Schuhe anzuziehen. Kyo tat es mir gleich. Yuna freute sich riesig uns zu sehen und empfing uns sehr herzlich. Der Rest meiner Familie war zum Glück noch nicht da und in meinem Magen rumorte es heftig, wenn ich auch nur daran dachte, dass ich ihnen sehr bald gegenüberstehen würde. Nervös griff ich kurz nach Kyos Hand und drückte diese. „Du schaffst das“, ermutigte er mich. Wir überreichten meiner Schwester ihr Geschenk. Sofort leuchteten ihre Augen auf, als sie den Umschlag öffnete. „Oh mein Gott, Konzertkarten für Lynch…ihr seid die besten. Danke, danke, danke…ähm könnt ihr mir vielleicht kurz helfen, Kuchen ins Wohnzimmer tragen und so? Ich bin leicht im Stress…“, entschuldigte sich Yuna. Auch ihre beste Freundin Momoka, mit der sie zusammen wohnte, half noch, sodass sich Yuna fertig machen konnte. Momoka passte auch nicht so ganz in japanische Normengesellschaft. Mit ihren violetten Haaren und den schrillen Klamotten fiel sie auf. Außerdem besaß sie unzählige Pullis oder Jacken mit Fell und Öhrchen. Ich mochte das, denn so fühlte ich mich heute noch weniger wie das verstoßene Familienmitglied. Es klingelte und mein Herz zog sich automatisch zusammen. Yuna kam aus dem Schlafzimmer gestürmt und eilte zur Tür. Wir hockten schon im Wohnzimmer und nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Momoka begrüßte meine Eltern und die Zwillinge auch eher verhalten. Mein Vater und die Zwillinge verbeugten sich mehr oder minder gezwungen in Kyos und meine Richtung. Meine Mutter kam auf mich zu und umarmte mich. Unsere Kaffeegesellschaft war nicht gerade die kommunikativste. Als schließlich alle auf ihre halbvollen Tassen und die leergeputzten Teller starrten, half ich beim Abräumen. „Und Sie Kyo…sind Sie ein Freund meiner Tochter? Ich fürchte wir kennen uns noch nicht“, sprach mein Vater an meinen schönen Verlobten gerichtet und ich ließ mich wieder neben ihm nieder, gespannt auf seine Antwort wartend. Er nippte an seinem Kaffee, schaute mich kurz an, doch ich nickte. „Yuna und ich kennen uns durch Kazuki…Ihr Sohn und ich wohnen zusammen…wir sind ein Paar. Es freut mich sehr Ihre Bekanntschaft zu machen Nakamura-san.“ Mein Vater feuerte einen giftigen Blick in meine Richtung, der selbst den Äquator hätte gefrieren lassen können. „Kazuki-chan…wie kannst du uns das bloß antun? Nur Schande bringst du über die Familie“, keifte er mich an und ich schluckte. Dann spürte ich Kyos Hand auf meinem Schenkel und das gab mir neuen Mut. „Was tue ich denn? Nur, weil ich einen Mann liebe? Was interessiert dich das, wir sehen uns ohnehin nicht mehr.“ „Mein einziger Sohn…ich fasse es nicht…“, murmelte er vor sich hin und schlug sich theatralisch mit der Hand gegen die Stirn. Kyos Griff wurde fester, doch ich warf ihm einen warnenden Blick zu. „Papa…lass gut sein…Kazu gehört nun Mal auch zu unserer Familie und ich wollte, dass er kommt. Es ist mein Geburtstag und, wenn es euch nicht passt, könnt ihr gern gehen“, mischte sich auch Yuna jetzt ein und lächelte mich aufmunternd an. „Ach du jetzt auch? Kind, was ist bloß aus dir geworden? Was hat er dir erzählt?“ „Er ist mein Bruder und hat mir gar nichts erzählt Mama…ich habe es einfach nur satt meinen liebsten Kazuki zu verleugnen, nur weil es euch nicht in den Kram passt, dass er auf Männer steht.“ Mein Vater biss sich heftig auf die Unterlippe und auch meine Mutter schaute betreten auf ihren Teller. Die Zwillinge hielten sich ganz aus dem Gespräch heraus und tuschelten dümmlich miteinander, während sie an ihren Handys hingen. Eigentlich ärgerte ich mich ein bisschen über mich, denn jetzt hätte ich schon gern das dumme Gesicht meiner Eltern gesehen, wenn ich mich ein bisschen auffälliger gekleidet hätte. Auch trafen mich ihre Worte nicht halb so sehr, wie ich befürchtet hatte. „Und, was machen Sie beruflich Kyo?“, fragte meine Mutter dann, um das Gespräch irgendwie bei Laune zu halten. Ich schenkte mir Tee ein und blickte fragend in die Runde, ob noch jemand Nachschub wollte. Allerdings richteten sich vier Augenpaare auf meinen schönen Mann. Auch ich war gespannt, was er antworten würde. Gelassen, mit seiner Tasse in der Hand lehnte er sich zurück. „Ich bin Musiker…naja, eher Komponist und Sänger…tut mir leid Ihre Erwartungen des perfekten Schwiegersohnes so vermutlich zunichte zu machen.“ Ich kniff meine Lippen zusammen, um ein Kichern zu unterdrücken. Meine Eltern schienen das zu ignorieren. „Oh…naja, Musik ist nichts Schlechtes. Welche Art von Musik ist das denn?“, fragte meine Mutter sichtlich interessiert weiter. In dem Moment zog Kyo sein Jackett aus und da sein Hemd kurze Ärmel hatte, wurde ein Großteil seiner Tätowierungen sichtbar. Mein Vater sog die Luft scharf ein und sah ihm förmlich an, dass er vor Wut gleich überkochte. „Schon sehr rockig. Ich wollte mich schon immer von den anderen Musikern in der Szene abheben und ich denke, das ist mir und der Band gelungen.“ „Ohhh mein Gott, ich wusste, dass ich dich irgendwoher kenne…war mir allerdings echt nicht sicher“, fiel Momoka jetzt freudig und erhitzt zugleich in unser Gespräch. Kyo lächelte das Mädchen etwas zurückhaltend an. „Ich häng das ungern an die große Glocke…schön, wenn man mich auf der Straße erkennt…aber auch in Ordnung, wenn nicht.“ „Ich wusste gar nicht, dass du auf Männer stehst.“ Mein schöner Sänger zuckte mit den Schultern und legte seinen Arm um mich. „Wo die Liebe hinfällt…ich hab mich nie festgelegt.“ Ich lehnte mich in die schützende Umarmung und alles wirkte irgendwie halb so schlimm. Auf einmal erhob sich meine Mutter und machte mir deutlich, dass ich ihr folgen sollte. So verzogen wir uns kurz in die Küche und mich überkam der Drang nach einer Zigarette. Etwas nervös knetete sie ihre Hände und warf mir immer wieder kurze Blicke zu, während ich sie abwartend ansah. Schließlich räusperte sie sich. „Kazuki…ich habe mich nie in dein Leben einmischen wollen, aber das? Was hast du in deinem Leben schon erreicht? Hast du überhaupt eine vernünftige Arbeit?“ Warum musste das jetzt kommen. Als ob ich das nicht selbst wüsste und doch grämte es mich, weil mich meine Mutter damit angriff. „Ich schaue mich gerade nach einem Job oder einer Ausbildung um, weil ich nicht sicher bin, was ich machen will.“ Sie zog die Stirn in Falten und ich sah ihr förmlich an, dass sie mit meiner Antwort alles andere als zufrieden war. „So ein Taugenichts. Schämst du dich nicht? Dafür nicht irgendetwas erreicht zu haben? Außer deiner Vorliebe für irgendwelche volltätowierten Musiker?“ Ich biss mir auf die Unterlippe und schluckte. „Ja, ich verurteile mich irgendwie dafür, dass ich nichts erreicht habe, aber das ist auch nicht gerade einfach, wenn man mit Anfang zwanzig aus der Wohnung geschmissen wird und auf sich allein gestellt ist…und dafür hab ich mich gut über Wasser gehalten.“ „Ach jetzt sind wir für dein Versagen verantwortlich? Das sieht dir wieder ähnlich!“ Meine Hände ballten sich zu Fäusten und meine Lunge schrie nur so nach Nikotin. „So hab ich das nicht gesagt, nur eben, dass es nicht einfach war und manchmal auch noch nicht ist…aber ich hab alles im Griff. Gerade ist mein Leben wieder lebenswert und das lasse ich mich von euch nicht kaputt machen!“, fuhr ich sie lauter als gewollt an. „Seit du nicht mehr mit Kay befreundet bist, lief alles aus den Rudern“, schimpfte meine Mutter weiter und bei diesem Thema schossen mir augenblicklich die Tränen in die Augen, weil ich an vorgestern denken musste. Der Schmerz wurde ein klein wenig einnehmender und kratzte an meiner verwundeten Seele. „Du weißt nichts von Kay…er ist ein mieser Lügner und hat mich benutzt…“, erwiderte ich schwach, denn zu mehr war ich nicht fähig. So gern hätte ich das Ruder in der Hand behalten und meinen Eltern gezeigt, dass mich ihre Hasstiraden nicht mehr trafen, doch merkte ich, wie nahe mir ihre Worte gingen und ich ärgerte mich über mich selbst. „Immerhin vergreift er sich nicht an anderen Männern…“ „Halt einfach deinen Mund und befasse dich nicht mit Dingen, von denen du keine Ahnung hast! Wenn du es genau wissen willst…er steht auf Männer und wir waren zusammen…doch er hat mich misshandelt…zwang mich zu unschönen Sachen…“, schrie ich sie jetzt an und meine Mutter erhob die Hand gegen mich, doch ich taumelte zurück. Zurück Richtung Wohnzimmer und auf einmal umfingen mich zwei schützende Arme. „Yunaschatz, sei uns nicht böse, aber ich fürchte, wir müssen gehen. Zu Hause wartet viel Arbeit auf uns!“, meldete sich meine Mutter jetzt wieder zu Wort. Die Enttäuschung war meiner Schwester ins Gesicht geschrieben, doch sie erwiderte nichts und begleitete meine Eltern und die Zwillinge zur Tür. Mich ließen sie links liegen und hielten es nicht für nötig, sich zu verabschieden. Das traf mich kurz, doch beschloss ich diese kleine Niederlage nicht zu sehr an mich heran zu lassen. Kyo zog mich auf seinen Schoß und ich ließ meinen Kopf an seine Schulter sinken. „Alles okay?“ Ich nickte nur und wischte mir diese dummen Tränen weg, weil ich nicht schon wieder rumheulen wollte. Die Zeit schritt voran und Momoka befehligte mein Schwesterchen, sich in ihr Partyoutfit zu schmeißen. Jetzt wurde sie hellhörig. „Okay, wo geht’s hin?“ Geheimnisvoll zuckten wir mit den Schultern und grummelnd verschwand Yuna wieder im Schlafzimmer. „Ohh ich bin so gespannt. Hoffentlich freut sie sich“, sagte ihre Freundin. Ich grinste meinen Liebsten verräterisch an, denn diesen Teil kannte auch Momoka nicht. „Ich glaube, sie flippt völlig aus…wir konnten, oder bessergesagt Kyo konnte noch einen Überraschungsgast anheuern…“ Das Mädchen schaute von Kyo zu mir und wieder zurück. Man konnte förmlich sehen, wie es in ihrem Kopf ratterte. „Ooookayy, von den Dir en Grey Jungs weiß ich ja…aber wen noch?“, hakte sie neugierig nach. „Bist du auch so ein Lynch- Fan wie Yuna?“, fragte Kyo und sie nickte heftig. Ich rieb mir voller Vorfreude die Hände. „Na dann könnte es heute sehr witzig werden.“ „Juuuungs, jetzt spannt mich nicht so auf die Folter!“, beschwerte sich Momoka und in dem Moment kehrte meine Schwester zurück. Sie trug ein rotes Cocktailkleid und schwarze High-heels. „Wow, darfst du so überhaupt aus dem Haus?“ Yuna steckte mir die Zunge raus. Auch ihre liebste Freundin tauschte ihr Oberteil und die Hose noch gegen bauchfreie Bluse und kurzen Rock ein. Dann machten wir uns auf den Weg zur Partylocation. Kyo hatte uns freundlicherweise ein Taxi bestellt und der Club öffnete für uns extra eine Stunden früher. Dort angekommen, entstiegen wir dem Fahrzeug und begaben uns in den Club. Dort warteten die Diru Jungs schon auf uns. Sota und Zero waren auch mit von der Partie. Die und Toshi reichten uns einen Begrüßungsdrink, den ich dankend entgegen nahm. Wenige Minuten später trafen Yunas Freundinnen ein, die nicht weniger aufgedreht waren und die Begrüßung erst Mal in freudiges Gequietsche überging. Ich zog meinen Pulli aus und hängte ihn über einen Stuhl. Da ergriff Shinya auf einmal das Wort und alle drehten sich zu dem schlanken Drummer, als er mit einem Metallrörchen sein Glas zum Erklingen brachte. „Schön, dass ihr alle hier seid. Allerdings gibt es eine Regel an die Fangierlies unter euch- was hier passiert, bleibt hier und das, was ihr heute seht oder erfahrt ebenso. Wir haben lange überlegt, ob wir Yuna diese Party ermöglichen, eben weil wir nicht mehr zu den unbekannten Rockbands gehören, doch dazu benötigen wir euer Vertrauen…und wir sind auch keine Unmenschen und außerdem mögen wir gute Partys. Also, feiert mit uns und falls irgendwas auf Twitter oder Instagram oder sonst wo landet…lasst es bleiben, wir haben gute Anwälte“, beendete der Drummer seine Rede schelmisch grinsend und hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite, doch wurde auch allen die Botschaft dahinter deutlich. Mein Liebster tätschelte seinen Freund kurz und kam dann mit seinem Drink zu mir, stellte diesen jedoch auf den Tisch neben mir und legte seine Hände auf meine Hüften. „Und du bist schon wieder viel zu obszön gekleidet…das hast du doch mit Absicht gemacht oder?“ Ich legte meine Arme um seinen Hals und grinste schief. „Natürlich…neben meinem ominös gekleideten Mann muss ich doch ein bisschen auffallen“, scherzte ich. Kyos Hände packten mich fester an den Hüften und seine Daumen strichen zaghaft über meine Hüftknochen. „Geht’s dir wirklich gut? Ich meine wegen deinen Eltern und so.“ „Klar…alles okay. Danke, dass du mit warst.“ Wir lächelten uns an und ich stibitzte ihm einen Kuss. „Aber heut müssen wir deine Schwester noch glücklich machen…Hazuki kommt demnächst, ich bin so gespannt auf ihren Blick.“ „Oh und ich erst…auch danke dafür…hab ich dir heut schon gesagt, dass ich dich liebe?“ Kyo schüttelte mit dem Kopf und küsste mich begierig. „Nein, aber ich kann es nicht oft genug hören…warum bin ich deiner Gegenwart so verdammt kitschig? Das widerstrebt meinem griesgrämigen Rockstar Image…“ Ich musste lachen. „Ich glaube, auf andere wirkst du trotzdem noch recht unnahbar…vor allem, wenn man dich nicht kennt, glaubt man eher die Stories, die über dich kursieren…der unnahbare schöne Sänger…und ich muss sagen, so schlimm finde ich das gar nicht. Besser, als wenn dir dauernd jemand am Rockzipfel hängt und dich belagert.“ „Bist du etwa eifersüchtig Kazu-chan?“, amüsierte sich mein hübscher Sänger. „Mh…nicht eifersüchtig, aber ich teile dich eben auch nicht gern.“ „Na dann mischen wir uns doch unter das Partyvolk“, sagte Kyo und küsste mich ein vorerst letztes Mal. Ich kniff ihm unauffällig in den Hintern und konnte ein verliebtes Seufzen nicht unterdrücken. Da wurde ich auf einmal freundschaftlich von der Seite angerempelt und als ich mich umwand, begegnete ich Dies Grinsen. Wir prosteten uns zu. Auch Yuna und ein paar ihrer Mädels steuerten unsere Richtung an. Sie blieb etwas verhalten vor uns stehen, doch ich winkte sie heran. Der Dir en Grey Gitarrist begrüßte die leicht nervösen Girls ganz lieb und wir stießen mit ihnen an. „Ich wollte dir nur danke sagen Kazu-chan…du bist toll“, sagte mein Schwesterchen und errötete leicht. Ich gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange. „Noch eine Überraschung gibt’s“, freute ich mich. „Oh meinst du die süßen Stripper? Die sollten bald eintreffen“, witzelte Die und auch ich musste kichern. „Das fänd ich lustig“, amüsierte sich auch Saki, Yunas Freundin. „Naja, so schätze ich meinen Bruder nicht ein.“ Lächelnd schüttelte ich den Kopf. „Na Kleiner, wie fühlt es sich eigentlich an verlobt zu sein?“, fragte mich Die und da fiel mir ein, dass ich Yuna noch gar nichts davon erzählt hatte. Diese schaute mich natürlich mehr als verdutzt an. Und auch über Sakis Kopf erschien ein großes Fragezeichen. „Cool…mit wem bist du denn verlobt?“, fragte sie. „Mit Kyo…sorry Yuni, heut stehst du im Mittelpunkt, aber ich hätte es dir noch erzählt.“ Meine Schwester fiel mir um den Hals. „Das freut mich so für dich…haha, vielleicht hättet ihr das unseren Eltern heut erzählen sollen.“ „Mh, ich denke, die haben wir so schon genug geschockt…vermutlich denken sie, Kyo gehört zu irgendeiner schlimmen Gang oder so.“ Die Mädels lachten. „Bist du auch vergeben Die?“, fragte Saki neugierig und schon grinste der Gitarrist verliebt. „Ich sag‘s dir, aber nur, wenn du es echt nicht weiter erzählst.“ Scheinbar lag den Jungs viel daran, dass ihre Beziehungen geheim blieben. Naja, ich konnte es schon verstehen, auch wenn es die Fans sicher nicht als schlimm empfanden. Eine gewisse Privatsphäre sollte schon gewahrt werden. „Ich schweige wie ein Grab, versprochen“, versicherte das Mädchen und kreuzte die Finger zum Schwur. „Ich bin schon mehrere Jahre mit Toshiya zusammen…hat ne Weile gedauert, bis ich ihn mit meinem Charme überzeugen konnte, aber es hat geklappt.“ Und als hätte der Bassist nur auf diesen Moment gewartet, tauchte er neben seinem Liebsten auf, zog die Stirn in Falten und schaute diesen etwas irritiert an. „Wen willst du schon wieder mit deinem Charme um den Finger wickeln?“ Die grinste Toshiya an. „Nur dich, mein Liebling…Saki hat mich gerade gefragt, ob ich auch vergeben bin…zufrieden?“ Die Sorgenfalte auf der Stirn des Diru Bassisten glättete sich wieder und er hauchte seinem Freund einen Kuss auf den Mund. Die Mädels quietschten begeistert und ich schüttelte nur belustigt mit dem Kopf, doch musste auch ich zugeben, dass die beiden ein absolut tolles Paar abgaben. „Immer diese Fangirlies“, neckte Toshi die beiden und legte seinen Arm um Die. „Na dann auf einen wundervollen Abend“, prostete uns der Gitarrist erneut zu und unsere Gläser erklangen. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, dass Kyo den anderen schwarzhaarigen Sänger empfing und zu dem Mikro führte. Ich grinste nur. Auch die anderen beiden Musiker bekamen das mit, deshalb schauten uns die Mädels fragend an. „Süße, ich glaube dein Geburtstagsgeschenk ist gerade eingetroffen“, sagte ich zu meiner Schwester. „Wie meinst du das?“, fragte sie sichtlich verwirrt. Ich stellte mein Glas ab, griff sie behutsam an ihren Schultern und drehte sie um. In dem Moment hängte sich Hazuki die Gitarre um und stimmte diese. Ich schob Yuna noch ein Stück in seine Richtung, fing seinen Blick ein und zeigte dann auf meine Schwester. Der Lynch Sänger winkte ihr zu und stimmte Phantom, ihren Lieblingssong der Band an. Ich hatte meine Arme von hinten um sie gelegt und sie bewegte sich leicht zu dem sanften Klang der Musik. Ihre Hand griff nach meiner und als sie zu mir aufschaute, glitzerten Tränchen in ihren Augen und ihre Lippen formten sich zu einem Danke. „Gern geschehen…nur denk ich, solltest du Kyo auch danken.“ Yuna nickte und schaute wieder zu ihrem Lieblingssänger. Hazuki sang anschließend noch Happy Birthday, schnallte sich das Instrument wieder ab und kam auf Yuna zu, um ihr persönlich zu gratulieren. Hin und hergerissen, zwischen Freude und Schluchzen bedankte sie sich auch bei Kyo. Hazuki kam mit einem Drink wieder zu uns, gefolgt von meinem schönen Mann. „So, nun darf ich dir meine bezaubernden Mann endlich persönlich vorstellen Hazu-chan“, stellte uns Kyo nun einander vor. Der andere Sänger klopfte mir kumpelhaft auf die Schulter. „Freut mich sehr Kazuki…und Geschmack hast du schon immer gehabt, alter Freund“, wandte er sich an den Diru Vocal. „Und du bist also die bezaubernde Yuna…ich hoffe du hast heute eine wundervolle Feier.“ Meinem Schwesterchen stieg eine leichte Röte ins Gesicht und sie nickte. Hazuki legte seinen Arm um ihre Schulter und zog sie mit sich, zu einer freien Sitzecke. Sie warf mir einen leicht verzweifelten Blick zu, doch ich nickte nur. Alle amüsierten sich und so beschloss ich eine rauchen zu gehen. Im Außenbereich des Clubs standen auch mehrere Stehtische und man hatte einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Ich war alleine und ließ den Tag ein wenig Revue passieren. Mir ging es nicht schlecht und doch hatte ich ein wenig gehofft, meinen Eltern wieder näher zu kommen. Doch das würde wohl nicht einmal in meinen Träumen passieren und ich sollte mich wohl mit diesem Gedanken abfinden. Immerhin hatte ich es geschafft, meine Schwester glücklich zu machen und auch ich sollte endlich mein eigenes Glück wahrnehmen. Ich spürte die Dunkelheit, wie sie wie ein Raubtier um mich herum schlich, doch es nicht wagte Besitz von mir zu ergreifen. Wahrscheinlich umgaben mich zu viele positive Gefühle. Gut so. Immerhin wieder ein Erfolg in den letzten Tagen. Kaoru gesellte sich zu mir und irgendwie fühlte ich mich in seiner Gegenwart meist noch immer etwas unbeholfen, was wohl auch daran lag, dass wir bisher am wenigsten miteinander zu tun hatten, auch, wenn wir uns auf Tour täglich über den Weg gelaufen waren. Außerdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass er Kyos Entschluss, mich zu heiraten, nicht zu hundert Prozent unterstützte. Naja, vielleicht konnte ich dem ja entgegen wirken. „Darf ich dir ein wenig Gesellschaft leisten?“, fragte der Leader höflich und ich versuchte aufrichtig zu lächeln. „Klar doch.“ Auch ich zündete mir noch eine Zigarette an und nippte nervös an meinem Cocktail. „Dir scheint es wieder besser zu gehen“, stellte Kaoru mehr fest, als das er fragte und ich schluckte den Kloß in meinem Hals runter. „Ja…irgendwie schon…sorry für den Stress neulich…aber manche Dinge kann man eben nicht planen…“ „Das ist wahr…“ Fuck, schlimmer konnte das doch gerade nicht laufen. Kaorus Adleraugen fixierten mich und ich schien unter seinem Blick immer mehr zu schrumpfen. „Kaoru…hör zu…ich weiß nicht genau, wie du über die ganze Sache zwischen Kyo und mir denkst, aber ich werde euch nicht im Weg stehen…wirklich nicht…“ Der Leader schwieg einen Moment und sein Blick schweifte nachdenklich in die Ferne. Dann sah er wieder mich an. „Kazuki…ich glaube dir das, keine Frage…nur bin ich eben ein Perfektionist und Dir en Grey funktioniert ohne Kyo nicht…ich meine, ich bin selbst in einer Beziehung und merke immer wieder, wie mich das wieder runter bringt. So geht es ihm sicher auch…die Zweifel sind eben trotzdem da, aber ich möchte dir nicht das Gefühl vermitteln, dich nicht zu mögen. Denn eigentlich denke ich genau das Gegenteil.“ „Eigentlich? Da schwingt die Skepsis wohl noch eine Weile mit“, stellte ich etwas bedrückt fest. „Naja…du kannst es auch weglassen…du bist ein wundervoller Mensch Kazu und auch Zero mag dich sehr. Dir ist sicher nicht entgangen, dass Tooru und ich hin und wieder aneinander geraten…das wird sich wohl auch nie ändern. Doch seit er mit dir zusammen ist, hat sich das gebessert. Er und ich sind uns sehr ähnlich, vermutlich sorge ich mich deshalb so um ihn…deshalb brauche ich auch weiterhin deine Unterstützung.“ Jetzt fiel mir der imaginäre Stein vom Herzen. Ich blies die Backen kurz auf und grinste jetzt. „Und ich dachte echt immer, du kannst mich nicht leiden.“ Kaoru lachte jetzt aus vollem Halse und zündete sich noch eine weitere Zigarette an und ich tat es ihm gleich. „Quatsch…ich mach mir halt immer Sorgen um meine Chaosband. Du weißt ja mittlerweile selbst, wie die Jungs ticken und naja…einer muss ja den Überblick behalten. Manchmal bin ich echt froh unseren diplomatischen Drummer noch an meiner Seite zu wissen…sonst wäre ich schon längst durch gedreht.“ „Gab es Mal einen Zeitpunkt, wo du an euch gezweifelt hast?“ „Nicht nur einen…nicht der Musik wegen…eher meinetwegen und den vielen Streitereien mit Tooru. Aber verrate ihm das ja nicht“, fügte er noch schnell hinzu. „Mach ich nicht…ja, er ist sehr eigensinnig, aber das bin ich auch…vermutlich funktioniert es mit uns deshalb so gut.“ Kaoru nickte nur und inhalierte den Rauch seiner Zigarette tief. „Vermutlich ja…“, stellte er fest und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. Dann hielt er mir seinen Arm hin, ich hakte mich ein und wir gesellten uns wieder zu unseren Freunden. Zero und Kyo schienen uns gesucht zu haben, denn ihre Blicke wanderten sofort in unsere Richtung, als wir den Raum betraten. Ich ließ meinen ebenso durch den Club schweifen und erblickte Yuna noch immer mit Hazuki plaudern. Toshiya lehnte allein an der Bar, während sein liebster Daisuke wenige Meter, umringt von einer Traube Mädels, stand. Ich steuerte den Bassisten an und er wirkte tatsächlich ein wenig geknickt. „Was ziehst du denn für ein Gesicht?“, fragte ich deshalb und der Bassist zuckte nur mit den Schultern. Ich bestellte noch zwei Cocktails und schob ihm den einen zu. „Ich weiß gar nicht, warum mich das immer noch trifft…eigentlich sollte es mir doch egal sein…“ „Vermutlich nervt es dich, aus dem selben Grund, wie mich, wenn Kyo halbnackt auf der Bühne herumspringt und von den ganzen Fans angehimmelt wird.“ Toshi lächelte schwach. „Aber Tooru will dich heiraten Kazu…Die und ich sind schon eine gefühlte Ewigkeit zusammen…und manchmal wünsche ich mir auch so einen verfluchten Ring am Finger…vielleicht könnte ich dann besser mit solchen Situationen umgehen…“ „Hast du das ihm gegenüber schon erwähnt?“ Der Bassist schüttelte mit dem Kopf. „Nee…ich befürchte, das überfordert ihn…Die mag seinen Freiraum, was ich ja verstehen kann, nur manchmal fühlt es sich eben komisch an.“ Mitfühlend sah ich Toshiya an und würde ihm gerne helfen. Ich trank noch einen Schluck und dann kam mir eine Idee. Ich ergriff seine Hand und schleifte ihn mit auf die Tanzfläche. Jetzt grinste er ein bisschen mehr. „Vielleicht lenkt ihn das ein wenig von den Mädels ab“, witzelte ich und tanzte den Bassisten an. Dieser stieg drauf ein und wir tanzten noch ein bisschen enger zusammen. Und der Fisch biss an, denn wenige Minuten später legte Die seine Arme von hinten um Toshi. Meine Arbeit hier war getan und ich gesellte mich wieder zu meinem Drink. Dort wartete Kyo ebenfalls auf mich und grinste mich schief an. „Na, flirtest du schon wieder mit meinem Bassisten?“ Unschuldig zuckte ich mit den Schultern. „Ich sorge nur dafür, dass es allen gut geht…mehr nicht“, antwortete ich und schon zog er mich besitzergreifend an sich. Um Himmels Willen, wie ich das mochte. „Mein hinreißend schöner Mann…ich finde es wundervoll, wie du dich immer um andere sorgst.“ Während er das sagte, streiften seine Finger meine Seite und da ich ja nicht sonderlich viel trug, waren diese Berührungen schon wieder viel zu viel und das schlimme war, Kyo wusste das ganz genau. Die und Toshi knutschten mittlerweile miteinander und ich klopfte mir innerlich ein bisschen stolz auf die Schulter. Zu späterer Stunde wurden die Gäste immer lustiger und redseliger. Yunas Freundinnen erzählten mir zum gefühlt hundertsten Mal, dass sie es so cool fanden, dass ich diese Party organisiert hatte. Und meine Schwester? Naja, die war noch immer ins Gespräch mit dem Lynch Sänger vertieft. Auch merkte ich mittlerweile, wie mir der Alkohol zu Kopf stieg, doch alles noch im Rahmen des erträglichen und ich fühlte mich lustig und beschwingt. Die und Toshi hatten sich, wohin auch immer verkrümelt. Naja, da gab es ja nicht viel, worauf man spekulieren konnte. Der Abend könnte besser nicht laufen und ich war froh, so viele tolle Menschen zu kennen. Immer wieder schweifte mein Blick zu meinem schönen Sänger und ich konnte nicht anders und ihn anschmachten. Alles an ihm war einfach so perfekt, selbst, wenn er gerade diesen leicht ernsten Blick drauf hatte, während er sich mit seinem Leader unterhielt. „Oh oh, dein Sabberfaden hängt schon wieder sonst wo…kommst du mir rauchen, bevor noch jemand auf dem Gesabber ausrutscht“ ärgerte mich kein anderer als Zero. „Idiot…na schön“, antwortete ich und folgte ihm. Draußen fanden wir Die und Toshi miteinander scherzen und es sah ganz danach aus, als wäre wieder alles in Ordnung. Der Bassist winkte uns heran, als er uns erblickte und wir folgten seinem Ruf. Ich zündete mir eine Kippe an und stützte meinen Kopf in der Hand ab. „Erde an Kazuki…“, neckte mich Zero schon wieder und ich steckte ihm die Zunge raus. „Jaaaaa, was denn du Nervensäge…darf ich nicht Mal meinen Kyo anschmachten…du tust das mit Kaoru auch oft genug, also tue nicht so cool…“ „Lass dich nicht von diesem Schnösel ärgern Kazu-chan“, schlug sich Die auf meine Seite. „Nein, alles gut…es ist nur gerade cool, dass alles gut läuft…nach letztem Wochenende und so…“ Der Diru Gitarrist drückte mich kurz an sich. „Du hast uns echt nen ganz schönen Schrecken eingejagt…am meisten wohl Tooru…“ „Mh, ich weiß, aber reden wir nicht mehr darüber“, versuchte ich das Thema zu beenden, aus Angst diese unschöne Gefühlswelle könnte mich wieder überrollen. So langsam kam auch die Müdigkeit, doch wollte ich nicht der sein, der die Party sprengte und als erster ging. Da entführte mich der blonde Gitarrist auf einmal zu der gemütlichen Sofaecke auf der Terrasse, reichte mir eine Zigarette und grinste bis über beide Ohren. Vermutlich hatte Die schon wieder ganz schön einen sitzen. „Kleiner, was ist los...du solltest dich freuen, Spaß haben und so…aber du bist mir nen Ticken zu ernst.“ Ich seufzte und schüttelte nur mit dem Kopf, weil ich echt nicht drüber reden wollte. Schon gar nicht mit einem betrunkenem Die. „Es ist alles gut, ich schwöre es. Bin nur etwas erschöpft und aufgewühlt von den ganzen Ereignissen der letzten Tage.“ Auf einmal sprang der quirlige Gitarrist auf und sagte noch im Gehen, dass ich ja nicht weglaufen solle. Wenige Minuten später kehrte er mit Kyo im Schlepptau zurück, versorgte uns mit Drinks und ließ uns alleine. Ein bisschen überrascht schüttelte ich nur mit dem Kopf und zog meinen schönen Sänger an mich. Er streichelte über meinen Arm und küsste mich zaghaft auf‘s Haar. Mit der Hand fuhr er sich durch seine blonde Mähne und steckte sich eine Zigarette zwischen seine Lippen. Einen Arm legte er um mich und ich lehnte mich an seine Schulter. Ich spielte an den Knöpfen seines Hemdes und malte die Konturen seiner Tätowierungen am Hals und auf der Brust nach. Um uns herum drangen Fetzen von Gesprächen zu uns und doch befanden wir uns in unserer kleinen Blase. Ich griff nach meinem Drink, nippte daran und stellte das Glas auf Kyos Oberschenkel ab, jedoch nicht ohne es loszulassen, um mich wieder an ihn zu lehnen. „Ich hab mich vorhin übrigens mit Kaoru unterhalten“, unterbrach ich die Stille. „Und, was hat er so erzählt?“ „Ich hab ihm nur noch Mal versichert, dass ich eurer Musik niemals im Weg stehe…das hat ihn glaub etwas beruhigt.“ Kyo schwieg eine Weile, da meine Antwort ja auch nicht unbedingt eine Erwiderung erforderte. „Und doch würde mich interessieren, was dich gerade beschäftigt…“ „Eigentlich nichts…es kommt mir nur alles so surreal vor. Ich bin nicht sicher, wie ich damit umgehen soll.“ „Vielleicht liegst du damit gar nicht so falsch…aber diese Dinge bestimmen gerade dein Leben Kazu…du gehörst zu uns, keine Frage, aber vielleicht solltest du dir doch etwas Eigenes aufbauen. Ich hab manchmal Sorge, dass dich diese Surrealität, wie du es so schön nennst, auffrisst. Ja, du willst das nicht hören, aber ich bin immer noch der Meinung, du solltest mehr Musik machen…komponieren, spielen, was auch immer. Klar könnte ich mir dich auch als Stylist oder ähnliches vorstellen, doch ich denke nicht, dass dich das erfüllt. Du bist ein so kreativer Mensch und deine Ideen müssen hinaus in die Welt.“ Ich seufzte und trank noch einen Schluck. „Aber was ist, wenn das keiner hören will. Was ist, wenn ich mich auf der Bühne total blamiere? Und in welcher Band soll ich überhaupt spielen?“ „Das sind viele Fragen…nicht auf alle habe ich eine Antwort parat, aber was die Band betrifft…rede Mal mit Zero, ich glaub, der hätte da was für dich…vielleicht nicht heute, weil er ist schon mega betrunken, aber morgen oder übermorgen…den Rest findest du raus.“ „Hattest du jemals Angst zu versagen?“ Kyo lachte. „Natürlich, jedes Mal, wenn ich an einem neuen Text arbeite…jedes Mal, wenn wir im Studio sind, um die neuen Songs aufzunehmen…jedes Mal vor einem Konzert. Doch das spielt am Ende keine Rolle, weil die Fans uns sehen wollen. Natürlich wünsche ich mir auch, dass jedes Konzert perfekt abläuft, doch wir arbeiten mit vielen Menschen zusammen…da passieren Fehler…dagegen kann ich nichts tun. Doch es ist das schönste Gefühl der Welt, auf der Bühne zu stehen und zu singen.“ Ich schmiegte mich enger an meinen schönen Sänger. Ich wusste, dass er Recht hatte und doch fürchtete ich mich vor all diesen Dingen. „Was hat Zero denn vor? Vielleicht hilft mir das gerade…“, fragte ich dann. Kyo zögerte einen Moment. „Na gut…er und ein paar Jungs von D’espairsRay wollen sich wieder zu einer Band finden, allerdings fehlt ihnen der Sänger…“ „Und da will er ausgerechnet mich?“, gab ich etwas überrascht von mir. Mein Liebster rollte leicht genervt mit den Augen. „Wann kapierst du endlich, dass du verdammt gut bist, in dem was du tust…singst…komponierst…in drei Tagen wollen sie proben…geh einfach hin. Kazuki…ich will dich zu nichts drängen, aber manchmal muss man Menschen, die man liebt, zu ihrem Glück zwingen…und ich liebe dich…so sehr und ich will dich nicht verlieren…doch genau das wird passieren, wenn du so weitermachst wie bisher.“ Ich zündete mir eine Zigarette an und funkelte Kyo wütend an. „Ach und du bist derjenige, der mir sagen muss, was ich zu tun habe!“ „Nein…aber ich würde dich schon gern öfter auf der Bühne sehen…damals, als du immer in dem Pub gespielt hast, umgab dich dieser Zauber…und es wäre schön, dich wieder glücklich zu sehen…“ „Ach ja? Ich bin glücklich Kyo, mehr als das…“, konterte ich mies und nahm einen tiefen Zug. „Nein, bist du nicht…zumindest nicht ganz. Und wenn es dir so egal wäre und du zufrieden mit dir wärst, würdest du mich jetzt nicht so angiften.“ Ich blinzelte die Tränen weg und seine Worte verletzten mich irgendwie. „Na schön…ich geh hin…“, murrte ich und mein schöner Sänger lächelte. „Wenn es doof ist, kannst du es immer noch lassen.“ Noch immer genervt und schon wieder viel zu emotional erhob ich mich, um mein Getränk aufzufüllen. Ich wusste, dass mein schöner Sänger Recht hatte und doch fühlte es sich unschön an, wenn er sowas sagte. Ein bisschen so, als würde er mich nicht mehr bei sich haben wollen, wenn ich mir nicht langsam einen Job suchte oder wieder glücklich werden würde und genau dieser Aspekt traf mich sehr. Viel mehr als mir lieb war, denn ich hatte mich nie wieder so abhängig von einem anderen Menschen machen wollen, doch nun konnte ich es nicht mehr ändern. Immer wieder schrie diese Stimme in mir, dass Kyo ja nicht falsch lag und mich trotzdem liebte, aber momentan reichte das nicht aus, um diesen dunklen Schatten zu vertreiben, gegen den ich in letzter Zeit so erfolgreich angekämpft hatte. Ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich meinen Liebsten so angegiftet hatte und doch fühlte ich mich zu schwach, um ihm klar zu machen, dass es ja irgendwie doch stimmte, was er da zu mir gesagt hatte. Ich eilte zu den Toiletten, weil ich jetzt allein sein wollte. Ich schloss mich in der Kabine ein und biss mir heftig auf die Unterlippe, um diese dummen Tränen zu unterdrücken. Hatte ich nicht stark sein wollen? Für uns beide? Ja, dieses Versprechen hatte ich Shinya gegeben, doch konnte ich es auch halten? War ich tatsächlich schon so weit, dass ich zu Hundertprozent mit mir leben konnte? Ich hockte mich auf den geschlossenen Klodeckel, zog die Beine an und vergrub meinen Kopf dazwischen. Vereinzelte Tränen hinterließen feuchte Spuren auf meinen Wangen und ich verkniff mir ein weiteres Schluchzen, als ich dir Tür hörte, die geöffnet und wieder geschlossen wurde. Schritte. Dann schien jemand genau vor meiner Kabine stehen zu bleiben. Kyo vielleicht? Suchte er mich? „Kazu? Bist du da drin?“, fragte eine sehr vertraute Stimme, die jedoch nicht meinem Verlobten gehörte. „Mhh…“, brummte ich nur. „Magst du raus kommen?“ „Weiß nicht.“ Schweigen. Dann ließ sich mein liebster Freund vor der Kabine nieder. „Muss ich mir Sorgen machen?“ Ich wusste ehrlich nicht, was ich antworten sollte, da ich nicht wollte, dass sich dauernd jemand um mich sorgte. Eher unbewusst berührten sich unsere Hände unter der Tür und Sota drückte meine Finger liebevoll. Da verspürte ich auf einmal den Drang ihn zu umarmen. Schließlich löste ich die Barriere zwischen uns und wir standen uns gegenüber. In seinen Augen spiegelte sich dieser besorgte Ausdruck und in meinem Blick vermutlich diese Traurigkeit, sowie der Selbsthass, der mich plagte. Sota zog mich an sich und strich mir sanft über den Rücken. Seine Berührung beruhigte mich ein wenig und tat irgendwie gut. Vielleicht war es Zeit meinen besten Freund mehr in mein Leben zu lassen. Vielleicht löste das ein bisschen meine Probleme, wenn ich es nur wagte über meinen Schatten zu springen und mit ihm redete. Ich wusste, dass mich Sota nie verletzen würde oder mir was Böses wollte. Immer versuchte er mir ein guter Freund zu sein und liebte Kyo mich über alles, doch vielleicht war es nicht ganz falsch auch noch einen anderen lieben Menschen zum Reden zu haben, damit er nicht immer alles abbekam. „Vielleicht…ich bin nicht sicher…“, murmelte ich in die Haare meines Freundes. „Kazu…“ Wieder biss ich mir auf die Unterlippe, um nicht zu heulen. „Sota…ich kann mich gerade selbst nicht leiden…jeden Tag, wenn ich in den Spiegel schaue, widert mich meine Visage an…aber ich weiß nicht weshalb…ich kann es nicht greifen…“ Sota nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und schaute mir tief in die Augen. „Jetzt hör mir mal zu…du bist ein wundervoller Mensch und es ist okay solche Phasen zu haben. Das ist vollkommen normal. Ich bin auch nicht jeden Tag gut gelaunt, ja und? Nur wenn du das Bedürfnis hast mit jemandem zu reden, dann kannst du kommen…immer. Kazu, ich hab dich sehr lieb und ich hoffe, das weißt du…“ Wieder schmiegte ich mich an meinen Freund und noch immer kraulten seine warmen Finger meinen Rücken. Das tat so gut und ich fühlte mich tatsächlich nicht mehr ganz so nutzlos. „Ohne dich hätte ich die letzten Jahre nicht überlebt…erst die Scheiße mit meinem Ex…dann haben meine Eltern nie akzeptiert, dass ich schwul bin und mich zu Hause raus geworfen…ganz grob und kurz gefasst. Doch dann warst du da auf einmal Sota…immer an meiner Seite, obwohl ich mich manchmal wie der letzte Arsch verhalten habe…“ „Schon okay Süßer…ich denke es musste alles so kommen, wie es gekommen ist. Nur versteck dich nicht mehr und igel dich so ein…selbst wenn wir nur nen Kaffee oder so trinken gehen und nicht reden…das ist in Ordnung Kazu…“ Ich zog meinen liebsten Freund noch ein Stück näher an mich, denn diese Umarmung fühlte sich so richtig an und ließ mich spüren, dass ich verdammt noch Mal nicht allein mit meinen Problemen war. Ich seufzte tief und gab Sota einen Kuss auf die Wange. „Danke, dass es dich gibt…“ Ein liebevolles Lächeln huschte über sein Gesicht und seine Lippen hauchten mir einen freundschaftlichen Schmatzer auf die Stirn. „Du bist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben…ich brauch ich genauso…“ „Das tut gut zu hören, denn manchmal kann ich das schwer begreifen, warum mich überhaupt jemand braucht…“ „Nein, das darfst du dir nicht einreden. Alle brauchen dich…angefangen bei deinem wundervollen Verlobten…scheiße Kazu, du wirst bald heiraten…denk an sowas, halt dich daran fest und gib den düsteren Gedanken keine Chance. Und falls sie doch kommen und Kyo nicht da ist, kannst du mir schreiben…oder wir treffen uns, was auch immer…versprichst du mir das?“ Ich nickte und schluckte den Kloß runter. Dort wo seine Hände gelegen hatten, spürte ich jetzt eine kalte seltsame Leere und mich fröstelt es etwas. Kein Wunder, hier stand ja auch das Fenster auf. Sota ergriff meine Hand und wir mischen uns wieder unter die Partygäste, auch wenn es nicht mehr all zu viele waren. Ich hielt Ausschau nach meinem schönen Sänger und er saß noch immer auf dem Sofa. Neben ihm der blonde, ziemlich betrunkene Gitarrist und ich ließ mich neben meinen Liebsten fallen. Die schien gerade sehr kuschelig zu sein und der Drink in seiner Hand hing gefährlich schräg, sodass ich behutsam seine Hand korrigierte. Er grinste mich schief und mit ziemlich verschleiertem Blick an. „Du bist ja gar nicht bei Toshi“, stellte ich fest. „Der is schon wieder genervt, weil ich soo betrunken bin…“, lallte der Blonde. „Ach quatsch“, antwortete ich und zündete mir eine Zigarette an. „Ich glaub er hat irgendwas, willes mir aber nich sagen…“ Ich lehnte mich zurück und erinnerte mich vage an das Gespräch mit dem Bassisten an der Bar. Sollte ich mich einmischen? Oder besser doch nicht? Kurzerhand zog ich mein Handy aus der Hosentasche, tippte eine Nachricht, die meine Gedanken beinhalteten, ein und reichte Kyo mein Handy. Dieser überflog die Zeilen und tippte ebenfalls einen kurzen Text. Ich würde mich nicht einmischen und ich bin auch nicht sicher, wie aufnahmefähig Die noch ist. Ein bisschen enttäuscht zuckte ich mit den Schultern. Der Blonde lag auf dem Rücken und schaute in den Himmel. Eine Hand ruhte auf seinem Bauch, die andere verschränkte er hinter seinem Kopf. „Tooru…glaub su, Tosh liebt mich noch?“ Mein schöner Sänger wendete sich dem Trunkenbold zu. „Klar, warum sollte er das nicht tun?“ „Weil er so komisch is…ich hab ihn soooo lieb…“ „Dann solltest du ihm das sagen“, riet Kyo und rutschte näher zu mir. „Hab ich heut schon ein paar Mal…doch dauernd ignoriert er mich…“ „Mh…vermutlich solltest du es ihm im nüchternen Zustand auch sagen…“ Mit schlurfenden Schritten und die Hände in den Hosentaschen vergraben kam der Diru Bassist auf uns zugeschlurft. Eine leichte Falte bildete sich auf seiner Stirn, als sein Blick auf seinen betrunkenen Freund fiel. Sein Körper hob und senkte sich, als er seufzte. Toshiya nahm auf der äußersten Kante des Sofas Platz, als wäre er auf der Flucht, seine Hände steckten noch immer tief in seinen Taschen. Die erhaschte einen Blick auf seinen Partner und setzte sich auf. „Ich geh nach Hause, kommst du mit?“, fragte der schwarzhaarige Mann. Sofort erlosch das Grinsen auf Dies Gesicht. „Wenn du mir verrätst, was ich dir getan hab“, erwiderte dieser. „Eigentlich ist nichts, ich bin eben nur nicht so gut drauf heute…soll auch Mal vorkommen.“ Der Blonde rutschte etwas näher zu seinem Liebsten und nahm dessen Gesicht zwischen seine Hände. Doch Toshi drehte sich weg. Ich warf Kyo einen verunsicherten Blick zu, doch er zuckte nur mit den Schultern und zündete sich noch eine Zigarette an. Auch machte er keine Anstalten, die beiden alleine zu lassen. „Und warum glaub ich dir das nicht?“ „Muss ich denn immer gut drauf sein Daisuke? Was ist so falsch daran, wenn ich nicht Mr. Sunshine spiele?“, fuhr er seinen Freund an. Wow! Da steckte wohl doch mehr dahinter. „Dann rede mit mir Tosh!“, keifte der Blonde jetzt zurück. „Jetzt in deinem Zustand sicher nicht!“ „Dann geh halt nach Hause…“, murrte Die und abrupt erhob sich der Bassist, doch griff der andere blitzschnell nach seiner Hand und zog ihn auf seinen Schoß. Toshiya wollte sich wehren, doch das ließ sein Liebster nicht zu und letztendlich gab der schwarzhaarige Mann auf und lehnte seinen Kopf gegen den seines Freundes. „Die…ich weiß das ist nicht fair, aber manchmal ist es noch immer komisch, wenn dich diese süßen Fangirlies anhimmeln…auf der Bühne dasselbe…du bist ein regelrechter Playboy…und ich? Natürlich schmachte ich dich auch an, weil du toll bist, die Fans anstachelst und mit ihnen spielst…“, flüsterte der Drummer fast, als wäre es ihm unangenehm. „Tosh…oh mein süßer Tosh…wie lang sind wir jetzt schon zusammen?“ Der Bassist hob fragend seine Augenbraue, als würde er die Frage nicht ganz verstehen. „Seit zwölf Jahren?“ „Und wie oft hatte ich dieser Zeit irgendeine Affäre?“ „Nie…trotzdem…was bin ich für dich Die?“ Ich konnte nur den Rücken des Gitarristen sehen, doch spürte ich förmlich, wie er mit den Augen rollte. Schon wollte ich mich heimlich still und leise erheben, weil mir das hier zu intim wurde, doch Kyo zog mich zurück. „Sag bloß du findest das nicht spannend? Ich will wissen, wie es ausgeht“, amüsierte er sich und schüttelte nur mit dem Kopf. „Du bist echt unmöglich“, flüsterte ich zurück und er grinste nur verschwörerisch. Und so lief unser Film weiter. Ich drückte mich trotzdem weiter ins Sofa, um so weniger auf mich aufmerksam zu machen. „Du bist der Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will, Tosh…scheiß auf Groupiemädels und die Fans…das is nun Mal unser Job…wir sin Rockstars…also damit musst du wohl leben…“ Toshiya entfuhr ein langes Seufzen. „Oookay, jetzt ist es an der Zeit die beiden allein zu lassen…“, flüsterte mir mein schöner Sänger zu, ergriff meine Hand und ich stolperte etwas unbeholfen hinter ihm her. An einem leeren Stehtisch hielten wir an und er zog mich in einen nicht ganz jugendfreien Kuss. Seine Hände an meinem Hintern drückten mich noch ein Stück zu ihm und ich vergrub meine Hände in seinen Haaren. Seine Lippen fühlten sich so weich an und schmeckten nach Gin Tonic und Zigaretten. Meine Hände strichen über Kyos Rücken und ich löste das Hemd aus seiner Hose, um ihn unter dem Stoff seiner Kleidung berühren zu können. Er grinste in den Kuss und ließ von mir ab, um einen Schluck zu trinken. Ich öffnete noch zwei Knöpfe seines Hemdes, welches nun bis zur Hälfte offen stand und begutachtete mein Werk. Kyo lehnte sich elegant an den Tisch und grinste mich verführerisch an. „Willst du mich etwa schon wieder verführen?“, witzelte er. „Selbst schuld, wenn du mich so küsst“, raunte ich und schnappte nach seiner Unterlippe. „Nur könnten wir hier ein bisschen zu viel Publikum bekommen.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Na und“, antwortete ich und küsste ihn erneut. Konnte nicht genug von seinen süßen Lippen kosten. Auch meine Hände schoben sich in den Bund seiner Hose und Kyo stöhnte leicht in den Kuss. „Manchmal unterschätze ich dich wirklich mein Süßer…willst du es echt drauf ankommen lassen? Mich hat die Hälfte hier schon nackt gesehen…aber dich?“ „Mhh mich nur drei Leute…“ Jetzt warf er mir einen irritierten Blick zu. „Wer ist Nummer drei?“ „Zero…damals in Tokio…wir waren schwimmen“, antwortete ich etwas kleinlaut. Kyo schüttelte nur mit dem Kopf. „Wenn es weiter nichts ist…aber Mal im Ernst…wie sieht es aus, wollen wir langsam nach Hause?“ „Gerne…“ Ich warf noch eine Blick Richtung Sofa. Toshi und Die lagen nebeneinander und schienen noch immer zu reden, doch hatte es den Anschein, als wäre wieder alles in Ordnung. Trotzdem wollte ich mich von den beiden verabschieden und mein liebster folgt mir. Kapitel 24: Vergebung --------------------- Ich nahm mir Kyos Worte zu Herzen und begab mich zwei Tage später in den Proberaum von Zero und seiner Band. Es kostete mich verdammt viel Überwindung, doch ich wusste, dass es geschehen musste. Meine feuchten Handflächen rieb ich an der engen Hose ab. Wovor fürchtete ich mich bloß? Dass mich die Jungs nicht mochten? Schwachsinn. Hätte mich Zero sonst eingeladen? Vermutlich nicht. Der Proberaum befand sich in der Nähe, wo auch Dir en Grey ihren Proberaum hatte. Das graue Gebäude sah nicht unbedingt einladend aus und schon pochte mein Herz vor Aufregung. Ich beschloss davor noch eine zu rauchen, weil ich nicht wusste, ob es die Jungs wollten, dass drinnen geraucht wurde. Mit dem Rücken zur Wand blies ich den Rauch aus und starrte Löcher in die Luft, ging gedanklich meine Songs noch ein letztes Mal durch, um mir auch ja keinen Fehler zu erlauben. Als ich einen letzten Blick auf mein Handy warf, sah ich eine Nachricht von Zero. „Komm einfach rein!“, stand darin und ich drückte die aufgerauchte Kippe aus. Zero umarmte mich. Tsukasa und Karyu nickten mir freundlich zu und auch Hizumi beehrte uns mit seiner Anwesenheit. Jetzt stieg meine Nervosität wieder. Wollte er mich auf die Probe stellen oder was sollte das werden? Verlegen schaute ich in die Runde und kaute auf meiner Unterlippe herum. „Hab gehört ihr sucht nen Sänger…naja und hier bin ich…“, brach ich das peinliche Schweigen. Hizumi lächelte mich an. „Dem ist so…ich hab mich zurückgezogen, aber die Jungs wollen die Musik nicht so ohne weiteres an den Nagel hängen.“ „Mhh, weiß ja nicht, was ihr von mir erwartet, aber ich bin jetzt kein grandioser Sänger…“ Zero boxte mich gegen den Arm und ich feuerte einen bösen Blick in seine Richtung. Dann zog er mich am Arm hoch. „Kazuki wollte sagen, dass er sich ein bisschen einsingen muss…“ Mein Freund steckte neben mir seinen Bass ein und ermutigte mich, meinen Platz am Mikro einzunehmen. Ich stimmte meine Gitarre und klimperte ein bisschen darauf, sang ein paar Takte dazu, dann nickte ich Zero zu. Zusammen stimmten wir ein selbstgeschriebenes, eher langsames Stück von mir an. Ich versuchte mich zu konzentrieren. Mich von der Musik treiben zu lassen, was mir auch nach und nach gelang. Ich fühlte mich wieder ein bisschen wie damals in dem kleinen Pub, in dem ich immer vorspielte. Diese Zeit schien sehr weit in der Vergangenheit zu liegen. Nachdem ich meine Performance beendet hatte, schaute ich vorsichtig in die Runde, doch stieß ich da auf recht zufriedene Gesichter. „Nicht übel Kleiner“, lobte mich Tzukasa. „Also ich muss auch nicht lange überlegen…fragt sich nur, wie schnell du startklar sein kannst?“, mischte sich jetzt auch Karyu ein und mein Blick wurde wieder unsichrer. „Startklar wofür?“ „Ne kleine Tour durch Japan“, freute sich Zero und mit aufgerissenen Augen schaute ich meinen Freund geschockt an. Band hin oder her, aber eine Tour? Das hieß singen vor ganz vielen Menschen. „Mh…ich weiß nicht…“, gab ich ehrlich zu. „Kazuki…wir treten meist in kleineren Locations auf“, munterte mich der Despa Drummer auf und ich versuchte zu lächeln. Dann fiel mir etwas ein, was ich bislang verdrängt hatte. Im September, also in einer Wochen, würde Kyo mit Dir en Grey drei Monate auf Tour sein und das nicht nur in Japan, sondern auch in den USA. Das bedeutete, ich musste wohl eher hier bleiben. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. „Wie lange würde unsere Tour denn dauern?“, fragte ich deshalb. „Mit Pausen dazwischen und den Fahrten etwa anderthalb Monate“, überlegte Karyu. Da wäre zumindest schon die Hälfte abgedeckt. Darüber, was ich dann die restlichen anderthalb Monate trieb, würde ich mir Gedanken machen, wenn es soweit war. „Na schön…ich brauche wohl noch den einen oder anderen Gig ohne Publikum, aber warum nicht? Ich bin dabei.“ Zero klopfte mit freundschaftlich auf die Schulter. Anschließend begannen wir mit der Arbeit- das Zusammenstellen der Setlist. Es wurde ein schöne Mischung und der eine oder andere DespairsRay`s Song hatte sich auch unter die ausgewählten Lieder gemischt. Diese Titel schrieb ich mir extra heraus, um sie separat zu üben. Ich beschloss auch ein bisschen länger zu bleiben, um diesen Punkt auf meiner To-Do-List sofort in die Tat umzusetzen. Zero wollte auch bleiben, um sich um irgendwelchen Papierkram zu kümmern. Nach zwei Stunden, mehr oder minder zufrieden, beendete dann auch ich meinen Arbeitstag. Leicht erschöpft ließ ich mich auf dem Sofa nieder und rieb mir den brummenden Schädel. Da schwebte vor mir auf einmal, wie von Geisterhand, ein Bier und ein breit grinsender Zero überreichte es mir zur Feier des Tages. „Das hast du dir verdient.“ Ich massierte meine pochenden Schläfen und nahm das kalte Getränk entgegen. Da fiel mir auf einmal auf, dass ich in den letzten Stunden keine einzige Zigarette angerührt hatte. Doch sobald dieser Gedanke mein Gehirn erreicht hatte, schrien meine Lungen nur so nach Nikotin. „Darf ich hier rauchen oder besser draußen?“ „Draußen. Ich komm mit.“ Etwas schwermütig erhob ich mich und schlurfte vor die Tür. Zero reichte mir das Feuerzeug und ich nahm einen tiefen Zug. Der Mond schimmerte durch die Wolken und es war erstaunlich, wie schnell die Nacht hereingebrochen war. „Hast du Lust auf Proberaumparty? Kao fragt, ob wir rum kommen.“ Ich trank gierig von meinem Bier, um meine ausgetrocknete Kehle mit Flüssigkeit zu versorgen. „Warum nicht.“ Kyo hatte heute Morgen einen Tattootermin, um das Motiv auf der Brust, seinem Bauch und am Hals zu vollenden. Außerdem wollte er sich danach mit den Jungs von Sukekiyo treffen, um das neue Album fertig zu stellen. Vermutlich würden wir uns deshalb vor morgen nicht sehen. Trotzdem schickte ich ihm eine Nachricht, in der ich fragte, ob er nich auch zum Proberaum kommen wolle.   Unsere Freunde begrüßten uns und mir fiel auf, dass Die und Toshi mehr noch als sonst aneinander hingen. Hatte das mit neulich zu tun? Lächelnd winkte ich ihnen zu und setzte mich zu den beiden. Bisher blieb meine SMS unbeantwortet, da half es auch nichts, wenn ich alle fünf Minuten mein Display anstarrte. Noch immer fragte ich mich, wie ich diese drei Monate überleben sollte, wenn schon wenige Stunden ohne ihn unerträglich erschienen? Diese Gedanken vereinnahmten mich schon wieder viel zu sehr und ich hasste mich dafür. „Und wie war dein Vorsingen Kazu-chan?“, fragte mich ausgerechnet Kaoru. Ich zuckte etwas verlegen mit den Schultern und lächelte. „Naja, schätze, in nem Monat gehen wir auf Tour…“ „Das klingt, als hättest du den Jungs so richtig eingeheizt“, stichelte Toshiya rechts neben mir und Die kicherte. „Na klar…aber ich hatte auch ein bisschen Unterstützung von Zero“, sagte ich und nickte mit dem Kopf in seine Richtung. Kaoru klopfte seinem Lover anerkennend auf die Schulter. Immer wieder warf ich einen Blick auf mein Handy, doch dieses dumme Telefon wollte einfach nicht blinken und mir somit signalisieren, dass eine neue Nachricht eingegangen war. Genervt und irgendwie enttäuscht kaute ich auf meinen Fingernägeln umher, doch als mich Toshiya dabei ertappte, tippte er gegen meine Hand und schüttelte verächtlich mit dem Kopf. Ich war umringt von zwei Pärchen, was meine Situation nicht gerade vorteilhafter machte, denn auch Kaoru und Zero tauschten heute mehr Zuneigung aus, als sonst. Hin und wieder ein liebevoller Blick, ein Lächeln oder ein Tätscheln am Arm. „Wo ist eigentlich Shinya?“ „Zu Hause bei seinen Hunden. Er meint es vor der Tour immer besonders gut mit ihnen, weil er ein schlechtes Gewissen hat, sie so lang allein zu lassen“, beantwortete Die meine Frage. Da ich schon wieder keine Zigaretten mehr besaß, schaute ich mich suchend auf dem Tisch um und entdeckte eine fast volle Packung vor Daisuke. Ich beugte mich vor, sodass sich mein Gesicht in sein Blickfeld schob, setzte einen etwas unschuldigen Blick auf und schob meine Hand langsam in die Richtung des Objektes der Begierde. Der Blondschopf lächelte mich verschmitzt an. „Als ob ich dir einen Wunsch abschlagen könnte, wenn du mich so zuckersüß ansiehst“, witzelte er und schob mir auch sein Feuerzeug zu. Ich steckte mir eine Zigarette zwischen die Lippen und zündete sie an. Trotz der sommerlichen Temperaturen hatte ich heute eine lange Hose an und das bereute ich noch immer, denn der Stoff klebte unangenehm an meinen Beinen fest. Glücklicherweise traf das weniger auf die Wahl meines Oberteils zu, welches nicht gerade viel Haut verdeckte. Trotzdem fächelte ich mir mit der Hand Luft zu. Toshiya reichte mir einen kleinen, mit Batterien betriebenen Ventilator. „Oh danke, du bist meine Rettung…“ „Mag noch jemand was trinken? Ich wollte mir gerade ein neues Bier holen“, fragte Zero und riss sich von Kaoru los. Ich hob die Hand, wie auch Die und Toshiya. Das Vibrieren meines Telefons ließ mich zusammenzucken. Ich klemmte mir meine brennende Kippe zwischen die Lippen und fingerte das Smartphone aus meiner engen Hosentasche. Doch ein Blick auf das helle Display ließ meinen Anflug von Euphorie wieder schwinden, denn es war Sota, der fragte, wie die Probe verlaufen war. Enttäuscht lehnte ich mich an die Sofalehne und starrte Löcher in die Luft, ohne meinem besten Freund zu antworten. Ich spürte ein Pieken von der Seite und schielte mit einer Schmollschnute zu dem Diru Bassisten. „Ach Kazu…machst du dich schon wieder verrückt?“ „Mhh…er könnte wenigstens zurückschreiben“, murrte ich leicht angefressen und spürte Toshis Hand im Nacken, die mich aufmunternd kraulte. „Er ist eben ein viel beschäftigter Mann…“ „Jaja, ich weiß. Er fehlt mir trotzdem und in ner Woche seid ihr erst Mal drei Monate weg…das wird nicht einfach Toshi und ich hab ein bisschen Angst davor.“ „So darfst du nicht denken. Jetzt gibst du erst Mal ein paar Gigs in Japan und danach ist es ohnehin angenehm seine Ruhe zu haben…also auch tatsächlich allein zu sein. Das fehlt mir manchmal.“ „Willst du etwa sagen, dass ich dir auf die Nerven gehe, Tosh?“, beschwerte sich Daisuke. „Niemals Die…mhh, wobei…manchmal nach einer Tour schon. Aber du hast dich schon gebessert“, ärgerte der Bassist seinen Gitarristen und auch ich schmunzelte über die liebevollen Sticheleien der beiden. „Glaub ihm kein Wort Kazuki. Denn Tosh mutiert nach den Konzerten immer zum Schmusekätzchen und kann gar nicht genug von mir bekommen…von wegen du willst allein sein…“, schüttelte der Blonde seinen Kopf und griff nach seiner Zigarettenschachtel. Zero kehrte mit dem Bier zurück und stellte die Flaschen auf dem Tisch vor uns ab. Wir prosteten uns zu. „Und wenn dir die Decke auf den Kopf fällt, Kazu, dann sag Bescheid…ich finde schon eine passende Ablenkung für dich“, sprach mir nun auch Zero zu. „Danke, da komm ich sicher drauf zurück, wenn ich nicht nach der Tour genug von dir Nervensäge habe.“ Der andere Bassist streckte mir die Zunge raus, doch ich grinste nur. Da öffnete sich plötzlich die Tür vom Proberaum und mein Herz machte einen Hüpfer. Augenblicklich sprang ich auf und flog förmlich in die Arme meines schönen Sängers. Sein weißes, weites Tanktop war von der Hitze leicht feucht, doch das störte mich nicht. Leider hatte ich für den Moment völlig vergessen, dass mein Liebster frisch tätowiert war. Sein Gesicht verzog sich leicht und ich schaute ihn entschuldigend an. Kyo ließ die Tür offen, damit ein bisschen Luft in den Raum zog. „Hu…was für eine Begrüßung“, freute er sich und gab mir einen Kuss. Die und Toshi rutschen noch ein bisschen zusammen, sodass wir uns zu ihnen setzen konnten. „Also Jungs, ihr wisst, wie die nächsten vier Tage aussehen werden?“, fragte der Leader in die Runde. Ein allgemeines Murren ging durch die Runde. „Als könnten wir die Lieder nicht schon im Schlaf spielen Kao…können wir uns nicht auf drei Tage einigen?“, meckerte kein anderer als Die und der Diru Leader rollte genervt mit den Augen. „Dreieinhalb…Ende der Diskussion.“ Der blonde Gitarrist seufzte lautstark. „Immer musst du das letzte Wort haben.“ „Ich bin ja auch der Leader…wir können gern tauschen…ähm wobei…nein, besser nicht“, nahm er seine Worte sogleich zurück und entlockte meinem schönen Sänger ein Schmunzeln. „Oh ich wäre ein großartiger Bandleader!“, brüstete sich Die und alle lachten. Kaoru besonders laut. „Ich glaub du verwechselst das mit nem Partyplaner…dafür würde ich dich sofort buchen.“ Die warf seinem Freund einen vernichtenden Blick zu. „Nimm du den Mund mal nicht so voll…ich würde dich überraschen. Immerhin bin ich jetzt älter und weiser.“ Kyo, der sich gerade an meinem Bier bedient hatte, bekam einen kurzen Lachanfall und hatte Mühe sein Bier im Mund zu behalten. Mit dem Handrücken wischte er sich über die Lippen. „Danke auch…wenigstens von dir hätte ich mehr Unterstützung erwartet Tooru-chan“, grummelte Die in seinen nicht vorhanden Bart. „Älter sicher, nicht aber weiser Dai Dai“, lachte Kyo noch immer. „Ich hab gehört, du wurdest heute frisch tätowiert? Das tut sicher noch weh, wenn man drauf fasst“, stichelte Die jetzt zurück. Kyos Blick war zum Fürchten. „Wenn dir dein Leben lieb ist, verwirfst du diesen Gedanken ganz, ganz schnell wieder.“ „Als müsste ich mich vor dir Zwerg fürchten.“ Jetzt war ich es, der lachen musste und auch Toshiya neben mir hielt sich den Bauch vor Lachen. Mein schöner Sänger schaute mich etwas irritiert an. „Hat er mich jetzt ernsthaft Zwerg genannt?“ Ich nickte stumm und presste die Lippen aufeinander, um nicht wieder loszuprusten. Er griff nach meiner Bierflasche, setzte diese an und schluckte jedoch nicht runter. Ich duckte mich hinter Toshi ab. „Das machst du nicht Tooru“, sagte Die, doch sicher schien er sich nicht zu sein. Der Bassist rutschte jetzt auch ein bisschen näher zu mir und duckte sich ebenfalls ab. Auf dem Gesicht meines schönen Sängers zeichnete sich ein boshaftes Grinsen ab und wenige Sekunden später bekam der blonde Gitarrist einen Schwall Bier ins Gesicht. Kreischend sprang er auf und wischte sich die Flüssigkeit mit seinem Shirt aus dem Gesicht. „Du bist widerlich“, schimpfte er, doch Kyo krümmte sich neben mir vor lachen. „Du sollst dich doch nicht mit kleineren anlegen Die…Zwerge sind äußert boshaft und hinterhältig, hat dir das noch keiner gesagt?“ „Dass du auch immer alles wörtlich nimmst.“ Unschuldig zuckte mein Liebster mit den Schultern. „Dann solltest besser aufpassen, was du sagst.“ Kaoru schlug sich wieder Mal mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Man sollte nicht meinen, dass ihr erwachsenen Männer über vierzig seid.“ „Komm schon Kao, wolltest du heut nicht Party machen?“, warf Die ein. Dem Leader entfuhr ein Seufzen. „Schon…naja, ich sehe, es hat schon seinen Sinn, dass ich Leader bin und keiner von euch Kindsköpfen.“ „Du bist schlimmer als meine Obaa-san…sie beschwert sich schon immer, dass ich mich mit meinen Anfang vierzig viel zu kindisch verhalte.“ Toshiya entfuhr ein Glucksen. „Naja, ganz unrecht hat sie nicht Schatz.“ „Ist heut eigentlich wieder Mal der alle gegen Die Tag?“, beschwerte sich der Blonde und zündete sich schmollend eine Zigarette an. Doch sogleich legte Toshiya liebevoll seinen Arm um seinen Gitarristen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Insgeheim lieben wir dich und deinen Chaotismus.“ Jetzt grinste auch Daisuke wieder und küsste Toshi zurück. Die zwei waren einfach zu süß. Ich zog Kyos Tanktop ein wenig zur Seite, um einen Blick auf seine neuesten Bilder zu erhaschen. Mein wandelndes Kunstwerk. Ich freute mich schon darauf, wenn die Tattoos abgeheilt waren und ich sie in ihrer vollkommenen Schönheit bewundern konnte. Oh ja, wie freute ich mich darauf. Gleichermaßen spürte ich, wie diese kleinen Hitzewellen durch meinen Körper geschickt wurden. Deshalb versuchte ich meine Gedanken nicht noch weiter an einen halbnackten Kyo denken zu lassen. Die Hitze stieg mir auch zu Gesicht und schnell trank ich einen Schluck vom kalten Gerstensaft. In der Hoffnung niemand bemerkte meine obszönen Gedankengänge. Auch Zero schien viel zu sehr damit beschäftigt, Kaoru zu umschwärmen. Dieser erhob sich auf einmal, verflocht seine Hand mit der des Diru Leaders und kündigte an, dass sich die beiden auf den Heimweg begaben. Auch Die und Toshi taten es ihnen wenig später gleich. Blieben also noch mein schöner Sänger und ich. „Kao kann mich Mal, von wegen vier Tage hier meine Zeit im Proberaum verschwenden“, sagte Kyo und steckte sich eine Zigarette an. „Dreieinhalb“, korrigierte ich ihn grinsend und erntete einen bösen Blick seinerseits. „Wie auch immer. Ich werde nicht die ganze Zeit hier hocken. Die Setlist steht und ich kann meine Texte Inn und auswendig.“ „Und der nächste Streit ist schon vorprogrammiert“, gab ich zähneknirschend von mir und stibitzte seine Zigarette. „Warum bist du eigentlich so frech heute?“ Amüsiert zuckte ich mit den Schultern und blies den Rauch an ihm vorbei. „Du hast doch angefangen mein Bier zu mopsen.“ Kyos Augen verengten sich zu Schlitzen und angriffslustig funkelte er mich an. Ein angenehmer Windhauch erreichte uns und ich schloss kurz die Augen. „Wie war dein Tag eigentlich?“, fragte mein schöner Sänger dann, als wäre nichts gewesen. „Denke ganz okay…ich schätze ich spiele jetzt in ner Band.“ „Sehr schön…ich bin stolz auf dich Kazu.“ „Ende September starten wir eine kleine Tour durch Japan. Bin gespannt, wie sich unser Leben als Band gestaltet und, ob ich mit den Jungs auskomme.“ „Bestimmt. Magst du nach Hause?“ „Glaub schon. Ich bin etwas erledigt.“ Ich leerte mein Bier, brachte die Flasche weg und folgte Kyo nach draußen. Er schloss ab und wir schlenderten Richtung Metro. Hin und wieder berührten sich unsere Finger, doch wie immer in der Öffentlichkeit tat ich mich schwer, meine Zuneigung zu dem Dir en Grey Sänger zu zeigen. Immerhin konnten die Paparazzis überall lauern und ich wollte seinem Image nicht schaden.   Zu Hause entfernte Kyo die Folie von seinem Oberkörper und sprang unter die Dusche. Auch ich entkleidete mich, weil ich aus diesen verschwitzten Klamotten raus musste. Ich überlegte kurz und schlüpfte schließlich doch in die Duschkabine zu meinem hinreißenden Mann. Doch das brachte mich fast schon wieder an meine Grenzen, wie er dort stand, mit geschlossenen Augen und sich mit den Händen durch die Haare fuhr. Ich griff nach dem Duschbad und verrieb es in den Händen, um Kyo vorsichtig einzuseifen. Meine Finger begannen augenblicklich zu Kribbeln, als ich seine tätowierte Haut berührte und leicht massierte. Ein wohliger Laut drang über seine Lippen. Langsam öffnete er seine Augen und die dunklen Pupillen fixierten mich lüstern. „Du weißt gar nicht, wie unglaublich heiß du bist…ich liebe diese Kunst auf deinem Körper…so wunderschön…“, raunte ich ihm zu leckte mir über die Lippen. Ich schaute meinen hübschen Sänger noch eine Weile an und er schien es voll und ganz zu genießen. „Ich muss raus, kommst du mit?“ Benommen nickte ich und folgte ihm. Nach dem Abtrocknen machten wir uns nicht die Mühe etwas anzuziehen, denn auch, wenn Kyos Haus ebenerdig war, blieben wir von der schwülen Sommerhitze nicht ganz verschont. Momentan reichte seine pure Erscheinung, um mein Blut in Wallungen zu bringen. Ich wurde umnebelt und war kaum mehr in der Verfassung einen klaren Gedanken zu fassen. Fast fühlte ich mich ihm wieder fern und doch so nahe. Noch immer glänzten Wassertropfen auf seinem Körper und ich musste mir immer wieder bewusst werden lassen, dass dieser schöne Mann mir gehörte. Doch sprach ich diesen Gedanken nicht laut aus. Auf einmal umspielte seine Lippen ein süffisantes Lächeln. „Tut mir leid, aber es ist irgendwie süß, wie du mich anhimmelst…komm her“, bat er mich und streckte mir seine Hand entgegen. Zögerlich ergriff ich diese und wurde in eine sanfte Umarmung gezogen. Kyos Lippen streiften meinen Hals und seine Hände streichelten meine Seiten. Umfassten meinen Hintern und glitten hin und wieder zwischen meine Pobacken. Seine Küsse brannten auf meiner Haut und ich konnte nicht sagen, ob das an der Hitze lag oder an meinem benebelten Zustand. Schließlich vergruben sich meine Hände in seinen feuchten Haaren und ich küsste ihn begierig, weil ich es kaum mehr aushielt ihn einfach nur anzusehen. Als sich sein Schenkel an meiner wachsenden Erregung rieb, stöhnte ich in den Kuss hinein und eine heftige Welle der Lust durchfuhr mich. Doch heute wollte ich die Erlösung so lang wie möglich hinauszögern, um jeden Moment zu genießen. Um meinen Akku für die nächsten drei Monate aufzuladen und mein Gedächtnis mit so vielen erotischen Bildern zu füllen, wie möglich war. Kyos Zunge schlüpfte durch den schmalen Spalt und rang mit meiner. Fast vergaß ich zu atmen, doch als seine schlanken Finger meine Härte entlang strichen und den Lusttropfen verrieben, entfuhr mir abermals ein erregtes Stöhnen. „Ich liebe es, wenn du dich so fallen lässt“, wisperte mein schöner Sänger und massierte meine Erregung. Plötzlich hob er mich hoch und überrascht zog ich die Stirn in Falten. Auf dem Sofa setzte er mich ab. „Das ist besser als stehen“, bemerkte ich und schon küssten wir uns wieder. Heiß und innig rangen wir um die Oberhand. Ich war nahe dran, Kyo die Führung heute einfach zu überlassen. Seine Hand, die auf meinem Bauch ruhte, führte ich zu meiner Brust und schon umkreisten seine Finger meine sensiblen Nippel. „Kyo…treib mich an den Rand des Wahnsinns…reize mich, bis es nicht mehr geht…“ „Nichts lieber als das…“ Und das tat er wirklich. Entweder liebkoste er meine mittlerweile leicht geröteten Knospen oder meine Erregung. Nie beides zusammen. Immer wieder näherte er sich meiner Öffnung, doch kam er nur so nahe wie nötig und lenkte seine Finger dann wieder zu meinen Schenkeln. Er knabberte an meinen Nippeln und das Ziehen im Unterleib verstärkte sich. Ich rang mit meiner Selbstbeherrschung und spürte, wie ich meinem Höhepunkt immer näher kam, dabei hatten wir noch nicht mal miteinander geschlafen. Doch Kyo wusste genau, was er tat und aus Erfahrung konnte ich sagen, dass er es schaffte mich auch ohne Sex zum Orgasmus zu bringen. „Ich dreh…gleich durch…“ „Setz dich auf mich“, sagte mein Liebster und ohne eine Antwort abzuwarten, hievte er mich auf seinen Schoß und ließ sich mit etwas Hilfe in mich gleiten. „Ahhh…“, stöhnte ich, als mich Kyo ausfüllte und sich leicht zu bewegen begann. Seine Hände packten mich an den Hüften und er gab unser Tempo vor. „Du fühlst dich so gut an Kazu…“ Jetzt beschleunigte ich unser Liebespiel ein bisschen und nun verlor sich mein schöner Sänger auch in seiner Lust. Mit geschlossenen Augen und leicht geöffnetem Mund legte er seinen Kopf in den Nacken und ließ sich fallen. „Komm für mich“, hauchte ich in sein Ohr und er quittierte meine Aufforderung mit einem kehligen Stöhnen. „Ich befürchte tatsächlich…das dauert nicht mehr lange…ohhh…“ Kyo widmete sich wieder meiner Erregung und allmählich driftete auch ich wieder ab in unsere Welt der Lust. Heiß loderte das Feuer in mir und je härter Kyos Stöße wurden, desto mehr eroberte mich die Begierde und ich gab mich ihr hin. Etwas der warmen Flüssigkeit landete auf meinem Bauch. Mein liebster säuberte uns und ich verschwand kurz im Bad. Rauchend und noch immer nackt lag mein schöner Sänger auf dem Sofa und lächelte zufrieden. Auch dieses Bild verwahrte ich in der unsichtbaren Schublade der Erinnerungen. Ich kroch zu ihm, um mich an ihn zu schmiegen, ohne seine Tätowierung zu berühren. Er hielt mir den Glimmstängel hin und ich nahm einen Zug und da war es auf einmal wieder. Dieses unschöne Gefühl, wenn meine Gedanken zu den nächsten Monaten schweiften. „Kyo…ich hab Angst…“ Mein schöner Sänger schaute mich mit besorgtem Blick an. „Weshalb?“ „Vor den nächsten Monaten…davor, dass ich es nicht schaffe.“ „Oh Kazu, nicht doch. Es sind nur drei Monate.“ „Und dann sehen wir uns einen Monat, bis du wieder weg bist…sorry, das ist nicht fair…“ Kyo drückte seine aufgerauchte Zigarette im Aschenbecher auf dem Tisch aus und zog mich auf seinen Schoß. Doch dieses Mal ganz ohne Hintergedanken, nur um mir nahe zu sein. „So wird es immer sein Süßer…das ist mein Leben und daran werde ich auch nichts ändern…doch wovor genau fürchtest du dich?“ „Vor dem allein sein.“ Kyo schüttelte den Kopf. „Sota ist da und auch Zero. Außerdem hast du jetzt deine Band. Glaub mir, nach den ersten Auftritten willst du nie mehr was anderes, als auf der Bühne stehen. Ich glaub an dich“, versicherte er mir und küsste mich wieder. „Vielleicht gebe ich mein erstes Gehalt für noch mehr Piercings und Tattoos aus“, nuschelte ich in den Kuss hinein und sogleich spürte ich, wie Kyo lächelte. „Das wäre so verdammt sexy…“, freute er sich und haschte wieder nach meinen mittlerweile leicht geschwollenen Lippen. „Nicht, dass das nötig wäre. Aber um sicher zu gehen, dass du nie mehr einen anderen Mann haben willst…“ „Oh so ist das also? Soll ich dir was verraten? Bei den Beziehungen vor dir gab es für mich nichts schlimmeres, als jemand, der mich für sich beanspruchte…doch, wenn du das sagst…ist es so anders…irgendwie okay…“ „Mh, das spricht dann wohl sehr für mich.“ „Tut es…du bist mein wertvollster Schatz, Kazu. Ich brauche dich so sehr und auch ich vergehe jetzt schon vor Sehnsucht nach dir. Deshalb sollten wir die nächsten Tage noch genießen.“ „Aber Kaoru hat doch Proben angeordnet“, warf ich ein. „Wie gesagt, ich geb da nicht viel drauf. Lasse mich kurz dort blicken und bin dann wieder weg.“ „Und wenn du den Zorn des Leader-samas auf dich ziehst?“ „Lass das mal mein Problem sein. Singen kann ich auch hier, dazu muss ich nicht in den Proberaum und wenn Kao ein Problem damit hat, ändert das trotzdem nichts…dann ist er eben wütend, weil ich wieder aus der Reihe tanze. Na und? Das hab ich schon immer getan. Doch er weiß, was er an mir hat…also, lass ihn sauer sein. Ich werde die Tage mit meinem wunderschönen Mann verbringen. Nackt. Im Bett oder wo auch immer…“ „Manchmal spinnst du schon ein bisschen“, kicherte ich. Kyo schaltete sein Handy vor dem Schlafengehen aus und kuschelte sich zu mir ins Bett. Am nächsten Morgen, als ich erwachte, fand ich ihn nicht im Bett vor. Doch ein Zettel lag auf seinem Kopfkissen.   Bin kurz im Proberaum und einkaufen.   Kurz und knapp. Keine schnulzigen Liebesschwüre. Nein, so war mein Kyo nicht und so würde er nie sein. Ich beschloss Sota endlich zu antworten, sonst würde er sich wieder unnötig Sorgen um mich machen und das wollte ich nicht. Anschließend sprang ich unter die Dusche, deckte schon Mal den Tisch und kochte mir Kaffee. Dann verzog ich mich mit einem Zeichenblock und einem Stift auf die Terrasse, um an meinem Tattooentwurf für den Rücken zu arbeiten. Es sollte ein Drachen werden und ich begann mit dem Kopf, weil ich diesen im Vordergrund haben wollte. Sein Schlangenartiger Körper eher im Hintergrund, wie auch seine Klauen. Kimi, meine Tätowiererin hatte mir geantwortet, dass wir nächste Woche die erste Sitzung starten könnten. Zum Stechen meiner Dermal Anchor hätte sie morgen Zeit, also würde ich da vorbeigehen, wenn Kyo in den Proberaum musste. Automatisch schlich sich ein Grinsen auf meine Lippen, als ich die Tür ins Schloss fallen hörte. „Wie kann es eigentlich morgens schon so heiß sein“, grummelte mein Liebster, zog sich sein Shirt über den Kopf und warf es über die Sofalehne. Ich gab ihm einen Kuss. Er musterte meine unfertige Zeichnung und schaute mich fragend an. „Mein Entwurf für das neue Tattoo, ist aber noch nicht fertig.“ „Oh ich bin gespannt…wird das mein Weihnachtsgeschenk?“ „Wer weiß“, erwiderte ich geheimnisvoll. Da zog er mich in eine liebevolle Umarmung und sein Blick schoss mir durch Mark und Bein. Er traf mich mitten ins Herz und ich konnte nicht anders als idiotisch verliebt zurückzugrinsen. „Du machst es mir einfach dich zu lieben Kazuki…ich schätze deine Ehrlichkeit, eben auch, wenn du mir sagst, dass du Angst vor den nächsten drei Monaten hast…das ist okay. Nur weißt du, es ist leichter, es anders zu betrachten...dich auf den Tag zu freuen, an dem die drei Monate vorüber sind. Freu dich auf den Tag, an dem wir uns wiedersehen. Denn ich kann es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen und noch bleiben uns vier Tage.“ Ich dachte einen Moment nach und drückte mir noch einen Kaffee aus der Maschine. „Einfach, weil ich mich bemühe dich und deinen Lebensstil zu akzeptieren?“, fragte ich dann. „Vor allem mich. Darf ich dir was zeigen?“ Ich nickte und war gespannt, was jetzt kam. Kyo verschwand kurz im Arbeitszimmer, ließ die Tür allerdings offen stehen. Er schaltete seinen PC ein und wenig später erklang Musik und ich war mir ziemlich sicher, dass es sich nicht um Dir en Grey handelte. Dafür klang es zu anders und abstrakt. Außerdem war der elektronische Beat, der die Musik untermalte eher untypisch für die Diru Jungs. „Sukekiyo?“, fragte ich deshalb. Kyo nickte zufrieden. „Du bist der erste, der das neue Album zu hören bekommt…sowas zeige ich sonst keinem.“ Ein verliebtes Seufzen entfuhr mir und ich schlang meine Arme um den hübschen Sänger. „Klingt schön…ich mag es, wenn du singst. Es lässt mich dahinschmelzen…“, übertrieb ich ein bisschen und Kyo rollte mit den Augen. „Spinner.“ Wir setzten uns an den Tisch und frühstückten endlich. „Hat Kaoru dich freiwillig entlassen oder bist du einfach wieder gegangen?“, fragte ich dann. „Er hat mich tatsächlich entlassen, wie auch alle anderen. Wir treffen uns übermorgen. Ich vermute, Zero ist nicht ganz unbeteiligt an Kaorus Meinungsänderung.“ Ich grinste und biss von meiner Frühlingsrolle ab. Als ich fertig war, rutschte ich meinen Stuhl zurück und setzte mich auf Kyos Schoß. Mit dem Gesicht zu ihm gewandt, um ihn zu küssen. Meine Hände umfassten sein Gesicht zaghaft und zärtlich strichen meine Daumen über seine Wangen. „Es ist auch einfach dich zu lieben Kyo, weil du mich lässt. Und jeden Tag ist es auf’s Neue mein wundervollstes Geschenk neben dir aufzuwachen, in dein verschlafenes, leicht zerknautschtes Gesicht zu schauen und zu wissen, dass wir zusammen gehören.“ „Zerknautscht? Sagst du mir schon wieder unterschwellig, dass ich alt bin?“ „Nein…gar nicht…ich hätte auch süß sagen können.“ „Mh, das macht es nicht besser“, murrte er und zog mich in einen Kuss, bevor ich noch weiterredete. „Dann bist du eben weder alt, zerknautscht noch süß…“ Fragend schauten mich seine dunklen Rehaugen an. „Was dann?“ „Liebenswert, sexy und meins.“ „Das klingt schon besser…weißt du was noch furchtbar ist?“ Ich schüttelte den Kopf und befürchtete schon, Kyo würde mir eine weitere unheilvolle Nachricht überbringen. So guckte er zumindest. „Drei Monate keinen Sex…das wird hart.“ „Mh, das hab ich bisher erfolgreich verdrängt. Ich könnte ja für eine Nacht zu dir fliegen, wenn wir es gar nicht mehr aushalten.“ „Genau…da würde ich manchmal gern mit Die oder Toshi tauschen. Die haben das Problem nicht.“ „Ich schicke dir ganz viele Nacktbilder“, raunte ich. „Du bringst mich schon wieder völlig um den Verstand.“ „Dann sollten wir was dagegen tun“, antwortete ich und biss ihm leicht in den Hals. „Hier?“ „Klar, da hat die Nachbarschaft auch was davon.“ Doch verlagerten wir unser Liebesspiel dann nach drinnen. Wieder einmal rangelten wir, wer von uns beiden den dominanten Part spielte und dieses Mal gewann ich. Vorerst zumindest. Allerdings noch bevor wir richtig zur Sache kamen, klingelte es. Genervt seufzte Kyo in den Kuss und löste sich von mir. Er redete mit irgendwem, aber ich konnte die Stimme der anderen Person nicht erkennen. Irgendwie kam auch keiner ins Haus. Vielleicht die Post? Sollte ich nachschauen? Unsicher setzte ich mich auf und versuchte einen Blick zu erhaschen, doch Kyo stand so in der Tür, dass ich nichts sehen konnte. Sicherheitshalber huschte ich ins Schlafzimmer und zog mir ein Shirt über, sodass ich nicht  nur in Hose bekleidet Besuch empfing. Mein schöner Sänger schien mit irgendwem zu diskutieren und so langsam wurde ich schon neugierig, wer unser ungebetener Gast sein konnte. Der liebevolle Ausdruck war wie weggewischt und die Miene meines Liebsten war nun mehr finster und dezent genervt. Hinter ihm trat Akira ins Haus. Kyos Bruder begrüßte mich mit einer kurzen Verbeugung und ich tat es ihm gleich. Ich traute mich gar nicht so richtig zu fragen, was los war. „In einer Woche beginnt unsere Tour und die lasse ich sicher nicht sausen, nur weil unser lieber Vater nicht mehr der Jüngste ist und das Bett hütet. Du kommst doch nur, um dein Gewissen zu beruhigen Aki-chan.“ „Und wenn schon, er ist auch dein Vater. Bitte, komm wenigstens einen Tag mit…er hat nach dir gefragt.“ „Super und dann? Darf ich mir anhören, was für ein Versager ich bin? Er hat mich raus geschmissen, schon vergessen?“, fuhr er seinen kleinen Bruder an und so zornig hatte ich meinen schönen Sänger schon lange nicht mehr erlebt. „Kazuki, kannst du ihn nicht zur Vernunft bringen?“ „Wage es ja nicht Kazu da mit rein zu ziehen. Meine Antwort ist und bleibt nein!“ „Was ist denn passiert?“, fragte ich vorsichtig. Noch immer mehr als gereizt funkelte Kyo uns an und presste seine Lippen aufeinander. „Papa ist krank und er hat nach Tooru gefragt…ich glaube er will ihn sehen, weil er ihm vergeben hat…“ „Erzähl doch keinen scheiß Akira…er will mich nicht sehen, um mir zu vergeben…“ „Und was ist, wenn er stirbt, während du dich auf deinen Konzerten vergnügst?“, fiel ihm der Jüngere ins Wort. Wenn das mal nicht in einem Familiendrama endete. Die Hände meines Liebsten ballten sich zu Fäusten und ich war mir ziemlich sicher, dass Akira das mit voller Absicht gesagt hatte, weil er wusste, wie viel Kyo seine Musik bedeutete. „Du bist kein Deut besser als er…tut mir leid, dass ich nicht in unser tolles Familienbild passe! Ich war dir doch nie so wichtig wie Papa oder Hana. Du hast mich immer nur toleriert, weil es Hana so wollte, stimmt’s?“ „Das ist doch Schwachsinn. Ich will nur verhindern, dass du es bereust, nur weil dir dein Stolz und deine Prinzipien wichtiger sind, als dein eigener Vater.“ Kyo lachte trocken und gekünstelt. „Was weißt du schon davon kleiner Bruder. Dir wurde doch immer alles in den Arsch geschoben.“ „Ich hab unsere Familie auch nicht hängen lassen, indem ich einfach vor meinen Problemen davon gerannt bin!“ „Ich soll davon gerannt sein? Hast du mitbekommen, als was er mich alles beschimpft hat? Das hat nichts mit wegrennen zu tun Aki…“ Der verletzte Blick Akiras rührte mich fast selbst zu Tränen. Doch Kyo blieb eisern und leider musste ich mir eingestehen, dass ich eher auf Akiras Seite stand. Ich nahm all meinen Mut zusammen und hoffte nur, dass mich mein Liebster nicht verurteilte, für das, was ich jetzt tat. Ich machte einen Schritt auf seinen Bruder zu und legte meine Hand auf seine Schulter. Dabei blickte ich ihm tief in die Augen. „Lässt uns einen Augenblick allein?“ Er nickte und verschwand in Richtung Terrasse. Kyo stieß mich von sich, als ich näher kam. „Wage es ja nicht Kazuki…“, drohte er mir, aber ich blieb ruhig. „Was soll ich nicht wagen? Du hast doch keine Ahnung, was ich vor habe.“ „Oh doch…du willst versuchen mir einzureden, dass es richtig ist zu meinem Vater zu fahren.“ Ich atmete tief ein und wieder aus. „Ist es denn das Richtige?“, fragte ich ihn zurück. „Nein. Er hat mich zeitlebens nur gedemütigt…vor anderen bloß gestellt…ich hasse diesen Menschen Kazu…“ Jetzt ließ er meine Nähe doch zu und nahm sein Gesicht zwischen meine Hände, um ihm einen Kuss auf die Stirn zu drüken. „Ich weiß…aber wir könnten hinfahren und dann gleich wieder weg, wenn es blöd wird. Gib ihm eine letzte Chance, denn auch, wenn du ihn hasst, bist du nicht so wie er. Zeig ihm, dass dir trotzdem etwas an ihm liegt…und das tut es, denn sonst würdest du nicht so reagieren…“ „Und dich hasse ich auch gerade…“, murrte er und ich lächelte traurig. „Weil du weißt, dass ich Recht habe…dafür ist es in Ordnung…“ Ungläubig schaute er mich an. „Du nimmst in Kauf, dass ich dich hasse?“ „Ich weiß wie es ist jemanden zu hassen Kyo und das zu sagen ist eine Sache, doch dieses Gefühl in dir zu tragen, ist etwas ganz anderes. Du bist wütend, weil dein Vater ein Teil deines Lebens zerstört hat…verständlich. Aber du bist nicht blöd und du kannst das, wozu er vielleicht nicht imstande ist- nämlich verzeihen.“ Mein schöner Sänger sank in meine Arme und spürte seinen schnellen Herzschlag. „Versprichst du mir, dass du nicht von meiner Seite weichst?“ „Natürlich verspreche ich dir das.“ Ein tiefes Seufzen ließ seine Brust schon fast erzittern. „Dann lass uns gleich fahren…ich will es hinter mir haben.“ Ich zog mich um und auch Kyo tauschte seine bequeme Hose gegen eine Jeans sowie ein helles, sommerliches Hemd. Er wies seinen Bruder an, dass wir jetzt soweit waren. Im Gehen schnappte sich Kyo noch eine Sonnenbrille und einen seiner Hüte. Die Tür schloss er ab und drückte auf den automatischen Öffner, worauf hin sich das Garagentor anhob. Es kam mir irgendwie vor wie Deja-vu, denn letztes Jahr Weihnachten sind wir schon einmal runter nach Osaka gefahren, um Kyos Geschwister zu besuchen. Und wieder verlief unsere Autofahrt recht schweigsam. Abgesehen davon, dass mein Liebster die Songs für die anstehende Tour übte. A Kapella und ich bekam quasi meine private Show, die mehr als sehenswert oder in dem Fall wohl eher hörenswert war, denn Kyo verausgabte sich und hin und wieder bekam ich ein bisschen Angst, dass er den Verkehr um uns herum vergessen könnte. Nach etwa einer knappen Stunde fuhren wir ins das mir schon bekannte Wohngebiet. Doch hielten wir dieses Mal an einem anderen Haus. Ich drückte seine Hand und versuchte ihm ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, welches er jedoch nicht erwiderte. Hana kam sogleich angestürmt und fiel ihrem großen Bruder um den Hals. Wir liefen um das Haus herum und kamen in einen kleinen Garten mit einer Hecke rings herum sowie einer Sitzecke. Dort in einem Rollstuhl saß Kyos Vater und es erschreckte mich ein wenig, dass sich ein Mensch innerhalb eines halben Jahres so verändern konnte. Das letzte Mal strahlte er noch das blühende Leben aus, wenn auch nicht gerade symphytisch und jetzt hockte er da in geduckter Haltung wie ein Häufchen Elend. Automatisch fragte ich mich, ob ich zu meinen Eltern fahren würde, wenn es ihnen schlecht ging? Und schon fühlte ich mich schlecht, weil ich Kyo vielleicht zu etwas gedrängt hatte, was er wirklich nicht wollte. „Tooru…bist du das?“ „Ja…Otou-chan“, erwiderte mein Liebster sanfter als erwartet. „Es tut gut dich zu sehen. Wie geht es dir?“ Kyo sog die Luft scharf ein. „Ganz okay…kannst du mir sagen, was das hier soll?“ Der ältere Mann erwiderte lange nichts, dann räusperte er sich. „Ich werde alt mein Junge…denke viel nach, vor allem über dich…“ „Aha…“ „Hana hat mir ihre gesammelten Berichte von deiner Band…Dir en Grey vorgelesen…du bist berühmt…“ Er legte immer wieder Pausen ein, weil ihm das Atmen sichtlich Probleme bereitete. Ich beobachtet Kyo und trat ein Stück näher zu ihm. „Kann man wohl sagen. Und jetzt? Sag bloß das ist dir auf einmal wichtig?“ „Du klingst…verbittert…so voller Hass…es tut mir leid…“, krächzte der ältere Mann und mein Liebster biss sich heftig auf die Unterlippe. „Deine Entschuldigung kommt etwas spät, findest du nicht?“ „Naja, besser spät als nie…Tooru, ich bin alt und gebrechlich…meine Jahre sind…gezählt…ich will nicht im Zwist mit dir auseinander gehen…“ Kyo schnaubte verächtlich und zündete sich eine Zigarette an. „Ist es dir auch egal, dass ich mit einem Mann zusammen bin? Oder kannst du damit leben, wenn die Nachbarn nachher reden, was für ein volltätowierter Verrückter bei dir war?“ Herr Nishimura schaute seinen Sohn leicht amüsiert an. „Ändern kann ich daran wohl ohnehin…nichts…mehr. Bist du…Toorus…Freund?“, stellte er die Frage an mich gerichtet und ich nickte nur. „Ja Nishimura-san…mein Name ist Kazuki“, antwortete ich und verneigte mich kurz. „Du bist ein…hübscher…junger Mann…und mein Junge…scheint dir…zu vertrauen.“ „Das hoffe ich doch…sonst wäre ich vermutlich nicht mit hier.“ Ich fühlte mich irgendwie unwohl und wusste nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte, deshalb ergriff ich Kyos Hand und er verflocht sie mit meiner. „Wir werden im Dezember heiraten“, sprach mein schöner Mann weiter und die Augen seines Vaters wurden größer. „In der Nähe von Kyoto gibt es einen Tempel…“ „Das freut mich…ich gebe euch meinen Segen…“ Am Zittern seiner Hände spürte ich noch immer, wie Kyo innerlich tobte und mich überkam das ungute Gefühl, dass die Bombe jeden Moment platzt. „Warum hast du mich weggeschickt?“, fuhr er seinen Vater jetzt an. „Tooru…ich…hoffte…irgendwann kommst…du zurück…aber ich hab nicht mit deinem…Stolz gerechnet…darin ähneln wir uns sehr. Denn erst jetzt, wo ich…alt und krank…bin, habe ich nachgeben können…“, erwiderte er. „Dein beschissener Ernst? Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein…“, antwortete er ziemlich verletzt. „Tooru…ich erwarte nicht, dass du mir verzeist…doch ich möchte, dass du weißt…ich verzeihe dir…“ Kyo zog seinen Hut vom Kopf und raufte sich die Haare. Ich konnte regelrecht spüren, wie dieser Kampf in ihm tobte. Hana brachte uns Limonade. Wie gerne würde ich ihm einerseits helfen und ihm sagen, dass es richtig ist, seinem Vater zu verzeihen. Doch dachte ich andererseits, dass es mir nicht zusteht, ihm dahingend einen Rat zu geben. Er musste das für sich entscheiden. Schweigend nippte er an seinem Getränk und trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch. „Na schön…allerdings brauche ich Zeit, um das erst Mal zu verarbeiten.“ Der ältere Mann schaute seinen Sohn an und kleine Lachfältchen umringten seine Augen, als er lächelte. Kyo hingegen verzog noch immer keine Miene. „Ich wünsche dir eine erfolgreiche Tour mein Junge. Akira, hilfst du mir mit dem Rollstuhl?“, bat er seinen jüngeren Sohn und hob die Hand zum Abschied. „Ihr könntet noch zum Essen bleiben“, schlug Hana vor, doch sogleich schüttelte Kyo mit dem Kopf, leerte sein Glas und nickte mir auffordernd zu. „Es war gut, dass du da warst…“, sagte das Mädchen noch zu ihm und umarmte ihn. „Fragt sich nur für wen. Ich kann das nicht so einfach vergessen Hana.“ Sie versuchte zu lächeln, doch das schien meinen schönen Sänger nicht zu erreichen. „Meld dich nach der Tour mal wieder, bitte.“ Kyo nickte und schlurfte zum Auto. Ich folgte ihm, traute mich jedoch nicht so recht ihn anzusprechen. Er stöpselte sein Handy an die Musikanlage und startete den Motor. Aus den Boxen drang ein ungewöhnlicher Sound. Sehr elktronisch und da fiel mir ein, dass er mir ja eigentlich das neue Album von Sukekiyo hatte zeigen wollen. Dorothy zeigte das Radiodisplay an. Ich mochte die Musik und wippte mit dem Bein im Takt dazu. „Durchaus tanzbar…hat ein bisschen was von J-Pop.“ „Naja, jetzt nenn es nicht gleich so…ich glaub ich muss mich heut irgendwo betrinken gehen…das war irgendwie zu viel“, bemerkte Kyo und ich tätschelte seine Schulter. Wir fuhren mitten in den Sonnuntergang hinein. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Bein, doch als ich zu meinen schönen Mann blickte, war sein Blick auf die Straße gerichtet. Ich lächelte trotzdem und genoss seine Zuneigung. Kapitel 25: von Tattoos und Shopping ------------------------------------ Kyo war wie so oft nicht da, als ich vom Piercen nach Hause kam. Naja, besser ich gewöhnte mich schnell an den Gedanken, denn bald hatte ich das Haus drei Monate für mich allein. Wieder spürte ich dieses erdrückende Gefühl in meiner Brust. Ruhig, Kazuki, entspann dich, redete ich mir mutig zu. Doch erinnerte ich mich unweigerlich an das letzte Mal, als ich die Wohnung für mich allein hatte. Nein, soweit sollte es nicht mehr kommen. Seufzend hängte ich den Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken an der Wand im Flur, streifte meine Schuhe von den Füßen und schlurfte Richtung Küche. Dort stellte ich mich ans Fenster, um eine Zigarette zu rauchen. In meinem Kopf versuchte ich noch immer einen Plan für die nächsten drei Monate zu schmieden. Tour hin oder her, irgendwann würde ich allein mit mir sein müssen und das machte mir Angst. Natürlich verfluchte ich mich auch für solche unnötigen Gedankengänge, weil sie völlig unbegründet waren. Am liebsten würde ich mich in einen dreimonatigen Schlaf begeben und erst dann wieder aufwachen, wenn Kyo zurück war. Mir entfuhr erneut ein tiefes Seufzen. Vor allem, wie schaffte ich es ihn nicht schon wieder zu enttäuschen? Vielleicht sollte ich Sota fragen, ob er solange hier wohnen wollte. Naja, zwei Tage blieben ja noch. Die Tür fiel ins Schloss und automatisch schlich sich dieses verliebte Grinsen auf mein Gesicht. „Hallo Schatz…mhh ich mag es, wenn du mich so süß grinsend empfängst“, schnurrte mein schöner Sänger und zog mich in eine Umarmung, sodass sich unserere Gesichter fast berührten. „Ach ja? Dabei geht mir schon wieder soviel Quatsch durch den Kopf…“ „Mhh, muss ich mir Sorgen machen?“ „Glaub nicht. Irgendwann muss ich ja irgendwie mit mir klar kommen.“ Jetzt legte er seine Lippen fordernd auf meine, als wolle er mit diesem Kuss sagen, dass er nicht duldete, wenn ich in seiner Abwesenheit irgndwelche Dummheiten anstellte. „Wir schreiben einfach ganz viel und vermutlich werde ich das Hotel ohnehin kaum verlassen.“ „Echt jetzt? Du weißt aber schon, dass du in Amerika bist und es dort viel zu sehen gibt?“ „Jaja, du klingst schon fast wie Daisuke…ich bin nun Mal kein gesellschaftsfähiger Typ und hab ich schon erwähnt? Ich hasse Menschen, im Ausland noch mehr als in Japan.“ Mir entfuhr ein herzhaftes Lachen und irgendwie fand ich seine Aussage schon fast süß. „Wenn du ein Einzelzimmer hast, können wir auch versauten Cybersex haben“, schlug ich durchaus ernst gemeint vor. „Oh oh,…ich glaube jetzt müsste ich etwas sagen, was ich in deiner Gegenwart nie sagen wollte…“, antwortete mein schöner Sänger und machte mich somit mehr als neugierig. „Aha. Und das wäre?“ „Ich habe beschlossen, es beim niemals zu lassen.“ Ich kräuselte die Stirn und schaute ihn gespielt böse an. „Hast du etwa Geheimnisse vor mir?“ „Mhh, das sind keine wirklichen Geheimnisse, nur würdest du mich vermutlich wieder aufziehen.“ Jetzt musste ich bis über beide Ohren grinsen. „Wann hab ich dich denn schon Mal aufgezogen?“ Jetzt schaute mich Kyo schon fast beleidigt an und löste seine Umarmung. „Kazuki…bist du etwa schon wieder in Kampflaune? Du weißt doch genau, dass du nicht gewinnen kannst“, säuselte er und ich verfluchte mich insgeheim, dass ich so darauf ansprang und er genau das damit erreichte, was er beabsichtigte. Provokant drehte ich mich weg und zündete mir noch eine Zigarette an. Doch diese wurde mir sogleich abgenommen. „Vielleicht will ich ja absichtlich verlieren, weil ich weiß, dass du drauf stehst“, antwortete ich schließlich und grinste charmant. Und schon packte mich mein schöner Sänger an den Oberarmen und drückte mich gegen die Wand. Oh, wie ich seine wilde, impulsive Art liebte. „Wie du mir, so ich dir oder?“, nuschelte ich in den Kuss. Kyo gab nur ein knurrendes Geräusch von sich und vertiefte unseren Kuss, sodass mir schon wieder Hören und Sehen verging. Schließlich löste er sich von meinen Lippen und mit der Hand drückte er meinen Kopf etwas zur Seite, um meinen Hals frei zu legen. Als sein Mund meine pulsierende Ader berührte, jagte das kleine elektrische Impulse durch meinen Körper. Plötzlich ließ er ab von mir und betrachtete mich einen Moment. Erst mit der vertrauten kritischen Falte auf seiner Stirn und dann wurden seine Züge weicher. Ja schon fast wieder liebenswert. Behutsam streifte er mir mein Shirt über den Kopf und noch immer ruhte sein sanfter Blick auf mir. „Hast du das gerade ernst gemeint?“, fragte er schließlich. „Was denn…dass ich drauf stehe, dich in den Wahnsinn zu treiben? Klar.“ „Oh Kazuki…mein süßer, süßer Kazuki…was tust du bloß mit mir?“ Ich nahm sein Gesicht zwischen meine Hände und hauchte einen Kuss auf seine Stirn. „Dich lieben…das tue ich…“, flüsterte ich in sein Ohr. „Manchmal kann ich das immer noch nicht so richtig glauben…immer, wenn ich denke, du machst alles schon schöner und perfekter, setzt du noch eins drauf und überrascht mich erneut. Doch sollst du wissen…ich würde dich auch ohne diese ganze Kunst an deinem Körper lieben…“ „Tatsächlich? Irgendwie tut es gut, das zu hören, aber du weißt genauso gut wie ich, dass es uns beide nur noch vollkommener werden lässt. Es erhöht die Anziehung…die Leidenschaft…oder nicht?“ „Irgendwie schon…aber was wären wir ohne unseren Körperschmuck?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Immer noch wir Kyo…oder bist du ein anderer Mensch, nur weil du tätowiert bist?“ „Sag du es mir?“, wisperte er kaum hörbar und mir wurde nicht zum ersten Mal in unserer Beziehung bewusst, wie verletzlich und angreifbar mein schöner Sänger in Wirklichkeit war. Da konnte er der Welt noch so oft vorgaukeln, dass er der menschenhassende, grummelige Warumono war, ich kannte ihn besser und wusste, dass er anders sein konnte. Tief in seinem Inneren wollte er geliebt werden und auf einmal kamen mir Kaorus Worte wieder in den Sinn, denn er hatte irgendwann zu mir gesagt, dass es sich lohnen würde Kyo zu lieben. Und damit behielt er sowas von Recht, denn nichts Schöneres konnte ich mir mehr vorstellen. „Du weißt doch, was ich von dir denke“, antwortete ich deshalb, doch er ließ nicht locker. „Aber ich möchte es trotzdem noch Mal hören…“ Ich grinste und kniff die Augen zusammen. „Riskierst du gerade etwa, dass ich dich mit dem Wort süß in Verbindung bringe? Denn das bist du…“   Die letzten beiden Tage vergingen viel zu schnell und auch, wenn Kyo sich tatsächlich mehr bei mir, als im Proberaum aufhielt, wurde mein Herz immer schwerer. Gerade war er mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt wie Tasche packen und wirbelte durch die Wohnung. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass ich nervös war und es kaum mehr aushielt. Nachdem er alle seine Koffer ordentlich im Flur verstaut hatte, gesellte er sich zu mir. Ich versuchte aufmunternd zu lächeln, doch das gelang mir nicht so ganz. Er verflocht seine Finger mit meinen und hauchte zarte Küsse auf meine Hand. Ich spürte unsere tiefe Verbundenheit und doch schnürte mir diese verfluchte Angst die Kehle zu. Nicht, dass ich mich davor fürchtete, er könnte mich betrügen, nein. Nur diese Sehnsucht, die mich schon jetzt quälte, bereitete mir Bauchschmerzen. „Weißt du, was ich faszinierend finde?“ Ich schüttelte mit dem Kopf. „Du musst mir nicht mal mehr sagen, was los ist…ich glaube deine Gefühle auch ohne Worte zu verstehen.“ Ich lächelte schwach und spielte mit einem Zipfel der weißen Kuscheldecke. „Geht es dir eigentlich auch so? Denkst du zwischen den ganzen Konzerten an mich oder hast du da nur deine Musik im Kopf?“ Kyo schien nicht genau zu wissen, ob ihn meine Frage sauer machte oder nicht und kurz dachte ich, er entzieht mir seine Hand, doch dann schaute er mich an. „Beides…vermutlich schwirrt mir nichts anderes durch den Kopf, wenn ich alleine bin. Doch Konzert ist Konzert. Da bin ich in meiner Welt.“ „Tut mir leid, das sollte nicht blöd rüberkommen…“ Darauf erwiderte er nichts, sondern küsste mich sanft. „Wir finden schon eine Möglichkeit ab und zu miteinander zu reden, versprochen. Und wenn es dir wirklich richtig schlecht geht, melde dich jederzeit bei mir…“ „Okay…ahhhh ich will nicht ins Bett…weil dann ist morgen und du musst gehen…“, murrte ich. Kyo lachte. „Aber es ist schon spät und ich muss wenigstens ein bisschen fit sein…“, bemerkte mein schöner Sänger und ich sah ein, dass ich nichts tun konnte. Wir kuschelten noch lange miteinander. Komischerweise verspürte ich nicht den Drang nach Sex, ich wollte einfach nur Kyos Nähe genießen und meinem schönen Sänger schien es ähnlich zu gehen. Seine Finger tanzten zaghaft über meinen Rücken und allmählich dämmerte ich weg.   Erschrocken schreckte ich aus dem Schlaf. Kyos Platz neben mir war leer. Panik stieg in mir hoch. War er etwa einfach gegangen, ohne sich zu verabschieden? Nein, das würde er nie tun. Oder hatte ich ihn gestern doch genervt und er hatte deshalb beschlossen, zu gehen, ohne lebe wohl zu sagen. Ich sprang aus dem Bett, schlüpfte in den Morgenmantel und stürmte aus dem Schlafzimmer. Doch da saßen alle im Wohnzimmer. Die ganze Band und sie scherzten miteinander. Keinem schien mein kurzer Anflug von Panik aufgefallen zu sein. Zum Glück. In der Küche traf ich auf meinen schönen Mann, der gerade damit beschäftigt war, Kaffee zu kochen. „Du bist ja doch schon wach…so früh…“, bemerkte er und seine Mundwinkel zogen sich zu einem süßen Lächeln nach oben. „Konnte nicht mehr schlafen.“ „Ach Kazu, so schlimm?“ Ich zuckte mit den Schultern, angelte mir eine Kaffeetasse vom Regal und schenkte mir ein. „Wird schon werden“, versuchte ich mich und meinen schönen Sänger zu überzeugen. Nach einem üppigen Frühstück kündigte Kaoru an, dass der Wagen in wenigen Minuten ankommen würde. Wir rauchten noch eine Zigarette zusammen und dann verabschiedete ich mich von meiner kleinen Familie. Kyo und ich lagen uns sehr lange in den Armen. Er strich sanft über meine Wange und küsste mich ein weiteres Mal. „Ich liebe dich mein Süßes und ich melde mich, okay?“ Wieder brachte ich nur ein Nicken zustande. Meine Kehle fühlte sich staubtrocken an und ich biss mir leicht auf die Unterlippe. „Viel Spaß euch…ich liebe dich auch…“, wisperte ich. Die Jungs stiegen in das Auto und das Licht der Schweinwerfer verblasste im fahlen Licht des hereinbrechenden Tages. Da es mich fröstelte, zog ich mich schnell wieder in die Wohnung zurück und beschloss zu duschen. An schlafen war ohnehin nicht mehr zu denken. Als ich mich angezogen und ein wenig geschminkt hatte, warf ich einen letzten Blick auf meinen Tattooentwurf, denn heute würde es endlich soweit sein. Meine Idee mit dem Drachen hatte ich schließlich verworfen und mich stattdessen für den ägyptischen Gott Anubis auf meinem Rücken entschieden, weil mich diese Mythologie schon immer irgendwie interessiert hatte. Und wer weiß, vielleicht wurde Anubis mein persönlicher Aufpasser und kleiner Beschützer. In der Stadt herrschte reges Treiben. Naja, was erwartete ich, immerhin hatte eine neue Woche begonnen. Ich musste ein Stück mit der Metro fahren, um ins Tattoostudio zu gelangen und holte mir unterwegs noch einen Kaffee. Kimi freute sich richtig mich zu sehen und führte mich sogleich zu meinem Platz. Ich entledigte mich meines Pullis und legte mich hin. In mir stieg die Aufregung und ich wippte leicht mit dem Fuß, während meine Tätowiererin alles vorbereitete. „Wie geht’s dir?“, fragte sie schließlich. „Kann mich nicht beschweren und selbst?“ „Auch. Hab gerade echt viel zu tun. Die letzten Monate kamen eine Menge neuer Kunden. Bist du noch mit Kyo zusammen?“ Bei dem Klang seines Namens grinste ich automatisch. Nachdem das Motiv meines Gottes seinen Platz hatte, schaltete Kimi die Nadel ein und das Summen begann. Ich spürte, dass sie zuerst die Konturen außen nachzog. „Klar. Nur leider sind sie ab heut auf Tour.“ „Oh und du durftest nicht mit?“ „Naja…hab ja hier selbst Sachen zu tun. Ist schon okay.“ Ich schrieb zwischendurch mit Zero, weil wir noch einkaufen gehen wollten, da ich mir ein paar Outfits für die anstehende Tour zulegen wollte. Der Plan war deshalb nach Tokio zu fahren, da dort die Auswahl größer sein würde. „Was denkst du, wie lange wir brauchen?“, fragte ich. „Mh, denke zwei Stunden auf jeden Fall noch. Hast du noch was vor?“ „Jepp, Klamotten shoppen gehen.“ Das Schattieren schmerzte schon fast ein bisschen, doch ich hielt es aus und wir wurden sogar fertig. Ich hatte fast damit gerechnet, dass wir noch eine zweite Sitzung dran hängen mussten. „Wow, das ist mega schön geworden“, lobte ich Kimi und lächelte zufrieden. „Freut mich, wenn es dir gefällt.“ Sie klebte das Tattoo noch ab und ich bezahlte. „Sag mal, bist du in den nächsten Monaten sehr ausgebucht?“ „Anfang Dezember wird es wieder ruhiger, warum?“ Etwas verlegen grinste ich und kaute auf meiner Unterlippe herum. „Naja, ich hätte gern noch nen Horus auf der Brust…das ist der ägyptische Falkengott…“, fügte ich als Erklärung hinzu, weil meine Tätowiererin bei dem Namen Horus ziemlich komisch schaute. Doch dann nickte sie. „Ja cool, wenn du willst können wir gleich einen Termin vereinbaren“, schlug sie vor und wir einigten uns auf den 2ten Dezember. Puh, das war eine Woche vor meiner Hochzeit. Wir umarmten uns zum Abschied und ich sah Zero schon vor dem Laden stehen. „Bis bald“, winkte ich noch und verschwand nach draußen. Ich setzte meine Mütze auf und den Schal enger. So ein Ekelwetter. Mein Freund und Bassist nahm mich in den Arm. Seinen Wagen hatte er hier um die Ecke geparkt. „Willst du noch was essen?“ Ich schüttelte den Kopf und warf meine Jacke auf den Rücksitz. Ungeduldig hüpfte der quirlige Musiker auf seinem Sitz auf und ab. Ich verdrehte die Augen und schob meinen ohnehin schon bauchfreien Pulli noch ein Stück hoch. „Sehr schick…da wirst du den Mädels nächste Woche aber echt einheizen“, scherzte er und auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich versuchte mich mit den Armen ein bisschen am Sitz abzustützen, weil das frisch gestochene Tattoo noch sehr empfindlich war. Zero raste ganz schön, doch das sollte mir nur Recht sein. „Hast du schon einen Plan für deine Outfits?“, fragte ich. „Ja, hab noch einiges von früher, aber wollte mir auch noch ein paar schöne Hemden kaufen. Du?“ „Jepp…viel Haut zeigen ist meine Devise…vielleicht ein bisschen Glitzer. Irgendwas verrücktes.“ „Dann weiß ich schon, in welchen Laden wir gehen. Das ist super, denn der befindet sich bissl außerhalb vom Zentrum.“   Zero fuhr den Wagen in ein kleines Parkhaus und von dort legten wir ein paar Meter zu Fuß zurück. Der Laden schien klein zu sein, doch die Schrift, in der der Name geschrieben war, zog alle Aufmerksamkeit auf sich, denn sie blinkte in knallroten Buchstaben. Wir traten ein und ein Glöckchen läutete. Die Verkäuferin fragte uns höflich, ob sie uns helfen könne, doch wir lehnten freundlich ab und schauten uns um. Mein Freund ging zielsicher auf den Ständer mit den gemusterten Hemden zu. Ich stöberte bei den Shirts und Oberteilen. Ein graues, sehr knappes ärmelloses Shirt mit Fransen weckte mein Interesse. Ebenso ein regenbogenfarbenes Transparentshirt. Zum Schluss noch ein Lacktop mit Reisverschluss vorne und einem Kragen, der bis zum Hals reichte. Wir probierten die Klamotten an und Zero warf mir Handküsse zu und tat so, als würde er in Ohnmacht fallen, als ich ihm meine Outfits präsentierte. „Du weiß schon, dass das echt verflucht heiß aussieht Kazu.“ Ich grinste charmant. „Das war der Sinn der Sache.“ Wir bezahlten und gingen noch was essen. Mir entging nicht, dass zwei Mädchen am Nachbartisch über uns zu tuscheln schienen, denn dauernd warfen sie kurze Blicke zu uns. Ich zog genervt die Augenbrauen hoch und blies die Backen auf. Dann auf einmal kam mir eine Idee. Ich winkte Zero zu mir heran. „Wir könnten so tun, als würden wir miteinander flirten“, schlug ich belustigt vor und mein Kumpel grinste nur, nahm meine Hand und begann diese zu streicheln. Es fühlte sich seltsam an, wenn das ein anderer Mann außer Kyo tat und ich kam mir fast schlecht vor. Deshalb zog ich meine Hand zurück. „Alles klar?“, fragte Zero etwas irritiert. „Mh…ich glaub doch, das ist ne dumme Idee, weil ich das Gefühl habe Kyo zu hintergehen. Ich weiß, das klingt dämlich, aber ich kann es nicht ändern.“ Unsere Bestellung kam an unseren Tisch und etwas verlegen stocherte ich in meinem Gemüse herum. „Kazu-chan, das ist vollkommen in Ordnung…mir geht es nicht anders…aber es wäre nicht hintergehen und ich bin sicher unsere Männer würde das verstehen. Ich meine, wie oft schäkert Die mit Kao oder Toshi mit Kyo…“ Ich stützte den Kopf in die Hände. „Ich vermisse ihn so schrecklich Zero…was machst du dagegen?“ Mein Bassist grinste leicht verlegen. „Wir schreiben uns immer…Kao erzählt, was er so macht…eigentlich nichts spannendes, aber es ist irgendwie schön.“ „Mh, glaub da kann ich bei Kyo lange drauf warten…“, murrte ich und aß weiter. „Dann meld du dich doch bei ihm. Mehr als nicht antworten kann er ja nicht.“ Ich seufzte und schob meine Teller ein wenig zur Seite, um mich auf den Tisch stützen zu können. „Ist es unfair, wenn ich gerade echt eifersüchtig auf alle Fans bin, die ihn die nächsten Tage und Monate live sehen? Ich weiß, das ist auch Kyo gegenüber nicht gerecht und es ist sein Leben. Das wusste ich vorher…trotzdem isses kacke.“ Zero ergriff ein weiteres Mal meine Hand und ich ließ es geschehen. „Ich verstehe dich, weil auch ich so fühle. Nur will ich mich auch nicht dauernd aufdrängen und bei den Konzerten dabei sein. Allerdings fragt Kaoru auch selten, ob ich mitkomme…das ist irgendwie auch nicht so leicht, weil ich mir wünschen würde, dass er mich gern dabei hätte.“ „Aber damals in Paris hat er sich doch voll gefreut oder nicht?“ „Ja schon, aber er würde mich nie von sich aus fragen, ob ich komme. Selbst hier in Japan bin ich selten dabei, weil ich mir sonst komisch vorkomme. Ich meine, vielleicht trennt er Arbeit und sein privates Leben absichtlich so krass.“ Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum und musterte meinen Freund. „Hast du ihn denn nie danach gefragt?“ Zero schüttelte den Kopf. „Nein…ich hab Angst, dass ihn das bedrängt und er mich dann nicht mehr will, weil ihn die ständige Nähe nervt.“ „Echt jetzt? Wie lang seid ihr schon zusammen?“ „Zehn Jahre…“ Wieder ratterte es in meinem Kopf und die Gedanken überschlugen sich. „Aber wie handhabt ihr das dann in eurer freien Zeit…in eurer Wohnung?“, fragte ich weiter. Wieder huschte ein eher verhaltenes Lächeln über Zeros Gesicht, was mich erneut verwunderte. „Wir wohnen nicht zusammen…nach zwei Jahren hab ich ihn gefragt, ob wir nicht zusammen ziehen…da ist er auf einmal echt komisch geworden…ging mir mehrere Tage aus dem Weg und hat dann so getan, als wäre nichts. Seitdem hab ich ihn nie mehr danach gefragt. Und es ist auch in Ordnung, denn entweder sind wir bei ihm oder bei mir. Quasi haben wir zwei Wohnungen.“ „Das ist echt schräg…so hätte ich Kaoru gar nicht eingeschätzt.“ „So hat wohl jeder seine Eigenarten…na dann, gehen wir?“ Ich nickte. Wir bezahlten und Zero fuhr mich noch nach Hause.   „Ähm, willst du noch mit rein kommen?“ Mein Freund zuckte mit den Schultern. „Warum nicht. Hast du was zum Trinken da?“ „Ich kann dir Wein anbieten“, rief ich von der Küche ins Wohnzimmer. „Perfekt“, kam es von Zero zurück. Mit Gläsern und geöffneter Weinflasche lümmelte ich mich neben ihn auf die Couch und zündete mir eine Zigarette an. „Dann versuch doch noch Mal mit ihm zu reden…das ist doch doof so.“ Mein Freund stieß einen tiefen Seufzer aus und stützte seinen Kopf auf der Hand ab. „Das sagst du so einfach…kannst du denn mit Kyo über alles reden? Gibt es denn keine Themen, die unangenehm sind?“ „Klar, die gibt es zu Genüge und von solchen Krisengesprächen haben wir schon mehr als eins geführt…Zero…Fakt ist doch, dass du gern mit Karo zusammen wohnen würdest, nicht?“ Er zog einen Schmollmund und wandte sein Blick nach unten. Freundschaftlich knuffte ich ihn in den Arm. „Mhh…aber ich streite mich nicht gern.“ Ich verdrehte die Augen und schüttelte nur mit dem Kopf. „Ist das dein Problem? Ich streite mich auch nicht gern und trotzdem geraten Kyo und ich dauernd aneinander…das nennt man wohl Beziehung…ihr seid beides erwachsene Männer und was kann er schon dagegen haben?“ „Er braucht seinen Freiraum, seinen Platz um zu arbeiten und will dabei eben nicht gestört werden.“ „Ja und? Wenn sich Kyo in seinem Arbeitszimmer verbarrikadiert, weiß ich, dass er seine Ruhe will. Nach der Tour musst du echt mit ihm reden. Und das war keine Bitte…ich mag dich nicht so niedergeschlagen sehen, das kommt mir suspekt vor…du bist doch sonst nicht so ein Weichkeks…sonst hast du auch immer die große Klappe“, ärgerte ich den Älteren und er funkelte mich böse an. „Weichkeks? Was’n das bitte?“ „Na du gerade“, lachte ich jetzt, weil Zeros Gesichtsausdruck urkomisch war. „Lachst du mich etwa aus?“ Ich versuchte mich sehr zusammen zu reißen. „Niemals, nur mit dir…über dich…“ Mein Freund boxte mich nicht ganz unsanft gegen den Arm. Ich schenkte uns noch Wein ein, da eh irgendwie fast klar war, dass Zero hier übernachtete. „Kazu…kann ich dich was fragen?“ „Kommt drauf an…“ Er räusperte sich kurz, trank einen Schluck und schaute dann wieder zu mir. „Warum eigentlich Kyo?“ „Hehe, die Frage ist einfach…weil er ist, wie er ist…mir fällt es echt schwer, das mit Worten zu beschreiben. Ich kann nur sagen, dass ich nie zuvor einen so wundervollen Mann getroffen habe. Wenn ich an ihn denke, überschlagen sich meine Gefühle und mein Herz schlägt Purzelbäume…es fühlt sich eben richtig an.“ Zero grinste verliebt und leerte sein Glas. „Ich denke, ich weiß, was du meinst…gehen wir pennen?“ Ich nickte und brachte ihm Decke und Kissen, verschwand kurz im Bad und wünschte Zero eine Gute Nacht. In dem großen Bett legte ich mich in die Mitte, weil ich ja jetzt Platz hatte. Den ganzen Tag hatte ich vergessen auf mein Handy zu schauen, weil wir ja nur unterwegs waren, deshalb freute ich mich umso mehr über die Nachricht.   Kyo: Jetzt bin ich gefühlt am anderen Ende der Welt und denke an dich. Ich hoffe, dir geht es gut und du amüsierst dich auch ohne mich. Pass auf dich auf und schreib mir, wenn du das gelesen hast. Ich würde dich jetzt gern umarmen und küssen, aber wie gesagt, anderes Ende der Welt und so. Vermutlich gehst du demnächst schlafen. Träum von mir.   Ich grinste wie verliebter Idiot und verfasste die Antwort.   Ich: Schön zu hören, dass ihr gut angekommen seid. Ja tatsächlich lieg ich jetzt im Bett. War mit Zero unterwegs. Verzaubere das Publikum und schick mir ein paar Bilder, damit ich nicht vergesse, wie du aussiehst ;).   Ich sah, dass mein schöner Sänger schon eine neue Nachricht tippte, deshalb wartete ich.   Kyo: Wie, vergessen wie ich aussehe? Das hab ich jetzt Mal überhört. Dann scheint es dir ja nicht all zu schlecht zu gehen, wenn du mir sowas schreiben kannst.   Ich: Nein, mir geht’s ganz gut. Und wenn ich dennoch vergessen sollte, wie du aussiehst, such ich einfach nach Bildern im Internet. Ich liebe dich.   Wieder verging eine Weile und ich dämmerte schon langsam weg, doch das Vibrieren auf meiner Brust weckte mich. Ein Selfie von meinem schönen Sänger, frisch aus der Dusche. Leider mit Handtuch um den Hüften.   Kyo: Ich liebe dich auch mein kleiner Spinner.   Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schlief ich ein. Kapitel 26: vom Rausch und berauscht sein -----------------------------------------       Mein Herz schlug schneller, je bewusster ich mir machte, dass ich gleich auf der Bühne stehen würde. Ja, auf einer richtigen Bühne, nicht auf so einer kleinen popligen Empore, wie in Takashis Bar. Auch dort ereilte mich hin und wieder das Lampenfieber, aber das hier war definitiv eine größere Nummer. Ich rannte zum gefühlt hundertsten Mal auf die Toilette, weil es ziemlich blöd kam, wenn ich mitten im Konzert müsste. Probleme, die ich vorher wirklich nicht bedacht hatte. Miniprobleme wohl eher. Ich warf noch einen Blick in den Spiegel und auf einmal tauchte Karyus Gesicht neben mir auf. „Hey, sexy Boy…ich steh echt nicht auf Kerle Kazu-chan, aber bei dir könnte selbst ich schwach werden“, witzelte mein Gitarrist und grinste mir schelmisch über die Schulter. „Alles klar. Kommt deine Freundin eigentlich auch?“, fragte ich, um mich gezielt abzulenken. Er nickte stolz. „Klaro. Ich hoffe nur, sie überlebt in der ersten Reihe.“ Ich schüttelte belustigt mit dem Kopf. „Jetzt übertreib Mal nicht…“ „Jungs, jetzt ohne Scheiß…ist unser kleiner Sänger nicht ein Sahneschnittchen?“, holte er die anderen drei jetzt mit ins Boot. Zero legte freundschaftlich seine Hand auf meine Schulter. „Tja, ich hab‘s ja schon immer gesagt…“, erklärte er stolz und mein Gesicht heizte sich auf und nahm vermutlich die Farbe einer sehr sehr reifen Tomate an. „Jetzt reicht es aber, mit soviel Lob kann ich echt nicht umgehen. Also, spielen wir jetzt eigentlich ein geiles Konzert oder was?“ Meine Jungs nickten und schon fast automatisch ergriff ich Zeros Hand. Er drückte meine zaghaft und lächelte mich aufmunternd an. Meine Lippen formten ein stummes „Danke“. Hui. Das Intro erklang und mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Mein Magen zog sich zusammen, wie eine vertrocknete Pflaume und ich wollte einerseits am liebsten wegrennen und andererseits sofort auf die Bühne springen. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe umher, trat von einem auf den anderen Fuß und bekam gar nicht mit, dass das Intro verstummte. Panisch schob mich einer der Crewleute in Richtung Bühne. Das fing ja super an. Mit Beinen, die plötzlich aus Wackelpudding zu bestehen schienen, begab ich mich zum Mikro. Erschrocken riss ich die Augen auf, als mir einer der Strahler direkt ins Gesicht schien. Puh, war das heiß. Wie hielt das Kyo nur im Anzug aus? Tief durchatmen, Arsch zusammenkneifen. Bauch raus. Äh nein, falsch. Brust raus, Bauch rein. Fuuuuckk. Mein Gehirn versagte mir doch jetzt hoffentlich nicht gänzlich seinen Dienst? Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf die Musik. Infection war der erste Song auf unserer Liste. Richtig, die Setlist. Gott sei Dank, die war vor mir auf die Bühne geklebt. Oh, Töne verließen meinen Mund. Schöne Töne. Melodie und glücklicherweise der richtige Text. Dieser erschien so selbstverständlich vor meinem inneren Auge und plötzlich fühlte sich alles leicht an. Die Aufregung war wie weggeblasen und ein neues Gefühl ergriff Besitz von mir. Ich sang und bewegte mich dazu. Bei den Parts, die geschrien oder gegrowlt wurden, senkte ich meinen Oberkörper eher nach vorne und ließ alles raus. Tosender Applaus empfing mich und zum ersten Mal an diesem Abend warf ich einen Blick ins Publikum. Der Club war nicht besonders groß und dennoch überraschte mich die Menschenmasse, die uns zu feiern schien. Ich verbeugte mich und winkte den Fans zu. Wow. Einfach wow. Und schon stimmte Tsukasa den nächsten Song an. „Hallo Osaka! Schön, dass ihr hier seid…ich bin überwältigt…habt ihr Spaß?“ Lautes Jubelgeschrei empfing mich und ich lächelte. Ergriffen von diesem Rausch, anders konnte ich es nicht bezeichnen, sang ich weiter. Verausgabte mich und der Schweiß rann mir am Körper hinab. Doch das interessierte mich nicht. Mein Oberteil klebte an meiner Brust und schließlich trennte ich mich von diesem Kleidungsstück. Warf es hinter mich und hoffte insgeheim, dass sich an meiner Wurftechnik oder Zielsicherheit in den Jahren nichts geändert hatte und diese noch immer grottig war, denn sonst kam das meinem Drummer teuer zu stehen. Oder wohl eher dann mir, wenn mein schweißdurchtränktes Shirt in seinem Schlagzeug oder sonst wo landete. Vorsichtig spickelte ich hinter mich und da lag das Stück Stoff nicht weit entfernt von mir. Und zu meinem Glück hatte es beschlossen, niemanden zu treffen. Ein Hoch auf meine missratene Treffsicherheit. Meine Hand glitt eher unbewusst an meinem Oberkörper entlang, während ich mich völlig in der Musik verlor. Nach knappen zwei Stunden kündigte ich unseren letzten Song an und sehnte mich nach einer abkühlenden Dusche. Eine letzte Verbeugung zu meinen Fans. Letzte Jubelrufe und dann verschwanden wir von der Bühne. Ein Handtuch traf mich mitten im Gesicht und finster blinzelte ich in die Richtung, aus der es vermutlich geflogen kam. Tsukasa kicherte dämlich und versteckte sich hinter Karyu. Solche Spielkinder. Ich trocknete mich grob ab und umarmte die Jungs anschließend. „Maaaaan! Das war der absolute Wahnsinn!“, lobte ich uns. „Du hast die Bude wahrhaftig zum Kochen gebracht Kazuschatz…fühlt sich übrigens gut an, wieder mit euch auf der Bühne zu stehen. Gehen wir noch was trinken?“, fragte unser gut gelaunter Bassist und wir alle waren dem Gedanken nicht abgeneigt, da unser nächstes Konzert erst in zwei Tagen stattfand. Wir duschten noch, zogen uns um und waren bereit, die Stadt unsicher zu machen. Für einen kurzen Moment dachte ich sogar nicht an Kyo, weil ich die Momente mit meiner Band genoss. Und zum ersten Mal verstand ich meinen schönen Sänger, weshalb er es liebte auf der Bühne zu stehen. Denn auch ich hatte definitiv Blut geleckt. Wir beschlossen in einem Club feiern zu gehen, der sich in der Nähe befand. Neben der Bar gab es Stehtische, von denen wir uns einen ergatterten. Auch wir handhabten es so, dass jeder Mal eine Runde ausgab. Ich begann und holte die erste Runde Tequila und Cocktails. Wenn schon, dann richtig. „Auf uns und unseren neuen Sänger…Kazu, das ist dein Abend“, prostete Tsukasa uns zu und wieder stieg mir eine leichte Röte ins Gesicht. Deshalb versuchte ich dieses hinter meinen Haaren zu verstecken, was mir allerdings nicht so ganz gelang. „Danke, dass ihr mich aufgenommen habt…“, antwortete ich. Und was soll ich noch sagen, der Alkohol floss an diesem Abend zur Genüge und vermutlich würde es die eine oder andere Erinnerungslücke geben. Irgendwann tanzten wir und eher unbewusst scharrte sich eine Traube Mädels um mich. Da umfingen mich plötzlich zwei Arme von hinten und etwas erschrocken drehte ich mich um, wo ich in das grinsende Gesicht von Zero schaute. „Süßer, nichts für ungut, aber wenn du weiter so sexy tanzt, bespringt dich gleich eine der Damen…das kann ich leider nicht zulassen…ich hab da was versprochen…“, flüsterte er in mein Ohr und ich zog die Stirn in Falten. „Wem hasdu was versprochen“, lallte ich ein bisschen und schaute meinen Freund fragend an. „Deinem Verlobten…dass ich auf dich aufpasse…“ Etwas genervt riss ich mich los und torkelte gefährlich in Richtung der Mädchen. Doch schon war mein liebster Bassist zur Stelle und bewahrte mich vermutlich vor einem unschönen Sturz auf die Tanzfläche. „Ich kann selbs auf mich aufpassen“, murrte ich und Zero lachte nur. „Im Normalfall würde ich das sofort unterschreiben, aber nicht heute. Hör zu Kazu, ich hänge sehr an meinem Leben und ich hab wirklich keine Lust auf Ärger mit dem kleinen Giftzwerg. Also…keine Wiederrede.“ Ich streckte ihm die Zunge raus und ließ mich gegen seine Brust sinken. „Dann sagich Kyo, dass du ihn Giftszwerg nennsd.“ Zeros Brust vibrierte vor Lachen. „Falls du dich daran erinnerst...“ „Fick dich doch…“ „Mhh, das überlasse ich dann doch lieber Kao“, konterte er. Ich befreite mich aus der Umarmung und torkelte zu unserem Stehtisch. „Tsu…Zero is gemein su mir…“, beschwerte ich mich und der Drummer wuschelte mir liebevoll durch die Haare. „Lass dich nicht ärgern Kleiner…ich glaub wir sollten ins Bett gehen“, schlug er vor und wahrscheinlich war das nicht die schlechteste Idee. Aus Budgetgründen hatten wir beschlossen uns alle ein Zimmer zu teilen, was ich jetzt jedoch bereute, da ich mir definitiv mit jemanden das Bett teilen musste. Und ich hatte auch schon eine Vermutung, wer dieser jemand sein würde.   Ich verschwand als erster im Bad und alles drehte sich, was das ausziehen sowie das Zähneputzen nicht gerade einfacher machte. Nach einer gefühlten Ewigkeit fiel ich erschöpft ins Bett und zog die Decke bis zum Kinn hoch. Karyu schlief mit Tsukasa in einem Bett. Scheinbar waren es die beiden gewohnt, denn auch früher hatte es wohl Zeiten gegeben, wo sie sich einen Schlafplatz teilten. Die Matratze gab unter Zeros Gewicht etwas nach, als er unter seine Decke schlüpfte. Wie in jeder Nacht sehnte ich mich schmerzlich nach meinem schönen Sänger. Immerhin hatte ich einen Monat fast überstanden. Ich schluckte und war kaum imstande die Worte, die gerade durch meinen Kopf schwirrten, auszusprechen. Doch schien mein betrunkenes Hirn irgendwann zu beschließen, dass es wohl okay wäre. „Zero…“ „Mhh, was denn?“ „Nimmst du mich in den Arm?“ Ich hörte das Rascheln der Decke und wie mein Freund ein bisschen näher zu mir heran rutschte. Dann seine warme Hand, die sich um mich legte. Und ich fragte mich, weshalb ich auch bei Zero diese körperliche Nähe zulassen konnte? Bei Sota war das ein Tabu. Lag es daran, dass wir uns zuvor noch nie körperlich nahe waren oder eben keine Affäre miteinander gehabt haben? Zero war mit Kaoru zusammen und bei ihm würde ich niemals auf den Gedanken kommen, dass er mich irgendwie anfasste. Vielleicht war das der Grund? Im Rausch meiner Gedanken schlief ich ein.   Unsere Minitour war der reinste Wahnsinn gewesen und ich war froh, Kyo nun ein bisschen besser verstehen zu können. Dieses atemberaubende Gefühl auf der Bühne zu stehen hing mir noch immer nach und ich fieberte schon unserer nächsten Tour entgegen. Dabei konnte ich sogar manchmal vergessen, dass es jetzt mittlerweile nur noch einen Monat war, bis ich meinen schönen Sänger endlich wiedersah. Mein Herz schlug wilde, unkontrollierte Saltos, als ich daran dachte. Wir probten sehr kontinuierlich und ich feilte schon an dem einen oder anderen neuen Song. Sota hing auch ab und an bei uns im Proberaum rum, weil er sich ein bisschen vernachlässigt fühlte und ich ihn deshalb eingeladen hatte. Nach unserer Jamsession fläzte ich mich zu meinem besten Freund auf die Couch und zündete mir eine Zigarette an. Verschwörerisch grinste er zu mir herüber. „Willst du was Schönes sehen?“ Ich zog die Augenbrauen hoch und nickte. Auch die anderen Jungs gesellten sich zu uns. Sota klappte sein Ipad auf und klickte auf ein Video. Sofort schoss mein Puls in die Höhe, als ich erkannte, um was es sich da handelte. Ich warf dem kleinen Kyo dort auf dem Bildschirm schmachtende Blicke zu. „Oh Mann, ihr seid solche Groupies“, amüsierte sich Karyu und ich hob meinen Mittelfinger, ohne mein Blick von der Flimmerkiste zu wenden. Auch Zero schielte hin und wieder zu dem kleinen Diru Konzert. Sein Kopf sank gegen meine Schulter und ein leises Seufzen verließ seine Lippen. „Wie kann man nur so schön sein…ich beneide Die und Toshi echt“, sagte er und ich grinste ihn an. „Schon klar…und wehe du ziehst mich noch einmal auf, weil ich Kyo verliebt anschaue…du bist doch auch völlig vernarrt in deinen Gitarristen…tust nur immer so cool.“ „Mhh, erwischt…“, grummelte mein Bassist. „Schon okay…danke Sota, das hat mir echt den Abend versüßt“, wendete ich mich an meinen liebsten Freund und gab ihm einen Kuss auf die Wange.   An diesem Abend war es soweit. Sota wollte am nächsten morgen zu seiner Familie fahren. Zero ebenso und die anderen beiden trafen sich mit ihren Freundinnen. Ich war also mit mir allein. Na schön. Der eigentliche Plan war, früh schlafen zu gehen, doch meine Gedanken hielten mich, wie so oft wach. Deshalb stand ich auf, um mir noch einen Tee zu kochen. Meinen Nikotinkonsum hatte ich tatsächlich etwas dezimiert, seit mir wirklich klar wurde, wie wertvoll meine Stimme ist. Als der Tee fertig war, nahm ich die Kanne mit ins Schlafzimmer, ließ den Morgenmantel zu Boden fallen und wollte mich gerade ins Bett kuscheln. Doch mein Blick blieb an meinem Spiegelbild hängen. Und ich schaffte es tatsächlich hin zu sehen, ohne, dass ich mich abstoßend fand. Ich lächelte. Vielleicht war ja doch etwas Wahres dran, wenn mich meine Band immer als toll, süß oder sogar sexy bezeichnete. Irgendwie gefiel ich mir sogar ein bisschen. Ich legte mich mit der Intention ins Bett, noch ein bisschen Dir en Grey zu stalken. Naja, nicht so ganz. Ich wollte nur schauen, ob noch mehr Videos von den aktuellen Konzerten online waren und, ob es sich qualitativ lohnte, diese anzuschauen. Tatsächlich wurde ich fündig und schaute mir noch ein paar Konzertausschnitte an. Was ich jedoch echt unterschätzt hatte war, dass ich mittlerweile zwei Monate enthaltsam lebte und mein Körper das, was er da sah, auch mehr als reizend empfand. Verflucht! Und jetzt? Ich drehte mich auf den Bauch und presste mein Gesicht ins Kissen, welches noch schwach Kyos Geruch verströmte. Ich tastete nach meinem Handy und scrollte durch unsere letzte Unterhaltung, die allerdings recht dürftig ausfiel, weil der Herr viel zu tun hatte. Sollte ich ihm schreiben? Und wenn ja, was? Irgendwie verzweifelt rollte ich zurück auf den Rücken. Ich tippte etwas, doch löschte den Text sogleich wieder, weil mir das alles viel zu banal vorkam. Da kam mir auf einmal eine Idee.   Ich: Hey mein Hübscher…hast du Lust und Zeit zum Telefonieren?   Schnell, bevor ich es mir anders überlegen konnte, drückte ich auf senden. Die Antwort kam schneller als erwartet.   Kyo: Bei dir ist es mitten in der Nacht…entweder bist du betrunken oder…?                                                                                                           Ich grinste. Das könnte sogar funktionieren.   Ich: Oder was?   Kyo: Ziemlich untervögelt?   Ich: Also betrunken isses definitiv nicht und ja, es ist mitten in der Nacht…deshalb liege ich nackt im Bett…verflucht…ich hätte jetzt echt gern Sex mit dir…“   Der Chat zeigte mir an, dass Kyo lange irgendwas tippte, doch es kam eine halbe Ewigkeit keine Nachricht und ich bekam schon Zweifel. Bis der Text endlich erschien. Und nicht nur das, ich las ihn zweimal, um darauf klar zu kommen.   Kyo: Oh mein süßer Schatz, dein Versuch mich zum Telefonsex zu verführen hätte fast geklappt. Aber das gestaltet sich gerade etwas schwierig, weil wir beim Frühstück sitzen und bald in die nächste Stadt aufbrechen. Außerdem bin ich nicht der Typ für sowas…das hab ich dir wohl verschwiegen. Ich will dich anfassen, wenn ich dir verruchte Sachen zuflüstere, sonst fühlt sich das irgendwie falsch an…und jetzt ist es ja nicht mehr lang. Falls du es dennoch nicht mehr aushältst, amüsiere dich doch mit dir selbst, anders überlebe ich die Zeit ohne dich gerade auch nicht. Und jetzt schlaf.   Kyo machte es sich also selbst, während er an mich dachte? Diese Idee war mir auch schon gekommen, doch irgendwie fand ich das komisch. Das hatte ich noch nie gekonnt. Keine Frage, ich liebte Sex, aber an mir selbst herumspielen, wenn mein schöner Sänger nicht da war? Irgendwie seltsam, auch wenn das andere sicher anders beurteilten. Und allmählich klang meine Lust auch ab und die Müdigkeit gewann.   „Hey, schön dich schon wieder hier zu haben…ich habe den Entwurf noch ein bisschen geändert.“ „Ja, ich hab es gesehen und find es echt super. Dann lass die Schmerzen beginnen“, witzelte ich und folgte Kimi zu dem mir mittlerweile vertrauten Platz. „Das auf dem Rücken ist schon echt gut verheilt. Ich glaub, vorerst müssen wir da nichts nachstechen.“ „Sehr gut…Kimi…kannst du Narben vielleicht irgendwie übertätowieren?“, fragte ich ein wenig unsicher, weil mir das echt unangenehm war. Doch sie lächelte und nickte. „Ich geb mein Bestes.“ „Dank dir.“ Wie fast immer schloss ich meine Augen und ließ dieses kleine verrückte Huhn seine Arbeit machen. Ich mochte sie mittlerweile sehr und wenn ich darüber nachdachte, hatten unsere Sitzungen etwas sehr intimes, wenn man bedachte, dass ich es nicht duldete, wenn sich jemand an mir vergriff. Doch beim Tätowieren entstand ja etwas Schönes. Ein kleines Kunstwerk, welches mich vollkommener werden ließ. „Kazuki…wie ist das eigentlich passiert? Ich meine…die Narben…“, fragte die junge Frau vorsichtig, weil sie mir nicht zu nahe treten wollte. Ich schluckte und doch überkam mich das Gefühl, ihr diese Antwort schuldig zu sein, wenn sie schon meine Dummheiten versuchte zu kaschieren. „Naja…wie sowas eben passiert…meist musste eine Rasierklinge dafür herhalten…war ne beschissene Zeit. Wenn es dir unangenehm ist, musst du das auch nicht tun…“ „Nein, nein, schon in Ordnung. Weißt du, ich habe schon ganz andere Menschen mit heftigeren Narben tätowiert. Viele, die sich die Schnitte selbst zufügten, reden kaum darüber. Andere, die ihre Male durch Unfälle bekamen, sprechen wiederum sehr frei darüber.“ Ich seufzte, da ich wohl eher zu dem Typ gehörte, der nicht darüber sprach, gehörte. „Jeder baut mal Mist, was…“, bemerkte ich deshalb nur und schloss meine Augen wieder. Auf den Knochen auf meiner Brust merkte ich Nadel ganz schön, doch es war auszuhalten.   Eigentlich war unsere Tour vorbei, doch Karyus Einfluss in der J-Rock Szene war nicht gerade klein. Und so kam es dazu, dass uns Sugizo, der früher Gitarre bei X Japan spielte und auch schon mit Dir en Grey oder Miyavi zusammenarbeitete, uns für seine Weihnachtsfeier buchen wollte. Irgendwie fühlte ich mich geehrt, aber das Konzert kollidierte auch genau mit der Rückkehr meines schönen Sängers und den Jungs. Außerdem hatten sie nach einer solchen Tour sicherlich keinen Elan auf die nächstbeste Party zu gehen. Leicht angefressen begann ich ins Mikro zu singen. Die Liste der Songs, die wir spielen wollten, unterschied sich minimal von der unserer Tour. Prasselnder Regen weckte mich und ich hatte wenig Lust und Motivation aufzustehen, deshalb blieb ich noch liegen. Ich musste ja erst am Abend irgendwo sein. Als mein Magen dann jedoch zum dritten Mal knurrte und mir verdeutlichte, dass er jetzt endlich nach etwas Essbarem verlangte, quälte ich mich grummelnd aus dem warmen Bett. Wie fast jeden früh zog ich mir den Morgenmantel über und schlurfte in die Küche, kochte Kaffee, der es hoffentlich schaffte, meine Lebensgeister wieder zum Leben zu erwecken. Während ich darauf, dass die Kaffeemaschine warm lief, fielen mir immer wieder Augen zu. Was war nur los mit mir? Die letzten Tage hatte ich doch gar nicht großartig gefeiert. Blieb nur zu hoffen, dass ich keine Erkältung ausbrütete. Schnell schob ich diesen Gedanken beiseite. Mit der gefüllten Tasse und einer Müslischale schlurfte ich ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein und ließ mich von der Flimmerkiste und morgendlichen Nachrichten berieseln. Tatsächlich kam Leben in meinen Körper und die Dusche tat dann ihr Übriges.   Meine Band traf ich am Proberaum und von dort aus fuhren wir zu Sugizos Villa. So viel wusste ich zumindest schon, dass er wohl in einer ziemlich geilen Villa lebte und auch nicht ganz so beschissene Partys organisierte. Die Jungs begrüßte er sehr freundschaftlich und mich musterte er kurz, lächelte dann aber. „Du bist Kazuki nicht wahr?“, fragte er mit einer angenehmen Stimme, von der ich jedoch irgendwie gedacht hatte, dass sie tiefer klingen würde. „Genau. Freut mich dich kennenzulernen“, erwiderte ich ehrlich gemeint. Er führte uns durch einen Flur, der über und über mit Bildern behangen war. Vermutlich aus früheren Leben des Musikers. Die weinrote Tapete an den Wänden wirkte sehr samtig und ich ließ es mir nicht nehmen, kurz darüber zu streichen. Meine Schritte hallten ein wenig auf den schwarzen Marmorfließen des Fußbodens. Im Wohnzimmer war eine kleine Bühne aufgebaut, wo wir unsere Instrumente anschlossen. Der schon fast monströse Kronenleuchter inmitten des Zimmers spendete angenehm warmes Licht. Auch sonst sprach mich die Inneneinrichtung der Villa sehr an. Hier und dort schafften Sitzmöglichkeiten eine gemütliche Atmosphäre. Die mit schwarzen Leder überzogenen Sessel und Sofas passten sehr zu dem Rockstar. Eine Schiebetür, die in den nächsten Raum führte, gab den Blick auf eine Bar frei. Eine Wendeltreppe im Flur führte in die zweite Etage, wo sich vermutlich Bade-und Schlafzimmer befanden. Mit meinem neuen Lackoberteil betraten wir dann unser Reich und sofort ergriff mich die Musik, wie auch die Male davor. Die Gäste zollten uns Beifall und es war noch Mal etwas komplett anderes, vor so angesehenen Musikern zu performen, deshalb gab ich mir besonders Mühe. Auch der Gastgeber schien mehr als zufrieden mit uns zu sein. Nach dem Auftritt versorgte er uns sogleich mit Essen und Drinks, doch sehnte ich mich mehr nach einer Dusche. Zero folgte mir in die heiligen Hallen des Wassers, da es für uns mittlerweile mehr als zur Gewohnheit geworden war,  mit den anderen im gleichen Raum zu sein, während dieser sich frisch machte. Das Dauergrinsen meines Bassisten irritierte mich irgendwie schon den ganzen Abend. Irgendwas führte dieser Kerl doch schon wieder im Schilde. Auch hing er dauernd an seinem Handy, aber vielleicht textete er auch nur mit Kaoru. „Was heckst du eigentlich schon wieder aus?“, fragte ich und verschwand unter der Dusche, die sich hinter einer marmorierten Steinwand befand. „Ich weiß nicht, was du meinst“, gab er viel zu unschuldig zurück. „Warum nur glaub ich dir das nicht.“ „Vertrau mir nur einmal Süßer…“, amüsierte sich Zero und ich hörte nur, wie er die Badezimmertür, aufschloss, öffnete und diese sich wieder schloss. Shit, was trieb dieser Verrückte. „Zero? Bist du noch da?“, fragte ich etwas panisch, weil ich mich nicht traute, um die Ecke zu schauen. Irgendwer schien auf jeden Fall im Raum zu sein, denn ich vernahm ein Rascheln, als würde sich jemand umziehen. Verflucht! Das Schloss der Tür schnappte erneut zu, doch noch immer antwortete mir mein Freund nicht. Mit dem Rücken zur Öffnung der Dusche stand ich unter dem warmen Strahl und schloss die Augen. „Was auch immer du treibst, das bekommst du sowas von zurück.“ Ein leises Kichern hinter mir ließ mich erschaudern. Hände, die unmöglich meinem verrückten Bassisten gehören konnten, strichen meinen Seiten entlang. Diese Lippen, die meinen Nacken liebkosten, lösten trotz der Wärme eine Gänsehaut bei mir aus. „Hey Baby…hab ich dir gefehlt?“, hauchten seine Worte ganz nah an meinem Ohr und ich grinste wie ein Honigkuchenpferd. Genoss noch einen kurzen Moment seine Hände auf meinem Körper, bis ich es nicht mehr aushielt und mich umdrehte. Mein Puls raste in Rekordgeschwindigkeit und auch mein schöner Sänger begrüßte mich mit einem atemberaubenden Lächeln, welches seine Zähne etwas entblößte. „Und wie“, antwortete ich endlich und musste Kyo einfach küssen. Das hatte allerdings zur Folge, dass er mich noch näher an sich zog und ich seine Erregung mehr als deutlich an meiner eigenen spürte. Mein Versuch, seine Zunge zu erobern, scheiterte kläglich. Stattdessen wurde ich unsanft gegen die kalten Fließen gedrückt. „Vergiss es Liebling…heute überlasse ich dir keinesfalls das Feld…“, raunte mein schöner Mann und ich stöhnte in den Kuss, weil mich diese Worte nur noch mehr an machten. Seine Finger an meinem Eingang verstärkten dieses Gefühl nur und ich wollte nichts mehr als das Kyo mich ausfüllte. „Meinst du, du kannst deine Finger durch etwas schöneres ersetzen?“, fragte ich etwas liebestrunken und riskierte einen Blick in seine nun fast schwarzen, leicht verklärten Augen. „Durch was denn?“, fragte er und stieß noch einmal in mich, dass mir ein Lustschrei entfuhr. „Deinen wunderschönen Schwanz…bitte…ich will dich fühlen…“, bettelte ich ein bisschen und wieder zierte sein Gesicht dieses wunderschöne verruchte Lächeln. „Etwas anderes wollte ich doch gar nicht hören.“ Wieder trafen sich unsere Lippen und der Kuss raubte mir beinahe den Verstand. Vor meinen Augen tanzten Funken, die explodierten, als Kyo in mich stieß. Zum Glück versiegelte sein Kuss rechtzeitig meine Lippen, die den Aufschrei etwas dämpften. Er nahm mich hart und sehr besitzergreifend, was mich allerdings viel zu schnell zum Höhepunkt trieb. Ebenso ihn. Schon fast dämlich grinsend sank ich sehr sehr glücklich in seine Arme. „Aber so leicht kommst du mir nicht davon…das schreit auf jeden Fall nach einer zweiten Runde“, sagte ich. „Na das will ich doch hoffen…“, antwortete Kyo und begann mich einzuseifen. Ich tat es ihm gleich. Sein Blick blieb an meinem Körper haften. Behutsam fuhren seine tätowierten Finger über meine Kunstwerke. „Jetzt kann ich das endlich auch mal machen…du bist so schön Kazuki…so wunderschön…“ Wieder musste ich ihn küssen. „Selber“, entgegnete ich. Langsam säuberten wir uns vom Duschschaum und trockneten uns ab. Meine Konzertklamotten packte ich in den Rucksack und schlüpfte in meine Hose. „Übrigens war dein Konzert vorhin grandios…und du da auf der Bühne…da musste ich mich echt sehr in Selbstbeherrschung üben…“ „Da warst du schon da? Solange du nicht wie die Groupiemädels in Ohnmacht fällst“, witzelte ich und stahl mir einen Kuss von seinen weichen Lippen. „Davon hätte ich ja nichts…jetzt fragt sich, wer wessen Groupie ist…du heißer Kerl…“ Ich kicherte. „Dein heißer Kerl.“ „Gehen wir noch ein bisschen feiern?“ „Bist du nicht geschafft von der Tour?“ Kyo zuckte mit den Schultern und zog sich sein ärmelloses schwarzes Hemd mit den weißen Punkten an. „Geht schon. Hab im Flugzeug ein wenig schlafen können.“ Mein schöner Sänger bewunderte mein Oberteil und zog das Bändchen auf Bauchhöhe etwas zu. Etwas belustigt schüttelte er mit dem Kopf. „Du immer mit deinen transparenten, bauchfreien Oberteilen…ein bisschen stehst du auch drauf, dass dich andere Leute anschauen oder?“ Ich unterbrach meine Schminksession kurz und wand mich meinem Liebsten zu. „Nicht andere Leute…nur von dir will ich angeschaut werden…die anderen sind mir egal.“ Kyo küsste mich im Nacken. „Das will ich den anderen auch raten…“, sprach er seine Worte schon fast bedrohlich, doch mich erfüllten sie mit Glück. Noch ein bisschen gold an den Innenseiten meiner Augen und fertig war mein Look. „Hat was von einem ägyptischen Gott“, witzelte Kyo und nahm meine Hand. Doch ich hielt einen Moment inne. „Kyo…können wir uns eigentlich zeigen…als Paar meine ich?“ Sein Lächeln erreichte mein Herz und ließ dieses vor Freude hüpfen. „Süßer, das sind alles mehr oder weniger enge Freude oder Bekannte…die meisten wissen, dass ich verlobt bin…also keine falsche Scheu.“ Erleichtert folgte ich meinem schönen Sänger zur Party. Kapitel 27: "Geister" aus vergangenen Tagen ------------------------------------------- Dieses Gefühl mit Kyo auf der Party sein zu dürfen, verlieh mir noch mehr innere Größe. Immerhin trieben sich hier schon ein paar wichtige Musiker herum und Sugizo war im Musikbusiness nicht gerade ein kleiner Fisch. Auch Die und Toshi konnte ich in der Menge entdecken und begab mich sogleich zu meinen Freunden. Beide grinsten bis über beide Ohren, als sie mich kommen sahen. „Na du, starker Auftritt vorhin. Jetzt muss ich mich ja ernsthaft vor der Konkurrenz hüten“, witzelte Daisuke. „Außerdem habt ihr verdächtig lange mit Abwesenheit geglänzt“, zog mich jetzt auch der Diru Bassist ein wenig auf. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und grinste verächtlich. „Ein Gentleman genießt und schweigt oder?“ Beide nickten und Toshiya zog seinen Liebsten ein Stück zu sich heran, um ihm ein Kuss auf die Wange zu geben. Mein eigener Schatz kam auch wieder zu uns, mit Getränken und Sugizo im Schlepptau. „Sind Kaoru und Shinya eigentlich auch da?“, erkundigte ich mich bei Die. Dieser nuckelte gerade am Strohhalm seines Drinks und nickte nur. „Unser Leaderchen schon, Shini nicht. Vermutlich muss er auch etwas nachholen“, grinste der Blonde und Toshiya schüttelte nur mit dem Kopf. „Du denkst auch immer nur an das eine oder?“ Unschuldig zuckte der Gitarrist mit den Schultern. „Als ob dich das auf einmal stört…“, schmollte er jetzt ein wenig. Der Gastgeber stand nun zwischen Kyo und mir. Er überragte meinen schönen Sänger um einen Kopf. „Und, wie gefällt dir die Arbeit?“, fragte er mich dann. „Naja jetzt, wo das alles ein wenig professionellere Züge annimmt, um einiges besser…und noch mal danke, dass wir heute hier spielen durften, es war mir eine Ehre.“ Der ältere Musiker fixierte mich mit seinem Blick, doch ein warmes Lächeln umspielte seine Lippen. „Die Ehre beruht ganz auf meiner Seite Kazuki…du bist der Wahnsinn…ich hoffe für euch, dass ihr es noch weit bringt.“ „Danke, sag ihm das ruhig. Mir glaubt er nämlich immer nicht“, mischte sich Kyo auf einmal ein. Ich steckte ihm nur die Zunge raus. „Nein, im Ernst…“, setzte ich an, doch wurde ich unterbrochen, denn ein völlig betrunkener Zero stützte sich an meiner Schulter ab, gefolgt von Kaoru, der ziemlich finster drein blickte. Wann zur Hölle hatte mein Bassist sich denn so abgeschossen? So lange waren Kyo und ich doch gar nicht beschäftigt gewesen oder doch? Ich versuchte ihn zu halten. Der Dir en Grey Leader blieb auf Abstand. Was war da los? Die beiden strahlten eine solche Kälte aus, dass diese den Nordpol wieder hätte gefrieren lassen können. „Ich wollte nur sagen, dass ich jetzt geh…ich meine Wohnung…allein!“, lallte mir Zero zu, aber in einer Lautstärke, dass es jeder, der in unserer Nähe stand, problemlos hören konnte. Kaoru verdrehte sichtlich genervt die Augen und verschwand wieder. Ich folgte ihm mit meinem Blick. Er steuerte den Balkon an. „Zero, pass auf…du gehst nirgends hin…zumindest nicht in dem Zustand. Kyo, kannst du Karyu oder Tsukasa suchen?“ Mein Liebster nickte und kehrte wenig später mit meinem Drummer zurück. „Oh oh…“, kam es nur von ihm und ich nickte ihm bedauernd zu. „Meinst du, du kannst dich kurz um ihn kümmern? Ich muss mit Kaoru reden.“ Tsu bejahte meine Frage und führte den Trunkenbold zum nächsten Sofa. Mein schöner Sänger warf mir nur einen fragenden Blick zu. „Mit Kao? Weißt du, worum es geht?“ „Ja, vielleicht…bin gleich wieder da.“ Nach einem kurzen Moment legte ich die Arme um Kyo und zog ihn in einen Kuss. Alle sahen zu. Die Endorphine tanzten nur so in meinem Körper. „Bleib nicht zu lange weg“, flüsterte er mir nur zu und dafür küsste ich ihn ein weiteres Mal.   Kaoru lehnte mit den Armen auf der Brüstung und rauchte. Ich räusperte mich, sodass er mich wahrnahm. Und er drehte sich tatsächlich um. Verdammt, ich hätte mir vielleicht etwas überziehen sollen. Nun war es zu spät. Ich fummelte eine Zigarette aus meiner Packung und zündete sie an. Aus der ernsten Miene des Leaders konnte ich keinerlei Emotionen lesen. „Darf ich dir ein bisschen Gesellschaft leisten?“, fragte ich und er nickte. „Wie war die Tour?“ Ich grinste automatisch. „Richtig geil…langsam verstehe ich, warum ihr es so liebt auf der Bühne zu stehen. Und die Fans sind voll süß…mit den Jungs verstehe ich mich auch bestens und ehrlich gesagt bin ich froh, dass mich Kyo ein bisschen zu diesem Schritt gedrängt hat.“ „Ja, ich auch. Vor allem passt du sehr gut zu den Jungs und ich denke auch, dass sie dich mögen. Zero schwärmt zumindest immer von deinen Gesangskünsten.“ Ich lachte etwas unbeholfen. Es gestaltete sich schwieriger als gedacht mit Kaoru zu reden. Immerhin waren wir schon Mal beim richtigen Thema angelangt. „Ja, das hat er auch vor mir schon oft genug erwähnt…ähm…was war vorhin eigentlich los? Nur wenn ich fragen darf…“, fügte ich noch schnell hinzu, um nicht unhöflich oder aufdringlich zu wirken. Der Diru Leader steckte sich noch eine Zigarette an. So langsam fröstelte es mich, doch ich versuchte nicht zu zittern. „Klar…ach er ist manchmal so zickig…das geht auch wieder vorbei.“ „Zickig? Echt jetzt? Ich kenn ihn nur albern oder etwas abgehoben“, antwortete ich und hoffte, Kaoru äußert sich noch detaillierter. „Ja, das auch…nur denkt er vermutlich immer, dass ich ihn oft nicht dabei haben will…sei es bei Konzerten oder sonst wo. Das wirft er mir zumindest vor…naja und dann ist da noch die Sache mit dem zusammen wohnen…er hat mich ziemlich am Anfang unserer Beziehung gefragt, ob wir nicht zusammen ziehen wollen…auf eine Antwort wartet er bis heute…“ Bingo! „Möchtest du denn mit ihm zusammen wohnen?“ Kaoru zuckte mit den Schultern. „Vielleicht…ich weiß es nicht…ich bin sehr perfektionistisch Kazuki und ich befürchte, das könnte Zero nerven. Außerdem hat es bisher so auch ganz gut funktioniert.“ Als er aufgeraucht hatte, suchten wir uns im Warmen eine ruhige Ecke. „Mh, aber ich glaube, er würde sehr gerne mehr Teil deiner Welt sein…und zusammen wohnen kann auch was für sich haben…“ „Ich habe bisher immer allein gewohnt“, konterte Kaoru. „Ja, aber du magst Zero doch oder nicht? Warum also doppelt Miete zahlen und alles umständlich kompliziert machen.“ „Er hat mit dir darüber gesprochen, nicht wahr?“ Ich nickte etwas verlegen. „Schon…ist er deshalb so betrunken? Weil du ihm das gesagt hast?“ „Vermutlich.“ „Oh Mann…ich glaube du solltest ihn heute mit zu dir nehmen und morgen redet ihr in Ruhe darüber.“ „Meinst du?“ „Klar, lass ein bisschen mehr Chaos in dein Leben Kao…er liebt dich wirklich…sehr sogar.“ Der Leader seufzte und nippte an seinem Drink. „Das weiß ich doch…ohhhhh fuck! Das ist gar nicht gut…mehr als mies…“, brammelte Kao auf einmal vor sich hin und etwas irritiert schaute ich ihn an. „Was denn?“ Der Leader sah fast so aus, als hätte er eben einen Geist gesehen. „Kazu…du solltest Kyo ganz schnell von hier weg bringen…“ „Was ist denn los?“, fragte ich erneut und bekam leicht Panik. Doch da erhob er sich schon und sauste davon. Ich folgte ihm durch die Menge und wir gesellten uns wieder zu unseren Leuten. Zero schlief mehr oder weniger auf einem der Sofas. Tsukasa neben ihm, wie ein Wachhund, welcher jetzt von Kaoru abgelöst wurde. Vorher hatte er Toshiya und Die noch etwas ins Ohr geflüstert und ich kam mir ein bisschen dämlich vor. Schon wollte ich meinem schönen Sänger den Vorschlag unterbreiten, zu gehen, doch auch Kyos Blick richtete sich Richtung Bar und jegliche Farbe war auch aus seinem Gesicht gewichen. Das war‘s dann wohl. Ich versuchte auszumachen, wohin er schaute, stand aber scheinbar irgendwie auf dem Schlauch, da ich die Hälfte der Leute hier eh nicht kannte. Vorsichtig näherte ich mich meinem Liebsten und legte meine Arme um ihn. „Alles okay?“, fragte ich vorsichtig und er schüttelte heftig mit dem Kopf. Na super. Erst jetzt fiel mir auf, dass seine Hände ganz leicht zitterten. Was verflucht noch Mal spielte sich gerade hier ab? „Kazu…“ „Kyo…bitte rede mit mir, ich dreh sonst durch…“ So langsam schien er sich wieder zu beruhigen, fing meinen Blick ein und schien schon fast darin zu versinken. Sein Adamsapfel hüpfte leicht, als er schluckte. Seine Hand umklammerte noch immer die meine. „Juka…ist da…er steht dort an der Bar…“ Mein Gehirn brauchte eine Weile, um diese Information zu verarbeiten. Juka. Der Juka. Kyos Affäre nach Kami. Oh fuck! Und augenblicklich drängte sich mir eine Frage auf, von der ich nicht sicher war, ob ich sie stellen sollte. Deshalb behielt ich sie im Hinterkopf. „Hat er dich schon gesehen?“, fragte ich stattdessen. Mein schöner Sänger schüttelte mit dem Kopf. „Nein…“ „Willst du zu ihm?“ Plötzlich spannte er sich wieder an und die kleine Zornesfalte zwischen seinen Augen trat verdächtig hervor. „Kazuki ich weiß es nicht, okay! Seit damals haben wir uns nicht mehr gesehen…was soll ich ihm denn auch sagen?“ Na toll, war heute Dramasamstag? Doch immerhin hatte sich meine Frage nun erübrigt, denn ich hatte wissen wollen, ob sich die beiden nach der Affäre irgendwann noch einmal ausgesprochen hatten. Dem war also nicht so. „Wovor hast du Angst Kyo?“ „Er hasst mich…vielleicht redet er mit anderen über mich und erzählt, was für ein Arsch ich bin…“ Ich zog meinen Liebling behutsam an mich und strich ihm über den Rücken. „Glaubst du das wirklich? Meinst du nicht dass er dazu ausreichend Gelegenheiten hatte? Wenn er es bis jetzt nicht getan hat, warum sollte er es ausgerechnet jetzt tun?“ „Weil er uns zusammen sieht?“, wisperte er. Ich seufzte. „Als ob sich dadurch was ändern würde…“ Kyo brachte etwas Abstand zwischen uns und noch immer schaute er mich mit seinem typischen grummeligen Gesichtsausdruck an. „Und ob sich etwas ändern könnte…wenn das von damals raus kommt, bin ich am Ende! Ruiniert!“ „Dann rede mit ihm…“, schlug ich vor. Dabei hatte der Abend so gut angefangen. „Das sagst du so einfach…“ „Soll ich mitkommen? Oder möchtest du lieber gehen?“, versuchte ich mein Glück weiter, weil ich langsam auch nicht mehr wusste, was ich tun oder lassen sollte. Jetzt löste er sich gänzlich aus der Umarmung. „Ich hole mir einen Drink“, sagte er nur kurz und knapp. Das hieß wohl soviel wie, ich rede mit Juka. Ich nickte nur und ließ ihn gehen, blieb jedoch in sicherer Nähe, falls er mich brauchte. Ich suchte den Raum nach Kaoru und Zero oder nach irgendwelchen bekannten Gesichtern ab. Da fiel mir der Diru Leader neben Sugizo auf, jedoch ohne seine bessere Hälfte. Ich gesellte mich zu ihnen. Kaoru grinste jetzt wieder freundlicher und prostete mir zu. Ich hob die Hände und gab ihm zu verstehen, dass ich gerade auf dem Trocknen saß. Er reichte mir sein Glas. „Wo ist Kyo?“, erkundigte er sich. Ich nickte Richtung Bar und konnte ein tiefes Seufzen nicht unterdrücken. „Mit Juka reden…“ Die Augen des Leaders weiteten sich. „Meinst du, das ist eine gute Idee?“ „Ich weiß es nicht Kao-chan…nur lässt sich der Sturkopf doch von niemanden was sagen…also hab ich keine Wahl.“ Freundschaftlich tätschelte er meine Schulter. „Wird schon schief gehen und im schlimmsten Fall müssen wir ihn wieder ein bisschen aufpäppeln…du schlägst dich gut Kazu…“ Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, was er mir damit sagen wollte. „Wie meinst du das?“ „Naja eben mit Tooru und, wie du dich nebenher auch um alle anderen sorgst…du versuchst es allen Recht zu machen und bist stets für alle da…“ „Spielst du auf Zero an?“ Kaoru antwortete mit einem Nicken. „Ja…er liegt jetzt im Gästezimmer oben. Ich hol ihn später ab…“ „Das ist gut. Ich hoffe nur, er weiß, wo er ist, wenn er aufwacht“, amüsierte ich mich ein bisschen. „Keine Sorge, ich hab ihm einen Zettel neben das Kissen gelegt.“ Anerkennend hob ich den Daumen. „Gut mitgedacht.“ Hin und wieder schielte ich zu Kyo und Juka. Noch schien alles friedlich zu verlaufen. Trotzdem hasste ich ihn, weil er mir die Zeit mit meinem schönen Mann stahl. „Kao…weiß Sugizio von der Sache mit Kyo und Juka?“, flüsterte ich dem Diru Leader zu. „Nein. Deshalb ist das ja gerade alles etwas kompliziert.“ Ich rollte etwas genervt mit den Augen. „Wäre auch zu schön, wenn es mal unkompliziert läuft“, murrte ich. „Kopf hoch…das wird schon. Hier trink noch einen Schluck.“ „Danke.“ Sugizo füllte Kaorus Glas auf und reichte mir ein neues. Dankend nickte ich ihm zu. „Übrigens siehst du heut umwerfend aus“, lobte mich der Dir en Grey Gitarrist. Ich grinste. „Danke…ich glaub so langsam finde ich meinen Stil wieder.“ „Gut so…du kannst sehr stolz auf dich sein Kleiner…ich weiß nicht, was dir vor der Zeit mit Kyo alles passiert ist, aber scheinbar geht es dir besser.“ „Ihr habt viel dazu beigetragen Kao…ohne euch hätte ich das nicht geschafft…“ „Gern geschehen…naja und davon, dass du einen positiven  Einfluss auf unseren lieben Sänger hast, muss ich dir ja nicht sagen. Bist du schon nervös? Immerhin gibst du ihm in wenigen Tagen das ja-Wort.“ Automatisch begann mein Herz heftig in meiner Brust zu schlagen. „Wah…das ist schon krass…ich glaub das erst, wenn es passiert…“ „Wenn es jemand verdient hat glücklich zu sein, dann ihr zwei…ich glaub dein Typ wird verlangt…geh mal zur Bar…“ Und Kaoru hatte Recht, denn Kyos Blick suchte den meinen und er winkte mich zu sich. Was auch immer das jetzt wurde. Ich leerte mein Glas und ließ es von Sugizo noch einmal auffüllen. Dann wagte ich mich zur Bar und stoppte neben meinem schönen Sänger. Es herrschte betretende Stille und ich fühlte mich komisch von Juka so unter die Lupe genommen zu werden. Ich legte meinen Arm um Kyo und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er machte uns miteinander bekannt. Als wäre das nötig gewesen. „Darf ich euch beide kurz alleine lassen?“, fragte er mich vorsichtig. Ernsthaft? Doch nickte ich. „Aber nur, wenn ich noch einen Kuss bekomme…den Rest hol ich mir später“, kündigte ich schon Mal an, denn das war er mir definitiv schuldig. Den Kuss zog ich etwas in die Länge, weil ich jetzt alles andere wollte, als mit Juka reden. „Kyo ist schon sehr speziell, was?“, kam es von dem Mann mir gegenüber und auch, wenn ich wusste, dass mein schöner Sänger ihm weh getan hatte, verspürte ich eine gewisse Abneigung. Und der Satz trug nicht gerade dazu bei, dass sich dies schnell änderte. „Juka…nicht wahr? Um hier eine Sache klar zu stellen, es interessiert mich nicht, was mal zwischen euch war…ich meine, ich weiß alles…aber Kyo gehört jetzt zu mir. Er hat dich nicht besonders nett behandelt, doch ich bin der Meinung, dass da immer zwei dazu gehören…Fakt ist, falls davon je etwas an die Öffentlichkeit dringt, bekommst du es mit mir zu tun. Ich habe lange und hart für ihn gekämpft…das lass ich mir nicht kaputt machen.“ Der Blonde lachte leicht überspitzt. „Wow, hätte nicht gedacht, dass du solche Reden schwingen kannst. Respekt. Trotzdem, sei vorsichtig…Kyo ist…“ „Nein! Wage es nicht weiter zu sprechen…nur, weil er dich mies behandelt hat, heißt das nicht, dass er mit mir genauso umspringt. Du kennst mich nicht, also hast du nicht das Recht über mich zu urteilen und ich kenne ihn…vielleicht besser als er sich selbst. Und ich habe keine Angst vor ihm…auch nicht, wenn er manchmal so besitzergreifend ist…und weißt du auch warum? Weil ich es genießen kann…ich kann ihm den Halt bieten, den er braucht…er würde mir niemals weh tun…“ Lange erwiderte Juka nichts, dann senkte sich sein Blick kurz, bevor er mich wieder ansah und sich ein wenig nervös durchs Haar fuhr. „Dann hast du das geschafft, was weder Kami noch ich konnten…versprich mir, dass du auf ihn aufpasst…denn das konnte ich nicht, so sehr ich mir das auch gewünscht habe.“ „Darauf kannst du dich verlassen. Ich habe noch eine Bitte an dich…“ Ich winkte Kyo zu uns und er kam. Ich beschloss zu bleiben. „Ich vergebe dir…alles…wir haben beide irgendwie Fehler gemacht…“ „Danke…das bedeutet mir viel Juka…begraben wir die Vergangenheit…auf die Zukunft“, prosteten wir uns zu und endlich konnte ich mit meinem wundervollen Mann allein sein. Ich musste dringend eine rauchen und zog ihn mit mir. Ohne große Worte zündete ich mir leicht zitternd die Zigarette an. Kyos Wärme umfing mich wie eine Schutzhülle und augenblicklich schien alles wieder gut zu sein, als hätte es die letzten Stunden nicht gegeben. Ich hielt ihm den Glimmstängel an die Lippen und er nahm einen tiefen Zug, da seine Hände gerade damit beschäftigt waren, meinen Rücken zu streicheln. „Was hast du Juka gesagt?“, fragte mein schöner Sänger schließlich. „Dass ich ihn verprügeln werden, wenn er irgendwas von eurer Vergangenheit erzählt.“ Kyo lachte und bat um einen weiteren Zug. Da kam mir eine Idee. Ich inhalierte den Rauch, beugte mich zu ihm, damit er auch etwas abbekam. Kyo verstand, was ich vorhatte. Belustigt schüttelte er mit dem Kopf. „Das hab ich früher ab und zu mit Toshi und Die gemacht…als wir noch jung waren und keine Kohle für Zigaretten. Wir teilten uns eine Schachtel und taten eben auch sowas.“ „Ich hoffe, das waren dann keine richtigen Küsse?“ „Quatsch…apropos Kuss…“ Seine Hand schob sich in meinen Nacken und er zog mich zu sich heran. Wir schmeckten beide nach Nikotin und Alkohol, doch das störte mich nicht. Um uns verschwamm die Realität. „Wenn du mich weiter so küsst, bin ich bald bereit für Runde zwei“, flüsterte ich ihm schon wieder viel zu erregt zu. „Mh dagegen hätte ich nichts einzuwenden…“, antwortete mein Liebster. „Du machst mich verrückt.“ Plötzlich wurde die Tür vom Balkon aufgerissen und jemand störte unsere Zweisamkeit. „Hab sie gefunden Tosh!“, flötete kein anderer, als unser hübsches Blondinchen. Auch der Bassist crashte unsere kleine Privatparty, verkniff sich jedoch jeglichen Kommentar. „Wir wollten uns ein Taxi rufen und euch fragen, ob ihr mitkommen wollt?“ „Dieser Vorschlag klingt himmlisch…“, schnurrte Kyo und warf mir einen flehenden Blick zu. „Gerne…“ So verabschiedeten wir uns von allen. Kaoru beschloss hier zu bleiben und mit seinem betrunkenen Schatz in Sugizos Gästezimmer zu nächtigen. Händchenhaltend und sehr zufrieden verließen wir die Party. Da schoss auf einmal ein Gedanke durch meinen Kopf, der mich auflachen ließ. Kyo schaute mich fragend an. „Weißt du, was Kazuki bedeutet?“, fragte ich ihn deshalb. „Nein, du?“ „Jepp…Frieden. Ich glaub heute habe ich meinem Namen alle Ehre erwiesen.“ Drei Augenpaare richteten sich auf mich. Dann wurde ich von Die, Toshi und Kyo geknuddelt. „Da hast du Recht. Unser kleiner Friedensstifter…es ist schön, dich bei uns zu haben Kazu-chan“, kam es von Die. „Find ich auch…ich hab euch sehr lieb…“ „Jetzt ist aber gut mit dem Geschmalze hier…das hält ja keiner aus…“, beschwerte sich Kyo und wir anderen mussten herzhaft lachen. „Als würdest du es nicht mögen…“, sagte ich und zog ihn in einen Kuss. „Trotzdem“, protestierte er, wehrte sich aber nicht. „Und dich, du hinreißend schöner Mann…ich liebe dich…in zwei Tagen heiraten wir, ist dir das bewusst?“ Endlich lächelte er. „Ja schon…und es wird der Wahnsinn…dann musst du für immer bei mir bleiben…“ „Mh, ich könnte mir schlimmeres vorstellen…“ Unser Taxi fuhr heran und wir stiegen ein. Kapitel 28: Der Schöne, der mit dem Warumono tanzt -------------------------------------------------- Für viele war dieser Tag wie jeder andere. Für mich bedeutete dieser Dezembertag die Welt. Kyo und ich hatten darauf verzichtet in der Nacht davor getrennt zu schlafen. Dennoch bequemte ich mich für meine Verhältnisse viel zu früh aus dem kuscheligen Bett, denn Zero bestand darauf, dass ich pünktlich zehn Uhr bei ihm antanzte. Er hätte da mal was vorbereitet, so seine Aussage. Bei jedem anderen wäre ich da sicher recht entspannt gewesen, nicht aber bei meinem Bassisten. Doch da auch Sota anwesend sein würde, konnte es ja nicht so schlimm werden oder? Ich drehte mein Gesicht noch einmal zu meinem wunderschönen Verlobten und schmunzelte, denn da Kyo meist vor mir auf den Beinen war, kam ich nicht all zu oft in den Genuss ihn beim Schlafen zu beobachten. Sein Gesicht wirkte so vollkommen entspannt und seine Brust hob und senkte sich leicht unter seinen gleichmäßigen Atemzügen. Einerseits wollte ich ihn ungern aufwecken, andererseits zog mich dieser wunderschöne Mann auch an, wie ein Magnet. Deshalb hauchte ich ihm einen sanften Kuss auf die Stirn und verschwand im Bad. Ich verbrachte eine halbe Ewigkeit damit mich zu rasieren und eben die nötigen Vorbereitungen für meine Hochzeit zu treffen. Ich schüttelte den Kopf, denn das klang noch immer echt schräg. Nachdem ich mir halbwegs bequeme Klamotten angezogen hatte, warf ich noch einen letzten Blick ins Schlafzimmer. Kyos Wecker ertönte in dem Moment und er streckte sich, gähnte ausgiebig und ließ seinen Blick in meine Richtung schweifen. Ich kroch zu ihm, blieb jedoch über der Bettdecke, weil das sonst sicher verehrende Folgen mit sich ziehen würde und dann kam ich mit Sicherheit zu spät. Mein schöner Sänger zog mich auf sich und küsste mich. „Musst du etwa schon los?“, fragte er ein bisschen enttäuscht. „Leider ja…sehen wir uns im Tempel?“ Automatisch stahl sich dieses verliebte Lächeln auf seine Lippen, wofür ich ihn einfach noch einmal küssen musste. Ich zuckte leicht zusammen, als seine Hände über meinen Hintern strichen. Fuck, das fühlte sich ja jetzt schon verflucht gut an. Vielleicht sollte ich das mit Vorbereitungen doch noch Mal überdenken? Nein, keines Falls. „Das hoffe ich doch“, gab er zurück und nur schweren Herzens löste ich mich aus seiner Umarmung.   Bester Laune ließ mich Zero in seine eigenen vier Wände. Da fiel mir auf, dass ich zuvor noch nie bei ihm gewesen war. Aus welchem Anlass auch? Sota flog mir regelrecht in die Arme und auch er schien das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht zu bekommen, weil er sich mit mir freute. Ich grinste aus einem ganz anderen Grund und mir fiel es jetzt schon verdammt schwer die Kontrolle über meinen Körper zu behalten. „So mein Hübscher, bist du bereit?“ Ich zuckte gelassen mit den Schultern. „Klar doch. Wo hängt mein Anzug?“ Zero verschwand kurz und kehrte wenige Sekunden später zurück. Heute trug ich ausnahmsweise eine Boxershorts und bis auf diese legte ich meine Kleidung ab und schlüpfte in die schwarze Anzughose. Das leichte Seidenhemd schmiegte sich wie eine zweite Haut an meinen Körper und trug sich sehr angenehm. Dann noch die klassischen schwarzen Lederschuhe und zum grönenden Abschluss mein smaragdgrünes Sakko aus Satin und mit Brokatstickerei. „Wow, nicht übel“, lobte mich Zero. Sota steckte mir noch ein rotes kleines Sträußchen in die Brusttasche meines Jacketts. Mein Bassist holte währenddessen drei Gläser und schenkte uns Prosecco ein. Wir stießen an und dann mussten wir uns auch schon auf den zum Tempel begeben. Und je näher wir dem Ort des Geschehens kamen, desto nervöser schien ich zu werden. Unruhig rutschte ich auf dem Autositz hin und her, was mich wieder an meine Grenzen trieb. So versuchte ich ruhig zu bleiben und schaute aus dem Fenster. Yuna erwartete mich vor den Pforten und grinste zufrieden. „Wow, du siehst hübsch aus“, lobte sie mich. „Danke!“, erwiderte ich und hakte mich bei ihr ein und langsam schritten wir über den Hof. Ein Weg aus Rosenblättern und Reis wies uns den Weg zum Tempel. Die Sonne lugte hin und wieder zwischen den Wolken durch und ein leichter kalter Wind umwehte mein Gesicht. „Sota, hast du die Ringe?“, fragte ich jetzt leicht panisch. Mein Freund schloss zu uns auf und legte mir beruhigend die Hand auf die Schulter. „Shini hat sie, keine Angst…bekommst du jetzt etwa Herzflattern?“, zog er mich auf und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Quatsch.“ Die schweren Holztüren des Tempels standen offen und links und rechts davon postieren zwei Mönche in knallroten Gewändern. Im Vorbeigehen verbeugten wir uns voreinander. Die kleine Kapelle mit dem kuppelförmigen Dach, durch das Licht schien, zierten viele freskenartige Bilder die Wände. Vor uns führte ein roter Teppich zum Altar. Auf beiden Seiten neben dem Gang lagen Kissen für unsere Gäste, auf denen sie Platz nehmen konnten. Ich stellte mich vor zu Hiro, der die Trauung vollzog. Dann erst schweifte mein Blick durch die Reihen unserer Gäste und ein warmes Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Auch meine Schwester suchte sich ein Kissen in einer der vordersten Reihen. Sota wich nicht von meiner Seite. Auf einmal ergriff ich eher unbewusst seine Hand und drückte diese. Hoffentlich nicht zu fest. Shinya, der liebliche Engel in weiß schritt neben meinem schönen Mann her. Ich wusste, dass Kyo darauf bestanden hatte, von seinem besten Freund zum Altar geführt zu werden, denn alles andere wäre ihm verlogen und falsch vorgekommen. Doch nicht nur allein dieser Aspekt überwältigte mich, viel mehr zog mich mein schöner Sänger in seinen Bann. Die weißgoldene Weste unter seinem schwarzen Sakko sprang einem förmlich ins Auge. Was vielleicht auch daran lag, dass er darunter ein Hauch von nichts trug. In seinem Ausschnitt, der so den Blick auf nahezu 80 Prozent seines tätowierten Oberkörpers preisgab, baumelte eine Kette mit schwarzen Federn und weißgoldenen Perlen. Der hauchdünne Schleier, der an seinem schwarzen Hut befestigt war, verdeckte sein hübsches Gesicht ganz dezent. Ich hatte ja so einiges erwartete, was sein Outfit betraf, aber das? Mein Hirn bekam definitiv keinen klaren Gedanken mehr zustande und irgendwer schien den Sauerstoffhahn zugedreht zu haben oder vergaß ich einfach nur zu atmen? Mich überwältigte seine Schönheit mit voller Wucht und ich war froh, dass ich auf das Make up heute verzichtet hatte, denn eine kleine Träne schaffte es sich aus dem Winkel meines Auges heraus zu rollen und bahnte sich einen Weg über meine Wange. Wie ein kleiner Gott schritt mein zukünftiger Mann mit Shinya auf mich zu und alles wirkte auf einmal so unwirklich. So schwammig und fern ab von jeder Realität. Erst als Kyo mir gegenüber stand, ließ ich Sotas Hand endlich los und schaute meinen Liebsten an. Heilige Scheiße, mein Kreislauf begann nun völlig frei zu drehen und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Kyo lächelte mich durch seinen Schleier hindurch an und nahm meine Hand, streichelte über den Handrücken und schon allein diese kleine Geste beruhigte mich etwas. Holte mich zumindest wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich lauschte den Worten Hiros, der ein bisschen etwas darüber erzählte, wie wir uns kennenlernt hatten. Schließlich folgte der letzte und wichtigste Teil, der Tausch der Ringe. „Kazuki Nakamura, willst du Tooru Nishimura zu deinem Mann nehmen? So antworte mit ja, ich will…“ „Ja…ich will“, antwortete ich mit leicht rauer erstickter Stimme und schaute meinem schönen Sänger dabei tief in die Augen. „Tooru Nishimura, willst du Kazuki Nakamura zu deinem Mann nehmen? So antworte mit ja, ich will.“ „Ja, ich will…“ „Dann dürft ihr euch jetzt küssen.“ Ein bisschen ehrfürchtig hob ich Kyos Schleier und legte meine Lippen auf die seinen. Um uns herum blieb die Zeit stehen und je leidenschaftlicher der Kuss wurde, desto intensiver wuchs meine Begierde für diesen wunderschönen Mann. Deshalb löste ich mich von ihm. Wir unterzeichneten die Urkunde und wurden hinaus geleitet. Dort wartete schon unsere Limousine, in die auch unsere Bands mit einstiegen. Dort ließ Zero sogleich den Korken der Sektflasche knallen und reichte mir feierlich die Flasche. „Auf das frischgebackene Paar…ihr sehr beide so toll zusammen aus. Kanpai!“ Ich schob Kyo den Hut vom Kopf, um ihn besser küssen zu können, prostete ihm zu und trank einen Schluck. „Auf den tollsten Mann der Welt“, sprach ich aus und gab den Champagner an meinen Liebsten weiter. Dieser zog mich nicht ganz unsanft auf seinen Schoß und ich keuchte kurz auf. Er kniff die Augen zusammen und musterte mich eingehend. Ich zuckte nur unschuldig mit den Schultern und eroberte die Flasche zurück. Zero sah wohl ein, dass der Champagner nun uns gehörte und öffnete deshalb eine zweite Flasche. „Na ihr zwei, wie fühlt es sich an verheiratet zu sein?“, fragte Die. „Nicht anders als vorher…“, erwiderte Kyo und zog mich erneut in einen Kuss. Vielleicht war es doch an der Zeit ihn einzuweihen, sonst könnte es echt peinlich für mich werden. Ich beugte mich ein Stück zu ihm, sodass meine Lippen fast sein Ohr berührten. „Um diesen Tag für uns noch ein bisschen  aufregender werden zu lassen, hab ich schon diverse Vorbereitungen getroffen…das Problem ist nur, dass ich an diversen Körperstellen verdammt empfindlich bin…“ Sein Grinsen wurde breiter. Er ließ seine Hand auf meiner Brust ruhen und seine Finger spielten durch den Stoff meines Hemdes mit dem Piercing. Dieser verfluchte Kerl. Schnell griff ich nach seiner Hand, zog sie weg und setzte mich wieder gerade hin. Der prickelnde Sekt floss erfrischend meiner Kehle hinab und ich versuchte mit aller Macht zu unterdrücken, dass ich das gerade viel zu erregend empfunden hatte. „Oh Kazu…du überrascht mich immer wieder…sag bloß, in deinem süßen Hintern wartet ein kleines Spielzeug auf mich?“, flüsterte mir Kyo zu. Ich nickte nur und trank noch einen Schluck. Da ich heute noch nicht so viel Nahrung zu mir genommen hatte, stieg mir das Blubberwasser ganz schön zu Kopf. Der Wagen hielt an und wir stiegen aus. Für die Feier im Anschluss hatten wir uns ein kleines Boot gemietet, wo das Buffet schon hergerichtet war. Außen zierten das Boot viele kleine Lichter der Lichterkette und vereinzelt waren Fackeln sowie Stehtische aufgebaut. Wir geleiteten unsere Gäste in den Hauptraum, wo Essen und Musik auf uns wartete. Es gab eine Auswahl an Fisch, Sushi und diversen Fleischgerichten. Natürlich hatten wir auf die Süßspeisen, wie kleine Kuchen oder Eis auch nicht verzichtet. Dafür entschieden wir uns gegen eine Hochzeitstorte. Man musste ja nicht jedes Klischee erfüllen. „Wir freuen uns, dass ihr heut alle wegen uns hier seid. Dann lasst uns feiern und den Abend genießen“, eröffnete ich den Abend und lud meinen Teller mit Leckereien voll und nahm am Tisch ganz oben neben Kyo platz. Ein bisschen fühlte ich mich wie im Schlaraffenland, denn immer, wenn ich mein Glas geleert hatte, füllte es sich fast von selbst wieder auf. Natürlich nicht ganz so, doch die Kellner hier eilten flink von einem zum anderen, damit keiner lange auf dem Trocknen saß. Yuna wollte nach dem Essen unbedingt mit mir tanzen, doch ich gab ihr zu verstehen, dass ich erst eine rauchen wollte. Und Shinya und Sota wollten uns unbedingt noch etwas zeigen. Ich zündete mir also eine Zigarette an und wir folgten unseren Freunden. Der Dir en Grey Drummer zog einen Schlüssel aus seiner Hosentasche und entriegelte eine Kajütentür am Ende des Bootes. Der kleine Raum wurde nur spärlich von Lichterketten beleuchtet und vom Bett aus blickte man durch eine große Scheibe genau auf das Wasser. „Wow…“, kam es aus meinem Mund, denn mehr fiel mir nicht ein, so sehr überwältigte mich dieser Anblick. Und die Vorfreude, später mit Kyo hier unsere heiße Nacht genießen zu können, wuchs mit jeder Sekunde mehr. „Aber erst müsst ihr noch ein bisschen mit uns feiern, bevor ihr euch das hier verdient habt“, ermahnte uns Sota. Und das taten wir dann auch. Ich beschloss an diesem Abend bei Sekt zu bleiben, denn sonst würde ich vermutlich nicht viel von der Nacht mit meinem schönen Mann haben. Meinem Mann. Das klang so unglaublich schön und ich lächelte ihm zu. Wir tanzten und hüpften zum Beat der Musik. Ich feierte mein Leben gerade so krass und fragte mich noch immer amüsiert, wie es nur zu diesem Umstand kam. Nach gefühlten Stunden hatte ich dringend eine Pause nötig. Im Gehen schnappte ich mir noch ein Sektglas und steuerte einen der Stehtische draußen an. Leicht schwankend stützte ich mich mit den Ellenbogen ab und schob mir eine Kippe zwischen die Lippen, doch diese wurde mir sogleich gemopst. Ich hielt Ausschau nach dem Übeltäter und versank sogleich in den dunklen, leicht verklärten Augen meines schönen Sängers. „Ey, das ist doch meine Aufgabe“, beschwerte ich mich und versuchte es ein weiteres Mal. Kyo hielt mir Feuer hin und prostete mir zu. „Süßer, was hältst du davon, wenn wir uns davonschleichen…ich würde dich zu gern nackt sehen…“, raunte er mir zu, schlang seinen Arm um meine Hüfte, vollführte eine hundertachtzig Grad Drehung und drückte mich gegen die Wand. „Ich glaube das fänd ich super…warum zur Hölle trägst du heute eigentlich so ein scharfes Outfit, das macht mich echt ganz schön verrückt.“ Sein Lächeln wurde breiter und er küsste mich, stupste mit seiner Zunge gegen meine Lippen und ich konnte nicht mehr. Meine Selbstbeherrschung hatte ihren Tiefpunkt erreicht. „Ich fürchte ich muss dich jetzt wirklich entführen…“ Mit einem leicht gequälten Blick nickte ich nur. „Viel Spaß!“, rief uns meine Schwester noch nach. Shit, die hatte ich vollkommen ausgeblendet. Kyo schloss vorsichtshalber hinter uns ab und knipste die Lichterkette am Bett an. Dann zauberte er woher auch immer eine Flasche Wasser hervor und reichte sie mir. „Trink das erst Mal…“ Und während ich einen Schluck zu mir nahm, spürte ich schon seine Hände auf meinem Körper. Auch, wenn uns eigentlich keiner sehen konnte, fand ich den Gedanken, es könnte doch so sein, durchaus erregend. Wir genossen es beide, die Erregung in jeder auch noch so kleinen Zelle unserer Körper zu spüren und den anderen dennoch reizen zu wollen. Aus diesem Grund blieb Kyo vorerst brav und er berührte mich zwar, doch ohne mich auszuziehen. Doch als seine Daume meine ohnehin schon empfindlichen Nippel umkreisten, keuchte ich lustvoll auf und merkte das Ziehen in der Lendengegend intensiver als sonst. „Oh fuck…“, entfuhr es mir und Kyo nahm seine Zunge zu Hilfe. Ich krallte meine Finger in seine Oberarme. Dann spürte ich seine Lippen an meinem Hals, wie sie nahezu jeden Zentimeter Haut dort streiften, sich festsaugten und sich wieder lockerte. Trotz der spärlichen Lichtverhältnisse schien Kyo genauestens zu wissen was er tat und ich ließ ihn gewähren. Ich wollte spüren, wie sehr er mich begehrte. „Kazu?“, fragte er und seine Fingerspitzen spielten weiter mit meinen Nippeln. „Mhhhh“, brachte ich etwas mühevoll hervor. „Fühlt es sich durch die Piercings eigentlich intensiver an?“ „Ohh…du hast ja keine Ahnung…“, gab ich zurück. Intensiver war schon fast eine Untertreibung. Meine Brustwarzen sind schon immer eine meiner erogensten Zonen gewesen und die Piercings verstärkten dieses Gefühl nur. Schon durch die kleinste Berührung an meinen Nippeln schoss diese Lust durch meinen Körper, die mich völlig um den Verstand brachte. Je mehr er meine Knospen zwischen seinen Fingern rieb, desto verrückter machte mich das. Meine Erregung wuchs von ganz allein und die lustvolle Welle breitete sich wie ein Feuer in mir aus. Und das, obwohl mein Liebster noch nicht Mal in die Nähe meines Schwanzes gekommen war, fühlte ich mich einem Orgasmus erstaunlich nahe. Schon fast in Zeitlupengeschwindigkeit knöpfte er mein Hemd auf und ließ mich dabei nicht aus den Augen. Seine Hüfte presste sich gegen meine und ich stöhnte auf. Wenn das so weiterging, würde ich kommen, ohne, dass viel passierte war. Was für eine Nacht. Der leichte Stoff rutschte federleicht über meine Schultern zu Boden und endlich wagte ich es auch meine schönen Sänger aus seinen Klamotten zu schälen. Ich löste die zwei Schnallen seiner Weste und streifte sie ihm ab. Dann schlang ich meine Arme um seinen Hals und küsste ihn haltlos. Seine Hände massierten meinen Hintern und presste mich so automatisch noch enger gegen seine eigene Erregung. Eine Welle der Lust ergriff mich so unerwartet, dass ich keuchend den Kopf in den Nacken warf. „Oh Kazu, du bist so schön, wenn du das tust…“, raunte Kyo in den Kuss. Wortlos ließ ich ab von ihm. Ich musste dringend meine Klamotten los werden, wenn ich sie mir nicht einsauen wollte. Wobei das auch egal wäre. Doch ich hatte einen Plan. Mit einem verführerischen Grinsen stellte ich mich vor meinen Liebsten, sodass er mich ganz anschauen konnte. Schon streckte er seine Hände nach mir aus, doch ich schüttelte nur mit dem Kopf. „Nur schauen…nicht anfassen“, gab ich ihm zu verstehen und sah meine Silhouette in der Plexiglasscheibe hinter Kyo. Langsam bewegten sich meine Finger zum Bund meiner Hose und öffnete diese. Dabei versuchte ich mich so wenig wie möglich zu berühren, denn das würde mich vermutlich ins Aus befördern. Ich wackelte ein bisschen mit den Hüften während ich die Hose auszog. Nun blieb nur noch meine schwarze Glitzershorts. Mit einem schon fast gemeinen Grinsen drehte ich mich um, streckte Kyo meinen Hinter ein bisschen entgegen und streifte mir auch noch das letzte Stück Stoff über die Hüften. Achtlos landete sie auf dem Boden und ich kickte sie mit dem Fuß weg. Auch ließ ich es mir nicht nehmen mit der Hand kurz über meine Hintern zu streicheln. Als meine Finger den Plug berührten, stöhnte ich auf. Dann widmete ich mich wieder meinem Liebsten. Mit dem Zeigefinger winkte ich ihn zu mir heran. Seine tiefen dunklen Augen zeigten mir, dass er mehr als bereit für mich war. „Du bist dir schon im Klaren, dass das, was du hier gerade abziehst Pornoreif ist?“, hauchte er mir mehr als erregt zu. Seine Stimme triefte nur so vor Begierde. „Vielleicht war das ja genau das meine Absicht…dir deine eigene kleine Pornoshow zu bieten…“, antwortete ich und zog ihn wieder in einen Kuss. Kyos Hände an meinem Hintern ließen mich Sternchen sehen und als er den Plug herauszog, biss ich mir heftig auf die Unterlippe, nicht ohne lustvoll aufzustöhnen. „Lust auf 69?“, fragte er mich und ich nickte nur. Dann beförderte mich mein schöner Mann auf’s Bett, trennte sich endlich von seiner restlichen Kleidung und legte sich auf mich, sodass wir uns gegenseitig verwöhnen konnten. Es überforderte und erregte mich gleichermaßen, dass ich seine Zunge an meiner Erregung spürte und auch ihn im selben Zug in mir aufnahm. Meine Hand nahm ich zu Hilfe und massierte ihn, ertastete seine Öffnung, während wir uns gegenseitig einen Blowjob verpassten. Ich befeuchtete meine Finger und umkreiste seine Öffnung, was er sichtlich zu genießen schien und mit einem wohligen Stöhnen quittierte. Das Feuer breitete sich langsam in meinem ganzen Körper aus und ich wollte endlich die Erlösung. Während ich meine Finger tiefer in ihn schob, stieß er immer heftiger in meine Mundhöhle und da auch seine Finger nicht untätig blieben, entfuhr uns beiden endlich der erlösende Schrei. Ich schmeckte seine süße Körperflüssigkeit und schluckte sie runter. Den Durst meiner ausgetrockneten Kehle löschte ich mit mehr Prosecco. Grinsend schaute er mir dabei zu. „Du weißt hoffentlich, dass das erst der Anfang war“, sagte er und ein bisschen beleidigt erwiderte ich seinen Blick. „Na das will ich doch hoffen, sonst wäre ich wirklich enttäuscht.“ Ich kippte mir ein bisschen vom Sekt über den Oberkörper, fing die Tropfen mit den Fingern auf und leckte diese ab. „Deine Spielchen heute gefallen mir sehr…davon will ich in Zukunft viel mehr“, gab er mir zu verstehen und kniete sich ebenfalls hin, vor mich und zog mich zu sich heran. „Wer hat dein verruchtes Outfit heute eigentlich abgesegnet?“, fragte ich ihn aus purer Neugier. Seine Lippen verzogen sich wieder zu einem Lächeln. „Keiner, du weißt doch, dass ich es nicht mag, nach der Pfeife von anderen Leuten zu tanzen…ich fand es einfach sexy und dachte, dir gefällt es…außerdem bin ich ein Meister der Verkleidung und liebe es mich in Szene zu setzen…“ „Oh ja, das tust du…und darin bist zu ziemlich talentiert…naja und wenn du mich gelegentlich in den Wahnsinn treibst muss ja wenigstens ich dafür sorgen, dass du nach meiner Pfeife tanzt…“, antwortete ich und stibitzte mir einen Kuss. Kyos Hand strich über meinen Rücken und betatschte schon wieder meinen Hintern. „Aha und woher weißt du, dass ich nach deiner Pfeife tanze?“ „Weil ich dich langsam kenne…weiß, was dir gefällt und du heute genauso reagiert hast, wie ich es mir gewünscht habe…gib es zu, ich hab dich ganz schön in der Hand Kyoschatz…“ Ich trank noch einen Schluck aus der Flasche, die ich noch immer in meiner Hand hielt und reichte sie meinem schönen Sänger. Lachend schüttelte er nur seinen Kopf. „Du bist nicht nur schön, sondern auch verdammt gewitzt…und natürlich hast du Recht…gerade könntest du alles mit mir machen…aber es fühlt sich auch richtig an. Ich würde dir gern etwas schenken Kazuki…“ Seine Miene wirkt auf einmal erschreckend ernst, ja schon fast ein wenig eingeschüchtert oder unsicher. Ich ergriff seine Hand und führte sie an meine Lippen. „Und was ist das, was du mir schenken möchtest?“, fragte ich vorsichtig, um diese emotionale Situation nicht kaputt zu machen. „Mein Herz besitzt du ja schon…meinen Körper irgendwie auch, doch bisher war meine Seele immer der Teil von mir, den ich vor anderen verschlossen hielt. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt…weil sie beschützte mich stets davor verletzt zu werden oder andere zu verletzen. Immer hielt ich sie unter Verschluss. Außer auf der Bühne lasse ich sie frei, sonst wäre es mir unmöglich eine solche Performance abzuliefern…ich denke du weißt, wovon ich spreche. Selbst meine engsten Freunde begegnen mir mit Respekt, wenn es um unsere Shows geht, weil sie wissen, dass es immer eine Gradwanderung sein wird. Aber 2? Du stellst dich mir…immer. Deshalb hat dich auch der kleine Warumono in mir irgendwie akzeptiert…naja, nicht nur das…ich fürchte er mag dich, sehr sogar. Bist du bereit dieses Geschenk anzunehmen?“ Kaum merklich traten mir die Tränen in die Augen und hinterließen fast unsichtbare Spuren auf meinen Wangen. Doch ich lächelte meinen schönen Mann voller Liebe an. Behutsam nahm ich sein Gesicht zwischen meine Hände. „Oh Kyo…ich weiß nicht was ich sagen soll…ich fühle mich geehrt und ich verspreche dir, dass ich den kleinen Warumono, wann immer er in Erscheinung tritt, mit offenen Armen empfangen werde…ich liebe dich…soooo sehr mein Liebling“, antwortete ich und musste ihn einfach küssen. Doch dieser Kuss fühlte sich so anders an. So magisch, so voller Liebe und Hingabe. Erneut rannen mir die Tränen den Wangen herab. „Ich liebe dich auch…noch nie habe ich so für jemanden empfunden, wie für dich…du gibst mir so viel Kraft und zusammen sind wir einfach unschlagbar.“ „Oh ja, das sind wir…du mein wunderschöner Mann…gehörst jetzt für immer mir.“ „Kannst du das mit dem Sekt noch mal machen?“, fragte mein Liebster dann und schon schwang wieder dieser lüsterne Unterton in seiner Stimme. Doch dieses Mal variierte der Klang ein wenig und ich wusste, was das bedeute. Kyo war vollkommen er selbst und er hatte mich nicht, wie die Male davor, um Erlaubnis gefragt, denn die brauchte er von nun an nicht mehr. Also ließ ich wieder ein bisschen von dem Blubberwasser über meinen Oberkörper laufen. Es prickelte ein bisschen und Kyos Lippen fingen die Flüssigkeit ein. Zunächst blieben seine Küsse zaghaft. „Ich will mehr…“, flehte ich ihn an und begab mich gedanklich schon in andere Spähren der Lust. Und so begann es. Er befestigte eine Kette mit Lederschnur an meinen Nippelpiercings, nahm diesen zwischen seine Lippen und zog daran. Ich stöhnte auf. „Das war aber sehr zurückhaltend…ich glaube das kannst du besser…“, vernahm ich Kyos Stimme und er zog fester. Ich schrie auf und dieser lustvolle Schmerz überrannte mich. „Schon besser…so gefällt mir das…“ Er beugte sich ein Stück runter, liebkoste eine meiner Nippel mit der Zunge, während er an der anderen Seite zog. Heilige Scheiße. Ich stöhnte und keuchte unter ihm, weil mein Körper nur so vor Geilheit brannte. Vorbei war es mit den liebevollen Liebkosungen zuvor, nun befanden wir uns in einer ganz anderen Liga und ich sehnte mich nach so viel mehr davon. Seine Zunge wechselte die Seiten und dieses Mal gruben sich seine Zähne in mein heißes Fleisch. „Ahhhh…Kyo…ich dreh…durch…“ Sein leicht diabolisches Lachen drang an mein Ohr. Sehen tat ich nicht mehr viel, da mir diese Lust, das Gehirn dermaßen vernebelte. „Das ist doch auch Sinn der Sache…“, antwortete er und der Klang seiner Stimme hatte sich jetzt völlig verändert. Ich konnte nicht Mal sagen, ob ich diesen Klang schon jemals so in seiner vollen Schönheit wahrgenommen hatte? Das musste ja dann bedeuten, dass er sich sonst noch zurückhielt? Meine Gedanken wurden von einem weiteren Biss abgelenkt und wieder durchfuhr mich dieser lustvolle Schmerz. Er hob mich hoch, verschränkte meine Hände über dem Kopf und ich spürte etwas Kaltes an meinen Handgelenken. Ein Blick nach oben verriet mir, dass dort eine Kette hing, an der er meine Hände befestigte. Anschließend befestigte er noch ein kleines Gewicht an dem Lederband, welches meine Nippelpiercings verband, um dort für die nötige Spannung zu sorgen. So blieb ich dann einen Moment und ich dachte schon, das war‘s, beobachtete jedoch genau jede kleinste Bewegung von Kyo. Er hob irgendetwas auf, verschwand kurz im Bad und kehrte Sekunden später zurück, mit dem Analplug in der Hand. Er träufelte etwas Gleitgel darauf und verrieb es. Ich grinste schon, doch scheinbar hatte ich mich zu früh gefreut, denn augenblicklich verband er mir die Augen. „Ich will dir ja nicht die Überraschung verderben mein Süßer“, säuselte seine Stimme mit diesem Hauch von Bedrohlichkeit an meinem Ohr. Mein Herz begann zu rasen und nicht ganz unsanft schob er mir den Plug wieder rein, bewegte diesen und wieder erfasste mich die Lust. Auch in meinen Schwanz kehrte das Leben zurück und ich spürte sein Zucken. So ging das eine Weile, bis mein Liebster das Spielzeug zu tauschen schien. Irgendetwas Längeres mit kleinen abgerundeten Erhebungen drang in mich ein und ich ahnte da schon etwas. Schloss automatisch die Augen, wobei das vollkommen unnötig war, da diese verbunden waren und machte mich mit dem Spielzeug vertraut. Durch jede Bewegung, die ich tat, wackelte das Gewicht an der Kette und stimulierte meine Nippel. Dann stieß er schneller und heftiger zu, was mich innerhalb kürzester Zeit wieder ziemlich nah ins Jenseits beförderte. Immer öfter traf er meine lustvollsten Punkt und ich schrie auf, weil mich die Selbstbeherrschung beinahe ein zweites Mal an diesem Abend verließ. Doch so weit ließ er es nicht kommen, denn vorher zog er den Dildo raus und füllte mich mit sich selbst aus. Seine Finger streiften meine Knospen, löste die Kette dort und zwirbelte meine Nippel zwischen seinen Fingern, während er mich nahm. Kyos Hände wanderten tiefer, jedoch ohne mich dort zu berühren. Ich wimmerte schon fast, weil ich es kaum mehr ertrug, doch es fiel mir nicht ein, ihn um Erlösung anzubetteln. Er stieß schneller und härter zu, bis er sich schließlich in mir ergoss. Wie ein nasser Sack hing ich in Seilen. Doch noch immer verdammt erregt. Kyo band mich los und schon riss ich mir die Maske von den Augen, drehte ihn um und drang in ihn ein. Sein Lustschrei bescherte mir eine Gänsehaut. Meine Finger krallten sich leicht in die schöne Gottheit auf seinem Rücken und er schien es auch zu genießen, so überrumpelt zu werden. Es dauerte auch nicht lange, da ließ ich los, der Orgasmus kam viel zu schnell und etwas erschöpft brach ich auch meinem schönen Sänger zusammen. Meine Erregung klang ab und rutschte aus ihm heraus. Kyo unter mir regte sich etwas und ich rollte runter, blieb jedoch doch trotzdem regungslos liegen und versuchte Luft zu bekommen sowie meinen Puls wieder unter Kontrolle. „Ist dein Warumono zufrieden mit mir?“, fragte ich schließlich ein bisschen amüsiert. „Mh, die letzte Aktion hat ihn etwas aus der Bahn geworfen, aber das geht in Ordnung…ich liebe dich Kazuki…“ Ich grinste, erhob mich unter einem Ächzen und zog Kyo mit ins Bad. Unter der Dusche beseitigten wir unsere Spuren der Lust. Auf wackeligen Beinen torkelte ich leicht benommen zu meiner Tasche, zog die bequeme Hose heraus und schnappte mir meine Zigaretten. „Ich brauch jetzt dringend noch ne Kippe“, beantwortete ich seine unausgesprochene Frage und er folgte mir nur mit einer Decke umwickelt. Lachend schüttelte ich den Kopf, als ich die Tür aufschloss. „Ich komm mit.“ „Was ist, wenn dich jemand sieht?“ Belustigt zuckte mein schöner Mann mit den Schultern und schob sich eine Zigarette zwischen die Lippen. Ich tat es ihm gleich und zog mit der freien Hand die Decke um uns. „Und wenn schon…mir doch egal…“ „Du bist ein Spinner…“, murmelte ich und fühlte mich auf einmal echt erschöpft. Mein Kopf sank gegen Kyos Brust und er strich mir über den Rücken. Als wir aufgeraucht hatten, putzten wir noch Zähne und kuschelten uns unter die warme, weiche Decke. Ich rückte zu ihm heran, streichelte seinen flachen Bauch und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich glaub, jetzt brauch einen Tag Pause“, wisperte ich im Halbschlaf. Kyo kicherte leise. „Falls ich dich lasse.“ Gekonnt ignorierte ich diese Aussage und fiel in einen wohlverdienten Schlaf.   Ein zaghaftes Klopfen am Morgen ließ uns beide aufschrecken. Doch es schien nur eine der Kellnerinnen vom Vorabend zu sein, die uns Frühstück brachte. Innerlich jubelte ich, da ich schon ein bisschen hunger bekam. In eine der Decken gewickelt öffnete Kyo die Tür und nahm das Tablett entgegen. Da ich noch nicht ganz wach war, ließ ich mich von meinem schönen Mann ein bisschen mit Obst füttern. Doch spätestens beim Kaffee wurde es kompliziert. „Du kannst das ja so machen, wie mit dem Sekt gestern“, witzelte er und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Deshalb setzte ich mich ein wenig auf und trank etwas von der warmen Flüssigkeit, um wacher zu werden. Wir schafften nicht alles und außerdem sehnte ich mich ein bisschen nach unserem zu Hause. Wir packten also unsere Klamotten zusammen, orderten uns ein Taxi und wurden vor unserer Wohnung abgesetzt. Ich ließ die Tasche im Flur einfach fallen und ließ mich auf das weiche Sofa plumpsen. Kyo kochte uns Tee und folgte mir. „Badewanne?“, fragte er mich dann und ich nickte nur. „Badewanne und dann Massage?“ „Als ob ich dir das abschlagen könnte…komm mit.“ „Mh, komme gleich…mein Hintern tut ein bisschen weh“, beschwerte ich mich, doch Kyo zuckte nur mit den Schultern. „Selbst Schuld, wenn du dich auch immer mit diesen verrückten Kerlen einlässt.“ Da sprang ich auf und umarmte ihn von hinten. „Jeder Zeit wieder…du bist jetzt mein Mann…irgendwie abgefahren…“ Mein Liebster zog mich lächelnd in einen Kuss. „Deine kindliche Art manchmal ist irgendwie schön…ich liebe dich mein Süßes…und jetzt komm mit…“ „Ich lieb dich viel mehr“, antwortete ich spaßhaft und Kyo verdrehte nur die Augen. „Übertreib es nicht Schatz.“ Grinsend zog ich mich aus und stieg mit meinem schönen Mann in die Wanne. Oh mein Gott, wie gut das tat. Entspannt lehnte ich mich an Kyo und musste aufpassen, nicht einzuschlafen. Kapitel 29: sowas wie Flitterwochen ----------------------------------- „Kyo.“ Mein wunderschöner Mann schaute mich über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg an. „Was denn?“ „Machen wir eigentlich auch sowas wie Flitterwochen? Ich meine jetzt so über die Weihnachtstage?“ Er schien eine Weile zu überlegen und versank in Gedanken. Dann lächelte er kaum merklich und erst jetzt fiel mir irgendwie auf, dass mein Liebster sehr erschöpft wirkte. Ich griff nach seiner Hand und streichelte sie. Leicht zuckte er zusammen, als hätte ich ihn gerade wirklich aus einem Gedanken gerissen. „Und was genau stellst du dir darunter vor?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Wir könnten irgendwohin fliegen…ans Meer, dahin, wo es warm ist…“ Kyo seufzte tief. „Kazu…ich mag nicht mehr fliegen…das hatte ich die letzten Monate zu Genüge. Lass uns irgendwohin fahren. Was hältst du von einer Ferienwohnung irgendwo am Arsch der Welt? Ich bin es gerade leid unter Menschen zu sein…ich muss irgendwo hin, wo ich meinen Akku wieder aufladen kann.“ Ich lächelte und küsste seinen Handrücken. „Okay. Das klingt traumhaft. Schwebt dir da schon etwas Bestimmtes vor?“ „Wenn man Richtung Mount Minato fährt, gibt es eine sehr kleine Hütte. Hiro erzählte mir davon und die liegt auch fernab jeglicher Zivilisation…dort würde ich gern hin und es würde mich freuen, wenn du mich begleitest.“ „Natürlich. Ist die Hütte denn bewohnt oder muss man sich da anmelden?“ Ein bisschen spitzbübisch grinste mich mein Liebster an. „Hab da schon angerufen und wir könnten ab morgen kommen.“ Überrascht schüttelte ich lachend mit dem Kopf. „Na dann, sollten wir einkaufen fahren oder?“ Ich räumte das Geschirr ab, während Kyo eine Liste mit den Lebensmitteln schrieb, die wir brauchen könnten. Ein Aufenthalt von 10 Tagen war geplant. Ich spickelte ihm über die Schulter. „Mh, du hast Eiscreme vergessen“, fügte ich hinzu. „Bist du nicht schon süß genug?“ Ich kniff ihn in den Hintern, worauf er versuchte mir mit dem Stift einen Punkt auf die Nase zu malen. Kichernd rannte ich weg und flüchtete hinters Sofa. „Na komm jetzt du Spielkind!“, forderte mich mein schöner Sänger auf und ich folgte ihm zum Auto. Da es noch nicht all zu spät war, hielt sich das Gedränge im Kombini in Grenzen. Wir bekamen alles und bepackt mit drei Einkaufstüten voller Essen luden wir alles ins Auto. Fuhren zurück, packten unsere Taschen und legten uns recht früh schlafen.   „Kannst du eigentlich Auto fahren Kazu?“ Ich schaute gerade aus dem Fenster, wie die Großstadt an uns vorbeizog. „Ähm was?“ „Kannst du Auto fahren, hab ich gefragt“, wiederholte Kyo seine Frage mit einem amüsierten Lachen in der Stimme. „Nope…hatte nie das Geld dazu…naja und hab es auch nie gebraucht.“ „Wenn wir draußen in der Natur sind, könnte ich es dir zeigen…nur, wenn du magst.“ Ich zuckte mit den Schultern und legte meine Hand auf seinen Oberschenkel. „Vielleicht.“ Kyo nahm eine Hand vom Lenkrad und umschloss meine Hand, die auf seinem Bein ruhte. „Oh, spielen wir wer bin ich?“, fragte ich nach einer Weile voller Enthusiasmus. Mein schöner Sänger seufzte, nickte jedoch. „Wer fängt an?“ „Ich…“, antwortete ich schnell. „Na schön…bist du ein Mann?“ „Ja.“ „Bist du real?“ „Ähm…nein.“ Jetzt fiel mir auf, dass das Spiel zu zweit leicht verändert werden musste. „Frag trotzdem weiter“, bat ich ihn. „Hast du lange Haare?“ „Ja.“ „Hast du einen älteren Bruder?“ „Mhh, ja.“ „Bist du Inuyasha?“ Ich zog eine Schmollschnute und nickte etwas beleidigt, weil Kyo so schnell auf die Lösung gekommen war. „Ja…du bist dran.“ „Komm schon, du hast mehr als einmal erwähnt, dass du die Serie liebst, da lag das ja wohl auf der Hand.“ „Trotzdem…jetzt mach.“ Er streckte mir die Zunge raus. Dann überlegte er kurz und grinste mich an. „Okay, hab was…fang an.“ „Mh, bist du ein Mensch?“ „Jepp.“ „Lebst du noch?“ „Ja.“ „Also bist du real?“ Kyo nickte. „Kenn ich dich?“ „Davon gehe ich aus.“ Mh, das war an sich nicht so kompliziert. Dachte ich zumindest. „Spielst du ein Instrument?“ „Jepp.“ „Schlagzeug?“ „Leider falsch.“ „Mh, dann Bass?“ „Wieder falsch.“ „Gitarre?“ „Ja.“ Okay, jetzt hatte ich eine Idee. „Bist du öfter Mal sehr perfektionistisch und lässt dich von deiner Band leicht auf Palme bringen?“ „Wäre möglich.“ „Eyy, das ist keine Antwort…ich fasse das jetzt Mal als ja auf…also bist du Kaoru?“ Wir mussten beide lachen und alberten noch herum. „Ja…okay, das war auch einfach…oh, ich glaube, wir sind bald da…Kazuki, darf ich dich was fragen?“ „Alles, was du willst.“ „Was würdest du tun, wenn dir dieser Key, dein Ex noch mal über den Weg laufen würde?“ Ich schluckte, weil ich mit einer derartigen Frage nicht gerechnet hatte. Kyo drückte meine Hand und ich versuchte zu lächeln. „Naja…ich hoffe, dass das nicht passiert und wenn doch…ich weiß es nicht…er ist ein böser Mensch Kyo. Nicht so wie Juka. Mit ihm kann ich nicht reden.“ „Tut mir leid…da vorne ist unsere Hütte.“ Wir fuhren vor. Am Eingang wartete eine jüngere Frau auf uns, die uns den Schlüssel aushändigte und uns kurz eine Einweisung gab. Das Häuschen verfügte sogar über eine Sauna und einem Pool. Das hatte ich nicht gewusst und freute mich jetzt umso mehr. Sie ließ uns noch ihre Nummer da und wünschte uns dann viel Spaß. Wir räumten unseren Einkauf ein und brachten die Taschen ins Schlafzimmer.   Nachdem alles soweit verstaut war, beschlossen wir die Gegend ein wenig zu erkunden. Also packten wir uns dick ein und zogen los. Eine Weile gingen wir schweigend nebeneinander her. Der gefrorene Boden knirschte unter meinen Füßen und mein Atem hinterließ weiße Wölkchen. Eine weiße Schneeschicht bedeckte den Waldboden und das Rauschen des Windes schien das einzige Geräusch zu sein. Es tat wirklich gut hier zu sein. Nicht im Trubel und dauernd von Menschen umgeben. Ich blieb einen Moment stehen, atmete die frische Luft ein, die kalt durch meine Lungen pfiff und genoss diesen Augenblick. Dann spürte ich Kyos kühle Lippen auf meinen. Er lächelte. Seine Wangen überzog eine gesunde, sanfte Röte und in seinem Blick spiegelte sich vollkommene Zufriedenheit. Ich strich ihm über die Wange und spürte dort minimale Unebenheiten, die mit bloßem Augen kaum auszumachen waren. „Ich liebe dich“, flüsterte ich, da wir so nahe beieinander standen, dass lautes Reden überflüssig war. Kleine Grübchen bildeten sich an seinen Mundwinkeln, als er lächelte. „Ich liebe dich auch mein Herz.“ Wieder küssten wir uns, verflochten unsere Hände miteinander und liefen noch ein Stück, bis wir zu einer Lichtung gelangten. Dort drehten wir um, da so langsam die Dämmerung hereinbrach. Vor dem Essen schaltete Kyo die Sauna an, damit sie später bereit für uns war. Noch immer redeten wir nicht sonderlich viel. Warfen uns stattdessen verliebte Blicke zu und genossen die Ruhe und die Zweisamkeit. Draußen war jetzt die Nacht hereingebrochen und trotzdem blieb der sonst so normale Großstadtlärm aus. Keine Autos. Kein Hupen oder die Sirenen der Krankenwägen. Einfach nichts. Nur die Natur. Der Wind und wir. In meinen Bademantel gehüllt und mit den Füßen in dicken Wollsocken steckend ging ich hinaus auf den Balkon, um die Sterne zu betrachten. Kyo trat neben mich. „Wow…echt schön“, sagte er. Ich nickte nur. „Von unseren Schlafmatratzen haben wir auch einen solchen Ausblick durch das Dachfenster.“ „Ich weiß…vielleicht sollten wir diesen Ausblick von dort genießen“, schlug Kyo vor und griff nach meiner Hand. Im Bett kuschelte ich mich an meinen schönen Mann und er streichelte mich sanft. Hin und wieder reizte er mich ein wenig, doch dabei blieb es. Nicht, dass mir die Lust fehlte, doch war das gerade viel intimer. Wir streichelten uns, tauschten zarte Küsse aus und lächelten. Diese Wärme, die meinen Körper durchströmte war eine ganz andere, als sonst. So vertraut und voller Glück. So, als wäre ich endlich da angekommen, wo ich sein wollte. Ich legte meinen Kopf in die Hand und stützte den Arm auf dem Kissen ab. „Na, was geht gerade in deinem hübschen Kopf vor?“, fragte mein Liebster. „Ich habe mich gerade gefragt, ob das mit uns alles irgendwie sowas wie Schicksal war…ich meine, ich bin mir nicht sicher, ob ich an sowas glauben soll…und doch fühlt es sich an, als würde dem ein Zauber inne wohnen.“ Kyos Hand berührte meine Wange. „Möglich ist alles Kazu-chan…ich meine, schau dir dieses Universum da oben doch an. Woher wissen wir, was dort alles ist? Niemand kann das je alles erforschen und ich glaube zwar nicht an Gott, doch ich glaube fest daran, dass die Dinge so passieren, wie sie passieren sollten. Da zähle ich auch unsere Begegnung dazu…vielleicht war es Schicksal, nenn es wie du willst…doch eines weiß ich sicher, es war verdammt richtig.“ „Oh ja, das stimmt. Mein wunderschöner Mann…ich freue mich auf so viele traumhafte Jahre mit dir…“ Kyo lachte und zog mich in einen Kuss. „Traumhaft, chaotisch, turbulent…aber wir schaffen alles mein Süßes…“ Glücklich und etwas schläfrig sank mein Kopf wieder an Kyos Brust, bis mir die Augen zufielen. Mir ging es nie besser und ich war so dankbar für diesen wunderbaren Menschen an meiner Seite, dass ich es mit Worten kaum hätte beschreiben können. Wie gehörten zusammen und wir machten uns gegenseitig glücklich, das war die Hauptsache. Kapitel 30: Happy End --------------------- Wieder Mal hockte Zero zu Hause, weil seine bessere Hälfte beschlossen hatte sich in die Arbeit zu stürzen. Deshalb mussten die Zombies jetzt herhalten und wurden Opfer seines Frustes. Verdammt, er hatte zu wenig Munition und das ausgerechnet in der Kanalisation. Richtig dumm. Naja, jetzt konnte er ohnehin nichts mehr ändern. Die Zombies versperrten den Weg. Er feuerte, was das Zeug hielt, doch jedes Mal verfehlte er diese schwankenden Halbtoten. Konnte diese zerfetzte Leiche nicht einfach still halten? Leicht zuckte er zusammen, als auch hinter ihm einer dieser Biester auftauchte und ihn anfiel. Verflucht, er kam nicht weg. Seine Healthleiste blinkte rot und tot.  Ernsthaft? „Verfluchte scheiße! Daran bist nur du Schuld Kaoru!“, fluchte Zero und feuerte den Kontroller weg. Er blies die Backen auf und seufzte tief. Holte sich ein neues Bier und zündete sich eine Zigarette an. Wenn er an gestern dachte, wurde im ganz schlecht. Wieder einmal hatten sie sich gezofft. Zero betrank sich darauf und Kaoru verließ beleidigt seine Wohnung. Immer dasselbe. Manchmal stellte er sich die Frage, weshalb er diese Beziehung überhaupt noch führte. Immer hatte er geglaubt, dass Kyo der schwierigste der Jungs wäre, doch Kazuki schien ihn irgendwie bekehrt zu haben. Manchmal wünschte er sich eine solche Wendung auch für sich Kaoru. Er leerte sein Bier fast in einem Zug und perfekt, wieder Mal hatte er sein Pensum erreicht. Und auch, wenn er das lieber bleiben lassen sollte, zog er sich an, stopfte seine Schlüssel in die Jackentasche und wagte sich hinaus in die kalte Nacht. Nein, so konnte das nicht weitergehen. Im Stechschritt, um nicht zu erfrieren, eilte er voran und da um diese Uhrzeit kaum noch etwas fuhr, musste er die knappe halbe Stunde wohl zu Fuß auf sich nehmen. Warum hatte er eigentlich keinen Schal oder eine Mütze mitgenommen? Empört über sich selbst schüttelte er den Kopf. „Denken wäre manchmal angebracht!“, schalt er seine Wenigkeit und schaute sofort um sich, ob ihn jemand beobachtet hatte. Doch auch die Menschen mieden bei diesem Wetter die kalte Nacht.   Zero klingelte und hüpfte dabei von einem Fuß auf den anderen. Der Blick von Kaorus Arbeitszimmer fiel genau auf die Straße und dort brannte definitiv noch Licht. Also musste er noch wach sein. Der Bassist betätigte den Klingelknopf ein weiteres Mal. Das Gesicht des Diru Leaders erschien kurz am Fenster und wenige Minuten später wurde er herein gelassen. Noch immer wütend schnaubend stapfte er die Treppen hoch. „Verdammt Zero, geht das auch etwas leiser?“, fuhr ihn Kaoru sogleich nicht gerade liebevoll an. Ohne seinen Freund zu begrüßen drängelte sich der Angesprochene in dessen Wohnung. „Nein geht es nicht!“, fauchte er zurück. Kaoru seufzte und schloss die Tür. „Bist du wieder hier, um zu streiten?“, fragte er nicht weniger gereizt. „Ja, vielleicht.“ „Hast du wieder getrunken?“ „Und wenn schon, kann dir doch egal sein…du verkriechst dich ja lieber in deinem Berg von Arbeit, als Zeit mit mir zu verbringen.“ „Mensch Zero…geht das schon wieder los?“ „Ich wüsste nicht, dass wir uns geeinigt hätten Kao…“ Erschöpft ließ sich der Leader auf den Küchenstuhl sinken. „Gerade wollte ich ins Bett…kommst du mit?“ „Hab keine Lust zu schlafen…“ Kaoru verdrehte die Augen und zündete sich eine Zigarette an. Zero tat es ihm gleich. „Was willst du dann hier?“ „Dich sehen verflucht! Ist das jetzt etwa auch zu viel verlangt?“ „Nein, aber du weißt, dass ich gerade wieder viel zu tun habe. Die Tour planen und so weiter.“ Zero lachte höhnisch auf und nahm einen tiefen Zug. „Das alles wäre viel einfacher, wenn wir zusammen wohnen würden.“ Die Worte verließen seinen Mund zu schnell, ohne dass ihm Zeit blieb, darüber nach zu denken. „Du kennst doch meine Meinung dazu…“, flüsterte Kaoru. „Ja und du meine…ich habe beschlossen, entweder ganz oder gar nicht Kao. Ich kann das nicht mehr, weil es sich nicht richtig anfühlt. Wir sind seit über zehn Jahren zusammen und manchmal fühle ich mich so…wie soll ich sagen…verleugnet. Als würdest du mich hin und wieder absichtlich auf Abstand halten…nur dann mit mir zusammen sein wollen, wenn du Bock drauf hast.“ „Und wenn es so wäre? Nie störte dich das, warum ausgerechnet jetzt?“ „Vielleicht, weil mir gerade jetzt immer mehr bewusst wird, dass es auch anders geht. Ich meine Kyo und Kazuki…Toshiya und Daisuke…bei allen funktioniert es. Und ich bin dieses hin und her pendeln leid.“ Der Leader antwortete nicht, sondern schaute nur auf seinen gefliesten Küchenboden. Zero merkte, dass es sinnlos war mit ihm zu diskutieren und wand sich zum Gehen. Ein letztes Mal schaute er zu Kaoru und biss sich heftig auf die Unterlippe, denn diese Worte verlangten ihm alles ab. „Na schön…dann war’s das Kao…ich kann nicht mehr und entweder du akzeptierst mich ganz oder gar nicht. Ein Spielzeug findest du auch woanders.“ Noch immer keine Reaktion. Zero verschwand in der dunklen Nacht. Massakrierte auf seinem Weg noch eine Bank, die seinen Weg kreuzte und nun wirklich nichts für seinen Frust konnte. Er konnte jetzt definitiv nicht nach Hause, auch wenn es mitten in der Nacht war. Sein Weg führte ihn, wie immer in solchen Situationen, zu seinem besten Freund. Doch bevor er diesen per Sturmklingeln aus dem Schönheitsschlaf riss, zog er es doch vor ihn vorher anzurufen. Es klingelte und wenig später erklang die schlaftrunkene Stimme seines Drummers am anderen Ende der Leitung. „Zero?...Wasn‘ los?“ „Ähm…ich steh vor deiner Tür…machst du auf?“ „Hab ich eine Wahl?“ „Vermutlich nicht…“ „Mhh…“, brummte Tzukasa und ließ den Freund herein. Mit verwuschelten Haaren und nur in Schlafshorts erwartete er Zero. Der ungebetene Gast bediente sich auch sogleich am Alkoholvorrat des Freundes und nahm platz auf dem Sessel. Fragend wurde er von seinem Gastgeber gemustert. „Erzählst du mir heute noch, weshalb du mich mitten in der Nacht meines wohlverdienten Schlafes beraubst?“ Zero konnte nicht anders und musste ein bisschen grinsen. „Dafür drückst du dich aber heute besonders gewählt aus…ach ich hab Kaoru in den Wind geschossen…wollte mit ihm reden…doch er hat nichts zu all dem gesagt…einfach nichts…“, mit jedem Wort wurde Zero leiser und seine Stimme brach. Erst jetzt wurde ihm klar, was er getan hatte, doch hielt er die Tränen mit aller Gewalt zurück. „Zero…“, flüsterte sein Freund und setzte sich auf die Lehne des Sessels. „Ich kann einfach nicht mehr Tsu…dauernd tut er so, als spiele ich nur die zweite Geige in seinem Leben…“ „Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber vielleicht tust du das? Ich meine, Dir en Grey ist sein Leben…das sieht man auch doch auch bei den anderen…“ Wütend funkelte der Bassist seinen Drummer an und trank einen Schluck, nicht ohne das Gesicht zu verziehen. „Ach ja? Und was ist immer dann, wenn ihn seine Band Mal wieder in den Wahnsinn treibt? Wer hat ihn dann aufgefangen? Ich! Immer ich! Ist es zu viel verlangt, wenn ich deshalb ein bisschen mehr Teil seiner Welt sein möchte?“ Plötzlich trat eine junge Frau aus dem Schlafzimmer, rieb sich die Augen und schaute etwas verdutzt zu den beiden Männern. „Was ist denn hier los?“, fragte sie verwundert. „Tut mir leid Naomi…ich hab deinen Mann aus dem Bett geklingelt…bin auch gleich wieder weg…“, entschuldigte sich Zero. Doch sie schenkte ihm ein aufrichtiges Lächeln. „Meinetwegen kannst du auch hier schlafen. Wo das Gästezimmer ist, weißt du ja.“ „Danke, du bist die Beste.“ Naomi gab ihrem Mann noch einen Kuss und verschwand wieder im Schlafzimmer. „Kann Kao nicht auch so liebevoll sein?“ „Ach Zero…vielleicht merkt er aber auch jetzt, dass du es ernst meinst…“ „Oder ihm isses egal“, schmollte der Angesprochene. „Das glaub ich nicht, sonst hätte er nicht so lange mit dir ausgehalten.“ Zero schaute seinen Freund an und zog die Augenbrauen hoch. „Was heißt das denn jetzt schon wieder?“ Tsukasa lachte. „Wenn er es zwölf Jahre mit dir ausgehalten hat, wird er das nicht so einfach auf sich sitzen lassen…ich glaub er liebt dich…und jetzt pennst du entweder hier oder verpisst dich. Ich bin müde.“ Diese Aussage wurde durch ein herzhaftes Gähnen von Tsukasa untermalt. Er umarmte seinen von Liebeskummer gepeinigten Freund und verschwand im Schlafzimmer. Zero beschloss tatsächlich hier zu schlafen, weil er sich nicht mehr in der Lage fühlte irgendwohin zu laufen.   An Arbeit war nun auch nicht mehr zu denken. War das gerade wirklich passiert? Hatte Zero jetzt ernsthaft mit ihm Schluss gemacht? Sein Zero, den er über alles liebte? Zero, der immer sein Licht am Ende des Tunnels war? Kaoru erwachte aus seiner Schockstarre und ohne zu überlegen, sprang er auf und rannte seinem Freund nach. Zu spät fiel ihm auf, dass er keine Schuhe trug. Auch egal. Auch die dünne Hose und das T-Shirt waren für diese Jahreszeit nicht die angemessenste Kleidung, wie er schnell merkte. Die Steine piekten in seine Socken, doch er rannte weiter. Doch von Zero keine Spur. Kaoru rannte und rief nach ihm, doch die erhoffte Antwort blieb aus. Die Kälte kroch ihm in seine Glieder und er schlang die Arme um seinen Körper, um das Zittern zu unterdrücken. Super, jetzt stand er hier wie der letzte Trottel. Wie ein begossener Pudel trat er den Rückweg zu seiner Wohnung an, doch als er wie selbstverständlich nach dem Schlüssel in seiner Hosentasche griff, blieb sein Herz fast stehen. Denn der Schlüssel befand sich leider nicht an besagter Stelle. „Verdammt!“, fluchte der Diru Leader. Natürlich befand sich sein Handy ebenfalls auf seinem Tisch im Arbeitszimmer, aus welchem ihm das Licht entgegen schien. Toll, jetzt hockte er vor verschlossener Tür, ohne Telefon und kam sich unsagbar dämlich vor. Er seufzte tief und klingelte schlussendlich bei seiner Nachbarin, auch, wenn ihm das mehr als peinlich war. Wenn er Glück hatte, war die Tür oben zu seiner Wohnung noch nicht zu gefallen. Verdutzt fragte die junge Frau, was Kaoru denn mitten in der Nacht, noch dazu ohne Schuhe draußen verloren hatte. Kurz und knapp erzählte er ihr die Geschichte und sie schmunzelte ein wenig. „Danke und Gute Nacht“, beendete er das Gespräch und dem Herrn sei Dank, die Tür stand tatsächlich sperrangelweit offen. Erschöpft und völlig durch gefroren entledigte sich Kaoru seiner Kleidung und fiel wie ein Stein ins Bett.   Am nächsten Tag erwachte Kaoru mit fürchterlichem Kopfweh, dabei hatte er doch am Abend zuvor nichts getrunken? Aber als er sich wieder ins Gedächtnis rief, was passiert war, ahnte er, woher diese Schmerzen kamen. Zero. Betrübt ließ er sich zurück in seine Kissen sinken und wollte sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen. Doch die Arbeit tat sich leider nicht von allein, deshalb quälte er sich aus seinem Bett und schlurfte wie ein Zombie Richtung Kaffeemaschine. Allerdings schien sich das Universum heute gegen ihn verschworen zu haben, denn auch nach dem Kaffee fühlte sich Kaoru keineswegs besser. Müde, enttäuscht und völlig ausgelaugt haute er mit der Faust auf den Tisch, kippte den letzten Schluck runter und zog sich an. Dieses Mal ging er sicher, dass er erstens Schuhe und zweitens den Schlüssel eingesteckt hatte. Trotz der Sonne fröstelte es ihn, aber er war auf einer Mission und die durfte er nicht vergeigen. Zu dieser Uhrzeit tummelten sich noch nicht all zu viele Leute in der Stadt, was ihn ein wenig aufatmen ließ. Nach dem dritten Mal klingeln noch immer nichts. Scheinbar war Zero nicht zu Hause. Dann hieß es wohl warten. Der Gitarrist verspürte den Drang nach einer Zigarette, doch dieser Wunsch würde ihm wohl oder übel noch ein bisschen verwehrt bleiben. Bevor er die Zeit sinnlos tot schlug, holte er sich noch eines dieser dampfenden Heißgetränke im Kaffee gegenüber. Die Bedienung musterte ihn ein bisschen schüchtern, doch Kaoru schenkte solchen Reaktionen recht wenig Beachtung. Zumindest heute. In seinem Geldbeutel kramte er nach dem nötigen Kleingeld und kindisch kichernd nahm das Mädchen die Yen entgegen. Da klopfte ihm auf einmal jemand freundschaftlich auf die Schulter und der Gitarrist drehte sich leicht genervt um und schaute in das grinsende Gesicht von Miyavi. Seine jüngste Tochter thronte auf seinen Schultern und winkte ihm zu. „Kao-chan. Schön dich zu sehen, wie geht es dir?“ „Kann nicht klagen. Bald geht es wieder auf Tour. Und selbst?“ „Auch. Meine Frau und die Mädels halten mich auf Trapp und wollen unbedingt zur anstehenden Tour mitkommen. Darauf freue ich mich.“ „Entschuldige, ich will nicht unhöflich sein, nur hab ich noch was zu tun. Bestell deiner Familie liebe Grüße von mir“, wimmelte Kaoru den anderen Musiker ab, denn in dem Moment erspähte er Zero auf der anderen Straßenseite, der gerade in seine Wohnung ging. Er winkte Miyavi ein letztes Mal und eilte auf die andere Straßenseite. Gerade bekam so schaffte er es noch die Tür mit seinem Fuß zu stoppen, bevor diese ganz zuschlug. Als hinge sein Leben davon ab, sprintete er zum Fahrstuhl, in welchem Zero gerade verschwand und drängte sich auch hier in allerletzter Sekunde in die Tür. Perplex schaute ihn sein Freund an, trat etwas näher zu ihm heran und musterte ihn von oben bis unten. „Falls du dich gerade fragst, nein ich bin keine Halluzination, sondern stehe in Persona vor dir. Wenn du mir nicht glaubst“, hielt der Gitarrist inne, nahm Zeros Hand und zog ihn zu sich heran, sodass sich ihre Lippen beinahe berührten. Auch nach so vielen Jahren schlug sein Herz noch immer automatisch schneller, wenn er den anderen Mann in seinen Armen hielt. Das weiche Haselnussbraun seiner Augen wurde ein wenig durch die Ansammlung von Tränen getrübt. Doch Kaoru wischte sie weg und lächelte. „Lass uns zu dir gehen, ich hab was für dich.“ Zero, der noch immer kein Wort heraus bekam, folgte seinem Freund ganz selbstverständlich. „Sorry, ist nicht aufgeräumt“, nuschelte er und lehnte sich gegen das Sofa. Kaoru schaute ihn wieder mit diesem liebevollen Blick an. „Zuerst…was ich gestern gesagt oder viel mehr nicht gesagt habe tut mir leid. Ich war einfach völlig überarbeitet und du hast mich echt überrumpelt.“ „Uhh, du hast gearbeitet, was ganz Neues“, murrte der Bassist, der so allmählich sein Selbstbewusstsein wieder erlangte. „Halt die Klappe Zero…ja ich habe gearbeitet, weil sich die Tour nicht von alleine plant und ich nicht alles an den Feiertagen machen muss, denn da hatte ich mir vorgenommen, Zeit mit dir zu verbringen…“ Ein zaghaftes Lächeln schlich sich auf Zeros Gesicht. „Wirklich?“ „Ja wirklich…ich mag manchmal unerträglich sein, was das Thema angeht…das halten mir meine Jungs schon seit Jahren vor, aber einst sagte mir Mal jemand, dass es mir nicht schadet, wenn ich hin und wieder ein bisschen Chaos in meinem Leben zulasse…“ Jetzt musste Zero lachen und schlang seine Arme um den Geliebten. „Welcher Schlauberger war das denn?“ „Kyo…damals, kurz bevor wir zusammen gekommen sind und damit hat er Recht Zero. Denn irgendwie mag ich mein Chaos.“ „Willst du mir jetzt sagen, dass ich dein Chaos bin?“ Kaoru nickte. „Ja, das bist du und ich möchte nicht, dass du gehst.“ Er löste sich von Zero, ging kurz in den Flur, holte dort etwas und kam zurück. In seiner Hand hielt er ein kleines glänzendes etwas. „Zero…ich weiß, du besitzt meinen Ersatzschlüssel schon, aber was würdest du sagen, wenn es nicht nur mehr dein Ersatzschlüssel wäre?“ Zeros Herz schlug augenblicklich schneller und mit aufgerissenen Augen starrte er den Schlüssel in Kaorus Händen an. „Du meinst?...“ „Ja ich meine…nach gestern hab ich viel nach gedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich meine Wohnung sehr mag…immerhin hätte ich sie sonst nicht gekauft, aber ich denke sie bietet genügend Platz für zwei.“ Der Bassist fiel seinem Liebsten um den Hals und endlich küssten sie sich. „Oh Kao…du machst mich gerade zum glücklichsten Mann der Welt. Ich fang gleich mit packen an…“ Kaoru lachte. „Kein Stress…uns bleibt alle Zeit der Welt.“   Dieses Jahr Silvester feierten Die, Kaoru, Shinya und Toshiya ohne ihren geliebten Sänger, doch sie hatten sich um Mitternacht via Skype verabredet. Die und Toshi kuschelten sich noch ein bisschen näher zu Shinya, Sota, Zero und ihrem Leader, um alle auf den Bildschirm von Kaorus Laptop zu passen. Auch Kyo und Kazuki chillten sehr entspannt auf dem Sofa in ihrer Flitterwochensuite irgendwo im Wald. Sie winkten ihren Freunden zu. Zusammen leiteten alle gemeinsam den Countdown ein und prosteten sich Punkt Null Uhr gegenseitig zu. Küsse, Umarmungen und liebevolle Worte wurden ausgetauscht. Die Freunde beglückwünschten sich außerdem dazu, was sie in dem letzten Jahr alles geleistet und geschafft hatten. Es wurde kein sonderlich langer Abend, doch es wurde ein Abend voller Liebe und keiner der Freunde wollte den jeweils anderen missen. Sie würden ihre kleine Familie immer irgendwie zusammenhalten, komme was wolle.   Bevor Daisuke ins Bett ging, wollte er noch eine rauchen und er bat seinen Toshiya, ihn auf die Dachterrasse zu begleiten. Dieser schmiegte sich leicht beschwipst an seine blonde Schönheit. Die drehte sich um und schaute seinem Liebsten tief in die Augen. „Tosh…du weißt, dass ich dich liebe oder?“ „Ähm…ja, warum fragst du mich das so komisch?“ Der Blonde seufzte ein bisschen verlegen. Dann zog er eine kleine Schmuckschatulle hervor. Toshiya fielen beinahe die Augen heraus. „Bevor du dich zu früh freust…es ist kein Verlobungsring in dem Sinne, denn du weißt, wie ich zum Thema heiraten stehe und daran wird sich auch nie etwas ändern, dennoch möchte, dass du weißt, dass du für immer zu mir gehörst…“ Er wies den Geliebten an, das Kästchen zu öffnen. Darin fand er einen doch recht ungewöhnlichen Ring. Ein Herz mit einer Krone, welches von zwei Händen gehalten wurde. Das Muster rund herum sah sehr keltisch aus. Die steckte Toshiya den Ring an die rechte Hand mit der Spitze des Herzens zum Träger zeigend. „So trägst du ihn richtig. Das bedeutet, dass zwischen dir und jemand anderem, in dem Fall mir, eine Liebesverbindung besteht. Warte, da ist ein kleiner Zettel dabei, denn ganz bekomme ich es auch nicht mehr zusammen: Claddagh ist ein kleines Fischerdorf im Westen Irlands (heute eine Vorstadt von Galway), und dort lebte etwa von 1660 bis 1737 Richard Joyce. Knapp vor seiner geplanten Hochzeit wurde er als Fischer oder Handelsreisender (hierbei legt sich die Legende nicht fest) von algerischen Piraten entführt und an einen maurischen Goldschmied als Sklave verkauft. Er erlernte schnell das Handwerk seines Herrn und führte es zur Perfektion. Sein Meisterstück dabei war ein Ring, den er in Sehnsucht nach seiner fernen Verlobten schuf und der später als Claddagh-Ring bezeichnet werden sollte. Das als Ring verarbeitete Symbol zeigt zwei Hände, die ein Herz halten, und darüber schwebt eine Krone. Richard hatte Glück, dass William III. im Jahr 1689 kurz nach seiner Thronbesteigung eine Vereinbarung mit den Mauren schließen konnte, welche allen dort gefangen gehaltenen Briten die Rückkehr ermöglichte. Obwohl sein früherer Herr ihm seine Tochter samt Geschäftsbeteiligung für sein Bleiben anbot, kehrte Richard in seine Heimat Claddagh zurück und fand dort tatsächlich seine Braut unverheiratet und wartend vor. Auch wenn – wie bei allen Legenden – erhebliche Zweifel an deren Richtigkeit bestehen, sprechen mehrere Fakten dafür: Die ältesten vorhandenen Claddagh-Ringe tragen die Signierung R.I., und ein Juwelier namens Richard Ioyes (gälisch für Joyce) gilt als nachgewiesen. Die Signatur zeigt überdies noch einen Anker, das Symbol für Hoffnung.“, las Die seinem Liebsten vor, dessen Augen mit jedem Wort, was er erzählte, mehr zu leuchten begannen. Toshiya umarmte seinen Liebling und vor Freude war er gar nicht so richtig imstande die Worte zu finden, die das beschrieben, was er gerade fühlte. Er küsste Die einfach, denn so konnte er ihm auf jeden Fall zeigen, was er empfand. Nach einer Weile bekam er seine Gedanken ein wenig geordnet. „Sag mal…hast du auch so einen Ring?“ Der Blonde lächelte ganz stolz und verliebt, dabei hielt er seinem Schatz die Hand vor Augen. Und auch auf Daisukes rechtem Ringfinger steckte derselbe Ring, welchen er seinem Toshiya eben geschenkt hatte. „Klar.“ „Jetzt stellt sich mir nur eine Frage…hast du den damals bei unserer Tour durch Irland gekauft oder hast du ihn jetzt erst bestellt?“ Dem Gitarristen stieg eine leichte Röte ins Gesicht und er kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Naja…ich hab sie damals in Irland gekauft. Nur irgendwie hab ich mir nie getraut ihn dir zu geben…“ Toshi fielen vor Erstaunen fast die Augen raus. „Dann hast du Ringe jetzt seit fast zehn Jahren? Und dir ist in den Sinn gekommen, dass ich mich darüber freuen könnte?“ Die schluckte und verdeckte sein Gesicht mit den langen Haaren. „Tut mir leid“, nuschelte er in seinen nicht vorhandenen Bart. Doch das ausgelassene Lachen seines Liebsten ließ ihn wieder aufsehen. „Ach Dai Dai…manchmal bist du echt zu süß…dafür liebe ich dich mein Schöner“, säuselte der Bassist und zog seinen Schatz in einen langen, liebevollen Kuss. „Happy New Year mein Liebling“, hauchte er Toshi zwischen den Küssen noch zu. „Happy New Year…“   ENDE Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)